Saint Thomas
Saint Thomas ist die zweitgrößte und bevölkerungsreichste Insel der Amerikanischen Jungferninseln sowie deren Verwaltungszentrum mit der Hauptstadt Charlotte Amalie, die einen der schönsten natürlichen Tiefwasserhäfen der Karibik besitzt. Auf der Insel finden sich dänische Kolonialarchitektur, die zweitälteste Synagoge der westlichen Hemisphäre und eine bergige, vulkanische Landschaft mit dem 474 m hohen Crown Mountain.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | Saint Thomas |
| alternative Bezeichnungen | Santa Ana (1493), SDt. Thomas, Thomas’ Eiland (18. Jahrhundert), Sint-Thomas (niederländisch), Santo Tomás (spanisch), Saint-Thomas (französisch), Sankt Thomas (dänisch) |
| Kategorie | Meereinsel |
| Inseltyp | echte Insel |
| Inselart | vulkanische Insel |
| Gewässer | Karibisches Meer (Caribbean Sea) |
| Inselgruppe | Jungferninseln (Virgin Islands) |
| politische Zugehörigkeit | Staat: Vereinigte Staaten von Amerika (United States of America) Territorium: Amerikanische Jungferninseln (Virgin Islands of the United States) |
| Gliederung | 7 subdistricts (Subdistrikte) |
| Status | Inselbezirk (island district) |
| Koordinaten | 18°20‘ N, 64°55‘ W |
| Entfernung zur nächsten Insel | 110 m (Hassel Island), 3,4 km (Saint John) |
| Entfernung zum Festland | 873 m (Cumaná / Venezuela) |
| Fläche | 69,7 km² / 26,9 mi² (mit Nebeninseln 80,9 km² / 3,24 mi²) |
| geschütztes Gebiet | 1,29 km² / 0,5 mi² (1,9 %) |
| maximale Länge | 20,7 km (W-O) |
| maximale Breite | 6,0 (N-S) |
| Küstenlänge | 55 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Karibisches Meer) |
| höchste Stelle | 474 m (Crown Mountain) |
| relative Höhe | 474 m |
| mittlere Höhe | 15 m |
| maximaler Tidenhub | 0,2 bis 0,3 m (Charlotte Amalie 0,21) |
| Zeitzone | EST (Eastern Standard Time / Östliche Standardzeit, UTC-4) |
| Realzeit | UTC minus 4 Stunden 19 bis 20 Minuten |
| Einwohnerzahl | 42.461 (2020) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 609,20, bezogen auf das Verwaltungsgebiet 524,86 |
| Inselzentrum | Charlotte Amalie |
Name
Saint Thomas, in deutscher Entsprechung Sankt Thomas, trägt ihren heutigen Namen seit dem 17. Jahrhundert. Christoph Kolumbus sichtete die Insel im November 1493 auf seiner zweiten Reise und nannte die gesamte Inselgruppe Santa Úrsula y las Once Mil Vírgenes nach der Legende der heiligen Ursula und ihrer elftausend Jungfrauen. Für die Insel selbst wird in manchen Berichten der Name Santa Ana nach der Mutter der Jungfrau Maria erwähnt, doch dieser setzte sich nicht durch. Ein indigener Name der Taino oder Kalinago ist für Saint Thomas im Gegensatz zu Saint Croix (Ay Ay) nicht überliefert.
Vor der dänischen Besiedlung diente die Insel als Stützpunkt von Piraten und niederländischen Siedlern. Nach einer Überlieferung, die der dänische Pflanzer Johan Lorentz Carstens im 18. Jahrhundert festhielt, soll ein englischer Kapitän namens Thomma die Insel (wieder)entdeckt und nach sich selbst St. Thomas genannt haben. Andere Quellen deuten darauf hin, dass niederländische Tabakpflanzer im Hafengebiet den Namen Thomas‘ Eiland verwendeten, aus dem dann Sint-Thomas wurde. Als die Dänen 1672 die dauerhafte Kolonie gründeten, übernahmen sie die Bezeichnung als Sankt Thomas.
Die Hauptstadt der Insel hieß zunächst Taphus, dänisch für „Zapfhäuser“ oder „Bierhäuser“, weil dort zahlreiche Schänken entstanden. 1691 wurde sie zu Ehren der Gemahlin des dänischen Königs Christian V., Charlotte Amalie von Hessen-Kassel, in Charlotte Amalie umbenannt. Zwischen 1921 und 1936 nannten die Amerikaner die Stadt zeitweilig einfach St. Thomas, bevor der historische Name Charlotte Amalie wieder eingeführt wurde.
In den verschiedenen Kolonialsprachen erscheint die Insel als Sankt Thomas (dänisch), Sint-Thomas (niederländisch), Saint-Thomas (französisch) und Santo Tomás (spanisch). Der heutige englische Name Saint Thomas hat sich nach der Übergabe an die Vereinigten Staaten 1917 durchgesetzt und wird von den Einheimischen auch in der kreolischen Form verwendet. Die zugehörige Bezeichnung für die Bewohner lautet Thomian.

- international: Saint Thomas
- amharisch: ሴንት ቶማስ [Sent Tomas]
- arabisch: سانت توماس [Sant Tomas]
- armenisch: Սենթ Թոմաս [Sent T'omas]
- bengalisch: সেন্ট টমাস [Sent Ṭamas]
- birmanisch: စိန့်သောမတ်စ် [Seint Thaumat]
- bulgarisch: Сейнт Томас [Seynt Tomas]
- chinesisch: 圣托马斯岛 [Shèngtuōmǎsī Dǎo]
- dänisch: Sankt Thomas
- französisch: Saint-Thomas
- georgisch: სენტ-თომასი [Sent-Tomasi]
- griechisch: Σεντ Τόμας [Sent Tómas]
- gudscheratisch: સેન્ટ થોમસ [Sent Thōmas]
- hebräisch: סנט תומאס [Sent Tomas]
- hindi: सेंट थॉमस [Sent Thॉmas]
- japanisch: セント・トーマス島 [Sento Tōmasu-tō]
- kambodschanisch: សាំង ថូម៉ាស [Sang Thumas]
- kanaresisch: ಸೆಂಟ್ ಥಾಮಸ್ [Sent Thāmas]
- kasachisch: Сент-Томас [Sent-Tomas]
- koreanisch: 세인트토머스섬 [Seinteuteomeoseom]
- laotisch: ເຊນຕ໌ ໂທມັສ [Sen Thōmas]
- makedonisch: Сент Томас [Sent Tomas]
- malayalam: സെന്റ് തോമസ് [Sent Tōmas]
- maldivisch: ސެންޓް ޓޮމަސް [Sent Tomas]
- marathisch: सेंट थॉमस [Sent Thॉmas]
- nepalesisch: सेन्ट थोमस [Senṭ Thomas]
- niederländisch: Siont-Thomas
- orissisch: ସେଣ୍ଟ ଥୋମାସ [Seṇṭ Thomāsa]
- pandschabisch: ਸੇਂਟ ਥਾਮਸ [Sent Thāmas]
- paschtunisch: سېنټ توماس [Sent Tomas]
- persisch: سنت توماس [Sent Tomâs]
- russisch: Сент-Томас [Sent-Tomas]
- serbisch: Сент Томас [Sent Tomas]
- singhalesisch: සෙන්ට් තෝමස් [Sent Tōmas]
- spanisch: Santo Tomás
- tamilisch: செயின்ட் தாமஸ் [Seyint Tāmas]
- telugu: సెయింట్ థామస్ [Seyint Thāmas]
- thai: เซนต์โทมัส [Sent Thōmat]
- tibetisch: སེནཊ་ཐོ་མས་ [Sent Tomas]
- ukrainisch: Сент-Томас [Sent-Tomas]
- urdu: سینٹ تھامس [Sent Tomas]
- weißrussisch: Сент-Томас [Sent-Tomas]
Offizieller Name: Saint Thomas
- Bezeichnung der Bewohner: Thomians (Thomianer)
- adjektivisch: thomian (thomianisch)
Kürzel:
- Code: ST / STT
- Kfz: -
- ISO-Code: VI-ST
Lage
Die Insel Saint Thomas liegt im Nordwesten der Jungferninseln auf durchschnittlich 18°20‘ n.B. und 64°55‘ w.L..

Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 18°24‘55“ n.B. (Hans Lollik Islet) bzw. 18°23‘00“ n.B. (Peterborg Point)
- südlichster Punkt: 18°16‘26“ n.B. (Capella Island) bzw. 18°18‘09“ n.B. (Long Point)
- östlichster Punkt: 64°48‘50“ w.L. (Dog Island) bzw. 64°49‘55“ w.L. (Cabrita Point)
- westlichster Punkt: 65°05‘07“ w.L. (Savana Island) bzw. 65°02‘31“ w.L. (West End)
Entfernungen:
- Hassel Island 110 m
- West Cay 300 m
- Great Saint James Island 380 m
- Saint John 3,4 km
- Tortola 14,1 km
- Culebra 22 km
- Saint Croix 59 km
- Puerto Rio 59 km
- Cumaná / Venezuela 873 km
- Florida 1766 km
Zeitzone
Auf Saint Thomas gilt die Eastern Standard Time (Östliche Standard-Zeit), abgekürzt EST, 5 Stunden hinter der MEZ. Die Realzeit liegt um 4 Stunden und 19 bis 20 Minuten hinter der Koordinierten Universalzeit (UTC).
Fläche
Saint Thomas hat eine Fläche von 69,7 km² bzw. 26,9 mi², mit Nebeninseln 80,9 km² bzw. 31,24 mi². Die Hauptinsel durchmisst von Westen nach Osten 20,7 km, von Norden nach Süden 6,0 km. Die Küste ist 55 km lang mit einem maximalen Tidenhub von 0,2 bis 0,3 m, in Charlotte Amalie 0,21 m. Höchster Punkt ist der Crown Mountain mit 474 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei 15 m.
Geologie
Die Geologie der nördlichen Jungferninseln, zu denen Saint Thomas gehört, wird von einer mächtigen Abfolge kretazischer vulkanischer und vulkanoklastischer Gesteine geprägt, die den Kern der Inseln bilden und die tektonische Entwicklung am nordöstlichen Rand der Karibischen Platte widerspiegeln. Die älteste Gesteinseinheit der nördlichen Jungferninseln ist die Water-Island-Formation aus der Unterkreide (mehr als 10.000 bis 15.000 Fuß), die aus keratophyren Strömen und Tuffen, spilitischen Strömen und radiolären Tuffen besteht. Terrigene Sedimente sind nicht vorhanden, und die gesamte vulkanische Abfolge scheint auf dem Meeresboden extrudiert worden zu sein. Diese Formation, deren Typuslokalität die Water Island im Hafen von Charlotte Amalie auf Saint Thomas darstellt, besteht überwiegend aus Keratophyren (etwa 80 Prozent), die als veränderte Dazite und Rhyolithe gedeutet werden, sowie untergeordneten Spiliten und geringfügigen Radiolariten. Die Gesteine wurden in einem extensionalen ozeanischen Milieu abgelagert, vermutlich auf ozeanischer Plateaubasis, und zeigen Merkmale einer frühen Inselbogenentwicklung mit bimodalen Magmenzusammensetzungen. Radiolarien aus dem oberen Teil der Formation deuten auf ein spätaptisches bis frühalbisches Alter hin. Die Mächtigkeit erreicht mehrere Kilometer, und die Abfolge wird von hypabyssalen Intrusionen der Careen-Hill-Intrusivsuite begleitet, darunter Keratophyrgänge, Trondhjemite und Gabbro.
Die Water Island Formation wird von der Virgin Island Group überlagert, die aus der Louisenhoj Formation, dem Outer Brass Limestone, der Tutu Formation und der Hans Lollik Formation besteht, die alle möglicherweise aus dem Albium stammen. Die Louisenhoj-Formation (maximal 8.000 bis 13.000 Fuß) besteht aus Augit-Andesit-Tuff und vulkanischer Brekzie mit eingelagertem Konglomerat. Diese Einheit markiert den Übergang zu stärker inselbogenartigen Magmenzusammensetzungen und umfasst stark verkittete vulkanische Konglomerate, Brekzien, vulkanische Sandsteine, Schiefer, Chert sowie untergeordnet Andesit- und Basaltströme. Der eruptive Schwerpunkt lag vermutlich im Bereich des heutigen Pillsbury Sound zwischen Saint Thomas und Saint John. In der Nähe dieses Zentrums dominieren grobe Kegelschuttablagerungen, während weiter entfernt Tuffe und feinere pyroklastische Gesteine vorherrschen. Nahe der Basis findet sich häufig ein Konglomerat mit Geröllen und Geschieben aus der Water-Island-Formation, was auf eine leichte Diskordanz oder zumindest auf eine Phase der Hebung und Erosion hindeutet, obwohl neuere Untersuchungen oft eine konkordante Überlagerung annehmen. Die Louisenhoj-Formation erreicht auf Saint Thomas Mächtigkeiten von bis zu etwa zwei Kilometern und dünnt nach Osten hin ab.
Darüber folgt der Outer Brass Limestone mit einer Mächtigkeit von etwa 200 bis 600 Fuß. Diese Einheit besteht aus dünnbankigen, silikatischen und karbonatischen Kalken mit radiolären Anteilen sowie eingeschalteten Tufflagen. Sie entstand während einer Phase verminderter vulkanischer Tätigkeit im Turon bis Santon und markiert einen vorübergehenden Ruhezeitraum in der vulkanischen Aktivität. Die Karbonatgesteine sind teilweise silifiziert und enthalten lokal calc-silikatische Mineralparagenesen, vor allem im Einflussbereich späterer Intrusionen.
Die Tutu-Formation, die mehrere tausend Fuß mächtig sein kann, setzt sich aus relativ groben vulkanischen Wacken zusammen, die überwiegend aus unverwittertem Material der Louisenhoj-Formation bestehen, ergänzt durch untergeordnete Kalksteinfragmente. Sie enthält Konglomerate, Sandsteine und Siltsteine und dokumentiert die Fortsetzung der Abtragung und Umlagerung vulkanischer Abfolgen. Die Hans-Lollik-Formation, die von manchen Autoren als eigenständige Einheit betrachtet wird, umfasst vorwiegend vulkanoklastische Konglomerate und wird teilweise der Louisenhoj-Formation zugeordnet, insbesondere auf Hans Lollik Island und benachbarten Cays.
Landschaft
Saint Thomas gehört zu den Amerikanischen Jungferninseln in der östlichen Karibik und besitzt eine für die Jungferninseln charakteristische, stark gegliederte Gebirgs- und Küstenlandschaft. Die Insel ist von zahlreichen Buchten, Landspitzen, schmalen Tälern und vorgelagerten kleinen Inseln geprägt. Anders als Saint Croix, das wesentlich flacher und großräumiger gegliedert ist, weist Saint Thomas ein ausgesprochen hügeliges bis gebirgiges Relief auf. Die höchsten Erhebungen liegen im westlichen und mittleren Inselbereich; der Crown Mountain erreicht 474 m und ist damit die höchste Erhebung von Saint Thomas. Die topografische Karte des National Park Service zeigt daneben zahlreiche weitere Höhenzüge und einzelne Bergkuppen, die sich unmittelbar über den Küstenbuchten erheben.
Das Landschaftsbild wird wesentlich durch langgestreckte Bergrücken bestimmt, die teilweise annähernd parallel zur Küste verlaufen. Zwischen den Höhenzügen liegen kurze, teilweise steil eingeschnittene Täler. Die Hänge fallen an vielen Stellen unmittelbar oder nach kurzen Geländestufen zum Meer ab. Dadurch besitzt Saint Thomas nur relativ wenig ebenes Gelände. Besonders auffällig sind die zahlreichen Bergrücken im westlichen und mittleren Inselteil sowie die stärker gegliederte Landschaft im Osten. Die für die Region charakteristischen schmalen Meeresbuchten und langgestreckten Rücken sind unter anderem das Ergebnis der geologischen Entwicklung an der Plattengrenze zwischen der Karibischen und der Nordamerikanischen Platte. Die Landschaft der Jungferninseln wird durch Scherung, Hebung und die damit verbundene Ausbildung von Bergrücken und schmalen Tälern geprägt.
Geologisch besteht Saint Thomas überwiegend aus vulkanischen und sedimentären Gesteinen. Die Gesteinsabfolge reicht vom Kreidezeitalter bis ins Quartär. Im Gebiet der Jungferninseln treten unter anderem Basalt, Gabbro, Andesit, vulkanischer Tuff, vulkanische Brekzien und weitere magmatische sowie sedimentäre Gesteine auf. Diese Gesteine bilden die Grundlage für das stark reliefierte Landschaftsbild. Verwitterung, Abtragung und die Tätigkeit des Meeres haben aus dem ursprünglichen Gebirgskörper ein Mosaik aus Bergkuppen, Hängen, Felsvorsprüngen, Tälern und Buchten herausgearbeitet.
Die Küste von Saint Thomas ist außerordentlich stark gegliedert. Im Norden wechseln sich Buchten, felsige Vorsprünge und kleinere Strände ab. Zu den markanten Küstenabschnitten gehören unter anderem Hull Bay, Magens Bay, Coki Bay und die Küstenbereiche bei Smith Bay. Im Süden liegen unter anderem Crown Bay und die stark geschützte Bucht von Charlotte Amalie. Im Osten bildet der Bereich um Red Hook eine weitere wichtige Küstenlandschaft mit zahlreichen Buchten und vorgelagerten Inseln. Die vielen Einschnitte der Küste entstehen durch die Kombination aus dem stark gegliederten Gebirgsrelief und den unterschiedlichen Widerstandsfähigkeiten der anstehenden Gesteine.
Eine besonders markante Landschaft bildet der Bereich um Charlotte Amalie. Die Hauptstadt liegt an einer tief eingeschnittenen, geschützten Bucht an der Südküste. Hinter dem Hafen steigt das Gelände relativ rasch an. Dadurch entsteht ein für Saint Thomas charakteristisches Landschaftsbild aus dicht bebauten Hängen, historischen Gebäuden, Straßen und steilen Bergrücken. Der Hafenbereich wird durch Hassel Island begrenzt, eine langgestreckte Insel unmittelbar südlich von Charlotte Amalie. Hassel Island gehört teilweise zum Virgin Islands National Park und weist ebenfalls hügeliges Gelände auf. Die Insel trennt beziehungsweise gliedert Teile des Hafengebietes und bildet zusammen mit den umliegenden Halbinseln und Inseln eine stark strukturierte Küstenlandschaft.
Im Westen und Südwesten von Saint Thomas ist das Relief ebenfalls von hohen Rücken und steilen Hängen geprägt. Zahlreiche kleinere Buchten schneiden tief in die Küste ein. Zwischen den Buchten liegen felsige Landspitzen, die teilweise weit in das Meer hinausragen. Die Kombination aus Bergen und Meer erzeugt kurze Landschaftsabfolgen: Innerhalb weniger Kilometer wechseln sich Bergwald, trockene Hänge, Siedlungsflächen, Felsküsten und geschützte Buchten ab.
Der Norden der Insel besitzt einige der ausgeprägtesten Strände und Buchten. Magens Bay bildet eine große, annähernd hufeisenförmige Bucht an der Nordseite von Saint Thomas. Der Strand liegt zwischen bewaldeten beziehungsweise bebauten Hängen und wird durch die geschützte Lage gegenüber dem offenen Meer abgeschirmt. Weiter östlich folgen unter anderem Hull Bay, Hans Lollik und verschiedene kleinere Buchten und Landspitzen. Vor der Nordküste liegen mehrere kleinere Inseln und Felsen, wodurch sich der Übergang vom Land zum offenen Atlantik zusätzlich gliedert. Die Landschaftskarte des National Park Service weist unter anderem Hans Lollik Island, Little Hans Lollik Island und zahlreiche kleinere Cays vor der Nordküste aus.
Die Osthälfte von Saint Thomas besitzt ebenfalls eine stark gegliederte Küste. Der Bereich um Red Hook und Smith Bay ist durch zahlreiche Buchten, Halbinseln und vorgelagerte Inseln gekennzeichnet. Von den höheren Geländepunkten eröffnen sich Ausblicke auf Saint John und die zahlreichen kleinen Inseln zwischen beiden Hauptinseln. Zu dieser Inselgruppe gehören unter anderem Great St. James, Little St. James, Dog Island, Thatch Cay und weitere kleinere Cays. Die Meeresräume zwischen den Inseln bilden ein dichtes Netz aus Fahrwassern, Kanälen und geschützten Buchten.
Auch die vorgelagerten Inseln gehören damit zum Landschaftsraum von Saint Thomas. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Größe, Relief und Vegetation erheblich. Einige besitzen steile, felsige Küsten und nur kleine Strandabschnitte, andere weisen flachere Küstenbereiche auf. Zwischen Saint Thomas, Saint John und den kleineren Inseln entstehen zahlreiche schmale Meerespassagen. Zu den landschaftlich besonders auffälligen Gewässern gehören der Pillsbury Sound, der Windward Passage und verschiedene kleinere Kanäle und Buchten.
Die Strände von Saint Thomas bestehen überwiegend aus hellen bis weißen Sanden und liegen meist in geschützten Buchten. Neben den größeren Stränden gibt es zahlreiche kleinere Sandbuchten, die zwischen felsigen Küstenabschnitten liegen. Die Strände werden vielfach von tropischer Küstenvegetation begleitet. In den geschützten Küstenbereichen kommen außerdem Seegrasbestände und stellenweise Mangroven vor. Diese Übergangsbereiche zwischen Land und Meer bilden einen wichtigen Bestandteil der Küstenlandschaft der Jungferninseln.
Die Unterwasserlandschaft setzt die oberirdische Gliederung fort. Vor den Küsten liegen Korallenriffe, Seegrasflächen, felsige Meeresböden und sandige Flachwasserbereiche. Korallenriffe bilden dabei teilweise natürliche Barrieren vor den Buchten. Die Kombination aus Korallenriffen, Seegras und flachen Küstengewässern erzeugt eine abwechslungsreiche Meereslandschaft, die unmittelbar an die Strände und felsigen Küsten anschließt. In den geschützten Bereichen können sich Mangrovenbestände entwickeln.
Erhebungen
- Crown Mountain 474 m
- Signal Hill 444 m
- Hawk Hill 417 m
- Flag Hill 295 m
- Fortuna Hill 273 m
Fluss
- Turpentine Run 6,0 km
Flora und Fauna
Die Flora der Jungferninsel Saint Thomas umfasst tropische Trocken- und Feuchtwälder mit über 500 einheimischen oder eingebürgerten Pflanzenarten, darunter Kakteen, Agaven, Mangroven, Palmen, Hibiskus, Frangipani, Bougainvillea und der Yellow Cedar als Nationalpflanze. Zur charakteristischen Fauna gehören neben zahlreichen Seevögeln wie Pelikanen, Fregattvögeln und Kolibris auch Leguane, Geckos, Anolis-Echsen, nichtgiftige Schlangen wie die Virgin-Islands-Boa, Fledermäuse als einzige einheimische Landsäuger sowie im Meer lebende Meeresschildkröten, Korallenfische, Delfine und Wale.
Flora
Auf der Insel wechseln sich deshalb trockene Wälder und Gebüsche, immergrüne und halbimmergrüne Gehölzbestände, offene Gras- und Buschflächen, Küstenvegetation, Feuchtstandorte und Mangroven miteinander ab. Die Vegetation ist kleinräumig sehr unterschiedlich: Sonnige, dem Passat ausgesetzte Hänge besitzen eine deutlich trockenere Vegetation als geschützte Täler und feuchtere Hanglagen. Auch die Nähe zum Meer beeinflusst die Pflanzengesellschaften durch Salzsprühnebel und salzhaltige Böden. Für die Jungferninseln werden insgesamt mehr als 800 Pflanzenarten angegeben; zugleich ist ein erheblicher Teil der heutigen Vegetation sekundär und entstand nach der historischen Rodung landwirtschaftlich genutzter Flächen.
Eine besonders wichtige Vegetationsform ist der tropische Trockenwald. Er ist an den trockeneren Hängen und in den tieferen Lagen verbreitet und besteht aus Gehölzen, die längere niederschlagsarme Perioden überstehen können. Viele Bäume sind laubabwerfend oder verlieren zumindest einen Teil ihres Laubes während der Trockenzeit. Zu den charakteristischen Gehölzen der Jungferninseln gehören unter anderem Bursera simaruba, Pisonia subcordata, Plumeria alba, Bucida buceras und Melicoccus bijugatus. Bursera simaruba, im englischen Sprachraum als turpentine tree bezeichnet, ist ein auffälliger Baum der trockenen tropischen Wälder. Plumeria alba, der weiße Frangipani, kommt insbesondere in trockenen Küstengebüschen vor und fällt durch seine weißen, stark duftenden Blüten auf.
An besonders trockenen und exponierten Stellen geht der Trockenwald in trockenes Buschland und Kakteenvegetation über. Diese Standorte sind hohen Temperaturen, intensiver Sonneneinstrahlung, starkem Wind und Salzsprühnebel ausgesetzt. Entsprechend dominieren dort trockenheitsresistente Pflanzen. Zu ihnen gehören verschiedene Kakteen und Sukkulenten, darunter Opuntia dillenii, Mammillaria nivosa und Melocactus intortus. Opuntia dillenii bildet flache, fleischige Sprosse und gelbe Blüten. Mammillaria nivosa kommt insbesondere auf felsigen Standorten vor, während Melocactus intortus, der sogenannte Turk's-cap-Kaktus, an trockenen Küstenstandorten und felsigen Bereichen wächst.
Eine weitere auffällige Pflanze trockener Standorte ist der Nachtblühende Säulenkaktus Selenicereus grandiflorus. Seine großen weißen Blüten öffnen sich nachts und werden unter anderem von Fledermäusen und Nachtfaltern bestäubt. Auch die Agave Agave missionum gehört zur trockenheitsangepassten Vegetation. Sie bildet eine große Rosette aus steifen, am Rand bedornten Blättern und entwickelt zur Blütezeit einen hohen Blütenstand mit zahlreichen gelben Blüten.
In den trockenen Küstengebüschen wachsen außerdem verschiedene Akazien und andere dornige Gehölze. Acacia tortuosa bildet einen größeren, laubabwerfenden Strauch mit gelben Blüten und langen Dornen. Acacia retusa kann dichte, schwer durchdringbare Bestände bilden und besitzt zahlreiche Haken und Dornen. Ebenfalls Bestandteil der trockenen Vegetation ist Comocladia dodonaea, die als Christmas bush oder poison ash bezeichnet wird. Ihr Pflanzensaft kann Hautreizungen hervorrufen. Weitere typische Sträucher sind Croton astroites und Byrsonima lucida. Letzterer besitzt kleine, auffällige Blüten, die ihre Färbung von Weiß über Rosa bis zu Rot verändern können.
Die feuchteren Waldstandorte besitzen eine wesentlich dichtere und höhere Vegetation. Dort treten größere Bäume und ein stärker ausgeprägter Unterwuchs auf. Zu den typischen Baumarten der feuchteren tropischen Wälder der Jungferninseln gehören Ceiba pentandra, Hura crepitans, Hymenaea courbaril, Spondias mombin, Coccothrinax alta, Mangifera indica und Pimenta racemosa. Ceiba pentandra, der Kapokbaum, kann beträchtliche Höhen erreichen. Hura crepitans, der Sandbüchsenbaum, ist ebenfalls ein großer tropischer Baum. Hymenaea courbaril, der Jatobá oder Locust Tree, und Spondias mombin, die Gelbe Mombinpflaume, gehören ebenfalls zur Baumflora feuchterer Standorte.
Pimenta racemosa, der Westindische Lorbeer beziehungsweise Bay-rum-Baum, besitzt aromatische Blätter und ist eine charakteristische Nutz- und Wildpflanze der Jungferninseln. Seine Blätter wurden traditionell zur Herstellung von Bay-Rum-Produkten verwendet. Die Art gehört zugleich zur natürlichen Waldvegetation feuchterer Standorte.
Unter den Palmen ist Coccothrinax alta eine für die Jungferninseln charakteristische Art. Sie wächst besonders in trockeneren bis mäßig feuchten Waldgesellschaften und erreicht im Vergleich zu den höchsten tropischen Waldbaumarten eine geringere Wuchshöhe. Palmen bilden auf Saint Thomas jedoch keine geschlossenen, großflächigen natürlichen Palmenwälder; sie sind Bestandteil unterschiedlicher Wald- und Buschgesellschaften.
An den Küsten findet sich eine speziell an Salz, Wind und Trockenheit angepasste Vegetation. Eine charakteristische Art ist Coccoloba uvifera, die Meerestraube. Sie wächst unmittelbar an der Küste und besitzt dicke, ledrige Blätter, die den schwierigen Bedingungen standhalten. Thespesia populnea ist ein weiterer typischer Küstenbaum. Zusammen mit anderen salz- und windverträglichen Gehölzen bildet er Küstengebüsche und niedrigere Gehölzbestände. Auch Plumeria alba ist Teil dieser küstennahen Vegetation. Der weiße Frangipani besitzt fleischige Zweige und auffällige weiße Blüten mit gelblichem Zentrum. Besonders während der Blütezeit gehört er zu den auffälligsten Pflanzen der trockenen Küstenlandschaft.
An feuchten Küstenstandorten, in geschützten Buchten und an Bereichen mit zeitweise oder dauerhaft vernässten Böden treten Mangroven auf. Für die Jungferninseln sind insbesondere drei Mangrovenarten charakteristisch: Rhizophora mangle, Avicennia germinans und Laguncularia racemosa. Rhizophora mangle, die Rote Mangrove, besitzt das typische System aus Stelz- und Luftwurzeln und wächst unmittelbar im Gezeitenbereich. Avicennia germinans, die Schwarze Mangrove, und Laguncularia racemosa, die Weiße Mangrove, kommen eher auf höher gelegenen und weniger häufig überfluteten Standorten vor.
Die Mangroven sind nicht nur eine besondere Pflanzengesellschaft, sondern bilden zugleich einen wichtigen Übergangsbereich zwischen Land und Meer. Ihre Wurzeln stabilisieren das Sediment, halten Schwebstoffe zurück und schaffen Lebensräume für zahlreiche marine Organismen. Die oberirdischen Pflanzenteile dienen außerdem als Aufenthalts- und Brutplätze für Vögel.
In feuchten Waldunterständen wachsen verschiedene krautige Pflanzen, Kletterpflanzen und Epiphyten. Anthurium cordatum besitzt große Blätter und wächst im Unterwuchs feuchter Wälder. Die Kletterpflanze Stigmaphyllon emarginatum, auch als leather-leaf vine bezeichnet, kommt in trockenen Wäldern und gestörten Bereichen vor und kann an Bäumen mehrere Meter hoch beziehungsweise lang emporwachsen. Distictis lactiflora ist eine weitere verholzende Kletterpflanze der Inselregion und bildet auffällige, duftende Blüten.
Zur Flora gehören auch Orchideen. Die Jungferninseln besitzen mehrere einheimische Orchideenarten. Zu den dokumentierten Arten gehören unter anderem Psychilis macconnelliae und Tolumnia prionochila. Psychilis macconnelliae, die Butterfly Orchid, wächst häufig in Gruppen und ist besonders für trockenere Bereiche bekannt. Tolumnia prionochila, die Dancing Lady Orchid, kommt in trockenen bis feuchten Busch- und Waldgesellschaften vor. Die einheimischen Orchideen stehen unter Schutz.
Die heutige Flora von Saint Thomas ist allerdings nicht ausschließlich aus ursprünglichen Pflanzenbeständen zusammengesetzt. Landwirtschaft, Viehhaltung, Holznutzung und Siedlungsentwicklung haben die ursprüngliche Vegetation über Jahrhunderte verändert. Große Flächen wurden für Plantagen und Weideland gerodet. Nach dem Rückgang der traditionellen Landwirtschaft konnten sich auf vielen Flächen wieder Gehölzbestände entwickeln. Diese Wälder sind vielfach Sekundärwälder und setzen sich sowohl aus einheimischen als auch aus eingeführten Pflanzen zusammen. Eingeführte Arten können insbesondere in der Nähe von Siedlungen, Straßen und früher landwirtschaftlich genutzten Flächen einen bedeutenden Anteil der Vegetation bilden.
Fauna
Besonders artenreich ist die Tierwelt im Küstenmeer. Dort befinden sich Korallenriffe, Seegraswiesen, Mangroven, Fels- und Sandgründe, die zahlreichen Fischarten, Meeresschildkröten, Weichtieren, Krebstieren und anderen wirbellosen Tieren Lebensräume bieten. Für die Jungferninseln werden mehrere hundert riffgebundene Fischarten sowie zahlreiche Korallen- und Schwammarten angegeben.
Die Landfauna ist dagegen durch die Insellage vergleichsweise artenarm. Besonders auffällig ist das Fehlen größerer ursprünglich einheimischer Landsäugetiere. Die einzigen ursprünglich auf den Jungferninseln vorkommenden Landsäugetiere sind Fledermäuse. Für die Jungferninseln werden sechs Fledermausarten angegeben. Sie ernähren sich teilweise von Insekten und übernehmen zugleich wichtige Aufgaben bei der Bestäubung von Blütenpflanzen und bei der Verbreitung von Samen. Eine besondere Art ist die Fischfledermaus Noctilio leporinus, die sich auf den Fang von Fischen und anderen Wassertieren spezialisiert hat.
Unter den Fledermäusen kommen außerdem Molossus molossus, der Große Freischwanzfledermaus, sowie weitere Arten vor. Die Fledermäuse sind vor allem in der Dämmerung und während der Nacht aktiv und nutzen natürliche Höhlen, Felsspalten, Baumhöhlen und Gebäude als Ruheplätze. Für die Ökosysteme der Insel besitzen sie eine wesentlich größere Bedeutung, als ihre geringe Artenzahl vermuten lässt, da sie sowohl als Insektenjäger als auch als Bestäuber und Samenverbreiter wirken.
Die übrigen auf Saint Thomas vorkommenden Landsäugetiere wurden vom Menschen eingeführt. Dazu gehören unter anderem Hausziegen, Esel, Schweine, Hunde, Katzen, Ratten und Mungos. Diese eingeführten Tiere unterscheiden sich deutlich von der ursprünglichen Insel-Fauna. Insbesondere Mungos können für bodenbrütende Vögel, Reptilien und andere kleinere Tiere problematisch sein, da sie deren Eier und Jungtiere erbeuten. Auch verwilderte Haustiere und Nutztiere können durch Beweidung, Nahrungskonkurrenz und die Veränderung der Vegetation Auswirkungen auf die einheimischen Lebensgemeinschaften haben.
Eine wichtige Gruppe der Landfauna bilden die Reptilien. Zu den charakteristischen Echsen gehören verschiedene Anolis-Arten. Der Crested Anole, Anolis cristatellus, und der Barred Anole, Anolis stratulus, kommen in unterschiedlichen Lebensräumen vor. Anolis-Echsen besiedeln Bäume, Sträucher, Felsen, Gärten und menschlich beeinflusste Landschaften. Sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten und anderen kleinen Wirbellosen und stellen zugleich eine wichtige Beute für Vögel und größere Räuber dar. Bei einer Bestandsaufnahme im Virgin Islands National Park wurden sowohl Crested Anole als auch Barred Anole nachgewiesen.
Eine weitere charakteristische Reptiliengruppe sind Geckos. Der Zwerggecko Sphaerodactylus macrolepis gehört zu den kleinen Echsen der Jungferninseln. Er lebt überwiegend verborgen in Laub, unter Steinen, in Felsspalten und in der Vegetation. Wegen seiner geringen Größe und seiner versteckten Lebensweise wird er wesentlich seltener wahrgenommen als die größeren Anolis.
Besonders bemerkenswert ist die Jungferninseln-Wurmechse Amphisbaena fenestrata. Sie besitzt einen langgestreckten, beinlosen Körper und lebt überwiegend unterirdisch. Die Art wurde bei Untersuchungen auf den Jungferninseln nachgewiesen und gilt als selten. Bei einem Bioblitz des National Park Service wurde sie ausdrücklich als sehr selten bezeichnet.
Schlangen spielen auf Saint Thomas dagegen keine vergleichbare Rolle wie in vielen anderen tropischen Regionen. Im Virgin Islands National Park werden keine gefährlichen Schlangen wie Klapperschlangen oder große Würgeschlangen als Bestandteil der heimischen Tierwelt angegeben. Der National Park Service weist ausdrücklich darauf hin, dass dort keine gefährlichen Tiere wie große Schlangen, Alligatoren oder ähnliche Großräuber vorkommen.
Zu den Amphibien gehören insbesondere Frösche. Der Antillenfrosch Eleutherodactylus antillensis ist auf den Jungferninseln verbreitet und kann insbesondere nach Niederschlägen und in feuchteren Lebensräumen festgestellt werden. Bei Untersuchungen im Virgin Islands National Park wurde er ebenso wie verschiedene Echsenarten nachgewiesen. Die geringe Zahl an Amphibienarten hängt mit der vergleichsweise trockenen Umwelt und der isolierten Lage der Inseln zusammen.
Die Vogelwelt ist dagegen ausgesprochen vielfältig. Für den weiteren Lebensraum der Jungferninseln werden mehr als hundert Vogelarten angegeben; darunter befinden sich Standvögel, Zugvögel und Meeresvögel. Für den Virgin Islands National Park werden je nach Erfassungsstand etwa 138 bis 140 Vogelarten genannt. Die Inseln werden außerdem von zahlreichen nordamerikanischen Zugvögeln als Überwinterungsgebiet genutzt.
Zu den charakteristischen Standvögeln gehört der Antillen-Kolibri Orthorhynchus cristatus. Er ist einer der kleinsten Kolibris der Jungferninseln und besitzt einen auffälligen Kamm. Er ernährt sich vom Nektar verschiedener Blütenpflanzen und ergänzt seine Nahrung durch kleine Insekten. Eine weitere Kolibriart ist der Grünkehlkarib Eulampis holosericeus. Er ist größer als der Antillen-Kolibri und besitzt eine wichtige Funktion als Bestäuber. Beide Arten gehören zur charakteristischen Vogelwelt der Jungferninseln.
Eine besonders typische Vogelart ist der Bananaquit Coereba flaveola, der auf den Jungferninseln als offizieller Vogel der Amerikanischen Jungferninseln gilt. Er lebt in Buschland, Waldsäumen, offenen Landschaften und Gärten. Sein gelber Bauch und Bürzel, die helle Kehle und der dunkle Körper machen ihn leicht erkennbar.
Zu den häufigeren Tauben gehört die Zenaida-Taube Zenaida aurita. Sie besiedelt praktisch alle geeigneten Lebensräume und kommt auch in Siedlungsgebieten vor. Die Schuppenhals- oder Schuppennackentaube Patagioenas squamosa ist größer und stärker an bewaldete Lebensräume gebunden. Die Brillen-Wachteltaube beziehungsweise Bridled Quail-Dove Geotrygon mystacea lebt dagegen vor allem in trockenen tropischen Wäldern und ist aufgrund ihrer scheuen Lebensweise schwerer zu beobachten.
Eine weitere auffällige Art ist der Pearly-eyed Thrasher Margarops fuscatus. Dieser Drosselhäher ist ein charakteristischer Vogel der karibischen Inselwelt und bewohnt Wälder, Buschland und vom Menschen beeinflusste Lebensräume. Der Lesser Antillean Bullfinch Loxigilla noctis besitzt ebenfalls ein Verbreitungsgebiet innerhalb der Kleinen Antillen und kommt auf den Jungferninseln vor.
Zu den Greifvögeln gehört der Amerikanische Turmfalke Falco sparverius. Er jagt über offenen Hängen, Buschland und landwirtschaftlich beziehungsweise siedlungsgeprägten Flächen. Zu seiner Beute gehören Insekten, kleine Säugetiere und Echsen. Dadurch steht er in enger Beziehung zu den offenen Lebensräumen der Insel.
Die Küsten- und Meeresvögel bilden einen weiteren wichtigen Teil der Fauna. An den Küsten und auf vorgelagerten kleinen Inseln kommen unter anderem Braunpelikane Pelecanus occidentalis, Braunfußtölpel Sula leucogaster, verschiedene Seeschwalben, Noddis und Tölpel vor. Die Nahrungsgrundlage bilden vor allem Fische und andere Meerestiere. Die zahlreichen kleinen Inseln, Felsen und abgelegenen Küstenabschnitte sind für bestimmte Arten wichtige Rast-, Brut- und Nahrungsgebiete. Die offizielle Vogelliste des National Park Service führt unter anderem Brandseeschwalbe, Rußseeschwalbe, Braunwangentölpel und Brown Noddy auf.
Von besonderer Bedeutung sind die Meeresschildkröten. In den Gewässern der Jungferninseln kommen mehrere Arten vor, darunter die Grüne Meeresschildkröte Chelonia mydas, die Karettschildkröte Eretmochelys imbricata, die Unechte Karettschildkröte Caretta caretta und die Lederschildkröte Dermochelys coriacea. Sie nutzen die Küstengewässer, Seegraswiesen und Korallenriffe zur Nahrungssuche; geeignete Sandstrände dienen einzelnen Arten außerdem als Eiablageplätze. Die Meeresschildkröten gehören zu den besonders schutzwürdigen Bestandteilen der karibischen Meeresfauna.
