Kuba (Cuba)
Kuba ist die größte Insel der Karibik und bildet mit der Isla de la Juventud sowie zahlreichen kleinen Inseln und Riffen einen ausgedehnten Archipel am Eingang zum Golf von Mexiko. Geografisch bietet die 1250 km lange, schmale Insel ein vielfältiges Bild: tropisches Klima, lange Strände, Mangroven, Korallenriffe, Karstlandschaften und mit der Sierra Madre ein markantes Gebirge im Südosten. Kulturell prägend sind die spanische Kolonialgeschichte, die Revolution von 1959, Zucker- und Tabakanbau sowie Musik, Oldtimer und Zigarren. Als letzte Bastion des Kommunismus widersteht der Inselstaat seit mehr als einem halben Jahrhundert allen Eingriffsversuchen des mächtigen Nachbarn USA.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | Cuba |
| alternative Bezeichnungen | Cubanacán, Kuba-annakan, Cubanascnan, Cubao, Cuban, Cibao (taino), Juana (1492), Fernandina (1515), Cubagua (1542), Kuba (deutsch) |
| Kategorie | Meeresinsel |
| Inseltyp | echte Insel |
| Inselart | tektonische Insel |
| Gewässer | Karibisches Meer (Mar Caribe) und Golf von Mexiko (Golfo de México) |
| Inselgruppe | Große Antillen (Antillas Mayores) |
| politische Zugehörigkeit | Staat: Kuba (República de Cuba) |
| Gliederung | 14 provincias (Provinzen), davon 13 auf Kuba 51 regiones (Regionen), davon 50 auf Kuba 69 municipios (Gemeinden), davon 59 auf Kuba |
| Status | Inselstaat (estado insular) |
| Koordinaten | 21°30‘ N, 79°30‘ W |
| Entfernung zur nächsten Insel | 300 m (Cayo Romano), Isla de la Juventud (51,5 km), 86 km (Hispaniola) |
| Entfernung zum Festland | 215 km (East Cape / Florida) |
| Fläche | 104.338 km² / 40.285 mi² (mit Nebeninseln 110.860 km² / 42.803,3 mi²) |
| geschütztes Gebiet | 24.023,49 km² / 8.889,38 mi² (22,1 %) |
| maximale Länge | 1140 km (W-O) |
| maximale Breite | 207 km (N-S) |
| Küstenlänge | 5.746 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Karibisches Meer / Golf von Mexiko) |
| höchste Stelle | 1974 m (Pico Turquino) |
| relative Höhe | 1974 m |
| mittlere Höhe | 108 m |
| maximaler Tidenhub | 0,4 bis 0,8 m (Havanna 0,65 m) |
| Zeitzone | HVCC (Horario de Verano Central Standard del Cuba / Kubanische Zentrale Standard-Zeit, UTC-5) |
| Realzeit | UTC minus 4 Stunden 56 Minuten bis 5 Stunden 40 Minuten |
| Einwohnerzahl | 9.972.385, Verwaltungsgebiet 10.055.968 (202) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 95,59, Verwaltungsgebiet 90,71 |
| Inselzentrum | Havanna (La Habana) |
Name
Der Name Kuba, spanisch Cuba, geht auf Bezeichnungen zurück, die die Ureinwohner der Insel vor der Ankunft der Europäer verwendeten. Die genaue sprachliche Herkunft und ursprüngliche Bedeutung des Namens sind bis heute nicht abschließend geklärt. In der Forschung werden mehrere etymologische Erklärungen diskutiert, die sich vor allem auf die Sprachen der Taíno und anderer arawaksprachiger Bevölkerungsgruppen der Großen Antillen beziehen. Die überlieferten Namensformen weisen darauf hin, dass die Bezeichnung bereits vor der europäischen Kolonisierung existierte und von den Spaniern übernommen wurde.
Christoph Kolumbus erreichte die Insel im Oktober 1492 während seiner ersten Reise über den Atlantik. Nachdem er zuvor auf den Bahamas gelandet war, gelangte er am 27. Oktober in Sichtweite der kubanischen Küste und betrat die Insel am folgenden Tag. Er erkundete zunächst Teile der Nordostküste und nahm dabei Kontakt zu den dort lebenden indigenen Bevölkerungsgruppen auf. Kolumbus erkannte die Größe und Bedeutung der Insel, konnte ihren vollständigen Umfang jedoch nicht erfassen. In seinen überlieferten Aufzeichnungen erscheinen unter anderem die Namen Cubao, Cuban und Cibao. Diese Bezeichnungen wurden mit Regionen im Osten der Insel in Verbindung gebracht, wobei die genaue Zuordnung aufgrund der unterschiedlichen Schreibweisen und der begrenzten Kenntnisse über die indigenen Sprachen nicht gesichert ist.
Kolumbus gab der Insel zunächst den Namen Juana. Damit ehrte er den Prinzen Juan de Aragón y Castilla (Johann von Aragon und Kastilien), den Sohn der katholischen Könige Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien. Johann, der in spanischen Quellen als Don Juan bezeichnet wird, war der einzige Sohn des Königspaares und galt als möglicher Nachfolger der vereinigten spanischen Kronen. Sein früher Tod im Jahr 1497 verhinderte jedoch, dass er diese Stellung einnehmen konnte. Die Benennung der neu erreichten Gebiete nach Mitgliedern der spanischen Königsfamilie entsprach der damaligen Praxis, mit der die Entdeckungsfahrten den Herrschaftsanspruch der Krone symbolisch zum Ausdruck brachten.
Der Name Juana setzte sich jedoch nicht durch. Ferdinand II. von Aragón, der nach dem Tod seiner Gemahlin Isabella im Jahr 1504 weiterhin eine zentrale Rolle in der spanischen Politik spielte, veranlasste 1515 die auf sich selbst bezogene Umbenennung der Insel in Fernandina. Diese Bezeichnung war allerdings ebensowenig erfolgreich und wurde schließlich durch den indigenen Namen Cuba verdrängt. In der frühen europäischen Kartografie und in kolonialen Dokumenten begegnen noch andere unterschiedliche Namensformen, ehe sich Cuba als gebräuchliche spanische Bezeichnung etablierte.
Eine Deutung führt den Namen auf den arawaksprachigen Ausdruck Cubanacán beziehungsweise Kuba-annakan zurück, der mit „Land in der Mitte“ oder „Provinz in der Mitte“ übersetzt wird. Diese Erklärung wurde insbesondere durch den kubanischen Schriftsteller und Sprachforscher José Juan Arrom vertreten, der sich 1964 ausführlicher mit der Wortgeschichte beschäftigte. Nach seiner Auffassung könnte der Ausdruck eine Bezeichnung für ein Land oder eine größere Gebietseinheit gewesen sein. Die Interpretation ist vor dem Hintergrund der indigenen Siedlungs- und Vorstellungswelt der Karibik plausibel, lässt sich aufgrund der lückenhaften Überlieferung jedoch nicht als endgültig gesicherte Wortherkunft betrachten.
Eine weitere Erklärung stellt eine Verbindung zu den Taíno-Sprachen her. In diesem Zusammenhang werden Wortformen wie cubao genannt, denen unterschiedliche Bedeutungen zugeschrieben wurden. Eine mögliche Übersetzung lautet sinngemäß „Ort, an dem fruchtbares Land vorhanden ist“ beziehungsweise eine Bezeichnung für eine bestimmte Landschaft. Daneben wurde die Wortkombination coabana angeführt, wobei coa mit „Ort“ und bana mit „groß“ in Verbindung gebracht wurde. Daraus ergibt sich die mögliche Bedeutung „großer Platz“. Diese Ableitungen beruhen auf sprachgeschichtlichen Vergleichen und Interpretationen überlieferter Begriffe.
Auch die Bezeichnung Cubanascnan wird im Zusammenhang mit den ursprünglichen Namen der Insel angeführt. Ebenso ist die gelegentlich genannte Verbindung zu Cubagua, einem Namen, der 1542 erstmals urkundlich belegt ist, keine zweifelsfrei nachgewiesene Erklärung für den Ursprung des heutigen Staatsnamens. Die Behauptung, Cuba bedeute unmittelbar „Ort, an dem man Gold findet“, gilt daher nicht als gesicherte Übersetzung.
Neben den indigenen Herleitungen existiert eine weitere, weniger verbreitete Theorie, die den Namen mit der portugiesischen Ortschaft Cuba im Alentejo in Verbindung bringt. Sie ist mit der umstrittenen Annahme verknüpft, Christoph Kolumbus sei in Portugal als unehelicher Spross der portugiesischen Königsfamilie geboren worden. Die Herkunft des Kolumbus ist tatsächlich Gegenstand historischer Debatten. Allerdings geht die überwiegende Mehrzahl der Forscher davon aus, dass er aus Genua stammte. Wie auch immer, ein Zusammenhang zwischen dem portugiesischen Ortsnamen und der Bezeichnung der Karibikinsel ist nicht nachgewiesen.

- abasinisch: Куба [Kuba]
- abchasisch: Куба [Kuba]
- acehnesisch: Kuba
- adygisch: Куба [Kuba]
- afrikaans: Kuba
- akan: Kuba
- albanisch: Kuba
- altaisch: Куба [Kuba]
- amharisch: ኩባ [Kuba]
- angelsächsisch: Cuba
- arabisch: كوبا [Kūbā]
- aragonesisch: Cuba
- armenisch: Կուբա [Kouba]
- aromunisch: Cuba
- aserbaidschanisch: Куба [Kuba]
- assamesisch: কুবা [Kubā]
- asturisch: Cuba
- awarisch: Куба [Kuba]
- aymara: Kuba
- bambara: Kiba
- bandscharisch: Kuba
- baschkirisch: Куба [Kuba]
- baskisch: Kuba
- bengalisch: কিউবা [Kiubā], কুবা [Kubā]
- bhutanisch: ཀིའུ་སྦ། [Ki'u.sba]
- biharisch: कूबा [Kūbā]
- bikol: Kuba
- birmanisch: Kyùbhà
- bislama: Kuba
- bosnisch: Куба [Kuba]
- bretonisch: Kuba
- bulgarisch: Куба [Kuba]
- burjatisch: Куба [Kuba]
- cebuano: Cuba
- chakassisch: Куба [Kuba]
- chavakano: Cuba
- cherokee: ᎫᏆ [Kuba]
- chinesisch: 古巴 [Gǔbā]
- dari: کیوبا [Kyūbā]
- dänisch: Cuba
- deutsch: Kuba
- dine: Kyóoba, Naakaii Nátʼohí Bikéyah
- englisch: Cuba
- esperanto: Kubo
- estnisch: Kuuba
- ewe: Kuba nutome
- färöisch: Kuba
- fidschainisch: Kuba
- finnisch: Kuuba
- franko-provenzalisch: Cuba
- französisch: Cuba
- friesisch: Kuba
- ful: Kubaa
- gagausisch: Куба [Kuba]
- galizisch: Cuba
- ganda: Cuba
- gälisch: Cùba, Ciuba
- georgisch: კუბა [Kuba]
- griechisch: Κούβα [Koýva]
- grönländisch: Kuba
- guarani: Kúva
- gudscheratisch: ક્યુબા [Kyubā]
- guyanisch: Cuba
- haitianisch: Kiba
- hakka: 古巴 [Ku-fâ]
- hausa: Kyuba
- hawaiianisch: Kuba
- hebräisch: קובה [Qûbah]
- hindi: क्यूबा [Kyūbā], कूबा [Kūbā], क्योबा [Kyobā]
- ido: Kuba
- igbo: Kiuba
- ilokano: Cuba
- indonesisch: Kuba
- interlingua: Cuba
- inuktitut: ᖂᐹ [Quupaa]
- irisch: Cúba
- isländisch: Kúba
- italienisch: Cuba
- jakutisch: Куба [Kuba]
- jamaikanisch: Kyuuba
- japanisch: キューバ [Kyūba]
- javanisch: Negara Kuba
- jerseyanisch: Cuba
- jiddisch: קובאַ [Kuba]
- kabardisch: Кубэ [Kubă]
- kabiye: Kuubaa
- kabylisch: ⴽⵓⴱⴰ [Kuba]
- kalmükisch: Куб [Kub], Кубанмудин Орн [Kubanmudin Orn]
- kambodschanisch: គុយបា [Kuybā]
- kanaresisch: ಕ್ಯೂಬ [Kyūba]
- kantonesisch: 古巴 [Gúbā]
- karakalpakisch: Куба [Kuba]
- karatschai-balkarisch: Куба [Kuba]
- karelisch: Куба [Kuba]
- kasachisch: Куба [Kuba]
- kaschubisch: Kuba
- katalanisch: Cuba
- kikuyu: Kiumba
- kirgisisch: Куба [Kuba]
- komi: Куба [Kuba]
- kongolesisch: Kuba
- koreanisch: 쿠바 [Kuba]
- kornisch: Kuba
- korsisch: Cuba
- krimtatarisch: Куба [Kuba]
- kroatisch: Kuba
- kumükisch: Куба [Kuba]
- kurdisch: کوبا [Kuba], کووبا [Kûba]
- kurmandschisch: Куба / کووبا [Kûba]
- ladinisch: Cuba
- ladino: קובה [Kuba]
- lakisch: Куба [Kuba]
- laotisch: ຄິວບາ [Kubā]
- lasisch: კუბა [Kuba]
- lateinisch: Cuba
- lesgisch: Куба [Kuba]
- lettgallisch: Kuba
- lettisch: Kuba
- letzeburgisch: Kuba
- limburgisch: Kuba
- lingala: Kuba
- litauisch: Kuba
- livisch: Kuba
- lojban: kubas
- madegassisch: Kioba
- makedonisch: Куба [Kuba]
- malaisch: كوبا [Cuba / Kuba]
- malayalam: ക്യൂബ [Kyūba]
- maldivisch: ކިއުބާ [Kiubā]
- maltesisch: Kuba
- manx: yn Choobey
- maori: Kiupa
- marathisch: कूबा [Kūbā]
- mari: Куба [Kuba]
- minangkabau: Kuba
- mindong: 古巴 [Gŭ-bă]
- mingrelisch: კუბა [Kuba]
- minnan: 古巴 [Kó͘-pá]
- mirandesisch: Cuba
- moldawisch: Kуба [Kuba]
- mongolisch: Куб [Kub]
- mordwinisch: Куба [Kuba]
- nahuatl: Copan
- nauruanisch: Kiuba
- nepalesisch: कूबा [Kūbā]
- niederländisch: Cuba
- norwegisch: Cuba
- novial: Kuba
- okzitanisch: Cuba
- olonetzisch: Kuba
- orissisch: କ୍ୟୁବା 8Kyubā]
- oromo: Kuubaa
- ossetisch: Кубæ [Kubä]
- pampangan: Cuba
- pandschabisch: ਕਿਊਬਾ [Kiūbā]
- pandschabisch, west: کیوبا [Kyūbā]
- panganisan: Cuba
- papiamentu: Kuba
- paschtunisch: کيوبا [Kyūbā], کوبا [Kūbā]
- persisch: کوبا [Kūbā]
- piemontesisch: Cuba
- pitkernisch: Kyuuba
- plattdeutsch: Kuba
- polnisch: Kuba
- quetschua: Kuba
- rätoromanisch: Cuba
- romani: Kuba
- rumänisch: Cuba
- rundi-rwandesisch: Kiba
- russisch: Куба [Kuba]
- ruthenisch: Куба [Kuba]
- samisch: Kuba
- samoanisch: Kupa
- samogitisch: Kuba
- sango: Kubäa
- sardisch: Cuba
- saterfriesisch: Kuba
- schlesisch: Kuba
- schwedisch: Kuba
- serbisch: Куба [Kuba]
- seschellisch: Cuba
- shona: Cuba
- sindhi: کیوبا [Kyūbā]
- singhalesisch: කියුබාව [Kiyubāva]
- sizilianisch: Cuba, Cubba
- slovio: Kuba
- slowakisch: Kuba
- slowenisch: Kuba
- somalisch: Kuuba
- sorbisch: Kuba
- spanisch: Cuba
- sudovisch: Kuba
- sundanesisch: Kuba
- surinamesisch: Cuba
- swahili: Cuba, Kuba
- swasi: IKhuyubha
- syrisch: كوبا [Kūbā]
- tabassaranisch: Куба [Kuba]
- tadschikisch: Куба [Kuba], کوبه [Kūbâ]
- tagalog: Kuba
- tahitianisch: Kūpā
- tamilisch: கியூபா [Kiyūpā]
- tatarisch: Куба [Kuba]
- telugu: క్యూబా 8Kyūbā]
- thai: คิวบา [Khiwbā]
- tibetisch: ཀུ་བ། [Ku.ba]
- tigrinisch: ኩባ [Kuba]
- timoresisch: Cuba
- tok pisin: Kuba
- tonganisch: Kupa
- tschechisch: Kuba
- tschetschenisch: Куба [Kuba]
- tschuwaschisch: Кубӑ [Kubă]
- turkmenisch: Куба [Kuba]
- tuwinisch: Куба [Kuba]
- türkisch: Küba
- twi: Kuba
- udmurtisch: Куба [Kuba]
- uigurisch: كۇبا [Kuba]
- ukrainisch: Куба [Kuba]
- ungarisch: Kuba
- urdu: کیوبا [Kyūbā]
- usbekisch: Куба [Kuba]
- venezianisch: Cuba
- vietnamesisch: Ku Ba
- visayan: Kuba
- volapük: Kubeän
- voronisch: Kuuba
- walisisch: Ciwba
- wallonisch: Cuba
- weißrussisch: Куба [Kuba]
- wepsisch: Kuba
- winaray: Cuba
- wolof: Kuuba
- xhosa: Kuba
- yoruba: Kúbà
- yukatekisch: Kuba
- zazakisch: کوبا [Kuba]
- zhuang: Guhbaw
- zulu: iKuba
Offizieller Name: República de Cuba
- Bezeichnung der Bewohner: Cabanos (Kubaner)
- adjektivisch: cubano (kubanisch)
Kürzel:
- Landescode: CU / CUB
- Deutsch: KUB
- Alternativ: CUB
- Sport: CUB (seit 1900)
- Kfz: C (seit 1930)
- FIPS-Code: CU
- ISO-Code: CU, CUB, 192
- Internet: .cu
Lage
Kuba ist die nördlichste und größte Antilleninsel, unmittelbar südlich der USA am Golf von Mexiko gelegen. Das Land liegt auf durchschnittlich 21°30’ n.B. und 79°30’ w.L., auf der gleichen geografischen Breite wie die zentralen und südlichen Bahamas, der Süden der Westsahara, der zentrale Norden Mauretaniens, Nord-Mali, Süd-Algerien, Nord-Niger, Süd-Libyen, der ägyptisch-sudanesische Grenzbereich, das zentrale Saudi-Arabien, der Süden der Vereinigten Arabischen Emirate, der nördliche Oman, Zentral-Indien, das nördliche Birma, Laos und Vietnam, der äußerste Süden Chinas, Taiwan, Hawaii und Zentral-Mexiko. Nächste Landnachbarn sind im Uhrzeigersinn die USA, die Bahamas, Haiti, Jamaika und Mexiko.

Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 23°12’24“ n.B. (Punta Hicacos) bzw. 23°16’34“ n.B. (Cayo Cruz del Padre)
- südlichster Punkt: 19°49’37“ n.B. (Cabo Cruz)
- östlichster Punkt: 74°08’01“ w.L. (Punta Maisi)
- westlichster Punkt: 84°57’25“ w.L. (Cabo San Antonio)
Entfernungen:
- Cayo Romano 0,3 km
- Cayo Sabinal 0,5 km
- Isla de la Juventud 51,5 km
- Hispaniola 86 km
- East Cape / Florida 215 km
- Jamaika 150 km
- South Andros / Bahamas 192 km
- Mexiko 210 km
- Grand Cayman 356 km
Zeitzone
In Kuba gilt seit 2004 ganzjährig die Horario de Verano Central Standard del Cuba bzw. Cuban Central Standard Daylight Time (Kubanische Zentrale Standard-Sommerzeit), abgekürzt HVC bzw. CDT (KZSZ), 6 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC-5). Die Realzeit liegt um 4 Stunden 56 Minuten bis 5 Stunden 40 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC)
Fläche
Der Inselstaat Kuba ist offiziell 110.860 km² bzw. 42.803,3 mi² groß. Alternativ werden unter anderem 110.922 km² angegeben. Die Hauptinsel umfasst 104.338 km² bzw. 40.285 mi² - sie liegt damit an 17. Stelle weltweit. Die zerklüftete Küste ist insgesamt 5.746 km lang. Von Westen nach Osten durchmisst das Land 1140 km und bis zu 207 km breit. Höchster Punkt ist der Pico Turquino in der Sierra Madre mit 1974 m (nach alternativen Messungen bis zu 2005 m). Die tiefste Stelle liegt auf Meeresniveau mit einem maximalen Tidenhub von 0,4 m (Südküste) bis 0,8 m (Nordküste). In Havanna liegt der maximale Tidenhub bei 0,65 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei 108 m.
Flächenaufteilung 2001:
- Agrarland 67.181 km² (60,6 %)
- Waldland 23.480 km² (21,2 %)
- Wiesen und Sträucher 12.640 km² (11,4 %)
- Mangrove und Sumpfland 5.569 km² (5,0 %)
- Gewässer 1.040 km² (0,9 %)
- Verbautes Gelände 950 km² (0,9 %)
Grenzverlauf
1607 entstand das Generalkapitanat Kuba. Guantanamo wurde am 10. Juni 1898 von US-Truppen besetzt und am 10. Dezember gleichen Jahres von den Kubanern an die Amerikaner verpachtet. Ein Vertrag vom 31. Mai 1934 sicherte den USA die Oberhoheit über das Territorium.
Geologie
Kuba weist eine geologisch außerordentlich vielfältige Struktur auf, die sich deutlich von jener vieler anderer Karibikinseln unterscheidet. Die größte Insel der Karibik besteht aus einem komplexen Mosaik unterschiedlicher Gesteine und geologischer Formationen, deren Entstehung vom Präkambrium über das Mesozoikum bis in das Känozoikum reicht. Ihre heutige Gestalt ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, die durch die Bewegung tektonischer Platten, die Bildung und Kollision von Inselbögen, vulkanische Aktivität, Faltung, Überschiebungen, Hebungen und Absenkungen sowie die Ablagerung von Sedimenten geprägt wurde. Hinzu kommen die über lange Zeiträume wirksame chemische Verwitterung der Kalkgesteine, die Entstehung ausgedehnter Karstlandschaften und die Bildung von Korallenriffen und küstennahen Kalksedimenten.
Das Landschaftsbild wird über weite Teile der Insel von flachwelligen Ebenen, niedrigen Hügelzügen und ausgedehnten Kalksteinlandschaften bestimmt. Zwischen diesen Ebenen erheben sich mehrere Gebirgsregionen, während die Küsten durch Buchten, Halbinseln, Lagunen, Mangrovensümpfe, Korallenriffe und vorgelagerte Inselgruppen gegliedert werden. Besonders ausgedehnte Feuchtgebiete befinden sich auf der Zapata-Halbinsel im Süden der Provinz Matanzas. Dort treffen niedrig gelegene Kalksteinflächen, sumpfige Niederungen und küstennahe Ablagerungsräume aufeinander. Die zahlreichen kleinen Inseln und Riffe entlang der kubanischen Küsten bestehen vielfach aus Korallenkalken und anderen karbonatischen Ablagerungen, die sich im Verlauf der jüngeren Erdgeschichte unter dem Einfluss des Meeresspiegels und der Riffbildung entwickelten.
Die geologische Entwicklung Kubas ist eng mit der Entstehung der Karibischen Platte und den Bewegungen der benachbarten nordamerikanischen Platte verbunden. West- und Zentralkuba gehören zu einem komplexen, stark deformierten Gebirgssystem, das durch die Annäherung und Kollision eines vulkanischen Inselbogens mit der Florida-Bahamas-Plattform entstand. Dieser Prozess setzte vor allem in der Kreidezeit ein und führte zur Faltung, Zerbrechung und tektonischen Überlagerung älterer Gesteinskomplexe. Dabei wurden Gesteine des ehemaligen ozeanischen Untergrundes teilweise über kontinentale beziehungsweise randmarine Krustenbereiche geschoben. Solche Gesteinskomplexe, die als Ophiolithe bezeichnet werden, bestehen unter anderem aus Gesteinen, die ursprünglich im Bereich der ozeanischen Erdkruste und des oberen Erdmantels entstanden waren. Ihre heutige Lage an der Erdoberfläche ist ein wichtiger Hinweis auf die komplexen plattentektonischen Vorgänge, die zur Bildung der Insel beitrugen.
Die tektonische Entwicklung war mit der Entstehung eines nach Norden gerichteten Falten- und Überschiebungsgürtels verbunden. Dabei wurden ältere Gesteinspakete übereinandergeschoben und teilweise stark verfaltet. Eine weitere Phase der Gebirgsbildung und tektonischen Deformation folgte im Paläozän und Eozän, also im frühen Känozoikum. Diese jüngeren Bewegungen veränderten bereits vorhandene Strukturen und beeinflussten die Entwicklung von Sedimentbecken, in denen sich anschließend weitere Gesteinsschichten ablagerten. Die Sedimentation setzte sich in Teilen Kubas bis in das Oligozän fort. Dadurch entstand eine vielschichtige geologische Abfolge, in der sich marine Kalksteine, Dolomite, tonige Sedimente, vulkanische Ablagerungen und andere Gesteinstypen miteinander verzahnen.
Im Osten Kubas unterscheidet sich die geologische Struktur teilweise deutlich von jener des Westens und des zentralen Inselgebietes. Südöstlich des Cauto-Beckens treten Gesteinskomplexe eines känozoischen Vulkanbogens auf. Nördlich und östlich der Sierra Maestra finden sich zudem Ophiolithe und andere Gesteine, die mit mesozoischen Gebirgsbildungsprozessen verbunden sind. Diese älteren Komplexe werden örtlich von paläogenen Sedimentgesteinen und vulkanischen Tuffen überlagert. Die Ablagerungen dokumentieren, dass die Region über lange Zeiträume sowohl durch tektonische Bewegungen als auch durch vulkanische Prozesse und die anschließende Sedimentation geprägt wurde. Das Cauto-Becken bildet dabei einen bedeutenden strukturellen Bereich im Osten der Insel, der sich von den angrenzenden Gebirgszonen unterscheidet.
Besonders bemerkenswert ist das Alter einzelner Gesteine. In der Provinz Villa Clara, im weiteren Gebiet des zentralen Kuba, sind sehr alte präkambrische Gesteine beschrieben worden, deren Alter bis in das Proterozoikum zurückreicht. Solche Gesteine sind im karibischen Raum ungewöhnlich und verdeutlichen, dass die geologische Geschichte Kubas nicht ausschließlich mit der jüngeren Entstehung der Karibischen Platte erklärt werden kann. Daneben sind auf der Insel umfangreiche Gesteinsfolgen aus Jura und Kreidezeit aufgeschlossen. Sie umfassen unter anderem Kalksteine, Dolomite, Evaporite, Kieselschiefer, vulkanische Gesteine und verschiedene intrusive Gesteine. Diese Vielfalt erlaubt es, die Entwicklung früherer Meeresräume, vulkanischer Inselbögen und tektonisch deformierter Krustenbereiche nachzuvollziehen.
Im Westen Kubas lassen sich mehrere geologische Einheiten unterscheiden, die durch ihre Gesteinszusammensetzung, ihre Entstehungsgeschichte und ihre tektonische Lagerung voneinander abweichen. Dazu gehören der Pinar-del-Río-Block sowie die Esperanza-Zone und die Sierra-del-Rosario-Zone. Der Pinar-del-Río-Block umfasst wesentliche Teile des westkubanischen Gebirgs- und Karstgebietes. Hier treten vor allem jurassische und kreidezeitliche Sedimentgesteine auf, die während der tektonischen Umformung der Region gefaltet, zerbrochen und teilweise übereinandergeschoben wurden.
Die Esperanza-Zone besteht aus einem vergleichsweise schmalen Gürtel von Kalksteinen, Dolomiten und Evaporiten aus Jura und Kreidezeit. Entsprechende Gesteinsfolgen treten im Westen Kubas sowie in tektonisch vergleichbaren Einheiten des nördlichen Inselgebietes auf. Evaporite entstehen durch die Verdunstung salzhaltigen Wassers, beispielsweise in abgeschlossenen Meeresbecken oder flachen Lagunen, und umfassen Gesteine wie Gips und Steinsalz. Die Gesteine der Esperanza-Zone wurden durch Überschiebungen stark deformiert und in mehrere übereinanderliegende Gesteinspakete gegliedert.
Die Sierra-del-Rosario-Zone gehört zur westkubanischen Gebirgskette Guaniguanico. Sie besitzt eine komplexe Falten- und Überschiebungsstruktur, in der jurassische und kreidezeitliche Gesteine in mehreren tektonischen Einheiten angeordnet sind. Dazu zählen Ophiolithe, Kieselschiefer sowie mafische und intermediäre vulkanische Gesteine. In einzelnen Teilbereichen treten außerdem Kalksteine aus der späten Kreidezeit auf, darunter Gesteine des Maastrichtiums, der jüngsten Stufe der Kreidezeit. Die tektonische Überlagerung dieser Gesteine dokumentiert die intensive Verformung der westkubanischen Kruste während der Gebirgsbildung. Die Sierra del Rosario und die Sierra de los Órganos bilden gemeinsam einen wichtigen Abschnitt der Cordillera de Guaniguanico.
Eine besondere Bedeutung besitzt der Kalkstein für die Oberflächenformen Kubas. Karbonatische Gesteine nehmen einen großen Teil des Landes ein und sind durch die Einwirkung kohlensäurehaltigen Niederschlagswassers stark lösungsanfällig. Das Wasser dringt entlang von Klüften, Schichtflächen und tektonischen Störungen in das Gestein ein, erweitert vorhandene Hohlräume und schafft im Laufe geologischer Zeiträume ein dichtes Netz unterirdischer Entwässerungswege. Auf diese Weise entstehen Höhlen, Dolinen, Schlucklöcher, unterirdische Flussläufe und größere Karsthohlraumsysteme. Fachuntersuchungen zufolge sind ungefähr 65 Prozent des kubanischen Staatsgebietes von Karst geprägt. Besonders umfangreiche Karstsysteme finden sich in der Sierra de los Órganos im Westen der Insel.
Weltweit bekannt ist das Tal von Viñales in der Provinz Pinar del Río. Es handelt sich um eine von steilen Kalksteinbergen umgebene Karstebene, die durch ihre markanten, isoliert aufragenden Felskuppen geprägt wird. Diese kuppelförmigen bis steilwandigen Erhebungen werden in der kubanischen Fachsprache als Mogotes bezeichnet. Sie entstanden durch die intensive Lösung und Abtragung des Kalksteins, während widerstandsfähigere Gesteinsbereiche als markante Erhebungen erhalten blieben. Zwischen ihnen liegen flache, häufig landwirtschaftlich genutzte Senken und Ebenen. Die Mogotes der Sierra de los Órganos gelten als charakteristische Ausprägung des tropischen Kegel- und Kegelkarstes. Kubanische Begriffe wie Mogote haben sich aufgrund der besonderen Ausbildung dieser Landschaft in der internationalen Karstforschung etabliert. Die geologische Entwicklung des Gebietes steht außerdem mit der allmählichen Hebung der Region und der Absenkung des Erosionsniveaus seit dem späten Oligozän und frühen Miozän in Verbindung.
Die Höhlensysteme der Sierra de los Órganos gehören zu den bedeutenden unterirdischen Karstlandschaften Kubas. Ihre Ausdehnung und Gestalt werden sowohl durch die chemische Löslichkeit der Kalksteine als auch durch deren tektonische Zerklüftung bestimmt. Besonders dort, wo sich mehrere Kluftrichtungen kreuzen, konnten größere Hohlräume entstehen. Oberirdisch ergänzen Karstebenen, trockene Täler, Dolinen und steile Kalksteinwände das Landschaftsbild. In anderen Landesteilen treten ausgedehnte Kalksteinplattformen auf, die teilweise von dünnen Böden bedeckt sind und nur geringe Höhenunterschiede aufweisen. In Verbindung mit dem tropischen Klima führt die Lösung des Kalksteins zu einer ausgeprägten unterirdischen Entwässerung, sodass Oberflächengewässer in manchen Karstgebieten nur begrenzt vorhanden sind.
Neben den Kalksteinlandschaften besitzt Kuba auch geologisch bedeutsame Fossilfundstellen. Besonders hervorzuheben ist die Jagua-Formation im Westen der Insel, die Gesteine aus dem Jura umfasst und Fossilien verschiedener Meeresorganismen sowie Überreste von Wirbeltieren geliefert hat. Zu den bedeutenden Funden gehören marine Reptilien und Flugsaurier. Die Ablagerungen geben Aufschluss über frühere Meeresräume, Küstenbereiche und die Lebensbedingungen während der Erdmittelzeit. Fossilien aus solchen Formationen sind für die Rekonstruktion der damaligen Tierwelt und der paläogeografischen Entwicklung der Karibik von Bedeutung.
Die Gebirgslandschaften Kubas konzentrieren sich auf drei größere Regionen im Westen, in der Mitte und im Osten des Landes. Im Westen erstreckt sich die Cordillera de Guaniguanico mit der Sierra de los Órganos und der Sierra del Rosario. Ihre Gipfel erreichen keine extremen Höhen, weisen jedoch durch steile Kalksteinwände, Felskuppen und tief eingeschnittene Täler ein ausgeprägtes Relief auf. Im zentralen Inselteil erhebt sich die Sierra de Trinidad, deren höchster Gipfel, der Pico San Juan, 1.135 m erreicht. Die dortigen Gebirgszüge bestehen aus verschiedenen Sediment- und Vulkanitgesteinen, die während der tektonischen Entwicklung der Insel gefaltet und gehoben wurden.
Im Osten Kubas liegt die Sierra Maestra, das höchste Gebirge des Landes. Ihr höchster Gipfel ist der Pico Turquino mit 1.974 m. Das Gebirge besteht aus einem komplexen Verband von Sedimentgesteinen, vulkanischen Gesteinen und tektonisch deformierten Gesteinskomplexen. Seine Entstehung ist eng mit der Entwicklung des östlichen Kuba und den tektonischen Bewegungen entlang des südlichen Inselrandes verbunden. Die steilen Hänge, tief eingeschnittenen Täler und vergleichsweise schwer zugänglichen Gebiete unterscheiden die Sierra Maestra deutlich von den weiten Ebenen des zentralen und westlichen Inselteils. Historisch erlangte das Gebirge zusätzliche Bedeutung, weil sich die Revolutionstruppen Fidel Castros während des kubanischen Revolutionskrieges in seinem unwegsamen Gelände aufhielten.
Auch der Meeresboden rund um Kuba weist erhebliche Höhenunterschiede auf. Während weite Teile des nördlichen Küstenbereichs an die flachen Schelfgebiete der Florida-Bahamas-Plattform anschließen, fällt der Meeresboden südlich und südöstlich der Insel in tiefe Becken und Gräben ab. Besonders ausgeprägt ist der Abfall zum Kaimangraben, dessen tiefste Bereiche mehr als 7.000 m unter dem Meeresspiegel liegen. Die steilen Tiefseehänge stehen mit der komplexen tektonischen Struktur des nördlichen Karibikraumes und den Bewegungen entlang der Plattengrenzen in Zusammenhang. Untermeerische Bruchzonen, steile Kontinentalhänge und tief eingeschnittene Becken prägen den Übergang von den flachen Schelfgebieten zu den Tiefseeregionen.
Die kubanischen Küsten werden vielerorts von Korallenriffen, Kalksteinplattformen und niedrig gelegenen Inselgruppen begleitet. Dem Hauptinselgebiet sind zahlreiche kleine Inseln und Cayos vorgelagert, die überwiegend aus karbonatischen Sedimenten und Korallenkalken aufgebaut sind. Diese Ablagerungen entstanden durch die Tätigkeit von Korallen, kalkbildenden Algen und anderen Meeresorganismen sowie durch die Anhäufung und Verfestigung von Kalksedimenten. Wechselnde Meeresspiegelstände, Küstenströmungen und die Ablagerung von Sand und organischem Material beeinflussten die Entwicklung der Inselgruppen. Besonders im Norden und Süden Kubas finden sich ausgedehnte flache Schelfgebiete mit Riffen, Sandbänken und Lagunen. In den niedrig gelegenen Küstenregionen haben sich außerdem Mangrovensümpfe und andere Feuchtgebiete entwickelt, die durch den Einfluss des Meeres und des Grundwassers geprägt werden.
Die geologische Aktivität Kubas ist bis heute nicht abgeschlossen. Die Insel liegt in einem tektonisch aktiven Gebiet, in dem sich die Karibische und die Nordamerikanische Platte relativ zueinander bewegen. Besonders im Osten Kubas verlaufen aktive Störungszonen, darunter das Oriente-Störungssystem, das Teil der Plattengrenze südlich der Insel ist. An diesen Störungen können sich Spannungen aufbauen und in Form von Erdbeben lösen. Ein erheblicher Teil der registrierten seismischen Ereignisse ist schwach und wird von der Bevölkerung nicht wahrgenommen. Stärkere Erdbeben können dagegen Schäden an Gebäuden und Infrastruktur verursachen, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten des Ostens.
Am 25. Mai 1992 ereignete sich im Raum Cabo Cruz im Südosten Kubas ein starkes Erdbeben, dessen Magnitude je nach Auswertung mit ungefähr 6,9 angegeben wird. Am 28. Januar 2020 folgte ein Erdbeben der Magnitude 7,7 im Karibischen Meer nördlich von Jamaika und westlich der Südspitze Kubas. Das Epizentrum lag im Bereich der Grenze zwischen der Karibischen und der Nordamerikanischen Platte. Das Beben war in mehreren Ländern der Region spürbar und verdeutlichte die Bedeutung der aktiven Störungssysteme im karibischen Raum. Es handelte sich jedoch um ein Seebeben außerhalb des kubanischen Festlandes.
Landschaft
Das Territorium Kubas umfasst, einschließlich der Isla de la Juventud (auch Isla de Pinos genannt) und über tausend kleinen, auf dem kubanischen Schelf liegenden Inseln, eine Fläche von mehr als 110.000 km². Die gleichnamige Hauptinsel ist die größte der Westindischen bzw. Karibischen Inseln, zu denen neben den Großen Antillen auch die Kleinen Antillen und die Bahamas zählen. Diese Inselkette verbindet die beiden Kontinentalblöcke Nord- und Südamerika und bilden unter Berücksichtigung des Reliefs des Meeresbodens eines der größten Gebirge der Erde.
Auf der Hauptinsel sind weite Bereiche der Nordküste felsige Steilküsten, da sich die Insel durch tektonische Vorgänge seit Jahrmillionen aus dem Meer nach oben hebt. Die Südküste ist eher flach; in ihrem Verlauf erstrecken sich Sandstrände, Mangrovenwälder und vor allem die Sümpfe der Zapata-Halbinsel, seichte Feuchtgebiete ähnlich den Everglades.
Die 50 km von Kuba entfernte Isla de la Juventud, die größte von Kubas Nebeninseln, besitzt an ihren Küsten ausgeprägte Strandabschnitte, die aufgrund vulkanischen Ursprungs teilweise aus schwarzem Sand bestehen.
Auf Kuba gibt es über 200 Flüsse, die jedoch allesamt nicht länger als 250 km sind und seit der starken Abholzung und den Monokulturen in weiten Bereichen der Ebenen kaum noch Wasser führen. Die wichtigsten Flüsse von Kuba sind: Río Cauto (der die ersten Jahrzehnte nach der Besiedlung durch die Europäer schiffbar war und heute ein träges, flaches, kaum fließendes Gewässer ist), Río Salado, Río Hanábana, Río Caonao, Río Jatibonico del Sur, Río Cojímar. Viele Gewässer sind heutzutage oftmals von einer starken Verschmutzung bzw. Verkrautung betroffen – so ist der Río Cojímar mittlerweile ein offener Abwasserkanal Havannas.
Während die anderen großen Inseln der Großen Antillen ausgesprochenen Gebirgscharakter besitzen, wird das Oberflächenbild von Kubas Hauptinsel, abgesehen von vier größeren Gebirgszügen, durch ausgedehnte Tiefebenen geprägt. Bei einer Ost-West-Ausdehnung von rund 1250 km variiert dabei die Entfernung zwischen Nord- und Südküste zwischen 32 und 145 km. Darüber hinaus sind dreiviertel des Territoriums Ebenen, die zwischen 0 und zirka 100 m liegen. Diese flachen Landschaften erscheinen sehr einförmig. Wenn Sedimentgestein als anstehendes Gestein die Bildung guter Böden zur Folge hatte, wird meist großflächig Zuckerrohr angebaut. Bei Serpentin als anstehendes Gestein entwickelten sich unfruchtbare Böden, die nur eine extensive Weidenutzung ermöglichen. Weideflächen verbuschen seit einigen Jahrzehnten mit dem aus Afrika eingeschleppten Marabú (Dichrostachys cinerea).
Die höchsten Berge befinden sich im Osten Kubas in der Sierra Maestra, mit der höchsten Erhebung der Insel, dem 1974 m hohen Pico Turquino. Nordöstlich davon befindet sich das Sagua-Baracoa-Massiv. In Mittel-Kuba erheben sich das Escambray- und das Sancti-Spiritus-Gebirge. In Westkuba erstreckt sich das Guaniguanico-Massiv.
Ostkuba ist gebirgig. Die höchsten Berge befinden sich im Osten Kubas in der Sierra Maestra, mit der höchsten Erhebung der Insel, dem 1974 m hohen Pico Turquino. Andere hohe Berge sind: Pico Martí 1722 m, La Gran Piedra 1214 m. Weiter nordöstlich befindet sich das Sagua-Baracoa-Massiv. Nördlich des Gebirges gibt es tropischen Regenwald. Südlich des Gebirges liegt eine trockene Ebene, mit Guantanamo als trockensten Bereich von Kuba.
In Mittel-Kuba erheben sich das Escambray- und das Sancti-Spiritus-Gebirge. Aber dominiert wird in Zentralkuba die Landschaft von weiten Ebenen. Diese Ebenen wurden vollkommen entwaldet und dienen hauptsächlich der Zuckerrohr-Produktion.
Westkuba entspricht etwa der Provinz Pinar del Río. Landschaftlich am wichtigsten ist die Gebirgskette. Das Guaniguanico-Massiv gliedert sich in zwei Gebirgsketten – die Sierra del Rosario und die Sierra de los Organos. Die Sierra del Rosario ist geologisch sehr vielgestaltig, mit Gesteinen unterschiedlichster Zusammensetzung und Entstehungszeit. Die erst genannte Kette besitzt ein variableres Relief als die zweite, mit der höchsten Erhebung Westkubas, dem Pan de Guajaibón (692 m).
In der Sierra de los Organos kann man im groben drei Reliefniveaus erkennen, ebene Flächen bei 100 bis 130 m, die unterschiedlich stark abgetragenen Hügel der Pizarras und die Gipfelbereiche der Kalksierren bei 400 bis 500 m. Die Gipfelbereiche der Sierren sind Reste der miozänen Rumpffläche, von deren Niveau beginnend exogene Kräfte die Mogoten aus dem umgebenden Gestein herausgearbeitet haben (Lehmann 1960). Als höchste Erhebung des „Orgelgebirges“ wird von Blume und anderen Autoren der 591 m hohe Pan de Azúcar angegeben, in der neuesten zur Verfügung stehenden Karte (1991) ist der Mogote gleichen Namens nur 335 m hoch. Dagegen enthält die Karte einen Messpunkt mit 616 m in der Sierra del Infierno. (Höhenangaben bei verschiedenen Autoren und in den Karten variieren oft um einige Prozent). Wenn man von Süd nach Nord durch die Provinz Pinar del Rio fährt sieht man folgende Landschaften:
- Im Süden gibt es zunächst flache Küstenbereiche mit Mangrovenwäldern mit deutlicher Zonierung der Mangroven-Arten. Die Vegationszonierung ist abhängig vom Abstand zum Meer, der dadurch bedingten Häufigkeit der Überflutung und dem davon verursachten unterschiedlich hohen Salzgehalt im Boden.
- Daran schließt ein 10 bis 25 km breiter Bereich mit sog. Kiefern-Waldland auf Weißsand an, die wichtigste Baumart in diesem Bereich ist Pinus tropicalis. Der ursprünglich lockere Waldbestand wurde durch Beweidung degradiert. Heute bedecken die weiten Flächen offene Vegetationsformen wie Kiefern-Palmen-Grassland oder Palm-Savanne.
- Es folgt eine hügelige Landschaft die als Pizarras oder Lomas bezeichnet wird. Der geologische Untergrund ist die Cayetano-Formation mit Schiefern und Sandsteinen. Darauf wächst ein Wald aus Pinus tropicalis und Pinus caribaeae.
- Danach folgt die Sierra de los Organos mit seinen Kegelkarstbergen und fruchtbaren Tälern. Das bekannteste Tal ist das Valle de Viñales.
- Nach Norden folgt wieder ein Bereich mit Pizarras und Palm-Savanne. Danach bildet ein breiter Mangrovensaum den Übergang zum Meer mit vorgelagerten kleinen Inseln (Cayos).
Die südlich gelegene 2204 km², mit Nebeninseln 3056 km² große Isla de la Juventud ist zum großen Teil flach. Nur in der nördlichen Region rund um den Hauptort Nueva Gerona gibt es kleinere Höhenzüge mit Erhebungen bis rund 300 m. Während der Norden mit seinem fruchtbaren Boden als Anbaugebiet für Früchte genutzt wird, ist der südliche Teil von Sumpfgebieten und Kiefernwäldern durchzogen, weswegen die Insel bis 1978 offiziell den Namen Isla de Pinos (Kieferninsel) trug. Darüber hinaus besitzt die Insel die größten Marmorvorkommen Kubas.
Erhebungen
- Pico Turquino 1974 m (Sierra Madre)
- Pico Martí 1722 m (Sierra Madre)
- La Gran Piedra 1214 m (Sierra Madre)
- Pico San Juan 1135 m (Sierra de Trinidad)
- Sierra del Infierno 616 m (Westkuba)
Seen
- Embalse Zaza 113,5 km²
- Laguna de Leche 67,2 km²
Flüsse
- Rio Cauto 343 km
- Rio Jatibonico del Sur 120 km
Inseln
| Insel | Fläche | Ausmaße | Seehöhe |
|---|---|---|---|
| Kuba | 104.388 km² | 1.140 × 207 km | 1.974 m |
| Isla de la Juventud | 2.204 km² | 66 × 53 km | 310 m |
| Cayo Romano | 777 km² | 87 × 17 km | 62 m |
| Cayo Coco | 370 km² | 27 × 9 km | 15 m |
| Cayo Sabinal | 335 km² | 30 × 8 km | 15 m |
| Cayo Guajaba | 107 km² | 19 × 11 km | 52 m |
| Cayo Saetía | 42 km² | 12 × 6 km | 5 m |
| Cayo Largo del Sur | 37 km² | 25 × 3 km | 6 m |
| Cayo Guillermo | 14 km² | 9 × 2 km | 5 m |
Flora und Fauna
Zur ursprünglichen Vegetation auf Kuba gehörten umfangreiche regengrüne Feuchtwälder, Savannen und Mischwälder, die durch Abholzung für die landwirtschaftliche Nutzung (vor allem das Anlegen großer Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen) und für den Schiffsbau weitgehend zerstört wurden. Dennoch ist die Vegetation auf Kuba sehr üppig mit an die 8 000 Pflanzenarten (unter ihnen rund 700 verschiedene Orchideen). An den Küsten finden sich Mangroven, im Landesinneren die bis zu 40 m hohe Königspalme, eine von rund 300 auf der Insel vorkommenden Palmenarten. Vereinzelt finden sich noch Kiefern-Eichen-Wälder und Reste immergrünen Regenwaldes an den unzugänglichen Berghängen der Sierren im Süden des Landes. Bei den Waldbeständen zeigen Aufforstungsmaßnahmen erste Erfolge. Typisch für die heutige kubanische Vegetation sind vor allem früchtetragende Bäume (Zitronen, Orangen, Grapefruit, Papaya, Mango undsoweiter).
Von der Fauna der Insel ist vor allem die Vogelwelt sehr artenreich, die Zahl der Arten wird auf rund 300 geschätzt. Neben vielen Zugvögeln gehören dazu die Kuba-Amazone, der Kuba-Sittich und der Aura Tiñosa, eine besondere Geierart. In den fischreichen Küstengewässern leben zahlreiche Speisefische und über 30 verschiedene Haiarten. An Reptilien finden sich vor allem Kaimane, Leguane und Schlangen; Krokodile werden auf staatlichen Tierfarmen gezüchtet.
Flora
Kuba hat eine äußerst vielfgltige Pflanzenwelt. Neben ausgedehnten immergrünen und halbimmergrünen Wäldern kommen saisonal trockene Wälder, Buschformationen, Kiefernwälder, Grasländer, Feuchtgebiete, Mangrovenwälder und Küstenvegetation vor. Hinzu treten die besonderen Pflanzengesellschaften der Kalksteinberge, der Karstebenen und der nährstoffarmen Serpentinitböden. Durch die lange geografische Isolation und die Vielfalt der Lebensräume besitzt Kuba zahlreiche endemische Pflanzenarten, die natürlicherweise ausschließlich auf der Insel oder in eng begrenzten Gebieten des kubanischen Archipels vorkommen.
Die botanische Vielfalt steht in engem Zusammenhang mit der geologischen Entwicklung des Landes. Die kalkreichen Böden des Westens und Nordens unterscheiden sich deutlich von den silikatischen, vulkanischen und ultramafischen Gesteinsuntergründen anderer Regionen. Besonders Serpentinitböden, die aus magnesiumreichen Gesteinen hervorgegangen sind und häufig nur geringe Konzentrationen pflanzenverfügbarer Nährstoffe aufweisen, bilden einen Standort für hoch spezialisierte Pflanzengesellschaften. Viele Pflanzen haben sich an diese besonderen Bedingungen angepasst und kommen nur auf solchen Böden vor. Die Sierra Maestra, die Gebirge des zentralen Inselteils und die westkubanischen Karstlandschaften weisen deshalb jeweils eigenständige Florenelemente auf. Auch die Höhenlage beeinflusst die Vegetation: Während in den Küstenniederungen Mangroven, salztolerante Sträucher und trockenheitsangepasste Gehölze dominieren, finden sich in den feuchteren Gebirgslagen artenreiche Bergwälder mit Farnen, Moosen, Orchideen und weiteren epiphytischen Pflanzen.
Kuba gehört zum karibischen Biodiversitätsraum und zeichnet sich durch einen hohen Anteil endemischer Pflanzen aus. Die botanische Artenvielfalt umfasst mehrere Tausend einheimische Gefäßpflanzenarten, darunter zahlreiche Palmen, Orchideen, Bromelien, Farne, Kakteen, Bäume und Sträucher. Die genaue Zahl hängt davon ab, welche Pflanzengruppen einbezogen werden und wie sich die taxonomische Abgrenzung einzelner Arten verändert. Besonders hoch ist der Endemismus in den Gebirgsregionen und auf nährstoffarmen Serpentinitstandorten. Viele Arten besitzen nur kleine natürliche Verbreitungsgebiete und sind dadurch gegenüber Veränderungen ihrer Lebensräume empfindlich. Die Erfassung und wissenschaftliche Beschreibung der kubanischen Pflanzenwelt ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der botanischen Forschung und des Naturschutzes.
Die ursprüngliche Vegetation des Landes bestand zu großen Teilen aus tropischen Wäldern. Durch jahrhundertelange Rodungen für Zuckerrohrplantagen, Viehweiden, Tabakanbau, Holzgewinnung und Siedlungen wurde sie jedoch in vielen Regionen stark verändert. Besonders die fruchtbaren Ebenen und die leicht zugänglichen Waldgebiete im Westen und in Zentral- und Ostkuba verloren erhebliche Teile ihrer ursprünglichen Waldbedeckung. An ihre Stelle traten landwirtschaftliche Flächen, Sekundärwälder, Buschland und Grasflächen. In weniger zugänglichen Gebirgen, in Teilen der Feuchtgebiete und auf schwer bewirtschaftbaren Karst- und Serpentinitstandorten blieben dagegen bedeutende Reste natürlicher Vegetation erhalten. Heute bestehen die Wälder Kubas aus einem Mosaik ursprünglicher, teilweise ursprünglicher, regenerierter und forstwirtschaftlich veränderter Bestände.
In den feuchteren Gebieten des westlichen und östlichen Kuba wachsen immergrüne tropische Wälder mit dichtem Kronendach. Dort erreichen zahlreiche Bäume größere Höhen, während sich darunter mehrere Schichten aus kleineren Bäumen, Sträuchern, Jungpflanzen und krautigen Gewächsen entwickeln. Lianen verbinden die einzelnen Vegetationsschichten, und auf den Ästen der Bäume wachsen Orchideen, Bromelien, Farne und Moose. Die hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt eine artenreiche Epiphytenflora, deren Vertreter Wasser und Nährstoffe überwiegend aus Niederschlägen, Staub und organischem Material beziehen. In den Gebirgen kommen zusätzlich kühlere und feuchtere Waldgesellschaften vor, deren Zusammensetzung sich mit zunehmender Höhe verändert.
In den Gebieten mit ausgeprägter Trockenzeit sind halbimmergrüne und saisonal trockene Wälder verbreitet. Viele Baumarten werfen während der trockensten Monate ihre Blätter ab, um den Wasserverlust zu verringern. Die Baumschicht ist häufig weniger geschlossen als in den feuchten Regenwäldern, wodurch mehr Licht den Waldboden erreicht. Hier wachsen trockenheitsangepasste Bäume, Dornsträucher, Kletterpflanzen und krautige Pflanzen. In stärker degradierten Gebieten entstehen dichte Sekundärgebüsche, die aus widerstandsfähigen Gehölzen und schnell wachsenden Pionierpflanzen bestehen. Solche Vegetationsformen können sich nach der Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen entwickeln und bilden wichtige Übergangsstadien bei der natürlichen Wiederbewaldung.
Eine besonders eigenständige Pflanzenwelt besitzt der Osten Kubas. In den Gebirgen der Sierra Maestra und des Sagua-Baracoa-Massivs treffen hohe Niederschläge, starke Höhenunterschiede und eine außergewöhnliche Vielfalt geologischer Untergründe zusammen. Das Gebiet gehört zu den wichtigsten Zentren des pflanzlichen Endemismus in der Karibik. Von besonderer Bedeutung ist der Nationalpark Alejandro de Humboldt in den Provinzen Holguín und Guantánamo. Das Schutzgebiet umfasst unterschiedliche Vegetationsformationen, darunter Tieflandregenwälder, Bergregenwälder, Nebelwälder, Kiefernwälder, immergrüne und halbimmergrüne Wälder, trockenheitsangepasste Buschformationen sowie Mangrovenbestände an der Küste. Im Nationalpark wurden mehr als 1.300 Samenpflanzenarten und rund 145 Farnarten erfasst. Mehr als 900 der Samenpflanzen sind auf Kuba endemisch; über 340 Arten besitzen ein besonders kleines, örtlich begrenztes Verbreitungsgebiet.
Die außergewöhnliche Artenvielfalt dieser Region hängt eng mit den besonderen Böden zusammen. Weite Flächen bestehen aus Serpentiniten und Peridotiten, magnesiumreichen Gesteinen, die hohe Konzentrationen bestimmter Metalle enthalten und für viele Pflanzen ungünstige Wachstumsbedingungen schaffen. Die Böden sind häufig nährstoffarm und weisen ein ungünstiges Verhältnis wichtiger Mineralstoffe auf. Pflanzen, die sich an diese Standorte angepasst haben, können dort gegenüber weniger spezialisierten Arten einen Vorteil besitzen. Über lange Zeiträume führte diese ökologische Spezialisierung zur Entstehung zahlreicher endemischer Arten. Zu den botanisch bemerkenswerten Pflanzen des östlichen Kuba gehören der kubanische Drachenbaum (Dracaena cubensis), der Nadelbaum Podocarpus ekmanii und die Art Bonnetia cubensis. Die Pflanzengesellschaften auf Serpentinit gehören zu den charakteristischen Besonderheiten der kubanischen Flora.
In den Gebirgsregionen des Ostens wachsen außerdem ausgedehnte Kiefernwälder. Eine wichtige Baumart ist die endemische Kubakiefer (Pinus cubensis), die insbesondere auf nährstoffarmen Böden und in bestimmten Höhenlagen vorkommt. Diese Wälder unterscheiden sich in ihrer Artenzusammensetzung und ihrem Erscheinungsbild von den tropischen Laubwäldern. Ihre offenen Kronen lassen mehr Licht auf den Boden fallen, wodurch sich eine andere Kraut- und Strauchschicht entwickeln kann. Kiefernwälder und Serpentinitgebüsche bilden zusammen mit den Regen- und Nebelwäldern ein vielfältiges Vegetationsmosaik, das innerhalb der Karibik besonders ausgeprägt ist.
Auch die westlichen Gebirge beherbergen zahlreiche spezialisierte Pflanzenarten. In der Sierra de los Órganos und der Sierra del Rosario beeinflussen Kalkstein, Karstformen, Bodentiefe und Wasserverfügbarkeit die Zusammensetzung der Vegetation. Auf den steilen Kalksteinwänden und den felsigen Kuppen der Mogotes wachsen Pflanzen, die mit dünnen Böden, zeitweiligem Wassermangel und starker Sonneneinstrahlung zurechtkommen. In den feuchteren Tälern und an geschützten Hängen stehen dagegen größere Bäume und dichtere Waldgesellschaften. Höhlen, Felsvorsprünge und kleinräumig unterschiedliche Bodenverhältnisse schaffen zahlreiche ökologische Nischen. Die isolierten Kalksteinberge begünstigen die räumliche Trennung einzelner Pflanzenpopulationen und tragen damit zur Ausbildung lokaler Besonderheiten bei.
In Zentral- und Westkuba sind Palmen ein auffälliger Bestandteil der Landschaft. Eine der bekanntesten Arten ist die kubanische Königspalme (Roystonea regia), die mit ihrem hohen, geraden Stamm und der charakteristischen grünen Kronenbasis sowohl in natürlichen Vegetationsbeständen als auch in Kulturlandschaften vorkommt. Sie ist auf Kuba heimisch und prägt vielerorts das Erscheinungsbild von Ebenen, Weiden, Straßenrändern und ländlichen Siedlungen. Daneben wachsen zahlreiche weitere Palmenarten, darunter Arten, die an trockene Standorte, kalkreiche Böden oder feuchte Waldgebiete angepasst sind. Einige besitzen ein eng begrenztes natürliches Verbreitungsgebiet und sind botanisch besonders bedeutsam.
Zu den auffälligen Gehölzen der kubanischen Wälder gehören außerdem Mahagonibäume, darunter Arten der Gattung Swietenia, verschiedene Zedrelen, Baumfarne in feuchten Gebirgslagen sowie zahlreiche einheimische Harthölzer. Mahagoni und andere wertvolle Holzarten wurden über lange Zeit wirtschaftlich genutzt und in vielen Regionen stark zurückgedrängt. In den verbleibenden natürlichen Wäldern bilden sie gemeinsam mit zahlreichen weiteren Baumarten komplexe Pflanzengesellschaften. Die genaue Zusammensetzung hängt von Niederschlag, Höhenlage, Bodenbeschaffenheit und dem Ausmaß früherer Eingriffe ab. In Sekundärwäldern treten häufig schnell wachsende Baumarten, Sträucher und Kletterpflanzen auf, während sich in älteren Waldgebieten eine stärker gegliederte Vegetation mit mehreren Baumschichten entwickelt.
Eine weitere artenreiche Pflanzengruppe bilden die Orchideen. Sie wachsen sowohl am Boden als auch als Epiphyten auf Bäumen und Sträuchern. Besonders in den feuchten Gebirgswäldern finden sie geeignete Bedingungen, weil dort die Luftfeuchtigkeit hoch ist und sich auf Ästen, Rinde und in Astgabeln organisches Material ansammelt. Auch Bromelien sind in den Wäldern vertreten. Viele Arten besitzen trichterförmig angeordnete Blätter, in denen sich Regenwasser sammeln kann. Daneben kommen zahlreiche Farne, Moose, Flechten und Lianen vor. In den Nebelwäldern der Gebirge ist die Vegetation besonders dicht, während die trockenheitsangepassten Pflanzengesellschaften der Küsten und Kalksteinhänge eine deutlich geringere Blattmasse und häufig kleinere, derbe Blätter aufweisen.
An den Küsten Kubas sind Mangrovenwälder von großer ökologischer Bedeutung. Sie wachsen auf schlammigen, zeitweise überfluteten und salzhaltigen Böden in geschützten Buchten, Lagunen und Flussmündungen. Zu den wichtigsten Arten gehören die Rote Mangrove (Rhizophora mangle), die Schwarze Mangrove (Avicennia germinans), die Weiße Mangrove (Laguncularia racemosa) und die Knopfmangrove (Conocarpus erectus). Die Rote Mangrove besitzt charakteristische Stelzwurzeln, die den Stamm im weichen Untergrund verankern. Die Schwarze Mangrove bildet spezielle Atemwurzeln aus, mit denen sie den Gasaustausch in sauerstoffarmen Böden ermöglicht. Die verschiedenen Arten besiedeln abhängig von Überflutung, Salzgehalt und Bodenbeschaffenheit unterschiedliche Bereiche der Küstenzone.
Besonders ausgedehnte Mangrovenbestände finden sich auf der Zapata-Halbinsel, entlang der südlichen Küsten und in den Inselgruppen des kubanischen Archipels. Sie stabilisieren den Untergrund, vermindern die Erosion und bilden Lebensräume für zahlreiche Tiere. Gleichzeitig beeinflussen sie den Austausch von Nährstoffen zwischen Land und Meer. In den Mangrovenwäldern sammelt sich organisches Material, das zur Kohlenstoffspeicherung in Küstenökosystemen beiträgt. Die Vegetation schützt außerdem viele niedrig gelegene Küstenabschnitte vor Wellenschlag und wirkt bei Sturmfluten als natürliche Barriere. Ihre Bestände werden jedoch durch Küstenbebauung, Veränderungen des Wasserhaushalts, Verschmutzung und die Auswirkungen des Klimawandels beeinträchtigt.
Neben den Mangroven kommen an den Küsten Dünenpflanzen, salztolerante Gräser, Sträucher und trockenheitsangepasste Gehölze vor. Auf sandigen Strandwällen wachsen Pflanzen, die mit hoher Sonneneinstrahlung, zeitweiligem Wassermangel und salzhaltigen Sprühnebeln zurechtkommen. Hinter den Stränden können sich Küstengebüsche und Trockenwälder entwickeln. In den Koralleninseln und Cayos ist die Vegetation häufig niedrig und durch den flachen Untergrund, die begrenzte Süßwasserversorgung und den Einfluss des Meeres geprägt. Die Pflanzen müssen dort sowohl mit salzhaltigen Böden als auch mit wechselnden Wasserständen und gelegentlichen Überflutungen umgehen können.
Die Feuchtgebiete des Landes beherbergen weitere charakteristische Pflanzengesellschaften. Besonders bedeutend ist das Ciénaga de Zapata, eines der größten zusammenhängenden Feuchtgebiete der Karibik. Dort wechseln sich Sümpfe, saisonal überflutete Flächen, Röhrichte, Grasländer, Sumpfwälder und Mangroven ab. In dauerhaft oder zeitweise überfluteten Bereichen wachsen an die jeweiligen Wasserstände angepasste Pflanzen. Die unterschiedliche Dauer der Überflutung, der Salzgehalt und die Beschaffenheit des Untergrundes bestimmen, welche Arten sich an einem Standort durchsetzen. Solche Feuchtgebiete erfüllen wichtige Funktionen für den Wasserhaushalt, speichern organisches Material und bieten zahlreichen Tierarten Nahrung und Lebensraum.
Auch die Flussufer und die Uferbereiche von Seen weisen eigenständige Vegetationsformen auf. In feuchten Niederungen wachsen hohe Gräser, Seggen, Binsen und andere Sumpfpflanzen. Entlang der Flüsse entwickeln sich Galeriewälder, deren Baumarten von der regelmäßigen Wasserversorgung profitieren. In den Gebirgsregionen reichen feuchte Waldgesellschaften teilweise bis an die Ufer kleiner Wasserläufe heran. Die Vegetation trägt zur Stabilisierung der Ufer bei und vermindert den Eintrag von Sedimenten in die Gewässer. Werden Ufergehölze entfernt oder Böden landwirtschaftlich genutzt, kann die Erosion zunehmen und die Wasserqualität beeinträchtigt werden.
In den trockeneren Landesteilen, vor allem in südlichen Küstenregionen und auf flachgründigen Kalksteinböden, kommen dornige Buschformationen und xeromorphe Wälder vor. Diese Pflanzen besitzen häufig kleine, lederartige Blätter, Dornen oder andere Anpassungen, durch die sie den Wasserverlust begrenzen. Auf besonders trockenen Standorten treten Kakteen und sukkulente Pflanzen hinzu. Sie speichern Wasser in ihren Geweben oder verfügen über spezielle Mechanismen, die den Wasserverbrauch reduzieren. Solche Pflanzengesellschaften sind oft kleinräumig verteilt und gehen mit zunehmender Bodenfeuchtigkeit in dichtere Wälder oder Gebüsche über.
Die Pflanzenwelt Kubas wird seit Jahrhunderten auch durch landwirtschaftlich genutzte und eingeführte Arten geprägt. Zuckerrohr, Tabak, Kaffee, Bananen, Zitrusfrüchte und weitere Nutzpflanzen nehmen bedeutende Flächen ein. Zuckerrohr wird vor allem auf den fruchtbaren Ebenen angebaut, während Kaffee traditionell in den feuchteren Gebirgsregionen kultiviert wird. Tabak besitzt insbesondere in der Provinz Pinar del Río eine lange Anbautradition. Kokospalmen und andere tropische Nutzpflanzen sind in geeigneten Küsten- und Tieflandregionen verbreitet. Hinzu kommen Obstbäume, Gewürzpflanzen, Gemüse und zahlreiche Arten, die in Hausgärten angebaut werden.
Die Einführung fremder Pflanzenarten hat die natürliche Vegetation in vielen Regionen verändert. Einige Arten verwildern und breiten sich in gestörten Lebensräumen aus, wo sie einheimische Pflanzen verdrängen oder die natürliche Regeneration der Wälder erschweren können. Landwirtschaftliche Flächen, Straßenränder und aufgegebene Plantagen bieten solchen Arten häufig günstige Bedingungen. Gleichzeitig haben Sekundärwälder und natürliche Wiederbewaldung in manchen Gebieten dazu beigetragen, dass sich Gehölzbestände nach früherer Rodung erneut entwickeln konnten. Die Zusammensetzung dieser Wälder unterscheidet sich allerdings häufig von jener der ursprünglichen Pflanzengesellschaften.
Der Schutz der kubanischen Flora konzentriert sich auf Nationalparks, Biosphärenreservate, Naturschutzgebiete und botanische Forschungseinrichtungen. Neben dem Nationalpark Alejandro de Humboldt sind unter anderem die Gebiete der Sierra del Rosario, die Feuchtgebiete der Zapata-Halbinsel und die Gebirgswälder der Sierra Maestra von Bedeutung. Das UNESCO-Biosphärenreservat Cuchillas del Toa im Nordosten Kubas umfasst ausgedehnte Bergregenwälder, Nebelwälder, trockenheitsangepasste Buschformationen sowie Küstenökosysteme mit Mangroven und Korallenriffen. Die Verbindung dieser Lebensräume ermöglicht den Schutz zahlreicher Pflanzenarten mit unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen.
Zu den wichtigsten Gefährdungen der einheimischen Pflanzenwelt gehören die Umwandlung natürlicher Lebensräume in landwirtschaftliche Flächen, die Holznutzung, Brände, der Bergbau in empfindlichen Gebirgsregionen, invasive Pflanzenarten und Veränderungen des Wasserhaushalts. Hinzu kommen die Folgen von Hurrikanen, längeren Trockenperioden und dem steigenden Meeresspiegel. Besonders gefährdet sind Pflanzenarten mit kleinen Verbreitungsgebieten, die nur auf bestimmten Gesteinsuntergründen oder in einzelnen Gebirgsmassiven vorkommen. Der Verlust eines begrenzten Lebensraumes kann bei solchen Arten einen erheblichen Teil oder sogar das gesamte natürliche Vorkommen betreffen.
Fauna
Die räumliche Trennung vom Festland, frühere Verbindungen und Ausbreitungswege zwischen den Inseln sowie Veränderungen des Meeresspiegels beeinflussten die Besiedlung Kubas durch unterschiedliche Tiergruppen. Während einige Arten ihre Vorfahren aus Nord- oder Südamerika erhielten, entwickelten sich andere über lange Zeiträume unabhängig von ihren Verwandten auf dem Festland. Die Gebirge im Osten und Westen, die schwer zugänglichen Karstlandschaften, die ausgedehnten Sümpfe und die zahlreichen vorgelagerten Inseln begünstigten zusätzlich die räumliche Trennung von Populationen. Auf diese Weise entstanden zahlreiche Arten, deren natürliche Verbreitung auf einzelne Regionen oder bestimmte Lebensraumtypen beschränkt ist.
Die Wirbeltierfauna umfasst mehrere hundert Vogelarten, zahlreiche Reptilien und Amphibien sowie eine vergleichsweise artenreiche Säugetierfauna, deren Zusammensetzung vor allem durch Fledermäuse und kleinere, spezialisierte Arten geprägt wird. Große einheimische Landsäugetiere fehlen weitgehend. Die heutige Tierwelt unterscheidet sich zudem erheblich von jener früherer Erdzeitalter, da zahlreiche ursprünglich vorkommende Arten durch natürliche Umweltveränderungen und menschliche Einflüsse verschwunden sind. Besonders die Besiedlung durch Menschen, die Rodung von Wäldern, die Einführung nicht einheimischer Tiere und die Umwandlung natürlicher Lebensräume haben die Zusammensetzung der Fauna verändert.
Eine besondere Stellung nehmen die Säugetiere ein. Zu den bekanntesten einheimischen Säugetieren gehören die Fledermäuse, die in Höhlen, Baumhöhlen, Gebäuden und anderen geschützten Quartieren leben. Sie besiedeln nahezu alle größeren Landschaftsräume Kubas und erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Fruchtfressende Fledermäuse tragen zur Verbreitung von Samen bei, während nektarfressende Arten bestimmte Pflanzen bestäuben. Insektenfressende Fledermäuse erbeuten große Mengen nachtaktiver Insekten und beeinflussen dadurch deren Bestände. Die zahlreichen Höhlen der kubanischen Karstgebiete bieten ihnen geeignete Ruhe- und Fortpflanzungsstätten. Einige Höhlen beherbergen große Kolonien, deren Ausscheidungen, der sogenannte Guano, zugleich eine wichtige Nahrungsgrundlage für spezialisierte Höhlentiere bilden.
Zu den bemerkenswertesten einheimischen Säugetieren gehört der Kubanische Schlitzrüssler, der in zwei Arten beziehungsweise Formen der Gattung Solenodon vertreten ist, wobei die taxonomische Einordnung der kubanischen Populationen in der Forschung unterschiedlich behandelt wurde. Der Kubanische Schlitzrüssler (Atopogale cubana) ist ein urtümlich wirkendes, nachtaktives Säugetier mit langgestreckter Schnauze und kleinen Augen. Er ernährt sich vorwiegend von wirbellosen Tieren und sucht seine Nahrung im Boden, unter Laub und in morschem Holz. Seine Speichelsekrete besitzen giftige Bestandteile, die bei der Beutejagd eine Rolle spielen. Die Art gilt als selten und ist durch den Verlust geeigneter Waldlebensräume sowie durch eingeführte Raubtiere gefährdet. Als Vertreter einer alten Säugetierlinie besitzt sie große Bedeutung für die Erforschung der Evolution karibischer Säugetiere.
Die einheimischen Landsäugetiere sind überwiegend klein und an bestimmte Lebensräume angepasst. In den Wäldern leben verschiedene Nagetiere, darunter die Hutias, eine Gruppe karibischer Nagetiere, die auf mehreren Inseln endemische Arten hervorgebracht hat. Auf Kuba kommt insbesondere die Desmarest-Hutia (Capromys pilorides) vor. Sie lebt in Wäldern, Buschlandschaften, felsigen Gebieten und teilweise auch in Mangroven. Hutias ernähren sich von Blättern, Trieben, Früchten, Rinde und anderen pflanzlichen Bestandteilen. Sie können auf geeigneten Standorten relativ häufig sein und spielen als Pflanzenfresser eine Rolle im Nahrungsgefüge der Insel. Andere einheimische Säugetiere sind deutlich seltener oder auf kleine Verbreitungsgebiete beschränkt.
Pflanzen- und Tierarten:
Flora
- Blütenpflanzen 6.522
Fauna
- Fische 289
- Reptilien 153
- Vögel 86
- Amfibien 60
- Säugetiere 31
Naturschutz
Der Naturschutz besitzt in Kuba aufgrund der außergewöhnlichen biologischen Vielfalt, des hohen Anteils endemischer Tier- und Pflanzenarten sowie der zahlreichen empfindlichen Küsten- und Feuchtgebiete eine besondere Bedeutung. Das Land verfügt über tropische Regen- und Bergwälder, ausgedehnte Karstlandschaften, Mangrovenwälder, Sümpfe, Korallenriffe und Seegraswiesen, die jeweils eigenständige Lebensgemeinschaften beherbergen. Zu den wichtigsten Aufgaben des Naturschutzes gehören der Erhalt dieser Lebensräume, der Schutz bedrohter Arten, die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme und die Begrenzung der Auswirkungen von Landwirtschaft, Bergbau, Tourismus und Siedlungsentwicklung. Wegen der geografischen Isolation vieler Lebensräume kommt dem Schutz kleiner, nur örtlich verbreiteter Populationen besondere Bedeutung zu.
Kuba entwickelte bereits früh eine staatlich organisierte Umweltpolitik. Umweltbezogene Grundsätze wurden in die Gesetzgebung aufgenommen und später auch verfassungsrechtlich verankert. Die Verfassung von 2019 verpflichtet den Staat, die natürlichen Ressourcen und die Umwelt zu schützen und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Einen wichtigen rechtlichen Rahmen bildet das Umweltgesetz Nr. 81 von 1997, das allgemeine Grundsätze des Umweltschutzes, die Umweltverträglichkeitsprüfung, den Schutz natürlicher Ressourcen und die staatliche Verantwortung für die Umwelt regelt. Im Jahr 2022 wurde mit dem Gesetz Nr. 150 über das Naturerbe und die biologische Vielfalt ein weiterer rechtlicher Rahmen für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen geschaffen.
Die kubanische Umweltpolitik umfasst Schutzgebiete, Wiederaufforstungsprogramme, Maßnahmen gegen Bodenzerstörung, die Überwachung von Küstenökosystemen und Projekte zur Erhaltung bedrohter Arten. Daneben spielen Umweltbildung und die Beteiligung wissenschaftlicher Einrichtungen eine wichtige Rolle. Die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben wird jedoch durch wirtschaftliche Schwierigkeiten, begrenzte finanzielle und technische Mittel sowie den Nutzungsdruck auf natürliche Ressourcen erschwert. Deshalb muss zwischen den gesetzlich festgelegten Schutzzielen und dem tatsächlichen ökologischen Zustand einzelner Gebiete unterschieden werden.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der 1990er Jahre beeinflussten auch die Umweltentwicklung. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Kuba wichtige Handelspartner und einen großen Teil seiner bisherigen Versorgung mit Erdöl, Düngemitteln, Maschinen und anderen Betriebsmitteln. Der Mangel an Treibstoffen führte zu Einschränkungen des Verkehrs und der landwirtschaftlichen Mechanisierung. In der Landwirtschaft wurden teilweise wieder Zugtiere eingesetzt, während der Einsatz importierter mineralischer Düngemittel und chemischer Pflanzenschutzmittel zurückging. Gleichzeitig entstanden Ansätze einer stärker biologisch orientierten Landwirtschaft, darunter die Nutzung biologischer Schädlingsbekämpfung und lokal produzierter Betriebsmittel. Diese Veränderungen verringerten in bestimmten Bereichen den Einsatz synthetischer Chemikalien, waren jedoch zunächst vor allem eine Folge wirtschaftlicher Engpässe und nicht ausschließlich das Ergebnis einer geplanten ökologischen Umgestaltung.
Auch Energieeinsparungen wurden zu einem wichtigen Bestandteil der staatlichen Politik. Ab Mitte der 2000er Jahre förderten Programme zur effizienteren Stromnutzung unter anderem den Austausch älterer Glühlampen gegen Energiesparlampen. Erneuerbare Energien, insbesondere Solarenergie, erhielten zunehmende Aufmerksamkeit. Der Energiesektor blieb allerdings weiterhin stark von fossilen Brennstoffen abhängig. Die wirtschaftliche Krise und die häufigen Stromausfälle zeigen, dass Energieeffizienz und erneuerbare Energien zwar ökologische Vorteile bieten, die Versorgungssicherheit aber zusätzliche Investitionen und eine Modernisierung der Infrastruktur erfordert.
Die Entwicklung der Waldflächen gehört zu den Bereichen, in denen Kuba langfristige Veränderungen verzeichnete. Nach umfangreichen Rodungen während früherer Jahrhunderte gingen große Teile der ursprünglichen Wälder verloren, insbesondere in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Ebenen. Seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden Wiederaufforstungsprogramme ausgeweitet. Dadurch nahm die bewaldete Fläche langfristig wieder zu. Die Zunahme der Waldfläche bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Bestände aus ursprünglichen, artenreichen Wäldern bestehen. Aufforstungsflächen, Sekundärwälder und natürliche Primärwälder unterscheiden sich erheblich hinsichtlich ihrer Artenzusammensetzung, ihrer ökologischen Funktionen und ihrer Bedeutung für den Schutz endemischer Arten. Die Gesamtfläche der rechtlich ausgewiesenen Naturschutzgebiete in Kuba beläuft sich nach offiziellen Daten des Nationalen Zentrums für Schutzgebiete (Centro Nacional de Áreas Protegidas, CNAP) auf 33.503,24 km² bzw. 12.935,67 mi². Davon befinden sich 24.023,49 km² bzw. 8.889,38 mi² auf der Hauptinsel.
Ein besonders bedeutendes Naturschutzgebiet ist die Ciénaga de Zapata auf der gleichnamigen Halbinsel im Süden der Provinz Matanzas. Das Feuchtgebiet umfasst etwa 4.000 bis 5.000 km², wobei die genaue Flächenangabe davon abhängt, welche angrenzenden Landschaften einbezogen werden. Es gehört zu den größten zusammenhängenden Feuchtgebieten der Karibik und besteht aus Mangrovenwäldern, Sümpfen, Lagunen, saisonal überfluteten Grasflächen, Sumpfwäldern und Küstengewässern. Die unterschiedlichen Wasserstände und Salzgehalte ermöglichen das Vorkommen zahlreicher spezialisierter Pflanzen- und Tierarten. Das Gebiet ist Lebensraum endemischer Vögel, Reptilien und Amphibien und besitzt große Bedeutung für Zugvögel aus Nordamerika.
Zu den besonders schutzwürdigen Tierarten der Zapata-Halbinsel zählen das Kubakrokodil (Crocodylus rhombifer), der Kubazaunkönig (Ferminia cerverai) und mehrere weitere nur auf Kuba vorkommende Arten. Auch der Bienenelfe (Mellisuga helenae), der kleinste Vogel der Welt, gehört zur einheimischen Fauna des kubanischen Archipels. Die Feuchtgebiete bieten außerdem wichtige Lebensräume für Flamingos, Reiher, Wasservögel und zahlreiche wirbellose Tiere. Die Erhaltung der natürlichen Wasserverhältnisse ist entscheidend, da Entwässerung, veränderte Zuflüsse, Brände und die zunehmende Versalzung küstennaher Böden die empfindlichen Ökosysteme beeinträchtigen können.
Im Osten des Landes ist der Nationalpark Alejandro de Humboldt eines der bedeutendsten Schutzgebiete. Er liegt im Nipe-Sagua-Baracoa-Gebirge in den Provinzen Holguín und Guantánamo und schützt ausgedehnte Bergregenwälder, Kiefernwälder, immergrüne und halbimmergrüne Wälder sowie weitere Lebensräume vom Gebirge bis zur Küste. Das Gebiet wurde 2001 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Seine besondere Bedeutung beruht auf der außergewöhnlichen Artenvielfalt, dem hohen Endemismus und der weitgehend erhaltenen natürlichen Struktur seiner Ökosysteme. Vor allem die Serpentinit- und Peridotitgesteine haben zur Entstehung einer spezialisierten Pflanzenwelt beigetragen, deren Arten sich an ungewöhnliche Bodenbedingungen angepasst haben. Das Schutzgebiet umfasst auch Lebensräume zahlreicher endemischer Wirbeltiere und wirbelloser Tiere.
Ein weiteres bedeutendes Schutzgebiet ist der Nationalpark Desembarco del Granma an der Südwestküste der Provinz Granma. Er wurde 1999 als Weltnaturerbe anerkannt und schützt eine landschaftlich außergewöhnliche Küstenregion mit hohen Kalksteinterrassen, steilen Kliffs, Karstformen und marinen Lebensräumen. Die Terrassen dokumentieren frühere Meeresspiegelstände und die langfristige Hebung des Küstengebietes. Zu den geschützten Lebensräumen gehören Trockenwälder, Buschformationen und Küstenvegetation. Die steilen Felswände und schwer zugänglichen Küstenabschnitte tragen dazu bei, dass Teile des Gebietes nur begrenzt durch menschliche Nutzung verändert wurden.
Im äußersten Westen Kubas liegt der Nationalpark Guanahacabibes auf der gleichnamigen Halbinsel in der Provinz Pinar del Río. Er ist Bestandteil des UNESCO-Biosphärenreservats Península de Guanahacabibes, das 1987 anerkannt wurde. Das Reservat umfasst Land- und Meeresgebiete mit einer Gesamtfläche von rund 121.572 ha nach der aktuellen UNESCO-Angabe. Zu den Lebensräumen gehören Trockenwälder, Feuchtgebiete, Mangroven, Küstengrasländer und Korallenriffe. Die Halbinsel ist außerdem ein wichtiger Korridor für Zugvögel. An ihren Stränden legen mehrere bedrohte Meeresschildkrötenarten ihre Eier ab. Die Riffe gehören zu den vergleichsweise gut erhaltenen Riffsystemen der Region und besitzen Bedeutung für die marine Artenvielfalt.
Die Sierra del Rosario im Westen Kubas ist ebenfalls ein wichtiges Naturschutzgebiet. Das gleichnamige UNESCO-Biosphärenreservat wurde 1984 anerkannt und schützt bewaldete Gebirgslandschaften mit feuchten Wäldern, Flusstälern, Karstgebieten und landwirtschaftlich genutzten Übergangszonen. Neben dem Erhalt der natürlichen Vegetation spielen Wiederaufforstung, Umweltbildung und die Entwicklung umweltverträglicher Wirtschaftsformen eine Rolle. Das Gebiet ist auch deshalb von Bedeutung, weil es zeigt, wie Waldschutz und die Nutzung natürlicher Ressourcen miteinander verbunden werden können. Die tatsächlichen Ergebnisse hängen allerdings von der langfristigen Finanzierung, der Kontrolle der Nutzungen und der Beteiligung der örtlichen Bevölkerung ab.
Im zentralen Inselgebiet schützt der Nationalpark Caguanes eine Landschaft aus Küstenebenen, Mangroven, Feuchtgebieten, Kalksteinhügeln und vorgelagerten kleinen Inseln, den sogenannten Cayos de Piedra. Besonders charakteristisch sind die Höhlensysteme, die sich im Kalkstein durch die Einwirkung des Wassers gebildet haben. Zahlreiche Höhlen weisen mehrere übereinanderliegende Hohlraumniveaus auf und dokumentieren die Veränderungen des Grundwasserspiegels und des Meeresspiegels im Verlauf der Erdgeschichte. Das Schutzgebiet besitzt Bedeutung für Fledermäuse, Höhlenwirbellose, Küstenvögel und weitere Tiere der Feuchtgebiete. Der Nationalpark wurde 2024 von Kuba für die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste vorgeschlagen; er ist damit bislang kein eingetragenes UNESCO-Weltnaturerbe.
In der Sierra Maestra liegen mehrere weitere wichtige Schutzgebiete. Der Nationalpark Turquino schützt Teile des höchsten Gebirgsmassivs Kubas, darunter Bergwälder, feuchte Täler und die Höhenlagen rund um den Pico Turquino. Die Vegetation umfasst immergrüne Bergwälder, Nebelwaldgesellschaften und weitere an das feuchte Gebirgsklima angepasste Pflanzengesellschaften. Das Gebiet ist ein wichtiger Rückzugsraum für endemische Pflanzen und Tiere. Ergänzend schützt der Nationalpark Pico La Bayamesa weitere Abschnitte der Sierra Maestra mit ausgedehnten Waldgebieten und einer hohen biologischen Vielfalt. Beide Parks tragen dazu bei, zusammenhängende Lebensräume im östlichen Gebirge zu erhalten.
Das UNESCO-Biosphärenreservat Baconao erstreckt sich südöstlich von Santiago de Cuba über Küstengebiete und Teile der Sierra de la Gran Piedra. Es umfasst Wälder, Gebirge, Höhlen, Buschlandschaften, Küstenökosysteme und Meeresgebiete. Die Höhlen bieten einer artenreichen Fledermausfauna Lebensraum; in den feuchten Bergwäldern kommen zahlreiche Farne und andere feuchtigkeitsliebende Pflanzen vor. Die küstennahen Bereiche weisen dagegen trockenere Vegetation mit Kakteen und Dornsträuchern auf. Zu den Aufgaben des Schutzgebiets gehören die Erhaltung der natürlichen Lebensräume, die Wiederherstellung geschädigter Flächen und die Begrenzung der Belastungen durch Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei.
Eine besondere Rolle spielen die marinen Schutzgebiete. Die Jardines de la Reina im Süden Kubas bilden einen weitläufigen Archipel mit Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffen. Die Riffe bieten Lebensraum für zahlreiche Fischarten, Wirbellose und Meeresschildkröten. Schutzmaßnahmen sollen insbesondere die Riffgemeinschaften und die Bestände größerer Raubfische erhalten. Weitere bedeutende Küsten- und Meeresgebiete befinden sich im Archipel Sabana-Camagüey, rund um die Halbinsel Guanahacabibes sowie im Süden der Isla de la Juventud. Dort stehen unter anderem Korallenriffe, Mangrovenwälder, Seegraswiesen und wichtige Brutplätze von Meeresschildkröten unter Schutz. Der tatsächliche Erfolg des Meeresschutzes hängt dabei wesentlich von der Kontrolle der Fischerei, der Vermeidung von Verschmutzung und der Begrenzung schädlicher Eingriffe in die Küstenökosysteme ab.
Neben den Nationalparks und Biosphärenreservaten besitzt Kuba mehrere international bedeutende Feuchtgebiete. Die Ramsar-Konvention schützt Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung, insbesondere wegen ihrer ökologischen Funktionen und ihrer Bedeutung für Wasservögel. Kuba hat sechs Ramsar-Gebiete mit einer Gesamtfläche von rund 1,19 Millionen Hektar ausgewiesen. Zu ihnen gehören die Ciénaga de Zapata, das Delta des Río Cauto, das Feuchtgebiet Río Máximo-Cagüey und die Ciénaga de Lanier mit dem Süden der Isla de la Juventud. Diese Gebiete umfassen Sümpfe, Lagunen, Mangroven, Flussdeltas und weitere wasserabhängige Ökosysteme.
Die internationale Anerkennung einzelner Schutzgebiete darf allerdings nicht mit einem umfassenden Schutz sämtlicher natürlicher Lebensräume gleichgesetzt werden. Das kubanische System geschützter Gebiete umfasst unterschiedliche Kategorien, darunter Nationalparks, ökologische Reservate, Wildschutzgebiete, Schutzlandschaften und Gebiete mit gelenkter Ressourcennutzung. Nach Angaben des kubanischen Tourismusportals gehören dazu 14 Nationalparks, sechs UNESCO-Biosphärenreservate und zahlreiche weitere Schutzgebiete. Die Flächenangaben unterscheiden sich je nach Schutzkategorie und Abgrenzung; zudem können sich einzelne Schutzgebiete mit Biosphärenreservaten, Ramsar-Gebieten oder anderen Schutzformen überschneiden.
Trotz der umfangreichen Schutzgesetzgebung bestehen erhebliche Probleme. Landwirtschaftliche Nutzung, Holzeinschlag, Bergbau, invasive Arten, Brände und der Ausbau von Verkehrswegen können Lebensräume beeinträchtigen. In Küstengebieten kommen die Folgen des steigenden Meeresspiegels, die Erwärmung des Meerwassers, Korallenbleiche und die Veränderung des Sedimenthaushalts hinzu. Auch wirtschaftliche Engpässe erschweren die regelmäßige Überwachung der Schutzgebiete, die Instandhaltung von Einrichtungen und die Finanzierung wissenschaftlicher Untersuchungen. In manchen Regionen stehen die Interessen der örtlichen Bevölkerung an Brennholz, landwirtschaftlichen Flächen und anderen natürlichen Ressourcen in einem Spannungsverhältnis zu den Naturschutzzielen.
Die häufig wiederholte Aussage, Kuba sei vom WWF als einziges Land der Welt mit nachhaltiger Entwicklung ausgezeichnet worden, bedarf einer Einordnung. Sie geht auf den Living Planet Report 2006 zurück. In dieser Untersuchung erfüllte Kuba auf Grundlage der damals verfügbaren Daten als einziges Land gleichzeitig die verwendeten Schwellenwerte für menschliche Entwicklung und ökologischen Fußabdruck. Daraus folgt jedoch keine zeitunabhängige Zertifizierung durch den WWF und auch nicht, dass sämtliche Umweltprobleme des Landes gelöst wären. Im Living Planet Report 2010 lag Kubas ökologischer Fußabdruck bereits oberhalb des dort verwendeten Grenzwertes. Die historische Aussage beschreibt somit das Ergebnis einer bestimmten Untersuchung und nicht den heutigen Gesamtzustand der kubanischen Umwelt.
Klima
Das Klima Kubas ist tropisch bis subtropisch geprägt und wird durch die Lage zwischen dem Golf von Mexiko, dem Atlantischen Ozean und dem Karibischen Meer, die Passatwinde, die Meeresströmungen und die ausgeprägten jahreszeitlichen Niederschlagsunterschiede bestimmt. Die Insel liegt im Bereich des Nordostpassats und weist überwiegend ein tropisches Savannenklima mit einer ausgeprägten Trockenzeit und einer feuchten Regenzeit auf. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation dominiert das Klima Aw; in einzelnen Gebieten beeinflussen Höhenlage, Relief und lokale Niederschlagsverhältnisse die klimatischen Bedingungen.
Die Temperaturen bleiben das ganze Jahr über vergleichsweise hoch. Die kühlere Jahreszeit dauert im Allgemeinen von November bis April, die wärmere und feuchtere Zeit von Mai bis Oktober. Im Winterhalbjahr bringen Luftmassen aus Nordamerika gelegentlich Kaltlufteinbrüche, die als nortes bezeichnet werden. Sie können die Temperaturen vorübergehend deutlich senken und besonders im Westen und Norden der Insel zu mehreren kühleren Tagen führen. Im Sommerhalbjahr steigen die Temperaturen an, die Luftfeuchtigkeit nimmt zu und nachmittägliche Schauer und Gewitter werden häufiger. Die Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten sind geringer als in gemäßigten Klimazonen; die Unterschiede zwischen Tag und Nacht sowie zwischen Küste und höher gelegenen Gebieten können dagegen spürbar sein.
Die mittlere Jahrestemperatur liegt in den Tiefländern meist zwischen 24 und 26°C. In den östlichen Küstengebieten werden örtlich höhere Werte erreicht, während die Temperaturen in den Gebirgen mit zunehmender Höhe abnehmen. In den höchsten Lagen der Sierra Maestra und anderer Gebirgszüge liegen die Jahresmittel unter 20°C. Die mittleren Höchsttemperaturen erreichen in den wärmsten Monaten vielerorts etwa 30 bis 32°C; nachts sinken die Temperaturen gewöhnlich deutlich ab, bleiben im Sommer aber häufig über 23°C.
Die Regenzeit erstreckt sich überwiegend von Mai bis Oktober. In diesem Zeitraum fallen etwa 80 Prozent des Jahresniederschlags. Häufig bilden sich besonders am Nachmittag kräftige Schauer und Gewitter, die lokal große Regenmengen innerhalb kurzer Zeit bringen können. Die Trockenzeit dauert im Allgemeinen von November bis April. Sie ist niederschlagsärmer, aber nicht völlig regenfrei, da Kaltfronten aus Nordamerika und andere Wetterlagen auch während dieser Monate Niederschläge verursachen. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt in weiten Teilen des Landes durchschnittlich ungefähr 1.300 mm, unterscheidet sich jedoch erheblich nach Region und Höhenlage.
Die räumliche Verteilung der Niederschläge hängt stark vom Relief und von der vorherrschenden Windrichtung ab. Im Allgemeinen erhält der Westen mehr Regen als manche Gebiete des Ostens, wobei die Unterschiede zwischen einzelnen Landschaftsräumen beträchtlich sind. Besonders feucht sind die windzugewandten Hänge des Gebirgszugs Nipe-Sagua-Baracoa im Nordosten der Insel. Dort können die Jahresniederschläge mehr als 3.000 mm erreichen. In diesen Gebieten treten örtlich ganzjährig feuchte tropische Klimabedingungen auf. Demgegenüber gehört der südliche Küstenstreifen der Provinzen Santiago de Cuba und Guantánamo zu den trockensten Teilen Kubas. Im Regenschatten der Gebirge fallen dort teilweise weniger als 600 mm Niederschlag im Jahr, sodass die Vegetation und die landwirtschaftliche Nutzung deutlich durch Wasserknappheit geprägt werden.
