Borkum

Aus Insularium
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Borkum ist die größte der Ostfriesischen Inseln. Sie bildet auch die Stadt Borkum, die seit 1830 Badeort ist und als staatlich anerkanntes Nordseeheilbad über zahlreiche Kureinrichtungen verfügt. Die hufeisenförmige Insel wird von Dünenketten durchzogen und gilt als Erholungszone für Mensch und Tier.

Inselsteckbrief
offizieller Name Borkum
alternative Bezeichnungen Burchana, Byrchanis, Burcana (1. Jahrhundert), Bant (10. Jahrhundert), Borkna (1227), Borkyn (1398), Borckum (15. Jahrhundert)
Kategorie Meereinsel
Inseltyp echte Insel
Inselart Sandinsel
Gewässer Nordsee mit Wattenmeer
Inselgruppe Ostfriesische Inseln
politische Zugehörigkeit Staat: Deutschland (Bundesrepublik Deutschland)
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Aurich
Gliederung 3 Ortsteile
Status Inselgemeinde
Koordinaten 53°36‘ N, 6°42‘ O
Entfernung zur nächsten Insel 3,5 km (Kachelotplate), 4,9 km (Memmert)
Entfernung zum Festland 10,0 km (Eemshaven / Friesland / Niederlande)
Fläche 30,97 km² / 11,96 mi²
geschütztes Gebiet 10 km² / 3,9 mi² (32,3 %)
maximale Länge 11,5 km (W-O)
maximale Breite 6,6 km (N-S)
Küstenlänge 34 km
tiefste Stelle 0 m (Nordsee)
höchste Stelle 21,1 m (Olde Dünen)
relative Höhe 21,1 m
mittlere Höhe 6 m
maximaler Tidenhub 2,2 bis 2,6 m (Borkum Hafen 2,3 m)
Zeitzone MEZ (Mitteleuropäische Zeit, UTC+1)
Realzeit UTC plus 27 Minuten
Einwohnerzahl 4.325 (20242)
Dichte (Einwohner pro km²) 139,65
Inselzentrum Borkum


Name

Borkum gilt als letzter verbliebener Rest einer viel größeren Marschinsel namens Bant, die bereits im Altertum besiedelt war. Römische und griechische Autoren wie Strabo und vor allem Plinius der Ältere (23 bis 79) erwähnten die Region vor der nordfriesischen Küste und nannten eine der bekanntesten Inseln Burchana, auch Byrchanis oder Burcana. Plinius bezeichnete sie sogar als Burchana fabaria – die Bohneninsel. Dieser Spitzname, den Borkum bis heute trägt, geht vermutlich darauf zurück, dass hier vor rund 2000 Jahren die Pferdebohne (eine robuste Hülsenfrucht) angebaut wurde.

Bant umfasste in der Karolingerzeit, also zur Zeit der Christianisierung des Nordens, große Teile des heutigen ostfriesischen Inselraums, darunter das Gebiet des heutigen Borkum, Juist und Teile von Norderney. Es handelte sich um eine flache Marschinsel, die durch Aufschlickung und Sedimentablagerung entstanden war – im Gegensatz zu den meisten anderen Ostfriesischen Inseln, die eher aus Sand und Dünen bestehen.

Im Mittelalter, besonders im 12. und 13. Jahrhundert, trafen mehrere schwere Sturmfluten die Region und zerschlugen die Großinsel Bant Stück für Stück. Gewaltige Wassermassen veränderten die Küstenlinie dramatisch, trennten Landmassen ab und ließen kleinere Restinseln entstehen. Borkum überdauerte diese Naturkatastrophen als westlichster und größter Teil. Die übrigen Reste von Bant (eine eigene kleine Insel südöstlich von Borkum) schrumpften weiter und verschwanden schließlich im 18. Jahrhundert – der letzte hochwasserfreie Teil ging um 1780/81 unter, sodass heute nur noch eine Sandbank davon zeugt.

Der Name der Insel lässt sich direkt aus dieser antiken Bezeichnung herleiten: Aus Burchana wurde bei der ersten urkundlichen Erwähnung 1227 Borkna, danach 1398 Borkyn und ab dem 15. Jahrhundert Borckum bzw. Borkum. Zur Etymologie gibt es zwei Theorien: Die eine leitet den Namen vom griechischen bourkos „Schlamm, Morast“ ab und würde Borkum somit zur „Schlamminsel“ machen. Die andere und wahrscheinlichere Erklärung verweist auf ein germanisches Wort barka „Barke, Schiff“ in Verbindung mit dem typisch friesischen Ortsuffix -um für „Heim, Siedlung“. Borkum wäre demnach das „Schiffsheim“ oder der „Hafenort“. Eine weitere, in manchen Quellen genannte Variante bringt den Namen mit altnordisch burkn „Farnkraut“ in Verbindung.

  • international:  Borkum
  • amharisch:  ቦርኩም [Borkum]
  • arabisch:  بوركوم [Borkum]
  • armenisch:  Բորկում [Borkum]
  • bengalisch:  বরকুম [Borkum]
  • birmanisch:  ဘော့ခမ်း [Borkum]
  • bulgarisch:  Боркум [Borkum]
  • chinesisch:  博尔库姆 [Bó Ěr Kù Mǔ]
  • georgisch:  ბორკუმი [Borkumi]
  • griechisch:  Μπόρκουμ [Bórkoum]
  • gudscheratisch:  બોર્કમ [Borkum]
  • hebräisch:  בורקום [Borkum]
  • hindi:  बॉर्कुम [Borkum]
  • japanisch:  ボルクム [Borukumu]
  • kambodschanisch:  បូរកូម [Borkum]
  • kanaresisch:  ಬೋರ್ಕಮ್ [Borkum]
  • kasachisch:  Боркум [Borkum]
  • koreanisch:  보르쿰 [Borkum]
  • laotisch:  ບໍລກຳ [Borkum]
  • lettisch:  Borkuma
  • litauisch:  Borkumas
  • makedonisch:  Боркум [Borkum]
  • malayalam:  ബോർകും [Borkum]
  • maldivisch:  ބޯރްކުމް [Borkum]
  • marathisch:  बॉर्कुम [Borkum]
  • nepalesisch:  बोर्कुम [Borkum]
  • orissisch:  ବୋର୍କମ୍ [Borkum]
  • pandschabisch:  ਬੋਰਕਮ [Borkum]
  • paschtunisch:  بورکم [Borkum]
  • persisch:  بورکوم [Borkum]
  • russisch:  Боркум [Borkum]
  • serbisch:  Боркум [Borkum]
  • singhalesisch:  බෝර්කම් [Borkum]
  • tamilisch:  போர்கும் [Borkum]
  • telugu:  బోర్కమ్ [Borkum]
  • thai:  บอร์คุม [Borkum]
  • tibetisch:  བོར་ཀུམ [Borkum]
  • ukrainisch:  Боркум [Borkum]
  • urdu:  بورکم [Borkum]
  • weißrussisch:  Боркум [Borkum]


Offizieller Name:  Borkum

  • Bezeichnung der Bewohner:  Borkumer bzw. Börkumer
  • adjektivisch: borkumer bzw. börkumer


Kürzel:

  • Code:  BKM
  • Kfz:  LER
  • Gemeindeschlüssel:  03 4 57 002
  • ISO-Code:  DE.NS.BK

Lage

Borkum ist die westlichste der Ostfriesischen Inseln. Sie liegt auf durchschnittlich 53°36‘ n.B. und 6°42‘ ö.L. nördlich der Emsmündung und ist der niederländischen Küste näher als dem deutschen Festland. Die Stadt Borkum hat etwa 5.200 Einwohner und ist die am weitesten westlich liegende Stadt in Niedersachsen.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  53°37‘40“ n.B. (Nordstrand)
  • südlichster Punkt:  53°33‘29“ n.B. (Hafen)
  • östlichster Punkt:  6°50‘00“ ö.L. (Hoge Hörn)
  • westlichster Punkt:  6°39‘55“ ö.L. (Badestrand)


Entfernungen:

  • Kachelotplate  3,5 km
  • Memmert / Ostfriesland  4,9 km
  • Rottumeroog / Westfriesland  5,5 km
  • Juist  6,8 km
  • Eemshaven  10 km
  • Groningen / Westfriesland (Groninger Wad)  11 km
  • Ostfriesland (Krummhörn)  18 km
  • Norderney  24 km
  • Helgoland (Südhafen)  96 km

Zeitzone

Auf Borkum gilt die Mitteleuropäische Zeit (Central European Time), abgekürzt MEZ, eine Stunde vor der Koordinierten Universalzeit (UTC). Die Realzeit liegt um 27 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).

Fläche

Die Insel Borkum hat eine Landfläche von 30,97 km² bzw. 11,96 mi². Bis 2018 wurden 30,74 km² angegeben. Von Osten nach Westen zwischen Hoge Hörn und Badestrand durchmisst sie 11,5 km, von Norden nach Süden zwischen Nordstrand und Hafen maximal 6,6 km. Die Küste ist 34 km lang. Der maximale Tidenhub liegt bei 2,2 bis 2,6 m, im Borkumer Hafen bei 2,3 m. Höchster Punkt liegt in den Olde Dünen bei21,1 m. Die mittlere Seehöhe beträgt 6 m.


Flächennutzung in ha 2016:

Nutzung Fläche
Gebäude- und Freiflächen 258
davon Wohnflächen 122
davon Gewerbe- und Industrieflächen 10
Betriebsflächen 9
Erholungsflächen 31
davon Grünanlagen 22
Verkehrsflächen 183
davon Straßen, Wege, Plätze 86
Landwirtschaftsflächen 667
Wasserflächen 162
Waldflächen 56
Flächen anderer Nutzung 1730
davon Friedhöfe 2
davon Unland 1654
Gesamtfläche 3097

Geologie

Die Insel liegt auf einem pleistozänen Untergrund, der aus Geschiebelehm und sandigen Ablagerungen der Saale- und Weichseleiszeit besteht. Diese älteren Schichten bilden einen flachen Sockel, der nur wenige Meter unter dem heutigen Meeresniveau liegt und durch Erosion während der Kaltzeiten geformt wurde.

Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 bis 12.000 Jahren stieg der Meeresspiegel der Nordsee stetig an. In dieser Zeit lagerten Flüsse wie die Ems große Mengen an Sand und Schlick im Küstenbereich ab. Durch die Kombination von Sedimenttransport, Gezeitenströmungen und Sturmfluten entstanden zunächst ausgedehnte Wattflächen und Marschgebiete. Borkum entwickelte sich als Barriereinsel, bei der der Sand durch Wellen und Winde landwärts transportiert und zu Dünen aufgeschüttet wurde. Besonders der West- und Nordteil der Insel besteht aus jungen Dünenlandschaften, während der Ostteil ältere, festigere Dünen und ehemalige Marschflächen aufweist.

Die Insel ist keine reine Marschinsel wie die Reste der alten Großinsel Bant, sondern eine Mischform aus Dünen und aufgewehten Sanden. Die charakteristischen hohen Dünenkämme im Norden und Westen schützen das Inselinnere vor dem offenen Meer. Im Laufe der Jahrhunderte haben schwere Sturmfluten immer wieder Teile der Küste abgetragen, Dünen durchbrochen und Sedimente umgelagert. Gleichzeitig sorgt die natürliche Sandzufuhr aus dem Wattenmeer für eine teilweise Kompensation dieser Verluste, sodass die Insel in ihrer heutigen Form relativ stabil bleibt.

Unter der Oberfläche findet sich eine Süßwasserlinse, die durch Regenwasser gespeist wird und auf dem salzhaltigen Grundwasser schwimmt. Diese Linse ist für die Trinkwasserversorgung der Insel entscheidend, wird aber durch Sturmfluten und steigenden Meeresspiegel gefährdet. Die Böden bestehen überwiegend aus Sand, durchsetzt mit Schlick- und Tonlagen in den tieferen Marschbereichen sowie organischen Ablagerungen in den Dünentälern.

Borkum besteht aus zwei Inselkernen, dem West- und dem Ostland. Das dazwischen liegende Niederungsgebiet (Tüskendör) wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts regelmäßig bei höheren Wasserständen durchflutet, bis an der südlichen Engstelle 1864 bis 1869 durch Dünenbaumaßnahmen der sog. Hinterdamm geschaffen wurde. Zur Seeseite wurde 1936 parallel ein zweiter künstlicher Dünenkamm angelegt (Hindenburgdamm), sodass aus dem ehemaligen Strandsee (daher der Name „Muschelfeld“) durch Aussüßung ein großes Feuchtgebiet mit Niedermoorelementen, Röhrichtgesellschaften und randlichen Feuchtgebüschen entstanden ist.

Um die Siedlungen und das Grünland gegen Sturmfluten von der Wattseite zu schützen, wurden ab etwa 1600 mehrere Deichreihen errichtet. Die unmittelbar hinter ihnen liegenden Gewässer (sog. Wehlen) sind ehemalige Durchbruchstellen, die durch einströmendes Meerwasser ausgekolkt wurden. Die letzten größeren Deichbaumaßnahmen wurden Ende der 1970er Jahre des letzten Jahrhunderts durchgeführt, als der die gesamte südliche Hellerkante entlangführende Sommerdeich auf seine heutige Höhe von 6,7 m ausgebaut wurde. Durch Sandentnahme entstand dabei der zirka 20 ha große, Brackwasser führende Tüskendörsee, der durch ein Siel mit dem Wattenmeer verbunden ist.

Landschaft

Borkum gehört zu die ostfriesischen Inseln im niedersächsischen Wattenmeer. Die Nachbarinseln sind Rottumeroog (Niederlande) im Westen sowie Juist, Lütje Hörn und die Kachelotplate im Osten.  Noch 1863 bestand Borkum aus zwei separaten Inseln, Westland und Ostland, die durch einen Priel voneinander getrennt waren. Das Tüskendör („Zwischendurch“) zeigt heute die alte Trennlinie an. Die beiden Inselteile weisen deutlich die hufeisenförmige Gestalt der konzentrisch verlaufenden Dünenketten auf, die zum Randzel-Watt hin offen sind. Das Innere der Dünenbögen ist mit eingedeichten Marschen aus größtenteils Grünland und Salzwiesen vor dem Seedeich ausgefüllt. Die Dünenketten des Westlandes werden mit Dünendeckwerken und Buhnen geschützt. Im Westen der Insel liegt die Greune Stee („grüne Stelle“), ein ausgedehnter Sumpfwald, der an trockenen Stellen von Dünen durchzogen ist.


Erhebungen

  • Olde Dünen  21,1 m
  • Norddünen  19,3 m
  • Sternklippdünen  14,7 m


Bach

  • Großer Schloot  1,1 km


Teich

  • Tüskendörsee  13 ha

Flora und Fauna

Borkums Flora ist durch die vielfältigen Dünenstadien (Primär- bis Tertiärdünen), Salzwiesen und den Sumpfwald „Greune Stee“ mit Moorbirken, Schwarzerlen, Weiden, Calluna-Empetrum-Heiden, Strandroggen, Sanddorn und über 560 Pflanzenarten geprägt, was sie zur artenreichsten der ostfriesischen Inseln macht. Die Fauna umfasst Seehunde, Kegelrobben, Schweinswale, Wildkaninchen, Rehe, Damhirsche sowie über 100 Vogelarten wie Austernfischer, Seeregenpfeifer, Trottellumme, Löffler, Kornweihen und Millionen Zugvögel, ergänzt durch Insekten wie Karminbär und Weichtiere in den Prielen.

Flora

Ein Viertel Borkums ist Grünland, wobei 4 Komplexe unterschieden werden können: (1) die am östlichen Ortsrand gelegenen bereits um 1600 eingedeichten Binnenwiesen, (2) die sich südöstlich anschließende, nach Eindeichung 1932 entstandene Binnenweide, (3) die durch den Sommerdeich 1977/78 ausgesüßte Außenweide mit Flugplatz (seit 1925, Modernisierung 1973) und der Tüskendörsee und (4) die bereits um 1769 eingedeichten Ostland-Wiesen.

Die Dünengebiete Borkums machen fast die Hälfte der Inselfläche aus. Es sind alle Stadien von Primär- über Sekundär- bis hin zu Tertiärdünen zu finden; letztere sind teilweise bewaldet (vor allem Dünentäler) oder von Küstendünengebüsch bewachsen. An einigen Stellen in den ältesten Dünen Borkums, den südwestlich gelegenen Woldedünen finden sich eingestreut Calluna-Empetrum-Heiden. Bemerkenswert ist auch der größte Waldbestand Borkums, die etwa 60 ha große „Greune Stee“ im Südwesten der Insel, bestehend vor allem aus Moorbirken, Schwarzerlen und Weiden.

Der „Greunen Stee“ südlich vorgelagert ist die „Ronde Plaat“, wo sich die verschiedensten Salzwiesen-Formationen bis hin zu Dünen-Übergangsbereichen entwickelt haben. Größere Salzwiesen-Komplexe finden sich ansonsten noch östlich vom Inselbahn-Damm und im Südosten der Insel.

Fauna

Die Tierwelt von Borkum ist geprägt von der einzigartigen Lage der Insel im Herzen des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer, wo Land, Meer und Luft auf engstem Raum zusammenwirken und eine vielfältige Tierwelt beherbergen. Als östlichste der Ostfriesischen Inseln bietet Borkum mit ihren Dünen, Salzwiesen, Feuchtwiesen, Sümpfen und dem ausgedehnten Watt einen Lebensraum, der sowohl sesshafte Arten als auch zahlreiche Durchzügler anzieht. Besonders beeindruckend ist die Präsenz von Robben, die hier in großer Zahl zu beobachten sind. Auf den Sandbänken vor der Insel tzummeln sich regelmäßig Seehunde und Kegelrobben, die bei Ebbe dort ruhen und sich sonnen. Diese Tiere gehören zu den auffälligsten Säugetieren der Region und ziehen viele Besucher an, die sie aus respektvoller Entfernung betrachten können. Die Kegelrobbe hat sich in den letzten Jahrzehnten wieder stärker im Wattenmeer etabliert, während der Seehund schon immer ein typischer Bewohner der Küstengewässer war. Gelegentlich lassen sich auch Schweinswale in den umliegenden Nordseegewässern sichten, die mit ihren eleganten Bewegungen die Meeresfauna bereichern.

Noch vielfältiger zeigt sich die Vogelwelt auf Borkum. Mehr als 260 Vogelarten sind in den Feuchtwiesen, Sümpfen und im Watt zu Hause, wobei viele von ihnen die Insel als wichtigen Rast- und Brutplatz auf ihren internationalen Zug routen nutzen. Im Watt wimmelt es von Limikolen wie Austernfischer, Knutt, Sandregenpfeifer und Kiebitzregenpfeifer, die mit ihren langen Schnäbeln im Schlick nach Nahrung suchen. Diese Watvögel profitieren vom enormen Nahrungsreichtum des Watts, das bei Ebbe freiliegt und unzählige Kleintiere preisgibt. In den Salzwiesen und Feuchtwiesen brüten Arten wie Graugänse, Ringelgänse und verschiedene Enten, während Greifvögel wie die Kornweihe über den Dünen kreisen. Zu den charakteristischen Brutvögeln gehören auch Seeschwalben, die im Frühling und Sommer elegant über dem Wasser jagen, sowie die imposante Sumpfohreule, die in manchen Jahren in den feuchteren Gebieten anzutreffen ist. Möwen, darunter Silbermöwen, Heringsmöwen und Lachmöwen, begleiten fast jeden Spaziergang am Strand und in der Dünenlandschaft. Insgesamt brüten über hundert Vogelarten auf der Insel, was Borkum zu einem wahren Hotspot für Ornithologen macht. Im Herbst und Frühling verstärkt sich das Treiben noch, wenn Millionen von Zugvögeln Station machen und die Luft von ihrem Geschnatter und Geflatter erfüllt ist.

Unter der Oberfläche und im Watt selbst lebt eine Fülle von Kleintieren, die als Basis des gesamten Ökosystems dienen. Wattwürmer, Wattschnecken, Muscheln wie die Herzmuschel und Krebse, darunter die Strandkrabbe, bilden die sogenannten „Small Five“ des Wattenmeers. Diese unscheinbaren Bewohner filtern das Wasser, lockern den Boden auf und stellen die Hauptnahrung für die Vögel und Robben dar. Ohne sie wäre die hohe Produktivität des Watts undenkbar. Auch Fische tummeln sich in den Prielen und flachen Gewässern, während Insekten die Dünen und Wiesen bevölkern. Historischen Aufzeichnungen zufolge wurden auf Borkum und den benachbarten Inseln Hunderte von Käferarten, Schmetterlingen, Fliegen und anderen Insekten nachgewiesen, die sich an die salzhaltigen und windigen Bedingungen angepasst haben. Sogar Reptilien und Lurche kommen vereinzelt vor, wenngleich in geringer Zahl, und unter den Säugetieren finden sich neben den Robben auch kleinere Arten wie Mäuse und Kaninchen in den Dünen, die dort schon seit Jahrhunderten leben.

Naturschutz

Ein zentrales Naturschutzgebiet ist das Borkum Riff. Es liegt westlich der Insel in der offenen Nordsee und umfasst etwa 10.000 Hektar (also rund 100 km²). Dieses Gebiet zeichnet sich durch nährstoffreiche Meeresströmungen aus, die eine hohe biologische Produktivität ermöglichen. Dadurch ist es ein wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche Vogelarten.

Noch deutlich größer ist das weiter nördlich gelegene Borkum Riffgrund. Dieses Schutzgebiet liegt in der ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands und umfasst etwa 625 km² (das entspricht 62.500 Hektar). Es besteht aus Sandbänken und Riffstrukturen, die einen besonders artenreichen Lebensraum für Fische, Schweinswale und Robben darstellen.

Auf der Insel selbst gibt es ebenfalls kleinere geschützte Flächen, etwa die Borkumer Dünen mit rund 44 Hektar. Diese Gebiete umfassen Dünenlandschaften, Salzwiesen und spezielle Pflanzen- und Tiergemeinschaften, sind aber im Vergleich zu den großen Meeresgebieten deutlich kleiner.

Zusätzlich liegt Borkum im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, einem sehr großflächigen Schutzgebiet entlang der gesamten niedersächsischen Küste. Dieses ist zwar kein einzelnes Naturschutzgebiet im engeren Sinne, spielt aber eine zentrale Rolle für den Schutz der gesamten Region.

Klima

Die Insel Borkum besitzt ein typisches maritimes Nordseeklima, das stark durch die Lage in der offenen See geprägt ist (in der Köppen-Klassifikation Cfb). Im Gegensatz zum Binnenland wirkt das Meer hier wie ein Temperaturausgleich: Es speichert Wärme im Sommer und gibt sie im Winter wieder ab. Dadurch sind die Temperaturen auf Borkum insgesamt ausgeglichener als im übrigen Deutschland.

Die Sommer auf Borkum sind relativ kühl und mild. Die Durchschnittstemperaturen liegen meist zwischen etwa 18 und 22°C, wobei extreme Hitze kaum vorkommt. Selbst an warmen Tagen sorgt der fast ständig wehende Wind für eine angenehme Abkühlung. Die Winter hingegen sind vergleichsweise mild: Die Temperaturen fallen selten weit unter den Gefrierpunkt und bewegen sich häufig um 0 bis 5°C. Schnee ist eher selten und bleibt meist nicht lange liegen, da die feuchte Meeresluft und der Wind ihn schnell wieder schmelzen lassen.

Ein wesentliches Merkmal des Klimas ist der häufige und teils kräftige Wind. Borkum gehört zu den windreichsten Regionen Deutschlands, was nicht nur das Wetter beeinflusst, sondern auch die Luft besonders sauber macht. Die Luft gilt als reizmild und nahezu frei von Pollen und Schadstoffen, weshalb die Insel ein anerkanntes Nordseeheilbad ist.

Die Niederschläge sind über das Jahr relativ gleichmäßig verteilt, wobei es oft zu kurzen, aber intensiven Schauern kommt. Insgesamt fällt auf Borkum etwas weniger Regen als in vielen Binnenregionen, dafür ist die Luftfeuchtigkeit hoch. Typisch ist auch ein schneller Wechsel des Wetters: Sonnenschein, Wolken und Regenschauer können sich innerhalb weniger Stunden abwechseln. Ein weiterer charakteristischer Faktor ist die hohe Sonnenscheindauer. Borkum zählt zu den sonnigsten Orten Deutschlands, insbesondere im Frühling und Sommer. Gleichzeitig kann es aber auch häufig bewölkt oder neblig sein, vor allem im Herbst und Winter.


