Poel

Aus Insularium
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Poel ist eine seit 1927 durch eine Brücke mit dem Festland verbundene Ostsee-Insel vor der Nordküste Deutschlands. Sie zeichnet sich unter anderem durch seltene Schwarzerden aus, die in Norddeutschland nur hier, auf Fehmarn und in der Uckermark vorkommen; diese entstanden im Boreal vor rund 10.000 durch Eichenmischwälder und negative Wasserbilanz. Staunässe-Lehmböden bedecken mindestens 40 % der Fläche.

Inselsteckbrief
offizieller Name Insel Poel
alternative Bezeichnungen Terra pole (1163), Poel (15. Jahrhundert)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp Damm- und Brückeninsel (seit 1927)
Inselart Moräneninsel
Gewässer Ostsee mit Wismarer Bucht
Inselgruppe Poel
politische Zugehörigkeit Staat: Deutschland (Bundesrepublik Deutschland)
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Nordwestmecklenburg
Gliederung 15 Gemeindeteile
Status Inselgemeinde
Koordinaten 54°00‘ N, 11°26‘ O
Entfernung zur nächsten Insel 120 m (Langenwerder), 2,2 km (Kieler Ort)
Entfernung zum Festland 750 m (Strömkendorf / Blowatz / Mecklenburg-Vorpommern)
Fläche 36,02 km² / 13,91 mi² (mit Nebeninseln 36,34 km² / 14,03 mi²)
geschütztes Gebiet 1,8 km² / 0,7 mi² (5,0 %)
maximale Länge 10,5 (NO-SW)
maximale Breite 6,5 km (NW-SO)
Küstenlänge 28 km
tiefste Stelle 0 m (Ostsee)
höchste Stelle 26 m (Kieckelberg)
relative Höhe 26 m
mittlere Höhe 3 m
maximaler Tidenhub 0,05 bis 0,15 m (Kirchdorf 0,1 m)
Zeitzone MEZ (Mitteleuropäische Zeit, UTC+1)
Realzeit UTC plus 45 bis 46 Minuten
Einwohnerzahl 2.507 (2024)
Dichte (Einwohner pro km²) 69,60, bezogen auf die Verwaltungsfläche 69,99
Inselzentrum Kirchdorf


Name

Die früheste urkundliche Erwähnung der Insel stammt aus dem Jahr 1163, wo sie als Terra pole bezeichnet wird. Diese lateinische Form deutet bereits auf die wahrscheinlichste Herkunft des Namens hin. Die überzeugendste und in der modernen Forschung am häufigsten vertretene Erklärung führt den Namen auf das altslawische Wort polje oder poltje zurück, das „Feld, flaches Land, Ebene“ bedeutet. Da Poel, gesprochen [pøːl], eine sehr flache, niedrig gelegene Insel ist, passt diese Beschreibung zur geografischen Realität. Die Insel wurde im 12. Jahrhundert von slawischen Obotriten bewohnt, bevor im 13. Jahrhundert verstärkt deutsche Siedler kamen. Die slawische Namensgebung aus dieser Zeit hat sich dann durchgesetzt.

Eine ältere, volkstümlich sehr beliebte, aber wissenschaftlich schwach belegte Deutung verbindet den Namen mit der germanischen Mythologie. Danach soll Poel vom altnordischen oder althochdeutschen Phol abstammen, einem Beinamen oder einer Gestalt, die mit dem Lichtgott Balder (dem Sohn Odins) in Verbindung gebracht wird. Manche Erzählungen sagen, Balder/Phol habe die Insel mit besonderem, unvergesslichem Licht bedacht. Diese romantische Interpretation findet sich vor allem in älteren Heimatbüchern und Tourismustexten, wird aber von Namenforschern meist als sekundäre Volksetymologie eingestuft.

  • international:  Poel
  • amharisch:  ፖኤል [Poʾel], ፖል [Pol]
  • arabisch:  بويل [Būyil], بول [Būl]
  • armenisch:  Պոել [Poel]
  • bengalisch:  পোয়েল [Pōẏel], পোল [Pōl]
  • birmanisch:  ပိုးအက် [Poe aat], ပိုးလ် [Poel]
  • bulgarisch:  Поел [Poel]
  • chinesisch:  珀尔 [Pò ěr]
  • georgisch:  პოელი [P’oeli], პოელ [P’oel]
  • griechisch:  Ποέλ [Poél]
  • gudscheratisch: પોએલ [Pō’ēla], પોલ [Pōla]
  • hebräisch:  פואל [Po’el], פול [Pol]
  • hindi:  पोएल [Poel] या पोल [Pol]
  • japanisch:  ポエル [Poeru]
  • kambodschanisch: ព័រ [Pôə], ប៉ូអែល [Pouael]
  • kanaresisch:  ಪೋಯೆಲ್ [Pōyel], ಪೋಲ್ [Pōl]
  • kasachisch:  Поэль [Poél’] (kyrillisch)
  • koreanisch:  포엘 [Poel]
  • laotisch:  ໂປເອລ [Pō e l]
  • lettisch:  Poela sala, Poel [Poel]
  • litauisch:  Poelis arba Poel [Poelis]
  • makedonisch:  Поел [Poel]
  • malayalam:  പോയൽ [Pōyal], പോൾ [Pōḷ]
  • maldivisch (Dhivehi):  ޕޯއެލް [Poael]
  • marathisch:  पोएल [Pō’ēla], पोल [Pōla]
  • nepalesisch:  पोएल [Po’el]
  • orissisch:  ପୋଏଲ [Pō’ēla]
  • pandschabisch: ਪੋਏਲ [Po’ēla]
  • paschtunisch:  پوېل [Pwel], پوهل [Pohal]
  • persisch:  پوئل [Pū’el]
  • russisch:  Поэль [Poel’], Поел [Poel]
  • serbisch:  Поел [Poel] (kyrillisch) / Poel (lateinisch)
  • singhalesisch: පෝඑල් [Pōel]
  • tamilisch:  போயல் [Pōyal]
  • telugu:  పోయెల్ [Pōyel]
  • thai:  โปเอล [Pō-ēn], โพล [Phōn]
  • tibetisch:  པོ་ཨེལ [Po el]
  • ukrainisch:  Поель [Poiel’], Поел [Poel]
  • urdu:  پوئل [Po’el]
  • weißrussisch:  Поэль [Poel’]


Offizieller Name:  Insel Poel

  • Bezeichnung der Bewohner:  Poeler
  • adjektivisch: poeler


Kürzel:

  • Code:  PL / POL
  • Kfz:  NWM, GDB, GVM, WIS
  • Gemeindeschlüssel:  13 0 74 035
  • ISO-Code:  DE.MV.PL

Lage

Die Insel Poel liegt in der südlichen Mecklenburger Bucht der Ostsee und begrenzt den Norden der Wismarer Bucht. Sie befindet sich auf durchschnittlich 54°00‘ n.B. und 11°26‘ ö.L.. Poel ist nur 1 km von der mecklenburgischen Küste entfernt. Neben der Wismarer Bucht im Süden wird die Insel im Osten von der Zaufe und dem Breitling sowie im Nordosten durch die Kielung vom Festland getrennt.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  54°01‘28“ n.B. (Nordufer)
  • südlichster Punkt:  53°57‘28“ n.B. (südlich von Fährdorf)
  • östlichster Punkt:  11°29‘54“ ö.L. (östlich von Golwitz)
  • westlichster Punkt:  11°22‘32“ ö.L. (Timmendorf Strand)


Entfernungen:

  • Langenwerder  120 m
  • Groß-Strömkendorf  750 m
  • Kieler Ort  2,2 km
  • Wismar  8 km (Straße 13 km)
  • Rostock  42 km (Straße 87 km)
  • Fehmarn  43 km (Straße 178 km)
  • Lübeck  47 km (Straße 88 km)
  • Hamburg  103 km (Straße 153 km)
  • Berlin  206 km (Straße 248 km)

Zeitzone

Auf Poel gilt die Mitteleuropäische Zeit, abgekürzt MEZ (UTC+1). Die Realzeit liegt um 45 bis 46 Minuten vor der Koordinierten Weltzeit (UTC).

Fläche

Poel ist 36,02 km² bzw. 13,91 mi², nach älteren Angaben bis zu 37 km², mit Nebeninseln mit Nebeninseln 36,34 km² bzw. 14,03 mi² groß und damit die siebtgrößte Insel Deutschlands. Sie ist von Nordosten nach Südwesten 10,5 km lang bei einer maximalen Breite von 6,5 km. Die Küste ist 28 km lang bei einem maximalen Tidenhub von 0,05 bis 0,15 m, bei Kirchdorf 0,1 m. Der höchste Berg ist mit 26 m der Kieckelberg nordwestlich von Kirchdorf. Die mittlere Seehöhe liegt bei 3 m, nach lokalen Angaben bei 8 m.


Flächenaufteilung 2010:

  • Agrarland  28,56 km² (79,29 %)
  • Wiesen und Sträucher  5,21 km² (14,46 %)
  • Gewässer  0,97 km² (2,69 %)
  • Waldland  0,93 km² (2,58 %)
  • Verbautes Gelände  0,35 km² (0,97 %)

Geologie

In diesem Kapitel gibt es Informationen zur Glazialen Formung, zum Meeresspiegelanstieg, zum Küstenausgleich und den Böden auf der Insel Poel. Die Oberflächenform der gesamten Wismarbucht entstand durch die letzte Eiszeit und wurde durch den Gletschervorstoß des Mecklenburger Stadiums bestimmt. Der Gletscher schob Gesteinsschutt von Skandinavien in Richtung Süden. Beim Abschmelzen des Eises wurde dieses Geschiebe im Bereich des ehemaligen Gletschers als Grundmoräne abgelagert. Transportiert hat der Gletscher den so genannten Geschiebemergel. Neben größeren und kleineren Felsblöcken, Kiesen und Sanden ist darin Mergel enthalten, ein graues bis blaues Gemisch aus Tonen und Kalken. Der Kalkanteil beträgt zwischen 25 bis 27 %.

Auf der Insel Poel hat sich Schutt in einer Mächtigkeit von 53 Metern abgelagert. Die von Nordnordost nach Südsüdwest verlaufende Erhebung der Insel Poel stellt in der sonst ebenen bis flachwelligen Grundmoräne der Wismarbucht eine Unregelmäßigkeit dar. Am Westkliff der Insel Poel kann man die drei Grundmoränenschichten verschiedener Gletschervorstöße und dadurch bedingte Stauchungen und Faltungen erkennen.

Die Klimaerwärmung nach der letzten Eiszeit verursachte ein weiteres Abschmelzen der Eismasse auf der Nordhalbkugel. Das von den Gletschern abgeschmolzene Wasser sorgte für einen Anstieg der Weltmeere. Das Wasser drang vor rund 8000 Jahren über den Kattegat und die Beltsee ins Ostseebecken ein und überflutete schrittweise die Becken und Schwellen der Grundmoränenlandschaft. Dieses Litorina-Meer ist nach der Gemeinen Strandschnecke Littorina littorea benannt. Es wies einen relativ hohen Salzgehalt auf. Vor 3000 Jahren verlangsamte sich der Meeresspiegelanstieg, und ca. um Christi Geburt hatte der Meeresspiegel ungefähr die heutige Küstenlinie erreicht. Allerdings verändert sich durch Erosion an Steilküsten und Sedimentation an Sandhaken die Küstenform auch heute noch.

Durch Bildung von Haken und Strandwällen veränderte sich der Küstenverlauf zum Teil. Es entstand eine Ausgleichsküste mit einem Wechsel von Steilküstenabschnitten, Blockstränden und Flachküsten.

Vor der Abbruchkante des Kliffs liegt Schutt, immer wieder bricht neues Material ab, somit zieht sich an dieser Stelle das Ufer zurück. Die Ostsee nimmt beispielsweise bei Hochwasser lockeres Abbruchmaterial mit und lagert es um. Dies geschieht an Poels Steilküsten besonders bei Stürmen aus West bis Nordwest. Der Sand wird an der Westküste meist nach Süden transportiert, an der Nordküste der Insel Poel nach Osten. In flachen, ruhigen Buchten lagert sich das vom Meer angeschwemmte Material ab. Es bilden sich Sandbänke, die zu aus dem Wasser ragenden Strandhaken anwachsen können. Hieraus entwickeln sich bei kontinuierlicher Sandablagerung Nehrungen mit Dünen, die die Bucht irgendwann abschnüren. Verlandet der Strandsee, hat das Land hier dem Meer selbst ein Stückchen abgewonnen. Geschehen ist dies auf Poel an mehreren Stellen. Im Nordwesten und Norden in den ehemaligen Buchten des Timmendorfer Torfmoores, des Rethmoores, der Senke am Kurhaus Schwarzer Busch und die Swölken- und Westerwiese in Richtung Gollwitz. Am Faulen See kann man die Bildung des 2 km langen, bis zu 400 m breiten Nehrungshakens Rustwerder beobachten. Ein weiterer Nehrungshaken im Süden der Insel, der Brandenhusener Haken, wächst immer wieder in die nur 2 m tiefe Kirchsee hinein. Hier ist es nötig, die Fahrrinne nach Kirchdorf immer wieder auszubaggern. Im Nordosten Poels hat sich auf einer Untiefe durch Aufschüttung von Kies- und Sand das Strandwallsystem der Vogelschutzinsel Langenwerder gebildet. Im Osten der Insel lagerte sich zwischen Strandwällen Schlick ab, der sich zu Marschland mit Salzwiesen entwickelte.

Das anstehende Gestein auf der Insel Poel ist kalkreicher, durch Verwitterung aus Geschiebemergel entstandener Geschiebelehm. Darauf bildeten sich vorrangig Parabraunerden und Pseudogley-Parabraunerden. Der Boden ist relativ sandig. Dadurch sind die Bodendurchlüftung und der Bodenwasserhaushalt begünstigt. Die Insel Poel weist einen der fruchtbarsten Böden von ganz Mecklenburg auf. Der dunkelbraune bis schwarze Humushorizont kann bis zu 50 cm mächtig sein. Dieser entstand durch die dichte Bewaldung der Insel mit einem Eichen-/Hainbuchenwald, der heute aufgrund von Rodungen fast nicht mehr vorhanden ist.

Landschaft

Obwohl Poel so flach ist, hat die Insel eine sehr abwechslungsreiche Landschaft zu bieten. Hier findet man sanfte Hügel und Steilküsten, Teiche und kleine Seen, Salzwiesen, dichte Schilfufer, feinsandige Strände, Äckerflächen und grüne Weiden.

Das Relief wurde von den Gletschern der letzten Eiszeit geformt, der Meeresspiegelanstieg füllte in den letzten 8000 Jahren das Ostseebecken bis zum heutigen Wasserstand. Nur die höchsten Erhebungen im Grundmoränenbecken, zu denen die Insel Poel zählt, ragen noch heraus.

Durch den stetig stattfindenden Ausgleich der Küsten kam und kommt es auf Poel an den Steilküsten zum Küstenabbruch, während an anderen Stellen sandiges Material aus dem Meer angeschwemmt wird. So entstand durch Ablagerung von Sand beispielsweise der Nehrungshaken Rustwerder im Süden Poels.


Erhebung

  • Kieckelberg  26 m

Flora und Fauna

Die Insel Poel ist von Küstenwiesen, Schilfgürteln, Salzwiesen und kleinen Wäldern geprägt, die typisch für den Ostseeraum sind. Die Tierwelt umfasst zahlreiche Vogelarten wie Kraniche, Gänse und Seevögel sowie Rehe, Hasen und eine vielfältige Meeresfauna in den flachen Küstengewässern.

Flora

Auf der Insel Poel findet man eine vielfältige Vegetation. Die Landschaft der gesamten Wismarbucht ist reich gegliedert in Überschwemmungsgrasland, Uferröhricht, Flachwasserbuchten. Sie weist die artenreichste Salzflora der südlichen Ostseeküste auf.

An der Küste wachsen Pflanzen, die eine salzige Umgebung bevorzugen oder dulden können. Das sind beispielsweise das Salz-Milchkraut (Glaux maritima), die Salzmiere (Honckenya peploides), der Meersenf (Cakile maritima) und der Meerkohl (Crambe maritima).

Auf Dünen wachsen zum Beispiel die Strand-Salzmiere (Hanckenya peploides) und das Kali-Salzkraut (Salsola kali). In feuchteren Gebieten findet man den Strand-Dreizack (Triglochia maritima), die Salzbinse (Juncus gerardii), den Strandflieder (Limonium vulgare) und verschiedene Arten des Löffelkrautes (Cochlearia).

Auch an der Kliffküste existieren typische Pflanzengesellschaften. Diese wurden durch Anpflanzung von fremden Gewächsen im Zuge des Küstenschutzes zwar teilweise verdrängt. Diese fremden Gehölze setzen sich zusammen aus Eschen-Ahorn, Später Traubenkirsche, Ölweiden und verschiedenen Weidenhybriden. An manchen Standorten, wie dem niedrigen Kliff bei Hinter Wangern, findet man allerdings trotzdem noch das Echte Labkraut (Galium verum) und die Sichel-Luzerne (Medicago falcata).

Im Schlickgebiet am südlichen Rand der Insel Poel findet man auch noch Queller (Salicornia herbacea). An Wasserpflanzen kommen ufernah das Seegras (Zostera marina), der Blasentang (Fucus vesiculosus) und Grünalgen wie beispielsweise der Meersalat vor.

Fauna

Die Vogelwelt ist besonders vielfältig und artenreich. Zahlreiche Wat- und Wasservögel brüten hier oder nutzen die Insel als Rastplatz während des Vogelzugs. Zu den regelmäßigen Brutvögeln gehören Austernfischer, Brandgans, Mittelsäger, Höckerschwan, Graugans, Kiebitz, Rotschenkel, Sandregenpfeifer, Eiderente, Schwarzkopfmöwe, Flussseeschwalbe, Küstenseeschwalbe und Zwergseeschwalbe. Besonders auffällig sind die Kolonien von Uferschwalben, die in den Steilküsten von Mitte April bis Ende August brüten. Im Winter und während des Zuges sind außerdem viele Seevögel wie Trauerseeschwalben, Sturmmöwen und verschiedene Entenarten anzutreffen. Die kleine Vogelschutzinsel Langenwerder nördlich von Poel verstärkt die Bedeutung der Region für See- und Küstenvögel zusätzlich.

Bei den Säugetieren dominieren kleinere Arten. Rehe und Hasen sind auf den Wiesen und in den Dünen häufig zu beobachten. Füchse und Marderarten kommen vor, während größere Wildtiere wie Rehwild oder Wildschweine seltener sind. In den Gewässern der Wismarbucht und im Salzhaff leben Seehunde (Kegelrobben und Seehunde), die sich regelmäßig auf Sandbänken sonnen und von Poel aus oft gut zu beobachten sind.

Amphibien und Reptilien sind durch die Feuchtgebiete und Tümpel vertreten, allerdings nicht so artenreich wie im Binnenland. Typisch sind Erdkröten, Teichfrösche und Grasfrösche sowie die Waldeidechse. Schlangen sind selten.

Die Insektenwelt ist in den Salzwiesen und Dünen besonders interessant, mit vielen spezialisierten Arten, die salztolerante Pflanzen nutzen. Auch die Molluskenfauna (Schnecken und Muscheln) ist in den Küstenbereichen sehr umfangreich dokumentiert, insbesondere an den Stränden und in den flachen Uferzonen.

Im Sommer trifft man als Badegast besonders häufig die bläuliche Ohrenqualle (Aurelia aurita). Sie ist für den Menschen vollkommen ungefährlich und kann einen Durchmesser von bis zu 30 cm erreichen. In sehr warmen Sommern können durch Strömungen aus dem Kattegat auch die seltenen Feuerquallen (Cyanea capillata) bis zur Insel Poel gelangen. Berührt man die langen Tentakteln dieser Qualle, wird das darin sitzende Nesselgift abgegeben.

Eine besonders häufige Muschel ist die bläulich-schwarze Miesmuschel. Auch Herzmuscheln (Cardium edule) und die weiße Sandklaffmuschel (Mya arenaria) kommen vor der Insel Poel vor. Auf der Insel Poel leben neben zahllosen Vögeln, außerdem Rehe, Hasen, Igel und Füchse.

Naturschutz

Die sensible Küstenlandschaft mit Salzwiesen, Röhrichten, Boddengewässern, Steilküsten, Dünen und Flachwasserbereichen macht Poel und die angrenzenden Gewässer zu einem wichtigen Rast- und Brutgebiet für Vögel sowie zu einem Schutzraum für seltene Pflanzen und Tiere. Auf der Insel selbst und direkt angrenzend gibt es mehrere ausgewiesene Naturschutzgebiete, ergänzt durch über 300 geschützte Einzelbiotope.

Das größte und bekannteste Naturschutzgebiet direkt auf Poel ist das Naturschutzgebiet Fauler See – Rustwerder/Poel. Es umfasst 136 Hektar im Südwesten der Insel und besteht aus Salzwiesen, Verlandungszonen, flachen Gewässern und beweideten Flächen. Es dient vor allem als bedeutender Rastplatz für Gänse, Enten, Schwäne und andere Wasservögel. Das Betreten ist streng verboten, um die Ruhezone zu erhalten; es kann jedoch von Aussichtspunkten oder Wegen aus beobachtet werden.

