Saint John

Aus Insularium
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St. John ist die kleinste der drei Hauptinseln der Amerikanischen Jungferninseln. Sie liegt im Zentrum des 1956 maßgeblich durch eine Landschenkung von Laurance Rockefeller gegründeten Nationalparks der Jungferninseln. Die Insel bietet eine außergewöhnliche natürliche Vielfalt mit über 800 Pflanzenarten, mehr als 160 Vogelarten, intakten Korallenriffen, weißen Sandstränden wie Trunk Bay und Caneel Bay, zahlreichen Wanderwegen, historischen Zuckerplantagen-Ruinen, dänischen Kolonialzeugnissen und präkolumbischen Petroglyphen der Taíno.

Inselsteckbrief
offizieller Name Saint John
alternative Bezeichnungen San Juan (spanisch), Sint-Jan (niederländisch), Sankt Jan (dänisch), St. John (amerikanisch)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp echte Insel
Inselart vulkanische Insel
Gewässer Karibisches Meer (Caribbean Sea)
Inselgruppe Jungferninseln (Virgin Islands)
politische Zugehörigkeit Staat: Vereinigte Staaten von Amerika (United States of America)
erritorium: Amerikanische Jungferninseln (Virgin Islands of the United States)
Gliederung 4 subdistricts (Subdistrikte)
Status Inselbezirk (island district)
Koordinaten 18°20‘ N, 64°44‘ W
Entfernung zur nächsten Insel 280 m (Ramgoat Cay), 1,7 km (Tortola)
Entfernung zum Festland 859 km (Cumaná / Venezuela)
Fläche 49,8 km² / 19,2 mi² (mit Nebeninseln 50,8 km² / 19,6 mi²)
geschütztes Gebiet 29,37 km² / 11,34 mi² (59,0 %)
maximale Länge 19,6 (W-O)
maximale Breite 9,5 km (N-S)
Küstenlänge 55 km
tiefste Stelle 0 m (Karibisches Meer)
höchste Stelle 389 m (Bordeaux Mountain)
relative Höhe 389 m
mittlere Höhe 26 m
maximaler Tidenhub 0,2 bis 0,4 m (Cruz Bay 0,37 m)
Zeitzone EST (Eastern Standard Time / Östliche Standardzeit, UTC-4)
Realzeit UTC minus 4 Stunden 19 Minuten
Einwohnerzahl 3.881 m (2020)
Dichte (Einwohner pro km²) 77,93, bezogen auf das Verwaltungsgebiet 76,40
Inselzentrum Cruz Bay


Name

Als Christoph Kolumbus auf seiner zweiten Reise im Jahr 1493 die Inselgruppe östlich von Puerto Rico erreichte, benannte er sie insgesamt nach der Legende der heiligen Ursula und der elftausend jungfräulichen Märtyrerinnen von Köln, die in der mittelalterlichen Heiligenverehrung eine große Rolle spielten. Er nannte den Archipel Las Once Mil Vírgines, „die Elf­tausend Jungfrauen“. Daraus entwickelten sich später die Bezeichnungen Virgin Islands im Englischen und Jomfruøerne oder Jungferninseln im Dänischen und Deutschen. Kolumbus selbst landete auf der südlich benachbarten Insel, die er Santa Cruz nannte, und segelte an den nördlichen Inseln vorbei, ohne auf der späteren Saint John an Land zu gehen. Die spanische Bezeichnung für die Insel selbst lautete San Juan und bezog sich auf Johannes den Täufer. Diese spanischen Heiligennamen für die drei späteren dänischen Hauptinseln – Santo Tomás, San Juan und Santa Cruz – blieben in der kartografischen und kolonialen Überlieferung erhalten.

Im späten 17. Jahrhundert, als die Dänen ihre Kolonie auf Sankt Thomas gründeten, erhoben sie ebenfalls Anspruch auf die benachbarte, damals unbewohnte Insel San Juan. Die formale Besitzergreifung und dauerhafte Besiedlung erfolgte jedoch erst 1718, als dänische Pflanzer von Sankt Thomas aus nach Coral Bay übersetzten. In der dänischen Verwaltung erhielt die Insel den Namen Sankt Jan. Eine rein dänische Form wäre eher Sankt Hans gewesen, da Hans die geläufige dänische Variante von Johannes ist. Stattdessen wählte man eine an das Niederländische angelehnte Form, die dem holländischen Sint-Jan entsprach. Der Grund dafür lag in der Zusammensetzung der Kolonisten: Obwohl die Verwaltung dänisch war, stammten viele Siedler aus den Niederlanden und England. Für die englischsprachigen Kolonisten wäre die Aussprache von Hans schwierig gewesen. Gleichzeitig vermied man bewusst die englische Form Saint John, weil Dänemark lange Zeit mit der britischen Krone um die formelle Oberhoheit über die Insel stritt. Die britische Seite hatte die Insel zeitweise beansprucht und sogar an englische Kaufleute verpachtet, doch diese Ansprüche setzten sich nicht durch. Ein königliches dänisches Dokument von 1688 nennt die Insel bereits als St. Jan im Zusammenhang mit der Ernennung eines Gouverneurs über Sankt Thomas, St. Jan und umliegende Eilande.

Mit dem Verkauf der Dänisch-Westindischen Inseln an die Vereinigten Staaten im Jahr 1917 und dem anschließenden Transfer ging die Insel in amerikanischen Besitz über und wurde Teil der United States Virgin Islands. Der Name wandelte sich in der Praxis zur englischen Form Saint John oder gebräuchlicher St. John, die sich an die spanische und dänische Tradition anschloss und zugleich dem englischen Sprachgebrauch entsprach. In der historischen und wissenschaftlichen Literatur wird der dänische Name Sankt Jan weiterhin verwendet, wenn von der Kolonialzeit die Rede ist.

  • international: Saint John
  • amharisch:  ሴንት ጆን [Sent Dšon]
  • arabisch:  سانت جون [Sant Dšun]
  • armenisch:  Սեյնթ Ջոն [Seynt Dšon]
  • bengalisch:  সেন্ট জন [Sent Dšon]
  • birmanisch:  စိန့်ဂျွန် [Seint Dšun]
  • bulgarisch:  Сент Джон [Sent Dšon]
  • chinesisch:  圣约翰岛 [Shèng Yuēhàn Dǎo]
  • georgisch:  სენტ-ჯონი [Sent-Dšoni]
  • griechisch:  Άγιος Ιωάννης [Ágios Ioánnis]
  • guDšeratisch:  સેન્ટ જ્હોન [Sent Dšon]
  • hebräisch:  סנט ג'ון [Sent Dšon]
  • hindi:  सेंट जॉन [Sent Dšon]
  • japanisch:  セント・ジョン島 [Sento Jon-tō]
  • kamboDšanisch:  សាំង ចន [Sang Dšon]
  • kanaresisch:  ಸೆಂಟ್ ಜಾನ್ [Sent Dšān]
  • kasachisch:  Сент-Джон [Sent-Dšon]
  • koreanisch:  세인트존섬 [Seinteujonseom]
  • laotisch:  ເກາະເຊນຈອນ [Kao Sen Dšon]
  • makedonisch:  Сент Џон [Sent Dšon]
  • malayalam:  സെന്റ് ജോൺ [Sent Dšōn]
  • maldivisch:  ސެންޓް ޖޯން [Sent Dšon]
  • marathisch:  सेंट जॉन्स [Sent Dšons]
  • nepalesisch:  सेन्ट जोन [Senṭ Dšon]
  • orissisch:  ସେଣ୍ଟ ଜନ୍ [Seṇṭ Dšon]
  • panDšabisch:  ਸੇਂਟ ਜੌਨ [Sent Dšon]
  • paschtunisch:  سېنټ جان [Sent Dšan]
  • persisch:  سنت جان [Sent Dšân]
  • russisch:  Сент-Джон [Sent-Dšon]
  • serbisch:  Сент Џон [Sent Dšon]
  • singhalesisch:  සෙන්ට් ජෝන් [Sent Dšon]
  • tamilisch:  செயின்ட் ஜான் [Seyint Dšān]
  • telugu:  సెయింట్ జాన్ [Seyint Dšān]
  • thai:  เกาะเซนต์จอห์น [Kao Sent Dšon]
  • tibetisch:  སེནཊ་ཇོན་ [Sent Dšön]
  • ukrainisch:  Сент-Джон [Sent-Dšon]
  • urdu:  سینٹ جان [Sent Dšan]
  • weißrussisch:  Сент-Джон [Sent-Dšon]


Offizieller Name:  Saint John

  • Bezeichnung der Bewohner:  Saint-Johnians (Sankt-Johanner)
  • adjektivisch: saint-johnian (sankt-johanner)


Kürzel:

  • Code:  SJ / STJ
  • Kfz:  -
  • ISO-Code:  VI-SJ

Lage

Die Insel Saint John liegt im Zentrum der Jungferninseln auf durchschnittlich 18°20‘ n.B. und 64°44‘ w.L..


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  18°22‘22“ n.B. (Mary Point)
  • südlichster Punkt:  18°17‘53“ n.B. (Ram Head)
  • östlichster Punkt:  64°39‘38“ w.L. (East End Point) bzw. 64°38‘55“ w.L. (Flanagan Island)
  • westlichster Punkt:  64°47‘58“ w.L. (Cruz Bay) bzw. 64°48‘29“ w.L. (Steven Cay)


Entfernungen:

  • Ramgoat Cay  280 m
  • Tortola  1,7 km
  • Saint Thomas  3,4 km
  • Virgin Gorda  24,5 km
  • Saint Croix  58 km
  • Puerto Rico  88 km
  • Cumaná / Venezuela  859 km

Zeitzone

Auf Saint John gilt die Eastern Standard Time (Östliche Standard-Zeit), abgekürzt EST, 5 Stunden hinter der MEZ. Die Realzeit liegt um 4 Stunden und 19 Minuten hinter der Koordinierten Universalzeit (UTC).

Fläche

Saint John hat eine Gesamtfläche von 49,8 km² bzw. 19,2 mi², mit Nebeninseln 50,8 km² bzw. 19,6 mi². Die Insel ist 14,6 km lang und bis zu 9,5 km breit. Die Küste ist insgesamt rund 55 km lang bei einem maximalen Tidenhub von 0,2 bis 0,4 m, in Cruz Bay bei 0,37 m. Höchster Punkt ist der Bordeaux Mountain mit 389 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei 26 m.

Geologie

St. John ist eine Vulkaninsel, die zu einer unterseeischen Gebirgskette gehört, zu der auch die größeren Inseln der Großen Antillen, die Jungferninseln und die Kleinen Antillen gehören. Die Kette beginnt mit Kuba und endet mit Trinidad. St. John befindet sich am nördlichen Rand der Karibischen Platte. Die Karibische Platte grenzt an die Nordamerikanische Platte, die Südamerikanische Platte und die Cocos-Platte. St. John liegt auf einem Teil der Karibischen Platte, der Mikroplatte, und teilt sich diesen Raum mit Puerto Rico, Haiti, Kuba, der Dominikanischen Republik und St. Thomas.

Die ältesten Gesteine auf St. John entstanden vor etwa 100 Millionen Jahren in der späten Kreidezeit. Das ist die gleiche Zeit, in der Dinosaurier, Insekten, Vögel und blühende Pflanzen erstmals auf der Erde auftauchten.

In einem langen Prozess der unterseeischen Gebirgsbildung und -erhebung traten unterseeische Bergrücken und Gipfel an die Oberfläche. Es folgten Perioden mit explosivem Vulkanismus, die sich mit Perioden mit Korallenriffablagerungen, wechselnden Meeresspiegeln und zukünftiger Intrusion abwechselten, wodurch die Insel entstand, die wir heute St. John nennen. Obwohl es auf den Jungferninseln keine aktiven Vulkane gibt, ist der östliche Rand der Karibischen Platte eine Subduktionszone mit siebzehn aktiven Vulkanen entlang ihrer Grenze. Die bekanntesten Vulkane befinden sich auf Montserrat, Martinique, Guadeloupe und St. Vincent.

Die erste Phase der Entwicklung von St. John wird als Water Island Formation bezeichnet. Hier fand die früheste Entwicklung der Insel unter Wasser statt. Diese ersten vulkanischen Ströme wurden dann angehoben und brachten freiliegende Felsen hervor. In dieser Formation gibt es Beispiele für Kissenlava, das heißt Gesteine, die sich bildeten, als Lava aus einem Unterwasser-Vulkanschlot austrat.

Die nächste Stufe in der Entwicklung von St. John ist die Louisenhoj-Formation. Dies war eine Zeit des explosiven Flachwasser- und subaerischen Vulkanismus. Das Material dieser Formation besteht aus Tuffen oder Gesteinen, die aus verfestigter vulkanischer Asche bestehen.

Die Outer Brass Formation war die nächste Stufe in der Entwicklung der Insel. In dieser Zeit lagerten sich an den Hängen der Insel langsam Sedimente aus Korallenskeletten und Planktonlebewesen ab.

Auf die Outer Brass Formation folgt die Tutu Formation. In dieser Phase verstärkte sich die tektonische Aktivität und verursachte steile unterseeische Abhänge und das Auftauchen von Felsen, die in der Louisenhoj-Formation gebildet wurden.

Die letzte Formation, die auf St. John auftrat, war die Hans-Lollik-Formation. Dies war eine dritte Periode vulkanischer Aktivität, die von der Intrusion von Stöcken und Deichen durch Kontaktmetamorphose begleitet wurde.

Auch heute noch verändert sich die Geologie von St. John weiter. Die Karibische Platte reibt sich an der Nordamerikanischen Platte und schiebt sich unter diese mit einer langsamen Geschwindigkeit von weniger als einem Zoll pro Jahr. Auch wenn die Veränderungen nur langsam vonstatten gehen, so bilden sie doch eine Transformstörungsgrenze, die ein Hotspot für seismische Aktivitäten und Erdbeben ist.

Landschaft

Das Landschaftsbild wird durch kurze, steile Hänge, bewaldete Bergrücken, tief eingeschnittene Täler, zahlreiche Buchten und eine stark zerklüftete Küste geprägt. Rund 60 Prozent der Landfläche der Insel gehören zum Virgin Islands National Park; zusammen mit den angrenzenden Meeresgebieten bildet er den größten zusammenhängenden Schutzbereich der Insel. Dadurch ist Saint John wesentlich weniger dicht bebaut und landschaftlich stärker von natürlichen und naturnahen Flächen geprägt als die benachbarte Insel Saint Thomas.

Das Relief von Saint John ist ausgesprochen bewegt. Die Insel besteht nicht aus einer ausgedehnten ebenen Fläche, sondern aus einer Folge von Bergrücken, Hängen und schmalen Tälern. Die durchschnittliche Hangneigung innerhalb des Nationalparks beträgt etwa 30 Prozent. Besonders deutlich tritt der gebirgige Charakter im zentralen und westlichen Inselbereich hervor. Der Bordeaux Mountain erreicht 392 m und gehört damit zu den höchsten Erhebungen der Insel. Von den Höhenzügen fallen die Hänge teilweise unmittelbar oder über kurze Terrassen zum Meer ab. Diese Kombination aus hohen Bergrücken und kurzen, steilen Entwässerungstälern bestimmt das Erscheinungsbild großer Teile von Saint John.

Geologisch gehört Saint John zum vulkanisch und tektonisch geprägten Inselraum der Jungferninseln. Das Grundgestein besteht unter anderem aus Gabbro, Basalt, Andesit, vulkanischem Tuff, vulkanischen Sedimenten und weiteren Gesteinen des kreidezeitlichen Lameshur-Volcanic-Intrusive-Komplexes. Die Gesteine entstanden überwiegend im Zusammenhang mit vulkanischen und magmatischen Vorgängen während der Kreidezeit. Verwitterung, tektonische Vorgänge und die starke Erosion der tropischen Insel haben daraus das heutige Relief mit schmalen Graten und tief eingeschnittenen Tälern entwickelt.

Die Westseite der Insel wird vom Bereich um Cruz Bay geprägt. Hier liegt eine vergleichsweise stark erschlossene Küstenlandschaft mit dem Hauptort Cruz Bay, Straßen, Wohngebieten, kleineren Buchten und Hafenanlagen. Hinter der Küste steigen die Hänge rasch an. Dadurch entsteht bereits aus geringer Entfernung vom Meer ein deutlicher Höhenunterschied. Die westlichen Landschaften besitzen deshalb einen Wechsel aus bebauten Küstenabschnitten, trockenen Hängen, Buschvegetation und bewaldeten Höhenzügen.

Im Norden liegen einige der bekanntesten Küstenlandschaften von Saint John. Hier wechseln sich kleine Buchten, felsige Küstenabschnitte und Sandstrände ab. Zu den markanten Buchten gehören Hawksnest Bay, Trunk Bay, Cinnamon Bay, Maho Bay und Francis Bay. Trunk Bay besitzt einen besonders breiten Sandstrand und wird von bewaldeten Hängen eingefasst. Die Küste ist hier vielfach durch kleine Vorsprünge, Felsen und Buchten gegliedert. Die geschützte Lage einzelner Buchten führt zu ruhigen Meeresflächen, während an stärker dem offenen Meer ausgesetzten Küstenabschnitten felsige Ufer und steilere Hänge vorherrschen.

Cinnamon Bay gehört zu den größeren Buchten der Nordküste. Hinter dem Strand steigt das Gelände relativ schnell zu den bewaldeten Hängen des Inselinneren an. Historische Rodungen und frühere Plantagenwirtschaft haben die Vegetation verändert, doch große Teile dieser Landschaft sind heute wieder von Wald und Buschvegetation bedeckt. Die Verbindung von Strand, Küstenebene, ehemaligen Kulturlandschaften und bewaldeten Berghängen macht diesen Abschnitt zu einer charakteristischen Landschaft Saint Johns.

Weiter östlich folgen Maho Bay und Francis Bay. Dieser Teil der Insel besitzt eine stärker geschützte Küstenlandschaft mit flacheren Uferabschnitten, Mangroven und Feuchtgebieten. Besonders das Gebiet um Francis Bay Pond zeigt den Übergang zwischen terrestrischer und mariner Landschaft. Salz- und Feuchtgebiete liegen hier unmittelbar hinter der Küste und stehen mit dem Meer in Verbindung. Mangrovenbestände bilden dabei eine natürliche Übergangszone zwischen Land und Wasser.

Die Osthälfte von Saint John besitzt insgesamt einen stärker abgeschiedenen Charakter. Hier liegen unter anderem Leinster Bay, Waterlemon Bay und die Küstenlandschaften im Bereich von Coral Bay. Die Buchten sind häufig kleiner und stärker von felsigen Landvorsprüngen eingerahmt. Im Landesinneren wechseln sich trockene Hänge mit Waldflächen ab. In den östlichen und südöstlichen Bereichen treten außerdem stärker trocken geprägte Vegetationstypen auf.

Coral Bay liegt an der stärker gegliederten Südostseite der Insel und bildet eine größere natürliche Bucht. Das Hinterland ist durch zahlreiche Hügel und Seitentäler geprägt. Die Siedlungsflächen liegen überwiegend entlang der Küste und an den Hängen, während die höher gelegenen Bereiche vielfach von Wald und Buschland eingenommen werden. Die Landschaft wirkt dadurch deutlich weniger geschlossen bebaut als die stärker urbanisierten Bereiche von Saint Thomas.

An der Südküste treten mehrere tief eingeschnittene Buchten und felsige Küstenabschnitte auf. Zu den markanten Landschaftsräumen gehören Reef Bay, Fish Bay und Saltpond Bay. Reef Bay besitzt einen breiten Talraum, der sich von den zentralen Höhen bis zum Meer erstreckt. Das Tal gehört zu den landschaftlich und kulturhistorisch bedeutenden Bereichen der Insel, weil hier Wald, frühere landwirtschaftliche Nutzflächen, historische Plantagenreste und Küstenvegetation unmittelbar nebeneinander liegen. In diesem Gebiet befinden sich außerdem archäologische Fundstellen und die bekannten Petroglyphen von Reef Bay.

Saltpond Bay im Südosten besitzt dagegen eine stärker trockene Küstenlandschaft. Hinter der Bucht liegen felsige Hänge, trockenes Buschland und ein Salzgewässer. Solche Salzweiher sind für die Landschaft von Saint John charakteristisch und bilden eigenständige Feuchtlebensräume innerhalb der ansonsten stark reliefierten Insel. Die Verbindung von Salzweihern, trockenen Hängen und Meeresküste ist besonders an der Süd- und Südostseite ausgeprägt.

Die Vegetation von Saint John zeigt deutliche Unterschiede zwischen feuchteren und trockeneren Landschaftsräumen. In höheren und niederschlagsreicheren Bereichen kommen dichter bewaldete Flächen vor, während die trockeneren Küstenhänge von Trockenwald, Buschland und Kakteenvegetation geprägt sein können. Der National Park Service beschreibt den Wechsel von feuchtem Wald zu trockenem Kakteengebüsch als charakteristisch für die Insel. Ein großer Teil der heutigen Waldflächen ist Sekundärwald, der sich nach der historischen Rodung der ursprünglichen Vegetation entwickelt hat. Durch die Plantagenwirtschaft wurden früher große Teile der natürlichen Vegetation entfernt; nach dem Niedergang der Landwirtschaft konnten sich viele Flächen wieder bewalden.

Besonders auffällig sind die trockenen tropischen Wälder. Sie gehören zu den wichtigsten erhaltenen Lebensräumen der Karibik und bedecken große Teile der nicht bebauten Insel. In diesen Wäldern stehen unter anderem verschiedene Palmen, Laubbäume, Sträucher und Kletterpflanzen. An trockeneren Standorten treten auch Kakteen und dornige Gehölze auf. Entlang der Küste kommen außerdem Strandvegetation, Mangroven und salztolerante Pflanzen vor. Damit besitzt Saint John innerhalb einer relativ kleinen Fläche eine große Zahl unterschiedlicher Vegetationstypen.

Die Küstenlandschaften setzen sich unterhalb der Wasseroberfläche fort. Vor Saint John liegen ausgedehnte Seegrasflächen, Korallenriffe, felsige Flachwasserbereiche, Sandflächen und Algenbereiche. Die Unterwasserlandschaft gehört damit unmittelbar zum Landschaftsbild der Insel. Das Virgin Islands Coral Reef National Monument schützt große Meeresflächen rund um Saint John und bewahrt dort Korallenriffe, Seegraswiesen und weitere marine Lebensräume.

Die Strände von Saint John sind überwiegend kleinräumig in die stark gegliederte Küste eingebettet. Sandstrände machen nur einen relativ kleinen Anteil der gesamten Küstenlinie aus; große Teile der Küste bestehen aus felsigen oder steilen Abschnitten. Für Saint John werden etwa 13 Prozent der Küstenlinie als Sandstrand angegeben. Dadurch unterscheidet sich die Insel deutlich von Inseln mit langen, zusammenhängenden Strandebenen.

Ein charakteristisches Landschaftselement sind die zahlreichen kleinen Buchten. Sie entstanden im Zusammenhang mit der starken Reliefgliederung und der unterschiedlichen Widerstandsfähigkeit der Gesteine gegenüber Verwitterung und Erosion. Viele Buchten sind durch Landvorsprünge und kleine Halbinseln geschützt. Zwischen den Buchten liegen felsige Küstenabschnitte, Klippen und bewaldete Hänge, die teilweise unmittelbar bis zum Meer reichen. Die Nationalparkverwaltung beschreibt deshalb die Küsten von Saint John als Kombination aus geschützten Buchten, Sandstränden, felsigen Küsten und bewaldeten Hügeln.

Zu den Landschaften von Saint John gehören auch zahlreiche vorgelagerte kleinere Inseln und Felsen. Besonders bekannt ist Waterlemon Cay vor der Nordostküste. Solche vorgelagerten Felsen und Inselchen bilden zusammen mit den Buchten, Riffen und Seegrasflächen ein komplexes Küstenrelief. Die Meeresflächen zwischen den einzelnen Landformen sind teilweise sehr flach und von Korallenriffen oder Seegras bedeckt.

Ein weiteres prägendes Element sind die zahlreichen natürlichen Entwässerungsrinnen, die auf Saint John meist nur zeitweise Wasser führen. Aufgrund der steilen Hänge und der relativ dünnen Böden kann Niederschlagswasser schnell abfließen. Die kurzen Täler reichen teilweise von den Bergrücken bis unmittelbar an die Küste. Dadurch entstehen bei starken Regenfällen hohe Abflussmengen, während viele Täler während trockener Perioden nur wenig oder gar kein oberirdisches Wasser führen. Die steilen Hänge und kurzen Entwässerungswege erhöhen zugleich die Erosionsanfälligkeit der Landschaft.


Erhebungen

  • Bordeaux Mountain  389 m
  • Camelberg Peak  364 m
  • Margaret Hill  287 m

Flora und Fauna

Saint John besitzt trockene Tropenwälder, Mangroven, Kakteen- und Agavenbestände sowie Seegraswiesen und Korallenriffe; insgesamt kommen dort etwa 740 Pflanzenarten vor. Die Tierwelt umfasst zahlreiche tropische Vögel, Fledermäuse, Echsen, Meeresschildkröten und über 300 Fischarten, wobei die Fledermaus das einzige ursprünglich heimische Landsäugetier ist.

Flora

Die Flora von Saint John ist durch tropische Trockenwälder, feuchtere tropische Wälder, Küstengebüsche, Kakteenbestände, Mangroven, Feuchtgebiete und die Vegetation der Strände geprägt. Der Virgin Islands National Park schützt große Teile dieser Vegetation und umfasst nach Angaben des National Park Service rund 800 Pflanzenarten. Eine ältere Bestandsaufnahme nennt mehr als 800 Pflanzenarten aus 116 Familien; dabei handelt es sich allerdings nicht ausschließlich um ursprünglich einheimische Arten. Die heutige Vegetation ist das Ergebnis aus natürlicher Entwicklung, historischer Landwirtschaft, Wiederbewaldung und der Einwanderung beziehungsweise Einführung nichtheimischer Pflanzen.

Die wichtigste Vegetationsformation von Saint John ist der tropische Trockenwald. Er nimmt vor allem die östlichen und südöstlichen Teile der Insel sowie zahlreiche küstennahe Niederungen ein und macht nach der Vegetationsklassifikation des National Park Service etwa 50,51 Prozent der Waldfläche aus. Dieser Wald ist an die relativ trockenen Bedingungen, die intensive Sonneneinstrahlung und die periodischen Trockenzeiten angepasst. Viele Bäume werfen während trockener Perioden einen Teil oder ihr gesamtes Laub ab. Zu den charakteristischen Baumarten gehören der Terpentinbaum Bursera simaruba, Pisonia subcordata, der Weißblütige Frangipani Plumeria alba, Bucida buceras und der Genip Melicoccus bijugatus.

Bursera simaruba gehört zu den auffälligen Bäumen der trockeneren Wälder. Der Baum besitzt eine rötlich-braune, sich schälende Borke und ist an trockene Standorte angepasst. Plumeria alba ist besonders an den trockenen Küstenstandorten und in Küstengebüschen verbreitet. Die weißen, stark duftenden Blüten sind ein charakteristisches Element der Vegetation der Jungferninseln.

Eine weitere wichtige Vegetationsform ist das trockene Küstengebüsch. Es kommt insbesondere an niedrigen, dem Wind und der Salzspritzung ausgesetzten Standorten vor. Dort wachsen Pflanzen, die starke Sonneneinstrahlung, Trockenheit, hohe Temperaturen und salzhaltige Gischt vertragen. Charakteristisch sind unter anderem Thespesia populnea, Hippomane mancinella und Coccoloba uvifera. Hinzu kommen verschiedene Kakteen und Sukkulenten. Dieses niedrige und teilweise dornige Buschland ist vor allem an exponierten Küstenabschnitten und auf trockenen Hängen ausgeprägt.

Coccoloba uvifera, die Meertraube, ist eine typische Küstenpflanze der Karibik. Sie besitzt große, rundliche, ledrige Blätter und bildet traubenartige Fruchtstände. Thespesia populnea ist ebenfalls ein charakteristischer Küstenbaum; die Art ist unter der englischen Bezeichnung „maho“ bekannt und gab der Maho Bay ihren Namen. Die Blüten sind zunächst gelblich und verfärben sich später rötlich bis violett.

Besonders charakteristisch für die trockenen Landschaften von Saint John sind Kakteen. Dazu gehören unter anderem Opuntia dillenii, Pilosocereus royenii, Mammillaria nivosa und Melocactus intortus. Opuntia dillenii ist im trockenen Küstengebüsch weit verbreitet. Mammillaria nivosa wächst unter anderem auf felsigen Standorten der Nordküste. Melocactus intortus, der sogenannte Turk's-cap-Kaktus, besitzt die typische rundliche bis zylindrische Wuchsform und einen auffälligen Fruchtkörper. Kakteen kommen auf Saint John mit Ausnahme der höchsten Lagen in zahlreichen Bereichen der Insel vor.

Eine auffällige Kakteenart ist außerdem der nachtblühende Kaktus Selenicereus grandiflorus. Seine großen weißen Blüten öffnen sich nachts und werden unter anderem durch Fledermäuse und Nachtfalter bestäubt. Im trockenen tropischen Wald kommt außerdem Hylocereus trigonatus vor. Bromelia penguin, eine wild wachsende Bromelie, gehört ebenfalls zur charakteristischen Vegetation trockener Standorte.

Die zweite bedeutende Waldformation ist der feuchte tropische Wald. Er macht nach der genannten Klassifikation etwa 10,43 Prozent der Waldfläche aus und kommt vor allem an niederschlagsreicheren Standorten und in geschützten Tälern vor. In diesen Bereichen können wesentlich höhere Bäume wachsen als in den trockenen Wäldern. Der National Park Service nennt unter anderem Ceiba pentandra, Hura crepitans, Hymenaea courbaril, Spondias mombin, Coccothrinax alta, Mangifera indica und Pimenta racemosa. Einzelne Bäume erreichen Höhen von annähernd 30 m.

Ceiba pentandra, der Kapokbaum, gehört zu den großen tropischen Bäumen der feuchteren Waldgesellschaften. Hymenaea courbaril, der Courbaril- oder Locustbaum, ist ebenfalls ein charakteristischer tropischer Baum. Pimenta racemosa, der Westindische Lorbeer, besitzt aromatische Blätter und war wegen seines Öls beziehungsweise der Herstellung von Bay-Rum-Produkten wirtschaftlich bedeutsam. Die frühere Bay-Rum-Produktion auf Saint John beruhte auf den Blättern dieser Baumart.

In den feuchteren Wäldern kommen außerdem zahlreiche Pflanzen der unteren Vegetationsschichten vor. Dazu gehören Kräuter, Sträucher, Farne, Kletterpflanzen und epiphytisch wachsende Arten. Anthurium cordatum ist beispielsweise eine Pflanze des Unterwuchses feuchter Wälder. Sie besitzt große Blätter und auffällige Beerenstände. Die Wälder weisen damit eine deutlich stärker ausgeprägte vertikale Gliederung auf als die trockenen Küstengebüsche.

