Hiddensee

Aus Insularium
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Die flache Insel Hiddensee ist eine Art Anhängsel des viel größeren Rügen. Und doch ist es eine kleine, ganz eigene Welt für sich, wo man noch „Indianer“ sein und die Seele ohne Angst auf Vernaderung baumeln lassen kann.

Inselsteckbrief
offizieller Name Hiddensee
alternative Bezeichnungen Hedinsey (10. Jahrhundert), Hithinsö (um 1200),. Hedinsö, Hyddensee (13. Jahrhundert), Hedins-Oe (17. Jahrhundert), Hiddensjö (18. Jahrhundert), Hiddensöe (1929)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp echte Insel
Inselart Sedimentinsel
Gewässer Ostsee
Inselgruppe Rügen-Archipel bzw. Rügener Inselwelt
politische Zugehörigkeit Staat: Deutschland (Bundesrepublik Deutschland)
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Vorpommern-Rügen
Gliederung 4 Ortsteile
Status Inselgemeinde
Koordinaten 54°32‘ N, 13°06‘ O
Entfernung zur nächsten Insel 100 m (Führinsel), 1,5 km (Rügen)
Entfernung zum Festland 3,2 km (Barhöft (Mecklenburg-Vorpommern)
Fläche 16,7 km² / 6,45 mi² (mit Nebeninseln 19,02 km² / 7,34 mi²)
geschütztes Gebiet 15,0 km² / 5,8 mi² (89,8 %)
maximale Länge 16,8 km (N-S)
maximale Breite 3,7 km (W-O)
Küstenlänge 43 km
tiefste Stelle 0 m (Ostsee)
höchste Stelle 72,7 m (Schluckswiek)
relative Höhe 72,7 m
mittlere Höhe 2 m
maximaler Tidenhub 0,1 bis 0,2 m (Hafen Hiddensee 0,15 m)
Zeitzone MEZ (Mitteleuroä#ische Zeit, UTC+1)
Realzeit UTC plus 52 Minuten
Einwohnerzahl 913 (2024)
Dichte (Einwohner pro km²) 54,67, bezogen auf das Verwaltungsgebiet 47,75
Inselzentrum Vitte


Name

Der Name Hedinsey taucht bereits in der Prosa-Edda (zurückgehend auf das 10. Jahrhundert, verfasst um 1270) auf und bedeutet soviel wie „Insel des Hedin“ - zu altnordisch ey, „Insel“. Der legendäre Norwegerkönig Hedin (Heðinn) soll sich auf der Insel mit Hegni einen ewigen Kampf um die Frau Hildr, möglicherweise auch Gold, geliefert haben, den sogenannten Hjaðningavíg („Kampf der Hediner“). In den um 1200 verfassten „Gesta Danorum“ („Die Taten der Dänen“) des Saxo Grammaticus ist von Hithinsö die Rede. In der Knytlinga-Saga, einer dänischen Königschronik aus dem 13. Jahrhundert, heißt die Insel Hedinsö, in einer anderen Quelle aus der gleichen Zeit Hyddensee. Unter dänischer Herrschaft hieß die Insel offiziell Hedins-Oe. Noch 1880 wurde die Insel auch in deutschen Karten Hiddensjö verzeichnet und 1929 in deutschen Reiseführern als Hiddensöe. Die heutige Form Hiddensee (mit doppeltem „d“ und „see“) ist eine relativ junge Eindeutschung, die sich erst in der Zwischenkriegszeit durchsetzte. Sie entfernt sich phonetisch und orthographisch von den nordischen Ursprüngen und ist keine volksetymologische Umdeutung, sondern eine Anpassung an die deutsche Schreibweise. Es existieren auch volkstümliche Sagen, die den Namen von einer „Mutter Hidden“ ableiten, die durch unstillbares Wasserlassen die Insel vom Festland trennte.

  • international:  Hiddensee
  • altnordisch:  Hedinsey
  • altslawisch:  Chycina, Hycina
  • amharisch:  ሂድንዘ [Hīdənze]
  • arabisch:  هيدنزيه [Hīdanziyah]
  • armenisch:  Հիդդենզե [Hiddenze]
  • bengalisch:  হিডেনজি [Hiḍenajī]
  • birmanisch:  ဟစ်ဒင်ဆီ [Hitdinsi]
  • bulgarisch:  Хидензе [Hidense]
  • chinesisch:  希登塞 [Xīdēngsài]
  • dänisch:  Hedins-Ø
  • georgisch:  ჰიდენზე [Hidenze]
  • griechisch:  Χίντενζε [Chíntenze]
  • gudscheratisch: હિડન્સી [Hiḍansī]
  • hebräisch:  הידנזה [Hidense]
  • hindi:  हिडनसी [Hiḍansī]
  • japanisch:  ヒデンゼー [Hidensee]
  • kambodschanisch: ហ៊ីដិនសេ [Hīdinse]
  • kanaresisch:  ಹಿಡೆನ್ಸೀ [Hiḍensī]
  • kasachisch:  Хиддензе [Hiddenze]
  • koreanisch:  히덴제 [Hidenje]
  • laotisch:  ຮິດເດັນເຊ [Hitdense]
  • lateinisch:  Hiddensea
  • lettisch:  Hīdenses sala
  • litauisch:  Hidensė
  • makedonisch:  Хидензе [Hidense]
  • malayalam:  ഹിഡൻസീ [Hiḍansī]
  • maldivisch:  ހިޑެންސީ [Hiḍensī]
  • marathisch:  हिडनसी [Hiḍanasī]
  • nepalesisch:  हिडेन्सी [Hiḍensī]
  • orissisch:  ହିଡେନସି [Hiḍenasi]
  • pandschabisch: ਹਿਡਨਸੀ [Hiḍanasī]
  • paschtunisch:  هېډنزي [Hedanzay]
  • persisch:  هیدنزه [Hidenzeh]
  • russisch:  Хиддензе [Khiddense]
  • serbisch:  Хидензе [Hidense]
  • singhalesisch: හිඩන්සී [Hiḍansī]
  • tamilisch:  ஹிடன்சீ [Hiṭaṉsī]
  • telugu:  హిడెన్సీ [Hiḍensī]
  • thai:  ฮิดเดนเซ [Hitden-se]
  • tibetisch:  ཧིད་ནེན་སེ [Hi-den-se]
  • ukrainisch:  Гіддензе [Hiddenze]
  • urdu:  ہڈنسی [Hiḍansī]
  • weißrussisch:  Хідэнзэ [Chidènzè]


Offizieller Name:  Hiddensee

  • Bezeichnung der Bewohner:  Hiddenseer
  • adjektivisch:  hiddenseer


Kürzel:

  • Code: HD / HID
  • Kfz: VR, GMN, NVP, RDG, RÜG
  • Gemeindeschlüssel: 13 0 73 040
  • ISO-Code:  DE.MV.HD

Lage

Hiddensee liegt unmittelbar westlich der Insel Rügen im zentral südlichen Bereich der Ostsee auf durchschnittlich 54°32‘ n.B. und 13°06‘ ö.L..

Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  54°35‘40“ n.B. (Toter Kerl)
  • südlichster Punkt:  54°29‘05“ n.B. (Gellen)
  • östlichster Punkt:  13°09‘10“ ö.L. (Neubessin)
  • westlichster Punkt:  13°03’32“ ö.L. (Gellen)


Entfernungen:

  • Fährinsel  0,1 km
  • Bock 0,8 km
  • Rügen 1,5 km
  • Barhöft (Festland)  3,2 km
  • Stralsund  17 km
  • Møn 54 km
  • Rostock  71 km
  • Kopenhagen  124 km
  • Berlin 227 km
  • Hamburg 232 km

Zeitzone

Auf Hiddensee gilt die Mitteleuropäische Zeit, abgekürzt MEZ (UTC+1). Die Realzeit liegt um 52 Minuten vor der Koordinierten Weltzeit (UTC).


Fläche

Hiddensee ist mit seinen vier Nebeninseln insgesamt 19,02 km² bzw. 7,34 mi², nach alternativen Angaben 18,95 km² bzw. 6,45 mi² groß. Davon entfallen 16,7 km² auf die Hauptinsel. Diese ist von Norden nach Süden 16,8 km lang und an der schmalsten Stelle etwa 250 m sowie an der breitesten Stelle etwa 3,7 km breit. Die Küste hat eine Gesamtlänge von 43 km (alternatiuv werden bis zu 50 km genannt) bei einem Tidenhub von 0,1 bis 0,2 m (Hafen Hiddensee 0,15 m). Höchste Erhebung ist der Schluckswiek mit einer Höhe von 72,7 m. Diese mittlere Seehöhe wird mit 1 bis 2 m angegeben.

Geologie

Die Insel Hiddensee ist geologisch gesehen eine sehr junge Landschaft und entstand während der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren. Diese hinterließ hier eine Jungmoränenlandschaft. Durch das abtauende Inlandeis hob sich das darunter liegende Land und die Senken wurden mit Wasser gefüllt, der Vorgänger der späteren Ostsee, der Ancylussee entstand. So blieben nur noch die herausragenden Höhenrücken wie der Dornbusch als Inseln bestehen. Die Großformen der Küsten im südlichen Bereich der Ostsee formten sich durch die Littorina-Transgression vor etwa 7000 bis 2500 Jahren. Vor zirka 5000 Jahren erreichte der Meeresspiegel sein heutiges Niveau und der Dornbusch und zwei weitere Inselkerne wurden zu Inseln. Vor 4500 Jahren wurde der Salzwasserzustrom aus der Nordsee stark eingeschränkt.

Die Ostsee süßt seitdem langsam aus. Durch die Küstenerosion (Landabtragung, Verdriftung und Ablagerung) erlangten die damaligen Inseln im Laufe der Zeit ihre heutige Gestalt. So wurden die ehemaligen drei Inselkerne durch Anschwemmungen miteinander verbunden. Dieser Prozess trägt im Norden am Dornbusch immer noch Sand ab. Im Jahr 2000 brachen an der Nordspitze Hiddensees im Bereich des „Toten Kerls“ zweimal 60.000 m³ Geschiebemergel ab und rutschten ins Meer. Im Durchschnitt verliert die Kliffkante des Dornbusch etwa 30 cm jährlich. Mitte März 2004 rutschten dann nochmals rund 10.000 m³ ins Meer. Geologisch gesehen ist Hiddensee ein sich in stetem Wandel befindendes Gebiet. Die an der Nordspitze abgetragenen Landmassen werden an der Südspitze und an der Ostseite zum Schaproder Bodden wieder angespült. So entstanden an der Südspitze der Gellen und auf der Ostseite die beiden geologisch sehr jungen Sandhaken (Landzungen) Alter Bessin und Neuer Bessin. Der Alte Bessin begann sich vor etwa 300 bis 400 Jahren herauszubilden und war schon Mitte des 19. Jahrhunderts über drei Kilometer lang. Seit damals ist er kaum noch gewachsen. Dagegen wächst der um 1900 entstandene benachbarte Neue Bessin jährlich um 30 bis 60 Meter und erreicht auch schon eine Länge von drei Kilometern. Inzwischen ist ein dritter Bessin im Entstehen. Auch die Südspitze wächst als sogenanntes Windwatt weiter in den Bodden.

Landschaft

Innerhalb des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft ist sie die größte Insel und gehört zum Landkreis Vorpommern-Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist der Insel Rügen westlich vorgelagert und unterteilt sich in einen hügeligen, über 70 m hohen Nordteil (Dornbusch, höchster Punkt ist der Bakenberg mit 72 m), eine Dünen- und Heidelandschaft im zentralen (Dünenheide) und einen flachen, nur wenige Meter hohen Südteil, den Gellen. Im Nordosten befinden sich die beiden drei Kilometer langen Sandhaken Alter Bessin und Neuer Bessin. Begrenzt wird die Insel durch den Schaproder Bodden und Vitter Bodden im Osten, den Gellenstrom (die Fahrrinne nach Stralsund) im Süden und die offene Ostsee nach Westen und Norden.


Erhebungen 

  • Schluckswiek  72,7 m
  • Bakenberg  72,0 m
  • Swanti  72,0 m

Flora und Fauna

Hiddensee ist die größte Insel des Nationalparkes Vorpommersche Boddenlandschaft und vereinigt eine alte Kulturlandschaft mit den Hutungen der ursprünglich vorhandenen Dünenheide. Die großen Neulandbildungen im Nordosten (Alter und Neuer Bessin) und Süden (am Gellen) Hiddensees bieten Lebensraum für zahlreiche wirbellose Tiere, wie Würmer und Muscheln. Diese dienen dann vielen Zugvögeln als Nahrung. So ist die Inselumgebung einer der bedeutendsten Kranichrastplätze Deutschlands. Die Südspitze der Insel sowie der Neue Bessin wurden deshalb der Schutzzone I des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft zugeordnet und dürfen nicht betreten werden. Auf der Insel gibt es zwei Naturschutzgebiete, das NSG Dünenheide zwischen Neuendorf und Vitte und das NSG Dornbusch und Schwedenhagener Ufer im Norden.

Flora

Die Pflanzenwelt Hiddensees ist geprägt von der dynamischen Küstenlandschaft und den sandigen, nährstoffarmen Böden. Im Norden dominiert das hügelige Hochland des Dornbuschs mit dichten Kiefernwäldern und Laubholzbeständen, die eine schattige, feuchte Umgebung bieten. Der mittlere Teil der Insel wird von der ausgedehnten Dünenheide beherrscht, einer der größten und eindrucksvollsten Küstenheiden Norddeutschlands. Hier blüht im Hochsommer die Besenheide (Calluna vulgaris) in violetten Teppichen, begleitet von trockener, blütenreicher Vegetation, die an sandige Böden angepasst ist. Diese Heideflächen sind anthropogen entstanden und werden heute durch Pflegemaßnahmen wie Beweidung oder Entfernung von Strauchaufwuchs erhalten, um Verbuschung zu verhindern.

Typisch für Hiddensee ist der Sanddorn (Hippophae rhamnoides), dessen gelb-orangefarbene Beeren im Herbst die Dünenlandschaften färben und eine wichtige Nahrungsquelle darstellen. In den Dünen und an den Stränden wachsen salztolerante Arten wie Strandhafer, Strandroggen und Queller in Salzwiesen. Schilfrohr (Phragmites australis) säumt die Boddenufer und bildet dichte Bestände, die Übergänge zu Feuchtgebieten schaffen. Seltene Funde bereichern die Flora: Die Pech-Kiefer (Pinus rigida), eine nordamerikanische Art, wächst hier seit Jahrzehnten, ohne sich jedoch stark zu vermehren. Moose und Flechten sind besonders artenreich, wie bryologische Untersuchungen zeigen, die Hiddensee als Hotspot für Moosarten in Norddeutschland ausweisen. Insgesamt spiegelt die Vegetation die ständige Veränderung durch Wind, Wellen und Landbildung wider – ein dynamisches Mosaik aus offenen Flächen, Wäldern und Feuchtgebieten.

Fauna

Die Tierwelt der Insel ist vor allem durch ihre Bedeutung als Vogelparadies bekannt. Die flachen Boddengewässer und Rastplätze machen die Insel zu einem der wichtigsten Überwinterungs- und Zuggebiete für Wasservögel in der gesamten Ostsee. Im Herbst rasten hier Tausende Kraniche, deren Anflug ein beeindruckendes Naturschauspiel darstellt. Brut- und Rastvögel umfassen zahlreiche Arten: Seeadler, Kornweihen, Raubseeschwalben, Zwergseeschwalben, Große Brachvögel, Rotschenkel, Sandregenpfeifer, Alpenstrandläufer, Trauerenten, Eisenten und Bartmeisen. Seltene Gäste wie Pirol, Neuntöter, Sperbergrasmücke, Sprosser oder Braunkehlchen sind in den Wäldern und Heiden zu beobachten. Die Vogelwarte Hiddensee, eine der ältesten ornithologischen Stationen Deutschlands, beringt jährlich Tausende Vögel und dokumentiert diese Vielfalt.

Bei den Säugetieren fallen Wildkaninchen auf, die in den Dünen und Heiden häufig sind. Spuren von Wildschweinen sind in den Wäldern zu finden, obwohl die Population begrenzt ist. Rehe und Füchse kommen vor, größere Säuger wie Rothirsche sind selten. Reptilien sind durch Waldeidechsen, Kreuzottern und Ringelnattern vertreten, die in den sonnigen Heide- und Dünengebieten ideale Lebensräume finden.

Die Insektenwelt ist besonders reich: Die trockenen, blütenreichen Heiden bieten Paradiese für Schmetterlinge, Bienen (über 60 Arten nachgewiesen, darunter seltene Wildbienen) und Wegwespen. Im Sommer surrt und krabbelt es überall, was die Biodiversität der Insel unterstreicht.


Pflanzen- und Tierarten:

Flora

  • Blütenpflanzen  650
  • Moose  80
  • Flechten  80
  • Fauna
  • Vögel  300

Naturschutz

Hiddensee ist die größte Insel des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft und vereinigt eine alte Kulturlandschaft mit den traditionellen Hutungen und der ursprünglich vorhandenen Dünenheide. Die großen Neulandbildungen im Nordosten Hiddensees (Alter und Neuer Bessin) und im Süden (am Gellen) bieten wertvollen Lebensraum für zahlreiche wirbellose Tiere wie Würmer und Muscheln. Diese dienen wiederum als wichtige Nahrungsquelle für eine große Anzahl von Zugvögeln. So gilt die Inselumgebung als einer der bedeutendsten Kranichrastplätze Deutschlands.

Die Südspitze der Insel sowie der Neue Bessin wurden der Schutzzone I (Kernzone) des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft zugeordnet und dürfen nicht betreten werden, um die natürlichen Prozesse ungestört zu lassen. Auf der Insel gibt es drei Naturschutzgebiete (NSG):

  • das NSG Gellen und Gänsewerder im Süden (als streng geschützte Kernzone integriert, genaue Flächenangabe variiert je nach dynamischer Küstenentwicklung),
  • das NSG Dünenheide zwischen Neuendorf und Vitte (formell ausgewiesene Fläche: 75 Hektar; die gesamte Dünenheide-Landschaft umfasst jedoch rund 250 Hektar, größtenteils im Nationalpark),
  • das NSG Dornbusch und Bessin (bzw. Dornbusch und Schwedenhagener Ufer) im Norden (aktuell zirka 7 Hektar, nach Verkleinerung aus ursprünglich 315 Hektar im Jahr 1990).

Fast die gesamte Insel (außer den Siedlungen Kloster, Vitte, Grieben und Neuendorf) gehört seit 1990 zum Nationalpark und ist damit hochgradig geschützt

Klima

Auf Hiddensee herrscht makroklimatisch Ostseeküstenklima mit häufigem Wechsel zwischen maritimen und kontinentalen Einflüssen. Nach Köppen wird es üblicherweise dem Typus Cfb (ozeanisch / warmgemäßigt, ganzjährig humid) zugeordnet. Charakteristisch sind dabei häufige, lebhafte und wechselnde Winde und eine lange Sonnenscheindauer. Diese beträgt im Durchschnitt 1850 Stunden pro Jahr. Damit nimmt Hiddensee eine Spitzenstellung in Deutschland ein. Eine Besonderheit ist bei schwachen, ablandigen Windverhältnissen die so genannte transperiodische Windzirkulation, die durch die unterschiedlichen Temperaturen über dem Meer und dem Land entsteht. Dabei setzt ein Seewind am späten Vormittag ein, der am Nachmittag oder Abend wieder nachlässt.

