Wollin (Wolin)
Wollin, der direkte östliche Nachbar Usedoms, ist die größte Ostseeinsel Polens. Hervorstechend sind ihre bis zu 90 m hohen Klippen. Die glazial geformte Landschaft mt ihren Wald-, Dünen- und Sumpfgebieten ist zum Teil durch den 1960 gegründeten Wolliner Nationalpark geschützt.
Name
Die Insel Wollin, gesprochen [vɔ'li:n], polnisch Wolin, trägt ihren Namen nach der gleichnamigen Stadt Wolin an der Dziwna (Dievenow) im Südosten der Insel. Der Name ist slawischen Ursprungs und geht auf die frühmittelalterliche Siedlung zurück, die bereits im 9./11. Jahrhundert ein bedeutendes Handelszentrum war. Die Etymologie des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Die gängigste Deutung leitet ihn vom präslawischen Wortstamm vol-/vel- ab, der „feucht, nass, wasserreich“ bedeutet. Diese Herkunft passt zur geografischen Lage der Insel, die von den Flussarmen der Oder bzw. der Świna (Swine) im Westen und der Dziwna im Osten sowie vom Stettiner Haff im Süden umgeben und von Feuchtgebieten, Seen und Sümpfen durchzogen ist.
Weitere, weniger gesicherte Theorien verbinden den Namen mit einem slawischen Personennamen wie Wolimir oder ähnlichen Formen, die sich als „großer Frieden“ interpretieren lassen, und einer möglichen Anlehnung an die historische Region Wolhynien (polnisch Wołyń), da im Mittelalter Wolhynier in der Region angesiedelt worden sein könnten. Dazu kommen spekulative Bezügen zu einem slawischen Gott oder dem Wort für „Welle“.
Die frühesten schriftlichen Nennungen des Namens stammen aus dem 9. Jahrhundert. Der sogenannte Bayerische Geograph erwähnt um 845/70 den Stamm der Velunzani (auch Welinzane oder Uelunzani), der das Gebiet um die spätere Stadt Wolin bewohnte. Diese Form gilt als die älteste bekannte Bezeichnung für die Bewohner der Region und damit indirekt für die Insel. Um das Jahr 967 taucht in arabischen Quellen (bei Ibrahim ibn Yaqub) die Form Wulin oder ähnlich auf. Im 11. Jahrhundert beschreibt Adam von Bremen die Stadt als Jumne oder Julin, wobei er sie als eine der größten und reichsten Städte Europas preist. Diese nordischen und lateinischen Varianten - Julin und Jumneta - wurden vor allem von skandinavischen und deutschen Chronisten verwendet und hängen mit der Wikingerpräsenz zusammen.
Im 12. Jahrhundert festigte sich die slawische Form: Varianten wie Volin, Wolin oder Wolyn erscheinen in polnischen und pommerschen Urkunden. Die Stadt und Insel wurden nun einheitlich nach der slawischen Tradition benannt. Während der langen Zugehörigkeit zu Pommern und später zum Deutschen Reich (bis 1945) lautete der offizielle Name deutsch Wollin. Die Aussprache blieb dem polnischen Original ähnlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Angliederung an Polen im Jahr 1945 wurde kurzzeitig der Name Wołyń erwogen, doch bereits 1946 wurde offiziell die bis heute gültige Form Wolin festgelegt.

- international: Wolin
- amharisch: ዎሊን [Wolin]
- arabisch: فولين [fuːliːn], وولين [Wuːliːn]
- armenisch: Վոլին [Volin]
- bengalisch: ওলিন [Olin]
- birmanisch: ဝိုလင် [Wòlìn]
- bulgarisch: Волин [Volin]
- chinesisch: 沃林 [Wò lín]
- deutsch: Wollin
- estnisch: Wolini saar
- georgisch: ვოლინი [Volini]
- griechisch: Βολίν [Voˈlin]
- gudscheratisch: વોલિન [Volin]
- hebräisch: וולין [Voˈlin]
- hindi: वोलिन [Voːlin]
- japanisch: ヴォリン [Voɾiɴ]
- kambodschanisch: វ៉ូលីន [Woːliːn]
- kanaresisch: ವೋಲಿನ್ [Voːlin]
- kasachisch: Волин [Volïn]
- koreanisch: 볼린 [bollin]
- laotisch: ວໂລລິນ [Woːlin]
- lateinisch: Volinum
- lettisch: Volina
- litauisch: Volinas
- makedonisch: Волин [Volin]
- malayalam: വോളിൻ [Voːɭin]
- maldivisch: ވޮލިން [Volin]
- marathisch: वोलीन [Voːliːn]
- nepalesisch: वोलिन [Voːlin]
- orissisch: ଓଲିନ [olin]
- pandschabisch: ਵੋਲਿਨ [Voːlin]
- paschtunisch: ولين [Wəˈlin]
- persisch: ولین [Voˈlin]
- russisch: Волин [Volin]
- serbisch: Волин [Volin]
- singhalesisch: වොලින් [Volin]
- tamilisch: வோலின் [Voːlin]
- telugu: వోలిన్ [Voːlin]
- thai: โวลิน [Woːlin]
- tibetisch: ཝོ་ལིན་ [Wo lin]
- ukrainisch: Волін [Volin]
- urdu: وولین [Voːliːn]
- weißrussisch: Волін [Volin]
Offizieller Name: Wyspa Wolin
- Bezeichnung der Bewohner: Wolinianie (Wolliner)
- adjektivisch: woliński (wolliner)
Kürzel:
- Code: WL /WOL
- Kfz: -
- ISO-Code: PL.ZP.WL
Lage
Wollin ist eine Insel in Hinterpommern vor dem Stettiner Haff, im äußersten Nordwesten Polens auf durchschnittlich 53°55‘ n.B. und 14°31‘ ö.L.. Sie befindet sich rund 45 km nördlich von Stettin.

Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 54°01‘32“ n.B. (Dievenow)
- südlichster Punkt: 53°48‘15“ n.B. (Roof)
- östlichster Punkt: 14°46‘13“ ö.L. (West-Dievenow)
- westlichster Punkt: 14°15‘20“ ö.L. (Swinemünde)
Entfernungen:
- Koprzywskie Łęgi 20 m
- Gogolice (Festland) 150 m
- Swinemünde / Usedom 330 m
- Karsibor 360 m
- Wyspa Chrząszczewska 680 m
- Stettin 45 km
- Köslin 94 km
- Lodsch 401 km
- Warschau 466 km
Zeitzone
Auf Wollin gilt die die Czas środkowoeuropejski bzw. Central European Time (Mitteleuropäische Zeit), abgekürzt CSE bzw. CET (MEZ). Von Ende März bis Ende Oktober gilt die um eine Stunde vorgestellte Czas letni środkowoeuropejski bzw. Central European Summer Time (Osteuropäische Sommerzeit), kurz CLSE bzw. CEST (MESZ) Die Realzeit liegt um 57 bis 59 Minuten vor der Koordinierten Weltzeit (UTC).
Fläche
Wollin hat eine Fläche von 265 km² bzw. 102,3 mi². Die Gemeinde Wollin umfasst mit zugehörigem Festlandteil 327,4 km² bzw. 126,4 mi². Die Insel durchmisst von Nordosten nach Südwesten 36,3 km bei einer maximalen Breite von 16,9 km. Die Küste ist insgesamt rund 100 km lang. Der Tidenhub beträgt 0,03 bis 0,08 m, bei Swinemünde 0,04 m. Höchste Erhebung ist der Grzywacz (Relixberg) auf 116 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei etwa 35 m.
Geologie
Die Insel Wolin entstand während der Weichsel-Eiszeit (vor etwa 115.000 bis 11.700 Jahren), als der skandinavische Inlandeisschild mehrmals über die Region vorrückte und sich wieder zurückzog. Die Insel besteht hauptsächlich aus Geschiebemergel (Till), einer Mischung aus Ton, Sand, Kies und Findlingen, die der Gletscher abgelagert hat. Dieser Grundmoränenboden bildet die flache bis hügelige Grundlage der Insel. Charakteristisch sind die Endmoränen, die als markante Hügelketten in Erscheinung treten: Die höchsten Erhebungen wie der Grzywacz (116 m ü. NN) oder die Kikelberge gehören zu diesen Stauchendmoränen, die entstanden, als das Eis am Rand stagnierte und Material vor sich herschob.
Besonders auffällig ist die nördliche Steilküste mit ihren bis zu 95 Meter hohen Kliffs (zum Beispiel bei Międzyzdroje und Wisełka). Diese bestehen aus wechselnden Schichten von Geschiebemergel, Sanden und Kiesen, die durch die abrasive Wirkung der Ostsee freigelegt werden. Die Kliffs sind aktiv und rücken durch Erosion jährlich um einige Dezimeter bis Meter zurück – ein dynamischer Prozess, der die Insel langsam verkleinert.
Im Süden und Osten prägen flache Sander (Schmelzwassersande) und ehemalige Schmelzwasserrinnen die Landschaft. Das Stettiner Haff und die Flussarme Świna und Dziwna folgen solchen eiszeitlichen Rinnen. Zahlreiche kleinere Seen (unter anderem Turkusowe Jezioro bei Wapnica) sind Relikte von Toteislöchern oder ehemaligen Kreideabbaugebieten. Vor der letzten Eiszeit lag hier ein Gebiet mit Kreideablagerungen (Oberkreide). Diese Kreide tritt heute nur an wenigen Stellen zutage, etwa in alten Gruben bei Wapnica, wo sie früher abgebaut wurde und den türkisfarbenen See hinterließ.
Landschaft
Wollin ist eine relativ flache Insel im Mündungsgebiet der Oder. Westlich wird sie von der Swine (polnisch Świna), östlich von der Dziwna (deutsch Dievenow) begrenzt.Die Gewässer sind neben den Wäldern die dominierenden Ekosysteme der Insel. In seinem nördlichen Teil sind das die Wasser der Ostsee und im Western das Delta der Swina. Das Delta der Swina ist ein Ensemble sumpfiger Inseln und Inselchen, die durch Kanäle unterschiedlicher Stromrichtungen und unterschiedlichen Wasserstands voneinander getrennt sind und zeitweise überflutet werden, besonders im Falle von Rückstaus (wenn die vom Nordwind aufgestauten Wasser der Ostsee ins Stettiner Haff strömen).Vom Hügel Zielonka bietet sich ein malerischer Blick über das weite Panorama des Swina-Deltas und das Stettiner Haff. Im bewaldeten Teil des Parks befinden sich 5 nacheiszeitliche Seen: der Warnowskie-See, der Rabiaz-See, der Czajcze-See und der Domyslowskie-See sowie die künstlichen Seen Turkusowe und Stara Kredownia.
Erhebungen
- Grzywacz (Relixberg) 116 m
- Gora Marii 108 m
- Gosari 93 m
- Lesnogora 91 m
- Lelowa Góra 89 m
Flora und Fauna
Auf der Insel Wolin wurde das Vorkommen von über 1300 Arten von Gefäßpflanzen festgestellt, darunter vieler geschützter und seltener Arten. Von den Waldgemeinschaften haben sich besonders die Buchenwälder gut erhalten, deren Struktur natürlichen Wäldern ähnlich ist. Die am besten erhaltenen Buchengemeinschaften stehen in zwei streng geschützten Gebieten im südlichen Teil des Parks sowie in zwei Bereichen des nördlichen Teils, in dem unter anderem der Orchideen-Buchenwald vorkommt, unter Schutz.
Die Inselfauna ist sehr vielfältig und seltene Arten sich reich vertreten. Durch Wolin führt die Hauptdurchflugsroute der Vögel entlang der Ostseeküste. Im Parkgebiet wurde das Vorkommen von mehr als 230 Vogelarten nachgewiesen, darunter brütender Arten: Seeadler, Seggenrohrsänger, Alpenstrandläufer, Zwergschnäpper. Der Park spielt eine tragende Rolle im Schutz der Lebensräume von Sumpfvögeln, die hier Ruhe und Nahrung finden, besonders während der Migrationsperioden im Frühjahr und Herbst. Die Region des Swina-Deltas wurde zu einem Zufluchtsort für Vögel von europäischer Bedeutung erklärt.
Flora
Die Flora der Insel Wolin ist bemerkenswert artenreich und umfasst auf der gesamten Insel über 1300 Arten Gefäßpflanzen, von denen etwa 600 im Nationalpark vorkommen. Viele davon sind geschützt oder selten, was auf die günstige Lage zwischen Ostsee und Haff sowie den Einfluss atlantischer und kontinentaler Klimazonen zurückzuführen ist.
Die Wälder bedecken große Teile der Insel und sind geprägt von alten Beständen mit einem Durchschnittsalter von rund 130 Jahren. Dominierend ist die Kiefer (sosna), die etwa 68 % der Waldfläche einnimmt, gefolgt vom Buche (buk, 23 %) und Eiche (dąb, 7 %). Andere Baumarten wie Fichte, Lärche, Douglasie und Birke ergänzen das Bild. Besonders wertvoll sind die gut erhaltenen Buchwälder (buczyny), die einer naturnahen Struktur ähneln und als Relikte primärer Wälder gelten. In diesen Wäldern wachsen neun Orchideenarten, darunter seltene wie der Storczyk krwisty oder Lilia złotogłów.
