Lolland

Aus Insularium
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Insel Lolland liegt im zentralen Süden der dänischen Inselwelt. Sie war schon immer ein Verbindungsstück zum mitteleurop#äischen Raum. Künftig soll das fruchtbare Eiland auch direkt mit diesem verbunden sein. Der Fehmarnbelttunnel ist bereits im Bau.

Inselsteckbrief
offizieller Name Lolland
alternative Bezeichnungen Læland (9. Jahrhundert), Laland (1231), Lalandia (1140), Laaland (19. Jahrhundert)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp BNrnückeninsel (seit 1934)
Inselart Moräneninsel
Gewässer Ostsee (Østersøen) mit Fehmarnbelt (Femern Bælt)
Inselgruppe Innerer Dänischer Archipel (Den Indre Danske Øhav)
politische Zugehörigkeit Staat: Dänemark (Kongeriget Danmark)
Region: Seeland (Sjæland)
Gliederung 2 kommuner (Gemeinden)
3 herreder (Harden)
25 byområder (Ortschaften)
72 sogner (Kirchspiele)
Status Landesteil (landsdel)
Koordinaten 54°48‘ N, 11°25‘ O
Entfernung zur nächsten Insel 340 m (Falster)
Entfernung zum Festland 32,4 km (Großenbroderfähre / Schleswig-Holstein)
Fläche 1.242,86 km² / 479,87 mi² (Verwaltungsgebiet 1.281,4 km² / 474,75mi²)
geschütztes Gebiet 150 km² / 58 mi² (12,1 %)
maximale Länge 59,4 km (W-O)
maximale Breite 27,9 km (N-S)
Küstenlänge 297,6 km
tiefste Stelle -2 m (Rødby)
höchste Stelle 41 m (Ulbjerg)
relative Höhe 43 m
mittlere Höhe 2 m
maximaler Tidenhub 0,1 bis 0,2 m (Nakskov 0,12 m)
Zeitzone CET (Centraleuropæisk Tidszone / Mitteleuropäische Zeit, UTC+1)
Realzeit UTC plus 44 bis 48 Minuten
Einwohnerzahl 56.392, Verwaltungsgebiet 56.985 (2025)
Dichte (Einwohner pro km²) 45,37, Verwaltungsgebiet 44,47
Inselzentrum Maribo


Name

Der älteste bekannte Beleg stammt aus dem 9. Jahrhundert in der altenglischen Form Læland, gefolgt von Laland (1231), Lalandia (lateinisch um 1140) und später Laaland (bis ins 19./20. Jahrhundert üblich). Die moderne Schreibweise Lolland setzte sich erst im 20. Jahrhundert durch. Das Wort setzt sich aus zwei Elementen zusammen:. Das altdänische Wort , heute dänisch oder in manchen Dialekten lo, bezeichnete eine „schmale, tidebeeinflusste Rinne, Bucht oder Einschnitt an der Küste“, also eine Art flache, vom Meer überspülte Rinne oder schmale Vig, in die bei Flut Wasser hinein- und bei Ebbe wieder herausströmt. Land entspricht gleichlautenden deutschen Ausdruck, hier im Sinne von „Landgebiet“ oder „größere Insel“. Zusammengesetzt bedeutet Lolland also wörtlich „das Land (mit) den vielen Küstenrinnen bzw. durch Gezeiten beeinflussten Einschnitten“ oder etwas freier übersetzt: „das wasserreiche Küstenland“ bzw. „das Land der flachen Küstenbuchten“.

Die Küste Lollands war früher deutlich stärker gegliedert als heute – voller solcher „lå“ (tidenabhängiger Buchten und Gräben). Durch jahrhundertelange Eindeichungen, Landgewinnung und Trockenlegung sind die meisten davon verschwunden, weshalb die ursprüngliche Bedeutung heute nicht mehr so offensichtlich ins Auge springt. Die alte Schreibweise Laaland (mit langem å) war etymologisch genauer und wurde bis ins 20. Jahrhundert verwendet (ähnlich ausgesprochen wie „Stråland“ oder „på land“). Erst später wurde daraus die kürzere, modernere Form Lolland.

  • international:  Lolland
  • amharisch:  ሎላንድ [Loland]
  • arabisch:  لولاند [Lūlānd]
  • armenisch:  Լոլանդ [Loland]
  • bengalisch:  লোল্যান্ড [Lōlyānḍ]
  • birmanisch:  လိုလန့် [Lo-lan] oder လောလန် [Lau-lan]
  • bulgarisch:  Лоланд [Loland]
  • chinesisch (vereinfacht):  洛兰 [Luòlán]
  • georgisch:  ლოლანდი [lolandi]
  • griechisch:  Λόλαντ [Lóland]
  • gudscheratisch: લોલેન્ડ [Lōlēnḍ]
  • hebräisch:  לולנד [Loland]
  • hindi:  लोलैंड [Lolaind]
  • japanisch:  ロランド [Rorando]
  • kambodschanisch: ឡូឡង់ [Loulâng]
  • kanaresisch:  ಲೋಲ್ಯಾಂಡ್ [Lōlyāṇḍ]
  • kasachisch:  Лолланд [Lolland]
  • koreanisch:  롤란드 [Rollandeu]
  • laotisch:  ໂລລັນ [Lō lan]
  • lateinisch:  Lollandia
  • lettisch:  Lolande
  • litauisch:  Lolandas
  • makedonisch:  Лоланд [Loland]
  • malayalam:  ലോളണ്ട് [Lōḷaṇṭ]
  • maldivisch:  ލޯލަންޑް [Lōland]
  • marathisch:  लोलंड [Lōlaṇḍ]
  • nepalesisch:  लोल्यान्ड [Lolyānḍ]
  • orissisch:  ଲୋଲ୍ୟାଣ୍ଡ [Lōlyāṇḍa]
  • pandschabisch: ਲੋਲੈਂਡ [Lolaiṇḍ]
  • paschtunisch:  لولینډ [Lolend]
  • persisch:  لولند [Lūland]
  • russisch:  Лолланд [Lolland]
  • serbisch:  Лоланд [Loland]
  • singhalesisch: ලෝලන්ඩ් [Lōlanḍ]
  • tamilisch:  லோலண்ட் [Lōlaṇṭ]
  • telugu:  లోలాండ్ [Lōlāṇḍ]
  • thai:  โลลันด์ [Lō-lan]
  • tibetisch:  ལོ་ལནྡ་ [Lo lan da]
  • ukrainisch:  Лолланд [Lolland]
  • urdu:  لولینڈ [Loland]
  • weißrussisch:  Лоланд [Loland]


Offizieller Name:  Lolland

  • Bezeichnung der Bewohner: Lollændere (Lolländer)
  • adjektivisch:  lollandsk (lolländisch)

Kürzel:

  • Code:  LL / LOL
  • Kfz:  -
  • ISO-Code:  DK-LL

Lage

Die Insel Lolland liegt im Westen der Ostsee im Süden Dänemarks auf durchschnittlich 54°48‘ n.B. und 11°25‘ ö.L.. Sie befindet sich auf der gleichen geografischen Breite wie Sylt, Nordschleswig, Falster, die Insel Møn, das südliche Litauen, der Norden von Weißrussland, Zentralrussland südlich von Moskau, Tatarstan, das südliche Sibirien, das südliche Zentrum der Halbinsel Kamtschatka, das Zentrum Labradors und das südliche Schottland. Die Insel liegt zwischen Ærø im Westen, Fünen im Norden und Falster im Osten.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  54°57‘38“ n.B. (Madevejen) bzw. 55°02‘30“ n.B. (Vejrø)
  • südlichster Punkt:  54°33‘50“ n.B. (Hyllekrog)
  • östlichster Punkt:  11°51‘56“ ö.L. (Strandby)
  • westlichster Punkt:  10°57‘50“ w.L. (Albuen)


Entfernungen:

  • Falster  340 m
  • Rågø  1,95 km
  • Langeland  12,4 km
  • Seeland 17,6 km
  • Fehmarn  18,6 km
  • Møn  22,1 km
  • Fünen  25,8 km
  • Großenbroderfähre / Schleswig-Holstein  32,4 km
  • Kopenhagen  103 km (Straße 124 km)

Zeitzone

Auf Lolland gilt wie in ganz Dänemark die Mellemeuropæisk Tid (Mitteleuropäische Zeit), abgekürzt MET (MEZ). Die Realzeit liegt um 44 bis 48 Minuten vor der Koordinierten Universalzeit (UTC).

Fläche

Die Fläche der Insel beträgt insgesamt 1.242,86 km² bzw. 479,87 mi², mit Nebeninseln insgesamt 1.281,4 km² bzw. 474,75 mi². Die das Zentrum und den Westen der Insel einnehmende Lolland Kommune hat eine Fläche von 891,92 km². Der Ostteil der Insel gehört zur Guldborgsund Kommune. Der Ost-West-Durchmesser beträgt 59,4 km, die maximale Nord-Süd-Breite 29,7 km. Die Küste ist insgesamt rund 250 km, inklusive sämtlichere Einbuchtungen 307 km lang. Der maximale Tidenhub liegt bei 0,1 bis 0,2 m, bei Nakskov 0,12 m. Höchster Punkt der Insel ist der Ulbjerg mit 41 m, der tiefste Punkt befindet sich in der N#he vonm Rødby im Süden der Insel auf -2 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei 2 m.

Geologie

Lolland, die flache und fruchtbare Insel im Süden Dänemarks, verdankt ihre Geologie vor allem den Ereignissen der letzten Eiszeit (Weichsel-Eiszeit) und den nachfolgenden holozänen Veränderungen. Die Insel ist extrem niedrig gelegen – das höchste natürliche Relief liegt nur bei etwa 20 bis 25 m (zum Beispiel Ravnsby Bakker oder Bregninge Kirke), wobei viele „Hügel“ eigentlich prähistorische Grabhügel sind. Das Landschaftsbild ist typisch für das dänische Ostseevorland: sanft wellig bis eben, mit ausgedehnten Ebenen, die wie „flach wie eine Pfannkuchen“ wirken, besonders östlich und südöstlich der Maribo-Seen.

Der Untergrund Lollands besteht aus paläozoischen und mesozoischen Schichten (unter anderem Zechstein-Salz aus dem Perm in tieferen Teilen des Norddeutschen Beckens, Kreide und Danium-Kalkstein), die jedoch meist tief verborgen liegen und nur selten an die Oberfläche treten – Kalkbrüche gibt es zum Beispiel nördlich von Nysted. Die entscheidende prägende Schicht ist jedoch die quartäre Überdeckung aus der Weichsel-Eiszeit: dicke Pakete von Grundmoräne (Geschiebemergel, till), Schmelzwassersanden und -kiesen sowie feinkörnigen Tonen. Die Gletscher schoben und lagerten riesige Mengen Material ab, formten eine flache Grundmoränenlandschaft mit nur wenigen markanten Strukturen.

Typische eiszeitliche Relikte auf Lolland sind Dødishuller (Toteislöcher), die zu den Maribo-Seen und kleineren Seen führten, Tunneldale (Schmelzwassertäler), zum Beispiel vom Nakskov Fjord ins Landesinnere oder vom Sakskøbing Fjord nach Norden, Ravnsby Bakker, eine der wenigen etwas kuppierten Zonen, entstanden durch Stauchung oder Toteisblöcke sowie erratische Blöcke (Findlinge) aus Skandinavien, die als Geschiebe mittransportiert wurden.

Nach dem Abschmelzen der Eismassen vor rund 17.000 bis 15.000 Jahren lag Lolland zunächst höher als heute. Durch die postglaziale Landabsenkung (negativer Isostasie-Effekt im Süden Dänemarks) und den eustatischen Meeresspiegelanstieg sank das Land relativ ab und wurde teilweise überschwemmt. Im frühen Holozän (um -7500) verwandelte sich vieles von Trockenland in Sümpfe und Brackwasserzonen; um -6600 entstanden Fjorde wie Nakskov Fjord und Rødby Fjord (heute größtenteils trockengelegt). Der Meeresspiegel stieg bis ins späte Holozän weiter an, erreichte aber erst in den letzten Jahrhunderten annähernd das heutige Niveau – mit starken Schwankungen und Sturmfluten, die die Südküste bedrohten.

Die fruchtbare Lerjord (toniger Geschiebemergel und Lösslehm) entstand aus der Verwitterung der Moränen und macht Lolland zu einer der landwirtschaftlich produktivsten Regionen Dänemarks (Zuckerroben, Getreide). Die Südküste ist eine klassische Ausgleichsküste mit Sandspitzen (Albuen, Hyllekrog), Dünen und Marschen, die seit dem 19. Jahrhundert durch das 63 km lange Lollandsdige (Lolland-Dyke, fertig 1878) vor Überflutungen geschützt wird. Viele Küstengebiete (zum Beispiel Rødby Fjord) wurden künstlich entwässert und eingedeicht.

Im tieferen Untergrund spielen Salztektonik (Zechstein-Salz) und die Zentrale Lollandske Forkastningszone (eine Verwerfungszone) eine Rolle, die in jüngster Zeit für CO₂- und Wasserstoffspeicher-Projekte untersucht wird – doch an der Oberfläche bleibt Lolland geologisch unauffällig: eine stille, vom Eis geformte und vom Meer geformte Agrarlandschaft ohne dramatische Felsen oder Berge, dafür mit hoher Bodenfruchtbarkeit und sensiblen Küstenökosystemen.

Landschaft

Die Insel ist niedrig. Es gibt im Süden sogar Flächen, die 2 Meter unter dem Meeresspiegel liegen. Fast die gesamte Südküste musste nach der verheerenden Sturmflut von 1872 durch Deiche geschützt werden. Die Küsten sind mit geringen Ausnahmen durch vorliegende Untiefen schwer zugänglich. Von den Landseen ist der fischreiche Maribosee in der Mitte der Insel der größte. Die Insel ist das Zentrum der dänischen Zuckerindustrie. Der höchste Punkt befindet sich mit 25 m nahe dem Ort Horslunde im Nordwesten.


Erhebungen

  • Ulbjerg  41 m
  • Orehøj  28 m
  • Bavnehøj  20 m
  • Bøgeskov  19 m


Seen

  • Maribosø  11,4 km²   
  • Sondersø  4,1 km²


Fluss

  • Ryde Å  27,5 km


Inseln

  • Lolland  1.242,86 km²
  • Fejø  16,0 km²
  • Femø 11,38 km²
  • Askø 2,82 km²
  • Vejrø 1,57 km²
  • Eneø  1,1 km²
  • Skalø  1,06 km²
  • Lilleø   0,86 km²
  • Rãgø  0,75 km²
  • Vejlø   0,37 km²
  • Slotø  0,23 km²
  • Barneholm  0,1 km²

Fauna und Flora

Der Großteil der Insel besteht aus Wiesen und Weiden. Moore finden sich wenige, dagegen sind nicht unbedeutende Wälder vorhanden.

Flora

Lolland ist eine der landwirtschaftlich intensiv genutzten Inseln Dänemarks mit einer Flora die stark von der Agrarlandschaft geprägt ist. Rund 77 Prozent der Fläche werden für Ackerbau genutzt vor allem für Zuckerrüben Getreide und Rapsfelder was die natürliche Vegetation stark reduziert hat. Die verbliebenen naturnahen Bereiche finden sich vor allem in den Küstenzonen Feuchtgebieten und Wäldern. In den Salzwiesen und Marschen der Südküste wachsen typische Halophyten wie Strand-Beifuß Strand-Salzgras und Strand-Wolfsmilch während die Dünenbereiche von Strandhafer und Strand-Windhalm dominiert werden. Die Maribo-Seen und Nakskov Fjord umgeben Schilfgürtel aus Rohrkolben und Schilf sowie ausgedehnte Riedgraswiesen mit Arten wie Sumpf-Segge und Sumpf-Dotterblume. In den wenigen Laubwäldern wie Frejlev Skov oder Stubberup Skov herrschen Rotbuche Stieleiche und Esche vor unterbrochen von Hasel Unterwuchs mit Maiglöckchen Waldmeister und Buschwindröschen. In den Mooren und Feuchtwiesen kommen seltene Orchideen wie das Sumpf-Knabenkraut und das Breitblättrige Knabenkraut vor sowie Sonnentau und Moosbeere. Viele dieser Pflanzenarten stehen unter Schutz da Lolland Teil des Natura-2000-Netzes ist und die Vielfalt an Küsten- und Feuchtbiotopen birgt.

Fauna

Die Pflanzenwelt Lollands ist ebenfalls durch die landwirtschaftliche Nutzung beeinträchtigt aber in den Schutzgebieten besonders artenreich. Zu den markantesten Säugetieren gehören Rehe und Damhirsche die in den Wäldern und Feldrändern leben sowie Rotfüchse Dachs und Steinmarder. In den Küstengebieten wie Rødsand und Hyllekrog leben Seehunde vor allem Kegelrobben und Seehunde die dort Kolonien bilden. Die Vogelwelt ist besonders beeindruckend: Lolland liegt auf der Zugroute der Ostsee-Vögel und dient als wichtiger Rast- und Brutplatz. Im Frühjahr und Herbst rasten Tausende von Graugänsen Saatgänsen und Kanadagänsen in den Feuchtgebieten während Kraniche in großen Schwärmen überfliegen. Brutvögel umfassen Rohrweihen Seeadler Fischadler und zahlreiche Watvögel wie Rotschenkel Uferschnepfe und Brachvogel. In den Maribo-Seen und Nakskov Fjord nisten Seeschwalben Löffler und verschiedene Entenarten.

Amphibien wie Grasfrosch Teichfrosch und Kammmolch sind in den Tümpeln und Gräben häufig während Reptilien wie Waldeidechse und Kreuzotter seltener vorkommen. Insekten sind vielfältig mit Schmetterlingen wie dem Großen Schillerfalter und dem Apollofalter in den Wäldern sowie Libellen in den Feuchtgebieten. Die Schutzgebiete wie Smålandsfarvandet und Bøtø Nor sind international bedeutsam für die Erhaltung dieser Artenvielfalt die trotz der intensiven Landnutzung einen hohen ökologischen Wert hat.

Naturschutz

Lolland ist trotz intensiver landwirtschaftlicher Nutzung (ca. 77 % der Fläche sind Acker- und Landwirtschaftsflächen) reich an Naturschutzgebieten. Besonders die Küstenbereiche, Fjorde, Moore, Seen und flachen Meeresbuchten stehen unter Schutz – oft als Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks, als Ramsar-Feuchtgebiete oder als dänische vildtreservater (Wildreservate) und naturbeskyttelsesområder. Zu den bedeutendsten und größten Schutzgebieten auf bzw. um Lolland gehören:

  • Smålandsfarvandet nord for Lolland, Guldborgsund, Bøtø Nor og Hyllekrog-Rødsand (Natura-2000-Gebiet Nr. 173) – eines der größten zusammenhängenden Schutzgebiete der Region mit insgesamt 788,5 km², wovon etwa 88 % Meeresfläche sind. Es umfasst wichtige Rast- und Brutgebiete für Zugvögel (zum Beispiel Gänse, Enten, Kraniche, Seeadler), Seehunde und marine Lebensräume.
  • Nakskov Fjord og Indrefjord – ein weiteres großes Natura-2000-Gebiet mit Brackwasserfjord, Schilfgürteln, kleinen Inseln und wichtigen Vogelrastplätzen; es erstreckt sich über mehrere Tausend Hektar.
  • Maribosøerne (Maribo-Seen) – Seenlandschaft mit umliegenden Mooren und Wäldern, ebenfalls Natura-2000- und Ramsar-Gebiet, bekannt für reiches Vogel- und Pflanzenleben.
  • Saksfjed-Hyllekrog – Küstengebiet im Süden mit Salzwiesen, Dünen und Vogelrastplätzen (besonders wichtig für Greifvögel auf dem Zug); teilweise strengere Zugangsbeschränkungen in der Brutzeit.
  • Bøtø Nor und Rødsand – Flache Meeresbuchten und Lagunen mit Seehundkolonien und international bedeutsamen Vogelpopulationen.
  • Weitere kleinere Gebiete wie Frejlev Skov (besonders wertvoller Laubwald mit hoher Biodiversität) oder verschiedene § 3-Biotope (geschützte Moore, Sümpfe, Seen, Hecken usw. nach dänischem Naturschutzgesetz).

Viele dieser Gebiete überschneiden sich: Die großen Natura-2000-Zonen umfassen sowohl Land- als auch Meeresflächen und integrieren oft frühere Wildreservate oder Vogelschutzgebiete. Rein terrestrische Schutzflächen (Land-Naturtypen wie Moore, Wälder, Wiesen, Küstendünen) liegen schätzungsweise bei 5 bis 12 % der Insel (60 bis 150 km²), während die gesamten Natura-2000-Flächen mit Meeresanteil, die Lolland direkt betreffen oder umgeben, deutlich über 1.000 km² liegen.

Klima

Mön liegt im Bereich der kühlgemäßigten ozeanischen Klimazone, dänisch Tempereret Kystklima. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation entspricht dies der gemäßigten, vollhumiden ozeanischen Zone (Cfb). Die Winter sind kühl bis kalt, windig und feucht, die Sommer mild, selten auch heiß, vergleichsweise ruhig und in der Tendenz eher trocken. Da die Insel sehr flach ist und ihr nichts als Wasser vorgelagert ist, weht hier an zirka 350 Tagen im Jahr ein mittlerer bis teilweise sehr kräftiger Wind, zumeist aus westlichen Richtungen. Das lokale Wetter ändert sich dadurch recht schnell und überrascht den Besucher nicht selten mit sehr heißen und kurz darauf bitterkalten Tagen.

Mythologie

Lolland, die flache, fruchtbare Insel im Süden Dänemarks, ist landschaftlich vor allem durch Landwirtschaft, Küsten und Feuchtgebiete geprägt – doch unter der Oberfläche lebt eine reiche Welt aus Sagn (Sagen), lokaler Folklore und Elementen der nordischen Mythologie weiter. Im Vergleich zu dramatischeren Regionen wie Bornholm oder Jütland sind die Mythen auf Lolland meist erdverbundener, oft mit Hügelgräbern, Mooren, Lichtern in der Nacht und übernatürlichen Wesen verknüpft, die das Leben der Bauern und Fischer erklärten oder warnten.

