Kastellorizo ( Megisti)

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Kastellorizo bzw. Megisti ist die östlichste Gemeinde Griechenlands. Die zu ihr gehörige Insel Strongyli bildet den östlichsten Punkt des Landes. Kastellorizo liegt nur 2 km vor der türkischen Küste, wodurch sie geografisch und kulturell eine Brückenfunktion zwischen Europa und Asien einnimmt.

Inselsteckbrief
offizieller Name Καστελλόριζο [Kastellórizo] bzw. Μεγίστη [Megísti]
alternative Bezeichnungen Megiste, Kisthene (altgriechisch), Kastelorizo (13. Jahrhundert), Castellorizo, Castelrosso (italienisch), Château Rouge (französisch), Meis, Kızılhisar (türkisch)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp echte Insel
Inselart kontinentale Insel
Gewässer Levantisches Meer (Levantikó Pélagos), Lykisches Meer (Líkio Pélagos)
Inselgruppe Dodekanes (Dodekánisa)
politische Zugehörigkeit Staat: Griechenland (Ellinikí Dimokratía)
Region: Südliche Ägäis (Periféria Notíou Egeou)
Regionalbezirk: Rhodos (Periferiakí Enótita Rodou)
Gliederung 1 oikismos (Ortschaft)
Status Inselgemeinde (dimos)
Koordinaten 36°09‘ N, 29°35‘ O
Entfernung zur nächsten Insel 130 m (Agios Georgios), 2,9 km (Strongyli)
Entfernung zum Festland 2 km (Çukurbağ Yarımadası / Türkei)
Fläche 9,118 km² / 3,52 mi² (mit Nebeninseln 11,978 km² / 4,625 mi²)
geschütztes Gebiet 9,118 km² / 3,52 mi² (100 %)
maximale Länge 6,05 km (NO-SW)
maximale Breite 3,0 km (NW-SO)
Küstenlänge 19,5 km
tiefste Stelle 0 m (Levantisches Meer)
höchste Stelle 273 m (Vigla)
relative Höhe 273 m
mittlere Höhe 30 m
maximaler Tidenhub 0,4 bis 0,5 m (Megisti 0,44 m)
Zeitzone OAE (Ôra tes Anatolikes Europes / Osteuropäische Zeit, UTC+2)
Realzeit UTC plus 1 Stunde 57 Minuten
Einwohnerzahl 587 (2021)
Dichte (Einwohner pro km²) 64,38, bezogen auf die Verwaltungsfläche 49,01
Inselzentrum Megisti


Name

Nach dem Anschluss des Dodekanes an das moderne Griechenland wurde der antike Name der Insel, Μεγίστη [Megísti], auch Megiste, nach einem mythischen ersten Siedler namens Megisteas, was im Griechischen „der Größte“ bedeutet, als offizielle Bezeichnung eingeführt. Der Name bezieht sich auf die Tatsache, dass es sich um die größte der kleinen Inselgruppe handelt. Eine alteernative Bezeichnung zur Zeit der klasischen Antike war griechisch Κισθήνη [Kisthene].

Der heutige Name Kastellorizo bzw. Kastelorizo, griechisch Καστελόριζο [Kastelórizo], auch Καστελλόριζο [Kastellorizo], ist seit dem 12. Jahrhundert üblich. Es gibt mehrere Hypothesen über den Ursprung dieses Namens: Kastello leitet sich vom italienischen Wort castello ab, was so viel wie „Burg“ bedeutet. Über den zweiten Teil des Namens gibt es Streit. Die Argumente konzentrieren sich auf drei mögliche Ursprünge des Elements rizo. Der gängigsten Theorie zufolge leitet sich dieses vom italienischen Wort rosso ab, was „rot“ bedeutet, entweder von der rötlichen Farbe der Felsen der Insel, der rötlichen Farbe der Burg bei Sonnenuntergang oder der Farbe des Wappens des Großmeisters der Ritter von Rhodos, Juan Fernández de Heredia, das über dem Tor der Burg prangte; diese Argumente sind weitgehend widerlegt, da die Felsen auf der Insel kein rotes Pigment aufweisen und der Name Kastellorizo vor der Ankunft der Ritter entstand.

Die zweite Theorie geht davon aus, dass der Name Kastellorizo eine Verballhornung des Wortes Rhoge sei, einer der alten Bezeichnungen für die nahe gelegene Insel Ro. Wenn dies zutrifft, ist der heutige Name der Insel eigentlich eine Verschmelzung der beiden Inselnamen Castello und Rhoge. Schließlich gibt es noch eine dritte Namensinterpretation, die davon ausgeht, dass rizo sich vom griechischen rizon herleitet, was „Wurzel“ bedeutet, wie der griechische Historiker I.M. Hatzifotis (1996) recherchiert hat, um den Ausläufer oder rizovouno zu bezeichnen, auf dem die ursprüngliche Burg der Insel errichtet wurde.

In ihrer Geschichte trug Kastellorizo, in italienischer Shreibung Castellorizo, auch noch andere Namen. Einer davon ist Castelrosso, was im Italienischen „rote Festung“ bzw. „rotes Schloss“ bedeutet. Die französische Entsprechung daazu ist Château Rouge. Aber möglicherweise ist der italienische Name ein Kalauer von Chastel Rouge, einem alten Besitz des Johanniterordens in Syrien. Bleiben noch die türkischen Bezeichnungen Meis oder Kızılhisar, wobei ersterer vom offiziellen griechischen Namen der Insel abgeleitet ist und letzterer „rotes Schloss“ bedeutet, eine Übersetzung des italienischen Namens.

  • international:  Kasatellorizo
  • amharisch:  ካስቴሎሪዞ [Kastelorizo]
  • arabisch:  كاستيلوريزو [Kāstīlūrīzū]
  • armenisch:  Կաստելորիզո [Kastelorizo]
  • bengalisch:  কাস্তেলোরিজো [Kastelorizo]
  • birmanisch:  ကက်စတယ်လိုရီဇို [Kastelorizo]
  • bulgarisch:  Кастелоризо [Kastelorizo]
  • chinesisch:  卡斯泰洛里佐 [Kǎsītàiluòlǐzuǒ]
  • georgisch:  კასტელორიზო [Kastelorizo]
  • griechisch:  Καστελλόριζο [Kastelló­rizo]
  • gudscheratisch:  કાસ્ટેલોરિઝો [Kastelorizo]
  • hebräisch:  קסטלוריזו [Kastelorizo]
  • hindi:  कस्तेलोरिज़ो [Kastelorízo]
  • italienisch:  Castellorizo
  • japanisch:  カステロリゾ [Kasuterorizo]
  • kambodschanisch:  កាស្តែល្លូរីហ្សូ [Kastellorizo]
  • kanaresisch:  ಕಸ್ಟೆಲೋರಿಜೊ [Kastelorizo]
  • kasachisch:  Кастеллоризо [Kastellorizo]
  • koreanisch:  카스텔로리조 [Kastellorizo]
  • laotisch:  ຄັສເຕລໂລຣິໂຊ [Kastelorizo]
  • makedonisch:  Кастелоризо [Kastelorizo]
  • malayalam:  കസ്റ്റലോറിസോ [Kastelorizo]
  • maldivisch:  ކަސްޓެލޮރިޒޯ [Kastelorizo]
  • marathisch:  कस्तेलोरिझो [Kastelorízo]
  • nepalesisch:  कास्टेलोरिज़ो [Kastelorízo]
  • orissisch:  କାଷ୍ଟେଲୋରିଜୋ [Kastelorizo]
  • pandschabisch:  ਕਾਸਟੇਲੋਰਿਜ਼ੋ [Kastelorizo]
  • paschtunisch:  کاسټیلوریزو [Kastelorizo]
  • persisch:  کاستلوریزو [Kastelorizo]
  • russisch:  Кастелоризо [Kastelorizo]
  • serbisch:  Кастелоризо [Kastelorizo]
  • singhalesisch:  කැස්ටෙලොරීසෝ [Kastelorīso]
  • tamilisch:  கஸ்டெலோரிசோ [Kastelorizo]
  • telugu:  కాస్టెలోరిజో [Kastelorizo]
  • thai:  คาสเตลโลริโซ [Kastellorizo]
  • tibetisch:  ཀ་སྟེ་ལོ་རི་ཟོ [Kastelorizo]
  • türkisch:  Meis, Kızılhisar
  • ukrainisch:  Кастеллорізо [Kastellorizo]
  • urdu:  کاسٹیلوریزو [Kastelorizo]
  • weißrussisch:  Кастэларыса [Kastelarisa]


Offizieller Name:  Μεγίστη [Megíste] bzw. Καστελλόριζο [Kastellórizo]

  • Bezeichnung der Bewohner:  Καστελλοριζιοί [Kastellorizioí] (Kastellorizaner)
  • adjektivisch:  καστελλοριζιάτικος [kastelloriziátikos] (kastellorizisch)


Kürzel:

  • Code:  KO / MEG
  • Kfz:  KX, PO, PK
  • LAU-Code:  6902
  • ISO-Code:  GR.NA.KR

Lage

Kastellorizo liegt im äußersten Osten Griechenlands, nahe der türkischen Küste, auf durchschnittlich 36°09‘ n.B. und 29°35‘ ö.L.. Die 95 km östlich von Rhodos gelegene Inselgruppe ist nur 4 km von der lykischen Küste entfernt.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  36°09‘45“ n.B. (Agios Stefanou)
  • südlichster Punkt:  36°07‘18“ n.B. (Akra Zeferion) bzw. 36°06‘25“ n.B. (Strongyli)
  • östlichster Punkt:  29°36‘26“ (Megolos Niftis) bzw. 29°38‘43“ ö.L. (Strongyli)
  • westlichster Punkt:  29°33‘36“ (Akra Zeferion) bzw. 29°29‘11“ ö.L. (Ro)


Entfernungen:

  • Agios Georgios  130 m
  • Çukurbağ Yarımadası / Türkei  2,0 km
  • Strongyli  2,9 km
  • Gata Burnu / Lykien / Türkei   3,7 km
  • Ro  5,2 km
  • Rhodos  95 km
  • Antalya  132 km
  • Izmir  333 km
  • Istanbul  543 km
  • Athen  557 km

Zeitzone

Auf Kastellorizo gilt wie überall in Griechenland die Ôra tes Anatolikes Europes (Osteuropäische Zeit), abgekürzt OAE, eine Stunde vor der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ). Die Realzeit liegt um eine Stunde und 57 Minuten vor der Koordinierten Weltzeit (UTC).

Fläche

Die Inselgruppe hat eine Gesamtfläche von 11,978 km² bzw. 4,625 mi². Davon entfallen 9,118 km² bzw. 3,52 mi², nach alternativen Angaben 8,9 km², auf die Hauptinsel. Diese durchmisst von Nordosten nach Südwesten 6,05 km bei einer Breite von 3,0 km. Die Küste der Insel hat eine Gesamtlänge von 19,5 km, mit Nebeninseln 31 km. Der maximal Tidenhub beträgt 0,3 bis 0,5 m, in Megisti 0,44 m. Höchste Erhebung ist der Vigla auf der Hauptinsel mit 273 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei etwa 30 m (die Angaben schwanken zwischen 13 und 40 m)..

Geologie

Die Geologie der Insel Kastellorizo wird fast ausschließlich von Kalkstein geprägt, der an der Grenze zwischen Mesozoikum und Känozoikum abgelagert wurde. Diese karbonatischen Gesteine entstanden in flachen, warmen Meeresbereichen, in denen biogene Ablagerungen aus den Schalen und Skeletten mariner Organismen über lange Zeiträume hinweg mächtige Schichten aufbauten. Die Insel gehört geologisch zum weiteren Kontext der anatolischen und ägäischen Kontinentalränder und bildet einen Teil einer ehemals zusammenhängenden Karbonatplattform, die später durch tektonische Bewegungen und den Anstieg des Meeresspiegels isoliert wurde.

Da auf der Insel keine nennenswerte Flora vorhanden ist und die Vegetationsdecke äußerst spärlich bleibt, greifen die Verwitterungsprozesse ungeschützt an das Gestein. Regenwasser, das Kohlendioxid aus der Luft und dem Boden aufnimmt und dadurch schwach sauer wird, löst den Kalkstein allmählich auf. Dieser Lösungsprozess, die Verkarstung, hat die Landschaft tiefgreifend umgeformt. Typische Karstformen wie Dolinen, Karrenfelder, Kluftnetze und unterirdische Entwässerungssysteme prägen das Relief. Oberflächenwasser versickert rasch in den porösen und klüftigen Untergrund, sodass permanente Fließgewässer fehlen und die Insel über keine natürlichen Süßwasserquellen verfügt. Das Niederschlagswasser sammelt sich in Zisternen, die in den Fels gehauen wurden.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Verkarstung an der Küste. Dort haben Wellen und die chemische Lösung eine Reihe bemerkenswerter Meereshöhlen geschaffen. Die bekannteste unter ihnen ist die so genannte Blaue Grotte, auch Galazia Spilia, Parasta-Grotte oder Fokiali genannt. Sie liegt an der Südostküste und ist nur mit kleinen Booten bei ruhiger See erreichbar, da der Eingang nur etwa einen Meter über dem Wasserspiegel liegt. Im Inneren öffnet sich ein weitläufiger Raum, der deutlich größer ist als die berühmte Blaue Grotte auf Capri. Die Maße betragen etwa 75 Meter Länge, 35 bis 40 Meter Breite und bis zu 35 Meter Höhe. Sonnenlicht, das durch eine unter Wasser liegende Öffnung eindringt und am hellen Meeresboden reflektiert wird, erzeugt ein intensives, elektrisch wirkendes Blau, das die gesamte Höhle erfüllt. An den Wänden und der Decke finden sich zahlreiche Sinterbildungen und Stalaktiten. Die Grotte dient gelegentlich als Rückzugsort für die seltene Mittelmeer-Mönchsrobbe.

Neben den Meereshöhlen existieren auch zahlreiche vertikale Höhlen im Inselinneren. Bei Erkundungen, die 2006 von Mitgliedern des griechischen Höhlenforschungsvereins SELAS durchgeführt wurden, konnten an vielen Stellen der Insel solche Schächte und Schlotten entdeckt werden. Die bisher tiefste Höhle wurde im März 2006 bis zu einer Tiefe von 60 Metern erforscht. Weitere Untersuchungen durch dasselbe Team waren geplant, um die Ausdehnung und den Charakter dieser endokarstischen Formen genauer zu erfassen. Die vertikalen Höhlen entstanden durch die fortschreitende Lösung entlang von Klüften und Störungen, die das Kalkgestein durchziehen, und sie belegen die intensive und tiefreichende Verkarstung des gesamten Inselkörpers.

Landschaft

Das Inselrelief besteht überwiegend aus steilen, kahlen Kalksteinhängen und felsigen Höhenzügen. Besonders die westlichen und südlichen Bereiche wirken trocken und karg; die Vegetation bedeckt den felsigen Untergrund nur lückenhaft. Die Insel besteht größtenteils aus Kalksteinen aus der Oberkreide und dem Eozän. Die intensive Verkarstung hat zahlreiche Spalten, Hohlräume, Felsüberhänge und Höhlen geschaffen. Dadurch besitzt Kastellorizo eine für eine kleine Mittelmeerinsel ungewöhnlich stark ausgeprägte Karstlandschaft. Besonders eindrucksvoll zeigt sich diese an der Küste, wo die Kalksteinfelsen teilweise unmittelbar und steil zum Meer abfallen.

Der Norden und Nordosten der Insel unterscheiden sich deutlich von den stärker exponierten Küstenabschnitten. Hier liegt die große natürliche Hafenbucht, an deren innerem Ende der einzige größere Siedlungsbereich der Insel liegt. Der Ort Kastellorizo zieht sich amphitheatralisch an den Hängen oberhalb des Hafens entlang. Die farbigen zweistöckigen und dreistöckigen Häuser mit ihren roten Ziegeldächern bilden einen starken Kontrast zu den kahlen, rötlichen und grauen Kalksteinfelsen.

Zwischen dem Haupthafen und dem kleineren Mandraki-Hafen befinden sich weitere markante Geländepunkte. Das Gelände steigt dort zum felsigen Höhenzug an, auf dem unter anderem die Überreste des Kastells und die Kirchen von Agios Nikolaos und Agios Dimitrios liegen. Das mittelalterliche Kastell steht auf dem sogenannten Roten Felsen, dem Kokkinos Vrachos, und beherrscht zusammen mit dem umliegenden felsigen Gelände die Hafeneinfahrt.

Im Inselinneren wechseln sich felsige Höhen, trockene Hänge, kleinere Senken und schmale Wege ab. Die Landschaft ist durch den Wassermangel geprägt und weist keine ausgedehnten ebenen Flächen auf. Landwirtschaftlich nutzbare Flächen sind deshalb nur in begrenztem Umfang vorhanden. Die natürlichen Wege führen vielfach über steinigen Untergrund und bieten Ausblicke auf die Küstenfelsen, den Hafen und die vorgelagerten Inseln. Die Gemeinde weist ausdrücklich auf ein Netz von Wanderwegen hin, über das sich die Landschaft erschließen lässt.

Besonders charakteristisch ist die Südküste. Dort befindet sich die berühmte Blaue Grotte, auch Fokiali, Fotsaliki oder Trypa genannt. Die große Meereshöhle entstand durch die Verkarstung des Kalksteins und besitzt einen etwa 25 m hohen Höhlendom. Stalaktiten bedecken Teile der Höhlendecke; durch die Öffnung zum Meer fällt das Sonnenlicht in das Innere und erzeugt die charakteristischen blauen Lichtreflexe. Die Höhle ist nur vom Meer aus zugänglich.

Auch die übrige Küste ist durch Meereshöhlen, Felsvorsprünge und kleine Buchten gegliedert. Klassische lange Sandstrände fehlen auf Kastellorizo. Stattdessen dominieren Felsufer, natürliche Badeplätze, kleine Stege und felsige Einstiege ins Meer. Die Küste fällt teilweise unmittelbar in tieferes Wasser ab. Dadurch unterscheidet sich das Landschaftsbild deutlich von den flachen Sandküsten vieler anderer griechischer Inseln.

Zu den markanten Landschaftsräumen gehört außerdem die Umgebung von Palaiokastro. Auf dem Hügel befindet sich die antike Akropolis von Megisti. Die Befestigungsanlagen liegen in einer exponierten Höhenlage und verbinden das natürliche Felsrelief mit den historischen Bauwerken. Von den höher gelegenen Bereichen ergeben sich weite Ausblicke über die Insel, den Hafen, die vorgelagerten Inseln und die nahe türkische Küste.

Östlich des Hauptortes liegen kleinere Inseln und Felsen, darunter Agios Georgios und Strongili; zur Gemeinde Megisti gehören außerdem Ro sowie weitere kleine Inseln und Felsinseln. Sie erweitern den landschaftlichen Charakter des Inselraums über die eigentliche Hauptinsel hinaus. Ro ist insbesondere durch seine Lage im offenen Meer und die karge, felsige Oberfläche geprägt.


Erhebungen

  • Vigla  273 m
  • Vouno  230 m


Die Inselgemeinde besteht aus zehn Inseln:

Insel Griechischer Name Fläche Ausmaße Seehöhe
Agios Georgios Άγιος Γεώργιος – – –
Argielea Αγριέλαια – – –
Kastellorizo (Megiste) Καστελόριζο (Μεγίστη) 9,118 km² 6,0 × 3,0 km 273 m
Mavro Pini Μαύρο Ποινί – – –
Psomi Ψωμί – – –
Psoradia Ψωραδιά – – –
Polyfados eins Πολύφαδος ένα – – –
Polyfados zwei Πολύφαδος δύο – – –
Ro Ρω 1,476 km² 2,5 × 1,1 km 87 m
Strongyli Στρογγυλή 0,900 km² 1,9 × 0,7 km 197 m


Flora und Fauna

Die Flora von Kastellorizo ist typisch für die trockene, felsige Ägäis: Die Insel ist überwiegend von Phrygana- und Garrigue-Vegetation bedeckt (dornige Polstersträucher, Thymian, Salbei, wilde Kräuter), dazu kommen vereinzelte Oliven- und Pinienbestände sowie zahlreiche seltene Heil- und Duftkräuter. Die Fauna wird von Reptilien (unter anderem Mauereidechsen, Felsen- und Blindschleichen, Schlangen), Amphibien, Wildziegen und einer artenreichen Land- und Meeresmalakofauna geprägt; im Meer sind zudem Meeresschildkröten (Caretta caretta) und Mönchsrobben (Monachus monachus) heimisch, die hier wichtige Rückzugs- und Brutgebiete haben.

Flora

Eine grundlegende floristische Untersuchung aus dem Jahr 1979 erfasste für die Inselgruppe 424 wild vorkommende Gefäßpflanzen. Eine weitere Untersuchung von 2013 ergänzte die Bestandsaufnahme um 64 neue Nachweise für die Inselgruppe beziehungsweise einzelne Inseln. 2026 wurden nach einer erneuten Untersuchung von Kastellorizo im Herbst 2025 weitere neun Gefäßpflanzenarten erstmals für die Insel nachgewiesen. Die Flora von Kastellorizo ist damit wissenschaftlich besonders gut dokumentiert.

Die Vegetation wird heute vor allem von mediterraner Phrygana und Macchie bestimmt. Auf den trockenen, felsigen Hochflächen und Hängen wachsen niedrigwüchsige, trockenheitsverträgliche Sträucher und Kräuter. Die Vegetationsdecke ist vielfach lückig, sodass der helle Kalkstein großflächig sichtbar bleibt. Diese Vegetation ist an die ausgeprägte Sommertrockenheit, die hohen Temperaturen und die geringe Wasserverfügbarkeit angepasst. Eine Untersuchung beschreibt die zentralen Hochflächen von Kastellorizo ausdrücklich als von Phrygana bewachsen.

Zu den auffälligen Pflanzen der offenen Landschaft gehören der Rote Klatschmohn (Papaver rhoeas), der Verzweigte Affodill (Asphodelus ramosus), die Meerzwiebel (Drimia aphylla) und der Griechische Oregano beziehungsweise Kopfige Dost (Thymbra capitata). Nach den floristischen Beobachtungen blühen viele Arten nach den ersten Herbst- und Winterregen beziehungsweise im Frühjahr. Der Rote Klatschmohn bildet unter anderem um Palaiokastro auffällige Bestände.

Die Gehölzvegetation ist heute deutlich niedriger und offener als die ursprüngliche Bewaldung der Insel. Als historische Bestandteile der Vegetation werden Aleppo-Kiefer (Pinus halepensis), Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens) und Steineiche (Quercus ilex) genannt. Durch jahrtausendelange Holznutzung, Überweidung, landwirtschaftliche Nutzung und Siedlungsausdehnung wurden diese Waldgesellschaften stark zurückgedrängt. Heute bestehen nur noch kleinere Reste beziehungsweise einzelne Bäume und Gehölzbestände.

Charakteristisch sind außerdem die auf der Insel vorkommenden mediterranen und anatolischen Pflanzenarten. Die biogeographische Lage unmittelbar vor der südwestlichen Küste Kleinasiens erklärt den hohen Anteil anatolischer Florenelemente. Einige Pflanzenarten besitzen auf Kastellorizo beziehungsweise innerhalb der Inselgruppe besonders kleine Verbreitungsgebiete. Zu den bemerkenswerten Arten gehört Campanula kastellorizana, eine auf Kastellorizo beschriebene Glockenblumenart. Auch Vicia davisii ist als für Kastellorizo charakteristische Art verzeichnet.

Von besonderer Bedeutung ist Galanthus peschmenii, ein seltenes Schneeglöckchen. Die Art war zunächst von Megisti bekannt und wurde später auch auf Strongili nachgewiesen. Die Flora der Inselgruppe umfasst darüber hinaus mehrere seltene oder gefährdete Pflanzen, darunter Daucus guttatus, der früher unter dem Namen Daucus conchitae geführt wurde, sowie weitere Arten, die in griechischen und europäischen Roten Listen beziehungsweise Schutzverzeichnissen erfasst sind.

Auch die aktuelle botanische Forschung zeigt, dass die Flora noch nicht vollständig erfasst ist. Bei der Untersuchung im Oktober 2025 wurden auf Kastellorizo neun bisher nicht für die Insel nachgewiesene Arten festgestellt. Dazu gehören unter anderem Amaranthus viridis, Dittrichia graveolens, Eclipta prostrata, Euphorbia prostrata, Gastridium phleoides, Orobanche minor, Portulaca oleracea, Setaria adhaerens und Sorghum halepense. Ein Teil dieser Arten sind Ruderalpflanzen, die an Straßenrändern, auf Brachflächen und an anderen vom Menschen beeinflussten Standorten wachsen; einige der neu festgestellten Arten sind in der Mittelmeerregion nicht heimisch.

Eine Besonderheit der Inselvegetation bilden die zahlreichen einjährigen Blütenpflanzen. Ihre Entwicklung ist eng an die Niederschläge im Herbst und Winter gebunden. Nach den Regenfällen entsteht auf den sonst trockenen Flächen eine deutlich dichtere Vegetationsdecke, bevor die Pflanzen während der zunehmenden sommerlichen Trockenheit wieder vertrocknen. Auch Geophyten spielen eine wichtige Rolle; die botanische Untersuchung von 2025 konnte aufgrund der kurz zuvor gefallenen Niederschläge besonders viele im Herbst sichtbare Geophyten erfassen.

Zu den eingeführten Pflanzen gehört der Feigenkaktus (Opuntia spp.), dessen Ursprung in Amerika liegt. Er wächst heute auf Kastellorizo an verschiedenen Standorten und wird wegen seiner essbaren Früchte auch genutzt. Damit gehört er nicht zur ursprünglichen mediterranen Flora der Insel, sondern ist Bestandteil der durch den Menschen veränderten heutigen Vegetation.

Fauna

Die geringe Größe der Insel, das trockene mediterrane Klima, die felsigen Lebensräume sowie die überwiegend aus Phrygana und Macchie bestehende Vegetation begrenzen die Zahl größerer Landtiere. Besonders gut untersucht ist die Herpetofauna. Für Kastellorizo sind 17 Arten von Amphibien und Reptilien dokumentiert, darunter zwei Amphibienarten und 15 Reptilienarten.

Zu den beiden Amphibien gehört der Luschans Salamander (Lyciasalamandra luschani). Die Art kommt auf Kastellorizo und im südwestlichen Anatolien vor. Die Population der Insel wurde früher als eigene Unterart Lyciasalamandra luschani basoglui geführt; der taxonomische Status dieser Population wird in der Fachliteratur unterschiedlich behandelt. Kastellorizo besitzt damit ein für Griechenland außergewöhnliches Vorkommen dieses überwiegend anatolisch verbreiteten Salamanders. Die Art ist eng an geeignete feuchte Rückzugsplätze gebunden und wird insbesondere nach Niederschlägen aktiv.

Die zweite Amphibienart ist die Wechselkröte (Bufotes viridis). Sie wurde auf Kastellorizo nachgewiesen und gehört zu den Amphibien, die zeitweise vorhandene Wasserstellen für die Fortpflanzung nutzen. In der älteren Literatur wurde teilweise eine andere taxonomische Zuordnung innerhalb der Bufotes-Gruppe verwendet; die aktuelle Übersicht führt die Art als Bufotes viridis.

Die Reptilienfauna ist wesentlich vielfältiger. Zu den sieben nachgewiesenen Echsenarten gehören die Anatolische Scheibenzüngler-Eidechse beziehungsweise Anatolische Schlangenaugeneidechse (Ablepharus budaki), die Rhodos-Eidechse (Anatololacerta pelasgiana), der Türkische Halbfingergecko (Hemidactylus turcicus), die Goldskinkart Heremites auratus, die Hardun-Agame (Laudakia stellio), die Dorneidechse Mediodactylus danilewskii und die Anatolische Schlangenskinkart Ophiomorus kardesi.

Besonders bemerkenswert ist Ophiomorus kardesi, der Anatolische Schlangenskink. Diese erst in neuerer Zeit wissenschaftlich beschriebene Art ist ein beinloser Skink und äußerlich einer Schlange ähnlich. Ihr Vorkommen auf Kastellorizo besitzt eine besondere biogeographische Bedeutung, da die Art sowohl auf Kastellorizo als auch im südwestlichen Anatolien verbreitet ist. Auch Ablepharus budaki gehört zu den für den südostägäischen Raum charakteristischen, eng mit der anatolischen Fauna verbundenen Reptilien.

Der Türkische Halbfingergecko (Hemidactylus turcicus) lebt vor allem an felsigen Flächen, Mauern und Gebäuden und ist gut an menschlich geprägte Lebensräume angepasst. Die Hardun-Agame (Laudakia stellio) besiedelt ebenfalls Felsen, Mauern und trockene offene Landschaften. Die Mediodactylus danilewskii genannte Geckoart kommt in den felsigen Lebensräumen der Insel vor.

Zu den Reptilien gehört außerdem der Anatolische Wurmfresser (Blanus strauchi). Trotz seiner äußerlichen Ähnlichkeit mit einem Wurm handelt es sich um ein Reptil aus der Gruppe der Doppelschleichen. Die Tiere leben überwiegend verborgen im Boden und unter Steinen und sind deshalb wesentlich schwieriger zu beobachten als die oberirdisch lebenden Echsen.

Die Schlangenfauna umfasst sieben nachgewiesene Arten. Dazu gehören die Balkan-Zornnatter beziehungsweise Jugularis-Zornnatter (Dolichophis jugularis), die Ringkopf-Zwergnatter (Eirenis modestus), die Würfelnatter beziehungsweise Levantinische Hakennatter (Hemorrhois nummifer), die Westliche Eidechsennatter (Malpolon insignitus), die Pfeilnatter (Platyceps najadum), die Katzennatter (Telescopus fallax) und die Wurmschlange (Xerotyphlops vermicularis).

Die Jugularis-Zornnatter (Dolichophis jugularis) gehört zu den größeren Schlangen der Region und kann auch in der Nähe menschlicher Siedlungen vorkommen. Die Ringkopf-Zwergnatter (Eirenis modestus) ist dagegen wesentlich kleiner und lebt in trockenen, steinigen Lebensräumen. Die Levantinische Hakennatter (Hemorrhois nummifer) ist eine weitere charakteristische Schlange der östlichen Mittelmeerregion. Die Pfeilnatter (Platyceps najadum) wurde bei den neueren Untersuchungen als Bestandteil der Herpetofauna von Kastellorizo bestätigt.

Die Wurmschlange (Xerotyphlops vermicularis) lebt weitgehend unterirdisch und ernährt sich hauptsächlich von kleinen wirbellosen Tieren, insbesondere Ameisen und Termiten beziehungsweise deren Larven. Auch die Katzennatter (Telescopus fallax) gehört zur dokumentierten Schlangenfauna der Insel. Die Westliche Eidechsennatter (Malpolon insignitus) ist eine größere, tagaktive Schlange trockener mediterraner Landschaften.

Eine besondere Bedeutung besitzt die Nähe zur türkischen Küste für die Zusammensetzung der Fauna. Kastellorizo liegt nur rund zwei Kilometer vor der kleinasiatischen Küste und besitzt deshalb eine deutlich stärkere faunistische Verbindung zu Südwestanatolien als viele weiter westlich gelegene griechische Inseln. Mehrere Reptilienarten der Insel sind auch in der angrenzenden türkischen Region verbreitet. Die Herpetofauna von Kastellorizo ist daher ein Beispiel für die biogeographische Verbindung zwischen dem Dodekanes und der anatolischen Landmasse.

Neben Amphibien und Reptilien kommen auf Kastellorizo zahlreiche Wirbellose vor. Besonders gut untersucht sind die Landschnecken. Eine umfassende Untersuchung der Inselgruppe erfasste insgesamt 31 Arten von Landschnecken und Nacktschnecken auf den untersuchten Inseln und Inselchen. Auf Kastellorizo selbst wurden unter anderem Helix asemnis und Helix nucula nachgewiesen. Die Landschneckenfauna besitzt wegen der langen geographischen Isolation der Inselgruppe eine eigene biogeographische Bedeutung.

Auch die Vogelwelt nutzt die Insel als Lebensraum beziehungsweise als Rast- und Durchzugsgebiet. Die trockenen Felsflächen, die Macchie und Phrygana sowie die Küstenfelsen bieten geeignete Lebensräume für verschiedene mediterrane Land- und Küstenvögel. Die Lage am östlichen Rand der Ägäis macht Kastellorizo zugleich zu einem wichtigen Zwischenraum für Zugvögel zwischen dem östlichen Mittelmeerraum und Kleinasien.

Bei den Säugetieren ist die Artenzahl an Land gering. Die dauerhaft von Menschen genutzte Landschaft wird vor allem von kleinen Säugetieren geprägt. Größere wildlebende Landtiere fehlen. Eine besondere Bedeutung besitzt dagegen das umgebende Meer mit seinen Fischen, Meeresschildkröten, Delfinen und anderen Meerestieren. Die steil abfallenden Küsten, Felsriffe und Höhlen schaffen zahlreiche marine Lebensräume.

Eine im Jahr 2025 veröffentlichte Untersuchung dokumentierte außerdem erstmals eine Griechische Landschildkröte (Testudo graeca) auf Kastellorizo. Dabei wurde jedoch nur ein einzelnes Tier gefunden. Während der anschließenden sechstägigen Suche wurden keine weiteren Exemplare oder Hinweise auf eine Population entdeckt. Die Autoren halten deshalb eine natürliche, dauerhaft etablierte Population auf Kastellorizo für unwahrscheinlich und bewerten das Tier eher als Ergebnis einer menschlich vermittelten Einschleppung. Die Art sollte daher nicht als etablierter Bestandteil der ursprünglichen Insel-Fauna geführt werden.

