Martha's Vineyard

Aus Insularium
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Martha’s Vineyard ist - abgesehen vom längst verlandeten Long Island - die größte atlantische Insel der USA. Bekannt ist sie für die bunten Gay Head Cliffs in Aquinnah, die bei Sonnenuntergang spektakulär leuchten, und ihre langen Sandstrände wie Katama Beach. Berühmt sind auch die farbenfrohen Gingerbread Cottages in Oak Bluffs, eine methodistische Camp-Meeting-Siedlung mit über 300 Lebkuchen-Häuschen. Edgartown beeindruckt mit Walfänger-Häusern, der Old Whaling Church und Leuchttürmen wie Edgartown Harbor Light. Das älteste Karussell der USA, Flying Horses Carousel, und ein reiches afroamerikanisches Erbe, etwa am Inkwell Beach, runden das kulturelle Angebot ab.

Inselsteckbrief
offizieller Name Martha's Vineyard
alternative Bezeichnungen Noepe, Capawack, Capawock, Cappawock (wampanoag), Martin’sVineyard (um 1700), Marthas Vineyard (19. Jahrhundert), The Vineyard (lokal)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp echte Insel
Inselart Moräneninsel
Gewässer Atlantischer Ozean (Atlantic Ocean) mit Vineyard-Sund (Vineyard Sound)
Inselgruppe Outer Lands
politische Zugehörigkeit Staat: Vereinigte Staaten von Amerika (United States of America / Wunnakéek ontônash)
Bundesstaat: Massachusetts (Commonwealth of Massachusetts / Muhsachuweesut)
County: Dukes County (Noepe ontônash)
Gliederung 6 towns (Gemeinden)
Status County
Koordinaten 41°23‘ N, 70°39‘ W
Entfernung zur nächsten Insel 160 m (Chappaquiddick)
Entfernung zum Festland 5,5 km (Nobska Hill / Massachusetts)
Fläche 226,57 km² / 87,48 mi² (mit Nebeninseln 234,3 km² / 90,5 mi²)
geschütztes Gebiet 92 km² / 35 mi² (39,7 %)
maximale Länge 28,4 km (W-O)
maximale Breite 14,8 km (N-S)
Küstenlänge 98 km
tiefste Stelle 0 m (Atlantischer Ozean)
höchste Stelle 94,8 m (Peaked Hill)
relative Höhe 94,8 m
mittlere Höhe 15 m
maximaler Tidenhub 0,5 bis 0,8 m (Vineyard Haven 0,57 m)
Zeitzone EST (Eastern Standard Time / Östliche Standardzeit, UTC-5)
Realzeit UTC minus 4 Stunden 42 bis 43 Minuten
Einwohnerzahl 20,287, mit Nebeninseln 20.530 (2020)
Dichte (Einwohner pro km²) 89,54, mit Nebeninseln 87,62
Inselzentrum Edgartown


Name

Bevor europäische Entdecker die Insel erreichten, war sie seit Tausenden von Jahren von den Wampanoag besiedelt. Diese nannten sie Noepe, übersetzt in etwa „Land inmitten der Ströme“ oder „Land zwischen den Gewässern“. Diese Bezeichnungen bezieht sich auf die geographische Lage der Insel zwischen verschiedenen Meeresströmen und Buchten.

Eine andere indianische Bezeichnung war Capawack, auch CapaWack, Capawock oder Cappawock geschrieben, Dieser Name erschien in frühen europäischen Dokumenten des 17. Jahrhunderts, etwa in Berichten von Entdeckern wie Captain John Smith (1614) oder in der Geschichte der Plymouth Plantation. Die genaue Übersetzung des Namens ist in historischen Quellen nicht einheitlich überliefert und bleibt teilweise umstritten. Eine Quelle der Wampanoag Tribe of Gay Head / Aquinnah interpretiert ihn als „The separate people“, „die separaten oder abgetrennten Menschen“. Diues könnte sich auf die Inselbewohner als eigene Gruppe innerhalb der Wampanoag beziehen, die geografisch durch das Wasser getrennt waren.

Der heute bekannte Name Marttha‘s Vineyard geht auf das Jahr 1602 zurück, als der englische Entdecker Bartholomew Gosnold mit seinem Schiff die Region erreichte. Gosnold war einer der ersten dokumentierten Europäer, die die Gewässer um Cape Cod und die umliegenden Inseln erkundeten. Bei der Ankunft fiel Gosnold und seiner Crew die üppige Vegetation auf: Die Insel war von wilden Trauben (wild grapes) überwuchert, die rankend wuchsen und an einen Weinberg erinnerten. Der Nemsnteil Vineyard, „Weinberg, bezieht sich genau darauf – obwohl es auf der Insel nie kommerzielle Weinberge in größerem Umfang gab, wachsen wilde Trauben bis heute dort.

Der Teil „Martha’s“ bezieht sich als Possessivform auf eine Person namens Martha. Der Grund ist nicht eindeutig geklärt. Einer gängigen Theorie zufolge benannte Gosnold die Insel nach seiner Tochter Martha, die als Kleinkind gestorben war. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Name eine Hommage an seine Schwiegermutter Martha Golding (geborene Judd) war, eine wohlhabende Witwe, die die Expedition finanziell unterstützt hatte. Einige Quellen erwähnen auch Gosnolds Mutter oder andere Familienmitglieder, doch die Verbindung zur Schwiegermutter gilt als am besten belegt.

Ursprünglich vergab Gosnold den Namen Martha’s Vineyard an eine kleinere, unbewohnte Nachbarinsel, die heute Nomans Land heißt. Die größere Insel nannte er zunächst Martin’s Vineyard - möglicherweise nach einem Schiffskameraden. Um das Jahr 1700 herum wurde der Name Martha’s Vineyard jedoch auf die heutige Hauptinsel übertragen, während Martin’s Vineyard allmählich verschwand.

Der United States Board on Geographic Names arbeitete im 19. Jahrhundert eine Standardisierung der Ortsnamen aus, wobei Apostrophe vermieden werden sollten - und so wurde aus der Inselbezeichnung Marthas Vineyard. Im frühen 20. Jahrhundert schließlich entschloss sich die gleiche Institution, das Apostroph - die Insel ist diesbezüglich nur einer von fünf Ortsnamen - doch beizubehalten. Seither heißt das Eiland Martha’s Vineyard. Im Volksmund heißt sie auch kurz The Vineyard, zu Deutsch „der Weinberg“.

  • international:  Martha’s Vineyard
  • amharisch:  ማርታስ ቪንያርድ [Marətas vinyarəd]
  • arabisch:  كرم مارثا [Karm mārṯā], مارثاز فينيارد [Mārṯāz fīnyārd]
  • armenisch:  Մարթաս Վինյարդ [Martʻas Vinyard]
  • bengalisch:  মার্থাস ভিনিয়ার্ড [Mārthāsa bhiniẏārḍa]
  • birmanisch:  မာသာ့စ် ဗင်းယဒ် [Mɑ́θá ʔɪ̀ɴjaʔ]
  • bulgarisch:  Мартас Винярд [Martas Vinyard]
  • chinesisch:  玛莎葡萄园 [Mǎ shā pú táo yuán]
  • georgisch:  მართას ვინიარდი [Martas viniardi]
  • griechisch:  Μάρθας Βίνγιαρντ [Márthas Vínɡiarnt]
  • gudscheratisch: માર્થાસ વિનયાર્ડ [Mārthās vinayārḍ]
  • hebräisch:  כרם של מרתה [Kerem shel marta], מרת'ס ויניארד [Martas vinyard]
  • hindi:  मार्थाज़ विनयार्ड [Mārthāz vinayārḍ]
  • japanisch:  マーサズ・ヴィンヤード [Māsazu vinyādo]
  • kambodschanisch: ម៉ាថាស វីនយ៉ាត [Maathaas viinyaat]
  • kanaresisch:  ಮಾರ್ಥಾಸ್ ವೈನ್‌ಯಾರ್ಡ್ [Mārthās vainyārḍ]
  • kasachisch:  Мартас Виньярд [Martas Vinyard]
  • koreanisch:  마서스 빈야드 [Maseoseu bin'yadeu]
  • laotisch:  ມາເທີສ ວິນເຍີດ [Mā thīs win yǣt]
  • lateinisch:  Vinea Marthae
  • lettisch:  Mārtas Vinjarda
  • litauisch:  Martos Vynjardas
  • makedonisch:  Мартас Вињард [Martas Vinjard]
  • malayalam:  മാർത്താസ് വൈൻയാർഡ് [Mārttās vainyāṟḍ]
  • maldivisch:  މާރތާސް ވިންޔާރޑް [Mārthās vinyārd]
  • orissisch:  ମାର୍ଥାସ୍ ଭିନିୟାର୍ଡ [Mārthās bhiniyārḍ]
  • pandschabisch: ਮਾਰਥਾਜ਼ ਵਿਨਯਾਰਡ [Mārthāz vinayārḍ]
  • persisch:  مارتاز وینیارد [Mārtāz viniyārd]
  • russisch:  Мартас-Винъярд [ˈmartəs ˈvʲinʲjərt]
  • serbisch:  Мартас Вињард [Martas Vinjard]
  • singhalesisch: මාතාස් වින්යාඩ් [Mātās vinyāḍ]
  • tamilisch:  மார்த்தாஸ் வின்யார்ட் [Mārttās viṉyārṭ]
  • telugu:  మార్థాస్ విన్‌యార్డ్ [Mārthās vin'yārḍ]
  • thai:  มาร์ธาส์วินยาร์ด [Mā thā sǎ win yāat]
  • tibetisch:  མར་ཐའས་ཝིན་ཡརྡ [Mar tha’s win yard]
  • ukrainisch:  Мартас-Він'ярд [ˈmɑrtɑs ˈʋinʲjɑrd]
  • urdu:  مارتھاز وینیارڈ [Mārthāz vinyārḍ]
  • weißrussisch:  Мартас-Віньярд [Martas-Vin’jard]


Offizieller Name:  Martha’s Vineyard

  • Bezeichnung der Bewohner:  Vineyarder
  • adjektivisch: vineyarder


Kürzel:

  • Code:  MV / MVY
  • Kfz:  -
  • ISO-Code:  US.MS.MV

Lage

Das zu den Elizabeth Islands bzw. Outer Lands gehörige Martha’s Vineyard ist eine Insel vor der Südküste von Cape Cod im US-Bundesstaat Massachusetts. Sie befindet sich auf durchschnittlich 41°23‘ n.B. und 70°39‘ ö.L.. Die Insel liegt 6 km südlich von Cape Cod und 22 km westlich von Nantucket.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  41°28‘51“ n.B. (West Chop)
  • südlichster Punkt:  41°18'04" n.B. (Squibnocket) bzw. 41°15‘18“ n.B. (Nomans Land)
  • östlichster Punkt:  70°29'51" w.L. (Katama) bzw. 70°28‘00“ w.L. (Chappaquiddick)
  • westlichster Punkt:  70°50‘06“ ö.L. (Gay Head)


Entfernungen:

  • Chappaquiddick  160 m
  • Nobska Hill  5,5 km
  • Nantucket  23,5 km
  • New Bedford  30 km
  • Newport  43 km
  • Cape Cod  75 km
  • Long Island  92 km
  • Boston  105 km
  • New York  271 km

Zeitzone

Auf Martha’s Vineyard gilt die Eastern Standard Time Zone (EST, Östliche Standardzeit), die sechs Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC-5) liegt. Die Realzeit liegt um 4 Stunden und 42 bis 43 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).

Fläche

Martha’s Vineyard hat eine Fläche von 226,57 km² bzw. 87,48 mi². Alternativ werden 231,75 km² angegeben. Mit den beiden Nebeninseln ergibt sich eine Gesamtfläche von 234,3 km², nach älteren Angaben 231,75 km². Das Dukes County mit den Elizabeth Islands (Gosnold Town) umfasst 267,29 km². Dazu kommt eine Wasserfläche von 674,2 km², was eine Gesamtfläche von 908,5 km² ergibt. Die Hauptinsel durchmisst in West-Ost-Richtung 28,4 km bei einer maximalen Breite von 18,8 km. Die Küste hat eine Gesamtlänge von 98 km. Der maximale Tidenhub beträgt 0,5 bis 0,8 m, in Vineyard Haven 0,57 m. Höchster Punkt liegt am Peaked Hill auf 94,8 m (311 feet). Die mittlere Seehöhe liegt bei 15 m.

Geologie

Martha’s Vineyard ist wahrscheinlich nur etwa eine Million Jahre alt - obwohl einige seiner Bestandteile viel älter sind - das Produkt der großen Eisschilde, die sich ihren Weg über weite Teile Nordamerikas gebahnt haben. Die Insel entstand nicht durch vulkanische Aktivitäten oder tektonische Prozesse, sondern wurde vollständig durch glaziale Kräfte während der Wisconsinan-Vereisung geformt, der letzten Phase der Pleistozän-Eiszeit, die vor etwa 25.000 bis 20.000 Jahren ihren Höhepunkt erreichte.

Der Laurentide-Eisschild, ein gewaltiger Gletscher aus Kanada, schob sich bis in diese Region vor und lagerte beim Rückzug enorme Mengen an Material ab. Zwei Gletscherloben – der Buzzards Bay Lobe von Westen und der Cape Cod Bay Lobe von Norden und Osten – formten die Insel durch Ablagerung von Endmoränen (Terminalmoränen) und Schmelzwassersedimenten (Outwash-Plains). Die nördlichen und westlichen Teile der Insel, wie die hügeligen Gebiete in Aquinnah und Chilmark, bestehen aus dichten, tonhaltigen Moränen, die höher und erosionsresistenter sind. Im Kontrast dazu sind die südlichen Küsten flacher und aus porösen Sand- und Kiessedimenten aufgebaut, die leichter vom Meer erodiert werden.

Vor dem Anstieg des Meeresspiegels nach dem Abschmelzen des Eises war Martha's Vineyard Teil einer größeren Landmasse, die Cape Cod, die Elizabeth Islands und Nantucket verband. Heute ist die Insel geologisch jung und dynamisch: Die Südküste erodiert kontinuierlich durch Wellen und Stürme, mit Rückgängen von bis zu mehreren Metern pro Jahr. Vor etwa 18.000 Jahren hatte sich das globale Klima so stark erwärmt, dass sich das Inlandeis nach Norden zurückzog. Der weltweite Meeresspiegel lag damals etwa 300 Fuß niedriger als heute, was bedeutet, dass die Küstenlinie südlich der Insel 75 Meilen weiter draußen lag als heute und dass die Inseln in der Tat noch mit dem Festland verbunden waren. Bären, Wölfe, Elche, Karibus, Bisons, Moschusochsen und andere Tiere durchstreiften die Tundragräser, immergrünen Wälder und Sümpfe, die den aufstrebenden Kontinentalsockel bildeten. Vor etwa 7.500 Jahren überflutete Meerwasser die tiefsten Stellen des Vineyard Sound.

Die markanteste geologische Sehenswürdigkeit sind zweifellos die Aquinnah Cliffs (auch Gay Head Cliffs genannt) im Westen der Insel. Diese dramatischen Klippen bestehen aus geschichteten Sedimenten aus der Kreidezeit und dem Pleistozän, die durch den Druck des Gletschers aufgepresst und freigelegt wurden. Die farbenprächtigen Schichten in Rot, Gelb, Weiß, Grau und Orange entstehen durch oxidierte Mineralien und unterschiedliche Ablagerungsmaterialien wie Ton, Sand und Lehm.

Landschaft

Martha’s Vineyard ist geprägt von einer erestaunlich vielfältigen Landschaft. Sanfte Hügel, weite Wiesen und alte Steinmauern bestimmen große Teile des Inselinneren, wo sich Wälder aus Eichen und Kiefern mit offenen Weideflächen abwechseln. Diese ruhigen, grünen Landschaften verleihen der Insel einen ländlichen Charakter und erinnern stellenweise eher an englische oder neuenglische Kulturlandschaften als an eine typische Küstenregion.

Besonders markant sind die Küstenlandschaften, die auf engem Raum sehr unterschiedlich ausfallen. Im Westen der Insel erheben sich bei Gay Head (Aquinnah) die berühmten farbigen Tonklippen, deren rote, ockerfarbene und weiße Schichten steil zum Atlantik abfallen und einen der eindrucksvollsten Naturschauplätze Neuenglands bilden. Im Gegensatz dazu stehen lange, helle Sandstrände, etwa bei South Beach oder Katama, die offen zum Ozean liegen und von Dünen und Strandhafer gesäumt sind. An der geschützteren Nordküste finden sich ruhigere Strände mit flachem Wasser und Blick auf den Vineyard Sound.

Zwischen Land und Meer liegen zahlreiche Salzwiesen, Lagunen und Teiche, die eine wichtige Rolle für das Ökosystem der Insel spielen. Diese Feuchtgebiete bieten Lebensraum für viele Vogelarten und prägen mit ihren stillen Wasserflächen und Schilfgürteln das Landschaftsbild. Besonders im Morgen- oder Abendlicht wirken diese Bereiche äußerst idyllisch.

Abgerundet wird die Landschaft von den historischen Orten und Dörfern, deren Holzhäuser, Leuchttürme und Hafenanlagen sich harmonisch in die Natur einfügen. Insgesamt zeichnet sich Martha’s Vineyard durch eine ausgewogene Mischung aus Meer, Dünen, Klippen, Wäldern und Kulturlandschaft aus, die der Insel ihren besonderen, ruhigen und zugleich abwechslungsreichen Charakter verleiht.


Erhebungen

  • Peaked Hill  94,8 m
  • Prospect Hill  78 m
  • Whhiting Hill  68 m
  • Ridge Hill  47 m
  • Goat Rpocks  44 m


Inseln

  • Martha’s Vineyard  226,57 km²
  • Chappaquiddick  15,915 km²
  • Nomans Land  2,477 km²      

Flora und Fauna

Auf der Insel dominieren Grasland und Eichenwälder. Der Großteil des Landes ist landwirtschaftlich genutzt.

Flora

Die Pflanzenwelt der Insel ist geprägt von Anpassungen an trockene, nährstoffarme Böden und starke Winde. Typisch sind Scrub-Oak-Wälder mit Arten wie Bear Oak (Quercus ilicifolia), Dwarf Chinkapin Oak (Quercus prinoides) und Black Gum (Nyssa sylvatica, lokal Beetlebung genannt). In den offenen Graslandschaften dominieren Gräser wie Little Bluestem (Schizachyrium scoparium) sowie Wildblumen wie New England Blazing Star (Liatris scariosa var. novae-angliae).

Heidegebiete und maritime Dickichte beherbergen Sträucher wie Bearberry, Huckleberry und Highbush Blueberry, begleitet von seltenen Orchideen wie der Dragon’s Mouth (Arethusa bulbosa). Viele Pflanzen haben Verbindungen zu kontinentalen Präriearten, was auf historische Dispersionswege hinweist. Insgesamt machen native Arten den Großteil aus, doch invasive Pflanzen und der Verlust natürlicher Habitate durch Entwicklung bedrohen die Biodiversität – in den letzten Jahrzehnten gingen etwa 80 native Arten verloren, während über 200 nicht-einheimische hinzukamen.

Fauna

Die Fauna profitiert von der Insellage und den geschützten Gebieten, die mehr als 30 Prozent der Fläche ausmachen. Über 300 Vogelarten wurden beobachtet, darunter zahlreiche Zugvögel. Besonders erfolgreich ist die Population der Osprey (Fischadler), dank Nistplattformen und Schutzmaßnahmen. Häufig sind Shorebirds wie Piping Plover und Least Tern, Reiher, Egrets, Terns, Gulls sowie Greifvögel wie Red-tailed Hawk, Northern Harrier und Peregrine Falcon. Singvögel wie Black-capped Chickadee und Gray Catbird sind ganzjährig präsent.

Säugetiere umfassen Eastern Striped Skunks (gestreifte Stinktiere), die Allesfresser und oft in der Dämmerung zu sehen sind, sowie Seals an den Küsten. In Feuchtgebieten und Teichen finden sich Spotted Turtles und verschiedene Insekten, darunter seltene Tiger Beetles und spezialisierte Bienen. Die Insel ist ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel und unterstützt bedrohte Arten wie den Imperial Moth oder den Purple Tiger Beetle.

Naturschutz

Die Gesamtfläche der Naturschutzgebiete (permanently protected open space oder conservation land) auf Martha’s Vineyard beträgt etwa 40 % der Inselgesamtlfläche. Konkret sind es etwa 22.800 Acres (zirka 92 km²) geschützter Fläche im Festlandbereich. Das Felix Neck Wildlife Sanctuary ist ein 194 Acres (0,8 qkm) umfassendes Schutzgebiet bei Edgartown. Es wird von der Massachusetts Audubon Society verwaltet. Das auf Martha’s Vineyard gelegene Schutzgebiet stellt den Besuchern insgesamt 4 mi (6,4 km) Wanderwege zur Verfügung, von denen eine Meile (1,6 km) barrierefrei zugänglich sind. Es bietet mit Wäldern, Wiesen, Seen, einer Salzwiese und einem Küstenstreifen vielfältige Lebensräume für unterschiedlichste Tier- und Pflanzenarten. Der Vogelschutz steht jedoch im Vordergrund. Im Schutzgebiet kommen insbesondere Zahnwachteln, Schnepfen, Rotkehl-Hüttensänger, Sumpfschwalben und Fischadler vor. Es wurden ferner zwei Nistboxen für Schleiereulen aufgestellt, die mittels Webcam beobachtet werden können. Im 2009 neu angelegten Schmetterlingsgarten sind Schmetterlinge in allen Entwicklungsstadien sowie Kolibris zu sehen.

Das Long Point Wildlife Refuge ist ein 632 Acres (2,6 qkm) großes Naturschutzgebiet, das von der Organisation The Trustees of Reservations verwaltet wird. Das Gebiet Long Point, nach dem das Schutzgebiet benannt ist, wurde bereits von den Wampanoag-Indianern für die Landwirtschaft sowie zur Jagd genutzt. Im 17. Jahrhundert übernahmen die europäischen Siedler auf der Insel nach und nach die Techniken und Traditionen der Indianer und kauften ihnen innerhalb von 30 Jahren nach und nach das Land ab, das heute als Long Point bekannt ist.

Zunächst wurde es als Allmende genutzt, zu Beginn des 18. Jahrhunderts jedoch in Parzellen aufgeteilt und an einzelne Personen verkauft. In den folgenden beinahe 100 Jahren lag der Nutzungsschwerpunkt in der Ausbeutung der vorhandenen natürlichen Ressourcen durch groß angelegte Rodungen, Schafszucht zur Produktion von Wolle, kommerziellen Fischfang sowie industriellen Anbau von Schlickgräsern. Im frühen 20. Jahrhundert kauften wohlhabende Personen, die saisonal auf der Insel lebten, verlassene Bauernhöfe auf dem Gelände und richteten dort Jagdvereine für Wassergeflügel ein. Aufgrund stetig abnehmender Mitgliedschaftszahlen schenkten die drei verbliebenen Mitglieder des Tisbury Pond Club die ersten Teilbereiche des Gebiets im Jahr 1979 den Trustees of Reservations. Weitere Schenkungen folgten 1990, 1993 und 1999.

Mit einer Gesamtfläche von mehr als 2,5 km² zählt das Long Point Wildlife Refuge zu den größten öffentlich zugänglichen Bereichen auf Martha’s Vineyard. Es besteht aus Küstenbereichen, Dünen und Waldgebieten, die eine weitläufige Heidelandschaft umgeben, und ist aufgrund dieser Vielfalt beliebt bei Besuchern – die vor allem die Vogelbeobachtung schätzen – und zugleich ökologisch sehr bedeutend.

Das Gelände ist der Überrest einer weitläufigen Prärie, die nach der letzten Eiszeit ausgebildet worden war. Die dort vorkommenden Tiere und Pflanzen haben sich an die trockene Landschaft mit ihren sauren Böden angepasst. Besucher können sich am Strand entspannen oder das Gebiet auf einem 2,1 mi (3,4 km) langen Wanderweg erkunden. Der Long Point ist darüber hinaus Teil eines bedeutenden Ödland-Ökosystems, das sich über verschiedene Abschnitte von New Jersey bis Maine erstreckt. Es bietet vielen seltenen Pflanzenarten wie der Busch-Eiche einen Lebensraum.

Menemsha Hills ist ein 211 Acres (85,4 ha) großes Naturschutzgebiet in der Nähe von Chilmark. Es wird von der Organisation The Trustees of Reservations verwaltet. Innerhalb des geschützten Gebiets befindet sich mit dem 308 ft (93,9 m) aufragenden Prospect Hill die zweithöchste Erhebung auf der Insel; der 311 ft (94,8 m) hohe Peak Hill liegt nur etwas weiter südöstlich, jedoch außerhalb des Schutzgebiets. Von dort bietet sich eine gute Aussicht auf die Elizabeth Islands, das namensgebende Dorf Menemsha sowie auf die Klippen von Aquinnah bis nach Nomans Land. Etwa 3 mi (4,8 km) Wanderwege führen die Besucher durch Feuchtgebiete, Wälder, flache Küstenabschnitte sowie zu einer Felsküste. Dort gedeihen Rot-Ahorne, Buchen, Roteichen, Amerikanische Weiß-Eichen und Färber-Eichen. In Küstennähe dominieren Gräser und Pech-Kiefern, daneben gibt es Vorkommen von Goldruten und Prunus maritima.

Das Polly Hill Arboretum (historisch Barnard’s Inn Farm und Samuel Washington Adams House) ist ein als Arboretum angelegter Botanischer Garten in West Tisbury auf dem Grundstück eines ehemaligen Bauernhofs. Die Einrichtung wurde 2015 als Historic District in das National Register of Historic Places aufgenommen.

Die Gegend um das heutige West Tisbury wurde Mitte des 17. Jahrhunderts besiedelt, nachdem der in Watertown lebende Engländer Thomas Mayhew 1642 die Patentrechte an der Insel erworben hatte. Während der Kolonialzeit bildeten neben dem Fischfang und vereinzelten Webereien vor allem Landwirtschaft und Viehzucht die ökonomische Basis dieses Teils von Martha’s Vineyard.

1670 kaufte Henry Luce ein 40 Acres (16,2 ha) großen Teil des Grundstücks, auf dem sich heute das Arboretum befindet. Es blieb für nahezu 200 Jahre im Eigentum der Familie. Historiker waren zunächst der Meinung, dass der nördliche Teil des heute noch stehenden Barnard Luce House 1670 gebaut wurden, jedoch führten aktuelle Untersuchungen zu der Erkenntnis, dass sie – ebenso wie der südliche Teil der Far Barn – aus den Jahren um 1750 stammen. Der Standort des ersten Wohnhauses der Familie Luce ist daher unbekannt.

Henrys Ururenkel Barnard Luce erwarb das Grundstück 1817 und vergrößerte das Wohnhaus zwischen 1820 und 1850. Er war als Schafzüchter tätig und besaß eine Herde mit 60 Tieren; erhaltene Aufzeichnungen geben zudem zwei Kühe, zwei Arbeitsochsen und ein Schwein als seinen Tierbestand an. Sein südlicher Nachbar Washington Adams betrieb mit einer Herde von 75 Tieren ebenfalls Schafzucht. Dieser Wirtschaftszweig ging auf der Insel Mitte des 19. Jahrhunderts jedoch stark zurück, sodass die Bestände von über 20.000 Tieren im Jahr 1778 auf gut 5.500 im Jahr 1850 schrumpften. Dennoch war die Schafzucht nach wie vor lukrativ, weil es insbesondere zur Produktion der „Vineyard Satinet“ genannten Kleidung eine beständige große Nachfrage nach Wolle gab.