An den steilen Kliffs dominieren dichte Bestände des Sanddorns (rokitnik zwyczajny), der die Hänge stabilisiert und orange Früchte trägt. Die Strände und Dünen beherbergen Pionierpflanzen wie Strandroggen (wydmuchrzyca piaskowa), Strandhafer (honkenia piaskowa), Stranddistel (rukwiel nadmorska) und Strandnelke (solanka kolczysta). In den Feuchtgebieten der Świna-Delta gedeihen halophile (salzliebende) Arten wie Milchkraut (mlecznik nadmorski), Strandaster (świbka nadmorska), Gerards Binse (sit Gerarda) und Knoblauch (czosnek kątowaty).
Im Unterwuchs finden sich zahlreiche Moose und Flechten: Die Bryoflora umfasst 223 Arten, darunter viele westliche, nördliche und bergige Elemente. Pilze sind mit über 460 Makropilzarten vertreten, darunter saprotrophische, parasitische und mykorrhizabildende Arten – etwa 50 essbare und 70 giftige. Im marinen Bereich wachsen Makroalgen wie Braunalgen (morszczyn), Grünalgen (Enteromorpha intestinalis) und Rotalgen.
Seltene Pflanzen wie der Stranddreizack (mikołajek nadmorski), Wacholder oder die Lilien-Zwiebelzahnwurz (pajęczynica liliowata) unterstreichen die botanische Bedeutung der Insel.
Fauna
Die Fauna Wolins ist ebenso vielfältig und profitiert von der Habitatvielfalt: Wälder, Feuchtgebiete, Klippen, Seen und marine Zonen. Über 230 Vogelarten wurden registriert, was die Insel zu einem wichtigen Rast- und Brutplatz auf dem Ostsee-Zugweg macht.
Symbol des Nationalparks ist der Seeadler (bielik), der hier eine stabile Population hat und mit einer Flügelspannweite bis 2,5 m majestätisch über der Landschaft kreist. Weitere Greifvögel sind Uhu (puchacz), Bussard und seltene Arten wie Wassersänger (wodniczka) – einer der seltensten Singvögel Europas – oder Laufvögel wie der variable Strandläufer (biegus zmienny). In der Delta der Świna brüten Schilfvögel wie Rohrdommel, Trzciniak oder Potrzos. Zugvögel wie Kraniche, Gänse und Enten rasten in Massen.
Säugetiere sind prominent vertreten: Der Wisent (żubr) wurde 1976 wiederangesiedelt und kann in einer Schauanlage beobachtet werden. Häufig sind Rothirsch, Reh, Wildschwein, Fuchs, Dachs, Marder und Waschbärhund. In den Gewässern leben Biber, Otter und seltene Fledermäuse (sechs Arten). Marine Säuger wie Grauer Seehund (foka szara) und Schweinswal (morświn) werden zunehmend gesichtet.
Reptilien und Amphibien umfassen 6 Reptilienarten (unter anderem Zauneidechse, Blindschleiche, Kreuzotter) und 9 Amphibien (unter anderem Kammmolch und Knoblauchkröte). Insekten sind reichhaltig: Hirschkäfer, Eichenprachtkäfer, Osmoderma eremita (geschützt), Schwalbenschwanz-Schmetterling und zahlreiche Bienen, Borkenkäfer und Libellen.
Naturschutz
Mehr als die Hälfte ihrer Fläche von 265 km² steht unter irgendeiner Form des Schutzes, was die einzigartige geologische, landschaftliche und biologische Vielfalt – von hohen Kliffs über alte Wälder bis zu Feuchtgebieten und marinen Zonen – widerspiegelt.
Das zentrale und bedeutendste Schutzgebiet ist der Woliński Park Narodowy (Wolin-Nationalpark). Er wurde 1960 gegründet und umfasst 109,37 km², wovon etwa 50 km² auf Land und der Rest auf Wasserflächen entfallen. Der Park liegt im nordwestlichen und zentralen Teil der Insel Wolin an der Odermündung. Er schützt den außerordentlich wertvollen nordwestlichen Teil der Insel Wolin. Aufgrund der Integrierung eines Teils der Pommerschen Bucht sowie der inländischen Meereswasser des Stettiner Haffs wurde der Woliński-Nationalpark zum ersten Meeresnaturpark in Polen. Zu seinen Highlights gehören die bis zu 95 Meter hohen Steilküsten, alte Buchen- und Kiefernwälder, türkisfarbene Seen, Dünen, Feuchtgebiete der Świna-Delta sowie die Wisent-Schauanlage. Der Park ist Lebensraum für den Seeadler (Symboltier), Wisente, seltene Orchideen und zahlreiche Zugvögel.
Um den Nationalpark herum erstreckt sich eine Pufferzone (otulina), die zusätzlich etwa 100 km² umfasst und strengere Bau- und Nutzungsvorschriften vorsieht, um den Kernbereich zu entlasten.
Weitere Naturschutzgebiete auf der Insel sind:
- Rezerwat przyrody Jezioro Czajcze (Czajcze-See) – ein streng geschütztes Feuchtgebietsreservat mit reicher Vogelwelt.
- Rezerwat przyrody Jezioro Kołczewo – schützt einen eutrophen See mit umgebenden Wäldern.
- Rezerwat przyrody Karsiborskie Paprocie – ein kleines Reservat mit seltenen Farnen.
- Rezerwat przyrody Świdwie (teilweise auf Wolin) – wichtiges Vogelschutzgebiet.
- Mehrere kleinere Landschaftsschutzgebiete und Natura-2000-Gebiete, darunter das EU-Vogelschutzgebiet „Zalew Szczeciński“ (Stettiner Haff) und das FFH-Gebiet „Wolin und Uznam“ sowie „Delta Świny“.
Insgesamt stehen auf der Insel Wolin rund 140 bis 150 km² direkt oder indirekt unter Naturschutz (Nationalpark plus Reservate und Pufferzone). Das entspricht mehr als der Hälfte der Inseloberfläche und macht Wolin zu einem der am intensivsten geschützten Gebiete an der polnischen Ostseeküste. Diese Schutzmaßnahmen dienen dem Erhalt der einzigartigen postglazialen Landschaft, der hohen Biodiversität und der Funktion als Rastplatz für Zugvögel auf der Ostseeroute.
Klima
Die Insel Wolin liegt an der südlichen Ostseeküste und weist ein gemäßigt-maritimes Klima auf, das stark vom Einfluss der Ostsee geprägt ist. Dies führt zu milden Wintern, relativ kühlen Sommern, hoher Luftfeuchtigkeit und ganzjährig verteilten Niederschlägen ohne ausgeprägte Trockenperiode. Die Nähe zur Pommerschen Bucht und zum Stettiner Haff mildert Temperatur-extreme ab: Winter sind hier oft milder als im polnischen Inland, und Sommer bleiben angenehm ohne extreme Hitze.
Nach der Köppen-Geiger-Klimaklassifikation gehört das Klima der Insel Wolin zur Kategorie Cfb: ein ozeanisches Klima mit ganzjährig Niederschlag und warmem Sommer (der wärmste Monat liegt unter 22°C im langjährigen Mittel). Dies entspricht einem typischen westküstenmaritimen Klima, wie es in weiten Teilen Nordwesteuropas vorkommt.
Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei etwa 9 bis 10°C. Der kälteste Monat ist der Januar mit Durchschnittstemperaturen um 0 bis 2°C (Tiefstwerte können bis -7°C oder tiefer sinken, sind aber selten). Der wärmste Monat ist der Juli oder August mit Mittelwerten von 20 bis 22°C (Höchstwerte bis 27 bis 30°C möglich, aber nicht häufig). Die Ostsee erwärmt sich im Sommer auf bis zu 19°C, was angenehmes Baden ermöglicht.
Niederschlag fällt ganzjährig relativ gleichmäßig, mit einem leichten Maximum im Sommer (Juli/August etwa 70 bis 80 mm) und Minimum im Frühling (April etwa 40 mm). Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt rund 600 bis 750 mm. Schneefall ist im Winter möglich, doch durch den maritimen Einfluss bleibt die Schneedecke oft dünn und kurzlebig. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch (oft über 80 %), und windige Tage sind häufig, besonders im Herbst und Winter.
Mythologie
Vor der Insel Wollin, vielleicht auch Usedom, soll einst die Stadt Vineta, polnisch Wineta, gelegen haben. Der Sage nach ist Vineta bei einem Sturmhochwasser untergegangen. Grund sei der moralische Verfall der Stadt, der „Hochmut und die Verschwendung der Bewohner“ gewesen. Dabei gab es eine Warnung: Drei Monate, drei Wochen und drei Tage vor dem Untergang der Stadt erschien sie über dem Meer mit allen Häusern, Türmen und Mauern als farbiges Lichtgebilde. Die Ältesten rieten allen Leuten daraufhin, die Stadt zu verlassen, denn sehe man Städte, Schiffe oder Menschen doppelt, so bedeute das immer den Untergang. Doch die Bewohner Vinetas kümmerten sich in ihrem Mangel an Demut nicht darum. Niemand beachtete auch die allerletzte Warnung: Einige Wochen später tauchte eine Wasserfrau dicht vor der Stadt aus dem Meer und rief dreimal mit hoher, schauerlicher Stimme: „Vineta, Vineta, du rieke Stadt, Vineta sall untergahn, wieldeß se het väl Böses dahn“ - „Vineta, Vineta, du reiche Stadt, Vineta soll untergehn, weil sie viel Böses getan hat.“ Noch heute sollen Glocken aus den Tiefen des Meeres zu hören sein.
In volkstümlichen Erzählungen taucht Vineta bei klarem Wetter oder Nebel noch heute aus dem Wasser auf – Kirchtürme und Mauern schimmern unter der Oberfläche des Stettiner Haffs oder vor der Küste Wolins. Fischer berichten von Glockenklängen aus der Tiefe, und an bestimmten Tagen sollen Schiffe über die versunkene Stadt segeln können, ohne Kiel zu berühren.
Eng verknüpft ist die Legende von Jómsborg, der legendären Wikingerfestung. Nordische Sagas (zum Beispiel die Jómsvíkinga saga) schildern Jómsborg als uneinnehmbare Burg der elitären Kriegerbruderschaft der Jomsvikinger unter Palnatoki und später Sigvald. Viele Historiker und Archäologen lokalisieren Jómsborg auf dem Silberberg (Srebrne Wzgórze) bei Wolin oder in der Nähe des Hafens. Die Jomsvikinger galten als unbesiegbare Söldner mit strengem Ehrenkodex – sie durften keine Frauen in der Burg dulden, keine Angst zeigen und mussten jeden Kampf annehmen. Ihre Niederlage gegen die Dänen bei Hjørungavåg markiert das Ende der Sage.
Slawische Mythologie spielte ebenfalls eine Rolle. In vorchristlicher Zeit soll auf Wolin ein Tempel des Gottes Triglav (Trzygłów) gestanden haben – ein dreiköpfiger Gott, der Himmel, Erde und Unterwelt symbolisierte. Helmold von Bosau erwähnt im 12. Jahrhundert heilige Eichen und Quellen auf der Insel, die verehrt wurden. Otto von Bamberg zerstörte bei seiner Missionierung 1128 angeblich heidnische Kultstätten in Wolin.
Spätere volkstümliche Sagen drehen sich um versunkene Schätze, Geisterschiffe und unterirdische Gänge. Eine Erzählung berichtet von einem goldenen Pferd Triglavs, das im Haff versunken sei. Eine andere Legende handelt von der „Weißen Dame“ von Wollin, einem Geist, der in der Burg der pommerschen Herzöge spukt. Auch Räubersagen und Geschichten von versunkenen Kirchenglocken, die bei Sturm läuten, sind weit verbreitet.
Heute leben diese Mythen vor allem im Tourismus und in der Kultur weiter. Das jährliche Festival der Slawen und Wikinger in Wolin rekonstruiert Jómsborg und Vineta mit Hunderten von Darstellern. Archäologische Funde – darunter arabische Münzen, nordische Waffen und slawische Amulette – untermauern die historische Basis vieler Legenden, ohne sie vollständig zu entzaubern.
Geschichte
Die Insel Wolin war bereits in der Steinzeit besiedelt, erlebte im frühen Mittelalter als Handelszentrum Wollin (Julin/Jomsburg) mit Wikinger- und slawischen Einflüssen ihren Höhepunkt und wurde ab dem 12. Jahrhundert christianisiert und germanisiert. Nach schwedischer Herrschaft fiel sie 1720 an Preußen, blieb bis 1945 deutsch und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg polnisch, mit Vertreibung der Deutschen und Ansiedlung polnischer Bevölkerung.
Neolithikum
Die Erstbesiedlung der Insel Wolin erfolgte bereits in der jüngeren Steinzeit (Neolithikum), also etwa zwischen -5500 und -1800. Archäologische Funde belegen, dass die Insel zu den frühesten dauerhaft besiedelten Gebieten an der südlichen Ostsee gehört. Nach dem Ende der letzten Eiszeit (Weichsel-Eiszeit) und dem Abschmelzen des Inlandeises stieg der Meeresspiegel, und die heutige Insel formte sich als erhöhtes Moränenplateau zwischen Lagune und offener See. Die fruchtbaren Böden, reichen Fischgründe und der Schutz durch Wälder und Gewässer machten sie attraktiv für die ersten Ackerbauern und Viehzüchter.
