Fünen (Fyn)
Fünen im Herzen Dänemarks wirkt gar nicht wie eine Insel. Sie über Brücken mit dem Festland verbunden und bildet den Übergang zum größeren Seeland. Mit 1220 Schlössern bietet die Insel eine imposante Kulisse, in der einst, Hans Christian Andersen, der bekannteste Spross der Insel, seine Märchenpracht entfaltete.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | Fyn |
| alternative Bezeichnungen | Fioni (1050), Fune (1075), Fjón (11. Jahrhundert), Fionia, Feonia, Fyonia (um 1200), Fyun (1231), Vüne (niederdeutsch), Fünen (deutsch), Funen (englisch), Fionie (französisch), Fún (friesisch) |
| Kategorie | Meeresinsel |
| Inseltyp | Brückeninsel (/seit 1935) |
| Inselart | Morä-neninsel |
| Gewässer | Kattegat und Ostsee (Østersøen) mit Großem Belt (Storebælt) und Kleinem Belt (Lillebælt |
| Inselgruppe | Innerer Dänischer Archipel (Den Indre Danske Øhav) |
| politische Zugehörigkeit | Staat: Dänemark (Kongeriget Danmark) Regionen: Süd-Dänemark (Syddanmark) |
| Gliederung | 8 kommuner (Gemeinden) 145 byområder (Ortschaften) |
| Status | Landesteil (landsdel) |
| Koordinaten | 55°19‘ N 10°18‘ O |
| Entfernung zur nächsten Insel | 10 m (Ejlinge), 360 m (Tåsinge), 31 km (Langeland) |
| Entfernung zum Festland | 700 m (Snoghøj / Jütland) |
| Fläche | 2.984,56 km² / 1.152,34 mi² (Verwaltungsbereich 3.100,5 km² / 1.197,1 mi²) |
| geschütztes Gebiet | 358 km² / 138 mi² (12,0 %) |
| maximale Länge | 80,5 km (NW-SO) |
| maximale Breite | 61,5 km (NO-SW) |
| Küstenlänge | 1.130 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Kattegat / Ostsee) |
| höchste Stelle | 131 m (Frøbjerg Bavnehøj) |
| relative Höhe | 131 m |
| mittlere Höhe | 19 m |
| maximaler Tidenhub | 0,1 bis 0,3 m (Odense 0,22 m) |
| Zeitzone | CET (Centraleuropæisk Tidszone / Mitteleuropäische Zeit, UTC+1) |
| Realzeit | UTC plus 39 bis 43 Minuten |
| Einwohnerzahl | 478,986, Verwaltungsgebiet 489,495 (2025) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 160,46, Verwaltungsgebiet 157,88 |
| Inselzentrum | Odense |
Name
Fünen, dänisch Fyn, gesprochen [fyːʔn], ist einer der ältesten Ortsnamen Dänemarks. Bereits um das Jahr 1050 taucht die Form Fioni auf, um 1200 finden sich in lateinischen Quellen die Schreibweisen Fionia, Feonia und Fyonia. In altisländischen Texten wurde die Insel als Fjón bezeichnet. Adam von Bremen nannte sie im Jahre 1075 Fune. 1231 hieß sie Fyun, und im Niederdeutschen nannte man sie Vüne.
Die heute am weitesten akzeptierte etymologische Erklärung führt den Namen auf das altdänische Wort føn zurück. Dieses bedeutet „weiches Haar, Flaum, Daunen“ oder „feiner Flaum bzw. Daunenhaar“. Das Wort ist verwandt mit dem Verb fyge für „treiben, wehen, verwehen“, das üblicherweise auf den Wind bezogen wird. Die wahrscheinlichste ursprüngliche Bedeutung des Inselnamens lautet daher in etwa „das vom Wind durchwehte/zerzauste Gebiet“ oder „die windgepeitschte, flaumig-weiche Landschaft“.
Man vermutet, dass der Name ursprünglich gar nicht die ganze Insel meinte, sondern zuerst ein bestimmtes windoffenes Gebiet im Westen Fyns bezeichnete, wo der noch heute existierende Ortsname Føns zu finden ist. Von dort aus wurde der Name dann - dieser Annahme zufolge - auf die gesamte Insel übertragen.
Interessanterweise hat Hans Christian Andersen – der berühmteste Sohn Fünens – einmal in poetischer Freiheit behauptet, Fyn komme von fin, dem dänischen Wort für „fein“, was gut zum Ruf der Insel als „Garten Dänemarks“ mit ihren sanften Hügeln, Obstgärten und idyllischen Landschaften passen würde. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese schöne Deutung jedoch eher eine romantische volksetymologische Verklärung. Ebenso unbelegt ist die Erzählung von einem König namens Fin oder Finn, der als Verteidiger seines Landes der Insel den Namen gegeben haben soll.

- international: Fyn
- amharisch: ፉን [Fun]
- arabisch: فون [Fūn]
- armenisch: Ֆյուն [Fyun]
- aserbaidschanisch: Fyun
- baskisch: Fionia
- bengalisch: ফুন [Fun]
- birmanisch: ဖွန် [Fun]
- bulgarisch: Фюн [Fjun]
- chinesisch: 菲英岛 [Fēiyīng dǎo]
- deutsch: Fünen
- englisch: Funen
- französisch: Fionie
- friesisch: Fún
- galizisch: Fionia
- georgisch: ფიუნი [piuni]
- griechisch: Φυν [Fyn]
- gudscheratisch: ફ્યુન [Fyun]
- hebräisch: פין [Fyn]
- hindi: फ्यून [Fyūn]
- italienisch: Fionia
- japanisch: フュン [Fyun]
- kambodschanisch: ហ្វ្យុន [Fjun]
- kanaresisch: ಫ್ಯೂನ್ [Fyūn]
- kasachisch: Фюн [Fýun]
- katalaniosch: Fiònia
- koreanisch: 퓐 [Fyun]
- laotisch: ຟຽນ [Fian]
- lateinisch: Fionia
- lettisch: Fīna
- litauisch: Fiūnas
- makedonisch: Фјун [Fjun]
- malayalam: ഫ്യൂൻ [Fyūn]
- maldivisch: ފިއުން [Fiun]
- marathisch: फ्यून [Fyūn]
- nepalesisch: फ्यून [Fyūn]
- niederländisch: Funen
- okzitanisch: Fionia
- orissisch: ଫ୍ୟୁନ [Fyun]
- pandschabisch: ਫਿਊਨ [Fyun]
- paschtunisch: فیون [Fyun]
- persisch: فیون [Fiyun]
- polnisch: Fionia
- portugiesisch: Fiónia
- russisch: Фюн [Fjun]
- sardisch: Fionia
- serbisch: Фјун [Fjun]
- singhalesisch: ෆියුන් [Fiyun]
- slowenisch: Funen
- spanisch: Fionia
- tamilisch: ஃப்யூன் [Fyūn]
- telugu: ఫ్యూన్ [Fyūn]
- thai: ฟูน [Fun]
- tibetisch: ཕྱུན [phyun]
- ukrainisch: Фюн [Fjun]
- urdu: فیون [Fyun]
- weißrussisch: Фюн [Fjun]
Offizieller Name: Fyn
Bezeichnung der Bewohner: Fynboer (Fünener)
adjektivisch: fynsk (fünisch)
Kürzel:
- Code: FY / FYN
- Kfz: -
- ISO-Code: DK-FY
Lage
Die Insel Fünen liegt im südlichen Zentrum Dänemarks zwischen Jütland und Seeland auf durchschnittlich 55°19‘ n.B. und 10°18‘ ö.L.. Nördlich von Fünen befinden sich die Inseln Æbelø, Endelave und Samsø. Im Osten liegt die kleine Insel Romsø, im Süden neben vielen kleineren Inseln die größeren Inseln Ærø, Tåsinge und Langeland. Im Südwesten befindet sich die Insel Helnæs, im Westen Bågø sowie Fænø.

Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 55°37‘10“ n.B. (Agernæs) bzw. 55°38‘10“ n.B. (Æbelø)
- südlichster Punkt: 55°01‘55“ n.B. (Lehnskov) bzw. 55°00‘45“ n.B. (Revtrille / Avernakø)
- östlichster Punkt: 10°51‘04“ ö.L. (Knudshoved / Nyborg)
- westlichster Punkt: 9°45‘27“ ö.L. (Strib Odde / Middelfart)
Entfernungen:
- Ejlinge 10 m
- Tåsinge 360 m
- Fænø 390 m
- Snoghøj 0,7 km
- Langeland 3,1 km
- Als 11,0 km
- Seeland 16,5 km
- Samsø 16,5 km
- Kopenhagen 122 km
Für Odense werden folgende Entfernungen angegeben:
Entfernungen: Luft Straße
Nyborg 27 km 33 km
Faaborg 35 km 42 km
Middelfart 42 km 49 km
Kolding 59 km 72 km
Aarhus 85 km 145 km
Flensburg 91 km 163 km
Esbjerg 122 km 137 km
Kopenhagen 141 km 165 km
Aalborg 186 km 255 km
Hamburg 207 km 309 km
Zeitzone
Auf Fünen gilt die Centraleuropæisk Tidszone bzw. Central European Time (Mitteleuropäische Zeit), abgekürzt CET (MEZ) mit sommerzeitlicher Umstellung zwischen April und Ende Oktober. Die Realzeit liegt um 39 bis 43 Minuten vor der Koordinierten Weltzeit (UTC).
Fläche
Der Kreis Fünen ist ein Inselreich, das aus zirka 90 größeren und kleineren Inseln besteht, von denen jedoch nur 25 bewohnt sind. Das von 1970 bis 2006 bestehende Amt Fünen umfasste 3.486 km². Zu ihm gehörten unter anderem auch die nächstgrößeren Inseln Langeland (284 km²), Aerö (88 km²) und Tåsinge (70 km²) und die Halbinsel Hindsholm im Nordosten Fünens. Die Insel Fünen ist 2.984,56 km² bzw. 1.152,34 mi², nach alternativen Angaben zwischen 2.982 bis 2.986 km² groß. Sie durchmisst von Nordwesten nach Südosten 80,5 km, von Nordosten nach Südwesten 61,5 m. Die Küste ist 1130 km lang bei einem maximalen Tidenhub von 0,1 bis 0,3 m, bei Odense 0,22 m. Höchste Erhebung ist die Frøbjerg Bavnehøj mit 131 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei 19 m.
Geologie
Erdgeschichtlich gesehen ist die Insel Fünen in ihrer heutigen Gestalt ein sehr junges Land. Erst im Quartär – der geologischen Neuzeit – bildeten sich jene Landmassen, die die Insel heute prägen. Im Wesentlichen formten die Veränderungen nach der Letzten Eiszeit, der Weichseleiszeit (vor etwa 115.000 bis 11.700 Jahren), vor etwa 5000 Jahren die gegenwärtige Oberfläche Fünens.
Während der Weichseleiszeit war Dänemark weitgehend landfest mit Südschweden und Norddeutschland verbunden. Mächtige Gletscher aus dem nördlichen Skandinavien schoben sich mehrmals über das Gebiet und formten die Landschaft tiefgreifend. Sie schoben Massen von Geröll, Sand und Lehm vor sich her und lagerten unter dem Eis sowie an dessen Rändern gewaltige Endmoränen ab. Diese Endmoränenlandschaft prägt bis heute große Teile Fünens – ähnlich wie in Schleswig-Holstein. Als sich das Eis nach dem Höhepunkt der Vereisung langsam nordwärts zurückzog, blieben typische nordische Gesteine wie Granit und Gneis zurück, vermischt mit Feuersteinbrocken, Kalk, Sand und Lehm aus älteren Meeresablagerungen. Diese glazialen Sedimente – vor allem Moränenton, Geschiebelehm und Sand – überlagern den präkambrischen Grundgebirgssockel (Fennoskandischer Schild) und bilden die Grundlage der heutigen Hügellandschaft. Besonders im Süden und Osten der Insel finden sich markante Moränenhügel und -rücken, während der Untergrund teilweise aus Kreide- und Danium-Schichten besteht, die jedoch meist tief verborgen liegen.
Als Bodentyp herrscht auf Fünen heute überwiegend Parabraunerde vor – ein fruchtbarer, lehmiger Braunerde-Typ, der aus den glazialen Ablagerungen entstanden ist und die landwirtschaftliche Nutzung der Insel seit Jahrhunderten begünstigt.
Die gegenwärtige Küste Fünens gehört zu den Boddenküsten mit flachen, buchtenreichen Ufern, Lagunen und Förden. Doch die Insel ist geologisch betrachtet noch immer in Bewegung. Wie die südschwedische Küste wächst die dänische noch immer weiter aus dem Wasser. Das Land hebt sich also ununterbrochen – ein Effekt der postglazialen Landhebung (Isostasie). Nach dem Abschmelzen der bis zu drei Kilometer dicken Eisschilde entlastete sich die Erdkruste und federt seitdem langsam zurück. In Dänemark verläuft eine Kippachse (Ringkøbing-Fünen-Schwelle), nördlich davon hebt sich das Land, südlich sinkt es ab. Fünen liegt genau auf dieser Schwelle, sodass die Hebung hier gering, aber messbar ist (aktuell etwa 0 bis 1 mm pro Jahr). Diese Hebung gleicht teilweise den globalen Meeresspiegelanstieg aus und trägt dazu bei, dass die Küstenlinie sich langsam verändert.
Besonders eindrucksvoll wird die quartäre Geschichte im Südfünischen Inselmeer (englisch South Funen Archipelago, dänisch Det Sydfynske Øhav) sichtbar, das seit 2024 UNESCO Global Geopark ist. Vor etwa 10.000 bis 8.000 Jahren war das Gebiet südlich von Fünen noch ein zusammenhängendes Land mit Hügeln, Wäldern und Seen. Der dramatische Meeresspiegelanstieg nach der Eiszeit überflutete die niedrigen glazialen Täler innerhalb weniger Generationen – eine der größten überfluteten Eiszeitlandschaften der Welt entstand. Nur die höheren Moränenzüge ragten als Inseln heraus, während Fünen selbst als größte und höchste Erhebung erhalten blieb. Heute zeugen 55 Inseln und Inselchen von dieser „ertrunkenen“ Moränenlandschaft, mit Kliffs wie Ristinge Klint, wo Eem-Warmzeit-Ablagerungen und Weichsel-Sedimente freiliegen.
Landschaft
Die Insel Fünen, die im Westen durch große Brücken über den Kleinen Belt mit Jütland, im Südosten über den Großen Belt mit Täsinge und Langeland verbunden ist, ist dem Festland ähnlicher als die kleineren Inseln. Sichtbar wird dies an den großen Städten, den breiteren Straßen und der im allgemeinen sehr guten Infrastruktur.
Das Landschaftsbild der Insel Fünen ist nicht einheitlich. Im Süden und Südwesten ist sie geprägt von relativ hohen, welligen Randmoränen und Tafelhügelgebieten, während zum Norden hin eher flache und tiefer liegende Grundmoränen bestimmend sind. So liegen nördlich von Faborg die sogenannten „Fünischen Alpen“, die bis zu 130 m hoch sind: Sie bilden, wie auch die südfünischen Hügel von Egelbjerg, ein großes Randmoränensystem. Hier ziehen sich traumhafte Routen durch dichte Wälder, fruchtbares, weites Land, und immer ist das Meer in der Nähe. Die größten Waldgebiete erstrecken sich auf Südfünen um die vielen Gutshöfe herum, im Norden hingegen sind sie sehr viel weniger dicht. Der überaus fruchtbare Boden Fünens ist ein wesentlicher Grund für die Ansammlung großer Guts- und Herrenhöfe. Viele davon sind heute zu besichtigen oder zu Museen umgebaut worden. Einige private Herrenhäuser sind jedoch nicht öffentlich zugänglich, entsprechenden Hinweisschildern sollte man Folge leisten. Fünen ist der Garten Dänemarks, und die Landschaft ist durch die Farben des Getreides und der Blumen geprägt. Gleichzeitig gibt es auf der Insel aber auch interessante und unverwechselbare Städte. Erwähnt seien hier exemplarisch die Hauptstadt Fünens, Odense, die dänische Hauptstadt des Mittelalters, Nyborg, die ehemalige Fährstadt Middelfart und die aktiven Fährstädte Svendborg, Faborg Assens (im entprechenden Kaptel nachzulesen). Hingewiesen sei auf die Margeritenstraße an der sich viele vorgeschichtliche Zeugnisse wie Dolmen, Hünengräber, Grabanlagen aus mächtigen Steinen.
Die Strände auf Fünen sind mit denen Jütlands nicht vergleichbar. Meistens sind Steinstrände, an denen man über zahlreiche Badestege ins kühle Nass gelangt. Hervorzuheben ist allerdings der scheinbar endlose Sandstrand auf der Halbinsel Agernaes auf Flyvesandet. Es handelt sich hier, der Name sagt es schon, um Sanddünen; sie sind das einzige Dünengebiet Fünens. Sandstrände finden sich außerdem südlich von Assens, so bei Tor" Huse der Saltofte Strand oder das nahe Strandgebiet bei Hagenskov. Möglichkeiten zum Segeln und Surfen sind auf Fünen ausgezeichnet. Sporttätigen kann man sich auch auf ausgedehnten Radtouren, zu denen ein verzweigtes Radwegenetz einlädt.
Erhebungen
- Frøbjerg Bavnehøj 131 m
- Dyrehavebjerg 126 m
- Skalbjerg 123 m
- Søbjerg 122 m
- Højbjerg 112 m
Seen
- Arreskov Sø 3,2 km²
- Brændegård Sø 1,0 km²
- Søby Sø 0,6 km²
- Langesø 0,5 km²
Flüsse
- Odense Å 60 km
- Stavis Å 28 km
- Lindved Å 25 km
- Vindinge Å 22 km
Flora und Fauna
Fünen wird wegen ihrer üppigen Vegetation mit Heckenlandschaften, Obstgärten, Rapsfeldern und Wäldern oft als „grüner Garten des Königreichs“ beschrieben, in dem zahlreiche Wildpflanzen der mitteleuropäischen Kulturlandschaft gedeihen. Entlang der Küsten und in Schutzgebieten wie Vogelreservaten und Feuchtgebieten findet sich eine artenreiche Tierwelt mit vielen See- und Zugvögeln, Fischen, Meerforellen sowie Meeressäugern wie Schweinswalen.
Flora
Fünen ist ein Landschaftsgebiet von nationalem und internationalem Rang mit einer artenreichen Flora. Da der Nordwesten Fünens mit Regen reich gesegnet, der Nordosten jedoch eher trocken ist, gedeihen in diesem Bereich Dänemarks fast alle Pflanzen, die man auch im übrigen Dänemark findet. Vor allem die Strandwiesen und Küstenregionen besitzen einen großen Artenreichtum. Der Kreis Fünen wird nicht zu Unrecht als „der Garten Dänemarks“ bezeichnet. Die Pflanzenvielfalt und die Farbenpracht ist eines der markantesten Kennzeichen dieser Region.
Wälder bedecken zirka 10 % der Fläche. Vor allem auf Südfünen und auf Täsinge sind sie mit einer großen Dichte vertreten. Die vorherrschenden Waldtypen sind Buchen-, Eichen-, Eschen- und Reisigwälder. Die größten und ältesten Eichen findet man auf Langeland und bei Valdemars Slot. Reisig- oder Niederwälder waren lange Zeit typisch für Fünen und die anderen Inseln. Alle 5 bis 20 Jahre sind sie heruntergeschnitten worden. Heute gibt es nicht mehr viele intakte Reisigwälder, doch einige bestehen noch, so zum beispiel auf Langeland bei Hov und Bagenkop. Auch Nadelbäume gibt es in dieser Region, die Fichtenbestände machen etwa ein Drittel des Waldbestandes aus.
An den Stränden findet man in der Regel Meerhanf, Sandkraut, den essbaren Meerkohl, Ackerdistel, gemeine Quecke und im angespülten Tang Strandmelde. Sehr interessant ist die Vegetation der Strandwiesen, die an den geschützteren Küstenzonen liegen. Diese sogenannten „Salzpflanzen“ wachsen je nach Salzverträglichkeit in verschiedenen Bereichen. Die größte Salzmenge verträgt der Queller, eine einjährige Pflanze, die in ihren dicken, fleischigen Verästelungen das Salzwasser anreichern kann.
Fauna
Artenreich sind im Kreis Fünen besonders die Insekten vertreten. Tagfalter wie den Zitronenfalter,den Admiral, das Pfauenauge und den Kleinen Fuchs erkennt das ungeübte Auge zuerst. Doch auch seltene Arten wie der schwarze Feuerfalter sind hier beheimatet. Neben einer großen Zahl an Nachtfaltern existieren auch viele Käfer, so zum Beispiel der Rüsselkäfer. Selten ist der Ameisenlöwe, der mitunter in den Svanninge Bakker gefunden werden kann. Lurche und Kriechtiere sind im Amtskreis Fünen nicht sehr stark verbreitet. Lediglich Salamander, Grasfrösche und Erdkröten werden häufig beobachtet. Blindschleiche, Kreuzotter, Mauer- und Zauneidechse sind in trockenen Landstrichen beheimatet. Die Wahrscheinlichkeit, in den Gewässern um die Inseln Seehunde oder Tümmler anzutreffen, ist hoch. Diese beiden Tiere wurden früher von den Fischern gejagt. Besonders im Gebiet, das vor der Küste Middelfarts liegt, wurden Tümmler (oder „Meerschweine“ wie die Dänen sagen) erlegt.
Am auffallendsten ist der Vogelreichtum der Insel. Der Mensch erreicht ihre Brutplätze selten. Tausende von Zugvögeln machen hier während ihrer langen Reise Station. Strandwiesen, deren Betreten oft untersagt bzw. nur für einen gewissen Zeitraum des Jahres erlaubt ist, tragen außerdem dazu bei, dass sich viele Arten ungestört niederlassen können.
Zu den häufigsten Arten zählen Gänse, Enten, Möwen und Seeschwalben. Stelzvögel „beherrschen“ die Küstenstriche, vor allem Kiebitze, Austernfischer und Rotschenkel. Auch Fischreiher sind häufig zu beobachten, mitunter ganze Kolonien. Schwäne, unter anderem zahlreiche Höckerschwäne (Nationalvogel der Dänen), zieht es gleich tausendfach in dieses Gebiet. Immer mehr Kormorane verlegen ihren Brut nach Fünen. Einst nur auf Südfünen verbreitet, ist er inzwischen auf immer mehr Inseln zu finden. Erwähnenswert ist auch, dass auf einer der Inseln des südfünischen Inselmeeres alle vier vorkommenden Taucherarten existieren: Vejlen auf Täsinge. Sowohl Haubentaucher, Zwergtaucher, Rothalstaucher als auch Prachttaucher haben hier ihre Heimat gefunden. Der Prachttaucher gilt als sehr selten.
Naturschutz
Für den Küstenschutz auf Fünen ist die nationale Behörde für Küstenschutz des Landes Dänemark zuständig (Kystdirektoratet). Es ist dies eine Division unter dem Ministerium für Transporte und Energie. Das Kystdirektorat ist in erster Linie für den Küstenschutz, die Überwachung der Küstenlinienänderung und für Sturmwarnungen zuständig.
Naturschutzgebiete, die vor allem durch das dänische Naturschutzgesetz (§ 3), Natura-2000-Gebiete (FFH- und Vogelschutzgebiete) sowie lokale und staatliche Schutzmaßnahmen geschützt sind. Zu den bekanntesten und größeren Gebieten gehören:
- Enebærodde – eine große, geschützte Halbinsel und Küstenlandschaft im Norden von Odense Fjord mit Salzwiesen, Dünen und Feuchtgebieten.
- Fyns Hoved – das nördliche Ende der Hindsholm-Halbinsel mit markanten Klippen, Küstenheiden und artenreichen Magerrasen.
- Svanninge Bakker – hügelige Kulturlandschaft südlich von Faaborg mit extensiven Wiesen, Hecken und Aussichtspunkten, typisch für Südfünen.
- Æbelø und Æbelholm – kleine Inseln nördlich von Fünen mit strengem Schutzstatus, Brutvogelgebieten und unberührter Küstennatur.
- Vigelsø – ehemalige Ackerinsel im Odense Fjord, die renaturiert wurde und heute große Flächen an Salzwiesen und Flachwasserzonen umfasst.
- Ristinge Klint und Horne Rev – Küstenbereiche mit Kliffs und Strandwällen im Süden.
- Weitere wichtige Areale sind Kerteminde Fjord-Teilgebiete, Nørreådalen, Lillebælt-Küstenabschnitte sowie diverse kleinere Moore, Quellen und Orchideenwiesen.
Viele dieser Gebiete sind gleichzeitig Teil des europäischen Natura-2000-Netzes, das auf Fünen und den umliegenden kleinen Inseln zahlreiche SAC (FFH-Gebiete) und SPA (Vogelschutzgebiete) umfasst. Besonders häufig vertreten sind Schutztypen wie Küstenheiden, Salzwiesen, Kalkmagerrasen, Laubwälder und Feuchtgebiete.
Die Gesamtfläche der Naturschutzgebiete auf Fünen lässt sich nur näherungsweise angeben, da es keine einheitliche offizielle Gesamtzahl gibt (die Schutzformen überlappen oft). Schätzungen und verfügbare Daten deuten darauf hin, dass etwa 12 % der Landfläche Fünens unter irgendeiner Form von Naturschutz stehen. Dies entspricht ungefähr 358 km² geschützter Fläche, wobei der Großteil auf Natura-2000-Gebiete entfällt (teilweise auch Meeresflächen umfassend). Reine staatlich verwaltete Naturareale (Naturstyrelsen Fyn) machen nur etwa 36 km² aus, der Rest verteilt sich auf private, kommunale und überlagerte Schutzbestimmungen.
Klima
Fünen weist gemäß der Köppen-Geiger-Klassifikation ein ozeanisches Klima der Untergruppe Cfb auf. Dieses gemäßigte Klima zeichnet sich durch milde Winter (kältesten Monat über 0°C), kühle Sommer (wärmster Monat unter 22°C) und ganzjährig gleichmäßige Niederschläge ohne ausgeprägte Trockenperiode aus. Der vorherrschende Westwind bringt relativ warme Luft vom Atlantik herüber und sorgt so für verhältnismäßig milde Winter. Das Wärme speichernde Wasser der Ostsee verhindert, dass die Insel unter den Einfluss des kühleren osteuropäischen Kontinentalklimas gerät. Nur bei einer Vereisung der Ostsee (was sehr selten, etwa fünfmal im Jahrhundert geschieht) können kalte Luftmassen aus dem Osten nach Dänemark vordringen und starke Kälteeinbrüche verursachen. Auf der anderen Seite gelangt im Sommer zuweilen die kontinentale Warmluft des Ostens über Dänemark, was dann zu einer Hitzewelle führen kann. Der bei einer solchen Wetterlage gemessene Höchstwert auf Fünen lag bei 35,8°C. Doch solche Wetterverhältnisse sind eher die Ausnahme.
Typisch für Fünen ist das wechselhafte Wetter. Den Hintergrund hierfür bilden Zyklonen, Tiefdruckgebiete mit Kalt- und Warmfronten, die von der Ostküste Amerikas aus nach Nordosten ziehen und Dänemark ein Wetter etwa in folgender Reihenfolge bescheren: regelmäßige Niederschläge, aufgeheitertes, leicht diesiges Wetter evtl. mit Sprühregen, kräftige Regenschauer, klarer Himmel.
Im Gegensatz zum etwas raueren Klima des Festlandes und der Unbeständigkeit des Wetters zählt man Fünen zu den Gebieten mit eher milderem Klima. Der Inselsommer dauert von Juni bis August. Die Durchschnittstemperatur liegt im Juli bei 20 bis 25°C (Wassertemperatur in Küstennähe 18 bis 20°C), im Januar liegt sie um dem Nullpunkt herum. Die kältesten Tage auf Fünen werden im Februar gemessen. Dabei ist es an der Küste meist etwas wärmer als im Inneren der Insel, da das Wasser für die Küstennähe wie eine kleine Heizung wirkt. Der Herbst ist dank der angewärmten Ostsee während warmen Sommermonate ungewöhnlich mild und sonnenreich. Auf Fünen gibt es durchschnittlich 100 Frostage und in einem normalen Winter liegt an etwas 25 Tage Schnee. Jedoch beträgt die Schneehöhe in den meisten Fällen nicht mehr als 20 cm. Die Niederschlagsmenge auf Fünen beträgt im Mittel zwischen 400 und 650 Millimeter im Jahr und liegt somit unter dem dänischen Landesdurchschnitt von 800 Millimetern.
Klimadaten für Odense (15 m, 1961 bis 1990)
| Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr | |
| Mitteltemperatur (°C) | -0,2 | -0,5 | 2,0 | 6,4 | 11,0 | 14,3 | 16,5 | 155,2 | 13,3 | 8,7 | 4,9 | 2,5 | 7,9 |
| Niederschlag (mm) | 49 | 35 | 30 | 37 | 42 | 47 | 63 | 79 | 56 | 63 | 49 | 43 | 595 |
| Niederschlagstage | 17 | 13 | 12 | 13 | 10 | 11 | 13 | 15 | 14 | 16 | 17 | 17 | 168 |
| Potenzielle Verdunstung (mm) | 2 | 1 | 13 | 38 | 81 | 103 | 116 | 100 | 69 | 40 | 18 | 7 | 588 |
| Luftfeuchtigkeit (%) | 89 | 87 | 85 | 77 | 71 | 72 | 74 | 78 | 82 | 86 | 89 | 91 | 82 |
| Sonnenstunden pro Tag | 1,3 | 2,0 | 3,9 | 6,0 | 8,2 | 8,2 | 8,0 | 6,3 | 6,0 | 3,1 | 3,3 | 0,9 | 4,6 |
| Wassertemperatur (°C) | 2,3 | 2,9 | 3,1 | 7,2 | 11,4 | 16,0 | 18,1 | 18,2 | 16,9 | 12,9 | 9,2 | 4,9 | 10,3 |
Klimadaten für Odense (1971 bis 2000)
| Jan | Feb | Mar | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Ockt | Nov | Dez | Jahr | |
| Höchstrekord (°C) | 11,2 | 13,4 | 18,5 | 27,4 | 28,8 | 31,6 | 33,4 | 33,6 | 27,7 | 23,0 | 15,8 | 12,4 | 33,6 |
| Mittelmaximum (°C) | 3,1 | 3,3 | 6,1 | 10,7 | 16,0 | 19,2 | 21,3 | 21,4 | 16,9 | 12,3 | 7,4 | 4,5 | 11,9 |
| Mitteltemperatur (°C) | 1,0 | 1,1 | 3,1 | 6,6 | 11,6 | 14,7 | 16,6 | 16,5 | 13,0 | 9,2 | 5,1 | 2,5 | 8,4 |
| Mittelminimum (°C) | −1,5 | −1,4 | 0,1 | 2,5 | 6,7 | 9,9 | 11,7 | 11,5 | 8,9 | 5,8 | 2,4 | 0,2 | 4,7 |
| Tiefstrekord (°C) | −21,6 | −20,0 | −14,9 | −5,3 | −2,0 | 1,7 | 3,6 | 4,2 | −1,4 | −4,1 | −16,2 | −20,0 | −21,6 |
| Niederschlag (mm) | 48,5 | 30,1 | 39,6 | 32,4 | 41,1 | 50,6 | 50,0 | 52,7 | 56,7 | 58,1 | 53,3 | 47,7 | 560,9 |
| Niederschlagstage (≥ 0,1 mm) | 16,4 | 12,7 | 14,7 | 11,8 | 11,0 | 12,4 | 12,4 | 12,7 | 14,8 | 15,8 | 16,7 | 16,5 | 168,0 |
| Schneetage | 6,0 | 4,4 | 3,9 | 1,1 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 1,6 | 3,3 | 20,9 |
| Luftfeuchtigkeit (%) | 88 | 87 | 84 | 76 | 73 | 74 | 74 | 74 | 80 | 83 | 87 | 88 | 81 |
| Sonenenstunden | 40 | 61 | 124 | 179 | 258 | 265 | 256 | 224 | 175 | 101 | 44 | 28 | 1755 |
Mythologie
Bis ins Hochmittelalter hinein war Fünen Teil des nordischen Mythenraums. Der Name Odense – die größte Stadt der Insel – wird etymologisch oft mit Odin in Verbindung gebracht („Odins ve“ oder „Odins Tempel“). Eine alte Überlieferung sieht Odense als Ort, an dem Odin zeitweise weilte, bevor er weiter in den Norden zog. In manchen Interpretationen der nordischen Mythologie gilt Fünen als heiliger oder sakraler Raum, möglicherweise ein religiöses Zentrum des Æsir-Kults, fernab der Küsten und umgeben von Wasser – ein Motiv, das Inseln in der nordischen Vorstellungswelt oft mit Abgeschiedenheit und Heiligkeit verbindet. Archäologische Funde wie die große Wikingerhalle in Munkebo Bakke (um 825 bis 1000) oder das berühmte Ladby-Schiff (ein Schiffsgrab um 950) unterstreichen die Wikingerpräsenz und damit die Nähe zu heldenhaften Sagen von Kriegern, Göttern und dem Jenseits. Die nordische Mythologie mit ihren Göttern (Odin, Thor, Freyja), Riesen (Jötnar), Elfen und Trollen war hier lebendig; Spuren davon finden sich in Ortsnamen, Grabhügeln und in späteren Volkserzählungen.
Die eigentliche „Mythologie“ Fünens wird jedoch im 19. Jahrhundert durch Hans Christian Andersen (1805 bis 1875) zur weltbekannten Legende. Geboren in Odense als Sohn eines Schuhmachers, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf und sog die fünischen Folkesagn (Volkssagen) förmlich auf. Viele seiner über 150 Märchen greifen Motive aus der lokalen mündlichen Überlieferung auf: verwunschene Schlösser, sprechende Tiere, böse Stiefmütter, magische Verwandlungen, Meerjungfrauen und das Motiv des Außenseiters, der durch Güte oder Klugheit triumphiert. Andersen selbst bezeichnete Fünen als „fin“ (fein, gut) und ließ die Insel in seinen Geschichten indirekt lebendig werden – etwa in der melancholischen Atmosphäre von „Das hässliche Entlein“, dem sehnsüchtigen Streben der „Kleinen Meerjungfrau“ oder den zauberhaften Gärten und Labyrinthen, die an reale Orte wie Egeskov Slot erinnern. Die Insel mit ihren über 120 Schlössern und Herrenhäusern (Egeskov, Brahetrolleborg, Broholm u. a.) bot die perfekte Kulisse: moosbedeckte Mauern, Wasserschlösser, Irrgärten und alte Alleen wirken wie aus einem Märchen entsprungen. Viele dieser Anwesen haben eigene Geistergeschichten – weiße Frauen, ruhelose Seelen oder flackernde Lichter –, die Andersen kannte und die in seine Erzählungen einflossen.
