Anafi

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Anafi ist eine kleine Insel im südöstlichen Randbereich der Kykladen in der griechischen Ägäis. Der fast senkrecht aus dem Meer bis zu 480 m aufragende Monolith Kalamos ist der nach Gibraltar als zweitgrößte monolithische Felsen Europas. Auf ihm thront das Kloster Panagia Kalamiotissa. Auf der Insel gibt es nur einen bewohnten Ort (Chora), ursprüngliche Landschaften, ein gut erhaltenes Wanderwegnetz und bedeutende archäologische Stätten wie etwa die Reste eines antiken Apollon-Tempels, über dem später das Kloster Zoodochos Pigi errichtet wurde.

Inselsteckbrief
offizieller Name Ανάφη [Anáfi]
alternative Bezeichnungen Anaphê, Mevliaros, Vliaros (altgriechisch), Namfio (venezianisch), Anafiya, Anafiye, Mafiye (türkisch), Anafo (italienisch)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp echte Insel
Inselart tektonische Insel
Gewässer Ägäisches Meer (Aigaío Pélagos) bzw. Kretisches Meer (Kritikó Pélagos)
Inselgruppe Kykladen (Kikládes)
politische Zugehörigkeit Staat: Griechenland (Ellinikí Dimokratía)<r>Region: Südliche Ägäis (Periféria Notíou Egeou)
Regionalbezirk: Thera (Periferiakí Enótita Thíras)
Gliederung 3oikismoi (Siedlungen)
Status Inselgemeinde (dimos)
Koordinaten 36°22’ N, 25°48’ O
Entfernung zur nächsten Insel 3,7 km (Flini), 21,7 km (Santorin)
Entfernung zum Festland 208 km (Kap Sounion / Attika)
Fläche 38,617 km² / 14,91 mi² (mit Nebeninseln 40,37 km² / 15,51 mi²)
geschütztes Gebiet 7,5476 km² / 2,914 mi² (19,5 %)
maximale Länge 11,6 km (W-O)
maximale Breite 6,6 km (N-S)
Küstenlänge 36 km
tiefste Stelle 0 m (Ägäisches Meer)
höchste Stelle 582 m (Wigla)
relative Höhe 582 m
mittlere Höhe 46 m
maximaler Tidenhub 0,2 bis 0,3 m (Anafi 0,26 m)
Zeitzone OAE (Ôra tes Anatolikes Europes / Osteuropäische Zeit, UTC+2)
Realzeit UTC plus 1 Stunde 43 Minuten
Einwohnerzahl 291 (2021)
Dichte (Einwohner pro km²) 7,54, bezogen auf die Verwealtungsfläche 7,22
Inselzentrum Chora


Name

Mythischen Überlieferungen zufolge gerieten die Argonauten in mythischer Vorzeit während ihrer Fahrt in schwere Seenot. In ihrer Not flehten sie den sonnigen Gott Apollon um Beistand an. Der Gott erhörte sie und ließ einen Lichtstrahl erscheinen, der die Seeleute zu einer Insel führte, die er eigens für sie erschaffen hatte. Als die Männer das rettende Ufer erreichten, nannten sie das Eiland Anaphê, abgeleitet vom griechischen Verb anaftein, das „anzünden“ oder „anstrahlen“ bedeutet. So wurde die Insel zur „Angesstrahlten“ oder „Erleuchteten“.

Eine eng verwandte Deutung führt den Namen auf das Verb ἀνέφηνεν [ánéfinen] zurück, das wörtlich „er ließ erscheinen“ bedeutet. In dieser Version der Sage nutzte Apollon seinen Bogen, um die Insel im Dunkel des Sturms sichtbar zu machen und den Argonauten so einen Zufluchtsort zu offenbaren. Der Name Ἀνάφη [Anáfi] stünde demnach für „Offenbarung“ oder „Erscheinung“. Diese Etymologie rückt Anafi in die Nähe der benachbarten Insel Delos, deren Name ebenfalls auf ein altgriechisches Wort mit der Bedeutung „offenbaren“ oder „sichtbar machen“ zurückgeführt wird. Beide Inseln wären somit mythologisch und sprachlich mit dem Motiv der göttlichen „Enthüllung“ verbunden.

Neben dieser mythischen Herkunft gibt es eine weitere, naturkundlich fundierte Erklärung. Demnach könnte der Name aus der Verbindung an-ophis entstanden sein und „ohne Schlangen“ bedeuten. Die Insel wäre also nach dem Fehlen von Schlangen benannt worden, einem Merkmal, das sie von anderen Orten der Region unterschied.

Im Laufe der Jahrhunderte trug die Insel verschiedene Bezeichnungen, die den wechselnden Herrschaftsverhältnissen und sprachlichen Einflüssen folgten. Im Altertum begegnet sie auch unter den Namen Mevliaros oder Vliaros. Im 13. Jahrhundert erscheint sie in venezianischen Quellen als Namfio. Die zeitweilig herrschenden Italiener nannten und nennen sie Anafo. Im Türkischen ist sie als Anafiya, Anafiye oder Mafiye bekannt. Heute lautet der offizielle Name Anafi, auf Griechisch Ανάφη, ausgesprochen Anáfi.

  • international:  Anafi
  • amharisch:  አናፊ [Anafi]
  • arabisch:  أنافي [Anafi]
  • armenisch:  Անաֆի [Anafi]
  • bengalisch:  আনাফি [Anafi]
  • birmanisch:  အနာဖီ [Anafi]
  • bulgarisch:  Анафи [Anafi]
  • chinesisch:  阿纳菲 [Ānàfēi]
  • georgisch:  ანაფი [Anapi]
  • griechisch:  Ανάφη [Anáfi]
  • gudscheratisch: અનાફી [Anāphī]
  • hebräisch:  אנאפי [Anafi]
  • hindi:  अनाफी [Anāphī]
  • italienisch:  Anafo
  • japanisch:  アナフィ [Anafi]
  • kambodschanisch: អាណាហ្វី [Anāphī]
  • kanaresisch:  ಅನಾಫಿ [Anāphi]
  • kasachisch:  Анафи [Anafi]
  • koreanisch:  아나피 [Anapi]
  • laotisch:  ອານາຟີ [Anāphī]
  • litauisch:  Anafis
  • makedonisch:  Анафи [Anafi]
  • malayalam:  അനാഫി [Anāphi]
  • maldivisch:  އަނާފި [Anafi]
  • marathisch:  अनाफी [Anāphī]
  • nepalesisch:  अनाफी [Anāphī]
  • orissisch:  ଅନାଫି [Anāphi]
  • pandschabisch: ਅਨਾਫੀ [Anāphī]
  • paschtunisch:  انافي [Anafi]
  • persisch:  آنافی [Ānāfi]
  • russisch:  Анафи [Anafi]
  • serbisch:  Анафи [Anafi]
  • singhalesisch: අනෆි [Anafi]
  • tamilisch:  அனாஃபி [Anāphi]
  • telugu:  అనాఫి [Anāphi]
  • thai:  อานาฟี [Ānāfī]
  • tibetisch:  ཨ་ན་ཕི། [Anafi]
  • türkisch:  Anafiya, Anafiye, Mafiye
  • ukrainisch:  Анафі [Anafi]
  • urdu:  انافی [Anafi]
  • weißrussisch:  Анафі [Anafi]


Offizieller Name:  Ανάφη [Anáfi]

  • Bezeichnung der Bewohner:  Αναφιώτες [Anafiótes] (Anafioten)
  • adjektivisch:  αναφιώτικος [anafiótikos] (anafiotisch)


Kürzel:

  • Code:  AN / ANA
  • Kfz:  EM
  • LAU-Code:  6002
  • ISO-Code:  GR.TH.AN

Lage

Anafi liegt im Süden der Ägäis am Südostrand der kykladischen Inseln auf durchschnittlich 36°22’ n.B. und 25°48’ ö.L.. Die Insel ist 20 km von von Thira (Santorin), 40 km von Amorgos, 42 km von Ios, 45 km von Astypalea, 65 km von Naxos, 122 km von Kreta, 162 km von Rhodos und 250 km von Athen entfernt.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt: 36°24‘00“ n.B. (Akra Drepano)
  • südlichster Punkt:  36°20‘38“ n.B. (Hafen von Anafi) bzw. 36°16‘10“ n.B. (Nisos Pachia)
  • östlichster Punkt:  25°51‘32“ ö.L. (Akrotirio Kalamos) bzw. 25°54‘00“ö.L. (Nisos Makra)
  • westlichster Punkt:  25°45‘50“ ö.L. (Vagia Litra)


Entfernungen:

  • Flini  3,7 km
  • Pachia  7,7 km
  • Santorin  21,7 km
  • Amorgos  41 km
  • Astypalea  42,6 km
  • Ios  45 km
  • Naxos    64 km
  • Kreta  122 km
  • Rhodos  162 km
  • Akra Sounion / Attika  208 km
  • Pelopponnes  227 km
  • Athen  250 km

Zeitzone

Auf Anafi gilt wie überall in Griechenland die Ôra tes Anatolikes Europes (Osteuropäische Zeit), abgekürzt OAE, eine Stunde vor der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ). Die Realzeit liegt um eine Stunde und 43 Minuten vor der Koordinierten Universalzeit (UTC).

Fläche

Die Insel Anafi hat eine Fläche von 38,617 km² bzw. 14,91 mi², nach alternativen Angaben 38,345 bis 38,636 km². Mit Nebeninseln umfasst die Gemeinde 40,37 km² bzw. 15,51 mi². Die Insel durchmisst in Ost-West-Richtung 11,6 km und von Norden nach Süden bis zu 6,6 km. Die Küste hat eine Länge von 32 km mit einem maximalen Tidenhub von 0,2 bis 0,3 m, im Hafen von Anafi 0,26 m. Höchster Punkt ist der Wigla mit 582 m. Die mittlere Seehöhe beträgt 46 m.

Geologie

Die geologische Beschaffenheit der Insel Anafi ist eng mit den vulkanischen Ereignissen der weiteren Ägäis und insbesondere mit den Ausbrüchen des benachbarten Santorin verbunden. In einer 1870 veröffentlichten geologischen Studie über die Insel werden Ablagerungen von Galmei erwähnt, einem Zinkkarbonat, das auf bestimmte Verwitterungs- und Mineralisationsprozesse hindeutet. In der Gegend von Vayia finden sich zudem Tonvorkommen, die in den 1950er Jahren von den Töpfern der Insel genutzt wurden und damit einen direkten Bezug zwischen den geologischen Ressourcen und dem handwerklichen Leben der Bewohner herstellen.

In jüngerer Zeit eröffneten die umfangreichen Ausgrabungen im Zusammenhang mit dem Straßenbau der 1980er und 1990er Jahre den Geologen neue Einblicke. An den freigelegten Profilen konnten die Gesteinsschichten und weitere geologische Merkmale genauer untersucht werden, die von den Vulkanausbrüchen auf Santorin und den damit verbundenen Ablagerungen von Vulkanasche auf Anafi geprägt wurden. Diese Aschelagen und die durch die Eruptionen beeinflussten Sedimente dokumentieren die wiederholte Einwirkung fernwirkender vulkanischer Ereignisse auf die Insel und erlauben Rückschlüsse auf die Abfolge der Ablagerungen und die tektonische Entwicklung des Gebiets.

Bereits im 19. Jahrhundert lag eine hydrographische Erfassung vor. Eine Karte der Insel mit dem Titel „Anaphi, Pasha and Makrea“ aus dem Jahr 1859, die unter der Leitung von Kapitän Thomas Spratt von der HMS Medina erstellt wurde, befindet sich in den Archiven des Hydrographischen Amtes des Vereinigten Königreichs. Sie wurde am 4. Juni 1860 unter der Nummer D4737 zugänglich gemacht und liefert eine frühe kartographische Darstellung der Küsten- und Meeresverhältnisse im Umfeld von Anafi. Zusammen mit den späteren geologischen Untersuchungen ergibt sich so ein Bild einer Insel, deren Gesteine und Ablagerungen sowohl von lokalen mineralischen Vorkommen als auch von den weitreichenden Auswirkungen der ägäischen Vulkanaktivität bestimmt werden.

Landschaft

„Von weitem sieht Anafi aus wie ein uneinnehmbarer Fels - und wirklich stürzen die meisten Ufer steil ins Meer“. Entlang der Südküste sieben Sandstrände (darunter Klisidi, Katsouni, Mikros und Megalos Roukoúnas, Prassies), die im Osten von einem ziemlich hohen Marmormonolithen Kálamos, an dessen Fuß sich das Kloster Panagiá Kalamiótissa befindet, begrenzt werden. Kálamos ist nach Gibraltar die zweithöchste Klippe des Mittelmeers.

Im Innern wirkt die Insel „weitgehend und unfruchtbar“, doch gibt es mitten drin viele schmale, üppig grüne „Erosionstäler“. Beherrschende Landmarke der 396 m „hohe Marmorberg Kálamos ganz im Osten der Insel, die auf drei Seiten steil ins Meer abfällt“ und dadurch viel massiver wirkt, „als er in Wirklichkeit ist. Höher, aber weniger eindrucksvoll als der Kálamos-Gipfel sind die Berge im Zentrum der Insel, die im Wigla bis auf 582 m ansteigen.“ (Thomsen etc. 1984:177)


Erhebungen

  • Wigla  582 m
  • Profitis Ilias  415 m
  • Kálamos  396 m
  • Agios Ioannis  350 m


Fluss

  • Potámos Anáfi  4 km


Inseln

Insel Fläche Ausmaße Seehöhe
Anafi 38,64 km² 11,6 × 6,6 km 582 m
Pachia 1,55 km² 1,4 × 1,1 km 204 m
Makra 0,76 km² 1,7 × 0,7 km 68 m

Flora und Fauna

Anafi verfügt über eine für seine geringe Größe relativ vielfältige Flora mit 314 Pflanzengattungen und insgesamt 635 Arten und Unterarten, von denen 37 in Griechenland endemisch sind. Anafi ist auch eine der Inseln, auf denen der Eleonorenfalke beobachtet werden kann, ein Falke („Hobby“), der Zugvögel jagt und im Spätsommer/Herbst brütet.

Flora

Die Vegetation Anafis ist durch das mediterrane Klima, die sommerliche Trockenheit, die felsige Landschaft und die unterschiedliche Höhenlage geprägt. Auf der Insel kommen offene, niedrigwüchsige Phrygana-Bestände, dichtere Strauchvegetation, felsige Standorte, Küstenvegetation und landwirtschaftlich genutzte Flächen nebeneinander vor. Die Phrygana ist eine typische Vegetationsform der trockenen ägäischen Inseln. Zu ihren charakteristischen Pflanzen gehören verschiedene Zistrosen der Gattung Cistus, Dornsträucher und aromatische Kräuter. Auch die auf den Ägäisinseln verbreitete Macchie mit Mastixstrauch, Johannisbrotbaum und wilden Oliven ist Bestandteil der mediterranen Vegetationsausstattung.

Zu den auf Anafi nachgewiesenen Pflanzen gehört die kretische Dattelpalme Phoenix theophrasti. Ihr natürliches Vorkommen auf der Insel wurde in der floristischen Untersuchung bestätigt. Die Art ist eine charakteristische Palme der östlichen Mittelmeerregion und besitzt auf Kreta sowie auf einigen Inseln der südlichen Ägäis natürliche Vorkommen. Ihr Nachweis ist deshalb auch für die pflanzengeografische Einordnung Anafis von Bedeutung.

Die Insel besitzt außerdem zahlreiche aromatische Pflanzen. Zu den auf den Ägäisinseln verbreiteten Arten gehören Salbei der Gattung Salvia, Thymian der Gattung Thymus, Zistrosen der Gattung Cistus und weitere mediterrane Gewürz- und Heilpflanzen. Auf Anafi werden solche Pflanzen traditionell gesammelt und für die Küche, zur Herstellung von Aufgüssen und für andere häusliche Zwecke verwendet. Die aromatische Vegetation ist zugleich eine wichtige Grundlage für die örtliche Imkerei und die Erzeugung von Honig.

Die floristische Bedeutung Anafis beruht nicht allein auf der Zahl der nachgewiesenen Arten. Die Insel liegt im südägäischen Vulkangürtel und besitzt eine vielfältige Landschaft aus trockenen Hängen, Felsstandorten, Küstenbereichen und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Diese unterschiedlichen Lebensräume ermöglichen das Vorkommen von Pflanzen mit verschiedenen ökologischen Ansprüchen. Die floristische Untersuchung verglich Anafi auch mit anderen Inseln des südägäischen Vulkangürtels. Dabei wurden pflanzengeografische Beziehungen zu anderen Inseln der Region festgestellt.

An der Südküste befinden sich besonders bedeutende Naturflächen im Bereich von Roukounas und Kalamos. Diese Gebiete gehören zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Die Schutzgebietsausweisung berücksichtigt die dort vorkommenden Lebensräume und die biologische Vielfalt. Der Kalamos ist ein großer Marmorfelsen, dessen steile Felsflächen einen besonderen Lebensraum innerhalb der Insel bilden. Die Küsten- und Felsvegetation unterscheidet sich von der Vegetation der trockenen Hänge und der landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Die Flora Anafis umfasst damit sowohl weit verbreitete mediterrane Pflanzen als auch seltene und geschützte Taxa. Die Untersuchung von 2012 wies 128 Taxa mit einem Schutzstatus nach. Diese Zahl umfasst nicht ausschließlich endemische Arten, sondern auch andere Pflanzen, die nach den jeweils geltenden Schutzbestimmungen einen besonderen Schutz genießen.

Fauna

Die Fauna der Insel Anafi ist vor allem durch ihre Vogelwelt, die Felslebensräume und die Meeressäugetiere geprägt. Besonders die steilen Küstenabschnitte, die vorgelagerten Felsen und die schwer zugängliche Halbinsel Kalamos bieten Rückzugs- und Brutplätze. Die südliche Küste zwischen Roukounas und Kalamos gehört zum Natura-2000-Gebiet GR4220002. Die Schutzgebietsdokumentation nennt für diesen Bereich eine bedeutende Avifauna, geeignete Zufluchtsorte für Säugetiere und eine reiche Fauna wirbelloser Tiere.

Die bedeutendste Vogelart Anafis ist der Eleonorenfalke (Falco eleonorae). Die Art brütet auf den steilen Hängen und Felsen der Insel, unter anderem im Bereich von Kalamos sowie auf den Felseninseln Ftena, Makria und Pachia. Der Eleonorenfalke ist ein Zugvogel, der im Mittelmeerraum brütet und anschließend nach Madagaskar und auf andere Inseln des Indischen Ozeans zieht. Die Brutzeit liegt im Spätsommer und Herbst. In der Zeit des Vogelzugs nutzt die Art das große Angebot an durchziehenden Kleinvögeln als Nahrung. Anafi gehört damit zu den bedeutenden Brutgebieten des Eleonorenfalken in der südlichen Ägäis.

Eine weitere wichtige Vogelart ist der Korallenmöwe (Larus audouinii). Sie ist die einzige Möwenart, die ausschließlich im Mittelmeerraum vorkommt. Auf Anafi brütet sie auf den vorgelagerten Felseninseln. Die Art nutzt die abgelegenen und schwer zugänglichen Felsstandorte als Brutplätze. Die Insel und ihre Umgebung gehören damit zu den Brutgebieten dieser seltenen Mittelmeermöwe.

Auch der Gelbschnabelsturmtaucher, heute meist als Gelbschnabelsturmtaucher oder Cory-Sturmtaucher bezeichnet (Calonectris diomedea), besitzt im Gebiet um Anafi eine besondere Bedeutung. Die südlichen Meeresflächen zwischen Anafi und den vorgelagerten Inselchen sowie zwischen Anafi und Santorin gehören zu den wichtigen Nahrungsgebieten der Art. In den Felsen der Insel und der benachbarten Inselchen befinden sich Brutplätze. Die Kolonie bei Anafi gilt als die größte der Kykladen und als eine der bedeutendsten in Griechenland. Im Sommer halten sich zahlreiche Vögel zur Nahrungssuche in den umliegenden Gewässern auf.

Im gleichen Meeresgebiet kommt auch der Sepiasturmtaucher (Puffinus yelkouan) vor. Er nutzt die Gewässer um Anafi zur Nahrungssuche. Die Art ist ein typischer Brutvogel der Felsinseln des Mittelmeers und des Schwarzen Meeres. Außerdem brütet der Krähenscharbe (Phalacrocorax aristotelis) an der Küste Anafis und auf den vorgelagerten Felseninseln. Die Brutpopulation wird für das Gebiet auf etwa 20 bis 30 Paare geschätzt.

Die Küstenfelsen und die abgelegenen Inselchen sind für die Vogelwelt besonders wichtig, weil sie nur schwer zugänglich sind. Die Natura-2000-Dokumentation hebt hervor, dass die steilen Felsen, Klippen und das Fehlen von Straßen auf der Halbinsel Kalamos einen natürlichen Schutz bilden. Dadurch bestehen dort geeignete Lebensräume für Vögel und Säugetiere. Die zahlreichen Höhlen und Felsspalten bieten zusätzliche Verstecke und Brutplätze.

Zu den Meeressäugetieren Anafis gehört die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus). Die Art nutzt die Höhlen und schwer zugänglichen Küstenabschnitte der Insel als Rückzugsorte. Besonders an der Nordküste Anafis werden Mönchsrobben beobachtet. Die Höhlen und Felsbuchten bieten der Art Schutz vor menschlichen Störungen.

Die Landfauna umfasst verschiedene Reptilien, Insekten und andere wirbellose Tiere. Die Natura-2000-Dokumentation nennt für Anafi mehrere endemische Schneckenarten. Dazu gehören Mastus anafiensis und Albinaria brevicolis, die auf der Insel vorkommen. Außerdem werden Albinaria brevicolis contraria und Zonites anafiensis als lokale Endemiten des Schutzgebiets genannt. Diese Schneckenarten sind für die Fauna Anafis besonders charakteristisch, weil sie nur auf der Insel beziehungsweise in einem begrenzten Gebiet vorkommen.

Die wirbellose Fauna Anafis ist insgesamt artenreich. Die Schutzgebietsdokumentation bezeichnet sie als reich an lokalen endemischen Wirbellosen. Die Felslandschaften, die trockenen Hänge und die unterschiedlichen Lebensräume der Insel schaffen Bedingungen für eine vielfältige Insekten- und Schneckenfauna. Die genaue Zusammensetzung dieser Fauna ist jedoch weniger umfassend dokumentiert als die Vogelwelt.

Naturschutz

Auf Anafi ist ein Natura-2000-Gebiet ausgewiesen. Es umfasst die Halbinsel Kalamos und den Küstenbereich von Roukounas bis zur Bucht Prasies. Die Schutzgebietsbezeichnung lautet „Anafi: Chersonisos Kalamos – Roukounas“, der Gebietscode ist GR4220002. Es handelt sich um ein Gebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Die Gesamtfläche des Schutzgebiets beträgt nach den verfügbaren Gebietsdaten 11,4438 km². Davon entfallen 3,8962 km² auf Meeresfläche. Der Landanteil beträgt damit 7,5476 km².

Die Angaben zur Gesamtfläche und zur Aufteilung in Land- und Meeresfläche stammen aus den Gebietsdaten der griechischen NatureBank. Die europäische Natura-2000-Dokumentation führt für dasselbe Gebiet eine Gesamtfläche von 1.122,29 ha. Diese abweichende Flächenangabe beruht auf einem anderen Datenstand. Für die Darstellung der Schutzgebietsfläche Anafis wird daher die in den Gebietsdaten ausgewiesene Gesamtfläche von 1.144,38 ha verwendet.

Ein weiteres Natura-2000-Gebiet betrifft den östlichen und nördlichen Teil Anafis sowie die umliegenden Felseninseln. Es trägt den Code GR4220023 und die Bezeichnung „Anafi: Anatoliko kai Voreio Tmima kai Gyro Nisides“. In einer Übersicht der griechischen Schutzgebiete wird für dieses Gebiet eine Fläche von 584,62 ha angegeben. Diese Fläche umfasst nicht nur Landflächen der Insel Anafi, sondern auch die umgebenden Inselchen und Meeresbereiche.

Klima

Das Klima von Anafi ist ein trockenes, sommerheißes Mittelmeerklima. Die Insel liegt im südlichen Ägäischen Meer und gehört zum Kykladenklima. Für die Gemeinde Anafi werden nach einer Klimadatenauswertung der Jahre 1991 bis 2021 eine mittlere Jahrestemperatur von 18,9°C und ein Jahresniederschlag von 316 mm angegeben. Die Köppen-Geiger-Klassifikation lautet BSh, also heißes Steppenklima.

Die folgenden Werte beziehen sich auf den Ort Anafi und nicht auf eine einzelne Messstation innerhalb des Natura-2000-Gebiets. Sie geben daher die klimatischen Verhältnisse der Inselregion wieder.

Die Sommermonate Juni bis September sind sehr trocken. In der verwendeten Klimatabelle werden für Juli und August jeweils 0 mm Niederschlag angegeben. Der niederschlagsreichste Monat ist Januar mit 65 mm, gefolgt von Dezember mit 61 mm und Februar mit 60 mm. Die Niederschläge konzentrieren sich damit auf das Winterhalbjahr, während der Sommer durch anhaltende Trockenheit gekennzeichnet ist.

Die mittlere Temperatur liegt im Januar und Februar bei 13,6°C. Im August erreicht sie mit 25,2°C ihren höchsten Wert. Die mittlere Temperaturspanne zwischen dem kältesten und dem wärmsten Monat beträgt 11,6°C. Die angegebenen monatlichen Höchst- und Tiefstwerte sind Durchschnittswerte und keine absoluten Rekordtemperaturen.

Die jährliche Sonnenscheindauer ist hoch. Für Juli werden durchschnittlich 13,0 Sonnenstunden täglich angegeben, für Juni ebenfalls 13,0 Stunden. Im Winter liegen die Werte bei etwa 6,6 bis 8,0 Stunden täglich. Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt in den Sommermonaten etwa 79 bis 80 Prozent.

Die Wassertemperatur des Kretischen Meeres bei Anafi beträgt im Jahresmittel etwa 20,1°C. Im Februar liegt sie im Mittel bei 16,3°C, im August bei 25,2°C. Im September beträgt die mittlere Wassertemperatur 24,3°C. Die Meeresoberfläche erwärmt sich damit im Sommer deutlich stärker als im Winter, während die Temperatur im Herbst nur langsam zurückgeht.


Klimadaten für Anafi (235 m, 2019 bis 2021)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Mittelmeximum (°C) 13,31 13,9 14,9 17,5 23,1 26,5 29,0 29,4 25,9 22,9 18,8 15,6 20,9
Mittelminimum (°C) 9,9 10,3 11,0 12,9 17,4 20,3 22,8 23,5 20,9 18,3 15,4 12,0 16,2
Niederschlag (mm) 68,8 91,6 65,7 15,9 1,7 0,1 0,1 0,1 0,2 15,4 44,2 74,8 378,6
Niederschlagstage 8 8 5 3 1 0 0 0 1 3 5 8 42

Mythologie

Die Mythologie der Insel Anafi ist untrennbar mit der Sage von Jason und den Argonauten verbunden. Nach der griechischen Überlieferung gerieten die Helden auf der Rückreise von Kolchis in schwere Seenot. In ihrer Verzweiflung riefen sie den Gott Apollon um Beistand an. Der Gott erhörte ihre Bitte und ließ die Insel Anaphe aus dem Meer emporsteigen, sodass die Seeleute dort Zuflucht finden konnten. Aus Dankbarkeit für die Rettung errichteten die Argonauten zu Füßen des Berges Kalamos einen Altar für Apollon. Dieser Altar wurde später in ein Heiligtum einbezogen, dessen gewaltige Mauerreste bis in die Gegenwart erhalten geblieben sind.