Naturschutz

Das Natura-2000-Gebiet Kastellorizo umfasst neben der Hauptinsel auch die Inseln Ro und Strongyli sowie die angrenzende Küsten- und Meereszone. Der offizielle Natura-2000-Code lautet GR4210004; der griechische Name ist „Καστελλόριζο και Νησίδες Ρω και Στρογγυλή και παράκτια θαλάσσια ζώνη“. Das Gebiet ist als Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung beziehungsweise besonderes Schutzgebiet nach der FFH-Richtlinie ausgewiesen. 

Die Gesamtfläche des Natura-2000-Gebiets wird in der NatureBank mit 17,6964 km² angegeben. Davon entfallen 11,7064 km² auf Landflächen; der überwiegende übrige Teil besteht aus Meeresfläche. Eine aktuelle staatliche Unterlage des griechischen Umweltministeriums nennt für dasselbe Schutzgebiet 18,16 km²; die Differenz beruht auf unterschiedlichen beziehungsweise aktualisierten Flächenangaben der Datensätze.

Zum Schutzgebiet gehören die Hauptinsel Kastellorizo, Ro und Strongyli sowie die vorgelagerte Küsten- und Meereszone. Die Schutzgebietskulisse ist damit wesentlich größer als die eigentliche Landfläche der Hauptinsel Kastellorizo, die 9,113 km² beträgt.

Von besonderer Bedeutung sind die felsigen Küsten, Meereshöhlen und marinen Lebensräume sowie die trockenen mediterranen Vegetationsgesellschaften der Inseln. Die Natura-2000-Ausweisung berücksichtigt sowohl Lebensraumtypen als auch geschützte Tier- und Pflanzenarten. Eine aktuelle ökologische Untersuchung im Zusammenhang mit einem Energieprojekt auf Megisti behandelt ausdrücklich die nach der FFH-Richtlinie geschützten Lebensraumtypen und Arten des Gebiets GR4210004.

Klima

Das Klima von Kastellorizo gehört zum mediterranen Klimatyp mit heißen Sommern und milden Wintern. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation wird es als Csa, also als Mittelmeerklima mit heißem Sommer, eingestuft. Die Insel gehört damit zu den wärmsten Regionen Griechenlands. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei etwa 21,9°C; damit weist Kastellorizo nach Lindos auf Rhodos die zweithöchste mittlere Jahrestemperatur Griechenlands auf.

Die Sommer sind heiß und ausgesprochen trocken. Besonders von Juni bis August fällt nur sehr wenig Niederschlag, während die Temperaturen regelmäßig hohe Werte erreichen. Für den Zeitraum 2018–2023 wurden am Messstandort in 5 m Höhe mittlere Tageshöchsttemperaturen von 29,2°C im Juni, 34,1°C im Juli und 33,7°C im August registriert. Das absolute Maximum dieses Zeitraums betrug 40,8°C im Juli. Auch im September bleibt es mit durchschnittlich 31,2°C als Tageshöchsttemperatur sehr warm.

Der Winter ist dagegen außergewöhnlich mild. Die mittleren Tiefsttemperaturen liegen selbst in den kältesten Monaten deutlich über dem Gefrierpunkt. Die niedrigste jemals an der Küstenstation von Kastellorizo gemessene Temperatur betrug 4,5°C und wurde am 25. Januar 2022 registriert. Frost ist auf Meereshöhe damit äußerst selten.

Der überwiegende Teil des Jahresniederschlags fällt im Winterhalbjahr. Auf die trockene sommerliche Periode folgen im Herbst zunehmende Niederschläge, während der Winter und das zeitige Frühjahr die feuchteste Jahreszeit bilden. Frühling und Herbst sind vergleichsweise kurze Übergangszeiten. Die Trockenheit des Sommers ist für die Vegetation der Insel von großer Bedeutung und erklärt die Dominanz von Phrygana, Macchie und anderen trockenheitsverträglichen Pflanzengesellschaften.

Die Lage im äußersten Südosten der Ägäis beeinflusst auch die Windverhältnisse. Kastellorizo ist ganzjährig Windeinflüssen ausgesetzt. Im Sommer wirken die großräumigen nordwestlichen bis nördlichen Strömungen der Ägäis, während im Winter häufiger wechselnde Winde mit den Tiefdruckgebieten und Niederschlagsereignissen des östlichen Mittelmeerraums auftreten. Durch die exponierte Lage können insbesondere an der offenen Küste zeitweise kräftige Winde auftreten.

Charakteristisch ist außerdem die große Zahl sehr warmer Nächte. Kastellorizo verzeichnet durchschnittlich etwa 158 tropische Nächte pro Jahr, also Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20°C fällt. Dies unterstreicht den außergewöhnlich warmen Charakter des Inselklimas.


Klimadaten für Kastellorizo (5 m, 2018 bis 2023)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Höchstrekord (°C) 20,6 21,9 22,9 29,7 34,8 37,4 40,8 40,1 36,6 37,4 27,7 21,3 40,8
Mittelmaximum (°C) 16,4 16,8 18,0 21,3) 26,2 29,2 34,1 33,9) 31,1 27,2 22,9 18,5 24,7
Mitteltemperatur (°C) 14,1 14,4 15,2 18,2 22,6 25,6 29,9 30,3 28,1 24,4 20,4 16,3 21,6
Mittelminimum (°C) 11,8 12,0 12,4 15,1) 18,9 22,0 25,8 26,8 25,1 21,5 17,9 14,1 18,6
Tiefstrekord (°C) 4,5 5,5 5,2 10,7 15,2 17,8 22,9 24,7 21,6 15,8 12,9 9,1 4,5
Niederschlag (mm) 147,3 55,8 48,6 17,5 4,5 8,9 0,1 0,0 1,3 31,0 90,8 149,0 554,8

Mythologie

Megisti, der Zweiutname der Insel, geht auf eine Gründungslegende zurück. Ein alter Thrylos berichtet, der erste Siedler und mythische König der Insel habe Megisteas geheißen. Nach ihm sei das Eiland benannt worden. Historiker und Philologen halten diese Erklärung für eine spätere Volksetymologie und führen den Namen vielmehr darauf zurück, dass die Insel die größte innerhalb ihres kleinen Archipels ist. Dennoch bleibt die Gestalt des Megisteas in der lokalen Erinnerung lebendig. Manche verbinden ihn sogar mit dem lykischen Felsgrab unterhalb des mittelalterlichen Kastells und deuten dieses als mögliche Ruhestätte des legendären Herrschers.

In der Antike stand die Insel unter dem starken Einfluss dorischer Kultur und der benachbarten lykischen Küste Kleinasiens. Inschriften und archäologische Funde bezeugen die Verehrung mehrerer olympischer Gottheiten. Besonders hervorgehoben wird Apollo, der hier als Apollo Megisteus oder Apollo Triopios angerufen wurde. Reste eines Heiligtums werden bei der Triopia Akra, dem heutigen Kap Krios, lokalisiert. Die Verehrung Apollons verband die Insel eng mit dem berühmten Orakelheiligtum von Patara in Lykien, von wo im 19. Jahrhundert sogar Granitsäulen für die Kirche der Heiligen Konstantin und Helena nach Kastellorizo gebracht wurden. Neben Apollo wurden Zeus (als Zeus Megisteus), Artemis, Aphrodite, Demeter und die Dioskuren verehrt. Eine Weihinschrift an Aphrodite, gefunden am Palaiokastro, nennt den Epistaten Agesios und seine Mitstreiter und belegt damit einen aktiven Kult der Liebesgöttin.

Besonders eng mit der Insel verbunden ist die Gestalt der Medusa. Lokale Überlieferungen und neuere Interpretationen bringen die mythische Gorgone mit Kastellorizo in Verbindung. Nach manchen Erzählungen soll Medusa, die sterbliche der drei Gorgonen, von hier stammen oder zumindest zeitweilig hier gelebt haben. Diese Vorstellung speist sich aus der Nähe zur lykischen Küste und aus dem allgemeinen griechischen Mythos, wonach Perseus Medusa im fernen Osten bekämpfte. In der modernen Kultur der Insel lebt dieses Motiv im Museum der Rätsel weiter, dessen Gründer Pantazis Choulis die Medusa als Symbolfigur für die Tradition der Inselrätsel und der intellektuellen Neugier betrachtet.

Die Blaue Grotte an der Südostküste ist Schauplatz mehrerer volkstümlicher Legenden. Die Einheimischen berichten, die Höhle sei einst ein verborgenes Heiligtum der Nereiden, der Meeresnymphen, gewesen. In der dämmernden Morgenstunde, wenn das einfallende Licht das Wasser in leuchtendes Blau tauchte, sollen die Nereiden dort getanzt und gesungen haben. Fischer, die sich leise näherten, wollten bisweilen zarte Musik aus dem Inneren der Grotte vernommen haben. Eine andere Überlieferung erzählt von Piraten, die die schwer zugängliche Höhle als geheimes Versteck für ihre Beute nutzten. Die enge Öffnung und die Notwendigkeit, bei ruhiger See flach im Boot zu liegen, machten sie zu einem idealen Versteck.

Eine weitere lokale Sage betrifft die Schlangenhöhle. Dort soll einst ein riesiges Ungeheuer gehaust haben, dessen Pfeifen und Zischen bis in den Hafen von Megisti zu hören war. Die Erzählung spiegelt die uralte Angst vor chthonischen Wesen wider, die in den Karsthöhlen der Insel vermutet wurden.

Christliche Legenden überlagerten später die antiken Mythen. Besonders lebendig ist die Überlieferung von der heiligen Helena, der Mutter Kaiser Konstantins. Auf ihrer Reise zur Auffindung des Heiligen Kreuzes soll sie auf Kastellorizo von einem Sturm überrascht worden sein. Zum Dank für die Rettung habe sie an der Stelle der heutigen Kirche der Heiligen Konstantin und Helena eine Kapelle errichtet. Diese Legende verleiht dem zentralen Gotteshaus der Insel eine besondere Weihe und verbindet die lokale Frömmigkeit mit der großen byzantinischen Geschichte.

Auch der lykische Felsgrab unter dem Kastell trägt mythische Züge. Die Lykier, deren Name von Apollo Lykios, dem „wolfsartigen“ Apollo, abgeleitet wird, hinterließen dieses eindrucksvolle Monument. Die Inselbewohner betrachteten es lange als Grab eines lokalen Fürsten oder sogar des mythischen Megisteas.

In den volkstümlichen Bräuchen und Aberglauben der Insel spiegeln sich ebenfalls mythische Vorstellungen. Der böse Blick, der mit bestimmten Gebeten und Ritualen abgewehrt wird, die Bedeutung von Granatäpfeln als Fruchtbarkeitssymbol und die strengen Regeln bei Verlobung und Hochzeit tragen Züge älterer, vorchristlicher Denkweisen. Die Zisternen, die in den Fels gehauen sind, und die zahlreichen antiken Kelteranlagen erinnern an die Bedeutung von Wasser und Wein, die in der griechischen Mythologie eng mit Dionysos und den Fruchtbarkeitskulten verbunden sind.

Geschichte

Die Insel war bereits in antiker Zeit besiedelt, wie die Ruinen der im Landesinneren gelegenen alten Hauptstadt Paleokastro bezeugen. Mit dem übrigen Griechenland gehörte Kastellorizo zum Reich Alexanders des Großen, zum Römischen Reich und zum Byzantinischen Kaiserreich. 1306 wurde die Insel durch Ritter des Johanniterordens aus Rhodos erobert, die die Insel zu einer mächtigen Festung ausbauten, was nach einer von mehreren Theorien zur Etymologie der Insel ihren jüngeren Namen gegeben haben soll, denn das Gestein des Kastells war von rötlicher Färbung.

Zu den Eroberern der nächsten Jahrhunderte gehörten ägyptische Sarazenen und Franken. 1552 fiel Kastellorizo an das Osmanische Reich. In der Folge erfreuten sich die Bewohner religiöser, kultureller und wirtschaftlicher Privilegien, und so stieg die Handelsflotte der Insel zur größten des Dodekanes auf.

Neolithikum

Bereits vor dem eigentlichen Beginn des Neolithikums, also noch in mesolithischer Zeit, zogen Menschen zwischen Kleinasien und der Ägäis umher. Die Dodekanes-Inseln, darunter auch Kastellorizo, fungierten dabei als natürliche Trittsteine. Mit dem Einsetzen des Neolithikums, das in der Region etwa ab dem -7. Jahrtausend greifbar wird, wurden diese Wanderer zu den ersten dauerhafteren Bewohnern der Insel. Die archäologischen Spuren aus dieser Epoche sind spärlich, aber eindeutig: Es handelt sich vor allem um geschlagene und geschliffene Steinwerkzeuge aus Feuerstein und anderen Hartgesteinen. Die Einheimischen nennen diese Fundstücke bis heute „Astropelekia“ (Sternäxte). Solche Geräte belegen, dass die frühen Bewohner als Jäger, Sammler und allmählich auch als frühe Bauern und Viehzüchter lebten. Eine systematische Besiedlung mit festen Dörfern lässt sich für diese frühe Phase noch nicht nachweisen, doch die Werkzeuge zeigen, dass Menschen die Insel regelmäßig aufsuchten und zumindest zeitweise dort lebten. Manche lokalen Quellen setzen die Anwesenheit von Menschen bereits in einen sehr weiten Zeitraum von etwa -14.000 bis -9000, was auf mesolithische Vorläufer hinweisen könnte, doch die gesicherten neolithischen Funde beginnen später.

Im Laufe des Neolithikums und der anschließenden Kupfersteinzeit (Chalkolithikum) blieb die Insel Teil eines weiteren Netzes von Kontakten, die sich entlang der südlichen anatolischen Küste und über die vorgelagerten Inseln erstreckten. Die archäologische Evidenz bleibt dünn, was zum Teil an der geringen Größe der Insel, an der intensiven späteren Nutzung und an der bisher nur begrenzten systematischen Grabungstätigkeit liegt. Dennoch ist klar, dass Kastellorizo nicht isoliert war, sondern in die größeren kulturellen Strömungen der südöstlichen Ägäis eingebunden blieb.

Bronzezeit

Mit dem Übergang zur Bronzezeit, ab dem -3. Jahrtausend, verdichten sich die Hinterlassenschaften. In der mittleren und späten Bronzezeit, also in der minoischen und vor allem in der mykenischen Epoche, gewann die Insel als Handels- und Seestützpunkt an Bedeutung. Ihre Lage nahe der anatolischen Küste und an den Seerouten, die von der Ägäis nach Zypern, in die Levante und nach Ägypten führten, machte sie zu einem natürlichen Haltepunkt. Zwei berühmte Schiffswracks der späten Bronzezeit, das Uluburun-Wrack aus dem späten 14. Jahrhundert und das Kap-Gelidonya-Wrack aus dem -12. Jahrhundert, liegen nicht weit von Kastellorizo entfernt und bezeugen die intensive Schifffahrt entlang dieser Küsten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Insel in diesem Netzwerk eine Rolle spielte.

Auf der Insel selbst deuten vorgeschichtliche Keramikscherben, die im Bereich des heutigen Friedhofs auf dem kleinen Kap östlich von Mandraki gefunden wurden, auf eine mögliche hafennahe Siedlung der Bronzezeit hin. Noch bedeutender sind die Funde vom Plateau des Agios Georgios. Dort wurden 1913 in einem antiken Grab eine marmorne Sarkophag und darin ein kunstvoll gearbeiteter goldener Kranz mykenischer Zeit entdeckt. Dieser Kranz, der mit Weinranken verziert ist, gehört zu den herausragenden Funden der Insel und wird heute im Nationalen Archäologischen Museum in Athen aufbewahrt. Er belegt, dass auf Kastellorizo in der späten Bronzezeit Menschen lebten, die Zugang zu hochwertigen Prestigegütern hatten und in die mykenische Kulturwelt eingebunden waren. Mykenische Gräber und weitere keramische Funde unterstreichen diese Verbindung.

Mit den mykenischen Spuren werden auch die sogenannten zyklopischen Mauern in Verbindung gebracht, die auf dem Hügel der Vigla und im Bereich des Palaiokastro erhalten sind. Diese mächtigen Trockenmauerwerke aus großen, nur grob behauenen Kalksteinblöcken entsprechen dem Baustil, der in der mykenischen Welt für Befestigungen charakteristisch war. Allerdings ist die genaue Datierung dieser Mauern auf Kastellorizo umstritten. Während ältere Deutungen sie der mykenischen Zeit zuschreiben, halten neuere Untersuchungen wenigstens Teile der polygonalen Mauern für jünger und ordnen sie eher der klassischen oder hellenistischen Epoche zu, als die Insel unter rhodischer Kontrolle stand. Dennoch bleibt die Möglichkeit bestehen, dass auf dem strategisch günstig gelegenen Höhenzug bereits in der späten Bronzezeit eine befestigte Siedlung oder ein Wachposten existierte.

Archaische Zeit

Nach dem Ende der Bronzezeit und dem Zusammenbruch der mykenischen Palastkultur um -1200 folgte auf Kastellorizo wie in weiten Teilen der Ägäis eine Phase geringerer archäologischer Sichtbarkeit, die oft als „Dunkle Jahrhunderte“ bezeichnet wird. Dennoch blieb die Insel nicht unbewohnt. In der geometrischen Zeit, etwa vom 10. bis zum 8. Jahrhundert vor Christus, und in der anschließenden archaischen Epoche (um -700 bis -480) lassen sich wieder klarere Siedlungsspuren fassen.

Die wichtigsten Hinweise stammen vom Höhenzug des Palaiokastro. Dort fanden Archäologen Keramikfragmente der geometrischen und archaischen Zeit, die belegen, dass die Bewohner in dieser Periode die strategisch günstige Anhöhe westlich des heutigen Hafens besiedelten. Die äußere Umfassungsmauer des Palaiokastro, die aus großen, nur grob behauenen Blöcken besteht, wird von manchen Forschern bereits ins -9. Jahrhundert datiert. Diese frühe Befestigung deutet darauf hin, dass die Inselbewohner bereits in der geometrischen Zeit Schutz suchten und die erhöhte Lage nutzten, um den Hafen und die Seewege zu kontrollieren. Spätere Verstärkungen und Bastionen, die mit sorgfältigerem Mauerwerk errichtet wurden, gehören dem -5. Jahrhundert an und zeigen eine kontinuierliche Nutzung und Ausbau der Anlage.

Die eigentliche dorische Besiedlung der Insel wird traditionell mit der großen dorischen Wanderung in Verbindung gebracht, die ab dem späten -2. Jahrtausend und verstärkt im frühen -1. Jahrtausend die Dodekanes und die gegenüberliegende kleinasiatische Küste erfasste. Die Dorer, die auch auf Rhodos Fuß fassten, gaben der Insel den Namen Megisti, „die Größte“, weil sie das bedeutendste Eiland innerhalb des kleinen Archipels darstellte. Obwohl literarische Quellen für diese frühe Phase fehlen, spricht die archäologische und onomastische Überlieferung für eine dorische Prägung. Die Insel blieb eng mit Rhodos verbunden, das seinerseits drei unabhängige Städte – Lindos, Ialysos und Kameiros – besaß, bevor diese -408 zum einheitlichen rhodischen Staat zusammengeschlossen wurden.

Bereits in archaischer Zeit, als Rhodos Kolonien an der anatolischen Küste gründete – darunter Phaselis um -690–, dürfte Megisti als Zwischenstation auf dem Seeweg eine Rolle gespielt haben. Die Insel lag günstig an den Routen, die von der Ägäis nach Osten führten, und bot einen sicheren Ankerplatz. Keramikfunde und die fortgesetzte Nutzung des Palaiokastro zeigen, dass die Bewohner an den kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Zeit teilnahmen. Die dorische Identität der Insel wird später durch Inschriften und Kultbezeichnungen bestätigt, doch die Wurzeln dieser Identität reichen in die geometrische und archaische Epoche zurück.

Gegen Ende des -6. und zu Beginn des -5. Jahrhunderts befand sich die Insel in einem Übergangsstadium. Die persische Expansion unter den Achämeniden erfasste auch die Küsten Kleinasiens und bedrohte die griechischen Inseln. Rhodos und seine abhängigen Gebiete, darunter vermutlich auch Megisti, gerieten in den Sog der großen Auseinandersetzung zwischen den griechischen Stadtstaaten und dem Perserreich. Genauere schriftliche Zeugnisse für Kastellorizo selbst fehlen für diese Zeit noch, doch die Insel folgte dem Schicksal der rhodischen Städte. Die Befestigungen auf dem Palaiokastro wurden weiter genutzt und teilweise erneuert, was auf eine bewusste Absicherung gegen mögliche Bedrohungen hindeutet.

Griechische Antike

Bereits im Periplus des Pseudo-Scylax, einem Seefahrerhandbuch aus dem -4. Jahrhundert, wird die Zugehörigkeit der Insel klar festgehalten. Dort heißt es, dass vor der lykischen Küste, in der Nähe von Städten wie Telmessos, Xanthos, Patara und Phellos, „eine Insel der Rhodier, Megiste“ liege. Diese Erwähnung um -330 bestätigt, dass Megisti zu diesem Zeitpunkt bereits fest in den rhodischen Machtbereich integriert war und als „rhodische Insel“ galt. Die Bezeichnung unterstreicht die enge politische und wirtschaftliche Bindung an Rhodos, das seine Kontrolle über die gegenüberliegende Küste und die vorgelagerten Inseln systematisch ausbaute.

Diese Zugehörigkeit wird durch archäologische und epigraphische Zeugnisse weiter erhärtet. Inschriften, die am Fuße der späteren Ritterburg gefunden wurden, belegen, dass die Insel in hellenistischer Zeit von Rhodos beherrscht wurde und Teil der sogenannten rhodischen Peraia war. Die Peraia umfasste die Festlandsgebiete und Inselbesitzungen, die Rhodos zur Sicherung seiner Handelswege und zur Kontrolle der Seerouten entlang der kleinasiatischen Küste unterhielt. Megisti bildete dabei den östlichsten Vorposten dieses Systems. Die Rhodier schickten einen Aufseher, den Epistates, der die Ereignisse auf der Insel überwachte. Dieser Beamte, vergleichbar mit den spartanischen Harmosten, residierte vor Ort, befehligte eine Garnison und sorgte für die Durchsetzung der rhodischen Interessen. Mehrere Inschriften nennen namentlich solche Epistaten und ihre Amtskollegen. Eine von ihnen erwähnt etwa Epikratidas, den Sohn des Anaxikratis, der als ehemaliger Epistates zusammen mit seinen Mitstreitern den Dioskuren eine Weihung darbrachte. Andere Inschriften bezeugen weitere Amtsinhaber und bestätigen die kontinuierliche rhodische Verwaltung über Generationen hinweg.

Die strategische Bedeutung der Insel spiegelte sich auch in einem dichten Netz von Wachtürmen wider, das die Rhodier in hellenistischer Zeit errichteten. Die drei Türme von Kastellorizo, Ro und Strongyli bildeten die wichtigsten Glieder dieses Systems. Sie dienten der Kontrolle der Seewege und der Küste, ermöglichten die Früherkennung von Schiffsbewegungen und die Weitergabe von Signalen. Der Turm auf Strongyli lag auf dem westlichen Hügel der kleinen Insel und war so positioniert, dass er die gegenüberliegende Küste im Blick behielt, ohne selbst leicht sichtbar zu sein. Ähnliche Anlagen auf Ro und auf Megisti selbst ergänzten das Netzwerk. Zusammen bildeten sie eine Kette von Beobachtungspunkten, die von der rhodischen Flotte und den Garnisonen genutzt werden konnte, um die wichtigen Handels- und Militärrouten zwischen der Ägäis, Lykien und weiter nach Osten zu überwachen.

Das Zentrum der befestigten Anlagen auf der Insel selbst blieb das Palaiokastro. Es war und ist die wichtigste und größte befestigte Anlage von Megisti. Auf dem Höhenrücken westlich des Hafens gelegen, bot es einen weiten Überblick über die Bucht und die umliegenden Gewässer. Die Anlage verfügte über mehrere Bauphasen. Eine äußere Umfassungsmauer aus großen, grob behauenen Blöcken geht möglicherweise bereits auf frühere Zeiten zurück, während sorgfältiger gearbeitete Bastionen und ein Propylon dem -5. Jahrhundert zugeordnet werden. Im Inneren standen ein Turm aus sorgfältig geschnittenen Kalksteinquadern und große Zisternen, die die Wasserversorgung der Besatzung sicherstellten. Eine dorische Inschrift am Fuß der späteren Burg nennt ausdrücklich den Namen Megiste und bezeugt die Abhängigkeit von Rhodos. Palaiokastro diente nicht nur als Fluchtburg und Garnisonsort, sondern auch als administrativer und kultischer Mittelpunkt der Insel.

In der zweiten Hälfte des -4. Jahrhunderts erlebte Megisti eine Phase verstärkter Bautätigkeit. Auf dem Kap Kavos, dem Standort der späteren mittelalterlichen Burg, entstand möglicherweise bereits in spätklassischer oder frühhellenistischer Zeit ein Turm mit charakteristischem pyramidenförmigem Unterbau. Die Insel profitierte vom Aufstieg von Rhodos zur führenden Seemacht der Region. Rhodos behauptete sich gegen persische, hekatomnidische und diadochische Bedrohungen und wurde im Frieden von Apameia -188 von Rom als regionale Ordnungsmacht anerkannt. Megisti blieb in diesem System ein fester Bestandteil der rhodischen Peraia und trug durch seine Lage und seine Befestigungen zur Sicherung der rhodischen Seeherrschaft bei.

Römische Antike

Bereits im frühen -2. Jahrhundert spielte der Hafen von Megisti eine Rolle in den Auseinandersetzungen Roms. Der römische Historiker Livius berichtet von der Bedeutung des Ankerplatzes während des Krieges gegen Antiochos III., den seleukidischen König, im sogenannten Vierten Syrischen Krieg um -190. Rhodos stand damals auf der Seite Roms, und der sichere Hafen der Insel diente als Stützpunkt für Flottenbewegungen. Der Frieden von Apameia 188 vor Christus bestätigte die rhodische Vormachtstellung in der Region, doch der Einfluss Roms wuchs unaufhaltsam. Im Laufe des -2. und -1. Jahrhunderts geriet die gesamte rhodische Peraia, einschließlich Megisti, zunehmend unter römische Kontrolle.

In der römischen Zeit erwarb die Insel zeitweise eine begrenzte Autonomie. Diese relative Selbständigkeit wurde jedoch 38 vor Christus durch Kaiser Vespasian wieder aufgehoben. Damit wurde Megisti fester Bestandteil der römischen Provinzialverwaltung. Die Insel gehörte zur Provinz Lycia et Pamphylia oder war eng mit den benachbarten Verwaltungsstrukturen verbunden. Archäologische und literarische Hinweise deuten darauf hin, dass das tägliche Leben weiterhin von Landwirtschaft, Weinbau, Olivenölproduktion und dem Durchgangshandel geprägt war. Der Hafen blieb ein Zwischenhalt für Schiffe, die zwischen der Ägäis, der lykischen Küste und weiter östlichen Destinationen verkehrten.

Eine besondere Rolle spielte die Insel in den römischen Maßnahmen gegen die Piraterie. Der römische Feldherr Gaius Cassius Longinus nutzte Megisti als Flottenstützpunkt im Kampf gegen kilikische und karische Seeräuber. Die strategische Lage und der geschützte Hafen machten die Insel zu einem geeigneten Operationsbasispunkt. Ironischerweise diente die Blaue Grotte, deren enger Eingang und verborgenes Inneres sie schwer zugänglich machten, möglicherweise als Versteck für die Beute der Piraten selbst. Die römische Präsenz sorgte für eine vorübergehende Stabilisierung der Seewege, auch wenn die Piraterie in der Region nie vollständig verschwand.

Über das innere Leben der Insel in römischer Zeit ist nur wenig bekannt. Die Bevölkerung bestand vorwiegend aus Bauern, Fischern und Händlern. Die alten Kulte – Zeus, Apollo, Artemis, Aphrodite, Demeter und die Dioskuren – bestanden fort, wie Inschriften und Weihungen belegen. Gleichzeitig bahnte sich der Übergang zum Christentum an. Seefahrer und Händler brachten den neuen Glauben früh in die Region. Manche Überlieferungen verbinden die Insel sogar mit der Reise des Apostels Paulus, dessen Schiffsfahrt von der Ägäis nach Jerusalem im Jahr 58 nach Christus direkt an Megisti vorbeigeführt haben könnte. Konkrete Belege dafür fehlen jedoch.

Byzantinische Zeit

Mit der Teilung des Römischen Reiches gelangte die Insel in den Machtbereich des Ostens und wurde Teil des byzantinischen Staates. Die Insel wurde Teil der byzantinischen Verwaltungsstrukturen und gehörte dem Thema der Kibyrrhaioten an, jenem großen Flottenthema, dessen Zentrum Rhodos bildete und das die südliche Ägäis sowie Teile der kleinasiatischen Küste umfasste. Unter byzantinischer Herrschaft erlebte die Insel über mehrere Jahrhunderte hinweg eine Phase relativer Stabilität, auch wenn die schriftlichen Quellen spärlich bleiben.

Das Christentum hatte sich bereits in römischer Zeit auf der Insel ausgebreitet und wurde in byzantinischer Zeit zur bestimmenden Religion. Die Überlieferung berichtet, dass die heilige Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, auf ihrer Reise zur Auffindung des Heiligen Kreuzes in Jerusalem auf Megisti Halt machte. Der Legende nach stiftete sie aus Dankbarkeit für die sichere Überfahrt eine kleine Kapelle, an deren Stelle später die große Kirche der Heiligen Konstantin und Helena errichtet wurde, die bis heute die Schutzheiligen der Insel sind. Archäologische Spuren bestätigen die frühe christliche Präsenz. Reste einer dreischiffigen frühchristlichen Basilika mit Mosaikböden finden sich im Bereich des Agios Georgios „Sandrapé“ in den Chorafia. Weitere frühbyzantinische Kirchenbauten und Siedlungsspuren deuten auf eine organisierte christliche Gemeinde hin.

In der mittelbyzantinischen Zeit verlagerte sich der Siedlungsschwerpunkt aus Sicherheitsgründen stärker auf das inland gelegene Palaiokastro. Die ständigen arabischen Raubzüge ab dem 7. Jahrhundert machten das Leben an der Küste gefährlich. Die byzantinischen Behörden nutzten die alten Befestigungen aus spätklassischer und hellenistischer Zeit, um die Insel gegen die Angriffe aus dem Osten zu schützen. Rhodische Aufzeichnungen berichten, dass byzantinische Schiffe 718 von Megisti aus ausliefen, um eine herannahende sarazenische Flotte abzuwehren. Auch die große Flotte des Kalifen Harun al-Raschid, die 807 Rhodos bedrohte, dürfte die Insel auf ihrem Weg berührt und in Unruhe versetzt haben. Die wiederholte Bedrohung durch arabische Flotten und Piraten zwang die Bewohner, sich auf die Höhenanlagen zurückzuziehen und die Verteidigungsanlagen instand zu halten.

Trotz dieser Gefahren blieb der Hafen ein wichtiger Zwischenhalt auf den Seewegen. Die Inselbevölkerung bestand weiterhin vorwiegend aus Bauern, Fischern und Händlern. Wein und Olivenöl gehörten zu den wichtigsten lokalen Produkten, und durch den Hafen liefen Güter aus dem gesamten östlichen Mittelmeer. Die byzantinische Verwaltung sorgte für eine gewisse Ordnung, auch wenn die Insel am Rand des Reiches lag und oft den Wechselfällen der großen Politik ausgeliefert war.

In den Jahrhunderten der mittel- und spätbyzantinischen Zeit geriet die Region zunehmend unter Druck. Die Kreuzzüge brachten zusätzliche Unruhe. Während des Zweiten und Dritten Kreuzzugs in den Jahren 1147 und 1189 erlitt die Insel schwere Schäden. Die byzantinische Kontrolle über die Dodekanes und die angrenzenden Gebiete lockerte sich, und lokale Machthaber sowie westliche Mächte gewannen an Einfluss. Gegen Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts war die byzantinische Herrschaft in der Region bereits stark geschwächt.

Spätmittelalter

Im Jahr 1306 wurde die Insel von den Johannitern unter der Führung von Foulques de Villaret im Rahmen ihrer Expedition zur Eroberung der Insel Rhodos eingenommen, die zum Zentrum ihres Kreuzfahrerstaates wurde. Die Johanniter, der Orden vom Hospital des Heiligen Johannes zu Jerusalem, suchten nach dem Verlust ihrer letzten Stützpunkte im Heiligen Land eine neue souveräne Basis. Rhodos bot sich dafür an, und die Eroberung der Dodekanes begann mit der Sicherung vorgeschobener Positionen. Kastellorizo, damals noch unter lockerer byzantinischer oder genuesischer Einflussnahme, lag günstig auf dem Weg und wurde früh besetzt. Die Johanniter nutzten die Insel zunächst als vorgeschobenen Stützpunkt und Operationsbasis, bevor Rhodos selbst 1309 endgültig in ihre Hände fiel.