Zu den bemerkenswerten Blütenpflanzen Saint Johns gehört Solanum conocarpum. Die Art wurde früher sowohl von Puerto Rico als auch von Saint John und Saint Thomas gemeldet, kommt nach den Angaben des National Park Service heute jedoch nur noch auf Saint John vor. Sie wächst als dornloser Strauch im trockenen, teilweise laubwerfenden Wald und besitzt lavendelfarbene Blüten.

Eine weitere regional bedeutende Pflanze ist Eugenia earhartii. Diese seltene Strauchart ist nach Angaben des National Park Service nur von zwei Standorten bekannt, beide auf Saint John. Sie verzweigt sich bereits an der Basis und besitzt kleine weiße Blüten mit rosafarbenem Zentrum. Ihr Vorkommen befindet sich innerhalb des geschützten Bereichs des Virgin Islands National Park.

Auch die Orchideenflora ist bemerkenswert. Auf Saint John kommen zwölf einheimische Orchideenarten vor. Zu ihnen gehören Psychilis macconnelliae, die Schmetterlingsorchidee, und Tolumnia prionochila, die sogenannte Dancing-Lady-Orchidee. Psychilis macconnelliae ist auf der Insel vergleichsweise häufig und kommt unter anderem im östlichen Inselbereich vor. Tolumnia prionochila wächst in trockenen bis feuchten Busch- und Waldgesellschaften und tritt teilweise in Meeresnähe auf. Die einheimischen Orchideen der Jungferninseln stehen unter Schutz.

Zu den weiteren einheimischen Blütenpflanzen gehören Byrsonima lucida, der Locustberry, dessen Blüten sich von Weiß über Rosa bis zu Rot verfärben, sowie Poitea florida, lokal Wattapama genannt. Poitea florida ist auf Puerto Rico und den Jungferninseln heimisch und bildet nach kräftigen Frühjahrsregenfällen auffällige violette Blüten. Stigmaphyllon emarginatum ist eine einheimische Kletterpflanze trockener Wälder und gestörter Standorte und kann sich über größere Bäume ausbreiten.

Eine eigenständige Vegetationszone bilden die Mangroven. Auf Saint John kommen drei Mangrovenarten vor: die Rote Mangrove Rhizophora mangle, die Schwarze Mangrove Avicennia germinans und die Weiße Mangrove Laguncularia racemosa. Besonders ausgeprägte Mangrovenbestände befinden sich unter anderem in Hurricane Hole und bei Mary Creek. Rhizophora mangle besitzt charakteristische Stelzwurzeln, die den Baum im weichen Ufersediment verankern. Die Wurzeln bieten Lebensraum für zahlreiche wirbellose Tiere und junge Fische und tragen zugleich zur Stabilisierung der Küsten bei.

Mangroven stehen häufig im Übergangsbereich zwischen Meer, Salzweihern und feuchten Landflächen. Die Schwarze und die Weiße Mangrove wachsen dabei auch weiter landwärts in sandigeren Böden und Sedimenten, während die Rote Mangrove besonders unmittelbar am Wasser vorkommt. Die Mangrovenvegetation besitzt deshalb nicht nur eine ökologische, sondern auch eine landschaftliche Bedeutung, weil sie einen deutlichen Übergang zwischen offenen Wasserflächen und terrestrischer Vegetation bildet.

Neben den Mangroven gehören Salzweiher, Salzmarschen und andere Feuchtgebiete zu den botanisch wichtigen Lebensräumen der Insel. Obwohl Feuchtgebiete nur etwa 1,8 Prozent der Waldfläche beziehungsweise der entsprechenden Vegetationskategorien ausmachen, besitzen sie eine hohe ökologische Bedeutung. Sie liegen häufig küstennah und werden entweder durch Niederschlagswasser oder durch Meerwasser periodisch überflutet.

Die Strandvegetation bildet einen weiteren eigenständigen Bereich. Hier wachsen salztolerante Bäume und Sträucher sowie niedrige Kräuter und Gräser. Meertraube und Maho gehören zu den charakteristischen Gehölzen der Küste. Die Vegetation dient zugleich der Stabilisierung von Sand- und Küstenböden und bildet einen Übergang vom offenen Strand zu den trockenen Küstengebüschen.

Die heutige Flora Saint Johns ist allerdings nicht vollständig mit der ursprünglichen Vegetation der Insel gleichzusetzen. Während der dänischen Kolonialzeit wurden große Teile der natürlichen Wälder für Zuckerrohr- und Baumwollplantagen, Weideflächen und die Gewinnung von Holz gerodet. Der National Park Service gibt an, dass bis zu 90 Prozent der ursprünglichen Vegetation durch historische Landnutzung zerstört wurden. Nach dem Rückgang der Plantagenwirtschaft im 19. Jahrhundert setzte auf vielen Flächen eine natürliche Wiederbewaldung ein. Die heutigen Wälder bestehen deshalb zu einem erheblichen Teil aus regenerierenden Sekundärwäldern.

Diese Wiederbewaldung hat die heutige Landschaft stark geprägt. Ehemalige Plantagenflächen, Weiden und aufgegebene Siedlungsbereiche sind vielfach wieder von Wald und Buschvegetation bedeckt. Gleichzeitig kommen eingeführte Pflanzenarten vor, die mit der einheimischen Flora konkurrieren. Der National Park Service weist ausdrücklich darauf hin, dass die heutige Vegetation sowohl aus einheimischen als auch aus nichtheimischen Arten besteht.

Unter den problematischen Pflanzen befindet sich unter anderem Comocladia dodonaea, der sogenannte Christmas Bush beziehungsweise Poison Ash. Die Pflanze ist auf Saint John weit verbreitet und enthält Stoffe, die bei Hautkontakt starke Reizungen hervorrufen können. Ebenfalls charakteristisch, aber gesundheitlich problematisch ist Hippomane mancinella, der Manzanillobaum. Er wächst unter anderem an Küsten und besitzt giftige Früchte sowie einen reizenden Milchsaft.

Fauna

Die Fauna von Saint John ist durch die tropisch-maritime Lage, die große Zahl geschützter Naturflächen, die unterschiedlichen Waldgesellschaften und die stark gegliederte Küste geprägt. Die Tierwelt umfasst Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Fledermäuse, zahlreiche Wirbellose sowie eine besonders artenreiche Meeresfauna. Da ein großer Teil der Insel zum Virgin Islands National Park gehört und zusätzlich ausgedehnte Meeresgebiete geschützt sind, finden sich auf Saint John noch zahlreiche naturnahe Lebensräume.

Unter den Landsäugetieren sind Fledermäuse die wichtigste ursprünglich heimische Säugetiergruppe. Auf den Amerikanischen Jungferninseln kommen mehrere Fledermausarten vor, die unterschiedliche ökologische Nischen besetzen. Dazu gehören unter anderem die Große Braune Fledermaus Eptesicus fuscus, die Antillen-Fruchtfledermaus Brachyphylla cavernarum, die Jamaika-Fruchtfledermaus Artibeus jamaicensis und die Kleine Abendseglerfledermaus Molossus molossus. Sie ernähren sich je nach Art von Früchten, Nektar, Pollen oder Insekten und übernehmen damit wichtige Funktionen bei der Bestäubung und der Verbreitung von Pflanzensamen.

Die Fledermäuse sind zugleich die bedeutendsten ursprünglich einheimischen terrestrischen Säugetiere. Größere wildlebende Landsäuger, wie sie auf kontinentalen tropischen Gebieten vorkommen, fehlen auf Saint John. Die heutige Säugetierfauna wurde außerdem durch vom Menschen eingeführte Arten verändert. Dazu gehören beispielsweise verwilderte Hausschweine und Ziegen sowie eingeführte Ratten und andere Kleinsäuger.

Eine auffällige eingeführte Tierart ist das Weißwedelhirsch Odocoileus virginianus. Er wurde auf den Jungferninseln eingeführt und kommt auch auf Saint John vor. Die Tiere nutzen vor allem Wald- und Buschlandschaften und ernähren sich von Blättern, Trieben, Früchten und anderen Pflanzenteilen. Ebenfalls eingeführt wurden Mungos beziehungsweise Mangusten, die ursprünglich zur Bekämpfung von Ratten auf Zuckerrohrplantagen in der Karibik ausgesetzt wurden. Auf Saint John gehören diese Tiere zur vom Menschen veränderten Tierwelt.

Die Vogelwelt ist wesentlich artenreicher. Saint John liegt an einer wichtigen Zugroute und beherbergt sowohl ganzjährig vorkommende tropische Arten als auch Zugvögel aus Nordamerika. Die unterschiedlichen Lebensräume – Trockenwald, feuchter Wald, Küstengebüsch, Mangroven, Salzweiher, Strände und Meeresgebiete – bieten einer großen Zahl von Vogelarten Nahrung und Brutplätze.

Zu den auffälligen Landvögeln gehört der Amerikanische Turmfalke Falco sparverius, der auf offenen Flächen, in trockenen Wäldern und an felsigen Hängen jagt. Ebenfalls charakteristisch ist der Karibik-Grackel Quiscalus lugubris. Er ist an menschlich beeinflusste Landschaften ebenso angepasst wie an natürliche Küstenbereiche und sucht seine Nahrung häufig am Boden.

In den Wäldern leben unter anderem verschiedene Taubenarten. Die Zenaida-Taube Zenaida aurita ist eine charakteristische karibische Art und kommt auf Saint John regelmäßig vor. Die Weißkronentaube Patagioenas leucocephala nutzt Wälder und Küstenbereiche und ernährt sich vor allem von Früchten und Samen. Die Brauntaube Geotrygon montana gehört ebenfalls zur Vogelwelt der bewaldeten Bereiche.

An den Küsten und in den Buchten treten zahlreiche Wasservögel auf. Pelikane, Reiher, Seeschwalben, Möwen und verschiedene Watvögel nutzen Strände, Mangroven und flache Meeresbereiche. Besonders auffällig ist der Braunpelikan Pelecanus occidentalis. Er jagt Fische, indem er aus der Luft ins Wasser stößt, und hält sich häufig über Buchten und küstennahen Meeresflächen auf.

Der Grünreiher Butorides virescens kommt an Mangroven, kleinen Wasserflächen und geschützten Küstenabschnitten vor. Auch der Silberreiher Ardea alba und der Schneereiher Egretta thula können in Feuchtgebieten und an der Küste beobachtet werden. Die Mangroven und flachen Uferzonen dienen ihnen als Jagdgebiete.

Von besonderer Bedeutung sind die Seevögel und Zugvögel, die die Insel beziehungsweise die vorgelagerten Meeresgebiete nutzen. Felsige Küsten, kleine Inseln und ungestörte Buchten bieten Rast- und teilweise Brutplätze. Die Kombination aus terrestrischen und marinen Lebensräumen macht Saint John für Vögel besonders bedeutend.

Die Reptilienfauna ist ebenfalls charakteristisch für die Insel. Eine der bekanntesten Arten ist die Grüne Leguan Iguana iguana. Die Art ist auf den Jungferninseln eingeführt beziehungsweise durch menschliche Aktivitäten verbreitet worden und nutzt Bäume, Buschland und offene Landschaften. Sie ernährt sich überwiegend von Pflanzenmaterial.

Auf Saint John leben außerdem mehrere Eidechsenarten. Besonders häufig sind Anolis-Arten. Der Puerto-Rico-Anolis Anolis cristatellus ist auf den Jungferninseln weit verbreitet und kommt in Wäldern, Buschland und in Siedlungsgebieten vor. Er klettert an Baumstämmen, Felsen, Mauern und anderen Strukturen und ernährt sich vor allem von Insekten und anderen kleinen Wirbellosen.

Zu den charakteristischen Reptilien gehören außerdem Geckos und Skinke. Sie besiedeln sowohl natürliche Lebensräume als auch Gebäude und Gärten. Die Tiere ernähren sich überwiegend von Insekten und anderen kleinen Wirbellosen und sind damit wichtige Bestandteile der Nahrungskette.

Besonders bedeutend ist die Meeresschildkrötenfauna. In den Gewässern um Saint John kommen mehrere Arten vor, darunter die Grüne Meeresschildkröte Chelonia mydas, die Echte Karettschildkröte Eretmochelys imbricata und die Unechte Karettschildkröte Caretta caretta. Die Strände und flachen Küstengewässer besitzen für diese Tiere unterschiedliche Funktionen. Die Tiere nutzen die Seegraswiesen als Nahrungsgebiete und die Korallen- und Felsriffe als Lebensraum. Bestimmte Strände dienen zudem als Eiablageplätze.

Die Echte Karettschildkröte ist eng mit den Korallenriffen verbunden. Sie ernährt sich unter anderem von Schwämmen und anderen wirbellosen Meerestieren und besitzt einen für diese Lebensweise geeigneten schmalen Schnabel. Die Grüne Meeresschildkröte nutzt dagegen vor allem Seegraswiesen und andere flache Meeresbereiche als Nahrungsgebiete.

Die Strände von Saint John sind außerdem Lebensraum für verschiedene wirbellose Tiere. Krabben, Schnecken, Muscheln, Würmer und zahlreiche Insektenarten besiedeln die unterschiedlichen Küstenbereiche. Besonders auffällig sind Landkrabben, die zwischen Wald, Buschland und Küstenbereichen wechseln.

Die Insektenfauna ist außerordentlich vielfältig. Schmetterlinge, Nachtfalter, Bienen, Wespen, Käfer, Libellen, Termiten, Ameisen und zahlreiche weitere Insektengruppen sind Bestandteil der Landfauna. Die Insekten übernehmen wichtige Funktionen als Bestäuber, Pflanzenfresser, Zersetzer und Beutetiere für Vögel, Fledermäuse, Eidechsen und andere Tiere.

Zu den auffälligen Schmetterlingen gehört der Schwalbenschwanz Papilio polyxenes, der in offenen Landschaften und Gärten vorkommt. Auch verschiedene Arten der Gattung Battus sind auf den Jungferninseln vertreten. Ihre Raupen ernähren sich von Pflanzen der Familie Aristolochiaceae.

Eine besondere Bedeutung besitzen die Insekten für die Bestäubung der zahlreichen Blütenpflanzen. Bienen, Schmetterlinge, Käfer, Kolibris und Fledermäuse tragen zur Bestäubung bei. In den tropischen Wäldern Saint Johns bestehen deshalb enge ökologische Beziehungen zwischen Pflanzen und Tieren.

Die Amphibienfauna ist dagegen vergleichsweise artenarm. Wie auf vielen kleinen karibischen Inseln fehlen größere einheimische Amphibiengemeinschaften. Zu den vorkommenden Arten gehören eingeführte oder weit verbreitete karibische Frösche. Besonders bekannt ist der Pfeif- oder Coquí-Frosch Eleutherodactylus coqui, dessen charakteristischer Ruf in den Abend- und Nachtstunden in vielen bewaldeten Bereichen zu hören ist.

Die Meeresfauna ist wesentlich vielfältiger als die Landfauna. Die Gewässer rund um Saint John umfassen Korallenriffe, Seegraswiesen, felsige Riffe, Sandflächen und tiefe Meeresbereiche. Diese verschiedenen Lebensräume beherbergen eine große Zahl von Fischen und Wirbellosen.

Die Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Umgebung. Hartkorallen und Weichkorallen bilden komplexe Strukturen, zwischen denen zahlreiche Rifffische leben. Zu den typischen Fischen gehören Doktorfische, Papageifische, Kaiserfische, Lippfische, Schnapper, Zackenbarsche, Muränen und verschiedene Grundelarten.

Papageifische spielen eine wichtige ökologische Rolle, weil sie Algen von den Korallenriffen abweiden. Durch ihre Nahrungsaufnahme tragen sie zur Begrenzung des Algenbewuchses bei und unterstützen damit die Entwicklung von Korallenriffgemeinschaften. Doktorfische erfüllen eine ähnliche Funktion als Algenfresser.

Die Seegraswiesen vor Saint John sind ebenfalls bedeutende Lebensräume. Dort leben unter anderem kleine Fische, Schnecken, Muscheln, Krabben, Seesterne und Seeigel. Gleichzeitig dienen die Seegrasflächen der Grünen Meeresschildkröte als wichtige Nahrungsgebiete.

Eine besonders auffällige Gruppe der Meeresfauna sind die Stachelhäuter. Seesterne, Schlangensterne, Seeigel und Seegurken kommen in den flachen Gewässern vor. Sie übernehmen unterschiedliche Funktionen bei der Verarbeitung organischen Materials und bei der Regulierung der Algenbestände.

Auch Schwämme sind in den Korallenriffen und auf felsigen Untergründen zahlreich vertreten. Sie filtern große Mengen Wasser und gehören zu den charakteristischen Organismen der tropischen Riffgemeinschaften. Die Gewässer um Saint John weisen eine große Vielfalt an Schwammarten auf.

Weichtiere sind ebenfalls artenreich vertreten. Zu ihnen gehören Schnecken, Muscheln, Nacktschnecken und Kopffüßer. Die Große Fechterschnecke Lobatus gigas ist eine der bekanntesten Schneckenarten der karibischen Gewässer. Sie lebt auf Sandflächen und Seegraswiesen und besitzt ein großes, spiralig gewundenes Gehäuse.

In den Gewässern um Saint John kommen außerdem verschiedene Hummerarten vor. Besonders bekannt ist der Karibische Langustenhummer Panulirus argus. Er lebt in Fels- und Riffbereichen und nutzt Spalten und Höhlen als Verstecke. Die Art besitzt eine wichtige Bedeutung für das karibische Meeresökosystem und die regionale Fischerei.

Auch Krabben und Garnelen sind in großer Zahl vertreten. Sie leben in Korallenriffen, Seegraswiesen, Mangroven und Felsbereichen. Mangroven dienen insbesondere Jungtieren vieler Fisch- und Krebstierarten als geschützte Aufwuchsgebiete.

In den offenen Meeresbereichen um Saint John kommen verschiedene größere Meerestiere vor. Dazu gehören Delfine sowie verschiedene Walarten, die zumindest zeitweise durch die Gewässer der Jungferninseln ziehen. Buckelwale Megaptera novaeangliae erscheinen saisonal in den karibischen Gewässern und können insbesondere während der Wintermonate beobachtet werden. Die wärmeren Gewässer der Region dienen ihnen unter anderem als Fortpflanzungs- und Aufzuchtgebiet.

Auch Haie und Rochen gehören zur Meeresfauna. In den Riff- und Küstengewässern kommen unter anderem Ammenhaie Ginglymostoma cirratum, Riffhaie und verschiedene Rochenarten vor. Die Tiere sind Bestandteil der marinen Nahrungsketten und nutzen sowohl flache Riffbereiche als auch tiefere Gewässer.

Eine besondere Bedeutung für die Tierwelt besitzt das Virgin Islands Coral Reef National Monument. Das Schutzgebiet umfasst große Meeresflächen um Saint John und schützt Korallenriffe, Seegraswiesen, Mangroven und andere marine Lebensräume. Zusammen mit dem Virgin Islands National Park entsteht dadurch ein zusammenhängender Schutzkomplex, der sowohl Land- als auch Meereslebensräume umfasst.

Naturschutz

Der wichtigste Schutzbereich ist der Virgin Islands National Park, der 1956 eingerichtet wurde und große Teile der Insel sowie angrenzende Meeresflächen umfasst. Die Entstehung des Nationalparks geht wesentlich auf den Milliardär Laurance Rockefeller zurück. Rockefeller und die von ihm unterstützte Organisation Jackson Hole Preserve erwarben in den Jahren vor 1956 rund 5.000 Acres, also etwa 2.023 ha, auf Saint John. Der von Rockefeller und seiner Organisation geförderte Landerwerb ermöglichte zwar den Naturschutz und die Einrichtung des Nationalparks, schränkte aber zugleich aber einheimische, überwiegend afrokaribische Bewohner in ihren Eigentums-, Bau- und Nutzungsmöglichkeiten ein. Zudem wurden Naturschutzinteressen und touristische Entwicklung stärker berücksichtigt als die sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnisse der Bevölkerung von Saint John. In diesem Sinne wurde am 2. August 1956 die gesetzliche Grundlage für den Virgin Islands National Park geschaffen; der Park wurde am 1. Dezember 1956 für die Öffentlichkeit geöffnet.

Rockefellers ursprüngliches Ziel bestand darin, große Teile der Insel dauerhaft vor einer weiteren Bebauung zu bewahren. Die „Schenkung“ betraf den größten Teil seiner Ländereien auf Saint John. Heute umfasst der Virgin Islands National Park 7.259 Acres beziehungsweise rund 2.937 ha Land- und Küstenlebensräume. Das entspricht etwa 60 Prozent der Landfläche von Saint John. Der National Park Service gibt aktuell an, dass der Park nahezu 58 Prozent der gesamten Landfläche der Insel verwaltet; andere NPS-Darstellungen runden den Anteil auf etwa 60 Prozent.

Die häufig genannte Angabe, die Parkgrenzen würden 75 Prozent der Insel umfassen, ist von der tatsächlich im Eigentum beziehungsweise in der Verwaltung des National Park Service stehenden Landfläche zu unterscheiden. Innerhalb der Parkgrenzen befinden sich private Grundstücke und andere Flächen, die nicht Bestandteil des bundeseigenen Parklandes sind. Dadurch ist die tatsächlich geschützte beziehungsweise vom National Park Service verwaltete Landfläche deutlich kleiner als eine rein kartografische Betrachtung der äußeren Parkgrenzen vermuten lässt. Für Saint John wird vom National Park Service heute deshalb eine Größenordnung von rund 58 bis 60 Prozent der Landfläche angegeben.

Der Nationalpark erstreckt sich vor allem über den Norden, das zentrale Bergland und große Teile des Südostens der Insel. Geschützt werden unter anderem tropische Trockenwälder, feuchtere Waldgesellschaften, Küstenwälder, Mangroven, Salzweiher, Strände, Buchten und felsige Küsten. Der Park bewahrt damit einen großen Teil der naturnahen terrestrischen Lebensräume Saint Johns. Besonders bedeutend sind die noch erhaltenen tropischen Trockenwälder, die zu den größten und am besten erhaltenen Beständen dieses Vegetationstyps in der Karibik gehören.

Zum Schutzgebiet gehören auch historische Kulturlandschaften. Innerhalb des Nationalparks befinden sich zahlreiche ehemalige Zuckerrohrplantagen, Plantagengebäude, Ruinen, historische Wege und archäologische Fundstellen. Die Schutzaufgabe beschränkt sich daher nicht ausschließlich auf die Natur, sondern umfasst auch die Bewahrung der Kultur- und Siedlungsgeschichte Saint Johns. Archäologische Fundstellen reichen von vor- und frühgeschichtlichen Siedlungen bis zu den Hinterlassenschaften der europäischen Kolonialzeit und der Plantagenwirtschaft.

Ein wesentlicher Bestandteil des Nationalparks ist die Küstenzone. Bereits 1962 wurde der Park um 5.650 Acres beziehungsweise rund 2.287 ha angrenzender Unterwasserflächen erweitert. Damit wurden nicht nur die Landflächen, sondern auch küstennahe marine Lebensräume in den Schutz einbezogen. Diese Flächen umfassen unter anderem Korallenriffe, Seegraswiesen und weitere flache Meereslebensräume.

Eine besondere Stellung besitzt das Gebiet um Caneel Bay im Nordwesten der Insel. Laurance Rockefeller entwickelte dort ab 1956 das Caneel Bay Resort. Ursprünglich behielt die Rockefeller-Familienstiftung Jackson Hole Preserve rund 150 Acres der Halbinsel zurück, während Rockefeller den überwiegenden Teil seiner Saint-John-Ländereien dem National Park Service übertrug. 1983 übertrug Jackson Hole Preserve auch die 150 Acres von Caneel Bay an die Bundesregierung. Das Gelände wurde damit Bestandteil des Virgin Islands National Park, allerdings mit einem sogenannten Retained Use Estate, das eine langfristige Nutzung als Resort ermöglichte.

Diese besondere Nutzungsregelung lief am 30. September 2023 aus. Das Grundstück befindet sich seitdem vollständig im Bundesbesitz beziehungsweise unter der Zuständigkeit des National Park Service. Das ehemalige Resort wurde 2017 durch die Hurrikane Irma und Maria schwer beschädigt und nahm den Übernachtungsbetrieb danach nicht wieder auf. 2026 leitete der National Park Service ein neues Verfahren für die mögliche Wiederherstellung und den Betrieb von Übernachtungsunterkünften in Caneel Bay ein.

Eine weitere wesentliche Erweiterung des Naturschutzes erfolgte am 17. Januar 2001 mit der Ausweisung des Virgin Islands Coral Reef National Monument durch Präsident Bill Clinton. Das National Monument umfasst 12.708 Acres beziehungsweise rund 5.143 ha Meeresfläche. Es liegt überwiegend unter Wasser und ergänzt den bereits bestehenden Schutz des Nationalparks.

Das Virgin Islands Coral Reef National Monument schützt eine Reihe miteinander verbundener tropischer Meereslebensräume. Dazu gehören Korallenriffe, Seegraswiesen, Mangroven, Hartbodenbereiche mit Weich- und Steinkorallen, Sandflächen, flache Schlamm- und Sedimentbereiche sowie Algenflächen. Besonders wichtig sind diese Lebensräume für Meeresschildkröten, Fische, Korallen, Schwämme, Krebstiere und zahlreiche andere Meerestiere. Auch Hurricane Hole an der Ostseite von Saint John gehört zum Monument.

Das Monument ergänzt den Nationalpark räumlich. Während der Nationalpark sowohl Land als auch küstennahe Unterwasserflächen umfasst, konzentriert sich das Coral Reef National Monument auf zusätzliche Meeresflächen außerhalb beziehungsweise im Umfeld der eigentlichen Parkflächen. Dadurch entsteht ein großräumiger Schutzverbund zwischen den bewaldeten Berghängen, den Küsten, Mangroven und Salzweihern sowie den vorgelagerten Seegras- und Korallenriffen. Insgesamt verwaltet der National Park Service auf und um Saint John mehr als 18.000 Acres beziehungsweise über 7.280 ha Unterwasserlebensräume.

Die Schutzgebiete besitzen deshalb eine besondere Bedeutung für die Meeresschildkrötenfauna. Die Gewässer um Saint John dienen unter anderem der Grünen Meeresschildkröte Chelonia mydas, der Echten Karettschildkröte Eretmochelys imbricata und der Lederschildkröte Dermochelys coriacea als Lebensraum. Auch Buckelwale, Delfine und zahlreiche Seevögel nutzen die geschützten Meeresbereiche zumindest zeitweise.

Bereits 1976 erhielt der Virgin Islands National Park zusätzlich den Status eines UNESCO-Biosphärenreservats. Damit wurde die Bedeutung des Gebietes nicht nur für den Naturschutz der Vereinigten Staaten, sondern auch für den internationalen Schutz tropischer Land- und Meeresökosysteme anerkannt. Das Schutzgebiet gehört zu den Biosphärenreservaten, die sowohl terrestrische als auch marine Ökosysteme umfassen.

Der Naturschutz auf Saint John umfasst damit mehrere miteinander verbundene Ebenen: den Virgin Islands National Park mit seinen rund 7.259 Acres Landfläche, die 1962 hinzugekommenen 5.650 Acres Unterwasserflächen, das 2001 geschaffene Virgin Islands Coral Reef National Monument mit weiteren 12.708 Acres Meeresfläche sowie den seit 1976 bestehenden internationalen Biosphärenreservatsstatus. Gemeinsam schützen diese Gebiete einen großen Teil der Wälder, Küsten, Buchten, Mangroven, Salzweiher, Seegraswiesen und Korallenriffe von Saint John.

Klima

Das Klima von Saint John ist tropisch-maritim und wird ganzjährig von hohen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit, den Passatwinden und der Nähe zum Karibischen Meer bestimmt. Wegen der Lage bei etwa 18° nördlicher Breite gibt es keine ausgeprägte kalte Jahreszeit. Die jahreszeitlichen Unterschiede der Temperatur sind wesentlich geringer als die Unterschiede zwischen der trockeneren und der niederschlagsreicheren Jahreszeit. Aufgrund der ausgeprägten Trockenperiode lässt sich Saint John klimatisch dem tropischen Savannenklima nach Köppen-Geiger, Aw, zuordnen; die Niederschlagsverteilung wird allerdings durch die Höhenlage und die unterschiedliche Ausrichtung der Hänge örtlich verändert.

Die Temperaturen bleiben während des gesamten Jahres hoch. Die wärmsten Monate liegen im Allgemeinen im Zeitraum von Juni bis September, während Januar bis März die vergleichsweise kühlsten Monate darstellen. Auch im Winter bleiben die Temperaturen ausgesprochen mild. In der nahe gelegenen Region San Juan lagen die Klimanormalwerte 1991–2020 beispielsweise bei durchschnittlich 83,2 °F beziehungsweise 28,4°C für die Tageshöchsttemperatur und 71,9 °F beziehungsweise 22,2°C für die nächtliche Tiefsttemperatur. Die Werte dienen als regionaler Vergleich für den karibischen Raum und sind nicht als eigene Messreihe von Saint John zu verstehen.

Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind gewöhnlich größer als die Unterschiede zwischen den einzelnen Monaten. Während der heißeren Jahreszeit erreichen die Tageshöchsttemperaturen häufig Werte um 30°C oder darüber. Die nächtlichen Temperaturen sinken dagegen auch in der heißesten Jahreszeit nur selten stark ab. Frost tritt nicht auf. Die unmittelbare Meeresnähe wirkt ausgleichend auf die Temperaturen und verhindert sowohl ausgeprägte Kälteperioden als auch starke kontinentale Temperaturschwankungen.

Ein wichtiges klimatisches Merkmal sind die Passatwinde. Saint John liegt im Bereich der nordöstlichen Passatströmung, die während eines großen Teils des Jahres aus östlichen bis nordöstlichen Richtungen weht. Die Passate führen feuchte Meeresluft heran und sorgen insbesondere an den dem Wind zugewandten Hängen für eine verstärkte Bewölkung und höhere Niederschlagsmengen. Gleichzeitig sorgen die beständigen Winde an der Küste für eine regelmäßige Durchlüftung und mildern dort die unmittelbare Hitze.

Die Niederschläge sind deutlich unregelmäßiger als die Temperaturen. Saint John besitzt eine ausgeprägte trockenere Jahreszeit, die ungefähr von Januar bis April reicht, und eine feuchtere Jahreszeit, die insbesondere von August bis November deutlich hervortritt. Die Niederschläge fallen häufig in Form kurzer, kräftiger Schauer oder Gewitter. Längere trockene Abschnitte können insbesondere während der trockeneren Monate auftreten. Die regionale Klimatologie weist für die Klimazone Saint Thomas/Saint John eine deutlich geringere Niederschlagsmenge als für viele höher gelegene und feuchtere Bereiche Puerto Ricos aus.