Die ältesten Spuren stammen aus der Trichterbecherkultur (TBK, um -4200 bis -2800), einer der wichtigsten neolithischen Kulturen Nordmitteleuropas. Auf Wolin wurden Siedlungsplätze mit typischen Langhäusern, Keramik mit Trichterrandverzierung und Megalithgräbern entdeckt. Besonders bekannt sind Funde in der Umgebung der späteren Stadt Wolin und an den Ufern des Stettiner Haffs. Die Menschen dieser Kultur betrieben bereits Ackerbau (Anbau von Weizen, Gerste und Hülsenfrüchten), Viehzucht (Rinder, Schafe, Schweine) und ergänzten ihre Ernährung durch Fischfang, Jagd und Sammeln. Bernstein, der an den Stränden reichlich zu finden war, wurde bereits gesammelt und verarbeitet – ein früher Hinweis auf den späteren Handel.
Ab etwa -2800 folgte die Kugelamphorenkultur (KAK), die ebenfalls auf Wolin nachweisbar ist. Charakteristisch sind kugelförmige Tongefäße mit Henkeln sowie Bestattungen in Steinkisten. Diese Kultur brachte möglicherweise neue Techniken in der Töpferei und im Bestattungswesen mit. Später, in der Schnurkeramik- und Glockenbecherkultur (um -2500 bis -1800), verstärkte sich der Einfluss indoeuropäischer Gruppen, erkennbar an schnurverzierten Bechern und Einzelgräbern mit Beigaben wie Streitäxten.
Die neolithischen Siedlungen lagen meist an geschützten Buchten oder auf erhöhten Plätzen nahe Gewässern. Werkzeuge aus Feuerstein (importiert aus weiter entfernten Regionen wie dem heutigen Dänemark oder Schleswig-Holstein), Mahlsteine und Silexbeile zeugen von einem sesshaften Leben. Die Bevölkerungsdichte war noch gering, doch die Insel war bereits in überregionale Austauschnetzwerke eingebunden – vor allem durch den Bernsteinhandel, der später zur Grundlage der wikingerzeitlichen Blüte werden sollte.
Gegen Ende des Neolithikums (Übergang zur Bronzezeit um -1800) verstärkte sich der kulturelle Wandel: Neue Bestattungsformen (Hügelgräber) und der Beginn der Metallverarbeitung deuten auf Kontakte mit südlicheren Kulturen hin. Die Insel blieb jedoch kontinuierlich besiedelt, was sie von vielen anderen Ostseeinseln unterscheidet.
Bronzezeit
Die Bronzezeit (um -1800 bis -700) markiert eine Phase kontinuierlicher Besiedlung und kulturellen Wandels nach dem Neolithikum. Die Insel blieb attraktiv durch ihre strategische Lage an der Oder-Mündung, reiche Bernsteinvorkommen und fruchtbare Böden auf den Moränenplateaus. Archäologische Funde zeigen eine dichte Besiedlung mit Siedlungen, Gräberfeldern und Hortfunden, die Wolin in überregionale Handelsnetze einbanden.
Die frühe Bronzezeit (um -1800 bis -1500) steht im Zeichen der Nordischen Bronzezeitkultur, die von Skandinavien ausstrahlte und Pommern stark beeinflusste. Auf Wolin sind typische Funde wie bronzezeitliche Streitäxte, Dolche und Schmuck (zum Beispiel Spiralringe und Nadeln) nachgewiesen. Die Bevölkerung lebte in kleinen, offenen Siedlungen mit Pfostenhäusern, betrieb Ackerbau (Gerste, Weizen, Hirse) und Viehzucht. Der Übergang zur Metallverarbeitung brachte neue Techniken: Erste Bronzegegenstände wurden lokal gegossen oder importiert, vor allem aus Skandinavien und dem mitteldeutschen Aunjetitzer Kulturkreis.
Besonders bedeutend war der Bernsteinhandel. Wolin lag an der „Bernsteinstraße“, die von der Ostsee über die Oder und Weichsel bis zum Mittelmeer und zum Schwarzen Meer führte. Große Mengen rohen Bernsteins wurden an den Stränden gesammelt und zu Perlen, Anhängern und Figuren verarbeitet. Hortfunde mit Bernstein und Bronzeobjekten (unter anderem in der Umgebung der späteren Stadt Wolin) belegen den Reichtum der lokalen Eliten. Bernstein diente als Zahlungsmittel und Prestigeobjekt und verband die Insel mit mykenischen Kulturen im Süden.
In der mittleren und späten Bronzezeit (um -1500 bis -700) verstärkte sich der Einfluss der Lusatian Kultur (Lausitzer Kultur), die große Teile Mitteleuropas prägte. Auf Wolin sind charakteristische urnenfelderzeitliche Gräberfelder mit Brandbestattungen in Tonurnen gefunden worden. Siedlungen lagen oft auf erhöhten Plätzen oder in der Nähe von Gewässern. Die Wirtschaft basierte weiter auf Ackerbau und Viehzucht, ergänzt durch Fischfang und Jagd. Bronzegegenstände wurden häufiger: Schwerter, Lanzen, Beile, Fibeln und Schmuck zeugen von handwerklicher Spezialisierung.
Burganlagen spielten eine Rolle: Erste befestigte Siedlungen entstanden, die möglicherweise als Schutz vor Raubzügen oder als Handelsstützpunkte dienten. Die Bevölkerung wuchs, und die Insel war Teil eines dichten Netzes von Siedlungen an der pommerschen Küste.
Gegen Ende der Bronzezeit (-8. Jahrhundert) kündigte sich der Übergang zur Eisenzeit an: Erste Eisenfunde tauchen auf, und die Handelskontakte intensivierten sich. Die Gesellschaft war hierarchisch organisiert, mit einer Kriegerelite, die durch Waffenbeigaben in Gräbern erkennbar ist.
Eisenzeit
Die Eisenzeit (um -700 bis 4. Jahrhundert) stellt eine Phase des Übergangs und der Kontinuität dar, in der die Insel weiterhin besiedelt blieb und sich allmählich in die größeren kulturellen Entwicklungen der südlichen Ostseeregion einordnete. Die Einführung der Eisenverarbeitung brachte neue Werkzeuge und Waffen, die die Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig veränderten.
Die frühe Eisenzeit (um -700 bis -400) wird auf Wolin vor allem durch die ostpommersche Gesichtsurnenkultur (auch Pomoranische Kultur) geprägt. Diese Kultur ist bekannt für ihre charakteristischen Brandbestattungen in Tonurnen, die oft mit stilisierten menschlichen Gesichtern („Gesichtsurnen“) verziert waren. Solche Urnen wurden in Gräberfeldern auf der Insel gefunden, zum Beispiel in der Umgebung der späteren Stadt Wolin. Die Gesichtsurnen symbolisierten wahrscheinlich den Verstorbenen oder hatten apotropäische (schützende) Funktion. Die Siedlungen lagen meist auf erhöhten, natürlichen Verteidigungsplätzen oder in der Nähe von Gewässern. Die Wirtschaft basierte weiterhin auf Ackerbau, Viehzucht und Fischfang, ergänzt durch den Bernsteinhandel, der nahtlos aus der Bronzezeit fortgeführt wurde.
Ab dem -5./-4. Jahrhundert setzte die Jastorf-Kultur ein, eine germanische Kultur, die von Norddeutschland und Jütland ausstrahlte und große Teile Pommerns erfasste. Auf Wolin sind Funde wie Fibeln, Eisenmesser, Lanzenspitzen und Schmuck typisch. Die Eisenverarbeitung ermöglichte effizientere Werkzeuge (Pflüge, Sicheln, Äxte), was die landwirtschaftliche Produktivität steigerte. Gleichzeitig entstanden erste befestigte Siedlungen (Burgwälle), die auf eine zunehmende Hierarchisierung und Konflikte hindeuten.
In der späten Eisenzeit (um -200 bis Anfang 1. Jahrhundert), der Latènezeit und der Römischen Kaiserzeit, verstärkte sich der Einfluss germanischer Stämme (vor allem der Bastarnen und später der Goten). Archäologische Funde zeigen römische Importe wie Fibeln, Glasgefäße und Münzen, die über den Bernsteinhandel (via der „Bernsteinstraße“) nach Wolin gelangten. Die Insel war Teil eines weitreichenden Austauschnetzes, das von der Ostsee bis zum Römischen Reich reichte. Bernstein blieb das wichtigste Exportgut; im Gegenzug kamen Luxusgüter und Technologien.
Die Gesellschaft war kriegerisch organisiert: Waffenbeigaben in Gräbern (Schwerter, Schilde, Sporen) deuten auf eine Elite von Kriegern hin. Siedlungen wurden oft mit Wall-Graben-Systemen befestigt. Die Bevölkerung lebte in Langhäusern aus Holz, und die Religion war polytheistisch mit Kultplätzen in Hainen oder an Quellen.
Gegen Ende der Eisenzeit (1. bis 4. Jahrhundert) gehörten Teile Pommerns zur Wielbark-Kultur, die mit den Goten in Verbindung gebracht wird. Auf Wolin sind Funde dieser Kultur nachweisbar, bevor die Goten im Rahmen der Völkerwanderung südwärts zogen. Die Insel wurde in dieser Phase teilweise entvölkert oder die Siedlungsdichte nahm ab, möglicherweise durch Klimaveränderungen oder Migrationen.
Völkerwanderungszeit und frühes Mittelalter
In der Völkerwanderungszeit (4. bis 6. Jahrhundert) war die Insel besiedelt, doch die archäologischen Spuren aus dieser Epoche sind relativ spärlich. Nach dem Abzug germanischer Stämme (vor allem der Goten und Gepiden, die früher in Pommern lebten) in Richtung Süden und Südosten blieb das Gebiet zunächst dünn bevölkert. Ab dem 6./7. Jahrhundert wanderten westslawische Stämme aus dem Osten ein und besiedelten die fruchtbaren Gebiete an der unteren Oder. Auf Wolin ließ sich der lechitische Stamm der Wolinianer (auch Velunzani oder Wieluńczanie genannt) nieder, der zur Gruppe der Pomoranen gehörte. Sie errichteten offene Siedlungen und kleine Burganlagen, die vor allem der Verteidigung und dem Schutz von Handelsplätzen dienten.
Das frühe Mittelalter (8. bis 10. Jahrhundert) markiert die eigentliche Blütezeit Wolins als eines der wichtigsten Zentren der südlichen Ostsee. Die Stadt Wolin an der Mündung der Dziwna entwickelte sich zu einem der größten und reichsten Handelsemporien Nordeuropas. Arabische, nordische und lateinische Quellen beschreiben sie als Jumne, Julin oder Wulin – eine Metropole mit zehntausenden Einwohnern, mächtigen Holz-Erde-Befestigungen, einem tiefen Hafen und internationalem Handel. Hier kreuzten sich Routen von der Ostsee nach Byzanz, vom Orient nach Skandinavien und von der Kiewer Rus nach dem Westen.
Der Handel brachte enormen Wohlstand: Archäologische Funde belegen arabische Silbermünzen (Dirhams), skandinavische Waffen und Schmuck, bernsteinverarbeitende Werkstätten, Glas- und Metallhandwerk sowie Importe aus dem Frankenreich und dem Byzantinischen Reich. Die Wolinianer betrieben selbst intensiven Bernsteinabbau und -handel sowie Salzgewinnung.
Die Insel war multikulturell: Neben den slawischen Wolinianern lebten und handelten Wikinger (Dänen, Norweger, Schweden), die hier Niederlassungen gründeten und Burgen zum Schutz ihrer Interessen errichteten. Die bekannteste Legende verknüpft Wolin mit der Jómsborg, der Festung der elitären Jomsvikinger – einer Söldnerbruderschaft mit strengem Ehrenkodex. Viele Historiker lokalisieren Jómsborg auf dem Silberberg bei Wolin oder in der Nähe des Hafens. Diese nordische Präsenz führte zu einer intensiven kulturellen Durchmischung: Slawische und skandinavische Elemente verschmolzen in Kunst, Bewaffnung und Alltag.
Gleichzeitig blieb Wolin ein Zankapfel der Mächte. Im 9. Jahrhundert wird der Stamm der Velunzani im Bayerischen Geographen erwähnt – eine mächtige civitas mit 70 burgen. Um 967 eroberte der polnische Herzog Mieszko I. die Stadt vorübergehend und integrierte sie in seinen aufstrebenden Staat. Zeitgenössische Quellen wie Ibrahim ibn Yaqub beschreiben Wolin als eine der größten Städte der Slawen. Im 10. Jahrhundert unternahmen dänische und norwegische Wikinger wiederholt Raubzüge und versuchten, Handelsprivilegien zu erzwingen.
Die Gesellschaft war streng hierarchisch: Eine slawische Oberschicht beherrschte den Handel und die Burg, während Handwerker, Fischer und Bauern die Basis bildeten. Die Religion war polytheistisch-slawisch mit möglichen nordischen Einflüssen; heilige Haine und Quellen spielten eine Rolle.
Bis zum Ende des 10. Jahrhunderts blieb Wolin ein unabhängiges oder halb-unabhängiges Zentrum der Pomoranen, das durch Handel und seine strategische Lage an der Oder-Mündung prosperierte. Die Blütezeit als multiethnisches Emporium legte den Grundstein für die späteren Legenden von Vineta und Jómsborg und machte die Insel zu einem der Schlüsselorte der frühen ostseegeschichtlichen Vernetzung.