Neben Andersen lebt auf Fünen die klassische dänische Folklore fort: Nisser (hausgeisterartige Wesen, die belohnt werden wollen, sonst Streiche spielen), Ellefolk (elfenartige, verführerische Wesen aus den Nebeln), Kirkegrim (schwarzer Hund als Wächter alter Kirchen) oder Valravn (rabenartige Wesen, die durch Kannibalismus Kräfte erlangen). Lokale Sagen erzählen von Spuk in alten Höfen, versunkenen Schätzen in Hügelgräbern, Hexen, die sich in Hasen verwandeln, oder Geistern vertriebener Bauern. Besonders das Südfynische Inselmeer mit seinen unzähligen kleinen Inseln nährt Mythen von versunkenen Landschaften, Meerjungfrauen und Geistern ertrunkener Seefahrer – eine „ertrunkene“ Eiszeitlandschaft, die fast mythisch anmutet.
Im Gegensatz zu dramatischen Sagas Islands oder Norwegens sind die Mythen Fünens meist leiser, melancholischer und erdverbundener: Sie handeln von Sehnsucht, Verwandlung, sozialer Ungerechtigkeit und der Magie des Alltäglichen. Die Insel selbst wird oft als „Märcheninsel“ oder „grüner Garten Dänemarks“ verklärt – ein Ort, an dem die Grenze zwischen Realität und Sage verschwimmt. Heute leben diese Traditionen in lokalen Erzählungen, Festen, Museen (vor allem dem H.C. Andersen Haus in Odense) und in der touristischen Wahrnehmung weiter: Wer über Fünen wandert, spürt noch immer etwas von jener alten Magie – sei es in den Nebeln über den Feldern, den Schatten alter Eichen oder den Geschichten, die Andersen aus genau dieser Landschaft schöpfte.
Geschichte
Die mesolithischen Wohnplätze Møllegabet I und II zwischen Fünen und Ærø und Tybrind vig vor Middelfart gehören zu den ältesten Spuren des Menschen im Norden. Die 7000 Jahre alten Funde stammen aus der Ertebølle-Kultur. Hier fand man den älteste Hüttengrundriss zusammen mit einem eigenartigen Begräbnis in einem Einbaum. Die Trichterbecherkultur hinterließ die Erdwerke bei Sarup und zahlreiche Megalithanlagen (Alleskov, Ellestedt, Jordløse, Lindeskov und Pipstorn). Das Gebiet von Gudme im Südosten der Insel erbrachte vorwikingerzeitliche Funde eines eisenzeitlichen Handels- und Herrschaftszentrums. Aus etwas späterer Zeit ist das Ladbyschiff ein archäologischer Fundplatz von Bedeutung.
Das älteste Dokument, welches Bewohner der Insel bezeichnet, wird auf das Jahr 1085 datiert. Bis 1300 sind nur ungefähr ein zehntel der damals existierenden Siedlungen in erhaltenen Dokumenten nachweisbar. Bis zum 15. Jahrhundert waren dann neun von 10 Dörfern in den schriftlichen Quellen festgehalten. Erst ab dem 16. Jahrhundert wurde jedes Dorf und jedes Gut in Büchern festgehalten. Die Besiedlung Fünens kann man im Wesentlichen in drei Zonen untergliedern: das ebene Inland, die großen Waldgebiete und die Küste.
Die ältesten Siedlungen befanden sich auf Grund der reichen Fischgründe der Ostsee in Küstennähe. Von 1000 bis 1300 verdoppelte sich die Zahl der Dörfer auf Fünen. Aufgrund der Angreifbarkeit an der Küste (durch die Slawen) zogen sich viele Siedler jedoch in das sicherere Inland zurück und gründeten dort neue Siedlungen – vor allem in den Waldgebieten der Insel. Im Südosten wurden aber auch weitere Küstendörfer gegründet, die sich durch Befestigungen sicherten. Hierzu gehören Nyborg mit Magelund bzw. Lykkesholm, Svendborg mit Ørkild und Fåborg. Zwischen 1300 und 1450 kam es zu einer Stagnation bzw. zum Verlassen der Insel und erst später erfolgte eine neue Siedlungswelle in Küstennähe, welche durch den nur knapp 2 km von der Südküste entfernten Waldgürtel begünstigt wurde. Speziell Fischersiedlungen bildeten sich auch auf den kleinen Inseln und den Landzungen.
Fünen bildete bis 1970 niemals eine administrative Einheit. Um 1500 gehörte die Hälfte der knapp 7000 Güter auf der Insel der Aristokratie, ein Viertel der Kirche und das restliche Viertel der dänischen Krone. Als der spätere König Christian VIII. 1816 vom norwegischen Thron gestoßen worden war, setzte sein Vetter König Frederik VI. ihn als Gouverneur von Fünen ein, was jedoch mehr ein Ehrentitel als eine administrative Funktion war.
Mesolithikum
Das Mesolithikum (Mittelsteinzeit, um -9000 bis -4000) auf Fünen repräsentiert die Phase nach dem Ende der letzten Eiszeit, als die Landschaft durch postglaziale Landhebung, steigenden Meeresspiegel und dichte Wälder (Birke, Kiefer, später Eiche, Linde, Hasel) geformt wurde. Die Menschen lebten als Jäger, Sammler und Fischer in kleinen, mobilen oder saisonal sesshaften Gruppen, nutzten die reichen Küstenressourcen und die Binnenlandschaften.
Typisch für Südskandinavien ist die Ertebølle-Kultur (um -5300 bis -4100), die das Spätmesolithikum prägt und auf Fünen stark vertreten ist. Diese Kultur zeichnet sich durch intensive Nutzung mariner Ressourcen aus: Muschelhaufen (Køkkenmøddinger) mit Austern, Herzmuscheln und Schnecken, Fischerei (Aale, Heringe, Dorsche) und Jagd auf Seehunde, Rehe, Wildschweine sowie Sammeln von Nüssen und Beeren. Auf Fünen finden sich Ertebølle-Funde vor allem an den Küsten, zum Beispiel auf Hindsholm (Nordfünen) mit typischen Feuersteinwerkzeugen wie asymmetrischen Pfeilspitzen, Schabern, Bohrer und groben Äxten aus Flint. Wichtige Artefakte sind auch Knochen- und Geweihwerkzeuge (Harpunen, Angelhaken, Paddel), Keramik (späte Ertebølle-Töpfe mit spitzen Böden) und seltene organische Funde wie Einbäume. Die Siedlungen lagen oft an Förden oder Buchten, wo der Übergang vom Festland zur Ostsee reich an Nahrung war. Im Vergleich zu Jütland oder Seeland ist Fünen mesolithisch etwas weniger intensiv erforscht, doch Funde zeigen eine hohe Mobilität und Anpassung an die veränderliche Küstenlinie – der Meeresspiegel stieg weiter, und Teile der heutigen Küste waren damals Binnenland oder Süßwasserseen. Das Mesolithikum endet auf Fünen mit einem graduellen Übergang zur Neolithisierung: Ertebølle-Gruppen nahmen erste neolithische Elemente (Keramik, Haustiere) auf, bevor die Trichterbecherkultur dominierte.
Neolithikum
Das Neolithikum (Jungsteinzeit, um -4000 bis -1800) markiert auf Fünen den dramatischen Wandel zur sesshaften Landwirtschaft und Viehzucht – die Neolithisierung erfolgte hier relativ spät und in zwei Phasen: Frühes Neolithikum (Funnelbeaker-Kultur/Trichterbecherkultur, TBK/TRB, um -4000 bis -2800) und Spätes Neolithikum (Einzelgrabkultur/Single Grave Culture, um -2800 bis -2400). Die Trichterbecherkultur, benannt nach den charakteristischen trichterförmigen Bechern, war die erste bäuerliche Kultur Skandinaviens und ersetzte die Ertebølle-Tradition. Auf Fünen ist sie besonders gut dokumentiert durch Siedlungen, Megalithgräber und Erdwerke. Wichtige Fundorte sind die Erdwerke von Sarup (bei Harndrup, Süd-Fünen) – monumentale, umwallte Anlagen mit Gräben und Palisaden aus der frühen/mittleren TBK (um -3500 bis -3200), die als Versammlungs- oder Ritualplätze interpretiert werden. Sie dienten möglicherweise Festen, Viehtreiben oder sozialen Treffen und zeigen eine komplexe Gesellschaft mit Arbeitsteilung.
Weitere Siedlungen wie Frydenlund bei Haarby (Süd-Fünen, um -3500) lieferten sensationelle Einblicke: Tausende verkohlte Getreidekörner (Emmer, Nacktgerste, Hartweizen), 14 Mahlsteine und Holzkohleanalysen deuten darauf hin, dass Getreide vorwiegend als Brei oder Porridge verarbeitet wurde – Brotbacken war hier offenbar selten, im Gegensatz zu kontinentalen TBK-Gruppen. Viehzucht (Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine) spielte eine große Rolle, ergänzt durch Jagd und Fischerei. Die TBK auf Fünen ist berühmt für ihre Megalithgräber (Dolmen, Ganggräber, Langbetten), die in großer Zahl erhalten sind – oft mit kollektiven Bestattungen (mehrere Dutzend Individuen pro Grab). Typische Beigaben: polierte Flintäxte (dünnblattförmig, spitz- oder dünn-nackig), Keramik (Trichterbecher, Amphoren, Krüge mit Zickzack-Ornamenten), Bernsteinperlen und Streitäxte. Diese Monumente zeugen von Ahnenkult, Territorialansprüchen und sozialer Hierarchie. Im Spätneolithikum (um -2800 bis -2400) wandelte sich die Gesellschaft: Die Einzelgrabkultur mit Einzelbestattungen unter Hügeln, Streitäxten und Schnurkeramik breitete sich aus, was auf neue Einflüsse (aus dem Osten/Süden) hindeutet. Auf Fünen sind Übergänge fließend – viele TBK-Gräber wurden weiter genutzt.
Bronzezeit
Die Bronzezeit (um -1700 bis -500) auf Fünen markiert eine Phase intensiver gesellschaftlicher Entwicklung, Metallverarbeitung und sozialer Hierarchisierung in Südskandinavien. Sie wird in die Nordische Bronzezeit (NBA) eingeordnet, mit Perioden I bis VI (Montelius-Chronologie), wobei Fünen besonders in der Frühen (Periode II bis III, um -1500 bis -1100) und Späten Bronzezeit (Periode IV bis VI, um -1100 bis -500) reich an Funden ist. Die Insel profitierte von ihrer fruchtbaren Böden, Küstennähe und Lage im Ostsee-Raum, was Handel mit Bernstein, Bronze und Luxusgütern begünstigte.
In der Frühen Bronzezeit (Periode II bis III) dominieren reiche Hügelgräber (oldtidshøje) mit Eichen-Sargbestattungen, die auf eine stratifizierte Gesellschaft mit Eliten hinweisen. Frauengräber zeigen oft prächtige Bronzeschmuckstücke: Halskragen (Halskrave), Gürtelscheiben, Armringe, Fibeln und Anhänger aus Bronze, Gold und Bernstein. Studien zu weiblichen Bestattungen auf Fünen (und Vergleichen mit Jütland, Bornholm) betonen, dass ein einzelner Armring (besonders Typ A) als dominanter Identitätsmarker für hochstatusige Frauen diente – ein Symbol für soziale Rollen, die politisch, religiös und wirtschaftlich vielfältig waren. Typische Funde sind polierte Flintdolche (Übergang von Stein zu Bronze), Luren (später), und Importe aus Mitteleuropa. Die Gesellschaft war patrilinear organisiert, mit Krieger-Eliten (Männergräber mit Schwertern, Schilden, Helmen) und weiblichen Eliten, die durch Schmuck und rituelle Objekte markiert wurden.
Besonders eindrucksvoll ist das Lusehøj bei Voldtofte (Südwest-Fünen) – eines der größten und reichsten Hügelgräber der Nordischen Bronzezeit (Periode V, um -900 bis -700). Der ursprünglich 36 m Durchmesser und 8 m hohe Grabhügel enthielt eine zentrale Brandbestattung in einer großen Bronzeurne, umgeben von reichen Beigaben: Goldgefäße, Schwerter, Rasiermesser, Gürteldosen, Fibeln und Bernsteinperlen. Der Bau erforderte enorme Ressourcen (ca. 650.000 Grasplaggen von 7 ha Fläche), was auf starke soziale Organisation und Führungspersönlichkeiten hinweist. Lusehøj gilt als Symbol für die Elite der Spätbronzezeit auf Fünen – ein Ort ritueller Macht und Prestigegüter.
Hortfunde (Deponierungen) sind auf Fünen extrem häufig und vielfältig, oft in Mooren, Flüssen oder an Quellen abgelegt – ein Hinweis auf rituelle Opfer oder Versteckdepots. Regionale Studien zu Ost-Fünen zeigen Deponierungen von Schwertern, Äxten, Lanzetten, Rasiermessern, Schmuck und Werkzeugen, die von Küste bis Inland verteilt sind („from the source to the sea“). Bekannte Beispiele: Der Mariesminde-Hort bei Langeskov (2003 entdeckt) mit 27 Bronzeartefakten in einem Topf (Periode V); ein verzierter Bronzeschwert aus Håre (2021 gefunden, rund 3000 Jahre alt, zeremoniell mit feiner Verzierung); oder der Kirkebjerget-Siedlung bei Voldtofte mit Siedlungsresten und Hortfunden. Viele Horte enthalten Importbronze aus Mitteleuropa oder lokaler Produktion – Fünen war ein Knotenpunkt im Bernstein- und Metallhandel.
Siedlungen der Bronzezeit auf Fünen sind oft langgezogen und aus Holz gebaut, mit Langhäusern (wie in Kirkebjerget, Voldtofte, ausgegraben 1909 bis 1916). Landwirtschaft (Gerste, Emmer, Viehzucht) dominierte, ergänzt durch Fischerei, Jagd und Handwerk (Bronzeguss, Textilproduktion). In der Spätbronzezeit (Periode V–VI) treten Urnenfelder-Bestattungen auf, mit Verbrennung und Urnen in Flachgräbern oder unter kleinen Hügeln – ein Wandel zu kollektiveren Ritualen. Felsritzungen (zum Beispiel Schälchengruben, Schiffe, Figuren) sind auf Fünen seltener als in Bohuslän, aber vorhanden (unter anderem auf Langeland oder kleinen Inseln).
Archäologisch ist Fünen durch das Nationalmuseum Kopenhagen und lokale Museen (speziell Odense Bys Museer, Svendborg Museum) gut dokumentiert. Viele Hügelgräber sind erhalten und sichtbar (über 40 allein auf Nord-Fünen), oft als Wanderziele markiert. Die Bronzezeit auf Fünen zeigt eine blühende, vernetzte Gesellschaft: von elitären Bestattungen über rituelle Deponierungen bis zu intensivem Handel – ein Übergang von der neolithischen Bauerngesellschaft zur komplexen, hierarchischen Welt der Nordischen Bronzezeit, die den Grundstein für die Eisenzeit legte. Die Insel bleibt eine der reichsten Regionen Skandinaviens für diese Epoche, mit Funden, die soziale Strukturen, Geschlechterrollen und rituelle Praktiken eindrucksvoll beleuchten.
Eisenzeit
Die Eisenzeit (um -500 bis 1050) auf der Insel Fünen (Fyn) umfasst die Vorrömische Eisenzeit (Periode I, um -500 bis 1. Jahrhundert), die Römische Eisenzeit (Periode II bis III, 1. Jahrhundert bis um 400) und die Germanische Eisenzeit (Periode IV bis VI, um 400 bis 1050 inklusive Wikingerzeit). Fünen war in dieser langen Epoche ein dicht besiedeltes, landwirtschaftlich intensiv genutztes Gebiet mit fruchtbaren Böden, Küstennähe und intensiven Handelskontakten – besonders zur römischen Welt und später im Ostsee-Raum. Die Eisenzeit zeigt einen Wandel von kleinen Bauerngemeinschaften zu komplexeren Gesellschaften mit Eliten, Opferritualen und schließlich proto-staatlichen Strukturen.
In der Vorrömischen Eisenzeit (um -500 bis 1. Jahrhundert) dominieren Urnenfelder-Bestattungen und kleine Dörfer mit Langhäusern aus Holz und Lehm. Siedlungen lagen oft an Flüssen oder in geschützten Lagen; Landwirtschaft (Gerste, Emmer, Viehzucht mit Rindern, Schafen, Schweinen) war zentral, ergänzt durch Fischerei und Jagd. Typische Funde sind einfache Eisenwerkzeuge (Sicheln, Messer, Äxte), Keramik mit grober Verzierung und seltene Bronzereste. Gräberfelder mit Urnen unter kleinen Hügeln oder in Flachgräbern zeigen kollektive Bestattungen; es gab keine großen Monumente wie in der Bronzezeit. Die Gesellschaft war relativ egalitär, mit zunehmender Hierarchisierung gegen Ende der Periode.
Die Römische Eisenzeit (1. Jahrhundert bis um 400) bringt auf Fünen dramatische Veränderungen durch Fernhandel und kulturelle Einflüsse aus dem Römischen Reich. Fünen war kein römisches Territorium, aber Importe (Wein, Glas, Bronzegefäße, Münzen) und Nachahmungen römischer Formen sind häufig. Besonders spektakulär sind die Waffenopferplätze (våbenofre) in Mooren – rituelle Deponierungen besiegter Waffen, Schilde, Lanzen, Schwerter und Rüstungsteile als Dank oder Bitte an Götter nach Kriegen. Der Moorfund von Vimose (rund 10 km nordwestlich von Odense) ist einer der reichsten und bekanntesten in ganz Skandinavien: Tausende Artefakte aus der römischen Kaiserzeit (Periode II–III), darunter römische Schwerter (mit Inschriften), Lanzen, Schilde, Helme, Sporen, Pferdegeschirr und sogar Spielsteine/Würfel (gaming pieces). Vimose zeigt intensive Kriege oder Raubzüge unter germanischen Stämmen, mit Beutestücken aus dem Römischen Reich. Ähnliche Funde gibt es in Kragehul (Båg-herred, Zentrum Fünens) – ein weiterer Mooropferplatz mit Runeninschriften und Waffen aus der Völkerwanderungszeit. Siedlungen wie Gudme (Ost-Fünen) entwickelten sich zu Machtzentren: Hier lag eine der größten eisenzeitlichen Siedlungen Skandinaviens mit Hallen, Werkstätten und zahlreichen Hortfunden (Gold, Silber, Brakteaten). Gudme gilt als proto-urbanes Zentrum mit Handwerk (Metallverarbeitung, Bernsteinbearbeitung) und Handel; es produzierte viele der ca. 50 Goldhorte der Späten Eisenzeit in Dänemark.
In der Germanischen Eisenzeit (um 400 bis 800) setzt sich der Wandel fort: Gold- und Silberhorte (zum Beispiel Broholm-Hort bei Lundeborg mit über 4,5 kg Gold: Brakteaten, Ringe, Fibeln, Schwertteile) deuten auf Eliten und Krisen (Völkerwanderung, Klimaverschlechterung). Runen tauchen auf: Der spektakuläre Fund eines 2000 Jahre alten Eisenmessers bei Odense (2024 entdeckt) trägt die ältesten bekannten Runen Dänemarks – „hirila“ („kleines Schwert“) in Proto-Nordisch, datiert auf 150 bis 200 – ein Jahrhundertfund, der die frühe Runenschrift auf Fünen belegt. Bestattungen werden vielfältiger: Brandgräber, Schiffssetzungen, Bootsgräber (später Wikingerzeit). In der Wikingerzeit (ab 800) entstehen größere Siedlungen; der Übergang zur Eisenzeit-Endphase zeigt Christianisierung und Staatsbildung. Rekonstruierte Eisenzeitdörfer wie Odins Odense (bei Stavids Ådal, Odense) basieren auf Funden von Fünen und Jütland und vermitteln Alltagsleben: Langhäuser, Schmieden, Webhütten, Zäune, Vieh und handwerkliche Tätigkeiten.
Wikingerzeit
Die Wikingerzeit (um 800 bis 1050) auf der Insel Fünen (Fyn) stellt den Höhepunkt der Eisenzeit dar und markiert eine Phase intensiver gesellschaftlicher Organisation, Handelsnetze, Kriegszüge und allmählicher Christianisierung. Fünen war kein Randgebiet, sondern ein zentraler Knotenpunkt im dänischen Wikingerreich: fruchtbare Böden, geschützte Fjorde und Buchten sowie strategische Lage zwischen Jütland, Seeland und dem Ostseeraum begünstigten Siedlungen, Machtzentren und Seehandel. Die Insel profitierte von der Wikinger-Expansion, war aber auch Schauplatz interner Machtkämpfe und ritueller Bestattungen.
Das prominenteste Denkmal der Wikingerzeit auf Fünen ist das Ladbyschiff (Ladby-skibet) bei Ladby nahe Kerteminde (Nordost-Fünen). Dieses Schiffsgrab – das einzige erhaltene Wikinger-Schiffsgrab Dänemarks – wurde 1934/35 entdeckt und ausgegraben. Es handelt sich um ein zirka 21,5 m langes, schlankes Kriegsschiff (Typ Langschiff), das um 925 an Land gezogen und als Grabkammer für einen namenlosen Wikingerkönig oder Häuptling genutzt wurde. Der Tote wurde mit reichen Beigaben (Schwerter, Äxte, Schilde, Pferdegeschirr, Textilreste) bestattet, zusammen mit vier Hunden und elf Pferden (von denen die Skelette und Ketten erhalten sind). Das Holz des Schiffs ist verrottet, doch die Eisenbolzen, Ringe und der Eindruck im Boden blieben erhalten. Das Schiff wurde in situ unter einem rekonstruierten Grabhügel belassen und ist heute das Herzstück des Vikingemuseet Ladby – ein atmosphärischer Ort, an dem Besucher in die dunkle Grabkammer hinabsteigen können. Das Grab datiert in die frühe Wikingerzeit und zeigt die Kontinuität von Elite-Bestattungen aus der Eisenzeit (ähnlich Oseberg oder Gokstad in Norwegen). Es unterstreicht, dass Fünen bereits vor Harald Blauzahn mächtige lokale Herrscher hatte.
Ein weiteres Schlüsselgebiet ist Nonnebakken bei Odense – eine der fünf ringförmigen Wikingerburgen (Trelleborg-Typ), die Harald Blauzahn um 970 bis 980 erbauen ließ. Diese kreisrunden Festungen (Durchmesser 120 bis 180 m) mit Erdwall, Palisade, vier Toren und Innenbebauung dienten als militärische Stützpunkte und Machtdemonstration. Nonnebakken („Nonnenhügel“) liegt strategisch am Odense Å und war Teil des Systems (neben Trelleborg, Fyrkat, Aggersborg, Borgring), das die Kontrolle über Dänemark sicherte. Es ist UNESCO-Weltkulturerbe (seit 2023) und zeigt die zentralisierte Staatsbildung unter Harald Blauzahn, der Odense (damals Odins vi) möglicherweise als sakralen oder administrativen Ort nutzte.
Weitere wichtige Funde und Siedlungen sind:
- Gudme (Südost-Fünen): Obwohl sein Höhepunkt in der Völkerwanderungszeit (3. bis 7. Jahrhundert) lag, blieb Gudme bis in die Wikingerzeit ein Macht- und Handelszentrum mit Hallen, Werkstätten und Hortfunden (Gold, Silber, Brakteaten). Es war ein Vorläufer proto-urbaner Strukturen und religiöses Zentrum („Götterheim“ – Gudme = Götterheim).
- Åsum (östlich von Odense): 2024 ausgegrabener Wikinger-Friedhof mit über 50 außergewöhnlich gut erhaltenen Skeletten (9./10. Jahrhundert), darunter Bauern und eine höhergestellte Frau mit Silbermesser und Glasstück. Der Fund ermöglicht aDNA-Analysen und zeigt Alltagsleben, Ernährung und soziale Schichtung.
- Glavendrup (Nord-Fünen): Schiffssetzung (skibssætning) aus der Wikingerzeit mit Runensteinen, darunter Dänemarks längste Runeninschrift (Glavendrup-sten), die von einem mächtigen Mann berichtet und Götter (Thor, Odin) erwähnt – ein Zeugnis heidnischer Rituale und Genealogie.
- Weitere Gräberfelder wie Galgedil (bei Otterup) mit Bestattungen aus der frühen Wikingerzeit, inklusive Krieger mit Schlachtspuren.
Wirtschaftlich war Fünen landwirtschaftlich stark (Getreide, Vieh), mit Fischerei, Schiffbau und Handel (Bernstein, Pelze, Sklaven, Metalle). Wikinger aus Fünen beteiligten sich an Raubzügen (England, Frankreich), aber die Insel selbst blieb relativ friedlich – eher Zentrum als Ziel von Angriffen. Die Christianisierung setzte spät ein: Odense wurde um 988 Bischofssitz, Knut der Heilige (ermordet 1086) machte die Stadt zum Pilgerort.
Archäologisch ist Fünen reich dokumentiert: Das Vikingemuseet Ladby, Nonnebakken-Ausgrabungen, Odense-Museen und Routen wie die „Vikingeruten Fyn“ machen die Epoche erlebbar. Die Wikingerzeit auf Fünen zeigt den Übergang von lokalen Häuptlingen zu einem vereinten dänischen Königreich – mit monumentalen Gräbern, Burgen und Runen als Zeugen einer dynamischen, kriegerischen und gläubigen Gesellschaft, die die Grundlage für das mittelalterliche Dänemark legte.
Hoch- und Spätmittelalter
Mit dem Tod von Knut dem Heiligen (Knut IV.) am 10. Juli 1086 in der St. Albans-Kirche in Odense endete die Wikingerzeit symbolisch auf Fünen. Knut, ein christlicher König mit Wikinger-Wurzeln, der England und Norwegen bereiste, wurde während einer Rebellion von aufständischen Bauern und Adligen ermordet – er floh in die Kirche, wo er mit seinem Bruder Benedikt und Gefolge getötet wurde. Bereits 1100 wurde er von Papst Paschalis II. heiliggesprochen – Dänemarks erster königlicher Heiliger. Sein Reliquiar (mit fast vollständigen Gebeinen) wurde zum Pilgerziel; die Prozession am 19. April (Translatio) und der jährliche Knuds-Markt am 10. Juli zogen Tausende an. Odense wuchs dadurch stark: Die alte St. Albans-Kirche wurde durch die neue St. Knuds Kirke (Kathedrale) aus Travertin ersetzt (ab 1086/90, Bau bis ins 13. Jahrhundert), die Krypta nahm die Reliquien auf. Das Benediktinerkloster St. Knuds (später Domstift) entstand daneben und wurde zu einem der reichsten und einflussreichsten Klöster Dänemarks. Odense entwickelte sich vom Wikinger-Handelsort zu einer echten Stadt mit gepflasterten Straßen (Overgade-Vestergade), Fachwerkhäusern, Märkten und Handwerk (Schmiede, Weber, Gerber). Die Pilgerstraße und der Reliquienkult brachten Handel, Spenden und internationale Kontakte – Odense wurde zum religiösen Herz Fünens und Sitz des Fyens Stift (seit 988/1060, aber mit Knuts Kult massiv aufgewertet).
Im Hochmittelalter (12./13. Jahrhundert) festigte sich die königliche Macht: Harald Blauzahn hatte bereits Nonnebakken gebaut, doch unter Knut dem Großen (Knut VI., 1182 bis 1202) und Waldemar dem Siegreichen (1202 bis 1241) wurde Dänemark zur Ostseemacht. Fünen profitierte davon: Die Insel war Kernland des Reiches, mit vielen königlichen Gütern, Schlössern (zum Beispiel Nyborg Slot, ab etwa 1170 eine der ältesten königlichen Burgen Dänemarks, wo 1282 die dänische Handfæstning – erste Verfassung – unter Erik Klipping erlassen wurde) und Klöstern. Neben St. Knuds in Odense entstanden Zisterzienserklöster wie Holm (bei Svendborg) und Bøgense, Franziskaner- und Dominikaner-Niederlassungen in Odense und Svendborg. Die Landwirtschaft boomte: Dreifelderwirtschaft, Obst- und Hopfenanbau (Fünen als „Danmarks have“), Viehzucht und Getreideexport. Die Bevölkerung wuchs; Dörfer mit Fachwerkhöfen und Steinkirchen (über 250 romanische/gotische Kirchen auf Fünen, viele mit Fresken) prägten die Landschaft.
Wirtschaftlich blieb Fünen agrarisch, aber Odense und Svendborg entwickelten sich zu Handelsstädten. Odense profitierte vom Pilgerhandel und lokalen Märkten; Svendborg vom Seehandel (Fisch, Getreide, Holz). Direkte Hanse-Mitgliedschaft hatte Fünen nicht – die Hanse dominierte in Lübeck, Rostock oder Stralsund –, doch fünische Kaufleute partizipierten indirekt: Dänische Könige (zum Beispiel Waldemar Atterdag) kämpften gegen die Hanse (Kriege der 1360er und 1370er Jahre), und Fünen litt unter Plünderungen (zum Beispiel 1368 Hanse-Angriffe auf Kopenhagen, indirekt Auswirkungen). Dennoch blieb die Insel stabil; der Stralsunder Frieden 1370 schwächte Dänemark, doch Fünen erholte sich schnell.
Im Spätmittelalter (14./15. Jahrhundert) dominierten Krisen: Schwarzer Tod (1348 bis 1350) reduzierte die Bevölkerung massiv (bis zu 40 bis 60 % Verluste), führte zu Wüstungen und Arbeitskräftemangel. Die Union von Kalmar (1397) unter Margarethe I. machte Dänemark zum Zentrum der skandinavischen Union (mit Norwegen und Schweden), doch innere Konflikte (Adelsmacht, Bauernaufstände) prägten die Zeit. Fünen blieb loyal zum Königshaus; Odense war Verwaltungs- und Gerichtszentrum (Retten i Odense). Die Reformation nahte: Die Kirche besaß riesige Ländereien (bis zu 40 % auf Fünen), was Unmut schürte.
Bis zum Ende des Mittelalters (um 1523, dem Beginn der Reformation in Dänemark) war Fünen eine der wohlhabendsten und dichtest besiedelten Regionen Dänemarks: grüne Hügel mit Dörfern, Schlössern (Egeskov, Brahetrolleborg entstanden im 15./16. Jahrhundert), Klöstern und Pilgerorten. Odense, mit seinem Dom und Knuts-Kult, war das kulturelle und spirituelle Zentrum – eine Stadt, die von der Wikingerzeit über den Heiligenkult zur mittelalterlichen Metropole aufstieg. Die Insel verkörperte das klassische mittelalterliche Dänemark: christlich, agrarisch, königstreu und friedlich, fernab der großen Hansestädte, aber eng verflochten mit der Reichsgeschichte.
Frühe Neuzeit
Die Frühe Neuzeit (1523 bis frühes 18. Jahrhundert) auf der Insel Fünen (Fyn) ist eine Epoche des tiefgreifenden Wandels: Die Reformation (1536/37) beendete die katholische Vorherrschaft, führte zur Säkularisierung kirchlicher Güter und stärkte die königliche Zentralmacht. Fünen, als fruchtbares Kernland Dänemarks, profitierte wirtschaftlich von der Umverteilung von Kloster- und Kirchenländern an Krone und Adel, erlebte aber auch soziale Spannungen, Kriege und Seuchen. Odense blieb das unumstrittene Zentrum – religiös, administrativ und kulturell.
Die Reformation traf Fünen früh und radikal. Bereits 1529 predigte der lutherische Reformator Hans Tausen („Dänemarks Luther“) in Odense und Svendborg; der evangelisch gesinnte Bischof Knud Gyldenstierne von Fyens Stift führte 1532 als erster in Dänemark eine vollständige Reformation seines gesamten Bistums durch – Messen auf Dänisch, Bibelübersetzung und Abschaffung von Heiligenkulten. Der offizielle Durchbruch kam 1536/
37 unter König Christian III. nach dem Grafenfehde (Grevens Fejde, 1534 bis 1536), dem Bürgerkrieg um die Thronfolge. Christian III. siegte mit Unterstützung lutherischer Adliger; die Schlacht bei Øksnebjerg auf Fünen (Juni 1535) entschied den Krieg zugunsten seiner Truppen unter Johan Rantzau. Danach wurde Lutheranismus 1536/37 zur Staatsreligion erklärt: Alle Klöster und Bistümer wurden aufgelöst, ihre Ländereien (bis zu 40 % des Bodens auf Fünen) konfisziert und an die Krone, Adel oder neue lutherische Institutionen verteilt. Das St. Knuds Kloster in Odense wurde 1539 in ein Hospital umgewandelt (heute Graabrødre Hospital/Greyfriars Abbey-Reste); viele Klöster wie Holm bei Svendborg oder Bøgense wurden zu Gutshöfen. Die St. Knuds Kirke blieb Kathedrale, doch der Knuds-Kult (Pilgerfahrten) verlor an Bedeutung – Reliquien blieben, aber der Heiligenkult wurde protestantisch umgedeutet.
Wirtschaftlich und sozial profitierte Fünen enorm: Die Umverteilung schuf große Adelsgüter und Herrenhäuser (Renaissanceschlösser wie Egeskov Slot ab 1554, Brahetrolleborg, Broholm, Eskebjerg/Schelenborg – oft aus umgebauten mittelalterlichen Burgen). Der Adel (zum Beispiel Familien wie Gyldenstierne, Rantzau) wurde reicher; die Landwirtschaft (Getreide, Hopfen, Obst, Rinderzucht) boomte. Odense wuchs als Handels- und Verwaltungsstadt: 1482 druckte Johann Snell die ersten Inkunabeln Dänemarks hier; um 1500 zog Königin Christine (Frau von Hans) mit Hof nach Odense, was Handel und Prestige steigerte. Die Stadt hatte rund 5000 bis 6000 Einwohner um 1600 und war zweitgrößte Dänemarks.