Die Niederschlagsmenge variiert innerhalb der Insel erheblich. Die höheren zentralen Bereiche erhalten aufgrund des Reliefs mehr Niederschlag als manche geschützten Küstenbereiche. Die Berge wirken als orographische Barriere: Feuchte Luft wird an den Hängen angehoben, kühlt sich ab und kann dadurch Niederschlag auslösen. Auf den windabgewandten Seiten können dagegen trockenere Bedingungen herrschen. Dieser Unterschied trägt wesentlich dazu bei, dass auf Saint John feuchtere Waldgesellschaften und ausgesprochen trockene Vegetation relativ dicht nebeneinander vorkommen.

Die trockene Jahreszeit ist landschaftlich besonders deutlich. Während dieser Zeit nimmt die Bodenfeuchtigkeit ab, viele kleinere Wasserläufe führen nur wenig oder überhaupt kein Wasser und die Vegetation an den trockenen Südhängen kann einen deutlich trockeneren Charakter annehmen. Besonders die südlichen und südöstlichen Landschaften um Fish Bay, Reef Bay und Saltpond Bay gehören zu den trockener geprägten Bereichen der Insel. Die Kombination aus relativ geringen Niederschlägen, hoher Verdunstung, intensiver Sonneneinstrahlung und flachgründigen Böden begünstigt dort Trockenwald und Buschvegetation.

Die feuchteren Landschaften befinden sich vor allem an höher gelegenen und stärker den Passatwinden ausgesetzten Hängen. Dort können sich dichtere Wälder entwickeln. Der Unterschied zwischen trockenen Küstenhängen und feuchteren Berglagen ist deshalb ein auffälliges Merkmal des Klimas von Saint John. Die Vegetation reagiert unmittelbar auf diese kleinräumigen klimatischen Unterschiede.

Die Luftfeuchtigkeit ist im gesamten Jahresverlauf relativ hoch. Besonders während der feuchteren Monate kann die Kombination aus hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit zu einer erheblichen Wärmebelastung führen. Während der trockeneren Monate wird die Hitze durch die Passatwinde häufig etwas erträglicher. Die Meeresbrisen spielen dabei an den Küsten eine wichtige Rolle.

Saint John liegt außerdem im Hurrikangürtel der Karibik. Die offizielle Atlantik-Hurrikansaison dauert vom 1. Juni bis zum 30. November. Besonders zwischen August und Oktober besteht ein erhöhtes Risiko für tropische Wirbelstürme. Für Saint John können solche Systeme nicht nur extreme Windgeschwindigkeiten, sondern auch Starkregen, Sturmfluten, hohe Wellen und Küstenerosion verursachen. Die Lage der Insel und ihre stark gegliederte Küste führen dazu, dass die Auswirkungen eines tropischen Wirbelsturms je nach Ausrichtung einer Bucht oder eines Küstenabschnitts unterschiedlich ausfallen können.

Auch außerhalb direkter Hurrikantreffer können tropische Tiefdruckgebiete erhebliche Niederschlagsmengen bringen. Die steilen Hänge von Saint John begünstigen dann einen schnellen Oberflächenabfluss. In den Tälern und an den Mündungsbereichen der Wasserläufe können vorübergehend hohe Wassermengen auftreten. Gleichzeitig besteht an gerodeten oder stark geneigten Hängen eine erhöhte Erosionsgefahr.

Gewitter gehören ebenfalls zum Klima der Insel. Sie treten vor allem während der feuchteren Jahreszeit auf und können innerhalb kurzer Zeit erhebliche Niederschlagsmengen bringen. Die starke Sonneneinstrahlung und die feuchtwarme Luft fördern dabei die Bildung konvektiver Wolken. Die Niederschläge sind deshalb räumlich und zeitlich teilweise stark unterschiedlich verteilt.

Die Sonneneinstrahlung ist ganzjährig hoch. Saint John liegt in den Tropen, sodass die Sonne auch während der Wintermonate einen hohen Stand erreicht. Die Kombination aus hoher Sonneneinstrahlung, hohen Temperaturen und relativ trockenen Böden erklärt die starke Verdunstung. Für die Landschaft ist deshalb nicht allein die absolute jährliche Niederschlagsmenge entscheidend, sondern auch deren jahreszeitliche Verteilung.

Das Meer besitzt einen starken Einfluss auf das Inselklima. Die Wassertemperaturen der Karibik bleiben ganzjährig relativ hoch und wirken als Wärmespeicher. Dadurch werden die Temperaturen an der Küste ausgeglichen. Gleichzeitig liefert das Meer große Mengen Wasserdampf, der durch die Passatwinde auf die Insel transportiert wird. Die klimatischen Bedingungen von Saint John sind daher wesentlich maritim geprägt.

Die klimatischen Unterschiede innerhalb Saint Johns stehen eng mit dem Relief in Verbindung. Die höheren Bereiche um Bordeaux Mountain und die zentralen Bergrücken sind feuchter und stärker bewaldet als viele tiefer gelegene Bereiche der Süd- und Südostküste. Die trockenen Hänge und die feuchteren Bergwälder bilden damit zwei deutlich erkennbare klimatische Landschaftsräume.

Klimadaten für Cruz Bay, United States Virgin Islands (1991 bis 2020)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Mittelmaximum (°C) 28,8 28,9 28,9 29,4 30,2 31,1 31,6 31,8 31,7 31,2 30,4 29,2 30,3
Mittelminimum (°C) 20,9 20,8 20,9 22,1 23,3 24,3 24,4 24,4 23,9 23,4 22,6 21,4 22,7
Niederschlag (mm) 69 48 51 89 100 64 84 110 150 120 160 81 1140

Mythologie

Lange bevor europäische Schiffe die Gewässer erreichten, war Saint John von den Taíno bewohnt, einem indigene Volk, das von Südamerika aus die Großen und Kleinen Antillen besiedelte. Archäologische Funde, vor allem an der Cinnamon Bay und der Trunk Bay sowie die Petroglyphen am Reef Bay Trail, belegen ihre Anwesenheit vom etwa siebten bis zum späten fünfzehnten Jahrhundert. Die Taíno hinterließen keine geschriebenen Texte im europäischen Sinn, doch ihr Weltbild lässt sich aus den Berichten des Mönchs Ramón Pané und aus den materiellen Zeugnissen rekonstruieren. Im Zentrum standen die Zemí, spirituelle Wesenheiten, die in geschnitzten Steinen, Holzfiguren oder Knochen Gestalt annahmen und als Vermittler zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt dienten. Die höchste Muttergottheit war Atabey, Herrin des Süßwassers, der Fruchtbarkeit und der Geburt. Aus ihr ging Yucahu hervor, der Gott der Yuca, der wichtigsten Nahrungsgrundlage. Besonders gefürchtet war Guabancex, die Göttin der Stürme, deren Zorn sich in den gewaltigen Wirbelstürmen entlud, die die Inseln bis heute heimsuchen. Der Name Hurricane leitet sich direkt von diesem taínischen Begriff ab. Die Schöpfungsmythen erzählen von Menschen, die aus Höhlen ans Tageslicht traten, von Knochen, aus denen das Meer entstand, und von den vier Brüdern um Deminán Caracaracol, die durch ihre Abenteuer die Welt ordneten. Die Gesichter und Symbole der Petroglyphen von Reef Bay werden als Darstellungen verstorbener Ahnen oder übernatürlicher Wesen gedeutet, oft mit Fledermauszügen verbunden, denn die Fledermaus galt als Bote zwischen den Reichen der Lebenden und der Toten.

Mit der europäischen Kolonisierung und dem massenhaften Einsatz afrikanischer Sklaven auf den Zuckerplantagen vermischten sich die älteren Vorstellungen mit westafrikanischen und europäischen Glaubensformen. Es entstand ein reiches kreolisches Folklore-Geflecht, in dem Geister, Verwandlungen und magische Praktiken eine zentrale Rolle spielten. Besonders präsent sind die Jumbies, Geisterwesen, die in Bäumen, alten Häusern und an Begräbnisstätten hausen. Der Seidenbaumwollbaum, auch Kapokbaum genannt, gilt als besonderer Jumbie-Baum. Wer ihn fällt, setzt die darin wohnenden Geister frei, die den Täter jahrelang verfolgen können, ehe sie sich neu niederlassen. An bestimmten Buchten wie Denis Bay und Jumbie Bay hielten sich die Erzählungen von gehäuften Geistererscheinungen besonders hartnäckig. Jumbies dienten auch als erzieherisches Mittel: Kindern wurde erzählt, dass unfolgsames Verhalten oder das Herumstreunen nach Einbruch der Dunkelheit die Aufmerksamkeit dieser Wesen auf sich ziehen könne.

Eng damit verbunden ist der Glaube an Werwölfe. In den Überlieferungen von Saint John erscheinen sie häufig als europäische Gestalten, oft Dänen oder Deutsche, die sich durch Drogen, Beschwörungen und rituelle Bewegungen in vierbeinige Wesen verwandeln. Beschrieben werden sie als großköpfige, schafsgröße Geschöpfe von erstaunlicher Wendigkeit, die über Dächer klettern und Zäune überspringen können. Ein konkreter Fall aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts betrifft einen zurückgezogen lebenden Graveur namens Henry Jordon oder Wilbur Davis, der in der Nähe der Trunk Bay wohnte und nächtliche Spaziergänge unternahm. Die Nachbarn verdächtigten ihn der Werwolfschaft, und es kursierte die Geschichte, dass sein Haus niedergebrannt worden sei, um die Gefahr zu bannen. Viele der Abwehrmittel gegen Werwölfe und Jumbies, etwa das Aufhängen von Knoblauch oder das Ausstreuen von Getreidekörnern, stammen aus europäischen Traditionen und wurden mit afrikanischen Praktiken des Obeah vermischt. Obeah selbst, eine Form der spirituellen Magie und Heilkunst, war unter der versklavten Bevölkerung weit verbreitet und diente sowohl dem Schutz als auch der Vergeltung.

Eine der bekanntesten lokalen Legenden ist die vom Easter Rock, einem mächtigen Felsbrocken oberhalb der North Shore Road zwischen Gibney Beach und Peace Hill. Der Überlieferung nach rollt dieser Felsen in der Nacht vor Ostern hinab zur Hawksnest Bay, trinkt dort vom Meerwasser und kehrt vor Sonnenaufgang an seinen Platz zurück. Niemand hat den Vorgang je mit eigenen Augen gesehen, doch am Ostermorgen sei der Stein stets feucht, selbst in den trockensten Jahren. Generationen von Kindern haben versucht, dem Felsen aufzulauern, und die Geschichten enden stets damit, dass die Beobachter einschliefen oder glaubten, eine Bewegung gesehen zu haben, ohne sie beweisen zu können. Geologisch handelt es sich um ein vulkanisches Fragment, das bei eruptiven Ereignissen vor Millionen Jahren an seinen heutigen Ort geschleudert wurde, doch die volkstümliche Erzählung hat ihm ein eigenes Leben eingehaucht.

Weitere Erzählstränge verbinden die Insel mit Piraten. Geschichten von versteckten Schätzen Blackbeards, Bluebeards oder Captain Kidds kursieren um die verborgenen Buchten. Auch die Erinnerung an den großen Sklavenaufstand von 1733 hat sich in mündlichen Überlieferungen niedergeschlagen, in denen Trommelsignale als geheime Verständigung und dramatische Fluchtbewegungen bis hin zu kollektiven Sprüngen von Klippen eine Rolle spielen. Aus der westafrikanischen Tradition stammen die Anansi-Geschichten, in denen die listige Spinne als Kulturheld und Schelm auftritt, der durch Klugheit und Täuschung Stärkere überlistet. Eine auf Saint John aufgezeichnete Variante handelt von zwei Spinnen, von denen die eine die andere unter dem Vorwand, uneheliche Kinder taufen zu müssen, um das gemeinsame Essen bringt.

Daneben existieren Erzählungen von Meerjungfrauen, die in Teichen oder Buchten hausen und nachts gefährlich werden können, sowie von Wesen wie Red Head and Bloody Bone, die unfolgsame Kinder holen. Pflanzen wie die Datura, lokal Joy Juice genannt, spielten in den Vorstellungen von Verwandlung und Hexerei eine Rolle, da ihre psychoaktiven Wirkstoffe Halluzinationen erzeugen können, die als tatsächliche Metamorphose erlebt wurden.

Geschichte

Saint John wurde 1493 von Christoph Kolumbus gesichtet und ab dem 18. Jahrhundert von Dänemark mit Zuckerrohrplantagen besiedelt, auf denen versklavte Afrikaner arbeiteten; 1733 kam es zu einem bedeutenden Sklavenaufstand. 1917 verkaufte Dänemark die Insel an die Vereinigten Staaten, und 1956 entstand auf großen Teilen von Saint John der Virgin-Islands-Nationalpark.

Präkolumbische Zeit

Die frühesten Spuren menschlichen Lebens auf der Insel datieren nach archäologischen Funden in die archaische Periode um -840. An der Lameshur Bay wurden damals Kohlegruben neben Ansammlungen leerer Schneckenschalen entdeckt, die auf eine nomadische Lebensweise von Jägern, Fischern und Sammlern hinweisen. Diese frühen Bewohner hinterließen keine Hinweise auf Ackerbau oder dauerhafte Dörfer und lebten vermutlich in Höhlen oder unter freiem Himmel. Sie gehörten zu den ersten Wellen von Siedlern, die mit Einbäumen aus dem Orinoco-Gebiet oder möglicherweise auch aus Mittelamerika die Inseln der Kleinen und Großen Antillen erreichten.

Um die Zeit zwischen 1000 und 1300 kam es zu einem deutlicher Bevölkerungsanstieg. Die Menschen dieser Zeit werden den sogenannten Saladoid- und späteren Ostionoid-Kulturen zugerechnet, aus denen sich allmählich die klassische Taíno-Kultur entwickelte. Die Taíno sprachen eine arawakische Sprache und errichteten dauerhafte Siedlungen an geschützten Buchten wie Cinnamon Bay, Trunk Bay, Coral Bay, Caneel Bay und Lameshur Bay. Sie betrieben Ackerbau mit Maniok, Süßkartoffeln und Mais, fertigten Keramik, nutzten Steinwerkzeuge und lebten in Gemeinschaftsdörfern. Ihre Gesellschaft war hierarchisch gegliedert. An der Spitze stand der Cacique, der zugleich politischer und spiritueller Führer war. Priester, die als Behike bezeichnet wurden, leiteten die religiösen Zeremonien. Ein wichtiges Gemeinschaftsspiel war das Batéy, ein Ballspiel auf einem eigens angelegten Platz, bei dem die Spieler den Ball ohne Hände über die Linie der gegnerischen Mannschaft bringen mussten.

Besonders aufschlussreich sind die Ausgrabungen an der Cinnamon Bay und der Trunk Bay. Die Schichten an der Trunk Bay datieren etwa in die Zeit von 900 bis 1000 nach Christus und zeigen eine einfachere Häuptlingsgesellschaft. An der Cinnamon Bay lässt sich die Entwicklung über mehrere Jahrhunderte verfolgen. Unterste Schichten um 1020 bis 1080 nach Christus ähneln noch den Funden von Trunk Bay. Darüber folgen Ablagerungen der mittleren Phase um 1080 bis 1250 und schließlich die klassischen Taíno-Schichten von etwa 1250 bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Die jüngsten Hinweise auf eine Besiedlung reichen bis etwa 1440 nach Christus. In dieser letzten Phase entwickelte sich der Platz an der Cinnamon Bay zu einem zeremoniellen Zentrum, das als Caney, also als Tempel oder Haus des Häuptlings, interpretiert wird. Dort fanden sich zahlreiche Opfergaben, darunter Keramikgefäße, Muscheln, Perlen, dreispitzige Zemí-Steine, Fragmente von Steingürteln und geschnitzte Köpfe. Zemís waren materielle Verkörperungen von Gottheiten oder Ahnengeistern und standen im Mittelpunkt der religiösen Praxis.

Die Religion der Taíno war eng mit der Ahnenverehrung und dem Glauben an eine enge Verbindung zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Welt verknüpft. Die höchste Muttergottheit war Atabey, Herrin des Süßwassers, der Fruchtbarkeit und der Geburt. Aus ihr ging Yucahu hervor, der Gott der Yuca und des Meeres. Besonders gefürchtet war Guabancex, die Göttin der Stürme, deren Zorn sich in den verheerenden Wirbelstürmen entlud. Die Schöpfungsmythen erzählen von den ersten Menschen, die aus Höhlen ans Tageslicht traten, von Knochen eines getöteten Sohnes, aus denen das Meer entstand, und von den Abenteuern der vier Brüder um Deminán Caracaracol, die die Welt ordneten. Die Fledermaus galt als Bote zwischen den Lebenden und den Toten, weil die Ahnen in dieser Gestalt zurückkehren konnten. Diese Vorstellungen spiegeln sich in den Artefakten wider. Frühe Zemís zeigen einfache menschliche Gesichter, spätere tragen fledermausartige Nasen, und in der letzten Phase erscheinen aufwendige Kopfschmücke, die auf die wachsende Bedeutung des lebenden Häuptlings als spirituelles Zentrum hinweisen.

Ein zentrales Heiligtum lag im Inneren der Insel am Fuß des Wasserfalls im Reef Bay Valley. Dort befinden sich die Petroglyphen, in den Basaltfelsen geritzte Gesichter und Symbole. Die Darstellungen zeigen große runde Augen, herzförmige Gesichter und Doppelspiralen, die mit den keramischen Adornos und Zemís von Cinnamon Bay und Trunk Bay übereinstimmen. Die Bilder entstanden vermutlich zwischen dem 10. und 15. Jahrhundert und entwickelten sich parallel zur gesellschaftlichen und religiösen Ausdifferenzierung. Am Ort selbst fand man eine Mulde, die als Metate, also als Reibstein für rituelle Pflanzen, gedeutet wird. Die Taíno suchten solche Orte auf, um mit den Ahnen zu kommunizieren, Regen herbeizurufen, Kranke zu heilen und das Wohlergehen der Gemeinschaft zu sichern. Das Wasser des Beckens und die dort lebenden Fledermäuse verstärkten die spirituelle Bedeutung des Platzes.

Die klassische Taíno-Kultur auf Saint John stand in Verbindung mit den größeren Zentren auf Puerto Rico und Hispaniola. Handelsbeziehungen reichten bis nach Guatemala und in die Dominikanische Republik, wie Funde von Jadeobjekten belegen. Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts scheint die Besiedlung auf Saint John abgebrochen zu sein. Archäologen vermuten, dass der Druck der von Süden vordringenden Inselkariben, der sogenannten Kalinago, dazu beigetragen haben könnte. Als Christoph Kolumbus im November 1493 die Inselgruppe sichtete und sie nach der Legende der heiligen Ursula und der elftausend Jungfrauen benannte, waren die Taíno auf Saint John bereits verschwunden oder hatten die Insel verlassen. Ihre materiellen und geistigen Spuren, die Siedlungen an den Buchten, die Zeremonienplätze und vor allem die Petroglyphen von Reef Bay, bezeugen jedoch eine jahrhundertelange kulturelle Entwicklung, in der Mythologie, Ahnenkult und das tägliche Leben untrennbar miteinander verbunden waren.

Entdeckungszeit

Am 14. November legte Christoph Kolumbus auf seiner zwewiten Reise an der Nordküste von Saint Croix an, die er Santa Cruz nannte, und geriet dort in einen ersten gewaltsamen Zusammenstoß mit den ansässigen Kariben. Anschließend segelte er weiter nach Norden und sichtete die Inselgruppe um Saint Thomas und Saint John. Wegen der Vielzahl kleiner Inseln und ihrer unberührten Erscheinung benannte er sie nach der Legende der heiligen Ursula und ihrer elftausend jungfräulichen Gefährtinnen Las Once Mil Vírgenes, die elftausend Jungfrauen. Kolumbus selbst ging auf Saint John nicht an Land. Seine Kapitäne berichteten, die Insel sei unbewohnt. Spanien beanspruchte die gesamte Region kraft des Entdeckungsrechts, unternahm jedoch keine dauerhafte Besiedlung der kleineren nördlichen Inseln.

In den folgenden Jahrzehnten blieb Saint John weitgehend leer. Es gibt Hinweise, dass während der spanischen Eroberung Puerto Ricos und der Kämpfe gegen die Kariben auf Saint Croix zwischen 1511 und 1530 zeitweise arawakische und karibische Flüchtlinge die Insel aufgesucht haben könnten. Nach etwa 1550 scheint die indigene Präsenz jedoch erloschen zu sein. Für mehr als ein Jahrhundert lag die Insel unbewohnt da. Europäische Mächte erhoben wechselnde Ansprüche, doch die dichten Wälder, die hügelige Landschaft und die begrenzten Süßwasservorkommen machten eine dauerhafte Niederlassung wenig attraktiv. Im 16. und 17. Jahrhundert versuchten Engländer, Holländer und Franzosen in der weiteren Region Fuß zu fassen, scheiterten jedoch immer wieder an spanischem Widerstand, gegenseitigen Konflikten und Krankheiten.

Dänische Kolonialzeit

Der dänische König Christian V. erteilte der Dänischen Westindien-Kompanie 1671 per Charta die Rechte für Handel und Besitznahme von Saint Thomas. Im Mai 1672 hisste das Schiff Fero im Hafen von Saint Thomas die dänische Flagge. Von dort aus richtete sich das Interesse der Kompanie bald auch auf das benachbarte Saint John.

Bereits 1675 erhob Gouverneur Jörgen Iversen formell Anspruch auf Saint John und ließ zwei Männer auf der Insel zurück. Eine dauerhafte Besiedlung entstand daraus zunächst nicht. 1684 wurde Saint John vom dänischen Gouverneur an zwei englische Kaufleute aus Barbados vergeben. Diese Siedler wurden jedoch von britischen Kräften unter dem Gouverneur der Leeward Islands, Sir William Stapleton, vertrieben. Weitere dänische Anweisungen zur Kolonisierung aus dem Jahr 1688 führten ebenfalls zu keiner dauerhaften Ansiedlung. Zwischen 1671 und 1717 hielten sich zeitweise Seeleute, Holzfäller und Landwirte von Saint Thomas sowie von benachbarten britischen Inseln auf Saint John auf. Wegen der konkurrierenden dänischen und britischen Gebietsansprüche kam es jedoch nicht zu einer kontinuierlichen europäischen Besiedlung. Schriftliche und archäologische Zeugnisse dieser frühen, vorübergehenden Aufenthalte sind nur in begrenztem Umfang überliefert.

Die dauerhafte dänische Besitznahme erfolgte im März 1718. Gouverneur Erik Bredal segelte von Saint Thomas nach Saint John und landete mit etwa zwanzig Plantagenbesitzern, fünf bis acht Soldaten und sechzehn bis achtzehn versklavten Afrikanern in Coral Bay. Am 25. März 1718 wurde die dänische Flagge gehisst und die Insel für die dänische Krone in Besitz genommen. Damit begann die dauerhafte europäische Kolonisierung Saint Johns. Die häufig anzutreffende Angabe, Saint John sei erst 1762 dänisch geworden, bezeichnet nicht die eigentliche Besitznahme von 1718, sondern das Jahr, in dem Großbritannien seine Ansprüche auf die Insel endgültig aufgab.

Die britische Regierung protestierte gegen die dänische Besetzung. Ein britisches Kriegsschiff wurde nach Saint Thomas entsandt und verlangte den Rückzug der Dänen von Saint John. Gouverneur Bredal wies diese Forderung zurück. Die britische Regierung in London erteilte ihrem Gouverneur anschließend Anweisungen, die dänische Besiedlung zu behindern, untersagte jedoch den Einsatz militärischer Gewalt. Weitere britische Versuche, die dänische Ansiedlung zu verhindern, erfolgten 1722 und 1724. Die Insel wurde von britischer Seite jedoch als nicht wichtig genug angesehen, um dafür einen Krieg mit Dänemark zu riskieren. 1762 gab Großbritannien seine Ansprüche auf Saint John endgültig auf.

Nach der Landung von 1718 vergab die Dänische Westindien-Kompanie Landparzellen an Siedler. Die meisten europäischen Kolonisten kamen von Saint Thomas und mussten dem dänischen König einen Treueeid leisten. Die Landwirtschaft wurde innerhalb weniger Jahre auf den Export ausgerichtet. Angebaut wurden vor allem Zuckerrohr und Baumwolle, daneben verschiedene Nahrungs- und Versorgungspflanzen. Die ursprüngliche Bewaldung wurde großflächig gerodet, um Flächen für Plantagen, Wege und Siedlungen zu gewinnen. Dadurch veränderte sich das Landschaftsbild grundlegend. Aus der überwiegend bewaldeten Insel wurde eine von Plantagen, Zuckerfabriken, Wegen, Zisternen, Terrassen und Siedlungen geprägte Kulturlandschaft.

Die wirtschaftliche Grundlage dieses Systems war die Versklavung afrikanischer Menschen. Die Dänische Westindien-Kompanie hatte Saint Thomas bereits ab 1671 kolonisiert; 1673 wurde dort ein afrikanischer Sklavenmarkt eingerichtet. Das auf Saint Thomas etablierte Plantagensystem wurde nach 1718 auf Saint John übertragen. Die versklavten Menschen verrichteten die schwere Arbeit bei der Rodung des Waldes, beim Anbau und der Ernte des Zuckerrohrs, in den Zuckerfabriken, beim Transport und bei zahlreichen weiteren Tätigkeiten auf den Plantagen. Die europäische Plantagenbesitzerklasse bildete eine kleine gesellschaftliche Gruppe, während die afrikanische Bevölkerung den größten Teil der Arbeitskräfte stellte.

Das Wachstum der Plantagenwirtschaft verlief schnell. Für 1726 werden etwa zwanzig Zuckerfabriken auf Saint John angegeben. 1733 waren rund 109 Plantagen verzeichnet, von denen 21 Zucker produzierten. Zu den bedeutenden Anlagen gehörte Annaberg, eine 1731 gegründete Zuckerplantage im Norden der Insel. Die Plantage verfügte über die für eine karibische Zuckerproduktion erforderlichen landwirtschaftlichen und technischen Einrichtungen und entwickelte sich bis um 1800 zu einem der bedeutendsten Zuckerproduzenten von Saint John. Zu einer Plantage gehörten neben den Anbauflächen unter anderem Verarbeitungsanlagen, Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Wasserzisternen, Wege und Einrichtungen für die versklavte Bevölkerung.

Die Ausweitung der Plantagenwirtschaft führte zugleich zu erheblichen sozialen Spannungen. Den Höhepunkt dieser Entwicklung bildete der Sklavenaufstand von 1733. Er begann in Coral Bay, als eine kleine Gruppe versklavter Menschen das dänische Fort Frederiksvaern auf dem Fortsberg Hill betrat. Die Aufständischen hatten Zuckerrohrstangen beziehungsweise Klingen und andere Waffen in Holzbündeln verborgen. Nachdem sie in das Fort gelangt waren, überwältigten sie die dort stationierten Soldaten. Fünf der sechs dänischen Soldaten wurden getötet. Anschließend feuerten die Aufständischen die Kanonen des Forts ab. Die Schüsse dienten als Signal für den Beginn des Aufstands.

Die Rebellion breitete sich über einen großen Teil von Saint John aus und dauerte etwa sechs Monate. Unter den Aufständischen befanden sich Menschen aus der westafrikanischen Akwamu-Gesellschaft, die in der Karibik versklavt worden waren. Die Akwamu spielten bei der Organisation und Führung des Aufstands eine wichtige Rolle. Plantagen wurden angegriffen und die koloniale Ordnung zeitweise erheblich erschüttert. Die dänischen Kolonialbehörden waren schließlich nicht in der Lage, den Aufstand allein niederzuschlagen, und ersuchten Frankreich um militärische Unterstützung.

Französische Truppen aus Martinique griffen daraufhin auf Seiten der dänischen Kolonialmacht ein. Angesichts des bevorstehenden französischen Zugriffs entschieden sich zahlreiche Aufständische für den Tod, anstatt erneut gefangen genommen und versklavt zu werden. Mehr als ein Dutzend Männer und Frauen begingen Selbstmord. Zu ihnen gehörte Breffu, einer der Anführer des Aufstands. Mit dem Eintreffen der französischen Truppen brach der organisierte Widerstand zusammen. Der Aufstand von 1733 blieb dennoch eines der bedeutendsten Ereignisse der Geschichte der dänischen Westindischen Inseln und steht für den Widerstand der versklavten Bevölkerung gegen das Plantagensystem.

Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde die koloniale Ordnung wiederhergestellt. Die Plantagenwirtschaft wurde fortgeführt und weiter ausgebaut. 1749 errichteten die Mährischen Brüder in Emmaus ihre erste Kirche auf Saint John. Die Herrnhuter beziehungsweise Mährischen Brüder widmeten sich insbesondere der religiösen Betreuung der afrikanischen Bevölkerung und betrieben auf den dänischen Westindischen Inseln Missionsarbeit. Die Kirche in Emmaus wurde zu einem wichtigen religiösen Mittelpunkt der Insel.

1754 wurden die dänischen Westindischen Inseln von der Herrschaft der Dänischen Westindien-Kompanie auf die dänische Krone übertragen und als Kronkolonie organisiert. Damit wurde die unmittelbare staatliche Kontrolle Dänemarks über Saint Thomas, Saint John und die übrigen dänischen Besitzungen in der Karibik verstärkt. Die Plantagenwirtschaft blieb jedoch weiterhin das wirtschaftliche und gesellschaftliche Fundament der Insel.

1762 verzichtete Großbritannien endgültig auf seine Ansprüche auf Saint John. Damit war der jahrzehntelange dänisch-britische Streit um die Insel beendet. Saint John blieb anschließend Bestandteil der dänischen Westindischen Inseln. 1766 wurde Cruz Bay als Siedlung gegründet; zu den frühen Einrichtungen gehörte auch The Battery. Cruz Bay entwickelte sich im weiteren Verlauf zum wichtigsten Siedlungs- und Hafenort der Insel.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts prägten Zuckerrohrplantagen weiterhin die Wirtschaft und das Landschaftsbild. Die für die Plantagenwirtschaft erforderlichen Einrichtungen wurden über die gesamte Insel verteilt angelegt. Dazu gehörten Zuckerfabriken mit Mühlen, Kochhäuser und andere Verarbeitungsgebäude sowie Wohnhäuser der Plantagenbesitzer, Unterkünfte der versklavten Bevölkerung, Ställe, Lagerhäuser, Zisternen, Terrassen und Wege. Die heute erhaltenen Ruinen solcher Anlagen dokumentieren diese koloniale Wirtschaftsstruktur.

Um 1800 gehörte Saint John damit seit mehr als acht Jahrzehnten dauerhaft zum dänischen Kolonialreich in der Karibik. Die Insel war wirtschaftlich eng mit Saint Thomas verbunden und vollständig in die Plantagenwirtschaft der dänischen Westindischen Inseln eingebunden. Zuckerrohr bildete den wichtigsten Exportzweig, daneben wurden Baumwolle und verschiedene Nahrungs- und Nutzpflanzen angebaut. Die Gesellschaft war durch die koloniale Herrschaft und die Versklavung afrikanischer Menschen geprägt. Die Rodung großer Waldflächen und die Anlage von Plantagen hatten die natürliche Landschaft nachhaltig verändert.