Klimadaten für Borkum (1981 bis 2010)

Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Mittelmaxmum (°C) 5,0 5,1 8,1 12,7 15,6 18,3 21,6 21,1 18,5 14,1 9,5 6,0 13
Mitteltemperatur (°C) 3,3 3,0 5,2 8,9 12,1 15,0 17,9 17,5 15,3 11,5 7,6 4,1 10,2
Mittelminimum (°C) 1,2 0,9 2,3 5,4 8,7 11,5 14,4 14,0 12,2 8,6 5,4 2,1 7,3
Niederschlag (mm) 70,0 45,0 47,0 29,0 59,0 61,0 101,0 118,0 66,0 91,0 73,0 84,0 844
Regentage 20 17 15 12 14 14 17 19 16 19 20 22 205
Sonnenstunden pro Tag 1,51 2,36 4,87 7,13 7,74 7,67 7,67 6,41 5,00 3,29 1,80 1,41 4,7

Mythologie

Im Laufe der Jahrhunderte hat die Nordseeinsel Borkum eine reiche Schicht aus Mythen, Sagen und Legenden hervorgebracht, die eng mit ihrer rauen Lage am Wattenmeer, den stürmischen Gezeiten und der harten Lebensweise ihrer Bewohner verknüpft sind. Viele dieser Geschichten drehen sich um das unberechenbare Meer, das Leben und Tod zugleich bedeutete, um Seefahrer, die zwischen Handel und Piraterie schwankten, und um menschliche Schicksale, die von Unglück, Rache oder verborgenen Schätzen geprägt waren. Besonders häufig tauchen Motive von angeketteten oder aufgebrachten Frauen auf, die in manchen Sagen als Opfer von Stürmen, Schiffbrüchen oder gesellschaftlichen Konflikten erscheinen. Diese Erzählungen spiegeln oft die Isolation der Insel wider, wo Frauen während langer Abwesenheit der Männer auf Walfang oder Seefahrt allein zurückblieben und mit den Kräften der Natur ringen mussten. Manche Legenden berichten von Geistern ertrunkener Seefahrerfrauen, die bei Vollmond über die Dünen wandern oder in stürmischen Nächten warnende Rufe ausstoßen, als hätten sie sich in ihrer Verzweiflung dem Meer hingegeben oder seien von ihm verschlungen worden. Andere Geschichten erzählen von aufgebrachten Frauen, die durch Ungerechtigkeit oder Schicksalsschläge zu rachsüchtigen Gestalten wurden und noch heute in lokalen Überlieferungen als Mahnung vor Hybris oder Leichtsinn dienen.

Ein zentrales Element der Borkumer Mythologie ist die Verbindung zu Seeräubern und Freibeutern. Die Nordsee war jahrhundertelang ein unsicheres Gewässer, in dem Schiffe auf Beute lauerten. Besonders die Figur des berühmten Vitalienbruders Klaus Störtebeker hat sich tief in die Inselüberlieferungen eingegraben. Der Legende nach soll Störtebeker kurz vor seiner Gefangennahme und Hinrichtung in Hamburg einen gewaltigen Schatz in den abgelegenen Dünen Borkums vergraben haben, wahrscheinlich in den damals noch existierenden hohen Woldedünen an der Südspitze der Insel. Diese Dünen galten als sicherer Ort, fernab neugieriger Blicke. Bis heute kursiert der volkstümliche Spruch, dass, wenn die Woldedünen sprechen könnten, ganz Borkum nie Geldsorgen hätte. Der Wind habe im Laufe der Zeit einzelne Goldstücke freigelegt, heißt es in manchen Versionen, doch der Hauptteil des Schatzes bleibe verborgen. Archäologische Beweise gibt es dafür nicht, doch die Sage lebt weiter und lockt bis in die Gegenwart Schatzsucher und Abenteurer an. Sie verbindet Borkum mit der größeren ostfriesischen Piratenromantik und macht die Insel zu einem symbolischen Versteck für die Beute vergangener Raubzüge.

Neben solchen abenteuerlichen Erzählungen ranken sich viele Sagen um verheerende Unglücke, die die Insel immer wieder heimgesucht haben. Sturmfluten, Schiffbrüche und das Versinken ganzer Landstriche prägten das kollektive Gedächtnis. Borkum selbst ist ein Überrest älterer Inselformationen, die durch gewaltige Fluten zerrissen wurden. Geschichten von untergegangenen Dörfern oder versunkenen Schiffen, deren Wrackteile bei Ebbe sichtbar werden, mischen sich mit Berichten über Knochen im Sand und Geistererscheinungen. Manche Legenden sprechen von ganzen Besatzungen, die in den Wellen ihr Ende fanden und deren Seelen keine Ruhe finden. Diese Unglücke wurden oft als Strafe für Übermut oder als Laune des blanken Hans gedeutet, jener personifizierten Kraft des Meeres, die in der norddeutschen Folklore als unerbittlicher Gegenspieler des Menschen gilt. Solche Mythen dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Mahnung, den Respekt vor der Natur nie zu verlieren.

Aus diesen historischen und mythischen Erfahrungen heraus entstanden auf Borkum im Laufe der Jahrhunderte ganz eigene Bräuche, die teilweise bis heute gepflegt werden oder nur noch in Erinnerungen fortleben und die Insel von anderen Regionen unterscheiden. Einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten ist der Klaasohm, der am Abend vor dem Nikolaustag, also in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember, gefeiert wird. Junge, unverheiratete Männer verkleiden sich dabei mit schweren Masken, Schafsfellen und Vogelfedern als sogenannte Klaasohms und ziehen mit Kuhhörnern bewaffnet durch die Straßen. Früher gehörte zum Brauch das Einfangen und symbolische Schlagen von Frauen, was auf alte Walfängertraditionen zurückgeführt wird: Nach monatelanger Abwesenheit auf See sollten die Männer die Insel „zurückerobern“ und die Frauen an ihre Rolle erinnern. Dieser Teil des Rituals hat in jüngerer Zeit zu heftiger Kritik und Veränderungen geführt, sodass das Schlagen heute nicht mehr praktiziert wird. Dennoch bleibt Klaasohm als „hoogste Fierdag“, als höchster Feiertag der Insulaner, ein geheimnisvolles und gemeinschaftsstiftendes Ereignis, bei dem Honigkuchen verteilt und in geschlossenen Runden symbolische Kämpfe ausgetragen werden. Es mischt Elemente christlicher Nikolausbräuche mit älteren, möglicherweise germanischen oder heidnischen Wurzeln.

Weitere einzigartige Traditionen sind das Winkeln, bei dem es um spielerische oder rituelle Handlungen in der Gemeinschaft ging, das Beetnehmen, eine Form der Garten- oder Feldnutzungsregelung mit sozialer Bedeutung, oder spezielle Bräuche beim Schweineschlachten. Letztere waren früher fester Bestandteil des dörflichen Lebens und verbanden praktische Arbeit mit geselligem Beisammensein, Liedern und Ritualen, die den Zusammenhalt der Insulaner stärkten. Viele dieser Sitten sind eng mit der Abgeschiedenheit Borkums verknüpft und dienten dazu, die harten Lebensbedingungen erträglicher zu machen und Wissen sowie Werte von Generation zu Generation weiterzugeben.

Trotz oder gerade wegen dieser mythischen und traditionellen Tiefe war und ist Borkum seit dem 19. Jahrhundert auch ein beliebter Ort der Erholung für viele berühmte Persönlichkeiten. Die frische Seeluft, die weiten Dünen und Strände sowie die ruhige Atmosphäre zogen Künstler, Dichter und Denker an, die hier Abstand vom Alltag suchten. Einer der bekanntesten Gäste war der Dichter und Zeichner Wilhelm Busch, der 1879 auf einer seiner Reisen nach Borkum kam. Bei diesem Aufenthalt übernachtete er im Haus im Wiesenweg 1, einem der ältesten noch erhaltenen Insulanerhäuser der Insel, das heute als Ferienhaus genutzt wird. Busch, bekannt für seine humorvollen und satirischen Werke wie „Max und Moritz“, fand hier offenbar Inspiration oder zumindest Ruhe inmitten der nordischen Landschaft. Das Haus birgt nicht nur die Erinnerung an diesen prominenten Gast, sondern auch Spuren der lokalen Geschichte, die sich mit persönlichen Schicksalen verweben.

Geschichte

Plinius der Ältere erwähnte in seiner Historia naturalis Inseln vor der Nordseeküste und unter deren bekanntesten („insulae nobilissimae“) an erster Stelle Burcana, über deren genaue Lage aber nichts weiter bekannt ist. Seit dem frühen Mittelalter ist eine vor der ostfriesischen Küste gelegene Insel Bant bekannt, die der Prediger Menso Alting im 17. Jahrhundert für den Rest einer Großinsel hielt, die in der Allerheiligenflut 1170 in die Inseln Borkum, Juist, Buise, Oesterende, Baltrum und Bant zerbrochen sein soll.

Frühzeit

Bereits in der Antike taucht die Region in den Schriften römischer und griechischer Autoren auf. Plinius der Ältere und Strabo erwähnen eine „Burchana fabaria“ oder „Byrchanis“, die Bohneninsel, als eine der bedeutenden Inseln vor der norddeutschen Küste. Ob damit bereits das heutige Borkum gemeint war oder eher eine der benachbarten, inzwischen untergegangenen Inseln wie Bant, bleibt in der Forschung umstritten. Die heutige Borkum entstand geologisch als alluviale Sandaufhäufung auf einem älteren Untergrund, der teilweise aus Resten versunkener Marsch- und Dünenlandschaften bestand. Im frühen Mittelalter gehörten die Ostfriesischen Inseln noch zu einer größeren Landmasse namens Bant, die Borkum, Teile von Juist und westliche Bereiche von Norderney umfasste. Schwere Sturmfluten, darunter die verheerende Zweite Marcellusflut im Januar 1362, die als eine der schlimmsten in der Geschichte der Nordsee gilt, zerrissen diese Landverbindungen. Bant wurde in mehrere Teile gespalten, Dörfer versanken, und aus den verbliebenen Hochsänden und Sandbänken formten sich allmählich die heutigen Inseln. Diese Katastrophen prägten die frühe Mythologie der Region tief: Viele Sagen erzählen von untergegangenen Siedlungen, ertrunkenen Bewohnern und rachsüchtigen Geistern, die in stürmischen Nächten über die Dünen wandern oder warnende Rufe ausstoßen. Solche Legenden von verheerenden Unglücken und dem unerbittlichen „blanken Hans“ entstanden genau in dieser Zeit der existenziellen Bedrohung durch das Meer.

Mittelalter

Die erste urkundliche Erwähnung der Insel selbst datiert auf das Jahr 1227 als „Borkna“, eine genauere Nennung als „Borkyn“ erfolgte am 11. September 1398 in einer Urkunde, in der ostfriesische Häuptlinge wie Witzel tom Brok und Volkmar Allena ihre Besitzungen zwischen Jade und Ems, darunter die Eilande Borkyn, Just, Buise und andere, dem Herzog von Baiern und Grafen von Holland als Lehen auftrugen. Zu dieser Zeit diente Borkum bereits als Unterschlupf für Seeräuber und Liekedeeler, jene friesischen Freibeuter, die Handelsschiffe überfielen und in den abgelegenen Dünen und Prielen Schutz suchten. Die Verbindung zu Piraten wie Klaus Störtebeker, der 1402 in Hamburg hingerichtet wurde, wurzelt hier: In manchen Überlieferungen soll er die Insel als Versteck genutzt und Teile seiner Beute in den hohen Woldedünen vergraben haben. Obwohl archäologische Belege für eine dauerhafte Besiedlung vor dem späten 14. Jahrhundert fehlen, wird angenommen, dass erste kleinere Siedlungen aus friesischen und möglicherweise sächsischen Zuwanderern entstanden, die sich auf den höher gelegenen Sandrücken niederließen. Um 1406 wird in einem Friedensvertrag mit der Hanse erstmals explizit eine Bevölkerung auf Borkum erwähnt, damals wohl zwischen 70 und 80 Menschen, die von Fischfang, Strandgutbergung und gelegentlichem Handel lebten. Die Insulaner standen unter der Herrschaft ostfriesischer Häuptlinge, ab 1484 dann unter den Grafen von Ostfriesland, die Ansprüche auf Strandgut erhoben und damit immer wieder Konflikte mit den Bewohnern auslösten.

Das Mittelalter auf Borkum war geprägt von extremer Vulnerabilität gegenüber der Natur und zugleich von einer frühen Einbindung in größere politische und wirtschaftliche Zusammenhänge. Die Hanse nutzte die Gewässer um die Insel als Handelsroute, doch die Nähe zum offenen Meer machte Borkum auch zu einem idealen Schlupfwinkel für Vitalienbrüder und spätere Wassergeusen, die gegen spanische oder hansische Schiffe operierten. Viele Sagen aus dieser Epoche handeln von aufgebrachten oder angeketteten Frauen, die während langer Abwesenheit ihrer Männer auf See zurückblieben und in ihrer Verzweiflung mit dem Meer rangen oder gar Opfer von Schiffbrüchen wurden. Andere Legenden erzählen von Geistern ertrunkener Seeleute oder von Riesen und Ungeheuern in Höhlen, die Schiffbrüchige verschlangen – Motive, die die kollektive Angst vor Isolation, Sturmfluten und dem Verlust ganzer Familien widerspiegeln. Die große Marcellusflut von 1362, die den Dollart entstehen ließ und Borkum in Westland, Ostland und weitere Fragmente teilte, wurde in der Volksüberlieferung oft als göttliche Strafe für menschliche Hybris gedeutet. Solche Mythen dienten nicht nur der Erklärung der katastrophalen Umweltveränderungen, sondern auch der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls unter den wenigen Überlebenden, die sich auf den verbliebenen Landresten neu einrichten mussten.

Trotz der harten Bedingungen entwickelten sich in dieser Zeit erste Bräuche und Lebensformen, die später die einzigartige Borkumer Kultur prägten. Die Insulaner lernten, mit Strandgut zu wirtschaften, Boote für die Küstenfischerei zu bauen und sich gegen Übergriffe von außen zu schützen. Die Herrschaft der ostfriesischen Häuptlinge und später der Grafen brachte zwar Schutz, aber auch Abgaben und Streitigkeiten um Rechte an gestrandeten Schiffen. Archäologische Funde aus dem Mittelalter sind auf Borkum rar, da die ständige Erosion und die Wanderdünen viele Spuren verschluckt haben, doch die wenigen Hinweise auf frühe Siedlungsreste unterstreichen, dass die Menschen hier bereits im 13. und 14. Jahrhundert Fuß fassten und eine friesisch geprägte Lebensweise pflegten, die sich durch Seefahrt, Selbstversorgung und enge familiäre Bande auszeichnete.

Frühe Neuzeit

Ab 1464 stand die Insel unter der Regentschaft der Grafen von Ostfriesland aus dem Haus Cirksena. Diese Herrschaft brachte einerseits eine gewisse Stabilität und Schutz vor willkürlichen Übergriffen, andererseits aber auch neue Abgaben und Konflikte um das begehrte Strandgut. Die Grafen beanspruchten einen Teil der Bergungsgüter von gestrandeten Schiffen für sich, was bei den Insulanern immer wieder zu Unmut und heimlichen Absprachen führte. Trotz dieser Spannungen entwickelte sich Borkum in dieser Zeit zu einem festen Bestandteil der ostfriesischen Herrschaftsstruktur. Die Bewohner lebten weiterhin hauptsächlich vom Fischfang, von der Bergung von Wrackteilen und zunehmend auch vom beginnenden Walfang, der im 17. Jahrhundert für viele friesische Inseln zur wichtigen Einnahmequelle wurde.

Ein einschneidendes Ereignis für die politische Identität der Region war das Jahr 1594, als die Stadt Groningen nach langer Belagerung den Sieben Vereinigten Niederlanden beitreten musste. Durch diesen Schritt entstand die bis heute bestehende politische Trennung zwischen den ostfriesischen Inseln, die bei Ostfriesland und später Preußen blieben, und den westfriesischen Inseln, die fortan zu den Niederlanden gehörten. Aus heutiger, rein deutscher Sicht wurden Borkum, Juist, Norderney und die übrigen ostfriesischen Eilande dadurch endgültig von ihren westlichen Nachbarn abgetrennt. Diese Teilung hatte nicht nur politische, sondern auch kulturelle und wirtschaftliche Folgen. Der Kontakt zu den niederländischen Friesen blieb zwar durch Handel und Seefahrt bestehen, doch die Inseln entwickelten sich nun in unterschiedliche Richtungen. Auf Borkum verstärkte sich in dieser Phase die Abhängigkeit von ostfriesischen und später preußischen Obrigkeiten, während zugleich der Einfluss niederländischer Sprache, Bräuche und Schifffahrtstechniken spürbar blieb.

Die Frühe Neuzeit brachte für Borkum neben politischen Wechseln auch eine allmähliche Veränderung der Lebensgrundlagen. Der Walfang, der besonders im 17. und 18. Jahrhundert florierte, führte viele Borkumer Männer für Monate auf die Grönland- und Spitzbergenfahrt. Während ihrer Abwesenheit blieben die Frauen, Kinder und Alten auf der Insel zurück und mussten die harten Lebensbedingungen allein meistern. Diese lange Trennung nährte weitere Sagen von aufgebrachten oder angeketteten Frauen, die in manchen Überlieferungen als Geister erscheinen, die bei Sturm über die Dünen ziehen oder verzweifelt nach ihren Männern rufen. Gleichzeitig entstanden in dieser Zeit erste Ansätze jener einzigartigen Bräuche, die später so charakteristisch für Borkum werden sollten. Der Klaasohm etwa wurzelt möglicherweise in diesen Walfängertraditionen: Nach der Rückkehr der Männer im Herbst oder Winter sollten rituelle Handlungen die Wiederherstellung der sozialen Ordnung symbolisieren. Auch das Schweineschlachten und andere gemeinschaftliche Rituale dienten dazu, den Zusammenhalt in der kleinen Insulanergemeinschaft zu festigen.

Ein weiterer tiefgreifender Einschnitt erfolgte nach dem Tod des letzten männlichen Vertreters des Cirksena-Geschlechts. Als Fürst Carl Edzard 1744 starb, fiel Ostfriesland – und damit auch Borkum – aufgrund einer bereits 1694 von Kaiser Leopold I. erteilten Anwartschaft an das Königreich Preußen. Der Kurfürst von Brandenburg, Friedrich III., der spätere König Friedrich I. von Preußen, hatte diese Anwartschaft erhalten, und nach dem Aussterben der Cirksena-Linie wurde sie wirksam. Mit dem Übergang an Preußen endete die jahrhundertealte Herrschaft der ostfriesischen Grafen und Fürsten. Für die Insel bedeutete dies zunächst vor allem eine straffere Verwaltung und eine stärkere Einbindung in das preußische Staatswesen. Die preußischen Behörden regelten nun die Rechte auf Strandgut genauer, bauten erste Befestigungen und versuchten, die Seeräuberei in der Region endgültig einzudämmen. Gleichzeitig blieb Borkum jedoch ein abgelegener, windumtoster Ort, dessen Bewohner weiterhin stark von der Seefahrt und der Natur abhängig waren.

In der Frühen Neuzeit verdichteten sich auch die Mythen um Seeräuber und verborgene Schätze. Die Geschichten von Klaus Störtebeker und seinen Vitalienbrüdern, die angeblich Teile ihrer Beute in den Woldedünen Borkums versteckt hatten, wurden immer wieder neu erzählt und ausgeschmückt. Obwohl Störtebeker selbst schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts hingerichtet worden war, lebte seine Legende in der Frühen Neuzeit besonders lebendig fort und verband sich mit Berichten über andere Piraten und Liekedeeler, die noch im 16. und 17. Jahrhundert die Nordsee unsicher machten. Verheerende Unglücke wie schwere Sturmfluten und Schiffbrüche blieben weiterhin zentrale Motive der Inselmythologie. Viele dieser Katastrophen wurden als Strafe des Meeres oder als Zeichen göttlichen Zorns gedeutet, was die tiefe Verbundenheit der Borkumer mit dem unberechenbaren „blanken Hans“ unterstrich.

Trotz aller politischen Wechsel und natürlichen Bedrohungen entwickelte sich Borkum in der Frühen Neuzeit allmählich zu einem Ort mit einer eigenen, unverwechselbaren Identität. Die Insulaner pflegten ihre friesischen Traditionen, passten sie aber den neuen Herrschaftsverhältnissen an. Die politische Anbindung an Preußen ab 1744 markierte den Übergang in eine neue Epoche, in der die Insel zwar weiterhin isoliert und gefährdet blieb, zugleich aber Teil eines größeren, aufstrebenden Staates wurde. Diese Spannung zwischen Abgeschiedenheit und Einbindung in größere Zusammenhänge, zwischen mythischer Vergangenheit und allmählicher Modernisierung, prägte Borkum auch in den folgenden Jahrhunderten. Die Sagen von angeketteten Frauen, von Störtebeckers Schatz und von den Geistern verunglückter Seefahrer blieben lebendig und verbanden die Frühe Neuzeit nahtlos mit den älteren mittelalterlichen Überlieferungen. Wer heute auf Borkum wandert, spürt in den alten Häusern, den Dünen und dem ständigen Rauschen der See noch immer die Spuren dieser bewegten Epoche, in der aus einer kleinen, sturmgepeitschten Insel eine unverwechselbare Heimat mit eigener Geschichte und Kultur wurde.

Modernisierungszeit

Nach dem Frieden von Tilsit im Jahr 1807 wurde Borkum zunächst Teil des Königreichs Holland und ab 1810 bis 1813 sogar Teil des Kaiserreichs Frankreich unter Napoleon. Diese kurze französische und holländische Episode brachte neue Verwaltungsstrukturen, Zollbestimmungen und eine stärkere militärische Präsenz auf die Insel. Französische Truppen errichteten zeitweise Befestigungen, und die Insulaner mussten sich mit fremden Gesetzen und Abgaben auseinandersetzen. Mit dem Ende der Befreiungskriege 1813 fiel Borkum an Preußen zurück, doch bereits zwei Jahre später, nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses 1815, wurde die Insel dem Königreich Hannover zugesprochen. Diese Zugehörigkeit zu Hannover dauerte bis 1866. Als der hannoversche König Georg V. nach dem Prager Frieden im Zuge des Deutschen Krieges entthront wurde, fiel Ostfriesland und damit auch Borkum endgültig wieder an Preußen. Diese häufigen Herrschaftswechsel spiegelten die großen europäischen Umwälzungen wider und sorgten auf der kleinen Insel für Unsicherheit, zugleich aber auch für neue Impulse durch unterschiedliche Verwaltungssysteme.

Trotz der politischen Turbulenzen begann in dieser Epoche die langsame Modernisierung Borkums. Die preußische und zuvor die hannoversche Verwaltung förderten den Ausbau von Infrastruktur, den Bau erster fester Wege und die Einrichtung eines regelmäßigen Schiffsverkehrs zum Festland. Vor allem aber entdeckte man die heilende Kraft der Seeluft und des Klimas. Borkum wandelte sich allmählich vom reinen Fischerdorf zu einem Ort der Erholung und des beginnenden Tourismus. Die weiten Dünen, der feine Sandstrand und die jodreiche Luft zogen immer mehr Gäste an, die Linderung von Atemwegserkrankungen und allgemeiner Erschöpfung suchten. In dieser Zeit festigten sich auch die mythischen und volkstümlichen Überlieferungen weiter. Die alten Sagen von Störtebeckers vergrabenem Schatz in den Woldedünen, von Geistern ertrunkener Seeleute und von aufgebrachten oder angeketteten Frauen, die in stürmischen Nächten über die Insel wanderten, wurden nun nicht nur unter den Insulanern erzählt, sondern auch den neugierigen Sommergästen weitergegeben. Sie verliehen der Insel jenen romantischen, geheimnisvollen Charme, der viele Besucher faszinierte.

Ein besonders einflussreicher Gast in dieser Modernisierungszeit war der westfälische Ornithologe und Naturforscher Ferdinand von Droste zu Hülshoff. Gesundheitliche Gründe, vor allem Atemwegsbeschwerden, führten ihn zwischen 1863 und 1868 mehrfach zu längeren Erholungsaufenthalten nach Borkum. Während dieser Aufenthalte unternahm er ausgedehnte Beobachtungen der reichen Vogelwelt der Insel und ihrer umliegenden Watt- und Dünengebiete. 1869 veröffentlichte er im Selbstverlag seine bedeutende „Beschreibung der Vogelwelt von Borkum“, ein Werk, das die einzigartige Avifauna der Insel detailliert dokumentierte und Borkum sowie seine Vogelwelt weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt machte. Droste zu Hülshoff trug damit wesentlich dazu bei, dass Borkum nicht nur als Badeort, sondern auch als ornithologisches Paradies wahrgenommen wurde. Seine Arbeit verband naturwissenschaftliche Genauigkeit mit der romantischen Begeisterung für die unberührte nordische Landschaft und machte die Insel für Naturfreunde und Wissenschaftler attraktiv.

Parallel dazu lebten die traditionellen Bräuche weiter. Der Klaasohm, das rituelle Schweineschlachten mit seinen geselligen Elementen, das Winkeln und das Beetnehmen blieben fester Bestandteil des insularen Jahreslaufs und stärkten den Zusammenhalt der einheimischen Bevölkerung, auch wenn immer mehr Fremde auf die Insel kamen. Die Mythen um verheerende Unglücke und Schiffbrüche erhielten durch die zunehmende Schifffahrt neue Nahrung, denn auch im 19. Jahrhundert kam es immer wieder zu dramatischen Strandungen vor Borkum, deren Geschichten rasch in die örtliche Überlieferung einflossen.