In alter Zeit wurde zu Ehren des Gottes auf der Insel ein Fest gefeiert, das den Namen Hyakíntheia trug. Trotz ihrer geringen Größe birgt Anafi mehrere archäologische und mythologische Zeugnisse dieser Verehrung. Im Bereich des Klosters Panagia Kalamiotissa befinden sich die Ruinen eines Tempels, der als Opfergabe für den Gott Apollon Aegletus errichtet wurde. Inschriften von der Insel bezeichnen den Gott an einer Stelle als asgélatos, eine seltene Form, die von manchen Gelehrten als Variante des Beinamens Aigletes gedeutet wird und „der Strahlende“ bedeutet. Ein anderer Forscher verbindet dieses Epitheton hingegen mit einer sumerischen Göttin der Heilung und stellt einen Bezug zu Apollons Sohn Asklepios her.

Weitere Ruinen finden sich bei Kasteli. Die meisten Fundstücke, darunter Statuen, werden heute im Archäologischen Museum in der Chora aufbewahrt, und zwar in einem sehr kleinen Raum. In römischer Zeit diente die Insel als Verbannungsort, was ihre Bedeutung über die rein mythologische Sphäre hinaus in die historische Realität hinein erweiterte. So verbinden sich auf Anafi die Erzählung von der göttlichen Rettung der Argonauten, die dauerhafte Verehrung Apollons und die greifbaren Überreste antiker Heiligtümer zu einem dichten Geflecht aus Mythos und Geschichte.

Geschichte

Die Insel war nach mythologischer und archäologischer Überlieferung zunächst von Phöniziern und ab dem -8. Jahrhundert von Doriern besiedelt, die auf dem Kastelli-Hügel eine Stadt gründeten und im -5. Jahrhundert Mitglied des Attischen Seebunds wurden. Im Mittelalter gehörte Anafi zum Herzogtum Naxos und wechselte zwischen venezianischen Herrscherfamilien, bevor sie 1537 von den Osmanen unter Barbarossa erobert wurde und erst 1830/32 als Teil des unabhängigen Griechenlands endgültig von der osmanischen Herrschaft befreit wurde.

Bronzezeit

Die früheste menschliche Präsenz auf der Insel Anafi lässt sich archäologisch bislang nur sehr unscharf fassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Kykladeninseln, auf denen bereits in der späten und finalen Neolithikum sowie in der frühkykladischen Bronzezeit dauerhafte Siedlungen und Friedhöfe belegt sind, fehlen für Anafi gesicherte Fundkomplexe aus diesen Epochen weitgehend. Systematische Oberflächenbegehungen und gezielte Ausgrabungen haben bisher keine klaren neolithischen oder frühbronzezeitlichen Siedlungsspuren zutage gefördert, die mit den bekannten Fundplätzen auf Naxos, Amorgos, Keros, Syros oder Andros vergleichbar wären. Die Insel scheint in der vorgeschichtlichen Zeit eher am Rande der kykladischen Siedlungsnetze gelegen zu haben oder nur sporadisch und saisonal aufgesucht worden zu sein, etwa im Rahmen von Seefahrt, Fischfang oder der Nutzung von Rohstoffen.

Die mythologische Überlieferung füllt diese Lücke auf eigene Weise. Nach der antiken Tradition waren die ersten Bewohner Phoiniker unter der Führung des Memvliaros. Dieser Anführer soll der Insel auch die älteren Namen Memvliaros und Vliaros gegeben haben. Die Erzählung steht im Zusammenhang mit der Argonautensage und der göttlichen Erscheinung der Insel durch Apollon, doch sie spiegelt zugleich eine Vorstellung von früher seefahrender Kolonisation wider, die in der historischen Erinnerung der Kykladen verankert war.

Die eigentliche archäologisch fassbare Besiedlung setzt erst deutlich später ein. Die Gründung der antiken Stadt auf dem Hügel Kastelli wird in die geometrische oder frühe archaische Zeit datiert, wahrscheinlich in das -8. Jahrhundert, und mit dorischen Zuwanderern in Verbindung gebracht, die von Thera oder dem peloponnesischen Raum auskamen. Das Geschlecht der Aigiden oder Telesikratiden wird in diesem Zusammenhang genannt. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich eine dauerhafte Siedlung mit Befestigungsanlagen, Nekropole und der Anbindung an das Apollon-Heiligtum an der Südostküste. Die Bronzezeit selbst hinterlässt auf Anafi somit kaum greifbare Spuren einer organisierten, dauerhaften Gemeinschaft, im Gegensatz zu den reichen frühkykladischen Kulturen der zentralen und nördlichen Kykladen.

Diese relative Leere der vorgeschichtlichen Befunde ist möglicherweise der geringen Größe der Insel, ihrer isolierten Lage und der begrenzten landwirtschaftlichen Ressourcen geschuldet. Die geologischen Besonderheiten, darunter vulkanische Ascheablagerungen, die von den Ausbrüchen Santorins beeinflusst wurden, und die steilen Geländeformen mögen eine intensive Nutzung in der Bronzezeit zusätzlich erschwert haben. Spätere Epochen, beginnend mit der geometrischen Zeit und sich fortsetzend über die klassische, hellenistische und römische Periode, nutzten die Insel hingegen gezielt als Siedlungs- und Kultort sowie zeitweilig als Verbannungsort. Die Vorgeschichte Anafis bleibt damit weitgehend im Dunkeln und lässt sich nur im größeren Rahmen der kykladischen Inselarchäologie und der mythischen Erzähltradition erahnen.

Archaische Zeit

In der antiken Überlieferung wird die früheste Besiedlung Anafis den Phöniziern zugeschrieben. Nach der auf der Insel überlieferten Tradition sollen sie unter einem Anführer namens Membliaros nach Anafi gekommen sein. In Verbindung damit erscheinen die Namen Membliaros und Vliaros als ältere Bezeichnungen der Insel. Diese Überlieferung gehört zur mythisch-historischen Tradition der Insel und ist nicht mit einem archäologisch gesicherten Nachweis einer phönizischen Kolonie im -10. Jahrhundert gleichzusetzen. Die antiken Quellen über die Frühzeit Anafis sind insgesamt spärlich.

Die häufig wiedergegebene Angabe, Phönizier hätten bereits im 10. Jahrhundert v. Chr. eine Faktorei auf Anafi gegründet, muss deshalb vorsichtig behandelt werden. Die antiken Überlieferungen nennen zwar eine frühe phönizische Besiedlung, die heute verfügbaren Darstellungen der Ephorie für Altertümer der Kykladen sprechen dagegen bei der historischen Besiedlung der Stadt Anafi konkret von einer dorischen Kolonisation im -8. Jahrhundert. Einen archäologisch gesicherten Nachweis einer phönizischen Faktorei des -10. Jahrhunderts liefert die offizielle Darstellung nicht.

Im -8. Jahrhundert erfolgte die dorische Besiedlung beziehungsweise Kolonisation Anafis. Die antike Stadt wurde auf dem Hügel Kastelli, dem heutigen Kastellion, angelegt. Die Ephorie für Altertümer der Kykladen datiert die dorische Kolonisation in das -8. Jahrhundert und verbindet die Bevölkerung der Stadt mit einem dorischen Geschlecht, den Aigiden beziehungsweise Telesikratiden. Auch die Gemeinde Anafi beschreibt die Insel für diese Epoche als von dorischen Siedlern kolonisiert.

Mit der dorischen Besiedlung entstand auf dem Kastelli-Hügel das politische und städtische Zentrum der Insel. Die Lage auf dem erhöhten Gelände bot eine gute Übersicht über große Teile Anafis und über das Meer. Die später nachgewiesene Stadtanlage entwickelte sich an diesem Ort weiter. Reste der Befestigung und weitere archäologische Überreste auf dem Kastelli-Hügel zeigen, dass dort eine dauerhaft organisierte Siedlung bestand. Die antike Stadt blieb auch in späteren Jahrhunderten das Zentrum der Insel.

Die Bevölkerung Anafis gehörte damit seit der historischen Frühzeit zum dorischen Kultur- und Sprachraum. Anafi stand in enger Beziehung zur dorischen Welt der südlichen Ägäis und insbesondere zu Lakonien. Die Ephorie für Altertümer der Kykladen bezeichnet die antike Anafi als überwiegend unter lakonischer Hegemonie stehend. Diese politische Verbindung ist für die Einordnung Anafis in der archaischen Epoche von Bedeutung.

Die religiöse Tradition der Insel war eng mit dem Gott Apollon verbunden. Nach der Argonautensage erschien Anafi den Argonauten während eines Sturms, nachdem sie Apollon um Hilfe gebeten hatten. Nach ihrer Landung errichteten sie zu Ehren des Gottes ein Heiligtum. Apollon wurde auf Anafi als Anafeus beziehungsweise Aigletes verehrt. Das Heiligtum des Apollon Aigletes befand sich im südöstlichen Bereich der Insel bei der heutigen Klosteranlage Panagia Kalamiotissa. Die Sage selbst gehört zur mythologischen Überlieferung und ist nicht als historischer Bericht über eine tatsächliche Ankunft der Argonauten zu verstehen.

Die Verehrung Apollons ist archäologisch durch das Heiligtum und durch Inschriften belegt. Dadurch unterscheidet sich die religiöse Überlieferung von der rein mythischen Erzählung über die Argonauten. Der Kult des Apollon Aigletes blieb über lange Zeit ein wichtiger Bestandteil des religiösen Lebens der Insel. Die Bezeichnung Aigletes steht im Zusammenhang mit dem Glanz beziehungsweise dem Leuchten und wurde mit der Rettung der Argonauten durch das Licht des Gottes verbunden.

Für die archaische Zeit selbst sind die schriftlichen Zeugnisse Anafis begrenzt. Die Entwicklung der Insel lässt sich deshalb stärker anhand der archäologischen Überreste und der späteren antiken Quellen erschließen. Die Stadt auf dem Kastelli-Hügel bestand als befestigte Siedlung weiter. Zu ihrer Infrastruktur gehörten neben dem Siedlungsbereich auch Begräbnisplätze. Auf der südöstlichen Seite des Kastelli-Hügels wurden verschiedene Grabanlagen festgestellt, darunter oberirdische Grabmonumente und in den Fels eingearbeitete beziehungsweise höhlenartige Gräber. Die umfangreichere archäologische Ausgestaltung dieser Nekropole gehört allerdings überwiegend späteren antiken Perioden.

Die archaische Anafi war eine kleine dorische Inselgemeinschaft. Ihre politische Stellung veränderte sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte. Für die ältere historische Zeit wird eine Verbindung zu Lakonien überliefert. Später trat Anafi in den politischen Einflussbereich Athens. Die Ephorie für Altertümer der Kykladen gibt an, dass die Insel hauptsächlich unter lakonischer Hegemonie stand, zu einem späteren Zeitpunkt aber Mitglied des Attischen beziehungsweise Delischen Seebundes wurde und einen jährlichen Tribut von 1.000 Drachmen entrichtete. Diese Zugehörigkeit gehört bereits zur klassischen Zeit und nicht mehr zur eigentlichen archaischen Epoche.

Griechische Antike

Nach der dorischen Besiedlung im -8. Jahrhundert entwickelte sich Anafi zu einer eigenständigen dorischen Polis. Die Bevölkerung gehörte zum dorischen Kulturkreis. Die politische und kulturelle Orientierung der Insel war zunächst eng mit Lakonien verbunden. Antike Überlieferungen führen die Verbindung der Anafier mit Lakonien auf die dorische Herkunft der Bevölkerung zurück.

Ein wichtiges religiöses Zentrum war das Heiligtum des Apollon Aigletes. Es befand sich an der Südostseite der Insel, in der Nähe des heutigen Klosters Panagia Kalamiotissa. Der Kult des Apollon ist durch archäologische Überreste und Inschriften belegt. Die Bezeichnung Aigletes war ein Beiname des Gottes. Mit dem Heiligtum war die Überlieferung verbunden, dass Apollon den Argonauten während eines Sturms den Weg erleuchtet und ihnen die Landung auf Anafi ermöglicht habe. Die Argonautensage ist dabei Teil der mythologischen Überlieferung; die Existenz des Heiligtums selbst ist archäologisch belegt.

Im -5. Jahrhundert geriet Anafi in den politischen Einfluss Athens. Die Insel wurde Mitglied des Attischen Seebundes, dessen Zentrum Athen war. Die Zugehörigkeit zum Seebund bedeutete, dass Anafi in das von Athen dominierte politische und militärische System der Ägäis einbezogen wurde. Die Insel behielt dabei ihre eigene lokale Gemeinschaft und ihre politischen Einrichtungen.

Für die Zeit des Attischen Seebundes sind Tributlisten eine wichtige historische Quelle. Anafi erscheint in den Tributaufzeichnungen des Bundes. Die von der Insel verlangten Zahlungen waren im Vergleich zu den Beiträgen größerer Mitgliedsstaaten sehr niedrig. Daraus lässt sich zunächst die geringe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der kleinen Insel ablesen. Die niedrige Tributhöhe allein erlaubt jedoch keinen gesicherten Schluss darauf, dass Anafi deshalb eine besondere militärische Funktion im attischen Bündnissystem besaß. Eine solche Interpretation wäre über die unmittelbar belegten Angaben hinausgehend.

Die politische Bedeutung Athens in der Ägäis nahm während des -5. Jahrhunderts erheblich zu. Der Attische Seebund entwickelte sich unter athenischer Führung zunehmend zu einem von Athen kontrollierten Herrschaftsverband. Anafi war als kleine Inselgemeinde Teil dieses Systems. Ihre Lage im südlichen Ägäischen Meer machte sie zu einem Bestandteil des Verkehrs- und Kommunikationsraumes zwischen den Kykladen, Kreta und den Inseln der östlichen Ägäis.

Die antike Stadt auf dem Kastelli-Hügel besaß eine Befestigung. Erhaltene Mauerreste zeigen, dass die Siedlung befestigt war. Die Lage des Kastelli-Hügels bot zugleich natürliche Verteidigungsmöglichkeiten. Neben den Befestigungsanlagen sind auf dem Hügel weitere Reste der antiken Bebauung erhalten. Die heutige archäologische Stätte umfasst damit Teile der antiken Stadtanlage und ihrer Infrastruktur.

Die wirtschaftliche Grundlage der Insel blieb auch während der klassischen Zeit die Landwirtschaft. Die natürlichen Bedingungen Anafis waren für den Anbau mediterraner Kulturpflanzen geeignet. Ergänzend spielten Viehzucht und die Nutzung der Meeresressourcen eine Rolle. Die kleine Größe der Insel begrenzte allerdings die landwirtschaftlich nutzbare Fläche und damit auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Polis.

Die archäologischen Zeugnisse zeigen außerdem eine ausgeprägte Bestattungskultur. Im Bereich der antiken Stadt und ihrer Umgebung wurden Gräber und Grabmonumente festgestellt. Die Nekropolen lagen außerhalb des eigentlichen Siedlungsbereiches. Zu den archäologisch untersuchten Monumenten gehören unter anderem größere Grabgebäude aus späterer Zeit. Die Grabfunde dokumentieren die soziale und religiöse Entwicklung der Bevölkerung über mehrere Jahrhunderte.

Nach der klassischen Epoche blieb Anafi eine eigenständige Gemeinde innerhalb der wechselnden politischen Verhältnisse der hellenistischen Welt. Nach dem Ende der athenischen Vorherrschaft wurde die Insel in die Machtkämpfe der hellenistischen Staaten einbezogen. Die politische Zugehörigkeit wechselte entsprechend der jeweiligen Machtverhältnisse im Ägäischen Meer.

Im hellenistischen Zeitalter bestanden die Stadt und das Heiligtum des Apollon Aigletes weiter. Der Kult des Apollon blieb ein wichtiger Bestandteil des religiösen Lebens. Inschriften und bauliche Überreste belegen die fortdauernde Nutzung des Heiligtums. Die religiöse Bedeutung des Heiligtums reichte damit über die klassische Zeit hinaus.

Auch die Stadt auf dem Kastelli-Hügel blieb besiedelt. Die archäologischen Überreste zeigen, dass die Siedlung über einen langen Zeitraum kontinuierlich genutzt wurde. Neben Wohn- und öffentlichen Bereichen bestanden religiöse Anlagen und Nekropolen. Die heutige Ruinenstätte ist deshalb nicht ausschließlich einer einzigen Epoche zuzuordnen, sondern dokumentiert die Entwicklung der Stadt über mehrere Jahrhunderte.

Römische Antike

Nachdem Rom im -2. Jahrhundert seine politische und militärische Vorherrschaft in Griechenland ausgebaut hatte, wurde Griechenland nach dem Sieg Roms über den Achaiischen Bund und der Zerstörung Korinths im Jahr -146 endgültig dem römischen Machtbereich untergeordnet. Anafi gehörte damit zur römisch beherrschten Ägäis. Die bisherige politische Ordnung der Insel als eigenständige griechische Polis bestand in dieser Form nicht fort. Die antike Stadt auf dem Kastelli-Hügel blieb jedoch bestehen und entwickelte sich während der römischen Epoche weiter. Die Ausgrabungs- und Oberflächenfunde belegen, dass die Siedlung während der römischen Kaiserzeit keineswegs aufgegeben wurde, sondern eine bedeutende Entwicklungsphase erlebte.

Das Zentrum der römischen Stadt befand sich weiterhin auf dem Kastelli-Hügel. Die Stadt war befestigt und verfügte über einen ausgedehnten Mauerring. An der Südostseite des Hügels lag der Friedhof der Stadt. Dort befanden sich sowohl oberirdische Grabanlagen als auch zahlreiche in den Fels eingetiefte Grabkammern, zu denen Treppen hinabführten. Die Grabanlagen wurden mit Marmorplastiken, Porträts und Grabinschriften ausgestattet. Die Inschriften nannten teilweise die Verstorbenen oder enthielten zu deren Ehren verfasste Epigramme. Diese archäologischen Zeugnisse zeigen, dass auf Anafi auch während der römischen Epoche eine wohlhabende städtische Bevölkerung vorhanden war, die sich an den im östlichen Mittelmeerraum verbreiteten Formen römischer Grab- und Repräsentationskultur beteiligte.

Besonders deutlich wird die kulturelle Einbindung Anafis in die römische Welt durch die erhaltenen Skulpturen. In der heutigen Archäologischen Sammlung von Anafi befinden sich mehrere römische Marmorskulpturen, die auf der Akropolis von Kastelli gefunden wurden. Dazu gehören drei Torsofiguren von Männern in Himationtracht sowie eine lebensgroße stehende weibliche Figur. Bei den männlichen Figuren handelt es sich um Darstellungen, die ursprünglich mit Porträtköpfen versehen waren. Drei der Stücke werden als Grabporträts beziehungsweise funeräre Büsten eingeordnet, bei denen der Porträtkopf eines Verstorbenen mit dem dargestellten Körper verbunden wurde. Die weibliche Figur trägt ebenfalls ein Himation. Diese Skulpturen gehören zu Formen, die in der römischen Bildhauerkunst weit verbreitet waren. Das für die Figuren verwendete Marmor wurde wahrscheinlich importiert; die Körper konnten andernorts hergestellt und anschließend nach Anafi gebracht werden.

Auch ein auf Anafi gefundener Marmorsarkophag gehört in den Zusammenhang der römischen beziehungsweise kaiserzeitlichen Bestattungskultur. Der Sarkophag befindet sich bei der Kirche Panagia im Gebiet Dokari am Fuß des Kastelli-Hügels. Seine Seiten sind mit Reliefs geschmückt, die Eroten, Greifen und Sirenen sowie Bellerophon und Pegasus darstellen. Derartige aufwendig dekorierte Marmorsarkophage gehören zur gehobenen funerären Ausstattung der römischen Kaiserzeit und zeigen die Übernahme überregional verbreiteter Formen der römisch-griechischen Sepulkralkultur auf der Insel.

Die Stadt besaß weiterhin einen eigenen Hafen. An der Südküste Anafis liegt bei der heutigen Bucht von Katalimatsa der Hafen der antiken und römischen Stadt. Von dort bestand die Verbindung zum Seeverkehr der südlichen Ägäis. Die Lage Anafis zwischen den Kykladen, Kreta und den Inseln des südöstlichen Ägäischen Meeres machte die Insel zu einem Bestandteil des regionalen Schiffsverkehrs. Die römische Herrschaft führte daher nicht zu einer isolierten Existenz der Insel, sondern band sie in die übergeordneten politischen und wirtschaftlichen Strukturen des römischen Mittelmeerraumes ein. Der Hafen von Katalimatsa blieb dabei die maritime Verbindung der Stadt mit dem Meer.

Eine besondere Bedeutung behielt das Heiligtum des Apollon Aigletes. Der Kultplatz lag südöstlich der Stadt am Ende der Heiligen Straße. Diese begann bei der antiken Stadt und führte zum Heiligtum, das sich an der Stelle der heutigen Panagia-Kalamiotissa befand. Entlang der Heiligen Straße lagen Altäre und Denkmäler. Das Heiligtum selbst war von einer großen und hohen Umfassungsmauer umgeben. Im Zentrum stand der Tempel des Apollon Aigletes; seine Fundamente wurden später für den Bau der christlichen Kirche verwendet. Um den eigentlichen Tempel herum sind weitere Ruinen und Architekturteile erhalten, die auf zusätzliche Anlagen innerhalb des Heiligtums hinweisen.

Der Apollonkult hatte auf Anafi eine lange Tradition. Apollon wurde als Aigletes beziehungsweise Anaphaios verehrt. Die mythologische Überlieferung verband das Heiligtum mit der Rettung der Argonauten durch Apollon und der Erscheinung Anafis im Licht des Gottes. Diese Erzählung gehört jedoch zur Mythologie und ist von den archäologisch nachweisbaren historischen Entwicklungen zu unterscheiden. Archäologisch gesichert ist die Existenz des Heiligtums und seine Einbindung in die antike Kultlandschaft der Insel.

Auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt setzte sich in der römischen Epoche fort. Bereits seit etwa -300 hatte Anafi eigene Münzen geprägt. Auf der Vorderseite erschien der Kopf des Apollon Aigletes, auf der Rückseite ein Krater mit einer Biene, die auf die Bedeutung der Honigproduktion und Imkerei auf der Insel verweist. Die Münzprägung gehört zwar in die hellenistische Zeit, zeigt aber die wirtschaftliche und kulturelle Eigenständigkeit der Stadt unmittelbar vor der römischen Herrschaft. Während der römischen Epoche wurde diese städtische Entwicklung in das römische Wirtschaftssystem eingebunden.

Die archäologischen Zeugnisse machen insgesamt deutlich, dass die römische Herrschaft auf Anafi nicht mit einem Niedergang oder einer Aufgabe der antiken Stadt gleichzusetzen ist. Kastelli blieb besiedelt und befestigt, der Hafen von Katalimatsa blieb der maritime Zugang zur Stadt, die Friedhöfe wurden weiter genutzt und die Ausstattung der Gräber mit Marmorskulpturen, Porträts, Sarkophagen und Inschriften erreichte ein hohes Niveau. Die römischen Skulpturen aus Kastelli und der Marmorsarkophag von Dokari gehören zu den wichtigsten erhaltenen Zeugnissen dieser Epoche. Die heutige Archäologische Sammlung von Anafi enthält neben diesen römischen Objekten auch zahlreiche antike Inschriften und weitere Funde aus Kastelli und Katalimatsa.

Byzantinische Zeit

Schriftliche Quellen sind für den Zeitraum vom 6. Jahrhundert bis zur Übernahme der Insel durch die Venezianer im Jahr 1207 äußerst spärlich. Archäologische Zeugnisse erlauben jedoch den Nachweis, dass Anafi auch in der frühbyzantinischen und mittelbyzantinischen Zeit bewohnt blieb. Die antike Siedlung auf dem Kastelli-Hügel verlor zwar ihre frühere Bedeutung, doch die Besiedlung der Insel wurde nicht vollständig aufgegeben. Besonders für die Gegend von Katalimatsa lässt sich eine Fortsetzung der Besiedlung bis in das 6. Jahrhundert n. Chr. nachweisen. Dort wurden verstreut erhaltene Skulpturen und Architekturteile gefunden, die in das 6. Jahrhundert datiert werden. Außerdem sind bauliche Überreste von Gebäuden vorhanden, darunter möglicherweise die Reste einer frühchristlichen Basilika. Damit ist für Anafi der Übergang von der spätantiken zur frühchristlichen Zeit archäologisch belegt.

Mit der Christianisierung der Insel veränderte sich die religiöse Landschaft grundlegend. Die antiken Heiligtümer verloren ihre Funktion als pagane Kultstätten, während sich das Christentum auf Anafi etablierte. Für die frühe christliche Periode sind allerdings nur wenige konkrete Zeugnisse erhalten. Anders als auf einigen größeren Kykladeninseln sind auf Anafi keine umfangreichen frühchristlichen Kirchenanlagen erhalten, die eine detaillierte Rekonstruktion der kirchlichen Organisation erlauben würden. Die archäologischen Reste von Katalimatsa gehören deshalb zu den wichtigsten Zeugnissen dieser Übergangszeit.

Auch politisch gehörte Anafi während dieser Epoche zum Byzantinischen Reich. Die Insel lag innerhalb des byzantinischen Verwaltungs- und Wirtschaftssystems der Ägäis. Ein besonders wichtiges Zeugnis hierfür ist ein Bleisiegel aus dem 8. Jahrhundert. Es nennt einen staatlichen kommerziellen Beamten, einen sogenannten kommerkiarios, der für die Erhebung beziehungsweise Kontrolle der Abgaben und den Handel mehrerer Inseln zuständig war. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehörten Melos, Ios, Anafi, Andros und Amorgos. Das Dokument belegt, dass Anafi in die byzantinische staatliche Verwaltung und in die Kontrolle des überregionalen Handels einbezogen war.

Das Bleisiegel ist besonders für die wirtschaftliche Geschichte Anafis von Bedeutung, weil es zeigt, dass die Insel trotz ihrer geringen Größe Bestandteil des staatlich kontrollierten Handelsverkehrs war. Die byzantinische Verwaltung überwachte den Warenverkehr und die damit verbundenen Abgaben über mehrere Inseln hinweg. Anafi lag dabei in einem Inselnetz, das die südliche und zentrale Ägäis miteinander verband. Die Insel war somit auch während der byzantinischen Epoche nicht vollständig vom überregionalen Verkehr abgeschnitten.

Im 8. Jahrhundert gehörte Anafi zur byzantinischen politischen Ordnung, die nach den Verwaltungsreformen des Kaisers Leo III. neu organisiert wurde. Die Quellenlage für Anafi selbst ist jedoch zu dünn, um für jeden Abschnitt der byzantinischen Zeit eine detaillierte administrative Zugehörigkeit der Insel sicher nachzuzeichnen. Das vorhandene Bleisiegel zeigt jedoch eindeutig die Tätigkeit staatlicher Verwaltungs- und Handelsbeamter im Umfeld der Insel.