Die Korallenriffe vor Saint Thomas bilden einen besonders artenreichen Lebensraum. Die Riffgemeinschaften bestehen aus zahlreichen Steinkorallen, Weichkorallen, Gorgonien, Schwämmen und weiteren wirbellosen Tieren. Zwischen den Korallen leben zahlreiche kleine Fische und Wirbellose. Das Riff bildet dadurch ein komplexes Nahrungsnetz, in dem Pflanzenfresser, Räuber, Aasfresser und Filtrierer miteinander verbunden sind. Für die Gewässer der Jungferninseln werden mehr als 45 Arten von Steinkorallen und zahlreiche weitere Korallenformen angegeben.
Die Fischfauna ist besonders vielfältig. In den Riffgewässern kommen unter anderem Papageifische, Doktorfische, Lippfische, Schnapper, Zackenbarsche, Kaiserfische, Falterfische und verschiedene kleinere Riffbarsche vor. Hinzu kommen pelagische Arten, die sich zeitweise in den Küstengewässern aufhalten. Für die Meeresgebiete des Virgin Islands National Park werden rund 400 riffassoziierte Fischarten angegeben.
Seegraswiesen bilden einen zweiten bedeutenden Lebensraum unterhalb der Wasseroberfläche. Sie dienen zahlreichen Fischen und Wirbellosen als Nahrungs- und Rückzugsgebiet und besitzen für die Grünen Meeresschildkröten eine besondere Bedeutung. Zusammen mit Korallenriffen und Mangroven bilden die Seegrasbestände ein miteinander verbundenes Küstenökosystem.
In den flachen Küstengewässern leben außerdem zahlreiche Krebstiere, Schnecken, Muscheln, Würmer und andere Wirbellose. Hinzu kommen Schwämme und Gorgonien. Die Zahl der wirbellosen Arten ist wesentlich höher als die der auffälligeren Wirbeltiere. Für den Virgin Islands National Park werden mehr als 230 untersuchte beziehungsweise dokumentierte Wirbellosenarten genannt, wobei die tatsächliche Vielfalt der wirbellosen Tierwelt deutlich größer ist.
Zu den auffälligen Meeresbewohnern gehören außerdem Seeigel. Der Langstachelige Seeigel Diadema antillarum ist ein typischer Bewohner karibischer Riffökosysteme. Seeigel spielen eine wichtige Rolle bei der Kontrolle des Algenbewuchses auf Riffoberflächen. Dadurch beeinflussen sie unmittelbar die Konkurrenz zwischen Algen und Korallen.
Auch Meeressäugetiere gehören zur Fauna der Gewässer um Saint Thomas. Delfine können ganzjährig in der weiteren Umgebung der Jungferninseln beobachtet werden. Während der Wintermonate ziehen außerdem verschiedene Walarten durch die Gewässer der Region. Für den Virgin Islands National Park werden insgesamt 17 Wal- und Delfinarten angegeben, wobei nicht alle Arten regelmäßig in unmittelbarer Küstennähe von Saint Thomas auftreten.
Naturschutz
Das bedeutendste Schutzgebiet der gesamten Inselgruppe ist der Virgin Islands National Park. Er wurde 1956 eingerichtet und bedeckt rund sechzig Prozent der Landfläche von Saint John sowie mehr als fünftausendsechshundert Acres angrenzender Meeresgebiete. Zum Park gehören auch etwa einhundertachtundzwanzig Acres auf Hassel Island im Hafen von Charlotte Amalie auf Saint Thomas, die 1978 hinzugefügt wurden. Der Park schützt tropische Trockenwälder, Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffe und beherbergt zahlreiche Vogelarten, Meeresschildkröten, Korallen und Fische. 1976 erhielt er den Status eines UNESCO-Biosphärenreservats und zählt zu den wenigen Schutzgebieten weltweit, die sowohl marine als auch terrestrische Ökosysteme umfassen. Ergänzt wird er seit 2001 durch das Virgin Islands Coral Reef National Monument, das weitere gut zwölftausendsiebenhundert Acres untermeerischer Flächen um Saint John herum unter Schutz stellt und Mangroven, flache Riffe und tiefere Korallengemeinschaften bewahrt.
Auf Saint Thomas selbst steht das Schutzgebiet St. Thomas East End Reserves, abgekürzt STEER, im Vordergrund. Dieses marine Mehrzweckschutzgebiet umfasst die Marine Reserves and Wildlife Sanctuaries um Cas Cay und die Mangrove Lagoon, Great St. James sowie den Compass Point Salt Pond. Zusammen decken sie etwa 9,6 km² ökologisch und kulturell wertvoller Küsten-, Meeres- und Fischereiresourcen ab, darunter Mangrovenwälder, Salzpfannen, Lagunen, Riffe und kleine Cays. Das Gebiet gilt als eines der letzten bedeutenden Aufwuchsgebiete für Fische und Wildtiere auf der Insel. Viele kommerzielle und freizeitlich genutzte Meeresarten verbringen hier Teile ihres Lebenszyklus in den geschützten Flachwasserbereichen. STEER dient der Bestandserholung von Fischbeständen, dem Küstenschutz, der Wasserfiltration und der allgemeinen Naturschutz.
Magens Bay Watershed Preserve ist ein 1,29 km² (319 Acres) großes Landschutzgebiet an der berühmten Nordküste. Es schützt den unberührten Trockenwald, Feuchtgebiete und das gesamte oberirdische Wassereinzugsgebiet oberhalb des weltbekannten Strandes.
Hassel Island ist eine historisch und ökologisch bedeutende Insel direkt im Hafen von Charlotte Amalie. Rund 0,5 km² (122 Acres) davon gehören offiziell zum Virgin Islands National Park und stehen unter strengem Schutz der US-Nationalparkbehörde.
Weitere geschützte Flächen auf und um Saint Thomas umfassen den Buck Island National Wildlife Refuge, der südlich der Insel liegt und seit 1969 vor allem als Lebensraum für Zugvögel dient, sowie mehrere Offshore-Cays und Wildtierheiligtümer. Im Rahmen des 2022 geschaffenen Territorial Park Systems wurden zusätzliche Flächen auf Saint Thomas und Water Island in den Schutz aufgenommen, darunter Teile von Cas Cay, Bovoni Cay, Neltjeberg, Sprat Bay auf Water Island und weitere Abschnitte von Hassel Island. Diese territorialen Parks sollen Strände, Wanderwege, Naturreservate und Erholungsflächen dauerhaft vor kommerzieller Bebauung bewahren.
Zusätzlich existieren zahlreiche Areas of Particular Concern, die zwar nicht alle den Status vollwertiger Reservate besitzen, aber besondere ökologische Bedeutung haben und entsprechend bewirtschaftet werden. Auf Saint Thomas zählen dazu unter anderem der Hafen von Saint Thomas, Botany Bay, Magens Bay mit ihrem Einzugsgebiet, Mandahl Bay und Vessup Bay im Osten. Diese Gebiete dienen dem Schutz von Wassereinzugsgebieten, Mangrovensystemen und küstennahen Lebensräumen.
Klima
Das Klima von Saint Thomas ist tropisch-maritim und wird ganzjährig von hohen Temperaturen, der Passatzirkulation und der Lage im Bereich der nordöstlichen Karibik bestimmt. Gleichzeitig gehört Saint Thomas zu den eher trockenen Inseln der Jungferninseln. Das Klima unterscheidet sich deshalb deutlich von den niederschlagsreicheren tropischen Inseln weiter westlich und von den feuchten Gebirgsregionen der Großen Antillen. Die offiziellen Klimadaten des National Weather Service für den Flughafen Cyril E. King werden für die Klimanormalperiode 1991–2020 geführt.
Die Temperaturen schwanken im Jahresverlauf nur wenig. Während der kühleren Monate Dezember bis Februar liegen die durchschnittlichen Temperaturen weiterhin deutlich über 20°C. Für die Wintersaison Dezember 2024 bis Februar 2025 wurden am Flughafen Cyril E. King beispielsweise eine durchschnittliche Höchsttemperatur von 29,2°C und eine durchschnittliche Tiefsttemperatur von 23,3°C gemessen; der Mittelwert lag bei rund 26,3°C.
Im Frühjahr steigen die Temperaturen allmählich an. März und April gehören noch nicht zu den heißesten Monaten, während Mai bereits deutlich sommerliche Bedingungen aufweist. Für die Periode März bis Mai 2026 registrierte die Klimastation beispielsweise ein Minimum von 20°C und ein Maximum von 33,3°C.
Die wärmste Jahreszeit reicht ungefähr von Juni bis Oktober. Die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen liegen dann häufig um 30 bis 32°C, während die nächtlichen Temperaturen meist nur auf etwa 25 bis 27°C zurückgehen. Die hohe Luftfeuchtigkeit verstärkt dabei die Wärmebelastung. Am Cyril E. King Airport wurden beispielsweise im Juli 2026 mehrfach Tageshöchsttemperaturen von 32 bis 34°C registriert.
Die bisher gemessenen Temperaturextreme zeigen, dass unter außergewöhnlichen Bedingungen deutlich höhere Werte auftreten können. Am Cyril E. King Airport wurde eine Rekordhöchsttemperatur von 98 °F beziehungsweise 36,7°C registriert; die niedrigsten Werte liegen dagegen nur wenig unter 20°C. In den langjährigen Aufzeichnungen seit 1953 finden sich beispielsweise 61 °F beziehungsweise 16,1°C als niedrigster registrierter Wert für den Flughafen.
Charakteristisch ist die geringe jahreszeitliche Temperaturschwankung. Der Unterschied zwischen dem wärmsten und dem kühlsten Teil des Jahres ist wesentlich kleiner als in den gemäßigten Breiten. Dadurch gibt es auf Saint Thomas keinen Winter im mitteleuropäischen Sinn. Der Jahresgang wird vielmehr durch die Veränderung der Niederschläge, der Luftfeuchtigkeit und der Häufigkeit tropischer Wetterlagen bestimmt.
Der Niederschlag weist dagegen eine wesentlich stärkere jahreszeitliche Schwankung auf. Die trockenere Jahreszeit liegt hauptsächlich in den Monaten Januar bis April, während die niederschlagsreichere Periode ungefähr von Mai bis November reicht. Allerdings fällt der Regen nicht gleichmäßig, sondern häufig in einzelnen Schauern oder Gewittern. Auch innerhalb eines Jahres können deshalb sehr große Unterschiede auftreten. Die offiziellen Monatsaufzeichnungen des National Weather Service zeigen für Saint Thomas sowohl extrem trockene Monate als auch sehr niederschlagsreiche Monate.
Die Trockenzeit ist besonders in den ersten Monaten des Jahres ausgeprägt. Im Februar können beispielsweise nur wenige Millimeter Niederschlag fallen, während in einzelnen Jahren ein Vielfaches davon registriert wird. Für den Flughafen Saint Thomas wurden im Februar Extremwerte von lediglich 0,42 Zoll beziehungsweise rund 11 mm bis zu 13,35 Zoll beziehungsweise rund 339 mm dokumentiert. Das zeigt die große Schwankungsbreite des tropischen Niederschlags selbst innerhalb desselben Monats.
Mit dem späten Frühjahr nimmt die Niederschlagsaktivität gewöhnlich zu. Mai und Juni markieren den Übergang in die feuchtere Jahreszeit. Im weiteren Jahresverlauf nehmen besonders die Niederschläge durch tropische Wellen, Gewitter und andere feuchtwarme Wetterlagen zu. Die höchsten Monatsniederschläge treten häufig im Herbst auf. Für Saint Thomas wurden beispielsweise im November 2003 insgesamt 18,39 Zoll beziehungsweise etwa 467 mm registriert, während einzelne andere Novembermonate wesentlich trockener blieben.
Die Niederschlagsverteilung wird stark durch das Relief beeinflusst. Saint Thomas besitzt zahlreiche Bergrücken und Täler, sodass sich feuchtere und trockenere Standorte auf engem Raum abwechseln. Die dem Passat zugewandten beziehungsweise höher gelegenen Hänge erhalten unter bestimmten Wetterlagen mehr Niederschlag als geschützte Bereiche. Dadurch entstehen deutliche Unterschiede zwischen den Vegetationszonen der Insel. Die trockeneren Landschaften im Süden und in besonders exponierten Bereichen stehen feuchteren Waldstandorten gegenüber.
Eine wichtige Rolle spielt der Nordostpassat. Die Passatwinde transportieren feuchte tropische Luft aus dem Atlantik und beeinflussen während eines großen Teils des Jahres Windrichtung, Bewölkung und Niederschlagsbildung. Gleichzeitig sorgen sie für eine regelmäßige Luftbewegung, wodurch die Temperaturen an der Küste trotz der hohen Sonneneinstrahlung weniger stark ansteigen, als es bei völlig windstillen Bedingungen der Fall wäre.
Die Lage im tropischen Atlantik bedeutet außerdem, dass Saint Thomas regelmäßig von tropischen Wellen und tropischen Wirbelstürmen beeinflusst werden kann. Die offizielle atlantische Hurrikansaison dauert vom 1. Juni bis zum 30. November. Die Monate August bis Oktober sind dabei besonders relevant für tropische Wirbelstürme. Saint Thomas liegt innerhalb des Hurrikangürtels der Karibik und wurde in der Vergangenheit wiederholt von starken tropischen Wirbelstürmen getroffen.
Tropische Wirbelstürme können innerhalb weniger Stunden extreme Wetterverhältnisse erzeugen. Neben sehr hohen Windgeschwindigkeiten treten dabei Starkregen, Sturmfluten, hohe Wellen und Küstenüberschwemmungen auf. Für Saint Thomas ist insbesondere die Kombination aus steilen Hängen und intensiven Niederschlägen bedeutsam, weil Starkregen rasch über die kurzen, steil abfallenden Einzugsgebiete zum Meer abfließen kann.
Auch Gewitter gehören zum Klima der Insel. Sie treten insbesondere während der feuchteren Jahreszeit auf und können innerhalb kurzer Zeit erhebliche Niederschlagsmengen bringen. Der Niederschlag besitzt deshalb häufig einen schauerartigen Charakter und ist räumlich sehr unterschiedlich verteilt. Ein Niederschlagsereignis kann einen Teil der Insel stark treffen, während andere Gebiete deutlich weniger Regen erhalten.
Die relative Trockenheit von Saint Thomas ist für die Vegetation von großer Bedeutung. Während feuchtere tropische Inseln große Flächen mit immergrünem Regenwald besitzen können, sind auf Saint Thomas trockene tropische Wälder, Buschland und Kakteenvegetation weit verbreitet. Die ausgeprägte Trockenperiode führt dazu, dass zahlreiche Pflanzen an periodischen Wassermangel angepasst sind. Die Niederschlagsverteilung erklärt damit wesentlich den Wechsel zwischen trockenen und feuchteren Landschaften der Insel.
Auch die Höhenlage beeinflusst das lokale Klima. Mit zunehmender Höhe verändern sich Temperatur, Wind und Feuchtigkeit. Der Crown Mountain mit 474 m ist die höchste Erhebung von Saint Thomas. An höheren, dem Passat ausgesetzten Hängen können sich deshalb andere klimatische Bedingungen entwickeln als in den tieferen Küstenbereichen. Die Unterschiede bleiben wegen der relativ geringen Gesamtgröße der Insel kleinräumig, sind für Vegetation und Landschaftsbild jedoch deutlich erkennbar.
Die Meeresnähe wirkt ausgleichend auf die Temperaturen. Das umgebende Karibische Meer und der Atlantik speichern große Wärmemengen und verhindern starke tägliche und jahreszeitliche Temperaturschwankungen. Deshalb bleiben auch die Nächte relativ warm. Gleichzeitig führen die warmen Meeresoberflächen der Region zu einer hohen Luftfeuchtigkeit und stellen eine wichtige Energiequelle für tropische Schauer und Gewitter dar.
Die klimatische Einordnung nach Köppen-Geiger liegt im Bereich des tropischen Klimas. Für Saint Thomas wird häufig das tropische Savannenklima Aw verwendet. Kennzeichnend dafür sind ganzjährig hohe Temperaturen und eine ausgeprägte Trockenzeit. Die konkrete Ausprägung unterscheidet sich jedoch innerhalb der Insel abhängig von Höhenlage, Relief, Exposition und Niederschlag. Die allgemeinen Klimadaten für die Amerikanischen Jungferninseln weisen ebenfalls auf ein tropisches Klima mit einer deutlich feuchteren warmen Jahreszeit und einer trockeneren Jahreszeit hin.
Klimadaten für Charlotte Amalie Airport (1991 bis 2020, Extreme seit 1953)
| Jan | Feb | Mar | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr | |
| Höchstrekord (°C) | 34 | 34 | 34 | 36 | 36 | 37 | 37 | 37 | 37 | 36 | 35 | 33 | 37 |
| Mittelmaximum (°C) | 29,5 | 29,5 | 29,8 | 30,4 | 30,9 | 31,7 | 32,2 | 32,3 | 32,2 | 31,5 | 30,6 | 29,8 | 30,9 |
| Mitteltemperatur (°C) | (26,0 | 26,1 | 26,2 | 27,0 | 27,9 | 28,9 | 29,2 | 29,3 | 29,1 | 28,5 | 27,6 | 26,7 | 27,7 |
| Mittelminimum (°C) | 22,4 | 22,4 | 22,7 | 23,4 | 24,6 | 25,4 | 25,6 | 25,6 | 25,6 | 24,9 | 24,0 | 23,2 | 24,2 |
| Tiefstrekord (°C) | 17 | 17 | 13 | 14 | 19 | 19 | 14 | 15 | 18 | 19 | 11 | 17 | 11 |
| Niederschlag (mm) | 54,9 | 37,3 | 26,7 | 66,5 | 77,5 | 66,5 | 71,6 | 89,2 | 122,4 | 150,9 | 152,4 | 73,2 | 989,3 |
| Niederschlagstage ≥ 0,25 mm | 14,3 | 11,8 | 8,1 | 10,7 | 11,9 | 11,1 | 14,8 | 14,2 | 14,6 | 17,7 | 17,8 | 16,7 | 163,6 |
Mythologie
Die Jungferninseln verdanken ihren Namen einer christlichen Legende: Christoph Kolumbus benannte die Inselgruppe 1493 auf seiner zweiten Reise nach der Heiligen Ursula und den elftausend Jungfrauen. Nach der mittelalterlichen Überlieferung war Ursula eine britische Königstochter, die mit einer großen Schar jungfräulicher Gefährtinnen auf einer Pilgerfahrt nach Rom unterwegs war und bei Köln von den Hunnen ermordet wurde, weil sie ihren christlichen Glauben und ihre Jungfräulichkeit nicht aufgeben wollte. Die Zahl der Gefährtinnen wurde im Laufe der Jahrhunderte von elf Märtyrerinnen auf elftausend gesteigert, vermutlich durch eine Fehlinterpretation lateinischer Abkürzungen. Diese europäische Heiligenlegende legte sich über eine Landschaft, die bereits von älteren indigenen Vorstellungen geprägt war.
Die vorkolonialen Bewohner der Region, vor allem Taíno und verwandte arawakische Gruppen, hinterließen Schöpfungs- und Fluterzählungen, die auch auf die Jungferninseln bezogen wurden. Eine weit verbreitete antillische Sintflutsage berichtet, dass Saint Thomas zu den ersten Inseln gehörte, die nach einer großen Überschwemmung aus dem Meer emporstiegen. In einer Version, die unter den Bewohnern Hispaniolas und benachbarter Inseln erzählt wurde, tötete ein Häuptling seinen aufsässigen Sohn und bewahrte dessen gereinigte Knochen in einem Kürbis auf. Als der Kürbis später zerbrach, strömte unaufhörlich Wasser heraus, aus dem Fische, Haie, Wale und das gesamte Meer hervorgingen, bis die Welt in den heutigen Zustand versetzt war. Die heutigen Inseln galten in dieser Sichtweise als die Gipfel einstiger hoher Berge, die aus der Flut herausragten. Solche Erzählungen spiegeln die enge Verbundenheit der indigenen Kulturen mit dem Meer und den Naturgewalten wider, die in der Gestalt der Sturmgöttin Guabancex oder Juracán personifiziert wurden – jener Kraft, von der das Wort „Hurrikan“ abgeleitet ist.
Mit der Ankunft afrikanischer Versklavter und späterer Einwanderer aus anderen karibischen Inseln kamen weitere mythische Gestalten hinzu. Besonders verbreitet sind die Jumbies, übernatürliche Wesen, die um Häuser und in der Dunkelheit leben und sowohl Gutes als auch Böses bewirken können. Der Abschiedsgruß „Don’t let the Jumbies get ya!“ ist bis heute geläufig und erinnert daran, dass man in der Nacht vorsichtig sein soll. Niemand ist sich ganz einig, was ein Jumbie genau ist: Manche sehen in ihm den Geist eines Toten, der nicht an seinen rechten Ort gelangt ist, andere die Seele eines Lebenden im Körper eines Verstorbenen. Sichtbar werden diese Gestalten in den Mocko Jumbies, den auf hohen Stelzen tanzenden Figuren der Karnevalsumzüge, die als schützende oder warnende Geister gelten. Daneben spielte und spielt der Glaube an Obeah eine Rolle – eine Kraft, die Gutes und Böses bewirken kann und die vor allem durch Einwanderer aus den südlicheren Inseln auf die Jungferninseln gelangte. Obeah-Praktiken, Heilkräuterwissen und Sprichwörter wurden von Folkloristen wie Arona Peterson gesammelt und lebendig gehalten.
Lokale Legenden verknüpfen sich auch mit konkreten Orten und Gegenständen. Die blauen Glasperlen, die gelegentlich an den Stränden von Saint Thomas angeschwemmt werden oder beim Schnorcheln gefunden werden, gelten als Glücksbringer. Nach der volkstümlichen Überlieferung bedeuten sie, dass die Insel den Finder bei sich behalten will. Historisch stammen sie aus dem niederländischen Handelsnetz des siebzehnten Jahrhunderts und dienten unter anderem als Tauschmittel. Auch die Piratenzeit hat ihre Mythen hinterlassen. Der Skytsborg-Turm in Charlotte Amalie, heute als Blackbeard’s Castle bekannt, wird mit dem Seeräuber Edward Teach in Verbindung gebracht, obwohl es keine gesicherten Belege dafür gibt, dass er den Turm je genutzt hat. Ähnliche romantische Zuschreibungen gelten für Bluebeard’s Castle. Diese Geschichten verweben sich mit der historischen Rolle von Saint Thomas als Hafen, in dem Piraten zeitweise geduldet wurden, solange der Handel florierte.
Geschichte
Saint Thomas 0wurde 1493 von Christoph Kolumbus entdeckt, ab 1657 zunächst von den Niederländern und ab 1666 von Dänemark kolonisiert, entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert zu einem bedeutenden Zuckerrohr- und Sklavenhandelszentrum der Karibik und war zeitweise der größte Sklavenhafen der westlichen Hemisphäre. 1917 kauften die Vereinigten Staaten die Insel zusammen mit Saint Croix und Saint John für 25 Millionen US-Dollar von Dänemark, um im Ersten Weltkrieg eine strategische Marinestützpunkt-Position in der Karibik zu sichern; seitdem gehört Saint Thomas als Teil der Amerikanischen Jungferninseln zu den USA.
Präkolumbische Zeit
Archäologische Relikte deuten darauf hin, dass die Insel bereits um -1500 in mehreren Wellen von verschiedenen westindischen indigenen Gruppen besiedelt wurde. Die ersten waren die Ciboney. Diese frühesten Bewohner, die archäologisch der archaischen oder präkeramischen Tradition zugerechnet werden und oft mit den Ortoiroid-Kulturen in Verbindung gebracht werden, waren nomadische oder halb-nomadische Jäger, Sammler und Fischer. Sie kannten weder Töpferei noch systematischen Pflanzenbau und hinterließen vor allem Steinwerkzeuge, Muschelgeräte und Knochen- sowie Schalenartefakte. Auf Saint Thomas ist die Fundstelle Krum Bay an der Südküste besonders bedeutsam; dort belegen Ausgrabungen eine Besiedlung etwa vom 15. bis zum 3. Jahrhundert vor Christus. Ähnliche Spuren finden sich auf benachbarten Inseln. Diese Gruppen lebten in kleinen Einheiten, nutzten Höhlen, offene Küstenplätze und kleine Inseln und ernährten sich hauptsächlich von Meeresfrüchten, Fischen, Schildkröten und gelegentlich von Landtieren.
Ab etwa dem -4. Jahrhundert, möglicherweise schon früher, erreichte eine neue Einwanderungswelle die Jungferninseln. Es handelte sich um die Saladoid-Kultur, deren Träger aus dem Orinoco-Gebiet Südamerikas kamen und arawakische Sprachen sprachen. Diese Menschen brachten die Herstellung von bemalter Keramik, den Anbau von Maniok und anderen Nutzpflanzen sowie eine sesshaftere Lebensweise mit. Sie errichteten Dörfer mit runden Gemeinschaftshäusern, betrieben intensiven Gartenbau in den fruchtbaren Tälern und an den Küsten und unterhielten weitreichende Handelsbeziehungen zwischen den Inseln. Auf Saint Thomas und den übrigen Jungferninseln dauerte die Saladoid-Phase bis etwa zum 6. Jahrhundert nach Christus. Die Kultur wird manchmal mit den Igneri in Verbindung gebracht, einer Bezeichnung, die spätere Quellen für frühe arawakische Gruppen der Kleinen Antillen verwendeten.
Ab dem 6. oder 7. Jahrhundert entwickelte sich aus der Saladoid-Tradition die Ostionoid-Kultur. Die Keramik wurde einfacher und funktionaler, die Siedlungen wuchsen, und die gesellschaftliche Organisation wurde komplexer. Diese Phase führte allmählich zur Herausbildung der klassischen Taíno-Kultur, die in den Jahrhunderten vor der Ankunft der Europäer die Großen Antillen, Puerto Rico und die Jungferninseln prägte. Die Taíno lebten in größeren Dörfern, die um einen zentralen Platz angelegt waren, bauten Maniok, Süßkartoffeln, Mais und andere Pflanzen an und ergänzten ihre Ernährung durch Fischfang und Jagd. Ihre Gesellschaft war hierarchisch gegliedert und wurde von Caciques geführt. Religiöse Vorstellungen drehten sich um Ahnenverehrung und zemi-Geister, die in geschnitzten Figuren und Petroglyphen zum Ausdruck kamen. Auf den Jungferninseln sind zahlreiche Taíno-Fundstellen bekannt, darunter Siedlungsspuren und heilige Orte.
Kurz vor 1493 waren die Jungferninseln Teil des Einflussbereichs der Taíno, während aus dem Süden die Kalinago, von den Europäern oft als Kariben bezeichnet, vordrangen und die Kleinen Antillen eroberten. Ob und in welchem Umfang sie bereits fest auf Saint Thomas ansässig waren, ist nicht abschließend geklärt; archäologische und historische Hinweise deuten auf eine Zone kultureller Überschneidung hin.
Entdeckungszeit
Im November 1493 erreichte Christoph Kolumbus während seiner zweiten Reise in die Karibik die Region der Virgin Islands. Seine Flotte war wesentlich größer als bei der ersten Reise und diente nicht mehr ausschließlich der Erkundung, sondern auch der Errichtung spanischer Herrschaft, der Suche nach wirtschaftlich nutzbaren Ressourcen und der Ausweitung des christlichen Einflusses. Am 13. November 1493 erreichte die Expedition Saint Croix; am folgenden Tag gingen Mitglieder der Expedition bei Salt River an Land. Dort kam es zu einem bewaffneten Zusammenstoß mit Angehörigen der indigenen Bevölkerung. Dieser Zusammenstoß gilt als eine der frühesten dokumentierten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Europäern und indigenen Bewohnern der Karibik.
Nach dem Aufenthalt auf Saint Croix segelte die spanische Expedition weiter durch den nördlichen Teil der Inselgruppe. Kolumbus benannte die Inselgruppe nach den „11.000 Jungfrauen“ der heiligen Ursula. Die Bezeichnung bezog sich auf die große Zahl kleiner Inseln und Inselchen, die von der Expedition wahrgenommen wurden. Eine dauerhafte spanische Niederlassung auf Saint Thomas entstand jedoch nicht. Auch eine konkrete Landung des Kolumbus auf Saint Thomas ist nicht in gleicher Weise dokumentiert wie die Landung bei Salt River auf Saint Croix. Für die Geschichte der Insel ist deshalb zwischen der europäischen Erfassung der Virgin Islands im Jahr 1493 und einer tatsächlichen europäischen Besiedlung von Saint Thomas zu unterscheiden.
Die Ankunft der Spanier leitete dennoch einen tiefgreifenden Wandel für die indigene Bevölkerung der gesamten Region ein. Spanische Eroberung, Gewalt, Verschleppung, Versklavung und eingeschleppte Krankheiten führten in den folgenden Jahrzehnten zu einem starken Bevölkerungsrückgang. Der National Park Service beschreibt für die Virgin Islands einen Prozess, bei dem die indigene Bevölkerung durch Gewalt und Krankheiten verdrängt und dezimiert wurde. Auch die Versklavung indigener Menschen war Bestandteil der frühen spanischen Expansion in der Karibik.
Für Saint Thomas lässt sich allerdings nicht belegen, dass die indigene Bevölkerung unmittelbar nach der Entdeckung von 1493 vollständig „ausgerottet“ wurde. Die historische Quellenlage für die Insel selbst ist wesentlich dünner als für Hispaniola, Puerto Rico oder Saint Croix. Archäologische Untersuchungen belegen eine indigene Besiedlung der Virgin Islands, während schriftliche Quellen aus der unmittelbaren Kontaktzeit nur wenige direkte Informationen über Saint Thomas liefern. Deshalb ist es sachlich genauer, von einer allmählichen Zerstörung und Verdrängung indigener Gesellschaften infolge europäischer Kolonisation, Gewalt, Versklavung und eingeschleppter Krankheiten zu sprechen.
Spanien erhob nach den Reisen des Kolumbus Anspruch auf die Virgin Islands, konzentrierte seine kolonialen Anstrengungen jedoch auf größere und wirtschaftlich bedeutendere Gebiete wie Puerto Rico und Hispaniola. Saint Thomas erhielt keine dauerhafte spanische Kolonialsiedlung. Dadurch blieb die Insel im 16. Jahrhundert außerhalb einer stabilen europäischen Verwaltung. Ihre Lage nahe Puerto Rico und an den Schifffahrtswegen zwischen den spanischen Besitzungen und den übrigen karibischen Inseln machte sie jedoch für europäische Seefahrer strategisch interessant.
Im 16. und frühen 17. Jahrhundert wurde Saint Thomas zunehmend in die Konkurrenz der europäischen Mächte in der Karibik einbezogen. Englische, niederländische und französische Seefahrer nutzten die Virgin Islands und ihre geschützten Buchten zeitweise als Ankerplätze. Gleichzeitig wurden die Inseln von Freibeutern und Piraten aufgesucht. Die günstige Lage und die zahlreichen natürlichen Ankerplätze boten Möglichkeiten zur Versorgung, zur Reparatur von Schiffen und zur vorübergehenden Aufnahme von Besatzungen. Der National Park Service beschreibt die Virgin Islands in dieser Zeit als Schauplatz wiederholter Versuche verschiedener europäischer Mächte, Stützpunkte zu errichten.
Die europäischen Ansprüche führten zunächst jedoch nicht zu einer dauerhaften Kolonisierung von Saint Thomas. Englische, niederländische und französische Unternehmungen wechselten sich mit spanischen Gegenmaßnahmen ab; Krankheiten, Versorgungsschwierigkeiten und Konflikte erschwerten die dauerhafte Besiedlung. Saint Thomas blieb deshalb bis zur dänischen Kolonisierung im 17. Jahrhundert eine Insel ohne dauerhaft etablierte europäische Kolonialverwaltung. Gerade diese lange Übergangsphase unterscheidet Saint Thomas von den großen spanischen Kolonien der Karibik.
Dänische Kolonialzeit
Ein erster dänischer Kolonisierungsversuch begann 1665. Eine kleine Gruppe unter dem Gouverneur Erik Smit errichtete eine Siedlung auf Saint Thomas und begann unter anderem mit dem Bau der später als Fort Christian bekannten Befestigung. Die Unternehmung scheiterte jedoch nach etwa eineinhalb Jahren. Angriffe, Krankheiten, Versorgungsschwierigkeiten und die geringe Unterstützung aus Dänemark führten zum Abbruch der Siedlung. Die ersten dänischen Kolonisten kehrten nach Dänemark zurück. Damit war die Insel zunächst wieder ohne dauerhafte dänische Besiedlung.
Die Voraussetzungen für einen zweiten und erfolgreichen Kolonisierungsversuch wurden anschließend durch die dänische Krone geschaffen. 1670 schloss König Christian V. ein Bündnis- und Handelsabkommen mit Großbritannien, um eine britische Behinderung der geplanten dänischen Kolonisation zu vermeiden. 1671 erhielt die Dansk Vestindisk-guineisk Kompagni, die Dänische Westindien- und Guinea-Kompanie, das königliche Privileg zur Aufnahme des Handels und zur Errichtung von Niederlassungen in Westindien. Am 26. Mai 1672 erreichte das dänische Schiff Fero den Hafen von Saint Thomas; die dänische Flagge wurde gehisst und damit begann die dauerhafte dänische Kolonialherrschaft.
Die neue Siedlung konzentrierte sich zunächst auf den Bereich des heutigen Charlotte Amalie. Fort Christian wurde zum militärischen, administrativen und religiösen Mittelpunkt der Kolonie. Die übrigen europäischen Siedler waren zunächst vor allem damit beschäftigt, außerhalb des Hafens landwirtschaftliche Flächen zu erschließen. Der Hafen entwickelte sich gleichzeitig zu einem Handelsplatz. Weil die Dänische Westindien- und Guinea-Kompanie nur über begrenzte finanzielle Mittel verfügte, war sie auf Einnahmen aus Handel und Plantagenwirtschaft angewiesen. Saint Thomas wurde deshalb früh in den transatlantischen Handel einbezogen.
Aus der anfänglichen Siedlung am Hafen entstand allmählich die Stadt Charlotte Amalie. Die älteste Ansiedlung wurde zunächst Taphus genannt, ein dänischer Name, der mit „Bierhaus“ beziehungsweise „Tavernenviertel“ wiedergegeben wird. Der Name hing mit den frühen Schankwirtschaften zusammen, die sich westlich des Forts an der Hafenseite entwickelten. 1681 wurde die Errichtung von vier Häusern westlich des Forts genehmigt. In den folgenden Jahren wurden weitere Grundstücke vergeben; 1688 bestanden zusätzliche Parzellen im östlichen Bereich, 1692 kamen Grundstücke am Wasser hinzu, auf denen Lagerhäuser und Anlegestellen entstanden. 1698 waren bereits 47 Häuser errichtet. 1691 wurde die Stadt offiziell Charlotte Amalie genannt, nach Charlotte Amalie von Hessen-Kassel, der Gemahlin König Christians V. von Dänemark.
Die Landwirtschaft spielte neben dem Hafenhandel eine wichtige Rolle. Auf Saint Thomas wurden Plantagen angelegt, insbesondere für Zuckerrohr, daneben für Baumwolle, Tabak und weitere tropische Erzeugnisse. Wegen der begrenzten landwirtschaftlichen Flächen und der gebirgigen Topographie konnte Saint Thomas allerdings nicht die Bedeutung einer großen Zuckerproduktionsinsel wie später Saint Croix erreichen. Die Plantagenwirtschaft beruhte auf der systematischen Versklavung und Verschleppung afrikanischer Menschen. Die Dänische Westindien- und Guinea-Kompanie errichtete bereits in den 1670er Jahren einen Sklavenmarkt im Hafen von Charlotte Amalie. Saint Thomas wurde dadurch zu einem wichtigen Knotenpunkt des dänischen transatlantischen Sklavenhandels.
Die Bevölkerungsstruktur veränderte sich dadurch innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend. Während die Zahl der europäischen Siedler zunächst gering blieb, nahm die Zahl der aus Afrika verschleppten und versklavten Menschen rasch zu. Die Plantagen, Haushalte, Werkstätten und Hafenbetriebe waren in hohem Maß auf diese Zwangsarbeit angewiesen. Gleichzeitig entstand in Charlotte Amalie eine multinationale Handelsbevölkerung aus Dänen, Engländern, Niederländern, Deutschen, Franzosen, Juden verschiedener europäischer Herkunft, Afrikanern und Menschen aus anderen Teilen der Karibik. Die dänische Kolonie war deshalb bereits im späten 17. Jahrhundert wirtschaftlich und gesellschaftlich wesentlich vielfältiger als eine ausschließlich dänische Siedlung.
Von 1685 an erhielt auch Brandenburg-Preußen Zugang zu Saint Thomas. Dänemark schloss mit dem Herzogtum Brandenburg einen Vertrag, der der Brandenburgischen Amerikanischen Kompanie die Einrichtung eines Handels- und Sklavenhandelspostens auf der Insel gestattete. Die Brandenburger errichteten ein größeres Lagerhaus am westlichen Rand der damaligen Siedlung und beteiligten sich am Handel mit versklavten Afrikanern. Der Vertrag lief in den 1690er Jahren aus; die brandenburgische Präsenz veränderte die dänische Hoheit über Saint Thomas nicht dauerhaft. Die Episode zeigt jedoch die Bedeutung des Hafens für die europäischen Handels- und Sklavenhandelsnetze.
Saint Thomas entwickelte sich gleichzeitig zu einem bedeutenden Stützpunkt für Piraten und Kaperfahrer. Die geschützte Bucht, die zahlreichen Ankerplätze und die Nähe zu den spanischen Handelsrouten boten dafür günstige Voraussetzungen. Während des späten 17. Jahrhunderts gestatteten einzelne dänische Gouverneure Piraten, sich auf Saint Thomas niederzulassen und ihre erbeuteten Waren im Hafen abzusetzen. Der National Park Service beschreibt die frühe dänische Kolonie ausdrücklich als einen Handelsplatz, an dem Piraten und Kaperfahrer willkommen waren. Zu den mit den Virgin Islands verbundenen Piraten gehörten unter anderem Captain Kidd, Jean Hamlin, Stede Bonnet, Tempest Rogers, Bartholomew Sharp und Black Sam Bellamy.
Die häufige Verbindung von Saint Thomas mit Edward Teach, genannt Blackbeard, gehört dagegen teilweise zur späteren lokalen Überlieferung. Der heute als Blackbeard's Castle bekannte Wachturm wurde nicht als Wohnsitz oder Stützpunkt Blackbeards errichtet. Seine ursprüngliche Funktion bestand darin, den Hafen und mögliche Angriffe auf die dänische Siedlung zu überwachen. Die Bezeichnung Blackbeard's Castle entstand erst später und wurde Teil der touristischen und historischen Überlieferung der Insel.
Im 18. Jahrhundert gewann Charlotte Amalie zunehmend den Charakter eines internationalen Freihandels- und Umschlaghafens. Die dänische Neutralität gegenüber verschiedenen europäischen Konflikten begünstigte den Handel, weil Schiffe unterschiedlicher Nationen den Hafen anlaufen konnten. Neben Waren aus den dänischen Westindischen Inseln wurden europäische Manufakturwaren, Lebensmittel, Textilien, Baumaterialien und andere Handelsgüter umgesetzt. Der Hafen diente außerdem als Zwischenstation für den Handel zwischen den europäischen Kolonialreichen und den spanischen Besitzungen in der Karibik.
1755 ging Dänisch-Westindien von der Dänischen Westindien- und Guinea-Kompanie unmittelbar an den dänischen Staat über. Damit endete die Vorherrschaft der privaten Handelsgesellschaft über die Verwaltung der Kolonie. Für Saint Thomas verstärkte sich dadurch die Bedeutung des Hafens innerhalb des dänischen Gesamtstaates. Dänemark nutzte die Insel weiterhin als Handelsstützpunkt, während Kopenhagen als wichtigster europäischer Zielhafen des westindischen Handels eine zentrale Stellung einnahm. Auch Flensburg, das damals zum dänischen Gesamtstaat gehörte, war am Handel mit den Westindischen Inseln beteiligt.
Die wirtschaftliche Entwicklung beruhte weiterhin auf der Plantagenwirtschaft, dem Hafenhandel und dem transatlantischen Sklavenhandel. Saint Thomas war dabei stärker auf Handel und Dienstleistungen für die Schifffahrt ausgerichtet als auf großflächige Zuckerproduktion. Die Zahl der Bewohner von Charlotte Amalie nahm dennoch deutlich zu. Für 1789 werden 2.185 Stadtbewohner ausgewiesen, darunter 1.527 versklavte Menschen, 260 freie Farbige und 398 Weiße. 1800 hatte Charlotte Amalie bereits 4.460 Einwohner, darunter 2.561 versklavte Menschen, 714 freie Farbige und 1.185 Weiße. Die Zahlen verdeutlichen die zentrale Rolle der versklavten Bevölkerung im städtischen und wirtschaftlichen Leben.