Die Gebirge verändern das Klima auch durch die niedrigeren Temperaturen und die unterschiedliche Bewölkung. In den höheren Lagen der Sierra Maestra und des Escambray-Gebirges sind die Bedingungen kühler als in den Küstenebenen. Auf den feuchten Gebirgshängen können sich dichte Bergwälder entwickeln, während trockenere Küstenabschnitte von Trockenwäldern, Buschvegetation und Kakteen geprägt sind. Die Nähe zum Meer mildert die Temperaturschwankungen in vielen Küstengebieten; im Landesinneren können die täglichen Temperaturunterschiede stärker ausfallen.
Auch die Wassertemperaturen des Meeres bleiben über weite Teile des Jahres hoch. Dadurch steht der Atmosphäre viel Feuchtigkeit zur Verfügung, die bei geeigneten Wetterlagen zu kräftigen Niederschlägen führt. Gleichzeitig beeinflussen die warmen Meeresströmungen die Entstehung und Entwicklung tropischer Wirbelstürme. Die Hurrikansaison im Atlantik dauert offiziell vom 1. Juni bis zum 30. November. Besonders gefährdet sind die Küstengebiete, Inseln und niedrigen Ebenen, in denen Sturmfluten, hohe Wellen, Starkregen und Überschwemmungen erhebliche Schäden verursachen können. Tropische Wirbelstürme treten nicht jedes Jahr mit gleicher Häufigkeit und Intensität auf; ihre Auswirkungen gehören jedoch zu den wesentlichen klimatischen Risiken Kubas.
Die klimatischen Bedingungen bestimmen die Landwirtschaft, die natürliche Vegetation und die Wasserverfügbarkeit. Die Regenzeit unterstützt den Anbau von Zuckerrohr, Reis, Tabak, Mais und tropischen Früchten, während längere Trockenperioden Bewässerung erforderlich machen und Ernteausfälle begünstigen können. In den trockeneren Landesteilen sind Wasserknappheit und Dürren ein wiederkehrendes Problem. Während der Regenzeit wiederum können Starkregen und tropische Wirbelstürme zu Überschwemmungen, Bodenerosion und Schäden an Siedlungen und Infrastruktur führen. Hinzu kommen die Folgen steigender Temperaturen und des Meeresspiegelanstiegs, die besonders für niedrig gelegene Küstenregionen und Feuchtgebiete von Bedeutung sind.
Klimadaten für Havanna (1961 bis 1990, Extreme seit 1859
| Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Höchstrekord (°C) | 32,4 | 33,0 | 35,3 | 37,0 | 36,2 | 35,4 | 36,6 | 37,7 | 38,2 | 39,6 | 34,0 | 33,2 | 39,6 |
| Mittelmaximum (°C) | 25,8 | 26,1 | 27,6 | 28,6 | 29,8 | 30,5 | 31,3 | 31,6 | 31,0 | 29,2 | 27,7 | 26,5 | 28,8 |
| Mitteltemperatur (°C) | 22,2 | 22,4 | 23,7 | 24,8 | 26,1 | 27,0 | 27,6 | 27,9 | 27,4 | 26,1 | 24,5 | 23,0 | 25,2 |
| Mittelminimum (°C) | 18,6 | 18,6 | 19,7 | 20,9 | 22,4 | 23,4 | 23,8 | 24,1 | 23,8 | 23,0 | 21,3 | 19,5 | 21,6 |
| Tiefstrekord (°C) | 6,0 | 11,9 | 10,0 | 15,1 | 15,4 | 20,0 | 19,0 | 20,0 | 20,0 | 18,0 | 14,0 | 10,0 | 6,0 |
| Niederschlag (mm) | 64,4 | 68,6 | 46,2 | 53,7 | 98,0 | 182,3 | 105,6 | 99,6 | 144,4 | 180,5 | 88,3 | 57,6 | 1189,2 |
| Niederschlagstage (≥ 1,0 mm) | 5 | 5 | 3 | 3 | 6 | 10 | 7 | 9 | 10 | 11 | 6 | 5 | 80 |
| Luftfeuchtigkeit (%) | 75 | 74 | 73 | 72 | 75 | 77 | 78 | 78 | 79 | 80 | 77 | 75 | 76 |
| Sonnenstunden | 217,0 | 203,4 | 272,8 | 273,0 | 260,4 | 237,0 | 272,8 | 260,4 | 225,0 | 195,3 | 219,0 | 195,3 | 2831,4 |
| Tägliche Sonnenstunden | 7,0 | 7,2 | 8,8 | 9,1 | 8,4 | 7,9 | 8,8 | 8,4 | 7,5 | 6,3 | 7,3 | 6,3 | 7,8 |
| Meerestemperatur (°C) | 23 | 23 | 24 | 26 | 27 | 28 | 28 | 28 | 28 | 27 | 26 | 24 | 26 |
Mythologie
Die ursprünglichen Bewohner Kubas, vor allem die Taíno und verwandte arawakische Gruppen sowie ältere Bevölkerungsreste wie die Guanahatabey und Ciboney, entwickelten ein kosmologisches System, das eng mit der tropischen Inselwelt, ihren Höhlen, dem Meer, dem Wetter und den Lebensgrundlagen verbunden war. Im Zentrum stand die Verehrung von Zemís, geistigen Wesenheiten und Ahnen, die keine scharfe Trennung zwischen natürlicher und übernatürlicher Welt kannten. Die wichtigsten Gottheiten waren Yucahu oder Yocahu, der Gott der Yuca beziehungsweise des Manioks, der Hauptnahrung, sowie seine Mutter Atabey, die Göttin der Fruchtbarkeit, des Mondes, des Süßwassers und der Schöpfung. Atabey galt als Urmutter, aus der die Welt hervorging. Eine ihrer Manifestationen oder Begleiterinnen war Guabancex, die Herrin des Chaos und der Stürme. Wenn sie erzürnt war, sandte sie die juracánes aus, jene gewaltigen Wirbelstürme, deren Name später in das spanische und englische Wort für Hurrikan einging. Begleitet wurde sie von Helfern wie Guataubá, der Donner und Blitze ankündigte, und Coatrisquie, der die Wassermassen steuerte. Die Taíno stellten sich Guabancex als zornige Frauengestalt vor, deren Arme in spiralförmiger Bewegung die Winde aufwirbelten, und sie glaubten, dass sie auf den Berggipfeln wie dem El Yunque mit Yucahu in Konflikt geriet.
Die Schöpfungsmythen der Taíno erzählen von einer ursprünglichen Höhlenwelt. Die Menschen sollen aus der Höhle Cacibajagua oder der Höhle der Jagua hervorgegangen sein. Sonne und Mond traten aus der Höhle Iguanaboina hervor. Ein zentrales Narrativ handelt von Yaya, dem höchsten Wesen, und seinem Sohn Yayael. Nachdem Yayael seinen Vater bedroht hatte, wurde er getötet und seine Knochen in einen Kürbis gehängt. Als dieser später geöffnet wurde, strömten Fische heraus, und so entstand das Meer. In einer verwandten Erzählung stahlen die vier Söhne der Itiba Cahubaba, der großen blutenden Mutter, die bei ihrer Geburt starb, den Kürbis. Der älteste von ihnen, Deminán Caracaracol, führte die Brüder an. Als sie den Kürbis fallen ließen, ergoss sich das Wasser und mit ihm unzählige Fische über die Erde, und so wurde der Ozean geschaffen. Diese Brüder gelten als Kulturheroen. In ihrer Verbannung erlernten sie den Umgang mit dem Feuer, den Anbau der Yuca und die Zubereitung des Casabe-Brotes, den Gebrauch des Tabaks und die heilige Cohoba-Zeremonie, bei der ein halluzinogenes Pulver inhaliert wurde, um mit den Zemís und Ahnen in Verbindung zu treten. Deminán selbst wurde zum ersten Caracaracol, einer Brückenfigur zwischen Menschen- und Geisterwelt. Die Geister der Toten, die Hupia oder Opia, lebten in Coaybay, einem fernen irdischen Paradies, und konnten nachts in Gestalt von Fledermäusen oder gesichtslosen Gestalten erscheinen, erkennbar am Fehlen des Nabels.
Mit der spanischen Eroberung und der massenhaften Einfuhr versklavter Afrikaner ab dem sechzehnten Jahrhundert entstand eine neue Schicht von Mythen, die vor allem aus den Traditionen der Yoruba, der Kongo und anderer west- und zentralafrikanischer Völker stammten und sich unter dem Druck der kolonialen Unterdrückung mit katholischen Heiligenbildern vermischten. Die bekannteste dieser synkretistischen Religionen ist die Santería oder Regla de Ocha, auch Lucumí genannt. In ihr leben die Orishas fort, göttliche Wesen, die natürliche Kräfte, menschliche Leidenschaften und kosmische Ordnungen verkörpern und als Vermittler zwischen dem höchsten Gott Olodumare und den Menschen agieren. Obatalá, der Schöpfer und Herr der Reinheit und des Weißen, wird mit der Jungfrau der Barmherzigkeit gleichgesetzt. Changó, der mächtige Gott des Donners, des Feuers, der Trommeln und der Männlichkeit, erscheint als Santa Bárbara. Yemayá, die Mutter des Meeres und der Fruchtbarkeit, wird mit der Jungfrau von Regla identifiziert. Ochún, die Göttin der Flüsse, der Liebe, der Schönheit und des Honigs, findet ihr katholisches Gegenstück in der Virgen de la Caridad del Cobre, der Schutzpatronin Kubas. Die Mythen der Orishas erzählen von ihren Rivalitäten, Liebesbeziehungen, Wanderungen und Prüfungen. Changó erscheint als leidenschaftlicher, oft ungestümer Herrscher, der seine Frauen Ochún und Oya umwirbt und mit seinem Bruder oder Rivalen in Konflikte gerät. Yemayá birgt in sich die tiefe, nährende und zugleich gefährliche Kraft des Ozeans. Ochún verkörpert die süße Verführung und die heilende Kraft des fließenden Wassers. Diese Erzählungen wurden in den Cabildos, den afrikanischen Bruderschaften, mündlich weitergegeben und in Ritualen, Gesängen und Trommelrhythmen lebendig gehalten.
Neben der Santería entwickelten sich weitere afro-kubanische Traditionen wie der Palo Monte, der auf kongoische Vorstellungen von Ahnen und Naturgeistern zurückgeht und mit dem Umgang mit palo, dem heiligen Holz, und nganga, den Machtgefäßen, verbunden ist, sowie die geheime Gesellschaft der Abakuá, die aus kalabarischen Überlieferungen stammt und strenge Initiationsriten und mythische Erzählungen von Leopardenmenschen und rituellen Tänzen kennt. Spanische und katholische Elemente flossen ebenfalls ein, etwa in den Geschichten um lokale Marienerscheinungen oder Heilige, die oft mit afrikanischen oder indigenen Zügen angereichert wurden. Auch die chinesischen Einwanderer des neunzehnten Jahrhunderts brachten eigene volkstümliche Vorstellungen mit, die sich jedoch weniger stark in einem eigenen großen Mythensystem niederschlugen und eher in lokalen Geister- und Glücksglauben aufgingen.
Weltweit existiert bei vielen Menschen, die sich im „linken“ Milieu bewegen, ein ausgeprägter Mythos Kuba. In diesem erscheint das kubanische Staatswesen als der einzige wirklich gelungene Versuch des Sozialismus, der nicht nur für die sogenannte Dritte Welt Vorbildcharakter besitzt, sondern den es gegen alle äußeren Angriffe und inneren Zweifel zu verteidigen gilt. Besonders in weiten Teilen Süd- und Mittelamerikas genießt das kubanische Modell große Sympathien, die sich aus einer Reihe historischer und politischer Erfahrungen speisen.
Zu den zentralen Gründen für diese positive Wahrnehmung zählt die solidarische Hilfe Kubas für andere Länder der Dritten Welt. Berühmt wurde die militärische Unterstützung Angolas in den siebziger und achtziger Jahren, als kubanische Truppen dem Land gegen das damals noch rassistische Südafrika und dessen Verbündete beistanden. Ebenso entsandte Kuba Spezialisten für Alphabetisierungskampagnen in zahlreiche Staaten und engagierte sich aktiv in der Bewegung der Blockfreien während des Kalten Krieges. Bis in die Gegenwart hinein schickt die Insel Ärzte und medizinisches Personal ins Ausland, etwa nach Venezuela, wo im Rahmen der Misión Barrio Adentro eine medizinische Grundversorgung in den Armenvierteln aufgebaut wurde. Im Gegenzug erhält Kuba von Venezuela verbilligtes Öl, was die wirtschaftliche Abhängigkeit und zugleich die ideologische Verbundenheit unterstreicht. Hinzu kommen die vergleichsweise hohen Sozial- und Bildungsstandards, die nach der Revolution von 1959 erreicht wurden und die in vielen Teilen der Dritten Welt als Beweis dafür gelten, dass ein sozialistisches System auch unter widrigen Bedingungen soziale Fortschritte ermöglichen kann. Das basisdemokratische Rätemodell mit abwählbaren Abgeordneten, die dem Willen der Wähler verpflichtet sein sollen, wird als demokratische Alternative zu westlichen parlamentarischen Systemen gepriesen. Die Revolution selbst gilt als echte Volksbewegung, die von breiten Schichten der Bevölkerung getragen war und nicht bloß von einer kleinen Elite inszeniert wurde. Der andauernde Konflikt mit den als neoliberal und imperialistisch wahrgenommenen Vereinigten Staaten verstärkt die Identifikation, und die Tatsache, dass Kuba den Zusammenbruch des Ostblocks überlebt hat, erscheint vielen als Beweis für die innere Stabilität und Legitimität des Systems.
In gleichem Maße wird die kubanische Regierung von vielen Nichtlinken und insbesondere in den Vereinigten Staaten deutlich abgelehnt. Dort gilt sie als eine der letzten Bastionen des Kommunismus direkt vor der eigenen Haustür und stellt für zahlreiche Politiker und Medien einen dauerhaften Dorn im Auge dar. Die Kritiker führen an, dass die hohen Sozial- und Gesundheitsstandards lange Zeit vom Ostblock subventioniert wurden und daher keine Rechtfertigung für die bestehende Diktatur liefern. Zudem könne die relativ schwache kubanische Wirtschaft diese Leistungen auf Dauer nicht aus eigener Kraft aufrechterhalten. Das Engagement für die Dritte Welt habe zu wesentlichen Teilen aus der Entsendung militärischer Truppen bestanden, die sich eng an die sowjetische Außenpolitik anlehnten. Ein Beispiel hierfür sei die Unterstützung der äthiopischen Militärregierung, die mit kubanischer Hilfe Separatistenaufstände niederschlug. Die kubanische Diktatur sei keineswegs human, höchstens im Vergleich zur blutigen Frühgeschichte der Revolution, in der zahlreiche Gegner liquidiert oder inhaftiert wurden. Die Regierung habe den Kubanern nie die Möglichkeit eingeräumt, über die Grundlagen ihrer Politik abzustimmen oder die Führung abzuwählen; die tatsächliche Unterstützung durch die heutige Bevölkerung bleibe daher ungewiss. Der Konflikt mit den USA sei von Fidel Castro bewusst heraufbeschworen und wachgehalten worden, weil er ihn benötige, um seine Repressionsmaßnahmen zu rechtfertigen und die Bevölkerung hinter der Führung zu versammeln.
Geschichte
Die Geschichte Kubas wurde über eine lange Zeit hinweg geprägt von indianischen Gemeinschaften, ehe spanische Kolonisatoren eine ganze neue Gesellschaft formierten. Heute ist Kuba ein letzter Hort des Kommunismus in der Welt.
Ciboney
Die erste Besiedlung Kubas erfolgte lange vor der Ankunft europäischer Seefahrer. Archäologische Fundstellen belegen die Anwesenheit von Menschen spätestens im -3. Jahrtausend. Die zeitliche Einordnung der ältesten Spuren und die Rekonstruktion der einzelnen Einwanderungswellen sind allerdings mit Unsicherheiten verbunden. Die Insel wurde nicht zu einem einzigen Zeitpunkt von einer geschlossenen Bevölkerungsgruppe besiedelt. Vielmehr erreichten Menschen Kuba vermutlich in mehreren Phasen aus anderen Teilen der Karibik und aus dem angrenzenden Festlandraum. Dabei spielten die Inseln der Bahamas, Hispaniola, Jamaika und weitere Gebiete der Großen Antillen sowie die Küstenregionen Mittel- und Südamerikas als Teile eines weitreichenden maritimen Kontaktraums eine Rolle. Die genaue Herkunft einzelner früher Bevölkerungsgruppen lässt sich nicht für alle Fundstellen sicher bestimmen.
Kuba liegt am nördlichen Rand des Karibischen Meeres und ist von mehreren Inseln und Halbinseln umgeben. Seine Küsten besitzen zahlreiche Buchten, Lagunen, Flussmündungen, Mangrovengebiete und vorgelagerte Inseln. Diese Landschaften boten gute Voraussetzungen für Gemeinschaften, die Fischfang, Muschelsammeln und den Fang von Meerestieren betrieben. Im Landesinneren standen Wälder, Flüsse, Höhlen, fruchtbare Böden und weitere natürliche Ressourcen zur Verfügung. Die Karstlandschaften mit ihren Höhlen und Felsüberhängen boten Schutz und hinterließen zugleich archäologisch wichtige Fundräume. Die Besiedlung richtete sich daher nicht allein nach der Bodenfruchtbarkeit, sondern auch nach der Verfügbarkeit von Wasser, Meeresressourcen, Steinmaterial und geschützten Aufenthaltsorten.
Die frühesten archäologisch erfassten Volksgruppen werden in der Forschung häufig als präkeramische Gruppen bezeichnet, weil ihre materiellen Hinterlassenschaften keine oder nur sehr wenige Keramikgefäße umfassen. Diese Bezeichnung beschreibt vor allem einen archäologischen Befund und nicht eine einheitliche ethnische Identität. Die Menschen verwendeten Werkzeuge aus Stein, Muscheln, Knochen und Holz. Da Holz und andere organische Materialien in tropischen Böden häufig rasch vergehen, ist das erhaltene Fundmaterial nur ein unvollständiger Ausschnitt ihrer materiellen Kultur. Besonders aussagekräftig sind Steinabschläge, bearbeitete Muscheln, Werkzeuge zur Verarbeitung pflanzlicher Nahrung, Tierknochen und Muschelreste aus ehemaligen Siedlungsplätzen.
Die frühen Bewohner Kubas waren in vielen Regionen auf die Nutzung natürlicher Ressourcen spezialisiert. An den Küsten sammelten sie Muscheln und andere Weichtiere, fingen Fische und nutzten Schildkröten sowie weitere Meerestiere. Im Landesinneren jagten sie Vögel und kleinere Säugetiere und sammelten Früchte, Samen, Wurzeln und Knollen. Die Bedeutung einzelner Nahrungsquellen variierte nach Landschaft und Jahreszeit. An geschützten Küstenabschnitten konnten Muschelbänke eine zuverlässige Nahrungsquelle darstellen, während Flüsse und Lagunen Fisch und andere Wasserorganismen lieferten. In Waldgebieten ergänzten wild wachsende Pflanzen die tierische Nahrung. Die archäologischen Überreste weisen darauf hin, dass die Bewohner ihre Umwelt genau kannten und unterschiedliche Ressourcen je nach Verfügbarkeit nutzten.
Aus solchen frühen Gemeinschaften entwickelten sich über lange Zeiträume regionale Lebensweisen, die sich in Werkzeugformen, Ernährungsgewohnheiten, Siedlungsstrukturen und Bestattungspraktiken unterscheiden. Die Forschung kann aus diesen Unterschieden jedoch nicht ohne Weiteres auf klar getrennte Völker schließen. Ähnliche Werkzeuge konnten von benachbarten Gruppen übernommen werden, und Menschen konnten zwischen Küste und Binnenland wechseln. Ebenso ist nicht jede Veränderung der materiellen Kultur zwangsläufig auf die Ankunft einer neuen Bevölkerung zurückzuführen. Handel, Heirat, Wanderungen und die Weitergabe technischer Kenntnisse konnten die archäologisch sichtbaren Veränderungen ebenfalls hervorrufen.
Eine der bedeutendsten Fundstätten für die frühe Bevölkerungsgeschichte Kubas ist Canímar Abajo am Unterlauf des Canímar-Flusses in der Provinz Matanzas. Der Fundplatz liegt in einer Küstenlandschaft mit Mangroven, Flussmündung, Waldvegetation und Zugang zum Meer. Er umfasst unterschiedliche archäologische Schichten, darunter Muschelablagerungen, Spuren menschlicher Nutzung und zwei zeitlich voneinander getrennte Bestattungsbereiche. Bei Ausgrabungen wurden die Überreste zahlreicher Menschen gefunden. Die ältere Bestattungsphase wird anhand von Radiokarbondatierungen in das -2. bis -1. Jahrtausend eingeordnet; die jüngere Phase gehört ins 1./2. Jahrhundert. Die zeitliche Trennung der Fundhorizonte zeigt, dass der Ort über einen langen Zeitraum und in unterschiedlichen Phasen genutzt wurde.
Canímar Abajo ist auch für die Frage bedeutsam, wann die frühen Bewohner Kubas begannen, Pflanzen anzubauen. Untersuchungen von Stärkeresten an archäologischen Werkzeugen sowie von stabilen Isotopen in menschlichen Knochen weisen darauf hin, dass die dort lebenden Menschen nicht ausschließlich von Jagd, Fischfang und Sammeln abhängig waren. Für die Nutzung beziehungsweise den Anbau von Kulturpflanzen liegen frühe Belege vor. Besonders wichtig ist der Nachweis von Bohnen, deren Anbau in Kuba bereits für ungefähr -990 bis -800 belegt ist. Die Ergebnisse sprechen gegen eine einfache Vorstellung, nach der frühe Jäger- und Sammlergemeinschaften erst zu einem späten Zeitpunkt vollständig durch Ackerbau treibende Bevölkerungen ersetzt worden seien. Vielmehr konnten Fischfang, Sammelwirtschaft und Pflanzenanbau nebeneinander bestehen. Die archäologische Einteilung in Gruppen mit niedriger und höherer wirtschaftlicher Produktivität beschreibt daher nicht in jedem Fall die gesamte Ernährungsweise einer Gemeinschaft.
Weitere bedeutende Fundstellen liegen in der Ciénaga de Zapata, dem großen Feuchtgebiet an der Südküste der Provinz Matanzas, sowie im Tal des Río Cauto im Osten Kubas. Der Fundplatz Guayabo Blanco in der Ciénaga de Zapata wird mit einer präkeramischen Tradition in Verbindung gebracht, die in der Forschung als Ciboney Guayabo Blanco bezeichnet wird. Playa del Mango im Tal des Río Cauto steht dagegen mit der Tradition Ciboney Cayo Redondo in Verbindung. Die Bezeichnungen beziehen sich auf archäologisch unterscheidbare Fundgruppen und Traditionen; sie beweisen nicht, dass die Menschen selbst diese Namen verwendeten oder sich als Angehörige entsprechend benannter Völker verstanden. Die Datierungen der Fundplätze reichen über viele Jahrhunderte hinweg und verdeutlichen, dass die präkeramischen Kulturen Kubas weder zeitlich noch räumlich einheitlich waren.
Auch Höhlen und Felsüberhänge sind wichtige archäologische Fundorte. Sie dienten in verschiedenen Zeitabschnitten als Aufenthaltsorte, Bestattungsplätze und Orte für symbolische Handlungen. In Höhlen können sich Knochen, Stein- und Muschelwerkzeuge, Keramikfragmente sowie Reste von Feuerstellen erhalten. Manche Fundstellen enthalten Felszeichnungen oder eingeritzte Zeichen, deren genaue Bedeutung nicht immer geklärt ist. Die Datierung solcher Darstellungen ist schwierig, wenn sie nicht eindeutig mit datierbaren Schichten oder Gegenständen verbunden sind. Deshalb müssen Interpretationen von Höhlenkunst und möglichen religiösen Symbolen zwischen gesicherten Befunden und wissenschaftlichen Deutungen unterscheiden.
Die archäologische Forschung auf Kuba beruht auf Ausgrabungen, Radiokarbondatierungen, der Untersuchung menschlicher Überreste, der Analyse von Pflanzenstärken und Tierknochen sowie zunehmend auf genetischen und isotopenchemischen Methoden. Jede dieser Methoden beantwortet unterschiedliche Fragen. Radiokarbondatierungen geben Hinweise auf das Alter organischer Materialien, während Isotopenanalysen Informationen über Ernährung und Mobilität liefern können. Alte DNA kann Verwandtschaftsbeziehungen und genetische Ähnlichkeiten untersuchen, erlaubt jedoch für sich allein keine sichere Zuordnung zu historischen ethnischen Bezeichnungen. Die Ergebnisse müssen deshalb gemeinsam mit den archäologischen Fundzusammenhängen und den Grenzen der jeweiligen Methode ausgewertet werden.
Die Bezeichnung Ciboney wird in der Literatur für verschiedene indigene Bevölkerungen beziehungsweise archäologische Traditionen Kubas verwendet. In älteren Darstellungen erscheinen die Ciboney häufig als Jäger und Sammler, die vor allem den Westen und Teile des Zentrums der Insel bewohnten und deren Lebensweise als älter und einfacher als jene der Taíno beschrieben wurde. Diese Darstellung ist inzwischen differenzierter zu beurteilen. Der Begriff wurde in historischen Quellen nicht immer einheitlich gebraucht und später von Forschern auf unterschiedliche Gruppen übertragen. Deshalb lässt sich aus der Bezeichnung allein weder eine einheitliche Herkunft noch eine durchgehend gleiche Lebensweise ableiten.
Archäologisch werden unter anderem die Traditionen Cayo Redondo und Guayabo Blanco unterschieden. Zu ihren materiellen Hinterlassenschaften gehören bearbeitete Muscheln, Steinwerkzeuge und weitere Gegenstände, deren Formen und Herstellungsweisen regionale Besonderheiten aufweisen. Muscheln waren nicht nur Nahrung, sondern auch ein wichtiger Werkstoff. Aus ihnen wurden Schneid- und Schabwerkzeuge, Löffel oder andere Gebrauchsgegenstände hergestellt. Steinwerkzeuge dienten zum Bearbeiten von Holz, zur Verarbeitung pflanzlicher Nahrung und für weitere Tätigkeiten. Die Zusammensetzung des Fundmaterials hängt stark davon ab, welche Ressourcen in der jeweiligen Umgebung verfügbar waren und welche Materialien sich im Boden erhalten konnten.
Die Lebensweise dieser Gemeinschaften war nicht überall gleich. An Küsten und Flussmündungen spielte die Nutzung von Fischen, Muscheln und anderen Wasserorganismen eine große Rolle. In Feuchtgebieten standen weitere Wasser- und Waldressourcen zur Verfügung. Die Menschen konnten an einzelnen Orten über längere Zeiträume leben und wiederholt dieselben Plätze aufsuchen, während sie andere Ressourcen saisonal nutzten. Muschelhaufen, Feuerstellen und Bestattungen zeigen, dass bestimmte Plätze über längere Zeiträume hinweg wiederkehrend genutzt wurden. Solche Ablagerungen sind wichtige Quellen zur Rekonstruktion der Ernährung und der Siedlungsweise.
Die traditionelle Vorstellung, die Ciboney seien eine einheitliche Restbevölkerung der allerersten Einwanderungswelle gewesen, wird von neueren Untersuchungen infrage gestellt. Der Archäologe William F. Keegan hat darauf hingewiesen, dass die historische Vorstellung einer bis zur Ankunft der Europäer fortbestehenden, klar abgegrenzten Gruppe der Guanahatabey beziehungsweise Ciboney problematisch ist. Die historischen Bezeichnungen entstanden aus den Berichten europäischer Chronisten und wurden später mit archäologischen Kulturen gleichgesetzt, obwohl die Quellenlage dafür nicht immer ausreicht. Es ist daher wichtig, zwischen den archäologisch nachweisbaren Lebensweisen früher Gemeinschaften und den später überlieferten Namen für indigene Bevölkerungen zu unterscheiden.
Genetische Untersuchungen präkolumbischer menschlicher Überreste haben außerdem unterschiedliche indigene Abstammungslinien nachgewiesen. Eine 2003 veröffentlichte Studie untersuchte mitochondriale DNA aus Skelettmaterial, das traditionell den Ciboney zugerechnet wird. Die Ergebnisse zeigten mehrere indigene genetische Linien und wurden als Hinweis auf eine komplexe Besiedlungsgeschichte der Karibik interpretiert. Die Autoren diskutierten eine Besiedlung in mehreren Wanderungsbewegungen, darunter frühere Gruppen mit stärkerer Abhängigkeit von Jagd, Fischfang und Sammeln sowie spätere Gruppen mit landwirtschaftlichen Traditionen. Zugleich betonten sie, dass die damaligen Daten noch keine abschließende Rekonstruktion der Herkunft und Abfolge aller Wanderungen erlaubten. Solche Ergebnisse dürfen deshalb nicht als endgültiger Beweis für eine starre Abfolge klar voneinander getrennter Völker verstanden werden.
Guanahatabey
Die Guanahatabey werden in historischen Darstellungen vor allem mit dem äußersten Westen Kubas, insbesondere mit der Region der Halbinsel Guanahacabibes, in Verbindung gebracht. Spanische Berichte beschrieben sie als eine Bevölkerung, deren Lebensweise sich von jener der stärker landwirtschaftlich geprägten Gemeinschaften im Zentrum und Osten der Insel unterschied. Sie werden häufig als Jäger, Fischer und Sammler dargestellt. Ihre Ernährung beruhte demnach auf wilden Pflanzen, Muscheln, Fischen und weiteren Tieren, die in den Küsten- und Waldgebieten verfügbar waren. Auch die Herstellung von Werkzeugen aus Muscheln und Stein wird mit den archäologischen Traditionen in Verbindung gebracht, die ältere Forscher den Guanahatabey zuordneten.
Die Quellenlage zu dieser Bevölkerung ist jedoch besonders unsicher. Die schriftlichen Beschreibungen stammen überwiegend aus der Zeit nach der Ankunft der Spanier und beruhen auf begrenzten Kontakten, Übersetzungen und Beobachtungen europäischer Chronisten. Es ist nicht sicher, in welchem Umfang die Bezeichnung Guanahatabey eine tatsächlich klar abgegrenzte ethnische Gruppe bezeichnete oder ob sie von den Spaniern für Menschen mit einer als fremd wahrgenommenen Sprache und Lebensweise verwendet wurde. Auch die räumliche Abgrenzung ihres Siedlungsgebietes ist nicht eindeutig. Die traditionelle Zuordnung des gesamten Westens Kubas zu den Guanahatabey ist daher eine vereinfachende Rekonstruktion.
Die westlichen Landschaften Kubas boten zahlreiche Voraussetzungen für eine Lebensweise, die auf vielfältigen natürlichen Ressourcen beruhte. Die Halbinsel Guanahacabibes, die Küstengebiete der heutigen Provinz Pinar del Río und die angrenzenden Feuchtgebiete umfassen Mangroven, Lagunen, Kalksteinlandschaften, Wälder und ausgedehnte Küstenabschnitte. Diese Lebensräume lieferten unterschiedliche Nahrungsquellen und Rohstoffe. Ob die Menschen in allen diesen Landschaften dieselbe Sprache sprachen, dieselben sozialen Strukturen besaßen oder sich selbst als eine einzige Gemeinschaft verstanden, lässt sich aus den erhaltenen Funden nicht ableiten.
In älteren Darstellungen wurden die Guanahatabey häufig als Überreste einer sehr frühen Einwanderungswelle beschrieben, die von später eingewanderten Ackerbauern verdrängt worden sei. Die archäologische Forschung hat diese Vorstellung relativiert. Die Unterscheidung zwischen den Guanahatabey als historischer Bevölkerungsbezeichnung und den archäologischen Gruppen, die als Ciboney bezeichnet werden, ist nicht eindeutig. William F. Keegan kam in seiner Untersuchung der historischen Überlieferung zu dem Schluss, dass die verbreitete Vorstellung einer bis zur europäischen Ankunft fortbestehenden, klar identifizierbaren Guanahatabey-Bevölkerung nicht hinreichend belegt ist. Die Bezeichnungen müssen deshalb mit Vorsicht verwendet werden.
Im Verlauf des -1. Jahrtausends und in den folgenden Jahrhunderten gewannen Pflanzenanbau und neue Formen der materiellen Kultur in Teilen Kubas zunehmend an Bedeutung. Diese Entwicklung war Teil eines größeren kulturellen Wandels in der Karibik. Landwirtschaftliche Kenntnisse, Werkzeuge, Keramiktechniken und soziale Organisationsformen verbreiteten sich zwischen den Inseln und den angrenzenden Festlandgebieten. Die Bewegungen von Menschen und die Weitergabe von Wissen erfolgten über lange Zeiträume. Sie führten nicht überall zur gleichen Zeit zu denselben Veränderungen.
Die Einführung des Ackerbaus bedeutete keinen sofortigen Übergang von einer vollständig auf Jagd und Sammeln beruhenden Lebensweise zu einer ausschließlich landwirtschaftlichen Wirtschaft. Die Befunde aus Canímar Abajo zeigen, dass Menschen bereits vor dem Auftreten späterer agrokeramischer Traditionen Kulturpflanzen nutzten, zugleich aber weiterhin fischten, jagten und sammelten. Landwirtschaftliche Produktion und die Nutzung wild lebender Ressourcen bestanden nebeneinander. Auch später blieben Fischfang und Sammeln wichtige Bestandteile der Ernährung bäuerlicher Gemeinschaften.
Zu den wichtigen Kulturpflanzen gehörte Maniok, der in tropischen Gebieten der amerikanischen Tropen seit langer Zeit angebaut wurde. Die stärkehaltigen Wurzeln lieferten eine energiereiche Nahrung. Für die Verarbeitung bitterer Manioksorten sind Arbeitsschritte erforderlich, durch die unerwünschte Inhaltsstoffe reduziert werden. In den karibischen Gesellschaften wurde Maniok zu Fladen verarbeitet und auf heißen Platten gebacken. Die Herstellung solcher Fladen ermöglichte es, die Wurzeln in einer haltbaren Form zu verzehren und zu lagern. Archäologische Nachweise für den Anbau und die Verarbeitung von Maniok sind allerdings methodisch anspruchsvoll, weil die Pflanze selbst in tropischen Böden nur selten erhalten bleibt. Rückschlüsse müssen daher unter anderem aus Werkzeugen, Verarbeitungsanlagen und anderen indirekten Hinweisen gezogen werden.
Weitere wichtige Kulturpflanzen waren Süßkartoffeln, Bohnen, Mais, Kürbisse, Erdnüsse, Paprika und verschiedene tropische Früchte. Welche Pflanzen in einer bestimmten Region angebaut wurden, hing von den örtlichen Böden, der Niederschlagsverteilung und den verfügbaren Kenntnissen ab. Der Anbau von Knollenfrüchten und anderen Pflanzen ergänzte den Fischfang und die Jagd. Zugleich ermöglichte eine planmäßige Kultivierung, dass Gemeinschaften an bestimmten Orten längerfristig lebten und größere Siedlungen unterhielten.
Tabak hatte in den indigenen Gesellschaften der Karibik eine besondere kulturelle Bedeutung. Die Pflanze wurde genutzt und war mit bestimmten rituellen und sozialen Praktiken verbunden. Die europäische Bezeichnung Tabak geht auf indigene Sprachformen zurück, wobei die genaue sprachliche Herkunft des Wortes in der Forschung unterschiedlich behandelt wird. Nach der europäischen Expansion verbreitete sich der Tabakanbau in andere Weltregionen. In Kuba entwickelte sich daraus später ein bedeutender Wirtschaftszweig, dessen Geschichte jedoch nicht mit dem kolonialen Exportanbau gleichgesetzt werden darf: Die Nutzung der Pflanze durch die indigene Bevölkerung bestand bereits vor der Ankunft der Europäer.
Taíno
Die Taíno bildeten um 1500 die bedeutendste landwirtschaftlich geprägte indigene Bevölkerungsgruppe in Mittel- und Ostkuba. Ihre kulturellen Traditionen waren Teil eines größeren Zusammenhangs, der auch Hispaniola, Puerto Rico und weitere Gebiete der Großen Antillen umfasste. Die Gesellschaften dieser Inseln teilten bestimmte sprachliche, wirtschaftliche und religiöse Merkmale, unterschieden sich aber auch regional. Die Bezeichnung Taíno wird heute für mehrere miteinander verwandte Gemeinschaften verwendet, deren Kultur und Sprache zu den arawakischen Traditionen der Karibik gehörten.
Die Ausbreitung der Taíno beziehungsweise ihrer kulturellen Vorläufer erfolgte nicht in einem einzigen historischen Ereignis. Landwirtschaftliche Traditionen und keramische Techniken hatten sich bereits über längere Zeiträume zwischen Südamerika und den karibischen Inseln verbreitet. Sprachwissenschaftliche, archäologische und genetische Untersuchungen verweisen auf komplexe Wanderungs- und Austauschprozesse. Die Vorstellung, dass eine einzelne Gruppe zu einem genau bestimmbaren Zeitpunkt die gesamte Insel Kuba erobert und die früheren Bewohner vollständig ersetzt habe, entspricht nicht dem heutigen Forschungsstand. Vielmehr bestanden unterschiedliche Gemeinschaften nebeneinander, und kulturelle Einflüsse konnten sich über Kontakte und Austausch verbreiten.
Die Taíno betrieben Ackerbau, Fischfang, Jagd und Sammelwirtschaft. Sie legten Anbauflächen an, auf denen unter anderem Maniok, Süßkartoffeln, Mais, Bohnen, Kürbisse, Erdnüsse und weitere Nutzpflanzen wuchsen. Die Landwirtschaft wurde durch die natürlichen Bedingungen der jeweiligen Region bestimmt. Auf geeigneten Böden konnten Felder angelegt werden, während Küsten, Flüsse und Lagunen zusätzliche Nahrung lieferten. Die Nutzung verschiedener Nahrungsquellen verringerte die Abhängigkeit von einer einzigen Ernte und ermöglichte eine vielseitige Wirtschaftsweise.
Maniok spielte eine besonders wichtige Rolle. Die Wurzeln wurden geerntet, verarbeitet und zu Fladen gebacken. Süßkartoffeln lieferten ebenfalls energiereiche Nahrung. Bohnen und andere Hülsenfrüchte ergänzten die pflanzliche Ernährung. Die Bedeutung einzelner Pflanzen war regional unterschiedlich, und die archäologischen Nachweise lassen nicht für jede Siedlung eine vollständige Rekonstruktion der Landwirtschaft zu. Auch die Bezeichnung eines Ortes als landwirtschaftliche Siedlung bedeutet nicht, dass dort ausschließlich Ackerbau betrieben wurde.
Der Fischfang war ein wesentlicher Bestandteil der Ernährung. Die Bewohner nutzten Netze, Reusen und weitere Fangmethoden und fingen Fische in Küstengewässern, Flussmündungen, Lagunen und auf dem offenen Meer. Muscheln, Krebstiere und andere Meerestiere ergänzten die Nahrung. Hinzu kamen Schildkröten, Vögel und kleinere Landsäugetiere, darunter hutiaartige Nagetiere. Das Verhältnis zwischen Landwirtschaft, Fischfang und Jagd hing von der Lage der Siedlung ab. Küstenorte waren stärker auf marine Ressourcen ausgerichtet, während im Landesinneren andere Nahrungsquellen größere Bedeutung besitzen konnten.
Die Taíno errichteten dauerhafte oder längerfristig genutzte Siedlungen, deren Größe und Anordnung je nach regionalen und sozialen Verhältnissen variierten. In vielen Dörfern bildete ein zentraler Platz, der als Batey bezeichnet wird, den Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens. Um diesen Platz standen Wohnhäuser und andere Gebäude. Der Platz diente gesellschaftlichen Zusammenkünften, Festen, religiösen Handlungen und dem Ballspiel. Die genaue Gestalt der Siedlungen war nicht überall gleich, und nicht jeder archäologische Platz lässt sich ohne Weiteres als ein nach diesem Muster angelegtes Taíno-Dorf identifizieren.
Die Wohnhäuser werden in der Literatur häufig als Bohíos bezeichnet. Sie bestanden aus Holzstämmen, Pfosten, Zweigen und weiteren pflanzlichen Materialien. Wände konnten aus senkrechten Holzstücken oder geflochtenem Pflanzenmaterial hergestellt werden; die Dächer bestanden aus Palmblättern oder anderen großflächigen Blättern. Die Bauweise war an das tropische Klima angepasst. Steile oder gut entwässerte Dächer schützten vor Niederschlägen, während die verwendeten Materialien eine vergleichsweise gute Belüftung ermöglichten. Die Häuser konnten rund oder rechteckig sein, abhängig von Bauweise, Funktion und regionaler Tradition.
Für ranghöhere Personen und die Oberhäupter von Gemeinschaften werden in historischen und ethnografischen Beschreibungen größere oder anders gestaltete Gebäude erwähnt, die unter anderem als Caney bezeichnet werden. Solche Häuser waren mit der gesellschaftlichen Stellung ihrer Bewohner verbunden. Die archäologische Rekonstruktion der Gebäude bleibt schwierig, weil Holz, Palmblätter und andere organische Materialien in tropischen Böden nur selten erhalten bleiben. Hinweise auf ehemalige Häuser ergeben sich deshalb häufig aus Pfostenlöchern, Bodenveränderungen, Fundkonzentrationen und der Anordnung von Siedlungsflächen.
Der Batey war mehr als eine freie Fläche zwischen Wohnhäusern. Er konnte eine wichtige Rolle bei gemeinschaftlichen Festen, religiösen Zeremonien und dem Ballspiel einnehmen. Die Anlage solcher Plätze zeigt, dass die Siedlungen nicht allein nach wirtschaftlichen Erfordernissen organisiert waren. Gemeinschaftliche Räume dienten auch dazu, soziale Beziehungen zu festigen, politische Entscheidungen sichtbar zu machen und religiöse Traditionen auszuüben. Aus der Größe und Lage einzelner Plätze lassen sich jedoch nicht automatisch die genaue Einwohnerzahl oder der politische Rang einer Siedlung ableiten.
Die Taíno-Gesellschaften verfügten über unterschiedliche Formen politischer Führung. In den historischen Quellen wird ein führendes Oberhaupt häufig als Cacique bezeichnet. Die Macht eines solchen Anführers beruhte auf Abstammung, persönlichen Beziehungen, religiöser Autorität, der Kontrolle über Ressourcen und der Fähigkeit, andere Gemeinschaften in Bündnisse einzubinden. Die tatsächliche Stellung der Caciques konnte sich zwischen einzelnen Gebieten unterscheiden. Es handelte sich nicht um eine einheitliche Staatsordnung mit überall gleichen Ämtern und Regeln.
Die Bevölkerung war in lokale Gemeinschaften gegliedert, die miteinander verbunden waren und Beziehungen zu benachbarten Siedlungen unterhielten. Manche Orte besaßen eine größere politische Bedeutung als andere. Führende Personen konnten Abgaben oder Arbeitsleistungen erhalten und die Verteilung bestimmter Güter beeinflussen. Gleichzeitig blieben die alltägliche Produktion und Versorgung stark von den Haushalten und den lokalen Gemeinschaften abhängig. Landwirtschaft, Fischfang, Herstellung von Werkzeugen und Textilien sowie der Bau von Häusern erforderten gemeinschaftliche und familiäre Arbeit.
Der Austausch von Gütern verband unterschiedliche Regionen. Werkzeuge, Keramik, Schmuck aus Muscheln, Steinmaterialien und andere Gegenstände konnten zwischen Siedlungen weitergegeben werden. Nicht alle Rohstoffe waren überall verfügbar, weshalb der Austausch für die Versorgung mit bestimmten Materialien wichtig war. Die Verbreitung ähnlicher Gegenstandsformen an unterschiedlichen Fundorten kann auf Kontakte, gemeinsame Traditionen oder die Weitergabe von Techniken hinweisen. Sie beweist nicht in jedem Fall einen direkten Handel zwischen zwei bestimmten Siedlungen.
Die Gesellschaften der Taíno waren sozial differenziert. Die Stellung einer Person konnte durch Verwandtschaft, religiöse Funktionen, politische Aufgaben und die Zugehörigkeit zu einer führenden Familie geprägt sein. Die europäische Überlieferung beschreibt Unterschiede zwischen Caciques und anderen Mitgliedern der Gemeinschaften. Diese Quellen entstanden jedoch unter kolonialen Bedingungen und spiegeln auch die Interessen und Vorstellungen der spanischen Beobachter wider. Deshalb lässt sich das soziale Gefüge der präkolumbischen Gesellschaften nicht allein aus den spanischen Berichten rekonstruieren.
Europäische Konfrontations- und Eroberungszeit
Am 12. Oktober 1492 erreichte Christoph Kolumbus mit seiner Expedition erstmals eine Insel der Bahamas, die er San Salvador nannte. Von dort aus setzte er seine Reise durch die Inselwelt der Bahamas fort und gelangte Ende Oktober an die Nordküste Kubas. Als Datum der Ankunft wird gewöhnlich der 27. Oktober 1492 angegeben; je nach Auswertung der historischen Reiseaufzeichnungen wird auch der 28. Oktober genannt. Kolumbus erreichte die Küste im Nordosten der Insel und gelangte in die Gegend der heutigen Bucht von Bariay in der Provinz Holguín. Die Expedition segelte anschließend entlang der Küste und erkundete weitere Abschnitte der Insel. Die genaue Rekonstruktion einzelner Ankerplätze und Küstenabschnitte ist aufgrund der historischen Entfernungsangaben und der nicht immer eindeutigen Beschreibung der Landschaft schwierig.
Kolumbus hielt Kuba zunächst für einen Teil des asiatischen Festlands oder für eine große Insel in dessen Nähe. Seine geografischen Vorstellungen waren von der Suche nach einem westlichen Seeweg nach Asien geprägt. Die Größe der Insel, ihre Küstenform und die von ihm beobachteten Landschaften führten dazu, dass er ihre tatsächliche Lage und Ausdehnung nicht unmittelbar richtig einschätzte. Kuba wurde in den folgenden Jahrzehnten schrittweise kartiert und in die spanischen Vorstellungen von der Neuen Welt eingeordnet. Die Insel erhielt in der spanischen Überlieferung den Namen Juana, zu Ehren des Prinzen Juan, des Sohnes der katholischen Könige Ferdinand von Aragón und Isabella von Kastilien. Später wurde sie auch unter anderen königlichen Namen geführt, bevor sich die Bezeichnung Cuba durchsetzte. Diese ging auf eine indigene Namensform zurück, deren ursprüngliche Bedeutung nicht abschließend geklärt ist.
Die Expedition Kolumbus' traf auf eine bereits bewohnte Insel. Die Menschen, denen die Spanier begegneten, gehörten zu Gemeinschaften mit unterschiedlichen Lebensweisen. In weiten Teilen Mittel- und Ostkubas lebten landwirtschaftlich geprägte Gesellschaften, die heute überwiegend den Taíno zugerechnet werden. Daneben bestanden weitere Gemeinschaften, deren genaue sprachliche und ethnische Zuordnung in der Forschung umstritten ist. Die Bewohner bauten unter anderem Maniok und Süßkartoffeln an, betrieben Fischfang, jagten und sammelten wilde Pflanzen. Sie verfügten über Kenntnisse der Küstengewässer und nutzten Kanus für Fahrten zwischen Siedlungen und zu benachbarten Inseln. Ihre Lebensweise war daher nicht auf einzelne Dörfer beschränkt, sondern in ein regionales Netz von Kontakten und Austauschbeziehungen eingebunden.
Die ersten Begegnungen verliefen nicht überall gleich. Kommunikation war durch Sprachunterschiede, Missverständnisse und unterschiedliche Vorstellungen über Besitz, Herrschaft und Austausch erschwert. Die Spanier interessierten sich besonders für Gold, mögliche Handelsgüter, Nahrungsmittel und die geografische Lage der Insel. Die indigene Bevölkerung wiederum musste die Absichten der Neuankömmlinge anhand ihrer Handlungen einschätzen. Anfangs kam es zu Begegnungen, bei denen Nahrung und Gegenstände ausgetauscht wurden. Solche Kontakte dürfen jedoch nicht mit einem gleichberechtigten Verhältnis verwechselt werden: Die Spanier verfolgten das Ziel, neue Gebiete für die spanische Krone zu beanspruchen und langfristig wirtschaftlich sowie politisch zu kontrollieren.
Kolumbus nahm Kuba im Namen der spanischen Krone in Besitz. Die Zeremonie der Besitzergreifung entsprach dem europäischen Anspruch, durch die Erklärung eines Seefahrers und die Autorität des Monarchen Herrschaft über ein Gebiet zu begründen. Aus Sicht der indigenen Bewohner stellte dieser Akt jedoch keine Zustimmung zu einer spanischen Oberhoheit dar. Ihre politischen und sozialen Ordnungen bestanden unabhängig von Spanien. Die spanische Krone leitete aus den Entdeckungsfahrten Ansprüche auf die Insel ab, während die dort lebenden Gemeinschaften zunächst nicht über die europäischen Rechtsvorstellungen und die daraus folgenden Herrschaftsansprüche verfügten.
Nach der Ankunft im Nordosten Kubas setzte Kolumbus seine Erkundungsfahrt entlang der Nordküste fort. Die Expedition suchte nach geeigneten Ankerplätzen, Nahrung und Informationen über die Beschaffenheit der Insel. Die Küstenfahrt war aufgrund von Riffen, Untiefen, wechselnden Winden und der unvollständigen Kenntnis der Gewässer mit nautischen Schwierigkeiten verbunden. Die spanischen Schiffe bewegten sich in einer für ihre Besatzungen weitgehend unbekannten Meeresregion. Zugleich sammelten die Teilnehmer Informationen über Siedlungen, Pflanzen, Tiere und die indigene Bevölkerung. Die Aufzeichnungen dieser Reise wurden zu einem frühen Bestandteil der europäischen Beschreibung Kubas, blieben jedoch durch die Interessen und Wahrnehmungsmuster der Expedition geprägt.
Die spanischen Berichte beschrieben Kuba als eine große, fruchtbare Insel mit zahlreichen natürlichen Ressourcen. Die Beobachtungen über Wälder, Gewässer, landwirtschaftliche Erzeugnisse und die Bevölkerung wurden später für die Planung weiterer Expeditionen und die koloniale Inbesitznahme genutzt. Die Insel besaß aufgrund ihrer Lage zwischen dem Golf von Mexiko, dem Atlantik und dem Karibischen Meer eine wichtige geografische Position. Sie konnte als Ausgangspunkt für weitere Fahrten in die Karibik und zu den Küsten Mittel- und Südamerikas dienen. Diese strategische Bedeutung nahm zu, als die spanische Expansion in der Region voranschritt.
Die dauerhafte Besetzung Kubas begann erst knapp zwei Jahrzehnte nach der ersten Reise des Kolumbus. In den Jahren nach 1492 konzentrierte sich die spanische Expansion zunächst auf Hispaniola, das heutige Gebiet Haitis und der Dominikanischen Republik. Dort errichteten die Spanier ihre ersten dauerhaften Machtzentren in der Karibik, gewannen Erfahrungen mit der Verwaltung indigener Bevölkerungen und etablierten die Encomienda als Instrument kolonialer Ausbeutung. Von Hispaniola aus wurden weitere Expeditionen organisiert, die nach Gold, neuen Siedlungsgebieten und zusätzlichen Arbeitskräften suchten. Kuba rückte dadurch zunehmend in den Mittelpunkt spanischer Expansionspläne. Seine Größe, seine landwirtschaftlichen Möglichkeiten, die vermuteten Bodenschätze und seine Lage an den Seewegen zwischen den Antillen und dem amerikanischen Festland machten die Insel zu einem strategisch wichtigen Ziel.
Die spanische Krone beanspruchte die Autorität über die neu eroberten Gebiete, während die praktische Organisation der Expeditionen häufig von Gouverneuren, Militärführern und privaten Geldgebern getragen wurde. Diese stellten Schiffe, Waffen und Ausrüstung bereit und erwarteten im Gegenzug wirtschaftliche Vorteile, Ämter oder die Zuteilung indigener Arbeitskräfte. Die Eroberung Kubas war daher sowohl ein militärisches als auch ein wirtschaftliches Unternehmen. Neben der Ausbreitung des Christentums und der formalen Ausdehnung der Monarchie standen die Suche nach Gold, die Kontrolle über Land und die Gewinnung von Arbeitskräften im Zentrum der kolonialen Interessen.
Mit der spanischen Besetzung ging ein grundlegender Gegensatz zwischen zwei politischen Ordnungen einher. Die indigene Bevölkerung verfügte über eigene Siedlungsgebiete, Führungsstrukturen und Nutzungsrechte an Land und Ressourcen. Die Spanier beanspruchten dagegen, die Insel der Krone zu unterstellen, die Bevölkerung zu missionieren und Arbeitsleistungen zu verlangen. Die indigene Führung konnte deshalb nicht einfach in die spanische Ordnung integriert werden, ohne dass sich die Machtverhältnisse grundlegend veränderten. Wo lokale Anführer Widerstand leisteten, gingen die Spanier militärisch gegen sie vor. Wo Gemeinschaften unterworfen wurden, folgten häufig die Verteilung von Land, die Zuweisung von Arbeitskräften und die Einrichtung spanischer Siedlungen.
Die eigentliche spanische Eroberung Kubas begann 1511 unter Diego Velázquez de Cuéllar. Er erhielt den Auftrag, die Insel zu unterwerfen und dauerhaft zu besiedeln. Seine Expedition startete von Hispaniola aus und umfasste nach den überlieferten Angaben ungefähr 300 Spanier. Zu den Männern, die an der frühen Kolonisierung beteiligt waren, gehörten auch Personen, die später in der spanischen Expansion auf dem amerikanischen Festland eine Rolle spielten, darunter Hernán Cortés. Die Zahl der Teilnehmer und die genaue Zusammensetzung der Expedition werden in den historischen Darstellungen nicht immer einheitlich angegeben.
Velázquez landete 1511 im Osten Kubas. Die Region um Baracoa wurde zum ersten Ausgangspunkt für die spanische Besetzung. Die dortigen indigenen Gemeinschaften mussten sich mit einer Expedition auseinandersetzen, deren Ziel nicht bloß der Handel, sondern die dauerhafte Unterwerfung des Gebietes war. Die Spanier verfügten über Metallwaffen, Armbrüste, Pferde und militärische Organisationsformen, die ihnen in vielen Situationen Vorteile verschafften. Allerdings verlief die Eroberung nicht ohne Widerstand. Die örtlichen Gemeinschaften kannten das Gelände, konnten sich in bewaldete Gebiete zurückziehen und versuchten, die Ausbreitung der Spanier zu verhindern.
Eine wichtige Rolle im frühen Widerstand spielte Hatuey, ein indigener Anführer, der zuvor auf Hispaniola gelebt hatte und nach Kuba geflohen war. Er warnte die Bewohner im Osten Kubas vor den Spaniern und ihren Absichten. In den überlieferten Berichten wird geschildert, dass Hatuey auf die Bedeutung des Goldes für die Eroberer aufmerksam machte und damit die Gefahr verdeutlichte, die von der spanischen Suche nach Edelmetallen ausging. Seine Warnungen waren auch durch die Erfahrungen geprägt, die indigene Bevölkerungen auf Hispaniola bereits mit spanischer Gewalt, Zwangsarbeit und der Aneignung von Ressourcen gemacht hatten.
Hatueys Widerstand konnte die militärische Besetzung nicht dauerhaft aufhalten. Nach Kämpfen wurde er gefangen genommen und von den Spaniern zum Tode verurteilt. Er wurde 1512 verbrannt. Die bekannteste Schilderung seines Todes stammt von Bartolomé de las Casas, der die Ereignisse später in seinen Schriften zur spanischen Eroberung darstellte. Nach dieser Überlieferung soll Hatuey vor seiner Hinrichtung mit einem christlichen Geistlichen über den Glauben gesprochen haben. Die ihm zugeschriebenen Worte wurden zu einem bedeutenden Bestandteil der späteren Kritik an der spanischen Kolonisierung. Da die Szene vor allem durch Las Casas überliefert ist, muss zwischen dem historischen Ereignis und der literarischen Gestaltung des Berichts unterschieden werden. Hatueys Tod steht dennoch für den gewaltsamen Charakter der Eroberung und für den Widerstand indigener Gemeinschaften gegen die spanische Herrschaft.
Nach der Niederlage von Hatueys Anhängern dehnten die Spanier ihre Kontrolle schrittweise aus. Der Widerstand endete nicht mit einem einzigen Gefecht, sondern die Unterwerfung verschiedener Gebiete erforderte weitere Feldzüge und die Einrichtung von Stützpunkten. Pánfilo de Narváez gehörte zu den militärischen Führern, die Velázquez bei der Ausweitung der Besetzung unterstützten. Die spanischen Truppen gingen mit großer Härte gegen Widerstand vor. Berichte aus der frühen Kolonialzeit schildern Tötungen, Misshandlungen und die Anwendung abschreckender Gewalt. Besonders Bartolomé de las Casas beschrieb Massaker und Übergriffe, um die Verantwortung der Kolonialverwaltung und der Siedler anzuprangern. Seine Schriften sind eine zentrale Quelle zur Gewaltgeschichte der Eroberung, müssen aber wie andere zeitgenössische Zeugnisse unter Berücksichtigung ihrer Entstehungsabsicht gelesen werden.
Die spanische Besetzung erstreckte sich in den folgenden Jahren vom Osten in die zentralen und westlichen Gebiete. Bis etwa 1515 war die militärische Kontrolle über den größten Teil der Insel weitgehend hergestellt. Das bedeutete allerdings nicht, dass sämtliche indigene Gemeinschaften vollständig kontrolliert wurden oder dass Widerstand und Flucht sofort endeten. Die spanische Herrschaft beruhte zunächst auf militärischen Stützpunkten, Siedlungen und der Kontrolle über Arbeitskräfte. Die tatsächliche Reichweite der kolonialen Verwaltung entwickelte sich erst allmählich.
Die Gründung spanischer Städte und Dörfer war ein wesentlicher Bestandteil der Eroberung. Sie sollten die militärische Kontrolle sichern, die Verwaltung organisieren und als Ausgangspunkte für wirtschaftliche Aktivitäten dienen. Zugleich ermöglichten sie die Verteilung von Land und indigener Arbeitskraft an die spanischen Siedler. Die ersten Siedlungen entstanden überwiegend in Küstennähe oder in Gebieten, die für die Versorgung, den Schiffsverkehr und die Suche nach Gold günstig erschienen.
Baracoa wurde 1511 im Nordosten Kubas gegründet und gilt als die erste dauerhaft angelegte spanische Siedlung der Insel. Sie diente zunächst als militärischer und administrativer Stützpunkt der Eroberung. Bayamo folgte 1513 im Osten. 1514 entstanden unter anderem Trinidad und Sancti Spíritus. Auch die erste spanische Siedlung Havannas wurde 1514 gegründet, zunächst an der Südküste. Puerto Príncipe, das spätere Camagüey, und Santiago de Cuba folgten 1515. Santiago de Cuba entwickelte sich zum wichtigsten Verwaltungszentrum der frühen Kolonie und wurde Sitz des Gouverneurs.
Die Gründungen waren keine rein zivilen Vorgänge. Sie gingen mit der Errichtung von Verwaltungsräten, Kirchen, Befestigungen und Wohngebäuden einher und waren Teil eines Systems, das die spanische Herrschaft institutionell absichern sollte. Die Siedlungen dienten zugleich als Zentren für die Verteilung von Arbeitskräften, den Handel und die Organisation der Landwirtschaft. Ihre Bewohner waren auf die Versorgung durch die umliegenden Gebiete angewiesen, wobei indigene Gemeinschaften zur Bereitstellung von Nahrung und Arbeitsleistungen herangezogen wurden.
Havanna gewann zunächst noch nicht die Bedeutung, die es später als wichtigster Hafen Kubas und als strategischer Knotenpunkt des spanischen Kolonialreiches erlangte. Die ursprüngliche Siedlung lag an der Südküste. 1519 wurde sie an die Nordküste in die Nähe der heutigen Bucht von Havanna verlegt. Der neue Standort war für die Schifffahrt und die Verbindung zu den Seewegen zwischen der Karibik, dem Golf von Mexiko und dem Atlantik wesentlich günstiger. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Havanna zu einem zentralen Sammel- und Ausgangshafen für spanische Flotten. Dieser spätere Aufstieg war 1514 jedoch noch nicht absehbar.
Nach der militärischen Unterwerfung wurde die indigene Bevölkerung in das spanische Kolonialsystem eingegliedert. Ein wichtiges Instrument war die Encomienda. Dabei übertrug die Krone einem spanischen Siedler oder Amtsträger das Recht, von einer bestimmten indigenen Gemeinschaft Abgaben und Arbeitsleistungen zu verlangen. Im Gegenzug sollte der Encomendero die ihm zugeordneten Menschen schützen und ihre christliche Unterweisung sicherstellen. In der Praxis wurde dieses System vielfach zur Ausbeutung genutzt. Die Verpflichtungen der indigenen Bevölkerung konnten sehr belastend sein, und die zugesagte Schutzfunktion wurde häufig nicht erfüllt.
Die Encomienda war rechtlich nicht einfach mit dem Besitz von Menschen als Privateigentum gleichzusetzen. Sie ermöglichte jedoch die Kontrolle über Arbeitsleistungen und Abgaben und schuf damit ein System, das indigene Gemeinschaften in ein koloniales Abhängigkeitsverhältnis zwang. Die Verteilung von Encomiendas war für die spanischen Siedler ein wichtiger Anreiz, sich an der Eroberung zu beteiligen. Velázquez nutzte die Zuteilung indigener Arbeitskräfte, um Gefolgsleute an sich zu binden und eine spanische Führungsschicht auf Kuba aufzubauen.
Die Arbeitsleistungen wurden in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Dazu gehörten der Abbau von Gold, die Landwirtschaft, der Transport von Waren, die Versorgung spanischer Siedlungen und verschiedene Bauarbeiten. Die Belastung war besonders schwer, wenn Menschen über längere Strecken transportiert wurden, unter schlechten Bedingungen arbeiten mussten oder von ihren gewohnten Nahrungs- und Lebensgrundlagen getrennt wurden. Die wirtschaftliche Organisation der frühen Kolonie beruhte deshalb nicht allein auf den verfügbaren natürlichen Ressourcen, sondern wesentlich auf der erzwungenen Arbeit der indigenen Bevölkerung.
Dies rief den katholischen Bischof Bartolomé de las Casas auf den Plan. Er war zunächst selbst in das spanische Kolonialsystem eingebunden und verfügte über eine Encomienda. Während seines Aufenthalts auf Kuba erlebte er die Behandlung der indigenen Bevölkerung und die Folgen der Eroberung. 1514 gab er seine Encomienda auf und wandte sich zunehmend gegen die gewaltsame Unterwerfung und Ausbeutung der Indigenen. Seine Kritik beruhte auf der Überzeugung, dass die indigene Bevölkerung nicht rechtmäßig durch Krieg unterworfen und zur Zwangsarbeit verpflichtet werden dürfe. Er forderte eine friedliche Missionierung und eine stärkere Kontrolle der Kolonisten durch die Krone.
Las Casas verfasste später umfangreiche Berichte über die Gewalt der Eroberung. Er schilderte Tötungen, Misshandlungen, Zwangsarbeit und die Zerstörung indigener Lebensgemeinschaften. Seine Schriften trugen dazu bei, dass die Behandlung der indigenen Bevölkerung in Spanien öffentlich und am Hof diskutiert wurde. Dabei trat er nicht als neutraler Beobachter auf, sondern als entschiedener Kritiker der kolonialen Praxis. Seine Berichte sind daher sowohl historische Zeugnisse als auch politische und moralische Anklagen. Sie gehören dennoch zu den wichtigsten Quellen für die Rekonstruktion der frühen Kolonialzeit, da die spanische Herrschaft viele indigene Perspektiven nicht schriftlich überliefert hat.
Die katholische Kirche war in der Kolonialzeit keine einheitliche Institution mit einer einzigen Haltung. Geistliche und Ordensangehörige begleiteten die Eroberung und beteiligten sich an der Missionierung; andere kritisierten die Gewalt der Kolonisten und verlangten Schutzmaßnahmen. Besonders Mitglieder des Dominikanerordens traten in verschiedenen Teilen der spanischen Kolonien gegen Misshandlungen auf. Die Kritik führte zu Debatten über die Rechte der indigenen Bevölkerung, die Rechtmäßigkeit des Krieges und die Pflichten der spanischen Krone. Sie beseitigte die koloniale Ausbeutung jedoch nicht.
Die spanische Krone versuchte wiederholt, die Behandlung der indigenen Bevölkerung gesetzlich zu regeln. Bereits 1512 und 1513 waren die Gesetze von Burgos erlassen worden, die bestimmte Pflichten der Kolonisten und Regeln für die Arbeit und Christianisierung der Indigenen festlegten. Ihre Wirkung blieb begrenzt, weil die Umsetzung von den örtlichen Machtverhältnissen abhing und die Kolonisten ein wirtschaftliches Interesse an der Fortsetzung der Arbeitsverpflichtungen hatten.
Ein weiterer wichtiger Schritt waren die Neuen Gesetze von 1542, die Karl V. am 20. November 1542 in Barcelona erließ. Ihr offizieller Titel verwies auf die Regierung der überseeischen Gebiete sowie auf die gute Behandlung und den Schutz der Indigenen. Sie sollten die Versklavung indigener Menschen einschränken, die Macht der Encomenderos begrenzen und eine schrittweise Beendigung bestimmter Formen der Encomienda ermöglichen. Bartolomé de las Casas hatte sich maßgeblich für Reformen eingesetzt und beeinflusste die Debatte über die Gesetzgebung. Die Neuen Gesetze waren Teil eines größeren Versuchs, die koloniale Gewalt einzudämmen und zugleich die königliche Kontrolle über die spanischen Besitzungen zu stärken.
Die Aussage, die Encomienda sei in Kuba durch diese Gesetze rasch und vollständig abgeschafft worden, wäre allerdings zu weitgehend. Die Umsetzung der Reformen war regional unterschiedlich, stieß auf Widerstand und führte nicht unmittelbar zur Beseitigung aller Formen indigener Zwangsarbeit. Auch nach 1542 bestanden koloniale Abhängigkeitsverhältnisse fort. Die Reformen veränderten den rechtlichen Rahmen, beseitigten aber weder die bereits eingetretenen demografischen Verluste noch die wirtschaftlichen Interessen, auf denen die koloniale Ausbeutung beruhte.
Die Folgen der Eroberung waren für die indigene Bevölkerung verheerend. Kriege, Hinrichtungen, Zwangsarbeit, Vertreibung und der Verlust traditioneller Lebensgrundlagen führten zu einem starken Bevölkerungsrückgang. Hinzu kamen eingeschleppte Infektionskrankheiten, gegen die die Menschen keine vergleichbare Immunität besaßen. Pocken gehörten zu den besonders zerstörerischen Epidemien in den spanischen Kolonien; auch weitere Infektionskrankheiten trugen zum Bevölkerungsverlust bei. Die Wirkung einzelner Krankheiten auf Kuba lässt sich für die ersten Jahrzehnte nach 1492 jedoch nicht in jedem Fall genau quantifizieren.
Die Veränderungen betrafen nicht nur die Zahl der Menschen, sondern auch die gesellschaftliche Organisation. Wenn führende Personen starben, Dörfer auseinandergerissen oder Arbeitskräfte an entfernte Orte gebracht wurden, konnten gemeinschaftliche Landwirtschaft, religiöse Traditionen und soziale Beziehungen nicht unverändert fortbestehen. Die Übernahme spanischer Siedlungsstrukturen und christlicher Institutionen veränderte zudem die kulturellen Lebensbedingungen. Ein Teil der indigenen Bevölkerung wurde in koloniale Haushalte und Siedlungen eingegliedert, andere Menschen flohen oder leisteten Widerstand. Die Folgen verliefen regional unterschiedlich und waren über mehrere Generationen hinweg wirksam.
Die Vorstellung, die indigene Bevölkerung Kubas sei innerhalb weniger Jahre vollständig verschwunden, ist zu einfach. Zwar kam es zu einem drastischen Zusammenbruch der Bevölkerungszahlen und vieler eigenständiger Gemeinschaften, doch überlebten Menschen indigener Herkunft und ihre Nachkommen. Kulturelle und sprachliche Einflüsse blieben erhalten, und indigene Abstammung ging in spätere Bevölkerungsgruppen ein. Die genaue Zahl der Überlebenden und die regionale Verteilung ihrer Nachkommen lassen sich aufgrund der unvollständigen historischen Quellen nur begrenzt rekonstruieren.
Frühe Kolonialzeit
Nach der militärischen Eroberung zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Kuba schrittweise in das spanische Kolonialreich eingegliedert. Die Entwicklung der Insel verlief zunächst vergleichsweise langsam. Die spanische Krone beanspruchte die politische Oberhoheit, während Gouverneure, örtliche Stadträte, kirchliche Institutionen und einflussreiche Siedler die tatsächliche Verwaltung prägten. Die koloniale Ordnung beruhte auf der Kontrolle über Land, Arbeitskräfte und Handelswege. Zugleich veränderten sich die wirtschaftlichen Schwerpunkte: Die anfängliche Suche nach Gold verlor an Bedeutung, während Landwirtschaft, Viehzucht, Waldnutzung und die Versorgung der spanischen Schifffahrt zunehmend die Lebensgrundlage der Kolonie bildeten. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts entwickelte sich Havanna zum wichtigsten politischen, militärischen und wirtschaftlichen Zentrum Kubas.
In den ersten Jahrzehnten nach der Eroberung konzentrierten sich die Spanier auf die Suche nach Gold und anderen wertvollen Ressourcen. Die Goldgewinnung erfolgte vor allem in Flussgebieten und war eng mit der Ausbeutung indigener Arbeitskräfte verbunden. Die verfügbaren Vorkommen erwiesen sich jedoch als begrenzt. Als die leicht zugänglichen Goldlagerstätten erschöpft waren und die indigene Bevölkerung infolge von Krankheiten, Gewalt, Zwangsarbeit und Unterernährung stark zurückging, verlor der Bergbau rasch an wirtschaftlicher Bedeutung. Die koloniale Führungsschicht suchte deshalb nach anderen Einkommensquellen.
Hinzu kam die Expansion Spaniens auf dem amerikanischen Festland. Nach der Eroberung des Aztekenreiches durch Hernán Cortés ab 1519 und der weiteren Ausdehnung der spanischen Herrschaft in Mexiko und Mittelamerika boten sich dort neue Möglichkeiten für militärische Unternehmungen, Bergbau und Landbesitz. Ein Teil der spanischen Siedler verließ Kuba, um sich an diesen Unternehmen zu beteiligen. Die Insel blieb in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts daher dünn besiedelt und verfügte nur über eine begrenzte Zahl spanischer Siedlungszentren. Die Abwanderung bedeutete jedoch nicht, dass Kuba seine strategische Bedeutung verlor. Seine Lage an den Seewegen zwischen der Karibik, dem Golf von Mexiko und dem Atlantik wurde für die spanische Krone zunehmend wichtiger.
Die frühe koloniale Wirtschaft beruhte zunächst auf einer Kombination aus Subsistenzlandwirtschaft, Viehzucht, Waldnutzung, Imkerei und begrenzter Goldgewinnung. Die Bevölkerung baute weiterhin Pflanzen an, die bereits vor der europäischen Ankunft verbreitet gewesen waren, darunter Maniok und Süßkartoffeln. Hinzu kamen europäische Kulturpflanzen und Nutztiere. Rinder, Schweine, Pferde und andere eingeführte Tiere veränderten die Landwirtschaft und die Landschaft nachhaltig. Vor allem Rinder konnten sich auf den weitläufigen Weideflächen stark vermehren. Viehzucht wurde deshalb in vielen Regionen zu einer wichtigen wirtschaftlichen Grundlage.
Die weitgehend bewaldete Insel lieferte Hölzer für Gebäude, Schiffe, Fässer und andere Gebrauchsgegenstände. Die Wälder enthielten tropische Harthölzer, die für den lokalen Bedarf und den Export genutzt wurden. Bienenhaltung und die Gewinnung von Wachs waren ebenfalls wirtschaftlich bedeutsam, weil Wachs unter anderem für die Herstellung von Kerzen gebraucht wurde. Die Wirtschaft blieb allerdings stark regional geprägt. Außerhalb der größeren Siedlungen lebten viele Menschen von der eigenen landwirtschaftlichen Produktion und dem Austausch innerhalb der näheren Umgebung.
Die spanische Krone konnte die abgelegenen Landesteile nur begrenzt kontrollieren. In Regionen, die weit von den Verwaltungszentren und Häfen entfernt lagen, waren Wege schlecht ausgebaut und der Warenaustausch häufig auf lokale Märkte und informelle Verbindungen angewiesen. Der Schmuggel entwickelte sich deshalb zu einem wichtigen Bestandteil der Wirtschaft. Händler und Siedler tauschten Häute, Fleisch, Tabak, Zucker und andere Produkte mit ausländischen Kaufleuten, insbesondere mit französischen, englischen und niederländischen Seefahrern. Dieser Handel widersprach den spanischen Monopolbestimmungen, war aber aufgrund der begrenzten Versorgung durch die offiziell zugelassenen Handelswege für viele Regionen wirtschaftlich attraktiv.
Die koloniale Entwicklung Kubas wurde wesentlich durch die zunehmende Bedeutung Havannas bestimmt. Die ursprüngliche spanische Siedlung war 1514 an der Südküste gegründet worden. 1519 wurde sie an die Nordküste in die Nähe der heutigen Bucht von Havanna verlegt. Der neue Standort bot einen geschützten Naturhafen und lag günstig zu den Seerouten durch die Floridastraße und den Golf von Mexiko. Die Bucht ermöglichte Schiffen, vor der Atlantiküberfahrt Schutz zu suchen, Vorräte aufzunehmen und Reparaturen vorzunehmen. Damit besaß Havanna gegenüber vielen anderen Siedlungen der Insel einen erheblichen geografischen Vorteil.
Die Bedeutung der Stadt nahm im Laufe des 16. Jahrhunderts zu. Der Hafen lag an einer wichtigen Route, auf der spanische Schiffe zwischen den amerikanischen Kolonien und der Iberischen Halbinsel verkehrten. Die Schiffe konnten aus den Häfen Mexikos, Mittelamerikas und Südamerikas kommen, sich in Havanna sammeln und anschließend gemeinsam über den Atlantik fahren. Die Nutzung des Golfstroms und der vorherrschenden Windverhältnisse erleichterte die Rückreise nach Europa. Die spanische Krone entwickelte deshalb ein Flottensystem, in dem die Häfen der Karibik wichtige Sammel- und Versorgungsfunktionen übernahmen.
Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde Havanna zunehmend zu einem zentralen Treffpunkt der spanischen Flotten aus Amerika. Die Schiffe transportierten unter anderem Silber aus den Bergbaugebieten Neuspaniens und Perus sowie weitere Waren aus den Kolonien. Das Edelmetall wurde anschließend über Sevilla und später auch über Cádiz in den europäischen Handel eingebunden. Havanna diente als Zwischenstation, an der Schiffe geschützt ankern, Vorräte ergänzen und sich zu größeren Flottenverbänden zusammenschließen konnten. Der Hafen war daher nicht nur für Kuba selbst, sondern für das gesamte spanische Kolonialreich von strategischer Bedeutung.
Diese Funktion veränderte die lokale Wirtschaft. Havanna benötigte Nahrungsmittel, Trinkwasser, Holz, Baumaterialien, Vieh, Fleisch, Leder, Textilien und zahlreiche weitere Güter für die Besatzungen, Soldaten, Hafenarbeiter und Verwaltungsangestellten. Die umliegenden Regionen und andere Teile Kubas lieferten einen Teil dieser Produkte. Landwirtschaft und Viehzucht orientierten sich dadurch zunehmend an der Versorgung der Stadt und der Schiffe. Händler, Handwerker, Fuhrleute und Zwischenhändler profitierten von der Nachfrage. Gleichzeitig wuchs die Bedeutung der Hafenverwaltung, der Lagerhäuser, der Schiffsausrüstung und der militärischen Infrastruktur.
Im Jahr 1607 wurde Havanna zum Sitz des Gouverneurs und damit zum politischen Zentrum der Insel. Santiago de Cuba, das zuvor eine herausragende Verwaltungsstellung besessen hatte, blieb ein bedeutender Ort im Osten, verlor aber seine Funktion als wichtigster Regierungssitz. Die Verlagerung spiegelte den Wandel der kolonialen Interessen wider: Die strategische Bedeutung des Nordwestens und des Hafens von Havanna hatte gegenüber der ursprünglichen Konzentration auf den Osten deutlich zugenommen.
Der wachsende Reichtum und die strategische Lage Havannas machten die Stadt zu einem Ziel ausländischer Angriffe. Englische, französische und niederländische Seefahrer und Freibeuter bedrohten spanische Schiffe und Küstensiedlungen. Nicht alle Angriffe standen in direktem Auftrag einer fremden Regierung; neben staatlichen Flotten operierten private Kaperfahrer, die mit einer staatlichen Erlaubnis gegnerische Schiffe angreifen durften, sowie Piraten, die unabhängig von solchen Genehmigungen handelten. Für die spanische Krone war es deshalb notwendig, die wichtigsten Häfen zu befestigen und den Schutz der Flotten zu verbessern.
Zu den frühen Befestigungsanlagen Havannas gehörte das Castillo de la Real Fuerza, dessen Bau 1558 begonnen wurde. Es sollte den Hafen und die Stadt schützen und diente später auch administrativen Zwecken. Weitere Befestigungen entstanden an den Zufahrten zur Bucht. Das Castillo de los Tres Reyes del Morro und die Festung San Salvador de la Punta gehören zu den bekanntesten Anlagen, deren Entwicklung mit dem Ausbau der Verteidigung Havannas verbunden war. Die Errichtung und Erweiterung dieser Anlagen erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte. Die Verteidigung beruhte auf der Kombination aus natürlichen Hafenbedingungen, Artilleriestellungen, Mauern, Wachposten und militärisch organisierten Besatzungen.
Die Befestigungen waren kostspielig und banden Arbeitskräfte sowie staatliche Mittel. Ein Teil der Finanzierung stammte aus den Einnahmen der spanischen Krone und aus Mitteln, die für die Verteidigung der überseeischen Besitzungen vorgesehen waren. Die militärische Bedeutung Havannas trug dazu bei, dass die Stadt gegenüber anderen kubanischen Siedlungen bevorzugt behandelt wurde. Sie erhielt mehr Verwaltungsfunktionen, zog Händler und Handwerker an und entwickelte sich zu einem wichtigen Markt für die Versorgung der spanischen Flotten.
Die militärische Sicherung war nicht nur eine Reaktion auf äußere Bedrohungen. Sie festigte auch die spanische Herrschaft über die Insel. Von Havanna aus konnten königliche Amtsträger den Schiffsverkehr kontrollieren, militärische Unternehmungen organisieren und Anordnungen der Krone durchsetzen. Gleichzeitig blieb die Kontrolle über das Landesinnere begrenzt. Viele ländliche Gebiete waren nur locker in die koloniale Verwaltung eingebunden und entwickelten eigene wirtschaftliche und soziale Strukturen.
Im 17. Jahrhundert veränderte sich die kubanische Wirtschaft allmählich. Die Viehzucht blieb außerhalb der größeren Städte ein wichtiger Erwerbszweig. Rinderherden weideten auf weitläufigen Flächen, die häufig nur wenig eingezäunt und intensiv bewirtschaftet wurden. Rindfleisch wurde frisch oder getrocknet verarbeitet, während Häute für die Herstellung von Leder, Schuhen, Sätteln, Seilen und anderen Waren verwendet wurden. Schweinehaltung lieferte Fleisch und Fett für die Versorgung der Bevölkerung und der Schiffe. Die Viehwirtschaft benötigte vergleichsweise wenig Kapital und konnte auch in Gebieten betrieben werden, in denen die landwirtschaftliche Erschließung noch wenig fortgeschritten war. Sie begünstigte daher die Entstehung großer Landgüter, ohne dass diese überall den Charakter späterer Plantagen annahmen.
Die Nutzung der Wälder blieb ebenfalls bedeutsam. Holz wurde für den Hausbau, den Schiffbau, Fässer, Werkzeuge und die Herstellung verschiedener Gebrauchsgegenstände benötigt. Zugleich wurden wertvolle tropische Hölzer ausgeführt. Die Wälder waren zu Beginn der Kolonialzeit in weiten Teilen der Insel noch ausgedehnt, doch der Einschlag konzentrierte sich zunehmend auf Gebiete in der Nähe von Siedlungen, Flüssen und Häfen, von denen aus das Holz transportiert werden konnte. Die Waldnutzung war damit sowohl von der Verfügbarkeit geeigneter Baumarten als auch von den Transportmöglichkeiten abhängig.
Eine wichtige Rolle spielte der Tabakanbau. Tabak war bereits vor der spanischen Eroberung von den indigenen Bewohnern genutzt worden. Im kolonialen Kuba entwickelte sich die Pflanze zunehmend zu einem Handelsprodukt, das sowohl für den lokalen Verbrauch als auch für den Export bestimmt war. Tabak ließ sich auf vergleichsweise kleinen Flächen anbauen und konnte deshalb von kleineren und mittleren Bauern produziert werden. Er war nicht ausschließlich an Großgrundbesitz gebunden. Der Anbau und die Verarbeitung schufen zusätzliche Einkommensmöglichkeiten und trugen dazu bei, dass sich in verschiedenen Regionen eine bäuerliche Wirtschaftsstruktur entwickelte.
Die spanische Krone beanspruchte zunehmend die Kontrolle über den Tabakhandel. Staatliche Handelsbestimmungen und später das königliche Tabakmonopol schränkten die Möglichkeiten der Produzenten ein, ihre Erzeugnisse frei zu verkaufen. Die genaue Ausgestaltung des Monopols veränderte sich im Laufe der Zeit; die umfassende staatliche Tabakverwaltung wurde erst im 18. Jahrhundert zu einem besonders wichtigen Bestandteil der Kolonialwirtschaft. Die Beschränkungen förderten zugleich den illegalen Verkauf an ausländische Händler, die höhere Preise boten oder Waren lieferten, die über den offiziellen spanischen Handel nur schwer zu beziehen waren.
Auch die Zuckerproduktion gewann allmählich an Bedeutung. Zuckerrohr war bereits im frühen Kolonialzeitalter eingeführt worden, doch die Herstellung von Zucker erforderte erhebliche Investitionen in Anbauflächen, Mühlen, Siedeanlagen, Transport und Arbeitskräfte. Im Vergleich zur Viehzucht war die Zuckerproduktion arbeitsintensiver und stärker von Kapital sowie von verlässlichen Absatzwegen abhängig. Deshalb entwickelte sie sich zunächst vor allem in der Umgebung von Havanna und anderen gut erreichbaren Siedlungen. Im 17. Jahrhundert entstanden die Grundlagen einer Zuckerwirtschaft, die später erheblich ausgeweitet wurde. Kuba war um 1750 jedoch noch nicht mit der hochgradig auf Zucker ausgerichteten Plantagengesellschaft des späten 18. und 19. Jahrhunderts gleichzusetzen.
Die Produktion für den Export blieb durch die spanischen Handelsvorschriften eingeschränkt. Die Krone versuchte, den Handel zwischen ihren amerikanischen Besitzungen und Europa über zugelassene Häfen, Schiffe und Handelsgesellschaften zu lenken. Diese Regelungen sollten königliche Einnahmen sichern und den Handel kontrollierbar machen. Für die Bewohner Kubas bedeuteten sie jedoch häufig hohe Transportkosten, geringe Auswahl an importierten Waren und begrenzte Absatzmöglichkeiten. Der Schmuggel war daher kein bloßes Randphänomen, sondern ein struktureller Bestandteil der kolonialen Wirtschaft. Ausländische Händler lieferten unter anderem Textilien, Werkzeuge, Metallwaren und andere europäische Produkte und kauften im Gegenzug landwirtschaftliche Erzeugnisse, Häute und weitere Waren.
Die spanische Herrschaft über Kuba wurde seit dem 16. Jahrhundert durch die Konkurrenz anderer europäischer Mächte herausgefordert. England, Frankreich und die Niederlande bauten eigene Kolonialreiche in der Karibik auf und versuchten, am Handel mit den spanischen Besitzungen teilzunehmen. Ihre Schiffe befuhren dieselben Meeresräume, in denen spanische Flotten unterwegs waren. Neben regulärem Handel spielten Kaperfahrten und Piraterie eine wichtige Rolle. Kaperfahrer besaßen eine staatliche Genehmigung, gegnerische Schiffe anzugreifen; Piraten operierten dagegen außerhalb einer solchen rechtlichen Ermächtigung.
Die kubanischen Küsten boten zahlreiche Buchten und Ankerplätze, an denen sich Schiffe versorgen oder vorübergehend verstecken konnten. Die spanischen Behörden konnten nicht alle Küstenabschnitte wirksam überwachen. Besonders außerhalb Havannas und der wichtigsten Siedlungen bestanden deshalb günstige Bedingungen für Schmuggel und illegale Handelskontakte. Küstenbewohner konnten dabei als Lieferanten, Vermittler oder Händler auftreten. Der Handel mit ausländischen Kaufleuten war wirtschaftlich attraktiv, weil er Waren verfügbar machte, die über die spanischen Handelswege nur teuer oder unregelmäßig zu beziehen waren.
Havanna wurde aufgrund seiner strategischen Bedeutung wiederholt zum Ziel feindlicher Angriffe. Die Stadt wurde im 16. Jahrhundert von Freibeutern überfallen und geplündert. Solche Angriffe veranlassten die spanische Krone, die Hafenanlagen zu befestigen und die militärische Präsenz auszubauen. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich Havanna zu einer der am stärksten befestigten Städte des spanischen Kolonialreiches in Amerika. Die Befestigungen schützten nicht nur die Bevölkerung und den Handel, sondern auch die Flotten, die sich dort vor der Rückfahrt nach Europa sammelten.
Die militärische Sicherung der Insel blieb dennoch ungleichmäßig. Während Havanna von Befestigungen, Garnisonen und einer wachsenden Verwaltung profitierte, waren viele kleinere Orte nur begrenzt geschützt. Die östlichen und südlichen Küsten waren weit von den wichtigsten Verteidigungsanlagen entfernt. Die spanischen Behörden reagierten auf Bedrohungen durch lokale Milizen, Küstenwachen und den Ausbau einzelner Befestigungen. Die Bevölkerung musste sich zugleich auf die Versorgung ihrer Haushalte und den Schutz ihrer Ernten und Herden konzentrieren.
Im 17. Jahrhundert wurde die Besiedlung Kubas über die ersten Küstenstädte hinaus erweitert. Die Bevölkerung nahm langsam zu, und neue Siedlungen entstanden in landwirtschaftlich nutzbaren Regionen. Neben den älteren Zentren Havanna, Santiago de Cuba und Baracoa gewannen Orte im zentralen Inselgebiet an Bedeutung. Die Gründung und Entwicklung von Städten wie Santa Clara, Sancti Spíritus, Puerto Príncipe und weiteren regionalen Zentren spiegelte die allmähliche Ausdehnung der kolonialen Besiedlung wider. Manche dieser Orte waren bereits im frühen 16. Jahrhundert gegründet worden, entwickelten sich aber erst später zu wichtigen regionalen Verwaltungs- und Handelszentren.
Die neuen Siedlungen entstanden häufig in Gebieten, die sich für Viehzucht, Landwirtschaft und die Versorgung der Bevölkerung eigneten. Flüsse und natürliche Wege erleichterten den Transport von Lebensmitteln und Rohstoffen. Zugleich war die Erschließung des Landesinneren durch die Entfernung zu den Häfen, den Zustand der Wege und die geringe Dichte der Bevölkerung begrenzt. Der Verkehr erfolgte überwiegend zu Fuß, mit Pferden, Maultieren und Ochsenkarren. Eine ausgebaute Straßeninfrastruktur im modernen Sinn bestand nicht. Die Verbindung zwischen den Siedlungen war daher zeitaufwendig und saisonal durch Niederschläge, Überschwemmungen und den Zustand der Wege beeinträchtigt.
Die Siedlungsentwicklung führte zu unterschiedlichen regionalen Wirtschaftsformen. In der Umgebung Havannas wurden landwirtschaftliche Erzeugnisse für den städtischen Markt und die Schiffe produziert. Im Landesinneren blieb die Viehzucht vielerorts vorherrschend. Im Osten bestanden ältere Siedlungsstrukturen fort, die mit Landwirtschaft, regionalem Handel und den Verbindungen zu Hispaniola und anderen karibischen Inseln verknüpft waren. Die Kolonie war damit wirtschaftlich nicht einheitlich organisiert, sondern setzte sich aus Gebieten mit unterschiedlichen Produktionsschwerpunkten zusammen.
Die lokale Verwaltung beruhte in den Städten auf kommunalen Räten, den Cabildos. Sie kümmerten sich um kommunale Angelegenheiten, lokale Märkte, Grundstücksfragen und bestimmte öffentliche Aufgaben. Die Zusammensetzung dieser Gremien wurde von einflussreichen Familien und den Regeln der spanischen Kolonialordnung geprägt. Die örtlichen Eliten nutzten ihre Ämter, um wirtschaftliche Interessen zu vertreten und ihren Einfluss auf die Verwaltung zu sichern. Gleichzeitig standen sie unter der Oberaufsicht des Gouverneurs und der königlichen Behörden.
Die zweite Siedlungsphase führte nicht zur gleichmäßigen Erschließung der Insel. Große Flächen blieben dünn besiedelt, und die Kontrolle der Kolonialverwaltung war in abgelegenen Gebieten schwächer. Viehzüchter, Kleinbauern, Holzfäller und Händler entwickelten dort eigene Formen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Manche Regionen blieben eng auf Selbstversorgung ausgerichtet; andere waren über den Hafen von Havanna oder regionale Märkte mit dem Fernhandel verbunden.
Die Bevölkerung Kubas setzte sich im 16. und 17. Jahrhundert aus Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen. Dazu gehörten die spanischen Einwanderer und ihre auf der Insel geborenen Nachkommen, die überlebenden Angehörigen der indigenen Bevölkerung, aus Afrika verschleppte und versklavte Menschen sowie Menschen, deren Herkunft mehrere dieser Bevölkerungsgruppen verband. Die gesellschaftliche Stellung wurde durch Herkunft, rechtlichen Status, Hautfarbe, Vermögen, Beruf und persönliche Beziehungen bestimmt. Diese Kategorien waren nicht überall gleich strikt voneinander getrennt, bildeten aber eine wichtige Grundlage der kolonialen Gesellschaft.
Die spanischen Einwanderer besetzten die führenden Positionen in Verwaltung, Militär und Kirche. Besonders einflussreich waren die peninsulares, also Menschen, die auf der Iberischen Halbinsel geboren worden waren. Sie hatten häufig bessere Möglichkeiten, königliche Ämter zu erhalten und Zugang zu überregionalen Handelsnetzwerken zu gewinnen. Die Unterscheidung zwischen in Spanien geborenen und in Amerika geborenen Spaniern wurde im Laufe der Kolonialzeit politisch und wirtschaftlich bedeutsam. Sie bedeutete allerdings nicht, dass jeder Peninsular automatisch reich oder einflussreich war oder dass Kreolen grundsätzlich von höheren Ämtern ausgeschlossen gewesen wären. Tatsächlich konnten einzelne Kreolen bedeutende Ämter bekleiden und großen Landbesitz erwerben; der Zugang zu den wichtigsten Positionen blieb jedoch von den jeweiligen Regeln und Machtverhältnissen abhängig.
Die in Kuba geborenen Nachkommen spanischer Einwanderer wurden als Kreolen bezeichnet. Viele von ihnen entwickelten sich zu einer lokalen Führungsschicht. Ihr Vermögen beruhte auf Viehherden, Landbesitz, Landwirtschaft, Handel und der Beteiligung an städtischen Unternehmen. Über Generationen konnten Familien ihre Besitzungen erweitern und ihre Stellung durch Heiraten, Kreditbeziehungen und politische Ämter festigen. In Havanna gehörten wohlhabende Kaufleute, Großgrundbesitzer, hohe Beamte und Militärangehörige zu den einflussreichen Gruppen. In ländlichen Regionen besaßen Viehzüchter und größere Landbesitzer erheblichen Einfluss auf die lokale Wirtschaft.
Die kreolische Oberschicht war jedoch keine geschlossene oder vollständig einheitliche Gruppe. Zwischen reichen Kaufleuten, Viehzüchtern, Tabakproduzenten und kleineren Landbesitzern bestanden unterschiedliche wirtschaftliche Interessen. Kaufleute in Havanna waren besonders auf den Schiffsverkehr und den Fernhandel angewiesen, während Viehzüchter im Landesinneren eher regionale Märkte und den Verkauf von Häuten, Fleisch und anderen Produkten nutzten. Tabakbauern waren wiederum von Erntebedingungen, Transportmöglichkeiten und den staatlichen Handelsvorschriften abhängig. Diese Unterschiede führten immer wieder zu Konflikten über Steuern, Monopole und die Kontrolle des Handels.
Neben den Wohlhabenden gab es zahlreiche kleinere und mittlere Bauern, Handwerker, Seeleute, Hafenarbeiter, Fuhrleute, Tagelöhner und Händler. Viele Haushalte produzierten einen Teil ihrer Nahrung selbst und verkauften Überschüsse auf lokalen Märkten. Andere waren auf Lohnarbeit oder gelegentliche Beschäftigung angewiesen. Die wirtschaftlichen Unterschiede waren besonders in Havanna sichtbar, wo die Nachfrage nach Dienstleistungen und Waren eine größere Vielfalt an Berufen ermöglichte. Auf dem Land war die wirtschaftliche Stellung stärker von Landzugang, Viehbestand und den Möglichkeiten zur Vermarktung der Erzeugnisse abhängig.
Der Rückgang der indigenen Bevölkerung und der Bedarf an Arbeitskräften führten dazu, dass die spanischen Kolonialherren zunehmend versklavte Menschen aus Afrika nach Kuba bringen ließen. Die Verschleppung war Teil des transatlantischen Sklavenhandels, durch den Millionen Menschen gewaltsam aus afrikanischen Gesellschaften entfernt und nach Amerika transportiert wurden. Die Menschen wurden in Afrika gefangen genommen, durch afrikanische und europäische Handelsnetzwerke an die Küsten gebracht, verkauft und unter Zwang auf Schiffe verladen. Die Überfahrt über den Atlantik war von Hunger, Krankheiten, Gewalt und hoher Sterblichkeit geprägt.