Barnards Witwe Mary verkaufte das Grundstück 1860, wodurch es nach mehreren Eigentümerwechseln an Benjamin Bartlett Smith und Albert Littlefield fiel. Die Geschäftsleute aus Maine führten die Schafzucht bis mindestens 1890 fort. Zwischen 1870 und 1888 kauften sie mehr als 400 acres (1,6 qkm) an die Farm grenzendes Land und erweiterten ihren Betrieb dadurch erheblich. Viele der heutigen Gebäude und Anlagen des Arboretums stammen ebenfalls aus dieser Zeit.

Albert Littlefield heiratete 1878 Benjamin Bartlett Smiths Schwester Henrietta, die nach seinem Tod 1907 dessen Anteil der Farm und 1915 auch den Teil ihres unverheirateten Bruders erbte, wodurch sie zur alleinigen Eigentümerin wurde. Nach ihrem Tod 1920 ging das Eigentum auf ihre drei Kinder Effie E., Edson Forrest und Mindwell A. über. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Import von Wolle aus Übersee den lokalen Schafzüchtern die Geschäftsgrundlage entzogen, und die steigende Zahl an saisonalen Gästen während der Sommermonate führte dazu, dass immer mehr Bauern von der Schafzucht zur Haltung von Milchkühen übergingen. West Tisbury ist bis heute das landwirtschaftliche Zentrum der Insel Martha’s Vineyard. Die Gebäude auf dem Gelände des Polly Hill Arboretums repräsentieren die kontinuierliche landwirtschaftliche Nutzung von der Mitte des 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts und daher auch einen wichtigen Teil der historischen Entwicklung der Region.

Der heute im NRHP eingetragene Distrikt umfasst zwei Grundstücke, die zuvor als Barnard’s Inn Farm (um 1750) und Samuel Washington Adams House (1844) bekannt waren. Der Distrikt ist 72 Acres (29,1 ha) groß und befindet sich auf der Westseite der Insel Martha’s Vineyard 1,2 mi (1,9 km) außerhalb von West Tisbury. Zum Eintrag gehören 13 Contributing Properties sowie 7 als noncontributing – also als nicht zur historischen Bedeutung beitragend – bewertete Bauwerke bzw. Objekte. Die im 20. Jahrhundert von der Namensgeberin Polly Hill angelegten Pflanzungen sind über den gesamten Distrikt verstreut, während mit 40 Acres (16,2 ha) der größte Teil des Grundstücks aus Wald besteht. Mit der Öffnung des Arboretums für die Öffentlichkeit im Jahr 1997 wurden weitere Gebäude wie ein Besucherzentrum, Toilettenanlagen und einige Gewächshäuser hinzugefügt. Der Distrikt repräsentiert eine 300-jährige Entwicklung von einer kolonialen Farm über eine Sommerfrische bis zum heutigen Arboretum.

Das um 1750 errichtete und im 19. Jahrhundert erweiterte Barnard Luce House ist eineinhalb Stockwerke hoch. Die Vorderseite des mit Holzschindeln verkleideten Gebäudes ist nach Osten ausgerichtet. Bis 1926 wurde es ganzjährig als Wohnhaus genutzt und wurde dann von Polly Hills Eltern erworben, um es als Sommerfrische zu nutzen. In den 1930er Jahren wandelten sie eine Scheune auf dem Grundstück in ihr neues Sommerhaus (Cowbarn Residence) um und nutzten das ältere Gebäude fortan als Gästehaus. 1998 wandelte die Betreibergesellschaft des Arboretums das Haus in ein Bürogebäude um.

Die zweistöckige Cowbarn Residence liegt nordwestlich des Luce House und wurde ca. 1860 als Scheune errichtet, jedoch zwischen 1933 und 1934 durch umfangreiche Baumaßnahmen in ein Wohnhaus umgewandelt, in dem Polly Hill bis 2004 während der Sommermonate wohnte. Mit der Einrichtung des Arboretums wurde es renoviert und seitdem als Bibliothek genutzt.

Das 28 ft (8,5 m) mal 20 ft (6,1 m) große, nach Norden ausgerichtete Gebäude ist eineinhalb Stockwerke hoch und wurde um 1870 westlich des Luce House als Scheune errichtet. Die neuen Eigentümer bauten es in den 1930er Jahren in einen überdachten Spielplatz mit Sportgeräten wie Turnringen, einem Trapez und Kletterwänden um. Später wurde das obere halbe Stockwerk mit Schlafräumen ausgestattet. Das Arboretum nutzte das Gebäude bis 2009 als Wartungs- und Werkstattgebäude, aktuell steht es leer. Das 144 ft² (13,4 m²) große Gebäude, in dem die Pflanzen in Pflanztöpfe eingesetzt werden, wurde ca. 1870 errichtet und befindet sich unmittelbar neben der Turnhalle. Es ist einstöckig und verfügt über ein Giebeldach.

Nordwestlich des Luce House befindet sich ein 29 ft (8,8 m) mal 26 ft (7,9 m) großes Gebäude, das als Far Barn (deutsch wörtlich „entfernt gelegene Scheune“) bezeichnet wird. Es wurde um 1750 errichtet und 1860 sowie 1920 erweitert. Heute befinden sich dort Schulungs- und Veranstaltungsräume. Das ehemalige Schlachthaus des Bauernhofs ist 16 ft (4,9 m) mal 15 ft (4,6 m) groß und steht an der südwestlichen Ecke der Far Barn.

Das 1844 errichtete Samuekl Washington Adams House steht südlich des Luce House und besitzt einen L-förmigen Grundriss. Die Außenwände sind mit Holz-, das Dach ist mit Asphaltschindeln verkleidet. Seit 2002 gehört das Gebäude zum Arboretum und wird seit 2013 als Unterkunft für Angestellte genutzt.

Nordwestlich der Far Barn befindet sich eine 1940 errichtete Feuerstelle, die aus rund geschliffenen Steinen und großen Sturzträgern aus Granit besteht. Ihr Aufbau verjüngt sich schornsteinförmig nach oben. Auf der Ofentür ist die Inschrift „Barnards Inn Farm 1940“ zu lesen. Die Steine sind heute mit Flechten und Kletterpflanzen bedeckt.

Als Polly Hill Landscape werden die von Polly Hill angelegten bzw. gepflegten Pflanzungen bezeichnet, deren Ursprünge bis 1860 zurückreichen. Sie umfassen Kulturgärten im östlichen Teil des Distrikts, Felder und Wiesen im Norden, Westen und Süden sowie Waldgebiete mit Eichen-, Buchen- und Hickorybeständen im Norden und Westen, die knapp zwei Drittel des Distrikts ausmachen. Zu den Besonderheiten zählen die Dogwood Allée, einige Robinien sowie mehrere Reihenpflanzungen mit Koniferen. Die Landschaft liegt insgesamt zwischen 60 ft (18,3 m) und 150 ft (45,7 m) über der Meereshöhe.

Die an vielen Stellen zu sehenden Wälle aus unterschiedlich großen, ohne Mörtel aufgeschichteten Granitsteinen wurden in der Zeit von 1860 bis 1960 angelegt und teilen den Distrikt in abgrenzbare Bereiche auf. Die älteren Mauern umgrenzen die nördlichen und westlichen Felder des ehemaligen Bauernhofs, der 1960 angelegte Teil führt zum heutigen Besucherzentrum. Die Zäune umgrenzen die südwestliche Ecke des nördlichen Feldes von der Straße bis zur Far Barn und wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgestellt.

Polly Hill pflanzte die Dogwood Allée im Jahr 1964, die aus neun Paaren des namensgebenden Asiatischen Blüten-Hartriegels (englisch kousa dogwood) besteht. Sie verläuft über eine Strecke von rund 284 ft (86,6 m) in Nord-Süd-Richtung nahe der ehemaligen Barnard’s Inn Farm von der Turnhalle bis zu einem ehemaligen Obstgarten.

Als nicht zur historischen Relevanz beitragend bewertet wurden eine 2009 als Ersatz für die Turnhalle errichtete Werkstatt, das Besucherzentrum (1998), Toilettenanlagen (1998), eine Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete und 2006 zu einem Bürogebäude umgebaute Garage, ein 2006 gebautes Gewächshaus, ein 1973 von Polly Hill angelegter, umzäunter Gartenbereich für Jungpflanzen sowie ein moderner Aufzuchtbereich aus dem Jahr 2014.

Nomans Island ist seit 1975 als Nomans Land Island Wildlife Refuge ein Naturschutzgebiet. Ebenfalls geschützt ist die Insel Chappaquiddick.

Klima

Nach der Köppen-Klimaklassifikation liegt das Klima der Insel zwischen einem feuchten Kontinentalklima (Dfa/Dfb), einem feuchten subtropischen Klima (Cfa) und einem ozeanischen Klima (Cfb), wobei letzteres ein Klimatyp ist, der an der Ostküste Nordamerikas selten vorkommt. Das Klima von Martha’s Vineyard wird stark vom umgebenden Atlantischen Ozean beeinflusst, der die Temperaturen das ganze Jahr über mäßigt, obwohl diese Mäßigung bei weitem nicht so stark ist wie auf der gegenüberliegenden Seite des Atlantiks (Porto, Portugal) oder an der Pazifikküste der Vereinigten Staaten (Crescent City) in ähnlichen Breitengraden.

Infolgedessen sind die Wintertemperaturen in der Regel ein paar Grad wärmer und die Sommertemperaturen kühler als im Landesinneren. Die Winter sind kühl bis kalt mit einem Januar-Durchschnitt von knapp unter 0,0°C (32°F). Aufgrund des Einflusses des Atlantischen Ozeans sind Temperaturen unter -17,8°C (0°F) selten und treten an mindestens einem Tag im Jahr auf, und die meisten Tage in den Wintermonaten liegen über dem Gefrierpunkt. Der durchschnittliche jährliche Schneefall beträgt 643 mm (25,3 inches). Die Sommer sind warm und mild mit Temperaturen, die selten über 32,2°C (90°F) liegen und nur an ein oder zwei Tagen erreicht oder überschritten werden.[63] In den Sommermonaten liegen die wärmsten Monate der Insel (Juli und August) bei durchschnittlich 21,9°C (71,5°F). Frühling und Herbst sind Übergangsjahreszeiten, wobei der Frühling kühler ist als der Herbst. Auf Martha’s Vineyard fallen jährlich 1.192 mm (46,94 inches) Niederschlag, der gleichmäßig über das Jahr verteilt ist. Die höchste Tageshöchsttemperatur betrug 37,2°C (99°F) am 27. August 1948 und die höchste Tagesmindesttemperatur 76°F (24,4°C) am 4. September 2010. Die niedrigste Tageshöchsttemperatur war 7°F (-13,9°C) am 26. Dezember 1980, und die niedrigste Tagesminimaltemperatur war -9°F (-22,8°C) am 2. und 3. Februar 1961. Die Widerstandszone ist 7a.

Klimadaten für Edgartown / Martha’s Vineyard (1991 bis 2020, Extreme seit 1946)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Höchstrekord (°C) 18 18 24 32 33 35 35 37 33 31 23 19 37
Mittelmaximum (°C) 4,5 5,3 8,0 13,0 18,3 23,2 26,9 26,6 23,3 17,8 12,4 7,5 15,6
Mitteltemperatur (°C) 0,5 1,2 3,9 8,6 13,7 18,7 22,4 22,2 19,0 13,4 8,3 3,6 11,3
Mittelminimum (°C) -3,6 -2,9 -0,2 4,2 9,2 14,2 17,9 17,7 14,7 9,0 4,3 -0,4 7,0
Tiefstrekord (°C) -21 -23 -22 -11 -2 3 7 5 0 -6 -10 -21 -23
Niederschlag (mm) 104 91 122 106 95 86 67 94 99 118 107 123 1212
Schneefall (cm) 22,3 20,5 12,0 0,7 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 8,6 63,6
Niederschlagstage (≥ 0,0254 mm) 11,9 9,8 11,4 11,9 12,0 10,2 7,8 8,9 9,3 11,2 11,4 12,1 127,9
Schneetage (≥ 0,1 in) 3,5 3,3 2,0 0,2 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 1,4 10,5

Mythologie

Die Mythen und die Mythologie von Martha’s Vineyard sind tief verwurzelt in den Traditionen der Wampanoag, des indigenen Volkes, das die Insel – von ihnen Noepe genannt – seit mindestens 10.000 Jahren bewohnt. Die zentrale Figur dieser Überlieferungen ist der Riese Moshup (auch Maushop oder Maushup geschrieben), ein wohlwollender Kulturheld und Gestalter der Landschaft.

Moshup wird als gigantischer, übernatürlich kraftvoller Wesen beschrieben, das die Formen von Martha’s Vineyard, den Elizabeth Islands, Noman’s Land und Nantucket schuf. Er soll Wale mit bloßen Händen gefangen, sie an den Klippen von Aquinnah (früher Gay Head) zerschmettert und gegessen haben – die farbigen Tonablagerungen der Aquinnah Cliffs werden in manchen Erzählungen als Überreste seiner Mahlzeiten erklärt. Moshup lehrte die Wampanoag das Fischen, Jagen und Walfang und teilte großzügig seine Beute mit ihnen. Er lebte mit seiner Frau Granny Squannit (oder Squant), einer Meeresfrau, und ihren Kindern in den Klippen. In Varianten der Legende warf Moshup Asche aus seiner Pfeife ins Meer, wodurch Nebel entstand, oder er schleuderte Steine, die zu Inseln wurden. Eine bekannte Geschichte erzählt, wie er eine Brücke zum Festland bauen wollte (die Devil’s Bridge), doch ein Krebs biss ihn in den Zeh, worauf er vor Wut abbrach und Fußspuren hinterließ.

Moshup gilt als Beschützer, der die Wampanoag vor Gefahren warnte. In einer Version prophezeite er die Ankunft hellhäutiger Menschen und verschwand schließlich ins Meer, als die Europäer kamen, um sein Volk zur Selbstständigkeit zu zwingen. Manche Legenden sehen in ihm einen Transformer, der die Welt formte, und er wird bis heute in Ritualen wie dem jährlichen Legends of Moshup Pageant der Wampanoag Tribe of Gay Head (Aquinnah) gefeiert.

Neben Moshup spielen die Pukwudgies eine Rolle: kleine, zwergenhafte Waldwesen, die zunächst freundlich waren, dann aber aus Eifersucht auf Moshups Beliebtheit boshaft wurden. Sie können sich unsichtbar machen, Feuer entfachen oder Menschen in die Irre führen. Der Große Geist Kehtannit (oder Kiehtan) ist eine ferne, geschlechtslose Schöpferkraft, die selten personifiziert wird.

Europäische Siedler brachten eigene Legenden mit, darunter Geistergeschichten von ertrunkenen Seeleuten, verfluchten Häusern oder Erscheinungen in alten Gebäuden wie dem County Jail oder viktorianischen Villen. Berichte von headless skeletons oder wailing women spiegeln die koloniale Geschichte wider, doch sie sind weniger zentral als die indigenen Mythen. Piratenlegenden oder Seemonster (abgesehen von modernen Kinderattraktionen wie einem „Sea Serpent“ in Oak Bluffs) spielen keine dominante Rolle in der traditionellen Folklore.

Geschichte

Wie auch im Fall der Nachbarinsel Nantucket wurde im 19. Jahrhundert von den Inselbewohnern hauptsächlich Walfang betrieben (nicht im Gebiet um die Insel, sondern vor allem im arktischen Nord- und Südatlantik). Das bisher größte Schiffsunglück der Region ereignete sich am 18. Januar 1884, als der amerikanische Passagierdampfer City of Columbus an der Südwestspitze der Insel auf das Riff Devil's Bridge lief und unterging. Von den 132 Menschen an Bord überlebten 29. Am 16. Juli 1999 verunglückten John F. Kennedy jr., der Sohn des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy, sowie dessen Ehefrau und Schwägerin tödlich, als das von ihm selbst gesteuerte Flugzeug bei schlechten Wetterbedingungen unweit von Martha’s Vineyard ins Meer stürzte.

Heute ist die Insel als Ferienort bekannt und wird in den Sommermonaten von vielen Touristen besucht. Vor allem rund um den 4. Juli, dem US-amerikanischen Nationalfeiertag, wird die Insel von über 100.000 Besuchern aufgesucht. Viele berühmte Personen und Angehörige der amerikanischen Oberschicht haben Villen auf Martha’s Vineyard, was der Insel den Ruf eines Nobel-Ferienortes eingebracht hat.

Vorkolumbisch Zeit

Die Vorfahren der Wampanoag lebten hier seit dem Rückzug der letzten Gletscher der Eiszeit, als die Insel noch Teil eines größeren Festlandbereichs war. Archäologische Funde, insbesondere in Aquinnah (ehemals Gay Head), belegen eine reiche und anpassungsfähige Kultur, die eng mit der Küstenlandschaft, den Teichen, Wäldern und Meeresressourcen verbunden war. Die Insel war kein isoliertes Gebiet, sondern Teil eines Netzwerks regionaler Interaktionen in Neuengland.

Die frühesten Spuren menschlicher Präsenz reichen bis etwa -8000 zurück, in die späte Paleo-Indian-Zeit oder den Übergang zur Archaic-Periode. Damals war Noepe noch mit dem Festland verbunden, da der Meeresspiegel niedriger lag; die heutige Inselform entstand erst vor rund 5.000 Jahren durch den ansteigenden Ozean. Frühe Bewohner, Jäger und Sammler, nutzten die tundrenartige Landschaft für die Jagd auf Großwild wie Karibus und nutzten Steinwerkzeuge. Submergierte Funde vor der Küste deuten darauf hin, dass viele der ältesten Siedlungen heute unter Wasser liegen.

Die Archaic-Periode (um -5500 bis -1000) markiert die dichteste Besiedlungsphase der Insel. Mit dem Wachstum von Wäldern und der Entwicklung von Estuarien (Mündungsgebieten) spezialisierten sich die Menschen auf eine maritime Lebensweise. Archäologische Stätten, vor allem Muschelhaufen (shell middens) entlang von Teichen wie Squibnocket Pond, Menemsha Pond und Lagoon Pond, enthüllen eine Fülle an Artefakten: Steinäxte, Netzgewichte, Speerspitzen, Schaber und Werkzeuge aus Felsit oder Quarzit. Sites wie Hornblower II und Frisby-Butler in Chilmark/Aquinnah zeigen intensive Nutzung von Schalentieren (Muscheln, Austern), Fisch, Robben und Wild. Die höchste Dichte prähistorischer Stätten datiert in diese Zeit; allein in Aquinnah sind über 350 Fundorte dokumentiert, viele durch moderne Bauvorhaben entdeckt. Die Menschen lebten saisonal mobil, zogen im Sommer an die Küste für Fischfang und Muschelsammeln, im Winter in geschützte Waldgebiete.

In der Woodland-Periode (um -1000 bis 16. Jahrhundert) entwickelte sich eine komplexere Gesellschaft. Erste Keramikgefäße aus Ton erscheinen, Pfeilspitzen werden kleiner und präziser (Übergang zum Bogen), und es gibt Hinweise auf den Anbau von Mais, Bohnen und Kürbis ab Handel mit benachbarten Gruppen brachte Kupfer, Perlen und andere Güter auf die Insel. Muschelhaufen enthalten nun auch Knochen von Hirsch, Vogel und Fisch sowie rituelle Elemente. Die Bevölkerung wuchs; Schätzungen gehen von mehreren Tausend Wampanoag auf Noepe aus, verteilt in Dörfern und saisonalen Lagern. Die Gesellschaft war matrilinear organisiert, mit starken spirituellen Bindungen zur Natur, verkörpert in Figuren wie dem Riesen Moshup, der in oralen Traditionen die Landschaft formte und das Fischen lehrte.

Vor der Ankunft europäischer Schiffe im frühen 16. Jahrhundert (erste Kontakte ab 1524 durch Verrazzano und spätere Entführer wie Harlow 1611) lebten die Wampanoag in einer ausgewogenen Ökonomie aus Fischerei, Jagd, Sammeln und zunehmender Landwirtschaft. Sie nutzten Kanus für den Walfang (drift whales), bauten Wetu (Kuppelhäuser aus Rinde) und pflegten ausgedehnte Netzwerke. Die Insel bot reiche Ressourcen: Schalentiere in den Lagunen, Wale vor der Küste, Beeren und Wild in den Wäldern. Epidemien ab 1616–1619 (möglicherweise Leptospirose) dezimierten die Population dramatisch, bevor permanente europäische Siedler 1642 eintrafen.

Kolonialzeit

Die europäische Besiedlung begann mit dem Kauf von Martha’s Vineyard, Nantucket und den Elizabeth-Inseln durch Thomas Mayhew aus Watertown, Massachusetts, von zwei Siedlern aus Neuengland. Er unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu den Wampanoags auf der Insel, auch weil er darauf bedacht war, ihre Landrechte zu respektieren. Sein Sohn, der ebenfalls Thomas Mayhew hieß, gründete 1642 in Great Harbor (dem späteren Edgartown, Massachusetts) die erste Siedlung auf der Insel.

Der jüngere Mayhew begann eine Beziehung zu Hiacoomes, einem indianischen Nachbarn, was schließlich dazu führte, dass Hiacoomes' Familie zum Christentum konvertierte. Während des King Philip's War später im Jahrhundert schloss sich die Martha’s Vineyard-Bande ihren Stammesverwandten nicht an und blieb bewaffnet, ein Beweis für die guten Beziehungen, die die Mayhews als Führer der Kolonie pflegten. 1657 ertrank der jüngere Thomas Mayhew, als ein Schiff, mit dem er unterwegs war, auf einer Reise nach England auf See verloren ging. Mayhews Enkel Matthew Mayhew (* 1648), John Mayhew (* 1652) und andere Mitglieder seiner Familie unterstützten ihn bei der Führung seiner Geschäfte und seiner Regierung. 1665 wurden Mayhews Ländereien in eine Schenkung an den Herzog von York einbezogen. Im Jahr 1671 wurde ein Vergleich geschlossen, der es Mayhew ermöglichte, seine Position beizubehalten, während sein Gebiet der Gerichtsbarkeit der Provinz New York unterstellt wurde. Im Jahr 1682 trat Matthew Mayhew die Nachfolge seines Großvaters als Gouverneur und oberster Richter an und predigte gelegentlich vor den amerikanischen Ureinwohnern. Außerdem wurde er 1697 zum Richter des Court of Common Pleas für Dukes County ernannt und blieb bis 1700 im Amt. Von 1696 bis 1710 war er Nachlassrichter. 1683 wurde Dukes County, New York, einschließlich Martha’s Vineyard, eingemeindet. Im Jahr 1691, als die Herrschaft von Sir Edmund Andros zusammenbrach und Massachusetts als königliche Kolonie reorganisiert wurde, wurde Dukes County wieder der Provinz Massachusetts Bay zugeordnet und in die Grafschaften Dukes County, Massachusetts und Nantucket County, Massachusetts aufgeteilt.

Die Alphabetisierung der Ureinwohner in den von Thomas Mayhew Jr. gegründeten und von Peter Folger, dem Großvater von Benjamin Franklin, unterrichteten Schulen war so gut, dass die ersten Absolventen von Harvard aus Martha’s Vineyard stammten, darunter der Sohn von Hiacoomes, Joel Hiacoomes. „Das Schiff, auf dem Joel Hiacoomes unterwegs war, als er kurz vor der Abschlussfeier von einer Heimreise nach Boston zurückkehrte, wurde an der Küste von Nantucket Island als Wrack aufgefunden. Caleb Cheeshahteaumauk, der Sohn eines Häuptlings von Homes Hole, schloss sein Studium in Harvard 1665 ab“. Cheeshahteaumauks lateinische Ansprache an die Gesellschaft (New England Corporation), die mit „Honoratissimi benefactores“ (Geehrte Wohltäter) beginnt, ist erhalten geblieben. Sie sprachen nicht nur Wampanoag und Englisch, sondern lernten auch Hebräisch, klassisches Griechisch und Latein. Alle frühen indianischen Absolventen starben kurz nach Beendigung ihres Studiums. Viele einheimische Prediger auf der Insel predigten jedoch von Zeit zu Zeit auch in den christlichen Kirchen.

Mayhews Nachfolger als Gemeindevorsteher war der Ehrenwerte Leavitt Thaxter, der Martha Mayhew, eine Nachfahrin von Thomas Mayhew, heiratete und ein Erzieher in Edgartown war, den der Indianerkommissar John Milton Earle als „einen langen und unerschütterlichen Freund der Indianer“ beschrieb, nachdem er in Northampton gelebt hatte. Joseph Thaxter,[ übernahm und im Repräsentantenhaus und im Senat saß, Mitglied des Gouverneursrats von Massachusetts war und später das Amt des US-Zollbeamten für Martha’s Vineyard bekleidete. Nachdem er die Schule seines Vaters in Edgartown in Thaxter Academy umbenannt hatte, erhielt Hon. Leavitt Thaxter am 15. Februar 1845 die Summe von 50 Dollar pro Jahr für „den Unterhalt von William Johnson, einem Indianer vom Stamm der Chappequiddic“. Zu diesem Zeitpunkt hatte Leavitt Thaxter[ die Rolle übernommen, die in einem vom General Court of Massachusetts verabschiedeten Gesetz als „Vormund der Indianer und Farbigen, die in Chappequiddic und Indiantown im Bezirk Dukes County ansässig sind“ beschrieben wurde. Die von Leavitt Thaxter als erstem Schulleiter 1825 gegründete Thaxter Academy wurde dafür bekannt, sowohl weiße als auch indianische Jugendliche auszubilden.

Walfangära

Die Walfangära prägte Martha’s Vineyard vom frühen 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und machte die Insel zu einem wohlhabenden Zentrum der amerikanischen Walfangindustrie. Obwohl nicht so dominant wie in Nantucket oder New Bedford, wo die Schiffe gebaut wurden, stellten Vineyarder – besonders aus Edgartown – hochgeschätzte Kapitäne und Crews, die weltweit auf Walfangreisen fuhren. Der Reichtum aus Walöl, Spermaceti und Barten floss in prächtige Häuser und Infrastruktur, deren Spuren bis heute sichtbar sind.

Die Anfänge reichen zu den Wampanoag, den indigenen Bewohnern, die bereits vor der Kolonisation driftende oder gestrandete Wale nutzten und offshore jagten. Sie lehrten den englischen Siedlern ab den 1640er Jahren die Technik des Shore Whaling: Von kleinen Booten aus harpunierten sie Wale nahe der Küste und schleppten sie an Land, um das Tran auszukochen. John Butler aus Edgartown gilt als erster europäischer Walfänger der Insel. Bis etwa 1740 blieb der Walfang lokal, doch als die Küstenwale knapp wurden, wagten sich Vineyard-Schiffe weiter hinaus – zunächst in den Atlantik, später in den Pazifik und sogar in die Arktis.

