Baltrum

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Baltrum ist die kleinste der sieben bewohnten Ostfriesischen Inselgemeinden. Anstelle der Autos sind hier noch Kutschen in Betrieb. Die Dünenlandschaft wird überragt von einem hölzernen Glockenturm, der als Wahrzeichen der Insel dient.

Inselsteckbrief
offizieller Name Baltrum
alternative Bezeichnungen Balteringe (1398), Baltern, Baltrom (16./17. Jahrhundert), Bremeroog (um 1800)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp echte Insel
Inselart Sandinsel
Gewässer Nordsee mit Wattenmeer
Inselgruppe Ostfriesische Inseln
politische Zugehörigkeit Staat: Deutschland (Bundesrepublik Deutschland)
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Aurich
Gliederung 2 Gebiete
Status Inselgemeinde
Koordinaten 53°44‘ N, 7°24‘ O
Entfernung zur nächsten Insel 1,0 km (Norderney)
Entfernung zum Festland 4,0 km (Neßmersiel / Norderland / Ostfriesland)
Fläche 6,5 km² / 2,5 mi²
geschütztes Gebiet 5,89 km² / 2,27 mi² (90,6 %)
maximale Länge 5,2 km (W-O)
maximale Breite 1,8 km (N-S)
Küstenlänge 13,4 km
tiefste Stelle 0 m (Nordsee)
höchste Stelle 19,3 m (Aussichtsdüne)
relative Höhe 19,3 m
mittlere Höhe 5 m
maximaler Tidenhub 2,4 bis 2,7 m (Baltrum Reede 2,4 m)
Zeitzone MEZ (Mitteleuropäische Zeit, UTC+1)
Realzeit UTC plus 29 bis 30 Minuten
Einwohnerzahl 471 (2024)
Dichte (Einwohner pro km²) 72,46
Inselzentrum Baltrum


Name

Die Insel Baltrum wurde erstmals im Jahr 1398 urkundlich erwähnt. In einer Lehnsurkunde des ostfriesischen Häuptlings Widzel tom Brok erscheint sie als Balteringe. Zu dieser Zeit wurde die Insel zusammen mit anderen ostfriesischen Gebieten als Lehen vergeben. Im 16. und 17. Jahrhundert waren die Namen Baltern und Baltrom gebräuchlich. Um das Jahr 1800 herum trug die Insel zeitweise die Bezeichnung Bremeroog, was sich als „Bremer Insel“ übersetzen lässt, wobei das friesische Wort oog „Insel“ bedeutet. Der Name hing mit der damaligen politischen oder verwaltungstechnischen Zugehörigkeit zum Bremer Gebiet zusammen.

Seit etwa 1825 ist der heutige Name Baltrum üblich. Die Herkunft dieses Namens ist nicht eindeutig geklärt und wird in der Forschung unterschiedlich gedeutet. Eine der ältesten und wahrscheinlichsten Erklärungen führt den Namen auf das altfriesische Wort baltering zurück, das „Weideland“ oder „Grasland“ bedeutet. Die erste Erwähnung als Balteringe wäre demnach eine Bezeichnung für die weidewirtschaftlich genutzten Flächen der Insel. Eine weitere mögliche Herleitung verbindet den Namen mit dem germanischen Wortstamm bald, der „kühn“ oder „tapfer“ bedeutet. In Verbindung mit dem friesischen Ortssuffix um, das für eine „Heimstatt“ oder „Siedlung“ steht, würde Baltrum die „Insel der Tapferen“ oder „die tapfere Heimstatt“ bedeuten. Manche Forscher sehen eine Verbindung zum altnordischen Sonnengott Balder. Nach dieser Theorie könnte Baltrum als „Heimstätte des Balder“ oder als Ort der Anhänger eines mit Balder zusammenhängenden Namens wie Baldrad gedeutet werden.

Neben den wissenschaftlichen Deutungen gibt es eine heute weit verbreitete spöttische Volksetymologie. Danach soll die Insel Baltrum heißen, weil sie so klein sei, dass man bei einem Spaziergang bald rum, also „bald wieder herum“ sei. Diese scherzhafte Erklärung wird vor allem von Touristen und in humorvollen Zusammenhängen gern erzählt. Tatsächlich beträgt eine vollständige Umrundung der Insel je nach Route und Gezeitenstand etwa 12 bis 15 Kilometer. Die Bewohner der Insel nehmen diesen Witz meist mit Gelassenheit auf und weisen darauf hin, dass man trotz der geringen Größe immer wieder neue landschaftliche Reize entdecken kann.

  • international: Baltrum
  • amharisch:  ባልትሩም [Baltrum]
  • arabisch:  بلتروم [Baltrum]
  • armenisch:  Բալտրում [Baltrum]
  • bengalisch:  বাল্ট্রুম [Baltrum]
  • birmanisch:  ဘာလ်ထရုမ် [Baltrum]
  • bulgarisch:  Балтрум [Baltrum]
  • chinesisch:  巴尔特鲁姆 [Bā'ěrtèlǔmǔ]
  • georgisch:  ბალტრუმი [Baltrumi]
  • griechisch:  Μπάλτρουμ [Mpaltroum]
  • gudscheratisch:  બાલ્ટ્રુમ [Baltrum]
  • hebräisch:  בלטראום [Baltrum]
  • hindi:  बाल्ट्रुम [Baltrum]
  • japanisch:  バルトルム [Barutorumu]
  • kambodschanisch:  បាល់ត្រុម [Baltrum]
  • kanaresisch:  ಬಾಲ್ಟ್ರುಮ್ [Baltrum]
  • kasachisch:  Балтрум [Baltrum]
  • koreanisch:  발트룸 [Balteurum]
  • laotisch:  ບານທຣຸມ [Baltrum]
  • makedonisch:  Балтрум [Baltrum]
  • malayalam:  ബാല്ട്രും [Baltrum]
  • maldivisch:  ބަލްޓްރުމް [Baltrum]
  • marathisch:  बाल्ट्रुम [Baltrum]
  • nepalesisch:  बाल्ट्रुम [Baltrum]
  • orissisch:  ବାଲ୍ଟ୍ରୁମ୍ [Baltrum]
  • pandschabisch:  ਬਾਲਟ੍ਰੁਮ [Baltrum]
  • paschtunisch:  بالتروم [Baltrum]
  • persisch:  بالتروم [Baltrum]
  • russisch:  Балтрум [Baltrum]
  • serbisch:  Балтрум [Baltrum]
  • singhalesisch:  බාල්ට්‍රුම් [Baltrum]
  • tamilisch:  பால்ட்ரும் [Baltrum]
  • telugu:  బాల్ట్రుమ్ [Baltrum]
  • thai:  บัลทรุม [Baltrum]
  • tibetisch:  བལ་ཏྲུམ [Baltrum]
  • ukrainisch:  Балтрум [Baltrum]
  • urdu:  بالٹروم [Baltrum]
  • weißrussisch:  Балтрум [Baltrum]


Offizieller Name:  Baltrum

  • Bezeichnung der Bewohner:  Baltringer
  • adjektivisch: baltring


Kürzel:

  • Code:  BT / BTR
  • Kfz:  AUR, NOR
  • Gemeindeschlüssel:  03 4 52 002
  • ISO-Code:  DE.NS.BT

Lage

Baltrum ist eine Düneninsel vor der Küste von Ostfriesland in Niedersachsen. Sie liegt in der Mitte der Kette der sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln auf durchschnittlich 53°44‘ n.B. und 7°24‘ ö.L.. Baltrum ist nur etwas mehr als 1 km von der Nachbarinsel Norderney, 2 km von Langeoog und 4,5 km von der ostfriesischen Küste entfernt.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  53°44‘19“ n.B. (Badestrand)
  • südlichster Punkt:  53°43‘12“ n.B. (Baltrumer Inselwatt)
  • östlichster Punkt:  7°21‘38“ ö.L. (Westdorf)
  • westlichster Punkt:  7°26‘22“ ö.L. (Osterhook)


Entfernungen:

  • Norderney / Ostfriesland (Rattendüne)   1,0 km
  • Langeoog / Ostfriesland (Süderdünen)   1,4 km
  • Norderland / Ostfriesland (Neßmersiel)  4,0 km
  • Rottumeroog / Westfriesland  52 km
  • Helgoland (Südhafen)  57 km
  • Bremerhaven / Bremen  73 km
  • Halligen / Nordfriesland (Süderoogsand)  102 km
  • Sylt / Nordfriesland (Hörnum)  125 km
  • Rømø / Dänemark (Havsand)  154 km

Zeitzone

Auf Baltrum gilt die Mitteleuropäische Zeit (Central European Time), abgekürzt MEZ,  eine Stunde vor der Koordinierten Universalzeit (UTC). Die Realzeit liegt um 29 bis 30 Minuten der Koordinierten Weltzeit (UTC).

Fläche

Die Insel Baltrum hat eine Fläche von 6,5 km² bzw. 2,5 mi², nach alternativen Angaben 6,44 km². Von Westen nach Osten zwischen Westdorf und Osterhook ist sie 5,2 km lang bei einer maximalen Nord-Süd-Breite von 1,8 km. Die Küste hat eine Gesamtlänge von 13,4 km, der Tidenhub beträgt 2,4 bis 2,7 m, an der Baltrum-Reede 2,4 m. Höchster Punkt ist die Aussichtsdüne mit 19,3 m, die mittlere Seehöhe liegt bei 5 m.


Flächenaufteilung 2011:

  • Agrarland  2,7 km² (41,5 %)
  • Dünen  2,6 km² (40,0 %)
  • bebautes Land  0,6 km² (9,3 %)
  • Grünfläche  0,5 km² (7,7 %)
  • Gewässer  0,1 km² (1,5 %)


Flächen für die Ver- und Entsorgung, Flächen für die Land- und Forstwirtschaft, Wasserflächen sowie die Flächen für Aufschüttungen und Abgrabungen werden seit 2001 nicht mehr separat ausgewiesen, sondern befinden sich mit in den „Sonstigen Flächen“. In der letzten Statistik von 1997 waren folgende Werte angegeben: Flächen für die Ver- und Entsorgung (1 Hektar), Flächen für die Land- und Forstwirtschaft (0 Hektar), Wasserflächen (5 Hektar) sowie die Flächen für Aufschüttungen und Abgrabungen (1 Hektar).

Flächennutzung 2005 Fläche in ha Anteil in %
Bauflächen 30 4,6
Flächen für den Gemeinbedarf 3 0,5
Verkehrsflächen 8 1,2
Grünflächen 20 3,1
Sonstige Flächen 589 90,6
Gesamtfläche ohne Küstengewässer 650 100,0

Geologie

Über das genaue Alter der Insel Baltrum gibt es keine präzisen wissenschaftlichen Angaben. In der geologischen Forschung wird jedoch ein Alter von rund 3000 Jahren angenommen. Die ostfriesischen Inseln insgesamt sind sehr junge Landformen, deren Ursprünge in das Holozän zurückreichen, also in die letzten etwa 10.000 Jahre nach der letzten Eiszeit. Baltrum selbst hat sich wahrscheinlich erst vor wenigen Tausend Jahren als eigenständige Insel aus Sandbänken und Dünen entwickelt.

Der Inselkörper besteht aus einer mächtigen Schicht von etwa 20 bis 30 Metern aus Sanden und weiteren maritimen Sedimenten. Diese Ablagerungen wurden durch die Kräfte von Wind, Meeresströmungen und Wellenschlag dem untergegangenen Festlandssockel aufgelagert. Die Bildung der Insel erfolgte im Rahmen der typischen Entwicklung der ostfriesischen Barriereinseln. Nach dem Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher stieg der Meeresspiegel an, wodurch große Mengen an Sedimenten aus dem Festland ins flache Küstengebiet transportiert wurden. Gezeiten, Strömungen und Sturmfluten formten zunächst Sandplatten und Strandwälle, die sich allmählich zu Dünen aufbauten und schließlich zu einer stabilen Insel heranwuchsen.

Baltrum liegt wie die anderen ostfriesischen Inseln vor der niedersächsischen Küste im Wattenmeer. Der Untergrund besteht aus pleistozänen Ablagerungen, die im Laufe des Holozäns von marinen Sedimenten überdeckt wurden. Die Insel hat im Verlauf ihrer Geschichte ihre Form und Lage mehrfach verändert. Besonders das Westende war starken Abbrüchen durch Sturmfluten ausgesetzt, während im Osten immer wieder neuer Sand angelagert wurde. Diese dynamischen Prozesse prägen die Geologie der Insel bis heute. Der Sand wandert kontinuierlich, und die Dünenlandschaft wird durch Wind und Wellen ständig umgestaltet.

Die Gezeiten, die Strömungen, die Wellen und der Wind bewirkten im Laufe der Zeit große Veränderungen an der Insel Baltrum. Wie auf allen ostfriesischen Inseln wandert der Sand der Strände mit der vorherrschenden Windrichtung von West nach Ost. So lag das Westende von Baltrum um 1650 noch rund 4,5 km westlicher und damit an einer Stelle, an der sich heute der Ostteil der Nachbarinsel Norderney befindet. Das Ostende der Insel verschob sich in dieser Zeit aufgrund des im Osten liegenden Seegatts Accumer Ee nur um rund 1,4 km. Effektiv verlor die Insel also mehrere Kilometer Länge. Bereits mehrmals mussten Kirchbauten aufgrund der starken Landverluste versetzt werden. Seit 1872/73 versucht der Mensch die Landverluste mit gezielten Küstensicherungsmaßnahmen aufzuhalten. Zu diesem Zweck sind auf der Insel 14 Buhnen (Buhne A bis M) gebaut worden. Der Westkopf der Insel zwischen Buhne B und D wird zusätzlich durch eine im Verhältnis 1:4 geneigte Schrägdeckwerkskonstruktion aus schweren Wasserbausteinen geschützt, die im oberen Teil auch als Promenade mit zwei Wandelbahnen genutzt wird. Im Bereich der Buhne B und E bis N schließt sich ein weiteres Schrägdeckwerk mit Berme an. Trotzdem verursachen die Sturmfluten in den Wintermonaten immer wieder erhebliche Schäden

Landschaft

Baltrum ist eine deutsche Insel in der südlichen Nordsee. Sie gehört zur Inselkette der Ostfriesische Inseln und ist der Ostfriesischen Halbinsel vorgelagert. Die Insel hat eine Länge von 5 km und eine Breite von bis zu 1,8 km. Die Fläche beträgt derzeit rund 6,5 km². Sie ist damit die flächenmäßig kleinste der sieben dauerhaft bewohnten Ostfriesischen Inseln. Die geringste Entfernung zum Festland beträgt rund 4,5 km.

Im Westen wird Baltrum durch das Seegatt Wichter Ee von Norderney und im Osten durch das Seegatt Accumer Ee von Langeoog getrennt. Die höchste Erhebung der Insel ist eine in der Inselmitte befindliche Aussichtsdüne mit 19,3 m. Teile der Insel und das Wattenmeer um die Insel gehören zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.


Erhebungen

  • Aussichtsdüne  19,3 m
  • Stranddüne  16,0 m


Teich

  • Spielteich  0,2 ha

Flora und Fauna

Die Flora Baltrums ist vor allem von Salzwiesen, Dünen und Dünentälern geprägt, mit Pflanzen wie Strandhafer, Sanddorn, Queller und Strandaster. Zur Fauna gehören besonders Zugvögel und Watvögel; auffällig sind etwa Lachmöwen, Austernfischer, Brandgänse und im Watt auch Seehunde.

Flora

Seit den Stabilisierungsmaßnahmen im Inselwesten haben sich die Dünenfelder im Osten Baltrums verlängert und verbreitert. Es bildeten sich ausgehend vom Badestrand nordöstlich des Westdorfes zwei parallele Dünenzüge bis zum heutigen Ostende; der äußere ist eine hohe, zum Teil künstlich befestigte Weißdünenkette, der innere eine Graudünenlandschaft mit teilweise großflächigen Dünengebüschen aus Sanddorn, Holunder, Kriechweide und Kartoffelrose. Stellenweise finden sich auch ruderalisierte Flächen mit Epilobium angustifolium. Im westlichen Abschnitt werden die jüngeren Dünenfelder nach Süden durch ein breites, zum Teil anmooriges, von Schilf dominiertes Dünental vom alten Graudünenkern getrennt. Dieser ist ebenfalls stellenweise stark verbuscht; ansonsten dominieren Grasfluren mit der Sand-Segge (Carex arenaria) und kleinflächig eingestreuten Empetrum-Flecken. Am östlichen Rand des Ostdorfes lassen sich noch die überwucherten Reste ehemaliger eingewallter Gartenparzellen, die sogenannte „Tune“, erkennen.

Die Südseite Baltrums wird auf ganzer Länge von Salzwiesenformationen eingenommen. Sie machen über ein Drittel der Inselfläche aus. Die oberen Abschnitte, stellenweise mit Quecken durchsetzt, reichen bis an den südlichen Ortsrand, nur getrennt durch einen niedrigen Sommerdeich. Auf dem Gelände befindet sich der kleine Inselflugplatz, der eine gezeitenunabhängige und sehr schnelle Festlandsverbindung gewährleistet. Im Inselosten sind höhere Salzwiesen und Graudünen unter natürlichen geomorphologischen Bedingungen miteinander verzahnt.

Fauna

Baltrum beherbergt eine reiche und vielfältige Tierwelt, die stark vom Nationalpark Wattenmeer und den dynamischen Lebensräumen wie Dünen, Salzwiesen, Stränden und umliegenden Gewässern geprägt ist. Die Insel ist Rast- und Brutgebiet für Hunderttausende Zugvögel, darunter Austernfischer, Brandgänse, Rotschenkel, Knutts, Lachmöwen (mit der größten Kolonie in Niedersachsen, rund 14.000 Paare), Zwergseeschwalben, Löffler und Rohrweihen; die Salzwiesen und Dünen bieten ideale Nistplätze, während das Watt Watvögel anzieht.

Säugetiere umfassen Seehunde und Kegelrobben in den Gewässern, die bei Ausflügen beobachtet werden können, sowie Landarten wie Bisamratten, Rehe, Feldhasen und wilde Kaninchen in Dünen und Salzwiesen. Insekten wie Falter (Hotspot mit Hunderten Arten) und Bienen ergänzen die Vielfalt, wobei insgesamt über 8.000 Tierarten auf den Ostfriesischen Inseln nachgewiesen wurden.