Hoch-und Spätmittelalter
Im Hochmittelalter war die Insel Wollin (damals oft Julin oder Jumne genannt) eines der bedeutendsten Handels- und Machtzentren an der südlichen Ostsee. Die gleichnamige Stadt an der Mündung der Dziwna (Dievenow) entwickelte sich im 9. bis 11. Jahrhundert zu einem internationalen Emporium, in dem slawische Wolinianer, Wikinger, Sachsen, Araber und sogar byzantinische Händler zusammen trafen. Um das Jahr 1000 unternahmen die Wikinger wiederholt Kriegszüge gegen die Insel und gründeten hier Handelsniederlassungen, zu deren Schutz sie Burgen errichteten. Die bekannteste unter ihnen war die Jomsburg, eine legendäre Festung der elitären Jomsvikinger, die den Hintergrund für die Vinetasage bildete – die Erzählung von der reichen, aber sündigen Stadt, die später im Meer versank.
Aber nicht nur die Dänen und Schweden, auch die Deutschen versuchten, die Wolliner zu unterwerfen. Immer wieder gab es Kriegszüge der Polen. So hatte im Jahre 967 der polnische Herzog Mieszko I., der Kaiser Otto I. tributpflichtig war, Wollin überfallen und zeitweise unter seine Kontrolle gebracht. Die Insel wurde zu einem Zankapfel zwischen den aufstrebenden Mächten Polen, dem Heiligen Römischen Reich und den nordischen Reichen.
Zu Beginn des 12. Jahrhunderts verstärkte sich der Druck. Als um 1120/1121 Julin (Wollin) von einer schwedischen Flotte und einem polnischen Landheer belagert wurde, musste der Pommernherzog Wartislaw I., der bereits den Greif im Wappen führte, kurzzeitig die Oberherrschaft Polens anerkennen. Er versprach zudem die Annahme des Christentums und einen jährlichen Tribut an Herzog Bolesław III. Schiefmund.
Um seinen Einfluss auf Pommern zu vergrößern, entsandte der Polenherzog im Jahre 1124 seinen ehemaligen Lehrer, den Bischof Otto von Bamberg, nach Wollin. Dieser hatte mit Zustimmung des Kaisers und des Papstes den Auftrag zur Missionierung der pommerschen „Heiden“ angenommen. Otto scheiterte zunächst 1124, da die Wolinianer am alten Glauben festhielten, doch bei seinem zweiten Besuch 1128 gelang die Christianisierung. Kirchen wurden gegründet, heidnische Kultstätten zerstört, und Wollin wurde 1140 kurzzeitig Sitz eines eigenen Bistums (später nach Cammin verlegt). Die Bekehrung markierte das Ende des organisierten slawischen Heidentums auf der Insel.
Der im 12. Jahrhundert vollzogenen Christianisierung folgte die Germanisierung Wollins. Um ihre Unabhängigkeit von Polen zu festigen, hatten die pommerschen Herzöge deutsche Ritter und Ratgeber sowie deutsche und dänische Siedler ins Land geholt. Die einheimischen Wenden (slawische Pomoranen) wurden – vor allem durch den Einfluss der christlichen Kirche – schrittweise assimiliert und gaben schließlich auch ihre Sprache auf. Die Herzöge von Pommern förderten die Ostsiedlung, gründeten deutsche Städte nach Magdeburger Recht und integrierten sich in das Reich. Wollin wurde Teil des Herzogtums Pommern, das ab dem 13. Jahrhundert zunehmend deutschsprachig und kulturell dem Reich zugewandt war.
Frühe Neuzeit
In der Frühen Neuzeit gehörte die Insel Wollin zum Herzogtum Pommern, das seit dem Aussterben der greifischen Dynastie 1637 in eine schwierige Erbfolgesituation geriet. Herzog Bogislaw XIV., der letzte Pommernherzog, starb 1637 kinderlos. Entsprechend einem älteren Erbfolgevertrag hätte ganz Pommern an das Kurfürstentum Brandenburg fallen müssen. Doch der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) verhinderte dies zunächst.
Während des Dreißigjährigen Krieges besetzte im Jahre 1627 der kaiserliche General Wallenstein von der katholischen Liga die Insel. Die kaiserlichen Truppen plünderten und brandschatzten, was die Insel schwer traf. Als dann drei Jahre später, 1630, der Schwedenkönig Gustav II. Adolf bei Peenemünde auf Usedom anlandete und in den Krieg eingriff, räumten die Landsknechte Wallensteins die geschundene Insel Wollin widerstandslos. Schwedische Truppen besetzten nun das Gebiet und nutzten es als Stützpunkt für ihre Operationen in Norddeutschland.
Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 zählte Wollin zu Schwedisch-Vorpommern. Schweden erhielt Hinterpommern einschließlich der Oder-Mündung mit Stettin, Wollin und Usedom, während Brandenburg nur Vorpommern westlich der Oder zugestanden wurde. Die schwedische Herrschaft brachte eine straffe militärische Verwaltung, hohe Steuern und die Insel als strategischen Vorposten in der Ostsee. Swinemünde entwickelte sich zu einem wichtigen schwedischen Hafen und Festungsort.
In der Folgezeit führte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg mehrere siegreiche Kriege gegen die Schweden (unter anderem 1659 im Nordischen Krieg und 1675 bis 1679 im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg). Brandenburg eroberte zeitweise große Teile Vorpommerns, musste diese jedoch meist wieder räumen. Ludwig XIV. von Frankreich, der Schweden als Verbündeten schützte, wusste die brandenburgischen Ansprüche immer wieder diplomatisch zu verhindern.
Erst im Großen Nordischen Krieg (1700 bis 1721) änderte sich die Lage entscheidend. Schweden wurde von einer Koalition aus Russland, Dänemark, Sachsen-Polen und später Preußen besiegt. 1713 schloss König Friedrich Wilhelm I. von Preußen einen Vergleich mit dem russischen Fürsten Menshikov und mit Polen, durch den ihm die Inseln Wollin und Usedom eingeräumt wurden.
Preußische Zeit
1720 kam die Insel Wollin endgültig unter preußische Herrschaft, als Friedrich Wilhelm I. im Stockholmer Frieden nach dem Großen Nordischen Krieg das Gebiet um die Oder-Mündung – einschließlich Wollin, Swinemünde und der Insel Usedom – vom Königreich Schweden erwarb. Zuvor hatte Schweden seit dem Westfälischen Frieden 1648 die Herrschaft über Vorpommern ausgeübt, zu dem Wollin gehörte. Die Insel wurde Teil der preußischen Provinz Pommern und dem Regierungsbezirk Stettin zugeordnet.
Unter preußischer Verwaltung blieb Wollin zunächst eine agrarisch und fischereilich geprägte Region. Die Stadt Wollin war ein kleines Ackerbürgerstädtchen mit Hafen an der Dievenow (Dziwna), Swinemünde ein aufstrebender Militär- und Handelshafen. Die Bevölkerung bestand überwiegend aus deutschsprachigen Pommern mit evangelisch-lutherischer Konfession. Die preußische Verwaltung führte eine straffe Organisation ein: Landreformen, Meliorationen und die Ansiedlung von Kolonisten verbesserten die landwirtschaftliche Nutzung, obwohl die Insel durch Sümpfe und Feuchtgebiete eingeschränkt war.
Im 18. Jahrhundert begann die militärische Bedeutung zu wachsen. Swinemünde wurde ab den 1740er Jahren zur Festungsstadt ausgebaut, da die Oder-Mündung strategisch wichtig für den Zugang zur Ostsee war. Friedrich der Große ließ Befestigungsanlagen errichten, und die preußische Marine nutzte den Hafen zunehmend. Die Insel selbst blieb jedoch von direkten Kriegshandlungen weitgehend verschont, auch während des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763), obwohl russische Truppen 1758 bis 1761 Vorpommern besetzten.
Der eigentliche Umbruch kam mit den Napoleonischen Kriegen. Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 musste Preußen im Frieden von Tilsit 1807 große Gebiete abtreten. Wollin fiel zusammen mit dem restlichen Hinterpommern an das neu geschaffene Herzogtum Warschau, einen französischen Satellitenstaat unter sächsisch-polnischer Herrschaft. Die Insel wurde Teil des Departements Stettin.
In dieser kurzen Phase (1807 bis 1813/15) erlebte Wollin eine fremde Verwaltung: Französische Truppen und Beamte waren präsent, Kontinentalsperre und Rekrutierungen belasteten die Bevölkerung. Swinemünde diente zeitweise als Stützpunkt französischer Schiffe. Die Rückkehr zur preußischen Herrschaft erfolgte schrittweise nach Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Russische und preußische Truppen besetzten das Gebiet, und der Wiener Kongress 1815 bestätigte die Rückgabe an Preußen.
Die Insel behielt in der Folgezeit ihren ländlichen Charakter. Die Stadt Wollin war ein kleines Ackerbürgerstädtchen mit Hafen an der Dievenow (Dziwna), Swinemünde (Świnoujście) ein wichtiger Militär- und Handelshafen, und Misdroy (Międzyzdroje) ein beschauliches Fischerdorf.
Der entscheidende Wandel kam ab der Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Entwicklung des Seebadtourismus. Swinemünde wurde bereits 1824 offiziell als Seebad anerkannt und avancierte schnell zu einem der elegantesten Bäder Preußens. Prominente Gäste wie Kaiser Wilhelm I., Bismarck und später Wilhelm II. besuchten den Ort regelmäßig. Es entstanden prächtige Villen, Kurhäuser, eine lange Promenade und 1857 der noch heute bestehende Leuchtturm – mit 68 Metern der höchste an der Ostsee. Misdroy folgte ab den 1830er Jahren: 1835 wurde das erste Badehaus eröffnet, und ab den 1870er Jahren entwickelte sich der Ort zu einem mondänen Kurort mit Seebrücke (erbaut 1890, später verlängert), Hotels und einer wachsenden Sommerfrische für die Berliner und Stettiner Gesellschaft.
Die Infrastruktur verbesserte sich erheblich: 1876 erhielt Swinemünde Eisenbahnanschluss, 1898 folgte Misdroy. Die Kaiserliche Marine baute Swinemünde zur wichtigen Festungs- und Marinestation aus (u. a. Fort Gerharda 1857–1863). Die Insel profitierte von der wirtschaftlichen Blüte Preußens: Landwirtschaft (Getreide, Viehzucht) und Fischerei blieben wichtig, doch der Tourismus wurde zunehmend zur Haupteinnahmequelle der Küstenorte.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erreichte der Bädertourismus seinen Höhepunkt. Swinemünde und Misdroy gehörten zu den „Kaiserbädern“ der Ostsee, vergleichbar mit Heringsdorf oder Ahlbeck auf Usedom. Die Insel war ein beliebtes Ziel der Oberschicht und des Bürgertums: Lange Sandstrände, gesunde Seeluft und die malerischen Kliffs zogen jährlich Zehntausende an. Die Bevölkerung wuchs, neue Villenviertel entstanden, und die Insel wurde als „Perle Pommerns“ gepriesen.
Weltkriegsära
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 gehörte die Insel Wollin als Teil des Landkreises Usedom-Wollin zum Deutschen Reich (Provinz Pommern). Die Insel war überwiegend landwirtschaftlich geprägt, mit wachsendem Tourismus in Orten wie Misdroy (Międzyzdroje) und Swinemünde (Świnoujście). Der Krieg selbst brachte keine direkten Kämpfe auf die Insel, doch die Nähe zur Marinebasis Swinemünde führte zu militärischer Präsenz: Werften bauten U-Boote, und Festungsanlagen wie das Fort Gerharda wurden verstärkt. Viele Inselbewohner dienten an der Front; die Wirtschaft litt unter Versorgungsengpässen.
In der Weimarer Republik und der NS-Zeit (1919 bis 1939) blieb Wollin deutsch. Der Tourismus erholte sich in den 1920er Jahren, und Swinemünde wurde zu einem der beliebtesten Ostseebäder des Reiches. Ab 1933 verstärkte sich die Militarisierung: Swinemünde wurde wichtiger Kriegsmarinestützpunkt, und auf der Insel entstanden weitere Befestigungen. Im Zweiten Weltkrieg diente der Hafen als Ausgangspunkt für Operationen in der Ostsee. Gegen Kriegsende wurde die Insel Schauplatz heftiger Kämpfe: Ab März 1945 bombardierten alliierte Flugzeuge Swinemünde schwer (größter Luftangriff auf ein einzelnes Ziel in Pommern). Am 4./5. Mai 1945 nahm die Rote Armee Wollin ein, nachdem die Wehrmacht kapituliert hatte. Viele Deutsche flohen bereits vorher über die zugefrorene Oder oder per Schiff.
In der Endphase des Zweiten Weltkrieges wurde Wollin von der Roten Armee eingenommen. Anschließend wurde die Insel unter polnische Verwaltung gestellt. Auf der Potsdam-Konferenz (Juli/August 1945) fiel das Gebiet westlich der Oder-Neiße-Linie an Polen (bis zu einer endgültigen Friedensregelung). Die Insel wurde Teil der Woiwodschaft Stettin. Es siedelten sich nun Polen und Ukrainer an, die zunächst größtenteils aus Gebieten östlich der Curzon-Linie gekommen und dort vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auswandern zu müssen. Diese Umsiedler (meist aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten wie Wolhynien, Galizien oder dem Gebiet um Lwów) wurden im Rahmen der staatlich organisierten „Repatriierung“ nach Westen gebracht.
