Selvagens (Selvagem Grande)
Der Selvagens-Archipel ist der südlichste Außenposten Portugals. Eigentlich schon Teil der Kanarischen Inseln, bilden die Inseln eine kleine Welt für sich abseits des Trubels der großen Touristeneilande. Dauerhaft bewohnt waren sie freilich noch nie.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | Selvagem Grande (Hauptinsel), Ilhas Selvagens (Archipel) |
| alternative Bezeichnungen | Râcâ (1154), Insula Saluatge (1413), Satanazes (1423), Satanagio (1435), Seluagia (1482), Isola Salvagen (1508), Gorgones (um 1530) |
| Kategorie | Meeresinsel |
| Inseltyp | echte Insel |
| Inselart | vulkanische Insel |
| Gewässer | Atlantischer Ozean (Ocean Atlântico) |
| Inselgruppe | Selvagens (Ilhas Selvagens) |
| politische Zugehörigkeit | Staat: Portugal (República Portuguesa) Region: Madeira (Região Autónoma da Madeira) Gemeinde: Funchal (Municipio do Funchal) |
| Gliederung | 1 Schutzgebiet (área protegida) |
| Status | Schutzgebiet (área protegida) |
| Koordinaten | 30°09‘ N, 15°52‘ W |
| Entfernung zur nächsten Insel | 18,9 km (Selvagem Pequeña), 162 km (Tenerife) |
| Entfernung zum Festland | 378 km (Cap Juby / Marokko) |
| Fläche | 2,45 km² / 0,95 mi² (Inselgruppe 2,9 km² / 1,12 mi²) |
| geschütztes Gebiet | 2,45 km² / 0,95 mi² (100 %) |
| maximale Länge | 2,26 km (NO-SW) |
| maximale Breite | 2,0 km (NW-SO) |
| Küstenlänge | 7,5 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Atlantischer Ozean) |
| höchste Stelle | 153 m (Pico de Atalaia) |
| relative Höhe | 153 m |
| mittlere Höhe | 80 m |
| maximaler Tidenhub | 1,8 bis 2,0 m (Selvagem Grande 1,9 m) |
| Zeitzone | HEO (Horário da Europa Ocidental / Mitteleuropäische Zeit, UTC+1) |
| Realzeit | UTC minus 1 Stunde 4 Minuten |
| Einwohnerzahl | 2 (2025) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 0,82, bezogen auf die Verwaltungsfläche 0,69 |
| Inselzentrum | Selvagem Grande |
Name
Die Inselgruppe trägt den offiziellen portugiesischen Namen Ilhas Selvagens und wird informell meist verkürzt als Salvagens bezeichnet. Die Bezeichnung leitet sich vom portugiesischen Wort selvagem ab, das „roh, wüst, wild“ bedeutet und somit wörtlich „wilde Inseln“ zum Ausdruck bringt. Diese Namensgebung spiegelt die raue, unzugängliche und weitgehend unbewohnte Natur der Inseln wider, die durch steile Klippen, felsiges Gelände und das Fehlen größerer Süßwasservorkommen geprägt sind.
Die früheste bekannte Erwähnung der Inseln findet sich um das Jahr 1154 bei dem arabischen Geographen Edrisi, der sie unter dem Namen Râcâ aufführte. In den folgenden Jahrhunderten erschienen die Inseln auf verschiedenen mittelalterlichen Karten und in nautischen Dokumenten unter wechselnden Bezeichnungen, die ihre Wahrnehmung durch die Seefahrer der damaligen Zeit widerspiegeln. Auf der berühmten Karte von Cresques Abraham aus dem Jahr 1375 sowie bei Simón de Villadetes im Jahr 1413 sind sie als Insula Saluatge verzeichnet. Grazioso Benincasa nannte sie 1424 Satanazes, 1435 dann Satanagio und 1482 Seluagia. Andrea Benincasa bezeichnete sie im Jahr 1508 als Isola Salvagen. In einer päpstlichen Bulle Clemens’ VII. schließlich erscheinen sie unter dem Namen Gorgones.
Diese Vielfalt der historischen Bezeichnungen zeigt, wie sich die Wahrnehmung und kartografische Erfassung der Inseln im Laufe der Zeit wandelte. Während frühere Namen teilweise mythische oder abschreckende Assoziationen wecken konnten, setzte sich schließlich die portugiesische Bezeichnung durch, die die ungezähmte und wilde Charakteristik der Inselgruppe in den Vordergrund stellt und bis heute offiziell und umgangssprachlich Verwendung findet.

- international: Selvagens
- amharisch: ሴልቫጀንስ [Selvagens]
- arabisch: سيلفاجنس [Sīlfājins]
- armenisch: Սելվաժենս [Selvazhеns]
- bengalisch: সেলভাজেন্স [Selvajens]
- birmanisch: ဆဲလ်ဗာဂျင်စ် [Selvagens]
- bulgarisch: Селваженс [Selvazhеns]
- chinesisch: 塞尔瓦任斯群岛 [Sāi'ěrwǎrènsī Qúndǎo]
- georgisch: სელვაჟენსი [Selvazhensi]
- griechisch: Σελβάζενς [Selvázens]
- gudscheratisch: સેલ્વાજેન્સ [Selvajens]
- hebräisch: סלווג'נס [Selvagens]
- hindi: सेल्वाजेन्स [Selvajens]
- japanisch: セルヴァージェンス諸島 [Seruvājensu Shotō]
- kambodschanisch: សែលវ៉ាហ្សិនស៍ [Selvagens]
- kanaresisch: ಸೆಲ್ವಾಜೆನ್ಸ್ [Selvajens]
- kasachisch: Селваженс [Selvazhеns]
- koreanisch: 셀바젠스 제도 [Selbajenseu Jedo]
- laotisch: ເຊວວາເຈນສ໌ [Selvagens]
- makedonisch: Селваженс [Selvazhеns]
- malayalam: സെൽവാജെൻസ് [Selvajens]
- maldivisch: ސެލްވާޖެންސް [Selvagens]
- marathisch: सेल्वाजेन्स [Selvajens]
- nepalesisch: सेल्भाजेन्स [Selbhajens]
- orissisch: ସେଲଭାଜେନ୍ସ [Selvajens]
- pandschabisch: ਸੇਲਵਾਜੇਨਸ [Selvajens]
- paschtunisch: سېلواژېنس [Selvazhеns]
- persisch: سِلواژنس [Selvagens]
- russisch: Селваженс [Selvazhеns]
- serbisch: Селваженс [Selvazhеns]
- singhalesisch: සෙල්වාජෙන්ස් [Selvajens]
- tamilisch: செல்வாஜென்ஸ் [Selvajens]
- telugu: సెల్వాజెన్స్ [Selvajens]
- thai: เซลวาเจนส์ [Selwajens]
- tibetisch: སེལ་ཝ་ཇེནསི [Selwajensi]
- ukrainisch: Селваженс [Selvazhеns]
- urdu: سیلواژینس [Selvagens]
Offizieller Name: Ilhas Selvagens
- Bezeichnung der Bewohner: -
- adjektivisch: selvagense (selvagensisch)
Kürzel:
- Code: SG / SVG
- Kfz: -
- ISO-Code: PG.MD.SG
Lage
Die Selvagens-Inseln befinden sich nördlich der Kanarischen Inseln auf 30°05‘ n.B. und 15°59‘ w.L.. Die Hauptinsel liegt auf exakt 30°08‘47“ n.B. und 15°51‘52“ w.L..

Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 30°09’18” n.B. (Ponta de Cais)
- südlichster Punkt: 30°08‘18“ n.B. (Ponta de Leste) bzw. 30°01’35” n.B. (Ilhéu de Fora)
- östlichster Punkt: 15°51‘20“ w.L. (Ponta de Leste) bzw. 15°56’15” w.L. (Baixa da São João)
- westlichster Punkt: 15°52‘28“ w.L. (Ponta da Atalaia) bzw. 16°03’05” w.L. (Ilhéu de Fora)
Entfernungen:
- Selvagem Pequeña 18,9 km
- Tenerife (Punta de Anaga) 162 km
- La Palma (Los Sauces) 209 km
- Ilhas Desertas 232 km
- Funchal / Madeira 286 km
- Cap Juby / Marokko 378 km
- Cabo de São Vicente / Portugal 990 km
Zeitzone
Auf den Selvagens-Inseln gilt wie in Portugal die Horário da Europa Ocidental bzw. Western European Time (Westeuropäische Zeit), abgekürzt HEO bzw. WET (WEZ), identisch mit der United Time Coordinated (Koordinierte Weltzeit, UTC), eine Stunde hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ). Von Ende März bis Ende Oktober werden die Uhren für die Horário de Verão da Europa Ocidental bzw. Western European Summer Time (Westeuropäische Sommerzeit) um eine Stunde vorgestellt. Die Realzeit liegt um 1 Stunde und 4 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).
Fläche
Die Selvagens-Inseln haben eine Landfläche von insgesamt 2,9 km² bzw. 1,12 mi², verteilt auf eine Haupt- und 17 Nebeninseln. Die Inselgruppe durchmisst von Nordosten nach Südwesten, zwischen Baixa de São João und Ilhéu de Fora 23,3 km, von Nordwesten nach Südosten zwischen Baixa do Norte und Ponta de Leste 3,6 km. Die 2,45 km² bzw. 0,95 mi² große Hauptinsel Selvagem Grande durchmisst von Nordosten nach Südwesten 2,26 km, von Nordosten nach Südwesten 2,0 km. Die Küstenlinie ist 7,5 km lang bei eiunem maximalen Tidenhub von 1,8 bis 2,0 m, in Selvagem Grande 1,9 m. Höchster Punkt ist der Pico de Atalaia mit 153 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei rund 80 m.
Flächenaufteilung um 2015:
- Wiesen und Sträucher 2,65 km²
- Felsen und Steine 0,08 km²
Geologie
ie Ilhas Selvagens bilden die Gipfel zweier eng benachbarter ozeanischer Schildvulkane, die aus Wassertiefen von mehr als 4000 Metern aufragen und sich erst ab etwa 1000 Metern Tiefe voneinander trennen. Sie liegen auf der langsam bewegten Afrikanischen Platte und gehören zur östlichen nordatlantischen Vulkanprovinz, die mit dem Canary-Hotspot in Verbindung gebracht wird. Die Inseln sind nie mit dem afrikanischen Kontinent oder anderen Landmassen verbunden gewesen und stellen Reste stark erodierter Vulkangebäude dar.
Die magmatische Geschichte reicht bis in das späte Oligozän zurück und zählt zu den langlebigsten bekannten Systemen ozeanischer Inseln im Atlantik. Die ältesten datierten Gesteine stammen von etwa 29 Millionen Jahren auf Selvagem Pequena und 24 bis 26 Millionen Jahren auf Selvagem Grande. In dieser frühen Phase entstand der Untere Vulkanische Komplex aus basanitischen bis phonolitischen Gesteinen, die als Lavaströme, Dome, Peperite und untergeordnete pyroklastische Ablagerungen abgelagert wurden. Diese Gesteine bilden heute den Sockel der Inseln und werden von zahlreichen Gängen durchzogen.
Nach dieser Schildphase folgte eine lange Periode magmatischer Ruhe zwischen etwa 24 und 12 Millionen Jahren. Während dieser Zeit wurden die Vulkane stark erodiert und teilweise unter den Meeresspiegel abgesenkt. Auf der entstandenen Abrasionsplattform lagerten sich im frühen bis mittleren Miozän fossilführende kalkige Sedimente ab, die heute als gelbliche Kalksandschichten und als kalzitische Gänge in den älteren Vulkaniten erkennbar sind. Diese kalkigen Füllungen von Spalten und Brüchen prägen das Gesteinsbild besonders auf Selvagem Grande.
Eine zweite magmatische Phase setzte im späten Miozän (etwa 12 bis 8 Millionen Jahre) ein und äußerte sich vor allem in basaltischen Gängen, die die älteren Gesteine und die kalkigen Horizonte durchschlagen. Auf diese Phase folgte erneut eine längere Ruhezeit mit weiterer Erosion und Ablagerung von Konglomeraten. Die jüngste vulkanische Aktivität fand vor etwa 3,4 Millionen Jahren statt und bildete den Oberen Vulkanischen Komplex auf Selvagem Grande. Dabei entstanden basaltische Laven und Brekzien aus mehreren Zentren, deren Reste heute als die Gipfel Atalaia, Tornozelos und Cabeço do Inferno erhalten sind. Zwischen den beiden Hauptinseln verläuft ein weniger stark erodierter, nordost-südwestlich orientierter Rücken, der auf fissurale vulkanische Tätigkeit zurückgeht und zeitlich mit den jüngeren Phasen in Verbindung gebracht wird.
Die heutigen Landschaftsformen sind das Ergebnis intensiver mariner und subaerischer Erosion, gravitativer Rutschungen und der Ablagerung von Sedimenten. Die Schelfkanten beider Inseln sind von zahlreichen Abrutschnarben und Canyonköpfen geprägt, die radial verlaufende Entwässerungssysteme speisen und Sedimente bis in die Tiefsee transportieren. Auf den Inseln selbst finden sich ausgedehnte Abrasionsplattformen, steile Kliffküsten und stellenweise äolische und marine Sandbedeckungen, insbesondere auf den niedrigeren Inseln Selvagem Pequena und Ilhéu de Fora. Quartäre Hebung hat dazu geführt, dass ehemals submarine miozäne Kalkablagerungen und alte Meeresterrassen heute oberhalb des Meeresspiegels freigelegt sind.
Landschaft
Die Ilhas Selvagens bestehen aus drei größeren und 18 kleineren Inseln. Der Archipel setzt sich aus zwei Inselgruppen zusammen, die etwa 3 km voneinander entfernt liegen:
- Der Nordostgruppe mit Selvagem Grande (2,45 km²), der größten Insel der Ilhas Selvagens, und den drei Inselchen Ilhéu Sinho, Palheiro do Mar und Palheiro de Terra. Höchster Gipfel ist der Pico da Atalaia auf Selvagem Grande mit 163 m.
- Der Südwestgruppe mit den Inseln Selvagem Pequena (0,30 km²) und Fora (0,08 km²) sowie zahlreichen, teilweise sehr kleinen Eilanden, etwa Alto, Comprido, Redondo und den Norte Inseln. Höchste Erhebung ist der Pico do Veado mit 49 m auf Selvagem Pequena.
Der Archipel wird von einem dichten Riff umschlossen, was eine Landung an manchen Inseln unmöglich macht. Nur wenige Stellen sind direkt mit dem Schiff erreichbar. Auf den etwas größeren Inseln finden sich Kegel von erloschenen Vulkanen, wie etwa der Pico da Atalaia auf Selvagem Grande.
Erhebungen
- Pico de Atalaia 153 m
- Pico dos Tornozelos 136 m
- Pico do Inferno 107 m
Inseln
| Insel | Fläche | Ausmaße | Seehöhe |
|---|---|---|---|
| Selvagem Grande | 2,45 km² | 2,3 × 2,2 km | 153 m |
| Selvagem Pequena | 0,30 km² | 0,8 × 0,5 km | 49 m |
| Ilhéu de Fora | 0,08 km² | 0,5 × 0,3 km | 18 m |
Flora und Fauna
Die Inseln Selvagem Pequena und Ilhéu de Fora weisen eine einzigartige, intakte Pflanzenwelt auf, weil dort niemals Pflanzenfresser eingeführt wurden. Von den 90 kartografierten Pflanzenarten, die die Selvagens besiedeln, sind 10 endemisch. Die Inseln dienen außerdem vielen Meeresvögeln als Nistplatz und sind daher auch als „ornithologisches Paradies“ bekannt.
Flora
Die Flora der Selvagens ist trotz der sehr geringen Landfläche außerordentlich eigenständig und weist einen für die makaronesische Inselwelt ungewöhnlich hohen Anteil endemischer Pflanzen auf. Die Vegetation wird vor allem durch die Lage der Inselgruppe im subtropischen Nordatlantik, die geringe Niederschlagsmenge, lange Trockenperioden, intensive Sonneneinstrahlung, die salzhaltige Meeresluft und die flachgründigen Böden geprägt. Entsprechend dominieren xerophile, also an Trockenheit angepasste, und halophile, also salztolerante Pflanzen. Wälder fehlen heute vollständig; das natürliche Vegetationsbild besteht überwiegend aus krautigen Pflanzen, einjährigen Arten und niedrig wachsenden, teilweise strauchförmigen Pflanzen. Die Vegetation unterscheidet sich damit deutlich von der feuchten und ursprünglich von Lorbeerwäldern geprägten Flora der größeren Insel Madeira.
Für die Selvagens werden etwa 105 Taxa der Gefäßpflanzen angegeben. Davon sind 14 Taxa Endemiten der Makaronesien, 12 auf Madeira beziehungsweise den Madeira-Selvagens-Raum beschränkt und sieben Taxa ausschließlich auf den Selvagens heimisch. Wegen der geringen Gesamtfläche ergibt sich eine außergewöhnlich hohe Dichte endemischer Gefäßpflanzen. Eine ältere floristische Zusammenstellung nennt teilweise elf ausschließlich auf den Selvagens vorkommende Pflanzen; die unterschiedlichen Zahlen hängen insbesondere von der taxonomischen Bewertung einzelner Arten und Unterarten ab. Die heutige portugiesische Naturschutzverwaltung führt sieben exklusive Taxa in ihrer aktuellen Übersicht.
Besonders bedeutend ist die unterschiedliche Erhaltungssituation der einzelnen Inseln. Auf Selvagem Grande wurde die ursprüngliche Vegetation durch menschliche Nutzung wesentlich stärker verändert als auf Selvagem Pequena und Ilhéu de Fora. Auf Selvagem Grande wurden in der Vergangenheit Ziegen und Kaninchen eingeführt. Die Tiere fraßen große Teile der natürlichen Vegetation ab und beeinflussten dadurch die Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaften. Hinzu kam der frühere Anbau von Mesembryanthemum crystallinum und Mesembryanthemum nodiflorum, die wegen ihrer industriellen Nutzung kultiviert wurden. Deshalb entspricht die heutige Pflanzendecke von Selvagem Grande nicht mehr überall der ursprünglichen Vegetation. In schwer zugänglichen Steilhängen haben sich jedoch Restbestände der einheimischen Flora erhalten, darunter auch für die Inselgruppe charakteristische endemische Pflanzen.
Eine wesentlich ursprünglichere Vegetation besitzen Selvagem Pequena und Ilhéu de Fora. Diese beiden Inseln wurden nicht dauerhaft kolonisiert und waren deshalb wesentlich weniger direkten Eingriffen durch Landwirtschaft, Weidewirtschaft und eingeführte Tiere ausgesetzt. Ihre Pflanzendecke besteht nach Angaben der regionalen Naturschutzbehörde ausschließlich aus einheimischen beziehungsweise endemischen Arten und befindet sich in einem vergleichsweise guten Erhaltungszustand. Dadurch besitzen diese kleinen Inseln für die Erforschung der ursprünglichen Vegetation der Selvagens eine besondere Bedeutung.
Zu den charakteristischen endemischen Pflanzen gehört Argyranthemum thalassophilum, eine zur Familie der Korbblütler gehörende Art, die auf den Selvagens vorkommt und dort zu den auffälligen Pflanzen der natürlichen Vegetation zählt. Ebenfalls besonders ist Monanthes lowei aus der Familie der Dickblattgewächse. Die Gattung Monanthes gehört zu den für die makaronesische Inselwelt typischen Pflanzengruppen und ist mit mehreren endemischen Arten auf den makaronesischen Archipelen vertreten. Auf den Selvagens kommt außerdem Lobularia canariensis subsp. rosula-venti vor, eine Unterart der zur Familie der Kreuzblütler gehörenden Lobularia canariensis. Weitere für die Inselgruppe bedeutende Taxa sind Plantago afra var. obtusata, Scilla maderensis var. melliodora und Limonium papillatum var. callibotryum.