Die Ritter restaurierten die bestehende Burg auf dem roten Felsen über dem Hafen, dem sogenannten Castello Rosso. Diese Anlage, deren Name sich vom rötlichen Gestein ableitet und der Insel ihren späteren Namen Kastellorizo gab, wurde zu einem wichtigen Element der johannitischen Verteidigung. Sie diente nicht nur dem Schutz des Hafens und der Kontrolle der Seewege, sondern wurde auch als Gefängnis für ungehorsame Ritter genutzt. Der Orden verbannte missliebige Mitglieder oder solche, die gegen die Ordensdisziplin verstießen, auf die abgelegene Insel. Die Burg wurde im Laufe des 14. Jahrhunderts ausgebaut. Um 1380, unter dem Großmeister Juan Fernández de Heredia, erhielt sie wesentliche Verstärkungen, wie das erhaltene Wappen an einem der Türme belegt. Die Anlage verfügte über hohe doppelte Mauern, Wehrgänge und Türme und galt als eines der stärkeren Bollwerke im östlichen Ägäisraum.

Die Johanniterzeit brachte der Insel eine gewisse Stabilität und Einbindung in das Handels- und Militärnetz des Ordensstaates auf Rhodos. Gleichzeitig blieb sie jedoch ein vorgeschobener und verwundbarer Posten. Die Nähe zur kleinasiatischen Küste und die Bedeutung der Seewege machten sie zu einem Ziel für muslimische Flotten. Besonders schwer trafen die Angriffe der Mamluken aus Ägypten. Um 1440 wurde die Insel vom ägyptischen Sultan Sayf ad-Din Jaqmaq besetzt, der die Burg zerstörte. Die Mamluken plünderten die Siedlung, verschleppten Teile der Bevölkerung und hinterließen die Insel in Trümmern. Ein weiterer Angriff folgte 1444. Die Verteidigung wurde von den Johannitern und unterstützenden Kräften aus Lindos auf Rhodos organisiert, und der Großmeister Jean de Lastic rühmte später den heldenhaften Widerstand der Inselbewohner.

Nach diesen Verwüstungen geriet die Insel vorübergehend außer Kontrolle der Johanniter. Zehn Jahre nach dem mamlukischen Angriff, um 1450, wurde sie von Alfons V. von Aragon, König von Neapel, erobert. Alfons, der expansive Pläne im östlichen Mittelmeer verfolgte, erkannte den strategischen Wert des Hafens. Er ließ die zerstörte Burg 1461 wieder aufbauen und entsandte einen katalanischen Gouverneur. Die Anlage wurde modernisiert und diente den aragonesischen Flotten als Stützpunkt für Operationen gegen die Osmanen und zur Sicherung der Handelswege. Papst Nikolaus V. bestätigte die Übergabe der Insel an Alfons. Die aragonesische Herrschaft brachte erneute Baumaßnahmen und eine vorübergehende Stabilisierung, doch die Insel blieb ein umkämpfter Vorposten.

Osmanische Zeit

Im Jahr 1512 verlor die Krone von Aragonien ihre Herrschaft über die Insel und überließ sie dem osmanischen Sultan Süleyman I.. Die Insel wurde unter dem osmanischen Namen Meyis in das Herrschaftsgebiet des Osmanischen Reiches eingegliedert. Aufgrund ihrer Lage unmittelbar vor der kleinasiatischen Küste und ihrer Nähe zu den wichtigen Häfen und Handelsplätzen Lykiens und Kariens besaß Kastellorizo trotz seiner geringen Größe eine gewisse strategische Bedeutung. Die osmanische Herrschaft bedeutete jedoch nicht das Ende der überwiegend griechischen Bevölkerung und ihrer lokalen kulturellen und religiösen Traditionen. Die orthodoxe Bevölkerung blieb zahlenmäßig bestimmend und behielt ihre griechische Sprache sowie ihre religiösen Einrichtungen bei.

Während der osmanischen Herrschaft wurde Kastellorizo mehrfach in die Auseinandersetzungen zwischen dem Osmanischen Reich und den europäischen Seemächten des östlichen Mittelmeers hineingezogen. Besonders einschneidend war das Jahr 1659 während des Kretischen Krieges zwischen Venedig und dem Osmanischen Reich. Am 22. September 1659 gelang es venezianischen Truppen, Kastellorizo einzunehmen. Die bereits vorhandene Burganlage wurde bei den Kämpfen erneut zerstört beziehungsweise schwer beschädigt. Die venezianische Besetzung blieb allerdings nur von kurzer Dauer. Die Osmanen konnten die Insel bald wieder zurückerobern und stellten damit ihre Herrschaft über Kastellorizo wieder her. Die Zerstörung beziehungsweise Beschädigung der Befestigungen war für die Insel von erheblicher Bedeutung, weil die Burg zuvor einen wesentlichen Bestandteil ihrer Verteidigungsanlagen gebildet hatte.

Nach der Rückkehr unter osmanische Herrschaft blieb Kastellorizo über die folgenden Jahrhunderte Bestandteil des Osmanischen Reiches. Die Insel war dabei in die Verwaltungs- und Wirtschaftsbeziehungen mit der gegenüberliegenden kleinasiatischen Küste eingebunden. Der Alltag der Bevölkerung wurde weiterhin stark durch die Seefahrt geprägt. Kastellorizo besaß aufgrund seiner Lage Möglichkeiten für Handel, Schifffahrt und den Verkehr mit den Häfen der kleinasiatischen Küste. Die Bevölkerung war überwiegend griechisch-orthodox und unterstand hinsichtlich ihrer religiösen Angelegenheiten den Strukturen des orthodoxen Patriarchats innerhalb des Osmanischen Reiches. Dadurch blieb die griechische kulturelle Identität auch während der langen osmanischen Herrschaft erhalten.

Eine wichtige Veränderung trat während des griechischen Unabhängigkeitskrieges ein. Zwischen 1828 und 1833 schloss sich Kastellorizo den griechischen Aufständischen an. Die Bevölkerung stellte sich damit zeitweise gegen die osmanische Herrschaft und orientierte sich an der entstehenden griechischen Staatsidee. Diese Entwicklung führte jedoch nicht unmittelbar zu einer dauerhaften Eingliederung in den griechischen Staat. Nach dem Ende des griechischen Unabhängigkeitskrieges wurde Kastellorizo wieder dem Osmanischen Reich zugesprochen. Damit blieb die Insel trotz ihrer Beteiligung am griechischen Aufstand außerhalb des neu gegründeten Königreichs Griechenland.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Kastellorizo innerhalb des osmanischen Herrschaftsverbandes zu einer überwiegend griechisch geprägten Inselgemeinde mit einer beträchtlichen Bevölkerung. Die wirtschaftliche Bedeutung der Insel beruhte vor allem auf Seefahrt, Handel und Fischerei sowie auf den Verbindungen zu den benachbarten Küstengebieten Kleinasiens. Die Lage zwischen der kleinasiatischen Küste und dem offenen Mittelmeer machte Kastellorizo zu einem wichtigen Zwischenpunkt für Schiffe, die zwischen den Inseln, den Häfen Lykiens und weiteren Orten des östlichen Mittelmeers verkehrten. Gleichzeitig blieb die Insel politisch und administrativ Teil des Osmanischen Reiches.

Wie stark die griechische Bevölkerung überwog, zeigt die osmanische Volkszählung für den Zeitraum von 1881/82 bis 1893. Der damalige kaza von Kastellorizo, der unter dem osmanischen Namen Meyis geführt wurde, hatte insgesamt 4.871 Einwohner. Davon waren 4.635 Griechen. Hinzu kamen 225 Muslime, sechs Juden und fünf ausländische Staatsangehörige. Die Zahlen verdeutlichen, dass die Bevölkerung des Verwaltungsbezirks ganz überwiegend griechisch war. Die muslimische Bevölkerung bildete dagegen eine kleine Minderheit. Die ethnische und religiöse Zusammensetzung unterschied Kastellorizo damit deutlich von vielen anderen Teilen des Osmanischen Reiches, in denen Muslime einen wesentlich größeren Anteil der Bevölkerung stellten.

Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstärkten sich die politischen Spannungen im östlichen Mittelmeer. Der Niedergang der osmanischen Macht und die zunehmenden Gebietsansprüche der europäischen Staaten wirkten sich unmittelbar auf Kastellorizo aus. Die Bevölkerung orientierte sich zunehmend an den politischen Entwicklungen Griechenlands, während gleichzeitig Italien seinen Einfluss im Dodekanes und im östlichen Mittelmeer ausweitete. Besonders deutlich wurde diese Situation während des Italienisch-Osmanischen Krieges von 1911 bis 1912, der auch als Libyscher Krieg bezeichnet wird.

Im Jahr 1912 wandten sich Einwohner von Kastellorizo an Giovanni Battista Ameglio, den Befehlshaber der italienischen Besatzungstruppen auf Rhodos, mit dem Wunsch, die Insel an Italien anzuschließen. Ameglio lehnte dieses Ansinnen jedoch ab. Die politische Situation blieb dadurch ungeklärt. Die Bevölkerung von Kastellorizo stand weiterhin unter osmanischer Verwaltung, während gleichzeitig die griechische Bevölkerung eine enge Verbindung zu Griechenland empfand und Italien seinen Einfluss in der Region ausbaute.

Die Spannungen führten schließlich im März 1913 zu einem offenen Aufstand gegen die osmanische Verwaltung. Am 14. März 1913 nahm die lokale Bevölkerung den osmanischen Gouverneur und die auf der Insel stationierte osmanische Garnison gefangen. Anschließend wurde eine provisorische Regierung ausgerufen. Damit endete die tatsächliche osmanische Kontrolle über Kastellorizo zunächst, obwohl die völkerrechtliche und internationale Frage über die endgültige Zugehörigkeit der Insel noch nicht entschieden war.

Im August 1913 entsandte die griechische Regierung von Samos aus einen provisorischen Gouverneur nach Kastellorizo. Dieser wurde von Gendarmen begleitet und übernahm gemeinsam mit den örtlichen Kräften die Verwaltung der Insel. Kastellorizo befand sich damit faktisch unter griechischer Kontrolle. Die Bevölkerung hoffte auf eine dauerhafte Eingliederung in den griechischen Staat. Diese Entwicklung entsprach der damaligen politischen Orientierung großer Teile der griechischsprachigen Bevölkerung der Insel.

Die internationale Diplomatie führte jedoch zunächst zu einem anderen Ergebnis. Anfang 1914 wurde in Florenz beschlossen, Kastellorizo wieder dem Osmanischen Reich zu überlassen. Damit sollte die territoriale Neuordnung des östlichen Mittelmeers nach den Balkankriegen und den Konflikten zwischen den europäischen Mächten und dem Osmanischen Reich geregelt werden. Die Entscheidung von Florenz bedeutete, dass die 1913 entstandene griechische Verwaltung auf Kastellorizo nicht dauerhaft bestehen bleiben sollte. Die Insel blieb damit bis zum endgültigen Ende der osmanischen Herrschaft über Kastellorizo ein Streitpunkt zwischen den politischen Interessen Griechenlands, Italiens und des Osmanischen Reiches.

Weltkriegsära

Im Jahr 1912 geriet Kastellorizo unmittelbar in den Strudel des Italienisch-Osmanischen Krieges und der politischen Umwälzungen im östlichen Mittelmeer. Während Italien bereits die übrigen Dodekanesinseln besetzt hatte, blieb Kastellorizo zunächst unter osmanischer Herrschaft. Die Bevölkerung widersetzte sich im März 1913 der osmanischen Verwaltung, nahm den Gouverneur und die osmanische Garnison gefangen und errichtete eine provisorische Regierung. Im August 1913 entsandte die griechische Regierung von Samos aus einen provisorischen Gouverneur, der von Gendarmen begleitet wurde. Die Insel stand damit faktisch unter griechischer Verwaltung. Die internationale Regelung fiel jedoch zunächst anders aus: Anfang 1914 wurde in Florenz beschlossen, Kastellorizo wieder dem Osmanischen Reich zu überlassen. Die Umsetzung dieser Entscheidung wurde allerdings durch die weiteren internationalen Entwicklungen und den Ausbruch des Ersten Weltkriegs überholt.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs änderte sich die strategische Bedeutung Kastellorizos erneut. Die Insel lag unmittelbar vor der kleinasiatischen Küste und befand sich damit in einer Region, in der die Entente und das Osmanische Reich um die Kontrolle der Seewege und der vorgelagerten Inseln konkurrierten. Am 28. Dezember 1915 wurde Kastellorizo von französischen Truppen besetzt. Die Franzosen nutzten die Insel wegen ihrer günstigen Lage als militärischen Stützpunkt und als Ausgangspunkt für Operationen im östlichen Mittelmeer. Die Besetzung brachte Kastellorizo damit erneut unter eine ausländische Militärverwaltung.

Während der französischen Besatzung war die Insel wiederholt türkischem Beschuss vom kleinasiatischen Festland ausgesetzt. Aufgrund der geringen Entfernung zur türkischen Küste konnte Kastellorizo von den dort stationierten osmanischen beziehungsweise türkischen Kräften mit Artillerie erreicht werden. Die wiederholten Angriffe machten die Lage für die Bevölkerung und die auf der Insel stationierten Truppen unsicher. Die militärische Bedeutung Kastellorizos zeigte sich besonders am 11. Januar 1917, als das britische Wasserflugzeugmutterschiff HMS Ben-my-Chree in der Nähe der Insel durch türkisches Feuer versenkt wurde. Das Schiff war zur Unterstützung von Wasserflugzeugen eingesetzt worden und gehörte zu den britischen Seestreitkräften im östlichen Mittelmeer. Das Wrack blieb zunächst auf dem Meeresgrund und wurde 1921 geborgen und anschließend verschrottet.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb die politische Zukunft Kastellorizos zunächst ungeklärt. Die Insel war weiterhin Bestandteil der internationalen Auseinandersetzungen über die Neuordnung des östlichen Mittelmeers. Während Italien bereits seit 1912 die übrigen Dodekanesinseln kontrollierte, konnte es seinen Einfluss schließlich auch auf Kastellorizo ausdehnen. 1922 kam die Insel unter italienische Verwaltung. Damit begann eine neue Phase der Fremdherrschaft, die sich deutlich von der vorherigen osmanischen Zeit unterschied.

Die italienische Verwaltung wurde von großen Teilen der einheimischen Bevölkerung negativ aufgenommen. Die Italiener traten auf Kastellorizo nicht lediglich als vorübergehende Besatzungsmacht auf, sondern etablierten sich als Kolonialmacht und ließen sich teilweise als Kolonisten auf der Insel nieder. Dies verstärkte die Spannungen zwischen der italienischen Verwaltung und der überwiegend griechischen Bevölkerung. Die italienische Herrschaft war Teil der italienischen Kolonialpolitik im Dodekanes, den Italien seit dem Italienisch-Osmanischen Krieg kontrollierte. Kastellorizo wurde damit in ein Verwaltungssystem eingegliedert, das seinen Schwerpunkt auf Rhodos hatte und die Dodekanesinseln politisch und wirtschaftlich enger an Italien band.

Die italienische Herrschaft hatte erhebliche Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung Kastellorizos. Ein großer Teil der Einwohner verließ während dieser Zeit die Insel. Die Auswanderung richtete sich vor allem nach Australien, wo sich Gemeinden von Kastellorizern bildeten. Die Abwanderung war ein wesentlicher Faktor für den langfristigen Bevölkerungsrückgang. Neben den politischen Spannungen spielten dabei auch die begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten der kleinen Insel eine Rolle. Die traditionelle maritime Orientierung der Bevölkerung erleichterte die Auswanderung in andere Länder, insbesondere in Gebiete, in denen bereits Verwandte und andere Bewohner von Kastellorizo lebten.

Trotz der politischen Spannungen besaß Kastellorizo während der italienischen Verwaltung eine wichtige Funktion im Luftverkehr des östlichen Mittelmeers. In den 1930er-Jahren wurde die geschützte Hafenbucht der Insel von Wasserflugzeugen als Zwischenstation genutzt. Sowohl Flugzeuge der italienischen beziehungsweise späteren europäischen Luftverkehrsnetze als auch Maschinen von Air France nutzten die Bucht als technischen und logistischen Zwischenstopp auf Verbindungen nach Afrika und in den Nahen Osten. Die Lage Kastellorizos war hierfür besonders geeignet, da die Insel nahe der kleinasiatischen Küste und an den Verkehrswegen zwischen Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika lag. Die Wasserflugzeuge konnten auf der Bucht landen und von dort ihre Flüge fortsetzen.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs änderte sich die strategische Situation erneut. Italien war zunächst mit Großbritannien und Frankreich verfeindet beziehungsweise Teil der Achsenmächte, während die Briten versuchten, die italienische Kontrolle über die strategisch wichtigen Inseln des östlichen Mittelmeers zu schwächen. Anfang 1941 führten britische Kräfte die Operation Abstention durch, deren Ziel unter anderem die Einnahme von Kastellorizo war. Der Versuch scheiterte jedoch. Die britischen Truppen konnten ihre Stellung auf der Insel nicht dauerhaft behaupten und mussten sich wieder zurückziehen. Damit blieb Kastellorizo zunächst unter italienischer Kontrolle.

Die Lage veränderte sich grundlegend im September 1943. Nach der italienischen Kapitulation zerfiel die bisherige politische Ordnung auf den Dodekanesinseln. Die britischen Streitkräfte nutzten die Situation und besetzten Kastellorizo. Die Insel wurde damit erneut zu einem britischen Militärstützpunkt. Die Besetzung war jedoch mit erheblichen Belastungen für die Zivilbevölkerung verbunden. Die verbliebenen Bewohner wurden evakuiert beziehungsweise zum Verlassen der Insel gezwungen. Ein großer Teil der Bevölkerung wurde über Zypern, Ägypten und Palästina verteilt. Damit wurde die ohnehin durch die Auswanderung während der italienischen Herrschaft stark verringerte Bevölkerung von Kastellorizo erneut auseinandergerissen.

Die Evakuierung hatte für die Inselbevölkerung besonders schwerwiegende Folgen, weil Kastellorizo zu diesem Zeitpunkt bereits einen erheblichen Teil seiner ursprünglichen Einwohner verloren hatte. Viele Bewohner konnten nicht auf die Insel zurückkehren, solange die militärische Lage unsicher blieb. Die Bevölkerung befand sich dadurch während der letzten Kriegsjahre an verschiedenen Orten des östlichen Mittelmeerraums. Kastellorizo selbst wurde während dieser Zeit zu einem nahezu ausschließlich militärisch bestimmten Raum.

Im Sommer 1944 wurde Kastellorizo während eines deutschen Angriffs von den britischen Truppen aufgegeben. Der Rückzug führte zu einer der schwersten Katastrophen in der Geschichte der Insel. Während der Evakuierung beziehungsweise des britischen Abzugs geriet ein Munitionslager in Brand. Das Feuer breitete sich aus und führte zu einer gewaltigen Explosion. Dabei wurde mehr als die Hälfte der Häuser von Kastellorizo zerstört. Die bereits durch Krieg, Besatzung, Evakuierung und Auswanderung geschwächte Insel erlitt dadurch einen weiteren schweren Bevölkerungs- und Substanzverlust.

Die Zerstörung von 1944 veränderte das Erscheinungsbild des Hauptortes nachhaltig. Zahlreiche Wohnhäuser und andere Gebäude gingen verloren oder wurden schwer beschädigt. Da ein großer Teil der Bevölkerung weiterhin außerhalb der Insel lebte, konnte der Wiederaufbau zunächst nur eingeschränkt erfolgen. Kastellorizo befand sich am Ende des Zweiten Weltkriegs daher in einer äußerst schwierigen Lage: Die Insel war wirtschaftlich geschwächt, ein großer Teil der Bevölkerung war ausgewandert oder evakuiert worden, und ein erheblicher Teil der baulichen Substanz war zerstört.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb Kastellorizo zunächst unter britischer Kontrolle. Rund 300 der zuvor umgesiedelten Bewohner wollten im Oktober 1945 auf die Insel zurückkehren. Bei einem Feuer auf ihrem Schiff kamen jedoch 35 Menschen um. Als die Überlebenden zwei Monate später die Insel erreichten, fanden sie ihre Häuser zerstört und geplündert vor. Viele von ihnen entschlossen sich daraufhin endgültig zur Auswanderung.

Die endgültige politische Neuordnung des Dodekanes wurde im Rahmen der internationalen Friedensregelungen nach dem Krieg vorgenommen. Der Friedensvertrag von Paris vom 10. Februar 1947 sah die Abtretung der Dodekanesinseln durch Italien an Griechenland vor. Dazu gehörte auch Kastellorizo. Die griechische Souveränität wurde 1947 völkerrechtlich festgelegt und 1948 tatsächlich umgesetzt. Am 7. März 1948 erfolgte die offizielle Eingliederung des Dodekanes in den griechischen Staat.

Moderne Zeit

Für den griechischen Staat war Kastellorizo aufgrund seiner außergewöhnlichen Lage unmittelbar vor der türkischen Küste von besonderer strategischer Bedeutung. Anders als viele andere kleine griechische Inseln war Kastellorizo deshalb auch nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder Gegenstand der griechisch-türkischen Auseinandersetzungen über Hoheitsrechte und Seegrenzen. Die geringe Entfernung zur türkischen Küste – Kastellorizo liegt nur wenige Kilometer von der lykischen Küste entfernt – verlieh der Insel dabei eine Bedeutung, die in keinem Verhältnis zu ihrer geringen Fläche und Einwohnerzahl steht.

Der griechische Staat unterstützte die Inselbevölkerung seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in erheblichem Umfang. Diese staatliche Unterstützung hatte nicht nur soziale und wirtschaftliche Gründe, sondern stand auch im Zusammenhang mit der politischen Bedeutung der dauerhaften griechischen Besiedlung. Angesichts der unmittelbaren Nähe zur Türkei wurde die Aufrechterhaltung einer ständigen Bevölkerung auf Kastellorizo als Ausdruck der griechischen staatlichen Präsenz betrachtet. Staatliche Mittel flossen deshalb unter anderem in die öffentliche Infrastruktur, die Verkehrsverbindungen, die Versorgung und die Aufrechterhaltung grundlegender Dienstleistungen. Für eine kleine und abgelegene Insel mit einer nur geringen Einwohnerzahl wären viele dieser Leistungen unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten nur schwer aufrechtzuerhalten.

Besonders deutlich zeigte sich dies im Bildungs- und Gesundheitsbereich. Die wenigen auf der Insel lebenden schulpflichtigen Kinder konnten trotz der geringen Bevölkerungszahl weiterhin vor Ort betreut werden. Auch die medizinische Versorgung wurde staatlich unterstützt. Dadurch verfügte Kastellorizo zeitweise über eine für eine so kleine Insel vergleichsweise gute Grundversorgung. Ähnliches galt für die Verkehrsverbindungen. Fähr- und Flugverbindungen wurden beziehungsweise werden staatlich unterstützt, damit die Insel regelmäßig mit dem griechischen Festland und anderen Inseln verbunden bleibt und die Versorgung der Bevölkerung gewährleistet werden kann.

Ein Symbol für die griechische Präsenz in diesem äußersten Randbereich des griechischen Staatsgebietes wurde Despina Achladioti, die als „Frau von Ro“ bekannt wurde. Sie lebte auf der kleinen, westlich von Kastellorizo gelegenen Insel Ro und wurde durch ihre demonstrative Verbundenheit mit Griechenland zu einer weithin bekannten Persönlichkeit. Achladioti war Schäferin und lebte über viele Jahre praktisch allein auf Ro. Sie hisste täglich die griechische Flagge und holte sie am Abend wieder ein. Die Flagge war von der türkischen Küste aus sichtbar und wurde dadurch zu einem Symbol der griechischen Präsenz in dem politisch sensiblen Seegebiet. Despina Achladioti starb 1982. Ihr Leben und ihre tägliche Flaggenzeremonie wurden anschließend zu einem Bestandteil der Erinnerungskultur von Kastellorizo und der griechischen Darstellung der Inselgruppe.

Die politische Bedeutung der Region nahm insbesondere in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und zu Beginn des 21. Jahrhunderts erneut zu. Die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei waren wiederholt von Konflikten über Hoheitsrechte, den Verlauf von Seegrenzen und die Rechte an den umliegenden Gewässern geprägt. Kastellorizo nahm dabei aufgrund seiner Lage eine besondere Stellung ein. Die Insel selbst ist zwar klein, doch ihre Lage vor der türkischen Küste ist für die Frage der maritimen Zonen im östlichen Mittelmeer von großer Bedeutung. Die griechische Politik hielt deshalb an der dauerhaften Besiedlung und der wirtschaftlichen Unterstützung der Insel fest.

Parallel zu diesen politischen Entwicklungen setzte sich der langfristige Bevölkerungsrückgang fort. Die Auswanderung, die bereits während der italienischen Herrschaft eingesetzt und sich durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs verstärkt hatte, führte dazu, dass ein erheblicher Teil der ursprünglichen Bevölkerung dauerhaft außerhalb der Insel lebte. Eine besonders große Gemeinschaft entstand in Australien. Die Nachkommen der aus Kastellorizo ausgewanderten Familien werden dort häufig als „Kassies“ bezeichnet. Für die Geschichte der Insel ist diese Diaspora von großer Bedeutung, weil familiäre und kulturelle Verbindungen zwischen Kastellorizo und Australien bis heute bestehen. Die Angaben über die Größe dieser Gemeinschaft unterscheiden sich je nach Definition, doch wird die Zahl der Nachkommen der Kastellorizer in Australien häufig mit etwa 10.000 angegeben.

Trotz des starken Bevölkerungsverlustes blieb Kastellorizo damit nicht vollständig von seinen ehemaligen Bewohnern und deren Nachkommen getrennt. Ein Teil der ausgewanderten Familien hielt Verbindungen zur Insel aufrecht und kehrte zeitweise oder dauerhaft zurück. Gleichzeitig kamen im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert auch Ausländer nach Kastellorizo, unter ihnen insbesondere Italiener. Dadurch entstand neben der traditionellen griechischen Bevölkerung eine kleine internationale Wohnbevölkerung.

Der bauliche Zustand des Hauptortes veränderte sich ebenfalls. Noch gegen Ende des 20. Jahrhunderts und zu Beginn des 21. Jahrhunderts wirkte ein großer Teil des Ortes verlassen. Zahlreiche Häuser waren beschädigt, standen leer oder waren zu Ruinen verfallen. Die Folgen des Krieges, der Bevölkerungsverluste und der jahrzehntelangen Abwanderung waren im Ortsbild deutlich sichtbar. In den folgenden Jahrzehnten setzte jedoch eine schrittweise Wiederbelebung ein. Alte Wohnhäuser und andere historische Gebäude wurden restauriert und teilweise wieder dauerhaft genutzt. Besonders der Bereich unmittelbar am Hafen wurde aufwendig instand gesetzt. Dabei kamen auch staatliche Fördermittel zum Einsatz.

Der wiederhergestellte Ortskern bildet heute einen deutlichen Gegensatz zu den Bereichen außerhalb des Hafenzentrums. Während die Gebäude am Wasser teilweise sorgfältig restauriert wurden und wieder genutzt werden, befinden sich in anderen Teilen des Ortes weiterhin zahlreiche verfallene oder unbewohnte Häuser. Die Ruinen sind teilweise von Vegetation überwuchert und treten dadurch im heutigen Ortsbild weniger stark hervor. Die Restaurierung hat damit zwar einen Teil des historischen Charakters des Ortes erhalten, die Folgen des jahrzehntelangen Bevölkerungsrückgangs sind jedoch weiterhin erkennbar.

Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts und verstärkt im 21. Jahrhundert gewann außerdem der Tourismus an Bedeutung. Kastellorizo entwickelte sich nicht zu einem Massentourismusziel wie einige größere griechische Inseln, sondern blieb ein vergleichsweise kleiner und saisonal geprägter Fremdenverkehrsort. Seine Anziehungskraft beruht insbesondere auf der abgelegenen Lage, der Nähe zur türkischen Küste, dem historischen Ortsbild, den restaurierten Häusern, der Hafenbucht und den landschaftlichen Besonderheiten der Insel und ihrer Umgebung. Mit der Zunahme des Tourismus entstanden zusätzliche Unterkünfte, Restaurants und andere Dienstleistungen. Der Fremdenverkehr stellt heute einen wichtigen Bestandteil der lokalen Wirtschaft dar, ersetzt jedoch nicht vollständig die Bedeutung der staatlichen Unterstützung.

Die besondere politische Stellung Kastellorizos zeigte sich auch bei mehreren hochrangigen politischen Treffen. Im Frühjahr 2003 war der Hafen der Insel Schauplatz eines Treffens der Außenminister der Europäischen Union während der griechischen EU-Ratspräsidentschaft. Die Wahl Kastellorizos für ein solches Treffen hatte eine starke symbolische Wirkung. Die Insel wurde dadurch als östlichster Teil des griechischen Staatsgebiets und als unmittelbarer Berührungspunkt zwischen der Europäischen Union und der türkischen Küste in den Mittelpunkt gerückt.

Am 22. April 2010 besuchte der damalige griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou Kastellorizo im Zusammenhang mit der damaligen schweren Finanz- und Staatsschuldenkrise Griechenlands. Von der Insel aus wurde die Aktivierung des Unterstützungsmechanismus für die griechische Wirtschaft durch die Europäische Union und den Internationalen Währungsfonds angekündigt beziehungsweise politisch vollzogen. Auch dieses Ereignis besaß eine erhebliche symbolische Bedeutung, da Kastellorizo als äußerster Rand des griechischen Staatsgebiets für die politische Botschaft genutzt wurde.

Die Verwaltungsstruktur der Insel blieb bei der großen griechischen Verwaltungsreform des Kallikratis-Programms weitgehend unverändert. Mit der Umsetzung der Reform im Jahr 2011 wurde die bisherige kommunale Stellung von Kastellorizo nicht grundlegend verändert. Die Gemeinde Kastellorizo blieb als eigenständige Gemeinde bestehen. Damit wurde berücksichtigt, dass die besondere geografische Lage, die geringe Einwohnerzahl und die große Entfernung zu den übrigen Teilen des griechischen Staatsgebiets eine eigenständige kommunale Verwaltung rechtfertigten.

In den folgenden Jahren blieb die Insel sowohl politisch als auch wirtschaftlich von ihrer Randlage geprägt. Die staatliche Unterstützung für Verkehr, Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen blieb ein wesentlicher Bestandteil des Insellebens. Gleichzeitig entwickelte sich der Tourismus weiter, während restaurierte historische Gebäude zunehmend wieder genutzt wurden. Die Insel konnte dadurch einen Teil ihrer baulichen Substanz erhalten und neue wirtschaftliche Aktivitäten entwickeln.

Die COVID-19-Pandemie ab 2020 stellte auch Kastellorizo vor besondere Herausforderungen. Die geringe Einwohnerzahl und die Abhängigkeit von regelmäßigen Verkehrsverbindungen machten die Insel besonders empfindlich gegenüber Unterbrechungen des Reiseverkehrs. Gleichzeitig war die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung wegen der begrenzten lokalen Möglichkeiten von besonderer Bedeutung. Wie auf anderen kleinen griechischen Inseln beeinflusste die Pandemie vor allem den saisonalen Tourismus und die Verkehrsverbindungen. Mit der Lockerung der Reisebeschränkungen kehrte der Fremdenverkehr anschließend schrittweise zurück.

Heute ist Kastellorizo eine kleine griechische Inselgemeinde mit einer im Vergleich zur historischen Bevölkerung stark reduzierten Einwohnerzahl. Das heutige Erscheinungsbild ist das Ergebnis einer ungewöhnlich wechselvollen Geschichte: Die jahrhundertelange osmanische Herrschaft, der Aufstand von 1913, die französische Besetzung im Ersten Weltkrieg, die italienische Verwaltung, die britische Besetzung im Zweiten Weltkrieg, die Evakuierung der Bevölkerung, die Zerstörung von 1944 und die Eingliederung in Griechenland 1948 haben die Entwicklung der Insel nachhaltig geprägt. Hinzu kamen die jahrzehntelange Auswanderung und der damit verbundene Bevölkerungsverlust.

Gleichzeitig ist Kastellorizo heute stärker als früher in das politische und wirtschaftliche System Griechenlands eingebunden. Die staatliche Unterstützung ermöglicht trotz der geringen Einwohnerzahl die Aufrechterhaltung von Schule, medizinischer Versorgung, Verkehr und grundlegender Infrastruktur. Die historische Bausubstanz wird teilweise restauriert, der Hafenbereich ist wieder belebt und der Tourismus hat sich als zusätzliche Einnahmequelle etabliert. Die große Diaspora, insbesondere in Australien, hält weiterhin Verbindungen zur Insel aufrecht. Dadurch besteht Kastellorizo heute aus einer kleinen ständigen Bevölkerung, einer größeren Gemeinschaft von Nachkommen ehemaliger Inselbewohner im Ausland, saisonalen Besuchern und einer kleinen Zahl zugewanderter Ausländer.

Verwaltung

Kastellorizo ist eine Inselgemeinde im griechischen Dodekanes, Gemeindebezirk Rhodos, Region Südliche Ägäis. Es ist die kleinste Gemeinde der Republik Griechenland.