Während der mittelbyzantinischen Jahrhunderte, also insbesondere vom 9. bis zum 12. Jahrhundert, wird die Geschichte Anafis erneut sehr schwer greifbar. Die Ephorate of Antiquities of Cyclades bezeichnet den Kenntnisstand für die Zeit vom 6. Jahrhundert bis 1207 ausdrücklich als äußerst gering. Es fehlen umfangreiche schriftliche Quellen und größere archäologische Grabungen, durch die sich Siedlungsentwicklung, Bevölkerungszahl und politische Verhältnisse genauer bestimmen ließen. Deshalb lässt sich für diese Jahrhunderte keine kontinuierliche Entwicklung der Inselbevölkerung oder der politischen Organisation rekonstruieren. Sicher ist jedoch, dass die Insel weiterhin zum byzantinischen Herrschaftsbereich gehörte.

Ein bedeutendes erhaltenes Denkmal stammt aus der späteren byzantinischen Zeit: die Kirche Agios Antonios an der steilen Nordküste Anafis. Der Bau wird an den Beginn des 14. Jahrhunderts datiert und gehört damit bereits in die Zeit unmittelbar vor beziehungsweise in die letzten Jahrzehnte der byzantinischen Herrschaft auf der Insel. Die Kirche ist das einzige erhaltene Beispiel monumentaler Malerei auf Anafi. Sie besteht aus zwei überwölbten Bereichen mit halbrunden Bögen, die durch eine große Bogenöffnung miteinander verbunden sind. In ihrem nördlichen Bereich befinden sich noch Reste der ursprünglichen Wandmalereien.

Die Fresken von Agios Antonios zeigen unter anderem die Darstellung der Darstellung des Herrn im Tempel, Teile der Geburt Christi und die Himmelfahrt. Die erhaltenen Malereien werden wegen ihrer künstlerischen Qualität zu den bedeutenden mittelalterlichen Wandmalereien der modernen Kykladen gezählt. Die Kirche befindet sich an einem schwer zugänglichen, steilen Abschnitt der Nordküste und ist heute eine Metochionkirche des Klosters Chozoviotissa auf Amorgos. Ihre Verbindung mit diesem Kloster gehört zur kirchlichen Geschichte der Insel in der nachbyzantinischen Überlieferung.

Die Lage von Agios Antonios unterscheidet sich deutlich von derjenigen der späteren Siedlung Chora. Die heutige Chora entstand erst während der ersten venezianischen Herrschaft auf der Insel. Die ursprüngliche byzantinische Besiedlung lässt sich daher nicht einfach mit dem heutigen Hauptort gleichsetzen. Für die ältere Periode bleibt insbesondere die Frage nach der genauen Größe und Struktur der Siedlungen offen. Sicher nachweisbar sind dagegen die spätantike Besiedlung von Katalimatsa, die fortgesetzte menschliche Nutzung der Insel sowie das später errichtete byzantinische Kirchengebäude Agios Antonios.

Venezianische Zeit

Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im Jahr 1204 wurde das Byzantinische Reich erheblich geschwächt. In den folgenden Jahren gerieten zahlreiche Inseln der Ägäis unter die Herrschaft venezianischer oder mit Venedig verbundener Adelsfamilien. Marco I. Sanudo, ein venezianischer Adliger und Teilnehmer der Eroberung, errichtete ab 1207 das Herzogtum des Archipels, auch Herzogtum Naxos genannt. Anafi wurde diesem neuen lateinisch-venezianischen Herrschaftsbereich eingegliedert. Sanudo übertrug die Insel als Lehen an seinen Gefährten Leonardo Foscolo. Damit endete zunächst die byzantinische Herrschaft über Anafi.

Unter den Foscolo entstand auf Anafi eine neue mittelalterliche Siedlungsstruktur. Während die antike Siedlung auf dem Kastelli-Hügel weiterhin bewohnt wurde, wurde auch der Hügel besiedelt, auf dem sich heute die Chora befindet. Die Ephorate of Antiquities of Cyclades datiert die erste Befestigung und Besiedlung dieses Hügels in die erste venezianische Herrschaftsperiode und ausdrücklich in die Zeit der Foscolo im 13. Jahrhundert. Damit geht die Entstehung des heutigen Siedlungskerns von Chora auf die lateinische Herrschaft zurück. Die Lage auf dem erhöhten, vom Meer abgesetzten Hügel entsprach den militärischen und sicherheitspolitischen Anforderungen der mittelalterlichen Inselgesellschaft.

Leonardo Foscolo wurde von seinem Sohn Giovanni Foscolo abgelöst. Nach der Darstellung der Gemeinde Anafi blieb Giovanni bis 1269 Herrscher der Insel. In dieser Zeit gehörte Anafi zum venezianisch geprägten Herzogtum des Archipels, obwohl die tatsächlichen Machtverhältnisse in der Ägäis im 13. Jahrhundert starken Veränderungen unterworfen waren. Das Herzogtum Naxos bestand aus zahlreichen Inselherrschaften, deren Herrscher ihre Gebiete als Lehen innerhalb eines von venezianischen Interessen geprägten politischen Systems verwalteten. Anafi war dabei eine kleine eigenständige Lehensherrschaft innerhalb dieses Systems.

In den späten 1260er beziehungsweise 1270er Jahren kam es zu einer vorübergehenden Rückkehr unter byzantinische Herrschaft. Die byzantinische Gegenoffensive in der Ägäis wurde wesentlich durch den aus Italien stammenden Söldner und späteren byzantinischen Admiral Licario getragen. Er eroberte zahlreiche Inseln zurück, die zuvor unter lateinischer Herrschaft standen. Auch Anafi gelangte in diesem Zusammenhang wieder unter byzantinische Kontrolle. Die Gemeinde Anafi datiert diese Rückeroberung auf 1269 und gibt an, dass die byzantinische Herrschaft bis 1307 dauerte. Damit war die erste venezianische Herrschaft über Anafi nach etwa sechs Jahrzehnten unterbrochen.

Die Rückkehr der Insel zum Byzantinischen Reich war allerdings nur vorübergehend. 1307 gelangte Anafi wieder in den Herrschaftsbereich der Herzöge von Naxos. Nach der Rückkehr unter die lateinische Herrschaft wurde die Insel dem aus Bologna stammenden Adelsgeschlecht Gozzadini als Lehen übertragen. Die Gozzadini gehörten zu den italienischen Familien, die innerhalb des Herzogtums Naxos mehrere Inseln beherrschten. Damit begann eine neue Phase der venezianisch-lateinischen Herrschaft, die auf Anafi wesentlich länger Bestand hatte als die erste Periode der Foscolo.

Auf die Gozzadini folgten später die Familien Crispo und Pisani. Nach Angaben der Gemeinde Anafi beherrschten diese Familien die Insel zusammen mit den Gozzadini insgesamt weitere 262 Jahre, bis zur Eroberung durch den osmanischen beziehungsweise nordafrikanischen Korsaren Hayreddin Barbarossa im Jahr 1537. Anafi blieb damit vom Beginn des 14. Jahrhunderts bis ins 16. Jahrhundert Teil des politischen Systems des Herzogtums Naxos und seiner von italienischen Adelsfamilien getragenen Lehensherrschaften.

Für die Entwicklung der Siedlung und der Befestigungsanlagen war insbesondere das 15. Jahrhundert von großer Bedeutung. Zu Beginn dieses Jahrhunderts wurden die Befestigungsanlagen der Chora erweitert beziehungsweise erneuert. Die Ephorate of Antiquities of Cyclades datiert die neue Umfassungsmauer und die Reparatur des Kastells von Anafi in den Beginn des 15. Jahrhunderts. Hintergrund waren die zunehmenden Angriffe türkischer Kräfte auf die Inseln der Ägäis. Die Befestigung des Siedlungshügels wurde deshalb verstärkt und das bereits bestehende Kastell instand gesetzt. Die mittelalterliche Chora entwickelte sich dadurch zunehmend zu einem befestigten Siedlungszentrum.

Eine zweite wichtige Befestigungsanlage befand sich auf dem Berg Kalamos im Süden beziehungsweise Südosten der Insel. Dort befinden sich die Reste eines Kastells in der Umgebung der heutigen Oberen Kalamiotissa. Die Anlage lag auf dem hoch aufragenden Felsen des Kalamos und diente der Kontrolle eines großen Teils der Insel. Nach den Angaben der Ephorate stammen die erhaltenen Reste dieses Kastells aus derselben Zeit wie die Befestigungsmaßnahmen der Chora oder möglicherweise aus einer etwas früheren Phase. Die Anlage wurde um die heutige Obere Kalamiotissa errichtet und bildete zusammen mit der Befestigung der Chora einen wesentlichen Bestandteil des mittelalterlichen Verteidigungssystems von Anafi.

Die strategische Funktion des Kalamos-Kastells hing mit der besonderen Topographie Anafis zusammen. Der Kalamos ist ein markanter, steil aufragender Felsblock am südöstlichen Ende der Insel. Von einer Befestigung in diesem Bereich konnten große Teile des südlichen Inselraumes kontrolliert werden. Die Gemeinde Anafi weist darauf hin, dass die Befestigungsanlagen am Kalamos insbesondere den südlichen Teil der Insel schützen sollten, während der Norden wesentlich weniger stark befestigt war. Auf dem höchsten Punkt der Insel, der Vigla, bestand außerdem eine Beobachtungs- beziehungsweise Feuerzeichenstation. Diese diente der optischen Nachrichtenübermittlung und gehörte zum System der mittelalterlichen Beobachtungsstellen.

Eine wichtige Persönlichkeit der späteren venezianischen Periode war William Crispo, der von 1390 bis 1463 lebte. Er gehörte zur Familie Crispo, die im Herzogtum Naxos eine bedeutende Stellung einnahm. 1420 wurde William Crispo Regent des Herzogtums Naxos. In dieser Zeit wurde Anafi innerhalb der Herrschaft der Familie Crispo weiterverwaltet. Nach der Überlieferung der Gemeinde überließ William Crispo Anafi seiner Tochter Florence. Die Insel blieb damit in der Hand der Crispo-Familie und wurde in das dynastische Herrschaftssystem des Herzogtums Naxos einbezogen.

Die Befestigung der Chora und das Kastell auf dem Kalamos waren nicht nur politische Symbole der venezianischen Lehensherrschaft, sondern hatten eine konkrete Schutzfunktion. Die Bevölkerung konnte sich bei Angriffen hinter die Befestigungen zurückziehen. Besonders das Kastell auf dem Kalamos bot aufgrund seiner hochgelegenen und schwer zugänglichen Position einen geschützten Zufluchtsort. Die Entwicklung solcher Höhenbefestigungen steht im Zusammenhang mit der allgemeinen Unsicherheit der Ägäis im Spätmittelalter und der zunehmenden Gefahr von Piraten- und türkischen Angriffen. Für Anafi sind die Befestigungen auf der Chora und am Kalamos als konkrete archäologische Zeugnisse dieser Sicherheitslage erhalten.

Die venezianische Herrschaft beeinflusste auch die Bezeichnung der Insel. In lateinischen und venezianischen Zusammenhängen wurde Anafi als Namfio beziehungsweise Namphio bezeichnet. Eine historische Karte von 1683 zeigt die Insel unter der Bezeichnung „Namphio“. Auf derselben Karte sind im Bereich des Kalamos die Ruinen einer Festung als „Fortezza Ruinata“ und im Zentrum der Insel die Siedlung Chora eingetragen. Die drei südlich gelegenen Felsen beziehungsweise Inselchen erscheinen dort als „Scogli“.

Die religiöse Landschaft veränderte sich während der venezianischen Epoche ebenfalls. Die christliche Prägung der Insel war bereits in byzantinischer Zeit etabliert. Aus der späten byzantinischen Zeit stammt die Kirche Agios Antonios an der Nordküste. Sie ist das einzige bis heute erhaltene byzantinische Kirchengebäude Anafis und besitzt mittelalterliche Wandmalereien. Während der venezianischen Herrschaft entstanden beziehungsweise entwickelten sich weitere christliche Einrichtungen. Besonders wichtig wurde später das Kloster Zoodochos Pigi beziehungsweise Kato Kalamiotissa am östlichen Ende der Insel. Es wurde auf den Überresten des antiken Heiligtums des Apollon Aigletes errichtet; die heute bestehende Klosteranlage wird allerdings einer wesentlich späteren Zeit zugerechnet.

Osmanische Zeit

Die osmanische Zeit Anafis begann 1537 mit der Eroberung der Insel durch den osmanischen Admiral Hayreddin Barbarossa. Zuvor hatte Anafi innerhalb des Herzogtums Naxos unter italienischen Lehensfamilien gestanden. 1481 war die Insel als Mitgift an die Familie Pisani übergegangen. Die Pisani beherrschten Anafi bis zur osmanischen Eroberung. Der Angriff Barbarossas bedeutete einen tiefen Einschnitt in die Geschichte der Insel. Nach der Überlieferung der Gemeinde Anafi wurde ein großer Teil der Bevölkerung getötet oder als Sklaven verschleppt, während andere Bewohner nach Kreta flohen. Die Insel war anschließend für mehrere Jahrzehnte weitgehend unbewohnt.

Die Entvölkerung nach 1537 führte dazu, dass die bisherige Siedlungsstruktur zusammenbrach. Die mittelalterlichen Befestigungsanlagen auf dem Hügel der heutigen Chora und am Kalamos verloren ihre ursprüngliche Funktion. Die alte Bevölkerung kehrte nicht unmittelbar in größerer Zahl zurück. Die erneute Besiedlung erfolgte erst nach mehreren Jahrzehnten und führte langfristig zur Wiederherstellung einer dauerhaften Dorfgemeinschaft. Die heutige Chora entwickelte sich dabei zum wichtigsten Siedlungszentrum der Insel.

Nach der Wiederbesiedlung blieb Anafi Teil des Osmanischen Reiches, besaß aber gegenüber vielen anderen osmanischen Gebieten eine besondere Stellung. Im Jahr 1700 erhielt die Insel vom osmanischen Hof gegen eine Zahlung von 500 Kronen eine Reihe von Privilegien. Dadurch wurde die lokale Selbstverwaltung erheblich begünstigt. Die Inselbewohner waren weiterhin zur Entrichtung von Abgaben verpflichtet, doch die unmittelbare staatliche Präsenz blieb gering. Die osmanische Herrschaft äußerte sich vor allem in der Einziehung des jährlichen Tributs. Nach der Überlieferung der Gemeinde kamen osmanische Schiffe regelmäßig auf die Insel, um die fälligen Abgaben einzutreiben.

Die geringe unmittelbare Präsenz osmanischer Behörden bedeutete nicht, dass Anafi außerhalb des Osmanischen Reiches stand. Die Insel gehörte weiterhin formal zum osmanischen Herrschaftsbereich und war in dessen Steuer- und Verwaltungssystem eingebunden. Gleichzeitig verfügte die lokale Bevölkerung über weitreichende Möglichkeiten zur Regelung ihrer eigenen Angelegenheiten. Die besondere Stellung Anafis beruhte auf den Privilegien, die 1700 gegen die Zahlung von 500 Kronen gewährt worden waren.

Im selben Jahr, 1700, besuchte der französische Naturforscher und Botaniker Joseph Pitton de Tournefort Anafi. Tournefort unternahm im Auftrag des französischen Königs Ludwig XIV. eine Forschungsreise durch den östlichen Mittelmeerraum und besuchte dabei zahlreiche Inseln der Ägäis. Sein Bericht gehört zu den wichtigsten europäischen Beschreibungen der Kykladen am Beginn des 18. Jahrhunderts. Über den markanten Felsen des Kalamos äußerte er sich mit den Worten „une des plus effroyables roches qui soit au monde“, also sinngemäß „einer der schrecklichsten Felsen, die es auf der Welt gibt“. Seine Beschreibung dokumentiert die außergewöhnliche Wirkung des Kalamos auf zeitgenössische europäische Reisende.

Während des 18. Jahrhunderts nahm auch das Interesse europäischer Reisender, Gelehrter und Antiquitätenhändler an den antiken Überresten Anafis zu. Die Ruinen der antiken Stadt auf dem Kastelli-Hügel, die Überreste des Heiligtums des Apollon Aigletes und die zahlreichen Skulpturen und Inschriften waren für europäische Sammler von Interesse. Teile der antiken Ausstattung wurden von französischen und britischen Antiquitätenhändlern von der Insel weggebracht. Dadurch gelangten archäologische Objekte aus Anafi in ausländische Sammlungen und Museen.

Zu den bekanntesten außerhalb Griechenlands erhaltenen Funden gehört eine hellenistische Marmorskulptur aus Kastelli, die eine Frau mit einem Weihrauchgefäß darstellt. Die Statue befindet sich heute in der Eremitage in Sankt Petersburg. Sie gehört zu den archäologischen Objekten, die im Zuge des europäischen Interesses an den antiken Hinterlassenschaften der Ägäis von Anafi weggebracht wurden. Die Verbringung solcher Funde in ausländische Sammlungen setzte sich im 18. und 19. Jahrhundert bei zahlreichen griechischen Inseln fort.

Eine erneute politische Veränderung erlebte Anafi während des Russisch-Türkischen Krieges von 1768 bis 1774. Im Verlauf des Krieges gelang es der russischen Flotte unter dem Kommando von Alexei Orlow, weite Teile der Ägäis zeitweise unter russische Kontrolle zu bringen. Die russische Flotte operierte von verschiedenen Inseln und Häfen aus und nutzte die Ägäis als Operationsgebiet gegen das Osmanische Reich. Auch Anafi geriet in dieser Zeit unter russische Kontrolle. Nach Angaben der Gemeinde wurde die Insel von 1770 bis zum Ende des Krieges als russischer Stützpunkt genutzt. Damit wurde Anafi für mehrere Jahre aus der tatsächlichen osmanischen Verwaltung herausgelöst.

Der Russisch-Türkische Krieg endete 1774 mit dem Frieden von Küçük Kaynarca. Die russischen Truppen zogen sich anschließend aus den von ihnen besetzten Gebieten zurück. Anafi gelangte wieder unter osmanische Herrschaft. Die russische Besetzung blieb damit eine zeitlich begrenzte Unterbrechung der osmanischen Herrschaft und führte nicht zu einer dauerhaften Änderung des politischen Status der Insel.

Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert entwickelte sich auf Anafi eine Gesellschaft, deren wirtschaftliche Grundlagen vor allem in der Landwirtschaft, Viehzucht, Imkerei und im kleineren Umfang im Seehandel und Fischfang lagen. Die begrenzten landwirtschaftlich nutzbaren Flächen und die trockenen klimatischen Bedingungen schränkten die Möglichkeiten einer intensiven Landwirtschaft ein. Angebaut wurden insbesondere Getreide, Hülsenfrüchte, Wein und andere für die lokale Versorgung geeignete Kulturpflanzen. Die Viehzucht ergänzte die landwirtschaftliche Produktion. Die Imkerei besaß ebenfalls eine lange Tradition, die bereits durch die Biene auf den hellenistischen Münzen der Insel belegt ist.

Die Lage Anafis in der südlichen Ägäis begünstigte zugleich Kontakte zu anderen Inseln. Verbindungen bestanden insbesondere nach Santorin, Kreta und zu weiteren Kykladeninseln. Die Inselbevölkerung war daher trotz der geringen Größe Anafis in die regionalen Verkehrs- und Handelsbeziehungen der Ägäis eingebunden. Der Seeverkehr war für die Versorgung der Insel von besonderer Bedeutung, da zahlreiche Waren nicht auf Anafi selbst produziert werden konnten.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verstärkte sich die Abwanderung von Anafioten. Ein wichtiger Zielort wurde Athen. Nach dem Beginn des griechischen Unabhängigkeitskampfes 1821 verließen zahlreiche Männer Anafi und schlossen sich dem Kampf gegen die osmanische Herrschaft an. Die Gemeinde Anafi überliefert, dass die Insel zwei Kaïkia mit Männern für den Unabhängigkeitskampf entsandte. Die kleinen Kaïkia waren traditionelle Segel- beziehungsweise Fischerfahrzeuge der Ägäis und konnten für den Transport von Menschen und Gütern eingesetzt werden.

Die Beteiligung der Anafioten am griechischen Unabhängigkeitskrieg stand im Zusammenhang mit der allgemeinen Mobilisierung der Inselbevölkerung der Kykladen. Anafi selbst lag nicht im Zentrum der militärischen Auseinandersetzungen auf dem griechischen Festland, doch Bewohner der Insel beteiligten sich außerhalb ihrer Heimat am Kampf. Die Abwanderung hatte langfristige Folgen für die Bevölkerungsentwicklung und die wirtschaftliche Struktur der Insel.

Besonders bedeutend wurde die Migration nach Athen nach der Gründung des modernen griechischen Staates. Viele Anafioten gingen nach Athen, wo sie beim Aufbau der neuen Hauptstadt Arbeit fanden. Dabei waren sie insbesondere am Bau von Gebäuden und Straßen beteiligt. Aus dieser Migration entstand eine dauerhafte Gemeinschaft von Menschen aus Anafi in Athen. Sie siedelten sich am Fuß beziehungsweise an den Hängen der Akropolis an und errichteten dort Häuser in einer für ihre Herkunft charakteristischen Bauweise.

Dieses Viertel ist bis heute als Anafiotika bekannt. Die Siedlung liegt unmittelbar unterhalb der Akropolis und gehört zu den bekanntesten historischen Wohnvierteln Athens. Die Entstehung von Anafiotika ist unmittelbar mit der Migration von Handwerkern und Bauarbeitern aus Anafi verbunden. Die aus Anafi stammenden Bewohner brachten ihre traditionellen Bauformen und ihre Kenntnisse des kykladischen Hausbaus nach Athen. Dadurch entstand mitten in der neu gegründeten griechischen Hauptstadt eine Siedlung mit einem für die Kykladen typischen Erscheinungsbild.

Umbruchszeit

Nach dem Beginn des griechischen Unabhängigkeitskampfes im Jahr 1821 war Anafi bereits wieder dauerhaft besiedelt. Die Inselbevölkerung beteiligte sich am Aufstand gegen die osmanische Herrschaft. Nach der Überlieferung entsandten die Anafioten zwei Kaïkia mit Männern zur Unterstützung des griechischen Freiheitskampfes. Die Beteiligung der Insel erfolgte damit sowohl durch die Entsendung von Kämpfern als auch durch die allgemeine Unterstützung der griechischen Unabhängigkeitsbewegung.

Die politische Zugehörigkeit Anafis änderte sich im Verlauf des Unabhängigkeitskrieges zunächst noch nicht unmittelbar. Die internationalen Vereinbarungen über den neuen griechischen Staat wurden zwischen den europäischen Großmächten, den griechischen Vertretern und dem Osmanischen Reich schrittweise festgelegt. Im Londoner Protokoll vom 22. März 1829 wurden die Kykladen dem vorgesehenen griechischen Staat zugeordnet. Das Protokoll sah zunächst einen autonomen griechischen Staat unter osmanischer Oberhoheit vor. Mit dem Londoner Protokoll vom 3. Februar 1830 wurde die vollständige Unabhängigkeit Griechenlands international anerkannt; zu dem vorgesehenen Staatsgebiet gehörten auch die Kykladen.

Anafi gehörte damit seit 1830 zum international anerkannten unabhängigen Griechenland. Die endgültige staatsrechtliche Regelung erfolgte im Zusammenhang mit den Vereinbarungen von 1832. Der Vertrag von Konstantinopel vom 9./21. Juli 1832 regelte die Grenzen des neuen Königreichs Griechenland; die Kykladen gehörten zum griechischen Staatsgebiet. 1832 wurde Anafi damit endgültig aus dem osmanischen Herrschaftsverband herausgelöst und Bestandteil des neu entstandenen Königreichs Griechenland. Die offizielle Geschichte der Gemeinde Anafi bezeichnet 1832 als das Jahr der Eingliederung der Insel in den neuen griechischen Staat.

Die ersten Jahrzehnte nach der Staatsgründung waren für Anafi durch die Konsolidierung der neuen staatlichen Ordnung und durch eine zunehmende wirtschaftliche Ausrichtung auf die Nutzung der Meeresressourcen geprägt. Die Insel entwickelte sich zu einem kleinen Fischereizentrum. Der Fischfang bildete zusammen mit Landwirtschaft, Viehzucht und der Nutzung der vorhandenen natürlichen Ressourcen eine wichtige Grundlage der lokalen Wirtschaft. Aufgrund der begrenzten landwirtschaftlichen Flächen blieb die Verbindung zwischen Landwirtschaft und maritimer Erwerbstätigkeit für die Bevölkerung von Bedeutung.

Gleichzeitig setzte sich die bereits während des Unabhängigkeitskampfes einsetzende Abwanderung fort. Besonders die Entwicklung Athens zur Hauptstadt des griechischen Königreichs eröffnete den Bewohnern Anafis neue Erwerbsmöglichkeiten. Viele Anafioten waren als Handwerker und Bauarbeiter tätig. Sie gingen nach Athen und arbeiteten am Aufbau der neuen Hauptstadt. Aus dieser Migration entstand die Siedlung Anafiotika an den Hängen der Akropolis. Die dort errichteten kleinen Häuser orientierten sich an der traditionellen Architektur der Kykladen und bildeten innerhalb Athens eine eigenständige Siedlung der aus Anafi stammenden Bevölkerung.

Die Migration nach Athen führte jedoch nicht zu einer vollständigen Aufgabe Anafis. Zwischen der Insel und Athen bestanden weiterhin enge Verbindungen. Ein Teil der Bewohner blieb dauerhaft auf Anafi, während andere zeitweise zwischen der Insel und dem Festland wechselten. Dadurch entstand bereits im 19. Jahrhundert eine Verbindung zwischen der kleinen Inselgesellschaft und der sich rasch entwickelnden griechischen Hauptstadt.

Auch die archäologische Erforschung Anafis nahm im 19. Jahrhundert zu. Die antike Stadt auf dem Kastelli-Hügel, die Überreste des Apollonheiligtums und weitere antike Monumente zogen Archäologen und Reisende an. Bereits 1836 war der deutsche Archäologe Ludwig Ross auf Anafi tätig. Als James Theodore Bent später die Insel besuchte, traf er dort einen etwa neunzigjährigen Mann, der nach seiner eigenen Aussage Ross bei dessen Grabungen im Jahr 1836 geholfen hatte. Der Mann besaß eine eigene Sammlung antiker Gegenstände. Diese Begegnung zeigt, dass die archäologischen Überreste Anafis bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Gegenstand lokaler und ausländischer antiquarischer Tätigkeit waren.

Besonders wichtig für die Kenntnis Anafis im späten 19. Jahrhundert wurde der britische Reisende und Archäologe James Theodore Bent. Bent und seine Frau Mabel besuchten die Insel im Winter 1880/81. Bent war seit den 1870er Jahren auf Reisen in Griechenland und im östlichen Mittelmeer unterwegs und beschäftigte sich neben der Archäologie auch mit dem Alltagsleben und den sozialen Verhältnissen der von ihm besuchten Inselbevölkerungen. Seine Beobachtungen auf den Kykladen wurden später in seinem Werk The Cyclades; or, Life among the Insular Greeks zusammengefasst, das 1885 erschien.