Der Höhepunkt lag zwischen 1830 und 1860: Edgartown wurde zum wichtigsten Hafen der Insel, mit tiefem, geschütztem Wasser ideal für die Verarbeitung. Vineyard-Kapitäne – insgesamt rund 175, die 98 Schiffe auf 247 Reisen kommandierten – brachten Produkte im Wert von über 228 Millionen Dollar (heutiger Wert) heim. Viele Crewmitglieder waren Wampanoag, Afroamerikaner oder portugiesische Immigranten; William A. Martin aus Chappaquiddick war der einzige schwarze Kapitän der Insel. Die Reisen dauerten oft Jahre, voller Gefahren: Mutinies (wie auf der Globe 1824), Stürme und der harte Kampf mit den Walen in kleinen Booten.

Der Wohlstand zeigte sich in Edgartown: Prächtige Greek-Revival- und Federal-Style-Häuser mit Widow’s Walks (Aussichtsplattformen für wartende Frauen) säumen North Water Street und Main Street. Beispiele sind das Dr. Daniel Fisher House (1840, mit Walöl- und Kerzenfabrik) oder die Old Whaling Church (1843, mit massiven Säulen). Diese Bauten, oft von Kapitänen errichtet, zeugen vom Reichtum und sind heute größtenteils erhalten, viele als Museen oder private Residenzen.

Der Niedergang begann ab den 1850er Jahren: Die Entdeckung von Petroleum in Pennsylvania 1859 machte Kerosin zum günstigeren Lampenbrennstoff. Der Bürgerkrieg behinderte Flotten, Walbestände waren dezimiert, und katastrophale Ereignisse wie die Aufgabe von 33 Schiffen in der Arktis 1871 (darunter zwei Vineyard-Schiffe) besiegelten das Ende. Bis 1894 war der Walfang auf der Insel erloschen.

Die Walfangära hinterließ ein bleibendes Erbe: Die prächtigen Kapitänshäuser, Artefakte im Martha’s Vineyard Museum und die maritime Identität der Insel. Sie wandelte Martha’s Vineyard vom Fischer- und Farmerort zum wohlhabenden Sommerrefugium und legte den Grundstein für den modernen Tourismus.

Weltkriegsära

Martha’s Vineyard blieb vom direkten Kampfgeschehen verschont, doch die Insel leistete einen überproportionalen Beitrag zur Kriegsanstrengung. Die Bewohner erfüllten ihre Rekrutierungsquoten stets über und Gay Head (heute Aquinnah) stellte pro Kopf die höchste Zahl an Soldaten in ganz New England – etwa 10,4 Prozent der Bevölkerung dienten. 1918 besuchten Gouverneur Samuel W. McCall und Vizegouverneur Calvin Coolidge die Insel, um Gay Head für diesen Einsatz zu ehren.

Ein dramatisches Ereignis war der Untergang des Edgartowner Fischschoners Progress 1918 vor Georges Bank durch ein deutsches U-Boot. Die Spanische Grippe 1918–1919 forderte zusätzlich 27 Tote in nur 20 Wochen. Wirtschaftlich litt die Insel unter der Kriegszeit, doch der Tourismus begann sich langsam zu entwickeln.

In den 1920er und 1930er Jahren wandelte sich Martha’s Vineyard vom Fischer- und Farmerdorf zum Sommerrefugium. Der Tourismusboom brachte neue Infrastruktur wie gepflasterte Straßen und Fährverbindungen. Die Große Depression traf die Insel hart, doch der aufkommende Ferientourismus milderte die Auswirkungen. Kulturelle Entwicklungen wie der Ausbau von Oak Bluffs als Ferienort und die Gründung von Clubs prägten diese Phase.

Der Zweite Weltkrieg veränderte das Insel-Leben grundlegend. Ab 1941 wurde Martha’s Vineyard intensiv als Trainingsgelände genutzt, da die Nähe zu Camp Edwards auf Cape Cod und die vielfältigen Strände ideale Bedingungen boten. Der Staat Massachusetts verpachtete Waldflächen an die Navy, die 1943 den Martha’s Vineyard Naval Auxiliary Air Facility (heutiger Airport) errichtete. Bis 1946 trainierten hier 21 Squadrons (Kämpfer, Torpedo- und Trägerstaffeln) mit Übungsflügen, Bombenabwürfen und Nachtangriffen. Zahlreiche Abstürze forderten Tote, darunter junge Piloten unter 21 Jahren. Army und Navy übten Strandlandungen (zum Beispiel Lambert’s Cove 1942), Klippenklettern an den Gay Head Cliffs und Flughafeneroberungen – Vorbereitungen auf D-Day in Normandy. Britische Commandos trainierten US-Truppen. Die kleine Insel Nomans Land südlich wurde als Bombenübungsgelände genutzt; nicht detonierte Munition wird bis heute gefunden. Bis zu 19 deutsche U-Boote operierten vor der Küste, mit Sichtungen und Alarmen (z. B. 1942). Zivile Spotter, Blackouts, Bunker (zum Beispiel Gay Head) und Rationierung prägten den Alltag. Das Vineyard Lightship sank 1944 in einem Hurrikan mit 12 Toten. An der "Heimatfront" gab es Rationierung, Luftschutzübungen, Kriegsanleihen und Frauenarbeit. Viele Servicemen kehrten nach dem Krieg als Touristen zurück.

Moderne Zeit

Der Linguist William Labov schrieb im Sommer 1961 seinen MA-Aufsatz über die Veränderungen im englischen Dialekt von Martha’s Vineyard. Die Studie aus dem Jahr 1963 gilt weithin als bahnbrechendes Werk zur Begründung der Soziolinguistik. Internationale Berühmtheit erlangte die Insel nach dem „Chappaquiddick-Zwischenfall“ vom 18. Juli 1969, bei dem Mary Jo Kopechne in einem Auto getötet wurde, das der US-Senator Edward "Ted" Kennedy von der Dike Bridge fuhr. Die Brücke führte über den Poucha Pond auf Chappaquiddick Island (eine kleinere Insel, die früher mit Vineyard und einem Teil von Edgartown verbunden war). Als Fußgängerbrücke war sie für Fußgänger und Radfahrer sowie gelegentlich für Rettungsfahrzeuge gedacht, wenn die Bedingungen es zuließen. Gegenwärtig dürfen 4×4-Fahrzeuge mit Passierscheinen die rekonstruierte Brücke überqueren.

Am 23. November 1970 versuchte Simas Kudirka, ein sowjetischer Seemann litauischer Staatsangehörigkeit, im Atlantik westlich von Aquinnah in die Vereinigten Staaten überzulaufen, indem er von einem sowjetischen Fischtrawler auf einen Kutter der US-Küstenwache sprang und um Asyl bat. Die Küstenwache gestattete einem Trupp von vier Seeleuten des sowjetischen Schiffes, den Kutter zu entern und den schreienden und um sich tretenden Kudirka zurück auf ihr Schiff zu zerren. Er wurde zu 10 Jahren Zwangsarbeit in der Sowjetunion verurteilt.

1974 drehte Steven Spielberg den Film Jaws auf Martha’s Vineyard, vor allem im Fischerdorf Menemsha und in der Stadt Chilmark. Spielberg wählte die Inselbewohner Christopher Rebello für die Rolle des ältesten Sohnes von Chief Brody, Michael Brody, Jay Mello für die Rolle des jüngeren Sohnes, Sean Brody, und Lee Fierro für die Rolle von Mrs. Kintner aus. Zahlreiche andere Inselbewohner traten in dem Film als Statisten auf. Später wurden auch Szenen aus Der weiße Hai 2 und Der weiße Hai: Die Rache auf der Insel gefilmt. Im Juni 2005 feierte die Insel den 30. Jahrestag von Jaws mit einem einwöchigen Jawsfest.

1977 zogen die Einwohner von Martha’s Vineyard aus Verzweiflung über den Verlust ihres garantierten Sitzes im Obersten Gerichtshof von Massachusetts die Möglichkeit einer Abspaltung vom Commonwealth of Massachusetts in Erwägung, um entweder Teil eines anderen Staates zu werden (nachdem sie Angebote sowohl von Vermont als auch von Hawaii erhalten hatten), sich als separates US-Territorium neu zu konstituieren oder als 51. Die Flagge der Separatisten, bestehend aus einer weißen Möwe über einer orangefarbenen Scheibe auf himmelblauem Hintergrund, ist noch heute auf der Insel zu sehen. Obwohl sich die Idee der Abspaltung von Massachusetts letztlich als undurchführbar erwies, fand sie in den lokalen, regionalen und sogar nationalen Medien Beachtung.

Am 5. März 1982 starb John Belushi an einer Überdosis Drogen in Los Angeles, Kalifornien, und wurde vier Tage später auf dem Abel‘s Hill Cemetery in Chilmark beigesetzt. Belushi besuchte oft die Vineyard und seine Familie hielt es für angemessen, ihn dort zu begraben. Auf seinem Grabstein steht das Zitat: "Auch wenn ich nicht mehr da bin, der Rock 'N' Roll lebt weiter". Wegen der vielen Besucher an seinem Grab und der Gefahr von Vandalismus wurde sein Leichnam in die Nähe der Grabstätte gebracht. Sein Grab ist nach wie vor ein beliebter Ort für Besucher in Chilmark, die oft Erinnerungsstücke an den verstorbenen Komiker hinterlassen.

Seit den 1990er Jahren verbrachte Bill Clinton während und nach seiner Präsidentschaft regelmäßig Urlaub auf der Insel, zusammen mit seiner Frau Hillary Clinton und seiner Tochter Chelsea. Clinton war nicht der erste Präsident, der die Inseln besuchte; Ulysses S. Grant besuchte am 24. August 1874 die Ferienresidenz seines Freundes, Bischof Gilbert Haven. Wie es der Zufall will, befand sich das Lebkuchenhaus von Bischof Haven in Oak Bluffs in der 10 Clinton Avenue. Die Avenue wurde 1851 benannt und diente als Hauptpromenade des Campingplatzes der Martha’s Vineyard Campmeeting Association. Am 23. August 2009 traf Barack Obama mit seiner Familie in Chilmark ein, wo er eine Woche Urlaub in einem Mietobjekt namens Blue Heron Farm machte. Im Dezember 2019 schloss Präsident Barack Obama den Kauf eines 12 ha großen Anwesens am Edgartown Great Pond ab.

Am 16. Juli 1999 stürzte vor der Küste von Martha’s Vineyard ein Kleinflugzeug ab, bei dem der Pilot John F. Kennedy Jr., seine Frau Carolyn Bessette und ihre Schwester Lauren Bessette ums Leben kamen. Kennedys Mutter, die ehemalige First Lady der USA, Jacqueline Kennedy Onassis, unterhielt bis zu ihrem Tod im Jahr 1994 ein Haus in Aquinnah (ehemals „Gay Head“).

Im Sommer 2000 führte ein Ausbruch von Tularemie, auch bekannt als Kaninchenfieber, zu einem Todesfall und weckte das Interesse der CDC, die die Insel als potenzielles Untersuchungsgebiet für aerosolisierte Francisella tularensis testen wollte. In den folgenden Sommern wurde Martha’s Vineyard als der einzige Ort der Welt identifiziert, an dem dokumentierte Fälle von Tularämie beim Rasenmähen auftraten, was sich als wertvoll für die Verhinderung von Bioterrorismus erweisen könnte. In der Fernsehserie The X-Files leben Fox Mulders Eltern auf der Insel, und sie war auch Schauplatz des 2007 erschienenen Romans The Ghost von Robert Harris.

Wie die meisten Gegenden Neuenglands hat auch Martha’s Vineyard eine komplizierte Beziehung zur Sklaverei. Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Menschen auf Martha’s Vineyard gekauft, verkauft und als Eigentum vererbt wurden. Im Jahr 1770 war Reverend Samuel Sewall, ein saisonaler Bewohner von Martha’s Vineyard, der erste, der sich öffentlich gegen die Sklaverei in den Neuengland-Kolonien aussprach. Darüber hinaus „haben Farbige zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte das Recht verloren, ihren Status vor Gericht anzufechten. Auch verloren sie nicht das Recht, unter bestimmten Umständen Eigentum zu erben.“

Am 15. Oktober 2020 wurde Edgartown Harbour vom National Park Service offiziell als Underground Railroad Site anerkannt, nachdem die gemeinnützige Organisation The African American Heritage Trail of Martha’s Vineyard den Antrag gestellt hatte. Die Organisation wurde 1998 von der Vizepräsidentin der NAACP von Martha’s Vineyard, Carrie Camillo Tankard, und der Lehrerin Elaine Cawley Weintraub gegründet. Ihr Ziel ist es, „bisher undokumentierte Geschichte zu erforschen und zu veröffentlichen und die Inselgemeinschaft in die Identifizierung und Feier der Beiträge farbiger Menschen zur Insel Martha’s Vineyard einzubeziehen“ Der Pfad besteht aus 31 Stätten, die alle mit einer beschreibenden Tafel versehen sind.

Martha’s Vineyard war mehrere hundert Jahre lang als eine Gemeinschaft bekannt, in der jeder gebärden konnte, und viele Gehörlose betrachten Martha’s Vineyard als Utopie. Eine hohe Rate an erblich bedingter Gehörlosigkeit wurde auf Martha’s Vineyard fast zwei Jahrhunderte lang dokumentiert. Das taube Erbe der Insel lässt sich nicht auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführen und hat seinen Ursprung vermutlich im Weald, einer Region, die sich mit den Grenzen der englischen Grafschaften Kent und Sussex überschneidet, vor der Einwanderung. Die Forscherin Nora Groce schätzt, dass im späten 19. Jahrhundert 1 von 155 Menschen auf der Vineyard taub geboren wurde (0,7 Prozent), was etwa 37 Mal so hoch ist wie die Schätzung für die gesamte Nation (1 von 5.728 oder 0,02 Prozent), was auf ein rezessives Muster" genetischer Taubheit zurückzuführen ist, das durch endogame Heiratsmuster verbreitet wurde.

Gehörlose Vineyarder verdienten im Allgemeinen ein durchschnittliches oder überdurchschnittliches Einkommen, was durch Steuerunterlagen belegt ist, und sie nahmen mit Leidenschaft an kirchlichen Angelegenheiten teil. Die Gehörlosigkeit auf der Insel betraf Frauen und Männer in etwa gleichem Maße. Im späten 19. Jahrhundert machten die gemischten Ehen zwischen gehörlosen und hörenden Ehepartnern 65 % aller gehörlosen Ehen auf der Insel aus, verglichen mit 20 % gehörloser Ehen auf dem Festland. Die von den Vineyardern verwendete Gebärdensprache heißt Martha’s Vineyard Sign Language (MVSL) und unterscheidet sich von der American Sign Language (ASL). Aufgrund der geografischen, zeitlichen und bevölkerungsmäßigen Nähe ist es jedoch unmöglich, dass sich MVSL und ASL völlig isoliert voneinander entwickeln. MVSL wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts sowohl von hörenden als auch von gehörlosen Bewohnern verwendet. Keine Sprachbarriere schuf eine reibungslose Kommunikationsumgebung für alle Bewohner der Insel.

Im 20. Jahrhundert wurde der Tourismus zu einer tragenden Säule der Inselwirtschaft, und es entstanden neue tourismusbezogene Arbeitsplätze. Die Arbeitsplätze im Tourismus waren jedoch nicht so taubenfreundlich wie die in der Fischerei und Landwirtschaft. Folglich glich die Inselgemeinschaft durch Mischehen und weitere Migration der Bewohner von Martha’s Vineyard dem Festland immer mehr der dortigen mündlichen Gemeinschaft. Die letzte gehörlose Person, die in die Gebärdensprachtradition der Insel hineingeboren wurde, Katie West, starb 1952, aber einige ältere Bewohner konnten sich noch in den 1980er Jahren an MVSL erinnern, als die Forschung über die Sprache begann.

Während der Coronazeit von 2020 bis 2022 gab es erhebliche Einschränkungen, die lokale Maßnahmen mit staatlichen Vorgaben aus Massachusetts kombinierten.​ Ab März 2020 schlossen Städte Büros, Schulen und nicht-essentielle Einrichtungen; Baustellen stoppten, das Krankenhaus richtete Außentriage ein. Staatliche Regeln begrenzten Innenräume auf 10 Personen und Außen auf 25, Geschäfte schlossen um 21:30 Uhr bis Anfang 2021; Masken wurden ab März 2022 optional. TestMV führte seit Sommer 2020 fast 30.000 Tests durch und hielt Fallzahlen trotz Saisongastzuzug niedrig.​ Bis Ende 2020 starb kein Vollzeitbewohner an Covic. Über 2.300 Schüler lernten zuhause, Handel und Fährverkehr erlitten massive Verluste. Die Gesundheitsbehörden koordinierten Tests, Kontaktverfolgung und Schutzausrüstung. Langfristige Effekte wirkten sich bis 2025 auf Bildung und Wirtschaft aus.

Verwaltung

Die Herrschaftsgeschichte von Martha’s Vineyard ist geprägt von indigenen Wurzeln, kolonialen Ansprüchen und wechselnden Jurisdiktionen, bis die Insel endgültig Teil des US-Bundesstaats Massachusetts wurde. Vor der europäischen Kolonisation beherrschten die Wampanoag die Insel (von ihnen Noepe genannt) autonom, mit einer Gesellschaft, die auf Fischerei, Jagd und später Landwirtschaft basierte.

Die europäische Phase begann 1602, als der englische Entdecker Bartholomew Gosnold die Insel sichtete und sie „Martha’s Vineyard“ nannte – vermutlich nach seiner Tochter oder Schwiegertochter und den wilden Trauben. 1641 erwarb Thomas Mayhew senior aus Watertown (Massachusetts) die Rechte an Martha’s Vineyard, Nantucket und den Elizabeth Islands von englischen Adligen. Sein Sohn Thomas Mayhew junior gründete 1642 die erste Siedlung in Great Harbor (heute Edgartown). Mayhew senior wurde zum „Governor for Life“ ernannt und regierte patriarchalisch, mit guten Beziehungen zu den Wampanoag, denen er Landrechte weitgehend respektierte. Die Siedler lebten zunächst unter der Jurisdiktion der Massachusetts Bay Colony.

Ab 1664 fiel die Insel durch die Eroberung Neu-Amsterdams an die englische Krone und wurde Teil der Province of New York (unter dem Duke of York). Am 1. November 1683 wurde Dukes County, New York, gegründet, das Martha’s Vineyard, Nantucket und die Elizabeth Islands umfasste. Thomas Mayhew und seine Nachkommen blieben lokale Herrscher, mit weitgehender Autonomie. Am 8. Juli 1671 wurden die ersten Towns Edgartown und Tisbury (Vineyard Haven) als Teil von New York inkorporiert.

Der Wechsel zurück zu Massachusetts erfolgte nach der Glorious Revolution: Mit dem Zusammenbruch des Dominion of New England und der Neuorganisation der Province of Massachusetts Bay unter einer royal charter wurde Dukes County am 7. Oktober 1691 offiziell an Massachusetts übertragen. Nantucket wurde 1695 abgetrennt und eigenes County; Martha’s Vineyard blieb als Dukes County, Massachusetts, bestehen. Dies markiert den endgültigen Beitritt zur Jurisdiktion von Massachusetts, der bis heute anhält.

In der Kolonialzeit wuchs die Insel durch Walfang und Handel. Am 14. September 1695 wurde Chilmark als eigenständiger Town inkorporiert. Während der Amerikanischen Revolution (1775 bis 1783) litt die Insel unter britischer Besatzung (unter anderem 1778 durch General Charles Grey), blieb aber loyal zu den Kolonien. Nach der Unabhängigkeit 1783 wurde Martha’s Vineyard Teil des neuen Bundesstaats Massachusetts (ratifiziert 1788).

Im 19. Jahrhundert entstanden weitere Towns: West Tisbury (1892 abgetrennt von Tisbury), Cottage City (heute Oak Bluffs, inkorporiert am 17. Februar 1880, umbenannt 1907) und Gay Head (heute Aquinnah, lange separat, volle Town-Rechte im 19. Jahrhundert). Der Walfangboom (bis 1870) machte Orte wie Edgartown reich, gefolgt vom Tourismus ab den 1830er Jahren (Methodisten-Campmeetings in Oak Bluffs).

Im 20. Jahrhundert blieb die Verwaltung stabil: Sechs Towns unter Dukes County, mit der Martha’s Vineyard Commission (gegründet 1974 durch Akt vom 27. Juli 1974) als regionaler Planungsbehörde gegen Überentwicklung. 1977 gab es kurz eine Sezessionsbewegung wegen politischer Umverteilung, die aber scheiterte. Heute ist Martha’s Vineyard fest in Massachusetts integriert, mit starker lokaler Autonomie in den Towns und Fokus auf Naturschutz sowie Tourismus.


Herrschaftsgeschichte:

  • um -1000 bis 1641 Stammesgebiet der Wampanoag
  • 1641 bis 1664 Kolonie Massachusetts Bay (Massachusetts Bay Colony) des Königreichs England (Kingdom of England)
  • 1664 bis 1. November 1683 Provinz New York (Province of New York) des Königreichs England (Kingdom of England)
  • 1. November 1683 bis 7. Oktober 1691 Dukes County innerhalb der Provinz New York (Province of New York) des Königreichs England (Kingdom of England)
  • 7. Oktober 1691 bis 1. Mai 1707 Dukes County innerhalb der Provinz Massachusetts Bay (Province of Massachusetts Bay) des Königreichs England (Kingdom of England)
  • 1. Mai 1707 bis 1. Mai 1776 Dukes County innerhalb der Provinz Massachusetts Bay (Province of Massachusetts Bay) des Königreichs Großbritannien (Kingdom of Great Britain)
  • 1. Mai 1776 bis 16.Juni 1780 Dukes County im Staat Massachusetts Bay (State of Massachusetts Bay)
  • seit 16. Juni 1780 Dukes County innerhalb des Bundeststaates Massachusetts (Commonwealth of Massachusetts) der Vereinigten Staaten von Amerika (United States of America)

Legislative und Exekutive

Es gibt keine einheitliche Inselregierung, stattdessen besteht die lokale Verwaltung aus sechs unabhängigen Towns (Gemeinden): Aquinnah, Chilmark, Edgartown, Oak Bluffs, Tisbury (mit dem Hauptort Vineyard Haven) und West Tisbury. Diese Towns folgen dem typischen New England Town-System in Massachusetts, bei dem die Macht zwischen einer legislativen Versammlung (Town Meeting) und einer exekutiven Behörde (Select Board) aufgeteilt ist.

Die Basis bildet die lokale Gemeindeebene (town). Die Open Town Meeting ist das legislative Organ. Hier versammeln sich alle wahlberechtigten Bürger der Town periodisch (meist jährlich im Frühling, plus Sonderveranstaltungen), um direkt über den Haushalt, Bylaws (lokale Verordnungen), Schuldenaufnahme und andere wichtige Angelegenheiten abzustimmen. Dies ist eine Form der direkten Demokratie, die in Massachusetts für Towns charakteristisch ist. Die Town Meeting hat die höchste Autorität in lokalen Fragen. Das Select Board (früher Selectmen genannt) ist das chief executive Organ. Es besteht meist aus drei oder fünf gewählten Mitgliedern (staggered terms), die den täglichen Betrieb leiten, einen Town Administrator oder Manager ernennen (der die Verwaltung führt), Verträge abschließen, Lizenzen erteilen und die Beschlüsse der Town Meeting umsetzen. Das Select Board ist für die Verwaltung verantwortlich und dient als Policymaking-Gremium. Zusätzlich gibt es gewählte oder ernannte Boards für spezifische Bereiche wie Schulen, Planung oder Zoning.

Zur Koordination regionaler Angelegenheiten, insbesondere Landnutzung, Umweltschutz und Entwicklung, existiert die Martha's Vineyard Commission (gegründet 1974 durch ein spezielles Gesetz des Staates Massachusetts). Sie besteht aus 21 Mitgliedern: Teils gewählt (island-wide), teils ernannt von den Towns, dem County und dem Gouverneur. Die MVC hat quasi-legislative und regulative Befugnisse, zum Beispiel die Überprüfung größerer Entwicklungsprojekte (Developments of Regional Impact). Sie schützt natürliche, historische und kulturelle Werte der Insel und ist als "municipal agency" klassifiziert.

Martha's Vineyard bildet den Großteil des Dukes County (der Rest ist Gosnold/Cuttyhunk und Elizabeth Islands). Die County Commissioners (7 Mitglieder, at-large gewählt, maximal 2 pro Town, 2-jährige Amtszeit) bilden das legislative Organ. Sie setzen County-Politiken fest. Ein ernannter County Manager leitet die Verwaltung (County Manager Plan gemäß Massachusetts General Laws). Der County übernimmt regionale Dienste wie Gesundheit, Notfallmanagement, Flughafen und Registry of Deeds. Die County-Regierung ist relativ schlank und ergänzt die Town-Strukturen, ohne sie zu überlagern.

Inseloberhaupt

Martha's Vineyard hat keinen einzelnen Bürgermeister oder eine zentrale Insel-Regierung, wie es in vielen Städten oder Regionen üblich ist. Die Insel besteht aus sechs unabhängigen Towns (Aquinnah, Chilmark, Edgartown, Oak Bluffs, Tisbury/Vineyard Haven und West Tisbury), die jeweils autonom verwaltet werden. Jede Town hat ein Select Board (früher Board of Selectmen), das als exekutives Gremium fungiert und meist aus drei oder fünf gewählten Mitgliedern besteht. Der Chair (Vorsitzende) dieses Boards leitet die Sitzungen und vertritt die Town nach außen – er ist das nächstliegende Äquivalent zu einem Bürgermeister auf lokaler Ebene.

Für inselweite Themen (zum Beispiel Planung, Umweltschutz, Entwicklung) gibt es die Martha's Vineyard Commission (MVC),  eine 21-köpfige regionale Behörde mit gewählten, ernannten und ex-officio-Mitgliedern. Der Chair (Vorsitzende) der MVC repräsentiert die Insel in regionalen Fragen (aktuell Peter Wharton, Stand 2025). Die MVC ist die nächstliegende "inselweite Stimme", aber keine voll exekutive Regierung.

Politische Gruppierungen

Auf Martha’s Vineyard ist die politische Landschaft klar von den Demokraten geprägt. Die Insel gilt seit Jahrzehnten als eine der liberalsten und progressivsten Regionen im Bundesstaat Massachusetts und auch im Vergleich zum übrigen Neuengland. Bei Präsidentschafts-, Kongress- und Gouverneurswahlen erzielen demokratische Kandidatinnen und Kandidaten hier regelmäßig sehr hohe Stimmenanteile, oft deutlich über dem Landesdurchschnitt.

Die Republikanische Partei ist zwar präsent, spielt politisch jedoch eine deutlich kleinere Rolle. Ihre Anhängerschaft ist vor allem unter einigen ganzjährigen Bewohnern, Teilen der Geschäftswelt und älteren Einwohnern zu finden, bleibt zahlenmäßig aber klar in der Minderheit. Entsprechend gewinnen republikanische Kandidaten auf der Insel nur selten Wahlen, selbst dann nicht, wenn sie landesweit erfolgreich sind.