Eine besonders starke Handelsblüte setzte zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein. Während der europäischen und amerikanischen Unabhängigkeitskriege konnte Charlotte Amalie von seiner neutralen Stellung profitieren. Der Hafen wurde von Schiffen unterschiedlicher Staaten genutzt, die dort Waren umschlugen und Handel betrieben. Für 1804 werden mehr als 1.300 Schiffseingänge genannt, für 1820 mehr als 2.300. Damit gehörte Charlotte Amalie zu den bedeutenden Handelsplätzen der Karibik. Die Hafenwirtschaft war inzwischen deutlich internationaler ausgerichtet als die eigentliche dänische Kolonialverwaltung.
Die Entwicklung des Hafens führte zugleich zu einer weiteren Verdichtung der Stadt. Lagerhäuser, Kaufmannshäuser, Kontore, Tavernen, Werkstätten und Anlegestellen entstanden entlang der Uferzone und an den ansteigenden Straßen der Stadt. Das historische Stadtbild von Charlotte Amalie geht in seinen Grundzügen auf diese Phase zurück. Die Lage zwischen dem Hafen und den umliegenden Hügeln bestimmte die Gliederung der Straßen und die spätere Entwicklung der drei historischen Stadtviertel.
Die Piraterie verschwand im frühen 19. Jahrhundert nicht an einem einzelnen Stichtag. Vielmehr nahm ihre Bedeutung unter dem zunehmenden internationalen Vorgehen gegen Piraterie und Kaperfahrt schrittweise ab. 1822 berichtete die US Navy beispielsweise über in Saint Thomas ausgerüstete kleine Kaperschiffe, die von amerikanischer Seite als Piraten betrachtet wurden. Im selben Zeitraum wurde die US West Indies Squadron zur Bekämpfung von Piraterie und Sklavenhandel eingesetzt; Saint Thomas spielte dabei aufgrund seiner Lage und seines Hafens eine wichtige Rolle.
Umbruchszeit
Im 19. Jahrhundert wandelte sich Saint Thomas zunehmend von einem Hafen, dessen Bedeutung auch auf der Duldung halbregulärer Seefahrt beruhte, zu einem regulären internationalen Handels-, Schifffahrts- und Poststützpunkt. Charlotte Amalie blieb der wichtigste Hafen der dänischen Westindischen Inseln und profitierte von der günstigen Lage zwischen den europäischen Kolonialgebieten der Karibik und den nordamerikanischen Handelsplätzen. Der Hafen diente als Umschlagplatz, Versorgungsstation und Kohlenbunker für Dampfschiffe und wurde von Schiffen verschiedener Nationen angelaufen. Noch gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterhielten mehrere europäische Reedereien regelmäßige Verbindungen nach Saint Thomas.
Mit dem Übergang von der Segelschifffahrt zur Dampfschifffahrt gewann die Lage von Saint Thomas zusätzliche Bedeutung. 1839 wurde Charlotte Amalie zu einem Stützpunkt der britischen Royal Mail Steam Packet Company, die ein umfangreiches Netz von Dampfschiffverbindungen zwischen Großbritannien, der Karibik und Mittelamerika aufbaute. Die Einrichtung eines solchen Post- und Dampfschiffstützpunktes verstärkte die Funktion des Hafens als Verbindungspunkt zwischen Europa und der Karibik. Nach dem Ende dieser Verbindung übernahmen andere internationale Reedereien einen Teil des Verkehrs. Später wurde Saint Thomas insbesondere für die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, die Hamburg-Amerika-Linie, zu einem wichtigen Stützpunkt. Anfang des 20. Jahrhunderts war Saint Thomas nach zeitgenössischen Angaben Hauptstützpunkt und Kohlenstation der Hamburg-Amerika-Linie in Westindien; außerdem besaßen deutsche, französische und britische Postgesellschaften dort Kohlenstationen.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Hafens konnte jedoch den strukturellen Niedergang der traditionellen Plantagenwirtschaft nicht dauerhaft ausgleichen. Die Zuckerwirtschaft der dänischen Westindischen Inseln war bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert mit erheblichen Problemen konfrontiert. Die Konkurrenz anderer Zuckerproduzenten, Veränderungen des Weltmarktes, die wirtschaftlichen Folgen der europäischen Kriege sowie später die Abschaffung der Sklaverei schwächten die bisherige Wirtschaftsordnung. Saint Thomas war von dieser Entwicklung etwas anders betroffen als Saint Croix, weil seine Wirtschaft stärker auf Hafenhandel, Schifffahrt, Lagerung und Dienstleistungen ausgerichtet war. Trotzdem bildete die Sklavenarbeit auch auf Saint Thomas weiterhin eine wesentliche Grundlage der kolonialen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Der National Park Service bezeichnet die dänische Sklavenwirtschaft als einen zentralen Bestandteil der Geschichte der Virgin Islands; auf Saint Thomas bestand bereits seit den 1670er Jahren ein Sklavenmarkt in Charlotte Amalie.
Die gesellschaftliche Ordnung war durch eine scharfe rechtliche und soziale Hierarchie geprägt. Die größte Bevölkerungsgruppe bildeten die aus Afrika verschleppten und auf den Inseln versklavten Menschen. Daneben lebten freie Menschen afrikanischer oder gemischter Herkunft sowie Europäer auf der Insel. Unter den Europäern befanden sich dänische Beamte und Soldaten, Kaufleute und Handwerker sowie britischstämmige und andere europäische Plantagenbesitzer. Zwischen den Gruppen bestanden unterschiedliche Rechtsstellungen, wirtschaftliche Möglichkeiten und gesellschaftliche Privilegien. Freie Schwarze und Menschen gemischter Herkunft bildeten eine eigenständige Bevölkerungsgruppe, deren rechtliche Stellung sich von der der versklavten Bevölkerung unterschied, ohne dass damit eine Gleichstellung mit der weißen Bevölkerung verbunden gewesen wäre.
Die versklavte Bevölkerung leistete nicht nur Arbeit auf Plantagen. Versklavte Menschen arbeiteten auch in Haushalten, Werkstätten, im Hafen, im Transportwesen und in zahlreichen anderen Bereichen der kolonialen Wirtschaft. Gleichzeitig entwickelte sich eine vielfältige Kultur der afrokaribischen Bevölkerung. Die Menschen brachten Sprachen, religiöse Vorstellungen, musikalische Formen, handwerkliche Kenntnisse und landwirtschaftliche Erfahrungen aus unterschiedlichen Regionen West- und Zentralafrikas mit. Unter den Bedingungen der Sklaverei entstanden daraus neue gesellschaftliche und kulturelle Formen der Virgin Islands. Widerstand gegen die Sklaverei gehörte während der gesamten Kolonialzeit zur Geschichte der Inselgruppe. Flucht, Arbeitsverweigerung, Sabotage und andere Formen des Widerstands sind dokumentiert. Geflüchtete Versklavte fanden unter anderem in den schwer zugänglichen Hügelgebieten der Inseln vorübergehend Zuflucht.
Die dänische Kolonialverwaltung begann im 19. Jahrhundert zugleich mit einzelnen Reformen. 1839 wurde beispielsweise eine Schulordnung erlassen, die sowohl für freie als auch für unfreie Kinder eine kostenlose und verpflichtende Grundbildung vorsah. Für Saint Thomas waren fünf Schulen vorgesehen. Der Unterricht sollte in englischer Sprache unter der Leitung der Herrnhuter beziehungsweise Moravianer erfolgen. Diese Maßnahmen beseitigten die soziale Ungleichheit der Kolonialgesellschaft nicht, stellten aber einen Ausbau der öffentlichen Bildungsinfrastruktur dar.
Die entscheidende Zäsur bildete das Jahr 1848. Die dänische Regierung hatte bereits 1847 eine Regelung beschlossen, nach der Kinder versklavter Frauen künftig frei geboren werden sollten; die bereits versklavten Menschen sollten nach einer Übergangsfrist von zwölf Jahren freikommen. Diese Regelung stieß jedoch auf Widerstand. Auf Saint Croix kam es im Sommer 1848 zu einer großen Erhebung der versklavten Bevölkerung unter Führung von Moses Gottlieb, der als General Buddhoe bekannt wurde. Die Bewegung setzte die koloniale Regierung unter erheblichen Druck. Am 3. Juli 1848 verkündete Generalgouverneur Peter von Scholten in Frederiksted auf Saint Croix die sofortige allgemeine Emanzipation der versklavten Bevölkerung der Dänisch-Westindischen Inseln. Damit endete die Sklaverei auch auf Saint Thomas und Saint John.
Die Emanzipation beseitigte die Sklaverei, führte aber nicht zur sofortigen wirtschaftlichen und sozialen Gleichstellung der ehemaligen Versklavten. Die Plantagenbesitzer behielten einen erheblichen Teil ihres wirtschaftlichen Einflusses, während die ehemaligen Sklaven nun ihre Arbeitskraft frei anbieten konnten. Viele ehemalige Plantagenarbeiter verließen die Plantagen oder reduzierten ihre Arbeit dort und entwickelten eigene Formen des Lebensunterhalts. Auf den Virgin Islands entstanden unter anderem kleinere landwirtschaftliche Betriebe sowie Tätigkeiten in der Holzkohlegewinnung und in der Herstellung von Bay-Rum-Öl.
Für Saint Thomas bedeutete die Abschaffung der Sklaverei eine weitere Veränderung der wirtschaftlichen Grundlagen. Die Insel konnte stärker auf den Hafen, den internationalen Handel, die Schifffahrt und Dienstleistungen setzen. Gleichzeitig verlor die traditionelle Plantagenwirtschaft an Bedeutung. Die internationale Dampfschifffahrt bot neue wirtschaftliche Möglichkeiten, doch der Hafen musste sich zunehmend gegen andere karibische Umschlagplätze behaupten. Die Entwicklung der Dampfschifffahrt machte Saint Thomas zwar zu einem wichtigen Kohlen- und Versorgungshafen, erhöhte aber gleichzeitig die Bedeutung technisch besser ausgestatteter und politisch stärker unterstützter Häfen in der Region.
Ein schwerer Einschnitt war der Hurrikan von 1867. Der Sturm verursachte in den dänischen Westindischen Inseln erhebliche Schäden an Gebäuden, Hafenanlagen und Plantagen. Auf Saint John führte der Hurrikan zum dauerhaften Zusammenbruch mehrerer Plantagenbetriebe; auch Saint Thomas war von den Auswirkungen betroffen. Naturkatastrophen trafen damit auf eine ohnehin geschwächte koloniale Wirtschaft und verstärkten deren langfristige Probleme. Die Kombination aus dem Niedergang der Zuckerwirtschaft, dem Ende der Sklavenarbeit und wiederholten Hurrikanen trug zum wirtschaftlichen Bedeutungsverlust der dänischen Kolonie bei.
Saint Thomas blieb dennoch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein international bedeutender Hafen. Zeitgenössische amerikanische Berichte beschreiben Charlotte Amalie als westindischen Hauptstützpunkt der Hamburg-Amerika-Linie. Neben den deutschen Verbindungen bestanden regelmäßige Dienste französischer und britischer Gesellschaften sowie Verbindungen nach Nordamerika und zu anderen karibischen Inseln. Der Hafen verfügte über Kohlenstationen verschiedener Reedereien und war damit in das internationale Dampfschiffnetz eingebunden.
Parallel dazu nahm das Interesse der Vereinigten Staaten an den dänischen Westindischen Inseln zu. Die strategische Lage der Inselgruppe in der Karibik war für die Vereinigten Staaten insbesondere wegen der Zugänge zum Karibischen Meer, zu Puerto Rico und zum späteren Panamakanal von Bedeutung. Bereits 1865 hatten die Vereinigten Staaten Verhandlungen über einen möglichen Erwerb der dänischen Inseln aufgenommen. Mehrere Anläufe zum Verkauf scheiterten jedoch an politischen Widerständen in Dänemark und an den jeweiligen Interessen der beteiligten Regierungen.
Um 1900 war Saint Thomas daher einerseits weiterhin ein internationaler Schifffahrtsplatz, andererseits Teil einer wirtschaftlich geschwächten Kolonie. Die Bevölkerung bestand inzwischen überwiegend aus Menschen afrikanischer oder afrokaribischer Herkunft, darunter Nachkommen der versklavten Bevölkerung, sowie aus freien Menschen unterschiedlicher Herkunft und einer kleineren europäischen Bevölkerungsgruppe. Englisch hatte sich im Alltag weitgehend durchgesetzt, während Dänisch die Sprache der kolonialen Verwaltung blieb und andere europäische Sprachen im Handel verwendet wurden.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstärkten sich die wirtschaftlichen und strategischen Gründe für einen Verkauf der Inselgruppe. Dänemark hatte Schwierigkeiten, die Kolonie wirtschaftlich aufrechtzuerhalten, während die Vereinigten Staaten zunehmend an einer Kontrolle der strategisch wichtigen Inseln interessiert waren. Der Erste Weltkrieg veränderte die Situation grundlegend. Die Vereinigten Staaten befürchteten insbesondere eine mögliche deutsche Präsenz in der Karibik. Am 4. August 1916 unterzeichneten Dänemark und die Vereinigten Staaten den Vertrag über die Abtretung der Dänisch-Westindischen Inseln. Der amerikanische Senat stimmte der Ratifikation am 7. September 1916 zu; Dänemark ratifizierte den Vertrag am 22. Dezember 1916. Die Ratifikationsurkunden wurden am 17. Januar 1917 ausgetauscht und der Vertrag am 25. Januar 1917 von den Vereinigten Staaten verkündet.
Weltkriegszeit
In den ersten Jahren nach der Übernahme wurde das Territorium von der US Navy verwaltet. Die Marine übernahm 1917 die zivile Verwaltung und nutzte die strategische Lage der Inseln für die amerikanische Präsenz in der Karibik. Für Saint Thomas war insbesondere der große und geschützte Hafen von Charlotte Amalie von Bedeutung. Die amerikanische Verwaltung übernahm gleichzeitig zahlreiche Einrichtungen und Grundstücke der früheren dänischen Kolonialverwaltung.
Die wirtschaftliche Ausgangslage war schwierig. Die dänische Kolonialwirtschaft hatte bereits vor 1917 einen langen Niedergang erlebt. Besonders die Zuckerproduktion hatte nach der Abschaffung der Sklaverei 1848 an Bedeutung verloren. Saint Thomas war stärker durch Handel, Hafenwirtschaft und Dienstleistungen geprägt als Saint Croix. Nach dem Übergang an die USA blieb deshalb die Hafen- und Handelsfunktion von Charlotte Amalie besonders wichtig.
1927 wurde ein entscheidender rechtlicher Schritt vollzogen. Personen, die nach dem 17. Januar 1917 auf den U.S. Virgin Islands geboren worden waren, wurden durch ein Bundesgesetz rückwirkend zu US-Staatsbürgern erklärt. Damit veränderte sich die rechtliche Zugehörigkeit der Bevölkerung von Saint Thomas grundlegend.
1931 wurde die zivile Verwaltung der U.S. Virgin Islands vom Department of the Navy auf das Department of the Interior übertragen. Die neue Verwaltungsordnung trat am 18. März 1931 in Kraft. Damit endete die unmittelbare Verwaltung durch die US Navy und die Inseln wurden einer zivilen Bundesverwaltung unterstellt.
Die 1930er Jahre brachten eine schrittweise Erweiterung der politischen Selbstverwaltung. Der Organic Act von 1936 bildete die Grundlage für eine neue territoriale Verwaltungsordnung. Er sah unter anderem die Volkswahl der Mitglieder der Municipal Councils vor und beseitigte Eigentums- und Einkommensvoraussetzungen für das Wahlrecht. Außerdem regelte er die Organisation der Justiz und schuf die Grundlage für eine weiterentwickelte territoriale Verwaltung.
In den 1930er Jahren begann auch die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus zuzunehmen. Verbesserungen der Verkehrsverbindungen und die wachsende Zahl amerikanischer Besucher führten zu einer Entwicklung von Hotels, Pensionen, Gastronomie und touristischen Dienstleistungen. Die touristische Entwicklung war noch wesentlich kleiner als nach dem Zweiten Weltkrieg, bildete aber eine Grundlage für den späteren wirtschaftlichen Wandel von Saint Thomas.
Der Zweite Weltkrieg verstärkte die strategische Bedeutung der Insel. Die Vereinigten Staaten bauten ihre militärische Präsenz in den Virgin Islands aus. Eine besondere Rolle spielte Water Island im Hafenbereich von Saint Thomas. Die Insel war 1917 nicht zusammen mit Saint Thomas, Saint Croix und Saint John an die Vereinigten Staaten übergegangen. 1939 pachtete die US Navy dort einen großen Teil der Insel. Ab 1942 wurden unterirdische Anlagen zum Schutz der U-Boot-Basis bei Saint Thomas errichtet. 1944 übernahm das US-Verteidigungsministerium schließlich die gesamte Insel durch Enteignung. Die militärischen Anlagen wurden unter anderem als Fort Segarra bezeichnet.
Während des Zweiten Weltkriegs war Saint Thomas damit Teil der amerikanischen militärischen Infrastruktur in der Karibik. Der Hafen von Charlotte Amalie, die umliegenden Gewässer und die militärischen Einrichtungen gewannen strategische Bedeutung. Gleichzeitig wurde die Insel wirtschaftlich und administrativ stärker in die Vereinigten Staaten eingebunden.
Moderne Zeit
In den späten 1940er und 1950er Jahren beschleunigte sich die wirtschaftliche Modernisierung. Der Tourismus wurde zu einem wichtigen Wirtschaftszweig, während traditionelle landwirtschaftliche Tätigkeiten weiter an Bedeutung verloren. Saint Thomas profitierte dabei von seiner Lage, dem natürlichen Hafen von Charlotte Amalie und seiner Nähe zu Puerto Rico und anderen karibischen Inseln. Die Entwicklung von Hotels, Geschäften und touristischer Infrastruktur veränderte insbesondere Charlotte Amalie und die Küstenbereiche der Insel.
1954 trat der Revised Organic Act in Kraft. Er schuf die bis heute grundlegende Organisationsstruktur der territorialen Regierung und regelte die Aufteilung in Legislative, Exekutive und Judikative. Damit wurde die Selbstverwaltung gegenüber der früheren unmittelbaren Bundesverwaltung erheblich erweitert.
Die 1960er Jahre waren durch einen weiteren Ausbau des Tourismus, des Handels und der Infrastruktur geprägt. Charlotte Amalie entwickelte sich zunehmend zu einem internationalen Einkaufs- und Kreuzfahrtzentrum. Gleichzeitig wurde die politische Selbstverwaltung weiter ausgebaut. 1968 verabschiedete der US-Kongress den Virgin Islands Elective Governor Act. Dadurch wurde die Wahl des Gouverneurs durch die Bevölkerung ermöglicht. Die ersten Wahlen für die territorialen Verfassungsämter fanden 1970 statt. Seitdem werden Gouverneur und Lieutenant Governor sowie die territoriale Legislative durch Wahlen bestimmt.
In den 1970er Jahren setzte sich die touristische und städtische Entwicklung von Saint Thomas fort. Charlotte Amalie wurde endgültig zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum der U.S. Virgin Islands. Gleichzeitig gewann der Schutz des historischen Erbes an Bedeutung. Fort Christian war bereits 1960 als St. Thomas National Historic Site ausgewiesen worden; 1975 wurde die Verwaltung des historischen Areals an die Regierung der Virgin Islands übertragen.
Die 1980er Jahre waren durch eine starke Ausrichtung der Wirtschaft auf Tourismus, Handel, Dienstleistungen und Immobilien geprägt. Hotels, Ferienanlagen, Restaurants und Geschäfte wurden ausgebaut. Der Kreuzfahrttourismus gewann weiter an Bedeutung. Parallel veränderten Bevölkerungswachstum, Zuwanderung und zunehmende Verstädterung die Gesellschaft von Saint Thomas. Die Insel wurde stärker in die regionalen Verkehrs-, Handels- und Wirtschaftsstrukturen der Karibik eingebunden.
Hurrikan Hugo traf die Jungferninseln 1989 und verursachte katastrophale materielle und wirtschaftliche Schäden, insbesondere auf der Insel St. Croix. Im Jahr 1995 wurde das Gebiet erneut von Hurrikan Marilyn heimgesucht, der acht Menschen tötete und Schäden in Höhe von über 2 Milliarden Dollar verursachte. In den Jahren 1996, 1998, 1999 und 2008 wurden die Inseln erneut von den Hurrikanen Bertha, Georges, Lenny und Omar heimgesucht, doch die Schäden waren bei diesen Stürmen nicht so groß.
In den 1990er Jahren setzte sich diese Entwicklung fort. Der Tourismus blieb der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Charlotte Amalie war zugleich Zentrum des Einzelhandels und ein bedeutender Kreuzfahrthafen. Die politische Selbstverwaltung war inzwischen fest etabliert. Die Einwohner der U.S. Virgin Islands blieben jedoch US-Bürger ohne Stimmrecht bei Präsidentschaftswahlen, da das Territorium kein Bundesstaat ist. Im US-Repräsentantenhaus werden sie durch einen Delegierten ohne Stimmrecht im Plenum vertreten.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden neben dem Tourismus auch Umwelt- und Denkmalschutz wichtiger. 2001 wurde das Virgin Islands Coral Reef National Monument eingerichtet. Auf Saint Thomas selbst wurden insbesondere die historischen Anlagen und Naturgebiete stärker in den Schutz und die touristische Vermittlung einbezogen. Das National Park System umfasst außerdem seit 1978 Teile von Hassel Island im Hafen von Charlotte Amalie.
Die 2000er Jahre brachten weiteres Wachstum des Kreuzfahrt- und Urlaubstourismus. Gleichzeitig wurde die Insel zunehmend von internationalen Entwicklungen im Tourismus abhängig. Die territoriale Regierung investierte in Straßen, Häfen, Flughäfen, Krankenhäuser und andere öffentliche Einrichtungen. Die University of the Virgin Islands entwickelte ihren Standort auf Saint Thomas weiter und wurde zu einer wichtigen Bildungsinstitution des Territoriums.
Die 2010er Jahre waren zunächst durch die Fortsetzung des Tourismuswachstums geprägt. Gleichzeitig traten infrastrukturelle Probleme, hohe Lebenshaltungskosten und die Abhängigkeit von Importen stärker hervor. Einen tiefen Einschnitt bildeten die Hurrikane Irma und Maria im September 2017. Im September 2017 verursachte der Hurrikan Irma der Kategorie 5 katastrophale Schäden, insbesondere auf St. John und St. Thomas. Nur zwei Wochen später verwüstete Hurrikan Maria, ein Wirbelsturm der Kategorie 5, alle drei Inseln. Die anhaltenden Winde im Sandy Point National Wildlife Refuge auf St. Croix erreichten 99 bis 104 mph (159 bis 167 km/h) und böenartig bis zu 137 mph (220 km/h). Noch stärkere Winde traten wahrscheinlich irgendwo am westlichen Ende der Insel auf. Die Britischen Jungferninseln und die beiden anderen US-Jungferninseln, St. John und St. Thomas, lagen weit genug im Nordosten, um dem Schlimmsten zu entgehen, wurden aber dennoch massiv getroffen und überall stark zerstört. Auf St. Thomas wurden Windböen bis zu 86 mph (138 km/h) gemeldet. Die Wetterstationen auf St. Croix meldeten 130 und 250 mm Regen, und die Schätzungen für St. John und St. Thomas lagen etwas niedriger. Der Wirbelsturm forderte zwei Todesopfer, beide in ihren Häusern: eine Person ertrank, eine andere wurde von einer Schlammlawine verschüttet. Eine dritte Person erlitt während des Wirbelsturms einen tödlichen Herzinfarkt. Der Wirbelsturm verursachte auf St. Croix umfangreiche und schwere Schäden. Nach beiden Wirbelstürmen erklärte das Büro der Kongressabgeordneten Stacey Plaskett, dass 90 % der Gebäude auf den Jungferninseln beschädigt oder zerstört wurden und 13 000 dieser Gebäude ihre Dächer verloren hatten. Das Luis Hospital erlitt Dachschäden und Überschwemmungen, blieb aber betriebsbereit.
Nach 2017 wurden zahlreiche öffentliche und private Einrichtungen wiederhergestellt. Der Tourismus kehrte schrittweise zurück, wobei Kreuzfahrt- und Übernachtungstourismus erneut an Bedeutung gewannen. Gleichzeitig wurden bei Neubau und Wiederherstellung Maßnahmen zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Hurrikanen berücksichtigt. Die 2020er Jahre waren zunächst durch die Corona-Maßnahmenpolitik und die damit verbundenen Einschränkungen des internationalen Reiseverkehrs geprägt. Für Saint Thomas war dies besonders bedeutsam, weil ein erheblicher Teil der Wirtschaft unmittelbar oder mittelbar vom Tourismus abhängt. Nach dem Ende der weitreichenden Reisebeschränkungen nahm der Tourismus wieder deutlich zu.
Verwaltung
Von 1672 bis 1917 war Saint Thomas die wichtigste der drei Insel-Kolonien im ehemaligen Dänisch-Westindien, zu denen noch Saint Croix und Saint John gehörten. Saint Thomas ist ein Inseldistrikt der Amerikanischen Jungferninseln.
Herrschaftsgeschichte
- um 700 bis 30. März 1666 Häuptlingstümer der Arawak und Kariben
- 30. März 1666 bzw. 25. Mai 1672 bis 1755 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)
- 1755 bis 29. März 1801 Kronkolonie Dänisch-Westindien (Dansk Vestindien) des Königreichs Dänemark (Kongeriget Danmark)
- 29. März 1801 bis 16. Februar 1802 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
- 16. Februar 1802 bis 22. Dezember 1807 Kronkolonie Dänisch-Westindien (Dansk Vestindien) des Königreichs Dänemark (Kongeriget Danmark)
- 22. Dezember 1807 bis 15. April 1815 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
- 15. April 1815 bis 31. März 1917 Kronkolonie Dänisch-Westindien (Dansk Vestindien) des Königreichs Dänemark (Kongeriget Danmark)
- seit 31. März 1917 Amerikanische Jungferninseln (Virgin Islands of the United States) als Territorium der Vereinigten Staaten von Amerika (United States of America)
Legislative und Exekutive
Die staatliche Ordnung der U.S. Virgin Islands beruht vor allem auf dem Revised Organic Act von 1954, der die territoriale Regierung mit Legislative, Exekutive und Judikative festlegt. Die U.S. Virgin Islands sind ein organisiertes, nicht inkorporiertes US-Territorium; die Bundesaufsicht liegt beim US-Innenministerium.
Die Legislative ist die Legislature of the Virgin Islands. Sie besteht aus 15 Senatoren und ist als Einkammerparlament organisiert. Die Senatoren werden für zwei Jahre gewählt. Das Parlament tritt regulär jährlich am zweiten Montag im Januar zusammen. Neben der Gesetzgebung gehören Untersuchungen, die Behandlung von Petitionen und Anträgen, die Bestätigung bestimmter vom Gouverneur vorgeschlagener Amtsträger und bestimmte quasi-judizielle Befugnisse zu seinen Aufgaben.
Die 15 Sitze verteilen sich auf die Wahlbereiche St. Croix, St. Thomas–St. John und einen territorialen Sitz. Saint Thomas bildet zusammen mit Saint John einen gemeinsamen Wahlbezirk. Zur 36. Legislature gehören 2026 unter anderem Milton E. Potter, Avery L. Lewis, Marvin A. Blyden, Dwayne M. DeGraff, Ray Fonseca, Alma Francis Heyliger und Carla J. Joseph als Vertreter dieses Wahlbezirks. Senatspräsident ist Milton E. Potter.
Die Legislative arbeitet mit ständigen Ausschüssen, die unter anderem für Haushalt und Finanzen, Wirtschaft und Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit, Justiz und öffentliche Sicherheit, Infrastruktur, Verkehr und Telekommunikation sowie Kultur, Jugend, Alter, Sport und Parks zuständig sind. Die territorialen Gesetze gelten für die gesamten U.S. Virgin Islands und damit auch für Saint Thomas. Die Legislative behandelt außerdem den territorialen Haushalt und kontrolliert zahlreiche Bereiche der öffentlichen Verwaltung.
Die Exekutive wird vom Gouverneur und vom Lieutenant Governor geführt. Beide werden durch Volkswahl bestimmt und haben eine Amtszeit von vier Jahren. Eine Begrenzung auf zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten gilt für die Exekutive. Der Gouverneur leitet die territoriale Verwaltung, ernennt zahlreiche Amtsträger, legt den Haushaltsentwurf vor und kann vom Parlament verabschiedete Gesetze unterzeichnen oder mit einem Veto zurückweisen.
2026 ist Albert Bryan Jr. Gouverneur der U.S. Virgin Islands und Tregenza A. Roach Lieutenant Governor. Der Regierungssitz befindet sich in Charlotte Amalie auf Saint Thomas. Government House liegt an der Kongens Gade. Von Saint Thomas aus werden daher zahlreiche Verwaltungsaufgaben für das gesamte Territorium wahrgenommen.
Die Exekutive umfasst zahlreiche Ministerien, Ämter und öffentliche Einrichtungen. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem Finanzen, Bildung, Gesundheit, Arbeit, öffentliche Sicherheit, Planung, natürliche Ressourcen, öffentliche Arbeiten, Tourismus, Wohnungswesen, Verkehr sowie Wasser- und Abfallwirtschaft. Zu den territorialen Körperschaften gehören unter anderem die Virgin Islands Economic Development Authority und die Waste Management Authority.
Inseloberhaupt
Das Inseloberhaupt von Saint Thomas ist nicht ein eigenes, für die Insel gewähltes Staatsoberhaupt. Saint Thomas ist Bestandteil des Territoriums der United States Virgin Islands, dessen oberstes exekutives Amt der Gouverneur der U.S. Virgin Islands innehat. Dieses Amt entspricht damit für Saint Thomas funktional dem politischen Inseloberhaupt, obwohl der Gouverneur für das gesamte Territorium und nicht ausschließlich für Saint Thomas zuständig ist.
Gouverneure von Saint Thomas und Saint John
- 1672 - 1680 Jørgen Iversen Dyppel
- 1680 - 1682 Nicolaj Esmit
- 1682 - 1684 Adolph Esmit
- 1684 - 1686 Gabriel Milan
- 1686 Mikkel Mikkelsen
- 1686 - 1689 Christopher Heins
- 1689 - 1702 Johan Lorentz († 1702)
- 1702 - 1706 Claus Hansen († 1706)
- 1706 - 1708 Joachim Melchior von Holten (1671 - 1708)
- 1708 - 1710 Diderich Mogensen
- 1710 - 1716 Mikkel Knudsen Crone († 1716)
- 1716 - 1724 Erik Bredal
- Mai - Sep 1724 Otto Jacob Thambsen (1670 - 1724)
- 1724 - 1727 Frederik Moth
- 1727 - 1733 Henrik von Suhm (1693 - 1744)
- 1733 - 1736 Philip Gardelin († 1740)
- 1736 - 1740 Frederik Moth [2]
- 1740 - 1744 Jacob Schönemann
- 1744 - 1747 Christian von Schweder
- 1747 - 1758 Christian Suhm († 1759)
- 1758 - 1760 Harrien Felchenhauer († 1764)
- 1760 - 1764 Johan Georg von John († 1764)
- Apr - Nov 1764 Ditlev Wilhelm Wildthagen († 1764)
- 1764 - 1765 Peter Gynthelberg (1728 - 1780)
- 1765 - 1766 Ulrich Wilhelm Roepstorff (1730 - 1821)
- 1766 - 1773 Jens Nielsen Kragh (um 1729 - 1773)
- 1773 - 1796 Thomas de Malleville (1739 - 1798)
- 1796 - 1800 Balthazar Frederik Mühlenfels
- 1800 - Mar 1801 Casimir Wilhelm von Scholten (1752 - 1810)
- Mar 1801 - 1802 John Clayton Cowell
- 1802 - 1803 Willum von Rømeling (1758 - nach 1810)
- 1803 - Dez 1807 Casimir Wilhelm von Scholten [2]
- Dez 1807 - 1815 McLean
- 1815 - 1818 Christian Ludvig von Holten (1774 - 1829)
- 1818 - 1820 Peter Carl Frederik von Scholten
- Feb - Mar 1820 Christian Ludvig von Holten [2]
- Apr - Jul 1820 Peter Carl Frederik von Scholten [2]
- 1820 - 1822 Carl Gottlieb Fleischer († 1822)
- 1822 - 1823 Carl Vilhelm Jessen (1764 - 1823)
- 1823 - 1826 Peter Carl Frederik von Scholten [3]
- 1826 - 1829 Johannes Söbötker (1777 - 1854)
- 1829 - 1834 Frederik Ludvig Christian Pentz Rosenørn (1781 - 1834)
- 1834 - 1836 Frederik von Oxholm
- 1836 - 1848 Johannes Söbötker [2]
- 1848 Hans Hendrik Berg (1789 - 1862)
- 1848 - 1852 Frederik von Oxholm [2]
- 1853 - 1862 Hans Hendrik Berg [2]
Generalgovernörer af Dansk Vestindien (Generalgouverneure von Dänisch-Westindien), abis1871 mit Sitz in Christiansted auf Saint Croix
- 8 Jan 1735 - 20 Feb 1736 Frederik Moth (Friedrich Moth, 1694 - 1746)
- 24 Feb 1736 - 16 Apr 1744 Gregers Hög Nissen
- 16 Apr 1744 - 15 Mai 1747 Poul Jensen Lindemark († 1747)
- 15 Mai 1747 - 22 Dez 1751 Jens Hansen
- 22 Dez 1751 - 6 Aug 1755 Peter Clausen (1721 - 1784)
- 6 Aug 1755 - 7 Aug 1766 Christian Leberecht Baron von Prøck (1718 - 1780)
- 7 Aug 1766 - 4 Mai 1770 Peter Clausen [2]
- 4 Mai 1770 - 1 Mar 1772 Frederik Christian Moth (1730 - 1806)
- 1 Mar 1772 - 31 Jul 1773 Ulrich Wilhelm von Roepstorff (1730 - 1821)
- 31 Jul - 25 Okt 1773 Henrik Ludvig Ernst von Schimmelmann (1743 - 1793)
- 28 Okt 1773 - 24 Jun 1784 Peter Clausen [3]
- 25 Jun 1784 - 31 Dez 1787 Henrik Ludvig Ernst von Schimmelmann [2]
- 31 Dez 1787 - 25 Jul 1794 Ernst Frederik von Walterstorff (1755 - 1820)
- 25 Jul 1794 - 8 Mai 1796 Wilhelm Anton Lindemann (1739 - 1801)
- 8 Mai 1796 - 26 Okt 1798 Thomas de Malleville (1739 - 1801)
- 27 Okt 1798 - 31 Mar 1801 Wilhelm Anton Lindemann [2]
- 31 Mar 1801 - 1802 Thomas Trigge (britischer Commander)
- 16 Feb 1802 - 16 Feb 1803 Ernst Frederik von Walterstorff [2]
- 16 Feb 1803 - 22 Mar 1807 Balthazar Frederik Mühlenfels († 1807)
- 25 Mar - 31 Dez 1807 Hans Christopher Lillienskjøld (1762 - 1837)
- 25 Dez 1807 - 1 Apr 1815 Henry Bowyer (britischer Governor, † 1808)
- 1 Apr 1815 - 1 Mai 1816 Peter Lotharius von Oxholm (1753 - 1827)
- 1 Mai 1816 - 1 Jul 1816 Johan Henrik Christian von Stabel (1774 - 1831)
- 1 Jul 1816 - 26 Jun 1819 Adrian Benjamin Bentzon (1777 - 1827)
- 27 Jun 1819 - 16 Okt 1820 Johan Henrik Christian von Stabel [2]
- 16 Okt 1820 - 5 Jul 1822 Carl Adolph Rothe (1767 - 1834)
- 5 Jul 1822 - 14 Jul 1827 Johan Frederik Bardenfleth (1772 - 1833)
- 14 Jul 1827 - 24 Apr 1831 Peter Carl Frederik von Scholten (1784 - 1854)
- 24 Apr 1831 - 18 Apr 1832 Johannes Søbøtker [amtierend] (1777 - 1854)
- 19 Apr 1832 - 22 Mar 1834 Peter Carl Frederik von Scholten [2, amtierend]
- 22 Mar 1834 - 14 Jan 1836 Johannes Søbøtker [2, amtierend]
- 14 Jan 1836 - 6 Jul 1848 Peter Carl Frederik von Scholten [3]
- 8 Jul - 27 Nov 1848 Frederik von Oxholm [amtierend] (1801 - 1871)
- 27 Nov 1848 - 24 Jun 1851 Peder Hansen (Regierungskommissionar, 1798 - 1880)
- 24 Jun 1851 - 27 Apr 1855 Hans Ditmar Frederik Feddersen (1805 - 1863)
- 27 Apr 1855 - 31 Mai 1861 Johan Frederik Schlegel (1817 - 1896)
- 31 Mai 1861 - 25 Feb 1871 Vilhelm Ludvig Birch (1817 - 1871)
- 26 Feb - 30 Jun 1871 John Christmas (1799 - 1873)
- 30 Jun 1871 - 1 Jul 1872 Frantz Ernst Bille [amtierend] (1832 - 1918)
- 1 Jul - 24 Sep 1872 Johan August Stakeman [amtierend] (1805 - 1891)
- 25 Sep 1872 - 5 Jan 1876 Janus August Garde (1823 - 1893)
- 5 Jan - 16 Sep 1876 Carl Anton Frederik Christian Hattensen [amtierend] 1828 - 1884)
- 16 Sep 1876 - 23 Mar 1881 Janus Anton Garde [2]
- 24 Mar - 15 Apr 1881 Carl Anton Frederik Christian Hattensen [2, amtierend]
- 15 Apr 1881 - 24 Okt 1894 Christian Henrik Arendrup (1837 - 1913)
- 25 Okt 1884 - 20 Mai 1885 Peter Mathias Simonsen Andersen [amtierend] (1841 - 1919)
- 20 Mai 1885 - 5 Jul 1888 Christian Henrik Arendrup [2]
- 5 Jul 1888 - 30 Jan 1889 Peter Mathias Simonsen Andersen [2, amtierend]
- 30 Jan 1889 - 22 Dez 1893 Christian Henrik Arendrup [3]
- 22 Dez 1893 - 17 Apr 1903 Carl Emil Hedemann (1837 - 1913)
- 17 Apr 1903 - 21 Jan 1904 Herman August Jürs (1838 - 1918)
- 22 Jan 1904 - 2 Apr 1905 Frederik Theodor Martin Mortensen Nordlien (1854 - 1924)
- 27 Apr 1905 - 21 Feb 1908 Christian Magdalus Thestrup Gold (1863 - 1934)
- 21 Feb 1908 - 4 Aug 1911 Peter Carl Limpricht (1838 - 1912)
- 7 Nov 1911 - 6 Mai 1916 Lars Christian Helweg-Larsen (1860 - 1934)
- 6 Mai - 28 Nov 1915 Reimund Hausman [amtierend]
- 28 Nov 1915 - 3 Okt 1916 Lars Christian Helweg-Larsen [2]
- 6 Okt 1916 - 31 Mar 1917 Henri Konow [amtierend] (1862 - 1939)
Governors of the U.S. Virgin Islands (Gouverneure der Amerikanischen Jungferninseln)
- 31 Mar - 8 Apr 1917 Edwin Taylor Pollock [amtierend] (1870 - 1943)
- 9 Apr 1917 - 8 Apr 1919 James Harrison Oliver (1857 - 1928)
- 8 Apr 1919 - 26 Apr 1921 Joseph Wallace Oman (1864 - 1941)
- 26 Apr 1921 - 16 Sep 1922 Sumner Ely Wetmore Kittelle (1867 - 1950)
- 16 Sep 1922 - 3 Dez 1923 Henry Hughes Hough (1871 - 1943)
- 3 Dez 1923 - 11 Sep 1925 Philip Williams (1869 - 1942)
- 12 Sep 1925 - 6 Jan 1927 Martin Edwin Trench (1869 - 1927)
- Jan 1927 - 18 Mar 1931 Waldo A. Evans (1869 - 1936)
- 18 Mar 1931 - 23 Jul 1935 Paul Martin Pearson (1871 - 1938)
- 21 Aug 1935 - 3 Feb 1941 Lawrence William Cramer (1897 - 1978)
- 3 Feb 1941 - 17 Mai 1945 Charles A. Harwood (1880 - 1950)
- 17 Mai 1946 - 30 Nov 1949 William H. Hastie (1904 - 1976)
- 30 Nov 1949 - 9 Apr 1954 Morris Fidanque de Castro [amtierend bis 24 Mar 1950] (1902 - 1966)
- 9 Apr 1954 - 31 Aug 1955 Archibald „Archie“ A. Alexander (1888 - 1958)
- 17 Okt 1955 - 25 Sep 1958 Walter A. Gordon (1894 - 1976)
- 25 Sep 1958 - 5 Apr 1961 John David Merwin (1921 - 2013)
- 5 Apr 1961 - 12 Feb 1969 Ralph M. Paiewonsky (1906 - 1991)
- 12 Feb - 1 Jul 1969 Cyril Emanuel King [amtierend] (1921 - 1978)
- 1 Jul 1969 - 6 Jan 1975 Melvin Herbert Evans (1917 - 1984) ab Jan 1971 Rep
- 6 Jan 1975 - 2 Jan 1978 Cyril Emanuel King [2] ICM
- 2 Jan 1978 - 5 Jan 1987 Juan Francisco Luis (1940 - 2011) ICM
- 5 Jan 1987 - 5 Jan 1995 Alexander A. Farrelly (1923 - 2002) Dem
- 5 Jan 1995 - 4 Jan 1999 Roy L. Schneider (* 1939) Dem
- 4 Jan 1999 - 1 Jan 2007 Charles Wesley Turnbull (* 1935) Dem
- 1 Jan 2007 - 5 Jan 2015 John deJongh, Sr. (* 1957) Dem
- 5 Jan 2015 - 7 Jan 2019 Kenneth Ezra Mapp (* 1955) Ind
- seit 7 Jan 2019 Albert J. Bryan Jr. (* 1968) Dem
Politische Gruppierungen
Auf Saint Thomas gibt es drei etablierte politische Parteien: die Democratic Party of the Virgin Islands, die Independent Citizens Movement und die Republican Party of the Virgin Islands. Daneben treten Kandidaten als Unabhängige an.