Krisen prägten die Epoche: Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) traf Fünen indirekt – 1657 bis 1660 während des Schwedisch-Dänischen Kriegs (Karl-Gustav-Kriege) wurde Odense 1658 von schwedischen Truppen unter Karl X. Gustav geplündert und besetzt. Die Stadt sank auf ca. 3800 Einwohner (1672); viele Gebäude brannten, der Handel brach ein. Von 1654 bis 1658 war Odense sogar temporär Hauptstadt Dänemarks, da Kopenhagen belagert war – ein kurzes, dramatisches Intermezzo. Die Schwedenkriege (1657 bis 1660) führten zu hohen Steuern und Verwüstungen, doch Fünen erholte sich durch seine Fruchtbarkeit schnell.
Kulturell und religiös dominierte der Lutheranismus: Die Bibel in dänischer Übersetzung (Christian III.s Bibel 1550) wurde Standard; Schulen und Katechese breiteten sich aus, Alphabetisierung stieg langsam (auf Gutshöfen bei Odense lag sie im 17. Jahrhundert bei rund 10 %). Pietismus und Orthodoxie prägten das 17. Jahrhundert. Wallfahrten und Heiligenkulte verschwanden weitgehend. Die Frühe Neuzeit auf Fünen endet mit dem Absolutismus (1660): König Friedrich III. führte 1660 die Erbmonarchie ein; Fünen wurde Teil des zentralisierten dänischen Staates, mit Odense als regionalem Knotenpunkt.
Modernisierungszeit
Im 18. Jahrhundert (Absolutismus und Aufklärung) dominierte die Landwirtschaft unter strenger Gutswirtschaft: Große adelige Güter (zum Beispiel Egeskov, Brahetrolleborg, Hollufgård) bewirtschafteten die Böden mit Leibeigenen und Frondiensten (stavnsbånd – Leibeigenschaft, bis 1788). Die Bevölkerung wuchs langsam (100.000 bis 120.000 um 1800), doch Seuchen (Pocken, Typhus) und Hungersnöte (besonders 1780er Jahre) forderten Opfer. Odense war Verwaltungs- und Handelszentrum mit 5.000 bis 6.000 Einwohnern; die Stadt profitierte vom Hopfen- und Obstexport (Fünen als „humlehave“ – Hopfengarten). Die Aufklärung erreichte Fünen spät, aber spürbar: Ludvig Holberg (der dänische Molière) hatte familiäre Verbindungen nach Fünen; pietistische Bewegungen (Herrnhuter Brüdergemeine) gründeten kleine Gemeinden. Die Leibeigenschaftsreform 1788 (unter Kronprinz Friedrich VI.) befreite die Bauern schrittweise; auf Fünen führte das zu vielen selbstständigen Höfen und steigender Produktivität.
Die Napoleonischen Kriege (1801 bis 1814) trafen Fünen schwer: Die britische Bombardierung Kopenhagens 1807 und die dänische Allianz mit Napoleon führten zu Kontinentalsperre, Staatsbankrott (1813) und Hungersnot. Britische Truppen landeten 1809 kurz auf Fünen (bei Nyborg), plünderten und zogen ab. Die Friedensverträge von Kiel (1814) kosteten Dänemark Norwegen – ein Schlag für das Reich, doch Fünen blieb unversehrt und erholte sich durch Getreideexporte nach England.
Ab den 1830er Jahren begann die moderne Transformation: Die Grundsteuerreform (1840er Jahre) und die Bauernbefreiung schufen eine starke freie Bauernschaft. Fünen profitierte enorm von der Agrarrevolution: Stallfütterung, Kunstdünger (ab den 1870er Jahren), verbesserte Sorten (zum Beispiel Fünen-Äpfel, Hopfen). Die Genossenschaftsbewegung (Andelsbevægelsen) startete hier früh: Erste Molkereigenossenschaft Dänemarks 1882 in Hjedding (nahe Varde, aber Modell für Fünen), bald folgten viele auf Fünen. Die Eisenbahn revolutionierte die Insel: 1865 eröffnete die erste Linie Nyborg–Middelfart–Odense, 1876 die Svendborgbane. Odense wurde zum Knotenpunkt; die Stadt wuchs explosionsartig von rund 8.000 (1800) auf über 40.000 (1901). Fabriken entstanden: Textil (Odense Bomuldsspinderi), Tabak, Maschinenbau, Brauereien. Svendborg entwickelte sich zum Schiffbau- und Hafenort (Werften für Segelschiffe, später Dampfer).
Politisch war Fünen konservativ-bäuerlich und liberal. Die Grundtvigianer (N.F.S. Grundtvig) prägten die Volkshochschulbewegung (erste auf Fünen 1844 in Rødding, bald viele weitere); die Bauernbewegung (Bondevennerne) gewann hier starke Unterstützung. 1849 wurde die konstitutionelle Monarchie eingeführt; Fünen wählte liberale Vertreter in den Folketing. Der Schleswig-Holstein-Krieg 1864 traf die Insel indirekt: Viele fünische Soldaten kämpften; der Verlust Schleswigs schürte Nationalismus. Die Nationalbewegung („Slesvig-Holsten spørgsmålet“) war auf Fünen stark: Viele Vereine (Skytteforeninger, Sangforeninger) entstanden; Odense wurde Zentrum dänischer Identität.
Kulturell blühte Fünen im 19. Jahrhundert auf: Hans Christian Andersen (1805 bis 1875), geboren in Odense als Sohn eines Schuhmachers, machte die Insel weltberühmt. Seine Märchen („Das hässliche Entlein“, „Die kleine Meerjungfrau“, „Das Feuerzeug“) spiegeln fünische Landschaft, Armut und Sehnsucht wider. Odense wurde „Märchenstadt“; das Andersen-Museum (heute H.C. Andersen Hus) entstand 1908. Die Fünen-Maler (Fynboerne, unter anderem Johannes Larsen, Fritz Syberg und Peter Hansen) gründeten um 1880 eine Künstlerkolonie in Faaborg und Kerteminde – impressionistische Landschaftsmalerei, die die sanften Hügel, Obstgärten und Küsten Fünens verewigte. Das Faaborg Museum (1910 gegründet) wurde ihr Zentrum.
Bis 1914 war Fünen eine der wohlhabendsten und modernsten Regionen Dänemarks: Hohe Alphabetisierung (durch Volkshochschulen), starke Genossenschaften, wachsende Städte (Odense ca. 60.000 Einwohner 1914), Eisenbahnnetz, Dampfschifffahrt und beginnende Elektrifizierung. Die Insel war agrarisch-industriell ausbalanciert, nationalstolz und kulturell lebendig – ein idyllisches, aber dynamisches Dänemark, das den Ersten Weltkrieg neutral überstand und in die Zwischenkriegszeit als „glückliches Land“ eintrat.
Weltkriegsära
Im Ersten Weltkrieg blieb Dänemark neutral – eine Politik, die alle Parteien unterstützten. Fünen war nicht direkt in Kampfhandlungen verwickelt, doch die Neutralität hatte hohe Kosten: Die britische Seeblockade und die deutsche U-Boot-Kriegführung behinderten den Export (vor allem Butter, Speck, Eier und Getreide nach Großbritannien und Deutschland). Hungersnöte und Rationierung trafen die Insel hart; 1917/18 starben viele an Unterernährung und Grippe (Spanische Grippe). Odense wuchs weiter (rund 50.000 bis 60.000 Einwohner), doch Streiks und soziale Unruhen (unter anderem. in der Textil- und Tabakindustrie) zeigten Spannungen. Die Volksabstimmung 1920 (nach Versailles) brachte Nordschleswig zurück – ein nationaler Triumph, der auf Fünen mit Feiern und Stolz begleitet wurde, da viele fünische Familien Verbindungen hatten.
Die Zwischenkriegszeit (1920 bis 1939) war geprägt von wirtschaftlicher Erholung: Genossenschaften (Molkereien, Schlachtereien) blühten; Odense industrialisierte sich weiter (Bomuldsspinderi, Maschinenbau). Die Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 traf hart (Arbeitslosigkeit bis 30 %), doch die sozialdemokratische Regierung (Stauning) führte Reformen durch. Kulturell blieb Fünen lebendig: Die Fünen-Maler (Johannes Larsen und andere) und das Erbe Andersens prägten die Identität.
Der Zweite Weltkrieg änderte alles: Am 9. April 1940 um 4:15 Uhr fielen deutsche Truppen in Dänemark ein (Operation Weserübung). Fünen wurde innerhalb weniger Stunden besetzt – deutsche Fallschirmjäger und Truppen sicherten die Kleine Belt-Brücke und landeten bei Nyborg und Middelfart. Der dänische Widerstand war minimal (16 Tote landesweit); die Regierung kapitulierte nach Stunden. Bis 29. August 1943 blieb die Besatzung „modellhaft“ („modelprotektorat“): Dänische Regierung, Polizei und Verwaltung arbeiteten weiter, unter deutscher Kontrolle. Deutsche Truppen (Wehrmacht, Luftwaffe, Marine) stationierten sich auf Fünen – Kasernen in Odense, Flugplätze (unter anderem bei Beldringe), Bunker an Küsten (zum Beispiel Hindsholm, Langeland). Die Insel diente als Übungs- und Durchgangsgebiet für Norwegen und die Ostfront. Wirtschaftlich wurde Fünen ausgepresst: Zwangsabgaben, Rationierung, Schwarzmarkt. Viele fünische Bauern horteten Lebensmittel; der Widerstand begann zögernd.
Ab Sommer 1943 radikalisierte sich die Besatzung: Nach dem Rücktritt der Regierung (29. August 1943) übernahm die Wehrmacht direkte Kontrolle („Operation Möwe“). Sabotageakte nahmen zu: Eisenbahnsprengungen (Svendborgbane, Hauptbahn), Anschläge auf Telefonämter (Odense 1944), Werft- und Fabriksabotage. Die dänische Widerstandsbewegung (Frit Danmark, BOPA, Holger Danske) war auf Fünen aktiv, aber dezentral: Gruppen in Odense, Svendborg und Nyborg. Bekannte Aktionen: Sprengung von Telefonzentralen in Odense (1944), Sabotage an der Odense Å-Brücke. Die Gestapo und SD verhafteten Hunderte; Folter und Deportationen (nach Deutschland) folgten. In Odense und Umgebung gab es Exekutionen und Razzien; 14 Widerstandskämpfer wurden 1945 bei Seden Skydebane heimlich begraben (erst nach dem Krieg entdeckt). Die Besatzungsmacht baute Bunker (zum Beispiel Batterie Fünen) und Flugabwehrstellungen; alliierte Bomber griffen Ziele an (zum Beispiel deutsche Schiffe im Großen Belt).
Die Befreiung kam am 4./5. Mai 1945. Um 20:35 Uhr verkündete der BBC die Kapitulation der deutschen Truppen in Nordwestdeutschland, Holland und Dänemark. Auf Fünen feierten Tausende in Odense (Fackelzüge, Flaggen), doch es gab blutige Nachwehen: Schießereien zwischen Widerstand und versprengten Deutschen (zum Beispiel in Odense, mehrere Tote). Bornholm wurde sowjetisch bombardiert, Fünen blieb verschont. Die Befreiung war friedlich im Vergleich zu anderen Ländern – keine alliierten Truppen landeten auf Fünen; die Deutschen zogen ab.
Bis 1945 war Fünen gezeichnet: Hungersnot („hungerwinter“ 1944/45), Zerstörungen (wenig), aber tiefe Narben durch Kollaboration, Verrat und Verluste (rund 3.000 dänische Tote landesweit, darunter fünische Widerständler). Die Nachkriegszeit brachte Aufbau, Prozesse gegen Kollaborateure und nationale Einheit. Fünen blieb das „grüne Herz“ Dänemarks – agrarisch stark, kulturell reich, doch mit dem Schatten der Besatzung.
Moderne Zeit
Die unmittelbare Nachkriegszeit (1945 bis in die 1950er Jahre) stand im Zeichen des Wiederaufbaus und der Abrechnung mit der Besatzung. Am 5. Mai 1945 feierten die Fünen-Bewohner die Befreiung mit ausgelassenen Straßenfesten in Odense, Svendborg und Nyborg – Fackelzüge, dänische Flaggen und spontane Konzerte symbolisierten die wiedergewonnene Freiheit. Doch die Insel trug Narben: Zerstörte Infrastruktur (zum Beispiel durch Sabotageakte oder alliierte Bomben), Mangel an Lebensmitteln und Kohle sowie der Verlust von rund 300 bis 400 fünischen Widerstandskämpfern und Zivilisten. Die deutsche Wehrmacht hatte Fünen als Durchgangsgebiet genutzt; nach der Kapitulation wurden Tausende deutsche Soldaten und Flüchtlinge (aus Ostpreußen über die Ostsee evakuiert) interniert, zum Beispiel im Lager Faarhus bei Aarøsund (Südwest-Fünen), das bis 1949 als Internierungslager diente. Prozesse gegen Kollaborateure (Quislinge) fanden in Odense statt; viele NS-Sympathisanten verloren ihre Ämter, und es gab gesellschaftliche Spaltungen, die langsam heilten.
Wirtschaftlich erholte sich Fünen schnell dank des Marshall-Plans (ab 1948, Dänemark erhielt ca. 280 Mio. USD) und der dänischen Wohlfahrtsreformen. Die Agrarwirtschaft boomte: Genossenschaften (Andelsbevægelsen) expandierten; Fünen produzierte Butter, Speck, Eier und Getreide für den Export nach Großbritannien und Westdeutschland. Odense wuchs als Industriezentrum: Fabriken für Textil, Tabak (zum Beispiel Chr. Augustinus Fabriker) und Maschinenbau entstanden; die Werft Lindøværft (bei Munkebo, gegründet 1918, aber ab 1950er erweitert) wurde zu einer der größten Schiffbaustätten Dänemarks, mit Tausenden Arbeitsplätzen. Die Bevölkerung stieg: Von rund 350.000 (1945) auf über 400.000 (1960), getrieben durch Geburtenboom und Zuzug aus ländlichen Gebieten. Sozialdemokratische Regierungen (Hans Hedtoft, H.C. Hansen) bauten den Wohlfahrtsstaat aus – Schulen, Krankenhäuser (zum Beispiel Odense Universitetshospital, erweitert 1950er) und Sozialhilfe verbesserten das Leben. Kulturell feierte Fünen 1955 das 150-jährige Jubiläum von Hans Christian Andersen mit Festen, Ausstellungen und dem Ausbau des Andersen-Hauses in Odense – ein Boost für den Tourismus.
Die 1950er und 1960er Jahre brachten den Höhepunkt des „dänischen Modells“: Hohes Wirtschaftswachstum (4 bis 5 % jährlich), Vollbeschäftigung und soziale Gleichheit. Auf Fünen industrialisierte sich der Norden und Osten: Odense wurde zur „Industriestadt“ mit Fabriken wie Thrige-Titan (Elektromotoren, später Asea Brown Boveri) und der Odense Stålskibsværft (Stahlwerft). Die Landwirtschaft modernisierte sich: Traktoren, Kunstdünger und EU-ähnliche Märkte (Dänemark trat 1973 der EWG bei, nach Volksabstimmung 1972 mit 63 % Ja-Stimmen; auf Fünen sogar höher durch Agrarinteressen). Die Ölkrise 1973/74 traf hart – Benzinrationierung, Inflation –, doch Fünen diversifizierte: Der Tourismus wuchs mit Fährverbindungen zu Ærø und Langeland, und die „Südfünische Inselmeer“-Region wurde als Erholungsgebiet vermarktet. Gesellschaftlich liberalisierte sich die Insel: Die 1960er brachten Jugendrevolte (Studenten an der neuen Syddansk Universitet in Odense, gegründet 1966), Frauenrechte und kulturelle Blüte (Odense Teater, Heartland Festival ab 2014, aber Wurzeln in den 1960ern). Bevölkerungswanderung: Viele junge Leute zogen nach Odense (von 60.000 auf 140.000 Einwohner 1970), während ländliche Gebiete schrumpften.
In den 1970er und 1980er Jahren kam es zu Strukturwandel und Infrastrukturprojekten. 1970 wurde Fünen zum Fyns Amt (Funen County) zusammengefasst – ein administrativer Meilenstein mit Odense als Sitz, der bis 2006 bestand. Die Ölkrisen (1973 und 1979) führten zu Energieeinsparungen und erster grüner Politik; Fünen pionierte in Windenergie (erste Turbinen ab 1970er). Wirtschaftlich schrumpfte die Schwerindustrie: Lindøværft entließ Tausende (1980er), doch neue Branchen entstanden – Robotik und Automation in Odense (Universal Robots gegründet 2005, aber Wurzeln in den 1980ern). Der EU-Beitritt 1973 öffnete Märkte; Fünen exportierte Lebensmittel und Maschinen. Gesellschaftlich: Hohe Arbeitslosigkeit (bis 12 % 1980er) führte zu Sozialreformen; Immigration begann (Gastarbeiter aus Türkei, Jugoslawien). Kulturell: 1980er Andersen-Feste, Eröffnung des Brandts Museum in Odense (1984). Die Großer-Belt-Brücke-Planung (ab den 1980er Jahren) symbolisierte Modernisierung.
Die 1990er und 2000er Jahre brachten Konnektivität und Globalisierung. Die Storebæltsbroen (Großer-Belt-Brücke) eröffnete 1997/98 – ein Meilenstein: Fünen wurde nahtlos mit Seeland und Jütland verbunden, was Pendlerverkehr, Tourismus und Wirtschaft ankurbelte (Odense wuchs auf 170.000 Einwohner). Die Brücke kostete 21 Mrd. DKK und schuf Jobs, doch sie veränderte die Fährkultur (viele Linien schlossen). 2007 wurde Fyns Amt in die Region Syddanmark integriert – Odense blieb zentral, verlor aber etwas Autonomie. Wirtschaftlich: High-Tech-Boom – Odense Robotics Cluster (über 100 Firmen, 8.500 Jobs 2019), Biotech (Novo Nordisk-Filiale), IT. Die Universität Syddansk (SDU) expandierte (20.000 Studenten 2010er). Tourismus explodierte: Andersen-Jubiläum 2005 (200 Jahre Geburt) mit Events, Museen und dem neuen H.C. Andersen Hus (eröffnet 2005, erweitert 2021). Das Südfünische Inselmeer wurde UNESCO-Geopark (2018). Gesellschaftlich: Immigration wuchs (rund 10 % nicht-westliche Einwanderer in Odense in den 2010er Jahren), Integrationsthemen (speziell Vollsmose-Viertel). Politisch: Fünen blieb sozialdemokratisch-liberal; EU-Skeptizismus (1992 Maastricht-Nein, aber 1993 Ja).
Bis zur Corona-Zeit ab 2020 war Fünen eine der lebenswertesten Regionen Dänemarks: Hohes BIP (über nationalem Durchschnitt), niedrige Arbeitslosigkeit (3 bis 4 %), starke Bildung (SDU als Forschungszentrum) und Kultur (Odense Symphonieorchester, Festivals). Die Bevölkerung stagnierte leicht, mit Alterung und Urbanisierung. Die Insel verkörperte dänische „hygge“ – gemütlich, grün, innovativ – doch Herausforderungen wie Klimawandel (Hochwasser an Küsten) und Demografie (Jugendabwanderung) zeichneten sich ab. Die Coronazeit mit der von der Regierung veranlassten rtadikalen Maßnahmenpolitik brachte einen wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Einbruch. Mit dem Ende des Lockdowns, Masken- und Impfpflichten ab 2022 stabilisierten sich die Verhältnisse nur langsam wieder.
Verwaltung
War Fünen seit dem Mittelalter in zahlreiche Lehnsdistrikte eingeteilt, bestand es im 20. Jahrhundert nur noch aus den Ämtern Odense und Svendborg. Das Fyns Amt (Provinz Fünen) entstand 1970 durch die Zusammenlegung des Odense Amt mit dem Svendborg Amt und umfasste die zu Dänemark gehörenden Inseln Fünen, Langeland, Ærø sowie einige vorgelagerte Inseln. Hauptstadt war Odense. Seit der Kommunalreform zum 1. Januar 2007 gehört das ehemalige Amt zur Region Syddanmark. 2007 ging Fünen in der Region Syddanmark mit der Hauptstadt Vejle auf.
Herrschaftsgeschichte
- -5. bis 8. Jahrhundert germanische Fürstentümer
- 8. Jahrhundert bis 965 dänische Königreiche
- 965 bis 2. August 1380 Königreich der Dänen (Regnum Danorum)
- 2. August 1380 bis 17. Juni 1397 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
- 17. Juni 1397 bis 6. Juni 1523 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge) als Teil der Kalmarer Union
- 6. Juni 1523 bis 16. Februar 1658 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
- 16. Februar 1658 bis 27. Mai 1660 Königreich Schweden (Konungariket Sverige) und Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
- 27.Mai 1660 bis 14. Januar 1814 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
- 14. Januar 1814 bis 9. April 1940 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)
- 9. April 1940 bis 5. Mai 1945 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark) unter Besatzung durch das Deutsche Reich
- 5. Mai 1945 bis 31. März 1970 Ämter Odense und Svendborg im Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)
- 1. April 1970 bis 31. Dezember 2006 Amt Fünen (Fyns Amt) des Königreichs Dänemark (Kongeriget Danmark)
- seit 1. Januar 2007 Region Süd-Dänemark (Syddanmark) des Königreichs Dänemark (Kongeriget Danmark)
Legislative und Exekutive
Fünen besitzt keine eigene Legislative oder Exekutive, da die Insel keine politische Verwaltungseinheit, sondern ein geografischer Teil Dänemarks ist. Die gesetzgebende Gewalt (Legislative) liegt auf nationaler Ebene beim dänischen Parlament, dem Folketing, das Gesetze für ganz Dänemark beschließt, also auch für Fünen. Die ausführende Gewalt (Exekutive) wird von der dänischen Regierung unter Leitung des Ministerpräsidenten ausgeübt; sie sorgt über Ministerien und staatliche Behörden dafür, dass die Gesetze auf Fünen umgesetzt werden.
Auf regionaler und lokaler Ebene ist Fünen in die Region Syddanmark sowie acht Kommunen gegliedert. Die Region Syddanmark hat vor allem Verwaltungsaufgaben, insbesondere im Gesundheitswesen und in der regionalen Entwicklung, jedoch keine eigene Gesetzgebungskompetenz. Die Kommunen übernehmen als Teil der Exekutive die praktische Umsetzung staatlicher und regionaler Vorgaben, etwa in den Bereichen Schule, Sozialleistungen, Infrastruktur und Raumplanung. Eigene Gesetze können weder die Region noch die Kommunen erlassen; sie handeln innerhalb des Rahmens der vom Folketing beschlossenen Gesetze.
Inseloberhaupt
Von 1970 bis 2006 hatte Fünen einen Amtsborgmester (Amtsvorsteher bzw. Bürgermeister) als höchsten Repräsentanten.
Stiftamtmænd af Fyens Stift (Stiftamtsräte von Fünen)
- 1660 - 1662 Otto Krag til Voldbjerg (1611 - 1666)
- 1662 - 1664 Hans von Ahlefeldt til Glorup
- 1 Mai 1664 - 7 Aug 1673 Henrik Lindenov (1614 - 1673)
- 1 Mai 1674 - 1679 Erik Banner til Boserup (1618 - 1687)
- 1679 - 17 Feb 1694 Helmuth Otto von Winterfeldt (1617 - 1694)
- 24 Apr 1694 - 30 Nov 1704 Diderik Schult (1644 - 1704)
- 7 Feb 1705 - 30 Jun 1713 Joakim Pritzbuer (1665 -1719)
- 30 Jun 1713 - 6 Apr 1717 Frederik Ejler Gjedde (1641 - 1717)
- 3 Mai 1717 - 15 Dez 1721 Christian von Lente (1649 - 1725)
- 31 Dez 1721 - 19 Jul 1740 Kristian Sehested (1666 - 1740)
- 3 Okt 1740 - 8 Sep 1760 Christian Rantzau (1684 - 1771)
- 8 Sep 1760 - 1 Sep 1767 Karl Juel (1706 - 1767)
- 8 Sep 1767 - 8 Jan 1789 Henrik Bille-Brahe (1709 - 1789)
- 1 Apr 1789 - 27 Apr 1798 Frederik Buchwald (1747 - 1814)
- 27 Apr 1798 - 1 May 1799 Povl Rosenørn (1756 - 1829)
- 1 May 1799 - 2 Sep 1808 Povl Rosenørn Gersdorff (1743 - 1810)
- 12 Okt 1808 - 3 Mar 1809 Frederik Adeler Baron til Adelersborg (1764 - 1816)
- 10 Apr 1809 - 1 Aug 1814 Gebhard Moltke-Hvitfeldt (1764 - 1851)
- 1 Aug 1814 - 5 May 1836 Hans Vilhelm Cederfeldt de Simonsen (1777 - 1836)
- 19 Jul 1836 - 31 Dez 1842 Johan Carl Thuerecht Castenschiold (1787 - 1844)
- 1 Jan 1843 - 22 Mar 1848 Karl Emil Bardenfleth (1807 - 1857)
Amtmænd af Odense (Amtsräte von Odense)
- 1789 - 1798 Friedrich von Buchwald (1747 - 1814)
- 1 Mai 1799 - 2 Sep 1808 Poul Rosenørn Gersdorff (1743 - 1810)
- 10 Apr 1809 - 1 Aug 1814 Gebhard Moltke Hvitfeldt (1764 - 1851)
- 1 Aug 1814 - 5 Mai 1836 Hans Vilhelm Cederfeldt de Simonsen (1777 - 1836)
- 19 Jul 1836 - 31 Dez 1841 Johan Carl Thuerecht Castenschiold (1787 - 1844)
- 1 Jan 1842 - 22 Mar 1848 Karl Emil Bardenfleth (1807 - 1857)
- 23 Sep 1848 - 4 Jun 1856 Iver Johan Unsgaard (1798 - 1872)
- 1856 - 1860 Ernst Christian Fischer [amtierend] (1806 - 1878)
- 1 Jan 1860 - 1869 Iver Johan Unsgaard [2]
- 1 Apr 1869 - 7 Nov 1898 Eugenius Sophus Ernst Heltzen (1818 - 1898)
- 1 Dez 1898 - 30 Apr 1909 Frederik Lindam Godefroi de Dompierre de Jonquiéres (1854 - 1925)
- 30 Apr 1909 - 7 Jul 1920 Johan Frederik Simony (1846 - 1920)
- 2 Okt 1920 - 2 Mar 1921 Aage Schlichtkrull (1874 - 1921)
- 1 May 1921 - 1948 Svend Neumann (1878 - 1955)
- 1 Okt 1948 - 31 Jul 1975 Jacob Thorkel Høirup (1905 - 1999)
- 1 Aug 1975 - 13 Feb 1979 Tyge Haarlev (1910 - 1979)
- 14 Feb 1979 - 30 Jun 1989 Louis Anker Heegaard [amtierend bis 1 Jun 1981] (1919 - 1990)
- 1 Jul 1989 - 31 Jul 1999 Christian Hyltoft (1929 - 2007)
- 1 Aug 1999 - 31 Dez 2006 Ninna Würtzen [w] (* 1941)
Amtsborgmestre af Fyns (Bürgermeister bzw. Vorsteher des Amts Fünen)
- 1 Apr 1970 - 31 Mar 1974 Edvard Rasmussen (1902 - 1990) SD
- 1 Apr 1974 - 31 Dez 1993 Jens Peter Fisker (1930 - 2009) SD
- 1 Jan 1994 - 31 Dez 2001 Karen Bach Nøhr [w] (* 1933) RV
- 1 Jan 2002 - 31 Dez 2005 Jan Boye (1962 - 2011) KF
- 1 Jan 2006 - 31 Dez 2006 Poul Weber (* 1949) LP-V
Justizwesen und Kriminalität
Fünen gehört zum Polizeidistrikt Fyns Politi (Funen Police), dessen Hauptquartier in Odense liegt und der die gesamte Insel sowie die umliegenden kleineren Inseln (wie Ærø, Langeland, Tåsinge) abdeckt – ein Gebiet von über 3.500 km² mit knapp unter einer halben Million Einwohnern. Die Polizei umfasst 10 Kommunen (u. a. Odense, Svendborg, Faaborg-Midtfyn, Nyborg, Middelfart, Assens, Kerteminde, Nordfyn, Langeland und Ærø). Die Staatsanwaltschaft (Anklagemyndigheden) des Bezirks sitzt ebenfalls in Odense und führt Strafverfahren vor den zuständigen Gerichten.
Das Gerichtswesen auf Fünen folgt dem dänischen dreistufigen System der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Auf lokaler Ebene ist die Retten i Odense (Gericht Odense) das zentrale Bezirksgericht (byret) für den Großteil der Insel. Es bearbeitet alle Arten von Fällen: Strafsachen (straffesager), Zivilstreitigkeiten (civile sager), Familiensachen (familieretssager), Zwangsvollstreckungen (fogedsager), Erbschafts- und Konkursangelegenheiten (skiftesager) sowie vorläufige Maßnahmen. Das Gericht sitzt in der Albanigade 28 in Odense und ist für den Großteil des fünischen Rechtsraums zuständig. Ergänzend gibt es die Retten i Svendborg, die vor allem für den Süden der Insel (Svendborg und Umgebung) Straf- und Zivilsachen behandelt. Beide Bezirksgerichte sind Erstinstanz für die meisten Fälle. Berufungen gehen an das Vestre Landsret (Westliches Landgericht) in Viborg, das für Westdänemark (inkl. Fünen und Jütland) zuständig ist. Die höchste Instanz ist der Højesteret (Oberster Gerichtshof) in Kopenhagen. Spezialisierte Gerichte wie das See- und Handelsgericht spielen auf Fünen keine große Rolle.
Historisch ist das Justizwesen auf Fünen durch Odense geprägt: Das alte Odense Prison (Fængslet i Odense) aus dem Jahr 1752 diente lange als Straf- und Zwangsarbeitsanstalt für Kriminelle und Arme der Region. Heute ist es ein historisches Gebäude und Museum. Moderne Strafvollzugseinrichtungen liegen außerhalb der Insel oder sind dezentral.
Die Kriminalität auf Fünen ist im dänischen Vergleich moderat und liegt deutlich unter dem nationalen Durchschnitt großer Städte wie Kopenhagen oder Aarhus. Dänemark insgesamt verzeichnete 2024 landesweit rund 467.000 polizeilich registrierte Straftaten (mit Anklage in ca. 163.000 Fällen), was eine relativ stabile oder leicht rückläufige Tendenz zeigt. Auf Fünen konzentriert sich die Kriminalität stark auf Odense als größte Stadt (zirka 40 % der Inselbevölkerung), wo Diebstähle, Einbrüche, Verkehrsdelikte, Drogenbesitz und gelegentliche Gewaltdelikte (Körperverletzung, Raub) am häufigsten vorkommen. Typische Delikte in den ländlicheren Teilen Fünens (Svendborg, Faaborg, Nyborg, Middelfart) sind Einbrüche in Ferienhäuser, Fahrraddiebstähle, Jugendkriminalität (Graffiti, Vandalismus) und vereinzelte Gewalt in Verbindung mit Alkohol oder Partys. Gewaltverbrechen (Mord, schwere Raubüberfälle) sind extrem selten; Fünen gilt als eine der sichersten Regionen Dänemarks.
In den letzten Jahren zeigen lokale Berichte aus Odense und Südfyn (Sydfyn) eine leichte Zunahme bei jugendlicher Bandenkriminalität, Trickdiebstählen und Online-Betrug, aber insgesamt sinken Einbrüche und Gewaltdelikte in vielen Kommunen. Die Aufklärungsquote liegt dänemarkweit bei 40 bis 50 % für Diebstähle und höher bei Gewaltdelikten. Prävention und Gemeindearbeit spielen eine große Rolle: Programme gegen Jugendkriminalität, Kameras in Hotspots und enge Zusammenarbeit zwischen Polizei, Kommunen und Schulen halten die Zahlen niedrig. Besonders im touristischen Südfynischen Inselmeer gibt es saisonale Spitzen (zum Beispiel Diebstähle in Yachthäfen), die aber durch verstärkte Polizeipräsenz kontrolliert werden.
Flagge und Wappen
Das bekannteste inoffizielle Wappen Fünens zeigt drei verbundene goldene Hopfenblätter (humleblade) auf rotem Grund. Dieses Motiv geht auf das Wappen des ehemaligen Fyns Amt (Amt Fünen, 1970 bis 2006) zurück, das drei frühere Amter (Odense, Svendborg und Assens) symbolisierte. Die Hopfenblätter stammen aus einem berühmten Lied von Hans Christian Andersen – „I Danmark er jeg født“ –, in dem er Fünen als „Æblegård og humlehave“ (Apfelhof und Hopfengarten) besingt. Das Motiv unterstreicht die fruchtbare, grüne und landwirtschaftlich reiche Tradition der Insel, die als „Danmarks have“ (Dänemarks Garten) gilt. In älteren Varianten erschienen die Blätter manchmal weiß auf grünem oder schwarzem Grund, doch die rote-goldene Version ist die verbreitetste.
Historisch wurde Fünen in manchen Kontexten mit einem Lindwurm (lindorm) assoziiert – einem gekrönten, goldenen Drachen oder Lindwurm auf rotem oder blauem Grund. Dieser stammt aus mittelalterlichen Titeln dänischer Könige („König der Wenden“), die zeitweise mit Fünen verknüpft wurden, und tauchte später im Wappen des Fynske Livregiment (Funen-Leibregiment) auf. Er gilt jedoch nicht als primäres Insel-Symbol.