Die langjährige Jahresmitteltemperatur liegt auf der Insel bei 8°C. Die mittlere Windgeschwindigkeit in Kloster beträgt 7 m/s. Im Vergleich zur nahe gelegenen Insel Rügen ist die jährliche Niederschlagsmenge auf Hiddensee deutlich geringer und liegt bei 540 mm. Im Jahr 2008 war, wie der Wetterdienst Meteomedia mitteilte, Hiddensee-Dornbusch mit 2168 Sonnenstunden der sonnenreichste Ort in Deutschland.

Immer wieder wurde Hiddensee von Sturmhochwassern heimgesucht. So soll im Jahr 1304 die Insel durch die Allerheiligenflut von der Insel Rügen getrennt worden sein. Dies ist aber umstritten. In den Jahren 1864 und 1865 wurde die Insel dreimal von Sturmhochwassern zwischen Hohen Dünschen Garn und Peterbergschen Garn, einer sehr flachen und dünnen Stelle, durchbrochen. Vom 12. zum 13. November 1872 wurde Hiddensee bei Plogshagen erneut überflutet. Auch heute noch droht die Teilung der Insel in einen Süd- und einen Nordteil, welche nur durch umfangreiche Küstenschutzmaßnahmen verhindert werden kann.


Klimadaten für Hiddensee-Vitte (1 m, 1981 bis 2010)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Absolute Höchstwerte °C 11.7 14.6 20.8 24.9 27.5 30.5 32.4 34.6 28.8 23.5 17.3 10.6 34,6
Mittlere Höchstwerte °C 4.3 4.4 6.8 11.6 16.7 21.1 22.3 23.0 19.2 13.6 8.5 5.8 11,5
Mitteltemperatur °C 2.7 2.5 4.2 8.1 2.7 17.2 18.4 18.9 15.8 11.4 6.7 4.4 8,0
Mittlere Tiefstwerte °C 0.9 0.4 1.9 5.0 9.1 13.6 15.1 15.4 12.8 9.1 4.7 2.7 7,0
Absolute Tiefstwerte °C -6.1 -10.0 -14.5 -2.0 2.2 8.6 9.8 9.7 5.7 -1.0 -2.9 -2.0 -14,5
Niederschlag mm 43 34 43 27 20 60 37 60 43 64 39 37 507
Niederschlagstage 17 13 16 12 8 11 12 13 12 20 17 16 167
Wassertemperatur °C 6 5 5 9 16 19 20 20 19 16 12 8 11

Mythologie

Im „ganz grauen Alterthum“ lebten „auf der Insel Rügen zwei Frauen; von denen war die Eine eine fromme und mildthätige, die Andere aber eine böse und geizige. Nun traf es sich, daß eines Abends, da es ein gar stürmisches Wetter war, zu der bösen Frau ein alter fremder Mann kam, der sah hungrig und zerlumpt aus wie ein Bettler, und war von Frost und Regen beinahe erstarrt. Einige sagen, es sey einer von den Corveier Mönchen gewesen, denen damals die Insel Rügen gehörte. Der bat die Frau, sie möge ihm ein Nachtquartier geben in ihrem Hause, und ein Stücklein Brod, damit er sich wieder trocknen könne und nicht verhungern müsse. Das geizige Weib aber wollte nichts von dem Bettler wissen, schalt ihn, und jagte ihn mit bösen Worten wieder in das Unwetter hinaus.

Darauf kam der alte fremde Mann zu der frommen Frau, und als er bei dieser seine Bitte anbrachte, da nahm sie ihn gleich mildthätig auf und pflegte sein, und theilte mit ihm ihren letzten Bissen Brod, denn sie war arm und hatte selbst nicht viel. Daran erlabte sich der Mann, und wurde wieder stark und rüstig, und man sah, daß er seine rechte Freude hatte.

Als nun der alte Mann am anderen Morgen wieder von dannen zog, so dankte er ihr vielmals für die Wohlthat, die sie ihm erzeigt, und sprach zu ihr, sie solle das auch nicht umsonst gethan haben, denn das Erste, was sie nun unternehmen werde, das solle ihr den ganzen Tag gelingen. Damit schied er. Die Frau aber freute sich, daß sie ein gutes Werk gethan habe, und dachte der Worte des alten Mannes nicht weiter nach, denn sie hielt ihn für einen schlichten Bettler.

Desselbigen Morgens hatte sie für Eines ihrer Kinder ein Hemde zu machen. Sie ging deshalb an ihren Koffer, in welchem sie noch ein kleines Röllchen Leinewand liegen hatte, und nahm eine Elle mit, um zu messen, ob es auch noch drei Ellen wären, denn so viel hatte sie zu dem Hemde nöthig. Wie sie nun aber anfing zu messen, so fand sie, daß es mehr war; denn sie hatte schon die drei Ellen abgemessen, und noch immer wollte das Röllchen nicht kleiner werden. Darüber verwunderte sie sich, und sie wollte doch sehen, wie viel Leinewand sie denn eigentlich noch hätte; sie maß deshalb weiter, nochmals drei Ellen, und wiederum so viel, und die Leinewand wollte noch immer nicht zu Ende gehen. Und das Wunderbarste war, daß sie immer weiter messen mußte, und gar nicht aufhören konnte, wenn sie auch gewollt hätte. So mußte sie denn stehen und messen, den ganzen Tag, und sie entsann sich nun der Worte des alten Mannes, den sie für einen Bettler gehalten hatte. Sie maß also lustig und fröhlich weiter, denn der Berg von Leinewand, den sie abmaß, wurde immer größer und größer, daß im Hause kein Platz mehr dafür war, und sie zuletzt bis vor die Thür und weit in das Feld hinein messen mußte, Alles von dem einen Röllchen, das in ihrem Koffer gelegen hatte. Das dauerte bis die Sonne unterging; da erst konnte sie aufhören; nun war sie aber auch eine reiche Frau.

Die Geschichte wurde bald bekannt, und auch die geizige Frau erfuhr sie. Die ärgerte sich recht boshaft in ihrem Sinne. Sie hatte aber den alten Bettler weggehen sehen, und sich die Gegend gemerkt, in die er gegangen war. Der Geiz und der Neid trieben sie daher, daß sie ihm nachlief, so böses Wetter es auch war. Sie fand ihn wirklich noch auf der Insel, denn bei dem Sturme hatte ihn Keiner übersetzen mögen. Sie redete ihn alsbald mit heuchlerischen Worten an, und bat ihn um Verzeihung, daß sie ihn des vorigen Abends nicht aufgenommen, und lud ihn ein, daß er für die folgende Nacht in ihrem Hause sein Quartier nehmen möge. Der alte Mann war das zufrieden, und kehrte mit ihr heim; und sie pflegte sein, und gab ihm vom Besten, was sie hatte. Denn sie dachte in ihrem heuchlerischen Sinne, daß er auch zu ihr sagen werde, das Erste, was sie unternehme, das werde ihr den ganzen Tag gelingen, und sie wollte sich dann schon eine Arbeit aussuchen, die sie auf einmal zu der reichsten Frau in der Welt machen sollte. Der alte Mann ließ sich Alles wohl gefallen, und als er am anderen Morgen wieder weiter zog, da dankte er auch ihr, und sprach zu ihr, wie zu der frommen Frau, das Erste, was sie nun unternehmen werde, das solle ihr den ganzen Tag gelingen.

Darüber freute das böse Weib sich gar übermäßig, und so wie der Mann fort war, hatte sie sich auch schon Etwas ausgedacht, was sie nun vornehme, und wodurch sie eine ganz reiche Frau werden wollte; sie wollte nämlich das Geld in ihrem Spartopfe zählen. Damit sie darin aber nicht gestört werde, sondern ruhig den ganzen Tag dabei bleiben könne, ging sie erst vor die Thür, um einem Antriebe der Natur zu genügen. Aber welch ein Wunder geschah da! So wie sie sich einmal niedergehuckt hatte, konnte sie nicht wieder aufstehen, und sie mußte den ganzen Tag fortfahren in dem, was sie begonnen hatte. Dadurch entstand ein See, der immer größer wurde, und zuletzt so groß, daß er alles Land überschwemmte, und das Stück Landes, welches jetzt die Insel Hiddensee heißt, von dem Lande Rügen abtrennte. Erst als die Sonne unterging, konnte die geizige Frau zur Ruhe kommen.“ (https://de.wikisource.org/wiki/Die_Insel_Hiddensee)

Hiddensee als Fischerinsel ist auch Schauplatz meeresbezogener Legenden. Der Klabautermann, ein schiffsschützender Kobold aus der Seemannsmythologie, wird in norddeutschen Überlieferungen oft erwähnt – ein kleiner Geist in Matrosenuniform, der Lecks abdichtet und vor Gefahren warnt. Obwohl nicht exklusiv für Hiddensee, passt er perfekt zur Inseltradition der Seefahrer. Sammlungen wie „Hiddensee: Sagen, Märchen und Schwänke“ von Hans Findeisen (1925) enthalten zahlreiche lokale Geschichten, darunter Schwänke über Fischer, Geistererscheinungen in der Heide oder versunkene Schätze.

Im 20. Jahrhundert entstand ein neuer „Mythos Hiddensee“ als Refugium für Künstler und Intellektuelle. Gerhart Hauptmann, Nobelpreisträger für Literatur, verliebte sich 1885 in die Insel und verbrachte ab 1930 jeden Sommer in seinem Haus „Seedorn“ in Kloster. Er nannte Hiddensee das „geistigste aller deutschen Seebäder“ und schrieb hier Werke wie Teile der „Attriden-Tetralogie“. In der Weimarer Republik und sogar in der DDR-Zeit wurde die autofreie Insel zum Treffpunkt von Bohème, Schauspielern (unter anderem Asta Nielsen) und Dissidenten – ein Ort der Freiheit und Inspiration, fast mythisch überhöht.

Geschichte

Die ersten Besiedlungen der Insel erfolgten in der mittleren und jüngeren Steinzeit. Historisch bestand eine enge Verbindung zur größeren Nachbarinsel Rügen.

Steinzeit

Die ältesten Spuren menschlicher Präsenz in der Region um Hiddensee und Rügen reichen in die Mesolithikum (Mittelsteinzeit, um 9600 bis -5500) zurück. Damals lebten Jäger, Fischer und Sammler in der postglazialen Landschaft. In den flachen Boddengewässern zwischen Rügen und Hiddensee wurden underwater mehrere versunkene Siedlungen aus dieser Zeit entdeckt, darunter Funde wie Pfeilspitzen, Knochendolche und Geweihäxte, die auf 7000 bis 8000 Jahre datiert werden. Diese deuten auf saisonale oder temporäre Nutzung der Küstengebiete hin.

Auf der Insel Hiddensee selbst fehlen jedoch direkte Funde aus dem Mesolithikum. Die Erstbesiedlung der Insel im engeren Sinne wird in die jüngere Steinzeit (Neolithikum, um -5500 bis -1800) datiert. Quellen zur Inselgeschichte erwähnen vereinzelte Funde aus dieser Periode, die auf eine frühe Nutzung durch neolithische Gruppen hindeuten. Diese Besiedlung war wahrscheinlich sporadisch und saisonal, bedingt durch die sandigen, nährstoffarmen Böden und die exponierte Lage. Das Heimatmuseum Hiddensee in Kloster präsentiert in seiner Dauerausstellung Exponate zur frühen Geschichte „vom Neolithikum bis in die Wikingerzeit“, was auf lokale Steinzeitfunde (unter anderem Werkzeuge oder Keramikscherben) hinweist, auch wenn diese nicht spektakulär sind.

Bekannte Monumente wie Megalithgräber (Großsteingräber), die im Neolithikum Norddeutschlands weit verbreitet waren (auf Rügen finden sich zum Beispiel zahlreiche Dolmen und Ganggräber der Trichterbecherkultur), fehlen auf Hiddensee vollständig. Ein einzelnes Hügelgrab auf dem Hochland des Dornbuschs stammt aus späterer vorgeschichtlicher Zeit (vermutlich Bronzezeit oder Eisenzeit) und ist kein neolithisches Megalithgrab.

Im Neolithikum vollzog sich der Übergang zur sesshaften Lebensweise mit Ackerbau und Viehzucht. In Mecklenburg-Vorpommern ist diese Epoche durch die Trichterbecherkultur geprägt, die Großsteingräber als kollektive Bestattungsplätze errichtete. Auf Hiddensee gibt es jedoch keine bekannten Großdolmen, Urdolmen oder Ganggräber – im Gegensatz zu Rügen, wo Dutzende solcher Anlagen erhalten sind.

Die wenigen neolithischen Funde auf der Insel beschränken sich wahrscheinlich auf Streufunde wie Feuersteinwerkzeuge, Beile oder Keramikfragmente, die im Heimatmuseum ausgestellt werden. Diese deuten auf eine Nutzung als Jagd- oder Fischgrund hin, möglicherweise durch Gruppen vom Festland oder Rügen. Die Insel war damals noch stärker von Wasser umgeben und bot begrenzte Ressourcen für dauerhafte Siedlungen.

Bronzezeit

In der Bronzezeit (um -2200 bis -800) war die Region um die Ostsee von intensiven Handelsnetzen geprägt, in denen Bernstein („weißes Gold“) eine zentrale Rolle spielte. Hiddensee lag günstig an diesen Routen, doch dauerhafte Siedlungen sind nicht nachgewiesen.

Das prominenteste Zeugnis ist ein Hügelgrab im Hochland des Dornbuschs, speziell am Südosthang des Swantiberges (eine der höchsten Erhebungen der Insel mit 65 bis 70 m). Dieses bronzezeitliche Grabmal (datierbar auf -1000 oder früher) ist eines der wenigen erhaltenen Denkmäler. Es wurde bisher nicht systematisch geöffnet oder ausgegraben, gilt aber als typisches Hügelgrab der Nordischen Bronzezeit. Vereinzelte Streufunde wie Tüllenbeile (Bronzebeile) und Armringe aus Bronze, die in der Umgebung von Kloster entdeckt wurden, deuten auf Handel oder rituelle Aktivitäten hin.

Weitere Funde sind rar: Kleine Artefakte wie Werkzeuge oder Schmuckfragmente werden im Heimatmuseum Hiddensee in Kloster ausgestellt oder erwähnt, oft als Teil der Dauerausstellung zur frühen Inselgeschichte. Die sandigen, nährstoffarmen Böden der Insel boten keine idealen Bedingungen für intensive Landwirtschaft, was die Besiedlung einschränkte.

Eisenzeit

Die Eisenzeit markiert den Übergang zu germanischen Stämmen in der Region. Auch hier sind Funde begrenzt, aber etwas deutlicher als in der Bronzezeit. Ein signifikanter Nachweis ist das Grab einer germanischen Frau aus dem frühen 3. Jahrhundert (römische Kaiserzeit, also späte vorrömische Eisenzeit). Es wurde 1905 durch einen Uferabbruch am Dornbusch freigelegt und barg reiche Beigaben, die auf eine hochgestellte Person hinweisen. Dies ist einer der ältesten direkten Belege für eine Bestattung auf der Insel und zeigt Kontakte zu germanischen Kulturen. Andere Spuren aus der Eisenzeit sind vereinzelte Keramikscherben oder Werkzeuge, die auf temporäre Nutzung hindeuten.

Mittelalter

Nachdem im 6. Jahrhundert ein Großteil der germanischen Bevölkerung den südlichen Ostseeraum verlassen hatte, nahmen die Ranen (Slawen) die Insel in Besitz. Der Hiddenseer Goldschmuck bezeugt ebenso wie der Name des Eilands, dass sich die Gegend dann im 9./10. Jahrhundert im Einflussbereich der Wikinger befand. 1168 wurden die Ranen von König Waldemar I. von Dänemark durch die Eroberung der Festung Jaromarsburg am Arkona auf Rügen besiegt, christianisiert und unter dänische Lehnsabhängigkeit gebracht. Hiddensee stand damit unter dänischer Oberhoheit. Am 13. April 1296 schenkte der Rügenfürst Wizlaw II. die Insel Hiddensee, „so wie sie vom Salzmeere umflossen“, dem Kloster Neuenkamp. Dort entstand eine Zisterzienserabtei namens Nikolaikamp, benannt nach dem Heiligen Nikolaus als dem Schutzpatron der Seefahrer. Tatsächlich hieß das Kloster während der gesamten Zeit des Bestehens Kloster Hiddensee.

Im Herbst 2008 entdeckten Archäologen bei Grabungen unter der Leitung des Mittelalterarchäologen Felix Biermann auf dem Gelände des ehemaligen Zisterzienserklosters zehn Bestattungen. Neun Gräber fanden sich nördlich der Klosterkirche und eines im Kreuzgang östlich des Westflügels der Klausur. Bettina Jungklaus untersuchte die Skelette der sieben männlichen und zwei weiblichen Erwachsenen sowie eines jungen Mädchens anthropologisch. Ein zwanzig- bis dreißigjähriger Mann wies eine verheilte Hiebverletzung am rechten Stirnbein auf. Es gab eine gemeinsame Bestattung eines 50–60 Jahre alten Mannes mit einem 14- bis 15-jährigen Mädchen, bei der der Mann mit seiner rechten Hand den linken Arm der Jugendlichen umfasst hielt. Die Krankheitsbelastung war auffallend niedrig. Am häufigsten konnten Zahnstein und Parodontose festgestellt werden. Karies fand sich nur an einem Gebiss, was für mittelalterliche Bevölkerungen ungewöhnlich wenig war.

Gleichzeitig mit dem Aufbau des Klosters wurden in den Jahren 1302 bis 1306 auf dem Gellen im Süden der Insel die Gellenkirche, ein kleines Leuchtfeuer, Luchte genannt, sowie der erste Hafen gebaut. Die Fundamente dieser Bauwerke befinden sich (heute) westlich des Gellens in der Ostsee.

Im Jahr 1332 erfolgte die Kirchweihe der Inselkirche, bestimmt für die Bauern und Fischer der Insel, im heutigen Ortsteil Kloster außerhalb der Klostermauern. Mit der Überführung des Taufsteines aus der Gellenkirche in die neue Kirche wurden seitdem seelsorgerische Aufgaben von dort ausgeführt. Das um 1781 eingebaute Tonnengewölbe erhielt 1922 durch den Berliner Maler Nikolaus Niemeier eine Ausmalung mit Rosendekor.

Neuzeit

Das Zisterzienserkloster St. Nikolaus in Kloster, gegründet 1296, war über 240 Jahre ein zentraler Wirtschafts- und Verwaltungsfaktor auf der Insel. Im Zuge der Reformation verließ 1536 der letzte Abt die Abtei. Die Klostergüter wurden vom pommerschen Herzog beschlagnahmt, und die Gebäude dienten fortan als fürstliches Amtshaus. Bis 1570 übernahm das Rentamt in Bergen auf Rügen die Verwaltung. Die Klosteranlage verfiel allmählich; im Dreißigjährigen Krieg wurden Reste geplündert und für andere Bauten verwendet. Heute zeugt nur noch die Inselkirche (außerhalb der ehemaligen Klostermauern errichtet) von dieser Epoche.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) litt Hiddensee unter Plünderungen durch dänische, schwedische und kaiserliche Truppen. Besonders dramatisch war 1628 der Befehl Albrecht von Wallensteins (kaiserlicher Feldherr, der Stralsund belagerte): Soldaten brannten den dichten Eichenmischwald auf dem Dornbusch nieder, um den Dänen (unter König Christian IV.) die Nutzung von Bau- und Schiffsholz zu verweigern. Zuvor hatten die Dänen bereits wertvolle Stämme nach Kopenhagen entführt.