Herrschaftsgeschichte

  • um -400 bis -164 Stadtstaat Rhodos (Polis Rodou)
  • -164 bis -27 Römische Republik (Res publica)
  • -27 bis 74 Provinz Asien (Provincia Asia) im Römischen Reich (Imperium Romanum)
  • 74 bis 293 Provinz Lykien und Pamphylien (Provincia Lycia et Pamphylia) im Römischen Reich (Imperium Romanum)
  • 293 bis 395 Provinz Inseln (Provincia Insulae) im Römischen Reich (Imperium Romanum)
  • 17. Januar 395 bis 1306 Oströmisches bzw. Byzantinisches Reich (Basileia tōn Rhōmaiōn)
  • 1306 bis 1440 Johanniterorden (Ordo Hospitalis sancti Johannis Ierosolimitan)
  • 1440 bis 1450 Mameluken-Sultanat Ägypten bzw. Staat der Tscherkessen (Dawlat al-Jarākisa)
  • 1450 bis 1512 Königreich Aragon-Neapel (Regnum Neapolitanum bzw. Regno di Napoli)
  • 1512 bis 14. März 1913 Osmanisches Reich (Devlet-i ʿOs̲mānīye)
  • 14. März 1913 bis 1. März 1921 Republik Frankreich (République française)
  • 1. März 1921 bis September 1943 Italienische Ägäisinseln (Isole Italiane dell’Egeo) des Königreichs Italien (Regno d’Italia)
  • September 1943 bis 8 Mai 1945 Deutsches Reich
  • 8. Mai 1945 bis 7. März 1948 Protektorat Dodekanes (Protectorate Dodecanese) des Vereinigten Königreichs (United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland)
  • 7. März 1948 bis 8. Dezember 1974 Präfektur Dodekanes (Nomós Dodekanísou) im Königreich Griechenland (Vasíleion tis Elládos)
  • 8. Dezember 1974 bis 31. Dezember 2010 Präfektur Dodekanes (Nomós Dodekanísou) der Republik Griechenland (Ellinikí Dimokratía)
  • seit 1. Januar 2011 Region Südliche Ägäis (Periféria Nótio Aigaío) in der Republik Griechenland (Ellinikí Dimokratía)

Legislative und Exekutive

Kastellorizo gehört als Gemeinde Megisti (Δήμος Μεγίστης) zur Region Südliche Ägäis (Περιφέρεια Νοτίου Αιγαίου) und damit zum griechischen System der kommunalen Selbstverwaltung. Die Gemeinde Megisti ist ein eigenständiger Gemeindeverband und wurde durch das Kallikratis-Programm von 2010 nicht mit einer anderen Gemeinde zusammengelegt. Im Dodekanes gehört sie damit zu den kleinen Inselgemeinden, die ihre eigenständige kommunale Verwaltung behalten haben.

Die Exekutive wird vom Bürgermeister (Δήμαρχος) und den kommunalen Verwaltungsorganen ausgeübt. Bürgermeister und Gemeinderat werden von der Bevölkerung im Rahmen der griechischen Kommunalwahlen gewählt. Aufgrund der sehr kleinen Einwohnerzahl ist die Kommunalpolitik stark auf örtliche Kandidaten und Wahllisten ausgerichtet. Die Gemeinde umfasst nur eine dauerhaft bewohnte Siedlung, sodass die kommunale Verwaltung praktisch die gesamte bewohnte Insel betrifft.

Der Bürgermeister ist zugleich das wichtigste exekutive Organ der Gemeinde. Er vertritt Megisti nach außen, führt die Beschlüsse des Gemeinderats aus und ist für die Organisation der kommunalen Verwaltung und die Wahrnehmung der gesetzlichen Gemeindeaufgaben verantwortlich. Die Gemeinde unterhält dafür eine eigene kommunale Verwaltung und arbeitet bei Aufgaben, die ihre eigenen personellen oder technischen Möglichkeiten übersteigen, mit den Behörden der Region Südliche Ägäis und des griechischen Zentralstaates zusammen.

Auf regionaler Ebene ist Kastellorizo Teil der Region Südliche Ägäis. Der Regionalrat und der Regionalgouverneur nehmen Aufgaben wahr, die nicht in die Zuständigkeit der Gemeinde fallen, insbesondere in Bereichen wie regionale Infrastruktur, Verkehr, Gesundheits- und Katastrophenschutz sowie regionale Entwicklungsplanung. Die Gemeinde Megisti besitzt somit kommunale Selbstverwaltung, ist aber zugleich in die staatliche und regionale Verwaltungsstruktur Griechenlands eingebunden.Die legislative Funktion auf kommunaler Ebene liegt beim Gemeinderat (Δημοτικό Συμβούλιο). Er beschließt innerhalb der gesetzlich festgelegten kommunalen Zuständigkeiten unter anderem den Haushalt, kommunale Abgaben und Gebühren, örtliche Regelungen sowie Maßnahmen für Infrastruktur, Versorgung, Umwelt und die kommunalen Einrichtungen. Die allgemeinen Aufgaben und die Organisation der griechischen Gemeinden sind im Gesetz 3852/2010 („Kallikratis“) und seinen späteren Änderung

Inseloberhaupt

Höchster Repräsentaht der Insel ist der Bürgermeister.


Bürgermeister von Megiste:

  • 1967 - 197?  Michael Christ. Konstantinos Konstantinos Par. Konstantin Mayafi
  • 1975 - 1986  Ioannis Kizalas (erster gewählter Bürgermeister nach der Unabhängigkeit)
  • 1987 - 1990  Michael Chondros       
  • 1991 - 1994  Nikolaos Karavelatzis
  • 1994 - 2019  Pavlos Panigyris (geboren 1956, gestorben am 22. Oktober 2019 in Athen)
  • seit 1 Sep 2019  Georgios Samsakos

Politische Gruppierungen

Bei den Kommunalwahlen vom 8. Oktober 2023 traten in der Gemeinde Megisti drei Listen an: „Βήμα στο Αύριο“ („Schritt in die Zukunft“), „Μεγίστη Ανανέωση“ („Megisti-Erneuerung“) und „Καστελλόριζο Μπροστά“ („Kastellorizo voran“). „Βήμα στο Αύριο“ wurde von Nikolaos Asvestis (Νικόλαος Ασβέστης) geführt. Im Mittelpunkt seines Wahlprogramms standen vor allem die Verbesserung der kommunalen Infrastruktur, Gesundheitsversorgung, Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft. Asvestis kritisierte zugleich eine Vernachlässigung der Insel durch übergeordnete staatliche Stellen. Er ist inzwischen Bürgermeister von Megisti; die offizielle Gemeindeseite führt ihn als amtierenden Bürgermeister.

„Μεγίστη Ανανέωση“ wurde von Maria Kokala (Μαρία Κοκάλα) angeführt. Die Liste entstand aus einem kommunalpolitischen und bürgerschaftlichen Umfeld, das sich unter anderem gegen ein geplantes größeres Hafenprojekt gewandt hatte. Kokala und weitere aktive Einwohner erreichten über den Staatsrat (Συμβούλιο της Επικρατείας) die Verhinderung des umstrittenen Projekts. Ihr Wahlprogramm stellte ein „nachhaltiges Kastellorizo“ in den Mittelpunkt und verband soziale Dienstleistungen, Lebensqualität, Schutz des traditionellen Ortsbildes, Umweltschutz und Unterstützung der lokalen Wirtschaft.

Die dritte Liste, „Καστελλόριζο Μπροστά“, trat ebenfalls als eigenständige kommunale Gruppierung an. Die Wahlergebnisse von 2023 zeigen damit eine lokale politische Konkurrenz zwischen drei Bürgerlisten und nicht zwischen klassischen Parteiorganisationen. Die Kandidatenlisten enthielten jeweils zahlreiche örtliche Persönlichkeiten; die politische Auseinandersetzung konzentrierte sich entsprechend stark auf konkrete Fragen der kommunalen Entwicklung.

Justizwesen und Kriminalität

Für die gerichtliche Zuständigkeit ist das Gerichtssystem von Rhodos maßgeblich; das zuständige Berufungsgericht ist das Εφετείο Δωδεκανήσου (Berufungsgericht des Dodekanes). Auf der Insel selbst besteht eine Polizeidienststelle, das Αστυνομικό Τμήμα Μεγίστης (Polizeirevier Megisti). Die Dienststelle befindet sich in Kastellorizo und gehört zur Polizeidirektion des Dodekanes. Die griechische Polizei führt das Polizeirevier Megisti weiterhin als eigene Dienststelle; in einem offiziellen Verzeichnis werden dort auch Diensträume und Arrestzellen ausgewiesen.

Daneben besitzt Kastellorizo einen eigenen Λιμενικός Σταθμός Μεγίστης (Hafenpolizeistation Megisti) des griechischen Küstenwach- und Hafenpolizeikorps. Seine Aufgaben umfassen insbesondere die Überwachung des Hafens und der Seegrenze, die Kontrolle der Schifffahrt, Maßnahmen zur Gefahrenabwehr sowie die Durchsetzung der Vorschriften des griechischen Seerechts. Die Hafenpolizei spielt wegen der unmittelbaren Nähe zur türkischen Küste und des internationalen Schiffsverkehrs eine besondere Rolle.

Die Strafverfolgung auf Kastellorizo wird bei schwereren oder überregional bedeutsamen Fällen durch Dienststellen auf Rhodos unterstützt. So übernahmen 2020 bei einer auf der Insel aufgedeckten Spionageaffäre die Unterdirektion für Sicherheit auf Rhodos und die Staatssicherheit in Zusammenarbeit mit dem griechischen Nachrichtendienst die weiteren Ermittlungen.

Die öffentlich bekannt gewordenen Straftaten zeigen, dass auch auf der kleinen Insel Delikte vorkommen, ohne dass sich daraus eine außergewöhnlich hohe Kriminalitätsbelastung ableiten lässt. Im April 2026 wurden auf Kastellorizo zwei Personen wegen des Besitzes von insgesamt 17 Gramm Cannabis festgenommen. Im selben Zeitraum ermittelten Polizeikräfte aus Rhodos außerdem wegen eines Einbruchs in ein Wohnhaus auf der Insel, bei dem Bargeld und Wertgegenstände im Wert von etwa 100.000 Euro erbeutet worden sein sollen.

Daneben gab es in den vergangenen Jahren einzelne schwerwiegendere Fälle mit internationalem beziehungsweise grenzüberschreitendem Bezug. Im Juni 2021 nahm die Hafenpolizei auf Kastellorizo zwei türkische Staatsangehörige fest, die nach den Ermittlungen versucht hatten, ein Boot der griechischen Küstenwache zu rammen. Das Verfahren wurde anschließend von den Justizbehörden auf Rhodos geführt; 2022 verhängte das Dreisitzer-Berufungsgericht des Dodekanes wegen gefährlicher Eingriffe in den Schiffsverkehr und illegaler Einreise Freiheitsstrafen auf Bewährung.

Internationale Politik

Partnerstädte von Kastellorizo sind Perth (Western Australia, Australien) und Antalya (Türkei).

Flagge und Wappen

Kastellorizo besitzt eine eigene historische Flagge, die zugleich als heutiges Symbol der Insel und der Gemeinde Megisti verwendet wird. Die Flagge geht auf die Zeit des griechischen Unabhängigkeitskampfes zurück und wurde auf Kastellorizo bereits 1821 verwendet. Die historische Ausführung besteht aus einem weißen Tuch mit blauem Rand. In der Mitte befinden sich ein Herz, ein Kreuz und ein gekreuzter Anker. Die drei Symbole stehen traditionell für Liebe, Glauben und Hoffnung. Über beziehungsweise neben dem zentralen Symbol erscheinen die Bezeichnungen „ΜΕΓΙΣΤΗ“ und „ΚΑΣΤΕΛΟΡΙΖΟ“.

Die heute gebräuchliche Darstellung übernimmt die gleichen Grundelemente. Das zentrale Zeichen besteht aus einem Herzen, über dem ein Kreuz und ein Schiffsanker gekreuzt angeordnet sind. Die moderne Ausführung verwendet dabei neben Schwarz und Rot beziehungsweise Braun auch die historische Beschriftung. Die Flagge unterscheidet sich damit deutlich von der griechischen Staatsflagge und besitzt eine eigenständige lokale Symbolik.

Ein eigenständiges Wappen im klassischen heraldischen Sinn ist von der Gemeinde Megisti nicht in derselben Weise dokumentiert wie die Flagge. Das zentrale Emblem der Flagge – Herz, Kreuz und Anker – wird jedoch als Wappen- beziehungsweise Gemeindesymbol von Kastellorizo verwendet. In Darstellungen des Gemeindesiegels erscheint dieses Motiv als charakteristisches Zeichen der Gemeinde.

Die Symbolik verbindet die religiöse Tradition der griechisch-orthodoxen Inselbevölkerung mit der jahrhundertealten Bedeutung der Seefahrt. Das Kreuz verweist auf den christlichen Glauben, der Anker auf die maritime Geschichte Kastellorizos und das Herz auf die Liebe. Die Verbindung dieser drei Zeichen wurde bereits mit der historischen Flagge von 1821 überliefert.

Hauptort

Der Hauptort von Kastellorizo trägt offiziell ebenfalls den Namen Megisti, griechisch Μεγίστη [Megísti], und ist zugleich der einzige dauerhaft bewohnte Ort der Insel. Die Gemeinde Megisti bezeichnet die Insel ausdrücklich als eine einzige Siedlung, die sich um den zentralen Hafen und den kleineren Hafen Mandraki erstreckt. Die Gemeinde hatte bei der Volkszählung 2011 insgesamt 498 Einwohner; eine gesonderte zweite Ortschaft existiert auf der Insel nicht.

Der Ort liegt an der Nordostküste in und um den großen natürlichen Hafen von Kastellorizo. Das Siedlungsgebiet zieht sich am Ufer entlang und steigt an den Hängen hinter dem Hafen an. Der kleinere Hafen Mandraki liegt westlich beziehungsweise südwestlich des Hauptortes und ist in die zusammenhängende Siedlungsstruktur einbezogen. Dadurch bildet der Hafen mit der daran anschließenden Bebauung das eigentliche Zentrum des gesamten Inselortes.

Das Ortsbild wird wesentlich durch historische Wohn- und Geschäftshäuser geprägt. Besonders charakteristisch sind zwei- und dreigeschossige Gebäude mit farbigen Fassaden, Ziegeldächern, Balkonen und großen Fenstern. Die Gebäude stehen dicht entlang der Uferzone und an den dahinterliegenden Straßen und Wegen. Die Architektur geht überwiegend auf die wirtschaftliche Blütezeit des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurück, als Kastellorizo über eine bedeutende Handels- und Schifffahrtstätigkeit verfügte.

Oberhalb des Hafens befindet sich auf einem rötlichen Felsen die mittelalterliche Festungsanlage Kastello Rosso. Sie wurde von den Johannitern errichtet und gab der Insel ihren heutigen Namen Kastellorizo beziehungsweise Castello Rosso. Unterhalb der Festung liegt das Archäologische Museum. Weitere historische Bauwerke und Anlagen befinden sich innerhalb beziehungsweise am Rand des Ortes, darunter die ehemalige Moschee, in der heute das Volkskundemuseum untergebracht ist.

Zum historischen Siedlungsbereich gehört außerdem die antike Akropolis von Megisti auf dem Hügel Palaiokastro. Die Anlage entstand im 4. Jahrhundert v. Chr. und wurde im Mittelalter an ihren Befestigungen erweitert. Sie liegt außerhalb des dicht bebauten Hafenbereichs, gehört aber zum historischen Umfeld des heutigen Hauptortes.

Der Hafen ist bis heute das funktionale Zentrum von Megisti. Hier konzentrieren sich die Anlegestellen für die Fährverbindungen, Ausflugs- und Wassertaxis sowie ein großer Teil der gastronomischen und touristischen Einrichtungen. Die Insel ist von Rhodos aus mit Fährschiffen und im Sommer mit einem Schnellkatamaran erreichbar; außerdem besteht ganzjährig eine Flugverbindung von Rhodos zum Flughafen Kastellorizo.

Verwaltungsgliederung

Die Inselgemeinde besteht aus insgesamt 10 Inseln.


           Verwaltungsgliederung:

           10 nisoi (Inseln)

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl stieg von 4.871 in den 1880er Jahren an und erreichte 1908 mit geschätzten 9.000 Einwohnern ihren Höhepunkt. Damals war Kastellorizo noch der einzige sichere Hafen auf der Strecke zwischen Makri (dem heutigen Fethiye) und Beirut, dessen Segelschiffe Produkte aus Anatolien (Kohle, Holz, Valonia, Pinienrinde) gegen ägyptische Waren (Reis, Zucker, Kaffee, Gewebe und Garne) eintauschten und anatolisches Getreide nach Rhodos und Zypern brachten. Auf der Insel florierte auch die Produktion von Holzkohle (die in Alexandria sehr begehrt war und dort für die Herstellung von Narghile verwendet wurde), und die Fischerei - vor allem von Meeresschwämmen - war ebenfalls wichtig.

Nach 1908 setzte der wirtschaftliche Niedergang der Insel ein, der durch den Niedergang des Osmanischen Reiches und den Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei im Jahr 1923 beschleunigt wurde. In den späten 1920er Jahren sank die Einwohnerzahl der Insel auf 3.000, während etwa 8.000 Einwohner im Ausland lebten, vor allem in Australien, Ägypten, Griechenland und den USA. Zu dieser Zeit hatte die Stadt 730 bewohnte Häuser, während 675 bereits leer standen und viele verfallen waren.

Bei der Volkszählung von 1951 sank die Einwohnerzahl weiter auf 584 und erreichte bei der Volkszählung von 1981 einen Tiefstand von 222, bevor sie bei der Volkszählung von 2021 langsam wieder auf 594 anstieg, die alle in der Stadt Megísti leben. Zur Gemeinde gehören auch die Inseln Ro und Strongyli, beide ohne ständige Einwohner. Viele der Auswanderer leben in Australien (insbesondere in Perth und Sydney), wo sie als „Kazzies“ bekannt sind. Im Folgenden die Entwicklung der Einwohnerzahl samt Dichte (E/km²), bezogen auf die Fläche von 11,978 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1889                4 871           406,60

           1908                9 000           751,38

           1928                3 000           250,46

           1951                   584               48,76

           1961                   476               39,74

           1971                   254               21,21

           1981                   222               18,53

           1991                   275               22,96

           2000                   405               33,81

           2001                   406               33,90

           2002                   410               34,23

           2003                   410               34,23

           2004                   410               34,23

           2005                   410               34,23

           2006                   410               34,23

           2007                   430               35,90

           2008                   450               37,57

           2009                   470               39,24

           2010                   480               40,07

           2011                   490               40,91

           2012                   500               41,74

           2013                   510               42,59

           2014                   520               43,41

           2015                   530               44.25

           2016                   540               45,08

           2017                   550               45,91

           2018                   560               46,75

           2019                   570               47,59

           2020                   580               48,42

           2021                   587               49,01

           2022                   594               49,59

           2023                   600               50,09

           2024                   610               50,93

           2025                   620               51,76

Volksgruppen

Bereits während der osmanischen Herrschaft bildeten die griechischsprachigen und griechisch-orthodoxen Einwohner die mit Abstand größte Bevölkerungsgruppe. Die osmanische Volkszählung von 1881/82 bis 1893 weist für den damaligen Kaza von Kastellorizo 4.871 Einwohner aus, darunter 4.635 Griechen, 225 Muslime, sechs Juden und fünf ausländische Staatsangehörige. Damit stellten die Griechen rund 95,2 % der Gesamtbevölkerung.

Die griechische Bevölkerung von Kastellorizo gehört traditionell zur kleinasiatisch-ägäischen griechischen Bevölkerung und entwickelte eine eigene insulare Identität. Ihre kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen waren durch die Lage der Insel sowohl auf die anderen griechischen Inseln als auch auf die gegenüberliegende kleinasiatische Küste ausgerichtet. Trotz der jahrhundertelangen Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich blieb die griechische Sprache ebenso erhalten wie die griechisch-orthodoxe religiöse Tradition.

Die muslimische Bevölkerung bildete während der osmanischen Zeit eine kleine Minderheit. Nach der genannten Volkszählung lebten 225 Muslime im Kaza von Kastellorizo. Ihre Anwesenheit stand mit der osmanischen Verwaltung und den politischen und wirtschaftlichen Verbindungen zur kleinasiatischen Küste in Zusammenhang. Mit dem Ende der osmanischen Herrschaft und den politischen Veränderungen des frühen 20. Jahrhunderts verschwand diese Bevölkerungsgruppe weitgehend aus dem dauerhaften Bevölkerungsbild der Insel.

Daneben gab es während der osmanischen Zeit eine sehr kleine jüdische Gemeinschaft. Die Volkszählung von 1881/82 bis 1893 nennt sechs jüdische Einwohner. Auch diese Gruppe blieb zahlenmäßig unbedeutend und hinterließ im Vergleich zur griechischen Bevölkerungsmehrheit keinen vergleichbaren prägenden Einfluss auf die spätere Bevölkerungsstruktur.

Die Kriegs- und Besatzungszeit des 20. Jahrhunderts veränderte die Zusammensetzung der Bevölkerung weniger durch einen grundlegenden Wechsel der Volksgruppen als durch massive Abwanderung. Während der italienischen Verwaltung verließ ein erheblicher Teil der griechischen Bevölkerung die Insel, wobei Australien zu einem der wichtigsten Ziele wurde. Die Evakuierung während des Zweiten Weltkriegs verstärkte diese Entwicklung. Dadurch entstand eine große Kastellorizische Diaspora, insbesondere in Australien.

Heute besteht die ständige Bevölkerung von Kastellorizo weiterhin überwiegend aus Griechen. Neben den alteingesessenen Familien leben auf der Insel auch Nachkommen früher ausgewanderter Familien, die teilweise dauerhaft zurückgekehrt sind oder sich zeitweise dort aufhalten. Hinzu kommen einige zugewanderte Ausländer. Unter den ausländischen Bewohnern befinden sich insbesondere Italiener. Diese ausländische Bevölkerung bildet jedoch keine zahlenmäßig bedeutende Volksgruppe und verändert den eindeutig griechischen Charakter der Insel nicht.

Eine besondere Stellung besitzt die kastellorizische Diaspora. Vor allem in Australien haben sich größere Gemeinschaften von Nachkommen der Inselbewohner gebildet. Sie bewahren teilweise die familiäre, kulturelle und historische Verbindung zu Kastellorizo. Die Bezeichnung „Kassies“ wird in Australien für Menschen aus der kastellorizischen Gemeinschaft beziehungsweise deren Nachkommen verwendet.

Sprachen

Die Inselbevölkerung ist griechischsprachig, und Griechisch ist die wichtigste Sprache des öffentlichen Lebens, der Verwaltung, der Schule und des Alltags. Die heutige Amtssprache ist Neugriechisch. Auch die historische Bevölkerung, die während der osmanischen Herrschaft die große Mehrheit der Einwohner stellte, sprach überwiegend Griechisch.

Die griechische Sprache konnte sich auf Kastellorizo trotz der jahrhundertelangen Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich behaupten. Die osmanische Verwaltungssprache war Türkisch, doch bedeutete die politische Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich nicht, dass die griechische Bevölkerung ihre Alltagssprache aufgeben musste. Innerhalb der griechisch-orthodoxen Gemeinschaft blieb Griechisch die wichtigste Sprache für Familie, Gemeinde, Religion und das gesellschaftliche Leben. Die Volkszählung von 1881/82 bis 1893 zeigt zugleich, dass die Bevölkerung des Kaza von Kastellorizo ganz überwiegend aus Griechen bestand.

Historisch bestand daneben ein türkischsprachiger beziehungsweise osmanischsprachiger Bevölkerungsanteil. Die osmanische Verwaltung verwendete Türkisch für staatliche Angelegenheiten, während die auf der Insel lebenden Muslime ebenfalls Türkisch beziehungsweise osmanisches Türkisch verwendeten. Nach dem Ende der osmanischen Herrschaft verlor diese Sprachgruppe jedoch ihre frühere Bedeutung. Heute spielt Türkisch auf Kastellorizo vor allem aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Türkei eine Rolle, ist aber nicht die traditionelle Mehrheitssprache der Insel.

Die geografische Lage hat dennoch dazu geführt, dass Türkisch für die Bevölkerung von Kastellorizo historisch nie eine völlig fremde Sprache war. Die Insel liegt der türkischen Küste wesentlich näher als dem griechischen Festland, und über Jahrhunderte bestanden intensive wirtschaftliche und maritime Kontakte mit den kleinasiatischen Küstenorten. Händler, Seeleute und Fischer standen regelmäßig mit der gegenüberliegenden Küste in Verbindung. Dadurch bestanden Kenntnisse des Türkischen zumindest bei Teilen der Bevölkerung, insbesondere bei Personen, die im Handel oder in der Seefahrt tätig waren.

Auch Italienisch besitzt einen historischen Platz in der Sprachgeschichte Kastellorizos. Während der italienischen Verwaltung ab 1922 wurde Italienisch zur Sprache der italienischen Behörden und der italienischen Verwaltung. Italienische Siedler und Beamte brachten die Sprache auf die Insel, und sie wurde in administrativen Zusammenhängen verwendet. Die italienische Herrschaft dauerte jedoch nicht lange genug an, um Italienisch zur Alltagssprache der einheimischen Bevölkerung zu machen. Heute ist Italienisch keine bedeutende Alltagssprache der einheimischen Bevölkerung, obwohl die historischen Verbindungen weiterhin im Ortsbild und in der Geschichte der Insel erkennbar sind.

Durch die starke Auswanderung im 20. Jahrhundert entstanden außerdem sprachliche Veränderungen innerhalb der kastellorizischen Diaspora. Besonders wichtig ist die große Gemeinschaft in Australien. Die Nachkommen der Auswanderer sprechen heute überwiegend Englisch und daneben, je nach Familie und Generation, weiterhin Griechisch. Bei älteren Generationen und in Familien mit besonders enger Bindung an Kastellorizo konnte das Griechische länger erhalten bleiben. Dadurch entstand außerhalb der Insel eine zweisprachige beziehungsweise mehrsprachige kastellorizische Gemeinschaft, deren Alltagssprache heute vielfach Englisch ist, während Griechisch als Sprache der Herkunft und familiären Identität weiterbesteht.

Heute kommt neben Griechisch und Englisch auch Italienisch durch ausländische Bewohner und Besucher vor. Insbesondere unter den aus Italien stammenden Einwohnern und längerfristig auf der Insel lebenden Personen kann Italienisch im privaten Bereich verwendet werden. Es handelt sich jedoch um eine kleine Sprachgruppe und nicht um eine zweite lokale Mehrheitssprache.

Englisch besitzt inzwischen eine größere praktische Bedeutung als Fremdsprache. Es wird vor allem im Tourismus, im Kontakt mit ausländischen Besuchern und innerhalb der internationalen Diaspora verwendet. Durch die zunehmende touristische Entwicklung ist Englisch für Beschäftigte im Gastgewerbe und für Personen mit regelmäßigem Kontakt zu ausländischen Gästen besonders nützlich.

Religion

Die Bevölkerung von Kastellorizo ist heute fast ausnahmslos griechisch-orthodox. Die orthodoxe Kirche prägt damit nicht nur das religiöse Leben der Insel, sondern auch zahlreiche traditionelle Bräuche, Feste und einen Teil des historischen Ortsbildes. Die griechisch-orthodoxe Tradition blieb auch während der langen osmanischen Herrschaft ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens der überwiegend griechischen Bevölkerung. Die religiöse Zugehörigkeit war dabei eng mit der griechischen Sprache, der lokalen Gemeinschaft und der Bewahrung eigener Traditionen verbunden.

Das wichtigste Gotteshaus der Insel ist die Kathedrale Agios Konstantinos kai Eleni (Άγιος Κωνσταντίνος και Ελένη), die den Heiligen Konstantin und Helena geweiht ist. Die Kirche befindet sich im Hauptort und gehört zu den markanten Sakralbauten Kastellorizos. Daneben gibt es weitere kleinere Kirchen und Kapellen, die verschiedenen Heiligen geweiht sind und insbesondere an deren Gedenktagen eine wichtige Rolle im religiösen Leben der Inselbevölkerung spielen. Orthodoxe Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Beerdigungen werden nach dem Ritus der griechisch-orthodoxen Kirche gefeiert. Auch die großen kirchlichen Feste des Jahres, insbesondere Weihnachten, Ostern und das Fest Mariä Himmelfahrt, sind Bestandteil des traditionellen Jahresablaufs.

Während der osmanischen Zeit bestand auf Kastellorizo neben der überwiegend christlich-orthodoxen Bevölkerung auch eine muslimische Gemeinschaft. Ihre Existenz wird durch die frühere Moschee der Insel belegt, zu der ein Minarett gehörte. Das Minarett ist bis heute erhalten und stellt eines der wenigen sichtbaren Zeugnisse der islamischen Präsenz während der osmanischen Herrschaft dar. Die Moschee selbst war spätestens 1929 nicht mehr in Betrieb. Die muslimische Bevölkerung blieb gegenüber der griechisch-orthodoxen Mehrheit zahlenmäßig klein. Der osmanische Zensus von 1881/82 bis 1893 verzeichnete für den Kaza von Kastellorizo 225 Muslime gegenüber 4.635 Griechen; daneben wurden sechs Juden und fünf ausländische Staatsangehörige gezählt. Damit machten die Muslime nur einen kleinen Teil der damaligen Gesamtbevölkerung aus.

Die jüdische Bevölkerung war ebenfalls zahlenmäßig sehr klein. Der osmanische Zensus weist lediglich sechs Juden aus. Eine eigenständige, bis heute fortbestehende jüdische Religionsgemeinschaft entstand auf Kastellorizo daher nicht. Ebenso ist der Islam heute auf der Insel nicht mehr als bedeutende örtliche Religionsgemeinschaft vertreten. Das erhaltene Minarett erinnert jedoch an die religiös vielfältigere Bevölkerung während der osmanischen Epoche.

Siedlungen

Auf Kastellorizo gibt es nurt zwei kleine Ortschaften. Die Siedlung Pagadia, sie liegt direkt am Hafen, und die Siedlung Horafia, sie ist um die Kirche des Heiligen Konstantin und der Helene erbaut. Beide zusammen bilden den Hauoptort Megisti. Alte, zwei- und dreistöckige Herrenhäuser, mit Ziegeldächern und bogenförmigen Eingängen sind die typische Architektur.

Die Häuser der Stadt sind schlank und zeichnen sich durch Holzbalkone und Fenster des anatolischen Typs aus. Hinter der Uferpromenade befinden sich viele Häuser noch in einem ruinösen Zustand. An der östlichen Hafeneinfahrt stehen die einstöckigen Überreste des ehemaligen italienischen Regierungsgebäudes (palazzina della delegazione), das 1926 von dem italienischen Architekten Florestano Di Fausto errichtet wurde, der auch einige der wichtigsten Gebäude der italienischen Periode auf Rhodos entworfen hat. In der Nähe befindet sich die ehemalige osmanische Moschee der Insel, die aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Von hier aus beginnt der Kai der Stadt, der sich an allen drei Seiten des Hafens entlangzieht. Der zentrale Platz - Plateia Ethelondon Kastellórizou („Platz der Freiwilligen von Kastellorizo“) - liegt in der Mitte der Ostseite, in der Nähe des Schiffsanlegers. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens hat man von hier aus einen guten Blick auf Pera Meria, den westlichen Kai und die Klöster Profitis Ilías und Aghia Triadha, wobei das erstere heute ein Armeestützpunkt ist.

Oberhalb des Kais an der Ostseite führt ein Weg zur Ritterburg (14. Jahrhundert). Von ihr sind die Ringmauer, ein Teil eines viereckigen Turms, die Reste eines zylindrischen Turms an der Ostecke und zum Meer hin ein weiterer zylindrischer Turm erhalten geblieben. Eine in den Fels gehauene dorische Inschrift bezeugt die Existenz einer früheren Festung an dieser Stelle in der Antike. Im Inneren des Turms befindet sich eine große überdachte Zisterne.

Wenn man die Stufen auf der Ostseite der Stadt hinaufsteigt, erreicht man den Vorort Horafia, wo sich ein Platz befindet, der von der Kirche St. Georg (1906) mit einer hohen Kuppel byzantinischen Typs und der Kathedrale der Heiligen Konstantin und Helena (1835) umgeben ist. Sie besteht aus drei Schiffen, die durch monolithische Granitsäulen aus dem Tempel des Apollo Lykios in Patara (Anatolien) geteilt werden, die Spitzbögen tragen. Weiter östlich liegt die kleine Bucht Mandraki, der zweite Hafen der Insel.

Westlich der Stadt, jenseits des Gipfels der Insel Vigla (270 m), steht Palaiokastro (alte Burg), die antike Akropolis der Insel. Diese befestigte Anlage ist klassischen Ursprungs (siehe unten, Abschnitt Geschichte): Sie hat einen rechteckigen Grundriss und misst 60 mal 80 m. In ihrem Inneren befinden sich ein antiker Turm, der aus quadratischen Kalksteinblöcken errichtet wurde, und große Wasserzisternen. In den Sockel der Burg ist eine dorische Inschrift aus dem -4. oder -3. Jahrhundert eingemeißelt, die sich auf Megiste (den antiken Namen von Kastellorizo) und seine Abhängigkeit von Rhodos bezieht. An der Ostseite sind Reste eines Tores, der Propyläen, zu sehen. Seit August 2020 gibt es auf der Insel auch ein interaktives Rätselmuseum, das erste seiner Art in Griechenland und eines der wenigen weltweit.

Verkehr

Kastellorizo ist nur per Fähre (vor allem von Rhodos und Piräus/Athen, saisonal auch von der türkischen Küste bei Kaş) und per Kleinflugzeug von Rhodos aus erreichbar; die Flugverbindung dauert rund 20 bis 40 Minuten, die Fährfahrt von Rhodos etwa 2,5 bis 4 Stunden. Auf der Insel selbst gibt es nur ein sehr kleines Straßennetz, einen Linienbus zwischen Hafen und Flughafen sowie ein einzelnes Taxi; der Großteil der Wege wird zu Fuß zurückgelegt, abgelegene Buchten erreicht man mit Wassertaxis.