In Kuba nahm die Versklavung afrikanischer Menschen bereits im 16. Jahrhundert zu. Die frühen Importe waren jedoch noch nicht mit dem Ausmaß des späteren Massentransports während des Zuckerbooms vergleichbar. Versklavte Menschen wurden in städtischen Haushalten, im Hafen, bei Bauarbeiten, in Handwerksbetrieben, in der Landwirtschaft und in der Zuckerproduktion eingesetzt. In Havanna waren sie unter anderem als Träger, Seeleute, Bauarbeiter, Zimmerleute, Schmiede, Schneider und Hausbedienstete tätig. Auf dem Land verrichteten sie Arbeiten auf Vieh- und Landwirtschaftsbetrieben sowie in Zuckeranlagen.
Die rechtliche Stellung versklavter Menschen war durch die Verfügungsmacht ihrer Eigentümer bestimmt. Sie konnten verkauft, vererbt und zur Arbeit gezwungen werden. Familien konnten durch Verkäufe auseinandergerissen werden, und die Betroffenen hatten nur eingeschränkte Möglichkeiten, sich gegen Misshandlungen zu schützen. Die koloniale Rechtsordnung enthielt zwar Regeln, die bestimmte Rechte zugestanden oder die Behandlung von Versklavten begrenzen sollten, doch diese Bestimmungen hoben die grundlegende Unfreiheit nicht auf. Ihre tatsächliche Anwendung hing stark von lokalen Behörden, kirchlichen Einrichtungen, Gerichten und den wirtschaftlichen Interessen der Besitzer ab.
Das spanische Recht kannte zugleich Möglichkeiten, unter bestimmten Bedingungen Freilassung zu erlangen. Menschen konnten von ihren Besitzern freigelassen werden, und in einigen Fällen konnten Versklavte mit angespartem Geld ihre Freiheit erkaufen. Diese Möglichkeiten waren begrenzt und standen keineswegs allen offen. In Kuba entwickelte sich die Praxis der coartación, bei der eine versklavte Person den Kaufpreis ihrer Freiheit schrittweise abzahlte. Die Regelungen und ihre Durchsetzung änderten sich im Laufe der Zeit. Eine Freilassung bedeutete zudem nicht automatisch gesellschaftliche Gleichstellung; freie Menschen afrikanischer oder gemischter Herkunft waren weiterhin mit rechtlichen und sozialen Benachteiligungen konfrontiert.
Die Unterscheidung zwischen in Afrika geborenen und in Amerika geborenen Menschen afrikanischer Herkunft spielte in der kolonialen Gesellschaft eine Rolle. Für in Afrika geborene Menschen wurde häufig der Ausdruck bozal verwendet, während in Amerika geborene Menschen afrikanischer Herkunft als Kreolen bezeichnet werden konnten. Diese Begriffe bezeichneten keine einheitlichen kulturellen Gruppen. Die nach Kuba verschleppten Menschen stammten aus unterschiedlichen Regionen Afrikas, sprachen verschiedene Sprachen und gehörten unterschiedlichen religiösen und gesellschaftlichen Traditionen an. Ihre Herkunft wurde von den Kolonialherren oft vereinfacht oder ungenau festgehalten.
Trotz der Versklavung entwickelten afrikanische Menschen in Kuba Formen gemeinschaftlicher Organisation. Eine wichtige Rolle spielten die cabildos de nación. Diese Vereinigungen verbanden Menschen, die sich einer gemeinsamen Herkunftsregion, Sprachtradition oder kulturellen Gemeinschaft zuordneten. Sie boten Möglichkeiten für gegenseitige Unterstützung, die Organisation von Festen und religiösen Praktiken sowie die Pflege kultureller Traditionen. In Städten wie Havanna konnten Cabildos eigene Versammlungsorte unterhalten und innerhalb der Grenzen der kolonialen Ordnung bestimmte gemeinschaftliche Aufgaben übernehmen.
Die Cabildos entstanden in einer Gesellschaft, in der afrikanische Menschen häufig voneinander getrennt und unter Zwang zur Arbeit eingesetzt wurden. Die Vereinigungen ermöglichten es ihnen, soziale Beziehungen aufzubauen und Traditionen an jüngere Generationen weiterzugeben. Sie konnten bei Krankheit, Begräbnissen oder anderen schwierigen Lebenssituationen Unterstützung leisten. In manchen Fällen halfen Mitglieder dabei, Geld für die Freilassung versklavter Menschen aufzubringen. Ihre Funktion ging damit über religiöse Zusammenkünfte hinaus und umfasste soziale, wirtschaftliche und kulturelle Aufgaben.
Die spanischen Behörden und kirchlichen Einrichtungen betrachteten solche Vereinigungen ambivalent. Einerseits konnten sie als Mittel genutzt werden, um afrikanische Menschen in eine kontrollierte kirchliche und gesellschaftliche Ordnung einzubinden. Andererseits boten die Cabildos Räume, in denen afrikanische Sprachen, Musik, Tänze, religiöse Vorstellungen und Formen gemeinschaftlicher Identität weiterlebten. Die Mitgliedschaft war nicht immer ausschließlich auf versklavte Menschen beschränkt; auch freie Menschen afrikanischer Herkunft konnten sich beteiligen.
Die später als afrokubanisch bezeichneten religiösen Traditionen entstanden durch lange Prozesse des kulturellen Austauschs und der Anpassung. Katholische Heiligenverehrung, afrikanische religiöse Vorstellungen und lokale Praktiken beeinflussten einander. Die heute als Santería bekannte Religion entwickelte sich aus solchen historischen Prozessen, insbesondere aus Traditionen, die mit Yoruba-Gemeinschaften Westafrikas verbunden sind. Sie sollte jedoch nicht als bereits im 16. Jahrhundert vollständig ausgebildetes und überall einheitliches Glaubenssystem dargestellt werden. Ihre Formen und Institutionen entwickelten sich über lange Zeiträume und veränderten sich im Kontakt mit der kolonialen Gesellschaft.
Neben den versklavten Menschen gab es in Kuba freie Schwarze und Menschen gemischter Herkunft. Sie bildeten keine einheitliche soziale Gruppe. Einige waren Nachkommen freigelassener Menschen, andere waren selbst freigelassen worden oder bereits frei geboren. Ihre Lebensbedingungen unterschieden sich je nach Vermögen, Beruf, Wohnort und familiären Beziehungen. In Städten arbeiteten freie Menschen afrikanischer oder gemischter Herkunft als Handwerker, Händler, Schneider, Maurer, Zimmerleute, Schmiede und Dienstleister. Einige konnten Werkstätten betreiben, Eigentum erwerben und innerhalb ihrer Gemeinden Einfluss gewinnen.
Auf dem Land waren freie Schwarze und Menschen gemischter Herkunft unter anderem als Kleinbauern, Viehhalter und Tagelöhner tätig. Sie konnten über eigenes Land oder andere Vermögenswerte verfügen, waren aber in vielen Bereichen durch diskriminierende Regelungen und gesellschaftliche Vorurteile eingeschränkt. Der Zugang zu bestimmten Ämtern, Berufen und sozialen Einrichtungen war durch Herkunft und zugeschriebene Hautfarbe beeinflusst. Die koloniale Gesellschaft unterschied nicht nur zwischen Freiheit und Unfreiheit, sondern entwickelte weitere Abstufungen, die mit Abstammung, sozialem Status und dem Ruf einer Familie verbunden waren.
Die Grenzen zwischen den Bevölkerungsgruppen waren dennoch nicht überall starr. Beziehungen und Ehen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft kamen vor, und in den Städten entstanden Familien mit vielfältigen Abstammungslinien. Die kolonialen Behörden versuchten, Menschen nach Herkunft und rechtlichem Status zu klassifizieren, während das tatsächliche soziale Leben komplexer war. Die Bezeichnung „Mestize“ wurde in spanisch-amerikanischen Gesellschaften häufig für Menschen mit europäischer und indigener Abstammung verwendet; für Menschen mit afrikanischer und europäischer Abstammung verbreitete sich die Bezeichnung „Mulatte“. Solche Begriffe waren Teil der kolonialen Klassifikationssysteme und dürfen nicht als neutrale oder biologisch eindeutige Kategorien verstanden werden.
Auch indigene Menschen und ihre Nachkommen verschwanden nicht vollständig aus der Gesellschaft. Der massive Bevölkerungsrückgang und die Zerstörung vieler eigenständiger Gemeinschaften führten dazu, dass sie in den kolonialen Quellen zunehmend seltener als gesonderte Bevölkerungsgruppe erfasst wurden. Einige wurden in spanische Siedlungen eingegliedert, andere lebten in abgelegenen Gebieten oder verbanden sich mit Menschen anderer Herkunft. Die geringe Sichtbarkeit in späteren Verwaltungsaufzeichnungen ist daher kein Beweis für ein vollständiges Verschwinden indigener Abstammung oder kultureller Einflüsse.
Die katholische Kirche war eine tragende Institution der spanischen Kolonialordnung. Geistliche begleiteten die Eroberung, bauten Gemeinden auf und betrieben die Missionierung der indigenen Bevölkerung. In den spanischen Siedlungen entstanden Kirchen, Klöster und kirchliche Einrichtungen, die neben religiösen Aufgaben auch Bildungs-, Fürsorge- und Verwaltungsfunktionen übernahmen. Die Kirche wirkte an der Registrierung von Taufen, Eheschließungen und Begräbnissen mit und beeinflusste dadurch die rechtliche und soziale Organisation der Bevölkerung.
Die kirchliche Missionierung war mit der Durchsetzung spanischer Herrschaft verbunden. Indigene Menschen wurden zur Annahme des Christentums angehalten, und traditionelle religiöse Praktiken gerieten unter Druck. Die Missionierung verlief allerdings nicht überall gleich und führte nicht zu einer vollständigen Beseitigung indigener Vorstellungen. Teile der Bevölkerung übernahmen christliche Praktiken, während andere ältere Traditionen bewahrten oder mit neuen Formen verbanden. Auch die religiösen Traditionen der aus Afrika verschleppten Menschen entwickelten sich in diesem Spannungsfeld zwischen Zwang, Anpassung und kultureller Eigenständigkeit.
In Havanna und den anderen größeren Siedlungen entstanden Klöster, Pfarrkirchen, Hospitäler und weitere kirchliche Einrichtungen. Die kirchliche Präsenz war außerhalb der Städte schwächer, weil viele ländliche Gebiete weit verstreut besiedelt waren. Priester und Ordensangehörige mussten teilweise große Entfernungen zurücklegen, um abgelegene Gemeinden zu erreichen. Die religiöse Versorgung der Landbevölkerung war daher ungleichmäßig.
Das Bildungswesen blieb bis weit ins 18. Jahrhundert hinein begrenzt und vorwiegend kirchlich geprägt. Unterricht erhielten vor allem Angehörige wohlhabender Familien und Menschen, die für kirchliche oder administrative Laufbahnen vorgesehen waren. Für die Mehrheit der ländlichen Bevölkerung bestand kein flächendeckender Zugang zu formaler Bildung. 1728 wurde in Havanna die Königliche und Päpstliche Universität San Gerónimo gegründet. Sie ging aus einer Einrichtung der Dominikaner hervor und bot einen institutionellen Rahmen für höhere Bildung, insbesondere in den klassischen und theologischen Fächern. Ihr Einfluss blieb zunächst vor allem auf die städtischen und privilegierten Kreise beschränkt.
Die Bevölkerung Kubas wuchs nach dem dramatischen Rückgang der indigenen Bevölkerung nur langsam. Die Einwanderung aus Spanien blieb über längere Zeit begrenzt, weil die Insel wirtschaftlich weniger bedeutend erschien als die großen Silber- und Bergbaugebiete des amerikanischen Festlands. Gleichzeitig starben viele indigene Menschen an eingeschleppten Krankheiten, Gewalt und den Folgen der Zwangsarbeit. Andere wurden in die koloniale Gesellschaft eingegliedert, flohen oder vermischten sich mit Menschen europäischer und afrikanischer Herkunft.
Für das frühe 17. Jahrhundert werden in der Forschung nur wenige Tausend spanische Haushalte und eine Gesamtbevölkerung in der Größenordnung von etwa 10.000 Menschen angenommen. Solche Zahlen sind allerdings Schätzungen, keine Ergebnisse einer modernen Volkszählung. Sie beruhen auf kolonialen Verwaltungsangaben, späteren Rückrechnungen und unvollständigen Berichten. Im Laufe des 17. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung zu, vor allem in Havanna und Santiago de Cuba. Gegen Ende des Jahrhunderts lebten mehr Menschen in der Kolonie als in den ersten Jahrzehnten nach der Eroberung, doch blieb die Besiedlung im Verhältnis zur Größe der Insel dünn.
Im 18. Jahrhundert setzte sich das Bevölkerungswachstum fort. Havanna zog Händler, Seeleute, Soldaten, Handwerker und Arbeitskräfte an. Die Ausweitung der Landwirtschaft und der Zuckerproduktion erhöhte den Bedarf an Arbeitskräften. Damit nahm auch die Bedeutung des transatlantischen Sklavenhandels zu. Die Bevölkerung bestand Mitte des 18. Jahrhunderts aus freien und versklavten Menschen unterschiedlicher Herkunft, wobei sich die Anteile regional deutlich unterschieden. In der Hauptstadt war die soziale Zusammensetzung vielfältiger als in manchen ländlichen Gebieten, während auf landwirtschaftlichen Betrieben und in Zuckeranlagen versklavte Arbeitskräfte eine wichtige Rolle spielten.
Die Bevölkerungszahlen für die Zeit um 1750 sind nicht mit späteren amtlichen Zensusdaten vergleichbar. Koloniale Schätzungen erfassten Menschen nicht immer nach denselben Kriterien und unterschieden sich darin, ob sie freie und versklavte Menschen, militärisches Personal oder bestimmte abgelegene Gebiete vollständig einbezogen. Aussagen über die genaue Zahl der Einwohner oder der versklavten Bevölkerung müssen deshalb als Schätzungen behandelt werden.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war Kuba eine strategisch bedeutende, aber wirtschaftlich noch nicht vollständig von der Zuckerproduktion beherrschte Kolonie. Havanna bildete das politische, militärische und kommerzielle Zentrum. Der Hafen versorgte die spanischen Flotten, diente als Umschlagplatz für Waren und verband die Insel mit den Handelswegen des spanischen Kolonialreiches. In der Umgebung der Hauptstadt bestanden landwirtschaftliche Betriebe, Zuckeranlagen und weitere Produktionsstätten. Außerhalb des westlichen Ballungsraums blieben Viehzucht, Tabakanbau, Selbstversorgung und regionale Märkte wichtig.
Die wirtschaftliche Entwicklung wurde durch die spanischen Handelsmonopole begrenzt. Die Krone versuchte, den Handel über zugelassene Häfen und Händler zu lenken, um Einnahmen zu sichern und die Kolonien wirtschaftlich an Spanien zu binden. Die kubanischen Produzenten waren dadurch in ihren Absatzmöglichkeiten eingeschränkt. Schmuggel und der Austausch mit ausländischen Händlern blieben verbreitet. Zugleich war die Insel für die Versorgung der Flotten auf landwirtschaftliche Erzeugnisse, Vieh, Holz und handwerkliche Waren angewiesen.
Die Zuckerproduktion hatte sich bis 1750 etabliert, doch die spätere massive Ausweitung der Plantagenwirtschaft stand noch bevor. Erst nach den Umbrüchen der späten 18. Jahrhunderts, insbesondere der Revolution in Saint-Domingue und den Veränderungen des internationalen Zuckermarktes, entwickelte sich Kuba in weit größerem Umfang zu einer auf Zucker und versklavte Arbeit ausgerichteten Exportwirtschaft. Für die Zeit bis 1750 ist daher eine vielfältigere Wirtschaftsstruktur kennzeichnend, in der Viehzucht, Tabak, Zucker, Holz, Handel und die Versorgung der Hauptstadt nebeneinander bestanden.
In der kolonialen Gesellschaft bestanden erhebliche Unterschiede zwischen den privilegierten spanischen und kreolischen Eliten, den kleineren Bauern und Handwerkern, den freien Menschen afrikanischer oder gemischter Herkunft sowie den versklavten Arbeitskräften. Die rechtliche Stellung, die Herkunft und der Zugang zu Land und Handel beeinflussten die Lebensbedingungen. Dennoch war die Gesellschaft nicht vollständig starr. Freilassungen, wirtschaftlicher Aufstieg einzelner Familien, gemischte Abstammung und die Bildung lokaler Gemeinschaften führten zu vielfältigen sozialen Verhältnissen. Afrikanische Cabildos, lokale religiöse Praktiken und die Fortwirkung indigener Kulturtraditionen zeigten, dass die koloniale Gesellschaft trotz ihrer hierarchischen Ordnung kulturell keineswegs einheitlich war.
Bis etwa 1750 hatte sich Kuba somit von einer dünn besiedelten Eroberungskolonie zu einem wichtigen militärischen und maritimen Stützpunkt des spanischen Weltreiches entwickelt. Havanna stand im Mittelpunkt der Verwaltung und des Flottenverkehrs, während das Landesinnere durch Viehzucht, Landwirtschaft und regionale Siedlungen geprägt blieb. Die spanische Herrschaft hatte die indigene Bevölkerung katastrophal dezimiert und eine Gesellschaft hervorgebracht, deren Wirtschaft zunehmend auf versklavter afrikanischer Arbeit beruhte. Gleichzeitig bildeten sich kreolische Eliten, städtische Handwerks- und Handelsgruppen sowie afrokaribische Gemeinschaften heraus, die die weitere Geschichte Kubas nachhaltig prägten.
Späte Kolonial- und Aufstandszeit
Im Sommer 1762 erreichte der Konflikt zwischen Spanien und Großbritannien im Siebenjährigen Krieg auch Kuba. Am 6. Juni 1762 landete eine große britische Streitmacht an der Nordküste der Insel und begann die Belagerung Havannas. Die Stadt war der wichtigste spanische Hafen in der Karibik, ein bedeutender Stützpunkt für die Flottenverbindungen zwischen Amerika und Europa und das Zentrum des kubanischen Handels. Ihre Eroberung war deshalb ein schwerer Schlag für die spanische Kolonialmacht. Nach mehrwöchigen Kämpfen kapitulierte Havanna am 13. August 1762. Die britischen Truppen besetzten die Stadt und ihr unmittelbares Umland, während der übrige Teil Kubas weitgehend unter spanischer Kontrolle blieb.
Die britische Besatzung dauerte knapp elf Monate. Sie veränderte die wirtschaftlichen Verhältnisse Havannas, weil die neuen Machthaber den Handel mit britischen und nordamerikanischen Kaufleuten erleichterten und die bisherigen spanischen Handelsbeschränkungen teilweise aufhoben. Schiffe und Waren aus Gebieten, die zuvor nur eingeschränkt oder über spanische Zwischenhäfen mit Kuba handeln konnten, erhielten nun Zugang zum Hafen. Havanna wurde verstärkt mit nordamerikanischen Häfen und britischen Handelsnetzen verbunden. In die Stadt gelangten unter anderem Lebensmittel, Werkzeuge, Textilien und andere Waren; zugleich nahm der Absatz kubanischer Erzeugnisse zu.
Die Besatzungszeit zeigte den Kaufleuten und Plantagenbesitzern, welche wirtschaftlichen Möglichkeiten ein weniger streng regulierter Außenhandel eröffnen konnte. Die spanische Kolonialordnung hatte den legalen Handel lange auf ein Netz zugelassener Häfen und privilegierter Händler beschränkt. Zollabgaben, Monopole und behördliche Vorschriften verteuerten den Warenaustausch und begünstigten den Schmuggel. Die Erfahrungen von 1762 und 1763 verstärkten deshalb in Teilen der kubanischen Oberschicht das Interesse an Handelsreformen. Sie bedeuteten allerdings nicht, dass Kuba bereits eine allgemeine Freihandelsordnung erhielt: Die britischen Maßnahmen galten im Wesentlichen während der Besetzung Havannas, und die Rückkehr der spanischen Verwaltung brachte die koloniale Herrschaft wieder zur Geltung.
Im Frieden von Paris vom 10. Februar 1763 wurde vereinbart, dass Großbritannien Havanna an Spanien zurückgab. Im Gegenzug trat Spanien Florida an Großbritannien ab. Nach der Rückgabe begann die spanische Regierung, die Verteidigung Kubas auszubauen. Die Besetzung hatte deutlich gemacht, wie verwundbar die Insel trotz ihrer strategischen Bedeutung war. Havanna erhielt weitere militärische Aufmerksamkeit, und die spanische Krone investierte in Befestigungen, Truppen, Marineeinrichtungen und die Organisation der Kolonialverwaltung.
Zugleich setzte eine Reformphase ein, in der Spanien versuchte, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit seiner amerikanischen Besitzungen zu erhöhen und den legalen Handel besser zu kontrollieren. Die spanische Krone lockerte im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts schrittweise einzelne Handelsbeschränkungen. Die Öffnung blieb zunächst begrenzt und wurde von staatlichen Interessen bestimmt: Die Kolonien sollten mehr Waren liefern, höhere Einnahmen erwirtschaften und zugleich im politischen und wirtschaftlichen Einflussbereich Spaniens bleiben.
Havanna entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts immer stärker zum wichtigsten wirtschaftlichen, politischen und militärischen Zentrum Kubas. Der Hafen diente der Versorgung spanischer Kriegsschiffe, dem Umschlag von Waren und der Verbindung zwischen dem amerikanischen Festland, den übrigen Karibikinseln und Spanien. Kaufleute, Reeder, Handwerker, Fuhrunternehmer und Dienstleister profitierten von den wachsenden Hafenaktivitäten. Die Nachfrage nach Lebensmitteln, Baumaterialien, Schiffsausrüstung und Arbeitskräften nahm zu.
Die militärische Funktion der Stadt blieb eng mit ihrer wirtschaftlichen Entwicklung verbunden. Wer Havanna kontrollierte, konnte einen wichtigen Zugang zum Golf von Mexiko und zu den Seeverbindungen zwischen dem Atlantik und den spanischen Besitzungen in Amerika beeinflussen. Die spanische Regierung betrachtete Kuba deshalb nicht allein als landwirtschaftliche Kolonie, sondern auch als Flottenstützpunkt und Schutzraum für ihre verbleibenden amerikanischen Territorien.
Die wirtschaftlichen Vorteile konzentrierten sich jedoch nicht gleichmäßig auf die gesamte Insel. Der Westen mit Havanna und den angrenzenden landwirtschaftlichen Gebieten verfügte über besonders günstige Voraussetzungen für den Exporthandel. Dort ließen sich Investitionen in Plantagen, Transportwege, Lagerhäuser und Hafenanlagen leichter mit den Handelsverbindungen verknüpfen. Der Osten blieb wirtschaftlich stärker von Viehzucht, regionalem Handel, kleineren landwirtschaftlichen Betrieben und den älteren Städten Santiago de Cuba und Bayamo geprägt. Diese Unterschiede verstärkten sich im Verlauf des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
Die wirtschaftliche Entwicklung beruhte weiterhin auf verschiedenen Tätigkeiten. Viehzucht und Lederproduktion blieben wichtig, ebenso der Tabakanbau, die Holzwirtschaft, der Schiffbau und zahlreiche städtische Gewerbe. Zucker gewann jedoch zunehmend an Gewicht. Zuckerrohr war auf Kuba bereits vor 1762 angebaut und verarbeitet worden; neu war nicht die Einführung des Zuckerbaus, sondern dessen beschleunigter Ausbau zu einem kapitalintensiven, stark exportorientierten Wirtschaftszweig. Die Plantagenwirtschaft benötigte größere Landflächen, Verarbeitungsanlagen, Transportmöglichkeiten und erhebliche Mengen an Arbeitskräften. Damit stieg zugleich die Nachfrage nach versklavten Menschen.
Die entscheidende Veränderung der kubanischen Wirtschaft setzte in den 1790er-Jahren ein. Auf der französischen Kolonie Saint-Domingue, dem heutigen Haiti, begann 1791 ein großer Sklavenaufstand, aus dem sich eine Revolution gegen die Sklaverei und die französische Kolonialherrschaft entwickelte. Der Konflikt führte zur Zerstörung zahlreicher Plantagen, zur Flucht von Plantagenbesitzern und zur grundlegenden Veränderung der Zucker- und Kaffeeproduktion in der Karibik. Haiti erklärte 1804 seine Unabhängigkeit.
Ein Teil der französischen Kolonisten und ihrer Familien floh nach Kuba, insbesondere nach Santiago de Cuba und in andere Gebiete des Ostens. Unter den Zuwanderern befanden sich auch freie Menschen afrikanischer und gemischter Herkunft sowie Handwerker und Fachkräfte. Einige Flüchtlinge brachten Kenntnisse im Kaffeeanbau, im Zuckerrohranbau, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und in der Organisation von Plantagen mit. Sie trugen zur Ausweitung dieser Wirtschaftszweige auf Kuba bei. Die Zuwanderung verlief allerdings nicht einheitlich: Manche Flüchtlinge ließen sich dauerhaft nieder, andere zogen später weiter oder kehrten unter veränderten Bedingungen in andere Gebiete zurück.
Der Niedergang der Plantagenwirtschaft Saint-Domingues eröffnete kubanischen Produzenten neue Absatzmöglichkeiten. Europäische und nordamerikanische Märkte benötigten weiterhin Zucker und Kaffee, während ein wichtiger bisheriger Lieferant ausfiel. Kuba konnte einen Teil dieser Nachfrage übernehmen. Die Insel verfügte über landwirtschaftlich nutzbare Flächen, Häfen, Handelsverbindungen und eine spanische Kolonialverwaltung, die den Exportwirtschaftszweig zunehmend unterstützte. Besonders im Westen entstanden größere Zuckerplantagen, während sich der Kaffeeanbau unter anderem in den hügeligen und gebirgigen Gebieten des Ostens ausbreitete.
Die Zuckerproduktion erforderte erhebliche Investitionen. Plantagenbesitzer mussten Land erwerben oder unter ihre Kontrolle bringen, Zuckerrohr anbauen lassen, Mühlen und Siedeanlagen errichten und die Ernte rasch verarbeiten. Die Verarbeitung war arbeitsintensiv und saisonal gebunden. Das Zuckerrohr musste nach der Ernte schnell gepresst werden; die Gewinnung und das Einkochen des Saftes verlangten organisierte Arbeitsabläufe und eine leistungsfähige technische Ausstattung. Mit der Ausweitung der Produktion wurden daher nicht nur mehr Anbauflächen benötigt, sondern auch größere Verarbeitungsbetriebe, Transportwege, Zugtiere, Lagerplätze und Hafenanlagen.
Diese Entwicklung beschleunigte den Übergang von einer vergleichsweise vielfältigen Kolonialwirtschaft zu einer stärker auf Exportprodukte ausgerichteten Plantagenökonomie. Viehzucht, Tabakanbau, Handwerk und regionaler Handel verschwanden nicht, doch Zucker gewann für die Außenhandelsbilanz und die Vermögensbildung der Oberschicht immer mehr Bedeutung. Kaffee entwickelte sich ebenfalls zu einem wichtigen Exportprodukt, erreichte jedoch nicht dieselbe langfristige wirtschaftliche Vorrangstellung wie Zucker.
Die Expansion beruhte in erheblichem Umfang auf der Versklavung afrikanischer Menschen. Die Plantagenbesitzer benötigten Arbeitskräfte, und die spanische Kolonialordnung erlaubte weiterhin den transatlantischen Sklavenhandel. Die Zahl der nach Kuba verschleppten Menschen nahm im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert stark zu. Sie wurden unter anderem auf Zuckerplantagen, in Kaffeeanbaugebieten, in städtischen Haushalten, im Hafenwesen und in verschiedenen Gewerben eingesetzt. Die Arbeitsbedingungen auf den Zuckerplantagen waren vielfach von langen Arbeitszeiten, strenger Aufsicht, körperlicher Gewalt und hohen gesundheitlichen Risiken geprägt.
Die Revolution in Haiti beeinflusste zugleich die politischen Vorstellungen der kubanischen Plantagenbesitzer. Einerseits wollten sie von der gestiegenen Nachfrage nach Zucker profitieren und die kolonialen Handelsbeschränkungen lockern. Andererseits fürchteten sie, dass ein großer Aufstand der versklavten Bevölkerung auch Kuba erfassen und ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung beseitigen könnte. Diese Angst verstärkte das Interesse vieler wohlhabender Kreolen an einer starken militärischen Ordnung und an einer Schutzmacht, die ihre Eigentumsverhältnisse garantierte. Die Haltung der Plantagenbesitzer gegenüber Spanien war deshalb widersprüchlich: Sie kritisierten wirtschaftliche Einschränkungen durch die Kolonialverwaltung, waren aber häufig zugleich auf die spanischen Truppen angewiesen, um die Sklavenordnung aufrechtzuerhalten.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts geriet Spanien in eine schwere politische Krise. 1808 führte die französische Besetzung der Iberischen Halbinsel zur Abdankung des spanischen Königs Ferdinand VII. und zur Einsetzung Joseph Bonapartes. Der Widerstand gegen die französische Herrschaft löste in Spanien einen Krieg aus und führte zu Auseinandersetzungen über die politische Ordnung des Reiches. In den amerikanischen Kolonien entstanden gleichzeitig Bewegungen, die eine größere Selbstständigkeit oder die vollständige Unabhängigkeit von Spanien anstrebten.
Kuba nahm innerhalb dieser Entwicklung eine Sonderstellung ein. Während sich in großen Teilen Spanisch-Amerikas Unabhängigkeitskriege ausbreiteten, blieb die Insel unter spanischer Herrschaft. Ihre wirtschaftliche Bedeutung nahm sogar zu, weil die spanische Krone nach dem Verlust zahlreicher amerikanischer Besitzungen stärker auf die verbliebenen Kolonien angewiesen war. Kuba wurde damit im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten und wirtschaftlich ertragreichsten Bestandteile des spanischen Kolonialreichs.
Die kubanische Oberschicht war politisch uneinheitlich. Ein Teil der Kreolen wollte größere wirtschaftliche Freiheit, eine Reform der Verwaltung und eine stärkere Beteiligung an politischen Entscheidungen. Andere fürchteten, eine Revolution könnte die gesellschaftliche Ordnung destabilisieren und die Sklaverei gefährden. Die Unabhängigkeitsbewegungen auf dem amerikanischen Festland galten deshalb nicht allen kubanischen Plantagenbesitzern als Vorbild. Für viele stand die Sicherung von Eigentum, Produktion und sozialer Kontrolle im Vordergrund.
Die spanische Verfassung von Cádiz von 1812 entstand während des Widerstands gegen Napoleon und enthielt liberale politische Grundsätze. Sie sah eine verfassungsgebundene Monarchie und eine Vertretung der spanischen Nation vor. Ihre Geltung in den überseeischen Gebieten blieb jedoch wechselhaft. Die Rückkehr Ferdinands VII. führte 1814 zur Wiederherstellung des Absolutismus; 1820 wurde die Verfassung erneut in Kraft gesetzt, bevor sie 1823 wieder aufgehoben wurde. Diese wechselnden politischen Verhältnisse beeinflussten auch Kuba. Sie weckten Erwartungen an Reformen, führten aber ebenso zu Unsicherheit und einer Verschärfung der politischen Kontrolle.
Mit der Unabhängigkeit großer Teile Lateinamerikas zwischen den 1810er- und 1820er-Jahren verlor Spanien einen erheblichen Teil seines amerikanischen Kolonialreichs. Kuba und Puerto Rico blieben unter spanischer Herrschaft. Die kubanische Insel wurde dadurch strategisch und finanziell noch bedeutender. Die Kolonialverwaltung bemühte sich, die politische Loyalität der kreolischen Eliten zu sichern und zugleich jede Entwicklung zu verhindern, die eine Loslösung von Spanien hätte fördern können.
Die Vorstellung, Kuba könne an die Vereinigten Staaten angeschlossen werden, gewann im 19. Jahrhundert ebenfalls an Bedeutung. Die geografische Nähe zu Florida, die wirtschaftlichen Beziehungen zu nordamerikanischen Häfen und das Interesse amerikanischer Kaufleute an Zucker und anderen Exportgütern machten die Insel für die Vereinigten Staaten attraktiv. Die Annexion war jedoch kein einheitliches kubanisches Programm. Ihre Befürworter verfolgten unterschiedliche Interessen, und zahlreiche Kreolen lehnten einen Anschluss ab, weil sie eine eigenständige kubanische politische Entwicklung anstrebten oder eine neue Abhängigkeit vermeiden wollten.
Die Ausweitung der Zuckerwirtschaft verschärfte die gesellschaftlichen Spannungen. Die Zahl der versklavten Menschen wuchs, während die Plantagenwirtschaft ihre Arbeitskraft unter Zwang einsetzte. Zugleich lebten auf Kuba zahlreiche freie Schwarze und Menschen gemischter Herkunft, darunter Handwerker, Händler, Angehörige von Milizen und Personen mit eigenem Vermögen. Sie waren rechtlich nicht versklavt, unterlagen jedoch diskriminierenden Vorschriften und gesellschaftlichen Beschränkungen. Die Grenzen zwischen den sozialen Gruppen waren durch Herkunft, Hautfarbe, rechtlichen Status und wirtschaftliche Stellung geprägt.
Widerstand gegen die Sklaverei nahm verschiedene Formen an. Dazu gehörten die Flucht von Plantagen, die Bildung von Gemeinschaften entlaufener Versklavter, die Verweigerung von Arbeitsleistungen, die Bewahrung eigener religiöser und kultureller Traditionen sowie offene Aufstände und Verschwörungen. Die Flucht in abgelegene Gebiete bot manchen Menschen die Möglichkeit, sich der unmittelbaren Kontrolle ihrer Besitzer zu entziehen. Solche Gemeinschaften wurden häufig als palenques bezeichnet. Ihre Existenz hing von den jeweiligen örtlichen Bedingungen und von der Fähigkeit ab, sich gegen spanische Truppen und bewaffnete Verfolger zu behaupten.
Zu den bedeutendsten Erhebungen der frühen Phase des 19. Jahrhunderts gehörte die Verschwörung von José Antonio Aponte. Aponte war ein freier Schwarzer Handwerker in Havanna und verfügte über Verbindungen zu anderen freien Schwarzen sowie zu versklavten Menschen. Zwischen 1811 und 1812 entstand ein weitreichendes Netzwerk, dessen Aktivitäten mehrere Regionen Kubas berührten. Die Beteiligten standen unter dem Eindruck der Haitianischen Revolution und der politischen Umwälzungen in der atlantischen Welt. Die Bewegung richtete sich gegen die bestehende Sklavenordnung und die koloniale Herrschaft.
Die spanischen Behörden gingen mit äußerster Härte gegen die Verschwörung vor. Aponte und weitere Beschuldigte wurden festgenommen, verhört und hingerichtet. Die Repression sollte nicht nur die unmittelbar Beteiligten bestrafen, sondern auch andere mögliche Gegner abschrecken. Die Ereignisse zeigten, dass Widerstand nicht ausschließlich von einzelnen Plantagen ausging: Freie und versklavte Menschen, städtische Handwerker und ländliche Arbeitskräfte konnten Kontakte knüpfen und gemeinsame politische Ziele verfolgen. Die Aponte-Bewegung zählt deshalb zu den wichtigen frühen antisklavereilichen und antikolonialen Erhebungen Kubas.
In den folgenden Jahrzehnten kam es zu weiteren Aufständen, Fluchtbewegungen und Verschwörungen. Die wachsende Zuckerproduktion schuf neue Spannungen, weil die Plantagenwirtschaft einen immer größeren Teil der versklavten Bevölkerung in strenge Arbeitsregime einband. Besonders in den westlichen Zuckerregionen nahm die Konzentration versklavter Arbeitskräfte zu. Die Behörden und Plantagenbesitzer reagierten auf Widerstand mit Überwachung, Bestrafung, bewaffneten Patrouillen und einer engen Kontrolle der Bewegungsfreiheit.
Großbritannien schaffte den transatlantischen Sklavenhandel für seine Untertanen 1807 ab und verbot die Sklaverei in den meisten seiner Kolonien mit dem Slavery Abolition Act von 1833; die Umsetzung erfolgte ab 1834, wobei Übergangsregelungen bestanden. Diese Schritte hatten Folgen für die Karibik. Die britische Regierung setzte sich zunehmend dafür ein, den internationalen Sklavenhandel einzudämmen, und schloss mit Spanien Vereinbarungen, die den Handel mit versklavten Menschen untersagen sollten.
Auf Kuba blieb die Sklaverei jedoch bestehen. Der Bedarf der expandierenden Zuckerwirtschaft führte dazu, dass weiterhin zahlreiche Afrikaner gewaltsam auf die Insel verschleppt wurden. Ein beträchtlicher Teil dieses Handels war nach den vertraglichen Verboten illegal. Händler und Plantagenbesitzer nutzten geheime Anlandungen, falsche Papiere und korrupte Verwaltungsbeamte, um die Beschränkungen zu umgehen. Die spanischen Behörden setzten die Verbote nicht konsequent durch; wirtschaftliche Interessen und die Bedeutung der Plantagen für die kolonialen Einnahmen standen einer wirksamen Unterbindung entgegen.
Der illegale Sklavenhandel veränderte die Zusammensetzung der Bevölkerung. Neben Menschen, die bereits auf Kuba geboren worden waren, lebten auf der Insel viele direkt aus Afrika verschleppte Menschen. Die Plantagenwirtschaft war dadurch weiterhin eng mit dem transatlantischen Menschenhandel verbunden. Zugleich entstand eine wachsende Gruppe freier Menschen afrikanischer oder gemischter Herkunft, die in Städten als Handwerker, Händler, Musiker, Kleinunternehmer oder Dienstleister arbeiteten. Ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten blieben durch rechtliche Diskriminierung, rassistische Hierarchien und die Furcht der Behörden vor politischen Zusammenschlüssen begrenzt.
Die britische Politik gegen den Sklavenhandel verstärkte bei vielen kubanischen Plantagenbesitzern die Sorge, dass ihre wirtschaftliche Grundlage gefährdet werden könnte. Manche sahen in Spanien einen unzuverlässigen Schutz ihrer Interessen und betrachteten die Vereinigten Staaten als mögliche Alternative. Andere wollten an der Verbindung zur spanischen Krone festhalten, weil sie von deren militärischer Präsenz und der Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung profitierten. Damit verschränkten sich die Fragen der politischen Zugehörigkeit, der Handelsfreiheit und der Sklaverei zunehmend miteinander.
In den Jahren 1843 und 1844 kam es vor allem in den westlichen Zuckerregionen zu Unruhen und Aufständen versklavter Menschen. Die Plantagengebiete um Matanzas gehörten zu den Zentren der Zuckerproduktion und wiesen eine hohe Konzentration versklavter Arbeitskräfte auf. Nachrichten über Widerstand in anderen Teilen der Karibik, Gerüchte über eine bevorstehende Befreiung und die Erfahrungen der Haitianischen Revolution prägten die Erwartungen und Befürchtungen der Beteiligten. Die einzelnen Erhebungen waren nicht notwendigerweise Teile eines einzigen zentral geleiteten Plans; die kolonialen Behörden deuteten sie jedoch zunehmend als Anzeichen einer umfassenden Verschwörung.
1844 ging die spanische Verwaltung unter Generalkapitän Leopoldo O’Donnell mit massiver Gewalt gegen mutmaßliche Gegner der Sklaverei und der Kolonialherrschaft vor. Die Repressionswelle ist unter dem Namen Conspiración de la Escalera bekannt. Der Name bezieht sich auf eine Leiter, an die Gefangene gefesselt und gefoltert wurden, um Geständnisse zu erzwingen. Die Untersuchungen erfassten versklavte Menschen ebenso wie freie Schwarze, Mulatten, Handwerker, Angehörige von Milizen und Personen, denen Kontakte zu abolitionistischen Kreisen vorgeworfen wurden.
Die genaue Reichweite einer einheitlichen Verschwörung ist historisch umstritten. Unzweifelhaft ist jedoch, dass es Aufstände und Widerstand gegeben hatte und dass die Behörden die Situation für eine weitreichende Verfolgung nutzten. Die Ermittlungen und Militärverfahren waren von Gewalt und mangelnden rechtsstaatlichen Garantien geprägt. Zahlreiche Menschen wurden verhaftet, gefoltert, deportiert oder hingerichtet. Unter den Hingerichteten befand sich der Dichter Gabriel de la Concepción Valdés, bekannt unter dem Namen Plácido. Auch Angehörige der freien schwarzen Gesellschaft, die zuvor wirtschaftliche und gesellschaftliche Positionen aufgebaut hatten, wurden verfolgt.
Die Repression von 1844 schwächte die Möglichkeiten freier Schwarzer und gemischtherkunftlicher Kubaner, sich öffentlich zu organisieren. Sie sollte zugleich die versklavte Bevölkerung einschüchtern und die soziale Ordnung der Plantagenwirtschaft sichern. Die Ereignisse verdeutlichten die enge Verbindung zwischen Rassismus, Sklaverei und politischer Kontrolle: Nicht nur ein möglicher Aufstand versklavter Menschen, sondern auch die gesellschaftliche Selbstständigkeit freier Menschen afrikanischer Herkunft wurde von Teilen der kolonialen Elite als Bedrohung angesehen.
Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts hatten sich unterschiedliche politische Vorstellungen herausgebildet, die im weiteren Verlauf des Jahrhunderts an Bedeutung gewannen. Sie waren keine vollständig einheitlichen Parteien im modernen Sinn, sondern politische Strömungen und Netzwerke, die sich je nach regionalen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen unterschieden.
Die Reformbefürworter wollten die koloniale Verwaltung verändern, die wirtschaftlichen Beschränkungen lockern und den Kreolen mehr Einfluss auf politische Entscheidungen verschaffen. Aus solchen Forderungen entwickelte sich im Laufe der Zeit der Autonomismus, der eine weitreichende Selbstverwaltung Kubas innerhalb des spanischen Staatsverbandes anstrebte. Seine Anhänger wollten die Verbindung zu Spanien nicht unbedingt auflösen, forderten aber eine stärkere Vertretung der Interessen der Insel.
Der Annexionismus befürwortete dagegen den Anschluss Kubas an die Vereinigten Staaten. Zu seinen Unterstützern gehörten Plantagenbesitzer, Kaufleute und politische Aktivisten, die von den wirtschaftlichen Beziehungen zu Nordamerika profitierten oder die spanische Herrschaft beseitigen wollten. Für manche Plantagenbesitzer war die Annexion auch ein Mittel, die Sklaverei zu schützen. Sie fürchteten, dass Spanien dem internationalen Druck zur Abschaffung des Sklavenhandels oder der Sklaverei irgendwann nachgeben könnte. Ein Anschluss an die Vereinigten Staaten schien ihnen die Aussicht auf eine politische Ordnung zu bieten, in der die Interessen der Sklavenhalter geschützt blieben. Allerdings waren auch in den Vereinigten Staaten die Zukunft der Sklaverei und die territoriale Ausdehnung des Landes umstritten.
Die Anhänger einer vollständigen Unabhängigkeit wollten Kuba als eigenständigen Staat von Spanien lösen. Diese Richtung stand zunächst nicht überall im Vordergrund, da viele wohlhabende Kreolen die wirtschaftlichen Risiken eines Aufstands und die möglichen Folgen für die Sklavenordnung fürchteten. Dennoch entwickelte sich die Vorstellung einer souveränen kubanischen Nation zu einer dauerhaften politischen Alternative. Zu den bekannten Gegnern einer Annexion und Befürwortern einer eigenständigen kubanischen Entwicklung gehörte José Antonio Saco, der sich mit Fragen der politischen Identität, der gesellschaftlichen Ordnung und der Zukunft Kubas auseinandersetzte.
Die monarchistische oder spanientreue Richtung wollte die Zugehörigkeit zu Spanien beibehalten. Ihre Anhänger konnten aus Überzeugung an der Monarchie festhalten oder in der kolonialen Verbindung Vorteile sehen. Für Teile der kreolischen Oberschicht war die spanische Militärmacht ein Garant für die bestehende Eigentumsordnung. Auch Personen, deren wirtschaftliche Interessen durch die koloniale Verwaltung eingeschränkt wurden, konnten deshalb an Spanien festhalten, wenn sie eine Revolution oder die Abschaffung der Sklaverei stärker fürchteten als die Fortsetzung der Kolonialherrschaft.
Diese Strömungen überschnitten sich teilweise. Ein Kaufmann konnte wirtschaftliche Reformen verlangen, ohne die Unabhängigkeit zu unterstützen; ein Plantagenbesitzer konnte mit Spanien unzufrieden sein, zugleich aber eine Revolution ablehnen; ein Annexionist konnte die spanische Herrschaft bekämpfen, ohne einen souveränen kubanischen Staat anzustreben. Die politische Entwicklung Kubas lässt sich daher nicht als einfacher Gegensatz zwischen Spanientreuen und Unabhängigkeitsbefürwortern beschreiben.
Die Annexion Kubas durch die Vereinigten Staaten erhielt in den 1840er und 1850er Jahren eine konkrete militärische Dimension. Ein wichtiger Vertreter dieser Bewegung war Narciso López, ein aus Venezuela stammender ehemaliger Offizier, der zunächst im spanischen Militär gedient hatte und später die Annexion Kubas an die Vereinigten Staaten anstrebte. Er knüpfte Kontakte zu kubanischen Gegnern der spanischen Herrschaft und zu Unterstützern in den Vereinigten Staaten.
Die Vereinigten Staaten hatten ein erhebliches wirtschaftliches und strategisches Interesse an Kuba. Die Insel lag nahe der Küste Floridas und kontrollierte wichtige Seewege zwischen dem Golf von Mexiko, der Karibik und dem Atlantik. Zucker, Kaffee und andere Erzeugnisse verbanden die kubanische Wirtschaft eng mit nordamerikanischen Märkten. In den Südstaaten hofften manche Politiker und Plantagenbesitzer zudem, Kuba könne als weiteres Gebiet mit Sklavenwirtschaft die politische Stellung der Sklavenhalter im amerikanischen Bundesstaatensystem stärken.
Die Annexion war in den Vereinigten Staaten jedoch umstritten. Nicht alle politischen Kräfte unterstützten die militärischen Unternehmungen, und die Bundesregierung stand vor der Frage, wie sie sich gegenüber Spanien und den internationalen Folgen einer gewaltsamen Besetzung verhalten sollte. Die Unternehmungen von López waren daher nicht einfach mit einer offiziellen amerikanischen Invasion gleichzusetzen. Sie wurden von privaten Unterstützern getragen und stießen auf unterschiedliche Reaktionen innerhalb der Vereinigten Staaten.
1850 landete López mit einer bewaffneten Expedition in Cárdenas an der Nordküste Kubas. Die Unternehmung konnte sich nicht dauerhaft durchsetzen. Die erhoffte breite Unterstützung durch die Bevölkerung blieb aus, und die spanischen Kräfte behielten die Kontrolle. 1851 folgte eine weitere Expedition, die im Westen der Insel landete. Auch sie wurde militärisch besiegt. López geriet in spanische Gefangenschaft und wurde am 1. September 1851 in Havanna hingerichtet. Die spanischen Behörden verfolgten außerdem weitere Beteiligte und Unterstützer.
Die Expeditionen scheiterten nicht allein an der militärischen Überlegenheit der spanischen Kolonialtruppen. Die Annexionisten verfügten nicht über eine ausreichend breite gesellschaftliche Basis auf Kuba, und ihre Ziele waren nicht mit den Vorstellungen aller Gegner der spanischen Herrschaft vereinbar. Wer eine unabhängige Republik anstrebte, musste einen Anschluss an die Vereinigten Staaten nicht unterstützen. Ebenso waren viele versklavte Menschen und Gegner der Sklaverei nicht bereit, eine Bewegung zu unterstützen, deren wichtige Geldgeber die bestehende Plantagenordnung erhalten wollten.
Die Expeditionen von López zeigten dennoch, dass die politische Zukunft Kubas bereits vor den späteren Unabhängigkeitskriegen eng mit der Politik der Vereinigten Staaten verknüpft war. Sie machten zugleich deutlich, wie stark die Frage der Sklaverei die Debatte über die Zugehörigkeit der Insel beeinflusste.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich Kuba zu einem der wichtigsten Zuckerproduzenten der Welt entwickelt. Die Expansion beruhte auf dem Zusammenspiel von Plantagenlandwirtschaft, Verarbeitungstechnik, Kapitalinvestitionen, Handel und Zwangsarbeit. Zucker wurde zunehmend in großen Mengen für den Export hergestellt. Die Einnahmen ermöglichten es erfolgreichen Plantagenbesitzern und Kaufleuten, Vermögen aufzubauen und weitere Investitionen zu tätigen. Gleichzeitig verstärkte sich die Abhängigkeit der Insel von den internationalen Absatzmärkten und von technischen sowie finanziellen Ressourcen, die nicht ausschließlich aus Spanien stammten.
In den 1840er- und 1850er-Jahren begannen Teile der Zuckerwirtschaft, ihre Produktionsverfahren zu modernisieren. Leistungsfähigere Maschinen, verbesserte Verarbeitungsanlagen und eine stärkere Mechanisierung konnten die Verarbeitung des Zuckerrohrs beschleunigen und die Ausbeute erhöhen. Diese Veränderungen erforderten hohe Investitionen und begünstigten größere Betriebe, die über genügend Kapital verfügten. Die Zuckerwirtschaft wurde dadurch stärker konzentriert und technisch aufwendiger. Der Ausbau der Produktion bedeutete jedoch keine allgemeine Verbesserung der Arbeitsbedingungen: Die industrielle Modernisierung und die Versklavung von Arbeitskräften bestanden nebeneinander.
Die regionalen Unterschiede innerhalb Kubas blieben ausgeprägt. Der Westen um Havanna und Matanzas profitierte besonders von den großen Zuckerplantagen, den Hafenverbindungen und dem Zugang zu Handels- und Finanznetzwerken. Im Osten blieben Kaffeeanbau, Viehzucht, Tabak, regionale Landwirtschaft und Handel weiterhin von Bedeutung. Die Entwicklung der Zuckerwirtschaft führte somit nicht zu einer gleichmäßigen wirtschaftlichen Umgestaltung der gesamten Insel, sondern zu einer stärkeren Konzentration von Kapital und Exportproduktion in bestimmten Gebieten.
Havanna war das Zentrum des Außenhandels, der kolonialen Verwaltung und des Militärwesens. Die Stadt beherbergte Kaufleute, Händler, Handwerker, Hafenarbeiter, Beamte und Angehörige der spanischen Streitkräfte. Die Hafenwirtschaft erzeugte Nachfrage nach Lagerhäusern, Transportleistungen, Schiffsausrüstung, Lebensmitteln und zahlreichen städtischen Dienstleistungen. Auch andere Städte und Häfen profitierten vom Exporthandel, blieben aber hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Bedeutung hinter Havanna zurück.
Neben der Zuckerproduktion behielten Tabak, Kaffee, Viehzucht und Lederwirtschaft ihren Platz. Der Tabakanbau war besonders mit der Geschichte des kubanischen Handels verbunden und versorgte sowohl den Export als auch die Verarbeitung auf der Insel. Die Viehzucht stellte Fleisch, Häute, Zugtiere und weitere Erzeugnisse bereit. Holz wurde für Bauarbeiten, den Schiffbau und andere Zwecke genutzt. Handwerk und kleinere Gewerbe versorgten die Städte und landwirtschaftlichen Gebiete. Dennoch prägte die zunehmende Ausrichtung auf Zucker die Wirtschaftsstruktur und die Verteilung des Reichtums immer stärker.
Die Gesellschaft blieb von einer ausgeprägten rechtlichen und rassistischen Hierarchie geprägt. An der Spitze standen die spanische Kolonialverwaltung, einflussreiche Kaufleute und wohlhabende Plantagenbesitzer, darunter sowohl in Spanien geborene als auch auf Kuba geborene Mitglieder der Oberschicht. Darunter befanden sich freie Handwerker, Händler, Kleinbauern, städtische Beschäftigte und weitere Gruppen mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Versklavte Menschen bildeten einen wesentlichen Teil der Arbeitskräfte in der Exportwirtschaft und waren rechtlich der Verfügung ihrer Besitzer unterworfen. Freie Schwarze und Menschen gemischter Herkunft konnten Eigentum besitzen und bestimmte Berufe ausüben, stießen aber auf erhebliche Einschränkungen und Diskriminierung.
Die kulturelle Entwicklung Kubas wurde von spanischen, afrikanischen und weiteren karibischen Einflüssen geprägt. Religiöse Praktiken, Musik, Tanz, Ernährung und Alltagskultur entwickelten sich in einer Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander lebten, aber unter stark ungleichen Bedingungen. Afrikanische Traditionen wurden trotz der Gewalt der Versklavung bewahrt und verändert; katholische Institutionen prägten zugleich das öffentliche religiöse Leben. Diese kulturellen Entwicklungen verliefen nicht getrennt von der gesellschaftlichen Ordnung, sondern standen in engem Zusammenhang mit Sklaverei, Migration, Handel und den Lebensbedingungen in Stadt und Land.
Um 1860 war Kuba weiterhin eine spanische Kolonie, hatte aber eine wirtschaftliche Bedeutung erreicht, die weit über die Insel hinausreichte. Nach dem Verlust großer Teile des spanischen Kolonialreichs auf dem amerikanischen Festland war Kuba zu einem der wichtigsten verbliebenen Besitzungen Spaniens geworden. Die Einnahmen aus dem Zuckerexport, der Hafen Havannas und die strategische Lage zwischen dem Atlantik, dem Golf von Mexiko und der Karibik machten die Insel zu einem zentralen Bestandteil der spanischen Präsenz in Amerika.
Die wirtschaftliche Entwicklung hatte jedoch grundlegende Widersprüche hervorgebracht. Die Plantagenwirtschaft war auf internationalen Handel, Investitionen und moderne Verarbeitungstechniken angewiesen, während ein wesentlicher Teil ihrer Arbeitskräfte weiterhin versklavt war. Die koloniale Verwaltung versuchte, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Insel zu sichern und zugleich politische Opposition zu unterdrücken. Teile der kreolischen Oberschicht forderten Reformen oder eine andere politische Zugehörigkeit, während andere an Spanien festhielten, weil sie den Schutz der bestehenden Gesellschafts- und Eigentumsordnung suchten.
Die Widerstände versklavter Menschen, die Repression von 1844 und die gescheiterten Annexionsexpeditionen zeigten, dass die politische Stabilität der Kolonie auf Zwang und militärischer Kontrolle beruhte. Die Frage der Sklaverei war dabei untrennbar mit den Debatten über Autonomie, Annexion und Unabhängigkeit verbunden. Ein großer Teil der wirtschaftlichen Elite fürchtete, eine politische Revolution könne nicht nur die spanische Herrschaft beenden, sondern auch die Plantagenordnung gefährden. Umgekehrt bedeutete für viele Gegner der Sklaverei eine bloße Veränderung der staatlichen Zugehörigkeit noch keine gesellschaftliche Befreiung.
Zeit des Unabhängigkeitskriegs
Am 10. Oktober 1868 begann mit dem Aufstand von Carlos Manuel de Céspedes der erste große kubanische Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien. Die Erhebung entstand aus dem Zusammenwirken politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Konflikte. Teile der kreolischen Oberschicht verlangten eine Reform der Kolonialverwaltung, mehr wirtschaftliche Freiheit und eine stärkere politische Beteiligung. Die spanische Regierung hatte entsprechende Forderungen wiederholt nicht erfüllt. Zugleich blieb Kuba von einer auf Zuckerexport und Sklavenarbeit beruhenden Wirtschaftsordnung geprägt, deren Fortbestand sowohl von den Plantagenbesitzern als auch von der kolonialen Militärmacht geschützt wurde.
Céspedes war ein wohlhabender Plantagenbesitzer aus der Gegend von Manzanillo im Osten Kubas. Auf seinem Landgut La Demajagua erklärte er am 10. Oktober 1868 den Widerstand gegen Spanien und ließ die dort versklavten Menschen frei. Er rief sie dazu auf, sich dem Kampf anzuschließen. Dieser Schritt verlieh dem Aufstand eine soziale Dimension, die über die Forderung nach politischer Autonomie hinausging. Die Abschaffung der Sklaverei war jedoch unter den Aufständischen zunächst nicht unumstritten, denn manche Unabhängigkeitsbefürworter wollten die wirtschaftlichen Interessen der Großgrundbesitzer schützen.
Der Aufstand breitete sich vor allem im Osten der Insel aus. Die Rebellen nahmen die Stadt Bayamo ein, die sich zu einem frühen Zentrum der Unabhängigkeitsbewegung entwickelte. Als spanische Truppen die Stadt zurückzuerobern drohten, setzten Einwohner große Teile ihrer eigenen Stadt in Brand, damit sie nicht erneut unter spanische Kontrolle gerieten. Bayamo wurde damit zu einem Symbol des Widerstands. Das mit dem Aufstand verbundene patriotische Lied „La Bayamesa“, dessen Text von Perucho Figueredo stammte, wurde später zur kubanischen Nationalhymne.
Die Aufständischen wurden als Mambises bezeichnet. Sie verfügten zunächst über weniger Waffen, geringere militärische Ausbildung und eine schwächere logistische Versorgung als die spanischen Truppen. Ihre Vorteile lagen in der Kenntnis des Geländes, in der Beweglichkeit kleiner Verbände und in der Möglichkeit, sich in ländlichen Gebieten zurückzuziehen. Der Guerillakrieg wurde zu einer wichtigen Kampfweise. Die Rebellen griffen kleinere spanische Einheiten, Nachschubwege und militärische Einrichtungen an, vermieden jedoch häufig offene Schlachten, in denen die spanische Armee ihre zahlenmäßige und technische Überlegenheit hätte ausspielen können.
Im Verlauf des Krieges entstanden weitere revolutionäre Zentren in Camagüey und Las Villas. Zu den bedeutenden militärischen und politischen Führern gehörten Ignacio Agramonte, Máximo Gómez, Calixto García und Antonio Maceo. Agramonte spielte besonders in Camagüey eine wichtige Rolle, während Gómez, ein aus Santo Domingo stammender Berufssoldat, zu einem der fähigsten militärischen Führer der Unabhängigkeitsbewegung wurde. Maceo, der aus einer Familie freier Menschen afrikanischer und europäischer Herkunft stammte, entwickelte sich zu einem der wichtigsten Kommandeure der Rebellen.
Im April 1869 trat in Guáimaro eine Versammlung zusammen, die eine Verfassung für die revolutionäre Republik verabschiedete. Sie schuf politische Institutionen der sogenannten Republik in Waffen und versuchte, die verschiedenen regionalen Aufstandsbewegungen unter einer gemeinsamen Führung zu vereinigen. Die neue Ordnung war ein wichtiger Schritt zur Ausbildung eines kubanischen Staatsverständnisses. Gleichzeitig kam es zu Konflikten über die Verteilung politischer und militärischer Macht. Céspedes und die Vertreter der gesetzgebenden Versammlung vertraten unterschiedliche Auffassungen darüber, wie die politische Führung und der Oberbefehl über die Streitkräfte organisiert werden sollten.
Die Aufständischen hatten zudem Schwierigkeiten, den Krieg auf den wirtschaftlich besonders wichtigen Westen Kubas auszudehnen. Dort lagen zahlreiche große Zuckerplantagen, die einen bedeutenden Teil der kolonialen Einnahmen erwirtschafteten. Viele Plantagenbesitzer fürchteten, eine Ausweitung des Krieges könne ihre Betriebe zerstören und einen Aufstand der versklavten Bevölkerung auslösen. Die Zurückhaltung einflussreicher Gruppen im Westen begrenzte deshalb die Möglichkeiten der Unabhängigkeitsbewegung, die wirtschaftliche Grundlage der spanischen Herrschaft vollständig zu treffen.
Spanien setzte große militärische Kräfte ein, um die Rebellion niederzuschlagen. Der Krieg dauerte zehn Jahre und verursachte erhebliche Verluste unter Soldaten und Zivilbevölkerung. Dörfer, landwirtschaftliche Betriebe und Verkehrswege wurden zerstört, Viehbestände gingen zurück und die Produktion in den umkämpften Gebieten wurde beeinträchtigt. Die spanische Armee konnte ihre Truppen verstärken und ihre Kontrolle in mehreren Regionen wiederherstellen. Gleichzeitig verhinderten die Guerillataktik und die anhaltende Unterstützung der Aufständischen, dass der Widerstand vollständig beseitigt wurde.
Im Verlauf des Krieges veränderte sich auch die Frage der Sklaverei. Die Aufständischen waren auf die Beteiligung versklavter und freigelassener Menschen angewiesen, während Teile der Führung weiterhin zögerten, eine sofortige allgemeine Abschaffung durchzusetzen. Die spanische Seite versuchte ebenfalls, politische und soziale Gegensätze innerhalb der kubanischen Bevölkerung auszunutzen. Die Unabhängigkeitsbewegung blieb deshalb ein Bündnis unterschiedlicher Gruppen, deren Vorstellungen von Staat, Eigentum und gesellschaftlicher Ordnung nicht vollständig übereinstimmten.
1878 gelang es dem spanischen General Arsenio Martínez-Campos, militärischen Druck mit Verhandlungen zu verbinden. Am 10. Februar 1878 wurde der Frieden von Zanjón geschlossen. Die Vereinbarung beendete den organisierten Hauptkrieg und sah Reformen sowie die Freilassung bestimmter Gruppen versklavter Menschen vor, insbesondere jener, die aufseiten der Aufständischen gekämpft hatten. Eine allgemeine Abschaffung der Sklaverei brachte sie jedoch nicht. Auch die vollständige Unabhängigkeit Kubas wurde nicht gewährt. Die Zusagen politischer Reformen und einer Vertretung Kubas in den spanischen Cortes blieben hinter den Erwartungen vieler Unabhängigkeitskämpfer zurück.
Der Zehnjährige Krieg endete daher ohne die beiden zentralen Ziele vieler Rebellen: die vollständige Unabhängigkeit und die allgemeine Abschaffung der Sklaverei. Er hatte jedoch die politische Erfahrung, die militärischen Netzwerke und die Symbolik geschaffen, auf denen spätere Unabhängigkeitsbewegungen aufbauen konnten.
Nicht alle führenden Unabhängigkeitskämpfer akzeptierten den Frieden von Zanjón. Antonio Maceo lehnte die Vereinbarung ab, weil sie weder die Unabhängigkeit noch die sofortige Abschaffung der Sklaverei sicherte. Bei einem Treffen mit Martínez-Campos im März 1878 erklärte er, den Kampf nicht unter diesen Bedingungen aufzugeben. Diese Haltung wurde als Protest von Baraguá bekannt und gilt als ein wichtiges Zeichen dafür, dass die Unabhängigkeitsbewegung trotz der Niederlage fortbestand.
Der Protest führte nicht zur unmittelbaren Wiederaufnahme eines flächendeckenden Krieges. Die Aufständischen waren erschöpft, ihre militärischen Ressourcen waren begrenzt und die Bevölkerung vieler Gebiete hatte unter den langen Kämpfen gelitten. Maceo und andere führende Revolutionäre mussten schließlich das Land verlassen. Sie hielten jedoch an der Unabhängigkeitsforderung fest und versuchten im Exil, Unterstützung für einen neuen Aufstand zu gewinnen.
Von 1879 bis 1880 dauerte der sogenannte Kleine Krieg, Guerra Chiquita. Zu seinen wichtigen Organisatoren gehörte Calixto García, der von Exilnetzwerken aus die Wiederaufnahme des Kampfes unterstützte. Auch José Maceo, Guillermo Moncada und weitere Veteranen des Zehnjährigen Krieges beteiligten sich. Die Erhebung begann vor allem im Osten Kubas, konnte aber nicht die Stärke und die geographische Ausdehnung des vorherigen Krieges erreichen.
Die spanischen Behörden reagierten rasch mit militärischen Operationen. Den Aufständischen fehlten ausreichend Waffen, Nachschub, eine einheitliche Führung und eine breite Unterstützung in allen Landesteilen. Viele Menschen waren nach dem langen Krieg nicht bereit, erneut einen bewaffneten Konflikt zu beginnen. Die spanische Armee konnte die wichtigsten Widerstandszentren zerschlagen, und die letzten organisierten Gruppen mussten den Kampf einstellen. Der Kleine Krieg endete 1880 mit einer erneuten Niederlage der Unabhängigkeitsbewegung.
Trotz seines Scheiterns zeigte der Kleine Krieg, dass der Frieden von Zanjón die grundlegenden Konflikte nicht gelöst hatte. Die Forderung nach Unabhängigkeit blieb bestehen, und ehemalige Kommandeure hielten ihre Kontakte aufrecht. In den folgenden Jahren entstanden neue politische und organisatorische Strukturen im Exil, die den nächsten Aufstand vorbereiten sollten.
Nach dem Ende des Zehnjährigen Krieges begann eine Phase, in der Spanien einzelne Reformen einführte, ohne die politische Herrschaft über Kuba aufzugeben. Die Insel erhielt eine begrenzte Vertretung in den spanischen Cortes, doch die Kolonialverwaltung und der Generalkapitän behielten weitreichende Machtbefugnisse. Die erhoffte Selbstregierung blieb aus. Auch wirtschaftliche Konflikte bestanden fort: Kubanische Produzenten verlangten größere Handelsfreiheit, während die spanische Regierung weiterhin versuchte, die wirtschaftlichen Beziehungen an die Interessen des Mutterlandes zu binden.
Eine zentrale Frage blieb die Sklaverei. Der Frieden von Zanjón hatte nur bestimmten Gruppen die Freiheit zugesichert, insbesondere Menschen, die aufseiten der Aufständischen gekämpft hatten. Die übrigen Versklavten blieben zunächst in Abhängigkeit. 1880 beschloss Spanien ein Gesetz zur schrittweisen Abschaffung der Sklaverei, das als Patronato bekannt wurde. Es erklärte die bisherige Sklaverei formal für beendet, unterstellte die Betroffenen jedoch für eine Übergangszeit weiterhin der Kontrolle ihrer früheren Besitzer, die nun als Patrone bezeichnet wurden. Diese konnten weiterhin ihre Arbeitskraft beanspruchen. Die Regelung bedeutete daher keine sofortige tatsächliche Freiheit und wurde von Kritikern als Fortsetzung der Zwangsarbeit unter einer anderen rechtlichen Bezeichnung beurteilt.
Die Übergangsordnung wurde 1886 aufgehoben; damit endete die Sklaverei auf Kuba gesetzlich. Die Abschaffung veränderte die rechtliche Stellung der zuvor versklavten Menschen, beseitigte jedoch weder wirtschaftliche Abhängigkeiten noch rassistische Diskriminierung. Viele ehemalige Versklavte verfügten über kein Land und kaum eigenes Kapital. Sie mussten ihren Lebensunterhalt als Lohnarbeiter, Pächter, Kleinbauern, Hausangestellte oder Beschäftigte in städtischen Gewerben verdienen. Auf den Zuckerplantagen blieb die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch, und die Plantagenbesitzer suchten nach Wegen, die Arbeitskräfte auch nach der rechtlichen Abschaffung an ihre Betriebe zu binden.
Die Zuckerwirtschaft wandelte sich zugleich technisch und organisatorisch. Größere Zuckermühlen und zentralisierte Verarbeitungsanlagen gewannen an Bedeutung. Der Anbau und die Verarbeitung des Zuckerrohrs wurden zunehmend aufeinander abgestimmt, und kapitalintensive Betriebe konnten sich gegenüber kleineren Anlagen Vorteile verschaffen. Die Abschaffung der Sklaverei führte deshalb nicht zu einer Auflösung der Plantagenwirtschaft. Vielmehr entwickelte sich ein System, in dem Lohnarbeit, Pachtverhältnisse, Schuldenabhängigkeit und saisonale Beschäftigung nebeneinander bestanden.
Die Reformen beseitigten auch die politische Unzufriedenheit nicht. Autonomisten verlangten eine größere Selbstverwaltung innerhalb des spanischen Reiches, während Separatisten weiterhin die vollständige Unabhängigkeit anstrebten. Andere Kreise hielten einen Anschluss an die Vereinigten Staaten für erstrebenswert. Die gescheiterten Kriege hatten gezeigt, dass die Unabhängigkeitsbewegung eine bessere politische Organisation, eine breitere gesellschaftliche Basis und eine gemeinsame Führung benötigte.
In den Jahren nach dem Kleinen Krieg verlagerten sich wichtige Teile der kubanischen Unabhängigkeitsbewegung ins Exil. Kubanische Aktivisten lebten unter anderem in New York, Tampa und Key West sowie in weiteren Städten der Vereinigten Staaten und Lateinamerikas. Dort entstanden politische Vereine, Zeitungsredaktionen und Unterstützungsnetzwerke. Kubanische Zigarrenarbeiter in Florida bildeten wichtige Gemeinschaften, die Geld sammelten, Nachrichten verbreiteten und die Unabhängigkeitsbewegung unterstützten.
Eine zentrale Rolle übernahm José Martí, der Dichter, Journalist und politische Organisator, der seit seiner Jugend gegen die spanische Kolonialherrschaft aufgetreten war. Martí verstand die Unabhängigkeit nicht nur als Ablösung von Spanien, sondern als Aufbau eines eigenständigen kubanischen Gemeinwesens, das weder von Spanien noch von den Vereinigten Staaten beherrscht werden sollte. Er warnte davor, dass Kuba nach einer Befreiung von der spanischen Herrschaft in eine neue Abhängigkeit geraten könnte. Seine politische Vorstellung verband die nationale Unabhängigkeit mit der Forderung nach einer Republik, die unterschiedliche Bevölkerungsgruppen einbeziehen sollte.
Am 5. Januar 1892 wurde in Key West das Partido Revolucionario Cubano, die Kubanische Revolutionäre Partei, organisiert. Sie sollte die verschiedenen Exilgruppen zusammenführen, finanzielle Mittel für den Aufstand beschaffen und die Rückkehr bewaffneter Kräfte nach Kuba vorbereiten. Martí arbeitete mit Veteranen des Zehnjährigen Krieges zusammen, darunter Máximo Gómez und Antonio Maceo. Gómez übernahm eine zentrale militärische Rolle; Maceo war einer der erfahrensten und angesehensten Kommandeure der früheren Unabhängigkeitskriege.
Am 24. Februar 1895 begann der neue Aufstand, der als Grito de Baire bekannt wurde. In verschiedenen Orten Kubas erhoben sich Gruppen gegen die spanische Herrschaft. Martí und Gómez landeten im April 1895 im Osten der Insel, um die Bewegung vor Ort zu organisieren. Martí fiel am 19. Mai 1895 in der Schlacht von Dos Ríos. Sein Tod entzog der Bewegung einen ihrer wichtigsten politischen Denker und Organisatoren, machte ihn zugleich aber zu einer zentralen Symbolfigur der kubanischen Unabhängigkeit.
Am 25. März 1895 hatten Martí und Gómez in der Dominikanischen Republik das Manifest von Montecristi unterzeichnet. Das Dokument begründete den erneuten Krieg als Kampf gegen die koloniale Herrschaft und betonte, dass er nicht als Krieg gegen die spanische Bevölkerung schlechthin verstanden werden sollte. Die neue Republik sollte auf einer gemeinsamen kubanischen Identität beruhen und die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Menschen afrikanischer, europäischer und gemischter Herkunft überwinden. In der Praxis blieb die Verwirklichung dieser Ziele schwierig, weil rassistische Vorurteile, wirtschaftliche Ungleichheit und die unterschiedlichen Interessen der sozialen Gruppen fortbestanden.
Eine entscheidende Neuerung gegenüber dem Zehnjährigen Krieg war die Ausweitung des Kampfes auf den Westen. Máximo Gómez und Antonio Maceo führten die revolutionären Truppen in einem langen Feldzug von Osten nach Westen. Sie überschritten regionale Grenzen, griffen spanische Stützpunkte an und störten die wirtschaftliche Produktion, auf der die Kolonialverwaltung ihre Einnahmen aufbaute. Dadurch wurde der Konflikt zu einem landesweiten Krieg und bedrohte die wirtschaftlich besonders wichtige Zuckerregion um Matanzas und Havanna.
Die spanische Regierung reagierte mit der Entsendung großer Truppenverbände. Der Generalkapitän Valeriano Weyler übernahm 1896 die Führung der kolonialen Streitkräfte und setzte eine besonders harte Strategie ein, um die Aufständischen von ihrer Unterstützung in der Landbevölkerung abzuschneiden. Die spanischen Behörden zwangen zahlreiche Menschen in ländlichen Gebieten, ihre Wohnorte zu verlassen und sich in kontrollierten Siedlungen aufzuhalten. Diese sogenannte Reconcentración sollte verhindern, dass die Bevölkerung den Rebellen Lebensmittel, Informationen oder andere Hilfe zukommen ließ.
Die Zwangsumsiedlungen führten zu einer schweren humanitären Krise. Viele Betroffene verloren ihre Häuser, Felder und Nutztiere. In den überfüllten Konzentrationsorten fehlten häufig ausreichende Nahrung, sauberes Wasser und medizinische Versorgung. Krankheiten und Unterernährung forderten zahlreiche Opfer, insbesondere unter Kindern, älteren Menschen und anderen besonders gefährdeten Gruppen. Die spanische Militärpolitik zerstörte zugleich große Teile der landwirtschaftlichen Infrastruktur und verschärfte die wirtschaftlichen Folgen des Krieges.
Weylers Vorgehen löste internationale Kritik aus, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Amerikanische Zeitungen berichteten ausführlich über die Lage auf Kuba; die Berichterstattung trug dazu bei, die öffentliche Meinung gegen die spanische Kolonialpolitik zu mobilisieren. Die amerikanische Regierung hatte allerdings bereits zuvor wirtschaftliche und strategische Interessen an der Insel verfolgt. Der Konflikt zwischen Spanien und Kuba entwickelte sich deshalb zunehmend zu einer internationalen Krise.
1897 wurde Weyler abberufen. Die spanische Regierung versuchte, durch politische Zugeständnisse und die Einführung einer begrenzten Autonomie die Lage zu stabilisieren. Kuba erhielt kurz vor dem Ende der spanischen Herrschaft eine autonome Regierung mit eigenen Institutionen. Die Unabhängigkeitsbewegung akzeptierte diese Lösung jedoch nicht als ausreichenden Ersatz für die vollständige Loslösung von Spanien. Der Krieg ging weiter, und die spanische Verwaltung konnte die Aufständischen nicht entscheidend besiegen.
Die Kämpfe hatten bis dahin große Teile der Insel verwüstet. Zuckerplantagen, landwirtschaftliche Betriebe, Eisenbahnverbindungen und andere Verkehrswege wurden zerstört oder beschädigt. Die Exportwirtschaft brach in vielen Gebieten ein, während die Bevölkerung unter Zwangsumsiedlungen, Versorgungsmangel und Krankheiten litt. Die spanische Herrschaft stand damit sowohl militärisch als auch wirtschaftlich unter starkem Druck.
Die Vereinigten Staaten beobachteten den Krieg auf Kuba aus unmittelbarer geografischer Nähe. Amerikanische Unternehmen besaßen wirtschaftliche Interessen auf der Insel, insbesondere im Zuckerhandel, und die amerikanische Regierung betrachtete Kuba als strategisch bedeutenden Raum am Zugang zum Golf von Mexiko. Zugleich unterstützten Teile der amerikanischen Öffentlichkeit die kubanische Unabhängigkeitsbewegung. Diese Unterstützung verband sich mit wirtschaftlichen Interessen und mit dem Ziel, den Einfluss europäischer Kolonialmächte in der westlichen Hemisphäre zurückzudrängen.
Am 15. Februar 1898 explodierte das amerikanische Schlachtschiff USS Maine im Hafen von Havanna. Dabei kamen 266 Menschen ums Leben; ältere Darstellungen nennen teilweise abweichende Zahlen. Die Ursache der Explosion war damals ungeklärt und ist auch historisch nicht zweifelsfrei festgestellt worden. In den Vereinigten Staaten löste das Ereignis eine starke öffentliche Reaktion aus. Teile der Presse machten Spanien verantwortlich, obwohl der Nachweis einer spanischen Urheberschaft fehlte. Die Explosion wurde zu einem wichtigen Faktor bei der Eskalation des Konflikts, war jedoch nicht der einzige Grund für den Krieg.
Im April 1898 erklärten die Vereinigten Staaten Spanien den Krieg. Der US-Kongress hatte zuvor mit der Teller-Resolution erklärt, dass die Vereinigten Staaten Kuba nicht dauerhaft annektieren wollten. Im Krieg kämpften amerikanische Truppen gegen spanische Streitkräfte auf Kuba und in anderen spanischen Besitzungen. Die amerikanische Marine errang wichtige Siege, während die spanische Position auf der Insel zunehmend zusammenbrach. Kubanische Unabhängigkeitskämpfer trugen ebenfalls zum Kampf gegen die spanische Herrschaft bei, waren aber bei den entscheidenden internationalen Verhandlungen nicht gleichberechtigt vertreten.
Amerikanische Besatzungszeit
Der Krieg endete mit der Niederlage Spaniens. Im Vertrag von Paris vom 10. Dezember 1898 verzichtete Spanien auf seine Souveränitätsansprüche über Kuba und trat Puerto Rico, Guam und die Philippinen an die Vereinigten Staaten ab beziehungsweise überließ ihnen diese Gebiete gemäß den Vertragsbestimmungen. Kuba wurde nicht unmittelbar als unabhängiger Staat anerkannt, sondern zunächst unter amerikanische Militärverwaltung gestellt. Damit endete die spanische Kolonialherrschaft, ohne dass die kubanische Unabhängigkeitsbewegung ihr Ziel sofort verwirklichte.
Die amerikanische Besetzung begann 1898 und dauerte bis 1902. Die Militärverwaltung unter Leitung von US-Generälen übernahm die zentralen staatlichen Funktionen. Sie organisierte die öffentliche Verwaltung neu, investierte in Schulen und öffentliche Arbeiten und führte Maßnahmen zur Verbesserung der Hygiene durch. Amerikanische Mediziner und Verwaltungsbeamte bekämpften insbesondere Gelbfieber und andere Infektionskrankheiten. Diese Maßnahmen hatten gesundheitliche Bedeutung, dienten aber zugleich der Sicherung des amerikanischen Einflusses und der Verbesserung der Bedingungen für Handel und wirtschaftliche Tätigkeit.
Die Besatzungszeit war auch für die Eigentums- und Wirtschaftsverhältnisse folgenreich. Nach den Kriegszerstörungen waren viele kubanische Betriebe finanziell geschwächt. Amerikanische Investoren konnten Land, Zuckerbetriebe und andere Vermögenswerte erwerben oder Kapital in den Wiederaufbau investieren. Die wirtschaftliche Verbindung zu den Vereinigten Staaten verstärkte sich dadurch weiter. Kuba ging aus dem Krieg mit einer schwer beschädigten Infrastruktur und einer Wirtschaft hervor, die zunehmend auf den Zuckerexport und den nordamerikanischen Markt ausgerichtet war.
Während der amerikanischen Militärverwaltung wurde eine verfassunggebende Versammlung einberufen, die eine Verfassung für die künftige Republik ausarbeitete. Die Vereinigten Staaten machten den Abzug ihrer Truppen jedoch von Bedingungen abhängig, die den Handlungsspielraum des neuen Staates erheblich einschränkten. Diese Bedingungen wurden 1901 als Platt-Amendment in ein amerikanisches Gesetz aufgenommen und mussten von Kuba akzeptiert werden, bevor die Unabhängigkeit in Kraft treten konnte.
Das Platt-Amendment begrenzte die außenpolitische und finanzielle Handlungsfreiheit Kubas. Die Republik sollte keine Vereinbarungen mit anderen Staaten treffen dürfen, die nach amerikanischer Auffassung ihre Unabhängigkeit gefährdeten oder einer fremden Macht die Kontrolle über kubanisches Gebiet ermöglichten. Außerdem wurden der kubanischen Regierung Grenzen bei der Aufnahme öffentlicher Schulden gesetzt. Besonders weitreichend war die Bestimmung, dass die Vereinigten Staaten das Recht beanspruchten, in Kuba militärisch einzugreifen, um nach ihrer eigenen Auslegung die Unabhängigkeit, eine funktionsfähige Regierung sowie den Schutz von Leben und Eigentum sicherzustellen.
Eine weitere Bestimmung verpflichtete Kuba, den Vereinigten Staaten Land für Marine- und Kohlestationen zur Verfügung zu stellen. Auf dieser Grundlage wurde 1903 ein Vertrag über die Nutzung von Stützpunktgelände geschlossen. Die Vereinigten Staaten erhielten Rechte an der Guantánamo-Bucht im Südosten Kubas. Auch die Bucht von Bahía Honda war zunächst für einen amerikanischen Stützpunkt vorgesehen; die Vereinigten Staaten gaben diesen Anspruch 1912 auf. Die Nutzung der Guantánamo-Bucht blieb dagegen bestehen.
Das Platt-Amendment wurde in die kubanische Verfassungsordnung aufgenommen und durch einen Vertrag zwischen beiden Staaten abgesichert. Die kubanische Republik erhielt damit zwar eigene Institutionen und eine gewählte Regierung, musste aber eine weitreichende amerikanische Eingriffsmöglichkeit hinnehmen. Die Unabhängigkeit war deshalb von Beginn an eingeschränkt. Die Vereinigten Staaten verstanden die Regelung als Sicherung von Stabilität und Schutz ihrer Interessen; viele kubanische Nationalisten sahen darin eine Fortsetzung ausländischer Kontrolle mit anderen Mitteln.
Am 20. Mai 1902 wurde die Republik Kuba offiziell gegründet. Erster Präsident wurde Tomás Estrada Palma, ein ehemaliger Unabhängigkeitskämpfer, der lange im Exil gelebt hatte. Die Machtübergabe beendete die amerikanische Militärverwaltung und begründete formal einen eigenständigen kubanischen Staat. Die Feierlichkeiten waren ein wichtiger Moment der nationalen Selbstbestimmung. Gleichzeitig blieb die neue Republik wirtschaftlich stark von den Vereinigten Staaten abhängig und außenpolitisch durch das Platt-Amendment eingeschränkt.
Estrada Palma setzte auf eine vorsichtige Finanzpolitik, die Förderung ausländischer Investitionen und die Wiederherstellung der durch den Krieg beschädigten Wirtschaft. Die Regierung bemühte sich um den Ausbau von Schulen, Straßen und öffentlichen Einrichtungen. Der Zuckerexport gewann wieder an Bedeutung, und amerikanische Unternehmen investierten in Plantagen, Zuckerfabriken, Eisenbahnen und Hafenanlagen. Die geografische Nähe und der Zugang zum amerikanischen Markt begünstigten die wirtschaftliche Erholung.
1903 schlossen Kuba und die Vereinigten Staaten einen Handelsvertrag, der kubanischen und amerikanischen Waren gegenseitige Zollvergünstigungen gewährte. Für kubanischen Zucker erleichterte dies den Zugang zum US-Markt; im Gegenzug erhielten amerikanische Waren Vorteile auf Kuba. Das Abkommen verstärkte die wirtschaftliche Verflechtung beider Staaten. Die Zuckerwirtschaft erholte sich, doch die Abhängigkeit von einem dominierenden Exportprodukt und von einem einzelnen Hauptabsatzmarkt nahm ebenfalls zu.
Die Erholung verlief ungleichmäßig. Große Unternehmen und vermögende Landbesitzer konnten von Kapitalzuflüssen und steigenden Exporten besonders profitieren, während viele ländliche Arbeitskräfte weiterhin in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen lebten. Die saisonale Struktur der Zuckerproduktion führte dazu, dass Arbeiter während eines Teils des Jahres beschäftigt waren und in anderen Monaten nur begrenzte Einkommensmöglichkeiten hatten. Kleinbauern, ehemalige Plantagenarbeiter und städtische Beschäftigte profitierten deshalb nicht gleichermaßen von der wirtschaftlichen Entwicklung.
Politisch blieb die junge Republik von Konflikten zwischen den Parteien, Patronage und Vorwürfen des Machtmissbrauchs geprägt. Estrada Palma strebte 1905 beziehungsweise 1906 eine Wiederwahl an. Die Opposition warf seiner Regierung vor, staatliche Mittel und Verwaltungsbefugnisse zugunsten der regierenden Konservativen einzusetzen. Die Auseinandersetzung über die Wahl führte zu einer schweren Krise. Liberale Kräfte unter José Miguel Gómez und Alfredo Zayas unterstützten einen bewaffneten Aufstand, der sich 1906 ausweitete.
Estrada Palma konnte den Konflikt nicht unter Kontrolle bringen und bat die Vereinigten Staaten um Intervention. Die amerikanische Regierung entsandte Vertreter, doch eine politische Einigung scheiterte. Estrada Palma trat zurück, und die Vereinigten Staaten besetzten Kuba erneut. Damit zeigte sich, dass die Bestimmungen des Platt-Amendments nicht nur theoretische Einschränkungen darstellten, sondern unmittelbar in die politische Entwicklung eingreifen konnten.
Im September 1906 übernahmen die Vereinigten Staaten erneut die Kontrolle über Kuba. Die zweite Besetzung dauerte bis Anfang 1909. Zunächst wurde William Howard Taft mit der Übergangsverwaltung betraut, später übernahm Charles E. Magoon die Leitung der amerikanischen Zivilverwaltung. Die Vereinigten Staaten begründeten ihr Eingreifen mit der Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung und der Verhinderung eines Bürgerkrieges. Tatsächlich verfügten sie aufgrund des Platt-Amendments über die Möglichkeit, die politische Entwicklung Kubas maßgeblich zu beeinflussen.
Die Besatzungsverwaltung organisierte staatliche Institutionen neu, beaufsichtigte die Finanzen und setzte eigene Vorstellungen über Verwaltung, Infrastruktur und öffentliche Ordnung um. Sie führte auch öffentliche Bauvorhaben weiter und griff in das politische Leben ein. Die amerikanische Präsenz schuf kurzfristig eine übergeordnete Macht, die zwischen den konkurrierenden kubanischen Parteien vermitteln konnte. Zugleich zeigte sie, dass die kubanische Regierung nicht uneingeschränkt über die eigene politische Ordnung verfügte.
Die Besetzung fiel in eine Phase wirtschaftlicher Unsicherheit. Die internationale Wirtschaftskrise von 1907 wirkte sich auf Handel und Investitionen aus. Die Zuckerwirtschaft blieb von der Nachfrage und den Preisen auf dem Weltmarkt abhängig. Die ausländischen Investitionen nahmen längerfristig zu, besonders aus den Vereinigten Staaten, wo Unternehmen Land und Zuckerbetriebe erwarben. Diese Entwicklung stärkte die Produktionskapazität, vergrößerte aber auch den Einfluss ausländischen Kapitals auf die kubanische Wirtschaft.
Im Januar 1909 endete die zweite amerikanische Besetzung. José Miguel Gómez, der Kandidat der Liberalen, übernahm die Präsidentschaft. Die Rückkehr zu einer kubanischen Regierung bedeutete jedoch nicht, dass die amerikanische Einflussnahme beendet war. Das Platt-Amendment blieb in Kraft, und die Vereinigten Staaten konnten weiterhin Druck ausüben, wenn sie ihre politischen oder wirtschaftlichen Interessen gefährdet sahen.
José Miguel Gómez regierte von 1909 bis 1913. Seine Amtszeit war von dem Versuch geprägt, die staatlichen Institutionen zu konsolidieren, zugleich aber auch von Korruption, parteipolitischen Konflikten und anhaltenden sozialen Ungleichheiten. Die politische Führung der Republik wurde überwiegend von weißen Angehörigen der etablierten Gesellschaft geprägt. Obwohl Afro-Kubaner einen wichtigen Anteil am Unabhängigkeitskampf geleistet hatten, blieben sie in Politik, Verwaltung und wirtschaftlichen Machtpositionen deutlich unterrepräsentiert.
Aus dieser Situation entstand 1908 unter der Führung von Evaristo Estenoz und Pedro Ivonet die Partido Independiente de Color, die Partei der Unabhängigen der Hautfarbe. Sie verlangte eine wirksamere Gleichstellung schwarzer Kubaner, den Abbau rassistischer Benachteiligungen und einen besseren Zugang zu öffentlichen Ämtern und gesellschaftlichen Aufstiegsmöglichkeiten. Die Partei gewann zahlreiche Anhänger, insbesondere unter Afro-Kubanern, die sich von der politischen Ordnung der Republik ausgeschlossen fühlten.
Die Existenz einer ausdrücklich auf die Interessen schwarzer Kubaner ausgerichteten Partei stieß auf erheblichen Widerstand. Kritiker behaupteten, sie gefährde die nationale Einheit und fördere eine Trennung der Bevölkerung nach Hautfarbe. 1910 wurde die Partei durch ein Gesetz verboten, das politische Organisationen auf Grundlage der Hautfarbe untersagte. Ihre Mitglieder verloren damit einen wichtigen legalen Weg, ihre Forderungen zu vertreten.
1912 kam es zu Protesten und einem bewaffneten Aufstand, der vor allem im Osten Kubas stattfand. Die Regierung Gómez setzte Militär und Polizei gegen die Bewegung ein. Die Unterdrückung entwickelte sich zu einem Massaker an Afro-Kubanern. Nicht nur bewaffnete Aufständische, sondern auch zahlreiche unbewaffnete Menschen wurden getötet. Die genaue Opferzahl ist umstritten; wissenschaftliche Darstellungen nennen mehrere Tausend Tote, häufig Schätzungen zwischen etwa 3.000 und 6.000. Die Vereinigten Staaten entsandten Truppen in den Osten Kubas, offiziell zum Schutz amerikanischen Eigentums. Die kubanische Regierung führte die Niederschlagung der Bewegung fort.
Die Ereignisse von 1912 waren ein schwerer Rückschlag für die afro-kubanische politische Organisierung. Sie zeigten, dass die republikanischen Ideale von Gleichheit und gemeinsamer nationaler Zugehörigkeit nicht automatisch zur Überwindung des Rassismus führten. Die politische Führung stellte die nationale Einheit häufig über die offene Auseinandersetzung mit rassistischer Ungleichheit. Afro-kubanische Forderungen nach Gleichberechtigung wurden dadurch teilweise als Bedrohung der Republik dargestellt, anstatt als Bestandteil ihrer demokratischen Entwicklung anerkannt zu werden.
1913 übernahm Mario García Menocal die Präsidentschaft. Er war eng mit der Zuckerwirtschaft verbunden und regierte bis 1921. Seine Amtszeit fiel zunächst in eine Phase zunehmender Investitionen in die Zuckerproduktion. Amerikanische Unternehmen erwarben oder kontrollierten weitere Betriebe und Landflächen, und der Anteil ausländischen Kapitals an der kubanischen Wirtschaft nahm zu. Der Zuckerexport blieb der wichtigste Motor der wirtschaftlichen Entwicklung.
Der Erste Weltkrieg, der 1914 begann, veränderte die internationalen Handelsbedingungen. Die Nachfrage nach Zucker blieb hoch, während die europäische Produktion und der Handel durch den Krieg beeinträchtigt wurden. Kuba konnte diese Lage nutzen, um seine Lieferungen auszuweiten. Der Zuckerpreis stieg stark an, und die Einnahmen der Produzenten nahmen zu. Viele Plantagenbesitzer, Händler und Investoren erzielten erhebliche Gewinne. In Kuba wurde diese Phase später als Danza de los Millones, als „Tanz der Millionen“, bezeichnet.
Der Boom führte zu einem beschleunigten Ausbau der Zuckerproduktion. Neue Anbauflächen wurden erschlossen, bestehende Betriebe erweitert und Verarbeitungsanlagen modernisiert. Die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg, und Saisonarbeiter aus verschiedenen Regionen Kubas sowie Einwanderer aus anderen karibischen Gebieten fanden Beschäftigung. Zugleich blieb die Wirtschaftsstruktur einseitig. Die starke Konzentration auf Zucker machte Kuba anfällig für Schwankungen der Weltmarktpreise.
Die Gewinne waren zudem ungleich verteilt. Große Plantagenbesitzer, Zuckerunternehmen, Banken und Händler profitierten besonders von den hohen Preisen. Viele Arbeiter erhielten zwar zeitweise höhere Löhne oder fanden Beschäftigung, blieben aber von der saisonalen Produktion abhängig. Die wirtschaftliche Expansion führte deshalb nicht zu einer gleichmäßigen Verbesserung der Lebensbedingungen. Landbesitz und Kapital konzentrierten sich weiterhin bei vergleichsweise kleinen Gruppen.
Politisch verschärften sich die Konflikte zwischen Konservativen und Liberalen. Die Präsidentschaftswahl von 1916 war von Vorwürfen der Manipulation und des Wahlbetrugs begleitet. Menocal blieb im Amt, während die Liberalen unter José Miguel Gómez das Ergebnis nicht anerkannten. 1917 kam es zum bewaffneten Aufstand, der als La Chambelona bekannt wurde. Die Regierung setzte militärische Kräfte ein, und die Vereinigten Staaten unterstützten Menocals Regierung politisch. Amerikanische Truppen landeten in Kuba; außerdem wirkte der amerikanische General Enoch Crowder als Vermittler in der politischen Krise.
Die Interventionen von 1912 und 1917 verdeutlichten die Grenzen der kubanischen Souveränität. Die Vereinigten Staaten nutzten ihre vertraglichen Rechte und ihre wirtschaftliche Macht, um Einfluss auf innenpolitische Auseinandersetzungen auszuüben. Die kubanischen Parteien wiederum versuchten, die amerikanische Haltung für ihre jeweiligen Interessen zu nutzen. Das politische System blieb dadurch von inneren Konflikten und äußerer Einflussnahme geprägt.
Kuba trat am 7. April 1917 aufseiten der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten in den Ersten Weltkrieg ein. Der Schritt erfolgte kurz nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten und stand im Zusammenhang mit den engen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen beiden Staaten. Kuba erklärte Deutschland den Krieg und unterstützte die alliierten Kriegsanstrengungen. Die Insel wurde jedoch nicht zu einem bedeutenden Schauplatz großer Landkämpfe.