Diese Brandrodung beraubte die Insel eines natürlichen Schutzes und prägte ihre Landschaft nachhaltig. Eine lokale Überlieferung besagt, dass noch heute – wenige Zentimeter unter der Grasnarbe nahe dem Leuchtturm Dornbusch – eine Ascheschicht sichtbar ist. Historische Karten (z. B. von Eilhard Lubin, 1602) deuten jedoch darauf hin, dass der Dornbusch bereits vor 1628 weitgehend baumfrei war; die Legende von der totalen Vernichtung eines prachtvollen Waldes könnte übertrieben sein. Die heutigen Kiefernwälder wurden erst ab 1861 systematisch angepflanzt.

Durch den Westfälischen Frieden 1648 fiel Hiddensee zusammen mit Rügen und Vorpommern an das Königreich Schweden. Diese Epoche dauerte bis 1815 und prägte Verwaltung, Wirtschaft und Kultur. Die Insel blieb unter schwedischer Hoheit, auch wenn private Eigentümer (wie später Giese) sie erwarben. Schweden baute Schanzen wie etwa die „Schwedenschanze“ zur Sicherung der Zufahrt nach Stralsund. Kurzzeitig (1807 bis 1810) fiel die Insel während der Napoleonischen Kriege an Frankreich, kehrte aber rasch unter schwedische Kontrolle zurück. Der Wiener Kongress 1815 sprach Vorpommern, Rügen und Hiddensee Preußen zu.

Der Stralsunder Kaufmann und Bankier Joachim Ulrich Giese (1719 bis 1779/80) erwarb 1754 (manche Quellen nennen 1753/55) die gesamte Insel, ursprünglich als Sommerresidenz. Bei Erkundungen entdeckte er an der Nordwestküste des Dornbuschs hochwertigen Ton, geeignet für Fayencen (feinkeramisches Geschirr). 1755 gründete er in Stralsund die Stralsunder Fayencenmanufaktur, eine der größten im Ostseeraum. Der Ton wurde über den „Eselssteig“ nach Kloster transportiert, gereinigt und per Schiff (über eine als „Porzellanbrücke“ bekannte Anlage) nach Stralsund gebracht. Bis zu 12 Arbeiter waren allein mit Abbau und Transport beschäftigt.

Gieses Witwe Sophie Elisabeth galt als wohltätig und wurde von den Inselbewohnern „Unsere Mutter“ oder „Königin von Hiddensee“ genannt. Die Manufaktur florierte bis in die 1790er Jahre, litt aber unter Kriegen und Konkurrenz (Porzellan, Steingut).

Ab 1800 gehörte die Insel dem Hauptmann und Ritter Wilhelm Friedrich Ludwig von Bagewitz (1777 bis 1835), Erbherr auf Ralow (Rügen). Diese Periode gilt als eine der dunkelsten in der Inselgeschichte: Er erhöhte Abgaben drastisch, zwang die Bewohner zu jährlich 104 Tagen Frondienst auf seinen Gütern und blockierte den Bau einer Schule. Freie Bauern in Grieben wurden zu Leibeigenen gemacht.

Trotz der offiziellen Abschaffung der Leibeigenschaft in Schwedisch-Pommern durch König Gustav IV. Adolf 1806 (nicht Gustav II. Adolf, der 1632 starb – hier ein kleiner Fehler in der Überlieferung) änderte sich auf Hiddensee nichts; von Bagewitz ignorierte das Dekret. Erst nach seinem Tod 1835/36 und dem Verkauf an das Stralsunder Kloster zum Heiligen Geist verbesserten sich die Verhältnisse: Erste Schulen entstanden 1837/40, und in den 1850er und 1860er Jahren kam es zur Bauernbefreiung mit Ablösung der Lasten.

Preußische Zeit

Ab 1815 gehörte Hiddensee mit Vorpommern bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu Preußen und war dem Landkreis Rügen (bis 1939 Kreis Rügen) zugeordnet. Im Jahr 1836 erwarb das Stralsunder Kloster zum Heiligen Geist die Insel, und 1837 bzw. 1840 wurden in Plogshagen und Kloster die ersten Schulen auf der Insel gebaut. In den Jahren zwischen 1854 und 1864 kam es im Rahmen der Ablösung der Reallasten (Bauernbefreiung) auch auf Hiddensee zu einer Neuordnung der Grundstücksverhältnisse.

Bis 1861 war Hiddensee jahrzehntelang so gut wie baumlos, bis auf die karge Weidenallee zwischen Kloster und Grieben und einige dortige Kiefern, die um 1770 gepflanzt wurden, sowie wenige Bäume am Schwedenhagen und Rübenberg. Der im 13. Jahrhundert noch vorhandene dichte Eichenbaumbestand auf Hiddensee war für Brennholz, Haus- und Schiffsbau bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts fast gänzlich dezimiert worden. Dass die Brandrodung 1628 durch Wallenstein den Wald vernichtet hätte, wie es die Legende will, ist unwahrscheinlich, denn bereits auf der Rügenkarte von Eilhard Lubin von 1602 ist auf Hiddensee kein Baumsymbol mehr eingezeichnet und der Dornbusch als kahles Hügelland dargestellt. Zuerst wurde 1861 der Dornbusch zwischen Bakenberg und Hucke mit Kiefern bepflanzt, um 1900 auch der Dornbusch nördlich des Bakenbergs, der Küstenabschnitt von der Hucke bis zum Heimatmuseum sowie von dort entlang der Küste bis zum Gellen (Karkensee). Ausgenommen davon wurde der Küstenabschnitt vor Vitte, denn die Vitter lehnten die angebotene Aufforstung der Regierung aus dem Grund ab, dass der Zugang zum Strand für Touristen dann erschwert würde.

In den Jahren 1864 und 1872 wurde die Insel von schweren Sturmhochwassern heimgesucht. Beim ersten Hochwasser zerbrach Hiddensee durch eine vollständige Überflutung an der schmalsten Stelle der Insel, südlich von Neuendorf, in zwei Teile, was nur durch umfangreiche Aufbaumaßnahmen sechs Jahre später rückgängig gemacht werden konnte. Nach dem zweiten Sturmhochwasser soll der Hiddenseer Goldschmuck, eine Wikingerarbeit aus dem 10. Jahrhundert, gefunden worden sein. Eine Replik davon ist im Heimatmuseum Hiddensee zu besichtigen, das Original wird im Stralsund Museum gezeigt.

Im Jahr 1874 wurde im Deutschen Reich der Amtsbezirk Hiddensee gebildet. 1875 „entdeckte“ der Maler Gustav Schönleber das schwer zugängliche Hiddensee. 1888 wurden in Kloster der Leuchtturm auf dem Dornbusch, der Hafen sowie die Seenotrettungsstation fertiggestellt. 1887 wurde das Bollwerk in Kloster, 1905 und 1907 die Dampferanlegebrücken in Vitte und Neuendorf errichtet. Ab diesem Zeitpunkt konnten größere Schiffe direkt auf Hiddensee anlegen und das abenteuerliche An- oder Abbooten auf Höhe der Fährinsel war nicht mehr nötig. Ab 1892 verkehrten erstmals regelmäßig Dampfer zwischen Stralsund und Kloster. Ab 1905, mit Gründung des Arztzweckverbandes, erhielt der erste Arzt auf Hiddensee seine Zulassung.

Mit dem fast zeitgleichen Bau von fünf großen Hotels in Kloster (Hotel Hitthim 1909, Zum Klausner 1911, Wieseneck und Haus am Meer – die spätere Vogelwarte –, beide 1913 und im selben Jahr das von einem Gasthof zum Hotel erweiterte Dornbusch) stiegen die Touristenzahlen sprunghaft an und Kloster wurde zum touristischen Hauptort der Insel.

Weltkriegsära

Mit Gründung des Naturschutzbunds Hiddensee wurde 1910 die Fährinsel und 1922 der Gellen und Gänsewerder durch die Preußische Regierung zum Naturschutzgebiet erklärt. Den Status eines Naturschutzgebietes erhielten 1937 der Dornbusch, das Schwedenhagener Ufer und der Altbessin.

Von 1916 bis 1921 besuchte die Fotografin Elfriede Reichelt mehrmals die Insel. Zwischen 1922 und 1925 baute Max Taut jedes Jahr ein Haus auf Hiddensee. Das berühmteste ist das 1922 errichtete Karusel in Vitte, das 1928 die Stummfilmschauspielerin Asta Nielsen als Wohnhaus erwarb und bei dem Bruno Taut das Farbkonzept des Hauses entworfen hatte. Gleich in der Nähe des Karusel befindet sich ein weiteres Haus von Max Taut, das 1923 für den Berliner Kaufmann Karl Weidermann errichtete Haus Weidermann. In Kloster stehen das Haus Pingel, für den Innenarchitekten Walter Pingel 1924 erbaut (in den sechziger Jahren baulich erheblich verändert), und gleich daneben das 1925 errichtete Haus für den Berliner Verleger Max Gehlen, das seit 1930 auf dem Gelände der Biologischen Station Hiddensee liegt und als Doktorandenhaus genutzt wird.

1927 wurde eine polizeiliche Verordnung erlassen, die das Benutzen von Motorfahrzeugen auf der Insel untersagte. Lediglich dem Inselarzt und der Ortspolizei war das Benutzen eines Motorrades gestattet. Im gleichen Jahr wurde die Insel an das Stromnetz angeschlossen und drei Jahre später die Biologische Forschungsstation von Erich Leick von der Universität Greifswald gegründet, aus der 1936 zusammen mit einer Vogelwarte die Biologische Forschungsanstalt Hiddensee entstand.

1937 begannen die Arbeiten für den großen Steinwall mit Steinbuhnen vor der Hucke. Es war geplant, das gesamte rund vier Kilometer lange Abbruchufer des Dornbuschs mit einem Wall zu schützen. Neben dem Schutz der Insel wollte man den Sanddrift einschränken, um so die Kosten für die ständige Baggerung an der Gellen-Rinne und im Stralsunder Fahrwasser einzusparen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beendete die Bauarbeiten, nur vierhundert Meter waren fertiggestellt und blieben es bis heute. Nach Errichtung der Huckemauer verschlechterte sich der Strand bei Kloster und Vitte, er litt an Sandarmut.

Zwischen 1937 und 1939 schlossen sich die drei Gemeinden auf der Insel zur Gemeinde Hiddensee zusammen. Bis vor 1939 war nach letztmals amtlich publiziertem Güter-Adressbuch Pommern die Familie des Paul Wüstenberg Pächter des 239 ha großen Stadtgutes Kloster Hiddensee. Nach genealogischen Quellenangaben des Deutschen Geschlechterbuches zog sich seine Familie bereits um 1937 aus dem Gutsbetrieb zurück. Die Nachfolge trat der spätere kurzzeitige Kurator der Universität Greifswald Rüdiger von Hagen, Bruder des Albrecht von Hagen, an.

Ende der dreißiger Jahre wurden am Enddorn Bunker und Flakstellungen für die Luftabwehr im Zweiten Weltkrieg errichtet sowie ein Anleger am Schwedenhagen für den Materialtransport. Die Bunker wurden 1945 von der sowjetischen Armee gesprengt (die Trümmerreste erst in den 2000er Jahren entfernt) und der Anleger vom VEB Erdöl-Erdgas Grimmen für die Erdöl-Versuchsbohrungen in den sechziger Jahren ausgebaut. Der Anleger wurde anschließend, ab 1974, durch einen Schubverband für die Inselversorgung genutzt und 2010 abgerissen.

Kommunistische Zeit

Am 4. und 5. Mai im Jahr 1945 besetzten sowjetische Truppen die Insel. Im selben wie im folgenden Jahr wurde im Rahmen der Bodenreform der Gutshof Hiddensee in 18 Neubauernstellen aufgeteilt. Am 28. Juli 1946 wurde Gerhart Hauptmann auf dem Friedhof in Kloster begraben. Der Gedenkstein wurde genau fünf Jahre später, am 28. Juli 1951 enthüllt. Im Jahr 1952 musste die zweite Fährverbindung zwischen Seehof auf Rügen und der Fährinsel eingestellt werden.

Zwischen 1958 und 1959 baute das VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ in der Dünenheide ein Urlauberdorf für seine Betriebsangehörigen. Gleich daneben errichtete 1980/81 das Bau- und Montagekombinat Industrie- und Hafenbau Stralsund für dessen Betriebsangehörige eine weitere Urlaubersiedlung.

Hiddensee gehörte verwaltungsmäßig von 1952 bis 1955 zum Kreis Bergen. Im Jahr 1953 flüchteten während der Aktion Rose einige Hoteliers in den Westen, andere wurden verhaftet. Nach dieser Aktion wurden alle Hotels auf der Insel enteignet und dem FDGB übergeben. In den fünfziger Jahren eröffneten das Heimatmuseum und das Gerhart-Hauptmann-Haus; die LPG Dornbusch wurde gegründet.

1962 begann der Deichbau zwischen Kloster und Vitte. Mit der Eindeichung der Wiesen und Weiden entlang der Boddenküste begann die größte Umgestaltung von Hiddensee. In Vitte ging das Boddenwasser zuvor bis an die Straßen Wiesenweg, Norderende und Zum Seglerhafen. Weite Teile des heutigen Hafens von Vitte sowie das ganze Gebiet mit dem heutigen Sportplatz, dem Helikopterlandeplatz und dem Seglerhafen Lange Ort wurden künstlich aufgespült bzw. trockengelegt. Auch in Kloster wurden Teile des Boddens trockengelegt, der sich vor dem Deichbau noch vom Hafen aus bis weit hinter Höhe Postweg erstreckt hatte. Die Weiße Flotte Stralsund übernahm die Genossenschaftsreederei und die Fischer gründeten die FPG'n De Süder in Neuendorf und Swantevit in Vitte.

Am 10. April 1967 begann im Ergebnis seeseismischer Untersuchungen im Norden der Insel Hiddensee mit der Forschungsbohrung E Rügen 2/67 die Erdölerkundung. Diese 4.602 m tiefe Bohrung erbrachte ebenso wie die bis Dezember 1968 folgenden Bohrungen E Hiddensee 3/67, 4/68 und 5/68 kein verwertbares Erdölvorkommen. Die bereits vorbereitete 5. Bohrung wurde abgesagt, alle Bohrungen wurden im Sommer 1971 verfüllt. Das bis dahin geförderte Erdöl wurde mit Tankschiffen von einem provisorischen Hafen nahe Kloster in die Sowjetunion zur Untersuchung und Aufbereitung verschifft.

Bis 1971 wurde zwischen der Pension Zum Klausner und dem Leuchtturm Dornbusch der Standort der 5. Technische Beobachtungskompanie Dornbusch der NVA errichtet. Hinter einem doppelten Zaun, mit Hundelauf dazwischen, befanden sich ein Munitionsbunker und weitere Gebäude. Die Anlage wurde 1993 zurückgebaut und der Bunker mit Erde überschüttet. Seitdem führt die ehemalige Zufahrtsstraße, der Plattenweg von Kloster, der sich kurz vor dem Klausner gabelt, nach rechts ins „Nichts“.

In den Jahren 1972/73 wurden die Verbindungsstraßen zwischen den Orten mit Betonplatten befestigt, bis auf eine jahrelang existierende Lücke von rund 500 m zwischen Vitte und Kloster, aufgrund einsetzendem Mangel an Baumaterial, und die noch heute als einziger asphaltierter Straßenabschnitt erkennbar ist. 1974 wurden die Hausmülldeponien am Rande aller Ortslagen abgedeckt und dafür eine zentrale Mülldeponie in der Nähe des Swantiberges angelegt. Diese war Anfang der neunziger Jahre erschöpft. Seit 1993 wird der gesamte Müll im Hafen von Vitte gesammelt und nach Rügen transportiert.

Am 7. Mai 1989 gab es bei der DDR-Kommunalwahl auf Hiddensee 4,7 Prozent Gegenstimmen. Hiddensee galt als Nische für Andersdenkende und Aussteiger, die im Sommer oft in Hotels, Restaurants oder als Rettungsschwimmer arbeiteten. Auf der kleinen Insel waren sie gut zu kontrollieren, und trotz teilweise offener Stasi-Beobachtung wurden manche Vorfälle und Treffen hingenommen. Auf Hiddensee herrschte ein intellektuelles Klima, und Künstler, Schriftsteller, Schauspieler, Musiker und Wissenschaftler zogen sich dorthin zurück, wie Jo Harbort, Christine Harbort, Günter Kunert, Kurt Böwe, Harry Kupfer, Inge Keller, Günther Fischer, Armin Mueller-Stahl, Christoph Hein, Robert Rompe oder Mitglieder der Punkband Feeling B.

Die Leichen von Menschen, die bei Fluchtversuchen über die Ostsee, meist in einem Faltboot, erschossen wurden oder ohne Fremdeinwirkung umkamen, wurden auch an den Stränden von Hiddensee immer wieder aufgefunden, wie die der 18-jährigen Friedrich Klein und Ernst August Utpaddel (beide im Februar 1962) und des 21-jährigen Uwe Richter (im August 1987). Aber von Hiddensee aus gelang auch eine der spektakulärsten Fluchten aus der DDR und die einzige mit einem Surfbrett, im November 1986, durch den 30-jährigen Karsten Klünder und den 22-jährigen Dirk Deckert einen Tag später. Jeweils am frühen Morgen fuhren beide in gut vier Stunden mit selbstgebauten Surfbrettern und Segeln vom Gellen zur 70 Kilometer entfernten dänischen Insel Møn.

Moderne Zeit

Nach der Wende wurde in Vitte ein neuer Anleger für das Lastenfährschiff fertiggestellt. Einige Segler nutzten daraufhin den alten Betonsteg des Schubschiffes in Kloster als Seglerhafen. Ab den 2010er Jahren entstand beim größten Hafenerneuerungsprojekt in Kloster ein Seglerhafen mit Sanitärangeboten.

Im Jahr 1992 wurden die Forschungseinrichtungen Versuchsstelle Schwedenhagen des Berliner Zentralinstituts für Elektronenphysik und die Versuchsstelle Fährinsel des Jenaer Zentralinstitutes für Mikrobiologie und experimentelle Therapie aufgegeben.

Auch auf Hiddensee wurde der 1992 gestartete Elektrofahrzeug-Großversuch vom Bundesforschungsministerium und der Autoindustrie durchgeführt. Im Zuge des Tests wurde eine große Solaranlage am Hafen von Vitte auf einem Gebäudedach installiert, die noch heute existiert.

Im Mai 2010 musste das Zeltkino in Vitte nach 46 Jahren geschlossen werden. Nach einer Übergangszeit an wechselnden Standorten eröffnete 2012 ein neues Zeltkino am Hafen von Vitte, dessen Leiter bis 2020 Jörg Mehrwald war.

Zwischen 2010 und 2014 wurden einige Straßen neu gepflastert oder überhaupt befestigt und die Ortsverbindungsstraßen um gut 50 Prozent verbreitert (Vitte-Neuendorf 2010 und Kloster-Vitte 2014). In Vitte ging 2012 ein Hubschrauberlandeplatz für Notfallpatienten und für einen Katastrophenfall in Betrieb.

Im Oktober 2019 wurde ein neuer Inselbus mit elektrischem Antrieb in Betrieb genommen. Der Vorgänger fuhr mit Diesel und war damit noch eines der wenigen Verbrennerfahrzeuge der Insel, nachdem im September 2015 auch die Polizei zu einem Elektroauto gewechselt hatte.