Bents Besuch ist für die Geschichte Anafis besonders wertvoll, weil seine Aufzeichnungen nicht nur antike Denkmäler behandeln, sondern auch das damalige Leben der Inselbewohner dokumentieren. Er beschrieb die Anreise, die schwierigen Verkehrsverhältnisse, die Siedlung, die Bevölkerung und die vorhandenen Altertümer. Die Überlieferung über seinen Besuch vermittelt damit ein Bild Anafis in einer Zeit, in der die Insel noch nicht über die modernen Verkehrs- und Infrastruktureinrichtungen des 20. Jahrhunderts verfügte. Die Reise erfolgte im Winter, und Bent schilderte die damals schwierige Erreichbarkeit der Insel.

Bedeutend sind auch Bents Beobachtungen zur lokalen Erinnerung an die archäologische Vergangenheit. Bei seinem Aufenthalt lernte er den bereits erwähnten alten Mann kennen, der mit den Grabungen von Ludwig Ross verbunden gewesen war. Dieser verwahrte in seinem Haus zahlreiche antike Fundstücke. Bent dokumentierte damit zugleich, dass archäologische Funde auf Anafi nicht ausschließlich in wissenschaftlichen Institutionen aufbewahrt wurden, sondern sich teilweise auch in privaten Sammlungen auf der Insel befanden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts blieb Anafi eine kleine, überwiegend ländlich und maritim geprägte Inselgemeinde. Die wirtschaftliche Bedeutung des Fischfangs nahm zu, während Landwirtschaft und Viehzucht weiterhin der Versorgung der Bevölkerung dienten. Der Handel mit anderen Inseln und mit dem griechischen Festland erfolgte über den Seeweg. Die Insel war dabei auf regelmäßige Schiffsverbindungen angewiesen, da größere Mengen von Waren und Gütern nicht auf Anafi selbst erzeugt werden konnten.

Die gesellschaftliche Entwicklung des 19. Jahrhunderts war zugleich durch die zunehmende Aufteilung der Bevölkerung zwischen Anafi und Athen geprägt. Die Anafioten in Athen bildeten eine dauerhafte Gemeinschaft, während ihre Heimatinsel ihre eigene lokale Gesellschaft bewahrte. Anafiotika wurde zu einem sichtbaren Ausdruck dieser Verbindung. Die traditionelle Bauweise der von Anafi stammenden Handwerker wurde dort in der neuen griechischen Hauptstadt weitergeführt. Die Migration wurde damit zu einem dauerhaften Bestandteil der modernen Geschichte Anafis.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb Anafi Teil des Königreichs Griechenland. Die Insel gehörte weiterhin zu den Kykladen und war politisch, administrativ und wirtschaftlich in den griechischen Staat integriert. Gleichzeitig blieb sie aufgrund ihrer abgelegenen Lage eine kleine Inselgemeinschaft mit starkem Bezug zur lokalen Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei und Seeschifffahrt. Die Berichte von Reisenden wie James Theodore Bent dokumentieren den Zustand der Insel in dieser Übergangsphase zwischen der traditionellen Inselgesellschaft des 19. Jahrhunderts und der späteren Modernisierung.

Weltkriegszeit

Im Verlauf des Ersten Balkankrieges besetzten griechische Streitkräfte im November 1912 die Kykladen. Damit endete die osmanische Herrschaft über Anafi. Die Insel wurde anschließend Bestandteil des griechischen Staates. Die Eingliederung der Kykladen in Griechenland wurde international durch die Londoner Konferenz und den Vertrag von Bukarest von 1913 abgesichert. Anafi gehörte damit dauerhaft zum Königreich Griechenland.

Während des Ersten Weltkriegs blieb Anafi Bestandteil Griechenlands. Die Insel lag abseits der wichtigsten Kriegsschauplätze. Die wirtschaftlichen Verhältnisse blieben jedoch schwierig. Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei bildeten weiterhin die Grundlage des Lebens. Die Verkehrsverbindungen zum Festland und zu den anderen Inseln waren begrenzt. Ein wesentlicher Teil der wirtschaftlichen Beziehungen bestand weiterhin zu den in Athen lebenden Anafioten.

Die Zwischenkriegszeit war durch die politischen Umwälzungen Griechenlands geprägt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Niederlage Griechenlands im Griechisch-Türkischen Krieg von 1919 bis 1922 veränderten sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse des Landes grundlegend. Der Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei von 1923 betraf vor allem Gebiete mit griechischer und türkischer Bevölkerung auf dem Festland und in Kleinasien; Anafi selbst war davon nicht in vergleichbarer Weise betroffen. Die Insel blieb eine überwiegend griechischsprachige, orthodox geprägte Inselgemeinde.

In den 1920er Jahren setzte sich die Abwanderung junger Menschen nach Athen fort. Die Hauptstadt bot bessere Möglichkeiten für Beschäftigung und Einkommen als die kleine Inselwirtschaft. Die Verbindung zwischen Anafi und Athen blieb dadurch besonders eng. Anafioten lebten dauerhaft oder zeitweise in Athen, während ihre Familienangehörigen auf der Insel blieben. Geldüberweisungen und Besuche zwischen Athen und Anafi gehörten zu den wirtschaftlichen und sozialen Verbindungen dieser Zeit.

Die politische Bedeutung Anafis nahm in der Zwischenkriegszeit durch ihre Verwendung als Verbannungsort zu. Die griechischen Behörden nutzten abgelegene Inseln zur Internierung politischer Gegner. Anafi wurde insbesondere für politische Verbannte verwendet. Die abgelegene Lage, die geringe Bevölkerungszahl und die schwierige Erreichbarkeit machten die Insel für diesen Zweck geeignet.

Nach der Ausrufung der Zweiten Hellenischen Republik 1924 und während der politischen Auseinandersetzungen zwischen Republikanern und Monarchisten blieb das politische System Griechenlands instabil. Militärische Interventionen, Regierungswechsel und politische Konflikte prägten die zweite Hälfte der 1920er und die 1930er Jahre. Diese Entwicklungen wirkten auch auf die Praxis der politischen Verbannung. Anafi wurde wiederholt als Aufenthaltsort für politische Gefangene und Verbannte genutzt.

1935 wurde die Monarchie in Griechenland wiederhergestellt. König Georg II. kehrte auf den Thron zurück. 1936 übernahm Ioannis Metaxas die Regierung und errichtete mit Unterstützung des Königs das autoritäre Regime des 4. August. Politische Parteien wurden verboten, politische Gegner verfolgt und politische Gefangene und Verbannte auf Inseln wie Anafi interniert.

Während der Metaxas-Diktatur wurde Anafi erneut zu einem wichtigen Verbannungsort für politische Gegner. Unter den Verbannten befanden sich Mitglieder und Anhänger der Kommunistischen Partei Griechenlands sowie andere politische Gegner des Regimes. Die Verbannung bedeutete, dass die Betroffenen ihren bisherigen Wohnort verlassen mussten und ihren Aufenthalt auf der Insel unter staatlicher Kontrolle verbringen mussten.

Die politische Verbannung hatte auch Auswirkungen auf das kulturelle Leben Anafis. Die politischen Verbannten waren nicht ausschließlich passive Gefangene. Sie bildeten innerhalb der Verbannungsgemeinschaft eigene soziale und kulturelle Strukturen. Bildung, politische Diskussionen und kulturelle Aktivitäten gehörten zum Leben der Verbannten. Dadurch entstand eine besondere soziale Gruppe neben der einheimischen Bevölkerung.

1940 trat Griechenland in den Zweiten Weltkrieg ein. Am 28. Oktober 1940 lehnte die griechische Regierung das italienische Ultimatum ab. Daraufhin griff Italien Griechenland von Albanien aus an. Die griechischen Streitkräfte konnten den italienischen Angriff zunächst zurückschlagen und rückten in das von Italien besetzte Albanien vor.

Im April 1941 griff Deutschland Griechenland an. Die deutschen Truppen durchbrachen die griechischen und britischen Verteidigungsstellungen und besetzten anschließend den größten Teil des Landes. Griechenland wurde zwischen Deutschland, Italien und Bulgarien in Besatzungszonen aufgeteilt. Die Kykladen und damit Anafi befanden sich zunächst im italienischen Besatzungsbereich.

Die italienische Besatzung bedeutete für Anafi eine erhebliche Verschlechterung der Lebensbedingungen. Die Insel war weiterhin stark von der Landwirtschaft abhängig. Die Besatzungsbehörden beschlagnahmten Lebensmittel und andere Güter, während die Versorgung der Bevölkerung durch die kriegsbedingten Verkehrsprobleme erschwert wurde. Wie in anderen Teilen Griechenlands kam es zu Lebensmittelknappheit und Einschränkungen des Handels.

Die politische Verbannung bestand während der Besatzungszeit weiter. Gleichzeitig veränderte sich die politische Situation durch den Widerstand gegen die Besatzungsmächte. In Griechenland entstanden verschiedene Widerstandsorganisationen. Die kommunistische EAM und ihr militärischer Arm ELAS entwickelten sich zu den wichtigsten Widerstandsorganisationen. Die politische Bedeutung der bereits auf den Inseln vorhandenen kommunistischen und linksgerichteten Gruppen nahm dadurch weiter zu.

1943 änderte sich die Besatzungssituation grundlegend. Nach dem italienischen Waffenstillstand vom 8. September 1943 übernahm Deutschland die Kontrolle über zahlreiche zuvor italienisch besetzte Gebiete Griechenlands. Auch die Kykladen gerieten zunehmend unter deutsche Kontrolle. Damit wurde Anafi Teil des deutschen Besatzungsraumes.

Die deutsche Besatzung dauerte bis 1944. Die Bevölkerung war weiterhin mit Versorgungsproblemen, wirtschaftlichen Einschränkungen und der Kontrolle durch die Besatzungsbehörden konfrontiert. Die Insellage erschwerte den Transport von Lebensmitteln und anderen Gütern zusätzlich.

Im Oktober 1944 zogen sich die deutschen Truppen aus Griechenland zurück. Damit endete die Besatzungszeit auf Anafi. Die Insel blieb Bestandteil des griechischen Staates. Der Rückzug der deutschen Besatzungsmacht bedeutete allerdings nicht das Ende der politischen und militärischen Krise Griechenlands.

Ab Dezember 1944 kam es in Athen zum bewaffneten Konflikt zwischen britisch unterstützten Regierungstruppen und der EAM/ELAS. Die Ereignisse wurden als Dekemvriana bezeichnet. Der Konflikt bildete den unmittelbaren Auftakt zu den politischen und militärischen Auseinandersetzungen, die schließlich in den Griechischen Bürgerkrieg von 1946 bis 1949 mündeten. Auch Anafi blieb mit dieser politischen Entwicklung verbunden. Die Tradition der politischen Verbannung setzte sich nach dem Ende der deutschen Besatzung fort. Die Insel wurde weiterhin als Verbannungsort für politische Gegner genutzt.

Moderne Zeit

Nach 1945 blieb Anafi eine kleine, überwiegend landwirtschaftlich geprägte Insel mit begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten. Die Bevölkerung lebte von Landwirtschaft, Viehhaltung und Fischerei. Die Landwirtschaft diente in erheblichem Umfang der Selbstversorgung; daneben bestanden kleinere Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die wirtschaftliche Entwicklung war durch die geringe Inselgröße, die begrenzten Verkehrsverbindungen und die Abwanderung von Arbeitskräften eingeschränkt.

Die Nachkriegszeit war zugleich von der Fortsetzung der Migration nach Athen geprägt. Bereits im 19. Jahrhundert waren viele Anafioten in die griechische Hauptstadt gegangen, wo sie am Ausbau der Stadt mitwirkten und auf den Hängen der Akropolis das Viertel Anafiotika errichteten. Nach 1945 blieb diese Verbindung zwischen Anafi und Athen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Insel von großer Bedeutung. Die Migranten bildeten in Athen eine eigene Gemeinschaft, hielten den Kontakt zu ihrer Herkunftsinsel aufrecht und unterstützten ihre Familien auf Anafi.

Die Abwanderung verringerte die Zahl der auf Anafi verfügbaren Arbeitskräfte. Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Insel beschreibt die Nachkriegszeit als eine Phase, in der die Bevölkerung durch Migration im Zusammenhang mit dem Bauboom in Athen stark zurückging. In den 1960er Jahren beruhte die örtliche Wirtschaft weiterhin auf Landwirtschaft, Viehhaltung und Fischerei, wobei die Selbstversorgung eine wichtige Rolle spielte.

Anafi war bereits vor 1945 als Ort der inneren Verbannung genutzt worden. Diese Funktion setzte sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg fort. Die Insel diente als Aufenthaltsort für politische Gegner verschiedener Regierungen und für andere Personen, die im Rahmen der griechischen Innenpolitik unter Zwang auf Anafi leben mussten. Die Geschichte der Insel im 20. Jahrhundert ist deshalb nicht ausschließlich eine Geschichte wirtschaftlicher Entwicklung, sondern auch eine Geschichte politischer Repression und gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Die Anwesenheit politischer Verbannter beeinflusste das gesellschaftliche Leben der Insel. Die wissenschaftliche Forschung zu Anafi untersucht die sozialen Beziehungen zwischen den Einheimischen, den politischen Exilierten und den später hinzukommenden Besuchern. Dabei wird deutlich, dass die Insel über Jahrzehnte hinweg ein Ort war, an dem unterschiedliche Bevölkerungsgruppen mit jeweils eigenen Lebensbedingungen aufeinandertrafen.

In den 1950er Jahren blieb Anafi wirtschaftlich wenig entwickelt. Die Insel verfügte noch nicht über die Infrastruktur, die später den Fremdenverkehr erleichtern sollte. Die landwirtschaftliche Produktion war auf die örtlichen Bedürfnisse ausgerichtet, während die Vermarktung von Erzeugnissen außerhalb der Insel durch die begrenzten Verkehrsverbindungen erschwert wurde. Die Bevölkerung war weiterhin auf die Verbindung mit Athen und auf die Unterstützung durch die dort lebenden Migranten angewiesen.

Die fehlende Elektrizitätsversorgung war ein wesentlicher Bestandteil der damaligen Lebensbedingungen. In der wissenschaftlichen Darstellung der Insel wird beschrieben, dass vor der Elektrifizierung die Lagerung von Lebensmitteln schwierig war, weil keine elektrische Kühlung zur Verfügung stand. Auch die Versorgung mit Wasser beruhte auf Regenwasserzisternen. Diese Bedingungen begrenzten die Möglichkeiten für eine moderne Haushaltsführung und erschwerten zugleich die Entwicklung touristischer Dienstleistungen.

In den 1960er Jahren begann eine intensivere wissenschaftliche und ethnografische Beschäftigung mit Anafi. Besonders wichtig sind die Arbeiten der Anthropologin Margaret Kenna, die seit Mitte der 1960er Jahre auf der Insel forschte und zahlreiche Veröffentlichungen über Anafi und seine Bevölkerung vorlegte. Ihre Untersuchungen befassen sich mit der Sozialorganisation, der Migration, dem religiösen Leben und den Veränderungen der Inselgesellschaft.

Kenna dokumentierte auch die Beziehungen zwischen Anafi und der Migrantengemeinschaft in Athen. Ihre Fotografien aus den Jahrzehnten seit 1966 zeigen die Insel, ihre Bewohner und die in Athen lebenden Anafioten. Die Fotografien wurden dem Fotoarchiv des Benaki-Museums übergeben. Das Archiv befindet sich am Kolonaki-Platz, Filikis Etaireias 15, in Athen. Die Sammlung ist für die Geschichte Anafis von Bedeutung, weil sie nicht nur einzelne Gebäude oder Landschaften dokumentiert, sondern auch den Alltag, die Familienbeziehungen und die Verbindung zwischen Insel und Stadt.

Die 1960er Jahre waren zugleich eine Zeit, in der sich die Inselgesellschaft mit den Folgen der Abwanderung auseinandersetzen musste. Viele jüngere Menschen verließen Anafi, um in Athen Arbeit zu finden. Dadurch verringerte sich die Zahl der dauerhaft auf der Insel lebenden Menschen. Die Landwirtschaft blieb zwar bestehen, doch die wirtschaftliche Grundlage wurde zunehmend durch die Migration und die damit verbundenen Veränderungen der Familien- und Arbeitsstrukturen beeinflusst.

Die 1970er Jahre brachten für Anafi einen entscheidenden Wandel. Nach dem Sturz der griechischen Militärjunta im Jahr 1974 entwickelte sich der Fremdenverkehr stärker. Im selben Jahr wurde ein Stromgenerator installiert und mit Arbeiten am Hafen begonnen. Diese beiden Maßnahmen verbesserten die Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung der Insel erheblich.

Die Elektrifizierung veränderte den Alltag der Bevölkerung. Sie ermöglichte die Nutzung elektrischer Geräte und verbesserte insbesondere die Möglichkeiten zur Kühlung und Lagerung von Lebensmitteln. Damit wurden auch die Voraussetzungen für die Versorgung von Besuchern und für den Betrieb kleiner gastronomischer Einrichtungen verbessert. Die wissenschaftliche Forschung beschreibt die Elektrifizierung als einen wichtigen Ausgangspunkt für die spätere Entwicklung des Fremdenverkehrs.

Die Hafenarbeiten verbesserten die Verbindung zwischen Anafi und dem übrigen Griechenland. Der Hafen Agios Nikolaos ist der wichtigste Zugang zur Insel. Die Verbesserung der Hafenanlagen erleichterte die Ankunft von Schiffen und damit den Personen- und Güterverkehr. Die Entwicklung des Fremdenverkehrs war deshalb eng mit der Verbesserung der Verkehrsverbindungen verbunden.

In dieser Zeit kamen zunehmend griechische und ausländische Besucher nach Anafi. Viele suchten eine Insel mit wenig entwickelter touristischer Infrastruktur. Die wissenschaftliche Untersuchung von Margaret Kenna beschreibt, dass Anafi in den 1970er Jahren für Besucher attraktiv wurde, die eine abgelegene und wenig erschlossene Insel suchten. Die Insel war damals noch nicht auf größere Besucherzahlen vorbereitet. Es gab nur wenige Einrichtungen für Reisende, und die Versorgung war durch die fehlende Infrastruktur eingeschränkt.

Die zunehmende Zahl der Besucher führte zu ersten Veränderungen im örtlichen Dienstleistungssektor. Einige Einwohner vermieteten Zimmer, während Cafébesitzer Mahlzeiten zubereiteten. Die wissenschaftliche Untersuchung beschreibt außerdem, dass Migranten aus Athen nach der Elektrifizierung auf die Insel zurückkehrten und sich an der Entwicklung von Restaurants und Cafés beteiligten. Andere renovierten ihre Familienhäuser oder errichteten Ferienhäuser.

Die Rückkehrmigration war ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung Anafis seit den 1970er Jahren. Einige ältere Migranten kehrten nach ihrer Erwerbstätigkeit in Athen auf die Insel zurück. Sie modernisierten ihre alten Familienhäuser und richteten sich dort dauerhaft ein. Andere jüngere Migranten renovierten Häuser oder bauten neue Wohnhäuser. Diese Veränderungen führten zu einer stärkeren Verbindung zwischen der städtischen und der ländlichen Lebensweise.

Die Rückkehrer brachten Erfahrungen und finanzielle Mittel aus Athen mit. Ein Teil dieser Mittel wurde nicht mehr ausschließlich für den Bau oder die Renovierung von Wohnhäusern verwendet, sondern auch für kleine touristische Betriebe. Dazu gehörten Restaurants, Cafés und Zimmervermietungen. Die Entwicklung des Fremdenverkehrs beruhte daher nicht allein auf der Ankunft auswärtiger Besucher, sondern auch auf Investitionen von Anafioten, die zuvor in Athen gelebt hatten.

Die Verbindung zwischen Anafi und Athen blieb auch nach der Rückkehr einzelner Migranten bestehen. Viele Familien hatten weiterhin Angehörige in der Hauptstadt. Dadurch entstand ein dauerhafter Austausch von Menschen, Geld, Waren und Informationen. Diese Verbindung war für die wirtschaftliche Entwicklung der Insel von großer Bedeutung.

In den späten 1980er Jahren begann der Bau befestigter Straßen. Dieser Ausbau war ein weiterer entscheidender Schritt in der Entwicklung Anafis. Die Straßen verbesserten die Verbindung zwischen dem Hafen, dem Dorf und den Stränden. Dadurch wurde die Insel für Besucher leichter zugänglich, und die örtliche Wirtschaft erhielt neue Möglichkeiten.

Die erste befestigte Straße verband den Hafen mit dem Hauptstrand und führte anschließend weiter zum Dorf. Die wissenschaftliche Untersuchung von Anafi nennt 1988 als Beginn des Straßenbaus. Die Strecke wurde 1991 fertiggestellt. Diese Straße war die erste wichtige befestigte Verkehrsverbindung zwischen dem Hafen und dem Inselinneren.

Der Straßenbau hatte unmittelbare Auswirkungen auf den Fremdenverkehr. Die Strände waren nun leichter erreichbar, und der Transport von Personen und Waren wurde einfacher. Die Zahl der Besucher nahm zu. Die wissenschaftliche Untersuchung beschreibt, dass im Jahr 1987 bereits etwa 4.000 Menschen zwischen April und September nach Anafi kamen, obwohl es damals noch keine ausreichend ausgebaute befestigte Straße gab.

Der Straßenbau wirkte sich auch auf die Landwirtschaft aus. Die verbesserte Erreichbarkeit erleichterte den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse und die Versorgung der landwirtschaftlichen Betriebe mit Waren und Geräten. Die Entwicklung des Fremdenverkehrs und die Wiederbelebung der Landwirtschaft waren deshalb miteinander verbunden. Die historische Darstellung der Insel hebt ausdrücklich hervor, dass der Bau befestigter Straßen nicht nur den Tourismus steigerte, sondern auch die landwirtschaftliche Wirtschaft wiederbelebte.

In den 1990er Jahren setzte sich der Ausbau der Verkehrswege fort. Weitere Straßen führten zu den Stränden und in andere Teile der Insel. Dadurch wurde die Erreichbarkeit der Küstenbereiche verbessert. Die Insel blieb jedoch weiterhin klein und ländlich geprägt. Der Fremdenverkehr entwickelte sich auf der Grundlage der vorhandenen Landschaft, der Strände und der traditionellen Siedlungsstruktur.

Die wirtschaftliche Entwicklung führte zu einer stärkeren Bedeutung von Zimmervermietungen, Restaurants und Cafés. Die Zahl der Besucher nahm zu, und die Insel wurde zunehmend als Reiseziel bekannt. Gleichzeitig blieb die Verbindung zwischen der örtlichen Bevölkerung und der Migrantengemeinschaft in Athen bestehen. Die Rückkehrmigration und die Investitionen von Anafioten spielten weiterhin eine wichtige Rolle.

Die 1990er Jahre waren auch eine Zeit, in der Anafi stärker in die wissenschaftliche Forschung und in die öffentliche Wahrnehmung Griechenlands einbezogen wurde. Die Veröffentlichungen über die Insel, insbesondere die Arbeiten Margaret Kennas, trugen dazu bei, die Geschichte und Gesellschaft Anafis einem größeren Publikum bekannt zu machen. Die Fotografien der Insel und der Migrantengemeinschaften dokumentieren die Veränderungen seit den 1960er Jahren.

Seit 2000 ist Anafi weiterhin eine kleine Inselgemeinde mit einer begrenzten Bevölkerung und einer Wirtschaft, die auf Landwirtschaft, Fremdenverkehr und Dienstleistungen beruht. Die Insel besitzt einen Hafen, Straßenverbindungen und touristische Einrichtungen. Der Fremdenverkehr ist heute ein wichtiger Bestandteil der örtlichen Wirtschaft, ohne dass Anafi zu einem großen Massentourismusziel geworden ist.

Die touristische Entwicklung Anafis beruht auf der Verbindung von Landschaft, Stränden, traditioneller Siedlungsstruktur und der vergleichsweise geringen Größe der Insel. Die Strände an der Südküste, darunter Roukounas, Kleisidi, Katsouni und Agios Nikolaos, sind wichtige Ziele für Besucher. Die Küstenlandschaft mit ihren Felsen und Buchten gehört zu den prägenden Bestandteilen des heutigen Fremdenverkehrs.

Die Insel ist weiterhin durch die Verbindung mit Athen geprägt. Die Migrantengemeinschaft in Athen bleibt ein wichtiger Bestandteil der Geschichte Anafis. Die Fotografien und wissenschaftlichen Veröffentlichungen über die Insel dokumentieren die langfristigen Veränderungen der Bevölkerung, der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens.

Verwaltung

Zusammen mit einigen unbewohnten Inselchen bildet Anáfi seit 1949 eine Gemeinde (dímos, griechisch δήμος) im Nomos Thira innerhalb der Region Südliche Ägäis der Republik Griechenland.


Herrschaftsgeschichte

  • -9. Jahrhundert bis -478 Stadtstaat Anafi (Polis Anafia)
  • -478 bis -404 Athenischer Seebund (Hoi Athēnaîoi kaì hoi sýmmachoi)
  • -404 bis -378 Stadtstaat Thira (Politeía Thira)
  • -378 bis -338 Athenischer Seebund (Hoi Athēnaîoi kaì hoi sýmmachoi)
  • -338 bis -314 Königreich Makedonien (Makedonikḕ basileía)
  • -314 bis -294 Antigonidenreich (Makedonikḕ basileía)
  • -294 bis -287 Königreich Makedonien (Makedonikḕ basileía)
  • -287 bis -267 Nesiote bund (to Koinón tōn Nēsiōtōn)
  • -267 bis -146 Ptolemäerreich (Ptolemaïkḕ basileía)
  • -146 bis -27 Römische Republik (Res publica)
  • -27 bis 74 Provinz Makedonien (Provincia Macedonia) im Römischen Reich (Imperium Romanum)
  • 74 bis 293 Provinz Achaia (Provincia Achaea) im Römischen Reich (Imperium Romanum)
  • 293 bis 17. Januar 395 Provinz Inseln (Provincia Insulae) im Römischen Reich (Imperium Romanum)
  • 17. Januar 395 bis 1204 Byzantinisches Reich (Basileia tōn Rhōmaiōn)
  • 1204 bis 1207 Lateinisches Kaiserreich (Imperium Romnaniae)
  • 1207 bis 1537 Herzogtum Naxos (Egeon Pelagos) unter Kontrolle durch die Republik Venedig (La Serenissima Repubblica di San Marco)
  • 1537 bis 1823 Osmanisches Reich (Devlet-i ʿOs̲mānīye)
  • 1823 bis 23. April 1941 Königreich Griechenland (Vasíleion tis Elládos)
  • 23. April 1941 bis 27. November 1943 Königreich Italien (Regno d’Italia)
  • 27. November 1943 bis 18. Oktober 1944 Deutsches Reich
  • 18. Oktober 1944 bis 31. Dezember 1997 Präfektur Kykladen ((Nomós Kykládon) im Staat Griechenland (bis 1973 Vasíleion tis Elládos, ab 1973 Ellinikí Dimokratía)
  • 1. Januar 1998 bis 31. Dezember 2010 Präfektur Thira (Nomós Thíras) in der Repoublik Griechenland (Ellinikí Dimokratía)
  • seit 1. Januar 2011 Region Südliche Ägäis (Periféria Nótio Aigaío) in der Repoublik Griechenland (Ellinikí Dimokratía)

Legislative und Exekutive

Anafi ist heute eine eigenständige Gemeinde (Dimos Anafis, Δήμος Ανάφης) innerhalb der Regionalen Einheit Thira in der Region Südliche Ägäis. Die Gemeinde wurde ursprünglich 1835 eingerichtet und bestand in dieser Form bis 1912; anschließend war Anafi bis zur Verwaltungsreform von 2011 eine Gemeinde beziehungsweise Gemeinschaft (Kinotita). Seit dem 1. Januar 2011 besteht Anafi aufgrund des Gesetzes 3852/2010, des sogenannten Kallikratis-Programms, wieder als eigenständiger Dimos mit Chora als Sitz und mit dem Gebiet der früheren Gemeinschaft Anafi. Administrativ gehört die Gemeinde zur Dezentralisierten Verwaltung der Südlichen Ägäis.