Sofern sie nicht vor der Roten Armee geflohen war, wurde die ansässige deutsche Zivilbevölkerung aufgrund der Bierut-Dekrete in der Folgezeit vertrieben. Diese Dekrete (benannt nach dem polnischen Präsidenten Bolesław Bierut) von 1946 ermächtigten die polnische Verwaltung, deutsches Eigentum zu enteignen und die verbliebene deutsche Bevölkerung auszuweisen. Zwischen 1945 und 1948 wurden fast alle verbliebenen Deutschen vertrieben oder zwangsumgesiedelt – ein Prozess, der oft unter schwierigen Bedingungen ablief. Die Insel verlor damit ihre jahrhundertelange deutsche Prägung.
Kommunistische Zeit
In den ersten Nachkriegsjahren stand die Insel Wollin zunächst unter direkter militärischer Verwaltung der Sowjetunion. Die Rote Armee hatte die Insel im Mai 1945 eingenommen, und bis zum 6. Oktober 1945 (für Świnoujście) bzw. in den folgenden Monaten wurde sie der Volksrepublik Polen zur Verwaltung übergeben. Diese Übergabe erfolgte im Rahmen der Potsdam-Konferenz (Juli/August 1945), die die vorläufige Oder-Neiße-Grenze festlegte. Die Sowjetunion demontierte in dieser Phase industrielle Anlagen (unter anderem in Kreidegruben oder Werften) und transportierte sie als Reparationen ab, bevor die polnische Verwaltung die volle Kontrolle übernahm – ein Prozess, der bis Ende der 1940er Jahre abgeschlossen war.
Die Orte erhielten rasch polnische Namen: Wollin wurde Wolin, Misdroy Międzyzdroje, Swinemünde Świnoujście. Die neue Bevölkerung setzte sich größtenteils aus Umsiedlern zusammen, die aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie (Wolhynien, Ostgalizien) stammten und oft vor die Wahl gestellt worden waren, die sowjetische Staatsbürgerschaft anzunehmen oder auszusiedeln. Viele Polen aus Zentralpolen und auch Ukrainer kamen hinzu. Die ansässige deutsche Zivilbevölkerung – soweit sie nicht bereits geflohen war – wurde aufgrund der Bierut-Dekrete (1946) enteignet und zwischen 1945 und 1948 größtenteils vertrieben. Dieser Bevölkerungsaustausch führte zu einer vollständigen ethnischen Umwandlung der Insel.
Die neuen Siedler bauten die stark kriegszerstörte Infrastruktur wieder auf, oft unter extrem schwierigen Bedingungen: Viele Städte wie Wolin waren zu großen Teilen zerstört, Häfen und Straßen beschädigt, und es mangelte an Materialien und Arbeitskräften. Der Wiederaufbau erfolgte im Rahmen der Planwirtschaft der Volksrepublik Polen, mit Schwerpunkt auf Fischerei, Landwirtschaft und maritimer Wirtschaft.
In der kommunistischen Zeit entwickelte sich die Insel zu einem wichtigen Erholungsgebiet der Volksrepublik Polen. Der Tourismus war staatlich organisiert und stark subventioniert: Große Betriebsferienheime (domy wczasowe) und Sanatorien entstanden vor allem in Międzyzdroje und Świnoujście, die für Arbeiter, Gewerkschaften und Staatsangestellte reserviert waren. Diese Massivbauten prägten das Bild der Seebäder und ermöglichten breiten Schichten der Bevölkerung Urlaub an der Ostsee. Die natürliche Schönheit – breite Strände, hohe Kliffs, Wälder und das Stettiner Haff – zog jährlich Hunderttausende an, obwohl der Zugang durch das geschlossene System der Volksrepublik begrenzt war (kein freier West-Tourismus).
Ein Meilenstein war die Gründung des Woliński Park Narodowy am 3. März 1960 – der erste Nationalpark an der polnischen Ostseeküste und einer der ältesten in Polen. Er umfasste zunächst 4.844 ha und schützte die einzigartigen Kliffs, Buchenwälder und das Świna-Delta. Später (1996) wurde er zum ersten marinen Nationalpark Polens erweitert.
Moderne Zeit
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 und der politischen Wende in Polen erlebte die Insel Wolin eine Phase tiefgreifender Transformation. Die Öffnung der Grenzen und der Übergang zur Marktwirtschaft förderten einen Tourismusboom, der die Insel von einer eher ruhigen Region zu einem der beliebtesten Ferienziele an der polnischen Ostsee machte. Orte wie Międzyzdroje (Misdroy) entwickelten sich rasch zu modernen Seebädern: Ab den 1990er Jahren entstanden zahlreiche neue Hotels, Pensionen und Ferienhäuser, die die sozialistische Betriebsferienheim-Architektur ergänzten oder ersetzten. Die Promenade mit der Aleja Gwiazd (Walk of Fame polnischer Stars) und das jährliche Filmfestival zogen Prominente und Besucher an, während die breiten Strände und die Nähe zum Woliński Park Narodowy Naturliebhaber lockten.
Der Wolin-Nationalpark, bereits 1960 gegründet und 1996 zum ersten Meeresnationalpark Polens erweitert, profitierte von EU-Mitteln nach dem Beitritt Polens 2004. Erweiterte Wanderwege, Aussichtspunkte und die Wisent-Schauanlage machten ihn zu einem Highlight. Die Insel wurde zunehmend als Naherholungsgebiet für Deutsche entdeckt – die offene Grenze ermöglichte Tagesausflüge von Usedom aus.
Kulturell gewann das historische Erbe an Bedeutung: Das Zentrum der Slawen und Wikinger in Wolin (eröffnet um 2000) und das jährliche Festival der Slawen und Wikinger (seit den 1990er Jahren, später Europas größtes Reenactment-Event) belebten die Legenden von Vineta und Jómsborg touristisch.
Infrastrukturell verbesserten sich die Anbindungen: Die S3-Autobahn erreichte die Region schrittweise, und 2015 eröffnete das LNG-Terminal in Świnoujście (auf dem Wolin-Teil) neue wirtschaftliche Impulse. Der Tourismus wurde zur Haupteinnahmequelle, ergänzt durch Landwirtschaft und Fischerei. Um die g leiche Zeit entstanden neue Attraktionen wie der Baltic Miniature Park in Międzyzdroje und verbesserte Radwege für Familien. Die Besucherzahlen stiegen stetig, besonders in der Hochsaison.
Bis zum Beginn der Coronazeit Anfang 2020 florierte der Tourismus auf Wolin. Die Insel profitierte von ihrer naturnahen Lage – Wanderungen im Nationalpark und ruhige Strände boten Erholung fernab großer Menschenmengen. Die Coronamaßnahmen markierten jedoch einen vorübergehenden Einbruch. Lockdowns und Reisebeschränkungen reduzierten die Gästezahlen drastisch, viele Betriebe kämpften ums Überleben. Dennoch erholte sich die Region ab 2023 relativ schnell.
Verwaltung
Wolin ebenso wie Miedzyzdroje und Dziwnów ist eine Gemeinde (gmina) im Landkreis Powiat Kamieński der polnischen Woidwodschaft Westpommern (Województwo Zachodniopomorskie). Der westliche Inselteil gehört zu Stadt Swinemünde (Świnoujście).
Herrschaftsgeschichte
- -1. bis 6. Jahrhundert ostgermanisches Stammesgebiet
- 7. bis 9. Jahrhundert Stammesgebiet der Wilzen
- 9.Jahrhundert bis 1125/28 Stammesgebiet der Lutizen
- 1125/28 bis 6. Juli 1630 Herzogtum Pommern (Ducatus Pomeraniae)
- 6. Juli 1630 bis 1. Februar 1720 Schwedisch-Pommern (Svenska Pommern) im Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
- 1. Februar 1720 bis 18. Januar 1871 Provinz Pommern des Königreichs Preußen
- 18. Januar 1871 bis 9. November 1918 Provinz Pommern im Deutschen Kaiserreich
- 9. November 1918 bis 2. August 1945 Provinz Pommern im Deutschen Reich
- 2. August 1945 bis 29. Dezember 1989 Woiwodschaft Szczecin (Województwo Szczecińskie) der Volksrepublik Polen (Polska Rzeczpospolita Ludowa)
- seit 29. Dezember 1989 Woiwodschaft Westpommern (Województwo Zachodniopomorskie) der Republik Polen (Trzecia Rzeczpospolita)
Legislative und Exekutive
Die Insel Wolin ist in die allgemeine polnische Verwaltungsstruktur eingebunden. Die zuständigen Organe wirken daher auf übergeordneten Ebenen (Woiwodschaft, Landkreis und Gemeinde). Auf gemeindlicher Ebene (lokal) üben die vier beteiligten Gemeinden die Legislative und Exekutive aus:
- Gmina Międzyzdroje (Stadt- und Landgemeinde): Die Rada Miejska w Międzyzdrojach (Stadtrat, 15 Mitglieder) ist das legislative Organ und beschließt Haushalt, Bebauungspläne und lokale Verordnungen für den westlichen und zentralen Teil der Insel. Der Burmistrz Międzyzdrojów (Bürgermeister) führt als Exekutive die Beschlüsse aus.
- Gmina Wolin (Stadt- und Landgemeinde): Die Rada Miejska w Wolinie (Stadtrat, 15 Mitglieder) ist für den größten Flächenanteil der Insel (Südosten und Zentrum) zuständig. Der Burmistrz Wolina leitet die Verwaltung.
- Gmina Dziwnów (Stadt- und Landgemeinde): Die Rada Miejska w Dziwnowie (Stadtrat, 15 Mitglieder) entscheidet über den kleinen östlichen Inselanteil. Der Burmistrz Dziwnowa ist die Exekutive.
- Stadt Świnoujście (kreisfreie Stadt): Für den westlichen Inselteil (Stadtteile Warszów, Przytór-Łunowo und Ognica) gilt die Rada Miasta Świnoujście (Stadtrat, 21 Mitglieder) als Legislative. Der Prezydent Miasta Świnoujście (Stadtpräsident) führt die Exekutive.
Auf Kreisebene gehört der Großteil der Insel zum Powiat kamieński (Landkreis Kamień Pomorski). Hier wirkt die Rada Powiatu Kamieńskiego (Kreistag, 19 Mitglieder) als Legislative für übergeordnete Aufgaben wie Schulen, Krankenhäuser und Kreisstraßen. Der Starosta Kamieński (Landrat) leitet die Exekutive. Der Świnoujście-Teil ist kreisfrei und untersteht keiner Kreisebene.
Auf Woiwodschaftsebene gilt für die gesamte Insel die Sejmik Województwa Zachodniopomorskiego (Woiwodschaftsparlament in Stettin, 30 Mitglieder) als regionale Legislative. Der Marszałek Województwa (Woiwodschaftsmarschall) führt die Exekutive für regionale Angelegenheiten wie EU-Fördermittel, Regionalentwicklung und Tourismusförderung.
Inseloberhaupt
Höchste Repräsentanten der Insel sind die Bürgermeister der Gemeinden sowie der Stadtpräsident von Świnoujście. Diese werden direkt von den Einwohnern gewählt (alle fünf Jahre, zuletzt 2024).
Politische Gruppierungen
der Insel Wolin treten bei lokalen Wahlen (Gemeinderat, Bürgermeister) und bei Wahlen in die regionalen und nationalen Parlamente meist die folgenden Parteien an oder sind in Wahllisten vertreten (wie auch im Rest der Woiwodschaft Zachodniopomorskie / Westpommern):
- Prawo i Sprawiedliwość (PiS), Recht und Gerechtigkeit: eine konservative, national-konservative Partei, die landesweit stark ist und auch in lokalen Räten vertreten sein kann.
- Platforma Obywatelska (PO), Bürgerplattform: eine zentristisch-liberale / konservativ-liberale Partei mit großer Basis in Nord- und Westpolen, oft in Koalition als Koalicja Obywatelska (KO).
- Polskie Stronnictwo Ludowe (PSL), Polnische Volkspartei: traditionell agrarische, ländlich-orientierte Partei, die auch bei Gemeinderatswahlen kandidiert.
- Lewica (Linke / New Left / Demokratische Linke SLD), linke Parteien oder Bündnisse, die bei Regional- und Kommunalwahlen Listen aufstellen.
- Konfederacja (Konföderation), ein rechtspopulistisches/rechts-libertäres Bündnis, das bei nationalen Wahlen auftritt; regional tritt es selten allein in lokalen Räten in Erscheinung.
Diese landesweiten Parteien stellen Kandidaten auch in Gemeinden wie Wolin auf, entweder direkt oder über lokale Wahlkomitees / Wahlbündnisse.
In der Gemeinde Wolin selbst treten neben den Parteien häufig lokale Wahlkomitees an (typisch bei Kommunalwahlen), die meist keine klassischen Parteien, sondern Wählergemeinschaften sind. Beispiele aus früheren Wahlen umfassen:
- Komitet Wyborczy Wyborców Wspólnota Samorządowa – Wählerkomitee „Gemeinschaft der Kommunalverwaltung“
- Komitet Wyborczy Wyborców Forum Regionalne – Regionalforum
- Komitet Wyborczy Wyborców Inicjatywa Gospodarcza – Wirtschaftliche Initiative
Diese Listen treten oft unabhängig von landesweiten Parteien an und setzen sich aus lokalen Kandidaten zusammen, die Themen der Gemeinde vertreten.