Wilhelm Busch, der 1879 im Haus am Wiesenweg 1 übernachtete, war nur einer von vielen prominenten Gästen, die in dieser Zeit die Insel für sich entdeckten. Die Modernisierungszeit legte so den Grundstein für den späteren Boom als Nordseebad. Politisch hatte Borkum durch die Wechsel zwischen Holland, Frankreich, Preußen und Hannover gelernt, sich flexibel an neue Herrschaften anzupassen. Kulturell und mythologisch blieb die Insel jedoch tief in ihrer friesischen Vergangenheit verwurzelt: Die Sagen von Seeräubern und verborgenen Schätzen, von rachsüchtigen Geistern und den Kräften des blanken Hans verbanden sich nun mit der neuen Rolle als Ort der Gesundheit und Erholung. Aus der einst sturmgepeitschten, gefährdeten Insel war ein Ort geworden, der sowohl die raue Schönheit der Vergangenheit als auch die verheißungsvolle Zukunft des modernen Tourismus in sich trug. Diese Spannung zwischen alter Mythologie und aufkommender Moderne prägt das Bild Borkums bis heute und macht jeden Besuch zu einer Reise durch mehrere Jahrhunderte zugleich.

Weltkriegsära

Im Jahr 1900 erfolgte auf Borkum die Errichtung der ersten amtlich betriebenen Küstenfunkstelle der Welt. Betreiber der Küstenfunkstelle war die Reichspost. Die erste Kommunikationsübertragung erfolgte zwischen der Küstenfunkstelle und dem Passagierdampfer des Norddeutscher Lloyd Kaiser Wilhelm der Große. Die übertragenen Seefunktelegramme wurden über das vor Borkum liegende Feuerschiff Borkumriff zur Funkstation auf der Insel Borkum übermittelt. Anschließend erfolgte die Weitervermittlung in das Festlandnetz.

1902 wurde Borkum durch Kaiser Wilhelm II. wegen der exponierten Lage der Status einer Seefestung verliehen. Die Insel wurde mit Geschützstellungen und Bunkern versehen, die Bahnanlagen der Borkumer Kleinbahn wuchsen von einer Streckenlänge von etwa acht Kilometern auf über 40 km und wurden teilweise zweispurig ausgebaut.

Borkum nahm im Rahmen des sogenannten Bäder-Antisemitismus lange vor 1933 eine Vorreiterrolle bei der Ausgrenzung jüdischer Gäste ein und war bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine Hochburg des Antisemitismus. Borkum warb damit, „judenfrei“ zu sein, nachzulesen zum Beispiel in einem Inselführer für Borkum aus dem Jahr 1897. An Hotels hingen Schilder mit der Aufschrift „Juden und Hunde dürfen hier nicht herein!“, innen gab es einen „Fahrplan zwischen Borkum und Jerusalem (Retourkarten werden nicht ausgegeben)“. Ein 1910 erschienener Reiseführer über die Nordseebäder riet „Israeliten“ vor allem vom Besuch Borkums ab, „da sie sonst gewärtig sein müssen, von den zum Teil sehr antisemitischen Besuchern in rücksichtslosester Weise belästigt zu werden.“ Man ersann das Borkumlied, das täglich von der Kurkapelle gespielt und von den Gästen gesungen wurde, und in dem es unter anderem heißt: „An Borkums Strand nur Deutschtum gilt, nur deutsch ist das Panier. Wir halten rein den Ehrenschild Germania für und für! Doch wer dir naht mit platten Füßen, mit Nasen krumm und Haaren kraus, der soll nicht deinen Strand genießen, der muß hinaus, der muß hinaus! …Borkum, der Nordsee schönste Zier, bleib du von Juden rein, laß Rosenthal und Levinsohn in Norderney allein.“ Textstellen aus dem Borkumlied)

Während das Borkumlied vor dem Ersten Weltkrieg vor allem antisemitische Klischees ohne direkte Erwähnung von Juden verwendete, wurden die Versionen nach dem Ersten Weltkrieg direkter und hetzten offen gegen Juden und verkündeten Borkum als judenfrei. Mit dem offen zur Schau getragenen Antisemitismus gewann Borkum „völkisch-nationale“ Gäste und setzte Rassenhetze im Konkurrenzkampf gegen das Seebad Norderney ein. Antisemitische Zwischenfälle häuften sich, als von 1920 an der „Borkum-Pastor“ und spätere „Reichsredner der NSDAP“ Ludwig Münchmeyer mit aggressiven Hetzreden auftrat.

Am 19./20. Dezember 1934 wurden zwei Exemplare der A2-Rakete, genannt „Max“ und „Moritz“, in der Nähe der Ostbake gestartet. Die vom Raketenpionier Wernher von Braun entwickelten Flüssigkeitsraketen waren weltweit die ersten, die eine Höhe von über zwei Kilometern erreichten; sie legten den Grundstein für die späteren Großraketen. Nach den erfolgreichen Borkumer Tests wurde die deutsche Raketenforschung in Peenemünde weiter fortgesetzt.

Während des Nationalsozialismus und des Krieges wurde die Insel zur Seefestung ausgebaut. Schon in den 1930er Jahren diente sie militärischen Zwecken, darunter als Testgelände für frühe Raketenversuche von Wernher von Braun. 1934 starteten in der Nähe der Ostbake zwei Aggregat-2-Raketen, die als Vorläufer der späteren V-Waffen gelten. Mit Kriegsbeginn 1939 stationierte die Wehrmacht Truppen, Flakstellungen und weitere Einrichtungen auf Borkum. Die Insel wurde stark befestigt, Bunkeranlagen entstanden, und der Bäderbetrieb kam weitgehend zum Erliegen. Der Tourismus wurde stark eingeschränkt oder ganz unterbunden, während die Insulaner unter den Belastungen des Krieges litten.

Ein dunkles Kapitel markiert der 4. August 1944, als ein beschädigter amerikanischer Bomber vom Typ Boeing B-17 „Flying Fortress“ auf dem Muschelfeld am Nordstrand notlanden musste. Die sieben überlebenden US-Besatzungsmitglieder ergaben sich und wurden zunächst als Kriegsgefangene behandelt. Entgegen allen völkerrechtlichen Bestimmungen wurden sie jedoch misshandelt und anschließend von deutschen Soldaten ermordet. Dieses Kriegsverbrechen, bekannt als die Fliegermorde von Borkum, belastete die Inselgeschichte lange Zeit und wurde nach dem Krieg in Prozessen aufgearbeitet. Es steht bis heute als Mahnung für die Gräueltaten jener Jahre. Neben diesem Vorfall gab es auf Borkum auch Kriegsgefangenenlager, in denen unter anderem Franzosen, Russen, Ukrainer und Serben untergebracht waren.

Moderne Zeit

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 fiel Borkum in die britische Besatzungszone. Die alliierten Truppen schleiften die meisten Bunkeranlagen, was den Insulanern zumindest die Möglichkeit gab, die Rohstoffe für den Wiederaufbau zu nutzen. Die Insel hatte vergleichsweise wenige direkte Zerstörungen erlitten, nahm jedoch viele Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten auf, sodass die Einwohnerzahl zeitweise deutlich anstieg. Der Tourismus kam nur langsam wieder in Gang. Die ersten Badegäste kehrten ab 1947 zurück, und bereits 1949 erhielt Borkum die staatliche Anerkennung als Meeresheilbad. 1954 wurde die Gemeinde zur Stadt erhoben. Ab 1958 etablierte sich erneut ein Marinestützpunkt der Bundesmarine auf der Insel, der bis 1996 bestand und zeitweise eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielte. Die Präsenz der Marine brachte zusätzliche Arbeitsplätze, prägte aber auch das Alltagsleben und das Bild der Insel als Ort mit militärischer Tradition.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Borkum kontinuierlich zu einem der bedeutendsten Nordseebäder Deutschlands. Die heilende Seeluft, die weiten Strände, die Dünenlandschaft und das jodreiche Klima zogen immer mehr Erholungssuchende an. Moderne Infrastruktur entstand: neue Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und später das Gezeitenland als modernes Wellenbad. Die traditionellen Bräuche wie der Klaasohm blieben lebendig und wurden teilweise behutsam an die veränderten Zeiten angepasst, während die alten Mythen und Sagen – von Störtebeckers Schatz über die Geister ertrunkener Seeleute bis hin zu den Geschichten aufgebrachter Frauen – weiterhin erzählt wurden und den Inselbesuchern jenen romantisch-mystischen Charme vermittelten, der Borkum auszeichnet. Prominente Gäste und Naturfreunde setzten die Tradition fort, die schon Wilhelm Busch und Ferdinand von Droste zu Hülshoff begründet hatten. Die Insel profitierte von ihrer Abgeschiedenheit und zugleich von guten Schiffsverbindungen zum Festland.

Bis in die 2010er Jahre wuchs der Tourismus stetig. Übernachtungszahlen stiegen auf über zwei Millionen pro Jahr, Borkum erreichte zeitweise die Marke von 300.000 Gästen jährlich und gehörte zu den führenden Ostfriesischen Inseln. Investitionen in Nachhaltigkeit, Klimaschutz, barrierefreie Angebote und die Attraktivierung der Promenade sowie des Kurviertels sollten die Zukunft sichern. Die Insulaner lebten fast vollständig vom Tourismus, der Arbeitsplätze schuf und den Wohlstand der Gemeinde trug. Gleichzeitig blieb Borkum ein Ort mit starker lokaler Identität, wo friesische Traditionen, das Plattdeutsche und die enge Verbundenheit mit dem Meer gepflegt wurden.

Die Zeit bis zur Coronazeit war geprägt von Optimismus und planerischer Weitsicht. Projekte wie „Borkum 2030“ zielten auf eine zukunftsfähige, klimaneutrale und qualitativ hochwertige touristische Entwicklung. Die Mythen der Vergangenheit – verheerende Unglücke, Seeräuberlegenden und die symbolischen Bräuche – verbanden sich mit der modernen Rolle als Gesundheits- und Erholungsinsel. Die dramatischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, insbesondere die Fliegermorde, wurden in Gedenkstätten und Ausstellungen aufgearbeitet und mahnten zur Erinnerung.

Mit dem Beginn der Coronazeit 2020 erlebte Borkum wie viele Tourismusorte einen plötzlichen Einbruch. Der Lockdown und Reisebeschränkungen trafen die inseltypische Saisonwirtschaft hart. Dennoch nutzten Verantwortliche und Gastgeber die Krise auch als Chance, um Konzepte für einen nachhaltigeren, resilienteren Tourismus zu entwickeln.

Verwaltung

Borkum ist seit 1946 eine Stadtgemeinde im Landkreis Leer des deutschen Bundeslandes Niedersachsen. Zur Stadt Borkum gehören der gleichnamige Ort im Westen der Insel sowie die kleineren Ortsteile Ostland (im Osten der Insel) und Reede (im Südosten am Hafen).


Herrschaftsgeschichte

  • 8. Jahrhundert bis 23. Dezember 1464 Freies Friesland
  • 23. Dezember 1464 bis 25. Mai 1744 Grafschaft Ostfriesland als Reichslehen im Heiligen Römischen Reich (Sacrum Romanum Imperium)
  • 25. Mai 1744 bis 6. August 1806 Provinz Ostfriesland im Königreich Preußen
  • 6. August 1806 bis 1807 Königreich Preußen
  • 1807 bis 1. Juli 1810 Königreichs Holland (Koninkrijk Holland) unter Kontrolle durch das Kaiserreich Frankreich (Empire français)
  • 1. Juli 1810 bis 31- Dezember 1813 Kaiserreich Frankreich (Empire français)
  • 1. Januar 1814 bis 30 Juni 1815 Alliierte Verwaltung
  • 30. Juni 1815 bis 20. Deptember 1866 Königreichs Hannover
  • 20. Dezember 1866 bis 18. Januar 1871 Königreich Preußen
  • 18. Januar 1871 bis 9. November 1918 Deutsches Kaiserreichs
  • 9. Neovember 1918 bis 30. Januar 1933 Weimarer Republik (Deutsches Reich)
  • 30. Januar 1933 bis 8. Mai 1945 Deutsches Reich
  • 9. Mai 1945 bis 1. November 1946 Besatzungsfreies Gebiet Ostfriesland
  • seit 1. November 1946 Bundesland Niedersachsen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland

Legislative und Exekutive

Der Rat der Stadt Borkum stellt das zentrale politische Entscheidungsorgan der ostfriesischen Inselstadt dar und übernimmt eine wesentliche Rolle in der kommunalen Selbstverwaltung. Als gewähltes Gremium repräsentiert er die Interessen der Bürgerinnen und Bürger und trifft grundlegende Entscheidungen zur Entwicklung, Verwaltung und Zukunftsgestaltung der Stadt. Die Mitglieder des Rates werden in regelmäßigen Kommunalwahlen demokratisch bestimmt, wodurch sichergestellt wird, dass unterschiedliche politische Auffassungen und gesellschaftliche Gruppen in die Entscheidungsprozesse einfließen.

Die Aufgaben des Rates sind vielfältig und reichen von der Festlegung des Haushaltsplans über die Planung von Infrastrukturprojekten bis hin zur Gestaltung von sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Besonders für eine Inselstadt wie Borkum spielen dabei spezifische Themen eine wichtige Rolle, etwa der Küstenschutz, der Tourismus, die Umweltpolitik sowie die Sicherstellung einer nachhaltigen Versorgung der Bevölkerung. Der Rat muss dabei häufig zwischen wirtschaftlichen Interessen, beispielsweise im Bereich des Tourismus, und ökologischen Notwendigkeiten abwägen, um langfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Ein weiterer zentraler Bestandteil der Arbeit des Stadtrates ist die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und dem Bürgermeister. Während die Verwaltung für die Umsetzung der Beschlüsse verantwortlich ist, gibt der Rat die politischen Leitlinien vor. Diese enge Verzahnung von politischer Entscheidung und administrativer Ausführung ist ein wesentliches Merkmal kommunaler Politik in Deutschland. Durch Ausschüsse, die sich mit spezifischen Themenbereichen wie Finanzen, Bauwesen oder Soziales befassen, wird die Arbeit des Rates zusätzlich strukturiert und vertieft.

Darüber hinaus kommt dem Rat der Stadt Borkum auch eine wichtige kommunikative Funktion zu. Er dient als Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Verwaltung, indem er Anliegen, Wünsche und Kritik der Bürger aufnimmt und in politische Prozesse einbringt. Öffentliche Sitzungen ermöglichen Transparenz und geben den Einwohnern die Möglichkeit, politische Entscheidungen nachzuvollziehen und sich aktiv am kommunalen Geschehen zu beteiligen.

Inseloberhaupt

Oberster Repräsentant der Insel ist der Bürgermeister. Ab dem 1. Juli 2005 war Kristin Mahlitz (SPD) die erste hauptamtliche Bürgermeisterin der Stadt Borkum. Die gebürtige Wilhelmshavenerin war bis zum 31. Oktober 2011 gewählt und trat nicht erneut an. Bei der Bürgermeisterwahl am 11. September 2011 setzte sich der unabhängige Kandidat Georg Lübben mit 52,5 Prozent aller Stimmen gegen seine Mitbewerber Derk-Michels Steemann (37,2 %), Susanne Kaminski (8,8 %) und Katharina Mareike Neumann (1,5 %) durch. Bei der Bürgermeisterwahl 2019 gewann Jürgen Tönjes Akkermann mit 54,5 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang gegen Markus Stanggassinger (SPD, 23,5 %), Derk Michels Steemann (parteilos, 21,4 %) und Ziegler (parteilos, 0,65 %).


Bürgermeister von Borkum

  • 2005 - 2011  Kristin Mahlitz (SPD)
  • 2011 - 2019  Georg Lübben
  • seit 2019  Jürgen Tönjes Akkermann

Politische Gruppierungen

Zu den klassischen Parteien, die auch auf Borkum vertreten sind oder waren, gehören unter anderem die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU), die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) sowie die Freie Demokratische Partei (FDP). Diese Parteien bringen ihre jeweiligen politischen Grundhaltungen in die Kommunalpolitik ein, wobei es auf lokaler Ebene oft weniger um ideologische Grundsatzfragen als vielmehr um pragmatische Lösungen für konkrete Probleme geht, etwa in den Bereichen Tourismus, Infrastruktur, Umwelt- und Küstenschutz.

Neben den großen etablierten Parteien spielen auf kommunaler Ebene häufig auch unabhängige Wählergemeinschaften eine wichtige Rolle. Diese Zusammenschlüsse entstehen oft aus bürgerschaftlichem Engagement heraus und konzentrieren sich gezielt auf lokale Themen, die für die Insel besonders relevant sind. Sie können eine starke Position im Stadtrat einnehmen, da sie häufig näher an den unmittelbaren Interessen der Bevölkerung agieren und weniger an bundespolitische Vorgaben gebunden sind.

Borkum gehört zum Bundestagswahlkreis Unterems (Wahlkreis 26), der aus dem Landkreis Leer und dem nördlichen Teil des Landkreises Emsland besteht. Der Wahlkreis wurde zur Bundestagswahl 1980 neu zugeschnitten und ist seitdem unverändert. Bislang setzten sich in diesem Wahlkreis ausschließlich CDU-Kandidaten durch. Während in fast allen Kommunen des Landkreises Leer die SPD vor der CDU lag, führte letztere in den Kommunen des nördlichen Emslands sehr deutlich – viel deutlicher, als die SPD im Leeraner Raum vor der CDU lag. Borkum gehört zum Landtagswahlkreis 84 Leer / Borkum, der die Städte Borkum und Weener sowie die Gemeinden Bunde, Jemgum, Moormerland und Westoverledingen umfasst.

Militär

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts war Borkum ein bedeutender Militärstützpunkt. 1902 erhielt die Insel den Status einer Seefestung. Die Marine erweiterte für ihren Materialtransport auch den Umfang der Borkumer Kleinbahn mit mehreren Querverbindungen auf der Insel. 1934 begann Wernher von Braun mit Raketenversuchen auf Borkum, die später in Peenemünde fortgesetzt wurden. 1956 zog die neugegründete Bundeswehr mit einer Seemannschaftslehrgruppe in die Kasernen auf der Insel ein. In der Folgezeit entstanden zahlreiche Arbeitsplätze bei der Bundeswehr, die etwa 20 % der sozialversicherungspflichtigen Dauerarbeitsverhältnisse der Insel ausmachten. 1996 wurde die Seemannschaftslehrgruppe aufgelöst und sämtliche Arbeitsplätze bei der Bundesmarine gingen verloren. Die militärischen Schulungsaufgaben wurden hauptsächlich nach Stralsund verlegt. Dorthin zogen auch viele Borkumer Bundeswehrangehörige um. In den Gebäuden der Bundesmarine wurde eine Jugendherberge eingerichtet. Diese ist mit 582 Betten die größte in Europa.

Justizwesen und Kriminalität

Als Teil des Bundeslandes Niedersachsen unterliegt Borkum vollständig der deutschen Gesetzgebung, wodurch die Zuständigkeit für Strafverfolgung, Rechtsprechung und Gefahrenabwehr klar geregelt ist. Für die Rechtsprechung ist in der Regel das zuständige Amtsgericht auf dem Festland verantwortlich, während schwerwiegendere Fälle vor höheren Instanzen verhandelt werden. Dadurch wird sichergestellt, dass auch auf einer vergleichsweise kleinen Insel ein funktionierendes und rechtsstaatlich abgesichertes Justizsystem besteht.

Die polizeiliche Arbeit auf Borkum wird durch eine örtliche Polizeidienststelle gewährleistet, die sowohl präventive Maßnahmen als auch die Aufklärung von Straftaten übernimmt. Aufgrund der überschaubaren Größe der Insel und der relativ kleinen Einwohnerzahl ist die Kriminalitätsrate im Vergleich zu städtischen Ballungsräumen in der Regel eher niedrig. Typische Delikte umfassen vor allem kleinere Eigentumsdelikte wie Diebstahl, insbesondere während der touristischen Hochsaison, wenn sich deutlich mehr Menschen auf der Insel aufhalten. Auch Ordnungswidrigkeiten, etwa im Zusammenhang mit Lärmbelästigung oder Alkohol, spielen eine gewisse Rolle.

Ein besonderer Einflussfaktor auf die Kriminalität ist der Tourismus, der für Borkum wirtschaftlich von großer Bedeutung ist. In den Sommermonaten steigt die Zahl der Besucher stark an, was naturgemäß auch zu einer erhöhten Anzahl an polizeilichen Einsätzen führen kann. Dennoch bleibt die Sicherheitslage insgesamt stabil, da durch verstärkte Polizeipräsenz und präventive Maßnahmen auf die saisonalen Schwankungen reagiert wird. Die enge Gemeinschaft auf der Insel trägt zusätzlich dazu bei, dass auffällige Entwicklungen schnell bemerkt und gemeldet werden.

Auch die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Verwaltung und anderen Institutionen spielt eine wichtige Rolle für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit. Präventionsprogramme, Aufklärungskampagnen und die Einbindung der Bevölkerung fördern ein Sicherheitsgefühl und helfen, Straftaten vorzubeugen. In Notfällen kann zudem Unterstützung vom Festland angefordert werden, wodurch die begrenzten personellen Ressourcen der Insel ergänzt werden.

Flagge und Wappen

Die Blasonierung des Wappens ist gespalten von Grün und Silber und mit einem goldenen Fadenbord versehen; vorne übereinander zwei silberne Wale, hinten auf blauen und silbernen Wellen ein roter Leuchtturm; über dem Schild bogenförmig ein goldenes Spruchband mit den Worten MEDIIS TRANQUILLUS IN UNDIS in schwarzen Großbuchstaben. Der lateinische Wahlspruch ist dem alten Kirchensiegel Borkums entnommen und bedeutet übersetzt: „ruhig inmitten der Wogen“.

Die Flagge zeigt in Grün ein weißes Kreuz, dessen Arme die Breite von 3/13 der Flaggenhöhe haben. Im oberen Eck am Liek befinden sich drei waagerechte Streifen schwarz-rot-blau, auf dem Schnittpunkt der Kreuzarme eine kreisförmige blaue Scheibe mit einem Durchmesser von etwa der halben Flaggenhöhe, darauf ein roter Leuchtturm, von dem beiderseits gelbe Leuchtbündel ausgehen. Der Turm steht auf einem schwebenden grünen Hügel, mit weißem Wellenbalken darunter. Auf breitem weißem Scheibenrand in Schwarz der Satz MEDIIS TRANQUILLUS IN UNDIS. Die Flagge wurde am 28. September 1929 festgelegt und am 31. Juli 1930 erstmals am Borkumer Strand gehisst. Der Lehrer Jakob Everts Teerling hatte sie entworfen. Die grüne Farbe des Tuches symbolisiert die „Grüne Insel“, wie Borkum um 1930 noch genannt wird. Das weiße Kreuz deutet auf die Reinheit des weißen Strandes und der gesunden Luft hin. Das Schwarz-Rot-Blau ist die ostfriesische Flagge und steht für Ernst, Liebe und Treue.

Hauptort

Die Stadt Borkum bildet das zentrale Siedlungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebiet der gleichnamigen Nordseeinsel und ist zugleich ihr gesellschaftlicher Mittelpunkt. Als einziger größerer Ort auf der Insel vereint er nahezu alle wichtigen Einrichtungen des öffentlichen Lebens, darunter die Stadtverwaltung, Schulen, medizinische Versorgungseinrichtungen sowie zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten und touristische Angebote. Durch diese Konzentration von Infrastruktur kommt dem Hauptort eine herausragende Bedeutung für die Lebensqualität der Einwohner und die Organisation des Insellebens zu.

Verwaltungsgliederung

Zur Stadt Borkum gehören der gleichnamige Ort im Westen der Insel sowie die kleineren Ortsteile Ostland (im Osten der Insel) und Reede (im Südosten am Hafen).