Während der Coronazeit war die Insel für einige Zeit für Touristen gesperrt. Anfang 2021 wurde bekannt, dass die Gemeinde Hiddensee den Hafen in Vitte vergrößern möchte. Geplant sind ein Seglerhafen mit 135 Plätzen, eine Mehrzweckhalle, eine 5590 Quadratmeter große Photovoltaikanlage, eine Meerwasserentsalzungsanlage in einem zwölf Meter hohen Turm, zwei Molen, ein Ausbau des Fähranlegers für Kreuzfahrtschiffe sowie einige weitere Gebäude. Gegen die Ausbaupläne hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Im August 2021 stimmte die Bürgerschaft der Stadt Stralsund, bis dato eine der Eigentümerinnen der Grundstücke in Neuendorf, mehrheitlich einem möglichen Verkauf an 79 einheimische Pächter zu. Dabei handelt es sich um Flächen von rund 48.000 Quadratmetern zu einem Erwerbspreis von rund 5,3 Millionen Euro. Dem waren lange Verhandlungen vorausgegangen.

Verwaltung

1996 erkämpfte sich die Insel die Amtsfreiheit, die sie jedoch im Jahr 2005 im Zuge der Gebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern wieder verlor. Seitdem gehört sie zum Amt West-Rügen. Die Gemeinde gehörte bis 1990 zum Kreis Rügen im Bezirk Rostock und wurde im selben Jahr Teil des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Hiddensee gehört heute zum Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Gemeinde Insel Hiddensee (bis zum 2. Februar 1993 Hiddensee) umfasst die Insel sowie die ihr östlich vorgelagerte Fährinsel und gehört seit 2005 zum Amt West-Rügen mit Sitz in der Gemeinde Samtens.


Herrschaftsgeschichte

  • um -600 bis 1. Jahrhundert ostgermanische Stammesgemeinschaften
  • 1. bis 4. Jahrhundert Stammestum der Rugier
  • 4. bis 7. Jahrhundert slawische Stammesgemeinschaften
  • 7. Jahrhundert bis 1168 Reich der Ranen (Rana Rice)
  • 1168 bis 1325 Fürstentum Rügen (Ducatus Rugiae bzw. Principatus Rugiae) als Teil des Königreichs Dänemark (Kongeriget Danmark)
  • 1325 bis 1478 Herzogtum Pommern-Wolgast
  • 1478 bis 1648 Herzogtum Pommer-Stettin
  • 1648 bis 1678 Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
  • 1678 bis 1679 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)
  • 1679 bis 1715 Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
  • 1715 bis 1720 Königreich Preußen
  • 1720 bis 1807 Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
  • 1807 bis 1813 Kaiserreich Frankreich (Empire français)
  • 1813 bis 1814 Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
  • 1814 bis 1815 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)
  • 1815 bis 1818 Königreich Preußen
  • 1818 bis 1. Juli 1867 Landkreis Rügen, Regierungsbezirk Stralsund, Provinz Pommern, Königreich Preußen
  • 1.Juli 1867 - 31. Dezember 1870  Kresi Rügen im Norddeutschen Bund
  • 1.Januar 1871 bis 31. Dezember 1930  Kreis Rügen in der Provinz Pommern des Deutschen Reiches
  • 1.Januar 1939 bis 8. Mai 1945  Landkreis Rügen in der Provinz Pommern des Deutschen Reiches
  • 8. Mai 1945 bis 1. März 1947  Kreis Rügen im Land Mecklenburg-Vorpommern der Sowjetischen Besatzungszone
  • 1. März 1947 - 7. Oktober 1949  Kreis Rügen in Mecklenburg innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone
  • 7. Oktober 1949 bis 25. Juli 1952  Kreis Rügen im Land Mecklenburg der Deutschen Demokratischen Reopublik
  • 25. Juli 1952 bis 3. Oktober 1990 Kreis Rügen im Bezirk Rostock der Deutschen Demokratischen Republik
  • 3. Oktober 1990 bis 4. September 2011  Landkreis Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland
  • seit 4. September 2011 Landkreis Vorpommern-Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland

Legislative und Exekutive

Die Legislative und Exekutive auf der Insel Hiddensee sind im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung Mecklenburg-Vorpommerns organisiert. Die Insel bildet die eigenständige Gemeinde Seebad Insel Hiddensee mit den Ortsteilen Grieben, Kloster, Vitte und Neuendorf. Seit 2005 ist sie eine amtsangehörige Gemeinde im Amt West-Rügen mit Sitz in Samtens auf der Hauptinsel Rügen, wo die zentrale Verwaltung der elf amtsangehörigen Gemeinden erledigt wird.

Die Legislative wird von der Gemeindevertretung wahrgenommen. Sie besteht aus 10 gewählten Mitgliedern (plus dem Bürgermeister, der kraft Amtes angehört), die bei den Kommunalwahlen alle fünf Jahre direkt von den wahlberechtigten Einwohnern gewählt werden. Die Gemeindevertretung ist das oberste Beschlussorgan der Gemeinde und entscheidet über grundlegende Angelegenheiten wie Haushaltssatzung, Satzungen, Bebauungspläne, touristische Entwicklungen und lokale Infrastrukturmaßnahmen. Sie tagt öffentlich, oft im Henni-Lehmann-Haus in Vitte, und spiegelt die politische Vielfalt wider – in den letzten Wahlen traten Wählergruppen wie die Allianz für Hiddenseer sowie andere Listen an. Nach der Kommunalwahl 2024 stellt die Allianz für Hiddenseer die stärkste Fraktion.

Die Exekutive liegt beim Bürgermeister. Er leitet die Gemeindeverwaltung, vertritt die Gemeinde nach außen und setzt die Beschlüsse der Gemeindevertretung um. Die täglichen Verwaltungsgeschäfte – wie Bauamt, Ordnungsamt, Einwohnermeldewesen oder Finanzen – werden größtenteils vom Amt West-Rügen in Samtens erledigt, da Hiddensee keine eigene hauptamtliche Verwaltung unterhält. Vor Ort gibt es jedoch einen Eigenbetrieb der Gemeinde, der sich um Häfen, Bauhof, Tourismusmarketing, Kurabgabe und kulturelle Einrichtungen kümmert.

Inseloberhaupt

Höchster Repräsentant der Insel ist der ehrenamtliche Bürgermeister, der ebenfalls direkt von den Bürgern gewählt wird. Seit vielen Jahren amtiert Thomas Gens (Allianz für Hiddenseer), der bei der Wahl 2024 wiedergewählt wurde.


Bürgermeister der Insel Hiddensee

  • 1990 - 1996 Norbert Athing von Helgoland
  • 1996 - 2010  Gino Leonhardt
  • seit 2010  Thomas Gens

Politische Gruppierungen

Zum Zeitpunkt der Gemeindevertretungswahl 2024 waren auf Hiddensee folgende politische Listen aktiv:

  • Allianz für Hiddenseer (AlfH) – lokale Wählergruppe, auch Bürgermeister gestellt (Thomas Gens)
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) – bundesweite Partei mit Vertreter/in in der Gemeindevertretung
  • WG Hiddensee – lokale Wählergemeinschaft
  • Bürger für Hiddensee (BfH) – weitere lokale/regionale Wählergruppe
  • Einzelbewerber – unabhängige Kandidat:innen, zum Beispiel „Einzelbewerber Wolter“
  • HIDDENSEEpartei / Die Achtsamen Demokraten – historisch lokal gegründete Partei („Die Achtsamen – Die HIDDENSEEPartei“), aktiv bei früheren Wahlen auf der Insel und zeitweise stärkste Kraft im Gemeinderat; gegründet aus einem Ortsverband der CDU mit lokalem Schwerpunkt.


Die Kommunalwahl vom 26. Mai 2019.führte zu folgendem Ergebnis:

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
achtsame Demokraten-Die HIDDENSEEpartei 50,45 % 4
SPD 10,71 % 1
Bürger für Hiddensee 38,84 % 3

Die Wahlbeteiligung lag bei 59,66 Prozent.

Justizwesen und Kriminalität

Die Insel Hiddensee gilt als eine der ruhigsten und sichersten Regionen in Mecklenburg-Vorpommern. Das Justizwesen und die Bekämpfung von Kriminalität sind hier stark geprägt von der insularen Lage und der geringen Bevölkerungsdichte, was zu einer sehr niedrigen Kriminalitätsrate führt.

Die polizeiliche Präsenz auf Hiddensee wird durch einen einzigen dauerhaft stationierten Kontaktbereichsbeamten gewährleistet, der oft als „Inselsheriff“ bezeichnet wird. Derzeit ist dies Polizeihauptmeister Thomas Moritz, der die meiste Zeit des Jahres allein für Recht und Ordnung sorgt – nur in der Hochsaison wird er von einem weiteren Kollegen unterstützt. Die Polizeistation befindet sich in Vitte, und der Beamte nutzt ein Elektroauto für Streifen, da private Kraftfahrzeuge auf der Insel verboten sind. Die Zuständigkeit obliegt der Polizeiinspektion Stralsund, die den gesamten Landkreis Vorpommern-Rügen abdeckt. Schwere Fälle oder Ermittlungen werden vom Festland aus unterstützt, da Hiddensee nur per Fähre erreichbar ist.

Kriminalität auf Hiddensee ist extrem gering und beschränkt sich überwiegend auf Bagatelldelikte. Schwere Straftaten wie Mord oder Totschlag sind seit Jahrzehnten nicht vorgekommen. Typische Delikte umfassen Diebstähle von Fahrrädern, Handtaschen oder Rucksäcken, gelegentliche häusliche Gewalt, Drogenfunde (meist in geringem Umfang) sowie Verkehrs- oder Fahrradunfälle. In den Jahren 2020 und 2021 wurden insgesamt nur etwa 110 Straftaten registriert, darunter harmlose Fälle wie fahrlässige Körperverletzungen durch Hundebisse. Besondere Aufmerksamkeit erregten in der Vergangenheit Serien von Spendendiebstählen aus Kirchen, die jedoch als Ausnahmen gelten und schnell aufgeklärt wurden. Diebstähle sind sonst selten, und viele Einsätze der Polizei haben keinen strafrechtlichen Charakter, sondern dienen der Prävention oder Hilfe.

Gerichtliche Verfahren fallen in den Zuständigkeitsbereich des Landgerichts Stralsund, das auch für Rügen und Hiddensee zuständig ist. Aufgrund der niedrigen Fallzahlen gibt es keine eigene Justizinfrastruktur auf der Insel; Anhörungen oder Verhandlungen finden auf dem Festland statt. Die enge Gemeinschaft und die hohe Präsenz des Inselpolizisten tragen maßgeblich zur hohen Aufklärungsquote und zur präventiven Wirkung bei.

Flagge und Wappen

Das durch den Weimarer Michael Zapfe gestaltete Wappen wurde am 29. Januar 1998 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 141 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Die Blasonierung lautet: „Gespalten von Blau und Gold; rechts ein nach links gewendetes goldenes Seepferdchen; links eine blaue Hausmarke, bestehend aus Sparrenkopfschaft, Mittelkreuzsprosse und erhöhter Mittelkreuzsprosse sowie einer vorderen Fußabstrebe.“ Die linke Flanke hat einen hellblauen Hintergrund mit einem gelben Seepferdchen (Silhouette der Insel), die rechte Flanke hat einen gelben Hintergrund, auf dem eine für Hiddensee typische Hausmarke in hellblau erscheint. Die Farbgebung Blau-Gelb dokumentiert die Zugehörigkeit zum schwedischen Königreich zwischen 1648 bis 1815.

Die Flagge der Gemeinde ist gleichmäßig und quer zur Längsachse des Flaggentuches von Gold (Gelb) und Blau gestreift. Auf der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils ein Drittel der Länge des goldenen (gelben) und blauen Streifens übergreifend, das Gemeindewappen. Die Länge der Flagge verhält sich zur Höhe wie 5:3.

Das offizielle Signet des Seebades Hiddensee beruht auf einem Entwurf des Berliner Malers Torsten Schlüter aus dem Jahr 1996. Es stellt den Schriftzug Hiddensee und eine abstrahierte Küstenlinie auf weißem Grund dar.

Hauptort

Vitte gilt seit der Gründung der einheitlichen Gemeinde Hiddensee in den Jahren 1937/39 als der Hauptort der Insel, da dort der Verwaltungssitz (Gemeindeverwaltung / Rathaus) eingerichtet wurde und Vitte der größte sowie zentrale Ort ist. Vor der Zusammenlegung der Gvemeinde Hiddensee in den 1930er Jahren gab es keinen einheitlichen „Hauptort“ für die gesamte Insel. Historisch gesehen war Grieben der älteste Siedlungskern (slawische Zeit vor dem 13. Jahrhundert) und lange Zeit ein zentraler Punkt mit Verwaltungsfunktionen. Ab dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich Kloster durch den aufkommenden Tourismus (Bau von Hotels, Dampferanleger, Leuchtturm) zum touristischen und kulturellen Zentrum der Insel.

Mit der Zusammenlegung zur Gemeinde Hiddensee (vollständig 1939) wurde Vitte aufgrund seiner zentralen Lage, des größten Hafens und der wachsenden Infrastruktur (zum Beispiel Schule und Läden) zum administrativen und praktischen Hauptort. Diese Rolle hat sich bis heute nicht geändert – Vitte beherbergt die Gemeindeverwaltung, Polizeistation, Schule und den Großteil der Versorgungseinrichtungen. Kloster bleibt jedoch das kulturelle Herz mit dem Gerhart-Hauptmann-Haus und der Inselkirche.

Verwaltungsgliederung

Die Inselgemeinde Hiddensee besteht aus vier Ortsteilen. Es sind dies von Norden nach Süden:

  • Grieben (kleinstes und ältestes Dorf),
  • Kloster (kulturelles Zentrum mit Gerhart-Hauptmann-Haus, Inselkirche und Leuchtturm Dornbusch),
  • Vitte (Hauptort und Zentrum des Alltagslebens) und
  • Neuendorf (südlichster Ort mit eigenem Hafen).


Bis in die späten 1930er Jahre, war die Insel in drei separate Gemeinden unterteilt: Kloster-Grieben (im Norden, mit dem historischen Kloster als Namensgeber), Vitte (zentral) und Neuendorf-Plogshagen (im Süden).


           Verwaltungseinheiten:

           4 Ortsteile

Bevölkerung

Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 19,02 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1817                   654               34,38

           1900                1 000               52,58

           1946                1 434               75,39

           1961                1 400               73,61

           1971                1 350               70,98

           1981                1 300               68,35

           1990                1 261               66,30

           1991                1 285               67,56

           1992                1 291               67,87

           1993                1 291               67,87

           1994                1 281               67,35

           1995                1 274               66,98

           1996                1 268               66,67

           1997                1 240               65,19

           1998                1 214               63,83

           1999                1 208               63,51

           2000                1 196               62,88

           2001                1 173               61,64

           2002                1 178               61,93

           2003                1 122               58,99

           2004                1 118               58,78

           2005                1 092               57,41

           2006                1 087               57,15

           2007                1 075               56,52

           2008                1 145               60,20

           2009                1 061               55,78

           2010                1 034               54,36

           2011                   995               52,31

           2012                   990               52,05

           2013                   980               51,52

           2014                   988               51,95

           2015                   980               51,52

           2016                   977               51,37

           2017                   995               52,31

           2018                   998               52,47

           2019                   981               51,57

           2020                   992               52,16

           2021                   998               52,47

           2022                   942               49,53

           2023                   926               48,69

           2024                   913               47,75

Volksgruppen

Ethnisch und kulturell ist die Bevölkerung fast ausschließlich deutsch und gehört zur Mehrheitsbevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns. Es gibt keine nennenswerten ethnischen Minderheiten, Volksgruppen oder indigene Gruppen auf der Insel. Historisch war Hiddensee von germanischen, später slawischen und dann pommersch-deutschen Einflüssen geprägt, doch heute dominiert eine einheitliche deutsche Bevölkerung ohne signifikante Zuwanderung aus anderen Kulturen. Ausländeranteile sind extrem niedrig und spielen demografisch keine Rolle.

Auffällig ist die Altersstruktur: Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 51,5 Jahren und damit deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt von rund 44,7 Jahren. Die Insel hat eine überalterte Bevölkerung mit einem hohen Anteil älterer Einwohner (viele Rentner und Pensionäre, die die Ruhe schätzen) und einem vergleichsweise geringen Anteil junger Menschen. Nur etwa 12–15 Prozent der Bewohner sind unter 18 Jahren, was auf niedrige Geburtenraten und Abwanderung junger Familien hinweist. Etwas mehr Frauen als Männer leben auf Hiddensee (ca. 52 Prozent weiblich).

Sozial und regional lassen sich informelle „Volksgruppen“ in den vier Ortsteilen unterscheiden:

  • Grieben (nördlichstes und kleinste Dorf): Wenige Einwohner, traditionell und ruhig.
  • Kloster: Kulturelles Zentrum mit Künstlern und Intellektuellen-Nachfahren.
  • Vitte: Der Hauptort mit der Mehrheit der Bevölkerung (ca. 600 Einwohner), hier konzentrieren sich Verwaltung, Schule und Alltagsleben.
  • Neuendorf: Der südlichste Ort, dessen Bewohner lokal als „Die Süder“ bezeichnet werden – eine liebevoll-neckende Unterscheidung, da sie trotz nur sechs Kilometer Entfernung zu Vitte teilweise einen eigenen Dialekt und eine eigenständige Dorfidentität pflegen.
Staatsangehörigkeit 2022
Deutschland 898
Polen 21
Rumänien 5
Ukraine 3
übrige Länder 15
Geburtsland 2022
Deutschland 862
Polen 41
Rumänien 5
Kasachstan 3
Ukraine 3
Italien 3
übrige Länder 25

Sprachen

Die Amtssprache und Alltagssprache auf der Insel Hiddensee ist Deutsch (Hochdeutsch). Wie in ganz Mecklenburg-Vorpommern sprechen die rund 1.000 Einwohner überwiegend Standarddeutsch, beeinflusst durch den regionalen norddeutschen Akzent.

Traditionell gehört Hiddensee zum niederdeutschen (plattdeutschen) Sprachraum. Plattdeutsch (auch Niederdeutsch genannt) war früher die Umgangssprache der Inselbewohner, besonders unter den Fischern, Bauern und alteingesessenen Familien. Historische Berichte aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert beschreiben, dass Kinder auf Hiddensee oft Plattdeutsch als Muttersprache erlernten und Hochdeutsch erst in der Schule oder bei offiziellen Anlässen sprachen. Es gibt sogar Anekdoten, wonach Inselkinder neben Plattdeutsch und Hochdeutsch gelegentlich Französisch beherrschten – ein Relikt aus Zeiten, als französischsprachige Einflüsse in pommerschen Adelskreisen vorkamen.

Heute ist Plattdeutsch stark zurückgegangen. Es wird vor allem von älteren Einwohnern in informellen Situationen oder als folkloristisches Element gepflegt, etwa in Gedichten, Liedern oder bei lokalen Veranstaltungen. Jüngere Generationen sprechen fast ausschließlich Hochdeutsch, da Schule, Medien und Tourismus den Standard fördern. Dennoch gibt es regionale Besonderheiten: Besonders im südlichsten Ortsteil Neuendorf (wo die Bewohner liebevoll als „Die Süder“ bezeichnet werden) unterschied sich der Dialekt noch bis ins frühe 20. Jahrhundert merklich vom Rest der Insel – trotz nur sechs Kilometer Entfernung zu Vitte. Diese lokalen Nuancen im Plattdeutsch sind heute weitgehend verschwunden, spiegeln aber die enge, isolierte Gemeinschaft wider.