Weitere Naturschutzgebiete in der näheren Umgebung, die eng mit Poel verbunden sind, sind:

  • Das Naturschutzgebiet Langenwerder (Vogelschutzinsel), nordöstlich von Poel bei Gollwitz gelegen. Die kleine Insel ist etwa 22 Hektar groß und seit 1910 als Rückzugsgebiet für Watt- und Wasservögel geschützt. Sie ist nicht betretbar und wird von vielen Arten wie Sturmmöwen, Seeschwalben und Kranichen genutzt.
  • Das Naturschutzgebiet Tarnewitzer Huk (69 Hektar), westlich von Poel in Richtung Tarnewitz gelegen, mit Küstengewässern und Salzwiesen.
  • Das Naturschutzgebiet Rustwerder (rund 20 Hektar), östlich von Gollwitz auf der Festlandseite am Boiensdorfer Werder.
  • Weitere Gebiete wie Teile der Halbinsel Wustrow, des Salzhaffs und der Kroy (zusammen mehrere hundert Hektar), die Flachwasserbereiche der Ostsee bis zur 5-m-Linie einschließen.

Die genaue Gesamtfläche aller Naturschutzgebiete, die direkt zur Gemeinde Insel Poel gehören oder unmittelbar angrenzen, lässt sich nicht auf eine einzige Zahl reduzieren, da viele Gebiete Küstengewässer und Festlandanteile umfassen und teilweise überlappend geschützt sind. Die relevantesten Kerngebiete auf und direkt bei Poel (Fauler See – Rustwerder, Langenwerder und kleinere angrenzende Zonen) summieren sich auf etwa 180 bis 250 Hektar, wobei der Großteil Wasserflächen und Salzwiesen betrifft. Die umgebenden Schutzflächen der Wismarbucht gehen weit darüber hinaus und machen die Region zu einem der bedeutendsten Vogelschutzgebiete an der südwestlichen Ostseeküste.

Zusätzlich sind große Teile der Insel Poel durch Landschaftsschutz, EU-Vogelschutzrichtlinie (SPA) und FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat) abgedeckt, was die Gesamtschutzfläche noch erheblich vergrößert. Betretungsverbote gelten vor allem in Kernzonen wie Fauler See und Langenwerder, während viele Salzwiesen, Strände und Steilküsten auf markierten Wegen zugänglich bleiben.

Klima

Das Klima auf der Insel Poel wird nach der Köppen-Klimaklassifikation als Cfb eingeordnet. Es handelt sich um ein warmgemäßigtes, vollhumides, ozeanisch geprägtes Klima mit milden Wintern, mäßig warmen Sommern und ganzjährig relativ gleichmäßig verteilten Niederschlägen. Die mittlere Jahrestemperatur auf der Insel Poel beträgt 8°C, der mittlere Jahresniederschlag liegt bei 535 mm. Das Klima ist maritim geprägt, im Mittel sind an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns 200 Tage des Jahres frostfrei. Gebremst durch die langsame Erwärmung der kalten Ostsee beginnt der Frühling erst spät. Die Wachstumsperiode setzt bei einer mittleren Tagestemperatur von mehr als 5°C ein. Dieser Zeitpunkt liegt auf Poel erst Anfang April. Die durchschnittliche Jahresschwankung der Temperaturkurve beträgt ungefähr 17°C.

Obwohl die Insel relativ niederschlagsarm ist, treten dadurch Wasserdefizite für die Vegetation nicht auf, da sich in unmittelbarer Meeresnähe eine hohe Luftfeuchtigkeit ausbildet. Auf Poel liegt diese im Mittel bei 84 Prozent. Die Winde kommen vorwiegend aus westlic her Richtung. Im Mittel hat Poel ZIRKA 146 bewölkte und 43 sonnige Tage. Die Insel Poel liegt in einem relativ niederschlagsarmen Gebiet. Ein Klick aufs Bild macht ganz Deutschland sowie die Legende sichtbar.

Mythologie

Der Name Poel selbst wird häufig mit dem germanischen Licht- und Frühlingsgott Balder in Verbindung gebracht. Einer alten Deutung zufolge leitet sich der Inselname von einem Beinamen Balders ab. Dieser Gott soll die Insel einst mit einem besonderen, unvergesslichen Licht überzogen haben. Wer die typische Farbenpracht der Insel erlebt – das tiefe Blau der Ostsee, das leuchtende Grün der Wiesen und das intensive Gelb der Rapsfelder in voller Blüte –, kann gut nachvollziehen, wie diese Vorstellung entstanden sein mag.

Die meisten bekannten Erzählungen von Poel gehören zum Genre der niederdeutschen Sagen und Spukgeschichten. Typisch sind Berichte von Spökenkiekern, also Hellsehern oder Geistersehern, von nächtlichen Erscheinungen, vom Huckeweib – einer geizigen Bäuerin, die als Geist umgeht –, von bösartigen Riesen, die mit dem Festland im Streit lagen, und von unheimlichen Gestalten wie Lüchten oder Bullerjahns. Viele dieser Geschichten spielen in Dörfern wie Timmendorf, Am Schwarzen Busch, in Malchow oder rund um die Wallanlagen und den alten Kirchhof.

Häufig tauchen Motive von versunkenem Reichtum auf, von verfluchten Schätzen, die in den Salzwiesen oder unter den Steinen der Burgwallanlagen verborgen liegen sollen, oder von unruhigen Geistern, die durch die Dünen und am Strand ihr Unwesen treiben. Auch Seefahrer- und Fischerlegenden sind überliefert, etwa Warnungen vor bestimmten Untiefen oder Erzählungen von Schiffen, die in stürmischen Nächten durch übernatürliche Mächte in die Irre geführt wurden.

Eine weitere Überlieferung handelt von einem besonders boshaften Riese, der einst auf der Insel gelebt haben soll. Als er eines Tages bemerkte, wie sich auf der anderen Seite des Wassers ein neuer Kirchturm erhob, wurde er so böse, dass er ihn gleich zertrümmern wollte. Die Riesen sahen es nämlich nicht gern, wenn etwas größer war als sie. Der Riese suchte sich einen stattlichen Findling, nahm einen langen Anlauf von Timmendorf zum Strand hinunter und schleuderte den Stein in hohem Bogen über die Bucht. Der Riesenstein flog aber nicht weit genug und klatschte am Redewischer Ufer ins Wasser, wo er noch heute liegt. An jener Stelle aber, wo der Riese am Ufer nochmals kräftig aufgetreten ist und die sich dann sogleich mit Wasser füllte, liegt heute der Timmendorfer Hafen.

Geschichte

Die Insel Poel wurde 1163 erstmals urkundlich erwähnt, nach slawischer Besiedlung durch deutsche Bauern kolonisiert und 1250 mit dem Bau der Kirche in Kirchdorf geprägt, bevor sie im Dreißigjährigen Krieg strategisch als Festung diente. Ab 1648 unter schwedischer Herrschaft bis 1903, erlebte Poel Plünderungen durch Dänen, Preußen und andere Mächte, ehe sie endgültig zu Mecklenburg zurückkehrte und später als Erholungsinsel mit Dammverbindung 1927 aufblühte.

Mesolithikum

Die ersten Spuren von Menschen in der Region der heutigen Insel Poel stammen aus dem Spätpaläolithikum, aus der Zeit um -10.000. Damals gab es die Ostsee in der heutigen Form noch nicht. Die flachwellige Endmoränenlandschaft war noch nicht lange eisfrei und von einer Tundra- und Waldtundravegetation bedeckt. Hier lebten die Menschen von der Jagd und Fischerei.

In den darauffolgenden Jahrtausenden verändert sich die Vegetation kontinuierlich durch die Klimaerwärmung. Die Waldtundra wandelte sich zu Buchen-Eichen-Mischwäldern.

Vor 8000 Jahren begann das Litorina-Meer über den Kattegat und die Beltsee schrittweise ins Ostseebecken einzudringen. Das ansteigende Wasser ergoß sich in die Tallagen, nur das erhöhte Relief blieb sichtbar. Durch den Anstieg des Meeresspiegels mussten die Menschen ihre Siedlungsplätze verlegen. Vor der Insel Poel finden Unterwasserarchäologen deshalb heute in drei bis zwölf Metern Tiefe zahlreiche Reste mittel- und jungsteinzeitlicher Besiedlung.

Zu jener Zeit, dem Mesolithikum, insbesonderee im späten Abschnitt zwischen etwa -6500 und -5000, lebten hier Jäger, Fischer und Sammler in kleinen, beweglichen Gruppen. Sie nutzten die damals direkt an der Küste gelegenen Plätze intensiv. Die wichtigsten Fundstellen liegen heute unter Wasser nördlich und westlich von Poel. Zu den bekanntesten gehören Timmendorf-Nordmole mit mehreren Teilarealen, Jäckelberg-Nord und Jäckelberg-Huk sowie Tonnenhaken-Nord und Tonnenhaken-Süd. An diesen Orten wurden zahlreiche Steingeräte gefunden, darunter feine Klingen, Mikrolithen, Schaber und Kernbeile aus Feuerstein. Daneben kamen viele Knochen- und Geweihwerkzeuge zum Vorschein, vor allem Harpunen, Speerspitzen, Angelhaken und Reste von Netzen. Besonders auffällig sind die massenhaften Fischreste, vor allem von Hering, Dorsch und Plattfischen, was zeigt, dass der Fischfang bereits eine zentrale Rolle spielte. Gleichzeitig jagten die Menschen noch Wild wie Rothirsch, Wildschwein und Elch und sammelten Haselnüsse, Wurzeln und Beeren. Die Siedlungsplätze waren meist saisonal genutzte Lager direkt am damaligen Ufer. Mit dem raschen Anstieg des Meeresspiegels durch die Littorina-Transgression verlegten die Gruppen ihre Standorte immer wieder landeinwärts.

Neolithikum

Der Übergang zum Neolithikum vollzog sich in dieser Region sehr langsam und in kleinen Schritten. Zwischen etwa -5500 und -4800, also im sogenannten Finalmesolithikum und frühesten Neolithikum, tauchen die ersten Keramikscherben auf. Es handelt sich meist um dickwandige, grob gemagerte Gefäße, die der Ertebølle-Tradition oder den allerersten Formen der Trichterbecherkeramik ähneln. Gleichzeitig erscheinen geschliffene Feuersteinbeile und -äxte. Der Fischfang bleibt jedoch weiterhin sehr wichtig, wie die vielen Netzsenker, Angelhaken und Fischspeere zeigen. Erste Spuren von Haustieren, vor allem Rind, Schwein und Schaf oder Ziege, sind ebenfalls nachweisbar, ebenso wie vereinzelte Getreidekörner. Dennoch blieb die Lebensweise lange Zeit überwiegend mesolithisch geprägt. Die Menschen übernahmen nur ausgewählte Elemente der neolithischen Kultur, vor allem Keramik und einzelne Haustiere, während die klassische bandkeramische Landwirtschaft mit großen Dörfern und intensivem Ackerbau diese Küstenregion kaum erreichte.

Erst ab etwa -4100, mit der voll entwickelten Trichterbecherkultur, setzte eine deutlich stärkere landwirtschaftliche Nutzung ein. Zu diesem Zeitpunkt begann sich die heutige Inselform allmählich herauszubilden, da der Meeresspiegelanstieg langsamer wurde. Viele der mesolithischen und frühneolithischen Siedlungsplätze gerieten unter Wasser und blieben so bis heute erhalten. Sie zählen zu den bedeutendsten submarinen Steinzeitfundstellen im südwestlichen Ostseeraum. Die damaligen Bewohner passten sich über Jahrhunderte geschickt an die sich verändernde Küstenlandschaft an und lebten in einer Übergangszone zwischen alter Jäger-Sammler-Wirtschaft und den ersten Formen sesshafter Landwirtschaft.

Bronzezeit

Die Bronzezeit umfasst auf Poel ungefähr den Zeitraum von -1800 bis -500. Sie gliedert sich in die ältere, mittlere und jüngere Bronzezeit. Archäologische Belege sind vergleichsweise spärlich, was typisch für viele Küstengebiete Norddeutschlands ist, da intensive Landnutzung und Erosion viele Spuren zerstört haben. Zu den wichtigsten Zeugnissen gehört der Rugbarg bzw. Ruger Baqrg, ein Hügelgrab in der Nähe des Brandenhusener Hakens. Solche Grabhügel waren in der älteren und mittleren Bronzezeit üblich und dienten meist als Bestattungsplätze für einzelne Personen oder Familien, oft mit Beigaben wie Bronzeringen, Nadeln, Beilen oder Keramik. Der Rugbarg selbst ist heute nur noch als flache Erhebung erkennbar, doch er zeigt, dass auch auf Poel die typische Hügelgrabsitte verbreitet war.

Weitere Hinweise auf die Bronzezeit stammen aus Einzelfunden, die meist zufällig bei landwirtschaftlichen Arbeiten oder Bauvorhaben ans Licht kamen. Dazu gehören vereinzelte Bronzeobjekte wie Äxte, Sicheln, Nadeln oder Schmuckstücke. Ein besonders markanter Fund aus der näheren Umgebung der Wismarbucht ist der älterbronzezeitliche Flint-Sichel-Hort von Fährdorf auf dem Festland gegenüber Poel. Er enthielt zahlreiche Feuersteinsicheln, die in dieser Zeit als wertvolle landwirtschaftliche Geräte galten und oft gezielt deponiert wurden. Solche Hortfunde deuten auf rituelle oder wirtschaftliche Deponierungen hin und zeigen, dass die Menschen der Bronzezeit bereits überregionale Tauschbeziehungen pflegten – Bronze selbst musste über weite Strecken importiert werden, da es in Norddeutschland keine nennenswerten Zinn- und Kupfervorkommen gab. Auf Poel selbst fehlen bislang größere Hortfunde oder Siedlungsstrukturen aus Bronze, doch Streufunde von Keramik und Feuerstein deuten auf kontinuierliche Nutzung der Insel hin.

In der jüngeren Bronzezeit, etwa ab dem -13. Jahrhunderet, wird die Besiedlung etwas dichter. Es entstehen größere, offene Siedlungen mit rechteckigen oder ovalen Häusern aus Holz und Lehm. Die Wirtschaft basierte weiterhin auf Getreideanbau, vor allem Gerste und Emmer, sowie auf Rinder-, Schaf- und Schweinehaltung. Die Nähe zum Meer spielte eine wachsende Rolle: Fischfang und möglicherweise Küstenschifffahrt gewannen an Bedeutung. Typische Keramik dieser Phase sind grob gemagerte Gefäße mit Buckelverzierung oder einfachen Ritzmustern. Grabbeigaben werden reicher und enthalten nun häufiger Bronzeobjekte wie Schwerter, Lanzenspitzen oder Fibeln, was auf zunehmende soziale Differenzierung hinweist.

Eisenzeit

Mit dem Übergang zur vorrömischen Eisenzeit, etwa ab -500/-450 bis in die ersten Jahrhunderte nach Christus, verändert sich das Bild nur allmählich. Eisen verdrängt langsam Bronze als wichtigstes Metall, bleibt aber zunächst selten und wertvoll. Die Siedlungen liegen oft an leicht erhöhten Stellen, um vor Sturmfluten geschützt zu sein. Auf Poel gibt es Streufunde von Keramik der älteren Eisenzeit, vor allem aus der Zeit um -500 bis ins frühe 1. Jahrhundert, die eine kontinuierliche Besiedlung belegen. Besonders wichtig wird in dieser Epoche die Anlage befestigter Plätze. Im Bereich des heutigen Friedhofs an der Wismarschen Straße in Timmendorf lag vermutlich eine slawische Burgwall-Siedlung der späteren Eisenzeit bzw. Völkerwanderungszeit, deren Wurzeln aber möglicherweise bis in die späte vorrömische Eisenzeit zurückreichen. Solche ringwallartigen Anlagen dienten als Schutz vor Überfällen, als Versammlungs- und Vorratsort und als Statussymbol lokaler Anführer.

In der jüngeren vorrömischen Eisenzeit und der frühen römischen Kaiserzeit, also etwa vom -2. Jahrhundert bis ins 1. oder 2. Jahrhundert, nimmt die Siedlungsdichte zu. Typische Funde sind nun Fibeln, Gürtelschnallen, eiserne Werkzeuge und Keramik mit feinerer Machart. Die Menschen lebten in kleinen Dörfern oder Einzelhöfen, betrieben intensiveren Ackerbau und Viehzucht und nutzten das Meer für Fischerei und möglicherweise Handel mit Bernstein, der in der Region reichlich vorkam. Es gibt keine Hinweise auf große zentrale Siedlungen oder Städte – Poel blieb ein ländlicher, peripherer Raum am Rand der germanischen Welt.

Slawische Zeit

Die slawische Zeit auf der Insel Poel erstreckt sich vom Ende des 6. bis etwa zur Mitte des 12. Jahrhunderts. Nachdem die germanischen Bewohner im Zuge der Völkerwanderung die Region weitgehend verlassen hatten, wanderten slawische Stämme, vor allem die Obodriten (auch Abodriten genannt), in das westliche Mecklenburg und damit auch auf Poel ein. Dieser Prozess begann Ende des 6. und Anfang des 7. Jahrhunderts. Die Slawen rodeten Wälder, legten Äcker an und gründeten kleine, verstreute Siedlungen. Sie lebten hauptsächlich von Ackerbau, Viehzucht, Fischfang und der Nutzung der Küstenressourcen. Die Bevölkerungsdichte blieb gering, da die Insel eine eher periphere Lage hatte.

Typische Hinweise auf die slawische Besiedlung sind Ortsnamen mit den charakteristischen Endungen -itz und -ow. Auf Poel gehören dazu vor allem Malchow (wahrscheinlich „Ort des Malech“), Gollwitz (von slawisch „golu“ = kahl, also kahler Ort) und Wangern. Diese Namen deuten auf frühe slawische Gründungen hin. Die übrigen Orte der Insel entstanden erst später im Zuge der deutschen Ostsiedlung. Kirchdorf nahm eine besondere Rolle ein. Auf dem heutigen Friedhofsgelände an der Wismarschen Straße in Timmendorf (manchmal auch mit Kirchdorf in Verbindung gebracht) wurden altslawische Keramikfunde gemacht. Das Gelände galt lange als Standort einer slawischen Burgwall-Siedlung. Solche ringförmigen Wallanlagen waren typisch für die slawische Zeit und dienten als befestigte Siedlungen, Versammlungs- und Schutzplätze. Ob es sich tatsächlich um eine vollwertige Burg oder eher um eine befestigte offene Siedlung handelte, ist nicht abschließend geklärt, doch die Funde bestätigen eine kontinuierliche slawische Präsenz mindestens seit dem Frühmittelalter.

Bis etwa 1200 blieb Poel weitgehend slawisch besiedelt, allerdings in sehr geringer Zahl. Die Lebensbedingungen waren schwierig: Die flache, windige und sturmflutgefährdete Insel bot begrenzte Möglichkeiten für intensive Landwirtschaft. Die Bewohner lebten in kleinen Dörfern oder Einzelhöfen, bauten einfache Holzhäuser und nutzten Keramik vom sogenannten Feldberg- oder Mecklenburg-Typ, die für die westslawischen Gruppen typisch war. Archäologische Funde aus dieser Epoche sind auf Poel jedoch relativ spärlich, da viele Spuren durch spätere Landnutzung, Sturmfluten und die intensive deutsche Besiedlung ab dem 13. Jahrhundert überprägt oder zerstört wurden.

In den größeren Zusammenhang der slawischen Geschichte im Ostseeraum fiel Poel in eine Zeit zunehmender Konflikte mit den benachbarten christlichen Mächten. Ab dem 10. Jahrhundert gerieten die westslawischen Stämme, darunter die Obodriten, in Konflikt mit den sächsischen Herzögen und später mit Dänen und dem aufstrebenden deutschen Reich. Die Obodriten unter Führern wie Niklot leisteten erbitterten Widerstand gegen Christianisierung und Unterwerfung. Der sogenannte Wendenkreuzzug von 1147 war ein entscheidender Wendepunkt. Dieser Kreuzzug, der von sächsischen Fürsten unter Heinrich dem Löwen, Dänen und polnischen Kräften getragen wurde, richtete sich gegen die heidnischen Slawen östlich der Elbe. Obwohl Poel selbst kein zentraler Schauplatz großer Schlachten war, lag die Insel im Einflussbereich der Obodriten und war von den Kämpfen betroffen. Viele slawische Siedlungen in der Region wurden zerstört, die Bevölkerung dezimiert oder vertrieben. Heinrich der Löwe eroberte weite Teile des Obodritenlandes und zwang die verbliebenen Slawen in Abhängigkeit.