           Verwaltungseinheiten:

           3 Ortsteile

Bevölkerung

Im 18. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl Borkums kontinuierlich an, da der Walfang vielen Borkumern Wohlstand einbrachte. Im 19. Jahrhundert ließ der Walfang zunächst nach und wurde auf Grund des holländisch-englischen Seekriegs endgültig eingestellt. In der Folge setzte auf der Insel Armut ein und viele Einwohner verließen ihre Heimat. Die Einwohnerzahl erreichte gegen 1811 einen Tiefstand von 406 Personen. Nach der Ausrichtung Borkums als Badeort stieg die Einwohnerzahl ab 1850 wieder an. Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 30,74 km², ab 2019 30,97 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1606                   170                   5,53

           1713                   468                 15,22

           1776                   852                 27,72

           1781                   812                 26,42

           1786                   732                 23,81

           1811                   406                 13,21

           1818                   460                 14,96

           1821                   485                 15,78

           1824                   439                 14,28

           1836                   418                 13,60

           1848                   421                 13,69

           1850                   436                 14,18

           1865                   570                 18,54

           1870                   592                 19,26

           1875                   617                 20,07

           1880                   840                 27,33

           1885                   898                 29,21

           1890                1 200                 39,04

           1895                1 629                 52,99

           1900                2 114                 68,77

           1910                3 332               108,36

           1914                3 300               107,35

           1925                4 950               160,98

           1933                3 977               129,33

           1939                4 781               155,53

           1946                5 976               194,34

           1949                6 044               196,62

           1956                5 199               169,07

           1961                5 784               188,10

           1968                6 309               205,17

           1970                8 547               277,95

           1975                8 495               276,35

           1977                7 933               258,07

           1978                8 177               266,01

           1981                7 950               258,62

           1987                5 646               183,67

           1990                5 714               185,88

           1991                5 775               187,87

           1992                5 828               189,96

           1993                5 899               191,90

           1994                5 970               194,21

           1995                5 921               192,62

           1996                5 850               190,31

           1997                5 792               188,42

           1998                5 731               186,43

           1999                5 695               185,26

           2000                5 650               183,80

           2001                5 587               181,69

           2002                5 559               180,84

           2003                5 521               179,60

           2004                5 487               178,50

           2005                5 513               179,34

           2006                5 420               176,32

           2007                5 323               173,16

           2008                5 250               170,79

           2009                5 186               168,71

           2010                5 158               167,79

           2011                5 133               166,98

           2012                5 132               166,95

           2013                5 208               169,42

           2014                5 256               170,98

           2015                5 225               169,97

           2016                5 480               178,27

           2017                5 118               166,49

           2018                5 125               166,72

           2019                5 078               163,97

           2020                5 002               161,51

           2021                5 008               161,70

           2022                4 468               144,27

           2023                4 337               140,04

           2024                4 325               139,65


Die Bevölkerung sank von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 1,486 % pro Jahr.


Bevölkerungsaufteilung 2001:

  • Bevölkerungszahl insgesamt  5.587
  • weiblich  3.053 (54,64 %)
  • männlich  2.534 (45,36 %)

Volksgruppen

Die Bevölkerung Borkums ist seit ihrer ersten dauerhaften Besiedlung im späten Mittelalter geprägt von einer relativ homogenen friesisch-niederdeutschen Volksgruppe, die sich über Jahrhunderte hinweg durch Isolation, Seefahrt und enge familiäre Bande entwickelt hat. Die ursprünglichen Bewohner waren friesischer Herkunft, wie es für die gesamte ostfriesische Region typisch ist. Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit lebten auf der Insel vor allem friesische Familien, die sich auf den höher gelegenen Sandrücken niederließen und von Fischfang, Strandgutbergung und später vom Walfang lebten. Durch die Nähe zu den Niederlanden und die politischen Verbindungen kam es immer wieder zu Zuzug aus dem benachbarten Groningen und anderen niederländischen Gebieten. Viele Borkumer Männer fuhren auf holländischen Walfangschiffen, heirateten teilweise Frauen aus den Niederlanden und brachten niederländische Einflüsse mit nach Hause.

Ab dem 19. Jahrhunderts und insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg ergänzten Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten die Insulanergemeinschaft, ebenso wie spätere Zuwanderer aus dem übrigen Deutschland, die im Tourismus oder bei der Marine Arbeit fanden. Dennoch blieb die Kernbevölkerung bis heute stark friesisch geprägt – eine Volksgruppe, die sich durch ihren friesischen Ursprung, ihre Seefahrertradition und ihre enge Verbundenheit mit dem Meer auszeichnet, ohne jedoch eine eigene anerkannte nationale Minderheit im engeren Sinne zu bilden wie die Nord- oder Saterfriesen auf dem Festland.

Staatsangehörigkeit 2011
Deutschland 4.829
Österreich 12
Italien 65
Polen 100
Russland 6
Europa (übrige Länder) 163
Afrika 9
Amerika 6
Asien 6
Geburtsland 2011
Deutschland 4.639
EU 27 334
Europa (übrige Länder) 74
sonstige Länder 54
unbekannt 95
Staatsangehörigkeit 2022
Deutschland 3.609
Polen 150
Türkei 13
Rumänien 443
Ukraine 10
Syrien 9
Italien 62
übrige Länder 172
Geburtsland 2022
Deutschland 3.501
Polen 175
Türkei 13
Russland 6
Rumänien 434
Kasachstan 4
Ukraine 7
Syrien 10
Italien 51
übrige Länder 267

Sprachen

Sprachlich spiegelt sich diese Geschichte in einer vielschichtigen Entwicklung wider. Im frühen Mittelalter war auf Borkum, wie in weiten Teilen Ostfrieslands, das Altfriesische die vorherrschende Sprache. Mit der Reformation und dem wachsenden Einfluss der Hanse sowie der ostfriesischen Grafen setzte sich jedoch das Plattdeutsche, genauer das ostfriesische Niederdeutsch, immer stärker durch und verdrängte das Friesische nach und nach vollständig. Auf Borkum entwickelte sich daraus eine ganz eigene Variante: das Börkumer Platt oder Borkumer Plattdeutsch. Dieses unterscheidet sich deutlich von den Plattdeutsch-Dialekten des ostfriesischen Festlands und steht sprachlich dem Groninger Platt in den benachbarten Niederlanden besonders nahe. Der Grund dafür liegt in den jahrhundertelangen politischen und wirtschaftlichen Verbindungen zu Holland. Besonders in der Frühen Neuzeit, als niederländische Auftraggeber im Walfang dominierten und Niederländisch zeitweise sogar als Standardsprache der Borkumer galt, flossen viele niederländische Wörter und Wendungen in den Alltag ein. In reformierten Teilen der Insel wurde lange auf Niederländisch gepredigt und unterrichtet, während im lutherischen Bereich Hochdeutsch Einzug hielt. Das eigentliche Friesische verschwand auf Borkum weitgehend, im Gegensatz zu anderen ostfriesischen Inseln oder dem Saterland, wo Reste des Friesischen bis heute überlebt haben.

Bis in die jüngste Vergangenheit war das Borkumer Platt die eigentliche Muttersprache fast aller Insulaner. Es wurde in den Familien, beim Klaasohm, beim Schweineschlachten und in allen alltäglichen Situationen gesprochen und trug maßgeblich zur starken insularen Identität bei. Hochdeutsch diente lange nur als Schriftsprache und Verkehrssprache gegenüber dem Festland. Mit dem Aufstieg des Tourismus im 19. und besonders im 20. Jahrhundert gewann das Hochdeutsche jedoch stark an Boden. Heute sprechen die meisten Borkumer fließend Hochdeutsch, viele auch Englisch und aufgrund der geografischen Nähe sowie der vielen niederländischen Gäste oft auch Niederländisch. Das Börkumer Platt wird zwar noch von vielen älteren Insulanern aktiv gepflegt und in lokalen Vereinen, bei Heimatabenden oder in plattdeutschen Geschichten lebendig gehalten, doch bei der jüngeren Generation und unter den zahlreichen Zugezogenen ist es spürbar zurückgegangen. Dennoch bleibt es ein wichtiger Teil der kulturellen Identität: Es klingt in manchen Familien, bei traditionellen Bräuchen oder in lokalen Veröffentlichungen immer wieder durch und unterscheidet die Borkumer sprachlich von anderen Ostfriesen.

Diese sprachliche und volkstümliche Entwicklung verbindet sich nahtlos mit den Mythen und Sagen der Insel. Viele der alten Geschichten von Störtebeckers Schatz, von aufgebrachten oder angeketteten Frauen und von verheerenden Unglücken wurden und werden bis heute vor allem im Borkumer Platt erzählt, was ihnen eine besondere Authentizität und Intimität verleiht. Die Bräuche wie der Klaasohm oder das rituelle Schweineschlachten leben ebenfalls in dieser Sprachwelt und stärken den Zusammenhalt der einheimischen Gemeinschaft, auch wenn der Tourismus die Insel längst zu einem internationalen Treffpunkt gemacht hat. Die Borkumer Volksgruppe, geprägt von friesischen Wurzeln, niederdeutscher Sprache mit niederländischem Einschlag und jahrhundertelanger Anpassung an Herrschaftswechsel, verkörpert so die typische ostfriesische Mischung aus Traditionsbewusstsein und weltoffener Gastfreundschaft. Wer heute auf Borkum unterwegs ist, spürt diese Schichten in den Gesprächen der Einheimischen, in den Straßennamen, in den alten Häusern und im unverwechselbaren Klang des Börkumer Platts, das wie ein leises Echo der bewegten Inselgeschichte klingt – getragen vom Wind und vom Rauschen der Nordsee.

Religion

Die Borkumer Bevölkerung war unter dem politischen und kulturellen Einfluss der Niederlande seit der Reformation meist evangelisch-reformiert. Erst durch den im 19. Jahrhunderts einsetzenden Bädertourismus kam es zum Zuzug von evangelisch-lutherischen und katholischen Bevölkerungsgruppen. Um 1880 entstand eine katholische Kirche. Die Betreuung der evangelisch-lutherischen Bevölkerung erfolgte zunächst durch den ortsansässigen reformierten Pfarrer. Erst am 1. Oktober 1903 wurde die evangelisch-lutherische Christuskirchengemeinde gegründet. Heute gibt es auf Borkum die evangelisch-reformierte Kirche, die evangelisch-lutherische Christuskirche, die römisch-katholische Kirche Maria Meeresstern und die neuapostolische Kirche.

Religion 2011 und 2022
evangelisch 2.806 1.825
römisch-katholisch 763 606
sonstige 1.627 2.037

Siedlungen

Der Siedlungsbereich auf Borkum umfasst etwa 15 % der Inselfläche: die im Westen gelegene eigentliche Ortschaft mit zirka 5.900 Einwohnern und 150.000 jährlichen Kurgästen (mit 2 Millionen Übernachtungen), die zwischen 1938 und 1942 fertiggestellte Hafenanlage im Süden, die tideunabhängige Fährverbindungen nach Emden und zum niederländischen Eemshaven ermöglichen, und das Flugplatzareal im Zentrum der Insel. Borkum ist neben Norderney die einzige Ostfriesische Insel mit eingeschränkt erlaubtem Autoverkehr.

Städtebaulich ist der Hauptort geprägt von einer Mischung aus traditionellen ostfriesischen Gebäuden und moderner Bäderarchitektur, die auf die lange Geschichte Borkums als Nordseeheilbad zurückgeht. Besonders charakteristisch sind die zahlreichen Pensionen, Hotels und Ferienwohnungen, die das Ortsbild bestimmen und auf den starken Tourismus ausgerichtet sind. Promenaden, gepflegte Grünanlagen und der Zugang zu den Stränden verleihen dem Ort zusätzlich einen hohen Freizeit- und Erholungswert.

Wirtschaftlich stellt der Hauptort das Zentrum des Tourismus dar, der die wichtigste Einnahmequelle der Insel ist. Gastronomiebetriebe, Einzelhandel und Dienstleistungsunternehmen profitieren in hohem Maße von den Besucherzahlen, die vor allem in den Sommermonaten stark ansteigen. Gleichzeitig erfüllt der Ort aber auch wichtige Versorgungsfunktionen für die einheimische Bevölkerung, wodurch ein Gleichgewicht zwischen touristischer Nutzung und alltäglichem Leben geschaffen werden muss.

Ein weiterer bedeutender Aspekt ist die verkehrliche Anbindung innerhalb der Insel. Vom Hauptort aus führen Straßen, Radwege und die Inselbahn in andere Teile Borkums, wodurch er als Knotenpunkt für Mobilität fungiert. Auch der Hafen und der Bahnhof sind eng mit dem Ortszentrum verbunden und sorgen für die Anbindung an das Festland.

Verkehr

Neben dem Luftverkehr bestehen überregionale Verkehrsverbindungen per Zug und Schiff. Zum Bahnhof Emden Außenhafen am Fähranleger verkehren Fern- und Nahverkehrszüge. Eine Fahrt von Trier mit einem Intercity-Zug und Schiff bis Borkum-Reede dauert rund neun Stunden.

Straßenverkehr

Auf Borkum gestaltet sich der Straßenverkehr in einer ganz eigenen, inseltypischen Weise, die sich deutlich von den autofreien ostfriesischen Inseln wie Juist, Baltrum oder Langeoog unterscheidet. Neben Norderney ist Borkum die einzige ostfriesische Insel, auf der private Kraftfahrzeuge grundsätzlich gefahren werden dürfen. Diese Besonderheit hat historische Wurzeln in der Größe der Insel und in der Entwicklung zum modernen Seebad im 20. Jahrhundert. Bereits in den 1950er und 1960er Jahren, als der Tourismus wieder Fahrt aufnahm und immer mehr Gäste mit eigenem Gepäck anreisten, entschied man sich bewusst dafür, den Autoverkehr zuzulassen – allerdings unter strengen Auflagen, die den Charakter der Insel als Erholungsort schützen sollten.

Heute ist der private Autoverkehr während der Sommersaison stark reglementiert, um die Ruhe der Gäste, die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern sowie die empfindliche Dünen- und Wattlandschaft zu bewahren. Zu diesem Zweck sind innerorts zwei klar definierte Zonen eingerichtet. Der Ortskern bildet die sogenannte rote Zone und ist für den privaten Autoverkehr vollständig gesperrt. Hier dürfen nur Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs, Taxis, Lieferanten mit Genehmigung sowie Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei fahren. Diese Regelung schafft im Zentrum eine weitgehend autofreie, fußgänger- und radfahrerfreundliche Atmosphäre, in der die historischen Häuser, Geschäfte, Cafés und die Promenade besonders entspannt genossen werden können.

Im übrigen Inselbereich außerhalb des roten Kerns gilt eine weitere Einschränkung: Private Kraftfahrzeuge dürfen dort zur Nachtzeit zwischen 21 und 7 Uhr nicht gefahren werden. Diese Nachtfahrverbotsregelung soll vor allem die Erholung der Gäste sicherstellen und unnötigen Lärm in den Abend- und Morgenstunden vermeiden. Tagsüber ist der Verkehr in diesen Bereichen erlaubt, allerdings gelten auch hier Geschwindigkeitsbegrenzungen, Parkregelungen und ein starkes Gebot zur Rücksichtnahme. Viele Einheimische und Dauergäste nutzen ihre Fahrzeuge vor allem für den Transport größerer Gepäckstücke oder für Fahrten zu entlegeneren Teilen der Insel, wie etwa zum FKK-Strand, zu den Dünen oder zu den Naturschutzgebieten.

Neben den privaten Autos spielen andere Verkehrsmittel eine wichtige Rolle. Die meisten Gäste bewegen sich mit dem Fahrrad fort, das auf Borkum das mit Abstand beliebteste Fortbewegungsmittel ist. Zahlreiche gut ausgebaute Radwege durchziehen die Dünen und führen zu den Stränden und Aussichtspunkten. Elektroräder und Lastenräder erleichtern den Transport von Einkäufen oder Kindern. Darüber hinaus gibt es einen gut organisierten öffentlichen Inselbusverkehr, der die wichtigsten Punkte der Insel verbindet und vor allem für ältere Gäste oder bei schlechtem Wetter eine praktische Alternative darstellt. Pferdekutschen, die traditionell auf vielen ostfriesischen Inseln eingesetzt werden, sind auf Borkum eher selten geworden, da der Autoverkehr teilweise ihre Funktion übernommen hat.

Die Reglementierung des Straßenverkehrs spiegelt die jahrhundertealte Spannung Borkums zwischen Abgeschiedenheit und Modernität wider. Schon in der Frühen Neuzeit und im 19. Jahrhundert, als die ersten Badegäste kamen, musste die Insel lernen, mit wachsendem Verkehr und neuen Ansprüchen umzugehen. Die heutigen Zonenregelungen sind das Ergebnis langer Diskussionen zwischen Inselverwaltung, Einheimischen und Tourismuswirtschaft. Sie sollen verhindern, dass Borkum zu einem weiteren autofreundlichen Ferienort wird, und gleichzeitig die einzigartige Lebensqualität bewahren. Viele Insulaner sehen in der begrenzten Zulassung privater Fahrzeuge einen guten Kompromiss: Man bleibt erreichbar und mobil, ohne den ruhigen, naturnahen Charakter der Insel zu verlieren.

Bahnverkehr

Die Borkumer Kleinbahn ist eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 900 mm auf der ostfriesischen Nordseeinsel Borkum. Die wichtigsten Ortsteile der Insel, Borkum-Stadt (Bahnhof Borkum), Borkum-Dorf (Haltepunkt Jakob-van-Dyken-Weg) und Borkum-Reede (Bahnhof Reede), verfügen über Stationen, die durch die Borkumer Kleinbahn tagsüber mindestens im Zweistundentakt angefahren werden. Die Strecke stellt bis heute die wichtigste Verkehrsader der Insel dar. Die Borkumer Inselbahn ist inzwischen eine Nebenbahn, nennt sich aber weiterhin Kleinbahn. Die Borkumer Kleinbahn ist die letzte zweigleisige 900-mm-Schmalspurbahn in Deutschland.

Im Jahre 1879 wurde auf Borkum zunächst eine schmalspurige Pferdebahn gebaut, die nach dem Brand des alten Borkumer Leuchtturms dem Transport des Baumaterials vom Watt in die Innenstadt für die Errichtung des neuen Leuchtturmes dienen sollte.

Baubeginn der lokomotivbetriebenen Bahn war im Jahre 1883. Sie wurde am 15. Juni 1888 in Betrieb genommen und wird heute von der AG Ems betrieben. Im Jahre 1902, nachdem Kaiser Wilhelm II. der Insel Borkum den Status einer Seefestung verliehen hatte, wurde die Bahn nicht zuletzt wegen der Baumaterialtransporte zweigleisig ausgebaut. Neben der Zittauer Schmalspurbahn war sie die einzige Schmalspurbahn im Deutschen Reich mit zweigleisigem Betrieb. Im Jahre 1938 lagen auf Borkum rund 45 km Gleis, nachdem die Marine zahlreiche Gleisanschlüsse und zusätzliche Querverbindungen gebaut hatte. Diese militärisch genutzten Feldbahnstrecken verbanden den Inselort mit verschiedenen Festungsanlagen. Der Fuhrpark bestand aus sechs Lokomotiven sowie 70 Waggons, hinzu kamen zahlreiche Marinefahrzeuge.

In den 1970er Jahren geriet die Inselbahn in wirtschaftliche Turbulenzen. Trotzdem nahm die Bedeutung der Bahn in Folge des immer stärker werdenden Tourismus zu, so dass in den 1990er Jahren zahlreiche Neuanschaffungen im Fuhrpark getätigt werden konnten. Der heute noch vorhandene Streckenteil vom Hafen in den Ort besteht aus zwei 900-mm-Gleisen auf einer Länge von rund 7,5 Kilometern.

Im Sommer 2006 wurden umfangreiche Bauarbeiten an der Kleinbahn durchgeführt. So erhielt der Haltepunkt „Van-Dyken-Weg“ neue Bahnsteige und neue Wartehäuschen. Außerdem wurden die Bahnübergänge im gesamten Stadtgebiet mit Halbschranken und Ampeln gesichert. Im Jahr 2007 wurde bei den Regelpersonenzügen ein Wendezugbetrieb in Sandwichbespannung (Lok + Waggons + Lok) eingeführt. Für diesen Zweck wurde eine neue Diesellok („Aurich“) beschafft. Die an der Spitze fahrende Lok zieht den Zug, während die Lok am Zugende nur mitläuft, was das Umsetzen der Lokomotiven am Endbahnhof erspart.

Zwei „borkumtypische“ Besonderheiten gibt es aber weiterhin: Zum einen das Pfeifen der Züge zur Absicherung der Bahnübergänge – jetzt nur noch an den unbeschrankten Bahnübergängen – und zum anderen das Umsetzen der Lok an den Endbahnhöfen bei einzelnen Fahrten ohne Sandwichbespannung.

Im Rahmen eines langfristigen Investitionsprogramms wurde 1993/94 der Fahrzeugpark erneuert. Die Hauptlast des Verkehrs tragen seitdem die 1993/94 bei Schöma gebauten drei zweiachsigen Diesellokomotiven Hannover, Berlin und MünsterIII. Zur Einsparung des Lokwechsels an den Endbahnhöfen wurde 2007, wieder bei Schöma, eine gleichartige Lok Aurich beschafft.

Mit dem Investitionsprogramm wurde auch der Wagenpark erneuert. 1993 und 1994 wurde je eine komplette Wagengarnitur, bestehend aus je acht Personenwagen und einem Sonderwagen, von Waggonbau Bautzen geliefert. Im äußeren Erscheinungsbild wurden sie den alten bis dahin auf Borkum verkehrenden Wagen der Bauart Weyer angeglichen. Lokomotiven und Wagen sind abweichend von der bisherigen Kupplungsart mit einer Scharfenberg-Kupplung ausgerüstet.

Außerdem sind noch drei ältere Diesellokomotiven Leer (Baujahr 1935), MünsterII (Baujahr 1957) und Emden (Baujahr 1970) im Einsatz. Lok Emden zieht in der Hauptsaison zu den Spitzenzeiten häufig einen dritten Zug, der aus bis zu neun historischen Wagen besteht. Der historische Zug wird regelmäßig auch mit der zweiachsigen Dampflok Borkum eingesetzt. Diese Dampflok hieß ursprünglich „Dollart“ (Baujahr 1942) und war bis 1962 im Einsatz. Von 1978 bis 1995 stand sie als Denkmal am Kurpark und ist nach umfangreicher Wiederaufarbeitung im Dampflokwerk Meiningen seit 1997 wieder betriebsfähig.

Von den Wagen, die bis 1993 die Hauptlast des Verkehrs getragen hatten, sind heute noch zehn vierachsige Personenwagen (Baujahre 1908 bis 1928; Hersteller waren Weyer, HAWA, Waggonfabrik Oldenburg) vorhanden. Acht von ihnen bilden den Verstärkungszug. Im Jahre 2008 wurde der Wagen 42 zum Salonwagen umgebaut (Einbau von Polsterbänken sowie grundlegende Renovierung) und der Wagen 45 wurde zum Bistrowagen umgebaut (Einbau eines wageneigenenen Generators, einer Theke sowie Beleuchtung). Daneben sind noch ein zweiachsiger Personenwagen (Nr. 17, Baujahr 1889) und ein zweiachsiger Salonwagen (Nr. 38, sogenannt „Kaiserwagen“, Baujahr 1905), sowie zwei ehemalige Marinebahnwagen (Vierachs-Wagen Nr. 1 und Zweiachser Nr. 2) als historischer Zug (mit der Dampflok Borkum) vorhanden.

Der Verstärkungszug besteht meist aus sieben der Vierachs-Wagen und einem der ebenfalls noch vorhandenen Packwagen (Nr. 39 und 48). Der Bestand umfasst weiterhin noch zwei gedeckte zweiachsige Güterwagen (Nr. 33 und 55), zwei vierachsige Flachwagen (60 und 62) sowie einen zweiachsigen Flachwagen, der aus dem Packwagen 9 hervorging und 2007 „zurückgebaut“ wurde. Alle diese Fahrzeuge haben die traditionelle Borkumer Kupplung mit zwei Außenpuffern und mittigem Kupplungshaken und werden zum Beispiel bei (Gleis-) Bauarbeiten herangezogen.

Schließlich gehört noch ein Wismarer Schienenbus (Baujahr 1940) zum Fahrzeugpark, der ebenfalls regelmäßig zum Einsatz kommt. Dieses Fahrzeug war schon 1936 von der Bahn bestellt worden. Bis 1971 wurde er in verkehrsschwachen Zeiten regelmäßig eingesetzt. 1977 wurde er an die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte verkauft, die aber keine dauerhafte Einsatz- oder Präsentationsmöglichkeit fand. So wurde er 1997 von der Borkumer Kleinbahn zurückgekauft und mit neuen Motoren wieder betriebsfähig hergerichtet. Ebenfalls verkauft wurde 1978 der etwas kleinere T2, Baujahr 1939, der 1947 von der Fliegerhorstkommandantur übernommen worden war. Auch er war bis 1971 im Einsatz, teilweise auch mit dem T1 zusammen, manchmal sogar mit dazwischengekuppelten Beiwagen. Nachdem ein Einsatz auf der Schmalspurbahn Warthausen-Ochsenhausen gescheitert war, ist er heute in Privatbesitz abgestellt. (nach wikipedia)

Schiffsverkehr

Der Verkehr zum niedersächsischen Festland nach Emden Außenhafen findet mit Autofähren statt. Die Fahrzeit beträgt etwa 2,5 Stunden. Daneben gibt es Katamarane als reine Passagierfähren, mit denen dieselbe Strecke in etwa einer Stunde zurückgelegt wird. Im Bahnhof Emden Außenhafen haben die Fähren Bahnanschluss Richtung Emden und weiter Richtung Rheine und Bremen. Der niederländische Hafen Eemshaven wird ebenfalls durch Autofähren angesteuert. Alle diese Fahrten werden von der Reederei AG Ems durchgeführt. Die Fahrpläne sind tideunabhängig, das heißt die Abfahrtzeiten sind nicht von den Gezeiten abhängig. Daneben gibt es auf Borkum mehrere Schiffe, die für Ausflugsfahrten, beispielsweise zu den Nachbarinseln, genutzt werden. Das größte dieser Schiffe ist die Wappen von Borkum.