Naturschutz

Baltrum liegt vollständig im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer (UNESCO-Weltnaturerbe), zu dem große Teile der Insel gehören, insbesondere die Salzwiesen im Süden (über ein Drittel der Inselfläche), die Dünenlandschaften im Osten, die Ruhezone Osterhook südlich des Turnerbunds (Brut- und Rastgebiet für Strandbrüter wie Zwergseeschwalben und Sandregenpfeifer) sowie die Brutkolonie Westheller mit der größten Lachmöwenkolonie Deutschlands (bis 18.000 Tiere von März bis Juli). Diese Schutzzonen umfassen zusammen etwa 90,6% der Inselfläche (589 ha von 650 ha Gesamtfläche ohne Küstengewässer, Stand 2005), wobei die „sonstigen Flächen“ hauptsächlich Naturräume wie Dünen, Salzwiesen und Wattbereiche darstellen; der Gezeitenpfad (7 km Rundgang mit 18 Stationen) führt durch mehrere dieser Gebiete und unterstreicht ihren Schutzstatus.

Der Rosengarten ist eine kleine Grünanlage auf der Insel Baltrum. Sie liegt in einem kleinen Kiefernwäldchen zwischen dem West- und Ostdorf. Der Rosengarten wird von einer ehrenamtlich tätigen Gemeinschaft, der sogenannten Baltrumer Rosengartengemeinschaft gepflegt und weiterentwickelt.

Klima

Das Klima der Insel Baltrum unterliegt dem direkten Einfluss der Nordsee und liegt damit im Bereich eines gemäßigten, sommerkühlen und vom Golfstrom beeinflussten Seeklimas. Aufgrund der ausgleichenden Wirkung der Nordsee herrschen insgesamt geringere tages- und jahreszeitliche Temperaturschwankungen sowie eine hohe Luftfeuchtigkeit. Im Durchschnitt sind die Temperaturen auf der Insel im Sommer kühler und im Winter milder als die auf dem Festland gemessenen Werte. Der Frühling setzt rund zwei Wochen später ein. Von Januar bis Juli werden auf der Insel geringere, von August bis Dezember vermehrte Niederschlagsmengen als auf dem Festland gemessen. Im Mittel ist die Niederschlagsmenge niedriger und die Sonnenscheindauer höher als auf dem Festland. Nach der Klimaklassifikation von Wladimir Peter Köppen befindet sich Baltrum in der Einteilung Cfb: Klimazone C: Warm-Gemäßigtes Klima, Klimatyp Cf: Feucht-Gemäßigtes Klima und Klimauntertyp b: warme Sommer.

Die nächstgelegene Wetterstation befindet sich auf der Nachbarinsel Norderney und wird vom Deutschen Wetterdienst betrieben. Die Station Norderney mit der Stations-Kennziffer 10113 liefert seit 1947 frei verfügbare Daten zur Wetter- und Klimabeobachtung.

Mythologie

Baltrum wird seit den 1920er Jahren liebevoll als das Dornröschen der Nordsee bezeichnet. Dieser poetische Beiname geht auf den damaligen Badedirektor und späteren Bürgermeister Wilhelm Vogel zurück, der maßgeblich am Aufbau des Fremdenverkehrs auf der Insel beteiligt war. Er prägte den Werbeslogan „Baltrum – Das Dornröschen der Nordsee“, der bis heute verwendet wird, manchmal in der abgewandelten Form „Mein Dornröschen der Nordsee“. Der Vergleich mit der Märchenfigur Dornröschen ist vor allem der besonderen Atmosphäre der Insel geschuldet. Baltrum gilt als besonders ruhig, ursprünglich und entschleunigt. Auf der autofreien Insel scheint die Zeit langsamer zu vergehen als anderswo, und die Natur mit ihren weiten Dünen, dem endlosen Strand und dem Wattenmeer steht im Mittelpunkt.

Besonders passend erscheint der Name in den Wintermonaten. Dann verfällt die Insel tatsächlich in eine Art Tiefschlaf. Der Tourismus kommt nahezu vollständig zum Erliegen, und das Leben auf Baltrum wird noch ruhiger und beschaulicher. Viele Unterkünfte und Ferienwohnungen bleiben geschlossen, und selbst die Gastronomie zieht sich zurück. Nicht einmal ein Restaurant hat durchgehend geöffnet, und der einzige Lebensmittelmarkt beschränkt seine Öffnungszeiten auf wenige Stunden am Tag. Die Inselbewohner leben dann wieder mehr unter sich, und die wenigen Gäste, die dennoch kommen, erleben eine fast menschenleere, stille Landschaft, in der nur das Rauschen des Meeres und der Wind in den Dünen zu hören sind. Diese winterliche Abgeschiedenheit verstärkt den märchenhaften Charakter und macht Baltrum zu einem Ort, an dem man sich wie in einem Dornröschenschlaf fühlen kann – fernab vom Trubel des Alltags und der lauten Sommermonate.

Über echte alte Mythen oder Sagen, die sich speziell um Baltrum ranken, ist wenig bekannt. Im Gegensatz zu manchen nordfriesischen Inseln oder Halligen, die reich an dramatischen Flutlegenden und Geistergeschichten sind, gibt es auf Baltrum keine überlieferten großen mythischen Erzählungen aus früherer Zeit. Die Insel war lange Zeit eher ein unscheinbarer Weideplatz und Fischereistandort als Schauplatz heldenhafter oder schauriger Geschichten. Stattdessen lebt die Mythologie Baltrums vor allem in der modernen, touristischen Deutung weiter. Der Dornröschen-Vergleich selbst ist eine Art moderner Inselmythos geworden, der die besondere Ruhe und die zeitlose Schönheit der kleinsten bewohnten ostfriesischen Insel hervorhebt.

Manche Besucher und Einheimische verbinden mit dem Dornröschen-Namen auch die Idee einer verzauberten Insel, die sich nur zu bestimmten Zeiten öffnet und ansonsten in einem sanften Schlummer verharrt. Im Sommer erwacht sie dann zu neuem Leben, wenn Gäste kommen, die Strände belebt sind und die typische Insellangeweile in entspannter Form genossen werden kann. Dennoch bleibt Baltrum selbst in der Hochsaison weit entfernt von überlaufenem Massentourismus. Die Bezeichnung als Dornröschen unterstreicht damit nicht nur die winterliche Stille, sondern auch den ganzjährigen Charakter der Insel als Ort der Erholung und des Rückzugs.

Geschichte

Durch die Geografen Strabon und Plinius gab es bereits im -1. bzw. 1. Jahrhundert Hinweise auf die Existenz der Insel. Während der Häuptlingszeit von 1350 bis 1464 gehörten die Ostfriesischen Inseln zum Herrschaftsgebiet der Familie tom Brok. Baltrum wurde erstmals 1398 urkundlich erwähnt, als Widzel tom Brok Balteringe (wie auch die anderen ostfriesischen Inseln) dem Herzog Albrecht von Bayern übereignete und sie anschließend von diesem als Lehen zurückerhielt.

Mittelalter

Bereits im 13. und frühen 14. Jahrhundert gab es auf Baltrum offenbar vereinzelte menschliche Siedlungsspuren. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass zu dieser Zeit vorübergehend Wohnhäuser errichtet wurden. Eine dauerhafte und dichte Besiedlung scheint es jedoch noch nicht gegeben zu haben. Die Insel diente in erster Linie als Weideland und gelegentlicher Anlaufpunkt für Fischer und Seefahrer.

Die erste sichere urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1398. In einer Lehnsurkunde des ostfriesischen Häuptlings Widzel tom Brok wird die Insel als Balteringe genannt. Zusammen mit den anderen ostfriesischen Inseln übereignete Widzel tom Brok Balteringe dem Herzog Albrecht I. von Bayern und erhielt sie anschließend als Lehen zurück. Zu dieser Zeit gehörten die ostfriesischen Inseln zum Herrschaftsgebiet der mächtigen Häuptlingsfamilie tom Brok, die während der sogenannten Häuptlingszeit von etwa 1350 bis 1464 weite Teile Ostfrieslands kontrollierte.

Das Mittelalter in Ostfriesland war geprägt von Machtkämpfen zwischen verschiedenen Häuptlingsfamilien, von Auseinandersetzungen mit der Hanse und von den ständigen Bedrohungen durch Sturmfluten. Baltrum selbst blieb von großen kriegerischen Ereignissen weitgehend verschont. Die Insulaner lebten vermutlich von der Viehhaltung auf den salzigen Wiesen, vom Fischfang und von gelegentlichem Bergungsrecht bei gestrandeten Schiffen. Die Lebensbedingungen waren hart, denn die unbefestigte Düneninsel war den Kräften des Meeres schutzlos ausgesetzt. Besonders das Westende der Insel litt unter ständiger Landabtragung durch Wellen und Strömungen, so dass Siedlungsplätze immer wieder aufgegeben und weiter östlich neu errichtet werden mussten.

Mit dem Ende der Häuptlingszeit änderte sich auch die Herrschaftsstruktur über Baltrum. Im Jahr 1464 erhob Kaiser Friedrich III. Ulrich Cirksena in den Reichsgrafenstand. Damit begann die Zeit der ostfriesischen Grafen. Die Insel wurde nun dem Amt Berum zugeordnet, dessen Verwaltungssitz die Burg Berum nahe Hage war. Für die Belange der Insel setzte der Graf einen Inselvogt ein, der häufig zugleich als Pastor der kleinen Inselgemeinde wirkte. Diese Doppelrolle war typisch für die abgelegenen ostfriesischen Inseln.

Im späten Mittelalter blieb Baltrum eine kleine, arme Gemeinschaft. Die Zahl der Haushalte war gering, und die Bewohner waren stark von den Launen der Natur abhängig. Sturmfluten zerstörten immer wieder Teile der Insel und zwangen die Menschen zum Umzug ihrer Häuser und später auch der ersten Kirchenbauten. Dennoch entwickelte sich allmählich eine feste, wenn auch bescheidene Besiedlung, die bis ins 17. Jahrhundert hinein auf etwa 14 Haushalte anwuchs.

Frühe Neuzeit

Im 17. Jahrhundert besaß Baltrum noch die typische langgestreckte Form einer klassischen Barriereinsel, wie man sie heute etwa bei Norderney oder Juist antrifft. Die Insel war damals deutlich länger und schmaler als in der Gegenwart und erstreckte sich weit nach Westen. Das Westende lag zu dieser Zeit etwa viereinhalb Kilometer weiter westlich als heute – in einem Bereich, der sich heute bereits im Ostteil der Nachbarinsel Norderney befindet. Die Bewohner lebten in bescheidenen Verhältnissen, hauptsächlich vom Fischfang, der Viehhaltung auf den salzigen Wiesen und gelegentlich vom Bergungsrecht bei gestrandeten Schiffen.

Eine landesherrliche Kommission bereiste die Insel im Jahr 1650 und stellte fest, dass die damals vierzehn Haushalte oder Bewohner durch das ständig vordringende Meer in großer Gefahr schwebten. Die ungeschützte Düneninsel war den Kräften von Wind, Wellen und Strömungen schutzlos ausgeliefert. Besonders das Westende litt unter starker Erosion. Während das Westende im Laufe der folgenden Jahrhunderte massiv Land verlor, wurde am Ostende durch die Anlagerung von Sand nur vergleichsweise wenig neues Land gewonnen. Zwischen 1650 und 1960 wanderte die Insel am Westende insgesamt etwa fünf Kilometer nach Osten. Das Ostende verlagerte sich im gleichen Zeitraum dagegen nur um rund anderthalb Kilometer nach Osten. Dadurch verkürzte sich die Gesamtlänge der Insel erheblich, und die Bewohner waren gezwungen, ihre Siedlungen und sogar Kirchenbauten mehrfach weiter nach Osten zu verlegen.

Im Jahr 1737 existierte bereits ein festes Inseldorf mit einer eigenen Inselkirche. Dieses Dorf lag noch weiter westlich als die heutige Ortschaft. Um das Jahr 1800 herum musste es jedoch wegen starker Übersandung durch wandernde Dünen aufgegeben werden. Die Bewohner zogen daraufhin um. Als neues Westdorf entstand etwa achthundert Meter westlich der heutigen Inselposition, im Bereich der heutigen Othelloplatte – einer ausgedehnten Sandbank, die sich zwischen Baltrum und Norderney befindet. Daneben gab es im Osten der Insel ein weiteres Dorf, das Ostdorf. So bestand Baltrum zeitweise aus zwei getrennten Siedlungskernen.

Das Leben auf der Insel blieb weiterhin äußerst unsicher. Sturmfluten zerstörten immer wieder Teile der Siedlungen und zwangen die Menschen zum ständigen Umzug. Der dramatischste Einschnitt ereignete sich im Februar 1825. Eine schwere Sturmflut, die als Große Halligflut in die Geschichte einging, traf die gesamte Nordseeküste mit voller Wucht. Auf Baltrum riss die Flut die Insel in mehrere Teile und machte sie fast vollständig unbewohnbar. Nahezu sämtliche Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt. Besonders das Westdorf wurde so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass es endgültig aufgegeben werden musste. Die Überlebenden zogen sich in den östlicheren Teil der Insel zurück, wo später das heutige Dorf neu entstand. Der Wiederaufbau gelang nur mit großzügigen Spenden aus den Städten Bremen und Hamburg sowie anderer Unterstützer.

Modernisierungszeit

Ab etwa 1870 begann auf Baltrum eine neue Phase im Umgang mit den Naturgewalten. Die Inselverwaltung und die Landesherrschaft ließen erste Inselschutzwerke errichten. Zunächst entstanden Buhnen aus Holz, die den Sandabtrag am Westende bremsen sollten. Später kamen Holzpalisaden hinzu, die den Strand und die Dünen sichern halfen. Im Laufe der Zeit wurden diese einfachen Konstruktionen durch halbmassive und schließlich durch massive Deckwerke aus Stein und Beton ersetzt. Diese Bauwerke sollten die Küste stabilisieren und die fortschreitende Erosion eindämmen. Gleichzeitig schützen bis heute Deiche das bebaute Gebiet im Inneren der Insel vor Überflutungen bei Sturmfluten. Obwohl Baltrum nach wie vor eine sehr dynamische Insel ist, haben diese Maßnahmen dazu beigetragen, dass die Siedlung und die Infrastruktur seit dem späten 19. Jahrhundert deutlich sicherer geworden sind.

Im Jahr 1876 folgte Baltrum dem Beispiel der übrigen ostfriesischen Inseln und erklärte sich offiziell zum Seebad. Damit begann die langsame Entwicklung hin zum Tourismus. In den ersten Jahrzehnten verlief dieser Prozess jedoch sehr bescheiden und zögerlich. Die Insel war klein, abgelegen und noch immer von den Folgen vergangener Sturmfluten gezeichnet. Es gab kaum Infrastruktur für Gäste, und die Anreise war beschwerlich. Dennoch lockte die ruhige, ursprüngliche Atmosphäre und die reine Seeluft erste Sommerfrischler an.

1892 wurde mit dem „Hotel Küper“ das erste Hotel auf Baltrum eröffnet. Nur drei Jahre später, 1895, folgte das zweite Haus, das „Hotel zur Post“. Beide Betriebe waren noch sehr einfach ausgestattet, boten aber den wenigen Gästen eine Unterkunft direkt auf der Insel. Der Tourismus wuchs nur langsam. Im Jahr 1900 wurden gerade einmal 450 Übernachtungsgäste gezählt. Bis 1912 stieg diese Zahl auf 540 Gäste an. Diese Zahlen zeigen, wie zurückhaltend sich der Fremdenverkehr auf der kleinsten bewohnten ostfriesischen Insel entwickelte – im Vergleich zu Norderney oder Borkum, wo der Badebetrieb schon viel früher und in größerem Stil florierte.

Ab dem Jahr 1912 sorgten erstmals Motorsegelschiffe für den Verkehr zwischen dem Festland und Baltrum. Diese Schiffe boten eine zuverlässigere und schnellere Verbindung als die früheren Segelboote und Ruderboote. Dennoch gab es noch keine regelmäßige Linienverbindung. Die Überfahrt blieb wetterabhängig, und die Schiffe verkehrten nur, wenn genügend Passagiere oder Fracht vorhanden waren. Trotz dieser Einschränkungen markierte der Einsatz der Motorsegelschiffe einen wichtigen Fortschritt für die Erreichbarkeit der Insel und damit auch für die weitere Entwicklung des Tourismus.

Weltkriegsära

Im Herbst 1923 kam der Maler Paul Klee mit seiner Ehefrau Lily und Sohn Felix zur Sommerfrische auf die Insel. Während seines dreiwöchigen Aufenthalts auf der Insel entstehen insgesamt 16 Aquarelle und 3 Zeichnungen. Heute gelten die als Nordseebilder bezeichneten Werke als eine eigene Stilepoche in Klees Werk.

1927 wurde der seit 1902 auf Baltrum als Lehrer tätige Wilhelm Vogel (1882 bis 1966) wegen einer Kriegsverletzung aus dem Ersten Weltkrieg in den Ruhestand versetzt. Anschließend übernahm der mit einer Baltrumerin verheiratete Vogel den Posten des Badedirektors und leitete die Badeverwaltung hauptverantwortlich. Er schuf in den 1920er Jahren den noch heute verwendeten Werbeslogan der Insel „Baltrum – Das Dornröschen der Nordsee“ und gründete die erstmalig im Sommer 1927 erscheinende Gästezeitschrift „Die Inselglocke“, die noch heute erscheint. Vogel wirkte maßgeblich an vielen Infrastrukturprojekten der Insel mit. Von 1930 bis 1936 war zudem als Bürgermeister der Gemeinde tätig. Die Gemeinde Baltrum würdigte seine Verdienste um Baltrum in einem Nachruf mit den Worten: „Er wirkte entscheidend an dem Aufbau unseres Heilbades mit und hat mit Tatkraft, Weitblick und hohem Verantwortungsbewusstsein die Geschicke Baltrums geleitet.“

1927 wurde das Fährschiff „Baltrum I“ in Dienst gestellt. Es fuhr zwischen Mitte Mai und Mitte September die Strecke Baltrum – Norddeich und brauchte für die Strecke rund 2 Stunden. Ein Jahr später, am 2. April 1928, erfolgte die Gründung der „Baltrum-Linie Albers, Meyer & Küper“, die ab da die Insel im Sommerhalbjahr regelmäßig bediente. Bedingt durch den regelmäßigen Fährverkehr stieg die Gästezahl jetzt langsam an. Kamen vor Gründung der Linie 1922 1095 Gäste, so waren es 1928 bereits 3480 Gäste. Diese Zahl stieg bis 1936 auf rund 5000 Gäste an. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 kam der Fremdenverkehr zum Erliegen.