Als Poel 1163 erstmals urkundlich erwähnt wurde, war die slawische Bevölkerung auf der Insel bereits stark geschwächt. Durch die vorangegangenen Kriege, Plünderungen und die allgemeine Unterwerfung der Obodriten verschwand die slawische Kultur auf der Insel in den folgenden Jahrzehnten weitgehend. Bis etwa 1200 lebten noch ausschließlich Slawen auf Poel, doch in sehr geringer Zahl und unter schwierigen Bedingungen. Ab dem frühen 13. Jahrhundert, besonders unter Fürst Heinrich Borwin II. von Mecklenburg, setzte die gezielte deutsche Besiedlung ein. Kolonisten aus Niedersachsen, Holstein, Friesland und Westfalen kamen auf die Insel, gründeten neue Dörfer und überlagerten die slawischen Strukturen.

Hoch- und Spätmittelalter

Poel wird erstmals 1163 urkundlich erwähnt. In diesem Jahr bestätigte Erzbischof Hartwig I. von Bremen die Schenkung des Zehnten der gesamten Insel Poel sowie der Ortschaft Fährdorf auf dem Festland an das Domkapitel zu Lübeck. Diese Urkunde markiert den Beginn des Übergangs zur deutschen Herrschaft. Die Schenkung ging auf Heinrich den Löwen zurück und markierte den Beginn der dauerhaften Einbindung der Insel in die deutsche und christliche Herrschaftssphäre. Kaiser Friedrich Barbarossa bestätigte diese Schenkung 1173 erneut, was die rechtliche Stellung der Lübecker Kirche auf Poel absicherte. Bereits um 1210 kam es zu einer Teilung des Zehnten: Die mecklenburgischen Herzöge und das Lübecker Domkapitel einigten sich darauf, die Abgaben der Insel untereinander aufzuteilen.

Mit Heinrich Borwin I. von Mecklenburg (reg. ca. 1210–1217/1226) setzte die gezielte deutsche Besiedlung ein. Er holte Siedler aus Niedersachsen, Holstein, Westfalen und Friesland auf die Insel. Diese Kolonisten brachten neue landwirtschaftliche Methoden, Dreifelderwirtschaft und verbesserte Geräte mit. In dieser Zeit begann der Bau der Dorfkirche in Kirchdorf. Die Feldsteinkirche entstand in mehreren Etappen: Der Chor und Teile des Langhauses stammen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, das Schiff wurde später erweitert, und um 1350 galt der Bau als im Wesentlichen vollendet. Die Kirche diente von Anfang an als zentraler Ort für die neue deutsche Bevölkerung und ersetzte vermutlich eine frühere slawische Holzkirche oder Kapelle.

Im Jahr 1318 verkaufte Herzog Heinrich II. von Mecklenburg die gesamte Insel Poel sowie sieben weitere Dörfer auf dem Festland an die mecklenburgischen Ritterfamilien von Plessen, von Preen und von Stralendorff. Dieser Verkauf zeigt, dass Poel damals als wirtschaftlich interessantes, aber nicht zentrales Herrschaftsobjekt betrachtet wurde. Die Ritterfamilien übernahmen die Grundherrschaft und organisierten die Dörfer neu. Nur wenige Jahre später, 1344, erwarb das Lübecker Heiligen-Geist-Hospital die Dörfer Seedorf, Brandenhusen, Weitendorf und Wangern. Das Hospital wurde damit zu einem der wichtigsten Grundherren auf der Insel. Es nutzte die Einkünfte aus diesen Dörfern zur Versorgung von Armen, Kranken und Pilgern in Lübeck und sorgte zugleich für eine stabile Bewirtschaftung der Höfe.

Die Lebensverhältnisse auf Poel blieben im Hoch- und Spätmittelalter bescheiden. Die Insel war arm an fruchtbarem Boden, litt unter Sturmfluten und Salzwiesen, die sich immer wieder ausdehnten. Die Bewohner lebten vor allem von Getreideanbau (Roggen, Gerste, Hafer), Viehzucht (vor allem Rinder und Schafe), Fischerei und etwas Salzgewinnung in den Salzwiesen. Die Dörfer waren klein und bestanden meist aus wenigen Bauernhöfen. Timmendorf entwickelte sich allmählich zum Hauptort der Insel, auch weil dort die Kirche und später eine Fährverbindung zum Festland lagen.

Kirchlich gehörte Poel zum Bistum Ratzeburg, später zum Bistum Schwerin. Die Dorfkirche in Kirchdorf war die einzige Pfarrkirche der Insel. In Timmendorf entstand vermutlich im 14. oder 15. Jahrhundert eine kleine Kapelle, die später zur heutigen Kirche ausgebaut wurde. Klöster oder größere geistliche Institutionen gab es auf Poel selbst nicht.

Bis Ende des 14. Jahrhunderts besaß die Lübecker Kirche den größten Teil der Insel. Die mecklenburgischen Herzöge behielten jedoch gewisse Rechte, insbesondere bei Bede und Gerichtsbarkeit, was immer wieder zu Streitigkeiten führte. Die Bewohner lebten weiterhin von Ackerbau, Viehzucht und Fischerei unter schwierigen Bedingungen. Die Böden waren oft sandig und mager, Sturmfluten bedrohten die Küsten, und die Abgabenlast an Kirche, Hospital und Ritter war hoch. Die Dörfer blieben klein, und Timmendorf sowie Kirchdorf entwickelten sich zu den zentralen Orten.

Von großen kriegerischen Auseinandersetzungen blieb die Insel wä#hrend dieser Zeit verschont. Die Insel profitierte indirekt von der Hansezeit, da Lübeck als nahegelegene Großstadt Absatzmarkt für Getreide, Vieh, Fisch und Wolle bot. Gleichzeitig war Poel jedoch immer wieder von Piraterie und Seekriegen betroffen, die die Ostsee im Spätmittelalter unsicher machten. Die mecklenburgischen Herzöge und die Ritterfamilien sorgten für eine gewisse Ordnung, doch die Abgabenlast – Zehnt an Kirche und Hospital, Grundrenten an die Ritter – blieb hoch.

Frühe Neuzeit

Im 15. Jahrhundert setzten sich diese Verhältnisse fort. Die mecklenburgischen Herzöge versuchten mehrfach, ihre Rechte auf Poel zurückzugewinnen und den Einfluss der Lübecker Kirche zurückzudrängen. Die Insel blieb jedoch ein Randgebiet des Herzogtums Mecklenburg mit geringer strategischer Bedeutung. Wirtschaftlich profitierte sie indirekt von der Hansezeit, da Lübeck als nahegelegener Markt für Getreide, Wolle, Fisch und Vieh diente. Die Bevölkerungszahl blieb niedrig, und die Lebensverhältnisse änderten sich kaum.

Mit der Reformation änderte sich die kirchliche Landschaft grundlegend. Bereits 1535 – also fünf Jahre bevor Mecklenburg am 20. Juni 1540 auf dem Landtag an der Sagsdorfer Brücke bei Sternberg offiziell die Reformation einführte – wurde auf Poel die lutherische Lehre eingeführt. Die Insel gehörte damit zu den frühen reformatorischen Gebieten in der Region. Die Pfarrkirche in Kirchdorf und die kleine Kapelle in Timmendorf wurden evangelisch, und die Abgaben flossen nun nicht mehr ausschließlich an katholische Institutionen. Die Lübecker Grundherrschaft blieb jedoch erhalten, da das Heiligen-Geist-Hospital und das Domkapitel weiterhin viele Höfe besaßen.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gewann Poel allmählich an administrativer Bedeutung. Um 1560 entstand der erste Amtshof der Insel, der als Verwaltungssitz der mecklenburgischen Herzöge diente und die landesherrlichen Interessen vertrat. Südlich von Kirchdorf, im Bereich Fleckenhagen, wurde 1568 ein Jagdhaus errichtet, das den Herzögen als Aufenthaltsort bei Besuchen diente. Die Insel profitierte von der relativen Ruhe nach den Religionskriegen in der Region, litt aber unter gelegentlichen Plünderungen und Unsicherheiten, die mit den Konflikten der Reformationszeit verbunden waren.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts änderte sich die Lage dramatisch. Herzog Adolf Friedrich I. von Mecklenburg erkannte die strategische Bedeutung der Insel in einer Zeit zunehmender Spannungen im Heiligen Römischen Reich. 1614 begannen die Bauarbeiten an der Poeler Festungsanlage mit Schloss. Auftraggeber war Herzog Johann Albrecht II. (Mecklenburg), der 1598 nach einer langjährigen Auseinandersetzung mit dem Lübecker Domkapitel dessen Ländereien auf der Insel und dann im Jahre 1615 auch noch die Güter derer von Stralendorff erworben hat. Unter der Anleitung des Generalbaumeisters und Ingenieurs Gerhart Evert Pilooth entstand ein imposantes Bauwerk.

Um 1618 waren die Bauarbeiten im Großen und Ganzen abgeschlossen. Im Juni 1620 traf sich König Gustav II. Adolf von Schweden mit Herzog Johann Albrecht II auf dem Poeler Schloss. Zwei Monate später wurde seine Braut, Prinzessin Maria Eleonora von Brandenburg, auf ihrem Weg zur Vermählung in Stockholm auf der Insel Poel mit einem Festgottesdienst in der Kirche und mit mehrtägigen Feierlichkeiten im Schloss vom Mecklenburgischen Herzog empfangen. 1627 besetzten Dänische Truppen auf dem Rückzug aus Mecklenburg für kurze Zeit die Poeler Festungsanlage. 1628 marschierten kaiserliche Truppen unter Wallenstein ins Land. Als die Mecklenburgischen Herzöge 1631 das Poeler Schloss wieder in Besitz nahmen, fanden sie es verwüstet vor. Es wurde zwar wieder instandgesetzt, aber schon um 1635 wurde es von den Schweden besetzt, nachdem Mecklenburg Frieden mit dem Kaiser geschlossen hatte. 1638 fielen die Kaiserlichen Horden wieder in die Festung ein.

Schwedische Herrschaftszeit

Mit dem Westfälischen Frieden 1648 erhielt Schweden als Entschädigung und Sicherung neben Wismar und dem Amt Neukloster auch die Insel Poel als Reichslehen. Ausgenommen blieben nur die ehemaligen Hospitaldörfer Wangern und Gollwitz, die weiterhin Lübecker Besitz blieben. Poel wurde damit Teil des schwedischen Herrschaftsgebiets in Norddeutschland und gehörte administrativ zum schwedischen Wismar. Die schwedische Königin Christine verlieh die Insel ihrem Nachfolger Carl X. Gustav. Die Einwohner blieben größtenteils mecklenburgische Untertanen mit deutschen Rechten und Gewohnheiten, doch die Oberhoheit lag bei der schwedischen Krone.

In den folgenden Jahrzehnten erlebte Poel wiederholt kurzzeitige Besetzungen durch fremde Mächte. 1675 fielen brandenburgische Truppen ein und plünderten die Insel. Während des Großen Nordischen Krieges (1700 b is 1721) besetzten dänische Truppen Poel 1711 und 1715 alliierten Truppen die Insel vorübergehend. Diese Episoden brachten Plünderungen, Zerstörungen und wirtschaftliche Not mit sich, doch die formale Zugehörigkeit zu Schweden blieb bestehen.

Da die Schweden ab 1648 die benachbarte Stadt Wismar zu einer Festung ausgebaut haben, hatten sie kein Interesse an der Poeler Festungsanlage und ließen das Schloss verfallen. Im Dezember 1703 brachte ein Orkan den Turm des Schlosses zum Einsturz. Wenige Jahrzehnte danach stand das Schloss nur noch als Ruine da. Im 19. Jahrhundert durften die Poeler die Ruinen als Steinbruch nutzen.

Ab dem späten 17. Jahrhundert setzte eine Phase relativer Stabilität ein. Die Festungsanlage in Kirchdorf verfiel endgültig im frühen 18. Jahrhundert und wurde nicht wieder aufgebaut – nur die sternförmigen Wälle und Gräben sind heute noch als Bodendenkmale erkennbar. Die Insel diente nicht mehr als militärischer Stützpunkt. Die schwedische Verwaltung war eher locker und beschränkte sich auf die Einziehung von Abgaben und die Wahrung der Lehnsrechte. Die Bewohner lebten weiterhin von Landwirtschaft (Getreide, Viehzucht, besonders Pferdezucht), Fischerei und etwas Salzgewinnung. Die Bevölkerung blieb gering, die Dörfer klein und die Lebensbedingungen karg.

Im 18. Jahrhundert kam es zu weiteren Belastungen. Während des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) plünderten preußische Truppen die Insel mehrmals. Dennoch blieb Poel nominell schwedisch. Ende des 18. Jahrhunderts begann die Bauernbefreiung in Mecklenburg, die auch auf Poel Auswirkungen hatte, obwohl die Insel formal nicht zum Herzogtum gehörte.

Modernisierungszeit

Am 26. August 1803 schloss Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin mit Schweden den Malmöer Pfandvertrag. Für 1.250.000 Reichstaler erhielt Mecklenburg für 99 Jahre die tatsächliche Hoheit über Wismar, das Amt Neukloster und die Insel Poel. Schweden behielt das formale Eigentumsrecht und das Rückkaufsrecht nach Ablauf der Frist. Bereits 1802 waren die ehemals lübischen Hospitaldörfer (darunter Wangern, Gollwitz, Seedorf, Brandenhusen und Weitendorf) gegen den Priwall bei Travemünde eingetauscht und dem mecklenburgischen Domanialamt Redentin zugeordnet worden. Damit endete der jahrhundertelange Einfluss Lübecks auf Poel. Die Insel war nun praktisch wieder mecklenburgisch, auch wenn der schwedische Status bis 1903 fortbestand.

Die Lebensverhältnisse blieben im frühen 19. Jahrhundert karg. Die Bevölkerung lebte überwiegend von Landwirtschaft und Fischerei. Die Böden waren meist sandig und mager, die Salzwiesen und Sturmflutgefahren erschwerten den Ackerbau. Roggen, Gerste, Hafer und Kartoffeln wurden angebaut, daneben spielte die Viehzucht – besonders die Pferdezucht – eine wichtige Rolle. Poel war schon seit Jahrhunderten für robuste Arbeitspferde bekannt. Die Dörfer blieben klein, die Höfe meist klein- bis mittelbäuerlich. Die Bauernbefreiung, die in Mecklenburg ab Ende des 18. Jahrhunderts schrittweise begann, erreichte Poel in den 1820er- und 1830er-Jahren. Die Leibeigenschaft wurde aufgehoben, die Bauern erhielten persönliche Freiheit und konnten Land erwerben, doch die Ablöseabgaben und die Umwandlung in Pacht- oder Eigentumsbauern verliefen schleppend und belasteten viele Familien lange.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts setzte eine allmähliche Verbesserung der Infrastruktur ein. Die Fährverbindung nach Wismar wurde regelmäßiger, was den Absatz von landwirtschaftlichen Produkten und Fisch erleichterte. Ab der Mitte des Jahrhunderts kamen erste Sommerfrischler und Badegäste auf die Insel. Das klare Wasser, die ruhige Lage und das gesunde Seeklima machten Poel attraktiv für Erholungssuchende aus Wismar, Schwerin und Lübeck. Timmendorf entwickelte sich langsam zum kleinen Seebad mit ersten Badeeinrichtungen und einfachen Unterkünften. Der Tourismus blieb jedoch zunächst bescheiden und saisonal begrenzt.

Ein wichtiger Impuls für die Landwirtschaft kam Ende des 19. Jahrhunderts von Hans Lembke. Der Poeler Bauernsohn gründete 1897 in Malchow einen Saatzuchtbetrieb. Er züchtete hochwertiges Saatgut, vor allem für Roggen und andere Getreidearten, und trug damit zur Verbesserung der Erträge auf der Insel und in der Region bei. Sein Betrieb wurde später zu einem der bekanntesten Saatzuchtunternehmen Mecklenburgs und symbolisiert den Übergang zu modernerer Landwirtschaft.

1903 verzichtete die schwedische Krone endgültig auf das Rückkaufsrecht aus dem Pfandvertrag von 1803. Poel wurde damit offiziell und unwiderruflich Teil des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin. Diese Rückkehr nach fast 255 Jahren formaler schwedischer Zugehörigkeit wird bis heute auf der Insel mit dem Schwedenfest gefeiert.

Bis 1914 blieb Poel ein ruhiges, ländliches Gebiet am Rand Mecklenburgs. Die Bevölkerungszahl stieg nur langsam, die Wirtschaft basierte weiterhin auf Landwirtschaft, Pferdezucht, Fischerei und zunehmend auf kleinem Tourismus. Große industrielle Entwicklungen oder städtische Strukturen fehlten. Die Insel profitierte von der relativen Friedenszeit im Deutschen Reich nach 1871, litt aber unter den typischen Problemen ländlicher Randregionen: Abwanderung jüngerer Menschen in die Städte, begrenzte Bildungsmöglichkeiten und Abhängigkeit von guten Ernten und Fischfängen.

Weltkriegsära

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurden zahlreiche junge Männer von der Insel eingezogen. Etliche fielen an den Fronten, andere kehrten verwundet oder krank zurück. Die Landwirtschaft und Fischerei litten unter Arbeitskräftemangel, fehlendem Dünger und Pferden sowie unter der Zwangswirtschaft und Lebensmittelknappheit. Nach der Niederlage 1918 und der Novemberrevolution gehörte Poel zum Freistaat Mecklenburg-Schwerin. Die Weimarer Republik brachte für die Insel vor allem wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 führte zu fallenden Preisen für Getreide und Vieh, vielen Höfen drohte der Ruin, und die Abwanderung jüngerer Menschen in die Städte nahm zu. Der Tourismus stagnierte weitgehend.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Poel Teil des Landes Mecklenburg, das 1934 mit Mecklenburg-Strelitz vereinigt wurde. Die NS-Herrschaft brachte die Gleichschaltung aller Vereine und Institutionen, Zwangsmitgliedschaft in NS-Organisationen und intensive Propaganda. Die Landwirtschaft wurde in die Autarkiepolitik eingebunden, mit höheren Ablieferungsquoten und Förderung der Produktion. Der Saatzuchtbetrieb von Hans Lembke in Malchow profitierte davon, da hochwertiges Saatgut für die gesteigerte Erzeugung benötigt wurde. Jüdische Einwohner gab es auf Poel praktisch nicht. Der Tourismus wurde zeitweise im Rahmen von „Kraft durch Freude“-Programmen gefördert, blieb aber bescheiden.

Im Zweiten Weltkrieg ab 1939 wurden wieder viele Männer eingezogen, viele fielen oder gerieten in Gefangenschaft. Die Insel diente als ruhiger Rückzugsort und nahm Flüchtlinge aus bombardierten Städten auf. Gegen Kriegsende verdoppelte sich die Bevölkerung zeitweise durch Flüchtlinge aus den Ostgebieten. Die Landwirtschaft musste hohe Quoten erfüllen. Direkte Kampfhandlungen fanden auf Poel nicht statt.

Ende April 1945 besetzten zunächst britisch-kanadische Truppen die Insel. Am 3. Mai 1945 lösten sowjetische Einheiten die britischen ab. Am selben Tag ereignete sich in der Lübecker Bucht westlich von Poel die Katastrophe der Cap Arcona und weiterer Schiffe. Britische Jagdbomber versenkten irrtümlich diese mit Tausenden KZ-Häftlingen beladenen Schiffe, die von der SS als schwimmende Konzentrationslager genutzt wurden. Über 7.000 Menschen starben. In den folgenden Tagen wurden Hunderte Leichen an die Strände von Poel angeschwemmt. Achtundzwanzig Tote wurden auf dem Friedhof in Kirchdorf beigesetzt. Im Ortsteil Schwarzer Busch erinnert heute eine kleine Gedenkstätte an die Opfer, und das Heimatmuseum in Kirchdorf dokumentiert die Tragödie.

Kommunistische Zeit

Am 3. Mai 1945 übernahmen sowjetische Truppen die Insel von den kurz zuvor eingetroffenen britischen Einheiten. Poel lag damit in der sowjetischen Besatzungszone. In den ersten Monaten und Jahren nach Kriegsende war die Situation chaotisch. Die Bevölkerung verdoppelte sich zeitweise durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten (Schlesien, Pommern, Ostpreußen). Viele Familien lebten beengt in den kleinen Bauernhäusern. Die sowjetische Besatzungsmacht requirierte Lebensmittel, Vieh und Ausrüstung für die Rote Armee. Die Versorgungslage blieb bis etwa 1948/49 sehr angespannt.

1945/46 begann die Bodenreform. Alle Höfe über 100 Hektar wurden enteignet und aufgesplittert. Auf Poel gab es jedoch kaum Großgrundbesitz – die meisten Höfe waren klein- bis mittelbäuerlich. Dennoch wurden einige größere Betriebe (vor allem ehemals lübische oder mecklenburgische Pachtgüter und Höfe von „Kriegsverbrechern“ oder NSDAP-Funktionären) enteignet und an Neubauern und Umsiedler verteilt. Die Landverteilung war auf Poel vergleichsweise gering, weil die Insel ohnehin wenig Ackerland hatte und viele Flächen sandig oder salzwiesenartig waren.