Die Democratic Party of the Virgin Islands ist traditionell eine der beiden großen politischen Kräfte des Territoriums. Sie ist organisatorisch mit der Democratic Party der Vereinigten Staaten verbunden, besitzt aber eine eigene territoriale Parteiorganisation und befasst sich mit den besonderen politischen und wirtschaftlichen Fragen der U.S. Virgin Islands. Zu den politischen Themen der Demokraten im Territorium gehören unter anderem die öffentliche Verwaltung, Gesundheitsversorgung, Bildung, Arbeits- und Sozialpolitik sowie die wirtschaftliche Entwicklung. 2026 wird die territoriale Demokratische Partei von State Chair Carol M. Burke geführt.
Die Republican Party of the Virgin Islands bildet die republikanische politische Organisation des Territoriums. Sie nimmt an den territorialen Wahlen teil und ist organisatorisch der Republican Party der Vereinigten Staaten zugeordnet. Aufgrund des besonderen politischen Status der U.S. Virgin Islands konzentrieren sich auch republikanische Kandidaten auf territoriale Angelegenheiten wie Haushalt, Wirtschaft, Infrastruktur, Verwaltung und die Beziehungen zum Bund.
Eine Besonderheit der U.S. Virgin Islands ist die Independent Citizens Movement (ICM). Die Bewegung entstand als eigenständige territoriale politische Kraft und unterscheidet sich damit von den beiden großen US-Parteien. Sie stellt Kandidaten für territoriale Ämter auf und ist insbesondere in der politischen Geschichte von Saint Croix und Saint Thomas vertreten. Die ICM gehört offiziell zu den drei von der territorialen Regierung genannten Parteien.
Daneben spielen unabhängige Kandidaten eine wichtige Rolle. Kandidaten, die bei Wahlen nicht unter dem Parteistatus einer der drei etablierten Parteien antreten, können als Independents kandidieren. Die politische Landschaft ist deshalb nicht vollständig auf die drei Parteien beschränkt. Gerade bei Wahlen zur Legislature of the Virgin Islands können parteigebundene und unabhängige Kandidaten nebeneinander antreten. Für die Wahlen 2026 bestand ebenfalls ein eigener Einreichungstermin für territoriale Kandidaten sowie Kandidaten kleiner Parteien und unabhängige Kandidaten.
Justizwesen und Kriminalität
Oberstes Gericht des Territoriums ist der Supreme Court of the Virgin Islands. Darunter steht der Superior Court of the Virgin Islands als erstinstanzliches Gericht. Der Superior Court besitzt seit dem 1. Januar 1994 die ursprüngliche Zuständigkeit für sämtliche Strafsachen nach dem Recht der Virgin Islands. Die Criminal Division führt die Strafakten, bearbeitet Anklageschriften und andere Verfahrensunterlagen, organisiert Vor- und Hauptverhandlungen, bearbeitet Haftbefehle und Kautionen und befasst sich mit Rechtsmitteln aus Strafverfahren.
Der Superior Court in Charlotte Amalie verfügt über mehrere Fachbereiche. Neben der Criminal Division bestehen unter anderem eine Civil Division, Family Division, Traffic Division, Small Claims Division, Probate Division und Appellate Division. Zum Gerichtsbezirk gehören außerdem Magistrate Judges. Die Justizverwaltung unterhält auf Saint Thomas eine Bewährungsabteilung, Gerichtssicherheit, eine Gerichtsbibliothek und ein Pretrial Intervention Program.
Für Strafverfahren gilt der Virgin Islands Code zusammen mit den Virgin Islands Rules of Criminal Procedure. Straftaten werden nach dem Territorialrecht in Felonies und Misdemeanors eingeteilt. Strafverfahren umfassen unter anderem Vorverfahren, Anklage, Arraignment, Kautionsentscheidungen, Hauptverhandlung und gegebenenfalls Berufung. Strafakten sind grundsätzlich öffentlich, soweit sie nicht durch gerichtliche Anordnung versiegelt wurden.
Die Strafverfolgung erfolgt durch das Virgin Islands Department of Justice. Dessen Criminal Division verfolgt Straftaten nach dem Recht der Virgin Islands und vertritt die Bevölkerung in Straf-, Verkehrs- und bestimmten Familiensachen. Für den Bezirk St. Thomas–St. John waren nach dem Budgetbericht für das Haushaltsjahr 2026 sieben Staatsanwälte, vier weitere Mitarbeiter und zwei Opferbetreuer vorgesehen. Bis zum Berichtszeitpunkt waren 308 neue Strafsachen eröffnet worden. Davon betrafen 176 Gewaltdelikte, 89 häusliche Gewalt und 51 illegale oder nicht registrierte Schusswaffen. Sechs Fälle betrafen Tötungsdelikte beziehungsweise Mord.
Im Haushaltsjahr 2025 wurden im Bezirk St. Thomas–St. John 403 Strafverfahren durch Geständnis, Gerichtsverfahren oder andere Verfahrensabschlüsse erledigt. Die Staatsanwälte nahmen außerdem an mehr als 7.000 Gerichtsterminen teil. Zur Entlastung der Strafjustiz wird das Pretrial Intervention Program eingesetzt. Bestimmte Ersttäter können dadurch vor einem regulären Strafverfahren beispielsweise zu gemeinnütziger Arbeit, Aggressionsbewältigung oder Elternkursen verpflichtet werden.
Die Kriminalität auf Saint Thomas umfasst insbesondere Gewaltkriminalität, Waffenkriminalität, Eigentumsdelikte und häusliche Gewalt. Die offiziellen Justizdaten weisen eine erhebliche Belastung der Strafverfolgung durch Gewalt- und Waffendelikte aus. Die genannten Fallzahlen beziehen sich allerdings auf den Gerichtsbezirk St. Thomas–St. John und sind daher nicht mit einer ausschließlich auf Saint Thomas bezogenen Kriminalitätsrate gleichzusetzen.
Flagge und Wappen
Die Flagge der U.S. Virgin Islands wurde am 17. Mai 1921 offiziell angenommen. Sie besteht aus einem weißen Feld mit einem gelben Adler in der Mitte, der in seinen Krallen je einen Zweig beziehungsweise Pfeil beziehungsweise drei Pfeile hält; links und rechts vom Adler befinden sich die Großbuchstaben V und I für Virgin Islands. Der Adler orientiert sich am Wappen der Vereinigten Staaten. Seine Gestaltung verweist damit zugleich auf die politische Zugehörigkeit der Virgin Islands zu den Vereinigten Staaten. Die Farben Weiß, Blau und Rot greifen ebenfalls Elemente der US-amerikanischen Symbolik auf.
Die drei Pfeile beziehungsweise die von der Flagge verwendeten Symbole werden in Darstellungen der territorialen Flagge unterschiedlich beschrieben. Die offizielle Gestaltung zeigt den Adler mit einem Zweig und drei Pfeilen; diese werden als Symbol für die drei Hauptinseln Saint Croix, Saint Thomas und Saint John interpretiert. Die Buchstaben V und I stehen für „Virgin Islands“. Die Flagge wird auf allen drei Hauptinseln und an den Einrichtungen der territorialen Regierung verwendet.
Ein eigenständiges Wappen der Insel Saint Thomas mit dem Rang eines offiziellen Staats- oder Hoheitswappens besteht nicht. Das offizielle Siegel der Regierung der United States Virgin Islands übernimmt vielmehr die Funktion des zentralen territorialen Hoheitszeichens. Es wird für Regierungsdokumente, Behörden und offizielle Angelegenheiten verwendet. Historisch sind auf Saint Thomas daneben dänische Wappen und Siegel überliefert, da die Insel bis zum Verkauf der Dänisch-Westindischen Inseln an die Vereinigten Staaten 1917 zum Königreich Dänemark gehörte.
Von besonderer Bedeutung ist dabei das historische dänische Wappen. Während der dänischen Kolonialzeit gehörte Saint Thomas zu den Dänisch-Westindischen Inseln. Dänische Kronen- und Löwensymbole sowie das Wappen des dänischen Königshauses finden sich deshalb auf historischen Verwaltungsgebäuden, Siegeln und Dokumenten aus der Kolonialzeit. In Charlotte Amalie sind diese historischen Bezüge insbesondere an der Architektur und an erhaltenen kolonialzeitlichen Bauwerken erkennbar.
Nach dem Übergang an die Vereinigten Staaten am 31. März 1917 wurden die US-amerikanischen beziehungsweise territorialen Symbole maßgeblich. Die Flagge der U.S. Virgin Islands ist daher heute das wichtigste offizielle Symbol, das auch auf Saint Thomas verwendet wird.
Hauptort
Die Hauptstadt von Saint Thomas ist Charlotte Amalie. Sie liegt an der Südküste der Insel an einem tief eingeschnittenen Naturhafen und ist zugleich die Hauptstadt der gesamten United States Virgin Islands. Damit besitzt Charlotte Amalie eine Doppelfunktion als Inselhauptort von Saint Thomas und als politisches, administratives und wirtschaftliches Zentrum des gesamten Territoriums.
Charlotte Amalie wurde 1672 von Dänemark als koloniale Siedlung gegründet und zunächst Taphus genannt. 1691 erhielt die Stadt den Namen Charlotte Amalie zu Ehren von Charlotte Amalie von Hessen-Kassel, der Ehefrau des dänischen Königs Christian V. Während der dänischen Herrschaft entwickelte sie sich zu einem bedeutenden Hafen- und Handelsplatz der Dänisch-Westindischen Inseln. Heute konzentrieren sich in Charlotte Amalie die wichtigsten politischen Institutionen der U.S. Virgin Islands. Hier befinden sich Government House, der Sitz des Gouverneurs, die Legislature of the Virgin Islands und zahlreiche Ministerien und Behörden. Auch das Alexander A. Farrelly Justice Center mit dem Superior Court für den Gerichtsbezirk St. Thomas–St. John befindet sich in der Stadt. Damit ist Charlotte Amalie der wichtigste Verwaltungsstandort des gesamten Territoriums.
Der Hafen von Charlotte Amalie gehört zu den bedeutendsten Kreuzfahrthäfen der Karibik. Neben dem zentralen Hafenbereich dienen insbesondere Havensight und Crown Bay der Abfertigung von Kreuzfahrtschiffen. Der Hafen ist außerdem für Fähren, private Yachten, Ausflugsschiffe und andere Schiffsverkehre von Bedeutung. Die Lage am natürlichen Hafen war bereits für die Entwicklung der Stadt während der dänischen Kolonialzeit entscheidend.
Das historische Stadtzentrum erstreckt sich über ein von Hängen umgebenes Gebiet zwischen dem Hafen und den höher gelegenen Teilen der Insel. Charakteristisch sind die engen Straßen und Gassen, historischen Lager- und Handelshäuser, Treppenanlagen sowie Gebäude aus der dänischen Kolonialzeit. Zu den bekanntesten Bauwerken gehören Fort Christian, Government House, die Frederick Lutheran Church und die 99 Steps. Die historische Bebauung macht Charlotte Amalie zu einem wichtigen Zeugnis der kolonialen Stadtentwicklung auf Saint Thomas.
Wirtschaftlich ist Charlotte Amalie vor allem durch Handel, Dienstleistungen, Verwaltung, Hafenwirtschaft, Tourismus und Gastronomie geprägt. Die Innenstadt besitzt zahlreiche Geschäfte, Restaurants, Juweliergeschäfte und Einrichtungen für Kreuzfahrttouristen. Die Bedeutung des Handels hängt eng mit dem besonderen Zoll- und Steuerstatus der U.S. Virgin Islands zusammen.
Charlotte Amalie ist außerdem ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt der Insel. Vom Stadtgebiet bestehen Straßenverbindungen zu den übrigen Siedlungen von Saint Thomas. Der Cyril E. King Airport liegt unmittelbar westlich der Stadt bei Lindbergh Bay und stellt die wichtigste Luftverkehrsverbindung der Insel dar. Fährverbindungen bestehen unter anderem über Red Hook und andere Hafenanlagen zu Saint John sowie zu weiteren Zielen.
Als Hauptstadt der U.S. Virgin Islands besitzt Charlotte Amalie eine über die Insel Saint Thomas hinausgehende Funktion. Die Stadt ist Sitz der territorialen Regierung, des Parlaments und wichtiger Gerichte und Behörden. Zugleich ist sie das historische Zentrum von Saint Thomas und der wichtigste städtische und wirtschaftliche Mittelpunkt der Insel.
Verwaltungsgliederung
Saint Thomas besteht aus sieben Subdistrikten.
| Subdistrict | HASC | MCD | Fläche (km²) | Z 2020 |
| Charlotte Amalie | VI.ST.CA
|
210
|
8,7 | 14.477 |
| East End | VI.ST.EE
|
220
|
11,8 | 7.502 |
| Northside | VI.ST.NS
|
235
|
23,1 | 8.889 |
| Southside | VI.ST.SS
|
250
|
16,0 | 4.112 |
| Tutu | VI.ST.TU
|
260
|
3,9 | 5.129 |
| Water Island | VI.ST.WI
|
270
|
2,5 | 164 |
| West End | VI.ST.WE
|
280
|
13,4 | 1.988 |
Verwaltungseinheiten:
7 subdistricts (Subdistrikte)
Bevölkerung
Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 80,9 km².
Bevölkerungsentwicklung:
Jahr Einwohner Dichte (E/km²)
1901 11 000 135,97
1911 10 678 131,99
1917 10 191 125,97
1930 9 834 121,56
1940 11 265 139,25
1950 13 813 170,74
1960 16 201 200,26
1970 29 565 365,45
1980 44 218 546,58
1990 48 166 595,38
2000 53 234 658,02
2001 53 300 658,84
2002 53 200 657,60
2003 53 000 655,13
2004 52 800 652,66
2005 52 608 620,28
2006 52 400 647,71
2007 52 200 645,24
2008 52 000 642,77
2009 51 800 640,30
2010 51 634 638,24
2011 50 500 630,42
2912 49 500 613 86
2013 48 500 599,51
2014 47 500 587,15
2015 46 500 574,78
2016 45 500 562,42
2017 44 500 543,88
2018 43 500 537,70
2019 43 000 531,52
2020 42 461 524,86
2021 42 100 520,40
2022 41 800 516,69
2023 41 500 512,98
2024 41 200 509,27
2025 41 000 506,80
Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 1,019 % pro Jahr.
Volksgruppen
Die größte historische Bevölkerungsgruppe bilden Menschen afrikanischer beziehungsweise afrokaribischer Herkunft. Sie sind überwiegend Nachkommen der Afrikaner, die während der dänischen Kolonialzeit als Sklaven nach Saint Thomas gebracht wurden. Ihre Vorfahren stammten aus verschiedenen Regionen West- und Zentralafrikas und wurden durch den atlantischen Sklavenhandel auf die Insel gebracht. Aus den unterschiedlichen afrikanischen Bevölkerungen entwickelte sich im Verlauf der Kolonialzeit eine eigenständige afrokaribische Gesellschaft.
Die afrokaribische Bevölkerung prägte seit dem späten 17. Jahrhundert das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben von Saint Thomas. Versklavte Afrikaner arbeiteten auf Plantagen, im Hafen, im Bauwesen, in Haushalten, in Werkstätten und im Transportwesen. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1848 blieb die Bevölkerung afrikanischer Herkunft die zahlenmäßig dominierende Gruppe. Ihre Nachkommen stellen auch heute einen wesentlichen Teil der Bevölkerung der Insel und der gesamten Amerikanischen Jungferninseln. Zu den daraus hervorgegangenen kulturellen Traditionen gehören unter anderem lokale Formen von Musik, Tanz, Sprache, Küche, religiösem Leben und Festkultur.
Eine weitere historische Bevölkerungsgruppe bildeten die Europäer. Während der dänischen Kolonialzeit kamen zunächst Dänen als Verwaltungsbeamte, Soldaten, Kaufleute, Geistliche und Handwerker nach Saint Thomas. Daneben siedelten sich Menschen aus anderen europäischen Ländern an. Besonders bedeutend waren Engländer und Briten, Niederländer, Deutsche, Franzosen und Iren. Die internationale Zusammensetzung hing mit der Funktion von Charlotte Amalie als Handels- und Hafenstadt zusammen. Kaufleute und Seeleute aus verschiedenen europäischen Ländern nutzten den Hafen und ließen sich teilweise dauerhaft auf der Insel nieder.
Die britische beziehungsweise englischsprachige Bevölkerung besaß während der dänischen Kolonialzeit eine besonders starke Stellung im Handel und in der Plantagenwirtschaft. Englische Plantagenbesitzer und Kaufleute waren auf Saint Thomas vertreten, obwohl die Insel politisch zu Dänemark gehörte. Die wirtschaftliche Bedeutung der britischen Händler trug dazu bei, dass Englisch bereits während der dänischen Zeit zu einer wichtigen Alltagssprache wurde. Später verstärkte die amerikanische Herrschaft seit 1917 diese Entwicklung erheblich.
Eine kleinere, aber historisch bedeutende Gruppe bildeten Menschen jüdischer Herkunft. Jüdische Kaufleute waren bereits seit dem 17. und 18. Jahrhundert am internationalen Handel von Charlotte Amalie beteiligt. Die jüdische Gemeinde von Saint Thomas entwickelte sich zu einer der ältesten jüdischen Gemeinschaften in der westlichen Hemisphäre. Die 1796 gegründete Congregation Beracha Veshalom Vegimulth Chassadim besteht bis heute und befindet sich in Charlotte Amalie. Ihre Mitglieder stammten historisch aus verschiedenen Teilen Europas und waren vor allem im Handel tätig.
Neben den europäischen und afrokaribischen Bevölkerungsgruppen entstand eine bedeutende Bevölkerung gemischter Herkunft. Bereits während der dänischen Kolonialzeit gab es zahlreiche Menschen mit afrikanischer und europäischer Abstammung. Die koloniale Gesellschaft unterschied rechtlich und sozial zwischen versklavten Menschen, freien Schwarzen, Menschen gemischter Herkunft und Weißen. Diese Kategorien waren jedoch keine stabilen ethnischen Gruppen im modernen Sinn. Nach der Abschaffung der Sklaverei entwickelten sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen zunehmend zu einer gemeinsamen afrokaribischen Gesellschaft.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert kamen weitere Einwanderer aus der Karibik hinzu. Dazu gehörten Menschen von den benachbarten britischen, französischen und niederländischen Inseln sowie aus Puerto Rico und anderen spanischsprachigen Gebieten. Diese Wanderungsbewegungen verstärkten die sprachliche und kulturelle Vielfalt von Saint Thomas. Besonders die Nähe zu Puerto Rico führte zu dauerhaften Verbindungen zwischen Saint Thomas und der puerto-ricanischen Bevölkerung.
Nach dem Übergang an die Vereinigten Staaten 1917 verstärkte sich die Zuwanderung aus anderen Teilen der Karibik und aus den Vereinigten Staaten. Saint Thomas wurde zunehmend in den amerikanischen Wirtschaftsraum integriert. Dadurch kamen neben afrokaribischen Bewohnern Menschen vom US-amerikanischen Festland, aus Puerto Rico und anderen amerikanischen Territorien sowie aus zahlreichen karibischen Staaten auf die Insel. Besonders seit dem Ausbau des Tourismus und des internationalen Dienstleistungssektors nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Mobilität der Bevölkerung zu.
Heute bilden Menschen afrokaribischer Herkunft weiterhin einen zentralen Bestandteil der Bevölkerung von Saint Thomas. Daneben leben auf der Insel Menschen europäischer, hispanischer, karibischer, nordamerikanischer und asiatischer Herkunft. Die Bevölkerung ist damit ethnisch und kulturell vielfältiger als die historische Einteilung in „Afrikaner“, „Europäer“ und „Mischlinge“ vermuten lässt. Ein großer Teil der Bevölkerung besitzt eine gemischte Herkunft.
Die indigene Bevölkerung, die Saint Thomas vor der europäischen Kolonisation bewohnte, bildet dagegen heute keine eigenständige größere Bevölkerungsgruppe mehr. Die indigene Bevölkerung der Virgin Islands wurde infolge europäischer Kolonisation durch eingeschleppte Krankheiten, Gewalt, Versklavung und gesellschaftliche Verdrängung stark dezimiert. Einzelne indigene Abstammungslinien gingen jedoch in der späteren Bevölkerung der Inseln auf. Eine größere, dauerhaft bestehende indigene Gemeinschaft wie beispielsweise auf einigen Inseln der Kleinen Antillen besteht auf Saint Thomas heute nicht.
Sprachen
Die wichtigste und heute mit Abstand bedeutendste Sprache auf Saint Thomas ist Englisch. Es ist die offizielle Sprache der Amerikanischen Jungferninseln und wird in Verwaltung, Justiz, Bildung, Wirtschaft, Medien und im öffentlichen Leben verwendet. Auch im privaten Alltag ist Englisch die vorherrschende Sprache. Die heutige sprachliche Situation ist wesentlich durch die amerikanische Herrschaft seit 1917 geprägt, doch Englisch hatte auf Saint Thomas bereits während der dänischen Kolonialzeit eine wichtige Stellung. Wegen der engen Handelsbeziehungen zu den britischen Westindischen Inseln und der großen Zahl englischsprachiger Händler, Seeleute und Einwanderer wurde Englisch schon im 18. und 19. Jahrhundert zu einer wichtigen Verkehrssprache der Insel.
Neben dem Standardenglisch ist auf Saint Thomas ein englischbasiertes Kreolkontinuum verbreitet, das häufig als Virgin Islands Creole beziehungsweise Virgin Islands Creole English bezeichnet wird. Es entwickelte sich unter den Bedingungen der Plantagen- und Hafengesellschaft aus dem Kontakt zwischen englischen Varietäten, afrikanischen Sprachen und weiteren europäischen und karibischen Sprachen. Die Sprachform ist insbesondere in der informellen mündlichen Kommunikation verbreitet. Ihre Sprecher können je nach Situation zwischen kreolischen Formen und näher am amerikanischen Standardenglisch liegenden Formen wechseln. Die Bezeichnung „Creole English“ bezeichnet dabei keine vollständig einheitliche Sprache mit einer überall identischen Grammatik, sondern ein Spektrum lokaler Sprachformen.
Das Virgin-Islands-Kreolenglisch gehört zum englischbasierten Kreolkontinuum der östlichen Karibik. Es steht sprachlich in enger Beziehung zu anderen englischbasierten Kreolsprachen der Kleinen Antillen, unterscheidet sich jedoch in Aussprache, Wortschatz und Grammatik von den jeweiligen Varietäten anderer Inseln. Charakteristisch ist die Vermischung älterer karibischer Sprachformen mit dem seit Jahrhunderten dominierenden Englisch. Die Sprache entwickelte sich insbesondere innerhalb der afrokaribischen Bevölkerung und wurde über Generationen mündlich weitergegeben.
Spanisch besitzt ebenfalls eine bedeutende Stellung. Die Nähe zu Puerto Rico und die intensive Migration zwischen Puerto Rico und den Amerikanischen Jungferninseln haben dazu geführt, dass auf Saint Thomas eine größere spanischsprachige Bevölkerung lebt. Spanisch wird in Familien, Geschäften, Kirchengemeinden und im privaten Alltag verwendet. Ein Teil der spanischsprachigen Bevölkerung stammt aus Puerto Rico, andere Bewohner kommen aus der Dominikanischen Republik und weiteren spanischsprachigen Ländern der Karibik sowie aus Mittel- und Südamerika. Dadurch ist Spanisch heute eine der wichtigsten Minderheitensprachen der Insel.
Das spanische Sprachgebiet steht auf Saint Thomas in engem Kontakt mit dem Englischen. Viele spanischsprachige Einwohner beherrschen beide Sprachen, und insbesondere in Handel, Tourismus, Dienstleistungen und Bildung kommt es häufig zu Sprachwechseln zwischen Englisch und Spanisch. In Familien mit Einwanderungsgeschichte kann Spanisch als Familiensprache erhalten bleiben, während Englisch die dominierende Sprache außerhalb des privaten Bereichs ist.
Dänisch besitzt heute nur noch historische Bedeutung. Während der dänischen Kolonialzeit von 1672 bis 1917 war Dänisch die Sprache der staatlichen Verwaltung, der kolonialen Behörden und eines Teils der europäischen Bevölkerung. Im Alltag der multikulturellen Hafenstadt Charlotte Amalie war es jedoch nie die einzige beziehungsweise von der gesamten Bevölkerung verwendete Sprache. Aufgrund der starken britischen und englischen Handelspräsenz gewann Englisch bereits früh eine überragende Bedeutung im wirtschaftlichen Leben. Nach der Übertragung der Insel an die Vereinigten Staaten 1917 verlor Dänisch seine Funktion als Verwaltungssprache nahezu vollständig.
Auch Niederländisch hatte während der frühen Kolonialzeit eine gewisse Bedeutung. Niederländische Händler und Siedler gehörten zu den europäischen Bevölkerungsgruppen, die sich im 17. und 18. Jahrhundert auf Saint Thomas aufhielten. Niederländische beziehungsweise niederländisch beeinflusste Sprachformen wirkten an der sprachlichen Entwicklung der frühen kolonialen Gesellschaft mit. Als eigenständige Alltagssprache besitzt Niederländisch auf Saint Thomas heute jedoch keine größere Bedeutung.
Deutsch war insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert unter Kaufleuten, Handwerkern und anderen europäischen Einwanderern vertreten. Die deutschsprachige Bevölkerung stand unter anderem mit dem Handel und der Schifffahrt in Verbindung. Im 19. Jahrhundert verstärkten deutsche Handelsunternehmen und Reedereien die Verbindung zwischen Saint Thomas und dem deutschen Wirtschaftsraum. Eine größere geschlossene deutschsprachige Gemeinschaft besteht heute nicht mehr; Deutsch wird hauptsächlich von einzelnen Einwanderern, Nachkommen deutschsprachiger Familien und zeitweiligen Bewohnern oder Besuchern verwendet.
Französisch war ebenfalls Bestandteil der historischen europäischen Sprachlandschaft. Französische Kaufleute und andere Einwanderer gelangten während der Kolonialzeit auf die Insel, und die französischen Besitzungen der Karibik standen in engem wirtschaftlichem Kontakt mit Saint Thomas. Die Sprache hat heute jedoch keine mit Englisch oder Spanisch vergleichbare gesellschaftliche Bedeutung.
In der afrokaribischen Bevölkerung gingen zahlreiche afrikanische Sprachen im Verlauf der Kolonialzeit verloren beziehungsweise wurden nicht als eigenständige Gemeinschaftssprachen über Generationen erhalten. Die aus West- und Zentralafrika verschleppten Menschen stammten aus unterschiedlichen Sprachgemeinschaften. Unter den Bedingungen der Sklaverei wurden Menschen verschiedener Herkunft zusammengeführt, wodurch sich keine einzelne afrikanische Sprache als gemeinsame Verkehrssprache auf Saint Thomas etablieren konnte. Afrikanische sprachliche Elemente beeinflussten jedoch die Entwicklung des lokalen englischbasierten Kreolenglisch.
Auch heute ist die sprachliche Situation durch Einwanderung geprägt. Neben Englisch und Spanisch sind deshalb je nach Herkunft der Bewohner weitere karibische, europäische und außerkontinentale Sprachen anzutreffen. Ihre Verbreitung ist jedoch wesentlich geringer und teilweise auf einzelne Familien oder Einwanderergemeinschaften beschränkt.
Religion
Während der dänischen Kolonialzeit war der lutherische Protestantismus die staatlich privilegierte Religion. Mit der Ansiedlung der Dänen entstand eine lutherische Kirchengemeinde in Charlotte Amalie; die heutige Frederick Lutheran Church geht auf die dänische Kolonialzeit zurück und gehört zu den ältesten lutherischen Gemeinden der westlichen Hemisphäre. Das heutige Kirchengebäude wurde allerdings erst im 19. Jahrhundert errichtet. Die lutherische Kirche war eng mit der dänischen Kolonialverwaltung verbunden und betreute vor allem die europäische Bevölkerung.
Eine besonders wichtige Rolle bei der Christianisierung der afrokaribischen Bevölkerung spielten die Herrnhuter Brüder beziehungsweise die Moravian Church. Die Herrnhuter Mission begann auf Saint Thomas bereits 1732. Die Missionare richteten sich insbesondere an die versklavte afrikanische Bevölkerung und gründeten Gemeinden und Schulen. Die Moravian Church wurde dadurch zu einer der ältesten dauerhaft bestehenden protestantischen Missionsorganisationen auf den Amerikanischen Jungferninseln. Ihre Tätigkeit trug wesentlich zur Verbreitung des Protestantismus unter der afrokaribischen Bevölkerung bei.
Die Christianisierung bedeutete jedoch keine einfache Übernahme europäischer Religionsformen. Die versklavten Menschen stammten aus unterschiedlichen Regionen Afrikas und brachten eigene religiöse Vorstellungen, Rituale und Vorstellungen von Heilung, Ahnen und übernatürlichen Kräften mit. Unter den Bedingungen der Sklaverei wurden diese Traditionen teilweise aufgegeben, teilweise mit christlichen Vorstellungen verbunden und in veränderter Form weitergegeben. Dadurch entstand eine afrokaribische Religionskultur, in der christliche Glaubensformen mit kulturellen Traditionen afrikanischen Ursprungs verbunden wurden.
Neben Lutheranern und Herrnhutern kamen im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts weitere protestantische Kirchen hinzu. Dazu gehörten insbesondere Baptisten, Methodisten und verschiedene anglikanische beziehungsweise episcopalische Gemeinden. Die internationale Zusammensetzung der Hafenbevölkerung begünstigte die Ansiedlung unterschiedlicher Konfessionen. Englische und britische Kaufleute und Seeleute brachten anglikanische Traditionen nach Saint Thomas, während andere Einwanderer ihre eigenen protestantischen Gemeinden gründeten.
Die römisch-katholische Kirche war ebenfalls früh auf Saint Thomas vertreten. Mit der zunehmenden internationalen Einwanderung und dem Wachstum der katholischen Bevölkerung entstanden katholische Gemeinden und Kirchen. Zu den bedeutenden katholischen Einrichtungen der Insel gehört die Saints Peter and Paul Cathedral in Charlotte Amalie. Sie geht auf eine katholische Gemeinde zurück, die sich im 19. Jahrhundert entwickelte, und wurde zu einem wichtigen religiösen Zentrum der katholischen Bevölkerung.
Eine besondere Stellung nimmt die jüdische Religion ein. Charlotte Amalie besitzt eine der ältesten kontinuierlich bestehenden jüdischen Gemeinden in den Vereinigten Staaten beziehungsweise den heutigen US-amerikanischen Territorien. Die Congregation Beracha Veshalom Vegimulth Chassadim wurde 1796 gegründet. Die heutige Synagoge in Charlotte Amalie entstand im 19. Jahrhundert und ist insbesondere durch ihren mit Sand bedeckten Innenboden bekannt. Die jüdische Gemeinde war historisch eng mit dem internationalen Handel verbunden. Jüdische Kaufleute gehörten seit der dänischen Kolonialzeit zur internationalen Handelsbevölkerung von Saint Thomas.
Mit der amerikanischen Herrschaft seit 1917 veränderte sich die konfessionelle Landschaft weiter. Die Insel wurde zunehmend in das religiöse Spektrum der Vereinigten Staaten eingebunden. Neue protestantische Gemeinschaften, insbesondere Baptisten, Methodisten, Pfingstkirchen, Adventisten und verschiedene evangelikale Kirchen, gewannen an Bedeutung. Gleichzeitig blieben die lutherische, katholische, anglikanische, herrnhutische und jüdische Tradition erhalten.
Die afrokaribische Bevölkerung ist heute in zahlreichen unterschiedlichen christlichen Kirchen vertreten. Baptistische, methodistische, lutherische, herrnhutische, anglikanische beziehungsweise episcopalische, pfingstkirchliche und andere protestantische Gemeinden besitzen jeweils eigene Kirchen und Gemeindestrukturen. Gottesdienste spielen in vielen Gemeinden nicht nur eine religiöse, sondern auch eine soziale und kulturelle Rolle. Musik, Chorgesang und gemeinschaftliche Veranstaltungen haben dabei einen hohen Stellenwert.
Neben den historischen Kirchen existieren auf Saint Thomas heute zahlreiche kleinere christliche Gemeinschaften. Dazu gehören verschiedene unabhängige evangelikale Gemeinden, Pfingstkirchen, Siebenten-Tags-Adventisten, Zeugen Jehovas und weitere protestantische beziehungsweise restaurative Bewegungen. Ihre genaue Mitgliederzahl lässt sich teilweise nur schwer bestimmen, weil nicht alle Gemeinden regelmäßig statistische Angaben veröffentlichen.
Die religiöse Landschaft ist dennoch nicht ausschließlich christlich. Neben der jüdischen Gemeinde bestehen kleinere Gemeinschaften anderer Religionen, darunter Baháʼí, Muslime, Hindus und Buddhisten. Ihre Zahl ist wesentlich geringer als die der christlichen Kirchen. Außerdem gibt es Bewohner ohne religiöse Zugehörigkeit oder mit einer nichtinstitutionellen religiösen Orientierung.
Die historischen afrikanischen Religionen bestehen auf Saint Thomas nicht als eigenständige größere organisierte Religionsgemeinschaft fort. Elemente afrikanischer religiöser Vorstellungen haben jedoch über die afrokaribische Kultur und insbesondere über Musik, Bräuche, Vorstellungen von Heilung und volkstümliche religiöse Praktiken Einfluss auf die Kultur der Insel behalten. Diese Elemente lassen sich nicht pauschal einer einzelnen Religion zuordnen und existieren vielfach innerhalb einer überwiegend christlich geprägten Gesellschaft.
Religiöse Bauwerke gehören zu den wichtigsten historischen Zeugnissen von Charlotte Amalie. Dazu zählen die Frederick Lutheran Church, die St. Thomas Synagogue, die Saints Peter and Paul Cathedral sowie Kirchen der Herrnhuter und verschiedener protestantischer Gemeinschaften. Ihre unterschiedliche Entstehungsgeschichte spiegelt die Entwicklung der Insel von einer dänischen Kolonie zu einer international geprägten karibischen Gesellschaft wider.
Judentum
Das Judentum auf Saint Thomas besitzt eine der ältesten und kontinuierlichsten Traditionen in der gesamten westlichen Hemisphäre und ist eng mit der Handelsgeschichte der Karibik verbunden. Einzelne Juden siedelten bereits seit der Mitte des 17. Jahrhunderts auf der Insel, als diese unter dänischer Herrschaft stand. Viele von ihnen waren sephardische Juden spanisch-portugiesischer Herkunft, die über Zwischenstationen in den Niederlanden, Brasilien, Curaçao oder St. Eustatius in die Region gekommen waren. Sie arbeiteten vor allem als Kaufleute im Zucker-, Melasse- und Rumhandel. Einer der frühesten bekannten jüdischen Bewohner war Gabriel Milan, den der dänische König in den 1680er Jahren als Gouverneur entsandte.
Religiöse Freiheit wurde den Juden und Katholiken 1685 gewährt. Ein jüdischer Friedhof entstand bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die organisierte Gemeinde, die Hebrew Congregation of St. Thomas, wurde 1796 gegründet und trug zunächst den Namen Beracha Veshalom (Segen und Frieden). Anfangs zählte sie nur neun Familien, wuchs aber rasch durch Zuwanderer aus England, Frankreich, Curaçao und St. Eustatius auf über zwanzig Familien an. Die erste Synagoge wurde 1803 errichtet, brannte jedoch schon im folgenden Jahr ab. Ein teilweise wiederaufgebautes Gebäude fiel 1806 erneut dem Feuer zum Opfer. 1812 entstand ein neues Gotteshaus, das 1823 durch einen größeren Holzbau ersetzt wurde und den erweiterten Namen Beracha Veshalom Vegemiluth Hasadim (Segen und Frieden und Liebeswerke) erhielt.
Im großen Brand von 1831, der rund achthundert Gebäude in Charlotte Amalie zerstörte, ging auch diese Synagoge verloren. Zwei Thorarollen und das ewige Licht (Ner Tamid) konnten gerettet werden. Mit Unterstützung der weltweiten jüdischen Gemeinschaft und der gesamten Inselbevölkerung wurde das heutige steinerne Gebäude 1833 eingeweiht. Es ist bis heute das älteste ununterbrochen genutzte Synagogengebäude unter amerikanischer Flagge und das zweitälteste in der westlichen Hemisphäre. Seit der Einweihung finden dort – mit nur einer Ausnahme während des Hurrikans Marilyn 1995 – wöchentlich Schabbatgottesdienste statt.
Das Innere folgt der sephardischen Tradition: Die Bänke sind so angeordnet, dass die Gemeindemitglieder einander gegenüber sitzen, und die Bima steht dem Thoraschrein gegenüber. Besonders auffällig ist der mit Sand bedeckte Boden – eines von nur wenigen solchen Beispielen weltweit. Diese Praxis erinnert an die Zeit der spanischen Inquisition, als sephardische Juden ihren Glauben heimlich in Kellern ausüben mussten und den Boden mit Sand bedeckten, um Schritte und Stimmen zu dämpfen. Andere Deutungen sehen darin einen Bezug an die Wüstenwanderung des Volkes Israel.
Die Gemeinde erreichte um die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren zahlenmäßigen Höhepunkt mit mehreren hundert Mitgliedern und stellte zeitweise die Hälfte der weißen Bevölkerung der Insel. Juden waren fest in die dänische Kolonialgesellschaft integriert, bekleideten öffentliche Ämter, wirkten als Konsuln ausländischer Staaten und beteiligten sich am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben. Zu den berühmten auf der Insel geborenen Juden zählen der impressionistische Maler Camille Pissarro und David Levy Yulee, der erste Senator Floridas. Die Gemeinde war früh reformorientiert: Sie übernahm bereits in den 1840er Jahren Elemente der westlondoner Reformliturgie und führte 1843 die erste jüdische Konfirmation in der westlichen Hemisphäre durch.
Mit dem wirtschaftlichen Niedergang nach der Eröffnung des Panamakanals und der Übergabe der Inseln an die Vereinigten Staaten 1917 schrumpfte die Gemeinde stark. In den 1940er Jahren lebten nur noch etwa fünfzig Juden auf der Insel. Nach dem Zweiten Weltkrieg und mit dem Zustrom nordamerikanischer Familien erholte sie sich wieder. Seit 1947 gehört sie der Reformbewegung an (heute Union for Reform Judaism). Heute ist die Hebrew Congregation of St. Thomas eine lebendige, inklusive Reformgemeinde, die Einheimische, saisonale Bewohner, interreligiöse Familien und Besucher aus aller Welt willkommen heißt. Das Gebäude wurde 2000 sorgfältig restauriert und ist eines von nur drei National Historic Landmarks auf Saint Thomas. Es beherbergt das Weibel Memorial Museum mit Artefakten der Gemeindegeschichte und einer geretteten tschechischen Thorarolle aus der Shoah. Zwei historische jüdische Friedhöfe werden weiterhin gepflegt.
Siedlungen
Für die Subdistrikte werden folgende Zahlen angegeben:
| Subdistrict | Z 1990 | Z 2000 | Z 2010 | Z 2020 |
| Charlotte Amalie | 20 589 | 18 914 | 18 481 | 14.477 |
| East End | 5 927 | 7 672 | 8 403 | 7.502 |
| Northside | 6 404 | 8 712 | 10 049 | 8.889 |
| Southside | 4 668 | 5 467 | 5 411 | 4.112 |
| Tutu | 9 084 | 8 197 | 6 867 | 5.129 |
| Water Island | 172 | 161 | 182 | 164 |
| West End | 1 322 | 2 058 | 2 241 | 1.988 |
Die Einwohnerzahlen der größten Ortschaften entwickelten sich wie folgt:
| Ortschaft | Status | Z 1980 | Z 1990 | Z 2000 | Z 2010 | Z 2020 |
| Charlotte Amalie | Town | 11.842 | 12.331 | 11.004 | 10.354 | 8.194 |
| Charlotte Amalie East | CDP | ... | 2.836 | 2.722 | 2.491 | 1.908 |
| Charlotte Amalie West | CDP | ... | 5.422 | 5.146 | 5.644 | 4.404 |
| Red Hook | CDP | ... | ... | ... | 350 | 225 |
| Tutu (Anna's Retreat) | CDP | ... | 9.084 | 8.197 | 6.867 | 5.519 |
Die Siedlungsstruktur von Saint Thomas ist stark auf Charlotte Amalie und den südlichen Küstenbereich konzentriert. Die Insel besitzt wegen ihres stark gegliederten Reliefs keine großflächige zusammenhängende Stadtlandschaft. Stattdessen erstrecken sich zahlreiche Wohn- und Siedlungsbereiche über die Hänge und Täler, während sich entlang der Küste kleinere Zentren, Gewerbegebiete, Hafenanlagen und Wohngebiete entwickelt haben. Charlotte Amalie ist mit Abstand die bedeutendste Siedlung der Insel und zugleich Hauptstadt der Amerikanischen Jungferninseln. Der historische Stadtkern liegt an der Spitze der tief eingeschnittenen Saint Thomas Harbor an der Südküste.