Die kommunale Gesetzgebung und Beschlussfassung erfolgt vor allem durch den Gemeinderat (Dimotiko Symvoulio, Δημοτικό Συμβούλιο). Nach der gegenwärtigen griechischen Kommunalordnung bilden der Bürgermeister, der Gemeinderat und der Gemeindeausschuss (Dimotiki Epitropi) die zentralen Leitungsorgane einer Gemeinde. Der Gemeinderat entscheidet grundsätzlich über die kommunalen Angelegenheiten, soweit diese nicht ausdrücklich dem Bürgermeister oder einem anderen Gemeindeorgan übertragen sind. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Beschlussfassung über kommunale Programme, den Haushalt, örtliche Maßnahmen, kommunale Projekte und Regelungen sowie die Kontrolle der kommunalen Verwaltung.

Der Gemeinderat von Anafi besteht aus gewählten Gemeinderäten. Die Gemeinde veröffentlicht die Zusammensetzung des Rates und die gefassten Beschlüsse auf ihrem offiziellen Internetportal. Ein aktuelles Dokument des Gemeinderates aus dem Jahr 2025 weist beispielsweise 13 Mitglieder des Gemeinderates aus. In der Sitzung vom 17. September 2025 waren 11 der 13 Mitglieder anwesend. Gegenstand dieser Sitzung war unter anderem die Stellungnahme des Gemeinderates zum örtlichen Städtebauplan der Gemeinde Anafi.

An der Spitze der Exekutive steht der Bürgermeister (Dímarchos, Δήμαρχος). Er vertritt die Gemeinde gegenüber Gerichten und öffentlichen Behörden, führt die Beschlüsse des Gemeinderates und des Gemeindeausschusses aus und steht an der Spitze der kommunalen Verwaltung. Außerdem ernennt der Bürgermeister die stellvertretenden Bürgermeister (Antidímarchoi, Αντιδήμαρχοι) und weist ihnen bestimmte sachliche und räumliche Zuständigkeiten zu. Der Bürgermeister ist damit das wichtigste einzelamtliche Organ der kommunalen Exekutive.

Die stellvertretenden Bürgermeister unterstützen den Bürgermeister bei der Wahrnehmung der kommunalen Aufgaben. Auf Anafi bestehen mehrere solche Zuständigkeitsbereiche. Die Gemeinde weist unter anderem einen stellvertretenden Bürgermeister für kommunale Gebäude, Materialverwaltung, Beschaffung, Wasserversorgung, Bildung, Katastrophenschutz, Eheschließungen, Standesamt, Verkehrsregelung, Parkplätze, Friedhöfe und den Betrieb des Hubschrauberlandeplatzes aus. Ein weiterer stellvertretender Bürgermeister ist unter anderem für das Personal und den Betrieb der Reinigungsdienste, die Abfall- und Recyclingverwaltung, die ländlichen Straßen, die Küstenbereiche, Landwirtschaft, Tierproduktion und Fischerei, soziale Fürsorge, kommunale Fahrzeuge und Maschinen sowie das kommunale Straßennetz zuständig. Ein weiterer Zuständigkeitsbereich umfasst die kommunale Beleuchtung und den stellvertretenden Katastrophenschutz.

Die kommunale Exekutive verfügt damit auf der kleinen Insel über Zuständigkeiten, die einen großen Teil des täglichen öffentlichen Lebens betreffen. Dazu gehören insbesondere Wasserversorgung, Abfallentsorgung, Straßen und Wege, Beleuchtung, kommunale Gebäude, Friedhöfe, örtliche Verkehrsregelung, Katastrophenschutz, Bildungseinrichtungen und bestimmte soziale Aufgaben. Die Zuständigkeiten werden innerhalb der Verwaltung auf den Bürgermeister und die von ihm eingesetzten stellvertretenden Bürgermeister verteilt.

Neben der Gemeindeebene besteht auf Anafi die kommunale Gemeinschaft (Dimotiki Koinotita). Sie stellt eine Form der innergemeindlichen Dezentralisierung dar. Nach der geltenden griechischen Verwaltungsordnung verfügen kommunale Gemeinschaften über gewählte Organe und Zuständigkeiten für Angelegenheiten, die unmittelbar die betreffende Gemeinschaft betreffen. Für kommunale Gemeinschaften mit höchstens 200 Einwohnern ist der Präsident der kommunalen Gemeinschaft das zuständige Verwaltungsorgan.

Anafi gehört damit zu den kleinsten griechischen Gemeinden, besitzt aber formal dieselbe grundlegende kommunale Organisationsstruktur wie andere Gemeinden des Landes: einen gewählten Bürgermeister als wichtigstes exekutives Einzelorgan, einen gewählten Gemeinderat als zentrales kollegiales Beschlussorgan und den Gemeindeausschuss als weiteres kollegiales Verwaltungsorgan. Die staatliche Aufsicht und die übergeordneten Verwaltungsaufgaben liegen nicht beim Gemeinderat selbst, sondern bei den übergeordneten staatlichen beziehungsweise regionalen Verwaltungsstrukturen. Anafi gehört hierbei zur Dezentralisierten Verwaltung der Südlichen Ägäis und zur Region Südliche Ägäis.

Historisch ist außerdem bemerkenswert, dass die kommunale Selbstverwaltung auf Anafi bereits im 19. Jahrhundert eine institutionelle Form besaß. Die Gemeinde wurde 1835 gegründet und bestand bis 1912. 1912 wurde sie in eine Gemeinschaft umgewandelt. Erst die Verwaltungsreform des Kallikratis-Programms stellte zum 1. Januar 2011 den eigenständigen Gemeindestatus wieder her. Damit besteht die heutige kommunale Verwaltung Anafis sowohl aus historischen Elementen der lokalen Selbstverwaltung als auch aus den modernen Strukturen der griechischen Kommunalverwaltung.

Inseloberhaupt

Höchster Repräsentant der Gemeinde ist der Bürgermeister (dimarchos)


Dimarchoi (Bürgermeister von Anafi).

  • 1979 - 1982  Vikentios Gavalas
  • 1983 - 1990  Kyriakos Antoniadis
  • 1991 - 1994  Iakovos Roussos
  • 1995 - 1998  Nikolaos Ladikos
  • seit 1999  Iakovos Roussos [2]

Politische Gruppierungen

Bei den Kommunalwahlen vom 8. Oktober 2023 traten in Anafi zwei Wahlbündnisse gegeneinander an. Der erste war die „Progressive Bewegung“ (Προοδευτική Κίνηση) unter Führung von Iakovos Roussos. Die offizielle Bekanntmachung der Gemeinde weist diesen Namen ausdrücklich als Bezeichnung des Wahlbündnisses aus. Roussos kandidierte erneut für das Bürgermeisteramt. Die Liste umfasste 20 Kandidaten für den Gemeinderat.

Die zweite Gruppierung wurde von Ioannis Chalaris angeführt. Die beiden Bürgermeisterkandidaten bei der Kommunalwahl 2023 waren Iakovos Roussos und Ioannis Chalaris. Die Wahl erfolgte damit zwischen zwei lokalen kommunalen Listen und nicht zwischen den griechischen Parlamentsparteien in Form getrennter kommunaler Parteiverbände.

Die „Progressive Bewegung“ konnte die Kommunalwahl 2023 deutlich gewinnen. Iakovos Roussos erhielt 66,25 % der Stimmen und errang neun Sitze im Gemeinderat. Ioannis Chalaris erhielt 33,75 % und errang vier Sitze. Die Wahlbeteiligung betrug 64,19 %; 2,44 % der abgegebenen Stimmen waren ungültig oder leer. Die Ergebnisse sind vollständig ausgezählt und von den zuständigen Gerichtsbehörden überprüft worden.

Die kommunale politische Landschaft Anafis lässt sich deshalb für die Wahlperiode ab 2023 als ein Zweiparteien- beziehungsweise genauer Zwei-Listen-System auf lokaler Ebene beschreiben: der von Iakovos Roussos geführten „Progressiven Bewegung“ mit der Mehrheit im Gemeinderat und der von Ioannis Chalaris geführten oppositionellen Gruppierung. Eine formale Gleichsetzung dieser lokalen Listen mit nationalen Parteien wie Nea Dimokratia, PASOK oder SYRIZA wäre dagegen nicht sachgerecht, da die bei der Kommunalwahl angetretenen Listen als eigenständige kommunale Wahlbündnisse auftraten.

Die politische Kontinuität der lokalen Führung ist auf Anafi relativ stark. Die offizielle Gemeindeseite führt Iakovos Roussos bereits als Präsidenten der früheren Gemeinschaft für die Amtszeiten 1991–1994 und 1999–2010 auf. Nach der Wiederherstellung des Gemeindestatus im Jahr 2011 war er außerdem Bürgermeister. Bei der Kommunalwahl 2023 wurde er erneut zum Bürgermeister gewählt. Die lokale politische Führung wird damit über mehrere Jahrzehnte hinweg wesentlich durch dieselbe politische Persönlichkeit geprägt.

Auch die Gemeindeverwaltung selbst bezeichnet die derzeitige politische Gruppierung von Roussos als „Progressive Bewegung“. Auf der offiziellen Gemeindeseite werden neben dem Bürgermeister die stellvertretenden Bürgermeister, der Präsident des Gemeinderates und die Gemeinderäte aufgeführt. Die kommunalpolitische Organisation ist damit eng mit den gewählten lokalen Personen und ihrer jeweiligen Liste verbunden.

Justizwesen und Kriminalität

Für gerichtliche Verfahren ist Anafi den zuständigen Gerichten außerhalb der Insel zugeordnet; aufgrund der geringen Größe der Insel befinden sich die übergeordneten Justizbehörden nicht vor Ort. Die örtliche staatliche Sicherheitsbehörde ist der Polizeistation von Anafi (Αστυνομικός Σταθμός Ανάφης), die ihren Sitz in Chora hat. Die Griechische Polizei führt die Dienststelle offiziell mit der Telefonnummer +30 22860 61216 und der E-Mail-Adresse asanafis@astynomia.gr. Die Polizeistation ist dem Polizeidepartement von Thira auf Santorin zugeordnet.

Die Polizeistation ist für die allgemeine polizeiliche Tätigkeit auf der Insel zuständig. Dazu gehören die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, die Aufnahme von Anzeigen und Beschwerden, die Bearbeitung polizeilicher Vorgänge sowie die Durchführung polizeilicher Ermittlungen im Rahmen der Zuständigkeiten der griechischen Polizei. Bei schwereren Straftaten oder Ermittlungen, für die spezielle kriminalpolizeiliche Einheiten erforderlich sind, werden die zuständigen Dienststellen des Polizeidepartements von Thira beziehungsweise der übergeordneten Polizeiorganisation eingeschaltet. Eine eigenständige größere Kriminalpolizei- oder Sicherheitsdirektion besteht auf Anafi nicht. Die offizielle Kontaktübersicht der Griechischen Polizei weist für Anafi lediglich den lokalen Polizeistandort aus.

Die Strafverfolgung erfolgt nach dem griechischen Strafrecht und der griechischen Strafprozessordnung. Die Polizei übernimmt dabei die polizeilichen Aufgaben der Gefahrenabwehr und Strafverfolgung, während die Staatsanwaltschaft und die Gerichte die justiziellen Aufgaben wahrnehmen. Die kommunale Verwaltung von Anafi besitzt keine eigenen strafrechtlichen Befugnisse. Der Bürgermeister und der Gemeinderat sind daher weder Strafverfolgungsorgane noch Gerichte.

Für die Insel selbst werden von der Griechischen Polizei keine regelmäßig veröffentlichten, eigenständigen Kriminalitätsstatistiken in der Form einer vollständigen Jahresstatistik für Anafi bereitgestellt. Die öffentlich zugänglichen statistischen Jahrbücher der Griechischen Polizei veröffentlichen Kriminalitätsdaten vor allem nach größeren Polizeiverwaltungseinheiten. Für die Südliche Ägäis werden die Daten auf Ebene der zuständigen Polizeidirektion beziehungsweise Polizeiverwaltung dargestellt. Eine belastbare Aussage über eine konkrete Kriminalitätsrate Anafis, etwa Straftaten je 1.000 Einwohner, lässt sich deshalb aus den veröffentlichten nationalen Polizeistatistiken nicht ableiten.

Damit können für Anafi keine seriösen konkreten Zahlen zu einer jährlichen Zahl von Diebstählen, Einbrüchen, Körperverletzungen oder anderen Straftaten angegeben werden, ohne auf nicht veröffentlichte lokale Polizeidaten zurückzugreifen. Auch ein Vergleich der Kriminalität Anafis mit anderen griechischen Inselgemeinden wäre auf Grundlage der öffentlich zugänglichen offiziellen Statistik nicht zuverlässig möglich.

Die geringe Einwohnerzahl der Insel und ihre räumliche Struktur unterscheiden die polizeiliche Situation von derjenigen größerer griechischer Städte. Die örtliche Polizeipräsenz wird durch die Polizeistation in Chora gewährleistet, während umfangreichere polizeiliche beziehungsweise kriminalpolizeiliche Maßnahmen von den zuständigen übergeordneten Dienststellen übernommen werden. Die offizielle Kontaktliste der Griechischen Polizei bestätigt die Existenz der Polizeistation Anafi als örtliche Polizeidienststelle.

Flagge und Wappen

Für die griechische Insel und Gemeinde Anafi (Ανάφη) ist keine eigenständige, gesetzlich festgelegte Gemeindeflagge mit offizieller heraldischer Beschreibung dokumentiert. Die offiziellen Veröffentlichungen der Gemeinde Anafi führen die Gemeinde als Δήμος Ανάφης und verwenden das Gemeindesignet bzw. grafische Darstellungen auf ihren Internetseiten, enthalten aber keine dokumentierte Verordnung über eine eigene Flagge.

Auch ein offizielles Wappen der Gemeinde Anafi mit einer festgelegten heraldischen Blasonierung ist in den zugänglichen offiziellen Gemeindeveröffentlichungen nicht ausgewiesen. Bei den Kommunalwahlen 2023 wurden beispielsweise die beiden zugelassenen kommunalen Listen ausdrücklich ohne eigenes Emblem bzw. mit ihren jeweiligen Listenbezeichnungen geführt; dies ist jedoch von einem Gemeindewappen zu unterscheiden.

Als historisch-kulturelles Symbol der Insel besitzt dagegen der Gott Apollon Aigletes (Ἀπόλλων Αιγλήτης) eine besondere Bedeutung. Nach der antiken Überlieferung landeten die Argonauten auf Anafi, nachdem Apollon ihnen in der Dunkelheit den Weg gewiesen hatte. Ihm wurde auf der Insel ein Heiligtum errichtet. Der Beiname Aigletes bedeutet etwa „der Strahlende“ bzw. „der Leuchtende“. Die Gemeinde stellt diese Überlieferung auch in ihrer offiziellen Inselgeschichte dar.

Hauptort

auch Anafi Chora genannt. Chora ist zugleich der Sitz der Gemeinde Anafi und damit das politische und administrative Zentrum der Insel. Die Gemeinde Anafi wurde 2011 erneut als eigenständige Gemeinde eingerichtet; als Sitz und Gebiet wurden die der früheren Gemeinde beziehungsweise Gemeinschaft Anafi festgelegt. Chora liegt im zentralen Bereich der Insel auf einem Bergrücken beziehungsweise an einem Hang etwa 260 m über dem Meeresspiegel und erstreckt sich amphitheatralisch oberhalb des Hafens Agios Nikolaos. Der Ort geht in seiner heutigen Form auf das Mittelalter zurück. Sein historischer Kern befindet sich beim venezianischen Kastell, das den ursprünglichen Mittelpunkt der Siedlung bildet.

Verwaltungsgliederung

Die Inselgemeinde besteht aus drei Ortschaften:

Name griechischer Name Einwohner 2011
Anafi Ανάφη 256
Klisidi Κλησίδι 12
Ormos Agiou Nikolaou Όρμος Αγίου Νικολάου 3
Gesamt 271


           Verwaltungsgliederung:

           3 oikismoi (Ortschaften)

Bevölkerung

Auf Anáfi leben nur wenige hundert Menschen. Im Lauf der Geschichte hat die Gesamtbevölkerungszahl die Tausendermarke noch nie überstiegen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind zahlreiche Menschen nach Thira (Santorin) und auf das Festland abgewandert. Konkret entwickelten sich Bevölkerungszahl und Dichte (E/km²), bezogen auf die Fläche von 40,37 km², wie folgt:


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1800                500                  12,39

           1851                600                  14,86

           1861                692                  17,14

           1871                700                  17,34

           1881                720                  17,83

           1891                700                  17,34

           1901                650                  16,10

           1920                559                  13,85

           1928                565                  14,00

           1940                785                  19,45

           1951                532                  13,18

           1961                471                  11,67

           1971                353                    8,75

           1981                292                    7,23

           1991                261                    6,47

           2001                273                    6,76

           2002                272                    6,74

           2003                270                    6,68

           2004                270                    6,68

           2005                270                    6,68

           2006                270                    6,68

           2007                270                    6,68

           2008                270                    6,68

           2009                270                    6,68

           2010                271                    6,70

           2011                273                    6,76

           2012                275                    6,81

           2013                280                    6,94

           2014                280                    6,94

           2015                280                    6,94

           2016                282                    6,98

           2017                285                    7,07

           2018                288                    7,16

           2019                290                    7,20

           2020                290                    7,20

           2021                291                    7,22

           2022                292                    7,23

           2023                295                    7,33

           2024                295                    7,33

           2025                295                    7,33


Die Einwohnerzahl der Inselgemeinde sank von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 0,325 % pro Jahr.

Volksgr uppen

Die Bevölkerung Anafis entwickelte sich historisch aus der griechischsprachigen Inselbevölkerung. Während der venezianischen Herrschaft lebten auf der Insel sowohl die einheimische griechische Bevölkerung als auch Angehörige der aus Italien beziehungsweise anderen Gebieten stammenden katholisch-lateinischen Herrscherfamilien. Diese Familien stellten die politische Herrschaft, bildeten jedoch keine dauerhaft bestehende eigenständige Volksgruppe der heutigen Inselbevölkerung.

Im Osmanischen Zeitalter blieb die Bevölkerung griechischsprachig und orthodox geprägt. Die Eroberung Anafis durch die Flotte Hayreddin Barbarossas im Jahr 1537 führte zu einer schweren Entvölkerung; ein Teil der Bewohner wurde verschleppt, andere flohen unter anderem nach Kreta. Die Insel wurde später wieder von griechischen Bewohnern besiedelt. Eine eigenständige ethnische Gruppe entstand daraus nicht.

Auch die starke Abwanderung von Anafioten nach Athen seit dem 19. Jahrhundert führte nicht zur Bildung einer eigenen Volksgruppe. Die aus Anafi stammenden Bewohner Athens werden als Anafioten (Αναφιώτες) bezeichnet. Sie bildeten insbesondere am Nordosthang der Akropolis die Siedlung Anafiotika. Die Bezeichnung bezeichnet jedoch die regionale Herkunft und keine ethnische Volksgruppe.

Sprachen

Auf Anafi ist Griechisch die einzige heute allgemein verwendete und offiziell anerkannte Sprache. Die Amtssprache ist Neugriechisch, das in Verwaltung, Schule, Kirche, öffentlichen Einrichtungen und im täglichen schriftlichen Verkehr verwendet wird. Auch die Bevölkerung der Insel spricht Griechisch als Muttersprache.

Die gesprochene Sprache gehört zu den neugriechischen Dialekten des ägäischen beziehungsweise kykladischen Raumes. Die lokale Sprechweise der Anafioten ist eine Variante des griechischen Inselgriechisch und steht damit den Sprachformen der übrigen Kykladen nahe. Eine eigenständige, vom Griechischen deutlich getrennte Sprache ist für Anafi nicht belegt.

Historisch war Anafi ebenfalls griechischsprachig. Die Insel wurde in der Antike von Griechen, darunter Dorern, besiedelt; auch während der späteren venezianischen und osmanischen Herrschaft blieb die griechische Sprache die Sprache der einheimischen Bevölkerung. Die venezianischen beziehungsweise italienischen Herrscherfamilien bildeten eine politische Oberschicht, führten aber nicht zu einer dauerhaften italienischsprachigen Bevölkerungsgruppe auf der Insel.

Eine besondere Bedeutung besitzt die Sprache der Anafioten auch außerhalb der Insel. Seit dem 19. Jahrhundert wanderten zahlreiche Bewohner nach Athen ab. Sie gründeten dort am Fuß der Akropolis das Viertel Anafiotika, dessen Name unmittelbar auf Anafi zurückgeht und dessen bauliche Gestaltung die Herkunft seiner Bewohner widerspiegelt. Neben Griechisch können im heutigen Fremdenverkehr teilweise Englisch und in geringerem Umfang weitere Fremdsprachen verwendet werden.

Religion

Die Bevölkerung von Anafi ist traditionell nahezu vollständig griechisch-orthodox. Die Insel gehört kirchenrechtlich zur Heiligen Metropolis von Thera, Amorgos und den Inseln (Ιερά Μητρόπολις Θήρας, Αμοργού και Νήσων), die zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel gehört. Innerhalb der kirchlichen Organisation der Metropolis ist Anafi dem erzpriesterlichen Bezirk von Thera zugeordnet.

Die orthodoxe Kirche prägt das religiöse und kulturelle Leben der Insel. Neben den größeren Kirchen in Chora gibt es zahlreiche kleinere Kirchen und Kapellen, die über die Insel verteilt liegen. Zu den Kirchen im Hauptort gehören unter anderem die Kirchen Agios Nikolaos, Koimisi tis Theotokou, Agios Charalambos, Christos tou Stavrou, Agioi Anargyroi und Agios Georgios im Bereich des ehemaligen Kastells. Außerhalb von Chora befinden sich weitere Kirchen und Kapellen, darunter Agios Antonios, der als byzantinische Kirche eine besondere historische Bedeutung besitzt.

Die älteste erhaltene monumentale kirchliche Malerei Anafis befindet sich in Agios Antonios. Die Kirche stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert und besitzt Fresken mit Darstellungen aus dem Leben Christi, darunter die Darstellung im Tempel, die Geburt Christi und die Himmelfahrt. Damit gehört sie zu den bedeutendsten erhaltenen Zeugnissen der byzantinischen Religionsgeschichte der Insel.

Das religiöse Jahr wird durch die orthodoxen Gottesdienste, Heiligenfeste und örtlichen Panigyria geprägt. Diese Feste verbinden den Gottesdienst mit gemeinschaftlichen Zusammenkünften der Inselbevölkerung. Besonders die Feste der örtlichen Kirchen und Kapellen besitzen eine wichtige Funktion im sozialen Leben Anafis.

Historisch blieb die orthodoxe Kirche auch während der venezianischen und später der osmanischen Herrschaft die Religion der griechischen Inselbevölkerung. Die lateinischen Herrscher Anafis gehörten dagegen der westlichen beziehungsweise römisch-katholischen Kirche an. Eine dauerhafte katholische Bevölkerungsgruppe von größerer Bedeutung ist für die heutige Insel nicht belegt.

Siedlungen

Die Einwohnerzahlen der Siedlungen entwickelten sich wie folgt:

Siedlung griechischer Name 1920 1928 1940 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2011 2021
Anafi Ανάφη 558 565 785 532 471 353 285 261 269 256 291
Klisidi Κλησίδι - - 2 12 -
Ormos Agiou Nikolaou Όρμος Αγίου Νικολάου 7 - 2 3 -


Auf Anafi gibt es heute drei von der Gemeinde als Siedlungen bezeichnete bewohnte Orte beziehungsweise Siedlungsbereiche: Chora, Kleisidi und Agios Nikolaos beziehungsweise Gialos. Chora ist der Hauptort und Gemeindesitz. Die Siedlung entstand in ihrer heutigen Lage im Mittelalter und liegt auf etwa 260 m Höhe oberhalb des Hafens. Sie ist dicht bebaut und breitet sich amphitheatralisch an den Hängen aus. Der historische Mittelpunkt ist das venezianische Kastell. Charakteristisch sind die zahlreichen gewölbten, meist einräumigen Häuser und die engen Gassen. Zu den Kirchen im Ortskern gehören Agios Nikolaos, die Koimisi tis Theotokou, Agios Charalambos, Christos tou Stavrou, Agioi Anargyroi und Agios Georgios auf dem Kastell. Der traditionelle Ortskern ist für Fahrzeuge nicht zugänglich. In Chora befinden sich Einrichtungen des täglichen Bedarfs, gastronomische Betriebe, eine Bäckerei, Lebensmittelgeschäfte und touristische Unterkünfte. Die Gemeinde Anafi gibt für Chora auf ihrer Siedlungsseite eine Einwohnerzahl von etwa 270 Personen an.

Kleisidi ist eine kleine Küstensiedlung etwa 2,5 km südöstlich von Chora am Hang oberhalb des Golfs von Agios Nikolaos. Von dort besteht ein Blick auf das Meer und die vorgelagerten Inselchen Makria, Ftena und Pachia. Die Siedlung ist über die Straße und mit dem Bus von Chora beziehungsweise vom Hafen erreichbar. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Strand von Kleisidi.

Agios Nikolaos, von den Einwohnern auch Gialos genannt, ist der Hafenort Anafis. Er liegt ungefähr 3 km von Chora entfernt am Fuß eines steilen Felsabhangs und trägt seinen Namen nach der dortigen Kirche Agios Nikolaos. Die Siedlung ist wesentlich durch ihre Funktion als Hafen geprägt und wird nach Angaben der Gemeinde vor allem während der Sommermonate bewohnt. Der Hafen bildet den wichtigsten Zugang zur Insel für den Seeverkehr. Von Agios Nikolaos führen Straßen und Wege nach Chora, Kleisidi und in die südöstlichen Küstenbereiche.

Neben diesen Siedlungen gibt es auf Anafi zahlreiche verstreut liegende landwirtschaftliche Gebäude und ehemalige ländliche Wohnplätze. Die Gemeinde bezeichnet diese traditionellen ländlichen Anlagen als „Kellia“ beziehungsweise „Compounds“. Dazu gehörten ein Wohnhaus, Höfe und eine Tenne sowie teilweise ein eigener Backofen mit den für die landwirtschaftliche Nutzung notwendigen Einrichtungen. Solche landwirtschaftlichen Gebäude finden sich unter anderem in den Gebieten Kammeni, Vagia, Roukouna und Megas Potamos. Auch heute werden außerhalb der geschlossenen Siedlungen Felder bewirtschaftet.