Straßenverkehr

Das Straßennetz konzentriert sich auf den Hauptort Megísti und dessen unmittelbare Umgebung. Von der geschlossenen Siedlung führen Straßen und Fahrwege in die höher gelegenen und weniger dicht besiedelten Bereiche der Insel. Eine durchgehende Fernstraße oder ein weit verzweigtes Straßennetz wie auf den größeren griechischen Inseln gibt es nicht.

Die wichtigste Verkehrsachse verbindet den Hafen und den dicht bebauten Ortsbereich mit den außerhalb des Zentrums gelegenen Teilen der Insel. Der Hafen ist zugleich der wichtigste Verkehrsknotenpunkt, weil hier die Versorgung mit Waren, Treibstoff und anderen Gütern sowie die Ankunft von Bewohnern und Besuchern zusammenlaufen. Die Straßen innerhalb des Ortes sind teilweise schmal und durch die traditionelle Bebauung räumlich begrenzt. Historische Häuser stehen häufig unmittelbar an den Straßen und Wegen, sodass größere Fahrzeuge nur eingeschränkt verkehren können.

Außerhalb des Ortskerns gibt es zahlreiche schmale Straßen, befestigte Wege und Fahrpisten. Sie erschließen unter anderem abgelegene Grundstücke, Küstenabschnitte und Einrichtungen außerhalb der eigentlichen Siedlung. Die Straßenführung wird durch die felsige und stark gegliederte Landschaft bestimmt. Steigungen und enge Kurven sind typisch für die Verkehrswege der Insel. Einige abgelegene Bereiche sind nicht mit einem normalen Pkw erreichbar und werden über Fußwege oder unbefestigte Fahrwege erschlossen.

Der private Kraftfahrzeugverkehr ist im Vergleich zu großen griechischen Inseln gering. Auf Kastellorizo besteht wegen der kurzen Entfernungen nur ein begrenzter Bedarf an längeren Autofahrten. Ein großer Teil der Wege innerhalb des Hauptortes kann zu Fuß zurückgelegt werden. Dennoch werden Personenkraftwagen, Kleintransporter und andere Nutzfahrzeuge für die Versorgung der Bevölkerung, für Bauarbeiten, für den Transport von Gepäck und Waren sowie für die Erreichbarkeit außerhalb des Ortskerns eingesetzt.

Eine besondere Bedeutung haben Motorräder und Motorroller, da sie sich auf den engen Straßen leichter bewegen können und weniger Stellfläche benötigen als Autos. Auch kleine Geländefahrzeuge spielen außerhalb des Ortsbereichs eine Rolle, weil einzelne Grundstücke und abgelegene Bereiche nur über schmale oder teilweise unbefestigte Wege erreichbar sind. Der Verkehr bleibt insgesamt jedoch überschaubar und erreicht nicht die Dichte größerer Tourismusinseln.

Der öffentliche Straßenpersonennahverkehr ist auf Kastellorizo nur sehr schwach entwickelt. Die geringe Einwohnerzahl und die kurzen Entfernungen rechtfertigen kein dichtes Linienbusnetz. Der innerörtliche Verkehr erfolgt deshalb überwiegend zu Fuß, mit privaten Fahrzeugen oder mit individuell organisierten Fahrdiensten. Für Besucher spielen außerdem Mietfahrzeuge, Motorroller und Taxis beziehungsweise lokale Transferdienste eine Rolle.

Die Versorgung des Straßenverkehrs mit Kraftstoff ist wegen der Insellage ein praktisches Infrastrukturthema. Kraftstoffe müssen auf dem Seeweg angeliefert werden, da Kastellorizo über keine eigene Raffinerie oder andere bedeutende Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen verfügt. Auch Fahrzeuge selbst sowie Ersatzteile und Wartungsmaterial müssen größtenteils über die regelmäßigen Verkehrsverbindungen mit dem griechischen Festland oder anderen Inseln eingeführt werden.

Schiffsverkehr

Der Hafen von Megísti liegt an der geschützten Bucht an der Nordwestseite der Insel und bildet das wichtigste Verkehrszentrum. Über ihn werden sowohl Personen als auch Lebensmittel, Baumaterialien, Treibstoffe, Fahrzeuge und andere Güter auf die Insel gebracht. Eine besonders wichtige Verbindung besteht mit Rhodos. Kastellorizo ist verkehrsmäßig eng an die wesentlich größere Nachbarinsel angebunden, von der ein großer Teil der regelmäßigen Versorgung und der weiterführenden Verkehrsverbindungen ausgeht. Fähren und kleinere Passagierschiffe verbinden Kastellorizo mit Rhodos; die Fahrzeiten hängen vom eingesetzten Schiff, der Route und den Wetterbedingungen ab. Über Rhodos bestehen wiederum Verbindungen zu zahlreichen weiteren Inseln und zum griechischen Festland. Der Seeverkehr nach Rhodos besitzt deshalb nicht nur für den Personenverkehr, sondern auch für die Versorgung der Insel eine zentrale Funktion.

Daneben bestehen Verbindungen zum griechischen Festland und zu anderen Inseln des Dodekanes. Die Fahrpläne sind saisonabhängig und werden im Winterhalbjahr deutlich ausgedünnt. Während der touristischen Saison nimmt die Zahl der Fahrten zu, weil dann zusätzlich zum regulären Inselverkehr ein größerer Bedarf durch Besucher besteht. Die Verbindungssituation hängt zugleich von den jeweiligen Fahrplänen der Reedereien und von den Wetterverhältnissen in der südöstlichen Ägäis ab.

Eine besondere Bedeutung hat der Verkehr mit der nahe gelegenen türkischen Küste. Kastellorizo liegt nur wenige Kilometer von der türkischen Küste entfernt, während die Entfernung zu Rhodos wesentlich größer ist. Zwischen Kastellorizo und der türkischen Stadt Kaş bestehen beziehungsweise bestanden regelmäßige saisonale Boots- und Fährverbindungen. Diese Verbindung ist insbesondere für den Tourismus von Bedeutung und ermöglicht Besuchern aus der Türkei sowie Reisenden von Kastellorizo einen direkten Grenzübertritt auf dem Seeweg. Wegen der unmittelbaren Nähe der türkischen Küste ist der Schiffsverkehr zwischen Kaş und Kastellorizo auch historisch und wirtschaftlich von besonderer Bedeutung.

Der Hafen dient nicht ausschließlich dem Fährverkehr. Auch private Motorboote, Ausflugsboote, Fischerboote und Yachten laufen ihn an. In der Sommersaison nimmt insbesondere der Sportbootverkehr zu. Kastellorizo liegt abseits der großen internationalen Seeverkehrsrouten, ist aber wegen seiner geschützten Hafenbucht und seiner Lage unmittelbar vor der türkischen Küste ein Ziel für kleinere Yachten und Kreuzfahrten beziehungsweise Inselrundfahrten.

Die Fischerei war traditionell ein wichtiger Bestandteil der lokalen Wirtschaft. Fischerboote nutzten den Hafen als Ausgangspunkt für den Fang in den umliegenden Gewässern. Die Bedeutung der traditionellen Fischerei ist im Vergleich zu früher zurückgegangen, doch kleine Fischerboote gehören weiterhin zum charakteristischen Bild des Hafens. Neben der Fischerei werden Boote für Ausflugsfahrten zu den Küstenabschnitten, Höhlen und kleineren Inseln der Umgebung eingesetzt.

Auch die abgelegenen Teile der Insel und die vorgelagerten Felsen und Inselchen sind teilweise nur auf dem Seeweg erreichbar. Dazu gehören insbesondere die kleineren Inseln und Felsen im Umfeld von Kastellorizo. Für Bewohner und Besucher sind Boote daher nicht nur ein Verkehrsmittel für den überregionalen Verkehr, sondern auch für Ausflüge und den Zugang zu einzelnen Küstenabschnitten.

Historisch besitzt der Hafen eine noch größere Bedeutung. Bereits während der osmanischen Zeit war Kastellorizo aufgrund seiner Lage an den Seewegen des östlichen Mittelmeers ein wichtiger Ausgangspunkt für Handel und Schifffahrt. Die griechische Bevölkerung entwickelte eine ausgeprägte maritime Tradition. Handelsschiffe aus Kastellorizo verkehrten im östlichen Mittelmeer und trugen wesentlich zum wirtschaftlichen Aufstieg der Insel im 19. und frühen 20. Jahrhundert bei. Der Wohlstand dieser Zeit spiegelte sich in den großen Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden des Hauptortes wider.

Auch im 20. Jahrhundert spielte der Hafen eine Rolle im internationalen Verkehr. In den 1930er Jahren wurde die Bucht von Kastellorizo von Wasserflugzeugen genutzt. Fluggesellschaften wie Alitalia und Air France machten dort Zwischenstopps auf Verbindungen nach Afrika und in den Nahen Osten. Der Hafen war damit zeitweise nicht nur ein regionaler Schifffahrtsknotenpunkt, sondern Bestandteil eines internationalen Wasserflugverkehrsnetzes.

Während des Ersten Weltkriegs und des Zweiten Weltkriegs wurde der Hafen aufgrund seiner strategischen Lage militärisch genutzt. Die Insel war zeitweise von französischen und britischen Truppen besetzt. Während des Zweiten Weltkriegs war der Hafen erneut militärisch bedeutsam. Die Kämpfe und die anschließende Zerstörung im Jahr 1944 beeinträchtigten auch die Hafeninfrastruktur und die zivile Nutzung erheblich.

Flugverkehr

Ein kleiner, 1986 eröffneter Flughafen ermöglicht mit einer knapp 800 m langen Landebahn die Landung kleinerer Turboprop-Maschinen. Seit 2006 gibt es eine tägliche Flugverbindung nach Rhodos. Spontane Ausfälle bei starkem Wind sind jedoch möglich. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die Insel Kastellorizo durch Wasserflugzeuge mit Zielen hauptsächlich in Nordostafrika verbunden. Die Wasserflugzeuge nutzten den natürlichen, hufeisenförmigen Hafen der Insel. Der heutige Flughafen Kastellorizo wurde 1986 als Inlandsflughafen in Betrieb genommen. Der Flughafen verfügt über ein kleines Terminal von 150 m² und das Vorfeld bietet Platz für ein Flugzeug vom Typ Bombardier Dash 8 und drei leichte Flugzeuge der allgemeinen Luftfahrt.

Airline Ziel
Olympic Air Rhodos (PSO)


Kastellorizo Island Public Airport:

  • griechischer Name:  Δημοτικός Αερολιμένας Καστελλόριζου [Demotikjós Aeroliménas Kastellorizon]
  • Code:  KZS / LGKJ
  • Lage: 36°08‘30“ N, 29°34‘35“ O
  • Seehöhe: 144,5 m (474 ft)
  • Inbetriebnahme:  1986
  • Betreiber:  Hellenic Civil Aviation Authority (HCAA)
  • Terminal:  1
  • Rollbahn: 1
  • Länge der Rollbahn:  2621 m (Asfalt)
  • Fluggesellschaft:  1
  • Flugzeug-Standplätze:  ca. 10
  • jährliche Passagierkapazität: 
  • jährliche Frachtkapazität: 
  • Flughaen-Statistik:     Flugbewegungen        Passagiere       Fracht in t

                       2001                394                  5 298              

                       2002                514                  6 173              

                       2003                520                  7 939              

                       2004                462                  8 302              

                       2005                470                  8 243              

                       2006                480                  9 625              

                       2007                494                  9 564              

                       2008                450                  8 329              

                       2009                450                  7 490              

                       2010                452                  7 817              

                       2011                486                  8 723              

                       2012                536                  7 943              

                       2013                520                  7 946              

                       2014                530                  8 196              

                       2015                498                  8 019

                       2016                492                  8 907              

                       2017                418                  5 482              

                       2018                337                  5 434              

Wirtschaft

Die Wirtschaft von Kastellorizo basiert heute fast ausschließlich auf Fischerei und Tourismus, wobei der Tourismus seit den 1980er-Jahren zur dominierenden Erwerbsquelle geworden ist und über 90% der Bevölkerung im Tourismussektor arbeiten. Landwirtschaft spielt wegen der kargen Böden nur eine untergeordnete Rolle (wenig Oliven und Trauben), während historisch bedeutende Aktivitäten wie Schwammtauchen, Holz- und Kohlehandel sowie die Schifffahrt im 19./20. Jahrhundert fast vollständig verschwunden sind.

          

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft gehört zu den traditionellen Wirtschaftszweigen Kastellorizos, hat aber heute nur noch eine geringe wirtschaftliche Bedeutung. Die natürlichen Voraussetzungen sind aufgrund der kleinen Fläche, des überwiegend felsigen Geländes, der teilweise steilen Hänge und der ausgeprägten sommerlichen Trockenheit begrenzt. Landwirtschaft konnte deshalb niemals auf großen zusammenhängenden Flächen betrieben werden. Sie war vielmehr durch kleine Parzellen und eine vielfältige Nutzung der verfügbaren Böden gekennzeichnet.

Historisch diente die Landwirtschaft vor allem der Selbstversorgung der Inselbevölkerung. Die Bewohner erzeugten einen Teil ihrer Lebensmittel selbst und ergänzten diese durch Fischerei, Viehhaltung, Handel und den Bezug von Waren aus anderen Regionen. Besonders in Zeiten, in denen der Seehandel durch Kriege oder politische Konflikte beeinträchtigt war, war die eigene landwirtschaftliche Produktion für die Versorgung der Bevölkerung wichtig.

Zu den traditionellen Kulturen gehörten insbesondere Olivenbäume, Weinreben, Getreide, Hülsenfrüchte und verschiedene Gemüsearten. Die einzelnen Kulturen wurden an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst. Oliven konnten auch auf trockeneren und steinigeren Böden wachsen und waren deshalb für die Inselwirtschaft besonders geeignet. Die Früchte wurden zur Gewinnung von Olivenöl genutzt und bildeten zugleich einen wichtigen Bestandteil der Ernährung.

Der Anbau von Weinreben gehörte ebenfalls zur traditionellen Landwirtschaft. Reben konnten auf kleineren Flächen und an Hängen kultiviert werden und waren unter den trockenen mediterranen Bedingungen grundsätzlich geeignet. Der Weinbau diente vor allem der Versorgung der Haushalte und des lokalen Bedarfs. Eine größere kommerzielle Weinwirtschaft entwickelte sich auf Kastellorizo jedoch nicht.

Getreide und Hülsenfrüchte waren für die historische Ernährung ebenfalls wichtig. Wegen der begrenzten landwirtschaftlich nutzbaren Fläche konnte die Insel allerdings keine großflächige Getreidewirtschaft entwickeln. Ein Teil des Bedarfs musste über den Seehandel gedeckt werden. Die Landwirtschaft war deshalb von Anfang an mit den maritimen Handelsbeziehungen der Insel verbunden.

Auch Gemüse wurde für den Eigenbedarf angebaut. Die Bewirtschaftung kleiner Gärten und Felder ermöglichte die Produktion von saisonalem Gemüse und Kräutern. Wegen der geringen Süßwasservorräte war der Anbau stark von den verfügbaren Niederschlägen und der Möglichkeit abhängig, Regenwasser zu sammeln und zu speichern.

Die historische Wasserwirtschaft war daher eng mit der Landwirtschaft verbunden. Kastellorizo besitzt keine größeren Flüsse und nur sehr begrenzte natürliche Süßwasserressourcen. Regenwasser wurde in Zisternen gesammelt. Die historischen Acheres, also Regenwasserzisternen, ermöglichten es, Niederschlagswasser für den menschlichen Verbrauch und teilweise auch für landwirtschaftliche Zwecke zu speichern. Die Verfügbarkeit von Wasser begrenzte jedoch die Größe und Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung.

Neben dem Pflanzenbau spielte die Tierhaltung eine ergänzende Rolle. Ziegen und Schafe konnten auf den weniger fruchtbaren und stärker felsigen Flächen gehalten werden. Diese Tiere waren an die trockenen mediterranen Bedingungen angepasst und konnten auch Vegetation nutzen, die für den Ackerbau ungeeignet war. Die Haltung erfolgte traditionell in kleinem Umfang und diente hauptsächlich der Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch und weiteren tierischen Erzeugnissen.

Die landwirtschaftliche Nutzung war eng mit der Landschaftsstruktur verbunden. Auf geeigneten Flächen wurden Felder und Gärten angelegt, während steilere Bereiche durch Terrassen nutzbar gemacht werden konnten. Trockenmauern dienten dazu, Boden an Hängen zurückzuhalten und die Erosion zu vermindern. Gleichzeitig markierten sie Grundstücksgrenzen und trennten landwirtschaftlich genutzte Flächen voneinander.

Die Böden Kastellorizos sind insgesamt begrenzt. Auf den felsigen Teilen der Insel sind die Bodenauflagen teilweise sehr dünn. Stärkere Böden finden sich dort, wo sich über längere Zeit Verwitterungsmaterial und organische Substanz angesammelt haben. Die Landwirtschaft konzentrierte sich deshalb auf die wenigen Flächen, deren Bodenmächtigkeit und Wasserversorgung eine regelmäßige Bewirtschaftung ermöglichten.

Der starke Bevölkerungsrückgang im 20. Jahrhundert veränderte diese Situation grundlegend. Kastellorizo war früher wesentlich dichter besiedelt als heute. Im frühen 20. Jahrhundert lebten nach historischen Angaben zeitweise viele tausend Menschen auf der Insel. Kriege, politische Umbrüche, wirtschaftliche Veränderungen und insbesondere die massive Auswanderung führten dazu, dass ein großer Teil der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte verschwand. Im Zuge der Auswanderung wurden zahlreiche Felder, Gärten und andere landwirtschaftliche Flächen aufgegeben. Die verbliebenen Bewohner konnten die früher bewirtschafteten Flächen nicht mehr vollständig nutzen. Gleichzeitig nahm die Bedeutung der Selbstversorgung ab, weil Lebensmittel zunehmend über den Seeweg eingeführt werden konnten.

Der heutige Lebensmittelbedarf der Insel wird deshalb überwiegend durch Lieferungen von außerhalb gedeckt. Der regelmäßige Schiffsverkehr ermöglicht die Versorgung mit Lebensmitteln, Getränken, Futtermitteln und anderen Waren. Für die Landwirtschaft bedeutet dies, dass sie nicht mehr die zentrale Grundlage der örtlichen Ernährung darstellt.

Die geringe landwirtschaftliche Produktion besteht heute hauptsächlich aus kleinflächiger privater Nutzung. Einzelne Grundstücke werden weiterhin mit Olivenbäumen, Obstpflanzen, Gemüse oder anderen Nutzpflanzen bewirtschaftet. Diese Produktion hat jedoch keinen Umfang, der mit größeren landwirtschaftlichen Regionen Griechenlands vergleichbar wäre. Auch die Olivenwirtschaft besitzt heute keine größere industrielle Struktur. Es gibt keine bedeutende örtliche Olivenölindustrie mit großen Verarbeitungsanlagen. Olivenbäume können weiterhin Bestandteil privater Grundstücke und kleiner landwirtschaftlicher Flächen sein, die Verarbeitung der Ernte erfolgt jedoch nicht als bedeutender eigenständiger Wirtschaftszweig der Insel. Ähnliches gilt für den Weinbau. Historische Rebflächen sind teilweise aufgegeben worden, und Kastellorizo verfügt heute über keine bedeutende kommerzielle Weinproduktion. Wein, der in der örtlichen Gastronomie und im Handel angeboten wird, stammt überwiegend aus anderen Regionen Griechenlands oder aus dem internationalen Handel.

Die Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen führt zugleich zu Veränderungen der Landschaft. Wo Felder, Terrassen und Gärten nicht mehr gepflegt werden, breitet sich mediterrane Strauchvegetation aus. Dadurch verschwimmen teilweise die Grenzen zwischen ehemaligen landwirtschaftlichen Nutzflächen und natürlichen Vegetationsflächen. Alte Trockenmauern und verwilderte Oliven- oder Obstbäume können noch auf die frühere Nutzung hinweisen.

Die Landwirtschaft steht außerdem in Konkurrenz zu anderen Nutzungen. Die Siedlungsfläche, Verkehrswege, touristische Einrichtungen und sonstige Infrastruktur benötigen einen Teil des ohnehin begrenzten verfügbaren Landes. Wegen der geringen Größe der Insel sind größere neue landwirtschaftliche Flächen kaum erschließbar. Eine weitere Einschränkung bildet der Klimacharakter der Insel. Die Sommer sind heiß und niederschlagsarm. Dadurch steigt der Wasserbedarf landwirtschaftlicher Kulturen gerade während der Zeit, in der nur wenig natürlicher Niederschlag zur Verfügung steht. Eine intensive Bewässerungslandwirtschaft wäre deshalb auf eine zuverlässige zusätzliche Wasserversorgung angewiesen und mit entsprechend hohen Kosten verbunden.

Weinbau

In der Vergangenheit wurden Reben vor allem auf Flächen angebaut, die sich wegen ihrer Bodenverhältnisse und Hanglage für andere Kulturen nur eingeschränkt eigneten. Wie in anderen Teilen der Ägäis wurden dafür kleine Parzellen und Terrassen genutzt. Steinmauern konnten dabei die Böden an den Hängen zurückhalten und die landwirtschaftlich nutzbare Fläche vergrößern. Der Weinbau war damit Bestandteil einer kleinräumigen Mischwirtschaft, in der neben Reben auch Oliven, Getreide, Hülsenfrüchte und Gemüse angebaut wurden.

Die Bedeutung des Weinbaus war eng mit der Versorgung der Inselbevölkerung verbunden. Wein gehörte zur traditionellen Ernährung und wurde im Haushalt hergestellt. Die Produktion erfolgte überwiegend in kleinem Maßstab. Es handelte sich nicht um eine großflächige Plantagenwirtschaft mit industrieller Verarbeitung, sondern um kleinere Rebflächen, deren Erzeugnisse vor allem für den Eigenverbrauch und den örtlichen Bedarf bestimmt waren.

Die Weinbereitung war entsprechend eine häusliche und handwerkliche Tätigkeit. Die geernteten Trauben wurden nach der Lese verarbeitet und der Most anschließend vergoren. Für die Lagerung wurden Gefäße und geeignete Kellerräume verwendet. Wie bei anderen traditionellen landwirtschaftlichen Erzeugnissen spielte die Verarbeitung innerhalb der Familie eine wichtige Rolle. Wein konnte dadurch über einen längeren Zeitraum aufbewahrt und schrittweise verbraucht werden.

Die örtlichen klimatischen Bedingungen beeinflussen die Qualität und den Ertrag der Reben. Die lange sommerliche Trockenperiode reduziert zwar den natürlichen Wasserbedarf während der Reifephase, gleichzeitig können extreme Trockenheit und hohe Temperaturen die Erträge begrenzen. Besonders problematisch ist die geringe Verfügbarkeit von Süßwasser. Eine moderne, stark bewässerungsabhängige Weinproduktion wäre auf einer kleinen Insel wie Kastellorizo deshalb mit hohen Kosten verbunden.

Die historische landwirtschaftliche Nutzung ging im 20. Jahrhundert stark zurück. Die beiden Weltkriege, die politischen Veränderungen, die Zerstörungen und vor allem die massive Auswanderung der Bevölkerung führten dazu, dass viele landwirtschaftliche Flächen nicht mehr regelmäßig bewirtschaftet wurden. Mit dem Verlust von Arbeitskräften verlor auch der traditionelle Weinbau seine Grundlage.

Die Entwicklung des Weinbaus unterscheidet sich damit deutlich von der Situation auf einigen anderen griechischen Inseln. Auf Santorin, Paros, Naxos, Rhodos oder Kreta entstanden teilweise bis heute bestehende Weinbauregionen mit kommerziellen Weingütern. Kastellorizo entwickelte dagegen keine vergleichbare moderne Weinwirtschaft. Es gibt keine bedeutende Rebfläche, keine größere Kellerei und keine überregional bekannte Weinindustrie auf der Insel.

Auch der heutige Tourismus hat nicht zu einer Wiederbelebung des Weinbaus in größerem Maßstab geführt. In der Gastronomie werden zwar Wein und andere Getränke angeboten, der dafür benötigte Wein wird jedoch überwiegend von außerhalb bezogen. Der lokale Weinbau kann den heutigen Bedarf der touristischen Wirtschaft nicht decken und besitzt keine entsprechende Produktionsstruktur.

Die historischen Rebflächen sind heute teilweise verschwunden oder in andere Nutzungen übergegangen. Wo die landwirtschaftliche Bewirtschaftung aufgegeben wurde, breitet sich natürliche mediterrane Vegetation aus. Dadurch sind ehemalige landwirtschaftliche Flächen heute nicht immer ohne Weiteres als frühere Weinberge erkennbar.

Ein weiterer Faktor ist die geringe landwirtschaftliche Fläche insgesamt. Kastellorizo besitzt nur rund neun Quadratkilometer Landfläche. Ein erheblicher Teil davon besteht aus felsigem Gelände und Hängen. Siedlung, Verkehrswege und andere Nutzungen beanspruchen ebenfalls Raum. Für einen modernen Weinbaubetrieb mit größeren zusammenhängenden Rebflächen stehen daher nur sehr begrenzte Flächen zur Verfügung.

Die traditionelle Weinproduktion muss außerdem von der heutigen landwirtschaftlichen Vermarktung unterschieden werden. Selbst wenn einzelne Bewohner oder Grundstückseigentümer noch Rebstöcke pflegen und Trauben für den eigenen Gebrauch erzeugen, handelt es sich dabei nicht um einen eigenständigen kommerziellen Wirtschaftszweig. Eine solche kleinräumige Nutzung kann Teil der privaten Selbstversorgung sein, ohne dass daraus eine nennenswerte Weinproduktion für den Markt entsteht.

Forstwirtschaft

Die Insel besitzt keine ausgedehnten geschlossenen Wälder, wie sie auf den niederschlagsreicheren griechischen Inseln oder auf Teilen des griechischen Festlandes vorkommen. Die natürlichen Pflanzengesellschaften werden vielmehr von mediterraner Strauchvegetation, niedrigem Gehölz, Grasland und einzelnen Bäumen geprägt. Die trockenen Sommer, die geringe Größe der Insel und die begrenzten Wasserressourcen setzen dem Wachstum größerer Waldbestände enge Grenzen.

Die natürliche Vegetation Kastellorizos gehört zur mediterranen Vegetationszone. In den trockenen und felsigen Bereichen dominieren niedrige, an sommerliche Trockenheit angepasste Sträucher und Kräuter. Dazu kommen einzelne Bäume und kleinere Gehölzbestände. Wo Boden und Wasserversorgung günstiger sind, können insbesondere Olivenbäume und andere für das östliche Mittelmeer typische Gehölze wachsen. Ein zusammenhängender Wirtschaftswald entsteht daraus jedoch nicht.

Holz war in früheren Jahrhunderten dennoch ein wichtiger Rohstoff für die Inselbevölkerung. Da Kastellorizo nur über begrenzte eigene Holzvorräte verfügte, musste Bau- und Brennholz teilweise über den Seeweg eingeführt werden. Die enge Verbindung der Insel zur kleinasiatischen Küste erleichterte historisch die Beschaffung von Holz und anderen Naturprodukten aus größeren und waldreicheren Gebieten Anatoliens. Die Insel konnte dadurch ihren Bedarf decken, ohne selbst eine umfangreiche Forstwirtschaft entwickeln zu müssen.

Die lokale Nutzung von Gehölzen beschränkte sich auf kleinere Mengen. Holz wurde insbesondere als Brennstoff, für einfache Bauarbeiten, Reparaturen, Werkzeuge und verschiedene Gegenstände des täglichen Lebens verwendet. Für größere Bauvorhaben waren geeignete Hölzer dagegen nicht in ausreichender Menge vorhanden. Beim Bau größerer Gebäude und Schiffe musste deshalb auf importiertes Holz zurückgegriffen werden.

Fischerei

Die Fischerei gehört zu den ältesten wirtschaftlichen Tätigkeiten auf Kastellorizo. Die Insel liegt in einem fischreichen Abschnitt des östlichen Mittelmeers unmittelbar vor der kleinasiatischen Küste. Für die historische Bevölkerung war das Meer nicht nur Verkehrsraum für Handel und Seefahrt, sondern zugleich eine wichtige Nahrungs- und Erwerbsquelle. Fisch und Meeresfrüchte gehörten zur lokalen Ernährung und wurden über die örtlichen Märkte und Gaststätten vermarktet.

Während der wirtschaftlichen Blütezeit Kastellorizos im 19. und frühen 20. Jahrhundert war die Fischerei Teil einer wesentlich stärker maritim ausgerichteten Wirtschaft als heute. Viele Einwohner waren als Seeleute, Händler, Fischer oder in handwerklichen Berufen tätig, die von der Schifffahrt abhängig waren. Fischereifahrzeuge wurden lokal gewartet und repariert, und die Fischer waren auf die Hafenanlagen und die kleinen Werkstätten der Siedlung angewiesen.

Die Fischerei erfolgte traditionell mit kleinen Booten. Sie war überwiegend küstennah und wurde mit verschiedenen Netzen, Leinen und anderen handwerklichen Fanggeräten betrieben. Die Größe der Boote und die begrenzte technische Ausstattung ermöglichten vor allem den Fang von Arten, die in den Küstengewässern vorkommen. Der Fisch wurde frisch verkauft oder unmittelbar für den Eigenbedarf verarbeitet.

Die Nähe zur türkischen Küste prägte die Fischerei auch geografisch. Kastellorizo liegt nur wenige Kilometer von der anatolischen Küste entfernt. Die Fischgründe befinden sich damit in einem Meeresraum, der durch die Staatsgrenze zwischen Griechenland und der Türkei geteilt wird. Für die Fischer ist deshalb die Einhaltung der jeweiligen Hoheitsgewässer und der geltenden Fischereivorschriften von besonderer Bedeutung.

Zum örtlichen Fang gehören verschiedene Arten von Mittelmeerfischen sowie Meerestiere wie Tintenfische, Garnelen, Muscheln und Seeigel. Besonders Fisch und Meeresfrüchte spielen auch heute eine Rolle in der örtlichen Gastronomie. Restaurants und Tavernen bieten je nach saisonaler Verfügbarkeit frischen Fisch und Meeresfrüchte an. Der gastronomische Verbrauch stellt damit einen wichtigen Absatzmarkt für die noch vorhandene lokale Fischerei dar.

Die Fischerei ist heute allerdings nicht mehr mit der früheren wirtschaftlichen Bedeutung vergleichbar. Der starke Bevölkerungsrückgang des 20. Jahrhunderts verringerte die Zahl der Fischer ebenso wie die Nachfrage nach lokal produzierten Waren. Die Weltkriege, die Zerstörungen, die italienische Herrschaft und vor allem die massive Auswanderung führten dazu, dass viele Familien die Insel dauerhaft verließen. Damit ging auch ein Teil der traditionellen Fischereikultur verloren.

Hinzu kam die zunehmende Bedeutung des modernen Handels. Fisch und andere Lebensmittel können heute über den regelmäßigen Schiffsverkehr aus größeren griechischen Versorgungszentren auf die Insel gebracht werden. Die örtliche Fischerei ist deshalb nicht mehr die einzige Quelle für Fischprodukte. Gleichzeitig ist der lokale Markt aufgrund der geringen ständigen Einwohnerzahl sehr klein.

Der Tourismus hat die Absatzstruktur verändert. Während die Fischerei früher vor allem der Versorgung der eigenen Bevölkerung und dem lokalen Handel diente, wird der Fang heute auch von Restaurants und touristischen Betrieben nachgefragt. Während der Sommersaison steigt der Bedarf an Fisch und Meeresfrüchten durch die zahlreichen Besucher deutlich. Dadurch kann die touristische Gastronomie für die verbliebenen Fischer einen wichtigen Absatzmarkt darstellen.

Neben der Berufsfischerei gibt es auch private und kleinere Boote, die für Freizeitfischerei und Eigenbedarf genutzt werden. Diese Tätigkeit ist jedoch von der gewerblichen Fischerei zu unterscheiden. Die geringe Größe des örtlichen Fischereisektors bedeutet, dass nicht jeder Fischfang auf Kastellorizo automatisch Bestandteil einer kommerziellen Fischereiwirtschaft ist.

Die Fischerei steht außerdem in engem Zusammenhang mit dem Schutz der Meeresumwelt. Die Küstengewässer um Kastellorizo weisen eine vielfältige Meeresfauna auf. Meeresschildkröten, Delfine und andere Meerestiere kommen im weiteren Umfeld der Insel vor. Für eine nachhaltige Fischerei sind deshalb Fangbeschränkungen, Mindestgrößen, Schonzeiten und die Einhaltung der griechischen und europäischen Fischereivorschriften von Bedeutung.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Meeresschildkröten. Im östlichen Mittelmeer kommt die Unechte Karettschildkröte Caretta caretta vor. Sie nutzt griechische Inseln und Küstengebiete als Lebens- und Fortpflanzungsraum. Fischereigeräte können für Meeresschildkröten und andere geschützte Meerestiere eine Gefahr darstellen, weshalb die Einhaltung der entsprechenden Schutzvorschriften ein Bestandteil der heutigen Meereswirtschaft ist. Auch Delfine gehören zur Meeresfauna der Region. Verschiedene Delfinarten nutzen die Gewässer des östlichen Mittelmeers. Für die Fischerei bedeutet der Schutz dieser Tiere, dass Beifang vermieden und die geltenden Regeln für Fanggeräte und Fanggebiete eingehalten werden müssen.

Die Fischerei ist außerdem von den allgemeinen Veränderungen des Mittelmeers abhängig. Wassertemperatur, Fischbestände, Verschmutzung, Schiffsverkehr und Veränderungen der marinen Lebensräume beeinflussen die Verfügbarkeit der einzelnen Arten. Für eine kleine lokale Fischerei wirken sich solche Veränderungen besonders stark aus, weil die Fischer nur über begrenzte Möglichkeiten verfügen, ihre Fanggebiete und Fangmethoden großräumig anzupassen.