Viele Erzählungen wurzeln in der vorchristlichen nordischen Mythologie (Asen wie Odin, Thor, Freya), die sich mit christlicher und lokaler Volkstradition vermischte. Der berühmteste Fund, der Lolland direkt mit der Mythologie verbindet, ist das Thorshammer-Amulett aus Købelev (10. Jahrhundert): Ein silbernes, hammerförmiges Schmuckstück mit Runeninschrift „hrr ist ein Hammer“ (mit kleinen Fehlern im Runenalphabet). Es gilt als einer der klarsten Beweise, dass Mjölnir, der Hammer des Donnergottes Thor, tatsächlich als Schutzamulett getragen wurde – ein Stück echte nordische Mythologie, direkt aus Lollands Erde geborgen.

Typisch für Lolland-Falster sind Geschichten um übernatürliche Lichter und Lygtemænd oder Lygtemanden (Irrlichter). In den nebligen Nächten der großen Moore und ehemaligen Moore (zum Bewispiel um Bøtø Nor, Maribo-Søerne oder Nakskov Fjord) sieht man wandernde Flammenlichter, die Menschen in die Irre führen, in Sümpfe locken oder als Seelen Verstorbener gelten. Diese Sage ist in der dänischen Volkstradition weit verbreitet, wird aber besonders mit den sumpfigen Landschaften Lollands assoziiert und in lokalen Erzählungen (zum Beispiel in der Podcast-Serie „Sagnfolket“) lebendig gehalten. Neben den Irrlichtern wird über Nisse (Hausgeister) und Lygtemænd, kleine Kobolde, bereichtet, die auf Bauernhöfen für Ordnung oder Streiche sorgen.

Elverhøje (Elfenhügel) und Troldehuller (Trollhöhlen bzw. löcher) sind alte Grabhügel oder natürliche Erhebungen, in denen Elfen (alfer) oder Trolle hausen sollen. Wer nachts zu nah kommt, riskiert, verzaubert, entführt oder mit Krankheit belegt zu werden. Solche Orte gibt es verstreut über die Insel, oft in Verbindung mit bronzezeitlichen oder eisenzeitlichen Hügelgräbern. Weit verbreitet sind Kirke- og slotsruiner-sagn, Geschichten um versunkene Kirchen oder Geister in alten Herrenhäusern. Diese sind manchmal mit unterirdischen Gängen (zum Beispiel in der Gegend um Nakskov oder Maribo) verbunden.

Zusätzlich zu den überlieferten Mythen schafft das Kunstprojekt Dodekalitten bei Kragenæs mit seinen riesigen singenden Steinfiguren eine Art neue, zeitgenössische Mythologie, die bewusst an uralte Wanderer und mythische Vorfahren anknüpft (angeblich vor 7500 Jahren nach Lolland gekommen).

Im Vergleich zu dramatischen Sagas von Riesen, Drachen oder Weltenbäumen (wie Yggdrasil) sind Lollands Mythen meist kleinteilig, erdnah und warnend: Sie erklären gefährliche Moore, plötzliche Krankheiten oder missratene Ernten durch unsichtbare Mächte. Viele Sagen wurden bis ins 19./20. Jahrhundert mündlich überliefert, besonders in abgelegenen Dörfern Vestlollands, und finden sich heute in lokalen Heimatbüchern, im Museum Lolland-Falster oder in Projekten wie „Sagnfolket“ wieder.

Geschichte

Lolland ist seit der mittleren Steinzeit besiedelt. Da damals die umliegenden Belte zum Teil noch Festland waren, findet man an der Küste alte Siedlungsplätze mit Feuersteinwerkzeug. Mit der Trichterbecherkultur kam der Ackerbau und der Megalithanlagenbau nach Lolland. Der Kong Svends Høj (König Svens Hügel) ist das größte Ganggrab Dänemarks. Parallel zur dänischen Besiedlung versuchten sich im frühen Mittelalter Slawen auf der Insel (und auf Falster) niederzulassen, wovon slawischen Ortsnamen mit dem Suffix itse. Korselitse, Kramnitse, Kuditse, Tillitse ebenso zeugen, wie die Seesperre von Hominde. Später wurde Lolland verschiedenen Prinzen des dänischen Königshauses überlassen und in der Auflösungsperiode des dänischen Staats unter König Christoph II. von Dänemark (1320 bis 1332) war der größte Teil der Insel nebst Falster in den Händen des holsteinischen Grafen Johann III..

Mesolithikum

Das Mesolithikum (Mittelsteinzeit, um -9000 bis -4000) auf Lolland war eine Zeit intensiver Anpassung an die postglaziale Landschaft. Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 15.000 Jahren besiedelten Jäger-Sammler-Gruppen aus dem Westen und Osten Europas die Region, wobei Dänemark – und damit Lolland – als Grenzgebiet zwischen westlichen (aus dem Ahrensburg-Kulturkreis) und östlichen (aus dem skandinavischen Norden) Einflüssen fungierte.

Die Insel, damals von dichten Laubwäldern (dominiert von Eichen, Linden und Haseln) bedeckt und umgeben von Fjorden und Seen, bot reiche Ressourcen für eine semi-sedentäre Lebensweise, die stark auf Fischerei, Jagd und Sammeln ausgerichtet war. Wichtige Fundstätten wie Syltholm II (MLF00906-III) im Syltholm-Fjord, einem ehemaligen Küstengebiet, das durch Meeresspiegelanstieg überschwemmt wurde, haben zahlreiche Artefakte erbracht: Knochenwerkzeuge, wie Speerspitzen, Harpunen und Angelhaken aus Geweih und Knochen, die eine fortgeschrittene Jagdtechnik auf Wildtiere wie Wildschweine, Hirsche und Vögel belegen. Besonders hervorstechend sind stationäre hölzerne Fischfallen und Wehre, die aus Hasel- und Eichenstäben gefertigt wurden und in den Fjorden in den Boden gerammt waren. Diese Konstruktionen, die ab dem mittleren Mesolithikum (um -7000) nachweisbar sind, ermöglichten eine effiziente, ganzjährige Fischerei auf Arten wie Aal, Hecht und Barsch – eine Technik, die in Nordeuropa seit der frühen Mesolithikum bekannt ist, aber auf Lolland in ungewöhnlicher Dichte und Erhaltung vorkommt. Radiokarbondatierungen aus Syltholm datieren diese Strukturen auf bis -6600, was sie zu den ältesten in Dänemark macht und zeigt, dass die Menschen hier tiefe ökologische Kenntnisse besaßen, um Gezeiten, Strömungen und Habitate zu nutzen. Ein hervorstechender Fund ist "Lola", ein 6000 Jahre altes Stück Birkenpech-Kaugummi aus dem Syltholm-Fjord, das DNA einer jungen Frau enthielt: Genetisch eine reine Jäger-Sammlerin mit dunkler Haut, blauen Augen und laktointoleranz, die Wildschweine jagte – ein Beleg für die Persistenz mesolithischer Kulturen selbst in der Übergangszeit.

Die Bevölkerung lebte in saisonalen Lagern, nutzte Boote für den Fjordverkehr und hinterließ Spuren von Feuerstellen und Abfallhaufen (kitchen middens), die auf eine vielfältige Ernährung hinweisen: Bis zu 80 % mariner Proteine, ergänzt durch Nüsse, Beeren und Wild. Pollenanalysen aus dem Fjord bestätigen eine dichte Walddeckung, die nur minimal anthropogen beeinflusst war, mit leichten Rodungen für Siedlungen. Insgesamt war das Mesolithikum auf Lolland eine Ära der Resilienz, in der Menschen die natürliche Fülle der Insel nutzten, ohne sie stark zu verändern – eine "fischende" Kultur, die den Übergang zum Neolithikum vorbereitete.

Neolithikum

Der Übergang zum Neolithikum um -4000 bis -3900 markiert auf Lolland eine dramatische, aber nicht abrupte Veränderung, die die traditionelle "Neolithische Revolution" – den Wechsel von Jagd zu Landwirtschaft – nuanciert. Genom-Analysen von über 100 Skeletten aus Dänemark, einschließlich Lolland, zeigen zwei große Populationsturnover: Zuerst eine Vermischung mesolithischer Jäger-Sammler mit anatolischen Farmern (aus dem Nahen Osten über Mitteleuropa), die domestizierte Tiere (Rinder, Schafe, Schweine) und Getreide (Weizen, Gerste) einführten, gefolgt von einer zweiten Welle um 3800 v. Chr., die die lokale Bevölkerung weitgehend ersetzte. Auf Lolland manifestiert sich dies in einer "Dualität": Mesolithische Praktiken wie Fischerei und Jagd koexistierten mit neolithischen Innovationen, wie stabile Isotopen-Analysen von Knochen aus Syltholm II belegen – hier fanden sich Überreste wilder Tiere aus Wäldern, Salzmarschen und offenen Landschaften neben domestizierten Rindern und Schweinen. Die Syltholm-Funde deuten auf eine "kulturelle Dualität" hin: Manche Gruppen hielten an mesolithischen Traditionen fest, während andere Landwirtschaft integrierten, was zu einer hybriden Wirtschaft führte. Pollenrekonstruktionen zeigen erste anthropogene Landschaftsveränderungen: Leichte Waldrodungen für Ackerbau und Viehweiden, die die dichte Eichenwälder allmählich öffneten. Dieser Prozess war regional variabel – auf Lolland-Falster, basierend auf Streufunden, blieb die Landnutzung kontinuierlich, mit Fokus auf Küstenressourcen, was die narrative einer "revolutionären" Veränderung herausfordert und stattdessen eine schrittweise Adaption betont.

Im Neolithikum (um -4000 bis -1700) festigte sich auf Lolland die landwirtschaftliche Lebensweise, die durch die Trichterbecher-Kultur (Funnel Beaker Culture, FBC, um -4000 bis -2800) und später die Einzelgrab-Kultur (Single Grave Culture, SGC) geprägt war. Sites wie Syltholm II und Nygårdsvej 3 (auf benachbartem Falster, aber relevant für Lolland) enthüllen fortschrittliche Technologien: Steinpflaster-Keller (pits) als Lagerräume für Vorräte, datiert auf etwa -5000, die erste Häuser, Megalithgräber (Dolmen) und Landschaftsstrukturen zeugen von einer sesshaften Gesellschaft, die Wälder rodete und Felder anlegte. Fischerei blieb jedoch zentral – neolithische Fischwehre in Syltholm, oft aus Hasel und Esche, waren komplexer und variabler als mesolithische, mit Fallen für Massenfang, was zeigt, dass aquatische Ressourcen bis zu 50 % der Ernährung ausmachten, ergänzt durch Ackerbau und Viehzucht. Artefakte umfassen polierte Steinaxten, Keramik (Trichterbecher) und Haftmittel wie Birkenpech für Leister (Fischspeere), was eine kontinuierliche Nutzung mesolithischer Techniken andeutet.

Genetische Daten bestätigen eine Veränderung in Aussehen und Ernährung: Hellere Haut, Laktosetoleranz und eine Mischung aus Jäger-Sammler- und Farmer-Genen. Die Landschaft wandelte sich: Von dichten Wäldern zu offeneren Arealen mit Megalithen als rituellen Markern, die soziale Komplexität signalisieren. Spätere Phasen (Mittelneolithikum) brachten Metallimporte und intensivere Landnutzung, doch Lolland blieb ein Hotspot für Küstenkulturen. Insgesamt unterstreichen die Funde eine "persistente Mesolithikum" in der frühen Neolithikum, wo Fischerei und Jagd die landwirtschaftliche Expansion milderten – ein Muster, das die dänische Prähistorie als lokalen, anpassungsfähigen Prozess darstellt und aktuelle Debatten über Neolithisation bereichert.

Bronzezeit

Die Bronzezeit auf Lolland (um -1700– bis -500) war geprägt von der Etablierung metallbasierter Technologien und einer zunehmend hierarchischen Gesellschaft, die durch Handel mit Bronzeimporten aus Mitteleuropa florierte. Der Übergang aus dem Neolithikum erfolgte um -1700, als bronzeverarbeitende Kulturen wie die Nordische Bronzezeit-Kultur (Nordic Bronze Age) Einzug hielten, oft assoziiert mit der Trichterbecher-Kultur-Nachfolge und später der Hügelgräber-Kultur. Auf Lolland manifestiert sich dies in einer intensiven Landschaftsnutzung: Pollenanalysen aus dem Syltholm-Fjord zeigen, dass dichte Laubwälder (Eichen, Linden) bis etwa -1000 dominierten, bevor großflächige Rodungen für Ackerbau und Viehzucht einsetzten, was zu offeneren, agrarischen Landschaften führte.

Funde aus Syltholm II (MLF00906-III) umfassen bronzezeitliche Artefakte wie polierte Steinaxten, Keramik und hölzerne Strukturen, die eine Kontinuität neolithischer Praktiken wie Fischerei ergänzen – Fischwehre und Fallen blieben in Gebrauch, während domestizierte Tiere (Rinder, Schafe) und Getreideanbau (Gerste, Weizen) zunahmen. Eine ikonische Entdeckung aus 2025 bei Boeslunde (nahe Lolland, aber regional relevant) sind goldverzierte Eisenlanzen aus um -900 bis -830 (Bronzezeit Periode V), die ältesten bekannten Eisenartefakte Dänemarks, mit Birkenpech-Haft und Goldüberzug, die rituelle Opferungen an Quellen andeuten. Diese Lansen, gefunden in einem sakralen Kontext mit Kochgruben und Goldopfern, deuten auf Lolland als religiöses Zentrum hin, wo Elite-Objekte in Feuchtgebieten deponiert wurden, möglicherweise um Fruchtbarkeit zu sichern. Genomdaten aus dänischen Gräbern (inklusive Lolland-Funde) offenbaren eine Mischung aus neolithischen Farmern und steppennomadischen Zuzüglern (Yamnaya-ähnlich), die hellere Haut und Laktosetoleranz brachten, während soziale Ungleichheit zunahm: Hügelgräber (Tumuli) mit Bronzeschwertern und Schmuck markieren Häuptlingstümer, die Handel mit Bernstein und Metall kontrollierten. Wirtschaftlich blieb Lolland hybrid – maritim (Fjordfischerei) und agrarisch – mit ersten Spuren von Metallverarbeitung, obwohl Eisen erst marginal (als Import) vorkam. Bis -500 intensivierte sich die Deforestation, was Erosion und offene Felder förderte, ein Vorläufer eisenzeitlicher Intensivierung.

Eisenzeit

Der Übergang zur Eisenzeit um -500 brachte auf Lolland eine technologische Revolution durch lokale Eisenproduktion, die Bronze ergänzte und später ersetzte, sowie kulturelle Veränderungen durch germanische Einflüsse. Die Präromanische Eisenzeit (um -500 bis 1. Jahrhundert) sah eine Fortsetzung bronzezeitlicher Traditionen, aber mit Eisenwerkzeugen, die Ackerbau effizienter machten – Funde aus Syltholm zeigen Eisenmesser und -haken, die Fischerei und Landwirtschaft verbesserten. Pollenrekonstruktionen deuten auf weitere Rodungen hin, mit Heathlands und Celtic Fields (kleine, umgrenzte Äcker) wie in Øster Lem Hede (regional), die kollektive Landnutzung andeuten. Siedlungen wurden sesshafter, mit Langhäusern und Viehställen, während Bestattungen von Inhumation zu Kremation übergingen, oft in Urnenfeldern.

Die Römische Eisenzeit (1. bis 4. Jahrhundert) ist auf Lolland durch spektakuläre Funde wie das Hoby-Chieftain-Grab (entdeckt 1920) gekennzeichnet: Ein reiches Fürstengrab mit römischen Importen (Silberbecher, Weinamphoren), das auf Handelskontakte mit dem Römischen Reich hinweist und strontium-isotopische Analysen (2021) bestätigen Zuzug aus dem Süden. Hoby, im Westen Lollands, war ein Machtzentrum, wo germanische Eliten römische Luxusgüter horteten, möglicherweise als Statussymbole in Konflikten. Eine 770 m lange defensive Erdwall-Anlage (entdeckt 2020) aus der Römischen Eisenzeit deutet auf militärische Bedrohungen hin – ein "Minefield" mit Gräben und Pfählen, das Siedlungen schützte.

Goldamulette, wie eines aus 2016 mit Odin-Darstellung (um 500), signalisieren mythische Elemente in der Germanischen Eisenzeit (um 400 bis 800), wo Runen und Bootgräber (zum Beispiel Petersdal, 1921) auftauchen. Diese Periode sah Bevölkerungswachstum, intensiven Ackerbau (Celtic Fields auf Lolland-Falster) und Konflikte, wie Massengräber andeuten (ähnlich Alken Enge in Jütland). Genomisch zeigt sich eine stabile germanische Population mit skandinavischen Wurzeln, ergänzt durch römische Einflüsse. Landschaftlich wurde Lolland offener, mit Heathlands und Dörfern, die Wikingerzeit vorbereiteten – eine Ära von Krieg, Handel und Ritualen, die die Insel zu einem Hotspot nordeuropäischer Prähistorie machte.

Wikingerzeit

Die Wikingerzeit (um 800 bis 1050) auf Lolland war eine Ära des Übergangs von lokalen germanischen Stämmen zu einer expansiven, seefahrenden Kultur, die durch Handel, Plünderungen und Kolonisation geprägt war. Während die Wikingerzeit traditionell mit dem Raubzug auf Lindisfarne 793 beginnt, deuten Funde auf Lolland auf frühere maritime Aktivitäten hin, die den Handel mit slawischen Wenden (Küstenslawen) im Baltikum förderten. Die Insel, Teil des aufstrebenden dänischen Königreichs unter Figuren wie Harald Blauzahn (um 958 bis 987), profitierte von ihrer Lage: Der Guldborgsund und die Fjorde ermöglichten Schifffahrt, während offene Felder (aus bronze- und eisenzeitlichen Rodungen) intensiven Ackerbau erlaubten. Pollenanalysen aus Syltholm zeigen eine Landschaft mit Heathlands, Weiden und Getreidefeldern, die eine wachsende Bevölkerung ernährten – ergänzt durch Fischerei und Viehzucht.

Wichtige Funde umfassen Runensteine, von denen sieben auf Lolland und Falster bekannt sind: Diese Steine, oft memorial, erzählen von lokalen Machtverhältnissen und baltischen Verbindungen, etwa Reisen oder Bündnisse mit Wenden. Hervorstechend ist das 2024 entdeckte Gräberfeld bei Åsinge mit 50 ungewöhnlich gut erhaltenen Skeletten (um 850 bis 970), darunter Männer, Frauen und Kinder mit Artefakten wie Messern, Glasperlen und Fibeln – Belege für Alltagskleidung und Schmuck der Wikingerzeit. Die Skelette, in Feuchtboden konserviert, ermöglichen DNA-Analysen, die eine gemischte Bevölkerung andeuten: Germanische Dänen mit Einflüssen aus dem Norden (zum Beispiel norwegische Rentiergeweihe, die auf Handel hinweisen, ähnlich wie in Ribe). Siedlungen wie in Sundby oder Nakskov zeigten Langhäuser, Schmiedewerkstätten und Hafenanlagen, wo baltische Keramik, Silbermünzen und Importe aus dem Osten (zum Beispiel slawische Waren) gehandelt wurden. Gewalt war präsent, doch im Vergleich zu Norwegen geringer: In Dänemark, inklusive Lolland, dominierte eine stratifizierte Gesellschaft mit robusten Autoritäten, die Konflikte eindämmten – wenige Waffenfunde, aber defensive Strukturen wie Erdwälle deuten auf Bedrohungen durch Wenden oder interne Rivalitäten hin.

Rituale spielten eine zentrale Rolle. Opferdepots in Feuchtgebieten (ähnlich Boeslunde) und Gräber mit Booten oder Amuletten (zum Beispiel Odin-Darstellungen) signalisieren Übergang zum Christentum unter Harald Blauzahn, der um 965 auf dem Jelling-Stein "Dänemark" erstmals nannte und Ringburgen wie Aggersborg baute – Modelle, die auf Lolland in kleineren Befestigungen nachhallten. Die Wikingerzeit endete mit der Christianisierung und Zentralisierung: Lolland wurde Teil eines vereinten Reiches, mit wachsendem Handel statt Raubzügen, was die Insel zu einem Tor nach Norddeutschland machte.

Mittelalter

Der Übergang ins Mittelalter (um 1050 bis 1500) sah auf Lolland die Konsolidierung dänischer Macht unter Königen wie Valdemar dem Großen (1131 bis 1182), die die Insel in ein Netz aus Burgen, Kirchen und Handelsrouten einbetteten. Die Wikingerzeitliche Expansion mündete in eine feudale Gesellschaft, beeinflusst von Konflikten mit slawischen Wenden, die Lolland mehrmals plünderten oder besetzten – etwa durch die Hanse im 13. Jahrhundert oder Holstein 1326. Die Insel, Teil des Bistums Roskilde oder Lolland-Falster, war attraktiv durch fruchtbare Böden und Lage: Handel mit Salz, Fisch und Getreide blühte, während Rodungen die Landschaft weiter öffneten – Pollen zeigen Übergang zu intensivem Ackerbau und Viehwirtschaft.

Zentrale Fundstätten sind Burgen wie Refshaleborg bei Nakskov: Erbaut um 1180 von Valdemar, erweitert 1250, war es eine der wichtigsten dänischen Festungen – ein königlicher Stützpunkt gegen Wenden, mit Gräben, Türmen und Steingebäuden, der Frieden und Steuern sicherte. Archäologische Spuren umfassen Keramik, Waffen und Münzen, die kulturelle Mischung belegen: Dänen und Wenden lebten koexistent, mit toleranter Ambivalenz – Handel statt Krieg, wie in Runensteinen und Quellen ersichtlich. Kirchen wie die Maribo Domkirke (gegründet 1416 als Kloster, gotisch) oder St. Nikolaj in Nakskov repräsentieren die Christianisierung: Gotische Bauten mit Fresken und Altären, die spirituelles und administratives Zentrum bildeten. Siedlungen wie das verlorene Dorf bei Tollerup (ähnlich auf Lolland) zeigen Höfe aus dem 14. bis 16. Jahrhundert mit Gräben und Gebäuden – seltene ländliche Reste, die Alltag (Landwirtschaft, Handwerk) offenbaren.