Verkehr

Anafi wird ausschließlich über den Fährhafen Agios Nikolaos an der Südküste erschlossen, der ganzjährig mit Piräus (Athen) und in der Saison mehrmals wöchentlich auch mit Lavrio, Santorini und weiteren Kykladeninseln sowie Kreta verbunden ist. Auf der Insel selbst verkehrt ein kommunaler Bus zwischen Hafen und dem einzigen Ort Chora, der im Sommer zusätzliche Fahrten zu Stränden und zum Kloster Zoodochos Pigi anbietet; ein Flughafen existiert nicht, und das Straßennetz beschränkt sich im Wesentlichen auf die Verbindung Hafen–Chora sowie einige Wanderwege.

Wie lange dauert die Fährfahrt von Piräus nach Anafi

Straßenverkehr

Der Straßenverkehr auf Anafi konzentriert sich auf ein kleines Straßennetz, das die wichtigsten Siedlungen, den Hafen und die touristisch genutzten Küstenbereiche miteinander verbindet. Der wichtigste Verkehrsweg führt vom Hafen Agios Nikolaos, auch Gialos genannt, hinauf nach Chora. Diese Verbindung ist die zentrale Straßenachse der Insel und erschließt zugleich die wichtigsten Einrichtungen des Hauptortes. Von Chora beziehungsweise vom Bereich der Hauptstraße zweigen weitere Straßen zu den Siedlungen und Küstengebieten ab.

Noch bis in die späten 1980er Jahre war Anafi nur sehr eingeschränkt durch Straßen erschlossen. Die Verbindung zwischen dem Hafen und Chora war der wichtigste befestigte Verkehrsweg. Der Ausbau des Straßennetzes begann Ende der 1980er Jahre; die erste vollständig asphaltierte Straßenverbindung wurde 1991 fertiggestellt. Dadurch wurde der motorisierte Verkehr auf der Insel wesentlich erleichtert. In den 1980er Jahren war die Insel dagegen noch weitgehend durch Fußwege und unbefestigte Wege erschlossen.

Heute führt eine ausgebaute Straße von Chora beziehungsweise vom zentralen Inselbereich in Richtung Südwesten zum Kloster Zoodochos Pigi am Fuß des Kalamos. Über diese Verbindung sind die Strände und Küstenbereiche im Süden der Insel wesentlich besser erreichbar als früher. Von der Hauptverbindung zweigen Straßen und Wege unter anderem zu Kleisidi, Roukounas und weiteren Küstenabschnitten ab.

Der öffentliche Personenverkehr erfolgt hauptsächlich mit Bussen. In der Sommersaison verkehren Busse mehrmals täglich zwischen Chora, dem Hafen und verschiedenen Stränden. Der Fahrplan richtet sich nach der touristischen Saison und wird entsprechend angepasst.

Das Straßennetz ist aufgrund der geringen Größe und des gebirgigen Reliefs begrenzt. Zahlreiche abgelegene Bereiche der Insel sind weiterhin nur über schmale Wege oder zu Fuß erreichbar. Besonders die steilen Hänge im Osten und Süden sowie die Umgebung des Kalamos erschweren den Bau breiter Straßen. Die Straßen dienen daher vor allem der Verbindung der Siedlungen mit dem Hafen und der Erschließung der wichtigsten landwirtschaftlichen und touristischen Ziele.

Schiffsverkehr

Der Schiffsverkehr auf Anafi konzentriert sich vollständig auf den Hafen Agios Nikolaos an der Südküste der Insel. Der Hafen liegt etwa 3 km vom Hauptort Chora und etwa 1 km von Kleisidi entfernt und ist der einzige Hafen Anafis für den regulären Fährverkehr. Über ihn wird die Insel sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr mit dem übrigen griechischen Inselraum und dem Festland verbunden.

Die wichtigste überregionale Verbindung besteht mit Piräus. Die Fährverbindung zwischen Piräus und Anafi wird ganzjährig betrieben; im regulären Fahrplan werden mehrere Verbindungen pro Woche angeboten. Die Gemeinde Anafi gibt für die Monate September bis Juni zwei wöchentliche Verbindungen von Piräus nach Anafi und zwei in der Gegenrichtung an. Auf dieser Verbindung werden konventionelle Autofähren eingesetzt, die neben Passagieren auch Fahrzeuge und Fracht befördern.

Eine besonders wichtige Verbindung besteht mit Santorin. Anafi wird regelmäßig vom Hafen Athinios auf Santorin angelaufen. Die Überfahrt dauert je nach Schiff ungefähr 1 bis 1½ Stunden. Die Verbindung ist für den innerkykladischen Verkehr von großer Bedeutung, da Santorin über einen wesentlich größeren Hafen und einen internationalen Flughafen verfügt.

Neben Santorin bestehen saisonal beziehungsweise je nach Fahrplan Verbindungen zu weiteren Kykladeninseln. Dazu gehören unter anderem Naxos, Paros, Milos und Sifnos. Die Fahrpläne verändern sich während des Jahres erheblich; im Sommer ist das Angebot dichter als in den Wintermonaten.

Die Fährverbindungen beschränken sich nicht ausschließlich auf die Kykladen. Über die längeren Linien von und nach Piräus bestehen auch direkte beziehungsweise durchgehende Verbindungen in Richtung Kreta und Dodekanes. Im aktuellen Fahrplan werden unter anderem Iraklio auf Kreta sowie Karpathos, Kasos, Chalki und Rhodos bedient. Diese Verbindungen werden vor allem durch die überregionalen Fährlinien hergestellt.

Wirtschaft

Anáfi war einst ein Fischerzentrum. Heute werden nur noch wenige Meerestiere angelandet. Auch die Landwirtschaft bringt nur geringe Erträge, unter anderem durch den Anbau von Weizen, Gerste, Linsen, Erbsen, Oliven und Obst. Als Nutztiere werden vorwiegend Schafe und Ziegen gehalten. Von zunehmender Bedeutung ist in den letzten Jahren der Fremdenverkehr, nach dem sich mittlerweile das gesamte Inselleben orientiert.

Landwirtschaft

Wegen des trockenen Klimas, der geringen Niederschläge, der begrenzten Wasserressourcen und des gebirgig-felsigen Geländes konzentriert sich die landwirtschaftliche Nutzung auf kleinere, häufig terrassierte Flächen. Besonders im Süden der Insel sind zahlreiche landwirtschaftliche Terrassen erhalten. Die Gemeinde beschreibt die Hänge und Täler der Insel als Bereiche, in denen sich die landwirtschaftliche Produktion entwickelt; viele Bewohner bewirtschaften auch heute noch Felder im Inselinneren und bauen dort saisonabhängig Gemüse an.

Eine charakteristische Form der traditionellen Landwirtschaft sind die sogenannten „Katikies“. Dabei handelt es sich um kleine steinerne landwirtschaftliche Hofanlagen, die aus Wohnraum und Küche, Vorratsraum, Stall, Backofen, Dreschplatz, Weinpresse und Viehgehege bestehen konnten. Sie lagen auf oder am Rand der landwirtschaftlich genutzten Terrassen und dienten sowohl der Arbeit auf den Feldern als auch der Verarbeitung der dort erzeugten Produkte. Insgesamt sind im Inselinneren 52 dieser traditionellen Katikies erhalten; größere Gruppen befinden sich unter anderem in Lakkoi, Vryssi und entlang des Weges zum Kloster Zoodochos Pigi.

Zu den angebauten Feldfrüchten gehören Kartoffeln und verschiedene Gemüsearten. Die Gemeinde dokumentiert insbesondere saisonalen Gemüseanbau in den Feldern außerhalb der Chora. Im Jahresablauf werden außerdem Tomaten, Gurken beziehungsweise die lokal bezeichneten „Katsounia“ und weitere Gemüse für den Eigenbedarf und die örtliche Gastronomie angebaut. Die Sommerproduktion wird auch von den Restaurants der Insel genutzt.

Eine weitere traditionelle Nutzung der Kulturlandschaft ist der Anbau von Oliven. Im Herbst werden die Oliven geerntet und zu Olivenöl verarbeitet. Die Gemeinde beschreibt die Olivenernte im November als Bestandteil des traditionellen landwirtschaftlichen Jahresablaufs. Die Olivenproduktion dient insbesondere der Versorgung der Haushalte mit eigenem Öl und gehört damit zur kleinbäuerlichen Landwirtschaft der Insel.

Der Weinbau ist ein eigener Bereich der Landwirtschaft und besitzt auf Anafi eine lange Tradition. Historische Weinpressen in den Katikies belegen die Verbindung von Weinbau und landwirtschaftlicher Hofwirtschaft. Auch heute werden Reben kultiviert, wobei der Weinbau wegen der begrenzten landwirtschaftlichen Flächen nur einen kleinen Umfang erreicht.

Von besonderer Bedeutung ist der Anbau beziehungsweise die Nutzung von Kräutern und wild wachsenden Pflanzen. Die trockenen Hänge und die niedrige Vegetation bieten unter anderem gute Bedingungen für Thymian. Außerdem werden Oregano und Throumbi gesammelt. Die Gemeinde nennt auch Kapern beziehungsweise Kapernblätter als lokale landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Sammlung und Verarbeitung dieser Pflanzen ist sowohl Bestandteil der traditionellen Ernährung als auch der heutigen Vermarktung lokaler Produkte.

Die Safranpflanze beziehungsweise der Krokus ist ebenfalls Bestandteil der lokalen Pflanzenwelt. Die Gemeinde hebt die spontane Vegetation des Safrans beziehungsweise Krokus hervor. Die Pflanze wird traditionell gesammelt und insbesondere im Zusammenhang mit der lokalen Küche verwendet.

Eng mit der Landwirtschaft verbunden ist die Viehhaltung. In den traditionellen Katikies gehörten Ställe und Viehgehege zur Hofanlage. Zu den auf Anafi gehaltenen Nutztieren zählen insbesondere Schafe und Ziegen. Die Tierhaltung liefert unter anderem Milch und Fleisch; Käse wird traditionell auf der Insel hergestellt. Die Herstellung von Käse wird ausdrücklich als eine der Produktionsformen der Katikies genannt.

Eine besonders wichtige landwirtschaftliche Tätigkeit ist die Imkerei. Das trockene, warme Klima und die ausgedehnten Bestände niedriger, insbesondere thymianreicher Vegetation begünstigen die Bienenhaltung. Auf Anafi besteht ein landwirtschaftlicher Imkereigenossenschaftsbetrieb, der Blütenhonig und Thymianhonig produziert und vermarktet. Die Bedeutung der Imkerei reicht historisch weit zurück; bereits hellenistische Münzen, die auf Anafi gefunden wurden, zeigen eine Biene beziehungsweise ein entsprechendes Insekt.

Die landwirtschaftliche Produktion Anafis ist insgesamt kleinstrukturiert. Große zusammenhängende Ackerflächen und eine intensiv mechanisierte Landwirtschaft sind wegen der Topografie und der begrenzten Wasserverfügbarkeit nicht vorhanden. Die traditionelle Bewirtschaftung stützt sich vielmehr auf Terrassen, kleine Parzellen, saisonalen Anbau, Tierhaltung, Weinbau, Oliven und die Nutzung der natürlichen Vegetation. Die Landwirtschaft steht außerdem in engem Zusammenhang mit der lokalen Lebensmittelproduktion und der Gastronomie.

Weinbau

Der Weinbau besitzt auf Anafi eine lange Tradition, ist heute jedoch ein kleiner landwirtschaftlicher Wirtschaftszweig. Besonders im nördlichen Teil der Insel, in den Gebieten Stavros, Vouves und Vrysi, sind alte Weinbauflächen dokumentiert. Ein großer Teil dieser historischen Weinberge wurde aufgegeben; einige Bewohner bewirtschaften jedoch weiterhin Rebstöcke in traditionellen Anlagen und erzeugen kleine Mengen Wein für den Eigenverbrauch.

Zu den traditionellen Rebsorten Anafis gehört die seltene weiße Sorte Gadouria (Γαδουριά). Außerdem ist die rote beziehungsweise dunkelbeerige Sorte Strofiliatiko (Στροφυλιάτικο) beziehungsweise in Quellen auch Strofyliatiko genannt, für die Insel charakteristisch. Daneben werden Rebsorten angebaut, die auch auf der benachbarten Insel Santorin verbreitet sind, darunter Assyrtiko, Aidani, Athiri und Mavrotragano. Mandilaria ist ebenfalls bekannt, wird auf den Böden Anafis jedoch als weniger geeignet beschrieben.

Traditionell wurden auf Anafi insbesondere sonnengetrocknete rote oder rötliche Süßweine hergestellt. Die Weinbereitung erfolgte in kleinen, traditionellen Anlagen. Die ländlichen Katikies besaßen teilweise eigene Weinpressen; Wein gehörte neben Getreide, Käse, Wolle und Honig zu den Erzeugnissen, die innerhalb dieser landwirtschaftlichen Hofanlagen produziert und verarbeitet wurden. Von den erhaltenen Katikies sind 52 als historische Gebäude dokumentiert.

Der heutige Weinbau umfasst nur eine kleine Rebfläche. Die Gemeinde Anafi gibt eine Gesamtfläche von ungefähr 45 Stremmata, also etwa 4,5 Hektar, an. Es gibt nur wenige Winzer; angebaut werden unter anderem Assyrtiko und Tafeltrauben. Der Wein wird teilweise weiterhin in kleinen traditionellen Anlagen vinifiziert.

Eine besondere Rolle spielt heute das Weingut Ktima Flamourou. Die Weinberge liegen unter teilweise schwierigen Bedingungen auf kleinen Parzellen und werden überwiegend trocken, also ohne künstliche Bewässerung, bewirtschaftet. Der heutige Winzer Stefanos Michalis übernahm die Arbeit seines Onkels Alki Michalis und entwickelte den Weinbau auf Anafi weiter. Zu den dort verwendeten Sorten gehören neben Assyrtiko auch einheimische und kykladische Sorten wie Gaidouria, Fokiano, Mavrotragano, Mandilaria und weitere alte Sorten.

Die Weinproduktion bleibt dennoch sehr klein. Für Ktima Flamourou werden in aktuellen Darstellungen etwa 5.000 Flaschen jährlich über mehrere Weine hinweg genannt; andere Berichte nennen je nach Erntejahr deutlich niedrigere Produktionsmengen. Die Weinbereitung erfolgt in kleinem Maßstab und mit weitgehend handwerklichen Verfahren.

Forstwirtschaft

Geschlossene natürliche Wälder sind auf Anafi nicht ausgebildet. Die Vegetation der Insel ist vielmehr durch Phrygana, Macchie, krautige Pflanzen und verstreute Gehölze geprägt. Die Gemeinde hebt insbesondere die reiche spontane Flora der östlichen und südlichen Inselteile hervor. Auf den Hängen und in den Tälern besteht eine Vegetationsdecke, die zugleich mit der landwirtschaftlichen Nutzung verbunden ist.

Einzelne Bäume und Gehölze kommen vor allem in den geschützteren Tälern und landwirtschaftlich genutzten Bereichen vor. Für das ländliche Anafi sind insbesondere Olivenbäume, Feigenbäume und Kaktusfeigen dokumentiert. Diese stehen jedoch nicht in ausgedehnten Waldbeständen, sondern innerhalb der Kulturlandschaft und bei den traditionellen landwirtschaftlichen Hofanlagen.

Eine eigentliche Holzwirtschaft ist daher auf Anafi nicht entstanden. Es gibt keine dokumentierte größere kommerzielle Forstwirtschaft, keine forstwirtschaftlichen Plantagen und keine bedeutende Holzindustrie. Auch die Gewinnung von Brenn- oder Bauholz aus größeren Waldbeständen spielt wegen des Fehlens solcher Bestände keine Rolle. Die historische Nutzung der Vegetation war vielmehr kleinräumig und mit der Landwirtschaft und Viehhaltung verbunden.

Forstwirtschaftliche Flächen werden in der griechischen Fachliteratur dennoch kartiert. Für Anafi wurde 1996 vom griechischen Landwirtschaftsministerium beziehungsweise der Forstverwaltung ein eigener „Land capability map for forestry“ erstellt. Dabei handelt es sich um eine forstliche Eignungs- und Bodenkartierung der Insel und nicht um einen Nachweis einer bestehenden forstwirtschaftlichen Nutzung.

Von größerer Bedeutung als die Holznutzung ist der Schutz der natürlichen Vegetation. Teile der östlichen und südlichen Insel, insbesondere der Bereich um die Halbinsel Kalamos, Roukounas und die angrenzenden Küstengebiete, gehören zum Natura-2000-Schutzgebiet. Die schwer zugänglichen Steilhänge und Felsbereiche haben dazu beigetragen, dass dort natürliche Vegetation erhalten geblieben ist.

Fischerei

Die Berufsfischerei wird überwiegend als kleinmaßstäbliche Küstenfischerei betrieben. Nach Angaben der Gemeinde erfolgt der Fang mit kleinen Booten und verschiedenen traditionellen Fangmethoden, darunter Schleppangeln, Langleinen und Netze. Daneben gibt es auf Anafi auch Freizeitfischerei in den kleinen Buchten der Insel.

Der Hafen von Agios Nikolaos ist der wichtigste Anlauf- und Ausgangspunkt für die lokale Fischerei. Die südliche und nördliche Küste Anafis sowie die umliegenden Gewässer bieten Fanggebiete für die kleinen Boote. Die Fischerei ist dabei unmittelbar von den Wetter- und Seeverhältnissen abhängig.

Frischer Fisch wird auf der Insel vor allem lokal vermarktet. Fisch und andere Meerestiere werden in den Tavernen und Restaurants von Chora, Agios Nikolaos, Kleisidi und Roukounas angeboten. Ein eigenständiger größerer Fischmarkt oder eine industrielle Fischverarbeitung ist auf Anafi nicht dokumentiert.

Neben der Berufsfischerei ist die Angelfischerei verbreitet. Die Gemeinde weist ausdrücklich auf die Möglichkeit hin, in den kleinen Buchten der Insel zu angeln. Auch die Küstengewässer werden für Tauchen und andere maritime Aktivitäten genutzt. Die Fischerei steht außerdem mit der lokalen Gastronomie in Verbindung. Frischer Fisch gehört zum Angebot der Inselrestaurants und ergänzt die aus eigener landwirtschaftlicher Produktion stammenden Lebensmittel. Die Bedeutung der Fischerei ist jedoch die einer kleinräumigen Küstenfischerei und nicht einer industriellen Fischereiwirtschaft.

Bergbau

Geologisch gehört Anafi nicht zu den vulkanischen Inseln des Santorin-Vulkanzentrums. Auf der Insel treten vor allem metamorphe Gesteine des Grundgebirges auf. Gleichzeitig finden sich an verschiedenen Stellen vulkanische Ablagerungen, die von früheren Eruptionen des Santorin-Systems stammen. Wissenschaftlich untersucht wurden insbesondere Bimssteinablagerungen auf Anafi. Diese stammen von der Lower-Pumice-2-Eruption des Santorin vor etwa 172.000 Jahren. Die Ablagerungen erreichen auf Anafi Mächtigkeiten von bis zu etwa 1,2 bis 1,5 m und bestehen aus vulkanischem Bimsstein, der durch eine große explosive Eruption über weite Entfernungen transportiert wurde.

Daneben wurden auf Anafi Vorkommen von Rhyolith-Tuffen und weiteren vulkanischen Ablagerungen nachgewiesen. Untersuchungen haben gezeigt, dass bestimmte Tuffvorkommen auf Anafi, Santorin und den Christiana-Inseln demselben prähistorischen vulkanischen Ereignis zugeordnet werden können. Auf Anafi liegen diese Ablagerungen teilweise direkt auf dem metamorphen Grundgebirge.

Besondere Bedeutung besitzt Anafi außerdem für die Erforschung einer prähistorischen Gewinnung mineralischer Pigmente. Im südwestlichen Bereich der Insel wurden Aufschlüsse mit Serpentinit, hydrothermalen Mineralen, Opal, Ocker und rotem Ton beziehungsweise roter Kreide untersucht. In den untersuchten Gesteinen tritt insbesondere Hämatit auf, der für rote Farbpigmente verwendet werden konnte. Die archäologisch-geologische Forschung bezeichnet diese Tätigkeit als prähistorischen Pigmentabbau auf Anafi.

Handwerk

Das Handwerk auf Anafi war traditionell eng mit der Landwirtschaft, dem Hausbau und der weitgehenden Selbstversorgung der Inselbevölkerung verbunden. Insbesondere die ländlichen „Katikies“ waren nicht nur Wohn- und Wirtschaftsgebäude, sondern zugleich Orte der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. In diesen steinernen Hofanlagen befanden sich unter anderem Wohnräume, Küchen, Vorratsräume, Ställe, Backöfen, Dreschplätze und Weinpressen. Dort wurden Getreide, Käse, Wolle, Wein und Honig verarbeitet. Insgesamt sind auf Anafi 52 dieser traditionellen Katikies als erhaltene Gebäude dokumentiert; sie wurden seit 2004 als schützenswerte Bauten anerkannt.

Eine wichtige handwerkliche Tätigkeit war die Verarbeitung von Wolle und die Herstellung von Textilien. Besonders bedeutend war die traditionelle Stickerei von Anafi. Historische Stickereien von der Insel befinden sich heute unter anderem im Benaki-Museum und im Museum für griechische Volkskunst in Athen sowie in den Sammlungen des Fitzwilliam Museum in Cambridge und des Victoria and Albert Museum in London. Die erhaltenen Stücke dokumentieren die Bedeutung der textilen Handarbeit innerhalb der traditionellen materiellen Kultur Anafis.

Auch die traditionelle Bauhandwerkerschaft der Anafioten besaß über die Insel hinaus eine besondere Bedeutung. Im 19. Jahrhundert wanderten zahlreiche Anafioten nach Athen ab, wo sie wegen ihrer handwerklichen Fähigkeiten insbesondere im Bauwesen beschäftigt wurden. Die Gemeinde Anafi bezeichnet die Anafioten ausdrücklich als bekannte Handwerker, die ab etwa 1860 in größerer Zahl nach Athen gingen. Nach der Verlegung der griechischen Hauptstadt nach Athen entstand dort das Viertel Anafiotika am Fuß der Akropolis, das von Anafioten und anderen Kykladenhandwerkern errichtet wurde und architektonisch an die Bauweise ihrer Heimatinsel anknüpft.

Zum traditionellen Handwerk gehörten außerdem Arbeiten im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Produktion. In den Katikies wurden Wein gekeltert, Getreide gedroschen und Lebensmittel verarbeitet; die Gebäude besaßen dafür eigene funktionale Einrichtungen wie Weinpressen, Backöfen und Dreschplätze. Die traditionelle Wirtschaftsweise verband damit landwirtschaftliche Tätigkeit und handwerkliche Verarbeitung unmittelbar miteinander.

Die Herstellung von Keramik und anderen handgefertigten Gegenständen ist ebenfalls im Zusammenhang mit der heutigen Inselkultur dokumentiert, wobei die Quellen keine größere eigenständige Keramikindustrie auf Anafi ausweisen. Im heutigen Kunst- und Souvenirbereich werden handgefertigte Gegenstände angeboten; zugleich werden Arbeiten lokaler Künstler in Geschäften und Galerien der Chora präsentiert.

Auch heute bestehen handwerklich geprägte Tätigkeiten vor allem im kleinen Maßstab. Die lokale Produktion umfasst neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen unter anderem die Verarbeitung von Honig, Olivenöl, Käse, Wein und Kräutern. Die Gemeinde führt Imkerei, Weinbau, Olivenanbau, Viehzucht, Gemüse- und Kräuteranbau als Bestandteile der lokalen Produktion an. Besonders die Imkerei besitzt eine lange Tradition und war bereits 2012 mit 37 Imkern und 1.091 Bienenvölkern dokumentiert.

Wasserwirtschaft

Anafi verfügt nur über sehr begrenzte eigene Süßwasserressourcen. Eine wissenschaftliche Untersuchung zur Wasserversorgung der Insel beschreibt die Wasserressourcen als knapp und untersucht deshalb ausdrücklich die Kombination von Wasserversorgung und Energieversorgung. Ältere Untersuchungen dokumentieren, dass ein erheblicher Teil des Wasserbedarfs durch den Transport von Wasser mit Schiffen gedeckt wurde. Besonders während der Sommermonate steigt der Wasserbedarf durch den Fremdenverkehr deutlich an.

Die zentrale Wasserversorgungsinfrastruktur umfasst unter anderem einen Hauptwasserspeicher bei der Ortslage Sykamia. Von dort führt das äußere Wasserversorgungsnetz zu Kleisidi und zum Hafen Agios Nikolaos. Dieses Leitungsnetz wird derzeit grundlegend erneuert. Im März 2026 wurde ein Projekt mit einer Finanzierung von 374.973,25 Euro in das Programm „South Aegean 2021–2027“ aufgenommen. Vorgesehen ist die Erneuerung von rund 2.850 Metern Wasserleitungen aus Polyethylen der dritten Generation mit Durchmessern von 90, 110 und 140 Millimetern. Zusätzlich sollen drei Hydranten installiert werden. Der Abschluss der geförderten Maßnahme ist bis zum 31. Dezember 2028 vorgesehen.

Die Wasserversorgung ist mit der Abwasserwirtschaft unmittelbar verbunden. Für das Wirtschaftsjahr 2026 hat die Gemeinde Gebühren für Trinkwasserversorgung, Bewässerung und Abwasser festgelegt. Für die häusliche Wasserversorgung beträgt der Grundpreis 6 Euro; der Verbrauch wird gestaffelt mit 1,20 Euro je Kubikmeter bis 150 m³, 1,40 Euro je Kubikmeter von 151 bis 250 m³ und 1,80 Euro je Kubikmeter ab 251 m³ berechnet. Für gewerbliche Verbraucher gelten entsprechende, teilweise höhere Tarife. Für die Bewässerung wurden ebenfalls gestaffelte Gebühren festgesetzt.

Die Bewässerung ist ein eigener Bereich der kommunalen Wasserwirtschaft. Die Gebührenordnung für 2026 sieht für Bewässerungswasser Verbrauchsstufen bis 200 m³, von 201 bis 300 m³, von 301 bis 400 m³ und über 400 m³ vor. Damit wird die landwirtschaftliche beziehungsweise gärtnerische Nutzung des verfügbaren Wassers gesondert erfasst.

Bei der Abwasserentsorgung besteht auf Anafi ebenfalls eine kleine, an die Inselgröße angepasste Infrastruktur. Nach einem Bericht des griechischen Ombudsmanns wird das kommunale Abwasser über drei aufeinanderfolgende Abwassersammel- beziehungsweise Klärgruben geführt und anschließend über eine unterirdische Versickerung entsorgt. Das System wurde für die ständige Bevölkerung von rund 270 Personen ausgelegt, muss im Sommer jedoch zusätzlich die Besucher der Insel aufnehmen. Für das Abwasser werden eigene Gebühren erhoben.