Der Hafen von Megísti ist das wichtigste Zentrum der örtlichen Fischerei. Dort können kleine Fischerboote anlegen, Ausrüstung lagern und den Fang an Land bringen. Gleichzeitig ist der Hafen heute stark vom Tourismus geprägt. Fähren, Ausflugsboote, private Yachten und Fischerboote nutzen denselben maritimen Raum. Die verschiedenen Nutzungen müssen daher räumlich und organisatorisch miteinander vereinbart werden.

Die historische Verbindung zwischen Fischerei und Schiffbau ist heute nur noch in stark verkleinerter Form vorhanden. Früher wurden Boote lokal gebaut und repariert, während heute viele Reparaturen, Ersatzteile und technische Dienstleistungen von außerhalb bezogen werden müssen. Größere Reparaturen können die Verbringung eines Bootes zu leistungsfähigeren Werften auf Rhodos oder dem griechischen Festland erforderlich machen.

Auch die Vermarktung des Fangs hat sich verändert. Früher konnten Fischer ihre Produkte unmittelbar innerhalb der Inselgemeinschaft verkaufen oder über die Handelsbeziehungen Kastellorizos weitervermitteln. Heute ist der lokale Absatzmarkt klein. Die wirtschaftliche Rentabilität eines Fischereibetriebes hängt daher stärker von den Fangmengen, den Betriebskosten, den Treibstoffpreisen und dem saisonalen Absatz in der Gastronomie ab.

Bergbau

Der geologische Untergrund der Insel besteht überwiegend aus Kalkgesteinen und anderen karbonatischen Gesteinen. Diese Gesteine prägen die Landschaft, die Steilküsten und zahlreiche natürliche Höhlen und Karsterscheinungen. Besonders auffällig sind die teilweise steil aufragenden Felsbereiche an der Küste und die durch Verwitterung und Lösung entstandenen Hohlräume. Für die historische Bevölkerung war der Stein vor allem als lokaler Baustoff von Bedeutung und nicht als industriell zu vermarktender mineralischer Rohstoff.

Kalkstein konnte grundsätzlich für Bauzwecke genutzt werden. Auf einer Insel mit einer traditionell stark auf lokale Materialien ausgerichteten Bauwirtschaft wurden Steine für Hausmauern, Stützmauern, Wege, Befestigungsanlagen und andere Bauwerke verwendet. Die historischen Gebäude von Kastellorizo bestehen zu einem erheblichen Teil aus Steinmauerwerk, das mit Mörtel verbunden und mit Putz versehen wurde. Auch bei den historischen Befestigungsanlagen spielte der vorhandene Stein eine wichtige Rolle.

Eine besondere Bedeutung besitzt das Gestein im Zusammenhang mit den historischen Zisternen. Die Wasserversorgung der Insel war wegen der fehlenden größeren natürlichen Süßwasserläufe ein dauerhaftes Problem. Deshalb wurden Regenwasserzisternen angelegt. Diese Anlagen, die auf Kastellorizo unter anderem als Acheres bezeichnet werden, nutzten die baulichen Möglichkeiten des örtlichen Gesteins und dienten der Sammlung und Speicherung von Regenwasser. Der Stein war damit unmittelbar Bestandteil der historischen Infrastruktur, ohne dass daraus ein eigenständiger Bergbauzweig entstand.

Auch beim Bau des Hafens, der Befestigungen und der traditionellen Wohnhäuser wurde lokales Gestein verwendet. Die mittelalterliche Burganlage über dem Hafen entstand auf den Resten älterer Befestigungen und nutzte die topografisch und geologisch günstige Felslage. Die steilen Felsbereiche der Insel waren für die Verteidigung besonders geeignet. Der Palaiokastro genannte befestigte Bereich im Inselinneren zeigt ebenfalls die Verbindung zwischen der natürlichen Felslandschaft und der historischen Nutzung.

Handwerk

Während der wirtschaftlichen Blütezeit im 19. und frühen 20. Jahrhundert lebte ein großer Teil der Bevölkerung unmittelbar oder mittelbar von der Seefahrt, vom Handel und von der Fischerei. Dadurch entstand ein umfangreicher Bedarf an handwerklichen Berufen. Besonders wichtig waren Tätigkeiten, die für den Bau, die Ausrüstung und die Instandhaltung von Schiffen benötigt wurden. Dazu gehörten Holzarbeiten, Schiffszimmererei, Metallarbeiten, Seilerei und die Herstellung beziehungsweise Reparatur verschiedener Ausrüstungsgegenstände.

Der Schiffbau hatte aufgrund der Lage der Insel am östlichen Rand der Ägäis eine besondere Bedeutung. Boote waren für Fischerei, Küstenhandel, Personenverkehr und die Verbindung mit den umliegenden Häfen unverzichtbar. Kleine Werften und Werkstätten konnten deshalb einen Teil des örtlichen Bedarfs decken. Neben dem Neubau spielte die Reparatur von Holzbooten eine wichtige Rolle, da die Fischer- und Handelsfahrzeuge regelmäßig gewartet werden mussten.

Auch die Verarbeitung von Holz gehörte zu den traditionellen handwerklichen Tätigkeiten. Zimmerleute fertigten Bauteile für Wohnhäuser, Türen, Fenster, Möbel und Schiffsaufbauten. Gerade die historischen Häuser von Megísti zeigen die Bedeutung qualifizierter Bau- und Holzhandwerker. Die für Kastellorizo charakteristische historische Bebauung mit ihren Holzelementen, Türen, Fenstern, Balkonen und Innenausbauten erforderte spezialisierte Kenntnisse.

Steinmetzen und Maurer waren ebenfalls von großer Bedeutung. Auf der Insel wurden Kirchen, Wohnhäuser, Befestigungsanlagen, Zisternen und andere Bauwerke aus lokal verfügbarem Stein errichtet. Die historischen Festungs- und Sakralbauten zeigen die Bedeutung dieser Gewerke über einen langen Zeitraum. Besonders bei der Errichtung und Instandhaltung von Zisternen war handwerkliches Können erforderlich, weil die Behälter wasserdicht konstruiert und an die örtlichen Niederschlagsbedingungen angepasst werden mussten.

Das Bauhandwerk erreichte während der wirtschaftlichen Blütezeit einen hohen Entwicklungsstand. Der Wohlstand der Inselbevölkerung ermöglichte repräsentative Wohnhäuser und öffentliche Gebäude. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist die Sandrapia-Städtische Schule von 1902/03, deren monumentale neoklassizistische Architektur den damaligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anspruch der Insel widerspiegelt. Für solche Gebäude wurden Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Metallhandwerker und weitere spezialisierte Fachkräfte benötigt.

Auch die Metallverarbeitung gehörte zum traditionellen Handwerk. Schmiede stellten Werkzeuge, Beschläge, Nägel und andere Gebrauchsgegenstände her. Für die Schifffahrt waren Metallbeschläge und Reparaturarbeiten unverzichtbar. Darüber hinaus wurden Metallteile für Häuser, Türen und Möbel angefertigt. Mit der zunehmenden Industrialisierung und der Verbreitung industriell hergestellter Produkte verlor dieses lokale Gewerbe jedoch einen großen Teil seines ursprünglichen Absatzmarktes.

Ein weiterer Bereich des traditionellen Handwerks war die Herstellung und Verarbeitung von Textilien. Die traditionelle Kleidung der Frauen auf Kastellorizo war aufwendig gearbeitet und verwendete unter anderem Seide, Samt, Gold- und Silberfäden, Stickereien und dekorative Knöpfe. Die Festkleidung umfasste mehrere aufeinander abgestimmte Kleidungsstücke wie Ipokámiso, Katofóri, Zepuni, Kavadi, Zosma und Gunna sowie das Mandili. Die Herstellung und Verzierung solcher Kleidungsstücke erforderte Näherinnen, Stickerinnen und weitere Textilhandwerkerinnen. Besonders aufwendige Festkleidung wurde mit Gold- und Silberfäden sowie Schmuckelementen verziert.

Die Schmuckherstellung war ebenfalls Bestandteil der traditionellen Handwerkskultur. Schmuckstücke wie Halsketten, Broschen, Anhänger und Ohrringe wurden teilweise aus Edelmetallen gefertigt. In der traditionellen Kleidung wurden außerdem ältere venezianische oder byzantinische Goldmünzen als Schmuckelemente verwendet. Dadurch verband sich die lokale Kleidung mit den historischen Handelsbeziehungen der Insel und mit der materiellen Kultur des östlichen Mittelmeerraums.

Die handwerkliche Verarbeitung von Lebensmitteln gehört ebenfalls zur traditionellen Inselwirtschaft. Fisch und Meeresfrüchte wurden unmittelbar verarbeitet und haltbar gemacht. Auch die Herstellung traditioneller Speisen wie Revithokeftedes, Salantroumasi, Saitia und Katoumaria gehört zum kulturellen Erbe der Insel. Bei diesen Produkten handelt es sich allerdings überwiegend um häusliche beziehungsweise gastronomische Traditionen und nicht um einen eigenständigen industriellen Lebensmittelhandwerkssektor.

Mit dem Niedergang der Handels- und Schifffahrtswirtschaft verloren zahlreiche traditionelle Handwerksberufe ihre wirtschaftliche Grundlage. Die Weltkriege, die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die italienische Herrschaft und insbesondere die starke Auswanderung führten zu einem drastischen Rückgang der Bevölkerung. Viele Familien verließen Kastellorizo und gingen unter anderem nach Australien. Dadurch gingen auch handwerkliche Kenntnisse und Werkstätten zurück, weil nicht nur die Kunden, sondern auch die Handwerker selbst die Insel verließen.

Wasserwirtschaft

In der Vergangenheit musste die Bevölkerung deshalb das vorhandene Regenwasser möglichst vollständig nutzen. Ein wichtiges Element dieser traditionellen Wasserwirtschaft waren Zisternen. Auf Kastellorizo befinden sich zahlreiche historische Wasserspeicher, die teilweise bereits aus früheren Epochen stammen und insbesondere während der osmanischen Herrschaft ausgebaut wurden. Zu den bekannten Anlagen gehören die sogenannten „Acheres“. Sie dienten dazu, Regenwasser aufzufangen und für die spätere Nutzung zu speichern. Die Bezeichnung steht im Zusammenhang mit dem griechischen Begriff für stehendes beziehungsweise gespeichertes Wasser.

Die Zisternen waren für die historische Bevölkerung von großer Bedeutung, weil es keine ergiebigen natürlichen Quellen gab, die den Wasserbedarf einer größeren Siedlung dauerhaft hätten decken können. Das von den Dächern und befestigten Flächen ablaufende Regenwasser wurde gesammelt und in unterirdischen oder teilweise baulich eingefassten Behältern gespeichert. Auf diese Weise konnte Wasser über längere Zeiträume verfügbar gehalten werden.

Die historische Bedeutung dieser Speicheranlagen zeigt, dass die Wasserversorgung auf Kastellorizo schon lange an die natürlichen Grenzen der Insel angepasst werden musste. Die Bevölkerung konnte ihren Wasserbedarf nicht durch große Grundwasservorkommen oder Flüsse decken. Stattdessen waren Regenwassersammlung, Speicherung und ein sparsamer Verbrauch entscheidende Bestandteile der lokalen Wasserversorgung.

Die moderne Wasserversorgung unterscheidet sich technisch erheblich von diesem historischen System. Für die heutige Bevölkerung und die touristischen Betriebe reicht die natürliche Regenwassersammlung allein nicht aus. Deshalb wird Trinkwasser über eine Kombination aus örtlicher Infrastruktur und externer beziehungsweise technisch erzeugter Wasserversorgung bereitgestellt. Bei einer kleinen Insel wie Kastellorizo spielt dabei insbesondere die Entsalzung von Meerwasser eine wichtige Rolle.

Meerwasserentsalzung ermöglicht es, die praktisch unbegrenzte Ressource Meerwasser als Ausgangsstoff für die Trinkwasserproduktion zu nutzen. Dafür werden technische Entsalzungsanlagen eingesetzt, die gelöste Salze und andere Bestandteile des Meerwassers entfernen. Das Verfahren benötigt allerdings erhebliche Mengen elektrischer Energie. Damit besteht eine direkte Verbindung zwischen Wasser- und Energiewirtschaft: Je größer die Menge des entsalzten Wassers ist, desto höher ist grundsätzlich auch der Energiebedarf der Wasserversorgung.

Energiewirtschaft

Die Insel ist nicht über ein Unterseekabel mit dem kontinentalen griechischen Stromnetz verbunden und bildet daher ein eigenständiges, nicht verbundenes Elektrizitätssystem. Die Stromversorgung muss innerhalb des Inselnetzes gewährleistet werden. Wegen der geringen Einwohnerzahl ist der absolute Energiebedarf zwar klein, die Versorgungssicherheit besitzt jedoch eine besondere Bedeutung, weil bei einer Störung keine unmittelbare Ausweichmöglichkeit über ein überregionales Stromnetz besteht.

Die Stromerzeugung erfolgt im Rahmen des griechischen Systems der nicht verbundenen Inselnetze. Für diese Inseln spielen thermische Kraftwerke und insbesondere dieselbetriebene beziehungsweise mit flüssigen Brennstoffen betriebene Erzeugungsanlagen traditionell eine zentrale Rolle. Der benötigte Brennstoff muss mit Schiffen angeliefert werden. Damit besteht eine direkte Verbindung zwischen Energieversorgung und Schifffahrt: Nicht nur Lebensmittel, Baumaterialien und andere Verbrauchsgüter, sondern auch Energieträger müssen über das Meer auf die Insel gelangen.

Der Stromverbrauch schwankt stark zwischen Winter und Sommer. Während der kalten beziehungsweise touristisch ruhigen Jahreszeit entspricht die Nachfrage im Wesentlichen dem Bedarf der ständigen Bevölkerung. Im Sommer steigt sie durch Hotels, Pensionen, Restaurants, Cafés, Geschäfte und die größere Zahl von Besuchern deutlich an. Zusätzlich erhöht der Einsatz von Klimaanlagen während der heißen Monate den elektrischen Verbrauch. Die Stromversorgung muss deshalb auch saisonale Spitzenlasten bewältigen, obwohl die ganzjährige Einwohnerzahl sehr niedrig ist.

Die Bedeutung fossiler Brennstoffe ist vor diesem Hintergrund besonders groß. Anders als auf Inseln, die über ein leistungsfähiges Stromkabel mit dem Festland oder einem größeren Inselnetz verbunden sind, kann Kastellorizo einen kurzfristigen Mehrbedarf nicht einfach durch zusätzliche elektrische Energie aus einem Verbundnetz decken. Die Erzeugungskapazität des lokalen Systems muss deshalb ausreichend dimensioniert sein, und die Brennstoffversorgung muss kontinuierlich funktionieren.

Neben der konventionellen Stromerzeugung besitzt Kastellorizo erhebliche Voraussetzungen für erneuerbare Energien. Die Insel verfügt über eine hohe Sonneneinstrahlung und weist aufgrund ihrer südöstlichen Lage im Dodekanes grundsätzlich gute Bedingungen für Photovoltaik auf. Solarenergie kann insbesondere zur Deckung des Tagesbedarfs beitragen und damit den Einsatz von dieselbetriebenen Erzeugungsanlagen reduzieren. Eine solche Nutzung muss allerdings mit dem begrenzten verfügbaren Raum, dem Landschaftsschutz und dem historischen Ortsbild der Insel abgestimmt werden.

Auch die Gemeinde Megísti befasst sich inzwischen ausdrücklich mit der Energiewende. Kastellorizo wurde in die Initiative „GReco Islands“ aufgenommen. Im Rahmen dieser Initiative wird ein lokaler Aktionsplan für eine nachhaltigere Entwicklung der Insel ausgearbeitet. Zu den behandelten Themen gehören erneuerbare Energien, Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität, Digitalisierung und Umweltschutz. Die Gemeinde betrachtet die Energieversorgung damit nicht mehr ausschließlich als technische Infrastruktur, sondern als Teil einer umfassenderen Entwicklungsplanung. (kastellorizo.gov.gr)

Abfallwirtschaft

Die Abfallwirtschaft auf Kastellorizo liegt in der Verantwortung der Gemeinde Megísti. Auf der offiziellen Internetseite der Gemeinde ist die kommunale Aufgabe „Καθαριότητα και Περιβάλλον“, also „Sauberkeit und Umwelt“, als eigener Bereich der Dienstleistungen für die Bevölkerung ausgewiesen. Damit gehören Straßen- und Ortsreinigung, die kommunale Abfallbeseitigung und umweltbezogene Aufgaben zum Zuständigkeitsbereich der Gemeinde.

Die besonderen Bedingungen der Insel bestimmen die Abfallwirtschaft wesentlich. Kastellorizo besitzt nur eine sehr kleine ständige Bevölkerung und lediglich einen einzigen größeren Siedlungsbereich am Hafen. Dadurch konzentrieren sich die regelmäßig anfallenden Haushalts- und Gewerbeabfälle räumlich auf Megísti. Gleichzeitig nimmt die Abfallmenge während der Tourismussaison deutlich zu, weil sich zusätzlich zahlreiche Besucher, Beschäftigte und Tagesgäste auf der Insel aufhalten. Die Gemeinde muss deshalb eine Infrastruktur vorhalten, die sowohl die ganzjährige Grundversorgung als auch die saisonalen Spitzen bewältigt.

Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass Kastellorizo nur über begrenzte eigene Entsorgungsmöglichkeiten verfügt. Die Insel ist 72 Seemeilen von Rhodos entfernt und nur 1,25 Seemeilen von der türkischen Küste. Die Gemeinde weist diese Entfernungen ausdrücklich aus. Größere Mengen von Abfällen, Abfallfraktionen oder Materialien, die außerhalb der Insel weiterbehandelt werden müssen, sind daher auf Transportverbindungen angewiesen. Die Abfallwirtschaft ist damit unmittelbar mit dem Schiffsverkehr verbunden.

Die Abfälle aus Haushalten und Betrieben werden zunächst innerhalb der Siedlung gesammelt. Für die Bevölkerung und die örtlichen Unternehmen ist eine regelmäßige kommunale Abfuhr erforderlich, weil auf der kleinen Insel weder große private Entsorgungsunternehmen noch ein umfangreiches Netz verschiedener Abfallbehandlungsanlagen vorhanden ist. Die kommunale Organisation ist deshalb für die Aufrechterhaltung der Sauberkeit des Ortsbereiches von zentraler Bedeutung.

Zu den wichtigsten Abfallquellen gehören die privaten Haushalte, die Gastronomie, Lebensmittelgeschäfte, Unterkünfte und die übrigen touristischen Betriebe. Während der Sommermonate fallen insbesondere mehr Verpackungen, Glas, Kunststoffbehälter, Lebensmittelreste und sonstige verbrauchsbedingte Abfälle an. Restaurants und Cafés erzeugen darüber hinaus organische Küchenabfälle und größere Mengen an Getränkeverpackungen. Die touristische Saison stellt damit die größte Belastung für die örtliche Abfalllogistik dar.

Die Gastronomie besitzt auf Kastellorizo wegen der starken Konzentration von Restaurants, Tavernen und Cafés eine besondere Bedeutung. Die offizielle Gemeindeseite führt zahlreiche gastronomische Betriebe im Ortsbereich auf. Die Abfallwirtschaft muss deshalb nicht nur die privaten Haushalte, sondern auch eine saisonal stark schwankende Zahl gewerblicher Abfallerzeuger versorgen.

Eine besondere Herausforderung stellen sperrige Abfälle und ausgediente Gegenstände dar. Möbel, Elektrogeräte, Baumaterialien, Verpackungen größerer Lieferungen und andere sperrige Gegenstände können wegen der geringen Größe des örtlichen Marktes nicht in größeren Mengen auf der Insel verwertet werden. Solche Materialien müssen deshalb aus dem normalen Haushaltsabfall getrennt behandelt und gegebenenfalls mit dem Seeverkehr von der Insel abtransportiert werden.

Auch die Versorgung der Insel mit Waren beeinflusst das Abfallaufkommen. Da Kastellorizo einen erheblichen Teil seiner Lebensmittel, Getränke, Haushaltswaren, Baumaterialien und sonstigen Verbrauchsgüter von außerhalb beziehen muss, gelangen gleichzeitig Verpackungen auf die Insel. Karton, Kunststoff, Glas und andere Verpackungsmaterialien fallen damit unmittelbar nach dem Verkauf oder Verbrauch als Abfall an. Bei einer Insel ohne große eigene Recycling- und Verarbeitungsindustrie müssen diese Stoffe anschließend gesammelt und aus dem lokalen Wirtschaftskreislauf abgeführt werden.

Recycling ist Bestandteil der übergeordneten Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik der Insel. Kastellorizo nimmt seit 2026 an der Initiative „GReco Islands“ teil. Der von der Gemeinde ausgearbeitete lokale Aktionsplan soll einen umfassenden nachhaltigen Wandel der Insel unterstützen und umfasst ausdrücklich den Umweltschutz. Das Programm wird im Rahmen der technischen Unterstützung des griechischen Programms ESPA 2021–2027 durchgeführt.

Die Teilnahme an „GReco Islands“ ist insbesondere deshalb bedeutsam, weil Abfallwirtschaft auf kleinen Inseln nicht isoliert betrachtet werden kann. Sie steht in engem Zusammenhang mit dem Schutz der Küsten und des Meeres, der Verringerung des Ressourcenverbrauchs, nachhaltiger Mobilität und der allgemeinen Umweltplanung. Für Kastellorizo ist dies besonders wichtig, weil Abfälle, die nicht ordnungsgemäß gesammelt und abtransportiert werden, wegen der kleinen Fläche und der unmittelbaren Nähe zum Meer schnell zu einem lokalen Umweltproblem werden können.

Handel

In Megisti befinden sich die wichtigsten Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe der Insel. Das örtliche Handelsangebot ist aufgrund der geringen Einwohnerzahl deutlich kleiner als auf größeren griechischen Inseln. Es dient einerseits der Versorgung der ständigen Bevölkerung, andererseits der Versorgung der während der Sommersaison erheblich zunehmenden Zahl von Besuchern.

Zum Grundbedarf gehören Lebensmittelgeschäfte und kleinere Supermärkte, in denen Lebensmittel des täglichen Bedarfs, Getränke, Haushaltswaren und verschiedene Verbrauchsgüter erhältlich sind. Das Angebot umfasst sowohl griechische und lokale Produkte als auch Waren, die von außerhalb der Insel angeliefert werden. Frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch werden teilweise saisonabhängig und in kleinen Mengen angeboten. Eine größere Auswahl an Waren ist nicht dauerhaft verfügbar, sodass die Versorgung eng an die regelmäßigen Lieferungen vom griechischen Festland und insbesondere von Rhodos gebunden ist.

Eine Apotheke gehört ebenfalls zur örtlichen Versorgungsstruktur. Sie übernimmt neben dem Verkauf von Arzneimitteln auch die Versorgung mit medizinischen Produkten des täglichen Bedarfs. Da Kastellorizo über keine größere Krankenhausinfrastruktur verfügt, besitzt die Apotheke für die alltägliche Gesundheitsversorgung eine besondere Bedeutung.

Der touristische Handel bildet einen zweiten wichtigen Bereich. In Megísti gibt es Geschäfte und Verkaufsstellen, die sich auf Souvenirs, lokale Erzeugnisse und typische Geschenkartikel konzentrieren. Angeboten werden unter anderem traditionelle Lebensmittel, lokale Produkte, Schmuck, Kunsthandwerk und Gegenstände mit Motiven der Insel. Das Geschäftsjahr dieser Betriebe ist stark vom Tourismus abhängig. Während der Sommermonate sind deutlich mehr Geschäfte geöffnet als in der winterlichen Nebensaison.

Eine wichtige Rolle spielt außerdem der Verkauf regionaler Lebensmittel. Die Küche von Kastellorizo verwendet unter anderem Fisch und Meeresfrüchte, Kichererbsen, Zwiebeln, Reis, Honig und Milchprodukte. Einige dieser Erzeugnisse werden lokal beziehungsweise regional bezogen, während größere Mengen über den Handel eingeführt werden müssen. Auch Wein und andere alkoholische Getränke werden überwiegend über das griechische Handels- und Vertriebssystem auf die Insel gebracht.

Der Fischhandel ist historisch eng mit der örtlichen Seefahrt verbunden. Kastellorizo besitzt eine lange Tradition der Fischerei, wobei der Fang früher nicht nur der Selbstversorgung, sondern auch dem Verkauf und dem Handel diente. Heute ist die Fischerei wesentlich kleiner als während der früheren wirtschaftlichen Blütezeit der Insel. Frischer Fisch und Meeresfrüchte werden dennoch weiterhin in der örtlichen Gastronomie und im lokalen Lebensmittelhandel verwendet.

Finanzwesen

Das einzige örtliche Kreditinstitut ist die National Bank of Greece, griechisch Εθνική Τράπεζα της Ελλάδος beziehungsweise ΕΤΕ. Die Bank unterhält in Megísti eine eigene Filiale mit der Filialnummer 844. Sie ist im offiziellen Filialverzeichnis der National Bank of Greece für Kastellorizo mit der Postleitzahl 85111 und der Telefonnummer 22460 48901 eingetragen. Die Filiale ist montags bis freitags von 8.00 bis 14.00 Uhr geöffnet.

Die NBG-Filiale übernimmt für die Insel ein ungewöhnlich breites Spektrum an Bankdienstleistungen. Dazu gehören die Betreuung privater Kunden bei Einlagen und Anlageprodukten, Versicherungsprogramme, Kreditgeschäfte, Karten- und POS-Dienstleistungen sowie die Abwicklung von Bankgeschäften über das elektronische i-Banking. Außerdem bietet die Filiale den An- und Verkauf von Fremdwährungen an. Damit können sowohl die dauerhaft auf der Insel lebenden Haushalte als auch Unternehmen und Besucher grundlegende Bankgeschäfte vor Ort erledigen.

Zur Bank gehört auch ein Geldautomat. Die Gemeinde Megísti führt die Bank ausdrücklich in ihrer Übersicht der wichtigen örtlichen Telefonnummern als „Τράπεζα (με ΑΤΜ)“, also als Bank mit Geldautomat. Damit besteht auf der Insel zumindest eine stationäre Möglichkeit zur Bargeldversorgung.

Soziales und Gesundheit

Das Sozialwesen auf Kastellorizo wird im Wesentlichen durch die Gemeinde Megísti, die staatlichen Sozialversicherungssysteme Griechenlands und regionale Einrichtungen der Region Südliche Ägäis getragen. Die Gemeinde verfügt über Verwaltungsstellen für Melderegister, Personenstand und kommunale Angelegenheiten und stellt den Einwohnern verschiedene Bescheinigungen und Verwaltungsleistungen zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem Familienstands-, Staatsangehörigkeits- und Verwandtschaftsbescheinigungen sowie Leistungen im Zusammenhang mit dem Melderegister. Die kommunale Verwaltung übernimmt damit auch Aufgaben, die für den Zugang zu staatlichen Sozialleistungen und zur sozialen Absicherung notwendig sind.

Eine besondere Bedeutung hat auf Kastellorizo die soziale Unterstützung einkommensschwacher Haushalte. Das regionale Observatorium für soziale Inklusion der Südlichen Ägäis untersuchte die soziale Situation der Gemeinde Megísti und stellte dabei fest, dass insbesondere einzelne Familien in Armut Unterstützung benötigen. Als weiteres konkretes Problem wurde die Betreuung von Kindern mit Lernschwierigkeiten genannt. Nach Angaben des zuständigen stellvertretenden Bürgermeisters fehlte es diesen Kindern bislang an ausreichender spezialisierter Unterstützung, wodurch auch die Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten belastet wurden.

Ein weiteres soziales Problem ist die Wohnsituation für Beschäftigte, die von außerhalb auf die Insel kommen. Dazu gehören insbesondere Ärzte und Pflegepersonal, Lehrkräfte und andere öffentliche Bedienstete. Das regionale Sozialobservatorium stellte 2026 fest, dass die Bereitstellung von Wohnraum für diese Personen auf Kastellorizo zunehmend zu einem Problem wird. Die geringe Zahl verfügbarer Wohnungen und die saisonal stark erhöhte Nachfrage nach Unterkünften wirken sich damit nicht nur auf den Tourismus, sondern auch auf die dauerhafte Besetzung wichtiger öffentlicher Dienstleistungen aus.

Die Gemeinde ist außerdem in das Programm „GReco Islands“ eingebunden. Im Rahmen dieser Initiative wird seit 2026 ein lokaler Aktionsplan für Megísti ausgearbeitet. Dieser umfasst neben grüner Energie, nachhaltiger Mobilität, Umweltschutz und Digitalisierung ausdrücklich auch die Stärkung des menschlichen Potenzials und des sozialen Zusammenhalts der Inselgemeinschaft. Der Plan wird im Rahmen des griechischen ESF- und EFRE-finanzierten Programms 2021–2027 erstellt.

Historisch war die soziale Absicherung auf Kastellorizo teilweise wesentlich stärker durch die örtliche Gemeinschaft und wohlhabende Auswanderer geprägt. Während der wirtschaftlichen Blütezeit im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert konnten aus den Einnahmen der Seefahrt, des Handels und privater Stiftungen Einrichtungen finanziert werden, die für eine kleine Insel außergewöhnlich umfangreich waren. Die Gemeinde selbst bezeichnet insbesondere die damals kostenlose medizinische und pharmazeutische Versorgung als Ausdruck dieses Wohlstands. Sie stand neben dem ebenfalls weit entwickelten Schulwesen und wurde aus den wirtschaftlichen Ressourcen der Inselgesellschaft getragen.

Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen verfügt heute über eine medizinische Grundversorgung auf der Insel. Die Gemeinde führt ein örtliches „Ιατρικό Κέντρο“, also ein medizinisches Zentrum beziehungsweise eine ärztliche Versorgungseinrichtung, mit einer eigenen Telefonnummer. Zusätzlich besteht eine Apotheke. Für Notfälle stehen die griechischen landesweiten Notrufsysteme zur Verfügung; die Gemeinde nennt insbesondere 112 als europäischen Notruf und 166 für das Nationale Zentrum für Soforthilfe (EKAB).

Die medizinische Versorgung auf Kastellorizo ist wegen der geringen Einwohnerzahl nicht mit der eines größeren Krankenhauses auf Rhodos oder dem griechischen Festland vergleichbar. Auf der Insel können vor allem medizinische Grundversorgung, ärztliche Untersuchungen und die Behandlung weniger komplizierter Erkrankungen erfolgen. Für spezialisierte Diagnostik, operative Eingriffe, stationäre Behandlung, Intensivmedizin und andere Leistungen, die eine größere medizinische Infrastruktur voraussetzen, ist eine Verlegung außerhalb der Insel erforderlich. Rhodos bildet dabei das wichtigste regionale medizinische Zentrum.

Für die Notfallmedizin ist die geografische Lage deshalb von besonderer Bedeutung. Kastellorizo liegt nur etwa 1,25 Seemeilen von der türkischen Küste entfernt, aber rund 72 Seemeilen von Rhodos. Die Entfernung zum griechischen regionalen Versorgungszentrum ist damit erheblich größer als die Entfernung zur nächstgelegenen ausländischen Küste. Die reguläre Gesundheitsversorgung bleibt dennoch Teil des griechischen Gesundheitssystems. Bei schweren medizinischen Notfällen müssen die Patienten entsprechend der medizinischen und logistischen Möglichkeiten auf größere medizinische Einrichtungen weitertransportiert werden.

Zur gesundheitlichen Infrastruktur gehören neben der ärztlichen Versorgung auch die Apotheke und die Möglichkeiten des Rettungsdienstes. Die kommunale Übersicht führt das medizinische Zentrum, die Apotheke, das örtliche Polizeirevier, die Feuerwehr und das EKAB als Bestandteile der örtlichen beziehungsweise erreichbaren Notfallstruktur auf. Dadurch besteht auf der kleinen Insel zumindest eine Grundstruktur für medizinische und soziale Notfälle.

Krankheiten

In der Vergangenheit waren Infektionskrankheiten, die auf anderen Mittelmeerinseln ebenfalls verbreitet waren, von Bedeutung. Dazu gehörten insbesondere Malaria, Tuberkulose, Typhus und verschiedene Darminfektionen. Ihre Verbreitung wurde durch die damaligen hygienischen Verhältnisse, die Qualität der Trinkwasserversorgung und die Möglichkeiten der medizinischen Behandlung beeinflusst. Mit der Verbesserung der Wasserversorgung, der Abwasserentsorgung, der Hygiene, der Impfungen und der medizinischen Versorgung verloren diese Krankheiten ihre frühere Bedeutung.

Eine besondere Rolle spielte auf Kastellorizo die Wasserversorgung. Wegen der trockenen klimatischen Bedingungen und des Fehlens größerer natürlicher Wasserläufe war die Sammlung von Regenwasser in Zisternen seit der Antike und auch während der osmanischen Zeit von großer Bedeutung. Die historischen Zisternen, die als „Acheres“ bezeichnet werden, dienten der Speicherung von Wasser. Eine sichere Trinkwasserversorgung ist zugleich ein wesentlicher Faktor bei der Vermeidung wasserbedingter Infektionskrankheiten.