Eine besonders bemerkenswerte Pflanze ist Euphorbia anachoreta. Sie gehört zur Gattung Euphorbia und ist ein Endemit der Selvagens. Ihr Vorkommen ist auf den Ilhéu de Fora beschränkt. Damit besitzt diese winzige Insel eine Pflanze, die weltweit nur dort natürlich vorkommt. Gerade solche kleinräumigen Endemismen zeigen die Bedeutung der langen geografischen Isolation der Selvagens für die Entwicklung ihrer Pflanzenwelt.
Ebenfalls zu den ausschließlich auf den Selvagens vorkommenden Pflanzen zählt Lotus salvagensis. Die Art gehört zur Gattung Lotus aus der Familie der Hülsenfrüchtler. Sie steht beispielhaft für die eigenständige Entwicklung der Flora des Archipels, denn ihre Verbreitung ist an die kleinen Inseln der Selvagens gebunden. Zusammen mit Argyranthemum thalassophilum, Monanthes lowei und weiteren endemischen Taxa bildet sie einen wesentlichen Bestandteil des botanischen Eigencharakters der Inselgruppe.
Die Küstenvegetation ist besonders stark durch Salz und Trockenheit geprägt. Pflanzen, die unmittelbar dem Meer ausgesetzt sind, müssen sowohl mit hoher Sonneneinstrahlung als auch mit salzhaltigem Sprühwasser und sehr begrenzter Bodenfeuchtigkeit zurechtkommen. Auf den Felsen und Klippen entwickeln sich daher niedrigwüchsige, robuste Pflanzengemeinschaften. Arten der Gattung Limonium sind an solche Bedingungen besonders gut angepasst. Die Vegetation der felsigen Küsten geht teilweise unmittelbar in die Vegetation der höher gelegenen, trockenen Flächen über, wobei die Verfügbarkeit von Boden und die Exposition gegenüber Wind und Salz die Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaft bestimmen.
Auf den höher gelegenen Flächen von Selvagem Grande, deren höchster Punkt der Pico da Atalaia mit 153 m ist, bleibt die Vegetation ebenfalls überwiegend niedrig. Dichter Baumbewuchs kann sich unter den dortigen trockenen Bedingungen nicht entwickeln. Stattdessen bilden krautige Pflanzen und niedrige Sträucher die Vegetationsstruktur. Auf Selvagem Pequena ist der Boden teilweise von kalkreichem Sand geprägt, was zusätzliche Bedingungen für spezialisierte Pflanzen schafft. Die geringe Bodenmächtigkeit und die starke Austrocknung begrenzen die Entwicklung größerer Pflanzen.
Eine Besonderheit der Flora besteht darin, dass viele Pflanzen an einen ausgeprägten jahreszeitlichen Wechsel angepasst sind. Während der feuchteren Jahreszeit können zahlreiche krautige Pflanzen rasch wachsen, blühen und Samen bilden. In der anschließenden trockenen Jahreszeit ziehen sich viele Arten zurück oder überdauern in widerstandsfähigen Organen beziehungsweise als Samen. Dadurch entsteht ein Vegetationsrhythmus, der stark von den Niederschlägen abhängig ist. Die Pflanzen der Selvagens sind somit nicht auf eine dauerhaft üppige Vegetationsdecke ausgerichtet, sondern auf die effektive Nutzung kurzer günstiger Wachstumsperioden.
Auch die Moosflora ist im Vergleich zur Gefäßpflanzenflora sehr artenarm. Für die Selvagens werden ungefähr zehn Arten von Moosen und anderen Moospflanzen angegeben. Diese Arten sind an Trockenheit, hohe Temperaturen, starke Lichtintensität und erhöhte Salzbelastung angepasst. Zu den bemerkenswerten Arten gehört Fissidens sublimbatus, ein seltenes Moos. Die geringe Ausdehnung geeigneter feuchter Standorte und die insgesamt trockenen klimatischen Bedingungen erklären den deutlich geringeren Umfang der Moosflora gegenüber feuchteren makaronesischen Inseln.
Auch Flechten gehören zum charakteristischen Pflanzenbewuchs der Selvagens, wobei sie insbesondere die nackten vulkanischen Felsen besiedeln. Sie können von der unmittelbaren Meeresküste bis in die höheren Bereiche der Inseln vorkommen. Anders als höhere Pflanzen benötigen Flechten keine tiefgründigen Böden und können deshalb auch auf extrem kargen Gesteinsoberflächen wachsen. Dadurch gehören sie zu den ersten Organismen, die große Bereiche der felsigen Inseloberflächen besiedeln. Eine ältere Darstellung der regionalen Naturschutzverwaltung beschreibt die Flechtenflora der Selvagens als überwiegend saxikol, also auf Gestein lebend.
Eine geschlossene natürliche Waldvegetation fehlt den Selvagens heute. Dies ist nicht mit einem Fehlen geeigneter Pflanzenarten allein zu erklären, sondern steht mit der Kombination aus trockenem Klima, geringer Bodenentwicklung, begrenzter Wasserverfügbarkeit, starker Windexposition und der geringen Größe der Inseln in Zusammenhang. Zudem hat insbesondere die frühere Beweidung auf Selvagem Grande die Entwicklung einer dichter geschlossenen natürlichen Pflanzendecke zusätzlich eingeschränkt. Die Inselgruppe unterscheidet sich deshalb auch innerhalb des Madeira-Gebiets deutlich von den feuchteren Höhenlagen Madeiras, wo die immergrüne Laurisilva große Flächen einnimmt.
Die hohe Zahl endemischer Pflanzen auf kleinstem Raum macht die Selvagens botanisch besonders bedeutend. Eine ältere vergleichende Untersuchung der Madeira-Selvagens-Flora errechnete für die Selvagens eine Dichte von rund 200 endemischen Gefäßpflanzen-Taxa je 100 km² und damit einen außergewöhnlich hohen Wert innerhalb der makaronesischen Inselwelt. Dieser Wert ist vor allem auf die sehr kleine Fläche des Archipels und die dortige Konzentration inselspezifischer Pflanzen zurückzuführen.
Fauna
Die terrestrische Tierwelt umfasst nach Angaben des Instituto das Florestas e da Conservação da Natureza etwa zehn Wirbeltier-Taxa. Davon gehören zwei zu den Reptilien. Es handelt sich um die Madeira-Geckoart Tarentola bischoffi und die Selvagens-Unterart der Madeira-Eidechse Teira dugesii selvagensis. Beide sind auf die Selvagens beschränkt und damit besonders charakteristisch für die Landfauna des Archipels. Die geringe Zahl der Landwirbeltiere ist eine direkte Folge der isolierten Lage der Inseln, denn nur wenige Tiergruppen konnten die rund 280 km zwischen Madeira und den Selvagens beziehungsweise die noch größeren Entfernungen zum europäischen Festland auf natürlichem Weg überwinden.
Tarentola bischoffi ist ein kleiner Gecko, der an die trockenen und warmen Lebensbedingungen der Inseln angepasst ist. Er nutzt Felsspalten, steinige Flächen und andere geschützte Stellen als Aufenthalts- und Versteckplätze. Die Selvagens-Unterart von Teira dugesii gehört dagegen zu den für makaronesische Inseln typischen Eidechsen. Die Tiere nutzen sonnige Felsflächen zur Thermoregulation und ernähren sich überwiegend von kleinen Wirbellosen und pflanzlichem Material. Beide Reptilienarten sind wichtige Bestandteile der terrestrischen Nahrungsketten, weil sie unter anderem Insekten und andere kleine Wirbellose aufnehmen.
Eine besondere Stellung nimmt die Landvogelwelt ein. Als einziger regelmäßig brütender Landvogel wird der Berthelot-Pieper Anthus berthelotii berthelotii angegeben. Diese Unterart gehört zur makaronesischen Vogelwelt und ist an offene, trockene und felsige Lebensräume angepasst. Der Vogel bewegt sich überwiegend am Boden und sucht dort nach kleinen Wirbellosen. Viele weitere Landvögel werden auf den Selvagens nur gelegentlich oder zufällig beobachtet, vor allem während der Zugzeiten im Frühjahr und Herbst. Die geringe Zahl dauerhaft brütender Landvögel unterscheidet die Selvagens deutlich von größeren und stärker bewachsenen Inseln Madeiras.
Die mit Abstand bedeutendste Gruppe der Wirbeltiere sind jedoch die Seevögel. Die Selvagens gehören zu den wichtigsten Brutgebieten für Meeresvögel in Makaronesien und im Nordatlantik und sind als Important Bird and Biodiversity Area (IBA) ausgewiesen. Insgesamt brüten dort acht Arten von Seevögeln regelmäßig oder in unterschiedlicher Häufigkeit. Die Inseln bieten den Vögeln vor allem ungestörte Felsklippen, Höhlen, Spalten und vegetationsarme Bodenflächen für die Anlage ihrer Nester. Die geringe Zahl eingeschleppter Landraubsäuger ist für die Bruterfolge von besonderer Bedeutung.
Zu den wichtigsten Brutvögeln gehört der Gelbschnabel-Sturmtaucher Calonectris borealis. Die auf den Selvagens vorkommende Kolonie weist nach Angaben der Naturschutzbehörde die weltweit höchste Brutdichte dieser Art auf. Die Vögel verbringen einen großen Teil ihres Lebens auf dem offenen Meer und kommen hauptsächlich zur Fortpflanzungszeit an Land. Sie nisten in Höhlen, Felsspalten und anderen geschützten Stellen. Die nächtliche Aktivität der Sturmtaucher ist charakteristisch für die Brutkolonien der Inseln.
Noch größer ist zahlenmäßig die Kolonie des Madeira-Sturmvogels beziehungsweise Weißbauch-Sturmvogels Pelagodroma marina. Auf den Selvagens werden mehr als 80.000 Brutpaare angegeben. Damit gehört die Inselgruppe zu den wichtigsten Brutplätzen dieser Art. Die Vögel nutzen vor allem die vegetationsreichen beziehungsweise lockeren Böden der Inseln und verbringen außerhalb der Brutzeit einen großen Teil ihres Lebens auf dem Meer. Die enorme Zahl dieser Tiere macht sie zu einem wesentlichen Bestandteil des ökologischen Systems der Selvagens.
Eine weitere charakteristische Art ist der Bulwersturmvogel Bulweria bulwerii. Hinzu kommen der Madeira-Sturmvogel Hydrobates castro und der Baroli-Sturmvogel Puffinus lherminieri baroli. Diese Arten brüten in teilweise beträchtlichen Beständen auf den Inseln und sind ebenfalls an das Leben zwischen Meer und felsigem Brutplatz angepasst. Die meisten dieser Seevögel erscheinen nur während der Fortpflanzungsperiode auf den Inseln und verbringen die übrige Zeit auf dem offenen Meer. Dadurch ist ihre Anwesenheit auf den Selvagens stark saisonal geprägt.
Zu den Küstenvögeln gehören die Flussseeschwalbe Sterna hirundo und die Unterart Larus michahellis atlantis der Gelbbeinmöwe. Die Flussseeschwalbe brütet auf den Inseln, während die Gelbbeinmöwe als einzige der genannten Seevogelarten dort ganzjährig vorkommt. Für die Rosenseeschwalbe Sterna dougallii liegen ältere Nachweise einer kleineren Brutkolonie auf Ilhéu de Fora vor; bei den jüngeren Untersuchungen wurde dort jedoch keine aktuelle Brut mehr festgestellt. Auch die Rußseeschwalbe Onychoprion fuscatus wurde auf Selvagem Pequena bereits brütend festgestellt, allerdings nur sporadisch und nicht regelmäßig.
Die Seevogelkolonien haben auch für die terrestrischen Ökosysteme Bedeutung. Die Vögel bringen durch Kot und Nahrungsreste erhebliche Mengen organischen Materials vom Meer auf die Inseln. Dadurch gelangen Nährstoffe in die ansonsten nährstoffarmen Böden. Die großen Brutkolonien beeinflussen somit die Vegetation und die Populationen der wirbellosen Tiere. Gleichzeitig dienen die Eier, Jungvögel und Kadaver zahlreichen wirbellosen Organismen als Nahrungsquelle.
Bei den wirbellosen Landtieren ist die Artenvielfalt wesentlich größer als bei den Wirbeltieren. Für die Selvagens werden rund 219 Arten und Unterarten terrestrischer Wirbelloser angegeben. Etwa 92 Prozent dieser Tiere gehören zu den Gliederfüßern. Unter ihnen befinden sich zahlreiche Käfer, Spinnen und andere Arthropoden. Rund 44 Taxa der terrestrischen Gliederfüßer werden als endemisch für die Selvagens angegeben; dabei handelt es sich um 39 Arten und sieben Unterarten. Aufgrund der weiterhin erfolgenden Untersuchungen ist diese Zahl nicht als endgültig anzusehen.
Besonders bedeutend sind die Käfer. Neuere Untersuchungen haben weitere Käfertaxa für die Selvagens nachgewiesen, darunter auch eine für die Wissenschaft neue Art. Die Zahl der bekannten endemischen Arten dürfte deshalb noch nicht vollständig sein. Die lange Isolation der Inselgruppe hat bei verschiedenen Insektengruppen zu einer eigenständigen Entwicklung geführt. Wie bei anderen ozeanischen Inseln können dabei kleine Verbreitungsgebiete und ausgeprägte morphologische Unterschiede entstehen.
Auch die terrestrischen Schnecken bilden einen bemerkenswerten Bestandteil der Fauna. Mindestens acht Taxa von Landschnecken sind für die Selvagens nachgewiesen. Dazu gehört Theba macandrewiana, eine endemische Art. Wegen der geringen Größe der Inseln und der trockenen Bedingungen ist die Landschneckenfauna zwar zahlenmäßig wesentlich kleiner als diejenige der feuchteren Inseln Madeiras, besitzt aber aufgrund ihrer Endemismen einen hohen wissenschaftlichen Wert.
Noch wesentlich artenreicher ist die marine Fauna. Die Küsten der Selvagens bestehen überwiegend aus stark exponierten Felsküsten. Im Bereich von Selvagem Grande fallen die Küsten steil zum Meer ab, während Selvagem Pequena und Ilhéu de Fora stärker von felsigen Plattformen geprägt sind. Unter Wasser schließen sich Felsvorsprünge, kleine Inselchen und zahlreiche Untiefen an. Diese unterschiedlichen Strukturen bieten Lebensräume für eine große Zahl von Fischen, Weichtieren und anderen Meerestieren.
Die wissenschaftlichen Untersuchungen der Meeresfauna haben eine große Artenvielfalt ergeben. Im Rahmen des M@rBis-Programms wurden für die Selvagens rund 15.000 Biodiversitätsdatensätze zusammengetragen. Darunter befanden sich mehr als 100 neue Nachweise für das Gebiet; bei ungefähr 20 Arten wurde untersucht, ob es sich um bis dahin wissenschaftlich unbekannte Arten handeln könnte. Die Untersuchungen zeigen damit, dass die marine Tierwelt der Selvagens wesentlich komplexer ist als die kleine Landfläche vermuten lässt.
Eine besonders gut untersuchte Gruppe sind die marinen Weichtiere. Bei der Expedition Selvagens 94 wurden 115 Arten mariner Mollusken gesammelt, darunter 32 Arten, die erstmals für die Selvagens nachgewiesen wurden. Spätere Untersuchungen erhöhten die Zahl der bestätigten marinen Mollusken auf mindestens 216 Arten. Unter den für die Selvagens beschriebenen endemischen Taxa befinden sich unter anderem Adeuomphalus marbisensis, Sticteulima lata, Alvania dijkstrai, Alvania freitasi, Alvania harrietae, Manzonia boucheti und Osilinus atratus selvagensis.
Auch die Fischfauna der flachen Küstengewässer ist für die Größe des Archipels artenreich. Ein erster Katalog von 2000 enthielt 60 Küstenfischarten. Die Untersuchungen von 2010 ergänzten 29 weitere Arten, sodass insgesamt 88 Arten für die Selvagens dokumentiert waren. Die Fischfauna setzt sich aus Arten verschiedener biogeografischer Herkunft zusammen: Ein Teil ist für den tropischen östlichen Atlantik charakteristisch, andere Arten gehören zu gemäßigten oder subtropischen Gewässern, daneben gibt es kosmopolitische und amphiatlantische Arten. Die geografische Lage der Selvagens zwischen tropisch geprägten und gemäßigten Meeresregionen trägt damit zur Mischung unterschiedlicher Faunenelemente bei.
Auch Meeresschildkröten werden in den Gewässern der Selvagens beobachtet. Von den weltweit sieben Arten kommen fünf im weiteren Madeira-Gebiet vor: die Lederschildkröte Dermochelys coriacea sowie die Unechte Karettschildkröte Caretta caretta, Kemp-Bastardschildkröte Lepidochelys kempii, Echte Karettschildkröte Eretmochelys imbricata und Grüne Meeresschildkröte Chelonia mydas. Keine dieser Arten pflanzt sich auf portugiesischem Hoheitsgebiet fort. Besonders die Unechte Karettschildkröte nutzt die Gewässer Madeiras und der Selvagens während ihrer pelagischen Jugendphase.
Von großer Bedeutung sind außerdem die Meeressäuger. In den Gewässern der Selvagens wurden bislang neun Wal- und Delfinarten registriert. Dazu gehören unter anderem der Finnwal Balaenoptera physalus, der Pottwal Physeter macrocephalus, der Große Tümmler Tursiops truncatus und der Gewöhnliche Delfin Delphinus delphis. Bei einer systematischen Untersuchung im August 2002 wurden außerdem der Kurzflossen-Grindwal Globicephala macrorhynchus, der Atlantische Fleckendelfin Stenella frontalis und der Zwergpottwal Kogia breviceps beobachtet.
Weitere Nachweise betreffen den Seiwal Balaenoptera borealis, von dem 2005 ein gestrandetes Tier gemeldet wurde, sowie den Brydewal Balaenoptera edeni, der 2015 während wissenschaftlicher Filmaufnahmen in den Gewässern der Selvagens dokumentiert wurde. Die tatsächliche Zahl der regelmäßig oder zeitweise vorkommenden Wal- und Delfinarten dürfte höher sein, da die bisherigen Untersuchungen nur einen begrenzten Zeitraum und einen Teil der Jahreszeiten abdecken. Die subtropische Lage der Inselgruppe führt außerdem dazu, dass sie sowohl für tropische Arten die nördliche als auch für gemäßigtere Arten die südliche Verbreitungsgrenze bilden kann.
Pflanzenarten:
- Sporenpflanzen 144
- Samenpflanzen 92
- Flechten 30
Naturschutz
Die Selvagens-Inseln sind seit 1971 ein Naturschutzgebiet (Reserva Natural das Ilhas Selvagens). Der Archipel ist zudem als Vogelschutzgebiet ausgewiesen, das von je zwei Personen ganzjährig betreut wird, die auf Selvagem Grande und Selvagem Pequena stationiert sind und sich regelmäßig ablösen. Darüber hinaus führen sie wissenschaftliche Arbeiten wie Artenzählungen und Tierbeobachtungen durch. Versorgt werden sie von der Küstenwache und der portugiesischen Marine. Seit 1989 obliegt die Überwachung und Verwaltung dem Amt für Naturschutz von Madeira. Das Naturschutzgebiet der Ilhas Selvagens befand sich auf der Tentativliste zum UNESCO-Welterbe, wurde aber nicht als Welterbestätte angenommen.
Klima
Das Klima der Selvagens ist ein subtropisches, maritim geprägtes und zugleich ausgesprochen trockenes Inselklima. Die Inselgruppe liegt im Nordatlantik bei etwa 30° nördlicher Breite südöstlich von Madeira und gehört damit zu den südlichsten Teilen Portugals. Die Lage zwischen Madeira und den Kanarischen Inseln bringt die Selvagens in den Einflussbereich der subtropischen Hochdruckzone und der nordöstlichen Passatwinde. Diese Passatwinde führen zwar feuchte Meeresluft heran, doch die Inseln besitzen keine ausreichend hohen Gebirgsmassive, an denen die Luft zum Aufsteigen und Abkühlen gezwungen würde. Deshalb kommt es nur in geringem Umfang zur Kondensation und zu Niederschlag. Das Klima unterscheidet sich dadurch deutlich vom wesentlich feuchteren Klima der Gebirgsregionen Madeiras.