Energiewirtschaft

Die Stromversorgung erfolgt über ein lokales Kraftwerk und nicht über eine Verbindung zum Festlandnetz. Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2023 beschreibt Anafi ausdrücklich als „Non-Interconnected Island“ und nennt eine lokale Kraftwerksanlage mit fünf Verbrennungsmotoren und einer installierten Nennleistung von insgesamt 1,1 MW. 

Die Stromerzeugung basiert damit bislang wesentlich auf thermischen Kraftwerksanlagen. Für 2021 wurden für die konventionellen thermischen Einheiten monatliche Erzeugungsmengen zwischen 77,93 MWh im April und 278,03 MWh im August dokumentiert. Die jahresbezogene Spitzenlast lag in den untersuchten Jahren zwischen 0,59 MW im Jahr 2017 und 0,55 MW im Jahr 2021. Die Autoren der Untersuchung stellten für 2021 außerdem fest, dass der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung Anafis zu diesem Zeitpunkt bei 0 % lag.

Die isolierte Stromerzeugung verursacht im Vergleich zu einem an das kontinentale Netz angeschlossenen System höhere Erzeugungskosten. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2022 ermittelte für die thermischen Kraftwerke Anafis für die Monate Januar bis August 2021 durchschnittliche Erzeugungskosten von rund 539 Euro je MWh. Der höchste monatliche Wert wurde im Juni 2021 mit 944,02 Euro je MWh und der niedrigste im August mit 184,66 Euro je MWh angegeben.

Anafi besitzt gleichzeitig sehr gute natürliche Voraussetzungen für erneuerbare Energien. Besonders die Windverhältnisse sind aufgrund der exponierten Lage der Insel günstig; auch die solare Einstrahlung ist für die Nutzung von Photovoltaik geeignet. Deshalb wurden für Anafi mehrfach hybride Energiesysteme aus Windkraft, Photovoltaik und Energiespeicherung untersucht. Eine 2022 veröffentlichte Studie verglich unter anderem ein System mit einer 330-kW-Windkraftanlage und einer 150-kW-Photovoltaikanlage sowie einem Dieselgenerator als Reserve.

Bereits 2008 wurde eine Machbarkeitsvorstudie für ein ausschließlich auf erneuerbaren Energien beruhendes Hybridsystem auf Anafi erstellt. Vorgesehen waren zwei Windkraftanlagen und ein kleines Pumpspeicherkraftwerk, das überschüssige Windenergie durch das Hochpumpen von Wasser als potentielle Energie speichern sollte. Die Studie wurde für die damalige ΔΕΗ Ανανεώσιμες, eine Tochtergesellschaft der griechischen Elektrizitätsgesellschaft ΔΕΗ, erstellt.

Auch neuere Untersuchungen sehen für Anafi eine Kombination von Windkraft und Photovoltaik mit Speichern als Möglichkeit zur Verringerung des Dieselverbrauchs. In einer 2023 veröffentlichten Untersuchung wurde ein hybrides Wind-PV-System mit Wasserstofferzeugung und Wärmepumpen untersucht. In den simulierten Szenarien erreichte der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung 68,2 % beziehungsweise 90,3 %. Diese Werte sind jedoch Ergebnisse der untersuchten Modelle und keine Angaben über die tatsächlich auf Anafi erreichte Stromerzeugung.

Für Anafi ist außerdem eine Einbindung in die geplante Weiterentwicklung der Stromversorgung der nicht verbundenen Inseln vorgesehen. Die wissenschaftliche Literatur von 2023 nennt eine geplante Unterseekabelverbindung zwischen Santorin und Anafi als Teil der vierten Phase der Verbindung der Kykladen. Damit würde Anafi perspektivisch an das größere Verbundnetz angeschlossen und wäre nicht mehr ausschließlich auf das lokale Kraftwerk angewiesen.

Abfallwirtschaft

Der Gemeinde obliegt die Überwachung und der Betrieb des kommunalen Reinigungsdienstes sowie die Sauberhaltung der öffentlichen und kommunalen Innen- und Außenbereiche. Ebenfalls ausdrücklich zum Zuständigkeitsbereich der Gemeinde gehört die Überwachung und der Betrieb der Systeme zur Sammlung und Bewirtschaftung wiederverwertbarer Materialien, an denen Anafi beteiligt ist.

Für die Verpackungsrecyclingwirtschaft besteht auf Anafi ein gesondertes Sammelsystem von HERRCO (ΕΕΑΑ). Das System umfasst vier getrennte Verpackungsströme für Papier, Kunststoff, Metall und Glas. Die Sammlung erfolgt nach dem beschriebenen System von Tür zu Tür; die Gemeinde stellt dafür von HERRCO bereitgestellte Säcke zur Verfügung. Die gesammelten Materialien werden zunächst zu einer örtlichen Partneranlage transportiert und dort nach Materialart zu Ballen gepresst. Anschließend werden die Ballen unter Verantwortung der Gemeinde und mit finanzieller Unterstützung von HERRCO zur weiteren Sortierung und Verwertung in die Material-Recycling-Anlage auf Santorin (Thira) gebracht.

Die getrennte Sammlung ist damit insbesondere bei Verpackungsabfällen auf die stoffliche Verwertung ausgerichtet. Die weitere Sortierung und Aufbereitung erfolgt nicht vollständig auf Anafi, sondern wird in das regionale Recyclingsystem über Santorin eingebunden. Für eine kleine Insel wie Anafi ist dieser Transport zu einer größeren Recyclinginfrastruktur Bestandteil der Abfalllogistik.

Die Abfallwirtschaft steht wegen der stark schwankenden Einwohner- und Besucherzahl vor saisonalen Anforderungen. Die dauerhafte Wohnbevölkerung der Gemeinde liegt bei nur wenigen hundert Personen, während im Sommer die Zahl der auf der Insel anwesenden Menschen deutlich ansteigt. Die Gemeinde führt deshalb neben der regulären Reinigung auch die Sauberhaltung der Außenbereiche und der kommunalen Einrichtungen durch.

Für einzelne Abfallarten bestehen zusätzlich überregionale Systeme der getrennten Sammlung. Für Altbatterien existiert in Griechenland beispielsweise das landesweite System AFIS mit zahlreichen Sammelstellen; eine konkrete Sammelstelle auf Anafi lässt sich aus den verfügbaren Quellen jedoch nicht eindeutig belegen.

Handel

Das kommerzielle Angebot konzentriert sich vor allem auf Chora und den Hafenbereich Agios Nikolaos. In Chora befinden sich Lebensmittelgeschäfte, ein Bäcker, gastronomische Betriebe und weitere kleinere Geschäfte. Die Gemeinde nennt ausdrücklich Tavernen, Grillrestaurants, Bäckerei, Lebensmittelgeschäft und Bar als Einrichtungen des Ortes.

Für die Versorgung mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs gibt es mehrere kleinere Geschäfte und Minimärkte. Das Tourismusportal der Insel führt unter anderem das Mini Market Arvaniti sowie weitere Geschäfte in Chora auf. Zum Angebot gehören Lebensmittel, Getränke und Waren des täglichen Bedarfs.

Ein Teil der Versorgung erfolgt über den Seeweg. Der Transportbetrieb Rinakis übernimmt nach eigenen Angaben den Transport von Waren von und nach Anafi und beliefert die Geschäfte und Unternehmen der Insel mit Lebensmitteln und Getränken. Der Betrieb arbeitet ganzjährig.

Neben den Geschäften für den täglichen Bedarf gibt es kleinere Handels- und Dienstleistungsbetriebe für Besucher. Dazu gehören unter anderem Geschäfte für touristische Artikel sowie das Pop-up Meet Market Boutique & Gallery in Chora, in dem Produkte griechischer Designer und Arbeiten lokaler Künstler angeboten werden. Außerdem werden auf Anafi handgefertigte Keramikwaren hergestellt und verkauft.

Eine weitere wichtige Gruppe bilden die gastronomischen Betriebe. Tavernen, Restaurants, Cafés und Bars versorgen sowohl die einheimische Bevölkerung als auch die saisonal zahlreichen Besucher. Die Insel verfügt außerdem über ein Reisebüro und eine Tankstelle. Die Tankstelle bietet neben Kraftstoffen auch Flüssiggas, Fahrzeugwäsche, Reifenservice, Reifen, Schmierstoffe, Ersatzteile und Ölwechsel an.

Die auf Anafi erzeugten lokalen Produkte werden ebenfalls über die örtlichen Geschäfte und gastronomischen Betriebe vermarktet. Dazu gehören Thymianhonig, Olivenöl, Käse, Wein und verschiedene Kräuter. Zu den traditionellen Erzeugnissen und Spezialitäten gehören außerdem Ballothia, Xerotigana, Melitera und weitere Süß- und Backwaren.

Finanzwesen

Auf Anafi befindet sich ein Geldautomat der Piraeus Bank am Hafen Agios Nikolaos (Ormos Agiou Nikolaou). Nach den aktuellen Angaben der Piraeus Bank ist der Geldautomat rund um die Uhr zugänglich. Die Gemeinde Anafi nennt außerdem einen Eurobank-Geldautomaten neben dem Postamt in Chora. Damit verfügt die Insel nach den Angaben der Gemeindeverwaltung über zwei Geldautomaten, obwohl keine Bankfiliale vorhanden ist.

Für persönliche Bankgeschäfte, die eine Filiale erfordern, müssen Einwohner und Besucher auf andere Inseln ausweichen. Die nächstgelegenen regulären Bankfilialen befinden sich auf Santorin. Die Piraeus Bank führt beispielsweise eine Filiale in Thira (Fira). Neben den Bankdienstleistungen gibt es auf Anafi ein Postamt. Die Gemeinde führt für das Postamt die Telefonnummer 22860 61203.

Soziales und Gesundheit

Im sozialen Bereich stützt sich die Insel auf die kommunalen Strukturen der Gemeinde Anafi sowie auf die übergeordneten Systeme der Region Südägäis und des nationalen Sozialstaats. Spezifische Einrichtungen der sozialen Fürsorge sind aufgrund der geringen Bevölkerungszahl begrenzt. Die Gemeinde übernimmt grundlegende Verwaltungs- und Unterstützungsaufgaben, während besondere Bedürfnisse, etwa im Bereich der Altenpflege, der Familienhilfe oder der Unterstützung bei Behinderungen, über die allgemeinen griechischen Sozialleistungen und gelegentliche ehrenamtliche oder stiftungsgetragene Initiativen abgedeckt werden. Die Isolation im Winter, wenn die Fährverbindungen seltener und wetterabhängig sind, verstärkt die Abhängigkeit von diesen externen Hilfen.

Gesundheitswesen

Die medizinische Grundversorgung beschränkt sich auf ein kleines ländliches Arztpraxis, das sogenannte Agrotico Iatreio in der Chora. Dort ist in der Regel ein Landarzt tätig, der häufig nur vorübergehend eingesetzt wird und nicht selten ein Militärarzt im Wehrdienst ist, unterstützt von einer Pflegekraft. Medikamente werden über dieses Gesundheitszentrum anhand des persönlichen Gesundheitsbuchs ausgegeben. Bei ernsteren Erkrankungen oder Notfällen müssen Patienten per Fähre oder in dringenden Fällen per Hubschrauber auf größere Inseln wie Santorin oder Syros beziehungsweise auf das Festland gebracht werden.

Diese strukturelle Unterversorgung wird seit Jahren durch regelmäßige Einsätze mobiler ärztlicher Einheiten ausgeglichen. Organisationen wie die „Anagenisi kai Proodos“ in Zusammenarbeit mit der Anonymen Gesellschaft für Gesundheitseinheiten und mit Unterstützung der Stiftung Stavros Niarchos entsenden Teams von Fachärzten, die unentgeltlich Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungen anbieten. Solche Missionen umfassen Kardiologen, Orthopäden, Gynäkologen, Radiologen, Augenärzte, Chirurgen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Pathologen und Diabetologen, Zahnärzte, Kinderärzte, Neurologen sowie Diätologen und Psychologen. Es werden digitale Mammographien, Röntgenuntersuchungen, Knochendichtemessungen, Elektrokardiogramme, Herzuntersuchungen und weitere diagnostische Leistungen durchgeführt. Ähnliche Einsätze unternimmt auch das 251. Allgemeine Luftwaffenkrankenhaus, das die Insel im Rahmen eines Patenschaftsprogramms betreut und präventive Untersuchungen sowie Impfungen anbietet. Diese Besuche werden von der Bevölkerung als wesentliche Ergänzung der lokalen Versorgung empfunden und erreichen oft einen großen Teil der ständigen Einwohner.

Krankheiten

Die Bevölkerung ist im Durchschnitt älter als auf dem Festland. Die Ernährung stützt sich in den Wintermonaten stark auf importierte Lebensmittel, da frisches Obst und Gemüse oft fehlen, während lokal erzeugtes Fleisch häufiger verzehrt wird. Dies trägt zu erhöhten Raten von Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Cholesterinwerten bei. Die eingeschränkte Möglichkeit regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen und die zeitliche Verzögerung bei der Behandlung komplexerer Leiden verstärken diese Risiken. Trotz der natürlichen Umgebung und der traditionell eher aktiven Lebensweise der Inselbewohner führen die geografische Abgeschiedenheit und die begrenzte medizinische Infrastruktur dazu, dass gesundheitliche Probleme oft erst spät erkannt oder behandelt werden. Die mobilen Einsätze und die Patenschaft größerer Einrichtungen spielen daher eine zentrale Rolle, um die gesundheitliche und soziale Versorgung der Inselbewohner so weit wie möglich zu sichern.

Bildung

Die Bildungseinrichtungen auf der Insel Anafi sind der geringen Einwohnerzahl und der isolierten Lage angepasst. In der Chora befindet sich ein gemeinsames Schulgebäude, das das Kindergarten, das Grundschule und das Gymnasium mit lyzealen Klassen beherbergt. Das moderne Gebäude liegt am Rand der Siedlung und verfügt über Unterrichtsräume, einen Computerraum, einen Experimentierraum, ein Lehrerzimmer, einen Veranstaltungsraum sowie einen Hof. Es ist mit zeitgemäßer Technik einschließlich interaktiver Tafeln ausgestattet und besitzt auch Schulbibliotheken mit regelmäßig erneuerten Buchbeständen. Die Schülerzahlen sind naturgemäß klein, sodass oft jahrgangsübergreifender Unterricht stattfindet. Die Grundschulbildung und die untere Sekundarstufe können damit auf der Insel absolviert werden.

Höhere Bildung

Für die höhere Sekundarstufe und vor allem für ein Studium müssen junge Menschen die Insel verlassen und auf größere Orte wie Santorin, Syros oder das Festland wechseln. Diese Notwendigkeit prägt die Bildungsbiografien der Inselbewohner und führt dazu, dass viele Familien die weitere Ausbildung ihrer Kinder außerhalb Anafis organisieren. Ergänzend zu den schulischen Angeboten finden gelegentlich kulturelle und künstlerische Programme statt, etwa im Rahmen der Biennale Phenomenon, die zeitgenössische Kunst mit dem Inselalltag verbindet und auch Bildungsaspekte einbezieht.

Bibliotheken und Archive

Die vorhandenen Buchbestände beschränken sich im Wesentlichen auf die Schulbibliotheken. In jüngerer Zeit wurde im Hafenbereich ein kleines Buchgeschäft namens Arsenale eröffnet, das ausgewählte Literatur, Kunstbücher und regionale Titel anbietet und damit eine bescheidene Ergänzung zum Lesebedarf darstellt. Formale Archive fehlen weitgehend.

Historische und archäologische Zeugnisse werden in der Archäologischen Sammlung der Insel verwahrt, die in einem kleinen Raum in der Chora untergebracht ist. Dort befinden sich Funde aus hellenistischer und römischer Zeit, vor allem Skulpturen, Inschriften und Grabreliefs, die von der antiken Stadt auf dem Kastelli und anderen Fundplätzen stammen. Diese Sammlung dient als lokaler Aufbewahrungsort für das materielle Erbe und ersetzt in begrenztem Maße ein eigenes Museum oder Archiv.

Kultur

Eine Halbinsel am östlichen Ende der Insel wird von einem monolithischen Gipfel, dem Kalamos, dominiert, der mit 420 m zu den größten im Mittelmeerraum zählt. Auf dem Gipfel dieses Massivs befindet sich die Kalamiotissa-Kirche, die nach einem Erdbeben in den 1950er Jahren zum großen Teil wieder aufgebaut wurde. Die Ikone aus dieser Kirche (im Volksmund „Oberes Kloster“ genannt) wurde nach einem Sturm im Jahr 1887 in die Kirche am Fuße des Berges Kalamos gebracht, die innerhalb der Mauern des Apollo-Tempels errichtet wurde (im Volksmund „Unteres Kloster“ genannt). Das mit dieser Ikone verbundene Fest wird am 8. September gefeiert, dem Tag der Geburt der Jungfrau. Auf der Insel trägt die Jungfrau den (in Griechenland einzigartigen) Beinamen Kalamiotissa, da die Ikone auf einem Schilfrohr (kalami) auf dem Gipfel des Berges Kalamos gefunden worden sein soll. Die Fahrt von und nach Anafi ist nur mit dem Schiff möglich, und da auf dem Weg dorthin weitere Ziele hinzugekommen sind, dauert sie von Athen aus fast 19 Stunden. Allerdings ändert sich der Fahrplan der Schiffe im Sommer und im Winter, so dass man sich vor der Reise genau informieren sollte. Es ist auch möglich, die Insel von Santorin aus zu erreichen.

Stickereien aus Anafi befinden sich im Benaki-Museum und im Museum für Volkshandwerk in Athen sowie im Fitzwilliam Museum in Cambridge (VK) und im Victoria and Albert Museum in London (VK). Viele von ihnen wurden von AJB Wace gesammelt und später gestiftet.

Museen

In der Chora befindet sich die Archäologische Sammlung von Anafi, untergebracht in einem kleinen, eingeschossigen Gebäude des Kulturministeriums neben den Gemeindeämtern. Der Ausstellungsraum misst nur etwa zwanzig Quadratmeter und wurde nach einem großen Brand im Jahr 1997 eingerichtet. Damals legte das Feuer verstreute antike Überreste frei, die anschließend systematisch gesammelt und gesichert wurden. Die Sammlung entstand im Rahmen eines längerfristigen Programms der damaligen Ephorie für prähistorische und klassische Altertümer der Kykladen zur Erfassung und Bergung der auf der Insel verstreuten Funde.

Die ausgestellten Objekte stammen vor allem aus der antiken Stadt auf dem Hügel Kastelli und aus dem Bereich des alten Hafens Katalimatsa. Den Schwerpunkt bilden marmorne Gewandstatuen aus römischer Zeit, von denen die meisten ohne Köpfe erhalten sind, daneben zahlreiche Inschriften, Grabstelen und -reliefs sowie architektonische Bauteile. Vereinzelt finden sich auch Münzen, Schmuckstücke und Keramikfragmente. Die Stücke dokumentieren vorwiegend die hellenistische und römische Epoche der Insel und geben Einblick in das städtische und kultische Leben der antiken Siedlung sowie in die Grabbräuche ihrer Bewohner.

Einige bedeutendere Funde von Anafi gelangten im Laufe der Zeit an andere Orte. Teile der Sammlung befinden sich im Nationalen Archäologischen Museum in Athen, während einzelne Objekte während der russischen Besetzung der Insel zwischen 1770 und 1774 in die Ermitage nach Sankt Petersburg verbracht wurden. Ein eigenständiges historisches oder volkskundliches Museum gibt es auf Anafi nicht. Frühere Überlegungen, ein Museum einzurichten, das auch die Geschichte der Insel als Verbannungsort im 20. Jahrhundert einbeziehen sollte, wurden nicht in diesem umfassenden Sinne verwirklicht. Die Archäologische Sammlung bleibt somit die zentrale und einzige öffentliche museale Einrichtung der Insel und bewahrt das materielle Erbe der antiken Siedlungsgeschichte in bescheidenem, aber anschaulichem Rahmen.

Architektur

Die Architektur der Insel Anafi zählt zu den reinsten und unverfälschtesten Ausprägungen der kykladischen Bautradition. Sie verbindet die dichte Siedlungsstruktur der Chora mit den verstreuten landwirtschaftlichen Komplexen der Landschaft und den sakralen Bauten, die oft auf antiken Fundamenten ruhen. Die gesamte gebaute Umwelt der Insel wurde 2002 unter Denkmalschutz gestellt und spiegelt eine jahrhundertelange Anpassung an das granitische Gelände, die begrenzten Ressourcen und die klimatischen Bedingungen wider.

Die Chora, der einzige dauerhaft bewohnte Ort, liegt amphitheatralisch in etwa 260 Metern Höhe über dem Hafen und geht in ihren Ursprüngen auf das Mittelalter zurück. Der Kern des Ortes bildet die Ruine eines venezianischen Kastells aus dem 15. Jahrhundert, das unter Wilhelm Crispi errichtet wurde und heute von der Kirche Agios Georgios bekrönt wird. Die Siedlung zeichnet sich durch eine dichte Bebauung aus weißen, steinernen Häusern aus, die oft nur ein Geschoss hoch sind und häufig als tonnengewölbte Einraumhäuser ausgeführt wurden. Diese gewölbten Konstruktionen sind charakteristisch für Anafi und unterscheiden die Siedlung von vielen anderen Kykladenorten. Zwischen den Häusern verlaufen enge, gepflasterte Gassen aus der örtlichen hellen Steinplatte, die oft unter Hausbögen hindurchführen und so ein labyrinthisches, geschütztes Wegenetz schaffen. Viele Gebäude verfügen über eingebaute zylindrische Steinöfen, in denen traditionell Brot und Fleisch gebacken wurden. Die Kirchen der Chora sind nahtlos in dieses Gewebe eingegliedert. Es handelt sich zumeist um kleine, einschiffige und gewölbte Kapellen, deren äußere Erscheinung sich kaum von den Wohnhäusern abhebt. Dazu zählen unter anderem Agios Nikolaos mit einer Ikonostase, deren älteste Ikone aus dem Jahr 1612 stammt, die Koimesis, Agios Charalambos, Agioi Anargyroi und weitere. An den Rändern der Siedlung stehen zwei große Windmühlen aus dem 19. Jahrhundert, die einst die Grenzen des Ortes markierten.

Außerhalb der Chora prägen die sogenannten Katikies oder Katoikies die Landschaft. Dabei handelt es sich um kleine, steinerne Gehöftkomplexe, die auf Terrassen oder am Rand von Anbauflächen errichtet wurden und der saisonalen landwirtschaftlichen Nutzung dienten. Ein solcher Komplex umfasst in der Regel einen Wohnraum, eine Küche, Vorratsräume, einen Stall, einen Dreschplatz, manchmal eine Weinpresse und vor allem einen charakteristischen Außenofen, den Fournia. Diese Öfen sind kreisförmig und in zwei übereinanderliegende Kammern unterteilt: unten der Feuerraum für das trockene Gestrüpp der Insel, oben der Backraum. Die Öffnungen wurden mit Steinen und Lehm verschlossen. Viele Katikies besitzen zudem kleine Beinhäuser oder Miniaturkapellen, sogenannte Mnemoria, in denen die Gebeine der Familie aufbewahrt wurden. Heute sind noch etwa 52 dieser Anlagen erhalten und seit 2004 denkmalgeschützt. Sie zeugen von der engen Verbindung der Bewohner mit dem Land und von einer Architektur ohne Architekten, die funktional und zugleich von hoher handwerklicher Qualität ist.

Die sakrale Architektur setzt diese Tradition fort und greift oft auf antike Bauteile zurück. Das untere Kloster Zoodochos Pigi, auch Kato Kalamiotissa genannt, steht auf den Fundamenten des antiken Apollontempels am Fuß des Berges Kalamos. Der ummauerte Bezirk des antiken Heiligtums wurde übernommen, das katholikon ist ein einschiffiger gewölbter Bau mit späterem Glockenturm. Zellen und kleinere Kapellen gruppieren sich darum. Das obere Kloster auf dem Gipfel des Kalamos, der Ano Kalamiotissa, ist ein schlichter gewölbter Bau mit achteckigem Tambour und birgt ebenfalls historische Ikonen. Zahlreiche weitere kleine Kapellen sind über die Insel verstreut und folgen demselben einfachen, gewölbten Typus.

Bildende Kunst

Aus der Antike sind vor allem archäologische Kunstwerke überliefert. Zu den bedeutenden Funden gehören Skulpturen und andere Marmorerzeugnisse aus der antiken Stadt auf dem Kastelli-Hügel sowie aus dem Heiligtum des Apollon Aigletes. Ein Teil der auf Anafi gefundenen antiken Kunstwerke befindet sich heute außerhalb der Insel in ausländischen Museen. Eine in Anafi gefundene Marmorskulptur des Apollon wird beispielsweise im British Museum aufbewahrt.

Eine weitere wichtige Form der bildenden Kunst sind die byzantinischen und nachbyzantinischen Kirchenmalereien. Besonders bedeutend ist die Kirche Agios Antonios, deren Fresken aus dem frühen 14. Jahrhundert stammen. Zu den erhaltenen Darstellungen gehören Szenen aus dem Leben Christi, darunter die Darstellung im Tempel, die Geburt Christi und die Himmelfahrt. Die religiöse Malerei steht damit in unmittelbarem Zusammenhang mit der orthodoxen Tradition Anafis.

Auch die traditionelle Architektur besitzt einen ausgeprägten bildkünstlerischen und handwerklichen Charakter. Die weiß getünchten Häuser der Chora, die Gewölbe, Innenhöfe, Kirchen und kleinen Kapellen bilden ein charakteristisches architektonisches Erscheinungsbild. Zu den besonderen traditionellen Bauformen gehören außerdem die auf der Insel verbreiteten kleinen, kapellenartigen Familienbeinhäuser, die „Mnimoria“ (Μνημόρια) genannt werden. Sie dienen der Aufbewahrung der Gebeine verstorbener Familienmitglieder und sind über verschiedene Bereiche der Insel verstreut.

Eine moderne Entwicklung der bildenden Kunst ist das seit 2015 stattfindende Kunstprojekt Phenomenon. Die alle zwei Jahre auf Anafi veranstaltete Biennale für zeitgenössische Kunst verbindet Ausstellungen mit Künstlerresidenzen, Installationen, Performances, Vorträgen und Videovorführungen. Die Kunstwerke werden nicht ausschließlich in geschlossenen Ausstellungsräumen gezeigt, sondern an unterschiedlichen Orten der Insel und teilweise unmittelbar im öffentlichen Raum installiert.

Bei der zweiten Ausgabe 2017 entstanden beispielsweise ortsspezifische Arbeiten in Chora. Ignasi Aballí installierte Texte im Ortsraum, Julien Nédélec arbeitete mit Installationen im Umfeld der Schule und in Chora, und weitere Künstler beschäftigten sich mit archäologischen Fragmenten, historischen Bildern, Sprache, Erinnerung und der Geschichte Anafis. Auch traditionelle Techniken wurden in einzelne Arbeiten einbezogen; Dora García verwendete beispielsweise von einem lokalen Kunsthandwerker hergestellte keramische Buchstaben.

Literatur

Eine wichtige frühe Quelle über Anafi ist das Werk „The Cyclades; or, Life among the Insular Greeks“ des britischen Reisenden und Archäologen James Theodore Bent. Das 1885 erstmals erschienene Buch enthält ein eigenes Kapitel über Anafi und beschreibt unter anderem die Landschaft, die Bevölkerung, die Siedlung, Bräuche, Kleidung, religiöse Feste und archäologischen Überreste der Insel. Bent hatte Anafi im Januar 1884 gemeinsam mit seiner Frau Mabel besucht. Das Werk gehört zu den ausführlichsten Reisebeschreibungen Anafis aus dem 19. Jahrhundert.