Die Kriegsjahre verstärkten die wirtschaftliche Bedeutung Kubas als Zuckerlieferant. Die internationale Nachfrage und die eingeschränkten Liefermöglichkeiten aus anderen Produktionsgebieten trugen zum Anstieg der Preise bei. Der Zuckerboom brachte hohe Einnahmen, zog Kapital an und förderte den Ausbau der Exportwirtschaft. Gleichzeitig nahm die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten als Absatzmarkt, Kapitalgeber und politischem Einflusszentrum weiter zu.
Die starke Ausrichtung auf Zucker beeinflusste auch die Entwicklung der Infrastruktur. Eisenbahnen, Häfen, Lageranlagen und Verarbeitungsbetriebe dienten vor allem dem Transport und Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Der Ausbau dieser Einrichtungen verbesserte zwar die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bestimmter Regionen, schuf aber nur begrenzt eine vielfältige industrielle Grundlage. Die kubanische Wirtschaft blieb anfällig gegenüber Änderungen der Zuckerpreise und der internationalen Nachfrage.
Gegen Ende des Ersten Weltkriegs und in der unmittelbaren Nachkriegszeit erreichten die Zuckerpreise zeitweise außergewöhnlich hohe Werte. Viele Unternehmen und Spekulanten gingen davon aus, dass die Nachfrage dauerhaft auf diesem Niveau bleiben würde. Es wurde in zusätzliche Produktionskapazitäten investiert, und der Zuckerhandel zog umfangreiche Kredite und spekulative Geschäfte an. Die wirtschaftliche Entwicklung beruhte damit nicht nur auf der tatsächlichen Nachfrage, sondern auch auf Erwartungen über künftige Preise.
1920 brachen die Zuckerpreise ein. Nach dem Ende des Krieges nahm die europäische Produktion wieder zu, während sich die internationale Nachfrage und die Marktbedingungen veränderten. Gleichzeitig war zuvor mehr Zucker produziert und gehandelt worden, als zu den hohen Preisen dauerhaft abgesetzt werden konnte. Der Preissturz traf kubanische Produzenten, Händler und Banken schwer. Unternehmen, die sich während des Booms stark verschuldet hatten, gerieten in Zahlungsschwierigkeiten. Die Krise breitete sich auf weitere Teile der Wirtschaft aus.
Der Zusammenbruch des Zuckerbooms wird häufig als Danza de los Millones mit anschließender Krise beschrieben. Er offenbarte die Risiken einer Wirtschaft, die stark von einem einzigen Exportprodukt und dessen Weltmarktpreis abhing. Banken gerieten unter Druck, Vermögenswerte verloren an Wert und Unternehmen mussten ihre Ausgaben reduzieren. Besonders kleine Produzenten, Beschäftigte und Personen ohne finanzielle Rücklagen waren von Einkommensverlusten betroffen.
1921 übernahm Alfredo Zayas die Präsidentschaft. Seine Amtszeit begann unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Die Regierung musste sich mit den Folgen der Finanzkrise, mit Schuldenproblemen und mit den Forderungen nach einer Reform des politischen Systems auseinandersetzen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verstärkten die Kritik an Korruption und an der engen Verbindung zwischen politischen Entscheidungsträgern, Banken und Großunternehmen.
Die Vereinigten Staaten blieben in dieser Phase der wichtigste wirtschaftliche und politische Bezugspunkt Kubas. Amerikanische Banken und Unternehmen verfügten über erheblichen Einfluss auf die Finanzierung der Zuckerwirtschaft. Die Krise erhöhte die Abhängigkeit von ausländischem Kapital, weil kubanische Unternehmen und staatliche Stellen auf Kredite und Investitionen angewiesen waren. Zugleich wurde die politische Rolle des amerikanischen Gesandten und des Generals Enoch Crowder in Kuba zunehmend sichtbar. Crowder übte während der Zayas-Regierung Druck auf die Verwaltung und die Finanzpolitik aus und setzte sich für bestimmte Reformen ein. Dies wurde von kubanischen Nationalisten als Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Republik kritisiert.
Die innenpolitische Opposition gewann in diesen Jahren an Gewicht. Studenten, Intellektuelle und reformorientierte Gruppen kritisierten Korruption, die mangelnde Leistungsfähigkeit der Verwaltung und die fortdauernde Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten. 1923 kam es unter anderem zum Protest der Dreizehn, bei dem Intellektuelle gegen Korruption und Missstände in öffentlichen Institutionen auftraten. Auch die Studentenbewegung entwickelte sich zu einem wichtigen Träger politischer Kritik. Solche Initiativen kündigten eine stärkere öffentliche Auseinandersetzung mit den sozialen und politischen Problemen der Republik an.
1925 näherte sich die Amtszeit von Zayas ihrem Ende. Im selben Jahr wurde Gerardo Machado zum Präsidenten gewählt; er trat das Amt im Mai 1925 an. Mit seinem Amtsantritt begann eine neue Phase der kubanischen Geschichte, die zunächst von Modernisierungsversprechen geprägt war, später aber zunehmend autoritäre Züge annahm. Bis 1925 hatte Kuba somit eine eigenständige staatliche Ordnung aufgebaut, war aber wirtschaftlich stark auf Zucker und den US-Markt ausgerichtet geblieben. Die wiederholten amerikanischen Interventionen, die soziale Ungleichheit, der Rassismus und die Korruption hatten die Legitimität der jungen Republik geschwächt.
Diktatorische Ära
Als Gerardo Machado y Morales im Mai 1925 das Präsidentenamt übernahm, befand sich Kuba in einer schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage. Der Zusammenbruch des Zuckerbooms von 1920 hatte die Abhängigkeit der Insel vom Weltmarkt offengelegt. Unternehmen, Banken und Plantagenbesitzer mussten mit sinkenden Einnahmen und finanziellen Schwierigkeiten umgehen. Zugleich wuchs die Unzufriedenheit mit Korruption, sozialer Ungleichheit und der fortdauernden politischen Einflussnahme der Vereinigten Staaten.
Machado war ein ehemaliger General und hatte sich als Politiker mit nationalistischen und modernisierungsorientierten Versprechen profiliert. Er kündigte den Ausbau der Infrastruktur, die Förderung der Wirtschaft und eine Stärkung des kubanischen Nationalstaats an. Zu den sichtbaren Projekten seiner Regierung gehörte der Ausbau des Straßennetzes, insbesondere der Beginn des Baus der Carretera Central, einer zentralen Fernstraße, die zahlreiche Regionen der Insel miteinander verbinden sollte. Das Straßenbauprogramm verbesserte die Verkehrsverbindungen und wurde von der Regierung als Zeichen nationaler Modernisierung dargestellt.
Die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Maßnahmen gingen jedoch mit einer zunehmenden Konzentration politischer Macht einher. Machado strebte danach, die Exekutive zu stärken, oppositionelle Kräfte zurückzudrängen und seine Amtszeit über die verfassungsmäßigen Grenzen hinaus zu verlängern. Seine Regierung entwickelte sich zu einem autoritären System, in dem Polizei, Militär und Geheimdienste gegen politische Gegner eingesetzt wurden. Oppositionelle Politiker, Gewerkschafter, Studenten und Journalisten wurden überwacht, eingeschüchtert, verhaftet oder ins Exil gezwungen. Auch gewaltsame Übergriffe und politische Morde prägten die Herrschaft.
Machado wurde häufig als „tropischer Mussolini“ bezeichnet. Der Vergleich bezog sich auf seinen autoritären Führungsstil, seinen ausgeprägten Nationalismus und den Versuch, staatliche Institutionen und gesellschaftliche Organisationen stärker seiner persönlichen Kontrolle zu unterwerfen. Anders als eine parlamentarisch verantwortliche Regierung stützte sich sein Herrschaftssystem zunehmend auf Repression und die Ausschaltung politischer Konkurrenz.
Ein wichtiger Wendepunkt war die Wahl von 1928. Machado ließ eine Verfassungsänderung durchsetzen, die ihm eine Verlängerung seiner Amtszeit ermöglichte. Bei der Wahl trat er als dominierender Kandidat auf; eine wirksame demokratische Konkurrenz war kaum vorhanden. Die Hoffnung, ihn bei einer regulären Wahl ablösen zu können, schwand damit weiter. Der Widerstand verlagerte sich zunehmend auf außerparlamentarische Aktionen, Studentenproteste, Streiks und konspirative Gruppen.
Der Widerstand gegen Machado vereinte unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen. Teile der bürgerlichen Opposition kritisierten die Einschränkung der Verfassungsordnung und die politische Korruption. Studenten und Intellektuelle forderten demokratische Rechte und eine Erneuerung der Republik. Gewerkschaften und linke Organisationen wandten sich gegen Repression, schlechte Arbeitsbedingungen und die Macht wirtschaftlicher Eliten. Diese Gruppen teilten die Ablehnung der Diktatur, hatten jedoch unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie Kuba nach Machado regiert werden sollte.
Die Universität von Havanna wurde zu einem wichtigen Zentrum oppositioneller Aktivitäten. Studenten protestierten gegen die Regierung und forderten politische Reformen. 1927 entstand aus dem studentischen Widerstand die Directorio Estudiantil Universitario, eine Organisation, die sich gegen Machados Herrschaft stellte. Die Regierung reagierte mit Überwachung, Verhaftungen und der Schließung beziehungsweise Einschränkung universitärer Aktivitäten. Die Auseinandersetzung zwischen Regierung und Studenten trug dazu bei, die Opposition über die Universitäten hinaus zu mobilisieren.
Auch die Arbeiterbewegung gewann an Bedeutung. Gewerkschaften und kommunistische Organisationen organisierten Streiks und protestierten gegen die wirtschaftlichen Verhältnisse. Die Kommunistische Partei Kubas war 1925 gegründet worden. Sie verband den Kampf gegen die Diktatur mit Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und einer grundlegenden Veränderung der gesellschaftlichen Ordnung. Ihre Mitglieder wurden von der Regierung verfolgt, und ihre Tätigkeit war wiederholt Einschränkungen ausgesetzt.
Neben politischen Organisationen entstanden konspirative Gruppen, die den Sturz Machados mit Gewalt herbeiführen wollten. Dazu gehörte die ABC-Bewegung, die sich vor allem aus Angehörigen der städtischen Mittelschichten und der bürgerlichen Jugend zusammensetzte. Sie verübte Anschläge auf Vertreter der Regierung und auf Personen, die sie als Stützen des Regimes betrachtete. Die Regierung beantwortete solche Aktionen mit verschärfter Repression. Verhaftungen, Folter, Hinrichtungen und politische Morde trugen dazu bei, dass sich die Gewaltspirale weiter verschärfte.
Die Gewalt ging damit nicht allein von staatlichen Organen aus. Teile der Opposition griffen ebenfalls zu terroristischen Mitteln, während andere Gruppen auf Streiks, Demonstrationen und politische Mobilisierung setzten. Die Opposition war kein einheitlicher Block. Sie umfasste liberale und konservative Gegner Machados, Studenten, Gewerkschafter, Kommunisten, nationalistische Aktivisten und bewaffnete Verschwörer. Ihr gemeinsames Ziel war zunächst der Sturz des Präsidenten; über die politische und soziale Ordnung danach bestand keine allgemeine Einigkeit.
Die Regierung griff auch auf besonders harte Formen der Strafverfolgung zurück. Die Garrotte, ein Hinrichtungsinstrument, das durch die Strangulation des Verurteilten wirkte, wurde weiterhin zur Vollstreckung von Todesurteilen eingesetzt. Politische Gefangene waren in Gefängnissen Gewalt und Misshandlungen ausgesetzt. Die staatliche Repression untergrub die Legitimität der Regierung und verstärkte die Bereitschaft verschiedener Gruppen, den Sturz Machados zu unterstützen.
Die Weltwirtschaftskrise, die 1929 mit dem Börsenkrach in den Vereinigten Staaten einsetzte, traf Kuba besonders schwer. Die kubanische Wirtschaft war stark vom Zuckerexport abhängig, und die Nachfrage sowie die Preise für Zucker gingen zurück. Die Krise führte zu sinkenden Staatseinnahmen, Unternehmensschließungen und Arbeitslosigkeit. Viele Arbeiter verloren ihre Beschäftigung oder mussten mit niedrigeren Löhnen auskommen. Auch Kleinbauern und Beschäftigte in städtischen Dienstleistungsbereichen litten unter dem Rückgang der Kaufkraft.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verschärften die politischen Konflikte. Streiks und Demonstrationen nahmen zu, und immer mehr gesellschaftliche Gruppen wandten sich gegen Machado. Die Regierung reagierte mit weiteren Repressionsmaßnahmen, konnte die Ausbreitung des Widerstands aber nicht aufhalten. Auch Teile der wirtschaftlichen und politischen Elite, die anfangs auf Stabilität unter Machado gesetzt hatten, begannen, seine Herrschaft als Gefahr für die öffentliche Ordnung und die wirtschaftlichen Interessen des Landes zu betrachten.
Im Sommer 1933 kam es zu einer breiten Protestbewegung. Studenten, Arbeiter und oppositionelle Gruppen beteiligten sich an Streiks und Demonstrationen. Ein landesweiter Streik im August lähmte große Teile des öffentlichen Lebens. Zugleich verlor Machado zunehmend die Unterstützung innerhalb des Militärs. Die Vereinigten Staaten, die unter Präsident Franklin D. Roosevelt ihre Lateinamerikapolitik neu ausrichteten, drängten ebenfalls auf eine Lösung der Krise. Der amerikanische Botschafter Sumner Welles versuchte, zwischen Machado und seinen Gegnern zu vermitteln.
Machado trat am 12. August 1933 zurück und floh ins Ausland. Sein Sturz war das Ergebnis des Zusammenwirkens von Massenprotesten, Streiks, politischer Opposition und dem Verlust der militärischen Unterstützung. Er beendete die Diktatur, schuf aber keine unmittelbar stabile demokratische Ordnung. In den folgenden Monaten entwickelte sich eine Phase rascher Regierungswechsel, militärischer Interventionen und politischer Neuordnung.
Nach dem Sturz Machados blieb die politische Lage instabil. Am 13. August 1933 übernahm Carlos Manuel de Céspedes y Quesada zunächst die Präsidentschaft. Er sollte einen Übergang zu einer neuen politischen Ordnung organisieren, konnte aber weder die sozialen Erwartungen der Protestbewegung erfüllen noch die Machtverhältnisse innerhalb der Streitkräfte dauerhaft stabilisieren.
Am 4. September 1933 kam es zum sogenannten Unteroffiziersaufstand. Eine Gruppe von Unteroffizieren und Mannschaftsdienstgraden der kubanischen Armee erhob sich gegen die bestehende militärische Führung. Unter den führenden Beteiligten war der Sergeant Fulgencio Batista Zaldívar. Die Bewegung wurde von Teilen der Studentenopposition unterstützt und entwickelte sich zu einem entscheidenden Machtwechsel. Céspedes verlor sein Amt, und zunächst übernahm ein fünfköpfiges Gremium, die sogenannte Pentarquía, die Regierungsgewalt.
Wenig später wurde Ramón Grau San Martín zum Präsidenten einer provisorischen Regierung ernannt. Grau war Arzt und Universitätsprofessor und gehörte zu den Gegnern Machados. Seine Regierung, die von September 1933 bis Januar 1934 bestand, versuchte, einige Forderungen der Revolution von 1933 umzusetzen. Dazu gehörten arbeitsrechtliche Reformen, eine stärkere staatliche Regulierung der Wirtschaft und Maßnahmen zur Verbesserung der Stellung kubanischer Beschäftigter. Die Regierung erklärte außerdem das Platt-Amendment einseitig für nichtig, obwohl Kuba damit die vertragliche Bindung an die Vereinigten Staaten nicht selbstständig aufheben konnte.
Batista wurde unterdessen zum entscheidenden Machtfaktor innerhalb der Armee. Er stieg zum Oberbefehlshaber auf und nutzte die militärische Stellung, um die politische Entwicklung maßgeblich zu bestimmen. Im Januar 1934 verlor Grau die Unterstützung der Streitkräfte und musste zurücktreten. Batista setzte Carlos Mendieta als Präsidenten ein. In den folgenden Jahren wechselten mehrere Präsidenten, während Batista als Armeechef die tatsächliche Macht ausübte.
Die Vereinigten Staaten beobachteten die Entwicklung aufmerksam. Präsident Franklin D. Roosevelt verfolgte mit seiner Good Neighbor Policy eine Politik, die offen militärische Eingriffe in Lateinamerika möglichst vermeiden sollte. 1934 wurde das Platt-Amendment aufgehoben. Damit entfiel die vertragliche Grundlage für das zuvor beanspruchte allgemeine amerikanische Interventionsrecht in Kuba. Die Vereinigten Staaten behielten jedoch ihre wirtschaftlichen Interessen und den Marinestützpunkt Guantánamo. Die Aufhebung des Platt-Amendments stärkte die formale staatliche Souveränität Kubas, beendete aber nicht die wirtschaftliche und politische Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten.
Die Jahre nach 1933 waren von Machtkämpfen, Streiks, politischen Anschlägen und Konflikten innerhalb der Streitkräfte geprägt. Batista wechselte dabei zwischen repressiver Machtausübung und politischer Zusammenarbeit mit Gewerkschaften, Parteien und gesellschaftlichen Gruppen. Er erkannte, dass sich seine Herrschaft nicht allein durch militärische Gewalt stabilisieren ließ. Deshalb unterstützte er in bestimmten Phasen soziale Reformen und suchte Bündnisse mit politischen Kräften, die zuvor gegen die Diktatur Machados gekämpft hatten.
Ein wesentlicher Schritt zur politischen Neuordnung war die Ausarbeitung einer neuen Verfassung. Die Verfassung von 1940 entstand in einer verfassunggebenden Versammlung, an der unterschiedliche politische Strömungen beteiligt waren. Sie wurde am 1. Juli 1940 verabschiedet und trat im Oktober desselben Jahres in Kraft. Das Dokument gehörte zu den sozialpolitisch fortschrittlicheren Verfassungen Lateinamerikas seiner Zeit.
Die Verfassung verankerte zahlreiche soziale und arbeitsrechtliche Grundsätze. Sie enthielt Bestimmungen zum Schutz der Arbeitnehmer, zur Begrenzung der Arbeitszeit, zu Gewerkschaftsrechten und zur staatlichen Verantwortung für soziale Belange. Sie formulierte außerdem Grundsätze zur Bildung, zur Eigentumsordnung und zur Rolle des Staates in der Wirtschaft. Die Umsetzung vieler Bestimmungen hing allerdings von späteren Gesetzen und der tatsächlichen politischen Machtverteilung ab. Nicht alle verfassungsrechtlichen Versprechen wurden in der Praxis umfassend verwirklicht.
Die Verfassung von 1940 stellte einen Kompromiss zwischen verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Kräften dar. Gewerkschaften und linke Parteien unterstützten soziale Rechte, während andere Gruppen vor allem eine stabile republikanische Ordnung und die Begrenzung persönlicher Herrschaft anstrebten. Batista akzeptierte den verfassungsmäßigen Rahmen und kandidierte bei der Präsidentschaftswahl von 1940. Er gewann die Wahl und trat das Präsidentenamt an.
Batistas Regierung setzte Teile der sozialen Reformagenda um. Seine Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und kommunistischen Politikern war dabei politisch bedeutsam. Vertreter kommunistischer Organisationen hatten bereits in der Gewerkschaftsbewegung Einfluss gewonnen und unterstützten zeitweise eine Politik, die Arbeitsrechte und staatliche Stabilität miteinander verbinden sollte. Die Kommunisten waren in dieser Phase nicht grundsätzlich Gegner Batistas; ihre Beziehungen zu ihm veränderten sich entsprechend den politischen Bedingungen und ihren eigenen strategischen Zielen.
Die Präsidentschaft von 1940 bis 1944 war zugleich von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs geprägt. Kuba erklärte Deutschland und Italien 1941 den Krieg und unterstützte die Alliierten. Die kubanische Marine beteiligte sich an der Sicherung von Seewegen und an der Bekämpfung deutscher U-Boote in der Karibik. Der Krieg beeinflusste den Handel und die Versorgung, während die Nachfrage nach Zucker und anderen Erzeugnissen für die alliierte Kriegswirtschaft wirtschaftliche Bedeutung hatte.
Die Verfassung begrenzte die unmittelbare Wiederwahl des Präsidenten. Batista akzeptierte diese Regelung und kandidierte 1944 nicht erneut. Bei der Wahl gewann Ramón Grau San Martín, der frühere Präsident von 1933, als Kandidat der Partido Revolucionario Cubano (Auténticos). Batista verließ nach dem Ende seiner Amtszeit Kuba und lebte zeitweise in Florida. Seine politische Karriere war damit jedoch nicht beendet.
Ramón Grau San Martín regierte von 1944 bis 1948. Seine Regierung war zunächst mit Erwartungen verbunden, die politischen Reformen der Revolution von 1933 fortzusetzen und die Verfassung von 1940 umzusetzen. Die Nachkriegszeit brachte wirtschaftliche Chancen, weil die Nachfrage nach Zucker hoch blieb und sich der internationale Handel wieder ausweitete. Die städtische Mittelschicht wuchs, und die Konsummöglichkeiten eines Teils der Bevölkerung nahmen zu.
Gleichzeitig verschärften sich die Probleme der politischen Verwaltung. Korruption, Patronage und die Verteilung staatlicher Mittel zugunsten politischer Unterstützer beschädigten das Vertrauen in die Regierungsparteien. In Teilen der öffentlichen Verwaltung und des politischen Systems blieben persönliche Netzwerke und wirtschaftliche Interessen einflussreicher Gruppen bestimmend. Auch Gewalt zwischen rivalisierenden Organisationen und bewaffneten Gruppen trug dazu bei, dass die öffentliche Ordnung als unzuverlässig wahrgenommen wurde.
1948 wurde Carlos Prío Socarrás, ebenfalls ein Vertreter der Auténticos, zum Präsidenten gewählt. Seine Regierung bemühte sich um wirtschaftliche Entwicklung und die Aufrechterhaltung der verfassungsmäßigen Ordnung, konnte aber die Korruptionsvorwürfe und die politischen Spannungen nicht ausräumen. Die Diskrepanz zwischen den demokratischen Versprechen der Republik und den tatsächlichen Verhältnissen wurde zu einem zentralen Thema der öffentlichen Debatte.
Aus der Unzufriedenheit mit der etablierten Politik entstand 1947 die Partido del Pueblo Cubano (Ortodoxos), die Partei des kubanischen Volkes, auch als Orthodoxe Partei bekannt. Ihr bedeutendster Gründer und Sprecher war Eduardo Chibás. Er kritisierte Korruption, Vetternwirtschaft und die Abweichung der Auténticos von ihren ursprünglichen Reformversprechen. Chibás nutzte Rundfunkansprachen, um Missstände öffentlich anzuprangern. Seine Auftritte erreichten ein großes Publikum und machten ihn zu einer wichtigen Figur der politischen Opposition.
Fidel Castro, damals ein junger Rechtsanwalt, schloss sich der Orthodoxen Partei an. Er war in der studentischen Politik aktiv und vertrat eine zunehmend radikale Kritik am politischen System. Die Orthodoxen waren allerdings keine einheitlich revolutionäre Organisation. Zu ihren Anhängern gehörten Menschen, die eine Wiederherstellung demokratischer Institutionen, die Bekämpfung der Korruption und soziale Reformen anstrebten. Innerhalb der Partei bestanden unterschiedliche Vorstellungen darüber, ob diese Ziele durch Wahlen und Reformen oder durch einen grundlegenden politischen Bruch erreicht werden sollten.
Eduardo Chibás erschoss sich am 5. August 1951 während einer Radiosendung, nachdem er in einer Korruptionsaffäre keinen ausreichenden Beweis für eine von ihm erhobene Anschuldigung vorlegen konnte. Er starb am 16. August an seinen Verletzungen. Sein Tod erschütterte die Orthodoxe Partei und schwächte ihre Führung. Die Partei blieb jedoch bei der Bevölkerung einflussreich und galt im Vorfeld der für 1952 geplanten Wahlen als aussichtsreiche politische Kraft.
Die Präsidentschaft Príos stand damit am Ende einer Phase, in der Kuba über eine Verfassung, Parteienwettbewerb und regelmäßige Wahlen verfügte, zugleich aber mit Korruption, Gewalt und einer wachsenden Enttäuschung über die politischen Eliten zu kämpfen hatte. Diese Krise bildete den unmittelbaren Hintergrund für Batistas Rückkehr an die Macht.
Revolutionszeit
Für den 1. Juni 1952 waren Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vorgesehen. Fulgencio Batista hatte sich erneut um die Präsidentschaft beworben, seine Aussichten auf einen Wahlsieg galten jedoch als begrenzt. Die Orthodoxe Partei unter dem Einfluss von Eduardo Chibás’ politischem Erbe und die Auténticos verfügten über beträchtliche Unterstützung. Batista entschied sich deshalb, die Macht vor der Wahl mit militärischen Mitteln zu übernehmen.
Am 10. März 1952 besetzten Batista und ihm ergebene Militärs wichtige Einrichtungen in Havanna. Präsident Carlos Prío Socarrás wurde gestürzt, die geplanten Wahlen wurden abgesagt und die Verfassung von 1940 außer Kraft gesetzt beziehungsweise in ihren zentralen demokratischen Garantien suspendiert. Batista errichtete eine autoritäre Regierung, die sich auf die Streitkräfte, Teile der wirtschaftlichen Elite und die staatlichen Sicherheitsorgane stützte.
Der Putsch beendete den verfassungsmäßigen Regierungswechsel. Die neue Führung schränkte politische Freiheiten ein, kontrollierte die Presse und ging gegen oppositionelle Aktivitäten vor. Die Regierung regierte zunächst auf Grundlage von Verordnungen und einer von ihr geschaffenen verfassungsrechtlichen Ersatzordnung. Damit wurde die demokratische Legitimität des Staates schwer beschädigt.
Batista begründete den Putsch mit der angeblichen Unfähigkeit der bisherigen Regierung und der Notwendigkeit, Korruption und politische Instabilität zu überwinden. Seine Machtübernahme war jedoch selbst ein Bruch mit der Verfassungsordnung. Viele Menschen, die zuvor die etablierten Parteien kritisiert hatten, lehnten deshalb auch Batistas Herrschaft ab. Besonders unter Studenten, jüngeren Intellektuellen und Anhängern der Orthodoxen Partei wuchs die Überzeugung, dass eine Rückkehr zu demokratischen Verhältnissen durch gewöhnliche Wahlen unter den neuen Bedingungen kaum möglich sei.
Fidel Castro reagierte auf den Putsch zunächst mit einem juristischen Vorgehen. Er reichte eine Klage ein, in der er Batista wegen des Verfassungsbruchs zur Verantwortung ziehen lassen wollte. Die Klage blieb erfolglos. Castro argumentierte anschließend, dass die Ausschöpfung der legalen Möglichkeiten gescheitert sei und der Widerstand gegen die Regierung deshalb gerechtfertigt sei. Diese Auffassung wurde zur Grundlage seiner Entscheidung, eine bewaffnete Erhebung vorzubereiten.
Am 26. Juli 1953 führte Fidel Castro eine Gruppe von Aufständischen bei einem Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba an. Die Kaserne war eine bedeutende militärische Einrichtung im Osten der Insel. Eine weitere Gruppe griff gleichzeitig einen kleineren Militärposten in Bayamo an. Die Angreifer hofften, Waffen zu erbeuten, die Bevölkerung zum Aufstand zu bewegen und damit eine breitere Bewegung gegen Batista auszulösen.
Der Angriff auf die Moncada-Kaserne scheiterte. Die Angreifer waren schlecht ausgerüstet, hatten nur begrenzte militärische Erfahrung und konnten die Verteidigung der Anlage nicht überwinden. Ein Teil der Gruppe wurde während der Kämpfe getötet, andere wurden gefangen genommen. Einige Gefangene wurden nach ihrer Festnahme misshandelt und außergerichtlich getötet. Castro selbst entkam zunächst, wurde aber wenige Tage später gefasst. Sein Bruder Raúl Castro, der ebenfalls an der Aktion beteiligt war, wurde gleichfalls festgenommen.
Der Angriff war militärisch ein Fehlschlag, erhielt jedoch große politische Bedeutung. Die überlebenden Beteiligten wurden vor Gericht gestellt. Fidel Castro verteidigte sich selbst und hielt eine Rede, in der er die Verfassungswidrigkeit des Batista-Regimes angriff und politische sowie soziale Reformen forderte. Die Rede wurde später unter dem Titel „Die Geschichte wird mich freisprechen“ bekannt. Castro stellte darin die Wiederherstellung der Verfassung von 1940, die Bekämpfung der Korruption, Veränderungen im Landbesitz und weitere soziale Maßnahmen in den Mittelpunkt.
Castro wurde zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt und auf der Gefängnisinsel Isla de Pinos inhaftiert. Die Regierung versuchte, die Bewegung durch die Verurteilung ihrer Führung zu schwächen. Zugleich trugen die Prozesse und Berichte über die Behandlung der Gefangenen dazu bei, Castro und seine Mitstreiter einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Der 26. Juli wurde später zum Namen der revolutionären Bewegung, die aus dem Umfeld der gescheiterten Aktion hervorging.
1955 gewährte Batista im Rahmen einer Amnestie zahlreichen politischen Gefangenen die Freiheit. Fidel und Raúl Castro kamen frei und gingen ins Exil. Fidel reiste zunächst in die Vereinigten Staaten und anschließend nach Mexiko, wo er die Vorbereitung eines neuen bewaffneten Kampfes fortsetzte. Dort schlossen sich ihm weitere Gegner der kubanischen Regierung an, darunter der argentinische Arzt Ernesto Guevara, der später als Che Guevara bekannt wurde.
Im mexikanischen Exil organisierte Fidel Castro die Bewegung des 26. Juli neu. Ziel war nun nicht mehr nur eine begrenzte militärische Aktion, sondern der Sturz Batistas durch einen längerfristigen bewaffneten Kampf, der durch politische Mobilisierung im Land unterstützt werden sollte. Die Bewegung rekrutierte Mitglieder unter Exilkubanern und suchte Kontakte zu oppositionellen Gruppen innerhalb Kubas. Ihre Anhänger hatten unterschiedliche politische Hintergründe, verbanden aber die Ablehnung der Diktatur mit dem Ziel, die Machtverhältnisse grundlegend zu verändern.
Die Vorbereitung des Unternehmens erfolgte unter schwierigen finanziellen und organisatorischen Bedingungen. Die Gruppe beschaffte Waffen, organisierte Ausbildung und plante die Überfahrt nach Kuba. Am 25. November 1956 verließ die Yacht Granma den mexikanischen Hafen Tuxpan mit 82 Expeditionsteilnehmern an Bord. Das Schiff war für eine so große Gruppe nur begrenzt geeignet, und die Überfahrt verlief unter schwierigen Bedingungen.
Am 2. Dezember 1956 landeten die Expeditionsteilnehmer an der Südküste der damaligen Provinz Oriente, in der Nähe des heutigen Playa Las Coloradas. Die Landung verlief nicht wie geplant. Die Gruppe erreichte Kuba verspätet, und die Verbindung zu den Unterstützern, die im Land einen Aufstand auslösen sollten, war beeinträchtigt. Kurz nach der Landung wurden die Revolutionäre von Regierungstruppen angegriffen. Viele wurden getötet oder gefangen genommen; nur ein kleiner Teil konnte entkommen.
Die Überlebenden zogen sich in die Sierra Maestra zurück, ein schwer zugängliches Gebirge im Osten Kubas. Dort begannen sie, ihre Organisation neu aufzubauen. Die geringe Zahl der verbliebenen Kämpfer machte zunächst größere militärische Operationen unmöglich. Sie waren auf lokale Unterstützer, Lebensmittel, Informationen und sichere Rückzugsorte angewiesen. Bauern, Landarbeiter und andere Bewohner der Region halfen der Bewegung in unterschiedlichem Umfang. Ihre Beweggründe reichten von der Ablehnung Batistas über persönliche und wirtschaftliche Konflikte bis hin zur Hoffnung auf soziale Veränderungen.
Die Revolutionäre versuchten, eine disziplinierte Guerillatruppe aufzubauen. Sie griffen kleinere Militärposten an, beschafften Waffen und nutzten die unübersichtliche Gebirgslandschaft, um stärkeren Regierungseinheiten auszuweichen. Die Sierra Maestra wurde zum wichtigsten Stützpunkt der Bewegung des 26. Juli. Che Guevara übernahm eine militärische Führungsrolle, während Raúl Castro und weitere Kommandeure eigene Gruppen organisierten.
Die Bewegung beschränkte sich nicht auf den Guerillakrieg im Gebirge. In Städten wie Santiago de Cuba und Havanna arbeiteten Unterstützer an der Verbreitung politischer Botschaften, an der Beschaffung von Geld und Material sowie an Aktionen gegen die Regierung. Frank País gehörte zu den bedeutenden Organisatoren des städtischen Widerstands im Osten. Die Verbindung zwischen bewaffnetem Kampf auf dem Land und oppositioneller Tätigkeit in den Städten war für die Entwicklung der Revolution wichtig, blieb aber anfällig für Polizeirazzien, Verrat und die Zerschlagung einzelner Netzwerke.
Im Jahr 1957 gelang es den Guerillakämpfern, trotz ihrer geringen Zahl in der Sierra Maestra präsent zu bleiben und ihre politische Wirkung zu erhöhen. Am 17. Januar 1957 griffen sie den Militärposten von La Plata an. Der Erfolg war militärisch begrenzt, aber für die Bewegung wichtig, weil er zeigte, dass die Regierungstruppen nicht überall die Kontrolle behielten. Die Revolutionäre versuchten, ihre Stellung durch weitere Angriffe, die Gewinnung lokaler Unterstützer und eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit zu festigen.
Im Februar 1957 veröffentlichte der amerikanische Journalist Herbert L. Matthews in der New York Times einen Bericht über sein Treffen mit Fidel Castro in der Sierra Maestra. Die Veröffentlichung widersprach der Darstellung der Regierung, die Guerillabewegung sei praktisch vernichtet worden. Die Berichte machten Castro international bekannter und stärkten den Eindruck, dass sich eine ernst zu nehmende Opposition entwickelt hatte. Die Bewegung des 26. Juli nutzte Zeitungen, Rundfunkkontakte und eigene Mitteilungen, um ihre Ziele zu verbreiten.
Die Regierung reagierte mit Militäroperationen und verschärfter Überwachung. Im Juli 1957 wurde Frank País in Santiago de Cuba von Angehörigen der Sicherheitskräfte getötet. Sein Tod löste Proteste und einen Generalstreik in der Stadt aus. País war ein wichtiger Organisator des städtischen Widerstands gewesen, und seine Ermordung verstärkte die Ablehnung des Regimes in Teilen der Bevölkerung. Zugleich zeigte sie, wie eng die ländliche Guerillabewegung mit dem Widerstand in den Städten verbunden war.
Im März 1957 hatte eine andere oppositionelle Gruppe, das Directorio Revolucionario Estudiantil, einen Angriff auf den Präsidentenpalast in Havanna unternommen. Ziel war es, Batista zu töten und einen politischen Umsturz auszulösen. Der Angriff scheiterte; zahlreiche Beteiligte wurden getötet. Die Aktion verdeutlichte, dass die Opposition aus verschiedenen Gruppen mit unterschiedlichen Organisationsformen bestand. Nicht alle Gegner Batistas gehörten der Bewegung des 26. Juli an, und auch die Vorstellungen über die politische Ordnung nach seinem Sturz waren nicht einheitlich.
Im Jahr 1958 versuchte Batista, die Guerillabewegung militärisch zu zerschlagen. Im Mai begann eine groß angelegte Offensive gegen die Sierra Maestra, an der mehrere tausend Regierungssoldaten beteiligt waren. Die Regierungstruppen sollten die Rebellen einkreisen, ihre Versorgung unterbrechen und ihre Stützpunkte zerstören. Die Guerillakämpfer wichen jedoch aus, nutzten das Gelände und griffen kleinere Einheiten an. Die Offensive scheiterte schließlich, und die Regierungstruppen zogen sich zurück. Der militärische Misserfolg schwächte das Ansehen des Regimes und stärkte das Selbstvertrauen der Rebellen.
Im Verlauf des Jahres 1958 erweiterten die Revolutionäre ihre Operationsgebiete. Raúl Castro etablierte im Osten einen weiteren Kampfbereich, während andere Kommandeure den Widerstand in den zentralen Landesteilen vorantrieben. Che Guevara und Camilo Cienfuegos führten Kolonnen in Richtung Zentralkuba. Diese Bewegung nach Westen war strategisch bedeutsam, weil sie die Verbindung zwischen den östlichen Rückzugsgebieten und den wirtschaftlich sowie verkehrstechnisch wichtigen Regionen im Zentrum und Westen der Insel bedrohte.
Die Regierung verlor zugleich zunehmend die Unterstützung wichtiger gesellschaftlicher Gruppen. Teile der Wirtschaftselite waren über die Instabilität und die Korruption beunruhigt. Gewerkschaften, Studenten und andere oppositionelle Gruppen lehnten die Repression ab. Auch innerhalb der Streitkräfte wuchsen Zweifel an der Fähigkeit des Regimes, den Krieg zu gewinnen. Die Vereinigten Staaten, die Batista lange unterstützt hatten, verhängten im März 1958 ein Waffenembargo gegen seine Regierung. Damit wurde die militärische Versorgung durch den wichtigsten ausländischen Partner eingeschränkt.
Im April 1958 rief die Bewegung des 26. Juli zu einem Generalstreik auf, der Batista stürzen sollte. Der Streik blieb hinter den Erwartungen zurück und konnte das Regime nicht unmittelbar zu Fall bringen. Die Bewegung musste daraus erkennen, dass ihre politische Unterstützung nicht automatisch in eine landesweite Arbeitsniederlegung umgesetzt werden konnte. Danach gewann der militärische Vormarsch der Guerillaverbände weiter an Bedeutung. Zugleich blieb die Unterstützung durch städtische Netzwerke und Teile der Bevölkerung wichtig, da die Rebellen allein aus eigener Kraft nur begrenzte Ressourcen besaßen.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1958 verschlechterte sich die Lage der Regierungstruppen weiter. Die Rebellen verfügten inzwischen über größere Erfahrung, mehr Waffen und eine bessere Koordination zwischen verschiedenen Kampfgebieten. Sie griffen Verkehrsverbindungen an, isolierten einzelne Garnisonen und versuchten, die staatliche Kontrolle über ländliche Gebiete zu schwächen. Die Regierung konnte zwar weiterhin Städte und wichtige Einrichtungen verteidigen, verlor aber zunehmend die Initiative.
Eine entscheidende Rolle spielte der Vormarsch der revolutionären Kolonnen in Zentralkuba. Che Guevaras Truppen erreichten die Umgebung von Santa Clara, einer wichtigen Stadt an Verkehrswegen, die den Osten und Westen der Insel verbanden. Ende Dezember 1958 kam es dort zu schweren Kämpfen. Die Rebellen unterbrachen Eisenbahnverbindungen und griffen einen gepanzerten Zug an, der Verstärkungen und Waffen für die Regierungstruppen transportierte. Die Eroberung des Zuges verschaffte ihnen zusätzliches Material und schwächte die Verteidigung der Stadt.
Santa Clara fiel Ende Dezember 1958 an die Revolutionäre. Der Verlust der Stadt war für Batista ein schwerer militärischer und politischer Rückschlag. Auch andere Gebiete gerieten zunehmend unter Kontrolle der Aufständischen. Camilo Cienfuegos führte seine Truppen gegen Yaguajay, während weitere Einheiten im Osten und in der Mitte der Insel vorrückten. Die Regierung konnte keine geschlossene Verteidigungslinie mehr aufrechterhalten.
Die Erfolge der Rebellen waren nicht ausschließlich auf ihre militärische Stärke zurückzuführen. Die Moral der Regierungstruppen war geschwächt, die politische Führung verlor an Rückhalt, und die zunehmende Korruption hatte das Vertrauen in das Regime untergraben. Teile der Bevölkerung unterstützten die Revolutionäre, andere verhielten sich abwartend oder versuchten, sich aus den Kämpfen herauszuhalten. Die Situation unterschied sich von Region zu Region, und die revolutionäre Bewegung verfügte nicht überall über dieselbe Unterstützung.
In den letzten Dezembertagen 1958 wurde deutlich, dass Batista seine Herrschaft kaum noch aufrechterhalten konnte. In der Nacht vom 31. Dezember 1958 auf den 1. Januar 1959 floh er aus Kuba. Er begab sich zunächst in die Dominikanische Republik und lebte später im Exil in Portugal und Spanien. Mit seiner Flucht brach die politische Ordnung seines Regimes zusammen.
Nach Batistas Flucht übernahmen zunächst verschiedene militärische und zivile Kräfte die Kontrolle über Teile des Staates. Die revolutionären Verbände rückten in die Städte vor. Santiago de Cuba fiel Anfang Januar 1959 unter die Kontrolle der Rebellen. Fidel Castro rief von dort aus zum Generalstreik auf und erklärte, dass die Revolution nicht durch eine bloße Ablösung Batistas beendet werden dürfe, sondern eine grundlegende politische Neuordnung erfordere.
Havanna wurde am 1. Januar 1959 nicht unmittelbar von Castro selbst eingenommen. Die Hauptstadt geriet in den folgenden Tagen unter die Kontrolle revolutionärer Kräfte. Che Guevara und Camilo Cienfuegos rückten mit ihren Einheiten in die Stadt ein; Castro erreichte Havanna am 8. Januar nach einem mehrtägigen Vormarsch durch Kuba. Große Teile der Bevölkerung begrüßten den Zusammenbruch der Diktatur, doch die politischen Vorstellungen der verschiedenen revolutionären Gruppen blieben unterschiedlich.
Am 1. Januar 1959 übernahm zunächst eine Übergangsregierung unter Manuel Urrutia Lleó die politische Verantwortung. Urrutia war ein Richter, der sich gegen Batista gestellt hatte. José Miró Cardona wurde zunächst Regierungschef. Fidel Castro war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Ministerpräsident; dieses Amt übernahm er am 16. Februar 1959. Der Machtwechsel beruhte auf dem militärischen Sieg der Guerillabewegung, der Unterstützung durch Teile der städtischen Opposition und dem Zusammenbruch der staatlichen Führung.
Die Revolutionäre versprachen, die Verfassungsordnung wiederherzustellen, Korruption zu bekämpfen und soziale Reformen durchzuführen. Zu den zentralen Erwartungen gehörten Veränderungen im Landbesitz, Verbesserungen im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie eine Verringerung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten. Die Bewegung des 26. Juli war jedoch kein vollständig einheitliches politisches Lager. Liberale Demokraten, Nationalisten, Sozialreformer, Sozialisten und Kommunisten hatten sich aus unterschiedlichen Gründen gegen Batista gestellt. Die Frage, welche politische und wirtschaftliche Ordnung an die Stelle der Diktatur treten sollte, war deshalb noch nicht abschließend geklärt.
Die neue Regierung begann mit Gerichtsverfahren gegen Angehörige des Batista-Regimes und gegen Personen, denen schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden. Die Verfahren führten zu Todesurteilen und Hinrichtungen, die im In- und Ausland kontrovers beurteilt wurden. Gleichzeitig wurden staatliche Einrichtungen neu organisiert und Maßnahmen gegen Korruption eingeleitet. Die Revolution bedeutete damit nicht nur einen Regierungswechsel, sondern den Beginn einer umfassenden Umgestaltung des kubanischen Staates.
Kuba verfügte 1959 über eine im karibischen Vergleich bedeutende Infrastruktur, ein ausgebautes Straßen- und Eisenbahnnetz, städtische Industrie- und Dienstleistungsbereiche sowie eine wichtige Zuckerwirtschaft. Die Insel war zugleich stark vom Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse und von wirtschaftlichen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten abhängig. Amerikanische Unternehmen und Investoren hatten beträchtliche Positionen in Bereichen wie Zuckerproduktion, Energieversorgung, Bergbau, Telekommunikation und Tourismus aufgebaut.
Die wirtschaftliche Entwicklung war regional und sozial ungleich. Havanna war das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum. Die Hauptstadt verfügte über moderne Hotels, Banken, Verkehrsanlagen, Universitäten, Theater und Medienunternehmen. In den ländlichen Gebieten bestanden dagegen vielerorts unzureichende Infrastruktur und eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung. Die Zuckerwirtschaft bot saisonale Beschäftigung, sodass viele Landarbeiter außerhalb der Erntezeit nur begrenzte Einkommensmöglichkeiten hatten. Die sozialen Unterschiede zwischen städtischen Mittelschichten, Großgrundbesitzern, Beschäftigten im Dienstleistungssektor und ländlichen Arbeitern blieben erheblich.
Der Tourismus war besonders in Havanna und in einigen Küstengebieten zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig geworden. Amerikanische Besucher nutzten Hotels, Spielkasinos, Restaurants und Unterhaltungsangebote. Der Sektor brachte Einnahmen und Beschäftigung, war aber ebenfalls eng mit ausländischem Kapital verbunden. Daneben bestanden wirtschaftliche und soziale Probleme, die mit der politischen Korruption und der Verbindung zwischen Teilen der Geschäftswelt, staatlichen Funktionären und kriminellen Netzwerken zusammenhingen.
Der Sieg der Revolution am Jahresanfang 1959 beendete die Herrschaft Batistas und eröffnete eine neue politische Phase. Bis zum Ende des Jahres war die zukünftige Staats- und Wirtschaftsordnung jedoch noch in Entwicklung. Die revolutionäre Regierung leitete tiefgreifende Reformen ein und geriet zunehmend in Konflikt mit Teilen der kubanischen Oberschicht und mit den Vereinigten Staaten.
Kommunistische Zeit
Am 1. Januar 1959 floh Diktator Fulgencio Batista angesichts des militärischen Vormarsches der von Fidel Castro angeführten Revolutionstruppen aus dem Land. Damit endete eine seit 1952 bestehende Herrschaft, die sich auf das Militär, Teile der wirtschaftlichen Elite und die Unterstützung der Vereinigten Staaten gestützt hatte. Die Revolutionäre zogen in den folgenden Tagen in die wichtigsten Städte ein. Fidel Castro erreichte Havanna am 8. Januar 1959. Zunächst übernahm Manuel Urrutia Lleó das Amt des Präsidenten, während José Miró Cardona die Regierung leitete. Die tatsächliche politische Macht lag jedoch zunehmend bei Castro und der revolutionären Führung.
Die neue Regierung begann mit der Verfolgung von Angehörigen des Batista-Regimes, denen Folter, Mord und andere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden. Vor revolutionären Gerichten wurden zahlreiche ehemalige Funktionäre und Militärangehörige verurteilt und hingerichtet. Gleichzeitig leitete die Regierung tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen ein. Die erste Agrarreform vom Mai 1959 begrenzte den Großgrundbesitz und ermöglichte die Enteignung umfangreicher Ländereien. Betroffen waren auch US-amerikanische Unternehmen, die auf Kuba große Flächen besaßen. Das Land sollte gerechter verteilt, die Abhängigkeit von ausländischen Großunternehmen verringert und die wirtschaftliche Selbstständigkeit gestärkt werden.
Die Revolution stieß zunächst auch außerhalb der kommunistischen Bewegung auf Unterstützung, weil sie soziale Ungleichheit, Korruption und die politische Dominanz wirtschaftlicher Eliten bekämpfte. Bald verschärften sich jedoch die Konflikte innerhalb der revolutionären Führung. Liberale und gemäßigte Kräfte verloren an Einfluss, während Fidel Castro, sein Bruder Raúl Castro und Ernesto Che Guevara die politische und wirtschaftliche Neuordnung vorantrieben. Präsident Urrutia trat im Juli 1959 zurück, nachdem er sich öffentlich gegen den wachsenden Einfluss der Kommunisten ausgesprochen hatte. Fidel Castro übernahm daraufhin erneut die Führung der Regierung als Ministerpräsident. Die revolutionäre Bewegung entwickelte sich zunehmend zu einem zentralisierten politischen System, in dem unabhängige Parteien und oppositionelle Organisationen immer weniger Handlungsmöglichkeiten besaßen.
Im Jahr 1960 verstaatlichte die Regierung zahlreiche Unternehmen, Banken, Raffinerien und weitere wirtschaftliche Einrichtungen. Besonders weitreichend waren die Enteignungen US-amerikanischen Eigentums. Als US-Unternehmen sich weigerten, sowjetisches Erdöl in ihren kubanischen Raffinerien zu verarbeiten, übernahm der Staat die betreffenden Anlagen. Washington reagierte mit wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen und schränkte den Handel mit Kuba ein. Kuba wiederum verstaatlichte weitere US-amerikanische Unternehmen, darunter große Betriebe der Zuckerwirtschaft. Die wirtschaftliche Konfrontation führte zu einer raschen Verschlechterung der Beziehungen zwischen beiden Staaten. Die kubanische Regierung orientierte sich zunehmend an der Sowjetunion, die Erdöl lieferte, kubanischen Zucker abnahm und wirtschaftliche sowie militärische Unterstützung gewährte.
Im September 1960 reiste Fidel Castro zur Generalversammlung der Vereinten Nationen nach New York und vertiefte die Kontakte zu Staaten des sozialistischen Lagers. Im Oktober desselben Jahres verhängten die Vereinigten Staaten weitreichende Exportbeschränkungen gegen Kuba. Im Januar 1961 brachen beide Länder ihre diplomatischen Beziehungen ab. Der Konflikt hatte damit eine internationale Dimension angenommen und wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Kalten Krieges in der westlichen Hemisphäre.
Im April 1961 versuchten von der CIA unterstützte kubanische Exilanten, die Regierung Castro durch eine bewaffnete Landung in der Schweinebucht im Süden Kubas zu stürzen. Die Invasion begann am 17. April und scheiterte innerhalb weniger Tage am Widerstand der kubanischen Streitkräfte und Milizen. Die Niederlage stärkte Fidel Castros Stellung und festigte die Ausrichtung des Landes auf die Sowjetunion. Am 16. April 1961 erklärte Castro den sozialistischen Charakter der Revolution. Im Dezember desselben Jahres bezeichnete er sich öffentlich als Marxisten-Leninisten. Damit war der Übergang zu einem sozialistischen Staats- und Wirtschaftssystem ausdrücklich vollzogen.
Im Bildungswesen begann eine umfangreiche Alphabetisierungskampagne, die 1961 durchgeführt wurde. Tausende Lehrer und freiwillige Helfer reisten in ländliche Gebiete, um Lesen und Schreiben zu vermitteln. Die Regierung erklärte das Jahr zum Jahr der Bildung und meldete einen erheblichen Rückgang der Analphabetenquote. Gleichzeitig wurden private Schulen und zahlreiche kirchliche Bildungseinrichtungen in das staatliche System eingegliedert. Das Gesundheitswesen wurde schrittweise ausgebaut und stärker auf eine flächendeckende medizinische Grundversorgung ausgerichtet. Diese Maßnahmen gehörten zu den wichtigsten sozialen Errungenschaften, mit denen die Revolution ihre Legitimität begründete.
Im Oktober 1962 erreichte die Konfrontation mit den Vereinigten Staaten ihren gefährlichsten Höhepunkt. Die Sowjetunion hatte begonnen, auf Kuba atomar bestückbare Mittelstreckenraketen zu stationieren, nachdem sich die amerikanische Regierung unter John F. Kennedy bereits durch die US-amerikanische Überlegenheit bei Atomwaffen und die gescheiterte Invasion von 1961 im Vorteil gesehen hatte. Am 22. Oktober 1962 kündigte Kennedy eine Seeblockade, offiziell als Quarantäne bezeichnet, gegen Kuba an. Während der folgenden Tage drohte eine direkte militärische Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Am 28. Oktober erklärte der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow seine Bereitschaft, die Raketen abzuziehen. Die Vereinigten Staaten sagten im Gegenzug zu, Kuba nicht zu überfallen; außerdem vereinbarten Washington und Moskau vertraulich den späteren Abzug amerikanischer Jupiter-Raketen aus der Türkei. Die kubanische Führung war an den entscheidenden Verhandlungen zwischen den beiden Supermächten nur eingeschränkt beteiligt. Die Krise festigte Kubas Rolle als strategisch bedeutender Verbündeter der Sowjetunion, zeigte aber zugleich die Abhängigkeit des Landes von den Entscheidungen seiner Schutzmacht.
In den folgenden Jahren wurde das politische System weiter zentralisiert. 1965 entstand die Kommunistische Partei Kubas als führende politische Organisation des Landes. Sie vereinigte die maßgeblichen Kräfte der Revolution und beanspruchte die politische Führung des Staates. Andere Parteien erhielten keine Möglichkeit, in einem freien Wettbewerb um die Regierungsmacht zu konkurrieren. Unabhängige Gewerkschaften, oppositionelle Bewegungen und kritische Medien wurden eingeschränkt oder unter staatliche Kontrolle gebracht. Gegner des politischen Systems wurden verfolgt, inhaftiert oder zur Auswanderung gedrängt. Auch Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer religiösen Überzeugungen als politisch unzuverlässig galten, waren zeitweise Diskriminierung und staatlichen Repressionen ausgesetzt.
Die wirtschaftliche Entwicklung blieb stark auf die Zuckerproduktion und den Außenhandel mit dem Ostblock ausgerichtet. Die Regierung versuchte, die Landwirtschaft und die Industrie nach zentralen Planvorgaben zu organisieren. 1968 wurden im Rahmen einer umfassenden Verstaatlichungsaktion auch zahlreiche kleinere private Geschäfte und Handwerksbetriebe übernommen. Dadurch wurde die private Wirtschaft erheblich zurückgedrängt. Gleichzeitig führte die zentrale Planung wiederholt zu Produktionsproblemen, Versorgungsengpässen und einer geringen wirtschaftlichen Produktivität. Die Führung setzte auf große Mobilisierungskampagnen, um die Arbeitsleistung zu steigern und die Produktion zu erhöhen.
Ein besonders ambitioniertes Vorhaben war die sogenannte Zehn-Millionen-Tonnen-Zuckerernte von 1970. Fidel Castro wollte in diesem Jahr zehn Millionen Tonnen Zucker produzieren lassen und mobilisierte dafür große Teile der Bevölkerung sowie erhebliche staatliche Ressourcen. Tatsächlich wurden ungefähr 8,5 Millionen Tonnen erreicht. Obwohl dies eine außergewöhnlich hohe Ernte darstellte, blieb das Ziel unerfüllt. Die Kampagne verursachte erhebliche Belastungen für andere Wirtschaftsbereiche und verdeutlichte die Grenzen einer Wirtschaftssteuerung, die sich stark auf politische Mobilisierung und einzelne Großprojekte stützte.
Im Jahr 1972 trat Kuba dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe bei, der die wirtschaftliche Zusammenarbeit der sozialistischen Staaten koordinierte. Dadurch wurde das Land noch enger in die Wirtschaftsstrukturen des sowjetischen Machtbereichs eingebunden. Die Sowjetunion lieferte Erdöl und Maschinen, gewährte Kredite und kaufte kubanischen Zucker zu politisch vereinbarten Bedingungen. Diese Unterstützung ermöglichte einen gewissen Ausbau der Industrie, der Infrastruktur, des Bildungswesens und des Gesundheitssektors. Zugleich entstand eine ausgeprägte Abhängigkeit von sowjetischen Lieferungen, Märkten und Finanzhilfen.
Im Jahr 1975 fand der erste Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas statt. Im selben Jahr intervenierte Kuba militärisch im angolanischen Bürgerkrieg. Aufseiten der marxistisch orientierten Volksbewegung MPLA entsandte die kubanische Regierung Truppen, die gegen rivalisierende angolanische Kräfte kämpften, von denen einige durch Südafrika und die Vereinigten Staaten unterstützt wurden. Der kubanische Einsatz entwickelte sich zu einer umfangreichen militärischen Präsenz in Afrika. Kubanische Soldaten und Berater waren später auch an der Unterstützung anderer afrikanischer Regierungen und Befreiungsbewegungen beteiligt. Die Regierung in Havanna stellte diese Einsätze als internationalistische Solidarität dar. Kritiker verwiesen dagegen auf die militärische Einbindung Kubas in die globale Auseinandersetzung zwischen den Machtblöcken.
Die Verfassung von 1976 verankerte die sozialistische Staatsordnung und die führende Rolle der Kommunistischen Partei. Zugleich wurden formelle staatliche Institutionen neu organisiert. Mit der Einführung von Volksmachtorganen entstanden gewählte Vertretungen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Die Nationalversammlung der Volksmacht wurde zum obersten Organ der Staatsgewalt. Da die Kommunistische Partei jedoch das politische Monopol behielt und Kandidaturen sowie politische Aktivitäten in einem eng begrenzten Rahmen stattfanden, entwickelte sich kein pluralistisches parlamentarisches System nach westlichem Muster. Fidel Castro blieb die zentrale politische Persönlichkeit des Landes und verband die Funktionen des Regierungschefs und des Ersten Sekretärs der Kommunistischen Partei.
Die späten 1970er-Jahre waren durch begrenzte Öffnungen und gleichzeitig fortbestehende politische Kontrolle gekennzeichnet. 1978 gestattete die Regierung kubanischen Exilanten, Verwandte auf der Insel zu besuchen. In den folgenden Jahren verließen dennoch viele Menschen das Land, weil sie politische Repression, wirtschaftliche Schwierigkeiten oder fehlende persönliche Freiheiten beklagten. Die Auswanderung in die Vereinigten Staaten, insbesondere nach Florida, wurde zu einem dauerhaft prägenden Faktor der kubanischen Gesellschaft.
Im April 1980 kam es zu einer großen Auswanderungsbewegung, nachdem sich Tausende Menschen in die peruanische Botschaft in Havanna geflüchtet hatten, um Asyl zu erhalten. Die Regierung erlaubte daraufhin die Ausreise über den Hafen von Mariel. Zwischen April und Oktober verließen etwa 125.000 Kubaner das Land in Richtung Vereinigte Staaten. Die sogenannte Mariel-Bootskrise belastete die Beziehungen zwischen Havanna und Washington und verdeutlichte die Unzufriedenheit eines Teils der Bevölkerung mit den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Auswanderer stammten aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen; die Darstellung der gesamten Bewegung als Ausreise von Kriminellen, wie sie von Teilen der damaligen politischen Propaganda verbreitet wurde, entsprach nicht der tatsächlichen Zusammensetzung.
In den 1980er-Jahren blieb Kuba wirtschaftlich stark von der Sowjetunion abhängig. Der Staat investierte weiterhin in Bildung, Gesundheit, Wohnungsbau und Infrastruktur, während private wirtschaftliche Aktivitäten weitgehend eingeschränkt blieben. 1986 leitete Fidel Castro eine Kampagne zur sogenannten Berichtigung der Fehler und negativen Tendenzen ein. Damit sollten bestimmte wirtschaftliche Fehlentwicklungen und Erscheinungen wie übermäßige materielle Anreize, Bürokratisierung und unzureichende politische Disziplin korrigiert werden. Einige zuvor eingeführte marktorientierte Elemente wurden zurückgenommen. Die Reformbewegung führte jedoch nicht zu einer grundlegenden Modernisierung der Wirtschaft und verstärkte in Teilen die Probleme der zentralen Planung.
Auch international blieb Kuba aktiv. Die militärische Beteiligung in Angola wurde fortgesetzt, während die kubanische Führung in Lateinamerika und Afrika politische Bewegungen unterstützte, die sie als antiimperialistisch und sozialistisch betrachtete. 1988 kam es in Angola zu entscheidenden militärischen Auseinandersetzungen, an denen kubanische Truppen beteiligt waren. Die anschließenden Verhandlungen führten zu Vereinbarungen über den Rückzug kubanischer Streitkräfte aus Angola und die Umsetzung der Unabhängigkeit Namibias. Der Abzug der letzten kubanischen Truppen aus Angola wurde 1991 abgeschlossen.
Der tiefgreifendste Einschnitt seit der Revolution trat ab 1989 mit dem Zusammenbruch des sozialistischen Machtblocks in Europa ein. Die politischen Umbrüche in Osteuropa und der Zerfall der Sowjetunion beseitigten innerhalb weniger Jahre die wirtschaftliche und strategische Grundlage des kubanischen Systems. Die Sowjetunion hatte Kuba über Jahrzehnte mit Energie, Maschinen, Lebensmitteln, Krediten und Absatzmärkten versorgt. Mit dem Ende dieser Unterstützung verlor die Insel einen Großteil ihrer bisherigen Außenhandelsbeziehungen und ihrer finanziellen Hilfen. 1991 löste sich der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe auf, und im Dezember 1991 zerfiel die Sowjetunion endgültig.
Mit dem Wegfall der sowjetischen Unterstützung begann 1990 eine schwere wirtschaftliche Krise, die von der kubanischen Regierung als Período Especial en Tiempos de Paz, als Sonderperiode in Friedenszeiten, bezeichnet wurde. Der Verlust der bisherigen Absatzmärkte, der Rückgang der Erdöllieferungen und der Zusammenbruch zahlreicher Handelsbeziehungen führten zu einem drastischen Einbruch der Wirtschaftsleistung. Es fehlte an Treibstoff, Ersatzteilen, Düngemitteln, Medikamenten und Lebensmitteln. Stromausfälle und Versorgungsengpässe wurden zum Alltag. Der öffentliche Verkehr brach teilweise zusammen, landwirtschaftliche Betriebe konnten ihre Produktion nicht mehr in gewohnter Weise aufrechterhalten, und zahlreiche Industrieanlagen mussten ihre Tätigkeit einschränken. Die Zuckerindustrie, über Jahrzehnte der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes, verlor einen erheblichen Teil ihrer Produktionskapazität.
Die Regierung reagierte zunächst mit einer weitgehenden Aufrechterhaltung des zentralisierten Wirtschaftssystems. Gleichzeitig musste sie einzelne marktwirtschaftliche Elemente zulassen, um Devisen zu beschaffen und die Versorgung zu verbessern. 1993 wurde der Besitz von US-Dollar für die Bevölkerung legalisiert. Im selben Jahr erlaubte der Staat die Gründung kleiner privater landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften, der sogenannten Unidades Básicas de Producción Cooperativa. Außerdem wurden bestimmte Tätigkeiten auf eigene Rechnung zugelassen. Dazu gehörten beispielsweise kleinere Restaurants, handwerkliche Dienstleistungen und einzelne private Transportangebote. Die Landwirtschaft erhielt damit begrenzte Handlungsspielräume, während der Staat weiterhin den größten Teil des Bodens und die zentralen Wirtschaftsbereiche kontrollierte.
1994 kam es in Havanna zu den sogenannten Maleconazo-Protesten. Am 5. August versammelten sich Menschen auf dem Malecón und in angrenzenden Straßen, um gegen die wirtschaftlichen Verhältnisse und die politischen Zustände zu demonstrieren. Die Proteste wurden von Sicherheitskräften und regierungsnahen Gruppen unter Kontrolle gebracht. Im selben Jahr verließen während einer erneuten Auswanderungskrise Zehntausende Menschen die Insel auf selbst gebauten oder improvisierten Booten. Die kubanische und die amerikanische Regierung vereinbarten daraufhin neue Regelungen für die Migration. Washington verpflichtete sich, jährlich mindestens 20.000 Einwanderungsvisa für Kubaner bereitzustellen, während Havanna zusagte, die gefährlichen Überfahrten einzudämmen. Die Migration blieb dennoch ein wesentlicher Bestandteil der Beziehungen zwischen beiden Ländern.
In den 1990er-Jahren gewann der Tourismus zunehmend an Bedeutung. Die Regierung investierte in Hotels, Ferienanlagen und touristische Infrastruktur, insbesondere in Havanna, Varadero, Cayo Coco, Cayo Guillermo und weiteren Küstengebieten. Ausländische Unternehmen erhielten Möglichkeiten zur Beteiligung an Hotelprojekten und anderen touristischen Einrichtungen. Besonders kanadische und europäische Reiseveranstalter sowie spanische Hotelgruppen wurden zu wichtigen Partnern. Der Tourismus entwickelte sich zu einer zentralen Quelle ausländischer Devisen und sollte die Einnahmeverluste aus dem traditionellen Zuckerexport ausgleichen. Gleichzeitig entstanden neue soziale Unterschiede, weil Beschäftigte im Tourismus durch Trinkgelder und Deviseneinnahmen häufig über höhere verfügbare Einkommen verfügten als Arbeitnehmer in vielen staatlichen Betrieben.
1995 verabschiedete die Regierung ein Gesetz zur Förderung ausländischer Investitionen, das die Beteiligung ausländischer Unternehmen an kubanischen Wirtschaftsprojekten erleichterte. Die Öffnung blieb jedoch begrenzt und unterlag strengen staatlichen Genehmigungsverfahren. Ausländische Investoren mussten sich in vielen Bereichen auf Gemeinschaftsunternehmen mit staatlichen kubanischen Partnern einlassen. Die Regierung behielt die Kontrolle über strategische Wirtschaftszweige und den Außenhandel. Das Wirtschaftsmodell wurde somit teilweise geöffnet, ohne dass eine umfassende Privatisierung oder politische Liberalisierung erfolgte.
Im Jahr 1996 verschärften die Vereinigten Staaten ihre wirtschaftlichen Sanktionen mit dem Helms-Burton Act. Das Gesetz erweiterte die Möglichkeiten, gegen ausländische Unternehmen vorzugehen, die nach amerikanischer Auffassung von nach der Revolution enteignetem US-Eigentum profitierten. Außerdem verankerte es wesentliche Bestandteile des amerikanischen Embargos stärker im Gesetz und erschwerte damit eine eigenständige Aufhebung durch den Präsidenten. Die kubanische Regierung verurteilte die Maßnahme als Versuch, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu behindern und einen politischen Systemwechsel zu erzwingen. Die Europäische Union und andere Handelspartner kritisierten insbesondere die extraterritorialen Auswirkungen des Gesetzes.
Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelang es Kuba im Verlauf der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre, bestimmte Bereiche der Versorgung und Produktion zu stabilisieren. Die Wirtschaft erholte sich teilweise, blieb jedoch weit hinter den früheren Entwicklungszielen zurück. Die staatliche Lebensmittelversorgung wurde durch rationierte Grundkontingente ergänzt, während zusätzliche Waren zunehmend über Märkte und Geschäfte mit unterschiedlichen Preis- und Währungsbedingungen erhältlich waren. Diese Entwicklung vergrößerte die Unterschiede zwischen Menschen mit Zugang zu Devisen und jenen, die ausschließlich auf staatliche Einkommen angewiesen waren.
1998 besuchte Papst Johannes Paul II. Kuba. Es war der erste Papstbesuch auf der Insel. Der Besuch stellte ein wichtiges Ereignis für die Beziehungen zwischen Staat und katholischer Kirche dar. Der Papst forderte größere gesellschaftliche Freiheiten und kritisierte sowohl den Kapitalismus als auch Einschränkungen der Religionsfreiheit. Die kubanische Regierung nutzte den Besuch zur internationalen Darstellung des Landes und gestattete kirchlichen Einrichtungen eine größere öffentliche Präsenz. Die katholische Kirche gewann in den folgenden Jahren begrenzte Möglichkeiten zur sozialen und gesellschaftlichen Vermittlung, ohne dass daraus eine allgemeine Religions- oder Organisationsfreiheit entstand.
Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts verbesserte sich Kubas wirtschaftliche Lage zeitweise durch die engere Zusammenarbeit mit Venezuela. Nach dem Amtsantritt Hugo Chávez in Venezuela entwickelte sich eine politische und wirtschaftliche Partnerschaft, die auf gemeinsamen Interessen und der Ablehnung der US-amerikanischen Außenpolitik beruhte. Venezuela lieferte Kuba Erdöl zu günstigen Bedingungen und erhielt im Gegenzug unter anderem medizinische Fachkräfte, Lehrer, Sporttrainer und technische Unterstützung. Die Kooperation wurde durch Abkommen im Rahmen der Bolivarianischen Allianz für die Völker Unseres Amerikas, kurz ALBA, ergänzt, die 2004 gegründet wurde. Für Kuba bedeutete die Zusammenarbeit mit Venezuela eine teilweise Wiederherstellung der Energieversorgung und eine wichtige Quelle wirtschaftlicher Unterstützung.
Im Jahr 2000 schlossen Kuba und Venezuela ein umfassendes Kooperationsabkommen, das die Lieferung venezolanischen Erdöls gegen kubanische Dienstleistungen vorsah. Der Austausch wurde in den folgenden Jahren ausgeweitet. Kubanische Ärzte arbeiteten in venezolanischen Gesundheitsprogrammen, während Venezuela einen erheblichen Teil des kubanischen Energiebedarfs deckte. Diese Partnerschaft verringerte kurzfristig die unmittelbaren wirtschaftlichen Schwierigkeiten, führte aber zu einer neuen Abhängigkeit von einem einzelnen ausländischen Partner. Die politischen und wirtschaftlichen Probleme Venezuelas sollten sich später deshalb auch auf Kuba auswirken.
2002 wurde in Kuba eine Volksinitiative gestartet, mit der der sozialistische Charakter des Staates dauerhaft verfassungsrechtlich abgesichert werden sollte. Nach einer groß angelegten Unterschriftensammlung erklärte die Nationalversammlung den sozialistischen Charakter des politischen Systems für unveränderlich. Damit wurden die Möglichkeiten für eine grundlegende Abkehr vom bestehenden Staatsmodell weiter eingeschränkt. Die Opposition blieb politisch marginalisiert, und unabhängige Organisationen hatten weiterhin mit staatlichen Behinderungen zu rechnen.
Im März 2003 ging die Regierung im sogenannten Schwarzen Frühling gegen unabhängige Journalisten, Bürgerrechtler und oppositionelle Aktivisten vor. 75 Menschen wurden in Schnellverfahren zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Ihnen wurde unter anderem vorgeworfen, mit der US-amerikanischen Regierung zusammenzuarbeiten und die staatliche Ordnung zu gefährden. Die Festnahmen lösten international scharfe Kritik aus. Die Europäische Union verschärfte ihre diplomatischen Maßnahmen gegen Kuba, während Menschenrechtsorganisationen die Urteile als politisch motiviert bezeichneten. Die Regierung begründete das Vorgehen mit der Abwehr ausländischer Einmischung. Die Ereignisse verdeutlichten, dass die wirtschaftlichen Öffnungsschritte der vorausgegangenen Jahre nicht mit einer entsprechenden politischen Liberalisierung einhergingen.
In den folgenden Jahren blieb Fidel Castro das Zentrum der politischen Macht. Seine Gesundheit verschlechterte sich jedoch zunehmend. Im Juli 2006 übertrug er nach einer schweren Erkrankung vorübergehend seine Amtsgeschäfte an seinen Bruder Raúl Castro. Im Februar 2008 erklärte Fidel Castro endgültig seinen Verzicht auf die Präsidentschaft. Raúl Castro wurde daraufhin von der Nationalversammlung zum Präsidenten des Staats- und Ministerrates gewählt. Der Führungswechsel erfolgte innerhalb der bestehenden politischen Ordnung und führte nicht zu einem Mehrparteiensystem.
Raúl Castro leitete eine Reihe wirtschaftlicher Veränderungen ein. Die Regierung erlaubte unter anderem den Verkauf von Mobiltelefonen an Privatpersonen, erleichterte den Zugang zu bestimmten Konsumgütern und erweiterte die Möglichkeiten zur privaten Nutzung landwirtschaftlicher Flächen. 2008 wurde die Vergabe brachliegender staatlicher Agrarflächen an Einzelpersonen und Genossenschaften ausgeweitet. Ziel war es, die Lebensmittelproduktion zu steigern und die Abhängigkeit von Importen zu verringern. Die Ergebnisse blieben allerdings begrenzt, weil viele Landwirte weiterhin mit bürokratischen Hürden, unzureichender Infrastruktur, fehlenden Betriebsmitteln und staatlichen Beschränkungen beim Verkauf ihrer Erzeugnisse konfrontiert waren.
2009 übernahm Raúl Castro auch den Vorsitz der Bewegung der Blockfreien Staaten für die folgende Amtsperiode. Außenpolitisch blieb Kuba damit auf internationale Zusammenarbeit mit Staaten ausgerichtet, die sich nicht dauerhaft einem der großen Machtblöcke zuordnen wollten. Gleichzeitig verstärkte die Regierung ihre Beziehungen zu China, Russland und verschiedenen lateinamerikanischen Staaten. Diese Partnerschaften sollten den wirtschaftlichen Handlungsspielraum erweitern und die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten verringern.
Im Jahr 2010 kündigte Raúl Castro an, dass der staatliche Wirtschaftssektor verkleinert und die Beschäftigung außerhalb staatlicher Betriebe erweitert werden müsse. Die Regierung plante, überzählige Arbeitskräfte aus Staatsunternehmen abzubauen und mehr selbstständige Erwerbstätigkeit zuzulassen. Diese Vorhaben wurden schrittweise umgesetzt. Die Zahl der genehmigten privaten Tätigkeiten nahm zu, und in bestimmten Bereichen entstanden kleine Unternehmen, Restaurants, Pensionen und Dienstleistungsbetriebe. Die wirtschaftliche Öffnung blieb jedoch durch Lizenzpflichten, steuerliche Belastungen, eingeschränkten Zugang zu Großhandelsmärkten und fehlende Möglichkeiten zur freien Einfuhr von Waren begrenzt.
Im April 2011 verabschiedete der sechste Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas Leitlinien zur Aktualisierung des Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells. Sie sahen eine stärkere wirtschaftliche Eigenverantwortung, eine effizientere Verwaltung, eine Reform der staatlichen Unternehmen und eine begrenzte Erweiterung privater Tätigkeiten vor. Die Partei hielt jedoch am staatlichen Eigentum an den wichtigsten Produktionsmitteln und an ihrer führenden politischen Rolle fest. Die Reformen sollten die Produktivität verbessern, ohne die sozialistische Staatsordnung grundsätzlich infrage zu stellen.
2012 besuchte Papst Benedikt XVI. Kuba. Der Besuch unterstrich die gewachsene Rolle der katholischen Kirche als gesellschaftlicher Gesprächspartner. Im selben Jahr begann Kuba mit einer begrenzten Erleichterung der Ausreisebestimmungen. Die zuvor erforderliche Ausreisegenehmigung wurde für viele Bürger abgeschafft, sodass Reisen ins Ausland grundsätzlich einfacher wurden. Bestimmte Personengruppen, darunter einzelne Fachkräfte, konnten weiterhin besonderen Beschränkungen unterliegen. Die Lockerung erleichterte zugleich die Auswanderung und verstärkte die Kontakte zwischen der Bevölkerung auf der Insel und der kubanischen Diaspora.
Ein wichtiger Wendepunkt in den internationalen Beziehungen war die Annäherung zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten. Am 17. Dezember 2014 kündigten Präsident Barack Obama und Raúl Castro gleichzeitig an, die diplomatischen Beziehungen wiederherstellen zu wollen. Die Vereinbarung umfasste den Austausch von Gefangenen, die Lockerung einzelner Reise- und Handelsbeschränkungen sowie die Wiedereröffnung diplomatischer Vertretungen. Die Annäherung war das Ergebnis geheimer Verhandlungen, an denen auch der Vatikan und Kanada beteiligt waren.
Im Juli 2015 nahmen beide Staaten nach mehr als fünf Jahrzehnten wieder vollständige diplomatische Beziehungen auf. Die US-Botschaft in Havanna wurde im August 2015 offiziell wiedereröffnet. Im März 2016 besuchte Barack Obama als erster amtierender US-Präsident seit 1928 Kuba. Er traf Raúl Castro, sprach mit Vertretern der Zivilgesellschaft und hielt eine öffentliche Rede, in der er eine Verbesserung der Beziehungen und größere gesellschaftliche Freiheiten ansprach. Das amerikanische Handelsembargo blieb allerdings bestehen, weil seine vollständige Aufhebung eine Entscheidung des US-Kongresses erforderte. Die Annäherung erleichterte bestimmte Reiseverbindungen, führte zu mehr amerikanischen Besuchern und verstärkte vorübergehend die Erwartungen an eine wirtschaftliche Öffnung.
Die wirtschaftlichen Reformen führten in dieser Phase zu einer Erweiterung des privaten Dienstleistungssektors. Private Pensionen, Restaurants, Taxidienste und kleine Geschäfte gewannen an Bedeutung. Gleichzeitig nahm der Tourismus zu, und ausländische Unternehmen interessierten sich verstärkt für Hotelprojekte und andere Investitionen. Die staatliche Wirtschaftsstruktur blieb jedoch weitgehend bestehen. Der Zugang zu Devisen, moderne Technologien und ein leistungsfähiger Großhandel waren für private Betriebe weiterhin nur eingeschränkt verfügbar. Auch die Doppelstruktur aus staatlich festgelegten Einkommen und unterschiedlichen Preis- und Währungsbedingungen erschwerte eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung.
Im November 2016 starb Fidel Castro im Alter von 90 Jahren. Sein Tod beendete eine politische Epoche, in der er die kubanische Revolution und den Staat über fast sechs Jahrzehnte geprägt hatte. Die Regierung erklärte eine mehrtägige Staatstrauer. Fidel Castros Urne wurde in Santiago de Cuba beigesetzt. Raúl Castro blieb bis 2018 Präsident, während die Kommunistische Partei ihre führende Stellung beibehielt.
Mit dem Amtsantritt Donald Trumps als US-Präsident 2017 verschlechterten sich die Beziehungen erneut. Die amerikanische Regierung verschärfte verschiedene Reise- und Handelsbeschränkungen und schränkte die Möglichkeiten für Geschäfte mit Unternehmen ein, die dem kubanischen Militär zugeordnet wurden. 2019 aktivierte Washington wesentliche Teile des Helms-Burton Act, darunter die Möglichkeit bestimmter Klagen wegen nach der Revolution enteigneten Eigentums. Die Maßnahme erschwerte die Tätigkeit ausländischer Unternehmen und verstärkte die Unsicherheit für Investoren. Die kubanische Regierung machte das amerikanische Embargo weiterhin für einen erheblichen Teil ihrer wirtschaftlichen Schwierigkeiten verantwortlich. Gleichzeitig blieben die geringe Produktivität, die zentralisierte Wirtschaftssteuerung und die strukturellen Probleme der Staatsunternehmen wesentliche interne Hindernisse.
Im April 2018 übernahm Miguel Díaz-Canel das Präsidentenamt von Raúl Castro. Er war der erste Präsident des Landes seit der Revolution, der nicht zur unmittelbaren Führungsgeneration der Guerillabewegung gehörte. Raúl Castro blieb zunächst Erster Sekretär der Kommunistischen Partei und behielt damit erheblichen politischen Einfluss. Díaz-Canel versprach eine Fortsetzung des sozialistischen Systems, eine Verbesserung der Verwaltung und eine vorsichtige Modernisierung der Wirtschaft.
Im Februar 2019 wurde eine neue Verfassung durch ein Referendum angenommen und anschließend in Kraft gesetzt. Sie bestätigte die führende Rolle der Kommunistischen Partei und den sozialistischen Charakter des Staates. Gleichzeitig erkannte sie begrenzte Formen privaten Eigentums und wirtschaftlicher Betätigung ausdrücklich an. Das Amt des Ministerpräsidenten wurde wieder eingeführt, um die Regierungsarbeit stärker von den Aufgaben des Präsidenten zu trennen. Die Verfassung definierte außerdem Ehe und Familie neu; die Regelungen ermöglichten später die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen. Eine politische Konkurrenz zwischen mehreren Parteien wurde weiterhin nicht zugelassen.
Die COVID-19-Pandemie stellte Kuba ab 2020 vor erhebliche gesundheitliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Die Schließung touristischer Einrichtungen, der Rückgang internationaler Besucher und die Unterbrechung vieler Handels- und Transportverbindungen führten zu erheblichen Einnahmeverlusten. Die Regierung entwickelte eigene Impfstoffe, darunter Abdala und Soberana 02, und setzte sie im nationalen Impfprogramm ein. Die Gesundheitsversorgung war jedoch zunehmend durch den Mangel an Medikamenten, medizinischen Verbrauchsgütern und Ersatzteilen belastet. Gleichzeitig verschärften sich die Engpässe bei Lebensmitteln und anderen Grundgütern.
Im Januar 2021 führte Kuba eine umfassende Währungsreform durch. Der kubanische Peso wurde zur zentralen nationalen Währung, während der bisherige konvertible Peso abgeschafft wurde. Gleichzeitig wurden staatlich festgelegte Löhne und Preise neu geordnet. Die Reform sollte wirtschaftliche Verzerrungen beseitigen und die Rechnungslegung vereinfachen. Sie führte jedoch zu erheblichen Preissteigerungen, einer raschen Geldentwertung und sinkender Kaufkraft. Die offiziellen Lohnanpassungen konnten den Anstieg vieler Preise nicht ausgleichen. Für Haushalte mit geringen Einkommen verschlechterte sich die Versorgungslage, während Menschen mit Zugang zu Devisen oder Überweisungen aus dem Ausland häufig bessere Möglichkeiten hatten, Waren zu erwerben.
Am 11. Juli 2021 kam es in zahlreichen kubanischen Städten zu den größten regierungskritischen Protesten seit Jahrzehnten. Die Demonstrationen begannen unter anderem in San Antonio de los Baños und breiteten sich auf Havanna und weitere Orte aus. Die Teilnehmer protestierten gegen Lebensmittelknappheit, Stromausfälle, die wirtschaftliche Krise und politische Einschränkungen. In vielen Fällen wurden auch Forderungen nach Freiheit und einem politischen Wandel erhoben. Die Regierung mobilisierte Sicherheitskräfte und regierungsnahe Gruppen. Zahlreiche Demonstranten wurden festgenommen; später verhängten Gerichte zum Teil langjährige Haftstrafen. Menschenrechtsorganisationen dokumentierten willkürliche Inhaftierungen, Verfahrensmängel und Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Die Proteste machten deutlich, dass sich die gesellschaftliche Unzufriedenheit nicht mehr allein auf wirtschaftliche Fragen beschränkte.
In den folgenden Monaten verstärkten sich die wirtschaftlichen Probleme. Der Tourismus erholte sich nur langsam, und die Inflation blieb hoch. Die Regierung erlaubte 2021 die Gründung kleiner und mittlerer privater Unternehmen, die sogenannten Mipymes. Diese Unternehmen konnten in bestimmten Bereichen Waren herstellen, Dienstleistungen anbieten und Beschäftigte einstellen. Sie erhielten dadurch mehr Möglichkeiten als zuvor zugelassene Einzelunternehmer. Allerdings blieben wichtige Wirtschaftszweige staatlich kontrolliert, und private Unternehmen hatten weiterhin Schwierigkeiten, Rohstoffe, Maschinen und Devisen zu beschaffen.
Im Jahr 2022 verschärfte sich die Energiekrise. Der veraltete Kraftwerkspark, fehlende Ersatzteile und unzureichende Treibstofflieferungen führten zu häufigen Stromausfällen. Der Hurrikan Ian verursachte im September 2022 insbesondere in den westlichen Landesteilen erhebliche Schäden. In der Provinz Pinar del Río wurden Wohnhäuser, landwirtschaftliche Anlagen und Tabakplantagen zerstört oder beschädigt. Nach dem Durchzug des Hurrikans kam es zu landesweiten Stromausfällen, die auch durch Probleme im nationalen Stromnetz bedingt waren.
Im selben Jahr nahm die Auswanderung stark zu. Viele Kubaner reisten zunächst nach Nicaragua, von wo aus sie über Mittelamerika und Mexiko in Richtung Vereinigte Staaten weiterzogen. Andere nutzten reguläre Visa, Familiennachzugsprogramme oder gefährliche Überfahrten über das Meer. Die Gründe reichten von niedrigen Löhnen und Versorgungsproblemen über fehlende Zukunftsperspektiven bis zu politischer Unzufriedenheit. Die Auswanderung führte zu einem Verlust an Arbeitskräften und Fachpersonal und verschärfte die demografischen Probleme des Landes.
2023 setzte sich die wirtschaftliche Krise fort. Die Regierung konnte weder die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten dauerhaft stabilisieren noch die Stromproduktion ausreichend steigern. Der Zuckeranbau, der früher zu den tragenden Säulen der Wirtschaft gehört hatte, verzeichnete besonders niedrige Produktionsmengen. Die Zuckerindustrie litt unter veralteten Anlagen, Treibstoffmangel, fehlenden Düngemitteln und geringer Produktivität. Auch die Landwirtschaft insgesamt blieb hinter den Bedürfnissen der Bevölkerung zurück. Kuba musste deshalb weiterhin große Mengen an Nahrungsmitteln importieren, obwohl die Deviseneinnahmen begrenzt waren.
Im April 2023 wurde Manuel Marrero Cruz als Ministerpräsident wiedergewählt. Díaz-Canel blieb Präsident und Erster Sekretär der Kommunistischen Partei. Die Führung setzte auf eine Kombination aus staatlicher Kontrolle, begrenzter Privatwirtschaft und ausländischen Investitionen. Die Ergebnisse blieben jedoch unzureichend, um die strukturellen Probleme der Wirtschaft zu überwinden. Die Regierung erklärte die Schwierigkeiten vor allem mit dem amerikanischen Embargo, während Kritiker zusätzlich die zentrale Planung, die bürokratischen Hemmnisse, unzureichende Investitionen und die fehlende politische Rechenschaftspflicht als Ursachen hervorhoben.
Im Jahr 2024 verschlechterte sich die Versorgungslage erneut. Wiederholte Ausfälle großer Kraftwerke und fehlender Treibstoff führten zu umfangreichen Stromunterbrechungen. Im Oktober kam es zu einem landesweiten Zusammenbruch des Stromnetzes, nachdem das Wärmekraftwerk Antonio Guiteras ausgefallen war. Millionen Menschen waren zeitweise ohne Elektrizität. Schulen, Betriebe und Verkehrseinrichtungen mussten ihren Betrieb einschränken. Die Ausfälle beeinträchtigten die Kühlung von Lebensmitteln, die Wasserversorgung und den Betrieb medizinischer Einrichtungen. Nach der Wiederherstellung der Stromversorgung kam es erneut zu Störungen, weil die grundlegenden Probleme der Energieerzeugung und -verteilung nicht beseitigt waren.
Auch die Beziehungen zu Russland und China wurden weiterentwickelt. Russland unterstützte Kuba mit Krediten, Treibstofflieferungen und wirtschaftlicher Zusammenarbeit. China blieb ein wichtiger Handelspartner und lieferte unter anderem technische Ausrüstung sowie Unterstützung für Infrastrukturprojekte. Diese Beziehungen konnten die wirtschaftliche Lage jedoch nicht grundlegend stabilisieren. Kuba blieb auf den Import von Energie, Lebensmitteln, Maschinen und Medikamenten angewiesen und verfügte gleichzeitig nur über begrenzte Devisenreserven.
Im Jahr 2025 verschärfte sich die wirtschaftliche Krise weiter. Der Rückgang der Produktion, die anhaltenden Energieprobleme und die Schwierigkeiten im Tourismussektor belasteten die gesamte Wirtschaft. Nach einer Schätzung des kubanischen Zentrums für Wirtschaftsstudien schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt 2025 um etwa fünf Prozent; seit 2020 belief sich der kumulierte Rückgang damit auf mehr als 15 Prozent. Die Schätzung wurde im Februar 2026 veröffentlicht und beruhte auf wirtschaftlichen Untersuchungen, während die Regierung noch keine vollständigen offiziellen Jahresdaten vorgelegt hatte.
Die wirtschaftliche Notlage spiegelte sich in sinkender Kaufkraft, einer schwachen Versorgung mit Grundnahrungsmitteln, Medikamentenmangel und wiederkehrenden Stromausfällen wider. Der Staat konnte seine bisherigen Sozialleistungen vielfach nur noch eingeschränkt gewährleisten. Zwar blieben Bildung und Gesundheitsversorgung grundsätzlich öffentlich organisiert, doch mangelte es in vielen Einrichtungen an Material, Personal und funktionsfähiger Technik. Gleichzeitig verließen weiterhin zahlreiche Menschen das Land. Nach Angaben, die in internationalen Berichten zusammengetragen wurden, hatte Kuba in den vorausgegangenen Jahren einen erheblichen Teil seiner Bevölkerung verloren; genaue Zahlen waren wegen der Auswanderung und der schwierigen statistischen Erfassung umstritten.
Die Vereinigten Staaten verschärften 2025 und 2026 erneut den wirtschaftlichen Druck auf Kuba. Die amerikanische Regierung begründete ihre Politik mit den politischen Repressionen und der fehlenden Demokratisierung des Landes. Havanna verwies dagegen auf die Auswirkungen der Sanktionen auf die gesamte Bevölkerung und bezeichnete sie als wesentlichen Grund für die Versorgungs- und Energiekrise. Die Auseinandersetzung blieb damit sowohl ein wirtschaftlicher als auch ein politischer Konflikt. Das seit den frühen 1960er-Jahren bestehende US-Embargo wurde nicht aufgehoben.
Im Juni 2026 kündigte die kubanische Führung ein weitreichendes Reformpaket an, das zu den bedeutendsten Veränderungen des Wirtschaftsmodells seit der Revolution gerechnet wurde. Die Maßnahmen zielten darauf ab, private Unternehmen zu stärken, Investitionen zu erleichtern und die wirtschaftliche Entscheidungsfindung teilweise zu dezentralisieren. Vorgesehen waren unter anderem größere Handlungsspielräume für private Betriebe, die Möglichkeit umfangreicherer Beschäftigung, Veränderungen im Bank- und Finanzwesen sowie neue Wege für Investitionen durch im Ausland lebende Kubaner. Außerdem sollten staatliche Unternehmen stärker eigenständig wirtschaften können. Die Nationalversammlung billigte das Paket am 18. Juni 2026.
Die Reformen bedeuteten eine deutliche Abkehr von einzelnen wirtschaftspolitischen Grundsätzen der ersten Jahrzehnte nach 1959. Sie stellten jedoch keine unmittelbare Einführung einer freien Marktwirtschaft dar. Die Kommunistische Partei hielt am politischen Machtmonopol fest, und die Regierung erklärte ausdrücklich, dass strategische Bereiche wie Gesundheitswesen, Wissenschaft und Kultur nicht umfassend privatisiert werden sollten. Im Juli 2026 wurden weitere Schritte zur Umsetzung angekündigt, darunter Erleichterungen bei der Einfuhr von Treibstoff und Medikamenten durch private Unternehmen sowie zusätzliche Möglichkeiten für private Tourismusbetriebe und Investoren. Die praktische Umsetzung blieb eine wesentliche Herausforderung, weil die angekündigten Reformen erst schrittweise in konkrete wirtschaftliche Veränderungen überführt werden mussten.
Im September 2026 veröffentlichte die Regierung weitere Vorschriften, die ausländische und kubanische Investitionen in Handel, Tourismus und Immobilien erleichtern sollten. Damit reagierte sie auf die anhaltende Wirtschaftskrise und den Mangel an Kapital, der die Modernisierung von Infrastruktur und Produktionsanlagen behinderte. Die Öffnung wurde allerdings weiterhin von staatlichen Genehmigungen und politischen Rahmenbedingungen abhängig gemacht. Die Führung versuchte, ausländisches Kapital und unternehmerische Initiative zu nutzen, ohne die Kontrolle über die wesentlichen politischen und strategischen Entscheidungen aufzugeben.
Im Oktober 2026 stand Kuba weiterhin vor einer schweren Energie- und Versorgungskrise. Die Treibstoffknappheit beeinträchtigte nicht nur die Stromproduktion, sondern auch den Verkehr und die internationale Luftfahrt. Fluggesellschaften mussten Verbindungen ändern oder streichen, weil die Betankung von Flugzeugen erschwert war. China organisierte am 20. Oktober einen zusätzlichen Flug aus Havanna, um Reisenden zu helfen, die von den Flugausfällen betroffen waren. Die Probleme zeigten, wie stark die wirtschaftliche Funktionsfähigkeit des Landes von verlässlichen Energieimporten und internationalen Transportverbindungen abhing.
Auch auf diplomatischer Ebene blieb das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten angespannt. Am 19. Oktober 2026 kam es bei den Vereinten Nationen zu einem öffentlichen Wortwechsel zwischen amerikanischen und kubanischen Diplomaten im Vorfeld der jährlichen Abstimmung über eine Resolution zur Aufhebung des US-Embargos. Die kubanische Regierung warf Washington vor, die wirtschaftliche Notlage des Landes durch Sanktionen und Druckmaßnahmen zu verschärfen. Die Vereinigten Staaten kritisierten dagegen die Unterdrückung politischer Opposition und die Behandlung von Regierungskritikern. Die für den 27. und 28. Oktober vorgesehene Abstimmung der UN-Generalversammlung sollte erneut die internationale Ablehnung des Embargos zum Ausdruck bringen, konnte dieses jedoch nicht unmittelbar aufheben.
Verwaltung
Mit der „Entdeckung“ Kubas durch Cristoforo Colon am 27. Oktober 1492 begann der Niedergang der alten indianischen Stammesgemeinschaften. 1511 wurde Kuba eine spanische Kolonie, bis 1764 blieb diese Santo Domingo untergeordnet. Von 12. August 1762 bis Juli 1763 besetzten britische Truppen die Insel. 1764 wurde Kuba ein eigenes Generalkapitanat.
Am 10. Oktober 1868 erklärte sich die Republik Kuba (República de Cuba en armas) für unabhängig. Nach jahrzehntelangem Krieg trat Spanien die Insel am 1. Januar, de iure am 11. April 1899 an die USA ab. Am 20. Mai 1902 erklärte sich die Republik Kuba erneut für unabhängig, blieb aber bis 29. Mai 1934 ein US-Protektorat. US-Besetzungen und Interventionen fanden von 29. September 1906 bis 28. Januar 1909, von 5. Juni bis 5. August 1912 und von November 1917 bis Februar 1922 statt. Am 13. März 1925 übergaben die USA den Kubanern die seit 1899 besetzt gehaltene Isla de la Juventud.
Einen Sonderstatus hat nach wie vor die umstrittene Militärbasis Guantanamo. Am 10. Juni 1898 von US-Truppen besetzt, wurde hier am 23. Februar 1903 eine Militärbasis errichtet und am 10. Dezember gleichen Jahres von den Kubanern an die Amerikaner verpachtet. Ein Vertrag vom 31. Mai 1934 sicherte den USA die Oberhoheit über das Territorium. Seit 18. Juni 1952 heißt die Basis offiziell Guantanamo Bay U.S. Naval Base.