Die geringe Höhenlage ist einer der wichtigsten klimatischen Faktoren. Selvagem Grande erreicht am Pico da Atalaia nur etwa 163 m, während Selvagem Pequena und Ilhéu de Fora noch niedriger sind. Die aus Nordosten heranströmende feuchte Passatluft kann deshalb weitgehend über die Inseln hinwegströmen, ohne einen ausgeprägten orografischen Aufstieg zu erfahren. Auf Madeira führt die Kombination aus feuchter Luft und hohen Bergen dagegen zur Bildung von Wolken, Nebel und erheblichen Niederschlagsmengen. Auf den Selvagens fehlt dieser Mechanismus weitgehend.
Die jährliche Niederschlagsmenge ist deshalb sehr gering. Für die Selvagens werden weniger als 200 mm Niederschlag pro Jahr angegeben; die Inselgruppe wird entsprechend als arid beziehungsweise trockenes Klima eingestuft. Damit gehören die Selvagens zu den trockensten Teilen des Madeira-Archipels. Zum Vergleich: Auf Madeira reichen die jährlichen Niederschlagsmengen je nach Höhenlage und Exposition von mehreren hundert Millimetern bis zu über 2.000 mm. Die Selvagens besitzen dagegen weder die hohen Niederschläge der feuchten Nordseite Madeiras noch die regelmäßigen Nebelniederschläge der zentralen Gebirgslagen.
Der Niederschlag ist außerdem unregelmäßig verteilt. Längere trockene Perioden sind charakteristisch, während einzelne Regenereignisse einen erheblichen Anteil des Jahresniederschlags liefern können. Für die Pflanzenwelt bedeutet dies, dass nicht eine gleichmäßig verfügbare Wassermenge, sondern kurze Phasen mit ausreichender Bodenfeuchtigkeit für das Wachstum entscheidend sind. Die Vegetation der Inseln besteht dementsprechend überwiegend aus trockenheitsverträglichen Pflanzen und erreicht ihre größte Aktivität während der feuchteren Jahreszeit. Die geringe Niederschlagsmenge wird zusätzlich dadurch verschärft, dass auf den stark geneigten und felsigen Flächen ein erheblicher Teil des Wassers oberflächlich abfließt und nur begrenzt im Boden gespeichert wird.
Die Temperaturen sind im Jahresmittel relativ hoch und unterliegen aufgrund des umgebenden Atlantiks weniger starken Schwankungen als auf kontinentalen Gebieten gleicher Breite. Die niedrige geografische Breite führt dazu, dass die Temperaturen auf den Selvagens im Allgemeinen höher liegen als auf Madeira. Gleichzeitig wirkt das Meer als thermischer Ausgleich und verhindert extreme Hitze- und Kälteperioden, wie sie im kontinentalen Nordafrika auftreten können. Das Klima besitzt deshalb trotz seiner Aridität einen deutlich maritimen Charakter.
Die jahreszeitlichen Temperaturunterschiede sind geringer als die Unterschiede zwischen den trockenen und feuchteren Perioden. Der Sommer ist warm und sehr trocken, während im Winterhalbjahr die Wahrscheinlichkeit von Niederschlägen deutlich zunimmt. Eine klassische mitteleuropäische Winterkälte gibt es nicht. Frost spielt wegen der niedrigen geografischen Breite und der geringen Höhenlage keine wesentliche Rolle. Auch Schnee tritt unter den normalen klimatischen Bedingungen der Inselgruppe nicht auf.
Die Passatwinde aus Nordost sind für das Wettergeschehen besonders wichtig. Sie können über längere Zeiträume relativ beständige Windverhältnisse erzeugen. Die windzugewandten Bereiche der Inseln sind deshalb stärker der feuchten Meeresluft und der salzhaltigen Gischt ausgesetzt. Die Vegetation muss gleichzeitig mit Trockenheit und mit Salzbelastung zurechtkommen. Diese Kombination erklärt den hohen Anteil xerophiler und halophiler Pflanzen in der natürlichen Vegetation der Selvagens. Die Naturschutzbehörde beschreibt die Vegetation ausdrücklich als überwiegend xerophil und halophil.
Die geringe Niederschlagsmenge bedeutet nicht, dass die Luft über den Selvagens grundsätzlich trocken ist. Die Passatluft enthält Feuchtigkeit, doch wegen der geringen Inselhöhen wird diese Feuchtigkeit nur in begrenztem Umfang in Form von Regen ausgeschieden. Deshalb können die Inseln zeitweise einer relativ feuchten Meeresluft ausgesetzt sein, ohne dass daraus größere Niederschlagsmengen entstehen. Dieser Unterschied zwischen atmosphärischer Feuchtigkeit und tatsächlich verfügbarem Süßwasser ist für das Verständnis des Klimas der Selvagens wesentlich.
Eine weitere klimatische Besonderheit sind gelegentliche Wetterlagen mit Luftmassen aus Richtung Nordafrika. Bei östlichen beziehungsweise südöstlichen Winden können Staub und Sand aus der Sahara bis zu den Selvagens transportiert werden. Solche Episoden gehen häufig mit erhöhten Temperaturen und einer deutlich schlechteren Sicht einher. Der aus der Sahara stammende Staub kann sich außerdem auf den Inseloberflächen und auf der Vegetation ablagern. Die Naturschutzliteratur beschreibt ausdrücklich das Auftreten von Saharasand in Verbindung mit aus Afrika kommenden Winden und höheren Temperaturen.
Auch die Sonneneinstrahlung ist aufgrund der südlichen Lage und der geringen Bewölkung beträchtlich. Die Kombination aus intensiver Sonneneinstrahlung, hoher Verdunstung und sehr geringem Niederschlag verstärkt den Wasserstress der Vegetation. Gleichzeitig verhindert die maritime Umgebung eine vollständige Entwicklung eines extrem kontinentalen Wüstenklimas. Die Selvagens sind daher klimatisch keine heiße Binnenwüste, sondern trockene, subtropische Meeresinseln.
Das Klima beeinflusst unmittelbar die Böden. Die geringe Niederschlagsmenge begrenzt die chemische Verwitterung und die Bildung tiefgründiger Böden. Zusammen mit der starken Erosion und der geringen Vegetationsdeckung ist die Wasserspeicherung im Boden begrenzt. Besonders auf den exponierten Felsflächen und Steilhängen stehen den Pflanzen nur kleine Mengen nutzbaren Bodens zur Verfügung. Dadurch entstehen kleinräumig sehr unterschiedliche Standortbedingungen: geschützte Vertiefungen können nach Niederschlägen länger feucht bleiben, während exponierte Felsflächen innerhalb kurzer Zeit wieder austrocknen.
Die klimatischen Bedingungen erklären auch, weshalb sich auf den Selvagens keine geschlossene Waldvegetation entwickelt hat. Anders als auf Madeira fehlen ausreichend hohe Niederschläge und dauerhaft feuchte Standorte. Die natürliche Vegetation besteht überwiegend aus niedrigem Gras- und Krautbewuchs sowie niedrig wachsenden Sträuchern. Die geringe Wasserverfügbarkeit ist dabei ein entscheidender ökologischer Faktor.
Zwischen den einzelnen Inseln bestehen aufgrund ihrer geringen Höhenunterschiede keine ausgeprägten Höhenklimate. Dennoch können Exposition, Geländeform und Nähe zum Meer lokale Unterschiede verursachen. Felswände, geschützte Senken, windzugewandte Klippen und windabgewandte Flächen weisen unterschiedliche Bedingungen hinsichtlich Wind, Verdunstung, Salzbelastung und Bodenfeuchtigkeit auf. Auf der relativ flachen Hochfläche von Selvagem Grande können sich andere mikroklimatische Verhältnisse entwickeln als unmittelbar an den exponierten Klippen.
Das heutige Klima hat außerdem Bedeutung für die Geschichte der Vegetation. Auf Selvagem Grande wurden früher Ziegen und Kaninchen eingeführt, wodurch die ohnehin trockene Vegetation zusätzlich belastet wurde. Die daraus resultierende Veränderung der Pflanzendecke ist deshalb nicht ausschließlich eine Folge des Klimas, sondern auch der früheren menschlichen Nutzung. Selvagem Pequena und Ilhéu de Fora blieben dagegen von einer dauerhaften menschlichen Besiedlung verschont und besitzen heute eine wesentlich ursprünglichere Vegetation.
Paläoökologische Hinweise zeigen zudem, dass die Selvagens in früheren Zeiten feuchtere Bedingungen aufgewiesen haben. Auf der Hochfläche von Selvagem Grande wurden zahlreiche subfossile Landschneckenschalen gefunden. Die Naturschutzliteratur führt diese Vorkommen als Hinweis darauf an, dass die Inseln früher eine höhere Feuchtigkeit aufgewiesen haben müssen als heute. Die gegenwärtigen trockenen Bedingungen stellen daher nicht zwingend den gesamten klimatischen Verlauf der Inselgeschichte dar.
Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation lässt sich das Klima der Selvagens dem trockenen B-Klimabereich zuordnen; aufgrund der sehr geringen Niederschläge wird es als arid beziehungsweise wüstenartig geprägt beschrieben. Eine präzise Zuordnung zu einer einzelnen Köppen-Unterklasse ist wegen der sehr kleinen Inseln, der geringen Höhe und des Fehlens langer, dichter Messreihen schwieriger als bei größeren Inseln. Die für die Selvagens verfügbaren Naturschutzquellen verwenden deshalb vor allem die Bezeichnungen „arid“, „subtropisch-maritim“ und „trocken“, während für Madeira selbst wesentlich stärker differenzierte Klimazonen beschrieben werden.
Mythologie
Die Ilhas Selvagens sind durch ihre historische Namensgebung und die Assoziationen mittelalterlicher Kartografen und Seefahrer mit den alten griechischen Mythen verbunden. In einer päpstlichen Bulle Clemens’ VII. erscheinen die Inseln unter dem Namen Gorgones. Dieser Begriff verweist unmittelbar auf die Gorgonen der griechischen Mythologie, die drei schrecklichen Schwestern Stheno, Euryale und Medusa, Töchter der Meeresgottheiten Phorcys und Ceto. Nach den ältesten Überlieferungen, etwa bei Hesiod, lebten die Gorgonen jenseits des Okeanos am äußersten westlichen Rand der Welt, in der Nähe der Hesperiden und der Nacht. Spätere Traditionen verlegten ihren Wohnsitz nach Libyen oder auf Felseninseln im Atlantik. Eine dieser Inselgruppen wurde in der antiken und mittelalterlichen Literatur als Gorgades bezeichnet und lag angeblich vor der westafrikanischen Küste, zwei Tagesreisen vom Festland entfernt. Antike Autoren wie Plinius und Solinus berichteten von haarigen, wilden Frauen, die dort gelebt haben sollen, und verbanden diese Erzählungen mit den Fahrten des karthagischen Seefahrers Hanno. Im Mittelalter tauchten die Gorgades auf Karten und in geographischen Werken immer wieder als mythische Inseln am Rande der bekannten Welt auf und wurden teilweise mit realen atlantischen Archipelen in Verbindung gebracht.
Die Bezeichnung der Selvagens als Gorgones in der päpstlichen Urkunde reiht die Inseln damit in eine lange Tradition ein, in der ferne, unzugängliche Atlantikinseln mit den Schrecken und Wundern der antiken Mythologie identifiziert wurden. Die raue, felsige und unbewohnte Natur der Inseln, ihre isolierte Lage und die steilen Küsten boten den Zeitgenossen ausreichend Anlass, sie mit den Wohnstätten der steinverwandelnden Ungeheuer oder wilder Frauenvölker in Verbindung zu bringen. Andere historische Namen wie Satanazes oder Satanagio verstärkten diesen Eindruck des Unheimlichen und Abseitigen.
Neben den klassischen mythischen Bezügen ranken sich um die Inseln auch neuzeitliche Legenden, die vor allem mit Piratenschätzen zu tun haben. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden die Selvagens mehrfach auf der Suche nach dem angeblich dort vergrabenen Schatz der Kathedrale von Lima umgegraben. Der Pirat William Kidd soll diesen Schatz von einem spanischen Schiff erbeutet und auf den Inseln versteckt haben. Selbst der berühmte Polarforscher Ernest Shackleton soll einmal um Erlaubnis zur Schatzsuche gebeten haben. Bei den Grabungen wurde jedoch nie etwas von Wert gefunden.
Geschichte
Die ersten kartografischen Belege für die Ilhas Selvagens stammen von 1375. 1438 wurden sie im Auftrag des Infanten Heinrich der Seefahrer offiziell entdeckt, und es war Diogo Gomes de Sintra, der als erster eine Beschreibung der Hauptinsel Selvagem Grande hinterließ. Im 16. Jahrhundert wurden die Inseln von der auf Madeira lebenden Familie Caiado verwaltet. Im Jahre 1904 wurde der Archipel an den Bankier Luis da Rocha Machado verkauft. Das WWF interessierte sich im Jahre 1959 für die Inseln und unterzeichnete einen Vorverkaufsvertrag mit den Erben von Luis da Rocha Machado. 1971 intervenierte Portugal, konnte die Inseln erwerben und erklärte sie noch im gleichen Jahr zum Naturschutzreservat (Reserva das Selvagens). Damit sind die Ilhas Selvagens eines der ältesten Reservate Portugals und das einzige, das von der EU mit dem Europadiplom ausgezeichnet wurde.
Mehrfach wurden die Inseln auf der Suche nach dem sagenumwobenen Schatz der Kathedrale von Lima (Peru) umgegraben. Der Pirat William Kidd soll ihn von einem spanischen Schiff, aus Baltimore kommend, geraubt und auf den Inseln vergraben haben. Auch der berühmte englische Entdecker Sir Ernest Henry Shackleton bat um Erlaubnis für die Schatzsuche.
Entdeckungszeit
Die Entdeckungszeit der Ilhas Selvagens fällt in die portugiesische Epoche der Entdeckungsfahrten im 15. Jahrhundert. Die offizielle Entdeckung der Inselgruppe wird vom Instituto das Florestas e Conservação da Natureza (IFCN) dem portugiesischen Seefahrer Diogo Gomes zugeschrieben und auf das Jahr 1438 datiert. Gleichzeitig weist die offizielle Darstellung ausdrücklich darauf hin, dass die Selvagens bereits vor diesem Zeitpunkt bekannt gewesen sein könnten. Die Bezeichnung „Entdeckung“ bezeichnet daher die Aufnahme der Inselgruppe in die portugiesische Überlieferung und Herrschaftsgeschichte und nicht zwingend die allererste menschliche Kenntnis der Inseln.
Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass die Inselgruppe bereits vor dem 15. Jahrhundert in europäischen geografischen Vorstellungen bekannt war. Eine historische Darstellung des IFCN verweist auf ältere Quellen, in denen zwei Inseln mit den Namen Heres und Antoloba erwähnt werden. Außerdem sollen die Selvagens in einem Brief des portugiesischen Königs Afonso IV. aus dem Jahr 1345 an Papst Clemens VI. im Zusammenhang mit einer portugiesischen Expedition zu den Kanarischen Inseln genannt worden sein. Die Identifizierung dieser mittelalterlichen Angaben mit den heutigen Ilhas Selvagens ist allerdings eine historische Zuordnung und muss von der offiziell für 1438 angesetzten portugiesischen Entdeckung unterschieden werden.
Die portugiesische Erfassung der Selvagens erfolgte in einer Zeit, in der die Madeira-Inselgruppe bereits Ausgangspunkt portugiesischer Seefahrten und der weiteren Erkundung des Atlantiks war. Anders als Madeira und Porto Santo wurden die Selvagens jedoch nicht zu einer dauerhaft besiedelten Inselgruppe entwickelt. Ihre abgelegene Lage, die geringe Größe, die Trockenheit und vor allem der Mangel an nutzbarem Süßwasser erschwerten eine dauerhafte Besiedlung erheblich.
Nach der portugiesischen Entdeckung setzte relativ rasch eine wirtschaftliche Nutzung der natürlichen Ressourcen ein. Besonders begehrt waren Pflanzen, die als Rohstoffe für die Färberei, Gerberei und Seifenherstellung verwendet werden konnten. Dazu gehörten insbesondere die Färberflechte Roccella beziehungsweise urzela, Färberpflanzen wie Pastel und Sumach sowie die als barrilha bezeichneten Pflanzen Mesembryanthemum crystallinum und Mesembryanthemum nodiflorum. Das IFCN bezeichnet diese Nutzung als wichtige Einnahmequelle für die jeweiligen Besitzer und Nutzer der Inseln.
Die Entdeckung führte somit nicht zu einer unmittelbaren Besiedlung nach dem Vorbild Madeiras, sondern zunächst zu einer wirtschaftlichen Erschließung einzelner natürlicher Ressourcen. Auf Selvagem Grande entstanden später Spuren dieser Nutzung. Dazu gehören Steinmauern, eine Zisterne mit zugehörigen Wasserkanälen und ein Ofen zur Verarbeitung von Pflanzenmaterial. Das IFCN datiert entsprechende Nutzungs- und Besiedlungsspuren in die Zeit ab dem 16. Jahrhundert.
Besonders problematisch war die Wasserversorgung. Auf Selvagem Grande existierte eine kleine natürliche Quelle, die heute Furna da Água genannt wird. Historische Berichte beschreiben ihre äußerst geringe Ergiebigkeit. In der Umgebung wurden Keramikfragmente gefunden, die mit der Lagerung und dem Transport von Wasser in Verbindung gebracht werden. Die Existenz dieser Quelle ermöglichte damit zumindest zeitweise menschliche Aufenthalte, reichte aber nicht aus, um eine größere dauerhafte Bevölkerung zu versorgen.
Privatbesitzzeit
Im 16. Jahrhundert befanden sich die Selvagens im Besitz der madeirischen Familie Teixeira Caiados aus Santa Cruz. Wie die Familie ursprünglich zu den Inseln gelangte, ist nach den historischen Unterlagen nicht eindeutig geklärt. Das IFCN nennt als mögliche historische Rechtsgrundlagen entweder eine Vergabe als sesmaria durch einen Donatário Madeiras oder eine Schenkung durch den Orden Christi. Gesichert ist damit der private Besitz, nicht aber die genaue ursprüngliche Erwerbsurkunde. Die Inseln wurden in dieser Zeit nicht zu einer regulären Siedlung ausgebaut, sondern vor allem wegen ihrer natürlichen Ressourcen genutzt.
Ein Angehöriger dieser Familie, der Kanoniker Manuel Henrique Teixeira, besaß die Inseln bis 1717. In diesem Jahr übertrug er sie seiner Nichte D. Filipa Cabral de Vasconcelos. Damit ging der Privatbesitz innerhalb der madeirischen Familien- und Erbschaftsverhältnisse weiter. Ab 1717 erscheinen die Selvagens in Testamenten, Erbschaftsvorgängen, Inventaren, Teilungen und rechtlichen Auseinandersetzungen. Die Eigentumsverhältnisse waren also nicht einfach durch einen einzelnen Kaufvertrag geregelt, sondern wurden über Generationen innerhalb der betreffenden Familien weitergegeben.
Im 18. Jahrhundert blieb die Inselgruppe Privatbesitz. Für das Jahr 1768 nennt das IFCN den Hauptmann Brás Constantino Cabral de Noronha als Besitzer beziehungsweise Inhaber der Selvagens. Nach dessen Besitz gingen die Rechte wiederum auf seine Nachkommen über und blieben bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in dieser Familienlinie. Die Inseln waren damit weiterhin Teil eines privaten Grundbesitzes auf Madeira und keine staatliche Domäne.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Privatbesitzes beruhte vor allem auf der Nutzung der natürlichen Ressourcen. Besonders wichtig war die Färberflechte urzela, die im 18. Jahrhundert einen bedeutenden Handelswert besaß. Die Eigentümer schlossen zeitlich begrenzte Verträge über ihre Gewinnung ab. Urzela wurde zur Herstellung von Farbstoffen verwendet und von den Selvagens unter anderem nach England und Flandern ausgeführt. Daneben wurden andere Pflanzen gesammelt, darunter Materialien, die für die Herstellung von Seife verwendet wurden. Die private Eigentümerschaft hatte somit auch eine konkrete wirtschaftliche Funktion: Die Eigentümer konnten die Nutzungsrechte an den natürlichen Ressourcen vergeben und daraus Einnahmen erzielen.