Umbruchszeit

Um das Jahr 1800 stand die Plantagenwirtschaft auf Saint John noch auf einem Höhepunkt. Die Zuckerproduktion dominierte die Inselwirtschaft, und die Zahl der versklavten Menschen erreichte 1804 mit 2604 Personen ihren höchsten Stand. In den Jahrzehnten zuvor war die Sklavenzahl stetig gestiegen, und die meisten Plantagen produzierten Zuckerrohr für den Export. Die dänische Kolonialverwaltung hatte den transatlantischen Sklavenhandel zwar 1803 verboten, doch die bestehende Sklavenbevölkerung blieb das Fundament der gesamten Wirtschaft. Britische Besetzungen während der Napoleonischen Kriege unterbrachen zeitweise den Alltag, änderten jedoch wenig an der grundlegenden Struktur der Insel.

Mitte des 19. Jahrhunderts zeichnete sich der wirtschaftliche Niedergang immer deutlicher ab. Die Konkurrenz durch Rübenzucker aus Europa, fallende Weltmarktpreise für Rohrzucker und die Erschöpfung der Böden machten den Betrieb vieler Plantagen unrentabel. Gleichzeitig wuchs der Druck auf die Sklaverei. In den britischen Nachbarkolonien war die Sklaverei bereits abgeschafft worden, und Unruhen unter der versklavten Bevölkerung nahmen zu. 1848 kam es zu einem großen Aufstand auf Saint Croix. Gouverneur Peter von Scholten erklärte daraufhin am 3. Juli 1848 die Abschaffung der Sklaverei in den gesamten Dänischen Westindischen Inseln. Die Nachricht erreichte Saint John kurz darauf. Die ehemals versklavten Menschen waren fortan frei, doch die dänische Verwaltung versuchte zunächst, sie durch Arbeitsverträge an die Plantagen zu binden.

In der Folgezeit wurden zahlreiche Plantagen aufgegeben. Viele ehemalige Besitzer verließen die Insel oder stellten den Betrieb ein, weil sie ohne Zwangsarbeit nicht mehr wirtschaftlich arbeiten konnten. Die Wälder begannen, die brachliegenden Felder zurückzuerobern, und die einst dichte Plantagenlandschaft verwandelte sich allmählich in eine Landschaft aus verfallenen Mühlen, Wohnhäusern und überwachsenen Terrassen. Die Bevölkerung schrumpfte dramatisch. Viele ehemalige Sklaven wanderten nach Saint Thomas, Tortola oder weiter fort, um bessere Lebensbedingungen zu finden. 1901 zählte Saint John nur noch 925 Einwohner. Die letzte Zuckerfabrik stellte 1908 den Betrieb ein. Zwischen 1845 und 1945 ging die Bevölkerung insgesamt um etwa siebzig Prozent zurück.

Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts versuchten einige verbliebene Eigentümer, auf Viehzucht, den Anbau von Bay Leaves für Öl oder den Anbau von Früchten umzusteigen. Doch diese Alternativen konnten den Niedergang der Zuckerwirtschaft nicht ausgleichen. Die Insel verarmte, Straßen verwahrlosten, und die Infrastruktur verfiel. Gleichzeitig wuchs in Dänemark das Interesse, die wirtschaftlich unrentablen Kolonien zu verkaufen. Während des Ersten Weltkriegs suchten die Vereinigten Staaten aus strategischen Gründen einen Stützpunkt in der Karibik. 1917 erwarben sie die Dänischen Westindischen Inseln für 25 Millionen Dollar in Gold. Mit dem formellen Übergabeakt am 31. März 1917 endete die dänische Kolonialzeit auf Saint John.

Weltkriegszeit

Mit dem Kauf der Dänischen Westindischen Inseln im Jahr 1917durch die USA begann für Saint John eine neue Epoche unter amerikanischer Verwaltung. Während des Ersten Weltkriegs erwarben die Vereinigten Staaten die Inselgruppe für 25 Millionen Dollar in Gold von der dänischen Regierung. Das vorrangige Ziel war die Errichtung eines Marinestützpunkts, um die strategische Kontrolle über die östlichen Zugänge zum Karibischen Meer und zum Panamakanal zu sichern und eine mögliche Expansion des Deutschen Reiches in die westliche Hemisphäre zu verhindern. Im Rahmen der Verhandlungen erklärten sich die USA bereit, den dänischen Anspruch auf Grönland anzuerkennen, den sie zuvor bestritten hatten. Die formelle Übergabe fand am 31. März 1917 statt und wird bis heute als Transfer Day begangen. Zunächst übernahm die amerikanische Marine die Verwaltung der Inseln. Die neue Obrigkeit führte das amerikanische Rechtssystem ein, behielt jedoch viele dänische Verwaltungsstrukturen vorläufig bei. Die Bewohner erhielten erst 1927 die volle amerikanische Staatsbürgerschaft.

Die ersten Jahre unter amerikanischer Herrschaft brachten für Saint John kaum unmittelbare wirtschaftliche Erleichterung. Die Insel blieb arm und dünn besiedelt. Die Bevölkerung, die bereits seit der Abschaffung der Sklaverei stark zurückgegangen war, schrumpfte weiter. Viele junge Menschen wanderten nach Saint Thomas, nach Puerto Rico oder auf das amerikanische Festland ab, um Arbeit zu finden. Die Infrastruktur war verfallen, die ehemaligen Zuckerplantagen lagen brach, und die wenigen verbliebenen Bewohner lebten vorwiegend von Subsistenzlandwirtschaft, Fischfang und der Haltung von Vieh. Naturkatastrophen wie der schwere Hurrikan von 1916, der noch unter dänischer Herrschaft die Insel getroffen hatte, und weitere Stürme in den folgenden Jahrzehnten erschwerten den Wiederaufbau zusätzlich. Die Marineverwaltung konzentrierte sich vor allem auf strategische und sanitäre Maßnahmen, während die wirtschaftliche Entwicklung nur langsam vorankam.

In den 1920er und 1930er Jahren setzte allmählich ein Wandel ein. Die natürliche Schönheit der Insel mit ihren unberührten Stränden, Hügeln und Korallenriffen begann, die Aufmerksamkeit wohlhabender Amerikaner zu wecken. Private Investoren erwarben große Grundstücke, die einst zu den alten Plantagen gehört hatten. Einige der verfallenen Plantagenhäuser und Herrensitze wurden restauriert und zu privaten Ferienresidenzen oder kleinen Gasthäusern umgebaut. Diese frühen Initiativen legten den Grundstein für den späteren Tourismus. Die Bevölkerung blieb zwar gering, doch es entstanden erste Ansätze einer Dienstleistungswirtschaft. Einheimische fanden Arbeit als Hauspersonal, Bootsführer, Führer oder in der Versorgung der wenigen Besucher. Gleichzeitig verbesserte die amerikanische Verwaltung schrittweise die Gesundheitsversorgung und das Bildungswesen, auch wenn die Fortschritte auf der kleinen und abgelegenen Insel begrenzter blieben als auf Saint Thomas oder Saint Croix.

Bis 1945 hatte sich die wirtschaftliche Grundlage der Insel grundlegend verschoben. Die alte Plantagenökonomie war endgültig Geschichte. An ihre Stelle trat allmählich eine Wirtschaft, die auf den natürlichen Reizen der Landschaft und den Bedürfnissen auswärtiger Gäste beruhte. Der Zweite Weltkrieg unterbrach diese Entwicklung zwar vorübergehend, doch die strategische Bedeutung der Inseln und die wachsende Mobilität der amerikanischen Mittel- und Oberschicht nach Kriegsende bereiteten den Boden für den Tourismusboom der folgenden Jahrzehnte.

Moderne Zeit

In den frühen 1950er Jahren erkannte der amerikanische Milliardär und Naturschützer Laurance Rockefeller das einzigartige Potenzial der Insel. 1956 erwarb er große zusammenhängende Gebiete, vor allem im Westen und im Inneren, und stiftete sie der amerikanischen Regierung mit der Auflage, daraus einen Nationalpark zu machen. Noch im selben Jahr wurde der Virgin Islands National Park gegründet. Mit dieser Schenkung ging mehr als die Hälfte der Insel in den Schutz des National Park Service über. Rockefeller selbst entwickelte auf dem verbleibenden Privatland das Caneel Bay Resort, das zu einem der ersten luxuriösen Ferienanlagen der Karibik wurde und Maßstäbe für einen schonenden, landschaftsbezogenen Tourismus setzte.

Die Gründung des Nationalparks hatte weitreichende Folgen. Zum einen entstanden zahlreiche Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung in der Parkverwaltung, im Bau und Unterhalt von Wanderwegen, als Ranger, in der Gästebetreuung und in den entstehenden Dienstleistungsbetrieben. Zum anderen wurde die Insel zu einem Anziehungspunkt für Naturliebhaber und Erholungssuchende aus den Vereinigten Staaten und später aus aller Welt. Der Park bewahrte nicht nur die landschaftliche Schönheit, sondern auch die historischen Zeugnisse der Plantagenzeit. Die Ruinen von Zuckerfabriken, Windmühlen, Herrenhäusern und Sklavenquartieren, etwa in Annaberg, Reef Bay oder Cinnamon Bay, wurden freigelegt, gesichert und mit Informationstafeln versehen. Sie erzählen von der harten Arbeit unter der Sklaverei und vom wirtschaftlichen Niedergang des 19. Jahrhunderts und gehören seither zu den zentralen Besuchszielen.

Die eigentliche Attraktion jedoch blieben die natürlichen Schätze der Insel. Die weißen Sandstrände, die klaren Buchten und die lebendigen Korallenriffe zogen von Anfang an Schnorchler und Taucher an. Besonders berühmt wurde Trunk Bay, wo der National Park Service den einzigen offiziellen Underwater Trail eines amerikanischen Nationalparks einrichtete. Entlang dieses Unterwasserpfads können Besucher mit Hilfe von Tafeln die wichtigsten Korallenarten, Fische und anderen Meeresbewohner kennenlernen. Im Süden der Insel, abseits der stärker besuchten Nordküste, erhielt sich ein größerer Bestand an ursprünglichem Primärwald, der zu den letzten unberührten tropischen Waldgebieten der Kleinen Antillen zählt. Wanderwege wie der Reef Bay Trail führen durch dichte Vegetation, vorbei an Petroglyphen der Taíno und zu verlassenen Plantagenruinen, und vermitteln den Eindruck einer Landschaft, die sich nach dem Ende der Zuckerwirtschaft weitgehend selbst überlassen blieb.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Tourismus stetig. Kleine Hotels, Ferienhäuser, Restaurants und Bootsverleiher entstanden vor allem in Cruz Bay und entlang der Nordküste. Die Insel behielt jedoch ihren ruhigen Charakter und unterschied sich bewusst von den belebteren Nachbarinseln Saint Thomas und Saint Croix. Viele Einheimische fanden Arbeit im Tourismussektor, andere betrieben weiterhin kleine Landwirtschaft oder Fischerei. Der Nationalpark verhinderte eine unkontrollierte Bebauung und sicherte den Erhalt der natürlichen und historischen Ressourcen. Gleichzeitig stellte der wachsende Besucherstrom die Verwaltung vor Herausforderungen in Bezug auf Abfallentsorgung, Wasservorräte und den Schutz der empfindlichen Ökosysteme.

Im September 2017 erlebte Saint John eine der schwersten Katastrophen seiner neueren Geschichte. Hurrikan Irma, ein Sturm der Kategorie 5, traf die Insel mit voller Wucht. Die Windgeschwindigkeiten zerstörten Dächer, entwurzelten Bäume, beschädigten die wenigen verbliebenen historischen Strukturen und legten die gesamte Infrastruktur lahm. Etwa die Hälfte der damals rund 4500 Einwohner musste evakuiert werden. Monatelange Stromausfälle folgten, die Wasserversorgung brach zusammen, und viele Häuser und Betriebe wurden unbewohnbar. Der Nationalpark erlitt ebenfalls schwere Schäden an Wanderwegen, Gebäuden und der Vegetation. Die Aufräumarbeiten dauerten Jahre, und der Wiederaufbau erforderte erhebliche öffentliche und private Mittel. Viele Einwohner kehrten zurück und beteiligten sich am Wiederaufbau, andere verließen die Insel dauerhaft.

Während der Coronazeit wurde Saint John ab März 2020 durch Ausgangsbeschränkungen, geschlossene nicht notwendige Geschäfte und stark eingeschränkten Tourismus stark in Mitleidenschaft gezogen. Fähren und Taxis durften nur unter Auflagen verkehren, Restaurants waren geschlossen. Nach einer Wiedereröffnung im Sommer 2020 führte ein erneuter Anstieg der durch Testung ermittelten Fallzahlen zu einer vorübergehenden Schließung des Freizeittourismus, bevor die Insel 2021 teilweise und 2022 gänzlich wieder für Besucher geöffnet wurde.

Verwaltung

Saint John gehört heute politisch zum United States Virgin Islands (USVI), einem nicht inkorporierten US-amerikanischen Außengebiet. Die Insel besitzt daher keine eigene territoriale Legislative oder eigenständige Inselregierung. Gesetzgebung und Exekutive werden auf Ebene des Territoriums der U.S. Virgin Islands ausgeübt; Saint John bildet gemeinsam mit Saint Thomas einen politischen Wahlbezirk. Die rechtliche Grundlage der territorialen Selbstverwaltung ist vor allem der Revised Organic Act of 1954, der die heutige Regierungsstruktur festlegt.


Herrschaftsgeschichte

  • um 700 bis 7. Mai 1684 Häuptlingstümer der Arawak und Kariben
  • 7. Mai 1684 bis 1755 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)
  • 1755 bis 29. März 1801 Kronkolonie Dänisch-Westindien (Dansk Vestindien) des Königreichs Dänemark (Kongeriget Danmark)
  • 29. März 1801 bis 16. Februar 1802 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
  • 16. Februar 1802 bis 22. Dezember 1807 Kronkolonie Dänisch-Westindien (Dansk Vestindien) des Königreichs Dänemark (Kongeriget Danmark)
  • 22. Dezember 1807 bis 15. April 1815 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
  • 15. April 1815 bis 31. März 1917 Kronkolonie Dänisch-Westindien (Dansk Vestindien) des Königreichs Dänemark (Kongeriget Danmark)
  • seit 31. März 1917 Amerikanische Jungferninseln (Virgin Islands of the United States) als Territorium der Vereinigten Staaten von Amerika (United States of America)

Legislative und Exekutive

Die Legislative besteht aus einer einzigen Kammer, der Legislature of the Virgin Islands. Sie umfasst 15 Senatoren mit jeweils zweijähriger Amtszeit. Die Abgeordneten werden nicht in getrennten Kammern gewählt, sondern gehören sämtlich dem Senat der U.S. Virgin Islands an. Von den 15 Sitzen entfallen sieben auf den Wahlbezirk St. Thomas–St. John, sieben auf St. Croix und ein Sitz auf einen territorialweit gewählten Senator-at-Large. Die Legislative beschließt Gesetze und den Haushalt, führt Untersuchungen und Anhörungen durch, behandelt Petitionen und bestätigt bestimmte vom Gouverneur vorgeschlagene Amtsträger. Ihre reguläre Sitzungsperiode beginnt jährlich am zweiten Montag im Januar.

Saint John verfügt somit nicht über ein eigenes Inselparlament. Die politische Vertretung der Insel erfolgt über den Wahlbezirk St. Thomas–St. John. In der 36. Legislaturperiode gehören 2026 unter anderem Milton E. Potter, Avery L. Lewis, Marvin A. Blyden, Dwayne M. DeGraff, Ray Fonseca, Alma Francis Heyliger und Carla J. Joseph diesem Wahlbezirk an. Milton E. Potter ist Präsident der 36. Legislature, Avery L. Lewis deren Legislative Secretary.

Die Legislature unterhält neben ihren Plenarsitzungen ständige Ausschüsse, die für die Vorbereitung und Beratung von Gesetzen zuständig sind. Zu den Ausschüssen gehören unter anderem Budget, Appropriations and Finance, Economic Development and Agriculture, Education and Workforce Development, Health, Hospitals and Human Services, Homeland Security, Justice and Public Safety sowie Housing, Transportation and Telecommunications. Für Saint John besonders relevant sind dabei die Ausschüsse, die Infrastruktur, Verkehr, Umwelt, Tourismus, Wirtschaft, öffentliche Sicherheit und Haushaltsmittel des Territoriums behandeln.

Die Legislature besitzt auch auf Saint John eine institutionelle Präsenz. In Cruz Bay befindet sich das St. John Annex der Legislature of the Virgin Islands in 1D Cruz Bay. Dort können parlamentarische Angelegenheiten und öffentliche Sitzungen stattfinden; Sitzungen der territorialen Legislative werden neben dem Capitol Building auf Saint Thomas und dem Sitz in Golden Rock auf Saint Croix auch vom St. John Annex aus zugänglich gemacht.

Die Exekutive der U.S. Virgin Islands wird vom Gouverneur geleitet. Gouverneur und Vizegouverneur werden gemeinsam durch Volkswahl für vier Jahre gewählt; die Amtszeit ist auf zwei aufeinanderfolgende Wahlperioden begrenzt. Der Gouverneur führt die Verwaltung des Territoriums, ernennt zahlreiche Regierungsmitglieder und Amtsträger und besitzt unter anderem das Recht, Gesetze zu unterzeichnen oder sein Veto einzulegen. Die Exekutive umfasst die Büros des Gouverneurs und des Vizegouverneurs sowie die verschiedenen Ministerial- beziehungsweise Departmentstrukturen des Territoriums.

2026 ist Albert Bryan Jr. Gouverneur der U.S. Virgin Islands und Tregenza A. Roach Vizegouverneur. Bryan trat sein Amt 2019 an und befindet sich 2026 in seiner zweiten Amtsperiode. Die Regierung wird als Bryan-Roach Administration bezeichnet.

Die territoriale Exekutive ist auch für Saint John zuständig. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem öffentliche Sicherheit, Straßen und Verkehr, Gesundheitswesen, Bildung, Wasserversorgung, Abfallwirtschaft, Umweltverwaltung, Bau- und Raumordnungsangelegenheiten sowie die Durchführung von Wiederaufbau- und Infrastrukturmaßnahmen. Saint John besitzt für diese Aufgaben keine vom Territorium unabhängige Exekutivregierung. Die zuständigen territorialen Behörden unterhalten jedoch Einrichtungen und Dienststellen auf der Insel.

Eine wichtige Besonderheit der Verwaltungsstruktur besteht darin, dass neben der territorialen Regierung zahlreiche Einrichtungen der Bundesregierung der Vereinigten Staaten auf Saint John tätig sind. Dazu gehört insbesondere der National Park Service, da ein großer Teil der Insel zum Virgin Islands National Park gehört. Für die Verwaltung des Nationalparks ist daher nicht die Regierung der U.S. Virgin Islands, sondern die Bundesregierung der Vereinigten Staaten zuständig. Auch das Virgin Islands Coral Reef National Monument untersteht dem National Park Service. Dadurch bestehen auf Saint John nebeneinander territoriale Zuständigkeiten und Bundeszuständigkeiten.

Inseloberhaupt

Ein eigenständiges Inseloberhaupt besitzt Saint John nicht. Die Insel ist Bestandteil des Territoriums der U.S. Virgin Islands und wird daher politisch auf territorialer Ebene vom Gouverneur der U.S. Virgin Islands geführt. 2026 ist Albert Bryan Jr. Gouverneur; er steht an der Spitze der Exekutive des gesamten Territoriums. Für Saint John besteht das Amt des St. John Administrator. 2019 übernahm Shikima L. Jones-Sprauve dieses Amt. Sie ist dem Office of the Governor unterstellt und fungiert als örtliche Ansprechpartnerin der territorialen Regierung auf Saint John.


St. John Administrators

  • um 1980  Noble Samuel
  • um 1992  William „Billy“ Lomax
  • 2003 - 2011  Julien Harley
  • 2011 - 2019  Jamie Dalmida
  • seit 2019  Shikima L. Jones-Sprauve

Politische Gruppierungen

Das offizielle Wahlsystem der U.S. Virgin Islands führt derzeit drei anerkannte politische Parteien: die Democratic Party of the Virgin Islands, die Republican Party of the Virgin Islands und die Independent Citizens Movement (ICM). Daneben treten zahlreiche Kandidaten als Unabhängige an.

Die Democratic Party of the Virgin Islands ist die territoriale Organisation der Demokratischen Partei. Sie bezieht sich ausdrücklich auf die politischen Traditionen der US-amerikanischen Demokratischen Partei und tritt auf territorialer Ebene mit eigenen Kandidaten an. Zu ihren politischen Themen gehören unter anderem wirtschaftliche Entwicklung, soziale Fragen, Bildung und eine stärkere politische Selbstbestimmung der U.S. Virgin Islands.

Die Republican Party of the Virgin Islands besteht seit 1948 und wurde 1952 in das Republican National Committee aufgenommen. Sie ist die territoriale Organisation der Republikanischen Partei der Vereinigten Staaten.

Die Independent Citizens Movement (ICM) wurde 1968 von Virdin C. Brown und Steve O’Reilly gegründet. Ihr Symbol ist eine Fackel. Nach ihren eigenen Statuten setzt sich die Organisation unter anderem für politische, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung, Bildung, Gesundheitsversorgung, Wohneigentum, Unternehmensentwicklung, Transparenz und demokratische Selbstverwaltung sowie für größere Selbstversorgung in Landwirtschaft und Industrie ein. Die ICM verfügt laut ihren Statuten über die Möglichkeit, Organisationen auf Saint Thomas, Saint Croix und Saint John zu unterhalten.

Eine wichtige politische Gruppierung auf Saint John bilden außerdem die parteilosen beziehungsweise unabhängigen Kandidaten. Das Wahlsystem erlaubt eine Registrierung ohne Parteizugehörigkeit; bei allgemeinen Wahlen können Kandidaten als Independent antreten. Bei der Wahl zur Legislature im Wahlbezirk St. Thomas–St. John 2024 kandidierten neben demokratischen und republikanischen Bewerbern mehrere Unabhängige.

Für Saint John ist außerdem die besondere territoriale Wahlstruktur wichtig: Die Insel gehört gemeinsam mit Saint Thomas zum Wahlbezirk St. Thomas–St. John. Die sieben Senatoren dieses Bezirks werden territorial gewählt; zusätzlich muss der Senator-at-Large der U.S. Virgin Islands Einwohner von Saint John sein. Dadurch besitzt Saint John eine besondere direkte Vertretung innerhalb der territorialen Legislative.

Justizwesen und Kriminalität

Der Superior Court of the Virgin Islands ist seit dem 1. Januar 1994 für sämtliche Strafsachen nach dem Recht der U.S. Virgin Islands zuständig. Die Strafverfahren richten sich nach dem Virgin Islands Code und den Virgin Islands Rules of Criminal Procedure. Das Strafrecht unterscheidet zwischen Felonies, also schweren Straftaten, und Misdemeanors, also leichteren Straftaten. Die Criminal Division des Gerichts führt die Strafakten, bearbeitet Anklagen und andere Schriftsätze, erlässt beziehungsweise bearbeitet Vorladungen und Haftbefehle und organisiert unter anderem erste und vorläufige Anhörungen, Kautionsverfahren und Rechtsmittel.

Auf Saint John befindet sich eine Außenstelle des Superior Court im Boulon Center in Cruz Bay. Die dortigen Gerichtstage und Öffnungszeiten sind nach dem aktuellen Gerichtsplan festgelegt. Die zentrale Verwaltung und die vollständige Gerichtsorganisation des Bezirks befinden sich dagegen auf Saint Thomas im Alexander A. Farrelly Justice Center. Für die Gerichtsverwaltung und den Schriftverkehr ist daher weiterhin der Standort Saint Thomas von besonderer Bedeutung.

Neben dem Superior Court besteht die Magistrate Division. Magistrate Judges bearbeiten bestimmte gerichtliche Angelegenheiten und Verfahren innerhalb der ihnen übertragenen Zuständigkeiten. Der Gerichtsbezirk St. Thomas–St. John verfügt außerdem über Einrichtungen für Zivil-, Straf-, Familien-, Nachlass-, Verkehrs- und andere Verfahren. Die Judiciary of the U.S. Virgin Islands bildet dabei einen eigenständigen Justizzweig der territorialen Regierung. Über Entscheidungen des Superior Court kann der Rechtsweg zum Supreme Court of the Virgin Islands führen.

Für die Strafverfolgung ist auf Saint John das Virgin Islands Police Department (VIPD) zuständig. Saint John gehört innerhalb des Polizeisystems zum District St. Thomas–St. John. 2025 wurde Deborah L. Hodge als Chief of Police dieses Distrikts vereidigt. Die Polizeiarbeit umfasst Streifendienst, Ermittlungen, Verkehrsüberwachung sowie die Bekämpfung von Gewalt- und Eigentumsdelikten. Für schwerere Fälle ist insbesondere das Criminal Investigation Bureau zuständig.

Die Kriminalität auf Saint John umfasst sowohl Eigentums- als auch Gewalt- und Drogendelikte. Für 2025 dokumentierte die Polizei beispielsweise mehrere schwere Fälle. Am 18. März 2025 wurde bei einem Einbruch beziehungsweise einer gewaltsamen Hausbesetzung in Bellevue Village ein Bewohner durch mehrere Schüsse verletzt. Die Ermittlungen wurden vom Criminal Investigation Bureau geführt.

Am 2. Juni 2025 ereigneten sich im Bereich der Annaberg Plantation und bei Haulover innerhalb weniger Stunden zwei bewaffnete Raubüberfälle auf Fahrzeuge. Nach Angaben der Polizei traten jeweils zwei maskierte und bewaffnete Männer auf und entwendeten Fahrzeuge. Die Fahrzeuge wurden später wieder aufgefunden; zum Zeitpunkt der polizeilichen Mitteilung waren noch keine Festnahmen erfolgt.

Auch Waffen- und Drogendelikte gehören zum Aufgabenbereich der Polizei. Im April 2025 führte eine Überwachung im Raum Cruz Bay, die sich gegen mutmaßlichen Drogenhandel richtete, zur Sicherstellung einer Schusswaffe. Ein 22-jähriger Mann wurde anschließend wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Besitzes illegaler Munition angeklagt.

2026 wurde außerdem ein Fall schwerer Körperverletzung aus dem Bereich Enighed bekannt. Ein Mann hatte nach Angaben der Polizei mehrere Stichverletzungen erlitten. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen und unter anderem wegen Assault in the First Degree, Assault in the Third Degree, des Einsatzes einer gefährlichen beziehungsweise tödlichen Waffe bei einer Gewalttat und weiterer Delikte angeklagt.

Neben der Polizei sind die territorialen Strafverfolgungsbehörden und das Department of Justice an Strafverfahren beteiligt. Nach einer Festnahme folgen je nach Tatvorwurf Ermittlungen, Anklage, Kautions- und Vorverfahren sowie gegebenenfalls ein Strafprozess vor dem Superior Court. Die gerichtlichen Strafakten sind grundsätzlich öffentliche Unterlagen, soweit sie nicht durch gerichtliche Anordnung versiegelt wurden.

Flagge und Wappen

Als Teil der U.S. Virgin Islands verwendet die Insel die Flagge und das Große Siegel des Territoriums. Die territoriale Flagge wurde durch eine Executive Order am 17. Mai 1921 eingeführt.

Die Flagge der U.S. Virgin Islands zeigt auf weißem Grund einen goldenen Weißkopfseeadler zwischen den großen Buchstaben „V“ und „I“. Der Adler trägt auf der Brust den Schild der Vereinigten Staaten. In seiner rechten Klaue hält er einen Lorbeerzweig als Symbol des Friedens, in der linken Klaue drei blaue Pfeile. Die drei Pfeile stehen für die drei Hauptinseln Saint Croix, Saint Thomas und Saint John. Die Flagge wird daher auch auf Saint John als territoriale Flagge geführt.

Ein eigenständiges Wappen von Saint John existiert ebenfalls nicht. Das entsprechende Hoheitszeichen der U.S. Virgin Islands ist das Great Seal of the Government of the Virgin Islands of the United States. Es wurde von der 18. Legislature 1990 beschlossen und trat am 1. Januar 1991 in Kraft. Entworfen wurde es von Mitch Davis, einem aus den Virgin Islands stammenden Künstler; sein Entwurf wurde aus 33 eingereichten Vorschlägen ausgewählt.

Im Mittelpunkt des Großen Siegels steht der Yellow-breasted Bird, der 1970 zum offiziellen Vogel der U.S. Virgin Islands erklärt wurde. Der Vogel sitzt auf einem Zweig des Yellow Cedar, der seit 1934 als offizielle Blume beziehungsweise florales Symbol des Territoriums gilt. Am Zweig sind drei Blüten und drei Samenkapseln sowie drei Blätter dargestellt. Die Zahl Drei nimmt damit erneut Bezug auf die drei Hauptinseln des Territoriums.

Die drei Inseln werden innerhalb des Siegels durch charakteristische Darstellungen symbolisiert. Saint Croix erscheint mit einer Zuckerfabrik beziehungsweise Zuckermühle und verweist damit auf die historische Zuckerwirtschaft der Insel. Saint John wird durch die Ruinen von Annaberg dargestellt, einer ehemaligen Zuckerplantage und Zuckerfabrik aus der dänischen Kolonialzeit. Saint Thomas erscheint durch das Gebäude der territorialen Legislative in Charlotte Amalie; darüber sind die Flagge der Vereinigten Staaten und der historische Dannebrog dargestellt. Zusätzlich ist ein Segelboot im Hafen von Charlotte Amalie abgebildet. Unterhalb der Darstellung steht das Motto „United in Pride and Hope“.

Für Saint John besitzt das Siegel damit eine unmittelbare historische Besonderheit: Anders als bei einem lediglich allgemeinen territorialen Hoheitszeichen wird die Insel selbst durch ein konkretes historisches Bauwerk repräsentiert. Die Annaberg-Ruinen stehen für die dänische Plantagenwirtschaft, die Zuckerproduktion und die Geschichte der Versklavung auf Saint John. Das Siegel enthält somit ein direktes ikonografisches Element der Inselgeschichte.

Hauptort

Der Hauptort von Saint John ist Cruz Bay an der Westküste der Insel. Cruz Bay entstand als koloniale Siedlung im Jahr 1766 und entwickelte sich im weiteren Verlauf zum wichtigsten Hafen-, Verwaltungs- und Verkehrszentrum von Saint John. Die Bezeichnung als Hauptort ist allerdings nicht mit einer formellen kommunalen Hauptstadt gleichzusetzen, da Saint John keine eigene Gemeinde mit Bürgermeister besitzt.

Cruz Bay liegt an der gleichnamigen Bucht am westlichen Ende der Insel und ist durch seine Lage gegenüber Saint Thomas besonders verkehrsgünstig. Während der dänischen Kolonialzeit wurde der Ort nach seiner Gründung zunehmend zum zentralen Zugangspunkt der Insel. Der Hafen diente dem Personen- und Güterverkehr sowie der Verbindung mit Saint Thomas und den anderen dänischen Westindischen Inseln.