Das Middelaldercentret in Sundby, ein experimentelles Open-Air-Museum, rekonstruiert ein Marktstädtchen um 1400: Häuser, Hafen, Schiffe und Kanonen demonstrieren Technik, Handel und Krieg – Forschungen zu Pulver, Kleidung und Schifffahrt bereichern das Verständnis. Defensive Strukturen wie ein 770 m langer Erdwall (1. bis 4. Jahrhundert, aber mittelalterlich genutzt) schützten vor Invasionen. Sozial war Lolland hybrid: Adelige Vasallen verwalteten Güter für Bischöfe, während Bauern Steuern zahlten – Wachstum durch Handel, aber Krisen durch Pest und Kriege. Insgesamt formte das Mittelalter Lolland zu einer prosperierenden Provinz: Von wikingerzeitlichem Abenteuer zu stabiler Feudalität, mit kultureller Vielfalt durch Wenden und Hanse, die die Grundlage für die Neuzeit legten – eine Ära, die in Museen wie dem Lolland-Falster Museum lebendig wird.

Frühe Neuzeit

1536 wurde Dänemark offiziell lutherisch, was auf Lolland schnell umgesetzt wurde. Die katholischen Klöster und Kirchen wurden säkularisiert – das Birgittenkloster in Maribo (gegründet 1416) wurde 1536 aufgelöst und in ein adeliges Gut umgewandelt, während die gotische Domkirke zur lutherischen Pfarrkirche wurde. Viele Kirchen erhielten neue Innenausstattungen (zum Beispiel Kanzeln, Altäre), und die Bibelübersetzung ins Dänische (Christian III. Bibel 1550) verbreitete sich rasch. Auf Lolland gab es keine großen religiösen Konflikte wie in Deutschland, aber die Reformation stärkte die königliche Macht und schwächte den Adel etwas. Die Insel blieb stark katholisch geprägt durch polnische Saisonarbeiter (später), doch der lutherische Glaube wurde dominant – bis heute spiegelt sich das in den erhaltenen Kirchen wider (zum Beispiel St. Nikolaj in Nakskov mit ihrer gotischen Pracht, die im 16./17. Jahrhundert erweitert wurde).

Wirtschaftlich dominierte die Gutshofs- und Leibeigenschaftsstruktur (godsdrift): Im 16. bis 18. Jahrhundert wuchsen große adlige Güter (etwa um Nakskov, Sakskøbing und Maribo), die von Bauern bewirtschaftet wurden, die oft in Leibeigenschaft (vornehmlich ab 1733 unter Christian VI.) lebten. Lolland war eine der Regionen mit hoher Konzentration von Patrimonialgütern – der Adel kontrollierte Land, Steuern und Gerichtsbarkeit. Die Landwirtschaft konzentrierte sich auf Getreide (Roggen, Gerste), Viehzucht und später Zuckerrüben-Vorläufer (Rübenanbau boomte erst im 19. Jahrhundert, aber Vorformen gab es). Handel blühte in den Städten: Nakskov, seit dem 13. Jh. Marktstadt, war im 16./17. Jahrhundert ein wichtiger Hafen für Getreide-, Fisch- und Holzexport nach Lübeck und Hamburg (Hanse-Einfluss blieb spürbar). Die Stadt wurde 1510 von Lübecker Truppen besetzt und 1658 von Schweden – typisch für die Kriegsbelastungen. Sakskøbing entwickelte sich als kleiner Marktort mit Fjordhandel, Maribo als kirchliches und administratives Zentrum mit den Maribo-Seen als Ressource (Fischerei, Torf).

Die Kriege des 17. Jahrhunderts trafen Lolland hart: Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) und den Schwedisch-Dänischen Kriegen (1657 bis 1660, 1675 bis 1679) wurde die Insel mehrmals besetzt oder geplündert. 1658 eroberten schwedische Truppen Nakskov und plünderten die Umgebung – Hungersnöte und Seuchen (zum Beispiel Pestwellen) folgten. Die Bevölkerung schrumpfte, Höfe wurden verwüstet, und der Wiederaufbau dauerte Jahrzehnte. Dennoch blieb Lolland relativ stabil: Keine großen Bauernaufstände wie in Jütland (wo 1650er Jahre Unruhen gab), aber soziale Spannungen durch Leibeigenschaft und hohe Abgaben. Im 18. Jahrhundert setzte eine leichte Erholung ein – unter absolutistischer Monarchie (ab 1660) wurden Verwaltung zentralisiert, Straßen verbessert (Viabundus-Netz), und Handel mit Deutschland (über Fehmarnbelt) nahm zu. Nakskov profitierte von seiner Werfttradition (Schiffbau für Handel und Marine), während ländliche Gebiete durch Dreifelderwirtschaft und Viehzucht prosperierten.

Sozial und kulturell war Lolland provinziell. Die Bevölkerung blieb überwiegend dänisch-bäuerlich, mit wachsendem Einfluss polnischer Arbeiter ab Ende des 18. Jahrthunderts (Vorboten der „roepiger“ im 19. Jahrhundert). Es gab keine großen Universitäten oder Höfe, aber Kirchen und Gutshöfe prägten das Bild – zum Beispiel Refshaleborg (Nakskov-Umgebung) als befestigter Gutshof. Die Aufklärung erreichte Lolland nur langsam: Bildung war kirchlich, Armut hoch (Fattiggårde wie in Løjtofte ab 1871, aber Vorläufer im 18. Jahrhundert), und Seuchen wie die Spanische Grippe-Vorgänger (Pocken) forderten Opfer.

Modernisierungszeit

Der Einstieg ins 19. Jahrhundert fiel mit den Folgen der Napoleonischen Kriege zusammen: Dänemark verlor 1814 Norwegen, litt unter Staatsbankrott (1813) und Hungersnöten. Auf Lolland führte das zu Armut und Auswanderung, doch ab den 1830er und 1840er Jahren setzte eine Erholung ein. Die Agrarreformen (Stavnsbånd-Auflösung 1788 bis 1800, endgültig um 1849 mit der Verfassung) befreiten die Bauern von Leibeigenschaft und ermöglichten Landkauf. Auf Lolland, wo viele Güter (Herregårde) in adliger Hand blieben, entstanden moderne Höfe mit Koppelwirtschaft (Wechsel von Acker und Weide), verbessertem Saatgut und Düngung. Die Schulreformen von 1814 (und Vorläufer 1806 für Seeland, Lolland-Falster, Fünen) führten zu flächendeckender Volksschulbildung – auf Lolland gab es bereits in den 1830er Jahren viele ausgebildete Lehrer (über 80 % in manchen Regionen), was Alphabetisierung und Produktivität steigerte.

Der entscheidende Wandel kam mit der Zuckerrübenkultur ab den 1850er und 1860er Jahren. Dänemark, zuvor abhängig von importiertem Rohrzucker, sah in der Rübe eine Alternative (inspiriert von Deutschland und Frankreich). Die erste dänische Zuckerfabrik entstand 1872 in Holeby (Lolland), gefolgt von Nakskov 1882–1883 (gebaut von De Danske Sukkerfabrikker unter Carl Frederik Tietgen). Nakskov wurde schnell eine der größten Fabriken Nordeuropas (Anfangskapazität 300 Tonnen Rüben/Tag, später massiv erweitert). Bis 1914 gab es auf Lolland mehrere Fabriken (Nakskov, Sakskøbing, Maribo-Umgebung), die die Insel zur „Zuckerinsel“ machten. Die Rübenanbaufläche explodierte: Lolland-Falster wurde zum Zentrum der dänischen Zuckerproduktion, mit intensiver Dreifelderwirtschaft, Dampfpflügen (ab ca. 1880) und Maschinen. Die Fabriken schufen Jobs (Saison- und Dauerarbeiter), zogen Investitionen an und modernisierten die Landwirtschaft – von Handarbeit zu proto-industrieller Produktion. Neben Zucker entstanden Nebenprodukte (Melasse für Viehfutter, Schnitzel), was die Milchwirtschaft ankurbelte (Kooperativen ab 1880er).

Sozial war dies eine ambivalente Revolution: Die polnischen Saisonarbeiter („roepiger“ = Rübenmädchen) kamen ab 1893 massiv – von 400 auf 14.500 pro Jahr bis 1914 (insgesamt ca. 100.000 zwischen 1893 und 1914, viele wiederholt). Meist junge Frauen aus Galizien (Österreich-Ungarn) arbeiteten unter harten Bedingungen: Handarbeit (Säen, Jäten, Ernten mit gebücktem Rücken), primitive Baracken („polakkaserne“), niedrige Löhne (teilweise Naturalien wie Kartoffeln, Milch). Viele wurden ausgebeutet, doch einige siedelten sich an und integrierten sich (Vorläufer der heutigen polnischen Community). Denkmäler wie das „Roepiger“-Monument in Sakskøbing (1940) erinnern daran. Die dänischen Bauern profitierten enorm, aber die soziale Kluft wuchs: Eliten (Fabrikbesitzer, Großgrundbesitzer) vs. arme Arbeiter.

Infrastruktur und Urbanisierung boomten: Die Eisenbahn Maribo–Rødby (1869) und Nakskov–Nakskov Fjord (1870er) verbanden die Insel, erleichterten Transport von Rüben und Zucker. Der Fährverkehr (Vogelfluglinie) wuchs, Nakskov wurde Industriestadt mit Werft (ab 1916, aber Vorläufer). Städte wie Nakskov, Maribo und Sakskøbing wuchsen, während Dörfer entvölkerten.

Politisch blieb Dänemark neutral: Lolland war vom Deutsch-Dänischen Krieg 1864 (Verlust Schleswigs) betroffen (Flüchtlinge, Spannungen), profitierte aber von Frieden 1871 bis 1914. Die Insel war konservativ-ländlich, mit wachsendem Einfluss sozialdemokratischer und liberaler Bewegungen (Kooperativen, Arbeiterorganisationen ab 1900er).

Weltkriegsära

Der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) traf Lolland indirekt, da Dänemark neutral blieb. Die britische Seeblockade und deutsche U-Boot-Kriege führten zu Knappheit an Importgütern (Dünger, Kohle, Futter), was den Rübenanbau und die Zuckerproduktion beeinträchtigte. Nakskov Sukkerfabrik und andere Werke (Sakskøbing, Maribo, Højbygaard) produzierten weiter, aber mit reduzierter Kapazität. Die polnischen Arbeiter kamen weiterhin (zirka 5.000 bis 10.000 pro Saison in den 1910er Jahren), doch der Krieg reduzierte den Zustrom aus Galizien. Soziale Spannungen wuchsen: Hohe Lebensmittelpreise, Inflation und Streiks in den Fabriken (zum Beispiel 1917/18). Die Insel profitierte von der Neutralität – kein direkter Krieg, aber wirtschaftliche Belastung und Hungersnöte in den Städten.

In den 1920er Jahren erholte sich Lolland schnell. Die Zuckerindustrie boomte weiter: Nakskov Sukkerfabrik modernisierte (neue Maschinen, Dampfkraft), und Lolland-Falster produzierte bis zu 40–50 % des dänischen Zuckers. Die Roekampagne (September–Dezember) blieb saisonal dominant, mit Tausenden polnischer Frauen (roepiger), die in primitiven Baracken (polakkaserne) lebten. Die Zahl der polnischen Arbeiter stieg auf Rekordhöhen (bis zu 14.000 bis 15.000 pro Jahr Ende 1920er), viele aus wirtschaftlich notleidenden Gebieten Polens. Die Bedingungen waren hart (lange Tage, niedrige Löhne, Geschlechtertrennung), doch die Arbeiterinnen brachten Geld nach Hause und integrierten sich teilweise (einige heirateten Dänen, blieben dauerhaft). Die dänische Landwirtschaft profitierte enorm – die Rübenkultur sicherte stabile Einkommen für Bauern.

Die Weltwirtschaftskrise ab 1929/30 traf Lolland schwer. Zuckerpreise fielen, Export nach Deutschland und Großbritannien brach ein. 1930/32 wurden staatliche Sukkerordninger (Zuckerregelungen) eingeführt: Quoten, Subventionen und Preisfestsetzungen durch De samvirkende danske Sukkerroedyrkerforeninger und De Danske Sukkerfabrikker, um die Produktion zu stabilisieren. Nakskov und andere Fabriken überlebten, aber mit Kurzarbeit und Lohnkürzungen. Die polnischen Arbeiterzahlen sanken (weniger als 5.000 in den frühen 1930er), da Dänemark restriktiver wurde (Arbeitslosenhilfe, Konkurrenz zu dänischen Arbeitslosen). Soziale Unruhen: Streiks, Landproteste (Landbrugernes Sammenslutning), doch Lolland blieb ruhiger als Jütland.

Der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945) veränderte alles. Dänemark wurde am 9. April 1940 in Operation Weserübung von Deutschland besetzt – Lolland war schnell unter Kontrolle (deutsche Truppen landeten in Rødbyhavn und nutzten den Fährhafen). Bis August 1943 blieb die Besatzung „modellhaft“: Die dänische Regierung kooperierte, Polizei und Verwaltung funktionierten weiter, König Christian X. symbolisierte Widerstand (Legende vom gelben Stern). Auf Lolland gab es keine großen Kämpfe, aber deutsche Präsenz: Truppen in Nakskov, Rødbyhavn (Fährhafen für Truppentransporte), Flugplätze und Radarstationen (zum Beispiel in Skovby). Die Zuckerfabriken arbeiteten für die deutsche Kriegswirtschaft – Rüben wurden priorisiert, Zucker ging teilweise nach Deutschland.

Ab August 1943 (nach dem Rücktritt der Regierung) wurde die Besatzung hart: Direkte deutsche Verwaltung, Verhaftungen, Zwangsarbeit. Die polnischen Arbeiter wurden zu Zwangsarbeitern: Viele der früheren freiwilligen roepiger blieben oder wurden durch polnische Zivilarbeiter/POWs ersetzt. In den Baracken lebten Tausende unter deutscher Aufsicht – harte Bedingungen, Mangel an Essen, aber Lolland hatte keine großen KZs (im Gegensatz zu anderen Regionen). Es gab Fluchtversuche und Sabotage. Der dänische Widerstand (Frit Danmark, lokale Gruppen) war aktiv: Sabotage an Bahnlinien (Maribo–Rødby), illegale Zeitungen, Fluchthilfe. Berühmte Figur: Monica Wichfeld (aus Lolland-Falster-Familie), die als einzige dänische Frau 1944 zum Tode verurteilt wurde (später begnadigt, starb 1945 im Lager).

Am 4./5. Mai 1945 kapitulierten die Deutschen in Nordwestdeutschland, Holland und Dänemark – Lolland wurde ohne Kämpfe befreit (im Gegensatz zu Bornholm, das sowjetisch bombardiert wurde). Deutsche Truppen zogen ab, Flüchtlinge (zum Beispiel aus Ostpreußen) kamen in Lagern wie Hasselø (bis 1947 bis zu 3.800 Personen). Die Zuckerfabriken nahmen schnell wieder Fahrt auf, doch mit Materialmangel und zerstörten Infrastrukturen.

Moderne Zeit

Die moderne Zeit auf Lolland von 1945 bis zur Coronazeit (ca. 1945–2019/2020) war eine Phase des Wiederaufbaus, der wirtschaftlichen Umstrukturierung, anhaltender Abwanderung und zunehmender Abhängigkeit von EU-Subventionen, Tourismus und großen Infrastrukturprojekten. Die Insel, die nach dem Zweiten Weltkrieg noch von der Zuckerindustrie und Landwirtschaft geprägt war, erlebte einen langsamen Strukturwandel: Von industrieller Prosperität zu einem der demografisch und wirtschaftlich schwächsten Gebiete Dänemarks. Die Bevölkerung schrumpfte kontinuierlich (von ca. 87.000 im Jahr 1945 auf rund 58.000–60.000 um 2020), was Lolland zu einer der am stärksten betroffenen Regionen des Landes machte – typisch für periphere dänische Provinzen fernab von Kopenhagen.

Der Wiederaufbau nach 1945 verlief relativ ruhig. Die deutsche Besatzung endete friedlich am 4./5. Mai 1945, ohne Kämpfe auf Lolland. Deutsche Truppen zogen ab, Flüchtlingslager (zum Beispiel für Ostpreußen-Vertriebene) wurden bis Ende der 1940er Jahre aufgelöst. Die Zuckerfabriken (Nakskov, Sakskøbing, Højbygaard, Nykøbing Falster) nahmen schnell wieder Fahrt auf – die Roekampagne (Rübenkampagne) von September bis Dezember blieb saisonal dominant. In den 1950er/1960er Jahren boomte die Produktion: Lolland-Falster deckte bis zu 50 % des dänischen Zuckers ab, mit modernisierten Anlagen (Dampf- und später Elektroantrieb). Die polnischen Saisonarbeiter (roepiger) kehrten zurück, nun freiwillig und in geringerer Zahl (weniger als in den 1920er und 1930er Jahren), ergänzt durch dänische Saisonkräfte. Die Landwirtschaft wurde mechanisiert (Traktoren, Mähdrescher), Kooperativen und Genossenschaften (zum Beispiel für Milch und Zucker) stärkten die Bauern.

In den 1950er bis 1970er Jahren setzte jedoch der demografische und wirtschaftliche Abstieg ein.

Es kam zu einer Mechanisierung und Zentralisierung der Landwirtschaft mit weniger Arbeitsplätzen auf Höfen. Die Nakskov Skibsværft (Werft) wurde 1986/87 geschlossen, was den Verlust von Hunderten Jobs verursachte. Nakskov schrumpfte von 15.000 auf unter 12.000 Einwohner. Junge Leute wanderten nach Kopenhagen, Seeland oder ins Ausland (Bildung, Arbeit) ab. Eine niedrige Geburtenrate und Alterung (Lolland wurde eine der ältesten Regionen Dänemarks) taten das übrige.

Die Zuckerindustrie blieb Lebensader, aber mit Rückschlägen: EU-Zuckermarkt-Reform 2006 führte zu Quotenreduktion und Schließungen – Nakskov Sukkerfabrik überlebte als eine der letzten (modernisiert mit Gas statt Öl ab 2024), andere (zum Beispiel in Højbygaard) schlossen früher. Die Fabriken schufen immer noch Saisonjobs, doch die Abhängigkeit von Subventionen wuchs.

In den 1980er bis 2000er Jahren versuchte man Diversifikation: Tourismus boomte (Lalandia in Rødbyhavn wurde 1975 eröffnet, eines der größten Freizeitbäder Nordeuropas mit Aquadome, Wasserpark und Ferienhäusern – zieht bis heute Millionen Besucher an). Nakskov und Maribo entwickelten sich zu kleinen Kulturzentren (Museen, Festivals), Sakskøbing mit seinem „smilende vandtårn“ als Markenzeichen. Die Kommune Lolland entstand 2007 durch Fusion (aus sieben alten Kommunen), mit Maribo als Hauptort – ein Versuch, Verwaltung zu zentralisieren und Kosten zu senken.

Der große Hoffnungsträger ab den 2000er Jahren war der Fehmarnbelt-Tunnel (feste Fehmarnbeltquerung): 2008/09 dänisch-deutsches Staatsvertrag, Baubeginn 2021 (Stand 2026 noch im Bau). Der 18 km lange Absenktunnel (Rødbyhavn–Puttgarden) versprach mehr Verkehr, Jobs (Bau: Tausende Stellen) und wirtschaftlichen Aufschwung. Auf Lolland entstanden Baustellen (Rødbyhavn), temporäre Arbeitskräfte (vor allem aus Osteuropa), und Prognosen hofften auf Pendler, Tourismus und Logistik. Realität: Bis 2020/25 hauptsächlich Baustellenverkehr, lokale Belastungen (Lärm, Verkehr), aber auch Hoffnung auf Integration in die „Nordische Achse“ (Kopenhagen–Hamburg). Kritik: Umweltschäden in der Ostsee, hohe Kosten (über 7 Mrd. €), Zweifel an Verkehrsprognosen (aktuell nur rund 6.000 Autos/Tag per Fähre).

In den 2010er Jahren bis zur Coronazeit (2020 bis 2022) war Lolland eine der „abgehängten“ Regionen Dänemarks: Hohe Arbeitslosigkeit (oft über 8 bis 10 %, höher als Landesdurchschnitt), viele Sozialhilfeempfänger, niedriges Einkommen. Initiativen wie „Lolland-Falster Planen“ (EU-Förderung), Windkraft (viele Offshore-Parks im Fehmarnbelt), Testzentren für grüne Energie und Tourismus (Lalandia, Knuthenborg Safaripark) milderten das ab. Die Kommune wurde innovativ: Projekte für nachhaltigen Tourismus, E-Mobilität und Integration von Zuwanderern (seit 2015 mehr aus Syrien, Ukraine, Osteuropa). Die Corona-Maßnahmen trafen Lolland hart. Der Tourismus brach ein (Lalandia war fast leer), Zucker- und Bauarbeiten liefen weiter, aber mit Einschränkungen. Der Erholung ab 2022 erfolgte nur langsam.

Verwaltung

Lolland gehört zur Region Sjælland. Bis 1970 bildete Lolland mit der Nachbarinsel Falster das Maribo Amt. Dann wurde das Maribo Amt mit dem Præstø Amt zum Storstrøms Amt zusammengelegt. Gleichzeitig entstanden auf Lolland die Kommunen Ravnsborg, Nakskov, Rudbjerg, Højreby, Maribo, Rødby, Holeby, Sakskøbing, Nysted und Nykøbing Falster, wobei sich letztere auch auf die Insel Falster erstreckte. Am 1. Januar 2007 wurden die Kommunen auf Lolland und Falster neu geordnet. Im Westen von Lolland entstand aus den ehemaligen Kommunen Nakskov, Ravnsborg, Rudbjerg, Rødby, Maribo, Holeby und Højreby die Lolland Kommune mit damals 46.634 Einwohnern, die östlichen Lolländer Gemeinden Sakskøbing und Nysted mit Nykøbing Falster wurden mit vier Kommunen auf Falster zur damals 63.540 Einwohner zählenden Guldborgsund Kommune zusammengeschlossen.


Herrschaftsgeschichte

  • -5. bis 8. Jahrhundert germanische Häuptlingstümer
  • 8. Jahrhundert bis 958 dänische Häuptlingstümer
  • 958 bis 2. August 1380 Königreich der Dänen (Regnum Danorum)
  • 2. August 1380 bis 17. Juni 1397 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
  • 17. Juni 1397 bis 6. Juni 1523 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge) als Teil der Kalmarer Union
  • 6. Juni 1523 bis 16. Februar 1658 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
  • 16. Februar 1658 bis 27. Mai 1660 Königreich Schweden (Konungariket Sverige) und Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
  • 27.Mai 1660 bis 14. Januar 1814 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
  • 14. Januar 1814 bis 9. April 1940 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)
  • 9. April 1940 bis 5. Mai 1945 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark) unter Besatzung durch das Deutsche Reich
  • seit 5. Mai 1945 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)

Legislative und Exekutive

Die legislative Funktion (gesetzgebende Gewalt auf kommunaler Ebene) liegt beim Byrådet (Gemeinderat oder Kommunalrat). Dieser wird alle vier Jahre von den Bürgern direkt gewählt und besteht derzeit aus 25 Mitgliedern (seit 2018 reduziert von früher 31). Das Byråd ist das oberste Entscheidungsgremium der Kommune und trägt die Gesamtverantwortung. Es beschließt unter anderem den Jahreshaushalt (Budget), Steuern und Abgaben, kommunale Satzungen und Pläne (zum Beispiel für Stadtentwicklung, Soziales, Schulen) und die grundlegenden politischen Richtlinien. Das Byråd tagt öffentlich und entscheidet kollektiv durch Mehrheitsbeschlüsse.