Im 19. Jahrhundert blieb die Situation grundsätzlich unverändert. Die Selvagens waren weiterhin Privatbesitz madeirischer Eigentümer. Gleichzeitig nahm ihre strategische Bedeutung für die Schifffahrt zu. 1881 kam es zu einer Diskussion über den Bau eines Leuchtturms. Spanien schlug vor, einen Leuchtturm auf den Inseln zu errichten und sich an den Kosten zu beteiligen. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage der portugiesischen beziehungsweise spanischen Souveränität angesprochen. Der Bau wurde zunächst nicht verwirklicht. Die Eigentumsverhältnisse und die Frage der staatlichen Hoheitsgewalt waren dabei voneinander zu unterscheiden: Die Inseln konnten sich in privatem Eigentum befinden, während Portugal zugleich Hoheitsrechte über das Gebiet beanspruchte.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm die wirtschaftliche Nutzung einzelner Ressourcen ab. Die auf den Selvagens gehaltenen beziehungsweise gejagten Ziegen verschwanden nach den Angaben des IFCN infolge der Bejagung. Gleichzeitig blieb die Inselgruppe aufgrund ihrer isolierten Lage und des Fehlens ausreichender Süßwasserressourcen für eine dauerhafte Besiedlung ungeeignet. Der Privatbesitz führte daher nicht zur Entstehung einer normalen Inselgemeinde. Die menschliche Nutzung blieb saisonal und wirtschaftlich begrenzt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts änderte sich die Eigentümerfamilie grundlegend. Im Jahr 1904 erwarb der madeirische Bankier Luís da Rocha Machado die Ilhas Selvagens. Damit endete die jahrhundertelange Besitzperiode der Familie Cabral de Noronha beziehungsweise ihrer Nachkommen. Der Kauf von 1904 ist der erste klar dokumentierte Eigentümerwechsel des 20. Jahrhunderts. Rocha Machado war anschließend der private Eigentümer der Inselgruppe.
Die Eigentumsverhältnisse sind für die Zeit unmittelbar vor 1938 besonders gut dokumentiert. Eine am 20. Dezember 1937 ausgestellte Grundbuchbescheinigung des zuständigen Grundbuchamtes von Funchal führte die Ilhas Selvagens ausdrücklich als Eigentum von Luís da Rocha Machado. In der Bescheinigung wurden unter anderem „Grande Selvagem“, „Grande Pitão“, „Pequena Pitão“ und verschiedene „Ilhéus“ aufgeführt. Rocha Machado wurde darin als privater Eigentümer mit Wohnsitz in Monte auf Madeira bezeichnet.
Rocha Machado blieb somit auch 1938 der private Eigentümer der Inseln. Sein Eigentum bedeutete allerdings nicht, dass er über die staatliche Hoheit Portugals verfügen konnte. Genau diese Unterscheidung wurde in den Jahrzehnten um 1938 besonders wichtig. Spanien hatte wegen der geografischen Nähe der Selvagens zu den Kanarischen Inseln wiederholt Fragen hinsichtlich der staatlichen Zugehörigkeit aufgeworfen. 1911 hatte Spanien gegenüber Portugal eine entsprechende Position diplomatisch vorgebracht. Portugal hielt dagegen an seiner Hoheit über die Inseln fest.
Am 15. Februar 1938 kam es zu einem entscheidenden Schritt. Die Permanente Kommission für Internationales Seerecht, Comissão Permanente de Direito Marítimo Internacional, bestätigte in einem Gutachten die portugiesische Nationalität beziehungsweise Souveränität der Ilhas Selvagens. Damit wurde die staatliche Zugehörigkeit Portugals rechtlich ausdrücklich bestätigt. Das Gutachten änderte jedoch nicht den privaten Grundbesitz. Luís da Rocha Machado blieb Eigentümer der Inseln. Eigentum und Souveränität lagen somit weiterhin auf unterschiedlichen Ebenen: Portugal übte die staatliche Hoheitsgewalt aus, während die Inseln sich im Privateigentum eines portugiesischen Staatsbürgers befanden.
Im selben Jahr 1938 wurde auf dem Hochplateau von Selvagem Grande durch die Missão Hidrográfica das Ilhas Adjacentes ein astronomischer beziehungsweise geodätischer Vermessungsmarkierungspunkt errichtet. Diese staatliche Vermessung war ein weiterer Ausdruck der portugiesischen Hoheitsausübung. Sie bedeutete nicht, dass die Inseln dadurch aus dem Privateigentum Rocha Machados herausgelöst wurden. Vielmehr bestanden staatliche Hoheits- und Verwaltungsrechte neben dem privaten Grundeigentum.
Der Privatbesitz bestand nach 1938 noch mehrere Jahrzehnte weiter. Nach dem Tod von Luís da Rocha Machado gingen die Inseln auf seinen gleichnamigen Sohn über. Dieser blieb bis 1971 Eigentümer. Damit endete die private Eigentumsperiode erst 1971, als der portugiesische Staat die Selvagens erwarb und sie anschließend als Naturschutzgebiet unter staatliche Verwaltung stellte.
Moderne Zeit
In den Jahren nach 1938 blieb die wirtschaftliche Nutzung der Inselgruppe zunächst bestehen. Die Selvagens waren weiterhin ein abgelegenes Privatgebiet, dessen Nutzung vor allem auf einzelne natürliche Ressourcen ausgerichtet war. Eine dauerhafte Besiedlung entstand nicht. Die natürlichen Voraussetzungen – insbesondere die extreme Trockenheit, die geringe Größe der Inseln und der sehr begrenzte Zugang zu Süßwasser – verhinderten die Entwicklung eines normalen landwirtschaftlichen oder dörflichen Lebens. Auch nach der endgültigen Bestätigung der portugiesischen Souveränität blieb die Inselgruppe deshalb ohne dauerhaftes ziviles Siedlungszentrum.
Eine wichtige Veränderung brachte die zunehmende wissenschaftliche Beschäftigung mit den Selvagens. 1963 fand die erste wissenschaftliche Expedition zu den Inseln statt. Sie wurde vom Museu de História Natural do Funchal organisiert; auch der Naturforscher Paul Alexander Zino nahm daran teil. Diese Expedition markierte einen Wendepunkt, weil die Inselgruppe nun nicht mehr ausschließlich unter dem Gesichtspunkt ihrer wirtschaftlich nutzbaren Ressourcen betrachtet wurde, sondern zunehmend wegen ihrer außergewöhnlichen Tier- und Pflanzenwelt wissenschaftliche Bedeutung erhielt.
Gleichzeitig wurde in den 1960er Jahren noch eine intensive Nutzung der Seevogelbestände betrieben. Besonders die Gelbschnabel-Sturmtaucher beziehungsweise Cory’s Shearwaters, portugiesisch cagarra, wurden während und nach der Brutzeit in großer Zahl gefangen. Die letzte dokumentierte Expedition zur Tötung von Jungvögeln startete am 15. September 1967 von Funchal aus. Auch der angesammelte Vogelkot wurde wirtschaftlich genutzt und als Dünger für landwirtschaftliche Flächen auf Madeira verkauft.
Paul Zino setzte sich anschließend für den Schutz der Vögel ein. 1967 erwarb er die Jagdrechte auf die cagarra und trug damit dazu bei, die jährliche Tötung der Vögel zu beenden. Im selben Jahr entstand auf Selvagem Grande ein erstes Haus, das Paul Alexander Zino gehörte. Dieses Gebäude war keine Siedlung und begründete auch keine dauerhafte Besiedlung, sondern diente dem Aufenthalt und der Beobachtung auf der Insel. Das Gebäude steht exemplarisch für den Übergang von der früheren wirtschaftlichen Nutzung hin zur naturkundlichen Erforschung und zum Schutz der Inselwelt.
Ende der 1960er Jahre nahm außerdem das Interesse des internationalen Naturschutzes zu. Bereits 1959 hatte sich der World Wildlife Fund für die Selvagens interessiert und einen Vertrag beziehungsweise eine Vereinbarung mit dem damaligen privaten Eigentümer Luís Rocha Machado geschlossen. Diese Entwicklung zeigte, dass die internationale Naturschutzbewegung den außergewöhnlichen biologischen Wert der Inselgruppe zunehmend erkannte.
Das Jahr 1971 stellt den entscheidenden Einschnitt der modernen Geschichte dar. Der portugiesische Staat erwarb die Ilhas Selvagens durch eine notarielle Urkunde des 1. Notariats von Funchal. Damit endete die jahrhundertelange Periode des Privateigentums. Gleichzeitig wurden die Inseln der territorialen Verwaltung der Autonomen Region Madeira unterstellt und am 29. Oktober 1971 durch das Decreto-Lei n.º 458/71 als Reserva klassifiziert. Die Selvagens wurden damit zum ersten offiziell als Naturreservat ausgewiesenen Gebiet Portugals.
Die staatliche Übernahme hatte weitreichende Folgen. Die Inseln sollten nicht mehr primär wirtschaftlich genutzt werden, sondern unter staatlicher Kontrolle als Naturgebiet erhalten bleiben. Insbesondere die Vogelbestände, die endemische Flora und die weitgehend ungestörten Ökosysteme rückten in den Mittelpunkt. Die frühere Nutzung von Pflanzen, Tieren und anderen natürlichen Ressourcen wurde damit zunehmend durch Schutzbestimmungen ersetzt.
Die Entwicklung verlief allerdings nicht unmittelbar konfliktfrei. Die politische Umbruchszeit nach der Nelkenrevolution von 1974 und dem Übergang Portugals zur Demokratie wirkte sich auch auf die Selvagens aus. 1976 landeten nach Angaben des IFCN Bewohner beziehungsweise Fischer mit Booten auf Selvagem Grande. Dabei wurden vorhandene Häuser zerstört. Hintergrund war unter anderem die Forderung nach einer freien Nutzung der cagarra-Jagd, obwohl diese nach der Einrichtung des Naturreservats verboten beziehungsweise nicht genehmigt war. Bei der anschließenden illegalen Tötung von Vögeln wurde die dortige Kolonie nahezu vollständig vernichtet; nach den Angaben des IFCN blieben lediglich vier Vögel übrig.
Nach diesem Vorfall wurde die Überwachung der Insel verstärkt. Seit 1976 besteht auf Selvagem Grande eine permanente Bewachung. Für die Naturwächter wurde damals eine Unterkunft errichtet. Damit begann die dauerhafte personelle Präsenz des Naturschutzes auf der Insel, die bis heute die menschliche Nutzung der Selvagens prägt. Die vorhandenen Gebäude dienen deshalb vor allem dem Schutzgebietspersonal und nicht einer zivilen Bevölkerung.
Ein weiterer wichtiger Schritt erfolgte 1977. Die Direção de Faróis der portugiesischen Marine errichtete einen Leuchtturm auf dem Pico da Atalaia auf Selvagem Grande sowie einen weiteren auf dem Pico do Veado auf Selvagem Pequena. Die Leuchttürme verbesserten die maritime Orientierung in einem Gebiet, in dessen Umgebung es zuvor zu Schiffsunfällen gekommen war. In den frühen 1970er Jahren waren unter anderem der Tanker Cerno und später die Morning Breeze in Schwierigkeiten geraten beziehungsweise gesunken. Die fehlende Befeuerung der Inseln hatte damals Fragen zur portugiesischen Verantwortung für die maritime Sicherheit aufgeworfen.
1978 wurde der Schutzstatus nochmals rechtlich bekräftigt. Mit dem Decreto Regional n.º 15/78/M vom 10. März wurden die Ilhas Selvagens ausdrücklich als Reserva Natural klassifiziert. Das Decreto Regional n.º 11/81/M änderte diese Regelung 1981. Die Inselgruppe wurde damit fest in das System des Naturschutzes der Autonomen Region Madeira integriert.
1981 kam eine technische Besonderheit hinzu: Die Leuchttürme der Selvagens wurden mit Photovoltaikzellen ausgestattet. Damit gehörten die Selvagens in Portugal zu den frühen Einsatzorten photovoltaischer Energieversorgung. Die abgelegene Lage der Inseln machte eine autonome Energieversorgung besonders wichtig, da eine Verbindung zu einem öffentlichen Stromnetz nicht vorhanden war.
1982 wurde der Parque Natural da Madeira eingerichtet. Die eigentliche Verwaltung der Reserva Natural das Ilhas Selvagens wurde jedoch erst 1991 in dieses Verwaltungssystem integriert. In diesem Jahr wurden die dort eingesetzten Wächter Teil des Corpo de Vigilantes da Natureza. Ihre Aufgaben umfassen die Überwachung und Kontrolle des Schutzgebietes, den Schutz der biologischen und geologischen Werte, die Unterstützung wissenschaftlicher Untersuchungen sowie die Betreuung und Information von Besuchern.
Parallel dazu erhielt die internationale Bedeutung des Gebietes eine immer stärkere Anerkennung. 1989 wurden die Selvagens von BirdLife International als Important Bird and Biodiversity Area (IBA) eingestuft. Zunächst wurde das Landgebiet als IBA ausgewiesen; 2008 folgte die Einstufung eines Meeresgebietes. Damit wurden die Selvagens ausdrücklich als Gebiet von internationaler Bedeutung für die Erhaltung der Vogelwelt anerkannt.
1991 erfolgte außerdem der erste offizielle Besuch eines portugiesischen Staatsoberhauptes. Präsident Mário Soares besuchte die Ilhas Selvagens. Später folgten Staatsbesuche von Jorge Sampaio 2003, Aníbal Cavaco Silva 2013 und Marcelo Rebelo de Sousa 2016. Diese Besuche unterstrichen die staatliche Bedeutung des südlichsten portugiesischen Territoriums und des dort betriebenen Naturschutzes.
1992 erhielten die Ilhas Selvagens das Europäische Diplom für geschützte Gebiete des Europarates. Diese Auszeichnung wurde als Anerkennung des außergewöhnlichen Naturwertes und der geleisteten Naturschutzarbeit vergeben und anschließend mehrfach erneuert. Die Selvagens wurden damit auch auf europäischer Ebene als besonders bedeutendes Schutzgebiet anerkannt.
Im 21. Jahrhundert wurde der Schutz weiter ausgebaut. Die Inselgruppe gehört zum europäischen Natura-2000-Netz. Die ZEC umfasst die entsprechende terrestrische und marine Schutzfläche, während die ZPE einen noch größeren Meeresbereich einschließt. Das IFCN bezeichnet die gesamte Reserva Natural inzwischen als Reserva Integral; geschützt werden die Landflächen von Selvagem Grande, Selvagem Pequena, Ilhéu de Fora und den weiteren kleinen Inseln sowie das angrenzende Meeresgebiet bis zwölf Seemeilen.
Verwaltung
Auf den über lange Zeit hinweg unbeanspruchten Selvagens-Inseln sollte durch Beschluss der Meeresleuchtturm-Kommission 1881 in spanisch-portugiesischer Zusammenarbeit ein Leuchtturm errichtet werden. Im September 1911 gliederte Spanien den Archipel in den Verband der kanarischen Inseln ein. 1929 stellte Admiral Gago Coutinho fest, dass die Inselgruppe eigentlich immer schon unter der Verwaltung Madeiras standen. 1932 erklärte sich Portugal zum Verwalter der Inseln unter Berücksichtigung der jeweiligen Besitzverhältnisse. Durch einen internationalen Vertrag vom 15. Februar 1938 wurde dieser Status durch die Permanente Kommission des Internationalen Seerechts bestätigt. Spanien hat seine Ansprüche aber nie wirklich aufgegeben, und immer wieder kommt es zu Verletzungen des Hoheitsrechts durch spanische Schiffe und Flugzeuge.
Herrschaftsgeschichte
- 1413 bis 1494 herrschaftsfreies Gebiet (Terra nullius)
- 1494 bis 1717 Familie Caiado innerhalb des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 1717 bis 1904 Familie de Noronha innerhalb des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 1904 bis 15. Februar 1938 Familie Rocha Machado innerhalb des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 15. Februar 1938 bis 20. Februar 1976 Autonomer Bezirk Funchel (Distrito Autónomo do Funchal) innerhalb der Republik Portugal (República Portugesa)
- 20. Februar bis 27. August 1977 Bezirk Funchel (Distrito do Funchal) innerhalb der Republik Portugal (República Portugesa)
- seit 27. Acuguist 1977 Autonome Region Madeira (Região Autónomo da Madeira) innerhalb der Republik Portugal (República Portugesa)
Legislative und Exekutive
Die Ilhas Selvagens besitzen keine eigene legislative oder exekutive Selbstverwaltung. Sie sind kein eigenständiges Verwaltungsgebiet mit einer Gemeinde, einem Gemeinderat, einem Bürgermeister oder einer eigenen lokalen Regierung. Die Inselgruppe gehört vollständig zur Autonomen Region Madeira und damit zugleich zum portugiesischen Staatsgebiet. Ihre politische und administrative Ordnung muss deshalb im Zusammenhang mit der Autonomie Madeiras und der portugiesischen Staatsordnung betrachtet werden. Das geltende Recht bezeichnet die Ilhas Selvagens ausdrücklich als Bestandteil der Região Autónoma da Madeira.
Die legislative Zuständigkeit für die Ilhas Selvagens liegt auf mehreren Ebenen. Für Angelegenheiten, die in die nationale Zuständigkeit Portugals fallen, ist die portugiesische Republik zuständig. Gleichzeitig besitzt Madeira als autonome Region eigene Gesetzgebungsbefugnisse. Das regionale Parlament, die Assembleia Legislativa da Região Autónoma da Madeira, kann daher regionale Rechtsvorschriften erlassen, die für die Selvagens gelten. Die besondere Bedeutung dieser regionalen Gesetzgebung zeigt sich bereits an der Geschichte des Schutzgebietes. Die Selvagens wurden 1971 durch portugiesisches Staatsrecht als Schutzgebiet ausgewiesen; 1978 und 1981 wurde ihr rechtlicher Status durch regionale Rechtsakte weiter ausgestaltet.
Die heute maßgebliche gesetzliche Grundlage ist das Decreto Legislativo Regional n.º 8/2022/M vom 3. Mai 2022. Dieses Gesetz verabschiedete die neue rechtliche Regelung für die Reserva Natural das Ilhas Selvagens. Es bestätigt damit die besondere Schutzstellung der Inselgruppe und ihres angrenzenden Meeresgebietes. Die Reserva Natural umfasst die Landflächen von Selvagem Grande, Selvagem Pequena, Ilhéu de Fora und den angrenzenden kleinen Inseln sowie das dazugehörige Meeresgebiet bis zu zwölf Seemeilen. Der gesamte Bereich besitzt den Status einer Reserva Integral.
Die regionale Gesetzgebung bestimmt damit insbesondere, welche menschlichen Aktivitäten auf den Inseln und in den angrenzenden Gewässern zulässig sind. Sie bildet die rechtliche Grundlage für Zugangsbeschränkungen, Genehmigungen, Naturschutzmaßnahmen und die Regulierung menschlicher Tätigkeiten. Weitere regionale Rechtsakte ergänzen diese Regelung. Dazu gehört beispielsweise die Portaria n.º 371/2018, welche die Bedingungen für Aktivitäten im Meeresbereich der Reserva Natural und die entsprechenden Regeln für menschliche Aktivitäten festlegt. Auch der Plano de Ordenamento e Gestão das Ilhas Selvagens, kurz POGIS, gehört zu den zentralen Instrumenten der Verwaltung des Gebietes. Seine Überarbeitung wurde 2017 durch die Resolução n.º 303/2017 genehmigt.
Eine eigene legislative Vertretung der Inselbewohner gibt es nicht, weil die Selvagens keine dauerhaft ansässige Bevölkerung besitzen. Es existieren daher weder ein Inselparlament noch ein Gemeinderat. Politische Entscheidungen über das Gebiet werden von den zuständigen Institutionen Madeiras beziehungsweise Portugals getroffen. Die Bevölkerung der Autonomen Region Madeira ist über die regionale politische Ordnung und insbesondere über die Assembleia Legislativa da Região Autónoma da Madeira an der Gesetzgebung beteiligt; eine gesonderte politische Vertretung ausschließlich für die Selvagens besteht dagegen nicht.