Neben den beiden großen Parteien gibt es auf Martha’s Vineyard auch unabhängige Wählerinnen und Wähler sowie Sympathien für kleinere Parteien oder Bewegungen, etwa die Green Party. Umwelt- und Naturschutzthemen, nachhaltige Entwicklung, soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung spielen im politischen Diskurs der Insel eine besonders wichtige Rolle und prägen das Wahlverhalten stark.

Die lokale Politik ist insgesamt stark gemeindeorientiert und weniger parteipolitisch konfrontativ. Entscheidungen werden häufig auf kommunaler Ebene getroffen, etwa in Town Meetings oder Gemeinderäten, wobei Konsens, Bürgerbeteiligung und pragmatische Lösungen im Vordergrund stehen.

Justizwesen und Kriminalität

Martha's Vineyard, als Teil des Dukes County in Massachusetts, verfügt über ein kompaktes, aber effizientes Justizsystem, das eng mit dem des Bundesstaates verknüpft ist. Das zentrale Gerichtsgebäude ist das historische Dukes County Courthouse in Edgartown (81 Main Street), das mehrere Instanzen beherbergt. Die Strafverfolgung erfolgt dezentral durch lokale Polizeikräfte und den County Sheriff. Die Insel gilt trotz saisonaler Bevölkerungsschwankungen (bis zu 200.000 im Sommer) als eine der sichersten Regionen in den USA, mit niedrigen Kriminalitätsraten, die unter dem nationalen Durchschnitt liegen. Gewaltkriminalität ist selten, während Eigentumsdelikte und drogenbezogene Vorfälle dominieren.

Die Polizeiarbeit ist auf die sechs Towns verteilt. Jede Town (Aquinnah, Chilmark, Edgartown, Oak Bluffs, Tisbury/Vineyard Haven und West Tisbury) unterhält eine eigene Police Department. Das Dukes County Sheriff's Office (unter Sheriff Robert Ogden) koordiniert regionale Aufgaben, betreibt das Dukes County Jail & House of Correction in Edgartown (das einzige Gefängnis der Insel) und unterstützt bei Notfällen, Transporten und Personalmangel. Ergänzend wirken die Massachusetts State Police und bundesbehördliche Einheiten wie ICE, FBI oder DEA bei speziellen Operationen.

Herausforderungen umfassen Personalmangel durch hohe Lebenshaltungskosten und Rentenwellen. Kooperationen existieren zum Beispiel in der Martha’s Vineyard Drug Task Force. Im Jahr 2025 gab es bemerkenswerte bundesweite Einsätze: Im Mai führte ICE mit Unterstützung von FBI und DEA zu etwa 40 Festnahmen von Immigranten (hauptsächlich aus Brasilien), darunter Personen mit Vorstrafen; dies löste Kontroversen in der Community aus.

Alle wesentlichen Gerichte sind im Dukes County Courthouse in Edgartown konzentriert:

  • Edgartown District Court: Bearbeitet die Mehrheit der Fälle – Misdemeanors (leichte Straftaten), kleinere Felonies, Zivilsachen, Verkehrsdelikte, Vorverhandlungen und Jugendstrafsachen. Es gibt spezialisierte Programme wie einen Adult Drug Court (Recovery Court seit 2024) für suchtbedingte Delikte.
  • Dukes County Superior Court: Zuständig für schwere Straftaten (Felonies wie Mord oder Raub), größere Zivilsachen und Berufungen.
  • Weitere Abteilungen: Probate and Family Court (Erbschaft, Familie, Adoptionen) und Juvenile Court.


Die Staatsanwaltschaft obliegt der Cape and Islands District Attorney's Office, die Dukes County, Barnstable und Nantucket abdeckt. Alternativen wie das Martha’s Vineyard Mediation Program bieten außergerichtliche Lösungen.

Martha's Vineyard weist eine niedrige Kriminalitätsrate auf. Die Gewaltkriminalität liegt deutlich unter dem US-Durchschnitt. Häufige Delikte sind Eigentumsdiebstähle, Einbrüche, Drogenbesitz (Opioide, trotz niedrigerer Raten als im Staatsdurchschnitt), Verkehrsverstöße und saisonale Vorfälle wie Trunkenheit am Steuer. Dukes County rangiert in Sicherheitsrankings hoch (zum Beispiel safer than 66 bis 75 % der US-Regionen), die Gesamtrate liegt bei zirka 29 Delikten pro 1.000 Einwohner. Zwei der jüngsten Ereignisse: Im Dezember 2025 erhielt eine Select Board-Mitgliederin aus Tisbury eine Vorladung wegen Einbruchs in ein Schiff der Steamship Authority. Die ICE-Operationen im Mai 2025 rüttelten an der Community, da viele Betroffene in lokalen Branchen (unter anderem Bau, Dienstleistungen) arbeiteten.

Hauptstadt

Martha's Vineyard hat keine eigenständige Hauptstadt im klassischen Sinne, da die Insel keine einheitliche Stadt oder Gemeinde bildet, sondern aus sechs unabhängigen Towns (Aquinnah, Chilmark, Edgartown, Oak Bluffs, Tisbury und West Tisbury) besteht. Die Insel gehört größtenteils zum Dukes County in Massachusetts (der Rest umfasst die Elizabeth Islands und kleinere Inseln). Die Verwaltungshauptstadt (County Seat) dieses Countys ist Edgartown, wo das Dukes County Courthouse, das Registry of Deeds und andere county-weite Einrichtungen angesiedelt sind.

Edgartown ist seit der Gründung des Countys der County Seat und gilt daher als administratives Zentrum der Insel. Die erste europäische Siedlung auf Martha's Vineyard entstand 1642 genau hier und hieß zunächst Great Harbor. Sie war die älteste und wichtigste Ansiedlung, in der Thomas Mayhew Jr. mit englischen Familien ankam. 1671 wurde der Ort offiziell als Town inkorporiert und in Edgartown umbenannt (nach Edgar, dem Sohn von James II., der den Titel Duke of Cambridge trug).

Der County selbst wurde 1683 als Dukes County, New York gegründet (benannt nach James, Duke of York), umfasste damals Martha's Vineyard, Nantucket und die Elizabeth Islands. 1691 wurde er an die Province of Massachusetts Bay übertragen, und Nantucket wurde abgetrennt. Seit dieser Zeit – also über 330 Jahre – ist Edgartown der unveränderte County Seat. Es gab keine Wechsel zu anderen Towns wie Vineyard Haven (Tisbury) oder Oak Bluffs, obwohl diese heute wichtige Häfen und touristische Zentren sind. Der Grund liegt in der historischen Bedeutung: Edgartown war nicht nur die erste Siedlung, sondern auch ein Zentrum des Walfangs im 19. Jahrhundert, was zu Wohlstand und der Errichtung zentraler Institutionen führte. Heute beherbergt Edgartown das historische Courthouse, das alle Gerichte der Insel vereint, und symbolisiert damit die administrative „Hauptstadt“ von Martha's Vineyard. Andere Towns wie Vineyard Haven (Tisbury) dienen als primärer Fährhafen, und Oak Bluffs als touristisches Zentrum, doch Edgartown bleibt das offizielle Verwaltungszentrum des Dukes County.

Verwaltungsgliederung

Martha’s Vineyard umfasst sechs der sieben Gemeinden des Dukes County (Aquinnah, Chilmark, Edgartown, Oak Bluffs, Tisbury, West Tisbury). Die Gemeinde Chilmark schließt auch die weiter südlich gelegene unbewohnte Insel Nomans Land ein. Zum Hauptort Edgartown gehört die unmittelbar östlich benachbarte Insel Chappaquiddick. Die Gemeinden dses Dukes County - Martha’s Vineyard mit Gosnold - sind.

Towns Landfläche (km²) Wasserfläche (km²) Einwohner 2020
Aquinnah 13,81 97,7 439
Chilmark 49,30 210,5 1.212
Edgartown 69,45 248,0 5.168
Gosnold 34,15 0,0 70
Oak Bluffs 18,87 48,1 5.341
Tisbury 16,88 32,6 4.815
West Tisbury 64,83 43,3 3.555


           Verwaltungseinheiten:

           6 towns (Gemeinden)

Bevölkerung

Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 234,3 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1765                 2 719             11,60

           1790                 3 245             13,85

           1800                 3 118             13,31

           1810                 3 290             14,04

           1820                 3 292             14,05

           1830                 3 517             15,01

           1840                 3 958             18,89

           1850                 4 540             19,38

           1860                 4 403             18,79

           1870                 3 787             16,16

           1880                 4 300             18,35

           1890                 4 369             18,65

           1900                  4 397             18,77

           1910                 4 561             19,47

           1930                  4 823             20,58

           1940                  5 533             23,62

           1950                  5 526             23,59

           1960                  5 763             23,69

           1970                  6 034             25,75

           1980                  8 879             37,90

           1990                11 541             49,26

           1996                14 366             61,31

           1999                14 729             62,86

           2000                14 901             63,60

           2001                15 100             64,45

           2002                15 300             65,30

           2003                15 500             66,15

           2004                15 582             66,50

           2005                15 700             67,00

           2006                15 900             67,85

           2007                16 100             68,70

           2008                16 250             69,36

           2009                16 460             70,25

           2010                16 535             70,57

           2011                16 800             71,70

           2012                17 200             73,40

           2013                17 600             75,11

           2014                18 000             76,82

           2015                18 400             78,53

           2016                18 800             80,24

           2017                19 200             81,95

           2018                19 600             83,65

           2019                20 000             85,36

           2020                20 530             87,62

           2021                20 600             87,92

           2022                20 650             88,13

           2023                20 700             88,35


Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 3,391 % pro Jahr. Laut der Volkszählung des Jahres 2000 lebten im Dukes County 14.987 Einwohner in 6.421 Haushalten und 3.788 Familien.

Volksgruppen

Die Insel hat eine lange Geschichte indigener Besiedlung, europäischer Kolonisation und neuerer Einwanderungswellen. Die Demografie unterscheidet sich stark zwischen ganzjährigen Bewohnern und der Sommerbevölkerung, die auf über 200.000 anwächst und prominente Persönlichkeiten (darunter viele afroamerikanische Celebrities und Politiker wie die Obamas) anzieht.

Die indigene Bevölkerung sind die Wampanoag, die die Insel seit mindestens 10.000 Jahren bewohnen und sie „Noepe“ nannten. Die Wampanoag Tribe of Gay Head (Aquinnah) ist der einzige föderal anerkannte Stamm auf der Insel, mit rund 300 Mitgliedern vor Ort (insgesamt rund 2.000). Sie konzentrieren sich in Aquinnah, wo sie kulturelle Traditionen wie Powwows pflegen und Landrechte wahrnehmen.

Die größte Einwanderergruppe sind Brasilianer, die seit den 1980er Jahren kommen und oft in Dienstleistungsberufen (Bau, Gastronomie, Landschaftspflege) arbeiten. Sie machen schätzungsweise 15 bis 20 % der ganzjährigen Bevölkerung aus (3.000 bis 4.000 Personen), viele werden in offiziellen Statistiken als „weiß“ oder „hispanisch“ gezählt, was ihre Zahl unterschätzt. Die brasilianische Community ist eng vernetzt und prägt das Alltagsleben stark.

Eine besondere Rolle spielt die afroamerikanische Community, historisch verwurzelt in Oak Bluffs. Seit dem 19. Jahrhundert war die Insel ein Zufluchtsort für Afroamerikaner, mit den ikonischen Gingerbread Cottages als Zentrum schwarzer Sommerfrische. Ganzjährig leben 3 bis 5 % Afroamerikaner auf der Insel, im Sommer steigt der Anteil durch prominente Besucher stark an – Oak Bluffs gilt als „Black Elite“-Treffpunkt.

Die Mehrheit (80 bis 85 %) ist weißer Herkunft (meist englischstämmige Nachfahren der Kolonisten), ergänzt durch kleinere Gruppen wie Asiaten (1 bis 8 %, je nach Ort) und Mischlinge. Die Insel ist tolerant und inklusiv: Von indigener Präsenz über brasilianische Vitalität bis hin zu afroamerikanischer Tradition spiegelt die Bevölkerung eine Mischung aus Geschichte, Einwanderung und saisonaler Vielfalt wider.

Wampanoag

Die Wampanoag, deren Name „Wôpanâak“ oder „People of the First Light“ („Volk des ersten Lichts“) bedeutet, sind ein indigenes Volk der Algonkin-Sprachfamilie, das seit Tausenden von Jahren im Südosten des heutigen Massachusetts, auf Rhode Island sowie auf den Inseln Martha's Vineyard und Nantucket lebt. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung ihres Territoriums bereits vor mindestens 12.000 Jahren. Vor der Ankunft der Europäer lebten schätzungsweise 40.000 bis 100.000 Wampanoag in einem Netzwerk von Dörfern und Stämmen, die durch gemeinsame Sprache, Kultur und Verwandtschaftsbeziehungen verbunden waren.

Die Stammesangehörigen lebten halbnomadisch: Im Sommer pflanzten sie Mais, Bohnen und Kürbisse (die „Three Sisters“), jagten und sammelten, im Herbst und Winter zogen sie an die Küste, um zu fischen, Muscheln zu ernten und Wale zu jagen. Ihre Gesellschaft war matrilinear organisiert – Abstammung und Erbrecht verliefen über die mütterliche Linie. Politisch wurden sie von Sachems (Häuptlingen) geführt, deren Macht jedoch auf Konsens und Beratung durch Ratgeber beruhte. Berühmte Sachems waren Massasoit (Ousamequin), der 1621 den Friedensvertrag mit den Pilgern von Plymouth schloss, und sein Sohn Metacom (King Philip), der 1675/76 den King Philip’s War gegen die englischen Kolonisten anführte.

Der Kontakt mit Europäern brachte katastrophale Folgen: Zwischen 1616 und 1619 rafften eingeschleppte Krankheiten wie Pocken bis zu 90 % der Wampanoag-Bevölkerung dahin. Die überlebenden Gemeinschaften wurden zunehmend von Landverlust, Zwangsmissionierung und Assimilation bedroht. Dennoch gelang es einzelnen Gruppen, ihre Identität zu bewahren. Heute gibt es mehrere föderal und bundesstaatlich anerkannte Wampanoag-Stämme:

  • Die Wampanoag Tribe of Gay Head (Aquinnah) auf Martha's Vineyard, seit 1987 föderal anerkannt.
  • Die Mashpee Wampanoag Tribe auf Cape Cod, seit 2007 föderal anerkannt.


Weitere Gruppen wie die Assonet, Herring Pond und Pocasset Wampanoag, die teilweise nur bundesstaatlich anerkannt sind. Insgesamt identifizieren sich heute etwa 4.000 bis 5.000 Menschen als Wampanoag. Viele leben in ihren traditionellen Gebieten, andere in städtischen Zentren.

Kulturell erleben die Wampanoag seit den 1990er Jahren eine starke Renaissance. Zentral ist die Wiederbelebung der Wôpanâak-Sprache durch das Wôpanâak Language Reclamation Project, das als weltweit erstes erfolgreiches Beispiel einer „schlafenden“ Sprache gilt, die ohne lebende Muttersprachler wieder zum Leben erweckt wurde. Traditionelle Praktiken wie der Anbau der Three Sisters, das Herstellen von Wampum (Muschelperlen als Währung und zeremonieller Schmuck), Powwows, Tänze und das Feuermachen mit dem Feuerbohrer werden aktiv gepflegt.

Die Wampanoag spielen eine wichtige Rolle in der Erzählung der amerikanischen Geschichte: Das erste Thanksgiving 1621 war ein Erntedankfest mit Massasoit und den Pilgern. Gleichzeitig erinnern sie an die oft übersehene Perspektive der indigenen Völker auf Kolonisation, Landraub und Widerstand. Heute setzen sie sich für Landrechte, Umweltschutz (insbesondere der Küste und Feuchtgebiete), kulturelle Souveränität und Bildung ein.

Sprachen

Die dominante Sprache ist heute amerikanisches Englisch, das von der Mehrheit der rund 20.000 ganzjährigen Bewohner gesprochen wird. Die Insel zeichnet sich jedoch durch eine bemerkenswerte Vielfalt aus. bis zum 17. Jahrhundert war die Insel Heimat der Wampanoag, die sie „Noepe“ nannten. Ihre Sprache, Wôpanâak (auch Massachusett genannt), eine algonkinische Sprache, war bis ins 19. Jahrhundert verbreitet, starb dann aber aus. Seit 1993 läuft ein erfolgreiches Revitalisierungsprojekt (Wôpanâak Language Reclamation Project), das die Sprache wiederbelebt – heute wird sie in Kursen, Zeremonien und von der Wampanoag Tribe of Gay Head (Aquinnah) gepflegt.

Ein Highlight der Inselgeschichte ist die Martha's Vineyard Sign Language (MVSL), eine eigenständige Gebärdensprache, die vom frühen 18. Jahrhundert bis 1952 verwendet wurde. Aufgrund erblicher Taubheit (besonders in Chilmark) lernten sowohl taube als auch hörende Bewohner diese Sprache – sie war alltäglich in Gesprächen, auf Feldern oder in der Kirche. MVSL beeinflusste maßgeblich die Entwicklung der American Sign Language (ASL). Die letzte native Sprecherin starb 1952, doch es gibt Bemühungen, das Erbe durch Projekte und ASL-Kurse wiederzubeleben.

Wôpanâak

Wôpanâak, auch bekannt als Massachusett oder Wampanoag-Sprache, ist eine algonkinische Sprache aus der Familie der östlichen Algonkin-Sprachen, die ursprünglich von den Wampanoag und benachbarten Stämmen in Südost-Massachusetts, einschließlich Martha's Vineyard und Nantucket, gesprochen wurde. Der Name „Wôpanâak“ bedeutet wörtlich „Sprache der Menschen des ersten Lichts“ oder „Sprache der Östlichen“, da „wôpan“ für „Osten“ oder „Morgenröte“ steht. Sie gilt als eine der am besten dokumentierten indigenen Sprachen Nordamerikas, da sie im 17. Jahrhundert von Missionaren wie John Eliot schriftlich festgehalten wurde – darunter die erste Bibelübersetzung in eine indigene Sprache Amerikas (1663), bekannt als die „Eliot Indian Bible“.

Die Sprache starb im 19. Jahrhundert aus: Der letzte muttersprachliche Sprecher starb um 1890, und für über 150 Jahre gab es keine fließenden Sprecher mehr. Dies war eine Folge der Kolonisation, Zwangsassimilation und dem Verlust kultureller Traditionen. Dennoch überlebten umfangreiche Dokumente: Bibelübersetzungen, Briefe, Testamente, Urkunden und Petitionen, die von Wampanoag selbst in ihrer Sprache verfasst wurden. Wôpanâak war die erste indigene Sprache Amerikas, die ein alphabetisches Schriftsystem erhielt, das von Eliot entwickelt und von den Indigenen schnell angenommen wurde.

Seit 1993 wird die Sprache durch das Wôpanâak Language Reclamation Project (WLRP) revitalisiert, ein inter-tribales Projekt der Mashpee, Aquinnah, Assonet und Herring Pond Wampanoag. Initiiert wurde es von Jessie Little Doe Baird, einer Linguistin der Mashpee Wampanoag, die durch wiederkehrende Träume von ihren Vorfahren motiviert wurde. Baird studierte Algonkin-Linguistik am MIT, rekonstruierte Grammatik, Aussprache und Vokabular anhand historischer Texte und Vergleichen mit verwandten lebenden Sprachen wie Cree, Ojibwe oder Blackfoot. Sie erhielt 2010 den MacArthur Genius Award für ihre Arbeit. Das Projekt gilt als weltweit erstes erfolgreiches Beispiel einer Sprachwiederbelebung ohne lebende Muttersprachler.

Heute gibt es ein Wörterbuch mit über 12.000 Einträgen, Grammatikbücher, Lehrmaterialien und Immersionsprogramme. Es werden Kurse für Erwachsene und Kinder angeboten, Immersionsschulen (wie die Mukayuhsak Weekuw, ein Montessori-ähnliches Programm), Sommercamps und sogar Kurse an Highschools (unter anderem in Mashpee). Kinder wachsen teilweise als Muttersprachler auf – die ersten seit über einem Jahrhundert. Die Sprache wird in Zeremonien, Gebeten und Alltag verwendet und stärkt die kulturelle Identität, Souveränität und intergenerationelle Heilung der Wampanoag.

Linguistisch ist Wôpanâak polysynthetisch: Wörter sind oft komplex und enthalten viele Morpheme, die Sätze bilden können. Sie hat eine reiche Verbkonjugation mit Modien für Person, Zahl, Animation (belebt/unbelebt) und Aspekte. Typisch für Algonkin-Sprachen sind animierte und inanimierte Nomen, Obviation (Unterscheidung naher und ferner Drittpersonen) und eine Wortstellung, die flexibel ist. Die moderne Orthografie verwendet das lateinische Alphabet mit Diakritika (z. B. ô für einen langen o-Laut), ohne c (außer in ch), und betont Nasallaute sowie Konsonantenhäufungen.

Wôpanâak ist mehr als eine Sprache: Sie verkörpert die Weltanschauung der Wampanoag, ihre Verbindung zur Land, zur Schöpfung und zu den Ahnen. Durch die Revitalisierung lebt sie wieder auf und trägt zur Erhaltung indigener Kulturen bei.

Martha’s Vineyard Sign Language

Martha’s Vineyards Gebärdensprache, englisch Martha’s Vineyard Sign Language, ist eine heute nicht mehr gebrauchte Gebärdensprache, die sich auf der Insel Martha’s Vineyard entwickelt. Die Bevölkerung auf Martha’s Vineyard hatte im 18. und 19. Jahrhundert einen vergleichsweise hohen Anteil an Gehörlosen, die durch genetische Eigenschaften einer Einwanderergruppe aus dem kentischen Weald (Deutsch: Wald, wie in Frankenwald, Bayerischer Wald) in England entstand. Zeitweilig war dort einer von 155 Einwohnern taub, im Vergleich zu einem Durchschnitt von 1:1000 in den USA. In der Ortschaft Chilmark war sogar jeder vierte Einwohner gehörlos. Dadurch kam es hier zur ausgedehnten Verbreitung der Gebärdensprache seit etwa 1700 bis ins frühe 20. Jahrhundert. Fast alle Einwohner von Martha’s Vineyard beherrschten diese Gebärdensprache mehr oder minder gut.

Die spezielle Ausformung dieser Gebärdensprache war ursprünglich die des Weald und entwickelte sich in der Abgeschlossenheit der Insel zu einer eigenen Martha’s-Vineyard-Form. Als Thomas Hopkins Gallaudet und der gehörlose Franzose Laurent Clerc 1817 die erste Schule für Taube in Hartford im benachbarten Staat Connecticut gründeten, wurde Martha’s Vineyards Gebärdensprache zusammen mit der französischen Gebärdensprache eine der Grundlagen für die Entwicklung der heute gebräuchlichen Amerikanischen Gebärdensprache (American Sign Language, ASL).

Die letzte bekannte Person, die diese Gebärdensprache beherrschte, starb 1952. Als 1970 eine Doktorandin der Brown University die Insel besuchte und die Gebärdensprache erforschen wollte, stellte sie fest, dass schon damals ein Großteil der Sprache verloren war, da keine Aufzeichnungen existierten.

Religion

Die Insel war ursprünglich von den Wampanoag bewohnt, deren naturverbundene Spiritmualität das ursprüngliche religiöse Leben prägte. Mit der Ankunft europäischer Siedler im 17. Jahrhundert begann die Christianisierung. Thomas Mayhew Jr. missionierte ab den 1640er Jahren erfolgreich unter den Wampanoag und gründete 1642 die erste Kirche auf der Insel, die Vorläuferin der heutigen Federated Church in Edgartown – der ältesten noch genutzten Kirche auf Martha's Vineyard. Diese friedliche Koexistenz ohne größere Konflikte zwischen Siedlern und Indigenen ist einzigartig in der kolonialen Geschichte Neuenglands.

Im 19. Jahrhundert prägte der Methodismus die Insel stark. Ab 1835 fanden in Oak Bluffs jährliche Camp Meetings statt – revivalistische Versammlungen unter freiem Himmel, die Tausende anzogen. Daraus entstand die Martha's Vineyard Camp Meeting Association (MVCMA), ein National Historic Landmark mit dem ikonischen Tabernacle und über 300 farbenfrohen „Gingerbread Cottages“. Diese methodistische Tradition entwickelte sich zu einem interdenominationalen Zentrum und ist bis heute ein kulturelles und religiöses Herzstück der Insel, besonders im Sommer mit Gottesdiensten und Veranstaltungen.

Die religiöse Landschaft ist vorwiegend christlich geprägt: Es gibt zahlreiche protestantische Kirchen wie Baptistengemeinden (unter anderem First Baptist Church in Vineyard Haven), episkopale (Grace Episcopal Church), unitarische und methodistische Gemeinden. Katholische Gottesdienste werden in der Good Shepherd Parish gefeiert, die mehrere Kirchen umfasst. Die Insel hat auch eine kleine, aber aktive jüdische Gemeinde: Das Martha’s Vineyard Hebrew Center in Vineyard Haven dient seit den 1930er Jahren als Zentrum für Shabbat-Gottesdienste, Feiertage und kulturelle Veranstaltungen; es gibt zudem Chabad-Angebote. Buddhistische Meditationen finden im Bodhi Path Buddhist Center in West Tisbury statt.

Judentum

Die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft auf der Martha's Vineyard begann im frühen 20. Jahrhundert mit osteuropäischen Immigranten, die trotz der insularen Abgeschiedenheit eine lebendige Tradition aufbauten. Heute ist sie eine Mischung aus year-round Bewohnern, saisonalen Sommergästen (darunter prominente Persönlichkeiten wie Alan Dershowitz) und Besuchern, die durch zwei Hauptinstitutionen verbunden werden: den progressiven Martha’s Vineyard Hebrew Center und das orthodoxe Chabad on the Vineyard. Die Community betont Inklusion, kulturelle Vielfalt und Tikkun Olam (Weltverbesserung), während sie mit der saisonalen Schwankung der Inselbevölkerung (von ca. 20.000 im Winter auf über 200.000 im Sommer) umgeht.

Die Wurzeln reichen bis 1905/11 zurück, als Samuel Cronig, ein 17-jähriger litauischer Immigrant, als erster bekannter Jude auf die Insel kam. Er arbeitete auf einer Farm, sparte Geld und holte bis 1917 seine Familie nach, darunter Brüder und seine spätere Frau Libby. Bald folgten Familien wie die Brickmans (1913/15), Issoksons und andere, die kleine Geschäfte gründeten – darunter Cronig’s Market, das bis heute existiert. Diese Pioniere waren zunächst orthodox, hielten Kosher, feierten Feiertage privat und kämpften mit der Isolation: Keine Synagoge, keine koscheren Lebensmittel, weite Wege zum Festland. Dennoch integrierten sie sich in die Inselgesellschaft, wurden in Vereinen aktiv und gründeten 1940 die Martha’s Vineyard Hebrew Center als formelle Gemeinde. Die Ausrichtung wandelte sich von orthodox über konservativ zu reform (heute affiliert mit der Union for Reform Judaism), um inklusiver zu sein.