Im Bereich von Cruz Bay befindet sich auch The Battery, eine historische Befestigungsanlage aus der dänischen Kolonialzeit. Die Entwicklung des Ortes steht damit unmittelbar mit der politischen und wirtschaftlichen Organisation Saint Johns während der dänischen Herrschaft in Verbindung.

Heute konzentrieren sich in Cruz Bay die wichtigsten Verwaltungs-, Handels-, Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen der Insel. Hier befinden sich unter anderem Einrichtungen der Regierung der U.S. Virgin Islands, Geschäfte, Restaurants, Unterkünfte, der Fährhafen sowie die Anlegestellen für weitere Boote. Auch der St.-John-Gerichtsstandort befindet sich in Cruz Bay.

Verwaltungsgliederung

Saint John besteht aus vier Subdistrikten (hier mit den Daten des Jahres 2010):

Subdistrict HASC MCD Fläche (km²) Einwohner
Central VI.SJ.CE 200 36,5 779
Coral Bay VI.SJ.CB 210 4,9 634
Cruz Bay VI.SJ.CZ 220 7,2 2 706
East End VI.SJ.EE 230 2,4 51


           Verwaltungseinheiten:

           4 subdistricts (Subdistrikte)

Bevölkerung

Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 50,8 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1804                2 604               51,26

           1850                2 600               51,18

           1901                   925               18,21

           1911                   941               18,52

           1917                   959               18,88

           1930                   756               14,88

           1940                   722               14,19

           1950                   749               14,74

           1960                   925               18,21

           1970                1 743               34,31

           1980                2 360               46,46

           1990                3 504               68,98

           2000                4 197               82,62

           2001                4 200               82,68

           2002                4 350               85,63

           2003                4 500               88,58

           2004                4 600               90,55

           2005                4 621               90,96

           2006                4 600               90,55

           2007                4 500               88,58

           2008                4 400               86,61

           2009                4 250               83,66

           2010                4 170               82,09

           2011                4 150               81,69

           2912                4 100               80,71

           2013                4 050               79,73

           2014                4 000               78,75

           2015                3 950               77,77

           2016                3 900               76,79

           2017                3 900               76,79

           2018                3 900               76,79

           2019                3 900               76,79

           2020                3 881               76,40

           2021                3 870               76,18

           2022                3 850               75,78

           2023                3 830               75,39

           2024                3 810               75,00

           2025                3 800               74,80

Volksgruppen

e bewegte Geschichte der Insel wider und hat sich über die Jahrhunderte grundlegend gewandelt. In der präkolumbischen Zeit war die Insel von verschiedenen indigene Gruppen bewohnt. Die frühesten Siedler gehörten archaischen Kulturen an, die als Jäger und Sammler lebten. Ab etwa dem siebten Jahrhundert dominierten die Taíno, ein arawakisches Volk, das aus Südamerika gekommen war. Sie errichteten Dörfer an den Buchten, betrieben Ackerbau und hinterließen Petroglyphen und Artefakte. Gegen Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts scheinen sie unter dem Druck der von Süden vordringenden Inselkariben, der Kalinago, die Insel verlassen zu haben. Mit der Ankunft der Europäer und den anschließenden Kriegen und Seuchen verschwanden die indigenen Bevölkerungsgruppen weitgehend von der Insel.

In der kolonialen Epoche ab 1718 setzte sich eine völlig andere Zusammensetzung durch. Die dänische Kolonialmacht brachte europäische Siedler, vor allem Dänen, aber auch Niederländer, Engländer, Franzosen und andere, die als Plantagenbesitzer, Verwalter oder Handwerker auftraten. Viele der Eigentümer lebten jedoch als Abwesende auf Saint Thomas oder in Europa und ließen ihre Güter von Aufsehern bewirtschaften. Die zahlenmäßig bei weitem größte Gruppe bildeten die aus Westafrika verschleppten versklavten Menschen. Sie stammten aus verschiedenen Ethnien, darunter Akwamu aus dem Gebiet des heutigen Ghana, die beim großen Aufstand von 1733 eine führende Rolle spielten. Weitere Gruppen kamen aus anderen Regionen Westafrikas. Bis 1804 stieg ihre Zahl auf über 2600 an und übertraf die europäische Bevölkerung um ein Vielfaches. Aus der Verbindung zwischen Europäern und Afrikanern entstanden zudem gemischte Bevölkerungsgruppen, die in der kolonialen Gesellschaft eine eigene Stellung einnahmen.

Nach der Abschaffung der Sklaverei 1848 veränderte sich das Bild erneut. Viele ehemalige Sklaven und ihre Nachkommen blieben auf der Insel, andere wanderten ab. Die europäische Plantagenbesitzerklasse schrumpfte stark, da zahlreiche Betriebe aufgegeben wurden. Die verbliebene Bevölkerung bestand überwiegend aus afrokaribischen Familien, die von Subsistenzwirtschaft, Viehzucht und später vom entstehenden Tourismus lebten. Im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts kamen weitere Einwanderer hinzu, vor allem aus anderen karibischen Inseln, aus Puerto Rico und vom amerikanischen Festland.

In der Gegenwart ist Saint John die am dünnsten besiedelte der drei Hauptinseln der Amerikanischen Jungferninseln. Nach dem Zensus von 2020 lebten dort rund 3880 Menschen. Die größte Gruppe bilden nach wie vor Personen afrokaribischer oder afroamerikanischer Abstammung, die etwa die Hälfte bis gut die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Der Anteil weißer Einwohner liegt mit rund 35 Prozent deutlich höher als auf Saint Thomas oder Saint Croix, was vor allem auf amerikanische Zuzügler, Unternehmer und Ruheständler zurückzuführen ist, die seit der Entwicklung des Tourismus und des Nationalparks auf die Insel gekommen sind. Personen hispanischer Herkunft, vor allem aus der Dominikanischen Republik und Puerto Rico, stellen eine weitere bedeutende Minderheit dar. Daneben gibt es gemischte Bevölkerungsgruppen sowie kleinere Anteile asiatischer und anderer Herkunft. Viele Einwohner identifizieren sich zugleich als Virgin Islanders und betonen die gemeinsame kreolische Kultur, die aus afrikanischen, europäischen und karibischen Einflüssen entstanden ist.

Sprachen

Auf Saint John ist Englisch die alleinige Amtssprache und die dominante Verkehrssprache in Verwaltung, Schule, Medien und im öffentlichen Leben. Sie setzte sich nach dem Verkauf der Inseln an die Vereinigten Staaten 1917 endgültig durch und wird von der großen Mehrheit der Einwohner beherrscht. Daneben existiert ein lebendiges englischbasiertes Kreol, das lokal oft einfach als Dialect oder Virgin Islands Creole bezeichnet wird. Dieses Kreol entstand aus dem Zusammentreffen afrikanischer Sprachen der versklavten Bevölkerung mit dem Englisch der europäischen Siedler und enthält auch Einflüsse aus dem Niederländischen, Spanischen und Französischen. Es wird vor allem im informellen Alltag, in Familien und unter Freunden gesprochen und unterscheidet sich in Aussprache, Grammatik und Wortschatz vom Standardenglisch. Viele Bewohner beherrschen beide Varianten und wechseln je nach Situation zwischen ihnen.

Historisch war die sprachliche Situation noch komplexer. Während der dänischen Kolonialzeit war Dänisch die Sprache der Verwaltung und der wenigen dänischen Beamten und Plantagenbesitzer, doch es wurde von der großen Mehrheit der Bevölkerung nie als Alltagssprache angenommen. Weitaus wichtiger war in den frühen Jahrzehnten der Kolonie das Niederländische, da viele der ersten Siedler und Plantagenverwalter aus den Niederlanden stammten. Aus dem Kontakt zwischen diesen Niederländern und den versklavten Afrikanern entstand um 1700 auf Saint Thomas und bald darauf auch auf Saint John das Negerhollands oder Dutch Creole, eine niederländischbasierte Kreolsprache. Dieses Creol diente lange als Lingua franca zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen und wurde sogar von Missionaren für die religiöse Unterweisung genutzt. Es hielt sich bis ins 20. Jahrhundert, starb jedoch allmählich aus. Die letzte bekannte Sprecherin auf Saint John starb 1991.

Parallel dazu entwickelte sich das englischbasierte Kreol, das durch den starken englischen und schottisch-irischen Einfluss unter den Siedlern und durch die britischen Besetzungen während der Napoleonischen Kriege begünstigt wurde. Nach der Abschaffung der Sklaverei und dem Niedergang der Plantagenwirtschaft verdrängte es das Dutch Creole endgültig. Afrikanische Sprachen der verschiedenen Herkunftsgruppen der Versklavten gingen im Laufe der Generationen verloren und hinterließen lediglich Spuren im Wortschatz und in der Grammatik der Kreolsprachen.

In der Gegenwart spielt neben Englisch und dem lokalen Kreol vor allem Spanisch eine wachsende Rolle. Es wird von Zuwanderern aus Puerto Rico und der Dominikanischen Republik sowie von deren Nachkommen gesprochen und ist in manchen Stadtteilen und Betrieben allgegenwärtig. Daneben sind französischbasierte Kreolsprachen zu hören, die von Einwanderern aus Haiti, St. Lucia oder Dominica mitgebracht wurden. Andere Sprachen wie Arabisch oder asiatische Idiome kommen nur in sehr kleinen Gemeinschaften vor. Der Tourismus bringt zudem eine ständige Präsenz zahlreicher weiterer Sprachen mit sich, doch diese bleiben in der Regel auf die Besuchersaison und die touristischen Einrichtungen beschränkt.

Religion

Die älteste organisierte christliche Missionsarbeit auf Saint John entstand während der dänischen Kolonialzeit. Eine besondere Rolle spielten die Mährischen Brüder, die 1749 in Emmaus ihre Kirche gründeten. Die Herrnhuter Brüdergemeine war bereits auf Saint Thomas tätig und dehnte ihre Missionsarbeit anschließend auf Saint John aus. Ihr Ziel war insbesondere die religiöse Betreuung der versklavten afrikanischen Bevölkerung. Die Kirche in Emmaus gehört damit zu den ältesten erhaltenen christlichen Einrichtungen der Insel und steht zugleich in engem Zusammenhang mit der Geschichte der dänischen Plantaniengesellschaft.

Die protestantische Tradition blieb auch nach dem Ende der dänischen Herrschaft stark. Heute gehören dazu unter anderem baptistische, methodistische, lutherische, episkopale und weitere protestantische Gemeinden. Die Kirchen sind vielfach zugleich soziale Einrichtungen der örtlichen Gemeinschaft. Neben Gottesdiensten übernehmen sie Aufgaben bei Gemeindeveranstaltungen, Wohltätigkeit, Kinder- und Jugendarbeit sowie bei der Betreuung älterer Menschen.

Eine bedeutende Gemeinde ist die Emmaus Moravian Church in Coral Bay. Sie führt die Tradition der mährischen Mission aus dem 18. Jahrhundert fort. Die historische Kirche beziehungsweise der historische Kirchenstandort erinnert an die frühe protestantische Missionsgeschichte Saint Johns und an die besondere Rolle der Herrnhuter Brüdergemeine innerhalb der dänischen Westindien.

In Cruz Bay bestehen ebenfalls mehrere christliche Gemeinden. Dazu gehören unter anderem baptistische und andere protestantische Kirchen. Die Kirchengebäude und Gemeindezentren befinden sich überwiegend innerhalb oder am Rand des dicht besiedelten Bereichs von Cruz Bay. Sie dienen nicht nur dem Gottesdienst, sondern auch als Versammlungsorte für die örtliche Bevölkerung.

Die römisch-katholische Kirche ist ebenfalls auf Saint John vertreten. Die katholische Gemeinde ist dem Bistum Saint Thomas zugeordnet, das die katholische Seelsorge auf den U.S. Virgin Islands organisiert. Eine wichtige katholische Kirche auf Saint John ist die Our Lady of Mount Carmel Church in Cruz Bay. Sie gehört zu den katholischen Einrichtungen, die die religiöse Versorgung der Bevölkerung und der auf der Insel lebenden beziehungsweise zeitweise anwesenden Menschen gewährleisten.

Neben den historischen protestantischen Kirchen und der katholischen Kirche bestehen weitere christliche Gemeinschaften, darunter Pfingstkirchen, evangelikale Gemeinden und unabhängige Kirchen. Diese Vielfalt entspricht der religiösen Entwicklung der gesamten U.S. Virgin Islands, in denen sich neben den älteren protestantischen Traditionen zahlreiche im 19. und 20. Jahrhundert entstandene Kirchenbewegungen etablierten.

Die religiöse Geschichte Saint Johns ist eng mit der Geschichte der Versklavung verbunden. Die Mährischen Brüder bemühten sich bereits im 18. Jahrhundert um die Missionierung der afrikanischen Bevölkerung. Gleichzeitig existierten afrikanische religiöse Traditionen und kulturelle Praktiken neben dem offiziell von der Kolonialgesellschaft vertretenen Christentum. Mit der zunehmenden Christianisierung, der Abschaffung der Sklaverei und der späteren Entwicklung einer eigenständigen afrokaribischen Gesellschaft veränderten sich auch die religiösen Verhältnisse.

Nach der Abschaffung der Sklaverei 1848 entwickelten sich die Kirchen zunehmend zu wichtigen sozialen und gesellschaftlichen Institutionen der schwarzen Bevölkerung. Gottesdienste, Chöre, Bibelgruppen, Beerdigungen, Hochzeiten und kirchliche Feste wurden Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens. Diese Verbindung von Religion, Musik und Gemeinschaft ist bis heute für viele Gemeinden der U.S. Virgin Islands charakteristisch.

Religiöse Veranstaltungen spielen auch im heutigen Gemeindeleben von Saint John eine Rolle. Neben den regelmäßigen Sonntagsgottesdiensten gehören Ostern, Weihnachten, Karfreitag, Pfingsten und andere christliche Feiertage zum öffentlichen und familiären Jahreskalender. In einzelnen Gemeinden werden Gottesdienste mit Chorgesang, Gospelmusik und gemeinschaftlichen Veranstaltungen verbunden.

Siedlungen

Die Einwohnerzahlen der beiden Hauptsiedlungen entwickelten sich wie folgt:

Ortschaft Status Z 1980 Z 1990 Z 2000 Z 2010 Z 2020
Coral Bay CDP ... ... ... 605 615
Cruz Bay CDP 1.928 2.469 2.743 2.866 2.772


Die Siedlungsstruktur von Saint John ist stark von der zerklüfteten Landschaft, der dänischen Plantagenwirtschaft und der späteren Entwicklung des Tourismus geprägt. Eine zusammenhängende städtische Siedlungsfläche hat sich auf der Insel nicht herausgebildet. Die Bevölkerung konzentriert sich vor allem auf Cruz Bay im Westen und Coral Bay im Osten; daneben bestehen kleinere Wohnsiedlungen und verstreut liegende Häuser entlang der Küstenstraßen und in den ehemaligen Plantagengebieten.

Cruz Bay ist der Hauptort und zugleich die größte und am dichtesten bebaute Siedlung der Insel. Der Ort wurde 1766 während der dänischen Kolonialzeit gegründet. Seine Lage an der geschützten Cruz Bay gegenüber Saint Thomas begünstigte die Entwicklung zum wichtigsten Hafen und Handelsplatz. Um den Hafen entstanden Wohnhäuser, Geschäfte, Restaurants, Verwaltungsgebäude, Unterkünfte, Dienstleistungsbetriebe und Verkehrseinrichtungen. Heute konzentriert sich hier ein großer Teil der kommerziellen Infrastruktur von Saint John. Die Fährverbindungen nach Saint Thomas sowie der lokale Bootsverkehr gehen vom Hafenbereich von Cruz Bay aus. Zum historischen Siedlungsbereich gehört auch The Battery.

Unmittelbar nördlich und nordöstlich von Cruz Bay erstrecken sich mehrere kleinere Wohngebiete. Dazu gehören unter anderem Enighed, Bethany, Estate Chocolate Hole, Contant und Cruz Bay Quarter. Enighed liegt östlich beziehungsweise südöstlich des eigentlichen Ortszentrums und umfasst Wohn- und Gewerbeflächen sowie Einrichtungen der öffentlichen Versorgung. Chocolate Hole liegt an der Südküste westlich von Cruz Bay und ist durch Wohnhäuser, Ferienunterkünfte und kleinere Straßen geprägt. Die Siedlungsflächen gehen hier teilweise unmittelbar in die bewaldeten Hänge und Buchten über.

Im südwestlichen Inselbereich befinden sich weitere kleinere Siedlungsbereiche wie Great Cruz Bay und Rendezvous Bay. Great Cruz Bay liegt an einer weit geschützten Bucht westlich von Cruz Bay und ist durch Wohnhäuser, Ferienunterkünfte und touristische Einrichtungen geprägt. Rendezvous Bay liegt weiter östlich an der Südküste. Die Siedlungsentwicklung ist hier stärker durch einzelne Grundstücke und verstreute Gebäude als durch einen geschlossenen Ortskern gekennzeichnet.

Das zweite bedeutende Siedlungszentrum ist Coral Bay im Osten der Insel. Coral Bay entwickelte sich historisch aus der dänischen Plantagenlandschaft und dem Hafen an der gleichnamigen Bucht. Die Bucht ist tief eingeschnitten und bot günstige Bedingungen für die Schifffahrt. Coral Bay war während der dänischen Kolonialzeit ein bedeutender Bereich der Plantagenwirtschaft und wurde 1733 zum Ausgangspunkt des großen Sklavenaufstands auf Saint John. Das Fort Frederiksvaern auf dem Fortsberg oberhalb der Bucht gehörte zur kolonialen Befestigungsstruktur.

Heute besitzt Coral Bay einen deutlich lockereren Siedlungscharakter als Cruz Bay. Entlang der Coral Bay Road und der angrenzenden Straßen liegen Wohnhäuser, kleinere Geschäfte, Restaurants, Werkstätten, Unterkünfte und Einrichtungen für den Bootsverkehr. Die Bebauung verteilt sich über die Hänge und Täler rund um die Bucht. Einen großen zusammenhängenden Ortskern wie Cruz Bay besitzt Coral Bay nicht.

Zu den kleineren Siedlungsbereichen im Osten und Südosten gehören beispielsweise Estate Carolina, Emmaus, Bordeaux und Saltpond. Estate Carolina liegt im Umfeld von Coral Bay und ist von der historischen Plantagenlandschaft geprägt. Emmaus erhielt durch die Ansiedlung der Mährischen Brüder im 18. Jahrhundert besondere Bedeutung. Die Mährischen Brüder errichteten dort 1749 ihre Kirche. Der historische Ortsname Emmaus ist bis heute in der Siedlungs- und Flurbezeichnung erhalten.

Bordeaux liegt im bergigen Inselinneren beziehungsweise am Übergang zwischen den östlichen und zentralen Bereichen. Die Siedlung ist durch verstreute Wohnbebauung geprägt. Die Bezeichnung Bordeaux findet sich auch bei historischen Plantagen- und Landgütern und verweist damit auf die koloniale Parzellierung der Insel.

Saltpond befindet sich an der Südküste im Bereich der Salt Pond Bay. Die Siedlungsstruktur ist dort ebenfalls locker. Wohnhäuser und einzelne touristische Unterkünfte liegen zwischen den natürlichen Landschaftsräumen und den ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Flächen. Wegen der großen Schutzgebietsanteile und der teilweise schwierigen Topographie konnte sich hier keine großflächige zusammenhängende Bebauung entwickeln.

Weitere Siedlungs- und Wohnbereiche liegen entlang der Nord- und Südküste. Dazu zählen unter anderem Maho Bay, Cinnamon Bay, Hawksnest, Trunk Bay, Reef Bay und Fish Bay. Bei diesen Bezeichnungen handelt es sich teilweise um Buchten und ehemalige Plantagengebiete, teilweise um heutige Wohn- oder touristische Bereiche. Insbesondere im Bereich von Maho Bay und der nördlichen Küste entstanden im 20. Jahrhundert zahlreiche Wohn- und Ferienhäuser. Andere Bereiche sind dagegen wegen des Virgin Islands National Park weitgehend von neuer Bebauung freigehalten.

Eine Besonderheit der Siedlungsentwicklung ist die große Zahl historischer Plantagenstandorte. Während der dänischen Kolonialzeit war Saint John in zahlreiche Estates beziehungsweise Plantagenparzellen aufgeteilt. Annaberg, Reef Bay, Cinnamon Bay, Maho Bay, Caneel Bay und andere Gebiete waren mit Zuckerrohrproduktion und den dazugehörigen Wirtschaftsgebäuden verbunden. Viele dieser Anlagen entwickelten sich nicht zu dauerhaften Dörfern, sondern blieben landwirtschaftliche Güter. Nach dem Ende der Plantagenwirtschaft wurden zahlreiche Flächen aufgegeben und von Wald überwachsen.

Verkehr

Saint John besitzt keinen eigenen Flughafen. Die Insel ist über Passagierfähren und Autofähren mit Saint Thomas verbunden, während sich der Verkehr auf die kurvenreichen Hauptstraßen Centerline Road und North Shore Road konzentriert. Im Inselinneren verkehren Taxis und werktags Vitran-Busse, für abgelegene Orte und Strände sind jedoch meist Mietwagen oder sogenannte Safari-Taxis erforderlich.

Straßenverkehr

Autos und Fracht werden per Lastkahn von Saint Thomas herübergebracht. Zwei Unternehmen unterhalten regelmäßige Lastkahndienste zwischen Red Hook auf Saint Thomas und Cruz Bay auf Saint John. Die Fähren verkehren tagsüber in der Regel stündlich und bilden die einzige Möglichkeit, Fahrzeuge auf die Insel zu bringen oder von dort abzuholen. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten, doch sie stellt den entscheidenden Flaschenhals für den gesamten motorisierten Verkehr dar.

Obwohl ein Gesetz der Jungferninseln ausdrücklich verbietet, Mietwagen auf die Autofähre zu verladen, gestatten einige Autovermieter ihren Kunden dennoch die Mitnahme. Das US-Bezirksgericht hatte entschieden, dass dieses Verbot gegen die Interstate Commerce Clause der amerikanischen Verfassung verstößt. Seit 2017 ist das als verfassungswidrig eingestufte Gesetz technisch weiterhin in Kraft, wird von der Regierung der Jungferninseln jedoch nicht mehr durchgesetzt. In der Praxis können Reisende daher problemlos Mietwagen mit auf die Insel nehmen. Autovermietungen sind in Cruz Bay weit verbreitet und befinden sich größtenteils in unmittelbarer Gehweite des Fähranlegers, sodass Ankommende ihr Fahrzeug unmittelbar nach der Landung übernehmen können.

Das Straßennetz selbst ist eng, steil und oft kurvenreich. Viele Wege folgen noch den alten Plantagenpfaden und sind für größere Fahrzeuge nur bedingt geeignet. Der Linksverkehr, ein Erbe der dänischen und britischen Einflüsse, gilt weiterhin. Taxis sind auf der gesamten Insel weit verbreitet und bilden das Rückgrat des öffentlichen Personenverkehrs. Sie bringen Gäste zu den Stränden, Hotels, Ferienhäusern und Sehenswürdigkeiten und sind vor allem in Cruz Bay und an den beliebten Buchten leicht zu finden. Ergänzend dazu bietet Dolphin Water Taxi einen Wassertaxiservice an, der bestimmte Küstenpunkte auf dem Seeweg verbindet und vor allem für Reisende praktisch ist, die keine Landroute nutzen möchten.

Einen begrenzten öffentlichen Busdienst stellt VITRAN bereit. Die Busse verkehren werktags stündlich zwischen Cruz Bay und Salt Pond Bay und folgen dabei der Centerline Road, der wichtigsten Ost-West-Verbindung der Insel. Außerhalb dieser Linie und an Wochenenden ist das Angebot deutlich eingeschränkt, sodass die meisten Einwohner und Besucher auf Taxis, Mietwagen oder private Fahrzeuge angewiesen bleiben.

Schiffsverkehr

In der Kolonialzeit bildete Coral Bay das unbestrittene Zentrum der wirtschaftlichen Aktivitäten. Der natürliche, tief eingeschnittene und von Hügeln geschützte Hafen bot den damaligen Segelschiffen zuverlässigen Schutz vor Stürmen und starken Winden. Für kleinere Boote war es zudem ein Leichtes, von hier aus die nahe gelegenen Britischen Jungferninseln zu erreichen, und das mit nur minimalen Wendemanövern. Bis weit ins späte 20. Jahrhundert hinein hatten die Bewohner von Coral Bay und dem East End einen deutlich einfacheren und häufigeren Zugang nach Tortola als die Einwohner von Cruz Bay oder sogar von Saint Thomas. Der Hafen diente dem Umschlag von Zucker, Baumwolle, Versorgungsgütern und Sklaven und war der eigentliche wirtschaftliche Lebensnerv der Insel.

Mit dem Niedergang der Plantagenwirtschaft und dem Aufkommen des Tourismus verlagerte sich das maritime Zentrum allmählich nach Westen. Heute ist Cruz Bay der klare Eingangshafen von Saint John und der zentrale Knotenpunkt für nahezu den gesamten Personen- und Güterverkehr. Fracht- und Autoschiffe legen am Theovald Eric Moorehead Dock and Terminal an, das für den Umschlag schwerer Lasten und Fahrzeuge ausgelegt ist. Die inländischen Fähren, die vor allem die Verbindung nach Saint Thomas herstellen, nutzen das Loredon L. Boynes Dock im Zentrum von Cruz Bay. Internationale Fähren, die von den Britischen Jungferninseln oder weiter entfernten Häfen kommen, legen an dem Dock der Zoll- und Einwanderungsbehörde der Vereinigten Staaten in der Victor William Sewer Marine Facility an, wo die erforderlichen Grenzkontrollen durchgeführt werden.

Kreuzfahrtschiffe besuchen Cruz Bay vor allem in den Wintermonaten regelmäßig. Da der Hafen für große Schiffe zu flach und eng ist, ankern sie vor der Bucht und bringen ihre Gäste mit Tendern an Land. Saint John ist zugleich ein beliebter Tagesausflugsziel für Kreuzfahrtpassagiere, die in Saint Thomas oder Tortola anlegen und von dort aus mit Schnellfähren oder organisierten Touren herüberkommen. Die Gewässer um die Amerikanischen Jungferninseln werden von Kuttern der Küstenwache der Vereinigten Staaten überwacht, die von den Stützpunkten in Miami, Florida, und San Juan, Puerto Rico, aus operieren und sowohl die Sicherheit des Schiffsverkehrs als auch die Einhaltung der Grenz- und Fischereivorschriften gewährleisten.

Der reguläre Fährverkehr ist dicht und gut ausgebaut. Von Red Hook auf Saint Thomas verkehren Fähren stündlich nach Cruz Bay. Aus Charlotte Amalie auf Saint Thomas gibt es dreimal täglich Verbindungen, und von Tortola aus besteht ein täglicher Dienst. Darüber hinaus unterhalten regelmäßige Fähren Verbindungen von Virgin Gorda, Jost Van Dyke und Anegada. Diese Linien sichern nicht nur den Personenverkehr, sondern auch den Austausch von Waren und den täglichen Pendelverkehr zwischen den Inseln. Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche private Charterboote, Wassertaxis und Ausflugsanbieter, die die vielen Buchten und Ankerplätze der Insel ansteuern.

Flugverkehr

Saint John verfügt über keinen eigenen Flughafen. Der gesamte Flugverkehr der Insel ist an den nahe gelegenen Cyril E. King Airport auf Saint Thomas gebunden. Reisende, die mit dem Flugzeug ankommen, landen dort und setzen die Reise anschließend per Fähre oder Wassertaxi nach Cruz Bay fort. Die kurze Entfernung zwischen den beiden Inseln macht diese Kombination aus Luft- und Seeweg zur üblichen Anreiseform, und der Flughafen auf Saint Thomas bedient zahlreiche Verbindungen aus den Vereinigten Staaten, aus Puerto Rico und aus anderen Teilen der Karibik.

Früher besaß Saint John jedoch eine eigene, wenn auch besondere Form des Luftverkehrs. In Cruz Bay existierte eine Wasserflugzeugbasis, die über Jahrzehnte hinweg direkten Flugverkehr auf die Insel ermöglichte. Antilles Airboats betrieb ab den 1960er Jahren regelmäßige Dienste mit Wasserflugzeugen und verband Cruz Bay mit Saint Thomas, Saint Croix, Puerto Rico und weiteren Zielen. Das Unternehmen wurde von dem bekannten Piloten Charles Blair gegründet und nach dessen Tod von seiner Ehefrau, der Schauspielerin Maureen O’Hara, weitergeführt. Sie war damit eine der wenigen Frauen, die eine planmäßige amerikanische Fluggesellschaft leiteten. Schließlich verkaufte sie das Unternehmen, und der Betrieb wurde eingestellt.

Nach der Schließung von Antilles Airboats füllte der Virgin Islands Seaplane Shuttle die Lücke. Das Unternehmen setzte vor allem Grumman Mallard Flugboote ein, die teilweise mit Turbinenantrieben ausgestattet waren und sowohl von Landbahnen als auch vom Wasser aus operieren konnten. Die Maschinen starteten unter anderem in San Juan und landeten direkt in der Bucht von Cruz Bay. Diese direkte Anbindung galt als besonders komfortabel und romantisch, doch der Dienst endete mit den Zerstörungen durch Hurrikan Hugo im Jahr 1989. Die Wasserflugzeugbasis in Cruz Bay wurde danach nicht wieder in Betrieb genommen. Heute erinnert lediglich die alte Rampe, die inzwischen als Bootsrampe genutzt wird, an diese Epoche des direkten Flugverkehrs auf die Insel.

Wirtschaft

Das Hauptexportgut von Saint John war früher Zuckerrohr, das in großen Mengen mit Hilfe afrikanischer Sklavenarbeiter produziert wurde. Nach der Abschaffung der Sklaverei ging diese Industrie jedoch zurück, da sie auf freie Arbeitskräfte angewiesen war, um rentabel zu sein. Außerdem musste sie in dieser Zeit mit Zucker konkurrieren, der in anderen Gebieten produziert wurde, unter anderem durch die Verwendung von Zuckerrüben in den nördlichen Gebieten.

Die Wirtschaft von Saint John ist fast vollständig vom Tourismus abhängig. Auf der Insel gibt es Hunderte von Mietvillen sowie Hotels und Resorts. In Cruz Bay und Coral Bay befinden sich zahlreiche Geschäfte und Restaurants, die sowohl Einheimische als auch Touristen bedienen.

Landwirtschaft

In der Vergangenheit war die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig der Insel und bestimmte während der dänischen Kolonialzeit die Landschaft, die Siedlungsstruktur und die gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Entwicklung verlief von der Plantagenwirtschaft mit Zuckerrohr und Baumwolle über eine stärker auf Selbstversorgung ausgerichtete Landwirtschaft nach dem Ende der Plantagenwirtschaft bis zu einer kleinen, heute überwiegend lokalen und privaten Produktion.