Religion

Die Religion auf der Insel Hiddensee ist überwiegend christlich-evangelisch geprägt, wobei die Insel wie ganz Mecklenburg-Vorpommern eine stark säkularisierte Region mit hohem Anteil konfessionsloser Bewohner ist.

Die einzige Kirche auf der Insel ist die Inselkirche in Kloster, die zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) gehört und Sitz der Evangelischen Kirchengemeinde Hiddensee ist. Sie geht auf das ehemalige Zisterzienserkloster aus dem 13. Jahrhundert zurück und dient seit der Reformation als evangelisches Gotteshaus. Gottesdienste finden regelmäßig sonntags in der Inselkirche statt (oft um 10 Uhr, mit Kindergottesdienst), im Winter im beheizten Küsterhaus in Kloster und alle 14 Tage oder wöchentlich im Sommer im Gemeindehaus „Uns Tauflucht“ in Neuendorf. Die Kirche ist ökumenisch offen und wird als Ort der Begegnung für Christen unterschiedlicher Konfessionen beschrieben, inklusive Konzerte, Lesungen und Friedensgebete.

Etwa 50 Prozent der rund 1.000 Einwohner sind Mitglieder der evangelischen Kirche – ein vergleichsweise hoher Anteil im sonst stark säkularisierten Mecklenburg-Vorpommern, wo landesweit nur etwa 13 bis 14 Prozent evangelisch und 3 Prozent katholisch sind, der Rest größtenteils konfessionslos.

Katholiken gibt es auf Hiddensee nur wenige; es existiert keine katholische Kirche oder eigene Gemeinde. Bis um 1990 wurden gelegentlich Messen von Priestern vom Festland oder im Urlaub gefeiert, heute nehmen katholische Bewohner und Touristen oft an den evangelischen Gottesdiensten teil. Einige pflegen private katholische Traditionen, fühlen sich aber in der evangelischen Gemeinde integriert.

Religion 2011 und 2022
römisch-katholisch 10 23
evangelisch 511 397
übrige/keine/unbekannt 474 554

Siedlungen

Grieben ist das älteste, nördlichste und kleinste Dorf auf Hiddensee und liegt am östlichen Rand des Hochlandes der Insel. Der Name leitet sich vom slawischen grib (für „Pilz“) ab. Grieben hat keinen eigenen Hafen.

Der Ortsteil Kloster hat seinen Namen vom ehemaligen Kloster der Zisterzienser, das von 1296 bis 1536 in der Nähe des heutigen Hafens von Kloster lag. Es wurde mit der Reformation aufgelöst. Heute gilt Kloster mit dem Gerhart-Hauptmann-Haus, der Inselkirche und dem Inselfriedhof mit den Grabstätten von Gerhart Hauptmann, Walter Felsenstein und Gret Palucca als das kulturelle Zentrum von Hiddensee. Es liegt direkt am Hochland, dessen höchste Erhebung der Dornbusch ist. In Kloster befinden sich die „Biologische Station Hiddensee“ und die „Vogelwarte Hiddensee“ als Außenstellen der Universität Greifswald, welche beide aus der 1930 entstandenen „Biologischen Forschungsanstalt Hiddensee“ hervorgegangen sind.

Vitte (sprich Fitte) wurde erstmals 1513 urkundlich erwähnt, ist der Hauptort und zugleich der größte und zentrale Ort der Insel. Der Name ist eine Ableitung von „vit“; damit bezeichnete man früher Fischverkaufsstellen (zur Wortherkunft siehe auch Vitten). In Vitte steht das Rathaus mit der Gemeindeverwaltung. Außerdem ist hier der Fähranleger für die Lastenfähre, mit der die Fahrzeuge für die Ver- und Entsorgung von Schaprode auf der Insel Rügen aus übersetzen. Der Güterverkehr wird auf Anhänger, die von Elektroschleppern gezogen werden, umgeschlagen und auf der Insel an die Lebensmittelmärkte und Gaststätten verteilt. Teilweise werden kleinere Güter auch noch mit Pferdefuhrwerken ausgeliefert. Die Heidelandschaft auf Hiddensee, zwischen Vitte und Neuendorf gelegen, zählt ebenso zu Vitte. In Vitte steht das älteste noch erhaltene Haus der Insel, das „Hexenhaus“ (ehemals Sommerhaus von Adolf Reichwein). Darüber hinaus befinden sich in Vitte das (wohl letzte) Zeltkino und die Seebühne Hiddensee (Figurentheater). Im Jahr 2022 hatnte der Ort 440 Einwohner.

Neuendorf ist der südlichste Ort auf Hiddensee. Die Einwohner von Neuendorf werden vom Rest der Insel als „Die Süder“ bezeichnet. Obwohl Neuendorf nur sechs Kilometer von Vitte entfernt liegt, sprechen die Einwohner einen anderen Dialekt. Große Teile von Neuendorf gleichen einer großen Wiese, auf der die Häuser wie an einer Schnur gezogen aufgereiht sind. Es gibt teilweise keine angelegten Wege, sodass einzelne Adressen nur direkt über die Wiese zu erreichen sind. Auch Neuendorf hat einen eigenen Hafen.

Neuendorf besteht aus zwei ursprünglich eigenständigen Ortsteilen: Dem älteren, wohl schon aus dem 13. Jahrhundert stammenden Plogshagen im Süden und dem eigentlichen Neuendorf, das um 1700 durch die Absiedlung aus der Siedlung Glambek entstand. Überreste dieser Siedlung sind noch heute nordöstlich des Neuendorfer Ortsgebietes zu erkennen. Südlich von Neuendorf liegt der so genannte Gellen, ein bedeutendes Vogelschutzgebiet, das zur Schutzzone I des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft gehört und somit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

Verkehr

Hiddensee ist eine autofreie Insel mit Schiffsverbindungen nach Rügen und zum Festland.

Straßenverkehr 1

Der private Kfz-Verkehr ist bereits seit 1927 auf der gesamten Insel untersagt. Für öffentliche Aufgaben, Lieferverkehr und landwirtschaftliche Nutzung sind einige Kraftfahrzeuge zugelassen, seit dem 21. Jahrhundert meist mit Elektroantrieb. Dadurch ist die Insel nahezu autofrei. Ein Teil des Personen- und Warenverkehrs wird mit Pferdefuhrwerken durchgeführt. Die stetig anfallenden Hinterlassenschaften der Pferde werden von Gemeindemitarbeitern oder Einwohnern meist schnell beseitigt.

Zwischen den Ortsteilen Grieben, Kloster, Vitte und Neuendorf verkehrt wochentäglich zwischen 7 und 17 Uhr ein E-Linienbus (Liniensprinter), eigentlich der Schulbus der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR). Eine Halbtageskarte kostet 4,10 Euro (Stand August 2024).

Das wichtigste individuelle Fortbewegungsmittel auf der Insel ist das Fahrrad. In jedem Ortsteil haben sich private Fahrradverleiher etabliert, die Kinderfahrräder, Tandems, Fahrräder mit Kinderanhängern, Rikschas bis zu hochwertigen E-Bikes stunden- oder tageweise vermieten.

Der Zustand der Geh- und Fahrwege auf der Insel ist mittlerweile hochwertig. Alle Verbindungswege, auch die Deichwege, zwischen den Ortschaften sind befestigt. Die Betonplatten aus DDR-Zeit sind kaum noch vorzufinden. In Vitte und Grieben sind fast alle Wege gepflastert. In Kloster und Neuendorf gibt es dagegen noch viele unbefestigte, naturbelassene Sandwege, die von den Touristen sehr geschätzt werden. Betonplattenwege existieren nur noch zwischen Kloster und der Pension Klausner am Leuchtturm und hinter Grieben.

Schiffsverkehr

Zu erreichen ist die Insel von Stralsund sowie von Schaprode auf Rügen mit Personenfähren der „Reederei Hiddensee“, die in Kloster, Vitte und Neuendorf anlegen. In der Sommersaison bestehen weitere Verbindungen mit Ralswiek, Breege, Wiek und Zingst. Außerdem gibt es noch Wassertaxiverbindungen mit dem Festland und der Insel Rügen.

Auf Hiddensee gibt es zwei Leuchttürme. Der Leuchtturm Dornbusch mit der amtlichen Bezeichnung Leuchtfeuer Dornbusch/Hiddensee gehört seit 2005 zum Amt West-Rügen mit Sitz in der Gemeinde Samtens. Der Leuchtturm steht unter Denkmalschutz und wurde als Baudenkmal in die Kreisdenkmalliste des Landkreises Vorpommern-Rügen aufgenommen. Der Leuchtturm von 1888 steht auf dem rund 70 Meter hohen Schluckswiek oder Schluckwieksberg im Dornbusch, dem Hochland im Norden der Insel. Begrenzt wird die Insel durch den Schaproder Bodden und Vitter Bodden im Osten, den Gellenstrom (die Fahrrinne nach Stralsund) im Süden und die offene Ostsee nach Westen und Norden.

Der Leuchtturm wurde in den Jahren 1887/88 als runder Turm aus Ziegelstein auf einem zwölfeckigen Felssteinfundament errichtet. Die Inbetriebnahme erfolgte am 19. November 1888. Bereits wenige Jahre nach der Fertigstellung fing das äußere Verblendmauerwerk an zu verwittern; es wurde mehrfach erfolglos saniert. Der Turm wurde 1927 umgebaut und mittels Torkretierarbeiten mit einem Stahlbetonmantel versehen. Der Turm ist 27,5 m hoch und hat eine Feuerhöhe von 94,7 m über Mittelwasser der Ostsee. Eine Aussichtsgalerie befindet sich in 20 Meter Höhe. Sein Leuchtfeuer, ein Sektorenfeuer, hat folgende Sichtweiten: weiß 24,9 Seemeilen (45 Kilometer) und rot 21,3 Seemeilen (38 Kilometer). Die Kennung ist 0,8 Sekunden hell, 9,2 Sekunden dunkel (Blitz-Feuer). Im eleuchtungsapparat strahlt als Lichtquelle eine Halogenmetalldampflampe.

Die Verantwortlichkeit für den Leuchtturm (Wartung und Unterhaltung) liegt seit 2020 beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee. Walter Hoerenz war bis 1998 nicht nur der letzte Leuchtturmwärter des Leuchtturms Dornbusch, sondern auch der letzte im vereinigten Deutschland. Im Zuge von Sanierungsarbeiten am Turm war das Leuchtfeuer im Sommer 2023 für längere Zeit nicht in Betrieb und leuchtet nach Abschluss der Arbeiten seit Mitte September 2023 wieder. Die Kosten für die umfangreiche Sanierung betrugen 390.000 €.

Der Leuchtturm kann seit 1994 über 102 Stufen bestiegen werden. Damit es oben nicht zu eng wird, können ihn nur 15 Besucher gleichzeitig besichtigen. Für eine Besichtigung gilt ein Mindestalter von sechs Jahren. Ab Windstärke 6 bleibt der Turm aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Die erste Briefmarke, die den Leuchtturm Dornbusch zeigt, erschien am 13. Mai 1975 von der Deutschen Post der DDR. Die Marke gehört zur Serie Leuchttürme, Leit-, Leucht- und Molenfeuer (Mi.Nr.2048) mit dem Wert von 25 Pfennig. Der Entwurf stammt vom Grafiker Jochen Bertholdt aus Rostock. Die Auflage betrug 5,5 Millionen Stück. Am 2. Juli 2009 gab die Deutsche Post eine Sonderbriefmarke (Mi.Nr.2743) mit dem Bild des Leuchtturms Dornbusch im Wert von 55 Eurocent in der Serie Leuchttürme heraus. Der Entwurf dieser Marke der Briefmarkenserie Leuchttürme stammt, wie alle bisherigen Briefmarken der Serie, vom Grafiker Johannes Graf aus Dortmund nach fotografischer Vorlage vom Wissenschaftsfotograf Reinhard Scheiblich aus Norderstedt. Die Ausgabe erfolgte in einer Auflage von 10,96 Millionen Stück. (nach wikipedia)


Leuchtfeuer Dornbusch

  • Standort:  Dornbusch bei Grieben, 54°35‘57“ N, 13°07‘10“ O
  • Listeneinträge:  FED-026 (ARLHS), C 2588 (IHUK), 5864 (NGA), DE-216200 (BSH)
  • Bauzeit: 1887 bis 1888 und 1927
  • Inbetriebnahme:  1888
  • Betreiber:
  • Seehöhe: 70 m
  • Turmhöhe: 27,5 m
  • Feuerhöhe: 94,7 m
  • Stufen: 102
  • Befeuerung:  Fresnellinsen Halogenmetalldampflampe 2 kW / 380 V
  • Betriebsart: elektrisch, automatisiert
  • Funktion: See- und Warnfeuer
  • Kennung: Fl.W.R.10s (0,8 s hell, 9,2 s dunkel)
  • Tragweite: 46,1 km


Der Leuchtturm Gellen, auch bekannt als Süderlkeuchtturm, ist ein Leuchtfeuer auf dem Gellen, dem südlichen Teil der Ostseeinsel Hiddensee. Er wurde ab 1905 errichtet und dient bis heute als Quermarkenfeuer zur Orientierung für die Seefahrt auf dem Gellenstrom. Er ist mit dem Leuchtturm Dornbusch eines von zwei Leuchtfeuern auf der Insel Hiddensee. Bereits Anfang des 14. Jahrhunderts wurde auf Hiddensee ein Leuchtturm betrieben. Die sogenannte Luchte stand unweit des heutigen Leuchtfeuers Gellen. Die Grundmauern des vier mal vier Meter großen Bauwerkes sind noch heute bei Niedrigwasser an der Westküste des Gellens zu sehen. Die Luchte war direkt an die Gellenkirche angebaut und wurde von den Mönchen des Klosters Hiddensee unterhalten. Noch 1618 war die Luchte auf der Pommernkarte des Eilhard Lubinus eingezeichnet.

Im Jahre 1880 wurde eine Tagesmarke auf der Südspitze der Insel Hiddensee errichtet, die kurze Zeit später durch eine Bake ersetzt wurde. Sie lag in Deckung mit der Stralsunder Marienkirche und bezeichnete die Einfahrt in die Gewässer des Gellens. Mit dem zunehmenden Seeverkehr auf der Ostsee reichten diese Tagesmarken nicht mehr aus, so benötigten die Postdampfer eine Orientierung vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung. Auch die Fischer von Hiddensee und Rügen wollten ihre Fänge so früh wie möglich auf dem Stralsunder Fischmarkt verkaufen oder mit dem Morgenzug verschicken. So wurde 1894 ein schwedisches Drehfeuer aufgestellt. Allerdings hatten es die Fischer schwer, mit ihren Segelbooten den vorgegebenen Sektor des Drehfeuers zu halten.

Ende 1898 wurde deshalb der Bau eines festen Feuers angekündigt. Die Abteilung für Bauwesen / Wasserbau im preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten erarbeitete 1905 ein Programm zur besseren Befeuerung der Gewässer westlich der Insel Rügen. Das wichtigste Vorhaben dabei war der Bau eines Leuchtfeuers auf der Insel Hiddensee südlich der Ortschaft Neuendorf. Es wurde der Vorschlag der Firma Julius Pintsch aus Berlin und Fürstenwalde angenommen, die schon einige Leuchtfeuer errichtet hatte.[4] Die Firma konnte schnell liefern, bereits am 12. Oktober 1905 begann der Materialtransport zur Insel Hiddensee. Der Unterbau aus Bruchsteinen und Ziegelsteinen wurde am 12. Juni 1906 fertiggestellt. Der Probebetrieb begann am 29. April 1907, die Inbetriebnahme erfolgte fünf Monate später, am 15. September 1907. Das Feuer war als Gasglühlicht ausgeführt.

1936 erfolgte die Umstellung des Leuchtfeuers auf elektrischen Betrieb. Damit erhöhte sich auch die Tragweite des unbewachten Quermarkenfeuers in allen Sektoren. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurde das Quermarkenfeuer Gellen schwer zerstört. Nach einer Bestandsaufnahme im Dezember 1945 war die Inneneinrichtung der Laterne völlig unbrauchbar. Erst im August 1947 konnte der provisorische Betrieb wieder aufgenommen werden. Im Juli 1949 wurde eine neue Gürtellinse eingebaut, die noch während des Krieges gefertigt worden war. 1985 wurde der Turmsockel neu verfugt und Malerarbeiten ausgeführt. Eine vollständige Grundinstandsetzung des Leuchtfeuers Gellen erfolgte im September 1992 in Verantwortung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund. Der Leuchtturm steht unter Denkmalschutz und wurde als Baudenkmal in die Kreisdenkmalliste des Landkreises Vorpommern-Rügen aufgenommen.

Das Leuchtfeuer Gellen ist ein weißer, runder Stahlturm mit roter Galerie, roter Laterne und rotem Dach. Das Fundament und der Unterbau bestehen aus gesprengten Bruchsteinen. Die Turmhöhe beträgt 12,30 m über Mittelwasser. Der Turmdurchmesser beträgt 2,50 m. Das Bauwerk ist bei 3 m Augenhöhe 10 Seemeilen (18,52 km) weit sichtbar. Das Feuer befindet sich 10 m über Mittelwasser. Die Einspeisung der elektrischen Anlagen erfolgt über das Überlandnetz. Die Verantwortlichkeit für den Leuchtturm (Wartung und Unterhaltung) liegt seit 2020 beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee in Stralsund.

Der Leuchtturm Gellen erscheint seit seiner Errichtung als Motiv auf zahlreichen Ansichtskarten. Er ist auch auf einem 5 Millionen Mark Notgeldschein vom 20. August 1923 des Landkreises Rügen abgebildet. Die erste Briefmarke, die den Leuchtturm Leuchtfeuer Gellen zeigt, erschien am 13. Mai 1975 von der Deutschen Post der DDR. Die Marke gehört zur Serie Leuchttürme, Leit-, Leucht- und Molenfeuer (MICHEL-Nr.: 2046) mit dem Wert von 10 Pfennig. Gestaltet wurde die Marke vom Grafiker Jochen Bertholdt aus Rostock. Die Auflage betrug 15 Millionen Stück. Eine weitere Briefmarke kam 2020 vom privaten Postdienstleister NordBrief mit dem Abbild des Leuchtturms mit einem Wert von 145 Cent heraus. (nach wikipedia)


Leuchtturm Gellen

  • Standort:  Gellen, 54°30‘29“ N, 13°04‘27“ O
  • Listeneinträge:  FED-088 (ARLHS), C 2586 (IHUK), 5868 (NGA), DE-216420 (BSH)
  • Ersterwähnung: „Luchte“ 1306
  • Bauzeit: 1905 bis 1907
  • Inbetriebnahme:  15. September 1907
  • Betreiber:
  • Seehöhe: 2 m
  • Turmhöhe: 12,3 m
  • Feuerhöhe: 10 m
  • Befeuerung:
  • Betriebsart: elektrisch, automatisiert
  • Funktion: Quermarkenfeuer
  • Kennung: Oc.(2)W.R.G.10s
  • Tragweite: 27,8 km

Wirtschaft

Die Bewohner der Insel leben hauptsächlich vom Tourismus. Der Großteil der Besucher sind Tagestouristen, jährlich hat Hiddensee etwa 50.000 Besucher. Schon vor 1990 war Hiddensee ein beliebter Urlaubsort, in den 1970er Jahren befanden sich in der Hauptsaison täglich bis zu 4000 Urlauber und 3000 Tagesausflügler auf der Insel. Aufgrund der angestrebten Naturbelassenheit wurde der Tourismussektor kaum weiter ausgebaut, an den Besucherzahlen hat sich seither kaum etwas geändert. Ein erheblicher Teil der Fläche Hiddensees wird für landwirtschaftliche Zwecke genutzt.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft auf der Insel Hiddensee ist aufgrund der Zugehörigkeit zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft seit 1990 stark eingeschränkt und dient heute vor allem dem Naturschutz sowie der Landschaftspflege. Die Insel bietet mit ihren Dünen, Heideflächen, Salzwiesen und schmalen landwirtschaftlich nutzbaren Streifen nur begrenzte Möglichkeiten für Ackerbau oder intensive Viehwirtschaft. Historisch ergänzte die Landwirtschaft die Fischerei: Die Insulaner bestellten im Sommer Felder für den Eigenbedarf, hielten Schafe, Pferde und vereinzelt Kühe. Heideflächen wurden zur Gewinnung von Brennmaterial genutzt, und kleine Flächen dienten dem Anbau von Getreide oder Gemüse.