Der Martha’s Vineyard Hebrew Center (MVHC) in Vineyard Haven bleibt das spirituelle und kulturelle Zentrum. Seit über 85 Jahren dient er als Synagoge für progressive Juden, mit Shabbat-Services, High Holiday-Feiern, religiöser Schule, Adult Education und dem Summer Institute (Vorträge, Filme zu jüdischen Themen). Unter Rabbi Caryn Broitman (seit 2003) ist er offen für alle Hintergründe – traditionell, liberal, säkular oder interfaith. Der MVHC hat ca. 300–350 Mitgliedsfamilien und betont soziale Gerechtigkeit, Community-Service und kulturelle Events. 2024/25 publizierte Rabbi Broitman Artikel zu Chanukka und Tisha B’Av, die Themen wie Liebe, Gerechtigkeit und Trauma aufgreifen.

Seit 2021/22 ergänzt Chabad on the Vineyard (gegründet von Rabbi Tzvi und Hadassah Alperowitz) das Angebot. Als orthodoxer, aber offener Ansatz richtet es sich an alle Juden unabhängig von Observanz oder Politik. Chabad organisiert Shabbat-Dinners, Torah-Klassen, Kinderprogramme (zum Beispiel Mini Camp Gan Israel, Alef Art Club), Feiertagsfeiern und das jährliche Jewish Culture Festival (2025 am 5. August in West Tisbury mit jüdischem Essen, Musik, Kunst und Panels – offen für alle). Es finanziert sich lokal und zieht besonders solche an, die traditionellere Elemente suchen. Prominente Unterstützer wie Alan Dershowitz leihen sogar Torah-Rollen aus.

Die jüdische Gemeinschaft ist gewachsen, insbesondere seit der Coronazeit, als viele Sommergäste dauerhaft blieben. Events wie das Jewish Culture Festival (mit Künstlern wie Matisyahu) oder Vorträge zu Antisemitismus und Israel stärken den Zusammenhalt. Historische Ausstellungen, unter anderem im Martha’s Vineyard Museum („They Planted the Seeds“), erinnern an die Pioniere.

Siedlungen

Die sechs Ortschaften der Insel sind:

  • Tisbury mit dem Vineyard Haven und der West Chop Peninsula.
  • Edgartown, bekannt als Walfängersiedlung.
  • Oak Bluffs mit East Chop peninsula, Lagoon Heights und Harthaven, das Touristenzentrum der Insel.
  • West Tisbury, die „Bauernsiedlung“ von Martha’s Vineyard.
  • Chilmark mit dem Fischerdorf Menemsha, das einzige hügelige Gebiet der Insel.
  • Aquinnah, ehemals Gay Head, Heimat des Wampanoag Stammes, mit den berühmten Gay Head Cliffs.


Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:

Town 1900 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 Z 2000 S 2007 Z 2010 Z 2020
Aquinnah 173 151 127 88 103 118 220 201 340 315 305 439
Chilmark 324 252 226 183 238 340 489 650 852 963 870 1.212
Edgartown 1 209 1 276 1 370 1 508 1 474 1 481 2 204 3 062 3.773 3 920 4.067 5.168
Gosnold 86 80 75 70
Oak Bluffs 1 100 1 333 1 584 1 521 1 419 1 385 1 984 2 804 3.789 3.735 4.524 5.341
Tisbury 1 149 1 541 1 966 1 930 2 169 2 257 2 971 3 120 3.696 3.805 3.949 4.815
West Tisbury 442 270 260 260 360 453 1 010 1 704 2.465 2.628 2.745 3.555
insgesamt 4 397 4 823 5 533 5 526 5 763 6 034 8 879 11 541 14.987 15.446 16.535 20.600


Die bevölkerungsreichste Town ist Oak Bluffs mit etwa 5.341 ganzjährigen Einwohnern. Diese lebendige Gemeinde im Nordosten der Insel ist ein klassischer Sommerort, der für seine bunten viktorianischen „Gingerbread Cottages“ berühmt ist – über 300 dieser märchenhaften, reich verzierten Holzhäuschen umgeben den historischen Methodistencampground aus dem 19. Jahrhundert, der einst als Zeltlager für religiöse Erweckungsversammlungen diente. Oak Bluffs hat eine reiche afroamerikanische Geschichte und war ein wichtiger Ort für die Black Community im Norden der USA; der Strandabschnitt „Inkwell Beach“ wurde so genannt und später stolz als Symbol übernommen. Der Hafen ist im Sommer belebt, es gibt ein altes Karussell (das Flying Horses Carousel, das älteste der USA), zahlreiche Restaurants, Bars, Geschäfte und Festivals wie das Martha's Vineyard African American Film Festival. Im Gegensatz zu manchen anderen Towns ist Oak Bluffs „wet“, d.h. Alkohol wird frei verkauft, was zur lebhaften Nachtszene beiträgt. Strände wie Joseph Sylvia State Beach (mit der berühmten „Jaws Bridge“ aus dem Spielberg-Film) ziehen Familien und Wassersportler an.

Edgartown ist die flächenmäßig größte Town der Insel. Edgartown strahlt den eleganten, historischen Charme eines ehemaligen Walfangzentrums aus: Breite, baumgesäumte Straßen mit prächtigen weißen Kapitänshäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert, griechisch-revivalistischen Villen, gepflegten Gärten und einer ikonischen weißen Kirche mit hohem Turm prägen das Bild. Als County-Sitz beherbergt es das Gerichtsgebäude und ist bekannt für seine gehobene Atmosphäre mit Boutiquen, Galerien, feinen Restaurants und dem malerischen Hafen voller Yachten. Edgartown umfasst auch die separate Insel Chappaquiddick (verbunden per Fähre), berühmt-berüchtigt durch den Vorfall von 1969 mit Ted Kennedy, sowie den langen South Beach (Katama Beach) am Atlantik mit starken Wellen, ideal zum Surfen. Der Edgartown Lighthouse und der Naturbereich um den Katama Bay bieten ruhige Spaziergänge. Wie Oak Bluffs ist Edgartown „wet“ und ein Magnet für wohlhabende Sommergäste und Prominente.

Die drittgrößte ist die Town Tisbury, deren Hauptort allgemein als Vineyard Haven bekannt ist. Als primäres ganzjähriges Fährtor der Insel (Steamship Authority) ist Vineyard Haven das praktische und kulturelle Zentrum: Der geschäftige Hafen mit Fähren, Fischerbooten und Yachthäfen bildet das Herz, umgeben von einer Hauptstraße mit unabhängigen Geschäften, Cafés, Buchläden, Restaurants und dem Martha's Vineyard Museum, das die Inselgeschichte anschaulich darstellt. Die Atmosphäre ist maritim und künstlerisch geprägt – hier finden sich Theater wie das Vineyard Playhouse, Galerien und Veranstaltungen das ganze Jahr über. Vineyard Haven ist „wet“ und bietet Strände wie Owen Park Beach direkt am Hafen sowie den West Chop Lighthouse. Im Vergleich zu den anderen Down-Island-Towns wirkt es etwas entspannter und weniger touristisch überlaufen, eignet sich aber hervorragend als Ausgangspunkt für Erkundungen.

West Tisbury ist eine ländliche Up-Island-Town mit landwirtschaftlichem Umland. Weite Felder, Farmen, Wälder, Teiche und Steinmauern prägen die Landschaft. Hier findet jährlich im August die beliebte Martha's Vineyard Agricultural Fair statt – ein Highlight mit Viehausstellungen, Handwerk, Essen und Karussell. Historische Gebäude wie die alte Grange Hall (heute ein Kulturzentrum), die Alley’s General Store (ein klassischer Country Store) und die Polly Hill Arboretum mit seltenen Pflanzen laden ein. West Tisbury ist „soggy“ (nur Bier und Wein erlaubt) und bietet Zugang zu Naturschutzgebieten wie dem Long Point Wildlife Refuge mit Stränden und Wanderwegen. Es ist ein Ort der Ruhe, ideal für Naturliebhaber, Künstler und Familien, die dem Trubel entfliehen wollen.

Die fünftgrößte Town ist Chilmark mit etwa 1.212 Einwohnern. Diese hügelige, malerische Up-Island-Gemeinde verkörpert die wilde, unberührte Schönheit der Insel mit rolling hills, Steinmauern, Schafweiden und dichten Wäldern. Eine spezielle Sehenswürdigkeit ist das Fischerdorf Menemsha im Westen – ein authentisches, fotogenes Hafenörtchen mit Fischerhütten, wo frischer Fisch und Meeresfrüchte direkt vom Boot verkauft werden, berühmt für spektakuläre Sonnenuntergänge (auch Schauplatz in „Der weiße Hai“). Chilmark hat exklusive Privatstrände wie Lucy Vincent Beach und Squibnocket Beach (nur für Residenten), aber auch öffentliche Zugänge zu Teichen und Pfaden. Die Town ist „dry“ (kein Alkoholverkauf), ruhig und attraktiv für Prominente, die Privatsphäre suchen. Historisch interessant ist die hohe Prävalenz der Gebärdensprache in früheren Generationen aufgrund erblicher Taubheit. Chilmark bietet pure Entspannung inmitten der Natur.

Verkehr

Martha's Vineyard ist nur per Fähre oder Flugzeug erreichbar, da keine Brücke existiert; die Steamship Authority bietet ganzjährig den 45-minütigen Fährdienst von Woods Hole (Cape Cod) mit Auto-Option.​ Auf der Insel verkehren Busse der Vineyard Transit Authority, Fahrräder und Taxis; Autos sind beliebt, aber teuer zu transportieren, und Parkplätze knapp.

Straßenverkehr

Der Straßenverkehr auf Martha’s Vineyard ist stark vom ländlichen Charakter der Insel, der begrenzten Fläche und der ausgeprägten Saisonalität geprägt. Grundsätzlich ist das Straßennetz überschaubar und besteht überwiegend aus zweispurigen Landstraßen, die die sechs Inselgemeinden miteinander verbinden. Autobahnen oder mehrspurige Schnellstraßen gibt es nicht, was den Verkehr insgesamt ruhig und entschleunigt wirken lässt.

Außerhalb der Hauptsaison verläuft der Verkehr meist relativ entspannt, mit kurzen Fahrzeiten und wenig Staus. In den Sommermonaten, insbesondere zwischen Memorial Day und Labor Day, nimmt das Verkehrsaufkommen jedoch deutlich zu. Dann kommen viele Touristen auf die Insel, was vor allem in den Orten Edgartown, Oak Bluffs und Vineyard Haven sowie auf den Zufahrtsstraßen zu beliebten Stränden zu Verzögerungen führen kann. Engstellen, Kreisverkehre und Ortsdurchfahrten werden in dieser Zeit zu typischen Staupunkten.

Ein wichtiger Aspekt des Straßenverkehrs ist der begrenzte Autotransport auf die Insel. Fahrzeuge gelangen ausschließlich mit der Fähre von Cape Cod nach Martha’s Vineyard, wobei die Mitnahme eines Autos vor allem in der Hochsaison streng reguliert ist und oft lange im Voraus reserviert werden muss. Aus diesem Grund verzichten viele Besucher bewusst auf ein eigenes Auto.

Stattdessen spielen alternative Verkehrsmittel eine große Rolle. Martha’s Vineyard verfügt über ein gut ausgebautes öffentliches Bussystem, das alle größeren Orte und viele Strände miteinander verbindet. Zudem ist die Insel sehr fahrradfreundlich: Zahlreiche Radwege verlaufen getrennt vom Autoverkehr und machen das Fahrrad zu einem der beliebtesten Fortbewegungsmittel. Auch Fußgänger haben in den Ortszentren einen hohen Stellenwert, was durch niedrige Geschwindigkeitsbegrenzungen unterstützt wird.

Die Insel verfügt über ein gut ausgebautes öffentliches Bussystem, das von der Martha’s Vineyard Transit Authority (VTA) betrieben wird. Die Busse verbinden alle größeren Orte wie Vineyard Haven, Oak Bluffs, Edgartown, West Tisbury, Chilmark und Aquinnah miteinander und fahren auch viele Strände, Häfen und wichtige Sehenswürdigkeiten an.

Besonders in den Sommermonaten verkehren die Busse häufig und sind ein zentrales Verkehrsmittel für Einheimische und Besucher, da viele ohne Auto anreisen. In der Nebensaison gibt es weniger Verbindungen, das Grundnetz bleibt jedoch bestehen. Die Busse sind vergleichsweise günstig, zuverlässig und auf die Bedürfnisse der Insel abgestimmt.

Schiffsverkehr

Martha’s Vineyard liegt etwa sieben Meilen vor der Südküste von Cape Cod. Man erreicht sie mit einer Fähre, die von Woods Hole, Massachusetts, abfährt, und mit mehreren anderen Fähren, die von Falmouth, New Bedford, Hyannis, Quonset Point, Rhode Island, und dem Fährterminal East 35th Street in Manhattan abfahren. Die Steamship Authority betreibt die meisten der kürzeren Strecken, während Martha’s Vineyard Fast Ferry und Hy-Line Cruises schnellere Fähren für längere Strecken nach Rhode Island und Hyannis betreiben. Zu jedem Ort gibt es direkte Fähren. SeaStreak betreibt die saisonale Wochenendverbindung zwischen New York City und Martha’s Vineyard. Eine Fähre verlässt New York City am Freitagnachmittag und kehrt am Sonntagabend zurück. Die Fahrt durch den Long Island Sound und entlang der Küste von Rhode Island und Massachusetts dauert etwa viereinhalb Stunden (270 Minuten). In der Zeit vor modernen Autobahnen und Düsenflugzeugen nahmen Reisende die Züge der New York, New Haven & Hartford Railroad von New York City oder Boston nach Woods Hole oder Hyannis, von wo aus sie mit den Fähren auf die Insel fuhren.

Das Edgartown Harbor Light ist einer von insgesamt fünf Leuchttürmen auf Martha’s Vineyard. Das aktuelle Bauwerk wurde ursprünglich 1881 am Crane Beach in Ipswich als eines der Ipswich Range Lights errichtet und 1939 an seinen heutigen Standort bei Edgartown verlegt. Es wurde 1987 im Rahmen der Multiple Property Submission Lighthouses of Massachusetts MPS in das National Register of Historic Places eingetragen.

1828 bewilligte der Kongress der Vereinigten Staaten Finanzmittel in Höhe von 5500 US-Dollar (heute zirka 152.700 Dollar) zum Bau eines Leuchtturms am Standort des heutigen Bauwerks, um den aufgrund der boomenden Walfangindustrie – Nantucket und Martha’s Vineyard verfügten zu dieser Zeit gemeinsam über ein Viertel der US-amerikanischen Walfangflotte – stetig ansteigenden Schiffsverkehr sicherer zu machen. Der Staat Massachusetts erwarb daraufhin das dafür notwendige Grundstück zum Kaufpreis von 80 Dollar (heute zirka 2.200 Dollar) von Seth Vincent und ließ für rund 4000 Dollar (heute zirka 111.100 Dollar) ein zweistöckiges Gebäude errichten, auf dessen Dach ein Leuchtfeuer platziert wurde, das ein weißes Dauerlicht mit einer Reichweite von 14 sm (25,9 km) ausstrahlte. Da der Leuchtturm auf Pfählen vor der Küste errichtet worden war und daher nur mittels Ruderboot erreicht werden konnte, wurde 1830 für 2500 Dollar (heute ca. 71.400 Dollar) ein Damm hinzugefügt, der das Gebäude mit der Insel verband. Er wurde als „Bridge of Sighs“ (deutsch: „Brücke der Seufzer“) bekannt, weil er regelmäßig von Paaren als Verabschiedungsort genutzt wurde, wenn der Mann zu einer Seefahrt aufbrach.

1847 wurde der hölzerne und bereits morsche Wellenbrecher für 4700 Dollar (heute ca. 150.300 Dollar) durch eine Konstruktion aus Steinen ersetzt. 1856 wurde eine Fresnel-Linse 4. Ordnung in den Turm eingebaut, und auch das Gebäude wurde über die Jahre um ein Lagerhaus, ein Öllager und eine Nebelglocke erweitert. Aufgrund seiner exponierten Lage war das Gebäude beständig den Elementen ausgesetzt und musste fortlaufend repariert werden, so dass die meisten Leuchtturmwärter nur wenige Jahre blieben. 1939 übernahm die Küstenwache der Vereinigten Staaten den Leuchtturm und riss die maroden Gebäude umgehend ab. Da die Anwohner gegen die Installation eines automatischen Lichts auf einem Gerüstturm stimmten, schlug die Küstenwache die Verlegung eines gusseisernen, 1881 errichteten Leuchtturms vom Crane Beach in Ipswich vor, was schließlich auf Zustimmung stieß.

Der Turm wurde daher demontiert, per Schiff nach Edgartown transportiert und dort wieder aufgebaut. Er erhielt eine moderne, automatisch arbeitende Optik, die alle 6 Sekunden einen roten Blitz erzeugt. 1985 leaste das Vineyard Environmental Research Institute den Leuchtturm und rüstete ihn 1990 auf eine Kunststofflinse und Solarstrom um. Bereits am 15. Juni 1987 wurde er unter der Nummer 87001465 in das National Register of Historic Places eingetragen. 1994 ging der Leasingvertrag auf das Martha’s Vineyard Museum über, das von der Martha’s Vineyard Historical Society betrieben wird. 2007 wurde der Leuchtturm mit Mitteln der Stadt Edgartown umfassend renoviert.

Im Januar 2014 ging der Leuchtturm in das Eigentum der Stadt Edgartown über, nachdem er 2012 von der Küstenwache der Vereinigten Staaten als für die Schifffahrt nicht mehr notwendig eingestuft und zum Erwerb freigegeben worden war.

Das 45 ft (13,7 m) hohe, aus Gusseisen im Italianate-Stil errichtete Gebäude steht auf einem Fundament aus Granitblöcken. Der zylinderförmige, nach oben hin konisch zulaufende Gebäudekörper ist weiß, das Feuerhaus schwarz gestrichen. 1985 wurde der Leuchtturm renoviert. 2001 folgte eine Restaurierung des Fundaments und eine Umwidmung zum Denkmal Children's Lighthouse Memorial. 2007 wurde der Leuchtturm innen und außen restauriert; unter anderem wurden neue Fenster und eine neue Wendeltreppe installiert, so dass er 2008 für Besucher geöffnet werden konnte. Der Leuchtturm sendet alle 6 Sekunden einen roten Lichtblitz aus, der bis zu 5 sm (9,3 km) weit zu sehen ist. Als Leuchtmittel dient seit 1990 eine 250-mm-Linse, welche die ursprüngliche Fresnel-Linse 4. Ordnung aus dem Jahr 1856 ersetzte.

Das East Chop Light (auch Telegraph Hill Light) ist ein historischer Leuchtturm im Stadtgebiet von Oak Bluffs. Das heutige Bauwerk wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und 1987 im Rahmen der Multiple Property Submission Lighthouses of Massachusetts MPS in das National Register of Historic Places (NRHP) eingetragen. Der Leuchtturm befindet sich auf dem höchsten Punkt der Insel, der als Telegraph Hill bekannt ist und dem Bauwerk seinen umgangssprachlichen Namen gab. Es wurde bereits 1646 auf Karten eingezeichnet und von Beginn an als East Chop Light ausgewiesen; die englischen Siedler bezeichneten mit dem Begriff chop den Eingang eines Schifffahrtskanals. Das Gegenstück bildet dementsprechend das West Chop Light in Tisbury. 1869 errichtete Captain Silas Daggett an der Stelle des heutigen Leuchtturms eine privat betriebene Einrichtung, um aus östlicher Richtung kommende Schiffe in den Vineyard Haven Harbor zu leiten. Diese ging 1871 bei einem Brand verloren und wurde zunächst durch einen Turm, der auf das Dach eines Wohnhauses aufgesetzt wurde, ersetzt.

Die Angaben zum Baujahr des heutigen Bauwerks reichen von 1876 bis 1878. So gibt die Massachusetts Historical Commission in ihrer Nominierung für das NRHP das Baujahr 1876 an, während der National Park Service ausführt, dass das United States Lighthouse Board das Grundstück 1878 erwarb und dort im selben Jahr den heute noch existenten Leuchtturm errichten ließ. In den 1880er Jahren wurde der Leuchtturm rotbraun angestrichen und brachte ihm den Spitznamen chocolate lighthouse ein. Erst 1988 wurde er wieder weiß überstrichen.

Der Leuchtturm wurde 1933 automatisiert und am 15. Juni 1987 unter der Nummer 87001480 in das National Register of Historic Places eingetragen. Er befindet sich heute im Eigentum der Küstenwache der Vereinigten Staaten und wird von der Martha’s Vineyard Historical Society betrieben. Seit 1994 ist er öffentlich zugänglich.

Der 40 ft (12,2 m) hohe Turm wurde im Italianate-Stil erbaut und erreicht durch seinen exponierten Standort auf dem Telegraph Hill eine Feuerhöhe von 79 ft (24,1 m). Er steht auf einem Fundament aus Beton und besteht selbst aus Gusseisen. Der zylinderförmige, nach oben hin konisch zulaufende Leuchtturm ist weiß gestrichen und verfügt über ein schwarz gestrichenes Feuerhaus. Der Leuchtturm sendet alle 6 Sekunden im Gleichtakt (englisch Iso) ein grünes Licht aus, das bis zu 9 sm (16,7 km) weit zu sehen ist. Als Leuchtmittel dient seit 1984 eine 300-mm-Linse, welche die ursprüngliche Fresnel-Linse 4. Ordnung ersetzte.

Das Gay Head Light ist ein Leuchtturm bei Aquinnah auf der Insel Martha’s Vineyard. Das heutige Bauwerk wurde 1856 in Betrieb genommen und 1987 im Rahmen der Multiple Property Submission Lighthouses of Massachusetts MPS in das National Register of Historic Places eingetragen. Am 18. November 1799 wurde der erste Leuchtturm an diesem Standort nahe Aquinnah (bis 1997 Gay Head) in Betrieb genommen, um als Navigationshilfe für den Schiffsverkehr im Vineyard Sound zu dienen. Dort befindet sich unter Wasser ein natürliches Hindernis namens Devil’s Bridge (deutsch Teufelsbrücke), das die Durchfahrt tückisch macht. Dieser erste Turm war im Grundriss achteckig und 47 ft (14,3 m) hoch. Er war von Beginn an sehr wichtig für die Sicherheit der Seeschifffahrt in diesem Bereich und wurde daher als einer der ersten Leuchttürme mit einer Fresnel-Linse 1. Ordnung ausgestattet. Das Bauwerk wurde am 15. Juni 1987 mit der Nummer 87001464 in das National Register of Historic Places eingetragen. Aufgrund fortwährender Erosion der Küste war der Leuchtturm stark bedroht und wurde im Frühjahr 2015 im Rahmen einer aufwendigen Aktion weiter ins Landesinnere versetzt.

Das heutige Bauwerk ist als Rundturm ausgeführt und 51 ft (15,5 m) hoch. Es besteht aus Ziegeln und Sandstein. Der Leuchtturm sendet alle 7,3 Sekunden im Wechsel (alternierend) einen weißen bzw. roten Lichtstrahl aus, der bis zu 24 sm (44,4 km) (weiß) bzw. 20 sm (37 km) (rot) zu sehen ist. Bei einer Fehlfunktion des Hauptlichts sendet der Turm alle 6 Sekunden einen weißen Lichtblitz (Kennung Fl W 6s). Das Leuchtfeuer wird jedoch im Bereich von 342 Grad bis 359 Grad von der Insel Nomans Land verdeckt. Die bis 1952 installierte Fresnel-Linse ist heute im Museum der Martha’s Vineyard Historical Society in Edgartown ausgestellt.

West Chop Light ist ein historischer Leuchtturm in Tisbury. Das Gebäude wurde 1987 im Rahmen der Multiple Property Submission Lighthouses of Massachusetts MPS in das National Register of Historic Places aufgenommen. Die als West Chop bekannte Gegend war eine Schafweide, bevor das Gebiet im 19. Jahrhundert als exklusive Sommerfrische entwickelt wurde und der Hafen den meisten Schiffsverkehr der Insel aufwies. Der Hafen bei der Ortschaft Vineyard Haven wird heute noch intensiv von Fähren genutzt. Obwohl der Vineyard Haven Harbor sehr betriebsam war, errichtete die Regierung dort keinen Leuchtturm, sondern baute zunächst das Cape Poge Light (1801) bei Edgartown sowie das Tarpaulin Cove Light (1817) auf Naushon Island. Erst nach entsprechendem Protest der Einwohner bewilligte der Kongress der Vereinigten Staaten am 3. März 1817 Finanzmittel in Höhe von 5000 US-Dollar (heute rund 99.000 Dollar) zur Errichtung eines Leuchtturms bei West Chop. Der 25 ft (7,6 m) hohe Turm ging am 5. Oktober 1817 in Betrieb und verfügte über ein rund 6 m × 10 m großes Haus für den aus Tisbury stammenden James Shaw West, der dort für ein Jahresgehalt von 350 Dollar (heute ca. 6.900 Dollar) als Leuchtturmwärter arbeitete.

1843 meldete der immer noch aktive West, dass sowohl der Turm als auch sein Haus undicht seien, sodass der Turm im Winter bereits von innen vereiste. Zudem bedrohe fortschreitende Bodenerosion die Standfestigkeit der Gebäude. 1846 wurden der Turm und das Wohnhaus daher an einer Position etwa 1.000 ft (304,8 m) südlich des alten Standorts neu errichtet. Der als Rundturm aus Steinen errichtete Leuchtturm wurde später mit Holz verkleidet, das ihm eine achteckige Außenansicht gab. Die Verkleidung wurde aufgrund erneuter Undichtigkeiten erforderlich. 1882 wurde ein mit Dampf betriebenes Nebelhorn installiert und ein weiteres Wohnhaus für den stellvertretenden Leuchtturmwärter (englisch assistant keeper) hinzugefügt.

1888 wurde das Hauptwohnhaus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Aufgrund der zunehmenden Beliebtheit des Ortes im späten 19. Jahrhundert begannen die neu errichteten Wohnhäuser, das Licht des Leuchtturms zu verdecken. Daher wurde zunächst ein 17 ft (5,2 m) hoher Lichtmast auf dem Turm errichtet, bevor er 1891 durch das heute noch stehende Nachfolgebauwerk ersetzt wurde. Der ursprünglich rote Turm wurde 1896 mit weißer Farbe überstrichen.

Der Leuchtturm war 1976 der letzte, der auf der Insel automatisiert wurde. Bis heute verfügt er über eine Fresnel-Linse vierter Ordnung. Das dem Turm am nächsten stehende Haus wird von der US-Küstenwache genutzt, während das zweite Haus für Angehörige des amerikanischen Militärs als Ferienhaus dient. Am 15. Juni 1987 wurde der Leuchtturm als West Chop Light Station unter der Nummer 87001506 in das National Register of Historic Places eingetragen. Der 45 ft (13,7 m) hohe Turm wurde aus Ziegeln errichtet. Sein weißes Dauerlicht, das eine Reichweite von 14 sm (25,9 km) besitzt, wird alle 4 Sekunden unterbrochen (Occulting). Ein roter Sektor von 281° bis 331° warnt Schiffe vor zwei Untiefen. Der Turm verfügt zudem über ein Nebelhorn, das alle 30 Sekunden ein drei Sekunden anhaltendes Tonsignal aussendet (3s bl).