Die populärste inoffizielle Flagge Fünens ist ein modernes nordisches Kreuzflaggen-Design: ein rotes skandinavisches Kreuz mit blauen Rändern auf grünem Grund. Die grüne Farbe symbolisiert die fruchtbare, grüne Landschaft und den Ruf als „Danmarks grønne spisekammer“ (Dänemarks grüne Speisekammer), das rote Kreuz greift das dänische Dannebrog auf und betont die dänische Zugehörigkeit, während das Blau die umgebenden Meere (Kleiner und Großer Belt) andeutet. Diese Flagge entstand in den 2010er Jahren als volkstümliches Landsdelsflag (Regionalflagge), ähnlich wie beim Bornholmsflaget oder Vendelbrog, und wird heute in sozialen Medien, bei lokalen Veranstaltungen, von Unternehmen und stolzen Einheimischen gehisst. Sie ist nicht heraldisch streng korrekt (da Farben direkt aneinandergrenzen), wird aber weit verbreitet akzeptiert und produziert (zum Beispliel von Flaggenherstellern wie Aalborg Flagfabrik).
Hauptstadt
Odense ist seit Jahrhunderten das unumstrittene Zentrum und die „Hauptstadt“ der Insel Fünen – sowohl kulturell, wirtschaftlich als auch administrativ. Die Stadt gilt als das natürliche und historische Herz der Insel, ohne dass es je eine offizielle „Hauptstadt-Erhebung“ gab. Odense wurde erstmals 988 urkundlich erwähnt, als es bereits Bischofssitz war (neben Schleswig, Ribe und Aarhus). Seit 1060 ist Odense offiziell Bischofssitz des Fünen-Stifts (Fyens Stift), was der Stadt früh religiöse und administrative Macht verlieh. Im Mittelalter entwickelte sich Odense zu einem religiösen Pilgerzentrum (nach der Heiligsprechung von Knut dem Heiligen 1086) und erhielt 1335 (oder um 1355) Stadtrechte. Ab dem 16. Jahrhundert diente die Stadt mehrmals als Versammlungsort dänischer Parlamente und war bis 1805 Sitz der Provinzialversammlung für Fünen – ein klares Zeichen ihrer Rolle als regionales Machtzentrum.
Vor Odense gab es auf Fünen keine einheitliche „Hauptstadt“ im modernen Sinne. Die Insel war in der Wikingerzeit und im frühen Mittelalter in kleinere Thing-Bezirke und Machtzentren aufgeteilt. Mögliche frühere regionale Zentren waren Orte wie Nonnebakken (eine Wikinger-Ringburg bei Odense, um 980 gegründet) oder andere befestigte Siedlungen, aber keines erreichte die Bedeutung Odenses. Bis ins 19. Jahrhundert war Fünen in mehrere Amter (Verwaltungsbezirke) geteilt: Odense Amt, Svendborg Amt und Assens Amt hatten jeweils eigene Verwaltungssitze (Odense, Svendborg und Assens). Odense war jedoch bereits damals das größte und einflussreichste Zentrum.
Mit der Verwaltungsreform von 1970 wurde Fünen zum Fyns Amt zusammengefasst – dem größten Amt Dänemarks mit 32 (später 31) Kommunen. Odense wurde offiziell Amtssæde (Verwaltungssitz) des neuen Fyns Amt und blieb es bis zur großen Strukturreform 2007. Seit dem 1. Januar 2007 gehört Fünen zur Region Syddanmark (Region Süddänemark), deren Hauptverwaltung in Vejle liegt. Odense verlor damit den formellen Status als Amtshauptstadt, ist aber bis heute das mit Abstand größte und wichtigste Zentrum der Insel und wird umgangssprachlich weiterhin als „Hauptstadt Fünens“ bezeichnet – ein Titel, den sie de facto seit mindestens dem 11. Jahrhundert innehat.
Verwaltungsgliederung
Die Insel Fünen ist in 8 Großgemeinden unterteilt. Das ehemalige Amt Fünen bestand aus 24 bis 32 Gemeinden. Die Gemeinden des Amt Fünen waren mit den Einwohnerzahlen des Jahres 2025:
| Gemeinde | Fläche (km²) | Einwohner | Dichte (E/km²) |
| Assens | 511,6 | 40.469 | 79,10 |
| Faaborg-Midtfyn | 633,6 | 52.284 | 82,52 |
| Kerteminde | 206,3 | 23.949 | 116,1 |
| Middelfart | 298,9 | 40.318 | 134,9 |
| Nordfyn | 452,3 | 29.342 | 64,87 |
| Nyborg | 276,8 | 32.329 | 115,8 |
| Odense | 305,6 | 210.803 | 689,8 |
| Svendborg | 415,4 | 60.001 | 144,4 |
| Fyn (Fünen) | 3.100,5 | 489.495 | 157,88 |
Verwaltungseinheiten:
8 kommuner (Großgemeinden)
145 byområder (Ortschaften)
Bevölkerung
Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 2.984,56 km².
Bevölkerungsentwicklung:
1901 240 359 80,52
1906 248 690 83,31
1911 262 558 87,96
1916 272 267 91,21
1921 285 769 95,74
1925 298 499 100,00
1930 307 961 103,17
1935 318 342 106,65
1940 325 861 109,17
1945 338 014 113,24
1950 356 440 119,41
1955 366 323 122,72
1960 376 872 126,26
1965 389 404 130,45
1970 398 190 133,40
1976 412 450 138,17
1981 418 823 140,34
1986 421 223 141,11
1990 426 106 142,75
1995 434 774 145,65
1996 439 100 147,10
1997 439 200 147,14
1998 439 272 147,16
1999 439 229 147,15
2000 439 608 147,27
2001 439 993 147,40
2002 440 680 147,63
2003 441 795 148,01
2004 443 533 148,59
2005 445 061 149,10
2006 447 060 149,77
2007 449 566 150,61
2008 451 394 151,22
2009 453 700 151,99
2010 454 358 152,21
2011 454 720 152,34
2012 455 236 152,47
2013 458 128 153,48
2014 457 569 153,29
2015 459 635 153,98
2016 462 625 154,98
2017 465 241 155,86
2018 467 352 156,57
2019 469 724 157,36
2020 469 947 157,44
2021 470 880 157,75
2022 473 201 158,53
2023 476 191 159,53
2024 477 131 159,84
2025 478 986 160,46
Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 0,253 % pro Jahr.
Volksgruppen
Im Gegensatz zu Regionen wie Nordschleswig (Sønderjylland), wo eine anerkannte deutsche nationale Minderheit (Nord-Schleswiger Deutsche) lebt, oder Nordfriesland mit der friesischen Volksgruppe, gibt es auf Fünen keine offiziell anerkannten nationalen Minderheiten oder autochthonen ethnischen Gruppen mit historischer Sonderstellung. Die Insel ist seit Jahrhunderten fast ausschließlich von ethnischen Dänen besiedelt, deren Vorfahren aus den nordgermanischen Stämmen (insbesondere den Jüten und den dänischen Stämmen) stammen.
Die Bevölkerung Fünens (ca. 470.000 Einwohner) besteht überwiegend aus Dänen, die die dänische Sprache in ihren regionalen Dialekten sprechen – den sogenannten fynsk (Funen-Dialekten). Diese Dialekte gehören zur insularen Variante des Dänischen und unterscheiden sich in Ost-, Nord-, Süd- und West-Fünen (mit Subdialekten auf Ærø, Langeland oder Tåsinge). Sie bewahren altertümliche Züge wie drei grammatische Geschlechter (maskulin, feminin, neutrum) und sind ein starkes Identitätsmerkmal der Fynboer (Fünen-Bewohner), die sich oft als besonders gemütlich, landwirtschaftlich geprägt und „märchenhaft“ (durch Hans Christian Andersen) sehen.
Historisch gab es auf Fünen keine nennenswerten dauerhaften Siedlungen anderer Volksgruppen. In der Wikingerzeit und im Mittelalter lebten hier vor allem dänische Bauern und Fischer; Wikingergräber und Runensteine zeugen von nordgermanischer Präsenz. Spuren slawischer (wendischer) Einflüsse oder Handelskontakte mit Friesen, Sachsen oder Hanse-Kaufleuten aus Niederdeutschland existierten, blieben aber marginal und führten nicht zu ethnischen Minderheiten. Die deutsche Minderheit Dänemarks konzentriert sich ausschließlich auf Nordschleswig (südlich der Grenze von 1920), wo sie nach den Volksabstimmungen entstand – Fünen lag nie in diesem Grenzstreitgebiet und hatte keine vergleichbare deutsche Bevölkerung.
In der Moderne hat sich durch Einwanderung seit den 1960er und 1970er Jahren eine gewisse Diversität entwickelt, vor allem in der größten Stadt Odense (zirka 40 % der Inselbevölkerung). Hier leben nennenswerte Gruppen von Zuwanderern und deren Nachkommen aus der Türkei, dem Nahen Osten (Syrien, Irak, Iran), Polen, Rumänien, Bosnien, Somalia und anderen Ländern. In Odense gibt es Viertel mit höherem Anteil nicht-westlicher Einwanderer, internationale Restaurants (arabisch, türkisch, vietnamesisch, indisch) und Märkte wie den Bazar Fyn im Osten der Stadt. Diese Gruppen sind jedoch neuere Immigranten (meist seit den 1980er/90er Jahren), keine historischen Volksgruppen. Sie machen landesweit 13 bis 14 % der Bevölkerung aus, auf Fünen etwas weniger als im Großraum Kopenhagen.
Kleinere Spuren alter Migrationen – etwa niederdeutsche Einflüsse durch Handel oder Handwerker im Mittelalter – sind in Ortsnamen, Dialektwörtern oder Familiennamen spürbar, aber nicht als eigenständige Volksgruppe erhalten. Ebenso fehlen friesische Siedlungen auf Fünen; die Nordfriesen leben weiter nördlich an der Westküste Jütlands.
Sprachen
Die dominierende und offizielle Sprache ist Dänisch (dansk), das von fast der gesamten Bevölkerung als Muttersprache gesprochen wird. Fünen gehört zum Gebiet der Insular Danish (ømål), also der insulären dänischen Dialekte, die auf den dänischen Inseln (Fünen, Seeland, Lolland-Falster, Møn und anderen) gesprochen werden und sich vom Jütländischen (jysk) unterscheiden.
Die regionale Variante auf Fünen ist das Fynsk (Fünisch), eine Sammelbezeichnung für die Dialekte der Insel und angrenzender kleinerer Inseln wie Tåsinge, Langeland und Ærø. Fynsk gilt als besonders melodisch und „süß“ – oft wird es in Dänemark als eine der charmantesten und weichsten Dialektvarianten wahrgenommen. Es zeichnet sich durch eine sanfte Intonation aus, weiche Konsonanten und in manchen Varianten eine ausgeprägte Melodie. Typische Merkmale sind:
- Erhaltung von drei grammatischen Geschlechtern (maskulin, feminin, neutrum) bei Substantiven – im Gegensatz zum modernen Standarddänisch (rigsdansk), das nur zwei kennt (gemeinsames und neutrum). Beispiele: „en mand“ (ein Mann, maskulin), „en kone“ (eine Frau, feminin), „et hus“ (ein Haus, neutrum). In der bestimmten Form enden sie oft mit -i (hankøn), -en (hunkøn) oder -et (intetkøn), zum Beispiel „katti“ (die Katze), „hunni“ (der Hund).
- Unterschiedliche Entwicklung langer Vokale: Auf Ost- und Südfynsk werden lange e, ø, æ zu Diphthongen wie ie, ye, eæ; auf Westfynsk zu æj, oj, aj. Das lange å variiert zwischen åw, o: oder ue.
- Das „blöde d“ und „blöde g“ (ð und ɣ) werden oft stumm oder stark reduziert (zum Beispiel „gade“ → „ga'e“, „kage“ → „ka'e“), besonders im Westen und Osten; im Süden eher als hartes [d] und [g].
- Weniger oder anders realisiertes stød (der glottale Stoß) als im Standarddänisch – in Teilen Süd-Fünens sogar durch einen Tonakzent (pitch accent) ersetzt, ähnlich wie in Schwedisch oder Norwegisch.
- Viele Wörter werden auf Westfynsk zu ein- statt zweisilbigen Formen zusammengezogen (zum Beispiel „nye“ zu „nyj“, „bide“ zu „bij“).
Innerhalb Fünens werden meist vier Hauptvarianten unterschieden: Østfynsk (Ostfünen, um Odense), Nordfynsk, Sydfynsk (Südfünen, um Svendborg und Faaborg) und Vestfynsk (Westfünen, um Middelfart und Assens), mit Unterdialekten wie tåsingsk, langelandsk oder ærøsk auf den kleineren Inseln. Vestfynsk zeigt oft Ähnlichkeiten zu jütländischen Dialekten, während Østfynsk stärker an seeländische (sjællandsk) erinnert.
In der Alltagssprache dominiert heute Standarddänisch (rigsdansk) mit regionaler Färbung – besonders in Städten wie Odense, bei jüngeren Menschen, in Medien, Schule und Beruf. Der klassische Fynsk-Dialekt mit drei Geschlechtern und altertümlichen Formen ist vor allem bei älteren Landbewohnern erhalten, wurde aber seit den 1950er/60er Jahren durch Schulen, Medien und Mobilität stark zurückgedrängt. Dennoch lebt Fynsk bei jungen Leuten weiter – oft bewusst als Identitätsmarker, für Spaß („grineri“, „sjaw“), in informellen Situationen oder als Gegenstück zu englischem Slang. Es wird in sozialen Medien, unter Freunden oder in der Familie gepflegt und gilt als cooles, alternatives Element im Alltag.
Neben Dänisch/Fynsk sprechen viele Einwohner – besonders in Odense – Englisch sehr gut (Dänemark ist eines der englischstärksten Länder Europas außerhalb des englischsprachigen Raums). Deutsch wird in Schulen gelehrt und ist touristisch nützlich, wird aber selten fließend gesprochen. Durch Einwanderung (vor allem in Odense) gibt es Haushalte mit Türkisch, Arabisch, Persisch, Polnisch, Rumänisch oder Somalisch als Familiensprachen, doch diese sind Minderheitensprachen ohne regionale Dominanz.
Religion
Das religiöse Leben auf Fünen ist wie im Rest Dänemarks stark von der Evangelisch-Lutherischen Volkskirche (Folkekirken) geprägt – der traditionellen Staatskirche des Landes, die seit der Reformation 1536 die dominierende Konfession darstellt. Fünen bildet dabei das Fyens Stift (Diözese Fünen), eines der zehn Stifte der Folkekirche, mit Sitz in Odense (St. Knuds Domkirke als Kathedrale). Stand 1. Januar 2025 leben im Gebiet des Fyens Stift 507.349 Einwohner, von denen 386.549 (76,2 %) Mitglieder der Folkekirche sind – ein Wert, der etwas über dem landesweiten Durchschnitt von 70,7 % liegt (gesamt Dänemark: 4.234.315 Mitglieder bei 5.992.734 Einwohnern). Der Mitgliederanteil sinkt langsam, aber stetig, wie überall in Dänemark: Viele Dänen bleiben formell Mitglied (wegen Kirchensteuer, Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen), praktizieren aber kaum aktiv – nur ein kleiner Teil besucht regelmäßig Gottesdienste.
Historisch war Fünen seit dem frühen Mittelalter christlich: Odense wurde bereits um 988 Bischofssitz und entwickelte sich durch die Heiligsprechung von Knut dem Heiligen (1086) zu einem wichtigen Pilgerort. Die Reformation führte 1536 zur Umwandlung in eine lutherische Landeskirche; viele mittelalterliche Kirchen (insgesamt 251 im Stift) blieben erhalten und sind bis heute aktiv. Die Insel hat eine reiche Kirchenlandschaft: gotische Backsteinkirchen, Dorfkirchen mit Fresken, Schlösser mit Schlosskapellen und moderne Bauten. Besonders Odense mit der imposanten St. Knuds Kirke (Dom) und vielen historischen Kirchen symbolisiert diese Tradition.
Neben der Folkekirche gibt es auf Fünen keine großen anderen christlichen Denominationen in nennenswerter Zahl – Katholiken, Baptisten, Methodisten oder Freikirchen sind marginal und konzentrieren sich meist auf Odense oder Svendborg durch Einwanderer oder kleine Gemeinden. Andere Religionen sind ebenfalls schwach vertreten: Muslime (größte Minderheit in Dänemark insgesamt rund 5 %) leben vor allem in urbanen Zentren wie Odense (durch Immigration aus Türkei, Nahost, Somalia und andere Gebietee), wo es Moscheen oder Gebetsräume gibt, aber keine großen repräsentativen Bauten wie in Kopenhagen. Juden, Buddhisten, Hindus oder andere Gruppen sind numerisch unbedeutend und meist in der Hauptstadtregion angesiedelt.
Islam
Der Islam auf der Insel Fünen ist eine relativ junge und zahlenmäßig kleine Minderheitsreligion, die vor allem durch Einwanderung seit den 1970er und 1980er Jahren entstanden ist. Wie im restlichen Dänemark stammt die muslimische Bevölkerung hauptsächlich aus Ländern wie der Türkei, dem Nahen Osten (Syrien, Irak, Libanon, Palästina), Pakistan, Somalia, Afghanistan, Bosnien und anderen muslimisch geprägten Staaten, ergänzt durch eine kleine Zahl dänischer Konvertiten. Fünen ist keine Hochburg des Islams – im Gegensatz zu Kopenhagen (wo fast die Hälfte aller dänischen Muslime lebt) oder Aarhus –, sondern eine eher dezentrale, urbane Konzentration in Odense.
Schätzungen für Dänemark insgesamt gehen von etwa 300.000 bis 350.000 Muslimen aus (5 bis 6 % der Bevölkerung), wobei genaue Zahlen fehlen, da Religion nicht statistisch erfasst wird. Auf Fünen liegt der Anteil deutlich niedriger: Etwa 5 bis 6 % der Einwohner Odenses (also 9.000 bis 11.000 Personen) haben muslimischen Hintergrund, was landesweit etwa 5,5 % aller dänischen Muslime entspricht. Die Mehrheit sind Sunniten; schiitische oder andere Strömungen sind marginal. Die muslimische Gemeinde ist vielfältig: türkisch, arabisch, somalisch, bosnisch usw., mit unterschiedlichen kulturellen Praktiken.
Das Zentrum des Islams auf Fünen ist Odense, wo die meisten Muslime leben – vor allem in Vierteln wie Vollsmøse (ein bekanntes soziales Brennpunktgebiet mit hohem Einwandereranteil) oder anderen östlichen und südlichen Stadtteilen. Die größte und wichtigste Moschee ist Det Islamiske Trossamfund på Fyn (Das Islamische Glaubensgemeinschaft auf Fünen), auch bekannt als WAKF oder Moskéen i Odense. Sie liegt in Ørbækvej 274, Odense SØ, und gilt als die größte Moschee auf Fünen. Hunderte Besucher nutzen sie wöchentlich für Gebete, Freitagsgebete (Jumu'ah), Ramadan-Aktivitäten, Koranunterricht, Hochzeiten, Scheidungsberatung, Beerdigungen und Konvertitenkurse. Die Gemeinde betreibt eine eigene Website mit Gebetszeiten, Mitgliedschaft und Dienstleistungen und positioniert sich als Ort für ein „sinnvolles Verhältnis zu Gott“. Weitere kleinere Moscheen oder Gebetsräume in Odense sind zum Beispiel Masjid Al-Noor (Buchwaldsgade) oder Odense Selimiye Camii (türkisch geprägt), aber die WAKF-Moschee ist die repräsentativste und aktivste.
Außerhalb Odenses gibt es keine nennenswerten Moscheen oder islamischen Zentren auf Fünen – in Städten wie Svendborg, Faaborg, Nyborg oder Middelfart existieren höchstens kleine private Gebetsräume oder informelle Treffen in Wohnungen bzw. Häusern. Es gibt einen muslimischen Friedhof in Odense (auf Risingskirkegård oder Møllegårdsmarken), der speziell für islamische Bestattungen genutzt wird und gelegentlich Ziel von Vandalismus war (konkret die Zerstörung von Grabsteinen in den letzten Jahren). Schulen wie die Al-Salam-Schule oder Roser Skolen in Odense bieten islamisch geprägte Bildung (teilweise kontrovers diskutiert), und es gibt Initiativen gegen Vorurteile (zum Beispiel offene Treffen mit Nicht-Muslimen). Die Gemeinde feiert Ramadan, Eid und andere Feste, und es gibt Halal-Lebensmittel in Odense.
Die muslimische Gemeinde auf Fünen ist nicht konfliktfrei. Es gibt Berichte über Alltagsdiskriminierung (zum Beispiel Vorurteile gegen Kopftuchträgerinnen), Debatten um Imame und Predigten (wie in den 2010er Jahren Kontroversen um radikale Stimmen in Vollsmøse), und gelegentliche Vorfälle wie Vandalismus an islamischen Einrichtungen, aber auch durch muslimische Jugendliche. Das Zentrum der Diskussionen ist das Viertel Vollsmøse in Odense – ein so genanntes „udsat boligområde“ (benachteiligtes Wohngebiet) mit hohem Anteil nicht-westlicher Einwanderer und Nachkommen (viele aus Somalia, Syrien, Irak, Türkei, Palästina und andere). Hier leben 9.000 bis 10.000 Menschen, von denen ein signifikanter Teil muslimischen Hintergrunds ist. Typische Probleme, die in Medien (DR, TV2 Fyn, Fyens Stiftstidende) und Politik regelmäßig thematisiert werden, sind hohe Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von Sozialhilfe (oft über 50 % in bestimmten Altersgruppen), Jugendkriminalität (Diebstähle, Bandenbildung, Vandalismus, Schusswaffengebrauch in Einzelfällen), soziale Isolation und Parallelgesellschaften (zum Beispiel mangelnde Dänischkenntnisse bei manchen Familien, geringe Teilnahme an Vereinen oder Freizeitangeboten) und kulturelle Konflikte (unter anderem Debatten um Kopftuch in Schulen, Geschlechtertrennung in Sport oder Schwimmunterricht, islamistische Erziehungsstile).
Im Vergleich zur Folkekirche (die formell dominiert, aber säkular praktiziert wird) ist der Islam auf Fünen eine aktive Minderheitsreligion mit hoher Bindung unter Gläubigen – Freitagsgebete sind gut besucht, und die Moschee dient als soziales und spirituelles Zentrum. Dennoch bleibt sie zahlenmäßig klein und regional konzentriert: Fünen ist keine „islamische Hochburg“, sondern ein Ort, an dem der Islam als Teil der multikulturellen Realität Odenses existiert – tolerant, aber gelegentlich polarisiert diskutiert, wie in ganz Dänemark.
Judentum
Das Judentum auf Fünen ist historisch bedeutsam, aber heute nur noch in sehr geringem Umfang präsent – eine kleine, fast erloschene Spur einer einst lebendigen, wenn auch winzigen jüdischen Gemeinde. Im Gegensatz zur muslimischen Gemeinde, die durch neuere Einwanderung wächst, ist das jüdische Leben auf Fünen fast vollständig in die Vergangenheit gerückt. Die jüdische Bevölkerung Dänemarks insgesamt wird auf rund 6.000 bis 8.000 Personen geschätzt (Stand 2025/2026), von denen die überwiegende Mehrheit in Kopenhagen und Umgebung lebt. Auf Fünen gibt es keine aktive jüdische Gemeinde mehr, keine Synagoge in Betrieb und keine nennenswerte Zahl praktizierender Juden – die Insel gehört zu den Regionen, in denen das jüdische Leben nach dem Holocaust und durch Abwanderung fast vollständig verschwand.
Historisch begann die jüdische Präsenz auf Fünen Ende des 17. Jahrhunderts, als erste jüdische Familien (meist aus Deutschland, Polen oder anderen Teilen Dänemarks) als Händler und Kaufleute in die größeren Städte zogen. In Odense siedelten sich die ersten Juden um 1791 an – hauptsächlich portugiesische und sephardische oder aschkenasische Kaufleute, die von der liberalen dänischen Politik unter Christian VII. und Friedrich VI. profitierten. Die kleine Gemeinde wuchs langsam: 1805 erhielten die Odense-Juden die Erlaubnis, eine Synagoge (eigentlich eine Betstube) in einem Privathaus in der Overgade 28 einzurichten – ein unscheinbares Gebäude, das bis in die 1840er/50er Jahre genutzt wurde. 1825 folgte die Genehmigung für einen jüdischen Friedhof nahe der Assistenskirkegården (heute Teil des städtischen Friedhofs), der bis heute existiert und einige alte Grabsteine mit hebräischen Inschriften bewahrt.
Die Gemeinde blieb klein – maximal 50 bis 100 Personen in Odense um 1800 bis 1850 –, bestand aus Händlern, Textil- und Tabakwarenverkäufern und einigen Handwerkern. Es gab auch antisemitische Vorfälle: 1819 ereignete sich in Odense die sogenannte „korporlige jødefejde“ (körperliche Judenfehde), ein Pogrom-ähnlicher Aufruhr mit Gewalt gegen jüdische Häuser und Geschäfte, ausgelöst durch Gerüchte und wirtschaftliche Konkurrenz. Trotzdem blieb Dänemark insgesamt tolerant: Die Judenemanzipation 1814 und die volle Gleichberechtigung 1849 ermöglichten Integration. Viele Familien assimilierten sich schnell – heirateten außerhalb, konvertierten oder wanderten ab.
Im 20. Jahrhundert schrumpfte die Gemeinde weiter: Viele zogen nach Kopenhagen, wo das jüdische Leben zentralisiert war (Große Synagoge in Krystalgade). Während des Holocausts 1943 wurde die Rettung der dänischen Juden (darunter die wenigen auf Fünen) ein Symbol der Solidarität – fast alle wurden nach Schweden evakuiert. Nach 1945 kehrten nur wenige zurück; die Synagoge in Odense wurde aufgegeben (das Gebäude existiert noch, ist aber profaniert und heute ein Wohn- oder Geschäftshaus). Der Friedhof in Odense blieb erhalten, wird aber selten genutzt und steht unter Denkmalschutz.
Heute gibt es auf Fünen keine Synagoge, keine Minjan (Gebetsquorum) und keine organisierte Gemeinde. Das jüdische Erbe lebt vor allem in Museen und Ausstellungen weiter: Das Dansk Jødisk Museum in Kopenhagen widmet sich der 400-jährigen Geschichte, inklusive Fünen; temporäre Ausstellungen wie „Dansk-jødisk liv i 400 år“ (2023 in Historiens Hus, Odense) beleuchteten lokale Figuren und Orte. Der jüdische Friedhof in Odense (mit 100 bis 150 Gräbern) ist das greifbarste Relikt – ein stiller Ort mit alten Steinen, der gelegentlich besucht wird. Es gibt keine aktiven Rabbiner, keine koscheren Einrichtungen und keine jüdischen Schulen oder Zentren auf der Insel.
Antisemitismus ist auf Fünen kein großes Thema (im Gegensatz zu Kopenhagen, wo 2024/2025 Rekordzahlen an Vorfällen gemeldet wurden), doch die allgemeine dänische Debatte um steigenden Antisemitismus (nach dem 7. Oktober 2023) wirkt sich auch hier aus – durch Sensibilisierung in Schulen und Medien. Die jüdische Präsenz ist symbolisch: ein Teil der dänischen Toleranzgeschichte, die Rettung 1943 und die Integration, aber keine lebendige Gemeinde mehr.
Neuheidentum
Eine der auffälligsten Facetten der religiösen Landschaft auf der ansonsten stark säkularen und lutherisch geprägten Insel Fünen ist das Manheim (auch bekannt als Valheim Hof oder Odins Hov), ein moderner heidnischer Tempel („Hof“) in Korinth, einer kleinen Ortschaft in der Kommune Faaborg-Midtfyn im Süden Fünens. Seit seiner Eröffnung 2016 gilt Manheim als das erste heidnische Hof in Dänemark seit dem Mittelalter – ein markantes Zeichen für die Wiederbelebung der vorchristlichen nordischen Religion (Ásatrú/Forn Siðr) in der Gegenwart.
Das Projekt geht auf die Initiative des dänischen Designers, Künstlers und Fotografen Jim Lyngvild zurück, einem prominenten Vertreter der modernen heidnischen Bewegung in Dänemark. Lyngvild, der selbst als Praktizierender der Heathenry (germanisch-nordische Heidentum) gilt, ließ den Hof auf seinem Privatgelände errichten – direkt neben seinem eigenen Wohnsitz Ravnsborg, einem architektonisch im Wikingerstil gestalteten Anwesen, das wie eine mittelalterliche Burg anmutet. Der Bau des 12 Meter hohen Tempels dauerte nur drei Wochen und wurde Ende März 2016 abgeschlossen. Das Gebäude misst 6 mal 13 Meter Grundfläche und ist aus Holz und traditionellen Materialien errichtet, um eine authentische Atmosphäre zu schaffen.
Das Design des Manheim ist bewusst archäologisch inspiriert: Es orientiert sich eng an den Ausgrabungsfunden des Uppåkra-Tempels aus dem 7. Jahrhundert in Schonen (Südschweden), einem der wichtigsten vorchristlichen Kultstätten Skandinaviens. Der Hof ist den nordischen Göttern Odin, Thor und Frigg geweiht – zentrale Figuren der Æsir-Familie, die für Weisheit, Krieg, Donner und Fruchtbarkeit stehen. Lyngvild betonte von Anfang an, dass es sich nicht um ein touristisches Spielplatzprojekt handelt, sondern um einen echten sakralen Raum mit göttlichem Status, der die alten Traditionen ehren und in der modernen dänischen Kultur wiederbeleben soll.
Die offizielle Einweihung am 30. Mai 2016 war hochkarätig und kontrovers: Die damalige Parlamentssprecherin Pia Kjærsgaard (Dansk Folkeparti) durchschnitt das Band, und die Integrationsministerin Inger Støjberg (Venstre) taufte den Hof in einer traditionellen Bier-Zeremonie offiziell auf den Namen Manheim („Heim der Menschen“ oder „Menschenheim“). Diese Beteiligung prominenter Politikerinnen löste heftige Kritik aus, insbesondere vom ehemaligen Bischof von Aarhus, Kjeld Holm, der es als „grotesk“ bezeichnete – er argumentierte, dass eine vergleichbare Unterstützung für eine Moschee oder andere Minderheitenreligionen undenkbar wäre. Die Kontroverse unterstrich die Spannung zwischen der dänischen Toleranztradition und der Wahrnehmung des Neopaganismus als etwas Exotisches oder Provokatives.
Manheim dient seither als Versammlungsort und Kultstätte für Anhänger von Ásatrú und Forn Siðr – der dänischen Variante der Wiederbelebung der nordischen Mythologie und Rituale. Es ist Teil der landesweiten Organisation Forn Siðr – Ásatrú og Vanatrú i Danmark, die seit den 1990er Jahren existiert und als offizielle Religionsgemeinschaft anerkannt ist. Der Hof ist jedoch Privatbesitz von Jim Lyngvild und in der Regel nicht öffentlich zugänglich – Besuche sind nur auf Einladung oder bei speziellen Veranstaltungen möglich. Er steht symbolisch für die kleine, aber wachsende neopagane Szene in Dänemark, die sich auf alte Quellen (Eddas, Sagas) beruft, aber zeitgenössische Werte wie Toleranz, Naturverbundenheit und Geschlechtergleichheit integriert.