Die Exekutive liegt ebenfalls nicht bei einer lokalen Inselverwaltung. Die zentrale Verwaltungsrolle für das Naturschutzgebiet besitzt das Instituto das Florestas e Conservação da Natureza, IP-RAM (IFCN). Das Institut ist eine Einrichtung der Autonomen Region Madeira und wurde 2016 durch regionales Gesetz geschaffen. Es übernahm die Aufgaben der früheren Direção Regional de Florestas e Conservação da Natureza und des Serviço do Parque Natural da Madeira. Die gesetzliche Konstruktion sieht ausdrücklich eine integrierte Verwaltung der natürlichen Gebiete Madeiras, Porto Santos, der Desertas und der Selvagens vor.
Das IFCN ist damit die wichtigste staatliche beziehungsweise regionale Verwaltungsstelle für die praktische Verwaltung der Selvagens. Zu seinen Aufgaben gehören die Umsetzung der Naturschutzvorschriften, die Überwachung des Schutzgebietes, die Erteilung beziehungsweise Verwaltung von Genehmigungen, die Kontrolle menschlicher Aktivitäten, die Betreuung wissenschaftlicher Projekte und die Überwachung der natürlichen Lebensräume und Arten. Die Verwaltung erfolgt somit nicht über eine lokale Gemeinde, sondern über eine spezialisierte regionale Naturschutzbehörde.
Auch die Präsenz von Naturwächtern beziehungsweise Mitarbeitern des Schutzgebietes ist Teil dieser exekutiven Struktur. Sie übernehmen vor Ort Aufgaben der Gebietsüberwachung, der Kontrolle des Besucherverkehrs und der praktischen Umsetzung der Schutzbestimmungen. Wegen der abgelegenen Lage der Inseln und des Fehlens einer ständigen Bevölkerung handelt es sich dabei nicht um eine kommunale Verwaltung, sondern um eine fachlich ausgerichtete Schutzgebietsverwaltung.
Neben dem IFCN sind je nach Sachgebiet weitere staatliche Stellen zuständig. Für maritime Fragen, Schifffahrt und bestimmte Regelungen in den Gewässern spielt beispielsweise die Capitania do Porto do Funchal eine Rolle. Die bestehende Gesetzgebung enthält unter anderem Regelungen zu den Ankerplätzen und zur Fischerei in den Gewässern der Selvagens. So wurde die Fischerei in der Reserva Natural durch einen Erlass der Hafenbehörde von Funchal untersagt.
Justizwesen und Kriminalität
Da es keine Gemeinde, keine ständige Zivilbevölkerung und keine eigene kommunale Verwaltung gibt, existieren auf den Inseln weder ein Gericht noch eine Staatsanwaltschaft, eine Polizeidienststelle oder ein Gefängnis. Die Rechtspflege wird von den zuständigen portugiesischen und madeirensischen Institutionen außerhalb der Inselgruppe wahrgenommen.
Eine besondere Bedeutung hat das Naturschutzrecht. Die gesamte Reserva Natural das Ilhas Selvagens besitzt den Status einer Reserva Integral. Der Schutz erstreckt sich nicht nur auf die Landflächen von Selvagem Grande, Selvagem Pequena und den kleineren Inseln, sondern auch auf das angrenzende Meeresgebiet bis zu zwölf Seemeilen.
Für die Ilhas Selvagens gilt insbesondere das Decreto-Lei n.º 8/2022/M vom 3. Mai 2022, mit dem das neue rechtliche Regime der Reserva Natural das Ilhas Selvagens festgelegt wurde. Ergänzend bestehen weitere regionale Vorschriften, unter anderem die Portaria n.º 371/2018 über die Bedingungen für menschliche Aktivitäten im Meeresbereich des Schutzgebietes. Das Instituto das Florestas e Conservação da Natureza (IFCN) führt die einschlägige Gesetzgebung weiterhin als geltendes Regelwerk der Reserva Natural.
Das Naturschutzrecht enthält zahlreiche konkrete Verbote und Beschränkungen. Das Gesetz von 2022 stuft bestimmte Verstöße als besonders schwere Verwaltungsübertretungen, portugiesisch contraordenações muito graves, ein. Dazu gehören beispielsweise die unerlaubte Errichtung neuer Strukturen und Infrastrukturen, die Entnahme biologischer, geologischer, paläontologischer oder archäologischer Proben, der unzulässige Zugang zu geschützten Bereichen, geophysikalische Untersuchungen, die verbotene Verwendung von Sonaren und die Einführung von Landfahrzeugen.
Damit liegt ein großer Teil der auf den Selvagens praktisch relevanten Rechtsdurchsetzung nicht im Bereich gewöhnlicher Kriminalität, sondern im Bereich des Umwelt- und Verwaltungsrechts. Verstöße gegen die Schutzbestimmungen können als Verwaltungsübertretungen verfolgt und mit den gesetzlich vorgesehenen Sanktionen belegt werden. Die genaue Sanktion richtet sich nach der jeweiligen Vorschrift und der Art des Verstoßes.
Für die Überwachung des Schutzgebietes ist insbesondere das IFCN zuständig. Das Institut verwaltet die Naturschutzgebiete der Autonomen Region Madeira und ist für die Umsetzung der jeweiligen Schutzvorschriften, Genehmigungen und Kontrollen zuständig. Für die Selvagens bestehen zudem eigene Schutzgebietsregelungen und ein Managementplan.
Daneben bestehen Zuständigkeiten anderer portugiesischer Behörden, insbesondere soweit es um die See, Schifffahrt und maritime Sicherheit geht. Die rechtliche Kontrolle der Selvagens beschränkt sich deshalb nicht auf die Inseloberflächen. Wegen des großen geschützten Meeresbereichs müssen auch Aktivitäten von Schiffen und andere Nutzungen des Meeres den geltenden Vorschriften entsprechen.
Eine klassische Kriminalitätsstatistik für die Ilhas Selvagens ist nicht sinnvoll mit der Statistik einer bewohnten portugiesischen Gemeinde vergleichbar. Es gibt dort keine nennenswerte ständige Bevölkerung und damit auch keine normale lokale Struktur aus Wohnbevölkerung, Geschäften, Gaststätten, Schulen oder regelmäßigem Nachtleben, in deren Zusammenhang typische Delikte wie Diebstahl, Einbruch, Raub oder Körperverletzung statistisch regelmäßig auftreten würden. Öffentlich zugängliche Quellen des IFCN stellen die Selvagens vor allem als Naturschutzgebiet dar und führen die dort geltenden Schutz- und Sanktionsvorschriften auf; eine eigenständige Statistik zur Alltagskriminalität der Inselgruppe wird dort nicht veröffentlicht.
Die wichtigsten potenziellen Rechtsverstöße stehen daher unmittelbar mit dem Schutzgebiet in Verbindung. Dazu gehören unerlaubtes Betreten oder Befahren geschützter Bereiche, unerlaubte Entnahme von Tieren, Pflanzen oder geologischen Materialien, unzulässige wissenschaftliche Untersuchungen, die Errichtung von Anlagen sowie bestimmte verbotene Tätigkeiten im Meer. Gerade weil die Selvagens als Reserva Integral eingestuft sind, sind die Handlungsmöglichkeiten von Besuchern wesentlich stärker eingeschränkt als in gewöhnlichen touristischen Gebieten Madeiras.
Hauptort
Der räumliche und funktionale Mittelpunkt der Inselgruppe befindet sich auf Selvagem Grande, der größten Insel der Ilhas Selvagens. Dort konzentrieren sich die wenigen Einrichtungen, die für die Verwaltung, Überwachung und wissenschaftliche Betreuung des Naturschutzgebietes erforderlich sind. Dazu gehören insbesondere die Einrichtungen der Naturwächter beziehungsweise des Instituto das Florestas e Conservação da Natureza (IFCN). Diese Anlagen bilden jedoch keine Ortschaft und sind nicht mit einem Inselzentrum im kommunalen Sinn vergleichbar.
Auf Selvagem Grande befinden sich außerdem die für die Betreuung des Schutzgebietes wichtigen Gebäude und technischen Einrichtungen. Die Insel verfügt über eine Leuchtturmanlage, die seit dem 19. Jahrhundert der Navigation im Seegebiet dient. Der Farol da Selvagem Grande befindet sich auf der höchsten Erhebung der Insel und ist eine der markantesten anthropogenen Einrichtungen der Selvagens. Er gehört jedoch nicht zu einem Siedlungskern, sondern steht im Zusammenhang mit der Schifffahrt und der Sicherung der Seewege.
Verwaltungsgliedereung
Der Archipel besteht aus drei Inseln und mehreren Felsklötzen.
Bevölkerung
Auf der Inselgruppe halten sich lediglich zwei Ornithologen für jeweils einen bestimmten Zeitraum auf. Dazu kommen immer wieder Gruppen von Wissenschaftlern. Permanente Bewohner gibt es allerdings nicht.
Bevölkereungsentwicklung:
Jahr Einwohner Dichte (E/qkm)
bis 1990 0 0,00
ab 1991 2 0,69
Volksgruppen
Auf den Ilhas Selvagens gibt es keine dauerhaft ansässige Bevölkerung und damit auch keine im eigentlichen Sinn vorhandenen Volksgruppen im heutigen demografischen Verständnis. Die Inselgruppe ist kein bewohntes Gemeindegebiet. Zeitweise halten sich dort vor allem Mitarbeiter des Naturschutzes, Leuchtturmpersonal, Wissenschaftler und genehmigte Besucher auf. Diese Personen bilden jedoch keine eigene Bevölkerungsgruppe der Selvagens.
Historisch gab es ebenfalls keine indigene Bevölkerung der Selvagens. Die Inseln waren vor ihrer europäischen Entdeckung unbewohnt. Ihre spätere Nutzung erfolgte vor allem durch Portugiesen von Madeira. Die menschliche Präsenz blieb dabei stets sehr klein und war mit Funktionen wie Schifffahrt, Fischerei, Jagd, Landwirtschaft in begrenztem Umfang, Leuchtturmbetrieb und später Naturschutz verbunden. Von einer eigenständigen ethnischen Gruppe der Selvagens kann deshalb nicht gesprochen werden.
Sprachen
Sprachlich ist Portugiesisch die wichtigste Sprache im Zusammenhang mit den Ilhas Selvagens. Es ist die Amtssprache Portugals und der Autonomen Region Madeira und wird von den Behörden, dem Instituto das Florestas e Conservação da Natureza, in der Gesetzgebung sowie in den offiziellen Informationen über das Naturschutzgebiet verwendet. Die portugiesische Sprache ist damit die zentrale Verwaltungssprache der Inselgruppe.
Bei internationalen Besuchern und Wissenschaftlern können insbesondere Englisch und weitere europäische Sprachen verwendet werden. Diese Sprachen gehören jedoch nicht zur traditionellen Sprachgemeinschaft der Inselgruppe. Sie sind lediglich durch den internationalen Naturtourismus und die wissenschaftliche Forschung vertreten. Eine statistisch erfassbare Mehrsprachigkeit der Bevölkerung besteht mangels ständiger Bevölkerung nicht.
Religion
Auf den Ilhas Selvagens gibt es keine religiösen Einrichtungen. Ebenso gibt es keine regelmäßigen Gottesdienste oder religiösen Feste auf den Inseln. Die religiöse Tradition der Personen, die sich zeitweise auf den Selvagens aufhalten, entspricht grundsätzlich ihrer persönlichen Herkunft. Historisch standen die Selvagens im kulturellen und religiösen Umfeld Portugals und insbesondere Madeiras. Da Madeira überwiegend römisch-katholisch geprägt ist, gehörten auch die portugiesischen Bewohner und Nutzer der Selvagens traditionell überwiegend diesem religiösen Kulturkreis an. Auf den Selvagens selbst entwickelte sich jedoch kein eigenständiges religiöses Leben.
Siedlungen
Der wichtigste Ort menschlicher Präsenz befindet sich auf Selvagem Grande, der größten Insel der Gruppe. Dort stehen die Einrichtungen, die für die Verwaltung und Überwachung des Naturschutzgebietes erforderlich sind. Dazu gehören Gebäude für die Naturwächter und andere zeitweise auf der Insel eingesetzte Personen sowie technische Einrichtungen. Diese Gebäude bilden jedoch keinen zusammenhängenden Ort mit Straßen, Wohnhäusern, Geschäften und öffentlichen Einrichtungen.
Eine besondere Stellung besitzt der Leuchtturm von Selvagem Grande. Der Farol da Selvagem Grande wurde errichtet, um die Schifffahrt in dem abgelegenen Seegebiet zu unterstützen. Mit dem Leuchtturm entstanden auch Gebäude und technische Anlagen für das Leuchtturmpersonal. Diese Anlagen können historisch als wichtigste dauerhafte menschliche Einrichtung der Inselgruppe betrachtet werden, stellen aber keine Siedlung im kommunalen oder dörflichen Sinne dar.
Auch auf Selvagem Pequena gibt es keine Siedlung. Die Insel ist wesentlich kleiner und besitzt eine besonders geringe anthropogene Erschließung. Wegen ihrer Bedeutung als Lebensraum zahlreicher Seevögel und wegen des strengen Schutzstatus sind menschliche Eingriffe dort stark begrenzt. Dauerhafte Wohngebäude oder eine eigenständige Ansiedlung existieren nicht.
Die übrigen kleinen Inseln und Felsen der Gruppe sind ebenfalls unbesiedelt. Sie verfügen weder über Wohngebäude noch über eine dauerhafte technische Infrastruktur, die den Charakter eines Siedlungsplatzes begründen würde.
Historisch war die menschliche Nutzung der Selvagens ebenfalls sehr begrenzt. Die Inseln wurden zeitweise von Menschen aus Madeira aufgesucht und wirtschaftlich genutzt. Dazu gehörten insbesondere das Sammeln beziehungsweise die Nutzung von Ressourcen sowie Aufenthalte im Zusammenhang mit Fischerei und Jagd. Eine größere dauerhafte Bevölkerung entwickelte sich jedoch nicht. Die abgelegene Lage, der Wassermangel und die schwierigen natürlichen Bedingungen verhinderten die Entstehung einer größeren Siedlung.
Mit der Einrichtung des Naturschutzgebietes wurde die menschliche Nutzung zusätzlich eingeschränkt. Die Ilhas Selvagens gehören heute zu den streng geschützten Naturgebieten der Autonomen Region Madeira. Die geltenden Vorschriften beschränken unter anderem die Errichtung neuer Gebäude und anderer Infrastrukturen. Dadurch ist eine Entwicklung zu einem touristischen Siedlungsgebiet ausgeschlossen.
Verkehr
Die Ilhas Selvagens sind nur per Boot erreichbar; private Schiffe, Ausflugsboote und portugiesische Marineeinheiten dürfen das Naturschutzgebiet jedoch nur mit vorheriger Genehmigung befahren. Auf den Inseln gibt es keinen öffentlichen Verkehr, und auch das Anlanden von Passagieren wird nicht von der Schutzgebietsverwaltung organisiert, sondern muss durch das jeweilige Schiff beziehungsweise den Veranstalter erfolgen.
Straßenverkehr
Die wichtigste Insel für die menschliche Nutzung ist Selvagem Grande. Dort existieren einige kurze Wege und Pfade, die von den Naturwächtern, Wissenschaftlern und genehmigten Besuchern benutzt werden. Es handelt sich überwiegend um einfache, teilweise befestigte Fußwege und historische Zugangswege, nicht um Straßen. Sie verbinden die wenigen funktionalen Einrichtungen der Insel miteinander und ermöglichen die Kontrolle und Betreuung des Schutzgebietes.
Eine besondere Bedeutung besitzt der Weg zum Leuchtturm. Der Farol da Selvagem Grande befindet sich auf dem Pico da Atalaia beziehungsweise in dessen Bereich und ist über einen Fußweg erreichbar. Der Zugang ist aufgrund der Geländeform teilweise steil und weist keinen Charakter einer Straße auf. Der Weg dient vor allem dem Betrieb und der Wartung der Leuchtturmanlage sowie der Kontrolle durch das zuständige Personal.
Auch die Einrichtungen der Naturwächter auf Selvagem Grande sind über Fußwege miteinander verbunden. Diese Wege ermöglichen den Mitarbeitern die Überwachung der Insel, die Versorgung der Station und die Kontrolle der Besucher. Ein Teil des heutigen Wegenetzes steht außerdem im Zusammenhang mit früheren Nutzungen der Insel. Historische Mauern, Zisternen, Kanäle und andere Anlagen der früheren landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzung sind teilweise über alte Pfade erreichbar.
Für Besucher ist das Wegenetz stark eingeschränkt. Die Ilhas Selvagens sind kein frei begehbares Wandergebiet mit einem ausgedehnten markierten Wegenetz. Besucher dürfen sich nur im Rahmen der geltenden Genehmigungen und unter Einhaltung der Schutzbestimmungen bewegen. Auf Selvagem Grande gibt es einen festgelegten Besucherweg beziehungsweise eine geführte Route, über die Besucher einen Teil der Insel kennenlernen können. Das Wegenetz dient daher gleichzeitig dem Naturschutz: Es bündelt den Besucherverkehr und verhindert, dass empfindliche Bereiche beliebig betreten werden.
Auf Selvagem Pequena ist das Wegenetz noch stärker eingeschränkt. Die Insel ist wesentlich kleiner und besitzt keine mit Selvagem Grande vergleichbare Infrastruktur. Es gibt keine Straßen und keine Siedlungswege. Bewegungen auf der Insel erfolgen nur über vorhandene natürliche oder einfache Fußwege und im Rahmen der jeweiligen Schutzbestimmungen.
Die kleinen Felsen und Inselchen der Gruppe besitzen ebenfalls keine Straßen oder ausgebauten Wege. Viele dieser Bereiche dürfen überhaupt nicht oder nur unter besonderen wissenschaftlichen beziehungsweise naturschutzrechtlichen Bedingungen betreten werden. Besonders die Brutkolonien der Seevögel sind empfindlich gegenüber menschlicher Störung.
Auch für Fahrzeuge gibt es praktisch keine Verwendung. Auf den Selvagens sind keine normalen Kraftfahrzeuge des öffentlichen oder privaten Verkehrs vorhanden. Die wenigen erforderlichen Transporte erfolgen zu Fuß, per Schiff oder – wenn für spezielle Arbeiten notwendig – mit dafür eingesetzten Arbeits- beziehungsweise Versorgungseinrichtungen. Die Versorgung der Insel erfolgt grundsätzlich vom Meer aus. Baumaterial, Lebensmittel, technische Geräte und andere Güter werden mit Schiffen von Madeira zur Inselgruppe gebracht.
Der Zugang zur Inselgruppe selbst ist deshalb vom Landverkehr vollständig getrennt. Die eigentliche Anreise erfolgt auf dem Seeweg. Nach dem Anlanden werden die wenigen vorhandenen Einrichtungen zu Fuß erreicht. Es gibt keinen Hafen mit einem Straßennetz dahinter, sondern lediglich geeignete Anlandestellen beziehungsweise Buchten, von denen aus die Besucher und Mitarbeiter zu den jeweiligen Einrichtungen weitergehen.
Die fehlende Straßeninfrastruktur ist auch eine direkte Folge des Naturschutzes. Das geltende Schutzgebietsrecht beschränkt die Errichtung neuer Infrastruktur und untersagt beziehungsweise reguliert zahlreiche Eingriffe in den Boden und die natürlichen Lebensräume. Ein Ausbau zu einem modernen Straßennetz würde mit den Zielen des Schutzgebietes nicht vereinbar sein.
Historisch waren die Wege stärker mit der wirtschaftlichen Nutzung verbunden. Als die Inseln noch privat genutzt wurden, mussten die Arbeiter und Nutzer die Bereiche erreichen, in denen Pflanzen gesammelt, Ziegen gehalten oder andere natürliche Ressourcen genutzt wurden. Auf Selvagem Grande entstanden deshalb einfache Wege und bauliche Strukturen wie Mauern, Wasserkanäle und Zisternen. Diese historischen Spuren sind heute teilweise noch vorhanden, haben aber keine Funktion als modernes Verkehrsnetz.