Heute entsprechen die auf Kastellorizo vorkommenden Erkrankungen grundsätzlich dem Krankheitsspektrum Griechenlands. Bei einer alternden und kleinen Bevölkerung haben insbesondere chronische, nichtübertragbare Krankheiten eine größere Bedeutung als klassische Seuchen. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, chronische Atemwegserkrankungen sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates. Auch Krebserkrankungen gehören zum allgemeinen Krankheitsspektrum der griechischen Bevölkerung. Eine belastbare inselspezifische Aufschlüsselung nach einzelnen Diagnosen liegt jedoch nicht vor.

Bei Infektionskrankheiten gelten auf Kastellorizo die allgemeinen griechischen Überwachungs- und Impfprogramme. Für Kinder werden die im griechischen nationalen Impfprogramm vorgesehenen Impfungen durchgeführt. Bei saisonalen Infektionen wie Influenza und COVID-19 gelten ebenfalls die nationalen Empfehlungen und Überwachungssysteme. Aufgrund der geringen Einwohnerzahl können bereits wenige Erkrankungsfälle statistisch zu starken Schwankungen führen, weshalb aus einzelnen lokalen Fallzahlen keine langfristigen Krankheitstrends der Insel abgeleitet werden können.

Die abgelegene Lage ist für die medizinische Versorgung besonders wichtig. Bei schweren Erkrankungen, komplizierten Verletzungen, Operationen, intensivmedizinischen Notfällen oder Untersuchungen, die auf der Insel nicht durchgeführt werden können, ist eine Verlegung auf eine größere medizinische Einrichtung erforderlich. Dabei spielt vor allem die Verbindung nach Rhodos eine wichtige Rolle. Die medizinische Versorgung auf Kastellorizo muss deshalb zwischen der lokalen Grundversorgung und der überregionalen Versorgung auf größeren Inseln beziehungsweise auf dem griechischen Festland unterschieden werden.

Auch die starke saisonale Veränderung der Bevölkerung beeinflusst die gesundheitliche Situation. Während der touristischen Monate halten sich wesentlich mehr Menschen auf der Insel auf als während des Winters. Dadurch steigt insbesondere der Bedarf an ambulanter medizinischer Behandlung und an Notfallversorgung. Für schwere Notfälle bleibt jedoch unabhängig von der Jahreszeit die schnelle Weiterleitung an ein leistungsfähigeres Krankenhaus entscheidend.

Eine Besonderheit Kastellorizos ist außerdem die Nähe zur türkischen Küste. Die türkische Stadt Kaş liegt nur wenige Kilometer entfernt und ist von der Insel aus sichtbar. Diese geografische Nähe verändert jedoch nicht die grundsätzliche Zuständigkeit des griechischen Gesundheitssystems: Die reguläre Gesundheitsversorgung der Einwohner erfolgt über das griechische staatliche System. Für weiterführende Diagnostik und Behandlung bestehen die entscheidenden medizinischen Bezüge zu Rhodos und zum griechischen Festland.

Bildung

Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich während der zweiten osmanischen Herrschaft ein vergleichsweise umfangreiches Bildungswesen. Der wirtschaftliche Aufschwung der Insel durch Seefahrt und Handel ermöglichte den Aufbau mehrerer Schulen. Nach Angaben der Gemeinde Megísti bestanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine städtische Schule für Knaben, eine Mädchenschule, eine gemischte Schule für jüngere Kinder und ein Kindergarten. Die städtische Schule hatte acht Lehrer und 480 Schüler, die Mädchenschule sieben Lehrerinnen und 400 Schülerinnen; im Kindergarten betreute eine Kindergärtnerin etwa 100 Kinder. Diese Zahlen dokumentieren die damalige Größe der Bevölkerung und den hohen Stellenwert, den die Inselgesellschaft der Bildung beimaß.

Das bedeutendste historische Schulgebäude ist die Sandrapia-Städtische Schule, die griechisch Σαντραπεία Αστική Σχολή heißt. Sie wurde 1902 bis 1903 von dem aus Kastellorizo stammenden Wohltäter Loukas Sandrapes und seiner Familie errichtet. Das Gebäude wurde architektonisch an die Propyläen der Universität Athen angelehnt und besitzt eine repräsentative neoklassizistische Fassade. Sandrapes verfolgte damit das Ziel, der Bevölkerung der Insel eine hochwertige Schulbildung zu ermöglichen und zugleich die Abwanderung der jungen Bevölkerung einzudämmen. Das Gebäude ist bis heute ein wichtiges Bildungsgebäude der Insel.

Heute gehört das Bildungswesen von Kastellorizo vollständig zum griechischen staatlichen Schulsystem. Auf der Insel bestehen ein Kindergarten (Νηπιαγωγείο Μεγίστης Καστελλορίζου), die Grundschule von Megísti (Δημοτικό Σχολείο Μεγίστης) und das Gymnasium von Kastellorizo mit angeschlossenen Lyzeumsklassen (Γυμνάσιο με Λυκειακές Τάξεις Καστελλορίζου). Damit können Kinder und Jugendliche grundsätzlich vom Kindergarten bis zum Abschluss der allgemeinbildenden Sekundarstufe auf der Insel unterrichtet werden. Das Gymnasium mit Lyzeumsklassen wird auch von der Europäischen Schulbildungsplattform der Europäischen Kommission als Bildungseinrichtung der unteren und oberen Sekundarstufe geführt.

Die geringe Schülerzahl führt allerdings zu einer besonderen Organisationsform des Unterrichts. Das Δημοτικό Σχολείο Μεγίστης wurde zuletzt als dreiklassige Grundschule geführt. Im September 2026 wurde deshalb auf politischer Ebene eine Aufwertung von einer dreiklassigen zu einer sechsklassigen Grundschule gefordert. Hintergrund waren nach Angaben des zuständigen Abgeordneten gemeinsame Forderungen der Gemeinde, des Elternvereins, der Grundschule und der örtlichen Bildungsgemeinschaft nach einer vollständigen und rechtzeitigen Besetzung der Schulen sowie nach besseren pädagogischen und organisatorischen Bedingungen.

Für das Schuljahr 2025/26 sind an der Grundschule unter anderem Lehrkräfte für die einzelnen Klassenstufen, eine zusätzliche Unterstützungskraft, ein Ganztagsprogramm, Sportunterricht, Englischunterricht und Informatikunterricht dokumentiert. Außerdem war eine Schulpsychologin vorgesehen. Damit umfasst die schulische Betreuung nicht nur den regulären Grundschulunterricht, sondern auch Fachunterricht und zusätzliche pädagogische Unterstützung.

Die geringe Größe der Schule ermöglicht zugleich einen engen Kontakt zwischen Lehrkräften, Kindern und Familien. Das Schuljahr umfasst neben dem regulären Unterricht auch Projekte und Kooperationen mit Schulen außerhalb der Insel. Ein Beispiel ist die im Schuljahr 2024/25 dokumentierte Partnerschaft zwischen der Grundschule von Megísti und der 11. Grundschule von Paleo Faliro bei Athen. Die Kastellorizo-Schule veröffentlicht außerdem eine eigene Schülerzeitung, in der unter anderem die Geschichte und Natur der Insel, örtliche Vereine und schulische Aktivitäten behandelt werden.

Höhere Bildung

Für die höheren Bildungsstufen bleibt die geringe Bevölkerungszahl eine strukturelle Herausforderung. Zwar können Jugendliche das Gymnasium und die angeschlossenen Lyzeumsklassen auf Kastellorizo besuchen, für eine Hochschulausbildung müssen sie die Insel verlassen. Auch spezialisierte berufliche Ausbildungsangebote und ein umfangreiches weiterführendes Schulangebot können auf einer Insel dieser Größe nicht vorgehalten werden. Die Bildungsbiografien der Jugendlichen sind deshalb eng mit den Verkehrsverbindungen zum übrigen Griechenland und insbesondere mit der Möglichkeit verbunden, nach dem Schulabschluss auf größere Inseln oder das Festland zu wechseln.

Bibliotheken und Archive

Die wichtigste bibliothekarische Eionrichtung die Gemeindebibliothek von Megisti. Ihr Bestand richtet sich vor allem an die Bevölkerung der Insel und an die schulische sowie kulturelle Arbeit. Neben allgemeiner Literatur sind griechischsprachige Bücher, historische Veröffentlichungen und Werke zur Geschichte und Kultur Kastellorizos von Bedeutung. Wegen der geringen Einwohnerzahl ist die Bibliothek nicht mit den großen öffentlichen Bibliotheken griechischer Städte vergleichbar.

Für die historische Forschung sind insbesondere die kirchlichen Archive wichtig. Die griechisch-orthodoxen Kirchen und kirchlichen Einrichtungen bewahren Dokumente zur religiösen und gesellschaftlichen Geschichte der Insel. Dazu gehören Kirchenbücher mit Einträgen über Taufen, Trauungen und Beerdigungen sowie Unterlagen über Gemeinden, Stiftungen und kirchliche Einrichtungen. Solche Quellen sind für die Rekonstruktion der Bevölkerungsentwicklung und der Familiengeschichte von besonderem Wert.

Auch die Gemeinde von Kastellorizo verfügt über Verwaltungsunterlagen. Dazu gehören Dokumente zur kommunalen Verwaltung, zu Grundstücken, Bauvorhaben, Einwohnern und lokalen Angelegenheiten. Die Gemeindeverwaltung ist seit der griechischen Verwaltungsreform von 2011 weiterhin für die kommunalen Angelegenheiten der Insel zuständig. Historische Verwaltungsunterlagen reichen teilweise in frühere politische Perioden zurück beziehungsweise befinden sich in übergeordneten staatlichen Archiven außerhalb der Insel.

Eine besondere Bedeutung haben die Schularchive. Kastellorizo besaß bereits im 19. Jahrhundert ein vergleichsweise entwickeltes Bildungswesen. Schulregister, Zeugnisse, Klassenlisten, Fotografien und andere Unterlagen dokumentieren die Entwicklung der lokalen Bildung und ermöglichen Rückschlüsse auf die Bevölkerungsstruktur. Wegen der starken Auswanderung können solche Dokumente außerdem Verbindungen zwischen den Familien der Insel und den späteren Wohnorten ihrer Nachkommen herstellen.

Für die Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind private Familienarchive von großer Bedeutung. Zahlreiche Familien bewahrten Briefe, Fotografien, Schiffsdokumente, Geschäftspapiere, Tagebücher und andere persönliche Unterlagen auf. Diese Quellen dokumentieren die traditionelle Seefahrt, den Handel, die Auswanderung und die familiären Beziehungen der Inselbewohner. Ein Teil dieser Bestände befindet sich heute allerdings außerhalb Kastellorizos, insbesondere in Griechenland und Australien, wohin viele Bewohner im 20. Jahrhundert ausgewandert sind.

Die Geschichte der Seefahrt nimmt innerhalb der schriftlichen Überlieferung einen besonders großen Raum ein. Kastellorizo entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer bedeutenden Handels- und Seefahrtsgemeinschaft. Schiffsregister, Frachtpapiere, Geschäftskorrespondenz und persönliche Aufzeichnungen von Seeleuten und Kaufleuten sind deshalb wichtige Quellen zur Wirtschaftsgeschichte der Insel. Ein erheblicher Teil solcher Unterlagen liegt in staatlichen oder privaten Archiven außerhalb der Insel, da die wirtschaftlichen Aktivitäten der Kastellorizier häufig in auswärtigen Häfen stattfanden.

Auch die zahlreichen historischen Veränderungen des 20. Jahrhunderts haben umfangreiche schriftliche Quellen hinterlassen. Dazu gehören Unterlagen aus der italienischen Verwaltungszeit, militärische Dokumente aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie Quellen zur britischen Besetzung und zur anschließenden Eingliederung in den griechischen Staat. Wegen der wechselnden Herrschaftsverhältnisse liegen diese Bestände heute teilweise in griechischen, italienischen, britischen und anderen ausländischen Archiven.

Von besonderer Bedeutung sind Dokumente über die Evakuierung der Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs. Nach den schweren Zerstörungen von 1944 verließen zahlreiche Bewohner die Insel. Briefe, Fotografien, behördliche Unterlagen und persönliche Erinnerungen dokumentieren diese Flucht- und Migrationsgeschichte. Zusammen mit den Unterlagen der australischen Diaspora bilden sie eine wichtige Grundlage für die Erforschung des demografischen Wandels Kastellorizos.

Auch die große Gemeinschaft der Menschen kastellorizischer Herkunft in Australien besitzt eine umfangreiche kulturelle Überlieferung. Familienvereine und Gemeinschaftsorganisationen bewahren Fotografien, Familienregister, persönliche Erinnerungen, Vereinsunterlagen und Veröffentlichungen auf. Diese Bestände sind für die Geschichte der Insel besonders wertvoll, weil ein erheblicher Teil der Bevölkerung im 20. Jahrhundert ausgewandert ist und die Erinnerung an die Herkunftsgemeinde außerhalb Griechenlands weitergeführt wurde.

Für die wissenschaftliche Erforschung der Inselgeschichte sind darüber hinaus die griechischen Staatsarchive, kirchlichen Archive und archäologischen Sammlungen auf dem Festland von großer Bedeutung. Dort befinden sich zahlreiche Dokumente und Funde, die nicht dauerhaft auf Kastellorizo aufbewahrt werden. Die lokale Überlieferung ist deshalb als Teil eines größeren Archivverbundes zu verstehen, der sich über die Insel, Rhodos, Athen, andere griechische Regionen und die Diaspora erstreckt.

Kultur

Die Kultur von Kastellorizo ist geprägt durch eine einzigartige Mischung aus griechisch-orthodoxen, osmanischen und mediterranen Einflüssen, die sich in der traditionellen Architektur (orientalisch-neoklassizistische Kapitänshäuser mit Holzfußböden und Giebeldächern), der farbenprächtigen Frauentracht mit byzantinischen Goldmünzen als Schmuck und den mehrsprachigen Ortsnamen widerspiegeln. Zu den wichtigsten Festen zählen der Prophet-Elias-Tag (20. Juli, mit dem Brauch, bekleidet ins Meer zu springen), das Fest der Heiligen Konstantin und Helena (21. Mai), die dreitägigen Osterfeiern mit Tanz und Gesang sowie der Tag der Befreiung (13. September), während das Diachronische Museum und weitere kulturelle Veranstaltungen wie das Puzzle- und Dokumentarfilmfestival das lebendige kulturelle Erbe der Insel bewahren.

Museen

Das Archäologische Museum von Kastellorizo befindet sich im Hauptort Megísti. Es widmet sich der archäologischen Geschichte der Insel und ihrer Umgebung. Die Sammlung umfasst Funde aus verschiedenen Epochen, darunter Gegenstände aus der Antike und der byzantinischen Zeit. Zu den archäologischen Zeugnissen gehören Keramik, Münzen, Inschriften und weitere Gegenstände aus dem täglichen Leben sowie religiöse und kunsthistorisch bedeutende Funde.

Die archäologische Sammlung dokumentiert, dass Kastellorizo bereits in der Antike in die politischen und wirtschaftlichen Strukturen der östlichen Ägäis und des östlichen Mittelmeers eingebunden war. Die ausgestellten Funde ermöglichen einen Überblick über die Entwicklung der Insel von der antiken griechischen Welt über die hellenistische Epoche bis zur byzantinischen Zeit. Zu den bedeutenden Kunstwerken aus dem Umfeld der Insel gehören unter anderem eine kopflose Marmordarstellung der Göttin Hygieia aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. sowie eine Kupferstatue, die mit einer Darstellung des Dionysos beziehungsweise Bacchus verbunden wird.

Weitere Exponate verweisen auf die byzantinische Geschichte der Insel. Dazu gehören Münzen und beschriftete beziehungsweise bearbeitete Tafeln. Sie dokumentieren die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen Kastellorizos zum Byzantinischen Reich. Die Münzen besitzen dabei sowohl einen historischen als auch einen numismatischen Wert, da sie Herrscher, politische Zugehörigkeiten und die damaligen Geldkreisläufe erkennen lassen.

Eine weitere wichtige Einrichtung ist das Historische und volkskundliche Museum von Kastellorizo. Im Mittelpunkt stehen hier nicht die antiken Funde, sondern das Leben der Inselbevölkerung in der jüngeren Vergangenheit. Gezeigt beziehungsweise dokumentiert werden traditionelle Haushaltsgegenstände, Werkzeuge, Kleidungsstücke, Fotografien, persönliche Gegenstände und Zeugnisse des früheren gesellschaftlichen Lebens.

Von besonderem Interesse ist die traditionelle Frauentracht von Kastellorizo. Die aufwendig gearbeiteten Kleidungsstücke mit Seide, Samt, Gold- und Silberfäden, Münzschmuck und den charakteristischen Kopftüchern veranschaulichen die materielle Kultur der Insel. Auch die Verwendung alter venezianischer oder byzantinischer Goldmünzen als Schmuckelemente gehört zu den Besonderheiten der historischen Tracht und verdeutlicht die weitreichenden Handelskontakte der Inselbevölkerung.

Architektur

Zu den ältesten baulichen Zeugnissen gehört eine zyklopische Mauer in der Region Limenari. Die aus großen, unregelmäßig bearbeiteten Steinblöcken errichtete Befestigung verweist auf eine frühe Besiedlungs- und Befestigungsgeschichte der Insel. Zyklopische Mauern sind charakteristisch für vorgeschichtliche und frühgriechische Befestigungsanlagen und wurden aufgrund ihrer massiven Bauweise über lange Zeiträume erhalten. Auf Kastellorizo stehen solche Reste im Zusammenhang mit der strategisch wichtigen Lage der Insel vor der kleinasiatischen Küste.

Ein weiteres charakteristisches Element der historischen Infrastruktur sind die Wasserzisternen, die auf Kastellorizo als Acheres bezeichnet werden. Sie dienten insbesondere während der osmanischen Herrschaft dazu, Regenwasser aufzufangen und für den menschlichen Gebrauch zu speichern. Die Zisternen waren für eine Insel ohne bedeutende natürliche Fließgewässer von großer Bedeutung. Die Bezeichnung Acheres wird mit den altgriechischen Wörtern Acheron beziehungsweise Acherousia in Verbindung gebracht, die sich auf stehendes beziehungsweise angesammeltes Wasser beziehen.

Besonders markant ist die Burganlage am Hafen. Die heutige Anlage steht auf einem strategisch wichtigen Felsvorsprung unmittelbar an der Hafenbucht. Bereits in der Antike befand sich dort eine Befestigung. Im 14. Jahrhundert errichteten die Johanniter auf den Ruinen der älteren Festung eine mittelalterliche Burg. Die rötliche Farbe des Felsens, auf dem die Befestigung steht, wurde mit der Namensentwicklung Kastellorizos beziehungsweise Kastellorizo in Verbindung gebracht. Der Name wird häufig als Verbindung von „castello“ und „rosso“, also „rote Burg“ beziehungsweise „roter Felsen“, erklärt.

Die mittelalterliche Burg wurde im Laufe ihrer Geschichte mehrfach beschädigt und zerstört. Besonders schwer getroffen wurde sie bei einem Angriff von Lambros Katsonis im Jahr 1788. Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage erneut beschädigt; insbesondere die Bombenangriffe von 1941 und 1943 verursachten erhebliche Zerstörungen. Heute sind noch Teile der Außenmauer und drei Türme erhalten. Die Ruinen gehören zu den auffälligsten historischen Bauwerken des Hafengebietes.

In unmittelbarer Umgebung der Burg befinden sich weitere historische Zeugnisse. Dazu gehören die Ruinen eines türkischen Bades aus der osmanischen Zeit sowie eine Windmühle. Das ehemalige Bad dokumentiert die osmanische Epoche der Insel und ergänzt die mittelalterlichen und antiken Baureste um ein Zeugnis der islamisch geprägten Baukultur. Die Windmühle verweist dagegen auf die frühere Nutzung der natürlichen Windverhältnisse für die lokale Wirtschaft.

Von besonderer Bedeutung ist Paläokastro, eine große Befestigungsanlage im Inselinneren beziehungsweise im westlichen Bereich der historischen Siedlungslandschaft. Die heute noch vergleichsweise gut erhaltene Anlage wird mit der byzantinischen Zeit verbunden und gilt als eines der wichtigsten historischen Monumente Kastellorizos. Die massiven Steinmauern und die erhöhte Lage zeigen die militärische Bedeutung der Insel. Paläokastro steht zugleich für die lange Tradition befestigter Siedlungen auf Kastellorizo, deren Aufgabe es war, die Bevölkerung und die wichtigen Verkehrswege vor Angriffen zu schützen.

Eine zentrale Stellung innerhalb der Sakralarchitektur nimmt die Metropolis von Kastellorizo ein, die den Heiligen Konstantin und Helena geweiht ist. Der heutige Kirchenbau stammt aus dem Jahr 1835 und wurde auf den Ruinen einer älteren frühchristlichen Kapelle errichtet. Einer lokalen Überlieferung zufolge soll die Heilige Helena auf ihrer Reise zu den Heiligen Stätten von einem Sturm überrascht worden sein und auf Kastellorizo Schutz gefunden haben. Aus Dankbarkeit habe sie eine kleine Kapelle errichten lassen. Diese Überlieferung gehört zur religiösen Tradition der Insel, unabhängig von ihrer historischen Überprüfbarkeit.

Besonders bemerkenswert ist die Herkunft einzelner Bauteile der Metropolitankirche. Tragende Bauelemente für den Dachbau wurden der Überlieferung zufolge mit einem Floß aus der Region Patara in Lykien nach Kastellorizo transportiert. Die Bauteile sollen ursprünglich zu einem Apollontempel gehört haben. Damit weist die Kirche eine direkte Verbindung zu den antiken Bauwerken der nahe gelegenen kleinasiatischen Küste auf. Die Wiederverwendung älterer Bauelemente ist ein charakteristisches Phänomen der mediterranen Baugeschichte.

Zu den weiteren bedeutenden Sakralbauten gehört die Kirche der Heiligen Dimitrios und Nikolaos westlich der Ruinen der Hafenburg. Das Kirchengebäude besitzt neben seinem religiösen Wert auch kunsthistorische Bedeutung, da in seinem Inneren erhaltene Wandmalereien zu sehen sind. Sie gehören zur orthodoxen sakralen Kunsttradition der Insel und dokumentieren die religiöse Kultur während der osmanischen Epoche.

Eine weitere historische Kirche ist dem Heiligen Johannes geweiht. Daneben befindet sich auf Kastellorizo die Klosterfestung des Heiligen Georgios. Die Anlage verbindet religiöse und wehrhafte Architektur und gehört damit zu den charakteristischen Bauwerken der Insel. Besonders auffällig sind die großen Steinplatten, die das Kloster umgeben. Innerhalb des Klosters befindet sich die Katakombe des Hagios Haralambos. Das Kloster wurde nach der Überlieferung von dem aus Kastellorizo stammenden Architekten Mastrogeorgi errichtet und 1779 restauriert.

Die Kombination aus Kloster, Befestigung, Katakombe und massiven Steinmauern zeigt die Bedeutung religiöser Anlagen für den Schutz und das gesellschaftliche Leben der Insel. In Zeiten von Piratenangriffen und militärischen Auseinandersetzungen konnten solche befestigten religiösen Anlagen zugleich als Zufluchtsorte dienen. Die Architektur des Klosters unterscheidet sich dadurch deutlich von den offenen Kirchenbauten des Hauptortes.

Eine besondere Natur- und Kultursehenswürdigkeit ist die Blaue Höhle, die auf Kastellorizo auch Fokiali genannt wird. Die Höhle liegt an der felsigen Küste und ist vom Meer aus zugänglich. Ihr Inneres wird durch das einfallende Sonnenlicht und die Reflexion des Meerwassers intensiv blau gefärbt. Die Höhle gehört zu den bekanntesten Naturmonumenten der Insel und ist nur per Boot erreichbar. Ihre Bedeutung liegt weniger in einer architektonischen Gestaltung durch Menschen als in ihrer Einbindung in die Landschaft und den touristisch erschlossenen Küstenraum.

Neben den einzelnen Monumenten prägt vor allem die historische Wohnarchitektur des Hauptortes das Erscheinungsbild von Kastellorizo. Entlang der Hafenbucht stehen zahlreiche traditionelle Häuser mit farbigen Fassaden, großen Fenstern, Balkonen und dekorativen architektonischen Elementen. Viele dieser Gebäude entstanden im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als Kastellorizo durch Handel und Schifffahrt wirtschaftlich prosperierte. Die Häuser spiegeln den damaligen Wohlstand der Inselbevölkerung wider und unterscheiden sich deutlich von der heute auf vielen griechischen Inseln verbreiteten einfachen weiß-blauen Architektur.

Die historischen Wohnhäuser wurden im 20. Jahrhundert durch Krieg, Auswanderung und jahrzehntelangen Leerstand teilweise schwer beschädigt. Zahlreiche Gebäude verfielen, während andere restauriert wurden. Besonders nach der Wiederbelebung des Ortes wurden historische Häuser renoviert und teilweise wieder bewohnt oder für touristische Zwecke genutzt. Dadurch blieb ein beträchtlicher Teil des charakteristischen Ortsbildes erhalten.

Bildende Kunst

Zu den bedeutenden antiken Kunstwerken, die mit Kastellorizo verbunden sind, gehört eine kopflose Marmorstatue der Göttin Hygieia aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Hygieia war in der griechischen Antike die Göttin der Gesundheit und gehörte zum Kultkreis des Heilgottes Asklepios. Die erhaltene Statue ist ein Zeugnis der antiken Bildhauerkunst und verweist auf die religiöse Bedeutung figürlicher Darstellungen in der hellenistischen Welt. Dass der Kopf der Statue nicht erhalten ist, entspricht dem Zustand vieler antiker Skulpturen, die im Laufe der Jahrhunderte beschädigt oder teilweise zerstört wurden.

Ein weiteres bedeutendes Kunstwerk ist eine Kupferstatue, die Dionysos beziehungsweise Bacchus darstellt. Die Darstellung des Gottes des Weines und der Fruchtbarkeit verweist auf die Bedeutung des Dionysoskultes in der antiken griechischen Welt. Die Statue gehört zusammen mit der Hygieia-Darstellung zu den archäologischen Zeugnissen, die die antike Kunstgeschichte Kastellorizos dokumentieren.

Auch aus der byzantinischen Zeit sind Kunst- und Schriftzeugnisse erhalten. Tafeln und Silbermünzen werden mit der byzantinischen Epoche in Verbindung gebracht und verweisen auf die politische und wirtschaftliche Einbindung der Insel in das Byzantinische Reich. Besonders für die Zeit des Kaisers Herakleios, der von 610 bis 641 regierte, beziehungsweise für die in den überlieferten Angaben genannte Zeit zwischen 613 und 638, lassen sich entsprechende Zeugnisse anführen. Münzen sind dabei nicht nur wirtschaftsgeschichtliche Quellen, sondern zugleich Beispiele für die bildliche und symbolische Gestaltung des byzantinischen Geldwesens.

Eine besondere Bedeutung besitzt die religiöse Kunst der orthodoxen Kirchen. Zu den wichtigen erhaltenen Werken gehören die Wandmalereien in der Kirche des Heiligen Dimitrios und des Heiligen Nikolaos. Das Kirchengebäude stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die erhaltenen Malereien gehören zur religiösen Kunsttradition der griechisch-orthodoxen Welt und zeigen die Bedeutung der sakralen Malerei für die Ausstattung der Kirchen. Ikonen, Wandmalereien und andere religiöse Darstellungen dienten nicht lediglich der Ausschmückung der Innenräume, sondern waren Bestandteil der orthodoxen Liturgie und Glaubenspraxis.

Die Wandmalereien sind zugleich historische Dokumente der lokalen Kunstgeschichte. Ihre Erhaltung ermöglicht einen Einblick in die religiöse Bildsprache, die auf Kastellorizo während der osmanischen Epoche fortgeführt wurde. Trotz der politischen Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich blieb die griechisch-orthodoxe Bevölkerung in der Lage, ihre Kirchen und ihre religiöse Kunsttradition weiterzuführen. Damit stellen die Wandmalereien einen wichtigen Teil der kulturellen Kontinuität der Insel dar.

Auch die historische Architektur von Kastellorizo besitzt einen erheblichen kunstgeschichtlichen Wert. Besonders die Gebäude des Hauptortes sind durch ihre farbigen Fassaden, klassizistischen und neoklassizistischen Formen sowie durch dekorative Elemente geprägt. Die Wohnhäuser und öffentlichen Gebäude des 19. und frühen 20. Jahrhunderts spiegeln den wirtschaftlichen Wohlstand wider, den die Insel durch Handel und Schifffahrt erreichte. Fenster, Türen, Balkone und Fassadendetails wurden häufig sorgfältig gestaltet und bilden zusammen mit den Kirchen ein charakteristisches historisches Ortsbild.

Zur bildenden Kunst im weiteren Sinne gehören außerdem Ikonenmalerei, Holzschnitzerei, dekorative Metallarbeiten und die Gestaltung liturgischer Gegenstände. Diese Formen standen traditionell in enger Verbindung mit den Kirchen und religiösen Bruderschaften. Die Herstellung und Erhaltung solcher Gegenstände war Teil der orthodoxen Handwerks- und Kunsttradition der Insel.

Literatur

Eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der Schriftkultur war das im 19. Jahrhundert vergleichsweise hohe Bildungsniveau der Insel. Der wirtschaftliche Aufstieg durch Handel und Schifffahrt ermöglichte den Aufbau von Schulen und förderte die Verbreitung der griechischen Sprache und Bildung. Die Bewohner standen durch ihre Handelsverbindungen mit Rhodos, Smyrna, Alexandria, Kairo, Zypern und weiteren Zentren des östlichen Mittelmeers in Kontakt. Bücher, Zeitungen und andere Druckerzeugnisse gelangten dadurch auf die Insel und wurden innerhalb der gebildeten Bevölkerung gelesen.

Die griechische Sprache blieb das wichtigste Medium der lokalen schriftlichen Kultur. Neben religiösen Texten und schulischen Schriften entstanden private Aufzeichnungen, Briefe, Familienchroniken und Erinnerungen. Besonders die Geschichte der Seefahrt und des Handels spielte dabei eine wichtige Rolle. Die Bewohner von Kastellorizo waren über Generationen als Seeleute, Händler und Schiffseigner tätig, sodass Erfahrungen mit dem Meer, Reisen, Migration und dem Leben in auswärtigen Hafenstädten zu wiederkehrenden Themen der überlieferten Erinnerungskultur gehören.

Eine besondere Bedeutung besitzt die Literatur der Diaspora. Die massive Auswanderung im 20. Jahrhundert führte dazu, dass ein großer Teil der kulturellen Produktion über die Insel hinaus entstand. Besonders in Australien bildete sich eine bedeutende Gemeinschaft von Menschen kastellorizischer Herkunft. Dort wurden Erinnerungen an die Insel, Familiengeschichten und Darstellungen der Migration veröffentlicht. Die Nachkommen der Auswanderer verwenden dabei sowohl Griechisch als auch Englisch und tragen damit zur Bewahrung der Geschichte Kastellorizos außerhalb Griechenlands bei.

Zu den bekannten Personen mit Bezug zu Kastellorizo gehört die Schriftstellerin und Journalistin Dmetri Kakmi, die 1961 auf Kastellorizo geboren wurde und später nach Australien auswanderte. Sie veröffentlichte unter anderem das autobiografisch geprägte Werk „Mother Land“, das 2008 erschien. In dem Buch setzt sie sich mit ihrer Herkunft, ihrer Kindheit auf Kastellorizo, der griechischen Kultur und der Migration auseinander. Eine überarbeitete beziehungsweise neu veröffentlichte Ausgabe erschien später erneut. Das Werk gehört zu den literarischen Zeugnissen, in denen Kastellorizo aus der Perspektive eines Menschen der griechischen Diaspora dargestellt wird.

Theater

ramaturgische Aufführungen fanden traditionell vor allem bei Festen und besonderen gesellschaftlichen Anlässen statt. Laiendarsteller aus der örtlichen Bevölkerung konnten dabei kleinere Theaterstücke, komische Szenen, Dialoge und andere Formen des Volkstheaters aufführen. Solche Veranstaltungen dienten zugleich der Unterhaltung und der Pflege der lokalen Gemeinschaft. Eine scharfe Trennung zwischen Theater, Musik, Tanz und Festkultur bestand dabei nicht.

Auch die Schule spielte bei der Vermittlung des Theaters eine Rolle. Schüleraufführungen gehören zu den Formen kultureller Aktivitäten, die auf kleinen griechischen Inseln regelmäßig genutzt werden, um Kindern und Jugendlichen Literatur, Sprache und darstellende Kunst näherzubringen. Auf Kastellorizo besitzt dies wegen der geringen Zahl der Schüler eine besonders gemeinschaftliche Funktion. Aufführungen können dabei von Lehrkräften, Schülern und Eltern gemeinsam vorbereitet werden.

Die griechische Sprache steht bei Theateraufführungen im Mittelpunkt. Traditionelle Geschichten, literarische Texte und moderne griechische Theaterstücke werden in der Regel auf Griechisch aufgeführt. Daneben können bei kulturellen Veranstaltungen auch mehrsprachige oder internationale Programme vorkommen, insbesondere wenn sie sich an Besucher und die internationale Diaspora der Insel richten.

Die kulturelle Bedeutung des Theaters ist auch mit der großen Auswanderungsgeschichte Kastellorizos verbunden. Zahlreiche Inselbewohner verließen im 20. Jahrhundert ihre Heimat und siedelten unter anderem nach Australien über. Die dort entstandene Kastellorizo-Diaspora bewahrte Teile der Sprache, Musik, Tänze und kulturellen Traditionen der Insel. Darstellende Veranstaltungen spielen innerhalb solcher Diasporagemeinschaften ebenfalls eine Rolle bei der Weitergabe der Herkunftskultur.