Charlotte Amalie geht auf die dauerhafte dänische Besiedlung von Saint Thomas ab 1672 zurück. Das Gebiet des heutigen Stadtzentrums war zunächst vor allem durch Fort Christian geprägt. Die Festung entstand bereits während des ersten dänischen Kolonisierungsversuchs ab 1666 und wurde nach der dauerhaften Ansiedlung der Dänischen Westindien- und Guinea-Kompanie weiter ausgebaut. Zunächst diente das Fort gleichzeitig als militärische Anlage, Verwaltungszentrum, Handelsplatz und religiöser Mittelpunkt der jungen Kolonie. Die ersten Siedler waren zunächst überwiegend mit der Erschließung landwirtschaftlicher Flächen außerhalb des heutigen Stadtgebietes beschäftigt.
Die eigentliche Stadtentwicklung begann 1681, als westlich von Fort Christian die Errichtung von vier Häusern genehmigt wurde. Die Häuser erhielten Tavernenlizenzen und lagen unmittelbar am Hafen. Die neue Ansiedlung wurde wegen dieser frühen Gastwirtschaften zunächst Taphus beziehungsweise Tap Hus genannt. Der Name wurde später als „Bierhaus“ beziehungsweise „Tavernenviertel“ gedeutet. 1688 wurden weitere Grundstücke östlich und nordöstlich des Forts vergeben, 1692 kamen Grundstücke unmittelbar an der Uferzone hinzu. Dort entstanden Lagerhäuser, Warenmagazine und Anlegestellen. 1698 standen bereits 47 Häuser in der Stadt; 1716 waren es 82.
1691 erhielt die Stadt offiziell den Namen Charlotte Amalie, nach Charlotte Amalie von Hessen-Kassel, der Gemahlin des dänischen Königs Christian V. Die Entwicklung wurde durch die Funktion des Hafens als internationaler Handelsplatz beschleunigt. Charlotte Amalie wuchs nicht als gewöhnliche landwirtschaftliche Siedlung, sondern als Hafen-, Handels- und Verwaltungsstadt. Kaufleute, Seeleute, Handwerker, Plantagenbesitzer und Angehörige verschiedener europäischer und karibischer Bevölkerungsgruppen ließen sich dort nieder. Gleichzeitig befand sich im Hafen einer der bedeutenden Sklavenmärkte der dänischen Westindischen Inseln.
Das Stadtgebiet wurde im 18. Jahrhundert systematisch erweitert. Entlang der wichtigsten Straßen entstanden Kaufmannshäuser, Lagerhäuser und Geschäfte, während sich die Wohnbebauung zunehmend die Hänge hinauf ausdehnte. 1764 und 1765 wurden zwei planmäßig angelegte Wohngebiete geschaffen. Das westlich des Denmark Hill gelegene Savan beziehungsweise Savanne war insbesondere für freie Schwarze vorgesehen. Östlich des Government Hill entstand New Town beziehungsweise East Savanne. Diese planmäßigen Erweiterungen zeigen die soziale und räumliche Differenzierung der kolonialen Stadtgesellschaft.
Die Lage zwischen Hafen und Hügeln bestimmte das charakteristische Stadtbild. Der historische Kern erstreckt sich vom flachen Uferbereich über ansteigende Straßen bis zu den Hängen von Denmark Hill und Government Hill. Die Straßen verlaufen teilweise in starkem Gefälle, während die Verbindung zwischen den unteren und oberen Stadtbereichen durch Treppen hergestellt wurde. Die bekannteste dieser Anlagen sind die 99 Steps, die im 18. Jahrhundert aus importierten Ziegeln errichtet wurden. Die Stadt besitzt dadurch eine für karibische Hafenstädte ungewöhnliche Verbindung aus Hafenfront, rasterförmigen Straßen, steilen Gassen und Treppenwegen.
Charlotte Amalie wurde mehrfach durch schwere Brände und Naturkatastrophen verändert. Besonders der Großbrand vom 22. November 1804 zerstörte einen erheblichen Teil der damaligen Stadt. Die Bebauung wurde anschließend teilweise neu errichtet. Weitere Brände veränderten das Stadtbild im 19. Jahrhundert. Deshalb stammen zahlreiche Gebäude des heutigen historischen Zentrums zwar aus der dänischen Kolonialzeit, aber nicht alle aus dem 17. oder frühen 18. Jahrhundert. Die heutige historische Bausubstanz ist das Ergebnis mehrerer Bauphasen.
Der historische Stadtkern ist heute als Charlotte Amalie Historic District geschützt. Das Gebiet liegt am Kopf des Saint Thomas Harbor und wird im Norden und Westen durch Nytvaer, Berg und Government Hills, im Osten durch Bjørne beziehungsweise Bjebre Gade und im Süden durch den Hafen begrenzt. Der Historic District wurde 1976 in das National Register of Historic Places aufgenommen. Zu den bedeutenden historischen Bauwerken gehören Fort Christian, Government House, die Frederick Lutheran Church, historische Kaufmanns- und Lagerhäuser sowie die zahlreichen Treppen und schmalen Straßen des alten Stadtgebietes.
Fort Christian ist das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt und eines der wichtigsten historischen Bauwerke der Amerikanischen Jungferninseln. Die Festung wurde ab 1666 begonnen und nach 1672 weiter ausgebaut. Ihre Lage unmittelbar am Hafen bestimmte die Entwicklung der gesamten Stadt. Später verlor sie ihre ursprüngliche militärische Funktion und wurde unter anderem als Regierungsgebäude, Gefängnis und Gerichtsgebäude genutzt. Heute gehört Fort Christian zu den wichtigsten historischen Stätten von Charlotte Amalie.
Das politische Zentrum der Stadt entwickelte sich ebenfalls innerhalb des historischen Siedlungsbereichs. Government House wurde zwischen 1865 und 1867 errichtet und ersetzte ein älteres Regierungsgebäude von 1819. Das Gebäude dient weiterhin als Regierungssitz. Auch das heutige Senatsgebäude geht auf die dänische Kolonialzeit zurück: Der Bau wurde ursprünglich als Kaserne für die dänische Miliz errichtet und später unter amerikanischer Verwaltung unter anderem als Kaserne des United States Marine Corps und als öffentliche Schule genutzt.
Emancipation Garden liegt ebenfalls im historischen Zentrum. Der Park erinnert an die Aufhebung der Sklaverei in den dänischen Westindischen Inseln im Jahr 1848. Die Verkündung der Emanzipation erfolgte auf Saint Croix, doch Saint Thomas war unmittelbar von ihr betroffen. Der Park ist heute zugleich historischer Erinnerungsort und öffentlicher Raum für staatliche Zeremonien.
Neben dem historischen Zentrum hat sich Charlotte Amalie weit über die ursprüngliche Hafenstadt hinaus ausgedehnt. Heute gehören zahlreiche Wohn- und Geschäftsbereiche zum zusammenhängenden Siedlungsraum der Hauptstadt. Dazu zählen unter anderem Frenchtown westlich des historischen Zentrums sowie Savan, Garden Street, Upstreet und weitere Hanglagen. Garden Street und Upstreet gehören auch heute zu den Gebieten, für die die Regierung der Amerikanischen Jungferninseln besondere wirtschaftliche Entwicklungszonen ausgewiesen hat.
Frenchtown entstand historisch aus der Ansiedlung französischer Flüchtlinge und anderer französischsprachiger beziehungsweise französischstämmiger Bewohner westlich des ursprünglichen Stadtkerns. Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts werden dort französische Siedler erwähnt. Das Viertel entwickelte sich später zu einem eigenständigen Wohn- und Geschäftsbereich und ist heute besonders durch Restaurants, kleine Geschäfte und seine Lage am westlichen Rand des Hafengebietes geprägt. Die historische Entwicklung zeigt erneut die internationale Zusammensetzung der Bevölkerung von Charlotte Amalie.
Savan liegt westlich des historischen Zentrums zwischen Denmark Hill und den tiefer gelegenen Stadtbereichen. Seine besondere historische Bedeutung ergibt sich aus der planmäßigen Parzellierung in den Jahren 1764 und 1765. Das Gebiet wurde unter anderem für freie Schwarze erschlossen und gehört damit zu den wichtigen Zeugnissen der sozialen Entwicklung der kolonialen Stadt.
Östlich von Charlotte Amalie liegen die stärker suburban geprägten Siedlungsbereiche um Tutu, Anna's Retreat und Donoe. Anna's Retreat entwickelte sich zu einem bedeutenden Wohn- und Versorgungsgebiet im zentralen Teil der Insel. Tutu ist heute ein wichtiges kommerzielles Zentrum außerhalb der historischen Innenstadt und Standort größerer Einkaufs- und Dienstleistungsangebote. Donoe liegt weiter nördlich beziehungsweise nordöstlich und ist vor allem durch Wohnbebauung geprägt. Die heutige Verkehrsinfrastruktur verbindet diese Siedlungsbereiche mit Charlotte Amalie und den übrigen Teilen der Insel. Das öffentliche Bussystem VITRAN führt beispielsweise Linien von Contant über Donoe und Hidden Valley sowie über Tutu und weiter nach Old Tutu.
Im Westen und Norden der Insel liegen weitere kleinere Siedlungsbereiche und Wohngebiete. Zu den bekannten Orten und Gebieten gehören Hull Bay, Brewers Bay, Caret Bay, Dorothea, Mandahl, Bordeaux und Magen's Bay. Hull Bay besitzt neben seiner heutigen Wohnfunktion auch archäologische Bedeutung. Der dort ausgewiesene Hull Bay Archaeological District umfasst Fundstellen aus der prähistorischen und frühen historischen Zeit und dokumentiert die lange Besiedlungsgeschichte von Saint Thomas.
Im Osten der Insel bildet Red Hook ein zweites wichtiges Siedlungs- und Dienstleistungszentrum. Der Ort liegt an der östlichen Küste am Übergang zum Pillsbury Sound und gegenüber von Saint John. Red Hook besitzt einen Fährhafen mit regelmäßigen Verbindungen nach Saint John und spielt dadurch eine wichtige Rolle für den Personenverkehr zwischen den Inseln. Hinzu kommen Geschäfte, Restaurants, Unterkünfte, Dienstleistungen und Wohngebiete. Die Siedlungsentwicklung von Red Hook steht damit wesentlich mit der modernen Verkehrs- und Tourismuswirtschaft in Zusammenhang.
Zu den weiteren größeren Wohngebieten gehören Bovoni, Contant, Smith Bay und Sapphire beziehungsweise die umliegenden Siedlungsbereiche. Sie sind überwiegend durch moderne Wohnbebauung, Ferienunterkünfte, kleinere Gewerbebetriebe und Dienstleistungen geprägt. Anders als Charlotte Amalie besitzen sie keinen vergleichbaren historischen Stadtkern, bilden aber einen wesentlichen Bestandteil der heutigen Siedlungsstruktur von Saint Thomas.
Verkehr
Der wichtigste Verkehrsknotenpunkt ist der internationale Flughafen Cyril E. King (STT) im Westen der Insel, der Direktflüge von den USA, Puerto Rico und anderen Karibikinseln empfängt, sowie zwei große Fährhäfen in Charlotte Amalie und Red Hook mit regelmäßigen Verbindungen nach Saint John, Saint Croix und zu den Britischen Jungferninseln. Der Straßenverkehr erfolgt im Linksverkehr auf einem gut ausgebauten, asphaltierten Straßennetz von etwa 125 Meilen Länge, wobei der öffentliche Nahverkehr aus staatlichen Bussen und privaten Sammeltaxi-Vans („Safaris“) besteht und zahlreiche Autovermietungen am Flughafen und in der Hauptstadt verfügbar sind.
Straßenverkehr
Das öffentliche Straßennetz verbindet die Hauptstadt Charlotte Amalie im Süden mit den Siedlungsgebieten im Inselinneren und im Osten sowie mit den Hafen-, Fähr- und Flughafeneinrichtungen. Zu den wichtigsten Verkehrsräumen gehören die Verbindungen zwischen Charlotte Amalie, Tutu, Donoe, Bovoni, Smith Bay und Red Hook sowie die Straßen zu den nördlichen und westlichen Küstenabschnitten. Das Virgin Islands Department of Public Works ist für Planung, Bau und Unterhaltung der öffentlichen Straßen und Highways zuständig.
Eine Besonderheit von Saint Thomas ist der Linksverkehr. Die Amerikanischen Jungferninseln sind das einzige Gebiet unter US-amerikanischer Hoheit, in dem grundsätzlich auf der linken Straßenseite gefahren wird. Diese Regelung geht auf die dänische Zeit zurück und wurde nach der Übertragung der Inseln an die Vereinigten Staaten am 31. März 1917 beibehalten. Der Straßenverkehr weist dadurch eine für Besucher ungewöhnliche Kombination auf: Es gilt Linksverkehr, gleichzeitig stammen zahlreiche Fahrzeuge aus den Vereinigten Staaten und besitzen deshalb überwiegend das Lenkrad auf der linken Fahrzeugseite. Die Virgin Islands Police Department weist Besucher ausdrücklich darauf hin, beim Fahren auf Saint Thomas die Besonderheit des Linksverkehrs zu beachten.
Die Straßen sind vielfach kurvenreich und folgen den Berghängen und Tälern der Insel. Gerade außerhalb der größeren Siedlungen wechseln sich enge, steile Straßenabschnitte mit stärker ausgebauten Hauptverkehrsstraßen ab. In den dicht bebauten Bereichen von Charlotte Amalie treffen sich lokaler Individualverkehr, Busse, Taxis, Fußgänger, Lieferverkehr und der Verkehr zu den Kreuzfahrtanlagen. Im historischen Stadtzentrum sind die Straßen teilweise besonders eng. Auch zeitweise Sperren oder Änderungen der Verkehrsführung treten dort bei Bauarbeiten und größeren Veranstaltungen auf. 2026 wurden beispielsweise im Bereich von Tolbod Gade im Zuge der Sanierung des historischen Stadtzentrums Fahrspuren und Fußgängerführungen verändert.
Eine wichtige überregionale Verkehrsachse führt von Charlotte Amalie über die zentralen Siedlungsgebiete in Richtung Osten nach Red Hook. Die staatliche Buslinie 401 verbindet Red Hook über Smith Bay, Tutu Park Mall, Schneider Regional Medical Center und weitere Haltestellen mit dem Busbahnhof in Charlotte Amalie. Der veröffentlichte Fahrplan zeigt zahlreiche Fahrten über den gesamten Tag. Weitere VITRAN-Linien erschließen Donoe und Hidden Valley, Bovoni sowie Old und New Tutu. Die Linien 301, 501 und 601 verbinden diese Gebiete mit dem Raum Charlotte Amalie; die Linien 101 und 102 stellen Verbindungen zwischen der Stadt, der University of the Virgin Islands, Subbase und dem Cyril E. King Airport her.
Der öffentliche Straßenpersonennahverkehr wird unter der Bezeichnung VITRAN betrieben. Auf Saint Thomas existieren neben den regulären Buslinien auch sogenannte Safari-Taxis. Dabei handelt es sich überwiegend um offene oder teilweise überdachte Lastwagen beziehungsweise größere Fahrzeuge mit seitlich angeordneten Sitzbänken. Sie sind besonders auf den stark frequentierten Strecken zwischen den touristischen Zentren und den Verkehrsknotenpunkten anzutreffen. Der Verkehrsplan von Saint Thomas weist Safari-Taxis als eigenständige Verkehrsform im öffentlichen beziehungsweise kommerziellen Personenverkehr aus.
Daneben verfügt Saint Thomas über ein umfangreiches reguläres Taxigewerbe. Taxis stehen insbesondere in Charlotte Amalie, an den Kreuzfahrtterminals von Havensight und Crown Bay, am Cyril E. King Airport, in Red Hook und an anderen touristisch stark frequentierten Punkten zur Verfügung. Je nach Fahrzeug werden einzelne Fahrgäste oder größere Gruppen befördert. Die Kreuzfahrtterminals erzeugen dabei erhebliche kurzfristige Verkehrsspitzen, wenn mehrere Schiffe gleichzeitig Passagiere abfertigen. Auch Crown Bay ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Taxis und Safari-Taxis; bei größeren Veranstaltungen oder besonderen Verkehrslagen werden dort eigene Verkehrsregelungen getroffen.
Der Individualverkehr besitzt trotz des öffentlichen Bus- und Taxiverkehrs eine große Bedeutung. Mietwagen sind für Besucher verbreitet, während Einwohner überwiegend private Pkw benutzen. Wegen der hügeligen Topographie und der relativ begrenzten Zahl leistungsfähiger Hauptverkehrsachsen können sich auf den wichtigsten Verbindungen, insbesondere zwischen Charlotte Amalie und Red Hook sowie im Umfeld von Tutu und den Hafenanlagen, erhebliche Verkehrsbelastungen ergeben. Das Straßennetz ist deshalb nicht als regelmäßiges, ebenes Raster ausgebaut, sondern folgt weitgehend der historischen Siedlungsentwicklung und den topographischen Gegebenheiten.
Die Verbindung zwischen Straßen- und Schiffsverkehr ist für Saint Thomas besonders wichtig. Vom Red Hook Terminal bestehen regelmäßige Passagierfähren nach Cruz Bay auf Saint John; die Fährverbindung ist in das multimodale Verkehrssystem der Insel integriert. Die Überfahrt Red Hook–Cruz Bay dauert ungefähr 20 Minuten. Auch Charlotte Amalie verfügt über Fährverbindungen nach Saint John. Dadurch bilden die Straßen nach Red Hook und zum Stadtzentrum von Charlotte Amalie zugleich Zubringer zu den wichtigsten interinsularen Verkehrsmitteln.
Vom Red Hook Terminal, Charlotte Amalie und dem Bereich Crown Bay bestehen damit enge Verknüpfungen zwischen Straßen-, Bus-, Taxi- und Schiffsverkehr. Die von dir genannten Verbindungen zu Water Island, Saint John, Saint Croix und den Britischen Jungferninseln gehören allerdings zum Schiffsverkehr und nicht zum eigentlichen Straßenverkehr; für die Verkehrssystematik ist es sinnvoll, sie als interinsulare Fähr- und Bootsverbindungen zu behandeln. Das gilt insbesondere für die Autofährverbindungen, bei denen Fahrzeuge selbst zwischen den Inseln transportiert werden.
Schiffsverkehr
Der Kreuzfahrtverkehr bildet einen der bedeutendsten Bereiche des Schiffsverkehrs von Saint Thomas. Die beiden wichtigsten Kreuzfahrtanlagen befinden sich am West Indian Company Dock in Havensight und am Austin „Babe“ Monsanto Marine Terminal in Crown Bay. Das WICO-Dock wird von der West Indian Company betrieben, während das Crown-Bay-Terminal der Virgin Islands Port Authority untersteht. Für Saint Thomas weist die US Coast Guard mehr als 500 Kreuzfahrtschiffanläufe und rund zwei Millionen Besucher jährlich aus; die Zahlen beziehen sich dabei auf das touristische Verkehrsaufkommen der Insel und nicht ausschließlich auf einzelne Hafenanlagen.
Crown Bay besitzt darüber hinaus eine wichtige Funktion für den Güterverkehr. Der dortige Cargo Port dient nicht nur der Versorgung von Saint Thomas, sondern auch als Umschlagplatz für Güter, die anschließend zu anderen karibischen Inseln weitertransportiert werden. Damit ist der Hafen Teil einer regionalen Versorgungskette, über die Lebensmittel, Konsumgüter, Baumaterialien, Fahrzeuge, Container und andere Waren auf die Insel und in weitere Gebiete der Karibik gelangen. Zu den im Hafenverkehr nach Saint Thomas tätigen Reedereien beziehungsweise Schifffahrtsunternehmen gehören unter anderem Crowley, TOTE Maritime und Tropical Shipping.
Eine besonders wichtige Funktion besitzt der Fährverkehr. Zwischen Saint Thomas und Saint John bestehen regelmäßige Passagierverbindungen von Red Hook nach Cruz Bay sowie von Charlotte Amalie nach Cruz Bay. Die Verbindung Red Hook–Cruz Bay ist die kürzere und dauert ungefähr 15 bis 20 Minuten. Die Fähren werden sowohl von Einheimischen für Arbeitswege, Schulbesuche, Arzttermine und Einkäufe als auch von Touristen benutzt. Die Virgin Islands Port Authority bezeichnet den Fährverkehr ausdrücklich als Bestandteil des täglichen Lebens auf den Inseln.
Red Hook an der Ostseite von Saint Thomas ist der wichtigste Fährhafen der Insel für den Verkehr nach Saint John. Dort befindet sich das Urman Victor Fredericks Marine Terminal. Neben Personenfähren verkehren von Red Hook auch Autofähren nach Enighed Pond auf Saint John. Mehrere private Betreiber transportieren Fahrzeuge auf diesen Barge-Verbindungen. Dadurch können Personenkraftwagen, Geländewagen, Lastwagen und andere Fahrzeuge zwischen den beiden Inseln befördert werden.
Charlotte Amalie besitzt zusätzlich eine direkte Fährverbindung nach Saint John. Nach den derzeit von der Virgin Islands Port Authority veröffentlichten Fahrplänen verkehren von der Innenstadt aus mehrere tägliche Fähren nach Cruz Bay; die Fahrpläne sind saisonalen Änderungen unterworfen. Eine weitere interinsulare Verbindung besteht zwischen Charlotte Amalie und Saint Croix. Diese Verbindung führt nach Gallows Bay bei Christiansted und wird nach dem veröffentlichten Fahrplan an mehreren Wochentagen betrieben.
Internationale beziehungsweise grenzüberschreitende Bedeutung besitzt Saint Thomas durch den Schiffsverkehr zu den Britischen Jungferninseln. Von Charlotte Amalie und Red Hook bestehen Verbindungen insbesondere nach Tortola und zu weiteren Inseln der British Virgin Islands. Neben regulären Passagierfähren verkehren private Wassertaxis und kleinere Boote. Für den Verkehr zwischen den amerikanischen und britischen Jungferninseln bestehen eigene Hafen-, Sicherheits- und Einreisebestimmungen.
Zum Schiffsverkehr gehören außerdem private Motorboote, Segelyachten, Charterboote, Tauch- und Ausflugsboote sowie Wassertaxis. Saint Thomas besitzt aufgrund der zahlreichen Buchten und des geschützten Charlotte-Amalie-Hafens eine ausgeprägte Yachtinfrastruktur. Die US Coast Guard führt für den Zuständigkeitsbereich der Marine Safety Unit St. Thomas mehr als 70 Kreuzfahrtschiffe und Yachten, rund 130 kontrollierte kleine Fahrgastschiffe, etwa 30 größere Fähren und rund 225 weitere nicht kontrollpflichtige gewerbliche Schiffe auf. Die Einheit überwacht außerdem drei Containerterminals und das einzige Trockendock der US Virgin Islands.
Flugverkehr
Cyril E. King Airport war früher nach dem amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman benannt. Seit 1984 trägt er den Namen des ehemaligen Gouverneurs der Inselgruppe, Cyril E. King. Der Flughafen wird mit einer Hauptstart- und Landebahn betrieben, die mit 2134 Meter relativ kurz ist. Es gibt im Wesentlichen Verbindungen zu Zielen in der Karibik sowie auf das US-amerikanische Festland. Am 28. Dezember 1970 landete der Trans Caribbean Airways Flug 505 neben der Start- und Landebahn und fing Feuer. Zwei der 48 Passagiere starben und am 27. April 1976 schoss das Flugzeug des Fluges 625 der American Airlines über die Landebahn hinaus. Dabei wurden 37 der 88 Reisenden getötet. Als Folge des Desasters nutzte die Fluggesellschaft nur noch Propeller-Flugzeuge statt Jets, bis die Startbahn verlängert worden war.
| Airlines | Ziele |
| Air Sunshine | Anguilla, Dominica–Douglas–Charles, Nevis, Saint Kitts, San Juan, Sint Maarten, Tortola, Virgin Gorda, Charter: Anguilla, Dominica–Melville Hall, Nevis, San Juan, Sint Maarten, Tortola, Virgin Gorda, Antigua, St. Lucia, St. Vincent, Grenada, Trinidad, Dominican Republic, Turks and Caicos, Aruba, Curaçao, Barbados |
| American Airlines | Charlotte, Miami, New York–JFK, saisonal: Philadelphia |
| Cape Air | Saint Croix, San Juan, saisonal: Tortola, Virgin Gorda |
| Delta Air Lines | Atlanta, New York–JFK, saisonal: Boston |
| InterCaribbean Airways | Sint Maarten, Tortola |
| JetBlue Airways | Boston, San Juan |
| Seaborne Airlines | Saint Croix, San Juan |
| Sea Flight Airlines | Saint Croix |
| Spirit Airlines | Fort Lauderdale |
| Sun Country Airlines | saisonal: Minneapolis/St. Paul |
| Tradewind Aviation | Saint Barthélemy |
| United Airlines | saisonal: Chicago–O'Hare, Houston–Intercontinental, Newark, Washington–Dulles |
Cyril E. King Airport
- Code: STT / TIST
- Lage: 18°20‘14“ N, 64°58‘24“ W
- Seehöhe: 7 m (23 ft)
- Entfernung: 3,5 km westlich von Charlotte Amalie
- Inbetriebnahme:
- Betreiber: Virgin Islands Port Authority
- Fläche: 110 ha
- Terminal: 1
- Rollbahn: 1
- Länge der Rollbahn: 2134 m (Asfalt)
- Fluggesellschaften: 12
- Flugzeug-Standplätze: 98
- jährliche Passagierkapazität:
- jährliche Frachtkapazität:
- Flughafen-Statistik: Jahr Flugbewegungen Passagiere Fracht in t
2016/17 61 255 1 471 500
Wirtschaft
Die Wirtschaft von Saint Thomas wird dominiert vom Tourismus, der etwa 60–80% des Bruttoinlandsprodukts und der Arbeitsplätze ausmacht, wobei die Insel als Hauptzentrum für Kreuzfahrttourismus, Hotels, Handel, Finanzdienstleistungen und Regierungsfunktionen der Amerikanischen Jungferninseln dient. Daneben spielen der öffentliche Sektor als größter einzelner Arbeitgeber, der Freihafen-Status ohne US-Zölle, begrenzte Industrie (Rum-Destillerien, Uhrenmontage, Elektronik, Pharmazeutika) sowie Baugewerbe und Dienstleistungen eine wichtige Rolle, während die Landwirtschaft nur geringe Bedeutung hat.
Landwirtschaft
Bereits während der dänischen Kolonialzeit wurden auf der Insel Zuckerrohr, Baumwolle und verschiedene tropische Nutzpflanzen angebaut. Die landwirtschaftliche Nutzung konzentrierte sich auf die höher gelegenen und niederschlagsreicheren Bereiche sowie auf die Täler und Hänge außerhalb von Charlotte Amalie. Wegen der begrenzten landwirtschaftlich nutzbaren Flächen und der schwierigen Reliefverhältnisse entwickelte sich Saint Thomas jedoch nicht zu einem so bedeutenden Plantagengebiet wie Saint Croix. Nach dem Niedergang der Plantagenwirtschaft wurden viele ehemalige Anbauflächen aufgegeben und teilweise von Busch- und Waldvegetation zurückerobert.
Die heutige Landwirtschaft besteht überwiegend aus kleinen Familienbetrieben, Gartenbaubetrieben, Viehhaltungen und spezialisierten Produzenten. Die Landwirtschaft des gesamten Territoriums nahm zwischen 2018 und 2023 hinsichtlich der Zahl der Betriebe sogar zu: Die Landwirtschaftszählung des USDA erfasste 2023 insgesamt 619 Farmen gegenüber 565 im Jahr 2018. Gleichzeitig verringerte sich die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche von 9.324 auf 8.092 Acres. Für Saint Thomas und Saint John gemeinsam wurden 2023 178 Betriebe erfasst; davon entfielen 71 auf Obst und Nüsse, 33 auf Gemüse und 15 auf Viehzucht mit Rindern beziehungsweise Kälbern. Die Angaben beziehen sich auf Saint Thomas und Saint John zusammen, weil die Landwirtschaftszählung diese beiden Inseln in dieser Auswertung gemeinsam ausweist.
Das wichtigste landwirtschaftliche Gebiet von Saint Thomas ist Bordeaux im westlichen Inselteil. Dort befinden sich zahlreiche kleinere Farmen und Weideflächen. Die Region ist wegen ihrer relativ hoch gelegenen und landwirtschaftlich nutzbaren Flächen für die lokale Landwirtschaft besonders wichtig. Das USDA Natural Resources Conservation Service arbeitet deshalb an einem Bewässerungs- und Wassereinzugsgebietsprojekt für Bordeaux, das die Wasserversorgung der dortigen Landwirtschaft verbessern soll. Ziel ist eine zuverlässigere Wasserversorgung der landwirtschaftlichen Betriebe und damit eine stabilere Produktion.
Der Anbau von Gemüse gehört zu den wichtigsten Bereichen. Produziert werden unter anderem Blattgemüse, Salate, Tomaten, Paprika, Gurken, Kürbisse, Wurzel- und Knollenfrüchte sowie verschiedene tropische Gemüsearten. Ein Teil der Produktion wird unmittelbar auf lokalen Märkten und über Restaurants verkauft. Die USDA-Landwirtschaftszählung weist für Saint Thomas und Saint John zusammen 33 Gemüsebetriebe mit einem Verkaufswert von 172.390 US-Dollar im Jahr 2023 aus. Diese Zahl umfasst nur die in der Zählung erfassten landwirtschaftlichen Verkäufe und nicht den gesamten lokalen Lebensmittelhandel.
Eine besonders große Bedeutung besitzen Obstbäume. Für Saint Thomas und Saint John wurden 2023 insgesamt 71 Betriebe mit Obst- und Nussproduktion erfasst. Der Verkaufswert dieser Erzeugnisse betrug zusammen 1.374.003 US-Dollar und war damit deutlich höher als der Wert der Gemüseproduktion. Zu den angebauten beziehungsweise geernteten Früchten gehören insbesondere Mango, Guave, Papaya, Banane, Kochbanane, Zitrusfrüchte, Avocado, Sternfrucht und verschiedene weitere tropische Früchte. Ein Beispiel für einen landwirtschaftlichen Betrieb auf Saint Thomas ist Greenridge Guavaberry Farm in Bordeaux, der unter anderem Guavaberry beziehungsweise Rumberry kultiviert.
Auch die Haltung von Nutztieren gehört zur Landwirtschaft. Auf Saint Thomas werden insbesondere Rinder, Ziegen, Schweine und Geflügel gehalten. Für Saint Thomas und Saint John zusammen weist die Landwirtschaftszählung 2023 sechs Betriebe mit Rindern und Kälbern, acht mit Schweinen und 33 Betriebe mit sonstigen Nutztieren aus. Bei den „other livestock“ handelt es sich um eine Sammelkategorie; die ausgewiesenen Verkaufswerte beziehen sich deshalb nicht ausschließlich auf eine einzelne Tierart.
Ziegen und Schafe sind für die Nutzung trockener und teilweise steiler Weideflächen besonders geeignet. Die Viehhaltung ist vielfach extensiv und erfolgt auf Weideflächen, wobei zusätzlich zugekauftes Futter eingesetzt wird. Gerade in Trockenperioden nimmt die Bedeutung von importiertem Futter zu. Im April 2024 berichteten Landwirte auf Saint Thomas über austrocknende Teiche, Risse im Boden und zunehmende Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung. Viehhalter mussten zusätzlich Getreide beziehungsweise Futtermittel zukaufen.
Die Wasserversorgung ist einer der wichtigsten begrenzenden Faktoren der Landwirtschaft. Saint Thomas besitzt keine ganzjährig ausreichenden natürlichen Wasserreserven für eine intensive Landwirtschaft. Regenwasser wird deshalb in Zisternen und Teichen gesammelt. Die landwirtschaftlichen Betriebe sind in hohem Maße von Niederschlägen, gespeicherten Wasservorräten und zusätzlichen Bewässerungssystemen abhängig. Für Bordeaux sind deshalb neue große Zisternen vorgesehen. Die Regierung der Amerikanischen Jungferninseln begann 2025 mit dem Bau von zwei Zisternen mit jeweils 100.000 US-Gallonen beziehungsweise rund 379.000 Litern Fassungsvermögen, um die Landwirtschaft des Gebietes besser mit Wasser zu versorgen.
Die klimatischen Bedingungen bestimmen den landwirtschaftlichen Jahresablauf erheblich. Saint Thomas besitzt eine ausgeprägte Trockenzeit und ist regelmäßig von Dürreperioden betroffen. Gleichzeitig können tropische Stürme innerhalb kurzer Zeit große Mengen Niederschlag und starke Winde bringen. Dadurch wechseln sich Wassermangel und Überschwemmungs- beziehungsweise Erosionsprobleme ab. Im August 2026 wurde für die gesamten Amerikanischen Jungferninseln aufgrund anhaltender Trockenheit eine USDA-Dürrekatastrophenerklärung ausgesprochen. Saint Thomas gehörte ausdrücklich zu den als Hauptkatastrophengebieten ausgewiesenen Inseln.
Tropische Stürme können landwirtschaftliche Betriebe außerdem durch Windschäden, Überschwemmungen, Bodenerosion, den Verlust von Obstbäumen und Schäden an Gewächshäusern, Zäunen, Bewässerungsanlagen und landwirtschaftlichen Gebäuden treffen. Nach dem Tropensturm Ernesto 2024 stellte das USDA den Landwirten der Amerikanischen Jungferninseln Hilfen für Ernte-, Land-, Infrastruktur- und Viehverluste zur Verfügung. Für Obstbauern und Baumschulen existieren unter anderem Wiederanpflanzungs- und Rehabilitationshilfen.
Die Landwirtschaft ist außerdem durch die Insellage wirtschaftlich benachteiligt. Saatgut, Futtermittel, Dünger, Maschinen, Ersatzteile und zahlreiche andere Betriebsmittel müssen eingeführt werden. Dadurch entstehen zusätzliche Transport- und Beschaffungskosten. Das gilt besonders für die Viehhaltung, bei der Futtermittel einen erheblichen Kostenfaktor darstellen. Die lokale Produktion steht gleichzeitig mit importierten Lebensmitteln im Wettbewerb.
Um die lokale Produktion zu fördern, gewährt die Regierung der Amerikanischen Jungferninseln besondere steuerliche Vergünstigungen. Landwirtschaftliche Betriebe können unter bestimmten Voraussetzungen eine Einkommensteuersubvention von bis zu 90 Prozent des aus landwirtschaftlicher Tätigkeit stammenden Einkommens erhalten. Landwirtschaftliche Verkaufserlöse sind außerdem von der territorialen Gross Receipts Tax befreit. Für ausschließlich landwirtschaftlich genutzte Grundstücke und Gebäude bestehen ebenfalls erhebliche Steuervergünstigungen. Landwirtschaftliche Gebäude, Ausrüstung und Betriebsmittel können unter den geltenden Voraussetzungen von bestimmten Verbrauchsteuern und Abgaben befreit werden.
Das Virgin Islands Department of Agriculture unterstützt die Betriebe nicht nur mit Beratung, sondern auch mit Programmen zur Vermarktung lokaler Produkte, Veterinärdiensten und Förderprogrammen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der Vermarktung lokal erzeugter Lebensmittel. Die Behörde unterstützt Käufer und Händler, die den Zugang zu lokal erzeugten Produkten verbessern, und bietet landwirtschaftlichen Betrieben technische Unterstützung an.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Steigerung der Ernährungssicherheit. Die Regierung versucht, den Anteil lokal erzeugter Lebensmittel am Verbrauch der Insel zu erhöhen. Dazu gehören Förderprogramme für Gemüse- und Obstbau, Viehzucht, Bewässerung und kleinere landwirtschaftliche Projekte. Das 2025 ausgeschriebene Micro-Grants-for-Food-Security-Programm sieht beispielsweise Zuschüsse von bis zu 5.000 US-Dollar für Projekte vor, die die lokale Nahrungsmittelproduktion und Ernährungssicherheit im Territorium verbessern.
Die Vermarktung erfolgt vielfach direkt. Bauern verkaufen ihre Erzeugnisse an Haushalte, Restaurants, Märkte und andere gewerbliche Abnehmer. Dadurch können Obst und Gemüse unmittelbar nach der Ernte auf dem lokalen Markt angeboten werden. Die Nähe zwischen Produzent und Verbraucher ist für die kleinen Betriebe von Bedeutung, weil lange Transport- und Lagerwege vermieden werden.
Historisch wurden auf Saint Thomas auch Zuckerrohr und Baumwolle angebaut. Die Plantagenwirtschaft verlor jedoch bereits im 19. Jahrhundert ihre wirtschaftliche Bedeutung. Die Abschaffung der Sklaverei 1848, sinkende Rentabilität der Plantagen, Konkurrenz anderer Zuckerproduzenten und die begrenzte Größe der landwirtschaftlichen Flächen führten zu einem langfristigen Rückgang der großflächigen Landwirtschaft. Heute existieren keine großflächigen Zuckerrohrplantagen mehr.
Forstwirtschaft
Die Waldfläche von Saint Thomas wurde durch die historische Landnutzung stark verändert. Landwirtschaftliche Flächen, Plantagen, Weideland, Siedlungen und Straßen führten zu einer weitgehenden Umwandlung der ursprünglichen Vegetation. Das Department of Planning and Natural Resources weist darauf hin, dass in historischer Zeit mehr als 97 Prozent der Wälder der Amerikanischen Jungferninseln durch Landwirtschaft und Bebauung verändert beziehungsweise beseitigt wurden. Die heute vorhandenen Wälder bestehen daher zu einem erheblichen Teil aus Sekundärwäldern, die sich nach der Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzflächen wieder entwickelt haben.
Die Waldinventur des US Forest Service von 2009 ermittelte für Saint Thomas 8.641 Acres Wald, entsprechend rund 3.498 Hektar beziehungsweise 50,1 Prozent der damaligen Inselfläche. Die Inventur von 2014 kam auf 7.528 Acres beziehungsweise rund 3.047 Hektar und einen Waldanteil von 43,6 Prozent. Die unterschiedlichen Werte beruhen auf den jeweiligen Inventurmethoden und Messzeiträumen; sie zeigen zugleich, dass die Waldfläche auf Saint Thomas erheblichen Veränderungen durch Landnutzung und natürliche Störungen unterliegt.
Die Waldgesellschaften bestehen aus zahlreichen einheimischen und eingeführten Baumarten. Zu den charakteristischen einheimischen Bäumen gehören unter anderem Gumbo-Limbo beziehungsweise Bursera simaruba, Black Mampoo beziehungsweise Guapira fragrans und Genip beziehungsweise Melicoccus bijugatus. Weitere Baumarten der tropischen Wälder sind unter anderem Pisonia subcordata, Bucida buceras, Ceiba pentandra, Hymenaea courbaril und Hura crepitans. In den Inventuren wurden insgesamt mehr als hundert Baumarten erfasst. Bei den kleineren Bäumen und Jungpflanzen spielt auch die eingeführte Leucaena leucocephala eine bedeutende Rolle.
Die wirtschaftliche Holznutzung ist dagegen gering. Saint Thomas besitzt keine mit den großen Forstregionen Nordamerikas oder Europas vergleichbare kommerzielle Holzindustrie. Holz wird in erster Linie lokal für kleinere Bauarbeiten, Reparaturen, Möbel, Handwerk und Brennstoff verwendet. Die vorhandenen Wälder werden nicht in großem Umfang zur Erzeugung von Schnittholz bewirtschaftet. Ein wesentlicher Grund dafür sind die geringe Größe der Insel, die vielfach schwierigen Hanglagen, die Trockenheit und die starke Zersplitterung der Waldflächen.
Forstwirtschaftliche Maßnahmen konzentrieren sich daher vor allem auf den Schutz und die Wiederherstellung von Waldflächen. Das USDA Forest Service unterhält für die Amerikanischen Jungferninseln ein Forest Stewardship Program, das private Eigentümer nichtindustrieller Waldflächen bei der nachhaltigen Bewirtschaftung unterstützt. Zu den Zielen gehören der Schutz von Wasserressourcen, die Verringerung der Waldbrandgefahr, die Verbesserung von Lebensräumen und die langfristige Erhaltung der Waldressourcen. Für die Amerikanischen Jungferninseln ist das Department of Agriculture zuständig.