Flugverkehr

Der Martha’s Vineyard Airport (MVY) wurde 1941 eröffnet und spielte zunächst eine wichtige Rolle im Zweiten Weltkrieg. Kurz nach dem Kriegseintritt der USA übernahm die US Navy den Flughafen und nutzte ihn als Naval Auxiliary Air Facility für Patrouillenflüge über dem Atlantik, insbesondere zur Überwachung und Abwehr deutscher U-Boote. In dieser Zeit war der Flughafen streng militärisch geprägt und für die zivile Nutzung nicht zugänglich.

Nach dem Ende des Krieges ging der Flughafen 1948 in den Besitz von Dukes County über und wurde schrittweise zu einem zivilen Verkehrsflughafen umgebaut. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Flugverkehr parallel zum wachsenden Tourismus auf Martha’s Vineyard. Ab den 1950er und 1960er Jahren gab es regelmäßige Linienverbindungen, vor allem zum Festland von Massachusetts. Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, wurde in den 1970er Jahren die Start- und Landebahn verlängert, sodass auch größere Flugzeuge den Flughafen nutzen konnten.

In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde der Martha’s Vineyard Airport kontinuierlich modernisiert. Navigationssysteme, Sicherheitsanlagen und Abfertigungseinrichtungen wurden erneuert, um sowohl den ganzjährigen Verkehr als auch die starken saisonalen Verkehrsspitzen im Sommer bewältigen zu können. Ein bedeutender Meilenstein war die Planung eines neuen Terminals, das den steigenden Passagierzahlen und modernen Umwelt- und Komfortstandards entsprechen sollte. Dieses neue Hauptterminal wurde 2019 eröffnet und prägt das heutige Erscheinungsbild des Flughafens. Heute ist der Martha’s Vineyard Airport ein zentraler Bestandteil der Infrastruktur der Insel und ein wichtiger Faktor für ihre wirtschaftliche und touristische Entwicklung.

Die Pendlerfluggesellschaft Cape Air fliegt die Insel häufig über den Flughafen der Insel an. Sie bietet ganzjährig Flüge von und nach Boston, Hyannis, New Bedford und Nantucket sowie saisonale Flüge nach White Plains, New York. American Airlines fliegt saisonal nach Washington-Reagan, New York-LaGuardia, Philadelphia und Charlotte, JetBlue bedient die Insel von den Flughäfen New York Kennedy, Boston, Newark, New York-LaGuardia und Washington-National. Delta Connection bietet ebenfalls saisonale Flüge nach New York-LaGuardia und New York-JFK an, saisonale Flüge auch von White Plains, New York. einmal täglich mit Elite Airways von und nach MVY. Der Flughafen wickelt auch viel allgemeinen Flugverkehr ab. Der Katama Airpark mit seinen Graspisten ist bei Privatpiloten sehr beliebt; er liegt in der Nähe von South Beach.

Airlines Ziele
American Eagle saisonal: New York–LaGuardia, Washington–National
Cape Air Boston, Nantucket, New Bedford, saisonal: Hyannis, White Plains
Delta Connection saisonal: New York–JFK, New York–LaGuardia
JetBlue Airways saisonal: Boston, New York–JFK, New York-LaGuardia, Newark, Washington-National
Nantuckeet Airlines Hyannis, Nantucket
Tradewind Aviation saisonal: Teterboro, White Plains


Martha’s Vineyard Airport

  • Code:  MVY / KMVY
  • Lage:  41°23‘35“ N, 70°36‘52“ W
  • Seehöhe:  20 m (67 ft)
  • Inbetriebnahme:  1941
  • Betreiber:  Martha’s Vineyard Airport Commission
  • Fläche:  278 ha
  • Terminal:  1
  • Rollbahnen:  2
  • Länge der Rollbahnen:  1005 m und 1678 m (beide Asfalt)
  • Fluggesellschaften:  6
  • Flugzeug-Standplätze:  72
  • jährliche Passagierkapazität: 
  • jährliche Frachtkapazität: 

Wirtschaft

Haupteinnahmequellen der Insulaner sind traditionellerweise Fischfang und Landwirtschaft. Dazu kommen Tourismus und ein wenig verarbeitende Industrie.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft auf Martha’s Vineyard hat eine lange Tradition, die bis in die Kolonialzeit zurückreicht, und spielt trotz der insularen Lage und des dominanten Tourismus eine wichtige Rolle für die lokale Versorgung, den Erhalt des ländlichen Charakters und die Gemeinschaft. Früher war die Insel weitgehend selbstversorgt mit Ackerbau, Viehzucht und Fischerei; heute ist sie auf Importe angewiesen, doch es gibt starke Bemühungen, die lokale Produktion zu revitalisieren. Organisationen wie die Martha’s Vineyard Agricultural Society (gegründet 1859) fördern dies durch Bildung, Marketing, technische Unterstützung und den jährlichen Agricultural Fair (2025 vom 21. bis 24. August in West Tisbury), der mit Wettbewerben, Livestock-Shows, Rides und lokalen Produkten Tausende Besucher anzieht. Der Strategic Plan 2025 bis 2030 der Society zielt auf eine sichtbare, wertgeschätzte und viable Landwirtschaft ab, die das Insel-Ernährungssystem stärkt und das Erbe bewahrt.

Die größeren Farmen produzieren Gemüse, Obst, Kräuter, Fleisch, Eier und Milchprodukte, oft nachhaltig oder biologisch. Bekannte Beispiele sind Morning Glory Farm in Edgartown (mit CSA-Programmen für wöchentliche Ernteanteile, 2025 wieder aktiv), The Grey Barn & Farm, Nip-N-Tuck Farm, Allen Farm (Schafzucht und Wolle), Blackwater Farm und Island Grown Initiative mit ihrer 42-Acre-Farm für Spenden und Bildung. Der West Tisbury Farmers Market (seit 1974, samstags und mittwochs im Sommer) ist der größte und älteste Markt, mit frischem Produce, Brot, Käse, Pilzen und Handwerk. Weitere Stände wie bei Bayes Norton Farm oder saisonale Märkte ergänzen das Angebot.

Weinbau

Trotz des Namens „Vineyard“ (der auf wilde Fox-Grapes aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht) gibt es auf der Insel keinen kommerziellen Weinbau mehr. Die einzige Weinproduktion war Chicāma Vineyards in West Tisbury, die von 1971 bis 2008 betrieben wurde und als erste lizenzierte Winery in Massachusetts galt – sie schloss jedoch. Heute wachsen zwar wilde Trauben, aber keine kultivierten Reben für Wein. Weinliebhaber finden stattdessen importierte Weine in Geschäften wie Martha’s Vineyard Wine & Spirits oder beim jährlichen Food & Wine Festival. Der berühmte „Martha’s Vineyard“-Wein stammt ironischerweise aus dem Napa Valley (Heitz Cellar), nicht von der Insel selbst.

Im Jahr 1985 wurden die beiden Inseln Martha’s Vineyard und Chappaquiddick Island in ein neues amerikanisches Weinanbaugebiet (American Viticultural Area) aufgenommen, um die Herkunftsbezeichnung für Wein festzulegen: Martha’s Vineyard AVA. Weine aus Trauben, die auf den beiden Inseln angebaut werden, können mit Etiketten verkauft werden, die die Bezeichnung Martha’s Vineyard AVA tragen. Martha’s Vineyard war die Heimat der Weinkellerei Chicama Vineyards in West Tisbury, die jedoch nach 37 Jahren am 10. August 2008 geschlossen wurde.

Fischerei

Historisch geprägt von der Walfang-Ära im 19. Jahrhundert, hat sich die Fischerei auf Martha’s Vineyard zu einer Mischung aus kommerzieller Fischerei, Freizeit- und Sportangeln entwickelt. Die Insel ist umgeben von reichen Gewässern wie Vineyard Sound, Nantucket Sound und dem Atlantik, die eine Vielfalt an Arten bieten: Striped Bass (Streifenbarsch), Bluefish, Black Sea Bass, Scup (Porgy), Fluke (Sommerflunder), Bonito, False Albacore, Lobster, Bay Scallops und gelegentlich Bluefin Tuna. Der malerische Fischerort Menemsha in Chilmark bleibt das Herz der kommerziellen Fischerei – ein authentisches, working fishing village mit Dutcher Dock, wo Boote wie die Martha Rose oder Lady M anlegen und frischen Fang entladen. Hier finden Besucher frischen Fisch in Märkten wie Larsen’s oder Menemsha Fish Market, oft direkt vom Boot.

Die kommerzielle Fischerei auf der Insel ist kleinskalig und familienbetrieben, konzentriert in Menemsha. Wichtige Arten sind Sea Scallops, Lobster, Sea Bass und Bay Scallops – letztere hatten 2025 ein starkes Jahr mit besonders fleischigen Exemplaren. Die Martha’s Vineyard Fishermen’s Preservation Trust (MVFPT), gegründet 2011, unterstützt die Flotte durch Permit-Banking (günstige Quoten-Leasing), Bildung und Events wie das jährliche „Meet the Fleet“ in Menemsha, das 2025 wieder Tausende anzog. Neuerscheinung 2025: Das Kochbuch „The Sea Table“ mit Rezepten von Inselköchen und Fischern, das den lokalen Fang feiert und die Trust finanziert.

Herausforderungen sind groß: Steigende Kosten (Treibstoff, Ausrüstung), strenge Regulierungen (z. B. Quoten für Striped Bass), Konkurrenz durch industrielle Flotten und Auswirkungen des Klimawandels sowie Offshore-Windprojekte wie Vineyard Wind, die Fischer befürchten lassen, dass Fanggründe beeinträchtigt werden. Dennoch bleibt die Flotte aktiv, und Organisationen wie MVFPT setzen auf Nachhaltigkeit und junge Fischer, um die Tradition zu erhalten.

Martha’s Vineyard ist ein Paradies für Angler: Shore Fishing von Stränden wie Lobsterville, Wasque Point oder Squibnocket, Boat Fishing mit Chartern (z. B. Tomahawk Charters aus Aquinnah oder Fishsticks) und Fly Fishing. Beliebte Arten 2025: Frühe Migratory Stripers im Frühling, Bluefish und Scup im Sommer, Bonito und Albacore im Herbst. Charterboote bieten Trips für Familien, Anfänger oder Profis, oft mit Fokus auf Catch-and-Release.

Höhepunkt ist der Martha’s Vineyard Striped Bass and Bluefish Derby, eines der ältesten und prestigeträchtigsten Turniere der USA (seit 1946). Die 80. Ausgabe 2025 (Mitte September bis Mitte Oktober) zog über 3.000 Angler an, mit Divisionen für Boat/Shore, Flyrod, Junior und Senior. Grand Leaderboard-Preise, tägliche Weigh-Ins in Edgartown und ein Boat-Gewinn (2025: Ein 22-Fuß-Eastern-Boat für Sam Bell mit einem 18,66-Pfund-Albacore). Trotz einer Kontroverse um mögliche Regelverstöße (die als unbegründet eingestuft wurde), bleibt der Derby ein Community-Event, der Freundschaften fördert und Stipendien finanziert.

Handwerk

Das Handwerk auf Martha’s Vineyard ist vielfältig und community-orientiert, mit über 120 lokalen Künstlern und Handwerkern. Viele arbeiten in kleinen Ateliers und verkaufen direkt an Kunden. Beliebte Bereiche sind Glasbläserei, Keramik, Schmuck, Holzarbeiten, Textilien und Wampanoag-traditionelles Handwerk.

  • Martha’s Vineyard Glassworks in West Tisbury (seit 1992): Ein Kernbereich des Inselhandwerks. Hier blasen professionelle Glasbläser Vasen, Schalen, Ornamente und Skulpturen – Besucher können live zuschauen und Workshops besuchen. Das Studio betont Tradition, Bildung und Community, mit Praktika für lokale Jugendliche.
  • Keramik und Töpferei: Ateliers wie Chilmark Pottery (seit 1982) produzieren handgedrehte Geschirre in charakteristischen Farben, inspiriert von der Inselnatur.
  • Schmuck und Wampanoag-Handwerk: Künstler wie Martha Vanderhoop (Aquinnah Wampanoag) fertigen Silberanhänger und Ohrringe aus recyceltem Material, oft mit Motiven aus Dünen, Meer und Tierwelt. Wampum-Schmuck und traditionelle Arbeiten werden beim Native Artisan Market gezeigt.


Dazu kommen die Herstellung feiner Möbel, Webereien, Quilts, Sea-Glass-Fenster sowie die Handfertigung von Büchern, Kleidung und Skulpturen. Viele nutzen lokale Materialien wie Treibholz oder Muscheln. Präsentgiert wird das alles in speziellen Veranstaltungen. Die seit 1995 durchgeführten Vineyard Artisans Festivals sind dabei am wichtigsten – wöchentliche jurierte Shows im Sommer (Donnerstags und Sonntags in der Grange Hall, West Tisbury), mit Demonstrationen, plus Specials wie Labor Day, Thanksgiving und Holiday Shows. 2025 gab es wieder große Beteiligung, inklusive Pop-ups und Online-Verkauf. Weitere Highlights: MVCMA Craft Fair in Oak Bluffs (Pottery, Fiber Arts, Jewelry), Chilmark Flea Market, West Tisbury Farmers Market (mit Artisan-Ständen) und Aquinnah Holiday Fairs. Plattformen wie Martha’s Vineyard Made verkaufen handgefertigte Produkte online und in Shops.

Industrie

Größere Industriebetriebe gibt es nicht – die Insel schützt ihren ländlichen Charakter durch strenge Regulierungen, die von der Martha’s Vineyard Commission überwacht werden. Stattdessen gibt es kleine Bau- und Handwerksbetriebe (unter anderem Bootbau und Renovierungen historischer Häuser) sowie tourismusnahe Dienstleistungen. Herausforderungen wie hohe Lebenshaltungskosten und Saisonalität machen industrielle Ansiedlungen unwahrscheinlich.

Wasserwirtschaft

Die Trinkwasserversorgung wird von den einzelnen Gemeinden organisiert, die kommunale Brunnen und Wasserwerke betreiben. Um die Qualität des Wassers zu sichern, gelten strenge Schutzvorschriften für Wassereinzugsgebiete. Bauvorhaben, Landwirtschaft und Gewerbe unterliegen in diesen Zonen besonderen Auflagen, um eine Verunreinigung des Grundwassers durch Chemikalien, Abwässer oder Treibstoffe zu verhindern. Regelmäßige Kontrollen stellen sicher, dass das Trinkwasser den gesetzlichen Qualitätsstandards entspricht.

Von zentraler Bedeutung für die Wasserwirtschaft ist die Abwasserentsorgung. Große zentrale Kläranlagen gibt es nur in begrenztem Umfang; viele Haushalte sind an dezentrale Systeme wie Klärgruben und moderne Abwasseraufbereitungsanlagen angeschlossen. Diese Systeme müssen sorgfältig gewartet werden, da undichte oder veraltete Anlagen das Grundwasser gefährden können. In den vergangenen Jahren wurden deshalb zahlreiche Maßnahmen zur Modernisierung und zum Ausbau fortschrittlicher Abwassertechnik umgesetzt.

Die starke Saisonalität stellt eine zusätzliche Herausforderung dar. In den Sommermonaten steigt der Wasserverbrauch durch Tourismus, Bewässerung und Gewerbe deutlich an. Um eine Übernutzung der Grundwasservorräte zu vermeiden, setzen Gemeinden auf Wassersparprogramme, Nutzungsbeschränkungen und Aufklärungskampagnen. Dazu gehören etwa Bewässerungsregeln für Gärten und Hinweise zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser.

Energiewirtschaft

Die Stromversorgung erfolgt überwiegend über Unterseekabel, die Martha’s Vineyard mit dem Stromnetz von Massachusetts verbinden. Betreiber des Stromnetzes ist ein regionaler Energieversorger. Aufgrund der begrenzten Netzkapazitäten und der starken saisonalen Nachfrage – insbesondere im Sommer – spielt ein sorgfältiges Lastmanagement eine wichtige Rolle. In Spitzenzeiten steigt der Energieverbrauch deutlich an, vor allem durch Klimaanlagen, Gastronomie und touristische Einrichtungen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Insel verstärkt in erneuerbare Energien investiert. Besonders die Solarenergie hat an Bedeutung gewonnen. Öffentliche Gebäude, Schulen, Unternehmen und Privathaushalte nutzen Photovoltaikanlagen, oft unterstützt durch lokale Förderprogramme und Bürgerinitiativen. Auch kleinere Windenergieprojekte wurden umgesetzt, wobei größere Windparks auf der Insel selbst aufgrund von Landschafts- und Naturschutzauflagen begrenzt sind.

Eine zentrale Rolle spielt das Projekt Vineyard Wind, ein großer Offshore-Windpark südlich von Martha’s Vineyard. Auch wenn die Anlagen nicht auf der Insel stehen, ist das Projekt eng mit ihr verbunden und symbolisiert den Übergang der Region zu einer klimafreundlicheren Energieversorgung. Der erzeugte Strom wird in das regionale Netz eingespeist und trägt zur Reduzierung von CO₂-Emissionen bei.

Abfallwirtschaft

Da die Insel nur begrenzten Platz für Deponien hat und der Schutz von Natur und Grundwasser eine zentrale Rolle spielt, wurde früh ein vergleichsweise strenges Abfallmanagement entwickelt. Die diesbezüglich zentrale Einrichtung ist das Martha’s Vineyard Refuse Disposal and Resource Recovery District (MVRDRRD), das für große Teile der Insel zuständig ist. Der Hausmüll wird nicht dauerhaft auf der Insel deponiert, sondern zunächst in einer Müllverbrennungsanlage behandelt. Die dabei entstehende Asche wird anschließend vom Festland entsorgt. Auf diese Weise wird das Müllvolumen deutlich reduziert und die Belastung der Insel begrenzt.

Ein wichtiger Bestandteil der Abfallwirtschaft ist die Mülltrennung. Wertstoffe wie Papier, Glas, Metalle und bestimmte Kunststoffe werden getrennt gesammelt und recycelt. Zusätzlich gibt es spezielle Sammelstellen für Elektroschrott, Batterien, Farben, Chemikalien und gefährliche Abfälle, um Umweltschäden zu vermeiden. Viele Gemeinden betreiben eigene Recyclinghöfe, die von Privatpersonen und Betrieben genutzt werden können.

Besondere Bedeutung hat die Kompostierung, da organische Abfälle einen großen Anteil des Mülls ausmachen, insbesondere in der Gastronomie. Lebensmittelreste, Gartenabfälle und andere organische Materialien werden gesammelt und zu Kompost verarbeitet, der wiederum in der Landwirtschaft und Landschaftspflege Verwendung findet. Dies trägt zur Reduzierung des Restmülls und zur Förderung regionaler Kreisläufe bei.

Die starke Zunahme der Bevölkerung in den Sommermonaten stellt die Abfallwirtschaft vor organisatorische Herausforderungen. In dieser Zeit werden Sammelintervalle erhöht und zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt. Gleichzeitig setzen Gemeinden und Umweltorganisationen auf Aufklärung und Sensibilisierung, um Einheimische und Touristen zu einem bewussten Umgang mit Abfällen zu bewegen.

Handel

Traditionell war der Handel auf Martha’s Vineyard eng mit Fischerei, Landwirtschaft und Handwerk verbunden. Kleine Läden versorgten die lokale Bevölkerung mit Lebensmitteln, Werkzeugen und Alltagswaren. Mit dem Aufschwung des Tourismus im 20. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf den Einzelhandel für Besucher, insbesondere in den größeren Orten wie Vineyard Haven, Oak Bluffs und Edgartown. Dort entstanden Boutiquen, Souvenirläden, Galerien, Buchhandlungen und Fachgeschäfte, die häufig lokale Produkte und Kunsthandwerk anbieten.

Ein wichtiger Teil des Handels ist die Gastronomie, zu der Restaurants, Cafés, Bäckereien und Fischmärkte gehören. Viele Betriebe arbeiten eng mit lokalen Fischern und Landwirten zusammen und setzen auf regionale und saisonale Produkte. Neben kleinen, inhabergeführten Geschäften gibt es auf der Insel auch Supermärkte und einige Filialen regionaler Ketten, während große Einkaufszentren oder internationale Handelsketten kaum vertreten sind.

Die starke Saisonalität stellt Händler vor besondere Herausforderungen. Viele Geschäfte öffnen nur von Frühling bis Herbst oder passen Öffnungszeiten und Personal flexibel an. In den Wintermonaten konzentriert sich der Handel stärker auf die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung. Gleichzeitig gewinnen Onlinehandel und Lieferdienste an Bedeutung, um die eingeschränkte Auswahl außerhalb der Saison auszugleichen.

Finanzwesen

In der Vergamgenheit wurde die Finanzversorgung der Insel im 19. und frühen 20. Jahrhundert durch örtliche Sparkassen und Genossenschaftsbanken aufgebaut. Diese Institute dienten in erster Linie der Finanzierung von Fischerei, Landwirtschaft, kleinen Handwerksbetrieben und dem lokalen Handel. Mit dem Aufkommen des Tourismus im 20. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf Hypotheken, Immobilienfinanzierungen und private Vermögensverwaltung. Der starke Anstieg der Grundstücks- und Hauspreise machte Banken zu wichtigen Akteuren bei der Entwicklung der Inselgemeinden.

Bis heute dominieren Community Banks das Bankwesen auf Martha’s Vineyard. Sie unterhalten enge Beziehungen zu ihren Kundinnen und Kunden und sind häufig in lokale Projekte, gemeinnützige Organisationen und kommunale Entwicklungen eingebunden. Typisch ist ein konservatives Geschäftsmodell mit Fokus auf Einlagen, Kredite für Privatpersonen und kleine Unternehmen sowie Immobilienfinanzierung. Diese Nähe zur lokalen Wirtschaft gilt als ein Stabilitätsfaktor, besonders in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

Eine Besonderheit des Finanzwesens auf der Insel ist die starke Saisonalität. Während der Sommermonate steigt das Finanzvolumen deutlich an, da viele Zweitwohnungsbesitzer und Touristen auf der Insel sind. Banken reagieren darauf mit flexiblen Serviceangeboten, erweiterten Beratungsleistungen und einem starken Fokus auf digitale Bankdienstleistungen, um auch außerhalb der Saison erreichbar zu bleiben.

Soziales und Gesundheit

Vom 17. bis ins frühe 20. Jahrhundert war Martha’s Vineyard ein bemerkenswertes Beispiel für die soziale Integration einer gesundheitlichen Beeinträchtigung. Die Insel war die Heimat einer der frühesten bekannten Gemeinschaften der Gehörlosen. Eine rezessiv vererbte Form der Taubheit, die auf Einwanderer aus der Region Kent in England zurückging, führte zu einer ungewöhnlich hohen Prävalenz. Während in anderen Gegenden der USA rund 0,015 % der Bevölkerung gehörlos sind, gab es auf Martha’s Vineyard rund 0,7 % Gehörlose. In manchen Gemeinden wie Chilmark betrug der Anteil gehörloser Menschen bis zu 1:25, während er auf dem Festland bei etwa 1:6000 lag. Diese genetische Häufung entstand durch Endogamie in der isolierten Inselgemeinschaft. Die Gehörlosen entwickelten aufgrund ihrer Isoliertheit einen speziellen Dialekt der Gebärdensprache, die Martha’s Vineyards Gebärdensprache. Mittlerweile hat sich durch Zu- und Wegzug der Anteil der Gehörlosen normalisiert.

Entscheidend war der soziale Umgang damit. Die Inselbewohner entwickelten die Martha’s Vineyard Sign Language (MVSL), eine Gebärdensprache, die sowohl von Gehörlosen als auch von Hörenden verwendet wurde. Dadurch gab es keine Kommunikationsbarrieren – Gehörlose waren voll in das gesellschaftliche Leben integriert, arbeiteten als Fischer oder Farmer, beteiligten sich an Politik, Kirche und Gemeindeveranstaltungen. Taubheit wurde nicht als Behinderung wahrgenommen, sondern als Normalvariante. Dieses Modell gilt als historisches Beispiel für eine inklusive Gesellschaft, in der eine gesundheitliche Einschränkung durch kulturelle Anpassung (Gebärdensprache als Gemeinsprache) sozial neutralisiert wurde. Die MVSL beeinflusste später die Entwicklung der American Sign Language (ASL). Mit zunehmender Mobilität und Zuzug vom Festland verschwand die hereditäre Taubheit bis Mitte des 20. Jahrhunderts; die letzte Trägerin starb 1952.

Gesundheitswesen

Das Martha’s Vineyard Hospital (MVH) in Oak Bluffs bildet als einziges Krankenhaus der Insel den zentralen Pfeiler. Es ist ein Critical Access Hospital mit Affiliation zum Mass General Brigham-Netzwerk, das Telemedizin und Spezialkonsultationen aus Boston ermöglicht. Komplexe Fälle werden weiterhin ans Festland überwiesen. Im Jahr 2025 hat das MVH mehrere Initiativen gestartet, um den akuten Mangel an Primärversorgung zu bekämpfen – ein zentrales Problem, das in der 2025 Community Health Needs Assessment (CHNA, erstellt vom MVH und Island Health Care) hervorgehoben wird. Die Assessment identifiziert Prioritäten wie Primärversorgung, mentale Gesundheit, Zeckenkrankheiten, Suizidprävention und Alterung der Bevölkerung. Dukes County weist die höchste Suizidrate in Massachusetts auf, sowie eine Versorgerdichte von nur einem Primärarzt pro 1.740 Einwohner (schlechter als der Landesdurchschnitt).

Seit Dezember 2025 läuft das Programm Mass General Brigham Care Connect, das virtuelle Termine für dringende oder langfristige Primärversorgung anbietet und die langen Wartelisten (teilweise über 1.500 Personen) entlasten soll. Das MVH kaufte im November 2025 das Indian Hill Medical Center in West Tisbury, um weitere Primärarztpraxen einzurichten. Zudem wurde Mitarbeiterwohnraum gebaut, um Personal anzuziehen und zu halten. Die langjährige Präsidentin Denise Schepici ging Ende 2025 in den Ruhestand. Das Krankenhaus bietet weiterhin Notaufnahme, stationäre Pflege, Diagnostik und Spezialambulanzen; das angegliederte Windemere Nursing & Rehabilitation Center sorgt für Langzeitpflege.

Der Primärversorgungsmangel wurde in den letzten Jahren ausgebaut. Als Federally Qualified Health Center in Edgartown ist Island Health Care (IHC) der wichtigste Anbieter für einkommensunabhängige Versorgung. Es nimmt neue Patienten auf, bietet erweiterte Öffnungszeiten und seit 2024/25 ein modernes Dental Center mit vier Behandlungsräumen. IHC managt chronische Erkrankungen, Behavioral Health und kooperiert bei der CHNA.

Die frühere Vineyard Medical Care in Vineyard Haven blieb 2025 offen, wurde in Martha’s Vineyard Medical umbenannt und erweitert, um bis zu 3.000 Patienten zu versorgen und Wartelisten abzubauen. Unterstützungsprogramme wie Vineyard Health Care Access helfen bei Versicherungen und Transportkosten.