Borkumer Hafen

  • Lage: 53°34‘ N, 6°47‘ O
  • maximaler Tidenhub: 
  • Hafenerrichtung:
  • Funktionen:
  • Hafenfläche: 9 ha
  • Zahl der Piers:  6
  • Kai- und Pierlänge: 
  • Anlegestellen: 300 (davon 250 im Jachthafen)
  • maximaler Tiefgang:  2,3 m
  • Leuchtfeuer: 0


Aufgrund seiner Lage in der Emsmündung wurden auf Borkum bereits frühzeitig Seezeichen zur Kennzeichnung des Emsfahrwassers errichtet. Heute befinden sich gleich drei Leuchttürme und weitere Peilenrichtungen auf der Insel. 1576 wurde der heute noch bestehende Alte Leuchtturm durch die Stadt Emden als Seezeichen erbaut. Er ist damit das älteste Gebäude der Insel und ihr Wahrzeichen. Der 45 Meter hohe, rechteckige Turm entstand auf dem Fundament des alten Borkumer Kirchturms und diente anfangs nur als Tagesmarke.

Schifffahrtstechnisch war das Bauwerk zunächst nur eine Landmarke. Das erste Leuchtfeuer auf Borkum war eine sogenannte Feuerbake oder Blüse, die man im Nordwesten der Insel anlegte. Dieses Leuchtfeuer war tatsächlich ein offenes Feuer, das mit Steinkohle betrieben wurde.

Erst 1817 wurde auf dem Turm ein Leuchtfeuer eingerichtet. Dazu wurde das Schieferdach durch eine verglaste Kuppel aus Eisenträgern ersetzt. Die Befeuerung bestand aus 2  Argandschen Lampen, mit einem Parabolspiegel versehene Öllampen. Dieses neue Seezeichen war etwa sechs Seemeilen (knapp elf Kilometer) weit sichtbar.

Im obersten Stockwerk des Turmes (unter der Laterne) wurde ein Aufenthaltsraum für die Leuchtturmwärter eingerichtet, der mit einem eisernen Torfofen beheizt werden konnte. Das Rauchrohr führte man durch die Holzdecke nach außen.

1857 wurde die Beleuchtungsanlage ausgetauscht. Statt der Argandlampen wurde ein Fresnelscher Leuchtapparat II. Ordnung eingebaut. Das neue System erhöhte die Sichtweite des Lichts auf rund 13 Seemeilen. Im Februar 1879 entstand in der Holzdecke zwischen Wärterstube und Laterne ein Brand. Das Ofenrohr war im Laufe der Zeit durchgerostet und so konnten Funken das ausgetrocknete umgebende Holz entzünden. Im Wärterraum waren ca. 25 Liter Öl gelagert. Als das Feuer durch die Decke brach und sich dieses Öl entzündete, war der Turm nicht mehr zu retten. Schließlich stürzten brennende Trümmer bis ins Erdgeschoss. Dort waren in einer Grube weitere 2000 Liter Öl gelagert, die nun ebenfalls in Flammen aufgingen, sodass der Turm komplett ausbrannte.

Die Funktion als Leuchtturm erhielt das Bauwerk nicht wieder. Vielmehr wurde sofort damit begonnen den Neuen Leuchtturm am damals westlichen Ortsrand von Borkum zu errichten. Nach Fertigstellung des Neuen Leuchtturms wurde der alte Turm – ohne Laterne – wieder instand gesetzt und diente in der Folgezeit den unterschiedlichsten Zwecken, zum Beispiel als Brieftaubenstation für Verbindungen mit dem vor Borkum liegenden Feuerschiff Borkumriff. Von 1895 bis 1921 nutzte die Deutsche Seewarte Hamburg den Turm als Wetterbeobachtungsstation. Während der beiden Weltkriege konfiszierte das deutsche Militär den Turm zu Verteidigungszwecken. Von 1945 bis 1948 diente er der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger als Seenotfunkstelle. Danach verfiel das Baudenkmal immer mehr, bis die Stadt Borkum den Turm 1980 von der Bundesvermögensverwaltung kaufte und es 1982 an den Heimatverein Borkum e.V. übergab. Der Verein kümmerte sich seitdem mit breiter Unterstützung der Borkumer Bevölkerung um die Sanierung und machte den Alten Leuchtturm wieder zugänglich.

Direkt neben dem Alten Leuchtturm liegen heute das Heimatmuseum Borkum und der ehemalige Friedhof, die zusammen ein historisches Ensemble bilden. Der Alte Leuchtturm Borkum ist heute als ältestes Gebäude Borkums ein Wahrzeichen der Insel und ein Kulturdenkmal nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz. Der Turm gehört dem Heimatverein Borkum e. V., der ihn unterhält. Der Turmaufstieg ist seit Januar 2014 aus brandschutzrechtlichen Gründen für die Öffentlichkeit gesperrt. Im Erdgeschoss wird seit 2014 die Ausstellung „Land der Entdeckungen“ gezeigt, die die Ergebnisse eine archäologische Ausgrabung im Bereich des alten Borkumer Friedhofs zeigt.

Der Neue Leuchtturm Borkum, nautisch korrekt Großer Leuchtturm Borkum genannt, ist ein unter Denkmalschutz stehendes Seezeichen. Er steht im westlichen Teil des Stadtzentrums von Borkum, ist zwischen April und Oktober täglich zugänglich und kann bestiegen werden. Der Leuchtturm befindet sich an der Westseite der Insel und entstand 1879 in der Rekordzeit von nur sechs Monaten nach dem Brand des alten Leuchtturms. Der immer noch aktive Leuchtturm dient seit dem 15. November 1879 zur Orientierung vor der Emsmündung. Gleichzeitig trägt der Leuchtturm seit dem 1. Oktober 1891 ein Quermarkenfeuer mit dem Namen Westerems, das einen Kurswechsel für die in der Außenems fahrenden Schiffe vom Westeremsfahrwasser in das Randzelgat anzeigt. Beim Bau des 60,3 Meter hohen runden Turms wurden rund 1,5 Millionen schwarzbraune Ziegelsteine verbaut. Bis zu seiner Spitze führen 315 Treppenstufen. Bei seiner Inbetriebnahme erhielt der Leuchtturm eine drei Meter hohe Drehlinsenleuchte. Nach einer Umrüstung im Jahr 2004 besitzt er heute sechs große Linsenfelder, die drei Strahlenpaare mit einer Lichtstärke von 2 Millionen Candela pro Strahl erzeugen. Die Nennreichweite beträgt 24,4 Seemeilen (rund 45 km). Trotz der beeindruckenden Werte wird das Leuchtfeuer lediglich mit einer einzelnen 400 Watt Halogen-Metalldampflampe betrieben.

Bei seiner Inbetriebnahme erhielt der Leuchtturm eine 3 m hohe Drehlinsenleuchte. Seit einer Umrüstung 1908 besitzt er sechs große Linsenfelder, die drei Strahlenpaare mit einer Lichtstärke von 2 Millionen Candela pro Strahl erzeugen. Die Nennreichweite beträgt 24,4 Seemeilen (≈ 45 Kilometer). Das Leuchtfeuer wird mit einer 400-Watt-Halogen-Metalldampflampe auf einer Wechselvorrichtung betrieben. Der Neue Leuchtturm Borkum wird von der Verkehrszentrale Ems an der Knock (Emden) fernbetrieben.

Der Kleine Leuchtturm Borkum am Südstrand ist der dritte Leuchtturm auf Borkum und wurde 1888/89 als Leitfeuer für die beiden Ansteuerungsfahrwasser der Ems, das Hubertgat und die Westerems, errichtet. Der rotweiße Leuchtturm wurde als Prototyp einer Reihe von insgesamt neun in Deutschland gebauten Leuchttürmen in Fertigbauweise errichtet. Seinen Beinamen „der Elektrische“ erhielt er für die Tatsache, dass er der erste für den elektrischen Betrieb gebaute Leuchtturm in Deutschland war. Der Leuchtturm ist aus einzelnen, 27 Millimeter starken Segmenten aus Gusseisen, so genannten Tübbingen zusammengesetzt. Der Turm erreicht eine Gesamthöhe von 32 Metern. Er wurde im Sommer 2003 außer Dienst gestellt, da sich die Fahrwasser im Bereich der Emsmündung durch Sandverlagerung verändert hatten. Seit 1970 dient der Turm außerdem noch als Antennenträger für das Verkehrssicherungssystem Ems, das in deutsch-niederländischer Kooperation betrieben wird.

Im Laufe der Zeit übernahm der Kleine Leuchtturm Borkum weitere Aufgaben neben seiner Eigenschaft als Leitfeuer für die Seefahrt. Im April 1894 wurde auf Borkum eine See-Telegraphenanstalt eingerichtet, über die die Schifffahrt durch Flaggensignale Nachrichten mit dem Personal des Kleinen Leuchtturms austauschen konnte, die dann per Telegraph weitergeleitet wurden. Die Leitung der See-Telegraphenanstalt hatte die Reichs-Telegraphenverwaltung, das Königreich Preußen stellte das Leuchtfeuerpersonal und die Kaiserliche Marine die Signaleinrichtungen.

Im Mai 1900 wurde die erste amtlichen Küstenfunkstelle der Welt eingerichtet. Aufgabe der Küstenfunkstelle Borkum war der Schiffsmeldedienst, der in Verbindung mit dem Feuerschiff Borkumriff Schiffsmeldungen, die von ankommenden Schiffen aufgegeben wurden, zum Festland übertrug. Die Abwicklung des Funkdienstes übernahmen die Leuchtturmwärter. Dies war die erste für den kommerziellen Gebrauch bestimmte Funkverbindung der Welt.

1925 nahm die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am Kleinen Leuchtturm Borkum eine Wasserstandssignaleinrichtung in Betrieb. Seit 1970 dient der Turm außerdem noch als Antennenträger für das Verkehrssicherungssystem Ems, das in deutsch-niederländischer Kooperation betrieben wird.

Anfang der 1960er Jahre musste das Leitfeuer für die Westerems auf den Neuen Leuchtturm Borkum verlegt werden, da sich das Fahrwasser der Westerems verschoben hatte. Seitdem war der Leuchtturm nur noch als Leitfeuer für die Ansteuerung des Hubertgats zuständig. Im Sommer 2003 erfolgte schließlich die Außerdienststellung als Leuchtturm, da sich das Fahrwasser im Hubertgat durch Sandverlagerungen verändert hatte.

In philatelistischer Würdigung des Turms gab die Deutsche Post AG mit Ausgabetag 12. Juli 2012 ein Postwertzeichen im Wert von 45 Eurocent heraus. Die deutsche Sonderpostwertzeichenserie Leuchttürme (Mi.-Nr. 2942) erscheint seit 2004. Der Entwurf dieser Marke der Briefmarkenserie Leuchttürme stammt, wie alle bisherigen Briefmarken der Serie, vom Grafiker Johannes Graf aus Dortmund nach fotografischer Vorlage vom Wissenschaftsfotograf Reinhard Scheiblich aus Norderstedt. Die Ausgabe erfolgte in einer Auflage von 6.320.000 Stück.

Drei weitere, heute noch vorhandene Peileinrichtungen für die Schifffahrt entstanden 1872 nach dem deutsch-französischen Krieg. Das Große Kaap und das Kleine Kaap oder Westkaap befinden sich auf dem Westland und sind historische Baken aus roten Klinkern, die mit hölzernen Toppzeichen ausgerüstet sind. Sie sind 23,4 Meter und 11,7 Meter hoch. Die Baken mussten im Dreipunktverfahren angesteuert werden, so dass die Ansteuerungstonne Osterems auf der Linie „Großes Kaap – Alter Leuchtturm“ und die Ansteuerungstonne Westerems auf der Linie „Kleines Kaap – Alter Leuchtturm“ liegen musste. Am Nordostende der Insel steht eine weitere steinerne Bake. Die Ostbake steht auf einer 7,5 Meter hohen Düne in den Ostlanddünen und ist 19 Meter hoch.


Alter Leuchtturm Borkum

  • Standort: 53°36‘16“ N, 6°40‘14“ O
  • Bauzeit: 1576
  • Betriebszeit: 1817 bis 1879


Neuer Leuchtturm Borkum

  • Standort: 53°35‘19“ N, 6°39‘43“ O
  • Listeneinträge:  FED009 (ARLHS), B0970 (IHUK), 5442 (LL), 114-10032 (NGA)
  • Bauzeit: 1879
  • Inbetriebnahme:  15. November 1879
  • Betreiber: Verkehrszentrale Ems
  • Seehöhe: 3 m
  • Turmhöhe: 60 m
  • Feuerhöhe: 63 m
  • Zahl der Stufen:  150
  • Befeuerung: Gürtellinse
  • Betriebsart: elektrisch, automatisiert (seit 1961)
  • Funktion: Seefeuer
  • Kennung: Fl(2)W.12 s + F.WRG
  • Tragweite: 45 km


Kleiner Leuchttrum Borkum

  • Standort: Südstrand, 53°34‘44“ N, 6°40‘01“ O
  • Listeneinträge:  B0972 (IHUK)
  • Bauzeit: 1889 bis 1890
  • Betriebszeit: 1891 bis 2003
  • Betreiber:
  • Seehöhe: 5 m
  • Turmhöhe: 27 m
  • Feuerhöhe: 32 m
  • Befeuerung: Gürtellinse
  • Betriebsart: elektrisch, autromatisiert (1978 bis 2003)
  • Funktion: -
  • Kennung: -
  • Tragweite: 54 km

Flugverkehr

Der Flugplatz Borkum ist ein als Verkehrslandeplatz klassifizierter Flugplatz der Stadt und der ostfriesischen Nordseeinsel Borkum. Im sogenannten Seebäder-Verkehr wird Borkum - wie auch Helgoland - vom Festland (Flugplatz Emden) angeflogen. Der Passagier kann ein Verbund-Ticket kaufen und eine Wegstrecke mit dem Schiff zurücklegen. Am Flugplatz befindet sich auch die Flugschule Borkum.

Der Flugplatz wurde 1927 errichtet. Er diente zunächst der zivilen Luftfahrt. So landete etwa eine niederländische Fluggesellschaft auf der Route Amsterdam–Stockholm hier zwischen. Der Flugplatz liegt auf der Insel im Bereich Ostland. Ostland wurde seit dem Kaiserreich in erheblichem Umfang militärisch durch die Marine genutzt. Mit der Aufrüstung des nationalsozialistischen Staates wurde der Flugplatz von der Luftwaffe der Wehrmacht übernommen die eine Fliegerhorstkommandantur einrichtete. Von Juni bis September 1941 war hier die 1./JG 52 (1. Staffel des Jagdgeschwaders 52) stationiert, von Februar bis März 1942 die 1./JG 1. Auch lagen hier Schulungsstaffeln.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beabsichtigte die britische Besatzungsmacht zunächst, den Flugplatz – wie fast alle anderen militärischen Anlagen auf der Insel – zu zerstören. Die Gemeinde Borkum setzte sich aber für den Erhalt und die zivile Nutzung ein, wie sie das gleichermaßen auch für andere von der Wehrmacht errichtete Verkehrsinfrastruktur tat, die sich zivil verwenden ließ.

Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wurden Linienflüge auch nach Düsseldorf und Berlin angeboten. Dieses Angebot besteht inzwischen nicht mehr. Der Flughafen liegt zwischen Ortskern und dem Ortsteil Ostland. Das Empfangsgebäude enthält auch einen kleinen Wartebereich. Direkt am Flugplatz befindet sich ein Hotel. Es verkehrt ein Linienbus der Borkumer Kleinbahn. Am Flugplatz befindet sich weiter die Flugschule Borkum.

Der Flughafen wird im Linienflugbetrieb von der OFD Ostfriesischer Flugdienst angeflogen. Der Linienflugbetrieb beschränkt sich heute auf die Verbindung zum Flugplatz Emden, Teil des sogenannten Seebäder-Verkehrs. Reisende können ein Verbund-Ticket kaufen und eine Wegstrecke mit dem Schiff zurücklegen. Darüber hinaus werden von hier Rundflüge über Borkum und die ostfriesischen Inseln und Flüge zu diesen Inseln und nach Helgoland angeboten.


Borkum Airport

  • deutscher Name: Flugplatz Borkum
  • Code:  BMK / EDWR
  • Lage:  53°35‘44“ N, 6°42‘33“ O
  • Seehöhe:  1 m (3 ft)
  • Entfernung:  2 km östlich von Borkum
  • Inbetriebnahme:  1927
  • Betreiber:  Stadtwerke Nordseebad Borkum GmbH
  • Terminal:  1
  • Rollbahnen:  3
  • Länge der Rollbahnen: 1000 m b(Asfalt), 870 m und 810 m (beide Gras)
  • Fluggesellschaften: 0
  • Flugzeug-Standplätze: ca. 10
  • jährliche Passagierkapazität: 
  • jährliche Frachtkapazität: 

Wirtschaft

Die Insel galt während der Hansezeit als Fluchtort von Piraten. Von dem bekannten Seeräuber Klaus Störtebeker heißt es in der Literatur, er habe südlich der Insel einen Schatz vergraben. Mit den Grafen von Ostfriesland lagen die Inselbewohner im ständigen Streit in Bezug auf die Zahlung von Anteilen an Strandungsgütern, die zu dieser Zeit nahezu die einzige Einnahmequelle der Borkumer darstellten.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft war in früheren Zeiten, besonders vor dem Aufstieg des Walfangs und des Badebetriebs, eine der wichtigsten Einnahmequellen der Borkumer. Bereits im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit nutzten die wenigen Insulaner die geschützten Marschflächen im Süden der Insel für Viehzucht, die deutlich höheren Stellenwert besaß als der eigentliche Ackerbau. Kühe, Schafe und später auch Pferde grasten auf den salzhaltigen Wiesen, die als „Gesundweide“ galten, weil das salzige Gras den Tieren robust machte und das Heu besonders nährstoffreich war. Gärten und kleine Felder lieferten Kartoffeln, Gemüse und Getreide für den Eigenbedarf, doch die ständige Bedrohung durch Sturmfluten, Salzsprüh und wandernde Dünen machte großflächigen Anbau fast unmöglich. Während der goldenen Walfangzeit im 18. Jahrhundert vernachlässigten viele Familien sogar ihre Gärten und verkauften Vieh und Boote, um auf den Grönlandfahrten reich zu werden – ein Leichtsinn, der nach dem Zusammenbruch des Walfangs um 1780 zu bitterer Armut führte und die Insulaner zwang, die vernachlässigte Landwirtschaft neu zu erlernen. Nach dem Zweiten Weltkrieg und mit dem Aufschwung des Tourismus schrumpfte die Landwirtschaft weiter, doch sie verschwand nie ganz.

Heute umfasst sie rund 667 Hektar, also etwa 21,5 Prozent der Inselfläche – ein für ostfriesische Inseln ungewöhnlich hoher Anteil, der vor allem den geschützten Marschen im Süden zu verdanken ist. Moderne Betriebe wie die Borkumer Landwirtschafts- und Weidegenossenschaft halten vor allem robuste Rassen wie schottische Hochlandrinder, die nicht nur Fleisch und Landschaftspflege liefern, sondern auch zur Erhaltung der Salzwiesen beitragen. Diese Tiere äsen das Gras, verhindern Verbuschung und unterstützen so den Naturschutz im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Dennoch bleibt die Landwirtschaft kleinteilig, subsidiär und eng mit dem Tourismus verknüpft: Frisches Inselgemüse oder Rindfleisch aus eigener Haltung landen in den Restaurants der Gäste, und die weidenden Herden sind selbst zu einer Attraktion geworden.

Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft ist auf Borkum noch weniger ausgeprägt als die Landwirtschaft. Die Insel besteht zu über der Hälfte aus Dünen und Unland, die keine kommerzielle Waldbewirtschaftung zulassen. Es gibt keine großen Waldflächen, keine Sägewerke und keine nennenswerte Holzwirtschaft. Stattdessen wurden in den letzten Jahrhunderten kleinflächige Aufforstungen vorgenommen, um die Dünen zu stabilisieren und die Siedlungen vor dem ständigen Sandflug und den Sturmfluten zu schützen. Strandhafer, Sanddorn und vereinzelt Birken, Kiefern oder andere windfeste Gehölze wurden gepflanzt, doch sie dienen ausschließlich dem Küstenschutz und der ökologischen Stabilisierung, nicht der Holznutzung. Die Borkumer Dünen stehen heute unter strengem Naturschutz als Teil des Nationalparks und als DBU-Naturerbefläche. Jede forstwirtschaftliche Nutzung wäre hier nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch gesetzlich verboten. Die wenigen baumbestandenen Bereiche wirken eher wie kleine, windgeschützte Oasen inmitten der offenen Dünenlandschaft und erinnern daran, wie sehr die Insulaner seit jeher mit der kargen Natur ringen mussten.

Fischerei

Die Fischerei hingegen bildet das eigentliche maritime Herzstück der Borkumer Wirtschaftsgeschichte und war über lange Zeit der wichtigste Erwerbszweig neben der Landwirtschaft. Schon in den ersten urkundlichen Erwähnungen des Mittelalters wird von Fischfang und Strandgutbergung berichtet. Im 17. Jahrhundert unterhielten die Insulaner neun Fischereifahrzeuge, ein Kauffahrteischiff und sogar ein Schillschiff zum Transport von Muschelkalk. Die Nähe zu den reichen Fanggründen der Nordsee machte Borkum zu einem natürlichen Stützpunkt. Den Höhepunkt erreichte die maritime Wirtschaft jedoch mit dem Walfang im 18. Jahrhundert. Hunderte Borkumer Männer, darunter mehr als hundert Commandeure, heuerten auf holländischen Schiffen an, fuhren nach Grönland und Spitzbergen und brachten Tran, Speck und Reichtum auf die Insel. Diese „goldene Epoche“ verdoppelte und verdreifachte die Bevölkerung, ermöglichte luxuriöse Häuser und prägte Bräuche wie den Klaasohm, der die Rückkehr der Männer feierte. Walknochen dienten als Gartenzäune, Walskelette wurden zu Sehenswürdigkeiten, und die Mythen von verheerenden Unglücken auf See mischten sich mit den realen Gefahren der Fangfahrten. Der plötzliche Zusammenbruch durch Seekriege und den Niedergang des Walfangs stürzte die Insel in tiefe Armut und zwang viele zurück in die Küstenfischerei. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor auch die herkömmliche Fischerei an Bedeutung.

Heute gibt es keine nennenswerte kommerzielle Hochseefischerei mehr auf Borkum. Die strengen EU-Regulierungen, Natura-2000-Schutzgebiete wie das Borkum Riffgrund und der Vorrang des Tourismus haben die Flotte auf ein Minimum schrumpfen lassen. Kleine Boote dienen noch der Freizeitfischerei oder der Versorgung lokaler Restaurants mit frischem Fang, doch der eigentliche wirtschaftliche Motor ist längst der Badetourismus. Dennoch bleibt die Fischerei in der kollektiven Erinnerung lebendig: im Heimatmuseum Dykhus, am Walpfad, bei den historischen Walknochenzäunen und in den Erzählungen der Alten, die von Störtebeckers Schatz, von Seeräubern und von den mutigen Walfängern berichten.

Walfang

Im 18. Jahrhundert brachte der Walfang vielen Borkumern, die meistens auf niederländischen Walfangschiffen als erfolgreiche Kapitäne und Harpuniere tätig waren, einen gewissen Wohlstand ein. Viele Straßennamen auf Borkum, aber auch aus Walkiefern hergestellte Zäune (der imposanteste „Walfischzaun“ umfasst das ehemalige Haus von Roelof Gerritsz Meyer, der mit seiner Mannschaft auf 42 Fahrten rund 270 Wale erlegte) und ähnliche Relikte zeugen von dieser Zeit. Im 18. Jahrhundert jedoch ließ der Walfang zunächst nach und wurde auf Grund des englisch-niederländischen Seekriegs endgültig eingestellt. In der Folge setzte auf der Insel Armut ein, und viele Einwohner verließen ihre Heimat. Die Einwohnerzahl erreichte gegen 1811 einen Tiefstand von rund 400 Personen.

Erdgasförderung

In der Umgebung befinden sich Offshore-Gasfelder, die Teil der Energiegewinnung in Deutschland und den Niederlanden sind. Diese Förderung erfolgt über Plattformen im Meer und nicht direkt auf der Insel selbst. Die Aktivitäten sind technisch hochentwickelt und unterliegen strengen Umweltauflagen, da das sensible Ökosystem des Wattenmeers geschützt werden muss.