Herrschaftsgeschichte
- -1. Jahrtausend bis 15. August 1511 Stammesgemeinschaften der Ciboney, Guanahatabey und Taino
- 15. August 1511 bis 9. Oktober 1607 Generalkapitanat Santo Domingo (Capitania General de Santo Domingo) des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 9. Oktober 1607 bis 12. Auguist 1762 Generalkapitanat Kuba (Capitania General de Cuba) des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 12. August 1762 bis Juli 1763 Königreich Großbritannien (Kingdom of Great Britain)
- Juli 1763 bis 10. Oktober 1868 Generalkapitanat Kuba (Capitania General de Cuba) des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 10. Oktober 1868 bis 31. Dezember 1898 Republik Kuba (República de Cuba en armas) unter der formalen Herrschaft des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 1. Januar 1899 bis 20. Mai 1902 Territorium Kuba (Territory of Cuba) der Vereinigten Staaten von Amerika (United States of America)
- 20. Mai 1902 bis 29. Mai 1934 Republik Kuba (República de Cuba) als Protektorat der Vereinigten Staaten von Amerika (United States of America)
- seit 29. Mai 1934 Republik Kuba (República de Cuba)
Verfassung
Die erste Verfassung erhielt Kuba im Jahr 1901. Es war praktisch die 1896 von La Yara entworfene Constitución, ergänzt durch das Platt Amendment, das den USA eine unbeschränkte Intervention zugestand. 1934 wurde eine neue provisorische Verfassung entworfen.
Die Kubanische Verfassung des Jahres 1940 wurde während der Präsidentschaft von Federico Laredo Brú verabschiedet. Sie war durch jene kollektivistischen Ideen beeinflusst, die auch die kubanische Revolution von 1933 inspirierte. Sie war weithin als eine der progressivsten Verfassungen der damaligen Zeit anerkannt. Sie sprach sich für Landreform, Allgemeine Schulpflicht, Mindestlohn und viele weitere linke Ideen aus. Sie bestand aus 286 Artikeln in 19 Abschnitten und benötigte sechs Monate bis zur Fertigstellung.
Die Verfassung von 1940 bestimmte (a) die Wahl als Recht, Pflicht und Zweck des Volkes, billigte (b) die gebildete (republikanische, demokratische und repräsentative) Regierung, bestätigte (c) die individuellen Rechte, wie das Recht auf privates Eigentum und führte (d) den Begriff der Gesellschaftlichen Rechte ein.
Zwar bestand mit der 1940er Verfassung weiterhin die dreiteilige Gliederung der Regierung, jedoch mit einigen augenfälligen Unterschieden: Zum Einen wurde die Funktion des Premierminister eingeführt, die Excekutive wurde in eine semi-parlamentarische Form umgewandelt, was bedeutete, dass die Hälfte der Minister gleichzeitig Kongressabgeordnete sein konnten und außerdem die Zusammensetzung des Kongresses dahingehend geändert wurde, dass nun pro Provinz auf jeden 35.000. Einwohner, plus einen zusätzlichen bei einem Rest von 17.500 oder mehr, ein Kongressabgeordneter sowie neun Senatoren kamen.
Die Verfassung von 1940 bestimmt die Macht und Unabhängigkeit der Justiz. Die Judikative blieb autonom und bekam das Recht, Richter und Staatsanwälte zu benennen. Wie schon in der Verfassung von 1901 festgelegt und es beispielsweise auch in der US-Verfassung geschrieben steht, werden die Richter des obersten Gerichtshofs vom Präsidenten benannt und vom Senat bestätigt. Zusätzlich installierte die 1940er Verfassung ein Verfassungsgericht, „Gericht über verfassungsrechtliche und soziale Garantien von Kuba“ (span.: Tribunal de Garantías Constitucionales y Sociales de Cuba) unter der Gerichtsbarkeit des Obersten Gerichts. Das Verfassungsgericht war befugt, Beschwerden bezüglich zu Fragen des Arbeits- und Verfassungsrechts zu behandeln und Rechtsmittel gegen deren Verletzung festzulegen.
Die Verfassung von 1940 schaffte die Provinzregierungen ab. Die Provinzräte überlebten, bestanden jedoch nun aus den Bürgermeistern der zu der jeweiligen Provinz zugehörigen Municipios. Der Provinzgouverneur hatte nicht mehr das Recht, die Bürgermeister abzusetzen, stattdessen wurde den Verwaltungen der Municipios die Möglichkeit eröffnet, lokale Steuern zu erheben. Öffentliche Budgets und Ausgaben auf allen Ebenen wurden unter die Aufsicht des neu geschaffenen Gerichtshof für öffentliche Verwaltung gestellt. Auch ein Gericht für öffentliche Arbeiten wurde geschaffen.
Die Klausel zur Änderung der Verfassung war recht rigide formuliert: Im Abschnitt XIX, Artikel 285 (a-b) wurde festgelegt, dass nur eine Verfassunggebende Versammlung den Text der Verfassung ändern könne. Der Kongress hatte jedoch das Recht, kleinere Änderungen am Verfassungsdokument vorzunehmen. Dies war jedoch an folgende Bedingungen geknüpft: (a) ein entsprechendes Quorum, (b) eine 2/3-Mehrheit und (c) die Bestätigung an zwei aufeinanderfolgenden Zusammenkünften der verfassungsgebenden Versammlung („doble consideración“). Des Weiteren konnte Kubas 1940er Verfassung per Volksentscheid geändert werden.
Eine der bemerkenswertesten Änderungen in der Verfassung von 1940 gegenüber der von 1901 war die Hinzufügung von Artikeln, die verfassungsrechtlichen Schutz hinsichtlich Familie, Kultur, Eigentum und Arbeit regelt. Ohne bestehender verfassungsrechtlicher Traditionen hinsichtlich sozialer Rechte holten sich Väter der Verfassung Ideen in Deutschland Weimarer Verfassung und Spaniens Verfassung der Zweite Spanische Republik. Sie hatte nur 12 Jahre bestand.
Nach Batistas Staatsstreich im Jahre 1952 wurden Teile der Verfassung außer Kraft gesetzt. Vor dem Triumph der kubanischen Revolution versprach Fidel Castro zusammen mit anderen Revolutionären im Manifest der Sierra Maestra, dass ihr Hauptziel es sei, die Verfassung von 1940 wieder herzustellen, brachen jedoch ihr Versprechen, als sie an der Macht waren.
Die kubanische Verfassung wurde in den frühen 1970er Jahren auf lokaler und provinzialer Ebene entwickelt, Anfang 1976 von 97 % der wahlberechtigten Kubaner für gut geheißen und am 16. Februar 1976 in Kraft gesetzt: ach der Periode der „Korrektur“ in den späten 1980er Jahren wurde sie 1992 mit dem gleichen Verfahren und der notwendigen Zweidrittelmehrheit im kubanischen Parlament in wesentlichen Teilen geändert. 2002 wurde sie als Antwort auf das Varela Project mit den Stimmen von über 8 Millionen Kubanern, 95 % der erwachsenen Bevölkerung, nochmals bestätigt.
Diese Verfassung etabliert ein überparteiliches patizipativ-repräsentatives Wahlsystem, das unserem zwar nicht ähnelt, aber in einigen Beziehungen rechenschaftspflichtiger und demokratischer ist. Auf örtlicher und provinzialer Ebene müssen zwei oder mehr Kandidaten für ein Amt antreten, auf nationaler Ebene handelt es sich um eine Art parlamentarisches System, bei dem jeder Kandidat für die 619 Sitze der für 5 Jahre eingesetzten Nationalversammlung mindestens 50 % der Stimmen auf sich vereinigen muss, um einen Sitz zu erlangen. Die Exekutive (der Staatsrat, vergleichbar unserem Präsidenten und dem Kabinett) besteht aus 24 Mitgliedern der Nationalversammlung, angeführt von einem Präsidenten und einem Vizepräsidenten, zur Zeit die rechtsstaatlich gewählten Castro-Brüder.
Die Verfassung besagt, dass, wenn der Präsident nicht in der Lage ist, sein Amt fortzuführen, oder aus irgend einem Grund zurücktritt, der Vizepräsident seinen Platz einnimmt bis die Nationalversammlung einen neuen Präsidenten wählt. Die Nationalversammlung und die Castro-Brüder haben mehrfach erklärt, dass die Nachfolge in Einklang mit der Verfassung geregelt wird. Die einzige Möglichkeit das aufzuhalten oder zu ändern, wäre eine US-Militärinvasion. Das bedeutet, dass dieser Plan, wenn er denn angewendet wird, eine Kriegserklärung darstellt, wie es der Präsident von Kubas Nationalversammlung Ricardo Alarcón ausdrückte. Er [der Plan] ist eine Kombination von nicht gestützten, vagen Gemeinplätzen, massiven Übertreibungen, Verunglimpfungen, Scheinheiligkeit und unverblümten Lügen. Er ist ein mit Tunnelblick erstelltes Ultimatum, das keinen Raum lässt für andere Sichtweisen und Perspektiven Kuba betreffend. Er beseitigt die Möglichkeit einer öffentlichen Diskussion darüber, bevor das Militär angewiesen wird, die Angelegenheit zu erledigen. Er steht in keinem Zusammenhang mit der Realität Kubas und des anderthalb Jahrhunderte dauernden Kampfes dieses Volkes für seine Autonomie. Er ist ein weiterer Ausbruch der unerbitterlichen Kuba-Propaganda-Kampagne, die unsere Regierung seit Jahren verfolgt.
Legislative und Exekutive
Formal ranghöchstes und gesetzgebendes Organ ist das Parlament, die Asamblea Nacional del Poder Popular („Nationalversammlung der Macht des Volkes“), das den Staatsrat (Consejo del Estado) und den Ministerrat wählt. Tatsächlich ist das nur zweimal im Jahr zusammentretende Parlament relativ einflusslos und hat vor allem die Aufgabe, Entscheidungen abzusegnen und die Regierung formal zu entlasten.
Zwischen der kubanischen Revolution von 1959 und den ersten Wahlen zur Nationalversammlung der Poder Popular war der politische Willensbildungsprozess auf Kuba durch die basisdemokratische Aktivität der Bevölkerung in den Massenorganisationen (Gewerkschaften, Komitees zur Verteidigung der Revolution, Kubanischer Frauenverband, Studentenorganisationen, etc.) bestimmt. Wichtige Gesetze wurden in den Zeitungen des Landes veröffentlicht, in den Massenorganisationen diskutiert und abschließend durch die Revolutionsregierung beschlossen. Da die meisten Kubaner Mitglieder in verschiedenen Organisationen waren, waren diese Diskussionprozesse langwierig und überlagerten sich. Die Schaffung einer parlamentarischen Struktur sollte einerseits den basisdemokratischen Ansatz erhalten, andererseits durch Institutionalisierung den Willensbildungsprozess straffen und transparenter machen.
1974 beschloss die kubanische Regierung die Durchführung von Wahlen zunächst nur für die Provinz Matanzas. 1975 wurde in der Provinz Matanzas das erste Provinzparlament gewählt. Die dort gemachten Erfahrungen führten zu den ersten Wahlen zur Poder Popular auf Gemeinde- und Provinzebene am 10. Oktober und am 17. Oktober 1976, an denen 95,2% der Kubaner über 16 Jahren teilnahmen. Am 2. Dezember 1976 fanden die ersten Wahlen zur Nationalversammlung der Poder Popular statt, die ihrerseits den Staatsrat wählten.
Die Asamblea Nacional del Poder Popular (Nationalversammlung der Volksmacht) hat als kubanisches Parlament konstituierende und gesetzgebende Macht (Artikel 70 der kubanischen Verfassung). Die Delegierten werden von den Massen- und Studentenorganisationen (Komitees zur Verteidigung der Revolution, Frauenverband, Zentralgewerkschaft, Studentenorganisation etc.) vorgeschlagen und in gleicher, freier, geheimer und direkter Wahl von der wahlberechtigten Bevölkerung für fünf Jahre gewählt. Sie betreiben keinen privaten Wahlkampf und stellen keine eigenen politischen Programme vor.
Die Nationalversammlung tritt zwei Mal im Jahr zu ordentlichen Sitzungen zusammen. Auf Antrag von einem Drittel der Delegierten müssen außerordentliche Sitzungen der Nationalversammlung einberufen werden. Außerordentliche Versammlungen können auch vom Staatsrat einberufen werden.
Die Nationalversammlung der Volksmacht wählt den Staatsrat. Der Staatratsvorsitzende ist Staatschef und Regierungschef. Der Staatsrat ist gegenüber der Poder Popular rechenschaftspflichtig. Die Poder Popular berät und entscheidet über alle Gesetze, die politischen Leitlinien und den Staatshaushalt.
Die Prinzipien des Poder Popular sind basisdemokratisch und folgen in wichtigen Aspekten der Tradition der Räterepublik, wie sie durch die Pariser Kommune begründet wurde. Zentrale Elemente der kubanischen Volksherrschaft sind:
- Die Abgeordneten unterliegen der Kontrolle durch die Bevölkerung und sind ihr gegenüber rechenschaftspflichtig.
- Die Abgeordneten werden mit einem imperativen Mandat gewählt, das heißt sie sind jederzeit abwählbar.
- Freiheit der Diskussion, Kritik und Selbstkritik gehören zu den Grundprinzipien der Poder Popular.
- Die Abgeordneten verfügen weder über Privilegien noch über ökonomische Vorteile. Ihre Bezüge bestehen aus Lohnfortzahlungen der Arbeitsstellen, in denen sie vor ihrer Wahl tätig waren.
Die Asamblea Provincial del Poder Popular (Provinzversammlung der Volksmacht) gibt es in allen 14 Provinzen sowie auf der Isla de la Juventud. Ihre Delegierten werden für fünf Jahre gewählt. Ihre Hauptfunktion besteht in der Erstellung von Entwicklungsplänen für die jeweilige Provinz und in der Kontrolle der Provinzverwaltungen.
Die Asambleas Municipales del Poder Popular (Kommunalversammlungen der Volksmacht) werden in den 169 Gemeinden (Municipios) gewählt. Die Wahlen finden alle zweieinhalb Jahre statt.
Das Wahlrecht haben alle kubanischen Staatsbürger über 16 Jahre mit Ausnahme von Gefängnisinsassen und Menschen, die durch Gerichtsentscheidung für nicht zurechnungsfähig erkannt wurden. Für die Nationalversammlung beginnt das passive Wahlrecht mit 18 Jahren. Bei dieser Wahl wurde für jeden zu vergebenden Sitz genau ein Kandidat aufgestellt. Parlamentspräsident ist Ricardo Alarcón de Quesada.
Der Ministerrat Kubas, spanisch Consejo de Ministros de Cuba, ist das höchste administrative Organ des Staates Kuba. Seine Mitglieder werden durch die Asamblea Nacional del Poder Popular, das kubanische Parlament, auf Vorschlag des Präsidenten des Staatsrates ernannt.
Mit dem Triumph der kubanischen Revolution im Jahre 1959 und durch das Grundgesetz aus dem gleichen Jahr wurde ihm die totale Legislative übertragen, genauso wie die Ernennung des Präsidenten der Republik. Dieses währte bis zum Verabschiedung der neuen Verfassung im Jahre 1976.
Der Ministerrat wird angeführt durch sein Exekutivkomitee, das den Präsidenten (Miguel Díaz-Canel), der gleichzeitig der Präsident des Staatsrates ist, den 1. Vizepräsidenten (gleichzeitig 1. Vizepräsident des Staatsrates: José Ramón Machado Ventura), einer unbestimmten Anzahl von Vizepräsidenten, Ricardo Cabrisas Ruíz, General Antonio Enrique Lussón Batlle, Innenminister Abelardo Colomé Ibarra, Landwirtschaftsminister Ulises Rosales del Toro und dem Sekretär des Ministerrates (José Amado Ricardo Guerra) geleitet wird.
Die Vizepräsidenten übernehmen Regierungsaufgaben, welche die Aufgaben mehrerer Ministerien umfassen, interministerielle Aufgaben entwickeln bzw. direkt der Präsidentschaft untergeordnet sind. Der Sekretär vereinigt vergleichbare koordinative Funktionen, wie jene eines Premierministers einer Präsidialrepublik.
Inseloberhaupt
In der jüngeren Vergangenheit vereinigte der ehemalige Präsident Fidel Castro alle fünf zentralen politischen Ämter in seiner Person. Er war Staatspräsident, Vorsitzender des Staats- und des Ministerrates, Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas und auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Posten des Staatsratspräsidenten, des Oberbefehlshabers der Streitkräfte und des KP-Generalsekretärs übergab er am 1. August 2006 krankheitsbedingt an seinen Bruder Raúl Castro.
Am 24. Februar 2008 wurde Raúl Castro vom Parlament zum Staats- und Ministerpräsidenten gewählt. In seiner Antrittsrede sagte er, er wolle den Weg des Sozialismus fortsetzen, jedoch auch Reformen im Wirtschaftsbereich zulassen, um dem Land zu größerer wirtschaftlicher Stärke zu verhelfen. Die Unabhängigkeit von den USA solle weiter gewahrt bleiben.
Da die Ämterhäufung auf eine Person beendet wurde, traten neben Raúl Castro weitere Personen in den Vordergrund: Carlos Lage (einer der Vizepräsidenten des Staatsrates bis 2009), Ricardo Alarcón (Parlamentspräsident) und Felipe Pérez Roque (Außenminister bis 2009, seit dem ist Bruno Rodríguez Parrilla Außenminister). Weitere wichtige Personen im Führungsgremium nach dem Rücktritt von Fidel Castro waren Esteban Lazo (Chefideologe der PCC), José Ramón Machado Ventura und José Ramón Balaquer.
Vicegobernadores (Vizegouverneure)
- Nov 1511 - Sep 1524 Diego Velázquez de Cuéllar (1465 - 1524)
- Sep 1524 - 14 Mar 1525 Manuel de Rojas y Córdova [amtierend] (um 1494 – nach 1561)
- 14 Mar 1525 - 27 Apr 1526 Juan de Altamirano (um 1495 - nach 1530)
- 27 Apr 1526 - 6 Nov 1531 Gonzalo de Guzmán
- 7 Nov 1531 - 1 Mar 1532 Juan de Vadillo [amtierend] (um 1495 - nach 1535)
- 1 Mar 1532 - 1 Feb 1534 Manuel de Rojas y Córdova [2, amtierend]
- Feb 1534 - 20 Mar 1537 Gonzalo de Guzmán [2]
Gobernadores Generales (Generalgouverneure)
- 20 Mar 1537 - 12 Mai 1539 Hernando de Soto (1496 - 1542)
- 17 Mai 1539 - 1544 Isabel (Inés) de Bobadilla [w] (um 1505 - 1546) & Juan de Rojas [amtierend]
- 2 Feb 1544 - 4 Jun 1546 Juan de Ávila (Dávila, um 1514 - nach 1550)
- 5 Jun 1546 - Nov 1549 Antonio de Chávez (um 1516 - nach 1550)
- 4 Nov 1549 - 8 Mar 1557 Gonzalo Pérez de Angulo (um 1519 - nach 1560)
- 8 Mar 1557 - 12 Sep 1565 Diego de Mazariegos
- 12 Sep 1565 - 24 Jul 1568 Francisco García Osorio de Sandoval (um 1535 - 15..)
- 24 Jul 1568 - 16 Sep 1574 Pedro Menéndez de Avilés (1519 - 1574)
- 24 Jul 1568 - 21 Apr 1571 Francisco de Zayas [amtierend für Avilés]
- 14 Jul 1571 - 29 Okt 1574 Sancho Pardo Osorio [amtierend für Avilés]
- 29 Okt 1574 - 2 Jun 1577 Gabriel de Montalvo
- 2 Jun 1577 - 27 Apr 1579 Francisco de Carreño (1528 - 1579)
- 27 Apr 1579 - Jan 1580 Alcaldes [amtierend]
- Jan 1580 - Mai 1581 Gaspar de Torres
Gobernadores y Capitanes Generales (Gouverneure und Generalkapitäne)
- Mai 1581 - 1583 Gabriel de Luján (Luxán)
- 1583 - 21 Apr 1586 García Hernández de Torquemada & Diego Fernández Quiñones [amtierend]
- 1586 - 31 Mar 1589 Gabriel de Luján (Luxán) [2]
- 31 Mar 1589 - Jul 1594 Juan de Tejeda (Texada, † 1610)
- Jul 1594 - 19 Jun 1602 Juan Maldonado Barnuevo
- 20 Jun 1602 - 16 Jun 1608 Pedro de Valdés y Menéndez de Lavandera (1544 - 1615)
- 18 Jun 1608 - 7 Sep 1616 Gaspar Ruíz de Pereda
- 7 Sep 1616 - 6 Jun 1619 Sancho de Alquiza Gamboa (um 1567 - 1619)
- 6 Jul 1619 - 14 Aug 1620 Diego Vallejo & Gerónimo de Quero [amtierend] († 1635)
- 14 Aug 1620 - 16 Apr 1624 Francisco de Venegas († 1624)
- 16 Apr 1624 - 6 Jun 1625 Juan Esquivel de Saavedra & Damián Velásquez de Contreras y Osorio (bis 3 Mai 1625) & Juan Alonso Abad Riva Martin (ab 3 Mai 1625) [amtierend]
- 6 Jun 1625 - 16 Sep 1626 Damián Velásquez de Contreras y Osorio [2, amtierend]
- 16 Sep 1626 - 7 Okt 1630 Lorenzo Cabrera y Corbera
- 7 Okt 1630 - 23 Okt 1634 Juan Bitrián de Viamonte (Beaumonte, † 1639)
- 23 Okt 1634 - 15 Sep 1639 Francisco de Riaño y Gambóa
- 15 Sep 1639 - 27 Sep 1647 Álvaro de Luna y Sarmiento
- 27 Sep 1647 - 28 Mar 1653 Diego de Villalva y Toledo, Marqués de Campo
- 28 Mar 1653 - 23 Jun 1654 Francisco Xelder (Gelder) y Calatayud; † 16%$)
- 24 - 28 Jun 1654 Pedro García Montañes [amtierend]
- 28 Jun 1654 - 8 Jun 1655 Ambrosio de Sotolongo Salazar [amtierend]
- 8 Jun 1655 - 19 Jun 1656 Juan de Montaño Blázquez († 1658)
- 19 Jun 1656 - 5 Mar 1658 José de Aguirre & Diego Rangel [amtierend]
- 5 Mar 1658 - 12 Sep 1662 Juan de Salamanca
- 1662 - 1663 Pedro de Morales [amtierend]
- 15 Jun 1663 - 30 Jul 1664 Rodrigo de Flores y Aldana (1625 - 1675?)
- 30 Jul 1664 - 6 Mai 1670 Francisco Dávila Orejón y Gastón (1617 - 1674)
- 6 Mai 1670 - 31 Aug 1680 Francisco Rodríguez de Ledesma
- 31 Aug 1680 - 2 Jul 1685 José Fernández de Córdoba Ponce de León
- 2 Jul 1685 - 19 Nov 1687 Andrés Munive & Manuel de Murguía y Mena [amtierend]
- 19 Nov 1687 - 30 Okt 1689 Diego Antonio de Viana e Hinojosa (1632 - 1690)
- 30 Okt 1689 - 2 Okt 1695 Severino de Manzaneda y Salinas de Zumalabe (1644 - um 1700)
- 2 Okt 1695 - Sep 1702 Diego Córdoba y Lasso de la Vega, Marques del Vado (1629 - 1720)
- 20 Sep 1702 - 4 Dez 1704 Pedro Nicolás Benítez de Lugo (1667 - 1705)
- 4 Dez 1704 - 13 Mai 1706 Nicolás Chirino de Vandevale [amtierend] († 1710)
- 13 Mai - 8 Jun 1706 Pedro Álvarez de Villamarín († 1706)
- 8 Jun 1706 - 18 Jan 1708 Luis Chacón y Castellón [amtierend] (1670 - 1716)
- 18 Jan 1708 - 18 Feb 1711 Laureano José de Torres Ayala y Quadros Castellanos, Marqués de Casa Torres (1649 - 1725)
- 18 Feb - 26 Mai 1711 Luis Chacón y Castellón [2, amtierend]
- 26 Mai 1711 - 23 Aug 1717 Vicente de Raja († 1717)
- 23 Aug 1717 - 23 Jun 1718 Gómez Maraver Ponce de León [interimistisch]
- 23 Jun 1718 - 29 Sep 1724 Gregorio Guazo y Calderón Fernández de l,a Vega (1675 - 1726)
- 29 Sep 1724 - 18 Mar 1734 Dionisio Martínez de la Vega (167. - 1741)
- 18 Mar 1734 - 22 Apr 1746 Juan Francisco de Güemes y Horacitas Gordón de Saenz de Villamolinedo, Conde de Revillagigedo (1681 - 1776)
- 22 Apr - 21 Jul 1746 Juan Antonio Tineo y Fuertes (169. - 1746)
- 21 Jul 1746 - 9 Jun 1747 Diego Peñalosa [amtierend]
- 9 Jun 1747 - 18 Mai 1760 Francisco Antonio Cajigal de la Vega (1695 - 1777)
- 18 Mai 1760 - 7 Feb 1761 Pedro Alonso [amtierend] († 1766)
- 7 Feb 1761 - 13 Aug 1762 Juan de Prado Mayera Portocarrero y Luna (1716 - um 1770)
- 12 Aug 1762 - 1 Jan 1763 George Keppel, Earl of Albemarle (1724 - 1772)
- 1 Jan - Jul 1763 William Keppel, Earl of Albemarle (1727 - 1782)
- 8 Jul 1763 - 27 Jun 1765 Ambrosio Funes Villalpando Abarca de Bolea, Conde de Ricla (1720 - 1780)
- 27 Jun 1765 - 24 Jul 1766 Diego Antonio Manrique († 1765)
- 11 Mar 1766 - 14 Aug 1771 Antonio Maria de Bucareli y Ursúa Hinostrosa Lasso de la Vega (1717 - 1779)
- 14 Aug - 18 Nov 1771 Diego José Navarro y García de Valladares (1708 -1784)
- 18 Nov 1771 - 12 Jul 1777 Felipe de Fondesviela y Ondeano, Marqués de la Torre (1725 - 1784)
- 12 Jun 1777 - 12 Feb 1782 Diego José Navarro y García de Valladares [2]
- 12 Feb - 29 Dez 1782 Juan Manuel de Cajigal y Montserrat (1739 - 1811)
- 29 Dez 1782 - 1 Feb 1785 Luis de Unzaga y Amezaga (1721 - 1793)
- 7 Apr - 1 Dez 1785 Bernardo Troncoso y Martínez del Rincón [interimistisch] (1730 - 1804)
- 1 Dez 1785 - 18 Apr 1789 José Manuel Ignacio Timoteo de Ezpeleta Galdeano Dicastillo y del Prado (1741 - 1823)
- 18 Apr 1789 - 8 Jul 1790 Domingo Cabello y Robles (um 1725 - nach 1795)
- 8 Jul 1790 - 6 Dez 1796 Luis de las Casas y Arragorri (1745 - 1800)
- 6 Dez 1796 - 13 Mai 1799 Juan Procopio Bassecourt y Bryas, Conde de Santa Clara (1740 - 1820)
- 13 Mai 1799 - 14 Apr 1812 Salvador de Muro y Salazar, Marqués de Someruleos (1754 - 1813)
- 14 Apr 1812 - 1 Jul 1816 Juan Ruíz de Apodaca y Eliza López de Letona y Lasquetty (1754 - 1835)
- 1 Jul 1816 - 29 Aug 1819 José Maria González de Cienfuegos y Jovellanos (1763 - 1825)
- 1819 Juan María Dechéverri
- 29 Aug 1819 - 3 Mar 1821 Juan Manuel de Cagigal y Martínez Niño de San Miguel y Pachdeco (1754 - 1823)
- 3 Mar 1821 - 13 Jul 1822 Nicolás de Mahy y Romo (1757 - 1822)
- 13 Jul 1822 - 2 Mai 1823 Sebastián Kindelán y Oregón [amtierend] (1757 - 1826)
- 2 Mai 1823 - 15 Mai 1832 Francisco Dionisio Vivés y Llanes (1755 - 1840)
- 15 Mai 1832 - 1 Jun 1834 Mariano Ricafurt Palacín y Abarca (1776 - 1845)
- 1 Jun 1834 - 20 Apr 1838 Miguel Tacón Rosique Foxá y Rivera, Marqués de la Unión de Cuba (1777 - 1855)
- 20 Apr 1838 - 10 Jan 1840 Joaquín de Ezpeleta y Enrile (1786 - 1863)
- 10 Jan 1840 - 7 Mar 1841 Pedro Alcántara Téllez Girón y Pimentel, Principe de Anglona (1776 - 1851)
- 7 Mar 1841 - 13 Sep 1843 Jerónimo Valdés y Sierra, Conde de Villaria (1784 - 1855)
- 13 Sep - 20 Okt 1843 Francisco Javier de Ulloa y Ramirez de Laredo [amtierend] (1777 - 1855)
- 20 Okt 1843 - 20 Feb 1848 Leopoldo O’Donnell y Jorris, Conde de Lucena (1809 - 1867)
- 20 Feb 1848 - 11 Nov 1850 Federico Roncali Ceruti y Martínez de Maurica, Conde de Alcoy (1801? - 1857)
- 11 Nov 1850 - 16 Apr 1852 José Guiterrez de la Concha y Irigoyen, Marqués de la Habana (1809 - 1895)
- 16 Apr 1852 - 3 Dez 1853 Valentín Cañedo y Miranda (1806 - 1856)
- 3 Dez 1853 - 21 Sep 1854 Juan Manuel González de la Pezuela y Sánchez de Aragón Capay y Olarria, Marqués de la Pezuela (1809 - 1906)
- 21 Sep 1854 - 24 Nov 1859 José Guitérrez de la Concha y Irigoyen, Marqués de la Habana [2]
- 24 Nov 1859 - 10 Dez 1862 Francisco Serrano y Domínguez Cuenca y Guevara Vasconcellos, Duque de la Torre (1810 - 1885)
- 10 Dez 1862 - 30 Mai 1866 Domingo Dulce Guerrero Garay y Sáez, Marqués de Castell y Florit (1808 - 1869)
- 30 Mai - 3 Nov 1866 Francisco Lersundi y Ormaechea y Guerrero Zambrano (1817 - 1874)
- 3 Nov 1866 - 24 Sep 1867 Joaquín del Manzano y Manzano (1805 - 1867)
- 24 Sep - 21 Dez 1867 Blas Villate y de la Hera, Conde de Valmaseda (1824 - 1882)
- 21 Dez 1867 - 4 Jan 1869 Francisco Lersundi y Ormaechea y Guerrero Zambrano [2]
- 4 Jan - 2 Jun 1869 Domingo Dulce Guerrero Garay y Sáez, Marqués de Castell y Florit [2]
- 2 Jun 1869 - 28 Jun 1869 Felipe Ginovés del Espinar [provisorisch]
- 28 Jun 1869 - 13 Dez 1870 Antonio Caballero y Fernández de Rodas (1816 - 1876)
- 13 Dez 1870 - 11 Jul 1872 Blas Villate y de la Hera, Conde de Valmaseda [2]
- 11 Jul 1872 - 18 Apr 1873 Francisco Ceballos y Vargas (1814 - 1883)
- 18 Apr - 4 Nov 1873 Cándido Pieltain y Jove-Huelgo (1822 - 1888)
- 4 Nov 1873 - 6 Apr 1874 Joaquín Jovellar y Soler (1819 - 1892)
- 6 Apr 1874 - 1 Mar 1875 José Guiterrez de la Concha y Irgoyen, Marqués de la Habana [3]
- 1 - 8 Mar 1875 Buenaventura Carbó y Alcoy [provisorisch] (1819 - 1888)
- 8 Mar 1875 - 18 Jan 1876 Blas Villate y de la Hera, Conde de Valmaseda [3]
- 18 Jan - 17 Jun 1876 Joaquín Jovellar y Soler [2]
- 17 Jun 1876 - 5 Feb 1879 Arsenio Martínez de Campos y Antón (1831 - 1900)
- 5 Feb - 17 Apr 1879 Cayetano Figueroa y Garahondo [amtierend]
- 17 Apr 1879 - 28 Nov 1881 Ramón Blanco y Ereñas, Marqués de Peña Plata (1831 - 1906)
- 28 Nov 1881 - 4 Aug 1883 Luis Prendergast y Gordón Sweetman y Archimbauld, Marqués de la Victória de las Tunas (1823 - 1892)
- 5 Aug - 28 Sep 1883 Tomás de Reyna y Reyna [amtierend] (1821 - 1896)
- 28 Sep 1883 - 8 Nov 1884 Ignacio María del Castillo y Gill de la Torre, Conde de Bilbao (1817 - 1893)
- 8 Nov 1884 - 5 Mar 1886 Ramón Fajardo y Izquierdo (1826 - 1888)
- 30 Mar 1886 - 15 Jul 1887 Emilio Calleja y Isasi (1830 - 1906)
- 15 Jul 1887 - 13 Mar 1889 Sabas Marín y González [2]
- 13 Mar 1889 - 6 Feb 1890 Manuel Salamanca y Negrete (1831 - 1891)
- 6 Feb - 4 Apr 1890 José Sánchez Gómez [provisorisch]
- 4 Apr - 24 Aug 1890 José Chinchilla y Diez de Oñate (1839 - 1898)
- 24 Aug 1890 - 20 Jun 1892 Camilo García de Polavieja y del Castillo (1838 - 1914)
- 10 Jun 1892 - 15 Jul 1893 Alejandro Rodríguez Arias y Rudolfo (1838 - 1893)
- 15 Jul - 16 Sep 1893 José Arderius y García [provisorisch] (1832 - 1901)
- 16 Sep 1893 - 16 Apr 1895 Emilio Calleja y Isasi [2]
- 16 Apr 1895 - 11 Jan 1896 Arsenio Martínez de Campos y Antón [2]
- 11 Jan 1896 Sabas Marín y González [2, provisorisch]
- 11 Jan 1896 - 31 Okt 1897 Valeriano Weyler y Nicolau, Marqués de Tenerife (1838 - 1930)
- 31 Okt 1897 - 30 Nov 1898 Ramón Blanco y Erenas, Marqués de Peña Plata [2]
- 30 Nov 1898 - 1 Jan 1899 Adolfo Jiménez Castellanos y de Tapia (1844 - 1929)
Capitán General (Generalkapitän der Befreiungsarmee von Kuba und diensthabender Regierungschef)
- 10 Oct 1868 - 12 Apr 1869 Carlos Manuel Perfecto del Carmen de Céspedes y del Castillo (1819 - 1874) Mil
Presidentes (Präsidenten)
- 12 Apr 1869 - 27 Okt 1873 Carlos Manuel Perfdecto del Carmen de Céspedes y del Castillo [provisorisch bis 12 Apr 1869] PRC
- 27 Okt 1873 - 1 Jul 1875 Salvador Cisneros y Betancourt, Marqués de Santa Lucía [amtierend] (1848 - 1914) PRC
- 1 Jul 1875 - 29 Mar 1876 Juan Bautista Spotorno y Georovich [amtierend] (1832 - 1917) PRC
- 29 Mar 1876 - 19 Okt 1877 Tomás Estrada Palma (1835 - 1908) PRC
- 19 Okt - 13 Dez 1877 Francisco Javier de Jesús de Céspedes y del Castillo [interimistisch] (1821 - 1903) PRC
- 13 Dez 1877 - 10 Feb 1878 Vicente García y González (1833 - 1886) PRC
- 16 Mar - 28 Mai 1878 Manuel de Jesús Calvar y Odoardo (Vorsitzender der provisorischen Regierung, 1832 - 1895) PRC
- 18 Sep 1895 - 30 Okt 1897 Salvador Cisneros y Betancourt, Marqués de Santa Lucía [2] (Vorsitzender des Regierungsrats) PRC
- 30 Okt 1897 - 7 Nov 1898 Bartolomé Masó y Márquez (1830 - 1907) PRC
Presidente del Consejo Ejecutivo de la Asamblea de Representantes de la Revolución Cubana (Vorsitzende des Exekutivrats der Repräsentantenversammlung der Kubanischen Revolution)
- 7 - 10 Nov 1898 Domingo Méndez Capote (Versammlungsvorsitzender, 1863 - 1933) PRC
- 10 Nov 1898 - 4 Apr 1899 Rafael María Portuondo ToMaio (1840 - 1908)
- 4 Apr - 30 Jun 1899 José Lacret Morlot (1848 - 1904) PRC
Gobernadores (Gouverneure)
- 1 Jan - 23 Dez 1899 John Ruller Brooke (1838 - 1926)
- 23 Dez 1899 - 20 Mai 1902 Leonard Wood (1868 - 1927)
Presidente (Präsident)
- 20 Mai 1902 - 28 Sep 1906 Tomás Estrada Palma [2] PM
Gobernadores (Provisorische Gouverneure)
- 29 Sep - 13 Okt 1906 William Howard Taft (1857 - 1930)
- 13 Okt 1906 - 28 Jan 1909 Charles Edward Magoon (1861 - 1920)
Presidentes (Präsidenten)
- 28 Jan 1909 - 20 Mai 1913 José Miguel Gómez y Gómez (1858 - 1921) PL
- 20 Mai 1913 - 20 Mai 1921 Aurelio Mario Gabriel Francisco García Menocal y Deop (1868 - 1941) PC
- 20 Mai 1921 - 20 Mai 1925 Alfredo Zayas y Alfonso (1861 - 1934) PPC-LN
- 20 Mai 1925 - 24 Aug 1933 Gerardo Machado y Morales (verlässt Kuba am 12 Aug 1933, 1871 - 1939) PL
- 12 - 13 Aug 1933 Alberto Herrera y Franchi [amtierend für Machado] Mil
- 13 Aug - 5 Sep 1933 Carlos Manuel de Céspedes y Quesada [amtierend für Machado bis 24 Aug 1933] (1871 - 1939) ABC
- 5 - 10 Sep 1933 Exekutivkommission der provisorischen Regierung: Ramón Grau San Martín (1887 - 1969) PRC, Guillermo Francisco Leopoldo Portela y Möller (1886 - 1958), José Miguel Irisarri y Gamio (1895 - nach 1970), Sergio Carbó y Morera (1891 - 1971), Porfirio Franca y Álvarez de la Campa (1878 - 1950)
- 10 Sep 1933 - 15 Jan 1934 Ramón Grau San Martín PRC
- 15 - 18 Jan 1934 Carlos Hevia y de los Reyes Gavilán [provisorisch] (1900 - 1964) PRC
- 18 Jan 1934 (Stunden) Carlos Manuel Agustín Márquez Sterling y Loret de Mola [amtierend] (1872 - 1934)
- 18 Jan 1934 - 11 Dez 1935 Carlos Mendieta y Montefur [provisorisch] (1873 - 1960) UN
- 11 Dez 1935 - 20 Mai 1936 José Agripino Barnet y Vinageras [amtierend bis 13 Dez 1935, provisorisch ab 13 Dez 1935] (1864 - 1945) UN
- 20 Mai - 24 Dez 1936 Miguel Mariano Gómez y Arias (1889 - 1950) UN
- 24 Dez 1936 - 10 Okt 1940 Federico Laredo Brú (1875 - 1946) UN
- 10 Okt 1940 - 10 Okt 1944 Rubén Fulgencio Batista y Zaldívar (1901 - 1973) CSD
- 10 Okt 1944 - 10 Okt 1948 Ramón Grau San Martín [2] PRC-A
- 10 Okt 1948 - 10 Mar 1952 Carlos Prío Socarrás (1903 - 1977) PRC-A
- 10 Mar 1952 - 1 Jan 1959 Rubén Fulgencio Batista y Zaldívar [2] (Staatschef bis 4 Apr 1952, provisorisch bis 24 Feb 1955) Mil / PAU / PAP
- 14 Aug 1954 - 24 Feb 1955 Andrés Domingo Morales y del Castillo [amtierend for Batista] (1892 - nach 1960)
- 1 - 2 Jan 1959 Anselmo Alliegro y Milá [amtierend] (1899 - 1961) PP
- 2 Jan 1959 (Stunden) Carlos Manuel Piedra y Piedra [interimistisch]
- 3 Jan - 17 Jul 1959 Manuel Urrutia Lleó (1901 - 1981)
- 18 Jul 1959 - 2 Dez 1976 Osvaldo Dorticós Torrado (1919 - 1983) ORI / PUSC / PCC
Presidentes del Consejo de Estado (Präsidenten des Staatsrats)
- 2 Dez 1976 - 24 Feb 2008 Fidel Alejandro Castro Ruz PCC
- 31 Jul 2006 - 19 Apr 2018 Raul Modesto Castro Ruz [amtierend bis 24 Feb 2008] (* 1931)
- 19 Apr 2018 - 10 Okt 2019 Miguel Mario Díaz-Canel Bermúdez PCC
Presidente (Präsident)
- seit 10 Okt 2019 Miguel Mario Díaz-Canel Bermudez PCC
Kabinettspräsident
- 1 Jan 1898 - 1898 José María Gálvez Alonso (1834 - 1906) PAL
De facto Herrscher
- 5 Sep 1933 - 10 Oct 1940 Rubén Fulgencio Batista y Zaldívar (1901 - 1973) Mil
Premierminister
- 10 Okt 1940 - 16 Aug 1942 Carlos Saladrigas y Zayas (1900 - 1956) CSD
- 16 Aug 1942 - 16 Mar 1944 Ramón Zaydín y Márquez Sterling (1895 - 1968) CSD
- 16 Mar - 10 Okt 1944 Anselmo Alliegro y Milá CSD
- 10 Okt 1944 - 13 Okt 1945 Félix Lancís Sánchez (1900 - 1976) PRC-A
- 13 Okt 1945 - 1 Mai 1947 Carlos Prío Socarrás PRC-A
- 1 Mai 1947 - 10 Okt 1948 Raúl López del Castillo PRC-A
- 10 Okt 1948 - 6 Okt 1950 Manuel Antonio de Varona y Loredo (1908 - 1992) PRC-A
- 6 Okt 1950 - 1 Okt 1951 Félix Lancís Sánchez [2] PRC-A
- 1 Okt 1951 - 10 Mar 1952 Óscar BGans y López Martínez (1903 - 1965) PAU
- 10 Mar - 4 Apr 1952 Rubén Fulgencio Batista y Zaldívar Mil
- 24 Feb 1955 - 26 Mar 1957 Jorge García Montes PAP
- 26 Mar 1957 - 6 Mar 1958 Andrés Rivero Agüero (1905 - 1997) PAP
- 6 Mar - 12 Mar 1958 Emilio Núñez Portuondo (1898 - 1978) PAP
- 12 Mar 1958 - 1 Jan 1959 Gonzalo Güell y Morales de los Ríos PAP
- 5 Jan - 13 Feb 1959 José Miró Cardona (1902 - 1974)
- 16 Feb 1959 - 2 Dez 1976 Fidel Alejandro Castro Ruz MR-26-7 / ORI
Präsidenten des Ministerrats
- 3 Dez 1976 - 24 Feb 2008 Fidel Alejandro Castro Ruz PCC
- 31 Jul 2006 - 19 Apr 2018 Raul Modesto Castro Ruz [amtierend bis 24 Feb 2008] (* 1931)
- 19 Apr 2018 - 21 Dez 2019 Miguel Mario Díaz-Canel Bermúdez (* 1960)
Premierminister
- seit 21 Dez 2019 Manuel Marrero Cruz (* 1963) PCC
Erste Sekretäre der Kommunistischen Partei Kubas (PCC, bis 26 Mar 1962 Integrierte Revolutionäre Organisationen [ORI], 26 Mar 1962 - 3 Okt 1965 Vereinigte Partei der Kubanischen Sozialistischen Revolution [PUSC])
- Jul 1961 - 31 Jul 2006 Fidel Alejandro Castro Ruz (bis 3 Okt 1965 Erster Sekretär, 1926 - 2016)
- 31 Jul 2006 - 19 Apr 2018 Raul Modesto Castro Ruz (* 1931)
- seit 19 Apr 2018 Miguel Mario Díaz-Canel Bermúdez
Commandants of the Guantanamo Bay Naval Base (Kommandanten der Basis Guantanamo)
- 10 Dez 1903 - Mai 1904 William H. Allen (1856 - 1905)
- 17 Mai 1904 - Sep 1906 Charles Custis Rogers (1856 - 1917)
- 8 Sep 1906 - Jul 1907 Albert A. Ackerman (1859 - 1932)
- Aug 1907 - Mai 1908 Clark Stearns [amtierend] (1870 - 1944)
- Mai 1908 - Apr 1909 Charles Henry Harlow (1858 - 1933)
- Mai - Nov 1909 Myles Joyce [amtierend] (1869 - 1948)
- Nov 1909 - Jan 1912 Walter Ball (1872 - 1944)
- 18 Jan 1912 - Jun 1913 George W. Kline (1864 - 1922)
- Jun 1913 - Jan 1914 Merritt S. Corning [amtierend] (1879 - 1914)
- Jan - Okt 1914 Hilary Williams (1875 - 1928)
- Dez 1914 - Mai 1916 Jon McClane Luby (1874 - 1955)
- 4 Mai 1916 - Sep 1917 Dudley Wright Knox (1877 - 1960)
- 4 Sep 1917 - 18 Dez 1918 Edward E. Wright (1856 - 1921)
- Dez 1918 - Sep 1920 Guy Whitlock (1880 - 1922)
- Sep 1920 - Jun 1921 John J. Hannigan (1877 - 1944)
- Jun 1921 - Mai 1923 Robert T. Menner (1876 - 1932)
- Mai 1923 - Jun 1924 Ward K. Wortman (1880 - 1934)
- Jun 1924 - Jun 1926 Charles M. Tozer (1876 - 1949)
- Jun 1926 - Aug 1928 Charles C. Soule, Jr. (1883 - 1943)
- Aug 1928 - Jun 1930 Charles S. McWhorter (1884 - 1954)
- Aug 1930 - Feb 1931 Alfred Hart Miles (1883 - 1956)
- Feb 1931 - Mai 1933 Thomas L. Johnson (1876 - 1945)
- Jun 1933 - Jun 1934 Edward Cook Raguet (1886 - 1970)
- Jun 1934 - Apr 1936 Charles “Saavy” M. Cooke Jr. (1886 - 1970)
- Mai 1936 - Jun 1938 Mark L. Hersey, Jr. (1888 - 1974)
- Jun 1938 - Aug 1940 Worrall R. Carter (1885 - 1975)
- Sep 1940 - Mar 1944 George L. Weyler (1886 - 1971)
Commanders (Kommandanten)
- Apr - Okt 1944 Frank Alfred Braisted (1889 - 1981)
- Okt 1944 - Dez 1945 John Joseph Mahoney (1891 - 1953)
- Jan 1946 - Mai 1948 Charlton E. Battle, Jr. (1887 - 1970)
- Jun 1948 - Jun 1950 William Kearney Phillips (1894 - 1986)
- Jun - Dez 1950 Albert McQueen Bledsoe (1896 - 1981)
- Dez 1950 - Jan 1953 Marion E. Murphy (1899 - 1980)
- Jan - Dez 1953 Clarence Lee Conner Atkeson (1899 - 1975)
- Feb 1954 - Sep 1955 Edmund Taylor (1904 - 1973)
- Sep 1955 - Okt 1956 William G. Cooper (1903 - 1971)
- Dez 1956 - Nov 1958 Robert Ellis (1903 - 1984)
- Nov 1958 - Okt 1960 Frank W. Fenno (1902 - 1973)
- Dez 1960 - Dez 1962 Edward J. O'Donnell (1907 - 1991)
- Dez 1962 - Dez 1963 James W. Davis (1906 - 1995)
- Dez 1963 - Jun 1966 John Duncan Bulkeley (1911 - 1996)
- Jun 1966 - Jul 1968 Earl R. Crawford (1913 - 1999)
- Jul 1968 - Jun 1970 James Hildreth (1920 - 2006)
- Jun 1970 - Aug 1972 Brian McCauley (1922 - 2002)
- Aug 1972 - Jun 1973 Leo McCuddin (1917 - 1983)
- Jun 1973 - Jul 1975 Ralph M. Ghormley (1927 - 2012)
- Jul 1975 - Jun 1977 John Hoffman McConnell )1025 - 1985)
- Jun 1977 - Feb 1979 David Walpole DeCook (* 1929)
- Feb 1979 - Mar 1981 John Henry Fetterman, Jr. (1932 - 2006)
- Mar 1981 - Okt 1983 Maurice Dwight „Fitz“ Fitzgerald (1934 - 2022)
- Okt 1983 - Okt 1985 Robert Albert Allen (* 1937)
- Okt 1985 - Apr 1988 John Robert Condon (* 1937)
- Apr 1988 - Jun 1990 John Stuart Boyd (* 1946)
- Jun 1990 - Aug 1992 William Charles McCamy, Jr. (* 1945)
- Aug 1992 - Sep 1994 William Michael DeSpain (* 1948)
- Sep 1994 - Sep 1995 James Francis “Bookie” Boland, Jr. (* 1951)
- Sep 1995 - Apr 1997 James „Jim“ Dennis Cannon (* 1948)
- Apr 1997 - 12 Mai 2000 Larry Edward Larson (* 1951)
- 12 Mai 2000 - 27 Mar 2003 Robert Alexander Buehn (* 1951)
- 27 Mar 2003 - 9 Jul 2005 Leslie James McCoy (* 1957)
- 9 Jul - 22 Sep 2005 Lawrence Silas Cotton, Jr. (* 1953)
- 22 Sep 2005 - 25 Sep 2008 Mark Michael Leary (* 1957)
- 25 Sep 2008 - 23 Sep 2010 Steven „Steve“ Hartley Blaisdell (1960 - 2020)
- 23 Sep 2010 - 29 Jun 2012 Kirk Ricardo Hibbert (* 1964)
- 29 Jun 2012 - 21 Jan 2015 John Robert Nettleton (* 1965)
- 21 Jan - 17 Apr 2015 Christopher “Scotty” Gray [amtierend] (* 1964)
- 17 Apr 2015 - 21 Jun 2018 David C. „Chili“ Culpepper (* 1969?)
- 21 Jun 2018 - 17 Jun 2021 John A. „Fish“ Fischer (* 1972?)
- 17 Jun 2021 - 6 Jun 2024 Samuel S. „Smokey“ White (* 1970)
- seit 6 Jun 2024 Michael „Mike“ Ross „Maevin“ Stephen (* 1978)
Politische Gruppierungen
Die Partido Comunista de Cuba (Kommunistische Partei Kubas, kurz PCC) ist die erstmals 1925, und 1961 in heutiger Form wiedergegründete Kommunistische Partei in Kuba, die sich auf die Lehren von Martí, Marx, Engels und Lenin gründet.
Während der Diktatur von Gerardo Machado von 1925 bis 1933 gründeten die seit 1923 existierenden kommunistischen Gruppen verschiedener Orte die Kommunistische Partei Kubas. Zu ihren bekanntesten Gründerpersönlichkeiten gehörten Julio Antonio Mella und Carlos Baliño. Von Anfang an von der Diktatur verfolgt, gewann sie trotzdem großen Einfluss in der Gewerkschaftsbewegung. Unter dem Einfluss der Kommunistischen Partei der USA, die mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges auch das Ende der Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Kapitalismus gekommen sah (Konvergenztheorie und Browderism) und sich auflöste, benannte sich die Kommunistische Partei Kubas in Sozialistische Volkspartei (Partido Socialista Popular (PSP)) um.
Nach dem Triumph der kubanischen Revolution 1959 wurden zunächst im Juli 1961 die sogenannten Integrierten Revolutionären Organisationen Kubas (Organisaciones Revolucionarias Integradas (ORI)) durch die Verschmelzung der Bewegung des 26. Juli (M-26-7, geführt von Fidel Castro) mit der Sozialistischen Volkspartei, geführt von Blas Roca) und des Revolutionären Direktoriums des 13. März (geführt von Faure Chomón) gegründet. Aus den ORI wurde am 26. März 1962 die Vereinigte Partei der Kubanischen Sozialistischen Revolution (Partido Unido de la Revolución Socialista de Cuba (PURSC)), aus der am 3. Oktober 1965 die Kommunistische Partei Kubas (PCC) hervorging.
Bisher wurden fünf Parteitage der PCC abgehalten. Obwohl die Statuten der Partei einen Fünf-Jahres-Rhythmus dafür vorsehen, fand seit Oktober 1997 keiner mehr statt. Der nächste wurde ursprünglich für Ende 2009 angekündigt, jedoch wegen der Weltwirtschaftskrise, so die offizielle Begründung, auf unbestimmte Zeit verschoben.
Die PCC ist keine Massenpartei, in Kuba besteht kein direkter oder indirekter Zwang zur Mitgliedschaft. Die PCC versteht sich im Gegenteil als revolutionäre Avantgarde auf dem Weg zum Kommunismus, so dass sie nur Mitglieder mit besonders untadeligem Lebenslauf und revolutionärem Gewissen aufnimmt. In Artikel 5, 1. Kapitel der Kubanischen Verfassung heißt es: Die Kommunistische Partei Kubas, martianisch (nach José Martí) und marxistisch-leninistisch, organisierte Avantgarde der kubanischen Nation, ist die oberste bestimmende Kraft der Gesellschaft und des Staates, die die gemeinsamen Anstrengungen organisiert und auf das höchste Ziel des Aufbaus des Sozialismus und des Vorrückens bis zur kommunistischen Gesellschaft ausrichtet.
Gegenwärtig sind die obersten Organe der PCC auf nationaler Ebene der Kongress, das Zentralkomitee und das Politbüro. Im Oktober 1997 wurde der 5. Kongress abgehalten. Dort wurde Fidel Castro zum 1. Sekretär und sein Bruder Raúl Castro zum 2. Sekretär des Politibüros gewählt. Das offizielle landesweite Parteiorgan der PCC ist die Tageszeitung Granma. Daneben gibt die PCC in den Provinzen jeweils eine regionale Tageszeitung heraus.
Der Kommunistischen Partei Kubas sind folgende Massenorganisationen zugehörig:
- Organización de Pioneros José Martí (Pionierorganisation „José Martí »)
- Unión de Jóvenes Comunistas (Kommunistischer Jugendverband)
- Federación Estudiantil de la Enseñanza Media (Föderation der Schüler)
- Federación Estudiantil Universitaria (Föderation der Universitätsstudenten)
- Central de Trabajadores de Cuba (Zentrale Gewerkschaftsorganisation)
- Federación de Mujeres Cubanas (Föderation der Frauen)
- Asociación Nacional de Agricultores Pequeños (Nationale Vereinigung der Kleinbauern)
- Comités de Defensa de la Revolución (Komitee zur Verteidigung der Revolution)
Die kubanische Opposition ab 1959 gegen das Castro-Regime versucht zum Teil mit friedlichen Mitteln, zum Teil gewaltsam, eine Transformation auf Kuba gegen die diktatorisch regierende Machtelite um Fidel und Raúl Castro zu erreichen. Friedliche Mittel dazu sind neben Aufklärungsarbeit gegen die allgegenwärtige staatliche Propaganda vor allem Aktionen wie (ungenehmigte) Demonstrationen, Sammlungen von Bürgerinterviews, Unterschriftensammlungen für (später nicht genehmigte) Volksabstimmungen und (abgelehnte) Angebote an die Regierung zum gemeinsamen Dialog. Diese Aktionen sind für die Teilnehmer nicht ungefährlich, da sie naturgemäß ein öffentliches Eingeständnis der regierungskritischen Haltung mit sich bringen. Daneben gibt es kleine unabhängige Gewerkschaften oder Bibliotheken.
Eine dem Staat und der Partei gegenüberstehende, organisierte Opposition ist im politischen System Kubas nicht vorgesehen. Nicht staatskonforme Parteien oder Organisationen der Zivilgesellschaft sind illegal.
Es gibt mehrere hundert, meist nur aus wenigen Mitgliedern bestehende Organisationen und Parteien, die in Dachverbänden wie der Asamblea Para Promover la Sociedad Civil en Cuba (Versammlung zur Förderung einer Zivilgesellschaft auf Kuba), Todos Unidos (Alle Zusammen), Convergencia Liberal Cubana (Liberale Kubanische Konvergenz) oder der Frente de Unidad Nacional (Front der Nationalen Einheit) zusammenarbeiten, teilweise aber auch untereinander zerstritten sind.
Wichtige Gruppen sind die Partido Solidaridad Democrática (Partei der Demokratischen Solidarität), das Movimiento Cristiano Liberación (MCL, Christliche Befreiungsbewegung, Gründer: Oswaldo Payá) oder der Arco Progresista (Spektrum des Fortschritts) und die von Martha Beatriz Roque Cabello geführte Asamblea Para Promover la Sociedad Civil en Cuba, wobei letztere eng mit rechten exilkubanischen Organisationen in Miami zusammenarbeitet, was von den anderen großen Oppositionsgruppen sehr kritisch gesehen wird. Deutlich wurde dieser Unterschied in der Haltung zur ersten öffentlichen und von der kubanischen Regierung geduldeten Versammlung zur Förderung der kubanischen Zivilgesellschaft am 20. Mai 2005 unter Vorsitz von Martha Beatriz Roque Cabello und Vladimiro Roca in Havanna: die erstgenannten Organisationen und die Hälfte der 75 Opfer der letzten Massenverhaftung erklärten ihre Nichtteilnahme bzw. Ablehnung der dort vertretenen politischen Ziele.
Außerhalb Kubas existiert unter den 2 Millionen kubanischen Emigranten in Miami eine aktive Opposition, deren wichtigste Organisation die radikal antikommunistische Cuban-American National Foundation CANF ist. Neben Aufklärungs- und Lobbyarbeit betreiben einige exilkubanische Organisationen auch regelrechte Flugdienste über der Karibik, um kubanische Flüchtlinge aus dem Meer zu fischen und sicher an Land zu bringen. Einige fliegen mit Kleinflugzeugen sogar bis nach Kuba und werfen dort regierungskritische Flugblätter ab. Im Februar 1996 ließ die Regierung zwei dieser Flugzeuge nach zwei Warnungen, die vom Piloten ignoriert wurden, über dem offenen Meer von der Luftwaffe abschießen, wobei umstritten ist, ob sich die Flugzeuge bei diesem Angriff innerhalb oder außerhalb des kubanischen Hoheitsgebietes befanden. Teilweise in Zusammenarbeit mit Stellen der US-Regierung verüben dortige Oppositionsgruppen auch einzelne Terroranschläge bei welchen schon hunderte Kubaner getötet wurden, um die Lage in Kuba zu destabilisieren.
Für die kubanische Regierung sind prinzipiell alle Oppositionsgruppen und –aktivitäten das Werk des US-Imperialismus. Tatsächlich stehen insbesondere einige exilkubanische Organisationen den USA nahe und streben nach der Überwindung der Castro-Regierung eine enge Anbindung an den großen Nachbarn an; ihre Kritiker bezeichnen dies als offenen oder verdeckten Annexionismus. Die US-Regierung hat allein für das Jahr 2006 15 Mio. US$ im Haushalt für die Unterstützung von kubanischen Oppositionsgruppen und exilkubanischen Organisationen in Miami vorgesehen (Quelle: USAID Kuba-Programm), die zum Teil unmittelbar von der US-amerikanischen Interessenvertretung in Havanna an die Zielorganisationen ausgezahlt werden oder über die Exilorganisationen in Miami verteilt werden. Eine 2005 eigens geschaffene US-Behörde im Weißen Haus, die Commission on Assistance to a Free Cuba (Unterstützungskommission für ein freies Kuba) soll die Arbeit der verschiedenen Ministerien gegen die kubanische Regierung koordinieren.
Gewerkschaften unter Führung der Zentralgewerkschaft Central de Trabajadores de Cuba, Komitees zur Verteidigung der Revolution (Comités de Defensa de la Revolución, CDR), der Frauenverband und Jugendverbände, wie die Pionierorganisation José Martí, die Jungen Kommunisten und die Föderation der Hochschulstudenten, bilden Massenorganisationen, welche fast jeden Kubaner in das staatliche System einbinden und zugleich sein Sozialverhalten kontrollieren („Augen und Ohren der Revolution“). Die Massenorganisationen sind wie die PCC hierarchisch aufgebaut.
Die Regierung erreicht mit Hilfe der Massenorganisationen eine starke Mobilisierung der Bevölkerung. Bei wochenlangen Demonstrationskampagnen bringt sie beinahe jeden erwachsenen Kubaner mindestens einmal auf die Straße (Rekord: sieben Millionen Teilnehmer). Für das Verfassungsreferendum 1976 zur Festschreibung des Sozialismus haben die CDR die Unterschriften von fast 93 Prozent der Bevölkerung gesammelt. Arbeitnehmerorganisationen außerhalb des staatlichen Gewerkschaftsbundes sind verboten.
Politische Gruppierungen:
Aktive Parteien
- CoSDC = Coordinadora Social Demócrata de Cuba (Social Democratic Co-ordination of Cuba / Sozialdemokratische Koordination Kubas)
- CSDC = Corriente Socialista Democratica Cubana (Cuban Democratic Socialist Current / Kubanische Sozialistisch Demokratische Strömung)
- MLC = Movimiento Liberal Cubano (Cuban Liberal Movement / Kubanische Liberale Bewegung)
- PCC = Partido Comunista de Cuba (Communist Party of Cuba / Kommunistische Partei Kubas)
- PDCC = Partido Demócrata Cristiano de Cuba (Christian Democratic Party of Cuba / Christliche Demokratische Partei Kubas)
- PLC = Partido Liberal de Cuba (Liberal Party of Cuba / Liberale Partei Kubas, Beobachter der Liberalen Internationale)
- PRO = Partido de la Renovaccion Ortodoxa (Orthodox Renovation Party / Partei der Orthodoxen Erneuerung)
- PSD = Partido Solidaridad Democrática (Democratic Solidarity Party / Demokratische Sozialistische Partei, Mitglied der Liberalen Internationale)
- PSRDC = Partido Social-Revolucionario Democrático de Cuba (Democratic Social-Revolutionary Party of Cuba / Demokratische Sozialrevolutionäre Partei Kubas)
- ULC = Unión Liberal Cubana (Cuban Liberal Union / Kubanische Liberale Union, Mitglied der Liberalen Internationale)
Historische Parteien
- PA = Partido Auténtico (Authentic Party bzw. Cuban Revolutionary Party / Authentische Partei bzw. Kubanische Revolutionäre Partei)
- PO = Partido Ortodoxo (Orthodox Party / orthodoxe Partei)
Jeder kubanische Staatsbürger über 18 Jahren besitzt das aktive und passive Wahlrecht für das Parlament. Frauen dürfen seit 1934 wählen. Bei den Wahlen 2003 und 2008 wurde für jeden zu vergebenden Sitz genau ein Kandidat aufgestellt. Ungefähr fünf Prozent der Stimmen werden egelmäßig als weiß (gegen alle Kandidaten) markiert. Die Abgeordneten werden von einem Ausschuss der PCC bzw. der Massenorganisationen ausgewählt. Sie dürfen keinen Wahlkampf betreiben und müssen sich gemäß der Verfassung dem sozialistischen System verpflichten.
Justizwesen und Kriminalität
Das Justizwesen Kubas ist durch ein zentralisiertes staatliches Gerichtssystem geprägt, dessen rechtliche Grundlagen in der Verfassung von 2019 und in der sozialistischen Rechtsordnung liegen. Die Gerichte sind formal als eigenständige Organe der Rechtsprechung organisiert, ihre institutionelle Stellung ist jedoch eng mit dem politischen System und der führenden Rolle der Kommunistischen Partei Kubas verbunden. Neben der gewöhnlichen Straf- und Zivilgerichtsbarkeit spielen die Staatsanwaltschaft, die Polizei und die staatlichen Sicherheitsorgane eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung der Rechtsordnung. Die Beurteilung des kubanischen Justizwesens fällt international insbesondere wegen der eingeschränkten richterlichen Unabhängigkeit, der Verfolgung politischer Opposition und wiederholt dokumentierter Verstöße gegen rechtsstaatliche Verfahrensgarantien kritisch aus.
Die rechtlichen Grundlagen des heutigen Systems entstanden nach der Revolution von 1959. Die neue Führung ersetzte schrittweise die Institutionen der vorrevolutionären Republik durch eine sozialistische Staats- und Rechtsordnung. Die Verfassung von 1976 legte die führende Rolle der Kommunistischen Partei fest und ordnete die Gerichte in das staatliche Institutionengefüge ein. Mit der Verfassung von 2019 wurden die staatlichen Strukturen teilweise neu geordnet, ohne das politische Machtmonopol der Partei aufzugeben. Die Verfassung enthält Bestimmungen über die Rechtspflege, die Rechte von Beschuldigten und die Unabhängigkeit der Richter. In der praktischen Anwendung bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen diesen verfassungsrechtlichen Grundsätzen und der von internationalen Menschenrechtsorganisationen beschriebenen Rechtspraxis.
Das oberste Gericht ist der Oberste Volksgerichtshof in Havanna. Ihm unterstehen die nachgeordneten Gerichte, die auf Provinz- und Gemeindeebene organisiert sind. Die Gerichtsbarkeit umfasst insbesondere Straf- und Zivilsachen sowie weitere gesetzlich geregelte Bereiche. Die Richter werden innerhalb des staatlichen Institutionensystems bestellt und können nach den geltenden Regelungen unter bestimmten Voraussetzungen abberufen werden. Die Nationalversammlung der Volksmacht und, zwischen ihren Sitzungen, der Staatsrat nehmen dabei wichtige institutionelle Funktionen wahr. Da die politischen Leitungsorgane von der Kommunistischen Partei dominiert werden, fehlt es an einer wirksamen institutionellen Trennung zwischen Justiz und politischer Führung. Freedom House bewertet die Unabhängigkeit der kubanischen Justiz deshalb als stark eingeschränkt.
Die Staatsanwaltschaft ist für die Überwachung der Gesetzmäßigkeit, die Strafverfolgung und weitere gesetzlich festgelegte Aufgaben zuständig. Sie vertritt die Anklage in Strafverfahren und überwacht die Einhaltung bestimmter rechtlicher Vorschriften durch staatliche Institutionen. Die Polizei ermittelt bei Straftaten, nimmt Verdächtige fest und ist für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zuständig. Daneben verfügen die staatlichen Sicherheitsorgane über weitreichende Befugnisse bei der Überwachung politischer Aktivitäten. Bei Verfahren, die als Angelegenheiten der nationalen Sicherheit oder als politisch besonders sensibel eingestuft werden, können zusätzliche Einschränkungen der Öffentlichkeit und der Verfahrensrechte auftreten. Auch die Militärgerichtsbarkeit besitzt einen eigenen Zuständigkeitsbereich; in bestimmten gesetzlich geregelten Fällen können Verfahren gegen Zivilpersonen vor Militärgerichten stattfinden.
Im Strafrecht unterscheidet Kuba zwischen verschiedenen Straftaten gegen Personen, Eigentum, die öffentliche Ordnung und den Staat. Zu den gewöhnlichen Delikten gehören Diebstahl, Raub, Körperverletzung, Betrug, Korruption und weitere Vermögens- und Gewaltdelikte. Daneben existieren Straftatbestände, die sich auf die verfassungsmäßige Ordnung, die staatliche Sicherheit und den Schutz staatlicher Institutionen beziehen. Die Auslegung und Anwendung solcher Vorschriften ist besonders umstritten, wenn sie gegen Regierungskritiker, unabhängige Journalisten, Künstler oder Teilnehmer friedlicher Proteste eingesetzt werden. Menschenrechtsorganisationen kritisieren unter anderem die Anwendung von Tatbeständen wie öffentlicher Unordnung, Missachtung staatlicher Autorität, Widerstand gegen Amtsträger und Propaganda gegen die verfassungsmäßige Ordnung, wenn damit politische Meinungsäußerungen strafrechtlich verfolgt werden.
Ein Strafverfahren beginnt gewöhnlich mit Ermittlungen durch die zuständigen Behörden. Anschließend entscheidet die Staatsanwaltschaft über die weitere strafrechtliche Verfolgung, während das zuständige Gericht über Schuld und Strafe urteilt. Die kubanischen Rechtsvorschriften sehen grundsätzlich die Unschuldsvermutung und die Möglichkeit anwaltlicher Verteidigung vor. In der Praxis bestehen jedoch erhebliche Einschränkungen. Die Auswahl unabhängiger Rechtsbeistände ist im Strafverfahren begrenzt; die zugelassenen Verteidiger sind in staatlich organisierte Berufsstrukturen eingebunden. Menschenrechtsberichte dokumentieren Fälle, in denen Angeklagte erst kurz vor der Verhandlung Zugang zu ihrem Verteidiger erhielten, die Öffentlichkeit von Verhandlungen ausgeschlossen wurde oder die Verteidigung nur eingeschränkt auf Beweismittel zugreifen konnte. Auch die Dauer und die Transparenz einzelner Verfahren werden kritisiert.
Besondere Bedeutung besitzt die strafrechtliche Verfolgung politischer Opposition. Seit den ersten Jahren nach der Revolution wurden Menschen, die das sozialistische System ablehnten oder eine politische Öffnung forderten, wiederholt mit strafrechtlichen Maßnahmen konfrontiert. In verschiedenen Perioden kam es zu umfangreichen Verhaftungswellen gegen Oppositionelle, unabhängige Journalisten und Menschenrechtsaktivisten. Ein besonders bekanntes Beispiel war die Repressionswelle vom März 2003, als 75 Oppositionelle, Bürgerrechtler und unabhängige Journalisten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Die kubanische Regierung begründete solche Maßnahmen mit dem Schutz der nationalen Sicherheit und dem Kampf gegen ausländische Einflussnahme. Menschenrechtsorganisationen sehen darin hingegen einen systematischen Einsatz des Strafrechts zur Einschränkung politischer Grundrechte.
Nach den landesweiten Protesten vom 11. Juli 2021 wurden zahlreiche Demonstranten festgenommen und strafrechtlich verfolgt. Die Anklagen bezogen sich unter anderem auf öffentliche Unordnung, Widerstand gegen Amtsträger und Gewaltdelikte. Menschenrechtsorganisationen dokumentierten Schnellverfahren, hohe Freiheitsstrafen und Einschränkungen der Verteidigungsrechte. Im Herbst 2025 befanden sich nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen weiterhin Hunderte Menschen wegen ihrer Beteiligung an den Protesten oder wegen anderer politischer Aktivitäten in Haft. Human Rights Watch berichtete im Weltbericht 2026, dass im Oktober 2025 noch 359 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten von 2021 inhaftiert gewesen seien; einige waren zu Haftstrafen von bis zu 22 Jahren verurteilt worden. Die Zahlen unabhängiger Organisationen unterscheiden sich je nach Definition politischer Gefangenschaft und dem jeweils erfassten Zeitraum.
Auch 2025 und 2026 blieb die strafrechtliche Behandlung von Regierungskritik ein wichtiges Thema internationaler Menschenrechtsberichte. Im Januar 2025 kündigte die kubanische Regierung nach Gesprächen mit dem Vatikan die Freilassung von 553 Gefangenen an. Menschenrechtsorganisationen dokumentierten darunter auch politische Gefangene, kritisierten jedoch die mangelnde Transparenz des Verfahrens und berichteten von fortbestehenden Auflagen und Einschränkungen für einige Freigelassene. Im April 2026 kündigte die Regierung eine weitere größere Amnestie an, von der nach offiziellen Angaben 2.010 Gefangene profitieren sollten. Human Rights Watch erklärte, dass es zunächst keine bestätigten Hinweise darauf gebe, dass politische Gefangene zu den Freigelassenen gehörten. Die Regierung stellte die Maßnahme als humanitäre Entscheidung dar und bestritt, Menschen allein wegen ihrer politischen Überzeugungen zu inhaftieren.
Die Haftbedingungen gehören zu den besonders umstrittenen Bereichen des kubanischen Justiz- und Strafvollzugssystems. Gefangene und Menschenrechtsorganisationen berichten von Überbelegung, unzureichender medizinischer Versorgung, mangelhafter Ernährung und eingeschränktem Zugang zu Angehörigen. Darüber hinaus werden Misshandlungen, Drohungen, die Verweigerung von Telefonaten und Besuchen sowie disziplinarische Maßnahmen gegen politische Gefangene dokumentiert. Die schwierige wirtschaftliche Lage des Landes beeinträchtigt auch die Versorgung der Gefängnisse mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen notwendigen Gütern. Amnesty International berichtete für 2025 über Todesfälle in Haft, unzureichende medizinische Versorgung und Fälle von Misshandlungen. Unabhängige Organisationen weisen zugleich darauf hin, dass der eingeschränkte Zugang zu Haftanstalten eine vollständige Überprüfung vieler Vorwürfe erschwert.
Neben dem Strafrecht umfasst das Justizwesen die Zivilgerichtsbarkeit, die unter anderem Streitigkeiten über Eigentum, Verträge, Familienangelegenheiten und Schadensersatz behandelt. Das Familienrecht wurde in den vergangenen Jahren überarbeitet. Besonders bedeutsam war das im September 2022 angenommene neue Familiengesetzbuch, das nach einem Referendum in Kraft trat. Es führte unter anderem die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen und erweiterte Möglichkeiten für gleichgeschlechtliche Paare zur Adoption ein. Außerdem stärkte es bestimmte Rechte von Kindern, älteren Menschen und Familienangehörigen und führte eine umfassendere rechtliche Anerkennung unterschiedlicher Familienformen ein. Die Reform galt als bedeutende Veränderung des kubanischen Familienrechts, auch wenn die Umsetzung einzelner Bestimmungen weiterhin von den vorhandenen staatlichen Einrichtungen und gesellschaftlichen Bedingungen abhängt.
Die Kriminalität in Kuba umfasst sowohl gewöhnliche Eigentums- und Gewaltdelikte als auch Wirtschaftsdelikte, Korruption und illegale Handelsaktivitäten. Die wirtschaftliche Krise der vergangenen Jahre hat die Lebensbedingungen erheblich verschlechtert und den informellen Handel ausgeweitet. Der Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten, Treibstoff und Konsumgütern begünstigt Schwarzmarktgeschäfte, unerlaubten Weiterverkauf und andere Formen nicht regulierter wirtschaftlicher Tätigkeit. Da zahlreiche Waren nur zeitweise oder in begrenzten Mengen über offizielle Vertriebskanäle erhältlich sind, spielt der informelle Austausch für viele Haushalte eine wichtige Rolle. Dabei ist zwischen alltäglichen Überlebensstrategien und organisierter, auf Gewinn ausgerichteter Kriminalität zu unterscheiden.
Korruption stellt ein weiteres Problem dar. Sie kann sich unter anderem in Bestechung, der missbräuchlichen Nutzung staatlicher Ressourcen, unrechtmäßiger Vorteilsnahme und illegalen Geschäften mit knappen Waren äußern. Die starke Rolle des Staates in Wirtschaft und Verwaltung schafft zahlreiche Genehmigungs- und Kontrollverfahren, während unabhängige Kontrollinstanzen nur eingeschränkt arbeiten können. Freedom House bezeichnet Korruption und die geringe institutionelle Rechenschaftspflicht als wesentliche Probleme des politischen Systems. Die tatsächliche Verbreitung einzelner Delikte lässt sich jedoch nur schwer bestimmen, da umfassende, unabhängig überprüfbare Statistiken über Kriminalität und Korruption nicht durchgehend verfügbar sind.
Bei Gewaltkriminalität und Straßenkriminalität ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Diebstähle, Einbrüche, Betrug und Raub kommen vor, wobei wirtschaftliche Not und der Mangel an Gütern die Situation beeinflussen. Für Touristen sind insbesondere Taschendiebstahl, Diebstahl aus Fahrzeugen, Betrugsversuche und überhöhte Forderungen bei informellen Dienstleistungen mögliche Risiken. Daraus lässt sich jedoch keine verlässliche landesweite Kriminalitätsrate ableiten. Die in internationalen Vergleichsportalen verbreiteten Angaben beruhen teilweise auf Befragungen oder nicht amtlichen Meldungen und sind nicht mit einer vollständigen polizeilichen Statistik gleichzusetzen. Auch Vergleiche mit anderen karibischen Staaten müssen berücksichtigen, dass Erfassung, Veröffentlichung und statistische Definition von Straftaten unterschiedlich ausfallen können.
Organisierte Kriminalität ist unter anderem mit illegalem Warenhandel, Schmuggel und bestimmten Formen des Drogenhandels verbunden. Aufgrund seiner geografischen Lage zwischen Mittelamerika, der Karibik und den Vereinigten Staaten liegt Kuba in einer Region, die von internationalen Schmuggelrouten durchzogen wird. Die Insel ist deshalb mit Risiken des Drogentransits und unerlaubter Einfuhr konfrontiert. Die kubanischen Behörden unterhalten Kontrollen an Flughäfen, Häfen und Küstenabschnitten und gehen strafrechtlich gegen Drogenhandel und Schmuggel vor. Aus den geografischen Bedingungen allein lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Kuba ein bedeutender internationaler Umschlagplatz für alle Arten illegaler Drogen wäre. Verlässliche Aussagen über das Ausmaß der organisierten Kriminalität sind durch die begrenzte Verfügbarkeit unabhängig überprüfbarer Daten erschwert.
Ein weiterer Bereich ist die Gewalt gegen Frauen. Das kubanische Strafrecht erfasst verschiedene Formen körperlicher und sexueller Gewalt, doch die statistische Erfassung und öffentliche Dokumentation geschlechtsspezifischer Tötungsdelikte sind unvollständig. Menschenrechtsorganisationen und unabhängige Frauenrechtsgruppen dokumentieren Fälle von Femiziden und kritisieren Lücken bei Prävention, Schutzmaßnahmen und der Veröffentlichung amtlicher Daten. Amnesty International berichtete für 2025, dass Femizide weiterhin nicht als eigenständiger Straftatbestand geführt wurden und keine umfassende amtliche Statistik zur Verfügung stand. Die unabhängige Beobachtungsstelle Alas Tensas dokumentierte für dasselbe Jahr 48 Fälle von Femiziden. Diese Zahl beruht auf der Erfassung durch die Organisation und ist nicht mit einer vollständigen staatlichen Kriminalstatistik gleichzusetzen.
Die Polizei und die staatlichen Sicherheitsorgane nehmen im Alltag eine wichtige Stellung ein. Sie sind für die Bekämpfung gewöhnlicher Straftaten, die Kontrolle des Straßenverkehrs und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zuständig. Gleichzeitig werden sie zur Überwachung politischer Aktivitäten eingesetzt. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren kurzfristige Festnahmen, Hausarrest, Einschüchterungen und Überwachung gegen Aktivisten, unabhängige Journalisten und Regierungskritiker. Das kubanische Observatorium für Menschenrechte meldete für das erste Halbjahr 2026 insgesamt 1.949 repressiv bewertete Maßnahmen, darunter willkürliche Festnahmen und rechtswidrige Beschränkungen der Bewegungsfreiheit. Diese Zahlen sind als Angaben einer unabhängigen Menschenrechtsorganisation zu verstehen, nicht als amtliche Kriminalitätsstatistik
Streitkräfte
Die Fuerzas Armadas Revolucionarias (FAR, spanisch für „Revolutionäre Streitkräfte“) sind die Streitkräfte Kubas. Die Bezeichnung wurde zuerst 1959 nach dem Triumph der Revolution für das kubanische Militär im neuen Staat verwendet. Die Armee gliedert sich heute in ein Heer mit rund 58.000, eine Luftwaffe mit zirka 10.000 und einer Marine mit zirka 3.000 Soldaten. Ferner besteht eine paramilitärische Bürgerwehr, die Milizen zur Territorialverteidigung (MTT – Milicias de Tropas Territoriales) mit rund einer Million Mitgliedern, welche in Kriegszeiten in die militärischen Streitkräfte eingegliedert werden. Die Ausrüstung des kubanischen Militärs besteht überwiegend aus veralteten sowjetischen Waffen. Die kubanische Armee tat sich im Kalten Krieg durch Militärberater hervor wie etwa beim Einsatz in Angola oder auch in Grenada und Mosambik.
In Guatemala gab es eine gleichnamige marxistisch-leninistische Guerillabewegung, die während des Bürgerkrieges aktiv war. Die Namensüberschneidung lässt sich nicht zuletzt durch die Unterstützung Kubas erklären. Später haben sich andere Guerilleros bei der Namensfindung daran angelehnt, so zum Beispiel die FARC in Kolumbien.
Dazu kommt die rund eine Million Mann starken paramilitärischen Milizen zur Territorialverteidigung (MTT – Milicias de Tropas Territoriales). Deren Angehörige sind Zivilisten und haben in ihren Wohn- und Arbeitsgebieten Zugang zu Waffen. Sie sind für einen Guerillakrieg gegen mögliche Invasoren ausgebildet und bilden in Kriegszeiten einen Teil der militärischen Streitkräfte, mit der Aufgabe die gegnerischen Kräfte zu binden und damit den Einheiten der regulären Armee Zeit zur Restrukturierung zu geben.
Der Armee untersteht ebenfalls die Zivilverteidigung. Eigentlich zur Organisation der Bevölkerung im Verteidigungsfall eingerichtet, bestehen die heutigen Hauptaufgaben darin, die Bevölkerung vor den Folgen von Naturereignissen, insbesondere den jährlich auftretenden Hurrikanen zu schützen. Dies geschieht, im Gegensatz zur Wirtschaft Kubas, sehr effizient, so dass trotz teilweise immenser Sachschäden normalerweise kaum Menschen zu Schaden kommen.
Internationale Beziehungen
Gegen die Einführung des Sozialismus unterstützten die USA eine Gruppe von Exil-Kubanern, die die neue Regierung militärisch beseitigen wollte. Der erfolglose Eingriff ist als Invasion in der Schweinebucht bekannt. In Folge wurde eine umfassende Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade seitens der USA gegen Kuba begonnen, die mit den Enteignungen gegen US-Bürger begründet wird. Mit dem 1992 erlassenen Torricelli Act wurde eine Verschärfung der Sanktionen eingeführt, gefolgt von dem 1996 in Kraft getretenen Helms-Burton Act.
Das Embargo wird von den Vereinten Nationen nicht gebilligt. Die UN-Generalversammlung verabschiedet seit 1992 jährlich eine Resolution, welche die Aufhebung aller Sanktionen gegen Kuba fordert, zum Beispiel im Jahr 2000: 167 Stimmen dafür, drei Gegenstimmen (USA, Israel, Marschall-Inseln; vier Enthaltungen); im Jahr 2007: 184 Stimmen dafür, vier Gegenstimmen (USA, Israel, die Marshall-Inseln und Palau), eine Enthaltung (Mikronesien).
Im Jahr 2000 wurde von US-Seite das Embargo hinsichtlich des Verbots des Nahrungsmittel- und Medikamentenexport durch den Trade Sanctions Reform and Export Enhancement Act (Gesetz zur Reform der Handelssaktionen und Exportverbesserungen) stark gelockert. Viele andere Handelsbeschränkungen blieben jedoch bestehen. Die bisher für Kuba durch die Blockade entstandenen Schäden werden von Kubas Regierung mit zirka 89 Milliarden US-Dollar angegeben. Von kubanischen Oppositionellen und anderen Kritikern der kubanischen Regierung wird die Wirkung des US-Handelsembargos jedoch stark bezweifelt. Es diene im Gegenteil nur als Vorwand, um die „völkerrechtswidrigen Verhältnisse“ zu rechtfertigen, deren Hauptursache in der „kollektiven Produktionsweise“ liege.
Trotz des Embargos sind die USA inzwischen ein wichtiger Handelspartner Kubas, bei den Importen liegen sie inzwischen an sechster Stelle. Der kubanische Staat importiert jährlich Nahrungs- und Futtermittel im Wert einer halben Milliarde Dollar aus den USA. Durch Geldsendungen exilkubanischer Gemeinden in den USA an ihre Familienangehörigen fließen der kubanischen Volkswirtschaft jährlich ca. eine Milliarde US-Dollar zu, was in etwa den Einnahmen der kubanischen Tourismusindustrie entspricht. Der legale Betrag für Geldsendungen von US-Bürgern an direkte Familienangehörige in Kuba war im Laufe der Zeit starken Schwankungen unterworfen und ist derzeit auf maximal 300 Dollar pro Quartal beschränkt.
Die als Miami Five bekannten Kubaner sind in den USA inhaftiert, da sie aufgrund ihrer gesammelten Informationen über geplante Terroranschläge von Exilkubanern, welche an die kubanische und US-Regierung übergeben wurden, unter anderem als Spione verurteilt wurden, obwohl das nach Kuba gesendete Material nicht der Geheimhaltung unterlegen hätte und demzufolge gemäß US-Gesetzen nicht unter Spionage fallen würde.
Die US-Regierung unterstützt auch Teile der Opposition in Kuba, so war für das Jahr 2006 15 Millionen US-Dollar im Haushalt für die Unterstützung von kubanischen Oppositionsgruppen und exilkubanischen Organisationen in Miami vorgesehen (Quelle: USAID Kuba-Programm), die zum Teil unmittelbar von der US-amerikanischen Interessenvertretung in Havanna an die Zielorganisationen ausgezahlt werden oder über die Exilorganisationen in Miami verteilt werden. Eine 2005 eigens geschaffene US-Behörde im Weißen Haus, die Commission on Assistance to a Free Cuba (Unterstützungskommission für ein freies Kuba) soll die Arbeit der verschiedenen Ministerien gegen die kubanische Regierung koordinieren.
Außerhalb Kubas existiert unter den zwei Millionen kubanischen Emigranten in Miami eine aktive Opposition, deren wichtigste Organisation die Cuban-American National Foundation CANF ist. Neben Aufklärungs- und Lobbyarbeit betreiben einige exilkubanische Organisationen auch regelrechte Flugdienste über der Karibik, um kubanische Flüchtlinge aus dem Meer zu fischen und sicher an Land zu bringen. Einige fliegen mit Kleinflugzeugen sogar bis nach Kuba und werfen dort regierungskritische Flugblätter ab. Im Februar 1996 ließ die Regierung zwei dieser Flugzeuge nach zwei Warnungen, die vom Piloten ignoriert wurden, über dem offenen Meer von der Luftwaffe abschießen, wobei umstritten ist, ob sich die Flugzeuge bei diesem Angriff innerhalb oder außerhalb des kubanischen Hoheitsgebietes befanden.
Auch werden radikale exilkubanische Kreise unter Führung der CANF beschuldigt, in Zusammenarbeit mit der CIA Terroraktionen gegen Kuba, wie die von Orlando Bosch oder Luis Posada Carriles, unterstützt und finanziert zu haben, um die Lage in Kuba zu destabilisieren. Dabei wurden hunderte Kubaner getötet.
Kuba steht in einem engen Bündnis mit dem von Präsident Hugo Chávez regierten Venezuela. Das Land liefert Öl unter Weltmarktpreisen an Kuba. Dafür schickt Kuba medizinisches Personal und Helfer für die Alphabetisierung nach Venezuela. 2006 wurden während der Operation Milagro tausende Venezolaner in Kuba operiert. Ein gemeinsames Projekt ist auch die Bolivarianische Alternative für Amerika (ALBA). Gute Beziehungen verbinden Kuba auch mit dem von Evo Morales regiertem Bolivien und mit der Volksrepublik China. Am 29. April 2006 unterzeichneten die Präsidenten der Staaten Kuba, Venezuela und Bolivien den Handelsvertrag der Völker. Im Dezember 2008 trat Kuba der Rio-Gruppe bei. Kuba ist außerdem ein wichtiges Mitglied der Bewegung der blockfreien Staaten.
Von Anfang an waren die kubanischen Revolutionäre internationalistisch und global ausgerichtet, und wollten die Revolution auf möglichst viele andere Länder ausbreiten. Obwohl Kuba noch selbst ein Entwicklungsland war, engagierte sich die Regierung in afrikanischen, lateinamerikanischen und asiatischen Ländern auf militärischem, medizinischem und pädagogischem Gebiet. Ab Mitte der 1960er Jahre rückte Afrika ins Zentrum der außenpolitischen Aktivitäten, wo afrikanische Revolutionäre wie Patrice Lumumba, Amilcar Cabral und Agostinho Neto (siehe auch Kubanischer Militäreinsatz in Angola) die Kubaner um Unterstützung für ihre Bewegungen baten.
Trotz eigener wirtschaftlicher Probleme unterstützt Kuba andere Entwicklungsnationen insbesondere im medizinischen Bereich. Im Rahmen der Operación Milagro („Wunder“) werden Augenoperationen für Menschen aus Entwicklungsländern auf Kuba durchgeführt. Kubanische Ärzte und Krankenschwestern sind in verschiedensten Ländern tätig, so in Haiti, Venezuela, Bolivien und in Zentralamerika und zum Beispiel nach dem Erdbeben in Pakistan.
Auch ukrainische Opfer des Atomunfalls in Tschernobyl werden in Kuba kostenlos behandelt. Bis Mai 2009 erhielten 24.000 ukrainische Kinder eine solche Behandlung. Die Kosten dafür werden auf etwa 350 Millionen US-Dollar allein für die Medikamente geschätzt.
Internationale Mitgliedschaften:
- African, Caribbean, and Pacific Group of States (ACP)
- Agency for the Prohibition of Nuclear Weapons in Latin America and the Caribbean (OPANAL)
- Food and Agriculture Organization (FAO)
- Group of 77 (G77)
- International Atomic Energy Agency (IAEA)
- International Chamber of Commerce (ICC)
- International Civil Aviation Organization (ICAO)
- International Criminal Police Organization (Interpol)
- International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies (IFRCS)
- International Fund for Agricultural Development (IFAD)
- International Hydrographic Organization (IHO)
- International Labour Organization (ILO)
- International Maritime Organization (IMO)
- International Mobile Satellite Organization (IMSO)
- International Olympic Committee (IOC)
- International Organization for Migration (IOM) - Boebachter
- International Organization for Standardization (ISO)
- International Red Cross and Red Crescent Movement (ICRM)
- International Telecommunication Union (ITU)
- International Telecommunications Satellite Organization (ITSO)
- Inter-Parliamentary Union (IPU)
- Latin American Economic System (LAES)
- Latin American Integration Association (LAIA)
- Nonaligned Movement (NAM)
- Organization for the Prohibition of Chemical Weapons (OPCW)
- Organization of American States (OAS) (sanctioned since 1962)
- Permanent Court of Arbitration (PCA)
- Unión Latina
- United Nations (UN) seit 24. Oktober 1945
- United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD)
- United Nations Educational, Scientific, and Cultural Organization (UNESCO)
- United Nations Industrial Development Organization (UNIDO)
- United Nations Institute for Training and Research (UNITAR)
- Universal Postal Union (UPU)
- World Confederation of Labour (WCL)
- World Customs Organization (WCO)
- World Federation of Trade Unions (WFTU)
- World Health Organization (WHO)
- World Intellectual Property Organization (WIPO)
- World Meteorological Organization (WMO)
- World Tourism Organization (UNWTO)
- World Trade Organization (WTO)
Flagge und Wappen
Die Flagge Kubas (Bandera de Cuba) wurde am 20. Mai 1902 offiziell eingeführt. Seit der Unabhängigkeit von Spanien ist dies die Staatsflagge Kubas. Sie besteht aus fünf gleich großen, horizontalen Streifen in den Farben Blau und Weiß. Auf der linken Seite werden die Streifen durch ein rotes, gleichschenkliges Dreieck überdeckt. In ihm ist ein weißer, fünfzackiger Stern dargestellt, der sich in einem imaginären Kreis befindet, dessen Mitte auf dem geometrischen Schwerpunkt des Dreiecks liegt.
1823 versuchte die Freimaurerloge Sonnen und Strahlen Bolivars (Soles y Rayos de Bolívar) zusammen mit anderen Geheimgesellschaften nach dem Vorbild von Simón Bolívar einen Aufstand auf Kuba, durch den die spanische Kolonialherrschaft beseitigt und die República de Cubanacán gegründet werden sollte. Diese Fahne zeigte eine Sonne auf blauem Grund, der von einem roten Rahmen umrandet wird.
1850 brachte der Annexionist Narciso López eine Flagge nach Kuba, die der amerikanischen Flagge nachempfunden war. Das erste Exemplar wurde von Emilia Teurbe Toton genäht. Ihr Mann Miguel schuf das Staatswappen Kubas. Narciso López hatte den Plan, Kuba von der spanischen Kolonialherrschaft zu befreien und in die USA einzugliedern. Er landete 1850 mit einer Invasionstruppe auf Kuba, scheiterte allerdings bei dem Versuch die Spanier zu vertreiben und wurde als Hochverräter in Havanna hingerichtet.
Als 1868 Carlos Manuel de Céspedes auf seinem Gut La Demajagúa die Sklaven freiließ und mit dem Grito de Yara zum Kampf gegen die spanische Kolonialherrschaft aufrief, unterschied sich die von ihm verwendete Fahne deutlich von der des Narciso López. Die Absicht von Céspedes war es, einen kubanischen Staat zu schaffen, der weder von Spanien noch von den USA abhängen sollte.
In dem folgenden kubanischen Unabhängigkeitskampfes zwischen 1868 und 1898 konnte er sich nicht gegen die von der Idee des Anschlusses an die USA überzeugten Zuckerbarone und Sklaven haltenden Großgrundbesitzern des kubanischen Westens durchsetzen, was sich auch in der Wahl der Nationalflagge ausdrückt. So setzte sich die Flagge von Narciso López gegen jene von Carlos Manuel de Céspedes als heutige Nationalflagge Kubas durch. Immerhin ist die Céspedes-Flagge aber heute die Gösch der Marine Kubas.
Die Flagge Puerto Ricos ähnelt der kubanischen Flagge, weil die puertoricanische Unabhängigkeitsbewegung gegen die spanische Kolonialmacht den kubanischen Unabhängigkeitskrieg zum Vorbild hatte. Nur die Farben blau und rot sind vertauscht.
Das Staatswappen Kubas geht auf die Entstehungszeit der kubanischen Unabhängigkeitsbewegung im 19. Jahrhundert zurück. Es wurde 1849 von dem kubanischen Schriftsteller und Politiker Miguel Teurbe Tolón entworfen, der damals im Exil in den Vereinigten Staaten lebte. Das Wappen entstand im Umfeld der Unabhängigkeitsbestrebungen gegen die spanische Kolonialherrschaft und wurde später zum offiziellen Hoheitszeichen des unabhängigen kubanischen Staates. Nach der Unabhängigkeit von Spanien und der Gründung der Republik im Jahr 1902 wurde es als Staatswappen übernommen. Es blieb auch nach der Revolution von 1959 in Gebrauch und wurde nicht durch ein vollständig neues Wappen ersetzt.