Justizwesen und Kriminalität
Das Justizwesen wird primär vom Sąd Rejonowy w Świnoujściu (Amtsgericht in Świnoujście) abgedeckt. Dieses Gericht ist zuständig für die Stadt Świnoujście (einschließlich des Wolin-Teils) und die Gmina Międzyzdroje. Es umfasst Abteilungen für Zivil-, Straf-, Familien- und Grundbuchsachen. Für den restlichen Teil der Insel (Gmina Wolin und Gmina Dziwnów) fallen viele Fälle unter den Sąd Rejonowy w Kamieniu Pomorskim oder höhere Instanzen in Szczecin. Schwere Straftaten gehen an das Sąd Okręgowy w Szczecinie (Landgericht Stettin). Die Gerichte arbeiten nach polnischem Recht, mit hoher Aufklärungsrate bei schweren Delikten.
Die Strafverfolgung obliegt der Policja (Polizei). Auf der Insel gibt es mehrere Stationen, darunter die Komenda Miejska Policji w Świnoujściu (für den westlichen Teil inklusive Międzyzdroje) sowqie die Komisariaty in Wolin, Międzyzdroje und Dziwnów, die der Komenda Powiatowa Policji w Kamieniu Pomorskim unterstellt sind. Diese Einheiten sorgen für Prävention, Patrouillen und Ermittlungen, verstärkt in der Touristensaison.
Die Kriminalität auf Wolin ist sehr niedrig und liegt unter dem polnischen Durchschnitt. Als touristisch geprägte, ländliche und naturnahe Region mit geringer Bevölkerungsdichte (zirka 78 Einwohner/km²) treten vor allem saisonale Delikte wie Diebstähle, Einbrüche in Ferienhäuser oder Verkehrsverstöße auf. Schwere Gewaltkriminalität ist extrem selten; die Insel gilt als eine der sichersten Gebiete Polens. Landesweit ist die Kriminalität in den letzten Jahrzehnten stark gesunken (von über eine Million Straftaten 1999 auf unter 500.000 im Jahr 2022), und touristische Regionen wie Wolin profitieren von hoher Polizeipräsenz und guter Aufklärung.
Flagge und Wappen
Die Insel Wolin als geografische Einheit besitzt weder eine offizielle Flagge noch ein eigenständiges Wappen, da sie keine administrative oder politische Einheit darstellt. Sie verteilt sich auf mehrere Gemeinden (Gmina Międzyzdroje, Gmina Wolin, Gmina Dziwnów) und die kreisfreie Stadt Świnoujście. Symbole existieren daher primär auf Gemeindeebene. Der Woliński Park Narodowy (Wolin-Nationalpark), der einen großen Teil der Insel einnimmt, verwendet den Seeadler (bielik) als Symbol – einen majestätischen Greifvogel, der als Wappentier gilt und die wilde Natur der Insel repräsentiert.
Die Stadt und Gmina Wolin (Namensgeberin der Insel) führen ein eigenes Wappen und eine Flagge, die oft mit der Insel assoziiert werden. Das Wappen zeigt typischerweise Elemente, die auf die historische Bedeutung als Handels- und Wikingerzentrum hinweisen (zum Beispiel ein Greif oder maritime Symbole). Die Flagge ist in Farben gehalten, die die pommersche Tradition widerspiegeln.
Ähnlich hat die Gmina Międzyzdroje ein Wappen mit einer untergehenden Sonne über dem Meer (rote Sonne mit abwechselnd roten und gelben Strahlen über blauen Wellen), das den Kur- und Badecharakter betont.
Der freiwillige Związek Gmin Wyspy Wolin (Verband der Gemeinden der Insel Wolin) dient der Kooperation in Tourismus und Umweltschutz, verfügt jedoch über keine eigenen heraldischen Symbole. Inoffiziell wird die Insel manchmal mit dem Seeadler des Nationalparks oder historischen pommerschen Greifen (aus der Zeit vor 1945, als die Insel Wollin hieß) verbunden. Offizielle Symbole bleiben aber den Gemeinden und dem Nationalpark vorbehalten, was die dezentrale Verwaltungsgliederung der Insel widerspiegelt.
Hauptstadt
Die Insel Wolin ist keine eigenständige administrative oder politische Einheit und hat daher streng genommen keine offizielle Hauptstadt. Sie verteilt sich auf mehrere Gemeinden und eine kreisfreie Stadt, sodass kein zentraler Verwaltungssitz für die gesamte Insel existiert. In touristischen und populären Darstellungen wird jedoch häufig ein Ort als „Hauptort“ oder „Hauptstadt“ der Insel bezeichnet – mit unterschiedlichen Schwerpunkten je nach Kontext.
Touristisch und in vielen Reiseführern gilt heute Międzyzdroje (deutsch Misdroy) als die „Hauptstadt“ oder das Zentrum der Insel Wolin. Dieser Ort ist das beliebteste und belebteste Seebad, bekannt für seine Promenade, Strände, das Filmfestival und die Aleja Gwiazd. Quellen wie der ADAC beschreiben Międzyzdroje explizit als Hauptstadt, da es der touristische Mittelpunkt ist. Diese Wahrnehmung hat sich besonders seit der Nachkriegszeit und dem Aufschwung des Tourismus in den letzten Jahrzehnten verstärkt.
Historisch war die Stadt Wolin (deutsch Wollin) das unumstrittene Zentrum der Insel. Die Insel trägt ihren Namen nach dieser Stadt, die vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eines der bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas war (bekannt als Jumne oder Julin, oft mit Jómsborg oder Vineta assoziiert). Hier lag das politische, wirtschaftliche und kulturelle Herz der Region. Bis 1945, als die Insel zum Deutschen Reich gehörte, blieb Wolin der namengebende und historische Hauptort. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Angliederung an Polen verschob sich der Fokus durch den Tourismusboom stärker auf Międzyzdroje.
Verwaltungsgliederung
Die Insel Wolin (Wyspa Wolin) gehört administrativ zur Woiwodschaft Westpommern (Województwo zachodniopomorskie). Sie ist keine eigenständige Verwaltungseinheit, sondern wird auf mehrere Gemeinden (Gminy) und einen kreisfreien Stadtbezirk aufgeteilt. Die Insel liegt hauptsächlich im Landkreis Kamień Pomorski (Powiat kamieński), mit Ausnahme des westlichen Teils. Der Großteil der Insel – einschließlich der Orte Międzyzdroje, Wolin und Wisełka – gehört zum Powiat kamieński. Dieser umfasst die Gemeinden:
- Gmina Międzyzdroje (Stadt- und Landgemeinde, westlicher und zentraler Teil der Insel mit dem bekannten Seebad Międzyzdroje und Teilen des Woliński Park Narodowy),
- Gmina Wolin (Stadt- und Landgemeinde, südöstlicher und zentraler Teil mit der Stadt Wolin, dem Namensgeber der Insel, sowie vielen Dörfern wie Wisełka, Kołczewo und Warnowo; die größte Fläche auf der Insel),
- Gmina Dziwnów (Stadt- und Landgemeinde, östlicher Rand der Insel mit Teilen von Dziwnów und Międzywodzie; der Hauptteil von Dziwnów liegt jedoch auf dem Festland).
Der westliche Teil der Insel, mit den Stadtteilen Warszów, Przytór-Łunowo und Ognica, gehört zur kreisfreien Stadt Świnoujście (eine eigenständige Stadt mit Kreisrechten, nicht Teil des Powiat kamieński). Świnoujście erstreckt sich insgesamt über die Inseln Wolin und Uznam, wobei der Großteil auf Uznam liegt.
Zusätzlich kooperieren die Gemeinden Międzyzdroje, Wolin und Dziwnów (sowie teilweise Świnoujście in tourismusbezogenen Projekten) im Związek Gmin Wyspy Wolin (Verband der Gemeinden der Insel Wolin), einem freiwilligen Zusammenschluss zur Förderung von Umweltschutz, Tourismus und Infrastruktur.
Verwaltungseinheiten:
1 miasto powiatowe (freie Kreisstadt)
3 osiedla (Stadtteile)
3 gminy (Gemeinden)
27 wsie (Dörfer)
3 miasta (urbane Orte)
Bevölkerung
Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 265 km².
Bevölkerungsentwicklung (geschätzt):
Jahr Einwohner Dichte (E/km²)
1900 22 000 83,02
1950 24 000 90,57
1960 26 000 98,11
1970 27 000 101,89
1980 28 000 105,66
1990 28 000 105,66
2000 23 800 89,81
2001 23 700 89,43
2002 23 600 89,06
2003 23 500 88,68
2004 23 400 88,30
2005 23 300 87,92
2006 23 200 87,55
2007 23 100 87,17
2008 23 000 86,79
2009 22 900 86,42
2010 22 800 86,04
2011 22 680 85,58
2012 22 500 84,91
2013 22 350 84,34
2014 22 200 83,77
2015 22 050 83,21
2016 21 900 82,64
2017 21 750 82,08
2018 21 600 81,51
2019 21 450 80,94
2020 21 300 80,38
2021 21 170 79,89
2022 21 050 79,43
2023 20 900 78,87
2024 20 800 78,49
Volksgruppen
Vom 8. bis zum 12. Jahrhundert dominierte der einheimische westslawische Stamm der Wolinianer (Velunzani oder Wolinianie), ein lechitischer Stamm der Pomeranen, die Region. Die Stadt Wolin (damals Jumne oder Julin) war ein internationales Handelsemporium mit Slawen, Skandinaviern (Wikinger, darunter möglicherweise Jomsvikinger), Sachsen, Rus und sogar Händlern aus dem Orient. Diese Vielfalt machte Wolin zu einer der größten und reichsten Städte Europas jener Zeit.
Ab dem Mittelalter integrierten sich die Wolinianer in das Herzogtum Pommern und verloren ihre tribale Identität. Die Insel gehörte zu pommerschen, später schwedischen und ab dem 18. Jahrhundert preußisch-deutschen Territorien. Bis 1945 war die Bevölkerung überwiegend deutsch (pommern-deutsch), mit einer evangelisch-lutherischen Mehrheit. Die Orte trugen deutsche Namen wie Wollin, Misdroy oder Swinemünde.
Der dramatische Wandel kam nach dem Zweiten Weltkrieg. Gemäß dem Potsdam-Abkommen fiel Wolin 1945 an Polen. Die deutsche Bevölkerung wurde fast vollständig vertrieben (etwa 12 Millionen Deutsche aus den ehemaligen Ostgebieten insgesamt), und die Insel wurde mit Polen aus Zentralpolen und den verlorenen Ostgebieten neu besiedelt. Dieser Bevölkerungsaustausch führte zu einer ethnisch einheitlichen polnischen Gesellschaft.
In der Gegenwart gibt es keine offiziell anerkannten ethnischen Minderheiten auf Wolin. Die Demografie spiegelt die gesamtpolnische Zusammensetzung wider: römisch-katholische Polen mit saisonalen Zuzügen durch Tourismus. Das slawisch-wikingische Erbe wird touristisch gepflegt, etwa beim jährlichen Festival der Slawen und Wikinger, doch es existiert keine lebendige neopaganistische oder ethnische Gemeinde.
Sprachen
Im Früh- und Hochmittelalter (8. bis 12. Jahrhundert) war die dominierende Sprache Altpomoranisch (eine westslawische Lechitische Sprache), die von den Wolinianern (Velunzani) gesprochen wurde – einem slawischen Stamm, der als Untergruppe der Pomoranen gilt. Die Stadt Wolin (damals Jumne, Julin oder Vineta genannt) war ein internationales Emporium mit starkem skandinavischem (Wikinger-)Einfluss, daher wurden hier wahrscheinlich auch Altnordisch und andere germanische Dialekte in Handelskontakten verwendet. Archäologische Funde und Quellen wie Adam von Bremen deuten auf eine mehrsprachige Handelsumgebung hin, in der Slawisch die Alltagssprache der einheimischen Bevölkerung blieb.
Nach der Christianisierung und Eingliederung in das Herzogtum Pommern wurde die Region zunehmend Niederdeutsch (Plattdeutsch) geprägt, insbesondere durch die Ostsiedlung und die Hansezeit. Ab dem 16. Jahrhundert setzte sich Hochdeutsch als Verwaltungs- und Bildungssprache durch, während Niederdeutsch die Umgangssprache vieler Bewohner blieb. Bis 1945 war Deutsch (mit pommerschen Dialekten) die offizielle und vorherrschende Sprache auf der Insel Wollin. Slawische Elemente überlebten in Ortsnamen, aber die Bevölkerung war weitgehend germanisiert.
Nach der Angliederung an Polen und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde Polnisch zur alleinigen Amts- und Alltagssprache. Die neu angesiedelten Polen brachten verschiedene Dialekte mit, doch heute wird auf der gesamten Insel Standardpolnisch gesprochen. Es gibt keine nennenswerten Minderheitensprachen wie Kaschubisch (das weiter östlich in Pommerellen verbreitet ist) oder Deutsch als Alltagssprache.
Heute ist Polnisch die einzige offizielle Sprache und wird von fast allen Bewohnern als Muttersprache verwendet. In touristischen Zentren wie Międzyzdroje, Świnoujście (insbesondere im Kurviertel) und Dziwnów hört man häufig Englisch (vor allem in Hotels, Restaurants und bei jüngeren Menschen) sowie Deutsch – dank der Nähe zur deutschen Grenze und der vielen deutschen Touristen aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Viele Einheimische in der Tourismusbranche sprechen daher fließend oder gut Deutsch und Englisch. In der Stadt Wolin selbst (mit ihrem historischen Charakter) ist die Sprachsituation am polnischsten und touristisch weniger international.