Die systematische landwirtschaftliche Erschließung begann mit der dauerhaften dänischen Besiedlung ab 1718. Die Danish West India Company teilte Land an Siedler auf, die zunächst Zuckerrohr, Baumwolle und Nahrungsmittel anbauten. Für die Plantagenwirtschaft wurden große Waldflächen gerodet. Das Gelände wurde durch Terrassen, Mauern, Wege und Entwässerungsanlagen erschlossen.

Zuckerrohr wurde zum wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnis der Plantagenwirtschaft. Bereits 1726 bestanden auf Saint John etwa 20 Zuckerfabriken beziehungsweise Zuckerwerke. 1733 wurden etwa 109 Plantagen gezählt, von denen 21 Zucker produzierten. Zu den bedeutendsten Anlagen gehörte Annaberg, dessen Plantage 1731 gegründet wurde und um 1800 zu den größten Zuckerproduzenten der Insel gehörte.

Die Zuckerproduktion beruhte auf der Arbeit versklavter Afrikaner. Auf den Plantagen wurden Zuckerrohr angebaut, geerntet und in Zuckermühlen verarbeitet. Aus dem Zuckerrohr wurde zunächst Zuckerrohrsaft gewonnen, der anschließend zu Zucker und weiteren Erzeugnissen verarbeitet wurde. Melasse und Rum gehörten ebenfalls zur kolonialen Zuckerwirtschaft der dänischen Westindischen Inseln.

Neben Zuckerrohr wurde Baumwolle angebaut. Baumwolle spielte besonders in den frühen Plantagenjahren eine Rolle und wurde für den Export produziert. Daneben bauten die Plantagen und kleineren landwirtschaftlichen Betriebe Mais, Maniok, Süßkartoffeln, Yams, Bohnen und weitere Nahrungspflanzen an.

Die Versorgung mit Nahrungsmitteln blieb während der Plantagenzeit ein Problem. Die exportorientierte Zuckerwirtschaft beanspruchte einen großen Teil des fruchtbaren Landes und der Arbeitskraft. Ein Teil der Lebensmittel musste deshalb von anderen Inseln eingeführt werden. Gleichzeitig betrieben versklavte Menschen auf kleineren Parzellen eigene Anbauflächen, auf denen insbesondere Nahrungsmittel für den Eigenverbrauch erzeugt wurden.

Die landwirtschaftliche Nutzung veränderte die ursprüngliche Vegetation erheblich. Große Bereiche des ursprünglichen tropischen Waldes wurden für Plantagen gerodet. Auf den höher gelegenen und weniger intensiv genutzten Flächen blieben jedoch Waldgebiete erhalten. Nach dem Niedergang vieler Plantagen konnten sich Teile der natürlichen Vegetation wieder ausbreiten.

Die Plantagenwirtschaft geriet im 19. Jahrhundert zunehmend unter Druck. Sinkende Zuckerpreise, hohe Produktionskosten, die Konkurrenz anderer Zuckeranbaugebiete und die Emanzipation der versklavten Bevölkerung 1848 veränderten die wirtschaftlichen Voraussetzungen grundlegend. Viele Plantagen wurden aufgegeben oder auf eine wesentlich extensivere Nutzung umgestellt.

Nach dem Ende der Sklaverei entstanden kleinere landwirtschaftliche Betriebe. Ein Teil der Bevölkerung bewirtschaftete Gärten und kleine Felder zur Selbstversorgung. Angebaut wurden unter anderem Maniok, Süßkartoffeln, Yams, Mais, Bohnen, Bananen und andere tropische Nutzpflanzen.

Auch Obstbau spielte eine Rolle. In geeigneten Lagen wurden Bananen, Mangos, Papayas, Guaven, Avocados und Zitrusfrüchte kultiviert. Die Produktion blieb jedoch überwiegend kleinräumig und konnte die lokale Nachfrage nicht vollständig decken.

Die Landwirtschaft wurde zusätzlich durch die natürlichen Bedingungen begrenzt. Saint John besitzt kein ganzjährig wasserführendes Flusssystem. Die Niederschläge sind saisonal unterschiedlich verteilt, und längere Trockenperioden können auftreten. Landwirtschaftliche Nutzung ist deshalb in hohem Maß von Bodenfeuchtigkeit, Regenwasser und Wasserspeicherung abhängig.

Die Böden sind ebenfalls unterschiedlich geeignet. In den Tälern und feuchteren Bereichen sind die landwirtschaftlichen Möglichkeiten günstiger als auf den trockenen, felsigen Hängen. Historische Plantagen nutzten deshalb insbesondere die fruchtbareren Täler und Hanglagen. Steinmauern und Terrassen sind noch heute an zahlreichen ehemaligen Anbauflächen erkennbar.

Heute wird auf Saint John nur ein kleiner Teil der Insel landwirtschaftlich genutzt. Ein wesentlicher Grund ist der hohe Anteil geschützter Flächen. Der Virgin Islands National Park umfasst ungefähr 58 bis 60 Prozent der Landfläche der Insel. Dadurch unterliegen große Gebiete besonderen Schutzbestimmungen, die eine intensive landwirtschaftliche Nutzung ausschließen.

Innerhalb des Nationalparks wird die historische Landwirtschaft vor allem als Teil des kulturellen Erbes erhalten und dokumentiert. Die Ruinen von Annaberg, Reef Bay, Catherineberg und anderen ehemaligen Plantagen zeigen Zuckerrohrmühlen, Terrassen, Zisternen, Siedlungsreste und andere Einrichtungen der historischen Landwirtschaft.

Kleinere private Gärten bestehen weiterhin. Dort werden Gemüse, Kräuter, Obst und tropische Nutzpflanzen für den Eigenbedarf angebaut. Die Produktion ist jedoch nicht mit einer modernen kommerziellen Landwirtschaft vergleichbar.

Auch Viehhaltung findet in kleinem Umfang statt. Auf privaten Grundstücken werden unter anderem Ziegen, Hühner und andere Nutztiere gehalten. Die Haltung dient teilweise der Eigenversorgung und teilweise der lokalen Vermarktung. Großflächige Viehzucht besitzt auf Saint John keine wirtschaftliche Bedeutung.

Die landwirtschaftliche Selbstversorgung wird durch den Import von Lebensmitteln ergänzt. Ein großer Teil der auf Saint John konsumierten Lebensmittel wird von außerhalb der Insel eingeführt. Supermärkte und Restaurants sind deshalb auf regelmäßige Lieferungen über das Verkehrs- und Hafensystem der U.S. Virgin Islands angewiesen.

Forstwirtschaft

Die Waldbedeckung Saint Johns war seiut Beginn der europäischen Kolonisierung starken menschlichen Eingriffen ausgesetzt. In der präkolumbischen Zeit nutzten die indigenen Bewohner den Wald für Früchte, Bauholz und Brennmaterial. Mit der dänischen Kolonisierung und dem Aufschwung der Plantagenwirtschaft im 18. Jahrhundert wurde ein erheblicher Teil der ursprünglichen Vegetation gerodet. Besonders zwischen etwa 1730 und 1780, auf dem Höhepunkt der Zucker- und Baumwollproduktion, wurden große Flächen freigelegt. Schätzungen gehen davon aus, dass zeitweise bis zu 60 Prozent der Insel landwirtschaftlich genutzt wurden. Nach dem Niedergang der Plantagenwirtschaft ab der Mitte des 19. Jahrhunderts und der Abschaffung der Sklaverei 1848 wurden viele Flächen aufgegeben. Daraufhin setzte eine natürliche Wiederbewaldung ein. Die heutigen Wälder sind daher überwiegend Sekundärwälder, die sich seit dem späten 19. Jahrhundert entwickelt haben. Reste älterer, weniger gestörter Bestände finden sich vor allem in schwer zugänglichen Bereichen im Süden der Insel.

Die gegenwärtige Vegetation wird als tropischer Trockenwald und in höheren Lagen als feuchterer Wald charakterisiert. Typische Arten sind an das periodisch trockene Klima angepasst. Invasive Arten wie der Wild Tamarind (Leucaena leucocephala) haben sich auf ehemaligen Weideflächen ausgebreitet. Wissenschaftliche Langzeitbeobachtungen, etwa im Einzugsgebiet der Cinnamon Bay, zeigen, dass die Wälder langsam wachsen und durch Hurrikane immer wieder stark beeinflusst werden. Stürme wie Hugo 1989 oder Irma 2017 verursachen erhebliche Schäden durch Entwurzelung und Abbrechen von Stämmen, doch die Vegetation erholt sich in der Regel innerhalb weniger Jahre.

Heute steht der Schutz und die wissenschaftliche Beobachtung der Wälder im Vordergrund. Der Nationalpark verhindert Rodungen und kommerzielle Holznutzung. Die Forstwirtschaft beschränkt sich auf punktuelle Maßnahmen wie die Kontrolle invasiver Arten, die Sicherung von Wanderwegen und die Unterstützung der natürlichen Regeneration. Die Wälder erfüllen wichtige ökologische Funktionen als Erosionsschutz, Wasserspeicher und Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Für die Bevölkerung und die Besucher sind sie vor allem als Erholungsraum und als landschaftsprägendes Element von Bedeutung.

Fischerei

Die Fischerei findet vor allem in den Buchten und küstennahen Meeresgebieten rund um Saint John statt. Gefischt wird überwiegend mit kleinen Motorbooten und kleineren offenen Fischerbooten. Die Fangfahrten beginnen meist von Küstenbereichen bei Cruz Bay und Coral Bay sowie von weiteren geeigneten Anlandestellen. Aufgrund der stark gegliederten Küste bestehen zahlreiche Buchten, die als Ausgangspunkte für die küstennahe Fischerei dienen.

Zu den gefangenen Meeresfischen gehören verschiedene Arten von Schnappern, unter anderem Red Snapper und verschiedene Arten der Familie Lutjanidae, sowie Zackenbarsche der Familie Serranidae. Daneben werden unter anderem Grunts, Jacks, Barrakudas, Doktorfische und weitere Rifffische gefangen. Die genaue Zusammensetzung der Fänge hängt von Fanggebiet, Jahreszeit, Fanggerät und den jeweils geltenden Schutzbestimmungen ab.

Eine weitere Bedeutung besitzen Hummer und verschiedene Arten von Meeresschnecken. Die karibische Languste beziehungsweise Spiny Lobster (Panulirus argus) gehört zu den wirtschaftlich bedeutenden Krustentieren der Region. Auch Conch beziehungsweise die Große Fechterschnecke (Lobatus gigas) ist traditionell Bestandteil der karibischen Fischerei. Für diese Arten gelten jedoch besondere Fangregelungen und Schutzbestimmungen.

Die Gewässer um Saint John sind ökologisch besonders wertvoll. Korallenriffe, Seegraswiesen und Mangroven dienen zahlreichen Fischarten als Lebensraum und Kinderstube. Ein großer Teil dieser Lebensräume liegt innerhalb des Virgin Islands National Park beziehungsweise des Virgin Islands Coral Reef National Monument. Dadurch unterliegt die Fischerei umfangreichen räumlichen und artspezifischen Einschränkungen.

Innerhalb des Nationalparks ist die Fischerei nicht generell auf allen Flächen verboten. Es bestehen vielmehr unterschiedliche Regelungen für verschiedene Gebiete und Fangmethoden. Bestimmte Bereiche sind vollständig geschützt, während in anderen Bereichen Freizeitfischerei unter Einhaltung der geltenden Vorschriften möglich ist. Die Vorschriften sollen insbesondere die Riffökosysteme und die Fischbestände schützen.

Die kommerzielle Fischerei unterliegt den Regelungen der U.S. Virgin Islands und den einschlägigen bundesrechtlichen Vorschriften der Vereinigten Staaten. Für kommerzielle Fischer gelten unter anderem Anforderungen hinsichtlich Lizenzen, Fangmethoden, Schonzeiten und Mindestgrößen. Zusätzlich bestehen besondere Regelungen für geschützte Arten.

Sport- und Freizeitfischerei besitzt ebenfalls Bedeutung. Angler nutzen die Küsten, kleine Boote und Charterboote. Zu den beliebten Zielfischen gehören größere Rifffische sowie pelagische Arten. Sportfischerei wird teilweise mit touristischen Angeboten verbunden, bei denen Besucher an geführten Angeltouren teilnehmen.

Hochsee- und Charterfischerei wird von Saint John aus in kleinerem Umfang betrieben. Charterunternehmen bieten Angelausflüge in die Gewässer zwischen Saint John, Saint Thomas und den angrenzenden Inseln an. Dabei werden sowohl küstennahe als auch weiter vorgelagerte Fanggebiete genutzt.

Die Fischerei steht in engem Zusammenhang mit der lokalen Gastronomie. Frischer Fisch wird von Restaurants und privaten Haushalten verarbeitet. Fischgerichte gehören zur karibischen Küche der Insel und werden insbesondere in Restaurants von Cruz Bay und Coral Bay angeboten.

Historisch war die Nutzung des Meeres für die Bevölkerung Saint Johns noch bedeutender als heute. Während der Plantagenzeit ergänzte die Fischerei die landwirtschaftliche Produktion. Für die Bevölkerung der Plantagen und später der ländlichen Gemeinden stellte der Fang von Fischen und anderen Meerestieren eine zusätzliche Nahrungsquelle dar.

Nach dem Ende der Plantagenwirtschaft blieb die Küstenfischerei Bestandteil des lokalen Lebens. Kleine Boote, Netze, Angeln und Reusen wurden eingesetzt, um Fische und andere Meerestiere für den Eigenbedarf oder den lokalen Verkauf zu fangen.

Mit dem Ausbau des Tourismus veränderte sich die wirtschaftliche Bedeutung der Fischerei. Der Tourismus entwickelte sich zum wichtigsten Wirtschaftszweig, während die Fischerei einen kleineren spezialisierten Sektor bildet. Gleichzeitig entstand durch den Sportfischerei- und Chartertourismus eine zusätzliche Form der wirtschaftlichen Nutzung des Meeres.

Eine besondere Herausforderung ist die Erhaltung der Fischbestände. Die Korallenriffe der U.S. Virgin Islands sind durch Klimawandel, Korallenbleiche, Stürme, Krankheiten, Verschmutzung und andere Belastungen gefährdet. Die Einrichtung großer Meeresschutzgebiete um Saint John dient deshalb auch dem Schutz der Lebensräume von Fischen und anderen Meerestieren.

Nach den schweren Hurrikanen Irma und Maria im September 2017 waren auch Fischerboote und maritime Infrastruktur betroffen. Boote, Stege und andere Einrichtungen wurden beschädigt oder zerstört. Der Wiederaufbau der maritimen Infrastruktur beeinträchtigte damit auch die lokale Fischerei.

Bergbau

Geologisch besteht Saint John überwiegend aus kreidezeitlichen vulkanischen Gesteinen wie Basalten, Andesiten und Keratophyren sowie aus deren vulkanoklastischen Äquivalenten. Später drangen tertiäre mafische Gänge und tonalitische Intrusionen ein. Im Rahmen von mineralogischen Untersuchungen und Ressourcenbewertungen des U.S. Geological Survey wurden vereinzelt Mineralvorkommen registriert, darunter Hinweise auf Gold und andere Vererzungen in Form von kleinen Vorkommen oder Oberflächenanzeichen. Diese Funde blieben jedoch auf dem Niveau von geologischen Beobachtungen und führten nie zu einem kommerziellen Abbau

Handwerk

In Cruz Bay und Coral Bay werden Schmuck, Holzarbeiten, Keramik, Textilien, dekorative Gegenstände und andere handgefertigte Waren angeboten. Ein Teil dieser Produkte greift Motive der karibischen Landschaft und Kultur auf. Dazu gehören Darstellungen von Meer, Fischen, Schildkröten, Palmen, tropischen Pflanzen und historischen Gebäuden.

Holzverarbeitung gehört zu den traditionellen handwerklichen Tätigkeiten. Tischler und Schreiner fertigen Möbel, Türen, Fenster, Geländer und kleinere Gebrauchsgegenstände. Wegen der klimatischen Bedingungen müssen Hölzer gegen hohe Luftfeuchtigkeit, starke Sonneneinstrahlung und Termitenbefall geschützt werden. Neben einheimischen beziehungsweise regional verwendeten Hölzern kommen importierte Hölzer und moderne Holzwerkstoffe zum Einsatz.

Auch die Bootsbau- und Bootsreparaturtradition ist mit der Lage der Insel verbunden. Kleine Boote, Segelboote und Motorboote benötigen laufende Wartung und Reparaturen. Zu den handwerklichen Arbeiten gehören Holzarbeiten, Reparaturen an Rümpfen, Lackierarbeiten, Motorwartung, Elektroarbeiten und die Instandsetzung von Takelage und Beschlägen. Diese Tätigkeiten konzentrieren sich vor allem auf die Bereiche um Cruz Bay und die größeren Buchten.

Metallhandwerk und Schlosserarbeiten werden ebenfalls ausgeübt. Gefertigt und repariert werden unter anderem Geländer, Tore, Treppen, Beschläge, Rahmen und Konstruktionen für Wohn- und Geschäftsgebäude. Korrosion stellt aufgrund der salzhaltigen Meeresluft eine besondere technische Herausforderung dar. Deshalb werden korrosionsbeständige Metalle, Schutzanstriche und andere Oberflächenbehandlungen verwendet.

Das Bauhandwerk besitzt eine größere wirtschaftliche Bedeutung als viele traditionelle Kunsthandwerke. Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Installateure, Fliesenleger, Maler und andere Fachhandwerker sind für den Bau und die Instandhaltung von Wohnhäusern, Ferienhäusern, Hotels und Geschäftsbauten erforderlich. Nach den Hurrikanen Irma und Maria von 2017 stieg der Bedarf an Reparatur- und Wiederaufbauarbeiten erheblich.

Besonders wichtig sind Dachdecker- und Zimmererarbeiten, da Gebäude auf Saint John regelmäßig starken tropischen Stürmen ausgesetzt sind. Beim Wiederaufbau nach den Hurrikanen wurden Dächer, Fenster, Türen und andere Gebäudeteile verstärkt beziehungsweise nach modernen Hurrikanstandards erneuert.

Das Elektrohandwerk besitzt ebenfalls eine wichtige Funktion. Elektriker installieren und reparieren Stromleitungen, Schaltanlagen, Beleuchtung, Klimaanlagen und Photovoltaikanlagen. Mit dem zunehmenden Einsatz von Solarenergie kommen zusätzlich Arbeiten an Solarmodulen, Wechselrichtern, Batteriespeichern und deren elektrischer Einbindung hinzu.

Sanitär- und Installationsbetriebe sind aufgrund der besonderen Wasserwirtschaft der Insel von Bedeutung. Sie installieren und warten Wasserleitungen, Pumpen, Zisternen, Filteranlagen, Warmwasserbereiter und Abwassersysteme. Gerade bei privaten Häusern mit eigenen Zisternen und dezentralen Abwassersystemen sind entsprechende Fachkenntnisse erforderlich.

Kfz-Handwerk gehört ebenfalls zum lokalen Wirtschaftsleben. Autowerkstätten führen Wartungs- und Reparaturarbeiten an Pkw, Geländewagen, Lastwagen und Fahrzeugen touristischer Betriebe durch. Aufgrund der bergigen Straßen und der hohen Bedeutung von Fahrzeugen für den Inselverkehr besteht ein kontinuierlicher Bedarf an Reparaturen und Wartung.

Auch Reparaturen an Bootsmotoren und anderen maritimen Maschinen gehören zum technischen Handwerk. Die Bedeutung des Bootsverkehrs für Personenbeförderung, Tourismus und Versorgung schafft einen entsprechenden Bedarf an Mechanikern und spezialisierten Dienstleistungsbetrieben.

Im kunsthandwerklichen Bereich spielen Schmuckherstellung und Arbeiten mit Perlen, Muscheln, Glas und verschiedenen Metallen eine Rolle. Solche Erzeugnisse werden insbesondere an Besucher verkauft. Sie gehören damit zum touristisch orientierten Kunsthandwerk und werden häufig in kleinen Geschäften, Galerien und bei lokalen Märkten angeboten.

Keramik und Töpferarbeiten gehören ebenfalls zum lokalen Kunsthandwerk. Künstler und Kunsthandwerker fertigen Gefäße, Schalen, dekorative Objekte und kleinere Kunstwerke. Der Verkauf erfolgt überwiegend direkt beziehungsweise über Galerien und Geschäfte.

Textiles Handwerk umfasst unter anderem die Herstellung und Verarbeitung von Kleidung, Taschen, Schmucktextilien und dekorativen Stoffarbeiten. Bei Festen und kulturellen Veranstaltungen werden außerdem traditionelle beziehungsweise karibisch inspirierte Kleidungsstücke und Kostüme angefertigt.

Wasserwirtschaft

Die Wasserversorgung Saint Johns beruht nicht auf großen natürlichen Flüssen oder Seen. Dauerhafte Oberflächengewässer fehlen, sodass Trinkwasser nicht in ausreichender Menge aus natürlichen Binnengewässern gewonnen werden kann. Eine wichtige Rolle spielen deshalb Meerwasserentsalzung, aufbereitetes Wasser, Regenwasserzisternen und die Anlieferung beziehungsweise Verteilung von Wasser.

Historisch waren Zisternen von großer Bedeutung. Bereits während der dänischen Kolonialzeit wurden auf Plantagen und bei Wohnhäusern Regenwasserauffanganlagen errichtet. Die Dächer dienten als Sammelflächen; das Wasser wurde in gemauerten oder unterirdischen Zisternen gespeichert. Zahlreiche historische Gebäude und Plantagenanlagen besitzen noch heute Zisternen beziehungsweise deren bauliche Überreste.

Auch moderne Gebäude verfügen teilweise über Zisternen. Regenwasser wird von Dachflächen gesammelt und für nichttrinkbare Zwecke beziehungsweise nach entsprechender Aufbereitung auch für die Wasserversorgung genutzt. Die Speicherung reduziert die Abhängigkeit von importiertem Wasser und ist wegen der saisonalen Niederschlagsverteilung von Bedeutung.

Für die öffentliche Wasserversorgung ist die Virgin Islands Water and Power Authority (WAPA) zuständig. WAPA betreibt die Wasser- und Energieinfrastruktur des Territoriums. Auf Saint John wird Wasser unter anderem über das öffentliche Verteilungsnetz bereitgestellt. Ein Teil der Versorgung erfolgt über aufbereitetes beziehungsweise entsalztes Meerwasser.

Die begrenzten Süßwasserressourcen machen Saint John besonders abhängig von technischen Wasserversorgungssystemen. Während Trockenperioden steigt die Bedeutung gespeicherter Wasservorräte und zusätzlicher Wasserlieferungen. Der Wasserverbrauch wird außerdem durch die touristische Beherbergung beeinflusst, da Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants und andere touristische Einrichtungen einen erheblichen Teil des gewerblichen Wasserbedarfs verursachen.

Die Abwasserwirtschaft ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe der öffentlichen Infrastruktur. In den stärker bebauten Bereichen besteht eine öffentliche Kanalisation, während in weniger dicht besiedelten Gebieten einzelne Gebäude über dezentrale Abwassersysteme verfügen. Septische Anlagen spielen außerhalb der zentral erschlossenen Bereiche eine bedeutende Rolle.

Energiewirtschaft

Die Energieversorgung wird von der Virgin Islands Water and Power Authority organisiert. Saint John besitzt kein vollständig eigenständiges, von den übrigen Virgin Islands unabhängiges Energiesystem. Die Stromversorgung ist in das territoriale System eingebunden und auf Brennstoffimporte angewiesen.

Die Stromerzeugung der U.S. Virgin Islands basiert traditionell überwiegend auf fossilen Brennstoffen. WAPA betreibt beziehungsweise betrieb thermische Kraftwerksanlagen und versorgt die Inseln über das elektrische Netz. Für Saint John bedeutet dies eine hohe Abhängigkeit von importierten Brennstoffen und von der Funktionsfähigkeit der Stromübertragung und Verteilungsnetze.

Die Energieversorgung wurde durch die Hurrikane Irma und Maria im September 2017 schwer beschädigt. Auf Saint John wurden zahlreiche Strommasten, Leitungen und weitere Infrastruktureinrichtungen zerstört. Der Wiederaufbau dauerte längere Zeit und führte zu umfangreichen Investitionen in widerstandsfähigere Stromnetze.

Nach den Hurrikanen wurde der Ausbau erneuerbarer Energien verstärkt. Photovoltaikanlagen spielen dabei eine zunehmende Rolle. Solaranlagen befinden sich auf Gebäuden, bei privaten Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung eignet sich Solarenergie grundsätzlich gut für die Stromerzeugung auf Saint John.

Abfallwirtschaft

Die Insel verfügt über begrenzte Flächen für Abfallbehandlung und -lagerung. Ein großer Teil der anfallenden Abfälle muss deshalb gesammelt, transportiert und außerhalb der Insel beziehungsweise über zentrale Einrichtungen des Territoriums weiterbehandelt oder entsorgt werden.

Für die öffentliche Abfallwirtschaft ist das Department of Public Works beziehungsweise die zuständige territoriale Abfallverwaltung verantwortlich. Die Waste Management Authority der U.S. Virgin Islands spielt eine zentrale Rolle bei Sammlung, Abwasser- und Abfallinfrastruktur.

Hausmüll wird über das öffentliche beziehungsweise beauftragte Sammelsystem erfasst. In Cruz Bay und den dichter besiedelten Bereichen ist die Abfallsammlung stärker konzentriert, während abgelegenere Wohngebiete und die verstreute Bebauung besondere logistische Anforderungen stellen.

Recycling besitzt ebenfalls Bedeutung. Gesammelt werden unter anderem Metalle, Karton, bestimmte Kunststoffe, Glas und andere verwertbare Materialien. Aufgrund der geringen Mengen und der begrenzten lokalen Verarbeitungskapazitäten müssen viele Wertstoffe zur weiteren Verarbeitung außerhalb Saint Johns transportiert werden.

Besondere Bedeutung besitzt die Entsorgung von Glas, Dosen und Kunststoffflaschen aus dem touristischen Gastgewerbe. Restaurants, Bars, Hotels, Ferienhäuser und touristische Einrichtungen erzeugen während der Hauptsaison deutlich größere Abfallmengen als die dauerhafte Inselbevölkerung allein.

Auch Altfahrzeuge, Reifen, Elektrogeräte und andere sperrige Abfälle stellen besondere Anforderungen dar. Wegen der begrenzten Landfläche können solche Stoffe nicht unbegrenzt auf der Insel gelagert werden. Sammlung, Zwischenlagerung und Abtransport sind daher Bestandteile der Abfalllogistik.

Für die Nationalparkflächen gelten besondere Regelungen. Besucher müssen Abfälle grundsätzlich wieder mitnehmen beziehungsweise an den dafür vorgesehenen Stellen entsorgen. Die Vermeidung von Abfällen besitzt insbesondere an Stränden, auf Wanderwegen und an Korallenriffen eine hohe Bedeutung, weil Kunststoff und andere Abfälle die Meeresökosysteme schädigen können.

Nach den Hurrikanen von 2017 entstand eine außergewöhnlich große Menge an Bau- und Abbruchabfällen. Beschädigte Gebäude, Dächer, Fahrzeuge, Möbel und technische Anlagen mussten entfernt und abtransportiert werden. Die Beseitigung dieser Mengen stellte die Abfallwirtschaft der gesamten U.S. Virgin Islands vor erhebliche logistische Aufgaben.

Handel

Der Handel auf Saint John konzentriert sich vor allem auf Cruz Bay, das als wichtigstes Handels-, Dienstleistungs- und Verkehrszentrum der Insel fungiert. Ein zweiter, deutlich kleinerer Schwerpunkt befindet sich in Coral Bay. Die geringe Einwohnerzahl, die starke touristische Ausrichtung und der große Anteil geschützter Flächen bestimmen die Struktur des Einzelhandels. Ein großer Teil der Geschäfte richtet sich sowohl an die einheimische Bevölkerung als auch an Besucher.

In Cruz Bay konzentrieren sich Geschäfte entlang der Waterfront, der Strand Street, der Mongoose Junction und der angrenzenden Straßen. Das Angebot umfasst Lebensmittelgeschäfte, kleine Supermärkte, Bäckereien, Apotheken, Bekleidungsgeschäfte, Souvenirläden, Kunstgalerien, Juweliergeschäfte, Tauchausrüster, Wassersportgeschäfte, Autovermietungen und verschiedene Dienstleistungsbetriebe. Hinzu kommen Restaurants, Bars und Cafés, die einen bedeutenden Teil des touristisch orientierten Geschäftslebens ausmachen.

Mongoose Junction ist eines der bekanntesten Einkaufszentren von Saint John. Die Anlage liegt in Cruz Bay und verbindet Geschäfte, Galerien, Restaurants und andere touristische Dienstleistungen in einem architektonisch an die karibische Umgebung angepassten Komplex. Ein weiterer Handelsstandort ist Wharfside Village an der Waterfront von Cruz Bay. Dort befinden sich Geschäfte, Restaurants, Bars und touristische Dienstleistungsunternehmen in unmittelbarer Nähe zum Fährterminal.

Für die Versorgung der Bevölkerung sind Lebensmittelgeschäfte von besonderer Bedeutung. Neben größeren Lebensmittelmärkten bestehen kleinere Lebensmittel- und Convenience-Geschäfte. Das Sortiment umfasst importierte Lebensmittel, Getränke, Haushaltswaren und Waren des täglichen Bedarfs. Da Saint John einen großen Teil seiner Waren von außerhalb der Insel beziehen muss, sind Transportkosten und die regelmäßige Versorgung über den Seeweg wichtige Bestandteile des Handels.

Coral Bay besitzt ein wesentlich kleineres, stärker dezentralisiertes Handelszentrum. Entlang der Centerline Road und Coral Bay Road befinden sich Lebensmittelgeschäfte, Restaurants, Bars, Werkstätten, kleine Läden, Kunsthandwerksbetriebe und Dienstleistungsunternehmen. Das Angebot richtet sich sowohl an die Bevölkerung des östlichen Inselteils als auch an Besucher und Bootsbesitzer.

Finanzwesen

Die Insel Saint Thomas mit Charlotte Amalie bildet das wichtigste Finanz- und Geschäftszentrum der U.S. Virgin Islands. Viele Finanzdienstleistungen, Unternehmenssitze und spezialisierte wirtschaftliche Dienstleistungen sind deshalb auf Saint Thomas konzentriert. Saint John verfügt dagegen über ein begrenztes lokales Angebot und ist wirtschaftlich eng an Saint Thomas angebunden.

Bankfilialen befinden sich insbesondere in Cruz Bay. Zu den im Territorium tätigen Banken gehören FirstBank Puerto Rico und Banco Popular de Puerto Rico. Diese Institute bieten unter anderem Konten, Geldautomaten, Überweisungen, Kredite und weitere grundlegende Bankdienstleistungen an. Die Zahl der Filialen auf Saint John ist aufgrund der Größe der Insel begrenzt.

Geldautomaten befinden sich vor allem in Cruz Bay und an Standorten mit hoher touristischer Nutzung. Bargeldversorgung ist sowohl für die Bevölkerung als auch für Besucher relevant, obwohl Kredit- und Debitkarten in den meisten touristischen und gewerblichen Betrieben akzeptiert werden. Die Währung ist der US-Dollar, da die U.S. Virgin Islands ein US-amerikanisches Außengebiet sind.