Fischerei
Die gewerbliche Fischerei wird auf Saint Thomas vor allem von kleineren Booten betrieben. Gefischt wird sowohl in den küstennahen Gewässern als auch weiter von der Insel entfernt. Zu den dokumentierten Fangmethoden gehören Angeln mit Rute und Rolle, verschiedene Haken- und Leinenmethoden, Fischreusen, Hummerreusen, Netze sowie Tauchen und Freitauchen. Die offiziellen Fangmeldungen unterscheiden unter anderem zwischen Rod and Reel, Hydraulic Handline, Buoy, Fish Traps, Lobster Traps, Seine, Cast Nets und Surface Gill Nets. Die Fangberichte erfassen außerdem Fanggebiet, Wassertiefe, Zahl der eingesetzten Geräte, Fangdauer und Besatzung.
Bei den gefangenen Fischen spielen verschiedene Arten von Schnappern, Zackenbarschen, Grunzern, Stachelmakrelen, Papageifischen und anderen Rifffischen eine Rolle. Hinzu kommen pelagische Arten, die außerhalb der unmittelbaren Küstenzone gefangen werden. Für das Fischereimanagement von Saint Thomas und Saint John werden unter anderem Dolphinfish beziehungsweise Mahi-Mahi und Wahoo als eigene pelagische Bestände geführt. Die neuesten auf der NOAA-Seite verfügbaren Fangdaten für diesen Managementbereich reichen derzeit bis 2023. Für Mahi-Mahi wurden für 2023 insgesamt 3.360 Pfund und für Wahoo 1.436 Pfund ausgewiesen; diese Werte beziehen sich auf den gesamten Managementbereich Saint Thomas–Saint John und nicht auf Saint Thomas allein.
Neben Fischen sind wirbellose Meerestiere für die Fischerei von Bedeutung. Dazu gehören die Königinnenmuschel Aliger gigas, die Westindische Fechterschnecke beziehungsweise Whelk Cittarium pica und die Karibische Languste Panulirus argus. Die Königinnenmuschel wird sowohl gewerblich als auch in der Freizeitfischerei genutzt. Ihre Entnahme unterliegt Mindestgrößen, Fangmengen und einer jährlichen Schonzeit. Für die Saison 2025/26 war die Entnahme vom 1. November 2025 bis zum 31. Mai beziehungsweise 1. Juni 2026 zugelassen; in bestimmten Schutzgebieten, darunter dem St. Thomas East End Reserve, ist die Entnahme vollständig verboten.
Die Fischerei wird auf Saint Thomas deshalb durch ein relativ dichtes System aus territorialen und bundesstaatlichen Vorschriften geregelt. Neben Mindestmaßen und Fangmengen existieren Schonzeiten für einzelne Arten. Für Whelks sowie bestimmte Schnapper gelten ebenfalls saisonale Sperrzeiten. Für die Fischbestände in Bundesgewässern gelten zusätzlich die vom Caribbean Fishery Management Council und NOAA Fisheries festgelegten Managementmaßnahmen. Die Fischerei von Saint Thomas und Saint John besitzt hierfür einen eigenen Fishery Management Plan.
Die Schonzeiten dienen insbesondere dem Schutz der Fortpflanzung. Bei der Königinnenmuschel wird die saisonale Sperre mit dem Schutz der Population während wichtiger Fortpflanzungsperioden begründet. Gleichzeitig bestehen Schutzgebiete, in denen die traditionelle Fischerei vollständig oder teilweise untersagt ist. In bestimmten Marine Protected Areas sind unter anderem Speerfischen, Fischreusen, Kiemennetze, Bootsangeln sowie die Entnahme von Muscheln, Langusten und Whelks verboten. Solche Gebiete dienen dem Schutz von Laichplätzen, Aufwuchsgebieten und küstennahen marinen Lebensräumen.
Für Saint Thomas besonders wichtig ist das St. Thomas East End Reserve (STEER). Das Schutzgebiet liegt am östlichen Ende der Insel und umfasst marine Lebensräume mit Korallenriffen, Seegrasbeständen und weiteren Küstenökosystemen. Die Einrichtung solcher Schutzgebiete schränkt zwar die Fangmöglichkeiten in den jeweiligen Zonen ein, soll aber gleichzeitig die Bestände und die Funktion der Küstenökosysteme erhalten.
Die Fischereiverwaltung stützt sich zunehmend auf systematische Fangdaten. Die Division of Fish and Wildlife sammelt die Commercial Catch Reports, führt Hafenproben durch und arbeitet im Rahmen des Fisheries Cooperative Statistics Program mit NOAA Fisheries zusammen. Auf Saint Thomas stehen dafür unter anderem das DFW-Büro in Red Hook, das Tropical Marine Office, das Gustave Quetel Fish House in Frenchtown und weitere Annahmestellen für Fangmeldungen zur Verfügung. Die Daten enthalten Angaben über Arten, Mengen, Fanggeräte, Fangorte und Fangaufwand und bilden die Grundlage für die Überwachung der Bestände.
Die Anlandung und Vermarktung erfolgen überwiegend über kleinere Fischereihäfen und Fischverkaufsstellen. Eine wichtige historische und heutige Rolle spielt Frenchtown im Westen von Charlotte Amalie. Das Gustave Quetel Fish House dient dort unter anderem als Bezugspunkt für die gewerbliche Fischerei und die Abgabe von Fangmeldungen. Auch Hull Bay besitzt eine Verbindung zur lokalen Fischerei; dort befindet sich mit dem Hull Bay Hideaway eine weitere offizielle Annahmestelle für Commercial Catch Reports.
Der gefangene Fisch wird auf lokalen Märkten, an Fischständen, in Restaurants und über direkte Verkäufe vermarktet. Besonders gefragt sind frischer Schnapper, Zackenbarsch, Mahi-Mahi und andere tropische Meeresfische sowie Langusten, Muscheln und Whelks. Ein Teil des Fangs wird unmittelbar nach der Anlandung verkauft und gelangt damit ohne längere Verarbeitung in die lokale Gastronomie. Fisch und Meeresfrüchte sind zugleich wichtige Bestandteile der Küche von Saint Thomas.
Neben der gewerblichen Fischerei besitzt die Freizeitfischerei eine große Bedeutung. Sie wird von Einheimischen und Besuchern vom Ufer, von kleineren Booten und im Rahmen geführter Angeltouren betrieben. Gefischt werden unter anderem Rifffische und pelagische Arten. In bestimmten Schutzgebieten sind dagegen nur ausgewählte Formen der Freizeitfischerei wie Catch-and-Release-Fischen oder das Fangen von Köderfischen mit Wurfnetzen zulässig.
Bergbau
Wirtschaftlich wichtig ist vor allem die Gewinnung von Gestein, Sand und Kies für die Bauwirtschaft. Die Rohstoffe werden für Straßenbau, Hoch- und Tiefbau, Betonherstellung und die Produktion von Mauersteinen verwendet. Ein bedeutender Standort ist der Mariendahl Quarry Complex, an dem Steinbruchbetrieb, Gesteinszerkleinerung und -aufbereitung, die Herstellung von Transportbeton und die Produktion von Mauerblöcken miteinander verbunden sind. Die US-Umweltbehörde EPA bezeichnete Heavy Materials als den größten Hersteller von Transportbeton und Mauerblöcken auf den Amerikanischen Jungferninseln.
Der Abbau erfolgt im Tagebau. Dabei werden Gestein und andere mineralische Baustoffe gewonnen, anschließend gebrochen, sortiert und zu verschiedenen Korngrößen verarbeitet. Ein Teil des Materials gelangt unmittelbar in die Beton- und Baustoffproduktion. Die Bedeutung dieser Rohstoffgewinnung hängt deshalb eng mit der Bautätigkeit auf Saint Thomas zusammen. Besonders nach den schweren Hurrikanen Irma und Maria von 2017 entstand ein hoher Bedarf an Baustoffen für die Wiederherstellung von Straßen, Gebäuden, Strom- und Wasserleitungen sowie anderer Infrastruktur.
Der Steinbruchbetrieb unterliegt zugleich den Umweltvorschriften der Amerikanischen Jungferninseln und der Vereinigten Staaten. Für Anlagen dieser Art sind insbesondere Regelungen zum Gewässerschutz von Bedeutung. Beim Brechen und Waschen von Gestein sowie bei der Herstellung von Beton entstehen Prozessabwässer und feinkörnige Sedimente. Die EPA beanstandete beim Mariendahl-Komplex unter anderem den Abfluss von Prozessabwässern und verlangte Maßnahmen zur Verhinderung des Eintrags in die Gewässer des Bereichs Benner Bay und Mangrove Lagoon.
Ölwirtschaft
Benzin, Dieselkraftstoff und Flugtreibstoff werden auf dem Seeweg eingeführt und anschließend auf der Insel gelagert und verteilt. Eine besondere Rolle spielt dabei das Treibstoffterminal an der Südküste unmittelbar beim Cyril E. King Airport. Der Standort wurde seit 1987 als Lager- und Abfüllanlage für Benzin, Diesel und Flugtreibstoff genutzt. TotalEnergies übernahm 2009 die Betriebs- und Pachtrechte von Esso. Seit 2022 ist die Anlage auf die Lagerung und Verteilung von Diesel und Jet Fuel ausgerichtet; die frühere Benzinlagerung und -verteilung wurde aufgegeben.
Das Terminal besitzt mehrere oberirdische Lagertanks, Rohrleitungen, Pump- und Abfüllanlagen. Seine Lage an der Südküste ist für die Versorgung von Saint Thomas von großer Bedeutung, weil Tankschiffe den Treibstoff auf dem Seeweg anliefern können. Jet Fuel wird insbesondere für den Flugbetrieb am Cyril E. King Airport benötigt, während Diesel unter anderem für Kraftwerke, Fahrzeuge, Schiffe und gewerbliche Anlagen verwendet wird. Die Versorgung der Insel mit Mineralölprodukten ist damit unmittelbar mit dem Schiffsverkehr und der Hafeninfrastruktur verbunden.
Handwerk
Zu den handwerklichen Tätigkeiten gehören insbesondere Holzarbeiten, Schmuckherstellung, Textilverarbeitung, Keramik, dekorative Kunst, Korbflechterei sowie die Herstellung von Seifen, Kerzen, Körperpflegeprodukten und anderen Kleinserienerzeugnissen. Daneben werden Kleidungsstücke, Accessoires und kunsthandwerkliche Souvenirs hergestellt. Die Initiative „Made in the USVI“ der Virgin Islands Economic Development Authority und des Virgin Islands Council on the Arts dient seit 2018 dazu, lokale Kunsthandwerker und Kleinproduzenten auf Saint Thomas und den anderen Inseln beim Verkauf ihrer Erzeugnisse zu unterstützen. Zu den dort vertretenen Produkten gehören unter anderem Kleidung, Accessoires, Kunstwerke, Holzarbeiten, Körperpflegeprodukte und lokal hergestellte Lebensmittel.
Holzverarbeitung gehört zu den traditionellen handwerklichen Bereichen. Hölzer werden für Möbel, kleinere Gebrauchsgegenstände, dekorative Arbeiten und Kunstobjekte verwendet. Daneben gibt es kleinere Betriebe der Metallverarbeitung und der Herstellung von Gegenständen für Gebäude, Boote und den Tourismus. Die Produktion erfolgt überwiegend in Werkstätten und Kleinbetrieben und nicht in großen Fabrikanlagen.
Ein weiterer Bereich ist die Textil- und Bekleidungsherstellung. Das für die Amerikanischen Jungferninseln charakteristische Madras-Gewebe wird für Röcke, Kleider, Hemden, Westen, Kopfbedeckungen und Festkleidung verwendet. Das offizielle Virgin-Islands-Madras wird inzwischen wieder auf Saint Thomas angeboten; als Verkaufsstellen werden unter anderem The Fabric Store und L & C Milliner genannt. Die Herstellung und Vermarktung des authentischen Stoffes wird vom Virgin Islands Council on the Arts betreut.
Schmuck und kunsthandwerkliche Erzeugnisse besitzen auf Saint Thomas wegen des internationalen Tourismus eine besondere wirtschaftliche Bedeutung. Neben importierter Ware werden von lokalen Produzenten Schmuckstücke, Kunstobjekte und kleinere Souvenirs hergestellt. Auch Leder- und Textilarbeiten sowie individuell gefertigte Sandalen gehören zur lokalen Kleinproduktion. Ein Beispiel für die Verbindung von Handwerk und Kleinindustrie ist JDNatlady’s Creations in Charlotte Amalie, das unter anderem handgefertigte Seifen, Hautpflegeprodukte, Kerzen, Haarpflegeprodukte und Kunstwerke herstellt.
Die Lebensmittelverarbeitung bildet einen weiteren Teil der lokalen Produktion. Kleine Hersteller verarbeiten Gewürze, Saucen, Getränke und andere Lebensmittel. Auch traditionelle karibische Speisen werden in kleinen gewerblichen Betrieben für den Verkauf auf der Insel hergestellt. Der Umfang dieser Produktion ist allerdings begrenzt, weil ein großer Teil der auf Saint Thomas konsumierten Lebensmittel eingeführt wird. Eine 2026 veröffentlichte Übersicht zu lokal produzierten Waren nennt unter anderem Hot Sauce, Körperpflegeprodukte mit auf Saint Thomas angebauter Moringa, geröstete beziehungsweise verarbeitete Lebensmittel und Spirituosen als Beispiele für lokale Erzeugnisse.
Industrie
Die industrielle Produktion auf Saint Thomas ist begrenzt. Eine Untersuchung des US-amerikanischen Women's Bureau aus den 1930er Jahren bezeichnete die Herstellung von Bay Rum als die damals bedeutendste Produktionsindustrie der Insel. In zwei Betrieben waren zu diesem Zeitpunkt bis zu 14 Frauen mit der Herstellung dieses Produkts beschäftigt. Daneben wurden unter anderem einfache Möbel aus einheimischen Hölzern und Rohrmaterialien, Fischkonserven und getrocknete beziehungsweise haltbar gemachte Lebensmittel als mögliche lokale Produktionsbereiche genannt.
Bay Rum entwickelte sich aus der Verwendung aromatischer Blätter und Gewürze der Karibik und wurde traditionell als Duft-, Rasier- und Körperpflegeprodukt verwendet. Die Herstellung verband landwirtschaftliche Rohstoffe mit handwerklicher Verarbeitung und gehörte damit zu den frühen Formen einer eigenständigen lokalen Kleinindustrie. Die Bedeutung der Bay-Rum-Produktion blieb jedoch weit hinter den großen industriellen Anlagen zurück, die später auf Saint Croix entstanden.
Die moderne Industrie der Amerikanischen Jungferninseln konzentriert sich wesentlich stärker auf Saint Croix. Dort entstanden beziehungsweise bestanden große Anlagen der Erdölverarbeitung, chemischen Industrie und anderer Produktionsbereiche. Saint Thomas entwickelte dagegen vor allem kleinere verarbeitende Unternehmen. Die USVIEDA bezeichnet die Herstellung dennoch als einen wichtigen Wirtschaftszweig des Territoriums und nennt unter anderem Uhrenherstellung, pharmazeutische Produktion, Rumproduktion und Erdölverarbeitung als Bestandteile der industriellen Tradition der Amerikanischen Jungferninseln. Die industrielle Struktur ist damit territorial betrachtet deutlich breiter als auf Saint Thomas selbst.
Auf Saint Thomas gehören heute insbesondere Bau- und Baustoffproduktion zu den stärker ausgeprägten industriellen beziehungsweise gewerblichen Produktionsbereichen. Dazu zählen Beton, Bauteile, Metallarbeiten, Reparaturbetriebe, technische Werkstätten und die Herstellung beziehungsweise Verarbeitung von Materialien für Gebäude und Infrastruktur. Die Bedeutung dieser Tätigkeiten wurde durch den Wiederaufbau nach den Hurrikanen Irma und Maria von 2017 zusätzlich verstärkt. Die wirtschaftliche Entwicklungsplanung des Territoriums zählt widerstandsfähige Baumaterialien zu den Bereichen, in denen eine Ausweitung der lokalen Produktion angestrebt wird.
Für industrielle und gewerbliche Betriebe stehen auf Saint Thomas auch Flächen in den von der Economic Development Park Corporation verwalteten Industrieparks zur Verfügung. Die Industrieparks des Territoriums werden von der Virgin Islands Economic Development Authority beziehungsweise der Economic Development Park Corporation betreut. Für Saint Thomas wurden nach den Hurrikanen Reparaturen an den vorhandenen Anlagen durchgeführt; weitere Investitionen dienen der Erneuerung und der Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur.
Wasserwirtschaft
Die Virgin Islands Water and Power Authority (WAPA) ist für die öffentliche Trinkwasserversorgung zuständig und produziert und verteilt neben Elektrizität auch Trinkwasser. Das öffentliche Trinkwasser wird überwiegend aus Meerwasser durch Umkehrosmose gewonnen. WAPA arbeitet hierfür mit der Seven Seas Water Corporation zusammen, die moderne Meerwasserentsalzungsanlagen auf Saint Thomas und Saint Croix betreibt. Die Anlagen sind damit ein wesentlicher Bestandteil der öffentlichen Wasserversorgung des US-amerikanischen Jungferninselngebiets.
Die zentrale Wasserversorgung erreicht nicht sämtliche Gebäude der Insel. Gerade außerhalb der dichter besiedelten Bereiche besitzt die Sammlung von Regenwasser eine große Bedeutung. Regenwasser wird von den Dächern über Rinnen und Leitungen in unterirdische oder oberirdische Zisternen geleitet und dort gespeichert. Zisternen sind auf den Amerikanischen Jungferninseln seit langem Bestandteil der traditionellen Wasserversorgung und bleiben auch heute eine wichtige Ergänzung des öffentlichen Netzes. Gebäude, die nicht an das öffentliche WAPA-System angeschlossen sind, müssen nach den geltenden Vorschriften über entsprechende Zisternenkapazitäten verfügen. Bei länger anhaltender Trockenheit können private Wassertransporteure Zisternen mit angeliefertem Wasser auffüllen.
Grundwasser wird ebenfalls genutzt, allerdings ist die hydrogeologische Situation auf Saint Thomas aufgrund der geringen Niederschlagsmengen und der begrenzten Süßwasserreserven schwierig. Private Brunnen und von Wassertransportunternehmen genutzte Brunnen ergänzen die Versorgung. Für Hotels, Ferienanlagen und größere Villen bestehen teilweise eigene Entsalzungsanlagen. Dadurch besitzt die Insel eine wesentlich stärker diversifizierte Wasserversorgung als eine ausschließlich an das öffentliche Leitungsnetz angeschlossene Stadt.
Die Trinkwasserverteilung leidet zugleich unter dem Alter einzelner Leitungsabschnitte. WAPA hat deshalb für den Bezirk Saint Thomas–Saint John einen umfassenden „Prudent Replacement Plan“ für die Wasserverteilung beschlossen. Vorgesehen sind unter anderem der Austausch alter Leitungen, die Erneuerung von Pumpstationen und die Sanierung von Speichertanks. Auf Saint Thomas wurde beispielsweise die Erneuerung der Wasserleitungen im Gebiet Mahogany Estate beschlossen; dort werden Leitungen aus dem Jahr 1965 durch moderne PVC-Rohre ersetzt.
Die Wasserversorgung ist außerdem eng mit der Abwasserwirtschaft verbunden. Das öffentliche Abwassersystem sammelt häusliche und gewerbliche Abwässer über Kanalisation, Pumpstationen und Druckleitungen und führt sie zentralen Kläranlagen zu. Wegen des stark gegliederten Reliefs von Saint Thomas spielen Pumpstationen eine wichtige Rolle. Die Abwasserinfrastruktur gehört zu den Bereichen, die nach den schweren Schäden der Hurrikane Irma und Maria von 2017 schrittweise erneuert und widerstandsfähiger gestaltet werden. Für das Haushaltsjahr 2026 sind weiterhin Mittel für den Betrieb des Abwasserbereichs der Waste Management Authority vorgesehen.
Die Qualität der Einleitungen in Küstengewässer wird durch das Department of Planning and Natural Resources (DPNR) überwacht. Über das territoriale TPDES-System werden Einleitungen in die Gewässer der Amerikanischen Jungferninseln genehmigungspflichtig reguliert. Dies betrifft unter anderem kommunale und industrielle Abwässer, Anlagen zur Trinkwassergewinnung aus Meerwasser sowie Einrichtungen der Energieerzeugung.
Energiewirtschaft
Die Energiewirtschaft von Saint Thomas wird von der Virgin Islands Water and Power Authority beherrscht. WAPA ist das zentrale öffentliche Elektrizitätsunternehmen des Territoriums und erzeugt beziehungsweise verteilt Strom auf Saint Thomas, Saint Croix, Saint John sowie auf Hassel Island und Water Island. Auf Saint Thomas befinden sich mit dem Randolph E. Harley Power Plant und weiteren Anlagen die wichtigsten Einrichtungen der Stromerzeugung für den Bezirk Saint Thomas–Saint John.
Die Stromerzeugung beruht traditionell auf thermischen Kraftwerken und importierten Brennstoffen. Die Brennstoffversorgung ist deshalb unmittelbar von der Anlieferung über den Seeweg abhängig. WAPA verfügt auf Saint Thomas über Einrichtungen zur Lagerung von Flüssiggas (LPG) und hat 2026 erneut eine Ausschreibung zur Versorgung seiner Anlagen mit Flüssiggas durchgeführt. Die Brennstoffumstellung auf LPG gehört zum Versuch, die bestehende thermische Erzeugungsstruktur technisch und wirtschaftlich weiterzuentwickeln.
Ein bedeutendes Problem der Stromversorgung ist das Alter der Erzeugungs- und Verteilungsanlagen sowie die hohe Belastung durch tropische Stürme. Nach den Hurrikanen von 2017 wurden umfangreiche Wiederaufbauprogramme durchgeführt. 2025 und 2026 wurden weitere Projekte zur Erneuerung der Stromerzeugung und des Verteilungsnetzes vorangetrieben. Dazu gehören der Ersatz alter Stromerzeugungsanlagen, neue beziehungsweise verstärkte Verteilungsleitungen und die Installation widerstandsfähiger Verbundstoffmasten. Für Saint Thomas wurden unter anderem neue Composite-Pole entlang der oberirdischen Stromleitungen installiert.
Abfallwirtschaft
Die Abfallwirtschaft wird territorial durch die Virgin Islands Waste Management Authority organisiert. Sie ist insbesondere für Sammlung, Transport, Abwasser und die Entsorgung fester Abfälle zuständig. Die regulatorische Überwachung erfolgt durch das DPNR beziehungsweise dessen Solid Waste Management Program. Dieses kontrolliert unter anderem Lagerung, Behandlung und Beseitigung von Abfällen und erteilt Genehmigungen für Entsorgungsanlagen. Auch Sonderabfälle wie Altreifen, Altöl, sperrige Abfälle, Haushaltsgefährdungsstoffe und medizinische Abfälle unterliegen besonderen Vorschriften.
Das wichtigste Entsorgungsproblem von Saint Thomas ist die begrenzte Deponiekapazität. Die Bovoni-Landfill im zentralen Bereich der Insel nimmt Hausmüll sowie gewerbliche und industrielle Abfälle auf. Der Entsorgungsstandort wurde in den vergangenen Jahren wiederholt wegen seiner begrenzten Kapazität und Umweltproblemen zum Gegenstand von Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Ein Watershed-Management-Plan des DPNR beschreibt die Deponie als unlined landfill und verweist auf frühere Auflagen der US-Umweltbehörde EPA wegen Verstößen gegen Umweltvorschriften und möglicher Auswirkungen auf angrenzende Feuchtgebiete.
Die Abfallsammlung erfolgt über verschiedene Systeme. Haushalte können Abfälle zu Sammelstellen und Convenience Centers bringen; daneben bestehen kommunale beziehungsweise vertraglich organisierte Abholdienste. Gewerbebetriebe beauftragen zugelassene private Entsorgungsunternehmen. Das System muss dabei mit dem begrenzten Platzangebot der Insel und den hohen Transportkosten für die Verbringung von Abfällen umgehen. Die Regierung der Amerikanischen Jungferninseln finanziert deshalb auch 2026 den Betrieb der Waste Management Authority und verfolgt weitere Projekte zur Modernisierung der Abfallentsorgung.
Recycling und Kompostierung werden ebenfalls betrieben beziehungsweise gefördert, erreichen jedoch nicht die Bedeutung einer vollständigen Alternative zur Deponierung. Das DPNR weist darauf hin, dass die Insellage den Absatz von wiedergewonnenen Wertstoffen erschwert, weil entsprechende Märkte und Transportmöglichkeiten außerhalb des Territoriums liegen. Neben Haushaltsabfällen stellen deshalb insbesondere Verpackungen, Kunststoffabfälle, Gartenabfälle, Altreifen, Altöl und nach Naturkatastrophen anfallende große Mengen an Sperr- und Bauschutt besondere Anforderungen an die Abfallwirtschaft.
Handel
Der Handel auf Saint Thomas konzentriert sich traditionell auf Charlotte Amalie. Die Stadt entwickelte sich bereits unter dänischer Herrschaft zu einem bedeutenden Handels- und Hafenplatz der Karibik. Auch heute liegt hier das wichtigste Einkaufszentrum der Insel. Besonders die historische Main Street mit ihren Seitengassen und Passagen ist von Geschäften geprägt. Das Angebot reicht von Juweliergeschäften und Uhrengeschäften über Parfümerien und Bekleidungsgeschäfte bis zu Kunstgalerien, Souvenirläden und Geschäften mit regionalen Handwerksprodukten. Die touristische Bedeutung des Handels hängt eng mit dem Kreuzfahrtverkehr zusammen.
Eine Besonderheit ist der zollfreie Einkauf. Die Amerikanischen Jungferninseln gehören zwar politisch zu den Vereinigten Staaten, bilden aber ein eigenes Zollgebiet. Für US-Bürger gelten bei der Rückreise besondere Freimengen; derzeit können grundsätzlich Waren im Wert von bis zu 1.600 US-Dollar zollfrei mitgebracht werden, wobei für bestimmte Waren zusätzliche Beschränkungen gelten. Dadurch hat sich Saint Thomas insbesondere auf den Verkauf hochwertiger Waren an Besucher spezialisiert. Zu den wichtigsten Warengruppen gehören Diamant- und Goldschmuck, Uhren, Parfüm sowie bestimmte Tabak- und Alkoholprodukte.
Der Schmuckhandel besitzt dabei eine besonders lange Tradition. In Charlotte Amalie befinden sich zahlreiche Juweliere und Geschäfte internationaler Marken. Daneben werden lokal hergestellte Schmuckstücke angeboten, darunter der für die Virgin Islands charakteristische Hook Bracelet. Auch Schmuck mit Motiven aus der karibischen Geschichte und mit traditionellen beziehungsweise inselbezogenen Symbolen gehört zum Angebot. Neben Schmuck werden Kunstgegenstände, Keramik, Glasarbeiten, Gemälde und andere handwerkliche Erzeugnisse verkauft.
Ein bedeutender Handelsbereich befindet sich außerdem rund um die Kreuzfahrtterminals. In Havensight entstand ein umfangreicher Einkaufsbereich mit Geschäften, Restaurants und Dienstleistungen für Kreuzfahrtpassagiere. Crown Bay besitzt ebenfalls ein Einkaufszentrum mit Geschäften und Verkaufsständen. Dort werden unter anderem Badebekleidung, Souvenirs, Gewürze, Lederwaren und andere Waren angeboten. Dadurch besteht eine unmittelbare Verbindung zwischen dem Kreuzfahrtverkehr und dem Einzelhandel.
Neben dem touristischen Handel gibt es auf Saint Thomas einen umfangreichen lokalen Einzelhandel. Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Baumärkte, Elektronikgeschäfte, Autohändler, Möbelhäuser, Bekleidungsgeschäfte und kleinere Fachgeschäfte versorgen die Bevölkerung. Wegen der Insellage muss ein erheblicher Teil der Waren eingeführt werden. Die Versorgung des Einzelhandels hängt deshalb unmittelbar vom Schiffs- und Hafenverkehr ab. Besonders der Güterumschlag in Crown Bay ist für die Versorgung von Saint Thomas und den übrigen amerikanischen Jungferninseln von Bedeutung.
Charlotte Amalie bleibt das wichtigste Geschäfts- und Dienstleistungszentrum. Neben der historischen Main Street gehören die Bereiche Waterfront, Vendors Plaza, A.H. Riise Mall und Palm Passage zu den bekannten Einkaufsbereichen. Auch in Havensight und Crown Bay konzentrieren sich Geschäfte auf den Tourismus. Der Einzelhandel ist damit räumlich stark auf die Hauptstadt, die Hafenbereiche und einige größere Einkaufszentren konzentriert.
Eine kleinere, stärker auf den lokalen Bedarf und den Tourismus ausgerichtete Geschäftszone befindet sich in Red Hook. Der Ort besitzt wegen des Fährterminals nach Saint John eine wichtige Funktion als Verkehrsknoten. In seinem Umfeld befinden sich Restaurants, Bars, Lebensmittelgeschäfte, Dienstleistungsbetriebe, kleinere Fachgeschäfte und touristische Unternehmen. Auch in den Siedlungsgebieten von Tutu, Anna's Retreat und entlang der Hauptverkehrsachsen gibt es Einkaufszentren und Geschäfte für die örtliche Bevölkerung.
Finanzwesen
Banco Popular, die wichtigste Bank der Insel, unterhält auf Saint Thomas mehrere Filial- und Geldautomatenstandorte und bietet Privat- und Geschäftskonten, Kredite, Zahlungsverkehr, Geldautomaten sowie Online- und Mobile-Banking an. Die Bank führt für Einlagen in den Amerikanischen Jungferninseln eine eigene Routing-Nummer 021606674. Banco Popular ist in den Amerikanischen Jungferninseln Mitglied der FDIC.
Das Hauptgeschäft von Banco Popular in Charlotte Amalie befindet sich im Valentino I. McBean Regional Banking Center. 2023 wurden die frühere Filiale in Hibiscus Alley und die Filiale Altona & Welgunst organisatorisch zusammengeführt. Die zentrale Niederlassung verfügt unter anderem über Schalter, Drive-through-Schalter, Geldautomaten, einen Nachteinwurf für Geschäftskunden und weitere Dienstleistungen. Zusätzlich betreibt Popular weitere Standorte und Geldautomaten auf Saint Thomas, unter anderem im Bereich Red Hook und Fort Mylner.
Zum Bankwesen gehören neben dem klassischen Filialgeschäft zunehmend digitale Dienstleistungen. Banco Popular bietet auf den Amerikanischen Jungferninseln Online-Banking, Mobile-Banking, elektronische Einzahlungen, mobile Bargeldabhebungen, Geldautomaten und einen rund um die Uhr verfügbaren TeleBanco-Dienst an. Auch geschäftliche Kunden können digitale Zahlungs- und Finanzierungsangebote nutzen.
Die Banken finanzieren neben privaten Haushalten auch Unternehmen. Zu den entsprechenden Bereichen gehören Betriebsmittelkredite, Immobilienfinanzierungen, gewerbliche Kredite und weitere Finanzierungsformen. Für die lokale Wirtschaft sind solche Leistungen insbesondere für Handel, Gastronomie, Tourismus, Bauwirtschaft, Immobilien und kleinere Unternehmen relevant. Banco Popular bietet beispielsweise ausdrücklich gewerbliche Kredite an, für deren Beantragung Unternehmensabschlüsse beziehungsweise Steuerunterlagen verlangt werden.
Neben den Banken spielen Versicherungen, Immobilienunternehmen, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und andere Finanzdienstleister eine Rolle. Die wirtschaftliche Struktur von Saint Thomas erzeugt einen relativ breiten Bedarf an Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen. Dazu gehören insbesondere Zahlungsverkehr, Buchhaltung, Steuerberatung, Immobilienfinanzierung, Versicherungen und die Abwicklung internationaler beziehungsweise interinsularer Geschäfte.
Das Steuerwesen besitzt wegen des besonderen Status der Amerikanischen Jungferninseln ebenfalls eine eigene Struktur. Das Virgin Islands Bureau of Internal Revenue unterhält auf Saint Thomas unter anderem Büros in Red Hook und im Nisky Center. Die Behörde verwaltet unter anderem die Einkommensteuer, die Gross Receipts Tax und Verbrauchsteuern. Die Amerikanischen Jungferninseln verfügen damit trotz ihrer Zugehörigkeit zu den Vereinigten Staaten über ein eigenes territoriales Steuersystem.
Soziales und Gesundheit
Das Sozialwesen wird vor allem durch das Department of Human Services (DHS) des Territoriums getragen. Mit Hauptsitz auf Saint Thomas und Büros auf Saint Croix und Saint John bietet es ein breites Spektrum an Leistungen. Dazu gehören Kinderschutz und Familienhilfe, Pflege- und Adoptionsdienste, Unterstützung für Senioren, Hilfe für Menschen mit Behinderungen, öffentliche Fürsorgeleistungen, Notfallhilfe sowie Programme zur Förderung der wirtschaftlichen Selbstständigkeit. Das DHS verwaltet unter anderem den Social Services Block Grant und arbeitet mit gemeinnützigen Organisationen zusammen. Zu den wichtigen privaten Trägern zählt Lutheran Social Services of the Virgin Islands, das seit über einem Jahrhundert Kinder- und Familienhilfe, Wohnangebote für Senioren und Menschen mit Behinderungen sowie Early-Head-Start-Programme anbietet.
Gesundheitswesen
Im Gesundheitswesen bilden zwei öffentliche Krankenhäuser das Rückgrat der stationären Versorgung. Auf Saint Thomas steht das Roy Lester Schneider Regional Medical Center (auch Schneider Hospital genannt) als zentrales Akutkrankenhaus zur Verfügung. Es verfügt über Notaufnahme, chirurgische Abteilungen und weitere Fachbereiche, ist jedoch wie das gesamte territoriale System mit Personalengpässen, veralteter Infrastruktur und hohen Kosten für unkompensierte Behandlungen konfrontiert. Auf Saint Croix ergänzt das Governor Juan F. Luis Hospital die Versorgung. Schwere oder hochspezialisierte Fälle werden häufig per Boot, Hubschrauber oder Flugzeug nach Puerto Rico oder auf das US-Festland verlegt. Saint John verfügt lediglich über das Myrah Keating Smith Community Health Center, das Grundversorgung anbietet; stationäre Behandlungen erfordern eine Verlegung nach Saint Thomas.
Neben den Krankenhäusern spielen Community Health Centers eine wichtige Rolle. Das St. Thomas East End Medical Center Corporation (STEEMCC) ist ein föderal qualifiziertes Gesundheitszentrum, das Primärversorgung, Prävention und Unterstützung für Unversicherte und Unterversicherte anbietet und niemanden wegen Zahlungsunfähigkeit abweist. Ähnliche Einrichtungen existieren auf den anderen Inseln. Für Veteranen gibt es eine VA-Klinik auf Saint Thomas, die Primärversorgung, Verhaltensgesundheit und weitere ambulante Leistungen bereitstellt. Apotheken folgen weitgehend US-Standards, und US-Rezepte werden akzeptiert. Die Notfallnummer ist 911.
Krankheiten
Zu den wichtigsten vektorübertragenen Erkrankungen zählen durch Aedes-Mücken übertragene Viren. Dengue-Fieber ist endemisch und verursachte 2024 einen größeren Ausbruch mit über 200 bestätigten Fällen, vor allem auf Saint Thomas. 2025 gingen die Zahlen deutlich zurück, doch das Risiko bleibt bestehen, insbesondere in der Regenzeit. Symptome umfassen hohes Fieber, starke Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Hautausschlag; schwere Verläufe sind möglich, aber selten tödlich. Zika-Virus trat vor allem 2016 in einer großen Epidemie auf und ist seither nur noch sehr selten nachgewiesen worden; es birgt besondere Risiken für Schwangere wegen möglicher Fehlbildungen beim Ungeborenen. Chikungunya kam in früheren Jahren vor, aktuell gibt es keine aktiven Ausbrüche. Malaria kommt auf den Inseln nicht vor.
Atemwegserkrankungen spielen eine große Rolle. Influenza trat 2025 besonders häufig auf, mit mehreren hundert bestätigten Fällen, davon der Großteil auf Saint Thomas. COVID-19-Fälle sind stark zurückgegangen und verursachten zuletzt keine Todesfälle mehr. Im Frühjahr 2025 kam es zudem zu einem Ausbruch von Hand-Fuß-Mund-Krankheit vor allem in Kindertagesstätten und Schulen auf Saint Thomas, der später eingedämmt werden konnte.
Weitere meldepflichtige Infektionskrankheiten umfassen Hepatitis B und C, verschiedene Magen-Darm-Infektionen wie Campylobacteriose, Giardiasis und Salmonellose sowie vereinzelt Legionellose. Leptospirose stellt ein Risiko dar, vor allem nach Starkregen oder Überschwemmungen durch Kontakt mit kontaminiertem Wasser oder Boden. Sexuell übertragbare Infektionen und HIV/AIDS kommen vor und werden durch gesonderte Programme überwacht und behandelt. Tuberkulose und andere seltene Erkrankungen werden ebenfalls gemeldet.
Neben den Infektionskrankheiten belasten chronische, nicht-übertragbare Leiden die Bevölkerung erheblich. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Übergewicht sind weit verbreitet und zählen zu den führenden Todesursachen. Diese Erkrankungen werden durch Ernährungsumstellungen, Bewegungsmangel und die Folgen vergangener Naturkatastrophen wie Hurrikane verstärkt, die Medikamentenzugang und Versorgung vorübergehend beeinträchtigen können.
Bildung
Im St. Thomas-St. John School District gibt es mehrere öffentliche Grundschulen, darunter die Jane E. Tuitt Elementary School, die Joseph Gomez Elementary School, die Joseph Sibilly Elementary School, die Ulla F. Muller Elementary School und die Yvonne R. Milliner-Bowsky Elementary School. Auf Saint John befindet sich die Julius E. Sprauve School. Für den Übergangsbereich existieren Einrichtungen wie die Lockhart K-8 School sowie die Junior High Schools Addelita Cancryn Junior High School und Bertha C. Boschulte Middle School. Die öffentlichen High Schools auf Saint Thomas sind die Charlotte Amalie High School und die Ivanna Eudora Kean High School. Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche private und kirchliche Schulen, darunter die Antilles School, die Virgin Islands Montessori School & Peter Gruber International Academy, die All Saints Cathedral School, die Sts. Peter & Paul Catholic School sowie weitere christliche Akademien.
Die wichtigsten Schulen der Insel sind:
Private schools:
- Antilles School
- Virgin Islands Montessori School & Peter Gruber International Academy
Parochial schools:
- All Saints Cathedral School
- Sts. Peter & Paul Catholic School
- Calvary Christian Academy
- Church of God Academy
- Memorial Moravian School
- Seventh Day Adventist School
- Weslyan Academy Bible School
Höhere Bildung
Die höhere Bildung wird im Territorium nahezu ausschließlich von der University of the Virgin Islands (UVI) getragen. Die Universität wurde 1962 als College of the Virgin Islands gegründet und 1986 in ihren heutigen Namen umbenannt. Sie ist die einzige öffentliche Hochschule der Inseln und zugleich die einzige Historically Black College and University (HBCU) außerhalb des US-Festlands. UVI verfügt über zwei Hauptstandorte: den Orville E. Kean Campus auf Saint Thomas und den Albert A. Sheen Campus auf Saint Croix. Der Campus auf Saint Thomas erstreckt sich über etwa 388 Acres westlich von Charlotte Amalie und überblickt die John Brewers Bay. Er umfasst unter anderem die Ralph M. Paiewonsky Library, Wohnheime, Fachgebäude für Wirtschaft, Geisteswissenschaften, Pflege, Naturwissenschaften und Lehrerbildung, das Music Education Center, das Sports and Fitness Center, das William P. MacLean Marine Science Center sowie das Reichhold Center for the Arts.
Die Universität bietet Associate-, Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Zertifikatsprogramme in den Bereichen Wirtschaft, Erziehungswissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Pflege, Naturwissenschaften und Mathematik sowie Landwirtschaft an. Zu den Studiengängen gehören unter anderem Marine Biology, Nursing, Business Administration, Education, Psychology, Computer Science und Public Administration. Die Hochschule ist von der Middle States Commission on Higher Education akkreditiert und verfügt über Land-Grant-Status. Die Studentenzahl liegt bei rund 1.700 bis 2.500 Personen, je nach Semester und Einschreibungsstatus. Ein Großteil der Studierenden stammt aus den Jungferninseln selbst. Neben der akademischen Ausbildung unterhält die UVI Forschungseinrichtungen, darunter marine und umweltbezogene Programme, und engagiert sich in der regionalen Weiterbildung und Gemeinwesenarbeit.