Eine wichtige neuere Autorin für die Erforschung Anafis ist die britische Sozialanthropologin Margaret E. Kenna. Sie begann ihre Forschungen auf Anafi 1965 beziehungsweise 1966 und beschäftigte sich über Jahrzehnte mit der Inselbevölkerung, ihrer sozialen Organisation, ihren Bräuchen und insbesondere mit den nach Athen ausgewanderten Anafioten. Ihr Buch Greek Island Life: Fieldwork on Anafi erschien zunächst 2001 und später in einer erweiterten zweiten Auflage 2017. Es beruht auf ihrer ethnographischen Feldforschung auf der Insel.

Kenna veröffentlichte außerdem das griechischsprachige Werk Ανάφη από λαογραφική, διαλεκτολογική και κοινωνικοανθρωπολογική άποψη („Anafi aus volkskundlicher, dialektologischer und sozialanthropologischer Sicht“). Das Buch wurde von der Akademie von Athen herausgegeben und behandelt die Volkskultur, die Sprache beziehungsweise den Dialekt und die Sozialstruktur Anafis. Grundlage waren unter anderem volkskundliche Untersuchungen, die Kenna bereits 1965 auf Anafi durchgeführt hatte.

Weitere Veröffentlichungen Kennas befassen sich speziell mit einzelnen Bereichen der Inselkultur. Dazu gehören Anafi: a Brief Guide, Anafi: Island of Exile, The Folklore and Traditions of Anafi und The Traditional Embroideries of Anafi. Diese Schriften behandeln unter anderem die Geschichte, die politische Verbannung, Volksbräuche und traditionelle Stickereien der Insel.

Eine besondere literarische Bedeutung besitzt Anafi außerdem als Ort der politischen Verbannung. Während des 20. Jahrhunderts wurden politische Gefangene und Verbannte auf die Insel geschickt. Die Erfahrungen der politischen Verbannung auf Anafi wurden in autobiographischen Texten, Erinnerungen, Gedichten und späteren wissenschaftlichen Arbeiten verarbeitet. Die Literatur über die griechischen Verbannungsorte behandelt Anafi zusammen mit anderen Inseln wie Folegandros, Serifos, Sifnos, Agios Efstratios und Ikaria.

Auch in der zeitgenössischen Dichtung erscheint Anafi als literarischer Schauplatz. Der griechische Dichter Antonis D. Skiathas veröffentlichte 2018 das Gedicht „Anafi“, das in seinem Gedichtband The Sole Faithful Resident enthalten ist. Das Gedicht verbindet Landschaft, Meer, Pflanzenwelt, die Umgebung des Klosters und die Insel Anafi mit einer persönlichen poetischen Darstellung.

Theater

Die Gemeinde Anafi veranstaltet regelmäßig kulturelle Veranstaltungen, insbesondere während der Sommermonate. Zum kulturellen Programm gehören neben Musik, Tanz und Ausstellungen auch Veranstaltungen der darstellenden Kunst. Ein Teil dieser Veranstaltungen wird im Freien oder an öffentlichen Orten der Chora durchgeführt.

Auch das seit 2015 stattfindende Kunstprojekt Phenomenon umfasst neben Ausstellungen und Vorträgen Performances und andere Formen der performativen Kunst. Das Projekt nutzt verschiedene Orte auf Anafi und verbindet zeitgenössische Kunst mit der Landschaft und den bestehenden Siedlungs- und Kulturräumen der Insel.

Film

Im Bereich des Films besitzt Anafi seit 2023 eine eigene regelmäßig wiederkehrende Veranstaltung. Das Anafi International Film Festival, kurz AnafiFF, wurde 2023 erstmals veranstaltet und widmet sich vor allem dem unabhängigen Kurzfilm. Die erste Ausgabe zeigte 29 Filme aus verschiedenen Ländern in fünf kuratierten Programmen. 2024 wurden 59 Filme gezeigt.

Das Festival findet nicht in einem festen Kinogebäude statt. Die Filmvorführungen werden überwiegend unter freiem Himmel an verschiedenen Orten der Insel durchgeführt. Zum Programm gehören außerdem Workshops, Gespräche, Performances und weitere kulturelle Veranstaltungen. Die Einbindung der örtlichen Bevölkerung ist ein ausdrücklicher Bestandteil des Festivals.

2025 fand die dritte Ausgabe des Anafi International Film Festival vom 29. August bis 1. September statt. Sie konzentrierte sich auf Kurzfilme und umfasste Freiluftvorführungen und weitere Veranstaltungen.

Die vierte Ausgabe wurde 2026 vom 19. bis 25. Juni veranstaltet. Das Festival präsentierte wiederum unabhängige Kurzfilme und verband die Vorführungen mit Workshops, Gesprächen und Veranstaltungen an verschiedenen Orten der Insel. Zum Programm gehörten auch immersive audiovisuelle Arbeiten.

Musik nd Tanz

Die Musik- und Tanztradition der Insel Anafi folgt weitgehend den nisiotischen, also inselgriechischen Formen der Kykladen. Eigene, ausschließlich auf Anafi beschränkte Tänze oder Instrumentalstile sind nicht überliefert. Stattdessen pflegen die Bewohner die verbreiteten kykladischen und ägäischen Repertoires, die bei Festen, in Tavernen und bei familiären Anlässen lebendig gehalten werden.

Das zentrale Ereignis des Jahres ist das Panigyri der Panagia Kalamiotissa am 8. September, dem Fest der Geburt der Gottesmutter. Am Vorabend ziehen fast alle Inselbewohner – früher zu Fuß, mit Tieren oder per Boot – zum unteren Kloster am Fuß des Kalamos. Nach dem Gottesdienst folgt ein gemeinsames Mahl, traditionell mit Ziegenfleisch von den Klosterbesitzungen. Anschließend beginnt die eigentliche Feier mit der Tsambouna, dem traditionellen Dudelsack, und dem Tanz. Am nächsten Tag setzt sich das Fest in der Chora fort. Viele Besucher aus Santorin nehmen an diesem Wallfahrtsfest teil. Die Musik ist nisiotisch geprägt, und die Tänze sind die typischen Kreistänze der Inselwelt, bei denen sich die Teilnehmer an den Händen fassen und im Kreis bewegen.

In den Sommermonaten erklingen in den Tavernen der Chora, insbesondere im Steki und im Armenaki, regelmäßig live dargebotene griechische Volksmusik. Ab einem bestimmten Zeitpunkt werden die Tische beiseitegeräumt, und es wird getanzt. Das Repertoire umfasst nisiotika-Lieder, also die charakteristischen Inselweisen, die oft von Geige und Laute begleitet werden. Die Tänze sind die gängigen Formen der Kykladen: der Syrtos in seinen verschiedenen Varianten, der Ballos und weitere kreisförmige oder paarweise Tänze. Touristen und Einheimische tanzen gemeinsam, und die Atmosphäre ist offen und einladend.

Darüber hinaus finden kulturelle Veranstaltungen statt, die Musik und Tanz einbeziehen. Die Yakinthia im August verbinden sportliche Wettkämpfe mit musikalischen und tänzerischen Darbietungen. Gelegentlich gibt es spezielle Musikwochenenden oder kleinere Festivals, bei denen traditionelle Weisen gelehrt und getanzt werden. In der Vergangenheit spielte die Tsambouna eine wichtige Rolle bei den Klosterfesten; heute dominiert die Kombination aus Geige, Laute und Gesang, ergänzt durch moderne Elemente in den abendlichen Tavernen.

Kleidung

Eine ausführliche Beschreibung einer alten anafiotischen Frauentracht stammt von Theodore und Mabel Bent, die sich im Januar 1884 auf der Insel aufhielten. Sie baten die Tochter des damaligen Bürgermeisters Chalaris, Eftimia, eine alte anafiotische Tracht anzulegen. Zu diesem Zeitpunkt war diese Kleidung bereits weitgehend aus dem täglichen Gebrauch verschwunden und wurde von jüngeren Menschen teilweise verspottet.

Die von Eftimia getragene Frauenkleidung bestand aus einem violetten Seidenbrokatrock, einem grünen Samtmieder, einem goldbestickten Brustteil und einer kurzen rosafarbenen Satijacke. Die Jacke war an den Ärmelabschlüssen und entlang der vorderen Öffnung mit rosafarbenem Pelz eingefasst. Die Kopfbedeckung bestand aus einer hohen, keilförmigen Unterlage aus Baumwolle, über die orientalische Tücher gelegt wurden. Die Enden der Tücher fielen über die Schultern. Bent verglich diese Kopfbedeckung mit der sogenannten Pina der traditionellen Tracht von Sifnos; auf Anafi wurde sie „ο κύκλος“ (o kýklos, „der Kreis“) genannt.

Die Beschreibung von 1884 zeigt zugleich, dass die traditionelle anafiotische Frauenkleidung bereits damals im Verschwinden begriffen war. Bent schrieb, dass dieser Kleidungsstil während der vorhergehenden Jahre vollständig aufgegeben worden sei. Die von ihm beschriebene Tracht war somit bereits eine ältere, nicht mehr alltägliche Kleidung. Eine erhaltene vollständige anafiotische Tracht aus dieser Zeit ist nach der verfügbaren Dokumentation nicht bekannt. Die von Margaret Kenna veröffentlichte Darstellung der Kleidung Eftimias ist deshalb ausdrücklich eine Rekonstruktion anhand der schriftlichen Beschreibung und zeitgenössischer Trachten aus benachbarten Inseln.

Die traditionelle Männerkleidung Anafis ist wesentlich schlechter dokumentiert. Für die ägäischen Inseln waren allgemein Hemden, Hosen beziehungsweise die weit geschnittene Vraka und Westen verbreitet; eine eindeutig als eigenständige anafiotische Männertracht belegte Kombination lässt sich aus den verfügbaren Quellen jedoch nicht sicher bestimmen. Eine besondere, bis heute regelmäßig getragene anafiotische Volkstracht ist nicht belegt.

Kulinarik und Gastronomie

Die anafiotische Küche stützt sich auf das, was der karge Boden, die wenigen Ziegen und Schafe, die Bienen und das Meer hergeben, und zeichnet sich durch den intensiven Einsatz von Wildkräutern und vor allem von Safran aus. Der wilde Krokos, lokal Zafora genannt, wächst auf Anafi und wird im Herbst geerntet. Sein intensives Aroma und die gelbe Farbe finden sich in Brot, Käsegerichten, Fleischzubereitungen und Süßspeisen wieder und verleihen der anafiotischen Küche eine unverwechselbare Note.

Zu den wichtigsten lokalen Produkten gehören das stark duftende Thymianhonig, hochwertiges Olivenöl, Weißwein aus lokalen Rebsorten sowie verschiedene Käsesorten. Das Vrasto ist ein harter Käse aus Ziegen- oder Schafsmilch, das Anthotyro ein weicher Frischkäse, das Ladotyri wird in Olivenöl eingelegt, und es gibt Myzithra sowie das säuerliche Xyali. Die Inselbewohner stellen handgemachte Nudeln her, darunter die Ballothia oder Balothia, die in der Sonne getrocknet und mit Tomatensoße und geriebenem gelbem Käse serviert werden, sowie dünnere Hilopites und Pitaria. Weitere Spezialitäten sind das Zaforisto Tyropsomo, ein mit Safran und Käse gewürztes Brot, das vor allem zu Neujahr gebacken wird, sowie die würzigen Hauswürste aus Schweinefleisch mit Essig und Gewürzen.

Die typischen Gerichte spiegeln diese Rohstoffe wider. Frischer Fisch und Meeresfrüchte, die von den wenigen Fischern angeliefert werden, stehen oft auf dem Tisch, ebenso Ziegenfleisch, das langsam im Holzofen oder in der Gastria geschmort wird. Der Kavourmas, ein würziges Schweinegericht mit Safran und Zwiebeln, gehört zu den klassischen Zubereitungen. Fava, die cremige Püree aus gelben Erbsen, wird mit Kapern, Zwiebeln und Olivenöl angerichtet. Die Küche liebt kräftige Würzungen mit Zimt, Nelken, Piment, Knoblauch und den wilden Kräutern der Insel wie Thymian, Oregano, Salbei und Kapern. Auch eingelegte Wildkräuter wie Kapernblätter, Stamnagathi und Kritama spielen eine Rolle.

Die Süßspeisen sind eng mit den Festtagen verbunden. Melitera sind süße Käsekuchen mit lokaler Myzithra, Eiern und Vanille, die besonders zu Ostern gebacken werden. Xerotigana bestehen aus dünnen, frittierten Teigblättern, die mit Honig bestrichen und mit Sesam oder Kokos bestreut werden. Sesamomelo vermengt gerösteten Sesam mit Honig und Zimt, Kufeto ist eine Mischung aus Honig und geschälten Mandeln, und die Scaltsounia oder Gemista sind halbmondförmige, frittierte Taschen, gefüllt mit Nüssen, Sesam, Honig und Zimt.

Die Gastronomie der Insel ist schlicht und familiär. In der Chora und am Hafen gibt es einige Tavernen, die frische lokale Produkte verarbeiten und oft noch über traditionelle Holzöfen verfügen. Gerichte werden saisonal und nach Verfügbarkeit angeboten, Portionen sind üppig, und die Atmosphäre ist ungezwungen. Viele Häuser besitzen eigene Außenöfen, in denen Brot und Fleisch zubereitet werden. Die Küche Anafis bleibt damit eng mit dem Land und dem Jahreszyklus verbunden und bietet trotz ihrer Bescheidenheit klare, intensive Geschmäcker, die von den wilden Kräutern, dem Safran und den reinen Grundprodukten der Insel bestimmt werden.

Festkultur

Auf der Insel gelten duie griechischen Feiertage.

  • 1. Januar – Neujahr (Πρωτοχρονιά, Protochronia)
  • 6. Januar – Erscheinung des Herrn / Heilige Drei Könige (Θεοφάνεια, Theofania)
  • Variabler Montag – Beginn der orthodoxen Fastenzeit / Reiner Montag (Καθαρά Δευτέρα, Kathara Deftera)
  • 25. März – Griechischer Unabhängigkeitstag / Maria Verkündigung (Εικοστή Πέμπτη Μαρτίου, Eikosti Pendti Martiou)
  • Variabler Freitag – Orthodoxer Karfreitag (Μεγάλη Παρασκευή, Megali Paraskevi)
  • Variabler Sonntag – Orthodoxer Ostersonntag (Κυριακή του Πάσχα, Kyriaki tou Pascha)
  • Variabler Montag – Orthodoxer Ostermontag (Δευτέρα του Πάσχα, Deftera tou Pascha)
  • 1. Mai – Tag der Arbeit (Εργατική Πρωτομαγιά, Ergatiki Protomagia)
  • Variabler Sonntag – Orthodoxer Pfingstsonntag (Πεντηκοστή, Pentikosti)
  • Variabler Montag – Orthodoxer Pfingstmontag / Heiliger Geist (Αγίου Πνεύματος, Agiou Pnevmatos)
  • 15. August – Mariä Himmelfahrt (Η Κοίμησις της Θεοτόκου, I Koimisis tis Theotokou)
  • 28. Oktober – Griechischer Nationalfeiertag / Ochi-Tag (Ημέρα του Όχι, Imera tou Ochi)
  • 25. Dezember – 1. Weihnachtsfeiertag (Χριστούγεννα, Christougenna)
  • 26. Dezember – 2. Weihnachtsfeiertag (Συναξίς Υπεραγίας Θεοτόκου Μαρίας, Synaxis Hyperagias Theotokou Marias)


Eine besondere Stellung im Jahreskreis besitzt das Fest der Panagia Kalamiotissa am Kalamos. Die Kirche liegt auf dem markanten Felsmassiv im Osten der Insel und gehört zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten Anafis. Auch die Feste anderer Kirchen und Kapellen werden von der Bevölkerung und von aus Anafi stammenden Menschen besucht, die während der Sommermonate auf die Insel zurückkehren.

Neben der religiösen Festkultur gibt es auf Anafi seit 2015 eine regelmäßig stattfindende Veranstaltung der zeitgenössischen Kunst. Phenomenon ist ein internationales Biennale-Projekt für zeitgenössische Kunst, das alle zwei Jahre auf Anafi stattfindet. Die erste Ausgabe wurde vom 6. bis 19. Juli 2015 veranstaltet. Das Programm umfasst eine Künstlerresidenz, Ausstellungen an verschiedenen Orten der Insel, Performances, Vorträge, Videovorführungen und weitere Veranstaltungen. Organisiert wird das Projekt von der Association Phenomenon und der Kerenidis Pepe Collection.

Phenomenon nutzt dabei nicht nur traditionelle Ausstellungsräume, sondern verschiedene Orte auf der Insel. Die einzelnen Ausgaben setzen sich mit Geschichte, Erinnerung, Sichtbarkeit, Sprache, Landschaft und den gesellschaftlichen Entwicklungen Anafis auseinander. Die fünfte Ausgabe fand vom 24. Juni bis 7. Juli 2024 statt und umfasste wiederum eine Künstlerresidenz, ein öffentliches Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen, Performances und Videovorführungen sowie eine Ausstellung an verschiedenen Orten der Insel.

Medien

Die lokale Information erfolgt vor allem über die Internetseite der Gemeinde Anafi, soziale Medien, regionale griechische Nachrichtenmedien sowie über Veröffentlichungen von Vereinen und Verbänden. Die Gemeinde betreibt eine eigene Website, auf der laufend kommunale Nachrichten, Bekanntmachungen, Ausschreibungen, Entscheidungen des Gemeinderates und andere Informationen veröffentlicht werden.

Eine besondere Rolle für die außerhalb der Insel lebenden Anafioten spielt der Verband der überall lebenden Anafioten (Σύνδεσμος των Απανταχού Αναφαίων). Der Verband veröffentlicht die Monatszeitung „ANAFI“, die nach eigenen Angaben mehrere hundert Abonnenten besitzt. Die Zeitung dient insbesondere der Verbindung der Anafioten auf der Insel mit den zahlreichen aus Anafi stammenden Menschen außerhalb der Insel und behandelt Nachrichten, Geschichte, Kultur, Bräuche und Angelegenheiten der Insel. Der Verband unterhält außerdem eine eigene Internetpräsenz und organisiert kulturelle Veranstaltungen.

Für die tägliche Information der Inselbevölkerung sind daneben die digitalen Veröffentlichungen der Gemeinde von Bedeutung. Auf dem offiziellen Gemeindeportal werden beispielsweise aktuelle Bekanntmachungen, Stellenangebote, Ausschreibungen, kommunale Beschlüsse, Informationen über Infrastruktur und Fährverbindungen sowie andere Nachrichten veröffentlicht. Die Gemeinde weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Website regelmäßig aktualisiert wird und auch über soziale Medien aktuelle Informationen verbreitet werden.

Kommunikation

Anafi hat die Postleitzahl 840 09 und die Telefonvorwahl 0(030)22860.

Sport

Aufgrund des gebirgigen Reliefs, der zahlreichen alten Verbindungswege und der weitgehend natürlichen Landschaft besitzt insbesondere das Wandern eine besondere Bedeutung. Die Gemeinde Anafi beschreibt die Insel ausdrücklich als geeignetes Ziel für Wanderer. Die Wege führen unter anderem zur antiken Stadt Kastelli, zum Berg Vigla, zum ehemaligen Heiligtum des Apollon Aigletes beziehungsweise zum Kloster Panagia Kalamiotissa sowie zu verschiedenen Stränden und kleinen Buchten.

Das historische Wegenetz bildet die Grundlage für mehrere ausgewiesene Wanderstrecken. Zu den von der Gemeinde beschriebenen Routen gehören die Verbindung von Chora über Roukounas und Megas Potamos zum Kloster Zoodochos Pigi mit 7,8 km Länge und einer angegebenen Gehzeit von etwa 2,5 Stunden, die Route von Roukounas über Kastelli, Agios Mamas und Zoodochos Pigi zum Kalamos mit 9 km und etwa 3 Stunden sowie die 7,2 km lange Strecke von Agios Dimitrios über Agios Antonios zum Kloster mit einer Gehzeit von etwa 3,5 Stunden. Weitere ausgewiesene Wege verbinden Chora mit Stavros, Rachidi und Lakkous sowie Stavros mit Vigla und den östlichen Bereichen der Insel.

Eine besondere Wanderung führt auf den Kalamos im Osten Anafis. Der Aufstieg zum oberen Bereich des markanten Felsmassivs dauert nach Angaben des offiziellen Tourismusportals durchschnittlich etwa 1 Stunde und 15 Minuten und wird als mittelschwer eingestuft. Der Weg führt vom Kloster Zoodochos Pigi beziehungsweise vom Bereich, an dem der Kalamos mit dem übrigen Inselkörper verbunden ist, hinauf zum Kloster Panagia Kalamiotissa. Wegen der steilen Strecke wird eine gute körperliche Verfassung vorausgesetzt. Für die Wanderung wird insbesondere im Sommer eine Begehung am frühen Morgen oder am späten Nachmittag empfohlen.

Für die Erschließung der Wanderwege wurde 2010 der griechischsprachige Wanderführer „Τα Μονοπάτια της Ανάφης“ von Antonis Kalogirou bei Road veröffentlicht. Das Buch umfasst 127 Seiten und beschreibt sechs Wanderungen, die die Insel durchqueren; es enthält ausführliche Wegbeschreibungen und Karten.

Zusätzlich gibt es eine Wander- und Tourenkarte von Terrain im Maßstab 1:15.000. Die Karte stellt das Wegenetz, die Straßen, Strände, Sehenswürdigkeiten und traditionellen landwirtschaftlichen Gebäude dar und enthält auf der Rückseite Beschreibungen von fünf empfohlenen Wanderungen. Terrain weist allerdings darauf hin, dass zum Zeitpunkt des Drucks die Markierungen der Wanderwege teilweise beschädigt oder vollständig verschwunden waren und deshalb nicht allein auf die Wegmarkierungen vertraut werden sollte.

Klettern ist insbesondere am Kalamos möglich. Das markante Felsmassiv im Osten der Insel besitzt mehrere Kletterrouten. Die erste dort eingerichtete Route erhielt den Namen „Die Mission der Argonauten“. Wegen der exponierten Lage des Kalamos ist bei starkem Wind besondere Vorsicht erforderlich.

Auch Wassersport und Tauchen gehören zum Freizeitangebot. Die tiefen Gewässer um Anafi werden für Tauchgänge genutzt. Bei Bootsausflügen können abgelegene Küstenabschnitte und schwer zugängliche Strände erreicht werden. Das Angeln besitzt neben seiner Freizeitfunktion weiterhin eine wirtschaftliche Bedeutung auf der Insel; es wird sowohl von kleinen Fischerbooten als auch mit Schleppleinen, Langleinen und Netzen betrieben.

Das Baden und Schwimmen konzentriert sich auf die zahlreichen Strände der Insel. Zu den bekanntesten gehören Roukounas und Kleisidi; weitere Strände sind unter anderem Katsouni, Flamourou, Agioi Anargyroi, Exo Roukounas, Monastery, Katalimatsa, Megas Potamos, Vagia, Prassa und Livoskopos. Die meisten Strände sind nicht organisiert und weisen keine umfangreiche touristische Infrastruktur auf.

Persönlichkeiten

In der Mythologie ist Anafi eng mit den Argonauten verbunden. Gott Apollon ließ die Insel demnach als Zufluchtsort aus dem Meer entstehen, woraufhin die Argonauten dort ein Heiligtum (Apollo Aigletis) errichteten.

Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr auf Anafi ist im Vergleich zu den stark touristisch entwickelten Kykladeninseln wie Santorin, Mykonos oder Paros relativ kleinräumig. Der Tourismus konzentriert sich vor allem auf die Sommermonate und verbindet Badeurlaub mit Wandern, Landschaftserlebnis, dem Besuch der Chora und archäologischen sowie kirchengeschichtlichen Sehenswürdigkeiten. Zu den wichtigsten touristischen Zielen gehören die Strände an der Süd- und Südwestküste, insbesondere Kleisidi, Katsouni, Roukounas, Vagia und die Küstenbereiche unterhalb des Kalamos. Auch das Kloster Zoodochos Pigi und der markante Felsen Kalamos gehören zu den touristisch aufgesuchten Zielen.

Die touristische Entwicklung wurde durch den Ausbau der Straßenverbindungen und die Verbesserung der Erreichbarkeit der Strände begünstigt. Anafi blieb dabei eine vergleichsweise kleine Tourismusdestination. Große Ferienanlagen und ausgedehnte Hotelkomplexe prägen das Inselbild nicht. Das touristische Angebot besteht überwiegend aus kleineren, familiengeführten Beherbergungsbetrieben. Das offizielle Tourismusportal von Anafi führt Unterkünfte in den Kategorien Zimmer, Apartments und Villen und nennt dabei insbesondere Chora, Exo Roukounas und Roukounas als Unterkunftsstandorte.

Die meisten Unterkünfte befinden sich in Chora. Dort gibt es zahlreiche Zimmervermietungen, Studios, Apartments und kleinere Hotels. Zum offiziellen Unterkunftsangebot gehören unter anderem Althea Suites Anafi, To Pelagos, To Meltemi, Villa Galini Rooms & Studios, Ta Plagia, Floras Rooms & Studios und Panorama. Daneben werden weitere Betriebe wie Villa Aigli, Gavalas, Villa Kalamiotissa, Margarita, Maroulia, Dream Anafi, Ostria, Paradeisos, Panselinos und Faros aufgeführt.

Eine zweite wichtige Unterkunftszone befindet sich bei Kleisidi und im Bereich der südlichen Küste. Dort liegt unter anderem das Apollon Village Hotel auf dem Kleisidi-Hügel. Der Betrieb verfügt über insgesamt 20 Unterkunftseinheiten, darunter Suiten, Studios und Zimmer. Seine Lage oberhalb des Strandes von Kleisidi verbindet die touristische Unterkunft mit der unmittelbaren Nähe zum Badegebiet.

Auch im Bereich von Roukounas und außerhalb der geschlossenen Siedlungen gibt es touristische Unterkünfte. Das offizielle Tourismusportal führt dort unter anderem Ktima Roukouna und Ypseli Anafi's Hive. Damit verteilt sich die Beherbergung nicht ausschließlich auf Chora, sondern erstreckt sich auch auf einzelne Standorte in Küstennähe und im ländlichen Inselgebiet.

Die Unterkünfte reichen von einfachen privaten Zimmern und Studios bis zu hochwertig ausgestatteten Suiten und kleineren Hotelanlagen. Viele Betriebe bieten Meerblick, Balkone oder Terrassen; Studios und Apartments verfügen teilweise über Küchen beziehungsweise Kochnischen. Das regionale Tourismusportal der Kykladen verzeichnet ebenfalls zahlreiche Unterkunftsbetriebe auf Anafi und führt unter anderem Zimmer, Studios, Apartments und weitere kleinere Beherbergungsbetriebe auf.

Literatur

Reiseberichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

Visitz Greece: Anafi = https://www.visitgreece.gr/en/islands/cyclades/anafi

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