Handwerk

Die Handwerkskunst auf Borkum hat seit den ersten dauerhaften Siedlungen im späten Mittelalter eine unverwechselbare, inseltypische Prägung entwickelt, die eng mit der Isolation, der Abhängigkeit vom Meer und der Notwendigkeit verbunden war, fast alles vor Ort herzustellen oder zu reparieren. In den frühen Jahrhunderten, als die Borkumer noch hauptsächlich von Fischfang, Strandgutbergung und später vom Walfang lebten, gehörten handwerkliche Fähigkeiten zum Überlebenswissen jeder Familie. Besonders das maritime Handwerk blühte auf: Seiler knüpften Taue und Netze aus Hanf und später aus synthetischen Fasern, Schiffszimmerleute bauten und reparierten die kleinen Küstenboote, die für den Fang in den Prielen und im Watt unentbehrlich waren, und Schmiede fertigten Anker, Haken und Werkzeuge aus dem Eisen, das oft als Strandgut angeschwemmt wurde. Die berühmten Walknochenzäune, die bis heute in wenigen Exemplaren erhalten sind, entstanden in der goldenen Walfangzeit des 18. Jahrhunderts, als Commandeure aus Grönland und Spitzbergen Kinnladen und Rippen der erlegten Tiere mitbrachten und daraus robuste, wetterfeste Gartenumzäunungen schufen – ein handwerkliches Zeugnis jener Epoche, das zugleich Symbol für Reichtum und Vergänglichkeit war. Frauen und Kinder flochten Körbe aus Strandhafer oder verarbeiteten Treibholz zu Gebrauchsgegenständen, während Dachdecker mit Reet aus den eigenen Marschen die typischen Insulanerhäuser dichteten, die bis heute den Stürmen trotzen.

Mit der Entstehung des Seebades im 19. Jahrhundert und dem Aufschwung des Tourismus wandelte sich das Handwerk grundlegend. Nun mussten nicht nur Boote und Netze, sondern auch Hotels, Pensionen und Badeeinrichtungen gebaut und instand gehalten werden. Maurer, Zimmerleute und Maler arbeiteten Hand in Hand, um die neorenaissanceartigen Kurgebäude und die Promenade zu errichten. Die Bäckerei Müller etwa, einer der größten Handwerksbetriebe der Insel, versorgte schon früh die wachsenden Gästescharen mit frischem Brot und Gebäck und blieb bis heute ein zentraler Arbeitgeber. Das traditionelle Handwerk verband sich mit neuen Anforderungen: Klempner installierten moderne Bäder, Elektriker legten Leitungen in den alten Reetdachhäusern, und KFZ-Mechaniker passten sich den besonderen Verkehrsregeln der Insel an. Die 1898 gegründete Ortshandwerkerschaft Borkum, eine der wenigen insularen Handwerksvereinigungen Deutschlands, bündelte diese Kräfte. Sie organisiert seit über 125 Jahren die Ausbildung, hält die Qualitätsstandards hoch und pflegt den Zusammenhalt unter den Meistern und Gesellen. Auf Borkum gibt es sogar eine eigene Berufsschule, weil die tägliche Fährfahrt zum Festland für Lehrlinge zu zeitaufwendig wäre. Die feierliche Freisprechung der Auszubildenden im Sommer, bei der junge Handwerker nach bestandener Prüfung in die Gemeinschaft aufgenommen werden, ist ein fester Brauch, der mit dem Klaasohm und anderen Inseltraditionen verschmilzt und den Stolz auf die eigene Handwerkskultur unterstreicht.

Heute umfasst das Borkumer Handwerk rund 50 bis 60 Betriebe, die fast ausschließlich im Dienst des Tourismus und der Insulaner stehen. Tischler fertigen maßgefertigte Möbel für Ferienhäuser oder restaurieren historische Fensterrahmen, während Fliesenleger und Stuckateure die Bäder der Wellnesshotels gestalten. Schuhmacher und Schneider, obwohl seltener geworden, reparieren noch immer die traditionellen Borkumer Trachten oder die wetterfesten Jacken der Fischer. Besonders das Bau- und Ausbaugewerbe boomt saisonal: In den Wintermonaten, wenn die Gästezahlen sinken, werden umfangreiche Renovierungen durchgeführt, damit im Frühjahr alles für die nächste Saison bereitsteht. Die Ortshandwerkerschaft kämpft dabei mit typischen Insulanerproblemen – hohen Transportkosten für Materialien, eingeschränkten Fahrzeiten für Lieferwagen und dem ständigen Wettbewerb mit Festlandfirmen, die oft unterschätzen, wie teuer und kompliziert Arbeiten auf einer Insel sind. Dennoch halten die einheimischen Handwerker ihre Preise auf Festlandsniveau und betonen, dass Qualität und schnelle Verfügbarkeit vor Ort unschlagbar sind. Viele Betriebe sind familiengeführt und reichen das Wissen von Generation zu Generation weiter, oft ergänzt durch moderne Techniken wie 3D-Vermessung oder energiesparende Installationen. So lebt das alte Handwerk nicht nur in den Walknochenzäunen oder den Reetdächern fort, sondern passt sich an die Ansprüche eines modernen Meeresheilbades an und bleibt ein unsichtbarer, aber unverzichtbarer Pfeiler der Inselidentität.

Industrie

Im Gegensatz zum vielfältigen und lebendigen Handwerk hat sich auf Borkum nie eine nennenswerte Industrie entwickeln können. Die Insellage, die strengen Naturschutzauflagen des Nationalparks Wattenmeer und die eindeutige Priorität des Tourismus machen großflächige Industrieansiedlungen unmöglich und auch unerwünscht. Die Gewerbe- und Industrieflächen umfassen nur etwa zehn Hektar, und selbst diese dienen überwiegend kleineren Betrieben wie dem Betonwerk oder Lagern für Baustoffe, die wiederum dem Handwerk und dem Tourismus zuarbeiten. Historisch gab es keinerlei Schwerindustrie; selbst in der Walfangzeit blieb die Verarbeitung des Walspecks auf den Schiffen oder in kleinen Tranbrennereien beschränkt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Marinebasis bis 1996 bestand, entstanden zwar einige werkstattähnliche Einrichtungen für Reparaturen, doch diese waren militärisch und nicht zivil-industriell. Heute prägt der Dienstleistungssektor das Bild: Gastronomie, Einzelhandel und Vermietung von Ferienwohnungen dominieren, während echte Industrieproduktion fehlt. Die wenigen Gewerbebetriebe – etwa im Bereich der Lebensmittelverarbeitung oder der Herstellung von Souvenirs aus lokalen Materialien – sind klein und eng mit dem Handwerk verflochten. Die Stadt Borkum selbst betont immer wieder, dass eine Industrieansiedlung, die Umweltbelastungen mit sich bringen würde, mit dem Charakter der Insel unvereinbar sei. So bleibt Borkum ein Ort, an dem das Handwerk die Lücke füllt, die anderswo von der Industrie besetzt würde, und die Wirtschaft dadurch nachhaltiger und menschlicher wirkt.

Wasserwirtschaft

Die Trinkwassergewinnung erfolgt in zwei großen Fördergebieten: in der Waterdelle und im Ostland, wo sich die Stadtwerke Borkum bzw. die Nordseeheilbad Borkum GmbH jeweils mit Brunnenfächer in die Süßwasserlinse einschalten. Insgesamt werden dort rund 30 bis 40 Flach- und Tiefwasserbrunnen betrieben, über die Rohwasser in zwei Wasserwerke gepumpt wird, eines in der Hindenburgstraße und das andere im Ostland. Die Wasserwerke reinigen das Rohwasser, indem über Sauerstoffzufuhr Eisen‑ und Manganbestandteile ausgefällt und anschließend über große Kiesfilter entfernt werden; eine chemische Desinfektion etwa mit Chlor findet nicht statt.

Die Versorgung ist grundsätzlich autark und deckt sowohl den Bedarf der etwa 6.000 Inselbewohner als auch den massenhaften saisonalen Tourismus mit bis zu mehreren Millionen Übernachtungen pro Jahr. Die genehmigte Fördermenge liegt im Bereich von etwa einer Million Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr, wobei ein zentraler Reinwasserspeicher in der Hindenburgstraße mit rund 2.000 Kubikmetern die Grundversorgung sicherstellt und die Leitungsnetze zu den einzelnen Anschlüssen bedient. Zusätzlich gibt es inzwischen öffentliche Trinkwasserspender an zentralen Orten auf der Insel, die dem Besucherstrom und der zunehmenden Belastung der Wasserressourcen Rechnung tragen.

Ein zentrales Problem der Borkumer Wasserwirtschaft ist der zunehmende Salzwassereinbruch, der vor allem durch steigende Grundwasserentnahmen, küstennahe Bauaktivitäten und die langfristigen Auswirkungen des Klimawandels verstärkt wird. Förderbrunnen in Strand- und Dünennähe drohen dabei zu versalzen, weil die Salzwasser‑Unterstromzone in die Süßwasserlinse vordringt. Um die Wasserressourcen langfristig zu schützen, werden in den letzten Jahren neue Brunnen weiter im Inselinneren errichtet, das alte Wasserwerk Ostland durch ein modernes Neubauwerk ersetzt und die Technik auf den heutigen Stand der Umwelt‑ und Wasserwirtschaft gebracht.

Gleichzeitig wird die Wasserwirtschaft in den Bereich der klimatischen Anpassung integriert, etwa durch Förderprogramme des Landes Niedersachsen im Rahmen der Klimafolgenanpassung Wasserwirtschaft. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Versorgungssicherheit für Einwohner und Gäste zu erhöhen, die Grundwasser‑Durchmischung zu minimieren und den Einfluss von Meeresspiegelanstieg und extremer Niederschlagsschwankungen abzufedern. Zudem spielt die sensibilisierte Nutzung – etwa durch öffentliche Information, Spender zur Einsparung von Flaschenwasser und sparsame Anlagen in Hotels und Ferienanlagen – eine wichtige Rolle, um die begrenzte Süßwasserlinse auf Borkum noch viele Jahrzehnte zu erhalten.

Energiewirtschaft

Die Energiewirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten eine dynamische Entwicklung durchlaufen und macht Borkum zu einer wahren „Kompetenzinsel“ für regenerative Energien. Lange Zeit wurde die Insel mit Dieselgeneratoren und einer kleinen Gasversorgung betrieben, doch seit den 2000er Jahren setzt man konsequent auf Erneuerbare. Die Stadtwerke Borkum organisieren regelmäßige „Borkumer Energietage“, auf denen Technologien der Zukunft vorgestellt werden. Offshore-Windparks wie Borkum Riffgrund 3 oder Riffgat in unmittelbarer Nähe liefern sauberen Strom, der teilweise über Seekabel auf die Insel gelangt. Die Insulaner forschen aktiv an autarker Energieversorgung, an Speicherlösungen und an der Nutzung von Gezeiten- und Wellenenergie.

Gleichzeitig sorgt ein umstrittenes Kapitel für Diskussionen. Die geplante und teilweise bereits laufende Erdgasförderung vor der Küste durch den niederländischen Konzern One-Dyas. Die Plattform N05-A, die mit Strom aus dem Windpark Riffgat betrieben wird, fördert Gas aus Feldern, die teilweise unter deutschem Meeresboden liegen. Umweltschützer und viele Insulaner fürchten Beeinträchtigungen des Wattenmeers, Störungen des Tourismus und langfristige Risiken für die fragile Ökosystem. Dennoch sehen andere darin einen Beitrag zur nationalen Versorgungssicherheit.

Rund 45 km vor Borkum befindet sich der erste große Offshore-Windenergiepark alpha ventus in der deutschen Nordsee mit zwölf Windenergieanlagen der 5-MW-Leistungsklasse. Weitere bereits genehmigte oder geplante Windparks sind Borkum Riffgrund, Borkum Riffgrund West sowie Borkum West II. Sie alle befinden sich in der sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszone und sind rund 40 Kilometer und mehr von Borkum entfernt.

Abfallwirtschaft

Die Abfallwirtschaft auf Borkum ist eng an die Strukturen des Landkreises Leer gekoppelt und folgt den gängigen Prinzipien der niedersächsischen Abfallwirtschaft, muss aber zusätzlich die Besonderheiten einer fernab von Festland entsorgten Urlaubsinsel berücksichtigen. Zuständig ist der Eigenbetrieb „Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreis Leer“, der für die gesamte Kreisfläche inklusive Borkum einheitliche Entsorgungskonzepte, Sammel- und Abfuhrtermine sowie Annahmestellen organisiert. Auf der Insel selbst gibt es eine eigene Abfallumschlaganlage in der Reedestraße, die als zentrale Knotenstelle für die Weiterleitung der Abfälle zum Festland dient.

Die Haushalte und Gewerbe auf Borkum halten sich an ein getrenntes Abfallsystem mit Wertstoffsäcken, Blauer‑ bzw. Papier‑Tonne, Glascontainern sowie Restmüllsäcken, das weitgehend identisch mit dem auf dem Landkreis festgelegten System ist. Die Abfuhrtermine werden für Borkum individuell festgelegt; die Bereitstellung der Säcke und Tonnen erfolgt jeweils bis in die frühen Morgenstunden, da die Abholzeiten auf der Insel zeitlich verschoben sind. Zusätzlich stehen auf der Insel mehrere Annahmestellen für Abfallsäcke bereit, etwa in Supermärkten und dem Kaufhaus, sodass die Bevölkerung nicht extra zur Umschlaganlage fahren muss.

Die Abfallumschlaganlage am Reedehafen dient als zentrale Sortier‑ und Umschlagstelle, in der die angelieferten Abfallfraktionen getrennt erfasst und vorbereitet werden. Hier werden etwa die Wertstoffsäcke geöffnet und nach Papier, Glas und Leichtverpackungen sortiert, Sperrmüll, Grünabfall und Restmüll je nach Fraktion in Container oder Pressanlagen verbracht. Die jeweiligen Fraktionen werden dann auf Lastkähnen oder Fährschiffen zum Festland transportiert, wo sie im Entsorgungszentrum Breinermoor oder in anderen Anlagen weiterverarbeitet, kompostiert oder fachgerecht deponiert werden.

Ein besonderer Aspekt der Borkumer Abfallwirtschaft ist die deutliche saisonale Schwankung der Abfallmengen durch den Tourismus. In der Hochsaison steigen die Abfallmengen in Hotel‑, Gastronomie- und Ferienbetrieben teils deutlich an, sodass insbesondere die Restmüll- und Leichtverpackungsfraktionen umfangreicher gesammelt und abgefahren werden müssen. Gleichzeitig bemüht sich die Insel, durch Abfallvermeidung, Recyclingangebote und Umweltkommunikation – etwa im Rahmen des Labels „Umweltinsel Borkum“ – die Ressourcenbelastung zu verringern und die Attraktivität der Naturlandschaft zu schützen.

Für problematische oder gefährliche Abfälle, etwa Asbest, Mineralfaserabfälle oder andere Sonderabfälle, existieren spezielle Annahmepunkte in der Abfallumschlaganlage Borkum, die die gesetzlichen Vorgaben des Kreislaufwirtschafts‑ und Abfallrechts sicherstellen. Diese Abfälle werden separat aufgefangen, in speziellen Behältern oder Big Bags verpackt und unter strengen formalen Vorgaben an Fachbetriebe weitergeleitet. So garantiert das bestehende System, dass trotz der Insellage und der hohen Belastung durch den Tourismus eine ordnungsgemäße, getrennte und möglichst ressourcenschonende Abfallentsorgung auf Borkum gewährleistet ist.

Handel

Der Handel auf Borkum ist geprägt von einer Mischung aus touristischer Versorgung und kleiner, weitgehend eigenständiger Inselwirtschaft, die sich an der Strand‑ und Wilhelm‑Bakker‑Straße konzentriert. Hier sammeln sich Lebensmittelhändler, Drogerie‑Ketten, Kaufhäuser und Boutiquen, sodass die Insel sowohl über den täglichen Grundbedarf als auch über ein breites Sortiment für Touristen und Einwohner verfügt. Zugleich erwächst aus der Insellage ein leicht erhöhtes Preisniveau, da die Logistikkosten für die Anlieferung über Fähren und Lastkähne die Waren teurer machen als auf dem Festland.

Im Bereich der Lebensmittel gibt es mehrere Supermärkte und Discounter, darunter Markant Borkum, Frischemarkt in der Strandstraße, Einkaufsmärkte bei City‑Center und weitere Filialen wie Lidl, EDEKA bzw. Inselmärkte verteilt im Dorfzentrum. Diese Häuser decken den Großteil der täglichen Versorgung ab, bieten teilweise auch Bäcker‑Abteilungen, Bio‑Sortimente und Getränkespezialitäten an und dienen sowohl Gästen als auch Insulanern als zentrale Versorgungspunkte. Zusätzlich gibt es kleinere Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien und Metzgereien, die sich auf Handwerk, regionale Produkte und Servicequalität konzentrieren.

Neben dem allgemeinen Lebensmittelhandel hat sich in Borkum ein spezialisierter Tourismus‑ und Souvenirhandel etabliert, der Modeshops für Strand‑ und Freizeitkleidung, Accessoires, Souvenirläden und Galerien umfasst. In den Fußgängerzonen und an der Strandstraße finden sich Boutiquen für Mode, Strand‑ und Badebekleidung, Andenkenläden sowie Manufakturen wie „KüstenGut“, die Inselfeinschmeckerprodukte wie Sanddornprodukte, Liköre, Tees und Marmeladen anbieten. Diese Geschäfte profitieren von der jährlich hohen Besucherzahl und sind gleichzeitig mit der Herausforderung konfrontiert, in der Nebensaison eine ausreichende Umsatzbasis zu halten.

Auch im Bereich der Dienstleister und Nahversorgung ist der Handel auf Borkum relativ dicht vernetzt: Es existieren Drogerie‑Filialen wie Rossmann, Reformhäuser, Getränkemärkte und Fachgeschäfte für Textilien, Schuhe und andere Alltagsbedürfnisse. Diese Strukturen ermöglichen es den Inselbewohnern, viele Einkäufe direkt vor Ort zu erledigen, ohne die Insel verlassen zu müssen, was für eine entlegene Nordseeinsel eine wichtige infrastrukturelle Komponente darstellt. Gleichzeitig bleibt der Handel stark abhängig von der Saison und der Zahl der Übernachtungen, sodass viele Betriebe ihr Angebot, ihre Öffnungszeiten und Personalplanung an die touristischen Schwankungen anpassen.

Finanzwesen

Die wichtigsten Präsenzbanken sind die Sparkasse LeerWittmund mit einer Geschäftsstelle in der Lüderitz und einem SB‑Geldautomaten am Georg‑Schütte‑Platz, sowie die Raiffeisen‑Volksbank Fresena eG mit einer Filiale in der Franz‑Habich‑Straße. Diese Institute bieten vor Ort typische Bankdienstleistungen wie Kontoführung, Überweisungen, Kreditberatung und Geldbezug per Automat an, wobei die Zuständigkeit und Abwicklung vieler weiterführender Produkte auf das festlandgebundene Netz der jeweiligen Bankgruppe zurückfällt.

Neben diesen Filialbanken stehen auf der Insel mehrere Geldautomaten verschiedener Institute zur Verfügung, vor allem der Sparkasse und der Raiffeisen‑Volksbank, die an zentralen Orten wie dem Georg‑Schütte‑Platz platziert sind. Diese Automaten ermöglichen Ein‑ und Auszahlungen mit gängigen girocard‑ sowie internationalen Karten und sind für Tourismus und Einwohner gleichermaßen wichtig, da die Insel auf Bargeld und Kartenzahlung im Alltag angewiesen ist. Ergänzend gibt es in einigen Einzelhandelsgeschäften, etwa in der Drogeriefiliale Rossmann, die Möglichkeit, über das Kassen‑System kleine Bargeld‑Aus‑ oder Einzahlungen im Rahmen von Einkäufen zu tätigen, was das Bargeldangebot auf der Insel zusätzlich stützt.

Die Struktur des Finanzwesens auf Borkum hat sich in den letzten Jahren durch Filialschließungen gewandelt, etwa durch das Wegfallen der Oldenburgischen Landesbank und der Postbank‑Finanzdienstleistungen auf der Insel. Diese Entwicklung hat die Abhängigkeit von der Sparkasse LeerWittmund und der Raiffeisen‑Volksbank Fresena weiter verstärkt, während gleichzeitig elektronische Bankdienstleistungen und Online‑Banking an Bedeutung gewinnen. Für Insulaner und in vielen Hotels, Pensionen und Ferienunterkünften angemeldete Gäste ist das Konto‑ und Zahlungsverkehrssystem über die örtliche Sparkasse gut eingebunden, sodass auch größere Zahlungen, Mietzahlungen oder Buchungen mit den üblichen IBAN‑ und SEPA‑Verfahren abgewickelt werden können.

Das inselbedingte Hin‑ und Hertransportieren von Bargeld und die begrenzte Zahl von Finanz‑Standorten machen das Finanzwesen auf Borkum etwas anfälliger für Ausfälle als auf dem Festland, gleichzeitig hat sich ein stabiles, von der Sparkasse und der Volksbank dominiertes Netz etabliert. Neue Zahlungsmethoden wie Karten‑ und Online‑Bezahlungen werden zunehmend genutzt, sodass die Insel weniger auf Bargeld und eigene Bankfilialen angewiesen ist als noch vor einigen Jahrzehnten. Insgesamt bietet Borkum damit ein kleines, aber funktionierendes Finanzsystem, das den Bedürfnissen einer stark saisonalen Tourismuswirtschaft und einer handfesten Inselbevölkerung gedient ist.

Soziales und Gesundheit

Das Sozialwesen auf Borkum ist heute eng mit dem Gesundheitswesen verknüpft und orientiert sich an den Bedürfnissen einer alternden Insulanerbevölkerung und einer saisonal schwankenden Tourismuswirtschaft. Es gibt ambulante Pflegedienste, Sozialstationen und Unterstützung für Senioren und Pflegebedürftige, die angesichts der Insellage besonders wichtig sind. Die Stadt und freie Träger kümmern sich um Jugendhilfe, Familienberatung und Integration von Zugezogenen. In den Wintermonaten, wenn der Tourismus ruht, steigt die Erwerbslosigkeit, sodass soziale Hilfen und Arbeitsförderung eine stabilisierende Rolle spielen. Traditionelle Solidarität lebt in Vereinen, Nachbarschaftshilfe und bei Bräuchen wie dem rituellen Schweineschlachten oder dem Klaasohm fort, die Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung symbolisieren.

In früheren Zeiten, besonders während der Walfangepoche im 18. Jahrhundert, ruhte das soziale Netz auf gegenseitiger Hilfe innerhalb der friesisch geprägten Volksgruppe. Wenn Männer monatelang auf Grönland- oder Spitzbergenfahrt waren, blieben Frauen, Kinder und Alte oft allein zurück und mussten mit Stürmen, Armut und Krankheiten zurechtkommen. Viele Walfänger kehrten nie zurück – sie erlagen den Strapazen an Bord, Skorbut durch Vitaminmangel, Lungenentzündungen, Krätze oder Schiffbrüchen. Kirchenbücher aus dem 18. Jahrhundert belegen, dass in manchen Jahren fast ein Drittel der Haushalte von Witwen und Waisen geprägt war. Die Gemeinschaft reagierte mit Hilfsvereinen der Seefahrer, die Witwen und Waisen unterstützten, mit gemeinschaftlichem Strandgutverteilen und mit informellen Netzwerken, die Nahrung und Brennmaterial teilten. Diese Solidarität fand später ihren Ausdruck in Bräuchen wie dem Klaasohm, der nicht nur rituell, sondern auch sozial bindend wirkte und den Zusammenhalt stärkte.

Im 19. Jahrhundert, mit dem Aufstieg zum Seebad, entstanden erste organisierte soziale Strukturen. Bereits 1870 gab es einen registrierten Armenverband im Kirchspiel Borkum, der Bedürftige unterstützte. 1880/81 ist ein praktischer Arzt nachweisbar, der die medizinische Grundversorgung übernahm. Die Isolation machte jedoch jede schwere Erkrankung oder Verletzung zu einer existenziellen Bedrohung: Schiffsunglücke, Sturmfluten und Infektionskrankheiten forderten immer wieder Opfer. Historische Sagen von aufgebrachten oder angeketteten Frauen, die in Verzweiflung oder nach Unglücken zurückblieben, spiegeln diese kollektive Angst vor Krankheit und Verlust wider. Mit dem Tourismus wuchs die Bedeutung des Gesundheitswesens. Das jodreiche Hochseeklima, die pollenarme Luft und der feine Sandstrand wurden gezielt als Heilfaktoren genutzt. Borkum entwickelte sich zum anerkannten Meeresheilbad, in dem vor allem Atemwegserkrankungen, rheumatische Leiden, Hautkrankheiten und allgemeine Erschöpfungszustände behandelt wurden. Ferdinand von Droste zu Hülshoff hatte schon in den 1860er Jahren die heilende Wirkung für die Vogelwelt und indirekt für den Menschen beschrieben; Wilhelm Busch suchte hier 1879 Erholung.