1949 wurde die DDR gegründet. Poel gehörte zum Kreis Wismar-Land im Bezirk Rostock. In den 1950er Jahren setzte die Zwangskollektivierung ein. Ab 1952/53 wurden die ersten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) gegründet – zunächst freiwillig, ab 1958/60 mit massivem Druck („sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft“). Bis 1960 waren fast alle Höfe auf Poel in LPGs eingegliedert, vor allem in die LPG Typ III (gemeinsame Bewirtschaftung von Acker und Vieh). Der bekannteste Saatzuchtbetrieb von Hans Lembke in Malchow wurde 1951 verstaatlicht und ging später in die VEG (Volkseigenes Gut) Saatzucht Poel über. Die Kollektivierung stieß auf erheblichen Widerstand – viele Bauern gaben ihre Selbstständigkeit nur widerwillig auf.

Die Fischerei wurde ebenfalls vergesellschaftet. Die Poeler Fischer wurden in Produktionsgenossenschaften des Fischfangs (PGF) organisiert. Die Boote und Netze gehörten nun kollektiv. Die Erträge mussten zu festen Abgabepreisen an den Staat geliefert werden.

Wirtschaftlich blieb Poel ein Randgebiet. Die Böden waren weiterhin schwierig, die Erträge niedrig. Viele junge Menschen wanderten in die industriellen Zentren (Rostock, Schwerin, Wismar) ab. Die Bevölkerungszahl sank langfristig. Der Tourismus wurde staatlich gelenkt. Timmendorf entwickelte sich zum FDGB-Feriendienst-Seebad mit einfachen Ferienheimen, Betriebsferienlagern und einem kleinen Kurhaus. Urlauber kamen vor allem aus der DDR, vereinzelt aus befreundeten sozialistischen Ländern.

Infrastrukturell verbesserte sich die Lage langsam. Die Fährverbindung nach Wismar wurde modernisiert, in den 1960er und 1970er Jahren kamen Teerstraßen, bessere Strom- und Wasserversorgung sowie ein Telefonnetz. Die Dorfschulen in Kirchdorf und Timmendorf wurden zu Polytechnischen Oberschulen (POS). Die Kirche in Kirchdorf blieb evangelisch-lutherisch, wurde aber wie überall in der DDR stark eingeschränkt und überwacht. Die Junge Gemeinde und kirchliche Jugendarbeit fanden nur noch im Verborgenen statt.

Politisch war Poel fest in der SED-Struktur eingebunden. Die SED-Grundorganisation, die FDJ, der FDGB und die DSF (Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft) waren präsent. Opposition gab es kaum offen – die Insel war klein, jeder kannte jeden, und die Stasi hatte auch hier ihre inoffiziellen Mitarbeiter. Dennoch gab es vereinzelt Unmut, besonders in den 1950er Jahren bei der Kollektivierung und nach dem 17. Juni 1953.

In den 1970er und 1980er Jahren lebte Poel in der typischen DDR-Ruhe einer ländlichen Peripherie. Die LPG Poel spezialisierte sich zunehmend auf Saatgutproduktion (Nachfolger des Lembke-Betriebs), Kartoffelanbau und Viehzucht. Die Insel profitierte vom staatlichen Wohnungsbau (einige Plattenbauten in Timmendorf) und vom FDGB-Feriendienst. Der Schwarzmarkt und das „Besorgen“ von Waren über Westkontakte (Verwandte in der BRD) spielten eine gewisse Rolle.

1989/90 erreichte die Wende auch Poel. Im Herbst 1989 fanden erste Montagsdemonstrationen und Friedensgebete statt – allerdings in sehr kleinem Rahmen. Im Januar 1990 löste sich die SED-Grundorganisation auf, die LPG wurde in Genossenschaften umgewandelt oder privatisiert. Bei der ersten freien Volkskammerwahl im März 1990 stimmte die Mehrheit auf Poel für die Allianz für Deutschland (CDU und Bündnispartner) Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze konstituierte sich am 19. Dezember 1989 in Kirchdorf der Runde Tisch der Gemeinde. Im Mai 1990 fanden die ersten demokratischen Wahlen zur Gemeindevertretung statt.

Moderne Zeit

Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 gehörte Poel zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Die LPG wurde aufgelöst oder in private Betriebe umgewandelt. Viele ehemalige LPG-Bauern übernahmen ihre Höfe wieder privat oder schlossen sich zu neuen Genossenschaften zusammen. Der traditionsreiche Saatzuchtbetrieb in Malchow wurde privatisiert und entwickelte sich zu einem erfolgreichen modernen Unternehmen, das weiterhin hochwertiges Saatgut für Getreide und andere Kulturen produziert und die Erbe von Hans Lembke fortführt. Die Fischerei wurde ebenfalls privatisiert, wobei viele Fischer ihre Boote und Betriebe eigenständig weiterführten oder sich zu kleineren Kooperativen zusammenschlossen.

Die Wirtschaft orientierte sich rasch auf den Tourismus. Timmendorf, Kirchdorf und andere Orte profitierten von der Öffnung nach Westen. Die ruhige Lage, die langen Strände, das Naturschutzgebiet mit seinen Vogelschutzgebieten, Rad- und Wanderwege sowie das gesunde Seeklima zogen immer mehr Feriengäste an, zunächst vor allem aus den alten Bundesländern, später auch aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland. Ferienhäuser, Pensionen, Campingplätze und kleine Hotels entstanden oder wurden modernisiert. Der Tourismus wurde zum mit Abstand wichtigsten Wirtschaftszweig. Jährlich besuchten in den 2010er Jahren Zehntausende die Insel, besonders in den Sommermonaten.

In den 1990er Jahren war der Übergang schwierig. Die Arbeitslosigkeit stieg vorübergehend stark an, da viele traditionelle Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und in staatlichen Einrichtungen wegfielen. Die Bevölkerungszahl sank weiter durch Abwanderung jüngerer Menschen in die Städte. Die Infrastruktur wurde jedoch schrittweise modernisiert: Die Fährverbindung nach Wismar wurde ausgebaut und frequentiert, Straßen wurden geteert und erneuert, Strom-, Wasser- und Abwasserversorgung auf westdeutschen Standard gebracht. EU-Fördermittel flossen in den ländlichen Raum und in den Naturschutz.

In den 2000er und 2010er Jahren stabilisierte sich die Lage. Der Tourismus boomte, das Heimatmuseum in Kirchdorf, die Dorfkirche, das Schwedenfest und andere Veranstaltungen wurden zu Attraktionen. Die Insel blieb ein ruhiges, naturnahes Gebiet mit kleinem Ortscharakter. Die Landwirtschaft konzentrierte sich auf spezialisierte Produktion wie Saatgut, Kartoffeln und ökologischen Anbau. Die Bevölkerungszahl pendelte sich bei rund 2500 bis 2800 Einwohnern ein.

Bis zum Beginn der Coronazeit im Frühjahr 2020 erreichte der Tourismus Rekordzahlen. Die Saison 2019 war eine der stärksten überhaupt. Mit der Corona-Maßnahmenpolitik kamen massive Einschränkungen: Lockdowns, Reisebeschränkungen, Schließungen von Gastronomie, Unterkünften und Stränden sowie Grenzschließungen. Der Tourismus brach fast vollständig ein, viele Betriebe gerieten in finanzielle Not. Die Insel erlebte eine ruhige, aber wirtschaftlich schwierige Phase, in der die Abhängigkeit vom Tourismus deutlich wurde. Ab 2021 setzte eine langsame Erholung ein, doch die Maßnahmenpolitik  hinterließ spürbare wirtschaftliche und soziale Spuren.

Verwaltung

Die amtsfreie Gemeinde Ostseebad Insel Poel im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern umfasst neben Poel auch die nordöstlich vorgelagerte Insel Langenwerder.


Herrschaftsgeschichte

  • um -600 bis 7. Jahrhundert ostgermanische Stammesgemeinschaften
  • 7. Jahrhundert bis 1163 slawische Stammesgemeinschaften
  • 1163 bis 1348 Fürstentum Mecklenburg
  • 1348 bis 24. Oktober 1648 Herzogtum Mecklenburg
  • 24. Oktober 1648 bis 26. August 1803 Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
  • 26. August 1803 bis 31. Dezember 1870 Amt Wismar-Poel-Mecklenburg-Redentin im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin
  • 1.Januar 1871 bis 8. Mai 1945  Amt Wismar-Poel-Mecklenburg-Redentin innerhalb der Provinz Mecklenburg des Deutschen Reiches
  • 8. Mai 1945 bis 25. Juli 1952  Stadt- und Landkreis Wismar im Land Mecklenburg der Deutschen Demokratischen Reopublik
  • 25. Juli 1952 bis 3. Oktober 1990 Kreis Wismar-Land im Bezirk Rostock der Deutschen Demokratischen Republik
  • 3. Oktober 1990 bis 31. Dezember 1993  Kreis Wismar-Land im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland
  • seit 1. Januar 1994 Landkreis Nordwestmecklenburg im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland

Legislative und Exekutive

Die Legislative wird durch den aus 13 Mitgliedern bestehenden Gemeinderat ausgeübt. Dieses Gremium wird von den Einwohnerinnen und Einwohnern gewählt und trifft die grundlegenden politischen Entscheidungen für die Gemeinde, etwa zu Haushalt, Satzungen, Bauplanung, Infrastruktur und örtlichen Regelungen. Die Exekutive liegt beim Bürgermeister beziehungsweise bei der Bürgermeisterin sowie der Gemeindeverwaltung. Der Bürgermeister leitet die Verwaltung, vertritt die Gemeinde nach außen und sorgt dafür, dass die Beschlüsse der Gemeindevertretung umgesetzt werden. Die Gemeindeverwaltung unterstützt ihn dabei und erledigt die laufenden Verwaltungsaufgaben. Damit übernimmt die Gemeindevertretung die beschließende Funktion, während Bürgermeister und Verwaltung die ausführende Gewalt auf der Insel Poel darstellen.

Inseloberhaupt

Höchster Repräsentant der Insel ist der Bürgermeister der Gemeinde Oistseebad Insel Poel.


Bürgermeister der Insel Poel

  • 1991 - 2004  Dieter Wahls (CDU)
  • 2005 - 2012  Brigitte Schönfeldt (SPD)
  • 2012 - Mai 2026  Gabriele Richter
  • seit Mai 2026  Florian Lechner (SPD)

Politische Gruppierungen

Auf der Insel Poel sind in der Gemeindevertretung folgende politische Parteien und Wählergemeinschaften vertreten:

  • Poeler für Poel (PfP) – Lokale Wählergemeinschaft, die speziell für die Belange der Insel Poel kandidiert und in der Gemeindevertretung stark vertreten ist.
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) – Mitglied der bundesweit bekannten sozialdemokratischen Partei mit sozialer Ausrichtung; auch auf Poel im Gemeinderat vertreten.
  • Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) – Konservative Volkspartei Deutschlands; ihre Mandatsträger sind im Gemeinderat Teil der gemeinsamen Fraktion „CDU + FW“.
  • Freie Wähler (FW) – Unabhängige politische Gruppe, die häufig auf kommunaler Ebene aktiv ist; im Poeler Gemeinderat gemeinsam mit der CDU vertreten.
  • Die Linke – Nachfolgefolgepartei der kommunistischen Sozmialistischen inheitspartei Deutschlands (SED)

Justizwesen und Kriminalität

Die Insel Poel unterliegt wie das gesamte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern dem deutschen Justiz- und Polizeisystem. Es gibt keine eigenständige Insel-Justiz oder abweichende Rechtsordnung. Zuständig ist die ordentliche Gerichtsbarkeit des Landes, insbesondere das Amtsgericht Wismar für die meisten Zivil-, Familien- und Strafsachen der Inselbewohner und -besucher. Höhere Instanzen sind das Landgericht Schwerin und das Oberlandesgericht Rostock. Verwaltungsrechtliche Angelegenheiten laufen meist über das Verwaltungsgericht Schwerin.

Für die Strafverfolgung und die polizeiliche Prävention ist die Polizeiinspektion Wismar (Polizeipräsidium Rostock) verantwortlich. Auf Poel selbst gibt es eine kleine Polizeistation in Timmendorf (im Gemeindezentrum), die jedoch keine Vollzeitbesetzung hat. Sie ist nur zu festen Sprechzeiten geöffnet (meist dienstags vormittags und donnerstags nachmittags), ansonsten werden Einsätze von Wismar oder umliegenden Streifenwagen aus bedient. Die Beamten vor Ort kümmern sich vor allem um Alltagsangelegenheiten, Verkehrskontrollen, Prävention und kleinere Vorfälle.

Die Kriminalitätslage auf Poel gilt im Vergleich zu städtischen Gebieten als sehr niedrig. Die Insel zählt zu den ruhigsten Regionen Nordwestmecklenburgs. Typische Delikte sind Einbrüche in Ferienhäuser und Garagen (vor allem außerhalb der Saison), Fahrraddiebstähle und kleinere Sachbeschädigungen, Verkehrsdelikte (Alkohol am Steuer, Geschwindigkeit, Wildunfälle), gelegentliche Sachbeschädigungen (zum Beispiel Farbschmierereien an Autos) sowie seltene Versuche von Geldautomatensprengungen oder -beschädigungen (wie 2025 in Timmendorf geschehen)

Gewaltkriminalität, Raubüberfälle oder organisierte Kriminalität spielen praktisch keine Rolle. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Landkreises Nordwestmecklenburg zeigt seit Jahren einen tendenziell rückläufigen oder stabil niedrigen Trend bei der Gesamtkriminalität, wobei Poel noch deutlich unter dem ohnehin niedrigen Kreisdurchschnitt liegt. Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen und Diebstählen ist aufgrund der überschaubaren Inselgröße und der geringen Anonymität oft relativ hoch.

In den Sommermonaten steigt die Belastung durch die vielen Touristen vorübergehend an – vor allem durch Diebstähle aus unverschlossenen Fahrrädern, Strandkörben und Autos sowie durch Ruhestörungen und kleinere Körperverletzungen nach Alkoholkonsum. Dennoch bleibt die Sicherheitslage auch in der Hochsaison sehr gut. Viele Einwohner und Gäste empfinden Poel als besonders friedlich und sicher.

Internationale Politik

Seit 2003 besteht eine Partnerschaft zwischen der Insel Poel und der schwedischen Insel Hammarö. Im Jahr 2004 kamen private Urlauber aus Hammarö nach Poel, außerdem wurden Austauschprogramme begonnen.

Flagge und Wappen

Das Wappen wurde am 16. September 1993 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 175 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Blasonierung: „Geteilt durch einen goldenen Faden; oben in Blau ein voll besegeltes silbernes Zeesenboot; unten in Grün eine goldene Rapsblüte.“ Das Wappen wurde von dem Kirchdorfer Joachim Saegebarth gestaltet.

Die Flagge der Gemeinde Ostseebad Insel Poel ist gleichmäßig längsgestreift von Blau, Gelb und Grün. Auf der Mitte des gelben Streifens liegt, auf jeweils ein Fünftel der Höhe des blauen und des grünen Streifens übergreifend, das Gemeindewappen. Die Länge der Flagge verhält sich zur Höhe wie 5 zu 3.

Hauptort

Der Hauptort der Insel Poel ist Kirchdorf. Diese Rolle hat der Ort seit dem Mittelalter inne und behält sie bis heute. Kirchdorf liegt geografisch fast genau in der Mitte der Insel, am inneren Ende der tief einschneidenden Bucht Kirchsee (eines Salzsees, der mit der Ostsee verbunden ist). Dadurch entstand hier früh ein natürlicher Hafen, der für Fischerei, kleine Schifffahrt und später auch für Fährverbindungen nach Wismar entscheidend war.

Kirchdorf entstand als Siedlungsschwerpunkt um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Der entscheidende Impuls war der Bau der Inselkirche (Dorfkirche Kirchdorf), die ab etwa 1250 in mehreren Etappen errichtet wurde und um 1350 im Wesentlichen vollendet war. Die Feldsteinkirche im romanisch-gotischen Stil mit ihrem 47 Meter hohen Turm wurde zum weithin sichtbaren Wahrzeichen der Insel. Um die Kirche herum wuchs das Dorf, das schon im 13. Jahrhundert urkundlich als Siedlung greifbar wird. Die günstige Lage am Hafen machte Kirchdorf für slawische Vorgängersiedler attraktiv, doch als zentraler Ort entwickelte es sich erst mit der deutschen Kolonisation und dem Kirchenbau.

Vor dem 13. Jahrhundert gab es auf Poel keine klare Hauptorts-Struktur. In slawischer Zeit (7. bis 12. Jahrhundert) existierten verstreute kleine Siedlungen und möglicherweise eine befestigte Anlage (Burgwall) im Bereich des heutigen Kirchdorfer Friedhofs oder in Timmendorf. Keiner dieser Plätze hatte jedoch die Bedeutung eines zentralen Ortes. Die Insel war dünn besiedelt, und es gab keine übergeordnete Siedlungshierarchie.

Seit dem 13. Jahrhundert blieb Kirchdorf durchgängig der Verwaltungs-, kirchliche und wirtschaftliche Mittelpunkt. Hier stand ab 1560 der erste mecklenburgische Amtshof. Hier wurde 1614 bis 1618 die Festungsanlage mit Schloss errichtet (die später verfiel). Hier befindet sich bis heute das Inselmuseum (im ehemaligen Schulgebäude), der größte Hafen der Insel, die Verwaltung der Gemeinde Ostseebad Insel Poel und etwa die Hälfte der Inselbevölkerung.

Timmendorf (insbesondere Timmendorf-Strand) entwickelte sich erst viel später zum touristischen Zentrum der Insel. Der Ort existierte bereits im Mittelalter als kleines Dorf, gewann aber erst ab dem späten 19. Jahrhundert durch den aufkommenden Badebetrieb an Bedeutung. Seit den 1920er Jahren und insbesondere in der DDR-Zeit (FDGB-Ferienlager, Campingplatz) und nach 1990 (Ferienhäuser, Pensionen, breiter Sandstrand) wurde Timmendorf zum bekanntesten und besucherstärksten Ort. Viele Urlauber halten Timmendorf daher oft für den „Hauptort“, doch administrativ, historisch und bevölkerungsmäßig ist Kirchdorf seit rund 800 Jahren der eigentliche Hauptort der Insel geblieben.

Verwaltungsgliederung

Insel Poel besteht aus 15 Gemeindeteilen. Die Gemeindeteile der Insel Poel sind mit den Daten des Jahres 2016:

  • Am Schwarzen Busch (56 Einwohner)
  • Brandenhusen (25 Einwohner)
  • Fährdorf (168 Einwohner)
  • Gollwitz (64 Einwohner) mit den nördlich vorgelagerten kleinen unbewohnten Inseln, zum Beispiel Langenwerder
  • Kaltenhof (117 Einwohner)
  • Kirchdorf (1016 Einwohner)
  • Malchow (126 Einwohner)
  • Neuhof (66 Einwohner)
  • Niendorf (66 Einwohner)
  • Oertzenhof (371 Einwohner)
  • Seedorf (14 Einwohner)
  • Timmendorf (170 Einwohner)
  • Vorwerk (54 Einwohner)
  • Wangern (98 Einwohner) mit Hinter Wangern
  • Weitendorf (101 Einwohner) mit Einhusen und Weitendorf-Hof


           Verwaltungseinheiten:

           15 Gemeindeteile

Bevölkerung

Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 36,02 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1900                4 000               111,04

           1946                5 120               142,14

           1961                4 300               119,38

           1971                3 500                 97,17

           1981                2 900                 80,51

           1990                2 590                 71,90

           1995                2 825                 78,43

           2000                2 900                 80,51

           2001                2 886                 80,12

           2002                2 840                 78,85

           2003                2 800                 77,73

           2004                2 780                 77,18

           2005                2 760                 76,62

           2006                2 740                 76,06

           2007                2 720                 75,50

           2008                2 700                 74,94

           2009                2 680                 74,38

           2010                2 660                 73,85

           2011                2 561                 71,10

           2012                2 550                 70,79

           2013                2 488                69,07

           2014                2 505                 69,54

           2015                2 510                69,68

           2016                2 512                69,74

           2017                2 419                67,16

           2018                2 485                68,99

           2019                2 463                68,38

           2020                2 456                68,18

           2021                2 536                70,41

           2022                2 523                70,04

           2023                2 528                70,18

           2024                2 507                69,60

Volksgruppen

In der Steinzeit lebten hier Jäger-Sammler-Gruppen und später die ersten sesshaften Bauern, die man heute als Angehörige der norddeutschen Trichterbecherkultur und verwandter Kulturen ansieht. Es handelte sich um Vorfahren der späteren germanischen Bevölkerung, doch es gibt keine direkte ethnische Kontinuität bis heute.

Ab der Bronze- und Eisenzeit (um -1800 bis etwa 1. Jahrhundert) gehörte Poel zum Siedlungsgebiet germanischer Stämme, speziell der Langobarden und später der Saxones (Sachsen) bzw. der Angeln und Warnen in der näheren Umgebung. Die Bevölkerung sprach eine westgermanische Sprache und lebte in kleinen Dörfern und Einzelhöfen.