Krankheiten

Martha’s Vineyard kämpft heute mit Krankheiten, die stark von der insularen Lage und sozialen Faktoren abhängen. Die Insel hat eine der höchsten Raten zeckenübertragener Erkrankungen in den USA:

  • Lyme-Borreliose: Eine der höchsten Inzidenzen landesweit, verursacht durch Hirschzecken.
  • Alpha-Gal-Syndrom: Eine Allergie gegen rotes Fleisch und Milchprodukte, ausgelöst durch Bisse der Lone-Star-Zecke. Die Fälle explodierten in den letzten Jahren (von wenigen Positiven 2020 auf Hunderte 2024), was Ernährung und Lebensstil vieler Bewohner verändert.
  • Tularemie: Seit 2000 jährliche Fälle, oft pneumonisch (Lungenform), verbunden mit Landschaftspflegearbeiten; die Insel ist ein Endemiegebiet.
  • Andere zeckenübertragene Krankheiten: Babesiose, Anaplasmose, Powassan-Virus (selten, aber schwerwiegend, kürzlich bei einem Säugling nachgewiesen).


Diese Erkrankungen hängen mit der naturnahen Lebensweise (Wälder, Gärten, Outdoor-Aktivitäten) und der hohen Zeckendichte zusammen, verstärkt durch Klimawandel und steigende Hirschpopulationen. Soziale Determinanten der Gesundheit (SDOH) spielen eine zentrale Rolle: Hohe Lebenshaltungskosten, saisonale Tourismuswirtschaft und Wohnungsknappheit führen zu Instabilität, besonders bei ganzjährigen Bewohnern. Dies erhöht das Risiko chronischer Erkrankungen und vorzeitiger Sterblichkeit. Es gibt nur begrenzte Primärversorgung, Spezialisten und Transportmöglichkeiten (Fähre abhängig); Telemedizin-Einschränkungen und Fachkräftemangel verschärfen dies. Die Insel hat die h öchste Suizidrate in Massachusetts, verstärkt durch Isolation, Einsamkeit (besonders bei Älteren) und saisonale Bevölkerungswechsel. Ein Drittel der Bewohner ist im Rentenalter; Herausforderungen wie chronische Krankheiten, Mobilität und soziale Unterstützung stehen im Vordergrund. Weitere Faktoren sind die Opioidkrise, Armut und begrenzte Infrastruktur in ländlichen Gebieten.

Berichte wie die Community Health Needs Assessment 2025 des Martha’s Vineyard Hospital betonen, dass Ungleichheiten in Reichtum, Housing und Transport direkt zu höheren Raten chronischer Erkrankungen führen. Organisationen wie Island Health Care und Community Services bieten Unterstützung, doch Koordination und Ressourcen bleiben Herausforderungen.

Bildung

Die Insel wird von den Martha’s Vineyard Public Schools betreut, mit einem gemeinsamen Superintendenten (aktuell Richard M. Smith, Ed.D.). Es gibt separate Distrikte für die Elementar- und Mittelschulen (K-8):

  • Edgartown School (K-8), eine national ausgezeichnete Blue Ribbon School
  • Oak Bluffs School (K-8)
  • Tisbury School (K-8) in Vineyard Haven
  • West Tisbury School (K-8)
  • Chilmark School (Pre-K bis 5), besucht von Aqwuinnah-Schülern,  höhere Klassen wechseln oft nach West Tisbury


Die Martha’s Vineyard Regional High School (MVRHS) in Oak Bluffs ist die einzige High School (Klassen 9-12) mit rund 700 bis 750 Schülern. Sie bietet ein umfassendes Programm: Advanced Placement-Kurse, berufliche Ausbildungen (unter anderem Automotive, Culinary Arts, Maritime Studies), Special Education, Mentorships und starke Sport- sowie Kunstangebote. Die Schule hat nationale Auszeichnungen erhalten und bereitet auf College oder Beruf vor. Im Jahr 2025 feierte die Class of 2025 ihre Graduation; ein großes Renovierungs- und Erweiterungsprojekt (Kosten über 300 Millionen Dollar) ist in Planung und Genehmigung, um die Schule auf 803 Schüler auszubauen und moderne Standards zu erfüllen. Derzeit sucht die Schule einen neuen Principal. Ergänzend existiert die Martha’s Vineyard Public Charter School (K-12) in West Tisbury, eine projektbasierte Schule mit multi-age-Klassen, Fokus auf individualisiertem Lernen und International Baccalaureate-Programmen.

Höhere Bildung

Es gibt keine eigenständige Universität oder College auf der Insel. Stattdessen ermöglichen Kooperationen Zugang zu höherer Bildung. Cape Cod Community College (4Cs) und Bristol Community College bieten Kurse vor Ort (zum Beispiel an der MVRHS), online oder hybrid an, inklusive Associate Degrees. Die Martha’s Vineyard Regional High School startet 2025 ein Early College-Programm in Partnerschaft mit Middlesex Community College, bei dem Schüler Dual-Credits in Fächern wie English und Statistics erwerben können. Das Martha’s Vineyard Community College Consortium (MVCCC) via ACE MV schafft Pathways zu Associate Degrees durch transferable Credits.

Die ACE MV (Adult & Community Education Martha’s Vineyard) ist die zentrale Non-Profit-Organisation für Erwachsenenbildung. 2025 war ein Jahr des Wachstums: Neue Programme in Clean Energy, Early Childhood Education (auch auf Portugiesisch), Healthcare, Language Interpreting, Small Business und Offshore Wind Training. ACE MV kooperiert mit Community Colleges und bietet Workforce Training, Zertifikate und Enrichment-Kurse, um year-round residents wirtschaftliche Chancen zu eröffnen. Zusätzlich gibt es das Martha’s Vineyard Adult Learning Program mit kostenlosen ESOL-Kursen für Integration in Arbeit und Community.

Bibliotheken und Archive

Jede der sechs Towns hat eine eigene öffentliche Bibliothek, vernetzt im CLAMS-System für gemeinsame Ausleihe mit Cape Cod und Nantucket. Sie sind Community-Hubs mit Büchern, Events, Kinderprogrammen und Internetzugang:

  • Aquinnah Public Library (Fokus auf Wampanoag-Kultur)
  • Chilmark Free Public Library
  • Edgartown Public Library
  • Oak Bluffs Public Library
  • West Tisbury Free Public Library


Das Hauptgebäude der Vineyard Haven Public Library an der Main Street in Tisbury ist seit April 2025 wegen umfangreicher Renovierungen und Erweiterung geschlossen (Fertigstellung voraussichtlich Mai 2026). Services laufen interim an der 15 Church Street. 2025 zogen bundesweite Kürzungen bei Datenbanken die Inselbibliotheken in Mitleidenschaft, was den Zugang zu digitalen Ressourcen einschränkte.

Das Martha’s Vineyard Museum (MVM) in Vineyard Haven ist der primäre Ort für Archive und Forschung. Es beherbergt über 15.000 Objekte, Tausende Fotos, Manuskripte, Karten, genealogische Materialien und eine Oral History-Sammlung mit über 1.900 Interviews. Die Research Library ist öffentlich zugänglich (nach Termin); Teile sind digitalisiert. 2025 war die Ausstellung „Jaws at 50“ ein Highlight, die die Inselrolle im Film feierte. Das Museum verbindet Geschichte, Kunst und Kultur der Insel, inklusive maritimer und indigener Themen. Einige Bibliotheken haben lokale historische Sammlungen. So etwa archiviert die Vineyard Gazette Zeitungen seit 1846.

Kultur

Die relativ kleine, ganzjährig ansässige Bevölkerung hat zu einer sehr aktiven Bürgerschaft geführt, die sich stark in die täglichen Aktivitäten der Insel einbringt. Tourismus, Zersiedelung, Politik und Umweltschutz sind für die Gemeinschaft von großem Interesse. Das Gleichgewicht zwischen der dringend benötigten Tourismuswirtschaft und der Ökologie und Tierwelt der Insel zu erhalten, ist für die Bewohner von größter Bedeutung. Im Gegensatz zum saisonalen Zustrom wohlhabender Besucher ist Dukes County nach wie vor eines der ärmsten Gebiete des Bundesstaates. Die Einwohner haben Ressourcen geschaffen, um die Widersprüche und Belastungen, die unter diesen Umständen entstehen können, auszugleichen, insbesondere die Martha’s Vineyard Commission und Martha’s Vineyard Community Services, die von dem verstorbenen Dr. Milton Mazer, dem Autor von People and Predicaments: Of Life and Distress on Martha’s Vineyard.

Die Mehrheit der Einwohner von Vineyard sind im Sommer alteingesessene Saisonurlauber. Obwohl viele von ihnen aus den gesamten Vereinigten Staaten und dem Ausland kommen, ist die Insel vor allem für diejenigen ein Ziel, deren Hauptwohnsitz in der Nähe im Nordosten der USA liegt. Viele Gemeinden rund um die Insel haben tiefe familiäre Wurzeln auf der Insel, die im Laufe der Jahre zu Weilern mit guten Freunden und Nachbarn gereift sind. Dennoch sind viele Besucher Sommermieter und Wochenendausflügler, für die die Insel einfach ein „Zuhause fern der Heimat“ ist.

Museen

Das Martha’s Vineyard Museum in Vineyard Haven (151 Lagoon Pond Road) ist das führende Kultur- und Geschichtsmuseum der Insel. Es entstand 1922 als Dukes County Historical Society, wurde 2006 umbenannt und zog 2019 in das renovierte ehemalige Marine Hospital von 1895 um – ein Gebäude mit eigenem historischen Wert als Zufluchtsort für Seeleute. Auf vier Hektar Gelände mit Blick auf Lagoon Pond und Vineyard Sound umfasst es über 10.000 Quadratmeter Ausstellungs-, Bibliotheks- und Lagerfläche. Die Sammlung umfasst mehr als 15.000 Artefakte, 65.000 Fotos, 12.000 Postkarten, Manuskripte, Karten, genealogische Unterlagen und über 1.900 Oral-History-Interviews. Permanente Exponate beleuchten Themen wie die Inselbildung, Wampanoag-Geschichte, Walfang, Scrimshaw-Kunst, maritime Traditionen und die Entwicklung von Holmes Hole (heute Vineyard Haven). Zu den Highlights gehören eine seltene Fresnel-Linse aus dem Gay Head Lighthouse (1854) und Exponate zu lokalen Künstlern wie Thomas Hart Benton.

Im Jahr 2025 war die Ausstellung Jaws at 50: A Deeper Dive ein Publikumsmagnet mit über 20.000 Besuchern – sie feierte den 50. Jahrestag des Films von Steven Spielberg, der größtenteils auf der Insel gedreht wurde, mit Requisiten (einschließlich eines Haifischkopf-Replikas), Archiven, Oral Histories und Fokus auf Orte wie Menemsha, Edgartown und Aquinnah. Begleitet wurde sie von Events wie einer kostenlosen Dokumentarfilm-Vorführung. Aktuell (Dezember 2025) läuft die neue Ausstellung The Lost History of Innisfail, die eine vergessene Musikerkolonie aus den 1870er Jahren beleuchtet: Ein gescheitertes Bauprojekt in Vineyard Haven wurde zu einem Sommerrefugium für Opernstars, bis es 1906 abbrannte; Artefakte, Fotos und Geschichten rekonstruieren diese Epoche. Weitere Exponate drehen sich um Catboats (letztes arbeitsfähiges Exemplar der Insel) und lokale Künstlerinnen wie Mary Drake Coles. Das Museum betreibt zudem die Cooke House and Legacy Gardens in Edgartown (historisches Haus mit Gärten) sowie die Leuchttürme East Chop und Edgartown. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr (Winter); Eintritt: Erwachsene 12 bis 18 USD, Mitglieder frei; inklusive Café, Shop und geführten Touren. Es bietet Familienprogramme, Vorträge und Forschungszugang.

Weitere spezialisierte Museen sind:

  • Vincent House Museum (Edgartown): Das älteste Haus der Insel (1672), kontinuierlich von der Vincent-Familie bewohnt bis 1940. Es zeigt das Leben über vier Jahrhunderte mit originaler Einrichtung, von Kolonialzeit bis Viktorianisch. Verwaltet von der Martha’s Vineyard Preservation Trust; saisonal geöffnet.
  • Aquinnah Cultural Center (Aquinnah): Im ehemaligen Homer Cottage (Wampanoag-Familienhaus) gelegen, widmet es sich der Geschichte, Kultur und Beiträgen der Aquinnah Wampanoag. Exponate zu vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Aspekten, inklusive Artefakte und Bildungsprogramme; Eintritt gering oder spendenbasiert; offen Memorial Day bis mid-October.
  • Edgartown Fire Museum (Edgartown): Hinter dem Feuerwehrhaus, mit historischen Fotos, Ausrüstung und antiken Fahrzeugen (z. B. Mack 1927 und 1952). Pläne für Erweiterung 2025; klein, aber faszinierend für Feuerwehrgeschichte; oft kostenlos oder spendenbasiert.
  • MVCMA Cottage Museum (Oak Bluffs): Im Campground-Bereich, zeigt die einzigartige Architektur und Kultur der viktorianischen Cottages und des Methodistencamps aus dem 19. Jahrhundert. Fokussiert auf religiöse Revival-Bewegungen und Gemeindeleben.
  • The Carnegie (Edgartown): Ehemalige Carnegie-Bibliothek (1904), nun ein Heritage Center mit Exponaten zur Inselgeschichte, Walfang und lokalen Persönlichkeiten; oft mit rotierenden Ausstellungen


Zusätzlich gibt es kleinere Sites wie das Captain Shaw Fisher House (Teil der Preservation Trust, mit Wampanoag-Replikhaus aus dem 17. Jahrhundert) und Leuchttürme als Außenstellen des MVM. Filmbezogene Orte werden durch das Martha’s Vineyard Film Center (Oak Bluffs) ergänzt, das zwar kein klassisches Museum ist, aber Filmgeschichte kuratiert.

Architektur

Die Architektur der Insel ist ein Mix aus viktorianischen, griechisch-revivalistischen und modernen Elementen, stark beeinflusst von der maritimen Lage und der Geschichte als Sommerresort. Das berühmteste Beispiel sind die Gingerbread Cottages in Oak Bluffs: Über 300 farbenfrohe viktorianische Häuschen im Wesleyan Grove (Martha’s Vineyard Camp Meeting Association), entstanden ab den 1860er Jahren aus methodistischen Zeltlagern. Sie repräsentieren den Carpenter Gothic-Stil mit aufwendigen Holzverzierungen („Gingerbread Trim“), spitzen Giebeln, lancetförmigen Fenstern, Veranden und bunten Fassaden in Pastelltönen. Das Ensemble ist ein National Historic Landmark und gilt als eines der besterhaltenen Beispiele viktorianischer Camp-Meeting-Architektur in den USA. Im Zentrum steht das eiserne Tabernacle, ein offener Versammlungsraum. Jährlich findet die Illumination Night statt, bei der die Cottages mit Laternen geschmückt werden.

In Edgartown dominieren Greek Revival-Häuser aus der Whaling-Zeit des 19. Jahrhunderts: Weiße, symmetrische Kapitänshäuser mit Säulen, Widow’s Walks (Aussichtsplattformen für Walfängerfrauen) und klassischen Details. Ikonisch ist die Old Whaling Church (heute Gemeindezentrum). Viele Straßen wie die North Water Street bieten einen Eindruck von Reichtum und Eleganz dieser Epoche.

Weitere Stile: Shingle Style (schindelverkleidete Sommerhäuser mit fließenden Formen), Cape Cod Cottages (einfache, steil gedachte Häuser) und moderne Ansätze von Architekten wie Patrick Ahearn, Hutker Architects oder Breese Architects, die traditionelle Elemente mit zeitgenössischen Materialien verbinden – oft für luxuriöse Waterfront-Häuser in Chilmark oder Aquinnah. Historische Leuchttürme (zum Beispiel Gay Head Lighthouse) und Farmhäuser runden das Bild ab. Die Inselkommission (Martha’s Vineyard Commission) schützt historische Distrikte streng, was zu einer harmonischen Mischung aus Erhaltung und sensibler Neubauten führt.

Das Flying Horses Carousel ist das älteste noch in Betrieb befindliche Karussell der Vereinigten Staaten. Es befindet sich seit 1889 am selben Standort in Oak Bluffs. Es wurde 1979 in das National Register of Historic Places eingetragen und 1987 als National Historic Landmark ausgezeichnet.

Das innerhalb eines Gebäudes stehende Karussell ist eines der wenigen erhaltenen Objekte aus dem späten 19. Jahrhundert, welches das damalige Verlangen der Gesellschaft nach Vergnügung repräsentiert. Es befindet sich seit 1889 an seinem heutigen Standort im Sommer-Ferienort Oak Bluffs, wurde allerdings bereits 1884 in die Stadt verbracht, nachdem es in New York demontiert worden war. Das genaue Baudatum ist nicht bekannt. 1889 erwarb es die Stadtverwaltung und versetzte das Karussell an seinen heutigen Standort. 1896 wurde es an Joseph Turnell weiterverkauft, der ihm seinen bis heute gebräuchlichen Namen Flying Horses gab, obwohl sich die Pferde – im Gegensatz zu anderen, moderneren Varianten – nicht auf und ab bewegen.

Das Karussell bietet seinen Gästen insgesamt 20 Pferde und 4 Streitwagen als Reitfiguren an. Diese sind Nachbildungen aus dem Buch Constructions for Seaside & Summer Amusements, Carousels, Carousel Organs, Fixtures, &c, das 1878 in New York von Charles Dare veröffentlicht worden war. Die Pferde besaßen Schweife aus echtem Pferdehaar sowie große Augen aus Oxiden und kosteten in der Anschaffung je nach gewünschtem Realitätsgrad zwischen 25 und 35 US-Dollar pro Stück (heute rund 640 bzw. 900 Dollar). Die zweisitzigen Streitwagen kosteten je nach Ausführung zwischen 12 und 18 Dollar (heute zirka 310 bzw. 460 Dollar). Das Karussell hat einen Durchmesser von 36 ft (11 m). Die Drehplattform verfügt über ein offenes Dach, dessen 14 Streben von den vertikalen Stangen gestützt werden, an denen die Figuren montiert sind. Der Antrieb besteht aus einem Elektromotor mit einer Leistung von 10 PS.

Bildende Kunst

Die bildende Kunst auf Martha’s Vineyard ist lebendig und insular geprägt: Viele Künstler leben ganzjährig hier, inspiriert von Licht, Stränden, Wäldern und der Architektur. Die Szene umfasst Malerei (Landschaften, Maritime Motive), Skulptur, Fotografie, Glasbläserei und zeitgenössische Werke. Es gibt über 40 Galerien, viele in historischen Gebäuden, sowie das Martha’s Vineyard Museum mit Kunstsammlungen. Wichtige Galerien sind:

  • Granary Gallery (West Tisbury): Älteste und größte Galerie in einer roten Scheune; zeigt realistische Landschaften, Stillleben und Werke nationaler sowie lokaler Künstler.
  • Field Gallery (West Tisbury): Bekannt für den Skulpturengarten mit whimsischen Figuren von Gründer Tom Maley; rotierende Ausstellungen mit Malerei, Skulptur und Fotografie.
  • North Water Gallery (Edgartown): Fokus auf traditionelle und maritime Kunst, inklusive Werke des verstorbenen Ray Ellis (dessen Gemälde im Weißen Haus hängen).
  • Old Sculpin Gallery (Edgartown): Heim der Martha’s Vineyard Art Association; in einem historischen Bootshaus, mit Ausstellungen lokaler Künstler und permanenter Sammlung.
  • Christina Gallery (Edgartown): Traditionelle Impressionismus und Expressionismus.


Weitere sehenswerte Einrichtungen sind die Eisenhauer Gallery (zeitgenössisch), Louisa Gould Gallery (Fotografie), Martha’s Vineyard Glassworks (Glasbläserei mit Live-Demonstrationen) und das Featherstone Center for the Arts (Community-Kunstzentrum mit Kursen und Ausstellungen). Die Szene ist community-orientiert: Sommerliche Openings, Künstlerresidenzen und Events wie der Arts District in Oak Bluffs fördern den Austausch. Historische Künstler wie Thomas Hart Benton oder Stan Murphy haben die Insel geprägt; heute dominieren lokale Talente mit Vineyard-Motiven.

Literatur

Martha’s Vineyard hat eine reiche literarische Tradition. Viele bekannte Autoren leben oder lebten hier ganzjährig oder saisonal, und die Insel dient oft als Setting für Romane. Ergänzt wird dies durch eine lebendige Theaterszene und eine ikonische Filmgeschichte, die vor allem durch Steven Spielbergs Klassiker geprägt ist.

Die Insel zieht seit Jahrzehnten Schriftsteller an: Berühmte Namen wie William Styron (Sophie's Choice), Dorothy West (The Wedding, über die afroamerikanische Community in Oak Bluffs), Geraldine Brooks (Pulitzer-Preisträgerin mit March und Caleb’s Crossing, das die Wampanoag-Geschichte thematisiert), Richard Russo, Tony Horwitz, John Hersey und Shel Silverstein haben hier gelebt oder gearbeitet. Aktuelle Autoren wie Nicole Galland, Cynthia Riggs (mit ihrer Victoria Trumbull-Mystery-Serie auf der Insel), Thomas Dresser (Historiker) oder Janet Messineo (Memoiren über Angeln) bereichern die Szene. Die Insel selbst wird oft zur Figur: Viele Romane spielen hier, von Mysterys über historische Fiktion bis zu Memoiren über das Insel-Leben.

Zentrale Institutionen fördern das Schreiben. Das Martha’s Vineyard Institute of Creative Writing (MVICW) bietet Sommerkonferenzen, Workshops und Fellowships für diverse Autoren (unter anderem Writers of Color, Parent-Writers). Buchläden wie Bunch of Grapes in Vineyard Haven sind Community-Hubs mit Local-Author-Sektionen.

Höhepunkte sind Festivals: Das Martha’s Vineyard Book Festival feierte 2025 sein zwanzigjähriges Jubiläum (1. bis 3. August in Chilmark) mit dem Thema „The Power of Perspective“ und Autoren wie Jeffrey Goldberg und Ashley Parker. Das Martha’s Vineyard Black Book Festival (zuletzt am 9. August 2025 in Oak Bluffs) feiert Black Literary Excellence mit Panels und Signings.

Theater

Das professionelle Theaterleben dreht sich um das Martha’s Vineyard Playhouse in Vineyard Haven, das einzige year-round professionelle Non-Profit-Theater der Insel. In dem historischen Gebäude von 1833 (Patricia Neal Stage) und dem Tisbury Amphitheater (rustikales Outdoor-Theater am Tashmoo Overlook) werden Klassiker, zeitgenössische Stücke, Musicals, Lesungen und Kinderprogramme geboten. Sommerhighlights sind Shakespeare-Inszenierungen im Amphitheater und die Serie „The Fabulists“ (interaktives Kindertheater). Das Playhouse fördert lokale Talente, neue Werke und Community-Events wie Poetry Readings oder Art Exhibits in der Lobby. Es ist bekannt für hohe Qualität und Inklusion, mit Produktionen das ganze Jahr über.

Film

Martha’s Vineyard ist weltberühmt durch „Jaws“ („Der weiße Hai“, 1975) von Steven Spielberg, der fast vollständig hier gedreht wurde. Die Insel wurde zur fiktiven Amity Island: Edgartown als Stadtzentrum, Menemsha als Fischerhafen (Quint’s Shack), South Beach und Joseph Sylvia State Beach für Strandszenen, der American Legion Memorial Bridge („Jaws Bridge“) und der Chappaquiddick Ferry. 2025 wurde der 50. Jahrestag groß gefeiert – mit „Amity Week“, einer großen Ausstellung „Jaws at 50“ im Martha’s Vineyard Museum (mit Props, Fotos und Oral Histories) und Events. Der Film prägt die Insel bis heute. Viele Locations sind erhalten, und Jaws-Touren sind beliebt.

Außerdem ist die Insel Schauplatz der Folge „A Vineyard Valentine“ aus der Serie „Gilmore Girls“ und diente auch als Kulisse für den Film „Unzertrennlich“. Die Handlung des Romans „Ghost“ von Robert Harris, auf dem Roman Polańskis Film „Ghostwriter“ basiert, spielt hauptsächlich auf Martha’s Vineyard; allerdings wurden die Filmszenen auf den deutschen Inseln Usedom und Sylt sowie der dänischen Insel Rømø gedreht.

Musik und Tanz

Die Musik- und Tanzszene auf Martha’s Vineyard reicht von entspannten Live-Konzerten in lokalen Bars über kostenlose Open-Air-Serien und große Festivals bis hin zu tief verwurzelten indigenen Traditionen und professionellen zeitgenössischen Performances. Besonders im Sommer explodiert das Angebot, doch auch im Winter halten intime Gigs und Klassen die Szene am Leben. Viele Veranstaltungen sind kostenlos oder niedrigschwellig, um Inklusion zu fördern, und verbinden Locals mit Besuchern durch Rhythmus und Bewegung.

Live-Musik findet man fast überall auf der Insel, vor allem in Oak Bluffs, das als Hotspot gilt. Das Ritz Cafe ist ein Jahr-round-Klassiker – eine gemütliche Dive Bar, die außer im Februar und März täglich Live-Musik, DJ-Sets, Karaoke und spezielle Brazilian Nights mit tanzbarer Energie bietet. Gleich nebenan lockt Nomans mit seinem großen Outdoor-Bereich im Sommer nahezu tägliche Konzerte und Events wie Free Style Fridays, bei denen DJs Hits und Classics auflegen. Die Offshore Ale Company serviert neben Craft-Bier regelmäßige akustische Sets in pubartiger Atmosphäre, während die Bad Martha Brewery entspannte Patio-Konzerte an Wochenenden veranstaltet. Weitere Orte wie das Harbor View Hotel mit Country-Duos, The Loft für Dance-Partys oder die Grange Hall für größere Acts runden das Venue-Angebot ab.

Regelmäßige Konzertserien machen Musik zugänglich und zur Tradition. Die Vineyard Haven Band Concerts sind ein Sommerhighlight: Kostenlose Auftritte sonntagabends in Owen Park oder Ocean Park, oft mit lokalen Bands und Feuerwerk. Musical Mondays beim Featherstone Center for the Arts bringen Outdoor-Konzerte mit Inselkünstlern, The Sound of the Vineyard in West Tisbury lädt zu Porch-Konzerten mit Food und entspannter Stimmung ein, und die Global Rhythms-Reihe im Martha’s Vineyard Museum präsentiert multikulturelle Klänge. Im Winter wechseln viele zu Brunch-Beats oder Poetry-Abenden mit musikalischer Begleitung.

Festivals steigern die Energie: Das zweiwöchige Martha’s Vineyard Soulfest im August feiert Soul, R&B und Comedy mit world-class Talenten und Community-Vibes. Das MV Soundfest Ende August brachte 2025 Reggae-Legende Barrington Levy und lokale Acts wie Willy Mason. Das Jazz & Blues Summerfest in der akustisch perfekten Union Chapel, das Songwriters Festival mit intimen Sessions und das Porchfest in Edgartown, bei dem Bands auf Veranden spielen, ergänzen das Programm.