Bibliotheken und Archive
Auf Saint Thomas ist die wichtigste öffentliche bibliothekarische Einrichtung die Charles Wesley Turnbull Regional Public Library im Tutu Park Mall. Sie dient als zentrale Regionalbibliothek und übernimmt seit der Schließung älterer Standorte die Hauptversorgung der Bevölkerung mit Büchern, digitalen Medien und Informationsdiensten. Die historische Enid M. Baa Public Library and Archives in Charlotte Amalie, benannt nach der bedeutenden Bibliothekarin und Archivarin Enid Maria Baa, war lange das Zentrum des öffentlichen Bibliothekswesens und der territorialen Archive. Das Gebäude wurde durch Hurrikanschäden und Umstrukturierungen vorübergehend geschlossen und dient seither vor allem als Archivdepot; Teile der Bestände und Dienstleistungen wurden an andere Standorte verlagert. In der Enid-M.-Baa-Bibliothek und an weiteren Orten lagern die Territorial Archives mit historischen Dokumenten aus der dänischen Kolonialzeit und der amerikanischen Periode, darunter Behördenakten, Zeitungen und kulturhistorische Materialien. Viele dieser Bestände sind durch Stürme beschädigt worden und werden mit föderaler Unterstützung restauriert und digitalisiert.
Ergänzt wird das öffentliche System durch die Universitätsbibliotheken der University of the Virgin Islands. Die Ralph M. Paiewonsky Library auf dem Orville-E.-Kean-Campus in Saint Thomas und die Bibliothek auf dem Albert-A.-Sheen-Campus in Saint Croix bieten wissenschaftliche Bestände, karibische Spezialsammlungen, digitale Datenbanken und Zugang zur Digital Library of the Caribbean. Sie unterstützen Studierende, Forschende und die interessierte Öffentlichkeit.
Für genealogische und historische Forschung ist die Caribbean Genealogy Library in Charlotte Amalie von besonderer Bedeutung. Diese private, mitgliedsbasierte Einrichtung verfügt über Bücher, Mikrofilme, historische Aufzeichnungen und digitale Ressourcen zur Familiengeschichte der Jungferninseln und der weiteren Karibik. Der St. Thomas Historical Trust unterhält zudem eine kleinere Fachbibliothek mit seltenen Büchern, Karten und lokalen Materialien zur Inselgeschichte. Bedeutende historische Quellen zur dänischen Westindien-Zeit befinden sich außerhalb des Territoriums, vor allem im dänischen Rigsarkivet in Kopenhagen und in den US National Archives. Viele dieser Bestände sind inzwischen digitalisiert und online zugänglich.
Kultur
Die Kultur von Saint Thomas ist eine lebendige Mischung aus afrikanischen, europäischen (dänischen, niederländischen, britischen) und karibischen Einflüssen, die sich in Musik, Tanz, Küche, Architektur und Festen wie dem mehrwöchigen Carnival im April mit Paraden, Kostümen, Calypso, Soca, Reggae und der einheimischen Quelbe-Musik (Scratch-Band) zeigt. Die Bevölkerung spricht ein englisches Kreol als Alltagssprache, pflegt traditionelle Tänze wie die Quadrille und Bamboula, erzählt Jumbie- und Bru-Nansi-Geschichten und bewahrt afrokreolische Bräuche wie Tea Meetings, Masquerade Jigs und lokale Feste, während die Küche karibisch-afrikanisch geprägt ist und Spezialitäten wie Conch Fritters, Callaloo und Rum-Getränke umfasst.
Museen
Das älteste und bedeutendste historische Bauwerk ist Fort Christian in Charlotte Amalie. Zwischen 1672 und 1680 unter dänischer Herrschaft errichtet, diente es als Verteidigungsanlage, Regierungsgebäude, Gericht und Gefängnis. Heute beherbergt es ein Museum mit wechselnden Ausstellungen zur kolonialen Geschichte, zum Alltag der Bewohner europäischer, afrikanischer und karibischer Herkunft sowie zu Artefakten aus der dänischen Zeit. Das Fort ist ein National Historic Landmark und eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Jungferninseln.
Das St. Thomas Historical Trust Museum bewahrt westindische Kunst, Antiquitäten, präkolumbianische Funde, historische Fotografien, Bücher und Gegenstände aus Schiffswracks im Hafen von Charlotte Amalie. Es ist meist nach Vereinbarung zugänglich und wird von Freiwilligen betreut.
In Frenchtown befindet sich das French Heritage Museum. Es dokumentiert die Geschichte und Kultur der französischstämmigen Fischergemeinde auf der Insel und zeigt Exponate zu Architektur, Küche, Seefahrt und Alltag dieser Bevölkerungsgruppe.
Das Pirates Treasure Museum im Buccaneer Mall widmet sich der Piraten- und Schifffahrtsgeschichte. Es präsentiert authentische Fundstücke aus Tiefsee-Wracks, darunter Münzen, Flaschen und persönliche Gegenstände, sowie interaktive Stationen zur Technologie der Wrackbergung und zu berühmten Seeräubern wie Blackbeard.
Ein besonderes kulturhistorisches Denkmal ist das 13 Wimmelskafts Slave House Museum. Das über zweihundert Jahre alte Gebäude war einst das Sklaven- und Dienstbotenquartier eines großen Anwesens. Die Ausstellung behandelt die indigene Geschichte, die dänische Kolonialzeit, die Sklaverei und die westindische Kultur. Auf dem Gelände befinden sich zudem eine kleine Rum-Destillerie und Gärten.
Für Familien geeignet ist das Virgin Islands Children’s Museum im Buccaneer Mall mit interaktiven Stationen zu Naturwissenschaften, Technik, Kunst und Mathematik.
Darüber hinaus gibt es kleinere Galerien und historische Häuser wie die Camille Pissarro Gallery im ehemaligen Wohnhaus des auf Saint Thomas geborenen Impressionisten sowie gelegentlich zugängliche Gebäude wie das Haagensen House. Zusammen vermitteln diese Einrichtungen ein anschauliches Bild der Inselgeschichte und ergänzen die historischen Orte und Archive des Territoriums.
Architektur
Die Architektur von Saint Thomas ist stark von der dänischen Kolonialzeit geprägt und bildet eine charakteristische Mischung europäischer Bauformen mit karibischen Anpassungen an Klima, Materialien und topografische Gegebenheiten. Charlotte Amalie, die Hauptstadt, besitzt eine der größten und am besten erhaltenen Sammlungen kolonialer Gebäude in der Karibik. Die Stadt erstreckt sich vom Hafen die steilen Hügel hinauf, weshalb anstelle durchgehender Straßen zahlreiche Treppenwege, die sogenannten Step Streets oder Frigangs, angelegt wurden. Das bekannteste Beispiel sind die 99 Steps, die im 18. Jahrhundert aus dänischen Ballastziegeln errichtet wurden und den Aufstieg zu Government Hill ermöglichen.
Das älteste erhaltene Bauwerk der gesamten Jungferninseln ist Fort Christian am Wasserfront. Zwischen 1672 und 1680 unter Gouverneur Jørgen Iversen erbaut und nach König Christian V. benannt, handelt es sich um eine typische dänisch-norwegische Festungsanlage des 17. Jahrhunderts. Sie besteht aus Bruchsteinmauern mit vier unregelmäßigen, diamantförmigen Bastionen an den Ecken und umschließt einen Innenhof. Ursprünglich enthielt sie eine zentrale Turmstruktur namens Trygborg. Im 19. Jahrhundert wurde der nördliche Teil durch ein neugotisches Gebäude mit markantem Uhrturm ersetzt. Die dicken Mauern aus lokalem Stein, Koralle und Ziegeln dienten dem Schutz vor Angriffen und Hurrikanen. Das Fort fungierte als Verteidigungsanlage, Regierungssitz, Kirche, Gericht und Gefängnis.
Oberhalb der Stadt steht Skytsborg, besser bekannt als Blackbeard’s Castle. Der 1679 errichtete Wachturm aus Bruchsteinmauerwerk ist leicht oval im Grundriss, verjüngt sich nach oben und diente der Überwachung des Hafeneingangs. Er gehört zu den wenigen unveränderten Beispielen dänischer Militärarchitektur des 17. Jahrhunderts in der Karibik und ist ein National Historic Landmark. Zusammen mit weiteren Türmen bildete er ein Verteidigungsnetz um Fort Christian.
Die zivile Architektur des 18. und 19. Jahrhunderts zeigt eine Anpassung europäischer Stile an tropische Bedingungen. Typisch sind dicke Mauern aus Bruchstein, Koralle und dänischen Ballastziegeln, verputzt und oft in warmen Farben gestrichen. Dächer sind meist flach oder flach geneigt und mit Wellblech oder Ziegeln gedeckt. Veranden, Galerien und Jalousienfenster sorgen für Schatten und Luftzirkulation. Viele Gebäude verfügen über Arkaden an den Straßenfronten, die schattige Gehwege schaffen. Die Mischung aus gelben dänischen Ziegeln, lokalem „Blue Beach“-Gestein und Korallenkalk verleiht den Fassaden eine besondere Textigkeit.
Beispiele dieser Bauweise sind das Government House, ein dreistöckiges neoklassizistisches Gebäude aus gelben Ballastziegeln aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das bis heute als Amtssitz des Gouverneurs dient. Die Frederick Lutheran Church im georgianischen Stil und die katholische Kathedrale St. Peter and Paul gehören zu den bedeutenden Sakralbauten. Die Synagoge von 1833, eines der ältesten ununterbrochen genutzten jüdischen Gotteshäuser der westlichen Hemisphäre, ist aus Bruchstein mit Mörtel aus Kalk, Sand und Melasse errichtet und zeigt griechisch-revivalistische und gotische Elemente. Ihr sandbedeckter Boden und die Mahagoni-Ausstattung sind charakteristisch.
Wohnhäuser und Kaufmannsgebäude in den historischen Vierteln Kongens Kvarter, Dronningens Kvarter und weiteren Bereichen weisen oft große Höfe, Wendeltreppen und schmiedeeiserne Balkone auf. Gebäude wie das Seven Arches House oder das Hotel 1829 demonstrieren die Verwendung von Bögen, massiven Mauern und tropischen Anpassungen. In Frenchtown finden sich schlichtere hölzerne und gemauerte Häuser der französischen Fischergemeinde.
Bildende Kunst
Die Landschaft der Insel ist bis heute eines der wichtigsten Themen der lokalen Kunst. Besonders häufig erscheinen die stark gegliederte Küste, Buchten, Segelboote, das Meer, tropische Vegetation und die Berghänge. Auch Charlotte Amalie mit ihren historischen Gebäuden, der Waterfront und dem Hafen wird regelmäßig künstlerisch dargestellt. Die Motive erscheinen sowohl in traditioneller gegenständlicher Malerei als auch in Fotografie, Druckgrafik und moderner Mischtechnik. Die auf Saint Thomas etablierte Mango Tango Art Gallery zeigt beispielsweise Originalgemälde mit Meereslandschaften und lokalen Szenen, daneben historische Karibikkarten, Keramik, Drucke und Kunstkarten.
Eine wichtige Institution der gegenwärtigen Kunstszene ist das Caribbean Museum Center for the Arts (CMCArts) in Charlotte Amalie. Das Zentrum betreibt seit 2026 einen Standort in der Dronningens Gade und bezeichnet sich als derzeit einziges aktives Kunstmuseum der Amerikanischen Jungferninseln. Es verbindet Ausstellungen mit Workshops, Bildungsprogrammen und Angeboten für Kinder und Jugendliche. Inhaltlich stehen die kulturelle Geschichte der Karibik, die unterschiedlichen Identitäten der Caribbean-American Community und die zeitgenössische Kunst der Virgin Islands im Mittelpunkt.
Das CMCArts besitzt außerdem eine eigene Sammlung, die Werke von Künstlern aus den Virgin Islands sowie von Künstlern aus anderen Teilen der Welt umfasst. Damit beschränkt sich die Institution nicht auf eine bestimmte Kunstrichtung. In der Sammlung und den Ausstellungen finden sich unterschiedliche Medien und künstlerische Ansätze, wodurch sowohl traditionelle als auch zeitgenössische Formen der karibischen Kunst dokumentiert werden.
Besonders deutlich wurde diese Entwicklung 2026 mit der Ausstellung „Spring Equinox 2026 St. Thomas Edition“. Die von Lucien Downes kuratierte Ausstellung zeigte ausschließlich Arbeiten von Künstlern aus den Virgin Islands und brachte sowohl etablierte als auch jüngere beziehungsweise neu hervortretende Künstler zusammen. Die Ausstellung umfasste unterschiedliche künstlerische Positionen und sollte ausdrücklich die Entwicklung und Vielfalt der lokalen Kunstszene sichtbar machen.
Neben institutionellen Ausstellungen existieren zahlreiche private Galerien und Künstlerateliers. Eine langjährig etablierte Einrichtung ist die Mango Tango Art Gallery. Sie zeigt Werke von Künstlern aus den Virgin Islands und vom US-amerikanischen Festland und veranstaltet sowohl Gruppenausstellungen als auch Einzelausstellungen. Vertreten sind unter anderem abstrakte Malerei, Keramik, Landschaftsmalerei und andere zeitgenössische Formen.
Eine weitere Form der Kunstorganisation entstand mit Seven Minus Seven. Die 2008 gegründete gemeinnützige Künstlergemeinschaft arbeitet als kooperatives Atelier- und Galerieprojekt und bietet Künstlern auf Saint Thomas Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten. Zu den dort vertretenen Medien gehören Malerei, Mischtechniken und Fotografie. Daneben werden Workshops und Angebote für Jugendliche durchgeführt. Dadurch verbindet die Organisation die professionelle beziehungsweise semiprofessionelle Kunstproduktion mit kultureller Bildungsarbeit.
Die zeitgenössische Kunst auf Saint Thomas beschränkt sich zunehmend nicht mehr auf klassische Gemälde und Skulpturen. Fotografie, digitale Medien, Animation, Projektion und andere multimediale Ausdrucksformen gehören ebenfalls zum lokalen Kunstbetrieb. Ein Beispiel dafür war 2026 „Prolific V: The Lost Gallery“, eine vom Virgin Islands Council on the Arts unterstützte multisensorische Ausstellung von Eliana L. Schuster-Brown. Sie verband bildende Kunst mit digitalen Medien und Sounddesign und präsentierte Arbeiten mehrerer Künstler und Kulturträger der Virgin Islands. Anschließend wurde eine Pop-up-Version in der VICA-Galerie auf Saint Thomas gezeigt.
Auch Jugendliche werden in die bildende Kunst einbezogen. Auf Saint Thomas bestehen Programme, in denen Kinder und Jugendliche Zeichnen, Malerei, Fotografie, digitale Gestaltung und andere künstlerische Techniken erlernen. Die 81C Arts Community beispielsweise betreibt auf Saint Thomas Bildungsprogramme wie „Expression Through The Arts“ und „DigiLocal“, wobei traditionelle bildende Kunst mit digitalen Medien und Animation verbunden wird.
Eine besondere Bedeutung besitzen außerdem handwerklich-künstlerische Techniken. Dazu gehören Korbflechten, Cane-Arbeiten, Textilgestaltung, Keramik und verschiedene Formen dekorativer Kunst. Diese Bereiche überschneiden sich mit dem traditionellen Kunsthandwerk der Virgin Islands. Das CMCArts verbindet deshalb bildende Kunst ausdrücklich mit kultureller Überlieferung und arbeitet auch mit Kulturträgern zusammen, die traditionelle Techniken an jüngere Generationen weitergeben.
Die afrokaribische Geschichte der Insel bildet ein weiteres wichtiges Themenfeld. Künstler greifen Fragen der Herkunft, der Erinnerung an die Sklaverei und Emanzipation, der afrikanischen Diaspora, der kulturellen Identität und der sozialen Entwicklung der Virgin Islands auf. Dabei werden historische Symbole und traditionelle Formen ebenso verwendet wie moderne Installationen, Fotografie oder abstrakte Kunst. Die zeitgenössische Kunst fungiert dadurch teilweise auch als Medium historischer Erinnerung und kultureller Selbstbeschreibung.
Die religiöse Kunst besitzt ebenfalls eine historische Bedeutung. Kirchen und andere religiöse Einrichtungen beherbergen Gemälde, Skulpturen, Glasarbeiten und weitere sakrale Ausstattungsstücke, die mit der dänisch-lutherischen, mährischen, anglikanischen, katholischen und anderen christlichen Traditionen der Insel verbunden sind. Daneben bestehen in der heutigen Kunstszene weltliche und interkulturelle Themen, sodass religiöse Kunst nur einen Teil des gesamten Spektrums bildet.
Literatur
Eine wichtige historische Grundlage der Literatur auf Saint Thomas bilden die dänischen und englischsprachigen Reiseberichte, Verwaltungsberichte und historischen Aufzeichnungen über Saint Thomas. Zu den frühen Autoren gehört Georg Hjersing Høst, der sich im 18. Jahrhundert auf Saint Thomas aufhielt und einen ausführlichen Bericht über die Insel und ihre Gouverneure verfasste. Seine Aufzeichnungen gehören zu den historischen Quellen über die Gesellschaft und Verwaltung der dänischen Kolonie. Der Historiker Arnold R. Highfield hat solche Quellen ediert und übersetzt und damit einen wesentlichen Teil der älteren schriftlichen Überlieferung für die heutige Forschung zugänglich gemacht.
Eine besondere Stellung besitzt Arnold R. Highfield selbst. Der auf den Amerikanischen Jungferninseln tätige Historiker hat zahlreiche Arbeiten zur Geschichte und Kultur der Virgin Islands veröffentlicht. Zu seinen Publikationen gehören unter anderem Untersuchungen zur Kulturgeschichte der Amerikanischen Jungferninseln und der ehemaligen dänischen Westindischen Inseln sowie Editionen historischer Texte über Saint Thomas. Damit verbindet sich auf Saint Thomas die historische Forschung unmittelbar mit der literarischen und kulturellen Selbstbeschreibung der Insel.
Zu den international bekannteren Schriftstellerinnen von Saint Thomas gehört Tiphanie Yanique. Sie wurde 1978 auf Saint Thomas geboren und arbeitet als Schriftstellerin, Dichterin und Essayistin. Ihr Roman „Land of Love and Drowning“ behandelt anhand einer Familiengeschichte die Geschichte der Virgin Islands und verbindet persönliche Beziehungen mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der Inselwelt. Yanique gehört damit zu den Autoren, bei denen die Geschichte der Virgin Islands nicht lediglich Hintergrund, sondern ein zentrales literarisches Thema ist.
Auch Cadwell Turnbull ist eng mit Saint Thomas verbunden. Der 1987 geborene Schriftsteller wuchs auf Saint Thomas auf. Er ist vor allem für Science-Fiction- und speculative-fiction-Literatur bekannt und verwendet in seinen Arbeiten unter anderem Motive aus karibischer Geschichte, Gesellschaft und Mythologie. Seine Verbindung zur Insel zeigt, dass die Literatur aus Saint Thomas nicht auf historische oder realistische Themen beschränkt ist, sondern auch moderne internationale Genres umfasst.
Eine weitere bedeutende Persönlichkeit ist Barbara Christian, die 1943 auf Saint Thomas geboren wurde. Sie wurde als Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin insbesondere durch ihre Arbeiten über afroamerikanische Schriftstellerinnen und feministische Literaturkritik bekannt. Ihre akademische Arbeit gehört damit zur weiteren intellektuellen Literaturgeschichte von Saint Thomas, auch wenn ihr hauptsächliches Wirkungsfeld außerhalb der Insel lag.
Die literarische Kultur der Virgin Islands wird institutionell insbesondere durch die University of the Virgin Islands gefördert. Eine wichtige Publikation ist „The Caribbean Writer“, eine international ausgerichtete Literaturzeitschrift der Universität. Sie veröffentlicht Gedichte, Essays, Kurzgeschichten, Einakter und Buchbesprechungen und gibt damit Schriftstellern aus den Virgin Islands und der weiteren Karibik eine Plattform. Die Zeitschrift wird auf dem Campus von Saint Thomas herausgegeben beziehungsweise dort institutionell getragen und ist ein wichtiges Zentrum der literarischen Arbeit der Insel.
Auch Literaturfestivals gehören zum Kulturleben. Das VI Literary Festival and Book Fair bringt Schriftsteller, Dichter, Verleger, Literaturwissenschaftler und Leser zusammen. Das Programm umfasst Lesungen, Diskussionen, Schreibwerkstätten, Kinderliteratur, Buchpräsentationen und offene Bühnen. Bei der Veranstaltung werden sowohl international bekannte Autoren der karibischen Diaspora als auch lokale Schriftsteller vorgestellt. Der Saint-Thomas-Campus der University of the Virgin Islands ist dabei in die Veranstaltung eingebunden.
Theater
Das Theater hat auf Saint Thomas eine längere institutionelle Tradition. Ein wichtiges Zentrum war und ist die University of the Virgin Islands. Das Little Theatre auf dem Saint-Thomas-Campus entstand aus den kulturellen Einrichtungen des früheren College of the Virgin Islands. Bereits 1963 wurde dort ein Mehrzweckraum für Filmabende, Vorträge, Musikveranstaltungen, Chorkonzerte, Theater und Tanz genutzt. Später entwickelte sich daraus das Little Theatre mit einer Kapazität von etwa 100 Plätzen. Dort wurden Theaterproduktionen von Studenten, Hochschulangehörigen und örtlichen Theatergruppen aufgeführt.
Zu den Gruppen, die das Little Theatre nutzten, gehörten unter anderem das St. Thomas Repertory Theatre, Ad Lib Productions und weitere lokale Theaterinitiativen. Studenten übernehmen bei den Produktionen nicht nur Schauspielrollen, sondern auch Bühnenbau, Beleuchtung, Ton, Kostüme, Maske, Regie und Produktion. Dadurch besitzt das Theater an der Universität zugleich eine Ausbildungsfunktion.
Eine besondere Rolle spielte außerdem das Reichhold Center for the Arts der University of the Virgin Islands. Das Zentrum wurde zu einem der wichtigsten Veranstaltungsorte für Theater, Musik, Tanz und andere darstellende Künste auf Saint Thomas. Nach den Hurrikanen Irma und Maria von 2017 war das Gebäude jedoch nicht mehr regulär nutzbar. 2026 befand sich das Zentrum weiterhin in einer Wiederaufbau- beziehungsweise Erneuerungsphase und veranstaltete seine Programme deshalb an unterschiedlichen Orten.
Auch außerhalb der Universität existiert eine Geschichte des professionellen und gemeindebezogenen Theaters. Besonders wichtig war das Pistarckle Theater auf Saint Thomas. Nach dessen Schließung und der Beschädigung beziehungsweise Nichtnutzbarkeit mehrerer Theaterstätten infolge der Hurrikane von 2017 entstand eine längere Phase mit eingeschränkter kontinuierlicher Theaterproduktion auf der Insel. Das Projekt Brave World Theater VI kündigte für Februar 2027 eine auf Saint Thomas angesiedelte Bearbeitung von Shakespeares „The Tempest“ an. Die Produktion verbindet Theater, Tanz, Musik, Puppenspiel und lokale Kultur und soll zugleich an die Geschichte des Theaters auf Saint Thomas anknüpfen.
Ein wichtiges Beispiel für die Verbindung von Theater und lokaler Geschichte war das 2012 von der University of the Virgin Islands veranstaltete Festival „Playwrights in Paradise“. Im Little Theatre auf Saint Thomas wurden mehrere kurze Originalstücke aufgeführt, die aus mehrwöchigen Schreibwerkstätten mit Studenten und Mitgliedern der lokalen Bevölkerung hervorgegangen waren. Die Veranstaltung zeigt die Bedeutung des Theaters nicht nur als Aufführungsform, sondern auch als Möglichkeit, neue Stücke unmittelbar auf der Insel zu entwickeln.
Film
Im Bereich Film ist Saint Thomas sowohl Drehort als auch Ausgangspunkt lokaler Filmproduktionen. Wegen der tropischen Landschaft, der historischen Architektur von Charlotte Amalie, der Küstenlandschaften und der charakteristischen karibischen Siedlungsstruktur wurde die Insel wiederholt für Film- und Fernsehproduktionen genutzt. International bekannte Filmschauspieler stammen ebenfalls von Saint Thomas; dazu gehört Kelsey Grammer, der 1955 auf der Insel geboren wurde.
Eine zunehmend wichtige Rolle spielt die Ausbildung junger Filmemacher. Das Youth Movie-Making Workshop des Reichhold Center for the Arts vermittelt Schülern praktische Kenntnisse in Drehbuchentwicklung, Schauspiel, Kamera und Filmproduktion. Im Sommer 2026 entstand dort der Kurzfilm „The Mother of the Tide“, der auf Saint Thomas spielt und karibische Folklore mit einer modernen Abenteuergeschichte verbindet. Der Film wurde am 25. Juli 2026 auf dem Orville E. Kean Campus der University of the Virgin Islands uraufgeführt.
„The Mother of the Tide“ ist zugleich ein Beispiel dafür, wie sich das lokale Filmschaffen von der bloßen Nutzung der Insel als exotischer Kulisse hin zu Geschichten aus der eigenen Bevölkerung entwickelt. Die Produktion wurde von Jugendlichen aus den Virgin Islands geschrieben, produziert und gespielt und verwendet John Brewers Bay auf Saint Thomas als Schauplatz. Inhaltlich verbindet sie karibische Folklore mit einer Geschichte über eine übernatürliche Meeresgestalt.
Eine weitere wichtige Institution für Film und darstellende Künste ist The Forum USVI. Die 1996 auf Saint Thomas gegründete gemeinnützige Organisation veranstaltete im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche kulturelle Programme, darunter Filmfestivals, Opernübertragungen und Theateraufführungen. Nach eigenen Angaben organisierte The Forum mehr als 25 Filmfestivals sowie Übertragungen von Opernproduktionen der Metropolitan Opera in New York und Theaterproduktionen des National Theatre in London. Dadurch ist Saint Thomas auch an internationale Theater-, Opern- und Filmkultur angebunden.
Musik und Tanz
Die Musik von Saint Thomas ist aus der Verbindung afrikanischer, karibischer, europäischer und später nordamerikanischer Einflüsse hervorgegangen. Eine besonders wichtige lokale Tradition ist die Scratch-Band-Musik, die zu den charakteristischen musikalischen Formen der Amerikanischen Jungferninseln gehört. Sie wird mit einer kleinen Besetzung aus Gesang und verschiedenen Saiten-, Blas- und Rhythmusinstrumenten gespielt. Zu den traditionellen Instrumenten gehören unter anderem Banjo, Gitarre, Bass, Violine, Mundharmonika und verschiedene Schlaginstrumente. Die Musik entstand aus den musikalischen Traditionen der afrokaribischen Bevölkerung und wurde über Generationen bei Festen, Tänzen und gesellschaftlichen Zusammenkünften weitergegeben. Die offizielle Tourismusdarstellung der US Virgin Islands bezeichnet Scratch-Band-Musik als einen wesentlichen Bestandteil der musikalischen Identität des Territoriums.
Eine zentrale Stilrichtung ist Quelbe, eine eigenständige Musiktradition der Amerikanischen Jungferninseln. Sie verbindet afrokaribische musikalische Elemente mit europäischen Instrumenten und Liedformen. Zu den prägenden Musikern der modernen Quelbe-Tradition gehörte Austin Eldred „Edgie“ Christian Jr. aus Saint Thomas, der 1970 an der Gründung der Ten Sleepless Knights beteiligt war. Christian spielte Banjo und sang und trug wesentlich dazu bei, Quelbe über Saint Thomas hinaus bekannt zu machen. Die Regierung der Amerikanischen Jungferninseln würdigte ihn nach seinem Tod 2025 ausdrücklich als bedeutenden Bewahrer der Virgin-Islands-Musikkultur.
Die Ten Sleepless Knights gehören zu den bekanntesten Interpreten dieser traditionellen Musik. Ihre Besetzung und ihr Repertoire stehen für die Weiterentwicklung der älteren Scratch-Band-Tradition und für die Bewahrung von Liedern, Rhythmen und musikalischen Formen der Virgin Islands. Neben Quelbe gehört Cariso zu den älteren afrokaribischen Musikformen des Territoriums. Cariso verbindet improvisierte Gesangsformen, Balladentraditionen, rhythmische Elemente und mündlich überlieferte Erzählungen. Historisch diente solche Musik auch dazu, Ereignisse des Alltags, gesellschaftliche Verhältnisse und Erfahrungen der afrokaribischen Bevölkerung musikalisch auszudrücken.
Die afrikanischen Wurzeln der Musik zeigen sich insbesondere in rhythmischen Strukturen, Gesangstechniken und Formen des gemeinschaftlichen Musizierens. Während der dänischen Kolonialzeit wurden afrikanische Sprachen, religiöse Praktiken und kulturelle Ausdrucksformen stark eingeschränkt. Musikalische und tänzerische Traditionen wurden dennoch weitergegeben und mit europäischen Instrumenten und Formen verbunden. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit ein eigenständiges musikalisches Repertoire der Virgin Islands.
Neben den traditionellen Stilrichtungen ist die moderne karibische Musik auf Saint Thomas stark vertreten. Calypso, Soca, Reggae, Dancehall und Zouk gehören zum heutigen Musikleben. Hinzu kommen R&B, Hip-Hop, Gospel, Jazz, Latin-Musik und amerikanische Popmusik. Besonders Soca und Calypso spielen während des Carnival eine große Rolle. Bei den Veranstaltungen werden traditionelle Virgin-Islands-Bands mit modernen lokalen, regionalen und internationalen Künstlern kombiniert. Beim Carnival 2026 umfasste das Programm beispielsweise Calypso, Soca, Reggae, Quelbe und Latin Fusion.
Der St. Thomas Carnival ist der wichtigste öffentliche Rahmen für Musik und Tanz auf der Insel. Der erste Carnival von Saint Thomas fand 1912 noch während der dänischen Kolonialzeit statt, ein zweiter folgte 1914. Nach einer langen Unterbrechung wurde die Veranstaltung 1952 wieder aufgenommen. 2026 fand die 74. Ausgabe statt. Musik, Tanz und Paraden bilden dabei eine Einheit: Die Teilnehmer der Kinder- und Erwachsenenparaden bewegen sich zu Soca, Calypso, Reggae und den Rhythmen traditioneller Virgin-Islands-Bands durch Charlotte Amalie.
Ein besonders wichtiger Bestandteil ist J'ouvert. Diese Veranstaltung beginnt in den frühen Morgenstunden und führt als großer Straßentanz durch Charlotte Amalie. Musikgruppen spielen dabei von fahrenden Lastwagen aus, während die Teilnehmer tanzen und sich entlang der Strecke bewegen. Traditionell gehören Wasser, Farbe und Schlamm zu den typischen Elementen. Heute dominieren bei J'ouvert vor allem Soca und Reggae. Im Anschluss finden weitere Partys und musikalische Veranstaltungen statt.
Eine besondere Stellung nimmt Pan-O-Rama ein. Dabei treten Steel-Pan-Gruppen gegeneinander an. Die Instrumente umfassen verschiedene Größen und Tonlagen, darunter Tenor-, Bass- und Cello-Pans. Steel Pan ist ursprünglich eine Musiktradition Trinidads, hat sich aber zu einem festen Bestandteil der modernen karibischen Musik auf Saint Thomas entwickelt. Während des Carnival treten Musiker unterschiedlichen Alters auf und präsentieren sowohl traditionelle als auch moderne Arrangements.
Das Carnival Village in Charlotte Amalie ist während der Festwochen ein wichtiges Zentrum des Musiklebens. Dort finden an mehreren Abenden kostenlose Konzerte statt. Das Programm verbindet lokale Bands und Sänger mit Künstlern aus der übrigen Karibik und dem Ausland. 2026 standen unter anderem Busta Rhymes, Patrice Roberts und das aus Saint Thomas stammende Duo R. City auf dem Programm. Daneben traten lokale und regionale Künstler verschiedener Stilrichtungen auf.
Auch Blasmusik besitzt eine lange Tradition. Die 2026 als Village Honoree ausgezeichnete Imagination Brass ist eine in Frenchtown auf Saint Thomas entstandene Gruppe. Ihr Stil verbindet Blasinstrumente mit Soca, Calypso, Reggae und Rhythm and Blues. Die Gruppe entwickelte sich von einer kleinen lokalen Formation zu einem über die Virgin Islands hinaus bekannten Ensemble. Damit steht sie für die Verbindung traditioneller Blasmusik mit modernen karibischen Genres.
Der Tanz ist eng mit diesen musikalischen Formen verbunden. Bei den Carnival-Paraden werden choreografierte Gruppentänze, freie Straßen- und Gesellschaftstänze sowie die Bewegungen der Masquerader miteinander verbunden. Die Teilnehmer der Erwachsenenparade tanzen entlang der rund zwei Meilen langen Strecke durch Charlotte Amalie. Auch bei der Kinderparade gehören Tanz und musikalische Begleitung zu den wesentlichen Bestandteilen.
Zu den auffälligen Tanzgruppen gehören Majorettenformationen. Die Charming Twirlers Majorettes aus Saint Thomas wurden 2026 als Honoree der Kinderparade ausgezeichnet. Ihre Auftritte verbinden Marsch- und Showelemente, rhythmische Bewegungen und das Twirling von Stäben. Auch andere Tanzgruppen treten während der Carnival-Woche und bei kulturellen Veranstaltungen auf.
Eine weitere charakteristische Erscheinung sind die Moko Jumbies. Dabei handelt es sich um Stelzentänzer, die sich auf hohen Stelzen durch die Straßen bewegen. Sie tragen auffällige Kostüme und verbinden Tanz, Akrobatik und Prozession. Moko Jumbies gehören heute zu den auffälligsten visuellen Elementen der Carnival-Veranstaltungen der Amerikanischen Jungferninseln und treten auch auf Saint Thomas regelmäßig auf.
Die Traditional Indians bilden eine weitere wichtige kulturelle Gruppe von Saint Thomas. Sie sind seit Generationen Bestandteil der Carnival-Tradition und treten insbesondere bei der Erwachsenenparade auf. Ihre Auftritte verbinden Musik, Tanz und charakteristische Kostüme. 2026 wurden die Traditional Indians offiziell als Honoree der Erwachsenenparade ausgewählt, was ihre fortdauernde Bedeutung innerhalb der kulturellen Tradition von Saint Thomas dokumentiert.
Neben dem Carnival findet Musik auf Saint Thomas ganzjährig in Bars, Restaurants, Hotels, Clubs, bei Kulturveranstaltungen und öffentlichen Konzerten statt. Dabei reicht das Spektrum von traditionellen Virgin-Islands-Bands über Steel-Pan-Formationen bis zu Reggae-, Soca-, Calypso-, Dancehall-, R&B- und Hip-Hop-Künstlern. Dadurch stehen traditionelle Musikformen wie Quelbe und Scratch Band unmittelbar neben modernen karibischen und nordamerikanischen Stilrichtungen.
Kleidung
Die Kleidung auf Saint Thomas ist heute überwiegend von der modernen karibischen und nordamerikanischen Alltagsmode geprägt. Wegen des ganzjährig warmen, tropischen Klimas werden leichte Baumwoll- und Mischgewebe, T-Shirts, Hemden, Blusen, Röcke, Kleider, Shorts und leichte Hosen getragen. Im Geschäftsleben und bei offiziellen Anlässen ist westlich-nordamerikanische Kleidung üblich. Eine im Alltag allgemein getragene traditionelle Tracht besteht nicht; traditionelle Kleidung erscheint vor allem bei kulturellen Veranstaltungen, insbesondere während des St. Thomas Carnival.
Eine besondere Bedeutung besitzt dabei Madras-Stoff. Das karierte, meist farbenreiche Gewebe ist zu einem sichtbaren Bestandteil der kulturellen Kleidung der Amerikanischen Jungferninseln geworden. Das Virgin Islands Council on the Arts bezeichnet den offiziellen Virgin-Islands-Madras ausdrücklich als Symbol des kulturellen Erbes der Jungferninseln. 2025 wurde der offizielle Madras-Stoff wieder zum Verkauf angeboten; auf Saint Thomas ist er unter anderem in Stoff- und Bekleidungsgeschäften erhältlich. Für den offiziellen Stoff existieren gesetzlich festgelegte charakteristische Merkmale, da neben dem authentischen Stoff auch Nachahmungen verkauft werden.
Madras wird für verschiedene Kleidungsstücke verwendet. Dazu gehören insbesondere Röcke, Kleider, Hemden, Westen, Kopfbedeckungen und andere Bestandteile festlicher oder kultureller Kleidung. Bei Veranstaltungen wird der Stoff teilweise mit einfarbigen Kleidungsstücken kombiniert. Die Verwendung von Madras ist dabei nicht auf eine einzige historische Tracht mit festgelegtem Schnitt beschränkt, sondern bildet einen Bestandteil einer weiterentwickelten kulturellen Bekleidung der Virgin Islands.
Besonders deutlich wird dies beim St. Thomas Carnival. Bei den Kinder- und Erwachsenenparaden tragen die Teilnehmer aufwendig gestaltete Kostüme. Neben Federn, Schmuckelementen und farbigen Stoffen wird auch traditioneller Madras verwendet. Die Kostüme der heutigen Carnival-Paraden reichen dabei von Madras-geprägter kultureller Kleidung bis zu großen, modernen Masquerade-Kostümen mit Federn, Pailletten, Schmuck und aufwendigen Kopfschmuckelementen. Die offiziellen Berichte über den Carnival nennen Madras ausdrücklich als Bestandteil der Paradebekleidung.
Eine besondere Gruppe innerhalb der Carnival-Kultur sind die Traditional Indians. Sie treten seit Generationen bei den Paraden von Saint Thomas auf und verbinden Kleidung mit Musik, Tanz und Trommelrhythmen. Die Kostümtradition dieser Gruppe wird von der offiziellen Carnival-Dokumentation mit einer kulturellen Bezugnahme auf die frühe Taíno-Geschichte der Karibik verbunden. 2026 wurden die Traditional Indians als Adult Parade Honoree des St. Thomas Carnival ausgezeichnet.
Daneben bestehen weitere charakteristische Carnival-Kostümformen. Die Shaka Zulu Troupe verwendet beispielsweise aufwendig handgefertigte Kleidung und Schmuckelemente aus Federn, Perlen und Tierhäuten. Die Gruppe wurde 2002 gegründet und verbindet ihre Kostüme nach eigener Darstellung mit afrikanischer Abstammung und Tradition. Damit ist auch die afrikanisch-karibische Kulturgeschichte der Insel in der Festkleidung sichtbar.
Zu den auffälligen Figuren des Carnival gehören außerdem die Moko Jumbies. Die Stelzenläufer tragen farbenreiche Kostüme und bewegen sich auf hohen Stelzen durch die Paraden. Ihre Erscheinung gehört zu den charakteristischen visuellen Elementen des Carnival auf Saint Thomas und den übrigen Amerikanischen Jungferninseln. Die Carnival-Paraden verbinden damit unterschiedliche historische und kulturelle Einflüsse: karibische Maskerade, afrikanisch geprägte Traditionen, Madras-Kleidung, moderne Carnival-Kostüme und internationale karibische Festkultur.
Auch bei kulturellen Märkten und anderen Veranstaltungen wird Madras verwendet. Auf Saint Thomas werden daraus gefertigte Kleidungsstücke und textile Erzeugnisse als lokale Handwerks- und Kulturprodukte angeboten. Die Verwendung des Stoffes reicht deshalb von festlicher Kleidung über Carnival-Kostüme bis zu modernen Souvenirs und handwerklichen Erzeugnissen.
Kulinarik und Gastronomie
Die traditionelle Küche von Saint Thomas besteht hauptsächlich aus den Nahrungsmitteln, die auf der Insel beziehungsweise in den umliegenden Gewässern verfügbar waren. Dazu gehörten Fisch und andere Meeresfrüchte, tropische Früchte, Gemüse, Maismehl, Kochbananen sowie Fleisch und weniger hochwertige beziehungsweise früher weniger geschätzte Teile von Schlachttieren. Die heutige Küche verbindet diese historischen Grundlagen mit karibischen, amerikanischen, europäischen und internationalen Kochtraditionen.
Zu den charakteristischen Gerichten gehört Fish and Fungi. Fungi, ausgesprochen etwa „foon-gee“, wird aus Maismehl und Okra hergestellt und besitzt eine Konsistenz, die an Polenta erinnert. Es wird traditionell zusammen mit Fisch serviert und gilt als eines der bekanntesten Gerichte der Amerikanischen Jungferninseln. Auf Saint Thomas wird es sowohl in traditionellen Lokalen als auch in moderner interpretierter Form angeboten.
Eine weitere wichtige Speise ist Kallaloo beziehungsweise Callaloo. Dabei handelt es sich um einen kräftigen Eintopf, der auf Blattgemüse basiert und je nach Zubereitung Schweinefleisch oder Meeresfrüchte enthält. Die kulinarische Tradition des Gerichts wird mit westafrikanischen Einflüssen verbunden. Auf Saint Thomas gehört Kallaloo zu den regelmäßig in einheimischen Restaurants angebotenen traditionellen Speisen.
Fisch und Meeresfrüchte haben aufgrund der Insellage eine besonders große Bedeutung. Angeboten werden unter anderem Mahi-Mahi, Red Snapper, Grouper, Thunfisch, Muscheln, Conch und karibischer Hummer. Restaurants bereiten den Fisch gebraten, gegrillt, gebacken oder mit karibischen Gewürzen und Saucen zu. Auch Ceviche, Conch Fritters und verschiedene Suppen mit Meeresfrüchten gehören zum gastronomischen Angebot.