Bereits kurz nach der Machtergreifung Hitlers 1933 erreichten die Auswirkungen des NS-Regimes die abgelegene Nordseeinsel. Die NSDAP richtete 1935 einen eigenen Stützpunkt auf Baltrum ein, da die Zahl der Parteimitglieder für eine vollwertige Ortsgruppe zunächst nicht ausreichte. Der Stützpunkt unterstand anfangs der Ortsgruppe Dornum auf dem Festland. 1936 wurde der damalige Bürgermeister, obwohl selbst Parteimitglied, zum Rücktritt gedrängt und durch einen linientreueren Nationalsozialisten ersetzt, der zugleich die Leitung der Parteizelle übernahm.

Wie auf vielen anderen Seebädern der Nordseeküste blühte auch auf Baltrum der sogenannte Bäderantisemitismus auf. In einer Werbebroschüre aus dem Jahr 1935 wies das Nordseebad Baltrum explizit darauf hin, dass „Israeliten nicht erwünscht“ seien. Die Insel wurde damit Teil der breiteren antisemitischen Ausgrenzungspolitik im deutschen Tourismus. Innerhalb der kleinen Dorfgemeinschaft kam es zu Spaltungen. Es gab Anhänger und Gegner des Regimes, was sich in mehreren politischen Strafverfahren wegen Beleidigung von NS-Amtsträgern niederschlug. Zwischen 1936 und 1941 mussten mindestens neun Insulaner Sippenfragebögen ausfüllen, weil bei ihnen der Verdacht auf „Erbkrankheiten“ bestand.

Im Jahr 1936 erhielt Baltrum ein neues Wasserwerk, das die Versorgung der Insel verbesserte. Der Tourismus, der sich in den 1930er Jahren langsam entwickelt hatte und zeitweise etwa 5.000 Gäste jährlich zählte, kam mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 nahezu vollständig zum Erliegen. Die Insel verlor ihre Funktion als ruhiges Seebad und wurde in die Kriegsvorbereitungen und -maßnahmen einbezogen.

Während des Krieges erhielt Baltrum wieder eine kleine militärische Garnison, diesmal vor allem zur Luftraumbeobachtung. Es war geplant, die Insel in den sogenannten Friesenwall einzubeziehen, ein Verteidigungssystem entlang der Nordseeküste. Dazu wurden mehrere leichte Flakstellungen, Bunker und am Strand sogenannte Tobrukstände (Ringstände) errichtet. Stationiert war auf Baltrum ein Halbzug der 3. Kompanie der Marineflakabteilung 226. Trotz dieser militärischen Präsenz blieb die Insel von direkten schweren Kampfhandlungen weitgehend verschont. Es fielen lediglich einige Bomben auf den Strand, die keinen nennenswerten Schaden anrichteten. In einzelnen Fällen mussten angeschossene Flugzeuge auf oder in der Nähe der Insel notlanden.

1942 wurde der NS-Bürgermeister zur Wehrmacht eingezogen. Daraufhin wurde der bisherige Stützpunkt offiziell in eine eigene Ortsgruppe der NSDAP umgewandelt. Das Leben auf Baltrum war in diesen Jahren von Einschränkungen, Versorgungsengpässen und der Sorge um die eingezogenen Männer geprägt. Insgesamt kamen 16 Baltrumer als Kriegsteilnehmer nicht mehr zurück.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs verlief auf Baltrum im Frühjahr 1945 sehr ruhig. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich keine deutschen Soldaten mehr auf der Insel, so dass keine Kampfhandlungen stattfanden. Nach der Kapitulation wurden der NS-Bürgermeister und sein Stellvertreter aus ihren Ämtern entlassen. In den folgenden Jahren fanden mindestens 94 Entnazifizierungsverfahren statt. Die Integration von Flüchtlingen und die Bewältigung der unmittelbaren Nachkriegszeit stellten die kleine Gemeinschaft vor neue Herausforderungen.

Moderne Zeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden der NS-Bürgermeister und sein Stellvertreter aus ihren Ämtern entlassen. Mindestens 94 Entnazifizierungsverfahren wurden in den ersten Jahren nach dem Krieg durchgeführt. Der Dorffriede blieb jedoch noch auf längere Zeit belastet, unter anderem deshalb, weil der entlassene ehemalige Bürgermeister auch weiterhin versuchte, über eine große Volkspartei Einfluss in der Lokalpolitik zu nehmen. Probleme bereitete den Baltrumern nach dem Krieg auch die Integration der auf die Insel gekommenen Flüchtlinge: 1946 wurden auf Baltrum insgesamt 310 Einwohner verzeichnet, wovon 19 Personen Flüchtlinge waren, was einem Anteil von 6,1 % entspricht. 1950 registrierte man 466 Einwohner. Die Zahl der Flüchtlinge lag bei 106. Die Quote stieg somit deutlich auf 22,7 %. Auch die angespannte wirtschaftliche Lage der Nachkriegszeit machte den Insulanern zu schaffen. In dieser Notzeit griffen die Einwohner Baltrums vielfach auch auf das altbewährte Mittel der Strandplünderei zurück: Aus den 1950er Jahren sind die letzten gerichtlichen Verfahren wegen dieser Plündereien überliefert.

Die weitere Entwicklung von Ort und Seebad nahm nach den überstandenen Krisenjahren der Nachkriegszeit und den Jahren des Wirtschaftswunders einen deutlich langsameren Verlauf als diejenige auf den anderen ostfriesischen Inseln. Die beschauliche kleine Insel hat daher bis heute einen Ruf als „Dornröschen“ unter den ostfriesischen Inseln.

Immerhin, bereits 1948 hatte man mit 4.507 Gästen fast wieder das Vorkriegsniveau erreicht. 1949 erhielt Baltrum die staatliche Anerkennung als Heilbad. In den Wirtschaftswunderjahren nahm die Anzahl der Gäste stark zu (1953 9.000 Gäste und 1955 10.200 Gäste). Seit 1966 ist Baltrum staatlich anerkanntes Nordseeheilbad.

In den 1950er Jahren stieg die Zahl der Besucher im Zuge des beginnenden Wirtschaftswunders kontinuierlich an. Während 1953 etwa 9.000 Gäste gezählt wurden, erreichte die Zahl 1955 bereits 10.200 und lag 1959 bei knapp 16.700 Gästen. Die Insel profitierte von der wachsenden Reiselust der Deutschen, blieb jedoch bewusst zurückhaltend im Ausbau. Im Vergleich zu den größeren Nachbarinseln wie Norderney oder Juist verlief die Entwicklung auf Baltrum deutlich ruhiger und bescheidener. Die Einwohnerzahl schwankte in dieser Zeit um die 460 bis 500 Personen, wobei zeitweise eine nicht unerhebliche Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen auf der Insel lebte.

Die 1960er Jahre brachten weitere Fortschritte. 1960 wurden bereits fast 17.000 Gäste pro Saison registriert. Ein wichtiger Meilenstein war das Jahr 1966, als Baltrum offiziell zum staatlich anerkannten Nordseeheilbad erklärt wurde. Diese Anerkennung hob die gesundheitsfördernde Wirkung der reinen Seeluft, des Klimas und der Thalasso-Anwendungen hervor und stärkte das Image als ruhiges Erholungsziel. In diesen Jahren wurde die Infrastruktur schrittweise verbessert, darunter die Fährverbindung und die Versorgung der Insel.

Seit den 1970er Jahren entwickelte sich der Tourismus weiter, ohne jedoch in Massentourismus auszuarten. Die Gästezahlen stiegen auf über 30.000 pro Saison an, und in der Hauptsaison hielten sich bei etwa 500 ständigen Einwohnern zeitweise bis zu 3.000 bis 4.000 Gäste gleichzeitig auf der Insel auf. Damit war die Aufnahmekapazität weitgehend erreicht. Baltrum blieb seiner Philosophie treu, den Charakter als kleines, ruhiges und entschleunigtes „Dornröschen der Nordsee“ zu bewahren. Der Verzicht auf Autos wurde konsequent beibehalten und sogar gestärkt – bis auf Einsatzfahrzeuge wie Feuerwehr und Rettungsdienst ist die Insel autofrei. Auch ein Fahrradverleih existiert nicht, und Gäste werden gebeten, keine eigenen Räder mitzubringen, um die besondere Atmosphäre zu schützen.

In den folgenden Jahrzehnten entstanden weitere Einrichtungen, die das Inselleben prägten. 1972 erhielt Baltrum einen kleinen Flugplatz, der Rundflüge und Verbindungen zu anderen Inseln ermöglicht. 1987 wurde im ehemaligen Schuppen der Reederei das Nationalpark-Haus Baltrum eröffnet, das sich der Natur des Wattenmeeres und den Gezeiten widmet. 1989 gründete sich der Heimatverein Baltrum, der sich seither um die Erhaltung des kulturellen Erbes und die Pflege der Inselgeschichte kümmert. Die Reederei Baltrum-Linie, die seit 1928 den Schiffsverkehr betreibt, baute ihre Flotte aus und stellte den Fährbetrieb vom Hafen Neßmersiel aus sicher, der seit Ende der 1960er Jahre der Haupt-Anlegestelle dient.

Verwaltung

Baltrum ist eine Inselgemeinde des Landkreises Aurich im deutschen Bundesland Niedersachsen.


Herrschaftsgeschichte

  • 8. Jahrhundert bis 23. Dezember 1464 Freies Friesland
  • 23. Dezember 1464 bis 25. Mai 1744 Grafschaft Ostfriesland als Reichslehen im Heiligen Römischen Reich (Sacrum Romanum Imperium)
  • 25. Mai 1744 bis 6. August 1806 Provinz Ostfriesland im Königreich Preußen
  • 6. August 1806 bis 1807 Königreich Preußen
  • 1807 bis 1. Juli 1810 Königreichs Holland (Koninkrijk Holland) unter Kontrolle durch das Kaiserreich Frankreich (Empire français)
  • 1. Juli 1810 bis 31- Dezember 1813 Kaiserreich Frankreich (Empire français)
  • 1. Januar 1814 bis 30 Juni 1815 Alliierte Verwaltung
  • 30. Juni 1815 bis 20. Deptember 1866 Königreichs Hannover
  • 20. Dezember 1866 bis 18. Januar 1871 Königreich Preußen
  • 18. Januar 1871 bis 9. November 1918 Deutsches Kaiserreichs
  • 9. Neovember 1918 bis 30. Januar 1933 Weimarer Republik (Deutsches Reich)
  • 30. Januar 1933 bis 8. Mai 1945 Deutsches Reich
  • 9. Mai 1945 bis 1. November 1946 Besatzungsfreies Gebiet Ostfriesland
  • seit 1. November 1946 Bundesland Niedersachsen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland

Legislative und Exekutive

Der Rat der Gemeinde Baltrum besteht normalerweise aus acht Ratsmitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 501 und 1.000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011. Stimmberechtigt im Gemeinderat ist außerdem die hauptamtliche Bürgermeisterin. Dies ist seit dem 1. November 2006 die direkt gewählte Bürgermeisterin Antje Wietjes-Paulick von der CDU.

Die aktuelle Ratsperiode zeichnet sich durch eine Besonderheit bezüglich der Anzahl der Ratsmitglieder aus. Bei der letzten Kommunalwahl 2011 vom 11. September 2011 erzielte der Einzelbewerber Edzard Meyer mit 356 Stimmen (33,5 %) das mit Abstand beste Einzelergebnis. Das Ergebnis hatte den Wegfall zweier Sitze zur Folge. Der Gemeinderat besteht nun aus sechs Ratsmitgliedern; drei Mitglieder von der CDU sowie zwei Mitglieder von der Wählergemeinschaft Baltrum 21. Hinzu kommt der Einzelbewerber.

Inseloberhaupt

Oberster Repräsentant der Insel Baltrum ist der Bürgermeister. In der Stichwahl zur letzten Bürgermeisterwahl 2006 konnte sich die CDU Kandidatin Antje Wietjes-Paulick mit 51,8 % (183 Stimmen) gegen den Kandidaten der Unabhängigen Baltrumer Wählergemeinschaft Udo Bengen (48,2 %; 170 Stimmen) durchsetzen.


Gemeenvörstehers

  • 2 Feb 1^893 - 1918  Eilt Honken Evers
  • 19 Feb 1918 - 17 Feb 1926  Karl von Hof
  • 24 Feb 1926 - 13 Feb 1930  Onne Ulrichs
  • 13 Feb 1930 - Dez 1935  Wilhelm Vogel

Börgermeister

  • Dez 1935 - 17 Feb 1936 Wilhelm Vogel
  • 1937 - 1944  Dirk Grensemann
  • 1944 - 1945  Cassen Eilts
  • 1952 - 1967  Hans Bruns-Strenge (CDU)
  • nach 1967  Heinz mindermann
  • 1981 - 1986 Wilhelm Klünder (SPD)
  • 1986 - 1991  Bernd Klein (CDU)
  • 1991 - 1996 Wilhelm Klünder [2] (SPD)
  • 1996 - 2001  Gerd Althainz (SPD)
  • 2001 - 2006  Günter Tjards (SPD)
  • 2006 - 30 Apr 2013 Antje Wietjes-Paulick [w] (CDU)
  • 1 Mai 2013 - 20 Sep 2020 Bertholt Tuitjer
  • seit 20 Sep 2020 Harm Olchers

Politische Gruppierungen

Auf Baltrum, als eigenständige Gemeinde im Landkreis Aurich (Niedersachsen), prägen lokale Wählergruppen die Kommunalpolitik, da die Insel mit nur rund 2.500 Einwohnern eine spezielle Struktur hat: Im Gemeinderat (8 Sitze) dominieren derzeit Wählergruppe Moin Baltrum (3 Sitze, 30,08%), Wählergruppe Gemeinsam für Baltrum (2 Sitze, 30,08%), CDU (2 Sitze, 29,43%) und Wählergruppe Baltrum 21 (1 Sitz, 10,41%); diese Gruppen setzen sich parteiunabhängig oder mit konservativer Note für Inselspezifika wie Naturschutz, Tourismus und Infrastruktur ein.

Bei Bundestagswahlen (Wahlkreis Aurich–Emden) tendiert Baltrum zu konservativen und liberalen Strömungen: Bei der Wahl 2025 erhielt die CDU 36,01% (Zweitstimmen), SPD 19,64%, Grüne 19,35%, AfD 11,61%, FDP 4,17% und Linke 3,27%, mit einer hohen Beteiligung von 88,57%; historisch war die FDP in den 1950er-Jahren stark, später übernahm die CDU die Führung.

Justizwesen undf Krtiminalität

Baltrum verfügt über kein eigenständiges Justizwesen im engeren Sinne, wie man es aus größeren Städten kennt. Aufgrund ihrer geringen Einwohnerzahl und überschaubaren Fläche ist die Insel administrativ in die Strukturen des Landkreises Aurich eingebunden. Rechtliche Angelegenheiten, insbesondere gerichtliche Verfahren, werden daher in der Regel auf dem Festland abgewickelt. Zuständig sind dort die entsprechenden Amts- und Landgerichte, sodass Bewohnerinnen und Bewohner für formelle juristische Prozesse anreisen müssen. Auch notarielle Dienstleistungen oder spezialisierte Rechtsberatung sind auf der Insel selbst nur eingeschränkt oder gar nicht verfügbar.

Die polizeiliche Präsenz auf Baltrum ist ebenfalls begrenzt, was jedoch nicht als Nachteil zu verstehen ist. Vielmehr spiegelt dies die insgesamt sehr niedrige Kriminalitätsrate wider. In der Regel gibt es eine kleine Polizeistation oder zumindest eine zuständige Dienststelle, die eng mit den Behörden auf dem Festland kooperiert. Bei größeren Vorfällen oder besonderen Einsatzlagen werden zusätzliche Kräfte von außerhalb hinzugezogen. Die Insellage bringt dabei sowohl Vorteile als auch Herausforderungen mit sich: Einerseits wirkt die räumliche Abgeschiedenheit präventiv, da Fluchtmöglichkeiten eingeschränkt sind. Andererseits kann die Anreise externer Einsatzkräfte wetterabhängig verzögert sein.

Kriminalität spielt im Alltag der Insel nur eine sehr untergeordnete Rolle. Typische Delikte beschränken sich meist auf kleinere Vergehen wie Fahrraddiebstähle, Sachbeschädigungen oder gelegentliche Streitigkeiten, insbesondere während der touristischen Hochsaison. Schwere Straftaten sind äußerst selten. Die soziale Struktur der Insel, geprägt durch eine enge Gemeinschaft und gegenseitige Bekanntheit, wirkt zusätzlich stabilisierend. Viele Konflikte werden informell geregelt, bevor sie überhaupt eine rechtliche Dimension erreichen.

Ein weiterer Faktor ist der Tourismus, der die Insel wirtschaftlich prägt. In den Sommermonaten steigt die Bevölkerungszahl durch Gäste deutlich an, was theoretisch auch das Risiko für bestimmte Delikte erhöhen könnte. Dennoch bleibt die Sicherheitslage insgesamt ruhig. Dies ist nicht zuletzt auf die Kombination aus sozialer Kontrolle, überschaubarer Infrastruktur und der eingeschränkten Anonymität zurückzuführen.

Flagge und Wappen

Die Flagge und das Wappen von Baltrum sind vergleichsweise jung, spiegeln aber die Geschichte und die Identität der Insel auf besondere Weise wider. Das Wappen Baltrums wurde im Jahr 1960 offiziell angenommen. Es zeigt auf blauem Grund einen goldenen dreigipfeligen Berg, der die Dünen der Insel symbolisiert. Auf diesem Berg steht ein goldener Glockengalgen mit einer goldenen Glocke. Zu beiden Seiten des Glockengalgens befindet sich jeweils ein goldenes Sporenrad.

Der Glockengalgen ist seit etwa 160 Jahren das bekannteste Wahrzeichen der Insel. Er stammt aus dem 19. Jahrhundert und diente ursprünglich dazu, bei Sturmflut oder drohender Gefahr die Bewohner zusammenzurufen. Die Glocke wurde geläutet, wenn ein Schiff in Not geraten war oder wenn eine besonders hohe Flut drohte. Bis heute gilt der Glockengalgen als Symbol für die enge Verbundenheit der Insulaner mit dem Meer und für die ständige Bereitschaft, auf die Launen der Nordsee zu reagieren.

Die beiden goldenen Sporenräder im Wappen stammen aus dem Familienwappen der Häuptlingsfamilie Idzinga, die über viele Jahrhunderte das Norderland beherrschte. Durch diese Elemente wird an die ehemalige Zugehörigkeit Baltrums zum Landkreis Norden erinnert, der 1977 im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform aufgelöst wurde. Die Sporenräder verweisen damit auf die lange historische Verbindung der Insel mit dem ostfriesischen Festland und seiner mittelalterlichen Häuptlingsgeschichte.

Die Flagge Baltrums besteht aus zwei gleich breiten waagerechten Streifen – oben in Blau und unten in Gelb. In der Mitte der Flagge ist in der Regel das Wappen der Insel aufgelegt. Die Farben Blau und Gelb stehen für das Meer und den Sand der Dünen und Strände. Die Kombination aus Flagge und Wappen wird sowohl von der Gemeinde Baltrum als auch von vielen Einheimischen und Gästen gern verwendet. Sie ist bei offiziellen Anlässen, auf Fähren, in der Gemeindeverwaltung und bei Festen zu sehen.

Obwohl Wappen und Flagge erst 1960 eingeführt wurden, haben sie sich inzwischen fest im Bewusstsein der Baltrumer etabliert. Der Glockengalgen als zentrales Element verbindet die moderne Symbolik mit der jahrhundertealten Erfahrung der Insulaner, die immer wieder mit den Kräften des Meeres leben und kämpfen mussten. Die Sporenräder erinnern an die alten Herrschaftsverhältnisse, während die blaugelben Farben die natürliche Schönheit der Insel – Wasser und Sand – widerspiegeln.

Hauptort

Der Hauptort Baltrum bildet das zentrale Siedlungs- und Versorgungsgebiet der kleinsten bewohnten ostfriesischen Insel. Er erfüllt eine doppelte Funktion: Einerseits ist er Wohnort für die einheimische Bevölkerung, andererseits bildet er das touristische Zentrum der Insel. Besonders in den Sommermonaten steigt die Zahl der Menschen im Ort deutlich an, was sich in einem lebendigeren Ortsbild zeigt. Dennoch bleibt die Atmosphäre insgesamt ruhig und überschaubar, da die Größe des Ortes natürliche Grenzen setzt.

Verwaltungsgliederung

Der besiedelte Teil im Nordwesten der Insel besteht aus drei Teilen, dem „Westdorf“, dem „Ostdorf“ und dem „alten Ostdorf“.


           Verwaltungseinheiten:

           3 Dörfer

Bevölkerung

Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 6,5 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1700                     60                   9,23

           1821                   103                15,84

           1848                   152                15,69

           1867                   181                 27,85

           1875                   150                23,08

           1890                   155                23,85

           1900                   140                21,54

           1910                   141                21,69

           1925                   223                34,31

           1933                   318                48,92

           1939                   308                 47,38

           1946                   311                47,85

           1950                   466                 71,69

           1956                   466                71,69

           1961                   794               122,15

           1968                   687               105,69

           1970                1 089               167,54

           1980                   822               126,46

           1990                   492                 75,69

           2000                   545                83,85

           2001                   541                83,23

           2002                   540                 83,08

           2003                   525                 80,77

           2004                   510                 78,46

           2005                   496                 76,71

           2006                   479                 73,69

           2007                   472                 72,62

           2008                   475                 73,08

           2009                   485                 74,62

           2010                   493                 75,85

           2011                   561                 86,31

           2012                   564                 86,77

           2013                   581                 89,38

           2014                   617                 94,92

           2015                   610                 93,85

           2016                   625                 96,15

           2017                   617                 94,92

           2018                   652               100,31

           2019                   604                 92,92

           2020                   599                 92,15

           2021                   598                 92,00

           2022                   562                 86,46

           2023                   573                 88,15

           2024                   471                 72,46

Volksgruppen

Baltrum zeichnet sich durch eine sehr überschaubare, familiäre Struktur aus. Die meisten Bewohner leben seit vielen Generationen auf Baltrum oder stammen aus anderen Teilen Ostfrieslands. Im Laufe der Geschichte, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, kamen Flüchtlinge und Vertriebene auf die Insel, die in die kleine Gemeinschaft integriert wurden. Heute leben neben den alteingesessenen Familien auch Zugezogene aus anderen Regionen Deutschlands sowie einige EU-Bürger, vor allem aus Polen und Rumänien, auf Baltrum. Die Einwohner arbeiten überwiegend im Tourismus, in der Gastronomie, im Beherbergungsgewerbe oder in der Inselverwaltung. Viele Familien betreiben seit Generationen Pensionen oder kleine Betriebe.

Staatsangehörigkeit 2011
Deutschland 503
Polen 49
Europa (übrige Länder) 6
Afrika 3
Geburtsland 2011
Deutschland 494
EU 27 52
Europa (übrige Länder) 6
unbekannt 9
Staatsangehörigkeit 2022
Deutschland 440
Polen 47
Türkei 3
Rumänien 48
Ukraine 10
übrige Länder 14
Geburtsland 2022
Deutschland 420
Polen 56
Türkei 3
Rumänien 47
Ukraine 8
übrige Länder 28

Sprachen

Die Alltagssprache auf Baltrum ist das ostfriesische Platt, eine charakteristische Variante des Niederdeutschen (Plattdeutsch). Dieses ostfriesische Platt wird im gesamten Ostfriesland gesprochen und hat auf den Inseln einen ganz eigenen, melodischen Klang. Viele ältere Einwohner sprechen es fließend und verwenden es untereinander im täglichen Leben, beim Einkaufen, in der Nachbarschaft oder bei Festen. Es ist die traditionelle Heimatsprache der Insulaner und wird mit viel Stolz gepflegt.

Hochdeutsch dient als Schriftsprache und als Verkehrssprache mit Gästen, Behörden und Zugezogenen. In der Schule, in der Kirche und bei offiziellen Anlässen wird fast ausschließlich Hochdeutsch gesprochen. Das alte ostfriesische Friesisch, das früher einmal auf der Insel und im gesamten ostfriesischen Küstengebiet gesprochen wurde, ist bereits seit Jahrhunderten ausgestorben. Im Gegensatz zu Nordfriesland oder dem Saterland gibt es auf Baltrum und den übrigen ostfriesischen Inseln keine lebendige friesische Minderheitensprache mehr. Stattdessen hat das Niederdeutsche die alte friesische Sprache vollständig abgelöst.

Dennoch fühlen sich die Baltrumer stark mit der friesischen Kultur und Identität verbunden. Viele Familiennamen, Ortsbezeichnungen und Bräuche tragen noch friesische Spuren. Plattdeutsch wird auch heute noch an die jüngere Generation weitergegeben, wenngleich Hochdeutsch im Alltag der Kinder und Jugendlichen eine größere Rolle spielt. In den letzten Jahren gibt es zudem Bemühungen, das ostfriesische Platt in Schulen und im kulturellen Leben zu fördern, ähnlich wie in anderen Teilen Ostfrieslands.

Religion

Seit der Reformation ist die Kirchengemeinde Baltrum evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Zwischen 1650 und dem Beginn des 19. Jahrhunderts wurden mindestens vier Kirchengebäude ein Opfer der Nordsee. Nach der verheerenden Sturmflut von 1825 wurde die heutige Alte Inselkirche erbaut. Nach dem Ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Urlaubsgäste auf der Insel stark an, so dass 1929/30 die Große Inselkirche gebaut und eingeweiht wurde. Sie erhielt 1959 zwei Seitenschiffe, 1964 wurde der Turm erhöht und das Geläut um zwei kleine Glocken ergänzt. Die Kirche bietet heute zirka 300 Personen Platz und ist der Mittelpunkt der lebendigen Baltrumer Gemeinde. Hier finden neben den Gottesdiensten und Amtshandlungen auch Konzerte statt. Die Baltrumer Gemeinde gehört zum Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Norden und zählte 2001 insgesamt 325 Gemeindeglieder.

Katholische Gläubige oder eine katholische Kirche hat es auf Baltrum nach der Reformation für lange Zeit nicht gegeben. 1895 war ein Insulaner katholischen Glaubens. Mitte des 20. Jahrhunderts war die Nachfrage nach katholischer Seelsorge durch Feriengäste und katholische Flüchtlinge soweit gestiegen, dass 1956/57 eine katholische Kirche unter dem Patrozinium des St. Nikolaus von Myra erbaut wurde. Sie dient hauptsächlich der Kurseelsorge und wird während der Saison von Seelsorgern, die sich alle zwei bis drei Wochen abwechseln, betreut. Auf Baltrum leben heute dauerhaft ca. 50 Katholiken; die Gemeinde wird als Außenstelle des katholischen Pfarramts St. Ludgerus in Norden geführt.

Die Alte Inselkirche ist das zweitälteste erhaltene Gotteshaus auf einer ostfriesischen Insel. Sie wurde 1826 als evangelisch-lutherische Kirche erbaut und bietet nur rund 50 Personen Platz. Als „Glockenturm“ besitzt die Alte Inselkirche neben dem Kirchengebäude ein einfaches Holzgerüst, in dem die Glocke eines vor der Insel gestrandeten holländischen Segelschiffs hängt. Die „Inselglocke“ ist Wahrzeichen der Insel und findet sich auch im Wappen der Insel wieder. Die Kirche wird heute, nach zwischenzeitlicher Nutzung als katholische Kirche und Leichenhalle, nur noch für Trauungen und Taufen sowie für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Die Große evangelisch-lutherische Inselkirche ist die Hauptkirche der evangelisch-lutherische Gemeinde und bietet Platz für 300 Personen. Sie wurde in den Jahren 1929/30 als Ersatz für die Alte Inselkirche erbaut, die nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund der stetig steigenden Zahl von Inselgästen zu klein wurde. 1959 erhielt die Kirche ihre beiden Seitenschiffe, 1964/65 wurde zudem der Kirchturm erhöht und die bisherige Einzelglocke um zwei weitere kleinere Glocken ergänzt.

Die Kirche St. Nikolaus ist die katholische Inselkirche Baltrums. Der Grundstein für die Kirche wurde am Nikolaustag 1956 gelegt, an Christi Himmelfahrt 1957 erfolgte die Einweihung. Die Kirche besteht aus einem geschlossenen Teil (Winterkirche) und einem Vorhof mit einem reetgedeckten Umgang (Sommerkirche). Die Winterkirche kann etwa 50 Gottesdienstbesucher aufnehmen. Die Sommerkirche wird nur in der Hauptsaison genutzt und ist für bis zu 300 Personen ausgelegt. Architekt der Kirche ist der Osnabrücker Heinrich Feldwisch-Drentrup. Die Glasfenster wurden von Margarete Franke geschaffen.

Religion 2011 und 2022
evangelisch 295 214
römisch-katholisch 114 100
sonstige 152 246

Siedlungen

Im Westen der Insel erheben sich stolze rotgeklinkerte Häuser über den Dünen. Sie beherbergen Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Einkaufsgeschäfte, Cafés und Restaurants. Rathaus, Kurverwaltung, SindBad, Turnhalle, Tennisplätze, Kinderspielhaus, Kurärzte sind in der Nähe.Geschützt zwischen dem Deich im Süden und den Dünen im Norden liegt das Baltrumer Ostdorf. Eigentlich ist es kein eigener Ortsteil, doch das Ostdorf unterscheidet sich vom „Wilden Westen“ durch seine noch größere Ruhe und Windstille, das viele Grün, die blumengeschmückten Gärten, die romantische Nähe zum Wattenmeer, den Salzwiesen und die Dünen mit ihren wunderbaren Spazierwegen.

Der Hauptort Baltrum erstreckt sich entlang eines schmalen Streifens zwischen dem Wattenmeer und dem Nordseestrand und ist geprägt durch eine kompakte, dörfliche Struktur. Aufgrund der begrenzten Fläche und der natürlichen Gegebenheiten ist der Ort nicht weitläufig ausgedehnt, sondern wirkt überschaubar und geschlossen.

Charakteristisch für den Hauptort ist die besondere Ruhe und Entschleunigung, die sich auch in der Infrastruktur widerspiegelt. Autos sind auf der Insel nicht erlaubt, sodass das Ortsbild von Fußgängern, Fahrrädern und gelegentlich Pferdefuhrwerken geprägt ist. Die Wege sind kurz, viele Einrichtungen des täglichen Bedarfs liegen nah beieinander und sind bequem zu Fuß erreichbar. Dies trägt zu einer engen Verzahnung von Wohnen, Tourismus und Versorgung bei.

Im Zentrum des Ortes befinden sich die wichtigsten Einrichtungen wie kleine Geschäfte, gastronomische Betriebe, Unterkünfte sowie öffentliche Gebäude. Dazu zählen unter anderem die Inselkirche, eine Schule und kommunale Einrichtungen. Auch der Hafen, der als Verbindung zum Festland dient, liegt in unmittelbarer Nähe und ist ein zentraler Ankunfts- und Abfahrtspunkt für Bewohner und Gäste. Von hier aus erschließt sich der Ort weiter in Richtung Strand und Dünenlandschaft.

Architektonisch ist der Hauptort von typischen norddeutschen Inselsiedlungen geprägt. Viele Häuser sind niedrig gebaut, oft mit Reet- oder Ziegeldächern, und fügen sich harmonisch in die Landschaft ein. Die Bebauung ist locker, aber dennoch kompakt genug, um ein zusammenhängendes Ortsbild zu schaffen. Zwischen den Gebäuden finden sich kleine Wege, Plätze und Grünflächen, die den Charakter eines gewachsenen Dorfes unterstreichen.

Verkehr

Nachdem inselweit ein Verkehrsverbot für Kraftfahrzeuge durch Zeichen 250 StVO mit Zusatzzeichen „Pferdefuhrwerke und Fahrräder frei“ gilt, ist Baltrum mittlerweile eine weitgehend autofreie Insel. Ausnahmen sind die Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr, ein Krankentransportwagen und gegebenenfalls Radlader oder selbstfahrende Arbeitsmaschinen, die zum Zwecke des Küstenschutzes benötigt werden.

Straßenverkehr

Auf Baltrum gibt es keine offiziellen Straßennamen. Informell unterscheidet man aber zwischen Ostdorf und Westdorf. Die Adressierung erfolgt ausschließlich über inselweit einmalige Hausnummern, die in der Reihenfolge der Errichtung vergeben werden und daher geografisch vollkommen ungeordnet erscheinen.

Auf Baltrum existiert kein Fahrradverleih. Die Touristen werden gebeten, keine Fahrräder mit auf die Insel zu bringen. Den „ÖPNV“ übernehmen die ansässigen Kutschfahrer mit ihren Taxikutschen. Geschäfte und Restaurants werden mit Pferd und Wagen beliefert. Touristen transportieren ihr Gepäck mit einer „Wippe“ (Handwagen) oder einem Bollerwagen der Gastgeber, oder lassen sich und ihr Gepäck mit der Pferdekutsche transportieren. Als Folge des Ausschlusses von motorisiertem Individualverkehr kann auf die sonst übliche Unterscheidung der Flächen für fließenden und ruhenden Verkehr weitgehend verzichtet werden.

Zu Fuß kann Baltrum bei Niedrigwasser vom Hafen Neßmersiel aus per geführter Wanderung in rund zweieinhalb Stunden durch das Watt zum Hafen Baltrum erreicht werden.

Bahnverkehr

Die Inselbahn Baltrum war eine nichtöffentliche Insel- bzw. Feldbahn für den Gepäcktransport in der Feldbahnspurweite 600 mm auf der ostfriesischen Insel Baltrum in Deutschland. Die Inselbahn Baltrum war eingleisig, nicht elektrifiziert und existierte von 1949 bis 1985. Neben dem Bauhof des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA), der ab 1949 eine eigene Gleisverbindung mitsamt einer eigenen Lokomotive besaß, existierte zunächst nur ein einzelnes Feldbahngleis für den Gepäck- und Frachttransport zwischen dem Anleger und dem rund 400 Meter entfernten Güterschuppen inklusive eines Gleisanschlusses zu einer örtlichen Spedition am Anleger.

Im Jahre 1960 wurde die Inselbahn komplett umgebaut. Fortan besorgte eine Schöma-Diesellok den Fracht- bzw. Lorentransport zwischen dem Anleger und dem Güterschuppen, wo die Fracht für den Transfer zum Festland umgeschlagen wurde.

Die Reederei Baltrum-Linie GmbH & Co. KG erbaute neben der erneuerten Bahn einen neuen Anleger und einem neuen Güterschuppen. Auf dem Anleger wurden anfangs drei Gleise verlegt. 1970 wurde der Anleger umgebaut und dabei noch um zwei weitere Gleise ergänzt. Von einem kleinen Gleisanschluss zu einer Spedition kurz hinter dem Anleger abgesehen, konnte die Fahrt der kleinen Inselbahn in zwei Richtungen gehen: In einer großzügigen Kurve ging es für die Frachtfahrten östlich und „bergwärts“ zum hochwassersicher gelegenen Güterschuppen. Diese Strecke war rund 400 Meter lang. Ein abzweigendes Gleis führte von einem Abzweig unterwegs in westlicher Richtung zunächst auf den Deich zu und dann in einer Kurve zum Bauhof des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Diese Strecke war 600 m lang und gehörte dem WSA, das die Gleisanlagen nur sporadisch benötigte.

Im Herbst des Jahres 1985 wurde der Bahnbetrieb auf Baltrum eingestellt. Die Gleise wurden weitestgehend abgebaut. Der Güterschuppen wurde zu einem „Nationalparkhaus“ mit der „Inselkammer“ umgebaut.

An Triebfahrzeugen stand der Inselbahn von 1960 bis 1965 die erste Schöma-Diesellok (Baujahr 1960) zur Verfügung. Im Jahre 1965 wurde sie an ein Torfwerk verkauft. Seit 2003 befindet sie sich bei Laubner Garten- & Landschaftsbau in Gütersloh. Sie wurde durch eine ähnliche Diesellok, ebenfalls von Schöma (Baujahr 1965) mit 26 PS Leistung ersetzt. Diese befindet sich heute im Einsatz bei den Humuswerken in Gnarrenburg. Außerdem standen diverse Güterwagen für den Gepäck-Transport zur Verfügung.

Das WSA unterhielt ihre eigene, 1949 gebaute Diesellok (ebenfalls von Schöma), welche aber nur selten zum Einsatz kam und in den 1970er Jahren ausgemustert wurde. Ihr Verbleib ist unbekannt. (nach wikipeia)

Schiffsverkehr

Baltrum wird gezeitenabhängig von Fährschiffen der 1928 gegründeten Reederei Baltrum-Linie von Neßmersiel aus angesteuert. Die Fahrzeit beträgt etwa 30 Minuten. Je nach Jahres- und Reisezeit gibt es täglich ein bis maximal vier Abfahrten je Richtung. Das Gepäck der Urlauber wird vor der Abfahrt in Container verladen und dann mit derselben Fähre befördert. Höhepunkt der Überfahrt sind die Seehundbänke vor der Insel Norderney, an denen das Schiff vorbei fährt. Die Reederei betreibt eine eigene Busanbindung zum Bahnhof Norden. Nachdem der Frachtverkehr mit dem Versorgungsschiff Baltrum II früher über den Hafen Norddeich abgewickelt wurde, geschieht dies seit 2006 über den im Juni 1970 eingeweihten Hafen Neßmersiel, der von April bis August 2008 dafür um einen 35 Meter langen Frachtkai erweitert wurde. Auf Baltrum befindet sich eine SAR-Rettungsstation, die von der DGzRS mit dem Seenotrettungsboot Elli Hoffmann-Röser betrieben wird.

Flugverkehr

Der Flugplatz Baltrum ist ein deutscher Flugplatz auf der Nordsee-Insel Baltrum. Er liegt im Südwesten der ostfriesischen Insel, ist als Sonderlandeplatz klassifiziert und kann aufgrund der kurzen gepflasterten Start- und Landebahn (360 m) nur von einmotorigen Flugzeugen bis 1400 kg (und Cessna 206 und 182) und Hubschraubern (bis 5.700 kg) angeflogen werden. Der Landeplatz wird auf einem von der Gemeinde Baltrum gepachteten Gelände von der Firma FFH Friesischer Flugplatz Harle mit Sitz am Flugplatz Harle betrieben.

Der kürzeste Flug führt in acht Minuten zum Flugplatz Norden-Norddeich. Im Charterdienst werden Rundflüge und Tagesausflüge zu den anderen ostfriesischen Inseln angeboten.


Baltrum Airfield

  • deutscher Name: Flugplatz Baltrum
  • Code:  BMR / EDWZ
  • Lage:  53°43‘29“ N, 7°22‘24“ O
  • Seehöhe:  2 m (6 ft)
  • Entfernung: 
  • Inbetriebnahme: 
  • Betreiber:  Baltrum-Flug GbR
  • Terminal:  1
  • Rollbahn:  1
  • Länge der Rollbahn: 360 m (Pflastersteine)
  • Fluggesellschaften: 0
  • Flugzeug-Standplätze: 2
  • Beschäftigte:  2 (2019)
  • jährliche Passagierkapazität: 
  • jährliche Frachtkapazität: 

Wirtschaft

Der Alltag auf Baltrum war bis weit ins 19. Jahrhundert geprägt vom Leben mit und von der See. Eine große Rolle spielten Walfang, Seehandel und der Abbau und Verkauf von Schill, das heißt von Muschelschalen für die Kalkherstellung. Schiffsunglücke ermöglichten den Insulanern trotz aller Verbote und Reglementierungen immer wieder ein Zubrot: Bergung und Verkauf von Strandgut brachten immerhin einen gewissen Gewinn ein.

Durch die Kontinentalsperre 1806 kamen Fischfang und Seefahrt auch auf Baltrum zum Erliegen, was zu weiterer Verarmung der Insulaner führte. Der aus England stammende Seebädergedanke, der nach und nach die ostfriesischen Inseln ergriff, machte auch vor Baltrum nicht halt: Im Jahre 1876 wurde Baltrum „Seebad“. Doch obwohl in den 1890er Jahren größere Hotels eröffnet wurden (1892 Hotel Küper, 1895 Hotel zur Post), ging die Entwicklung des Bades nur sehr langsam voran, und es dauerte lange, bis sich hier ein ernstzunehmender Wirtschaftszweig als eine deutliche Alternative zur Seefahrt entwickelte. So kamen vor dem Zweiten Weltkrieg pro Saison nur 5.000 bis 6.000 Besucher. Nach dem Kriege wurden allerdings Infrastruktur und Einrichtungen so weit gefördert, errichtet oder erneuert, dass 1960 bereits 17.000 Gäste gezählt wurden.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft auf Baltrum bestand traditionell fast ausschließlich aus extensiver Viehzucht. Ackerbau spielte wegen des sandigen, nährstoffarmen Bodens und der ständigen Bedrohung durch Sturmfluten und wandernde Dünen nur eine untergeordnete Rolle. Bereits der ursprüngliche Name Balteringe deutet auf „Weideland“ hin. Die salzigen Hellerwiesen und Dünenflächen dienten jahrhundertelang als Weide für Schafe und gelegentlich für Rinder.

Noch 1867 kamen statistisch auf jeden Haushalt etwa drei Schafe. Die Tiere ernährten sich von den salzhaltigen Gräsern der Salzwiesen und trugen zur Landschaftspflege bei. Die Milch und das Fleisch der Schafe sowie Wolle dienten der Selbstversorgung. In manchen Perioden gab es einen oder zwei größere landwirtschaftliche Betriebe, doch diese waren klein und dienten vor allem der Eigenversorgung. Mit dem Aufkommen des Tourismus ab Ende des 19. Jahrhunderts und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Bedeutung der Landwirtschaft stark zurück. Heute existiert praktisch keine kommerzielle Landwirtschaft mehr auf Baltrum. Die wenigen verbliebenen Weideflächen dienen eher der Erhaltung der offenen Landschaft und dem Naturschutz im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Forstwirtschaft

Eine nennenswerte Forstwirtschaft gab und gibt es auf Baltrum nicht. Die Insel ist nahezu baumfrei; die Vegetation besteht hauptsächlich aus Dünengras, Strandhafer, Salzwiesen und niedrigem Gebüsch. Größere Baumansammlungen fehlen fast vollständig, da Wind, Salz und Sand keine höheren Gehölze zulassen. Kleinere Pflanzungen von Sträuchern oder windgeschützten Hecken dienten allenfalls dem Windschutz für Gärten oder Häuser, hatten aber keinerlei wirtschaftliche Bedeutung. Weinbau war auf Baltrum zu keiner Zeit möglich. Das raue Seeklima, der salzige Boden und die ständigen Stürme machen den Anbau von Reben unmöglich.

Fischerei

Die Fischerei war über lange Zeit der wichtigste Erwerbszweig der Baltrumer. Bis weit ins 19. Jahrhundert lebten die meisten Familien vom Fischfang und von der Seefahrt. Die Insulaner fingen in den umliegenden Gewässern und im Watt vor allem Schollen, Aal (mit Reusen), Schellfisch und Kabeljau. Besonders wichtig war die Reusenfischerei in der Nähe der Insel.

Ende des 18. Jahrhunderts kam ein lukrativer Nebenerwerb hinzu: die Austernzucht und das Sammeln von Schill. Vor Baltrum wurden Austernbänke bewirtschaftet – teils in Eigenregie der Insulaner, teils verpachtet. Der Fang musste genau dokumentiert werden. Noch bedeutender war das Sammeln von Schill, den leeren Schalen der Herzmuscheln im Watt. Dieser wurde an Kalkbrennereien auf dem Festland verkauft und brachte gutes Geld ein. Der Schill-Export verbesserte die Lebensverhältnisse der Insulaner spürbar und ermöglichte den Bau besserer Häuser. Manche Familien stiegen vom einfachen Fischer zum Kapitän auf und verdienten durch Küsten- und Hochseefahrt sowie durch Bergung von Strandgut.

Mit dem Aufstieg des Seebades ab 1876 und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die traditionelle Fischerei immer mehr an Bedeutung. Der Tourismus bot neue, weniger gefährliche Einkommensquellen. Heute gibt es auf Baltrum nur noch sehr wenige Fischer. Die klassische Reusenfischerei ist durch strenge Naturschutzvorschriften im Nationalpark stark eingeschränkt und kaum noch rentabel. Gelegentliche Krabben- oder Küstenfischerei findet statt, spielt aber wirtschaftlich keine große Rolle mehr.

Handwerk

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren die wichtigsten Handwerksberufe eng mit der Seefahrt, dem Hausbau und der täglichen Versorgung verbunden. Dazu gehörten Zimmerer und Schiffszimmerleute, die Häuser, Boote und später auch kleine Schiffe reparierten oder bauten. Viele Kapitäne und Seeleute besaßen nebenbei handwerkliche Fähigkeiten, etwa als Tischler oder Segelmacher. Es gab Schmiede, die Werkzeuge, Hufeisen für die wenigen Pferde und später auch Teile für die Küstenschutzbauten herstellten, sowie Maler und Bauhandwerker, die bei der Errichtung und Instandhaltung der Häuser halfen.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, mit dem Aufkommen des Seebades, entstanden zusätzliche Handwerksbetriebe. Um 1934 gab es auf der Insel unter anderem drei Bauunternehmer, vier bis fünf Zimmerer, zwei Maler, zwei Bäcker, einen Friseur, einen Schlosser und einen Tischler. Diese Betriebe versorgten sowohl die einheimische Bevölkerung als auch die wachsende Zahl der Gäste. Der Bau von Hotels und Pensionen sowie die Errichtung erster Inselschutzwerke (Buhnen und Deckwerke) schufen zusätzliche Arbeit für Bau- und Zimmerleute.

Eine Besonderheit der Inselwirtschaft war der Schill-Handel im 18. und 19. Jahrhundert. Das Sammeln und Aufbereiten von Schill – den leeren Schalen der Herzmuscheln im Watt – kann man als eine Art vorindustrielles Gewerbe bezeichnen. Der Schill wurde mit Booten oder bei Niedrigwasser gesammelt und als Rohstoff für Kalkbrennereien auf dem Festland verkauft. Dieses Geschäft brachte den Insulanern zeitweise ein gutes Zubrot und ermöglichte den Bau stattlicherer Häuser.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und mit dem starken Anstieg des Tourismus seit den 1950er Jahren veränderte sich das Handwerk grundlegend. Viele traditionelle Berufe verloren an Bedeutung oder passten sich den neuen Bedürfnissen an. Heute gibt es auf Baltrum vor allem Handwerker, die im Dienstleistungsbereich für den Tourismus tätig sind: Bauhandwerker, Maler, Elektriker, Klempner und Tischler, die Ferienwohnungen und Häuser instand halten. Wegen der Autofreiheit der Insel müssen diese Handwerker ihre Materialien und Werkzeuge mit Lastenrädern, Handkarren oder kleinen Transportfahrzeugen bewegen – eine besondere Herausforderung, die eine sehr gute Planung erfordert.

Wasserwirtschaft

Bis in die 1930er Jahre versorgten sich die Bewohner Baltrums ausschließlich mit Regenwasser, das in Zisternen gesammelt wurde. Fließendes Wasser gab es erst ab 1935. Heute wird die Insel ganzjährig mit Trinkwasser vom Festland über eine Leitung durch das Watt versorgt. Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) betreibt auf Baltrum ein Wasserwerk, das jedoch hauptsächlich als Notwasserwerk und Speicherpumpwerk dient. Bei Ausfall der Festlandleitung – etwa durch Sturm oder Beschädigung der Leitung – kann die Insel aus fünf eigenen Brunnen eine Notversorgung aufrechterhalten. Das Speichervolumen beträgt rund 1.200 Kubikmeter, und das Werk kann bis zu 100 Kubikmeter pro Stunde abgeben.

Die Süßwasserlinse unter der Insel reicht wegen der geringen Größe Baltrums und des hohen Wasserverbrauchs in der Sommersaison (bis zu mehrere Tausend Gäste) nicht aus. Im Gegensatz zu Langeoog oder Spiekeroog muss Baltrum daher dauerhaft vom Festland beliefert werden. Das Abwasser wird in einer eigenen Kläranlage gereinigt, die in den letzten Jahren mehrfach modernisiert wurde. Die Trinkwasserpreise und Abwassergebühren liegen deutlich höher als auf dem Festland, was die besonderen logistischen Herausforderungen widerspiegelt. Die Wasserwirtschaft ist damit ein kritischer Bereich, der durch technische Infrastruktur und enge Zusammenarbeit mit dem Festland gesichert wird.

Energiewirtschaft

Elektrischen Strom gibt es auf Baltrum erst seit 1925. Zunächst wurde er mit Dieselgeneratoren erzeugt, später folgte eine zentrale Versorgung. Heute ist die Insel über ein Seekabel mit dem Festlandnetz verbunden und bezieht ihren Strom hauptsächlich von dort. Eine eigene nennenswerte Stromerzeugung durch Windkraft- oder Solaranlagen existiert nicht in größerem Maßstab. Die autofreie Insel und der strenge Naturschutz machen große Anlagen schwierig. In den Sommermonaten steigt der Strombedarf durch die vielen Gäste stark an, vor allem für Unterkünfte, Gastronomie und die Trinkwasserpumpen.

Die Gemeinde und der OOWV achten auf Energieeinsparung und fördern Maßnahmen wie das Wiederverwenden von Handtüchern in den Unterkünften oder bewusstes Wassersparen. Eine Umstellung auf vollständig erneuerbare Energien vor Ort ist aufgrund der begrenzten Fläche und der Insellage bisher nicht erfolgt. Die Versorgung bleibt daher stark abhängig vom Festland, was bei Störungen oder hohen Belastungen zu Engpässen führen kann. Insgesamt ist die Energiewirtschaft auf Baltrum unauffällig, aber zuverlässig und auf das Wesentliche beschränkt.

Abfallwirtschaft

Die Abfallwirtschaft auf Baltrum ist besonders aufwendig, da sämtlicher Müll mit der Fähre oder per Schiff zum Festland transportiert werden muss. Jährlich fallen etwa 1.000 Tonnen Abfall an – eine enorme Menge für eine so kleine Insel mit nur rund 500 Einwohnern. Die Entsorgung erfolgt nach dem Verursacherprinzip und wird vom Landkreis Aurich (über die MKW GmbH) organisiert. Es gibt getrennte Tonnen für Restabfall und Bioabfall (sehr kleine Behältergrößen, zum Beispiel 35 oder 50 Liter), gelbe Säcke für Verpackungen sowie Sammelstellen für Papier.

Der Müll wird mit Handkarren, Lastenrädern oder traditionell auch noch mit Pferdekutschen zur zentralen Müllumschlagstation gebracht und von dort per Schiff abtransportiert. Ein eigener Wertstoffhof auf der Insel nimmt Schadstoffe, Sperrmüll und weitere Wertstoffe an. Die Gebühren sind höher als auf dem Festland, und es gelten Mindestleerungszahlen, um Abfallvermeidung zu fördern. In der Hochsaison öffnet die Müllstation teilweise ganztägig, um den erhöhten Anfall zu bewältigen.

Handel

Die vorhandenen Geschäfte decken in erster Linie den täglichen Bedarf der Bewohner und der zahlreichen Gäste ab. Dazu gehören kleinere Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien sowie Läden für Dinge des alltäglichen Gebrauchs. Aufgrund der Insellage ist die Versorgung eng mit dem Festland verbunden: Waren werden per Schiff angeliefert und anschließend auf der Insel verteilt. Dies führt dazu, dass das Sortiment oft kompakter ist als in größeren Städten und sich stärker auf das Wesentliche konzentriert.

Neben der Grundversorgung spielt der touristisch geprägte Einzelhandel eine wichtige Rolle. Souvenirläden, Boutiquen und kleine Fachgeschäfte bieten Produkte an, die sich an Besucher richten, etwa maritime Artikel, Kleidung oder regionale Spezialitäten. Diese Geschäfte sind besonders in der Hauptsaison stark frequentiert und tragen wesentlich zur lokalen Wirtschaft bei. Gleichzeitig bleibt die Struktur kleinräumig und persönlich, häufig handelt es sich um inhabergeführte Betriebe.

Auch gastronomische Betriebe sind ein zentraler Bestandteil des Handels auf Baltrum. Restaurants, Cafés und kleine Imbisse ergänzen das Angebot und sind sowohl für Einheimische als auch für Touristen von großer Bedeutung. Sie tragen dazu bei, dass der Ort trotz seiner geringen Größe eine gewisse Vielfalt bietet.

Die begrenzten räumlichen und logistischen Möglichkeiten führen dazu, dass es auf der Insel keine großen Einkaufszentren oder Filialketten in größerem Umfang gibt. Stattdessen prägen kleine, individuell geführte Geschäfte das Bild. Diese sind oft eng miteinander vernetzt und passen ihr Angebot flexibel an die saisonalen Schwankungen an.

Finanzwesen

Die wichtigste klassische Bank ist die Raiffeisen-Volksbank Fresena eG. Sie betreibt eine kleine Geschäftsstelle im Ortsteil Westdorf. Diese gehört zum genossenschaftlichen Bankensektor und bietet grundlegende Bankdienstleistungen sowie einen Geldautomaten an. Allerdings ist die Filiale heute meist nicht dauerhaft personell besetzt, sondern dient eher als Servicepunkt mit eingeschränkten Öffnungszeiten bzw. Selbstbedienungsangeboten.