Die exekutive Funktion (ausführende Gewalt) ist zweigeteilt, wobei der Borgmester (Bürgermeister) die zentrale Rolle spielt. Er wird vom Byråd aus seiner Mitte gewählt und ist der politische und administrative Leiter der Kommune. Er leitet die Sitzungen des Byråds, bereitet die Tagesordnung vor und ist für die Umsetzung der Beschlüsse verantwortlich. Gleichzeitig ist er der tägliche Chef der Verwaltung (direkte Leitung der Kommunalverwaltung) und vertritt die Kommune nach außen.

Ergänzend gibt es das udvalgsstyret (Ausschusssystem): Das Byråd bildet ständige Ausschüsse (zum Beispiel Finanzausschuss, Sozialausschuss, Technik- und Umweltausschuss), die vorbereitend und teilweise entscheidend in ihren Fachbereichen wirken. Diese Ausschüsse übernehmen Teile der exekutiven Vorbereitung und Steuerung.

Inseloberhaupt

Höchster Repräsentant ist der Bürgermeister (borgmester) der Lolland Kommune.


Borgmestre af Lolland Kommune (Bürgermeister der Gemeinde Lolland)

  • 1 Jan 2007 - 31 Dez 2013 Stig Vestergaard (SD)
  • 1. Jan 2014 - 31 Dez 2025 Holger Schou Rasmussen
  • seit 1 Jan 2026 Marie-Louise Brehm-Nielsen

Politische Gruppierungen

Die auf Lolland aktiven politischen Gruppierungen sind:

  • Socialdemokratiet (Sozialdemokraten) – traditionell stärkste Kraft auf Lolland; stark verankert durch Arbeiter-, Hafen- und Landwirtschaftsgeschichte
  • Venstre (Liberale Partei) – wirtschaftsliberal, stark im ländlichen Raum
  • Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei) – nationalkonservativ, lange Zeit bedeutend in strukturschwachen Regionen
  • Socialistisk Folkeparti (Sozialistische Volkspartei) – links-ökologisch
  • Enhedslisten (Einheitsliste) – linkssozialistisch
  • Radikale Venstre (Sozialliberale) – zentristisch-liberal
  • Konservative Folkeparti – konservativ-bürgerlich
  • Alternativet – grün-progressiv (regional schwächer vertreten)

Justizwesen und Kriminalität

Das Justizwesen und die Kriminalität auf Lolland sind – wie in den meisten ländlichen dänischen Regionen – überschaubar, ruhig und stark in die übergeordnete Struktur des Landes eingebunden. Im Januar 2026 ist Gemeinde Lolland Teil der Sydsjællands og Lolland-Falsters Politi-Kreds (Südseeland und Lolland-Falster Polizei), einer der 12 geografischen Politikredse Dänemarks. Diese Kreds deckt sieben Kommunen ab (darunter Lolland, Guldborgsund, Næstved, Slagelse undsoweiter) mit insgesamt rund 390.000 Einwohnern. Die Hauptstation liegt in Næstved (nördlich von Lolland), während auf Lolland selbst zwei lokale Politistationer existieren: eine in Nakskov und eine in Nykøbing Falster (letztere deckt auch Teile von Guldborgsund ab). Diese Stationen bearbeiten den Alltagsdienst (Streife, Anzeigenaufnahme, Verkehrskontrollen), während spezialisierte Einheiten (zum Beispiel für Gewaltkriminalität, Ausländerkontrolle in Rødbyhavn oder Drogen) zentral in Næstved oder von dort aus koordiniert werden.

Das Justizsystem folgt dem dänischen Standard: Zivil- und Strafsachen werden vor der Byret (Amtsgericht) verhandelt. Für Lolland ist das zuständige Gericht die Næstved Byret (Teil der Østre Landsret-Bezirks), die auch für die meisten Fälle aus Lolland-Falster zuständig ist. Kleinere Sachen (zum Beispiel Verkehrsdelikte, Bagatellstreitigkeiten) können lokal bearbeitet werden, aber größere Strafprozesse (zum Beispiel Gewalt, Drogenhandel) finden meist in Næstved statt. Es gibt keine eigene Domstol (Gericht) direkt auf Lolland – die Insel ist zu klein und zu wenig bevölkert, um ein eigenes Amtsgericht zu rechtfertigen. Schwere Fälle gehen bei Bedarf zur Østre Landsret (Oberlandesgericht Ost) in Kopenhagen oder zum Højesteret (Oberster Gerichtshof).

Die Kriminalität auf Lolland ist im dänischen Vergleich niedrig bis sehr niedrig und vorwiegend von Eigentumsdelikten (Einbrüche, Diebstähle, Sachbeschädigung) geprägt – typisch für eine ländliche, alternde und wirtschaftlich schwächere Region. Aktuelle Zahlen aus Danmarks Statistik (neueste verfügbare detaillierte Daten für Lolland Kommune, 2023/24, da 2025-Daten noch nicht vollständig publiziert sind):

  • Straffelovsovertrædelser (Straftaten nach Strafgesetzbuch): Rund 2.000 bis 2.500 gemeldete Fälle pro Jahr (inklusive Ejendomsforbrydelser ca. 1.500–1.600, Voldsforbrydelser ca. 300 bis 330, Seksualforbrydelser zirka 50 bis 70).
  • Vold (Gewalt): Etwa 300 bis 330 Fälle jährlich, meist leichtere Körperverletzungen, häusliche Gewalt oder Streitigkeiten – schwere Gewalt (zum Beispiel Messerangriffe) ist extrem selten.
  • Ejendomsforbrydelser (Eigentumsdelikte): Der größte Block, oft Einbrüche in Ferienhäuser (Lalandia-Bereich), Diebstähle aus Autos oder landwirtschaftliche Schäden (Traktoren, Maschinen).
  • Særlove (Sondergesetze, zum Beispiel Verkehrsdelikte, Drogen): Etwa 1.000 bis 1.200 Fälle, wobei Drogen- und Verkehrsdelikte (zum Beispiel Cannabis seit der Teillegalisierung) einen Teil ausmachen.


Im Vergleich zum dänischen Durchschnitt liegt Lolland (und die gesamte Sydsjællands og Lolland-Falsters Kreds) eher im unteren Bereich: Weniger Gewaltkriminalität als in urbanen Gebieten wie Kopenhagen, aber etwas höhere Raten bei Eigentumsdelikten durch Saisontourismus und wirtschaftliche Herausforderungen (hohe Arbeitslosigkeit, Abwanderung). Hadforbrydelser (Hasskriminalität) sind minimal (wenige Dutzend Fälle pro Jahr in der ganzen Kreds). Die Aufklärungsquote ist solide (dänischer Durchschnitt ca. 50–60 %), aber bei Einbrüchen oft niedrig, da Täter selten vor Ort sind.

Flagge und Wappen

Das Wappen (våbenskjold / coat of arms) der Lolland Kommune zeigt in Blau einen silbernen (weißen) Anker, der über einem silbernen Wellenband liegt, das den Meerescharakter und die Fjorde symbolisiert. Darüber oder integriert ist oft ein goldenes oder gelbes Element (je nach Darstellung), das auf die landwirtschaftliche Fruchtbarkeit oder die Inselnatur hinweist. Der Anker steht für die maritime Lage Lollands, die engen Verbindungen zum Wasser (Fjorde, Fehmarnbelt, Guldborgsund) und die historische Abhängigkeit von Fischerei und Schifffahrt. Das Wappen ist seit 2007 genehmigt und wird auf offiziellen Dokumenten, dem Rathaus in Maribo, Fahnen und Souvenirs verwendet. Es ist heraldisch korrekt und einfach gehalten, um die Einheit der ehemals sieben Kommunen zu betonen.

Die Flagge (kommuneflag / municipal flag) ist ein weißes Tuch mit dem zentral platzierten Wappen (dem blauen Schild mit Anker und Wellen) in der Mitte. Darunter oder daneben steht in blauer Schrift der Name „LOLLAND KOMMUNE“. Es handelt sich also um eine typische dänische „banner flag“ oder „service flag“ – keine nordische Kreuzflagge wie bei vielen historischen dänischen Regionen, sondern ein funktionales, modernes Kommunalflag mit Schild und Text. Die Flagge wird vor dem Rathaus in Maribo, bei offiziellen Anlässen und auf kommunalen Gebäuden gehisst. Es gibt keine inoffizielle oder historische Lolland-Inselflagge (wie zum Beispiel bei Falster oder Bornholm), da Lolland nie eine eigenständige historisch-heraldische Tradition hatte – die heutige Flagge ist rein administrativ und seit 2007 im Gebrauch.

Vor 2007 hatten die alten Kommunen (zum Beispiel Nakskov, Maribo, Rødby) jeweils eigene Wappen und Flaggen: Nakskov zum Beispiel mit einem Schiff oder Hafenmotiv, Maribo mit kirchlichen oder seenbezogenen Symbolen. Diese alten Symbole werden teilweise noch lokal verwendet (zum Beispiel in Ortswappen oder Tourismus), sind aber nicht mehr offiziell für die gesamte Kommune. Die neue Flagge und das Wappen sind bewusst neutral und verbindend gewählt, um keine alte Kommune zu bevorzugen (deshalb auch Maribo als Hauptort, nicht das größere Nakskov).

Hauptort

Bis Ende 2006 gab es auf Lolland mehrere kleinere Kommunen, darunter Nakskov Kommune (mit Nakskov als Hauptort und größter Stadt der Insel), Maribo Kommune (mit Maribo), Rødby Kommune, Holeby Kommune, Højreby Kommune, Rudbjerg Kommune und Ravnsborg Kommune. Jede dieser Kommunen hatte ihr eigenes Rathaus und ihre eigene Verwaltung. Nakskov war historisch die dominierende und größte Stadt Lollands (seit dem Mittelalter eine bedeutende Købstad mit Hafen, Handel und später Industrie wie Werft und Zuckerfabrik), weshalb viele erwartet hatten, dass Nakskov der neue Hauptort der fusionierten Kommune werden würde. Ursprünglich war sogar der Plan, zwei separate Kommunen zu bilden: eine „Ny Nakskov Kommune“ (Westlolland) und eine „Ny Maribo Kommune“ (Mittellolland). Doch nach einer Volksabstimmung am 18. Mai 2005 (die Mehrheit auf beiden Seiten stimmte für eine einzige große Kommune) wurden alle sieben alten Kommunen zu einer einzigen Lolland Kommune zusammengelegt.

Bei der Entscheidung über den Sitz der neuen Verwaltung fiel die Wahl auf Maribo, weil es geografisch zentraler auf der Insel liegt (fast in der Mitte), eine lange Tradition als kulturelles und kirchliches Zentrum hat (mit der beeindruckenden Domkirke und den Maribo-Seen) und als neutraler Kompromiss zwischen dem industriestarken Westen (Nakskov) und dem Osten galt. Nakskov blieb zwar die mit Abstand größte Stadt, verlor aber den Status als Verwaltungssitz – das alte Rathaus in Nakskov wurde geschlossen, und die zentrale Verwaltung zog nach Maribo (Torvet 3). Seit 2007 ist Maribo also offiziell der Hauptort der Lolland Kommune (Adresse des Rathauses: Torvet 3, 4930 Maribo), obwohl Nakskov inoffiziell oft als „wirtschaftliches Zentrum“ oder größte Stadt wahrgenommen wird. Diese Verteilung ist typisch für dänische Reformen: Oft wurde der Sitz nicht automatisch der größten Stadt gegeben, sondern einem zentraleren oder symbolisch neutraleren Ort, um regionale Spannungen zu vermeiden.

Verwaltungsgliederung

Die Insel Lolland bestand bis 2006 aus zehn Gemeinden (kommuner):

Kommune Fläche (km²) Einwohner Dichte (E/km²)
Holeby 116,07 4.191 36,11
Høreby 127,50 4.161 32,64
Maribo 154,02 11.113 72,15
Nakskev 32,67 15.392 471,14
Nysted 142,34 5.429 38,14
Ravnsbjerg 197,59 5.704 28,87
Rudbjerg 143,41 3.593 25,05
Rødby 120,37 6.783 56,35
Sakskøbing 176,36 9.351 53,02
Stubbekøbing 146,51 6.812 46,50


Die Kirchspiele der Lolland Kommune sind:

Nr. Kirchspiel Einwohner Ortschaft Einwohner
28 Arninge Sogn 172
12 Askø Sogn 42
20 Avnede Sogn 354
18 Bandholm Sogn 996 Bandholm 707
11 Birket Sogn 620 Birket 230
13 Branderslev Sogn 411 Branderslev 232
36 Bursø Sogn 245
39 Dannemare Sogn 570 Dannemare 477
52 Errindlev Sogn 555 Errindlev 309
5 Fejø Sogn 533 Vesterby 0
6 Femø Sogn 145
45 Fuglse Sogn 551
40 Gloslunde Sogn 427
29 Græshave Sogn 170
21 Gurreby Sogn 79
16 Halsted Sogn 590
8 Herredskirke Sogn 146
34 Hillested Sogn 480 Hillested 262
44 Holeby Sogn 1.570 Holeby 1.558
4 Horslunde Sogn 868 Horslunde 714
25 Hunseby Sogn 2.089 Anderstrup

Hunseby

0

461

26 Kappel Sogn 359
37 Krønge Sogn 121
1 Købelev Sogn 389
30 Landet Sogn 325
53 Langø Sogn 374 Langø 330
9 Løjtofte Sogn 176
35 Maribo Domsogn 4.800 Maribo 5.963
42 Nebbelunde Sogn 200
15 Nordlunde Sogn 117
54 Nøbbet Sogn 405
51 Olstrup Sogn 198
47 Ringsebølle Sogn 298
31 Ryde Sogn 280
46 Rødby Sogn 1.816 Rødby 2.185
50 Rødbyhavn Sogn 1.937 Rødbyhavn 1.814
7 Sandby Sogn 726 Sandby 389
19 Sankt Nikolai Sogn 9.609 Nakskov 13.560
22 Skovlænge Sogn 132
33 Skørringe Sogn 293
17 Stokkemarke Sogn 1.273 Stokkemarke 479
14 Stormarks Sogn 4.017
43 Sædinge Sogn 381
23 Søllested Sogn 1.546 Søllested 1.474
38 Tillitse Sogn 490
41 Tirsted Sogn 483
49 Torslunde Sogn 228
48 Tågerup Sogn 342
3 Utterslev Sogn 590 Utterslev 276
32 Vejleby Sogn 273
27 Vestenskov Sogn 521
10 Vesterborg Sogn 452
2 Vindeby Sogn 212
24 Østofte Sogn 1.030 Nørreballe 556


Die Kirchspiele der Guldborgsund Kommune sind:

Nr. Kirchspiel Einwohner Ortschaft Einwohner
13 Aastrup Sogn 917
7 Brarup Sogn 626 Guldborg 572
40 Bregninge Sogn 176
39 Døllefjelde Sogn 193
31 Engestofte Sogn 104
19 Eskilstrup Sogn 1.432 Eskilstrup 1.108
20 Falkerslev Sogn 277
33 Fjelde Sogn 187
49 Gedesby Sogn 308
50 Gedser Sogn 874 Gedser 809
37 Godsted Sogn 128
5 Gundslev Sogn 602
45 Herritslev Sogn 469
21 Horbelev Sogn 1.252 Horbelev 601
27 Horreby Sogn 562 Horreby 325
36 Idestrup Sogn 2.070 Idestrup

Sønder Vedby Skovhuse

1.261

319

28 Karleby Sogn 288
41 Kettinge Sogn 1.296 Kettinge

Frejlev

573

264

2 Kippinge Sogn 536 Øster Kippinge 276
10 Lillebrænde Sogn 257
12 Maglebrænde Sogn 309
16 Majbølle Sogn 1.090 Guldborg 572
38 Musse Sogn 247
35 Nykøbing Falster Sogn 16.519 Nykøbing Falster 16.464
47 Nysted Sogn 1.401 Nysted 1.355
4 Nørre Alslev Sogn 2.542 Nørre Alslev 2.407
8 Nørre Kirkeby Sogn 233
3 Nørre Vedby Sogn 1.380 Orehoved 489
26 Nørre Ørslev Sogn 481
23 Radsted Sogn 828 Radsted 215
14 Sakskøbing Sogn 4.827 Sakskøbing 4.701
48 Skelby Sogn 339
32 Slemminge Sogn 493
17 Stadager Sogn 187
11 Stubbekøbing Sogn 2.172 Stubbekøbing 2.298
25 Systofte Sogn 742 Systofte Skovby 354
30 Sønder Alslev Sogn 114
29 Sønder Kirkeby Sogn 262
24 Tingsted Sogn 3.015 Nordbyen

Tingsted

1.678

216

34 Toreby Sogn 5.313 Grænge

Nagelsti

Sundby

Toreby

388

501

2.872

612

9 Torkilstrup Sogn 430
15 Tårs Sogn 551
46 Vantore Sogn 306
43 Vester Ulslev Sogn 376
6 Vigsnæs Sogn 174
22 Våbensted Sogn 697
1 Vålse Sogn 448 Vålse 213
42 Væggerløse Sogn 3.259 Hasselø Plantage

Marielyst

Nykøbing Strandhuse

Væggerløse

238

780

274

1.368

18 Ønslev Sogn 742 Ønslev 419
44 Øster Ulslev Sogn 483 Øster Ulslev 315


           Verwaltungsgliederung:

           2 kommuner (Gemeinden)

           3 herreder (Harden)

                       25 byområder (Ortschaften)

                                   72 sogner (Kirchspiele)

Bevölkerung

Im 20. Jahrhundert ist die Bevölkerung Lollands zunächst gewachsen, dann aber wieder etwa auf den Stand der vorigen Jahrhundertwende gesunken. Auf der Insel Lolland leben zur Zeit rund 14.000 Menschen. Im Folgenden die Bevölkerungsentwicklung samt Dichte, bezogen auf die Fläche von 1.242,86 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner     Dichte (E/km²)

           1901                68 331             54,96

           1906                69 738             56,11

           1911                74 063             59,59

           1916                78 193             62,91

           1921                83 188             66,93

           1925                86 544             69,63

           1930                87 534             70,43

           1935                85 607             68,88

           1940                86 307             69,44

           1945                87 230             70,18

           1950                86 490             69,59

           1955                84 781             68,21

           1960                83 170             66,92

           1965                81 760             65,78

           1970                78 934             63,51

           1976                77 957             62,72

           1981                77 431             62,30

           1986                75 278             60,57

           1987                74 850             60,22

           1988                74 400             59,86

           1989                73 850             59,42

           1990                73 191             58,89

           1991                72 750             58,53

           1992                72 500             58,33

           1993                72 150             58,05

           1994                71 900             57,85

           1995                71 610             57,78

           1996                71 350             57,41

           1997                71 150             57,25

           1998                70 994             57,12

           1999                70 747             56,92

           2000                70 640             56,84

           2001                70 383             56,62

           2002                70 201             56,48

           2003                69 796             56,16

           2004                69 360             55,81

           2005                68 751             55,32

           2006                68 224             54,89

           2007                67 908             54,64

           2008                67 306             54,15

           2009                66 655             53,63

           2010                65 764             52,91

           2011                64 730             52,08

           2012                63 678             51,24

           2013                62 578             50,35

           2014                61 563             49,53

           2015                60 896             49,00

           2016                60 607             48,76

           2017                60 214             48,45

           2018                59 994             48,27

           2019                59 456             47,84

           2020                58 759             47,28

           2021                58 032             46,69

           2022                57 618             46,36

           2023                57 467             46,24

           2024                57 174             46,00

           2025                56 392             45,37


Die Einwohnerzahl sank von 1981 bis 2001 im Jahresdurchschnitt um 0,549 %.

Volksgruppen

Historisch gesehen hat Lolland eine der wenigen nennenswerten „alten“ Migrationsgeschichten in Dänemark: Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert kamen Tausende polnische Saisonarbeiter (vor allem Frauen, die „roepiger“ oder „Rübenmädchen“ genannt wurden) auf die Insel, um in der boomenden Zuckerrüben-Industrie zu arbeiten. Besonders in Nakskov, Sakskøbing und Maribo siedelten sich viele an, heirateten ein und integrierten sich weitgehend. Heute gibt es nur noch sehr wenige direkte Nachkommen dieser Gruppe, die sich als eigenständige Minderheit verstehen – die polnische Herkunft ist meist nur noch in Familiennamen, lokalen Denkmälern (zum Beispiel in Nakskov oder Sakskøbing) oder dem jährlichen „Frugtfestival“ spürbar. Es handelt sich also um eine historische Spur, keine lebendige Volksgruppe mehr.

Mit Stand 2026 besteht die Bevölkerung Lollands fast ausschließlich aus ethnischen Dänen (meist mit langer lokaler Verwurzelung in Landwirtschaft, Fischerei oder kleinen Industrien). Es gibt keine anerkannten nationalen Minderheiten wie in Nordschleswig (deutsche Minderheit) oder bei den Friesen/Sorben in Deutschland – Lolland hat keine autochthonen ethnischen Gruppen mit Sonderstatus. Der Ausländeranteil (Immigranten und Nachkommen) ist niedrig und verteilt sich auf typische moderne Einwanderergruppen aus Osteuropa (vor allem Polen, Rumänen, Litauer – oft Saison- oder Bauarbeiter), etwas aus Syrien, Afghanistan, Ukraine (seit 2022 verstärkt Flüchtlinge) und anderen EU-Ländern. In Rødbyhavn und Nakskov gibt es etwas mehr internationale Präsenz durch den Fährhafen und Tourismus, aber nichts, was eine spürbare „Minderheitenkultur“ erzeugt.