Mit der Völkerwanderungszeit (4. bis 6. Jahrhundert) wurde die Region weitgehend entvölkert. Die germanischen Gruppen zogen nach Süden und Westen ab. Ab Ende des 6. und Anfang des 7. Jahrhunderts wanderten slawische Stämme, vor allem die Obodriten (westslawischer Stammesverband), in das Gebiet ein. Poel wurde slawisch besiedelt. Die Bewohner sprachen eine westslawische Sprache (verwandt mit dem heutigen Polabischen/Sorbischen), lebten in kleinen Dörfern und betrieben Ackerbau, Viehzucht und Fischfang. Diese slawische Bevölkerung dominierte die Insel etwa 500 Jahre lang, bis ins 12. Jahrhundert.

Ab etwa 1210 setzte unter Heinrich Borwin I. von Mecklenburg die deutsche Ostsiedlung ein. Siedler aus Niedersachsen, Holstein, Westfalen und Friesland kamen auf die Insel. Innerhalb weniger Generationen (13./14. Jahrhundert) wurde die slawische Bevölkerung weitgehend assimiliert oder verdrängt. Die deutsche Sprache (niederdeutsch/plattdeutsch) setzte sich durch, die slawischen Ortsnamen blieben jedoch erhalten (Malchow, Gollwitz, Wangern). Ab dem 14. Jahrhundert war Poel fast ausschließlich von Niederdeutschen (plattdeutschsprachigen Deutschen) bewohnt.

Diese niederdeutsche Bevölkerung blieb bis ins 20. Jahrhundert die einzige nennenswerte Volksgruppe auf der Insel. Plattdeutsch war bis weit ins 20. Jahrhundert die Alltagssprache, erst nach 1945 setzte sich das Hochdeutsche stärker durch. Es gab keine nennenswerten Minderheiten – weder Juden, Roma noch andere ethnische Gruppen.

Nach 1945 änderte sich die Zusammensetzung kurzfristig. Durch Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten (Schlesien, Pommern, Ostpreußen, Sudetenland) stieg die Bevölkerungszahl stark an. Diese Neubürger waren ebenfalls fast ausschließlich Deutsche, unterschieden sich aber in Dialekt, Brauchtum und Herkunft von den alteingesessenen Poelern. Innerhalb einer Generation (bis etwa 1960/70) verschmolzen beide Gruppen weitgehend.

In der DDR-Zeit und nach der Wende blieb die Bevölkerung ethnisch nahezu homogen deutsch. Es gab keine nennenswerten Zuzüge ausländischer Arbeitskräfte oder Minderheiten. Auch heute (2020er Jahre) ist die Inselbevölkerung mit über 95 % ethnisch deutsch. Die wenigen ausländischen Mitbürger (vor allem aus Polen, Rumänien, Bulgarien, Syrien, Afghanistan) leben meist saisonal im Tourismusgewerbe oder sind in kleiner Zahl dauerhaft ansässig. Im Jahr 2011 waren 0,82 % der Einwohner Ausländer. Im Jahr 2022 betrug deren Anteil 3,84 %.

Staatsangehörigkeit 2011
Deutschland 2.540
Europa (übrige Länder) 15
Amerika 6
Geburtsland 2011
Deutschland 2.403
EU 27 58
Europa (übrige Länder) 14
sonstige Länder 6
unbekannt 80
Staatsangehörigkeit 2022
Deutschland 2.426
Polen 10
Ukraine 48
Syrien 5
Italien 10
übrige Länder 24
Geburtsland 2022
Deutschland 2.326
Polen 58
Russland 7
Ukraine 43
Syrien 4
Italien 5
übrige Länder 80

Sprachen

Die Inselbewohner dere Eisenzeit sprachen frühe Formen westgermanischer Dialekte. Es handelt sich um Vorstufen des Germanischen, die man heute nicht mehr direkt rekonstruieren kann, aber die in die spätere altniederdeutsche Sprachentwicklung einmündeten. Ab der Einwanderung der Obodriten wurde auf Poel eine westslawische Sprache gesprochen. Sie gehörte zum lechitischen Zweig des Westslawischen und war eng verwandt mit dem Altpolabischen (der Sprache der Elbslawen) und dem Altsorbischen. Diese Sprache hatte keine eigene Schriftsprache und wurde ausschließlich mündlich überliefert. Sie verschwand auf Poel im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts fast vollständig.

Mit der deutschen Ostsiedlung setzte sich das Niederdeutsche (Plattdeutsch) durch. Genauer gesagt der mecklenburgische Dialekt des Ostniederdeutschen. Plattdeutsch war bis weit ins 19. Jahrhundert die Alltagssprache aller Inselbewohner – in Familie, Dorf, Kirche (Predigten), Fischerei, Landwirtschaft und Handel. Hochdeutsch wurde nur in schriftlichen Dokumenten, bei Behörden und im Kontakt mit Fremden verwendet. Viele slawische Ortsnamen und einige Lehnwörter (zum Beispiel im Fischereijargon) überlebten, aber die slawische Sprache selbst war um 1400 bereits erloschen.

Plattdeutsch blieb bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts die dominante Umgangssprache auf Poel. Besonders ältere Menschen sprachen fast ausschließlich platt. Hochdeutsch drang jedoch stärker vor – durch Schule, Militärdienst, Radio, Zeitungen und später Fernsehen. Nach 1945 verstärkte sich der Hochdeutsch-Einfluss durch Zuzug von Vertriebenen aus Schlesien, Pommern und Ostpreußen, die meist mitteldeutsche oder ostniederdeutsche Dialekte mitbrachten. Innerhalb einer Generation (um 1950 bis 1970) wurde Hochdeutsch zur Hauptsprache der jüngeren Generation.

Seit den 1970er Jahren ist Hochdeutsch (Standarddeutsch) die Alltagssprache fast aller Inselbewohner. Plattdeutsch ist zu einer Minderheitensprache geworden, die vor allem von Menschen über 60–70 Jahren aktiv gesprochen wird. Jüngere Generationen verstehen Plattdeutsch meist noch passiv, sprechen es aber selten oder gar nicht mehr fließend. Heute zeigt sich folgendes Bild:

  • Hochdeutsch – eindeutig die Hauptsprache (Schule, Arbeit, Behörden, Medien, Tourismus, Alltag der meisten Menschen)
  • Plattdeutsch – regionale Heimatsprache, vor allem bei älteren Einwohnern, in Heimatvereinen, beim Schwedenfest, in plattdeutschen Gottesdiensten und bei manchen Fischer- und Bauernfamilien

Religion

In der Stein-, Bronze- und Eisenzeit gab es keine organisierte Religion im heutigen Sinne. Die Menschen praktizierten animistische und polytheistische Vorstellungen mit Ahnenkult, Naturverehrung und Opfergaben. Grabhügel wie der Rugbarg und vereinzelte Hortfunde deuten auf rituelle Deponierungen und Totenkulte hin. Es gibt keine Belege für germanische Götterkulte (wie Wodan oder Donar) auf Poel selbst, doch sie waren in der weiteren Region verbreitet.

Die eingewanderten Obodriten brachten den westslawischen Polytheismus mit. Verehrt wurden Götter wie Perun (Donner- und Kriegsgott), Swantewit (Sonnengott und Kriegsherr), Triglav, Veles und Jarovit. Heilige Haine, Quellen und Opferplätze spielten eine zentrale Rolle. Auf Poel selbst gibt es keine gesicherten archäologischen Belege für Tempel oder Kultstätten, doch die slawische Bevölkerung lebte bis ins 12. Jahrhundert in dieser heidnischen Tradition. Die Christianisierung der Obodriten begann erst spät und gewaltsam – vor allem durch den Wendenkreuzzug 1147 und die Eroberungen Heinrichs des Löwen.

Mit der deutschen Ostsiedlung und der ersten urkundlichen Erwähnung 1163 wurde Poel in die christliche Sphäre eingebunden. Die Insel gehörte zum Bistum Ratzeburg (später Schwerin). Der Bau der Dorfkirche in Kirchdorf ab etwa 1250 markierte den entscheidenden Schritt: Die Feldsteinkirche wurde zum geistlichen Zentrum der Insel. Die Bewohner waren römisch-katholisch. Die Grundherrschaft lag lange bei Lübecker Institutionen (Domkapitel, Heiligen-Geist-Hospital, Johannis-Kloster), die den Zehnten und andere Abgaben eintrieben. Es gab keine Klöster oder Wallfahrtsorte auf Poel selbst. Die Religion war stark von der katholischen Frömmigkeit des Spätmittelalters geprägt: Heiligenverehrung, Messen, Wallfahrten nach Wismar oder Ratzeburg und die übliche kirchliche Sozialfürsorge.

Poel gehörte zu den frühen reformatorischen Gebieten Mecklenburgs. Bereits 1535 – fünf Jahre vor der offiziellen Einführung der Reformation im Herzogtum Mecklenburg 1540 – wurde auf der Insel die lutherische Lehre durchgesetzt. Die Dorfkirche in Kirchdorf und die kleine Kapelle in Timmendorf wurden evangelisch-lutherisch. Predigten und Gottesdienste fanden fortan in deutscher Sprache statt (zunächst plattdeutsch, später hochdeutsch). Die Reformation verlief auf Poel relativ reibungslos, ohne größere Konflikte oder Bilderstürme. Die Abgaben flossen nun nicht mehr an katholische Institutionen, sondern an die landesherrliche Kirche.

Bis ins 20. Jahrhundert blieb die evangelisch-lutherische Konfession die nahezu einzige Religion auf der Insel. Die Bevölkerung war zu über 99 % protestantisch. Katholiken gab es praktisch nicht, ebenso wenig Juden, Freikirchler oder andere Gruppen. Die Kirche in Kirchdorf war und ist bis heute die einzige Pfarrkirche der Insel. Gottesdienste wurden traditionell plattdeutsch gehalten, später hochdeutsch.

In der Weimarer Republik und NS-Zeit blieb die evangelische Kirche die bestimmende Kraft. Die „Deutschen Christen“ gewannen zeitweise Einfluss, doch auf Poel gab es keine nennenswerten kirchenpolitischen Kämpfe. In der DDR-Zeit (1949 bis 1990) stand die Kirche unter starkem Druck. Die SED und die Staatssicherheit überwachten die Gemeinde. Kirchliche Jugendarbeit (Junge Gemeinde) und Christenlehre wurden erschwert oder verboten. Viele Menschen traten aus der Kirche aus („Kirchenaustrittswelle“ der 1950er/60er Jahre), doch ein Kern blieb aktiv. Die Kirche diente als einer der wenigen Räume, in denen unabhängiges Denken möglich war. In den 1980er Jahren nahmen Friedensgebete und kirchliche Initiativen auch auf Poel zu, blieben aber kleinräumig.

Seit 1990 gehört die Kirchengemeinde Poel zur Nordkirche (früher Nordelbische Kirche, heute Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland). Die Gemeinde umfasst die gesamte Insel und hat ihren Sitz in Kirchdorf. Die Gottesdienste finden regelmäßig statt, doch die Zahl der Kirchenmitglieder ist stark gesunken – wie überall in Ostdeutschland. Heute gehören nur noch etwa 15–25 % der Inselbevölkerung der evangelischen Kirche an (Tendenz weiter fallend). Der Rest ist konfessionslos oder gehört keiner Religionsgemeinschaft an.

Religion 2011
römisch-katholisch 57
evangelisch 615
übrige/keine/unbekannt 1.889
Religion 2022
römisch-katholisch 69
evangelisch 500
übrige/keine/unbekannt 1.955

Siedlungen

Der Hafenort Kirchdorf ist mit fast 2000 Einwohnern der größte Ort der Gemeinde Insel Poel. Er liegt etwa 11 km nördlich von Wismar am Nordufer des Kirchsees, einer weit in die Insel Poel einschneidenden Bucht der Ostsee. Die im Süden des Dorfes gelegene und in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete Dorfkirche ist eine historisch bedeutsame Sehenswürdigkeit. Der 47 Meter hohe Turm stellte über Jahrhunderte hinweg eine Landmarke für die in die Wismarer Bucht einfahrenden Schiffe dar. Die Kirche ist teilweise noch von Resten der Wallanlagen der ehemaligen Festung Poel umgeben, die gemeinsam mit der Insel Walfisch die Wismarer Bucht und die Hafeneinfahrt nach Wismar beherrschte und sicherte.

Timmendorf ist ein Teil der Gemeinde Insel Poel auf der gleichnamigen Ostseeinsel im Landkreis Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Der Ort liegt an der Westküste der Insel Poel und gliedert sich in die Ortsteile Timmendorf und Timmendorf Strand, die etwa einen Kilometer voneinander entfernt liegen. Eine weithin sichtbare Landmarke in Timmendorf Strand und Seezeichen für die Navigation in der Wismarbucht ist der Leuchtturm Timmendorf. Etwas nördlich des Leuchtturms befindet sich ein Lotsenhaus mit Turm. Der Ort verfügt über einen kilometerlangen Sandstrand und einen kleinen Hafen, in dem sowohl Sportboote als auch Fischereifahrzeuge und ein Lotsenboot anlegen. Die touristische Infrastruktur umfasst neben diversen Ferienwohnungen auch einen mittlerweile ausgedehnten Campingplatz sowie einige Gaststätten.

Verkehr

Die Insel Poel ist über einen Damm mit dem Festland verbunden und damit ganzjährig autofahrbar, erreichbar über die A20 bei Ausfahrt "Insel Poel" nahe Wismar. Öffentliche Verkehrsmittel umfassen Buslinie 230 von Wismar (NAHBUS) sowie Züge nach Wismar mit Anschlussbus oder Fähre von dort aus.

Straßenverkehr

Bis weit ins 19. Jahrhundert gab es auf Poel praktisch keine befestigten Straßen. Die Wege bestanden aus unbefestigten Sand- und Lehmpfaden, die bei Regen tief verschlammten und im Winter oft unpassierbar waren. Die wichtigsten Verbindungen waren die Verbindungswege zwischen den Dörfern (vor allem Kirchdorf – Timmendorf – Malchow – Gollwitz – Wangern) sowie der Weg vom Hafen in Kirchdorf zum Festland (Fähre). Der Transport von Waren, Heu, Getreide und Fisch erfolgte hauptsächlich mit Pferdekarren, Ochsenwagen oder zu Fuß. Die Inselbewohner nutzten die Wege saisonal – im Winter und nach starken Regenfällen waren viele Höfe nur mit Mühe erreichbar.

Die erste nennenswerte Verbesserung kam Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen des Badebetriebs in Timmendorf. Um die ersten Sommergäste besser zu erreichen, wurden in den 1890er und 1900er Jahren die Hauptwege zwischen Timmendorf-Strand, Kirchdorf und dem Hafen teilweise mit Schotter oder Kies befestigt. Die Fährverbindung nach Wismar (damals noch mit Ruder- und Segelbooten, später mit kleinen Dampfern) blieb der wichtigste Zugang zum Festland.

In den 1920er und 1930er Jahren setzte eine erste Asphaltierung ein. Die wichtigste Inselstraße – die heutige L 12 von Timmendorf über Kirchdorf nach Gollwitz und weiter zur Fähre – wurde in den 1930er Jahren als befestigte Landstraße ausgebaut. In der NS-Zeit und während des Zweiten Weltkriegs stagnierte der Ausbau jedoch wieder. Nach 1945 waren die Straßen auf Poel in sehr schlechtem Zustand: Schlaglöcher, Schotterdecken mit großen Auswaschungen und kaum Beleuchtung prägten das Bild.

In der DDR-Zeit (1950er bis 1980er Jahre) erfolgte der Ausbau schrittweise, aber unter den typischen Ressourcenknappheiten. In den 1960er Jahren wurde die Hauptstraße von Timmendorf-Strand nach Kirchdorf asphaltiert und verbreitert. Die Verbindung zur Fähre (heutige Fährstraße) erhielt in den 1970er Jahren eine durchgehende Asphaltdecke. Die Nebenstraßen und Wege zu den Höfen und Dörfern blieben jedoch meist Schotter- oder Pflasterstraßen. Der motorisierte Individualverkehr war auf Poel bis in die 1970er Jahre sehr gering – viele Haushalte besaßen kein Auto, und der Trabant oder Wartburg war die Ausnahme. Der Verkehr bestand hauptsächlich aus landwirtschaftlichen Fahrzeugen (Traktoren, LKW der LPG), Fahrrädern, Mopeds und wenigen PKW. Die Fähre blieb der Nadelöhr: Bis in die 1980er Jahre verkehrten nur kleine Personenfähren und gelegentlich eine Autofähre mit sehr begrenzter Kapazität.

Nach der Wende 1990 setzte ein rascher Modernisierungsschub ein. In den 1990er Jahren wurden große Teile des Straßennetzes grundhaft erneuert. Die L 12 (Kreisstraße) von Timmendorf über Kirchdorf nach Gollwitz und zur Fähre wurde komplett neu gebaut oder grundhaft saniert. Die Ortsdurchfahrten in Timmendorf und Kirchdorf erhielten Gehwege, Straßenbeleuchtung und teilweise Tempo-30-Zonen. Viele Nebenstraßen und Wege wurden asphaltiert oder mit Pflastersteinen befestigt. Die Fährverbindung wurde deutlich ausgebaut: Größere Autofähren (heute zwei Fähren mit je 20 bis 25 PKW-Kapazität), kürzere Taktzeiten und eine moderne Anlegestelle.

Seit den 2000er Jahren ist das Straßennetz auf Poel weitgehend auf westdeutschem Niveau. Die Hauptstraße (L 12) ist eine gut ausgebaute Landesstraße mit durchgehend Asphalt, Markierungen, Leitpfosten und teilweise Radwegen. Die wichtigsten Ortsdurchfahrten (Timmendorf, Kirchdorf) haben Gehwege, Beleuchtung und verkehrsberuhigende Maßnahmen. Die Nebenstraßen sind fast alle asphaltiert, nur wenige landwirtschaftliche Wege sind noch Schotter- oder Naturwege.

Der Verkehr hat sich seit den 1990er Jahren stark verändert. Heute besteht er zu über 90 % aus Tourismusverkehr (PKW, Wohnmobile, Fahrräder, Motorräder). In der Hochsaison (Juli–August) kommt es regelmäßig zu Staus, besonders an der Fähre, auf der Zufahrt nach Timmendorf-Strand und in den Ortsdurchfahrten. Die Fähre ist nach wie vor das Nadelöhr: Wartezeiten von 30–90 Minuten sind in der Hauptsaison normal. Seit etwa 2010 wurden zusätzliche Maßnahmen getroffen: Parkraummanagement in Timmendorf, ausgewiesene Fahrradwege, Tempo-30-Zonen in den Orten und verstärkte Kontrollen (Geschwindigkeit, Alkohol, Wildunfälle).

der Fertigstellung des Poeler Dammes im Jahr 1927 über die Breitling-Meerenge wurde die Insel per Straße an das Festland angebunden. Ab diesem Zeitpunkt war es theoretisch möglich, mit Bussen auf die Insel zu fahren. In den 1920er und 1930er Jahren gab es jedoch nur sehr sporadische und private Busverbindungen – meist Kleinbusse oder Omnibusse privater Unternehmer, die vor allem Sommergäste vom Bahnhof Wismar oder von der Fähre nach Timmendorf-Strand und Kirchdorf brachten. Ein regelmäßiger Linienverkehr existierte nicht.

Nach 1945 und in der frühen DDR-Zeit blieb der Busverkehr auf Poel zunächst minimal. Die Insel wurde in den 1950er Jahren langsam in das regionale Busnetz des Kreises Wismar integriert. Der Betrieb lag bei der VEB Kraftverkehr Wismar (später Bezirk Rostock). Es gab eine oder zwei tägliche Fahrten mit einem kleinen Bus vom Festland (meist ab Wismar Bahnhof oder Fährstelle) über den Damm nach Kirchdorf und Timmendorf. Der Fahrplan war dünn, oft nur werktags und mit langen Pausen. Viele Poeler nutzten weiterhin Fahrrad, Moped oder gingen zu Fuß, da der Bus unzuverlässig und teuer war.

In den 1960er und 1970er Jahren verbesserte sich der Busverkehr etwas. Es entstand eine regelmäßigere Verbindung, die meist als Linie Wismar – Poel (später mit Liniennummer) geführt wurde. Der Bus fuhr über den Damm, hielt in Kirchdorf (Zentrum) und endete oft in Timmendorf oder Timmendorf-Strand. In der Hochsaison (Juli/August) gab es zusätzliche Kurse für Urlauber. Der Fahrzeugpark bestand aus DDR-typischen Bussen wie Ikarus 260/280 oder kleineren Setra- und Robur-Fahrzeugen. Der Takt blieb jedoch sehr grob – oft nur 3–6 Fahrten pro Tag und Richtung.