Religion
Die Insel Wolin hat eine reiche religiöse Geschichte, die eng mit ihrer Rolle als frühmittelalterliches Handelszentrum verknüpft ist. Im 9. bis 11. Jahrhundert war Wolin (die Stadt und die Insel) ein bedeutendes Zentrum des slawischen Heidentums. Die einheimischen Wolinianer (ein westslawischer Stamm) verehrten polytheistische Götter, darunter möglicherweise Triglav (Trzygłów), einen dreiköpfigen Gott, dessen Tempel in der Region vermutet wird. Quellen wie Adam von Bremen beschreiben die Stadt als bastion des Paganismus, wo sogar christliche Händler ihre Glauben nicht offen zeigen durften. Der starke skandinavische Einfluss (Wikinger-Händler und Söldner) brachte Elemente der nordischen Mythologie ein, was zu einer multikulturellen Mischung aus slawischen und germanischen Kulten führte. Die Insel wird oft mit der legendären Jómsborg und Vineta in Verbindung gebracht, Orten mit heidnischen Traditionen.
Die Christianisierung erfolgte erst im 12. Jahrhundert. Der polnische Herzog Bolesław III. Krzywousty eroberte das Gebiet um 1121/22 und schickte Missionare. Eine erste Mission scheiterte (der Eremit Bernard wurde vertrieben), doch Bischof Otto von Bamberg gelang 1124/25 und 1128 die Bekehrung: Zuerst wurde er abgewiesen, beim zweiten Besuch akzeptierten die Bewohner den christlichen Glauben. Otto gründete Kirchen in Wolin und Umgebung, und 1140 wurde Wolin kurzzeitig Sitz eines Bistums (später verlegt). Dies markierte das Ende des organisierten Heidentums, obwohl Rückfälle in alte Bräuche vorkamen.
Im Mittelalter und in der Neuzeit dominierte das Christentum. Die gotische Kolegiata św. Mikołaja (St. Nikolaus-Kirche) in der Stadt Wolin, erbaut Ende des 13. Jahrhunderts, ist ein zentrales Zeugnis: Sie war zunächst katholisch, wurde 1535 evangelisch-lutherisch (unter Einfluss der Reformation, mit Jan Bugenhagen als Pastor) und nach 1945 wieder katholisch. Weitere Kirchen auf der Insel entstanden in Orten wie Międzyzdroje (unter anderem Kościół św. Piotra Apostoła) und Świnoujście (Teil auf Wolin). Während der pommersch-deutschen Zeit bis 1945 war der Protestantismus vorherrschend.
Heute ist die Bevölkerung der Insel Wolin überwiegend römisch-katholisch, wie in ganz Polen. Die Parafia pw. św. Mikołaja in Wolin ist aktiv, und religiöse Feste beziehen sich auf die Christianisierung (zum Beispiel polnisch-deutsche Ottonen-Tage mit Rekonstruktionen). Das heidnische Erbe lebt touristisch weiter: Das jährliche Festiwal Słowian i Wikingów und das Zentrum der Slawen und Wikinger in Wolin rekonstruieren paganische Rituale und Mythologie, ohne dass es eine nennenswerte moderne neopaganistische Gemeinde gibt.
Siedlungen

Die Einwohnerzahlen der Gemeinden entwickelten sich wie folgt:
| Gemeinde | Status | Z 2011 | Z 2021 |
| Dziwnów [Reichenbach] | Gemeinde | 4.125 | 3.710 |
| Międzyzdroje [Misdroy] | Gemeinde | 6.731 | 6.165 |
| Świnoujście [Swinemünde] | Urbane Gemeinde | 41.480 | 40.204 |
| Wolin [Wollin] | Gemeinde | 12.533 | 11.792 |
Die wichtigsten Ortschaften auf Wollin sind:
- Świnoujście (Swinemünde) mit den Ortsteilen Warszów (Ostswine), Ognica (Werder), Przytór (Pritter), Łunowo (Haferhorst), Chorzelin (Osternothhafen)
- Międzyzdroje (Misdroy)
- Wolin (Wollin)
- Międzywodzie (Heidebrink)
- Wisełka (Neuendorf auf der Insel Wollin)
- Kołczewo (Kolzow)
- Świętoujść (Swantuss)
- Wapnica (Kalkofen)
- Kodrąb (Codram)
- Łuskowo (Lüskow)
- Warnowo (Warnow)
- Dargobądz (Dargebanz)
- Lubin (Lebbin)
- Wicko (Vietzig)
- Mokrzyca Mała (Klein Mokratz)
- Mokrzyca Wielka (Groß Mokratz)
- Darzowice (Darsewitz)
- Jarzębowo (Jarmbow)
Die Einwohnerzahlen der Ortschaften entwickelten sich wie folgt:
| Ortschaft | Status | Gemeinde | Z 2011 | Z 2021 |
| Dziwnów [Reichenbach] insgesamt | Urbaner Ort | Dziwnów | 2.867 | 2.451 |
| Międzywodzie | Dorf | Dziwnów | 687 | 680 |
| Lubin | Dorf | Międzyzdroje | 447 | 416 |
| Międzyzdroje [Misdroy] | Urbaner Ort | Międzyzdroje | 5.625 | 5.032 |
| Wapnica | Dorf | Międzyzdroje | 476 | 526 |
| Wicko | Dorf | Międzyzdroje | 183 | 191 |
| Świnoujście [Swinemünde] insgesamt | Urbane Gemeinde | Świnoujście | 41.480 | 40.204 |
| Dargobądz | Dorf | Wolin | 410 | 433 |
| Darzowice | Dorf | Wolin | 41 | 61 |
| Domysłów | Dorf | Wolin | 189 | 215 |
| Dramino | Dorf | Wolin | 133 | 112 |
| Jarzębowo | Dorf | Wolin | 59 | 58 |
| Karnocice | Dorf | Wolin | 45 | 54 |
| Kodrąb | Dorf | Wolin | 152 | 149 |
| Kodrąbek | Dorf | Wolin | 248 | 200 |
| Kołczewo | Dorf | Wolin | 721 | 718 |
| Korzęcin | Dorf | Wolin | 67 | 68 |
| Ładzin | Dorf | Wolin | 309 | 317 |
| Łuskowo | Dorf | Wolin | 188 | 158 |
| Mokrzyca Mała | Dorf | Wolin | 206 | 195 |
| Mokrzyca Wielka | Dorf | Wolin | 124 | 91 |
| Piaski Wielkie | Dorf | Wolin | 256 | 210 |
| Płocin | Dorf | Wolin | 108 | 95 |
| Rabiąż | Dorf | Wolin | 42 | 47 |
| Rekowo | Dorf | Wolin | 161 | 183 |
| Sierosław | Dorf | Wolin | 166 | 151 |
| Unin | Dorf | Wolin | 344 | 261 |
| Warnowo | Dorf | Wolin | 341 | 281 |
| Wisełka | Dorf | Wolin | 483 | 468 |
| Wolin [Wollin] | Urbaner Ort | Wolin | 5.014 | 4.702 |
| Zastań | Dorf | Wolin | 137 | 147 |
Die Stadt Świnoujście (deutsch Swinemünde) ist eine der wenigen Städte Polens, die sich über mehrere Inseln erstreckt. Der größte und touristisch geprägte Teil mit Zentrum, Promenade, Kurviertel und breiten Stränden liegt auf der Insel Uznam (Usedom). Der östliche, sogenannte rechtsseitige (prawobrzeżny) Teil der Stadt mit 4.317 Einwohnern im Jahr 2010 befindet sich jedoch auf der Insel Wolin und wird durch den Meeresarm Świna (Swine) getrennt. Der Wolin-Anteil umfasst vor allem die Stadtteile Warszów (historisch Ostswine), Przytór-Łunowo und Ognica. Hier leben nur wenige Tausend Einwohner, und der Charakter ist deutlich maritim-industriell geprägt – im Kontrast zum lebhaften Badeort auf Uznam. Der Bereich dient als wichtiger Hafenstandort mit Frischfischhafen, Teilen des Seehafens, Werften und dem modernen LNG-Terminal (seit 2015 in Betrieb), das eine Schlüsselrolle in der Energieversorgung Polens spielt.
Międzyzdroje (historisch deutsch Misdroy) ist das bekannteste und belebteste Seebad auf der Insel Wolin und gilt als einer der attraktivsten Ferienorte an der polnischen Ostseeküste. Die Stadt liegt im nordwestlichen Teil der Insel, direkt an der offenen Ostsee, und ist von den Hügeln und Wäldern des Woliński Park Narodowy umgeben. Breite, feinsandige Strände, eine lange Promenade und die Nähe zur Natur machen Międzyzdroje zu einem idealen Ziel für Erholungssuchende.
Das Wahrzeichen der Stadt ist die fast 400 Meter lange Seebrücke, von der aus man einen weiten Blick über die Pommersche Bucht und die benachbarte Insel Usedom genießt. Berühmt ist auch die Aleja Gwiazd, eine Promenade mit Handabdrücken polnischer Filmstars, da hier jährlich ein internationales Filmfestival stattfindet. In der Umgebung locken das Wisentgehege im Nationalpark, Wanderwege durch Buchenwälder und zu hohen Steilküsten sowie türkisfarbene Seen in ehemaligen Kreidegruben. Międzyzdroje verbindet maritimes Flair mit kulturellen Veranstaltungen und naturnaher Entspannung und zieht besonders Familien, Paare und Prominente an.
Die Stadt Wolin (historisch deutsch Wollin) liegt im Südosten der gleichnamigen Insel an der Dziwna und ist der Namensgeber der gesamten Insel. Es ist eine ruhige, geschichtsträchtige Kleinstadt, die an der Mündung der Dziwna in das Stettiner Haff gelegen ist. Hier pulsierte im 9. bis 11. Jahrhundert eines der bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas: Die slawische Siedlung, in nordischen Quellen als Jumne oder Julin bekannt, war ein multiethnisches Emporium mit Slawen, Wikingern und Händlern aus fernen Regionen. Sie wird oft mit der legendären Jómsborg der Jomsvikinger oder der versunkenen Stadt Vineta in Verbindung gebracht.
Heute erinnert das Freilichtmuseum „Zentrum der Slawen und Wikinger“ mit rekonstruierten Hütten und jährlichem Festival an diese Blütezeit. Sehenswert sind die gotische St.-Nikolaus-Kirche aus dem 15. Jahrhundert, Reste der alten Stadtmauer und der Marktplatz mit historischen Häusern. Wolin ist ein Ort der Ruhe und Geschichte, ideal für Besucher, die archäologische Stätten, Museen und die Nähe zum Stettiner Haff schätzen, fernab des Massentourismus.
Dziwnów (historisch deutsch Dievenow) ist ein Seebad an der Mündung der Dziwna in die Ostsee. Die Stadt erstreckt sich über eine schmale Nehrung und reicht teilweise auf die Insel Wolin hinein: Der westliche Teil mit 2020 etwas mehr als 800 Einwohnern liegt auf der Insel, der östliche auf dem Festland, verbunden durch eine markante Klappbrücke, die sich regelmäßig für Schiffe öffnet und zu den Attraktionen zählt. Dziwnów ist kleiner und ruhiger als Międzyzdroje, mit breiten Sandstränden, Dünen und einem malerischen Fischerhafen.
Verkehr
Die Insel ist durch Straßen, Wanderwege und Fähren erschlossen. Die erste moderne Brücke zur Insel wurde in den 1950er Jahren erbaut. Konkret geht es um die Klappbrücke in Dziwnów (Dievenow) über die Dziwna (Dievenow), die die Insel mit dem Festland verbindet.
Straßenverkehr
Der Straßenverkehr auf Wolin ist geprägt von ihrer insularen Lage, dem starken Tourismus und den begrenzten festen Verbindungen zum Festland und zur Nachbarinsel Uznam (Usedom). Die Hauptstraßen verlaufen entlang der Küste und durch den Woliński Park Narodowy, wobei die Infrastruktur in den letzten Jahren durch den Bau eines Tunnels erheblich verbessert wurde.
Die wichtigste Verbindung ist der Tunnel pod Świną (Swinetunnel), der seit dem 30. Juni 2023 den westlichen Teil der Insel (Stadtteile von Świnoujście wie Warszów) mit dem Hauptteil von Świnoujście auf Uznam verbindet. Dieser 1,44 km lange Unterwassertunnel (Gesamtlänge mit Zufahrten 3,4 km) ersetzte die früheren Fährverbindungen, die in der Hochsaison lange Wartezeiten verursachten. Er ermöglicht eine schnelle Überfahrt in 2 bis 5 Minuten und ist für den normalen Pkw-Verkehr frei (keine Maut). Der Tunnel ist zweispurig (einspur je Richtung) und wird regelmäßig gewartet, was gelegentlich zu nächtlichen Sperrungen führt.
Zum Festland führen zwei Brücken über die Dziwna (Dievenow):
- Die Klappbrücke in Dziwnów – eine ältere Dreh- oder Klappbrücke, die für Schiffe geöffnet wird und dadurch Wartezeiten verursacht.
- Eine moderne Brücke in der Stadt Wolin, die den südöstlichen Teil der Insel verbindet.