Film

Kastellorizo diente mehrfach als Schauplatz für Filmaufnahmen und erlangte dadurch auch außerhalb Griechenlands eine gewisse Bekanntheit. Besonders bedeutend ist der italienische Spielfilm „Mediterraneo“, der auf der Insel gedreht wurde. Der Film nutzte die charakteristische Architektur, die engen Gassen, den Hafen und die Landschaft von Kastellorizo als Kulisse.

„Mediterraneo“ ist ein italienischer Spielfilm des Regisseurs Gabriele Salvatores aus dem Jahr 1991. Die Handlung spielt während des Zweiten Weltkriegs auf einer griechischen Insel. Im Mittelpunkt steht eine kleine Gruppe italienischer Soldaten, die auf einer abgelegenen griechischen Insel stationiert ist und nach der italienischen Kapitulation 1943 weitgehend von den Ereignissen des Krieges abgeschnitten wird. Die Dreharbeiten auf Kastellorizo verliehen dem Film ein starkes lokales Erscheinungsbild.

Der Film wurde zu einem wichtigen Werk des italienischen Kinos der frühen 1990er Jahre. „Mediterraneo“ erhielt 1992 den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Die internationale Auszeichnung trug dazu bei, den Namen Kastellorizo einem größeren Publikum bekannt zu machen. Die Insel war zuvor außerhalb Griechenlands vor allem wegen ihrer abgelegenen Lage und ihrer Geschichte bekannt gewesen; durch den Film wurde sie zusätzlich als außergewöhnliche mediterrane Filmkulisse wahrgenommen.

Für die Darstellung der Insel wurden insbesondere der Hafenbereich und die traditionelle Bebauung des Hauptortes genutzt. Die für Kastellorizo charakteristischen zweigeschossigen und teilweise farbenprächtigen Häuser, die engen Straßen und die Lage der Siedlung unmittelbar am Meer passten zur Handlung des Films. Die abgeschiedene Lage der Insel unterstützte zudem die Darstellung einer isolierten griechischen Insel während des Zweiten Weltkriegs.

Die Dreharbeiten stehen auch im Zusammenhang mit der tatsächlichen italienischen Geschichte Kastellorizos. Die Insel gehörte im 20. Jahrhundert zeitweise zum italienischen Herrschaftsbereich im Dodekanes. Italienische Truppen und Behörden waren dort insbesondere nach der Übernahme der Insel durch Italien im Jahr 1922 präsent. Während des Zweiten Weltkriegs führte die italienische Kapitulation von 1943 zu einer erneuten militärischen Veränderung der Situation auf Kastellorizo. Der historische Hintergrund des Films besitzt daher einen direkten Bezug zur Geschichte der Insel.

Musik und Tanz

Die Insel Musiktradition des Dodekanes, weist aber zugleich aufgrund der Lage unmittelbar vor der kleinasiatischen Küste und der jahrhundertelangen Kontakte mit den Inseln und Küstengebieten des östlichen Mittelmeers regionale Besonderheiten auf. Musik und Tanz waren traditionell Bestandteile von Hochzeiten, Taufen, Kirchweihfesten, Familienfeiern und anderen öffentlichen Veranstaltungen.

Eine wichtige Funktion hatte die Musik bei den religiösen Festen. Nach Gottesdiensten und Prozessionen versammelte sich die Bevölkerung zu gemeinsamen Feiern, bei denen traditionelle Musik gespielt und getanzt wurde. Besonders die Feste der örtlichen Kirchen und Kapellen boten Gelegenheit zu solchen Zusammenkünften. Die Verbindung von Gottesdienst, gemeinschaftlichem Essen, Musik und Tanz war ein fester Bestandteil des traditionellen gesellschaftlichen Lebens.

Zum traditionellen Instrumentarium der Insel gehörten Instrumente, die auch in anderen Regionen der griechischen Inselwelt verbreitet sind. Dazu zählen vor allem die Violine, die Laute beziehungsweise Laouto, die Mandoline und verschiedene Schlaginstrumente. Die Violine besitzt in der Musik des Dodekanes eine besondere Bedeutung und wird häufig mit der Laute kombiniert. Je nach Anlass kamen weitere Instrumente hinzu. Gesang und instrumentale Begleitung standen dabei häufig in enger Verbindung miteinander.

Das Repertoire bestand sowohl aus Liedern für den Tanz als auch aus erzählenden und gesellschaftlichen Liedern. Gesungen wurde bei Hochzeiten und anderen Familienfeiern ebenso wie bei öffentlichen Festen. Einen wichtigen Platz nahmen Lieder ein, die von Liebe, Familie, Heimat, Seefahrt und dem Leben der Inselbewohner handelten. Die ausgeprägte maritime Tradition Kastellorizos spiegelte sich auch in der lokalen Liedkultur wider.

Die Tänze waren überwiegend Gemeinschaftstänze, bei denen sich die Tänzer an den Händen oder Schultern fassten und sich in einer Reihe oder einem Kreis bewegten. Wie in anderen Regionen Griechenlands existierten unterschiedliche Tanzformen für verschiedene Anlässe und Musikstücke. Langsamere Tänze standen neben lebhafteren Formen. Bei Festen konnten die Tänze über längere Zeit fortgesetzt werden, wobei die Reihenfolge der Tänzer und die Führung des Tanzes bestimmten traditionellen Regeln folgte.

Besonders bei Hochzeiten hatte der Tanz eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Die Hochzeit war nicht nur ein familiäres Ereignis, sondern ein Fest der gesamten örtlichen Gemeinschaft. Musik und Tanz begleiteten verschiedene Abschnitte der Feier. Auch bei Taufen, Namenstagen und den Festtagen der Heiligen kamen traditionelle Tänze zur Aufführung.

Die Musik von Kastellorizo steht außerdem in engem Zusammenhang mit der Geschichte der Inselbevölkerung. Während des 19. und frühen 20. Jahrhunderts besaß Kastellorizo eine bedeutende Handels- und Seefahrtstradition. Viele Inselbewohner standen in regelmäßigem Kontakt mit Rhodos, Zypern, Ägypten, Kleinasien und anderen Häfen des östlichen Mittelmeers. Dadurch gelangten musikalische Einflüsse und Lieder aus unterschiedlichen Regionen auf die Insel. Die Musik entwickelte sich daher nicht isoliert, sondern innerhalb eines weitreichenden mediterranen Austauschs.

Auch die starke Auswanderung im 20. Jahrhundert beeinflusste die Weitergabe der musikalischen Tradition. Zahlreiche Bewohner von Kastellorizo wanderten insbesondere nach Australien aus. Die Nachkommen der Inselbewohner bewahrten Teile der Sprache, Musik, Tänze und Festtraditionen ihrer Herkunftsgemeinschaft. Dadurch wird die kulturelle Verbindung zwischen Kastellorizo und der australischen Diaspora bis heute aufrechterhalten.

Brauchtum

Die Verlobung, die von den Eltern beschlossen wurde, und die Hochzeit, die 15 Tage dauerte, fanden in vorgeschriebenen und kuriosen Zeremonien statt, die eine symbolische und poetische Bedeutung hatten. Hochzeiten wurden am Sonntag in der Kirche des Agios Konstantinos gefeiert, und eine Ankündigung auf dem Hauptplatz lud die ganze Stadt zur Teilnahme ein. Auch Taufen und Beerdigungen (mit trauernden Frauen oder praeficae und einer Schale mit Öl und Wein, die auf dem Sarg zerdrückt wurde) hatten fest etablierte Rituale.

Wenn ein Kind schwer erkrankte, wurde eine Frau, die sich mit Gebeten gegen den bösen Blick auskannte, zu ihm nach Hause eingeladen. Sie zeichnete mit einem Gefäß, das mit Glut und Zweigen des Olivenbaums gefüllt war, die am Palmsonntag in der Kirche gesammelt worden waren, ein Kreuzzeichen auf den Körper des Kindes und sprach folgende Worte: „Christus kam, legte seinen Stock nieder und verjagte die Schlange und den bösen Nachbarn aus unserem Haus.“ Nach diesem Exorzismus warf die Frau den Inhalt des Weihrauchfasses in einen mit Wasser gefüllten Eimer und zählte dann die Holzstücke, die nicht brannten. Diese Zahl entsprach der Anzahl der Personen, die das kranke Kind verzaubert haben sollten. Die Verzauberung des Kindes war sicher, wenn die Olivenblätter mit einem lauten Knacken verbrannten.

Wenn ein Mann auswandern wollte, wurden ihm von seinen Freunden sanfte, traurige Lieder gesungen. Diese sind heute ein zentraler Bestandteil der Musikkultur der Insel.

Kleidung

Die Tracht der Inselbewohner entwickelte sich innerhalb der griechisch-orthodoxen Gemeinschaft, wurde aber zugleich von den kulturellen Kontakten mit den benachbarten Gebieten des östlichen Mittelmeers beeinflusst. Dazu gehörten auch Einflüsse aus der Zeit der osmanischen Herrschaft. Besonders aufwendig war die Kleidung der Frauen, die sich durch farbenprächtige Stoffe, Seide, Samt, Gold- und Silberfäden sowie wertvollen Schmuck auszeichnete.

Bei den Frauen bestanden mindestens drei unterschiedliche Formen traditioneller Kleidung. Die verwendeten Stoffe waren häufig leuchtend und farbenreich. Zum Schmuck gehörten Halsketten, Broschen, Anhänger und Ohrringe. Besonders charakteristisch war die Verwendung alter venezianischer oder byzantinischer Goldmünzen als Schmuckelemente. Diese Münzen wurden nicht nur als Schmuck getragen, sondern in die traditionelle Kleidung und den Kopfschmuck integriert und waren dadurch sichtbarer Bestandteil der Festtagstracht.

Die besonders reich ausgestattete Festtagskleidung der Frauen bestand aus mehreren übereinander getragenen Kleidungsstücken. Den Ausgangspunkt bildete eine oder mehrere lange Seidenblusen, die als ipokámiso bezeichnet wurden. Die äußerste Bluse wurde auf der Vorderseite mit sechs großen, filigran gearbeiteten Gold- oder Silberknöpfen geschlossen. Die Knöpfe hatten die Form einer Halbkugel mit einer Einziehung in der Mitte. Am untersten Knopf war eine kleine Kette befestigt, an deren Ende ein Kreuz hing. Dadurch verband dieses Kleidungsstück dekorative Elemente mit einem eindeutig christlich-orthodoxen Symbol.

Unter beziehungsweise zusammen mit den oberen Kleidungsstücken wurde eine kurze Hose getragen, die katofóri genannt wurde. Ihr unterer Bereich bestand aus hochwertigem Stoff, der mit Goldfäden abgesteppt beziehungsweise verziert war. Darüber kam das zepuni, eine Jacke mit Ärmeln aus glänzender Seide oder Samt. Sie wurde vorne offen getragen und bildete zusammen mit den übrigen Kleidungsstücken einen mehrschichtigen Aufbau.

Ein weiteres Kleidungsstück war der kavadi, ein langer Unterrock, der ebenfalls mit Goldfäden verziert und vorne offen war. Darüber wurde die zosma getragen. Dabei handelte es sich um ein breites Tuch aus drei oder vier Seidenstreifen, das mit Gold- oder Silberfäden abgesteppt war. Die zosma wurde seitlich sehr tief gebunden und wirkte dadurch ähnlich wie ein locker sitzender Gürtel. Sie war zugleich ein dekoratives und funktionales Element der Tracht und betonte die mehrschichtige Form des Gewandes.

Zu besonders festlicher Kleidung gehörte außerdem die gunna, ein großer Mantel aus Samt. Er war an den Säumen und auf dem Rücken mit Gold- und Silberspitzen verziert und besaß Fellaufschläge. Die gunna wurde grundsätzlich offen getragen, sodass die darunterliegenden Kleidungsstücke und deren Verzierungen sichtbar blieben. Zusammen mit den kostbaren Stoffen und Metallstickereien verlieh der Mantel der Festtagstracht ein besonders repräsentatives Aussehen.

Zum Kopfschmuck gehörte eine Wollmütze. Darüber wurde ein viereckiges, gefälteltes Seidentuch getragen, das mandili genannt wurde. Das Tuch war mit reliefartigen Blumenmustern und Fransen an den Rändern versehen und in Weiß, Rot und Dunkelblau gehalten. Es wurde diagonal gefaltet und über der Mütze befestigt. Die längste Seite fiel dabei über den Rücken und konnte beinahe bis zum Boden reichen. Die seitlichen Ränder wurden entweder nach vorne gelegt oder über die Schultern geführt. Das mandili war damit eines der auffälligsten Elemente der Frauentracht.

Auch die Strümpfe waren Bestandteil der farbenreichen Kleidung. Sie wurden aus mehrfarbiger Wolle oder Seide hergestellt und konnten dadurch einen weiteren farblichen Akzent innerhalb der Tracht setzen. Als Schuhe dienten spitz zulaufende Pantoffeln. Sie bestanden aus Samt oder Seide und waren mit Gold- oder Silberfäden verziert. Ihre Form war kürzer als die tatsächliche Länge des Fußes, wodurch die Spitze des Schuhs deutlich hervorgehoben wurde.

Neben dieser besonders aufwendigen Festtagstracht gab es schlichtere Formen der traditionellen Kleidung. Sie verwendeten ähnliche Grundformen und Kleidungsstücke, waren jedoch weniger reich verziert. Auf Pelzbesatz wurde bei den einfacheren Varianten verzichtet, und die Menge an Gold- und Silberverzierungen war geringer. Die Kleidung wurde damit an den jeweiligen Anlass und den sozialen beziehungsweise familiären Status angepasst.

Auch das Alter und der Familienstand einer Frau spiegelten sich in der Kleidung wider. Die Kleidung von Mädchen war einfacher als die Festtagstracht erwachsener Frauen. Darüber hinaus bestanden Unterschiede zwischen ledigen und verlobten Mädchen sowie zwischen verheirateten Frauen und Witwen. Die Kleidung erfüllte damit nicht nur eine praktische und dekorative Funktion, sondern zeigte auch die Stellung einer Frau innerhalb der traditionellen Gesellschaft von Kastellorizo.

Die Männerkleidung war gegenüber der aufwendigen Frauentracht deutlich schlichter. Sie folgte den allgemeinen Formen der traditionellen Kleidung des östlichen Mittelmeerraums und wurde im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zunehmend durch moderne europäische Kleidung ersetzt. Auch bei den Männern bestanden Unterschiede zwischen Alltags- und Festkleidung, doch erreichte die Ausstattung mit kostbaren Stoffen, Münzschmuck, Gold- und Silberstickereien nicht die für die weibliche Festtagstracht charakteristische Ausprägung.

Kulinarik und Gastronomie

Die Inselküche beruht auf Früchten des Meeres, von Ziegenfleisch, Gemüse, Hülsenfrüchten, Reis, Zwiebeln, Kräutern, Joghurt und Honig geprägt. Fisch und Meeresfrüchte spielen aufgrund der Insellage eine wichtige Rolle. Zu den traditionellen Gerichten gehören Giouverlakia, eine Suppe mit Hackfleischbällchen. Die kleinen Fleischbällchen werden in einer Brühe gegart und als warme Vorspeise beziehungsweise als einfache Hauptspeise serviert. Ebenfalls zur traditionellen Küche gehören Revithokeftedes, gebratene oder ausgebackene Frikadellen aus Kichererbsen. Sie verbinden Hülsenfrüchte mit den für die griechische Küche typischen Kräutern und Gewürzen und werden häufig als Vorspeise oder Bestandteil einer größeren Mahlzeit gegessen.

Eine besonders wichtige Rolle spielen Fisch und Meeresfrüchte. Auf den Speisekarten der örtlichen Gastronomie finden sich frischer Fisch sowie verschiedene Meerestiere. Dazu gehören kleine Garnelen, Tintenfisch, Seeigel und unterschiedliche Schalentiere. Fisch und Meeresfrüchte werden je nach Art gebraten, gegrillt oder gekocht und häufig mit Olivenöl, Zitrone und Kräutern gewürzt. Die maritime Küche steht dabei in direktem Zusammenhang mit der traditionellen Fischerei der Insel und der Lage Kastellorizos in den fischreichen Gewässern des östlichen Mittelmeers.

Zu den charakteristischen Fleischgerichten gehört gefülltes Ziegenfleisch. Ziegenhaltung war auf Kastellorizo traditionell von Bedeutung, und Ziegenfleisch gehört deshalb zu den überlieferten Bestandteilen der lokalen Küche. Das Fleisch wird mit Reis gefüllt und langsam gegart, sodass Reis und Fleisch die Aromen des Gerichts aufnehmen. Das Gericht wird vor allem im Zusammenhang mit größeren Familienessen und festlichen Anlässen zubereitet.

Ein weiteres traditionelles Gericht ist Salantroumasi, bei dem Zwiebeln gefüllt werden. Die Zwiebeln werden zunächst so vorbereitet, dass ihre einzelnen Schichten als Hüllen verwendet werden können. Anschließend werden sie mit einer Reisfüllung und weiteren Zutaten gefüllt und gegart. Das Gericht gehört zu den charakteristischen Speisen der Inselküche und zeigt die Bedeutung von Zwiebeln und Reis in der traditionellen Ernährung.

Saitia ist ebenfalls ein überliefertes Gericht von Kastellorizo. Es besteht aus Reis, der mit Zwiebeln, Minze und Tomaten kombiniert wird. Die Verbindung aus Reis, Gemüse und frischen Kräutern entspricht der mediterranen Grundlage der Inselküche. Wie viele traditionelle Gerichte Kastellorizos basiert auch Saitia auf vergleichsweise einfachen Zutaten, die durch Kräuter, Gewürze und Olivenöl geschmacklich ausgeprägt werden.

Bei den Nachspeisen spielen Joghurt und Honig eine einfache, traditionelle Rolle. Naturjoghurt wird mit Honig serviert und bildet damit ein schlichtes Dessert, das zugleich auf zwei wichtige Bestandteile der griechischen Ernährung zurückgreift. Daneben gehört Katoumaria zu den traditionellen Süßspeisen der Insel. Dabei handelt es sich um eine Art Pfannkuchen, der mit Zucker, Zimt und Nelken verfeinert wird. Die Kombination dieser Gewürze verleiht dem Gericht ein charakteristisches süß-würziges Aroma.

Die Gastronomie von Kastellorizo konzentriert sich vor allem auf den Hafen und den historischen Hauptort Megísti. Dort befinden sich Tavernen und kleinere gastronomische Betriebe, die sowohl traditionelle Inselgerichte als auch allgemein verbreitete griechische Speisen anbieten. Die Lage am Hafen prägt das gastronomische Angebot besonders deutlich, weil Fisch, Meeresfrüchte und einfache mediterrane Gerichte einen wichtigen Bestandteil der Küche bilden.

Die lokale Gastronomie ist eng mit dem saisonalen Charakter des Lebens auf der Insel verbunden. Während der Sommermonate steigt durch den Tourismus die Zahl der geöffneten Restaurants und Tavernen deutlich an. Die Gastronomie richtet sich dann sowohl an die dauerhaft auf Kastellorizo lebende Bevölkerung als auch an Besucher, die über den Seeweg oder den Flughafen auf die Insel gelangen. Außerhalb der touristischen Saison ist das gastronomische Angebot deutlich kleiner.

Festkultur

Auf der Insel gelten die griechischen Feiertage.

  • 1. Januar: Neujahr (Protochronia)
  • 6. Januar: Dreikönigstag/Epiphanias (Prozessionen zur Wasserweihe am Meer)
  • 25. März: Griechischer Unabhängigkeitstag (Evangelismos)
  • Orthodoxe Karwoche und Ostern: Rosenmontag, Karfreitag, Ostersonntag, Ostermontag (bewegliche Feiertage)
  • 1. Mai: Tag der Arbeit (Protomagia)
  • Pfingsten: Pfingstsonntag und Pfingstmontag (bewegliche Feiertage)
  • 15. August: Mariä Himmelfahrt (Kimissis tis Theotokou, besonders groß gefeiert in Kremasti)
  • 28. Oktober: Ochi-Tag (Griechischer Nationalfeiertag, Gedenken an das „Nein“ zu Mussolinis Ultimatum)
  • 25. Dezember: 1. Weihnachtsfeiertag
  • 26. Dezember: 2. Weihnachtsfeiertag


Am 31. Dezember und am Neujahrstag ziehen Gruppen von Kindern mit kleinen Pappbooten, die mit Bändern und Fähnchen geschmückt sind, durch die Häuser, Geschäfte und Cafés, singen Lieder mit guten Wünschen und nehmen Münzen und Weizenkuchen entgegen, während die Älteren Besuche austauschen. Am Morgen des Agios-Basilios-Tages, wenn die Männer von der Liturgie zurückkommen, werfen sie üblicherweise einen Granatapfel mit voller Wucht gegen die Wände ihrer Häuser und wünschen sich Reichtum und Glück für ihre Familie. Je mehr Kerne in den Zimmern verteilt werden, desto mehr Glück wird die Familie im kommenden Jahr haben.

Am Tag vor dem Fest des Agios Elias am 19. Juli (das Fest selbst ist am 20. Juli) springen zuerst die Kinder und dann die Männer ins Meer und tragen den ganzen Tag lang ihre nassen Kleider. Diejenigen, die nicht mitmachen wollen, werden manchmal dazu gezwungen.

Zu Ostern findet die Auferstehungsliturgie um Mitternacht unter freiem Himmel statt, wobei die Gläubigen Kerzen tragen. Sobald die Glocken zu läuten beginnen, lassen die Jugendlichen ein Feuerwerk los, und die Menschen sagen sich gegenseitig die rituellen Worte „Christus ist auferstanden“. Dann geht jeder in die Kirche und zündet seine Kerze am heiligen Feuer an, das der Priester in der Hand hält, und geht dann nach Hause, um das Feuer im Kamin anzuzünden. Am Ostermontag versammelt sich die gesamte Bevölkerung auf dem Hauptplatz, wo sie den ganzen Tag über essen, trinken und singen. Früher mussten alleinstehende Mädchen zu Hause bleiben, aber sie durften im Eingangsbereich bleiben, wo sie sangen und mit Schaukeln spielten.

Am 1. Mai gingen alle Mädchen der Insel im Morgengrauen in Gruppen, jede mit einem Krug in der Hand, außerhalb der Stadt Wasser holen, durften aber während des Weges kein einziges Wort sprechen. Dieses Wasser (Amilito Neró, „Wasser des Schweigens“) sollte der Familie Glück bringen. Jeder wusch sich an diesem Tag damit, und alle Geräte und Wände des Hauses wurden damit bespritzt. Wenn sich ein Mädchen verlobte, füllte sie eine Kristallkaraffe damit und brachte sie ihrer zukünftigen Schwiegermutter, die ihr im Gegenzug einen besonderen Kuchen und eine ungerade Anzahl von Goldmünzen schenkte.

Medien

Die Gemeinde Megisti betreibt eine eigene Website, auf der Pressemitteilungen, amtliche Bekanntmachungen, Veranstaltungen, Informationen zu kommunalen Dienstleistungen und weitere Nachrichten veröffentlicht werden. Damit dient die kommunale Website zugleich als wichtiges Informationsmedium für Einwohner und die außerhalb der Insel lebende Bevölkerung.

Für die überregionale Berichterstattung ist insbesondere die öffentlich-rechtliche Ελληνική Ραδιοφωνία Τηλεόραση (ERT) von Bedeutung. 2026 widmete ERT3 Kastellorizo die zweiteilige Sendung „Διασπορά“ (Diaspora), die sich mit der Geschichte der Insel und ihrer Bevölkerung befasste. Auch das weltweite Radioprogramm „Η Φωνή της Ελλάδας“ (Die Stimme Griechenlands) übertrug 2026 mehrere Abende des Near & Far Kastellorizo International Festival live von der Insel.

Kastellorizo wird außerdem regelmäßig von regionalen Medien auf Rhodos und im Dodekanes behandelt. Die Zeitung „Η Ροδιακή“ (I Rodiaki) unterhält einen eigenen Nachrichtenbereich zu Kastellorizo und berichtete im September 2026 unter anderem über kommunale Infrastrukturprojekte und den Besuch des griechischen Ministerpräsidenten.

Im Hörfunk ist Kastellorizo in das griechische öffentlich-rechtliche Rundfunknetz eingebunden. Nach den offiziellen Frequenzangaben der ERT werden auf Kastellorizo unter anderem ERT Rodou auf 98,4 MHz, das Zweite Programm auf 90,4 MHz und ERA Sport auf 101,4 MHz ausgestrahlt. Ein eigenständiger dauerhaft betriebener lokaler Radiosender der Insel ist dagegen nicht ausgewiesen.

Eine besondere Form der lokalen und diasporabezogenen Medienarbeit ist das Magazin „Filia“ der Friends of Kastellorizo. Der Name geht auf eine historische Zeitschrift zurück, die von 1909 bis 1913 auf Kastellorizo erschien und von dem lokalen Chronisten Petros Mihail Petrides herausgegeben wurde. Die heutige „Filia“ erscheint als Newsletter der Friends of Kastellorizo; 2026 wurde bereits die 66. Ausgabe veröffentlicht. Sie dokumentiert insbesondere Geschichte, Veranstaltungen und die Beziehungen zwischen der Insel und ihrer weit verstreuten Diaspora.

Kommunikation

Nach 1920 gaben die französischen Besatzer Briefmarken der französischen Amtspost in der Türkei heraus, die erst mit dem Schriftzug „O.N.F. / Castellorizo“, dann mit „B.N.F. / CASTELLORIZO“ und schließlich mit „O F / CASTELLORISO“ überdruckt waren. Sie sind heute begehrte Sammlerstücke. Häufiger und billiger sind italienische Briefmarken mit dem Aufdruck „CASTELROSSO“, die seit 1922 erschienen. Die Postleitzahl der Gemeinde ist 85111, die Telefonvorwahl 0(030)22460.

Sport

Die geschützte Lage des Hafens und die zahlreichen felsigen Küstenabschnitte ermöglichen Schwimmen und Freiwasserschwimmen. Auf Kastellorizo finden auch organisierte Freiwasserveranstaltungen statt. Dazu gehört das Megisti Open Water Swim Event, das 2024 ausgetragen wurde. Ebenfalls seit mehreren Jahren veranstaltet Rock Solid auf Kastellorizo Schwimmveranstaltungen, darunter das „Swim Adventure Stroggili“, bei dem die Strecke zur benachbarten Insel Strongyli zurückgelegt wird. Für 2026 wurde das Rock Solid Event für den 30. und 31. Mai angekündigt.

Auch Tauchen spielt wegen der klaren Gewässer, der felsigen Küste und der Unterwasserlandschaft eine Rolle. Es handelt sich dabei vor allem um Freizeit- und Sporttauchen; Kastellorizo ist jedoch kein bedeutendes Zentrum des organisierten Wettkampftauchens. Die griechische Sportverwaltung führt Tauchen und Freiwasserschwimmen als eigenständige anerkannte Sportdisziplinen.

Neben dem Wassersport werden auf der Insel auch andere Freizeitsportarten betrieben. Wegen des sehr begrenzten Platzes und der kleinen ständigen Bevölkerung existiert jedoch keine mit größeren griechischen Inseln vergleichbare Infrastruktur mit umfangreichen Sportplätzen, Schwimmbädern oder mehreren leistungsorientierten Vereinen. Der geplante Neubau eines Sportzentrums soll die örtlichen Möglichkeiten erweitern.

Persönlichkeiten

Von der Insel stammen unter anderem:

  • Georgios Mavros, Politiker
  • Andrew Liveris, Geschäftsmann
  • Nicholas Paspalis, Perlentaucher und Gründer des Perlenunternehmens Paspaley
  • Ken Michael, ehemaliger Gouverneur von Westaustralien
  • Basil Zempilas, Fernsehmoderator und Bürgermeister von Perth
  • Steve Malaxos, australischer Regelfußballspieler

Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr auf Kastellorizo entwickelte sich erst relativ spät. Eine stärkere touristische Erschließung setzte ab den späten 1970er- und insbesondere in den 1980er-Jahren ein. In dieser Zeit verbesserten sich die Verkehrsverbindungen nach Rhodos, und der Ausbau des Flughafens erleichterte die Erreichbarkeit. Gleichzeitig begannen viele aus Kastellorizo stammende Auswanderer und deren Nachkommen, insbesondere aus Australien, ihre alten Häuser zurückzukaufen, zu renovieren oder neu aufzubauen. Dadurch veränderte sich das historische Ortsbild deutlich.

Der Tourismus blieb im Vergleich zu den großen griechischen Ferieninseln jedoch kleinräumig. Kastellorizo besitzt nur einen einzigen größeren Siedlungsbereich am Haupthafen; dementsprechend konzentrieren sich auch die touristischen Einrichtungen auf den Ort und seine unmittelbare Umgebung. Der Hauptort ist durch seine farbigen neoklassizistischen Häuser, den geschützten Naturhafen und die dicht am Wasser gelegene historische Bebauung selbst eine der wichtigsten touristischen Attraktionen. Hinzu kommen das Kastell, Palaiokastro, die Museen, die Kirchen, die Küstenlandschaft und vor allem die Blaue Grotte.

Eine besondere Rolle für die internationale Bekanntheit spielte der italienische Spielfilm Mediterraneo von Gabriele Salvatores, der 1991 auf Kastellorizo gedreht wurde und 1992 den Oscar als bester fremdsprachiger Film erhielt. Der Film machte die Insel auch außerhalb Griechenlands bekannt und verstärkte ihr Image als abgelegenes Reiseziel. Ein Massentourismus wie auf größeren Dodekanes-Inseln entwickelte sich dennoch nicht.

Die Unterbringungsmöglichkeiten bestehen heute aus Hotels, Pensionen, Studios, Apartments und privat vermieteten Zimmern. Die Gemeinde Megisti führt auf ihrer offiziellen Internetseite eine größere Zahl entsprechender Betriebe auf, darunter Agnanti Studios, Alexandra, Asimina’s Rooms, Karnayo Apartments, Kastellorizo Hotel, Kaza Di Kastelo Roso, Mandraki Paradise, Mediterraneo Hotel, Megisti Hotel, Poseidon Hotel, Stefanos Hotel und weitere Studios und Zimmervermietungen. Damit verfügt die Insel über ein für ihre geringe Einwohnerzahl relativ breit gefächertes, aber insgesamt kleines Beherbergungsangebot.

Der Fremdenverkehr ist stark saisonal. Während der Sommermonate steigt die Zahl der auf der Insel anwesenden Personen erheblich über die ständige Einwohnerzahl hinaus. Die touristische Infrastruktur umfasst neben den Unterkünften Restaurants, Cafés, Kafenia, Bars, Bootsunternehmen und Anbieter von Ausflugsfahrten. Die Gemeinde führt mehrere Anbieter für tägliche Bootsausflüge, Wassertaxis und private Bootsfahrten auf. Diese Angebote dienen insbesondere Ausflügen zur Blauen Grotte, zu Badeplätzen und zu den umliegenden Küsten und Inseln.

Kastellorizo profitiert außerdem von seiner außergewöhnlichen Nähe zur türkischen Küste. Die Insel liegt nur etwa 1,25 Seemeilen beziehungsweise rund 2,3 km von der südwesttürkischen Küste entfernt. Die türkische Hafenstadt Kaş ist deshalb ein wichtiger Ausgangspunkt für Tagesbesuche. Zwischen Kaş und Kastellorizo bestehen Fährverbindungen, die insbesondere in der touristischen Saison zahlreiche Tagesgäste auf die griechische Insel bringen. Aktuelle Fähranbieter bieten regelmäßige Überfahrten zwischen Kaş und Kastellorizo an.

Die Verbindung mit Kaş besitzt nicht nur für den Tourismus, sondern auch für den wirtschaftlichen Austausch eine Bedeutung. Bereits 2020 wurden mehr als 25.000 Passagiere pro Jahr auf der Verbindung zwischen Kaş und Kastellorizo genannt. Für den Sommer 2025 wurden nach Angaben eines aktuellen Berichts sogar 43.291 Passagiere auf der Verbindung Kaş–Kastellorizo registriert; für 2026 wurde eine weitere Zunahme der Nachfrage gemeldet. Diese Zahlen beziehen sich auf den grenzüberschreitenden Passagierverkehr und nicht ausschließlich auf Übernachtungsgäste. Ein erheblicher Teil der Besucher kommt somit nur für einen Tagesausflug auf die Insel.

Die frühere Angabe, wonach seit Juni 2007 die offizielle Ein- und Ausreise zwischen Kaş und Kastellorizo möglich sei und die Meis Express werktags verkehre, sollte für eine aktuelle Darstellung nicht unverändert übernommen werden. Die Verbindung zwischen beiden Orten besteht bereits seit den 1990er-Jahren, während sich Fahrpläne und Anbieter im Laufe der Jahre mehrfach geändert haben. Heute ist der Verkehr saisonal und wird von verschiedenen Fährunternehmen bedient.

Für den Aufenthalt auf Kastellorizo stehen vor allem Ruhe, historische Architektur, Wandern, Baden, Schnorcheln, Tauchen, Bootsausflüge und der Besuch der Blauen Grotte im Mittelpunkt. Lange Sandstrände fehlen; gebadet wird überwiegend an Felsen, kleinen Badeplätzen und Stegen. Die Gemeinde hebt neben der Blauen Grotte insbesondere die archäologischen und historischen Sehenswürdigkeiten sowie die traditionelle Architektur hervor.

Literatur

Reiseberichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

Visit Greece: Kastellorizo = https://www.visitgreece.gr/en/islands/dodecanese/kastellorizo

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