In der DDR-Zeit gab es noch Molkerei (bis 1974 die letzte Kuh gemolken) und organisierte Herden, doch mit der Ausweisung als Nationalpark und strengen Schutzauflagen ging die konventionelle Landwirtschaft stark zurück. Bis in die 2010er Jahre existierten nur wenige kleine Betriebe, etwa mit Schaf- oder Mutterkuhhaltung zur Pflege der Wiesen und Dünenheide. 2016 wurden die letzten größeren Herden abtransportiert, da extensive Beweidung durch Maschinenmahd ersetzt wurde, um sensible Habitate zu schonen.

Heute gibt es keine nennenswerte kommerzielle Landwirtschaft mehr auf Hiddensee selbst – Ackerbau ist praktisch unmöglich, und Viehhaltung beschränkt sich auf vereinzelte Pferde für Kutschen oder private Zwecke. Wichtige Produkte wie Lammfleisch oder Rind stammen oft von der vorgelagerten kleinen Insel Öhe (Familie Schilling), wo nachhaltige Tierzucht betrieben wird und die Erzeugnisse in Hofläden und Gastronomie auf Hiddensee und Rügen vermarktet werden. Der wild wachsende Sanddorn prägt die Insel kulinarisch, wird aber nicht systematisch angebaut, sondern geerntet.

Die Landschaftspflege erfolgt durch die Nationalparkverwaltung. Beweidung mit Schafen oder Mahd hält die offenen Heide- und Wiesenflächen, die für seltene Pflanzen und Insekten essenziell sind. Dies verbindet Naturschutz mit traditioneller Nutzung.

Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft auf der Insel Hiddensee ist aufgrund der Zugehörigkeit zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft seit 1990 vollständig eingestellt und dient ausschließlich dem Naturschutz sowie der Erhaltung natürlicher Prozesse. Die Insel weist nur begrenzte bewaldete Flächen auf – vor allem im Hochland des Dornbuschs mit Kiefern, Buchen und windgeformten Gehölzen sowie vereinzelten Dünenkiefern –, die jedoch nicht wirtschaftlich genutzt werden. Historisch gab es auf Hiddensee keine intensive Forstwirtschaft: Wälder wurden im 17. Jahrhundert sogar niedergebrannt (unter Wallenstein, um Plünderungen zu verhindern), und die Nutzung beschränkte sich auf Brennholz oder kleinflächige Entnahmen für den Eigenbedarf der Fischer und Bewohner.

Mit der Ausweisung als Nationalpark wurde jede kommerzielle Holznutzung verboten. Im gesamten Schutzgebiet, einschließlich Hiddensee, gilt das Prinzip „Prozessschutz“: Die Natur entwickelt sich frei, tote Bäume bleiben liegen, und Eingriffe erfolgen nur zur Sicherung von Wegen oder zur Verhinderung von Gefahren. Ähnlich wie im Darßwald (wo seit 2017 keine Nutzung mehr stattfindet) führt allein die Natur Regie – keine Aufforstungen, keine Ernte, kein Waldumbau mit wirtschaftlichem Ziel. Frühere Maßnahmen wie Küstenschutz oder Pflege von Heideflächen dienen dem Habitatsschutz, nicht der Holzproduktion.

Handwerk

Handwerk spielt eine untergeordnete, aber wichtige Rolle und ist eng mit dem Tourismus und der Instandhaltung der Insel verknüpft. Es gibt nur wenige lokale Handwerksbetriebe, darunter Sanitär- und Heizungsinstallateure, Elektriker sowie Bau- und Renovierungsdienste, die vor allem Reetdachhäuser, Ferienwohnungen und Infrastruktur pflegen. Viele Aufträge werden von Handwerkern vom Festland (Strralsund) bzw. aus Rügen übernommen, da die Inselgröße und Bevölkerungszahl keine breite Vielfalt an Gewerben erlauben. Ergänzend gibt es künstlerisches Handwerk, wie Keramikwerkstätten oder maritimes Kunstgewerbe, das Souvenirs und Unikate für Touristen herstellt und den Ruf Hiddensees als Künstlerinsel unterstreicht.

Wasserwirtschaft

Die Wasserwirtschaft auf der Insel Hiddensee umfasst vor allem die Trinkwasserversorgung und die Abwasserbehandlung, die seit 2003 vom Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR) verantwortet werden. Der ZWAR versorgt die Inseln Rügen, Ummanz und Hiddensee gemeinsam und nutzt ausschließlich eigenes Grundwasser als Quelle. Dieses Grundwasser wird natürlich durch den Erdboden gefiltert und durch Mergel- sowie Tonschichten geschützt, was eine hohe Qualität gewährleistet. In den Wasserwerken entfernt man lediglich überschüssiges Eisen und Mangan, um den Geschmack nicht zu beeinträchtigen. Das Trinkwasser gelangt dann naturbelassen und hygienisch einwandfrei über das Leitungsnetz in die Haushalte.

Auf Hiddensee ist die Wasserversorgung jedoch begrenzt: Die tägliche Fördermenge ist auf etwa 850 Kubikmeter beschränkt, um eine Einsalzung der Grundwasservorräte durch eindringendes Brack- oder Salzwasser zu verhindern. Besonders in der Touristensaison führt der hohe Bedarf durch Besucher zu Engpässen, was in der Vergangenheit zu Baustopps für neue Gebäude geführt hat, da zusätzliche Anschlüsse die Ressourcen überfordern würden. Vorschläge für eine Meerwasserentsalzungsanlage (zum Beispiel durch Umkehrosmose) wurden diskutiert, etwa als Pilotprojekt mit einer Kapazität von 100 bis 200 Kubikmetern pro Tag, doch die Gemeindevertretung lehnte diese ab – unter anderem aufgrund von Bedenken zu Standort, Betrieb und Kosten.

Die Abwasserbehandlung erfolgt ebenfalls über den ZWAR, der umweltgerechte Kläranlagen betreibt. Der Anschlussgrad an das Trinkwassernetz liegt bei nahezu 100 Prozent, und regelmäßige Maßnahmen wie Rohrnetzspülungen sorgen für die Erhaltung der Qualität. Aufgrund der insularen Lage und des Naturschutzstatus (große Teile Hiddensees gehören zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft) steht Nachhaltigkeit im Vordergrund: Übermäßige Entnahmen werden vermieden, um das sensible Grundwassergleichgewicht zu schützen.

Energiewirtschaft

Der Netzbetreiber Hiddensees ist die E.DIS Netz GmbH (Teil der E.ON-Gruppe), die für Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zuständig ist. Die Insel ist nicht autark, sondern wird über ein Unterseekabel vom Festland (über Rügen) mit Strom versorgt. Dieses Seekabel hat in der Vergangenheit Störungen verursacht, die zu temporären Ausfällen führten, was die Anfälligkeit der insularen Versorgung unterstreicht. Notstromaggregate dienen als Backup in solchen Fällen.

Der jährliche Stromverbrauch auf Hiddensee liegt bei etwa 8,5 Millionen kWh (bei rund 1.150 Einwohnern), wobei der Bedarf in der Touristensaison stark ansteigt. Erneuerbare Energien spielen eine untergeordnete Rolle: Auf der Insel selbst gibt es keine großen Windkraftanlagen (aufgrund des Naturschutzstatus im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft) und nur begrenzte Photovoltaik-Installationen auf Dächern privater oder gewerblicher Gebäude. Größere Projekte wie Windparks sind ausgeschlossen, um Landschaft und Vogelschutz zu wahren.

Ambitionierte Pläne existieren jedoch lokal: Für den Hafen Vitte wurde ein Konzept zur energieautarken Bewirtschaftung diskutiert, das Photovoltaik, Windenergie (in kleinem Maßstab) und möglicherweise Biogas kombinieren soll, um den ersten klimaneutralen Hafen in der Ostsee zu schaffen. Solche Initiativen stehen jedoch vor Herausforderungen durch strenge Umweltauflagen.

Abfallwirtschaft

Die Abfallwirtschaft auf Hiddensee ist aufgrund der Insellage, des hohen Naturschutzstatus und der starken touristischen Prägung besonders organisiert und auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Da die Insel autofrei ist und große Entsorgungsanlagen fehlen, müssen Abfallvermeidung, Trennung und der Abtransport auf das Festland sorgfältig geplant werden.

Historisch spielte Abfallentsorgung auf Hiddensee nur eine geringe Rolle, da überwiegend organische Abfälle anfielen, die wiederverwertet oder einfach entsorgt werden konnten. Mit dem zunehmenden Tourismus im 20. Jahrhundert und dem veränderten Konsumverhalten stieg jedoch die Menge an Haus- und Gewerbeabfällen deutlich an. Dies machte eine geregelte Abfallwirtschaft notwendig, um Umweltbelastungen zu vermeiden und das empfindliche Ökosystem der Insel zu schützen.

Heute erfolgt die Abfallentsorgung auf Hiddensee nach klaren Vorgaben. Haushalte, Beherbergungsbetriebe und Geschäfte sind zur Mülltrennung verpflichtet. Getrennt gesammelt werden unter anderem Restmüll, Bioabfälle, Papier, Glas und Verpackungen. In den Ortschaften gibt es Sammelstellen und Wertstoffcontainer, die regelmäßig geleert werden. Der gesammelte Abfall wird per Schiff auf das Festland transportiert und dort weiterverarbeitet oder entsorgt.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Abfallvermeidung. Durch Informationsangebote für Einwohner und Gäste wird zu umweltbewusstem Verhalten, Mehrwegverpackungen und sparsamen Konsum angehalten. Viele gastronomische Betriebe und Unterkünfte setzen auf nachhaltige Konzepte, um Müllmengen zu reduzieren. Auch Strandreinigungen und Maßnahmen gegen Meeresmüll spielen eine wichtige Rolle.

Handel

Der Handel auf Hiddensee ist stark von der Insellage, der geringen Einwohnerzahl und dem Tourismus geprägt. Große Einkaufszentren oder überregionale Handelsketten gibt es auf der Insel nicht. Stattdessen wird der Handel von kleinen, meist familiengeführten Geschäften bestimmt, die sich auf die Grundversorgung der Bevölkerung sowie auf die Bedürfnisse der Urlaubsgäste konzentrieren.

Historisch war der Handel auf Hiddensee eng mit der Selbstversorgung verbunden. Viele Waren wurden auf dem Festland eingekauft oder getauscht, während lokale Produkte wie Fisch, landwirtschaftliche Erzeugnisse oder handwerkliche Arbeiten direkt auf der Insel gehandelt wurden. Mit dem wachsenden Tourismus im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich allmählich ein vielfältigeres Angebot an Geschäften und Dienstleistungen.

Heute gibt es auf Hiddensee in den größeren Orten wie Vitte, Kloster und Neuendorf kleine Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien und Kioske, die den täglichen Bedarf decken. Ergänzt wird dieses Angebot durch Souvenirläden, Buchhandlungen, Galerien und Kunsthandwerksbetriebe, die das kulturelle und künstlerische Profil der Insel widerspiegeln. Besonders Produkte mit regionalem Bezug, wie handgefertigte Keramik, Kunstwerke oder maritime Andenken, spielen eine wichtige Rolle.

Der Handel ist stark saisonabhängig. Während der Sommermonate, wenn viele Gäste auf der Insel sind, erweitern zahlreiche Geschäfte ihr Angebot und ihre Öffnungszeiten. In den Wintermonaten hingegen ist das Angebot deutlich eingeschränkter und richtet sich vor allem an die einheimische Bevölkerung. Die Belieferung der Geschäfte erfolgt überwiegend über den Hafen und ist von Wetter- und Fährverbindungen abhängig.

Finanzwesen

Das Finanzwesen auf Hiddensee ist aufgrund der geringen Einwohnerzahl, der Insellage und der besonderen Schutzbestimmungen überschaubar und stark auf die Grundversorgung der Bevölkerung sowie auf den Tourismus ausgerichtet. Große Finanzinstitute oder ein dichtes Netz an Bankfilialen gibt es auf der Insel nicht. Stattdessen übernehmen wenige regionale Banken und moderne digitale Angebote die finanzielle Versorgung.

Historisch spielte das Bankwesen auf Hiddensee nur eine untergeordnete Rolle. Die Bevölkerung lebte lange Zeit vor allem von Fischerei, Landwirtschaft und später vom Tourismus, sodass einfache Spar- und Kreditmöglichkeiten ausreichten. Finanzgeschäfte wurden häufig über Banken auf dem Festland, insbesondere in Stralsund oder Bergen auf Rügen, abgewickelt. Mit der besseren Verkehrsanbindung und der wirtschaftlichen Entwicklung wuchs jedoch der Bedarf an geregelten Bankdienstleistungen.

Heute gibt es auf Hiddensee in der Regel keine klassischen Bankfilialen mit umfassendem Service. Stattdessen sind Geldautomaten regionaler Banken vorhanden, die vor allem in den größeren Orten wie Vitte oder Kloster zu finden sind. Diese werden hauptsächlich von Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken betrieben, die traditionell eine starke Rolle in ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns spielen. Persönliche Beratungsgespräche finden meist auf dem Festland statt oder werden telefonisch und online geführt.

Eine zunehmend wichtige Rolle spielt das Online-Banking. Viele Einwohnerinnen und Einwohner sowie touristische Betriebe nutzen digitale Bankdienstleistungen, um Überweisungen, Zahlungen und Kontoverwaltung unabhängig vom Standort zu erledigen. Gerade für Pensionen, Hotels und gastronomische Betriebe ist der bargeldlose Zahlungsverkehr heute unverzichtbar, auch wenn Bargeld auf der Insel weiterhin eine wichtige Rolle spielt.

Soziales und Gesundheit

Die autofreie Insel fördert ein enges Miteinander: Nachbarschaftshilfe, Vereinsleben und gemeinsame Veranstaltungen wie Feste, Konzerte oder Märkte stärken den Zusammenhalt. Viele Bewohner kennen sich persönlich, und das soziale Netz basiert auf Traditionen der Fischerei und des Tourismus. Vereine wie der Schulförderverein Hiddensee e.V., der Förderverein der Inselkirchen oder kulturelle Initiativen (zum Beispiel rund um das Heimatmuseum oder die Seebühne) organisieren Aktivitäten, die Jung und Alt verbinden. In der DDR-Zeit und nach der Wende blieb die Insel ein Ort solidarischer Gemeinschaft, heute ergänzt durch ehrenamtliches Engagement in Naturschutz, Kirche und Kultur.

Pflegebedürftige Senioren leben meist zu Hause mit Unterstützung von Angehörigen oder externen Diensten, oder sie ziehen aufs Festland. Angebote wie Verhinderungspflege im Urlaub (zum Beispiel durch Ferienwohnungen mit Betreuung) ermöglichen jedoch Aufenthalte für Pflegebedürftige.

Gesundheitswesen

Die medizinische Versorgung ist auf die Insellage abgestimmt und wird seit den 1920er Jahren durch die Kurtaxe finanziert, die ursprünglich die Stationierung eines ständigen Arztes ermöglichte. Heute gibt es eine moderne Arztpraxis in Vitte mit Dr. med. Ulf Müller (Facharzt für Allgemeinmedizin, Anästhesiologie und Notfallmedizin), der Einwohner und Urlauber betreut. Physiotherapie (zum Beispiel Insel Aktiv in Neuendorf) und Wellnessangebote ergänzen das Spektrum. Es gibt keine eigene Apotheke – Rezepte werden über eine Sammelstelle in Vitte an eine Partnerapotheke auf Rügen weitergeleitet und per Fähre geliefert. Im Notfall sorgt die Johanniter-Rettungswache in Vitte rund um die Uhr für schnelle Hilfe; schwere Fälle werden per Hubschrauber oder Boot auf das Festland verlegt. Die Badewasserqualität wird regelmäßig vom Gesundheitsamt geprüft, und die reine Luft sowie die natürliche Umgebung wirken sich positiv auf das Wohlbefinden aus. Chronische Erkrankungen werden durch den Inselarzt und ambulante Dienste betreut. Es gibt keine stationären Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Altenheime auf der Insel selbst.

Krankheiten

Bis ins 19. Jahrhundert traten auf Hiddensee, wie in vielen Küstenregionen, häufig Krankheiten wie Tuberkulose, Lungenentzündungen, Typhus und andere fieberhafte Infektionen auf. Die feuchte Seeluft, kalte Winter und einfache Unterkünfte begünstigten insbesondere Atemwegserkrankungen. Auch Mangelernährung führte zu geschwächtem Immunsystem und erhöhter Krankheitsanfälligkeit, vor allem bei Kindern und älteren Menschen. Medizinische Hilfe war nur begrenzt verfügbar; Ärzte mussten oft vom Festland kommen, was die Versorgung erschwerte.

Mit dem Aufkommen des Badetourismus im späten 19. Jahrhundert gewann Hiddensee zugleich den Ruf eines Erholungs- und Luftkurortes. Die jodhaltige Seeluft und das milde Reizklima galten als förderlich bei Lungen- und Nervenerkrankungen. Viele Gäste kamen zur Kur oder zur Erholung auf die Insel, was langfristig auch zu einer besseren hygienischen Versorgung und medizinischen Infrastruktur beitrug.

Heute unterscheidet sich die Krankheitssituation auf Hiddensee kaum von anderen ländlichen Regionen. Häufig sind altersbedingte Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Leiden, Atemwegserkrankungen sowie saisonale Infekte. Durch den Tourismus treten in den Sommermonaten vermehrt kleinere Verletzungen oder hitzebedingte Beschwerden auf. Die medizinische Versorgung erfolgt über eine Arztpraxis auf der Insel sowie über Notfall- und Fachversorgung auf dem Festland.

Bildung

Auf der Insel wird seit 1788 unterrichtet. Am Anfang übernahm dies der Küster. Die erste Schulein Vitte wurde am 2. November 1887 gegründet. 1990 wurde die Vitter Schule zu einer Realschule. Zurzeit werden rund 50 Schüler in der ersten bis zehnten Klasse unterrichtet.

Höhere Bildung und Wissenschaft

Im Jahr 1992 wurden die Forschungseinrichtungen „Versuchsstelle Schwedenhagen“ des Berliner Zentralinstitutes für Elektronenphysik und die „Versuchsstelle Fährinsel“ des Jenaer Zentralinstitutes für Mikrobiologie und experimentelle Therapie aufgegeben.

Orte wie die Jugendstilvilla Lietzenburg in Kloster (erbaut 1904/05 von Oskar Kruse) dienen heute als Veranstaltungsorte für Kunstkurse, Malworkshops und kulturelle Seminare. Plattformen wie kukundo.de listen regelmäßig Kurse in der Lietzenburg, die von Malerei über Zeichnen bis zu kreativen Atelierarbeiten reichen. Ähnlich werden historische Künstlerhäuser wie das Henni-Lehmann-Haus oder die Blaue Scheune für Lesungen, Vorträge und bildende Programme genutzt.