Nach der Wende 1990 übernahm zunächst die NAHVERKEHR Schwerin GmbH (später Nahverkehr Nordwestmecklenburg – NAHBUS) und dann vor allem die REBUS Regionalbus Rostock GmbH den Betrieb im Landkreis Nordwestmecklenburg. Seit den 1990er Jahren wurde der Busverkehr auf Poel schrittweise ausgebaut und modernisiert. In den 1990er Jahren wurde ein stabileres Grundangebots mit mehreren täglichen Fahrten (werktags 6 bis 8, Wochenende weniger) eingeführt. In den 2000er Jahren  kam es zur Integration in den Verkehrsverbund Mecklenburg-Vorpommern (heute NahverkehrsmV), Einführung von Taktfahrplänen und besseren Anschlüssen in Wismar. In den 2000er Jahren wurde der Busverkehr als Linie 230 (oder zeitweise 231/232) geführt. Sie verbindet Wismar (ZOB oder Bahnhof) über den Poeler Damm mit den Hauptorten der Insel: Kirchdorf, Timmendorf, Timmendorf-Strand und teilweise Malchow oder Gollwitz. In der Hauptsaison (Ostern bis Oktober) verkehrt der Bus meist stündlich oder alle 1 bis 2 Stunden, im Winter deutlich seltener (oft nur 4 bis 6 Fahrten pro Tag).

Aktuell (Stand 2025/26) betreibt die REBUS Regionalbus Rostock GmbH die Hauptlinie nach Poel. Die wichtigste Linie ist die Linie 230 Wismar – Poel (Insel Poel). Sie fährt ab Wismar ZOB oder Bahnhof über den Damm nach Kirchdorf (Zentrum, Inselkirche, Hafen), Timmendorf und Timmendorf-Strand (touristischer Schwerpunkt).

In der Nebensaison (Winter) verkehrt sie meist nur wenige Male täglich, in der Hauptsaison deutlich dichter (stündlich oder alle 60 bis 120 Minuten). Es gibt Anschlüsse an die Regionalbahn und andere Buslinien in Wismar. Die Fahrzeuge sind moderne Niederflurbusse (meist Mercedes oder MAN), teilweise mit Klimaanlage und Fahrradmitnahme. In den Sommermonaten gibt es gelegentlich Inselrundfahrten oder Strand-Shuttle-Busse (meist Rufbusse oder Saisonverstärker). Zusätzlich dazu  existieren Rufbusse (Anruf-Sammel-Taxi-ähnlich) für Randzeiten und abgelegene Ortsteile (zum Beispiel über NAHBUS-System). Fahrräder können meist mitgenommen werden (begrenzte Plätze).

Bahnverkehr

Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in der Hansestadt Wismar auf dem Festland. Wismar ist an das regionale und überregionale Bahnnetz angebunden (u. a. Richtung Rostock, Schwerin und Bad Kleinen). Von dort aus erfolgt die Weiterreise nach Poel ausschließlich per Bus, Auto, Fahrrad oder Taxi.

Schiffsverkehr

Poel verfügt über drei Häfen: Kirchdorf, Niendorf und Timmendorf-Strand. Während der Hafen Kirchdorf von Mai bis September etwa drei Mal täglich mit Wismar durch ein kleines Personenschiff verbunden ist (Fahrtzeit eine Stunde), dient der Hafen Timmendorf-Strand überwiegend der Fischerei. Alle Häfen verfügen zudem über Liegeplätze für Sportboote. Im Hafen an der Lotsenbrücke liegt das Seenotrettungsboot Günther Schöps der DGzRS, das eine Besatzung von 20 freiwilligen Rettungsmännern hat.

Auf Poel stehen zwei Leuchttürme in Timmendorf Strand und Gollwitz. In Gollwitz steht zudem ein Sektorenrichtfeuer. Alle Leuchtfeuer dienen der Navigation bei der Einfahrt in die Wismarbucht. Bei Gollwitz stand seit 1929 ein Eisengitterturm. 1953 wurde dieser durch einen 7,6 m hohen Stahlbetonturm etwa einen Kilometer westlich des Ortes an der Poeler Nordküste ersetzt. 1956 wurde dort ein Richtfeuer für das Große Tief installiert. Das Leuchtfeuer – seit 1996 auf einem 23 Meter hohen Gitterstahlmast – erreicht bei Sigma 0,4 eine Tragweite für den weißen, roten und grünen Sektor von 7,7 bis 6,1 Seemeilen und zeigt ein Unterbrochenes Feuer (Oc/Ubr. 5 Sekunden). In der Nähe steht ein Präzisionssektorenfeuer auf einem Stahlmast von 13,1 m Höhe. Es ist ein Gleichtaktfeuer (Iso/Glt. 4 Sekunden) mit schmalen weißen, roten und grünen Sektoren und einer Tragweite von 8,1 bis 6,5 Seemeilen.


Gollwitz:

  • Standort:  54°01‘26“ N, 11°28‘14,1“ O
  • Inbetriebnahme:  1953
  • Turmhöhe:  10 m
  • Feuerhöhe:  13 m
  • Befeuerung:  Quermarken- und Leuchtfeuer
  • Tragweite:  35,2 km


Timmendorf Strand:

  • Standort:  53°59‘31,3“ N, 11°22‘36,5“ O
  • Inbetriebnahme:  1. Oktober 1872
  • Turmhöhe:  21 m
  • Feuerhöhe:  21,1 m
  • Befeuerung:  Leitfeuer
  • Tragweite:  35 km

Wirtschaft

Poel weist ein hohes Tourismuspotenzial auf. Mit der hervorragenden Badewasserqualität, Sandstränden an Flachwasserzonen, guten Segelrevieren und einer abwechslungsreichen Natur- und Kulturlandschaft lockt die Insel viele Erholungssuchende an. Der Tourismus ist somit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Weiter ist die Landwirtschaft auf der Insel von großer Bedeutung, einige Fischer gehen noch ihrer Tätigkeit nach; das breit gefächerte Dienstleistungsangebot ist sehr vom Tourismus geprägt.

Großindustrielle Betriebe sind auf der Insel nicht zu finden, es gibt allerdings mittelständische Unternehmen, die mit ihren Produkten in die landwirtschaftliche Sparte einzuordnen sind. Zum einen ist das die Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG, und die Prophyta - biologischer Pflanzenschutz GmbH.

Landwirtschaft

Auf der Insel Poel findet man die für die Landwirtschaft besten Böden Mecklenburgs mit einer Ackerwertzahl bis 64. Die Grundmoränenböden sind vorrangig Parabraunerden und Pseudogley-Parabraunerden. Die Bodenart ist sandiger Lehm, die Böden weisen einen sehr mächtigen Ah-Horizont (die Ackerkrume), gute bis sehr gute bodenphysikalische Eigenschaften und eine gute bis sehr gute Ertragsfähigkeit auf.

Die Poeler Bauern hatten traditionell seit dem 14. Jahrhundert über 500 Jahre lang besondere Rechte. Sie waren freie Leute, ihre Höfe waren ihr Eigentum, sie leisteten keine Hofdienste und hatten Äcker gepachtet. Im 19. Jahrhundert mussten sie diese Rechte verteidigen, als die Insel Poel wieder an Mecklenburg fiel. Die Flur wurde neu aufgeteilt, jeder Hof erhielt eine zusammenhängende Ackerfläche. Dadurch änderte sich das Siedlungsbild auf der Insel teilweise drastisch.

Stattet man der Insel Poel im Mai einen Besuch ab, erblüht die Insel in strahlendem Gelb. Die Rapsblüte ziert auch das Wappen von Poel. Raps entstand durch die spontane Kreuzung von Rübsen und wild wachsendem Kohl, zwei Arten mit unterschiedlicher Chromosomenzahl. Der Raps war zunächst nur als Wildpflanze im Mittelmeerraum und Asien verbreitet. Das Rapsöl wurde hier als Brennstoff für Lampen verwandt. In Mitteleuropa wurde der Raps ab dem späten Mittelalter zur Kulturpflanze.

Auf der Insel Poel ist der Raps schon lange heimisch. Ende des 19. Jahrhunderts begann Hans Lembke, Jahrgang 1877 aus Malchow, mit der Züchtung von Rapspflanzen, um die Ernteerträge zu verbessern. Innerhalb kürzester Zeit erzielte er die ersten Erfolge. „Lembkes Winterraps“ wurde zu einer sehr gefragten Sorte bei Mecklenburgs Landwirten und war in Mitteleuropa und Teilen Osteuropas bis in die 60er Jahre führend. Poel wurde als optimaler Züchtungsstandort weltweit bekannt.

In der Folgezeit entstanden durch Züchtung verschiedenste Sorten, die den unterschiedlichen Anforderungen zur Verwendung als Speiseölraps, Schmierölraps, Biodieselraps und Viehfutter gerecht werden. Auf Poel wird heute jedes Jahr die „Rapsblütenkönigin“ gekrönt, ein Denkmal für Hans Lembke erinnert vor seinem Geburtshaus in Malchow an das Lebenswerk des Pflanzenzüchters.

Forstwirtschaft

Die Insel ist relativ klein und wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt, vor allem für Ackerbau, Grünland und Pflanzenzucht. Größere zusammenhängende Waldflächen gibt es zwar, sie sind jedoch vergleichsweise gering und meist als kleinere Gehölze, Mischwälder oder Randstreifen ausgeprägt. Die vorhandenen Wälder dienen in erster Linie dem Naturschutz, der Erholung und der Landschaftspflege. Sie bestehen häufig aus Laub- und Mischbaumarten wie Eichen, Buchen, Birken, Erlen und Kiefern und liegen oft in den ruhigen, inneren Bereichen der Insel oder entlang von Feldrändern und Feuchtgebieten. Einige Abschnitte sind Teil von Natura-2000-Gebieten oder Landschaftsschutzgebieten, weshalb hier eine besonders schonende Bewirtschaftung oder sogar Nutzungsverzicht gilt, um Brutvögel, seltene Pflanzen und die typische Insellandschaft zu erhalten.

Kommerzielle Forstwirtschaft im klassischen Sinne mit regelmäßigem Holzeinschlag und großer Holzproduktion findet auf Poel kaum statt. Wo überhaupt forstliche Maßnahmen durchgeführt werden, beschränken sie sich meist auf Pflegeeinsätze, Verjüngung, Verkehrssicherung oder den Erhalt der Waldstruktur. Zuständig ist in der Regel das zuständige Forstamt (meist Forstamt Bad Doberan des Landesforstes MV), das kleinere Flächen betreut, die teils in Landesbesitz, teils in Privat- oder Kommunalbesitz sind.

Fischerei

In den Häfen der Insel Poel kann man den Fischern bei ihrer Arbeit zusehen. Sie fahren zum Netze setzen mit den flackernden roten oder schwarzen Fähnchen weit nach draußen, kommen wieder zurück, warten eine Weile, fahren wieder aufs Meer und haben dann einiges an Fisch an Bord. Auf der Insel sind 19 Fischereibetriebe registriert. Für 15 Fischer ist dies ihre Haupterwerbsquelle, vier betreiben die Fischerei zum Nebenerwerb.

Vor Poel werden zum Beispiel Dorsch, Flunder, Scholle, Kliesche, Steinbutt, Hering, Aal, Lachs und Meerforelle gefangen. Dabei entfallen auf den Hafen Timmendorf im Jahr 180 bis 220 Tonnen Fisch, die Fischer des Kirchdorfer Hafens fischen 20 bis 30 Tonnen. Die Mengen variieren, je nach dem wie gut die Fangmöglichkeiten sind, und wie die Höhe der Fangquoten liegt.

Die Fische werden entweder direkt von Bord verkauft oder die Fischereigenossenschaft „Wismarbucht“ übernimmt den Vertrieb.

Auf Poel wurde die Fischerei erst nach 1871 zu einem eigenständigen Gewerbe. Im Jahr 1900 gab es auf der Insel 100 hauptberufliche Fischer, 1947 waren 55 Fischerboote registriert. Eine Besonderheit auf Poel ist der Krabbenfang. Die Saison beginnt Anfang Juni und geht bis um den 10. August. Einige Poeler Fischer teilen die Fangplätze in jedem Jahr neu unter sich auf. Bei Sonnenuntergang werden die Krabbenkörbe ausgelegt, bei Sonnenaufgang wieder eingeholt. Pro Nacht können in einem guten Jahr 200 bis 300 kg Krabben pro Fangstelle ins Netz gehen.

Handwerk

Neben den klassischen Handwerksbetrieben, die wie überall für Reparaturen, Renovierungen, Heizungsbau, Malerarbeiten oder Gartenpflege zuständig sind, blüht vor allem das kreative und künstlerische Handwerk. Viele Menschen schätzen die ruhige Insellage und nutzen sie bewusst, um in kleinen Werkstätten hochwertige Unikate zu schaffen. Besonders bekannt ist die handgemachte Keramik, die direkt auf Poel getöpfert wird – meist schlichte, funktionale Gebrauchskeramik mit kühlen Glasuren, die vom Meer und der norddeutschen Landschaft inspiriert ist. Auch Schmuck aus getrockneten Pflanzen und Harz entsteht hier in Handarbeit und wird unter kleinen lokalen Labels verkauft.

Regelmäßig finden auf der Insel Kunsthandwerkermärkte statt, vor allem in Timmendorf am Strand oder im Kurpark. Dort präsentieren Töpfer, Filzer, Holzarbeiter, Glasbläser, Schmuckdesigner und Fotografen ihre Arbeiten. Die Märkte ziehen sowohl Einheimische als auch viele Tages- und Urlaubsgäste an und bieten ein entspanntes Flair mit direktem Kontakt zu den Machern.

Seit einigen Jahren gibt es zusätzlich den Männerschuppen Poel, einen Verein, der Männern jeden Alters einen Raum für handwerkliche Projekte, Reparaturen und vor allem sozialen Austausch bietet. Hier wird gemeinsam an Holz, Metall oder kleinen Erfindungen gearbeitet, während gleichzeitig das Miteinander im Vordergrund steht. Auch die Schule auf Poel integriert das Handwerk aktiv in den Unterricht. In Projektwochen lernen die Schüler verschiedene Ausbildungsberufe des Handwerks kennen, probieren selbst aus und erfahren, wie vielfältig und zukunftssicher diese Berufe sind.

Industrie

Große Industriebetriebe gibt es auf Poel nicht. Die größte Rolle in der Wirtschaft spielen Tourismus und Landwirtschaft. Auf Poel sind einige Handwerker (beispielsweise Elektroinstallateure, Sanitär- und Heizungsbauer, Tischler) ansässig, in Kirchdorf wird eine kleine Schiffswerft betrieben, in der Holzboote gebaut und Reparaturen durchgeführt werden.

Die Rapszüchtung ist auf Poel sehr wichtig. Außerdem ist das 1992 gegründete Unternehmen „Prophyta – Biologischer Pflanzenschutz GmbH“ in Malchow ansässig. Es entwickelt, produziert und vermarktet biologische Produkte, Verfahren und Dienstleistungen für den integrierten Pflanzenschutz.

In erster Linie werden Präparate auf Basis lebender Mikroorganismen hergestellt. Das Produkt Contans®WG ist das erste in Deutschland zugelassene biologische Fungizid. Dr. Peter Lüth, der Geschäftsführer erhielt 2002 für seine Forschung und Produktion den Deutschen Umweltpreis.

Zur Zeit laufen eine Reihe von Forschungsprojekten, die alle zum Ziel haben, umweltfreundliche, biologische Pflanzenschutzmittel unter Verwendung von Mikroorganismen zu entwickeln. Außerdem hat der Fachbereich Maschinenbau, Verfahrens- und Umwelttechnik der Fachhochschule Wismar eine Zweigstelle in Malchow. Dort ist auch das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung angesiedelt. Somit hat die kleine Insel Poel auch eine Bedeutung für die akademische Ausbildung und Wissenschaft.

Wasserwirtschaft

Die Trinkwasserversorgung wird vom Zweckverband Wismar organisiert, zu dem die Gemeinde Insel Poel gehört. Das Wasserwerk Timmendorf auf der Insel selbst sorgt dafür, dass Trinkwasser in ausreichender Menge und guter Qualität zur Verfügung steht. Das Grundwasser der Insel ist relativ hart mit etwa 16 Grad deutscher Härte, was typisch für die Region ist und gelegentlich zu Kalkablagerungen in Haushalten führt.

Die Abwasserentsorgung – also die Sammlung und Reinigung von Schmutzwasser aus Haushalten, Gaststätten, Hotels und Ferienwohnungen – liegt ebenfalls in den Händen des Zweckverbandes Wismar. Das gereinigte Abwasser wird so eingeleitet, dass die empfindliche Ostsee und die Wismarbucht geschützt bleiben. Niederschlagswasser wird teilweise separat abgeleitet, um die Kanalisation bei Starkregen nicht zu überlasten. Aufgrund der Küstenlage und der vielen Niederschlagsereignisse ist eine gute Entwässerung der Straßen und Wege wichtig, damit keine Staunässe entsteht und die touristisch genutzten Bereiche nutzbar bleiben.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Küstenschutz und der Bewirtschaftung der angrenzenden Gewässer. Die Insel gehört zum Biotopverbundsystem Wismarbucht und ist von zahlreichen geschützten Bereichen umgeben, darunter Salzwiesen, Röhrichte und flache Boddengewässer.

Energiewirtschaft

Der Strom wird über das Festlandnetz bezogen und vom regionalen Netzbetreiber E.DIS zuverlässig geliefert. Viele Haushalte, Ferienwohnungen und Gewerbebetriebe haben in den letzten Jahren auf Anbieter umgestellt, die ausschließlich oder überwiegend Ökostrom aus erneuerbaren Quellen liefern, oft mit regionalem Bezug aus Mecklenburg-Vorpommern.

Photovoltaik hat sich auf Poel stark verbreitet. Auf vielen Dächern von Einfamilienhäusern, Pensionen und landwirtschaftlichen Gebäuden finden sich Solaranlagen, die den Eigenverbrauch erhöhen und Überschuss ins Netz einspeisen. Die sonnigen Sommer und die langen Tage an der Küste machen die Insel dafür besonders geeignet. Auch kleine Balkonkraftwerke sind bei Mietern und Zweitwohnungsbesitzern beliebt geworden. Die Gemeinde unterstützt solche Projekte indirekt, indem sie die Energiewende als Teil der nachhaltigen Inselentwicklung sieht und entsprechende Vorhaben fördert oder erleichtert.

Windenergie spielt auf der Insel selbst nur eine untergeordnete Rolle, da große Windkraftanlagen aus Naturschutzgründen, wegen des Landschaftsbildes und der Nähe zu Vogelschutzgebieten in der Wismarbucht kaum realisierbar sind. Dennoch profitieren die Poeler vom Boom der Offshore-Windparks in der näheren Ostsee, deren Strom über das Netz auch hier ankommt. Die Energiewirtschaft ist damit stark in die überregionale Erneuerbaren-Entwicklung eingebunden.

Wärmeversorgung erfolgt traditionell meist dezentral über Gas, Öl oder Wärmepumpen. Seit 2013 ist Poel ans Erdgasnetz angeschlossen, was viele Haushalte von teuren Öltanks befreit hat und eine sauberere Verbrennung ermöglicht. Immer mehr Gebäude wechseln jedoch auf moderne Wärmepumpen, die mit dem selbst erzeugten Solarstrom kombiniert werden, oder nutzen Biomasseheizungen. Die hohen Energiepreise der vergangenen Jahre haben diesen Trend zusätzlich beschleunigt, besonders bei Vermietern von Ferienwohnungen.

Elektromobilität gewinnt an Bedeutung, da die Insel im Sommer stark frequentiert ist. Öffentliche Ladesäulen – unter anderem in Timmendorf, Fährdorf und anderen Orten – wurden in den letzten Jahren ausgebaut, oft in Kooperation mit den Stadtwerken Wismar. Das erleichtert es Gästen mit Elektroautos, die Insel entspannt zu erkunden.

Abfallwirtschaft

Die Zuständigkeit für die Abfallentsorgung liegt beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Nordwestmecklenburg. Dieser organisiert die Sammlung und Verwertung aller Abfallarten für die amtsfreie Gemeinde Insel Poel. Die Haushalte und Betriebe müssen den Abfall strikt trennen: Bioabfall in die braune Tonne, Altpapier in die blaue Tonne oder Container, Verpackungen und Kunststoffe im gelben Sack oder der gelben Tonne, Glas in den entsprechenden Containern an Sammelplätzen und Restmüll in der grauen Tonne. Die Abfuhrtermine sind ortsteilspezifisch und können über das Geoportal des Landkreises oder den Abfallkalender eingesehen werden. Typischerweise wird Restmüll alle zwei Wochen geleert, Bio- und Papierabfall in festen Intervallen. Sperrmüll wie Möbel oder Elektrogeräte kann online angemeldet und kostenfrei abgeholt werden. Für größere Mengen stehen Containerdienste zur Verfügung.

Der gesamte Abfall wird von der Insel per Fähre aufs Festland transportiert, wo er in modernen Anlagen sortiert, recycelt oder energetisch verwertet wird. Bioabfall wird kompostiert, Wertstoffe gehen in den Kreislauf zurück. Besondere Herausforderungen sind der erhöhte Abfallaufkommen in der Hauptsaison durch Ferienwohnungen und Gäste sowie der Schutz der sensiblen Küsten- und Naturschutzgebiete vor Littering. Deshalb gibt es regelmäßig Abfallratgeber, Informationskampagnen und Aktionen wie Strandsäuberungen.