Schiffsverkehr
Die Selvagens liegen rund 163 Seemeilen südöstlich von Madeira und damit weit außerhalb des regulären Inselverkehrsnetzes Madeiras. Die Entfernung und die exponierte Lage im Atlantik machen die Seefahrt zur einzigen regulären Verbindung mit der Außenwelt.
Einen Linienverkehr mit Fähren, wie er zwischen den bewohnten Inseln Madeiras und anderen portugiesischen Inselgruppen besteht, gibt es zu den Selvagens nicht. Die Inselgruppe besitzt keinen Fährhafen und keinen regelmäßigen Passagierdienst. Besuche erfolgen stattdessen mit privaten Schiffen, Schiffen des maritimen Tourismus sowie mit Schiffen der portugiesischen Marine. Für einen Besuch ist grundsätzlich eine vorherige Genehmigung des Instituto das Florestas e Conservação da Natureza (IFCN) erforderlich. Die aktuelle Besuchsregelung wurde vom IFCN zuletzt im Februar 2026 aktualisiert.
Für die Genehmigung eines Schiffsbesuchs müssen unter anderem der Name und das Kennzeichen des Schiffes, seine Nationalität und sein Schiffstyp, die Zahl der Besatzungsmitglieder, der vorgesehene Besuchszeitraum, der verantwortliche Schiffsführer beziehungsweise Verantwortliche sowie der Zweck des Aufenthalts angegeben werden. Damit kann die Naturschutzverwaltung nachvollziehen, welche Schiffe sich im Schutzgebiet bewegen und welche Aktivitäten vorgesehen sind. Die Regelung gilt sowohl für private als auch für kommerzielle Fahrten.
Der Schiffsverkehr ist durch den Schutzstatus der Selvagens besonders stark reguliert. Die gesamte Reserva Natural besitzt den Status einer Reserva Integral. Der Schutz umfasst die Landflächen von Selvagem Grande, Selvagem Pequena, Ilhéu de Fora und den übrigen kleinen Inseln sowie das angrenzende Meeresgebiet bis zwölf Seemeilen. Damit befindet sich ein großer Teil des für die Schifffahrt relevanten Seegebietes innerhalb eines streng geschützten Meeresnaturschutzgebietes.
Besonders wichtig ist deshalb die Regelung der Ankerplätze. Schiffe dürfen nicht beliebig vor den Inseln ankern. Nach den Angaben des IFCN sind ausschließlich die von der Capitania do Porto do Funchal festgelegten Ankerplätze zugelassen. Der frühere Ankerplatz bei Selvagem Pequena ist inzwischen außer Betrieb. Als offizieller Ankerplatz dient die Baía das Cagarras auf Selvagem Grande. Die Bucht bietet aufgrund ihrer geschützten Lage geeignete Bedingungen zum Ankern und ist entsprechend auch in den nautischen Karten verzeichnet.
Als Ausweichankerplatz steht bei Wetterbedingungen, die das Ankern in der Baía das Cagarras nicht zulassen, die Baía das Galinhas zur Verfügung. Schiffsführer müssen darüber hinaus die Angaben des jeweils aktuellen Roteiro da Costa de Portugal – Arquipélago da Madeira berücksichtigen. Dieses nautische Handbuch ergänzt die Seekarten mit Informationen über die Küste, Navigation und örtliche Bedingungen. Für Einzelheiten verweist das IFCN auf das Comando de Zona Marítima da Madeira.
Die Baía das Cagarras ist gleichzeitig die wichtigste Anlandestelle für Besucher auf Selvagem Grande. Nach Angaben des IFCN können Besucher dort an Land gehen und anschließend unter Begleitung eines Naturwächters den vorgesehenen Interpretationsweg benutzen. Die Anlandung ist jedoch nicht automatisch Bestandteil der Genehmigung: Das IFCN weist ausdrücklich darauf hin, dass die Verwaltung des Schutzgebietes nicht für den Transport der Passagiere und Besatzungsmitglieder vom Schiff an Land verantwortlich ist. Die Organisation der Anlandung muss daher durch das jeweilige Schiff beziehungsweise den Veranstalter erfolgen.
Neben privaten und touristischen Schiffen besitzt die portugiesische Marine eine wichtige Funktion. Marineschiffe besuchen die Selvagens regelmäßig im Zusammenhang mit staatlichen Aufgaben, Überwachung, Versorgung und der Sicherung der portugiesischen Hoheitsgewässer. Auch Besucher können im Rahmen bestimmter genehmigter Fahrten mit Marineschiffen zur Inselgruppe gelangen. Das IFCN nennt die Schiffe der portugiesischen Marine ausdrücklich neben privaten und maritimen Tourismusfahrzeugen als mögliche Verkehrsmittel zu den Selvagens.
Historisch besitzt der Schiffsverkehr für die Selvagens eine noch größere Bedeutung. Die Inselgruppe liegt in einem abgelegenen Seegebiet zwischen Madeira und den Kanarischen Inseln und war wegen ihrer steilen Küsten, der zahlreichen Felsen und der schlechten Sichtbedingungen für die Schifffahrt problematisch. Die Verbesserung der maritimen Kennzeichnung wurde deshalb zu einer wichtigen staatlichen Aufgabe. 1977 wurden auf Selvagem Grande und Selvagem Pequena Leuchttürme errichtet. Die Leuchttürme dienen der Navigation und kennzeichnen die Inselgruppe für den vorbeifahrenden Schiffsverkehr.
Die Leuchttürme sind zugleich Teil der technischen Infrastruktur des Seegebiets. Wegen der Entfernung von Madeira und des Fehlens eines öffentlichen Stromnetzes mussten sie unabhängig betrieben werden. Die Anlagen wurden später mit Photovoltaiktechnik ausgestattet. Der autonome Betrieb der Navigationsanlagen ist für ein so abgelegenes Gebiet besonders wichtig, da eine Versorgung über ein Landstromnetz nicht möglich ist.
Der heutige Schiffsverkehr dient vor allem vier Funktionen: der Verwaltung und Überwachung des Naturschutzgebietes, der wissenschaftlichen Forschung, der Versorgung und dem streng begrenzten Naturtourismus. Hinzu kommen Fahrten der portugiesischen Marine und anderer staatlicher Stellen. Ein eigenständiger Güterverkehr oder regelmäßiger Handelsverkehr, wie er auf bewohnten Inseln besteht, hat sich dagegen nicht entwickelt.
Auch wissenschaftliche Expeditionen sind auf den Seeverkehr angewiesen. Forschungsteams, wissenschaftliche Geräte, Probenahmematerial und Versorgungsgüter können nur mit Schiffen zur Inselgruppe gebracht werden. Gleiches gilt für Wartungsarbeiten an den technischen Einrichtungen, den Leuchttürmen und den Anlagen des Naturschutzes.
Für den Naturtourismus ist der Schiffsverkehr ebenfalls die entscheidende Voraussetzung. Nach Angaben des IFCN besuchen jährlich mehrere hundert Menschen die Selvagens. Sie reisen mit privaten Booten, Schiffen des maritimen Tourismus oder teilweise mit Schiffen der portugiesischen Marine an. Der Schwerpunkt des Aufenthalts liegt auf geführten Naturbeobachtungen, der Beobachtung und dem Hören der Tierwelt sowie weiteren genehmigten Aktivitäten.
Wirtschaft
Die Ilhas Selvagens besitzen keine eigenständige Wirtschaft, da sie unbewohnt sind und Fischerei sowie andere Rohstoffnutzungen im streng geschützten Meeresgebiet verboten sind. Wirtschaftliche Bedeutung haben vor allem der genehmigungspflichtige Natur- und wissenschaftliche Tourismus sowie Forschungs- und Naturschutzprojekte.
Landwirtschaft
Eine dauerhafte bäuerliche Besiedlung konnte sich auf den Selvagens historisch nicht entwickeln. Anders als auf Madeira fehlen größere Täler, ganzjährig wasserführende Gewässer und ausreichend zusammenhängende fruchtbare Böden. Niederschläge fallen vergleichsweise selten und unregelmäßig; gleichzeitig ist die Verdunstung hoch. Regenwasser musste deshalb bereits bei früheren Aufenthalten in Zisternen gesammelt werden. Diese Wasserspeicherung diente vor allem der Versorgung der Menschen und Tiere und bildete keine Grundlage für eine regelmäßige Bewässerungslandwirtschaft.
Historisch wurden einzelne natürliche Ressourcen der Inseln dennoch wirtschaftlich genutzt. Besonders wichtig war die Sammlung von Flechten der Gattung Roccella, der sogenannten Urzela. Aus diesen Flechten wurde ein Farbstoff gewonnen, der insbesondere für die Färbung von Textilien verwendet wurde. Die Urzela wurde nicht angebaut, sondern in den natürlichen Beständen gesammelt. Ihre Nutzung gehört deshalb zur Ausbeutung wild wachsender Ressourcen und nicht zur Landwirtschaft im engeren Sinn.
Auch andere wild wachsende Pflanzen wurden zeitweise gesammelt. Zu den historisch genannten Ressourcen gehören unter anderem Pflanzen wie Mesembryanthemum crystallinum und Mesembryanthemum nodiflorum sowie weitere Pflanzen, die als Rohstoffe oder Nahrungsressourcen genutzt wurden. Eine systematische Kultivierung dieser Arten fand jedoch nicht statt.
Eine gewisse Bedeutung hatte außerdem die Nutzung der Seevogelkolonien. Die Eier und Jungvögel von Seevögeln, insbesondere der Cagarras (Calonectris borealis), wurden früher gesammelt beziehungsweise die Jungvögel wurden in großer Zahl getötet. Der dabei anfallende Vogelkot wurde ebenfalls genutzt. Guano wurde als Dünger gewonnen und von den Inseln abtransportiert. Auch hierbei handelte es sich jedoch nicht um Landwirtschaft auf den Selvagens, sondern um die Nutzung eines natürlichen Produktes für die Landwirtschaft außerhalb der Inselgruppe.
Gartenbau oder Selbstversorgung durch Gemüseanbau sind heute nicht Bestandteil der Inselnutzung. Die zeitweise auf Selvagem Grande eingesetzten Naturwächter und andere Mitarbeiter werden von außerhalb versorgt. Lebensmittel und sonstige notwendige Güter werden mit Schiffen herangebracht. Eine landwirtschaftliche Eigenversorgung der Inselgruppe ist daher nicht erforderlich.
Mit der staatlichen Übernahme der Inseln im Jahr 1971 und der Einrichtung des Naturschutzgebietes wurde die wirtschaftliche Nutzung weiter zurückgedrängt. Die heutige Reserva Natural das Ilhas Selvagens dient dem Schutz der natürlichen Ökosysteme. Die Entnahme von Pflanzen, Tieren oder anderen natürlichen Materialien ist grundsätzlich nur unter den dafür vorgesehenen gesetzlichen Bedingungen und Genehmigungen möglich.
Auch Weidewirtschaft gibt es nicht. Eine dauerhafte Haltung von Schafen, Ziegen, Rindern oder anderen Nutztieren findet nicht statt. Gerade die Einführung fremder Tierarten wäre aus naturschutzfachlicher Sicht problematisch, weil kleine Inselökosysteme besonders empfindlich auf eingeschleppte Arten reagieren.Die heutige Landfläche der Selvagens ist daher überwiegend natürliche Schutzfläche. Menschliche Eingriffe beschränken sich auf Gebäude, Wege, technische Anlagen und Einrichtungen, die für Naturschutz, Navigation, Forschung und kontrollierte Besuche erforderlich sind.
Fischerei
Die abgelegene Lage im Atlantik und die Nähe zu tiefen Meeresgebieten schaffen grundsätzlich günstige Bedingungen für eine artenreiche Meeresfauna. In den Gewässern kommen verschiedene pelagische und küstennahe Fischarten vor. Für die Ökologie der Inselgruppe sind außerdem Meeressäuger, Meeresschildkröten und Seevögel von Bedeutung, die teilweise direkt von den marinen Nahrungsnetzen abhängig sind.
Historisch nutzten Fischer aus Madeira die Gewässer rund um die Selvagens. Dabei standen vor allem die natürlichen Fischbestände und andere marine Ressourcen im Mittelpunkt. Die Nutzung erfolgte jedoch nicht von einer dauerhaft bewohnten Fischersiedlung aus, sondern im Rahmen von Fahrten von Madeira zu den abgelegenen Inseln. Die Selvagens selbst entwickelten deshalb weder einen Fischereihafen noch eine eigene Fischereiflotte.
Mit der Einrichtung des Naturschutzgebietes änderte sich die Situation grundlegend. Die Ilhas Selvagens wurden 1971 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Schutz wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach erweitert und umfasst heute neben den Landflächen ein großes Meeresgebiet. Die aktuellen Schutzbestimmungen unterteilen das Gebiet in streng geschützte Bereiche und regeln beziehungsweise beschränken menschliche Aktivitäten im Meer.
Für die Fischerei bedeutet dies, dass die Gewässer nicht als gewöhnliches frei zugängliches Fischereigebiet behandelt werden. Fischerei und andere Formen der Entnahme von Meeresorganismen unterliegen den Schutzbestimmungen und den entsprechenden Genehmigungen. Besonders empfindliche Lebensräume und Arten dürfen nicht beeinträchtigt werden.
Die Ausweisung des Meeresgebietes dient unter anderem dem Schutz der Fischbestände selbst. Durch die Einschränkung der Entnahme sollen sich die natürlichen Populationen entwickeln können. Gleichzeitig schützt der Status der Reserva Natural die Nahrungsgrundlage zahlreicher Seevögel, die auf Fische und andere Meeresorganismen angewiesen sind.
Eine besondere Rolle spielt die Fischerei deshalb heute eher als Gegenstand des Naturschutzmanagements als als Wirtschaftszweig. Die Verwaltung muss berücksichtigen, welche menschlichen Aktivitäten mit dem Schutz der marinen Ökosysteme vereinbar sind. Das betrifft neben der Fischerei auch Schiffsverkehr, Tauchen, wissenschaftliche Untersuchungen und andere Nutzungen des Meeres.
Für die lokale Wirtschaft der Selvagens besitzt die Fischerei heute keine nennenswerte Bedeutung. Es gibt keinen Fischmarkt, keine Fischverarbeitungsanlage, keine Kühlhäuser, keine Fischereigenossenschaft und keine auf der Inselgruppe ansässigen Fischer. Auch eine regelmäßige Anlandung von Fängen findet dort nicht statt. Die Versorgung der zeitweise auf Selvagem Grande eingesetzten Personen erfolgt ebenfalls nicht über lokale Fischerei. Lebensmittel und andere Güter werden von Madeira beziehungsweise über Versorgungsschiffe herangebracht. Die Inselgruppe verfügt damit über keine eigenständige maritime Subsistenzwirtschaft.
Wasserwirtschaft
Die geringe Niederschlagsmenge und die lange sommerliche Trockenzeit begrenzen die verfügbaren Wassermengen zusätzlich. Regen fällt vor allem während der feuchteren Jahreszeit, während im Sommer über längere Zeiträume kaum Niederschlag auftritt. Eine regelmäßige natürliche Neubildung von Grundwasser ist wegen der geringen Niederschlagsmengen und der geologischen beziehungsweise topographischen Verhältnisse stark begrenzt. Für eine dauerhafte menschliche Besiedlung wäre die natürliche Wasserversorgung deshalb nicht ausreichend.
Historisch wurde Regenwasser gesammelt und in Zisternen gespeichert. Solche Wasserzisternen gehören zu den wichtigsten traditionellen technischen Einrichtungen der Selvagens. Sie ermöglichten es, während der niederschlagsreicheren Perioden Wasser aufzufangen und anschließend über längere Zeit für Menschen und Tiere zu verwenden. Die Zisternen waren damit eine Voraussetzung für längere Aufenthalte auf Selvagem Grande.
Die historische Nutzung der Inseln war eng an diese begrenzten Wasservorräte gebunden. Personen, die zur Gewinnung von Urzela, zur Jagd auf Seevögel oder zu anderen Tätigkeiten auf die Inseln kamen, mussten ihren Wasserbedarf entsprechend planen. Eine kontinuierliche Wasserversorgung wie auf Madeira gab es nicht. Der Wassermangel war einer der wichtigsten Gründe dafür, dass sich auf den Selvagens keine dauerhafte bäuerliche Bevölkerung entwickelte.
Auch die heutigen Einrichtungen auf Selvagem Grande verfügen über keine normale kommunale Wasserversorgung. Für die zeitweise dort eingesetzten Naturwächter und das Wartungs- und Forschungspersonal muss Trink- und Brauchwasser bereitgestellt und sparsam verwendet werden. Die Versorgung wird durch die besonderen Bedingungen der Inselgruppe bestimmt und ist mit der Versorgung einer bewohnten Insel nicht vergleichbar.
Wasser wird daher in erheblichem Umfang von außerhalb herangebracht beziehungsweise in Speichereinrichtungen vorgehalten. Die Versorgung erfolgt im Zusammenhang mit den regelmäßigen Versorgungsfahrten auf dem Seeweg. Eine große lokale Wassergewinnungsanlage ist nicht vorhanden. Dadurch bleibt der Wasserverbrauch der Inselgruppe gering und muss entsprechend der Zahl der anwesenden Personen geplant werden.
Die Regenwassersammlung besitzt daneben weiterhin Bedeutung. Niederschläge können über geeignete Dach- und Auffangflächen gesammelt und in Tanks beziehungsweise Zisternen gespeichert werden. Dieses Verfahren eignet sich besonders für eine abgelegene Insel ohne öffentliche Infrastruktur, weil keine langen Rohrleitungen und keine Verbindung zu einem externen Wassernetz erforderlich sind.
Energiewirtschaft
Die Energieversorgung konzentriert sich auf Selvagem Grande, weil sich dort die wichtigsten technischen und administrativen Einrichtungen befinden. Selvagem Pequena und die kleineren Inseln besitzen keine vergleichbare Energieinfrastruktur.
Eine besondere Bedeutung hat die Solarenergie. Die abgelegene Lage macht eine Versorgung über ein unterseeisches Stromkabel von Madeira technisch und wirtschaftlich unnötig. Für kleine, isolierte Verbraucher sind autonome Photovoltaikanlagen wesentlich geeigneter. Bereits die Navigationsanlagen der Inselgruppe wurden auf einen unabhängigen Betrieb ausgerichtet. Die Leuchttürme auf Selvagem Grande und Selvagem Pequena wurden 1977 errichtet und später mit Photovoltaikzellen ausgestattet. Dadurch konnten die für die Schifffahrt wichtigen Leuchtsignale unabhängig von einer externen Stromversorgung betrieben werden.
Die Photovoltaik dient insbesondere der Versorgung der technischen Anlagen. Dazu gehören Beleuchtung, Kommunikation, Navigations- und Überwachungstechnik sowie elektrische Geräte der auf Selvagem Grande eingesetzten Naturwächter. Wegen der geringen Zahl von Verbrauchern ist keine große Energieerzeugungsanlage erforderlich. Die vorhandene Energieinfrastruktur entspricht eher einem autarken Inselsystem als einer eigenständigen Energiewirtschaft.
Fossile Brennstoffe werden vor allem dort benötigt, wo mobile Energiequellen erforderlich sind. Für Boote, Transportfahrten und gegebenenfalls technische Geräte, die nicht elektrisch betrieben werden können, müssen Treibstoffe von außerhalb herangebracht werden. Eine lokale Gewinnung oder Raffinerie von Brennstoffen existiert selbstverständlich nicht.
Abfallwirtschaft
Der wichtigste Grundsatz besteht darin, Abfälle möglichst gar nicht auf den Inseln entstehen zu lassen beziehungsweise entstandene Abfälle wieder von den Inseln abzutransportieren. Dies ist wegen des strengen Naturschutzes besonders wichtig. Die Ilhas Selvagens sind ein empfindliches Inselökosystem, in dem bereits geringe Mengen von Abfällen für Tiere und Lebensräume problematisch sein können.