Sprachen

Die Bevölkerung spricht fast ausschließlich Dänisch (rigsdansk, also Standarddänisch), ergänzt durch einen lokalen Dialekt, der als lollandsk (Lolländisch) bekannt ist. Lollandsk gehört zur Gruppe der Inseldänischen Dialekte (ømål oder ødansk), speziell zum Unterbereich sydømål (Südinselsprache), der Lolland, Falster und Møn umfasst. Dieser Dialekt ist weich, singend und etwas „flach“ in der Aussprache, mit typischen Merkmalen wie weiche Konsonanten (zum Beispiel das „d“ nach Vokalen oft als weiches „ð“ oder fast stumm, zum Beispiel „rø“ statt „rød“ für rot), spezifische Vokalverschiebungen und Endungen (zum Beispiel „vara“ statt „være“ für sein, ähnlich wie in manchen schwedischen Dialekten) sowie Wörter wie „plutte“ oder „plåte“ für Schlamm/Matsch (ein typisch lollandsk Wort). Das Binde-Wort „at“ wird oft als „å“ ausgesprochen (zum Beispiel „å spise“ statt „at spise“).

Der lollandsk-Dialekt ist in den ländlichen Gebieten und unter älteren Bewohnern (besonders in Nakskov, Sakskøbing, Maribo oder kleinen Dörfern) noch spürbar, wird aber immer seltener aktiv gesprochen. Jüngere Leute und in Städten wie Rødby oder Sundby tendieren stark zu reinem Rigsdansk (Standarddänisch mit Kopenhagener Einfluss), das überall verstanden und in Schule, Medien, Arbeit und offiziellen Kontexten verwendet wird. Der Dialekt ist also kein separates „Sprog“ im Sinne einer eigenständigen Sprache, sondern eine regionale Variante des Dänischen, die langsam zurückgeht – wie die meisten dänischen Dialekte durch Medien, Mobilität und Bildung.

Andere Sprachen spielen nur eine marginale Rolle. Englisch ist als Fremdsprache weit verbreitet (fast alle Dänen sprechen es gut, besonders Jüngere und im Tourismus/Fährhafen-Bereich). Deutsch hört man gelegentlich durch den Fährverkehr (Rødbyhavn–Puttgarden), aber es ist keine Alltagssprache. Historisch gab es Spuren polnischer Sprache durch die Saisonarbeiter („Rübenmädchen“) Ende des 19. und Anfang 20. Jahrhunderts, doch das Polnische ist längst verschwunden und hat keine Spuren in der heutigen Sprache hinterlassen. Moderne Einwanderer (aus Polen, Rumänien, Ukraine, Syrien etc.) bringen ihre Muttersprachen mit, sprechen sie aber meist nur privat oder in der Familie – im öffentlichen Raum dominiert Dänisch.

Religion

Die Folkekirken (Dänische Volkskirche) ist die dominante religiöse Institution: In den meisten lollandischen Gemeinden (Sogne) sind 75 bis 85 % der Einwohner (je nach Ort und Altersschicht) formell Mitglieder. Das zeigt sich besonders in den historischen Kirchen der Orte – zum Beispiel die gotische St.-Nikolaj-Kirche in Nakskov, die Maribo Domkirke (eine der beeindruckendsten mittelalterlichen Kathedralen Dänemarks) oder die vielen kleinen Dorfkirchen in Sakskøbing, Rødby oder Sundby. Diese Gebäude sind nicht nur architektonische Wahrzeichen, sondern dienen weiterhin als Zentren für Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen – auch wenn die tatsächliche Gottesdienstbesucherzahl niedrig ist (wie überall in Dänemark: oft nur 2 bis 5 % regelmäßige Kirchgänger). Die Volkskirche ist staatlich unterstützt, und die meisten Dänen bleiben aus Tradition, Kultur und familiären Gründen Mitglied, auch wenn der Glaube selbst eher säkular und nicht dogmatisch gelebt wird.

Andere christliche Gruppen (zum Beispiel freikirchliche Gemeinden, Katholiken, Baptisten oder Zeugen Jehovas) spielen auf Lolland keine nennenswerte Rolle – sie sind in den wenigen größeren Orten (Nakskov, Maribo) minimal vertreten, meist durch Zuzügler oder wenige Familien. Nicht-christliche Religionen sind extrem selten: Aufgrund des niedrigen Einwandereranteils (ca. 9–12 %, hauptsächlich aus Osteuropa und seit 2022 etwas mehr aus der Ukraine) gibt es nur vereinzelte Muslime (vor allem in Rødbyhavn durch den Fährhafen oder in Nakskov), Buddhisten, Hindus oder andere. Es existieren keine Moscheen, Synagogen oder Tempel auf der Insel – der Islam (landesweit ca. 4–5 %) ist hier praktisch unsichtbar im Alltag. Historisch gab es durch die polnischen Saisonarbeiter (Rübenmädchen) katholische Einflüsse, die aber längst assimiliert sind und keine Spuren hinterlassen haben.

Siedlungen

Wichtige Städte sind Maribo, Nakskov, Rødby und Rødbyhavn (Fährhafen nach Fehmarn im Zuge der Vogelfluglinie). Die Einwohnerzahlen der Ortschaften entwickelten sich wie folgt:

Siedlung Gemeinde S 2006 S 2011 S 2016 S 2021 S 2025
Bandholm Lolland 730 707 626 487 440
Branderslev Lolland 242 232 229 202 207
Dannemare Lolland 462 477 443 408 377
Errindlev Lolland 348 309 286 263 297
Hillested Lolland 278 262 242 234 237
Holeby Lolland 1.677 1.558 1.445 1.384 1.343
Horslunde Lolland 781 714 652 619 582
Hunseby Lolland 437 461 432 410 395
Langø Lolland 352 330 309 289 264
Maribo Lolland 5.944 5.963 5.890 5.734 5.786
Nakskov Lolland 14.240 13.560 12.688 12.546 12.200
Nørreballe Lolland 580 556 512 489 476
Rødby Lolland 2.374 2.185 2.111 2.024 1.982
Rødbyhavn Lolland 2.016 1.814 1.636 1.586 1.476
Sandby Lolland 439 389 372 350 336
Søllested Lolland 1.529 1.474 1.431 1.345 1.356
Stokkemarke Lolland 515 479 405 403 401
Grænge Guldborgsund 407 388 380 353 368
Guldborg Guldborgsund 571 572 548 535 495
Kettinge Guldborgsund 595 573 539 541 516
Nagelsti Guldborgsund 542 501 503 516 537
Nysted Guldborgsund 1.366 1.355 1.382 1.313 1.229
Sakskøbing Guldborgsund 4.815 4.701 4.541 4.549 4.514
Sundby Guldborgsund 2.873 2.872 2.820 3.040 3.246
Toreby Guldborgsund 630 612 631 616 614


Nakskov ist die mit Abstand größte Stadt auf Lollan. Sie liegt malerisch am Ende des Nakskov Fjords im Westen der Insel. Nakskov ist eine sehr gut erhaltene mittelalterliche Marktstadt mit gemütlichen Gassen, Fachwerkhäusern, Kopfsteinpflaster und historischen Gebäuden. Besonders sehenswert ist die gotische St.-Nikolaj-Kirche mit ihrem hohen Turm. Die Stadt hat eine lange Handels- und Industrietradition (früher Werft, heute u. a. Zuckerfabrik und Windkraft-Komponenten), gilt als eine der umweltbewusstesten Städte Dänemarks und bietet einen schönen Mix aus Stadtleben und Natur (Fjordreisen mit dem Postboot, Vogelreservat).

Rødby (auch Røby geschrieben) ist ein kleinerer Ort im Süden Lollands. Er ist eher ruhig und beschaulich, bekannt ist vor allem Rødbyhavn (der Hafen rund 5 km entfernt), von wo die große Scandlines-Fähre nach Puttgarden (Deutschland) fährt. Direkt daneben liegt das sehr beliebte Ferien- und Freizeitzentrum Lalandia mit riesigem tropischen Bad (Aquadome), Wasserpark, Eishalle, Bowling, Kletterwand und vielem mehr – eines der wichtigsten Urlaubsziele der Region.

Maribo Díst die „Kathedralenstadt“ und der kulturelle Mittelpunkt Lollands. Maribo liegt sehr schön inmitten der Maribo-Seen (Maribosøerne), einem der größten und ruhigsten Seengebiete Dänemarks mit reicher Vogelwelt und Naturpark. Die beeindruckende gotische Maribo Domkirke (15. Jahrhundert) prägt das Stadtbild. Es ist eine charmante, historische Kleinstadt mit gemütlichem Zentrum, Marktplatz, alten Gebäuden und einer entspannten Atmosphäre – oft als „Stadt der Liebe“ bezeichnet, weil hier viele Hochzeiten stattfinden.

Sakskøbing ist ein kleines, idyllisches Städtchen im Nordosten Lollands. Es liegt am Ende des Sakskøbing Fjords und hat ein sehr bekanntes Wahrzeichen: den fröhlich lächelnden Wasserturm („den smilende vandtårn“). Die Stadt ist ruhig und hübsch gelegen, bekannt durch das jährliche Südseeinseln-Obstfestival (Sydhavsøerne Frugtfestival) und das Hotel Saxkjøbing (Claus Meyer beeinflusste Küche). Historisch spielten hier polnische Saisonarbeiter („roepiger“ = Rübenmädchen) eine große Rolle – es gibt ein Denkmal dafür.

Sundby ist eine Kleinstadt an der Ostküste Lollands direkt am Guldborgsund. Sundby liegt quasi gegenüber von Nykøbing Falster (auf Falster) und bildet mit dieser zusammen fast eine zusammenhängende urbane Zone über den Sund hinweg (Brücke). Es ist eine eher typische dänische Kleinstadt ohne große Sehenswürdigkeiten, aber mit moderner, nachhaltiger Architektur (zum Beispiel das preisgekrönte Schilf-Reet-Fassade der Sundby Schule). Praktisch als Wohn- und Pendlerort in Richtung Nykøbing Falster.

Verkehr

Lolland besitzt durch die von Scandlines und auf der Schiene von Danske Statsbaner betriebene Vogelfluglinie eine große Verkehrsbedeutung. Es ist geplant, eine feste Über- (oder Unter-) Querung des Fehmarnbelts von Lolland nach Puttgarden auf Fehmarn zu bauen. Von regionaler Bedeutung sind die Fährverbindung nach Spodsbjerg auf Langeland und die private Eisenbahn Lollandsbanen von Nakskov nach Nykøbing.

Lolland und Falster sind seit 14. Mai 1963 dauerhaft durch eine feste Brücke verbunden. Die Kong Frederik den IX's Bro (Frederik-IX.-Brücke) in Nykøbing Falster über den Guldborgsund wurde zwischen 1960 und 1962 gebaut und am 14. Mai 1963 offiziell eröffnet. Sie führt sowohl Straßen- als auch Schienenverkehr und ersetzte frühere Fährverbindungen.

Davor gab es bereits seit den 1930er Jahren eine ältere Guldborgsundbrücke (erbaut 1933/34), die aber nur den Straßenverkehr führte und später durch die neue, größere und kombinierte Brücke ergänzt/ersetzt wurde. Die moderne Hauptverbindung mit Bahn und Straße besteht also seit 1963.

Straßenverkehr

Die zentrale Hauptachse Lollands ist die E47 (Europastraße 47), die als Vogelfluglinie von Kopenhagen über Falster und Lolland nach Deutschland führt. Auf Lolland verläuft sie von Südosten (Gedser/Falster-Brücke) über Maribo, Sundby (Guldborgsund-Brücke nach Nykøbing Falster), dann weiter Richtung Süden nach Rødby und Rødbyhavn (Fährhafen). Sie ist meist zweispurig (pro Richtung), gut ausgebaut, asphaltiert und mit wenig Verkehrsaufkommen außerhalb der Ferienzeiten. Auf Lolland selbst gibt es kaum Staus – die E47 ist hier entspannt und landschaftlich reizvoll (Felder, Windräder, kleine Orte).

In Rødby / Rødbyhavn mündet die E47 in den Fährhafen (Scandlines). Der Straßenverkehr ist saisonal und fährabhängig – in den Sommermonaten und an Wochenenden rollt viel deutscher Urlaubsverkehr (Autos, Wohnmobile, Lkw) durch die Ortschaft Richtung Fähre. Außerhalb der Stoßzeiten ist es ruhig. Die Zufahrten sind breit und modern, mit Umgehungsstraßen, um den Ortskern zu entlasten.

Maribo liegt direkt an der E47 und ist ein Knotenpunkt für den lokalen Verkehr. Von hier zweigen Landstraßen (zum Beispiel Route 9) nach Norden zu den Maribo-Seen und nach Westen Richtung Nakskov ab. Die Stadt hat einen kleinen Durchgangsverkehr, aber keine großen Belastungen – Parkplätze sind reichlich vorhanden, und die Atmosphäre bleibt gemütlich.

Nakskov befindet sich im Westen der Insel, erreichbar über die Route 9 (von Maribo) oder kleinere Landstraßen. Die Zufahrten sind schmaler und kurviger (typisch dänische Provinzstraßen), mit viel Landwirtschaftsverkehr (Traktoren, Erntemaschinen). Nakskov hat einen kleinen Ortskern mit Einbahnstraßen und begrenzten Parkmöglichkeiten – insgesamt sehr ruhig, kaum Lkw-Verkehr. Sakskøbing liegt östlich von Maribo an der Route 9 (parallel zur E47). Die Straße führt durch den Ort und ist zweispurig, mit wenig Verkehr. Es gibt gelegentlichen Pendler- und Tourismusverkehr Richtung Fjord oder Nykøbing Falster.

Sundby befindet sich direkt an der E47 (und Guldborgsund-Brücke nach Nykøbing Falster auf Falster). Hier ist der Verkehr am dichtesten auf Lolland – Pendler aus Richtung Kopenhagen/Falster, Lkw auf dem Weg zur Fähre und lokaler Verkehr. Die Brücke ist breit und modern, Staus sind selten (außer bei Baustellen oder Unfällen). Sundby wirkt als Durchgangsort, mit guter Anbindung.

Lolland ist eine sehr flache Insel mit ausgezeichneten, meist geraden Straßen – ideal zum Radfahren oder entspannten Autofahren. Das Tempolimit liegt meist bei 80–90 km/h auf Landstraßen und 110–130 km/h auf der E47 (je nach Abschnitt). Verkehrsbelastung ist niedrig: Außerhalb der Ferien (Juli/August) und Feiertage fährt man oft allein über weite Strecken. Landwirtschaft dominiert (viel Traktoren, Erntefahrzeuge, besonders im Herbst), dazu etwas Pendlerverkehr nach Nykøbing Falster oder Kopenhagen. Lkw-Verkehr konzentriert sich auf die E47 Richtung Fähre.

Es gibt keine Autobahnen im klassischen Sinne auf Lolland selbst – die E47 ist die „Hauptstraße“ und fühlt sich eher wie eine gut ausgebaute Landstraße an. Baustellen sind rar, aber der Tunnelbau in Rødbyhavn erzeugt lokalen Baustellenverkehr (Lkw mit Material). Radwege sind gut ausgebaut (Lolland ist radfreundlich), und viele Orte haben Tempo-30-Zonen.

Bahnverkehr

Auf der Bahnstrecke Maribo - Bandholm verkehrt im Sommer fahrplanmäßig die Museumsbahn Maribo - Bandholm mit historischen Dampf- und Diesellokomotiven. Die Bahnstrecke Maribo–Bandholm wurde am 2. November 1869 als Maribo–Bandholm Jernbane (MBJ) eröffnet. Die Strecke ist 7,5 km lang. Betriebsmittelpunkt war Bandholm, über den Hafen wurden die Transporte zu den Inseln Askø, Fejø und Femø abgewickelt. Um 1900 ging der Betrieb der Bahn auf die Lolland-Falsterske Jernbane Selskab über. 1952 wurde die Bahn von der Lollandsbanen übernommen. Im Oktober 1952 wurde die Personenzüge durch Busse ersetzt. Der Güterverkehr wurde weiter betrieben. Zwischen Maribo und Bandholm betreibt der Dansk Jernbaneklub (DJK) seit 1962 die Museumsbahn Maribo-Bandholm, die unter anderem von Dampfloks befahren wird. Die Züge benutzen wie die Züge der Lollandsbahn den Bahnhof Maribo.

Die Lollandsbanen (LJ), deutsch Lollandsbahn, ist eine Eisenbahngesellschaft auf der dänischen Insel Lolland. Sie ist die älteste Privatbahn Dänemarks. Die Geschichte der Lollandsbahn begann am 22. August 1872. Damals wurde die Strecke von Orehoved nach Nykøbing eröffnet. Diese 22,4 km lange Strecke ging am 1. Januar 1893 an die Danske Statsbaner (DSB) über. Am 1. Juli 1886 wurde die 22,8 km lange Strecke nach Gedser eröffnet, die am 1. Januar 1893 an die DSB überging. Gleichzeitig mit der heute noch betriebenen Stammstrecke von Nykøbing Falster über Maribo nach Nakskov wurde die 14,4 km lange Strecke von Maribo nach Rødby eröffnet. Diese Strecke wurde am 27. Juli 1912 um 5,2 km nach Rødbyhavn verlängert. Die Strecke Maribo–Rødbyhavn wurde am 28. Mai 1963 eingestellt, da die DSB die Strecke Nykøbing–Rødby færge im Zuge der Vogelfluglinie in Betrieb nahm. Weiterhin betrieb die Lollandsbahn die Maribo–Tørrig Jernbane, Nakskov–Kragenæs Jernbane und Nakskov–Rødby Jernbane.

Die einzige heute noch vorhandene Bahnstrecke Nykøbing F–Nakskov entstand 1952 aus den Resten der Lolland–Falsterske Jernbane Selskab (LFJS). Ab dem 1. Januar 2009 übernahm die neu gegründete Gesellschaft Regionstog A/S (RT) den Betrieb der Privatbahnstrecken in der Region Seeland von Lollandsbanen sowie von Vestsjællands Lokalbaner und Østbanen. 1991 waren 135 Personen und 1999 73 Personen bei Lollandsbanen beschäftigt. Fahrkarten werden auch von Movia, der regionalen Verkehrsbehörde, verkauft.

Schiffsverkehr

Die große Scandlines-Fährroute zwischen Rødbyhavn (Lolland) und Puttgarden (Deutschland) ist der mit Abstand wichtigste und belebteste Schiffsverkehr der Region – und das ändert sich vorerst nicht, da der Fehmarnbelt-Tunnel (18 km langer immerser Tunnel) noch im Bau ist und frühestens Mitte 2029 eröffnet werden soll (aktuell gibt es Verzögerungen durch Probleme mit dem Spezialschiff „IVY“, Testphasen und Bauherausforderungen, die den Zeitplan weiter unter Druck setzen).

Die Puttgarden–Rødby-Linie verkehrt rund um die Uhr mit modernen Hybrid-Fähren (teilweise bereits auf batteriebetriebene Null-Emissions-Fähren umgestellt, wie die neu benannte „Baltic Whale“, die ab 2026 mit nur 12 Minuten Ladezeit in den Häfen emissionsfrei die 18,5 km in 45 Minuten überquert). Tagsüber fahren die Fähren etwa alle 30 Minuten, nachts seltener, was Lolland zu einem zentralen Knotenpunkt der Vogelfluglinie macht. Die Route transportiert massenhaft Autos, Lkw, Busse und Fußgänger – eine der stärksten Autofährverbindungen Nordeuropas. Parallel läuft die längere Scandlines-Route Rostock–Gedser (auf Falster), die Lolland nur indirekt berührt.

In Nakskov am Nakskov Fjord dominieren historische und touristische Ausflugsboote wie das berühmte Postboot „Vesta“ (seit 1937 im Einsatz), das saisonal (meist Mai bis September) Touren zu den kleinen Fjordinseln und ins Vogelreservat fährt – ideal für entspannte Naturbeobachtungen und Albatrosse. Größere kommerzielle Schifffahrt gibt es hier kaum noch (die alte Werft ist Geschichte).

Sakskøbing am Sakskøbing Fjord bietet ähnlich idyllischen, kleinen Bootsverkehr: gelegentliche Ausflugsfahrten, Sportboote und Freizeitkapitäne. Es gibt keine regelmäßigen Fähren oder großer Frachtverkehr.

Maribo liegt an den Maribo-Seen (Binnengewässer), wo nur sehr kleine Tourenboote, Kanus und private Boote unterwegs sind – perfekt für ruhige Seefahrten und Vogelbeobachtung, aber ohne nennenswerten kommerziellen Schiffsverkehr.

Sundby (und das benachbarte Nykøbing Falster gegenüber am Guldborgsund) hat nur minimalen Schiffsverkehr: Der schmale Sund wird hauptsächlich von Sportbooten, gelegentlichen kleinen Frachtern und Ausflugsschiffen (zum Beispiel Abendcruises oder Museumstouren) befahren. Dank der Brücke ist keine Fähre über den Sund nötig.

Wirtschaft

Obwohl die Insel einige Bedeutung im Transitverkehr zwischen Mitteleuropa und Skandinavien besitzt, ist ihre wirtschaftliche Lage sehr schwierig. Obwohl sie über feste Landverbindungen direkt mit dem Großraum Kopenhagen verbunden ist, leidet Lolland unter einer ausgesprochen abseitigen Lage.

Landwirtschaft

Die fruchtbaren Böden, das milde Klima und die flache Topografie machen Lolland zu einem der produktivsten Agrargebiete Dänemarks, mit einem starken Fokus auf intensive Pflanzenproduktion. Historisch und aktuell dominiert der Anbau von Zuckerrüben (sukkerroer), der die Insel seit über 140 Jahren prägt und Lolland-Falster zu einem der wichtigsten Zuckerrübenanbaugebiete Nordeuropas macht. Ergänzt wird dies durch Raps, Getreide, Spezialkulturen und zunehmend ökologische Ansätze.