Das kubanische Staatswappen besitzt eine charakteristische Form mit einem Schild, über dem sich ein waagerecht angeordneter Schlüssel zwischen zwei Landmassen befindet. Hinter dem Schild liegen ein Bündel aus Stäben und eine Palme, die von Zweigen umgeben sind. Die Gestaltung verbindet geografische Merkmale der Insel mit Symbolen der Freiheit, der Unabhängigkeit und der nationalen Identität.
Das Wappen ist in drei Felder gegliedert. Im oberen Feld befindet sich ein Meeresarm zwischen zwei Landvorsprüngen. Dazwischen liegt ein goldener Schlüssel, während am Horizont eine aufgehende Sonne erscheint. Der Schlüssel verweist auf die geografische Lage Kubas zwischen Nord- und Mittelamerika am Zugang zum Golf von Mexiko. Kuba wurde deshalb auch als „Schlüssel zum Golf“ bezeichnet. Die aufgehende Sonne symbolisiert den Beginn einer neuen Nation und den Aufbruch in eine unabhängige Zukunft.
Das untere linke Feld zeigt fünf schräge Streifen, drei blaue und zwei weiße. Sie stehen für die historischen Verwaltungsgebiete Kubas während der spanischen Kolonialzeit und beziehen sich auf die frühere territoriale Gliederung der Insel. Die Farben entsprechen zugleich den Farben der kubanischen Nationalflagge und verbinden das Wappen mit dem nationalen Unabhängigkeitsgedanken.
Im unteren rechten Feld ist eine Königspalme in einer Landschaft mit Bergen und blauem Himmel dargestellt. Die Königspalme, auf Spanisch palma real, ist eine für Kuba charakteristische Baumart und gilt als nationales Symbol. Sie steht im Wappen für die kubanische Landschaft, die natürliche Eigenart des Landes und die Standhaftigkeit seiner Bevölkerung.
Über dem Schild befindet sich eine rote phrygische Mütze mit einem weißen fünfzackigen Stern. Die phrygische Mütze ist ein traditionelles Symbol der Freiheit und der Befreiung von Unterdrückung. Der Stern steht für die Unabhängigkeit und Souveränität der Republik. Hinter dem Schild ist ein Bündel aus elf Ruten angeordnet, das die Einheit der kubanischen Bevölkerung symbolisiert. Das Wappen wird von einem Eichenzweig und einem Lorbeerzweig flankiert. Die Eiche steht für Stärke, der Lorbeer für Sieg und Ehre.
Die heutige Gestaltung geht auf eine Überarbeitung des ursprünglichen Entwurfs von 1849 zurück. Das erste Wappen enthielt Elemente, die mit den damaligen Bestrebungen nach einem Anschluss Kubas an die Vereinigten Staaten in Verbindung gebracht wurden. Diese Bestandteile wurden später entfernt. Die verbindlichen Gestaltungsmerkmale des heutigen Staatswappens wurden am 21. April 1906 durch den ersten Präsidenten der Republik, Tomás Estrada Palma, festgelegt. Seitdem blieb das Wappen im Wesentlichen unverändert. Auch nach dem Sieg der Revolution von 1959 behielt Kuba dieses traditionelle nationale Hoheitszeichen bei.
Nationale Symbole:
- Farbe: rot
- Pflanze: palma (Palme, palma)
- Tier: tocororo (Kubanischer Trogon, priotelus temnurus)
- Motto: Patria o muerte („Heimatland oder Tod“)
- Held: José Martí (Dichter, 1853 bis 1895)
Hymne
La Bayamesa ist der Titel der kubanischen Nationalhymne. Melodie und Text stammen von Pedro Figueredo, der das Gedicht im Jahr 1868 aus Anlass der Schlacht bei Bayamo schuf, an der er teilnahm. Als die Mambises, die Soldaten der kubanischen Befreiungsbewegung gegen die spanische Kolonialherrschaft, sich aus Bayamo zurückziehen mussten, zog die Bevölkerung der Stadt mit ihnen und setzte vorher ihre eigenen Häuser in Brand. Figueredo wurde von den spanischen Kolonialtruppen zwei Jahre später gefangen genommen und hingerichtet. La Bayamesa war während der Unabhängigkeitsbewegung von 1868 bis 1898 die Nationalhymne der Republik in Waffen (República en Armas) und wurde nach der Unabhängigkeit von Spanien und dem Ende der ersten US-Besatzung 1902 als Nationalhymne der Republik Kuba eingeführt. Die Hymne wurde am 8. November 1868 von einer Gruppe von zwölf Frauen auf dem Stadtplatz (Parque Central) von Bayamo zum ersten Mal öffentlich gesungen.
Originaltext (spanisch)
Al combate, corred, bayameses,
Que la Patria os contempla orgullosa;
No temáis una muerte gloriosa,
Que morir por la Patria es vivir.
En cadenas vivir, es vivir
En afrenta y oprobio sumido;
Del clarín escuchad el sonido;
¡A las armas, valientes, corred!
Deutsche Übersetzung
Auf zum Kampf, eilt herbei, Bayamesen,
denn das Vaterland sieht Euch mit Stolz,
fürchtet nicht einen ruhmreichen Tod,
denn für das Vaterland zu sterben, heißt leben.
Ein Leben in Ketten ist ein Leben
inmitten von Schimpf und Schande.
Höret den Klang der Trompete,
auf zu den Waffen, ihr tapferen Leut´!
Hauptstadt
Havanna (spanisch La Habana, vollständige Bezeichnung San Cristóbal de La Habana) ist die Hauptstadt von Kuba und zugleich eigenständige Provinz. Ursprünglich wurde der Ort im Jahr 1515 von dem Konquistador Diego Velázquez de Cuéllar in der Nähe der heutigen Stadt Batabanó gegründet. Im Jahr 1519 wurde Havanna an den heutigen Standort verlegt. Offizielle Hauptstadt der spanischen Kolonie Kuba wurde die Stadt aber erst mit der Gründung des Generalkapitanats im Jahr 1607. Großbritannien nahm 1762 während des Siebenjährigen Krieges die Stadt ein und tauschte sie im Pariser Frieden gegen Florida. Nachdem sie wieder in spanischem Besitz war, wurde sie zur am stärksten befestigten Stadt Amerikas ausgebaut.
Verwaltungsgliederung
Kuba ist in vierzehn Provinzen und ein Spezial-Municipio eingeteilt. 1827 wurde Kuba von der spanischen Kolonialregierung in drei Departamentos aufgeteilt:
- Occidental
- Central
- Oriental
Die spanische Kolonialregierung untergliederte Kuba im Jahr 1878 (oder 1879, je nach Quelle) in sechs Provinzen:
- Pinar del Río
- Matanzas
- Las Villas (vor 1940: Santa Clara), umfasste die Provinz die heutigen Provinzen Cienfuegos, Villa Clara und Sancti Spíritus
- La Habana, bestehend aus den heutigen Provinzen La Habana und Ciudad de La Habana
- Camagüey (vor 1899: Puerto Príncipe), umfasste die heutigen Provinzen Camagüey und Ciego de Ávila
- Oriente (vor 1905: Santiago de Cuba), umfasste die heutigen Provinzen Las Tunas, Granma, Holguín, Santiago de Cuba und Guantánamo
Die sechs Provinzen des Jahres 1940 waren:
| Provinz | FIPS | Fläche (km²) | Hauptstadt | heutige Provinzen |
| Camagüey | CU05
|
20 623 | Camagüey | Camagüey, Ciego de Ávila, Teile von Las Tunas und Sancti Spíritus |
| La Habana | CU02
|
8 252 | Havana | Ciudad de La Habana, Isla de Pinos, Teile von La Habana |
| Las Villas | CU04
|
18 837 | Santa Clara | Cienfuegos, Villa Clara, most of Sancti Spíritus, Teile von Matanzas |
| Matanzas | CU03
|
12 033 | Matanzas | Großteil von Matanzas |
| Oriente | CU06
|
36 601 | Santiago de Cuba | Granma, Guantánamo, Holguín, Santiago de Cuba, Großteil von Las Tunas |
| Pinar del Río | CU01
|
10 859 | Pinar del Río | Pinar del Rio, Teile von La Habana |
| Kuba | 107 205 | |||
Die aktuellen Provinzen Kubas sind nach dem Zensus von 1989:
| Provinz | HASC | ISO | FIPS | Einwohner | Fläche (km²) | Fläche (mi²) | Hauptstadt | C.P. |
| Camagüey | CU.CM
|
09
|
CU05
|
732 056 | 14 134 | 5 457 | Camagüey | 70-74 |
| Ciego de Ávila | CU.CA
|
08
|
CU07
|
358 059 | 5 962 | 2 302 | Ciego de Ávila | 65-69 |
| Cienfuegos | CU.CF
|
06
|
CU08
|
358 589 | 4 149 | 1 602 | Cienfuegos | 55-59 |
| Ciudad de la Habana | CU.CH
|
03
|
CU02
|
2 077 938 | 740 | 286 | Havana | 10-19 |
| Granma | CU.GR
|
12
|
CU09
|
781 331 | 8 452 | 3 263 | Bayamo | 85-89 |
| Guantánamo | CU.GU
|
14
|
CU10
|
491 422 | 6 366 | 2 458 | Guantánamo | 95-99 |
| Holguín | CU.HO
|
11
|
CU12
|
982 722 | 9 105 | 3 516 | Holguín | 80-84 |
| Isla de la Juventud | CU.IJ
|
99
|
CU04
|
71 097 | 2 199 | 849 | Nueva Gerona | 25-29 |
| La Habana | CU.LH
|
02
|
CU11
|
636 889 | 5 669 | 2 189 | Havana | 30-34 |
| Las Tunas | CU.LT
|
10
|
CU13
|
485 136 | 6 373 | 2 461 | Victoria de Las Tunas | 75-79 |
| Matanzas | CU.MA
|
04
|
CU03
|
602 996 | 11 669 | 4 505 | Matanzas | 40-44 |
| Pinar del Río | CU.PR
|
01
|
CU01
|
684 725 | 10 860 | 4 193 | Pinar del Río | 20-24 |
| Sancti Spíritus | CU.SS
|
07
|
CU14
|
424 243 | 6 737 | 2 601 | Sancti Spíritus | 60-64 |
| Santiago de Cuba | CU.SC
|
13
|
CU15
|
980 002 | 6 343 | 2 449 | Santiago de Cuba | 90-94 |
| Villa Clara | CU.VC
|
05
|
CU16
|
801 456 | 8 069 | 3 115 | Santa Clara | 50-54 |
| Kuba | 10 468 661 | 106 827 | 41 246 | |||||
Die 169 Gemeinden (municipios) des Jahres 1998 waren:
| Municipio | HASC | Einwohner | Fläche (km²) | Hauptort |
| Abreus | CU.CF.AB
|
29 094 | 564 | Abreus |
| Aguada de Pasajeros | CU.CF.AP
|
30 982 | 680 | Aguada de Pasajeros |
| Alquízar | CU.LH.AL
|
27 193 | 193 | Alquízar |
| Amancio | CU.LT.AM
|
43 778 | 857 | Amancio |
| Antilla | CU.HO.AN
|
12 542 | 100 | Antilla |
| Arroyo Naranjo | CU.CH.AN
|
196 157 | 83 | Arroyo Naranjo |
| Artemisa | CU.LH.AR
|
78 220 | 690 | Artemisa |
| Báguanos | CU.HO.BG
|
54 952 | 806 | Báguanos |
| Bahía Honda | CU.PR.BH
|
47 813 | 784 | Bahía Honda |
| Banes | CU.HO.BN
|
86 740 | 781 | Banes |
| Baracoa | CU.GU.BA
|
80 601 | 977 | Baracoa |
| Baraguá | CU.CA.BA
|
31 117 | 728 | Gaspar |
| Bartolomé Masó | CU.GR.BM
|
56 772 | 629 | Bartolomé Masó |
| Batabanó | CU.LH.BB
|
25 556 | 187 | Batabanó |
| Bauta | CU.LH.BU
|
41 938 | 157 | Bauta |
| Bayamo | CU.GR.BY
|
206 336 | 918 | Bayamo |
| Bejucal | CU.LH.BE
|
23 135 | 120 | Bejucal |
| Bolivia | CU.CA.BO
|
15 995 | 918 | Bolivia |
| Boyeros | CU.CH.BO
|
183 768 | 134 | Boyeros |
| Buey Arriba | CU.GR.BA
|
32 088 | 452 | Buey Arriba |
| Cabaiguán | CU.SS.CA
|
67 199 | 597 | Cabaiguán |
| Cacocum | CU.HO.CA
|
44 392 | 661 | Cacocum |
| Caibarién | CU.VC.CB
|
40 641 | 212 | Caibarién |
| Caimanera | CU.GU.CA
|
10 428 | 366 | Caimanera |
| Caimito | CU.LH.CA
|
33 380 | 238 | Caimito |
| Calimete | CU.MA.CM
|
29 792 | 958 | Calimete |
| Calixto García | CU.HO.CG
|
58 250 | 617 | Buenaventura |
| Camagüey | CU.CM.CA
|
317 427 | 1 106 | Camagüey |
| Camajuaní | CU.VC.CM
|
64 085 | 614 | Camajuaní |
| Campechuela | CU.GR.CA
|
48 954 | 577 | Campechuela |
| Candelaria | CU.PR.CA
|
19 501 | 299 | Candelaria |
| Cárdenas | CU.MA.CR
|
95 522 | 566 | Cárdenas |
| Carlos Manuel de Céspedes | CU.CM.CC
|
23 655 | 653 | Carlos Manuel de Céspedes |
| Cauto Cristo | CU.GR.CC
|
19 198 | 550 | Cauto Cristo |
| Centro Habana | CU.CH.CH
|
157 827 | 4 | Centro Habana |
| Cerro | CU.CH.CE
|
136 946 | 10 | Cerro |
| Chambas | CU.CA.CH
|
41 142 | 769 | Chambas |
| Ciego de ávila | CU.CA.CA
|
122 671 | 445 | Ciego de ávila |
| Ciénaga de Zapata | CU.MA.CZ
|
8 611 | 4 320 | Playa Larga |
| Cienfuegos | CU.CF.CI
|
158 384 | 333 | Cienfuegos |
| Cifuentes | CU.VC.CI
|
36 000 | 512 | Cifuentes |
| Ciro Redondo | CU.CA.CR
|
27 853 | 588 | Ciro Redondo |
| Colombia | CU.LT.CO
|
33 153 | 563 | Colombia |
| Colón | CU.MA.CO
|
69 563 | 597 | Colón |
| Consolación del Sur | CU.PR.CS
|
86 211 | 1 112 | Consolación del Sur |
| Contramaestre | CU.SC.CO
|
101 832 | 610 | Contramaestre |
| Corralillo | CU.VC.CO
|
27 724 | 843 | Corralillo |
| Cotorro | CU.CH.CO
|
74 124 | 66 | Cotorro |
| Cruces | CU.CF.CR
|
33 060 | 198 | Cruces |
| Cueto | CU.HO.CU
|
37 456 | 326 | Cueto |
| Cumanayagua | CU.CF.CU
|
50 987 | 1 099 | Cumanayagua |
| Diez de Octubre | CU.CH.DO
|
235 718 | 12 | Diez de Octubre |
| El Salvador | CU.GU.ES
|
43 982 | 637 | El Salvador |
| Encrucijada | CU.VC.EN
|
35 833 | 587 | Encrucijada |
| Esmeralda | CU.CM.ES
|
32 003 | 1 230 | Esmeralda |
| Florencia | CU.CA.FL
|
21 344 | 286 | Florencia |
| Florida | CU.CM.FL
|
75 663 | 1 761 | Florida |
| Fomento | CU.SS.FO
|
36 303 | 478 | Fomento |
| Frank País | CU.HO.FP
|
28 749 | 510 | Cayo Mambí |
| Gibara | CU.HO.GI
|
72 004 | 630 | Gibara |
| Guáimaro | CU.CM.GU
|
57 479 | 1 847 | Guáimaro |
| Guamá | CU.SC.GU
|
35 516 | 965 | Chivirico |
| Guanabacoa | CU.CH.GU
|
106 742 | 127 | Guanabacoa |
| Guanajay | CU.LH.GJ
|
28 690 | 113 | Guanajay |
| Guane | CU.PR.GU
|
36 986 | 717 | Guane |
| Guantánamo | CU.GU.GU
|
248 171 | 741 | Guantánamo |
| Güines | CU.LH.GS
|
71 395 | 445 | Güines |
| Güira de Melena | CU.LH.GM
|
36 487 | 178 | Güira de Melena |
| Guisa | CU.GR.GU
|
54 258 | 596 | Guisa |
| Holguín | CU.HO.HO
|
309 371 | 666 | Holguín |
| Imías | CU.GU.IM
|
20 022 | 524 | Imías |
| Isla de la Juventud | CU.IJ.IJ
|
79 462 | 2 398 | Nueva Gerona |
| Jagüey Grande | CU.MA.JG
|
56 183 | 882 | Jagüey Grande |
| Jaruco | CU.LH.JA
|
26 580 | 276 | Jaruco |
| Jatibonico | CU.SS.JA
|
42 606 | 765 | Jatibonico |
| Jesús Menéndez | CU.LT.JM
|
53 386 | 638 | Jesús Menéndez |
| Jiguaní | CU.GR.JI
|
59 059 | 646 | Jiguaní |
| Jimaguayú | CU.CM.JI
|
19 361 | 799 | Jimaguayú |
| Jobabo | CU.LT.JO
|
51 176 | 884 | Jobabo |
| Jovellanos | CU.MA.JO
|
55 986 | 505 | Jovellanos |
| La Habana del Este | CU.CH.HE
|
182 353 | 145 | La Habana del Este |
| La Habana Vieja | CU.CH.HV
|
97 984 | 5 | La Habana Vieja |
| Lajas | CU.CF.LA
|
23 551 | 430 | Lajas |
| La Lisa | CU.CH.LL
|
124 293 | 38 | La Lisa |
| La Palma | CU.PR.LA
|
35 660 | 621 | La Palma |
| La Sierpe | CU.SS.LS
|
17 496 | 1 035 | La Sierpe |
| Las Tunas | CU.LT.LT
|
180 103 | 891 | Las Tunas |
| Limonar | CU.MA.LI
|
24 917 | 449 | Limonar |
| Los Arabos | CU.MA.LA
|
27 072 | 762 | Los Arabos |
| Los Palacios | CU.PR.LS
|
40 182 | 786 | Los Palacios |
| Madruga | CU.LH.MD
|
30 862 | 464 | Madruga |
| Maisí | CU.GU.MA
|
29 398 | 525 | La Máquina |
| Majagua | CU.CA.MA
|
26 537 | 544 | Majagua |
| Majibacoa | CU.LT.MJ
|
38 752 | 621 | Calixto |
| Manatí | CU.LT.MN
|
32 511 | 953 | Manatí |
| Manicaragua | CU.VC.MA
|
74 541 | 1 063 | Manicaragua |
| Mantua | CU.PR.MA
|
26 393 | 915 | Mantua |
| Manuel Tames | CU.GU.MT
|
15 256 | 526 | Manuel Tames |
| Manzanillo | CU.GR.MA
|
135 566 | 498 | Manzanillo |
| Marianao | CU.CH.MA
|
137 999 | 21 | Marianao |
| Mariel | CU.LH.MR
|
41 387 | 269 | Mariel |
| Martí | CU.MA.MR
|
25 238 | 1 070 | Martí |
| Matanzas | CU.MA.MT
|
135 624 | 317 | Matanzas |
| Mayarí | CU.HO.MA
|
109 623 | 1 307 | Mayarí |
| Media Luna | CU.GR.ML
|
36 441 | 376 | Media Luna |
| Melena del Sur | CU.LH.MS
|
20 853 | 227 | Melena del Sur |
| Mella | CU.SC.ME
|
33 667 | 335 | Mella |
| Minas | CU.CM.MI
|
39 799 | 1 015 | Minas |
| Minas de Matahambre | CU.PR.MM
|
36 122 | 858 | Minas de Matahambre |
| Moa | CU.HO.MO
|
63 951 | 730 | Moa |
| Morón | CU.CA.MO
|
59 378 | 615 | Morón |
| Najasa | CU.CM.NA
|
16 396 | 921 | Najasa |
| Niceto Pérez | CU.GU.NP
|
16 234 | 640 | Niceto Pérez |
| Niquero | CU.GR.NI
|
41 134 | 582 | Niquero |
| Nueva Paz | CU.LH.NP
|
24 533 | 515 | Nueva Paz |
| Nuevitas | CU.CM.NU
|
44 361 | 415 | Nuevitas |
| Palma Soriano | CU.SC.PS
|
124 585 | 846 | Palma Soriano |
| Palmira | CU.CF.PA
|
33 233 | 318 | Palmira |
| Pedro Betancourt | CU.MA.PB
|
31 467 | 388 | Pedro Betancourt |
| Perico | CU.MA.PE
|
31 952 | 278 | Perico |
| Pilón | CU.GR.PI
|
30 682 | 462 | Pilón |
| Pinar del Río | CU.PR.PR
|
185 843 | 708 | Pinar del Río |
| Placetas | CU.VC.PL
|
74 291 | 601 | Placetas |
| Playa | CU.CH.PL
|
184 715 | 36 | Playa |
| Plaza de la Revolución | CU.CH.PR
|
173 239 | 12 | Plaza de la Revolución |
| Primero de Enero | CU.CA.PE
|
29 415 | 713 | Primero de Enero |
| Puerto Padre | CU.LT.PP
|
92 162 | 1 178 | Puerto Padre |
| Quemado de Güines | CU.VC.QG
|
23 899 | 338 | Quemado de Güines |
| Quivicán | CU.LH.QU
|
27 862 | 283 | Quivicán |
| Rafael Freyre | CU.HO.RF
|
49 828 | 620 | Rafael Freyre |
| Ranchuelo | CU.VC.RA
|
63 831 | 556 | Ranchuelo |
| Regla | CU.CH.RE
|
43 222 | 9 | Regla |
| Remedios | CU.VC.RE
|
49 057 | 560 | Remedios |
| Río Cauto | CU.GR.RC
|
47 038 | 1 500 | Río Cauto |
| Rodas | CU.CF.RO
|
33 061 | 552 | Rodas |
| Sagua de Tánamo | CU.HO.ST
|
58 722 | 704 | Sagua de Tánamo |
| Sagua la Grande | CU.VC.SG
|
60 979 | 661 | Sagua la Grande |
| San Antonio de los Baños | CU.LH.SA
|
42 373 | 127 | San Antonio de los Baños |
| San Antonio del Sur | CU.GU.SA
|
26 984 | 585 | San Antonio del Sur |
| San Cristóbal | CU.PR.SC
|
69 164 | 936 | San Cristóbal |
| Sancti Spíritus | CU.SS.SS
|
125 485 | 1 151 | Sancti Spíritus |
| Sandino | CU.PR.SA
|
39 856 | 1 718 | Sandino |
| San José de las Lajas | CU.LH.SJ
|
63 389 | 591 | San José de las Lajas |
| San Juan y Martínez | CU.PR.SJ
|
46 911 | 409 | San Juan y Martínez |
| San Luis | CU.PR.SL
|
34 011 | 337 | San Luis |
| San Luis | CU.SC.SL
|
88 428 | 765 | San Luis |
| San Miguel del Padrón | CU.CH.SM
|
155 234 | 26 | San Miguel del Padrón |
| San Nicolás | CU.LH.SN
|
21 402 | 242 | San Nicolás |
| Santa Clara | CU.VC.SC
|
226 900 | 514 | Santa Clara |
| Santa Cruz del Norte | CU.LH.SC
|
30 959 | 376 | Santa Cruz del Norte |
| Santa Cruz del Sur | CU.CM.SS
|
53 800 | 1 122 | Santa Cruz del Sur |
| Santiago de Cuba | CU.SC.SC
|
472 255 | 1 024 | Santiago de Cuba |
| Santo Domingo | CU.VC.SD
|
55 643 | 883 | Santo Domingo |
| Segundo Frente | CU.SC.SF
|
40 885 | 540 | Mayarí Arriba |
| Sibanicú | CU.CM.SI
|
31 069 | 736 | Sibanicú |
| Sierra de Cubitas | CU.CM.SC
|
17 955 | 549 | Cubitas |
| Songo-La Maya | CU.SC.LM
|
100 287 | 721 | La Maya |
| Taguasco | CU.SS.TA
|
36 776 | 518 | Taguasco |
| Tercer Frente | CU.SC.TF
|
30 457 | 364 | Cruce de los Baños |
| Trinidad | CU.SS.TR
|
71 776 | 1 155 | Trinidad |
| Unión de Reyes | CU.MA.UR
|
42 695 | 856 | Unión de Reyes |
| Urbano Noris | CU.HO.UN
|
44 537 | 846 | Urbano Noris |
| Varadero | CU.MA.VA
|
19 898 | 32 | Varadero |
| Venezuela | CU.CA.VE
|
28 431 | 716 | Venezuela |
| Vertientes | CU.CM.VE
|
53 265 | 2 005 | Vertientes |
| Viñales | CU.PR.VI
|
26 636 | 704 | Viñales |
| Yaguajay | CU.SS.YA
|
61 135 | 1 032 | Yaguajay |
| Yara | CU.GR.YA
|
60 063 | 576 | Yara |
| Yateras | CU.GU.YA
|
19 773 | 664 | Palenque |
| Kuba | 11 144 942 | 107 628 |
Verwaltungseinheiten:
14 provincias (Provinzen)
51 regiones (Regionen)
169, ehemals 326 municipios (Gemeinden)
Bevölkerung
Auf Kuba leben etwa 11 Millionen Menschen, davon über zwei Millionen in der Hauptstadt Havanna. Die Bevölkerung wuchs in der Vergangenheit kontinuierlich um eine Million Menschen je Jahrzehnt. Ursachen für das Bevölkerungswachstum sind die hohe Lebenserwartung und die mit 5,4 Fällen je 1000 Geburten geringe Kindersterblichkeit. Aufgrund rückgehender Geburtenrate (derzeit 1,6 Kinder pro Frau) und Emigration ist die Entwicklung derzeit leicht negativ. Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 110.861 km².
Bevölkerungsentwicklung:
Jahr Einwohner Dichte (E/km²)
1700 140 000 1,26
1750 160 000 1,44
1774 171 600 1,55
1792 274 000 2,47
1800 350 000 3,16
1817 553 000 4,99
1827 704 500 6,35
1841 1 007 600 9,09
1850 907 200 8,18
1861 1 366 200 12,32
1867 1 314 500 11,86
1871 1 321 200 11,92
1877 1 509 300 13,61
1887 1 609 100 14,51
1899 1 572 576 14,19
1901 1 679 000 15,15
1907 2 049 000 18,48
1911 2 287 000 20,63
1914 2 469 125 22,27
1919 2 889 000 26,06
1921 3 083 000 27,81
1926 3 519 000 31,74
1931 3 962 300 35,74
1936 4 108 700 37,06
1940 4 291 100 38,71
1943 4 778 593 43,10
1946 5 039 000 45,45
1949 5 399 000 48,62
1950 5 516 000 49,76
1951 5 638 000 50,86
1952 5 759 000 51,95
1953 5 829 029 52,58
1954 6 254 000 56,41
1955 6 445 900 58,14
1956 6 513 000 58,75
1957 6 641 000 59,90
1958 6 763 000 61,00
1959 6 901 000 62,25
1960 7 027 000 63,39
1961 7 134 000 64,35
1962 7 254 000 65,43
1963 7 415 000 66,89
1964 7 612 000 68,66
1965 7 810 000 70,45
1966 7 985 000 72,03
1967 8 139 000 73,42
1968 8 284 000 74,72
1969 8 421 000 75,96
1970 8 527 360 76,92
1971 8 692 000 78,40
1972 8 862 000 79,93
1973 9 036 000 81,51
1974 9 194 000 82,93
1975 9 299 000 83,88
1976 9 430 000 85,06
1977 9 547 000 86,12
1978 9 644 000 86,99
1979 9 720 000 87,68
1980 9 722 000 87,70
1981 9 723 600 87,71
1982 9 801 000 88,41
1983 9 897 000 89,27
1984 9 994 000 90,15
1985 10 098 000 91,09
1986 10 199 000 92,00
1987 10 294 000 92,86
1988 10 396 000 93,78
1989 10 468 661 94,43
1990 10 694 500 92,47
1991 10 792 923 97,36
1992 10 869 200 98,04
1993 10 939 700 98,68
1994 10 960 500 98,87
1995 10 998 500 99,21
1996 11 038 600 99,57
1997 11 093 200 100,06
1998 11 096 000 100,09
1999 11 120 000 100,31
2000 11 146 203 100,55
2001 11 168 526 100,74
2002 11 177 743 100,83
2003 11 200 388 101,03
2004 11 230 076 101,30
2005 11 243 836 101,42
2006 11 239 043 101,38
2007 11 238 100 101,37
2008 11 237 171 101,36
2009 11 253 500 101,46
2010 11 260 368 101,57
2011 11 295 844 101,89
2012 11 236 671 101,36
2013 11 210 064 101,12
2014 11 238 317 101,37
2015 11 324 781 102,16
2016 11 335 104 102,25
2017 11 339 254 102,28
2018 11 338 134 102,27
2019 11 333 483 102,23
2020 11 317 498 102,09
2021 11 113 215 100,24
2022 11 089 511 100,03
2023 10 055 968 90,71
2024 9 748 007 87,93
2025 9 434 593 85,10
2026 9 124 382 82,30
Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 0,743 % pro Jahr. Die Fruchtbarkeitsrate lag 2008 bei 1,61 Kindern pro gebärfähiger Frau, das Durchschnittsalter bei 37,3 Jahren. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 77 Jahren.
Lebenserwartung in Jahren 2009:
- insgesamt 77,45
- Männer 75,19
- Frauen 79,85
Volksgruppen
Die ursprüngliche Bevölkerung Kubas gehörte vor der spanischen Eroberung verschiedenen indigenen Gruppen an. Zu den bekanntesten zählen die Taíno, eine arawaksprachige Bevölkerungsgruppe, die Landwirtschaft betrieb, Fischfang ausübte und in Siedlungen lebte. Daneben werden in den historischen Quellen unter anderem die Ciboney beziehungsweise Siboney und die Guanahatabey genannt. Die Bezeichnungen wurden von den Spaniern verwendet und fassen unterschiedliche Bevölkerungen zusammen, deren kulturelle und sprachliche Verhältnisse nicht in allen Einzelheiten bekannt sind. Durch eingeschleppte Krankheiten, Zwangsarbeit, Gewalt und die Zerstörung ihrer gesellschaftlichen Strukturen ging die indigene Bevölkerung nach Beginn der spanischen Kolonisierung im 16. Jahrhundert stark zurück. Indigene Abstammung ist in Teilen der heutigen Bevölkerung weiterhin vorhanden; sie lässt sich jedoch nicht zuverlässig allein aus dem äußeren Erscheinungsbild oder aus den amtlichen Bevölkerungsangaben ableiten.
Die größte historische Einwanderungsgruppe europäischer Herkunft waren die Spanier. Sie kamen seit dem frühen 16. Jahrhundert als Kolonisten, Soldaten, Verwaltungsbeamte, Händler und Landbesitzer nach Kuba. Besonders stark war die Zuwanderung aus Andalusien, Galicien, Asturien und von den Kanarischen Inseln. Die kanarischen Einwanderer prägten unter anderem den Tabakanbau und die Besiedlung ländlicher Gebiete. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert verstärkte sich die spanische Einwanderung nochmals. Auch nach der Unabhängigkeit blieben spanische Abstammung und spanische kulturelle Traditionen wichtige Bestandteile der kubanischen Gesellschaft.
Die afrikanischstämmige Bevölkerung entstand vor allem durch den transatlantischen Sklavenhandel. Während der Kolonialzeit wurden Hunderttausende Menschen aus Afrika nach Kuba verschleppt und insbesondere auf Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen, in der Viehwirtschaft sowie im städtischen Handwerk eingesetzt. Sie stammten aus unterschiedlichen Regionen West- und Zentralafrikas. Zu den historischen Herkunftsgruppen gehörten unter anderem Yoruba, Angehörige bantusprachiger Völker des Kongobeckens sowie Gruppen, die in Kuba als Arará bezeichnet wurden und mit Bevölkerungen des heutigen Benin und benachbarter Gebiete verbunden waren. Ihre Nachkommen prägten die Musik, die Tänze, die Sprache, die Küche und die religiösen Traditionen des Landes. Afro-kubanische Bevölkerungsgruppen sind auf der gesamten Insel vertreten; ihre Geschichte und kulturellen Einrichtungen sind besonders eng mit Städten wie Havanna, Matanzas und Santiago de Cuba verbunden.
Aus der jahrhundertelangen Verbindung europäischer, afrikanischer und indigener Abstammungslinien ging eine große Bevölkerung mit gemischter Herkunft hervor. In der kubanischen amtlichen Statistik wird sie als „mestiza“ beziehungsweise „mulata“ zusammengefasst. Die Begriffe bezeichnen unterschiedliche Formen gemischter Abstammung, werden im gesellschaftlichen Alltag aber nicht immer einheitlich verwendet. Die Zugehörigkeit zu einer solchen Kategorie beruht nicht auf einer genetischen Untersuchung, sondern auf der Selbsteinschätzung beziehungsweise der amtlichen Zuordnung nach dem Erscheinungsbild. Die Kategorien bilden daher die tatsächliche Vielfalt der Familiengeschichten nur begrenzt ab.
Eine weitere Bevölkerungsgruppe bilden die Nachkommen chinesischer Einwanderer. Im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche chinesische Arbeitskräfte unter vertraglichen Bedingungen nach Kuba gebracht, vielfach für Tätigkeiten in der Landwirtschaft und im Bauwesen. Viele blieben nach Ablauf ihrer Verträge auf der Insel und gründeten Familien. Später kamen weitere Einwanderer aus China hinzu. Chinesisch-kubanische Gemeinschaften entwickelten eigene Vereine, Geschäfte und kulturelle Einrichtungen. Besonders bekannt ist das historische chinesische Viertel in Havanna. Daneben gibt es kleinere Bevölkerungsgruppen asiatischer Herkunft, darunter Nachkommen japanischer und philippinischer Einwanderer.
Seit dem 19. Jahrhundert kamen außerdem Einwanderer aus anderen Teilen der Karibik nach Kuba. Dazu gehörten Menschen aus Haiti, Jamaika und den britischen Westindischen Inseln, die vor allem auf den Zuckerplantagen und in anderen landwirtschaftlichen Betrieben arbeiteten. Die Zuwanderung aus Haiti nahm insbesondere im 20. Jahrhundert zu. Haitische und jamaikanische Einwanderer brachten eigene Sprachen, Musikformen, religiöse Traditionen und kulinarische Einflüsse mit. Ihre Nachkommen sind besonders in den östlichen Provinzen und in Gebieten mit historisch bedeutender Plantagenwirtschaft vertreten. Auch Einwanderer aus dem Nahen Osten, darunter aus dem heutigen Libanon, Syrien und Palästina, ließen sich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert auf Kuba nieder und waren häufig im Handel tätig.
Nach der Revolution von 1959 veränderten sich die Bevölkerungsverhältnisse durch politische Auswanderung und spätere Migrationsbewegungen. In den ersten Jahren nach dem Machtwechsel verließen zahlreiche Menschen, darunter viele Angehörige der wirtschaftlichen und politischen Oberschicht, das Land und siedelten sich vor allem in den Vereinigten Staaten an. Die kubanische Diaspora wuchs in mehreren Auswanderungswellen weiter. Sie umfasst Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft und ist besonders in Florida, vor allem im Großraum Miami, stark vertreten. Die Auswanderung beeinflusste auch die Zusammensetzung der auf Kuba verbliebenen Bevölkerung.
Die letzte umfassende amtliche Volkszählung, deren ethnorassische Angaben hier zugrunde gelegt werden können, fand 2012 statt. Damals wurden 64,1 Prozent der Bevölkerung als weiß, 26,6 Prozent als mulattisch beziehungsweise mestizisch und 9,3 Prozent als schwarz erfasst. Diese Zahlen beschreiben die amtliche Zuordnung nach Hautfarbe und Selbstidentifikation, nicht die genetische Abstammung. Untersuchungen zur genetischen Bevölkerungsstruktur bestätigen, dass die kubanische Bevölkerung regional unterschiedlich zusammengesetzt ist und europäische, afrikanische sowie indigene Abstammungskomponenten aufweist. In den östlichen Landesteilen wurden im Durchschnitt höhere afrikanische und indigene Abstammungsanteile festgestellt als in vielen westlichen Regionen.
Kubaner
Die Einwohner Kubas bezeichnen sich auf Spanisch als Cubanos beziehungsweise Cubanas. Die kubanische Identität entstand insbesondere im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit den Unabhängigkeitsbewegungen gegen Spanien und festigte sich nach der Gründung der Republik im Jahr 1902. Sie umfasst Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft und Hautfarbe.
Die kubanische Gesellschaft ist durch eine gemeinsame spanische Sprache, historische Erfahrungen und zahlreiche kulturelle Gemeinsamkeiten verbunden. Spanisch ist die Muttersprache der großen Bevölkerungsmehrheit und prägt den Alltag, die Verwaltung, das Bildungswesen und die Medien. Das kubanische Spanisch weist regionale Unterschiede und charakteristische Merkmale auf, darunter die häufige Abschwächung oder Auslassung des auslautenden „s“, die Verkürzung bestimmter Konsonantenverbindungen und einen Wortschatz, der sowohl spanische als auch afrikanische und karibische Einflüsse enthält. In der Alltagssprache finden sich außerdem Ausdrücke, die aus dem Kontakt mit haitianischen, englischsprachigen und anderen karibischen Bevölkerungsgruppen hervorgegangen sind.
Die nationale Identität ist eng mit der Geschichte des Widerstands gegen die spanische Kolonialherrschaft verbunden. Persönlichkeiten wie José Martí, Máximo Gómez und Antonio Maceo wurden zu zentralen Figuren des kubanischen Nationalbewusstseins. Der Unabhängigkeitskrieg von 1895 bis 1898, die anschließende US-amerikanische Besatzungszeit und die Gründung der Republik prägten das politische Selbstverständnis des Landes. Nach der Revolution von 1959 entwickelte die Regierung ein sozialistisches Nationalverständnis, das nationale Unabhängigkeit, soziale Gleichheit und den Widerstand gegen den Einfluss der Vereinigten Staaten hervorhob. Diese staatliche Interpretation prägt das öffentliche Geschichtsbild bis heute, wird von Kubanern im In- und Ausland jedoch unterschiedlich bewertet.
Die Lebensbedingungen und Einstellungen der Kubaner unterscheiden sich nach Wohnort, Alter, sozialer Lage und politischer Überzeugung. Die Bevölkerung lebt überwiegend in Städten, insbesondere in Havanna, Santiago de Cuba, Camagüey, Holguín und Santa Clara. Zugleich bestehen ländliche Gemeinschaften, deren Lebensweise traditionell stärker mit Landwirtschaft, Viehzucht und regionalen Bräuchen verbunden ist. Familienbeziehungen spielen eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben. Wegen niedriger Einkommen, Versorgungsengpässen und der Auswanderung zahlreicher jüngerer Menschen übernehmen Verwandte häufig Aufgaben bei der gegenseitigen Unterstützung und Betreuung älterer Familienmitglieder.
Die kubanische Bevölkerung ist zudem durch eine ausgeprägte Auswanderung geprägt. Seit 1959 haben mehrere große Migrationswellen zur Entstehung einer umfangreichen kubanischen Diaspora geführt, vor allem in den Vereinigten Staaten, insbesondere in Florida, aber auch in Spanien und anderen Ländern Lateinamerikas und Europas. Die Beziehungen zwischen den im Land lebenden Kubanern und ihren ausgewanderten Angehörigen bleiben für viele Familien wirtschaftlich und sozial bedeutsam. Geldüberweisungen aus dem Ausland, Besuche und familiäre Kontakte bilden wichtige Verbindungen zwischen Kuba und der Diaspora.
Die erste große Auswanderungswelle nach der Revolution setzte 1959 ein. Angehörige der Regierung Fulgencio Batistas, Teile der bisherigen wirtschaftlichen Oberschicht, Großgrundbesitzer, Unternehmer und andere Menschen, die den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen ablehnend gegenüberstanden, verließen die Insel. In den folgenden Jahren weitete sich die Auswanderung auf Angehörige der Mittelschicht, Fachkräfte und Familien aus, die sich mit dem neuen politischen System nicht identifizierten oder bessere wirtschaftliche Perspektiven im Ausland suchten. Viele siedelten sich in Miami an. Dort entstanden Netzwerke aus Familien, Unternehmen, Vereinen, Kirchen und politischen Organisationen, die die Grundlage der späteren kubanisch-amerikanischen Gemeinschaft bildeten.
Von 1965 bis 1973 konnten im Rahmen der sogenannten Freedom Flights zahlreiche Kubaner auf dem Luftweg in die Vereinigten Staaten ausreisen. Die Flüge verbanden Varadero mit Miami und ermöglichten vielen Menschen die Ausreise im Rahmen einer Vereinbarung zwischen den Regierungen Kubas und der Vereinigten Staaten. Eine weitere große Auswanderungsbewegung folgte 1980 während der Mariel-Bootskrise. Nachdem Tausende Kubaner auf das Gelände der peruanischen Botschaft in Havanna geflüchtet waren, öffnete die kubanische Regierung den Hafen Mariel für die Ausreise. Innerhalb weniger Monate gelangten rund 125.000 Menschen mit Booten in die Vereinigten Staaten. Diese Gruppe unterschied sich hinsichtlich Alter, sozialer Herkunft und beruflicher Zusammensetzung teilweise von den früheren Auswanderern und veränderte die kubanische Gemeinschaft in Florida erheblich.
Eine weitere markante Auswanderungsphase war die sogenannte Balsero-Krise von 1994. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Kuba einen wesentlichen Teil seiner bisherigen wirtschaftlichen Unterstützung. Die dadurch verschärfte Wirtschaftskrise führte zu Versorgungsengpässen, sinkenden Lebensstandards und wachsender Unzufriedenheit. Tausende Menschen versuchten, Florida auf selbstgebauten Flößen und kleinen Booten zu erreichen. Im August 1994 wurden innerhalb weniger Wochen Zehntausende Menschen auf See aufgegriffen oder gerettet. Die Krise führte zu einer erneuten Verschärfung der Migrationspolitik und zu Vereinbarungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten über die Regulierung der Ausreise.
Nach 1995 blieb die Auswanderung ein dauerhaftes Merkmal der kubanischen Gesellschaft. Neben politisch motivierter Emigration gewannen wirtschaftliche Gründe zunehmend an Bedeutung. Viele Menschen suchten höhere Einkommen, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und bessere Lebensbedingungen. Die Auswanderung erfolgte über reguläre Einreiseprogramme, Familienzusammenführung, Arbeits- und Studienaufenthalte sowie irreguläre Routen durch Mittelamerika und die Karibik. Die Reformen der kubanischen Ausreisebestimmungen im Jahr 2013 erleichterten die Ausreise für viele Bürger, ohne die wirtschaftlichen und politischen Hindernisse vollständig zu beseitigen.
Seit 2021 entwickelte sich eine besonders umfangreiche Auswanderungsbewegung. Die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie, der Einbruch des Tourismus, Versorgungsmängel, Inflation, Stromausfälle und die anhaltende politische Repression verstärkten den Auswanderungsdruck. Viele Kubaner reisten zunächst nach Nicaragua oder in andere lateinamerikanische Staaten und versuchten anschließend, über Mittelamerika und Mexiko in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Andere wanderten nach Spanien oder in weitere europäische Länder aus. Eine 2026 veröffentlichte Analyse schätzt, dass seit 2020 zwischen 1,6 und 2,75 Millionen Menschen Kuba verlassen haben könnten; die große Spannweite verdeutlicht die Unsicherheit der verfügbaren Zahlen und die Schwierigkeiten, tatsächliche Auswanderung, Rückkehr und längerfristigen Auslandsaufenthalt voneinander abzugrenzen.
Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand das wichtigste Zentrum der kubanischen Diaspora. Nach einer Auswertung des Pew Research Center lebten dort 2024 rund 2,94 Millionen Menschen kubanischer Herkunft. Davon waren etwa 1,67 Millionen selbst in Kuba geboren, während rund 1,27 Millionen in den Vereinigten Staaten geboren waren. Die Unterscheidung ist wichtig, weil Statistiken über im Ausland geborene Kubaner deutlich niedrigere Werte ergeben als Erhebungen, die auch deren Nachkommen berücksichtigen.
Das Zentrum der kubanisch-amerikanischen Bevölkerung liegt in Südflorida, insbesondere im Miami-Dade County und in der Stadt Miami. Stadtteile wie Little Havana wurden zu bedeutenden Orten kubanischer Kultur, Gastronomie, Medien und politischer Organisation. Weitere Gemeinschaften leben unter anderem in Tampa, Orlando, im Großraum New York sowie in Teilen von New Jersey, Kalifornien und Texas. Die kubanisch-amerikanische Bevölkerung ist sozial und politisch vielfältig. Frühere Auswanderergenerationen und ihre Nachkommen unterscheiden sich teilweise von den seit den 1990er-Jahren und insbesondere seit 2021 eingetroffenen Migranten hinsichtlich ihrer sozialen Herkunft, ihrer Erfahrungen und ihrer politischen Einstellungen.
Spanien bildet ein weiteres bedeutendes Zentrum der Diaspora. Die historischen Verbindungen zwischen beiden Ländern, die gemeinsame Sprache und die Möglichkeit, in bestimmten Fällen die spanische Staatsangehörigkeit über familiäre Abstammung zu erwerben, begünstigten die Niederlassung kubanischer Familien. Nach Angaben der Vereinten Nationen lebten 2024 rund 215.000 in Kuba geborene Menschen in Spanien. Weitere Gemeinschaften bestehen unter anderem in Mexiko, Italien, Kanada, Brasilien, Chile und Uruguay. Die Größen unterscheiden sich je nach Erhebungsjahr und danach, ob nur in Kuba Geborene oder auch Nachkommen kubanischer Auswanderer erfasst werden.
Die Diaspora unterhält vielfältige Beziehungen zu Kuba. Geldüberweisungen von Angehörigen im Ausland helfen vielen Familien, Lebensmittel, Medikamente, Kleidung und andere Güter zu kaufen oder kleine private Unternehmen zu finanzieren. Auch mitgebrachte Waren, private Investitionen und familiäre Unterstützung spielen eine Rolle. Die Bedeutung dieser Hilfen ist regional und sozial unterschiedlich; Familien ohne Angehörige im Ausland haben in der Regel keinen vergleichbaren Zugang zu solchen Ressourcen. Die Überweisungen stellen zugleich eine Verbindung zwischen der kubanischen Wirtschaft und den Arbeitsmärkten der Aufnahmeländer her.
Kulturell bewahrt die Diaspora zahlreiche Elemente des kubanischen Lebens, darunter Musikrichtungen wie Son, Salsa und Rumba, kulinarische Traditionen, religiöse Praktiken, Sprache und familiäre Bräuche. Gleichzeitig entwickeln sich diese Traditionen in den Aufnahmeländern weiter und verbinden sich mit anderen kulturellen Einflüssen. Kubanische Medien, Musikveranstaltungen, Restaurants, Vereine und religiöse Gemeinschaften tragen dazu bei, die Beziehungen zwischen den Generationen aufrechtzuerhalten.
Politisch besitzt die kubanische Diaspora besonders in den Vereinigten Staaten erheblichen Einfluss auf die öffentliche Debatte über die Beziehungen zu Kuba. Organisationen und politische Gruppen vertreten unterschiedliche Positionen zur kubanischen Regierung, zu Sanktionen, zum Handel, zu Menschenrechten und zu einer möglichen politischen Öffnung. Die Haltung gegenüber der Regierung in Havanna ist innerhalb der Diaspora nicht einheitlich und unterscheidet sich nach Generation, persönlicher Auswanderungserfahrung und politischer Orientierung.
Die fortgesetzte Auswanderung hat erhebliche Folgen für Kuba selbst. Sie verringert die Zahl der Einwohner, verstärkt die Alterung der Bevölkerung und führt zum Verlust von Arbeitskräften, Fachwissen und qualifizierten Beschäftigten. Besonders problematisch ist die Abwanderung jüngerer Erwachsener, weil sie die Zahl potenzieller Arbeitskräfte und Eltern verringert. Gleichzeitig entstehen transnationale Familien, deren Mitglieder über mehrere Länder verteilt leben und wirtschaftlich voneinander abhängig bleiben.
Sprachen
Die Amtssprache Kubas ist Spanisch. Es wird von der großen Mehrheit der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen und ist die Sprache der Verwaltung, des Bildungswesens, der Justiz, der Medien und des öffentlichen Lebens. Das kubanische Spanisch gehört zu den karibischen Varianten der spanischen Sprache und weist Gemeinsamkeiten mit dem Sprachgebrauch in der Dominikanischen Republik, Puerto Rico und den Küstenregionen Venezuelas auf.
Charakteristisch ist die häufige Abschwächung oder Auslassung des „s“ am Ende von Silben, besonders in der Umgangssprache. Auch das „d“ zwischen Vokalen wird häufig abgeschwächt oder ausgelassen. Die Aussprache ist regional unterschiedlich: Im Osten der Insel sind teilweise andere Lautmerkmale und Wortformen verbreitet als im Westen und in Havanna. Der Wortschatz enthält neben spanischen Elementen Einflüsse afrikanischer Sprachen, indigener Sprachen und anderer karibischer Sprachgemeinschaften. Dazu kommen zahlreiche umgangssprachliche Ausdrücke, die im übrigen spanischsprachigen Raum weniger gebräuchlich sind.
Neben dem Spanischen werden auf Kuba weitere Sprachen gesprochen, die vor allem mit Einwanderung, historischen Minderheiten und afro-kubanischen Religionsgemeinschaften verbunden sind. Eine wichtige Stellung nimmt Haitianisch-Kreolisch ein. Es wird von haitianischen Einwanderern und ihren Nachkommen gesprochen, besonders in den östlichen Landesteilen, wo seit dem späten 18. Jahrhundert und erneut im 20. Jahrhundert Menschen aus Haiti zuwanderten. Die Sprache beruht überwiegend auf dem Französischen und enthält afrikanische Sprachelemente. Sie wird innerhalb von Familien und Gemeinschaften weitergegeben und ist in Teilen des kulturellen Lebens, in Musik und mündlichen Traditionen präsent. Die Zahl der Sprecher ist nicht genau festzustellen; verbreitete Schätzungen unterscheiden sich erheblich.
Englisch ist eine wichtige Fremdsprache. Es wird im Schulunterricht vermittelt und spielt vor allem im Tourismus, im internationalen Handel und in Kontakten mit den Vereinigten Staaten und anderen englischsprachigen Ländern eine Rolle. Die tatsächlichen Englischkenntnisse unterscheiden sich nach Alter, Ausbildung, Beruf und Wohnort. Daneben werden weitere Fremdsprachen, darunter Französisch, Russisch, Italienisch und Deutsch, im Bildungswesen und in bestimmten beruflichen Bereichen gelernt.
Chinesische Einwanderergemeinschaften brachten verschiedene chinesische Sprachformen nach Kuba, insbesondere Kantonesisch und Mandarin. Die Zahl der Menschen, die diese Sprachen heute regelmäßig sprechen, ist im Vergleich zur spanischsprachigen Bevölkerung gering. Auch Arabisch und andere Sprachen von Einwanderern aus dem Nahen Osten sowie weitere Sprachen von Zugewanderten werden in einzelnen Familien und Gemeinschaften verwendet.
Eine besondere Rolle haben afrikanisch geprägte religiöse Sprachtraditionen. In der Santería, einer afro-kubanischen Religion mit starken Bezügen zur Yoruba-Tradition Westafrikas, wird Lucumí verwendet. Dabei handelt es sich um eine in Kuba bewahrte, liturgisch geprägte Form des Yoruba, die vor allem in Gebeten, Gesängen, Ritualen und religiösen Bezeichnungen vorkommt. Im Alltag ist Lucumí keine allgemein verwendete Umgangssprache. Auch in der Palo-Religion werden überlieferte religiöse Ausdrücke und Texte verwendet, die mit zentralafrikanischen Sprachtraditionen verbunden sind.
Die indigenen Sprachen, die vor der spanischen Kolonisierung auf Kuba gesprochen wurden, sind ausgestorben. Dazu gehörten verschiedene Taíno-Sprachformen und die in historischen Quellen erwähnte Sprache der Guanahatabey. Einzelne Wörter indigener Herkunft haben sich jedoch im kubanischen Spanisch und in geografischen Namen erhalten. Beispiele sind Wörter aus dem Taíno, die sich im Spanischen und darüber hinaus verbreitet haben, darunter canoa für Kanu, tabaco für Tabak und huracán für Hurrikan.
Die kubanische Gebärdensprache wird von gehörlosen und schwerhörigen Menschen verwendet und bildet eine eigenständige Kommunikationsform. Sie ist von der gesprochenen spanischen Sprache zu unterscheiden und wird in der Gemeinschaft gehörloser Menschen sowie in der Kommunikation und Bildung eingesetzt.
Sprachen in Kuba (nach ethnologue):
- Lucumi [luq] Einordnung: Niger-Congo, Atlantic-Congo, Volta-Congo, Benue-Congo, Defoid, Yoruboid, Edekiri
- Spanisch [spa] 10.000.000 in Kuba (1995). Einordnung: Indo-European, Italic, Romance, Italo-Western, Western, Gallo-Iberian, Ibero-Romance, West Iberian, Castilian
Indigene Sprachen
Die indigenen Sprachen Kubas gehören zur Sprachgeschichte der Großen Antillen. Vor der spanischen Eroberung im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert lebten auf der Insel mehrere indigene Bevölkerungsgruppen, deren Sprachen heute nur teilweise dokumentiert sind. Zu den wichtigsten Gruppen zählten die Taíno sowie die in historischen Quellen als Guanahatabey bezeichneten Menschen im Westen Kubas. Die sprachlichen Verhältnisse vor der Kolonisierung lassen sich nicht vollständig rekonstruieren, da nur wenige direkte Sprachzeugnisse erhalten blieben und die spanischen Chronisten die verschiedenen Bevölkerungsgruppen nicht immer sprachlich eindeutig voneinander unterschieden.
Die Sprache der Taíno wird gewöhnlich den arawakischen Sprachen zugeordnet, genauer dem arawakischen Sprachraum der Karibik. Die Taíno-Sprachen waren Teil eines größeren Netzes verwandter Sprachen, das sich über Teile Südamerikas und der Karibik erstreckte. Wie genau die auf Kuba gesprochenen Varianten von denen auf Hispaniola, Puerto Rico und anderen Inseln abwichen, ist jedoch nicht ausreichend bekannt. Es gibt keine vollständige Grammatik und kein umfassendes Wörterbuch des kubanischen Taíno. Die Rekonstruktion beruht vor allem auf einzelnen Wörtern, Personennamen und Ortsbezeichnungen sowie auf Wörtern, die spanische Chronisten in ihren Berichten festhielten.
Für die Guanahatabey ist die sprachliche Überlieferung noch wesentlich unsicherer. Historische Quellen beschreiben sie als eine Bevölkerungsgruppe, die vor allem im Westen Kubas lebte und sich nach Darstellung einiger spanischer Beobachter kulturell von den Taíno unterschied. Daraus lässt sich jedoch keine sichere Aussage über ihre Sprache ableiten. Es gibt keine ausreichende Grundlage, um diese Sprache umfassend zu rekonstruieren oder sie zweifelsfrei einer bestimmten Sprachfamilie zuzuordnen. Auch die Bezeichnung Guanahatabey ist aus kolonialzeitlichen Quellen überliefert und erlaubt für sich genommen keine verlässliche sprachwissenschaftliche Einordnung.
Mit der spanischen Eroberung setzte ein rascher Sprachwechsel ein. Krankheiten, Gewalt, Zwangsarbeit, Umsiedlungen und die Auflösung indigener Gemeinschaften führten zu einem starken Bevölkerungsrückgang. Zugleich wurde Spanisch zur Sprache der Kolonialverwaltung, der Kirche und des Handels. Die indigenen Sprachen verloren ihre gesellschaftlichen Funktionen und wurden schließlich nicht mehr als gemeinschaftliche Alltagssprachen weitergegeben. Einzelne Wörter überlebten jedoch im Spanischen Kubas und in anderen Sprachen der Karibik.
Die deutlichsten sprachlichen Spuren finden sich in Orts- und Landschaftsnamen sowie in Bezeichnungen für Pflanzen, Tiere, Nahrungsmittel und Gegenstände. Zu den bekannten Wörtern indigener, meist arawakischer Herkunft, die über das Spanische in zahlreiche weitere Sprachen gelangten, gehören canoa, hamaca, maíz, yuca, batata, tabaco und huracán. Diese Wörter sind nicht ausschließlich für Kuba belegt, sondern gehören zum größeren sprachlichen Erbe der Karibik. Ihre genaue Überlieferungsgeschichte unterscheidet sich von Wort zu Wort; bei einzelnen Bezeichnungen ist die Herkunft nicht zweifelsfrei geklärt.
Auch zahlreiche kubanische Ortsnamen werden auf indigene Sprachformen zurückgeführt. Dazu zählen unter anderem Baracoa, Bayamo, Guanabacoa und Cubanacán; bei der etymologischen Deutung einzelner Namen bestehen allerdings unterschiedliche Auffassungen. Die ursprünglichen Formen wurden in spanischen Dokumenten nach den Hör- und Schreibgewohnheiten der Kolonialzeit wiedergegeben und im Laufe der Zeit verändert. Deshalb lassen sich aus einem heutigen Ortsnamen nicht ohne Weiteres die ursprüngliche Aussprache oder seine genaue Bedeutung erschließen. Die Forschung vergleicht solche Namen mit bekannten arawakischen Wortformen und historischen Quellen, wobei auch mögliche Einflüsse anderer indigener Sprachen berücksichtigt werden.
Die sprachlichen Überreste sind nicht nur in historischen Dokumenten von Bedeutung. Untersuchungen zu den kulturellen Überlieferungen im Osten Kubas dokumentieren, dass Wörter indigener Herkunft weiterhin im kubanischen Spanisch vorkommen, insbesondere bei Ortsnamen und Bezeichnungen aus der natürlichen Umwelt. Diese sprachlichen Elemente wurden in den spanischen Wortschatz aufgenommen und teilweise weitergebildet oder in ihrer Bedeutung verändert. Sie sind damit Bestandteil des heutigen kubanischen Sprachgebrauchs, auch wenn die ursprünglichen Sprachen nicht mehr als allgemein überlieferte Alltagssprachen bestehen.
Kubanisch
Das kubanische Spanisch ist eine der markantesten und lebendigsten Varietäten der spanischen Sprache in der Karibik und zugleich ein Spiegel der komplexen Geschichte der Insel. Es gehört zum karibischen Spanisch und teilt viele Merkmale mit dem Spanisch Puerto Ricos, der Dominikanischen Republik und anderer Küstenregionen Lateinamerikas, zeichnet sich jedoch durch eigene phonetische, lexikalische und prosodische Eigenheiten aus, die es für Außenstehende oft besonders rasch und rhythmisch klingen lassen. Seine Wurzeln liegen vor allem im Spanisch Andalusiens und der Kanarischen Inseln, das von den frühen Kolonisten und später von großen Einwanderungswellen im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert mitgebracht wurde. Die massenhafte Ankunft kanarischer Siedler prägte Aussprache und Wortschatz nachhaltig, sodass viele typisch kubanische Ausdrücke und Intonationsmuster direkte Entsprechungen auf den Kanaren finden. Gleichzeitig wirkten die Sprachen der Taíno, die afrikanischen Sprachen der versklavten Bevölkerung aus West- und Zentralafrika sowie später Einflüsse aus dem Französischen, dem Englischen und der isolierten Entwicklung nach 1959 auf die Sprache ein.
Auf der lautlichen Ebene ist das kubanische Spanisch durch eine starke Abschwächung und oft vollständige Tilgung von Konsonanten am Silbenende gekennzeichnet. Das auslautende oder silbenschließende s wird häufig aspiriert und klingt wie ein leises h oder fällt ganz weg, sodass los amigos zu loh amigo oder lo amigo wird und más zu má. Das intervokalische d verschwindet in der Alltagssprache oft vollständig, besonders in den Partizipien und häufigen Wörtern: cansado klingt wie cansao, nada wie na und dedo wie deo. Das r am Silbenende kann zu l werden, wie in porque zu polque, oder ganz ausfallen, und in manchen Regionen, vor allem um Havanna, assimiliert es sich an den folgenden Konsonanten und führt zu Geminaten. Das j und g vor e und i werden weicher aspiriert als im kastilischen Spanisch und klingen eher wie ein deutsches h. Yeísmo ist flächendeckend verbreitet, sodass ll und y identisch als palataler Reibelaut gesprochen werden und pollo und poyo oder cayó und calló nicht mehr unterschieden werden. Seseo gilt wie in ganz Lateinamerika: c vor e und i sowie z werden wie s ausgesprochen. Das Sprachtempo ist hoch, unbetonte Vokale können reduziert werden, und die Intonation besitzt oft einen melodischen, fast singenden Charakter, der von manchen Beobachtern auch auf afrikanische Substrateinflüsse zurückgeführt wird. Regionale Unterschiede bestehen zwischen dem Westen und der Mitte einerseits und dem Osten andererseits, wo die Aussprache teilweise als noch stärker abschwächend und die Intonation als eigenständig wahrgenommen wird.
Im Wortschatz zeigt sich die Vielfalt der historischen Schichten besonders deutlich. Zahlreiche Begriffe stammen aus dem Taíno und bezeichnen Pflanzen, Tiere, Nahrungsmittel und Gegenstände des täglichen Lebens: hamaca für die Hängematte, canoa für das Boot, tabaco für den Tabak, yuca für den Maniok, guayaba für die Guave und batey für den Dorfplatz oder die Zuckerfabrik. Afrikanische Einflüsse, vor allem aus bantusprachigen und yoruba-sprachigen Traditionen, finden sich in Wörtern der Musik, des Tanzes, der Religion und des Alltags: chévere für großartig oder cool, asere für Freund oder Kumpel, bongó für die Trommel, rumba, son und mambo als Musik- und Tanzformen sowie zahlreiche Begriffe aus der Santería wie orisha, babalawo oder yemayá. Kanarische und andalusische Beiträge prägen den Alltagswortschatz: guagua für den Bus, fajarse für sich streiten oder prügeln, ensopar für einweichen und viele weitere Ausdrücke. Nach der Revolution von 1959 entstanden unter den Bedingungen der Planwirtschaft, der Knappheit und der Isolation zahlreiche neue Bedeutungen und Wendungen. Resolver bedeutet nicht nur lösen, sondern im Alltag etwas organisch beschaffen oder organisieren, inventar und luchar erhalten ähnliche Konnotationen des Improvisierens und Durchkommens. Yuma bezeichnet ursprünglich den US-Amerikaner und erweitert sich auf den Ausländer mit Devisen, jinetero und jinetera stehen für Personen, die mit Touristen Geschäfte machen oder sexuelle Dienstleistungen anbieten, und die libreta ist das Rationierungsheft. Verkleinerungsformen auf -ico und -ica sind besonders beliebt, etwa momentico oder ratico, und die Umgangssprache ist reich an kraftvollen, oft humorvollen oder ironischen Ausdrücken.
Morphologisch und syntaktisch folgt das kubanische Spanisch weitgehend den Mustern des lateinamerikanischen Spanisch. Das Pronomen vosotros ist verschwunden und wurde vollständig durch ustedes ersetzt, das sowohl für die vertraute als auch für die höfliche Pluralanrede verwendet wird. Voseo ist praktisch nicht vorhanden. Das Präteritum wird häufiger als das Perfekt verwendet, und in der Alltagssprache neigen Sprecher zu vereinfachten Konstruktionen und elliptischen Formulierungen. Die Prosodie und der Rhythmus machen die Sprache besonders lebendig: Sätze werden oft mit einer singenden Melodie und starker Betonung der betonten Silben vorgetragen, und die rasche Abfolge der Silben bei gleichzeitigem Konsonantenverlust erzeugt den typischen fließenden, manchmal schwer verständlichen Klang.
Religion
Die religiöse Leben Kubas ist durch das Nebeneinander des römisch-katholischen Christentums, evangelischer Kirchen, afro-kubanischer Glaubensrichtungen und einer bedeutenden Gruppe religiös nicht gebundener Menschen geprägt. Die religiöse Landschaft entstand aus der spanischen Kolonisierung, der Verschleppung afrikanischer Sklaven und späteren Einwanderungsbewegungen. Eine Besonderheit ist die enge Verbindung verschiedener religiöser Traditionen, insbesondere zwischen dem Katholizismus und den aus West- und Zentralafrika hervorgegangenen Glaubensformen. Verlässliche aktuelle Zahlen zur Religionszugehörigkeit liegen nicht vor, da Kuba keine umfassende amtliche Religionsstatistik veröffentlicht und viele Menschen mehrere religiöse Traditionen gleichzeitig praktizieren.
Der römisch-katholische Glaube ist die wichtigste christliche Tradition des Landes. Die katholische Kirche schätzt, dass sich ungefähr 60 Prozent der Bevölkerung als katholisch verstehen oder sich dieser Tradition zuordnen. Diese Angabe bezeichnet jedoch nicht den Anteil der regelmäßig am Gottesdienst teilnehmenden Gläubigen. Der Katholizismus wurde während der spanischen Kolonialzeit eingeführt und blieb trotz der politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Zu den bedeutenden religiösen Zentren zählen die Kathedrale von Havanna, die Wallfahrtskirche El Cobre bei Santiago de Cuba und zahlreiche Pfarrkirchen in den Städten und ländlichen Gemeinden. Die Jungfrau von El Cobre, Nuestra Señora de la Caridad del Cobre, gilt als Schutzpatronin Kubas und besitzt große religiöse und nationale Bedeutung.
Neben der katholischen Kirche sind protestantische und evangelikale Gemeinschaften verbreitet. Zu den größeren Gruppen gehören Baptisten, Pfingstkirchen, Methodisten, Siebenten-Tags-Adventisten, Presbyterianer, Anglikaner und Episkopale. Besonders Pfingstgemeinden und evangelikale Kirchen haben in verschiedenen Landesteilen an Bedeutung gewonnen. Ihre Gottesdienste sind häufig durch gemeinschaftliches Gebet, Gesang, Bibellektüre und aktive Beteiligung der Gläubigen geprägt. Die Größe dieser Gemeinschaften lässt sich nur annähernd bestimmen. In älteren Schätzungen wurden etwa fünf Prozent der Bevölkerung den protestantischen Kirchen zugerechnet; die tatsächlichen Anteile können sich seither verändert haben.
Eine herausragende Stellung nehmen die afro-kubanischen Religionen ein. Die bekannteste ist die Santería, die von ihren Anhängern auch als Regla de Ocha oder Lucumí-Tradition bezeichnet wird. Sie entstand auf Kuba aus religiösen Traditionen der Yoruba Westafrikas und entwickelte sich unter den Bedingungen der Sklaverei und des spanischen Katholizismus weiter. Ihre Anhänger verehren die Orishas, spirituelle Wesenheiten, die mit Naturkräften und menschlichen Lebensbereichen verbunden sind. In der religiösen Praxis spielen Opfergaben, Trommelmusik, Gesänge, Rituale und die spirituelle Beratung durch erfahrene Religionspraktiker eine Rolle. Katholische Heilige wurden im historischen Synkretismus teilweise mit Orishas in Verbindung gebracht. Viele Kubaner verbinden Elemente der Santería mit katholischen Praktiken, ohne sich ausschließlich einer der beiden Traditionen zuzuordnen. Deshalb sind die Anhängerzahlen besonders schwer zu ermitteln. Schätzungen, nach denen bis zu 70 Prozent der Bevölkerung irgendeine afro-kubanische religiöse Praxis ausüben, beziehen sich auf ein breites Spektrum von Praktiken und nicht auf die ausschließliche Zugehörigkeit zur Santería.
Eine weitere afro-kubanische Religion ist Palo Monte, auch Palo Mayombe genannt. Sie ist vor allem durch religiöse Traditionen aus Zentralafrika geprägt, insbesondere aus dem Kongobecken. Ihre Rituale beziehen sich unter anderem auf die Beziehung zwischen Lebenden, Ahnen und spirituellen Kräften. Religiöse Praktiken umfassen die Verwendung ritueller Gegenstände, Gebete, Gesänge und Zeremonien. Palo Monte unterscheidet sich in seinen religiösen Vorstellungen und Ritualen von der Santería, obwohl einzelne Menschen Elemente beider Traditionen miteinander verbinden.
Daneben besteht die Abakuá-Bruderschaft, eine vor allem von Männern getragene religiöse und gesellschaftliche Gemeinschaft mit Wurzeln bei den Ekpe-Gesellschaften des westafrikanischen Küstenraums, insbesondere im Gebiet des heutigen Südostnigerias und Westkameruns. Sie entstand im 19. Jahrhundert in Kuba und war historisch besonders in Havanna, Matanzas und deren Hafenvierteln verbreitet. Die Abakuá-Tradition besitzt eigene Aufnahmezeremonien, Symbole, Musikformen und Regeln der Gemeinschaft. Sie ist zugleich religiös, sozial und kulturell bedeutsam und hat die afro-kubanische Musikgeschichte beeinflusst.
Spiritismus ist ebenfalls verbreitet. Er geht auf europäische spiritistische Lehren des 19. Jahrhunderts zurück und entwickelte sich auf Kuba in unterschiedlichen Formen. Spiritistische Praktiken umfassen Gebete, Séancen, Vorstellungen von Geistern und Ahnen sowie Rituale zur spirituellen Beratung. Sie können unabhängig von anderen Religionen ausgeübt werden, werden aber auch mit katholischen und afro-kubanischen Traditionen verbunden. Gerade die Überschneidungen zwischen Katholizismus, Santería und Spiritismus prägen die religiöse Praxis vieler Familien.
Zu den kleineren Religionsgemeinschaften gehören die jüdische Gemeinde, muslimische Gemeinschaften, Buddhisten und Bahá’í. Die jüdische Bevölkerung besteht aus Nachkommen verschiedener Einwanderungsgruppen und ist zahlenmäßig klein; ein bedeutender Teil lebt in Havanna, wo es Synagogen und Gemeindeeinrichtungen gibt. Der Islam wird von kubanischen Konvertiten sowie von Einwanderern und ausländischen Studierenden praktiziert. In Havanna befindet sich eine Moschee, die als religiöser Treffpunkt dient. Buddhistische Gemeinschaften umfassen unter anderem Anhänger japanischer buddhistischer Traditionen. Daneben gibt es kleinere orthodoxe christliche Gemeinden, Rastafari-Gruppen und weitere religiöse Vereinigungen.
Die Religionspolitik des kubanischen Staates veränderte sich seit der Revolution von 1959 mehrfach. In den ersten Jahrzehnten der sozialistischen Herrschaft waren religiöse Einrichtungen mit erheblichen Einschränkungen konfrontiert. Gläubige konnten insbesondere in bestimmten staatlichen und politischen Bereichen benachteiligt werden. Die Verfassungsänderungen von 1992 entfernten die ausdrückliche Festlegung auf einen atheistischen Staat und erklärten Kuba zu einem säkularen Staat. Die Verfassung von 2019 garantiert grundsätzlich Religionsfreiheit und verbietet religiöse Diskriminierung. Religiöse Organisationen unterliegen jedoch staatlichen Registrierungs- und Verwaltungsvorschriften, und nicht registrierte Gemeinschaften können mit Einschränkungen, Überwachung und behördlichen Maßnahmen konfrontiert sein. Internationale Menschenrechtsorganisationen kritisieren weiterhin Eingriffe in die Religionsfreiheit und die begrenzte institutionelle Unabhängigkeit religiöser Gruppen
Taino-Religion
Die religiösen Vorstellungen der Taíno waren eng mit Natur, Abstammung, Gemeinschaft und der Beziehung zu übernatürlichen Mächten verbunden. In den spanischen Quellen werden religiöse Wesen und Ahnenmächte beschrieben, die unter anderem mit Fruchtbarkeit, Regen, Wind, Landwirtschaft und anderen Lebensbereichen in Verbindung standen. Die Bezeichnungen und Bedeutungen sind jedoch nicht immer eindeutig überliefert, weil die europäischen Chronisten indigene Vorstellungen durch ihre eigenen religiösen und sprachlichen Kategorien interpretierten.
Eine wichtige Rolle spielten sogenannte Cemí-Objekte, die in unterschiedlichen Formen hergestellt wurden. Sie konnten aus Stein, Holz, Muschel, Knochen oder anderen Materialien bestehen und mit religiösen Wesen, Ahnen oder besonderen Kräften verbunden sein. Nicht jedes anthropomorphe oder zoomorphe Objekt ist allerdings sicher als religiöser Gegenstand zu identifizieren. Die Deutung muss sich nach Material, Fundzusammenhang, Form und Vergleichsfunden richten. Ein Teil der erhaltenen präkolumbischen Kunstwerke wird heute in Museen bewahrt; andere Gegenstände wurden in Höhlen, Siedlungen oder Bestattungsplätzen entdeckt.
Höhlen, Felsen und bestimmte Landschaftsformen konnten eine besondere symbolische Bedeutung besitzen. In der Karibik sind Felszeichnungen und eingeritzte Darstellungen aus präkolumbischen Zusammenhängen bekannt. Ihre Interpretation ist häufig schwierig, weil die ursprünglichen Erklärungen nicht schriftlich festgehalten wurden. Manche Motive werden mit Menschen, Tieren oder religiösen Vorstellungen in Verbindung gebracht. Solche Zuordnungen müssen jedoch als wissenschaftliche Deutungen gekennzeichnet werden, wenn eindeutige Belege fehlen.
Musik, Tanz und gemeinschaftliche Gesänge waren wichtige Bestandteile sozialer und religiöser Veranstaltungen. Die spanischen Chronisten berichteten über gemeinschaftliche Gesänge und Tänze, die bei Festen und Zeremonien aufgeführt wurden. Die Bezeichnung Areíto wurde für bestimmte Formen solcher gemeinschaftlichen Darbietungen verwendet. Sie konnten Erzählungen über die Vergangenheit, religiöse Vorstellungen und die Erinnerung an bedeutende Personen vermitteln. Da die präkolumbischen Taíno keine alphabetische Schrift im europäischen Sinn hinterließen, sind die Einzelheiten ihrer musikalischen Traditionen nur begrenzt rekonstruierbar.
Auch das Ballspiel gehörte zu den kulturellen Praktiken der Taíno und anderer Gesellschaften der Großen Antillen. Es wurde auf eigens genutzten Plätzen gespielt und konnte gesellschaftliche, zeremonielle und politische Bedeutungen besitzen. Die Spielregeln und die Bedeutung einzelner Wettkämpfe waren regional möglicherweise unterschiedlich. Die vorhandenen Beschreibungen und archäologischen Befunde erlauben keine vollständige Rekonstruktion aller lokalen Varianten.
Als Christoph Kolumbus 1492 im Zuge seiner ersten Atlantikreise die Karibik erreichte und Kuba ansteuerte, war die Insel bereits seit Jahrtausenden bewohnt. Die Bevölkerung lebte in unterschiedlichen Gemeinschaften, deren Wirtschaftsweisen von Jagd, Fischfang und Sammeln bis zu ausgeprägtem Ackerbau reichten. In Mittel- und Ostkuba bestanden landwirtschaftlich geprägte Taíno-Gesellschaften mit Dörfern, gemeinschaftlichen Plätzen und regionalen Führungsstrukturen. Im Westen lebten weitere indigene Gemeinschaften, deren genaue ethnische und sprachliche Zuordnung in der Forschung umstritten ist.
Die Einwohnerzahl Kubas zur Zeit der Ankunft der Spanier lässt sich nicht zuverlässig bestimmen. Frühere Schätzungen reichen weit auseinander und beruhen auf unvollständigen Berichten sowie späteren Rückrechnungen. Es existiert keine zeitgenössische Volkszählung, die eine belastbare Gesamtzahl liefert. Auch die Verteilung der Bevölkerung war regional unterschiedlich; Siedlungsdichte und Größe der Gemeinschaften hingen unter anderem von Landwirtschaft, Wasserverfügbarkeit und Zugang zu Küstenressourcen ab.
Die Ankunft der Spanier leitete eine tiefgreifende Veränderung ein. Die Kolonisierung brachte Gewalt, Zwangsarbeit, die Ausbreitung eingeschleppter Krankheiten und den Zusammenbruch vieler indigener Lebensgrundlagen mit sich. Die Bevölkerung nahm in den folgenden Jahrzehnten stark ab. Menschen starben an Krankheiten, an den Folgen von Krieg und Ausbeutung und an den Veränderungen ihrer Ernährung und Lebensbedingungen. Andere wurden in koloniale Siedlungen eingegliedert, flohen in entlegene Regionen oder vermischten sich mit Menschen europäischer und afrikanischer Herkunft. Die indigene Bevölkerung verschwand nicht in einem einzigen Ereignis; ihre Nachkommen und kulturellen Einflüsse wirkten in der kubanischen Gesellschaft weiter, auch wenn viele eigenständige Gemeinschaftsstrukturen zerstört wurden.
Römisch-Katholische Kirche
Die römisch-katholische Kirche auf Kuba ist die größte historische christliche Konfession des Landes und besitzt eine wichtige Stellung in dessen Geschichte, Kultur und gesellschaftlichem Leben. Ihre Wurzeln reichen bis zur spanischen Kolonisierung im frühen 16. Jahrhundert zurück. Über mehrere Jahrhunderte war der Katholizismus eng mit der spanischen Kolonialverwaltung verbunden. Nach der Unabhängigkeit Kubas blieb die Kirche eine bedeutende religiöse Institution, deren Verhältnis zum Staat sich nach der Revolution von 1959 grundlegend veränderte.
Die kirchliche Organisation umfasst drei Kirchenprovinzen mit den Erzbistümern Havanna, Santiago de Cuba und Camagüey sowie mehreren Suffraganbistümern. Das Erzbistum Havanna ist der Sitz des Erzbischofs der Hauptstadt und ein wichtiges Zentrum des kirchlichen Lebens. Zu den bedeutenden katholischen Einrichtungen gehören die Kathedrale von Havanna in der Altstadt, die Kathedralen der übrigen Bischofsstädte, Pfarrgemeinden, Ordensgemeinschaften, karitative Einrichtungen und kirchliche Bildungsangebote. Die katholische Kirche ist Teil der weltweiten römisch-katholischen Kirche und untersteht in Glaubens- und Lehrfragen dem Papst.
Besondere Bedeutung hat die Wallfahrt zur Basilika Nuestra Señora de la Caridad del Cobre bei El Cobre nahe Santiago de Cuba. Die dort verehrte Jungfrau von El Cobre gilt als Schutzpatronin Kubas. Ihr Kult verbindet religiöse Verehrung mit nationaler Geschichte und kultureller Identität. Das Heiligtum zieht Pilger aus verschiedenen Teilen der Insel an. Die Verehrung der Jungfrau ist auch außerhalb streng katholischer Kreise verbreitet und steht in Teilen der Bevölkerung in Verbindung mit afro-kubanischen Glaubenstraditionen, in denen sie mit der Orisha Ochún assoziiert wird.
Die Geschichte der katholischen Kirche wurde nach 1959 durch die sozialistische Revolution und die anschließende Neuordnung des Staates stark beeinflusst. In den ersten Jahren nach dem Machtwechsel verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Kirche und Regierung. Zahlreiche ausländische Geistliche wurden ausgewiesen, katholische Schulen verstaatlicht und kirchliche Aktivitäten eingeschränkt. Religiöse Menschen waren zeitweise auch bei der Aufnahme in bestimmte staatliche und politische Funktionen benachteiligt. Die Verfassung von 1976 definierte Kuba als atheistischen Staat. Mit den politischen und verfassungsrechtlichen Veränderungen von 1991 und 1992 wurde dieser Ansatz aufgegeben; die kommunistische Partei ließ Gläubige als Mitglieder zu, und Kuba wurde als säkularer Staat neu definiert.
Eine wichtige Zäsur war der Besuch von Papst Johannes Paul II. vom 21. bis 25. Januar 1998. Er war der erste Papst, der Kuba besuchte. Während seiner Reise feierte er öffentliche Messen in Havanna, Santa Clara, Camagüey und Santiago de Cuba und traf mit Fidel Castro zusammen. Der Besuch erhöhte die öffentliche Sichtbarkeit der Kirche und förderte die Wiederaufnahme religiöser Veranstaltungen im öffentlichen Raum. Weihnachten wurde 1997 wieder als gesetzlicher Feiertag eingeführt und 1998 dauerhaft als Feiertag bestätigt. Papst Benedikt XVI. besuchte Kuba im März 2012, Papst Franziskus im September 2015. Beide Reisen umfassten Gottesdienste und Gespräche mit staatlichen und kirchlichen Vertretern.
Die katholische Kirche engagiert sich neben Gottesdiensten und Sakramentenspendung in sozialen und karitativen Aufgaben. Die kirchliche Hilfsorganisation Cáritas Cubana unterstützt bedürftige Menschen, ältere Personen, Menschen mit Behinderungen und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Zu ihren Tätigkeitsbereichen gehören die Verteilung von Hilfsgütern, Ernährungs- und Sozialprogramme sowie Unterstützung nach Naturkatastrophen. Bei Hurrikanen und anderen Krisen arbeitet die Kirche teilweise mit lokalen Gemeinschaften und internationalen Hilfsorganisationen zusammen. Die Möglichkeiten solcher Aktivitäten hängen allerdings von den verfügbaren Mitteln, den staatlichen Vorschriften und den jeweiligen örtlichen Bedingungen ab.
Die katholische Kirche nimmt auch an gesellschaftlichen Debatten teil. Kubanische Bischöfe äußerten sich wiederholt zur wirtschaftlichen Lage, zur Auswanderung, zu sozialen Problemen, zu politischen Spannungen und zu den Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten. Die Kirche hat außerdem wiederholt Gesprächskanäle zwischen der Regierung und politischen beziehungsweise gesellschaftlichen Akteuren unterstützt. Ihre Rolle ist dabei nicht mit der einer politischen Partei gleichzusetzen: Sie verbindet Seelsorge und soziale Arbeit mit öffentlichen Stellungnahmen zu Fragen des Gemeinwohls. Zugleich bestehen Spannungen mit staatlichen Stellen, unter anderem wegen Einschränkungen religiöser Aktivitäten, der Registrierung von Organisationen und des Handlungsspielraums kirchlicher Einrichtungen.
Erzbischöfe von Camagüey
- 10 Sep 1964 - 10 Jun 2002 Adolfo Rodríguez Herrera
- 10 Jun 2002 - 16 Apr 2016 Juan García Rodríguez
- seit 6 Dez 2016 Wilfredo Pino Estévez
Erzbischöfe von San Cristobal de la Habana
- 30 Mar 1925 - 3 Jan 1940 José Manuel Dámaso Rúiz y Rodríguez
- 28 Dez 1941 - 20 Mar 1963 Manuel Arteaga y Betancourt
- 21 Mar 1963 - 26 Jan 1970 Evelio Díaz y Cía
- 26 Jan 1970 - 28 Mar 1981 Francisco Ricardo Oves Fernández
- 21 Nov 1981 - 26 Apr 2016 Jaime Lucas Ortega y Alamino
- seit 26 Apr 2016 Hjuan García Rodríguez
Erzbischöfe von Santiago de Cuba
- 3 Dez 1792 - 7 Feb 1823 Joaquín de Osés y Alzúa
- 8 Jul 1824 - 23 Jan 1831 Mariano Rodríguez de Olmedo y Valle
- 10 Jul 1831 - 20 Apr 1849 Cirilo de Alameda y Brea, O.F.M.
- 20 May 1850 - 20 Jun 1859 Santo Antonio María Claret y Clará, C.M.F.
- 26 Sep 1859 - 30 Jun 1861 Manuel María Negueruela Mendi
- 23 Dez 1861 - 7 Okt 1868 Primo Calvo y López
- 5 Jul 1875 - 14 Feb 1889 José María Martín de Herrera y de la Iglesia
- 14 Feb 1889 - 11 Jun 1892 José María Cos y Macho
- 21 Mai 1894 - 27 Apr 1899 Francisco Sáenz de Urturi y Crespo, O.F.M.
- 2 Jun 1899 - 8 Jun 1913 Francisco de Paula Barnada y Aguilar
- 26 Mai 1915 - 16 Jan 1925 Felice (Felix) Ambrogio Guerra Fezza, S.D.B.
- 30 Mar 1925 - 26 Feb 1948 Valentín (Manuel) Zubizarreta y Unamunsaga, O.C.D.
- 11 Dez 1948 - 18 Apr 1968 Enrique Pérez Serantes
- 4 Jul 1970 - 10 Feb 2007 Pedro Claro Meurice Estiu
- seit 10 Feb 2007 Dionisio Guillermo García Ibáñez
Lucumi
Lucumí bezeichnet sowohl die afro-kubanische Religionsgemeinschaft yoruba-stämmiger Herkunft als auch die daraus hervorgegangene Religion selbst, die heute vor allem als Regla de Ocha, Regla Lucumí oder in der älteren Bezeichnung als Santería bekannt ist. Der Name Lucumí leitet sich wahrscheinlich vom yoruba-sprachigen Gruß oluku mi ab, der so viel wie „mein Freund“ bedeutet, und wurde in der Kolonialzeit von den Spaniern als Sammelbezeichnung für die aus dem heutigen Südwesten Nigerias und angrenzenden Gebieten stammenden versklavten Menschen verwendet. Im Laufe der Zeit übernahmen die Betroffenen diesen Begriff selbst und machten ihn zum Namen ihrer religiösen Tradition.
Die Ankunft der Lucumí in Kuba konzentrierte sich vor allem auf das späte achtzehnte und das neunzehnte Jahrhundert. In dieser Zeit brach das mächtige Oyo-Reich zusammen, und die folgenden Bürgerkriege sowie der florierende Zuckeranbau auf der Insel führten dazu, dass besonders viele Yoruba-sprachige Menschen versklavt und nach Kuba gebracht wurden. Anders als in Brasilien, wo sich Candomblé aus einer Vielzahl afrikanischer Traditionen speiste, prägte in Kuba der yoruba-stämmige Anteil die entstehende Religion besonders stark. Die Cabildos, jene von den Kolonialbehörden erlaubten Bruderschaften nach afrikanischen „Nationen“, boten den Raum, in dem Lieder, Rituale, Ahnenwissen und die Verehrung der Orishas weitergegeben und an die neuen Bedingungen angepasst werden konnten.
Im Zentrum der Lucumí-Religion steht die Verehrung der Orishas, göttlicher Wesen, die natürliche Kräfte, menschliche Eigenschaften und kosmische Prinzipien verkörpern und als Vermittler zwischen dem höchsten Gott Olodumare und den Menschen wirken. Unter den wichtigsten Orishas befinden sich Obatalá, der Schöpfer und Herr der Reinheit, Changó, der Gott des Donners, des Feuers und der Trommeln, Yemayá, die Mutter des Meeres, Ochún, die Göttin der Flüsse, der Liebe und der Schönheit, und Ogún, der Gott des Eisens und des Krieges. Um unter dem Druck der katholischen Kolonialmacht überleben zu können, identifizierten die Gläubigen die Orishas mit katholischen Heiligen. Changó wurde mit der heiligen Barbara gleichgesetzt, Yemayá mit der Jungfrau von Regla, Ochún mit der Virgen de la Caridad del Cobre, der Schutzpatronin Kubas, und Babalú Ayé mit dem heiligen Lazarus. Diese Synkretisierung war keine bloße Anpassung, sondern eine strategische und kreative Form des kulturellen Widerstands, die es erlaubte, die afrikanischen Gottheiten unter dem Deckmantel katholischer Heiligenverehrung weiter zu ehren.
Die Religion entwickelte sich besonders in den städtischen Zentren des Westens, vor allem in Havanna und Matanzas, wo die Cabildos und später die privaten Häuser der Priesterinnen und Priester, die ilés, zu Zentren der Überlieferung wurden. Frauen spielten dabei eine entscheidende Rolle. Priesterinnen wie Ma Monserrate González, bekannt als Obá Tero, und Timotea Albear, genannt Latuán, gelten in der mündlichen Tradition als zentrale Figuren der Konsolidierung und Verbreitung der Regla de Ocha im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert. Die Initiation, das asiento oder die Krönung, begründet eine lebenslange Beziehung zwischen dem Gläubigen und einem bestimmten Orisha. Divination mit den Systemen des diloggún, des obí oder des Ifá der babalawos gibt Orientierung, und die Opfergaben, die ebó, stellen das Gleichgewicht zwischen Mensch und Orisha wieder her.
Eng verbunden mit der Religion ist die Lucumí-Sprache, eine liturgische Sprache, die aus dem Yoruba hervorgegangen ist. Sie wird nicht mehr als Alltagssprache gesprochen, sondern dient ausschließlich den Ritualen, den Gesängen, den Gebeten und der Kommunikation der Orishas während der Besessenheit in den Trommelzeremonien. Das Lucumí hat die Tonalität des Yoruba weitgehend verloren und ist in seiner Aussprache vom Spanischen beeinflusst. Sein Wortschatz konzentriert sich auf religiöse Begriffe, Namen der Orishas, Ritualgegenstände und feststehende Formeln. Viele Ausdrücke sind mit spanischen Elementen vermischt und erinnern an das frühere español bozal, die Sprache der neu angekommenen Afrikaner. Dennoch bewahrt das Lucumí einen Kern yoruba-stämmigen Vokabulars und bleibt ein wesentliches Element der Authentizität der Tradition.
Nach der Unabhängigkeit Kubas und besonders nach der Revolution von 1959 erlebte die Lucumí-Religion Phasen der Marginalisierung und der stillen Weitergabe, erfuhr aber auch eine allmähliche Anerkennung als Teil des nationalen Kulturerbes. Heute wird sie von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft praktiziert und hat sich über die kubanische Diaspora in die Vereinigten Staaten, nach Lateinamerika und Europa ausgebreitet. Sie bleibt eine lebendige Tradition, in der afrikanische Kosmologie, koloniale Überlebensstrategien und kubanische Alltagswirklichkeit zu einer eigenständigen religiösen Form verschmolzen sind, die bis in die Gegenwart das geistige und kulturelle Leben vieler Kubanerinnen und Kubaner prägt.
Judentum
Bereits bei der Ankunft Christoph Kolumbus’ im Jahr 1492 befanden sich an Bord der Schiffe Conversos, zwangsweise zum Christentum bekehrte Juden oder deren Nachkommen. Der bekannteste unter ihnen war Luis de Torres, der als Dolmetscher diente und mit der Erkundung der Insel beauftragt wurde. In den folgenden Jahrhunderten der spanischen Kolonialherrschaft lebten weitere Conversos und Marranos auf der Insel, doch die strenge Überwachung durch die Inquisition und das Verbot offener jüdischer Religionsausübung verhinderten die Bildung sichtbarer Gemeinden. Viele assimilierten sich, andere zogen weiter.
Erst nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von 1898 und der formellen Unabhängigkeit Kubas im Jahr 1902, als Religionsfreiheit in der Verfassung verankert wurde, konnte sich eine moderne jüdische Gemeinschaft entwickeln. Die ersten organisierten Gruppen kamen aus den Vereinigten Staaten: amerikanische Juden, darunter Geschäftsleute und Veteranen, gründeten 1904 die Union Hebrew Congregation und legten 1906 den ersten jüdischen Friedhof an. Kurz darauf trafen sephardische Juden aus dem zerfallenden Osmanischen Reich, vor allem aus der Türkei und dem Nahen Osten, ein. Sie gründeten 1914 die Union Hebrea Shevet Achim und bauten eigene Strukturen auf. Viele begannen als Hausierer oder eröffneten kleine Läden und trugen zur wirtschaftlichen Belebung bei.
In den 1920er Jahren setzte eine starke aschkenasische Einwanderung aus Osteuropa ein. Juden aus Polen, Russland und anderen Regionen flohen vor Pogromen und wirtschaftlicher Not und sahen in Kuba oft nur eine Zwischenstation auf dem Weg in die Vereinigten Staaten. Viele blieben jedoch und arbeiteten in der Bekleidungsindustrie, im Handel und im Handwerk. Bis 1924 lebten bereits rund 24.000 Juden auf der Insel, und in Havannas Altstadt entstand ein lebendiges jüdisches Viertel mit koscheren Geschäften, Restaurants, Schulen, kulturellen Vereinen und mehreren Synagogen. Die Gemeinde gliederte sich in aschkenasische und sephardische Gruppen, die eigene Organisationen unterhielten, sich aber gegenseitig unterstützten. In den dreißiger und frühen vierziger Jahren suchten weitere Tausende jüdische Flüchtlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland und dem besetzten Europa Zuflucht auf Kuba. Die Insel nahm viele auf, doch die tragische Geschichte des Dampfers St. Louis im Mai 1939, dessen über neunhundert überwiegend jüdische Passagiere von den kubanischen Behörden abgewiesen und zur Rückkehr nach Europa gezwungen wurden, blieb als dunkles Kapitel in Erinnerung.
Vor der Revolution von 1959 zählte die jüdische Bevölkerung Kubas schätzungsweise fünfzehntausend bis zwanzigtausend Menschen. Es gab mehrere Synagogen in Havanna, darunter die Adath Israel und die Beth Shalom im Patronato, jüdische Schulen, kulturellen Einrichtungen und eine aktive Beteiligung am wirtschaftlichen Leben. Nach dem Sieg der Revolution und der Verstaatlichung privater Unternehmen verließen etwa fünfundneunzig Prozent der Juden das Land, die meisten in Richtung Miami und anderer Städte in den Vereinigten Staaten. Die neue sozialistische Ordnung brachte keine offizielle Religionsverfolgung, doch die Einschränkungen privater Wirtschaftstätigkeit, die ideologische Distanz und die damit verbundenen Benachteiligungen führten zu einer massiven Abwanderung. In den folgenden Jahrzehnten schrumpfte die Gemeinde auf wenige hundert bis höchstens fünfzehnhundert Menschen.