Die Gegenwart ist geprägt von Bildungsurlauben und Seminaren: Viele Anbieter organisieren mehrtägige Aufenthalte zu Themen wie Achtsamkeit, Yoga, Tanz (zum Beispilel im Rahmen der Palucca-Tanzwoche), Naturbeobachtung, literarische Führungen oder persönliche Entwicklung. Beispiele sind Seminare zur Ressourcenstärkung, Yoga-Retreats oder kulturelle Exkursionen, die oft als anerkannter Bildungsurlaub gelten und die heilende Wirkung der Insellandschaft einbeziehen. Veranstaltungen finden in Häusern wie dem Gerhart-Hauptmann-Haus, dem Ostseesaal oder privaten Locations statt und werden durch lokale Initiativen wie Hiddenseekultur.de oder private Dozenten koordiniert.

Ergänzt wird dies durch informelle Bildung: Geführte Touren zur Inselgeschichte, Architektur (zum Beispiel zur Lietzenburg oder Groot Partie) oder Kunst sowie Vorträge zu Themen wie Nachhaltigkeit und Kultur. Die Inselkirche, das Heimatmuseum und Galerien bieten ebenfalls bildende Programme.

Bibliotheken und Archive

Die zentrale bibliothekarische Einrichtung ist die Inselbibliothek im Henni-Lehmann-Haus in Vitte (Wiesenweg 2). Das ehemalige Wohnhaus der Malerin und Künstlerinnenbund-Gründerin Henni Lehmann wurde nach umfangreichen Umbauten seit 2000 als Haus des Gastes genutzt und beherbergt im Erdgeschoss die kommunale Bibliothek. Sie bietet eine Vielfalt an Büchern – von Insel-Literatur und Regionalgeschichte über Romane bis zu Kinderbüchern – und ist besonders für Kurgäste kostenfrei nutzbar (gegen Kurkarte und Pfand). Die Bibliothek dient auch als Ort für Vorträge, Lesungen und kulturelle Veranstaltungen und knüpft damit an die Tradition der literarisch-musikalischen Soireen Henni Lehmanns an.

Archive und sammlungsbasierte Bibliotheken finden sich vor allem in den Museen: Das Heimatmuseum Hiddensee in Kloster (Kirchweg 1) verfügt über ein umfangreiches Archiv mit ca. 6 Laufmetern Akten, rund 2.500 Fotografien, Postkarten, Dias, einer Handbibliothek, Pressespiegel und Druckschriften. Es ist die erste Adresse für Recherche zur Inselgeschichte, wenngleich der Archivteil derzeit für die öffentliche Benutzung gesperrt ist – Anfragen werden jedoch bearbeitet. Ergänzt wird dies durch die Dauerausstellung und Sonderausstellungen zur Natur- und Kulturgeschichte.

Im Gerhart-Hauptmann-Haus (Seedorn) in Kloster befindet sich eine originale Bibliothek mit über 1.000 Bänden aus dem Besitz des Nobelpreisträgers, die im authentisch erhaltenen Arbeitszimmer besichtigt werden kann. Das Haus dokumentiert zudem Hauptmanns Leben und Werk auf Hiddensee. Das Asta-Nielsen-Haus „Karusel“ in Vitte enthält eine kleine Ausstellung zu Leben und Wirken der Stummfilmdiva und des Architekten Max Taut, jedoch keine dedizierte Bibliothek oder Archiv.

Heute werden diese Einrichtungen durch den Förderverein des Heimatmuseums und die Kurverwaltung gepflegt; digitale Ergänzungen wie Online-Kataloge fehlen aufgrund der Insellage weitgehend. Die Bibliothek und Archive dienen als Brücke zur reichen Künstlervergangenheit und laden zur vertieften Auseinandersetzung mit der Insel ein.

Kultur

Die Insel Hiddensee genoss ab Anfang des 20. Jahrhunderts den Ruf einer Künstlerkolonie. Künstler aller Art verbrachten hier die Sommermonate und hielten ihre Eindrücke in ihrer Arbeit fest. Auch während der Zeit der DDR hielten sich zahlreiche Künstler regelmäßig auf Hiddensee auf und reflektierten den Alltag und die einmalige Landschaft in ihren Gemälden, Blättern und Büchern. Des Weiteren gibt es ein Zeltkino und die Seebühne (Figurentheater) in Vitte und die Galerien Am Seglerhafen in Vitte und Am Torbogen in Kloster.

Museen

Das Heimatmuseum Hiddensee ist ein schlichter Putzbau in Kloster. Es bietet eine Dauerausstellung zur Inselgeschichte mit etwa 450 Ausstellungsgegenständen, Akten, etwa 2.500 Fotografien, Postkarten und Dias sowie eine umfangreiche Bibliothek. Einige Werke bekannter Vertreter der Künstlerkolonie Hiddensee befinden sich ebenfalls im Bestand des Museums. Im Gebäude befindet sich auch die Ausstellung zu den Klostergrabungen im Jahr 2008 und die Sonderausstellung zum 100. Geburtstag von Eggert Gustavs (Stand 2008).

In den Jahren 2006/07 wurde ein ehemaliger Netz- und Geräteschuppen in Neuendorf zum Fischereimuseum Lütt Partie (Kleine Einheit) umgebaut. Der Name ist noch aus Zeiten, als er noch in seiner damaligen Bestimmung war. Es gab damals einen großen und einen kleinen Netz- bzw. Geräteschuppen, der eine hieß im Volksmund Grod Partie, der kleinere Lütt Partie. Seit 2007 präsentieren und erklären Fischer der Insel dort Fischereigeräte und erzählen zur Fischereigeschichte und Geschichten aus dem Arbeitsalltag von früher und heute.

Das Nationalparkhaus im Norden von Vitte wurde 1998 eröffnet. Es ist ein reetgedecktes Gebäude mit trapezförmigem Grundriss. Es beinhaltet eine Dauerausstellung über den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft mit dem Schwerpunkt Hiddensee. Die Ausstellung steht unter dem Leitspruch „Panta Rhei – Alles fließt“.

Architektur

Im Norden der Insel, auf dem Schluckswiek im sogenannten Hochland von Hiddensee, steht das Wahrzeichen der Insel, der Hiddenseer Leuchtturm. 102 Stufen führen in den seit 1994 für Besucher offenen Turm. Damit es dort oben nicht zu eng wird, können jedoch nur 15 Besucher gleichzeitig den Turm besteigen. Ab Windstärke 6 bleibt der Turm aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Gerhart Hauptmann erwarb 1930 das ehemalige Haus Seedorn in Kloster. Heute befindet sich darin ein Museum, das soigenannte Gerhard Hauptmann-Haus, und es ist Schauplatz für Kulturveranstaltungen.

Die Inselkirche Hiddensee in Kloster ist Teil eines ehemaligen Klosters. Sie wurde im Jahre 1332 geweiht und diente jahrhundertelang als Pfarrkirche für die Bewohner der Insel. Heute ist die Inselkirche Sitz der evangelischen Kirchengemeinde Hiddensee.

Die Lietzenburg ist eine unter Denkmalschutz stehende Jugendstilvilla, die der Maler Oskar Kruse in den Jahren 1904/05 errichten ließ. Sie ist ein Backsteinbau mit Natursteinfundament auf einem Hügel in der Nähe des Dornbuschs.

Eine Sehenswürdigkeit in Vitte ist das Asta-Nielsen-Haus. Das runde Gebäude, nach dem dänischen Wort für Karussell auch Karusel genannt, wurde von Asta Nielsen bewohnt.

Die Blaue Scheune in Vitte ist in ihrer ursprünglichen Anlage ein niederdeutsches Fachhallenhaus aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Derzeit beherbergt es die Galerie des Besitzers Günter Fink.

Das ebenfalls in Vitte befindliche Landhaus Lehmann wurde von 1907 bis 1937 als Sommersitz der Familie Henni Lehmann genutzt. Entworfen wurde der Bau durch den Schweriner Architekten Paul Ehmig. Danach erfolgte ein Umbau und seitdem wurde das Gebäude als Ratshaus von Vitte bis 1991 genutzt. Seit 5. Juni 2000 heißt das Haus offiziell Henni-Lehmann-Haus und wird für Veranstaltungen und Ausstellungen sowie die örtliche Bibliothek genutzt.

Damit auch in Neuendorf das Abhalten von Gottesdiensten möglich wurde, hat man vor einigen Jahren das Gemeindehaus „Uns Tauflucht“ (Unsere Zuflucht) neu errichtet. Neben ökumenischen Gottesdiensten wird es aber auch für Gemeindeveranstaltungen wie Vorträge und Konzerte genutzt.

Bildende Kunst

Die bildende Kunst auf der Insel Hiddensee ist eng mit ihrer Geschichte als Künstlerkolonie verknüpft, die seit dem späten 19. Jahrhundert besteht und die Insel zu einem bedeutenden Ort der deutschen Kunstgeschichte macht. Die einzigartige Landschaft – mit weiten Dünen, klarem Licht, der Ostsee und der unberührten Natur – zog bereits früh Maler an, die hier Inspiration suchten. Der Klassizist Jakob Philipp Hackert besuchte Hiddensee bereits 1764 und gilt als einer der ersten, der die Region für die Landschaftsmalerei entdeckte. Im 19. Jahrhundert folgten Künstler wie Oskar Kruse, der 1904 die Jugendstilvilla Lietzenburg in Kloster errichtete und einen Kreis von Malern, Schriftstellern und Schauspielern um sich scharte. Damit legte er den Grundstein für die Blütezeit der Künstlerkolonie um 1900.

Besonders prägend war die Rolle von Malerinnen, die Hiddensee zu einem Zentrum der frühen Frauenemanzipation in der Kunst machten. Elisabeth Büchsel entdeckte die Insel 1904 und malte bis ins hohe Alter impressionistische Landschaften mit dem charakteristischen silberhellen Licht der Ostsee. Henni Lehmann, Clara Arnheim und Käthe Löwenthal gründeten 1919 den Hiddensoer Künstlerinnenbund, einen einzigartigen Zusammenschluss professioneller Malerinnen, der sich gegen den abwertenden Begriff der „Malweiber“ abhob und ernsthafte Kunstproduktion betonte. Bis zu 16 Frauen gehörten ihm an, darunter Julie Wolfthorn, Dorothea Stroschein und Elisabeth Andrae. Ihr Treffpunkt war die Blaue Scheune in Vitte, ein ehemaliger Reetdachschuppen, der zu Ausstellungen und gemeinsamen Arbeiten diente und heute eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel ist.

Auch Expressionisten wie Erich Heckel und Otto Mueller aus der Gruppe Die Brücke ließen sich von Hiddensee inspirieren und schufen Werke, die die wilde Natur der Insel einfingen. In den 1920er und 1930er Jahren wurde Hiddensee zum Refugium für die Berliner Avantgarde, doch viele Künstlerinnen wurden durch den Nationalsozialismus vertrieben oder ermordet, was den Bund auflöste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und in der DDR-Zeit blieb die Insel ein Ort für Künstler, wenngleich unter veränderten Bedingungen. Heute lebt die Tradition fort: Zeitgenössische Malerinnen wie Ulrike Northing, die seit 2007 fest auf der Insel lebt, oder Torsten Schlüter fangen in ihren Werken das maritime Licht und die Landschaft ein. Galerien wie die Galerie am Hügel in Kloster, das Kunst-Café Meersaal in Neuendorf oder Ateliers in Vitte bieten Ausstellungen von Malerei, Skulptur und Kunsthandwerk. Das Heimatmuseum in Kloster zeigt historische Exponate zur Inselkunst, das Gerhart-Hauptmann-Haus und das Asta-Nielsen-Haus „Karusel“ dokumentieren das Leben verbundener Künstlerpersönlichkeiten, und der Kunstverein Hiddensee setzt sich für den Erhalt des künstlerischen Erbes ein.

Literatur

Gerhart Hauptmann, der Nobelpreisträger für Literatur, entdeckte Hiddensee 1885 bei seinem ersten Besuch und machte sie zu seiner lebenslangen Wahlheimat. In jener Julinacht entstand sein berühmtes Gedicht „Mondscheinlerche“, und er verbrachte bis 1943 fast jeden Sommer hier, ab 1930 im Haus „Seedorn“ in Kloster, das er zu einem Zentrum geselliger Abende mit Wein und philosophischen Gesprächen machte. Hauptmann nannte die Insel das „geistigste aller deutschen Seebäder“ und ließ sich 1946 auf dem Inselfriedhof in Kloster beisetzen. Sein Drama „Gabriel Schillings Flucht“ spiegelt die Inselatmosphäre wider, und das erhaltene Haus Seedorn ist heute eine Gedenkstätte mit Ausstellungen zu seinem Leben und Werk.

In den 1920er und 1930er Jahren wurde Hiddensee zum Treffpunkt der Berliner Avantgarde. Thomas Mann verbrachte 1924 gemeinsam mit Hauptmann einen Sommer im „Haus am Meer“ in Kloster – eine Begegnung, die von Eitelkeiten geprägt war und Spuren in Manns „Zauberberg“ hinterließ. Joachim Ringelnatz war häufiger Gast bei der Stummfilmdiva Asta Nielsen in ihrem runden Haus „Karusel“ in Vitte, das zum Salon für Dichter, Schauspieler und Maler wurde. Hans Fallada vollendete hier seinen Roman „Kleiner Mann – was nun?“, Gottfried Benn und Carl Zuckmayer spazierten über die Strände, und weitere Besucher wie Else Lasker-Schüler, Klaus Mann oder Albert Einstein suchten Inspiration in der Abgeschiedenheit. Henni Lehmann, Malerin und Schriftstellerin, veranstaltete literarische und musikalische Abende in ihrem Haus in Vitte.

Der Nationalsozialismus beendete diese Blütezeit abrupt: Viele Künstler flohen oder wurden vertrieben, Asta Nielsen kehrte 1936 nach Dänemark zurück. In der DDR-Zeit blieb Hiddensee ein Rückzugsort für Autoren wie Hanns Cibulka oder Günter Kunert, die die Insel in Gedichten und Prosatexten besangen. Nach der Wende belebte Lutz Seilers Roman „Kruso“ (2014) die literarische Tradition neu und machte Hiddensee wieder zu einem Sehnsuchtsort in der Gegenwartsliteratur.

Heute lebt die literarische Szene fort: Das Gerhart-Hauptmann-Haus beherbergt Lesungen zeitgenössischer Autoren wie Christoph Hein, Ingo Schulze oder Jakob Hein, das Asta-Nielsen-Haus „Karusel“ ist zugänglich und erinnert an die glamouröse Vergangenheit. Literarische Führungen, etwa von Ute Fritsch, spüren den Spuren berühmter Schriftsteller nach, und Bücher wie Ulrike Draesners „Mein Hiddensee“ oder Krimis, die auf der Insel spielen, halten die Tradition am Leben. Hiddensee bleibt ein Ort, an dem Literatur durch die Harmonie von Meer, Dünen und Stille entsteht – ein Mikrokosmos deutscher Geistesgeschichte, der bis in die Gegenwart Kreative anzieht.

Theater

Der Regisseur Max Reinhardt war häufiger Gast bei Oskar Kruse und Gerhart Hauptmann, und Schauspieler wie Heinrich George oder Gret Palucca nutzten die Abgeschiedenheit für Erholung und kreative Treffen. In der DDR-Zeit blieb Hiddensee ein Rückzugsort für Künstler, wenngleich unter staatlicher Kontrolle; das Zeltkino in Vitte, seit 1963 betrieben, zeigte Filme und bot Raum für kulturelle Veranstaltungen.

Heute lebt die Theatertradition vor allem in der Seebühne Hiddensee fort, einem einzigartigen maritimen Kammertheater in Vitte. Gegründet 1997 von dem Puppenspieler Karl Huck und seiner Frau Wiebke Volksdorf aus dem Berliner Figurentheater „Homunkulus“ hervorgegangen, hat sich die Seebühne zu einem der originellsten kleinen Theater im deutschsprachigen Raum entwickelt. In einem ehemaligen Fischerschuppen inszeniert Huck mit Marionetten und Figuren Klassiker der Weltliteratur – von Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ über Goethes „Faust“ bis zu Märchen für Kinder und Erwachsene. Das Theater gastierte international und erhielt 2023 den Martin-Linzer-Theaterpreis. Ergänzt wird es durch die Figurensammlung „Homunkulus“, eine Wunderkammer mit hunderten Puppen, Requisiten und historischen Exponaten.

Film

In den 1920er und 1930er Jahren wurde die Insel zum Sommerdomizil der Berliner Theater- und Filmelite. Die legendäre Stummfilmdiva Asta Nielsen, eine der ersten internationalen Stars des Kinos, erwarb 1925 das runde Haus „Karusel“ in Vitte, das der Architekt Max Taut entworfen hatte. Es wurde zum lebendigen Salon: Hier trafen sich Schauspieler wie Heinrich George, Paul Wegener oder Helene Weigel, Dichter wie Joachim Ringelnatz und Regisseure zu geselligen Abenden, Lesungen und improvisierten Aufführungen. Nielsen, die in über 70 Filmen spielte und als Pionierin des expressionistischen Schauspiels gilt, verbrachte bis 1936 ihre Sommer auf Hiddensee; nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verließ sie Deutschland endgültig. Ihr Haus „Karusel“ ist heute eine Gedenkstätte mit Ausstellung zu ihrem Leben und Werk, in der gelegentlich Stummfilme mit ihr gezeigt werden und theaterähnliche Veranstaltungen stattfinden, etwa Lesungen oder performative Führungen wie „Asta Asta Asta“.

Im Film spiegelt sich Hiddensee heute als Sehnsuchts- und Freiheitsort wider: Die Insel diente als Drehort für Werke wie das Fluchtdrama „Über die Ostsee in die Freiheit“ (2007), den Horror-Thriller „Du hast es versprochen“ (2012) oder die Verfilmung von Lutz Seilers Roman „Kruso“ (2018), der die Aussteiger-Szene kurz vor der Wende einfängt. Dokumentarfilme wie der DEFA-Kurzfilm „Hiddensee“ (1957) oder neuere Produktionen unterstreichen ihre visuelle Magie.

Musik und Tanz

er Blütezeit der Künstlerkolonie um 1900 bis 1930 bereicherten musikalische Abende das gesellige Leben. Die Malerin, Schriftstellerin und Musikerin Henni Lehmann veranstaltete ab 1907 in ihrem Haus in Vitte regelmäßig literarisch-musikalische Soireen, die Maler, Dichter und Schauspieler zusammenbrachten. Auch Anna Muthesius, Ehefrau des Architekten Hermann Muthesius, förderte mit ihren musikalischen Abenden das kulturelle Leben auf der Insel. Albert Einstein, häufiger Gast seit 1919, lud gelegentlich zu privaten Musikabenden ein, bei denen er selbst Violine spielte.

Besonders prägend für den Tanz war die Expressionistin Gret Palucca, eine der bedeutendsten Pionierinnen des modernen Ausdruckstanzes. Sie entdeckte Hiddensee 1948, kaufte 1960 ein kleines Bauhaus-Stil-Haus in Vitte direkt am Deich und verbrachte hier bis zu ihrem Tod 1993 ihre Sommer. Die Insel bot ihr Ruhe, Inspiration und Raum für Improvisationen – sie nannte Hiddensee ihre „Heimat“ und ließ sich auf dem Inselfriedhof in Kloster beisetzen. Ihr leichter, musikalisch-freudiger Stil des „Neuen Künstlerischen Tanzes“ wurzelte tief in der Inselnatur.