Der Zuckerrübenanbau ist das Markenzeichen der Landwirtschaft auf Lolland. Bereits seit 1882 produziert die Nakskov Sukkerfabrik (heute Teil von Nordic Sugar/Nordzucker) Zucker aus lokalen Rüben – einst eine der größten Fabriken Nordeuropas, heute eine der zwei verbleibenden in Dänemark (neben Nykøbing Falster auf Falster). Die Fabrik verarbeitet Tausende Tonnen Rüben pro Kampagne (September bis Januar), produziert Zucker für die Lebensmittelindustrie, Melasse und Tierfutter. Mit moderner Technik wie Dampftrocknern und seit 2024/2025 Umstellung auf Biogas statt Öl (durch ein neues Gasrohr) ist sie energieeffizienter und nutzt Abwärme für die Fernwärme in Nakskov (ca. 10 MW, spart Tausende Halmballen). Der Anbau bleibt intensiv: Viele Betriebe setzen auf Robotik (zum Beispiel Farmdroids für Unkrautbekämpfung in ökologischen Feldern) und präzise Düngung. Trotz Schwankungen (zum Beispiel durch Witterung) bleibt die Qualität hoch, und die Rüben gelten als besonders rein. Die Kampagne beeinflusst saisonal den Verkehr durch Lkw-Transporte. Kulturell ist der „weiße Gold“-Anbau omnipräsent – sogar in Comics wie „Anders And & Co.“ (2024) wird Lolland-Falster als „Zuckerrüben-Paradies“ thematisiert.

Neben Zuckerrüben spielen Raps (vinterraps), Getreide (vinterhvede, maltbyg, brødhvede) und andere Feldfrüchte eine große Rolle. Viele Betriebe kombinieren diese mit Spezialkulturen wie Spinat, Zwiebeln, Gräser (engræs, rødsvingel), Quinoa, Linsen, Kichererbsen (zum Beispiel Danish Quinoa Group mit 19 Landwirten seit 2018) oder Frøgræs. Die Böden eignen sich hervorragend für hohe Erträge, und die Region profitiert von der Nähe zu Märkten und Verarbeitern. Ökologischer Landbau gewinnt an Bedeutung: Robotik und mechanische Methoden helfen bei der Unkrautbekämpfung in Bio-Rüben oder Gemüse, und Initiativen fördern Biodiversität (zum Beispiel Blühstreifen, Hecken). Die VKST (Landboforening für Sjælland, Lolland, Falster, Møn) berät Betriebe in Pflanzenbau, Ökonomie und Nachhaltigkeit, während Patriotisk Selskab und Landbrug & Fødevarer politisch für die Interessen eintreten.

Die Landwirtschaft ist stark industrialisiert und exportorientiert, mit Fokus auf Effizienz, Digitalisierung und Umweltschutz (zum Beispiel Reduktion von Dünger, Klimaschutz). Viele Höfe sind familiengeführt, oft mit großen Flächen (durchschnittlich höher als im Rest Dänemarks). Herausforderungen umfassen Klimawandel (stärkere Stürme, Trockenperioden), EU-Regulierungen und sinkende Subventionen, doch die Region bleibt resilient – dank fruchtbarer Böden und Innovationen. Historisch geprägt von großen Gütern (Herregårde) mit intensiver Produktion, heute eine Mischung aus Tradition und Moderne.

Forstwirtschaft

Die Insel ist mit etwa 2 % Waldanteil (ca. 2.200 Hektar natürlicher Wald im Jahr 2020) eine der waldärmsten Regionen Dänemarks – der nationale Durchschnitt liegt bei rund 15 %. Die Forstwirtschaft konzentriert sich daher auf wenige, aber oft große und historisch bedeutsame Waldgebiete, die meist im Besitz privater Güter (Herregårde) oder Stiftungen sind. Sie dient der Holzproduktion, Biodiversitätsförderung, Jagd, Erholung und zunehmend Naturschutz sowie Rewilding-Projekten.

Die Wälder auf Lolland sind typischerweise Laub- und Mischwälder mit Buchen, Eichen, Eschen und eingeführten Arten wie Douglasie oder Sequoia. Viele stammen aus dem 18./19. Jahrhundert, als adelige Güter Plantagen anlegten, um Holz für Bau, Schiffbau und Brennstoff zu sichern. Zu den größten und bekanntesten gehören:

  • Christianssæde Skov (einer der größten Wälder Lollands, mit Plantagehuset als ehemaligem Forsthaus),
  • Frejlev Skov (südöstlich, reich an Biodiversität, seit 2020 teilweise durch Organisationen wie Forests of the World geschützt und vor intensiver Nutzung bewahrt),
  • Vindeholme Skov und Kongeskoven (südwestlich, bis zur Ostsee reichend),
  • Merritskov (bei Knuthenborg, mit freilaufenden Wildschweinen und Hirschen, teils als Safaripark-Erweiterung genutzt),
  • Fiskebæk Skov, Ryde Skov und kleinere Areale um Herrenhäuser wie Engestofte, Aalholm oder Corselitze.


Viele dieser Wälder werden als produktiver Forst bewirtschaftet: Nachhaltige Holzernte (zum Beispiel bei Aalholm Skovbrug mit über 2.000 ha bewaldeter Fläche), selektive Durchforstung und Aufforstung. Die Güter kombinieren Forstwirtschaft oft mit Landwirtschaft, Jagd und Tourismus. Knuthenborg Gods nutzt zum Beispiel Merritskov für seinen Safaripark und Dinosaurier-Erlebniswelt in einer Sequoia-Pflanzung, was die Wälder zu Attraktionen macht. Historisch prägten die Herrenhäuser die Forstwirtschaft stark – sie legten Alleen, Windschutzstreifen und Plantagen an, die bis heute die Landschaft strukturieren.

In jüngster Zeit gewinnt der Naturschutz-Aspekt an Bedeutung. Projekte wie Saksfjed Wilderness (seit 2023, 800 ha im Süden Lollands) wandeln ehemalige Acker- und Forstflächen in wilde Natur um: Rewilding mit großen Herbivoren (Rinder, Pferde), offenen Wäldern, Feuchtgebieten und Graslandschaften, um Biodiversität zu steigern. Frejlev Skov wurde als „Naturjuwel“ mit hoher Artenvielfalt (alte Bäume, seltene Pflanzen) teilweise entnommen und geschützt. Solche Initiativen (oft von Stiftungen wie Hempel Foundation oder Forests of the World) reduzieren die kommerzielle Holznutzung zugunsten ökologischer Werte. Die Deforestation-Rate ist minimal (2024 nur zirka 2 ha Verlust), und der Fokus liegt auf Erhalt und Renaturierung.

Die Forstwirtschaft ist dezentral und privat organisiert – große staatliche Wälder fehlen weitgehend. Das Dänische Amt für Naturverwaltung (Naturstyrelsen) verwaltet nur kleinere Areale, während private Eigentümer (Güter, Stiftungen) dominieren. Herausforderungen sind Klimawandel (Stürme, Trockenheit), Borkenkäfer und EU-Naturschutzvorgaben, Chancen liegen in Multifunktionalität: Holz als nachwachsender Rohstoff, CO₂-Speicherung, Tourismus (Wanderwege, Shelter-Plätze) und Jagd.

Bergbau

Bergbau spielt auf Lolland historisch und aktuell keine nennenswerte Rolle. Die geologische Struktur der Insel – flach, sedimentär und ohne nennenswerte Erzvorkommen – lässt keinen klassischen Bergbau zu. Es gibt keine aktiven Minen oder Steinbrüche in größerem Maßstab; Granit für Kunstwerke wie die Dodekalitten wird importiert oder aus begrenzten lokalen Quellen bezogen. Archäologisch relevant sind jedoch neolithische Feuersteinvorkommen (wie in anderen Teilen Dänemarks), die in der Steinzeit abgebaut wurden, aber Lolland ist kein Zentrum dafür. Der Tunnelbau für die Femern-Belt-Verbindung (seit 2021 im Bau, Fertigstellung geplant 2029) involviert massiven Erdaushub und Materialgewinnung (zum Beispiel für Tunnelelemente in Rødbyhavn), was temporär als „industrieller Bergbau“ wirkt – mit enormen Mengen an Boden und Kies, die umgelagert oder recycelt werden. Ansonsten bleibt Bergbau marginal; die Wirtschaft basiert auf Oberflächenressourcen wie fruchtbarem Boden und Meer.

Handwerk

Das Handwerk ist auf Lolland stark in Tradition und Moderne verwurzelt, oft mit regionaler Identität und Tourismus verknüpft. Historisch prägten Fachwerkhäuser, Bootswerften und landwirtschaftsnahe Gewerke (zum Beispiel Schmiede, Tischler, Müller) das Bild – sichtbar in Städten wie Nakskov oder Maribo mit erhaltenen alten Werkstätten. Heute blüht das Kunsthandwerk (håndværk og kunsthåndværk): Lokale Kunsthandwerker produzieren Keramik, Glas, Weidenflechten, Schmuck und Textilien in Ateliers und Galerien (zum Beispiel in Nakskov, Maribo oder Kettinge). Das Museum Lolland-Falster (insbesondere De Gamle Huse) organisiert regelmäßig Håndværkerdage (Handwerkstage) mit Vorführungen alter Techniken wie Fensterkitten, Spinnen oder Winterbasteln. Traditionelle Bootsbau- und Segelmacherei leben in kleinen Werften fort, ergänzt durch moderne Upcycling- und Design-Handwerk. Das Handwerk ist community-orientiert, oft in Kooperation mit Museen oder Events, und betont Nachhaltigkeit – zum Beispiel durch regionale Materialien und handgefertigte Produkte für Touristen und Locals.

Industrie

Die Industrie ist der dynamischste Sektor und hat Lolland-Falster seit dem 19. Jahrhundert geprägt. Früher dominierten agrarbasierte Verarbeitung und Schiffbau: Die Nakskov Sukkerfabrik (seit 1882/83, heute Nordic Sugar/Nordzucker) und die in Nykøbing Falster waren zentrale Arbeitgeber, verarbeiteten Zuckerrüben zu Zucker, Melasse und Futtermitteln – Nakskov galt als größte Zuckerfabrik Nordeuropas. Das Nakskov Skibsværft (gegründet 1916) baute Schiffe und wurde zu Dänemarks zweitgrößtem Werft, bis es in den 1980er/90er Jahren schrumpfte. Leichte Industrie (Maschinen für Landwirtschaft, Jernstøberier) ergänzte dies. Heute wandelt sich die Industrie stark grün und zukunftsorientiert:

  • Nordic Sugar bleibt dominant (zwei Fabriken in Dänemark: Nakskov und Nykøbing), modernisiert mit Biogas (seit 2024/25), Abwärmenutzung und „grünem Zucker“ durch Biomethan-Kooperationen.
  • Vestas produziert in Nakskov lange Windflügel – ein Schlüssel zur Offshore-Windindustrie.
  • Der Femern-Belt-Projekt schafft temporär Tausende Jobs (Tunnelbau, Elementfabrik in Rødbyhavn) und etabliert langfristig Industrieparks (zum Beispiel Femern Port & Industrial Park, 780 ha) für Logistik, grüne Energie und schwere Industrie.
  • Neue Ansiedlungen: KI-Rechenzentren (zum Beispiel GARBE Data Centers im Business Park Falster, 2025 angekündigt), Filtrationsfirmen (S.E.W. North Filtration) und Biogasanlagen.
  • Weitere Branchen: Leichte Fertigung, Lebensmittelverarbeitung und maritime Dienstleistungen.


Die Industrie profitiert von der strategischen Lage (Häfen, Nähe zu Deutschland via Femern), niedriger Arbeitslosigkeit und Investitionen in grüne Transformation. Herausforderungen sind der Strukturwandel (vom klassischen Schiffbau/Zucker zur Erneuerbaren), doch Lolland-Falster positioniert sich als Vorreiter für nachhaltige Industrie in Nordeuropa.

Wasserwirtschaft

Die Trinkwasserversorgung auf Lolland wird überwiegend durch kommunale Wasserwerke gewährleistet. Diese beziehen das Wasser aus lokalen Brunnen und Grundwasservorkommen, das vor der Verteilung sorgfältig aufbereitet wird. Die Versorgung ist so organisiert, dass sowohl die größeren Städte wie Nakskov, Maribo, Rødby und Sakskøbing als auch kleinere Dörfer zuverlässig mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser versorgt werden. Regelmäßige Kontrollen und Qualitätsprüfungen stellen sicher, dass die strengen dänischen und EU-weiten Wasserstandards eingehalten werden.

Ein wichtiger Bereich der Wasserwirtschaft ist die Abwasserbehandlung. Auf Lolland existieren moderne Kläranlagen, die das Abwasser aus Haushalten, Gewerbe und Industrie sammeln, aufbereiten und in die Natur zurückführen. Dies schützt die sensiblen Küstengewässer, Seen und Feuchtgebiete der Insel und sorgt für Nachhaltigkeit im Umgang mit Wasserressourcen. Zusätzlich gibt es ein Netz von Drainagen und Kanalisationssystemen, das besonders in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten wichtig ist, um Wasser gezielt abzuleiten und Überschwemmungen zu vermeiden.

Die Insel Lolland ist auch stark vom Hochwasserschutz betroffen, da tiefliegende Gebiete durch Sturmfluten oder starken Regen gefährdet sein können. Deiche, Pumpstationen und Kanäle sorgen dafür, dass das Wasser aus Feldern und Siedlungen kontrolliert abgeleitet wird. Besonders in Küstennähe und in tiefer gelegenen landwirtschaftlichen Regionen ist der Hochwasserschutz ein integraler Bestandteil der Wasserwirtschaft.

Ein wachsender Schwerpunkt liegt auf nachhaltiger Nutzung und Klimaanpassung. Initiativen der Kommune, Wasserwerke und Landwirte zielen darauf ab, Grundwasser zu schonen, Regenwasser zu nutzen und die Belastung der Gewässer durch Nährstoffe und Schadstoffe zu minimieren. In Kombination mit Bildungsprogrammen und Bürgerbeteiligung wird die Bevölkerung aktiv in Maßnahmen zur Wasserbewirtschaftung einbezogen.

Energiewirtschaft

Aufgrund der flachen Landschaft, der Küstenlage und der windreichen Bedingungen hat sich Lolland zu einer Schwerpunktregion für Windkraft in Dänemark entwickelt. Große Windparks auf der Insel und in Küstennähe tragen maßgeblich zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen bei und machen Lolland zu einem Vorreiter in der dänischen Energiewende.

Neben der Windkraft gibt es auf Lolland auch Solarenergieprojekte, bei denen Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Gebäuden oder speziell ausgewiesenen Flächen Strom erzeugen. Diese Anlagen dienen sowohl der lokalen Stromversorgung als auch der Einspeisung in das überregionale Netz. In Kombination mit modernen Netztechnologien und Speichersystemen können Schwankungen in der Energieproduktion ausgeglichen werden.

Die lokale Strom- und Wärmeversorgung wird durch ein Netz von Energieunternehmen organisiert, die Strom, Gas und Fernwärme bereitstellen. Kleine Gemeinde- und Stadtwerke sind auf Lolland aktiv und arbeiten eng mit nationalen Energieversorgern zusammen, um eine zuverlässige Versorgung sicherzustellen. Auch innovative Projekte wie Bioenergie aus landwirtschaftlichen Abfällen oder Biomasseanlagen tragen dazu bei, die Energieversorgung nachhaltig zu gestalten und Abfälle effizient zu nutzen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Energieeffizienz und Bewusstseinsbildung. Kommunale Initiativen, Bildungsprojekte und Kooperationen mit Unternehmen fördern den sparsamen Umgang mit Energie und die Nu

Vor der Südküste vom Hafen aus zu sehen, befindet sich der nach eigenen Angaben größte Windkraftpark der Welt, der Nysted Havmøllepark. 10 km vor der Küste befinden sich 72 Windräder mit einer Gesamtleistung von bis zu 165,6 Megawatt. Westlich der Fährverbindung Puttgarden ↔ Rødby liegen zwei riesige Offshore-Windparks, Rødsand I und II, mit 72 bzw. 90 Anlagen (genauer mit acht Reihen aus je neun Windrotoren bzw. westlich davon mit achtzehn Reihen aus je fünf Rotoren). Weitere Anlagen befinden sich an Land, auf den unmittelbar angrenzenden Teilen der Küste.

Die zwei Windparks im Meer sind von dem vorbeiführenden internationalen Schiffsverkehr aus (insbesondere: Fährverkehr quer durch die Ostsee) jederzeit voll einsehbar, stören aber nicht. Dass man auf diese Weise wesentlich zur Energieversorgung der Insel beitragen kann, ist angesichts ihrer bereits erwähnten geringen Bevölkerungszahl und der verfügbaren Küstenlinie sehr natürlich und aktuell, und von nicht zu vernachlässigender Größenordnung. Rødsand II ergibt in der Tat bei optimaler Auslastung eine Leistung von 207 MW. Zusammen mit Rødsand I ergibt sich fast der doppelte Wert, das ist etwa ein Drittel der Leistung eines typischen Kernkraftwerks.

Abfallwirtschaft

Die Verantwortung für die Abfallwirtschaft liegt größtenteils bei der Lolland Kommune. Sie betreibt ein Netz von Sammelstellen, Recyclinghöfen und Wertstoffcontainern, die es den Einwohnern ermöglichen, Abfälle wie Papier, Glas, Metall, Kunststoff, Bioabfälle und Sondermüll getrennt zu entsorgen. Viele Haushalte nutzen auch regelmäßige Abholsysteme, bei denen Müll, Papier und Bioabfälle direkt von der Haustür abgeholt werden. Für größere oder sperrige Gegenstände gibt es spezielle Sperrmüllabholungen oder Annahmestellen.

Ein wichtiger Schwerpunkt auf Lolland ist die Abfalltrennung und Recyclingquote. Die Kommune fördert aktiv Kompostierung, Recycling und Wiederverwertung, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Durch Informationskampagnen in Schulen, Vereinen und Medien werden Bürgerinnen und Bürger über die richtige Trennung von Abfällen und die Bedeutung von Recycling aufgeklärt. Besonders in ländlichen Gebieten ist dies wichtig, da hier große Flächen von Landwirtschaft und Natur geprägt sind, die von illegaler Müllentsorgung besonders betroffen wären.

Darüber hinaus gibt es auf Lolland Initiativen für elektronischen Abfall, Batterien und gefährliche Stoffe, die an speziellen Sammelstellen abgegeben werden können. Auch Sonderaktionen für Altmetall, Elektrogeräte oder Textilien werden regelmäßig organisiert, um die Wiederverwertung zu fördern und die Abfallmengen zu reduzieren.

Ein wachsender Trend ist die Förderung von Kreislaufwirtschaft und nachhaltigem Umgang mit Ressourcen. Auf Lolland arbeiten Kommunen, Unternehmen und Vereine daran, Abfälle nicht nur zu entsorgen, sondern möglichst in den Produktkreislauf zurückzuführen. Projekte für Upcycling, Reparaturwerkstätten und Second-Hand-Läden unterstützen dieses Ziel.

Handel

Die größten Handelszentren befinden sich in den Städten Nakskov, Maribo, Rødby und Sakskøbing. Hier finden sich Supermärkte und Einzelhandelsketten wie Netto, Føtex, Rema 1000 oder Lidl, die die Grundversorgung der Bevölkerung sichern. Daneben gibt es zahlreiche kleine Fachgeschäfte, darunter Bäckereien, Metzgereien, Kleidungsgeschäfte, Buchhandlungen und Haushaltswarengeschäfte. Diese kleineren Betriebe sind oft familiengeführt und pflegen eine enge Bindung zu den Kunden, was den sozialen Zusammenhalt stärkt.

Ein wichtiger Bestandteil des Handels auf Lolland ist der Landwirtschafts- und Direktverkauf. Die Insel ist stark landwirtschaftlich geprägt, sodass regionale Produkte wie Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und Honig direkt auf Bauernhöfen, Hofläden oder auf Wochenmärkten angeboten werden. Besonders während der Sommermonate werden Märkte in Nakskov und Maribo zu lebendigen Treffpunkten, auf denen Einheimische und Touristen regionale Spezialitäten kaufen können.

Neben dem Lebensmittel- und Fachhandel gibt es auf Lolland auch Dienstleistungs- und Handelsunternehmen, die Bauprodukte, Haushaltsgeräte, Möbel oder Autozubehör anbieten. Diese Betriebe bedienen sowohl private Kunden als auch lokale Unternehmen, Handwerksbetriebe und die Landwirtschaft. Auch Tourismusbezogener Handel, wie Souvenirs, Fahrräder, Bootsverleih oder Outdoor-Ausrüstung, ist besonders in Küstenorten wie Bandholm oder Rødby präsent.

Die Digitalisierung verändert auch den Handel auf Lolland. Immer mehr Geschäfte bieten Online-Bestellungen, Lieferdienste und Click-and-Collect an, um Kunden auf der weitläufigen Insel zu erreichen. Lokale Initiativen fördern zudem regionales Einkaufen, um kleine Unternehmen zu unterstützen und die Wirtschaft vor Ort zu stärken.

Finanzwesen

Die größten Banken auf Lolland sind Niederlassungen der dänischen Großbanken wie Danske Bank, Nordea, Jyske Bank und Sydbank. Diese Institute bieten das volle Spektrum klassischer Bankdienstleistungen: Kontoführung, Kreditvergabe, Hypoth1eken, Online-Banking, Geldtransfer und Anlageberatung. Besonders für die Landwirtschaft, die auf Lolland eine zentrale Rolle spielt, sind landwirtschaftliche Kredite und Förderdarlehen ein wichtiger Bestandteil des Bankgeschäfts. Auch Investitionen in lokale Unternehmen und Infrastrukturprojekte werden häufig durch regionale Bankfilialen begleitet.

Neben den Großbanken existieren lokale Genossenschafts- und Regionalbanken wie Lolland-Falster Sparekasse, die traditionell stark in der Gemeinschaft verankert sind. Diese Institute legen besonderen Wert auf persönliche Beratung, Nähe zu den Kunden und die Unterstützung regionaler Projekte. Sie sind oft Partner von Vereinen, Bildungsinitiativen oder kulturellen Veranstaltungen und tragen zur wirtschaftlichen Stabilität der Insel bei.

Für Privatkunden bietet das Finanzwesen auf Lolland auch Vermögensverwaltung, Altersvorsorge und Versicherungsdienstleistungen an. Viele Banken arbeiten eng mit Versicherungsgesellschaften zusammen, sodass die Bevölkerung umfassend abgesichert werden kann – von Kranken- und Lebensversicherungen bis hin zu Haus- und Sachversicherungen.

Die Digitalisierung spielt auch auf Lolland eine wachsende Rolle. Online-Banking, mobile Zahlungsdienste und digitale Beratungsangebote erleichtern den Zugang zu Finanzdienstleistungen, besonders für Menschen in abgelegenen Dörfern oder kleineren Orten der Insel. Dennoch bleibt die persönliche Beratung in den Filialen ein zentrales Element, da viele Kunden den direkten Kontakt bevorzugen.