Siedlungen
Die Einwohnerzahlen der Gemeinden entwickelten sich wie f olgt:
| Gemeinde | S 2006 | S 2011 | S 2916 | S 2021 | S 2025 |
| Assens | 41.369 | 41.635 | 41.224 | 40.867 | 40.469 |
| Faaborg-Midtfyn | 51.144 | 51.926 | 51.236 | 51.683 | 52.284 |
| Kerteminde | 23.239 | 23.758 | 23.880 | 23.847 | 23.949 |
| Middelfart | 36.417 | 37.701 | 37.913 | 39.116 | 40.318 |
| Nordfyn | 28.876 | 29.507 | 29.298 | 29.549 | 29.342 |
| Nyborg | 31.208 | 31.499 | 31.886 | 31.933 | 32.329 |
| Odense | 186.595 | 190.245 | 198.972 | 205.509 | 210.803 |
| Svendborg | 58.506 | 58.713 | 58.228 | 58.588 | 60.001 |
Die Ortschaften der Insel mit mehr als 200 Einwohnern sind:
| Ortschaft | Gemeinde | S 2006 | S 2011 | S 2016 | S 2021 | S 2025 |
| Aarup | Assens | 2.731 | 3.014 | 3.146 | 3.233 | 3.237 |
| Årslev | Faaborg-Midtfyn | 3.242 | 3.638 | 3.722 | 4.113 | 4.447 |
| Assens | Assens | 5.965 | 6.060 | 6.110 | 6.060 | 5.952 |
| Aunslev | Nyborg | 423 | 399 | 420 | 398 | 387 |
| Åstrup | Faaborg-Midtfyn | 224 | 206 | 203 | 213 | 208 |
| Åsum | Odense | 259 | 260 | 360 | 499 | 503 |
| Bellinge | Odense | 4.176 | 4.505 | 4.632 | 5.202 | 5.877 |
| Birkende | Kerteminde | 560 | 578 | 567 | 655 | 680 |
| Bjerreby | Svendborg | 361 | 353 | 349 | 353 | 337 |
| Blans | Sønderborg | 516 | 531 | 510 | 517 | 489 |
| Blommenslyst | Odense | 324 | 474 | 554 | 530 | 544 |
| Bogense | Nordfyn | 3.499 | 3.679 | 3.751 | 3.976 | 4.019 |
| Bøjden | Faaborg-Midtfyn | 330 | 316 | 287 | 281 | 275 |
| Brændekilde | Odense | 299 | 314 | 312 | 332 | 304 |
| Bredbjerg | Nordfyn / Odense | 237 | 247 | 231 | 224 | 235 |
| Brenderup | Middelfart | 1.324 | 1.366 | 1.423 | 1.399 | 1.486 |
| Brobyværk | Faaborg-Midtfyn | 1.042 | 1.024 | 1.042 | 1.055 | 1.071 |
| Brylle | Assens | 1.153 | 1.183 | 1.233 | 1.285 | 1.306 |
| Dalby | Kerteminde | 379 | 362 | 338 | 308 | 295 |
| Davinde | Odense | 236 | 223 | 221 | 241 | 244 |
| Diernæs | Faaborg-Midtfyn | 292 | 306 | 301 | 298 | 296 |
| Ejby | Middelfart | 1.962 | 1.978 | 1.978 | 2.153 | 2.154 |
| Ejlstrup | Odense | 1.098 | 1.320 | 1.330 | 1.323 | 1.266 |
| Ellinge | Nyborg | 229 | 235 | 241 | 229 | 224 |
| Espe | Faaborg-Midtfyn | 541 | 546 | 532 | 509 | 492 |
| Faaborg | Faaborg-Midtfyn | 7.234 | 7.178 | 7.178 | 6.966 | 6.763 |
| Faldsled | Faaborg-Midtfyn | 583 | 544 | 538 | 513 | 485 |
| Fangel | Odense | 472 | 463 | 470 | 452 | 447 |
| Ferritslev | Faaborg-Midtfyn | 973 | 974 | 978 | 1.037 | 1.043 |
| Fjelsted | Middelfart | 316 | 303 | 295 | 305 | 306 |
| Flemløse | Assens | 674 | 639 | 623 | 601 | 581 |
| Fraugde | Odense | 997 | 1.764 | 1.898 | 2.093 | 2.009 |
| Frørup | Nyborg | 440 | 430 | 427 | 392 | 377 |
| Gelsted | Middelfart / Assens | 1.651 | 1.684 | 1.705 | 1.728 | 1.713 |
| Gislev | Faaborg-Midtfyn | 1.375 | 1.337 | 1.273 | 1.270 | 1.238 |
| Glamsbjerg | Assens | 3.116 | 3.227 | 3.217 | 3.293 | 3.322 |
| Grønnemose | Assens | 370 | 400 | 386 | 361 | 400 |
| Gudbjerg | Svendborg | 471 | 504 | 478 | 477 | 472 |
| Gudme | Svendborg | 926 | 935 | 922 | 911 | 906 |
| Haarby | Assens | 2.386 | 2.494 | 2.462 | 2.477 | 2.533 |
| Harndrup | Middelfart | 619 | 652 | 638 | 616 | 605 |
| Hårslev | Nordfyn | 358 | 356 | 372 | 361 | 354 |
| Håstrup | Faaborg-Midtfyn | 394 | 370 | 351 | 343 | 331 |
| Heden | Faaborg-Midtfyn | 208 | 222 | 223 | 221 | 218 |
| Herringe | Faaborg-Midtfyn | 212 | 219 | ... | 201 | 214 |
| Hesselager | Svendborg | 847 | 900 | 876 | 867 | 828 |
| Hillerslev | Faaborg-Midtfyn | ... | ... | ... | ... | 200 |
| Hjulby | Nyborg | 444 | 418 | 394 | 397 | 387 |
| Holmstrup | Odense | 251 | 262 | 244 | 226 | 222 |
| Horne | Faaborg-Midtfyn | 843 | 946 | 850 | 844 | 837 |
| Hundstrup | Svendborg | 216 | 240 | 235 | 256 | 239 |
| Jordløse | Assens | 338 | 334 | 343 | 331 | 318 |
| Kappendrup | Nordfyn | 281 | 287 | 285 | 280 | 261 |
| Kauslunde | Middelfart | 567 | 552 | 565 | 514 | 494 |
| Kerteminde | Kerteminde | 5.775 | 5.698 | 5.963 | 6.008 | 6.128 |
| Kertinge | Kerteminde | ... | 257 | 226 | 258 | 267 |
| Kirkeby | Svendborg | 585 | 602 | 581 | 588 | 565 |
| Korinth | Faaborg-Midtfyn | 1.081 | 1.102 | 1.044 | 1.001 | 902 |
| Krarup | Faaborg-Midtfyn | ... | 218 | 202 | ... | 203 |
| Kværndrup | Faaborg-Midtfyn | 1.569 | 1.628 | 1.673 | 1.737 | 1.680 |
| Landet | Svendborg | 239 | 268 | 283 | 296 | 287 |
| Langeskov | Kerteminde | 3.809 | 4.023 | 4.028 | 4.152 | 4.456 |
| Lumby | Odense | 676 | 778 | 788 | 797 | 818 |
| Lundby | Svendborg | 288 | 283 | 294 | 275 | 271 |
| Lunde | Nordfyn | 405 | 368 | 387 | 331 | 338 |
| Lundeborg | Svendborg | 445 | 418 | 426 | 436 | 431 |
| Marslev | Kerteminde | 535 | 664 | 702 | 693 | 695 |
| Mesinge | Kerteminde | 325 | 347 | 313 | 314 | 327 |
| Middelfart | Middelfart | 13.645 | 14.781 | 15.044 | 15.986 | 16.749 |
| Millinge | Faaborg-Midtfyn | 517 | 547 | 504 | 512 | 498 |
| Morud | Nordfyn | 1.332 | 1.658 | 1.685 | 1.828 | 1.976 |
| Munkebo | Kerteminde | 5.387 | 5.611 | 5.629 | 5.536 | 5.423 |
| Måre | Nyborg | 499 | 590 | 594 | 562 | 521 |
| Nyborg | Nyborg | 16.043 | 16.492 | 17.008 | 17.415 | 17.990 |
| Næsbyhoved-Broby | Odense | 1.187 | 1.458 | 1.514 | 1.518 | 1.548 |
| Nørre Aaby | Middelfart | 2.786 | 2.877 | 2.926 | 2.979 | 3.196 |
| Nørre Broby | Faaborg-Midtfyn | 1.466 | 1.480 | 1.454 | 1.490 | 1.456 |
| Nørre Lyndelse | Faaborg-Midtfyn | 1.756 | 1.945 | 1.948 | 2.156 | 2.337 |
| Nørre Søby | Faaborg-Midtfyn | 763 | 843 | 862 | 919 | 893 |
| Odense | Odense | 165.759 | 167.615 | 175.245 | 180.760 | 185.480 |
| Ollerup | Svendborg | 1.230 | 1.359 | 1.394 | 1.482 | 1.586 |
| Ørsted | Assens | 232 | 223 | 221 | 230 | 236 |
| Østrup | Nordfyn | ... | 267 | 255 | 266 | 258 |
| Otterup | Nordfyn | 4.613 | 4.892 | 5.083 | 5.227 | 5.263 |
| Oure | Svendborg | 517 | 535 | 535 | 517 | 497 |
| Over Holluf | Odense | 1.342 | 1.526 | 1.552 | 1.578 | 1.488 |
| Ørbæk | Nyborg | 1.540 | 1.533 | 1.596 | 1.660 | 1.752 |
| Rantzausminde | Svendborg | 1.809 | 1.887 | 1.907 | 1.964 | 2.220 |
| Refsvindinge | Nyborg | 568 | 576 | 570 | 561 | 566 |
| Revninge | Kerteminde | 229 | 212 | 249 | 220 | 218 |
| Ringe | Faaborg-Midtfyn | 5.054 | 5.547 | 5.836 | 6.244 | 6.822 |
| Røjle | Middelfart | 242 | 275 | 256 | 240 | 234 |
| Rolsted | Faaborg-Midtfyn | 358 | 427 | 445 | 469 | 482 |
| Rønninge | Kerteminde | 257 | 253 | 258 | 276 | 249 |
| Rynkeby | Kerteminde | 591 | 623 | 616 | 595 | 589 |
| Ryslinge | Faaborg-Midtfyn | 1.760 | 1.801 | 1.735 | 1.768 | 1.989 |
| Sankt Klemens | Odense | 2.666 | 2.553 | 2.905 | 3.214 | 3.183 |
| Særslev | Nordfyn | 690 | 746 | 776 | 745 | 818 |
| Seden Strand | Odense | 330 | 325 | 339 | 317 | 327 |
| Skalbjerg | Assens | 618 | 658 | 622 | 608 | 575 |
| Skallebølle | Assens / Odense | 658 | 679 | 692 | 699 | 712 |
| Skamby | Nordfyn | 441 | 446 | 461 | 437 | 447 |
| Skårup | Svendborg | 1.492 | 1.698 | 1.797 | 1.795 | 1.917 |
| Skellerup | Nyborg | 372 | 374 | 352 | 334 | 351 |
| Skrækkenborg | Kerteminde | ... | 280 | 280 | 268 | 274 |
| Snave | Assens | 246 | 277 | 231 | 218 | 212 |
| Søllinge | Faaborg-Midtfyn | 210 | 232 | 229 | 224 | 236 |
| Søndersø | Nordfyn | 2.890 | 3.068 | 3.112 | 3.319 | 3.327 |
| Stenstrup | Svendborg | 1.660 | 1.735 | 1.697 | 1.784 | 1.761 |
| Strib | Middelfart | 4.387 | 4.365 | 4.492 | 4.817 | 5.280 |
| Svendborg | Svendborg | 27.199 | 27.009 | 27.074 | 27.054 | 27.616 |
| Svindinge | Nyborg | 292 | 294 | 293 | 303 | 284 |
| Tarup | Faaborg-Midtfyn | 246 | 316 | 297 | 277 | 267 |
| Tårup | Nyborg | 306 | 307 | 296 | 294 | 283 |
| Thurø By | Svendborg | 3.377 | 3.383 | 3.223 | 3.266 | 3.390 |
| Tommerup | Assens | 1.628 | 1.618 | 1.601 | 1.558 | 1.567 |
| Tommerup Stationsby | Assens | 2.180 | 2.401 | 2.418 | 2.491 | 2.469 |
| Troense | Svendborg | 1.151 | 1.159 | 1.136 | 1.221 | 1.433 |
| Turup | Assens | 338 | 343 | 337 | 343 | 302 |
| Uge | Aabenraa | 250 | 241 | 233 | 237 | 238 |
| Uggerslev | Nordfyn | 391 | 368 | 365 | 365 | 351 |
| Ulbølle | Svendborg | 610 | 632 | 607 | 556 | 582 |
| Ullerslev | Nyborg | 2.722 | 2.772 | 2.770 | 2.685 | 2.714 |
| Veflinge | Nordfyn | 899 | 841 | 870 | 858 | 859 |
| Vejle | Faaborg-Midtfyn | 1.061 | 1.120 | 1.083 | 1.076 | 1.092 |
| Vejstrup | Svendborg | 432 | 427 | 434 | 423 | 407 |
| Verninge | Assens | 771 | 741 | 766 | 779 | 757 |
| Vester Åby | Faaborg-Midtfyn | 915 | 896 | 854 | 817 | 793 |
| Vester Hæsinge | Faaborg-Midtfyn | 429 | 416 | 411 | 430 | 403 |
| Vester Skerninge | Svendborg | 1.042 | 1.045 | 1.093 | 1.108 | 1.105 |
| Vindeby | Svendborg | 2.234 | 2.321 | 2.304 | 2.333 | 2.327 |
| Vindinge | Nyborg | 426 | 428 | 434 | 453 | 474 |
| Vissenbjerg | Assens | 3.074 | 3.130 | 3.204 | 3.214 | 3.251 |
Odense ist nicht nur die mit großem Abstand größte Stadt auf Fünen, sondern auch die drittgrößte Dänemarks nach Kopenhagen und Aarhus. Die Stadt liegt zentral auf der Insel und ist seit Jahrhunderten das kulturelle, wirtschaftliche und administrative Zentrum der Region. Odense ist vor allem als Geburtsort von Hans Christian Andersen weltberühmt – das H.C. Andersen Hus und das Kindheitsheim sind Top-Attraktionen, die jährlich Hunderttausende Besucher anziehen. Die Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Gassen, dem gotischen Dom St. Knuds Kirke (aus dem 14. Jahrhundert) und den vielen Fachwerkhäusern vermittelt ein märchenhaftes Flair. Moderne Odense ist jedoch eine lebendige Universitätsstadt mit über 20.000 Studierenden an der Syddansk Universitet, einem dynamischen Stadtzentrum mit Shoppingmeilen wie Vestergade und Brandts Passage, Streetfood-Hallen, Theatern und Festivals (zum Beispiel Heartland oder Odense International Film Festival). Die Stadt verbindet gekonnt Geschichte mit Gegenwart: alte Kanäle und Parks wechseln sich mit innovativer Architektur ab, und die grünen Vororte sowie das Umland laden zu Radtouren ein. Odense ist das pulsierende Herz Fünens – urban, kreativ und zugleich gemütlich dänisch.
Otterup liegt nördlich von Odense. Es handelt sich um eine wachsende Vorort- und Pendlergemeinde mit guter Infrastruktur, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten. Otterup ist eher modern und funktional, mit grünen Wohngebieten und Nähe zur Natur – typisch für viele kleinere fünische Orte, die vom Großraum Odense profitieren.
Nyborg liegt östlich von Odense an der Großen Belt und ist historisch eine der wichtigsten Städte Dänemarks. Die mittelalterliche Nyborg Slot (erbaut um 1170, eine der ältesten königlichen Burgen des Landes) war einst zentraler Versammlungsort dänischer Könige und Schauplatz der Dänischen Reichsversammlung von 1282, bei der die erste dänische Verfassung (Handfæstning) entstand. Die Burg ist heute ein Museum und Wahrzeichen. Die Stadt selbst ist kompakt und übersichtlich, mit einer hübschen Fußgängerzone, alten Fachwerkhäusern und dem Hafen, von dem aus die Große-Belt-Brücke nach Seeland führt. Nyborg ist ein ruhiger, traditionsbewusster Ort mit guter Infrastruktur, der als Tor zwischen Fünen und Seeland dient – ideal für Tagesausflügler und Geschichtsinteressierte.
Ringe liegt zentral-südlich von Odense und ist eine typische Binnenstadt mit ländlichem Charme. Bekannt ist Ringe vor allem durch das Fåborg-Ringe Jernbane (historische Museumsbahn) und das große Gefängnis (ehemals Zuchthaus). Die Stadt hat eine lebendige Einkaufsstraße, Parks und dient als regionales Zentrum für das Umland – ruhig, praktisch und gut angebunden.
Middelfart liegt im Nordwesten Fünens direkt am Kleinen Belt und ist bekannt für seine Brücken: die alte Lillebæltsbro (Hängebrücke von 1935) und die moderne Autobahnbrücke verbinden Fünen mit Jütland. Die Stadt hat einen malerischen Hafen, alte Werften und ein maritimes Museum. Middelfart ist relativ jung gewachsen, wirkt modern und familienfreundlich, mit schönen Stränden, Waldgebieten und dem Hindsgavl Slot in der Nähe. Die Stadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und bietet eine entspannte Atmosphäre – perfekt für Radfahrer und Naturliebhaber, die die Belt-Landschaft erkunden wollen.
Assens liegt im Westen am Kleinen Belt und ist eine ruhige Hafenstadt mit historischer Bedeutung als Fährort. Die Altstadt mit alten Gassen, dem Assens Kirke und dem Hafen wirkt beschaulich. Assens ist bekannt für seine Nähe zu Ærø (Fährverbindung) und die schöne Küstenlandschaft – ein Ort für Ruhesuchende und Radfahrer.
Svendborg befindet sich im Süden Fünens am Svendborgsund und gilt als Tor zum Südfynischen Inselmeer mit seinen Hunderten kleiner Inseln. Die Stadt ist eine charmante Hafenstadt mit maritimem Flair, einer langen Tradition als Werft- und Handelsort und heute ein Zentrum für Segelsport, Yachthäfen und Fährverbindungen zu Ærø, Langeland und Tåsinge. Die Altstadt mit ihren bunten Häusern, engen Gassen und dem alten Rathaus strahlt typisch dänische Idylle aus. Svendborg ist bekannt für seine lebendige Kulturszene, das Svendborg Museum, das Willemoesgården (ein altes Kaufmannshaus) und das Sommertheater am Hafen. Die Stadt profitiert von ihrer Lage: direkt vor der Haustür liegen die Inseln, Kliffs wie Ristinge Klint und Wanderwege im Naturschutzgebiet. Svendborg wirkt entspannt, leicht alternativ und sehr naturverbunden – ein beliebter Ort für Dänen, die das maritime Leben suchen.
Faaborg ist eine kleine, malerische Hafenstadt im Südwesten Fünens mit einer der best erhaltenen Altstädte der Insel. Die Stadtmauerreste, das alte Tor Vesterport und bunte Kaufmannshäuser aus dem 18. Jahrhundert prägen das Bild. Faaborg war einst ein bedeutender Handelsort und hat heute ein charmantes Flair mit Kunstgalerien, dem Faaborg Museum (mit Werken der „Fünen-Maler“) und dem idyllischen Hafen, von dem Fähren nach Ærø und den Südfynischen Inseln ablegen. Die Umgebung mit Hügeln, Obstgärten und Stränden macht Faaborg zu einem der romantischsten Orte Fünens.
Kerteminde im Nordosten ist eine der malerischsten Küstenstädte Fünens mit dem Beinamen „Perle des Nordens“. Der alte Fischerhafen mit bunten Booten, das romantische Viertel mit gelben und roten Häusern und die Strände machen Kerteminde zu einem beliebten Badeort. Das Johannes Larsen Museum (Heimat des berühmten Malers) und die Nähe zur Kerteminde Fjord laden zu Natur- und Kulturerlebnissen ein. Die Stadt strahlt Sommerfrische und Künstleratmosphäre aus.
Verkehr
Die Insel ist durch eine aufwändige Brücken-Tunnelkonstruktion (Storebæltsbroen) mit Seeland und durch Brücken mit Jütland und Langeland verbunden. Von Nyborg aus geht der Verkehr (Autos und Züge) über die 6,6 km lange Westbrücke zur Insel Sprogø. Von dort erreichen Züge den Ort Halskov bei Korsør auf Seeland durch einen 7,7 km langen, zweiröhrigen Tunnel. Autos fahren weiter über die 6,8 km lange Ostbrücke, die sich an ihrem Scheitelpunkt 65 m über die Schifffahrtsroute durch den Großen Belt spannt. Mit einer Spannweite von 1.624 m ist sie die längste Hängebrücke Europas. Die älteste Hängebrücke Dänemarks, die Lillebæltsbro, verbindet Fünen bei Middelfart mit Jütland. Langeland ist über die Inseln Tåsinge und Siø und über Brücken erreichbar. Fünen ist auch mittels Fähre von Alsen aus erreichbar und unterhält Fährverbindungen zu den kleinen südlichen Inseln wie Ærø und Lyø.
Straßenverkehr
Zwei Brücken verbinden die Insel mit Jütland und die Überfahrt über den Großen Belt von Halsskov nach Knudshoved dauert auch nur fünfzig Minuten. Von Fynshav auf der Insel Alsen dauert die Überfahrt mit der Fähre 45 Minuten. Die beiden Häfen außerhalb von Korsör und Nyborg wurden in den fünfziger Jahren angelegt, als es sich zeigte, dass der Autoverkehr immer schneller wuchs, als man jeweils vorher errechnet hatte.
Wie sehr man sich früher schon verrechnete, zeigt die Geschichte der ersten Brücke über den Kleinen Belt. Als der dänische Ministerpräsident Stauning Anfang der 1930er Jahre 24 Millionen Kronen pumpte, um die erste Brücke über den Kleinen Belt bei Middelfart bauen zu lassen, erntete er einige Kritik. Wohl sah man ein, dass dies als eine Notstandsarbeit zur Linderung der großen Arbeitslosigkeit teilweise eine ganz nützliche Sache war. Notstandsarbei-ten waren damals in vielen europäischen Ländern üblich. Aber was sollte eine Brücke für die paar Autos? 100 000 Autos müssten jährlich über die Brücke fahren, um sie als einigermaßen rentabel gelten zu lassen.
100.000 Autos, das war damals eine unvorstellbare Menge. Nachdem die Brücke 1935 eingeweiht war, ergab es sich bald, dass nicht 100 000, sondern über 500 000 Autos in einem Jahr über sie hinwegrollten. Fünen hatte spürbare Vorteile, jetzt holten sich auch die Jütländer ihr Gemüse auf der Insel. So kam bald der Ruf nach einer zweiten Brücke, die 1970 eingeweiht wurde. Sie liegt etwas nördlich in Sichtweite von der alten Brücke. Die erste Brücke nach Fünen ist 1.777,8 m lang, davon sind 825 m Stahlkonstruktion. Die Durchfahrtshöhe beträgt 33 m und die größte Wassertiefe unter der Brücke ist 40 m tief. Die neue Brücke von 1970 ist knapp 1080 m lang. Sie ist die erste Hängebrücke Dänemarks mit einer Spannweite von 600 m und einer Durchfahrtshöhe von 42 m. Während die alte Brücke für Schienen- und Straßenverkehr konstruiert wurde, ist die neuere nur für den Straßenverkehr.
Seit dem 14. Juni 1998 können Autofahrer auch den Großen Belt ohne Fähre statt in bislang 90 Minuten nun in 15 Minuten auf der Große Belt Brücke von Fünen nach Seeland überqueren. Von Knudshoved bei Nyborg fahren Autos und Züge zunächst parallel über die 6,6 km lange Westbrücke zur künstlich verbreiterten Sandinsel Sprogö. Züge erreichen das seeländische Halskov bei Korsör von dort durch einen 7,7 km langen, zweiröhrigen Eisenbahntunnel. Autos und Lastwagen fahren indes über die 6,8 km lange Ostbrücke weiter, die sich im Scheitelpunkt 65 m hoch über die vielbefahrene Schifffahrtsroute durch den Belt spannt. Mit einer Spannweite von 1624 m ist sie bis jetzt eine der längsten Hängebrücken ihrer Art in Europa. Gehalten wird die freigespannte Fahrtrasse von zwei, jeweils 3 km langen Tragseilen, deren 85 cm dicke Kabel aus 18.648 Einzeldrähten bestehen und von denen jeder einzelne Meter 3,2 t wiegt. Neben den Brücken verkehren zwischen Fünen und anderen dänischen Inseln zahlreiche Fähren.
Bahnverkehr
Die Bahnlinien der Insel dienen fast ausschließlich dem Personenverkehr. Güterverkehr spielt auf Fünen selbst nur eine untergeordnete Rolle – der Großteil des Frachtverkehrs läuft über die großen Knotenpunkte Fredericia (Jütland) und die Storebæltsforbindelse. Das Netz wird von Banedanmark (Infrastruktur) betrieben, während DSB und seit 2020/21 vor allem GoCollective (ehemals Arriva) die Züge fahren. Elektrifiziert ist die Hauptstrecke seit den 1990er Jahren (25 kV Wechselstrom).
Die zentrale Hauptbahn ist die København–Fredericia-Linie (auch Hovedbanen genannt), die Fünen von Ost nach West durchquert. Sie entstand in Etappen: Der Abschnitt Nyborg–Middelfart über Odense wurde 1865 als erste Eisenbahn auf Fünen eröffnet – zunächst privat durch das britische Unternehmen Peto, Brassey & Betts, dann 1867 verstaatlicht und ab 1885 unter Danske Statsbaner (DSB) geführt. Bis 1997 war der Große Belt eine Fährverbindung (Eisenbahnfähren ab 1883 von Nyborg nach Korsør), die Züge wurden auf Fähren verladen. Mit der Eröffnung der Storebæltsbroen (1997) entfiel die Fähre; die Strecke wurde durchgehend zweigleisig und elektrifiziert. Heute verkehren hier InterCity- und InterCityLyn-Züge (DSB) stündlich oder halbstündlich zwischen Kopenhagen und Jütland (über Odense, Middelfart nach Fredericia). Der Abschnitt Odense–Middelfart wird seit den 2010er Jahren ausgebaut (u. a. Neubaustrecke Odense Vest–Kauslunde, ca. 35 km, teilweise schon in Betrieb oder im Bau), um höhere Geschwindigkeiten und mehr Kapazität zu ermöglichen. Wichtige Stationen auf Fünen: Nyborg (historisch bedeutsam, mit Burgnähe), Odense (Hauptbahnhof, zentraler Knotenpunkt), Middelfart (Brückenanschluss zum Kleinen Belt).
Die wichtigste Nebenbahn ist die Svendborgbanen (Odense–Svendborg), 1876 als erste Privatbahn auf Fyn durch die Sydfyenske Jernbaner (SFJ) eröffnet – ein Meilenstein für den Süden der Insel. Die 48 km lange Strecke verband das zentrale Odense mit dem Hafen- und Handelsort Svendborg und dem Südfynischen Inselmeer. 1949 übernahm DSB die Linie. Bis in die 1970er/80er Jahre gab es hier auch Güterverkehr (zum Beisapiel zu Häfen und Industrie), heute ist sie rein personenverkehrt mit Regionalzügen (meist GoCollective, stündlich oder halbstündlich). Wichtige Haltestellen sind Ringe, Ryslinge, Årslev und Svendborg (Endbahnhof mit Hafenanschluss). Die Strecke gilt als eine der landschaftlich schönsten Dänemarks, führt durch Hügelland und Obstplantagen.
Weitere historische Nebenbahnen auf Fünen existierten früher, sind aber größtenteils stillgelegt:
- Nordfynske Jernbane (Odense–Bogense– Otterup–Kerteminde, Teilstücke ab 1882/99) – größtenteils 1962/77 stillgelegt, nur kurze Reste als Museumsbahn oder Güteranschluss.
- Assensbanen (Tommerup–Assens, 1865 eröffnet) – stillgelegt in den 1990er Jahren, heute teilweise als Radweg umgenutzt.
- Faaborg–Ringe–Bramming-Bahn (Teil der Esbjerg-Linie) – Abschnitte stillgelegt, nur in Resten vorhanden.
- Fåborg–Ringe Jernbane – historische Museumsbahn, die heute noch touristisch betrieben wird (Dampfloks, alte Wagen).
Heute gibt es auf Fünen keine reinen Güterbahnen mehr; vereinzelte Anschlüsse (zum Beispiel in Odense oder Nyborg) dienen lokalen Betrieben. Der Personenverkehr ist stabil und wird durch den Regionalt tog takt (Regionalzug-Takt, stündlich/halb-stündlich) und IC-Verbindungen gewährleistet. Odense ist der zentrale Umsteigeknoten: Hier treffen Hauptbahn, Svendborgbanen und Busse zusammen. Die Elektrifizierung und Modernisierung (Signale, Bahnsteige) laufen weiter – Banedanmark investiert in die Hauptstrecke, um die Reisezeit Kopenhagen–Aarhus weiter zu verkürzen.
Schiffsverkehr
Obwohl Fünen durch Brücken (Große Belt-Brücke nach Seeland, Kleine Belt-Brücke nach Jütland) gut an das Festland angebunden ist, bleibt der Fähr- und Küstenschifffahrtsverkehr essenziell – besonders im Süden, wo das Südfynische Inselmeer (Øhavet) mit seinen unzähligen kleinen Inseln und Sunden liegt. Hier dominiert der lokale Personen- und Autofährverkehr, ergänzt durch Yachten, Traditionsschiffe und gelegentliche Fracht- oder Passagierschiffe.
Die wichtigsten Fährverbindungen starten von den Küstenstädten Fünens:
- Faaborg (Südwesten) bedient mit regelmäßigen Fähren die kleinen Inseln Avernakø, Bjørnø, Lyø sowie Søby auf Ærø. Diese kurzen Überfahrten (oft 20–60 Minuten) sind beliebt bei Tagesausflüglern, Radfahrern und Einheimischen, die die Inseln ohne Auto erreichen wollen.
- Svendborg (Südosten) ist das maritime Zentrum Fünens und der wichtigste Ausgangspunkt für das Inselmeer. Von hier fahren Fähren nach Ærøskøbing (Ærø), nach Tåsinge (über die Svendborgsund-Brücke ergänzt, aber auch per Boot), nach Langeland und zu vielen kleineren Inseln wie Drejø, Hjortø oder Strynø. Der Hafen von Svendborg ist lebendig mit Inselfähren, Ausflugsschiffen, alten Holzschiffen und einer großen Marina – ein Hotspot für Segler und Charterurlauber.
- Bøjden (Südwestküste, nahe Faaborg) verbindet Fünen mit Als (Südjütland) per ALSLINJEN-Fähre (Fynshav–Bøjden). Die Überfahrt dauert nur zirka 50 Minuten und dient als praktische Abkürzung zwischen Jütland und Fünen, besonders für Autofahrer, die die lange Umfahrung über die Brücken vermeiden wollen. Die Fähre verkehrt mehrmals täglich und bietet Bistro, WLAN und Entspannung an Deck.
- Assens (Westen) hat Fährverbindungen nach Ærø und in den Kleinen Belt, ergänzt durch lokale Boote.
- Nyborg und Kerteminde dienen gelegentlich als Anlaufstellen für Ausflugsboote oder kleinere Passagierschiffe, haben aber keine großen regelmäßigen Fährlinien.
Odense selbst hat keinen direkten Seehafen, da die Stadt zentral im Inselinneren liegt. Der Odense-Kanal (Odense Havn) führt jedoch zur Nordostküste (bei Munkebo), wo kleinere Schiffe und Yachten anlegen können. Große Kreuzfahrtschiffe legen meist in Nyborg oder Faaborg an, da diese Häfen tieferes Wasser und bessere Infrastruktur bieten. Odense ist eher über den Kanal mit der Ostsee verbunden, aber kommerziell weniger relevant.
Neben den Fähren prägt der Freizeit- und Yachthafenverkehr das Bild: Fünen und das Südfynische Inselmeer sind eines der beliebtesten Segelreviere Dänemarks. Zahlreiche Marinas (unter anderem in Svendborg, Faaborg, Middelfart, Kerteminde und Ærøskøbing) bieten Liegeplätze, und im Sommer tummeln sich Tausende Yachten in den geschützten Sunden und Buchten. Events wie die „Fyn Rundt for Bevaringsværdige Sejlskibe“ (Rund-Fünen-Regatta für historische Segelschiffe) unterstreichen die maritime Tradition. Traditionelle Holzschiffe, Museumsschiffe und Charterflotten (besonders aus Svendborg) sorgen für ein romantisches Flair.
Fracht- und Containerschifffahrt spielt auf Fünen eine untergeordnete Rolle – der Großteil des Güterverkehrs läuft über die großen Häfen in Aarhus, Fredericia oder Kopenhagen. Der Kleine Belt und Große Belt sind jedoch wichtige Schifffahrtsstraßen der Ostsee mit regem Durchgangsverkehr internationaler Fracht- und Passagierschiffe (zum Beispiel auf dem Weg nach Schweden oder Baltikum).
Flugverkehr
Der Flughafen Hans Christian Andersen, Odense (dänisch Hans Christian Andersen Airport, Odense Lufthavn, historisch Beldringe Lufthavn) befindet sich auf der Insel Fünen, rund zwölf Kilometer nördlich der Großstadt Odense. Namensgeber des Flughafens ist der dänische Schriftsteller und Dichter Hans Christian Andersen.
Im Zweiten Weltkrieg während der Besatzung Dänemarks begannen Deutsche 1943 mit dem Bau des Flughafens. In den Folgejahren und -jahrzehnten wurde der Flughafen sukzessive ausgebaut und erweitert. Das heutige Terminal und der Tower entstanden 1970. Das Jet-Zeitalter begann auf dem Flughafen mit Inlandsflügen einer Boeing 737 der Maersk Air von und nach Kopenhagen. Dies erforderte eine Verstärkung der Start- und Landebahn des Flughafens, der bis dato lediglich von kleinerem Fluggerät angesteuert wurde. Hinsichtlich der Flughafennutzung dominierte in den Folgejahren weiterhin Maersk Air mit Inlandsflügen.
In den 1980er Jahren stellte sich im Hinblick auf die Planung der Großen-Belt-Querung die Frage nach der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit des Flughafens. Zu Beginn des Jahres 1998 übertrug der dänische Staat seine Eigentümerschaft am Flughafen an die damalige Provinz Fünen sowie mehrere lokale Kommunen; gleichwohl wurden gegen Jahresende sämtliche Linienflüge eingestellt. In der Folgezeit entschieden sich mehrere Reiseveranstalter und Investoren, den Flughafen als Ausgangspunkt für Charterflüge zu nutzen. Motivation hierfür sei insbesondere gewesen, interessierten Reisenden lange Anfahrtswege zu benachbarten Flughäfen, etwa nach Kopenhagen, zu ersparen.
| Airlines | Ziele |
| Aegean Airlines | saisonal (Charter): Rhodos |
| BRA Braathens Regional Airlines | saisonal (Charter): Varna |
| Danish Air Transport | saisonal: Bornholm, Charter: Dublin, Edinburgh, Verona |
| Jet Time | saisonal (Charter): Neapel, Pisa |
| SunExpress | saisonal (Charter): Antalya |
Odense Airport
- dänischer Name: Hans Christian Andersen Airport, Odense Lufthavn
- Code: ODE / EKOD
- Lage: 55°28‘36“ N, 10°19‘51“ O
- Seehöhe: 17 m (56 ft)
- Entfernung: Beldringe, 10 km nordnordwestlich von Odense
- Inbetriebnahme: 1943
- Betreiber: Hans Christian Andersen Airport S.m.b.a
- Fläche: 170 ha
- Terminal: 1
- Rollbahnen: 2
- Länge der Rollbahnen: 2000 m (Asfalt) und 695 m (Gras)
- Fluggesellschaften: 5
- Flugzeug-Standplätze: ca. 30
- jährliche Passagierkapazität:
- jährliche Frachtkapazität:
Wirtschaft
Auf Fünen sind alle Wirtschaftssektoren vertreten. Die Insel gehört zu den führenden Wirtschaftsregionen Skandinaviens.
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft auf Fünen trägt wesentlich zum Ruf der Insel als „Danmarks have“ (Dänemarks Garten) oder „grüner Garten Dänemarks“ bei. Die fruchtbaren Böden (vorwiegend Parabraunerde aus glazialen Ablagerungen), das milde Klima und die gute Infrastruktur machen Fünen zu einem Kerngebiet für Ackerbau, Obst- und Gemüseanbau sowie Viehzucht. Trotz Strukturwandels (weniger, aber größere Betriebe) bleibt die Landwirtschaft hier dominant und hochmodernisiert.