Gesundheitswesen

Im 20. Jahrhundert, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, professionalisierte sich das Gesundheitswesen stark. Die Insel erhielt 1949 die staatliche Anerkennung als Meeresheilbad, und 1954 wurde sie zur Stadt erhoben. Es entstanden mehrere spezialisierte Kliniken und Reha-Einrichtungen, die das Hochseeklima therapeutisch einsetzen. Heute verfügt Borkum über ein kleines Inselkrankenhaus in der Gartenstraße, das als Kleinstkrankenhaus mit begrenzter Bettenzahl akute Notfälle, innere Medizin und grundlegende Versorgung abdeckt – oft mit Unterstützung von Hubschraubertransporten bei schweren Fällen. Daneben prägen Rehabilitationskliniken das Bild: Das Fachklinikum Borkum konzentriert sich auf Allergologie, Dermatologie, Pädiatrie und Pneumologie und behandelt Erwachsene sowie Kinder mit Eltern. Die Knappschafts-Klinik Borkum bietet interdisziplinäre Reha in den Bereichen Innere Medizin, Dermatologie und gynäkologisch-onkologische Erkrankungen. Weitere Einrichtungen wie die Klinik Borkum Riff (Schwerpunkt Hauterkrankungen, Onkologie der Haut und Psychodermatologie), die Rehaklinik Borkum für Mutter-Kind- und Vater-Kind-Kuren sowie die Fachklinik Helena am Meer für erschöpfte Frauen runden das Angebot ab. Diese Kliniken nutzen Thalassotherapie mit Meerwasser, Schlick, Algen und der jodhaltigen Luft, um Atemwegserkrankungen, Hautleiden wie Neurodermitis oder Psoriasis, rheumatische Beschwerden, Allergien, psychosomatische Störungen und Erschöpfungszustände zu lindern oder vorzubeugen. Ambulante Badekuren und offene Kuren im Gezeitenland ergänzen das Spektrum und ermöglichen Prävention und Nachsorge.

Krankheiten

Krankheiten spielten in der Borkumer Geschichte immer eine zentrale Rolle. In der Walfangzeit dominierten Skorbut, Lungenkrankheiten und Unfallfolgen. Später kamen infektionsbedingte Leiden durch enge Wohnverhältnisse hinzu, während im 20. Jahrhundert chronische Erkrankungen der Atemwege, der Haut und des Bewegungsapparates in den Vordergrund rückten – genau jene Indikationen, für die das Hochseeklima besonders wirksam ist. Kinderkuren und Verschickungen, etwa ins Adolfinenheim, dienten in der Nachkriegszeit der Erholung von Kriegstraumata, Mangelernährung oder chronischen Leiden, wenngleich manche dieser Heime heute kritisch aufgearbeitet werden. Heute treten neben klassischen Indikationen auch psychische Belastungen, Burnout und stressbedingte Erkrankungen stärker in den Fokus der Rehakliniken.

Bildng

n den frühen Jahrhunderten, vom Mittelalter bis weit in die Frühe Neuzeit, gab es keine geregelte Schulbildung im heutigen Sinne. Die wenigen Kinder lernten Lesen, Schreiben und Rechnen meist durch den Küster oder den Pastor in der Kirche oder in kleinen privaten Winkelschulen. Das Wissen, das wirklich zählte – Navigation, Seemannschaft, Netzflicken, Wetterkunde und das Überleben in Sturm und Flut –, wurde praktisch von Generation zu Generation weitergegeben. Viele Jungen gingen bereits als Jugendliche auf Walfangschiffe und lernten dort ihr Handwerk. Die Isolation der Insel machte Bildung zu einer familiären und gemeindlichen Angelegenheit, die eng mit den Bräuchen und der Solidarität der Borkumer Volksgruppe verbunden war.

Mit dem Aufstieg zum Seebad im 19. Jahrhundert entstanden erste organisierte Schulstrukturen. Die wachsende Zahl von Sommergästen und die zunehmende Einbindung in das preußische und spätere niedersächsische Bildungssystem führten zum Bau einer Volksschule. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Schulwesen weiter: Heute gibt es auf Borkum die Inselschule Borkum, eine kombinierte Grund- und Oberschule, die alle Schülerinnen und Schüler von der Einschulung bis zum Abschluss begleitet. Die Schule versteht sich bewusst als „Schule für alle“ – starke wie schwache Schüler werden individuell gefördert und gefordert. Der Unterricht berücksichtigt die besondere Insellage: Themen wie Umweltschutz, Watt und Dünen, erneuerbare Energien oder die Geschichte der Seefahrt sind fest im Lehrplan verankert. Kleine Klassen und enge persönliche Beziehungen zwischen Lehrern, Schülern und Eltern prägen den Alltag. Die Inselschule ist nicht nur Lernort, sondern auch sozialer Mittelpunkt der Gemeinde, der traditionelle Bräuche wie den Klaasohm oder plattdeutsche Geschichten in den Unterricht einbezieht. Die Inselschule Borkum hatte im Jahr 2011 insgesamt 277 Schüler, 17 Klassen und 29 Lehrer.

Ein besonderes Merkmal des Borkumer Bildungswesens ist die Berufsbildende Schule Borkum (BBS Borkum) in der Deichstraße. Sie ist die einzige eigenständige Berufsschule auf einer deutschen Insel und die einzige auf den gesamten Ostfriesischen Inseln. Diese Einrichtung wurde geschaffen, weil die tägliche Fährfahrt zum Festland für Auszubildende zu aufwendig und teuer wäre. Mit einem kleinen Team aus festen Lehrkräften und nebenberuflichen Meistern und Ausbildern bietet die BBS in 16 verschiedenen Ausbildungsberufen schulischen Unterricht an – vor allem im Blockunterricht. Die Schwerpunkte liegen auf den inseltypischen Berufen: Handwerk (Maurer, Zimmerer, Maler, Elektriker, Tischler), Gastronomie und Hotellerie, Einzelhandel, Verwaltung, Energie- und Umwelttechnik sowie Pflege- und Gesundheitsberufe. Viele Auszubildende absolvieren ihre praktische Ausbildung direkt bei Borkumer Betrieben – in Hotels, bei den Stadtwerken, im Handwerk oder in den Kliniken. Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis, die kleinen Klassen und die individuelle Betreuung machen die BBS zu einem Erfolgsmodell. Die feierliche Freisprechung der Absolventen im Sommer ist ein Höhepunkt des insularen Jahres und verbindet sich mit dem Stolz der Gemeinde auf ihre jungen Handwerker und Fachkräfte.

Höhere Bildung

Höhere Bildung im klassischen Sinne – also Gymnasien mit Abitur oder Fachoberschulen – gibt es auf Borkum nicht. Schülerinnen und Schüler, die das Abitur anstreben oder ein Studium vorbereiten wollen, müssen nach dem Abschluss der Oberschule auf das Festland wechseln, meist nach Emden, Aurich oder Leer. Viele junge Borkumer kehren jedoch nach einer Ausbildung oder einem Studium auf die Insel zurück, um in den Familienbetrieben, im Tourismus oder im Gesundheitswesen zu arbeiten. Die Insellage fördert so eine besondere Form der Bildungsmobilität: Man lernt früh, selbstständig zu sein, und bringt zugleich das erworbene Wissen wieder in die Gemeinschaft ein. Fort- und Weiterbildungen für Erwachsene, etwa in den Bereichen Tourismus, Energiewirtschaft oder Pflege, werden über die BBS, die Volkshochschule oder die Kliniken angeboten und nutzen oft die ruhige Winterzeit.

Bibliotheken und Archive

Die Stadtbibliothek Borkum versorgt Insulaner und Gäste mit Büchern, Zeitschriften, Hörbüchern und digitalen Medien. Sie ist nicht nur Ausleihstelle, sondern auch Begegnungsort: Lesungen, plattdeutsche Abende, Vorträge zur Inselgeschichte oder Veranstaltungen für Kinder finden hier statt. In einer Zeit, in der viele junge Menschen Hochdeutsch und Englisch sprechen, pflegt die Bibliothek bewusst das Börkumer Platt und hält regionale Literatur, Sagen und Heimatbücher bereit. Die Sammlung umfasst Werke zur friesischen Geschichte, zur Walfangzeit, zu Störtebecker-Legenden und zu den einzigartigen Bräuchen der Insel. Schulen und die Berufsschule nutzen die Bibliothek regelmäßig für Projekte und Recherche.

Das Stadtarchiv Borkum bewahrt die schriftlichen Zeugnisse der Inselgeschichte – von mittelalterlichen Urkunden über Kirchenbücher und Walfanglisten bis hin zu Dokumenten der Modernisierungszeit, des Zweiten Weltkriegs und der Entwicklung zum Meeresheilbad. Es enthält wertvolle Quellen zu den Mythen und Sagen, zu den Herrschaftswechseln zwischen Ostfriesland, Preußen, Hannover, Holland und Frankreich sowie zu den großen Sturmfluten und Unglücken. Das Archiv dient Forschern, Heimatforschern und Schulen als wichtige Einrichtung und unterstützt Ausstellungen im Heimatmuseum Dykhus. In den letzten Jahren wurden Teile der Bestände digitalisiert, um sie auch für die jüngere Generation und für Gäste zugänglich zu machen.

Kultur

Seit 1917 befindet sich im Inselinnern das Emmich-Denkmal für den 1915 verstorbenen General der Infanterie Otto von Emmich. Seit 1989 liegt das ehemalige Feuerschiff Borkumriff im Borkumer Schutzhafen vor Anker. Es wurde am 15. Juli 1988 als letztes deutsches Feuerschiff außerdienst gestellt und dient seither als Informationseinrichtung für den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Die technische Betreuung des Nationalparkschiffes erfolgt durch den Förderverein Borkumriff. Das Schiff ist ganzjährig für Besucher geöffnet.

Museen

Das Heimatmuseum Dykhus (Deichhaus) liegt in unmittelbarer Nähe des Alten Leuchtturmes. Der Zugang zum Heimatmuseum führt durch ein Tor, das durch zwei hoch aufgerichteten Kinnladen eines Wales gebildet wird. Die Walknochen erinnern an die frühere Tradition der Borkumer als Walfänger. Das Museum zeigt verschiedene Abteilungen und Zimmer, in denen die wechselvolle und interessante Geschichte Borkums in zahlreichen Exponaten ausstellt sind. Das Museum wird durch den Heimatverein der Insel Borkum e.V. betreut und betrieben. Auf Borkum zeugen noch heute Zäune aus Walkinnladenknochen vom Walfang. In der Wilhelm-Bakker–Straße befindet sich das ehemalige Haus des erfolgreichsten Borkumer Walfängerkapitäns Roelof Gerritsz Meyer. Sein Grundstück ist mit einem Zaun aus Walkinnladen umgeben, die er von seinen Walfangfahrten 1715 bis 1782 mitgebrachte. Die Überbleibsel verwittern langsam. Deshalb setzt sich der Borkumer Heimatverein seit einigen Jahren für den Erhalt der Kinnladen ein.

In den Gebäuden der ehemaligen Marine-Seemannschaftslehrgruppe der Bundeswehr, die bis in die 1990er Jahre ein bedeutender Marinestützpunkt und größter Arbeitgeber der Insel war, betreibt das Deutsche Jugendherbergswerk seit Oktober 1996 die Jugendherberge „Am Wattenmeer“. Mit 530 Betten und einem rund 20 Hektar großen Gelände ist sie die größte ihrer Art in Europa.

Architektur

Die Architektur auf Borkum ist eine Mischung aus traditionellem ostfriesischem Bauverständnis, historischer Bäderarchitektur und modernen, sturmflut- sowie klimageeigneten Neubauten. Entscheidend geprägt wird das Erscheinungsbild der Insel durch die Lage mitten im Wattenmeer, den Einfluss des Nordseewinds und die starke touristische Nutzung, die sich in der Bauweise niederschlägt.

Im Zentrum sind die klassischen Bäderhäuser entlang der Jann‑Berghaus‑Straße (ehemals „Kaiserstraße“) und der Strandpromenade prägend; ihre Gebäude sind großvolumig, mit reich gegliederten Fassaden, breiten Balkonen und Veranden, die früher als „Meeres‑Terrasse“ beworben wurden. Diese Häuser stammen größtenteils aus der Hochphase des Seebadetourismus im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert und sind eher massig und robust als filigran, mit geschweiften Dachformen, Erkern und farblich betonten Gliederungen. Sie dienen heute noch als Hotels, Pensionen und Appartements, sodass die Insel ihren historischen Bädercharakter über die Gebäudehülle hinaus bewahrt.

Neben der Bäderarchitektur gibt es auf Borkum zahlreiche inseltypische Backsteinbauten, etwa die Kirchen, die Leuchttürme und historische Hilfspfeiler wie die „Baken“. Die Kirchen – darunter die lutherische Christuskirche, die reformierte Kirche und die katholische Kirche „Maria Meeresstern“ – sind im späten 19. Jahrhundert als massive Ziegelbauten errichtet worden und zeigen Stilelemente der Zeit wie Spitzdächer, Turmhelme und verzierte Giebel. Ikone der Insel ist der Alte Leuchtturm aus dem 16. Jahrhundert, ein massiver quaderförmiger Turm aus Backstein, der als ältestes Gebäude der Insel und der ostfriesischen Inseln gilt und heute als Aussichts‑ und Museumsturm dient.

Typisch für Borkum sind außerdem die roten Klinkerbauten, die sich in den Dünen und im Ortskern wiederfinden, etwa in den gemauerten Baken, im Wasserturm und in älteren Fach‑ bzw. Möbelhäusern. Der Wasserturm etwa ist ein mächtiger Ziegelbau mit rundem Grundriss, der sich konisch verjüngt und durch ein kräftiges Gesims sowie eine Attika abgeschlossen wird; er steht als technisches Denkmal für die Entwicklung der Infrastruktur auf der Insel. Die „Baken“ als frühe Seezeichen sind ebenfalls aus massiven Klinkern gemauert und nur mit Holztoppzeichen überbaut, was ihre Robustheit gegenüber Sturmfluten betont.

Im Bereich der Wohnarchitektur mischen sich heute traditionelle ostfriesische Bauformen mit neuen, auf Klima und Insellage abgestimmten Bauten. In den letzten Jahren sind vor allem hochwertige Doppelhäuser und Ferienhäuser in Strandnähe entstanden, die sich durch flache, überdachte Terrassen, wetterfeste Fassaden und großzügige Verglasungen auszeichnen. Diese Gebäude nutzen oft dunkle, salzbeständige Putze, Holzverkleidungen und schlichte Kubaturen, um sich in die offene Dünenlandschaft einzufügen und gleichzeitig den hohen Anforderungen an Wind‑ und Schallschutz zu genügen.

Das Gesamtbild der Borkumer Architektur ist damit von einer strikten, ökonomischen Materialwahl, einer dominanten Bäderarchitektur und einer Reihe markanter technischer Bauwerke wie Leuchttürmen, Baken und Wasserturm geprägt. Zugleich spiegelt die Baulandschaft die historische Entwicklung von einer Walfang‑ und Fischereiinsel über ein klassisches Kaiserbad hin zu einem modernen Nordseeheilbad wider, das sowohl Denkmal‑ als auch funktionale, touristisch orientierte Baukultur nebeneinander akzeptiert.

Bildende Kunst

Die bildende Kunst auf Borkum ist eng mit der Insellandschaft, dem Meer und der Bäderarchitektur verbunden und zeigt sich vor allem in kleinen Galerien, Ateliers und privaten Werkstätten. Auf der Insel existiert eine Reihe von Kunstgalerien, die sich auf Malerei, Fotografie und Kunsthandwerk spezialisiert haben; prominent ist etwa das „Atelier am Meer“ der Künstlerin Nicole Wenning an der Strandpromenade, das zugleich Galerie, Atelier und Malschule ist und vor allem Meeres‑ und Küstenmotive in Aquarell und Acryl zeigt.

Neben diesem zentralen Kunstatelier gibt es mehrere kleinere Galerien und Kunstgewerbebetriebe, etwa die „Inselgalerie Die Schatzkiste“, die „Galerie Torsten Dachwitz“ sowie Schmuck‑ und Kunsthandwerksläden, in denen Fotografie, Schmuck, Keramik und andere handgefertigte Objekte präsentiert werden. Diese Orte tragen dazu bei, dass Besucher und Einwohner direkt am Ort regionale Kunst konsumieren können, oft mit Motiven von Dünen, Watt, Leuchttürmen und Bäderhäusern, die das typische Borkum‑Image einfangen.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit Borkum erstreckt sich auch über die Insel hinaus: Mehrere Künstlerinnen und Künstler, etwa die Malerin Christa Zenzes, nutzen Borkum als Motiv in Serien, die Küstenlandschaften und Strände in farbintensiven Öl- oder Acrylwerken darstellen. Diese Bilder bewegen sich zwischen romantischer Meeresstimmung und abstrakter Formensprache und zeigen, wie die Weite von Horizont, Meer und Himmel künstlerisch verdichtet wird.

Unterricht und kreative Workshops bilden einen weiteren Schwerpunkt der bildenden Kunst auf Borkum; neben den Malkursen in „Atelier am Meer“ gibt es weitere Angebote, in denen Gäste und Insulaner in Maltechniken, Fotografie oder plastischem Arbeiten eingeführt werden. Dadurch wird die Insel nicht nur als Ausstellungs- und Verkaufsraum für Kunst, sondern auch als Ort der Produktion und kreativen Weiterbildung wahrgenommen. Insgesamt zeigt die bildende Kunst auf Borkum eine Mischung aus touristischer Bildsprache, regionaler Identität und professioneller Kunstproduktion, die sich eng an der spezifischen Atmosphäre von Nordsee und Inselwelt orientiert.

Literatur

Seit Jahrhunderten haben die Mythen und Geschichten der Insel – von angeketteten oder aufgebrachten Frauen, die in stürmischen Nächten über die Dünen wandern, von Seeräubern und Klaus Störtebeckers vergrabenem Schatz in den Woldedünen, von verheerenden Sturmfluten und Schiffbrüchen – in mündlicher Form gelebt und wurden in den Familien, bei Heimatabenden oder in plattdeutschen Runden weitererzählt. Diese volkstümlichen Erzählungen dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Mahnung vor den Launen des blanken Hans und der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in einer vom Meer bedrohten Welt. Viele dieser Sagen fanden später Eingang in gedruckte Sammlungen und Heimatbücher, die in der Stadtbibliothek oder im Heimatmuseum Dykhus zugänglich sind.

Der wohl berühmteste literarische Gast der Insel war der Dichter und Zeichner Wilhelm Busch. In den Sommern 1876 bis 1879, vor allem 1879, verbrachte er mehrere Wochen auf Borkum und übernachtete im Haus im Wiesenweg 1, dem heutigen Ferienhaus Wiesenweg. Hier entstanden humorvolle Gedichte und Reimereien, die das damalige Inselleben auf leichte, ironische Weise einfangen. Busch beschrieb die weiten Dünen, das rauschende Meer, die schreienden Möwen und das einfache Leben der Borkumer mit spitzer Feder. Ein bekanntes Beispiel ist das Gedicht, in dem er auf Bitten einer gewissen Hermine ein humorvolles Bild der Insel zeichnet: Von der Düne aus sieht man weit, das Meer ist voller Flüssigkeit, das Ostland reich an Möwen, und die Eltern der jungen Möwen schweben schreiend über den Hüten der Badegäste. Diese Borkum-Gedichte sind keine großen literarischen Werke, sondern eher leichte, unterhaltsame Schnurren, die dennoch den Charme der Insel und Buschs typischen Witz widerspiegeln. Sie trugen dazu bei, Borkum als Ort der Erholung und Inspiration in der deutschen Literatur bekannt zu machen.

Neben Busch zog die Insel im 19. und 20. Jahrhundert weitere Schriftsteller und Heimatdichter an, die das Leben auf Borkum in Prosa und Lyrik festhielten. Frühe Werke wie Wilhelm Fischers „Parathina: Badeleben auf Borkum“ von 1882 beschreiben das aufkommende Seebad mit all seinen gesellschaftlichen Eigenheiten. Im 20. Jahrhundert entstanden zahlreiche heimatgeschichtliche und erzählende Texte, darunter Arnold Beirichs „Von Borkum und Borkumern: Heitere und ernste Geschichten“ aus dem Jahr 1952, das Alltag, Humor und Ernst der Insulaner verbindet. Viele Autoren schrieben auf Börkumer Platt oder im ostfriesischen Niederdeutsch, sodass plattdeutsche Gedichte, Anekdoten und Chroniken einen wichtigen Teil der lokalen Literatur bilden. Diese Texte pflegen die einzigartige Sprachwelt der Insel und halten Bräuche wie den Klaasohm, das rituelle Schweineschlachten oder alte Seemannsgeschichten lebendig.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Borkumer Literatur besonders im Bereich des historischen Romans weiterentwickelt. Romane wie Claudia Schirdewans „Die Walfängerin von Borkum“ tauchen tief in die goldene Epoche des 17. und 18. Jahrhunderts ein und erzählen von den mutigen Frauen und Männern, die auf Grönlandfahrt gingen, von Liebe, Verlust und dem harten Überlebenskampf auf der Insel. Ocke Aukes hat mit Büchern wie „Das Strandhotel auf Borkum“ oder „Unsere Glücksmomente – Geschichten aus Borkum“ unterhaltsame, teilweise autobiografisch gefärbte Romane und Erzählbände geschaffen, die das Inselleben mit all seinen kleinen Dramen, Glücksmomenten und historischen Bezügen – sogar bis hin zu Wilhelm Busch und der NASA – lebendig werden lassen. Weitere Werke wie „Zwischen den Zeilen passiert das Leben“ von Sarah Weber und Mitautorinnen oder Jaane Janssens „Der Ruf des Horizonts“ setzen die Tradition fort und verbinden Romantik, Geschichte und den unverwechselbaren Borkum-Flair.

Theater

Im dramatischen Bereich prägend ist die Borkumer bzw. Börkumer Niederdeutsche Bühne, ein Verein, der seit Anfang des 20. Jahrhunderts plattdeutsche Komödien aufführt und damit die lokale Sprache, das Alltagsleben und ostfriesische Satire in lebendiger Bühnenkultur fortsetzt. Die Stücke werden in der Regel mehrfach pro Jahr gezeigt, oft im Winter und zu Saisonwechseln, und finden ihr Publikum sowohl bei Einheimischen als auch bei Gästen, die Einblicke in die Insel mentalität und Sprache suchen.

Eine weitere zentrale Bühne für Theater und Musical ist die Kulturinsel Borkum, ein multifunktionaler Veranstaltungsbau, der unter anderem über einen großen Saal, Lesesäle und Kultur‑Räume verfügt. In der Kulturinsel werden regelmäßig Theaterstücke, Musicals, Lesungen, Kabarett‑ und Comedy‑Programme sowie musikalische Veranstaltungen gezeigt, die von regionalen und überregionalen Künstlern bespielt werden. Unter dem Dach dieser Veranstaltungsstätte läuft auch das Borkum‑Musical „Up de Walvis“, ein Inseldrama, das in Szene setzt, wie Borkum in der Walfänger‑ und Seefahrerzeit gelebt hat; es verbindet historische Themen, Trachten und Shantys mit theatertechnischer Inszenierung und ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des kulturellen Programm‑Jahres geworden.

Neben diesen größeren Bühnen gibt es auf Borkum eine Reihe von kleineren Aufführungsformen, etwa Festsitzungen, Wal‑ und Hafenfeste sowie Dorfveranstaltungen, in denen theaterhafte Elemente, Revuen oder szenische Beiträge eine Rolle spielen. Zudem werden regelmäßig Lesungen, Krimiabende und Vorträge mit bühnenhaftem Charakter angeboten, sodass die Insel trotz fehlenden klassischen Stadttheaters ein vielfältiges Theater‑ und Bühnenangebot aufweist. Insgesamt ist das Theater auf Borkum geprägt durch die Dominanz der Niederdeutschen Bühne, das Musical „Up de Walvis“ und die als zentraler Spielort fungierende Kulturinsel, die zusammen ein Bühnenumfeld schaffen, das Tradition, Lokalkolorit und professionelle Gastspiele miteinander verbindet.

Film

Die Kulisse von Dünen, Strandpromenade und Leuchttürmen wurde in mehreren Fernseh‑ und Kinofilmen genutzt, etwa in der Reihe rund um das Feuerschiff „Borkumriff“, wo die Insel und ihre Umgebung als authentische Nordsee‑Atmosphäre bereitstellt. Diese Produktionen betonen die maritime Stimmung, die Wettereinflüsse und die Nähe zum offenen Meer, sodass Borkum selbst fast zu einem Hauptcharakter der Erzählung wird.

Ein prominentes Beispiel eines Spielfilms, der Borkum gezielt als zentralen Schauplatz nutzt, ist „Ferien“ von Bernadette Knoller, ein spielerischer Erholungs‑ und Burnout‑Film um eine junge Staatsanwältin, die von ihren Eltern auf die Insel geschickt wird. Der Film inszeniert Borkum als Ort der Entschleunigung, aber auch als Raum, in dem persönliche Krisen und familiäre Konflikte aufs Eigentümliche anecken, und nutzt dabei sowohl die Strandlandschaft als auch die typische Inselpublik gemacht. Gleichzeitig existieren rein dokumentarische und werbliche Filmproduktionen, etwa TV‑Reiseporträts wie „Borkum – Reif für die Insel“ im Rahmen von ARD‑Reiseformaten, die die Insel als „schönsten Sandhaufen der Welt“ mit ihren Leuchttürmen, dem Wattenmeer und den Inselbewohnern vorstellen.