Gesundheit und Soziales

Sozial gesehen ist Lolland eine der Kommunen mit den höchsten Anteilen an Sozialhilfeempfängern (früher bis zu 33–34 %, deutlich über dem nationalen Durchschnitt). Arbeitslosigkeit, niedrige Einkommen und geringe Bildungschancen verstärken den Kreislauf aus Armut und Krankheit. Die Kommune hat dadurch eine hohe Belastung für das Gesundheits- und Sozialsystem.

Die Kommune und die Region Sjælland versuchen gegenzusteuern: Es gibt eine eigene Sundhedspolitik, die auf Prävention setzt (zum Beispiel Angebote bei KOL, Diabetes, Herzkrankheiten, Krebs), die Lolland-Falster Health Study (LOFUS) liefert Daten für gezielte Maßnahmen, und es werden Programme gegen soziale Isolation und für gesündere Lebensstile gefördert. Dennoch bleibt die Lage herausfordernd – die gesundheitliche Kluft hat sich über Jahrzehnte aufgebaut und lässt sich nur langfristig verringern.

Gesundheitswesen

Zentrale Einrichtungen sind die Krankenhäuser in Nakskov und Maribo, die eine Grundversorgung für die Bevölkerung sicherstellen. Diese Häuser bieten stationäre und ambulante Behandlungsmöglichkeiten, einschließlich Chirurgie, Innere Medizin, Geburtshilfe und geriatrischer Versorgung. Für spezialisierte medizinische Leistungen wie Herzchirurgie oder Onkologie müssen Patienten oft in größere Krankenhäuser auf dem dänischen Festland, etwa in Nykøbing Falster oder Kopenhagen, überwiesen werden.

Ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitswesens sind die Hausärzte (praktiserende læger). In fast allen Ortschaften gibt es niedergelassene Ärzte, die für Routineuntersuchungen, Impfungen, chronische Erkrankungen und akute Beschwerden zuständig sind. Ergänzt wird dieses System durch Zahnarztpraxen, Physiotherapeuten, Psychologen und Apotheken, die auf Lolland flächendeckend verteilt sind und die ambulante Versorgung gewährleisten.

Die Insel verfügt zudem über ein gut organisiertes Notfall- und Rettungssystem. Ambulanzdienste und Rettungsfahrzeuge decken das gesamte Inselgebiet ab, und es bestehen enge Kooperationen mit Krankenhäusern auf Falster und dem Festland, um in Notfällen eine schnelle Versorgung sicherzustellen. Besonders in abgelegenen ländlichen Gebieten spielen Telemedizin und mobile Dienste eine wachsende Rolle, um Entfernungen zu überbrücken und die medizinische Versorgung zu stabilisieren.

Krankheiten

Die Lebenserwartung liegt hier seit Jahren deutlich unter dem nationalen Durchschnitt – aktuell etwa 3 bis 6 Jahre niedriger als in wohlhabenderen Teilen des Landes wie den nördlichen Kopenhagener Vororten. Ein zentraler Faktor ist die starke soziale Ungleichheit (social ulighed i sundhed), die sich in schlechteren Gesundheitsindikatoren widerspiegelt. Viele Bewohner berichten von einem schlechten subjektiven Gesundheitszustand (zirka 24 % in Lolland Kommune vs. 17 % landesweit), höheren Raten an chronischen Erkrankungen und ungesunden Lebensgewohnheiten. Besonders häufig treten auf: Starkes Übergewicht/Adipositas (21 bis 25 % vs. 17 % landesweit), chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD, 7 bis 8 % vs. 4 %), täglicher Tabakkonsum (22 bis 24 % vs. 19 %), Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes sowie psychische Belastungen und Einsamkeit (uønsket tid alene).

Die Übersterblichkeit (overdødelighed) zeigt sich besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen (bis zu 33 % höher bei Männern), Krebs und anderen Krankheiten. Studien zeigen, dass diese Unterschiede nicht primär durch die Lebensbedingungen auf Lolland entstehen, sondern durch selektive Migration: Seit den 1980er/1990er Jahren ziehen vermehrt vulnerablere Personen (mit niedrigerem Einkommen, schlechterer Bildung, höherer Krankheitslast) in die Region – oft weil Wohnraum günstiger ist und soziale Unterstützung leichter zugänglich erscheint. Besonders Personen im Alter 30–64 Jahre, die neu zuziehen, weisen eine fast doppelt so hohe Sterberate auf wie der Rest Dänemarks.

Bildung

Lolland, eine der größten dänischen Inseln im Süden Dänemarks, ist Teil der Region Sjælland und bietet ein breites Spektrum an Bildungseinrichtungen, die dem dänischen Bildungssystem entsprechen. Das System basiert auf einer neunjährigen Pflichtschulzeit (Folkeskole) für Kinder ab sechs Jahren, gefolgt von optionalen weiterführenden Angeboten. Auf Lolland gibt es mehrere öffentliche Schulen, darunter die Byskolen, Maribo Skole (mit Abteilungen Blæsenborg und Borgerskole), Rødby Skole und Stormarkskolen.

Besonders hervorzuheben ist die Lolland International School in Maribo, die als erste öffentliche internationale Schule Dänemarks eine bilinguale Ausbildung in Englisch und Dänisch anbietet. Sie folgt sowohl dem Cambridge-Curriculum als auch dem dänischen Lehrplan und richtet sich an Kinder im Alter von 5 bis 15 Jahren. Die Schule ist kostenlos und zielt darauf ab, internationale Familien in der Region zu unterstützen, mit einem Fokus auf interkulturelles Lernen und Dual-Immersion. Ergänzend existiert die Lolland Sprogskole, die Dänischkurse für Erwachsene und Neuankömmlinge anbietet, oft in Kooperation mit dem lokalen Jobcenter, um Integration zu fördern. Historisch gesehen war Lolland bereits im 19. Jahrhundert in Bildungsreformen involviert, mit zahlreichen ländlichen Schulen in der Region Lolland-Falster, die auf die Reformen von 1814 zurückgehen.

Höhere Bildung

Höhere Bildung auf Lolland konzentriert sich vor allem auf berufliche und technische Ausbildungen, da die Insel keine großen Universitäten beherbergt – diese sind hauptsächlich in Städten wie Kopenhagen oder Aalborg angesiedelt. Eine zentrale Einrichtung ist das CELF (Center for Erhvervsrettede Uddannelser Lolland Falster) in Nykøbing Falster, das ein breites Angebot an gymnasialen, höheren und Weiterbildungsprogrammen bietet, einschließlich Berufsausbildungen in Technik, Wirtschaft und Handwerk.

Ergänzend gibt es die FGU Lolland-Falster, eine Vorbereitungseinrichtung für Jugendliche unter 25 Jahren, die auf weiterführende Bildung oder den Arbeitsmarkt vorbereitet und individuelle Lernpläne anbietet. Viele Bewohner pendeln für universitäre Studiengänge in benachbarte Regionen, wo das dänische System eine Vielzahl von Bachelor- und Masterprogrammen in Englisch und Dänisch bereitstellt. Die Alphabetisierungsrate in Dänemark ist hoch, und Lolland profitiert von nationalen Initiativen zur Förderung digitaler Bildung und lebenslangen Lernens.

Bibliotheken und Archive

Die LollandBibliotekerne umfassen öffentliche Bibliotheken in Nakskov, Maribo und Rødbyhavn, die kostenlos zugänglich sind für Personen mit dänischem CPR-Nummer. Sie bieten Bücher, Filme, Musik, Spiele und digitale Ressourcen sowie Veranstaltungen zur Förderung von Lesen und Lernen. Das Museum Lolland-Falster in Nykøbing Falster beherbergt umfangreiche Archive mit persönlichen Sammlungen, Memoiren, Briefen und historischen Dokumenten, die die regionale Geschichte von der Steinzeit bis zur Moderne abdecken. Ergänzend ist das Landsarkivet for Sjælland, Lolland-Falster & Bornholm das regionale Archiv, das Akten von lokalen Behörden, Institutionen und historischen Ereignissen aufbewahrt und für Forschung zugänglich macht. Diese Einrichtungen sind Teil des nationalen Systems, das von den Dänischen Nationalarchiven (Rigsarkivet) koordiniert wird und digitale Zugänge zu vielen Quellen bietet. Insgesamt fördern diese Ressourcen auf Lolland eine enge Verknüpfung von Bildung, Kultur und Gemeinschaft, insbesondere in einer ländlichen Region mit Fokus auf Integration und Nachhaltigkeit.

Kultur

Lolland hat einige der für Dänemark so typischen Vorzeitdenkmäler von besonderem Rang zu bieten. Größere Ansammlungen finden sich bei Flintinge und im Frejlev Skov. Daneben sind die Ganggräber Glentehøj und Kong Svends Høj im Nordwesten, wo die Ravnsby Bakker (Anhöhen von Ravnsby), zu den schönsten Landschaften gehören. Hervorzuheben sind auch die Landkirchen von Ravnsborg. Daneben sind Runensteine zu nennen, besonders der bei der Kirche von Tillitse.

In Sundby am Guldborgsund befindet sich ein Mittelalterzentrum, in dem in einer nachgebauten mittelalterlichen Siedlung das Alltagsleben und Handwerk dieser Zeit demonstriert wird. Als Besucherattraktion wird in der Ferienzeit unter anderem täglich ein Ritterturnier mit Lanzenstechen nachgestellt und es werden Katapulte und Kanonen abgeschossen.

Museen

Zentrales Museum auf Lolland ist das Nakskov Museum, das die lokale Geschichte und Industrieentwicklung präsentiert. Hier werden Exponate aus der Schiffsbau- und Fischereigeschichte gezeigt, die die Bedeutung von Nakskov als Hafenstadt verdeutlichen. Ebenso widmet sich das Museum der Landwirtschaft auf Lolland, die seit Jahrhunderten die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung der Insel ist. Historische Landmaschinen, bäuerliche Werkzeuge und alltägliche Gebrauchsgegenstände geben einen authentischen Einblick in das Leben früherer Generationen.

Ein weiteres bedeutendes Haus ist das Maribo Museum, das die kulturelle und religiöse Geschichte der Region beleuchtet. Hier stehen Kunst, Handwerk und regionale Traditionen im Mittelpunkt. Das Museum ist eng mit dem Maribo Domkirke und der Stadtgeschichte verknüpft und zeigt, wie Kirche, Stadtentwicklung und ländliche Kultur auf Lolland miteinander verflochten sind. Auch temporäre Ausstellungen zu Kunst, Fotografie oder regionalen Themen ergänzen das Angebot.

Das Frilandsmuseum Lolland-Falster bietet Besuchern die Möglichkeit, das historische Alltagsleben hautnah zu erleben. Als Freilichtmuseum aufgebaut, zeigt es bäuerliche Gehöfte, Werkstätten, Backhäuser und Mühlen, die originalgetreu erhalten oder rekonstruiert wurden. Besucher können hier sehen, wie Menschen auf Lolland früher lebten, arbeiteten und Feste feierten. Traditionelle Handwerkskunst und landwirtschaftliche Praktiken werden demonstriert, oft mit Mitmach-Angeboten, die besonders für Familien und Kinder interessant sind.

Für Liebhaber von Kunst und Kultur bietet die Insel zudem spezialisierte Einrichtungen wie das Kunstmuseum Fuglsang, das dänische Malerei und Skulptur des 19. und 20. Jahrhunderts zeigt. Fuglsang ist eng mit der künstlerischen Szene Dänemarks verbunden und war ein Treffpunkt für Künstler, Musiker und Intellektuelle. Hier wird nicht nur bildende Kunst präsentiert, sondern auch ein kulturelles Programm mit Konzerten, Lesungen und Workshops angeboten.

Maritime Geschichte wird in Bandholm und Nakskov besonders betont. Kleine Schifffahrtsmuseen und Hafenmuseen dokumentieren die Bedeutung des Schiffsbaus, der Fischerei und des Handels für die wirtschaftliche Entwicklung der Insel. Historische Boote, Schiffsmotoren und nautisches Equipment zeigen anschaulich, wie eng Lolland mit dem Meer verbunden ist.

Architektur

Die Architektur auf Lolland zeichnet sich durch eine hohe Dichte an gut erhaltenen Herrenhäusern (Herregårde) aus, von denen es rund 45 gibt – mehr als in den meisten anderen dänischen Regionen. Diese barocken und klassizistischen Anwesen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, oft umgeben von Parks, Wäldern und charakteristischen Steinmauern, erzählen von der adeligen Landwirtschaftsgeschichte. Zu den Highlights zählen Fuglsang Herregård mit seinem roten Ziegelbau und Zinnengiebeln, Pederstrup (heute Reventlow-Museum), das als Geburtsort moderner dänischer Reformen gilt, sowie Christianssæde (eine barocke Schlossruine aus 1690).

Viele Herrenhäuser sind nur von außen zugänglich, bieten aber beeindruckende Parklandschaften. Ergänzt wird dies durch die beeindruckende Gruppe romanischer und gotischer Kirchen aus dem frühen 13. Jahrhundert, die zu den frühesten Backsteinbauten Nordeuropas gehören. Besonders markant sind die rosafarbenen Kirchen auf Falster (zum Beispiel in Tingsted, Aastrup, Gundslev oder Falkerslev), die an die Herkunft von Königin Sophie aus Mecklenburg erinnern, sowie die Maribo Domkirke (Backsteingotik, 15. Jahrhundert) und die Sankt Nikolai Kirke in Nakskov als größte Kirche der Westküste. Moderne Architektur ist seltener, aber das Fuglsang Kunstmuseum (preisgekröntes Gebäude) verbindet zeitgenössisches Design harmonisch mit der umliegenden Landschaft. Weitere Elemente sind Fachwerkhäuser in Städten wie Maribo oder Nykøbing Falster, Windmühlen und historische Höfe, die die ländliche Identität unterstreichen.

Bildende Kunst

Die bildende Kunst profitiert von einer lebendigen Szene, die historische Sammlungen mit zeitgenössischen Ausdrucksformen verbindet. Das zentrale Highlight ist das Fuglsang Kunstmuseum im Osten Lollands, eines der ältesten Kunstmuseen Dänemarks. Es beherbergt eine bedeutende Sammlung dänischer Malerei und Skulptur von ca. 1780 bis 1980, mit Werken der Funen-Maler, Jens Juel, Kristian Zahrtmann, Olaf Rude, P. C. Skovgaard, Skagen-Maler und Vilhelm Lundstrøm. Das Museum zeigt regelmäßig Wechselausstellungen und hat den Fuglsang Art Landscape erweitert: Outdoor-Skulpturen und Installationen im Dialog mit der Natur („landscape dialogues“) laden zu Spaziergängen ein.

Das Museum Lolland-Falster (mit Standorten wie Reventlow-Museet Pederstrup, Stiftsmuseet Maribo und De Gamle Huse) integriert Kunst in historische Kontexte, etwa Porträts und Artefakte aus Herrenhäusern. Moderne und zeitgenössische Kunst findet sich in zahlreichen Galerien, darunter Galleri Heike Arndt DK (in Kettinge, mit internationalen und dänischen Künstlern, auch in Berlin vertreten), Galleri Peter Pitsch, Hvedemagasinet, Galleri Syd, Galleri Arleth und Keramiker-Ateliers wie Susan Odborg. Projekte wie Dodekalitten (riesige Steinskulpturen mit mythischen Figuren) oder Art Barns Lolland (neues Museumskonzept in umgenutzten Scheunen für großformatige Installationen weltbekannter Künstler) bringen zeitgenössische Kunst in die ländliche Umgebung. Ergänzt wird dies durch Recycled-Art wie den 5-Meter-Troll „Frie Vilje“ von Thomas Dambo im Bangshaveskoven.

Literatur

Eine der prominentesten Figuren der dänischen Gegenwartsliteratur mit Lolland-Bezug ist die Schriftstellerin Helle Helle (eigentlich Helle Olsen, *1965 in Nakskov). Aufgewachsen in Rødby und Nakskov auf Lolland, studierte sie Literatur in Kopenhagen und gilt als eine der führenden dänischen Autorinnen der Moderne. Ihre Romane – wie „Hvis du mødte mig“ (Wenn du mich träfest), „Ned til hundene“ („Zu den Hunden“) oder „Hafni siger“ („Hafni sagt“) – zeichnen sich durch präzise, minimalistische Prosa aus und spielen häufig in provinziellen, ländlichen Milieus, die an Lolland erinnern. Sie thematisiert Alltag, Einsamkeit, Beziehungen und die Psychologie des Alltäglichen, oft mit einem Hauch von Melancholie und sozialer Schärfe. Helle Helle hat zahlreiche Preise erhalten und repräsentiert eine literarische Stimme, die die „vergessenen“ Regionen Dänemarks in die nationale und internationale Aufmerksamkeit rückt.

Historisch ist Lolland-Falster mit mehreren Autoren verbunden. Christian Falster (1690 bis 1752), geboren in der Region, war ein bedeutender Satiriker und Epistelschreiber des 18. Jahrhunderts, der sich an französischen Vorbildern wie Boileau orientierte und mit Werken wie „Den utidige rangsyge“ („Die unzeitige Rangsucht“) bekannt wurde. Er besuchte die Katedralskole in Nykøbing Falster. Weitere historische Figuren umfassen Hilmar Wulff, einen Arbeiterdichter, sowie Mitglieder der Adelsfamilie Reventlow, deren Anwesen Pederstrup (heute Reventlow-Museum) mit Christian Ditlev Frederik Reventlow verbunden ist, einem Reformer und Briefschreiber. Die Familie Reventlow produzierte auch literarisch aktive Personen wie Frederikke Charlotte Reventlow (1747 bis 1822), eine Briefautorin und Teil des Emkendorfer Kreises. Romane wie „Hanumans Reise nach Lolland“ von Andrej Iwanow oder dystopisch-utopische Werke wie „Der europäische Frühling“ von Kaspar Colling Nielsen, die Lolland als Schauplatz nutzen, zeigen, dass die Insel gelegentlich in der fiktionalen Literatur auftaucht – oft als Symbol für Isolation, Veränderung oder idyllische Abgeschiedenheit.

Die Bibliotheken spielen eine zentrale Rolle bei der Förderung und Bewahrung von Literatur. Die LollandBibliotekerne (mit Standorten in Nakskov, Maribo und Rødbyhavn) bieten umfangreiche Sammlungen, darunter lokale Literatur, dänische Belletristik und Sachbücher. Sie organisieren Lesungen, Autorenabende und Veranstaltungen wie „Ø-LIV, Lolland og Litteratur“, bei denen Autoren wie Thomas Boberg oder Peder Frederik Jensen diskutieren. In Guldborgsund Kommune (Falster) gibt es ähnliche Initiativen, inklusive Online-Literatur-Communities und Gruppen, die von Bibliothekaren betreut werden. Spezielle Themenlisten wie „Lolland i Litteraturen“ listen Bücher zu Herregårde, Knuthenborg Safaripark, der Stormflut von 1872, der Besatzungszeit oder der Zuckerproduktion.

Archive und Museen ergänzen das literarische Angebot. Das Museum Lolland-Falster (mit Standorten wie Reventlow-Museet Pederstrup, Stiftsmuseet Maribo und De Gamle Huse) beherbergt Sammlungen historischer Dokumente, Briefe, Memoiren und Bücher, die die regionale Literatur- und Kulturgeschichte beleuchten – etwa aus Herrenhäusern oder der Arbeiterbewegung. Das Archiv enthält Telefonbücher, Führer und Literatur über Lolland-Falster von 1878 bis heute. Das Lolland-Falsters Historiske Samfund publiziert Jahrbücher (Årbøger) mit Beiträgen zu lokaler Geschichte und Literatur, inklusive Bibliografien und Artikeln von regionalen Autoren.

Theater

Das Theater hat auf Lolland eine lange Tradition, die von professionellen Bühnen bis zu Amateurgruppen reicht. Eine zentrale Institution ist das NørregadeTeatret in Maribo, ein professionelles Egnsteater (Regionaltheater) auf Kulturværket. Es produziert jährlich mehrere erfolgreiche Stücke, darunter Musicals, Komödien und Familienvorstellungen – oft mit lokalen Bezügen oder dänischen Klassikern. Bekannt sind auch die traditionsreichen Nytårskonzerte mit Promenadeorkestret und Solisten in Maribo Hallen.

In Nakskov gibt es das Nakskov Teater (bzw. Nakskov Teatersal), das als Multifunktionssaal dient und Gastspiele, Revuen und Tourneetheater beherbergt – etwa Produktionen wie „Høj sol over Aarhus“ oder andere dänische Hits. Weitere aktive Gruppen umfassen die Nakskov Amatørscene (Amateurtheater mit eigenen Stücken und Kinder-/Jugendgruppen), Nykøbing Falster Revyen (Revue-Theater mit humorvollen, lokalen Shows) sowie Improteatret und Det Ny Teater in Guldborgsund. Viele dieser Ensembles bieten Teaterhold (Theaterkurse) für Kinder und Jugendliche an, um Nachwuchs zu fördern. Historisch war Nakskov Teater bis in die 1980er Jahre ein kombiniertes Kino-Theater, bevor es umgebaut wurde. Spezielle Events wie das Gadeteater (Straßentheater) von Børnekultur Lolland – etwa „Skøre Strømere“ in Maribo – bringen Theater in die Öffentlichkeit. Auch das Museum Lolland-Falster integriert Theater, zum Beispiel mit Aufführungen zur Regionalgeschichte wie „Monica Wichfeld und der Weltkrieg“, einer berührenden Inszenierung über die Widerstandskämpferin aus der Besatzungszeit. Open-Air-Elemente, wie Ballett unter freiem Himmel auf Schloss Christianssæde (zum Beispiel Verdensballetten), verbinden Theater mit Tanz und Natur.

Film

Der Film-Bereich ist primär auf Kinos und sporadische Vorführungen beschränkt, ohne großes eigenes Festival. Das Haupt-Kino ist Nordisk Film Biografer Nykøbing am Hafen von Nykøbing Falster – ein modernes Cinema & Café mit täglich 12 bis 14 Vorstellungen, meist internationalen Filmen in Originalfassung mit dänischen Untertiteln. Es bietet eine gemütliche Atmosphäre mit gutem Kaffee und Snacks. In Nakskov und Maribo gibt es kleinere Vorführungen oder Kooperationen mit Bibliotheken/Theatern, aber kein dediziertes großes Kino. Film taucht oft bei Events auf: So finden Open-Air-Vorführungen statt, zum Beispiel Forpremieren dänischer Hits wie „Ternet Ninja 3“ bei Dodekalitten (den riesigen Steinskulpturen), wo Filme mit Picknick und Musik kombiniert werden. Historisch gibt es Dokumentationen und Kurzfilme über die Region, etwa „Lolland-Falster Film“ (1938) vom Danish Film Institute, das folkloristische Szenen aus der Erntezeit und Festen zeigt. Lolland dient gelegentlich als Drehort für dänische Produktionen oder TV-Sendungen (zum Beispiel Episoden von „Spise med Price“), und moderne Kunstfestivals wie Lys Over Lolland integrieren Film-Elemente in ihre Outdoor-Performances. Es gibt keine jährliche große Filmfestival auf Lolland, aber regionale Veranstaltungen nutzen Film als Ergänzung zu Kulturangeboten.