Handel

Die wichtigsten Supermärkte stehen in Kirchdorf, dem zentralen Ort der Insel. Dort gibt es einen REWE-Markt im Gemeindezentrum und einen Netto Marken-Discount in der Wismarschen Straße. Beide bieten ein breites Sortiment an Lebensmitteln, Drogerieartikeln, frischem Obst und Gemüse sowie Getränken und decken den täglichen Bedarf ab. In der Hauptsaison dürfen diese Märkte oft auch sonntags öffnen, was für Urlauber praktisch ist. Kleinere Lebensmittelgeschäfte oder Kioske ergänzen das Angebot in Timmendorf Strand und anderen Orten, meist mit Snacks, Getränken, Eis und Souvenirs.

Bäckereien sind auf Poel besonders beliebt und sorgen für frisches Brot, Brötchen und Kuchen. Die Inselbäcker in Timmendorf und die Bäckerei Thomassek gehören zu den bekanntesten Adressen, wo man morgens oft Schlange steht. Viele Cafés wie Das Ladencafé oder Poeler Auszeiten verbinden Bäckereiprodukte mit gemütlichem Sitzen und Meerblick.

Neben der Grundversorgung prägen kleine Fachgeschäfte, Souvenirläden und Boutiquen das Bild, vor allem entlang der Promenade in Timmendorf Strand. Hier finden sich Souvenirs mit Inselmotiven, maritime Dekoartikel, Kleidung für Strand und Freizeit, Schmuck, Angelzubehör und regionale Produkte wie Honig oder Fischspezialitäten. In Gollwitz und am Schwarzen Busch gibt es ebenfalls kleinere Läden mit Strandbedarf, Postkarten und Eis.

Größere Einkaufszentren oder Modeketten sucht man auf Poel vergeblich – dafür fahren viele Einheimische und Gäste bei Bedarf mit dem Auto oder der Fähre nach Wismar oder Grevesmühlen. Die Insel selbst setzt bewusst auf das Kleine, Persönliche und Regionale. Viele Geschäfte werden familiengeführt betrieben, die Inhaber kennen die Kunden oft mit Namen und beraten individuell.

Finanzwesen

Auf der Insel gibt es keine klassischen vollwertigen Bankfilialen mit persönlicher Beratung direkt vor Ort, aber die Bargeldversorgung und grundlegende Bankgeschäfte sind dennoch gut gesichert.

Im Gemeindezentrum in Kirchdorf steht ein Geldautomat der VR Bank Mecklenburg (Volksbanken Raiffeisenbanken), der sich im Eingangsbereich oder SB-Bereich befindet. Hier können Kunden der Volksbanken und oft auch anderer Institute Bargeld abheben, Überweisungen tätigen oder Kontoauszüge ziehen. Der Automat ist in der Regel rund um die Uhr zugänglich und wird regelmäßig bestückt.

Zusätzlich gibt es auf der Insel Geldautomaten der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest, vor allem in Kirchdorf und teilweise in anderen zentralen Punkten. Diese gehören zur Sparkassen-Finanzgruppe und ermöglichen kostenloses Abheben für Sparkassenkunden sowie oft für Kunden anderer Institute über die Cash Group oder girocard-Verbund. Auch unabhängige CardPoint-Automaten oder Automaten von ING und anderen Anbietern sind vereinzelt vorhanden, besonders in der Nähe von Einkaufsmöglichkeiten.

Persönliche Beratung, Kreditgespräche, Baufinanzierungen, Anlageberatung oder die Eröffnung neuer Konten erfolgen meist nicht direkt auf Poel. Dafür fahren viele Einwohner und Zweitwohnungsbesitzer mit dem Auto oder der Fähre nach Wismar. Dort stehen mehrere Filialen der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest (unter anderem am Markt, Friedenshof oder Kagenmarkt) sowie das Regionalzentrum der VR Bank Mecklenburg zur Verfügung. Beide Institute sind stark in der Region verankert und kennen die Besonderheiten von Insulanern, zum Beispiel bei Ferienimmobilienfinanzierungen oder Saisonbetrieben.

Online-Banking und Mobile Banking haben auf Poel enorm an Bedeutung gewonnen. Fast alle Banken und Sparkassen bieten moderne Apps und sichere Online-Portale, über die Überweisungen, Daueraufträge, Depotverwaltung, Kreditkartenabrechnungen oder sogar Terminvereinbarungen für Beratungsgespräche erledigt werden. Viele Poeler nutzen zudem Direktbanken oder Online-Broker für günstigere Konditionen bei Wertpapieren oder Tagesgeld.

In der Hauptsaison profitieren auch Gäste von der guten Bargeldversorgung, da die Automaten meist problemlos funktionieren und in der Nähe von Supermärkten oder der Hauptstraße liegen. Bargeld ist auf Poel nach wie vor wichtig, etwa für kleine Cafés, Strandkorbvermietungen oder Märkte, wo Kartenzahlung nicht überall selbstverständlich ist.

Soziales und Gesundheit

Im sozialen Bereich gibt es Unterstützung durch die Gemeinde, den Landkreis Nordwestmecklenburg und regionale Träger. Pflegedienste, ambulante Pflege und Betreuungsdienste sind vorhanden, oft mit Fahrdiensten für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung. Es gibt Angebote für Senioren wie Begegnungsstätten, Mahlzeiten auf Rädern und Beratung zu Pflegegraden oder Hilfsmitteln. Der demografische Wandel mit vielen älteren Bewohnern und Zweitwohnungsbesitzern macht diese Strukturen essenziell.

Gesundheitswesen

Die medizinische Grundversorgung wird durch eine Hausarztpraxis und eine Apotheke direkt auf der Insel gesichert, während spezialisierte oder stationäre Behandlungen meist aufs Festland nach Wismar verlagert werden. Die zentrale Anlaufstelle für die meisten Bewohner und Gäste ist die Hausarztpraxis in Kirchdorf. Dort praktizieren Fachärztinnen für Allgemeinmedizin und Innere Medizin, darunter Dr. med. Isabell Thunert und weitere Kolleginnen. Die Praxis bietet umfassende hausärztliche Versorgung, darunter Behandlungen akuter und chronischer Erkrankungen, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Wundversorgung, Nachsorge nach Operationen sowie Anträge für Kur- und Rehabilitationsmaßnahmen. In der Hauptsaison betreut sie auch viele Touristen mit kleineren Beschwerden wie Erkältungen, Insektenstichen, Sonnenbrand oder leichten Verletzungen durch Strandaktivitäten.

Direkt in Kirchdorf steht die Insel-Apotheke, die Rezepte (einschließlich E-Rezepte), frei verkäufliche Medikamente, Pflegeprodukte und Reiseapothekenartikel führt. Sie ist gut erreichbar und bietet persönliche Beratung, was auf einer kleinen Insel besonders wichtig ist. Bei Notfällen außerhalb der Öffnungszeiten greift der Apotheken-Notdienst, der meist mit Apotheken in Wismar oder Umgebung koordiniert wird.

Schwere Erkrankungen oder Notfälle werden über den Rettungsdienst (Notruf 112) schnell versorgt. Der Rettungswagen ist auf der Insel stationiert oder kommt per Fähre, bei Bedarf steht ein Rettungshubschrauber zur Verfügung. Das nächstgelegene Krankenhaus ist das Sana HANSE-Klinikum in Wismar, das als Schwerpunktkrankenhaus alle wichtigen Fachabteilungen hat und nur etwa 30 bis 40 Minuten entfernt liegt. Für Reha und Kuraufenthalte profitiert Poel vom eigenen Heilklima mit salzhaltiger Luft, was besonders bei Atemwegserkrankungen, Hautproblemen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Erkrankungen des Bewegungsapparats positiv wirkt. Viele Gäste nutzen die Insel genau dafür für Kur- oder Erholungsaufenthalte.

1994 entstand am Schwarzen Busch die SANITAS Ostsee-Klinik für Mutter-Kind-Kuren, heute Ostseeklinik Poel, 1997 wurde Insel Poel staatlich anerkannter Erholungsort, seit 2004 trägt die Insel zudem den Titel Ostseebad.

Krankheiten

Häufige Gesundheitsprobleme auf Poel hängen stark mit dem Inselleben und dem Tourismus zusammen. Im Sommer treten vor allem leichte Infekte der Atemwege (durch Klimawechsel), Sonnenbrand, allergische Reaktionen, Insektenstiche, kleinere Sport- und Badeverletzungen sowie Magen-Darm-Beschwerden auf. Chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Gelenkprobleme sind bei der älteren Bevölkerung verbreitet. Das maritime Klima wirkt sich positiv auf Asthma, Neurodermitis oder rheumatische Beschwerden aus, weshalb Poel als anerkannter Kurort gilt.

Bildung

Die zentrale Bildungseinrichtung ist die Regionale Schule mit Grundschule Insel Poel „Prof. Dr. h. c. Dr. h. c. Hans Lembke“ in Kirchdorf. Diese Schule vereint Grundschul- und Regionale-Schulstufe (Klassen 1 bis 10) unter einem Dach und bietet eine durchgängige Beschulung von der Einschulung bis zum mittleren Schulabschluss (Realschulabschluss oder vergleichbar). Die Schüler lernen in kleinen Klassen, oft mit sehr persönlichem Kontakt zu den Lehrkräften. Die Lage direkt an der Ostsee prägt den Schulalltag: Projekte zu Meer, Küstenschutz, Naturschutz oder regionaler Geschichte sind häufig integriert. Die Schule ist als Ganztagsschule organisiert und nimmt aktiv an Programmen wie „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ teil. Regelmäßig finden Projektwochen statt, in denen Schüler handwerkliche Berufe, Umweltthemen oder kulturelle Inhalte praxisnah kennenlernen.

Vor der Grundschule gibt es auf Poel eine Kindertagesstätte (Kita), die frühkindliche Bildung und Betreuung sicherstellt. Die enge Verzahnung von Kita, Grundschule und Regionaler Schule erleichtert den Übergang und sorgt für Kontinuität.

Höhere Bildung

Höhere Bildung im Sinne von Studium oder Fachhochschulreife gibt es auf Poel selbst nicht. Schüler, die das Abitur anstreben, besuchen nach der 10. Klasse meist Gymnasien auf dem Festland, vor allem in Wismar oder Grevesmühlen. Die Vorbereitung auf weiterführende Schulen oder Ausbildungen erfolgt durch gute Berufsorientierung an der Inselschule, durch Praktika und durch Kooperationen mit Betrieben auf Poel und in der Region. Viele junge Menschen beginnen nach dem Schulabschluss eine duale Ausbildung in Handwerk, Tourismus, Gastronomie, Landwirtschaft oder Pflege – oft direkt vor Ort oder in der Nähe.

Bibliotheken und Archive

Die Inselbibliothek in Kirchdorf (in der Kurverwaltung, Wismarsche Straße) ist die wichtigste öffentliche Bildungseinrichtung neben der Schule. Sie umfasst etwa 6.500 Medien: Romane, Sachbücher, Kinder- und Jugendliteratur, Hörbücher, CDs, DVDs und Gesellschaftsspiele. Die Ausleihe ist kostenlos für Einwohner und oft auch für Gäste. Die Bibliothek organisiert Lesungen, Vorlesestunden für Kinder, Ferienprogramme und kleine kulturelle Veranstaltungen. Sie dient als Treffpunkt für Lesebegeisterte und unterstützt Schüler bei Hausaufgaben und Recherchen.

Archive im engeren Sinne gibt es auf Poel nicht als eigenständige öffentliche Einrichtung. Historische Dokumente, Ortschroniken und Unterlagen zur Inselgeschichte werden meist über die Gemeindeverwaltung, das Heimatmuseum oder private Sammlungen zugänglich gemacht. Für tiefere Forschung fahren Interessierte in die Archive nach Wismar oder Schwerin.

Kultur

In der Vergangenheit entstanden auf Poel viele verschiedene Sitten und Gebräuche, die auch heute noch gepflegt werden. Hierfür hat sich eigens der Verein „Poeler Leben“ zusammengefunden, ein Kultur-, Heimat- und Sozialpflegeverein, der beispielsweise die Tradition der Inseltracht und des Trachtentanzes aufrecht erhält. In jedem Sommer findet ein dreitägiges Inselfest statt, das aus Fischerfesten und den Markttagen der Bauern entstand. Im Herbst wird die Ernte gefeiert.

Museen

Das Inselmuseum befindet sich im Möwenweg 4 am Ortsrand von Kirchdorf in einem ehemaligen Schulgebäude aus dem 19. Jahrhundert. Auf rund 250 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentiert es eine umfangreiche, regional streng begrenzte Sammlung zur Natur- und Heimatkunde Poels. Die Exponate stammen fast ausschließlich aus Spenden der Inselbewohner und umfassen etwa 350 museale Gegenstände, die in 26 Vitrinen und frei stehend gezeigt werden. Die Themen reichen von Ur- und Frühgeschichte über Geologie und Findlinge bis hin zu Flora, Fauna und Naturschutz. Besonders anschaulich sind die Bereiche zur traditionellen Fischerei, zum Bootsbau, zur Landwirtschaft, zur Postgeschichte und zur touristischen Entwicklung der Insel. Dokumentarfilme, Zeitzeugenberichte, alte Karten und Fotos ergänzen die Objekte und machen die Vergangenheit greifbar.

Ein eigener Raum ist der Cap-Arcona-Katastrophe von 1945 gewidmet, bei der das Flüchtlingsschiff Cap Arcona vor der Küste versenkt wurde – ein tragisches Kapitel, das bis heute die Inselgeschichte prägt. In einer integrierten Galerie zeigt die Karl-Christian-Klasen-Gesellschaft jährlich wechselnde Ausstellungen mit Werken des Mecklenburger Malers Karl Christian Klasen, der Poel zu seiner zweiten Heimat machte. Die Bilder stammen meist aus privaten Sammlungen und bieten einen künstlerischen Blick auf die Insel.

Zum Museum gehören außerdem ein kleiner Findlingsgarten mit typischen eiszeitlichen Steinen der Region sowie ein Modell der historischen Festung Poel, das die militärische Bedeutung der Insel in früheren Jahrhunderten verdeutlicht. Das Museum organisiert regelmäßig Veranstaltungen wie Lesungen, Vorträge oder kleine Konzerte und dient als Treffpunkt für Einheimische und Gäste.

Neben dem Inselmuseum gibt es auf Poel keine weiteren klassischen Museen. Kleinere Ausstellungen oder Gedenkstätten ergänzen das Angebot: Die Cap-Arcona-Gedenkstätte am Schwarzen Busch erinnert an das Schiffsunglück und ist eher ein Denkmal als ein vollwertiges Museum. Historische Funde oder maritime Objekte tauchen gelegentlich in temporären Schauen auf Kunsthandwerkermärkten oder in privaten Sammlungen auf, doch das eigentliche Zentrum der musealen Arbeit bleibt das Inselmuseum.

Architektur

Die markantesten Bauwerke sind die Backsteinkirchen, allen voran die Dorfkirche in Kirchdorf. Sie wurde Mitte des 13. Jahrhunderts im romanisch-gotischen Stil errichtet, mit einem weithin sichtbaren 47 Meter hohen Turm aus rotem Backstein, der als Landmarke über die Insel ragt. Das schlichte, aber stimmungsvolle Innere mit Gewölben und alten Ausstattungselementen zeugt von der frühen christlichen Prägung der Region. Ähnlich wirken kleinere Kirchen in anderen Dörfern, die oft als einfache Feldsteinkirchen oder Backsteinbauten erhalten sind.

Historisch bedeutsam ist die ehemalige Festungsanlage in Kirchdorf. Reste des Schlosswalls aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, als die Schweden die Insel befestigten, sind bis heute sichtbar. Die Wallanlage mit Gräben und Wällen wird heute als Freilichtbühne, Veranstaltungsort und Marktgelände genutzt und bildet einen eindrucksvollen Kontrast zur flachen Insellandschaft. Der Leuchtturm Timmendorf aus dem Jahr 1871 ist ein weiteres ikonisches Bauwerk: ein schlanker, rot-weiß gestreifter Ziegelturm mit charakteristischer Kuppel, der durch seine klare, funktionale Form und die maritime Ausstrahlung besticht. Der kleinere Leuchtturm Gollwitz ergänzt das Bild mit ähnlicher, zurückhaltender Architektur.

Typisch für Poel sind die alten Gutshäuser, reetgedeckten Bauernhäuser und Fischerkaten, oft mit Kopfsteinpflasteralleen und kleinen Höfen. Viele Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind erhalten und prägen das Ortsbild von Kirchdorf, Timmendorf oder Fährdorf. Moderne Architektur ist selten und meist dezent – Ferienhäuser, Pensionen oder Neubauten passen sich meist farblich und in der Formensprache der traditionellen Bebauung an, um das harmonische Inselbild nicht zu stören.

Bildende Kunst

Die bildende Kunst auf Poel ist vor allem privat und landschaftsbezogen. Im Inselmuseum in Kirchdorf gibt es eine ständige Ausstellung zum Werk des Malers Karl Christian Klasen, der in den 1930er und 1940er Jahren auf der Insel lebte und arbeitete. Seine Gemälde zeigen die typische Poeler Landschaft, das Meer, die Steilküste und das Inselleben in expressiver, farbintensiver Manier. Wechselnde Sonderausstellungen im Museum ergänzen das Angebot.

Mehrere Künstlerinnen und Künstler haben sich dauerhaft oder saisonal auf Poel niedergelassen. Besonders bekannt ist das Galeriecafé von Claudia Drossert in Kirchdorf, wo Fotokunst, Malerei und andere Werke gezeigt werden – oft mit Bezug zur Inselnatur und zum maritimen Licht. Es gibt Ateliers und kleine Galerien, die bei Veranstaltungen wie „Kunst Offen“ oder den Kunsthandwerkermärkten öffnen. Malreisen, Pleinair-Malerei an der Steilküste oder Strand-Skizzenkurse finden regelmäßig statt, da die salzhaltige Luft, die Weite des Himmels und die naturbelassenen Küstenabschnitte viele Kreative anziehen.

Skulpturen sind eher vereinzelt: Eine bekannte Figur ist die Riesen-Skulptur am Timmendorfer Hafen, die an eine alte Poeler Sage erinnert. Kleinere Objekte oder Installationen tauchen gelegentlich im öffentlichen Raum oder bei Ausstellungen auf, oft aus Holz, Metall oder Strandfundstücken gefertigt.

Literatur

Das zentrale Werk der Poeler Literatur ist das Heimatbuch „Die Insel Poel und der Klützer Winkel“ von Fritz Meyer-Scharffenberg. Ende der 1950er Jahre entstanden und später aktualisiert, beschreibt es liebevoll und kenntnisreich die Geschichte, Sagen, Ortsnamen, Bräuche und Landschaft der Insel. Humorvolle Episoden, wie eine Poeler Hochzeit, Berichte über Störtebeker, die Franzosenzeit oder den Schwarzen Busch, wechseln sich mit historischen und naturkundlichen Betrachtungen ab. Das Buch gilt bis heute als Standardwerk für alle, die die Seele Poels verstehen wollen.

Besonders reich ist die Sammlung von Sagen und Geschichten. Das Buch „Sagen und Geschichten Ostseebad Insel Poel“ von Dr. Frank und Evemarie Löser versammelt rund 100 Sagen, Anekdoten und Überlieferungen, viele davon ins Poeler Platt übertragen von Hanns-Erich Winkelmann. Themen reichen von der Entstehung der Insel über den Klabautermann, Hexenprozesse, unterirdische Gänge, den wilden Jäger, die Cap-Arcona-Katastrophe bis hin zu alltäglichen Spukgeschichten wie dem festgebundenen Fuhrwerk oder dem Moort. Mit Fotos und historischen Ansichtskarten wird die mündliche Tradition lebendig gehalten und als Teil des immateriellen Kulturerbes Mecklenburgs gepflegt.

In jüngerer Zeit hat sich Poel auch als Schauplatz moderner Unterhaltungsliteratur etabliert, vor allem im Krimi-Genre. Romane wie „Nebel über Poel“, „Dämmerung über Poel“ oder „Das Küstengrab“ von Eric Berg spielen direkt auf der Insel und nutzen die ruhige, neblige Küstenstimmung, die abgeschiedene Lage und die Mischung aus Idylle und Geheimnissen für spannende Plots. Auch in der Reihe „Die Inselgärten“ von Patricia Koelle taucht Poel als Handlungsort auf, etwa in „Die Hoffnung der Marienkäfer“, wo ein geschenktes Haus auf der Insel eine Rolle spielt und Themen wie Freundschaft, Neuanfang und Naturverbundenheit im Vordergrund stehen.

Weitere Bücher widmen sich der Geschichte und Kultur, etwa „Poel – Studien zur Geschichte einer besonderen Insel“ (herausgegeben von Andreas Röpcke) oder Werke über die schwedische Landesaufnahme von 1698. Die Insel erscheint zudem in Reisebeschreibungen, Bildbänden und regionalen Anthologien.