Zusätzlich gab und gibt es eine Reihe von Image‑ und Kurzfilmen, die Borkum als Tourismusziel und Lebensraum porträtieren. Dazu zählen etwa der emotional angelegte Imagefilm „Borkum – In der Saison der Sinne“, der die Insel vor allem in der Nebensaison als Ort der Entschleunigung, Ruhe und sinnlichen Erfahrung ab fotografiert, sowie ein neuerer Imagefilm, der mit hochwertiger Kamera- und Objektivausrüstung Strand‑ und Wassersport, kulinarische Angebote und Erholung in Bildern verdichtet. Solche Produktionen werden regelmäßig auch auf der Tourismusplattform der Insel abgelegt und dienen der Außenwirkung genauso wie der internen Reflexion, wie Borkum sich selbst sieht.

Neben diesen größeren Produktionen gibt es auf Borkum auch kleinere Film‑ und Video‑Projekte, etwa selbst gedrehte Kurzfilme, Reise‑ und Heimatfilme, die von Privatpersonen oder lokalen Produzenten erstellt und teils auf Videoportalen angeboten werden. Insgesamt zeigt sich der Film auf Borkum also als eine Mischung aus professionellen Dreharbeiten für Kino und TV, thematischen Dokumentationen und Image‑Filmen, die das Bild der Insel verbreiten, sowie aus lokalen, teils privaten Video‑Projekten, die die Insel aus eher persönlicher Perspektive einfangen.

Das Kino auf Borkum ist

im Rahmen der Kulturinsel angesiedelt, die sich als Zentrum für kulturelle Veranstaltungen – darunter auch Filmvorführungen – etabliert hat. Früher gab es ein eigenes Lichtspielhaus auf der Insel, das heute aber nicht mehr als regelmäßiges Kino, sondern vielmehr als Veranstaltungssaal innerhalb der Kulturinsel genutzt wird. Die Kulturinsel selbst liegt in der Goethestraße und fungiert als multifunktionale Bühne für Theater, Lesungen, Konzerte und gelegentliche Film‑ bzw. Kinoabende, die von der Inselgemeinschaft und Tourismusveranstaltern organisiert werden.

Musik und Tanz

Seit Jahrhunderten begleiteten Lieder und Rhythmen das harte Leben der Insulaner: beim Walfang, bei der Rückkehr der Männer, bei gemeinschaftlichen Arbeiten und in den langen Winternächten. Viele alte Seemannslieder, Shanties und plattdeutsche Volkslieder wurden in den Familien und in den Gaststuben gesungen und erzählten von Stürmen, Schiffbrüchen, fernen Fahrten und der Sehnsucht nach der Heimat. Diese musikalische Überlieferung verband sich mit den Mythen der Insel – von Störtebeckers verborgenem Schatz, von aufgebrachten oder angeketteten Frauen, die in stürmischen Nächten klagten, und von verheerenden Unglücken, die in traurigen Balladen besungen wurden. Die Musik diente nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in einer kleinen, vom Meer bedrohten Welt.

Ein zentraler Ort, an dem Musik und Tanz bis heute zusammenfließen, ist der Klaasohm, das höchste Fest der Borkumer in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember. Früher zogen die verkleideten Klaasohms mit Kuhhörnern, Masken, Schafsfellen und Federn durch die Straßen, begleitet von lautem Grölen, rhythmischem Stampfen und einfachen, treibenden Melodien. In den Häusern, die sie besuchten, wurde getanzt, gesungen und gefeiert – oft zu plattdeutschen Liedern oder alten Seemannsweisen. Der Brauch, der seine Wurzeln möglicherweise in der Walfangzeit hat, symbolisierte die Rückkehr der Männer und die Wiederherstellung der Ordnung. Heute findet das Fest in veränderter, friedlicherer Form statt: Das Schlagen mit Kuhhörnern wurde abgeschafft, doch das gemeinsame Singen, rhythmische Tanzen und Feiern in geschlossenen Runden bleibt erhalten. Die Klaasohms und ihre Begleiter bewegen sich zu traditionellen Klängen, und am Ende des Abends versammeln sich alle zu einem großen, ausgelassenen Tanz und Gesang auf dem zentralen Platz. Diese Feier verbindet alte rituelle Elemente mit moderner Gemeinschaftsmusik und bleibt ein Höhepunkt des insularen Jahres.

Neben dieser urtümlichen Tradition hat sich auf Borkum eine reiche maritime Chormusik entwickelt. Der Shanty-Chor „Oldtimer“, der seit 1976 besteht, ist weit über die Inselgrenzen hinaus bekannt. Der vierstimmige Chor singt klassische Shanties, irischen Folk, englischsprachige Seemannslieder und fröhliche wie besinnliche Klassiker. Mit hohem musikalischem Niveau treten die „Oldtimer“ in der Saison regelmäßig auf – im Musikpavillon, in der Kulturinsel, im Upholmhof oder bei großen maritimen Events auf dem Festland wie dem Hamburger Hafengeburtstag oder der SAIL in Amsterdam. Ihre Lieder erzählen von Wind und Wellen, von Abschied und Heimkehr und verbinden die alte Seefahrerromantik mit der Gegenwart. Viele Borkumer und Gäste singen bei den Konzerten mit, und der Chor wird oft zu privaten Feiern oder Heimatabenden eingeladen.

Die Kurkonzerte bilden seit dem 19. Jahrhundert einen festen Bestandteil des touristischen und kulturellen Lebens. Im historischen Musikpavillon an der Kurpromenade finden von April bis Oktober täglich (außer montags) Konzerte statt – morgens, nachmittags und abends. Unter dem Motto „Musik & Meer“ spielen verschiedene Ensembles, Blaskapellen, Solisten und Bands vor der Kulisse der Nordsee. Von Marschmusik und Walzern über Swing und Jazz bis hin zu Pop, Folk und modernen Balladen reicht das Repertoire. Gäste und Insulaner können zuhören, mitsingen oder bei manchen Stücken sogar tanzen. Besonders beliebt sind die Sonnenuntergangskonzerte, bei denen die Musik mit dem Rauschen der Wellen und dem Farbenspiel des Himmels verschmilzt. In den letzten Jahren ergänzen Events wie die Beach Days Borkum im August das Programm: Open-Air-Konzerte am Strand, Live-Musik auf der Bühne, Silent Disco und große Auftritte bekannter Künstler sorgen für sommerliches Partyfeeling.

Tanz hat auf Borkum immer eine gesellige und gemeinschaftsstiftende Funktion gehabt. Bei traditionellen Feiern wie dem Klaasohm, beim Schweineschlachten oder bei Heimatabenden wird zu plattdeutschen Liedern oder einfachen Melodien getanzt – oft in Paarformation oder im Kreis. Die Trachtengruppe des Vereins Borkumer Jungens e.V. 1830 pflegt alte ostfriesische und inseltypische Tänze und führt sie bei Veranstaltungen auf. Dazu gehören lebhafte Gruppentänze mit charakteristischen Schritten, Drehungen und rhythmischem Stampfen, die die Seefahrer- und Landleben-Tradition widerspiegeln. In den Gaststätten und Hotels wird zu Livemusik getanzt – von Walzer und Foxtrott über Disco und aktuelle Hits bis hin zu Shanty-Tänzen. Moderne Bands und DJs sorgen in den Sommermonaten für Abwechslung, während in der ruhigen Saison eher besinnliche Konzerte und Plattdeutsch-Abende im Vordergrund stehen.

Neben diesen live gespielten Klängen gibt es auch populäre Borkum-Lieder, die weit über die Insel hinaus bekannt sind. Das „Borkumlied – Die Insel meiner Träume“ in der Marsch-Beat-Version der Ostfriesischen Jungs wird bei vielen Gelegenheiten gesungen und gespielt. Es drückt die tiefe Verbundenheit der Insulaner und Gäste mit der windumtosten Heimat aus und wird oft bei Feiern oder als Abschluss von Konzerten angestimmt.

Kleidung

Neben der modernen Strand‑ und Windjackenmode, wie sie etwa in Boutiquen wie „Lous“ oder im Fachgeschäft Albartus angeboten wird, gibt es eine eigene, heute vor allem für Feste und Vereinsveranstaltungen getragene Borkumer Tracht. Diese Tracht ist Teil des lokalen Brauchtums, das vor allem von der Trachtengruppe des Verein Borkumer Jungens e.V. 1830 gepflegt wird, der ältesten Traditionsvereinigung der Insel.

Bei der Borkumer Tracht für Frauen liegt ein dunkles, grob gewebtes Kleid im Vordergrund, das aus einem eng anliegenden Oberteil und einem weiten Rock besteht. Darüber wird eine Schürze gebunden und ein Tuch über die Schulter gelegt, das mit einer Brosche über der Brust zusammengehalten wird; häufig ist das Tuch in Rot oder einem anderen leuchtenden Farbton gehalten. Die Haare sind mit einer weißen Haube bedeckt, die durch sogenannte „Ohreisen“ – Ohrbügel in Sternform aus Gold oder Messing – am Kopf fixiert werden; diese Elemente erinnern stilistisch an niederländische Kopftrachten, werden aber auf Borkum auf eine eigene, typische Weise getragen.

Die Tracht der Männer besteht aus einer dunklen Hose, einem weißen Hemd, einer dunklen Weste sowie einer dunklen Dreivierteljacke, die als „Pikjäckert“ bezeichnet wird. Als farbiger Akzent wird ein farbig‑buntes Taschentuch um den Hals gebunden oder lässig aus der Hosentasche herausstehen gelassen, was die Tracht sowohl festlich als auch bewegungs‑ und alltagstauglich erscheinen lässt. Diese Kombination aus dunklen, robusten Grundkleidungsstücken und auffälligen, textilen Details entspricht dem nordischen Brauchtumsstil, bei dem Funktionalität und Symbolik eng miteinander verbunden sind.

Neben der historisch inspirierten Tracht prägt eine speziell auf die Nordsee und das Küstenklima abgestimmte Alltagsmode das Bild von Borkum. Wind‑ und wasserfeste Jacken, Strickpullover, Fleece‑ und Polartec‑Jacken, Mützen und Schals sind in vielen Geschäften zu finden, darunter das bekannte Modegeschäft Albartus, das seit Jahrzehnten als eine der wichtigsten Stellen für wetterfeste Bekleidung auf der Insel gilt. Zusätzlich haben sich in der Wilhelm‑Bakker‑Straße Boutiquen wie „LOUS“ etabliert, die eher zeitlose Strand‑ und Inselstyles anbieten und so die touristische Kleidungswelt zwischen klassischer Tracht und modernem Strandlook spannen.

Kulinarik und Gastronomie

Schon in den „olden Tieden“, den harten Jahrhunderten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, war die Küche geprägt von Knappheit, Konservierung und der Nutzung dessen, was das Meer und die kargen Böden hergaben. Getrocknete Bohnen (Dröge Bohntjes) bildeten die Grundlage für winterliche Eintöpfe, die mit Speck, Zwiebeln und manchmal getrocknetem Fisch angereichert wurden. Salzfleisch oder Pökelfleisch (Soltfleiss) war ein Klassiker der kalten Monate, ebenso wie Muschelgerichte, die besonders in Zeiten der Not – etwa während der Kriege – eine wichtige Rolle spielten. Fisch und Meeresfrüchte standen immer im Mittelpunkt: Hering, Scholle, Kabeljau und Miesmuscheln wurden geräuchert, gepökelt oder frisch zubereitet. Die Walfangzeit im 18. Jahrhundert brachte zwar zeitweiligen Reichtum, doch an Bord der Schiffe herrschte oft karge Kost aus Erbsen, Stockfisch und hartem Brot. Zurück auf der Insel feierte man die Rückkehr der Männer mit reichhaltigeren Mahlzeiten, die später in den gemeinschaftlichen Bräuchen wie dem Klaasohm oder beim rituellen Schweineschlachten ihren sozialen Rahmen fanden.

Heute lebt diese Tradition in der Borkumer Küche fort, wird aber modern und saisonal interpretiert. Frische Meeresfrüchte bleiben die unangefochtene Spezialität: knusprig gebratene Scholle, Seezunge, Kabeljaufilet, geräucherter Aal, Matjes oder fangfrische Krabben (die je nach Gezeiten und Fangausbeute verfügbar sind) stehen auf fast jeder Speisekarte. Beliebte Gerichte sind Fischpfannen mit verschiedenen Filets und Gemüse, Pannfisch mit Senfsoße, hausgemachte Fischfrikadellen oder klassische Fischbrötchen mit Zwiebeln und Gurken. Muscheln, insbesondere Miesmuscheln, werden in vielfältigen Varianten angeboten. Deftige Eintöpfe wie Labskaus oder herzhafte Suppen mit regionalen Zutaten erinnern an die Seefahrertradition. Aus der Landwirtschaft stammen robuste Produkte wie Rindfleisch von den Hochlandrindern der Salzwiesen, das in manchen Restaurants als nachhaltige Alternative serviert wird. Vegetarische und vegane Gerichte haben in den letzten Jahren stark zugenommen und werden oft mit Sanddorn, dem typischen Inselbeerenstrauch, verfeinert – sei es als Mousse, in Saucen oder als erfrischender Aufstrich.

Die süße Seite der Borkumer Kulinarik ist geprägt von der ostfriesischen Teekultur und hausgemachtem Gebäck. Eine Tasse Ostfriesentee mit Kluntje (Kandiszucker) und einem Wölkchen Sahne gehört zu jedem Besuch dazu. Dazu reicht man Ostfriesentorten, selbstgebackene Kuchen, Waffeln oder Dickmilch mit Früchten. Sanddorn spielt eine große Rolle in Desserts, Marmeladen und Likören und verleiht vielen Gerichten eine fruchtig-herbe Note. In den Wintermonaten oder bei traditionellen Anlässen kommen noch immer Gerichte wie Dröge Bohntjes oder Soltfleiss auf den Tisch, die von älteren Insulanern gepflegt und gelegentlich in Heimatabenden oder im Museum präsentiert werden.

Das gastronomische Spektrum reicht von einfachen Fischimbissen und Milchbuden am Strand, die Krabbensuppe, Backfisch oder Sanddorn-Currywurst anbieten, über gemütliche Cafés und Bierlokale bis hin zu gehobenen Restaurants. Das Teehaus in der Süderstraße verbindet traditionelle regionale Küche mit modernen Elementen und serviert neben Ostfriesentorte auch Fischpfannen und vegetarische Kreationen. Die „Kleine Möwe“ im Inselkern gilt als Gourmetadresse mit kreativen Gerichten neben klassischer deutscher Küche. Das Restaurant „Alt Borkum“ präsentiert regionale Speisen, darunter auf Lavastein gegrilltes Dry Aged Beef, knackige Salate und traditionelle Fischgerichte – ein beliebter Treffpunkt auch für Einheimische. Weitere bekannte Adressen wie der Knurrhahn, Leos Borkum, die Delfter Stuben oder das Bistro Buddelhus bieten eine Mischung aus gutbürgerlicher Küche, mediterranen Einflüssen, italienischen Akzenten und internationalen Spezialitäten. Das Cafe „Lokomotive“ ist ein Frühstückscafe direkt am Bahnhof. Das Restaurant Fischerkate ist spezialisiert auf regionale Fischgerichte, „Heimliche Liebe“ auf Meeresspezialitäten und die Pizzeria „Leo’s“ bietet italienische Speisen.

Insbesondere während der Hochsaison herrscht in der Gastronomie reges Leben, doch auch in den ruhigeren Monaten bleiben viele Lokale geöffnet und bieten „de lüx“-Wochen mit raffinierten Kreationen oder spezielle Angebote für Insulaner und Dauergäste. Die Milchbuden am Strand sind eine echte Borkumer Institution: Jede hat ihren eigenen Charakter – hier eine Krabbensuppe, dort Milchreis oder ein Eisbecher – und sie verkörpern die entspannte, maritime Lebensart der Insel. Hotels und Pensionen mit eigenen Restaurants runden das Angebot ab und sorgen dafür, dass auch Kurgäste in den Kliniken kulinarisch verwöhnt werden, oft mit leichten, gesundheitsfördernden Gerichten, die zum Hochseeklima passen.

Festkultur

Auf Borkum gelten die deutschen Feiertage.

  • Neujahr (1. Januar
  • Karfreitag (beweglich, im März oder April)
  • Ostermontag (beweglich, im März oder April)
  • Tag der Arbeit (1. Mai)
  • Christi Himmelfahrt (beweglich, im Mai)
  • Pfingstmontag (beweglich, im Mai oder Juni)
  • Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober)
  • Reformationstag (31. Oktober)
  • Erster Weihnachtstag (25. Dezember)
  • Zweiter Weihnachtstag (26. Dezember)


Regelmäßige Veranstaltungen auf Borkum sind:

  • April: Am letzten Samstag im April veranstaltet die DLRG Borkum am Vereinsheim „Middelhüsche“ auf der Strandpromenade traditionell das „Anschwimmen“. Die Veranstaltung ist der offizielle Start der Badesaison auf Borkum.
  • Pfingsten: Inselübergreifendes Jazzfestival
  • Juli/August: Seit 1994 finden regelmäßig Beachvolleyballturniere des Niedersächsischen Volleyball-Verbandes mit inzwischen knapp 1.000 teilnehmenden Mannschaften an drei aufeinander folgenden Wochenenden auf Borkum statt.
  • August: Große Strandfete des Verein Borkumer Jungs
  • September: Borkumer Meilenlauf am ersten Septemberwochenende
  • September: Borkumer Landpartie seit 2004
  • Dezember: Klasohm ist ein Brauch aus der Zeit der Walfänger. Er wird in der Nacht auf den 6. Dezember auf der Insel gefeiert.
  • Dezember: Borkumer Bluesnight zum Jahresausklang

Medien

Auf Borkum erscheint die Borkumer Zeitung, eine kleine, aber traditionsreiche Tageszeitung. Die überregionalen Mantelseiten werden von der in Oldenburg erscheinenden Nordwest-Zeitung geliefert.

Die Borkumer Zeitung ist eine kleine und traditionsreiche Tageszeitung auf der ostfriesischen Insel Borkum. Die Zeitung erschien von 1881 bis 1945 und wieder seit 1949, heute im Verlag Borkumer Zeitung GmbH, Borkum. Verbreitet werden vier Ausgaben pro Woche (montags, dienstags, donnerstags, freitags); die Auflage beträgt um die 1900 Exemplare. Die Borkumer Zeitung ist eine der wenigen eigenständigen Tageszeitungen in der nordwestdeutschen Zeitungslandschaft. Sie bezieht den Mantel von der Nordwest-Zeitung in Oldenburg. Die Borkumer Zeitung unterhält eine eigene Internetpräsenz. 2008 rügte der Deutsche Presserat die Zeitung wegen Verstoßes gegen den Pressekodex. Sie hatte über einen zu einer Haftstrafe verurteilten Mann berichtet, dabei seinen Namen genannt und damit die Persönlichkeitsrechte des Mannes verletzt. Chefredakteur und Verleger ist Wilke Specht.

Kommunikation

Die Postleitzahl der Insel ist 26757, die Telefonvorwahl 0(049)4922.

Sport

Der wichtigste sportlijche Bereich auf Borkum ist der Wassersport. Aufgrund der guten Windverhältnisse eignet sich die Insel hervorragend für Windsurfen und Kitesurfen. Sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene finden hier geeignete Bedingungen, da es ausgewiesene Zonen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gibt. Auch Segeln spielt eine wichtige Rolle, wobei sowohl sportliches Regattasegeln als auch Freizeitsegeln angeboten werden. Darüber hinaus ist das Schwimmen im Meer, besonders im Sommer, eine beliebte Aktivität, wobei die Strände durch Rettungsdienste überwacht werden.

Neben dem Wassersport hat auch der Strandsport eine große Bedeutung. Der weitläufige Strand bietet viel Platz für Aktivitäten wie Beachvolleyball, Beachsoccer oder einfaches Laufen im Sand, was aufgrund des erhöhten Widerstands als besonders effektiv gilt. Auch Drachensteigen wird häufig als sportlich-aktive Freizeitbeschäftigung betrieben, da die Windverhältnisse auf Borkum dafür ideal sind.

Im Inselinneren und entlang der Dünenlandschaften gibt es ein gut ausgebautes Netz an Rad- und Wanderwegen. Radfahren zählt zu den beliebtesten Sportarten auf Borkum, da die Insel relativ flach ist und sich somit für Menschen aller Altersgruppen eignet. Viele Besucher nutzen Fahrräder, um die Natur zu erkunden und gleichzeitig sportlich aktiv zu sein. Auch Joggen und Nordic Walking sind weit verbreitet, insbesondere entlang der Küste, wo die frische, salzhaltige Luft als besonders gesund gilt.

Darüber hinaus verfügt Borkum über verschiedene Sporteinrichtungen wie Tennisplätze, Reithallen und Fitnessangebote. Reitsport hat auf der Insel eine lange Tradition, und Ausritte am Strand gehören zu den besonderen Erlebnissen. Auch der Golfsport ist vertreten, wobei der Golfplatz durch seine Lage in der Dünenlandschaft eine besondere Herausforderung darstellt. Nicht zuletzt spielt auch der Gesundheitssport eine wichtige Rolle. Durch das spezielle Reizklima der Nordsee wird Bewegung an der frischen Luft gezielt zur Förderung der Gesundheit eingesetzt. Angebote wie Thalassotherapie, Strandgymnastik oder geführte Bewegungskurse verbinden sportliche Aktivität mit Erholung und Prävention.

Der Turn und Sportverein Borkum von 1890 e.V. (TuS Borkum) ist mit knapp 700 Mitgliedern der größte Verein der Insel. Der Verein betreibt elf verschiedene Sportabteilungen. Als Besonderheit zeichnet ihn aus, dass der TuS Borkum zugleich Betreiber von Sportferien-Einrichtungen ist. Organisatorisch ist der Verein (wie andere Sportvereine auf der Insel auch) aus geografischen Gründen dem Stadtsportbund Emden und nicht dem Kreissportbund Leer angegliedert. Die Fußballer beispielsweise sind im Fußballkreis Emden vertreten.

Das Schwimmbad Gezeitenland war zu seiner Einweihung das größte Meerwasser-Wellenhallenbad in Europa. Seit seinem Umbau und Wiedereröffnung im Sommer 2005 wird es als modernes „Freizeitbad“ und „Spaßbad“ genutzt. Eine Wellenfunktion gibt es jetzt nicht mehr. An der Strandpromenade zwischen dem Nordbad und dem Jugendbad liegt der nordwestlichste Landpunkt Deutschlands. Er ist durch einen symbolischen Grenzpfosten markiert und mit Informationstafeln versehen.

Persönlichkeiten

Die wichtigsten Persönlichkeiten der Insel sind:

  • Walter Dierks (1899 bis 1983), Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bremerhaven
  • Wolfgang Ontijd (* 1937), deutscher Politiker (CDU)

Fremdenverkehr

Nach dem kurzen Intermezzo der napoleonischen Herrschaft in der Zeit von 1810 bis 1813 kamen ab 1834 die ersten Urlauber, hauptsächlich begüterte Bürger aus Emden, auf die Insel. Zehn Jahre später, 1844, entstanden die ersten Badeeinrichtungen und der Tourismus wurde als Einnahmequelle entdeckt.

Seither ist die Zahl der Touristen, die Borkum als Urlaubs-, Erholungs- und Kurziel wählen, kontinuierlich angestiegen. Während 1850, als man mit der Registrierung der Urlauber begann, noch 252 Besucher gezählt wurden, kamen zum Ende des 20. Jahrhunderts weit über 200.000 Menschen.

Während des Zweiten Weltkrieges gab es Einschränkungen für Erholungssuchende, da die Insel an der nordwestdeutschen Grenze eine wichtige militärisch-strategische Bedeutung hatte. Nach Kriegsende mussten zunächst zahlreiche Hinterlassenschaften beseitigt werden. Alte Bunker behinderten noch jahrzehntelang die Nutzung des Sandstrandes. Die Beseitigung war mit erheblichen Kosten verbunden. Durch die Lage an einer Hauptschifffahrtsstraße und ihre Größe hatte die Insel trotz der langen Anreise für viele Urlauber insbesondere aus dem Ruhrgebiet eine Anziehungskraft. Die klimatischen Verhältnisse erlaubten den Betrieb von Kureinrichtungen, die maßgeblich die Wirtschaftskraft der Insel stärkten. Im Jahr 2003 kamen über 270.000 Urlauber, es wurden 2,5 Millionen Übernachtungen gezählt.

Borkum ist zur touristischen Vermarktung der Insel der Marketingorganisation "Die Nordsee GmbH" in Schortens beigetreten. Das Unternehmen vertritt die sieben Ostfriesischen Inseln sowie 15 niedersächsische Küstenorte.  Es ist verantwortlich für die gemeinsame Pressearbeit, das Marketing, die Durchführung von Messen und Veranstaltungen, die Erstellung von Printmedien sowie die Klassifizierung von privaten Ferienunterkünften.

Literatur

Reiseberichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

Tourist Information Borkum = https://www.borkum.de/kontakt/tourist-information-borkum/

Forum

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