Fünen hat eine lange Tradition im Ackerbau: Getreide (vor allem Gerste, Weizen, Hafer und Roggen) dominiert die Anbauflächen, ergänzt durch Raps, Zuckerrüben (besonders im Süden), Kartoffeln und proteinreiche Pflanzen wie Erbsen und Bohnen (seit den 2010er Jahren stark gestiegen). Die Insel ist bekannt für hochwertige Obstproduktion: Äpfel (viele Sorten wie Discovery, Elstar, Aroma), Birnen, Kirschen, Beeren (Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren) und Hopfen (humle) – letzteres ist ein Markenzeichen, das in Hans Christian Andersens Lied „I Danmark er jeg født“ als „humlehave“ verewigt wurde. Gemüseanbau (Karotten, Zwiebeln, Kohl, Salat) und Kräuter spielen in kleineren Betrieben eine Rolle. Viele Höfe produzieren bio oder nachhaltig, mit steigender Nachfrage nach regionalen Produkten.
Viehzucht ist ebenfalls stark: Schweinehaltung (Dänemark ist Weltmarktführer bei Schweinefleisch), Milchkühe (mit Fokus auf hohe Milchleistung) und Geflügel (Hühner, Eier) dominieren. Fünen hat viele Lohnunternehmer für Gülleausbringung und Ernte, was die Effizienz steigert. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt über dem nationalen Schnitt (oft 80 bis 100 ha oder mehr), mit steigenden Bodenpreisen (2025 im 1. Quartal zirka 221.500 DKK/ha auf Fünen, einer der höchsten in Dänemark, nur übertroffen von Teilen Seelands).
Die Landwirtschaft ist hoch technisiert: Präzisionslandwirtschaft (GPS, Drohnen, Sensoren), Robotik (zum Beispiel Melkroboter, autonome Traktoren) und Digitalisierung (Farm-Management-Software) sind Standard. Fünen profitiert vom Odense Robotics Cluster und SDU-Forschung. Genossenschaften (Andelsbevægelsen) sind zentral: Molkereien, Schlachtereien und Getreidegenossenschaften verarbeiten und vermarkten Produkte wie etwa Arla (Milch), Danish Crown (Schweinefleisch) oder lokale Zuckerproduktion (Zuckerrüben).
Hofläden (gaardbutikker) und Direktvermarktung boomen: Hunderte Höfe auf Fünen verkaufen direkt – von Honig, Eiern, Fleisch, Obst, Gemüse, Marmeladen bis zu Spezialitäten wie Bio-Schokolade oder Bisonfleisch (zum Beispiel Bisonfarm Ditlevsdal). Nordfünen, Süd-Fünen und Ærø sind Hotspots für Hofläden und Agrotourismus. Viele Betriebe kombinieren Landwirtschaft mit Tourismus (Ferien auf dem Bauernhof, Picknick, Führungen).
Forstwirtschaft
Die Forstwirtschaft nimmt in ganze Dänemark und somit auch auf Fünen eine wichtige Stellung ein. Auch wenn die größten Waldbestände der Insel im Privatbesitz sind und somit staatlich gesehen nicht auf sie eingegriffen werden können, spielt die Forstwirtschaft eine große Rolle. Auf den von der Landwirtschaft ausgelaugten Böden werden Waldbestände gezüchtet, die als Ausgleichsfunktion dienen sollen. Es wird erwartet, dass dieser Anteil weiterhin ansteigen wird, da sich das Parlament (Folketing) zum Ziel gesetzt hat, die Waldflächen im Laufe der durchschnittlichen Lebensdauer einer Baumgeneration (das heißt in 80 bis 100 Jahren) zu verdoppeln.
Die gemeinnützigen Werte des Waldes, wie zum Beispiel Freizeit, Pflanzen- und Tierleben, Landschaftsästhetik und Schutz des Grundwassers, sind vermutlich auf Fünen von noch größerer Bedeutung als die Produktion von Bäumen und Tannengrün. Für die Gesellschaft ist es von besonders großer Bedeutung, dass neben dem materiellen Nutzen zugleich auf die nicht-materiellen Werte des Waldes Rücksicht genommen wird. Diese „vielseitige Forstwirtschaft" ist eine der Forderungen des dänischen Forstgesetzes aus dem Jahre 1989, das 1996 revidiert wurde.
Der Waldanteil auf Fünen ist deutlich unter dem dänischen Durchschnitt (derzeit rund 15 % landesweit, mit steigender Tendenz). Historisch war Fünen fast waldfrei – durch Rodung seit der Neolithik und intensive Landnutzung im Mittelalter und der Neuzeit. Erst seit dem 19. Jahrhundert (staatliche Aufforstungsprogramme) und besonders seit den 1990er Jahren (EU-Förderung, nationale Skovrejsningsprogrammer) wächst der Wald wieder. Aktuell (Stand 2023/24) liegt der Waldanteil in der ehemaligen Fyns Amt-Region bei etwa 10 bis 12 %, mit Schwerpunkten in Nordfünen (Hindsholm), um Svendborg, im Süden (Svanninge Bakker) und auf kleineren Inseln wie Ærø oder Langeland. Typische Waldtypen sind Buchenwälder (bøgeskov, dominant in Dänemark), Eichen-Hainbuchen-Mischwälder, Kiefern- und Fichtenforste (oft auf sandigen Böden) sowie kleinere Laubmischwälder mit Esche, Ahorn und Linde. Viele Wälder sind jung (Pflanzungen ab 1800–1900) und dienen multifunktional: Holzproduktion, Biodiversität, CO₂-Speicherung und Erholung („friluftsliv“).
Die Forstwirtschaft ist kleinstrukturiert und vielfältig: Staatliche Wälder (Naturstyrelsen) machen nur einen kleinen Teil aus (zum Beispiel Sønderhaver Skov bei Svendborg oder Hindsholm-Skove), der Großteil ist Privatwald (private ejere, oft Landwirte oder Forstgenossenschaften) oder kommunal. Viele Betriebe kombinieren Forst mit Landwirtschaft (agroforestry-Elemente, unter anderem Obstwiesen mit Bäumen). Die Holzproduktion ist moderat: hauptsächlich Buchen- und Eichenstammholz für Möbel, Furnier und Bau, Fichte/Kiefer für Energieholz (flis) und Paletten. Der Ertrag pro Hektar ist hoch durch gute Böden und Pflege, doch die Gesamtmenge gering im Vergleich zu Jütland. Seit den 2010er Jahren wächst der Fokus auf nachhaltige Bewirtschaftung: PEFC- oder FSC-Zertifizierung ist üblich, naturnahe Waldwirtschaft (færre tyndinger, mere biodiversitet), und Aufforstung von Ackerflächen (zum Beispliel Projekte 2024/25 zur Umwandlung von 10 % Agrarfläche in Wald/Natur bis 2045, nationale Klimaziele). Neue Wälder entstehen oft als Mischwälder mit Klimarobusten Arten (unter anderem Douglasie und Roteiche) gegen Trockenstress und Schädlinge.
Erholung und Naturschutz dominieren die Wahrnehmung: Viele Wälder (zum Beispliel Svanninge Bakker, Hindsholm) sind beliebte Wander- und Radgebiete mit markierten Pfaden, Aussichtspunkten und Picknickplätzen. Der almindelig adgangsret (Jedermannsrecht) erlaubt Betreten zu Fuß auf Wegen und in Wäldern über 5 ha. Forstliche Erholungseinrichtungen (Bänke, Schutzhütten, Lehrpfade) sind häufig. Biodiversität ist hoch in alten Laubwäldern (Buchenaltbestände mit Totholz, Orchideen, Vögel), doch Monokulturen (Fichte) leiden unter Borkenkäfer und Klimawandel.
Herausforderungen: Geringe Waldfläche führt zu Abhängigkeit von Import-Holz; Klimawandel (Stürme, Trockenheit) schädigt junge Bestände; hohe Bodenpreise erschweren Aufforstung. Dennoch wächst der Wald langsam (durch staatliche Förderung und private Initiativen, zum Beispiel 2024 Käufe für neue Statsskov auf Fünen). Die Forstwirtschaft ist hier weniger wirtschaftlich dominant als ökologisch und kulturell bedeutsam – sie schafft grüne Oasen in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft.
Weinbau
Die Weinbau (vinavl) ist eine relativ junge, aber dynamisch wachsende Nische innerhalb der dänischen Landwirtschaft. Seit der EU-weiten Anerkennung Dänemarks als Weinproduzent im Jahr 2000 hat sich Fünen zu einer der wichtigsten Weinregionen des Landes entwickelt – neben Jütland, Seeland und Bornholm. Die Insel profitiert vom milden maritimen Klima (durch die umgebenden Meere: Kleiner und Großer Belt), mineralreichen Böden aus glazialen Ablagerungen und der geschützten Lage, die Frostschäden mindert und eine lange Vegetationsperiode ermöglicht. Fünen gilt als einer der wärmeren Spots Dänemarks für Wein, mit Erntezeiten oft erst Mitte/Ende Oktober.
Der Weinbau ist kleinstrukturiert und experimentell: Stand 2025/26 gibt es auf Fünen etwa 10 kommerzielle Weingüter (kommercielle vingårde), ergänzt durch zahlreiche Hobbywinzer. Die Gesamtfläche liegt bei wenigen Hektar (Dänemark insgesamt zirka 100 bis 150 ha kommerziell), doch die Qualität steigt rapide – viele Weine gewinnen internationale Preise (zum Beispliel PIWI-Awards für pilzwiderstandsfähige Sorten). Die Produktion konzentriert sich auf kühle Klima-Rebsorten (PIWI-Hybride), die resistent gegen Pilze und Frost sind:
- Weißwein-Dominanz (zunehmend von Bedeutung): Solaris (meistgepflanzt, fruchtig, säurebetont), Souvignier Gris, Muscaris, Orion, Phönix, Madeleine Angevine, Hibernal.
- Rotwein und Rosé: Rondo, Regent, Cabernet Cortis, Léon Millot, Pinot Noir (experimentell, zum Beispiel Clairet-Stil), Frühburgunder.
- Schaumweine und Fruchtweine: prickelnde Varianten (flaskegæret, oft 12 bis 18 Monate Hefelager), Likörweine und Fruchtweine aus Äpfeln und Kirschen (traditionell dänisch).
- Bekannte Weingüter auf Fünen (Auswahl der prominentesten, oft mit Verkostung und Führungen):
- By Stokkebye (Bovense, nahe Nyborg): Organisch betrieben, hochwertige Weine (Weiß, Rot, Schaum), Export in Top-Restaurants (unter anderem Michelin-Lieferant), Fokus auf Qualität und Gastronomie.
- Agger Vin (Haarby, Westfünen): Zweitgrößtes Gut mit ca. 6000 Rebstöcken, Weiß-, Rosé- und Schaumweine; auch Parkgolf-Angebot, sehr besucherfreundlich.
- Kimesbjerggaard Vingård (Sinebjerg Strand, Südküste): Fokus auf Geschmack, Qualität und Ehrlichkeit; Weiß- und Rotweine.
- Skaarupøre Vingaard (bei Svendborg): Kleines Bio-Weingut, betont Qualität, Entspannung und Kunst des „sich Zeit lassen“.
- Magtenbølle (Westfünen): Spezialist für Clairet (leichter französischer Rotwein-Stil), einzigartig auf Fünen.
Weitere Güter: Klitgaard Vin (Årslev), Avendborg Vingaard (Svendborg), Tranekær Vin (Langeland – oft zur Fünen-Route gezählt). Viele liegen an der Fünischen Weinroute (Fynske Vinrute), einer touristischen Route mit Verkostungen, Führungen und Events (Weinherbst, Erntefeste).
Der Weinbau auf Fünen ist touristisch und experimentell: Viele Güter kombinieren Wein mit Gastronomie, Hofläden und Erlebnissen (zum Beispliel Picknick im Weinberg, Weinproben mit lokalen Spezialitäten). Die Produktion ist klein (Dänemark insgesamt untere 1 Mio. Flaschen/Jahr), aber qualitativ ambitioniert – oft trocken, frisch, mineralisch und mit niedrigem Alkohol (10 bis 12 %). Herausforderungen: Kurze Vegetationsperiode, Frostgefahr, hohe Feuchtigkeit (Pilzdruck), doch Klimawandel (wärmere Sommer) und resistente Sorten helfen. Förderung durch EU und nationale Programme (Skov- og Vinavl) unterstützt Aufforstung und Neupflanzungen.
Fischerei
Die Fischerei (fiskeri) ist vor allem durch Freizeit- und Angelfischerei (lystfiskeri und fritidsfiskeri) geprägt, während die kommerzielle Hochseefischerei (erhvervsfiskeri) auf der Insel selbst marginal ist. Die Küstenlage mit Kleinem und Großem Belt, Odense Fjord, Svendborgsund und dem Südfynischen Inselmeer (Øhavet) schafft ideale Bedingungen für Küsten- und Meeresangeln, insbesondere auf Meerforelle (havørred), die Fünen zu einem der besten Ziele Europas macht. Die kommerzielle Fischerei konzentriert sich auf wenige kleine Boote und Aquakultur, während Tourismus und Sportfischerei den wirtschaftlichen Schwerpunkt bilden.
Die kommerzielle Fischerei spielt auf Fünen nur eine untergeordnete Rolle. Dänemarks Fischereiflotte (zirka 2.700 Schiffe) ist hauptsächlich in Nordsee, Skagerrak/Kattegat und Ostsee aktiv; Fünen hat keine großen Häfen wie Esbjerg oder Hirtshals. Kleine Kutter in Häfen wie Assens, Faaborg, Svendborg, Kerteminde oder Nyborg fangen vor allem Plattfische (Flunder, Scholle), Dorsch, Hering und Makrele für den lokalen Markt. Muschelfischerei (Blaumuschel) und Garnelen gibt es in Förden und Buchten. Aquakultur (opdræt) ist minimal – Forellen- oder Muschelzucht in kleinen Anlagen existiert, aber nicht kommerziell bedeutend. Die meisten fünischen Fischer sind Teilzeit- oder Nebenerwerbsfischer; der Großteil des dänischen Fischereiertrags kommt aus Jütland.
Die Freizeit- und Sportfischerei ist hingegen ein Markenzeichen Fünens und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Insel und ihre kleinen Inseln (Ærø, Langeland, Tåsinge) haben über 1.100 km Küste mit Buchten, Förden und Stränden – ein Paradies für Angler. Die Meerforelle (havørred) ist der Star: Fünen gilt als einer der weltbesten Orte für Küstenangeln auf Meerforelle (oft mit Fliegen- oder Spinnrute). Die Saison läuft ganzjährig, mit Spitzen im Frühling (März–Mai, wenn Forellen aus Flüssen wandern), Herbst (September–November) und Winter (Dezember–Februar). Top-Spots sind:
- Nordfünen/Hindsholm und Enebærodde/Gabet (Odense Fjord-Ausgang): Frühjahrs- und Herbst-Hotspots.
- Westfünen (Helnæs, Assens, Bøjden): 80 km Küste mit legendären Meerforellen-Gründen.
- Südfünen (Svendborgsund, Faaborg, Ærø): Flachwasser und Buchten für Forelle, Hornhecht (hornfisk) und Dorsch.
- Ostfünen (Nyborg, Kerteminde): Belt-Wasser mit Dorsch, Plattfisch und Makrele.
Havørred Fyn (seatrout.dk) ist die zentrale Initiative. Seit 1990 arbeitet sie mit Flussrenaturierung, Forellenbesatz (jährlich Hunderttausende Smolt) und Tourismusförderung. Das Projekt hat Fünen zu einem Top-Ziel gemacht – mit Karten, Guides, Events und App „MitFisketegn“ für das obligatorische Anglerabzeichen (lystfisketegn, für Erwachsene unter 65 Jahren Pflicht). Viele Lodges und Guides (zum Beispiel Denmark Fishing & Outdoor Lodge bei Ebberup/Helnæs) spezialisieren sich auf geführte Touren (Flyfishing, Spin, Boat). Weitere Fische: Hornhecht (Frühling/Sommer), Dorsch (Winter), Plattfisch, Hecht (in Fjorden), Zander (selten).
Angeltourismus boomt – viele Hotels, B&Bs und Lodges bieten Pakete mit Ausrüstungsverleih, Booten und Guides. Die Fünische Wein- und Angelroute kombiniert beides. Regeln sind streng: Schonzeiten, Mindestmaße, fredningsbælter (Schutzzonen an Flussmündungen) und maximal 3 Haken pro Rute. Nachhaltigkeit steht im Vordergrund – Catch & Release für Meerforelle wird gefördert.
Bergbau
Im Gegensatz zu Regionen wie Jütland (mit Kalksteinbrüchen, Ton- und Sandgruben) oder Bornholm (mit Granit und Kaolin) fehlt Fünen fast vollständig an abbauwürdigen Erzen, Metallen oder industriellen Rohstoffen. Die geologische Basis der Insel – quartäre glaziale Ablagerungen (Moränenlehm, Sand, Kies, Parabraunerde) über einem tief liegenden präkambrischen Grundgebirge (Fennoskandischer Schild) und mesozoischen Sedimenten – bietet keine Voraussetzungen für klassischen Bergbau.
Es gibt keine historischen Bergwerke, Schächte oder Stollen auf Fünen. Keine Kupfer-, Eisen-, Zink- oder Silberminen, wie sie in Schweden, Norwegen oder Mitteleuropa existierten. Auch keine mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Abbauaktivitäten sind dokumentiert – im Unterschied zu Kalksteinbrüchen in Mønsted (Jütland) oder anderen dänischen Regionen. Die prähistorische Nutzung beschränkte sich auf Oberflächenmaterialien: Feuerstein (flint) aus Kreideablagerungen wurde in der Steinzeit (Neolithikum) gewonnen und zu Werkzeugen verarbeitet (zum Beispiel Äxte, Pfeilspitzen), aber das war kein Bergbau, sondern Oberflächenabbau oder Kiesgruben. Archäologische Funde aus der Bronze- und Eisenzeit zeigen importiertes Metall (aus den Alpen, Britannien, Iberien), nicht lokalen Abbau.
Heutige Rohstoffgewinnung (raastofindvinding) auf Fünen ist auf Sand-, Kies- und Lehmgruben (grusgrave, lergrave) beschränkt – also Tagebau für Baumaterialien, nicht echter Bergbau. Diese Gruben dienen dem Straßenbau, Betonproduktion und Landschaftsgestaltung. Die Mengen sind gering im dänischen Vergleich: Fünen liegt in der Region Syddanmark mit niedrigem Anteil an Landabbau (meist Offshore-Sand/Gravel in der Ostsee). Viele ehemalige Gruben sind rekultiviert (zu Seen, Wäldern oder Naturschutzgebieten), da strenge Umweltauflagen (EU-Richtlinien, dänisches Miljøministerium) gelten. Es gibt keine aktiven Steinbrüche für Kalkstein, Granit oder andere Hartgesteine – die Böden sind zu lehmig und sandig.
Handwerk
Die Handwerk (håndværk) auf Fünen hat eine lange und lebendige Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht und bis heute eine wichtige Rolle in der lokalen Wirtschaft, Kultur und Identität spielt. Fünen gilt als eine der handwerklichsten Regionen Dänemarks – mit einer hohen Dichte an traditionellen und modernen Handwerksbetrieben, die oft familiengeführt sind und sich auf Qualität, Regionalität und Spezialisierung konzentrieren.
Historisch war Fünen seit dem Mittelalter ein Zentrum für städtisches Handwerk in Odense, Svendborg, Faaborg, Nyborg und Middelfart. Zünfte (lav) regelten das Leben: Schuhmacher (Andersens Vater war einer), Schneider, Schmiede, Tischler, Böttcher, Gerber, Bäcker, Brauer und Müller. Odense war als Handels- und Pilgerstadt besonders reich an Gewerben – die Overgade und Vestergade sind bis heute von historischen Fachwerkhäusern geprägt, in denen früher Werkstätten saßen. Svendborg und Faaborg lebten vom Seehandel und Schiffbau (Böttcher, Segelmacher, Schiffszimmerer). Viele Handwerke waren mit der Landwirtschaft verknüpft: Wagner, Schmiede (Hufeisen, Pflüge), Sattler und Müller.
Im 19. Jahrhundert boomte das Handwerk durch Industrialisierung und Eisenbahn: Odense wurde zur Textil- und Tabakstadt (Bomuldsspinderi, Zigarrenfabriken), doch traditionelle Handwerke blieben stark. Die Genossenschaftsbewegung (Andelsbevægelsen) stärkte ländliche Handwerker (Schmiede, Tischler für Genossenschaftsgebäude). Heute ist das Handwerk auf Fünen divers und vital – es umfasst klassische Gewerke und kreative, designorientierte Berufe.
Wichtige Handwerksbranchen sind zurzeit:
- Tischlerei und Möbelbau – Fünen ist bekannt für hochwertige, oft handgefertigte Möbel (zum Beispiel rustikale Eichentische, Designermöbel mit skandinavischem Minimalismus). Viele Tischlereien (snedkerier) in Odense, Svendborg und auf dem Land produzieren maßgefertigte Küchen, Schränke und Interieur für Privatkunden und Export.
- Schmiedekunst und Metallverarbeitung – Traditionelle Schmieden (smedjer) fertigen Geländer, Tore, Leuchter und Skulpturen; moderne Metallbauer kombinieren mit CNC und Design (zum Beispiel für Möbel oder Kunst).
- Schuhmacher und Lederhandwerk – Wenige traditionelle Schuster (skoemagere) erhalten das Erbe (Andersen-Verbindung), doch Lederwaren (Taschen, Gürtel) und Sattlerei sind lebendig.
- Bäcker und Konditoren – Regionale Spezialitäten wie fynske brunsviger (Zimtkuchen), æbleskiver und Hochzeitstorten; viele Bio-Bäckereien und Hofläden.
- Keramik und Töpferei – Starke Tradition (zum Beispiel Werkstätten in Kerteminde, Faaborg); viele Künstler fertigen Gebrauchskeramik und Kunstobjekte.
- Schmuck und Silberschmiedekunst – Moderne Goldschmiede in Odense und Svendborg, oft mit Bernstein oder lokalen Materialien.
- Schiffbau und Bootsbau – Traditionell in Svendborg und Kerteminde; heute Restaurierung historischer Holzboote und kleiner Werften (zum Beispiel klassische Jollen).
- Gärtner- und Landschaftshandwerk – Obstbaumschnitt, Gartenbau und Landschaftsgestaltung sind hoch spezialisiert.
Das Handwerk ist gut organisiert: Der Håndværkerforeningen (Handwerksverband) und Dansk Håndværk vertreten die Branche; viele Betriebe sind Meisterbetriebe (mesterlære) mit Lehrlingen. Es gibt eine starke Direktvermarktung über Hofläden, Märkte (zum Beispiel Odense Kræmmermarked, Svendborg Havnemarked) und Online-Shops. Tourismus spielt eine große Rolle: Viele Handwerker bieten Führungen, Workshops (zum Beispiel Töpfern, Schmieden) und Verkauf an Besucher.
Herausforderungen: Konkurrenz durch Billigimporte, Fachkräftemangel (trotz guter Ausbildung) und Digitalisierung. Dennoch boomt das Handwerk: Viele junge Designer und Maker kombinieren Tradition mit Moderne (zum Beispiel Upcycling, nachhaltige Materialien). Fünen ist ein Hotspot für kreatives Handwerk – von rustikal bis high-end Design.
Industrie
Die Industrie auf Fünen hat sich seit den 2010er Jahren stark gewandelt und ist heute hochmodern, innovativ und stark auf Zukunftstechnologien ausgerichtet. Odense ist das unumstrittene Zentrum – die Stadt gilt als einer der weltweit führenden Standorte für Robotik und Automation. Fünen als Ganzes profitiert von einer Mischung aus traditioneller Industrie (Schiffbau-Relikte, Lebensmittel, Textil) und explosivem Wachstum in High-Tech-Branchen, insbesondere Robotik, Drohnen und Automatisierung. Die Region Syddanmark (inklusive Fünen) ist wirtschaftlich dynamisch, mit niedriger Arbeitslosigkeit und hohem BIP pro Kopf.
Historisch war Fünen eine klassische Industrieregion: Ab dem 19. Jahrhundert boomte in Odense Textil- (zum Beispiel Odense Bomuldsspinderi), Tabak- und Nahrungsmittelindustrie (Albani-Brauerei, Odense Marcipan), ergänzt durch Schiffbau. Die Odense Staalskibsværft (Lindø-Værft) in Munkebo war bis 2009 einer der größten Schiffbaubetriebe Dänemarks und baute Containerschiffe für Maersk. Nach der Schließung 2009 wurde das Gelände zur Lindø Industripark umgewandelt – heute ein wichtiger Standort für Offshore-Wind (Komponentenfertigung, Lagerung, Montage), grüne Energietechnologien und schwere Industrie. Stand 2025/26 ist Lindø weiterhin aktiv: Es dient als Hub für die grüne Transformation (Offshore-Wind, erneuerbare Energien), mit Erweiterungen und Investitionen in die Offshore-Branche. Die ehemalige Werft hat sich zu einem Logistik- und Produktionszentrum entwickelt, das Tausende Jobs schafft.
Der größte und dynamischste Industriezweig ist seit den 2010er Jahren die Robotik- und Automatisierungsbranche. Odense beherbergt den Odense Robotics Cluster – Dänemarks nationales Kompetenzzentrum für Robotik, Automation und Drohnen. Der Cluster umfasst über 300 Unternehmen (davon 135 bis 160 direkt in Odense/Fünen), die fast 20.000 Menschen beschäftigen (Stand 2025/26). Bis 2025 wird ein Wachstum auf 24.000 Jobs erwartet. Kernfirmen sind Universal Robots (UR), Weltmarktführer bei kollaborativen Robotern (Cobots), seit 2015 Teil von Teradyne, Mobile Industrial Robots (MiR), ein Pionier autonomer mobiler Roboter (AMR), ebenfalls Teradyne-Tochter, OnRobot, Flow Robotics, Purple Robotics, Quadsat (Drohnen) und viele andere Startups.
Der Cluster entstand aus der Schließung der Werft (Know-how-Transfer), SDU-Forschung und privaten Investitionen (zum Beispiel AP Møller-Fonds). Odense ist heute eine der dichtesten Robotik-Regionen der Welt (pro Kopf mehr Robotik-Jobs als in London oder Berlin). Investitionen seit 2015: Über 1 Mrd. € in den Cluster. Die Branche exportiert stark (60 bis 80 % Umsatz) und profitiert von Kooperationen zwischen Firmen, SDU und Danish Technological Institute.
Weitere Industriebranchen sind:
- Lebensmittel- und Agrarverarbeitung – Stark durch die fruchtbare Landwirtschaft (zum Beispiel Danish Crown, Arla, GASA Group für Blumen/Obst).
- Elektro- und Maschinenbau – Thrige-Titan (heute T-T Electric), Micro Matic (Ausschanksysteme).
- Pharma/Biotech – Orifarm (Arzneimittelimport), kleinere Biotech-Firmen.
- Offshore-Wind und Grüne Technologie – Lindø als Schlüsselstandort für Komponenten (Türme, Fundamente), mit Fokus auf die Energiewende.
Wasserwirtschaft
Die Trinkwasserversorgung auf Fünen ist zuverlässig und von hoher Qualität. Das Wasser stammt überwiegend aus Grundwasservorkommen und wird regelmäßig auf Reinheit und Sicherheit überprüft. Moderne Aufbereitungsanlagen sorgen dafür, dass das Trinkwasser den strengen dänischen Umwelt- und Gesundheitsstandards entspricht. Besonders in landwirtschaftlich geprägten Gebieten wird auf die Überwachung von Nährstoffen und Pestiziden im Wasser geachtet, um die Gesundheit der Bevölkerung und die Umwelt zu schützen.
Die Abwasserentsorgung und -behandlung ist auf der Insel ebenfalls gut organisiert. Haushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sind an ein flächendeckendes Kanalisationsnetz angeschlossen, das das Abwasser zu zentralen Kläranlagen leitet. Dort wird es gereinigt, bevor es in Flüsse oder das Meer zurückgeführt wird. Dieser Prozess schützt die natürlichen Gewässer, die Tier- und Pflanzenwelt und trägt zur Erhaltung der ökologischen Balance bei.
Ein weiteres wichtiges Element der Wasserwirtschaft ist das Regenwassermanagement. Insbesondere in städtischen Gebieten werden Regenwassersysteme genutzt, um Überschwemmungen zu vermeiden und das Wasser für Bewässerung oder industrielle Zwecke nutzbar zu machen. Gleichzeitig werden Maßnahmen zum Hochwasserschutz an Küsten und Flussläufen ergriffen, um die Insel vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen.
Die Wasserwirtschaft auf Fünen verfolgt auch nachhaltige und innovative Ansätze. Dazu gehören die Förderung von Wasserspartechnologien, die Wiederverwendung von aufbereitetem Wasser und die Sensibilisierung der Bevölkerung für den bewussten Umgang mit Wasser. In Kombination mit moderner Infrastruktur und strengem Umweltschutz sorgt dies dafür, dass die Wasserressourcen der Insel langfristig gesichert sind.
Energiewirtschaft
Die Energiewirtschaft auf der Insel Fünen ist ein zentraler Bestandteil der regionalen Infrastruktur und spielt eine wichtige Rolle für Wirtschaft, Umwelt und Lebensqualität. Fünen setzt dabei auf eine Mischung aus traditionellen Energiequellen und erneuerbaren Energien, um den Energiebedarf der Bevölkerung und der Unternehmen zuverlässig und nachhaltig zu decken. Die Energieversorgung umfasst Strom, Wärme und zunehmend auch alternative Energien, wobei die Insel von den dänischen Plänen zur Reduktion fossiler Brennstoffe und zur Förderung nachhaltiger Energieproduktion profitiert.
Ein besonders wichtiger Bereich ist die Nutzung erneuerbarer Energien. Windenergie spielt auf Fünen eine große Rolle. Sowohl Onshore- als auch Offshore-Windparks wurden eingerichtet. Solarenergie gewinnt ebenfalls an Bedeutung, insbesondere auf landwirtschaftlichen Betrieben und in städtischen Gebieten, wo Photovoltaikanlagen auf Dächern installiert werden. Diese dezentralen Anlagen ermöglichen nicht nur eine lokale Stromproduktion, sondern fördern auch die Unabhängigkeit von externen Energiequellen.
Die Energieinfrastruktur auf Fünen ist gut organisiert. Strom- und Gasnetze sind zuverlässig, und moderne Technologien sorgen für eine stabile Versorgung. In städtischen und industriellen Gebieten werden außerdem intelligente Netze (Smart Grids) getestet, die den Energieverbrauch effizient steuern und Lastspitzen ausgleichen können. Besonders im Bereich der Wärmeversorgung setzen viele Kommunen auf nachhaltige Lösungen wie Fernwärme, Biogas oder Wärmepumpen, die sowohl umweltfreundlich als auch wirtschaftlich sind.
Die Insel engagiert sich zudem in Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Öffentliche Gebäude, Schulen und Unternehmen werden unterstützt, ihren Energieverbrauch zu reduzieren, während Bürgerinnen und Bürger durch Informationskampagnen und Förderprogramme motiviert werden, erneuerbare Energien und energiesparende Technologien zu nutzen. Auch Elektromobilität wird gefördert, und Ladesäulen für Elektrofahrzeuge werden kontinuierlich ausgebaut, um die Energiewende im Verkehr voranzutreiben.
Abfallwirtschaft
Fünen setzt auf ein gut organisiertes System, das sowohl private Haushalte als auch Unternehmen einbezieht. Die Abfallentsorgung umfasst klassische Hausmüllabfuhr, getrennte Sammlungen für Papier, Glas, Kunststoffe und Bioabfälle sowie Sonderabfälle wie Elektronikschrott, Batterien oder chemische Produkte.
Besonders auffällig ist das Engagement der Inselgemeinden für Recycling und Kreislaufwirtschaft. Viele Materialien werden systematisch wiederverwertet, sodass die Menge des Deponiemülls kontinuierlich reduziert wird. In Schulen, öffentlichen Einrichtungen und Betrieben werden Informationskampagnen durchgeführt, um Bürgerinnen und Bürger über richtige Mülltrennung und nachhaltigen Konsum aufzuklären. Dies zeigt das Bewusstsein für Umwelt- und Ressourcenschutz, das auf Fünen stark verankert ist.
Für Unternehmen auf der Insel gibt es spezielle Abfallmanagementlösungen, die sowohl die gesetzlichen Vorschriften als auch ökonomische und ökologische Aspekte berücksichtigen. Landwirtschaftliche Betriebe, Handwerksbetriebe und die Tourismusbranche arbeiten eng mit lokalen Entsorgungsunternehmen zusammen, um Abfälle effizient zu sammeln, zu recyceln oder umweltgerecht zu entsorgen. Besonders in touristisch stark frequentierten Gebieten wie Häfen, Stränden und Stadtzentren wird auf saubere öffentliche Räume geachtet, um die Attraktivität der Insel zu erhalten.
Darüber hinaus entwickelt sich die Abfallwirtschaft auf Fünen zunehmend digital und innovativ. Intelligente Müllbehälter, digitale Abfallmanagementsysteme und Sammelstationen erleichtern die Organisation und Kontrolle der Entsorgung. Gleichzeitig werden Initiativen wie Kompostierung, Upcycling und lokale Recyclingprojekte gefördert, um die Umweltbelastung weiter zu verringern und nachhaltige Praktiken im Alltag zu verankern.
Handel
Die größten Städte, allen voran Odense, fungieren als zentrale Handelszentren mit einer Vielzahl von Einzelhandelsgeschäften, Boutiquen, Supermärkten und Fachgeschäften. Besonders die Innenstadt von Odense zeichnet sich durch eine Mischung aus traditionellen Ladenlokalen und modernen Einkaufszentren aus, die ein breites Sortiment an Produkten anbieten – von Lebensmitteln über Mode bis hin zu Elektronik.
Neben dem Einzelhandel spielt der regionale Handel auf Fünen eine bedeutende Rolle. Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe verkaufen ihre Produkte direkt auf Wochenmärkten oder über Hofläden, wodurch frische, lokale Waren wie Obst, Gemüse, Milchprodukte und Fleisch für die Bevölkerung zugänglich werden. Auch kleine Handwerksbetriebe und Manufakturen tragen zum Handel auf der Insel bei, indem sie regionale Spezialitäten und handgefertigte Produkte anbieten. Diese Geschäfte stärken nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern fördern auch den nachhaltigen Konsum und die Wertschätzung für regionale Produkte.