Musik und Tanz

Traditionell ist Lolland seit Jahrhunderten ein Zentrum für dänische Folkemusik (Volksmusik) und damit verbundene Tänze. Die Region hat eine lange Geschichte mit Melodien und Tänzen wie dem Firtur (Viertour), Menuetten und anderen alten Gesellschaftstänzen, die bis ins 20. Jahrhundert in ländlichen Gebieten erhalten blieben. Lokale Sammlungen und Ensembles wie das Trio Gangspil interpretieren historische Notenblätter aus dem Reventlow-Archiv und präsentieren heiße Tanzmelodien aus vergangenen Jahrhunderten. Solche Konzerte finden oft im Museum Lolland-Falster statt, wo Folkemusik mit historischen Instrumenten und Tanzvorführungen kombiniert wird. Die Foreningen til Folkedansens Fremme hat in der Vergangenheit spezielle Hefte zu Tänzen aus Lolland-Falster herausgegeben, und es gibt anhaltende Bemühungen, diese Tradition durch Podcasts wie „Ø-Guld“ oder lokale Arrangements zu dokumentieren und weiterzugeben.

Moderne Musikangebote sind vielfältig und werden vor allem durch die Lolland Musikskole getragen. Diese kommunale Musikschule mit Standorten in Maribo (Musikhuset) und Nakskov unterrichtet Kinder, Jugendliche und Erwachsene in einer breiten Palette von Instrumenten, Gesang, Ensembles und kreativen Prozessen. Sie organisiert regelmäßig Konzerte, Frühlingskonzerte und interaktive Veranstaltungen, die das musikalische Leben auf der Insel bereichern. Ergänzend gibt es Angebote in Kooperation mit lokalen Vereinen und Schulen.

Die wichtigsten Veranstaltungen und Festivals sind:

  • Die Maribo Jazz Festival (meist im Juli), eines der freundlichsten Jazz-Festivals Dänemarks mit über 120 Musikern an mehr als 18 Orten in der historischen Stadt Maribo – von klassischem Jazz über New Orleans bis Swing und Big Band.
  • Die Lolland Opera Festival, die mit professionellen Sängern und Musikern Opernproduktionen und Konzerte an verschiedenen Orten auf der Insel präsentiert, darunter Open-Air-Events wie „Verdi by the fjord“ oder „Madame Butterfly“.
  • Die Whitsun Festival (Pinsfestival) auf dem Gelände von Christianssæde Herregård mit einer Mischung aus Konzerten, Talks und lokalen Genüssen unter alten Eichen – eine Feier von Musik, Gemeinschaft und Feststimmung.
  • Lys Over Lolland, ein Sommer-Event mit Outdoor-Performances, die klassische Musik, Tanz und Beatbox kombinieren, oft im Reventlowpark.
  • Verdensballetten, die 2026 erstmals im Park von Schloss Christianssæde auftritt und internationale Ballettaufführungen in natürlicher Kulisse bietet.


Tanz ist eng mit diesen Events verknüpft, sei es in Form von professionellem Ballett, modernem Tanz oder traditionellen Folkedans. Es gibt Tanzvereine in der Region Guldborgsund (Lolland-Falster), die über Plattformen wie KultuNaut gelistet sind, sowie Angebote in Freizeitparks wie BonBon-Land, wo Musik, Tanz und Zirkus-Elemente für Familien kombiniert werden. Spezielle Tanz-Workshops oder -Kurse (zum Beispiel für Parkinson-Betroffene mit Musik und Rhythmik) zeigen, wie Tanz inklusiv genutzt wird.

Kleidung

Die traditionelle Kleidung (Tracht) auf der Insel Lolland gehört zur regionalen dänischen Volkstracht, unterscheidet sich jedoch in Details von anderen Landesteilen. Wie in vielen ländlichen Regionen Dänemarks war die Tracht weniger einheitlich normiert als etwa in Süddeutschland oder Österreich, sondern entwickelte sich aus Alltags-, Arbeits- und Festkleidung der bäuerlichen Bevölkerung des 18. und 19. Jahrhunderts.

Die Frauentracht auf Lolland bestand typischerweise aus einem langen Rock, einer Schürze, einem Mieder oder einer eng anliegenden Weste sowie einer Bluse mit langen Ärmeln. Die Stoffe waren meist aus Wolle oder Leinen, später auch Baumwolle, und überwiegend in dunklen, gedeckten Farben wie Blau, Braun, Grau oder Schwarz gehalten. Für festliche Anlässe wurden reichere Stoffe, feinere Webmuster und farbige Bänder verwendet. Charakteristisch war die Kopfbedeckung, etwa ein Tuch oder eine Haube, die je nach Alter, Familienstand und Anlass unterschiedlich getragen wurde. Schmuck war schlicht und bestand häufig aus Broschen oder silbernen Knöpfen.

Die Männertracht war funktional und an die landwirtschaftliche Arbeit angepasst. Sie setzte sich aus knielangen Hosen, Strümpfen, einem Hemd, einer Weste und einer Jacke zusammen. Auch hier dominierten dunkle Farben und robuste Materialien. Zu festlichen Gelegenheiten wurden feinere Westen, oft mit Metallknöpfen, sowie Hüte getragen. Die Kleidung spiegelte Bodenständigkeit und Zweckmäßigkeit wider – Eigenschaften, die gut zur landwirtschaftlich geprägten Insel Lolland passen.

Im Alltag verlor die traditionelle Tracht im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung, als industriell gefertigte Kleidung verbreiteter wurde. Heute wird die Lolländer Tracht nicht mehr im täglichen Leben getragen, sondern ist vor allem Teil des kulturellen Erbes. Sie erscheint bei Volksfesten, historischen Veranstaltungen, Museumspräsentationen und Trachtentänzen. Museen wie das Frilandsmuseum oder lokale Heimatmuseen bewahren originale Kleidungsstücke und rekonstruierte Trachten, um die regionale Identität sichtbar zu machen.

Kulinarik und Gastronomie

Lolland, die dänische „Zuckerinsel“ im Süden des Landes, bietet eine bodenständige Küche, die stark von lokalen Zutaten, der landwirtschaftlichen Tradition und dem maritimen Einfluss geprägt ist. Die Küche ist typisch dänisch: frisch, saisonal und regional, mit Fokus auf Meeresfrüchte aus den Fjorden und der Ostsee, Rübenprodukten (dank der historischen Zuckerproduktion), Wild aus den Wäldern und Bio-Erzeugnissen von kleinen Höfen. Die Szene ist nicht hochglamourös wie in Kopenhagen, sondern gemütlich, oft in Cafés, Kroen (traditionellen Gasthäusern) oder modernen Restaurants mit „New Nordic“-Twists, die lokale Zutaten kreativ verarbeiten. Polnischer Einfluss durch die „roepiger“ (polnische Rübenarbeiterinnen seit dem 19. Jh.) ist subtil spürbar, zum Beispiel in deftigen Eintöpfen oder Backwaren, aber die Dominanz liegt bei dänischen Klassikern wie Smørrebrød, Frikadeller, frischem Fisch und saisonalem Wild.


Lokale Spezialitäten und Zutaten

  • Zuckerrüben und Süßes: Als Zuckerinsel ist Lolland berühmt für alles Rübenbezogene. Probiere Rübenkuchen, Rübenmarmelade oder Gerichte mit Rübensirup. Frederiksdal Kirsebærvin (Kirschenwein) aus lokalen Kirschen ist ein Highlight – ein trockener, fruchtiger Wein, der in der Destillerie Frederiksdal hergestellt wird und perfekt zu Käse oder Desserts passt.
  • Meeresfrüchte und Fisch: Frischer Fisch aus dem Nakskov Fjord oder der Ostsee, wie Aal (geräuchert oder gebraten), Hering, Scholle oder Lachs. Spezialitäten sind „Fiskeboller“ (Fischbällchen) oder „Stjerneskud“ (ein Smørrebrød mit Fisch, Garnelen und Remoulade). In Rødbyhavn und Nakskov gibt es Hafencafés mit fangfrischem Seafood.
  • Wild und Regionales: Im Herbst Wildgerichte wie Reh- oder Hirschragout, oft mit Pilzen und Beeren aus den Wäldern. Bio-Produkte von Höfen wie Krenkerup Gods (Bier und Käse) oder Knuthenborg (Wildfleisch) sind beliebt. Traditionelle dänische Gerichte: Smørrebrød (offene Sandwiches), Frikadeller (Fleischbällchen) mit Kartoffelsalat, „Flæskesteg“ (Knuspriger Schweinebraten) oder „Æbleskiver“ (Apfelküchlein) zu Weihnachten.
  • Einflüsse und Trends: Leichter polnischer Touch durch historische Arbeiter (zum Beispiel in deftigen Suppen oder Pierogi-ähnlichen Varianten), aber modern interpretiert. New Nordic Cuisine ist präsent: Lokale Zutaten wie Kräuter, Beeren oder Quinoa von Höfen der „Muld“-Initiative (lokale Bio-Produzenten). Es gibt Craft-Biere von Brauereien wie Lollands Bryghus oder Krenkerup Gods.

Die Gastronomie ist bodenständig und saisonal, mit Fokus auf „farm-to-table“ und lokalen Produzenten. Keine Michelin-Sterne, aber qualitativ hochwertige, gemütliche Einrichtungen. Nakskov ist das kulinarische Herz der Insel. Restaurant Ö (Torvet 5) bietet moderne dänische Küche mit lokalen Zutaten – probiere Rüben-Carpaccio oder frischen Fjordfisch (4,8/5 auf Tripadvisor, kreative Gerichte). Det Gamle Pakhus ist ein istorisches Lagerhaus mit dänischen Klassikern wie Smørrebrød und Steaks, am Hafen (frisch, regional). Hotel Harmonien ist ein Gastro-Restaurant mit Crossover-Küche.

In Maribo befinden sich das Restaurant Borgen und das Cafe Marife, gemütliche Cafés mit hausgemachten Kuchen, Smørrebrød und Seefisch. Die Domkirke-Umgebung lädt zu Kaffee und Kuchen ein. Probiere lokale Kirschenprodukte von Frederiksdal. Das Hotel Saxkjøbing Restaurant in Sakskøbing bietet feine dänische Küche mit Fokus auf regionale Zutaten (zum Beispiel Wild, Fisch), beeinflusst von Claus Meyer (New Nordic-Pionier). Das jährliche Sydhavsøerne Frugtfestival feiert Obst und lokale Delikatessen. In Rødby gibt es ebefalls ein Restaurant Ö. Das ebendort befindliche Strandgaarden Restaurant & Feriecenter bietet direkte Ostsee-Aussicht, dänische Klassiker wie Schnitzel, frischer Fisch und Bier. In der Nähe liegt Lalandia mit internationaler Küche, Buffets und Themenrestaurants (zum Beispiel dänisch-italienisch). Weitere Lokale sind die Brasseriet Søllestedgaard & Lollands Bryghus (Bier und dänische Gerichte), Langø Havnegrill & Cafe (Hafengrill mit Seafood). Hofläden und Märkte (zum Beispiel in Nakskov Torv) bieten Bio-Produkte: Quinoa, Honig, Käse von Krenkerup oder Eier von lokalen Höfen.

Frischer Ostseefisch (geräucherter Aal, „Stjerneskud“-Smørrebrød), Wild (Reh mit Rüben), Kirschen aus Frederiksdal (zu Wein verarbeitet). Traditionell: Smørrebrød, Frikadeller, „Flæskesteg“. Moderne Twists: New Nordic mit lokalen Kräutern, Beeren oder Quinoa. Events: Frugtfestival in Sakskøbing (Obst und Delikatessen), Märkte mit regionalen Produkten.

Festkultur

Auf der Insel werden die üblichen dänischen Festtage gefeiert.

  • 1. Januar  -  Nytår (Neujahr)
  • Ende MSamsz/Anfang April -  Påske (Ostern)
  • 16. April  -  National Festdag (Nationalfeiertag, Geburtstag der Königin)
  • Ende Mai/Anfang Juni -  Pinse (Pfingsten)
  • um 21. Juni  -  Fanø Dragefest (größtes Drachenfest der Welt)
  • 2. Juli-Wochenende -  Fannikerdager (Fannikertage mit Musik, Theater und Umzügen)
  • 3. Juli-Sonntag -  Sønderhodag (Sönderho-Tag mit Trachtenfest und Musik)
  • 1. November  -  Allehelgensdag (Allerheiligen)
  • 25./26. Dezember -  Jul (Weihnachten)
  • 31. Dezember -  Nytårsaftensdag (Silvester)

Medien

Zentrale Bedeutung haben die regionalen Zeitungen und Online-Nachrichtenportale. Besonders wichtig ist die Tageszeitung „Folketidende“, die für Lolland und Falster erscheint. Sie berichtet ausführlich über lokale Ereignisse, Gemeinderatssitzungen, Schulen, Vereine, Sport und wirtschaftliche Entwicklungen. Neben der gedruckten Ausgabe ist die Zeitung auch digital präsent und erreicht so jüngere Leserinnen und Leser. Ergänzt wird dies durch lokale Online-Medien und kommunale Informationsseiten, die aktuelle Meldungen, Veranstaltungshinweise und Serviceinformationen bereitstellen.

Im Bereich Radio und Fernsehen nutzen die Menschen auf Lolland überwiegend die nationalen dänischen Sender, insbesondere den öffentlich-rechtlichen Rundfunk DR (Danmarks Radio) sowie TV 2. Diese Sender berichten regelmäßig auch über regionale Themen aus Südseeland und Lolland-Falster, etwa zu Infrastrukturprojekten wie dem Fehmarnbelt-Tunnel, wirtschaftlichen Entwicklungen oder sozialen Fragen. Zusätzlich gibt es lokale Radiosender und Bürgermedien, die sich mit regionaler Musik, Kultur und lokalen Diskussionen befassen, wenn auch in kleinerem Umfang.

Eine immer größere Rolle spielen digitale Medien und soziale Netzwerke. Viele Einwohner informieren sich über Facebook-Gruppen, lokale Foren und Gemeindeseiten, auf denen Nachrichten, Termine, Vereinsaktivitäten oder politische Diskussionen ausgetauscht werden. Gerade in kleineren Orten ersetzen diese Plattformen teilweise klassische Medien, da Informationen schnell und direkt verbreitet werden können. Auch Vereine, Schulen und kulturelle Einrichtungen nutzen soziale Medien zur Öffentlichkeitsarbeit.

Für Touristen und Besucher sind touristische Medienangebote wichtig, etwa regionale Webseiten, Broschüren und digitale Guides, die über Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen und Freizeitangebote informieren. Diese Medien tragen dazu bei, Lolland als Reiseziel sichtbar zu machen und wirtschaftlich zu stärken.

Kommunikation

Die Telefonvorwahl der Insel lautet 0(045)54. Die Postleitzahlen der Insel Lolland lauten:

  • 4900 – Nakskov
  • 4912 – Harpelunde
  • 4913 – Horslunde
  • 4920 – Søllested
  • 4930 – Maribo
  • 4941 – Bandholm
  • 4943 – Torrig
  • 4944 – Fejø
  • 4951 – Nørreballe
  • 4952 – Stokkemarke
  • 4953 – Vesterborg
  • 4960 – Holeby
  • 4970 – Rødby
  • 4983 – Dannemare
  • 4990 – Sakskøbing

Sport

Eine zentrale Bedeutung hat der Vereinssport. In fast allen größeren Orten – etwa Nakskov, Maribo, Sakskøbing oder Rødby – gibt es Sportvereine, die Fußball, Handball, Badminton, Turnen oder Leichtathletik anbieten. Fußball ist dabei die beliebteste Sportart auf Lolland, vor allem im Jugend- und Amateurbereich. Viele Kinder und Jugendliche wachsen mit dem Vereinsfußball auf, der nicht nur sportliche Fähigkeiten vermittelt, sondern auch soziale Bindungen stärkt. Handball und Badminton sind ebenfalls weit verbreitet und profitieren von gut ausgestatteten Sporthallen in den Gemeinden.

Eine besondere Rolle spielt der Wassersport, da Lolland von Ostsee, Smålandsfarvandet und dem Fehmarnbelt umgeben ist. Segeln, Kajakfahren, Rudern und Angeln sind sehr beliebt, sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen. In Orten wie Bandholm oder Nakskov gibt es Häfen und Segelvereine, die Regatten, Kurse und Freizeitangebote organisieren. Auch das Kitesurfen und Windsurfen gewinnt an Bedeutung, da die Küstengewässer relativ flach und windreich sind.

Der Natursport ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des sportlichen Lebens auf Lolland. Die Insel eignet sich hervorragend zum Radfahren, da sie nahezu eben ist und über gut ausgebaute Radwege verfügt. Sowohl Alltagsradler als auch Freizeitsportler nutzen diese Infrastruktur. Ebenso beliebt sind Wandern, Nordic Walking und Jogging, besonders in Naturschutzgebieten, entlang der Küste oder rund um den Maribo-See. Diese Sportarten fördern Gesundheit und sind generationsübergreifend zugänglich.

Auch Reit- und Pferdesport hat auf Lolland eine lange Tradition, die mit der landwirtschaftlichen Nutzung der Insel zusammenhängt. Mehrere Reiterhöfe und Reitvereine bieten Unterricht, Ausritte und Turniere an. Ergänzt wird das Sportangebot durch Fitnesszentren, Schwimmbäder und Mehrzweckhallen, die ganzjährig genutzt werden können – besonders wichtig in den langen Wintermonaten.

Sportliche Großveranstaltungen gibt es auf Lolland zwar seltener als in urbanen Zentren, doch lokale Turniere, Laufveranstaltungen, Vereinsfeste und regionale Wettbewerbe haben einen hohen Stellenwert. Sie stärken den Zusammenhalt und sind wichtige Treffpunkte für die Bevölkerung. Zudem spielt der Sport eine Rolle im Tourismus, da viele Besucher gezielt wegen Rad-, Wasser- oder Outdooraktivitäten nach Lolland kommen.

Persönlichkeiten

Die wichtigsten von der Insel stammenden Persönlichkeiten sind:

  • Christian II. von Dänemark (1481 bis 1559), König von Dänemark, Norwegen und Schweden; verbrachte einen Teil seiner Gefangenschaft auf Schloss Sønderborg und prägte die Geschichte der Region indirekt.
  • Johan Thomas Lundbye (1818 bis 1848), Maler der dänischen Nationalromantik; geboren in Kalundborg, jedoch familiäre und künstlerische Bezüge zu Lolland-Falster.
  • Sophus Claussen (1865 bis 1931), Schriftsteller und Lyriker; verbrachte prägende Lebensjahre auf Lolland und gilt als bedeutender Vertreter der dänischen Moderne.
  • Frederik Helms (1873 bis 1951), Historiker und Archivar; beschäftigte sich intensiv mit der Regionalgeschichte Lollands.
  • Ferdinand Lahn (1886 bis 1964), Politiker und Pädagoge; setzte sich für Bildungsreformen in Südostdänemark ein.
  • Knud Aage Højrup (1915 bis 2003), Politiker und Gewerkschafter; engagiert in sozialen Fragen der ländlichen Regionen Dänemarks, darunter Lolland.
  • Jørgen Nash (1920 bis 2004), Künstler, Dichter und Aktionskünstler; geboren in Vejrum, lebte zeitweise auf Lolland und beeinflusste die Kulturszene.
  • Poul Bundgaard (1922 bis 1998), Schauspieler und Komiker; bekannt aus der „Olsenbande“, aufgewachsen in Maribo (Lolland).

Fremdenverkehr

Im Vergleich zu anderen dänischen Regionen ist der Tourismus weniger stark entwickelt, da Lolland nicht über große Attraktionen wie weite Badestrände (wie zum Beispiel an der Nordseeküste Jütlands) verfügt. Im Norden von Lolland liegt der Safaripark Knuthenborg Park & Safari, der größte Park dieser Art in Nordeuropa.

Für Besucher gibt es auf Lolland und dem angrenzenden Lolland-Falster ein breites Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten: Neben klassischen Hotels und Bed & Breakfasts finden sich auch zahlreiche andere Unterkunftsformen. Kleinere, charmante Hotels und traditionelle Badehotels entlang der Küste bieten gemütliche Zimmer mit regionalem Flair, oft mit Blick auf das Meer oder in unmittelbarer Nähe zu Sehenswürdigkeiten wie dem Knuthenborg Safaripark oder historischen Ortskernen.

Für naturnahe Aufenthalte sind Baumhaushotels, Glamping-Standorte und besondere Unterkünfte in der Natur eine attraktive Option. Hier kann man beispielsweise in einer Glaskabine übernachten und den Sternenhimmel beobachten, in Baumkronen-B&Bs schlafen oder im Safari-Camp mitten in der Landschaft übernachten – ideal für alle, die Aktivität und Naturerlebnis kombinieren möchten.

Familien oder größere Gruppen nutzen häufig Ferienhäuser und -wohnungen, die über die Insel verteilt zu finden sind. Diese Unterkünfte sind besonders beliebt, weil sie oft viel Platz, Selbstversorgungsmöglichkeiten und eine hohe Flexibilität bieten – viele davon liegen direkt in der Natur oder in Küstennähe.

Outdoor-Fans und Campingliebhaber kommen auf Campingplätzen und in Hütten am Wasser oder in Waldnähe auf ihre Kosten. Diese Plätze bieten klassische Stellflächen für Zelte oder Wohnmobile sowie gemütliche Camping-Hütten, von wo aus Rad- und Wandertouren entlang der Küste oder zu den Naturparks der Insel starten.

Literatur

Reiseberichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

Visit Lolland-Falster = https://www.visitlolland-falster.de/tourist/index

Visit Danmark - Lolland-Falster = https://www.visitdenmark.de/daenemark/regionen/seeland/lolland-falster

Forum

Hier geht’s zum Forum: