Spitzbergen (Spitsbergen / Svalbard)

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Svalbard mit der Hauptinsel Spitzbergen ist Norwegens und auch Europas Außenposten in der Arktis. Als Abbaustätte von Bergbauprodukten genutzt, ist es in den letzten Jahren aber auch umweltpolitisch ins Blickfeld gerückt.

Inselsteckbrief
offizieller Name Spitzbergen (Hauptinsel), Svalbard (Archipel)
alternative Bezeichnungen Spitzbergen (deutsch), Špitsbergen (russisch)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp echte Insel
Inselart Sedimentinsel
Gewässer Arktischer Ozean (Ishavet / Polhavet) mit Barentssee (Barentshavet) und Grönlandsee (Grønlandshavet)
Inselgruppe Svalbard
politische Zugehörigkeit Staat: Norwegen (Kongeriket Norge)
Außenterritorium: Svalbard
Gliederung 4 lokalitäter (Siedlungen)
Status Inselterritorium (øyterritorium)
Koordinaten 78° N, 16° O
Entfernung zur nächsten Insel 200 m (Flintholmen), 2,7 km (Barentsøya), 235 km (Björnöya)
Entfernung zum Festland 666 km (Avanuorri / Havøysund / Norwegen)
Fläche 37.673 km² / 14.545,5 mi² (Svalbard 61.022 km² / 23.560 mi²)
geschütztes Gebiet 20.300 km² / 7.840 mi² (53,9 %)
maximale Länge 389,5 km (N-S)
maximale Breite 210,0 km (W-O)
Küstenlänge 3.919 km
tiefste Stelle 0 m (Arktischer Ozean)
höchste Stelle 1717 m (Perriertoppen)
relative Höhe 1717 m
mittlere Höhe 453 m
maximaler Tidenhub 0,8 bis 2,0 m (Longyearbyen 1,87 m)
Zeitzone MET (Medeleuropeisk tid / Mitteleuropäische Zeit, UTC+1)
Realzeit UTC minus 43 Minuten und 1 Stunde 25 Minuten
Einwohnerzahl 2.881 (2025)
Dichte (Einwohner pro km²) 0,076, bezogen auf die Verwaltungsfläche 0,047
Inselzentrum Longyearbyen


Name

Der älteste bezeugte Name der Inselgruppe ist der altnordische Name Svalbard, gesprochen [ˈsvɑ̂ːɫbɑr], was „kalte Küste“ bedeutet. In norwegischen Schriften aus dem Jahr 1194 ist von Svalbardi fundinn („die kalte Küste gefunden“) die Rede, und es wird vermutet, dass damit das heutige Svalbard gemeint war. Es könnte jedoch auch Jan Mayen oder Grönland gewesen sein.

Am 25. Juni 1596 sichtete der niederländische Seefahrer und Kartograf Willem Barentsz (auch Barents oder Barentzoon) auf der Suche nach einer Nordostpassage nach Asien eine bis dahin in westlichen Karten weitgehend unbekannte Inselgruppe. Als er die markanten, schroffen und spitz aufragenden Berge an der Westküste der größten Insel sah, nannte er das Land Spitsbergen – ein niederländisches Wort, das wörtlich „spitze Berge“ bedeutet - zu niederländisch spits „spitz“, bergen „Berge“. Dieser Name bezog sich zunächst sowohl auf die Hauptinsel als auch auf den gesamten Archipel und setzte sich in den folgenden Jahrhunderten international durch – vor allem in den Niederlanden, England, Deutschland und vielen anderen Ländern. Die deutsche Schreibweise Spitzbergen (mit "tz") entstand später und wurde im deutschen Sprachraum zur gängigen Form.

Barents‘ Entdeckung war der Startpunkt für die sogenannte „Walfangperiode“ auf der arktischen Inselgruppe, die etwa von 1600 bis 1710 dauerte. Diese Periode war vorwiegend durch dänische und englische Aktivitäten geprägt. Giles & Rep veröffentlichten im Jahr 1710 die erste Karte Svalbards, auf der die Küstenlinien vollständig verzeichnet wurde. Die Karte enthielt auch schon eine ganze Reihe von Ortsnamen, die jedoch sehr willkürlich gewählt waren.

Viele der damals gebrauchten Namen waren in den jeweiligen Sprachen der Walfänger verfasst, was später zu absichtlichen oder unabsichtlichen Übersetzungen in andere Sprachen (vorwiegend ins Norwegische) führte. Dabei entstanden Fehler oder Missverständnisse, so dass die abgeleiteten Namen eine neue Bedeutung erhielten.

Nach 1710 kam der Walfang zum Erliegen, da der Grönlandwal in der Region praktisch ausgerottet worden war. In der Folgezeit blieb Svalbard weitgehend unbewohnt. Bis auf einige russische Jäger, die auf den Inseln Füchse, Rentiere, Walrösser, Robben und Eisbären jagten, war das Interesse der Menschen an der Inselgruppe gering. Aus dieser Zeit sind entsprechend keine neuen Flurnamen überliefert. Einige englische, französische oder schwedische Expeditionen fielen in diese Zeit, ihre Nachwirkung war jedoch ebenfalls sehr gering.

Das Jahr 1858 markiert einen wichtigen Meilenstein in der Entdeckungsgeschichte Svalbards. Ab diesem Datum finden nun fast dauernd Expeditionen zur Inselgruppe statt, mit rein naturwissenschaftlichem Hintergrund. Fast alle europäischen Länder organisieren solche Expeditionen oder beteiligen sich daran, darunter Norwegen, Schweden, Deutschland, England, die Schweiz, Österreich, Monaco und Schottland.

Die dabei neu entstandenen Karten enthalten auch neue Namen, diese sind jedoch zwischen den verschiedenen Kartografen nicht einheitlich und häufig durch Übersetzungsfehler entstellt. Der erste, der versuchte, diese Ungereimtheiten zu bereinigen, war Adolf Erik Nordenskiöld. Seine wichtigste Karte von Svalbard wurde 1875 publiziert. Als Dank für Unterstützung oder Beteiligung an der Expedition beginnt er, neue Namen aus den Personennamen dieser Unterstützer zu bilden, was nach ihm sehr verbreitet wird.

Ebenfalls als Kartograf von Svalbard war August Petermann in Erscheinung getreten. Nachdem er deutschen Besiedlungen in Afrika unterstützt hatte, leitete er zwei Arktisexpeditionen, zwischen 1868 und 1870 zunächst nach Spitzbergen, dann nach Ostgrönland. Er verwendete für seine Karten auch Namen von deutschen Entdeckern Afrikas. Seine Publikationen erschienen um 1870.

Nach der Jahrhundertwende finden verschiedene Fahrten statt, die vorwiegend oder ausschließlich die Kartografie zum Ziel haben. Zu den wichtigsten Unterstützern dieser Projekte gehörte Albert I. von Monaco, der im Jahr 1899 selbst nach Svalbard gereist war. 1906/07 finanzierte er die Expedition von Gunnar Isachsen, der auch später noch mehrfach das Archipel bereiste. Auch Adolf Hoel leistete während seiner Reisen einen wesentlichen Beitrag zur Kartografie Svalbards.

Als weitere wichtige Kartografen Svalbards gelten Sir Martin Convay, der erstmals ausführliche Karten des Landesinneren zeichnete, was zur Einführung zahlreicher neuer Namen führte, sowie De Geer. Letzterer versuchte, möglichst konsistente Regeln für die Namensgebung der geografischen Punkte festzulegen. Zusammenhängende Namen sollten für zusammenhängende Gebiete verwendet werden (zum Beispiel die Vornamen einer Königsfamilie), Namen in der einheimischen Sprache sollten bevorzugt werden, um falsche Übersetzungen zu vermeiden (falls nötig mit latinisierter Transkription). Auch vermied er bewusst lange, komplizierte Namen, da diese im täglichen Gebrauch abgekürzt und damit verfälscht wurden. Allzu allgemeine Namen sollten vollständig vermieden werden, wie etwa Tierarten für geografische Bezeichnungen (bereits verbreitete Namen wie Bjørnøya – Bäreninsel – blieben natürlich). Bei ihrer Kartografie beeinflussen sich De Geer und Isachsen gegenseitig, Isachsen verwendet jedoch bevorzugt französische Namen, De Geer englische. Dabei entstehen erneut durch Übersetzungsfehler bedingte, unlogische Namenskombinationen wie Mt Vortefjell (fjell ist das norwegische Wort für „Berg“) oder Glacier Verdebræ (bræ bedeutet „Gletscher“ auf Norwegisch). Die vollständigsten Karten dieser letzten wichtigen Entdeckerperiode werden um 1923 publiziert.

  • international:  Svalbard, Spitsbergen
  • amharisch:  ስቫልባርድ [Svalbard], ስፒትስበርገን [Spitsbergen]
  • arabisch:  سفالبارد [Svalbārd], سڤالبارد [Svalbārd], سبيتسبرغن [Sabītsbirghin]
  • armenisch:  Սվալբարդ [Svalbard], Շպիցբերգեն [Špitsbergen]
  • bengalisch:  স্বালবার্ড [Sbālbāṛḍ], স্ভালবার্ড [Sbhalbard], স্পিটসবার্গেন [Spitsbargen]
  • birmanisch:  စွဲလ်ဘတ် [Swelbat], ဆွယ်လ်ဘတ် [Swelbat], စပစ်စ်ဘာဂန် [Spitsbargan]
  • bulgarisch:  Свалбард [Svalbard], Шпицберген [Špizbergen]
  • chinesisch:  斯瓦尔巴 [Sīwǎ‘ěrbā], 斯匹次卑尔根岛 [Sīpǐcìbēiěrgēndǎo]
  • deutsch:  Svalbard, Spitzbergen
  • georgisch:  სვალბარდი [Svalbardi], შპიცბერგენი [Špitsbergeni]
  • griechisch:  Σβάλμπαρντ [Sválmparnt], Σβάλμπαρτ [Sválmpart], Σπιτσμπέργεν [Spitsmpérgen]
  • gudscheratisch: સ્વાલબાર્ડ [Svālabārḍ], સ્પિટ્ઝબર્ગન [Spitzbargan]
  • hebräisch:  סוולברד [Svalbard], שפיצברגן [Špitzbergen]
  • hindi:  स्वालबार्ड [Svālbāṛḍ], : स्पित्ज़बर्गेन [Spitzbargen]
  • japanisch:  スヴァールバル [Suvārubaru], スバールバル [Subārubaru], スピッツベルゲン島 [Supittsuberugen-tō]
  • kambodschanisch: ស្វាល់បាដ [Svalbad], ស្វាល់បារ [Svalbar], ស្ពីតសបឺហ្គេន [Spitsbə̄əgen]
  • kanaresisch:  ಸ್ವಾಲ್ಬಾರ್ಡ್ [Svālbārd], ಸ್ಪಿಟ್ಸ್‌ಬರ್ಗೆನ್ [Spitsbargen]
  • kasachisch:  Свалбард [Svalbard], Шпицберген [Špizbergen]
  • koreanisch:  스발바르드 [Seubalbareu], 스발바드 [Seubalbad], 스피츠베르겐 섬 [Seupicheubeureugeon seom]
  • laotisch:  ສະວາລບາດ [Savalabād], ສະປິດສະເບີເກນ [Sapitsabeoken]
  • lateinisch:  Svalbardum, Spitsbergi
  • lettisch:  Svalbāra, Špicbergena
  • litauisch:  Svalbardas, Špicbergenas
  • makedonisch:  Свалбард [Svalbard], Шпицберген [Špizbergen]
  • malayalam:  സ്വാൽബാർഡ് [Svālbāṛḍ], സ്പിറ്റ്സ്ബെർഗൻ [Spittsbargan]
  • maldivisch (Dhivehi):  ސވާލްބާރޑް [Svalbard], ސްޕިޓްސްބަރގެން [Spitsbergen]
  • marathisch:  स्वालबार्ड [Svālbāṛḍ], स्पिट्जबर्गेन [Spitzbargen]
  • nepalesisch:  स्वालबार्ड [Svālbārd], स्पिट्जबर्गेन [Spitzbargen]
  • orissisch:  ସ୍ଵାଲବାର୍ଡ [Svālabārḍa], ସ୍ପିଟ୍ସବର୍ଗେନ [Spitsbargen]
  • pandschabisch: ਸਵਾਲਬਾਰਡ [Svālabāṛḍ], ਸਪਿਟਸਬਰਗਨ [Spitsbargan]
  • paschtunisch:  سوالبارد [Svalbārd], سپیتس برگن [Spits Bergen]
  • persisch:  سوالبارد [Svalbārd], اسپیتس‌برگن [Espitsbergen]
  • russisch:  Свальбард [Svalʹbard], Шпицберген [Špitsbergen]
  • serbisch:  Свалбард [Svalbard], Шпицберген [Špizbergen]
  • singhalesisch: ස්වාල්බාඩ් [Svālbāḍ], ස්පිට්ස්බර්ගන් [Spitsbargan]
  • tamilisch:  சுவால்பார்ட் [Cuvālpārṭ], ஸ்பிட்ஸ்பெர்கன் [Spitspergan]
  • telugu:  స్వాల్బార్డ్ [Svālbārd], స్పిట్స్‌బర్గెన్ [Spitsbargen]
  • thai:  สฟาลบาร์ด [Sà-faan-bàat], สวาลบาร์ด [Sà-waan-bàat], สปิตส์เบอร์เกน [Sà-pít-bə̄ə-gə̄ən]
  • tibetisch:  སྭལ་བརྡ་ [Svalbard], སྤིཏས་བརྒྱན་ [Spitsbergen]
  • ukrainisch:  Свальбард [Svalʹbard], Шпіцберген [Shpitsbergen]
  • urdu:  سوالبارد [Svalbārd], سپٹس برگن [Spits Bergen]
  • weißrussisch:  Свалбард [Svalbard], Шпіцберген [Špicbierhien]


Offizieller Name:  Svalbard

  • Bezeichnung der Bewohner:  Svalbardianere (Spitzbergener)
  • adjektivisch:  svalbardisk (spitzbergisch bzw. svalbardisch)


Kürzel:

  • Code:  SB / SVB
  • Kfz:  -
  • ISO-Code:  NO-SB

Lage

Die Insel(gruppe) befindet sich nördlich des Polarkreises im Bereich der Arktis zwischen 74 und 81° n.B. sowie zwischen 10 und 35° ö.L.. Es befindet sich auf der gleichen geografishen Breite wie Franz Josefsland, die ebenfalls zu Russland gehörigen Neusibirischen Inseln, die kanadische Insel Ellesmere und der Norden Grönlands. Norwegen ist über 500 km, von Bjørnøya 375 km entfernt. Die Küste ist insgesamt 8829 km lang. Davon entfallen 65 km auf Bjørnøya.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  80°03‘40“ n.B. (Verlegenhuken) bzw. 80°49’44” n.B. (Rossøya)
  • südlichster Punkt:  76°33‘36“ n.B. (Sørkapp) bzw. 76°25’48” n.B. (Kapp Thor / Hopen)
  • östlichster Punkt:  21°30‘06“ n.B. (Kapp Payer) bzw. 33°32’08” ö.L. (Kræmerpynten / Kvitøya)
  • westlichster Punkt:  10°40‘05“ ö.L. (Prins Karls Forland) bzw. 10°30’10” ö.L. (Fuglehuken / Oskar II Land)


Entfernungen:

  • Flintholmen  0,2 km
  • Kükenthaløya  0,6 km
  • Barentsøya  2,7 km
  • Nordaustlandet  9,6 km
  • Edgeøya  40ß,7 km
  • Björnöya (Nordkapp)  235 km
  • Grönland 462 km
  • Franz Josefsland (Semlja Aleksandry)  533 km
  • Norwegen (Ingøya)  647 km
  • Norwegen (Avanuorri / Havøysund)  666 km
  • Jan Mayen (Hoybergodden)  955 km
  • Nowaja Semlja (Ostrov Pankratijeva) 1047 km
  • Island (Fontur)  1563 km
  • Färöer (Stapi / Fugloy)  1793 km
  • Schiottland (John O'Groats) 2139 km

Zeitzone

Auf Spitzbergen gilt die Medeleuropeisk Tid bzw. Central European Time (Mitteleuropäische Zeit), abgekürzt MET bzw. CET (MEZ). Von Ende März bis Ende Oktober wird die Uhr im Sinne der Medeleuropeisk Sommartid bzw. Central European Summer Time (Mitteleuropäische Sommerzeit), kurz MEST bzw. CEST (MESZ), um eine Stunde vorgestellt. Die Realzeit liegt um 40 Minuten bis 2 Stunden 14 Minuten vor der Koordinierten Universalzeit (UTC).

Fläche

Die Flächenangaben für das Territorium Svalbard sind recht unterschiedlich. So finden sich unter anderem 61.022 km², umgerechnet 23.560 mi² (Wikipedia), 61.399 km² (Fischer Weltalmanach), 62.049 km² (CIA Facts) und 62.748 km², mit Außengebieten 63.299 km² (Norwegisches Statistisches Amt). Von Norden nach Süden durchmisst die Inselgruppe zwischen Vesle Tavleøya und Sørkapp auf Sørkappøya 485 km, weitergeführt nach Bjørnøya ergeben sich 667 km. Die Breite von Osten nach Westen beträgt zwischen Amsterdamøya und Kræmerpynten auf Kvitøya 446 km. Die Hauptinsel Spitzbergen hat eine Fläche von 37.673 km² bzw. 14.545,5 mi² und eine Küstenlänge von 3.919 km. Sie durchmisst von Norden nach Süden 389,5 km und von Westen nach Osten 210 km. Höchste Erhebung ist der Perriertoppen mit 1717 m. Die tiefste Stelle befindet sich auf Meeresniveau mit einem maximalen Tidenhub von 0,8 bis 2,0 m, in Longyearbyen 1,87 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei 453 m, für den gesamten Archipel bei 320 m..


Flächenaufteilung um 2016:

  • Gletscher  36.500 km² (58,2 %)
  • Moore und Ödland  26.195 km² 841,7 %)
  • Gewässer  43 km² (0,1 %)
  • Bergbau- und Siedlungsland  10 km² (0,0 %)

Geologie

Die Landmasse Svalbards entstand vor rund 600 Millionen Jahren. In den folgenden Jahrmillionen driftete die Inselgruppe langsam aus der Südpolregion rund 15.000 Kilometer in die Nordpolarregion. Die Inselgruppe ist tektonischen Aktivitäten ausgesetzt, die gelegentlich zu kleineren Erdbeben führen. Am 21. Februar 2008 ereignete sich das bisher stärkste Beben, in dessen Epizentrum etwa 140 km südöstlich von Longyearbyen die Stärke 6,2 auf der Richterskala gemessen wurde. Dieses Erdbeben war zugleich das stärkste in ganz Norwegen seit Beginn der Aufzeichnungen (zirka 100 Jahre).

Das geologische Grundgebirge aus dem Präkambrium, Kambrium, Ordovizium und Silur, das ursprünglich als Hecla Hoek bezeichnet wurde, ist in drei verschiedenen Provinzen zu finden. Das südwestliche Gebiet umfasst Prins Karls Forland, Oscar II Land, Nordenskiöld Land westlich des Grønfjorden und Wedel Jarlsberg Land. Das nordwestliche Gebiet umfasst Haakon VII Land und Albert I Land. Das nordöstliche Terrain umfasst Nordaustlandet und die nordöstlichen Teile Spitzbergens. Sedimente aus dem Devon sind in Andrée Land, James I Land und Dickson Land aufgeschlossen. Die Orogenese fand im späten Devon statt.

Während des Karbons und Perms bildeten sich Riftbecken. Schichten aus dem Karbon finden sich entlang des Billefjorden, und permische Formationen dominieren den Billefjorden, Tempelfjorden und Lomfjorden.

Gesteine aus der Trias finden sich im südlichen Teil Spitzbergens, auf Edgeøya, Barentsøya und Kong Karls Land. Besonders deutlich ist es auf Edgeøya, Barentsøya und im östlichen Teil von Olav V Land zu sehen. Aufschlüsse aus der Trias sind in einem langen und schmalen Gürtel zwischen den vortriassischen Sedimenten entlang der Westküste und den nachtriassischen Sedimenten des zentralen Beckens zu finden.

Die triassischen Gesteinseinheiten werden in die Sassendalen-Gruppe, die von der frühen Trias bis zur späten Mitteltrias reicht, und die nachfolgende Kapp-Toscana-Gruppe unterteilt. Gesteine aus dem Jura, der Kreide und dem Känozoikum sind im mittleren südlichen Teil Spitzbergens zu finden.

Kohlelagerstätten aus dem Paläogen werden in Longyearbyen (einschließlich Svea) und Barentsburg abgebaut. Der nacheiszeitliche Rückstoß wird auf bis zu drei Kilometer im zentralen Spitzbergen geschätzt, während er in Kong Karls Land nur einige hundert Meter beträgt.

Landschaft

Svalbard liegt zu mehr als der Hälfte - immer noch - unter ewigem Eis. Die Inseln sind hügelig bis gebirgig, schroff, aber stellenweise auch durch die Arbeit der Gletscher abgerundet.

Die größten Inseln sind Spitzbergen (norwegisch Spitsbergen), Nordostland (Nordaustlandet), Barentsøya, Edgeøya und Prinz-Karl-Vorland (Prins Karls Forland). Aber auch kleinere Inseln, wie beispielsweise die südlicher gelegene Bäreninsel (Bjørnøya) und Hopen, das König-Karl-Land im Osten oder aber die im äußersten Nordosten Svalbards gelegene Insel Kvitøya zählen dazu.

Die Küsten der Inseln sind, ähnlich wie die Westküste von Norwegen, stark zerklüftet und von Fjorden durchsetzt. Das Boot ist ein wichtiges Verkehrsmittel, besonders im Sommer, wenn die sumpfige Tundra nicht auf dem Landweg durchquert werden kann. Mehr als 60 Prozent der Landfläche von Svalbard ist von Gletschern bedeckt.


Erhebungen

  • Perriertoppen  1717 m (Atomfjella)
  • Newtontoppen   1713 m (Atomfjella)
  • Størmerfjellet  1636 m (Atomfjella)
  • Eidsvollfjellet  1454 m (Haakon VII Land)
  • Scott Keltiefjellet  1368 m (Andréeland)
  • Svartpiggen  1328 m (Wagnerfjellet)
  • Sverdrupfjella  1314 m (Haakon VII Land)
  • Fred Olsenfjellet  1312 m (Haakon VII Land)
  • Risefjella  1305 m (Haakon VII Land)
  • Rørosfjellet  1290 m (James I Land)
  • Vaktaren  1285 m (Andréeland)
  • Gustavfjellet  1235 m (Nordenskiöldland)
  • Fagerstafjella  1217 m (Nathorstland)
  • Ruggen  1210 m (Andréeland)
  • Varulven  1210 m (Atomfjella)
  • Berzeliustinden  1205 m (Wedel Jarlsberg Land)


Gletscher:

  • Austfonna & Vegafonna  8492 km² (Nordaustlandet)
  • Olav V Land  4150 km² (Spitsbergen)
  • Edgefonna  2102 km² (Edgeøya)
  • Kvitfonna  675 km² (Kvitøya)
  • Barentsfonna  558 km² (Barentsøya)


Seen

  • Tjuvfjordlaguna  23 km²       
  • Brånevatnet  7 km²
  • Flysjøen  6 km²


Inseln

  • Spitsbergen  37.673 km²
  • Nordaustlandet  14.443 km²
  • Edgeøya  5.074 km²
  • Barentsøya  1.288 km²
  • Kvitøya  682 km²
  • Prins Karls Forland  615 km²
  • Kongsøya  191 km²
  • Bjørnøya  178 km²
  • Svenskøya  137 km²
  • Vilhelmøya 120 km²
  • Sjuoyane 65 km²
  • Hopen  47 km²

Flora und Fauna

Die Flora von Spitzbergen (Svalbard) umfasst arktische Tundrapflanzen wie Polarweiden, Zwergbirken, Steinbreche, Moose, Flechten sowie bunte Blütenpflanzen wie Svalbard-Mohn und Gräser, die sich an den kurzen Sommer und nährstoffarme Böden angepasst haben.​

Die Fauna ist geprägt von Eisbären, Rentieren, Polarfüchsen, Walrössern sowie Robbenarten wie Ringel- und Bartrobben; Seevögel wie Dickschnabellummen, Papageientaucher und Krabbentaucher brüten in riesigen Kolonien an Klippen.

Flora

Die Pflanzenwelt ist typisch für die hiesige Tundrenvegetation. Die meisten der hier vorkommenden 130 Blütenpflanzen findet man auch im skandinavischen Gebirge und auf Nowaja Semlja. Es gibt Steinbrecharten, Fingerkraut, Weiße Silberwurz und viele Wiesenpflanzen wie Gräser, Löwenzahn und Wollgras. Es gibt mehrere Weidenarten, von denen jedoch nur die Polarweide (Salix Polaris) häufig ist. Darüber hinaus ist die seltene Zwergbirke (Betula nana) der einzige „Baum“, der jedoch wie auch sämtliche Weidenarten nur am Boden kriecht und noch nicht einmal als Busch bezeichnet werden kann.

Moose bilden an vielen Stellen zusammenhängende Decken, die in den Senken im Landesinneren bedeutende Ausmaße erreichen. Den reichsten Bewuchs findet man entlang der Fjorde, die oft wolkenfrei sind, so dass das Sonnenlicht lange Zeit den Boden erreicht. Das umliegende Meer ist reich an Algen, die auch im Polarwinter unter der Eisdecke leben. Besonders auffällig sind Braunalgen, die bis zu drei Meter lang werden können. In Süßwassertümpeln leben Kieselalgen und Armleuchteralgen (Charophyceae). Schneealgen leben auf dem Schnee und färben ihn grün oder rot. Diese Färbung tritt vor allem im Sommer in der Nähe von Vogelkolonien auf, da der Kot der Tiere Stickstoff liefert. An den Küsten wird eine große Menge von Treibholz angespült, das vorwiegend aus Nadelgehölzen, die von den sibirischen Strömen ins Nordpolarmeer transportiert wurden, besteht.

Fauna

An größeren Landsäugetieren kommen nur das Spitzbergen-Ren, der Eisbär und der Polarfuchs vor. Der Eisbär, dessen Population im Gebiet der Inselgruppe auf rund 3000 Tiere geschätzt wird, ist eigentlich ein maritimes Tier, da er sich hauptsächlich auf dem umliegenden Meereis aufhält. Er wandert mit der Packeisgrenze der Küste entlang, da sich dort seine bevorzugte Beute, die Robben, findet. Trotzdem muss auf der ganzen Insel jederzeit mit dem Auftauchen des Beutegreifers gerechnet werden. Es ist daher verboten, sich außerhalb von Siedlungen ohne geeignete Waffe oder ohne bewaffneten Führer aufzuhalten. Seit 1973 stehen die Eisbären auf Svalbard ganzjährig unter Schutz.

Die hier lebende Unterart der Rentiere, das Spitzbergen-Ren, ist kleiner als seine Verwandten in anderen Gebieten der Arktis. Es kommt nur auf Svalbard vor. Der Polarfuchs ist das kleinste der verbreiteten Säugetiere. Wegen seines weißen Fells wurde er früher intensiv mit Fallen bejagt. Andere Landsäugetiere sind sehr selten oder fehlen. Die Feldmaus wurde um Longyearbyen schon gesichtet, wurde aber wahrscheinlich durch Schiffe eingeschleppt.

Die Zahl der Meeressäuger war vor dem Beginn des groß angelegten Walfangs bedeutend höher. Lange Zeit waren große Fangflotten unterwegs, die erst Grönlandwale und Nordkaper und später auch verschiedene Furchenwale bejagten. Narwale gab es schon immer nur wenige in diesem Gebiet, und die Anzahl der Weißwale, die noch im 19. Jahrhundert in den Fjorden der Inselgruppe gefangen wurden, ist heute stark dezimiert. Das gleiche gilt im verstärkten Maß für Walrosse, die vollständig von den westlichen Küsten vertrieben wurden. Andere Robben, die auf Svalbard vorkommen, sind die Sattelrobbe, die Ringelrobbe, die Bartrobbe und vereinzelt auch die Klappmütze.

Die Vogelwelt ist arm an Arten, lediglich 30 brüten auf den Inseln. Am häufigsten sind die Alkenvögel, die in riesigen Kolonien brüten. Dazu gehören die Dickschnabellumme, die Gryllteiste, der Krabbentaucher (rund 1 Million Brutpaare), der Papageientaucher und die Trottellumme. Außerdem kommen verschiedene Möwenarten vor (Dreizehenmöwe, Eismöwe, Elfenbeinmöwe und andere), alle vier europäischen Raubmöwen, der Eissturmvogel, verschiedene Limikolen (am häufigsten der Meerstrandläufer), die Küstenseeschwalbe, Thorshühnchen, und der Sterntaucher. An Entenvögeln brüten die Kurzschnabelgans, die Ringelgans, die Weißwangengans die Eiderente und selten die Prachteiderente auf Svalbard. Im Landesinneren kommt das Alpenschneehuhn vor, die einzige Vogelart, die auch den Winter hier verbringt. Als einzige Singvogelart besiedelt die Schneeammer die Inselgruppe. In Süßwasseransammlungen leben unzählige kleine Krebstiere, wobei die Art Lepidurus (Apus) glacialis, die an Kaulquappen erinnert, besonders ins Auge fällt.


Pflanzen-und Tierarten:

Flora

  • Blumen  48
  • Farne  5
  • sostige hökhere Pflanzen  111

Fauna

  • Vögel  120
  • Säugetiere  12

Naturschutz

Im Bereich von Svalbard gibt es einige Nationalparks, Reservate und Schutzgebiete. Zwei Pflanzenschutzgebiete wurden schon 1932 geschaffen und es gibt 15 Vogel-Reservate. Die Inselgruppe umfasste 2005 sechs Nationalparks, 21 Naturreservate und ein Weltnaturschutzgebiet. Zusätzlich wurden ab 1. Januar 2004 in Folge der Erweiterung des norwegischen Seeterritoriums von 4 auf 12 Seemeilen weitere Naturschutzgebiete ausgewiesen. Heute stehen insgesamt 39.000 km² des Festlandgebietes von Svalbard unter Naturschutz und rund 76.000 km² des Seegebietes von Svalbard. Die Nationalparks sind für einfache und nicht-motorisierte Freizeitaktivitäten geöffnet. In Sonderfällen, zum Beispiel für wissenschaftliche Zwecke, kann das Büro des Gouverneurs den begrenzten Einsatz von Schneemobilen, Flugzeugen und Helikoptern gestatten. Gemäß des Svalbard-Umweltschutzgesetzes werden alle Spuren menschlicher Aktivität ab 1945 oder früher als geschützte kulturelle Überreste betrachtet.

Eine Reihe von auf Svalbard ansässigen Tierarten haben unter einer Jahrhunderte andauernden wahllosen Jagd und Abschlachtung gelitten. Verwaltungsmaßnahmen haben dazu geführt, dass der Bestand der Säugetiere dabei ist, sich wieder zu erholen. Darunter sind das Svalbardren, Eisbären und Walrosse. Es gibt auch Gründe anzunehmen, dass der Bestand des Polarfuchses sich wieder innerhalb sicherer biologischer Grenzen bewegt. Die Anzahl von Weißwangengänsen, Kurzschnabelgänsen und Ringelgänsen hat seit 1980 zugenommen. Der Bestand der Ringelgänse ist aber trotzdem noch immer so gering, dass es ist nicht sicher ist, ob die Ringelgänse werden überleben können.  Norwegen hat sich hohe Ziele für den Schutz der arktischen Umwelt gesetzt, eines davon ist, dass Svalbard zu einem der bestverwalteten Wildnisareale der Welt gemacht wird.

Im Juli 2002 trat das Svalbard-Umweltschutzgesetz (Svalbard Environmental Protection Act) in Kraft. Dieses Gesetz ist zum Schutz der praktisch unberührten Natur auf Svalbard und aus Rücksicht auf zusammenhängende Bereiche von Wildnis, Landschaftsteilen, Flora, Fauna und kulturellem Erbe erlassen worden. Innerhalb dieses Rahmens erlaubt das Gesetz Ansiedlungen sowie Forschung und kommerzielle Tätigkeiten, die eine Schonung der Umwelt berücksichtigen.

Es besteht immer noch Bedarf, Russland bei der Lösung der beträchtlichen Umweltprobleme, denen das Land im Norden gegenübersteht und die auch wichtige norwegische Interessen berühren, zu helfen. Gleichzeitig ist der Umweltzustand der Barentssee in hohem Maße von der russischen Umweltverwaltung und den Anforderungen, die von russischer Seite an den Umweltschutz gestellt werden, abhängig. Innerhalb der bilateralen Zusammenarbeit mit Russland konnte auf dem 11. Treffen der Norwegisch-Russischen Umweltkommission im Februar 2005 Einigkeit darüber erzielt werden, dass der Meeresschutz in den kommenden Jahren ein bevorzugtes Thema der Zusammenarbeit sein solle.

  • Nationalparks (7, alle auf Spitzbergen): 16.342 km² Landfläche
  • Naturreservate (22): 25.203 km² Landfläche, davon rund 4.000 km² auf Spitzbergen

Klima

Das Klima um Svalbard ist arktisch, nach der Köppen-Klassifikation ein Tundrenklima (ET), bei dem die Mitteltemperatur des wärmsten Monats unter 10°C liegt. Es ist das ganze Jahr kühl bei zwar regelmäßigen, aber geringen Niederschlägen. Die Küstenregionen sind im Sommer nur für etwa sechs Wochen schneefrei, die Fjorde frieren im Winter nur zeitweise zu. Bei kühlen Sommern sind die Winter trotz der nördlichen Lage sehr mild, da der Westspitzbergenstrom, ein Ausläufer des Golfstromes, entlang der Westküste relativ warmes Wasser ins Nordpolarmeer transportiert. Er ist der Hauptgrund dafür, dass die Inselgruppe überhaupt bewohnbar ist. Im Sommer, der Anfang Juni sonnig beginnt und im September mit Nebel, Regen und Schnee endet, liegen die Temperaturen zwischen -2 und 17°C. Im Winter ist es zwischen -25 und 5°C kalt, und es gibt häufig Schneefall und Nebel. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei -4,5°C.

Was die Niederschläge betrifft, so zeiugen Klimaforschungsberichte, dass die jährliche Niederschlagsmenge in der Region Svalbard im Laufe der letzten wenige Jahrzehnte tendenziell zugenommen hat, teilweise um 30 % bis 45 % gegenüber älteren Messreihen, insbesondere im Winter und bei Regen- statt Schneefällen. Mehr Niederschlag fällt also vor allem in Form von Regen, wenn milde Luftmassen auftreten.

Svalbard liegt weit nördlich des Polarkreises. In Longyearbyen dauert die Polarnacht vom 26. Oktober bis zum 16. Februar. Von Mitte November bis Ende Januar bleibt die Sonne mehr als sechs Grad unter dem Horizont, es tritt also nicht einmal eine Dämmerung ein. Im Sommer geht die Sonne vom 20. April bis zum 26. August nicht unter. Die jährlichen Sonnenstunden betragen 1150 Stunden, wobei die meisten auf die Zeit zwischen Mai und Juli fallen.


Klimadaten für Isafjord (1961 bis 1990)

Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Mitteltemperatur (°C) -10,9 -11,2 -12,1 -8,8 -3,3 1,7 4,5 4,2 1,1 -2,7 -6,2 -9,0 -4,4
Niederschlag (mm) 29 30 33 17 20 24 30 38 38 46 39 34 378
Niederschlagstage <0,1 mm 14 13 14 12 11 11 13 14 14 15 14 13 156
Luftfeuchtigkeit (%) 83 83 85 83 83 86 89 87 85 82 82 82 84
Mittlere Windgeschwindigkeit (km/h) 31,7 32,8 29,9 29,9 27,0 22,7 18,4 19,1 29,2 23,4 26,9 26,3 26,3


Klimadaten für Longyearbyen (1961 bis 1990)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Höchstrekord (°C) 9,7 7,0 6,3 7,5 10,6 15,7 21,7 18,1 15,2 8,9 9,2 8,7 21,7
Mittelmaximum (°C) −13,0 −13,0 −13,0 −9,0 −3,0 3,0 7,0 6,0 1,0 −4,0 −8,0 −11,0 −4,7
Mitteltemperatur (°C) −16,5 −17,0 −16,5 −12,5 −5,0 1,0 5,0 4,0 −1,0 −6,5 −11,0 −14,5 −7,5
Mittelminimum (°C) −20,0 −21,0 −20,0 −16,0 −7,0 −1,0 3,0 2,0 −3,0 −9,0 −14,0 −18,0 −10,3
Tiefstrekord (°C) −38,8 −43,7 −46,3 −39,1 −21,7 −8,4 0,2 −3,9 −12,6 −20,8 −33,2 −35,6 −46,3
Niederschlag (mm) 22 28 29 16 13 18 24 30 25 19 22 25 271
Regentage (≥ 1 mm) 2 2 2 3 4 13 17 18 14 5 3 3 86
Schneetage (≥ 1 cm) 21 17 19 17 16 7 1 2 11 21 22 22 176
Sonnenstunden 0,0 0,0 77,5 228,0 254,2 165,0 155,0 133,3 75,0 12,4 0,0 0,0 1102
Anteil in % 0,0 0,0 22,1 36,4 34,2 22,9 20,8 18,7 17,4 6,2 0,0 0,0 25
Ultraviolettindex 0 0 0 1 2 2 2 1 1 0 0 0 0,75

Klimadaten für Svalbard Airport (2000 bis 2017)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Höchstrekord (°C) 7,7 7,0 5,9 7,5 9,9 15,7 18,5 17,3 13,3 10,1 6,6 8,7 18,5
Mittelmaximum (°C) 3,7 3,1 1,6 3,4 5,4 10,3 14,3 13,5 10,0 6,0 4,3 3,6 14,3
Mitteltemperatur (°C) −9,1 −9,8 −12,2 −8,4 −1,8 3,9 7,2 6,3 2,4 −2,8 −6,0 −8,2 −3,2
Mittelminimum (°C) −22,3 −22,2 −26,6 −21,7 −10,6 −0,8 2,6 0,7 −5,0 −12,9 −17,0 −19,9 −26,6
Tiefstrekord (°C) −32,0 −31,4 −31,8 −29,3 −14,9 −4,0 −0,7 −1,3 −10,1 −18,4 −22,9 −28,3 −32,0

Mythologie

„Auf Svalbard“, so heißt es, „darf niemand geboren werden oder sterben.“ Tatsächlich ist es verboten, jemanden dort zu begraben – der Permafrost konserviert Leichen über Jahrzehnte, und Krankheitserreger (wie Anthrax aus alten Gräbern) könnten freigesetzt werden. Deshalb werden Tote nach Norwegen geflogen. Schwangere Frauen reisen ebenfalls aufs Festland, um zu entbinden, damit das Kind nicht „auf Svalbard geboren“ wird. Der Mythos vom totalen Verbot hält sich hartnäckig und wird in Berichten über den Archipel immer wieder kolportiert.

Eine weitere Legende dreht sich um Smeerenburg, die holländische Walfangstation aus dem 17. Jahrhundert auf Amsterdamøya. Früher erzählte man sich von einer pulsierenden „Blubber-Stadt“ (Tran-Stadt) mit Tausenden Einwohnern, Straßen, Tavernen, Kirchen, Spielhöllen und Bordellen – eine arktische Metropole im Eis. In Wirklichkeit war es nur ein temporäres Sommerlager für 200 bis 300 Walfänger, das nach wenigen Jahrzehnten aufgegeben wurde. Der übertriebene Mythos hielt sich jahrhundertelang, genährt von alten Reiseberichten und der Vorstellung einer unmöglichen Zivilisation am Ende der Welt.

Heute gilt Pyramiden als die prominenteste „Geisterstadt“ Spitzbergens. Die einstige sowjetische Bergbausiedlung (gegründet 1927, verlassen 1998) mit über 1000 Einwohnern, Stalin-Architektur, Lenin-Statue und verlassenen Wohnblöcken wirkt wie eingefroren in der Zeit. Touristen berichten von unheimlichen Geräuschen im Wind, singenden Geistern in leeren Hallen oder dem Gefühl, beobachtet zu werden. Manche nennen es eine echte Geisterstadt – mit verlassenen Kinderspielplätzen, Bibliotheken voller russischer Bücher und dem Echo vergangener Utopien des Kommunismus im ewigen Eis. Vandalen und Partygäste haben nach der Aufgabe Spuren hinterlassen, was die Spuk-Geschichten noch verstärkt.

Eine weitere Geschichte betrifft die Katze Kesha in Barentsburg. Katzen sind seit 1992 verboten, um Seevögel zu schützen. Kesha ist eine Ausnahme, doch Gerüchte von versteckten Katzen halten sich).

Unheimlich wirkt das flüsternde Eis, bekannt als „Ice Whisperers“. Das Knacken von Gletschern und Permafrost wird bisweilen als Stimmen alter Geister oder Ahnen gedeutet.

Auch historische Tragödien wie die Svenskhuset-Tragödie (1872/73) haben Spuren hinterlassen. 17 norwegische Robbenjäger starben damals isoliert in einem Haus – teils an Skorbut, teils an mysteriösen Umständen, was zu Spekulationen über Flüche oder Wahnsinn führte.

Arktische Folklore aus der Umgebung beeinflusst die Stimmung: In Mythen verschiedener Eskimo-Völker kontrolliert Sedna (die Meeresmutter) Robben und Wale – bei Tabu-Bruch verheddern sich ihre Haare, und es gibt keine Beute mehr. Die Nordlichter (Aurora) gelten als tanzende Geister der Toten oder spielende Seelen (manchmal mit Walross-Schädeln als Ball). Bei den Sami sind sie Geister der Ahnen oder Warnsignale – man holt Kinder ins Haus, wenn sie zu laut tanzen. Obwohl Spitzbergen selbst keine indigene Bevölkerung hat, färben diese Vorstellungen die Wahrnehmung der Polarregion als Ort, wo die Grenze zwisch

Geschichte

Svalbard kam erst in der frühen Neuzeit in den Blick europäischer Forscher.

Frühzeit

Es gibt keine schlüssigen Beweise für die ersten menschlichen Aktivitäten auf Svalbard. Der schwedische Archäologe Hans Christiansson fand Gegenstände aus Feuerstein und Schiefer, die er als steinzeitliche Werkzeuge aus der Zeit um -3000 identifizierte, aber seine Kollegen sind sich nicht sicher, da keine Wohnstätte gefunden wurde. Eine Analyse des Steinmaterials im Jahr 1997 kam zu dem Schluss, dass es sich nicht um steinzeitliche Artefakte handelte. Im 19. Jahrhundert schlugen norwegische Historiker vor, dass nordische Seefahrer Svalbard im Jahr 1194 entdeckt hätten. Dies stützt sich auf Annalen, nach denen Svalbarði vier Seetage von Island entfernt liegt. Obwohl dies die Grundlage für den modernen Namen der Inselgruppe bildet, gibt es keinen wissenschaftlichen Konsens, der diese Hypothese stützt. Russische Historiker haben vorgeschlagen, dass russische Pomoren die Insel bereits im 15. Jahrhundert besucht haben könnten. Diese These wurde vor allem von sowjetischen Wissenschaftlern vertreten, aber auch hier wurden keine schlüssigen Beweise gefunden. Die Portugiesen könnten auch behaupten, Svalbard zuerst entdeckt oder gekannt zu haben, da die Inselgruppe auf der Cantino Planisphere, einer frühen Karte, die für die Dokumentation der portugiesischen Entdeckungen in der Neuen Welt berühmt ist, sehr ähnlich aussieht. Sollte dies bewiesen werden, wäre dies 94 Jahre vor der offiziellen Entdeckung.

Entdeckungszeit

Schon 1194 wurde in norwegischen Schriften Svalbardi fundinn („die kalte Küste gefunden“) erwähnt. Es wird vermutet, dass damit Svalbard gemeint war, es könnte jedoch auch Jan Mayen oder Grönland gewesen sein. Als eigentlicher Entdecker gilt Willem Barents, der am 25. Juni 1596 die Inselgruppe sichtete. Nach ihm sind der Ort Barentsburg und die Barentssee benannt. Er selbst benannte das Land nach den spitzen Bergen an der Westküste. Spitzbergen ist heute der Name der größten Insel Svalbards. Barents fand enorme Mengen an Walen und Walrossen vor. In der Folgezeit wurden daher zahlreiche Fangexpeditionen durchgeführt, die zu einer sehr schnellen Dezimierung der Wal- und Walrossbestände führten. Diese haben sich bis heute nicht nennenswert erholt.

Die erste unbestrittene Entdeckung des Archipels war eine Expedition unter der Leitung des niederländischen Seefahrers Willem Barentsz, der auf der Suche nach der Nordostpassage nach China war. Er entdeckte Bjørnøya am 10. Juni 1596 und die nordwestliche Spitze Spitzbergens am 17. Juni. Die Sichtung des Archipels wurde in den Berichten und Karten der Expedition festgehalten, und Spitzbergen wurde von den Kartographen schnell aufgenommen.

Walfangzeit

Nachdem Henry Hudson 1607 die Inseln besuchte, war man an diesen als Jagdgelände interessiert. Als bekannt wurde, dass es in den umliegenden Gewässern viele Wale gab, kamen große Fangflotten nach Svalbard. Anfänglich gab es oft Streitigkeiten zwischen den Schiffen der verschiedenen Länder. Daraufhin wurde 1619 entschieden, die Häfen zwischen den Nationen aufzuteilen.

Britische Fangschiffe waren hauptsächlich zum Ende des 18. Jahrhunderts und am Anfang des 19. Jahrhunderts westlich von Svalbard unterwegs. Im Jahre 1788 gab es zum Beispiel 255 britische Fangschiffe. Zwischen 1669 und 1778 reisten 14.167 holländische Schiffe zur Inselgruppe, die zusammen 57.590 Wale fingen. Der holländische Hauptort war Smeerenburg. Auch russische Jäger gab es auf Svalbard. Diese machten vor allem in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Jagd auf Weißwale, Eisbären, Polarfüchse, Walrosse und andere Robben.

Pionierzeit

Der Deutsche Karl Graf von Waldburg-Zeil unternahm 1870 in Begleitung des Forschers Theodor von Heuglin eine Forschungsreise nach Svalbard. Der erste Versuch, eine dauerhafte Siedlung zu gründen, wurde von dem Schweden Alfred Gabriel Nathorst unternommen. Er gründete 1872 Kapp Thordsen am Isfjord, aber der geplante Phosphoritabbau wurde nicht durchgeführt und die Siedlung aufgegeben. Kohle war schon immer von Walfängern und Jägern abgebaut und gesammelt worden, aber der industrielle Bergbau begann erst 1899. Søren Zachariassen aus Tromsø war der erste, der eine Bergbaugesellschaft zur Ausbeutung von Svalbard-Mineralien gründete. Er beanspruchte mehrere Stellen im Isfjord und exportierte Kohle auf das Festland, aber Kapitalmangel verhinderte weiteres Wachstum.

John Munroe Longyear gründete 1906 die erste Grubensiedlung und gab ihr den Namen Longyearbyen (etwa „Die Longyearstadt“). Max Raebel besuchte 1908 den Archipel und führte geologische, botanische, meteorologische und geographische Untersuchungen durch, er traf hier 1910 Ferdinand Graf von Zeppelin, der eine Polarexpedition mit dem Luftschiff plante. Roald Amundsen erreichte mit einem Luftschiff von Ny-Ålesund aus im Jahr 1926 vermutlich als erster den geografischen Nordpol der Erde.

Weltkriegsära

Das erste rentable Bergbauunternehmen war die Arctic Coal Company von John Munroe Longyear, die Longyear City (ab 1925 Longyearbyen) gründete. Bis 1910 arbeiteten 200 Männer für das Unternehmen. Die Stadt und die Minen wurden 1916 von der norwegischen Store Norske Spitsbergen Kulkompani gekauft. Ein weiterer früher Unternehmer war Ernest Mansfield und seine Northern Exploration Company. Er begann mit dem Abbau von Marmor auf Blomstrandhalvøya, aber der Marmor war unbrauchbar und sein Unternehmen konnte trotz der Erkundung großer Teile der Insel nie Gewinne erzielen. In den 1910er Jahren stellte sich heraus, dass Kohle die einzige wirtschaftlich rentable Bergbauaktivität auf Svalbard war. Schwedische Investoren errichteten Bergwerke in Pyramiden und Sveagruva, während niederländische Investoren 1920 Barentsburg errichteten. Während des Ersten Weltkriegs erkannte Norwegen den Vorteil einer zunehmenden Selbstversorgung mit Kohle und Kings Bay eröffnete 1916 den Bergbau in Ny-Ålesund.

1920 wurde der Spitzbergen-Vertrag geschlossen. 1925 erlangte Norwegen die Souveränität über Svalbard. Die dramatische Suche und Rettungsaktion nach der von Umberto Nobile geführten Nordpol-Expedition mit dem Luftschiff Italia im Mai 1928 machte die Inselgruppe weltweit bekannt. 1935 trat auch die Sowjetunion dem Spitzbergen-Vertrag bei.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurde Svalbard im August 1941 durch die Alliierten evakuiert und die Infrastruktur von Longyearbyen und Barentsburg zerstört. Ab September 1941 operierten auf Svalbard Wettertrupps der Wehrmacht wie das Unternehmen Knospe, um Wetterbeobachtungen sowohl für den strategisch wichtigen Zugang zum russischen Nordmeer als auch für die Wettervorhersage in Mitteleuropa durchzuführen. Am 14. Mai 1942 landete eine norwegische Einheit und besetzte Longyearbyen wieder für den Rest des Krieges. Am 8. September 1943 zerstörte ein deutscher Gefechtsverband (Tirpitz, Scharnhorst sowie neun Zerstörer) mit dem Unternehmen Sizilien einige Siedlungen. Es gab Tote und Verletzte, die Stadt Longyearbyen wurde nahezu vollständig zerstört. Im weiteren Verlauf des zweiten Weltkriegs stationierte die Kriegsmarine und die Luftwaffe der Wehrmacht sowohl auf West-Spitzbergen als auch auf Nordostland mehrere Wettertrupps. Der letzte deutsche Wettertrupp, und damit die letzte Wehrmachtseinheit überhaupt, kapitulierte erst im September 1945 auf Nordostland.

Sämtliche Überbleibsel menschlicher Kultur aus der Zeit vor 1946 sind denkmalgeschützt und dürfen nicht verändert werden; das gilt insbesondere für die hölzernen Überreste von Grubenbahnen und Hütten.

Moderne Zeit

1944 schlug die Sowjetunion vor, Svalbard zu einem Kondominium unter gemeinsamer norwegischer und sowjetischer Herrschaft zu machen, mit Ausnahme von Bjørnøya, das an die Sowjetunion abgetreten werden sollte. Obwohl der Vorschlag in Norwegen diskutiert wurde, wurde er schließlich 1947 abgelehnt. Der Wiederaufbau der norwegischen Siedlungen begann 1945, und sie waren schnell betriebsbereit und erreichten innerhalb weniger Jahre das Produktionsniveau der Vorkriegszeit. Der sowjetische Wiederaufbau begann 1946, aber die Produktion von Arktikugol kam langsamer in Schwung. Die norwegische Bevölkerung stabilisierte sich bei etwa 1.000 Menschen, während es etwa doppelt so viele Sowjets gab. Die beiden Nationen bauten unabhängig voneinander Infrastrukturen wie Post, Rundfunk und Verkehr auf.

Die politischen Spannungen zwischen Norwegen und der Sowjetunion verschärften sich nach dem Beitritt Norwegens zur NATO im Jahr 1949. Die Sowjetunion richtete ein Memorandum an Norwegen, in dem sie erklärte, dass Svalbard nicht unter ein gemeinsames Kommando der NATO gestellt werden könne, was jedoch von Norwegen abgelehnt wurde, so dass die Angelegenheit ad acta gelegt werden konnte. 1958 wurde erneut protestiert, nachdem Norsk Polar Navigasjon den Bau eines privaten Flughafens in Ny-Ålesund vorgeschlagen hatte, was von der norwegischen Regierung aktiv abgelehnt wurde, um die Sowjetunion nicht zu verärgern. Gegen die Errichtung der Kongsfjord-Telemetrie-Station der Europäischen Weltraumforschungsorganisation wurde erneut protestiert, doch die Proteste konnten den Bau nicht verhindern. 1971 wurde ein Kompromiss über einen norwegischen Zivilflughafen erzielt, und 1975 wurde der Flughafen Svalbard, Longyear, eröffnet, der sowohl sowjetische als auch norwegische Städte bedient.

Grumant wurde 1961 geschlossen. Im darauffolgenden Jahr kamen bei einem Unfall in Ny-Ålesund 21 Bergleute ums Leben, was zu der Kings Bay Affäre führte, die schließlich den Rücktritt des Dritten Kabinetts Gerhardsen zur Folge hatte. 1961 begann die Firma Caltex mit Ölbohrungen. Sie erhielten Ansprüche auf der Grundlage von Hinweisen und nicht von Ölproben, was Arktikugol nicht gewährt wurde, was zu angespannten Beziehungen mit der Sowjetunion führte. Es wurden keine kommerziell nutzbaren Bohrungen gefunden. Auch eine erneute Suche in den 1980er Jahren blieb erfolglos.

Sowohl die Kings-Bay-Affäre als auch die Caltex-Affäre lösten eine öffentliche Debatte über die Verwaltung von Svalbard aus, insbesondere über den Mangel an Ressourcen und die Kontrolle der sowjetischen Siedlungen. Die Mittel für die lokale und zentrale Verwaltung wurden stark aufgestockt und der Gouverneur verstärkte seine Aktivitäten in den sowjetischen Siedlungen. Nach der Einstellung des Bergbaus in Ny-Ålesund übernahm das Norwegische Polarinstitut eine führende Rolle bei der Umwandlung in eine internationale Forschungsstation. 1973 wurde mehr als die Hälfte des Archipels durch vier Nationalparks, vierzehn Vogelschutzgebiete und vier Naturreservate geschützt. Store Norske wurde zwischen 1973 und 1976 verstaatlicht. Ab 1973 begann man mit dem Bergbau in Svea, stellte den Betrieb aber 1987 ein.

„Normalisierung“ war ein in den 1970er Jahren geprägter Begriff für die Umwandlung von Longyearbyen von einer Betriebsstadt in eine reguläre Gemeinde. 1971 wurden mit der Gründung des Svalbard Council für die norwegische Bevölkerung die ersten Schritte in Richtung lokaler Demokratie unternommen, auch wenn er nur eine kommentierende Funktion hatte. Öffentliche Dienstleistungen wurden 1989 auf das Unternehmen Svalbard Samfunnsdrift übertragen, während private Unternehmen Dienstleistungen wie Bauunternehmen und ein Einkaufszentrum einrichteten. Der Tourismus wurde mit der Einrichtung von Hotels ab 1995 zu einer Existenzgrundlage. Ab 2002 wurde der Gemeinderat von Longyearbyen gegründet, der viele der gleichen Aufgaben wie eine Gemeinde hat.

Seit den 1990er Jahren haben sich mehrere Forschungs- und Hightech-Institute angesiedelt, wie das Universitätszentrum in Svalbard, die European Incoherent Scatter Scientific Association, die Svalbard-Satellitenstation, das Svalbard Undersea Cable System und das Svalbard Global Seed Vault. In den 1990er Jahren kam es zu einem starken Rückgang der russischen Aktivitäten. Die Schulen wurden 1994 geschlossen und Kinder und Mütter auf das Festland geschickt, wodurch die Einwohnerzahl von Barentsburg auf 800 und von Pyramiden auf 600 sank. 1997 wurde der Betrieb auf Svea wieder aufgenommen, während Pyramiden 1998 aufgegeben wurde. 2002 trat das Svalbard-Umweltschutzgesetz in Kraft, dem drei neue Nationalparks und drei neue Naturschutzgebiete folgten. Von 1990 bis 2011 sank die russische und ukrainische Bevölkerung von 2.300 auf 370, während die norwegische Bevölkerung von 1.100 auf 2.000 stieg.

Ab den 2000er Jahren wandelte sich das Leben auf Svalbard massiv. Der russische Bergbau in Barentsburg litt unter Bränden und Exportstopps (2006), die sowjetische Geisterstadt Pyramiden blieb seit 1998 verlassen. Norwegische Minen (Store Norske) liefen weiter, doch der Fokus verschob sich. 2008 eröffnete der Svalbard Global Seed Vault – eine Samenbank tief im Permafrost, die bis heute über eine Million Proben aus aller Welt schützt und als Symbol für globale Krisensicherung gilt. Tourismus boomte: Jährlich kamen Zehntausende Besucher nach Longyearbyen, dem Hauptort mit rund 2.000 Einwohnern, für Schneemobil-Touren, Hundeschlitten und Gletscherwanderungen. Die Bevölkerung blieb stabil bei 2.500 bis 3.000 Menschen aus über 50 Nationen, mit starkem russischem Anteil in Barentsburg.

Die 2010er Jahre brachten wirtschaftliche und politische Verschiebungen: 2010 einigten sich Norwegen und Russland auf eine maritime Grenze, was Spannungen milderte. Der Bergbau schrumpfte weiter – Lunckefjellet schloss 2019, Sveagruva 2020. Die Durchschnittstemperatur stieg seit 1970 um 4°C (Winter sogar um 7°C), Gletscher schmolzen rapide, und 2020 wurde mit 21,7°C ein neuer Rekord gemessen. Forschung expandierte durch das University Centre in Svalbard (UNIS) und internationale Stationen wie Ny-Ålesund. Der Tourismus boomte, doch erste Regeln zum Schutz der Natur (zum Beispiel Kreuzfahrtbeschränkungen ab 2015) wurden eingeführt.

Ab 2020 verschärfte sich die Situation. Der letzte norwegische Kohlebergbau (Mine 7 in Longyearbyen) schloss 2025, die russische Mine in Barentsburg stellte Exporte ein. Die Wirtschaft hängt nun fast ausschließlich von Tourismus und Forschung ab. Neue strenge Vorschriften (2024/25) beschränken Schiffe auf 200 Passagiere, definieren nur 43 erlaubte Landestellen und schützen Eisbären und Vegetation – was Svalbard zu einem der exklusivsten und gefragtesten Reiseziele macht. Unterdessen häuften sich Eisbärenangriffe (Tote gab es 2011, 2020 und 2022), und der Permafrost taut, was Gebäude und Infrastruktur bedroht.

Geopolitisch wurde es brisant. Mit dem Krieg in der Ukraine ab 2022 eskalierten Spannungen – Unterseekabel-Schäden (2022 wurden die Russen beschuldigt, solche veruracht zu haben), Drohnen-Vorfälle (auch hier wurden die Russen - wiederum ohne Belege - angeprangert), Militärparaden in Barentsburg und Vorwürfe militärischer Aktivitäten. Norwegen stärkte seine Küstenwache und verabschiedete 2025 eine Arktis-Strategie. Trotz Demilitarisierung (Spitzbergenvertrag) bleibt Svalbard strategisch umkämpft.

Verwaltung

Am 14. Mai 1912 unterzeichneten Russland und Norwegen ein Abkommen, das Svalbard u einem neutralen Territorium machte. Die Forderung nach mehr Selbstverwaltung der norwegischen Bevölkerung auf Svalbard wurde mehrfach diskutiert. Am 14. August 1925 lehnte das norwegische Parlament den Vorschlag ab, Svalbard zu einem Gliedstaat zu machen. Stattdessen wurde ein spezielles Verwaltungssystem geschaffen mit dem Sysselmannen als direkter Vertreter der norwegischen Regierung in Svalbard.

Während des Kalten Krieges fokussierte sich die Politik Norwegens auf die Überwachung der Entwicklung der Inselgruppe und die Sicherung der eigenen Hoheitsansprüche (vorwiegend gegenüber Russland). Eine politische Verselbständigung stand daher nicht zur Diskussion.

1971 wurde der erste Svalbard-Rat gegründet, mit beratender Funktion für die lokalen politischen Behörden. Der Rat konnte über Geschäfte verhandeln, die von der lokalen Bevölkerung als wichtig erachtet wurde. 1974 wurde erneut darüber diskutiert, die politischen Rechte der Bevölkerung zu stärken, die zweite Regierung von Trygve Brattelis sah die Zeit aber immer noch nicht gekommen, Svalbard als einen Teilstaat Norwegens zu akzeptieren. Als Hauptgründe wurden etwa der Zollfreistatus von Svalbard oder der Status der russischen Siedlungen aufgeführt. Erst am 12. August 1981 wurde eine neue Lokalverwaltung eingesetzt, 1993 fanden zum ersten mal Wahlen statt.


Herrschaftsgeschichte

  • 1596 bis 9. Februar 1920 herrenloses Gebiet (terra nullius)
  • 9. Februar 1920 bis 15. August 1925 Königreich Norwegen (Kongeriket Norge)
  • 15. August 1925 bis 29. Oktober 1941 Territorium Svalbard des Königreichs Norwegen (Kongeriket Norge)
  • 29. Oktober 1941 bis 4. September 1945 Deutsches Reich
  • seit 4. September 1945 Territorium Svalbard des Königreichs Norwegen (Kongeriket Norge)

Verfassung

Svalbard ist ein Teil des Königreichs Norwegen, doch das 1925 in Kraft getretene Svalbard-Abkommen gibt auch anderen Ländern umfangreiche Rechte. Bürger der Unterzeichnerstaaten dieses Abkommens haben die gleichen Rechte wie norwegische Bürger, sich hinsichtlich Industrie, Bergbau, Fischfang, Jagd und anderer Aktivitäten auf See sowie kommerzieller Tätigkeiten zu engagieren.

Legislative und Exekutive

Svalbard, das norwegische Spitzbergen-Archipel, unterliegt dem Svalbardvertrag von 1920 und hat kein eigenes nationales Wahlsystem oder Parteienspektrum wie das norwegische Festland, da politische Parteienaktivitäten dort verboten sind. 2002 wurde ein neues Selbstverwaltungsmodell von der Regierung durchgesetzt, obwohl ein Großteil der Bevölkerung dagegen war, wie aus einer Umfrage im Jahr 2006 hervorging.

Lokale Angelegenheiten werden seit damals durch das Longyearbyen Lokalstyre (Kommunalrat) geregelt, dessen Mitglieder alle vier Jahre gewählt werden, wobei nur Norweger mit mindestens drei Jahren Aufenthalt stimmrechtig sind – Ausländer sind ausgeschlossen. Der Rat bestand ursprünglich aus dem Gouverneur, seinem Stellvertreter sowie 30 für jeweils bestimmte Bereiche zuständige Mitglieder. Dieses Gremium, das etwa 430 Einwohner von Longyearbyen repräsentiert, hat begrenzte Kompetenzen in Bereichen wie Bildung, Soziales und Infrastruktur, während höhere Souveränitätsfragen vom norwegischen Königreich zentral verwaltet werden.​

Das Vertrauen in das lokale Parlament ist mäßig und viele Leute sind der Ansicht, das Selbstverwaltungssystem funktioniere nur schlecht. Bei der alteingesessenen Bevölkerung ist die Opposition besonders auffällig.

Inseloberhaupt

Svalbard wird direkt von einem sysselmann, dem Repräsentanten der norwegischen Regierung, geleitet. Dieser trägt den Titel Sysselman und ist gleichzeitig Polizeichef, Hilfsrichter und Inhaber anderer offizieller Funktionen. Er soll auch die Rechte und Pflichten sicherstellen, die Norwegen laut Spitzbergen-Vertrag obliegen.


Direktørene fra Store Norske Spitsbergen Kulkompani (Direktoren der Norwegischen Spitzbergen-Kohlenkompanie)

  • 1916 - 1917  Kenneth Lebrun Gilson, Jr. (1881 - nach 1920)
  • 1917 - 1918  Sigurd Kristian Westby (1883 - 1969)
  • 1918 - 1919  Sigurd Olaf Foss (1884 - 1964)
  • 1919 - 1920  Sigurd Rudie (1887 - nach 1920)
  • 1920 - 1921  Sigurd Kristian Westby [2]
  • 1921 - 1922  Sigurd Olaf Foss [2]
  • 1922 - 1923  Sigurd Kristian Westby [3]
  • 1923 - 1925  Sigurd Olaf Foss [3]

Sysselmenn (Gouiverneure)

  • 14 Aug 1925 - 9 Okt 1925  Edvard Lassen [amtierend] (1882 - nach 1025)
  • 9 Okt 1925 - 30 Jun 1935  Johannes Gerckens Bassøe (1878 - 1962)
  • 1929 - 1929  Erik Håvie-Thoresen [amtierend] (1893 - 1967)
  • 1930 - 1930  Erik Håvie-Thoresen [2, amtierend]
  • 1931 - 1931  Erik Håvie-Thoresen [3,amtierend]
  • 3 Jul 1932 - 30 Jun 1933  Wolmar Tycho Marlow [amtierend] (1881 - 1963)
  • 3 Jul 1932 - 1933  Egil Brenna Lund [amtierend] (1903 - 1949)
  • 1933 - Okt 1934  Helge Marcus Ingstad [amtierend] (1899 - 2001)
  • Okt 1934 - 1935  Egil Brenna Lund [2, amtierend]
  • 1935 - 31 Aug 1935  Helge Marcus Ingstad [2, amtierend bis 30 Jun 1935]
  • 1 Sep 1935 - 30 Jun 1942  Wolmar Tycho Marlow [2] (evakuiert 3 Sep 1941)

Deutscher Militärkommandant

  • 29 Okt 1941 - 24 Aug 1942 Hans-Robert Knoespel (1910 - 1944)

Norwegische Militärgouverneure (in Barentsburg)

  • 1 Jul 1942 - 18 Sep 1942 Ernst Gustav Adolf Ullring (1894 - 1953)
  • 18 Sep 1942 - 1942 Albert Karlsen Tornerud (1891 - 1968)
  • 1942 - 17 Jun 1943 Ernst Gustav Adolf Ullring [2]
  • 17 Jun 1943 - 8 Sep 1943 Peter Morten Bredsdorff (1888 - 1984)
  • 29 Sep 1943 - 20 Jun 1944 Ove Roll Lund (1910 - 1946)
  • 20 Jun 1944 - 1946 Johannes Sjur Etterlid (1910 - 1998)

Sysselmenn (Gouverneur), ab 1 Jul 2021 Sysselmester (Regionalverwalter)

  • 1946 - 1956  Hans Håkon Balstad (1904 - 1964)
  • 1956 - 1960  Odd Birketvedt (1916 - 2009)
  • 1960 - 1963  Finn Backer Midbøe (1918 - 1999)
  • 1963 - 1967  Tollef Landsverk (1920 - 1988)
  • 1967 - 1970  Stephen Stephensen (1917 - 2004)
  • 1970 - 1974  Frederik Waldemar Nikolai Beichmann (1924 - 2002)
  • 14 Sep 1974 - Jan 1978  Leif Thomas Eldring (1933 - 1994)
  • Feb 1978 - 30 Jun 1982  Jan Steinar Grøndahl (1934 - 2022)
  • 1 Jul 1982 - 14 Jun 1986  Carl Alexander Wendt (1923 - 2006)
  • 15 Jul 1986 - 14 Jul 1991  Leif Thomas Eldring [2]
  • 15 Jul 1991 - Aug 1995  Odd Emil Blomdal (1927 - 2015)
  • Aug 1995 - 8 Nov 1998  Ann-Kristin Olsen [w] (* 1945)
  • 9 Nov 1998 - 30 Sep 2001  Morten Ruud (* 1950)
  • 1 Nov 2001 - 7 Feb 2005  Odd Olsen Ingerø (* 1950)
  • 8 Feb - 30 Sep 2005  Sven Ole Fagernaes [amtierend] (* 1945)
  • 1 Okt 2005 - 14 Sep 2009  Per Ottar Sefland (* 1949)
  • 15 Sep 2009 - 30 Sep 2015  Odd Olsen Ingerø [2]
  • 1 Okt 2015 - 24 Jun 2021  Kjerstin Askholt [w] (* 1962)
  • seit 24 Jun 2021  Lars Fause (* 1965)

Politische Gruppierungen und Wahlen

Auf Svalbard gibt es keine nationalen politischen Parteien, da diese gemäß norwegischem Recht und dem Svalbardvertrag von 1920 verboten sind, um die Neutralität der Inselgruppe zu wahren. Das politische Leben konzentriert sich auf das Longyearbyen Lokalstyre, eine kommunale Versammlung mit neun Mitgliedern, die alle vier Jahre gewählt wird. Kandidaten treten ausschließlich als unabhängige Listen oder lokale Gruppen an, ohne Parteizugehörigkeit – Beispiele sind die „Byrådslista“ oder pragmatische Bürgerinitiativen.

Wahlrecht haben nur norwegische Staatsbürger mit mindestens drei Jahren Aufenthalt; Ausländer (zum Beispiel die russische Gemeinde in Barentsburg) sind ausgeschlossen. Die letzte Wahl 2023 ergab eine hohe Beteiligung von rund 80 %.

Justizwesen und Kriminalität

Auf Svalbard ist das Justizwesen und die Kriminalitätsbekämpfung eng mit der besonderen Verwaltungsstruktur und dem Svalbard-Vertrag verknüpft. Es gibt kein eigenständiges Gericht auf den Inseln – das gesamte Justizsystem ist stark zentralisiert und wird größtenteils vom Sysselmesteren på Svalbard (Gouverneur von Svalbard) wahrgenommen, der unter dem norwegischen Justis- og beredskapsdepartementet steht.

Der Sysselmester übt in vielen Fällen richterliche Funktionen aus: Er fungiert als Polizeichef, Ermittlungsleiter und in leichteren Fällen auch als erstinstanzlicher Richter (ähnlich einem Friedensrichter oder einem Bezirksrichter mit begrenzter Zuständigkeit). Norwegisches Strafrecht, Zivilrecht und Verfahrensrecht gelten grundsätzlich direkt auf Svalbard (durch die Svalbardloven von 1925, die 2025 ihr 100-jähriges Jubiläum feierte), aber der Sysselmester bearbeitet die meisten Fälle vor Ort – von Bagatelldelikten über Umweltverstöße bis hin zu Verkehrsdelikten.

Bei schwereren Straftaten (zum Beispiel Gewaltverbrechen, Totschlag oder größere Wirtschaftsdelikte) wird der Fall an das Nord-Troms tingrett (Bezirksgericht in Tromsø) weitergeleitet, das für Svalbard zuständig ist. Berufungsinstanz ist das Hålogaland lagmannsrett (auch in Tromsø). Haftstrafen oder längere Freiheitsstrafen werden nie auf Svalbard verbüßt – Gefangene werden ins norwegische Festland (meist in Tromsø oder Oslo) verlegt, da es auf Svalbard keine Gefängnisse gibt.

Die Kriminalitätsrate auf Svalbard ist extrem niedrig und unterscheidet sich stark vom norwegischen Festland. Longyearbyen gilt als einer der sichersten Orte der Welt: Viele Bewohner schließen weder Häuser noch Autos ab, und nächtliche Spaziergänge gelten als absolut sicher. Schwere Gewaltverbrechen sind nahezu inexistent; Mord oder Totschlag kommen nur äußerst selten vor (oft Jahrzehnte dazwischen).

Den Statistiken des Sysselmester (Stand 2023/24) werden jährlich 130 bis 230 Straftaten gemeldet und bearbeitet (Rekord 226 Fälle 2023, ein Anstieg um 50 gegenüber 2022). Die meisten Fälle betreffen Kleindiebstahl (zum Beispiel Diebstahl von Handys, Ausrüstung), Sachbeschädigung, Trunkenheit am Steuer (Schneemobil oder Auto), Umweltverstöße (zum Beispiel gegen die Svalbardmiljøloven: illegales Campen, Störung von Tieren, Abfall) und Arbeitsunfälle. Umweltstrafverfahren stiegen 2023 um 35 % (von 40 auf 54 Fälle), vor allem durch verstärkte Kontrollen im Feld. Schwere Kriminalität (Raub, Einbruch, organisierte Kriminalität) ist praktisch nicht existent; Drogenfälle sind selten und meist klein. Die hohe Fallzahl in manchen Jahren erklärt sich oft durch mehr Touristen, strengere Kontrollen und Meldepflichten – nicht durch tatsächlichen Anstieg gefährlicher Kriminalität.

Der Sysselmester und seine kleine Polizeitruppe (ca. 7–12 Beamte plus Umweltinspektoren) bearbeiten fast alles selbst: Ermittlung, Anklage, Verhandlung in Bagatellfällen und Vollstreckung von Bußgeldern. Bei Bedarf kommen Staatsanwälte oder Richter vom Festland. Das System ist effizient, aber auf die extreme Isolation, kleine Bevölkerung und arktische Bedingungen zugeschnitten – Prävention (zum Beispiel durch Eisbären- und Umweltregeln) spielt eine größere Rolle als repressive Strafverfolgung.

Sicherheitskräfte

Auf Svalbard gibt es aufgrund des Svalbard-Vertrags von 1920 keine dauerhafte militärische Präsenz, keine Militärbasen, keine Befestigungsanlagen und keine regulären Truppen – weder norwegische noch von einem anderen Staat. Das Archipel gilt als entmilitarisiert: Es dürfen keine kriegerischen Zwecke verfolgt oder militärische Installationen errichtet werden.

Die Sicherheitsaufgaben liegen daher vollständig bei zivilen Behörden und werden zentral vom Sysselmesteren på Svalbard (dem Gouverneur von Svalbard) wahrgenommen. Der Sysselmester ist gleichzeitig höchster Vertreter der norwegischen Regierung vor Ort, Polizeichef (mit den vollen Befugnissen eines Polizeidirektors auf dem norwegischen Festland) sowie Verantwortlicher für Umweltschutz, Notfall- und Rettungsdienste, Jagd- und Feldausicht, Krisenmanagement und viele weitere administrative Bereiche.

Svalbard bildet einen eigenständigen Polizeidistrikt innerhalb des norwegischen Polizeiwesens. Die Polizeieinheit in Longyearbyen (dem Hauptort) ist bewusst klein gehalten – typischerweise 7–12 Polizeibeamte (je nach Jahr und Haushaltslage), ergänzt durch Umweltinspektoren und Feldaufseher, die ebenfalls bewaffnet sein können, vor allem zum Schutz vor Eisbären und zur Durchsetzung von Naturschutzvorschriften.

Die Hauptaufgaben der Sicherheitskräfte umfassen:

  • Alltägliche Polizeiarbeit (Diebstahl, Gewalt, Verkehrsverstöße, Drogen – wobei die Kriminalitätsrate extrem niedrig bleibt),
  • Pflichtmäßiger Eisbärenschutz (außerhalb der Siedlungen muss man bewaffnet unterwegs sein; Patrouillen und Beratung),
  • Such- und Rettungseinsätze (SAR – oft in Kooperation mit Hubschrauber und Schiffen des Sysselmesters),
  • Kontrolle von Touristen, Schneemobiltouren, Drohnen, Feldaktivitäten und strengen Umweltregeln,
  • Durchsetzung neuer Vorschriften wie der Feltsikkerhetsforskrift (Field Operation Safety Regulations) seit 1. Januar 2026, die Melde- und Sicherheitsregeln für Reisen und Aktivitäten im Gelände verschärft,
  • Krisenmanagement bei Lawinen, extremem Wetter, Unfällen oder anderen Notlagen.


Bei größeren Vorfällen können zusätzliche Polizeikräfte oder Spezialisten vom norwegischen Festland eingeflogen werden. Die norwegische Küstenwache (Kystvakten) patrouilliert regelmäßig in den Gewässern um Svalbard und legt gelegentlich in Longyearbyen an – diese Einheiten sind militärisch organisiert, aber reine temporäre Präsenz und Hoheitsausübung verstoßen nicht gegen den Vertrag.

Eine permanente militärische Stationierung (Soldaten, Militärpolizei, Basen) ist verboten. Dennoch gibt es seit 2024/2025 verstärkte Debatten über hybride Bedrohungen, russische Aktivitäten und die strategische Bedeutung der Arktis. Der Sysselmester erhielt 2026 eine Budgeterhöhung um 8,1 Millionen Kronen, unter anderem zur Stärkung von Bereitschaft, Personenkontrolle und allgemeiner staatlicher Präsenz. Aus Longyearbyen kamen 2025 Forderungen nach mehr norwegischer (auch militärischer) Sichtbarkeit, doch eine echte Militärstationierung würde den Vertrag verletzen und ist Stand Januar 2026 nicht realisiert.

Internationale Politik

Artikel 1 des Svalbardabkommens vom 9. Februar 1920 legt fest, dass Svalbard, mit den Einschränkungen, die im Abkommen festgelegt sind, Norwegens völliger und uneingeschränkter Souveränität unterliegt. Das Svalbard betreffende Gesetz vom 17. Juli 1925 legt fest, dass Svalbard ein Teil des Königreiches Norwegen ist. Das Gesetz gibt unter anderem die Rechtsgrundlage zur Festsetzung von verschiedenen Arten von Wirtschaftstätigkeit, darunter Fischerei und Fang, gemäß § 4 des Svalbardgesetzes.

Aufgrund dessen, dass Norwegen die Hoheitsrechte über Svalbard hat, wurde mit Wirkung vom 15. Juni 1977 eine Fischereischutzzone von 200 Seemeilen vor Svalbard errichtet. Die Zone wurde aufgrund des Gesetzes vom 17. Dezember 1976 über die Wirtschaftszone Norwegens (Zonengesetz) errichtet.

Ziel der Errichtung der Fischereischutzzone war vor allem, Kontrolle über den Fischfang zu bekommen und in dem Gebiet zu begrenzen, um so die Meeresschätze zu bewahren und einen ungeregelten Fischfang zu vermeiden. Zu diesem Zweck war es ausreichend, den Fischfang durch Bestimmungen zu regulieren, die keine Diskriminierung von norwegischen und ausländischen Fischern beinhalten. Es gibt weder im Svalbardabkommen noch im Völkerrecht eine Formulierung, welche die Errichtung einer solchen Zone verwehrt. Nach norwegischer Auffassung gilt das Svalbardabkommen, das unter anderem den Bürgern des Abkommens das gleiche Recht zum Fischen und Fangen gibt, nur bis zu einer Territorialgrenze von 12 Seemeilen. Dieses basiert auf dem Wortlaut in Artikel 2 und 3 des Svalbardabkommens, der aussagt, dass das Abkommen anderen Staaten Rechte sowohl an Land als auch in Territorialgewässern gibt. Im Ausgangspunkt beansprucht deshalb die norwegische Seite, dass man gemäß dem Völkerrecht eine vollständige norwegische Wirtschaftszone rund um Svalbard hätte errichten können, so wie man es um das norwegische Festland herum getan hat, mit einem bevorzugtem Anrecht für die norwegischen Staatsbürger an den Meeresschätzen. Dieses beinhaltet, dass ein Fischfangverbot für Ausländer dort hätte erlassen werden können. Eine Reihe von Ländern bestreitet Norwegens Befugnis zur Errichtung einer völligen Wirtschaftszone rund um Svalbard. Das Prinzip der Gleichbehandlung im Svalbardabkommen wird von Norwegen als ein Verbot der Diskriminierung auf Grundlage der Nationalität interpretiert.

Der Spitzbergen-Vertrag vom Februar 1920 wurde von folgenden Staaten unterzeichnet: Afghanistan, Albanien, Argentinien, Australien, Ägypten, Belgien, Bulgarien, Chile, China, Dänemark, Deutschland, Dominikanische Republik, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Indien, Italien, Japan, Kanada, Monaco, Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumanien, Russland, Saudi Arabirn, Spanien, Südafrika, Schweden, Schweiz, Ungarn, USA und Venezuela.

Flagge und Wappen

Svalbard besitzt keine eigene offizielle Flagge und kein eigenes offizielles Wappen im staatsrechtlichen Sinne. Als Teil des Königreichs Norwegen und aufgrund des Svalbard-Vertrags von 1920, der Norwegen volle Souveränität zuspricht, gilt die norwegische Nationalflagge als offizielle Flagge des Archipels. Diese wird überall auf Svalbard gehisst – an Gebäuden, Schiffen, dem Sysselmester-Büro in Longyearbyen und bei offiziellen Anlässen.

Die norwegische Flagge („Dannebrog“-Variante mit blauem Kreuz) zeigt ein rotes Tuch mit einem blauen skandinavischen Kreuz, das von einem weißen Saum umgeben ist. Das Kreuz ist zum Liek (der Mastseite) hin versetzt. Sie symbolisiert die Zugehörigkeit zu Norwegen und wird seit der Souveränitätsanerkennung 1925 uneingeschränkt verwendet. Es gibt keine separaten Varianten oder Sonderflaggen für Svalbard; Vorschläge (zum Beispiel aus den 1930er Jahren mit einem norwegischen Löwen auf blau-weißem Hermelinmuster als Symbol für die arktische Landschaft) blieben Entwürfe und wurden nie offiziell angenommen.

Ähnlich verhält es sich beim Wappen: Es existiert kein offizielles Wappen für Svalbard als Ganzes. Stattdessen verwendet man das königliche Wappen Norwegens (ein goldener, gekrönter Löwe mit Axt auf rotem Schild) bei staatlichen Angelegenheiten. Häufig wird jedoch ein inoffizielles, symbolisches Emblem assoziiert: ein Eisbär (oft stilisiert auf blauem Grund), das die einzigartige arktische Fauna und die Isolation Svalbards repräsentiert. Dieses Motiv taucht in Tourismusmaterial, Souvenirs, lokalen Logos und manchen Abbildungen auf, hat aber keinen offiziellen Status.

Ein echtes offizielles Emblem gibt es nur für den Sysselmesteren på Svalbard (den Gouverneur): Sein Wappen zeigt einen blauen Schild mit einer stilisierten Karte von Svalbard (die Inseln in Weiß oder Gelb dargestellt), darüber den Schriftzug „SYSSELMESTEREN PÅ SVALBARD“. Dieses Wappen wird auf offiziellen Dokumenten, Fahrzeugen und dem Amtssitz verwendet und symbolisiert die administrative Autorität vor Ort. Es ist kein Wappen für das gesamte Archipel, sondern rein behördlich.


Nationale Symbole:

  • Farbe:  weiß
  • Pflanze:  Svalbard-Mohn (Papaver dahlianum)
  • Tier:  Eisbär (ursus maritimus)
  • Motto (Longyearbyen):  „Gewapend en rechtvaardig“ (niederländisch für „bewaffnet und gerecht“)
  • Held (inoffiziell): Willem Barentsz (Entdecker der Inselgruppe, um 1550 bis 1597)

Hymne

Bei offiziellen Anlässen wird dire norwegische Hymne „Ja, vi elsker dette landet“ („Ja, wir lieben dieses Land“) gespielt.

Hauptstadt

Longyearbyen ist das Verwaltungszentrum und die größte Siedlung des Archipels). Der Ort wurde 1906/07 vom US-amerikanischen Unternehmer John Munro Longyear gegründet – zunächst als Bergarbeiterstadt und Kohleminen-Siedlung unter dem Namen Longyear City (bis 1926). Nach dem Verkauf an die norwegische Firma Store Norske Spitsbergen Kulkompani (1916) und der Souveränitätsübertragung an Norwegen (1925) entwickelte sich Longyearbyen zum zentralen Ort des Archipels.

Longyearbyen wurde zum Verwaltungszentrum, als Norwegen 1925 die volle Souveränität erhielt und der Sysselmester (Gouverneur) dort seinen Sitz einrichtete. Seitdem ist es kontinuierlich der administrative, wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt. Hier residiert der Sysselmester (seit 1925/27, mit Polizeibehörde, Verwaltung undsoweiter). Hier befinden sich der einzige Flughafens (seit 1975), Schule, Krankenhaus, Universität (UNIS), Supermarkt, Hotels und die meisten Dienstleistungsbetriebe. Seit 1. Januar 2002 ist Longyearbyen zudem eine eigenständige norwegische Kommune (Longyearbyen Lokalsamfunn / Longyearbyen Community Council) mit gewähltem Gemeinderat – davor war es eine reine „Company Town“ der Bergbaugesellschaft.

Verwaltungsgliederung

Svalbard ist ein norwegisches Territorium mit drei Außengebieten: Hopen, Bjørnøya und Jan Mayen. Die Menschen leben in insgesamt 10 Siedlungen zusammen. Die territorialen Einheiten Svalbards sind nach dem Zensus von 2003:

Name HASC Code Fläche (km²) Fläche (mi²) Einwohner
Bjørnøya SJ.SV.BJ 2121 178 69 0
Hopen SJ.SV.HO 2131 47 18 0
Jan Mayen SJ.JN.JN 2211 377 146 18
Spitsbergen SJ.SV.SP 2111 37 673 14 546 2 489
Svalbard 61 399 23 706 2 507


           Verwaltungseinheiten:

           4 territorier (Territorien)

                       10 lokaliteter (Siedlungen), davon 4 noch existierende auf Spitzbergen)

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl von Spitzbergen entwickelte sich in etwa wie folgt:


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1899                     50               0,00

           1911                   400               0,01

           1921                1 600               0,03

           1924                2 300               0,04

           1926                   964               0,01

           1935                2 500               0,04

           1940                1 000               0,01

           1945                2 000               0,03

           1950                2 500               0,04

           1951                2 600               0,04

           1952                2 800               0,04

           1953                3 000               0,05

           1954                3 100               0,05

           1955                3 300               0,05

           1956                3 500               0,06

           1957                3 600               0,06

           1958                3 700               0,06

           1959                3 600               0,06

           1960                3 500               0,06

           1961                3 400               0,06

           1962                3 300               0,05

           1963                3 100               0,05

           1964                3 000               0,05

           1965                2 900               0,05

           1966                2 800               0,05

           1967                3 000               0,05

           1968                3 300               0,05

           1969                3 600               0,06

           1970                3 900               0,07

           1971                4 200               0,07

           1972                4 000               0,07

           1973                3 900               0,06

           1974                3 650               0,06

           1975                3 550               0,06

           1976                3 500               0,05

           1977                3 550               0,05

           1978                3 650               0,06

           1979                3 750               0,06

           1980                3 800               0,06

           1981                3 898               0,06

           1982                3 920               0,06

           1983                3 900               0,06

           1984                3 900               0,06

           1985                3 900               0,06

           1986                3 900               0,06

           1987                3 850               0,06

           1988                3 700               0,06

           1989                3 600               0,06

           1990                3 544               0,06

           1991                3 405               0,06

           1992                3 309               0,05

           1993                3 017               0,05

           1994                2 977               0,05

           1995                2 906               0,05

           1996                2 844               0,05

           1997                2 827               0,05

           1998                2 596               0,04

           1999                2 423               0,04

           2000                2 376               0,04

           2001                2 607               0,04

           2002                2 868               0,05

           2003                2 811               0,05

           2004                2 756               0,05

           2005                2 730               0,05

           2006                2 701               0,05

           2007                2 921               0,05

           2008                2 930               0,05

           2009                2 572               0,04

           2010                2 266               0,04

           2011                2 932               0,05

           2012                2 642               0,04

           2013                2 688               0,04

           2014                2 562               0,04

           2015                2 667               0,04

           2016                2 654               0,04

           2017                2 583               0,04

           2018                2 310               0,04

           2019                2 428               0,04

           2020                2 926               0,05

           2021                2 552               0,04

           2022                2 548               0,04

           2023                2 897               0,05

           2024                2 894               0,05

           2025                2 881               0,05


Die Bevölkerung sank von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 1,656 % pro Jahr.

Volksgruppen

Die Bevölkerung ist keine einheitliche „Volksgruppe“, sondern stark international: In den norwegischen Siedlungen (Longyearbyen und Ny-Ålesund) machen Norweger etwa 63 bis 65 % aus (1.691 Norweger im Januar 2025, Tendenz leicht sinkend). Der Anteil norwegischer Staatsbürger hat seit Jahren abgenommen – von über 85 % im Jahr 2009 auf rund 64 % im Jahr 2024/25. Die restlichen 35 bis 37 % (865 Personen) sind Ausländer aus über 50 verschiedenen Nationen, was Longyearbyen zu einem der internationalsten Orte der Welt macht.

Die wichtigsten nicht-norwegischen Gruppen in den norwegischen Siedlungen (Stand neueste verfügbare Daten 2024/25):

  • Filipinos (127 Personen, inzwischen oft die größte ausländische Gruppe),
  • Thailänder (113 Personen, lange Zeit die zweitgrößte),
  • Ukrainer und Russen (stark vertreten, aber teilweise rückläufig in den norwegischen Orten),
  • Schweden, Dänen, Deutsche und andere Nordeuropäer,
  • zunehmend Menschen aus Osteuropa (außer Russland/Ukraine), Südostasien und vereinzelt aus Afrika, Amerika oder Ozeanien.


Diese Vielfalt entsteht durch Arbeit in Tourismus (Hotels, Guides, Restaurants), Forschung (UNIS-Universität, internationale Stationen), Dienstleistungen und verbliebenen Bergbau. Viele kommen für einige Jahre, da Svalbard kein „Lebenslauf-Gesellschaft“ ist – Rentner oder Familien mit Kindern ziehen selten dauerhaft hin.

In den russischen Siedlungen Barentsburg und Pyramiden (betrieben von Trust Arktikugol) dominieren Russen und Ukrainer fast vollständig (über 90 %). Die Bevölkerung dort ist seit 2022/23 stark gesunken (von über 400 auf unter 300 im Jahr 2025), beeinflusst durch geopolitische Lage, Sanktionen und wirtschaftliche Faktoren.

Hornsund bleibt eine kleine, fast ausschließlich polnische Forschungsstation mit konstant ca. 10 Personen.


Volksgruppen 2001:

  • Norweger  1:704 (65,36 %)
  • Russen  903 (34,29 %)
  • Polen  9 (0,35 %)

Sprachen

Auf Svalbard herrscht eine hohe sprachliche Vielfalt, die die internationale Bevölkerung widerspiegelt. Die offizielle Sprache ist Norwegisch (bokmål und/oder nynorsk), da Svalbard norwegisches Hoheitsgebiet ist. Norwegisch dominiert in Verwaltung, Recht, Schule, Medien und im Alltag der norwegischen Siedlungen.

In Longyearbyen und Ny-Ålesund sprechen etwa 60 bis 65 % der Bewohner Norwegisch als Muttersprache oder fließend (hauptsächlich Norweger, Skandinavier und assimilierte Zuwanderer). Die Svalbardposten (die nördlichste Zeitung der Welt) erscheint ausschließlich auf Norwegisch, und offizielle Dokumente, Schilder (zum Beispiel Eisbärenwarnungen) sowie der Unterricht an der Schule und der UNIS-Universität sind norwegischsprachig.

Englisch fungiert jedoch als de-facto-Lingua franca und ist extrem weit verbreitet – oft besser als Norwegisch bei Nicht-Norwegern. In Tourismus, Forschung, Hotels, Restaurants, Geschäften und internationalen Teams (zum Beispiel bei UNIS oder Expeditionsführern) ist Englisch die Alltagssprache Nr. 1. Viele Einwohner sprechen Englisch fließend oder als Zweitsprache; Schilder und Infos sind häufig zweisprachig (Norwegisch/Englisch).

Die russischsprachige Bevölkerung konzentriert sich auf die russisch betriebenen Siedlungen Barentsburg und das mkittlerweile verlassene Pyramiden. Dort ist Russisch die dominante und fast ausschließliche Alltagssprache – in Schulen, Medien und im Betrieb von Trust Arktikugol. In Longyearbyen hört man Russisch gelegentlich (zum Beispiel durch Touristen aus Barentsburg oder russische Arbeiter), aber es spielt dort keine große Rolle mehr.

Weitere wichtige Sprachen entstehen durch die multinationale Zuwanderung (Filipinos, Thailänder, Ukrainer, Polen, Deutsche, Schweden und andere). Thailändisch und Tagalog (Filipino) sind in Dienstleistungsberufen (Hotels, Gastronomie, Reinigung) häufig zu hören – oft als Muttersprache oder untereinander. Ukrainisch und Polnisch werden vor allem in Hornsund gesprochen. Mandarin, Deutsch, Schwedisch oder Dänisch finden sich in kleineren Gruppen.

Viele Bewohner sind mehrsprachig (oft drei und mehr Sprachen): Norwegisch + Englisch + Muttersprache. Kinder in Longyearbyen wachsen polyglott auf und wechseln je nach Kontext die Sprache. Es gibt keine formellen Norwegischkurse auf Svalbard, aber informelle Språkkaféer (Language Lounges) im Pub oder in der Bibliothek, wo Ausländer Norwegisch üben.


Sprachen 2001:

  • Norsk (norwegisch)  1704 (65,4 %)
  • Russki (russisch)   903 (34,3 %)
  • Polski (polnisch)  9 (0,4 %)

Religion

Es gibt keine offiziellen detaillierten Statistiken zur Religionszugehörigkeit speziell für Svalbard (Statistics Norway/SSB behandelt Svalbard meist nicht separat in Religionsdaten), daher basieren Angaben auf Schätzungen, Bevölkerungsstruktur und lokalen Beobachtungen. Die meisten Bewohner sind christlich orientiert. Unter den Norwegern (60 bis 65 % der Bevölkerung in Longyearbyen und Ny-Ålesund) gehört ein großer Teil der Church of Norway (Evangelisch-Lutherische Kirche Norwegens) an – ähnlich wie auf dem Festland, wobei die Mitgliederzahlen auch hier rückläufig sind. Viele Norweger sind nominell Mitglieder, praktizieren aber säkular oder nur zu besonderen Anlässen (Taufe, Hochzeit, Beerdigung).

In den russischen Siedlungen Barentsburg und Pyramiden (ca. 300 Einwohner, meist Russen und Ukrainer) dominieren orthodoxe Christen (Russisch-Orthodoxe Kirche). Es gibt eine kleine russisch-orthodoxe Kapelle in Barentsburg.

Katholiken (vor allem aus den Philippinen, Polen und anderen Ländern) sind vertreten, werden aber pastoral vom Bistum Tromsø betreut – es gibt keine eigene katholische Kirche auf Svalbard. Gelegentlich finden katholische Messen in der Svalbard kirke (Longyearbyen) statt, die ökumenisch offen ist. Weitere christliche Gruppen (Pfingstler, Baptisten undsoweiter) sind sehr klein und meist nur vorübergehend präsent.

Nicht-christliche Religionen sind aufgrund der Bevölkerungsstruktur vorhanden, aber zahlenmäßig gering: Buddhismus und Hinduismus (einzelne Thailänder und Filipinos), Islam (sehr wenige Muslime, zum Beispiel aus Südostasien oder dem Nahen Osten – es gibt keine Moschee auf Svalbard) sowie vereinzelt andere Glaubensrichtungen oder traditionelle asiatische Praktiken.

Viele Zuwanderer aus Südostasien (Filipinos, Thailänder) praktizieren ihren Glauben privat zu Hause. Einige Filipinas und ihre Familien besuchen gelegentlich die Svalbard kirke, besonders wenn dort katholische Gottesdienste stattfinden. Ein hoher Anteil der Bevölkerung ist säkular oder nicht-religiös (ähnlich wie in Norwegen, wo der Anteil der Konfessionslosen zunimmt). Die extremen Lebensbedingungen, die temporäre Aufenthaltsdauer vieler Bewohner und der Fokus auf Arbeit, Forschung und Tourismus führen dazu, dass Religion im Alltag eine untergeordnete Rolle spielt. Viele Menschen identifizieren sich kulturell-christlich, ohne aktive Praxis.

Die Svalbard kirke in Longyearbyen (die nördlichste Kirche der Welt in regelmäßigem Gebrauch) ist das religiöse und kulturelle Zentrum des Archipels. Sie gehört zur Church of Norway, dient aber ökumenisch allen – unabhängig von Konfession oder Nationalität. Die Kirche ist täglich geöffnet, fungiert als Gemeinschaftszentrum (Kaffee, Treffen, Konzerte, Trauerarbeit) und ist ein wichtiger Treffpunkt in der isolierten Arktis. Klimawandel-Gebete und Umweltthemen finden sich sogar in Gottesdiensten wieder.


Religionsbekenntnisse 2001 (geschätzt):

  • Protestanten  1.250 (47,9 %)
  • Orthodoxe  810 (31,1 %)
  • sonstige Christen  220 (8,5 %)
  • sonstige und Bekenntnislose  327 (12,5 )

Siedlungen

Die Einwohnerzahlen der Siedlungen entwickelten sich wie folgt:

Siedlung 1935 1990 1998 2004 2005 2006 2007 2008 2012 2016 2019 2025
Barentsburg 1 500 0 791 812 576 569 563 495 466 468 490 343
Hornsund 0 10 10 4 7 7 7 11 11 10 10 9
Isfjord Radio 0 4 2 0 3 3 3 4 5 0 0 0
Longyearbyen 600 1.050 1.698 1.831 1.232 1.263 1.292 1.439 1.424 2.060 2.250 2.410
Ny-Ålesund 0 30 27 33 40 41 43 45 21 130 130 115
Pyramiden 0 800 451 0 0 0 0 0 0 0 50 0
Svea 0 30 7 9 0 0 0 294 298 0 0 0


Die einzige größere Siedlung von Svalbard ist Longyearbyen auf der Insel Spitzbergen. Dort befindet sich auch die Universität UNIS. Des Weiteren gibt es die russisch-ukrainische Siedlung Barentsburg mit rund 900 Einwohnern. Ny-Ålesund ist ein norwegisch-internationales Forschungszentrum, in dem zwischen 40 und 100 Forscher tätig sind (abhängig von der Jahreszeit). In Svea arbeiten bis zu 200 Grubenarbeiter, die aber als Pendler dort keinen festen Wohnsitz haben. Eine polnische Forschungsstation am Hornsund zählt acht Bewohner. Die russische Kohlegrube in Pyramiden wurde 1998 stillgelegt, die Siedlung selbst (zu Spitzenzeiten bis zu 1000 Einwohner) wurde im Jahr 2000 aufgegeben. Ebenfalls aufgegeben wurde die ehemalige sowjetische Siedlung Grumant.

Verkehr

Svalbard ist durch den internationalen Flughafen in Longyearbyen mit Norwegen und anderen Ländern verbunden. Weiterhin kommen im Sommer verschiedene Forschungs- und Touristenschiffe in die Häfen. Außerhalb der Ortschaften gibt es so gut wie keine befestigten Wege. So erfolgen die Transporte mittels Flugzeug, Schiff und Motorschlitten.

Straßenverkehr

Auf der Hauptinsel Spitzbergen gibt es nur sehr wenige asphaltierte oder befestigte Straßen, und diese beschränken sich fast ausschließlich auf das Gebiet um Longyearbyen. Dort existieren etwa 40–50 km Straßen und Wege, die größtenteils im Ort selbst, zum Flughafen (ca. 5 km), nach Nybyen und zu einigen Grubengebieten führen. In Barentsburg und Ny-Ålesund gibt es jeweils nur wenige Kilometer befestigter Straßen innerhalb der Siedlungen. Außerhalb dieser Ortschaften gibt es kein zusammenhängendes Straßennetz – die gesamte restliche Fläche Svalbards ist faktisch straßenlos.

Normale Autos (PKW) dürfen daher fast nur innerhalb der Ortschaften und auf den wenigen Verbindungstraßen gefahren werden. Außerhalb dieser Bereiche ist motorisierter Verkehr auf unbefestigtem Gelände („off-road“) grundsätzlich verboten, solange der Boden nicht schneebedeckt oder gefroren ist. Das gilt nach dem Svalbard-Umweltschutzgesetz und der dazugehörigen Motorferdselsforskrift (Motor Traffic Regulations). Selbst im Winter ist der Einsatz von Autos im Gelände fast unmöglich, weil sie im Schnee/Tiefschnee sofort stecken bleiben würden.

Der eigentliche „Fernverkehr“ und die Fortbewegung im Gelände erfolgt daher fast ausschließlich mit Schneemobilen (Snøscooter) und in geringem Maße mit größeren Raupenfahrzeugen (tracked vehicles). Schneemobilfahren ist nur auf schnee- oder eisbedecktem Untergrund erlaubt und nur in genau festgelegten Zonen. Dabei gibt es eine klare Unterscheidung: Einwohner (permanent residents) dürfen in deutlich größeren Gebieten fahren (gelbe und teilweise grüne Zonen auf den offiziellen Karten des Sysselmester). Besucher/Touristen dürfen nur in kleineren, streng begrenzten Arealen fahren (meist gelb und blau markiert auf Karte B), oft nur im Rahmen organisierter Touren oder in Begleitung von Einheimischen.

Seit den Verschärfungen 2025 gelten zusätzliche Regeln, zum Beispiel dauerhafte Verbote von Schneemobilen auf Meereis nach dem 1. März in bestimmten Fjorden, Mindestabstände zu Walrossen und Seevogelklippen sowie Geschwindigkeitsbeschränkungen für Boote in sensiblen Küstengebieten.

Innerhalb Longyearbyens gelten normale Verkehrsregeln (rechts fahren, Vorfahrt etc.), und man darf mit einem gültigen ausländischen Führerschein fahren. Außerhalb der Orte gibt es jedoch keine klassischen Verkehrsregeln mehr – stattdessen Umweltschutz- und Sicherheitsvorschriften (zum Beispiel Pflicht zu Eisbärenschutz außerhalb der Sicherheitszone von Longyearbyen, Meldepflicht bei längeren Touren in entlegene Gebiete).

Schiffsverkehr

Der Schiffsverkehr auf und um Svalbard (Spitzbergen) ist seit den umfassenden Umweltschutzänderungen ab 1. Januar 2025 noch stärker reguliert als zuvor und dient primär dem Schutz der arktischen Natur, der Tierwelt (vor allem Eisbären, Walrosse, Seevögel) sowie der Vermeidung von Störungen in Nationalparks und Naturreservaten. Svalbard besitzt keine großen kommerziellen Häfen mit tiefen Kaianlagen. Die Hauptanlaufstellen sind:

  • Longyearbyen (Haupthafen für Versorgung, Kreuzfahrtschiffe und Küstenverkehr),
  • Barentsburg (russisch, Kohle und Tourismus),
  • Ny-Ålesund (Forschung, stark eingeschränkt),
  • sowie kleinere oder temporäre Ankerplätze (zum Beispiel Sveagruva, Pyramiden – meist inaktiv).


Vorherrschend ist der Versorgungsverkehr (Fracht- und Tanker), ganzjährig, aber im Winter durch Eis stark behindert. Kleine bis mittelgroße Schiffe bringen Treibstoff, Lebensmittel, Baustoffe undsoweiter in die Siedlungen. Dazu kommt der touristische Schiffsverkehr (Expeditionskreuzfahrten und kleinere Boote) in der Hauptsaison Mai bis September. Seit 2025 gelten massive Einschränkungen. In fast allen Nationalparks und Naturreservaten (das betrifft den Großteil des Archipels außer dem Isfjord-Bereich um Longyearbyen) dürfen Schiffe maximal 200 Passagiere an Bord haben. Größere Kreuzfahrtschiffe (>200 Personen) dürfen diese Gebiete weder befahren noch Passagiere anlanden lassen – das hat den klassischen Massentourismus mit großen Schiffen praktisch beendet. Anlandungen (Landgänge) sind nur noch an 43 genau festgelegten Stellen erlaubt (außer im Isfjord-Gebiet). Heavy Fuel Oil (HFO) ist in der gesamten 12-Seemeilen-Zone verboten (seit 2022/24 endgültig durchgesetzt); nur emissionsarme Treibstoffe sind zulässig. Dazu kommen Geschwindigkeitslimits: maximal 5 Knoten in sensiblen Küstenbereichen, zum Beispiel innerhalb 500 m zu Land außerhalb von Vogelklippen (1. April–31. August) oder in anderen Schutzzonen. Und schließlich sind Mindestabstände zu Tieren zu beachten: mindestens 150 m zu Walross-Ruheplätzen (haul-outs); bei Annäherung unter 300 m nur max. 5 Knoten. Zu Eisbären: 300 m (meist des Jahres), 500 m in der sensiblen Frühjahrszeit (1. März bis 30. Juni). Störung oder Anlocken ist generell verboten.

Forschungsschiffe, norwegische Küstenwache und Polizeischiffe genießen Sonderregelungen und größere Flexibilität. Private Yachten und Segelboote sind möglich, aber bürokratisch aufwändig. Vor der Fahrt ist eine Genehmigung/Anmeldung beim Sysselmester (Gouverneur) erforderlich. Seit 2025/2026 muss die Anreise zusätzlich über SafeSeaNet registriert werden (auch für kleine Boote aus Norwegen). Wenn irgendwelche Zahlungen von Mitfahrern erfolgen (zum Beispiel Kostenbeteiligung), gilt das Boot sofort als kommerziell – mit allen strengeren Regeln (zum Beispiel nur 43 Anlandestellen). Private Fahrten müssen alle Kosten vom Eigner tragen.

Eis brechen (fast ice) ist verboten, außer in den offiziellen Fahrrinnen zu Longyearbyen, Barentsburg, Ny-Ålesund und für Küstenwache/Sysselmester. Drohnen sind in Schutzgebieten verboten. Boote müssen außerhalb der Sicherheitszone um Longyearbyen Eisbären-Schutzwaffen, Notfallausrüstung und oft einen zertifizierten Guide mitführen. Ab 1. Januar 2026 treten ergänzende Field Operation Safety Regulations in Kraft, die Reisen, Anmeldungen und Sicherheitsstandards weiter verschärfen (zum Beispiel detailliertere Berichtspflichten für mehrtägige Touren).

Luftverkehr

Der Flughafen Svalbard, außerhalb von Longyearbyen, bietet regelmäßige Flugverbindungen zum Festland an. Zusätzlich gibt es planmäßige Flüge nach Svea und Ny-Ålesund. Verbindungen nach Barentsburg erfolgen per Helikopter. Es ist der nördlichste Flughafen der Welt mit regulären Linienflügen.

16 Jahre vor der Eröffnung des Flughafens in Svalbard, am 9. Februar 1958, landete zum ersten Mal ein Flugzeug, eine Catalina der Luftwaffe, im gefrorenen Adventdalen. Im darauffolgenden Jahr wurde erstmals Post nach Svalbard befördert und noch ein Jahr später landete das erste Mal ein Passagierflugzeug. Da sich die Piste auf der gefrorenen Tundra befand, war der Flugbetrieb nur während des Winters möglich.

Der Spitzbergenvertrag bestimmt, dass auf dem Archipel keine militärischen Anlagen gestattet sind. Die Sowjetunion befürchtete, dass ein permanenter ziviler Flughafen auch von norwegischen bzw. NATO-Streitkräften genutzt werden könnte. Da sie aber ebenfalls einen Flughafen benötigte, um ihre Siedlungen in Barentsburg und Pyramiden zu erreichen und zu versorgen, wurde in den frühen siebziger Jahren eine Übereinkunft zwischen den beiden Ländern erzielt.

Der Bau des Flughafens begann im Jahr 1973. Die offizielle Eröffnung fand am 2. September 1975 statt. Aufgrund des Permafrostes musste die asphaltierte Landebahn gegen die darunter befindlichen Bodenschichten isoliert werden, um ein Auftauen im Sommer zu verhindern. Die Gebäude wurden auf Pfeilern errichtet, die in den Permafrostboden eingelassen sind. Die Landebahn ist wiederholt durch Frostaufbrüche beschädigt worden und musste daher regelmäßig repariert werden. 1989 sind die Problemzonen der Landebahn mit den meisten Frostschäden mit einer verbesserten Isolierung gegenüber der Permafrostschicht versehen worden. Im Jahr 2006 wurde diese Maßnahme auch auf den restlichen Abschnitten der Landebahn durchgeführt. Zur Durchführung der Arbeiten musste der Flughafen jeweils kurzzeitig geschlossen werden. Die Erweiterung des Terminals zur Erhöhung der Passagierkapazität wurde mit dessen Eröffnung am 10. Dezember 2007 abgeschlossen. Der Flughafen hat derzeit den Status als nördlichster Verkehrsflughafen der Welt.

SAS Scandinavian Airlines ist die wichtigste Fluggesellschaft vor Ort und fliegt im Sommer täglich nach Tromsø und Oslo. Im Winter gibt es höchstens fünf Verbindungen pro Woche via Tromsø nach Oslo. Die norwegische Niedrigpreisfluggesellschaft Norwegian Air Shuttle flog bereits in der Vergangenheit den Flughafen an und verbindet Longyearbyen seit März 2013 wieder mit Oslo. Gelegentlich gibt es im Sommer auch Flüge zum Nordpol oder auf das nördliche Packeis sowie Charterflüge nach Longyearbyen. So landeten hier in den letzten Jahren gelegentlich auch schon Flugzeuge von LTU und Air Berlin im Sommer direkt ab deutschen Flughäfen im Rahmen von Sonderflügen. Außerdem gibt es regelmäßige Flüge nach Svea und Ny-Ålesund, die aber meist nur den Minenarbeitern beziehungsweise Forschungsequipen zur Verfügung stehen. Barentsburg kann nur mit dem Helikopter erreicht werden.

Der Flughafen wird jährlich von mehr als 165.000 Passagieren benutzt. Das Passagieraufkommen wächst weiter, da immer mehr Leute auf die Insel ziehen. Die Versorgung der Insel hängt weitgehend vom Flughafen ab.

Airlines Ziele
Atlantic Airways saisonal: Kopenhagen (Charter)
Arktikugol bzw. Spark+ Barentsburg, Pyramiden, saisonal: Moskau–Sheremetyevo
Lufttransport Ny-Ålesund, Svea
NordStar saisonal: Moskau–Domodedovo (Charter)
Norwegian Air Shuttle Oslo–Gardermoen
Scandinavian Airlines Oslo–Gardermoen, Tromsø
Swiss Air saisonal: Zürich


Longyear Airport

  • norwegischer Name:  Svalbard Lufthavn
  • Code: LYR / ENSB
  • Lage: 78°14’ N, 15°28’ O
  • Seehöhe: 27 m
  • Ort: Hotellneset bei Longyearbyen
  • Inbetriebnahme:  1975
  • Betreiber: Avinor
  • Terminal: 1
  • Rollbahn: 1
  • Länge der Rollbahn:  2480 m (Asfalt)
  • Fluggesellschaften:  7
  • Flugzeug-Standplätze:  ca. 20
  • jährliche Passagierkapazität:  ca. 100.000
  • jährliche Frachtkapazität:  ca. 2000 t
  • Flughafen-Statistik:  Jahr Flugbewegungen Passagiere                   Fracht in t

                       2014                6 944               154 261                       608

                       2015                6 453               166 477                       815

                       2017                5 127               169 278                      


Ein weiterer Flughafen besteht in Ny Ålesund, Hamnerabben.

Airline Ziel
Lufttransport Longyearbyen


New Alesund Airport

  • norwegischer Name:  Ny Ålesund Flyplass
  • Code:  SYG / ENSC
  • Lage: 78°55’ N, 11°52’ O
  • Seehöhe: 15 m
  • Ort:  Ny Ålesund, Broggerhalvøya
  • Inbetriebnahme: 
  • Betreiber: Kings Bay
  • Terminal: 1
  • Rollbahn: 1
  • Länge der Rollbahn:  927 m (Kies)
  • Fluggesellschaft:  1
  • Flugzeug-Standplätze:  ca. 5
  • jährliche Passagierkapazität:  ca. 10.000
  • jährliche Frachtkapazität:  ca. 500 t

Wirtschaft

Heute arbeitet die Bevölkerung (hauptsächlich Norweger und Russen) der dünn besiedelten Insel in der Forschung, im Tourismus oder im Bergbau, vorwiegend in den Städten Longyearbyen, in Sveagruva und Barentsburg.

Landwirtschaft

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln erfolgt daher vollständig über Importe vom norwegischen Festland oder über saisonale Lieferungen mit Schiffen und Flugzeugen. In Longyearbyen gibt es Supermärkte, die importierte Nahrungsmittel, frische Produkte und haltbare Waren bereitstellen, ergänzt durch lokale Initiativen wie kleine Gewächshäuser oder Indoor-Farming-Projekte. Solche Projekte dienen in erster Linie der Versorgung mit frischen Kräutern, Salaten oder Gemüse und sind eher experimentell als wirtschaftlich relevant, da sie nur einen kleinen Teil des Bedarfs decken können.

Tierhaltung existiert ebenfalls nur in sehr begrenztem Umfang. Einige Haushalte halten Hunde für Transport und Freizeitaktivitäten, insbesondere Schlittenhunde, sowie wenige Haustiere wie Katzen. Eine kommerzielle Viehzucht oder Fleischproduktion gibt es hingegen nicht.

Fischerei

Die kommerzielle Fischerei auf Svalbard ist vergleichsweise klein, da die abgelegene Lage, das raue Klima und das Meereis die Fangmöglichkeiten einschränken und hohe logistische Kosten verursachen. Ein Teil der Fischerei dient der lokalen Versorgung, insbesondere in Longyearbyen, wo frische Meeresprodukte in Supermärkten und Restaurants angeboten werden. Daneben gibt es wissenschaftlich begleitete Fangexpeditionen, die Daten über Fischbestände, Meeresökologie und Klimawandel sammeln. Diese Forschung ist besonders wichtig, da sich die arktischen Ökosysteme aufgrund steigender Temperaturen und schmelzender Meereisbedeckung verändern.

Die Fischerei unterliegt strengen Umwelt- und Nachhaltigkeitsauflagen. Fangquoten, Schutzgebiete und saisonale Einschränkungen sollen Überfischung verhindern und die empfindlichen Meeresökosysteme schützen. Illegaler Fischfang wird streng kontrolliert, und moderne Fangmethoden zielen darauf ab, Beifang zu minimieren und den Einfluss auf den Meeresboden zu reduzieren.

Kleinere Formen der Fischerei werden auch von Touristen betrieben, etwa bei Angel- oder Bootstouren, die als Freizeitaktivitäten angeboten werden. Diese dienen jedoch weniger der kommerziellen Nutzung als dem Erlebnis der arktischen Natur.

Bergbau

Der Bergbau Spitzbergen ist eine über hundertjährige Geschichte, die eng mit der einzigartigen rechtlichen Situation des Archipels verknüpft ist und heute fast ausschließlich auf Kohleförderung beschränkt bleibt – allerdings nur noch in russischer Hand. Die extremen arktischen Bedingungen, hohe Kosten und der globale Wandel zu nachhaltiger Energie haben den Bergbau stark eingeschränkt, doch geopolitische Aspekte halten ihn am Leben.

Alles begann mit der Entdeckung von Kohlevorkommen Ende des 19. Jahrhunderts, die die bis dahin unklare Hoheit über die Inseln akut machte. Früher als „Niemandsland“ genutzt (von Walfängern und Forschern), wurde der Status durch Bergbau-Interessen verschiedener Nationen brisant. Dies führte zum Spitzbergen-Vertrag, der am 9. Februar 1920 in Paris unterzeichnet und am 30. Juni 1925 in Kraft trat. Der Vertrag besagt, dass die Inseln zwar zu Norwegen gehören, gleichzeitig aber alle Vertragsparteien das Recht haben, die Bodenschätze auszubeuten – diese Fragen waren mit der Entdeckung von Kohlevorkommen akut geworden. Norwegen erhielt die volle Souveränität, muss aber gleiche wirtschaftliche Rechte für Bürger und Unternehmen aller Unterzeichnerstaaten gewährleisten, solange die Aktivitäten friedlich und umweltverträglich sind. Militärische Nutzung ist verboten. Bisher haben 39 Länder (Stand 2026) den Vertrag unterzeichnet, darunter Norwegen, Russland, die USA, China und Deutschland.

Von diesem Recht machen von den 39 Ländern, welche den am 30. Juni 1925 in Kraft getretenen Spitzbergenvertrag bisher unterzeichnet haben, heute nur Norwegen und Russland (Arktikugol) Gebrauch. Früher waren es mehr (unter anderem Niederländer, Schweden und Amerikaner), doch die Kohleförderung ist gemessen am Weltmarktpreis relativ teuer und damit nicht wirtschaftlich. Hohe Transportkosten, arktische Kälte, Permafrost-Probleme und strenge norwegische Umweltvorschriften machen den Abbau unrentabel – Subventionen oder strategische Motive sind oft der wahre Grund für den Fortbestand.

Norwegen dominierte lange den Bergbau über das staatliche Unternehmen Store Norske Spitsbergen Kulkompani (SNSK). Der Höhepunkt lag in den 1920er bis 1980er Jahren, als Tausende in Minen wie Sveagruva oder Longyearbyen arbeiteten. Die letzte norwegische Mine, Gruve 7 im Adventdalen (nahe Longyearbyen), förderte bis zu 125.000 Tonnen pro Jahr – teils für das lokale Kohlekraftwerk (bis 2023), teils für Export (zum Beispiel an die deutsche Firma Clariant als Industriekohle). Wegen Norwegens Klimazielen und sinkender Rentabilität war die Schließung schon 2023 geplant, doch die Energiekrise nach dem Ukraine-Krieg verlängerte sie bis Sommer 2025. Im Juni/Juli 2025 wurde Gruve 7 endgültig stillgelegt – ein symbolisches Ende von über einem Jahrhundert norwegischem Kohlebergbau. Store Norske existiert weiter, kümmert sich nun um Sanierung alter Minen, Immobilien, Energie (Diesel-Übergang) und Tourismus (zum Beispiel Minenführungen).

Russland nutzt sein Vertragsrecht hingegen weiter intensiv über das staatliche Unternehmen Trust Arktikugol. In Barentsburg (ca. 300–400 Einwohner, meist russisch und ukrainisch) läuft die Kohleförderung in kleinerem Maßstab weiter – etwa 100.000 Tonnen jährlich, hauptsächlich für lokalen Bedarf und Export. Frühere Siedlungen wie Pyramiden oder Grumant sind Geisterstädte. Die Produktion ist hochdefizitär, dient aber der geopolitischen Präsenz: Russland sichert sich Einfluss in der Arktis, betreibt Heliport, Forschung und zunehmend Tourismus (neue Museen, Hotels). Trotz Sanktionen nach 2022 erhielt Arktikugol Ausnahmen für Kohleexporte. Spannungen mit Norwegen gibt es regelmäßig (zum Beispiel über Umweltstandards oder angebliche Militarisierung), doch der Vertrag hält den Status quo.

Heute ist der Bergbau auf Svalbard also stark geschrumpft: Norwegen hat aus Klimagründen komplett ausgestiegen, Russland hält aus strategischen Motiven fest. Die Kohleförderung bleibt teuer und unwirtschaftlich, doch der Spitzbergen-Vertrag ermöglicht sie weiterhin. Der Fokus verschiebt sich zu Forschung, Tourismus und erneuerbaren Energien – alte Minen werden saniert, um die arktische Natur zurückzugewinnen. Geopolitisch bleibt die Lage sensibel. Der Vertrag garantiert offenen Zugang, was in Zeiten von Klimawandel und Arktis-Interessen (zum Beispiel an seltenen Erden oder Fischerei) neue Konflikte wecken könnte.

Handwerk und Industrie

Die Kohleverarbeitung im engeren Sinne (Förderung, Aufbereitung, Verladung) existiert bei den norwegischen Unternehmen nicht mehr aktiv – nur noch in der russisch kontrollierten Mine in Barentsburg. Das Reparaturhandwerk (Mechanik, Wartung, Instandsetzung) hat sich jedoch nicht aufgelöst, sondern verlagert sich: von der Kohleindustrie hin zu Sanierungsarbeiten, Infrastruktur, Tourismus-Equipment und allgemeinem Gewerbe in Longyearbyen.

Viele ehemalige Bergleute und Mechaniker aus Gruve 7 waren Spezialisten für schwere Reparaturen (Maschinenwartung, Hydraulik, Elektrik unter Tage, Fahrzeug- und Anlagenreparatur). Nach der Schließung etablierten sich Sanierungs- und Aufräumarbeiten (Cleanup) als das größte aktuelle „Reparaturhandwerk“-Feld. Store Norske führt (ähnlich wie bei Sveagruva seit 2016) die Umweltsanierung von Gruve 7 durch: Gebäude abbauen, Maschinen demontieren/reparieren/weiterverkaufen, Schadstoffe entfernen, Gelände der Natur zurückgeben (Permafrost-Schutz, Renaturierung). Der ehemalige Mine-Manager (zum Beispiel Nyheim, früher Mechaniker und Wartungschef) leitet genau diese Phase. Viele Mechaniker und Handwerker sind hier beschäftigt – oft für 2 bis 5 Jahre (je nach Umfang). Das ist staatlich finanziert und schafft Jobs in Schwermaschinen-Reparatur, Demontage, Logistik und Umwelttechnik.

Das allgemeine Reparaturhandwerk in Longyearbyen – boomt durch den Strukturwandel:

  • Schneemobile, Boote, ATVs, Baumaschinen – hoher Bedarf an Reparaturen (Kälte, Salz, Permafrost-Schäden). Viele ehemalige Bergbau-Mechaniker wechseln hierher (Guiding-Firmen, Vermieter).
  • Gebäude & Infrastruktur – Permafrost-Auftauen verursacht Setzungen → viel Sanitär-, Elektro-, Heizungs- und Malerarbeiten. Wohnungssanierungen (Lawinengefahr-Zonen) und Neubauten erfordern Handwerker.
  • Energie-Shift: Diesel-Generatoren, zukünftige Wind-/Solar-Hybride: Wartung von Anlagen, Batterien, Umrüstungen.
  • Kleines Gewerbe: Autowerkstätten, VVS (Heizung/Sanitär), Elektriker, Schweißer – oft Multitalente, die früher in der Mine gearbeitet haben.


Es gibt immer noch Maintenance-Jobs (zum Beispiel auf Indeed gelistet: Industrial Mechanic ooder Ähnliches in Svalbard). Viele ehemalige Miner haben umgeschult oder sind in Tourismus/Logistik gegangen. Der Staat fördert Umschulungen und Familienhalten, um norwegische Präsenz zu sichern.

Wasserwirtschaft

Frisches Wasser ist auf dem Archipel eine wertvolle Ressource, die vor allem in Longyearbyen, dem größten Ort Svalbards, zentral bereitgestellt und streng kontrolliert wird. Die Versorgung erfolgt überwiegend über Gletscher- und Schmelzwasserquellen, das aufbereitet und in das örtliche Leitungsnetz eingespeist wird. Aufgrund der geringen Bevölkerung ist die Infrastruktur überschaubar, gleichzeitig aber so ausgelegt, dass sie ganzjährig zuverlässig Trinkwasser liefern kann – selbst während der langen, dunklen Polarnacht und unter extremen Wetterbedingungen.

Die Wasserwirtschaft umfasst sowohl die Trinkwasserversorgung als auch die Abwasser- und Abflussregelung. Frischwasser wird gefiltert, aufbereitet und kontinuierlich überwacht, um Qualität und Hygiene sicherzustellen. Abwasser und häusliche Abfälle werden in zentralen Anlagen gesammelt und behandelt, bevor sie umweltgerecht entsorgt oder teilweise wiederverwendet werden. Aufgrund des Permafrosts und der empfindlichen Böden ist die Planung von Leitungsnetzen und Kläranlagen besonders anspruchsvoll, da Frostschäden vermieden werden müssen. Auch der Umgang mit Schmelzwasser und saisonalen Flüssen erfordert sorgfältige Planung, um Überschwemmungen oder Erosion zu verhindern.

Ein wichtiger Aspekt der Wasserwirtschaft auf Svalbard ist der Schutz der Umwelt. Die Region ist durch internationale Abkommen und nationale Gesetze stark geschützt, und jede Nutzung von Wasserressourcen unterliegt strengen Auflagen. Insbesondere in Naturschutzgebieten dürfen keine Eingriffe in Flüsse oder Gletscher erfolgen, und die Wassernutzung muss nachhaltig erfolgen, um das fragile Ökosystem zu bewahren. Forschungseinrichtungen auf Svalbard untersuchen zudem den Einfluss von Klimawandel und Gletscherschmelze auf die Wasserressourcen, da steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster sowohl die Menge als auch die Qualität des verfügbaren Wassers beeinflussen können.

Energiewirtschaft

In der Vergangenheit wurde Svalbard stark durch den Kohlebergbau geprägt, der über Jahrzehnte den Energiebedarf dominierte. Die Kohlekraftwerke in Longyearbyen lieferten nicht nur Strom, sondern auch die für die Gebäudeheizung benötigte Wärme. Obwohl der Bergbau heute stark zurückgegangen ist, wird Kohle weiterhin in begrenztem Umfang genutzt, insbesondere in älteren Kraftwerksanlagen, während gleichzeitig verstärkt auf modernere und umweltfreundlichere Technologien gesetzt wird.

Seit den 2000er Jahren wird die Energieversorgung zunehmend diversifiziert. Elektrizität wird heute größtenteils durch die zentralen Kraftwerke in Longyearbyen bereitgestellt, während die Wärmeversorgung über Fernwärmenetze erfolgt. Die Gebäude sind in der Regel an ein kombiniertes Strom- und Wärmenetz angeschlossen, das hohe Effizienz bietet und die extremen Heizanforderungen des arktischen Winters abdeckt. Energieverbraucher müssen dabei sowohl Strom als auch Wärme effizient nutzen, da Transport und Lagerung von Brennstoffen auf einem abgelegenen Archipel teuer und logistisch aufwendig sind.

Ein zunehmend wichtiger Aspekt der Energiewirtschaft auf Svalbard ist der Einfluss erneuerbarer Energien. Kleine Projekte mit Wind- und Solarenergie werden getestet und teilweise eingesetzt, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Allerdings sind die Bedingungen extrem herausfordernd: lange Dunkelperioden im Winter, Schnee und Eis erschweren den Betrieb von Solaranlagen, während Windkraftanlagen hohen Anforderungen an Stabilität und Wartung ausgesetzt sind. Forschungseinrichtungen auf Svalbard nutzen die Region auch, um Technologien unter arktischen Bedingungen zu testen, etwa Hybridlösungen oder Energiespeicher, die die Versorgungssicherheit erhöhen sollen.

Die Logistik spielt eine zentrale Rolle in der Energieversorgung. Brennstoffe werden überwiegend per Schiff vom norwegischen Festland angeliefert, da die Region keine nennenswerten lokalen Ressourcen außer Kohle hat. Die Lagerung muss sorgfältig erfolgen, um Verluste durch Kälte oder Wetterextreme zu vermeiden. Gleichzeitig werden in Longyearbyen Maßnahmen zur Energieeinsparung umgesetzt, etwa durch gut isolierte Gebäude, effiziente Heizsysteme und kontrollierte Nutzung öffentlicher Einrichtungen.

Die Energiewirtschaft ist außerdem stark reguliert. Norwegische Gesetze zur Sicherheit, Umweltverträglichkeit und Emissionskontrolle gelten auch auf Svalbard. Neue Energieprojekte müssen sowohl den strengen Umweltauflagen der Arktis entsprechen als auch die Versorgungssicherheit gewährleisten. Der Klimawandel beeinflusst die Energieplanung zusätzlich: steigende Temperaturen können Heizbedarf und Energieverbrauch verändern, während gleichzeitig Schmelzwasser und instabiler Permafrost die Infrastruktur belasten können.

Abfallwirtschaft

Die Abfallwirtschaft auf Svalbard ist stark durch die abgelegene Lage, das fragile arktische Ökosystem und die geringe Bevölkerungszahl geprägt und unterscheidet sich deutlich von herkömmlichen Systemen auf dem Festland. In Longyearbyen, dem Hauptort des Archipels, gibt es ein organisiertes Abfallmanagement, das sowohl private Haushalte als auch Unternehmen und Forschungseinrichtungen abdeckt. Aufgrund der extremen klimatischen Bedingungen, des Permafrostbodens und der Schutzgebiete rund um die Siedlungen ist eine sorgfältige Sammlung, Trennung und Entsorgung von Abfällen besonders wichtig.

Die Abfallwirtschaft umfasst eine strikte Mülltrennung: Papier, Kunststoff, Glas, Metall und organische Abfälle werden getrennt gesammelt. Ein Großteil des Mülls wird aus Svalbard heraus transportiert und auf dem norwegischen Festland umweltgerecht entsorgt oder recycelt, da lokale Deponien aufgrund der geringen Fläche und des empfindlichen Untergrunds nur sehr begrenzt genutzt werden können. Für Sonderabfälle wie Chemikalien, Ölprodukte oder medizinische Abfälle bestehen spezielle Sammelsysteme, um Umweltschäden zu vermeiden.

Ein zentraler Aspekt ist die Minimierung von Umweltbelastungen. Da das Archipel ein empfindliches Ökosystem beherbergt, sind alle Aktivitäten, die Abfall erzeugen, streng reguliert. Touristen, Forschungsreisende und Bewohner werden durch Informationskampagnen auf die richtige Entsorgung und die Bedeutung des Umweltschutzes hingewiesen. In einigen Gebieten, etwa in Naturschutzgebieten oder bei Expeditionen, müssen Abfälle wieder mit zurückgenommen werden, um die Natur unberührt zu halten. Darüber hinaus spielen Prävention und Wiederverwertung eine große Rolle. Recycling wird gefördert, und einige Unternehmen bieten Rücknahmeprogramme für Verpackungen oder Ausrüstung an. Die Abfallwirtschaft ist eng mit der lokalen Infrastruktur und dem Transportwesen verknüpft, da die Entsorgung auf dem Festland logistisch gut geplant werden muss und wetterabhängig ist.

Handel

Zentrum des wirtschaftlichen Lebens ist Longyearbyen, da es außerhalb der Siedlungen kaum dauerhafte Infrastruktur gibt. Aufgrund der abgelegenen Lage und der extremen klimatischen Bedingungen ist die Versorgung der Bevölkerung logistisch aufwendig und größtenteils vom norwegischen Festland abhängig.

Die Geschäfte auf Svalbard sind überschaubar, decken jedoch den täglichen Bedarf zuverlässig ab. Es gibt Supermärkte, in denen Lebensmittel, Haushaltswaren und Alltagsartikel angeboten werden, wobei ein großer Teil der Waren importiert wird. Frische Produkte sind verfügbar, aber oft teurer und saisonal begrenzt. Neben Lebensmitteln spielen Outdoor-Ausrüstung, wetterfeste Kleidung und technische Ausrüstung eine wichtige Rolle im Einzelhandel, da sie für Alltag, Arbeit und Freizeit in der Arktis unverzichtbar sind.

Ein besonderer Aspekt des Handels ist, dass auf Svalbard keine Mehrwertsteuer erhoben wird. Dadurch sind viele Waren – insbesondere Alkohol, Tabak, Elektronik und Outdoor-Bekleidung – günstiger als auf dem norwegischen Festland. Gleichzeitig unterliegen diese Produkte Mengenbeschränkungen, vor allem beim Ausführen vom Archipel, um Missbrauch zu verhindern. Der steuerfreie Status macht Svalbard auch für Touristinnen und Touristen attraktiv.

Neben klassischen Geschäften gibt es Souvenir- und Spezialläden, die lokale Produkte, Kunsthandwerk, Bücher oder Fotografien mit Arktis-Bezug verkaufen. Diese Läden tragen zur kulturellen Identität bei und richten sich stark an Besucher. Gastronomiebetriebe wie Cafés, Restaurants und Bars sind ebenfalls ein wichtiger Teil des Handels und bieten sowohl internationale Küche als auch regionale Spezialitäten an.

Der Online-Handel gewinnt auch auf Svalbard an Bedeutung, ist jedoch durch längere Lieferzeiten und höhere Transportkosten eingeschränkt. Viele Bewohner bestellen Waren direkt vom Festland, müssen dabei aber mit Verzögerungen rechnen. Insgesamt ist der Handel auf Svalbard funktional, kleinräumig und stark reguliert. Er stellt die Grundversorgung sicher, unterstützt den Tourismus und spiegelt die besonderen wirtschaftlichen und geografischen Bedingungen des Lebens in der Arktis wider.

Finanzwesen

In Svalbard gilt das norwegische Geldsystem. Da Norwegen aufgrund des Svalbard-Vertrags von Sèvres vom 9. Februar 1920 keine Einkünfte aus Svalbard beziehen darf, bleiben die eingezogenen Steuern auf der Inselgruppe. Dies hat zur Folge, dass das Steuerniveau im Gegensatz zu anderen norwegischen Gebieten sehr niedrig ist. Die Einkommenssteuer liegt unter 20 %, und eine Umsatzsteuer existiert überhaupt nicht. Dies wird jedoch dadurch kompensiert, dass viele Produkte, insbesondere Frischwaren wie Gemüse und Obst, aufgrund der hohen Transportkosten deutlich teurer sind als auf dem Festland.

In Longyearbyen gibt es nur sehr eingeschränkte Bankdienstleistungen. Früher waren Filialen norwegischer Banken vor Ort vertreten, heute werden klassische Bankgeschäfte wie Kontoführung, Überweisungen oder Kredite überwiegend online über Banken auf dem norwegischen Festland abgewickelt. Geldautomaten sind vorhanden, aber ihre Anzahl ist begrenzt, und Bargeld spielt im Alltag eine immer kleinere Rolle. Der Zahlungsverkehr erfolgt fast vollständig bargeldlos, vor allem mit Debit- und Kreditkarten.

Eine Besonderheit ist, dass auf Svalbard keine Mehrwertsteuer (Mehrwertsteuerzone = 0 %) erhoben wird. Das macht Waren und Dienstleistungen grundsätzlich günstiger und beeinflusst auch finanzielle Abläufe, etwa im Handel und Tourismus. Gleichzeitig gelten dennoch strenge Vorschriften in Bezug auf Geldwäsche, Finanztransparenz und internationale Transaktionen, da Svalbard Teil des norwegischen Rechtsraums ist.

Für Unternehmen – etwa im Tourismus, in der Forschung oder im Dienstleistungssektor – ist der Zugang zu Finanzierungen begrenzt. Größere Investitionen werden in der Regel über Banken, Institutionen oder Förderprogramme auf dem Festland abgewickelt. Auch Versicherungen, Rentenmodelle und Sozialleistungen werden über norwegische Systeme organisiert, da es auf Svalbard kein eigenes Sozial- oder Steuersystem gibt. Einkommensteuer wird zwar erhoben, liegt aber unter dem Niveau des norwegischen Festlands.

Soziales und Gesundheit

Longyearbyen ist die bei weitem größte Siedlung und hat sich von einer reinen Bergarbeiter-„Company Town“ zu einer modernen, internationalen Kleinstadt entwickelt. Die Bevölkerung ist jung (Durchschnittsalter um die 35 bis 40 Jahre), multikulturell (viele Norweger, aber auch Menschen aus über 50 Nationen) und sehr mobil – viele bleiben nur 2–5 Jahre. Das Gemeinschaftsgefühl ist stark: Es gibt Sportvereine, Kulturveranstaltungen (zum Beispiel Polar Jazz Festival, Svalbard Turn), eine Bibliothek, Kino, Schwimmbad, Fitnesscenter, Kirche, Kindergarten und Grundschule bis 10. Klasse. UNIS (University Centre in Svalbard) bringt jährlich Hunderte Studierende und Dozenten, was das kulturelle und soziale Leben belebt. Trotz der modernen Infrastruktur bleibt das Leben herausfordernd: monatelange Polarnacht (Oktober–Februar) mit Dunkelheit und oft schlechter Stimmung, Mitternachtssonne im Sommer, extreme Kälte (bis -40 °C), hohe Lebenshaltungskosten und die ständige Präsenz von Eisbären außerhalb der Siedlung. Viele berichten von hoher Lebenszufriedenheit durch Natur, Abenteuer und Zusammenhalt, aber auch von psychischen Belastungen durch Isolation, Polarlicht-Depressionen oder „cabin fever“-ähnliche Zustände. Das soziale Netz ist engmaschig, aber informell – Nachbarn und Kollegen helfen sich gegenseitig stark. In Barentsburg (russisch, rund 400 Einwohner) und Ny-Ålesund (Forschungsstation, 30 bis 150 Personen) ist das Leben noch abgeschotteter und russisch bzw. forschungsdominiert.

Gesundheitswesen

Das Longyearbyen Sykehus (Krankenhaus) ist das nördlichste Krankenhaus der Welt und bietet grundlegende primärärztliche und einige fachärztliche Versorgung (Allgemeinmedizin, Zahnarzt, Physiotherapie, Hebamme, Kindergesundheit, Gynäkologie). Es gibt 4–5 Ärzte, 6 Krankenschwestern (im Schichtsystem Tag/Nacht), einen Zahnarzt und weitere Fachkräfte. Schwere Fälle, Geburten, Operationen, CT/MRT, Psychiatrie/Psychologie oder Intensivmedizin gibt es nicht – Patienten werden per Flugzeug nach Tromsø (Universitätskrankenhaus UNN) oder aufs norwegische Festland evakuiert (meist innerhalb weniger Stunden bei gutem Wetter möglich). Für Touristen und Kurzzeitbesucher gilt: Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) gilt nicht auf Svalbard (kein EWR-Anwendungsbereich). Behandlungen sind teuer und müssen selbst bezahlt werden (außer für nordische Bürger und norwegisch Versicherte). Jeder zahlt eine Zuzahlung (egenandel). Reisende brauchen daher zwingend eine gute Auslandskrankenversicherung mit Evakuierungsdeckung (inkl. Hubschrauber/Flugzeug aus dem Gelände). Außerhalb Longyearbyens gibt es keine medizinische Infrastruktur – in Barentsburg gibt es eine kleine russische Klinik, in Ny-Ålesund rudimentäre Versorgung für Forscher.

Krankheiten

Es gibt keine Hinweise auf generell erhöhte Krankheitsrisiken oder spezielle „Svalbard-Krankheiten“ im Vergleich zum norwegischen Festland (außer den umweltbedingten). Häufige Probleme sind:

  • Verletzungen durch Outdoor-Aktivitäten (Schneemobilunfälle, Skiunfälle, Stürze, Lawinen),
  • Eisbärenangriffe (sehr selten, aber potenziell tödlich – daher Pflicht zu Schusswaffe/Führer außerhalb der Sicherheitszone),
  • Kälte- und Wetterschäden (Erfrierungen, Unterkühlung),
  • Atemwegsinfekte und Mittelohrentzündungen (Otitis media) – etwas häufiger durch trockene Kälte und Innenraumluft,
  • Psychische Belastungen (Saisonal depressive Symptome, Angst vor Dunkelheit/Isolation, aber keine stark erhöhte Prävalenz von Depressionen im Vergleich zum Festland),
  • Infektionskrankheiten wie Grippe oder COVID waren begrenzt (dank Isolation und strenger Einreisekontrollen), aber potenziell katastrophal bei Ausbruch wegen begrenzter Kapazitäten.


Zusätzlich bestehen Risiken durch Rabies (Tollwut – bei Füchsen/Arktischen Füchsen vorhanden, daher Vorsicht bei Wildtieren), Parasiten (zum Beispiel Trichinen in Bärenfleisch) oder historische Gefahren wie Permafrost-bedingte Freisetzung alter Viren (theoretisch, zum Beispiel Spanische Grippe-Reste). Insgesamt ist Svalbard medizinisch sehr sicher für gesunde, vorbereitete Menschen – solange man die Isolation, das Wetter und die Eisbären respektiert und nie ohne ausreichende Versicherung und Ausrüstung ins Gelände geht. Die Kombination aus enger sozialer Gemeinschaft und begrenzter, aber effizienter medizinischer Basis macht das Leben dort lebenswert, aber definitiv nicht für jeden geeignet.

Bildung

In Longyearbyen gibt es die Longyearbyen skole, die als Grundschule (1. bis 10. Klasse) fungiert und dem norwegischen Lehrplan folgt. Sie ist modern ausgestattet, klein (200 bis 300 Schüler je nach Jahr) und international: Viele Kinder haben norwegische, aber auch andere Muttersprachen. Der Unterricht ist auf Norwegisch, mit Englisch als Zweitsprache; es gibt Förderung für Nicht-Muttersprachler. Nach der 10. Klasse müssen Schüler aufs norwegische Festland (meist Tromsø oder Oslo) für videregående skole (Gymnasium/Oberstufe), da es auf Svalbard keine weiterführende Sekundarschule gibt. Kindergarten und Barnehage existieren ebenfalls in Longyearbyen und sind gut besucht – das System ist familienfreundlich, aber die Abgeschiedenheit bedeutet oft, dass Familien mit älteren Kindern wegziehen oder pendeln. In Barentsburg gibt es eine russische Schule mit eigenem System; Ny-Ålesund hat keine Schulen (nur temporäre Forscher).

Höhere Bildung

Das University Centre in Svalbard (UNIS) ist die weltweit nördlichste Hochschuleinrichtung (seit 1993). UNIS bietet keine vollständigen Studiengänge (kein Bachelor/Master/PhD-Abschluss vor Ort), sondern intensive, forschungsbasierte Kurse (meist 10 bis 15 ECTS pro Kurs) in vier Fachbereichen: Arctic Biology, Arctic Geology, Arctic Geophysics und Arctic Technology.

Diese Kurse sind auf Bachelor-, Master- und PhD-Niveau und dauern typisch 3 bis 8 Wochen pro Block (Frühjahr, Herbst, manchmal Sommer). Sie sind stark praxisorientiert: Feldarbeit, Labore, Schiffs-/Helikopter-Exkursionen, oft in Kooperation mit internationalen Universitäten. Die Kurse werden komplett auf Englisch gehalten; Studierende kommen aus aller Welt (ca. 400–500 pro Jahr). UNIS ist staatlich finanziert und gehört zu den norwegischen Universitäten – Credits werden an der Heimatuni anerkannt. Im Frühjahr 2026 laufen zum Beispiel Kurse wie AB-202 Marine Arctic Biology oder AG-351 Arctic Tectonics and Volcanism; Bewerbungsfristen werden oft verlängert. Zusätzlich gibt es Field Safety Courses für alle, die ins Gelände gehen.

Wissenschaft und Forschung

Svalbard ist ein globalesZentrum für Arktisforschung – UNIS ist das Zentrum, aber es gibt viele weitere Akteure:

  • Norwegische Polarforschung (NPI – Norwegian Polar Institute, mit Station in Ny-Ålesund)
  • Internationale Stationen (zum Beispiel EISCAT-Radar, AWIPEV in Ny-Ålesund, russische Stationen in Barentsburg/Pyramiden)
  • Svalbard Science Forum koordiniert Aktivitäten und Infrastruktur
  • Jährliche Konferenzen wie Svalbard Science Conference (2025 in Oslo, Thema: Arktis als Klimahotspot und internationale Kooperation)


Forschungsschwerpunkte sind Klimawandel, Permafrost, Gletscher, Meereis, Biodiversität, Geologie, Raumfahrt (zum Beispiel Raketenstarts von Andøya, aber Svalbard-relevant), Umweltüberwachung. Viele Projekte sind international und nutzen die einzigartige Lage (78° N, wenig Lichtverschmutzung, Permafrost für Probenlagerung). Förderungen wie Arctic Field Grant unterstützen Master-/PhD-Feldarbeit.

Svalbard ist ein Paradies für Astronomen dank minimaler Lichtverschmutzung (dunkelster Ort der Erde) und der Polarnacht, die monatelang klare Nächte schafft. Die Lage (78° N) erlaubt Beobachtung des gesamten Himmelsnordhalbkugels, inklusive Polarkreis-Phänomenen. Forschung fokussiert auf Sonnenaktivität, Raumwetter und Nordlichter (Aurora Borealis), die durch solare Partikel entstehen und die Atmosphäre erhellen.

Kjell Henriksen Observatory (welt-nördlichste Aurora-Station, seit 1999, mit Teleskopen für Partikel-Forschung und Ozon-Schäden durch Solarwinde). Boreal Aurora Camera Constellation (BACC, seit 2015: Netz von Kameras, neueste 2025 in Alomar, für Echtzeit-Aurora-Tracking). Svalbard Satellite Station (SvalSat, seit 1997: Erdsatelliten-Antennen, die Daten von NASA/ESA-Satelliten wie Hubble oder Juno empfangen – inklusive Submillimeter Wave Astronomy Satellite für kosmische Strahlung).

Aurora-Touren (per Schneemobil, mit Apps wie Aurora Forecast) bieten 90% Erfolgsrate in der Polar-Nacht; beste Sicht März/April oder September/Oktober. Teleskope in Longyearbyen (zum Beispiel 16-Zoll-Reflektoren für Planeten/Milchstraße) oder am Adventdalen für dunkle Spots. Kombi mit Hundeschlitten oder Bootstouren – oft mit wärmenden Getränken.

Bibliotheken und Archive

Die Longyearbyen folkebibliotek (öffentliche Bibliothek) ist zentral im Kulturhaus gelegen – klein, aber gut sortiert mit norwegischer und internationaler Literatur, Zeitschriften, Kinderbüchern, Filmen und digitalen Ressourcen. Sie dient als Treffpunkt, veranstaltet Lesungen, Kurse und Kooperationen (zum Beispiel mit Artica Svalbard für Kunst-Wissenschaft-Projekte). Die UNIS Library ist wissenschaftlich orientiert mit einer spezialisierten Sammlung zu Arktis-Themen, Zugriff auf Oria (norwegisches Bibliotheksnetz) und internationale Datenbanken. Sie unterstützt Studenten und Forscher direkt vor Ort.

Das Svalbard Museum (in Longyearbyen) hat ein Archiv zu Geschichte, Bergbau, Expeditionen und Alltagsleben – teils digitalisiert, teils physisch. Historische Dokumente (zum Beispiel zu Gruben, Polarexpeditionen) werden dort gepflegt. In Ny-Ålesund und Barentsburg gibt es kleine forschungsbezogene Bibliotheken/Archive (zum Beispiel russische Sammlungen in Barentsburg).

Kultur

Die Kultur auf Svalbard ist geprägt von Internationalität, Pragmatismus und einem starken Gemeinschaftsgefühl, das aus dem Leben unter extremen arktischen Bedingungen entsteht. Traditionelle kulturelle Ausdrucksformen sind weniger ausgeprägt, stattdessen bestimmen Forschung, Naturverbundenheit und ein respektvoller Umgang mit der Umwelt den Alltag.

Museen

Das Svalbard Museum (svalbardmuseum.no) ist das zentrale und mit Abstand wichtigste Museum auf dem Archipel. Es liegt im Forskningsparken (Svalbard Science Centre) am unteren Ende von Longyearbyen, direkt neben UNIS und dem Norwegian Polar Institute. Das moderne Gebäude beherbergt eine umfassende Dauerausstellung mit dem Titel „En verden i endring“ (A World in Change) bzw. „Svalbard – Det nye landet“. Sie erzählt die 400-jährige Geschichte seit der Entdeckung 1596: von Walfang und Pomoren über Bergbau und Polarforschung bis hin zum heutigen Klimawandel und Tourismus. Die Ausstellung verbindet Natur und Kultur eng – mit Fossilien (zum Beispiel Millionen Jahre alte Dinosaurier), präparierten Tieren (Eisbär, Walross, Polarfuchs, Rentier), archäologischen Funden, historischen Objekten aus Gruben und Expeditionen sowie interaktiven Modellen und Rekonstruktionen. Besonders beeindruckend sind die lebensnahen Dioramen und die Darstellung der extremen Umwelt. Es gibt auch temporäre Sonderausstellungen (zum Beispiel eine von Juni 2025 bis Mai 2026), digitale Sammlungen (Fotoarchiv, Objekte mit „digitaler Schatzsuche“), ein historisches Archiv und interaktive Elemente wie „Ut av fryseren“ (Archäologie aus dem Permafrost). Öffnungszeiten: ganzjährig täglich 10–17 Uhr (im Sommer oft 9–17 Uhr); Eintritt ca. 160 NOK Erwachsene, 110 NOK Studenten, günstiger für Locals. Es ist preisgekrönt und ein Muss für jeden Besucher.

Das North Pole Expedition Museum (northpolemuseum.com) liegt zentral in Longyearbyen und widmet sich ausschließlich den Expeditionen zum Nordpol. Der Fokus liegt auf Luftschiff-Expeditionen (zum Beispiel Norge 1926 von Roald Amundsen, Umberto Nobile), aber auch Ski-, Hundeschlitten- und Bootsreisen werden beleuchtet. Die Sammlung umfasst Originalartefakte, Fotos, Modelle und persönliche Geschichten – ein Nischenmuseum für Polarenthusiasten. Öffnungszeiten: meist Februar–September täglich 9–17 Uhr, im Winter geschlossen; Eintritt moderat.

Galleri Svalbard ist eine kleine, aber feine Galerie mit permanenter Sammlung: Kunstwerke von Kåre Tveter (norwegischer Maler mit arktischen Motiven), die Svalbard-Sammlung (arktische Karten, Bücher, Geldscheine) und die Recherche-Sammlung. Es ist eher ein Kunstmuseum/Galerie als klassisches Geschichtsmuseum und liegt ebenfalls in Longyearbyen.

Weitere kleinere oder ergänzende Orte sind Svalbard Church (nicht offiziell Museum, aber historisch interessant mit Ausstellungen und oft Führungen) und Nordover (Kunst- und Kulturzentrum mit wechselnden Ausstellungen, oft zeitgenössisch oder thematisch zu Arktis). In Ny-Ålesund existiert eine kleine Ausstellung zur Forschungsgeschichte und zum Ort selbst (im alten Verwaltungsgebäude oder Kings Bay). In Pyramiden (verlassene russische Siedlung) gibt es ein improvisiertes Museum in einem der Gebäude mit Relikten aus der Sowjetzeit (meist nur bei organisierten Touren zugänglich). Barentsburg hat ein kleines lokales Museum zur russischen Geschichte und Kohleförderung.

Architektur

Svalbards Bauten müssen den Permafrost schonen (keine direkte Bodenwärme), extreme Temperaturen aushalten und oft schnell errichtet werden. Die meisten Gebäude stehen auf Pfählen oder Stelzen, um den Boden nicht aufzutauen. In Longyearbyen dominieren farbenfrohe Holzhäuser (rot, gelb, blau, grün) – praktisch gegen die Polarnacht und ästhetisch ansprechend. Hervorzuheben ist das Svalbard Science Centre (2006, Jarmund/Vigsnæs Arkitekter), glasig, modular, energieeffizient und ein Symbol für Forschung. Die Husfabrikken sind neue Wohnsiedlungen.

Das Kulturhaus und das UNIS-Gebäude sind zwei funktional-moderne Bauten. Der Svalbard Global Seed Vault (2008, Barlindhaug Arkitekter) ist ein unterirdischer Bunker in einem Berg, minimalistisch und weltberühmt. In Barentsburg steht sowjetische Architektur im Vordergrund: große Betonbauten, farbenfrohe Fassaden, Lenin-Statue und der „erste arktische Wolkenkratzer“. Ny-Ålesund hat funktionale Forschungsbauten (zum Beispiel Kings Bay). Aktuell errichtet man höhere Bauten mit besserer Isolierung und nachhaltigen Materialien (zum Beispiel Projekte wie „Signs of Svalbard“ oder Arc Visitor Center von Snøhetta). Historische Relikte wie etwa Grubenbauten in Pyramiden oder Sveagruva werden erhalten oder als Museen genutzt.

Bildende Kunst

Die Szene ist klein, aber lebendig und international – oft thematisch um Arktis, Umweltschutz und Mensch-Natur-Beziehung. Das Nordover Art Centre & Cinema (seit 2021, nach Schließung von Galleri Svalbard) ist das nördlichste Kunstzentrum der Welt: Temporäre Ausstellungen, Kino, Workshops – Fokus auf zeitgenössische Kunst zu Klimawandel und Polarleben. Das Spitsbergen Artists Center (in Nybyen) ist ein Kreativzentrum mit Ateliers, Residencies, Verkauf lokaler Kunst und Handwerk und Events.

Art Hall Svalbard, Longyearbyen Kunst og handverksenter oder die Art Arctic Gallery in Barentsburg (mit historischen Artefakten und russischer Kunst). Bekannte Künstler: Früher Kåre Tveter (Galerie geschlossen), heute internationale wie Ian van Coller (Fotografie zu Spuren menschlicher Eingriffe) oder lokale Maler/Fotografen. Öffentliche Kunst: Skulpturen, Wandmalereien, temporäre Installationen (zum Beispiel in Kooperation mit UNIS oder Artica Svalbard). Die Kunst ist praxisnah, oft outdoor-tauglich und reflektiert die fragile Arktis.

Literatur

Svalbard (bzw. Spitzbergen) ist ein relativ seltenes Setting in der Literatur, im Theater und im Film – vor allem im deutschsprachigen Raum. Die extremen Bedingungen der Arktis, Isolation, Polarlicht, Eisbären, Bergbau-Geschichte und der Svalbard Global Seed Vault tauchen aber immer wieder auf, oft in Abenteuer-, Thriller-, Sci-Fi- oder autobiografisch-reflexiven Texten. Wichtige Romane & literarische Bücher über Svalbard sind:

  • Christiane Ritter – Eine Frau in der Polarnacht (1938, Original: Eine Frau erlebt die Polarnacht) Der absolute Klassiker der Svalbard-Literatur. Eine österreichische Malerin verbringt 1934/35 ein Jahr mit ihrem Mann in einer winzigen Hütte auf Nordostland/Spitzbergen. Sehr introspektiver, poetischer Text über Isolation, Naturgewalt, Polarpsychologie und Mensch-Natur-Verhältnis. Wird bis heute immer wieder neu aufgelegt und gilt als literarisches Meisterwerk der Arktis-Literatur.
  • Alistair MacLean – Bear Island (1971, dt. Bären-Insel) Spannender Thriller: Ein Filmteam dreht auf der abgelegenen Bäreninsel (Bjørnøya, gehört zu Svalbard). Morde, Spionage, arktisches Wetter als Gegenspieler. Sehr actionlastig.
  • Monica Kristensen (norwegische Krimi-Autorin & Glaziologin) Mehrere Romane spielen in/auf Svalbard, zum Beispiel Operation Fritham (über WWII-Ereignisse auf Spitzbergen) oder ihre Krimi-Reihe um Kommissar Wisting/Hanna. Sie verbindet oft historische Ereignisse mit modernem Krimi.
  • Nathaniel Ian Miller – The Memoirs of Stockholm Sven (2021) Fiktive Autobiografie eines Schweden, der Anfang des 20. Jahrhunderts nach Svalbard auswandert und dort als Trapper/Einsiedler lebt. Sehr melancholisch-literarisch.
  • Matt Haig – The Midnight Library (2020) In einer der Parallelwelten ist die Protagonistin Glaziologin auf Svalbard → kurze, aber stimmungsvolle Passagen.
  • Svalbard (deutscher Roman von einem Brinkhaus Verlag, ca. 2020er) Handelt von einem taubstummen, autistischen, erblindenden jungen Mann auf Svalbard – sehr ungewöhnliches, existenzielles Buch.
  • Pål Hermansen – Seeds from the World (über den Svalbard Global Seed Vault, teils essayistisch-literarisch)
  • Cecilia Blomdahl – Life on Svalbard (moderne Instagram-Influencerin-Autobiografie, sehr visuell-lebensnah)

Theater

Theaterstücke, die explizit in Svalbard spielen, sind extrem selten. Es gibt keine bekannten Bühnenwerke. Gelegentlich taucht Svalbard in norwegischen oder skandinavischen Performances/Installations-Theater auf (zum Beispiel im Kontext von Klima, Arktis, Seed Vault), aber meist als Motiv, nicht als durchgehender Schauplatz. In Longyearbyen selbst gibt es das Nordover Art Centre & Cinema, wo manchmal kleine Theater- oder Lesungsveranstaltungen stattfinden, aber keine großen Stücke.

Film

Wichtige Filme und Serien mit Svalbard als Schauplatz wareen:

  • Orions belte / Orion’s Belt (1985, norwegisch) Politischer Thriller nach dem Roman von Jon Michelet. Spionage, Sowjetunion, Öl, arktische Spannungen – gedreht auf Svalbard. Einer der bekanntesten norwegischen Filme der 80er.
  • Fortitude (Sky/Netflix-Serie, 2015–2018) Fiktive Stadt in Svalbard-Ästhetik (gedreht teils in Island), aber stark an Longyearbyen angelehnt. Sci-Fi-Horror-Thriller mit Parasit/Mord-Serie. Sehr bekannt für die düstere Arktis-Stimmung.
  • When the Light Comes / Når lyset kommer (1998, belgisch-niederländisch-deutsch) Liebesdrama/Winter-Coming-of-Age, spielt komplett auf Spitzbergen.
  • Klaus (2019, Netflix-Animationsfilm) Weihnachtsfilm, dessen Setting stark an ein fiktionalisiertes Svalbard/Longyearbyen angelehnt ist (Schneedörfer, Fjorde, Polarlichter).
  • Operasjon Arktis (2014, norwegisch, Kinder-/Jugendfilm) Abenteuerfilm mit Kindern, die auf Svalbard stranden.


Dazu kommen zahlreiche Dokumentationen und kürzere Filme:

  • Frozen Planet (BBC, Episoden mit Svalbard)
  • The Ghost of Piramida (über die Geisterstadt Pyramiden)
  • Viele kurze Arthouse-Filme von Knut Erik Jensen (Svalbard-trilogie 1980er)
  • End to End Svalbard (Doku über Ski-/Expeditionsdurchquerung)

Musik und Tanz

Svalbard hat sich seit der Jahrtausendwende zu einem Hotspot für nördlichste Festivals der Welt entwickelt. Diese Events ziehen Künstler an, die die arktische Kulisse bewusst suchen – oft mit Konzerten in Kirchen, Bars, verlassenen Minen oder sogar draußen unter Polarlicht.

Polarjazz (seit 1998, immer Anfang Februar) ist die älteste und bekannteste Vereanstaltung. Welt-nördlichste Jazzfestival. In der blauen Dämmerung der Polar-Nacht (kurz bevor die Sonne zurückkommt) spielen internationale und skandinavische Jazz-, Folk-, Pop- und Rock-Acts. Konzerte verteilen sich über die ganze Stadt – von der Kirche über Galerien bis zu Bars. Es gibt auch kostenlose Schul- und Kindergarten-Konzerte. Die Stimmung ist intim, fast magisch – die Kälte draußen verstärkt die Wärme drinnen.

Dark Season Blues (um den 26. Oktober) ist ein Blues-Festival zum Start der langen Polar-Nacht. Vier Tage Non-Stop-Konzerte mit skandinavischen und internationalen Blues-, Rock- und Roots-Musikern. Die Dunkelheit draußen und das warme Licht in den Venues (zum Beispiel Karlsberger Pub, Huset) schaffen eine sehr besondere, melancholische Atmosphäre.

Arctic Chamber Music Festival (seit 2018, Ende Februar) bietet Klassik pur – vom Arctic Philharmonic Orchestra und internationalen Solisten. Kammermusik in der Svalbard-Kirche, oft mit zeitgenössischen Kompositionen, die sich auf Arktis, Klima oder Isolation beziehen. Manchmal mit Tanz-Elementen oder interdisziplinären Performances kombiniert.

Das Isfjord Radio Music Festival (meist Sommer, an der alten Funkstation Isfjord Radio) bietet akustische, intime Konzerte in spektakulärer Lage – oft Singer-Songwriter, Folk oder Indie. Boot-Transfer von Longyearbyen, Übernachtung vor Ort, Fokus auf „nackte“, ehrliche Musik inmitten der Wildnis.

Dazu kommen sporadische Konzerte von Svalbard Vibe (lokaler Veranstalter) das ganze Jahr über – von Indie über Metal bis Elektro. Besondere Musik-Momente & Filme sind:

  • Manowar – Metal in the Arctic (2019): Erstes großes Heavy-Metal-Konzert auf Svalbard. Es gibt eine 14-minütige Behind-the-Scenes-Doku dazu – zeigt, wie surreal es ist, epischen Metal in einer 1000-Einwohner-Stadt mit Eisbären-Warnungen zu spielen.
  • Verschiedene Relax-/Ambient-Musik-Videos & Kurzfilme nutzen Svalbard-Drohnenaufnahmen mit entspannter Musik (zum Beispiel 4K-HDR-Videos von Gletschern und Fjorden mit chilligen Soundtracks).
  • Gelegentliche Auftritte internationaler Acts (zum Beispiel in Dokumentationen oder Specials).


Tanz ist keine feste Institution, aber in den letzten Jahren taucht er stärker auf – meist als Performance Art, Tanztheater oder site-specific Projekte, die die Arktis thematisieren (Klima, Isolation, Körper in Extremsituationen). Das Longyearbyen Kulturhus (das Kulturzentrum) hat 2024/25 erste Tanztheater-Produktionen initiiert – offene Calls für Bewohner, um mitzutanzen. Fokus auf „blended art expressions“, Körper im Zentrum, Themen wie Mensch-Natur-Beziehung. Erste echte Tanztheater-Spektakel der Stadt (Stand 2025/26 noch jung und community-basiert). Im Spitsbergen Artists Center (Residenzprogramm) schaffen Künstler Performances – zum Beispiel Pole-Dance und Aktivismus (Klima & Dekolonialismus), Sound-Performances mit Tanz-Elementen, experimentelle Stücke in der Landschaft. KunstPause bietet gelegentlich Tanz-Installationen, Impro oder zeitgenössischer Tanz im Rahmen von Kunstfestivals. Berühmt geworden sind TikTok-/Social-Media-Clips von Leuten, die auf Eisbergen tanzen oder mitten in der Tundra Partys feiern – symbolisch für die Freiheit und den Wahnsinn, den die Isolation ermöglicht.

Kleidung

Die Kleidung auf Svalbard ist in erster Linie funktional und auf die extremen arktischen Bedingungen abgestimmt, während traditionelle Trachten oder festliche Bekleidung kaum eine Rolle spielen. Aufgrund der niedrigen Temperaturen, starken Winde, langen Wintermonate und des Permafrosts ist das Tragen von wetterfester, isolierender Kleidung für Alltag, Arbeit und Freizeit unverzichtbar. Typische Kleidungsstücke sind dicke Parkas, thermische Unterwäsche, wasser- und winddichte Hosen, robuste Stiefel, Handschuhe und Mützen, die speziell für den Schutz gegen Kälte und Frost entwickelt wurden. Viele Bewohner nutzen außerdem Kleidung aus Schafwolle, Daunen oder modernen High-Tech-Materialien, die leicht, warm und atmungsaktiv sind.

Für Touristen, Forschende und Expeditionsteilnehmende gilt Kleidung ebenfalls als Sicherheitsausrüstung: Eisbärensicherheitsausrüstung, reflektierende Farben und robuste Outdoor-Ausrüstung sind Standard, insbesondere bei Aktivitäten außerhalb der Siedlungen. Auch bei Wintersportarten wie Skilanglauf oder Schneemobilfahren ist Funktionskleidung Pflicht, um Unterkühlung und Erfrierungen zu vermeiden. In der kurzen Sommersaison reicht oft wind- und regenfeste Kleidung für Wanderungen oder Kajaktouren, da die Temperaturen leicht steigen, aber Wetterumschwünge häufig und schnell auftreten können.

Traditionelle Trachten, wie sie in Norwegen auf dem Festland in Form des „Bunad“ existieren, spielen auf Svalbard praktisch keine Rolle, da die Bevölkerung überwiegend aus saisonalen Arbeitern, Forschern und internationalen Bewohnern besteht, die pragmatische Kleidung bevorzugen. Festliche Kleidung wird allenfalls bei besonderen Anlässen innerhalb der Gemeinde getragen, etwa bei Weihnachten oder kulturellen Veranstaltungen in Longyearbyen, ist jedoch selten und spielt keine historische oder kulturelle Bedeutung im Alltag.

Kulinarik und Gastronomie

Die Küche auf Spitzbergen ist geprägt von der Unbarmherzigkeit der Umwelt: Permafrost verhindert Gemüseanbau, die Polarnacht (Oktober bis Februar) erfordert vitaminreiche, proteinstarke Nahrung gegen Skorbut und Erschöpfung. Lokale Spezialitäten basieren daher auf nachhaltig gejagtem Wild und Fisch – alles, was die Natur bietet, ohne Importabhängigkeit. Historisch gespeist von Bergbau-Ära und Inuit-Traditionen, mischt sich das mit norwegischen und internationalen Einflüssen (zum Beispiel thailändisch durch die Community).

Spezialitäten sind Rentier (mild-würzig, aus Flechten ernährt, als Steak oder Eintopf), Robbe (nahrhaft, dunkel und zart, oft gegrillt – ein "Must-Try" für Mutige), Moschusochse (intensiv, langsam gegart), Schneehuhn (Ptarmigan, wild und mager) und Königskrabbe (aus den Fjorden, mit Butter oder in Suppe). Fisch wie Arktischer Kabeljau rundet ab. Frisch: Mikrogrüns aus der Polar Permaculture (lokaler Anbau von Radieschen, Erbsen in Containern). Süßes: Handgefertigte Schokoladen von Fruene (welt-nördlichste Chocolaterie, oft mit Polar-Bären-Motiven).

In Longyearbyen mit 14 Lokalen dominieren Orte wie Huset Restaurant (nordische Fine Dining mit Wein-Keller, Arktis-Menüs), Mary-Ann’s Polarrigg (Vinterhagen: Rentier und Robbe in historischer Atmosphäre), Restaurant Kroa (lokale Rezepte, Rentier-Burger) oder Funken Lodge (Set-Menü mit frischem Brot). In Barentsburg (russisch) gibt’s Borschtsch mit Rentier, in Pyramiden (Geisterstadt) sowjetische Relikte. Exklusiv: Private Chefs bei Svalbard Adventures mit Jäger-Lieferungen oder Iceberg-Wasser von Svalbarði (aus Gletschern, pur und mineralreich). Jeder Bewohner darf ein Rentier pro Jahr jagen, und Brauereien wie Svalbard Bryggeri produzieren Ales mit arktischen Kräutern – perfekt gegen die Kälte.

Festkultur

Auf Spitzbergen gelten die üblichen norwegischen Feiertage.

  • 1. Januar – Neujahr
  • Gründonnerstag – beweglicher Feiertag (vor Ostern)
  • Karfreitag – beweglicher Feiertag
  • Ostersonntag – beweglicher Feiertag
  • Ostermontag – beweglicher Feiertag
  • 1. Mai – Tag der Arbeit
  • 17. Mai – Norwegischer Nationalfeiertag (Tag der Verfassung)
  • Christi Himmelfahrt – beweglicher Feiertag (40 Tage nach Ostern)
  • Pfingstsonntag – beweglicher Feiertag
  • Pfingstmontag – beweglicher Feiertag
  • 25. Dezember – 1. Weihnachtstag
  • 26. Dezember – 2. Weihnachtstag

Medien

Eine zentrale Rolle spielt der lokale Journalismus. Die wichtigste und praktisch einzige regelmäßig erscheinende Zeitung ist Svalbardposten, die in Longyearbyen produziert wird. Sie berichtet über lokale Politik, Umwelt- und Klimafragen, Forschung, Sicherheit, Infrastruktur, Kultur und Alltagsereignisse. Themen wie Lawinengefahr, Wetterextreme, Eisbärenbegegnungen oder Änderungen bei Umweltauflagen sind von besonderer Bedeutung, da sie direkten Einfluss auf das Leben der Bevölkerung haben. Die Zeitung erscheint überwiegend auf Norwegisch, was die Stellung Norwegens als Verwaltungsstaat widerspiegelt, wird aber auch von internationalen Einwohnern genutzt.

Neben Printmedien spielen digitale Medien eine immer wichtigere Rolle. Online-Ausgaben, soziale Netzwerke und Webseiten lokaler Institutionen dienen als schnelle Informationskanäle, etwa für Wetterwarnungen, Straßensperrungen oder Notfallmeldungen. In einer Region, in der schnelle Kommunikation lebenswichtig sein kann, sind diese digitalen Plattformen besonders relevant. Auch internationale Nachrichten werden fast ausschließlich über das Internet konsumiert, da das lokale Medienangebot begrenzt ist.

Der Rundfunk ist ebenfalls präsent, wenn auch in eingeschränktem Umfang. Der norwegische öffentlich-rechtliche Sender NRK berichtet regelmäßig über Spitzbergen, insbesondere bei außergewöhnlichen Ereignissen wie extremen Wetterlagen, politischen Entscheidungen, Forschungsergebnissen oder internationalen Spannungen in der Arktis. Eigene dauerhafte Rundfunkstudios gibt es jedoch nur in sehr begrenztem Maß, sodass viele Beiträge von Journalistinnen und Journalisten vom Festland oder aus temporären Projekten stammen.

Eine besondere Rolle nehmen Wissenschafts- und Umweltmedien ein. Spitzbergen ist ein bedeutender Standort für internationale Polar- und Klimaforschung, weshalb Forschungseinrichtungen ihre Ergebnisse häufig über Fachzeitschriften, Blogs, Dokumentationen und internationale Medien verbreiten. Dadurch steht der Archipel oft im Fokus globaler Berichterstattung über Klimawandel, Gletscherschmelze, Permafrost und arktische Ökosysteme. In diesem Zusammenhang fungiert Spitzbergen gewissermaßen als „Symbolregion“ für den Klimawandel, was die mediale Aufmerksamkeit stark erhöht.

Auch soziale Medien haben für die Bevölkerung und den Tourismus eine wachsende Bedeutung. Einwohner, Forschende und Reiseanbieter teilen Bilder, Erfahrungsberichte und Informationen über Plattformen wie Instagram oder Facebook. Diese Medien prägen das internationale Bild von Spitzbergen als faszinierende, aber fragile Arktisregion. Gleichzeitig wird kritisch diskutiert, dass diese Darstellungen den Tourismus fördern und damit neue Herausforderungen für Umwelt- und Sicherheitsmanagement schaffen.

Politisch sind die Medien auf Spitzbergen eng mit der besonderen Rechtslage des Archipels verbunden. Der Spitzbergenvertrag garantiert Norwegen die Verwaltungshoheit, erlaubt aber Bürgern vieler Staaten den Aufenthalt und wirtschaftliche Aktivitäten. Medien berichten daher sensibel über internationale Interessen, Sicherheitspolitik und das Spannungsfeld zwischen Offenheit, Kontrolle und Umweltschutz.

Kommunikation

Telefoniert wird über Kabel wie Satellit. Die Post braucht von und zur Insel zumindest eine Woche. Für die umfangreichen Forschungsprojekte auf Svalbard, vorwiegend die UNIS und die Satellitenstationen in der Umgebung von Longyearbyen, wurde ein 2GB/s Unterwasser-Kabel vom Festland aus gelegt, womit in allen größeren Siedlungen Svalbards schnelle Internetanschlüsse verfügbar sind.

Sport

Im Winter dominieren Schnee- und Eissportarten. Skilanglauf ist eine der beliebtesten Aktivitäten, sowohl als Freizeitsport als auch als Trainingsform für Expeditionen. Rund um Longyearbyen gibt es präparierte Loipen, die von der lokalen Gemeinschaft gepflegt werden. Auch Skialpinismus und Skitouren sind weit verbreitet, wobei sie meist nur mit entsprechender Erfahrung und Ausrüstung ausgeübt werden, da Lawinengefahr, extreme Kälte und Eisbären ein Risiko darstellen. Schneemobilfahren ist ebenfalls sehr populär; es dient nicht nur dem Tourismus, sondern ist für viele Einheimische ein wichtiges Fortbewegungs- und Freizeitmittel. Sportliche Touren führen oft über Gletscher und gefrorene Fjorde.

In den Sommermonaten verlagert sich der Sport stärker in den offenen Naturraum. Wandern und Trekking sind dann zentrale Aktivitäten, wobei die Mitternachtssonne lange Tagesetappen ermöglicht. Aufgrund der Gefahren durch Eisbären erfolgen längere Touren meist in Gruppen und mit bewaffneten Guides. Auch Kajakfahren entlang der Küsten und in den Fjorden ist beliebt, da es einen direkten Zugang zur arktischen Landschaft und Tierwelt bietet. Zusätzlich wird Klettern an Felswänden rund um Longyearbyen betrieben, wenn die Bedingungen es zulassen.

Neben dem Outdoor-Sport gibt es in Longyearbyen auch Indoor-Sportangebote, die besonders während der Polarnacht wichtig sind. Eine Sporthalle ermöglicht Aktivitäten wie Fußball, Handball, Volleyball und Fitness-Training. Zudem gibt es ein Schwimmbad, das sowohl für den Schulsport als auch für Freizeit und Gesundheit eine große Bedeutung hat. Diese Einrichtungen sind wichtige soziale Treffpunkte, da sie Bewegung und Gemeinschaft in einer isolierten Umgebung fördern.

Ein besonderer Stellenwert kommt sportlichen Veranstaltungen zu, die an die arktischen Bedingungen angepasst sind. International bekannt ist der Spitsbergen-Marathon, der jedes Jahr im Sommer stattfindet und Teil des „nördlichsten Marathon der Welt“ ist. Auch Skirennen, Schneemobilwettbewerbe und lokale Mehrkämpfe gehören zum sportlichen Kalender. Diese Events verbinden sportliche Leistung mit Naturerlebnis und stärken den Zusammenhalt der Gemeinschaft.

Der Klimawandel beeinflusst den Sport auf Svalbard zunehmend. Kürzere Wintersaisons, instabile Schneeverhältnisse und dünneres Meereis erschweren einige traditionelle Aktivitäten wie Skitouren oder Schneemobilfahrten auf gefrorenen Fjorden. Gleichzeitig verlängern sich die schneefreien Perioden, was Wandern und Sommersport begünstigt. Sport auf Svalbard bleibt daher im Wandel und erfordert immer mehr Anpassung an neue Umweltbedingungen.

Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr auf Svalbard hat sich in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt und ist heute ein zentraler Bestandteil der lokalen Wirtschaft, insbesondere in Longyearbyen. Neben der außergewöhnlichen arktischen Natur, den Gletschern, der Tierwelt und Phänomenen wie Mitternachtssonne und Polarnacht spielen auch die Unterbringungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle für den Tourismus. Aufgrund der abgelegenen Lage und der besonderen klimatischen Bedingungen unterscheidet sich das Angebot deutlich von klassischen Urlaubszielen.

Alle Besuche auf Svalbard unterliegen strengen Regeln bezüglich des Schutzes der Natur und der historischen Stätten sowie in Hinsicht auf die Sicherheit der Besucher. Die Organisatoren der Touren müssen den Gouverneur von Svalbard lange vor Beginn der Saison über alle Reisepläne unterrichten und Versicherungsnachweise für den Fall erforderlicher Such- und Rettungsaktionen beibringen. Individualreisende müssen die Behörden über alle geplanten Ausflüge informieren.

Nichtsdestotrotz, Svalbard lebt vom Tourismus, die Hauptsaison ist im Sommer zwischen Anfang Juni und Mitte August, während der Mitternachtssonne. Er findet hauptsächlich um Longyearbyen statt oder auf Schiffen, die die Inselgruppe umrunden und dabei auch Landgänge anbieten. Da auf den Inseln Eisbären leben, ist es nicht erlaubt, die Ortschaften unbewaffnet zu verlassen. Camps sollten mit einem Bärenzaun geschützt sein. Wanderungen haben Expeditionscharakter und außerhalb des sogenannten Area 10 benötigt man eine Genehmigung des Sysselmannes – im Area 10 (Longyearbyen, Barentsburg, Kap Linne, Sveagruva) und rund um Pyramiden und Ny Ålesund können Touren ohne Genehmigung unternommen werden - sollten jedoch zur eigenen Sicherheit an- aber auch wieder abgemeldet werden. Ausrüstung und Bewaffnung sind erforderlich. Eine Anmeldung für genehmigungspflichtige Expeditionen sollte so frühzeitig wie möglich beim Sysselman erfolgen. Eine Versicherung für SAR ist erforderlich. Diese kann in Longyearbyen bei einigen Ausrüstern abgeschlossen werden. Entsprechende Ausrüstungsstandards zu beachten. Grundlegende Richtlinien finden sich in den Reisevorschriften des Cruisehandbuch des Norwegischen Polarinstituts

Die meisten Unterkünfte befinden sich in Longyearbyen, da Übernachtungen außerhalb der Siedlungen aus Sicherheits- und Naturschutzgründen stark eingeschränkt sind. Das Spektrum reicht von modernen Hotels mit gehobenem Standard über Mittelklassehotels und Gästehäuser bis hin zu einfachen Hostels für preisbewusste Reisende, Studierende oder Expeditionsteilnehmende. Viele dieser Unterkünfte sind funktional eingerichtet, auf kurze Aufenthalte ausgelegt und bieten zugleich wichtige Serviceleistungen wie geführte Touren, Ausrüstungsverleih oder Informationen zu Sicherheitsvorschriften.

Darüber hinaus gibt es kleinere Pensionen und Apartments, die häufig von Einheimischen betrieben werden und längere Aufenthalte ermöglichen. Sie werden besonders von Forschenden, Saisonarbeitskräften und Individualreisenden genutzt. Camping spielt auf Svalbard nur eine sehr geringe Rolle und ist außerhalb ausgewiesener Bereiche kaum erlaubt, da die Natur geschützt werden muss und Gefahren durch Eisbären bestehen.

Eine besondere Form der Unterbringung stellen Expeditionskreuzfahrtschiffe dar. Viele Touristinnen und Touristen übernachten während ihrer Reise an Bord und besuchen Svalbard im Rahmen mehrtägiger Arktisexpeditionen. Diese Schiffe sind oft speziell für Polarregionen ausgerüstet und unterliegen strengen Umweltauflagen.


Ein- und Ausreise:

  • Reisedokumente: Es gelten die norwegischen Einreisebedingungen.
  • Impfungen: Spezielle Impfungen werden nicht verlangt.
  • Zollbestimmungen: Svalbard ist zollrechtlich ein Teil Norwegens.
  • Reisen mit Kfz: Der nationale Führerschein ist für Mietautos erforderlich.
  • Umgangsformen: Vorsicht ist angebracht bei Wanderungen außerhalb der Ortschaften. Es gibt immer wieder Probeleme mit Eisbären.
  • Trinkgeld ist nicht üblich.
  • Reisezeit: Beste Reisezeit ist von Juni bis August.

Literatur

Reiseberichte

Video

Atlas

Reiseangebote

Visit Svalbard = https://en.visitsvalbard.com/

Forum

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