Der Nationalsozialismus und später die DDR-Zeit unterbrachen die offene Szene, doch Hiddensee blieb ein Rückzugsort für Künstler. In der Nachwendezeit belebten sich Musik und Tanz neu: Das Duo CEEYS (Brüder Sebastian und Daniel Selke) widmete 2019 der Insel ein ganzes Album „Hiddensee“, das Erinnerungen an die DDR-Zeit mit ambienter Cellomusik verknüpft.

Die jährliche Palucca-Tanzwoche (seit 1997, organisiert von der Palucca Hochschule für Tanz Dresden) vereint seit Jahrzehnten Natur und Tanz – Studierende performen an Stränden, Häfen, Deichen und vor historischen Orten wie Paluccas Grab oder der Seebühne, oft mit Improvisationen und Hommagen an die Meisterin. Konzerte finden in Häusern wie dem Henni-Lehmann-Haus (Jazz, Folk, Klassik), im Gerhart-Hauptmann-Haus, in der Inselkirche oder im Ostseesaal statt, ergänzt durch Lesungen mit musikalischer Begleitung und gelegentliche Open-Air-Events. Tanzabende im Ostseesaal oder performative Führungen halten die lebendige Symbiose von Bewegung und Musik am Leben.

Kleidung

Die traditionelle Kleidung auf Hiddensee ist der pommerschen beziehungsweise rügenschen Tracht zuzuordnen, da die Insel historisch zu dieser Region gehört. Eine eigenständige Hiddensee-Tracht im engeren Sinn gab es nicht, vielmehr trugen die Bewohner Varianten der vorpommerschen Trachten, die an die besonderen Lebensbedingungen der Insel angepasst waren. Die Kleidung war überwiegend schlicht, funktional und für das Leben von Fischern und Seeleuten geeignet.

Frauen trugen meist lange, dunkle Röcke aus Wolle oder schwerem Stoff, dazu weiße Leinenblusen mit langen Ärmeln. Darüber wurde häufig ein Mieder oder eine kurze Jacke getragen, ergänzt durch eine Schürze, die oft gestreift oder dezent gemustert war. Eine wichtige Rolle spielte die Kopfbedeckung: Verheiratete Frauen trugen Hauben oder Tücher, während unverheiratete Frauen ihre Haare offen oder mit einfachen Bändern geschmückt trugen. Schmuck war selten und zurückhaltend.

Die Männerkleidung bestand aus einem weißen Leinenhemd, einer Weste und einer dunklen Hose, entweder als Kniebundhose oder in langer Form. Dazu trugen die Männer Strümpfe, feste Schuhe sowie eine Mütze oder einen Filzhut. Auch hier stand Zweckmäßigkeit im Vordergrund, da die Kleidung dem rauen Klima und der körperlichen Arbeit angepasst sein musste.

Kulinarik und Gastronomie

Die Küche der Insel ist regional, saisonal und nachhaltig: Frischer Fisch direkt von den lokalen Kutterfischern, Wildkräuter aus den Dünen und Produkte aus der Umgebung stehen im Mittelpunkt. Besonders charakteristisch ist der Sanddorn, die „Zitrone des Nordens“, die wild auf der Insel wächst und zu Säften, Likören, Marmeladen, Eis oder der beliebten Sanddorntorte verarbeitet wird – ein vitaminreiches Symbol für Hiddensee.

Klassische Gerichte umfassen gebratenen oder geräucherten Fisch wie Dorsch, Scholle, Hering, Zander oder Makrele, oft als Pfannenfisch, Backfisch oder in Soljanka. Fischbrötchen mit Bismarckhering oder Räucherfisch sind ein schneller Inselklassiker, den man an Imbissen oder direkt am Hafen genießt. Ergänzt wird das Angebot durch Fleisch von der benachbarten Insel Öhe (Lammstelzen oder Rind) sowie vegetarische Varianten mit regionalem Gemüse und Kräutern aus eigenen Hochbeeten.

Die Gastronomie spiegelt die entspannte Inselatmosphäre wider: Viele Restaurants und Cafés liegen mit Terrassen am Hafen, Bodden oder Strand und bieten Blick auf Meer und Dünen. Beliebte Adressen sind das Das Rote Haus in Vitte mit moderner Ostseeküche (Hiddenseer Dorschtopf, Öhe-Lamm), der Hafenkater am Hafen von Vitte für frischen Fisch und Burger aus regionalem Rind, Zur Boje in Neuendorf mit reichhaltigem Fischangebot oder die Stranddistel in Neuendorf für gemütliche Abende. In Kloster locken Orte wie die Bilderkneipe oder Cafés mit Kunst und regionalen Speisen, während Buhne XI in Vitte strandnah Hausmannskost serviert. Dazu kommen Pension und Restaurant Wieseneck, Gasthaus und Pension „Zum Hiddenseer“ sowie das Gasthaus und Cafe Rosi.

Festkultur

Auf Hiddensee gelten die deutschen Feiertage:

  • Neujahr – 1. Januar
  • Internationaler Frauentag – 8. März
  • Karfreitag – beweglicher Feiertag (März/April)
  • Ostersonntag – beweglicher Feiertag
  • Ostermontag – beweglicher Feiertag
  • Tag der Arbeit – 1. Mai
  • Christi Himmelfahrt – beweglicher Feiertag (Mai)
  • Pfingstsonntag – beweglicher Feiertag
  • Pfingstmontag – beweglicher Feiertag
  • Tag der Deutschen Einheit – 3. Oktober
  • Reformationstag – 31. Oktober
  • 1. Weihnachtstag – 25. Dezember
  • 2. Weihnachtstag – 26. Dezember

Medien

Das zentrale lokale Medium ist die Inselzeitung-Hiddensee (inselzeitung-hiddensee.de), die seit 2018 als offizielles Amtsblatt der Gemeinde Seebad Insel Hiddensee erscheint. Sie informiert über Beschlüsse der Gemeindevertretung, Ausschüsse, Veranstaltungen, Inselleben und aktuelle Themen wie Tourismus oder Infrastruktur. Die Zeitung wird gedruckt verteilt und online bereitgestellt und dient als primäre Informationsquelle für Bewohner und Gäste.

Regionale Printmedien erreichen die Insel vor allem über die Ostsee-Zeitung (OZ), die aus Stralsund/Rügen kommt und regelmäßig über Hiddensee berichtet (z. B. zu Politik, Tourismus, Natur oder Vorfällen). Überregionale Zeitungen wie Berliner Zeitung oder andere berichten gelegentlich, besonders zu kulturellen Themen (Künstlergeschichte, Leuchtturm).

Radio und Fernsehen sind rein empfangsbasierend: Bewohner und Touristen nutzen regionale Sender wie NDR 1 Radio MV oder das NDR-Fernsehen, die häufig Beiträge über Hiddensee senden (z. B. in Sendungen wie „Landpartie im Norden“, „Nordstory“ oder „mareTV“). Hiddensee ist ein beliebtes Motiv für Reportagen über Natur, Künstler (unter anderem Gerhart Hauptmann und Asta Nielsen) oder Inselleben. Es gibt keinen lokalen Radiosender; Empfang erfolgt über Antenne, Satellit oder Streaming.

Die Internetversorgung hat sich in den letzten Jahren stark verbessert: Seit dem geförderten Breitbandausbau (durch Zweckverband ZWAR, mit Bundes- und Landesmitteln) ist Glasfaser flächendeckend verfügbar, was schnelles Internet ermöglicht. Frühere Ausfälle (zul,etzt 2022 durch beschädigtes Seekabel) sind behoben. Heute nutzen viele digitale Medien, soziale Netzwerke, die Gemeinde-Website (seebad-hiddensee.de) mit Pressemitteilungen oder Blogs wie hiddensee-blog.de für Nachrichten.

Kommunikation

Hiddensee hat die Postleitzahl 18565 und die Telefonvorwahl 0(049)38300.

Sport

Die Sportlandschaft auf der Insel Hiddensee ist geprägt von der autofreien, naturnahen Umgebung und richtet sich vor allem an Freizeit- und Natursport. Aufgrund der kleinen Bevölkerung (rund 1.000 Einwohner) und der insularen Isolation gibt es keine klassischen Sportvereine mit festen Mannschaften oder Ligenspielbetrieb wie Fußball-, Handball- oder Turnvereine. Stattdessen dominieren individuelle und touristische Aktivitäten, die die einzigartige Landschaft mit Stränden, Dünen, Heide und Boddengewässern nutzen.

Besonders beliebt sind Wandern und Radfahren: Die Insel ist durchzogen von gut ausgeschilderten Wegen, die von kurzen Spaziergängen (zum Beispliel Vitte–Kloster, zirka 5 km) bis zu anspruchsvollen Touren durch die Dünenheide oder zum Leuchtturm Dornbusch (rund 8 km) reichen. Radfahren ist das Hauptfortbewegungsmittel – Fahrräder können in allen Ortsteilen gemietet werden, und Touren entlang der Deiche oder zum Süderleuchtturm bieten panoramische Ausblicke. Reiten ist eine weitere naturnahe Option: Der Fuhrmannshof oder Gutshöfe bieten Ausritte durch Heide und Boddenlandschaft, auch für Anfänger und Kinder.

Wassersport steht im Vordergrund, vor allem in Vitte: Die Wassersportschule „Surf und Segel Hiddensee“ bietet Kurse und Verleih für Windsurfen, Stand-Up-Paddling (SUP, inklusive SUP-Yoga), Katamaran- und Jollesegeln, Kajak sowie Motorbootfahrten. Beachvolleyball ist an den Stränden möglich, und Baden/Schwimmen lockt an den feinsandigen Küsten.

Organisierte Veranstaltungen sorgen für sportliche Highlights: Der jährliche Hiddenseelauf (letzter Samstag im April) umfasst Bambinilauf, Volkslauf (zirka 12,5 km), Volkswandern und Halbmarathon mit 200 bis 300 Teilnehmern – ein Gemeinschaftsevent mit handgeschriebenen Urkunden. Es gibt Aktivwochen mit kostenfreien Kursen (Yoga, Fitness, Laufen), Sportboot-Tage und gelegentliche Turniere (unter anderem Fußball auf dem Bolzplatz in Vitte). Infrastruktur wie Spielplätze, Bolzplätze und Klettergeräte in Vitte ergänzen das Angebot für Familien.

Persönlichkeiten

Berühmte Persönlichkeiten, die auf Hiddensee wohnten oder häufig weilten oder hier arbeiteten oder noch immer auf der Insel leben, waren und sind (alfabetisch):

  • Oskar Kruse (1847 bis 1919), Maler, war Bauherr der „Lietzenburg“ auf Hiddensee, die später sein Bruder Max mit Ehefrau Käthe Kruse übernahm
  • Alexander Ettenburg (1858 bis 1919), Schauspieler, Dichter  bis  bekannt als „Einsiedler von Hiddensee“
  • Hermann Muthesius (1861 bis 1927), Architekt, besaß seit 1912 ein Haus am Süderende in Vitte
  • Henni Lehmann (1862 bis 1937), Malerin, wohnhaft in Wiesenweg 2 in Vitte
  • Asta Nielsen (1881 bis 1972), Stummfilmstar, wohnhaft in Haus „Karusel“ in Vitte  bis  Am Seglerhafen
  • Nikolaus Niemeier, Kunstmaler und Dichter, wohnte seit den 1920er Jahren in einem eigenen Haus am Norderende in Vitte; er schuf die Blumenmalerei in der Inselkirche in Kloster und verfasste Gedichte in niederdeutscher Sprache
  • Gerhart Hauptmann (1862 bis 1946), Schriftsteller, wohnte zwischen 1896 und 1899 jeden Sommer im „Gasthof zur Ostsee“ in Vitte, danach in der ehemaligen Pension „Haus am Meer“ (ist heute die Vogelwarte in Kloster); erwarb 1930 das Haus „Seedorn“ in Kloster, das heute als Gedenkstätte dient; er ist auf dem Inselfriedhof begraben
  • Elisabeth Büchsel (1867 bis 1957), Malerin, Sommerwohnung im Haus der Familie Gau am südlichen Ende von Vitte
  • Käthe Kollwitz (1867 bis 1945), weilte in den 1920er Jahren oft auf Hiddensee und war zu Gast bei dem Maler Leo Klein von Diepold in Kloster, im Norden von Vitte.
  • Arnold Gustavs (1875 bis 1956), der „alte Pastor“  bis  Heimatchronist und Autor, sowie sein Sohn, der Maler Eggert Gustavs
  • Otto Gebühr (1877 bis 1954), Schauspieler  bis  Haus in Kloster, 1934 erstmals auf Hiddensee als „Kaffeetrinker“ im „Gasthaus zur Heiderose“
  • Käthe Löwenthal (1878 bis 1942), Malerin, weilte zwischen 1912 und 1935 regelmäßig im Sommer in Vitte
  • Albert Einstein (1879 bis 1955), Physiker, von seinen Aufenthalten kündet eine metallene Gedenkplatte an der Vogelwarte der Universität Greifswald in Kloster: Hier weilte Albert Einstein mehrfach während seiner Besuche auf Hiddensee
  • Erich Heckel (1883 bis 1970), Maler, Mitglied der „Brücke-Gruppe“  bis  verbrachte 1912 einen erholsamen Sommerurlaub in Grieben, schuf insgesamt 35 Bilder nach Landschaften von Hiddensee.
  • Joachim Ringelnatz (1883 bis 1934), Dichter, war häufig Gast bei Asta Nielsen
  • Käthe Kruse (1883 bis 1968), Puppenherstellerin
  • Felix Emmel (1888 bis 1960), erwarb 1921 ein Haus in Vitte am Hafen, welches nach 1989 in den Besitz seiner Nachkommen gelangte.
  • Hans Fallada (1893 bis 1947), Schriftsteller, schrieb 1933 im Gasthaus Freese „Hotel am Meer“ im Örtchen Neuendorf seinen Roman Kleiner Mann  bis  was nun?
  • Walter Felsenstein (1901 bis 1975), Opernregisseur  bis  in Kloster auf Hiddensee begraben. Landhaus „Pjerregard“ Hügelweg 19 am Ortsrand von Kloster.
  • Gret Palucca (1902 bis 1993), Tänzerin  bis  1948 erstmals auf der Insel; seit den 1960er Jahren besaß sie ein eigenes Sommerhaus am Norderende in Vitte. Palucca wurde 1993 auf dem Inselfriedhof in Kloster beerdigt
  • Erich Arendt (1903 bis 1984), Lyriker und Übersetzer, hatte ein Haus auf Hiddensee
  • Rosemarie Reichwein (1904 bis 2002) und ihr Mann Adolf Reichwein (1898 bis 1944), Reformpädagoge, Mitglied des Kreisauer Kreises, besaßen seit den 1930er Jahren ein Sommerhaus auf Hiddensee, das Hexenhaus, welches sich seit 1990 wieder in Familienbesitz befindet
  • Robert Rompe (1905 bis 1993), Physiker, besaß ein Sommerhaus in Kloster und ist auf dem Inselfriedhof beerdigt
  • Günter Fink (1913 bis 2000), Maler, stellte seit 1949 in Vitte am Norderende und in der Blauen Scheune aus, die er 1955 erwarb. Die Blaue Scheune gehört heute seiner Witwe Helga Fink.
  • Werner Klemke (1917 bis 1994), Maler und Illustrator, mit eigenem Haus auf Hiddensee.
  • Paul Herbert Freyer (1920 bis 1983), Schriftsteller, Theaterintendant, lebte im Sommer in Neuendorf, verstarb in Neuendorf
  • Hanns Cibulka (1920 bis 2004), Schriftsteller, zwischen 1970 und 1985 häufiger Gast in Kloster; Verfasser gern gekaufter Bücher über Hiddenseer Landschaften, zum Beispiel „Sanddornzeit“, „Seedorn“
  • Hanns Dieter Hüsch (1925 bis 2005), Kabarettist, Schauspieler, Autor  bis  weilte in den Sommern seit den 1990er Jahren mehrfach auf Hiddensee, div. Programme in der Inselkirche
  • Renate Seydel (* 1935), Schriftstellerin, Herausgeberin von Anthologien über Hiddensee, Inhaberin der Buchhandlung Koralle in Vitte
  • Gisela Peschke (1942 bis 1993), Malerin
  • Aljoscha Rompe (1947 bis 2000), DDR-Punk-Musiker, veranstaltete „Strand-Konzerte“ auf Hiddensee.
  • Werner Buhss (* 1949), Dramatiker und Übersetzer, ist den größten Teil des Jahres in Kloster mit dem Verfassen von Nachdichtungen der Dramen Gorkis, Shakespeares oder Tschechows befasst
  • Manfred Domrös, Inselpastor von 1986 bis 2008, Mitbegründer der Initiative „Schwerter zu Pflugscharen“ in der DDR
  • Thomas Wilkening (1956 bis 2005), Fernsehproduzent, starb auf Hiddensee
  • Torsten Schlüter (* 1959), Maler, hat auf Hiddensee sein zweites Atelier, arbeitet seit 1983 auf Hiddensee

Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr ist seit vielen Jahrzehnten der wichtigste wirtschaftliche Faktor der Insel. Als autofreie Ostseeinsel mit geschützter Natur, langen Sandstränden, Dünenlandschaften und dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft zieht Hiddensee vor allem ruhesuchende Gäste, Natur- und Kulturliebhaber an. Der Tourismus ist bewusst sanft und nachhaltig ausgerichtet: Massentourismus, große Hotelanlagen oder lauter Eventbetrieb spielen kaum eine Rolle. Stattdessen prägen Individualreisende, Familien, Künstler:innen, Radfahrer:innen und Wandernde das Besucherbild.

Die Unterbringungsmöglichkeiten auf Hiddensee sind vielfältig, aber überwiegend klein strukturiert. Den größten Anteil machen Ferienwohnungen und Ferienhäuser aus, die sich in Privatbesitz befinden oder von kleinen Vermietern betrieben werden. Sie verteilen sich auf alle Ortsteile der Insel – Vitte, Kloster, Neuendorf und Grieben – und reichen von einfachen Unterkünften bis hin zu hochwertig ausgestatteten Ferienhäusern. Diese Form der Unterkunft passt gut zum ruhigen Charakter der Insel und erlaubt den Gästen einen selbstbestimmten Aufenthalt.

Ergänzt wird das Angebot durch kleine Hotels, Pensionen und Gästehäuser, oft mit familiärem Charakter. Besonders in den Ortsteilen Vitte und Kloster finden sich traditionsreiche Häuser, die teils schon seit Generationen bestehen. Einige bieten zusätzlich gastronomische Angebote oder Wellness-Leistungen an, bleiben jedoch in ihrer Größe überschaubar. Große Hotelketten oder Ferienparks gibt es auf Hiddensee bewusst nicht.

Für naturverbundene Gäste stehen außerdem Camping- und Zeltmöglichkeiten zur Verfügung, vor allem im Süden der Insel. Diese Angebote sind streng reguliert, um die empfindlichen Landschaften zu schützen. Auch Jugendherbergen und Gruppenunterkünfte existieren, spielen im Vergleich zu Ferienwohnungen jedoch eine untergeordnete Rolle.

Literatur

Reiseberichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

Seebad Hiddensee = https://satellites.pro/Google/Hiddensee_map

Hiddensee -nützliche Informationen für Touristen = https://www.hiddensee.m-vp.de/

Forum

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