Der US-Dollar ist auf Saint John das gesetzliche Zahlungsmittel. Das erleichtert insbesondere den Zahlungsverkehr mit den Vereinigten Staaten und den übrigen U.S. Virgin Islands. Gleichzeitig besteht durch den starken Tourismus ein umfangreicher bargeldloser Zahlungsverkehr über internationale Kredit- und Debitkarten.

Das Kreditwesen umfasst neben den Banken auch Hypotheken-, Versicherungs- und Immobilienfinanzierungen. Immobilien spielen auf Saint John wegen des begrenzten verfügbaren Baulandes und des großen Anteils geschützter Flächen eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Immobilienagenturen vermitteln vor allem Wohnimmobilien, Grundstücke, Ferienhäuser und touristische Objekte.

Versicherungsdienstleistungen umfassen unter anderem Gebäude-, Fahrzeug-, Haftpflicht- und Geschäftsversicherungen. Aufgrund der Lage in einem Hurrikangebiet besitzen Gebäude- und Sturmversicherung eine besondere Bedeutung. Die Hurrikane Irma und Maria im September 2017 führten zu erheblichen Schäden an Gebäuden, touristischen Einrichtungen und Infrastruktur und hatten deshalb auch Auswirkungen auf Versicherungswesen, Immobilienmarkt und Unternehmensfinanzierung.

Soziales und Gesundheit

Im Sozialwesen sind die Angebote ebenfalls territorial organisiert und werden vor allem über das Department of Human Services bereitgestellt. Dazu gehören Unterstützungsleistungen für Familien, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und sozial schwache Haushalte. Auf der kleinen Insel spielen zudem gemeinnützige Organisationen, Kirchen und nachbarschaftliche Netzwerke eine wichtige ergänzende Rolle. Sie helfen bei der Versorgung Bedürftiger, bei der Organisation von Lebensmittelhilfen oder bei der Unterstützung nach Naturkatastrophen. Die Folgen der Hurrikane Irma und Maria 2017 haben die Bedeutung solcher lokalen Strukturen besonders deutlich gemacht, da sie oft schneller und flexibler reagieren konnten als die formalen Behörden.

Gesundheitswesen

Die medizinische Grundversorgung wird vor allem durch das Myrah Keating Smith Community Health Center sichergestellt, das zum Schneider Regional Medical Center gehört. Das Zentrum bietet rund um die Uhr Notfallversorgung sowie ambulante Sprechstunden von Montag bis Freitag an. Zu den Leistungen zählen Allgemeinmedizin, Pädiatrie, Frauenheilkunde einschließlich Vorsorgeuntersuchungen und Schwangerenbetreuung, Laboruntersuchungen, Röntgen, Augenheilkunde, Ernährungsberatung und kleinere chirurgische Eingriffe. Schwere oder spezialisierte Fälle werden in der Regel per Boot oder Hubschrauber auf das Roy Lester Schneider Hospital nach Saint Thomas verlegt, das als Hauptkrankenhaus des Bezirks fungiert und ein umfassendes Spektrum an Fachabteilungen bereithält.

Ergänzend dazu existieren weitere Angebote der primären Gesundheitsversorgung. Das Island Health and Wellness Center stellt nicht-notfallmäßige medizinische Betreuung, Gesundheitsaufklärung und Beratungsdienste zur Verfügung und ist auch für Menschen ohne Versicherung oder mit geringen Einkünften zugänglich. Zusätzliche Kliniken und Dienste des territorialen Gesundheitsministeriums decken Bereiche wie Impfungen, Mutter-Kind-Gesundheit und psychische Versorgung ab, auch wenn Personalengpässe zeitweise zu Einschränkungen oder vorübergehenden Schließungen einzelner Einrichtungen geführt haben. Für weitergehende Behandlungen, Operationen oder Spezialdiagnostik bleibt der Transfer nach Saint Thomas oder in Einzelfällen auf das amerikanische Festland erforderlich.

Krankheiten

Die gesundheitliche Lage auf Saint John wird vor allem durch tropische und subtropische Bedingungen sowie durch die enge Anbindung an das übrige Territorium der Amerikanischen Jungferninseln bestimmt. Zu den bedeutendsten Herausforderungen zählen durch Mücken übertragene Erkrankungen. Dengue-Fieber tritt immer wieder in Ausbrüchen auf und hat in den letzten Jahren mehrfach die Insel betroffen. Die Krankheit wird vorwiegend durch die tagsüber stechende Aedes-aegypti-Mücke verbreitet und verläuft in vielen Fällen mild oder asymptomatisch, kann jedoch zu hohem Fieber, starken Gelenk- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen hinter den Augen, Übelkeit und in schweren Fällen zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Nach einem größeren Ausbruch im Jahr 2024 mit mehreren Dutzend bestätigten Fällen auf Saint John gingen die Zahlen 2025 deutlich zurück, doch das Risiko bleibt bestehen. Weitere durch Mücken übertragene Viren wie Zika und Chikungunya wurden in der Vergangenheit ebenfalls registriert, spielen derzeit jedoch eine geringere Rolle. Präventive Maßnahmen wie das Vermeiden stehender Wasserstellen, das Tragen langer Kleidung und der Einsatz von Repellents sind daher von großer Bedeutung.

Neben den arboviralen Erkrankungen kommen weitere Infektionskrankheiten vor, die mit dem tropischen Klima und den Lebensbedingungen zusammenhängen. Leptospirose kann durch Kontakt mit kontaminiertem Süßwasser oder Boden übertragen werden, insbesondere nach Starkregen und Überschwemmungen. Magen-Darm-Infektionen durch Bakterien wie Salmonella oder Campylobacter treten gelegentlich auf und stehen oft mit unzureichender Lebensmittelhygiene oder verunreinigtem Wasser in Verbindung. Saisonale Influenzawellen und andere Atemwegsinfektionen, einschließlich COVID-19, werden ebenfalls registriert und können sich in der engen Inselgemeinschaft rasch ausbreiten. In Schulen und Kindertagesstätten wurden zudem Ausbrüche von Hand-Fuß-Mund-Krankheit beobachtet.

Chronische Erkrankungen spielen wie in vielen karibischen Gesellschaften eine wachsende Rolle. Hoher Blutdruck, Diabetes und Übergewicht sind verbreitet und stellen eine langfristige Belastung für das Gesundheitssystem dar. Die begrenzte lokale Versorgungskapazität bedeutet, dass Patienten mit schweren oder komplizierten Verläufen häufig nach Saint Thomas oder weiter verlegt werden müssen. Psychische Belastungen und die Folgen wiederholter Naturkatastrophen, insbesondere der Hurrikane von 2017, wirken sich ebenfalls auf die öffentliche Gesundheit aus und erfordern entsprechende Beratungs- und Unterstützungsangebote.

Bildung

Das Bildungswesen auf Saint John ist eng mit dem St. Thomas-St. John School District verbunden, der die öffentlichen Schulen für die Inselbewohner betreibt. Die einzige öffentliche Schule auf der Insel ist die Julius E. Sprauve School, ausgesprochen „Sprow“ und im Alltag meist als JESS abgekürzt. Sie liegt im Zentrum von Cruz Bay und bietet Unterricht von der Vorschule bis zur achten Klasse an. Die Schule verfügt über ein Grund- und ein Mittelschulprogramm und bildet damit das Rückgrat der öffentlichen Bildung für die jüngeren Kinder und Jugendlichen der Insel. Nach den schweren Zerstörungen durch die Hurrikane Irma und Maria 2017 wurde der Unterricht zeitweise in provisorischen Modulgebäuden fortgesetzt, und langfristig ist ein moderner Neubau geplant.

Neben der öffentlichen Schule existieren mehrere private und kirchliche Einrichtungen. Dazu gehören die Gifft Hill School, die aus den früheren Schulen Pine Peace und Coral Bay hervorgegangen ist, die Saint John Christian Academy, die Saint John Methodist School und die Saint John Montessori School. Die Gifft Hill School ist die einzige Einrichtung auf der Insel, die ein vollständiges Programm von der Grundschule über die Mittelstufe bis zur High School anbietet. Alle anderen privaten Schulen konzentrieren sich auf die unteren und mittleren Jahrgänge. Für die öffentliche High School müssen die Schülerinnen und Schüler von Saint John nach Saint Thomas pendeln. Sie besuchen die Ivanna Eudora Kean High School in Red Hook, die mit dem Fährverkehr erreichbar ist und die weiterführende Bildung für die Jugendlichen der Insel sicherstellt.

Höhere Bildung

Im Bereich der höheren Bildung ist Saint John auf Einrichtungen außerhalb der Insel angewiesen. Die wichtigste Institution ist die University of the Virgin Islands, eine öffentliche, historisch schwarze Hochschule mit Hauptcampus auf Saint Thomas und einem weiteren Standort auf Saint Croix. Die Universität bietet eine Vielzahl von Bachelor- und Masterstudiengängen an und unterhält zeitweise auch akademische Angebote und Ressourcen auf Saint John selbst, etwa in Form von Studienzentren oder Weiterbildungsprogrammen. Viele junge Menschen von der Insel nehmen das Studium auf Saint Thomas auf oder wechseln später an Hochschulen auf dem amerikanischen Festland. Ergänzend dazu existieren berufliche Weiterbildungsangebote und Stipendienprogramme der territorialen Regierung, die den Zugang zur höheren Bildung erleichtern sollen. Insgesamt spiegelt das Bildungssystem Saint Johns die Kleinheit der Insel wider: Die Grund- und Mittelschulbildung findet weitgehend vor Ort statt, während die High School und vor allem die akademische Ausbildung den Blick über den Fähranleger hinaus erfordern.

Bibliotheken und Archive

Die wichtigste öffentliche Bibliothek ist die Elaine Ione Sprauve Public Library and Museum of Cultural Arts in Cruz Bay. Sie gehört zum Virgin Islands Public Library System, das der Division of Libraries, Archives and Museums im Department of Planning and Natural Resources untersteht. Die Bibliothek verfügt über eine allgemeine Ausleihe sowie eine kleine Sammlung zu den Jungferninseln und der Karibik. Nach den Zerstörungen durch die Hurrikane Irma und Maria 2017 blieb das Gebäude längere Zeit geschlossen. Es wurde zwar renoviert und neu eröffnet, doch der volle Betrieb mit festem Personal war in den folgenden Jahren wiederholt eingeschränkt. Virtuelle Dienste des territorialen Bibliothekssystems, etwa digitale Ausleihen, stehen den Einwohnern dennoch durchgehend zur Verfügung.

Für die historische Überlieferung spielt die St. John Historical Society eine zentrale Rolle. Die 1974 gegründete gemeinnützige Organisation sammelt, bewahrt und erschließt Dokumente, Fotografien, Karten, Artefakte und mündliche Überlieferungen zur Geschichte der Insel. Sie unterhält ein eigenes Archiv, das nach Jahren der provisorischen Lagerung in einem neuen Büro in Cruz Bay zugänglich gemacht wurde. Die Gesellschaft organisiert Vorträge, Veröffentlichungen, archäologische Projekte und Ausstellungen und arbeitet eng mit dem Virgin Islands National Park sowie mit Forschern zusammen. Viele ihrer Bestände waren zeitweise in der Elaine Ione Sprauve Library untergebracht, bevor sie in die Obhut der Society übergingen.

Territoriale Archive mit relevanter Überlieferung für Saint John befinden sich vor allem auf Saint Thomas und Saint Croix. Die Territorial Archives in der Enid M. Baa Library auf Saint Thomas und in der Florence Williams Library auf Saint Croix verwahren ältere Verwaltungsakten aus der dänischen Kolonialzeit, darunter Dokumente in dänischer Sprache, sowie Unterlagen aus der amerikanischen Periode. Für genealogische und landeshistorische Forschungen sind diese Bestände unverzichtbar, auch wenn sie nicht auf Saint John selbst lagern. Ergänzend dazu verfügt die University of the Virgin Islands über wissenschaftliche Sammlungen und Digitalisierungsprojekte, die teilweise Materialien zur Inselgeschichte zugänglich machen.

Kultur

In Cruz Bay gibt es zahlreiche Geschäfte und Restaurants, die von Touristen und Einheimischen gleichermaßen besucht werden. Das Virgin Islands National Park Visitor Center, die Elaine Sprauve Library und ein United States Post Office befinden sich ebenfalls in Cruz Bay. Der Cruz Bay Town Historic District wurde 2016 in das U.S. National Register of Historic Places aufgenommen.

Museen

Saint John besitzt eine Reihe bedeutender historischer und kultureller Stätten, die als Freilichtmuseen und Interpretationszentren fungieren und das Erbe der Insel anschaulich vermitteln. Im Zentrum steht der Virgin Islands National Park, der den größten Teil der Insel umfasst und zahlreiche gut erschlossene Ruinen und Ausstellungsorte unterhält. Das Visitor Center in Cruz Bay bildet den Ausgangspunkt für viele Besucher. Es zeigt wechselnde Ausstellungen zu Natur, Geschichte und Kultur der Insel, bietet Karten, Broschüren und Bücher an und informiert über geführte Touren, Wanderungen und Schnorchelausflüge.

Zu den wichtigsten historischen Anlagen gehört die Annaberg Sugar Plantation an der Nordküste. Die Ruinen der im 18. Jahrhundert errichteten Zuckerplantage umfassen Fabrikgebäude, Windmühle, Tiermühle, Wachthaus und die Wohnquartiere der versklavten Arbeiter. Informationstafeln und gelegentliche Führungen durch Parkranger erläutern den Zuckerherstellungsprozess und das Leben unter der Sklaverei. Ähnliche Einblicke bieten die Ruinen der Cinnamon Bay Plantation und der Catherineberg Estate, die ebenfalls innerhalb des Nationalparks liegen und mit erläuternden Schildern versehen sind. Am Reef Bay Trail finden sich zudem die Petroglyphen der Taíno, die zu den ältesten kulturellen Zeugnissen der Insel zählen und zusammen mit den Plantagenruinen eine Verbindung von indigenen und kolonialen Schichten herstellen.

Ein weiteres Zentrum ist das Cinnamon Bay Educational Center and Archaeological Laboratory. Es präsentiert Funde aus den Ausgrabungen an der Bucht und vermittelt Erkenntnisse über die präkolumbische Besiedlung und die Entwicklung der Taíno-Kultur. Die Exponate und Interpretationen machen die archäologische Bedeutung der Insel für ein breiteres Publikum zugänglich. Ergänzend dazu unterhält die St. John Historical Society in Cruz Bay ein Büro mit wechselnden Ausstellungen. Dort werden Artefakte, Fotografien, Dokumente und Alltagsgegenstände aus der lokalen Geschichte gezeigt, darunter traditionelle Handwerksstücke, Musikinstrumente und persönliche Nachlässe. Die Society plant langfristig ein eigenes Cultural and Historic Resource Center auf dem Gelände der historischen Bellevue Estate, das Archive, Ausstellungsräume und Veranstaltungsflächen vereinen soll. Weitere kleinere Stationen wie die Windmühle auf Peace Hill oder verstreute Plantagenruinen entlang der Wanderwege ergänzen das Angebot.

Architektur

dominieren verstreute Ruinen, einfache karibische Wohnhäuser und einzelne zeitgenössische Anlagen, die sich in die hügelige und bewaldete Umgebung einfügen. Den stärksten historischen Eindruck hinterlassen die zahlreichen Plantagenruinen aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert. Typisch für die dänische Kolonialarchitektur auf Saint John sind massive Mauern aus lokalem Stein, Korallenblöcken und Ballastziegeln, die mit Kalkmörtel verbunden wurden. Viele der Ziegel kamen als Ballast auf den Schiffen aus Europa und wurden nach der Ankunft als Baumaterial weiterverwendet. Charakteristische Elemente sind hohe Windmühlentürme mit konischen Formen, Tiermühlen, Siedekesselhäuser, Zisternen und die schlichten Wohnquartiere der versklavten Arbeiter.

Bedeutende Beispiele finden sich in Annaberg mit seinem markanten Windmühlenturm und der Fabrikanlage, in Cinnamon Bay mit Fabrik, Herrenhaus und Friedhof sowie in Catherineberg und Reef Bay. Diese Anlagen dienten der industriellen Zuckerproduktion und spiegeln zugleich die soziale Hierarchie der Plantagengesellschaft wider. Nach der Abschaffung der Sklaverei und dem wirtschaftlichen Niedergang verfielen die meisten Gebäude und wurden von der tropischen Vegetation teilweise zurückerobert. Heute werden sie vom National Park Service gepflegt und mit Informationstafeln erschlossen.

In Cruz Bay, dem Hauptort der Insel, mischen sich ältere und neuere Bauformen. Einige Gebäude gehen auf die späte Kolonialzeit zurück und zeigen Merkmale wie die charakteristischen „welcoming arms“-Treppen oder einfache steinerne Grundstrukturen. Die Elaine Ione Sprauve Library ist in einem ehemaligen Plantagenhaus untergebracht und bewahrt Elemente der historischen Bauweise. Moderne Anlagen wie das Einkaufszentrum Mongoose Junction greifen bewusst auf die Ästhetik der Plantagenruinen zurück. Sie verwenden lokalen Stein, Ziegel und Korallenmaterial und schaffen mit Innenhöfen und offenen Strukturen einen Übergang zwischen historischer Anmutung und heutiger Nutzung.

Die zeitgenössische Architektur auf Saint John ist stark durch die Vorgaben des Virgin Islands National Park und den Wunsch nach Landschaftserhalt geprägt. Hochhäuser sind untersagt, Neubauten müssen sich in die natürliche Umgebung einfügen. Viele Ferienhäuser und Resorts orientieren sich an einem organischen Stil, der offene Grundrisse, natürliche Materialien wie Holz und Stein sowie eine enge Verbindung zur Vegetation bevorzugt. Das von Laurance Rockefeller entwickelte Caneel Bay Resort setzte früh Maßstäbe für eine zurückhaltende, landschaftsbezogene Bauweise. Ähnliche Prinzipien finden sich in zahlreichen privaten Villen und kleineren Hotels, die sich in die Hügel und an die Buchten schmiegen.

Bildende Kunst

Im Mittelpunkt der bildenden Kunst auf Saint John stehen Malerei, Aquarelle, Keramik, Skulptur und Mixed-Media-Arbeiten, die häufig die Natur, das Meer, die Plantagenruinen und die afrokaribische Kultur thematisieren. Die Insel beherbergt keine großen staatlichen Museen für zeitgenössische Kunst, doch private Galerien, Ateliers und regelmäßige Ausstellungen bilden ein aktives Netzwerk.

Eine zentrale Rolle spielt die Bajo el Sol Gallery im Mongoose Junction in Cruz Bay. Sie besteht seit den frühen 1990er Jahren und zeigt Werke von Künstlern der Jungferninseln und der weiteren Karibik. Die Galerie veranstaltet thematische Ausstellungen, Künstlergespräche und kulturelle Veranstaltungen und verbindet bildende Kunst mit Literatur, Musik und regionaler Geschichte. Weitere wichtige Orte sind Coconut Coast Studios an der Frank Bay, wo die Künstlerin Elaine Estern Aquarelle schafft, die oft gleichzeitig über- und unterwasser Perspektiven der Insel verbinden, sowie kleinere Galerien und Ateliers, die Keramik, Schmuck und Skulpturen anbieten.

Viele Künstler leben und arbeiten direkt auf Saint John. Ihre Werke greifen die intensive Farbigkeit der Tropen, die Formen der Korallenriffe, die Überreste der Zuckerplantagen und die Erinnerungen an die afrokaribische Diaspora auf. Neben der Malerei ist die Keramik stark vertreten, oft mit lokal gewonnenem Ton und Motiven, die an Küstenlinien und Meeresströmungen erinnern. Auch Metallarbeiten, Holzskulpturen und fotografische Arbeiten finden sich im Angebot. Die St. John School of the Arts fördert zudem junge Talente und bietet Unterricht in bildender Kunst an, sodass nachfolgende Generationen in die lokale Kunsttradition hineinwachsen.

Literatur

Die Literatur über Saint John beschäftigt sich besonders mit der Geschichte der Insel, der Plantagenwirtschaft, der Sklaverei und Emanzipation, der karibischen Gesellschaft sowie mit Landschaft und Alltagsleben. Einen wichtigen historischen Bezugspunkt bildet der Sklavenaufstand von 1733. Die Ereignisse, an denen versklavte Menschen aus verschiedenen afrikanischen Herkunftsgruppen beteiligt waren, gehören zu den zentralen historischen Themen der lokalen Erinnerungskultur. Auch die Geschichte der Plantagen Annaberg, Catherineberg, Reef Bay und anderer ehemaliger Zuckerplantagen ist Gegenstand historischer Veröffentlichungen.

Eine besondere Bedeutung besitzt die mündliche Überlieferung. Erzählungen über Familiengeschichte, Plantagen, die Zeit der Sklaverei, die Emanzipation von 1848, das Leben in den ehemaligen Landgemeinden und die Entwicklung von Cruz Bay und Coral Bay wurden über Generationen weitergegeben. Diese Oral History ergänzt die schriftliche Geschichtsschreibung, weil viele Aspekte des früheren Alltagslebens nicht ausschließlich durch offizielle koloniale Dokumente überliefert sind.

Die schriftliche Literatur der U.S. Virgin Islands ist insgesamt stärker mit Saint Thomas und Saint Croix verbunden, doch Saint John erscheint regelmäßig als Schauplatz oder Gegenstand literarischer und historischer Werke. Die Landschaft der Insel mit ihren Buchten, Stränden, Wäldern und ehemaligen Plantagen bildet dabei häufig den räumlichen Hintergrund.

Zu den bekannten Schriftstellern der U.S. Virgin Islands gehört John G. W. Hodge, der historische und literarische Arbeiten zur Kultur der Virgin Islands verfasste. Auch andere Autoren aus dem Territorium behandeln Themen wie Kolonialgeschichte, afrokaribische Identität, Migration und das Verhältnis zwischen den Virgin Islands und den Vereinigten Staaten.

Ein wichtiger historischer Autor ist auch J. Antonio Jarvis (1877 bis 1948), der sich intensiv mit der Geschichte und Kultur der Virgin Islands beschäftigte. Seine Veröffentlichungen gehören zu den älteren Quellen zur Geschichte des Territoriums und behandeln unter anderem die dänische Kolonialzeit und die gesellschaftliche Entwicklung der Inseln.

Theater

Theatralische Aufführungen entstehen häufig im Umfeld von Schulen, Kirchen, Kulturorganisationen und lokalen Veranstaltungsgruppen. Das Repertoire reicht von Theaterstücken und Musicals bis zu historischen Darstellungen, Lesungen und kleineren Bühnenproduktionen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Geschichte der U.S. Virgin Islands. Aufführungen und kulturelle Programme greifen Themen wie die afrikanische Herkunft der Bevölkerung, die Plantagenwirtschaft, die Sklaverei, den Aufstand von 1733 und die Emanzipation von 1848 auf. Dadurch dient Theater nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Vermittlung lokaler Geschichte.

Cruz Bay ist der wichtigste Ort für öffentliche Kulturveranstaltungen. Veranstaltungen finden unter anderem in Gemeindeeinrichtungen, Schulen, Kirchen, Hotels, Restaurants und bei größeren Freiluftveranstaltungen statt. Während der jährlichen St. John Celebration treten neben Musikgruppen auch Tanz- und Kulturgruppen auf; einzelne Programme enthalten außerdem dramatische oder erzählerische Elemente.

Film

Die Landschaft von Saint John wurde insbesondere für Dokumentarfilme, Reiseproduktionen und Naturfilme genutzt. Der Virgin Islands National Park und das Virgin Islands Coral Reef National Monument bilden wichtige Motive für Produktionen über tropische Ökosysteme, Korallenriffe, Meeresschutz und die Geschichte der Karibik.

Historische Film- und Fernsehproduktionen verwenden gelegentlich die ehemaligen Plantagenanlagen und die koloniale Architektur als Kulisse. Annaberg und andere Ruinen des Nationalparks vermitteln dabei ein historisches Erscheinungsbild der dänischen Plantagenzeit. Für professionelle Dreharbeiten innerhalb des Nationalparks gelten die Genehmigungs- und Schutzbestimmungen des National Park Service.

Die filmische Darstellung Saint Johns konzentriert sich häufig auf Natur und Tourismus. Unterwasseraufnahmen von Korallenriffen, Meeresschildkröten und tropischen Fischen gehören zu den häufigsten Motiven. Daneben werden Strände wie Trunk Bay und die Buchten der Nordküste in Reise- und Dokumentarproduktionen dargestellt.

Musik und Tanz

Während der dänischen Plantagenzeit entwickelten sich unter der versklavten Bevölkerung eigene Formen des Gesangs, des Trommelns und des Tanzes. Afrikanische musikalische Traditionen wurden mit europäischen Kirchen- und Tanzformen verbunden. Nach der Emanzipation von 1848 blieben diese kulturellen Elemente Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und wurden über Familien, Kirchen und Gemeinschaften weitergegeben.

Zu den wichtigsten traditionellen Musikformen der Virgin Islands gehört Quelbe. Diese Musikform entwickelte sich auf den Jungferninseln und wird insbesondere mit Saint Croix verbunden, ist aber Bestandteil der Kultur der gesamten U.S. Virgin Islands. Quelbe wird häufig mit akustischen Instrumenten gespielt und behandelt in den Liedtexten Alltag, Politik, soziale Ereignisse und lokale Begebenheiten. Typisch sind unter anderem Gitarre, Bass, Cuatro, Banjo, Schlaginstrumente und verschiedene improvisierte Rhythmusinstrumente.

Auch Calypso besitzt eine wichtige Stellung. Die aus Trinidad stammende Musikform verbreitete sich im gesamten karibischen Raum und wurde mit lokalen musikalischen Traditionen verbunden. Calypso-Lieder behandeln häufig gesellschaftliche Ereignisse, politische Entwicklungen, Personen und Alltagsthemen. Auf Saint John gehört Calypso besonders zum musikalischen Umfeld der großen Festveranstaltungen.

Soca ist eine weitere wichtige Musikrichtung. Sie entwickelte sich aus dem Calypso und besitzt einen stärker tanzorientierten Charakter. Während der Festwochen und bei öffentlichen Tanzveranstaltungen werden Soca-Stücke regelmäßig gespielt. Die rhythmisch betonte Musik steht in enger Verbindung mit Paraden, Straßenfesten und Tanzveranstaltungen.

Reggae ist ebenfalls weit verbreitet. Die aus Jamaika stammende Musik wurde seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem festen Bestandteil der karibischen Populärkultur. Auf Saint John wird Reggae sowohl von lokalen Musikern als auch von Bands und DJs aus anderen Teilen der Karibik und den Vereinigten Staaten gespielt.

Dancehall und verwandte jamaikanische Stilrichtungen haben ebenfalls Eingang in das lokale Musikleben gefunden. Dazu kommen R&B, Hip-Hop, Soul, Funk und zeitgenössische Popmusik aus den Vereinigten Staaten. Das heutige Musikangebot ist daher deutlich internationaler als die historischen lokalen Musikformen.

Eine besondere Stellung besitzt Steelpan-Musik. Das Steelpan-Instrument entstand in Trinidad und wurde im 20. Jahrhundert zu einem charakteristischen Instrument der karibischen Musik. Steelbands treten im Umfeld von Festen, kulturellen Veranstaltungen und Paraden auf. Die Musik wird häufig mit Calypso und Soca verbunden.

Kirchenmusik bildet einen weiteren wichtigen Bereich. Aufgrund der starken christlichen Tradition Saint Johns spielen Chöre, Gospelgruppen und Kirchenbands eine bedeutende Rolle. In den verschiedenen protestantischen Gemeinden werden traditionelle Kirchenlieder ebenso aufgeführt wie moderne Gospelmusik. Auch bei Gemeindefesten, Hochzeiten, Beerdigungen und anderen religiösen Veranstaltungen spielt Musik eine zentrale Rolle.

Die Moravian Church besitzt aufgrund ihrer langen Geschichte auf Saint John eine besondere Stellung. Die Moravian Brethren gründeten bereits 1749 eine Gemeinde in Emmaus. Kirchenmusik, Chorgesang und religiöse Aufführungen gehören seit dieser Zeit zur christlichen Kultur der Insel.

Die St. John Celebration ist der wichtigste öffentliche Rahmen für Musik und Tanz. Das Festprogramm umfasst Konzerte, Tanzveranstaltungen, Straßenmusik, Paraden und Auftritte von lokalen und regionalen Künstlern. In Cruz Bay werden während der Celebration Bühnen errichtet, auf denen unterschiedliche Musikrichtungen präsentiert werden.

Ein Höhepunkt ist die Parade durch Cruz Bay. Musikgruppen, Blaskapellen, Steelbands und Tanzgruppen begleiten den Festzug. Die Teilnehmer tragen farbenprächtige Kostüme und führen Choreografien auf. Damit verbindet die Parade Musik, Tanz und visuelle Festkultur.

Tanz ist traditionell eng mit der Musik verbunden. Zu den karibischen Tanzformen, die auf Saint John gepflegt werden, gehören unter anderem Tänze zu Calypso, Soca, Reggae und Quelbe. Bei Festen und gesellschaftlichen Veranstaltungen werden sowohl Paartänze als auch Gruppentänze aufgeführt.

Quadrille gehört zum historischen Tanzrepertoire der Virgin Islands. Der Tanz gelangte über europäische und koloniale Gesellschaftskultur in die Karibik und wurde anschließend lokal angepasst. Quadrille wird mit festgelegten Figuren und Partnerwechseln getanzt und gehört zum traditionellen Kulturerbe der Jungferninseln. Besonders bei kulturellen Vorführungen und historischen Veranstaltungen wird diese Tanzform gezeigt.

Auch traditionelle Tänze mit afrikanischen und afrokaribischen Elementen gehören zum kulturellen Erbe. Rhythmische Gruppenbewegungen, Trommeln und Gesang waren wichtige Bestandteile der Gemeinschaftskultur der afrokaribischen Bevölkerung. In modernen Aufführungen werden diese Traditionen teilweise mit karibischen und zeitgenössischen Tanzformen verbunden.

Schulische und gemeinschaftliche Tanzgruppen tragen zur Weitergabe dieser Traditionen bei. Kinder und Jugendliche treten bei Festen, Schulveranstaltungen und kulturellen Programmen auf. Dabei werden sowohl traditionelle Tänze als auch moderne karibische Tanzstile vermittelt.

Musiker aus Saint John treten häufig gemeinsam mit Künstlern aus Saint Thomas und Saint Croix auf. Die geringe Größe der Insel führt dazu, dass das musikalische Leben stark über die Grenzen der einzelnen Inseln hinweg organisiert ist. Musiker, Bands und Tanzgruppen nehmen an Veranstaltungen im gesamten Territorium der U.S. Virgin Islands teil.