Der Tourismus hat ebenfalls einen starken Einfluss auf Handel und Geschäfte auf Fünen. Viele Läden und Souvenirgeschäfte richten sich gezielt an Besucher der Insel und bieten dänische Handwerkskunst, kulinarische Spezialitäten und maritime Produkte an. Besonders in den Sommermonaten, wenn zahlreiche Touristen die Insel besuchen, erlebt der Handel einen spürbaren Aufschwung. Gastronomiebetriebe, Cafés und Restaurants sind eng mit dem Einzelhandel verbunden, da sie nicht nur Lebensmittel verkaufen, sondern auch lokale Produkte in ihre Speisekarten integrieren.
Darüber hinaus entwickelt sich der Handel auf Fünen zunehmend digital. Online-Shops und Lieferdienste ermöglichen es kleinen und mittleren Unternehmen, über die Insel hinaus Kunden zu erreichen. Dies unterstützt vor allem Betriebe in ländlichen Gebieten, die durch die digitale Präsenz einen größeren Markt erschließen können.
Finanzwesen
Die meisten größeren Städte, allen voran Odense, beherbergen Filialen sowohl nationaler Großbanken als auch regionaler Kreditinstitute. Dazu zählen neben den bekannten dänischen Banken wie Danske Bank und Nordea auch kleinere, lokal verwurzelte Banken, die sich auf persönliche Beratung und die Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen spezialisiert haben.
Das Bankwesen auf Fünen ist stark auf den Mittelstand ausgerichtet, da die Insel zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe, Handwerksunternehmen und Tourismusbetriebe beherbergt. Neben klassischen Bankdienstleistungen wie Kontoführung, Krediten und Hypotheken bieten viele Institute auch spezialisierte Finanzprodukte an, etwa zur Unternehmensfinanzierung, für Investitionen in erneuerbare Energien oder für den Ausbau touristischer Infrastruktur. Besonders bemerkenswert ist die enge Verknüpfung zwischen Banken und der lokalen Gemeinschaft: Viele Institute engagieren sich aktiv in regionalen Projekten, unterstützen Kultur- und Sportveranstaltungen und fördern lokale Initiativen zur wirtschaftlichen Entwicklung.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die digitale Transformation. Viele Banken auf Fünen setzen zunehmend auf Online-Banking und mobile Finanzdienstleistungen, um den Bewohnern der Insel, die teilweise in ländlichen Gegenden leben, einen einfachen Zugang zu Finanzservices zu ermöglichen. Die Digitalisierung erleichtert nicht nur den privaten Zahlungsverkehr, sondern unterstützt auch Unternehmer bei internationalen Transaktionen, Investitionen und der Finanzplanung.
Soziales und Gesundheit
Das soziale System (sociale velfærd) ist umfassend und inklusiv: Arbeitslosenversicherung (A-kasse), Krankengeld, Renten, Kinderzulagen, Altenpflege und Sozialhilfe (kontanthjælp) sind steuerfinanziert und großzügig. Fünen hat viele kommunale Jobcenter (zum Beispiel in Odense), die Integration, Umschulung und Unterstützung für Vulnerable bieten. Sozialdienste decken Kinderschutz, Suchtprävention und Behindertenhilfe ab. Die dänische „tryghed“ (Sicherheit/Geborgenheit) ist hier spürbar: Hohe Lebensqualität, starke Netzwerke in Vereinen und Nachbarschaft. Dennoch gibt es soziale Herausforderungen, vor allem in Odense: Viertel wie Vollsmøse (udsat boligområde) mit hohem Anteil nicht-westlicher Einwanderer zeigen höhere Arbeitslosigkeit, Armut, geringere Bildung und Integrationsprobleme. Hier kumulieren soziale Belastungen mit Gesundheitsrisiken (Stress, Übergewicht, psychische Erkrankungen). Programme zur Sanierung (Abriss, Umsiedlung, Jobinitiativen) haben seit 2010er Jahren Fortschritte gebracht, aber Ungleichheit bleibt ein Thema.
Gesundheitswesen
Das Gesundheitswesen (sundhedsvæsen) ist öffentlich und kostenlos zugänglich (über Steuern finanziert, keine private Krankenversicherung nötig). Der Odense Universitetshospital (OUH) inklusive Svendborg Sygehus ist das größte und spezialisierteste Krankenhaus auf Fünen und eines der fünf dänischen Universitätskliniken. Es ist größter Arbeitgeber der Insel (über 10.000 Mitarbeiter), hat ein Budget von mehreren Milliarden DKK und bietet alles von Akutversorgung über Hochspezialisiertes (unter anderem für Nierentransplantationen, Handchirurgie und Neuroradiologie) bis zu Forschung (starke Kooperation mit der Syddansk Universitet/SDU). OUH ist physisch mit der Universität verbunden, was Innovation in Health Tech und Digitalisierung fördert (zum Beispiel elektronische Patientenakte EPJ SYD seit 2022).
Regionale Krankenhäuser in Svendborg und Nyborg decken lokale Akut- und Fachversorgung ab, während Spezialfälle nach Odense gehen. Prävention und Primärversorgung laufen über Hausärzte (praktiserende læger), die in der Gemeinde organisiert sind – Wartezeiten sind kurz, aber Facharztspezialisten können länger dauern. Dänemark (und damit Fünen) führt in Digitalisierung: Telemedizin, Apps und Priorisierung (wie etwa Patientenrechte auf Behandlung innerhalb bestimmter Fristen) sind Standard. Die Reformen seit den 2000er Jahren (weniger, aber bessere Krankenhäuser; Superhospital-Modell) haben OUH modernisiert und zentralisiert.
Krankheiten
Häufige Krankheiten und Gesundheitsherausforderungen auf Fünen entsprechen dem dänischen Durchschnitt, mit leichten regionalen Nuancen: Chronische Erkrankungen (Multimorbidität) steigen mit dem Alter – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Krebs (besonders Lungen- und Darmkrebs durch Rauchen/Alkohol), COPD und Demenz sind führend. Psychische Erkrankungen (Depressionen, Angststörungen) sind weit verbreitet, besonders unter Jungen und in belasteten Vierteln. Übergewicht/Adipositas und Lebensstilkrankheiten nehmen zu, obwohl Dänemark besser als viele EU-Länder abschneidet. Fünen hat eine hohe Lebenserwartung (Männer 79 bis 80, Frauen 83 bis 84 Jahre), aber soziale Gradienten: In ärmeren Gebieten (speziell Vollsmøse) sind Rauchen, Alkoholmissbrauch und schlechte Ernährung häufiger, was zu früheren Erkrankungen führt. OUH forscht intensiv zu Diabetes, Krebs und Alterung; SDU kooperiert bei Public Health.
Bildung
Fünen ist eine der bildungsstärksten Regionen Dänemarks, vor allem durch Odense als Universitäts- und Schulzentrum. Die Insel vereint traditionelle Volkshochschulen, moderne Gymnasien und eine der größten Universitäten des Landes – alles geprägt von hoher Alphabetisierung, starker Förderung von Kreativität und beruflicher Orientierung.
Das frühkindliche und schulische Bildungssystem beginnt mit dem børnehave (Kindergarten, ab 3 Jahren, freiwillig, aber fast 100 % Teilnahme) und der børnehaveklasse (Vorschulklasse, ab 6 Jahren). Die folkeskole (öffentliche Grund- und Sekundarschule) umfasst 10 Jahre obligatorisch (0.–9. Klasse, plus freiwillige 10. Klasse), oft mit 10. Klasse als Übergangsjahr zur gymnasialen Oberstufe. Auf Fünen gibt es zahlreiche folkeskoler in jedem Ort – von kleinen Dorfschulen bis zu großen städtischen Einrichtungen in Odense. Viele Schulen bieten friskoler (freie Schulen, zum Beispiel mit waldorfpädagogischem oder christlichem Profil) oder efterskoler (internatsartige Schulen für 14- bis 18-Jährige mit Fokus auf Persönlichkeitsbildung, Sport oder Musik). Die dänische Tradition der folkehøjskoler (Volkshochschulen) hat auf Fünen Wurzeln: Die erste moderne Højskole entstand 1851 in Ryslinge (Süd-Fünen) durch Christen Kold – ein Erbe, das bis heute in Dutzenden Højskoler (zum Beispiel in Faaborg und Svendborg) lebt, mit Kursen für Erwachsene, Jugendliche und internationale Gäste.
Die obere Sekundarstufe (gymnasial, 16 bis 19/20 Jahre) ist dreigliedrig: gymnasium (stx – allgemeinbildend, 3 Jahre, führt zum Abitur/Studentereksamen), hf (höhere Vorbereitungsprüfung, oft 2 Jahre, flexibler), htx (technisch) und hhx (kaufmännisch). Auf Fünen gibt es renommierte Gymnasien wie Odense Katedralskole (eine der ältesten Dänemarks, gegründet 1287), Rysensteen Gymnasium, Svendborg Gymnasium, Nyborg Gymnasium oder Faaborg Gymnasium. Viele Schulen haben starke Profile (speziell Musik, Sport und Naturwissenschaften). Die Durchlässigkeit ist hoch: Fast alle Schüler erreichen einen Abschluss, und Übergänge zu Berufsausbildung (erhvervsuddannelse) oder Universität sind fließend. Internationale Schulen wie die Odense International School (Englischsprachig, Cambridge-zertifiziert) ziehen Expats an.
Höhere Bildung
Das Hochschulwesen wird von der Syddansk Universitet (SDU) dominiert – gegründet 1998 durch Fusion (Wurzeln in Odense Universitet seit 1966), mit dem größten Campus in Odense (über 500.000 m²). SDU Odense ist Dänemarks drittgrößte Universität mit 19.000 bis 21.000 Studenten (Stand 2025), darunter viele internationale aus über 90 Ländern. Die fünf Fakultäten (Humanities, Business & Social Sciences, Health Sciences, Engineering, Science) bieten über 170 Studiengänge – von Robotik (Weltspitze durch Odense Robotics Cluster), Medizin, Ingenieurwesen über Business bis Geisteswissenschaften. Der Campus ist modern, interdisziplinär und eng mit der Industrie (zum Beispiel Universal Robots, Novo Nordisk) und dem Odense Universitetshospital verbunden. Weitere Institutionen: TietgenSkolen (Berufsschule/Business), Kold College (Lebensmitteltechnologie), Funen Art Academy (Kunsthochschule) und UCL University College (Pädagogik, Soziales). Odense ist eine echte Studentenstadt mit lebendigem Campusleben, Wohnheimen, Sport und Vereinen.
Das Bildungsniveau auf Fünen ist hoch. Hohe Abschlussquoten (über 90 % erreichen mindestens gymnasialen Abschluss), starke PISA-Ergebnisse und Fokus auf Kreativität, Problemlösung und digitale Kompetenzen. Die dänische SU (Studienförderung, rund 6.800 DKK/Monat steuerfrei) macht Studium für alle zugänglich. Herausforderungen: Regionale Ungleichheiten (ländliche Gebiete vs. Odense), Integration nicht-westlicher Einwandererkinder und Fachkräftemangel in manchen Bereichen wie etwa. Lehrer und Pflege. Dennoch gilt Fünen als bildungsstark und innovativ – eine Insel, die von der Tradition der Højskoler bis zur High-Tech-Universität alles vereint.
Bibliotheken und Archive
Das zentrale öffentliche Bibliothekssystem ist über die Odense Bibliotekerne (Odense Bibliotheken) organisiert, das als Centralbibliotek (Zentralbibliothek) für große Teile Fünens (außer Middelfart Kommune) fungiert. Es umfasst das Hovedbiblioteket (Hauptbibliothek) im Borgernes Hus am Bahnhof Odense – ein moderner, multifunktionaler Ort mit über 1,5 Millionen jährlichen Besuchern und zirka 2,3 Millionen Ausleihen. Hier gibt es umfangreiche Sammlungen zu Belletristik, Sachbüchern, Kinder- und Jugendliteratur, Zeitschriften, DVDs, Spielen und digitalen Medien (eReolen für E-Books und Hörbücher). Besondere Abteilungen sind die Musikbibliotek (größte Phonogramm-Sammlung Skandinaviens) und der Lokalhistorisk Bibliotek im Historiens Hus mit Fokus auf fünische und Odense-Geschichte, inklusive der Odensebibliografien (ehemals Fynsbibliografien) – einer umfassenden Sammlung lokalhistorischer Bücher, Artikel, Jubiläumsschriften und Zeitungen. Das System hat acht Zweigstellen in Odense (zum Beispiel Bolbro, Dalum, Holluf Pile und Korup) sowie mobile Bibliotheksbusse für ländliche Gebiete. Services umfassen IT-Hilfe, Sprachcafés, Vorlesestunden, Veranstaltungen und kostenlosen Internetzugang. Die Bibliotheken sind Teil des Netbiblioteket-Netzwerks für digitale Ressourcen.
Weitere kommunale Bibliotheken existieren in den anderen Städten: Svendborg Bibliotek, Faaborg Bibliotek, Nyborg Bibliotek, Middelfart Bibliotek, Assens Bibliotek und andere – alle mit lokalen Sammlungen, Veranstaltungen und digitalem Zugang. Viele sind in Kulturhäusern integriert und bieten Maker-Spaces, 3D-Drucker oder Konzerte.
Wissenschaftliche und spezialisierte Bibliotheken finden sich vor allem an der Syddansk Universitet (SDU) in Odense: Die Universitätsbibliothek (SDU Library) ist hochmodern, mit Millionen von E-Ressourcen, Datenbanken und physischen Beständen in den Fakultäten (zum Beispiel Ingenieurwesen, Medizin, Robotik). Das Odense Tekniske Bibliotek und andere Fachbibliotheken unterstützen Studierende und Forscher.
Archive sind historisch und administrativ stark vertreten. Das Rigsarkivet Odense (ehemals Landsarkivet for Fyn, Provinsarkivet i Odense) ist eine der vier dänischen Regionalarchive und bewahrt seit dem 19. Jahrhundert Materialien zur Geschichte Fünens: Kirchenbücher (zum Beispiel Fyns Stifts kirkebøger), Volkszählungen, Gerichtsakten, Verwaltungsunterlagen und private Nachlässe vom Mittelalter bis heute. Es ist zentrale Anlaufstelle für Ahnenforschung, Regionalgeschichte und Wissenschaft (seit 2014 Teil des nationalen Rigsarkivet). Das Odense Stadsarkiv (seit 1991) sammelt kommunale Dokumente Odenses: Protokolle, Pläne, Fotos und Zeitungen seit dem 19. Jahrhundert. Viele lokale lokalhistoriske arkiver (zum Beispiel in Faaborg-Midtfyn und Svendborg) ergänzen mit Fotos, Zeitungen und Oral History. Das Historiens Hus in Odense beherbergt neben dem Lokalhistorisk Bibliotek auch Archive und Ausstellungen zur Stadtgeschichte.
Spezialisierte Sammlungen gibt es in Museen: Das H.C. Andersens Hus und das H.C. Andersen Museum besitzen umfangreiche Archive mit Manuskripten, Briefen, Erstausgaben, Zeichnungen und Papirklip des Dichters – eine der weltweit wichtigsten Andersen-Sammlungen. Das Carl Nielsen Museum archiviert Noten, Briefe und Aufnahmen des Komponisten. Das Den Fynske Landsby (Frilandsmuseum) hat ein Archiv zur ländlichen Kultur Fünens.
Digitalisierung ist weit fortgeschritten: Viele Archive (Rigsarkivet, Stadsarkiv) bieten Online-Zugang zu Scans (zum Beispiel Kirchenbücher via Arkivalieronline), und Bibliotheken nutzen Apps und Portale für Fernleihe und E-Medien. Die Medienlandschaft (Fyens Stiftstidende, TV 2/Fyn) kooperiert oft mit Archiven für historische Beiträge.
Kultur
Fünen ist ein Ort mit langer Geschichte, die von der Eisenzeit über die Wikinger bis hin zu den heutigen Dynastien reicht. Neben einer Vielzahl an Vorzeitendenkmälern wurden hier viele Kämpfe ausgetragen, die in trutzigen Burgen und Schlössern, 123 sollen es sein, verewigt sind. Neben den vielen historischen Gebäuden ist die Natur und die Landschaft Fünens Inspiration nicht nur für Künstler wie Hans Christian Andersen gewesen, auch heute noch spiegelt sich das Licht und die Landschaft von Fünen in den Werken der vielen Künstler und Kunsthandwerker, die sich auf der Insel angesiedelt haben, wider. Immer wieder gibt es vor allem im Sommer musikalische Veranstaltungen und Feste auf offenen Plätzen und in Kneipen.
Museen
Das mit Abstand prominenteste und international bekannteste Museum ist das H.C. Andersens Hus in Odense – ein modernes, preisgekröntes Erlebnismuseum, das 2021 neu eröffnet wurde. Es widmet sich dem Leben und Werk des Märchendichters Hans Christian Andersen mit immersiven Installationen, interaktiven Ausstellungen, Sound- und Lichteffekten sowie einem zauberhaften Garten (H.C. Andersen Haven). Das Museum inszeniert Andersens Fantasiewelt räumlich und erzählerisch, statt nur Objekte zu zeigen – es ist ein Gesamtkunstwerk aus Architektur, Kunst und Technik. Ergänzt wird es durch das nahe H.C. Andersens Barndomshjem (Kindheitsheim) in der Munkemøllestræde, das authentische Einblicke in Andersens ärmliche Jugend gibt, und das TID – Museum for Odense, das die Stadtgeschichte von der Wikingerzeit bis heute beleuchtet.
Ein weiteres Highlight ist Den Fynske Landsby (Das Fünische Dorf) – ein großes Freilichtmuseum am Rand von Odense mit über 25 historischen Gebäuden aus dem 18./19. Jahrhundert (Höfe, Windmühle, Schmiede, Schule), die aus ganz Fünen hierher versetzt wurden. Es vermittelt das ländliche Leben auf Fünen vor der Industrialisierung, oft mit lebendigen Darstellern, Handwerkvorführungen und saisonalen Events.
Das Vikingemuseet Ladby bei Kerteminde ist eines der wichtigsten archäologischen Museen Dänemarks: Es beherbergt das einzige erhaltene Wikingerschiffsgrab des Landes (aus 925), in dem ein namenloser König mit Schiff, Pferden und Hunden bestattet wurde. Besucher steigen in die rekonstruierte Grabkammer hinab und erleben die Atmosphäre hautnah; die Ausstellung erklärt Wikingerkultur, Rituale und das Leben in der Epoche.
Kunstmuseen haben auf Fünen eine starke Tradition, besonders durch die Fynboerne (Fünen-Maler) um 1900. Das Faaborg Museum in Faaborg zeigt Werke von Fritz Syberg, Johannes Larsen, Peter Hansen und anderen – eine der besten Sammlungen impressionistischer und symbolistischer Kunst Dänemarks. Das Johannes Larsen Museet in Kerteminde ist das ehemalige Wohnhaus und Atelier des Malers mit Originalinterieur und Werken zur fünischen Landschaft und Tierwelt. Brandts in Odense (ehemals Brandts Klædefabrik) ist ein modernes Kunstmuseum mit wechselnden Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, Fotografie und Design.
Technik- und Verkehrsmuseen sind ebenfalls prominent: Das Danmarks Jernbanemuseum (Dänisches Eisenbahnmuseum) in Odense ist das größte Skandinaviens mit historischen Lokomotiven, Waggons und Modellen – ein Paradies für Eisenbahnfans. Das Odense Bunkermuseum dokumentiert die deutsche Besatzung 1940 bis 1945 mit originalem Bunker und Ausstellungen zum Widerstand.
Weitere nennenswerte Museen: Das Carl Nielsen Museet in Odense widmet sich dem Komponisten Carl Nielsen mit Noten, Instrumenten und Biografie; das Besættelsesmuseum Fyn (Besatzungsmuseum) in Odense beleuchtet den Zweiten Weltkrieg auf Fünen; das Marstal Søfartsmuseum auf Ærø zeigt maritime Geschichte; und kleinere Heimatmuseen in Bogense, Otterup oder Svendborg (unter anderem das Armenhaus-Museum) erzählen lokale Alltagsgeschichte.
Viele Museen kooperieren (zum Beispiel über Museum Odense oder regionale Netzwerke), bieten kombinierte Tickets, Audioguides und saisonale Events. Digitalisierung ist fortgeschritten: Apps, virtuelle Touren und Online-Archive ergänzen den physischen Besuch. Fünen hat über 20–30 relevante Museen, die die Insel als kulturelles Juwel positionieren – von märchenhaft-literarisch über archäologisch bis industriell-historisch. Sie spiegeln die Identität wider: grün, kreativ, historisch tief und besucherfreundlich.
Architektur
Mittelalterliche und romanisch-gotische Architektur prägt die Insel stark. Fünen besitzt über 250 mittelalterliche Kirchen – eine der höchsten Dichten in Dänemark. Die meisten sind romanische Granit- oder Backsteinbauten aus dem 12./13. Jahrhundert (mit Rundbögen, Tonnengewölben und Apsiden), die später gotisch erweitert wurden (Kreuzrippengewölbe, Spitzbögen). Typisch sind Backsteinkirchen mit Treppengiebeln und Ziegelornamentik (zum Beispiel St. Knuds Domkirke in Odense, ab 1086 als romanischer Bau begonnen, gotisch umgebaut ab 1300). Die Krypta von St. Knud beherbergt die Reliquien Knuts des Heiligen – ein Meisterwerk gotischer Architektur mit Säulen und Gewölben. Viele Dorfkirchen (unter anderem in Kerteminde, Faaborg und Nyborg) haben Freskenzyklen aus dem 15. Jahrhundert („Kalenderbilder“, Bibelszenen), die als „Bibel für Analphabeten“ dienten.
Renaissance und Barock sind auf Fünen durch die zahlreichen Herrenhäuser und Wasserschlösser vertreten – über 120 Schlösser und Gutshöfe, mehr als in jeder anderen dänischen Region. Viele entstanden im 16./17. Jahrhundert aus mittelalterlichen Burgen (zum Beispiel Egeskov Slot bei Kværndrup, 1554 erbaut, eines der best erhaltenen Renaissance-Wasserschlösser Europas mit doppelten Mauern, Wassergraben, Brücken und Park). Brahetrolleborg, Broholm, Hesselagergård und Espe zeigen typische Renaissance-Elemente: Treppengiebel, Volutengiebel, Sandsteinrahmen und symmetrische Anlagen. Barocke Einflüsse finden sich in Rokoko-Interieurs und Landschaftsparks (zum Beispiel Tranekær auf Langeland). Diese Schlösser sind oft noch in Privatbesitz, viele aber als Museen oder Hotels zugänglich.
Fachwerk- und Bürgerarchitektur dominiert die Städte und Dörfer. Odense hat eine der am besten erhaltenen Altstädte Dänemarks mit hunderten Fachwerkhäusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert (unter anderme in der Munkemøllestræde, Andersens Kindheitsheim, und rund um den Dom). Typisch sind bunte Holzfassaden, schräge Dächer und enge Gassen. Svendborg und Faaborg zeigen ähnliche Ensembles mit Kaufmannshäusern und Hafengebäuden. Ländliche Höfe (gaarde) sind oft in rotem Backstein oder weiß getünchtem Fachwerk mit Reet- oder Ziegeldächern gebaut – ein Bild, das Fünen als „idyllisches Dänemark“ prägt.
Moderne und zeitgenössische Architektur hat seit den 1990er Jahren stark zugenommen. Odense ist ein Hotspot für innovative Bauten: Das H.C. Andersen Hus (Kengo Kuma, 2021 eröffnet) ist ein internationales Meisterwerk – ein spiralförmiger, holzverkleideter Komplex mit Garten, der Andersens Märchenwelt räumlich erlebbar macht. Der Odense Universitetshospital-Neubau (OUH, seit 2010er Jahren) ist eines der größten Krankenhausprojekte Europas mit futuristischer Architektur (Bjarke Ingels Group-Elemente). Das Brandts-Gebäude (ehemalige Textilfabrik, umgebaut 2004–2010) zeigt gelungene Industrie-Umnutzung zu Kunstmuseum. In Svendborg und Middelfart entstanden moderne Wohn- und Kulturhäuser mit Glas, Holz und Nachhaltigkeit (Passivhaus-Standards, grüne Dächer). Die Storebæltsbroen (1998) und ihre Zufahrten prägen die Ostküste als Ingenieurbaukunst.
Nachhaltigkeit und Regionalität spielen eine große Rolle: Viele Neubauten nutzen lokales Holz (Eiche, Buche), recycelte Materialien und energieeffiziente Konstruktionen. Die Sanierung historischer Gebäude (zum Beispiel Fachwerkrestaurierung) ist Standard. Fünen hat eine hohe Dichte an denkmalgeschützten Objekten – viele Schlösser, Kirchen und Dörfer sind geschützt und restauriert.
Bildende Kunst
Die bildende Kunst auf Fünen hat eine außergewöhnlich starke und eigenständige Tradition, die besonders im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. Fünen gilt als eine der wichtigsten Kunstlandschaften Dänemarks – vor allem durch die sogenannten Fynboerne (Fünen-Maler), eine lose Künstlergruppe, die um 1880 bis 1920 die Insel zu einem Zentrum impressionistischer, naturalistischer und symbolistischer Malerei machte. Die Landschaft – sanfte Hügel, Obstgärten, Küsten, Dörfer und das weiche Licht – inspirierte Generationen von Künstlern und prägt bis heute das künstlerische Selbstverständnis der Region.
Der Durchbruch der Fynboerne begann in den 1880er Jahren, als junge Maler aus der Königlichen Dänischen Kunstakademie Kopenhagen (Kunstakademiet) die Insel als Motiv entdeckten. Sie lehnten den akademischen Klassizismus ab und suchten stattdessen direkte Naturerfahrung, Pleinair-Malerei und realistische Darstellung des Alltags. Die Gruppe hatte keine formelle Vereinigung, doch zentrale Figuren waren:
- Fritz Syberg (1862 bis 1932), Meister der stimmungsvollen Landschaften, oft mit melancholischem Licht und Familienmotiven (zum Beislpiel „Sommeraften ved Svanninge Bakker“).
- Johannes Larsen (1867 bis 1961), der „Vogelmaler“ Fünens; seine präzisen, lebendigen Tier- und Naturdarstellungen (Vögel, Küstenlandschaften) sind ikonisch. Sein ehemaliges Wohnhaus und Atelier in Kerteminde ist heute das Johannes Larsen Museet.
- Peter Hansen (1868 bis 1928), bekannt für großformatige, farbintensive Landschaften und Figurenbilder mit sozialem Blick (zum Beispiel Arbeiter, Bauern).
- Alhed Larsen (1872 bis 1927), Ehefrau von Johannes Larsen; ihre Blumen- und Interieur-Stillleben sind zart und poetisch.
- Niels Hansen (1880 bis 1948), expressionistischer Maler mit kräftigen Farben und sozialkritischen Motiven.
- Jens Birkemose (späterer Vertreter), abstrakter Expressionismus.
Die Fynboerne malten vor Ort (Pleinair), oft in Gruppen, und stellten in Kopenhagen aus. Ihr Stil war von französischem Impressionismus und skandinavischem Naturalismus beeinflusst, doch mit einer unverkennbar fünischen Note: weiches Licht, grüne Hügel, Obstblüten, Küsten und das einfache Leben. Sie bevorzugten Öl auf Leinwand, Aquarell und Pastell.
Das Faaborg Museum (gegründet 1910 von Mads Rasmussen, Fabrikant und Mäzen) ist das Herz der Fünen-Kunst. Es beherbergt die weltweit bedeutendste Sammlung der Fynboerne – über 1.000 Werke, darunter Hauptwerke von Syberg, Larsen, Hansen und anderen. Das Gebäude selbst (1912 bis 1915 von Carl Petersen entworfen) ist ein Juwel des dänischen Jugendstils mit Kuppel, Säulenhalle und intimen Ausstellungsräumen. Es gilt als eines der schönsten Kunstmuseen Nordeuropas.
Weitere wichtige Institutionen sind:
- Johannes Larsen Museet in Kerteminde – das Wohnhaus und Atelier des Künstlers mit Originalinterieur, Garten und Werken.
- Brandts in Odense – modernes Kunstmuseum mit wechselnden Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, Fotografie und Design.
- Fyns Kunstmuseum (heute Teil von Museum Odense) – Sammlungen zur regionalen Kunst.
- Carl Nielsen Museet in Odense – zwar primär Musik, aber mit Porträts und visuellen Bezügen zur Kunstszene.
Literatur
Die Literatur auf der Insel Fünen (dänisch Fyn) ist weltweit vor allem durch Hans Christian Andersen (1805 bis 1875) geprägt – den berühmtesten Sohn der Insel und einen der einflussreichsten Erzähler der Weltliteratur. Odense als Geburts- und Jugendort Andersens ist das unbestrittene Zentrum der literarischen Identität Fünens, doch die Insel hat auch eine breitere literarische Tradition: von Volksmärchen und regionaler Prosa über moderne Romane bis hin zu Lyrik und Gegenwartsliteratur.
Hans Christian Andersen wurde in ärmlichen Verhältnissen in Odense als Sohn eines Schuhmachers und einer Wäscherin geboren. Er wuchs in der Overgade auf, sog die mündlichen Erzählungen der Stadt und des Umlands auf und verwandelte sie in seine einzigartigen Kunstmärchen. Über 150 Märchen – darunter „Das hässliche Entlein“, „Die kleine Meerjungfrau“, „Des Kaisers neue Kleider“, „Das Feuerzeug“, „Die Schneekönigin“ und „Das standhafte Zinnsoldat“ – entstanden aus fünischen Motiven: die melancholische Landschaft, die Sehnsucht nach Anerkennung, die Magie des Alltäglichen und die soziale Ungerechtigkeit. Andersen selbst nannte Fünen oft „fin“ (fein, gut) und ließ die Insel in vielen Geschichten indirekt lebendig werden – die Gärten, Schlösser, Flüsse und das Meer spiegeln sich in seinen Bildern wider. Sein Werk wurde in über 125 Sprachen übersetzt und prägt die Weltliteratur bis heute. Das H.C. Andersens Hus in Odense (neu eröffnet 2021) und sein Kindheitsheim sind Pilgerorte für Literaturfreunde weltweit; jährliche Festivals und Ausstellungen halten sein Erbe lebendig.
Neben Andersen hat Fünen eine reiche Tradition mündlicher Überlieferung und Volksliteratur. Die Insel war ein Sammelbecken für Folkesagn (Volkssagen), eventyr (Märchen) und sagn (Sagen): Geschichten von Nissen (Hausgeistern), Ellefolk (Elfenwesen), Kirkegrim (Kirchenhunden), versunkenen Schätzen, Hexen und Geistern in alten Höfen. Diese mündlichen Erzählungen nährten nicht nur Andersen, sondern wurden im 19. Jahrhundert auch von Sammlern wie Evald Tang Kristensen (der viel auf Fünen sammelte) aufgezeichnet. Die melancholische, erdverbundene Stimmung vieler Sagen – Sehnsucht, Verwandlung, Gerechtigkeit – ist typisch fünisch.
Im 20. Jahrhundert und bis heute gibt es eine lebendige moderne Literatur aus Fünen. Bekannte Autoren mit Bezug zur Insel:
- Tom Kristensen (1893 bis 1974), modernistischer Dichter und Romancier („Hærværk“), geboren in Kopenhagen, aber mit fünischen Wurzeln und Einflüssen.
- Tove Ditlevsen, zwar Kopenhagenerin, doch ihre melancholische Prosa spiegelt oft die provinzielle Enge, die auch fünische Autoren kennen.
- Knud Sønderby, schrieb über die dänische Provinz und das Meer.
- Jens Christian Grøndahl (geboren 1959 in Sorø, aber lange auf Fünen lebend) mit introspektiven Romanen über Liebe und Identität
- Naja Marie Aidt mit Wurzeln in Grönland, aber zeitweise auf Fünen
- Søren Ulrik Thomsen, Lyriker mit Bezug zur Provinz
- Jesper Wung-Sung, der historische Romane und regionale Stoffe verarbeitet
Fünen hat eine starke lokale Literaturszene: Viele Schriftsteller leben oder arbeiten hier (Odense, Svendborg, Faaborg). Die Odense Literaturfestival (jährlich), Lesungen in Bibliotheken, Cafés und auf Höfen sowie Schreibwerkstätten (zum Beispiel an der SDU) halten die Szene lebendig. Die Fyns Forfatterskole und regionale Schreibgruppen fördern neue Talente. Viele Autoren greifen fünische Themen auf: die sanfte Landschaft, die Isolation der Provinz, die Sehnsucht nach Größerem, das maritime Erbe und die Spannung zwischen Tradition und Moderne.
Theater
Die Theater (teater) auf Fünen haben eine lebendige und traditionsreiche Szene, die von professionellen Bühnen über Amateurtheater bis zu Open-Air- und Sommertheater reicht. Odense ist das unbestrittene Zentrum mit den größten und bekanntesten Häusern, doch auch in Svendborg, Nyborg, Faaborg und kleineren Orten gibt es aktive Theaterkultur. Fünen verbindet klassische dänische Theatertradition mit moderner Inszenierung, experimentellem Spiel und starkem regionalem Bezug – oft inspiriert von Andersen, lokaler Geschichte und der sanften Landschaft.
Das führende und historisch bedeutendste Theater ist das Odense Teater – eines der ältesten und renommiertesten Provinztheater Dänemarks. Gegründet 1796 (als „Det Kongelige Privilegerede Skueplads i Odense“), hat es eine kontinuierliche Tradition und ist seit 1914 im heutigen Gebäude in der Jernbanegade ansässig (nach Umbau 2013 bis 2015 ein modernes, multifunktionales Haus mit drei Bühnen: Store Scene, Lille Scene und Foyer-Scene). Odense Teater produziert pro Saison 8 bis 12 Eigenproduktionen (Schauspiel, Musical, Komödie, Drama) und gastiert oft mit nationalen und internationalen Stücken. Es ist bekannt für hochwertige Inszenierungen von Klassikern (Shakespeare, Ibsen, Strindberg, Molière), zeitgenössischen dänischen Autoren (zum Beispiel Line Knutzon, Nikolaj Zeuthen) und regelmäßigen Andersen-Adaptionen („Den lille Havfrue“, „Kejserens nye klæder“). Das Theater hat eine feste Schauspieltruppe und arbeitet eng mit der Syddansk Musikkonservatorium und SDU zusammen.