Die Inselbibliothek in Kirchdorf spielt eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Literatur. Mit etwa 6.500 Medien, darunter Romane, Krimis, historische Werke, Kinderbücher und vieles über Mecklenburg-Vorpommern, versorgt sie Einheimische und Gäste. Lesungen, kleine Veranstaltungen und ein Bestand mit Poel-spezifischen Titeln machen sie zum literarischen Treffpunkt.

Theater

Das wichtigste Zentrum für Theater- und Kulturveranstaltungen ist die Freilichtbühne auf dem Schlosswall in Kirchdorf. Die historischen Wallanlagen der ehemaligen schwedischen Festung bilden eine natürliche Kulisse aus alten Mauern, Gräben und freiem Himmel. Hier finden regelmäßig Open-Air-Veranstaltungen statt, darunter kleinere Theateraufführungen, Konzerte, Lesungen und Comedy-Shows. Lokale und regionale Ensembles treten auf, oft mit plattdeutschen Stücken, Komödien oder musikalischen Darbietungen, die zum Inselleben passen. Die Bühne wird auch für Märkte, Feste und besondere Events genutzt, was sie zu einem lebendigen Treffpunkt für Einheimische und Gäste macht.

Ein weiterer Spielort ist die Festspielscheune in Niendorf auf Poel. Sie ist Teil der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und dient im Sommer (meist Juli und August) als intime Konzert- und Kammermusikbühne für klassische Musik. Gelegentlich finden hier auch theaternahe oder literarisch-musikalische Veranstaltungen statt, die das maritime und ländliche Flair der Insel einbeziehen.

Film

Film kommt auf Poel vor allem im Sommer als Open-Air-Kino zum Leben. Auf dem Schlosswall in Kirchdorf werden bei Einbruch der Dunkelheit beliebte Filme gezeigt – oft Familienfilme, Animationsstreifen, Abenteuer oder Feel-Good-Geschichten. Der Eintritt ist meist frei, Besucher bringen Decken, Picknick und gute Laune mit. Bei Regen wird manchmal in den Kursaal im Haus des Gastes ausgewichen. Solche Vorführungen finden mehrmals pro Saison statt, etwa im Juli und August, und ziehen viele Gäste an, die den Sternenhimmel über der Ostsee genießen wollen. Zusätzlich gibt es vereinzelte Kinoabende in ungewöhnlichen Locations wie der alten Schmiede oder im Kursaal, wo Dokumentarfilme, Kurzfilme oder besondere Produktionen gezeigt werden.

Poel selbst war gelegentlich Drehort für Filme und Fernsehbeiträge. Die ruhige Küstenlandschaft, der Schwarze Busch, die Steilküste und die typischen Dörfer dienten als Kulisse für Dokumentationen (wie Beiträge in „die nordstory“), Spielfilme oder Serienfolgen. Manche Produktionen nutzen die Insel für Szenen, die Abgeschiedenheit, Natur und maritimes Leben betonen.

Kleidung

Die historische Poeler Volkstracht gehört zur mecklenburgischen Trachtenfamilie und ähnelt stark der Schweriner oder „ländlichen“ Tracht, mit einigen regionalen Besonderheiten. Bei den Frauen bestand sie aus einem langen, dunklen Rock, einer weißen oder hellen Bluse, einem rotbraunen Mieder und einer kurzen Jacke in derselben Farbe. Darüber kam oft eine Schürze, und die typische Kopfbedeckung war eine Haube, die den Blankmützen anderer mecklenburgischer Regionen ähnelte – meist weiß oder hell, mit Bändern und Spitzenbesatz. Die Männer trugen Kniebundhosen, Weste, Leinenhemd, Jacke und oft eine Mütze oder einen Hut. Die Farben waren gedeckt und robust, passend zu Landarbeit, Fischerei und dem windigen Inselleben. Historische Abbildungen aus dem frühen 19. Jahrhundert zeigen diese Tracht bei Bauern und Bäuerinnen auf Poel, wie sie in alten Lithografien und Heimatbüchern überliefert sind.

Heute wird die Poeler Tracht kaum noch im Alltag getragen, sondern lebt bei folkloristischen Veranstaltungen, Heimatfesten, Trachtentänzen oder Auftritten von Tanzgruppen weiter. Der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern und lokale Gruppen pflegen sie als immaterielles Kulturgut. Bei Veranstaltungen wie dem Rapsblütenfest, Dorffesten oder kulturellen Märkten sieht man gelegentlich Gruppen in nachgefertigter Tracht, oft kombiniert mit plattdeutschen Liedern oder Tänzen. Die Tracht dient dann als sichtbares Zeichen der regionalen Identität und wird bewusst neu belebt.

Im alltäglichen und touristischen Leben dominiert praktische, wetterfeste Kleidung. Auf Poel ist man das ganze Jahr über auf Wind, Regen und salzhaltige Luft eingestellt. Gummistiefel, Regenjacken, Windbreaker, Fleece-Pullis und wasserabweisende Hosen sind Standard. Im Sommer tragen Einheimische und Gäste leichte Funktionskleidung, Shorts, T-Shirts mit maritimen Motiven, Segeljacken und Sneaker oder Sandalen. Strandbesucher greifen zu Bademode, leichten Sommerkleidern, Sonnenhüten und UV-Schutzkleidung. Souvenirläden in Timmendorf Strand und Kirchdorf bieten typische Inselmode: T-Shirts mit Poel-Schriftzug, Hoodies mit Leuchtturm- oder Möwenmotiven, maritime Streifenpullover, Fischerhemden und leichte Jacken – alles in den Farben Blau, Weiß, Rot und Gelb.

Fischerei- und Arbeitskleidung hat sich erhalten: gelbe oder orangefarbene Regenanzüge, Gummistiefel und Wollmützen sind bei Fischern und Bootseignern noch immer im Einsatz. In der kalten Jahreszeit tragen viele Schal, Mütze und Handschuhe aus dicker Wolle oder Fleece, oft in dezenten Farben.

Kulinarik und Gastronomie

Frischer Fisch steht im Mittelpunkt der Poeler Küche. Aal, Hering, Dorsch, Scholle, Makrele und Forelle – oft direkt vom Kutter oder aus lokalen Zuchtanlagen – werden gebraten, geräuchert, gegrillt oder als Matjes serviert. Aal fingen schon die steinzeitlichen Poeler, bei Ausgrabungen konnten deren Aalfanggeräte gefunden werden. Die heutigen Poeler kennen die verschiedensten Zubereitungsarten des Aals, sei es Aalsuppe, Spiekaal, Saueraal, Brataal oder Schmoraal („Poeler Schmoraal“).Typische Speisen sind Himmel und Erde, Milchsuppe, Rote Grütze, Schwarz Sauer, Blutklöße mit Leberwurst, Grünkohleinopf, Klopfschinken, Schwarzbrot mit geräuchertem Speck, gekochter Dorsch mit Meerettich und zerlassener Butter oder gebratener Dorsch mit brauner Soße.Viele Betriebe räuchern selbst oder beziehen Ware von der Insel-Fischerei, was den Geschmack besonders authentisch macht.

In Kirchdorf, dem zentralen Ort, liegen einige der beliebtesten Adressen. Der Poeler Hafen-Pavillon direkt am Hafen bietet Fisch- und Fleischspezialitäten, Burger, Pasta und eine moderne, gemütliche Einrichtung mit Blick aufs Wasser. Bensons Grill & Bar punktet mit Steaks, Grillgerichten und einer entspannten Bar-Atmosphäre. Das Gasthaus Zur Insel serviert klassische deutsche Küche mit viel Fisch, gutem Service und herzlicher Stimmung. Das Café und Restaurant Kirchdorf sowie Poeler Auszeiten verbinden Kuchen, Kaffee und kleine Gerichte mit einem besonderen, einladenden Ambiente.

In Timmendorf Strand dominieren Strandcafés und Bistros. Die Strandperle ist ein Klassiker für Kaffee, Kuchen, Eis und leichte Gerichte mit direktem Blick aufs Meer. Kroning's Fischbaud und ähnliche Fischbuden bieten schnelle, frische Fischbrötchen und Räucherfisch zum Mitnehmen oder vor Ort. Viele Cafés backen selbst Kuchen – vor allem Blechkuchen, Sanddorn-Torten oder Rhabarberkuchen – und servieren ihn mit Blick auf die Ostsee.

In Gollwitz und am Schwarzen Busch finden sich urige Lokale wie das Inselhotel Poel mit gutbürgerlicher Küche und Pool-Atmosphäre oder kleinere Gaststätten und Imbisse direkt am Strand. Der Poeler Forellenhof spezialisiert sich auf frische Forellen aus eigener Aufzucht, oft gebraten oder geräuchert, und wird für gute Portionen und faire Preise geschätzt.

Neben Fisch gibt es regionale Klassiker wie Mecklenburger Rippenbraten, Soljanka, Labskaus oder deftige Eintöpfe. Vegetarische und vegane Optionen sind in den letzten Jahren gewachsen, besonders in Cafés und modernen Lokalen. Bier aus Mecklenburg-Vorpommern, Sanddornlikör, Küstennebel (ein Kräuterschnaps) oder frische Cocktails runden das Angebot ab.

Viele Gastronomen setzen auf Saisonalität und regionale Zutaten – Kartoffeln, Spargel, Beeren oder Wild aus der Umgebung. Mobile Küchen wie Happen Poel am Damm in Fährdorf bringen mit lokalen Produkten kreative, saisonale Gerichte. In der Nebensaison schließen einige Betriebe oder reduzieren die Öffnungszeiten, doch die Kernangebote in Kirchdorf und Timmendorf bleiben meist erhalten.

Festkultur

Auf der Insel gelten die deutschen Feiertage:

  • Neujahr (1. Januar)
  • Internationaler Frauentag (8. März)
  • Karfreitag (März / April)
  • Ostersonntag (März / April)
  • Ostermontag (März / April)
  • Tag der Arbeit (1. Mai)
  • Christi Himmelfahrt (Mai / Juni)
  • Pfingstsonntag (Mai / Juni)
  • Pfingstmontag (Mai / Juni)
  • Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober)
  • Reformationstag (31. Oktober)
  • 1. Weihnachtstag (25. Dezember)
  • 2. Weihnachtstag (26. Dezember)


Auf Poel gibt es das ganze Jahr über ein großes Fest-Angebot für Touristen. Neben Volks- und Straßenfesten, Strand- und Kinderfesten, Open-Air-Events, Konzerten und Kunstausstellungen werden von der Kreisvolkshochschule auch naturkundliche Führungen angeboten.

Medien

Bis ins 19. Jahrhundert gelangten Nachrichten fast ausschließlich mündlich oder durch Reisende, Fährgäste und Briefe auf die Insel. Die erste gedruckte Zeitung, die Poel regelmäßig erreichte, war die „Wismarsche Zeitung“ (später „Wismarer Tageblatt“), die ab den 1830er Jahren in Wismar erschien und über die Fähre oder den Damm (ab 1927) verteilt wurde. Viele Haushalte abonnierten sie, doch die Verbreitung blieb gering. Plattdeutsche Geschichten, Märchen und lokale Neuigkeiten wurden mündlich weitergegeben – in der Kneipe, im Gottesdienst oder bei der Arbeit auf dem Feld.

In der Weimarer Republik und NS-Zeit (1919 bis 1945) wurde die „Wismarsche Zeitung“ zur wichtigsten Informationsquelle. Ab 1933 wurde sie gleichgeschaltet und erschien als „NS-Zeitung Wismar“. Zusätzlich kam der Reichssender Hamburg über Mittelwelle und später UKW in vielen Haushalten an. Das Radio (Volksempfänger) verbreitete sich in den 1930er Jahren auch auf Poel, vor allem in den größeren Höfen und Gasthäusern. Nachrichten aus Berlin und Hamburg waren nun täglich hörbar. Ab 1935 gab es vereinzelt auch den Filmvorführer in Timmendorf oder Kirchdorf – meist Propagandafilme oder Unterhaltungsfilme in der Dorfscheune.

In der DDR-Zeit (1945 bis 1990) dominierte der Rundfunk der DDR. Die meisten Haushalte besaßen ein Radio (oft ein „Stern“ oder „Stern-Reporter“) und hörten den Deutschlandsender, Radio DDR oder Radio Mecklenburg. Ab den 1960er Jahren kam das Fernsehen hinzu: Der Fernseher (meist Schwarz-Weiß-Geräte der Marke „Chromat“, „Kolibri“ oder „Rubens“) stand in fast jedem Wohnzimmer. Empfangen wurden vor allem DDR 1 und DDR 2 (später DFF 1 und DFF 2). Der Empfang war auf Poel gut, da die Insel flach ist und der Sender Schwerin oder Rostock gut erreichbar waren. Westfernsehen (ARD, ZDF) war technisch möglich, wurde aber offiziell verboten – viele Poeler richteten ihre Antennen trotzdem so aus, dass sie Westprogramme empfingen („West-Antenne“). Zeitungen kamen über den Postzeitungsvertrieb: Die wichtigsten waren die „Ostsee-Zeitung“ (Rostock), die „Schweriner Volkszeitung“ und die „Neue Zeit“ (CDU-Zeitung). Lokale Nachrichten aus Poel erschienen in der Bezirks- oder Kreiszeitung nur selten.

Ab den 1980er Jahren gab es auf Poel vereinzelt Piratenradios oder CB-Funk (Bürgerfunk), mit denen Jugendliche Musik hörten oder sich untereinander austauschten. Das war jedoch illegal und wurde von der Stasi beobachtet.

Nach der Wende 1990 änderte sich die Medienwelt schlagartig. Die Ostsee-Zeitung blieb die wichtigste Regionalzeitung und wird bis heute von den meisten Haushalten abonniert. Ab den 1990er Jahren kamen überregionale Zeitungen wie Bild, Süddeutsche Zeitung oder Spiegel hinzu. Das Internet erreichte Poel erst Ende der 1990er bzw. Anfang 2000er Jahre – zunächst über ISDN, dann DSL. Heute (2026) haben fast alle Haushalte Breitbandinternet und nutzen Smartphones, Tablets und Smart-TVs.

Aktuell gibt es Auf der Insel folgende Medien:

  • Printmedien: Ostsee-Zeitung (täglich, mit Regionalteil Nordwestmecklenburg), Schweriner Volkszeitung (weniger verbreitet), Wochenzeitungen wie Der Inselbote oder Poeler Nachrichten (kostenlose Anzeigenblätter mit Lokalnachrichten).
  • Radio: NDR 1 Radio MV (Regionales Programm aus Schwerin), N-JOY (Jugendsender), Antenne MV (Privatsender aus Rostock), Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur. Viele hören auch NDR 90,3 oder NDR Info.
  • Fernsehen: ARD, ZDF, NDR Fernsehen, RTL, Pro7, Sat.1, Kabel eins usw. über Kabel (seit den 2000er Jahren flächendeckend) oder Satellit.
  • Online-Medien: Starke Nutzung von ostsee-zeitung.de, nordkurier.de, spiegel.de, bild.de, tagesschau.de. Lokale Nachrichten kommen auch über die Facebook-Seite der Gemeinde Ostseebad Insel Poel, Instagram-Accounts von Timmendorf-Strand und Tourismusverein sowie die Homepage poel.de. WhatsApp-Gruppen und lokale Facebook-Gruppen (zum Beispliel „Poel Infos“ oder „Poeler und Poel-Freunde“) sind für schnelle Infos, Veranstaltungen und Kleinanzeigen sehr wichtig.
  • Lokale Medien: Das Heimatmuseum Kirchdorf gibt Broschüren und Jahreshefte heraus. Der Poeler Heimatverein veröffentlicht Beiträge in der Ostsee-Zeitung. Seit 2010 gibt es den Inselradio-Podcast oder gelegentliche Beiträge im NDR über Poel. Das Schwedenfest und andere Veranstaltungen werden live auf Facebook und YouTube gestreamt.

Kommunikation

Die Insel Poel hat die Postleitzahl D-23999 und die Telefonvorweahl 0(049)38425.

Sport

Auf der Insel Poel gibt es ein sehr breites Angebot an Sport- und Bewegungsaktivitäten, das vor allem durch die Lage direkt an der Ostsee und die natürliche Landschaft geprägt ist. Besonders beliebt sind Wassersportarten wie Surfen, Kitesurfen, Segeln, Stand-up-Paddling, Kanufahren und Schwimmen im Meer. An den Stränden von Timmendorf-Strand, Gollwitz oder Schwarzer Busch finden sich ideale Bedingungen für Beachvolleyball, Beachsoccer, Boccia und andere Strandspiele. Viele Urlauber nutzen die langen Sandstrände auch zum Joggen oder für ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen entlang der Küste mit ihren Steilufern und ruhigen Buchten.

Radfahren gehört zu den absoluten Klassikern auf Poel. Es gibt gut ausgebaute und beschilderte Radwege, darunter eine beliebte Rundtour um die gesamte Insel von etwa 60 Kilometern Länge, die durch Wälder, Dörfer und entlang der Küste führt. Auch Mountainbike-Touren und entspannte Familienrouten sind möglich, Fahrräder können meist vor Ort ausgeliehen werden. Wer es ruhiger mag, findet zahlreiche Wander- und Nordic-Walking-Strecken vor, die durch die abwechslungsreiche Natur führen.

Reiten ist auf der Insel ebenfalls sehr verbreitet, es gibt mehrere Reiterhöfe, bei denen man am Strand entlang oder quer über die Felder reiten kann. Angeln ist sowohl vom Ufer als auch auf geführten Angeltouren mit Kuttern auf der Ostsee möglich, wobei man unter anderem Hering, Hornhecht oder Meerforellen fangen kann.

Weitere Angebote umfassen Minigolf, teilweise Tennis- und Squashmöglichkeiten sowie Laufveranstaltungen, die vom örtlichen Sportverein organisiert werden. Indoor-Optionen sind eher begrenzt, dafür punktet Poel vor allem mit naturnahem und freiluftorientiertem Sport in jeder Jahreszeit. Die Kombination aus Meer, Strand, flacher Landschaft und guten Wegen macht die Insel zu einem idealen Ziel für aktive Erholung.

Persönlichkeiten

Die wichtigsten mitn der Insel Poel verbundenen Persönlichkeiten sind:

  • John III., Lord of Mecklenburg (nach 1266 bis 1289), Adeliger Fürst, Mitregent von Mecklenburg, starb bei Poel
  • Ernst Susemihl (1807 bis 1863), Übersetzer und Junghegelianer, in Kirchdorf geboren
  • Georg Calsow (1857 bis 1931), Oberbürgermeister von Göttingen, in Timmendorf geboren
  • Hans Lembke (1877 bis 1966), Pflanzenzüchter, in Malchow geboren
  • Gertrud Schröder-Lembke (1908 bis 2006), Agrarhistorikerin, in Malchow geboren
  • Karl Christian Theodor Klasen (1911 bis 1945), Maler und Grafiker, lebte und arbeitete länger auf der Insel Poel, insbesondere in Kirchdorf
  • Martin Kelm (* 1930⁠), Designer, in Neuhof geboren

Fremdenverkehr

Der Tourismus hat auf Poel heute eine große Bedeutung. Bereits in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Badegäste in Timmendorf. Eine richtige Entwicklung des Tourismus ist allerdings erst ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen. 1910 wurde das Kurhaus am Schwarzen Busch erbaut, 1913 standen Urlaubsgästen etwa 310 Betten in 150 Zimmern zur Verfügung.

Im Jahr 2004 gab es ein Angebot von 6221 Betten. 2/3 davon zählen zu Ferienwohnungen, Ferienhäusern, Ferienzimmern und Wochenendhäusern. Auf dem Campingplatz können ca. 1500 Personen übernachten. Die 250 Betten der Sanitas Kurklinik in Schwarzer Busch sind das ganze Jahr über konstant annähernd komplett belegt.

Im Jahr 2004 zählte die Kurverwaltung der Insel Poel 548.358 Gästeübernachtungen, das waren allerdings rund 70.000 weniger als im Vorjahr. Die Übernachtungen teilen sich prozentual auf 68,4% in Ferienwohnungen, -häusern und -zimmern, 16,1% Übernachtungen am Campingplatz und 15,5% Übernachtungen in der Kurklinik.

Saisonal bedingt ballen sich die Übernachtungszahlen auf dem Campingplatz und in den Ferienunterkünften in den Sommermonaten Mai bis August. Durchschnittlich hielten sich Urlaubsgäste, die in Ferienwohnungen, -häusern und -zimmern wohnten 6,2 Tage auf Poel auf. Camper blieben 5,9 Tage, Gäste der Ostseeklinik blieben mit 21 Tagen deutlich länger auf der Insel.

Der Tagestourismus ist besonders an den Wochenenden im Sommer zu spüren – wenn die Festlandbewohner bis von Schwerin an „ihren“ Strand beim Timmendorfer Leuchtturm oder am Schwarzen Busch fahren. An Strandgästen wurden im Jahr 2004 50.500 Personen gezählt, weniger als im besonders heißen Sommer 2003.

Literatur

Reiseberichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

Ostseebad Insel Poel = https://www.insel-poel.de/

Poeler Tourismus-Service = https://www.poel.de/service/oeffnungszeiten

Forum

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