Abfälle entstehen hauptsächlich durch die zeitweise anwesenden Naturwächter, Wissenschaftler, Wartungs- und Versorgungspersonal sowie durch genehmigte Besucher. Dazu gehören Verpackungen, Lebensmittelreste, Kunststoff, Glas, Metall, Papier und sonstige Verbrauchsmaterialien. Hinzu kommen gelegentlich technische Abfälle aus der Wartung von Kommunikationsanlagen, Photovoltaikanlagen, Leuchttürmen und anderen Einrichtungen.
Eine besondere Bedeutung besitzt die Vermeidung von Kunststoffabfällen. Kunststoff kann auf Inseln über lange Zeit erhalten bleiben und durch Wind und Meer in empfindliche Lebensräume gelangen. Außerdem besteht für Seevögel die Gefahr, Kunststoffteile aufzunehmen oder sich darin zu verfangen. Da die Selvagens bedeutende Brutgebiete für Seevögel besitzen, wird die Vermeidung solcher Abfälle besonders streng gehandhabt.
Lebensmittelabfälle dürfen ebenfalls nicht einfach in der Natur zurückgelassen werden. Auf unbewohnten Inseln können Nahrungsreste das Verhalten von Wildtieren verändern. Tiere können sich an menschliche Nahrungsquellen gewöhnen und dadurch ihre natürliche Nahrungssuche verändern. Außerdem besteht die Gefahr, dass mit Lebensmittelresten Samen, Krankheitserreger oder andere biologische Materialien eingeschleppt werden.
Das Zurücklassen von Abfällen auf dem Gelände widerspricht deshalb den Grundsätzen des Schutzgebietes. Die Besucherregelungen des Instituto das Florestas e Conservação da Natureza (IFCN) schreiben einen besonders schonenden Umgang mit der Natur vor. Besucher dürfen die natürlichen Ressourcen nicht beschädigen oder Materialien zurücklassen. Die Abfallvermeidung ist damit Teil des allgemeinen Verhaltens im Naturschutzgebiet.
Handel
Der Warenverkehr beschränkt sich auf die Versorgung der zeitweise auf den Inseln anwesenden Personen und auf die technische und wissenschaftliche Infrastruktur. Lebensmittel, Trinkwasser, Treibstoff, Ersatzteile, Werkzeuge, Medikamente und sonstige Verbrauchsgüter werden von außerhalb herangeschafft. Der Transport erfolgt ausschließlich über den Seeweg. Einen regelmäßigen lokalen Güterhandel zwischen verschiedenen Siedlungen gibt es nicht, da auf den Selvagens keine Siedlungen bestehen.
Die wichtigste Verbindung für die Versorgung ist Madeira. Funchal bildet das wirtschaftliche und logistische Zentrum, über das die für die Selvagens benötigten Waren und Dienstleistungen organisiert werden. Die Inselgruppe verfügt selbst weder über einen Handelshafen noch über einen regulären Frachtverkehr. Versorgungsschiffe bringen die notwendigen Güter zu den Einrichtungen auf Selvagem Grande und nehmen bei Bedarf Abfälle, ausgediente Materialien und andere Gegenstände wieder mit.
Auch eine lokale Produktion für den Verkauf findet praktisch nicht statt. Es gibt keine Landwirtschaft, keine Fischereibetriebe, keinen Bergbau, keine Industrie und kein produzierendes Gewerbe. Historisch wurden zwar natürliche Ressourcen wie Urzela, andere Pflanzen, Guano und Seevögel wirtschaftlich genutzt, doch diese Tätigkeiten führten nicht zur Entstehung eines dauerhaften lokalen Handelszentrums.
Der heutige Tourismus erzeugt ebenfalls keinen normalen Einzelhandel. Besucher kommen im Rahmen genehmigter Aufenthalte auf die Inseln und verbringen dort in der Regel nur einen begrenzten Zeitraum. Es gibt keine Souvenirläden, keine Restaurants und keine touristischen Verkaufsstellen. Auch Übernachtungsbetriebe fehlen. Die wirtschaftlichen Ausgaben der Besucher entstehen deshalb überwiegend außerhalb der Selvagens, insbesondere bei den Reiseveranstaltern, Schiffsbetreibern und Dienstleistern auf Madeira.
Die wirtschaftliche Tätigkeit im Zusammenhang mit den Selvagens konzentriert sich damit auf die Verwaltung und Versorgung des Schutzgebietes. Dazu gehören die Beschäftigung von Naturwächtern, wissenschaftliche Projekte, Wartungsarbeiten, Schiffstransporte und die Instandhaltung der technischen Anlagen. Diese wirtschaftlichen Vorgänge werden über Institutionen und Unternehmen außerhalb der Inselgruppe abgewickelt.
Finanzwesen
Auf den Selvagens gibt es keine eigene Währung und keine eigene Bank. Es existiert auch keine besondere lokale Finanzverwaltung. Die Inselgruppe verwendet den Euro, wie das übrige Portugal und die Autonome Region Madeira. Eine wichtige Institution ist das Instituto das Florestas e Conservação da Natureza (IFCN) der Autonomen Region Madeira. Das Institut ist für die Verwaltung der Reserva Natural das Ilhas Selvagens zuständig. Die Kosten für Naturwacht, wissenschaftliche Arbeiten, Instandhaltung, Infrastruktur, Überwachung und Verwaltung werden daher nicht durch einen lokalen Inselhaushalt finanziert, sondern über die entsprechenden öffentlichen Haushalte und Projekte.
Für wissenschaftliche Projekte können außerdem Fördermittel aus regionalen, nationalen oder europäischen Programmen eingesetzt werden. Solche Mittel finanzieren beispielsweise Untersuchungen, Naturschutzmaßnahmen oder die wissenschaftliche Überwachung der Schutzgebiete. Auch diese Finanzströme verlaufen über Institutionen außerhalb der Inselgruppe.
Eine besondere historische Bedeutung besitzt der Übergang von der privaten Eigentümerschaft zum staatlichen Besitz. Die Selvagens befanden sich über Jahrhunderte in privater Hand. 1971 erwarb der portugiesische Staat die Inselgruppe. Damit änderte sich auch die wirtschaftliche Grundlage der Inseln grundlegend. An die Stelle einer privaten Eigentums- und Nutzungsstruktur trat die staatliche Verwaltung des Naturschutzgebietes.
Der Kauf der Inselgruppe war somit ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum heutigen öffentlichen Schutzgebietsmanagement. Seit der staatlichen Übernahme stehen die Landflächen nicht mehr einer privaten kommerziellen Nutzung zur Verfügung. Ihre wirtschaftliche Bedeutung liegt heute vor allem in den öffentlichen Aufgaben des Naturschutzes, der Forschung, der Navigation und der kontrollierten Besucherbetreuung.
Soziales und Gesundheit
Die soziale Versorgung der zeitweise auf den Selvagens eingesetzten Personen wird organisatorisch von den zuständigen portugiesischen beziehungsweise regionalen Einrichtungen getragen. Eine zentrale Rolle besitzt das Instituto das Florestas e Conservação da Natureza (IFCN) der Autonomen Region Madeira, dessen Mitarbeiter dauerhaft beziehungsweise in wechselnden Dienstperioden auf Selvagem Grande eingesetzt werden. Die abgeschiedene Lage stellt dabei besondere Anforderungen an die Arbeits- und Lebensbedingungen. Die Selvagens liegen etwa 250 Kilometer südlich von Funchal und werden vom IFCN ausdrücklich als einer der abgelegensten Orte Portugals beschrieben. Im Zusammenhang mit einem Projekt über psychische Gesundheit wurde deshalb auch die Belastung durch Isolation und Insularität untersucht.
Ein eigenständiges Sozialleistungssystem für die Selvagens existiert nicht. Ansprüche auf portugiesische Sozialversicherung, Krankenversicherung, Pensionen oder andere Sozialleistungen richten sich nach dem gewöhnlichen Wohn- beziehungsweise Beschäftigungsort der betreffenden Personen und nicht nach einem Aufenthalt auf den unbewohnten Inseln. Die entsprechenden Leistungen werden somit über das portugiesische beziehungsweise regionale System außerhalb der Inselgruppe erbracht.
Gesundheitswesen
Bei Erkrankungen oder Verletzungen muss deshalb eine medizinische Versorgung außerhalb der Inselgruppe organisiert werden. Wegen der großen Entfernung zu Madeira besitzt die medizinische Notfallversorgung auf See beziehungsweise durch geeignete staatliche Stellen eine wesentlich größere Bedeutung als auf einer bewohnten Insel mit eigener Gesundheitsstation.
Für die Autonome Region Madeira stehen grundsätzlich die regulären Einrichtungen des regionalen Gesundheitswesens zur Verfügung. Die Gesundheitsversorgung der Region umfasst mehrere Krankenhäuser, Gesundheitszentren, Notfallstrukturen, Apotheken und medizinisches Fachpersonal. 2024 verfügte die Region über zehn Krankenhäuser, davon drei öffentliche und sieben private, sowie sieben Gesundheitszentren mit insgesamt 47 funktionalen Einheiten. Diese Einrichtungen befinden sich jedoch nicht auf den Selvagens, sondern auf Madeira.
Für einen medizinischen Notfall auf den Selvagens ist daher die Entfernung der entscheidende Faktor. Eine Erkrankung, eine Verletzung bei Wartungsarbeiten oder ein Unfall eines Besuchers kann nicht wie auf Madeira unmittelbar in einer örtlichen Praxis behandelt werden. Die betreffende Person muss zunächst von der Insel beziehungsweise vom Schiff evakuiert und anschließend nach Madeira oder gegebenenfalls zu einer anderen geeigneten medizinischen Einrichtung gebracht werden. Die abgeschiedene Lage macht eine gute Planung von Medikamenten, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Kommunikation und Evakuierungsmöglichkeiten erforderlich.
Besonders wichtig ist dabei die Tatsache, dass die Selvagens ausschließlich auf dem Seeweg erreicht werden können. Für die medizinische Notfallversorgung ist somit nicht nur die Entfernung von Madeira, sondern auch die Wetter- und Seelage relevant. Ein medizinischer Transport kann nicht über einen Flughafen auf der Inselgruppe erfolgen, da dort kein ziviler Flughafen vorhanden ist. Die vorhandene Infrastruktur ist deshalb auf Naturschutz, Navigation und Versorgung ausgerichtet und nicht auf die medizinische Versorgung einer Bevölkerung.
Krankheiten
Eigene statistische Daten über Krankheiten der Selvagens gibt es nicht. Eine solche Statistik wäre wegen der fehlenden ständigen Bevölkerung auch nicht sinnvoll. Die von der Direção Regional de Estatística da Madeira (DREM) veröffentlichten Gesundheitsstatistiken beziehen sich auf die Bevölkerung der Autonomen Region Madeira und enthalten keine eigenständige Bevölkerungsgruppe „Ilhas Selvagens“. Für 2025 wurden beispielsweise für die gesamte Autonome Region Madeira Angaben zu chronischen Erkrankungen und langfristigen Gesundheitsproblemen erhoben; 47,5 % der Personen ab 16 Jahren gaben dort ein chronisches oder länger andauerndes Gesundheitsproblem an. Diese Zahlen dürfen jedoch nicht auf die Selvagens übertragen werden, weil dort keine entsprechende Wohnbevölkerung existiert.
Für die Inselgruppe selbst sind deshalb vor allem einzelne gesundheitliche Risiken von Bedeutung. Dazu gehören Verletzungen auf felsigem und teilweise schwierig begehbarem Gelände, Stürze, Wunden, Dehydrierung, Sonnenexposition, Hitze, Erschöpfung und gesundheitliche Probleme während längerer Schiffsfahrten. Auch bei wissenschaftlichen Arbeiten und Wartungseinsätzen bestehen die üblichen Unfallrisiken der Arbeit in einem abgelegenen, felsigen und windreichen Gebiet. Eine besondere lokale Krankheitsverbreitung ist dagegen nicht dokumentiert.
Infektionskrankheiten besitzen auf den Selvagens keine vergleichbare epidemiologische Bedeutung wie in dicht besiedelten Gebieten. Die fehlende ständige Bevölkerung und der geringe Besucherverkehr begrenzen die Möglichkeiten einer dauerhaften lokalen Übertragung vieler Krankheiten. Andererseits können eingeschleppte Krankheitserreger für die einzigartige Tierwelt erhebliche Folgen haben. Der Naturschutz konzentriert sich deshalb nicht nur auf die menschliche Gesundheit, sondern auch auf die Vermeidung der Einschleppung biologischer Organismen und Krankheitserreger in das Ökosystem.
Ein weiterer gesundheitlicher Aspekt ist die psychische Belastung durch die extreme Isolation. Das IFCN dokumentierte hierzu ausdrücklich ein Projekt über psychische Gesundheit, das sich mit Stress, Angst und Panik im Zusammenhang mit Isolation beschäftigte. Ausgangspunkt war die Erfahrung einer Mannschaft von Naturwächtern während eines Aufenthalts auf den Selvagens. Die Inselgruppe wurde wegen ihrer geographischen Abgeschiedenheit und der damit verbundenen besonderen psychischen Belastungen als Untersuchungsort ausgewählt.
Bildung und Wissenschaft
Eine besondere Bedeutung besitzt die Inselgruppe für die naturwissenschaftliche Forschung. Die abgeschiedene Lage, die weitgehend unberührten Lebensräume und die große Zahl endemischer beziehungsweise für die makaronesische Region charakteristischer Arten machen die Selvagens zu einem wichtigen Forschungsgebiet. Untersuchungen betreffen insbesondere Botanik, Zoologie, Ornithologie, Meeresbiologie, Ökologie, Geologie, Naturschutz und Klimaforschung. Wissenschaftliche Arbeiten werden vor allem im Rahmen zeitlich begrenzter Expeditionen durchgeführt, da auf den Inseln selbst keine dauerhaft besetzte Forschungseinrichtung mit Laborbetrieb besteht.
Die wissenschaftliche Erforschung begann systematischer im 20. Jahrhundert. Eine wichtige Rolle spielte das Museu de História Natural do Funchal. 1963 organisierte das Museum eine wissenschaftliche Expedition zu den Selvagens, an der auch der Naturforscher Paul Alexander Zino beteiligt war. Die Expedition dokumentierte die Tier- und Pflanzenwelt und trug dazu bei, den wissenschaftlichen und naturschutzfachlichen Wert der Inselgruppe stärker hervorzuheben.
Die Ornithologie gehört zu den wichtigsten Forschungsbereichen. Die großen Seevogelkolonien der Selvagens, insbesondere die Bestände der Gelbschnabel-Sturmtaucher beziehungsweise Cagarras (Calonectris borealis), werden seit Jahrzehnten untersucht. Die Inselgruppe besitzt für die Erforschung von Seevogelpopulationen eine besondere Bedeutung, weil große Brutkolonien auf relativ kleinen, abgelegenen Inseln konzentriert sind. Auch andere Vogelarten und ihre Fortpflanzungsbiologie werden untersucht.
Ein bedeutender Teil der Forschung beschäftigt sich mit der Entwicklung der Tierbestände unter den Bedingungen des strengen Naturschutzes. Vor der Unterschutzstellung wurden Seevögel intensiv bejagt und ihre Jungvögel in großer Zahl getötet. Nach der Einrichtung des Naturschutzgebietes konnten sich die Bestände erholen. Langjährige Beobachtungen ermöglichen deshalb Untersuchungen über Populationsentwicklung, Brutverhalten, Nahrungssuche und Auswirkungen menschlicher Eingriffe.
Auch die Meeresbiologie besitzt eine wichtige Stellung. Die geschützte Meeresfläche um die Inseln ermöglicht Untersuchungen über Fischbestände, Meeressäugetiere, Meeresschildkröten, Seevögel und die Lebensgemeinschaften der Küstengewässer. Mit der Erweiterung des Schutzgebietes auf das umgebende Meer wurde der Forschungsbereich von den terrestrischen Ökosystemen auf die marinen Lebensräume ausgedehnt.
Botanische Untersuchungen konzentrieren sich unter anderem auf die an die trockenen und windreichen Bedingungen angepasste Vegetation. Von wissenschaftlichem Interesse sind sowohl die natürliche Vegetationsentwicklung als auch die Auswirkungen früherer menschlicher Nutzung und eingeschleppter Arten. Die strengen Einfuhr- und Zugangsbestimmungen dienen deshalb nicht nur dem allgemeinen Naturschutz, sondern erleichtern auch die Erhaltung der für wissenschaftliche Langzeituntersuchungen wichtigen natürlichen Bedingungen.
Die Inselgruppe besitzt außerdem Bedeutung für die Erforschung des Einflusses invasiver beziehungsweise eingeschleppter Arten. Gerade auf kleinen Inseln können eingeführte Pflanzen oder Tiere erhebliche Veränderungen der ursprünglichen Lebensgemeinschaften verursachen. Die Selvagens bieten deshalb ein Untersuchungsgebiet für Inselökologie und Renaturierung.
Geowissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich mit dem vulkanischen Aufbau der Inseln, den Gesteinen, der Küstenmorphologie und den Erosionsprozessen. Die Selvagens gehören geologisch zum makaronesischen Raum und sind vulkanischen Ursprungs. Die exponierte Lage im Atlantik ermöglicht zudem Untersuchungen der Wirkung von Wind, Wellenschlag und mariner Erosion auf die steilen Felsküsten.
Das Instituto das Florestas e Conservação da Natureza (IFCN) spielt hierbei eine zentrale Rolle. Das Institut verwaltet die Schutzgebiete der Autonomen Region Madeira und ist auch für die Reserva Natural das Ilhas Selvagens zuständig. Die Naturwächter auf Selvagem Grande übernehmen neben Überwachungs- und Schutzaufgaben auch Beobachtungen und die Unterstützung wissenschaftlicher Arbeiten. Dadurch entsteht eine kontinuierliche Datengrundlage, obwohl keine klassische Forschungsstation vorhanden ist.
Für Studenten und Wissenschaftler ist ein Aufenthalt auf den Selvagens nur unter den besonderen Zugangsbedingungen des Schutzgebietes möglich. Forschungs- und wissenschaftliche Projekte müssen genehmigt werden. Dadurch wird verhindert, dass wissenschaftliche Untersuchungen selbst zu einer Belastung des empfindlichen Ökosystems werden. Insbesondere der Umgang mit Tieren, Pflanzen, Gesteinen und anderen natürlichen Materialien unterliegt den Schutzbestimmungen.
Bibliotheken und Archive
Eine öffentliche Bildungsfunktion besitzen die Selvagens vor allem außerhalb der Inselgruppe. Das Wissen über ihre Ökosysteme wird in Museen, Bildungseinrichtungen und Naturschutzprogrammen auf Madeira vermittelt. Das Besucherzentrum beziehungsweise die Einrichtungen des IFCN dienen dabei der Umweltbildung. Besucher der Selvagens erhalten im Rahmen der genehmigten Aufenthalte Informationen über die Naturgeschichte, die Tierwelt und die Schutzmaßnahmen.
Kultur
Die Kultur der unbewohnten Ilhas Selvagens besteht vor allem aus ihrer portugiesischen Entdeckungs- und Nutzungsgeschichte, der früheren Gewinnung von Färbe- und Gerbstoffpflanzen sowie der bis heute wichtigen Leuchtturm- und Naturschutztradition. Eine dauerhafte örtliche Bevölkerung oder eigenständige Volkskultur gibt es nicht; prägend sind stattdessen die Arbeit der Naturwächter, die wissenschaftliche Forschung und die Vermittlung des Naturerbes an genehmigte Besucher.
Architektur
Die wichtigste bauliche Struktur befindet sich auf Selvagem Grande. Dort konzentrieren sich die wenigen Gebäude und technischen Anlagen, die für die Betreuung des Schutzgebietes erforderlich sind. Die Gebäude stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Tätigkeit der Naturwächter und mit der Verwaltung der Insel. Eine zusammenhängende Siedlungsstruktur ist daraus nicht entstanden.
Ein besonders markantes Bauwerk ist der Leuchtturm von Selvagem Grande am Pico da Atalaia. Zusammen mit dem Leuchtturm auf Selvagem Pequena gehört er zur wichtigsten technischen Architektur der Inselgruppe. Beide Leuchttürme wurden 1977 errichtet. Ihre Aufgabe besteht darin, die Inseln für die Schifffahrt kenntlich zu machen und die Navigation in diesem abgelegenen und teilweise felsreichen Seegebiet zu unterstützen.