Daneben gibt es die Sparkasse Aurich-Norden. Diese unterhält auf Baltrum keine klassische Filiale mit Beratung, sondern lediglich eine sogenannte SB-Filiale (Selbstbedienung). Dort stehen rund um die Uhr Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker zur Verfügung.

Weitere große Banken wie Deutsche Bank oder Postbank sind auf der Insel selbst nicht mit eigenen Filialen vertreten. Für umfangreichere Bankgeschäfte, persönliche Beratung oder spezielle Finanzdienstleistungen müssen Bewohner und Besucher daher in der Regel auf das Festland ausweichen, etwa nach Norden oder Aurich.

Soziales und Gesundheit

Der eigenständige Armenverband Baltrum war laut Verzeichnis vom 13. Juli 1870 im Kirchspiel Baltrum verankert, ist aber wohl schon älter, denn seine Rechnungen wurden bereits 1765 vom Amt Berum geprüft. Zwischen 1823 und 1851 waren die Rechnungen der Kontrolle durch die Landdrostei Aurich und das Amt Berum unterworfen.

Die medizinische Versorgung der Insulaner und Gäste erfolgt derzeit (2010) über eine Inselpraxis, in der zwei Ärztinnen praktizieren. Außerdem gibt es eine Apotheke, die als Zweigstelle einer Norder Apotheke besteht. 2006 wurde ein Pflegeverein zur gesundheitlichen und sozialen Versorgung pflegebedürftiger Insulaner und Gäste gegründet.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger hat eine Station im Rettungsschuppen am Hafen. Das Rettungsboot „Elli Hoffmann-Röser“ kommt in Notfällen zum Einsatz und dient bei

Bedarf als Krankentransportboot zum Festland. Die Freiwillige Feuerwehr Baltrum wurde 1936 gegründet; die Einsatzabteilung hat aktuell 28 Mitglieder. Die öffentliche Ordnung wird durch die Baltrumer Polizeiwache bzw. den Inselpolizisten sichergestellt.

Gesundheitswesen

Seit 1966 ist Baltrum staatlich anerkanntes Nordseeheilbad. Seit den 1970er Jahren kommen pro Saison über 30.000 Gäste. So halten sich bei rund 500 Insulanern in der Saison ständig fast 4.000 Gäste auf der Insel auf, womit die Aufnahmekapazität Baltrums erschöpft ist.

Bevor Kurbetrieb und Tourismus die Haupterwerbsquellen wurden, sah die Situation auf Baltrum völlig anders aus: In der Zeit von 1823 bis 1867 wurde die Anzahl der Haushalte wie folgt erfasst: 1823: 23, 1848: 28 (bewohnte Häuser) und 1867: 45. Im gleichen Zeitraum bewegte sich die Einwohnerzahl von 103 über 152 auf 181. 1867 gab es hier statistisch gesehen je Haushalt vier Bewohner und drei Schafe.

Das Einwohnerverzeichnis von 1880/81 weist lediglich einen Gastwirt, der auch Krämer war, einen Bauaufseher, einen Grenzaufseher sowie elf Schiffskapitäne, von denen einer auch als Krämer fungierte, aus.

1934 waren 80 % der Betriebe im Badegewerbe angesiedelt. Ein Küstenfahrer mit zwei Mann wurde erfasst. Ferner gab es ein Büro der Wasserbauverwaltung Norden mit einem Angestellten und acht Strandarbeitern. Vier Hotels, 13 Pensionen und acht Logierhäuser dienten der Unterbringung der Gäste. Weiter gab es einen Kohlenhändler, vier Läden, drei Bauunternehmer, vier bis fünf Zimmerer, zwei Maler, zwei Bäcker, einen Friseur, einen Schlosser und einen Tischler.

Zwischen 1949 und 1960 wurde jeweils nur ein großer landwirtschaftlicher Betrieb und 1971 nur noch ein kleines Unternehmen verzeichnet. Die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten stieg kontinuierlich von 69 (1950) über 131 (1961) und 155 (1970) auf 161 (1987). Der Anteil der Handwerksbetriebe lag 1950 bei 14,5 % und 1961 nur noch bei 9,2 %. Die Summe der Erwerbspersonen nahm zunächst deutlich von 248 (1950) auf 636 (1961) zu, reduzierte sich dann aber wieder auf 500 (1970) und schließlich auf 267 (1987).

Die Fährschiffe der 1928 gegründeten Reederei Baltrum-Linie steuern die Insel gezeitenabhängig vom 1969/70 wiedererrichteten Hafen Neßmersiel aus an. Das Gepäck der Urlauber wird vor der Abfahrt in Container verladen und dann mit derselben Fähre befördert. Die Güterver- und entsorgung der Insel erfolgt per Frachtschiff ebenfalls von Neßmersiel. Die Fährverbindung von Norddeich aus wurde wegen der längeren Fahrzeit 1986 eingestellt. Von 1949 bis 1985 gab es auf Baltrum eine Inselbahn (Spurweite 600mm) mit einem kleinen Streckennetz, die ausschließlich zur Güterbeförderung eingesetzt wurde.

Baltrum ist, bis auf Einsatzfahrzeuge wie zum Beispiel der Feuerwehr, eine autofreie Insel. Es gibt auch keinen Fahrradverleih, und Gäste werden gebeten, keine Fahrräder mit auf die Insel zu bringen. Über den Flugplatz Baltrum ist die Insel für kleine Maschinen auch auf dem Luftweg zu erreichen.

„Zehn Betten pro Einwohner - so hatten die Baltrumer in den Siebzigern, Achtzigern bis in die Neunzigerjahre hinein Pi mal Daumen die touristische Schlagkraft der kleinsten Ostfriesischen Insel errechnet und waren damit nicht allein - an der Küste verglich man die Nordseeheilbäder und Küstenbadeorte zumeist nach eben diesem Prinzip. Die Baltrumer standen damit rein rechnerisch recht gut und etwas stolz da - mit allen Problemen und Konsequenzen, die sich aus diesem Ungleichgewicht an Manpower auf der einen, und Bereitstellung wie Instandhaltungsmaßnahmen der Infrastruktur auf der anderen Seite so ergaben.

Zwischenzeitlich hatten sich die Zahlen verschoben, bzw. waren durch allerlei Umstände nicht mehr so einfach vergleichbar gewesen - nicht zuletzt dadurch, dass die Statistik hinsichtlich erhobener Zahlen anhand des eingezogenen oder eben nicht registrierten Kurbeitrags hinkte, die Saison andernorts verlängert wurde und vor allem die reinen Kurverwaltungsbetriebe (die sich heute mangels veritabler Kuren meist schick und selbstbewusst als Tourismusservice-Dienstleister verstehen und zu präsentieren wissen) sich dort entweder auf das monetäre Geschäft besannen und selbst Einnahmen generierten oder die Tourismusorte eben durch bauliche Erweiterungen die Bettenzahlen erhöhten. Und schließlich hatte man zudem begonnen, empirische Erhebungen den Berechnungen zugrunde zu legen, um best mögliche Entscheidungshilfen leisten zu können.

Nun bestätigt ein neues Gutachten dieses alte Verhältnis mit neuen Zahlen - und auch wenn Baltrum rein touristisch gesehen nicht zu den Zugpferden an der Nordseeküste gehört, verdient man hierorts doch vergleichsweise viel mit diesem Geschäft.

Im Zuge der Entwicklung der LEADER-Region „Wattenmeer-Achter im Weltnaturerbe“ wurde jüngst „Der Wirtschaftsfaktor Tourismus für die Insel Baltrum“ erhoben, wie auch für Borkum, Juist, Norderney, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge sowie für die Küstenstadt Norden-Norddeich. Das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut wurde mit dieser Aufgabe betraut und hat in der vergangenen Woche die Ergebnisse für Baltrum vor klitzekleinem Publikum im hiesigen Rathaus präsentiert. Dr. Manfred Zeiner und Moritz Sporer von der dwif-Consulting GmbH aus München stellten das Konstrukt aus Verein (seit 1950) und GmbH (seit 2003) vor, welches seit zehn Jahren u.a. auch die Erhebungen für den Deutschen Tourismus Verband leistet und seit Langem Marktforschungen und Freizeitverhalten berteibt sowie Betriebsvergleiche und Wertschöpfung analysiert. Bekannt sind die Ergebnisse beispielsweise durch das Sparkassen-Tourismusbarometer, das hier an der Küste immer wieder zitiert wird.

Die Entwicklung Baltrums in den vergangenen Jahren sei „ja nicht spektakulär und prickelnd“ gewesen, stellte Dr. Zeiner das Ergebnis für Baltrum fest. Von den reinen Zahlen und Kurven der statistischen Ämter aber dürfe man sich nicht täuschen lassen, ermunterte er die Anwesenden: Erstens tauchten in den amtlichen Statistiken keine Privatvermietungen auf (also Einheiten unter zehn Betten), zweitens sei der Tagestourismus nicht berücksichtigt. Und beide Faktoren spielten besonders für Baltrum - wer hätte das gedacht? - eine entscheidende Rolle.

Denn den 271.000 Übernachtungen, die das Statistische Landesamt 2016 registrierte, stehen die 461.000 Übernachtungen gegenüber, die aus den Kurbeitraganmeldungen inzwischen relativ zuverlässig erhoben wurden. Und davon sind rund 40% in einem bestimmten Anteil an Privat-Unterkünften zu verzeichnen - als „Betriebe unter zehn Betten“, sprich Zweitwohnungen (die für die Selbstnutzer als Freizeitwohnungen gelten). 12,6% macht nur die Hotellerie aus - das sei zum Beispiel eine ganz andere Dimension als auf den anderen Inseln oder Küstenbadeorte aber auch im Vergleich zum Städtetourismus, wo dieser Anteil meist über 80% liegt. 32% Übernachtungen gab es 2016 in den gewerblichen Ferienwohnungen.

64.000 Tagesreisende wurden 2106 auf Baltrum registriert, roundabout ein Viertel des Gesamtvolumens („0,24 Tagesgast pro Übernachtung“). Der Tagestourismus spielt also eine große, wichtige Rolle für Baltrum!

Die Erhebungen sind mittels einer Grundlagenstudie mit 20.000 Interviews, dem Qualitätsmonitor Deutschland-Tourismus der Deutschen Zentrale für Tourismus und auf Baltrum direkt erhoben worden, erläuterte Sporer. Ebenso sei das Ausgabeverhalten analysiert worden, wobei sich Übernachtungsgäste und Tagesgäste deutlich unterschieden. Und schließlich sei die Umsatzsteuerstatistik herangezogen worden, die den „Gesamtwert“ für Baltrum errechnen lässt aus Einwohnern, Übernachtungsgästen und Tagesgästen: Baltrum hatte 2016 einen Bruttoumsatz von 38,1 Millionen Euro. Davon werden 24 Millionen durch das Gastgewerbe erwirtschaftet.

Hieraus ließen sich direkte und indirekte touristische Einkommenswirkungen ableiten, so Sporer. Alles in allem könnten auf Baltrum 920 Personen (vom Säugling bis zum Greis) mit einem durchschnittlichen Primäreinkommen von 20.677 Euro leben, rechnete er vor - und das sei nicht schlecht.  3,5 Millionen Euro sei demnach das Steueraufkommen inklusive Kurbeitrag (1,9 Mio Euro) hoch und fließe zurück auf die Insel. (Sabine Hinrichs: http://www.baltrum-online.de/news_artikel.php?id=3458)

Krankheiten

Typische Erkrankungen auf Baltrum unterscheiden sich daher nicht grundlegend von denen auf dem Festland, allerdings treten bestimmte Beschwerden aufgrund der Umweltbedingungen entweder seltener oder in anderer Form auf. Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale oder chronische Bronchitis können sich durch die saubere, allergenarme Luft verbessern. Auch Hauterkrankungen wie Neurodermitis profitieren häufig vom maritimen Klima, da die salzhaltige Luft und das Meerwasser eine lindernde Wirkung haben können.

Gleichzeitig bringt das Inselklima auch spezifische Belastungen mit sich. Der oft starke Wind und die intensive Sonneneinstrahlung können zu Erkältungen oder Hautreizungen führen, wenn keine ausreichenden Schutzmaßnahmen getroffen werden. Sonnenbrand und langfristige Hautschäden durch UV-Strahlung sind daher nicht untypisch, insbesondere bei längeren Aufenthalten im Freien ohne entsprechenden Schutz. Auch Kreislaufprobleme können bei empfindlichen Personen durch den ständigen Wind und die klimatischen Reize ausgelöst werden.

Infektionskrankheiten treten auf Baltrum insgesamt selten gehäuft auf, was unter anderem an der geringen Bevölkerungsdichte und der relativen Isolation liegt. Dennoch können saisonale Erkrankungen wie Erkältungen oder grippale Infekte auch hier vorkommen, vor allem in Zeiten mit erhöhtem Besucheraufkommen. Die medizinische Versorgung vor Ort ist begrenzt, es gibt jedoch grundlegende Einrichtungen für die Erstversorgung. Für schwerwiegendere Erkrankungen oder spezielle Behandlungen ist ein Transport auf das Festland erforderlich.

Ein weiterer Aspekt betrifft allergische Erkrankungen. Viele Menschen mit Pollenallergien berichten auf Baltrum über eine deutliche Linderung ihrer Beschwerden, da die Pollenbelastung durch die Insellage und die vorherrschenden Winde meist geringer ist als im Binnenland. Dies macht die Insel auch zu einem beliebten Aufenthaltsort für gesundheitliche Erholung.

Bildung

Der Beginn der Schultätigkeit ist nicht mehr sicher festzustellen. Fest steht aber, dass in früheren Zeiten dem Inselpastor neben seiner Tätigkeit (bis 1756) als Vogt auch die Durchführung des Unterrichts oblag. Entsprechende Zeugnisse liegen ab 1670 vor. Noch 1801 war als „Schule“ ein eigener Raum im Pastorat vorgesehen. Im 19. Jahrhundert unterstützte ein Schulgehilfe den Unterricht erteilenden Prediger. 1936 und 1956 wurden aus Platzgründen neue Schulbauten bzw. Erweiterungsbauten erstellt. Die Schule von 1936 hielt sogar erstmalig eine eigene Lehrerdienstwohnung vor. Erwähnenswert sind auch noch zwei weitere Schulprojekte, denen allerdings keine lange Lebensdauer beschert war: 1937 wurde eine Gewerbliche Berufsschule errichtet, 1949 die Ländliche Berufsschule Baltrum.

Die einzige Schule auf Baltrum ist heute die „Inselschule Baltrum“ im Westdorf „Haus-Nr. 109“. Die Schule ist Grund-, Haupt- und Realschule gleichzeitig. 2011 wurden rund 50 Schüler von 6 Lehrkräften unterrichtet. Wegen der geringen Schülerzahlen werden die Schüler jeweils in Doppelklassen zusammengelegt und gemeinsam unterrichtet. Schüler der Insel, die das Abitur machen möchten, besuchen das Niedersächsische Internatsgymnasium in Esens. Die Schüler des Internats kommen zu über 90 Prozent von den Ostfriesischen Inseln.

Höhere Bildung

Kurzzeitig gab es in der Vergangenheit Versuche, das Bildungsangebot zu erweitern. 1937 wurde eine gewerbliche Berufsschule eingerichtet, und 1949 folgte eine ländliche Berufsschule. Beide Einrichtungen hatten jedoch nur eine kurze Lebensdauer und konnten sich auf der kleinen Insel nicht dauerhaft etablieren. Heute konzentriert sich die Inselschule auf eine familiäre, natur- und inselbezogene Pädagogik. Viele Schülerinnen und Schüler nutzen nach der 10. Klasse die Möglichkeit, auf dem Festland eine weiterführende Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu beginnen. Für Erwachsene gibt es keine regelmäßigen Angebote der Erwachsenenbildung oder Volkshochschule vor Ort; gelegentliche Kurse oder Vorträge werden vom Heimatverein, der Kirche oder im Rahmen des Tourismus organisiert.

Bibliotheken und Archive

Auf Baltrum existiert keine große öffentliche Bibliothek. Stattdessen gibt es die kleine Evangelische Inselbücherei (auch „Bücherei im Turm“ genannt), die von der evangelischen Kirchengemeinde betrieben wird. Sie befindet sich im Kirchturm oder in unmittelbarer Nähe des Pfarramts und bietet vor allem Unterhaltungsliteratur, Kinderbücher, Inselgeschichten und einige Sachbücher zur Natur und Geschichte des Wattenmeeres an. Die Bücherei wird ehrenamtlich geführt und ist vor allem in den Sommermonaten für Gäste und Einheimische geöffnet – meist dienstags und freitags für eine Stunde. Sie dient als Treffpunkt und Ergänzung zum kulturellen Leben auf der Insel. In den Wintermonaten ist sie oft nur eingeschränkt zugänglich.

Darüber hinaus gibt es in einigen Pensionen und im Nationalpark-Haus kleinere Leseecken oder Bücherschränke für Gäste. Wissenschaftliche oder spezialisierte Bibliotheken fehlen vollständig. Wer tiefergehende Literatur sucht, muss auf die Bibliotheken des Festlandes (etwa in Norden oder Aurich) oder auf digitale Angebote zurückgreifen.

Ein eigenes, professionell geführtes Gemeindearchiv oder Heimatarchiv besitzt Baltrum nicht. Historische Dokumente, Urkunden, Fotos und Aufzeichnungen zur Inselgeschichte werden teilweise vom Baltrumer Heimatverein gesammelt und gepflegt. Dieser Verein, der 1989 gegründet wurde, engagiert sich stark für die Erhaltung des kulturellen Erbes. Viele wertvolle Materialien lagern im „Bummert“, dem Inselmuseum, das 2007 eröffnet wurde und neben Ausstellungsstücken auch Archivmaterialien zugänglich macht.

Größere und systematisch erschlossene Bestände zur Geschichte Baltrums befinden sich in überregionalen Archiven auf dem Festland, vor allem im Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich (ehemals Staatsarchiv Aurich). Dort liegen Urkunden, Kirchenbücher, Personenstandsregister und Akten zur Inselverwaltung. Weitere Dokumente finden sich in der Historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft in Aurich sowie in kirchlichen Archiven.