Seit den neunziger Jahren, nach der Öffnung für religiöse Betätigung und der Wiederaufnahme internationaler Kontakte, erlebte das jüdische Leben auf Kuba eine bescheidene Renaissance. Heute gibt es in Havanna drei aktive Gemeinden: die konservative Beth Shalom im Patronato, die orthodoxe Adath Israel und ein sephardisches Zentrum. Weitere kleinere Gruppen bestehen in Santiago de Cuba und anderen Orten. Die Gemeinden erhalten Unterstützung von internationalen jüdischen Organisationen, unter anderem von Chabad und dem Joint Distribution Committee, und bemühen sich um religiöse Bildung, koschere Versorgung und die Pflege der Traditionen. Trotz der geringen Mitgliederzahl und der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen bleibt das jüdische Leben lebendig: es werden Gottesdienste abgehalten, Feste gefeiert und das kulturelle Erbe weitergegeben.
Siedlungen
Die Einwohnerzahlen der Provinzen entwickelten sich wie folgt:
| Provinz | Provinz | Fläche (km²) | Z 1970 | Z 1981 | Z 2002 | Z 2012 | S 2022 |
| Artemisa | ART | 4.003 | 476.818 | 494.631 | 512.819 | ||
| Camagüey | CAM | 15.386 | 540 000 | 667.539 | 784.178 | 771.905 | 756.064 |
| Ciego de Ávila | CDA | 6.972 | 273 000 | 321.015 | 411.766 | 426.054 | 430.507 |
| Cienfuegos | CIE | 4.189 | 296 000 | 326.383 | 395.183 | 404.228 | 401.738 |
| Ciudad de la Habana [Havanna] | HAB | 728 | 1 735 360 | 1.929.432 | 2.201.610 | 2.106.146 | 2.137.847 |
| Granma | GRA | 8.374 | 650 000 | 739.234 | 822.452 | 834.380 | 804.331 |
| Guantánamo | GUA | 6.168 | 417 000 | 466.039 | 507.118 | 515.428 | 500.153 |
| Holguín | HOL | 9.216 | 772 000 | 912.853 | 1.021.321 | 1.035.072 | 1.006.834 |
| Isla de la Juventud (Isla de Pinos) | JUV | 2.419 | 30 000 | 58.058 | 86.559 | 84.751 | 83.583 |
| Las Tunas | TUN | 6.593 | 386 000 | 437.198 | 525.485 | 532.645 | 528.853 |
| Matanzas | MAT | 11.792 | 495 000 | 559.260 | 670.427 | 694.476 | 710.127 |
| Mayabeque | MAY | 3.744 | 369.851 | 376.825 | 381.104 | ||
| Pinar del Río | PIN | 8.884 | 548 000 | 590.971 | 587.026 | 575.545 | |
| Sancti Spíritus | SSP | 6.777 | 366 000 | 400.026 | 460.328 | 463.458 | 459.173 |
| Santiago de Cuba | SAN | 6.228 | 793 000 | 914.107 | 1.036.281 | 1.049.084 | 1.037.339 |
| Villa Clara | VIL | 8.412 | 701 000 | 765.823 | 817.395 | 791.216 | 763.494 |
Die mit Abstand größte Agglomeration in Kuba ist Havanna mit einer Einwohnerzahl von 2.581.619 (Stand Januar 2005). Damit konzentrieren sich ein Viertel der Bevölkerung des Landes in der Hauptstadtregion. In der folgenden Tabelle sind die Städte über 30.000 Einwohner, die Ergebnisse der Volkszählungen (Zensus) vom 11. September 1981 und 6. September 2002, eine Schätzung des Nationalen Amtes für Statistik (ONE) in Kuba für den 31. Dezember 2005 sowie die übergeordnete Verwaltungseinheit (Provinz), zu der die Stadt gehört, aufgeführt. Isla de la Juventud ist eine Sonderverwaltungszone und gehört keiner Provinz an. Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf die jeweilige städtische Siedlung im engeren Sinne - dem geografischen Stadtgebiet - nicht auf die Stadt oder Gemeinde im politischen Sinne.
Die Einwohnerzahlen der größten Ortschaften des Landes entwickelten sich wie folgt:
| Stadt | Provinz | Z 1970 | Z 1981 | Z 2002 | Z 2012 | S 2022 |
| Amancio | TUN | 11.527 | 21.230 | 26.658 | 26.141 | ... |
| Artemisa | ART | 30.707 | 33.934 | 43.427 | 46.574 | 48.362 |
| Banes | HOL | 26.925 | 31.275 | 34.452 | 35.316 | ... |
| Baracoa | GUA | 20.926 | 35.600 | 39.190 | 43.062 | ... |
| Bauta | ART | 17.075 | 18.616 | 21.151 | 23.557 | ... |
| Bayamo | GRA | 71.484 | 100.622 | 144.664 | 157.027 | 159.014 |
| Cabaiguán | SSP | 21.706 | 26.650 | 30.135 | 30.326 | ... |
| Caibarién | VIL | 26.654 | 32.069 | 32.679 | 33.683 | ... |
| Camagüey | CAM | 197.720 | 245.525 | 301.574 | 300.958 | 310.819 |
| Camajuaní | VIL | 14.716 | 17.547 | 22.796 | 21.924 | ... |
| Cárdenas | MAT | 54.913 | 59.626 | 80.832 | 88.987 | ... |
| Ciego de Ávila | CDA | 57.869 | 74.280 | 106.225 | 114.829 | 121.788 |
| Cienfuegos | CIE | 83.607 | 102.791 | 140.734 | 147.110 | 153.048 |
| Colombia (Santa Lucía) | TUN | 11.038 | 16.784 | 22.295 | 22.828 | ... |
| Colón | MAT | 26.472 | 35.217 | 44.520 | 44.177 | ... |
| Consolación del Sur | PIN | 11.461 | 16.996 | 26.953 | 28.465 | ... |
| Contramaestre | SAN | 23.097 | 32.877 | 44.752 | 47.132 | ... |
| Cumanayagua | CIE | 10.734 | 17.184 | 24.367 | 25.031 | ... |
| Florida | CAM | 34.043 | 39.728 | 53.847 | 54.191 | ... |
| Guanajay | ART | 19.805 | 21.049 | 23.095 | 22.839 | ... |
| Guantánamo | GUA | 129.005 | 167.255 | 208.145 | 217.135 | 213.375 |
| Güines | MAY | 39.173 | 41.625 | 42.801 | 40.855 | ... |
| Güira de Melena | ART | 20.324 | 21.103 | 24.896 | 25.424 | ... |
| Guisa | GRA | 8.977 | 15.061 | 20.461 | 21.849 | ... |
| Holguín | HOL | 131.656 | 186.943 | 269.618 | 287.881 | 302.890 |
| Jagüey Grande | MAT | 8.760 | 15.579 | 27.248 | 28.870 | ... |
| Jatibonico | SSP | 9.820 | 14.984 | 22.962 | 24.514 | ... |
| Jiguaní | GRA | 10.861 | 15.267 | 21.130 | 22.333 | ... |
| Jobabo | TUN | 6.163 | 14.895 | 19.902 | 20.309 | ... |
| Jovellanos | MAT | 16.263 | 20.964 | 26.726 | 26.319 | ... |
| La Habana [Havanna] | HAB | 1.767.793 | 1.929.432 | 2.201.610 | 2.106.146 | 2.137.847 |
| La Maya | SAN | 8.595 | 15.184 | 21.278 | 23.341 | ... |
| Las Tunas (Victoria de las Tunas) | TUN | 53.734 | 84.857 | 143.582 | 162.957 | 176.139 |
| Manicaragua | VIL | 9.898 | 18.273 | 22.851 | 22.266 | ... |
| Manzanillo | GRA | 75.565 | 87.423 | 97.038 | 98.904 | ... |
| Matanzas | MAT | 86.596 | 100.813 | 127.287 | 133.769 | 145.034 |
| Mayarí | HOL | 16.022 | 21.315 | 29.027 | 29.259 | ... |
| Moa | HOL | 13.726 | 26.927 | 57.652 | 60.310 | ... |
| Morón | CDA | 30.400 | 40.449 | 53.551 | 59.371 | ... |
| Niquero | GRA | 11.309 | 15.750 | 21.636 | 24.244 | ... |
| Nueva Gerona | JUV | 17.143 | 31.119 | 46.923 | 46.264 | 45.926 |
| Nuevitas | CAM | 20.738 | 35.108 | 38.995 | 38.207 | ... |
| Palma Soriano | SAN | 44.283 | 64.664 | 76.179 | 74.930 | ... |
| Pinar del Río | PIN | 74.303 | 96.660 | 139.336 | 140.230 | 144.910 |
| Placetas | VIL | 32.827 | 37.596 | 40.982 | 39.615 | ... |
| Puerto Padre | TUN | 17.130 | 23.327 | 31.854 | 34.086 | ... |
| Sagua de Tánamo | HOL | 9.623 | 15.435 | 23.641 | 23.979 | ... |
| Sagua la Grande | VIL | 35.514 | 42.730 | 41.756 | 37.713 | ... |
| San Antonio de los Baños | ART | 25.633 | 27.510 | 32.582 | 33.811 | ... |
| San Cristóbal | ART | 13.859 | 12.223 | 25.932 | 29.119 | ... |
| Sancti Spíritus | SSP | 57.818 | 71.949 | 98.283 | 104.968 | 109.110 |
| San Germán (Urbano Noris) | HOL | 12.347 | 17.252 | 24.699 | 24.084 | ... |
| San José de las Lajas | MAY | 20.831 | 26.951 | 33.233 | 36.640 | 40.599 |
| San Luis | SAN | 16.644 | 24.418 | 33.717 | 34.997 | ... |
| Santa Clara | VIL | 130.241 | 172.123 | 210.220 | 211.925 | 217.907 |
| Santiago de Cuba | SAN | 280.964 | 351.299 | 423.392 | 431.272 | 431.411 |
| Trinidad | SSP | 27.493 | 33.023 | 41.293 | 45.041 | ... |
| Vertientes | CAM | 13.965 | 22.458 | 28.368 | 28.890 | ... |
Kuba besitzt ein dichtes Netz aus Städten, Kleinstädten, ländlichen Ortschaften und verstreut liegenden Siedlungen. Die Bevölkerung konzentriert sich besonders auf Havanna und die größeren Provinzhauptstädte, während in den östlichen Gebirgsregionen, den Feuchtgebieten der Südküste und Teilen der Halbinsel Guanahacabibes die Siedlungen weiter auseinanderliegen. Zu den wichtigsten historischen Siedlungsräumen zählen die Küstengebiete, die fruchtbaren Ebenen des Inselinneren sowie die Regionen, die durch Zuckerrohranbau, Tabakproduktion, Viehzucht, Bergbau und Hafenwirtschaft geprägt wurden.
Die größte Stadt und Hauptstadt ist Havanna (La Habana). Weitere bedeutende Zentren sind Santiago de Cuba im Südosten, Camagüey im zentralen Osten, Holguín im Nordosten, Guantánamo nahe der östlichen Südostküste und Santa Clara im Inselinneren. Diese Städte sind Verwaltungs-, Wirtschafts-, Bildungs- und Verkehrszentren ihrer jeweiligen Regionen. Weitere größere Städte liegen an der Nord- und Südküste oder in den landwirtschaftlich geprägten Provinzen des Landes. Die Einwohnerzahlen müssen nach dem jeweils verwendeten Gebiet abgegrenzt werden: Stadtgebiet, Gemeinde und zusammenhängender Ballungsraum können erheblich voneinander abweichen
Havanna (La Habana) ist die Hauptstadt Kubas, Sitz der nationalen Regierung und das wichtigste politische, wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Zentrum des Landes. Die Stadt liegt an der Nordwestküste an der Straße von Florida. Ihre geschützte Bucht mit den Hafenbereichen Marimelena, Guanabacoa und Atarés bildete die Grundlage für die Entwicklung zu einem bedeutenden Handels- und Militärhafen des spanischen Kolonialreiches. Die 1519 am heutigen Standort gegründete Stadt wurde zum Sammelpunkt spanischer Flotten, die Waren und Edelmetalle zwischen Amerika und Europa transportierten. Die historische Altstadt Habana Vieja mit ihren Plätzen, Kirchen, Festungsanlagen und kolonialzeitlichen Wohnhäusern gehört seit 1982 zum UNESCO-Welterbe.
Havanna umfasst sehr unterschiedliche Stadtviertel. Neben der Altstadt und dem historischen Zentrum zählen Centro Habana, Vedado, Miramar, Cerro, Marianao und zahlreiche dicht bebaute Wohngebiete zu den wichtigen Stadtteilen. Die Stadt beherbergt Ministerien, Hochschulen, Forschungsinstitute, Theater, Museen, Krankenhäuser, Rundfunk- und Fernseheinrichtungen sowie einen großen Teil der kubanischen Kultur- und Medieninstitutionen. Wirtschaftlich sind Verwaltung, Handel, Verkehr, Bauwesen, Lebensmittelverarbeitung, Maschinenbau, pharmazeutische Produktion und Tourismus von Bedeutung. Der Hafen und der internationale Flughafen verbinden Havanna mit dem Ausland und anderen Teilen Kubas. Zugleich ist die Stadt von einem erheblichen Sanierungsbedarf bei Wohnhäusern, Straßen und Versorgungsnetzen geprägt.
Pinar del Río ist die Hauptstadt der gleichnamigen westkubanischen Provinz und das wichtigste städtische Zentrum des Tabakanbaugebiets. Die Stadt liegt im fruchtbaren Landesinneren, rund 150 Kilometer westlich von Havanna. Ihre Entwicklung ist eng mit der landwirtschaftlichen Erschließung der Region verbunden. Besonders die Umgebung von Viñales und die Ebenen im Westen Kubas sind für den Anbau von Tabak bekannt, aus dem ein Teil der hochwertigen kubanischen Zigarren hergestellt wird. In der Stadt befinden sich Verwaltungsstellen, Handelsbetriebe, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Unternehmen zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Pinar del Río ist außerdem ein Ausgangspunkt für Ausflüge in die Landschaften der Sierra de los Órganos und in das Viñales-Tal, das wegen seiner Karstlandschaft, Kalksteinfelsen und traditionellen Tabakbetriebe zum UNESCO-Welterbe gehört.
Artemisa ist ein regionales Verwaltungs- und Versorgungszentrum westlich von Havanna. Die Stadt liegt in einem landwirtschaftlich genutzten Gebiet, in dem unter anderem Zuckerrohr, Tabak, Gemüse und andere Feldfrüchte angebaut werden. Ihre Lage zwischen der Hauptstadtregion und den westlichen Provinzen begünstigt Handel und Straßenverkehr. Artemisa erhielt mit der Verwaltungsreform von 2011 eine neue Bedeutung als Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Zu den Funktionen der Stadt gehören Provinzverwaltung, Bildung, Gesundheitsversorgung, Einzelhandel und die Versorgung der umliegenden landwirtschaftlichen Gemeinden.
San Cristóbal liegt im östlichen Teil der Provinz Artemisa an einer wichtigen Verkehrsachse zwischen Havanna und dem Westen Kubas. Die Stadt dient vor allem als örtliches Verwaltungs-, Handels- und Versorgungszentrum für ein landwirtschaftlich geprägtes Umland. Die Umgebung umfasst Anbauflächen und kleinere Siedlungen, die über Straßen mit den größeren Zentren der Provinz verbunden sind. San Cristóbal besitzt nicht die wirtschaftliche Bedeutung der Hauptstadt Havanna, übernimmt aber zentrale Aufgaben für die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden.
San Antonio de los Baños liegt südwestlich von Havanna und ist als regionales Zentrum für Handel, Verwaltung und Landwirtschaft von Bedeutung. Die Stadt ist besonders durch ihre Verbindung zur kubanischen Karikatur und Satire bekannt. Sie beherbergt Einrichtungen, die mit der Förderung und Ausstellung grafischer Kunst verbunden sind, und ist Austragungsort der Internationalen Biennale für Humor und Satire. Die Nähe zur Hauptstadt erleichtert den Austausch mit kulturellen Institutionen und Arbeitsmärkten Havannas. Gleichzeitig versorgt die Stadt umliegende ländliche Gebiete mit Dienstleistungen, Schulen und Gesundheitseinrichtungen.
Güira de Melena liegt südlich von Havanna in einem intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebiet. Die Stadt ist vor allem durch den Anbau von Gemüse, Knollenfrüchten und anderen Feldfrüchten geprägt, die den städtischen Markt und die Hauptstadtregion versorgen. Zu ihren Funktionen gehören die Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte sowie die Versorgung der umliegenden Siedlungen. Die Nähe zu Havanna macht den Ort zu einem Bestandteil des landwirtschaftlichen Hinterlandes der Hauptstadt.
Bauta befindeet sich westlich von Havanna und gehört zum dicht besiedelten Einzugsgebiet der Hauptstadt. Die Stadt verbindet Wohnfunktionen mit Handel, Verwaltung und kleineren Industrie- und Gewerbebetrieben. Durch ihre Lage an Verkehrsverbindungen zwischen Havanna und dem Westen Kubas ist sie in die wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen der Hauptstadtregion eingebunden. In der Umgebung bestehen landwirtschaftliche Nutzflächen und kleinere Siedlungen.
Guanajay ist eine historische Kleinstadt westlich von Havanna. Sie dient als Verwaltungs- und Versorgungszentrum für die umliegenden Gemeinden und ist durch Landwirtschaft, Handel, öffentliche Dienstleistungen und kleinere Gewerbebetriebe geprägt. Ihre Lage im westlichen Teil der Hauptstadtregion verbindet sie mit den Verkehrs- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Havanna und Pinar del Río.
Güines liegt südöstlich von Havanna in der Provinz Mayabeque. Die Stadt entwickelte sich in einer fruchtbaren Ebene, die seit der Kolonialzeit landwirtschaftlich genutzt wird. Zuckerrohr, Gemüse und andere Feldfrüchte bildeten wichtige Grundlagen der regionalen Wirtschaft. Güines ist ein Handels- und Dienstleistungszentrum für die landwirtschaftlichen Gemeinden der Umgebung und verfügt über Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Verwaltungsstellen. Historisch war die Region zudem mit der Entwicklung des Eisenbahnverkehrs und dem Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse verbunden.
San José de las Lajas ist die Hauptstadt der Provinz Mayabeque und liegt südöstlich von Havanna. Die Stadt übernimmt die Verwaltungsaufgaben der Provinz und besitzt Einrichtungen für Bildung, Forschung, Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. In ihrem Umland werden unter anderem Milch, Fleisch, Gemüse und Feldfrüchte produziert. Die Stadt ist außerdem Standort wissenschaftlicher und landwirtschaftlicher Einrichtungen, die sich mit Tierhaltung, Pflanzenproduktion und der Entwicklung landwirtschaftlicher Verfahren befassen. Durch die Nähe zur Hauptstadtregion bestehen enge Verkehrs- und Wirtschaftsverbindungen mit Havanna.
Jovellanos liegt im Landesinneren der Provinz Matanzas in einem traditionell durch Zuckerrohranbau und Zuckerindustrie geprägten Gebiet. Die Stadt entstand im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Erschließung und dem Ausbau der Verkehrswege. Sie dient als Handels- und Versorgungszentrum für die umliegenden ländlichen Gemeinden. Neben Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung sind öffentliche Dienstleistungen, Kleinhandel und Transport wichtige Tätigkeitsbereiche.
Colón liegt im Zentrum der Provinz Matanzas in einer fruchtbaren Ebene, deren Wirtschaft lange von Zuckerrohrplantagen und Zuckerfabriken bestimmt wurde. Die Stadt entwickelte sich als Verkehrs-, Handels- und Dienstleistungszentrum für das landwirtschaftliche Hinterland. Sie verfügt über Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung, Schulen, Gesundheitsversorgung und Handelsbetriebe. Die umliegende Landschaft ist durch große landwirtschaftliche Nutzflächen und Siedlungen geprägt, die historisch eng mit der Zuckerproduktion verbunden waren.
Jagüey Grande liegt südlich der Stadt Matanzas am Rand der weiträumigen Feuchtgebiete und Ebenen der Zapata-Region. Die Stadt ist ein bedeutendes Zentrum des Zitrusfruchtanbaus und anderer landwirtschaftlicher Aktivitäten. Sie versorgt die umliegenden Siedlungen mit Handel, Bildung, Gesundheitsdiensten und Verwaltung. Die Lage an wichtigen Straßenverbindungen begünstigt den Transport landwirtschaftlicher Produkte und die Verbindung mit der Südküste sowie der Hauptstadtregion.
Matanzas liegt an der Nordküste rund 90 Kilometer östlich von Havanna, zwischen der Bucht von Matanzas und dem Hinterland der Provinz. Die Stadt wurde 1693 gegründet und entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Hafen- und Zuckerhandelszentrum. Ihre wirtschaftliche Geschichte ist eng mit den Zuckerplantagen der Umgebung und der damit verbundenen Sklaverei verbunden. Matanzas wird wegen seiner Brücken und Flussläufe auch als „Stadt der Brücken“ bezeichnet. Die Stadt besitzt ein historisches Zentrum, Theater, Museen und Bildungseinrichtungen. Wirtschaftlich spielen Hafenaktivitäten, Industrie, Handel, öffentliche Dienstleistungen und die Nähe zum touristischen Gebiet Varadero eine Rolle.
Cárdenas liegt an der Nordküste der Provinz Matanzas, östlich von Matanzas und nahe der touristisch bedeutenden Halbinsel Varadero. Die Stadt wurde im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Hafen für den Export von Zucker und anderen landwirtschaftlichen Produkten. Ihre Geschichte ist eng mit der Zuckerwirtschaft und dem Schiffsverkehr verbunden. Cárdenas besitzt ein historisches Stadtzentrum, Museen, Kirchen und Wohnviertel aus verschiedenen Bauperioden. Neben Handel, Hafenwirtschaft und Dienstleistungen sind kleinere Industrieunternehmen und die Versorgung der nahe gelegenen Tourismusregion von Bedeutung.
Die in der Provinz Artemisa gelegene Stadt San Cristóbal ist von der gleichnamigen Gemeinde zu unterscheiden, die in anderen kubanischen Ortsverzeichnissen ebenfalls vorkommt. Als städtische Siedlung dient sie vor allem der Versorgung des landwirtschaftlich geprägten Umlandes. Ihre Funktionen umfassen lokale Verwaltung, Handel, Bildung und Gesundheitsversorgung. Sie liegt an Verkehrsverbindungen zwischen den westlichen Provinzen und der Hauptstadtregion.
Santa Clara ist die Hauptstadt der Provinz Villa Clara und eines der wichtigsten regionalen Zentren Zentralkubas. Die Stadt wurde 1689 gegründet und entwickelte sich durch ihre Lage im Inselinneren zu einem wichtigen Verkehrs-, Handels- und Verwaltungsstandort. Sie liegt an Straßen- und Eisenbahnverbindungen, die Havanna mit den östlichen Provinzen verbinden. Santa Clara ist ein Zentrum des Bildungs- und Gesundheitswesens und verfügt über Hochschulen, Krankenhäuser, kulturelle Einrichtungen und Industriebetriebe. Besonders eng ist die Stadt mit Ernesto „Che“ Guevara verbunden, dessen Truppen im Dezember 1958 dort eine entscheidende militärische Aktion gegen die Regierung Fulgencio Batistas durchführten. Das Che-Guevara-Mausoleum und das zugehörige Denkmal gehören zu den bekanntesten Erinnerungsorten der kubanischen Revolution.
Placetas liegt östlich von Santa Clara in der Provinz Villa Clara. Die Stadt entstand im 19. Jahrhundert und entwickelte sich in einem Gebiet, das durch Zuckerrohranbau, Tabakproduktion und Viehwirtschaft geprägt ist. Placetas dient als regionaler Handels- und Versorgungsort und ist an das Straßen- und Eisenbahnnetz Zentralkubas angeschlossen. Neben landwirtschaftlichen Tätigkeiten sind öffentliche Verwaltung, Bildung, Gesundheitsversorgung und kleinere Gewerbebetriebe wichtige Bestandteile der örtlichen Wirtschaft.
Sagua la Grande liegt im Norden der Provinz Villa Clara am gleichnamigen Fluss, der in die Nordküstengewässer mündet. Die Stadt entwickelte sich im 19. Jahrhundert als Handels- und Industriezentrum für das landwirtschaftliche Hinterland. Zuckerproduktion, Hafen- und Flusstransport sowie später weitere Industriezweige trugen zu ihrem Wachstum bei. Das historische Zentrum enthält Gebäude aus der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Heute übernimmt Sagua la Grande Verwaltungs-, Handels- und Versorgungsaufgaben für die umliegenden Gemeinden.
Caibarién ist eine Hafenstadt an der Nordküste Villa Claras. Sie entstand im 19. Jahrhundert und diente als Umschlagplatz für landwirtschaftliche Produkte aus dem Hinterland, besonders Zucker. Die Stadt besitzt eine lange maritime Tradition, die sich in der Fischerei, der Hafenwirtschaft und der Verbindung zu den vorgelagerten Inseln widerspiegelt. Caibarién ist außerdem ein Ausgangspunkt für den Zugang zu den nördlichen Cayos, darunter die touristisch erschlossenen Inselgebiete Cayo Santa María und Cayo Las Brujas. Die regionale Wirtschaft umfasst Fischerei, Handel, Dienstleistungen und den Transport von Gütern und Personen.
Camajuaní liegt nördlich von Santa Clara in einer landwirtschaftlich genutzten Region. Die Stadt ist vor allem ein Zentrum für die Versorgung der umliegenden Gemeinden und für den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Zuckerrohranbau, Tabakproduktion und Viehwirtschaft prägten die wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes. Camajuaní besitzt örtliche Verwaltungsstellen, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und kleinere Gewerbebetriebe.
Manicaragua liegt südlich von Santa Clara am nördlichen Rand des Gebirgsraumes der Sierra del Escambray. Die Stadt ist ein regionales Zentrum für ländliche Siedlungen, die von Landwirtschaft und Viehwirtschaft geprägt sind. In den höher gelegenen Gebieten werden unter anderem Kaffee und andere Kulturen angebaut. Die Umgebung umfasst Hügel, Täler und bewaldete Landschaften, die sich von den flacheren Ebenen des Inselinneren unterscheiden. Manicaragua übernimmt Verwaltungs-, Bildungs- und Versorgungsfunktionen für das südliche Hinterland Villa Claras.
Cienfuegos liegt an der Südküste Kubas an einer tief eingeschnittenen, geschützten Bucht. Die Stadt wurde 1819 gegründet und unterscheidet sich durch ihren vergleichsweise regelmäßigen Stadtgrundriss von vielen älteren kubanischen Städten. Sie entwickelte sich zu einem bedeutenden Hafen für den Zuckerhandel und später zu einem Industriezentrum. Der Hafen, die Lebensmittelverarbeitung, die chemische Industrie, Energieerzeugung und Dienstleistungen spielen eine wichtige Rolle. Das historische Zentrum mit seinen Plätzen und neoklassizistischen Gebäuden wurde 2005 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. In der Umgebung liegen Zuckerrohranbaugebiete sowie die Küsten- und Naturgebiete der Provinz Cienfuegos.
Cabaiguán liegt in der Provinz Sancti Spíritus im zentralen Teil Kubas. Die Stadt ist historisch besonders mit dem Tabakanbau verbunden. Die Landwirtschaft und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte bilden wichtige Grundlagen der örtlichen Wirtschaft. Cabaiguán wurde zudem durch Einwanderung aus Spanien, insbesondere von den Kanarischen Inseln, geprägt. Die Stadt dient als regionales Zentrum für Handel, öffentliche Dienstleistungen und die Versorgung kleinerer Siedlungen im Umland.
Sancti Spíritus ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und gehört zu den ältesten spanischen Siedlungen Kubas. Die Stadt wurde 1514 gegründet und später an ihren heutigen Standort am Río Yayabo verlegt. Das historische Zentrum ist durch niedrige Wohnhäuser, Kirchen, Plätze und enge Straßen geprägt. Die Yayabo-Brücke aus der Kolonialzeit ist eines der bekanntesten Bauwerke. Die Stadt ist ein regionales Verwaltungs-, Bildungs- und Handelszentrum für ein landwirtschaftliches Gebiet, in dem unter anderem Zuckerrohr, Tabak, Reis und Vieh produziert werden. Auch die Nähe zur historischen Stadt Trinidad stärkt die touristische Bedeutung der Region.
Trinidad liegt an der Südküste Zentralkubas zwischen dem Karibischen Meer und dem Gebirge der Sierra del Escambray. Die Stadt wurde 1514 gegründet und erlebte im 18. und 19. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung durch Zuckerrohrplantagen im nahe gelegenen Valle de los Ingenios. Dieser Wohlstand beruhte wesentlich auf der Arbeit versklavter Afrikaner. Das historische Stadtzentrum bewahrt ein Ensemble aus gepflasterten Straßen, Kirchen, Plätzen und kolonialzeitlichen Häusern. Trinidad gehört gemeinsam mit dem Valle de los Ingenios seit 1988 zum UNESCO-Welterbe. Heute ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig; daneben bestehen Landwirtschaft, Handwerk und lokale Dienstleistungen.
Jatibonico liegt an der Grenze zwischen den Provinzen Sancti Spíritus und Ciego de Ávila und ist eng mit der Zuckerwirtschaft verbunden. Die Stadt entwickelte sich in einem landwirtschaftlich geprägten Gebiet mit Zuckerrohrfeldern und entsprechenden Verarbeitungsbetrieben. Sie übernimmt Versorgungs- und Verwaltungsfunktionen für die umliegenden Siedlungen und ist über Straßen- und Eisenbahnverbindungen mit den größeren Städten Zentralkubas verbunden.
Ciego de Ávila ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt in einer flachen, landwirtschaftlich genutzten Ebene im Zentrum Kubas. Die Stadt entwickelte sich als Handels- und Verkehrsstandort zwischen den westlichen und östlichen Landesteilen. Zuckerrohranbau, Viehwirtschaft und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse prägten die regionale Wirtschaft. Heute sind auch Verwaltung, Bildung, Gesundheitsversorgung und Handel bedeutend. Von Ciego de Ávila führen Verkehrsverbindungen zu den nördlichen Inseln und touristischen Küstengebieten der Provinz, insbesondere zum Inselarchipel Jardines del Rey mit Cayo Coco und Cayo Guillermo.
Morón liegt nördlich der Stadt Ciego de Ávila und ist ein wichtiges regionales Zentrum für den Norden der Provinz. Die Stadt war historisch durch Landwirtschaft, Zuckerproduktion und Viehwirtschaft geprägt. Heute spielt sie außerdem eine Rolle als Versorgungs- und Verkehrszentrum für die touristischen Gebiete von Cayo Coco und Cayo Guillermo. Morón besitzt Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Handelsbetriebe. Als Wahrzeichen gilt eine Hahnenstatue, die mit einer lokalen Legende verbunden ist.
Florida liegt im Westen der Provinz Camagüey in einem Gebiet, dessen Wirtschaft lange von Zuckerrohranbau und Zuckerfabriken bestimmt wurde. Die Stadt entwickelte sich als landwirtschaftliches und verkehrstechnisches Zentrum. Sie versorgt die umliegenden Gemeinden mit Handels-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen. Zuckerindustrie, Lebensmittelverarbeitung, Transport und öffentliche Dienstleistungen gehören zu den wesentlichen Tätigkeitsbereichen.
Camagüey ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und die drittgrößte Stadt Kubas nach den Zensusdaten von 2012. Sie wurde 1514 als Santa María del Puerto del Príncipe gegründet und später ins Inselinnere verlegt. Ihr historischer Stadtkern zeichnet sich durch ein verwinkeltes Straßennetz, zahlreiche Plätze, Kirchen und koloniale Wohnhäuser aus. Die Stadt entwickelte sich als Zentrum einer Region, die von Viehzucht, Landwirtschaft und später Zuckerproduktion geprägt wurde. Camagüey ist heute ein bedeutender Standort für Verwaltung, Hochschulbildung, Gesundheitsversorgung, Handel, Kultur und Industrie. Die historische Altstadt gehört seit 2008 zum UNESCO-Welterbe.
Nuevitas liegt an der Nordküste der Provinz Camagüey an einer geschützten Bucht, die einen natürlichen Hafen bildet. Die Stadt ist ein wichtiger Hafen- und Industriestandort. In ihrer Umgebung befinden sich Anlagen zur Energieerzeugung, Industrie- und Umschlagbetriebe sowie Verbindungen zur Versorgung des Hinterlandes. Die Hafenlage war auch für den Transport von Zucker und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen von Bedeutung. Nuevitas ist über Straßen und Eisenbahn mit Camagüey und weiteren Teilen des Inselinneren verbunden.
Vertientes liegt südlich der Stadt Camagüey in einem landwirtschaftlich geprägten Gebiet. Die Wirtschaft ist traditionell eng mit Zuckerrohranbau und Zuckerproduktion verbunden. Daneben spielen Viehzucht und andere landwirtschaftliche Tätigkeiten eine Rolle. Vertientes dient als örtliches Verwaltungs- und Versorgungszentrum und ist durch Straßenverbindungen mit Camagüey sowie den südlichen Küstengebieten der Provinz verbunden.
Las Tunas ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und ein bedeutendes Verwaltungs- und Handelszentrum im Osten Kubas. Die Stadt liegt im Landesinneren zwischen den zentralen Provinzen und den östlichen Landesteilen. Ihre wirtschaftliche Entwicklung ist eng mit der Landwirtschaft verbunden, insbesondere mit Zuckerrohranbau und Viehwirtschaft. Las Tunas verfügt über Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, kulturelle Institutionen, Verwaltungsstellen und Betriebe zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Die Stadt liegt an wichtigen Straßen- und Eisenbahnverbindungen und übernimmt Versorgungsfunktionen für die umliegenden Gemeinden.
Puerto Padre liegt an der Nordküste der Provinz Las Tunas an einer geschützten Bucht. Der Ort entwickelte sich als Hafen- und Handelsplatz für das landwirtschaftliche Hinterland, insbesondere für Zuckerrohr und Zuckerprodukte. Hafenwirtschaft, Fischerei und Dienstleistungen gehören zu den traditionellen Tätigkeitsbereichen. Die Umgebung umfasst Küstenlandschaften, Strände und landwirtschaftliche Nutzflächen. Puerto Padre dient als lokales Zentrum für die nördlichen Gemeinden der Provinz und ist über Straßen mit Las Tunas verbunden.
Amancio liegt im Südwesten der Provinz Las Tunas und ist historisch mit dem Zuckerrohranbau verbunden. Die Stadt entwickelte sich im Umfeld landwirtschaftlicher Betriebe und einer Zuckerfabrik. Die Zuckerwirtschaft prägte Arbeitsplätze, Siedlungsentwicklung und Verkehrswege. Daneben erfüllen Handel, öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheitsversorgung wichtige Aufgaben. Amancio ist ein regionales Zentrum für die landwirtschaftlich genutzten Gebiete im südwestlichen Teil der Provinz.
Colombia liegt im Süden der Provinz Las Tunas und gehört zu den landwirtschaftlich geprägten Städten des östlichen Inselinneren. Zuckerrohranbau und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte waren wichtige Grundlagen der örtlichen Wirtschaft. Der Ort dient als Verwaltungs-, Handels- und Versorgungszentrum für die umliegenden Gemeinden. Seine Verkehrsverbindungen stellen den Anschluss an Las Tunas und die benachbarten Provinzen her.
Jobabo liegt im Süden der Provinz Las Tunas in einer Region mit landwirtschaftlicher Nutzung. Die Stadt ist vor allem durch Zuckerrohranbau, Viehwirtschaft und örtliche Dienstleistungen geprägt. Sie übernimmt Versorgungsfunktionen für die umliegenden ländlichen Siedlungen und besitzt Einrichtungen der Verwaltung, des Bildungswesens und der Gesundheitsversorgung. Ihre Bedeutung ist überwiegend regional.
Bayamo ist die Hauptstadt der Provinz Granma und eine der historisch bedeutendsten Städte Kubas. Sie wurde 1513 gegründet und gehörte zu den frühesten spanischen Siedlungen auf der Insel. Im 19. Jahrhundert spielte Bayamo eine zentrale Rolle in den Unabhängigkeitskriegen gegen Spanien. Die Stadt ist eng mit Carlos Manuel de Céspedes verbunden, der 1868 den Unabhängigkeitskampf einleitete und versklavte Menschen freiließ. Auch das kubanische Nationalepos und die Geschichte der Nationalhymne sind mit Bayamo verbunden. Heute ist die Stadt ein regionales Zentrum für Verwaltung, Bildung, Handel, Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung. Die Umgebung umfasst Ebenen des Flusses Cauto sowie landwirtschaftlich genutzte Gebiete.
Manzanillo liegt an der Südküste der Provinz Granma am Golf von Guacanayabo. Die Stadt besitzt einen Hafen und entwickelte sich als Handelsplatz für landwirtschaftliche Produkte aus dem Hinterland. Zucker, Reis, Fischerei und weitere landwirtschaftliche Erzeugnisse prägten die regionale Wirtschaft. Manzanillo ist außerdem ein wichtiges Zentrum der Musiktradition des östlichen Kuba, insbesondere des Son. Die Stadt verfügt über kulturelle Einrichtungen, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Betriebe der Lebensmittelverarbeitung. Ihre Lage an der Küste verbindet sie mit Fischerei und Küstenhandel, während Straßenverbindungen den Zugang zu Bayamo und anderen Städten der Provinz sichern.
Niquero im Südwesten der Provinz Granma an der Küste des Golfs von Guacanayabo. Die Stadt ist von Landwirtschaft, Fischerei und regionalem Handel geprägt. Ihre Umgebung umfasst landwirtschaftlich genutzte Flächen und Küstengebiete. Niquero besitzt zudem historische Bedeutung für die kubanische Revolution: In der Nähe landete die Expeditionsgruppe um Fidel Castro im Dezember 1956 von der Yacht Granma aus. Der Ort dient heute als Verwaltungs- und Versorgungszentrum für die umliegenden Gemeinden.
Jiguaní liegt im Osten der Provinz Granma im landwirtschaftlich genutzten Gebiet zwischen Bayamo und Santiago de Cuba. Die Stadt ist ein regionales Zentrum für Handel, Verwaltung und öffentliche Dienstleistungen. Landwirtschaft, Viehzucht und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse bilden wichtige Grundlagen der örtlichen Wirtschaft. Jiguaní ist außerdem mit der Geschichte der kubanischen Unabhängigkeitskriege verbunden, da die Region im 19. Jahrhundert Schauplatz militärischer und politischer Aktivitäten war.
Guisa liegt südöstlich von Bayamo am Übergang zu den Gebirgslandschaften der Sierra Maestra. Die Stadt ist von einer ländlichen Umgebung mit Landwirtschaft und Viehzucht geprägt. In den höher gelegenen Gebieten werden auch Kaffee und andere Kulturen angebaut. Guisa spielte während der kubanischen Revolution eine Rolle als Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen. Heute erfüllt der Ort vor allem Verwaltungs-, Handels- und Versorgungsfunktionen für die umliegenden Gemeinden.
Holguín ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und eines der wichtigsten urbanen Zentren im Nordosten Kubas. Die Stadt liegt im Landesinneren in einer von Hügeln umgebenen Ebene. Sie wurde im 18. Jahrhundert zu einem regionalen Verwaltungs- und Handelszentrum und entwickelte sich später durch Landwirtschaft, Industrie und den Ausbau des Verkehrsnetzes weiter. Heute sind Verwaltung, Bildung, Gesundheitswesen, Handel, Lebensmittelverarbeitung und weitere Industriezweige von Bedeutung. Holguín ist außerdem ein Ausgangspunkt für Reisen zu den nördlichen Küstengebieten der Provinz, darunter Guardalavaca und andere touristisch erschlossene Strandregionen. Zu den bekannten örtlichen Sehenswürdigkeiten zählen Parks, Kirchen und Aussichtspunkte auf den umliegenden Hügeln.
Moa liegt an der Nordostküste der Provinz Holguín und zählt zu den bedeutendsten Bergbau- und Industriestandorten Kubas. Die Stadt entwickelte sich vor allem durch die Förderung und Verarbeitung von Nickel und Kobalt. In der Umgebung befinden sich große Lagerstätten lateritischer Erze, die für die kubanische Rohstoffwirtschaft von erheblicher Bedeutung sind. Die Bergbau- und Metallurgieanlagen bestimmen einen großen Teil der lokalen Wirtschaftsstruktur und beschäftigen zahlreiche Arbeitskräfte. Die industrielle Nutzung steht in engem Zusammenhang mit Umweltbelastungen, insbesondere durch Tagebau, Abraum, industrielle Emissionen und die Veränderung natürlicher Lebensräume. In der weiteren Umgebung liegen ausgedehnte Wald- und Gebirgsgebiete des nordöstlichen Kuba.
Banes liegt im Norden der Provinz Holguín und ist ein regionales Zentrum für Landwirtschaft, Handel und öffentliche Dienstleistungen. Die Umgebung ist historisch durch Zuckerrohrproduktion, Viehwirtschaft und andere landwirtschaftliche Tätigkeiten geprägt. Banes besitzt außerdem eine besondere archäologische Bedeutung, da die Region vor der spanischen Kolonisierung von indigenen Gemeinschaften bewohnt war. Archäologische Funde aus dem Gebiet haben zur Erforschung der vorkolonialen Bevölkerung und ihrer Kultur beigetragen. Die Stadt versorgt die umliegenden Gemeinden mit Verwaltungs-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen.
Mayarí liegt im östlichen Teil der Provinz Holguín in einem Gebiet mit landwirtschaftlicher Nutzung und Rohstoffvorkommen. Die Stadt ist ein regionales Zentrum für Handel, Verwaltung und Dienstleistungen. Die umliegende Landschaft reicht von landwirtschaftlichen Ebenen bis zu bewaldeten Gebieten in Richtung der östlichen Gebirge. In der weiteren Region sind Bergbau, Energieversorgung und industrielle Verarbeitung von Bedeutung. Mayarí ist über Straßen mit Holguín und den nördlichen Küstenorten verbunden.
San Germán, auch als Urbano Noris bekannt, liegt im Süden der Provinz Holguín. Die Stadt ist eng mit der Zuckerindustrie verbunden und entwickelte sich im Umfeld eines bedeutenden landwirtschaftlichen Produktionsgebietes. Zuckerrohranbau, die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und die Versorgung der umliegenden Gemeinden bestimmen die örtliche Wirtschaftsstruktur. Die Stadt besitzt Einrichtungen für Verwaltung, Bildung und Gesundheitsversorgung und ist über Straßen mit Holguín und den benachbarten Provinzen verbunden.
Sagua de Tánamo liegt im Nordosten der Provinz Holguín in einem Tal des gleichnamigen Flusses. Die Stadt ist von einer hügeligen und teilweise gebirgigen Landschaft umgeben. Landwirtschaft und Viehzucht bilden wichtige Grundlagen der regionalen Wirtschaft; in den ländlichen Gebieten werden unter anderem Kaffee und andere Kulturen angebaut. Sagua de Tánamo dient als Verwaltungs- und Versorgungszentrum für eine vergleichsweise weitläufige, teilweise schwer zugängliche Region.
Santiago de Cuba ist die zweitgrößte Stadt des Landes und das wichtigste urbane Zentrum im Osten Kubas. Die Stadt liegt an einer tief eingeschnittenen Bucht an der Südküste und wird im Norden und Westen von Gebirgslandschaften begrenzt. Sie wurde 1515 gegründet und war in der frühen Kolonialzeit zeitweise Hauptstadt der spanischen Kolonie. Ihr Hafen spielte eine wichtige Rolle für Handel und Schifffahrt. Santiago de Cuba ist eng mit den Unabhängigkeitskriegen, der afro-kubanischen Kultur und der kubanischen Revolution verbunden. Die Stadt besitzt Hochschulen, Krankenhäuser, Museen, Theater und bedeutende Industrie- und Hafenanlagen. Sie gilt als eines der wichtigsten Zentren kubanischer Musik und ist besonders für den Karneval und die Conga-Tradition bekannt.
Palma Soriano liegt nordwestlich von Santiago de Cuba im Tal des Río Cauto. Die Stadt entwickelte sich als Handels- und Versorgungszentrum für ein landwirtschaftliches Gebiet, in dem Zuckerrohr, Kaffee und andere Kulturen angebaut werden. Sie besitzt Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung, Schulen, Krankenhäuser und Betriebe zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Die Stadt ist außerdem mit der Geschichte der kubanischen Revolution verbunden, da die umliegenden Gebiete während des bewaffneten Kampfes gegen die Batista-Regierung eine Rolle spielten.
Contramaestre liegt im Norden der Provinz Santiago de Cuba an einer wichtigen Verkehrsverbindung zwischen Santiago de Cuba und Bayamo. Die Stadt ist ein regionales Handels- und Versorgungszentrum in einem landwirtschaftlich genutzten Gebiet. Zuckerrohr, Kaffee, Obst und andere Feldfrüchte spielen in der Umgebung eine Rolle. Contramaestre verfügt über öffentliche Verwaltungsstellen, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Betriebe der landwirtschaftlichen Verarbeitung.
San Luis liegt nordöstlich von Santiago de Cuba und dient als regionales Zentrum für landwirtschaftliche Gemeinden im östlichen Teil der Provinz. Zuckerrohranbau, Kaffeeproduktion, Viehwirtschaft und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse gehören zu den wichtigen Wirtschaftszweigen der Umgebung. Die Stadt besitzt Einrichtungen der Verwaltung, des Bildungswesens und der Gesundheitsversorgung. Durch ihre Lage an Verkehrsverbindungen zwischen Santiago de Cuba und dem Landesinneren übernimmt sie eine wichtige Versorgungsfunktion.
La Maya liegt im Nordosten der Provinz Santiago de Cuba in einem Gebiet, das durch Landwirtschaft und kleinere Gewerbebetriebe geprägt ist. Die Stadt dient als Handels- und Verwaltungszentrum für die umliegenden Gemeinden. Zuckerrohr, Kaffee und andere landwirtschaftliche Produkte gehören zu den regionalen Erzeugnissen. La Maya liegt an Verkehrsverbindungen, die Santiago de Cuba mit den nordöstlichen Teilen der Provinz und der Provinz Guantánamo verbinden.
Guantánamo ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und das wichtigste urbane Zentrum im äußersten Osten Kubas. Die Stadt liegt in einem Tal nördlich der Guantánamo-Bucht und ist von trockeneren Küstenlandschaften sowie landwirtschaftlich genutzten Gebieten umgeben. Sie wurde im 18. Jahrhundert gegründet und entwickelte sich als Verwaltungs-, Handels- und Landwirtschaftszentrum. In der Umgebung werden unter anderem Zuckerrohr, Kaffee und tropische Feldfrüchte angebaut. Guantánamo besitzt Hochschulen, Krankenhäuser, kulturelle Einrichtungen und Industrieunternehmen. International ist die Region auch durch die Guantánamo-Bucht bekannt, an deren Südufer sich das von den Vereinigten Staaten betriebene Marinestützpunkt- und Haftgelände befindet. Dieses Gebiet liegt außerhalb des eigentlichen Stadtgebiets von Guantánamo.
Baracoa liegt an der Nordostküste Kubas in einer von Bergen und tropischer Vegetation umgebenen Küstenregion. Die Stadt wurde 1511 gegründet und gilt als die älteste dauerhaft bestehende spanische Siedlung Kubas. Wegen ihrer abgeschiedenen Lage war Baracoa lange Zeit nur eingeschränkt über Land erreichbar; die Straßenverbindung zum übrigen Straßennetz wurde erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hergestellt. Die örtliche Wirtschaft beruht unter anderem auf Kakao-, Kokosnuss-, Bananen- und Kaffeeanbau sowie Fischerei, Handel und Tourismus. Die Umgebung besitzt eine hohe ökologische Bedeutung, insbesondere durch die Gebirgslandschaften des Parque Nacional Alejandro de Humboldt. Baracoa ist außerdem für regionale Speisen und Süßwaren auf Kokos- und Kakaobasis bekannt.
Verkehr
Die kubanische Infrastruktur wurde durch die Sonderperiode zu Beginn der 1990er Jahre schwer getroffen. Durch die Auflösung der Sowjetunion und des Ostblockes waren kurzfristig keine Ersatzteile mehr verfügbar und Treibstoff konnte nur noch auf dem Weltmarkt gegen Devisen beschafft werden. Der öffentliche Verkehr mit Zügen und Bussen musste deshalb stark eingeschränkt werden. Durch die wirtschaftliche Erholung Kubas hat sich die Situation inzwischen wieder weitgehend normalisiert.
Straßenverkehr
Das Straßennetz verbindet die Hauptstadt Havanna mit den Provinzzentren, den kleineren Städten und den ländlichen Siedlungen. Seine Leistungsfähigkeit wird jedoch durch den teilweise schlechten Zustand der Fahrbahnen, den Mangel an Ersatzteilen und Treibstoff sowie die begrenzte Verfügbarkeit betriebsbereiter Fahrzeuge beeinträchtigt. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes und die seit Jahrzehnten bestehenden Einschränkungen beim Import von Fahrzeugen und Bauteilen erschweren die Instandhaltung der Straßen und des Fuhrparks.
Das kubanische Straßennetz wurde in den Jahrzehnten vor der Revolution von 1959 wesentlich ausgebaut. Zu den bedeutenden Verkehrsachsen zählen die Carretera Central, die Vía Blanca und die Vía Azul. Die Carretera Central durchquert die Insel von West nach Ost und verbindet Havanna mit zahlreichen Provinzhauptstädten und regionalen Zentren. Die Vía Blanca erschließt vor allem den Osten Havannas, die Küstenregionen und den Raum Varadero. Die Vía Azul gehört zu den wichtigen überregionalen Straßenverbindungen im Osten und Zentrum des Landes. Ergänzt werden diese Hauptachsen durch Provinz- und Landstraßen, Zufahrten zu Häfen und Industrieanlagen sowie Straßen zu landwirtschaftlichen Anbaugebieten. In abgelegenen Gebieten sind die Straßen teilweise unbefestigt oder nur eingeschränkt befahrbar.
Neben den älteren Hauptstraßen wurde seit den 1970er-Jahren die Autopista Nacional ausgebaut. Sie sollte eine leistungsfähige, mehrspurige Verbindung zwischen Havanna und dem Osten Kubas schaffen. Das Projekt ist jedoch bis heute nicht durchgehend fertiggestellt. Weitere Schnellstraßen verbinden Havanna mit Pinar del Río, San Antonio de los Baños und Mariel. Auch die Insel Isla de la Juventud verfügt über ausgebaute Straßenverbindungen, insbesondere zwischen Nueva Gerona und Santa Fe. Die Straßen werden administrativ nach nationaler, provinzieller und kommunaler Bedeutung eingeteilt. Das nationale Netz erschließt unter anderem Provinzhauptstädte, Flughäfen, Häfen, Industrieanlagen und wichtige touristische Ziele.
Die Angaben zum Umfang des Straßennetzes unterscheiden sich je nach Quelle und Erhebungsjahr. Eine häufig zitierte ältere Statistik nennt insgesamt 60.858 km Straßen, davon 29.820 km befestigte und 31.038 km unbefestigte Wege. Andere, neuere oder anders abgegrenzte Bestandsangaben kommen auf deutlich geringere Gesamtlängen. Die Zahlen sind deshalb nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar. Zudem sagt die Einstufung als befestigte Straße wenig über den aktuellen Zustand aus: Auch asphaltierte oder betonierte Fahrbahnen können Schlaglöcher, beschädigte Randbereiche und fehlende Markierungen aufweisen.
Der Straßenzustand ist regional unterschiedlich. In und um Havanna sowie entlang wichtiger Verbindungen zu Provinzhauptstädten und touristischen Zentren ist die Infrastruktur dichter ausgebaut. Auf Nebenstraßen und in ländlichen Gebieten finden sich dagegen häufiger beschädigte Fahrbahnen, unbefestigte Abschnitte und eine unzureichende Beleuchtung. Starke Niederschläge und tropische Wirbelstürme können Straßen, Brücken und Entwässerungsanlagen zusätzlich beschädigen. Die Instandhaltung wird durch den Mangel an Baumaterialien, Maschinen, Ersatzteilen und finanziellen Mitteln erschwert.
Der Straßenverkehr wird von staatlichen und privaten Fahrzeugen getragen. Auf den Straßen verkehren Pkw, Motorräder, Lastkraftwagen, Omnibusse, landwirtschaftliche Fahrzeuge sowie zahlreiche ältere Fahrzeuge, die über Jahrzehnte weiterverwendet und häufig repariert wurden. Neben Fahrzeugen aus der Zeit vor der Revolution sind sowjetische und osteuropäische Modelle sowie später importierte Fahrzeuge aus verschiedenen Ländern vertreten. Viele ältere Autos werden aufgrund der begrenzten Ersatzteilversorgung mit improvisierten oder aus anderen Fahrzeugen gewonnenen Bauteilen instand gehalten. Pferdekarren, Fahrräder und andere nicht motorisierte Verkehrsmittel spielen vor allem außerhalb der großen Städte weiterhin eine Rolle.
Der öffentliche Straßenpersonenverkehr umfasst städtische Buslinien, regionale Verbindungen und Fernbusse. Für den überregionalen Verkehr ist insbesondere Viazul von Bedeutung, dessen Linien wichtige Städte und touristische Ziele miteinander verbinden. Daneben besteht ein staatliches Busangebot für die einheimische Bevölkerung, das traditionell unter der Bezeichnung ASTRO bekannt ist. Das Netz und die Fahrpläne dieser Angebote unterliegen Veränderungen. Die ältere Unterscheidung, wonach Viazul ausschließlich in konvertiblen Pesos und ASTRO in nationaler Währung bezahlt wurde, ist überholt: Der kubanische Peso convertible wurde im Zuge der Währungsreform zum 1. Januar 2021 abgeschafft.
Die Fernbusflotten wurden in verschiedenen Phasen durch moderne, überwiegend aus China importierte Omnibusse ergänzt, darunter Fahrzeuge des Herstellers Yutong. Die Erneuerung des Fuhrparks konnte jedoch weder den gesamten Fahrzeugbestand ersetzen noch sämtliche Versorgungsprobleme lösen. Treibstoffknappheit und technische Ausfälle beeinträchtigen den Betrieb. Im Februar 2026 wurde beispielsweise eine erhebliche Verspätung auf einer Viazul-Verbindung zwischen Holguín und Havanna gemeldet, die auf fehlenden Kraftstoff zurückgeführt wurde. Solche Meldungen verdeutlichen, dass selbst bestehende Fernbusverbindungen nicht immer zuverlässig nach Fahrplan verkehren.
In Havanna bildet der Busverkehr das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs. Die Flotte setzt sich aus Fahrzeugen unterschiedlicher Herkunft und Baujahre zusammen. Neben chinesischen Omnibussen wurden im Laufe der Zeit gebrauchte Busse aus Europa und Nordamerika eingesetzt. Dazu gehörten niederländische Gebrauchtfahrzeuge, nordamerikanische Schulbusse sowie Busse aus Sevilla, die nach ihrer Ausmusterung in Spanien nach Kuba gelangten. Die markanten Sattelzugomnibusse, im Volksmund „Camellos“ genannt, wurden 2008 aus dem regulären Stadtverkehr Havannas genommen und teilweise in anderen Landesteilen weiterverwendet. Sie waren zuvor eine Reaktion auf die große Nachfrage bei gleichzeitigem Mangel an herkömmlichen Bussen gewesen.
Neben den staatlichen Buslinien bestehen örtliche und private Transportangebote. Dazu zählen Taxis, Sammeltaxis, Kleinbusse und in touristischen Gebieten spezielle Fahrzeuge wie die dreirädrigen Cocotaxis. In manchen Regionen übernehmen private Fahrer mit ihren Pkw einen Teil des Personenverkehrs zwischen Städten und Gemeinden. Die Preise und die Verfügbarkeit unterscheiden sich nach Strecke, Anbieter und Zahlungsform. Für viele Einwohner sind die Kosten des Verkehrs angesichts niedriger Einkommen eine erhebliche Belastung; zugleich erschweren Treibstoffmangel und eingeschränkte Fahrzeugverfügbarkeit die tägliche Fahrt zur Arbeit, zur Schule und zu Versorgungseinrichtungen.
Der Güterverkehr auf der Straße verbindet Häfen, Lagerhäuser, Fabriken, landwirtschaftliche Betriebe und städtische Märkte. Lastkraftwagen transportieren unter anderem Lebensmittel, Baumaterialien, Industriegüter und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Versorgung des Landes hängt dabei nicht allein vom Straßennetz ab, sondern ebenso von der Verfügbarkeit von Lastwagen, Kraftstoff und Ersatzteilen. Störungen in diesen Bereichen wirken sich auf die Verteilung von Waren aus und können die ohnehin schwierige Versorgungslage weiter verschärfen.
Auch die Verkehrssicherheit ist ein wichtiger Aspekt. Zu den Risiken zählen beschädigte Fahrbahnen, unzureichende Beleuchtung, die Mischung unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer und der technische Zustand älterer Fahrzeuge. Nach dem Länderprofil der Weltgesundheitsorganisation wurden für Kuba für das Jahr 2021 insgesamt 589 Verkehrstote offiziell gemeldet; die WHO schätzte die Zahl für dasselbe Jahr auf 613.
Bahnverkehr
Die erste Dampfeisenbahn des Landes nahm 1837 den Betrieb zwischen Havanna und Bejucal auf. Damit gehörte Kuba zu den frühesten Eisenbahnstandorten Lateinamerikas. Die Eisenbahn diente zunächst vor allem dem Transport von Zucker, Zuckerrohr und anderen Exportgütern, entwickelte sich aber zugleich zu einem bedeutenden Verkehrsmittel für die Bevölkerung. Heute wird der größte Teil des öffentlichen Eisenbahnnetzes von der staatlichen Gesellschaft Ferrocarriles de Cuba betrieben. Daneben existieren gesonderte Strecken für den Zuckertransport und die elektrifizierte Hershey-Bahn östlich von Havanna.
Das öffentliche Streckennetz besteht überwiegend aus Normalspur mit einer Spurweite von 1435 Millimetern. Die Hauptverbindung verläuft in West-Ost-Richtung von Havanna über Santa Clara, Ciego de Ávila, Camagüey und Las Tunas nach Santiago de Cuba. Von ihr zweigen Strecken unter anderem nach Pinar del Río, Cienfuegos, Sancti Spíritus, Nuevitas, Holguín und Guantánamo ab. Die meisten Strecken sind eingleisig. Der Ausbauzustand und die betriebliche Nutzbarkeit unterscheiden sich erheblich: Während einige Hauptabschnitte für den überregionalen Verkehr genutzt werden, sind andere Verbindungen wegen Schäden an Gleisen, Brücken oder Bahnanlagen nur eingeschränkt oder zeitweise überhaupt nicht befahrbar.
Die Eisenbahn entstand in Kuba bereits während der spanischen Kolonialherrschaft. Am 12. Oktober 1834 genehmigte König Ferdinand VII. den Bau einer Bahnstrecke zwischen Havanna und Bejucal. Die rund 27,5 Kilometer lange Strecke wurde am 19. November 1837 eröffnet und war die erste in Betrieb genommene Dampfeisenbahnlinie Lateinamerikas. Am 19. November 1839 folgte die Verlängerung nach Güines, einem wichtigen Zentrum des Zuckerrohranbaus. Weitere Ausbauten verbanden unter anderem San Felipe, Batabanó, San Antonio de los Baños und Matanzas mit dem Netz. Bereits 1836 war außerdem eine Pferdeeisenbahn zwischen Puerto Príncipe, dem heutigen Camagüey, und dem Hafen Nuevitas eingerichtet worden. Sie wird deshalb in Darstellungen zur kubanischen Eisenbahngeschichte teilweise als erste Eisenbahn des Landes bezeichnet, obwohl die Dampfeisenbahn Havanna–Bejucal als erste reguläre Dampfbahn gilt.
Auch der städtische Schienenverkehr begann früh. In Havanna wurde ab 1857 eine Straßenbahn gebaut, die 1859 den Betrieb aufnahm. Ihre erste Strecke verband den Bahnhof mit dem Hafen; in den folgenden Jahren wurde das Netz erweitert. Die Straßenbahn diente sowohl dem Personen- als auch dem Güterverkehr und war Teil der raschen Modernisierung der Hauptstadt im 19. Jahrhundert. Später entwickelte sich ein größeres Netz städtischer und vorstädtischer Straßenbahnen, das im 20. Jahrhundert durch andere Verkehrsmittel ersetzt wurde.
Der Ausbau der Eisenbahn über die gesamte Insel dauerte mehrere Jahrzehnte. Eine entscheidende Rolle spielte die 1902 gegründete Cuba Railroad Company, deren Bauarbeiten unter der Leitung des kanadischen Eisenbahnunternehmers William Cornelius Van Horne standen. Mit der Schließung der rund 573 Kilometer langen Lücke zwischen Santa Clara und Camagüey wurde am 8. Dezember 1902 eine durchgehende Verbindung zwischen dem Westen und dem Osten Kubas hergestellt. In den folgenden Jahren entstanden weitere Zweigstrecken, unter anderem nach Holguín, Bayamo, Manzanillo und Santa Cruz del Sur. Die neuen Verbindungen erleichterten den Transport von Zucker und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu den Häfen und verbanden zugleich weitere Städte mit dem überregionalen Schienennetz.
1912 wurde in Havanna die Estación Central de Ferrocarriles eröffnet. Das repräsentative Bahnhofsgebäude im eklektizistischen Stil entwickelte sich zum wichtigsten Knotenpunkt des nationalen Eisenbahnverkehrs. Im Jahr 1924 wurden mehrere zuvor getrennt betriebene Eisenbahngesellschaften unter dem Dach der Ferrocarriles Consolidados de Cuba zusammengeführt. Weitere Eingliederungen folgten, darunter die Ferrocarril Espirituano im Jahr 1927 und die Ferrocarril Guantánamo y Occidente im Jahr 1948. Durch diese Zusammenschlüsse wurde die Grundlage für ein stärker integriertes Streckennetz geschaffen.
Während des Zweiten Weltkriegs gewann die Eisenbahn weiter an Bedeutung, weil der Mangel an Treibstoff und Gummi den Straßenverkehr stark einschränkte. Die Bahnen übernahmen zusätzliche Transportleistungen für Personen, Zucker und andere Güter. In den 1940er-Jahren wurden durchschnittlich mehrere Millionen Fahrgäste und große Mengen Fracht jährlich befördert. In dieser Zeit modernisierte man Teile des Fuhrparks. Dazu gehörten Dampflokomotiven für den Güterverkehr, diesel-elektrische Lokomotiven für Fernzüge und klimatisierte Triebwagen für den Personenverkehr.
Ein bekanntes Ereignis der kubanischen Revolutionsgeschichte war die Entgleisung eines gepanzerten Militärzuges in Santa Clara am 29. Dezember 1958. Die von Ernesto Che Guevara geführten Rebellen stoppten den Zug, der Soldaten, Waffen und Munition für die Truppen des damaligen Präsidenten Fulgencio Batista transportierte. Die Einnahme des Zuges und der anschließende Sieg der Rebellen in Santa Clara trugen wesentlich zum Zusammenbruch der Regierung Batista bei. An das Ereignis erinnert heute das Tren Blindado gewidmete Denkmal- und Museumsensemble in Santa Clara.
Nach dem Sieg der Revolution von 1959 wurde das Eisenbahnwesen verstaatlicht und zentral verwaltet. Die staatliche Eisenbahngesellschaft übernahm den überwiegenden Teil des öffentlichen Netzes; die Zuckerrohrbahnen blieben zunächst organisatorisch vom allgemeinen Eisenbahnverkehr getrennt. Die wirtschaftlichen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten verschlechterten sich erheblich. Im August 1961 stellte die West India Fruit and Steamship Company ihre Eisenbahnfährverbindungen zwischen Havanna und den Vereinigten Staaten endgültig ein. Kuba bemühte sich zugleich, Fahrzeuge und technische Ausrüstung aus anderen Ländern zu beschaffen.
In den 1960er-Jahren wurden unter anderem britische Diesellokomotiven des Herstellers Brush importiert. Wegen der politischen Spannungen und der US-amerikanischen Embargobestimmungen wurde der Auftrag unter ungewöhnlichen Geheimhaltungsmaßnahmen abgewickelt. Später kamen Fahrzeuge aus Kanada, Spanien, Mexiko und weiteren europäischen Ländern hinzu. In den 1990er-Jahren verschärfte sich die Lage erneut: Mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Wirtschaftsbeziehungen in Osteuropa verlor Kuba wichtige Lieferanten für Treibstoff, Ersatzteile und Fahrzeuge. Zahlreiche Lokomotiven und Personenwagen fielen aus, und auf vielen Strecken wurde der Betrieb reduziert oder zeitweise eingestellt.
Ab den späten 1990er-Jahren versuchte die Eisenbahn, den Betrieb durch den Kauf gebrauchter Fahrzeuge aus dem Ausland wieder zu stabilisieren. Auch Deutschland lieferte gebrauchte Schienenfahrzeuge, darunter leichte Triebwagen der Baureihe 771. Die Fahrzeuge mussten an die klimatischen und betrieblichen Bedingungen angepasst werden; die Verfügbarkeit von Ersatzteilen blieb ein Problem. In den 2000er-Jahren kaufte Kuba außerdem neue Diesellokomotiven aus China. Die Erneuerung des Fuhrparks führte jedoch nicht zu einer durchgreifenden Modernisierung des gesamten Systems, da weiterhin viele ältere Fahrzeuge und sanierungsbedürftige Gleise vorhanden waren.
Das öffentliche Eisenbahnnetz wird häufig mit rund 4.226 Streckenkilometern angegeben, davon etwa 140 Kilometer elektrifiziert. Diese Werte beruhen auf älteren Bestandsangaben und sind nicht mit der Länge aller jemals gebauten Gleise gleichzusetzen. Die tatsächliche Nutzbarkeit ist geringer, weil einzelne Abschnitte stillgelegt, beschädigt oder nur zeitweise befahren werden.
Der Personenfernverkehr verbindet grundsätzlich Havanna mit den wichtigsten Städten der Insel. Zu den bedeutenden Zielen zählen Santa Clara, Camagüey, Santiago de Cuba, Holguín, Guantánamo und Bayamo beziehungsweise Manzanillo. Daneben gibt es regionale und örtliche Züge, deren Angebot stark von der verfügbaren Fahrzeugflotte und der Versorgung mit Treibstoff abhängt. Der Zug zwischen Havanna und Santiago de Cuba galt lange als Aushängeschild der kubanischen Eisenbahn. Für diese Verbindung wurden auch gebrauchte Reisezugwagen aus Frankreich eingesetzt, die zuvor im europäischen internationalen Fernverkehr gefahren waren. Seit 2019 ergänzen neue, in China gebaute Züge den Fuhrpark. Die Ausstattung einzelner Züge und die angebotenen Wagenklassen unterscheiden sich nach Verbindung und Betriebszustand.
Die Zuverlässigkeit des Personenverkehrs wird vor allem durch den Mangel an betriebsfähigen Lokomotiven und Reisezugwagen, die schlechte Gleisinfrastruktur und die Treibstoffversorgung begrenzt. Im Sommer 2025 wurden die Abfahrtszeiten der nationalen Züge ab Havanna wegen des Mangels an einsatzfähigen Fahrzeugen geändert; einzelne Abfahrten verzögerten sich um mehrere Stunden.
Im Jahr 2026 verschärfte sich die Situation weiter. Seit Juni verkehren die nationalen Fernzüge zu den östlichen Provinzen nach veröffentlichten Fahrplänen nur noch etwa alle 16 Tage statt zuvor alle vier beziehungsweise acht Tage. Zusätzliche Sommerzüge wurden angekündigt, wobei die verfügbaren Plätze unter anderem nach dem Bedarf staatlicher Einrichtungen vergeben werden.
Der Güterverkehr hat im Eisenbahnsystem traditionell Vorrang vor dem Personenverkehr. Er dient dem Transport von Massengütern, landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Treibstoffen, Baumaterialien und Industrieprodukten. Die Eisenbahn ist besonders für schwere und große Frachtmengen geeignet, doch schränken der Zustand der Infrastruktur und der Mangel an einsatzfähigen Güterwagen die Leistungsfähigkeit ein. Der Ausbau und die Reparatur von Gleisen sind daher ebenso wichtig wie die Erneuerung der Lokomotiven.
Ein eigenes, historisch sehr umfangreiches System bilden die Zuckerbahnen. Sie entstanden im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Zuckerrohrwirtschaft und verbanden Plantagen, Zuckermühlen und Häfen. Ältere Angaben nennen für dieses Netz rund 7.742 Kilometer Schienenwege in Normal- und Schmalspur. Dieser Wert beschreibt einen historischen Ausbauzustand; das Netz wurde später verkleinert und rationalisiert, sodass nicht alle damaligen Strecken heute noch vorhanden oder in Betrieb sind. Die Zuckerbahnen transportieren das frisch geschnittene Zuckerrohr zu den Verarbeitungsanlagen und befördern Zucker und andere Erzeugnisse weiter. Während der jährlichen Zuckerrohrernte, der Zafra, muss ein großer Teil der Ernte innerhalb kurzer Zeit zu den Mühlen gelangen. Der Betrieb wird durch die staatliche Zuckerwirtschaft organisiert. Dampflokomotiven, die früher auf zahlreichen Strecken eingesetzt wurden, sind heute überwiegend außer Dienst oder werden als Reserve und für besondere Fahrten erhalten.
Eine besondere Stellung nimmt die Hershey-Bahn zwischen Havanna und Matanzas ein. Sie entstand ab 1916 im Zusammenhang mit den Zuckerbetrieben des US-amerikanischen Schokoladenunternehmens Hershey und wurde 1919 elektrifiziert. Das Netz diente sowohl dem Transport von Beschäftigten als auch dem Güterverkehr. Es ist das bekannteste Beispiel einer elektrischen Überlandbahn auf Kuba und war lange Zeit die einzige elektrifizierte Eisenbahnverbindung des Landes. Die Bahn litt jedoch unter veralteten Fahrzeugen, beschädigter Infrastruktur und Betriebsunterbrechungen. Nach dem Hurrikan Irma im September 2017 wurde der Verkehr weitgehend eingestellt; später wurden einzelne Teilstrecken wieder genutzt. Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung befasste sich mit den Möglichkeiten einer Wiederbelebung, verwies aber zugleich auf die Schwierigkeiten durch beschädigte Anlagen und die instabile Stromversorgung.
Der städtische Schienenverkehr spielt heute nur noch eine geringe Rolle. Havannas Straßenbahnnetz wurde im 19. Jahrhundert eröffnet und später ausgebaut, aber im 20. Jahrhundert aufgegeben. Ein umfassendes U-Bahn-System besitzt Kuba nicht. In Havanna und anderen Städten wird der öffentliche Verkehr hauptsächlich mit Bussen, Taxis und anderen Straßenfahrzeugen abgewickelt. Eisenbahnstrecken übernehmen dort, wo sie noch betrieben werden, vor allem regionale Verbindungen und den Transport von Gütern.
Schiffsverkehr
Der größte Teil des internationalen Warenhandels wird über See abgewickelt. Schiffe transportieren Treibstoffe, Lebensmittel, Maschinen, Fahrzeuge, Baustoffe und Industriegüter nach Kuba; zu den Ausfuhrgütern zählen unter anderem Nickelprodukte, Zucker, Tabak und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Häfen dienen außerdem dem Küstenverkehr zwischen kubanischen Regionen, dem Transport von Gütern zu den vorgelagerten Inseln sowie dem Kreuzfahrt- und Yachttourismus.
Das kubanische Hafensystem umfasst große internationale Handelshäfen, spezialisierte Industrie- und Energiehäfen, Fischereihäfen sowie kleinere Anlegestellen für den regionalen Personen- und Güterverkehr. Zu den wichtigsten Hafenstandorten gehören Havanna, Mariel, Matanzas, Cienfuegos, Santiago de Cuba, Nuevitas, Moa und Cárdenas. Ihre Aufgaben unterscheiden sich nach Lage, technischer Ausstattung und wirtschaftlicher Bedeutung. Mariel ist insbesondere für den Containerverkehr und die Versorgung des westlichen Landesteils wichtig; Santiago de Cuba erfüllt eine entsprechende Funktion für den Osten der Insel.
Der Hafen von Havanna liegt in einer geschützten Naturbucht an der Nordküste und war über Jahrhunderte der bedeutendste Hafen Kubas. Während der spanischen Kolonialzeit diente er als Sammelplatz für die nach Europa fahrenden Handelsflotten und als Umschlagplatz für Zucker, Tabak und weitere Waren. Heute werden dort vor allem allgemeine Güter, Küstenfracht und bestimmte Passagierverkehre abgewickelt. Die Verlagerung eines großen Teils des modernen Containerverkehrs nach Mariel hat die Funktion des historischen Hafens verändert. Innerhalb der Bucht verkehren außerdem kleine Passagierfähren, darunter die „Lanchita de Regla“ zwischen der Altstadt und Regla sowie eine Verbindung nach Casablanca.
Der Hafen von Mariel liegt westlich von Havanna in der Provinz Artemisa. Er wurde als moderner Tiefwasserhafen mit einer großen Containerterminalanlage ausgebaut und ist eng mit der Sonderentwicklungszone Zona Especial de Desarrollo Mariel verbunden. Dort sollen neben dem Umschlag von Import- und Exportgütern auch Industrieansiedlungen und logistikbezogene Dienstleistungen konzentriert werden. Mariel ist gegenwärtig der wichtigste kubanische Hafen im internationalen Containerverkehr. Im dritten Quartal 2026 lag sein von der UNCTAD ausgewiesener Hafen-Linienschifffahrtsindex bei 54,8 Punkten; der Index bildet die Anbindung an internationale Containerschifffahrtsnetze ab.
Matanzas besitzt eine große, geschützte Bucht und ist besonders für die Energieversorgung wichtig. Dort befindet sich ein bedeutender Umschlagplatz für Erdöl und Erdölprodukte mit Anlagen für große Tanker. Der Hafen von Cienfuegos an der Südküste ist ein wichtiger Standort für Industrie, Landwirtschaft und den Export von Massengütern. Er dient unter anderem dem Umschlag von Zucker und anderen landwirtschaftlichen Produkten und verfügt über Anlagen für Energie- und Industriegüter. Die Häfen von Nuevitas und Cárdenas übernehmen regionale Gütertransporte und sind mit den Wirtschaftsräumen ihres Hinterlandes verbunden.
Im Osten Kubas ist Santiago de Cuba der wichtigste internationale Hafen. Die geschützte Bucht bietet günstige natürliche Voraussetzungen für den Schiffsverkehr; der Hafen versorgt die Stadt und das östliche Landesteil mit Importwaren und dient dem Güterumschlag. Weitere Häfen erfüllen spezialisierte Aufgaben: Moa ist eng mit der Nickelindustrie verbunden, während in der Region um Nipe und Antilla Industrie-, Bergbau- und Landwirtschaftsverkehre eine Rolle spielen. Guayabal und andere Hafenanlagen sind auf bestimmte Massengüter, darunter Zucker, ausgerichtet. Insgesamt ergänzen sich die großen internationalen Häfen und zahlreiche kleinere Hafenplätze, die für regionale Lieferungen, Fischerei und die Versorgung abgelegener Küstengebiete genutzt werden.
Neben dem internationalen Seeverkehr spielt die Küstenschifffahrt, auf Spanisch cabotaje, eine wichtige Rolle. Sie ermöglicht den Transport von Gütern zwischen kubanischen Häfen und entlastet dort den Straßen- und Eisenbahnverkehr, wo die Infrastruktur an Land unzureichend ist oder schwere Güter über längere Strecken bewegt werden müssen. Zu den typischen Ladungen zählen Brennstoffe, Baumaterialien, Zement, landwirtschaftliche Produkte und allgemeine Fracht. Die nationale Raumordnungsplanung sieht vor, Güter zwischen den großen Häfen Mariel, Havanna, Matanzas, Cienfuegos, Nuevitas, Moa und Santiago de Cuba zu verteilen und kleinere Häfen in diese Transportketten einzubeziehen.
Der regelmäßige Passagierverkehr auf See ist wesentlich kleiner als der Güterverkehr. Besonders wichtig ist die Verbindung zwischen Batabanó südlich von Havanna und Nueva Gerona auf der Isla de la Juventud. Sie dient sowohl der Personenbeförderung als auch der Versorgung der Insel mit Gütern und ist für Einwohner, Beschäftigte und Besucher von grundlegender Bedeutung. Auf dieser Route verkehren Fähren und Katamarane; der Betrieb hängt jedoch von der Verfügbarkeit der Schiffe und deren technischem Zustand ab. Ende Dezember 2025 kehrte die Fähre „Perseverancia“ nach einer mehrmonatigen Reparatur nach Nueva Gerona zurück, um wieder auf der Verbindung nach Batabanó eingesetzt zu werden.
Im Raum Havanna ergänzen kurze Fährverbindungen den städtischen Nahverkehr. Sie verbinden Uferorte über die Bucht hinweg und verkürzen Wege, die auf dem Landweg deutlich länger wären. Darüber hinaus bestehen oder bestanden örtliche Bootsverbindungen in Küsten- und Inselregionen. Ihr Umfang ist jedoch begrenzt, und Fahrpläne können sich durch technische Probleme, Treibstoffmangel oder Wetterbedingungen ändern. Ein dichtes, landesweites Netz regelmäßiger Personenfähren wie in manchen Inselstaaten der Karibik gibt es nicht.
Der Fischereiverkehr wird über spezialisierte Hafenanlagen und kleinere Küstenhäfen abgewickelt. Von dort fahren Fischereifahrzeuge zu den Fanggebieten in den Gewässern rund um Kuba und bringen ihre Fänge an Land, wo sie weiterverarbeitet oder verteilt werden. Die Häfen dienen außerdem der Versorgung und Wartung der Boote. Für den Tourismus sind Marinas und nautische Stützpunkte von Bedeutung. Sie nehmen Segel- und Motorboote auf, bieten Liegeplätze und technische Dienstleistungen und unterstützen Ausflüge, Sportfischerei und Tauchtourismus. Zu den bekannten Standorten gehören Marinas im Raum Havanna, Varadero, Cienfuegos und Santiago de Cuba sowie Anlagen in touristisch erschlossenen Küstenregionen. Die staatliche Planung sieht neben den Handelshäfen ein Netz von Sportmarinas und nautischen Basen vor.
Der Kreuzfahrttourismus entwickelte sich vor der Pandemie zu einem wichtigen Bereich des maritimen Verkehrs. Havanna, Cienfuegos, Santiago de Cuba und weitere Hafenorte wurden als Anlaufstellen für Kreuzfahrtschiffe genutzt. Die Verbindungen und Anlaufzahlen hängen allerdings stark von internationalen Reiseveranstaltern, politischen Rahmenbedingungen und den jeweils geltenden US-amerikanischen Beschränkungen ab. Aus früheren Kreuzfahrtverbindungen lässt sich daher nicht ableiten, dass sie aktuell regelmäßig bedient werden.
Die Leistungsfähigkeit des gesamten Schiffsverkehrs wird durch den Zustand der Hafenanlagen, die Verfügbarkeit von Umschlagtechnik, die Energieversorgung und die Finanzierung notwendiger Modernisierungen begrenzt. Ein 2026 veröffentlichter Bericht zur kubanischen Hafenwirtschaft empfahl eine umfassende Erneuerung und bessere funktionale Aufteilung des Hafensystems, wobei zunächst bestehende Anlagen instand gesetzt und modernisiert werden sollten.
Im Jahr 2026 kamen zusätzliche Schwierigkeiten im internationalen Seeverkehr hinzu. Die Reedereien CMA CGM und Hapag-Lloyd setzten im Mai neue Buchungen für Transporte von und nach Kuba aus. Sie begründeten den Schritt mit den Risiken, die sich aus einer US-amerikanischen Exekutivanordnung vom 1. Mai 2026 und den damit verbundenen Sanktionsbestimmungen ergaben. Im Juli wurde berichtet, dass Container mit für Kuba bestimmten Waren im Hafen von Kingston auf Jamaika zurückgehalten wurden. Die Unterbrechungen trafen eine Wirtschaft, die stark von Importen abhängig ist und bereits unter einer schweren Treibstoffknappheit leidet.
Die internationale Anbindung bleibt deshalb ein entscheidender Schwachpunkt. Die UNCTAD verzeichnete für Kuba im dritten Quartal 2026 einen Linienschifffahrtsindex von 24,5 Punkten und damit einen Rückgang um 16,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Hafen von Mariel war weiterhin der am besten in internationale Containerschifffahrtsnetze eingebundene Hafen des Landes.
Flugverkehr
Der wichtigste Flughafen des Landes ist der Aeropuerto Internacional José Martí bei Havanna. Er liegt südwestlich des Stadtzentrums und bildet den zentralen Knotenpunkt des internationalen Luftverkehrs sowie einen wesentlichen Ausgangspunkt für Inlandsflüge. Der Flughafen verfügt über mehrere Terminals für internationale und nationale Verbindungen und ist an das Straßennetz der Hauptstadt angeschlossen. Er dient sowohl kubanischen Fluggesellschaften als auch ausländischen Linien- und Charterfluggesellschaften. Ein großer Teil der internationalen Ankünfte und Abflüge wird über Havanna abgewickelt.
Zu den weiteren internationalen Flughäfen gehören Juan Gualberto Gómez bei Varadero, Frank País bei Holguín, Antonio Maceo bei Santiago de Cuba, Abel Santamaría bei Santa Clara, Jardines del Rey auf Cayo Coco, Ignacio Agramonte bei Camagüey, Jaime González bei Cienfuegos, Sierra Maestra bei Manzanillo und Vitalio Acuña auf Cayo Largo del Sur. Diese Flughäfen verteilen den internationalen Reiseverkehr auf verschiedene Landesteile und verkürzen die Anreise zu den touristischen Zentren. Die staatliche Tourismusinformation führt zehn internationale und 15 nationale Flughäfen auf; die tatsächliche Zahl regelmäßig angeflogener Plätze ist aufgrund wechselnder Flugpläne und Betriebsbedingungen geringer.
Der Flughafen Varadero ist vor allem auf den internationalen Urlaubsverkehr ausgerichtet. Er erschließt die Halbinsel Hicacos mit ihren großen Hotelanlagen und Stränden und wird insbesondere von Charter- und Ferienfluggesellschaften genutzt. Der Flughafen Jardines del Rey auf Cayo Coco dient dem Tourismus auf den nördlichen Inseln der Provinz Ciego de Ávila. Der Flughafen von Santa Clara ermöglicht den Zugang zu den Badegebieten der zentralen Nordküste, während der Flughafen Frank País bei Holguín für die Urlaubsregion Guardalavaca und den Osten Kubas wichtig ist. Santiago de Cuba bildet den bedeutendsten Luftverkehrsknoten im äußersten Osten der Insel. Der Flughafen von Cayo Largo erschließt ein abgelegenes Inselgebiet, dessen touristische Versorgung stark vom Luft- und Schiffsverkehr abhängt.
Der nationale Linienverkehr verbindet Havanna mit mehreren Provinzstädten und regionalen Flughäfen. Die staatliche Fluggesellschaft Cubana de Aviación ist der traditionsreichste nationale Anbieter. Daneben betreibt beziehungsweise betrieb Aerogaviota vor allem regionale und touristische Verbindungen. Inlandsflüge sind für die Verbindung zwischen den weit auseinanderliegenden Landesteilen wichtig, da Straßen- und Eisenbahnreisen häufig langwierig sind und durch Treibstoffmangel oder technische Störungen beeinträchtigt werden. Das Angebot an Inlandsflügen ist allerdings begrenzt und kann sich kurzfristig ändern.
Der internationale Luftverkehr verbindet Kuba traditionell mit Kanada, Mexiko, Spanien und weiteren europäischen Ländern sowie mit verschiedenen Staaten Lateinamerikas und der Karibik. Besonders wichtig sind Verbindungen zu Städten mit großen kubanischen Gemeinden, darunter Miami und andere Ziele in den Vereinigten Staaten. Hinzu kommen Flüge aus Kanada, die einen bedeutenden Teil des touristischen Verkehrs ausmachen. Europäische Verbindungen erschließen unter anderem Spanien und weitere Herkunftsmärkte des internationalen Tourismus. Die tatsächlichen Flugziele und Frequenzen hängen von den Fluggesellschaften, der Nachfrage, den politischen Rahmenbedingungen und der Verfügbarkeit von Flugzeugen und Treibstoff ab.
Die kubanische Luftfahrt wird seit Jahren durch wirtschaftliche Schwierigkeiten belastet. Der Mangel an Ersatzteilen, die begrenzten Wartungsmöglichkeiten und die schwierige Beschaffung neuer Flugzeuge schränken die Einsatzbereitschaft der nationalen Flotte ein. Auch die internationale Anbindung ist anfällig, weil Fluggesellschaften ihre Strecken bei sinkender Rentabilität, politischen Einschränkungen oder Versorgungsproblemen reduzieren können. Für den Tourismus bedeutet dies, dass einzelne Urlaubsregionen zwar über internationale Flughäfen verfügen, ihre Direktverbindungen aber nicht dauerhaft gesichert sind.
Im Jahr 2026 verschärfte sich die Lage durch einen gravierenden Mangel an Flugtreibstoff. Im Februar teilten die kubanischen Luftfahrtbehörden internationalen Fluggesellschaften mit, dass an neun Flughäfen vorübergehend kein regulärer Flugtreibstoff zur Verfügung stehen werde. Mehrere Fluggesellschaften setzten daraufhin Verbindungen aus, veränderten ihre Flugpläne oder planten Zwischenlandungen zum Auftanken in anderen Ländern.
Die Einschränkungen wirkten sich auch im weiteren Jahresverlauf aus. Air Canada verlängerte die Aussetzung ihrer Kuba-Flüge bis zum 1. November 2026; andere Anbieter strichen oder veränderten ebenfalls Verbindungen. Am 20. Oktober 2026 berichtete Reuters, dass China einen zusätzlichen Flug von Havanna organisierte, nachdem wiederholte Änderungen und Stornierungen des regulären Fluges nach Peking Reisende zurückgelassen hatten. Die Ersatzmaschine flog zunächst nach Nassau auf den Bahamas und sollte anschließend über Madrid nach Peking weiterreisen.
Der Luftfrachtverkehr ist für die Versorgung mit dringend benötigten Gütern ebenfalls von Bedeutung. Über die Flughäfen werden unter anderem Post, Medikamente, Ersatzteile und andere zeitkritische Sendungen befördert. Wegen des begrenzten Umfangs des Luftfrachtverkehrs und der hohen Transportkosten kann er den Seeverkehr jedoch nicht ersetzen. Die wirtschaftliche Bedeutung des Luftverkehrs liegt daher vor allem in der Personenbeförderung, im internationalen Tourismus und in der schnellen Verbindung Kubas mit dem Ausland.
| Stadt | ICAO | IATA | Name des Flughafen |
| Verkehrsflughäfen | |||
| Baracoa | MUBA | BCA | Flughafen Gustavo Rizo |
| Bayamo | MUBY | BYM | Flughafen Carlos Manuel de Cespedes |
| Caibarién | MUCB | Flughafen Caibarien | |
| Camagüey | MUCM | CMW | Flughafen Ignacio Agramonte |
| Cayo Coco | MUCC | CCC | Flughafen Cayo Coco |
| Cayo Largo del Sur | MUCL | CYO | Flughafen Cayo Largo del Sur |
| Ciego de Ávila | MUCA | AVI | Flughafen Ciego de Ávila |
| Cienfuegos | MUCF | CFG | Flughafen Cienfuegos |
| Florida | MUFL | Flughafen Florida | |
| Guantánamo | MUGT | GAO | Flughafen Mariana Grajales |
| Havanna | MUHA | HAV | Flughafen Havanna-José Martí |
| Havanna | MUPB | Flughafen Playa Baracoa | |
| Havanna | MULB | Flughafen Ciudad Libertad | |
| Holguín | MUHG | HOG | Flughafen Holguín |
| Isla de la Juventud | MUSN | SZJ | Flughafen Siguanea |
| Kawama | MUKW | VRO | Flughafen Kawama |
| Las Brujas | MUBR | Flughafen Las Brujas | |
| Manzanillo | MUMZ | MZO | Flughafen Sierra Maestra |
| Mariel | MUML | Flughafen Mariel | |
| Mayajigua | MJG | Flughafen Mayajigua | |
| Moa | MUMO | MOA | Flughafen Orestes Acosta |
| Nicaro | MUNC | ICR | Flughafen Nicaro |
| Nueva Gerona | MUNG | GER | Flughafen Rafael Cabrera |
| Pinar del Río | MULM | LCL | Flughafen La Coloma |
| Pinar del Río | MUPR | QPD | Flughafen Pinar del Río Norte |
| Playa Santa Lucía | MUSL | Flughafen Santa Lucia | |
| Preston | PST | Flughafen Preston | |
| Punta de Maisi | UMA | Flughafen Punta de Maisi | |
| San Antonio de los Baños | MUSA | Flughafen San Antonio de los Banos | |
| San Nicolas de Bari | MUNB | QSN | Flughafen San Nicolas de Bari |
| Sancti Spíritus | MUSS | Flughafen Sancti Spiritus | |
| Santa Clara | MUSC | SNU | Flughafen Abel Santa Maria |
| Santiago de Cuba | MUCU | SCU | Flughafen Santiago de Cuba |
| Trinidad | MUTD | TND | Flughafen Alberto Delgado |
| Varadero | MUVR | VRA | Flughafen Varadero |
| Las Tunas | MUVT | VTU | Flughafen Hermanos Ameijeiras |
| Militärflughäfen | |||
| Guantánamo-Bucht | MUGM | NBW | Militärflugplatz Guantanamo Bay |
| Pinar del Río | MUSJ | SNJ | Militärflugplatz San Julian |
Der Aeropuerto Internacional José Martí ist der wichtigste internationale Verkehrsflughafen Kubas und das zentrale Luftverkehrsdrehkreuz des Landes. Er liegt im Stadtbezirk Boyeros etwa 18 bis 20 Kilometer südwestlich des Stadtzentrums von Havanna. Der Flughafen ist nach dem kubanischen Nationalhelden, Schriftsteller und Unabhängigkeitskämpfer José Martí benannt und wird von der staatlichen Flughafen- und Luftfahrtinfrastrukturgesellschaft ECASA betrieben. Er dient sowohl dem internationalen Linien- und Charterverkehr als auch den Inlandsflügen.
Der Flughafen wurde Ende der 1920er-Jahre errichtet und im Februar 1930 unter der Bezeichnung Rancho Boyeros eröffnet. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte er sich zum wichtigsten Luftverkehrsstandort des Landes. 1953 erhielt er den Namen Aeropuerto Internacional José Martí. Während der 1970er und 1980er Jahre bestanden zahlreiche Verbindungen zu Staaten des sozialistischen Ostblocks, darunter Flüge von Aeroflot und verschiedenen osteuropäischen Fluggesellschaften. Seit den 1990er-Jahren wurde der Flughafen zunehmend wieder in den internationalen Tourismusverkehr eingebunden. Die Wiederaufnahme regulärer kommerzieller Flüge zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba im Jahr 2016 führte vorübergehend zu einer Ausweitung der Verbindungen mit US-amerikanischen Fluggesellschaften.
Die Flughafenanlage besitzt eine rund 4.000 Meter lange und 45 Meter breite asphaltierte Start- und Landebahn. Sie ermöglicht den Betrieb großer Langstreckenflugzeuge. Der Flughafen verfügt über mehrere Vorfelder und Passagierterminals sowie getrennte Einrichtungen für den Frachtverkehr. Die vier für Passagiere genutzten Terminals sind Terminal 1, Terminal 2, Terminal 3 und Terminal 5; die Bezeichnung Terminal 4 wird im Zusammenhang mit dem Frachtbereich verwendet.
Terminal 1 dient hauptsächlich dem nationalen und regionalen Luftverkehr. Hier werden insbesondere Flüge kubanischer Fluggesellschaften wie Cubana de Aviación und Aerogaviota abgefertigt. Terminal 2 wird für bestimmte internationale Flüge und Charterverbindungen genutzt, darunter Verbindungen in die Vereinigten Staaten und in die Karibik. Terminal 3 ist das wichtigste internationale Passagierterminal und übernimmt einen großen Teil der Linienflüge aus Amerika und Europa. Terminal 5 wird vor allem von kubanischen Anbietern für regionale, nationale und Charterflüge verwendet. Zwischen den räumlich voneinander getrennten Terminals verkehren Shuttlebusse. Die konkrete Zuordnung einzelner Fluggesellschaften und Verbindungen kann sich mit dem Flugplan ändern.
Terminal 3 wurde in den 1990er-Jahren eröffnet und später erweitert und modernisiert. 2013 kam es während Bauarbeiten zu einem Brand, woraufhin der Flughafen zeitweise evakuiert werden musste. 2011 war Terminal 2 modernisiert worden; 2013 folgten Arbeiten an Terminal 3. Anfang 2025 wurde in Terminal 3 eine neue Gepäckempfangshalle in Betrieb genommen, deren Kapazität gegenüber der vorherigen Anlage um etwa 30 Prozent erhöht wurde.
Der Flughafen ist über die Avenida de Rancho Boyeros und weitere Straßenverbindungen an Havanna angeschlossen. Die Fahrt ins Stadtzentrum erfolgt vor allem mit Taxis, privaten Mietwagen, Hoteltransfers und organisierten Transferbussen. Ein direkter Anschluss an eine U-Bahn oder eine Eisenbahn besteht nicht. Die Entfernung zum Zentrum macht die Fahrt auf der Straße zu einem wesentlichen Bestandteil der An- und Abreise. Zwischen den Terminals wird ein eigener Shuttleverkehr angeboten.
José Martí ist auch für den Güterverkehr wichtig. Neben den Passagierterminals bestehen Einrichtungen für Luftfracht, Post und logistische Dienstleistungen. Für 2024 wurden rund 27.000 Tonnen umgeschlagene Luftfracht angegeben. Der Frachtbereich wird unter anderem für Sendungen genutzt, die wegen ihres Wertes, ihrer Dringlichkeit oder ihrer Beschaffenheit auf dem Luftweg transportiert werden.