Die Leuchtturmanlagen unterscheiden sich deutlich von den historischen Leuchttürmen bewohnter Küstenregionen. Sie wurden nicht als repräsentative Bauwerke errichtet, sondern als zweckmäßige technische Anlagen für einen abgelegenen Standort. Ihre Architektur ist daher funktional und auf einen möglichst zuverlässigen Betrieb unter den schwierigen Bedingungen des Atlantiks ausgerichtet.
Eine besondere technische Besonderheit besteht in der Energieversorgung. Die Leuchttürme wurden später mit Photovoltaikzellen ausgestattet. Damit konnten die Navigationsanlagen unabhängig von einem Stromnetz betrieben werden. Die technische Architektur der Selvagens ist somit eng mit der abgelegenen Lage und dem Fehlen einer öffentlichen Energieversorgung verbunden.
Neben den Leuchttürmen existieren Gebäude und Einrichtungen für die Naturwächter. Diese dienen als Unterkunft und Arbeitsplatz während der Dienstzeiten. Sie sind nicht mit traditionellen Wohnhäusern einer Inselgemeinde vergleichbar, sondern Bestandteil der Infrastruktur des Naturschutzgebietes. Die Gebäude müssen gleichzeitig den Anforderungen eines längeren Aufenthalts, der Kommunikation, der Überwachung und der Versorgung gerecht werden.
Auf Selvagem Grande befinden sich außerdem technische Einrichtungen für Kommunikation und Beobachtung. Ihre genaue Ausgestaltung wurde im Laufe der Zeit entsprechend den Anforderungen der Verwaltung und des Naturschutzes verändert. Wegen der abgelegenen Lage besitzen Funk- und Kommunikationsmöglichkeiten eine wesentlich größere Bedeutung als in einer normalen Siedlung, die über Straßen, Telefonnetze und andere öffentliche Infrastrukturen erreichbar ist.
Historische bauliche Spuren sind ebenfalls vorhanden. Dazu gehören insbesondere Zisternen und Einrichtungen zur Sammlung und Speicherung von Regenwasser. Da die Inselgruppe keine natürlichen dauerhaften Süßwasserquellen besitzt, war die Speicherung von Niederschlagswasser eine Voraussetzung für längere menschliche Aufenthalte. Diese Anlagen gehören zu den wichtigsten historischen Zeugnissen der früheren Nutzung der Inseln.
Auch Wege und einfache bauliche Strukturen stehen mit der früheren wirtschaftlichen Nutzung in Verbindung. Auf Selvagem Grande wurden Wege angelegt, um zwischen den verschiedenen Nutzungsbereichen, der Küste und den höher gelegenen Teilen der Insel zu gelangen. Diese Wege sind keine Straßen im eigentlichen Sinn, sondern einfache Fußwege und schmale Trassen. Heute werden sie vor allem für Naturschutz, Wartung, Forschung und genehmigte Besucherführungen verwendet.
Einige historische Einrichtungen standen mit der Gewinnung natürlicher Ressourcen in Verbindung. Die Inseln wurden unter anderem wegen der Urzela und anderer wild wachsender Pflanzen sowie wegen der Seevogelbestände wirtschaftlich genutzt. Die baulichen Hinterlassenschaften dieser Nutzung sind jedoch wesentlich einfacher als die Wirtschaftsarchitektur bewohnter Inseln. Es gibt keine erhaltenen großen Produktionsanlagen, Fabriken oder Lagerkomplexe.
Literatur
Eine frühe schriftliche Überlieferung betrifft die portugiesische Entdeckung und die Einordnung der Inselgruppe in die atlantische Navigation. In mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Quellen erscheinen verschiedene Bezeichnungen für Inseln, die mit den heutigen Selvagens in Verbindung gebracht wurden. Die Identifizierung einzelner mittelalterlicher Angaben mit den heutigen Ilhas Selvagens ist allerdings nicht in allen Fällen eindeutig. Für die spätere Geschichte sind vor allem portugiesische Verwaltungs- und Besitzdokumente von Bedeutung, darunter Unterlagen über die privaten Eigentümer und die Nutzung der Inseln.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden die Selvagens vor allem in geografischen, naturkundlichen und nautischen Veröffentlichungen beschrieben. Die Texte behandeln die Lage der Inselgruppe, ihre Küsten, das Klima, die Vegetation, die fehlenden Süßwasserquellen und die Bedeutung der Inseln als Lebensraum für Seevögel. Daneben existieren Berichte über die Gewinnung von Flechten und anderen wild wachsenden Pflanzen sowie über die Nutzung von Vogelkolonien und Guano. Die Inseln erscheinen dabei weniger als literarischer Lebensraum denn als abgelegener Natur- und Forschungsraum.
Eine wichtige Rolle spielt seit dem 20. Jahrhundert die naturwissenschaftliche Literatur. Botaniker, Zoologen, Ornithologen und Meeresbiologen veröffentlichten Untersuchungen über die endemische und charakteristische Flora und Fauna der Selvagens. Besonders umfangreich ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Gelbschnabelsturmtaucher-Population Calonectris borealis, den übrigen Seevögeln, den Reptilien, der terrestrischen Vegetation und den marinen Ökosystemen. Die wissenschaftliche Literatur wurde durch die Einrichtung des Naturschutzgebietes 1971 und die spätere Ausweitung des Schutzes erheblich verstärkt.
Von besonderer Bedeutung für die moderne Wahrnehmung der Inselgruppe sind die Arbeiten und Aktivitäten des Madeiraner Naturforschers Paul Alexander Zino. Seine Beschäftigung mit den Selvagens und insbesondere mit den dort brütenden Gelbschnabelsturmtauchern trug wesentlich dazu bei, die Inseln international als bedeutendes Seevogelgebiet bekannt zu machen. Neben wissenschaftlichen Arbeiten entstanden aus diesem Umfeld auch Berichte und populärwissenschaftliche Darstellungen über die Inseln, ihre Tierwelt und die Entwicklung des Naturschutzes.
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts finden sich die Selvagens zunehmend in naturkundlichen Büchern über Madeira und den makaronesischen Raum, in ornithologischen Fachpublikationen, Naturschutzberichten und wissenschaftlichen Zeitschriften. Hinzu kommen Reiseberichte und journalistische Beiträge, wobei die Inselgruppe wegen ihres eingeschränkten Zugangs wesentlich seltener literarisch verarbeitet wurde als Madeira selbst. In der portugiesischen und madeirensischen Öffentlichkeit stehen dabei häufig die Abgeschiedenheit der Inseln, die wissenschaftliche Bedeutung und die Geschichte ihres Schutzes im Mittelpunkt.
Kulinarik und Gastronomie
Die fehlenden natürlichen Süßwasserquellen, die geringe Niederschlagsmenge, die felsigen Böden und die große Entfernung von Madeira verhinderten die Entwicklung einer normalen landwirtschaftlichen Versorgungswirtschaft. Es gab weder dauerhafte Getreideproduktion noch Viehzucht, Obstgärten oder einen Gemüseanbau, der eine ansässige Bevölkerung ernähren konnte. Die Inseln dienten vielmehr zeitweise der Nutzung vorhandener Naturressourcen. Dazu gehörten insbesondere Seevögel und ihre Eier, Guano sowie wild wachsende Pflanzen und Flechten. Diese Nutzungen waren jedoch keine Grundlage einer eigenständigen kulinarischen Tradition.
Fisch und andere Meerestiere konnten für Personen, die sich zeitweise auf den Inseln aufhielten, eine zusätzliche Nahrungsquelle darstellen. Eine dauerhafte Fischereiwirtschaft mit Fischereihafen, Fischmarkt oder Fischverarbeitung entstand auf den Selvagens jedoch nicht. Die Fischerei wurde historisch vor allem von Fischern aus Madeira beziehungsweise den umliegenden Gewässern aus betrieben. Heute steht der Schutz der marinen Ökosysteme im Vordergrund, sodass die Nutzung der Meeresressourcen durch die geltenden Schutzbestimmungen eingeschränkt ist.
Auch die früheren Nutzungen der Inselvegetation hatten keinen gastronomischen Charakter. Die Gewinnung von Flechten wie Roccella-Arten diente beispielsweise der Herstellung von Farbstoffen und nicht der Ernährung. Pflanzen wie Mesembryanthemum crystallinum und Mesembryanthemum nodiflorum wurden historisch genutzt, doch daraus entwickelte sich keine eigenständige, bis heute überlieferte Küche der Selvagens.
Für die heutige Versorgung sind vor allem haltbare Lebensmittel von Bedeutung, die von Madeira mitgeführt oder bei Versorgungsfahrten angeliefert werden. Dazu gehören Trinkwasser, Grundnahrungsmittel und andere Verbrauchsgüter für die Naturwächter, Wissenschaftler, Techniker und gelegentliche Besucher. Auf der Insel selbst gibt es keine gastronomische Infrastruktur, in der regionale Gerichte hergestellt oder angeboten würden.
Festkultur
Offiziell gelten auf der Inselgruppe die gleichen Feiertage wie im restlichen Portugal.
| Datum | Bezeichnung | Portugiesischer Name |
| 1. Januar | Neujahrstag | Ano Novo |
| - | Karfreitag | Sexta-Feira Santa |
| - | Ostern | Páscoa |
| 25. April | Tag der Freiheit | Dia da Liberdade |
| 1. Mai | Tag der Arbeit | Dia do trabalhador |
| 10. Juni | Portugal-Tag | Dia de Portugal |
| - | Fronleichnam | Corpo de Deus |
| 15. August | Mariä Himmelfahrt | Assunção |
| 5. Oktober | Errichtung der Republik | Implantação da República |
| 1. November | Allerheiligen | Todos os santos |
| 1. Dezember | Wiederherstellung der Unabhängigkeit | Restauração da Independência |
| 8. Dezember | Unbefleckte Empfängnis | Imaculada Conceição |
| 25. Dezember | Weihnachten | Natal |
Medien
Die wichtigste Funktion bei der Vermittlung von Informationen über die Ilhas Selvagens übernehmen staatliche Stellen. Insbesondere das Instituto das Florestas e Conservação da Natureza (IFCN) der Autonomen Region Madeira veröffentlicht Informationen über das Naturschutzgebiet, seine Geschichte, die Tier- und Pflanzenwelt, die Besuchsbedingungen und die geltenden Schutzbestimmungen. Diese Informationen richten sich sowohl an die Bevölkerung Madeiras als auch an Wissenschaftler, Besucher und touristische Anbieter. Die Kommunikation erfolgt vor allem über offizielle Internetseiten, Informationsmaterial und Veröffentlichungen des Naturschutzes.
Eine wichtige Rolle spielt außerdem die offizielle Tourismusorganisation Madeira, die die Ilhas Selvagens als Natur- und Ausflugsziel vorstellt. Die Informationen konzentrieren sich dabei auf die landschaftlichen und biologischen Besonderheiten der Inselgruppe, die Möglichkeiten eines genehmigten Besuchs und die Bedeutung des Naturschutzes. Die Selvagens werden somit medial überwiegend nicht als eigenständiger touristischer Ort, sondern als Teil des Naturraums und des Schutzgebietssystems Madeiras dargestellt.
Kommunikation
Im Jahr 2003 wurde auf der Hauptinsel Selvagem Grande offiziell ein Postposten der portugiesischen Post (CTT) eingerichtet.
Sport
Die wichtigste sportliche Aktivität, die Besucher mit den Selvagens verbinden können, ist das Wandern. Auf Selvagem Grande gibt es einen ausgewiesenen Besucherweg, auf dem die Insel unter Führung beziehungsweise im Rahmen der genehmigten Besuche erkundet werden kann. Dabei steht jedoch nicht die sportliche Betätigung im Vordergrund, sondern die Vermittlung der Landschaft, Geologie, Pflanzenwelt und Tierwelt des Schutzgebietes. Das Wandern erfolgt deshalb unter den Bedingungen des Naturschutzes und ist nicht mit einem frei zugänglichen Wanderwegenetz touristischer Inseln wie Madeira vergleichbar.
Auch Berg- und Klettersport besitzen keine eigenständige Bedeutung. Die Inseln weisen zwar teilweise steile Hänge, Felswände und zerklüftete Küsten auf, diese Bereiche sind jedoch aus Gründen des Naturschutzes nicht allgemein für Kletterer oder Bergsteiger freigegeben. Insbesondere die Brutgebiete der zahlreichen Seevögel dürfen nicht durch sportliche Aktivitäten gestört werden. Das Betreten bestimmter Bereiche ist deshalb eingeschränkt oder untersagt.
Wassersport ist ebenfalls nur in sehr begrenztem Umfang möglich. Die abgelegene Lage der Inselgruppe und die strengen Schutzbestimmungen verhindern die Entwicklung eines regulären Wassersportzentrums. Es gibt keine Marinas, keine Wassersportschulen und keinen Verleih von Sportgeräten. Schwimmen oder Baden kann bei einem genehmigten Aufenthalt grundsätzlich Bestandteil eines Besuchs sein, sofern die jeweiligen örtlichen Schutzbestimmungen eingehalten werden. Organisierte Sportarten wie Jetski, Wasserski oder ähnliche motorisierte Freizeitaktivitäten sind mit dem Charakter des Schutzgebietes nicht vereinbar.
Eine gewisse Bedeutung besitzt dagegen das Tauchen beziehungsweise die Unterwasserbeobachtung. Die Gewässer rund um die Ilhas Selvagens sind Teil des geschützten Meeresbereichs und weisen eine artenreiche marine Lebenswelt auf. Unterwasseraktivitäten unterliegen daher ebenfalls den Naturschutzbestimmungen und können nicht unabhängig von diesen Bedingungen als frei zugängliches Sportangebot betrieben werden. Die Inselgruppe ist damit eher ein Ziel für naturkundlich orientierte Meeresbeobachtung als für einen kommerziell entwickelten Tauchtourismus.
Auch Sportfischerei besitzt auf den Selvagens keine vergleichbare Bedeutung wie auf vielen anderen Atlantikinseln. Die Gewässer unterliegen Schutzregelungen, die die Entnahme von Tieren und die Nutzung der Meeresressourcen begrenzen. Die traditionelle Fischerei, die in der Geschichte der Inselgruppe zeitweise eine Rolle spielte, ist deshalb nicht mit einem heutigen touristischen Sportfischereisektor gleichzusetzen.
Besondere Bedeutung haben schließlich Aktivitäten, die körperliche Bewegung mit Naturbeobachtung verbinden. Dazu gehören Wanderungen, Beobachtungstouren und die Erkundung der Insel auf den dafür freigegebenen Wegen. Der Aufenthalt ist jedoch grundsätzlich so organisiert, dass die Besucher möglichst geringe Auswirkungen auf die empfindliche Natur haben. Die Selvagens sind deshalb kein Sporturlaubsziel, sondern ein streng kontrolliertes Naturreservat, in dem körperliche Aktivitäten lediglich eine Nebenrolle innerhalb des Naturtourismus einnehmen.
Persönlichkeiten
Mit der Inselgruppe verbundene Persönlichkeiten sind:
- Diogo Gomes de Sintra (um 1420 bis 1502), portugiesischer Entdecker. Er gilt als der offizielle Entdecker der Inseln. Als er 1438 auf dem Rückweg von der afrikanischen Küste war, sichtete er die Eilande und hielt ihre geografische Lage schriftlich fest.
- Barão do Castelo de Paiva (António da Costa Paiva, 1806 bis 1879), portugiesischer Naturforscher. Er reiste um 1864 als einer der ersten aus rein wissenschaftlichen Gründen zu den Inseln. Er sammelte seltene Spinnen und entdeckte eine nur dort vorkommende Dickblattpflanze (Monanthes lowei).
Fremdenverkehr
Nach Angaben des Instituto das Florestas e Conservação da Natureza besuchen jährlich mehrere hundert Menschen die Inselgruppe. Sie erreichen die Selvagens mit privaten Booten, mit Schiffen von Anbietern des maritimen Tourismus oder teilweise mit Schiffen der portugiesischen Marine. Für jeden Besuch ist eine vorherige Genehmigung des Instituto das Florestas e Conservação da Natureza erforderlich. Zu den wichtigsten touristischen Aktivitäten gehören geführte Besichtigungen auf einem festgelegten Interpretationsweg sowie die Beobachtung und das Hören der dort vorkommenden Tierwelt. Auch naturkundlicher und wissenschaftlicher Tourismus spielt eine Rolle.
Eine wesentliche Besonderheit des Fremdenverkehrs besteht darin, dass die Selvagens nicht als Bade- oder Ferienziel entwickelt sind. Es gibt keine Hotelanlagen, Pensionen, Ferienwohnungen, Restaurants, Campingplätze oder sonstige reguläre touristische Beherbergungsbetriebe. Auch eine touristische Infrastruktur wie auf Madeira mit einer großen Auswahl an Hotels, Aparthotels, Ferienwohnungen und Landunterkünften fehlt vollständig. Das offizielle Tourismusangebot Madeiras führt zahlreiche Unterkunftsarten auf, diese beziehen sich jedoch auf Madeira und die übrigen touristisch erschlossenen Gebiete des Archipels und nicht auf die Ilhas Selvagens.
Eine Übernachtung als gewöhnlicher Tourist ist auf den Ilhas Selvagens nicht vorgesehen. Die offiziellen Informationen des Naturschutzgebietes beschreiben den Besuch als zeitlich begrenzten Aufenthalt und sehen keinen regulären Übernachtungstourismus vor. Eine ältere, vom Madeira-Naturschutzinstitut veröffentlichte Darstellung formuliert ausdrücklich, dass Besuche tagsüber stattfinden und Besucher nicht über Nacht auf den Inseln bleiben dürfen. Die heute geltende Besuchsregelung wird weiterhin über eine vorherige Genehmigung des Naturschutzinstituts kontrolliert.
Damit existieren auf den Ilhas Selvagens praktisch keine Unterbringungsmöglichkeiten für Urlauber. Auch auf Selvagem Grande, der größten Insel der Gruppe, besteht kein öffentlich zugänglicher Hotel- oder Pensionsbetrieb. Die vorhandenen Gebäude dienen vielmehr der Verwaltung, dem Naturschutz und den Personen, die dauerhaft oder zeitweise mit der Betreuung des Schutzgebietes beschäftigt sind. Sie stellen keine touristischen Unterkünfte dar. Besucher müssen ihren Aufenthalt deshalb grundsätzlich als Ausflug organisieren und anschließend wieder mit dem Schiff nach Madeira oder zu ihrem Ausgangshafen zurückkehren.
Für den normalen Urlauber liegt die touristische Basis daher auf Madeira. Von dort aus werden die Selvagens als eigenständiges Ausflugsziel erreicht. Madeira verfügt dagegen über ein sehr umfangreiches Angebot an Hotels, Aparthotels, Ferienwohnungen, ländlichen Unterkünften, traditionellen Quintas und weiteren Beherbergungsformen. Die offizielle Tourismusorganisation Madeiras weist insbesondere Funchal als Gebiet mit der größten Konzentration an Hotels, Dienstleistungen, Restaurants und Verkehrsanbindungen aus.
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Reiseberichte
- Expedition zu den Ilhas Selvagens = https://meergeschichten.ch/expedition-zu-den-ilhas-selvagens/
- Ilhas Selvagens = https://www.webtraveller.info/portugal/madeira/ilhas-selvagens/
Videos
- Europas unbekanntes Naturparadies? Selvagens-Inseln haben Schutzstatus = https://www.youtube.com/watch?v=qdAGVPCLUtc
- Porto Santo e Ilhas Selvagens = https://www.youtube.com/watch?v=Dgt3DwydtWA
- Ha vida nas Selvagens = https://www.youtube.com/watch?v=CUbOhEYZYEQ
Atlas
- Meergeschichten: Selvagens, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/#map=12/30.0896/-15.9422
- Selvagens, mapcarta = https://mapcarta.com/de/16871844
Reiseangebote
Visit Madeira: Naturschutzgebiet Ilhasa Selvagens = https://visitmadeira.com/de/ausfluege/naturliebhaber/geschuetzte-gebiete/naturschutzgebiete/naturschutzgebiet-ilhas-selvagens/
Forum
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