Ein weiteres Highlight ist das Svendborg Teater (Teatret Svendborg) – ein charmantes, kleines Stadttheater mit ca. 300 Plätzen, das seit den 1980er Jahren professionelle Produktionen zeigt. Es spezialisiert sich auf intime Schauspiele, Komödien und Musicals, oft mit regionalem Bezug (unter anderem Stücke über das Südfynische Inselmeer oder maritime Geschichten). Das Nyborg Voldspil (Freilichttheater auf der Burg Nyborg Slot) ist eines der traditionsreichsten Open-Air-Theater Dänemarks: Seit 1952 werden hier jeden Sommer historische Schauspiele und Musicals aufgeführt – oft mit Bezug zur dänischen Geschichte (Erik Klipping, Königskonflikte) oder Andersen-Märchen. Die Kulisse der mittelalterlichen Burg macht es zu einem besonderen Erlebnis.
Viele Dörfer und Städte haben amateurteaterforeninger (zum Beispiel Odense Amatør Teater, Svendborg Amatør Scene), die Klassiker, Komödien und eigene Stücke aufführen. Sommertheater (sommerteater) sind ein Markenzeichen: Open-Air-Aufführungen in Parks, auf Höfen, Schlössern oder Stränden – oft mit Picknick-Atmosphäre. Beispiele sind das Teatret Svalegangen (Gastspiele), Faaborg Sommerteater oder Aufführungen im Den Fynske Landsby (historische Kulisse). Viele Produktionen integrieren Musik, Tanz und regionale Dialekte (fynsk).
Moderne und experimentelle Theaterformen finden sich nur in Odense. Das Teatret Apropos und kleinere Gruppen wie Teatret ved Sortebrødre Torv oder Teatret Møllen experimentieren mit Improvisation, Physical Theatre, Site-Specific-Performances und interdisziplinären Projekten (zum Beispiel mit Tanz oder Video). Das Odense International Puppet Theatre Festival (alle zwei Jahre) bringt internationales Figurentheater und Puppenspiel auf die Bühne – ein Erbe, das an Andersens Papirklip und Märchenwelt anknüpft.
Theaterpädagogik und Nachwuchsförderung sind auf Fünen stark vertreten. Viele Schulen und Højskoler bieten Theaterkurse; die Syddansk Musikkonservatorium und Teaterhøjskolen bilden Schauspieler und Regisseure aus. Das Publikum ist treu und vielfältig – von Familien bis zu Kulturinteressierten.
Film
Die Film- und Kinokultur ist vor allem durch das renommierte Odense International Film Festival (OFF) und eine solide Kinolandschaft in Odense und den größeren Städten präsent. Odense ist das klare Zentrum – als Geburtsort von Hans Christian Andersen profitiert die Insel von einer poetischen, märchenhaften Filmtradition, die sich in experimentellem Kurzfilm und künstlerischem Kino widerspiegelt. Die Filmindustrie selbst ist auf Fünen klein und unabhängig, doch der Kurzfilmsektor und Festivals machen die Insel zu einem wichtigen Punkt in der dänischen Filmszene.
Das Odense International Film Festival (OFF) ist das Herzstück der fünischen Filmkultur. Gegründet 1975, ist es das älteste Filmfestival Dänemarks und das einzige, das für den Oscar (Academy Awards), European Film Awards (EFA), Robert Awards (dänischer Filmpreis) und teilweise BAFTA qualifiziert. OFF ist ein reines Kurzfilmfestival (short film festival) und findet jährlich Ende August statt – eine Woche lang mit Wettbewerben, Screenings, Debatten, Workshops, Konzerten und Off-Screen-Events. Es zeigt jährlich 150 bis 170 Kurzfilme aus aller Welt (2025 gab es 163 Filme aus 47 Ländern, darunter starke dänische Präsenz mit zirka 66 Filmen), mit Kategorien wie Fiction, Documentary, Animation, Danish Competition und Youth Competition. Das Festival gilt als „hyggeligste, modigste und mest opfindsomme“ (gemütlichste, mutigste und einfallsreichste) Kurzfilmveranstaltung Dänemarks – experimentell, abenteuerlustig und mit Fokus auf unkonventionelle Filme, die sonst selten den Weg auf die große Leinwand finden. Es findet in mehreren Kinos in Odense statt (zum Beispiel Odeon, Grand Biograf) und strahlt oft in regionale Kinos aus („OFF-Dag“-Livestreams). OFF hat eine starke internationale Reputation und zieht Filmemacher, Kritiker und Publikum aus ganz Europa an.
Die Kinokultur ist auf Fünen solide, aber nicht übermäßig groß. Odense hat mehrere klassische und moderne Kinos:
- Grand Biograf – historisches Kino mit Charme, oft mit Arthouse- und Independent-Filmen.
- Odeon – modernes Multiplex im Konzerthaus-Komplex, zeigt Blockbuster und Festivalscreenings.
- CinemaxX Odense – großes Multiplex mit Mainstream-Programm.
- Brandts und kleinere Veranstaltungsorte – für experimentelle und Kurzfilmvorführungen.
In Svendborg, Faaborg, Nyborg und Middelfart gibt es kleinere Kinos, wie das Scala Svendborg, Bio Faaborg mit einem Mix aus Blockbustern, dänischen Filmen und regionalen Events. Viele Kinos kooperieren mit OFF und zeigen Livestreams oder Specials. Das dänische Kino (mit Fokus auf Kurzfilm und Arthouse) ist auf Fünen stark vertreten – dänische Kurzfilme haben hier eine hohe Präsenz, oft mit lokalen Talenten.
Eine nennenswerte Filmproduktion gibt es auf Fünen kaum – Dänemarks Filmindustrie konzentriert sich auf Kopenhagen (Filmbyen, Zentropa, Nordisk Film). Doch Odense und Fünen dienen gelegentlich als Drehort: für dänische Serien, Kurzfilme und Werbespots (zum Beispiel wegen der idyllischen Landschaft, Schlösser wie Egeskov oder die Altstadt von Odense). Die Syddansk Universitet (SDU) bietet Medien- und Filmkurse, und es gibt kleinere unabhängige Produktionen oder Dokumentarfilme über Andersen, Carl Nielsen oder die Inselgeschichte.
Musik und Tanz
Die Musik und Tanz auf der Insel Fünen (dänisch Fyn) sind tief in der regionalen Identität verwurzelt und reichen von der klassischen Musiktradition über lebendige Volksmusik und moderne Szenen bis zu einer vitalen Tanzkultur, die sowohl traditionell als auch zeitgenössisch ist. Odense ist das unbestrittene Zentrum, doch auch ländliche Gebiete und kleinere Städte wie Svendborg, Faaborg und Kerteminde tragen stark zur musikalischen und tänzerischen Vielfalt bei.
Der größte Name in der Musikgeschichte Fünens ist Carl Nielsen (1865 bis 1931), einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Geboren in Nørre Lyndelse auf Fünen als Sohn eines Malers und Dorfmusikers, prägte er die dänische Musik wie kein Zweiter. Seine sechs Sinfonien, Konzerte (zum Beispiel für Violine, Klarinette, Flöte), Kammermusik und Liederzyklen sind weltberühmt. Nielsen integrierte fünische Volksmelodien und die Landschaft in seine Werke – die Sinfonie Nr. 4 „Das Unauslöschliche“ oder die „Fynsk Foraarskantate“ (Fünischer Frühling) spiegeln die sanfte, aber kraftvolle Natur der Insel wider. Das Carl Nielsen Museet in Odense (Teil von Museum Odense) bewahrt sein Wohnhaus, Instrumente, Manuskripte und Aufnahmen; jährliche Festivals (Carl Nielsen Festival) und Konzerte halten sein Erbe lebendig.
Klassische Musik blüht weiter: Das Odense Symfoniorkester (gegründet 1946) ist eines der besten dänischen Provinzorchester und spielt regelmäßig Nielsen, aber auch zeitgenössische Werke. Es tritt in der Odeon-Konzertsaal (Odense Koncerthus, seit 2014 ein moderner Saal mit exzellenter Akustik) und bei Open-Air-Konzerten auf. Viele junge Musiker kommen von der Syddansk Musikkonservatorium (Teil der SDU) oder der Funen Opera Academy.
Volksmusik und Tanz haben auf Fünen eine starke Tradition. Die Insel war ein Zentrum der folkemusik (dänische Volksmusik) mit Fiedel (geige), Harmonika, Kontrabass und Gesang. Typische Tänze sind fynske folkedanse: Menuet, Polka, Vals, hopsa und eng dans (enger Tanz). Viele Dörfer und Städte haben folkedanseforeninger (Volkstanzvereine), die wöchentlich üben und bei Festen (zum Beispiel Sankt Hans Aften und Erntefeste) auftreten. Die Fynske Spillemænd (fünische Spielleute) spielen traditionelle Melodien, oft bei Hochzeiten oder Dorffesten. Der Folkemusik Festival in Odense und regionale spillemandsstævner (Spielleute-Treffen) halten diese Kultur lebendig.
Moderne Musikszene ist vielfältig: Odense hat eine lebendige Indie-, Rock- und Pop-Szene (zum Beispiel Bands wie When Saints Go Machine, The Raveonettes haben fünische Wurzeln oder Verbindungen). Das Posten und Kansas in Odense sind bekannte Live-Clubs für Rock, Indie und Elektronik. Tøjhusgade und Brandts Passage sind Hotspots für Konzerte und Open Mics. Jazz ist stark: Das Odense Jazz Festival (jährlich) zieht internationale Acts an; der Carl Nielsen International Competition fördert junge Jazz- und Klassiktalente. Elektronische Musik und DJ-Kultur wachsen (zum Beispiel in Svendborg und Odense-Clubs).
Tanz ist auf Fünen breit gefächert: Neben traditionellem Volkstanz gibt es starke Ballett- und Tanzschulen (zum Beispiel Odense Ballettskole, verbunden mit Det Kongelige Teater). Zeitgenössischer Tanz blüht durch Dansekompagniet und Festivals. Streetdance, Hip-Hop, Salsa und Standard- und Lateintänze haben viele Vereine (zum Beispiel Odense Dance Sport Club). Der DGI-Landsstævne (alle fünf Jahre) bringt Tausende Tänzer nach Fünen.
Kleidung
Historisch geprägt von der ländlichen Lebensweise und der Landwirtschaft, entwickelten sich auf Fünen traditionelle Trachten, die heute vor allem bei Festen, kulturellen Veranstaltungen und historischen Nachstellungen zu sehen sind. Diese Trachten zeichnen sich durch ihre funktionale Gestaltung, hochwertige Stoffe und kunstvolle Details aus. Typisch sind zum Beispiel bestickte Blusen, Schürzen, Westen und Kopfbedeckungen, die sowohl den sozialen Status als auch die jeweilige Region innerhalb der Insel symbolisieren können.
In der Vergangenheit war die Kleidung auf Fünen stark vom Alltag geprägt: Arbeitskleidung für Bauern, Fischer oder Handwerker musste robust und praktisch sein. Farben, Stoffe und Schnitte unterschieden sich je nach Jahreszeit und Tätigkeit. Gleichzeitig spiegelte festliche Kleidung bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Erntedankfesten oder kirchlichen Feiertagen den Stolz auf die eigene Herkunft wider. Insbesondere Trachten boten den Menschen die Möglichkeit, ihre regionale Zugehörigkeit und ihr handwerkliches Können zu zeigen.
Heute ist die traditionelle Tracht auf Fünen vor allem ein Ausdruck kultureller Identität und wird bei Volksfesten, historischen Festen, Museumsveranstaltungen oder bei folkloristischen Tanz- und Musikgruppen getragen. Moderne Mode auf der Insel orientiert sich wie im restlichen Dänemark an skandinavischem Design: schlicht, funktional, qualitativ hochwertig und oft nachhaltig produziert. Viele Bewohnerinnen und Bewohner kombinieren heute traditionelle Elemente mit zeitgenössischer Kleidung, sodass die Tracht in moderner Form weiterlebt.
Darüber hinaus spielt Kleidung auf Fünen auch im Tourismussektor eine Rolle. Souvenirläden und lokale Handwerksbetriebe bieten handgefertigte Textilien, Accessoires und Trachtenstücke an, die Besucherinnen und Besucher als Erinnerung an die Kultur der Insel erwerben können. Dadurch wird nicht nur die regionale Handwerkskunst gefördert, sondern auch das Bewusstsein für die kulturelle Vielfalt der Insel gestärkt.
Kulinarik und Gastronomie
Die Küche der Insel Fünen spiegeln die fruchtbare, grüne und maritime Natur der Insel wider und gelten als eine der authentischsten und qualitativ hochwertigsten Regionalküchen Dänemarks. Fünen wird oft als „Danmarks spisekammer“ (Dänemarks Speisekammer) oder „grüner Garten“ bezeichnet – ein Titel, der sich in der Küche durch saisonale, regionale und handwerkliche Zutaten widerspiegelt. Die Gastronomie verbindet klassische dänische Tradition (smørrebrød, frikadeller, æbleskiver) mit moderner nordischer Küche (New Nordic), Hofküche und maritimen Einflüssen.
Die Basis der fünischen Küche sind hochwertige, lokale Produkte: frisches Obst (Äpfel, Birnen, Kirschen, Beeren – besonders aus den Obstgärten Süd- und Westfünens), Hopfen (humle, für Bier und als Gewürz), Kartoffeln, Wurzelgemüse, Kräuter, Wild (Reh, Hase), Fisch (vor allem Meerforelle, Dorsch, Hering, Plattfisch) und Meeresfrüchte (Muscheln, Garnelen). Schweinefleisch (Dänemark ist Weltmarktführer) und Rindfleisch von Weidehaltung sind zentral, ergänzt durch Milchprodukte (Butter, Käse) und Eier. Viele Zutaten kommen direkt vom Hof – der Boom von gaardbutikker (Hofladen) und REKO-Ringe (direkte Erzeuger-Verbraucher-Netzwerke) ist auf Fünen besonders stark.
Traditionelle Gerichte mit fünischem Charakter sind:
- Fynske brunsviger – ein saftiger Zimt-Zucker-Kuchen mit dicker Schicht braunem Zucker, oft mit Marzipan oder Schokolade.
- Æbleskiver – runde Pfannkuchenbällchen, klassisch mit Apfelmus und Puderzucker, besonders zur Weihnachtszeit.
- Frikadeller – dänische Fleischbällchen, oft mit Schweine-/Rindfleisch, Zwiebeln und Gewürzen, serviert mit Kartoffelsalat, Rotkohl und Sauce.
- Smørrebrød – offene Butterbrote, auf Fünen oft mit lokalen Zutaten: geräucherter Lachs, Hering, Roastbeef, Leberpastete, mit frischem Gemüse und Kräutern.
- Flæskesteg – knuspriger Schweinebraten mit Kruste, oft mit Rotkohl und Kartoffeln.
- Fiskefilet – panierte oder gebratene Fischfilets (Dorsch, Scholle) mit Remoulade und Kartoffeln.
Moderne und gehobene Gastronomie blüht seit den 2010er Jahren. Fünen hat mehrere Restaurants mit nationaler und internationaler Reputation:
- Restaurant Under Lindetræet (Odense) – eines der besten Restaurants Dänemarks, oft mit Michelin-Bib Gourmand oder Guide Michelin-Erwähnung; New Nordic mit fünischen Zutaten (Wild, Fisch, saisonales Gemüse).
- Sortebro Kro (bei Odense) – historischer Gasthof mit moderner dänischer Küche, saisonalen Menüs und Fokus auf regionale Produkte.
- Falsled Kro (Süd-Fünen) – legendärer Landgasthof mit Michelin-Stern (ehemals), heute gehobene dänische Klassik mit Obst- und Gemüse-Highlights.
- Restaurant Vækst (Odense) – kreative, vegetarisch-orientierte Küche mit lokalen Zutaten.
- Viele kleinere Perlen in Svendborg, Faaborg und Kerteminde (zum Beispiel Restaurant Fynboen, Restaurant Svendborgsund) servieren Fisch, Meeresfrüchte und Hofprodukte.
Die Bier- und Getränkekultur ist stark vertreten. Fünen hat eine lebendige Craft-Bier-Szene (zum Beispiel Albani-Brauerei in Odense, eine der ältesten Dänemarks; kleine Brauereien wie Fynske Bryghus, Svendborgs Bryghus oder Austrheim Bryggeri). Hopfenanbau auf Fünen liefert Aromahopfen für lokale Biere. Weinbau (siehe vorheriger Text) ergänzt mit Weiß- und Schaumweinen. Aquavit (Aalborg oder lokale Varianten) und lokale Schnäpse (zum Beispiel aus Äpfeln oder Kräutern) runden ab.
Kulinarischer Tourismus gehört zu den neuerdings boomenden Branchen. Viele Höfe bieten spis på gården (Essen auf dem Hof), Kochkurse, Erntefeste und Weinproben. Die Fynske Madfestival (jährlich) und Märkte (zum Beispiel Odense Food Festival) feiern regionale Produkte. Direktvermarktung und Slow-Food-Bewegung sind stark – viele Restaurants arbeiten mit „nose-to-tail“, „root-to-stem“ und Zero-Waste-Konzepten.
Festkultur
Auf Fünen gelten die dänischen Feiertage:
- Neujahr - Nytår (1. Januar)
- Fastnacht - Fastelavn (Montag nach dem 7. Sonntag vor Ostersonntag)
- Gründonnerstag - Skærtorsdag (Ostersonntag - 3 Tage)
- Karfreitag - Langfredag (Ostersonntag - 2 Tage)
- Ostersonntag - Påskesøndag (nach dem ersten Vollmond im Frühling)
- Ostermontag - 2. Påskedag
- Buß- und Bettag - Store Bededag (4. Freitag nach Ostersonntag)
- Christi Himmelfahrt - Kristi Himmelfartsdag (Ostersonntag + 39 Tage)
- Pfingsten - Pinsedag (Ostersonntag + 49 Tage)
- Pfingstmontag - 2. Pinsedag (Ostersonntag + 50 Tage)
- 1. Weihnachtstag - 1. Juledag (25. Dezember)
- 2. Weihnachtstag - 2. Juledag (26. Dezember)
Auf der Fünen gibt es das ganze Jahr über zahlreiche Feste und kulturelle Veranstaltungen, die das Leben auf der Insel lebendig und abwechslungsreich machen. Besonders im Sommer zieht es viele Besucher zu den traditionellen Volksfesten, bei denen lokale Musik, Tanz und Kulinarik im Mittelpunkt stehen. In kleinen Städten wie Odense, der größten Stadt der Insel, werden regelmäßig Straßenfeste und Märkte organisiert, auf denen regionale Produkte und Handwerkskunst angeboten werden. Auch die dänische Kultur kommt bei den Festen nicht zu kurz: Historische Feste erinnern an die Vergangenheit der Insel, während moderne Musik- und Kunstveranstaltungen junge Menschen anziehen. Zu den festlichen Höhepunkten gehören die zahlreichen Hafenfeste, bei denen maritime Traditionen, Bootsparaden und frische Fischgerichte gefeiert werden.
Medien
Im Vergleich zu Kopenhagen ist die Medienpräsenz auf Fünen kompakter, bürgernah und fokussiert auf lokale Themen: Politik, Kultur (insbesondere Hans Christian Andersen), Sport (zum Beispiel OB und GOG), Wirtschaft (Agrar, Robotik) und Alltagsleben.
Die führende Tageszeitung ist Fyens Stiftstidende (kurz Fyens Stift oder FS), gegründet 1772 und damit eine der ältesten Zeitungen Dänemarks. Sie erscheint täglich in Odense und deckt die gesamte Insel ab, mit Schwerpunkt auf Odense, Svendborg, Faaborg, Nyborg und Middelfart. Die Auflage liegt bei rund 20.000 bis 30.000 Exemplaren (gedruckt), doch die digitale Reichweite ist höher (über 100.000 Unique User pro Woche via fyens.dk). Die Zeitung gehört zur Jysk Fynske Medier-Koncern (JFM), Danmarks zweitgrößter privater Mediengruppe, die regionale Titel bündelt. Fyens Stiftstidende ist bekannt für investigative Lokaljournalistik, Kulturberichterstattung (Andersen-Jubiläen, Fünen-Maler) und Sport (Fußball OB, Handball GOG). Sie hat eine starke Online-Präsenz mit Live-Updates, Videos und Paywall (Plus-Abo), und experimentiert mit konstruktivem Journalismus.
Ergänzt wird sie durch Ugeaviser Fyn – wöchentliche Gratiszeitungen (Ugeavisen Odense, Ugeavisen Svendborg, Ugeavisen Faaborg-Midtfyn und andere), die lokale Nachrichten, Kleinanzeigen und Veranstaltungen bringen. Fyns Amts Avis (faa.dk) ist eine weitere regionale Online-Zeitung mit Fokus auf Süd- und Westfünen (Svendborg, Assens, Faaborg), die oft exklusive Stories zu lokalen Ereignissen liefert.
Das Fernsehen ist durch TV 2/Fyn dominiert – einer der acht regionalen Sender des TV 2-Netzwerks, mit Sitz in Odense. Gegründet 1988, sendet TV 2/Fyn täglich regionale Nachrichten, Reportagen und Magazine (zum Beispiel „Fyn i dag“), oft live aus Odense oder Svendborg. Der Sender ist bekannt für konstruktiven Journalismus (seit den 2020er Jahren als Testzentrum), starke SoMe-Präsenz und Nähe zu den Zuschauern. Er deckt alles ab: Wetter, Verkehr, Kultur, Sport und Politik. TV 2/Fyn hat eine eigene App und Website (tv2fyn.dk) mit hoher Reichweite.
DR Fyn (Dänischer Rundfunk, regionaler Ableger) ist die öffentlich-rechtliche Alternative: Mit Studio in Odense produziert DR Fyn regionale Beiträge für DR1, DR2, P4 Fyn und Online (dr.dk/fyn). Es gibt tägliche Radiobeiträge, TV-Einspielungen und digitale Inhalte. DR Fyn gilt als seriös und investigativ, oft in Kooperation mit TV 2/Fyn.
Das Radioangebot ist vielfältig. P4 Fyn (öffentlich-rechtlich) ist der meistgehörte Sender – mit regionalen Nachrichten, Verkehr, Wetter und Musikmix (Pop, Oldies). Lokale Privatsender wie Radio ABC (Odense) oder Radio Svendborg bieten Pop- und Talk-Formate. Community-Radios (unter anderem Free Radio Odense) ergänzen mit Nischenprogrammen.
Digitale und Soziale Medien haben seit den 2010er Jahren stark zugenommen. Alle großen Medien (Fyens Stiftstidende, TV 2/Fyn, DR Fyn) sind auf Facebook, Instagram, TikTok und X aktiv, mit hoher Interaktion. Lokale Influencer und Blogs (zum Beispiel zu Tourismus, Food, Andersen) ergänzen das Angebot. Podcasts (zum Beispiel zu Fünen-Geschichte oder Sport) boomen.
Kommunikation
Das Kommunikationsnetz auf Fünen ist bestens ausgebaut mit Postvertriebsstellen in allen größeren Ortschaften und Internetanschlüsse bis in den letzten Haushalt.
Sport
Die Insel kombiniert maritime, ländliche und urbane Sportarten zu einem charakteristischen Mix: Fußball und Handball dominieren in den Städten, Segeln und Rudern prägen die Küstenregionen, Radfahren und Laufen nutzen die sanfte Hügellandschaft, und traditionelle dänische Disziplinen wie Gymnastik und Bogenschießen haben tiefe Wurzeln. Fünen gilt als eine der sportlich aktivsten Regionen Dänemarks – mit hoher Vereinsdichte, vielen nationalen und internationalen Erfolgen sowie einer starken Verbindung zwischen Breitensport und Leistungssport.
Fußball ist der mit Abstand populärste Sport. Odense Boldklub (OB) ist der bekannteste und erfolgreichste Verein der Insel: Gegründet 1887, gewann OB dreimal die dänische Meisterschaft (1977, 1982 und 2009) und zweimal den Pokal (1991 und 2002). Der Verein spielt im Nature Energy Park (ehemals Odense Stadion, rund 15.600 Plätze) und hat eine leidenschaftliche Fangemeinde. In den 1980er/90er Jahren war OB regelmäßig in Europa vertreten (unter anderem UEFA-Cup-Halbfinale 1990/91 gegen Bordeaux). Heute spielt der Klub meist in der Superliga oder 1. Division. Weitere starke Fußballvereine sind B 1909, B 1913 (beide Odense, zusammen mit OB die „Odense-Trio“) und Næsby BK, Marienlyst oder Svendborg fB. Fünen hat viele Talente hervorgebracht, darunter Nationalspieler wie Jesper Grønkjær, Ulrik Laursen und Pierre-Emile Højbjerg (der in Odense begann).
Handball ist auf Fünen fast genauso populär wie Fußball. Dänemark ist Handball-Weltmacht, und Fünen trägt maßgeblich dazu bei. Der größte Verein ist GOG (Gudme/Oure/Gudbjerg) aus Gudme bei Svendborg: GOG gewann neunmal die dänische Meisterschaft (zuletzt 2022, 2023 und 2024) und ist in den 2020er Jahren einer der stärksten Klubs Europas (regelmäßig in der EHF Champions League). Die Halle GOG Arena in Gudme fasst zirka 2.200 Zuschauer und ist bei Heimspielen oft ausverkauft. Weitere Handball-Hochburgen sind Odense Håndbold (Frauen: mehrfache dänische Meister, 2021–2024 in der EHF Champions League) und Nyborg, Svendborg TGI oder Kerteminde. Viele dänische Nationalspieler kommen aus Fünen, darunter Mikkel Hansen (der in Svendborg begann), Lasse Svan und Niklas Landin.
Maritime Sportarten blühen an den Küsten: Segeln ist besonders im Süden (Svendborg, Faaborg, Ærø) und im Südfynischen Inselmeer stark vertreten. Svendborg gilt als eine der Segelhauptstädte Dänemarks – hier starten die traditionsreiche Fyn Rundt-Regatta für historische Segelschiffe und zahlreiche Yachten-Events. Rudern hat in Odense eine lange Tradition: Der Odense Roklub (gegründet 1879) ist einer der ältesten Rudervereine Dänemarks und brachte Olympiasieger hervor (zum Beispiel im Leichtgewichts-Doppelzweier). Kerteminde und Middelfart sind Zentren für Windsurfen, Kitesurfen und Stand-up-Paddling, während Tauchen und Kajakfahren in den Förden und am Kleinen Belt beliebt sind.
Radfahren und Laufen nutzen die flache bis hügelige Topografie ideal: Fünen ist Teil nationaler Radwege (Nationalrute 1 und 8), und die Insel ist ein Paradies für Rennradfahrer und Mountainbiker (unter anderem Hindsholm und Svanninge Bakker). Der Fynsløbet (Fünen-Rundfahrt) ist ein traditionsreiches Radrennen; viele Profis trainieren hier. Laufen boomt seit den 2010er Jahren: Der Odense Marathon (seit 2008) zieht jährlich über 10.000 Teilnehmer, und der Fyn Halvmarathon in Svendborg ist ebenfalls populär. Triathlon und Multisport-Events (zum Beispiel Ironman 70.3 in Middelfart) gewinnen an Bedeutung.
Traditionelle und Breitensportarten haben tiefe Wurzeln: Gymnastik (DFIF – Danske Gymnastik- og Idrætsforeninger) ist auf Fünen extrem stark – fast jedes Dorf hat eine Turnhalle und Gymnastikvereine mit Tausenden Mitgliedern. Bogenschießen (Odense Bueskytte Klub), Badminton (Odense Badminton), Tischtennis und Volleyball sind weit verbreitet. Der DGI-Landsstævne (alle fünf Jahre) kommt regelmäßig nach Fünen (zum Beispiel 2013 in Svendborg-Odense). Wintersport ist marginal – Skifahren gibt es nur indoor (Odense Isstadion) oder in Schweden/Norwegen.
Persönlichkeiten
Der bekannteste „Sohn“ der Insel ist der Märchenerzähler Hans Christian Andersen. Die wichtigsten von der Insel stammenden Persönlichkeiten sind:
- Hans Tausen (1494 bis 1561), Geistlicher und führender dänischer Reformator
- Tycho Brahe (1546 bis 1601), Astronom und Naturforscher
- Ambrosius Stub (1705 bis 1758), Dichter
- Christian Febiger (auch Fibiger, 1740 bis 1796), Oberst
- Johannes Ewald (1743 bis 1781), Dichter
- Adam Wilhelm Moltke (1785 bis 1864), Staatsmann, erster dänischer Staatsminister (1848 bis 1952)
- Rasmus Rask (1787 bis 1832), Sprachforscher und Philologe
- Hans Christian Andersen (1805 bis 1875), Schriftsteller und Dichter
- Hans Christian Lumbye (1810 bis 1874), Komponist
- C.F. Tietgen (1829 bis 1901), Finanzmogul
- Fritz Syberg (1862 bis 1939), Maler und Illustrator
- Carl Nielsen (1865 bis 1931), Komponist und Dirigent
- Johannes Larsen (1867 bis 1961), Maler und Grafiker
- Peter Hansen (1868 bis 1928), Maler
- Agnes Henningsen (1868 bis 1962), Schriftstellerin
- Morten Korch (1876 bis 1954), Schriftsteller
- Helge Mortensen (1905 bis 1975), Politiker und Minister
- Ove Sprogøe (1919 bis 2004), Schauspieler
- Gunnar Dyrberg (1921 bis 1944), Mitglied der Widerstandsgruppe Holger Danske
- Richard Møller Nielsen (1937 bis 2014), Trainer der dänischen Fußballnationalmannschaft beim EM-Sieg 1992
- Niels Helveg Petersen (1939 bis 2025), Politiker und Minister
- Uffe Ellemann-Jensen (1941 bis 2022), Politiker
- Kim Larsen (1945 bis 2018), Musiker und Sänger
- Troels Trier (1946 bis 2023), Musiker und Künstler
- Bendt Bendtsen (* 1954), Politiker
- Ole Bornedal (* 1959), Filmregisseur und Drehbuchautor
- Caroline Wozniacki (* 1990), Tennisspielerin
Fremdenverkehr
Auch wenn von Fünen oft behauptet wird, dass es nur eine Zwischenstation zwischen dem Festland und Seeland bildet und sozusagen nur eine Durchgangsfunktion für die meisten bildet, spielt der Tourismus für Fünen eine wichtige Rolle. Jährlich kommen vor allem Fahrradtouristen und Segler auf die Insel und bieten somit eine stetige Einnahmequelle für den Kreis.
Ein wichtiger Anziehungspunkt für Touristen ist die Stadt Odense, der Geburtsort des weltberühmten Märchendichters Hans Christian Andersen. Museen, historische Gebäude und ein lebendiges Stadtzentrum verbinden hier Kultur und modernes Stadtleben. Darüber hinaus ist Fünen bekannt für seine vielen Schlösser und Herrenhäuser, wie Schloss Egeskov, das zu den besterhaltenen Wasserschlössern Europas zählt. Auch Wassersport, Segeln und Angeln sind aufgrund der Nähe zum Meer sehr beliebt.
Der Tourismus auf Fünen ist überwiegend sanft und nachhaltig ausgerichtet. Viele Besucher schätzen die ruhige Atmosphäre, regionale Küche und die gute Infrastruktur. Besonders in den Sommermonaten steigt die Zahl der Touristen, vor allem aus Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien.
Unterbringungsmöglichkeiten auf Fünen sind vielfältig und auf unterschiedliche Bedürfnisse ausgerichtet. Es gibt zahlreiche Hotels in Städten wie Odense oder Svendborg, die von einfachen Mittelklassehotels bis hin zu gehobenen Unterkünften reichen. Sehr beliebt sind außerdem Ferienhäuser, die oft in Küstennähe liegen und besonders von Familien genutzt werden. Für Naturliebhaber bieten sich Campingplätze sowie Hütten und Jugendherbergen an. Darüber hinaus gibt es viele Bed & Breakfasts und Bauernhöfe, die eine persönliche Atmosphäre und Einblicke in das ländliche Leben ermöglichen.
Literatur
- wikipedia = https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:F%C3%BCnen
- wikitravel = https://wikitravel.org/de/F%C3%BCnen
- wikivoyage = https://de.wikivoyage.org/wiki/F%C3%BCnen
Reiseberichte
- Life is a trip: Kleine Insel, große Abenteuer = https://life-is-a-trip.com/fyn-kleine-insel-grosse-abenteuer/
- Fünen - eine Reise in Dänemarks grünes Herz = https://www.geniessen-reisen.de/fuenen-reise-daenemarks-gruenes-herz/genießen ujnd reisen:
- Julia: Fünf zauberhafte Orte auf der dänischen Insel Fünen = https://meinweltbuch.com/2018/12/12/fuenf-zauberhafte-orte-auf-der-daenischen-insel-fuenen/
- Radweg-Reisen: Rundtoiur auf Fünen = https://www.radweg-reisen.com/reisebericht/rundtour-fuenen-rad-1
Videos
- Dänemark 4k Drohne Fünen = https://www.youtube.com/watch?v=sPW265VPqwA
- Die Insel Fyn in Dänemark in 4k = https://www.youtube.com/watch?v=yDJjaz_vMmg
- Mein Dänemark: Fünen = https://www.youtube.com/watch?v=L1ItcXMgVxg
- Velkommen til Destation Fyn = https://www.youtube.com/watch?v=cU8QJ2PLOSA
- Land zwischen en Meeren Teil 3 von 4 Fünen und das Inselmeer = https://www.youtube.com/watch?v=HOmksDHscac
Atlas
- Fünen, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/#map=10/55.3206/10.0319
- Fünen, ADAC = https://maps.adac.de/show/fyn
- Fünen, Satellit = https://latitude.to/satellite-map/dk/denmark/12360/funen
Reiseangebote
Visit Fyn - Ostseeinsel Fünen = https://www.visitfyn.de/node/1037
Visit Denmark - Fyn, Fünen in Dänemark = https://www.visitdenmark.de/daenemark/regionen/fyn
Forum
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