Der Flughafen ist Heimat- und Wartungsstandort kubanischer Fluggesellschaften und wird von internationalen Fluglinien aus Nord-, Mittel- und Südamerika, der Karibik und Europa angeflogen. Seine Bedeutung geht über die Hauptstadt hinaus: Über Havanna werden zahlreiche Reisende auf andere Teile des Landes verteilt, und viele internationale Verbindungen sind auf diesen Flughafen konzentriert. Der tatsächliche Flugplan ist jedoch starken Veränderungen unterworfen.
Im Jahr 2026 beeinträchtigte insbesondere der Mangel an Flugtreibstoff den Betrieb des kubanischen Luftverkehrs. Die Einschränkungen führten zu Aussetzungen, Umleitungen und Änderungen internationaler Verbindungen. Für José Martí ist die Versorgungslage deshalb ebenso entscheidend wie die technische Ausstattung der Startbahn und Terminals. Als wichtigster Flughafen des Landes bleibt er die zentrale Schnittstelle zwischen Kuba und dem internationalen Luftverkehr, doch seine Leistungsfähigkeit hängt wesentlich von einer stabilen Energieversorgung, betriebsfähigen Flugzeugen und verlässlichen internationalen Flugverbindungen ab.
| Airlines | Ziele |
| Aeroflot | Moskau–Sheremetjewo |
| Aerogaviota | Baracoa, Cayo Coco, Holguin, Kingston–Norman Manley, Montego Bay, Santiago de Cuba |
| Aeroméxico | Cancún, Mexico City |
| Air Canada Rouge | Toronto–Pearson |
| Air Caraïbes | Paris–Orly |
| Air China | Beijing–Capital, Montréal–Trudeau |
| Air Europa | Madrid |
| Air France | Paris–Charles de Gaulle |
| Air Italy | Mailand–Malpensa |
| Air Transat | saisonal: Montréal–Trudeau, Toronto–Pearson |
| Alitalia | Rom-Fiumicino |
| American Airlines | Charlotte, Miami, Charter: Los Angeles |
| Aruba Airlines1 | Aruba, Charter: Miami |
| Austrian Airlines | saisonal: Wien |
| Avianca | Bogotá |
| Avianca El Salvador | San Salvador |
| Avianca Peru | Lima |
| Bahamasair | Nassau |
| Blue Panorama Airlines | Mailand–Malpensa, Rom–Fiumicino |
| Caribbean Airlines | Port of Spain |
| Cayman Airways | Cayman Brac, Grand Cayman |
| Condor | Frankfurt, München |
| Conviasa | Caracas |
| Copa Airlines | Panama City |
| Corsair International | Paris–Orly |
| Cubana de Aviación | Baracoa, Bayamo, Bogotá, Buenos Aires–Ezeiza, Camagüey, Cancún, Caracas, Fort-de-France, Guantánamo, Holguín, Las Tunas, Madrid, Manzanillo (Cuba), Mexico City, Moa, Montréal–Trudeau, Nassau, Nueva Gerona, Paris–Orly, Pointe-à-Pitre, Port-au-Prince, San José, Santiago de Cuba, Santo Domingo–Las Américas, Toronto–Pearson |
| Delta Air Lines | Atlanta, Miami, New York–JFK |
| EasySky | Tegucigalpa |
| Edelweiss Air | Zürich |
| Eurowings | Köln/Bonn, Düsseldorf |
| Evelop Airlines | Madrid |
| Finnair | saisonal: Helsinki |
| Iberia | Madrid |
| Interjet | Cancún, Mérida, Mexico City, Monterrey |
| JetBlue Airways | Fort Lauderdale, New York–JFK, Orlando |
| KLM | Amsterdam |
| LATAM Perú | Lima |
| Neos | saisonal (Charter): Mailand–Malpensa |
| PAWA Dominicana | Santo Domingo-Las Americas |
| Plus Ultra Líneas Aéreas | Barcelona, Charter: Manaus |
| Southwest Airlines | Fort Lauderdale, Tampa |
| Sun Country Airlines | Charter: Miami, New York–JFK |
| Sunrise Airways | Port-au-Prince |
| Swift Air | Charter: Baltimore, Fort Myers, Miami, Orlando, San Juan, Tampa |
| TAAG Angola Airlines | Luanda |
| TAME | Quito |
| Turkish Airlines | Istanbul-Atatürk |
| United Airlines | Houston–Intercontinental, Newark, Charter: Miami |
| Virgin Atlantic | London–Gatwick |
| Wingo | Bogotá |
Jose Marti International Airport
- spanischer Name: Aeropuerto Internacional José Martí
- Code: HAV / MUHA
- Lage: 22°59‘21“ N, 82°24‘33“ W
- Seehöhe: 64 m (21 ft)
- Entfernung: 15 km südlich von Havanna
- Inbetriebnahme: 24. Februar 1930
- Betreiber: ECASA S.A.
- Terminal: 1
- Rollbahn: 1
- Länge der Rollbahn: 4000 m (Asfalt)
- Fluggesellschaften: 51
- Flugzeug-Standplätze: ca. 120
- jährliche Passagierkapazität:
- jährliche Frachtkapazität:
Wirtschaft
Die kubanische Volkswirtschaft hat sich seit der Revolution von 1959 grundlegend verändert. Der folgende Text aktualisiert die historischen Angaben und berücksichtigt die Entwicklung bis 2026. Dabei sind die wirtschaftlichen Daten mit Vorsicht zu vergleichen, weil Kuba eigene Berechnungsmethoden verwendet, die Verfügbarkeit aktueller Statistiken eingeschränkt ist und die amtlichen Angaben nicht immer mit internationalen Schätzungen übereinstimmen.
Vor der Revolution gehörte Kuba gemessen an einigen Kennzahlen des Pro-Kopf-Einkommens zu den wirtschaftlich besser gestellten Ländern Lateinamerikas. Das Land verfügte über eine vergleichsweise moderne Infrastruktur, insbesondere in Havanna, sowie über ein ausgebautes Verkehrs- und Kommunikationsnetz. Auch das Bildungs- und Gesundheitswesen besaß in Teilen der Bevölkerung einen vergleichsweise hohen Entwicklungsstand. Kuba war stark auf die Zuckerwirtschaft ausgerichtet und gehörte zu den weltweit bedeutenden Zuckerexporteuren. Der US-amerikanische Markt nahm große Mengen kubanischen Zuckers zu Preisen ab, die durch Handelsregelungen und Kontingente beeinflusst wurden. Zugleich war der Wohlstand höchst ungleich verteilt. Havanna und andere Städte profitierten stärker von Investitionen, Arbeitsplätzen und öffentlichen Dienstleistungen als viele ländliche Gebiete, besonders in den östlichen Provinzen. Landbesitz und Einkommen konzentrierten sich auf vergleichsweise kleine Bevölkerungsteile. US-amerikanische Unternehmen hatten bedeutende Interessen in der Zuckerindustrie, im Bergbau, im Energiesektor und in weiteren Bereichen der Wirtschaft.
Nach 1959 verstaatlichte die Revolutionsregierung große Teile der Wirtschaft, darunter ausländische Unternehmen und umfangreiche private Besitzungen. Die Vereinigten Staaten schränkten den Handel mit Kuba zunehmend ein; ab 1962 entwickelte sich daraus ein umfassendes Handelsembargo. Kuba orientierte seine Außenwirtschaft verstärkt auf die Sowjetunion und die übrigen Mitgliedstaaten des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Die Sowjetunion nahm kubanischen Zucker zu politisch vereinbarten Bedingungen ab, lieferte Erdöl und Maschinen und unterstützte Kuba durch Kredite und andere wirtschaftliche Leistungen. Diese Beziehungen ermöglichten es, die stark auf Zucker ausgerichtete Wirtschaft über Jahrzehnte zu finanzieren, machten das Land aber zugleich von sowjetischen Lieferungen und Absatzmärkten abhängig.
Mit dem Zerfall des Ostblocks und der Auflösung der Sowjetunion 1991 verlor Kuba seinen wichtigsten Handelspartner und einen wesentlichen Teil seiner wirtschaftlichen Unterstützung. Die Versorgung mit Erdöl, Ersatzteilen, Rohstoffen und Nahrungsmitteln brach ein, die Industrieproduktion und der Verkehr gingen stark zurück. Diese Krise wurde als Período Especial en Tiempo de Paz („Sonderperiode in Friedenszeiten“) bezeichnet. Die Regierung ließ begrenzte marktwirtschaftliche Elemente zu, darunter bestimmte private Kleingewerbe, selbstständige Tätigkeiten, Bauernmärkte und ausländische Gemeinschaftsunternehmen. Der US-Dollar wurde 1993 für bestimmte Transaktionen zugelassen. Später entstand ein System mit zwei Währungen: dem kubanischen Peso und dem 1994 eingeführten konvertiblen Peso (CUC). Der CUC wurde am 8. November 2004 im Zahlungsverkehr anstelle des US-Dollars verwendet, während der Dollar weiterhin in bestimmten Bereichen zirkulierte.
Unter Raúl Castro, der 2008 zunächst vorläufig und 2008 endgültig die Staatsführung von Fidel Castro übernahm, wurden die wirtschaftlichen Reformen ausgeweitet. Ab 2010/2011 erhielten private Kleinstunternehmen und Selbstständige mehr Möglichkeiten; auch die Verpachtung brachliegender Staatsflächen an Bauern wurde ausgebaut. 2013 wurde der Zugang zu Mobiltelefonen und Internet schrittweise erweitert, und 2014 verabschiedete Kuba ein neues Gesetz zur Förderung ausländischer Investitionen. 2016 durfte der nichtstaatliche Sektor in zahlreichen Bereichen stärker wirtschaftlich tätig werden. Die Reformen änderten jedoch nichts daran, dass der Staat zentrale Bereiche wie Energieversorgung, Außenhandel, Bankenwesen und große Teile der Industrie kontrollierte. Private Unternehmen blieben durch Genehmigungspflichten, begrenzten Zugang zu Krediten und Devisen sowie administrative Auflagen eingeschränkt.
Die Währungsreform vom 1. Januar 2021 beendete das bis dahin bestehende System aus kubanischem Peso und konvertiblem Peso. Der CUC wurde abgeschafft und der kubanische Peso (CUP) zur einzigen offiziellen Landeswährung. Die Reform sollte das Währungssystem vereinfachen, staatliche Subventionen neu ordnen und die Produktivität erhöhen. Die Freigabe vieler zuvor administrierter Preise sowie die Anpassung von Löhnen, Renten und Wechselkursen führten jedoch zu erheblichen Preissteigerungen. Die amtlichen Wechselkurse bildeten die tatsächliche Kaufkraft des Pesos und den Devisenbedarf der Bevölkerung nur unzureichend ab. Neben dem offiziellen Devisenhandel entwickelte sich deshalb ein informeller Markt, auf dem ausländische Währungen deutlich höhere Peso-Beträge erzielen konnten. US-Dollar und Euro blieben für Überweisungen, private Geschäfte und bestimmte Einkäufe wichtig, obwohl der Dollar nicht mehr als zweite offizielle Landeswährung fungierte.
Die wirtschaftliche Entwicklung blieb seit der Pandemie von anhaltenden Rückschlägen geprägt. Der Einbruch des internationalen Tourismus, sinkende Deviseneinnahmen, die geringe Produktivität vieler Staatsbetriebe, die veraltete Infrastruktur und die Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Treibstoff, Maschinen und Ersatzteilen belasteten die Wirtschaft. Die US-amerikanischen Sanktionen und das seit Jahrzehnten bestehende Handelsembargo erschwerten Finanztransaktionen und den Zugang zu bestimmten Märkten und Lieferanten. Gleichzeitig wirkten sich die staatliche Wirtschaftslenkung, bürokratische Hürden, geringe Investitionen und die eingeschränkten Anreize für Produzenten negativ auf die Versorgung aus. Die kubanische Regierung führt einen wesentlichen Teil der Krise auf die US-Sanktionen zurück; unabhängige Ökonomen verweisen zusätzlich auf strukturelle Probleme der Binnenwirtschaft und die langsame Umsetzung von Reformen.
Nach Angaben der kubanischen Regierung schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt 2023 um 1,9 Prozent. Für 2024 wurde im Juli 2025 ein weiterer Rückgang um 1,1 Prozent gemeldet. Damit lag die Wirtschaftsleistung deutlich unter dem Niveau von 2019. Im selben Zeitraum gingen nach Regierungsangaben die Einnahmen aus Landwirtschaft, Viehzucht und Bergbau innerhalb von fünf Jahren um 53,4 Prozent und die Industrieproduktion um 23 Prozent zurück. Auch der Güterverkehr, ein Indikator für die wirtschaftliche Aktivität, nahm stark ab: 2024 wurden insgesamt 46,5 Millionen Tonnen Güter auf Straße, Schiene, See- und Luftwegen transportiert, nach 57,5 Millionen Tonnen 2023 und 68 Millionen Tonnen 2019.
Die anhaltende Krise zeigt sich im Alltag durch hohe Preise, Engpässe bei Lebensmitteln und Medikamenten, unregelmäßige Treibstoffversorgung sowie wiederkehrende Stromausfälle. Der Zustand vieler Kraftwerke und des Stromnetzes, fehlende Ersatzteile und der Mangel an importierten Brennstoffen schränken die Produktion und den Transport ein. Die Landwirtschaft erzeugt nicht genug Nahrungsmittel für den Binnenbedarf, sodass Kuba auf Importe angewiesen bleibt. Gleichzeitig fehlen dem Staat häufig die Devisen, um diese Importe zuverlässig zu finanzieren. Der Rückgang der touristischen Einnahmen und der Auswanderung vieler Erwerbstätiger verstärkt den Druck auf den Arbeitsmarkt und die öffentlichen Finanzen.
Die frühere Bedeutung des Zuckers für die kubanische Wirtschaft ist inzwischen stark zurückgegangen. Die Zuckerindustrie leidet unter veralteten Anlagen, Treibstoffmangel, fehlenden Ersatzteilen und einer unzureichenden Versorgung mit landwirtschaftlichen Betriebsmitteln. In der Erntekampagne 2024/2025 wurden weniger als 150.000 Tonnen Zucker produziert. Seit 2023 übersteigen die Zuckerimporte die Exporte; Kuba kann seinen geschätzten jährlichen Inlandsbedarf von 600.000 bis 700.000 Tonnen nicht mehr aus eigener Produktion decken. Weitere wichtige Devisenquellen sind der Tourismus, der Export von Dienstleistungen – darunter medizinische Leistungen – sowie der Bergbau mit Nickel und Kobalt. Auch diese Bereiche sind durch internationale Einschränkungen, Produktionsprobleme und sinkende Nachfrage belastet.
Für 2025 schätzt die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) den realen Rückgang des kubanischen Bruttoinlandsprodukts auf 3,8 Prozent. Damit schrumpfte die Wirtschaft zum dritten Mal in Folge. Die Zahl der internationalen Besucher sank 2025 auf rund 1,8 Millionen und damit auf den niedrigsten Stand seit 2002. Für 2026 prognostiziert die CEPAL einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung um 10,3 Prozent. Diese Prognose beruht unter anderem auf der Unterbrechung externer Erdöllieferungen, dem weiteren Einbruch des Tourismus und der zunehmenden finanziellen und logistischen Isolation des Landes. Es handelt sich um eine Prognose, nicht um ein bereits feststehendes Jahresergebnis.
Im Juni 2026 kündigte die kubanische Regierung ein umfassendes Paket mit 176 wirtschaftlichen und sozialen Reformmaßnahmen an. Es sieht unter anderem größere Handlungsspielräume für Privatunternehmen, die Umwandlung staatlicher Betriebe in Handelsgesellschaften, eine stärkere Dezentralisierung wirtschaftlicher Entscheidungen, flexiblere Regeln für die Landnutzung und Veränderungen bei Preisen, Löhnen und Subventionen vor. Vorgesehen sind außerdem Möglichkeiten für private Banken unter staatlicher Aufsicht, ein digitaler Devisenmarkt sowie erweiterte Beteiligungsmöglichkeiten für in- und ausländisches Kapital. Die Nationalversammlung billigte die Reformen; ihre tatsächliche Umsetzung erfolgt jedoch schrittweise und ist nicht mit der bloßen gesetzlichen Genehmigung gleichzusetzen. Die Regierung erklärte zugleich, am sozialistischen Wirtschaftsmodell festhalten zu wollen.
Sport
Der Sport besitzt in Kuba seit dem 19. Jahrhundert einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Insbesondere Baseball, Boxen, Leichtathletik, Ringen und Judo sind eng mit der nationalen Sportgeschichte verbunden. Die Entwicklung des Sports wurde sowohl von nordamerikanischen als auch von europäischen Einflüssen geprägt. Baseball gelangte im 19. Jahrhundert aus den Vereinigten Staaten nach Kuba und entwickelte sich zu einer der populärsten Sportarten des Landes. Fechten, Turnen und weitere Disziplinen wurden unter anderem durch europäische Einflüsse verbreitet. Schon vor der Revolution von 1959 gab es Ansätze zur Einführung des Schulsports und zur Ausbildung von Sportlehrern, doch waren die Möglichkeiten für breite Bevölkerungsschichten regional und sozial unterschiedlich.
Nach der Revolution wurde der Sport systematisch zu einem Bestandteil der staatlichen Bildungs- und Sozialpolitik ausgebaut. Am 23. Februar 1961 entstand das Instituto Nacional de Deportes, Educación Física y Recreación (INDER), das für die Organisation, Förderung und Verwaltung des Sports sowie für den Schulsport und die körperliche Erholung zuständig ist. Die staatliche Sportpolitik orientierte sich an dem Grundsatz, sportliche Betätigung für breite Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Schulen, Sportvereine und spezialisierte Ausbildungszentren wurden in ein staatlich koordiniertes System eingebunden. Die Förderung des Breitensports sollte zugleich die Grundlage für die Auswahl und Ausbildung von Leistungssportlern schaffen.
Mit der Neuordnung des Sports wurde der zuvor bestehende professionelle Sportbetrieb 1962 abgeschafft. Sportler wurden überwiegend in staatlich organisierten Strukturen ausgebildet und unterstützt. Der Staat finanzierte Trainingsstätten, Trainer, medizinische Betreuung und die Teilnahme an internationalen Wettbewerben. Das System ermöglichte die gezielte Auswahl von Talenten und die Konzentration von Trainingsressourcen auf bestimmte Disziplinen. Zugleich waren die Sportler in ihrer beruflichen Entwicklung und ihren internationalen Wechselmöglichkeiten stark von den staatlichen Regelungen abhängig. Seit den 2010er-Jahren wurden die Bedingungen für einzelne Athleten verändert; kubanische Sportler können inzwischen unter bestimmten Voraussetzungen auch außerhalb des Landes Verträge eingehen.
Die Ausbildung von Sportlehrern und Trainern erfolgt an spezialisierten Bildungseinrichtungen. Zu den bekanntesten zählt die Universidad de Ciencias de la Cultura Física y el Deporte Manuel Fajardo in Havanna. Daneben bestehen regionale Einrichtungen, Sportschulen und Trainingszentren, in denen junge Athleten neben ihrer schulischen Ausbildung sportlich gefördert werden. Das INDER koordiniert die Auswahl von Nachwuchstalenten, die Vorbereitung auf nationale Meisterschaften und internationale Wettkämpfe sowie die medizinische Betreuung. Sportmedizin, Rehabilitation, Leistungsdiagnostik und Dopingkontrollen sind wichtige Bestandteile des organisierten Leistungssports.
Der kubanische Leistungssport erzielte insbesondere seit den 1960er-Jahren international bedeutende Erfolge. Bei den Olympischen Sommerspielen von Barcelona 1992 erreichte Kuba mit 14 Gold-, sechs Silber- und elf Bronzemedaillen seine bis dahin erfolgreichste olympische Bilanz. Das Land gehörte damals zu den führenden Nationen des internationalen Sports, obwohl seine Bevölkerung wesentlich kleiner ist als die vieler anderer erfolgreicher Sportnationen. Zu den wichtigsten Erfolgsdisziplinen zählen Boxen, Ringen, Judo und Leichtathletik. Auch im Volleyball, Gewichtheben, Taekwondo, Kanusport und Fechten erzielten kubanische Athleten Medaillen.
Bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris gewann Kuba neun Medaillen, darunter zwei Gold-, eine Silber- und sechs Bronzemedaillen. Der Ringer Mijaín López gewann im griechisch-römischen Stil in der Gewichtsklasse bis 130 Kilogramm zum fünften Mal in Folge olympisches Gold und stellte damit eine außergewöhnliche Serie auf. Der Boxer Erislandy Álvarez gewann ebenfalls Gold. Die Silbermedaille im Freistilringen der Frauen ging an Yusneylis Guzmán. Weitere Medaillen erzielten kubanische Sportler im Ringen, Boxen, Taekwondo und Kanusport. Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten war die kubanische Mannschaft kleiner und die Gesamtzahl der Medaillen geringer.
Baseball gilt als Nationalsport Kubas und ist tief im gesellschaftlichen Leben verankert. Er wird in Schulen, auf öffentlichen Plätzen und auf zahlreichen Sportanlagen gespielt. Die nationale Meisterschaft, die Serie Nacional de Béisbol, bildet den wichtigsten Wettbewerb des einheimischen Baseballs. Die Mannschaften sind regional organisiert und vertreten die Provinzen beziehungsweise die großen Städte. Zu den traditionsreichen Teams gehören die Industriales aus Havanna, die als eines der bekanntesten und erfolgreichsten Teams des Landes gelten, sowie Mannschaften aus Santiago de Cuba, Pinar del Río, Matanzas und anderen Provinzen. Die Spiele werden im staatlichen Fernsehen übertragen und finden ein großes Publikum. Baseball ist zugleich ein wichtiger Bestandteil der kubanischen Sportausbildung und ein bedeutender Bereich der Talentförderung.
Die kubanische Baseballnationalmannschaft gehörte über Jahrzehnte zu den erfolgreichsten Auswahlmannschaften der Welt. Sie gewann zahlreiche internationale Meisterschaften und olympische Medaillen. Bei den Olympischen Spielen von 1992, 1996 und 2004 errang sie jeweils Gold, 2000 und 2008 Silber. Seit dem Ende des Kalten Krieges haben sich jedoch die internationalen Wettbewerbsbedingungen verändert. Die stärkere Professionalisierung des Baseballs, die Abwanderung talentierter Spieler und die Konkurrenz durch Mannschaften mit großen finanziellen Ressourcen erschweren es Kuba, seine frühere Position zu halten. Kubanische Spieler wechselten vielfach in ausländische Profiligen, insbesondere in die Major League Baseball der Vereinigten Staaten und in professionelle Ligen anderer Länder. Für die kubanische Sportpolitik stellt sich damit die Aufgabe, die heimische Meisterschaft zu erhalten und gleichzeitig den internationalen Karrierewegen der Athleten Rechnung zu tragen.
Das Boxen gehört zu den international erfolgreichsten Sportarten des Landes. Kuba brachte zahlreiche Olympiasieger und Weltmeister hervor und verfügt über ein ausgebautes System der Nachwuchsförderung. Besonders im Amateurboxen erzielten kubanische Athleten über Jahrzehnte große Erfolge. Zu den bekannten Boxern gehören Teófilo Stevenson, Félix Savón und inzwischen mehrere Generationen weiterer international erfolgreicher Sportler. Die Ausbildung beruht auf systematischem Techniktraining, körperlicher Konditionierung und einer engmaschigen Betreuung durch Trainer und Sportmediziner. Die Teilnahme an internationalen Turnieren und Meisterschaften dient der Vorbereitung auf Olympische Spiele. Seit kubanische Boxer teilweise auch professionelle Kämpfe bestreiten dürfen, haben sich die Bedingungen für die Verbindung von staatlicher Sportförderung und kommerziellem Profisport verändert.
Auch das Ringen besitzt eine lange Erfolgsgeschichte. Kuba ist besonders im griechisch-römischen Stil international erfolgreich, während kubanische Athleten ebenfalls im Freistilringen Medaillen gewinnen. Zu den bekanntesten Sportlern zählt Mijaín López, der zwischen 2008 und 2024 fünf olympische Goldmedaillen in derselben Gewichtsklasse gewann. Neben dem Ringen der Männer hat sich auch das Frauenringen weiterentwickelt. Judo ist eine weitere wichtige Disziplin. Besonders erfolgreich waren kubanische Judoka bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften; zu den bekanntesten gehört Driulis González, die mehrere olympische Medaillen gewann. Die Förderung umfasst sowohl die technische Ausbildung als auch die Vorbereitung auf internationale Wettkämpfe.
In der Leichtathletik erzielt Kuba regelmäßig Erfolge, insbesondere in Sprung- und Wurfdisziplinen sowie im Hürdenlauf. Zu den bekanntesten Athleten der jüngeren Vergangenheit gehören Hochspringer Javier Sotomayor, der den Weltrekord im Hochsprung der Männer hält, sowie mehrere international erfolgreiche Dreispringer. Die Leichtathletik wird an Sportschulen und spezialisierten Trainingszentren gefördert. Allerdings hat die Abwanderung von Athleten auch diese Disziplinen beeinflusst. Bei internationalen Wettbewerben treten Sportler kubanischer Herkunft teilweise für andere Staaten an. Ein bekanntes Beispiel ist der Dreispringer Jordan Díaz, der für Spanien startet.
Volleyball, insbesondere der Frauenvolleyball, war ebenfalls über viele Jahre ein Aushängeschild des kubanischen Sports. Die Frauenmannschaft gewann bei den Olympischen Spielen 1992, 1996 und 2000 jeweils Gold. Sie wurde international unter dem Namen „Las Morenas del Caribe“ bekannt. In späteren Jahren verlor die Mannschaft einen Teil ihrer früheren Stärke, unter anderem infolge personeller Veränderungen und der Abwanderung von Spielerinnen. Auch im Männer- und Frauenbasketball, im Handball, Gewichtheben, Taekwondo, Kanusport, Wasserspringen und Fechten treten kubanische Sportler bei internationalen Meisterschaften an. Die sportlichen Erfolge unterscheiden sich dabei je nach Disziplin und Generation.
Fußball ist in Kuba weniger fest im nationalen Sportleben verankert als Baseball, gewinnt aber insbesondere bei jüngeren Menschen an Aufmerksamkeit. Die kubanische Fußballnationalmannschaft nimmt an Wettbewerben des nord- und mittelamerikanischen Fußballverbandes CONCACAF teil. Der nationale Ligabetrieb ist durch begrenzte finanzielle Mittel, eine vergleichsweise geringe öffentliche Präsenz und infrastrukturelle Probleme eingeschränkt. Viele Fußballinteressierte verfolgen außerdem internationale Wettbewerbe und ausländische Vereine über Fernsehen und digitale Medien. Auch Basketball wird in Schulen und Sporteinrichtungen gespielt; eine professionelle Infrastruktur mit vergleichbaren wirtschaftlichen Möglichkeiten wie in den großen nordamerikanischen Ligen besteht jedoch nicht.
Neben dem Leistungssport ist der Breitensport Bestandteil des öffentlichen Lebens. Schulen, Hochschulen und örtliche Sporteinrichtungen organisieren Wettbewerbe, Trainingsgruppen und Freizeitangebote. Basketballplätze, Baseballfelder, Sporthallen und offene Trainingsflächen dienen der sportlichen Betätigung in Städten und Gemeinden. Hinzu kommen Laufveranstaltungen, Radsport, Schwimmen, Gymnastik und verschiedene Formen des Freizeitsports. Der tatsächliche Zugang hängt allerdings von der Verfügbarkeit geeigneter Anlagen, Sportgeräte und qualifizierter Betreuung ab. Viele Sportstätten sind sanierungsbedürftig; Materialmangel und eingeschränkte Investitionsmöglichkeiten erschweren ihre Instandhaltung.
Der Radsport besitzt in Kuba eine lange Tradition. Besonders bekannt war die Vuelta a Cuba, eine mehrtägige Rundfahrt, an der zeitweise auch ausländische Mannschaften teilnahmen. Die Veranstaltung wurde über viele Jahre als bedeutender Wettbewerb des internationalen Amateur-Radsports angesehen, fand aber nicht durchgehend statt. Radfahren ist außerdem ein wichtiges Verkehrsmittel im Alltag, insbesondere wenn Kraftstoff oder öffentliche Verkehrsmittel knapp sind. Daraus ergibt sich eine enge Verbindung zwischen Alltagsmobilität und sportlicher Betätigung, wobei nicht jede Nutzung des Fahrrads sportlichen Zwecken dient.
Ein besonderer Bereich ist die Sportmedizin. Das Instituto de Medicina del Deporte betreut Athleten bei Trainingsbelastungen, Verletzungen, Rehabilitation und sportmedizinischen Untersuchungen. Medizinische Betreuung und wissenschaftlich gestützte Trainingsmethoden gehören zum staatlichen Fördersystem. Dopingkontrollen und die Vermittlung von Regeln des fairen Wettbewerbs sind ebenfalls Bestandteil der offiziellen Sportpolitik. Das kubanische Antidopinglabor in Havanna wurde für die Analyse von Dopingproben eingerichtet und ist in internationale Kontrollstrukturen eingebunden.
Eine wesentliche Herausforderung ist die Abwanderung von Sportlern und Trainern. Erfolgreiche Athleten können im Ausland häufig deutlich höhere Einkommen erzielen und erhalten Zugang zu besseren Trainingsbedingungen, Ausrüstung und professionellen Wettbewerben. Baseballspieler und Boxer sind davon besonders betroffen. Einige verlassen Kuba dauerhaft oder treten später für andere Nationalmannschaften an. Dadurch gehen dem heimischen Sport erfahrene Athleten und mögliche Trainer verloren. Zugleich bleiben kubanische Sportler mit internationaler Karriere ein sichtbarer Teil der weltweiten Sportlandschaft.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes wirken sich auch auf den Sport aus. Der Mangel an Treibstoff erschwert die Fahrt zu Wettkämpfen und Trainingszentren, während fehlende Ersatzteile und Baumaterialien die Instandhaltung von Sportanlagen beeinträchtigen. Die Beschaffung von Schuhen, Kleidung, Bällen, Schutzausrüstung und anderen Sportartikeln ist teilweise schwierig. Für den Spitzensport sind internationale Trainingslager und Wettkampfreisen mit hohen Kosten verbunden. Das staatliche Fördersystem besteht weiterhin, muss aber mit begrenzten finanziellen und materiellen Ressourcen arbeiten.
Olympische Spiele
Kuba nahm erstmals 1900 an den Olympischen Sommerspielen teil. Seither entwickelte sich das Land zu einer der erfolgreichsten Sportnationen Lateinamerikas, obwohl es über keine vergleichbare wirtschaftliche Grundlage wie große Industriestaaten verfügt. Die olympischen Erfolge konzentrierten sich vor allem auf Boxen, Ringen, Leichtathletik, Judo, Gewichtheben und Fechten. An Olympischen Winterspielen hat Kuba bislang nicht teilgenommen.
Die sportliche Entwicklung wurde nach der Revolution von 1959 durch ein staatlich organisiertes Fördersystem geprägt. Mit der Gründung des Instituto Nacional de Deportes, Educación Física y Recreación (INDER) im Jahr 1961 entstanden ein landesweites Netz von Sportschulen, Trainingszentren und medizinischen Betreuungseinrichtungen sowie staatlich finanzierte Programme zur Förderung leistungsorientierter Athleten. Die Abschaffung des Profisports im Jahr 1962 prägte das kubanische Sportsystem über Jahrzehnte. Später wurden begrenzte Möglichkeiten für Auslandsverträge und die Teilnahme an internationalen Profiligen geschaffen.
Bei den Spielen von 2008 in Peking hatte Kuba nach der von dir angeführten Bilanz insgesamt 194 olympische Medaillen errungen: 67 Gold-, 64 Silber- und 63 Bronzemedaillen. Die erfolgreichste einzelne Olympiateilnahme war jedoch Barcelona 1992, als die kubanische Mannschaft 14 Gold-, sechs Silber- und elf Bronzemedaillen gewann und den fünften Platz im Medaillenspiegel belegte. Auch bei den Spielen von 1996 in Atlanta, 2000 in Sydney und 2004 in Athen erreichte Kuba zahlreiche Spitzenplatzierungen.
Die olympische Bilanz wurde durch die Nichtteilnahme an den Sommerspielen von 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul unterbrochen. Kuba schloss sich 1984 dem von der Sowjetunion angeführten Boykott an und blieb 1988 ebenfalls fern. Nach der Rückkehr 1992 setzte das Land seine Erfolgsserie fort. In den folgenden Jahrzehnten gingen die Medaillenzahlen jedoch zurück. Bei den Olympischen Spielen von 2008 in Peking gewann Kuba 30 Medaillen, darunter drei Goldmedaillen. 2012 in London waren es 15 Medaillen, 2016 in Rio de Janeiro elf und 2020 in Tokio 15.
Bei den Olympischen Sommerspielen von 2024 in Paris erreichte Kuba neun Medaillen, davon zwei goldene, eine silberne und sechs bronzene. Der Ringer Mijaín López gewann im griechisch-römischen Stil in der Gewichtsklasse bis 130 kg zum fünften Mal in Folge olympisches Gold, nachdem er bereits 2008, 2012, 2016 und 2020 siegreich gewesen war. Damit wurde er zum ersten Sportler, der bei fünf aufeinanderfolgenden Olympischen Sommerspielen in derselben Einzeldisziplin Gold gewann. Die zweite kubanische Goldmedaille errang der Boxer Erislandy Álvarez. Yusneylis Guzmán gewann Silber im Freistilringen.
Die größten Erfolge erzielten kubanische Sportler im Boxen, Ringen, in der Leichtathletik und im Judo. Im Boxen prägten Teófilo Stevenson und Félix Savón mit jeweils drei olympischen Goldmedaillen ihre Sportart über mehrere Jahrzehnte. In der Leichtathletik gehörte der Hochspringer Javier Sotomayor mit seinem Weltrekord von 2,45 m zu den bekanntesten kubanischen Sportlern. Auch Fechter Ramón Fonst, der 1900 die erste olympische Goldmedaille für Kuba gewann, nimmt in der Geschichte des kubanischen Sports einen wichtigen Platz ein.
Die nach 2008 rückläufige Medaillenbilanz hängt mit mehreren Entwicklungen zusammen. Dazu zählen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes, begrenzte Mittel für Trainingsstätten und Sportausrüstung sowie die Abwanderung leistungsstarker Sportler, die im Ausland bessere Einkommens- und Trainingsbedingungen suchen. Gleichzeitig ist der internationale Spitzensport stärker kommerzialisiert worden, während das kubanische System lange auf staatlich finanzierte Ausbildung und Amateurwettbewerbe ausgerichtet war. Trotz dieser Schwierigkeiten gehört Kuba aufgrund seiner über Jahrzehnte erzielten Erfolge weiterhin zu den bedeutenden olympischen Sportnationen der Karibik.
Nach der Bilanz für die Olympischen Sommerspiele 2024 weist Kuba insgesamt 244 olympische Medaillen auf: 86 Gold-, 70 Silber- und 88 Bronzemedaillen. Kuba hat bislang an keinen Olympischen Winterspielen teilgenommen.
Medaillengewinner
| Name | Medaille(n) | Sport | Jahr(e) |
| Osmay Acosta | Bronze | Boxen | 2008 |
| Taismary Agüero | Gold (2) | Volleyball | 1996, 2000 |
| José Aguilar Pulsán | Bronze | Boxen | 1980 |
| Jorge Aguilera | Bronze | Leichtathletik | 1992 |
| Omar Ajete | Gold (2), Silber | Baseball | 1992, 1996, 2000 |
| Rafael Alba | Bronze (2) | Taekwondo | 2020, 2024 |
| Andrés Aldama | Gold, Silber | Boxen | 1976, 1980 |
| Erislandy Álvarez | Gold | Boxen | 2024 |
| Lázaro Álvarez | Bronze (3) | Boxen | 2012, 2016, 2020 |
| Miguel Alvarez | Bronze | Basketball | 1972 |
| Lorenzo Aragón | Silber | Boxen | 2004 |
| Yovany Aragon | Silber | Baseball | 2000 |
| Yordanis Arencibia | Bronze (2) | Judo | 2004, 2008 |
| Joahnys Argilagos | Bronze | Boxen | 2016 |
| Rolando Arrojo | Gold | Baseball | 1992 |
| Filiberto Ascuy | Gold (2) | Ringen | 1996, 2000 |
| Isaac Azcuy | Silber | Judo | 1980 |
| Roberto Balado | Gold | Boxen | 1992 |
| Ledis Balceiro | Silber (2) | Kanusport | 2000, 2004 |
| Carlos Banteur | Silber | Boxen | 2008 |
| Yarelys Barrios | Bronze | Leichtathletik | 2012, 2012 |
| Zoila Barros | Gold, Bronze | Volleyball | 2000, 2004 |
| Yan Barthelemí | Gold | Boxen | 2004 |
| Regla Bell | Gold (3) | Volleyball | 1992, 1996, 2000 |
| Daima Beltrán | Silber (2) | Judo | 2000, 2004 |
| Neisser Bent | Bronze | Schwimmen | 1996 |
| Yanet Bermoy | Silber (2) | Judo | 2008, 2012 |
| Danny Betancourt | Gold | Baseball | 2004 |
| Guillermo Betancourt | Silber | Fechten | 1992 |
| Alberto Blanco | Bronze | Gewichtheben | 1980 |
| Yordanis Borrero | Bronze | Gewichtheben | 2008 |
| Luis Borroto | Gold | Baseball | 2004 |
| Oscar Braison | Bronze | Judo | 2008 |
| Denia Caballero | Bronze | Leichtathletik | 2016 |
| Mercedes Calderón | Gold | Volleyball | 1992 |
| Miguel Calderón | Bronze | Basketball | 1972 |
| Rosir Calderón | Bronze | Volleyball | 2004 |
| Miguel Caldés | Gold, Silber | Baseball | 1996, 2000 |
| Iván Cambar | Bronze | Gewichtheben | 2012 |
| Ibrahim Camejo | Bronze | Leichtathletik | 2008 |
| Rafael Cañizares | Bronze | Basketball | 1972 |
| Gilberto Carrillo | Silber | Boxen | 1972 |
| Nancy Carrillo | Bronze | Volleyball | 2004 |
| Magaly Carvajal | Gold (2) | Volleyball | 1992, 1996 |
| Joel Casamayor | Gold | Boxen | 1992 |
| Alejandro Casañas | Silber (2) | Leichtathletik | 1976, 1980 |
| Yalennis Castillo | Silber | Judo | 2008 |
| Roberto Castrillo | Bronze | Schießen | 1980 |
| Danel Castro | Silber | Baseball | 2000 |
| Frederich Cepeda | Gold | Baseball | 2004 |
| José Ángel César | Bronze | Leichtathletik | 2000 |
| Pedro Chappé | Bronze | Basketball | 1972 |
| Yorelvis Charles | Gold | Baseball | 2004 |
| Silvia Chivás | Bronze (2) | Leichtathletik | 1972 |
| Miguelina Cobián | Silber | Leichtathletik | 1968 |
| Yarisleidis Cirilo | Bronze | Kanu | 2024 |
| María Caridad Colón | Gold | Leichtathletik | 1980 |
| José Contreras | Gold, Silber | Baseball | 1996, 2000 |
| Emilio Correa Vaillant | Gold | Boxen | 1972 |
| Emilio Correa junior | Silber | Boxen | 2008 |
| Marlenis Costa | Gold (3) | Volleyball | 1992, 1996, 2000 |
| Yunaika Crawford | Bronze | Leichtathletik | 2004 |
| Eglys Cruz | Bronze | Schießen | 2008 |
| Andy Cruz Gómez | Gold | Boxen | 2020 |
| Yumileidi Cumbá | Gold | Leichtathletik | 2004 |
| Carlos de Cárdenas Culmell | Silber | Segeln | 1948 |
| Carlos de Cárdenas Plá | Silber | Segeln | 1948 |
| José Delgado | Gold | Baseball | 1992 |
| Luis Delís | Bronze | Leichtathletik | 1980 |
| Robelis Despaigne | Bronze | Taekwondo | 2012 |
| Giorge Díaz | Gold | Baseball | 1992 |
| Manuel Díaz | Gold (2) | Fechten | 1904 |
| Tulio Díaz | Silber | Fechten | 1992 |
| Juan Domecq | Bronze | Basketball | 1972 |
| Yobal Duenas | Silber | Baseball | 2000 |
| Ramón Duvalón | Silber | Boxen | 1976 |
| Alfredo Duvergel | Silber | Boxen | 1996 |
| Juan Miguel Echevarría | Silber | Leichtathletik | 2020 |
| Marlene Elejarde | Silber, Bronze | Leichtathletik | 1968, 1972 |
| Michel Enríquez | Gold | Baseball | 2004 |
| José Estrada | Gold (2) | Baseball | 1992, 1996 |
| Rodolfo Falcón | Silber | Schwimmen | 1996 |
| Ana Ibis Fernández | Gold (3), Bronze | Volleyball | 1992, 1996, 2000, 2004 |
| Osvaldo Fernández | Gold | Baseball | 1992 |
| Juan Ferrer | Silber | Judo | 1980 |
| Alfredo Figueredo | Bronze | Volleyball | 1976 |
| Enrique Figuerola | Silber (2) | Leichtathletik | 1964, 1968 |
| Ramón Fonst | Gold (4), Silber | Fechten | 1900, 1904 |
| Mirka Francia | Gold (2) | Volleyball | 1996, 2000 |
| Jorge Fumero | Gold | Baseball | 1996 |
| Iván Fundora | Bronze | Ringen | 2004 |
| Yuriorkis Gamboa | Gold | Boxen | 2004 |
| Rolando Garbey | Silber, Bronze | Boxen | 1968, 1976 |
| Anier García | Gold, Bronze | Leichtathletik | 2000, 2004 |
| Hermenegildo García | Silber | Fechten | 1992 |
| Iván García | Bronze | Leichtathletik | 2000 |
| Oscar García | Silber, Bronze | Fechten | 1992, 1996 |
| Victor García | Bronze | Volleyball | 1976 |
| Yoel García | Silber | Leichtathletik | 2000 |
| Idalmis Gato | Gold (3) | Volleyball | 1992, 1996, 2000 |
| José Gómez | Gold | Boxen | 1980 |
| Yasser Gómez | Silber | Baseball | 2000 |
| Driulis González | Gold, Silber, Bronze (2) | Judo | 1992, 1996, 2000, 2004 |
| Asley González | Silber | Judo | 2012 |
| Norberto González | Gold | Baseball | 2004 |
| Raúl González | Silber | Boxen | 1992 |
| Yoanka González Pérez | Silber | Radsport | 2008 |
| Yulieski Gourriel | Gold | Baseball | 2004 |
| Elvis Gregory | Silber, Bronze (2) | Fechten | 1992, 1996 |
| Lourdes Gurriel | Gold | Baseball | 1992 |
| Jorge Gutiérrez | Gold | Boxen | 2000 |
| Yusneylys Guzmán | Silber | Ringen | 2024 |
| Alberto Hernández | Gold (2) | Baseball | 1992, 1996 |
| Anaisis Hernández | Silber | Judo | 2008 |
| Ariel Hernández | Gold (2) | Boxen | 1992, 1996 |
| Israel Hernández | Bronze (2) | Judo | 1992, 1996 |
| Johandrys Hernández | Bronze | Gewichtheben | 2008 |
| Jorge Hernández | Gold | Boxen | 1976 |
| Juan Hernández Pérez | Gold | Boxen | 1980 |
| Juan Hernández Sierra | Silber (2) | Boxen | 1992, 1996 |
| Orlando Hernández | Gold | Baseball | 1992 |
| Roberto Hernández | Silber | Leichtathletik | 1992 |
| Yampier Hernández | Bronze | Boxen | 2008 |
| Ángel Herrera | Gold (2) | Boxen | 1976, 1980 |
| Héctor Herrera | Silber | Leichtathletik | 1992 |
| Ruperto Herrera Tabio | Bronze | Basketball | 1972 |
| Tomás Herrera | Bronze | Basketball | 1972 |
| Adolfo Horta | Silber | Boxen | 1980 |
| Jose Ibar | Silber | Baseball | 2000 |
| Roniel Iglesias | Gold (2), Bronze | Boxen | 2008, 2012, 2020 |
| Rey Isaac | Gold | Baseball | 1996 |
| Joel Isasi | Bronze | Leichtathletik | 1992 |
| Lilia Izquierdo | Gold (3) | Volleyball | 1992, 1996, 2000 |
| Yudel Johnson | Silber | Boxen | 2004 |
| Fernando Jorge | Gold | Kanusport | 2020 |
| Alberto Juantorena | Gold (2) | Leichtathletik | 1976 |
| Mario Kindelán | Gold (2) | Boxen | 2000, 2004 |
| Orestes Kindelán | Gold (2), Silber | Baseball | 1992, 1996, 2000 |
| Yurisel Laborde | Bronze | Judo | 2004 |
| Yanelis Labrada | Silber | Taekwondo | 2004 |
| Julio César La Cruz | Gold (2) | Boxen | 2016, 2020 |
| Andry Laffita | Silber | Boxen | 2008 |
| Joel Lamela | Bronze | Leichtathletik | 1992 |
| Diego Lapera | Bronze | Volleyball | 1976 |
| Pablo Lara | Gold, Silber | Gewichtheben | 1992, 1996 |
| Norka Latamblet | Gold | Volleyball | 1992 |
| Pedro Luis Lazo | Gold (2), Silber | Baseball | 1996, 2000, 2004 |
| Juan Carlos Lemus | Gold | Boxen | 1992 |
| Yankiel León | Silber | Boxen | 2008 |
| Silvio Leonard | Silber | Leichtathletik | 1980 |
| Omar Linares | Gold (2), Silber | Baseball | 1992, 1996, 2000 |
| Arlen López | Gold (2), Bronze | Boxen | 2016, 2020, 2024 |
| Liván López | Bronze | Ringen | 2012 |
| Michel López | Bronze | Boxen | 2004 |
| Mijaín López | Gold (5) | Ringen | 2008, 2012, 2016, 2020, 2024 |
| Nelson Loyola | Bronze | Fechten | 2000 |
| Mireya Luis | Gold (3) | Volleyball | 1992, 1996, 2000 |
| Omar Luis | Gold | Baseball | 1996 |
| Yasmany Lugo | Silber | Ringen | 2016 |
| Diadenis Luna | Bronze | Judo | 1996 |
| Diógenes Luna | Bronze | Boxen | 2000 |
| Yurisleidy Lupetey | Bronze | Judo | 2004 |
| Roger Machado | Gold | Baseball | 2004 |
| Oscar Macías | Silber | Baseball | 2000 |
| Juan Manrique | Gold, Silber | Baseball | 1996, 2000 |
| Rogelio Marcelo | Gold | Boxen | 1992 |
| Juan Luis Marén | Silber (2), Bronze | Ringen | 1992, 1996, 2000 |
| Milaymys Marín | Bronze | Ringen | 2024 |
| Leonel Marshall junior | Bronze | Volleyball | 1976 |
| Maritza Martén | Gold | Leichtathletik | 1992 |
| Armando Martínez | Gold | Boxen | 1980 |
| Ernesto Martínez | Bronze | Volleyball | 1976 |
| Jonder Martínez | Gold | Baseball | 2004 |
| Lázaro Martínez | Silber | Leichtathletik | 1992 |
| Lorenzo Martínez | Bronze | Volleyball | 1976 |
| Luis Martínez | Bronze | Boxen | 1976 |
| Maybelis Martínez | Bronze | Volleyball | 2004 |
| Orlando Martínez | Gold | Boxen | 1972 |
| Maykel Massó | Bronze | Leichtathletik | 2020 |
| Ángel Matos | Gold | Taekwondo | 2000 |
| Freddy Mayola | Bronze | Leichtathletik | 2000 |
| Urbia Meléndez | Silber | Taekwondo | 2000 |
| Javier Méndez | Silber | Baseball | 2000 |
| Osleidys Menéndez | Gold, Bronze | Leichtathletik | 2000, 2004 |
| Rolando Merino | Silber | Baseball | 2000 |
| Arnaldo Mesa | Silber | Boxen | 1996 |
| Germán Mesa | Gold, Silber | Baseball | 1992, 2000 |
| Liana Mesa | Bronze | Volleyball | 2004 |
| Víctor Mesa | Gold | Baseball | 1992 |
| Héctor Milián | Gold | Ringen | 1992 |
| Danny Miranda | Gold | Baseball | 2004 |
| Ismael Borrero Molina | Gold | Ringen | 2016 |
| Daynellis Montejo | Bronze | Taekwondo | 2008 |
| Eliécer Montes | Gold | Baseball | 1996 |
| Pablo Montes | Silber | Leichtathletik | 1968 |
| Frank Montieth | Gold | Baseball | 2004 |
| Roberto Monzón | Silber | Ringen | 2004 |
| Juan Morales | Silber | Leichtathletik | 1968 |
| Yipsi Moreno | Gold | Leichtathletik | 2004 |
| Roberto Moya | Bronze | Leichtathletik | 1992 |
| Anniara Muñoz | Bronze | Volleyball | 2004 |
| Daniel Núñez | Gold | Gewichtheben | 1980 |
| Raiza O’Farrill | Gold | Volleyball | 1996 |
| Vicyohandri Odelín | Gold | Baseball | 2004 |
| Luis Orta | Gold, Bronze | Ringen | 2020, 2024 |
| Idalys Ortíz | Gold, Silber (2), Bronze | Judo | 2008, 2012, 2016, 2020 |
| Tania Ortiz | Gold | Volleyball | 1992 |
| Yahima Ortiz | Bronze | Volleyball | 2004 |
| Antonio Pacheco | Gold (2), Silber | Baseball | 1992, 1996, 2000 |
| Juan Padilla | Gold (2) | Baseball | 1992, 1996 |
| Adiel Palma | Gold | Baseball | 2004 |
| Eduardo Paret | Gold (2) | Baseball | 1996, 2004 |
| Carlos Pedroso | Bronze | Fechten | 2000 |
| Iván Pedroso | Gold | Leichtathletik | 2000 |
| Leobaldo Pereira | Silber | Kanusport | 2000 |
| Conrado Pérez | Bronze | Basketball | 1972 |
| Jorge Pérez Vento | Bronze | Volleyball | 1976 |
| Juan Carlos Pérez | Gold | Baseball | 1992 |
| Yaimé Pérez | Bronze | Leichtathletik | 2020 |
| Luis Alberto Pérez Rionda | Bronze | Leichtathletik | 2000 |
| Ariel Pestano | Gold, Silber | Baseball | 2000, 2004 |
| Gabriel Pierre | Silber | Baseball | 2000 |
| Manolo Poulot | Bronze | Judo | 2000 |
| Alejandro Puerto | Gold | Ringen | 1992 |
| Leuris Pupo | Gold, Silber | Schießen | 2012, 2020 |
| Violeta Quesada | Silber | Leichtathletik | 1968 |
| Yoelbi Quesada | Bronze | Leichtathletik | 1996 |
| Yandro Quintana | Gold | Ringen | 2004 |
| Ioamnet Quintero | Bronze | Leichtathletik | 1992 |
| Ana Fidelia Quirot | Silber, Bronze | Leichtathletik | 1992, 1996 |
| Alexei Ramírez | Gold | Baseball | 2004 |
| Daymi Ramírez | Bronze | Volleyball | 2004 |
| Hermes Ramírez | Silber | Leichtathletik | 1968 |
| Robeisy Ramírez | Gold 2 | Boxen | 2012, 2016 |
| Hipólito Ramos | Silber | Boxen | 1980 |
| Enrique Regüeiferos | Silber | Boxen | 1968 |
| Lázaro Reinoso | Bronze | Ringen | 1992 |
| Odalis Revé | Gold | Judo | 1992 |
| Guillermo Rigondeaux | Gold (2) | Boxen | 2000, 2004 |
| Lázaro Rivas | Silber | Ringen | 2000 |
| Dayron Robles | Gold | Leichtathletik | 2008 |
| Juan Roca | Bronze | Basketball | 1972 |
| Alexis Rodríguez | Bronze | Ringen | 2000 |
| Antonio Rodríguez | Bronze | Volleyball | 1976 |
| Disney Rodríguez | Bronze | Ringen | 2008 |
| Douglas Rodríguez | Bronze | Boxen | 1972 |
| Estela Rodríguez | Silber (2) | Judo | 1992, 1996 |
| Héctor Rodríguez | Gold | Judo | 1976 |
| José Rodríguez | Silber | Judo | 1980 |
| Juan Miguel Rodríguez | Bronze | Schießen | 2004 |
| Maels Rodríguez | Silber | Baseball | 2000 |
| Ibrahim Rojas | Silber (2) | Kanusport | 2000, 2004 |
| Ricardo Rojas | Bronze | Boxen | 1980 |
| Fulgencia Romay | Silber, Bronze | Leichtathletik | 1968, 1972 |
| Maikro Romero | Gold, Bronze | Boxen | 1996, 2000 |
| Osmany Romero | Gold | Baseball | 1996 |
| Yoel Romero | Silber | Ringen | 2000 |
| Gabriel Rosillo | Bronze | Ringen | 2024 |
| Yumilka Ruiz | Gold (2), Bronze | Volleyball | 1996, 2000, 2004 |
| Carlos Salas | Bronze | Volleyball | 1976 |
| Reineris Salas | Bronze | Ringen | 2020 |
| Eriel Sánchez | Gold | Baseball | 2004 |
| Marta Sánchez | Gold, Bronze | Volleyball | 2000, 2004 |
| Wilber Sánchez | Bronze | Ringen | 1992 |
| Victoriano Sarmientos | Bronze | Volleyball | 1976 |
| Jesús Savigne | Bronze | Volleyball | 1976 |
| Amarilis Savón | Bronze (3) | Judo | 1992, 1996, 2004 |
| Erislandy Savon | Bronze | Boxen | 2016 |
| Félix Savón | Gold (3) | Boxen | 1992, 1996, 2000 |
| Yargelis Savigne | Bronze | Leichtathletik | 2008 |
| Antonio Scull | Gold (2), Silber | Baseball | 1996, 2000, 2004 |
| Yarisley Silva | Silber | Leichtathletik | 2012 |
| Andrés Simón | Bronze | Leichtathletik | 1992 |
| Odlanier Solís | Gold | Boxen | 2004 |
| Sixto Soria | Silber | Boxen | 1976 |
| Javier Sotomayor | Gold, Silber | Leichtathletik | 1992, 2000 |
| Franklin Standard | Bronze | Basketball | 1972 |
| Teófilo Stevenson | Gold (3) | Boxen | 1972, 1976, 1980 |
| Leonel Suárez | Bronze (2) | Leichtathletik | 2008, 2012 |
| Carlos Tabares | Gold | Baseball | 2004 |
| Dulce Tellez | Bronze | Volleyball | 2004 |
| Norberto Téllez | Silber | Leichtathletik | 1992 |
| Yasniel Toledo | Bronze | Boxen | 2012 |
| Regla Torres | Gold (3) | Volleyball | 1992, 1996, 2000 |
| Serguey Torres | Gold | Kanusport | 2020 |
| Iván Trevejo | Silber, Bronze | Fechten | 1996, 2000 |
| Rolando Tucker | Bronze | Fechten | 1996 |
| Yordenis Ugás | Bronze | Boxen | 2008 |
| Luis Ulacia | Gold (2), Silber | Baseball | 1992, 1996, 2000 |
| Alejandro Urgellés | Bronze | Basketball | 1972 |
| Yoandri Urgellés | Gold | Baseball | 2004 |
| Ermidelio Urrutia | Gold | Baseball | 1992 |
| Osmani Urrutia | Gold | Baseball | 2004 |
| Carmen Valdés | Bronze | Leichtathletik | 1972 |
| Jorge Luis Valdés | Gold | Baseball | 1992 |
| Jadier Valladares | Bronze | Gewichtheben | 2008 |
| Lázaro Valle | Silber | Baseball | 2000 |
| Lázaro Vargas | Gold (2) | Baseball | 1992, 1996 |
| Óscar Varona | Bronze | Basketball | 1972 |
| Manuel Vega | Gold | Baseball | 2004 |
| Norge Luis Vera | Gold, Silber | Baseball | 2000, 2004 |
| Sibelis Veranes | Gold | Judo | 2000 |
| Legna Verdecia | Gold, Bronze | Judo | 1996, 2000 |
| Alexis Vila | Bronze | Ringen | 1996 |
| Héctor Vinent | Gold (2) | Boxen | 1992, 1996 |
| Raúl Virches | Bronze | Volleyball | 1976 |
Fußball
Der kubanische Fußball wird von der Asociación de Fútbol de Cuba organisiert. Sie wurde 1924 gegründet, ist seit 1932 Mitglied der FIFA und war 1961 Gründungsmitglied der CONCACAF. Unter ihrer Obhut steht der Klubfußball des Landes mit dem 1912 geschaffenen Campeonato Nacional de Fútbol de Cuba als oberster Spielklasse. Die bisherigen Meister waren:
- 1912 : Rovers AC (La Habana)
- 1913 : CD Hatuey (La Habana)
- 1914 : Rovers AC (La Habana)
- 1915 : Hispano América (La Habana)
- 1916 : La Habana FC
- 1917 : Iberia (La Habana)
- 1918 : Iberia (La Habana)
- 1919 : Hispano América (La Habana)
- 1920 : Hispano América (La Habana)
- 1921 : Hispano América (La Habana)
- 1922 : Iberia (La Habana)
- 1923 : Iberia (La Habana)
- 1924 : Olimpia
- 1925 : Fortuna
- 1926 : Real Iberia (La Habana)
- 1927 : Juventud Asturiana (La Habana)
- 1928 : Real Iberia (La Habana)
- 1929 : Real Iberia (La Habana)
- 1930 : Deportivo Español
- 1931 : DC Gallego (La Habana)
- 1932 : DC Gallego (La Habana)
- 1933 : Juventud Asturiana (La Habana)
- 1934 : Real Iberia (La Habana)
- 1935 : Juventud Asturiana (La Habana)
- 1936 : Juventud Asturiana (La Habana)
- 1937 : DC Gallego (La Habana)
- 1938 : DC Gallego (La Habana)
- 1939 : DC Gallego (La Habana)
- 1940 : DC Gallego (La Habana)
- 1941 : Juventud Asturiana (La Habana)
- 1942 : Deportivo Puentes Grandes
- 1943 : Deportivo Puentes Grandes
- 1944 : Juventud Asturiana (La Habana)
- 1945 : DC Gallego (La Habana)
- 1946 : no championship
- 1947 : DC Gallego (La Habana)
- 1948 : Juventud Asturiana (La Havane)
- 1949 : Diablos Rojos (Santiago de Cuba)
- 1950 : Hispano América (La Habana)
- 1951 : Deportivo San Francisco
- 1952 : Deportivo San Francisco
- 1953 : Deportivo San Francisco
- 1954 : Deportivo San Francisco
- 1955 : Deportivo San Francisco
- 1956 : Casino Español
- 1957 : Deportivo San Francisco
- 1958 : Deportivo Mordazo
- 1959 : Deportivo Mordazo
- 1960 : Cerro (Havane)
- 1961 : Deportivo Mordazo
- 1963 : Industriales (La Habana)
- 1964 : Industriales (La Habana)
- 1965 : La Habana
- 1966 : La Habana
- 1967 : La Habana
- 1968 : Granjeros
- 1969 : Granjeros
- 1970 : Granjeros
- 1972 : Industriales (La Habana)
- 1973 : Industriales (La Habana)
- 1974 : Azucareros
- 1975 : Granjeros
- 1976 : Azucareros
- 1977 : Granjeros
- 1978/79 : FC Ciudad de La Habana
- 1979 : FC Ciudad de La Habana
- 1980 : FC Villa Clara
- 1981 : FC Villa Clara
- 1982 : FC Villa Clara
- 1983 : FC Villa Clara
- 1984 : FC Ciudad de La Habana
- 1985 : FC Cienfuegos
- 1986 : FC Villa Clara
- 1987 : FC Pinar del Río
- 1988/89 : FC Pinar del Río
- 1989/90 : FC Pinar del Río
- 1990/91 : FC Cienfuegos
- 1991/92 : FC Pinar del Río
- 1992 : FC Villa Clara
- 1993 : FC Ciego de Ávila
- 1994 : FC Ciudad de La Habana
- 1995 : FC Pinar del Río
- 1996 : FC Villa Clara
- 1997 : FC Villa Clara
- 1998 : FC Ciudad de La Habana
- 1999/00 : FC Pinar del Río
- 2000/01 : FC Ciudad de La Habana
- 2001/02 : FC Ciego de Ávila
- 2002/03 : FC Villa Clara
- 2003 : FC Ciego de Ávila
- 2004/05 : FC Villa Clara
- 2005/06 : FC Holguín
- 2006: FC Pinar del Río
- 2007/08 : FC Cienfuegos
- 2008/09 : FC Cienfuegos
- 2009/10 : FC Ciego de Ávila
- 2010/11 : FC Villa Clara
- 2011/12 : FC Villa Clara
- 2013: Villa Clara
- 2014: Ciego de Ávila
- 2015: Camagüey
- 2016: Villa Clara
- 2017: Santiago de Cuba
- 2018: Santiago de Cuba
- 2019: Santiago de Cuba
- 2022: Artemisa
- 2023: Cienfuegos
- 2025: La Habana
Meistertitel:
| Klub | Stadt | Titel | Meisterjahre |
| Villa Clara | Zulueta, Villa Clara | 14 | 1980, 1981, 1982, 1983, 1986, 1992, 1996, 1997, 2002–03, 2004–05, 2010–11, 2011–12, 2013, 2016 |
| Centro Gallego | La Habana | 8 | 1931, 1932, 1937, 1938, 1939, 1940, 1945, 1947 |
| Real Iberia | La Habana | 8 | 1917, 1918, 1922, 1923, 1926, 1928, 1929, 1934 |
| Juventud Asturiana | La Habana | 7 | 1927, 1933, 1935, 1936, 1941, 1944, 1948 |
| Pinar del Río | Pinar del Río | 7 | 1987, 1988–89, 1989–90, 1991–92, 1995, 1999–00, 2006–07 |
| Camagüey | Camagüey | 6 | 1968, 1969, 1970, 1975, 1977, 2015 |
| Ciudad de La Habana | La Habana | 6 | 1978–79, 1979, 1984, 1994, 1998, 2000–01 |
| San Francisco | La Habana | 6 | 1951, 1952, 1953, 1954, 1955, 1957 |
| La Habana | La Habana | 5 | 1916, 1965, 1966, 1967, 2025 |
| Cienfuegos | Cienfuegos | 5 | 1985, 1990–91, 2007–08, 2008–09, 2023 |
| Ciego de Ávila | Ciego de Ávila | 5 | 1993, 2001–02, 2003, 2009–10, 2014 |
| Hispano América | La Habana | 5 | 1915, 1919, 1920, 1921, 1950 |
| Industriales | La Habana | 4 | 1963, 1964, 1972, 1973 |
| Deportivo Mordazo | La Habana | 3 | 1958, 1959, 1961 |
| Santiago de Cuba | Santiago de Cuba | 3 | 2017, 2018, 2019 |
| Azucareros | Zulueta, Las Villas | 2 | 1974, 1976 |
| Puentes Grandes | La Habana | 2 | 1942, 1943 |
| Rovers Athletic | La Habana | 2 | 1912, 1914 |
| Artemisa | Guanajay | 1 | 2022 |
| Casino Español | La Habana | 1 | 1956 |
| El Cerro | La Habana | 1 | 1960 |
| Deportivo Español | Santiago de Cuba | 1 | 1930 |
| Diablos Rojos | Santiago de Cuba | 1 | 1949 |
| Fortuna | La Habana | 1 | 1925 |
| SC Hatüey | La Habana | 1 | 1913 |
| Holguín | Holguín | 1 | 2005/06 |
| Olimpia | La Habana | 1 | 1924 |
Die kubanische Fußballnationalmannschaft der Männer vertritt Kuba bei internationalen Wettbewerben und wird von der Asociación de Fútbol de Cuba (AFC) organisiert. Der Verband gehört dem Weltfußballverband FIFA und dem Kontinentalverband CONCACAF an, der für Nordamerika, Mittelamerika und die Karibik zuständig ist. Fußball steht in Kuba im Schatten des Baseballs, der traditionell als Nationalsport gilt. Dennoch besitzt die Nationalmannschaft eine lange Geschichte im internationalen Fußball und nimmt regelmäßig an Wettbewerben der Karibikregion und an Qualifikationsspielen für Weltmeisterschaften teil.
Kuba nahm erstmals 1938 an einer Fußball-Weltmeisterschaft teil. Bei der Endrunde in Frankreich erreichte die Mannschaft das Viertelfinale und erzielte damit ihren größten Erfolg bei einer Männer-Weltmeisterschaft. Im Achtelfinale setzte sie sich in einem Wiederholungsspiel gegen Rumänien durch, bevor sie im Viertelfinale gegen Schweden ausschied. Seitdem qualifizierte sich Kuba nicht erneut für eine Weltmeisterschaft. Die Mannschaft nahm allerdings wiederholt an den Qualifikationswettbewerben teil, zuletzt für die Weltmeisterschaft 2026.
Die erfolgreichsten Phasen bei kontinentalen Wettbewerben gelangen Kuba bei den CONCACAF-Meisterschaften und dem späteren CONCACAF Gold Cup. 1971 belegte die Mannschaft bei der damaligen CONCACAF-Meisterschaft den vierten Platz. Im Gold Cup erreichte sie 2003, 2013 und 2015 jeweils das Viertelfinale. 2012 gewann Kuba den Caribbean Cup, die regionale Meisterschaft der karibischen Fußballverbände.
Die Mannschaft trägt die Spitznamen „Los Leones del Caribe“ (die Löwen der Karibik) und „Los Diablos Rojos“ (die roten Teufel). Als Heimstadion dient traditionell das Estadio Pedro Marrero in Havanna. Wegen der eingeschränkten Infrastruktur und der organisatorischen Schwierigkeiten im kubanischen Sport finden internationale Begegnungen allerdings nicht immer auf heimischem Boden statt. Bei der Nations League und anderen Wettbewerben werden Spiele teilweise auf neutralen Plätzen oder in anderen karibischen Staaten ausgetragen.
Im internationalen Vergleich zählt Kuba nicht zu den führenden Fußballnationen der CONCACAF. In der FIFA-Weltrangliste der Männer belegte die Mannschaft im Juli 2026 Rang 164; ihre bisher beste Platzierung war Rang 46 im Jahr 2006.
Zu den Schwierigkeiten zählen begrenzte finanzielle Mittel, eine schwache Infrastruktur für den leistungsorientierten Fußball und die Konkurrenz durch andere Sportarten. Zudem haben kubanische Fußballspieler wiederholt das Land verlassen, um im Ausland bessere sportliche und wirtschaftliche Möglichkeiten zu nutzen. Dies kann die langfristige Kaderplanung erschweren, zugleich erhalten einzelne Spieler dadurch Zugang zu leistungsstärkeren Ligen und Trainingsbedingungen.
In der Nations League 2026/27 trat Kuba in Liga B an. Im September 2026 gewann die Mannschaft mit 3:0 gegen Grenada und mit 2:0 gegen Bonaire. Gegen St. Kitts und Nevis spielte sie Anfang Oktober zweimal unentschieden. Die Ergebnisse zeigten, dass Kuba innerhalb der karibischen Konkurrenz konkurrenzfähig sein kann, auch wenn der Abstand zu den stärksten Nationalmannschaften der Region erheblich bleibt.
Gesamtstatistik (Stand Ende 2026)
| Gegner | Sp | S | U | N | T+ | T- |
| Albanien | 1 | 0 | 1 | 0 | 0 | 0 |
| Algerien | 1 | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 |
| Angola | 2 | 0 | 0 | 2 | 2 | 4 |
| Anguilla | 2 | 2 | 0 | 0 | 8 | 0 |
| Antigua und Barbuda | 8 | 7 | 1 | 0 | 19 | 4 |
| Aruba | 1 | 0 | 0 | 1 | 1 | 4 |
| Bahamas | 3 | 3 | 0 | 0 | 14 | 0 |
| Barbados | 9 | 5 | 4 | 0 | 14 | 3 |
| Belize | 4 | 3 | 0 | 1 | 11 | 4 |
| Bermuda | 10 | 9 | 0 | 1 | 28 | 7 |
| Bolivien | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 1 |
| Bonaire | 1 | 1 | 0 | 0 | 2 | 0 |
| Brailien | 1 | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 |
| Britische Jungferninseln | 1 | 1 | 0 | 0 | 5 | 0 |
| Cayman Inseln | 13 | 10 | 3 | 0 | 42 | 4 |
| Chile | 3 | 0 | 0 | 3 | 0 | 8 |
| Costa Rica | 18 | 0 | 3 | 15 | 11 | 57 |
| Curacao | 4 | 1 | 2 | 1 | 5 | 5 |
| Tschechoslowakei | 1 | 0 | 0 | 1 | 1 | 4 |
| Dominica | 2 | 2 | 0 | 0 | 7 | 3 |
| Dominikanische Republik | 9 | 7 | 2 | 0 | 22 | 5 |
| Ostdeutschland | 3 | 1 | 0 | 2 | 3 | 9 |
| Ecuador | 4 | 2 | 2 | 0 | 3 | 1 |
| El Salvador | 13 | 4 | 2 | 7 | 24 | 27 |
| Ethiopia | 1 | 0 | 1 | 0 | 0 | 0 |
| Französisch Guinea | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 3 |
| Ghana | 1 | 0 | 1 | 0 | 1 | 1 |
| Grenada | 9 | 3 | 5 | 1 | 12 | 8 |
| Guadeloupe | 7 | 4 | 0 | 3 | 11 | 11 |
| Guatemala | 17 | 4 | 3 | 10 | 9 | 20 |
| Guyana | 6 | 3 | 2 | 1 | 9 | 3 |
| Haiti | 27 | 9 | 11 | 7 | 37 | 28 |
| Honduras | 15 | 5 | 1 | 9 | 21 | 29 |
| Hungary | 1 | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 |
| Indonesien | 1 | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 |
| Jamaika | 28 | 11 | 7 | 10 | 31 | 34 |
| Kamerun | 1 | 0 | 1 | 0 | 1 | 1 |
| Kanada | 15 | 2 | 3 | 10 | 11 | 31 |
| Kolumbien | 3 | 0 | 0 | 3 | 2 | 5 |
| Korea, Nord | 2 | 1 | 1 | 0 | 1 | 0 |
| Korea, Süd | 1 | 0 | 1 | 0 | 0 | 0 |
| Libyen | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 1 |
| Martinique | 10 | 3 | 4 | 3 | 9 | 9 |
| Mexiko | 17 | 1 | 0 | 16 | 9 | 58 |
| Niederländische Antillen | 11 | 5 | 1 | 5 | 23 | 17 |
| Nicaragua | 14 | 7 | 4 | 3 | 26 | 16 |
| Panama | 34 | 12 | 9 | 13 | 42 | 43 |
| Puerto Rico | 4 | 3 | 1 | 0 | 20 | 1 |
| Romania | 2 | 1 | 1 | 0 | 5 | 4 |
| Saint Lucia | 1 | 1 | 0 | 0 | 2 | 0 |
| Saint Martin | 1 | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 |
| St Kitts und Nevis | 6 | 2 | 3 | 1 | 13 | 8 |
| St Lucia | 1 | 1 | 0 | 0 | 3 | 0 |
| St Vincent und die Grenadinen | 7 | 5 | 1 | 1 | 11 | 4 |
| Schweden | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 8 |
| Suriname | 13 | 8 | 4 | 1 | 30 | 10 |
| Trinidad und Tobago | 29 | 8 | 6 | 15 | 32 | 46 |
| Turks und Caicos | 2 | 2 | 0 | 0 | 17 | 0 |
| Uruguay | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 2 |
| USA | 14 | 1 | 1 | 12 | 11 | 51 |
| Venezuela | 8 | 3 | 0 | 5 | 10 | 11 |
Persönlichkeiten
Berühmte Persönlichkeiten, die auf der Insel Kuba geboren wurden, sind unter anderem:
- Felix Varela (1788 bis 1853), Katholischer Priester, Philosoph und Unabhängigkeitsdenker
- Carlos Manuel de Céspedes (1819 bis 1874), Jurist, Plantagenbesitzer und Freiheitskämpfer (Initiator des Zehnjährigen Krieges)
- Máximo Gómez (1836 bis 1905), General und militärischer Oberbefehlshaber im Unabhängigkeitskrieg
- Antonio Maceo (1845 bis 1896), Generalmajor der Befreiungsarmee (bekannt als „Bronzetitan“)
- José Martí (1853 bis 1895), Nationalheld, Dichter, Journalist und Unabhängigkeitsführer
- José Raúl Capablanca (1888 bis 1942), Schachspieler und Schachweltmeister (1921 bis 1927)
- Rita Montaner (1900 bis 1958), Sängerin, Schauspielerin und Pianistin
- Alejo Carpentier (1904 bis 1980), Schriftsteller und Essayist (Mitbegründer des Magischen Realismus)
- Compay Segundo (1907 bis 2003), Musiker, Gitarrist und Komponist (Buena Vista Social Club)
- Benny Moré (1919 bis 1963), Sänger, Komponist und Bandleader („El Bárbaro del Ritmo“)
- Alicia Alonso (1920 bis 2019), Primaballerina und Choreografin (Gründerin des Ballet Nacional de Cuba)
- Celia Cruz (1925 bis 2003), Sängerin und weltweite „Königin der Salsa“
- Fidel Castro (1926 bis 2008), Revolutionär, Politiker und langjähriger Staatschef Kubas
- Ibrahim Ferrer (1927 bis 2005), Sänger des traditionellen Son Cubano (Buena Vista Social Club)
- Tomás Gutiérrez Alea (1928 bis 1996), Regisseur und Drehbuchautor („Erdbeer und Schokolade“)
- Camilo Cienfuegos (1932 bis 1959), Revolutionär und Kommandant der Rebellenarmee
- Reinaldo Arenas (1943 bis 1990), Schriftsteller und Dissident
- Andy García (* 1956), Schauspieler, Regisseur und Filmproduzent („Der Pate III“)
- Gloria Estefan (* 1957), Sängerin, Songwriterin und mehrfache Grammy-Gewinnerin
- Javier Sotomayor (* 1967), Leichtathlet und Weltrekordhalter im Hochsprung
- Ana de Armas (* 1988), Schauspielerin („Blonde“, „James Bond: Keine Zeit zu sterben“)
Fremdenverkehr
Der Fremdenverkehr entwickelte sich in Kuba bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig. Besonders während der Prohibition in den Vereinigten Staaten von 1920 bis 1933 gewann die Insel als nahe gelegenes Reiseziel für US-Amerikaner an Attraktivität. In Kuba waren Alkohol und Glücksspiel weniger stark eingeschränkt als in den USA, und Havanna entwickelte sich zu einem Zentrum des Nachtlebens mit Hotels, Bars, Casinos und Unterhaltungsbetrieben. Die geografische Nähe zu Florida, regelmäßige Schiffsverbindungen und die wachsende touristische Infrastruktur begünstigten diese Entwicklung. In den 1940er- und 1950er-Jahren nahm der Tourismus weiter zu. Große Hotels und Spielkasinos, Nachtclubs und Strandresorts prägten vor allem Havanna und einzelne Küstenorte. Ein Teil dieses Tourismus war mit US-amerikanischen Investitionen verbunden; zugleich bestanden enge Verflechtungen zwischen Glücksspiel, organisierter Kriminalität und Teilen der damaligen Geschäftswelt.
Nach dem Sieg der Revolution von 1959 veränderten sich die Rahmenbedingungen grundlegend. Die Verstaatlichung zahlreicher Unternehmen, die Verschlechterung der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und die späteren US-amerikanischen Reise- und Handelsbeschränkungen führten zu einem starken Rückgang des US-Tourismus. In den folgenden Jahrzehnten kamen vor allem Besucher aus sozialistischen Staaten, darunter der Sowjetunion und den Ländern des Ostblocks. Der internationale Fremdenverkehr blieb im Vergleich zur Zeit vor der Revolution begrenzt. Die Regierung richtete die touristische Infrastruktur stärker auf staatlich organisierte Angebote und Besucher aus verbündeten Ländern aus.
Nach dem Zerfall des Ostblocks und der schweren Wirtschaftskrise der 1990er-Jahre wurde der internationale Tourismus gezielt als Quelle dringend benötigter Devisen ausgebaut. Der Staat ließ ausländische Investitionen zu und gründete Gemeinschaftsunternehmen mit internationalen Hotel- und Tourismuskonzernen. Neue Hotelanlagen entstanden insbesondere an den Stränden von Varadero, auf den nördlichen Cayos und an der Küste der Provinz Holguín. Daneben wurden historische Stadtzentren, Naturgebiete und ländliche Regionen touristisch erschlossen. Der Tourismus entwickelte sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig, der Arbeitsplätze schuf und Einnahmen in ausländischen Währungen brachte. Zugleich entstanden Unterschiede zwischen Beschäftigten im Tourismussektor, die Trinkgelder und Devisen erhalten konnten, und vielen Beschäftigten in staatlichen Bereichen mit niedrigeren Einkommen.
Der kubanische Tourismus umfasst Bade- und Pauschalreisen, Kultur- und Städtereisen, Natur- und Wandertourismus, Tauchen, Segeln sowie Rundreisen. Zu den wichtigsten Zielgebieten zählen Havanna, Varadero, das Viñales-Tal, Cayo Coco und Cayo Guillermo, Cayo Santa María, die Strände von Guardalavaca sowie die historischen Städte Trinidad, Cienfuegos, Camagüey und Santiago de Cuba. Havanna zieht Besucher mit seiner kolonialzeitlichen Architektur, den Plätzen und Festungsanlagen der Altstadt, Museen, Musikveranstaltungen und dem kulturellen Leben an. Die historische Altstadt gehört zum UNESCO-Welterbe. Varadero ist das wichtigste zusammenhängende Bade- und Hotelgebiet des Landes und verfügt über einen langen Sandstrand sowie zahlreiche größere Ferienanlagen. Die Cayos an der Nordküste sind vor allem durch Strandhotels, Wassersport und organisierte Pauschalreisen geprägt.
Das Viñales-Tal im Westen Kubas ist für seine Kalksteinfelsen, die Mogotes, seine Tabakanbaugebiete und die traditionelle ländliche Kulturlandschaft bekannt. Es ist ein Ziel für Wanderungen, Ausritte und Ausflüge zu Höhlen und Tabakfarmen. Trinidad verbindet erhaltene koloniale Architektur mit Museen, Musikangeboten und Ausflugsmöglichkeiten in das nahe gelegene Valle de los Ingenios und die Berglandschaft der Sierra del Escambray. In Santiago de Cuba spielen Geschichte, Musik, Karneval und die kulturellen Einflüsse der östlichen Inselregion eine wichtige Rolle. Naturtourismus findet außerdem in Gebirgsregionen, Nationalparks, Feuchtgebieten und Korallenriffgebieten statt. Tauchen und Schnorcheln werden an zahlreichen Küstenabschnitten angeboten, wobei die empfindlichen Korallenriffe und Meeresökosysteme durch Schutzgebiete und regulierte Nutzungen bewahrt werden sollen.
Das Angebot an Unterkünften reichte traditionell von großen staatlichen Hotels und internationalen Ferienanlagen über kleinere Privathäuser bis zu Campingplätzen und einfachen Herbergen. Die tatsächliche Verfügbarkeit hängt jedoch stark von der Region und der wirtschaftlichen Lage ab. Die seit 2025 verschärfte Krise des Tourismussektors und die Versorgungsprobleme des Jahres 2026 haben zu zahlreichen vorübergehenden Hotelschließungen, Einschränkungen im Betrieb und Veränderungen bei den internationalen Hotelgesellschaften geführt. Im Juli 2026 erklärte die kubanische Regierung, dass rund 73 Prozent der Hotelanlagen geschlossen seien.
Staatliche Hotelunternehmen betreiben einen großen Teil der klassischen Hotelanlagen. Dazu gehören unter anderem die kubanischen Hotelgruppen Gaviota, Gran Caribe und Cubanacán. Die Unterkünfte reichen von einfacheren Stadthotels bis zu großen Strandresorts mit Restaurants, Bars, Schwimmbädern, Sportangeboten und organisierter Freizeitgestaltung. Internationale Hotelgesellschaften waren über Managementverträge und Kooperationen mit kubanischen Staatsunternehmen am Betrieb zahlreicher Häuser beteiligt. Diese Zusammenarbeit veränderte sich 2026 erheblich, als mehrere ausländische Betreiber ihre Tätigkeit auf Kuba wegen wirtschaftlicher, rechtlicher und logistischer Schwierigkeiten einstellten oder einschränkten.
Eine wichtige Ergänzung zum staatlichen Hotelangebot sind die casas particulares. Dabei handelt es sich um private Zimmervermietungen oder ganze Ferienwohnungen und Häuser, die von kubanischen Familien und privaten Unternehmern betrieben werden. Sie verbreiteten sich besonders seit den wirtschaftlichen Reformen der 1990er-Jahre und bieten in vielen Städten eine Alternative zu Hotels. Häufig werden Frühstück und teilweise weitere Mahlzeiten angeboten. In Havanna, Viñales, Trinidad und anderen historischen Städten sind sie für Individualreisende besonders bedeutsam. In einigen ländlichen Gebieten ermöglichen sie Aufenthalte auf Bauernhöfen oder in traditionellen Häusern und bilden eine Grundlage für den Agrotourismus.
Daneben gibt es Hostels, Pensionen, Gästehäuser und kleinere private Herbergen. Ihre Ausstattung und Servicequalität unterscheiden sich erheblich. In den großen Städten befinden sich zahlreiche Unterkünfte in restaurierten Kolonialhäusern, während in Strandgebieten moderne Ferienwohnungen und kleinere Apartmentanlagen angeboten werden. Die private Vermietung schafft Einnahmen für Familien und unterstützt weitere Dienstleistungen wie private Restaurants, Taxifahrten, Ausflüge und Führungen. Der Rückgang internationaler Besucher trifft deshalb nicht nur die Hotels, sondern auch viele kleine Anbieter.
Campingplätze und einfachere Ferienanlagen ergänzen das Angebot, vor allem für den einheimischen Tourismus und für Reisende, die eine preisgünstige Unterkunft suchen. In einigen Regionen stehen staatliche Campinganlagen, Hütten und einfache Bungalows zur Verfügung. In touristisch erschlossenen Küstengebieten gibt es außerdem Ferienhäuser und Anlagen für Wassersportler. Kreuzfahrtschiffe spielten zeitweise ebenfalls eine Rolle für den Besucherverkehr, ihre Bedeutung hängt jedoch von den internationalen Verkehrsverbindungen und politischen Rahmenbedingungen ab.
Der Gesundheitstourismus war ein weiterer Bereich des kubanischen Fremdenverkehrs. Das Land warb mit seinem staatlichen Gesundheitswesen um ausländische Patienten, insbesondere für bestimmte medizinische Behandlungen, Rehabilitation und zahnmedizinische Leistungen. Spezialisierte medizinische Einrichtungen und organisierte Behandlungspakete richteten sich an Besucher aus dem Ausland. Die wirtschaftlichen und materiellen Engpässe des Gesundheitswesens begrenzen jedoch die Möglichkeiten dieses Angebots; die frühere internationale Bekanntheit des kubanischen Gesundheitssystems ist nicht mit einer uneingeschränkten Verfügbarkeit von Medikamenten und medizinischen Leistungen gleichzusetzen.
Der Fremdenverkehr war vor der jüngsten Krise eine der wichtigsten Quellen für Deviseneinnahmen und beschäftigte Menschen unmittelbar in Hotels, Restaurants, Transportbetrieben, Reiseagenturen und Freizeitunternehmen sowie mittelbar in Landwirtschaft, Bauwesen und privater Vermietung. Die Zahl der internationalen Besucher sank jedoch bereits nach der Pandemie deutlich. 2025 kamen rund 1,81 Millionen internationale Touristen nach Kuba; damit blieb das Land weit hinter dem Höchststand von etwa 4,7 Millionen Besuchern im Jahr 2018 zurück. Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich der Rückgang fort.
Zu den Ursachen zählen die angespannte wirtschaftliche Lage, Treibstoffmangel, Stromausfälle, Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Waren sowie eingeschränkte Flugverbindungen. Die Engpässe beeinträchtigen nicht nur den Transport auf der Insel, sondern auch den Betrieb von Hotels, Restaurants und touristischen Einrichtungen. Selbst größere Anlagen mit Notstromaggregaten sind auf eine ausreichende Treibstoffversorgung angewiesen. Reisewarnungen weisen außerdem darauf hin, dass Stromausfälle, Wasserknappheit und eingeschränkte Verkehrsangebote auch touristische Regionen betreffen können.
Die touristische Infrastruktur ist räumlich ungleich verteilt. Große Hotelkapazitäten konzentrieren sich auf Havanna, Varadero und ausgewählte Küsten- und Inselgebiete, während viele ländliche Regionen stärker auf private Zimmervermietung, kleine Gaststätten und lokale Ausflugsangebote angewiesen sind. Der Rückgang der Besucherzahlen hat daher unterschiedliche Folgen: Große Anlagen werden zeitweise geschlossen oder zusammengelegt, während private Anbieter versuchen, mit niedrigeren Preisen, einheimischen Gästen und kleineren Angeboten Einnahmeausfälle auszugleichen.
Ein- und Ausreise:
- Reisedokumente: Für einen Aufenthalt von bis zu 30 Tagen ist neben dem mindestens sechs Monate gültigen Reisepass eine Touristenkarte nötig, diese sind über das Reisebüro erhältlich. Der Reisepass muss zum Einreisezeitpunkt noch mindestens 6 Monate gültig sein.
- Impfungen: Es werden keine Impfungen verlangt. Ein Impfschutz gegen Tetanus, Diptherie und Hepatitis A wird jedoch empfohlen. Dengue-Fieber kann auftreten, konsequenter Mückenschutz sollte eingehalten werden.
- Zollbestimmungen: Zollfrei dürfen mitgeführt werden: persönliche Gegenstände, wie Kleidung, Schuhe, Toilettenartikel zum persönlichen Gebrauch und in angemessenen Mengen im Verhältnis zur Dauer des Aufenthaltes, auch Gegenstände und Ausrüstungen, die im Zusammenhang mit Ihrer Berufsausübungen stehen und dem Zweck Ihres Aufenthaltes dienstlich sind, Geschenkartikel, sofern der Wert von 50 USD nicht überschritten wird und nur einmalig innerhalb eines natürlichen Jahres, bis zu 10 kg Medikamente, bei Reisenden über 18 Jahren bis zu 200 Zigaretten oder 50 Zigarren oder 250 Gramm Tabak, sowie bis zu 3 Litern Wein oder andere alkoholische Getränke. 100 % des Wertes beträgt der Zolltarif bei Gegenstände bis zu einem Wert von 200 USD, welche einmalig innerhalb eines natürlichen Jahres eingeführt werden dürfen, solange sie nicht zu kommerziellen Zwecken genutzt werden. Verboten ist die Einfuhr folgendere Gegenstände: Kühlschränke oder Gefriergeräte, Klimaanlagen, Videogeräte, elektrische Herde und Kochgeräte jeder Art und Ausführung, elektronische Duschvorrichtungen, elektriche Fritteusen jeder Art und Ausstattung, elektrische Wassererhitzer, elektrische Toaster, elektrische Bügeleisen ohne Sprenkler und einem Verbrauch über 290 Stundenwatt oder bei Dampfbügeleisen mit Sprenkler über 703 Stundenwatt sowie Gegenstände und Artikel, die die innere Ordnung stören. Von den zuständigen Behörden müssen folgende Gegenstände bei Ein- und Ausfuhr genehmigt werden: Schusswaffen und deren Munition, sowie Hieb- und Stichwaffen, pharmazeutische oder biologische Produkte tierischen Ursprungs, Exemplare der Fauna und Flora in jeder Form, auch alle ursprünglich kubanischen, als auch solche, die vom Artenschutzübereinkommen unter Schutz gestellt sind. Die Erlaubnis oder Berechtigung der zuständigen Behörde muss bei der Ausfuhr folgender Gegenstände eingeholt werden. Jegliche Gegenstände, zum nationalen Kulturerbe gehörend, oder von musealem Wert. Ausgenommen sind solche, die vorübergehend eingeführt und nachweisbar deklariert worden sind oder die die Erlaubnis des Registro Nacional de Bienes Culturales besitzen (inbegriffen sind plastische und dekorative Kunstwerke wie Skulturen und Gemälde, weiter Bücher, Serienpublikationen, die zum nationalen Kulturerbe gehören oder die den Stempel der Nationalenbibliothek „Jose Marti“ oder eines anderen Institutes des „Sistema Natinoal de Bibliotecas Publicas“ tragen, oder anderer cubanischer Einrichtungen, sowie Bücher der „Ediciones“ R). Frei konvertible Währung über 5000 USD, es sei denn man kann nachweisen, dass diese Summe bei Einreise bereits vorhanden war, oder dass der Betrag legal bei einer Bank abgehoben wurde. Bei der Ausreise dürfen Sie mit sich führen: alle persönlichen Gegenständen und solche, die nur für die Dauer Ihres Aufenthaltes eingeführt wurden, sowie Geschenke und Souvenirs für den eigenen Gebrauch nicht über einem Wert von 1000.-Pesos. Gegenstände, die weder bei der Ein- noch Ausreise mitgeführt werden dürfen: Drogen und psychotrope Substanzen, Produkte aus Blutderivaten, die nationale Währung, Produkte und Gegenstände obszöner oder pornografischen Charakters, Nahrungsmittel, die nicht aus industrieeller Produktion stammen und hermetisch verschlossen sind, explosive Stoffe, Gold und Silber und andere Edelmetelle, sowie Edelsteine, insofern die Einfuhr nicht nachweislich deklariert wurde oder eine Erlaubnis der Banco National de Cuba vorliegt, Medikamente, außer den Mengen, die nachweislich zum persönlichen Gebrauch benötigt werden. Die Genehmigung oder Berechtigung der zuständigen Behörde muss zur Einfuhr folgender Gegenstände eingeholt werden: Telefongeräte, Telegrafen und Funkgeräte Kubanische Zigarren: Den Zollbehörden muss die Ausfuhr von mehr als 50 Zigarren gemeldet werden und der Erwerb muss durch eine Quittung eines authorisierten Händlers von TABACO HABANOS nachgeweisen werden.
- Reisen mit Kfz: Bei der Autovermietung muss eine Kaution in Peso Convertible hinterlegt werden (in bar oder mit Kreditkarte). Ein europäischer Führerschein (mindestens ein Jahr alt) ist ausreichend, das Mindestalter des Fahrers beträgt 21 Jahre.
- Umgangsformen: Zur Begrüßung gibt man sich die Hand. Die Kubaner grüßen sich mit Compañero, Besucher sollten Señor oder Señora benutzen. Alle Kubaner haben zwei Nachnamen, bei der Anrede benutzt man allerdings nur den ersten. Seit der Revolution ist die Kleidung wesentlich legerer. Kubanische Männer tragen Guayabera (ein leicht faltiges Hemd, das über der Hose getragen wird). Elegante Kleidung ist selten nötig. Männer sollten nur in Strandnähe Shorts tragen. Frauen tragen tagsüber Baumwollkleider oder Hosen und Cocktailkleider zu besonderen Anlässen. In Kuba ist in allen öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln sowie in Kinos, Theatern, Geschäften, Restaurants, Bars und Kneipen Rauchen verboten. Gastbetriebe können aber Raucherzonen haben, die durch Mauern und Türen abgeschlossen und mit Luftabzugs-Einrichtungen ausgestattet sind.
- Trinkgeld: Da die Einkommen in Kuba sehr niedrig sind freut sich jeder, ob Zimmermädchen oder Kofferträger, über ein Trinkgeld.
- Reisezeit: Die beste Reisezeit auf Kuba liegt zwischen Dezember und April, nach den Regenfällen deHurrikan-Saison und vor den heißen Sommermonaten. Dies ist jedoch auch die Haupttouristensaison, wenn Flugzeugladungen von Kanadiern und Europäern ankommen und Zimmerpreise bis zu 20 % steigen. Kubaner nehmen ihren Urlaub im Juli und August, so dass lokale Strände in dieser Zeit sehr voll sind. Unterkünfte sind zu Weihnachten, Ostern und um den 26. Juli, wenn die Kubaner den Jahrestag der Revolution feiern, oft ausgebucht. August bis November ist die Zeit für Hurrikane, während die Wintermonate Kaltfronten bringen können, die die Temperaturen im Norden und Westen der Insel unter 15ºC fallen lassen können. Abgesehen vom Wetter sollten bei Kubareisen weitere Dinge im Auge behalten werden: Kulturliebhaber sollten den Zeitpunkt für Festivals und Veranstaltungen im Auge behalten; Baseball-Fans werden sicher nicht die Post-Saison von April bis Mai verpassen wollen und politisch Interessierte möchten möglicherweise wichtige sozialistische Feiertage besuchen, besonders Día de los Trabajadores (Tag der Arbeit, 1. Mai) und Tag der Nationalen Rebellion (26. Juli).
Literatur
- wikipedia = https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Kuba
- wikitravel = https://wikitravel.org/en/Cuba
- wikivoyage = https://de.wikivoyage.org/wiki/Kuba
Reiseberichte
- 22 places: Kuba-Urlaub Erfahrungen = https://www.22places.de/kuba-urlaub-erfahrungen/
- Kuba Reiseberichte = https://cuba-buddy.de/kuba-reisen/reiseberichte/
- Kuba - Reiseberichte mit Tipps und Erfahrungen = https://viel-unterwegs.de/reiseziele/kuba/
Videos
- Flying over Cuba = https://www.youtube.com/watch?v=zEMA_IFltKw
- Kuba. Rundreise über eine Karibikinsel = https://www.youtube.com/watch?v=m5DGygd2A6Q
- Kuba. Krise im Vintage-Paradies (arte) = https://www.youtube.com/watch?v=GAlEZyE0ChA
- Kuba. Insel unter Schock (arte) = https://www.youtube.com/watch?v=hvFw-k_Wb14
- Im Land, wo nichts mehr funktioniert. Galileo Undercover in Kuba = https://www.youtube.com/watch?v=3mxAvGV153Q
Atlas
- Kuba, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/#map=7/21.566/-81.464
- Kuba, ADAC = https://maps.adac.de/land/kuba
- Kuba, Satellit = https://satellites.pro/Cuba_map#Y
Reiseangebote
Visitar Cuba = https://www.visitarcuba.org/
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