Kultur

Das Kulturangebot Baltrums ist sehr stark auf die Wünsche und Bedürfnisse der Feriengäste abgestimmt. Besonders während der Saison, das heißt in der Zeit von März bis Oktober, finden regelmäßig Konzerte, Theatervorführungen, Ausstellungen, Vorträge, Veranstaltungen für Kinder undsoweiter statt. 1965 wurde der Kultur- und Sportverein Baltrum gegründet, der sich mittlerweile zum Hauptträger des sportlichen und kulturellen Lebens der Insel entwickelt hat. Ihm gehören zirka 80 % der Insulaner an. Größte Abteilung des Kultur- und Sportvereins ist die Laienspielgruppe der Inselbühne Baltrum. Sie spielt während der Saison wöchentlich in der Kultur- und Sporthalle.

Museen

Das Heimatmuseum im alten Zollhaus wurde am 24. Mai 2007 vom Heimatverein Baltrum e.V. im ehemaligen Wohnhaus der Zollbeamten der Insel eröffnet. Die Ausstellung im Untergeschoss des Bummerts zeigt in vier Räumen und zwei Galerien einen heimatkundlichen sowie einen naturkundlichen Teil. Das Museum wird jährlich von rund 5.500 Urlaubern und Einheimischen besucht.

Das Nationalpark-Haus Baltrum wurde 1987 im ehemaligen Schuppen der Reederei Baltrum Linie eröffnet. Schwerpunkt der Ausstellung ist das Thema Gezeiten.

Der Heimatverein Baltrum e.V. wurde 1989 gegründet. Er erwarb von der Gemeinde im Jahr 1998 den Bummert „Altes Zollhaus“, in dem seit 2007 ein Inselmuseum eingerichtet ist. Daneben ist der Heimatverein auch verantwortlich für die Herausgabe der Inselzeitung „Die Inselglocke“, die während der Saison (Ostern bis Herbst) sechs Mal jährlich erscheint. Seit 1987 gibt es in einem ehemaligen Schuppen der Inselreederei, einem der wenigen auf einer Wurt vor der schützenden Deichlinie liegenden Gebäude, das Nationalpark-Haus mit dem Schwerpunktthema „Gezeiten“.

Der Baltrumer Gezeitenpfad ist ein rund sieben Kilometer langer Lehrpfad, der 2006 anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens des Nationalparks Niedersächsischen Wattenmeer eröffnet wurde. Der Pfad beginnt bei den Wattflächen am Hafen, führt über die Küstenschutzanlagen am Westkopf der Insel, quert den Strand und die Insel, führt über die Dünen durch Dünentäler, kommt an den Hellerwiesen zurück nach Westen und endet im Nationalpark-Haus Baltrum. Die Informationstafeln der 18 Stationen entlang des Pfades geben Einblicke in die Gezeiten, die Inselgeschichte, den Küsten- und Naturschutz sowie die Entwicklung des Tourismus auf Baltrum. Vier Stationen laden als interaktive Stationen zum Experimentieren ein.

Im März 1989 wurde der Heimatverein Baltrum e.V. gegründet. Ziel des Vereins ist der Erhalt des kulturellen Erbes der Insel. Der Verein erwarb 1998 das Doppelhaus „Baltrumer Haus Nr. 18“ von 1855 und baute es zum Museum „Altes Zollhaus“ um. Der Museumsname verweist auf den ursprünglichen Zweck des Gebäudes, das von der Zollbehörde für ihre beiden auf Baltrum tätigen Zollbeamten mit ihren Familien gebaut wurde. Seit Mai 2007 werden hier vorwiegend Ausstellungsstücke zur Heimatgeschichte sowie zur Naturgeschichte gezeigt. Im Obergeschoss des Museums befindet sich der 2008 fertiggestellte Versammlungssaal des Vereins. 2009 hatte der Heimatverein rund 160 Mitglieder.

Der Baltrumer Boots-Club e.V. von 1967 hat rund 100 Mitglieder und betreibt den kleinen Baltrumer Sportboothafen, in dem ca. 50 Sport- und Segelboote Platz finden. Der Sportboothafen ist tideabhängig und kann nur bei Flut angelaufen werden.

Architektur

Das Historische Pfahlschutzwerk ist ein historischer Wellenbrecher und befindet sich an der Südwestflanke der Insel zwischen Westkopf und Hafen. Die rund 300 Meter lange Holzkonstruktion ist das Teilstück einer Küstenschutzanlage, die zwischen 1883 und 1889 den gesamten Westkopf der Insel umspannte und sicherte. Die Anlage besteht aus abgestützten Pfählen und Kanthölzern, die bei Sturmfluten als Wellenbrecher dienen. Anlagen dieser Art wurden auch auf den anderen ostfriesischen Inseln eingesetzt, jedoch hat sich dieses Bauprinzip nicht bewährt. Der Westkopf Baltrums wurde daher zwischen 1921 und 1928 durch eine massive Betonkonstruktion mit S-förmigen Querschnitt ersetzt. Nur im nicht so gefährdeten Strandabschnitt zwischen Westkopf und Hafen blieb die ursprüngliche Holzkonstruktion erhalten. In den Jahren 1930/31 wurde es grunderneuert und später als „schützenswertes Denkmal“ unter Denkmalschutz gestellt. Im Rahmen von umfangreichen Sanierungsarbeiten am Deckwerk des Westkopfs wurde das noch vorhandene Pfahlschutzwerk 2008 erneut instand gesetzt.

Architektonisch an erster Stelle ist hier die 1826 nach der verheerenden Sturmflut als evangelisch-lutherisches Gotteshaus erbaute Alte Inselkirche zu nennen. Sie ist heute die zweitälteste Kirche auf den ostfriesischen Inseln. Direkt neben der Kirche befindet sich der hölzerne Glockengalgen, das heutige Wahrzeichen von Baltrum. Die an ihm hängende Schiffsglocke von 1786 muss seit je her vom Prediger selbst mit der Hand geläutet werden. Während der Saison finden hier regelmäßig Abendandachten statt; darüber hinaus ist die Alte Inselkirche für Gäste ein beliebter Ort für Trauungen und Taufen.

An der Süd-West-Seite der Insel befindet sich das historische Pfahlschutzwerk. Es stammt im Kern aus den 1880er Jahren. In den Jahren 1930/31 wurde es grunderneuert. Heute ist nur noch ein kleines Stück davon zwischen Hafen und Westkopf erhalten, das unter Denkmalschutz steht. 2008 wurde es im Zuge der umfangreichen Sanierungsarbeiten am Deckwerk des Westkopfs instandgesetzt.

Die evangelisch-lutherische Alte Inselkirche wurde 1826 auf der ostfriesischen Insel Baltrum errichtet. Sie ist das zweitälteste erhaltene Gotteshaus auf einer ostfriesischen Insel. Sie ist mindestens die fünfte auf der Insel. Dies ist zum Teil mit der Wanderung der Insel zu erklären, die im Laufe der Jahrhunderte immer weiter in Richtung Osten wanderte, so dass Inseldorf und Kirche immer wieder verlegt werden mussten. Das älteste bekannte Gotteshaus wird 1736 als baufällig bezeichnet. Im Jahre 1746 wurde es bei einer Sturmflut schwer beschädigt und im folgenden Jahr abgebrochen. Sieben Jahre später wurde östlich der damaligen Siedlung eine neue Kirche errichtet, die 1808 wegen der Inselwanderung aufgegeben wurde. Heute befindet sich der ehemalige Standort dieser Kirche auf dem Strand der Nachbarinsel Norderney. Als Ersatz für diesen Bau wurde bereits 1800 eine neue Kirche errichtet, die 1825 bei einer verheerenden Sturmflut zerstört wurde.

Im Jahre 1826 wurde schließlich die heutige Kirche errichtet, die etwa 50 Personen Platz bietet. Das Geläut befindet sich in einem einfachen Holzgerüst neben der Kirche. Die Glocke stammt von einem holländischen Segelschiff, das vor Baltrum strandete. Der Glockenstuhl gilt als Wahrzeichen der Insel.

Für die zahlreichen Gäste der Insel wurde in den Jahren 1929/30 die neue Große evangelisch-lutherische Inselkirche erbaut. Die Alte Inselkirche wird – nach zwischenzeitlicher Nutzung als katholische Kirche und Leichenhalle – nur mehr für Trauungen und Taufen, montags und freitags für Abendandachten sowie für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Die Ausstattung ist zum Teil älter als die Kirche. Zum Altargerät gehört ein Kelch, den Katharina von Schweden, Gemahlin des ostfriesischen Grafen Edzard II. zwischen 1559 und 1599 stiftete. Die Orgel mit 196 Pfeifen, davon zwölf aus Holz, befindet sich seit dem 2. Oktober 2004 nach einer Generalüberholung durch den Orgelbauer Martin ter Haseborg in der Kirche. Sie stand zuvor seit 1968 in der Friedhofskapelle in der Auricher Straße in Emden. Erbaut wurde das Instrument 1950 von Hermann Hillebrand.

Die evangelisch-lutherische große Inselkirche wurde in den Jahren 1929 bis 1930 auf der ostfriesischen Insel Baltrum errichtet. Die Geschichte der Kirchen hängt unmittelbar mit der Wanderung der Insel Richtung Osten zusammen. In den letzten zwei Jahrhunderten hatte die Insel nacheinander fünf Kirchen, die jeweils weiter östlich verlegt wurden. Im Jahr 1736 ist zum ersten Mal eine Inselkirche bezeugt, die westlich der Ortschaft stand, damals bereits als baufällig bezeichnet wurde und 1746 in den Fluten unterging. Der Nachfolgebau wurde 1756 östlich des Ortes errichtet und diente den Einwohnern ein knappes halbes Jahrhundert als gottesdienstlicher Versammlungsraum. Der Standort dieser beiden Kirchen befindet sich heute auf der Insel Norderney. Das zweite Gotteshaus stand bis 1808, wurde in der Funktion aber bereits 1800 durch ein neues Gebäude abgelöst, das nur bis 1825 den Fluten standhalten konnte. Die im Jahr 1826 errichtete Alte Inselkirche gehört heute zu den Sehenswürdigkeiten der Insel.

Als nach dem Ersten Weltkrieg die Zahl der Badegäste auf der Insel anwuchs, war die Kapazität der alten Kirche mit ihren 50 Plätzen überschritten, so dass man in den Jahren 1929 bis 1930 die große Inselkirche errichtete, zunächst noch ohne Seitenschiffe, die 1959 angebaut wurden. In den Jahren 1964/65 wurde der Turm erhöht und die bis dahin vorhandene große Glocke um zwei kleinere ergänzt. Diese zwei Bronzeglocken stammen von der Glockengießerei Otto aus Bremen-Hemelingen. Sie wurden im Jahr 1965 gegossen und haben folgende Schlagtöne: des'' und es'' und wiegen 240 kg und 170 kg. Heute bietet das Gebäude Platz für 300 Personen und ist die Hauptkirche der Gemeinde. Abendandachten werden während der Saison montags und freitags in der Alten Inselkirche gehalten. Östlich der Großen Kirche steht das Gemeindehaus, das am 11. September 2003 eingeweiht wurde.

Die kreuzförmig angelegte Kirche wird durch ein Walmdach abgeschlossen. Die spitzbogigen Fenster in den alten Langseiten, zwei im Osten und drei im Westen, sind mit buntem Bleiglas versehen, während die Süd- und Nordwand der neueren Seitenarme durch je fünf rechteckige, nebeneinander liegende Fenster durchbrochen werden. In der Ostmauer befindet sich ein einziges kleines Rundbogen-Fenster.

Der Innenraum ist schlicht gestaltet. Der Mittelgang zwischen den beiden Reihen mit den hölzernen Kirchenbänken gewährt den Blick auf den erhöhten Altartisch unter dem kleinen Fenster. Die Orgel wurde in den Jahren 1959 bis 1961 von Alfred Führer errichtet und im Jahre 2004 von Martin ter Haseborg renoviert. Das Instrument verfügt über 14 Register auf zwei Manualen und Pedal. (nach wikipedia)

Bildende Kunst

Ein hervorstehendes Beispiel bildender Kunst auf Baltrum ist die Arbeit von Malern wie Claus W. Jensen, der sich auf Landschaftsbilder und maritime Motive spezialisiert hat. Seine Gemälde zeigen oft die Dünenlandschaften der Insel, das Wattenmeer bei Ebbe und Flut oder die charakteristischen Inselszenen mit Reetdachhäusern und dem Hafen. Diese Werke sind sowohl in lokalen Galerien als auch in wechselnden Ausstellungen auf dem Festland zu sehen.

Auch die Skulptur spielt auf Baltrum eine Rolle, insbesondere im öffentlichen Raum. So gibt es beispielsweise kleinere Holz- und Steinskulpturen entlang der Dünenwege, die oft von regionalen Künstlerinnen und Künstlern geschaffen werden. Sie greifen Themen wie Meer, Natur und das Leben auf der Insel auf und sollen Passanten zum Innehalten und Nachdenken anregen. Temporäre Installationen im Rahmen von Kunstprojekten ergänzen dieses Angebot regelmäßig.

Fotografie ist ein weiteres bedeutendes Medium auf der Insel. Viele Künstlerinnen und Künstler dokumentieren das Inselleben, die saisonalen Veränderungen in Flora und Fauna oder die einzigartige Lichtstimmung über dem Meer. Die Baltrumer Fotografin Ute Schreiber zeigt in ihren Arbeiten sowohl die Ruhe der Wintermonate als auch das lebhafte Treiben im Sommer, wodurch die besondere Atmosphäre der Insel für ein breites Publikum erfahrbar wird.

Zusätzlich werden auf Baltrum kleine Workshops und Kurse für Besucher angeboten, bei denen Malerei, Zeichnung oder Fotografie erlernt werden können. Diese Programme verbinden künstlerisches Schaffen mit der unmittelbaren Erfahrung der Insellandschaft und fördern die kulturelle Begegnung zwischen Einheimischen und Gästen.

Literatur

Eine literarische Verarbeitung des Insellebens ist das Buch „Baltrum – Geschichten von Meer und Insel“ von Heinz-Günter Heidrich, in dem Alltagserlebnisse, historische Ereignisse und das Inselleben in erzählerischer Form dargestellt werden. Solche Werke richten sich sowohl an Einheimische als auch an Gäste und vermitteln ein Gefühl für die besondere Atmosphäre der Insel.

Daneben existieren zahlreiche Fotobücher und Bildbände mit kurzen literarischen Kommentaren oder Gedichten, die das Zusammenspiel von Natur und Kultur auf Baltrum dokumentieren. Ein Beispiel ist die Veröffentlichung „Baltrumer Impressionen“, die Landschaftsbeschreibungen mit poetischen Texten kombiniert. Solche Publikationen zeigen, wie die Insel inspirierend auf Schriftsteller, Fotografen und Künstler wirkt.

Historisch gab es auf Baltrum auch niedergeschriebene Chroniken und Berichte von Seefahrern, Fischern und Insulanern, die das Leben auf der Insel im 19. und frühen 20. Jahrhundert dokumentieren. Diese Schriften sind heute oft in kleinen lokalen Archiven oder im Heimatmuseum der Insel zugänglich und dienen als wertvolle Quellen für literaturhistorische und kulturgeschichtliche Forschungen.

Darüber hinaus ist die mündliche Literatur auf Baltrum von Bedeutung. Geschichten, Sagen und lokale Anekdoten werden von Generation zu Generation weitergegeben, insbesondere in Familien oder bei kulturellen Veranstaltungen. Diese Erzähltradition trägt stark zur Identität der Inselgemeinschaft bei und ergänzt die schriftlich fixierte Literatur.

Theater

Die zentrale Stätte für Theateraktivitäten ist der Gemeindesaal im Hauptort, der flexibel für Aufführungen, Lesungen und kleine Inszenierungen genutzt wird. Dort treten lokale Theatergruppen auf, wie zum Beispiel die Baltrumer Theatergemeinschaft, die klassische Stücke, zeitgenössische Szenen oder humorvolle Insulaner-Geschichten auf die Bühne bringt. Diese Gruppen bestehen meist aus Ehrenamtlichen, die ihre Projekte in Eigenregie vorbereiten und sowohl Schauspiel als auch Bühnenbild selbst gestalten.

Besonders in der touristischen Hochsaison werden auch Freiluftveranstaltungen angeboten. Kleinere Inszenierungen finden entlang des Strandes, in den Dünen oder am Hafen statt, wodurch Theater und Naturerlebnis miteinander verbunden werden. Ein Beispiel hierfür ist das jährliche „Baltrumer Sommerstück“, bei dem historische oder maritime Geschichten der Insel lebendig erzählt werden. Solche Aufführungen sind oft interaktiv und richten sich an die ganze Familie.

Darüber hinaus wird das Theaterleben durch Lesungen, Puppentheater für Kinder und musikalisch-szenische Darbietungen ergänzt. Diese Veranstaltungen werden häufig von lokalen Kulturvereinen organisiert und spiegeln die Besonderheiten der Insellandschaft und des Insellebens wider. Sie bieten sowohl kulturelle Bildung als auch Unterhaltung und fördern das Gemeinschaftsgefühl auf der kleinen Insel.

Film

Die Kultur- und Sporthalle ist auch Spielort des Inselkinos. Filmveranstaltungen gibt es zudem im Gemeindesaal. Hier werden regelmäßig Filmabende angeboten, die sowohl Dokumentationen über die Insel, ihre Natur und Geschichte als auch Spielfilme für Familien und Gäste zeigen. Ein Beispiel ist die Vorführung von Nordsee-Dokumentationen, die das Wattenmeer, die Vogelwelt oder saisonale Veränderungen auf Baltrum zeigen. Diese Filme sind meist lokal produziert oder stammen aus der regionalen Dokumentarfilm-Szene und richten sich an ein interessiertes Publikum von Einheimischen und Touristen.

Zudem werden kleinere Kurzfilm- und Amateurfilmprojekte von Insulanern oder Besuchern durchgeführt. Oft dienen die Filme als künstlerische Auseinandersetzung mit der besonderen Landschaft, der Insellage oder der Geschichte Baltrums. Auch Ferienkurse oder Workshops ermöglichen es Gästen, selbst kurze Filme zu drehen, wobei die Dünen, der Strand und der Hafen als Kulisse dienen.