Tanz ist ebenso vielfältig und kulturell tief verwurzelt. Das Aquinnah Wampanoag Powwow im September ist das größte indigene Event der Insel: Am Kreis der Gay Head Cliffs versammeln sich die Wampanoag und gastierende Tribes zu Grand Entry, intertribalen Tänzen, Drumming und farbenprächtiger Regalia – ein Fest der Geschichte und Gegenwart, unterstützt durch monatliche Dance-Practices im Community Center.

Community-Tanz feiert Inklusion: Das Built on Stilts Festival im August in der Union Chapel ist seit Jahrzehnten ein kostenloses Highlight, das Ballet, Modern, Hip-Hop, Tap, Belly Dance und mehr von Locals aller Levels zeigt – jede Nacht ein neues Programm mit Drum Circle zum Einstieg. Dock Dance in Edgartown lädt dienstags zum gemeinsamen Tanzen ein, Country Line Dance-Klassen oder Brazilian Nights bringen Schwung in den Alltag.

Professioneller Tanz hat in The Yard in Chilmark ein renommiertes Zuhause. Das Zentrum für Contemporary Dance bietet Residencies und Workshops: 2025 residierte die Dance Theatre of Harlem mit Open Ballet Classes, Pop-up Soul Train Lines und einer Performance in der Union Chapel; Red Clay Dance präsentierte ihr Programm REST.RISE.MOVE.NOURISH.HEAL mit African Diaspora-Techniken; weitere Gruppen wie Time Lapse Dance oder Johnny Loves Johann ergänzten das Angebot. Klassen reichen von BodyMind Dancing bis Youth-Programmen und machen professionelle Qualität für alle zugänglich.

Kleidung

Im 18. und 19. Jahrhundert war die Kleidung der Inselbewohner vor allem zweckmäßig und schlicht. Fischer, Seeleute und Walfänger trugen robuste Arbeitskleidung aus Wolle oder Leinen, die vor Wind, Kälte und Nässe schützte. Dazu gehörten dicke Pullover, Jacken, feste Hosen und wetterfeste Mäntel. Frauen trugen einfache Kleider und Schürzen, die für Hausarbeit und Landwirtschaft geeignet waren. Diese Kleidung spiegelte weniger Tradition als vielmehr die praktischen Anforderungen des Insellebens wider.

Im 20. Jahrhundert wandelte sich das Erscheinungsbild deutlich. Mit dem Aufkommen des Tourismus und der Bedeutung Martha’s Vineyards als Sommerresort entwickelte sich ein heute weithin bekannter „New-England-Preppy“-Stil. Dazu zählen Poloshirts, leichte Pullover, Chinos, Sommerkleider, Segelschuhe, Loafer und Baseballkappen. Farben sind häufig dezent, Pastelltöne und maritime Muster wie Streifen spielen eine große Rolle. Dieser Stil wird oft als typisch für Martha’s Vineyard wahrgenommen, auch wenn er keine traditionelle Tracht ist.

Gleichzeitig existiert eine informelle Alltagskleidung der ganzjährigen Bevölkerung, die stärker von Komfort und Wetterbedingungen geprägt ist: Jeans, Arbeitsjacken, Gummistiefel, Windjacken und warme Pullover. Besonders im Herbst und Winter dominiert funktionale Kleidung, während im Sommer leichte, luftige Stoffe bevorzugt werden.

Eine besondere kulturelle Rolle spielt Kleidung auch bei lokalen Festen, Segelveranstaltungen und traditionellen Ereignissen, bei denen maritime Elemente sichtbar werden, etwa Blazer mit Vereinsabzeichen oder nautisch inspirierte Outfits. Insgesamt ist Kleidung auf Martha’s Vineyard weniger Ausdruck einer festen Tracht als vielmehr ein Spiegel der maritimen Geschichte, des Klimas und der sozialen Vielfalt der Insel.

Kulinarik und Gastronomie

Die Insel verfügt über zahlreiche Farms, Oyster Farms und Fischer, die Restaurants mit ultralokalen Zutaten versorgen – von Katama Bay Oysters bis zu Gemüse von Morning Glory Farm oder Beetlebung Farm. Die Gastronomie reicht von casual Lobster Shacks und Food Trucks über gemütliche Cafés bis zu fine-dining-Etablissements, viele davon saisonal (Mai–Oktober). Im Sommer explodiert die Szene mit Touristen, doch year-round Restaurants halten die Qualität hoch. Craft Beer von Bad Martha oder Offshore Ale und lokale Spirits ergänzen das Bild, während Events wie das Martha’s Vineyard Food & Wine Festival die Vielfalt feiern.

Seafood dominiert verständlicherweise: Lobster Rolls, Clam Chowder, frische Oysters, Scallops und Striped Bass sind überall zu finden. Ikonische Spots wie Larsen’s Fish Market in Menemsha (seit 1969, mit Blick auf den Hafen und Sunset-Picknicks) oder Nancy’s und Gio’s für fried Clams bieten authentische New-England-Erlebnisse. Edgartown Seafood und Net Result sind Top-Adressen für frischen Fisch zum Mitnehmen oder Essen vor Ort. Neuere Highlights wie Black Joy Kitchen (eröffnet 2025) bringen diasporische Einflüsse mit flavorful Weltreisen auf den Teller, während The Ocean Club in Vineyard Haven (im historischen Bankgebäude, mit Chef Marc Orfaly) coastal Mediterranean Fine Dining mit lokalen Zutaten serviert.

Farm-to-table ist ein Markenzeichen: Restaurants wie State Road in West Tisbury oder The Dunes am South Beach beziehen direkt von Insel-Farms. Morning Glory Farm in Edgartown liefert Gemüse, Salate und Prepared Foods, Beetlebung Farmstand up-island Brot und Pastries aus eigenem Getreide. Der West Tisbury Farmers Market (samstags, ältester auf der Insel) ist ein Muss für lokale Produkte, Käse von Grey Barn oder Honig. Viele Chefs kooperieren mit Oyster Farms wie Cottage City oder Honeysuckle für „ocean candy“-Oysters.

In den Towns finden sich unterschiedliche Angebots. Edgartown glänzt mit eleganten Spots wie Alchemy oder The Pelican Club (tropisch-nautisch, healthy leans). Oak Bluffs hat casual Vibes bei Martha’s Vineyard Chowder Company oder Nancy’s, Vineyard Haven boomt mit Neueröffnungen wie The Attic (Bourbon-Bar), La Strada (Italian) oder El Barco (Mexican Outdoor). Up-island bleibt rustikal: Menemsha für frischen Fang, Chilmark für farm-nahe Essen.

Mad Martha’s Ice Cream gibt es in mehreren Ortschaften, Back Door Donuts (late-night), Scottish Bakehouse für Pastries. Breweries wie Bad Martha oder Offshore Ale bieten lokale Biere, und das Food & Wine Festival (2025 mit Grand Tastings, Chef-Demos und Oyster-Tours) gilt als kulinarischer Höhepunkt.

Festkultur

Auf Martha’s Vineyard gelten grundsätzlich die Feiertage des Bundesstaates Massachusetts bzw. der USA. Zusätzlich spielen einige lokale und kulturelle Ereignisse eine wichtige Rolle, auch wenn sie keine offiziellen gesetzlichen Feiertage sind.


Gesetzliche Feiertage (USA / Massachusetts)

  • New Year’s Day – Neujahr (1. Januar)
  • Martin Luther King Jr. Day – dritter Montag im Januar
  • Presidents’ Day – dritter Montag im Februar
  • Patriots’ Day – dritter Montag im April (in Massachusetts besonders bedeutend)
  • Memorial Day – letzter Montag im Mai
  • Juneteenth – 19. Juni
  • Independence Day – Unabhängigkeitstag (4. Juli)
  • Labor Day – erster Montag im September
  • Columbus Day / Indigenous Peoples’ Day – zweiter Montag im Oktober
  • Veterans Day – 11. November
  • Thanksgiving Day – vierter Donnerstag im November
  • Christmas Day – Weihnachten (25. Dezember)


Wichtige lokale und kulturelle Tage (keine gesetzlichen Feiertage)

  • Martha’s Vineyard Agricultural Fair (August) – zentrales Inselereignis
  • Illumination Night in Oak Bluffs (Sommer)
  • Martha’s Vineyard Film Festival (mehrmals im Jahr)
  • Town Meeting Days (Frühjahr) – sehr wichtig für das lokale Gemeinschaftsleben
  • Fishermen’s und Maritime Feste in Küstenorten (saisonal)


Vor allem Memorial Day, Independence Day und Labor Day markieren auf Martha’s Vineyard den Beginn, Höhepunkt und das Ende der Hauptsaison. An diesen Tagen ist die Insel besonders belebt, viele Geschäfte und Restaurants haben geöffnet, und es finden zahlreiche Veranstaltungen statt.

Medien

Im Zentrum der insularen Medienszene stehen lokale Zeitungen und Online-Nachrichtenportale. Sie berichten regelmäßig über kommunale Entscheidungen, Town Meetings, Schulangelegenheiten, Veranstaltungen und saisonale Themen wie Tourismus oder Naturschutz. Viele dieser Medien haben eine lange Tradition und sind fest im Alltag der ganzjährigen Bevölkerung verankert, werden aber auch von saisonalen Gästen intensiv genutzt, um sich über das Inselleben zu informieren.

Ergänzt wird das Angebot durch lokale Radio- und Fernsehsender, die Nachrichten, Interviews, Kulturbeiträge und Veranstaltungshinweise senden. Besonders wichtig sind diese Medien bei aktuellen Ereignissen, etwa bei extremen Wetterlagen, Verkehrsproblemen oder Notfällen, da sie schnell und direkt informieren können. Auch kulturelle Inhalte, Musiksendungen und Gespräche mit lokalen Akteuren nehmen einen großen Raum ein.

Neben klassischen Medien spielen digitale Plattformen und soziale Netzwerke eine immer größere Rolle. Online-Ausgaben lokaler Zeitungen, Newsletter und Community-Foren ermöglichen einen schnellen Austausch von Informationen und Meinungen. Gerade auf einer Insel mit vielen Teilzeitbewohnern und Gästen sind diese digitalen Medien ein wichtiges Bindeglied zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen.


Zeitungen

  • Vineyard Gazette, 1846 gegründet
  • The Martha’s Vineyard Times, Wochenzeitung

Rundfunk und Fernsehen

  • Plum TV, Ch. 76, als Comcast Video-on-Demand in ganz Neu-England empfangbqar
  • MVTV, Martha’s Vineyard Kabelfernsehen Community Television, Chs. 13,14,15
  • WCAI 90.1 91.1 94.3 FM Cape and Islands NPR station
  • WMVY 92.7 FM
  • WVVY-LP, 93.7 FM, MV Community Radio, Inc.
  • WBUA, 92.7 FM, affiliate of WBUR 90.9 FM, Boston‘s NPR News-Station
  • WYOB-LP – 105.5, Rhythm of the Rock & Reggae


WVVY oder WVVY-FM oder WVVY-LPFM (LP = Low Power, Branding: „Marth's Vineyard Community Radio“) ist ein öffentlicher Hörfunksender aus Tisbury. WVVY sendet auf der UKW-Frequenz 93,7 MHz. Eigentümer und Betreiber ist die Martha’s Vineyard Community Radio Inc..

Kommunikation

Die Insel hat die Telefonvorwahlen 0(01)508 und +774.

Sport

Besonders beliebt auf Martha’s Vineyard sind Wandern, Joggen und Radfahren, da die Insel über ein gut ausgebautes Netz an Radwegen und ruhigen Straßen verfügt, die durch Dörfer, Wälder und entlang der Küste führen. Eine zentrale Bedeutung haben zudem die Wassersportarten. Segeln, Kajakfahren und Stand-up-Paddling sind in den geschützten Gewässern des Vineyard Sound weit verbreitet, während der offene Atlantik vor allem Surfer und Kitesurfer anzieht. Auch Schwimmen, Schnorcheln und Angeln gehören zu den typischen Freizeitaktivitäten, wobei Strände wie South Beach oder Menemsha besonders beliebt sind. Der maritime Charakter der Insel prägt den Sportalltag deutlich.

Darüber hinaus sind Tennis und Golf fester Bestandteil des sportlichen Angebots. Mehrere Tennisanlagen und Golfplätze stehen Einheimischen und Gästen zur Verfügung und werden vor allem in den Sommermonaten intensiv genutzt. Mannschaftssportarten wie Baseball, Basketball und Fußball werden vor allem auf lokaler Ebene betrieben, in Schulen, Vereinen oder im Rahmen von Freizeitligen, und stärken das Gemeinschaftsgefühl der Inselbewohner.

Baseball

Baseball nimmt auf Martha’s Vineyard eine besondere Stellung ein und gilt als wichtigste Sportart der Insel. Anders als in großen Städten steht hier allerdings weniger der Profisport im Vordergrund, sondern der Gemeinschaftsaspekt und die Förderung von Jugendlichen.

Im Zentrum des Baseballlebens stehen die Schulmannschaften, insbesondere die Teams der Martha’s Vineyard Regional High School. Spiele zwischen Schulen haben auf der Insel einen hohen Stellenwert und werden von Familien, Freunden und Lehrkräften besucht. Baseball dient dabei nicht nur als sportlicher Wettbewerb, sondern auch als sozialer Treffpunkt und Ausdruck von Zusammenhalt. Erfolge der Schulmannschaften werden auf der ganzen Insel wahrgenommen und stärken das Gemeinschaftsgefühl.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist der Jugend- und Freizeitsport. Schon Kinder kommen über lokale Little-League-Programme und Sommerligen mit Baseball in Kontakt. Diese Programme legen großen Wert auf Teamgeist, Fairness und langfristige sportliche Entwicklung. Viele Jugendliche spielen über mehrere Jahre hinweg und bleiben dem Sport auch später als Zuschauer, Trainer oder ehrenamtliche Helfer verbunden.

Historisch passt Baseball gut zur Kultur Martha’s Vineyards. Der Sport wurde im 19. Jahrhundert in Neuengland populär und etablierte sich auch auf der Insel als erschwingliche und leicht zugängliche Sportart, die ohne großen materiellen Aufwand betrieben werden konnte. Offene Spielfelder, einfache Ausrüstung und klare Regeln machten Baseball besonders attraktiv für kleinere Gemeinden.

Persönlichkeiten

Martha’s Vineyard war oder ist die Heimat zahlreicher Künstler und Musiker, darunter Albert Alcalay, Evan Dando, Tim „Johnny Vegas“ Burton von den Mighty Mighty Bosstones, James Taylor, Carly Simon, Livingston Taylor, Kate Taylor, Alex Taylor, Tom Rush, Rick Marotta, Geoff Muldaur, Maria Muldaur, Willy Mason, Unbusted und Mike Nichols. Der Historiker und Autor David McCullough ist ebenfalls ein Inselbewohner, ebenso wie die Autorin Susan Branch und die Jugendbuchautoren Judy Blume und Norman Bridwell sowie die Krimiautoren Richard North Patterson und Linda Fairstein, die sich mit politischen Intrigen beschäftigen. Die verstorbenen Autoren Shel Silverstein und William Styron lebten ebenfalls auf der Vineyard, ebenso wie der Schriftsteller, Journalist und Lehrer John Hersey, die Dichterin und Romanautorin Dorothy West und der Künstler Thomas Hart Benton. Zahlreiche Schriftsteller haben sich von der Insel inspirieren lassen, darunter auch der Krimiautor Philip R. Craig, der mehrere Romane auf der Insel spielen ließ. Der Dichterpreisträger von Martha’s Vineyard, Lee H. McCormack, hat viele Gedichte über die Insel geschrieben. Die Oscar-Preisträgerin Patricia Neal besaß ein Haus in der South Water St. in Edgartown, und James Cagney, Lillian Hellman (die auf dem Abel's Hill Cemetery in der Nähe von Belushis Grab begraben ist) und Katharine Cornell fanden alle, dass Martha’s Vineyard ein aufregender, lohnender Ort zum Leben ist. Außerdem war der berühmte Life-Magazin-Fotograf Alfred Eisenstaedt bis zu seinem Tod 1995 fünfzig Jahre lang ein Sommerbewohner von Vineyard. Seit 2006 lebt die in Australien geborene Autorin Geraldine Brooks, Verfasserin des mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Romans March, mit ihrem Ehemann Tony Horwitz, selbst Pulitzer-Preisträger und erfolgreicher Romanautor, und ihren beiden Söhnen dort.

Brooks schrieb das historische Buch Caleb's Crossing, in dem Caleb Cheeshahteaumuck die Titelfigur ist und das die frühe koloniale Besiedlung von Martha’s Vineyard beschreibt. Weitere bekannte Persönlichkeiten, die auf der Insel leben oder sie regelmäßig besucht haben: Die bekannte Harlem Renaissance-Künstlerin Lois Mailou Jones, der ehemalige Präsident Bill Clinton und seine Frau, die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton, der ehemalige US-Präsident Barack Obama, der Komiker und Talkmaster David Letterman, Bill Murray, Tony Shalhoub, Quincy Jones, Ted Danson und seine Frau Mary Steenburgen, Larry David, die Farrelly-Brüder, Meg Ryan und Chelsea Handler. Mike Wallace von 60 Minutes war ein Sommerbewohner von Martha’s Vineyard. Der verstorbene Nachrichtensprecher Walter Cronkite war ebenfalls ein prominenter Sommerbewohner. Weitere regelmäßig erscheinende Prominente sind der Filmautor/Regisseur Spike Lee, der Rechtsanwalt Alan Dershowitz, die Komiker Dan Aykroyd und James Belushi, der Politiker Vernon Jordan, die Fernsehreporterin Diane Sawyer, der Modedesigner Kenneth Cole, der ehemalige Botschafter und Präsident des Metropolitan Museum of Art William H. Luers und Charlayne Hunter-Gault. Trotz der weit verbreiteten Wahrnehmung von Vineyard als „Hollywood East“ ist die Insel sehr unauffällig und ruhig; Prominente kommen nach Vineyard, um die Atmosphäre zu genießen, und nicht, um gesehen zu werden. Die Einheimischen neigen dazu, die Privatsphäre der Prominenten zu schützen, obwohl die jüngste Berichterstattung über Prominenten-Sichtungen (vor allem in den beiden lokalen Zeitungen auf der Insel) begonnen hat, diesen Respekt vor der Privatsphäre durch die häufigere Berichterstattung über Prominenten-Sichtungen und berühmte Besucher zu untergraben. Im August 2014 planten sowohl Präsident Obama als auch Hillary Clinton einen sich überschneidenden Besuch auf der Insel, wo die Anwesenheit von Sicherheitskräften, die zu Verkehrsproblemen führen, zu einer jährlichen Angelegenheit wird.

Viele der wohlhabendsten afro-amerikanischen Familien des Landes haben eine jahrhundertealte Tradition, den Sommer auf der Insel zu verbringen. Diese Familien, die sich vor allem in und um die Stadt Oak Bluffs und das East Chop-Gebiet konzentrieren, repräsentieren seit jeher die schwarze Elite aus Boston, Washington, D.C. und New York City. Heute haben sich wohlhabende Familien aus dem ganzen Land auf Vineyard niedergelassen, und die Gemeinde ist als beliebtes Sommerziel für Richter, Ärzte, Geschäftsleute, Chirurgen, Anwälte, Schriftsteller, Politiker und Professoren bekannt. Die historische Anwesenheit afroamerikanischer Einwohner in Oak Bluffs führte dazu, dass der Stadtstrand abwertend „The Inkwell“ genannt wurde, ein Spitzname, der als Symbol des Stolzes wieder aufgegriffen wurde. Der Film The Inkwell (1994) von Matty Rich handelt von dieser eng verbundenen Vineyard-Gemeinschaft. Das Run&Shoot Filmworks Martha’s Vineyard African-American Film Festival, das jede zweite Augustwoche stattfindet, zeigt die Werke unabhängiger und etablierter Filmemacher aus aller Welt. Diese jährliche Veranstaltung zieht Besucher aus der ganzen Welt an.

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es auf der Insel eine große Gemeinschaft von Portugiesisch-Amerikanern, die sich vor allem in den drei inselabwärts gelegenen Städten Oak Bluffs, Tisbury und Edgartown niedergelassen haben; sie arbeiten traditionell zusammen mit anderen Inselbewohnern im Walfang und in der Fischerei. Es gibt auch eine große Gemeinschaft brasilianischer Einwanderer, die hauptsächlich in der Instandhaltung der Ferienanlagen der Insel arbeiten.

Die ständigen Bewohner der Insel wurden in einem Artikel des London Telegraph porträtiert, der „die dunkle Seite von Martha’s Vineyard“ zeigte. Im selben Monat erschien im Boston Globe ein Artikel mit dem Titel „Edgartown's Darker Side“, in dem die extrem schlechten Arbeitsbedingungen beschrieben wurden, unter denen irische und serbische Studenten in einem neu errichteten privaten Club in Edgartown zu leiden hatten. [99] Die Besorgnis über möglicherweise auf Martha’s Vineyard vergrabene Munition, die größtenteils aus dem Zweiten Weltkrieg stammt, hat zu einem 8,1 Millionen Dollar teuren Projekt geführt, bei dem ein Teil eines in Privatbesitz befindlichen Strandes vor dem Tisbury Great Pond entfernt und wieder aufgebaut werden soll.

Die ganzjährig arbeitende Bevölkerung von Martha’s Vineyard verdient im Durchschnitt 30 Prozent weniger als andere Einwohner des Bundesstaates, während die Lebenshaltungskosten um 60 Prozent über dem Durchschnitt liegen. Viele Menschen ziehen in günstigere Gegenden. In den letzten Jahren ist die Zahl der Schüler an den Schulen sukzessive gesunken. Auf der Insel leben viele Künstler, Musiker und andere Kreative, die im Sommer mehrere Jobs haben und im Winter eine Auszeit nehmen. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum auf der Insel hat viele Familien gezwungen, auf eine andere Insel zu ziehen.

Viele prominente Einwohner, Filmstars, Politiker, Schriftsteller und Künstler beteiligen sich an Spendenaktionen und Wohltätigkeitsveranstaltungen, um das Bewusstsein für das empfindliche Ökosystem der Vineyard zu schärfen und Gemeindeorganisationen und -dienste zu unterstützen. Die größte dieser Veranstaltungen ist die jährliche Possible Dreams Auction. Auf dem Abel’s Hill Cemetery von Chilmark befindet sich das Grab von John Belushi.

Fremdenverkehr

Die Vineyard entwickelte sich vor allem wegen des sehr angenehmen Sommerwetters und der vielen schönen Strände zu einem Touristenziel. Die Insel ist in erster Linie ein Ort der Entspannung und bietet eine Reihe von Unterkünften, darunter große Hotels wie das Harbor View Hotel, das Mansion House Hotel und das Winnetu Resort, moderne Boutique-Hotels wie das Nobnocket Boutique Inn sowie traditionelle Gasthäuser und Frühstückspensionen wie das Outermost Inn, das Beach Plum Inn, das Ashley Inn, das Pequot House und das Oak Bluffs Inn. Viele Besucher mieten auch Privathäuser.

Während der Walfangära errichteten wohlhabende Bostoner Kapitäne und Kaufleute mit ihren Handelsgewinnen oft Anwesen auf Martha’s Vineyard. Heute ist Martha’s Vineyard einer der bekanntesten Sommerurlaubsorte des Nordostens und hat zahlreiche prominente Stammgäste angezogen.

Auf der Insel leben heute das ganze Jahr über etwa 17.000 Menschen in sechs Städten, im Sommer steigt die Einwohnerzahl auf 200.000 an, hinzu kommen mehr als 25.000 Kurzzeitbesucher, die während der Sommersaison mit den Fähren kommen und gehen. Das am stärksten besuchte Wochenende ist der 4. Juli, gefolgt von dem Wochenende der Landwirtschaftsmesse Ende August. Im Allgemeinen dauert die Sommersaison von Juni bis zum Labor-Day-Wochenende und fällt damit mit den Monaten zusammen, in denen die meisten amerikanischen Kinder nicht in der Schule sind.

Weitere beliebte Attraktionen sind die jährliche Grand Illumination in Oak Bluffs, das Martha’s Vineyard Film Center, ein Programmkino der gemeinnützigen Martha’s Vineyard Film Society, in dem das ganze Jahr über unabhängige und internationale Filme gezeigt werden; die historischen Capawock- und Strand-Theater, die ebenfalls von der Martha’s Vineyard Film Society betrieben werden, das Martha’s Vineyard Film Festival, das im März ein Winterfilmfestival, im Juli und August jeden Mittwoch eine Sommerfilmreihe und einen Kinozirkus veranstaltet, das Martha’s Vineyard African-American Film Festival, das im August die Werke unabhängiger und etablierter afroamerikanischer Filmemacher vorstellt, und das Martha’s Vineyard International Film Festival im September; das Farm Institute auf der Katama Farm in Edgartown; und das Flying Horses Carousel in Oak Bluffs, das älteste in Betrieb befindliche Karussell in den Vereinigten Staaten. Auf der anderen Seite der Edgartown Vineyard Haven Road gegenüber der Martha’s Vineyard Regional High School in Oak Bluffs befindet sich der Martha’s Vineyard Skatepark, ein Skatepark aus Beton, der der Öffentlichkeit zugänglich ist und eine Reihe von Rampen und Hindernissen bietet.

Martha’s Vineyard bietet eine große Vielfalt an Unterbringungsmöglichkeiten, die sich an unterschiedliche Reisestile und Budgets richten. In den größeren Orten wie Vineyard Haven, Edgartown und Oak Bluffs finden sich Hotels und Inns, die oft in historischen Gebäuden untergebracht sind und den typischen Neuengland-Charakter widerspiegeln. Viele dieser Unterkünfte liegen in Hafennähe oder im Ortszentrum und ermöglichen kurze Wege zu Restaurants, Geschäften und Stränden.

Ein besonders wichtiger Bestandteil des Unterkunftsangebots sind Bed-and-Breakfasts, die auf Martha’s Vineyard sehr verbreitet sind. Sie werden meist privat geführt, bieten eine persönliche Atmosphäre und ermöglichen Gästen einen direkten Einblick in das Inselleben. Daneben gibt es zahlreiche Ferienhäuser und Ferienwohnungen, die vor allem bei Familien oder längeren Aufenthalten beliebt sind. Diese Unterkünfte sind über die gesamte Insel verteilt und reichen von einfachen Cottages bis hin zu großzügigen Strandhäusern.

Für preisbewusstere Reisende stehen Pensionen, Hostels und einfache Motels zur Verfügung, vor allem in der Nähe der Hauptorte. Zudem gibt es Campingplätze, die eine naturnahe Übernachtungsmöglichkeit bieten und besonders in der warmen Jahreszeit genutzt werden. Ergänzt wird das Angebot durch Luxuriöse Resorts und exklusive Privatunterkünfte, die sich vor allem an gehobene Ansprüche richten und häufig mit Strandzugang, Spa-Bereichen und umfangreichen Serviceleistungen ausgestattet sind.

Literatur

Reiseberichte

Video

Atlas

Reiseangebote

Martha's Vineyard Tourism = https://www.mvy.com/

Visit the USA: Martha’s Vineyard = https://www.visittheusa.de/destination/marthas-vineyard

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