Conch, also große Meeresschnecken der Gattung Lobatus beziehungsweise verwandter taxonomischer Gruppen, wird auf unterschiedliche Weise zubereitet. Zu den verbreiteten Gerichten gehören Conch Fritters, Conch Chowder und Conch in Sauce. Auch Whelks beziehungsweise Meeresschnecken werden verwendet; Rice and Whelks gehört zu den ausdrücklich für Saint Thomas genannten lokalen Gerichten.
Bei Fleischgerichten spielen Eintöpfe und stark gewürzte Zubereitungen eine wichtige Rolle. Angeboten werden unter anderem Ochsenschwanz, Ziegenfleisch, Curry Goat, Jerk Chicken, geschmortes Hammelfleisch, Rindfleisch und Schweinefleisch. In traditionellen Lokalen wird Fleisch häufig mit Reis, Bohnen, Kochbananen, Gemüse oder Maismehlbeilagen kombiniert. Besonders Ochsenschwanz und Ziegenfleisch gehören zum charakteristischen Angebot von Restaurants mit einheimischer Küche.
Ein wichtiger Bestandteil der Alltags- und Straßenküche sind Pates. Dabei handelt es sich um frittierte Teigtaschen, die unter anderem mit Hackfleisch oder gesalzenem Fisch gefüllt werden. Ebenfalls verbreitet sind Johnny Cakes, leicht süßliche frittierte Teigfladen beziehungsweise Teigstücke. Sie werden als Beilage oder eigenständiger Imbiss gegessen. Tostones aus grünen Kochbananen, gebratene beziehungsweise süß zubereitete Plantains, Reis und Erbsen sowie gebackene Makkaroni ergänzen das Angebot.
Dumb bread beziehungsweise Dumb Cake gehört ebenfalls zum traditionellen Backwarenbereich. Es handelt sich um ein einfaches Brot beziehungsweise einen Kuchen, der traditionell in einer abgedeckten Pfanne gebacken wird. Die Speise steht für eine ältere karibische Kochtradition, bei der mit einfachen Zutaten und begrenzten technischen Möglichkeiten gearbeitet wurde.
Tropische Früchte spielen in der Küche ebenfalls eine Rolle. Auf Märkten und in Restaurants werden unter anderem Mango, Sternfrucht, Soursop beziehungsweise Guanabana und Passionsfrucht angeboten. Aus Früchten entstehen Säfte, Desserts, Saucen und Cocktails. Auf Saint Thomas werden beispielsweise frische Säfte aus Sorrel und Passionsfrucht angeboten.
Bei den alkoholfreien traditionellen Getränken sind Bush Teas und Maubi zu nennen. Bush Teas werden aus verschiedenen Kräutern und Gewürzen hergestellt und sind besonders auf Märkten erhältlich. Maubi ist ein gewürztes Getränk, das unter anderem mit Baumrinde und Piment aromatisiert wird. Daneben sind Fruchtsäfte und hausgemachte Limonaden verbreitet.
Rum besitzt einen festen Platz in der Getränkekultur der Amerikanischen Jungferninseln. Auf Saint Thomas werden daraus zahlreiche Cocktails gemischt, darunter Rum Punch und verschiedene tropische Mischgetränke. Die eigentliche historische Rumproduktion des Territoriums konzentriert sich allerdings auf Saint Croix, wo die Herstellung von Cruzan Rum bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Auf Saint Thomas dominiert dagegen die Verwendung des Rums in Bars und Restaurants.
Die Gastronomie von Saint Thomas reicht heute weit über die traditionelle Inselküche hinaus. In Charlotte Amalie, Red Hook und den größeren Hotel- und Resortanlagen gibt es Restaurants mit karibischer, amerikanischer, italienischer, französischer, mediterraner und anderer internationaler Küche. Daneben haben sich moderne Restaurants entwickelt, die traditionelle Zutaten mit zeitgenössischen Kochtechniken verbinden. So werden beispielsweise karibischer Hummer, Mahi-Mahi, Conch und lokale Gewürze auch in gehobenen Menüs verarbeitet.
Charlotte Amalie bildet das wichtigste gastronomische Zentrum der Insel. In der historischen Innenstadt und im Bereich der Waterfront befinden sich Restaurants, Cafés, Bars und kleinere Lokale. Dort reicht das Angebot von traditionellen Gerichten wie Conch Fritters, Curry Goat und Kallaloo bis zu moderner karibischer und internationaler Küche. Auch im historischen Gebäudebestand der dänischen Kolonialzeit befinden sich gastronomische Betriebe.
Red Hook besitzt ebenfalls eine ausgeprägte Gastronomieszene. Dort konzentrieren sich Restaurants und Bars insbesondere auf Meeresfrüchte, karibische Küche und moderne Interpretationen lokaler Gerichte. Einige Restaurants liegen unmittelbar am Wasser oder am Yachthafen. Das gastronomische Angebot reicht von einfachen Lokalen bis zu gehobenen Restaurants mit mehrgängigen Menüs.
Eine wichtige Rolle spielen außerdem Strandbars und kleinere Imbissbetriebe. Neben Getränken werden dort häufig Conch Fritters, Ceviche, gegrillter Hummer, Fisch, Sandwiches und andere einfache Speisen angeboten. Charakteristisch für die Gastronomie von Saint Thomas ist damit die Kombination aus einheimischen Gerichten, Fisch und Meeresfrüchten, karibischer Straßenküche, amerikanischen Speisen und internationaler Restaurantküche.
Auch die Festkultur ist eng mit der Kulinarik verbunden. Beim St. Thomas Carnival gehört die Food Fair zu den zentralen Veranstaltungen. Dort werden unter anderem gegrillte Meeresfrüchte, Fisch, Kallaloo, Eintöpfe, Pates und Johnny Cakes angeboten. Im Carnival Village werden außerdem Kokosnuss-Törtchen und andere lokale Süßspeisen verkauft. Die Veranstaltung verbindet damit traditionelle Küche mit Musik, Tanz und dem öffentlichen Festleben der Insel.
Die Wochenmärkte ergänzen die Gastronomie durch frische landwirtschaftliche Erzeugnisse und hausgemachte Produkte. Auf dem Markt am Rothschild Francis Square in Charlotte Amalie werden unter anderem tropische Früchte, Johnny Cakes, Gewürze und andere lokale Lebensmittel angeboten. Damit bleibt neben der Restaurantgastronomie auch der direkte Verkauf von Lebensmitteln ein Bestandteil der kulinarischen Kultur von Saint Thomas.
Festkultur
Auf Saint Thomas gelten die Feiertage der Amerikanischen Jungferninseln:
- 1. Januar - New Year's Day (Neujahrstag)
- 6. Januar - Three Kings' Day (Dreikänigstag)
- 21. Januar - Martin Luther King Day (Martin Luther King-Tag)
- 18. Februar - Presidents' Day (Präsidententag, Gedenktag an George Washington und Abraham Lincoln)
- Ende März / Anfang April - Easter (Ostern)
- 31. März - Transfer Day (Umschreibungstag, der Nationalfeiertag des Landes)
- 26. Mai - Memorial Day (Erinnerungstag an die gefallenen Soldaten der USA)
- Ende Mai / Anfang Juni - Whitsuntide (Pfingsten)
- Mitte Juni - Organic Act Day (Tag des 1954 erlassenen Organic Acts)
- 3. Juli - Emancipation Day (Emanzipationstag)
- 4. Juli - Independence Day (Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten von Amerika)
- 28. Juli - Hurricane Supplication Day (Hurricane-Gebetstag)
- 1. Montag im September - Labor Day (Tag der Arbeit)
- 2. Montag im Oktober - Columbus Day (Kolumbustag)
- 17. Oktober - Puerto Rico Friendship Day (Tag der Freundschaft mit Puerto Rico)
- 27. Oktober - Virgin Islands Thanksgiving Day (Erntedankfest der Jungferninseln)
- 1. November - D. Hamilton Jackson Day / Liberty Day (Befreiungstag zur Erinnerung an die ersten freie Pressepublikation 1915)
- 11. November - Veterans' Day (Veteranentag, Gedenktag für alle ehemaligen US-Soldaten)
- 27. November - US Thanksgiving Day (US-Erntedankfest)
- 25. Dezember - Christmas Day (Weihnachtstag)
Die Festkultur auf Saint Thomas wird vor allem durch den jährlich im Frühjahr stattfindenden St. Thomas Carnival geprägt. Das Fest geht in seiner heutigen Form auf eine lange Tradition zurück: Ein erster Carnival wurde 1912 während der dänischen Kolonialzeit veranstaltet, ein zweiter folgte 1914. Danach wurde die Tradition erst 1952 wieder aufgenommen. Seitdem entwickelte sich der Carnival zu einer der wichtigsten öffentlichen Kulturveranstaltungen der Insel. 2026 fand die 74. Ausgabe statt.
Der Carnival erstreckt sich über mehrere Wochen beziehungsweise in seinem Höhepunkt über eine dicht gefüllte Festwoche. Zum Programm gehören die Wahl beziehungsweise Krönung der Carnival Queen und Princess, Calypso-Veranstaltungen, Pan-O-Rama mit Steelpan-Musik, Bootsrennen, das Carnival Village, die Food Fair, J’ouvert sowie Kinder- und Erwachsenenparaden. Das Carnival Village dient während der Festtage als zentraler Veranstaltungsbereich mit Bühnen, Verkaufsständen, gastronomischen Angeboten und abendlichen Konzerten. Dort treten lokale, karibische und internationale Musiker auf; vertreten sind unter anderem Calypso, Soca, Reggae, Quelbe und weitere Stilrichtungen der karibischen Musik.
Ein wichtiger Bestandteil ist die Food Fair, bei der die kulinarische Tradition der Virgin Islands mit dem Festgeschehen verbunden wird. Angeboten werden unter anderem gebratener Fisch und andere Meeresfrüchte, Eintöpfe, Pates, Johnny Cakes sowie Süßspeisen mit Tamarinde, Mango und Passionsfrucht. Gleichzeitig werden Kunsthandwerk und andere lokal hergestellte Gegenstände verkauft. Zu den auf dem Carnival Village genannten handwerklichen Produkten gehören Kleidung aus Madras-Stoffen, Schmuck, handgefertigte Puppen und aus Kokosnussschalen gefertigte Gegenstände. Die Food Fair hat damit neben ihrer gastronomischen auch eine handwerkliche und wirtschaftliche Funktion.
J’ouvert gehört zu den charakteristischen Veranstaltungen des Carnival. Die Feier beginnt traditionell in den frühen Morgenstunden und führt als Straßenfest zum Wasserbereich von Charlotte Amalie. Musikgruppen spielen von Fahrzeugen aus Soca und Reggae, während die Teilnehmer tanzend durch die Straßen ziehen. Wasser, Farbe und Schlamm gehören zu den traditionellen Elementen dieser Veranstaltung. Die Kinderparade und die Erwachsenenparade bilden weitere Höhepunkte. Bei den Paraden ziehen Gruppen in aufwendig gestalteten Kostümen, mit Musikern, Tanzgruppen und Festwagen durch Charlotte Amalie. Die Erwachsenenparade führt über eine etwa zwei Meilen lange Strecke entlang der Main Street bis zum Lionel Roberts Stadium.
Eine besondere Rolle spielen die Carnival-Gruppen, die kulturelle Traditionen durch Musik, Tanz und Kostümgestaltung weitergeben. Zu ihnen gehören unter anderem die Traditional Indians, die seit Generationen am Carnival teilnehmen und mit Trommelmusik, Bewegung und erzählerischen Elementen auftreten. 2026 wurden sie als Ehrengruppe der Erwachsenenparade ausgezeichnet. Die Charming Twirlers Majorettes, die 1985 in Frenchtown gegründet wurden, gehören ebenfalls zur Festkultur von Saint Thomas und treten insbesondere bei Veranstaltungen der Kinderparade auf.
Die Kostüme, Maskeraden und Festwagen sind ein wesentlicher Bestandteil der visuellen Festkultur. Dabei verbinden sich karibische Carnival-Traditionen mit lokalen Motiven und modernen Formen der Gestaltung. Zu den traditionellen Erscheinungsformen gehören außerdem Moko Jumbies, also Stelzenläufer, die bei Veranstaltungen der Virgin Islands auftreten. Musik und Tanz sind während des Carnival nahezu ständig präsent und reichen von traditionellen lokalen Formen bis zu zeitgenössischer Soca-, Calypso-, Reggae- und Popmusik.
Neben dem Carnival gehören weitere öffentliche Veranstaltungen zum Festkalender von Saint Thomas. Dazu zählen Kultur-, Musik- und Gastronomieveranstaltungen sowie saisonale Feste. Der Veranstaltungskalender der U.S. Virgin Islands führt für Saint Thomas unter anderem das im November 2026 geplante Festival „VIBES on the Rock“ und weitere Kultur-, Musik-, Sport- und Gastronomieveranstaltungen. Die Festkultur der Insel beschränkt sich damit nicht auf den Carnival, doch dieser bildet eindeutig das zentrale jährlich wiederkehrende Großereignis.
Auch die Einbindung der Bevölkerung und der aus Saint Thomas stammenden Diaspora gehört zur Festkultur. Die Carnival-Veranstaltungen richten sich sowohl an die ansässige Bevölkerung als auch an zurückkehrende Virgin Islanders und Besucher. Die Regierung der Virgin Islands hat in früheren Jahren für bestimmte Carnival-Tage sogar dienstfreie Zeiten für öffentliche Bedienstete angeordnet, um die Teilnahme an Food Fair, J’ouvert und Kinderparade zu ermöglichen.
Medien
Das wichtigste traditionelle Printmedium von Saint Thomas ist The Virgin Islands Daily News. Die Zeitung hat ihren Sitz in Charlotte Amalie und wurde 1930 gegründet. Sie erscheint als englischsprachige Tageszeitung und unterhält neben ihrem Hauptsitz auf Saint Thomas auch ein Büro auf Saint Croix. Das Blatt berichtet über Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kriminalität, Gerichte, Bildung, Sport und gesellschaftliche Ereignisse der Amerikanischen Jungferninseln. 1995 erhielt The Virgin Islands Daily News den Pulitzer Prize for Public Service; damit gehörte die Zeitung zu den kleinsten Zeitungen, die diese Auszeichnung erhalten haben.
Neben der gedruckten Zeitung hat sich insbesondere der digitale Journalismus stark entwickelt. Eine zentrale Rolle spielt St. Thomas Source beziehungsweise das übergeordnete Virgin Islands Source. Das Nachrichtenportal wurde 1999 gegründet und berichtet täglich über die Amerikanischen Jungferninseln. Neben St. Thomas Source bestehen St. Croix Source und St. John Source, wodurch das Angebot das gesamte Inselterritorium abdeckt. Die Redaktion veröffentlicht lokale Nachrichten, Meldungen aus Regierung und Verwaltung, Wirtschaftsberichte, Gerichts- und Polizeimeldungen, Sport, Kultur sowie Beiträge zu Umwelt und Gesundheit.
Die Bedeutung von St. Thomas Source zeigt sich auch an der heutigen Nutzung. Nach Angaben des eigenen Medienkits erreichten die drei Source-Angebote 2024 zusammen mehr als 7,2 Millionen Seitenaufrufe. Das Angebot wird nicht nur auf den Amerikanischen Jungferninseln, sondern auch vom US-amerikanischen Festland und aus der weiteren Karibik genutzt. Ein großer Teil der Leser greift über Smartphones und Tablets auf die Nachrichten zu. Damit besitzt das digitale Medium eine wesentlich größere Reichweite als ein ausschließlich lokales Printmedium.
St. Thomas Source ist inzwischen nicht nur ein Nachrichtenportal, sondern auch ein multimediales Angebot. Neben geschriebenen Artikeln werden Interviews, Videos und Nachrichtensendungen veröffentlicht. Die Sendung Consider the Source wird unter anderem über Fernsehsender ausgestrahlt und zusätzlich online beziehungsweise über YouTube zugänglich gemacht. Dadurch verbindet das Angebot klassischen Lokaljournalismus mit digitalen Videoformaten.
Die Themenpalette der aktuellen lokalen Berichterstattung zeigt die Funktion der Medien als Informationsquelle für das alltägliche Leben auf Saint Thomas. St. Thomas Source veröffentlicht beispielsweise Meldungen über lokale Verwaltung, Gerichte, Wirtschaft, Gesundheit, Verkehr, Wetter, Umwelt, Kultur und Sport. Auch amtliche Bekanntmachungen und Informationen von Behörden werden veröffentlicht. Dadurch übernehmen digitale Nachrichtenmedien teilweise Funktionen, die früher vor allem von gedruckten Lokalzeitungen wahrgenommen wurden.
Ein weiterer Bestandteil der Medienlandschaft ist The Virgin Islands Consortium. Das Nachrichtenangebot arbeitet überwiegend digital und berichtet über das gesamte Territorium. Damit existieren neben der traditionellen Virgin Islands Daily News mehrere internetbasierte Nachrichtenanbieter. Die Entwicklung entspricht dem allgemeinen Wandel des Medienkonsums auf den Amerikanischen Jungferninseln, bei dem Nachrichten zunehmend über Webseiten, Smartphones und soziale Netzwerke verbreitet werden.
Das Radio besitzt auf Saint Thomas ebenfalls eine lange Tradition. Der Rundfunk begann auf der Insel bereits 1950 mit WSTA. Der Sender nahm am 26. Juli 1950 seinen Betrieb auf und wurde zu einem wichtigen Bestandteil des öffentlichen Lebens von Saint Thomas. Die frühe Radiostation verbreitete Nachrichten, Musik und Unterhaltung und stellte eine direkte Verbindung zwischen Bevölkerung und Öffentlichkeit her.
Heute besteht ein vielfältiger Radiomarkt mit lokalen und überregional ausgerichteten Programmen. Zu den auf Saint Thomas beziehungsweise für Saint Thomas nachgewiesenen Sendern gehören unter anderem WSTA AM 1340, Hot 105.3 FM und Da Vybe 107.9 FM. Daneben sind weitere Programme aus dem Gebiet der Amerikanischen Jungferninseln empfangbar. Behördeninformationen aus den Vereinigten Staaten Virgin Islands nennen diese Sender ausdrücklich als Radiostationen des Saint-Thomas-Marktes.
WSTA ist dabei historisch besonders bedeutend. Der Sender war die erste Radiostation von Saint Thomas und wurde bereits kurz nach seiner Gründung zu einem wichtigen lokalen Kommunikationsmedium. In der Frühzeit wurden neben Musik und Unterhaltung auch Nachrichten und Informationen aus den Vereinigten Staaten übernommen. Die Station entwickelte sich damit zu einem Bestandteil der modernen Mediengeschichte der Insel.
Das Radioprogramm der Gegenwart umfasst Musik verschiedener Genres, lokale Nachrichten, Verkehrsinformationen, Wetterberichte, Interviews, Unterhaltung und Werbung. Wegen der Insellage besitzt das Radio außerdem eine praktische Bedeutung bei Wetterlagen mit tropischen Stürmen, Hurrikanen und anderen Naturereignissen. Während solcher Ereignisse können lokale Radiostationen Informationen über Warnungen, Straßensperren, Stromversorgung, Schulen, Häfen und andere Einrichtungen verbreiten.
Auch das Fernsehen ist auf Saint Thomas vertreten. Der wichtigste öffentlich-rechtliche beziehungsweise öffentlich finanzierte Fernsehsender der Amerikanischen Jungferninseln ist WTJX-TV, der zum Public Broadcasting System gehört. WTJX betreibt sowohl Fernsehen als auch Radio und verbreitet neben Programmen des PBS-Netzes lokale Inhalte. Die Station versorgt das Territorium mit Nachrichten, Bildungsprogrammen, Dokumentationen und kulturellen Beiträgen.
Neben WTJX sind kommerzielle Fernsehsender beziehungsweise Stationen mit lokalen Angeboten und Netzwerkanbindungen vertreten. Fernsehzuschauer auf Saint Thomas können sowohl Programme aus den Vereinigten Staaten als auch lokale Nachrichten und Inhalte der Amerikanischen Jungferninseln empfangen. Die Fernsehlandschaft ist deshalb stärker mit dem US-amerikanischen Mediensystem verbunden als beispielsweise die Medienlandschaft vieler unabhängiger karibischer Staaten.
Kommunikation
Saint Thomas hat die Telefonvorwahl 0(01)340. Die am häufigsten genutzte Postleitzahl für die Insel Saint Thomas lautet 00802. Da das Territorium zum Postsystem der Vereinigten Staaten (USPS) gehört, folgen die Postleitzahlen dem fünfstelligen US-ZIP-Code-Format. Für spezifische Postfächer, Institutionen oder Zustellbereiche auf Saint Thomas werden zudem folgende Postleitzahlen verwendet:
- 00801 (St. Thomas – oft für P.O. Boxes genutzt
- 00802 (St. Thomas – Haupt-ZIP-Code, gültig für Charlotte Amalie)
- 00803 (St. Thomas)
- 00804 (St. Thomas)
- 00805 (St. Thomas)
Sport
Neben den klassischen Mannschafts- und Individualsportarten besitzen insbesondere Segeln, Wassersport, Tauchen, Schnorcheln und andere Aktivitäten auf dem Meer eine große Bedeutung. Gleichzeitig gibt es auf der Insel Einrichtungen für Basketball, Baseball, Fußball, Volleyball, Tennis, Golf, Leichtathletik und verschiedene Freizeitsportarten. Auch der Hochschulsport der University of the Virgin Islands spielt eine wichtige Rolle.
Eine zentrale Sportstätte ist das Sports and Fitness Center der University of the Virgin Islands auf dem Saint-Thomas-Campus. Die über 64.000 square feet große Halle dient dem Hochschulsport, dem Vereinssport, Wettkämpfen und größeren Veranstaltungen. Sie verfügt unter anderem über mehrere Spielflächen, Volleyballfelder, Umkleideräume, einen Trainingsbereich und Räume für Fitness und Sportmedizin. Die Basketballmannschaften der Universität tragen dort ihre Heimspiele aus.
Basketball gehört zu den bedeutendsten Mannschaftssportarten der Insel. Die University of the Virgin Islands unterhält Männer- und Frauenmannschaften, und Basketball wird auch im Schul-, Jugend- und Freizeitsport betrieben. Auf Saint Thomas bestehen zahlreiche öffentliche und kommunale Basketballplätze. Der Sport hat innerhalb des amerikanischen Sportsystems der Amerikanischen Jungferninseln eine besondere Bedeutung und verbindet lokalen Vereinssport mit dem Hochschulsport.
Mit dem Hochschulsport ist auch das überregional bekannte Paradise Jam verbunden. Das Basketballturnier bringt College-Mannschaften aus den Vereinigten Staaten auf die Amerikanischen Jungferninseln und wird im Sports and Fitness Center auf Saint Thomas ausgetragen. Dadurch besitzt die Insel neben dem lokalen Basketballbetrieb auch eine Sportveranstaltung mit überregionaler Bedeutung.
Baseball und Softball gehören ebenfalls zum Sportangebot. Auf Saint Thomas bestehen mehrere Baseballplätze beziehungsweise Sportanlagen mit Baseballfeldern. Baseball wird insbesondere im Jugend- und Amateurbereich betrieben. Das Sportangebot der Insel umfasst außerdem Softball, das in den Vereinigten Jungferninseln ebenfalls im Jugend- und Vereinssport verbreitet ist. Die Sportverwaltung des Territoriums führt Baseball und Softball ausdrücklich unter den betriebenen Sportarten.
Fußball, in den Vereinigten Staaten als soccer bezeichnet, wird ebenfalls gespielt. Die University of the Virgin Islands verfügt auf dem Saint-Thomas-Campus über Fußballfelder, und Fußball gehört zum Sportprogramm der Universität. Auch im Jugendbereich wird die Sportart betrieben. Damit ist Fußball neben Basketball, Baseball und Volleyball Bestandteil des organisierten Mannschaftssports auf Saint Thomas.
Volleyball besitzt wegen des tropischen Klimas sowohl als Hallen- als auch als Freiluftsport Bedeutung. Auf dem UVI-Campus stehen entsprechende Spielflächen zur Verfügung. Hinzu kommt Beachvolleyball an den Stränden und in den touristischen Anlagen. Das Volleyballangebot reicht somit vom Hochschul- und Vereinssport bis zum Freizeitsport.
Tennis wird auf Saint Thomas an mehreren Standorten gespielt. Tennisplätze befinden sich unter anderem bei Hotels und Resorts sowie beim Saint Thomas Yacht Club. Außerdem gibt es öffentliche Tennisplätze im Bereich Subbase. Die Anlagen werden sowohl für den Freizeitsport als auch für Unterricht und Training genutzt.
Auch im gehobenen Tourismus ist Tennis Bestandteil des Sportangebots. Das Ritz-Carlton auf Saint Thomas verfügt beispielsweise über zwei beleuchtete Tennisplätze und bietet Tennisunterricht an. Damit ist Tennis sowohl im lokalen Sport als auch innerhalb der touristischen Sportinfrastruktur vertreten.
Golf besitzt ebenfalls eine lange Tradition. Auf Saint Thomas befindet sich der Mahogany Run Golf Course, ein 18-Loch-Platz mit Par 70 und einer Länge von rund 6.022 Yards. Der Platz wurde 1980 eröffnet und ist durch seine Lage in einem Tal mit Blick auf den Atlantik gekennzeichnet. Besonders bekannt waren die Löcher 13 bis 15, die als „Devil's Triangle“ bezeichnet wurden. Der Platz ist allerdings seit September 2017 geschlossen.
Auf dem Campus der University of the Virgin Islands befindet sich außerdem der Herman E. Moore Golf Course. Der Platz verfügt derzeit nicht über einen regulären vollständigen Golfplatzbetrieb, sondern wird insbesondere zum Üben von Putten und Abschlägen genutzt. Golfveranstaltungen und Turniere werden auf Saint Thomas darüber hinaus von verschiedenen Gruppen organisiert.
Aufgrund der geografischen Lage besitzt der Wassersport eine besonders große Bedeutung. Das Segeln gehört zu den charakteristischen Sportarten der Insel. Die geschützten Buchten, die zahlreichen vorgelagerten Inseln und die relativ kurzen Entfernungen zwischen den Inseln schaffen günstige Voraussetzungen für Segel- und Regattasport. Saint Thomas ist außerdem Ausgangspunkt für Fahrten nach Saint John, zu den British Virgin Islands und zu weiteren Inseln der Karibik.
Der Saint Thomas Sailing Center bietet unter anderem Segelunterricht, Kurse für Einrumpfboote und Katamarane sowie eine Ausbildung zur Bareboat-Zertifizierung an. Dabei werden sowohl Anfänger als auch bereits erfahrene Segler angesprochen. Im Zusammenhang mit den Kursen besteht außerdem eine zeitlich begrenzte Mitgliedschaftsmöglichkeit beim Saint Thomas Yacht Club, dessen Sportangebot unter anderem Segeln, Tennis und Squash umfasst.
Der Yacht- und Regattasport ist eng mit dem Saint Thomas Yacht Club verbunden. Die Lage des Clubs an der Küste und die zahlreichen Buchten und Inseln der Umgebung ermöglichen sowohl den sportlichen Segelbetrieb als auch das Training von Nachwuchsseglern. Segeln ist zugleich eine der Sportarten, in denen Athleten der Amerikanischen Jungferninseln international antreten. Das Virgin Islands Olympic Committee führt Sailing neben Golf, Schwimmen, Tennis, Leichtathletik und weiteren Sportarten in seinem Förderprogramm.
Tauchen und Schnorcheln bilden eine weitere wichtige Gruppe von Wassersportarten. Die Korallenriffe, Seegraswiesen, Felsriffe und klaren Küstengewässer um Saint Thomas bieten zahlreiche Möglichkeiten für Sporttaucher und Schnorchler. Das touristische Sportangebot umfasst sowohl geführte Tauchgänge als auch Schnorchelausflüge und andere Aktivitäten auf dem Wasser.
Schwimmen wird sowohl als Wettkampfsport als auch als Freizeitsport betrieben. Die University of the Virgin Islands bietet Schwimmen im Rahmen des Sport- und Bewegungsprogramms an. Wegen der zahlreichen Strände und der ganzjährig warmen Wassertemperaturen besitzt außerdem das Freizeitschwimmen eine große Bedeutung.
Leichtathletik und Crosslauf gehören ebenfalls zum organisierten Sport. Die University of the Virgin Islands bietet Leichtathletik und Cross Country als Hochschulsportarten an. Athleten der Amerikanischen Jungferninseln treten außerdem international in der Leichtathletik an.
Boxen, Fechten, Bogenschießen und Bowling sind weitere Sportarten, die auf Ebene der Amerikanischen Jungferninseln organisiert und international vertreten werden. Das Virgin Islands Olympic Committee nennt diese Sportarten neben Golf, Segeln, Schwimmen, Tennis und Leichtathletik sowie den Mannschaftssportarten Baseball, Basketball, Fußball, Softball und Volleyball.
Auch Cricket ist auf Saint Thomas vertreten. Die Virgin Islands Cricket Association bemühte sich um die Einrichtung eines eigenen Cricketplatzes im Bereich Estate Nazareth bei Red Hook. Cricket gehört damit zu den Sportarten, die durch die kulturellen Verbindungen innerhalb der Karibik auf Saint Thomas vertreten sind.
Neben dem organisierten Sport besitzt der Freizeitsport eine große Bedeutung. Wandern und Trekking sind wegen des gebirgigen Reliefs möglich. Die Wege führen durch trockene tropische Wälder, über Bergrücken und zu Aussichtspunkten über die Buchten und das umliegende Inselmeer. Auch Strandspaziergänge und verschiedene Formen des Küstenwanderns gehören zum touristischen Sportangebot.
An den Stränden werden außerdem Kajakfahren, Paddeln und weitere Wassersportarten betrieben. Die geschützten Buchten eignen sich insbesondere für nicht motorisierte Wassersportarten. Dadurch besteht auf Saint Thomas eine enge Verbindung zwischen Sport, Küstenlandschaft und Fremdenverkehr.
Die Sportinfrastruktur wird durch öffentliche Erholungsanlagen ergänzt. Im Lindbergh Bay Park bei Saint Thomas befinden sich unter anderem ein Volleyball-/Tennisplatz, ein Fitnessbereich und weitere Freizeiteinrichtungen. Der Park liegt unmittelbar am Strand und verbindet damit Sport- und Erholungsangebote.
Ein neueres Beispiel für die Erweiterung des Sportangebots ist das Island Green in Havensight. Dort stehen unter anderem Golfsimulatoren, interaktive Dartanlagen, Shuffleboard und Cornhole zur Verfügung. Die Anlage ist auf Freizeit- und Unterhaltungssport ausgerichtet und ergänzt das traditionelle Angebot der Insel um wetterunabhängige Indoor-Aktivitäten.
Persönlichkeiten
Die wichtigsten von der Insel stammenden Persönlichkeiten sind:
- Camille Pissarro (1830 bis 1903), Maler des Impressionismus
- Edward Wilmot Blyden (1832 bis 1912), Panafrikanist, Pädagoge, Diplomat und Politiker
- Alton Augustus Adams (1889 bis 1987), Komponist und der erste afroamerikanische Kapellmeister der US-Marine
- Emile Griffith (1938 bis 2013), Weltmeister im Profiboxen (Welter- und Mittelgewicht)
- Kelsey Grammer (* 1955), Schauspieler, Regisseur und Produzent (bekannt aus Cheers und Frasier)
- Lisa Canning (* 1966), Schauspielerin und Fernsehmoderatorin
- Janelle James (* 1979), Stand-up-Comedian und Schauspielerin (bekannt aus Abbott Elementary)
- Karrine Steffans (* 1978), Romanautorin und Schauspielerin
- Theron Thomas (* 1982), Musikproduzent und Songwriter (Teil des Duos Rock City)
- Hannah Jeter (* 1990), Model (bekannt durch die Sports Illustrated Swimsuit Issue)
- Nicolas „Nic“ Claxton (* 1999), Basketballspieler in der NBA
- Aliyah Boston (* 2001), Basketballspielerin in der WNBA
Fremdenverkehr
Der Fremdenverkehr ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige von Saint Thomas. Die Insel gehört zu den am stärksten touristisch geprägten Teilen der Amerikanischen Jungferninseln und verfügt über ein besonders breit gefächertes Beherbergungsangebot. Der Tourismus verbindet Bade- und Strandurlaub, Kreuzfahrttourismus, Wassersport, Segeln, Tauchen, Shopping, historische Sehenswürdigkeiten und Aufenthalte in Ferienhäusern und Villen. Die offizielle Tourismusorganisation der Amerikanischen Jungferninseln führt für Saint Thomas heute ausdrücklich die Kategorien Hotels, Motels, Resorts, Bed & Breakfasts, Ferienunterkünfte und weitere Beherbergungsformen.
Eine besondere Bedeutung besitzt der Kreuzfahrttourismus. Saint Thomas verfügt mit Havensight beziehungsweise dem West India Company Dock und Crown Bay über zwei große Kreuzfahrtanlagen an der Südküste bei Charlotte Amalie. Dadurch kommen zahlreiche Besucher nur für einen Tagesaufenthalt auf die Insel und übernachten nicht auf Saint Thomas. Die Kreuzfahrtschiffe bringen Besucher unmittelbar in das wichtigste historische, kommerzielle und touristische Zentrum der Insel.
Der Übernachtungstourismus verteilt sich dagegen über große Teile der Insel. Ein Schwerpunkt liegt in und um Charlotte Amalie. Hier befinden sich historische Hotels, kleinere Gasthäuser, Boutiquehotels und größere Anlagen. Die Altstadt und der Hafen bieten dabei eine andere Form des Aufenthalts als die Strandresorts an der Küste. Besonders für Besucher, die historische Architektur, Geschäfte, Restaurants und den Hafenbereich miteinander verbinden möchten, bestehen Unterkünfte in der Stadt und den angrenzenden Hanglagen. Das heutige offizielle Unterkunftsverzeichnis führt sowohl Hotels und Resorts als auch kleinere Unterkünfte und Ferienwohnungen.
Zu den kleineren städtischen Beherbergungsbetrieben gehören beispielsweise Bunker Hill Hotel, Galleon House und At Home in The Tropics Inn in Charlotte Amalie. Solche Häuser unterscheiden sich deutlich von den großen Strandresorts und richten sich stärker an Gäste, die eine kleinere Unterkunft in beziehungsweise nahe dem historischen Stadtzentrum bevorzugen.
Ein zweiter wichtiger Bereich des Fremdenverkehrs sind die Strand- und Ferienresorts. Sie liegen insbesondere an den Küsten und in den Buchten außerhalb des Stadtzentrums. Das Angebot reicht von größeren Hotelanlagen mit mehreren Restaurants, Schwimmbädern, Spa- und Freizeiteinrichtungen bis zu kleineren Strandhotels. Die offizielle Tourismuswerbung nennt für Saint Thomas ausdrücklich luxuriöse Resorts, Strandhotels und Boutiquehotels.
Zu den größeren Anlagen gehören unter anderem The Westin St. Thomas Beach Resort & Spa, Marriott's Frenchman's Cove, Bolongo Bay Beach Resort und Emerald Beach Resort. Ein weiteres größeres Strandresort ist Secret Harbour Beach Resort am östlichen Ende der Insel. Das Unterkunftsangebot umfasst damit sowohl klassische Hotelzimmer als auch Suiten, Apartments und Resortwohnungen. Die Hotel- und Tourismusvereinigung der Amerikanischen Jungferninseln führt für Saint Thomas zahlreiche weitere Hotels und Resorts.
Im gehobenen Segment besitzt Saint Thomas ebenfalls mehrere große Anlagen. Dazu gehört das The Westin St. Thomas Beach Resort & Spa im Bereich Frenchman's Reef sowie das Marriott's Frenchman's Cove. Im östlichen Bereich der Insel liegt außerdem das The Ritz-Carlton, St. Thomas an der Great Bay. Das offizielle Tourismusportal zählt das Ritz-Carlton zusammen mit weiteren Resorts zu den Luxusunterkünften von Saint Thomas.
Neben den Hotels spielen Ferienwohnungen, Eigentumswohnungen und Villen eine große Rolle. Das Angebot reicht von einzelnen Apartments innerhalb größerer Anlagen bis zu vollständig ausgestatteten privaten Ferienhäusern. Die Tourismusorganisation von Saint Thomas weist ausdrücklich auf die Vermietung privater Häuser, Villen und Eigentumswohnungen hin und beschreibt diese als eine eigenständige Unterkunftsform für Urlauber und längere Aufenthalte.
Ein Beispiel für eine solche Ferienwohnungsanlage ist Point Pleasant Resort im Osten von Saint Thomas. Ebenfalls im östlichen Teil liegt Sapphire Beach Resort Condominium. Solche Anlagen verbinden die Ausstattung von Ferienwohnungen mit Einrichtungen eines Resorts und sind deshalb sowohl für kurze Urlaubsaufenthalte als auch für längere Aufenthalte geeignet.
Daneben gibt es einzelne Gästehäuser und Pensionen. Zu diesen kleineren Betrieben gehören beispielsweise Midtown Guest House, Island View Guesthouse, Sunset Gardens Guesthouse und Miller Manor Guest House. Das Spektrum reicht damit von einfachen Gästehäusern bis zu hochwertigen Boutiqueunterkünften. Die USVI-Tourismusbehörde führt Bed & Breakfasts und Vacation Rentals ausdrücklich als eigene Unterkunftskategorien.
Die räumliche Verteilung der Unterkünfte folgt weitgehend den landschaftlichen und verkehrlichen Gegebenheiten. Charlotte Amalie konzentriert kleinere Hotels und historische Unterkünfte im Bereich der Stadt und der umliegenden Hänge. An den Küsten außerhalb des Zentrums überwiegen Strandhotels, Resorts, Ferienwohnungen und Villen. Der Osten um Red Hook und Smith Bay besitzt zahlreiche touristische Unterkünfte und ist zugleich ein wichtiger Ausgangspunkt für Fährverbindungen nach Saint John und für Bootsfahrten. Im Norden liegen weitere Unterkünfte in Küstennähe und im Umfeld von Magens Bay.
Der Fremdenverkehr ist dabei stark auf das Meer ausgerichtet. Strände, Schnorcheln, Tauchen, Segeln, Kajakfahren und andere Wassersportarten gehören zu den wichtigsten touristischen Aktivitäten. Die touristische Infrastruktur der Insel umfasst deshalb neben den Unterkünften auch Restaurants, Bars, Wassersportanbieter, Bootsverleihe, Tauchbasen und Ausflugsunternehmen. Die Unterkunftsangebote der größeren Resorts sind teilweise direkt mit Restaurants, Schwimmbädern, Stränden und Wassersportangeboten verbunden.
Für den Fremdenverkehr ist außerdem die Lage von Saint Thomas innerhalb der Inselgruppe wichtig. Von Red Hook bestehen Fährverbindungen nach Saint John; Charlotte Amalie ist gleichzeitig ein Ausgangspunkt für Ausflüge zu den benachbarten Inseln und Inselgruppen. Dadurch kann Saint Thomas sowohl als eigenständiges Reiseziel als auch als Ausgangspunkt für Rundreisen innerhalb der Amerikanischen und Britischen Jungferninseln genutzt werden.
Die Bedeutung des Übernachtungstourismus zeigt sich auch in den Beherbergungsstatistiken. Für den gesamten Bezirk Saint Thomas/Saint John stieg die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den registrierten Beherbergungsbetrieben von 3,3 Nächten im Jahr 2023 auf 3,7 Nächte im Jahr 2024. Für die gesamten Amerikanischen Jungferninseln wurden 2024 insgesamt 845.927 belegte Zimmernächte gemeldet. Diese Zahl umfasst allerdings Saint Thomas, Saint John und Saint Croix und darf deshalb nicht als Übernachtungszahl allein für Saint Thomas verstanden werden.
Literatur
- wikipedia = https://en.wikipedia.org/wiki/Category:Saint_Thomas,_U.S._Virgin_Islands
- wikivoyage = https://en.wikivoyage.org/wiki/Saint_Thomas
Reiseberichte
- Gabriela auf Reisen: Triff die Einheimischen auf Saint Thomas = https://reiseblog.gabrielaaufreisen.de/triff-die-einheimischen-in-st-thomas/
- Saint Thomas, das karibische Natur- und Einkaufsparadies = https://travel-see-xperience.com/2022/08/07/st-thomas-das-karibische-natur-und-einkaufsparadies/
Videos
- Welcome to Saint Thomas, U.S. Virgin Islands, drone = https://www.youtube.com/watch?v=oJvo7paFi1M
- St. Thomas, U.S. Virgin Islands, Travel Guide = https://www.youtube.com/watch?v=gkkVvrIUfBg
Atlas
- Saint Thomas, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/#map=13/18.34035/-64.96593
- Saint Thomas, vidiani = http://www.vidiani.com/large-detailed-road-and-tourist-map-of-st-thomas-us-virgin-islands/
- Saint Thomas, vinow = https://www.vinow.com/stthomas/map_stthomas/
Reiseangebote
Visit St. Thomas = https://visitstthomas.com/
Forum
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