Die Filmkultur wird zusätzlich durch mediale Aufzeichnungen von Festen, kulturellen Veranstaltungen und Theateraufführungen ergänzt. Diese Aufnahmen dokumentieren das Leben auf der Insel und tragen zur lokalen Identität bei. In der touristischen Hochsaison werden solche Filmabende besonders nachgefragt, da sie Besuchern einen Einblick in die Inselgeschichte und das Inselleben bieten.

Musik und Tanz

Die traditionelle Musik auf Baltrum ist tief in der ostfriesischen und niederdeutschen Kultur verwurzelt. Plattdeutsche Lieder, Shantys und Seemannslieder gehören zum festen Bestandteil des kulturellen Erbes. Besonders bei Festen und Feiern werden alte friesische und ostfriesische Volkslieder gesungen. Der Shanty-Chor „De Baltrumer“ oder ähnliche lose Gruppierungen treten gelegentlich auf und pflegen das maritime Liedgut. Die evangelische Kirchengemeinde spielt eine wichtige Rolle: Der Kirchenchor und die Orgelmusik in der kleinen Inselkirche prägen das musikalische Leben ebenso wie Gottesdienste mit plattdeutschen Liedern.

Ein fester Bestandteil des Insellebens ist die Blasmusik. Die „Baltrumer Feuerwehrkapelle“ oder die kleine Inselblaskapelle sorgt seit Jahrzehnten bei Umzügen, Schützenfesten, dem jährlichen Inselfest und anderen Veranstaltungen für Stimmung. In den Sommermonaten treten regelmäßig Gastmusiker, Duos oder kleine Bands auf – meist in den Hotels oder im Freien bei Strandkonzerten. Das Repertoire reicht von klassischer Blasmusik über Seemannslieder bis hin zu modernen, leichten Unterhaltungsmusikstücken. Große Rock- oder Popkonzerte sind auf Baltrum jedoch unbekannt und würden auch nicht zum ruhigen Charakter der Insel passen.

Das Tanzleben ist ebenfalls eher zurückhaltend und gesellig. Früher gab es auf Baltrum regelmäßige Tanzveranstaltungen in den Dorfsälen oder Hotels, bei denen Walzer, Foxtrott, Polka und ostfriesische Volkstänze getanzt wurden. Heute finden vor allem beim jährlichen Inselsommerfest, beim Schützenfest oder bei privaten Feiern kleinere Tanzabende statt. In den Sommermonaten organisieren einige Hotels und die Kurverwaltung gelegentlich Tanztees oder Tanzabende mit Live-Musik. Diese Veranstaltungen sind meist gut besucht, aber nie überfüllt und behalten einen sehr familiären Charakter.

Eine Besonderheit ist die sogenannte „Inseldisco“ oder der „Inselclub“, die in den 1970er und 1980er Jahren in einem ehemaligen Saal existierte. Sie war vor allem bei jüngeren Gästen und Einheimischen beliebt, wurde aber später aufgegeben. Heute finden gelegentliche Partys oder DJ-Abende in den größeren Hotels statt, bleiben jedoch immer im Rahmen des Machbaren und des Insellebens. In den Wintermonaten ruht das Tanz- und Musikleben fast vollständig – passend zum „Dornröschenschlaf“ der Insel.

Der Heimatverein Baltrum und die Kurverwaltung bemühen sich, die musikalische Tradition zu erhalten. Sie organisieren Konzerte mit Gastkünstlern, plattdeutsche Abende und musikalische Spaziergänge. Auch die Inselschule fördert das Musizieren bei den Kindern durch Unterricht und kleine Aufführungen. Viele Baltrumer spielen selbst ein Instrument – sei es Gitarre, Akkordeon, Trompete oder Blockflöte – und musizieren oft in privaten Runden.

Kleidung

Historische Trachten auf Baltrum zeichnen sich durch schlichte, robuste Materialien aus, die für das raue Küstenklima geeignet waren. Typisch sind für Männer dicke Leinen- oder Wollhosen, Hemden und wetterfeste Jacken sowie Kopfbedeckungen wie Mützen oder Strohhüte, die Schutz vor Wind und Sonne boten. Frauen trugen lange Röcke, Schürzen und Blusen aus robustem Stoff, ergänzt durch Kopftücher oder Hauben, die teilweise regional unterschiedlich gebunden wurden. Besonders auffällig waren die handgefertigten Stickereien oder Borten an Schürzen und Kragen, die regionale Muster und Zugehörigkeit anzeigten.

In der heutigen Zeit wird traditionelle Tracht vor allem bei kulturellen Anlässen getragen. Beispiele dafür sind das jährliche Baltrumer Insel- oder Hafenfest, bei dem einige Einheimische die historische Kleidung zeigen, um das kulturelle Erbe zu bewahren. Auch in kleineren Darstellungen, etwa bei Fotoausstellungen über die Inselgeschichte, wird die traditionelle Kleidung sichtbar gemacht. Ergänzend dazu sind wetterfeste Outdoor-Kleidung und funktionale Freizeitkleidung im Alltag üblich, da das raue Küstenklima praktische Kleidung notwendig macht.

Für touristische Angebote und Souvenirläden auf der Insel werden oft von lokalen Handwerkern inspiriert traditionelle Accessoires angeboten, etwa handgefertigte Mützen, Schals oder kleine textilbasierte Erinnerungsstücke, die an die historische Tracht erinnern. Diese Produkte verbinden kulturelle Identität mit funktionaler Nutzung oder Dekoration.

Kulinarik und Gastronomie

Die Küche auf Baltrum sind geprägt von der typischen norddeutschen Inselküche, der Frische der Nordsee und der ruhigen, unaufgeregten Art der Insel. Aufgrund der geringen Größe und der autofreien Struktur gibt es keine große Restaurantvielfalt, dafür aber eine ehrliche, regionale und oft familiär geführte Gastronomie.

Die traditionelle Baltrumer Küche basiert auf den Erzeugnissen des Meeres und der bescheidenen Landwirtschaft der Vergangenheit. Frischer Fisch stand und steht im Mittelpunkt: Scholle, Seezunge, Kabeljau, Rotbarsch und Krabben (Nordseekrabben) werden je nach Saison und Fang frisch zubereitet. Klassiker sind gebratene Scholle mit Speck und Bratkartoffeln, Krabbenbrote oder Fischsuppe. Früher gehörte auch Aal aus den Reusen zu den regelmäßigen Gerichten. Die salzigen Wiesen lieferten früher Lammfleisch von Inselschafen, das wegen seines würzigen Geschmacks geschätzt wurde – heute jedoch nur noch selten auf den Speisekarten zu finden ist.

Mit dem Aufkommen des Seebades Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich langsam eine Gastronomie für Gäste. Das erste Hotel „Küper“ (1892) und das „Hotel zur Post“ (1895) boten bereits einfache warme Mahlzeiten an. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden weitere Pensionen und kleine Restaurants. Heute gibt es auf Baltrum etwa acht bis zehn gastronomische Betriebe, die jedoch sehr unterschiedlich sind. Dazu gehören mehrere Hotels mit eigenen Restaurants (zum Beispiel Hotel Küper, Hotel Strandeck, Hotel Seeblick), Cafés und Teestuben, die besonders für Kaffee und selbstgebackenen Kuchen bekannt sind, eine Handvoll kleinerer Restaurants und Imbisse sowie der „Inselkrug“ und das „Dorfkrug“ als zentrale Anlaufpunkte

Besonders beliebt sind frische Fischgerichte, aber auch regionale Spezialitäten wie Grünkohl mit Pinkel (im Winter), Labskaus oder ostfriesische Spezialitäten wie Snirtjebraten. Viele Betriebe legen Wert auf regionale Zutaten und Zusammenarbeit mit Lieferanten vom Festland. Da fast alle Lebensmittel täglich mit der Fähre angeliefert werden müssen, sind die Preise etwas höher als auf dem Festland.

Eine Besonderheit der Baltrumer Gastronomie ist ihre Saisonalität. In der Hauptsaison (Mai bis September) sind die meisten Lokale geöffnet und teilweise abends länger besetzt. In den Wintermonaten jedoch – dem berühmten „Dornröschenschlaf“ – bleibt die Gastronomie weitgehend geschlossen. Oft hat dann nur ein einziges Lokal oder Café für wenige Stunden am Tag geöffnet, und viele Gäste bringen sich selbst mit oder kochen in ihren Ferienwohnungen. Der einzige Lebensmittelmarkt („Inselmarkt“) ist in dieser Zeit ebenfalls nur eingeschränkt geöffnet.

Die Atmosphäre in den Gaststätten ist meist familiär und ungezwungen. Viele Wirte und Köche sind selbst Baltrumer oder leben seit vielen Jahren auf der Insel. Man kennt sich, und es wird oft plattdeutsch gesprochen. Große, laute Partylokale oder internationale Ketten gibt es bewusst nicht. Stattdessen steht die Gemütlichkeit im Vordergrund: ein frisches Bier oder ein Ostfriesentee mit Kluntje und Sahne, ein gutes Stück Kuchen und der Blick aufs Meer oder die Dünen.

In den letzten Jahren hat sich die Kulinarik etwas weiterentwickelt. Einige Betriebe bieten gehobene regionale Küche an, setzen auf Bio-Qualität oder experimentieren mit modernen Interpretationen klassischer Inselgerichte. Dennoch bleibt Baltrum weit entfernt von gastronomischem Massenbetrieb oder Sterneküche. Die Stärke liegt in der Einfachheit, Frische und der entspannten Insellage.

Festkultur

Auf Baltrum gelten die deutschen Feiertage:

  • Neujahr (1. Januar)
  • Karfreitag (beweglich, im März oder April)
  • Ostermontag (beweglich, im März oder April)
  • Tag der Arbeit (1. Mai)
  • Christi Himmelfahrt (beweglich, im Mai)
  • Pfingstmontag (beweglich, im Mai oder Juni)
  • Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober)
  • Reformationstag (31. Oktober)
  • Erster Weihnachtstag (25. Dezember)
  • Zweiter Weihnachtstag (26. Dezember)


Regelmäßige Veranstaltungen auf Baltrum sind:

  • Juni: „Inselwitz“ – Cartoons am Strand! Deutschlands Cartoonisten zeichnen und stellen aus auf der Insel Baltrum (seit 2010)
  • Juli: Baltrumer Gäste-Tennisturnier (seit 1957)
  • Juli: „Dornröschen rockt“ – Zweitägiges Rockfestival mit mehreren Bands (seit 2005)
  • September: Bridge-Turnier um den Nordsee-Cup (seit 1994)

Medien

Baltrum gehört zum Verbreitungsgebiet der Tageszeitung „Ostfriesischer Kurier“. Sie ist seit dem 2. Juli 1867 die Heimatzeitung für die Stadt Norden und ihre Umlandgemeinden, sowie die Nordseeinseln Norderney, Juist und Baltrum. Zusätzlich erhalten die Insulaner die Wochenzeitung „Echo“ aus dem selben Verlag. Aufgrund der tidenabhängigen Fährpläne werden die Festlandszeitungen täglich per Flugzeug auf die Insel geliefert.

Die Baltrumer Zeitschrift „Die Inselglocke“ erscheint sechs mal jährlich während der Hauptsaison. Zusätzlich erscheint jährlich im Dezember eine Weihnachtsausgabe. Herausgeber der 16 Seiten starken Zeitschrift ist der Heimatverein Baltrum e.V.. Die Auflage beträgt 1000 Stück.

Kommunikation

Das örtliche Postamt befindet sich am Nordseehotel, Haus Nr. 43, tel. 4939-912921. Die Postanschrift der Insel ist 26579, die Telefonvorwahl 0(049)4939.

Sport

Ein zentraler Bestandteil des sportlichen Lebens ist der Strandsport. Der breite Sandstrand bietet ideale Bedingungen für Aktivitäten wie Beachvolleyball, Strandfußball oder einfaches Laufen auf festem Sand. Auch Joggen und Walken sind sehr verbreitet, da die flache Landschaft und die frische Nordseeluft gute Voraussetzungen für Ausdauersport bieten. Entlang der Wege durch die Dünen und am Deich entstehen natürliche Strecken für Bewegung im Freien.

Wassersport ist ebenfalls von Bedeutung, wenn auch in einem eher ruhigen Rahmen. Schwimmen in der Nordsee gehört zu den klassischen Aktivitäten, wobei die Gezeiten und Strömungen stets berücksichtigt werden müssen. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten für Wattwanderungen, die zwar nicht im engeren Sinne als Sport gelten, aber körperliche Aktivität mit Naturerlebnis verbinden. Auch gelegentliches Surfen oder ähnliche Aktivitäten können stattfinden, allerdings ist das Angebot auf Baltrum im Vergleich zu größeren Inseln eher begrenzt.

Organisierter Sport wird vor allem durch den lokalen Verein getragen, den TuS Baltrum. Dieser bietet verschiedene Sportmöglichkeiten für Einwohner und teilweise auch für Gäste an, darunter Gymnastik, Kinder- und Breitensport sowie saisonale Angebote. Die Infrastruktur ist dabei einfach, aber funktional und auf die Bedürfnisse der kleinen Gemeinschaft abgestimmt.

Für Kinder und Familien gibt es zusätzlich Spiel- und Bewegungsangebote, die oft im Freien stattfinden. Die Insel selbst fungiert gewissermaßen als natürlicher Bewegungsraum, in dem Sport und Alltag ineinander übergehen. Auch gesundheitsorientierte Aktivitäten wie Yoga, Fitnesskurse oder Bewegung am Strand werden insbesondere in der touristischen Saison angeboten.

Der Kultur- und Sportverein KSV Baltrum e.V. ist mit über 420 Mitgliedern in rund 20 Sparten der größte Verein der Insel. Rund 80 % der Inselbevölkerung sind Vereinsmitglieder. Gegründet wurde der Verein im November 1965 von 44 Mitgliedern. Als Sparten wurden damals Laienspiel, Gymnastik, Tischtennis und Cobigolf eingerichtet, im folgenden Jahr kamen noch Fechten und Schwimmen hinzu. Fußball, Boßeln, aber auch Nordic Walking, Bauchtanz und Body-Styling sind heute weitere Vereinssparten. Die Theatergruppe des KSV ist mit rund 45 Mitspielern die größte Sparte im Verein und sorgt während der Touristensaison mit jeweils drei Stücken im wöchentlichen Wechsel für Unterhaltung auf der Insel. Gespielt wird in der Regel in der Turnhalle der Insel.

Persönlichkeiten

Die wichtigsten mit der Insel in Beziehung stehenden Persönliochkeiten sind:

  • Tjark Evers (* um 21. Dezember 1845 auf Baltrum, † 23. Dezember 1866 im Watt ertrunken zwischen Langeoog und Baltrum), ein Seemann
  • Wilhelm Vogel (* 24. Januar 1882 in Eilshausen, † März 1966), Lehrer, Badedirektor und Bürgermeister von Baltrum

Fremdenverkehr

Im Jahre 1876 wurde Baltrum „Seebad“, doch die touristische Entwicklung ging nur langsam voran. Seit 1966 ist Baltrum staatlich anerkanntes Nordseeheilbad. 1892 wurde das Hotel Küper, 1895 das Hotel zur Post eröffnet. Vor dem Zweiten Weltkrieg kamen pro Saison 5.000 bis 6.000 Besucher, 1960 fast 17.000, und seit den 1970er Jahren sind es pro Saison über 30.000 Gäste. Neben den etwa 500 Einwohnern sind in der Saison ständig rund 3.000 Gäste auf der Insel, womit die Aufnahmekapazität erschöpft ist. Im Vergleich zu anderen Inseln wurde der Tourismus auf Baltrum erst relativ spät gefördert.

Im Westdorf befindet sich das Kurzentrum mit dem „SindBad“, einem 1999 umgebauten modernen Kur- und Wellness-Center. Es beherbergt neben einer Sauna- und Badelandschaft auch die Kureinrichtungen für die von der Kurverwaltung angebotenen Kuranwendungen sowie ein Meerwasser-Therapiebecken und einen Wellness-Bereich.

Der Niedersächsischer Turner-Bund betreibt seit 1967 die „Jugendbildungsstätte Baltrum“ (JuBi) im Osten der Insel. Der Einrichtung steht im Winter und in den Übergangsjahreszeiten ein Haus mit 25 Betten zur Verfügung. Im Sommer erweitert ein Zeltplatz das Angebot auf rund 100 Plätze. Die Jugendbildungsstätte ist das ganze Jahr über geöffnet und steht auch Schulen, Studenten und Vereinsgruppen zur Verfügung. Jährlich werden rund 14.000 Übernachtungen gezählt. Die Jugendbildungsstätte feierte 2007 ihr vierzigjähriges Bestehen und erhielt Besuch vom damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Anderswo ist das Zelten und Camping auf Baltrum nicht erlaubt.

Baltrum wirbt bereits seit den 1920er Jahren mit dem Werbeslogan „Baltrum - Dornröschen der Nordsee“. In leichter Abwandlung „Baltrum - Mein Dornröschen der Nordsee“ wird der Slogan heute noch genutzt. Zugeschrieben wird der Werbespruch dem ehemaligen Badedirektor und Bürgermeister der Insel Wilhelm Vogel (1882 bis 1966), der 1927 die Leitung der Badeverwaltung übernahm und danach entscheidenden Anteil am Aufbau des Fremdenverkehrs hatte.

Baltrum ist zur touristischen Vermarktung der Insel der Marketingorganisation Die Nordsee GmbH in Schortens beigetreten. Die Organisation vertritt die sieben Ostfriesischen Inseln sowie 15 niedersächsische Küstenorte. Sie ist verantwortlich für die gemeinsame Pressearbeit, das Marketing, die Durchführung von Messen und Veranstaltungen, die Erstellung von Printmedien sowie die Klassifizierung von privaten Ferienunterkünften.


Gästezahlen:

1900         175

1935      4 408

1968    26 353

1970    25 948

1996    45 000

2023    58 215

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Insel Baltrum = https://www.baltrum.de/

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