Kleidung

Im Alltag herrscht eine entspannte, dem tropischen Klima angepasste Mode vor. Leichte Stoffe, kurze Hosen, T-Shirts, sommerliche Kleider und Sandalen dominieren. In den Ortschaften, vor allem in Cruz Bay, gilt jedoch ein gewisses Maß an Bekleidungsvorschriften: In Geschäften, Behörden und öffentlichen Einrichtungen wird erwartet, dass Schultern und Oberschenkel bedeckt sind. Badekleidung allein gilt in der Stadt als unangemessen, weshalb viele Einheimische und Besucher ein Cover-up oder leichte Oberbekleidung tragen, sobald sie den Strand verlassen.

Die traditionelle Tracht ist eng mit dem Madras-Stoff verbunden. Dieses karierte, leichte Gewebe stammt ursprünglich aus Indien und wurde in der Kolonialzeit in die Karibik eingeführt. Auf den Jungferninseln entwickelte es sich zu einem wichtigen kulturellen Symbol. Frauen tragen bei festlichen Anlässen und bei der traditionellen Quadrille-Tanzkleidung oft farbenfrohe Madras-Kleider mit weiten Röcken, Rüschenblusen und passenden Kopfbinden. Die Art, wie die Kopfbedeckung gebunden ist, konnte historisch Hinweise auf den Familienstand geben. Männer erscheinen bei solchen Anlässen in Madras-Hemden und Hosen oder in schlichten weißen Hosen mit farbenfrohem Oberteil. Diese Tracht wird vor allem bei kulturellen Veranstaltungen, beim Carnival, bei Quadrille-Aufführungen und bei offiziellen Festakten getragen und gilt als Ausdruck lokaler Identität.

Neben dem Madras spielen weitere Elemente der afrokaribischen Maskentradition eine Rolle. Bei Festen und Umzügen erscheinen Figuren wie Mocko Jumbies auf Stelzen in farbenprächtigen Kostümen oder andere maskierte Gestalten, deren Wurzeln sowohl in westafrikanischen als auch in europäischen Karnevalstraditionen liegen. Raffia-Kostüme, scheinbar geschlechtsübergreifende Verkleidungen und farbenfrohe Masken gehören zu diesem Repertoire und werden bei besonderen Anlässen aufgeführt.

Im modernen Alltag mischen sich diese traditionellen Elemente mit zeitgenössischer Mode. Lokale Designer und kleine Boutiquen auf Saint John verarbeiten Madras und andere karibische Motive in aktuelle Schnitte und schaffen so eine Verbindung zwischen kulturellem Erbe und heutiger Lebensweise.

Kulinarik und Gastronomie

Die traditionelle Inselküche wurzelt in den Erfahrungen der versklavten Afrikaner, den Einflüssen der europäischen Siedler und den späteren Beiträgen aus der weiteren Karibik sowie aus Puerto Rico und dem amerikanischen Festland. Frischer Fisch, Meeresfrüchte, Maismehl, Okra, Blattgemüse und kräftige Gewürze bilden die Grundlage vieler Gerichte.

Das inoffizielle Nationalgericht der Amerikanischen Jungferninseln ist Fish and Fungi, ausgesprochen „foon-jee“. Fungi ist eine cremige, polentaähnliche Beilage aus Maismehl und Okra, die zu gedünstetem oder gebratenem Fisch, meist Rotschnapper oder anderem lokalen Fang, serviert wird. Ebenso charakteristisch ist Callaloo, eine kräftige Suppe aus blättrigem Grün, Okra und oft mit Krabben, Conch oder Fleisch angereichert. Conch-Fritters, knusprig frittierte Bällchen aus zerkleinertem Meeresschneckenfleisch mit Kräutern und Gewürzen, gehören zu den beliebtesten Vorspeisen. Weitere traditionelle Gerichte sind Johnnycakes, leicht süßliche frittierte Teigfladen, Pates, gefüllte und frittierte Teigtaschen mit Fleisch oder Salzfisch, sowie Roti, mit Curry oder Eintöpfen gefüllte Fladenbrote indisch-karibischer Herkunft. Gedünstete Ziegenfleischgerichte, Salzfisch und verschiedene Eintöpfe runden das Bild der lokalen Hausmannskost ab.

Die Gastronomieszene der Insel ist vielfältig und reicht von einfachen lokalen Imbissen bis zu gehobenen Restaurants. In Cruz Bay konzentrieren sich zahlreiche Betriebe. Morgan’s Mango bietet neo-karibische Küche mit Einflüssen aus Kuba, Puerto Rico und Haiti und ist für seine Meeresfrüchte und kreativen Zubereitungen bekannt. The Longboard serviert frische Ceviches, Tacos und Gerichte mit karibisch-lateinamerikanischen Anklängen in entspanntem Ambiente. Weitere beliebte Adressen sind Miss Lucy’s an der Friis Bay mit traditionellen Gerichten und Meerblick, Skinny Legs in Coral Bay als lässige Bar und Grillstation sowie verschiedene kleinere Plätze, die Pates, Roti und gebratenes Hähnchen anbieten. Gehobene Küche findet sich etwa bei ZoZo’s oder Extra Virgin Bistro, wo frische Zutaten und aufwendige Menüs im Vordergrund stehen.

Die Versorgung der Insel mit Lebensmitteln ist eng an den Schiffsverkehr gebunden. Frischer Fisch kommt von lokalen Fischern, tropische Früchte wie Mango, Papaya und Bananen sind saisonal verfügbar, doch viele Grundnahrungsmittel und Spezialitäten müssen importiert werden. Dadurch liegen die Preise oft höher als auf dem Festland. Gleichzeitig hat sich eine Szene entwickelt, die Wert auf frische, möglichst lokale Zutaten legt und karibische Traditionen mit internationalen Einflüssen verbindet. Streetfood, Beach Bars und informelle Imbisse ergänzen die Restaurantlandschaft und machen die Küche Saint Johns im Alltag ebenso erlebbar wie bei festlichen Anlässen.

Festkultur

Auf Saint John gelten die Feiertage der Amerikanischen Jungferninseln.

  • 1. Januar  - New Year's Day (Neujahrstag)
  • 6. Januar  -  Three Kings' Day (Dreikänigstag)
  • 21. Januar  -  Martin Luther King Day (Martin Luther King-Tag)
  • 18. Februar  -  Presidents' Day (Präsidententag, Gedenktag an George Washington und Abraham Lincoln)
  • Ende März / Anfang April  -  Easter (Ostern)
  • 31. März -  Transfer Day (Umschreibungstag, der Nationalfeiertag des Landes)
  • 26. Mai  -  Memorial Day (Erinnerungstag an die gefallenen Soldaten der USA)
  • Ende Mai / Anfang Juni  -  Whitsuntide (Pfingsten)
  • Mitte Juni  -  Organic Act Day (Tag des 1954 erlassenen Organic Acts)
  • 3. Juli  -  Emancipation Day (Emanzipationstag)
  • 4. Juli  -  Independence Day (Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten von Amerika)
  • 28. Juli  -  Hurricane Supplication Day (Hurricane-Gebetstag)
  • 1. Montag im September  -  Labor Day (Tag der Arbeit)
  • 2. Montag im Oktober  -  Columbus Day (Kolumbustag)
  • 17. Oktober  -  Puerto Rico Friendship Day (Tag der Freundschaft mit Puerto Rico)
  • 27. Oktober  -  Virgin Islands Thanksgiving Day (Erntedankfest der Jungferninseln)
  • 1. November  -  D. Hamilton Jackson Day / Liberty Day (Befreiungstag zur Erinnerung an die ersten freie Pressepublikation 1915)
  • 11. November  -  Veterans' Day (Veteranentag, Gedenktag für alle ehemaligen US-Soldaten)
  • 27. November  -  US Thanksgiving Day (US-Erntedankfest)
  • 25. Dezember  -  Christmas Day (Weihnachtstag)


Das wichtigste öffentliche Fest ist die jährliche St. John Celebration, die vor allem in Cruz Bay stattfindet und sich über mehrere Wochen im Juni und Juli erstreckt. Die St. John Celebration geht auf die lokale Festtradition rund um den 3. Juli zurück. Der 3. Juli erinnert an die Emanzipation der versklavten Bevölkerung der damaligen Dänisch-Westindischen Inseln im Jahr 1848. Auf Saint John entwickelte sich daraus zusammen mit den Feiern zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli ein umfangreiches Volksfest. Die heutigen Feierlichkeiten verbinden daher historische Erinnerung mit Musik, Tanz, Umzügen, Sport und gemeinschaftlichen Veranstaltungen.

Ein Höhepunkt ist die Parade durch Cruz Bay. Dabei ziehen Musikkapellen, Tanzgruppen, Vereine, Schulen, politische und gesellschaftliche Organisationen sowie Festwagen durch den Ort. Die Parade gehört zu den größten öffentlichen Veranstaltungen des Jahres auf Saint John. Ein weiterer Bestandteil ist die Wahl und Vorstellung einer Festkönigin beziehungsweise eines Festkönigshauses, die traditionell mit dem lokalen Gemeinschaftsleben verbunden ist.

Die Musik nimmt während der Celebration einen besonders großen Raum ein. Auf Bühnen in Cruz Bay treten lokale und regionale Musiker auf. Gespielt werden unter anderem Calypso, Soca, Reggae, Steelpan-Musik, R&B und andere karibische Stilrichtungen. Zu den Festveranstaltungen gehören außerdem Tanzveranstaltungen und Konzerte bis in die Abendstunden.

Ein wichtiger Bestandteil der Festkultur ist das Food, Arts & Crafts Festival. Dabei werden traditionelle und moderne Speisen der Virgin Islands angeboten. Typische Gerichte und Getränke der Inselregion werden mit Kunsthandwerk, Schmuck, Kleidung und anderen lokalen Produkten verbunden. Das Festival dient gleichzeitig als Verkaufs- und Präsentationsmöglichkeit für lokale Handwerker und Kleinunternehmer.

Zu den traditionellen Speisen, die bei Festveranstaltungen angeboten werden, gehören unter anderem kallaloo, johnnycakes, fungi, gebratener Fisch, Conch-Gerichte, Ziegengerichte und verschiedene Reis- und Fleischspeisen. Die Festküche zeigt dabei die Verbindung afrikanischer, karibischer, europäischer und amerikanischer Einflüsse.

Zum Festprogramm gehören auch Sportveranstaltungen. Während der Celebration finden beziehungsweise fanden unter anderem Regatten, Schwimmveranstaltungen, Basketball- und andere Mannschaftswettbewerbe sowie Laufveranstaltungen statt. Damit wird die Festkultur mit den für Saint John wichtigen Sport- und Freizeitaktivitäten verbunden.

Eine besondere Rolle besitzt das Carnival beziehungsweise die Carnival-Kultur der U.S. Virgin Islands. Saint John besitzt dabei eigene Festveranstaltungen, während die großen territorialen Carnival-Veranstaltungen vor allem auf Saint Thomas und Saint Croix stattfinden. Musik, Steelpan, Calypso, Soca, Kostüme und Paraden gehören zu diesem kulturellen Umfeld und beeinflussen auch die Festkultur von Saint John.

Neben der großen Celebration bestehen zahlreiche kleinere kirchliche und gemeinschaftliche Feste. Die christlichen Gemeinden veranstalten Gottesdienste, Chortreffen, Gemeindefeste, Spendenveranstaltungen und andere Zusammenkünfte. Die religiöse Festkultur steht dabei neben der weltlichen Festkultur und ist besonders mit den historischen Gemeinden von Cruz Bay und Emmaus verbunden.

Auch der historische Charakter der Insel wird bei Veranstaltungen aufgegriffen. Die Ruinen ehemaliger Plantagen, insbesondere Annaberg, Reef Bay und Catherineberg, sind wichtige Zeugnisse der dänischen Kolonialzeit und der Plantagenwirtschaft. Veranstaltungen des National Park Service und anderer Organisationen vermitteln dort die Geschichte der Plantagen, der versklavten Bevölkerung, der Emanzipation und der späteren Entwicklung der Insel.

Der 3. Juli besitzt dabei eine besondere historische Bedeutung. Am 3. Juli 1848 erklärte der Generalgouverneur Peter von Scholten die Versklavten in den Dänisch-Westindischen Inseln für frei. Die Ereignisse von 1848 bilden einen wichtigen Bestandteil des historischen Gedächtnisses der U.S. Virgin Islands. Auf Saint John wird die Erinnerung daran mit den jährlichen Feierlichkeiten verbunden.

Der 4. Juli wird als amerikanischer Independence Day ebenfalls mit öffentlichen Veranstaltungen begangen. In Cruz Bay gehören dazu insbesondere Musikveranstaltungen und das traditionelle Feuerwerk. Die zeitliche Verbindung von Emancipation Day am 3. Juli und Independence Day am 4. Juli verleiht der Festwoche auf Saint John ihren besonderen Charakter.

Medien

Wegen der geringen Einwohnerzahl der Insel und der engen politischen und wirtschaftlichen Verflechtung mit Saint Thomas und Saint Croix existiert kein eigenständiges, umfangreiches Mediensystem nur für Saint John. Nachrichten über die Insel werden überwiegend von territorialen Medien mit Sitz auf Saint Thomas oder Saint Croix sowie von überregionalen Medien der U.S. Virgin Islands verbreitet.

Eine wichtige Rolle spielen Tages- und Wochenzeitungen. Zu den bedeutenden Presseorganen gehört die Daily News, die in den U.S. Virgin Islands seit 1930 erscheint und über Ereignisse auf Saint Thomas, Saint John und Saint Croix berichtet. Die Zeitung behandelt unter anderem Politik, Verwaltung, Gerichtsverfahren, Kriminalität, Wirtschaft, Bildung, Tourismus und lokale Veranstaltungen. Saint-John-spezifische Nachrichten bilden dabei einen Teil der territorialen Berichterstattung.

Eine weitere wichtige Zeitung ist die Virgin Islands Consortium. Sie entstand als digitales Nachrichtenmedium und berichtet ausführlich über politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen auf allen drei Hauptinseln. Wegen der vergleichsweise kleinen lokalen Medienlandschaft werden Ereignisse auf Saint John häufig über solche territorialen Nachrichtenportale verbreitet.

Auch die St. Thomas Source berichtet regelmäßig über Saint John. Das Medium konzentriert sich auf Nachrichten aus Saint Thomas und Saint John und veröffentlicht unter anderem Berichte über die Lokalverwaltung, den Nationalpark, Verkehrsfragen, Tourismus, Umwelt, Kriminalität, Schulen und gesellschaftliche Ereignisse. Durch die räumliche Nähe von Saint Thomas und Saint John besitzt die Berichterstattung über beide Inseln eine enge Verbindung.

Im Rundfunk sind vor allem die territorialen Radio- und Fernsehsender von Bedeutung. Auf Saint John können Radioprogramme empfangen werden, die von Sendern auf Saint Thomas beziehungsweise aus anderen Teilen der U.S. Virgin Islands ausgestrahlt werden. Die Programme umfassen Nachrichten, Musik, Wetterinformationen, Verkehrsmeldungen, Sport und lokale Diskussionen.

Zu den wichtigen Radiobetreibern des Territoriums gehört der Virgin Islands Broadcasting System mit mehreren Radiostationen. Auch andere lokale Radiounternehmen betreiben Sender auf den U.S. Virgin Islands. Die Programme richten sich an die gesamte Bevölkerung des Territoriums und enthalten regionale Nachrichten, sodass Ereignisse auf Saint John regelmäßig berücksichtigt werden.

Fernsehen wird auf Saint John sowohl über lokale beziehungsweise territoriale Sender als auch über amerikanische Netzwerke empfangen. Lokale Fernsehnachrichten behandeln Ereignisse aus allen drei Hauptinseln. Darüber hinaus besteht über Kabel- und Satellitenangebote Zugang zu amerikanischen Fernsehsendern und internationalen Programmen.

Eine besondere Bedeutung besitzen seit dem 21. Jahrhundert digitale Medien. Nachrichten werden zunehmend über Webseiten, soziale Netzwerke und digitale Newsletter verbreitet. Für Saint John ist diese Entwicklung besonders wichtig, weil dadurch lokale Informationen auch ohne eine große gedruckte Tageszeitung auf der Insel selbst unmittelbar verbreitet werden können. Die offiziellen Internetangebote der Regierung der U.S. Virgin Islands sind ebenfalls eine wichtige Informationsquelle. Dort werden unter anderem Mitteilungen des Gouverneurs, Informationen der Ministerien und Behörden, Verkehrshinweise, öffentliche Ausschreibungen, Warnungen vor tropischen Wirbelstürmen sowie Informationen zu Gesundheit, Bildung und Infrastruktur veröffentlicht. Bei Saint John kommen außerdem Veröffentlichungen des National Park Service hinzu.

Kommunikation

Saint John hat die Telefonvorwahl 0(01)340. Die Postleitzahl für die gesamt Insel lautet 00830.

Sport

Eine große Bedeutung haben Wassersportarten und Sportarten im Freien. Zu den verbreiteten Aktivitäten gehören Segeln, Windsurfen, Kajakfahren, Stand-up-Paddling, Schnorcheln und Tauchen. Hinzu kommen Wandern, Laufen, Radfahren und verschiedene Mannschafts- und Individualsportarten.

Das Meer vor Saint John bietet besonders günstige Voraussetzungen für Segelsport. Die zahlreichen Buchten der Nord- und Südküste, darunter Cruz Bay, Maho Bay, Francis Bay, Leinster Bay, Waterlemon Cay und Coral Bay, werden zum Segeln und für kleinere Sportboote genutzt. In den Gewässern des Virgin Islands National Park bestehen ausgewiesene Mooringbereiche, die auch von Seglern genutzt werden. Der geschützte Charakter vieler Buchten ermöglicht Wassersport auch mit kleineren Booten.

Das Tauchen und Schnorcheln gehört zu den wichtigsten touristischen Sport- und Freizeitaktivitäten. Vor der Küste liegen Korallenriffe, Seegraswiesen, Felsriffe und kleinere Inseln und Cays. Besonders bekannt sind die Riffbereiche bei Trunk Bay, Waterlemon Cay, Maho Bay, Hawksnest und Salt Pond. Trunk Bay besitzt einen markierten Unterwasser-Schnorchelpfad, auf dem Besucher die Riffgemeinschaft und die dort vorkommenden Meeresorganismen beobachten können. Die Gewässer des Virgin Islands National Park und des Virgin Islands Coral Reef National Monument unterliegen dabei besonderen Schutzbestimmungen.

Kajakfahren ist vor allem in den ruhigen Buchten und entlang der geschützten Küstenabschnitte verbreitet. Eine häufig genutzte Strecke führt von Leinster Bay beziehungsweise dem Bereich bei Annaberg in Richtung Waterlemon Cay. Dabei werden sowohl geführte Ausflüge als auch selbstständige Touren angeboten. Stand-up-Paddling wird insbesondere in geschützten Buchten wie Maho Bay und Cruz Bay betrieben.

Windsurfen und andere windabhängige Wassersportarten werden durch die Passatwinde begünstigt. Besonders in den offenen und stärker dem Wind ausgesetzten Bereichen der Küste bestehen geeignete Bedingungen. Die Nutzung ist allerdings stärker von Windstärke, Seegang und den jeweiligen Schutzbestimmungen abhängig als das Baden oder Schnorcheln.

Das Wandern besitzt auf Saint John ebenfalls eine große Bedeutung. Der Virgin Islands National Park verfügt über ein ausgedehntes Netz von Wanderwegen. Einer der bekanntesten Wege ist der Reef Bay Trail, der von höheren Lagen durch den Wald zur Südküste führt. Entlang des Weges befinden sich historische Plantagenreste, Zisternen, ehemalige Zuckerproduktionsanlagen und Petroglyphen bei einem historischen Wasserlauf. Weitere Wanderwege führen unter anderem zu den Ruinen von Annaberg, durch den Bereich von Cinnamon Bay und zu Aussichtspunkten über die Küste.

Der Ram Head Trail gehört zu den bekanntesten kürzeren Wanderungen der Insel. Er führt vom Bereich Saltpond Bay über trockene Küstenvegetation zu einem Aussichtspunkt am südlichen Ende der Insel. Die Landschaft ist dort von Trockenwald, Felsformationen und offenen Küstenbereichen geprägt. Aufgrund der hohen Temperaturen und der direkten Sonneneinstrahlung spielt bei Wanderungen die Versorgung mit Trinkwasser eine wichtige Rolle.

Auch Laufen und Joggen werden betrieben. Straßen und Wege im Bereich von Cruz Bay, Coral Bay und den Wohngebieten werden dafür genutzt, wobei die hügelige Topographie und die teilweise engen Straßen den Charakter des Laufsports bestimmen. Organisierte Laufveranstaltungen gehören ebenfalls zum lokalen Sportkalender. Wegen der hohen Temperaturen finden viele sportliche Aktivitäten in den frühen Morgenstunden oder am späteren Nachmittag statt.

Mountainbiking und Radfahren sind wegen der bergigen Topographie weniger stark verbreitet als Wassersport und Wandern. Die Straßen weisen teilweise erhebliche Steigungen und kurvenreiche Abschnitte auf. Gleichzeitig werden Fahrräder sowohl von Einwohnern als auch von Besuchern als Fortbewegungsmittel genutzt. Für den sportlichen Radsport eignen sich insbesondere die längeren Straßenverbindungen zwischen Cruz Bay und Coral Bay sowie die Straßen in den höher gelegenen Bereichen.

Tennis gehört zu den traditionellen Sportarten auf Saint John. Anlagen befinden sich unter anderem im Bereich von Cruz Bay und bei größeren touristischen Einrichtungen. Auch Pickleball hat sich in den U.S. Virgin Islands als Freizeitsport verbreitet und wird auf vorhandenen Sport- und Mehrzweckplätzen betrieben.

Basketball besitzt auf Saint John, wie in vielen Teilen der Karibik, eine wichtige Stellung im Breitensport. Öffentliche Basketballplätze und Schul- beziehungsweise Gemeinschaftsanlagen dienen dem Training und lokalen Spielen. Der Sport wird insbesondere von Jugendlichen und jungen Erwachsenen betrieben. Auch Volleyball wird auf der Insel gespielt, sowohl auf Sportplätzen als auch als Strandsport.

Baseball und Softball gehören ebenfalls zum Sportangebot der U.S. Virgin Islands. Saint John verfügt aufgrund seiner wesentlich kleineren Bevölkerung über eine kleinere Vereins- und Wettkampfinfrastruktur als Saint Thomas und Saint Croix. Mannschaften und Sportler aus Saint John nehmen jedoch an Wettbewerben innerhalb des Territoriums der U.S. Virgin Islands teil.

Schulsport bildet einen wichtigen Teil der organisierten sportlichen Betätigung. Schulen auf Saint John verfügen über Sportplätze und Mehrzweckeinrichtungen, die für Leichtathletik, Basketball, Volleyball und andere Sportarten genutzt werden. Jugendliche können außerdem über lokale Vereine und Gemeinschaftsorganisationen an Wettbewerben teilnehmen.

Reitsport ist auf Saint John ebenfalls vertreten. Pferde werden sowohl für Freizeitreiten als auch für geführte Ausritte genutzt. Die Landschaft mit Waldwegen und Küstenbereichen bietet dafür geeignete Strecken, wobei das Reiten innerhalb des Nationalparks den jeweiligen Parkregelungen unterliegt.

Golf besitzt dagegen keine vergleichbare Bedeutung wie Wassersport, Wandern oder Mannschaftssport. Auf Saint John befindet sich kein großer eigenständiger 18-Loch-Golfplatz. Golfinteressierte nutzen daher insbesondere Anlagen auf Saint Thomas oder anderen Inseln der U.S. Virgin Islands.

Persönlichkeiten

Mit der Insel verbunden sind unter anderem folgende Persönlichkeiten:

  • Breffu (gesdtorben 1734), Anführerin eines Sklavenaufstands. Sie stammte ursprünglich aus dem westafrikanischen Akwamu-Reich und führte 1733 die Sklavenrebellion auf St. Jan (Saint John) gegen die dänischen Kolonialherren an, bei der die Rebellen zeitweise fast die gesamte Insel kontrollierten.
  • J. Robert Oppenheimer (1904 bis 1967), theoretischer Physiker (bekannt als „Vater der Atombombe“). Er zog sich ab 1954 politisch und privat nach Saint John zurück, erwarb ein Grundstück am heutigen Oppenheimer Beach (Teil des Gibney Beach) und verbrachte dort bis zu seinem Tod jährlich viele Monate.
  • Myrah Keating Smith (1908 bis 1994), Krankenschwester und Hebamme. Sie war eine Pionierin des Gesundheitswesens auf Saint John und versorgte jahrzehntelang unter schwierigsten Bedingungen fast die gesamte Bevölkerung. Das örtliche Gesundheitszentrum (Myrah Keating Smith Community Health Center) ist nach ihr benannt.
  • John Campbell (* 1962), Skirennläufer. Er wuchs auf Saint John auf und trat bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville für die Amerikanischen Jungferninseln im alpinen Skisport an.
  • Rich Nice (aktiv seit den 1990er Jahren), Hip-Hop-Produzent und Rapper. Er stammt von der Insel Saint John und erlangte Bekanntheit durch seine Arbeit bei Trackmasters Entertainment sowie als Radiomoderator und Musikproduzent in der US-amerikanischen Hip-Hop-Szene.
  • Jasmine Campbell (* 1991), Skirennläuferin. Die Tochter von John Campbell wurde auf Saint John geboren und vertrat die Amerikanischen Jungferninseln im Riesenslalom und Slalom bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi.

Fremdenverkehr

Saint John ist ein beliebter Anlaufpunkt für Tages- und Kurzzeitcharter von den Amerikanischen Jungferninseln, Puerto Rico und den Britischen Jungferninseln. Einzel- und Gruppencharter sind auf Saint John weit verbreitet und Inselhüpfen ist eine beliebte Aktivität für Einheimische und Besucher. Beliebte Tagesausflüge sind Bar-Hopping oder Schnorcheln in Christmas Cove, Jost Van Dyke, Buck Island National Wildlife Refuge, Tortola, Norman Island, Virgin Gorda, Water Island, Lovongo Cay, Cooper Island und Peter Island. In den meisten Buchten rund um Saint John gibt es Liege- und Ankerplätze für Tages- und Übernachtungsgäste.

Die touristische Infrastruktur konzentriert sich auf Cruz Bay und dessen Umgebung sowie auf einzelne Siedlungs- und Küstenbereiche außerhalb der Parkflächen. Der National Park Service beschreibt das Übernachtungsangebot als Mischung aus Strandresorts, Bed-and-Breakfast-Unterkünften, Gästehäusern und Ferienvillen. Das Angebot reicht von kleineren Häusern und Apartments bis zu größeren Villen mit mehreren Schlafzimmern, privaten Terrassen und Meerblick. Ein großer Teil dieser Unterkünfte befindet sich in den Bereichen um Cruz Bay, Great Cruz Bay, Chocolate Hole, Contant, Upper Carolina und Coral Bay. Daneben bestehen kleinere Gasthäuser, Inns und Bed-and-Breakfast-Betriebe. Ein lokales Unterkunftsverzeichnis führt mehr als 800 Ferienunterkünfte auf der Insel auf, wobei diese Zahl auch unterschiedliche Formen privat oder professionell vermieteter Ferienunterkünfte umfasst.

Hotels und resortartige Anlagen bilden einen weiteren Bereich des Fremdenverkehrs. Zu den größeren Anlagen gehört das Westin St. John in der Umgebung von Cruz Bay. Daneben existieren kleinere Hotels, Gästehäuser und Apartmentanlagen. Das offizielle Tourismusportal der U.S. Virgin Islands führt für Saint John die Kategorien Hotel/Motel, Resort, Bed & Breakfast, Ferienunterkunft und Campingplatz.

Eine besondere Form der touristischen Unterbringung befindet sich in Cinnamon Bay innerhalb des Virgin Islands National Park. Dort besteht der Cinnamon Bay Beach and Campground mit verschiedenen Unterkunftsformen. Angeboten werden unter anderem ausgestattete Öko-Zelte, Stellplätze für Zelte auf Plattformen und Hütten. Damit verbindet die Anlage Übernachtungsmöglichkeiten unmittelbar mit dem Nationalpark und seinen Stränden und Wanderwegen.

Auch Übernachtungen auf Booten gehören zum touristischen Angebot. Der National Park Service unterhält an verschiedenen Buchten an der Nord- und Südküste ein System von Übernachtungs-Moorings. Diese Liegeplätze ermöglichen es Segel- und Motorbooten, innerhalb des Nationalparkbereichs über Nacht vor Anker beziehungsweise an den dafür vorgesehenen Bojen zu liegen.

Eine wichtige Veränderung des Unterkunftssektors war die Zerstörung zahlreicher touristischer Einrichtungen durch die Hurrikane Irma und Maria im September 2017. Besonders betroffen war das ehemalige Caneel Bay Resort. Die Anlage hatte vor den Hurrikanen Übernachtungsangebote in einem historischen Resortkomplex innerhalb des Nationalparks geboten. Seit 2017 stehen dort keine regulären Übernachtungsunterkünfte mehr zur Verfügung. Der National Park Service leitete 2026 ein neues Ausschreibungsverfahren für die Wiederherstellung beziehungsweise den Neubau von Übernachtungsangeboten und weiteren touristischen Einrichtungen in Caneel Bay ein.

Die Entwicklung von Caneel Bay ist für den Fremdenverkehr der Insel deshalb von besonderer Bedeutung. Das Ausschreibungsverfahren von 2026 sieht eine neue Nutzung mit Übernachtungsangeboten und ergänzenden Einrichtungen vor, wobei der National Park Service den Schutz der natürlichen und kulturgeschichtlichen Ressourcen als Bestandteil der künftigen Nutzung festlegt. Zum Zeitpunkt der Ausschreibung war noch kein neuer Betreiber ausgewählt und damit auch keine wiedereröffnete Hotelanlage vorhanden.

Der Fremdenverkehr ist zudem stark saisonal. Die Nachfrage konzentriert sich vor allem auf die Monate der trockeneren und klimatisch angenehmeren Jahreszeit, während die Hurrikansaison und die niederschlagsreicheren Monate geringere touristische Nachfrage mit sich bringen. Die saisonale Struktur zeigt sich auch bei den Einnahmen aus Beherbergungsabgaben des Territoriums. Für Saint John wurden 2024 Hotelzimmerumsätze von rund 2,3 Millionen US-Dollar ausgewiesen; 2023 waren es rund 3,2 Millionen US-Dollar. Diese Werte beziehen sich auf die besteuerten Hotelzimmerumsätze und nicht auf den gesamten Fremdenverkehr oder sämtliche Ferienunterkünfte.

Eine zunehmend wichtige Rolle spielen kurzfristig vermietete Privatunterkünfte. Für 2023 wurden auf Saint John 65 neue Lizenzen für kurzfristige Vermietungen und 149 Verlängerungen bestehender Lizenzen registriert. Diese Kategorie umfasst unter anderem private Häuser, Eigentumswohnungen und Villen, die für weniger als 90 Tage vermietet werden.

Literatur

Reiseberichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

Visit the U.S.A. - Saint John = https://www.visittheusa.com/de/destinations/us-virgin-islands/st-john/

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