Die Hauptverkehrsachse ist die Woiwodschaftsstraße 102 (droga wojewódzka 102), die entlang der Ostseeküste von Świnoujście über Międzyzdroje nach Dziwnów führt. Weitere wichtige Straßen sind Teile der Landesstraße 3 (droga krajowa 3), die später in die Schnellstraße S3 übergeht und die Insel mit Szczecin und dem polnischen Autobahnnetz verbindet.
In der Hochsaison (Juni bis August) ist der Verkehr oft dicht: Staus entstehen besonders in Międzyzdroje, an den Brücken und auf Zufahrtsstraßen durch den Massentourismus (Strände, Nationalpark). Außerhalb der Saison ist der Verkehr ruhig und fließend. Parkplätze in den Seebädern sind begrenzt, und der Nationalpark hat Einschränkungen für den Autoverkehr (viele Wege nur für Fußgänger/Radfahrer).
Öffentlicher Nahverkehr ergänzt das Angebot: Busse verbinden die Orte, und die Eisenbahnlinie erreicht Świnoujście. Radwege (zum Beispiel R10 entlang der Küste) sind gut ausgebaut und eine beliebte Alternative.
Bahnverkehr
Der Bahnverkehr auf der Insel Wolin begann Ende des 19. Jahrhunderts und diente vor allem dem Tourismusboom in den Seebädern sowie der Anbindung an Stettin und das Deutsche Reich. Die Hauptstrecke ist die Linie Szczecin Dąbie–Świnoujście (historisch Stettin Altdamm–Ostswine), die die Insel durchquert und bis heute die wichtigste Eisenbahnverbindung darstellt.
Die Entwicklung startete in der preußischen Zeit: 1882 eröffnete die Altdamm-Colberger Eisenbahn-Gesellschaft den ersten Abschnitt bis Goleniów (Gollnow). 1892 übernahm die Preußische Ostbahn den Betrieb und verlängerte die Strecke bis Wolin (Wollin). Der entscheidende Ausbau für den Tourismus erfolgte 1899: Die Preußischen Staatseisenbahnen fertigten den Abschnitt bis Międzyzdroje (Misdroy) und ein Jahr später bis Ostswine (heute Świnoujście Port auf der Wolin-Seite). Diese Erweiterung förderte den Zustrom von Badegästen aus Berlin und Stettin in die aufstrebenden Seebäder Międzyzdroje und Swinemünde. Swinemünde (Świnoujście) war zudem Militär- und Handelshafen, sodass Güterverkehr eine Rolle spielte.
Bis 1945 verband eine Eisenbahnfähre (Trajekt) den Bahnhof Ostswine auf Wolin mit dem Hauptbahnhof Swinemünde auf Usedom. Züge aus dem Inland endeten auf der Wolin-Seite, Wagen wurden per Fähre übersetzt – eine Lösung, die den Verkehr behinderte, aber den Bädertourismus ermöglichte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die Insel 1945 an Polen. Die Strecke kam unter Verwaltung der polnischen Staatsbahn (PKP). Kriegszerstörungen betreffend die Brücke über die Dziwna unterbrachen den Betrieb bis 1948. Die Eisenbahnfähre über die Świna wurde eingestellt, und der Bahnhof auf der Usedom-Seite (Świnoujście Centrum) verlor seine direkte Anbindung ans polnische Netz. Züge endeten fortan meist in Świnoujście Port auf Wolin. Um 1950 verlängerte man die Strecke leicht bis zum Fährterminal. In der Volksrepublik Polen (bis 1989) elektrifizierte man die Linie schrittweise (bis 1980 vollständig), und sie diente dem organisierten Tourismus in Betriebsferienheimen.
In der Nachwendezeit blieb die Strecke zweigleisig und elektrifiziert, mit Regionalzügen nach Szczecin und Fernverbindungen. Eine direkte grenzüberschreitende Bahnverbindung nach Deutschland fehlte lange – bis 2008 verlängerte die deutsche Usedomer Bäderbahn (UBB) ihre Strecke bis Świnoujście Centrum auf Usedom, was indirekt den Tourismus auf Wolin begünstigte (Umstieg per Fähre oder später Tunnel).
Heute verkehren Züge der PKP und Przewozy Regionalne auf der Linie, mit Halten in Wolin, Międzyzdroje und Świnoujście Port. Der 2023 eröffnete Swinetunnel hat den Straßenverkehr entlastet, doch die Bahn bleibt wichtig für Pendler und Touristen. Die Geschichte des Bahnverkehrs auf Wolin spiegelt somit den Wandel von preußischem Bädertourismus über kriegsbedingte Unterbrechungen bis zur modernen regionalen Anbindung wider.
Schiffsverkehr
Der Schiffsverkehr konzentriert sich vor allem auf den Seehafen von Świnoujście, dessen Großteil (einschließlich Fährterminal, LNG-Terminal und Frachthafen) auf dem östlichen, zur Insel gehörenden Stadtteil (unter anderem Warszów) liegt. Świnoujście ist einer der wichtigsten Häfen Polens an der Ostsee und teilt sich in Handelshafen, Fährhafen, Kreuzfahrtbereich sowie Militär- und LNG-Terminal auf. Der Hafen ist eisfrei und verzeichnet jährlich Tausende Schiffsanläufe, mit einem Frachtumschlag von rund 20 Millionen Tonnen (Stand 2022), darunter Schüttgut, Container und Energieimporte.
Internationale Fährverbindungen nach Skandinavien (konkret Ystad und Trelleborg in Schweden) werden von Reedereien wie Unity Line, Polferries und TT-Line betrieben. Diese Autofähren starten vom Terminal auf der Wolin-Seite und sind ein zentraler Bestandteil des Verkehrs – besonders für Touristen und Lkw aus Polen und Deutschland.
Der innerstädtische Verkehr in Świnoujście wurde lange durch Fähren über die Świna geprägt: Früher pendelten Autofähren und eine kostenlose Stadtfähre (für Fußgänger, Radfahrer und teilweise Einheimische) zwischen Usedom und Wolin. Seit der Eröffnung des Swinetunnels im Juni 2023 ist der Autoverkehr über Fähren weitgehend entfallen; nur noch eine kleine Fähre für Fußgänger und Radfahrer verkehrt.
Touristische Schifffahrt ist in den Seebädern beliebt:. Von Międzyzdroje und Dziwnów starten Ausflugsboote, darunter Piratenschiffe (zum Beispiel „Korsarz“ oder „Victoria“) für Rundfahrten auf der Ostsee, dem Stettiner Haff oder dem Kamieński-See (Zalew Kamieński). In Dziwnów gibt es Fahrten nach Kamień Pomorski, oft mit stilisierten Wikingerschiffen oder Galeonen. Diese saisonalen Angebote (hauptsächlich Sommer) richten sich an Familien und Touristen.
Kleinere Häfen wie in Wolin oder Wapnica dienen Fischerbooten und Yachten; der Yachthafen in Świnoujście liegt größtenteils auf Usedom. Kreuzfahrtschiffe legen gelegentlich an, doch der Fokus bleibt auf Fracht und Fähren.
Flugverkehr
Der nächstgelegene internationale Verkehrsflughafen ist der Flughafen Szczecin-Goleniów (SZZ) in Goleniów, etwa 50 km südöstlich der Insel (Fahrzeit 45 bis 60 Minuten über die S3). Er bietet Linienflüge nach Warschau, Oslo, London, Krakau und saisonale Charter nach Antalya, Burgas oder Rhodos. Für die meisten Besucher und Einwohner Wolins ist dies der primäre Flughafen.
Ein weiterer, etwas näherer Flugplatz ist der Flughafen Heringsdorf (HDF) auf der Nachbarinsel Usedom auf der deutschen Seite, zirka 20 bis 30 km westlich von Świnoujście. Er wird vor allem in der Sommersaison von deutschen Airlines (zum Beispiel Eurowings, Lufthansa) mit Flügen aus Frankfurt, Düsseldorf oder Stuttgart angeflogen und ist für Touristen aus Deutschland eine beliebte Alternative.
Auf der Insel selbst existieren nur kleine Einrichtungen wie der Sportflugplatz in Wapnica (bei Międzyzdroje), ein Graslandeplatz für Ultraleichtflugzeuge, Segelflug und Fallschirmspringen, betrieben vom Aeroklub Szczeciński. Er dient hauptsächlich der Freizeitfliegerei und Ausbildung. Hubschrauberlandeplätze in Świnoujście (unter anderem am Krankenhaus) und Międzyzdroje für Rettungseinsätze (Lotnicze Pogotowie Ratunkowe) oder private Charter. In der Vergangenheit gab es während der Volksrepublik Polen einen kleinen Militärflugplatz bei Świnoujście, der jedoch nicht mehr existiert.
Kommerzielle Linienflüge oder größere Chartermaschinen landen nicht auf Wolin – die Insel ist zu klein und der Bedarf zu gering. Der Flugverkehr bleibt somit auf benachbarte Flughäfen verlagert, während die Insel selbst nur für Sport- und Rettungsfliegerei genutzt wird. Für Reisende bedeutet das: Die Anreise erfolgt meist per Auto, Bahn oder Fähre, mit Umstieg am Flughafen Szczecin-Goleniów oder Heringsdorf.
Wirtschaft
Wollin lebt vorwiegend vom Tourismus. Auf der Insel befinden sich Seebäder, unter anderem das bekannte Ostseebad Międzyzdroje (deutsch Misdroy).
Landwirtschaft
Früher war die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftszweig: In der preußischen Zeit und bis 1945 dominierten Getreideanbau (Roggen, Hafer, Gerste), Kartoffeln und Viehzucht (Milchwirtschaft, Schweine). Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Umsiedlung wurde die Landwirtschaft im Rahmen der Volksrepublik Polen kollektiviert (PGR – Państwowe Gospodarstwa Rolne), doch viele Betriebe scheiterten an den schwierigen Bedingungen. Nach 1989 privatisierte man die Flächen; viele Höfe wurden aufgegeben oder in Nebenerwerb umgewandelt.
Heute gibt es nur wenige größere landwirtschaftliche Betriebe, meist Familienhöfe mit Viehzucht (Rinder, Schafe) und Ackerbau (Getreide, Kartoffeln, Futterpflanzen). In geschützten Randlagen werden Wiesen extensiv genutzt. Forstwirtschaft ergänzt das Bild: Große Teile der Wälder (vor allem Kiefern) werden planmäßig bewirtschaftet, doch der Nationalpark schränkt Holzeinschlag ein.
Ein wachsender Zweig ist der Agrotourismus: Viele Bauernhöfe bieten Ferien auf dem Land (agroturystyka) mit regionalen Produkten wie Honig, Marmeladen, geräuchertem Fleisch oder Sanddorn-Erzeugnissen. Biolandbau und Direktvermarktung nehmen zu, oft in Kooperation mit Tourismusbetrieben.
Forstwirtschaft
Die Forstwirtschaft hat auf Wolin eine lange Tradition, spielt heute jedoch eine stark eingeschränkte Rolle aufgrund des umfassenden Naturschutzes und der Dominanz des Tourismus. Große Teile der Insel – insbesondere der Woliński Park Narodowy mit über 109 km² – stehen unter strengem Schutz, in dem nur minimale Eingriffe erlaubt sind. Die bewaldeten Flächen machen etwa 50–60 % der Insel aus, doch der größte Teil wird nicht wirtschaftlich genutzt, sondern dient dem Erhalt der Biodiversität, dem Klimaschutz und der Erholung.
Die Wälder bestehen überwiegend aus Kiefern (sosna zwyczajna), die auf den sandigen Böden gut gedeihen, ergänzt durch Buchen, Eichen und Mischbestände. In der preußischen Zeit und bis 1945 war die Forstwirtschaft intensiver: Planmäßige Nutzung lieferte Bau- und Brennholz, und die Wälder wurden für die Marine und den Schiffbau in Swinemünde genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Volksrepublik Polen die Bewirtschaftung im Rahmen staatlicher Forstbetriebe (Lasów Państwowych). Es gab Kahlschläge und Aufforstungen, vor allem mit schnellwachsenden Kiefern.
Heute verwaltet das Nadleśnictwo Międzyzdroje (Forstrevier Międzyzdroje) die wirtschaftlich nutzbaren Wälder außerhalb des Nationalparks. Die Bewirtschaftung ist nachhaltig und folgt strengen Vorgaben: Nur selektive Eingriffe, Naturverjüngung und Pflege von Altbeständen sind erlaubt. Der Holzeinschlag ist gering und dient hauptsächlich lokalen Bedürfnissen (Brennholz, kleinere Bauvorhaben). Ein Teil der Erlöse fließt in Pflegemaßnahmen und touristische Infrastruktur wie Wanderwege.
Im Nationalpark selbst gilt ein Nutzungsverbot: Hier dürfen nur tote Bäume entfernt werden (unter anderem aus Sicherheitsgründen entlang von Wegen). Der Park fördert natürliche Prozesse wie Sturmwracks und Totholz, die wichtige Lebensräume für Insekten, Pilze und Vögel schaffen.
Fischerei
In der Vergangenheit war die Fischerei ein wichtiger Lebensunterhalt: In der Wikingerzeit und im Mittelalter versorgte sie das Handelszentrum Wolin mit Hering, Dorsch und Aal. In der preußischen Zeit und bis 1945 gab es zahlreiche Fischerfamilien in Swinemünde, Misdroy und Wollin; der Heringfang im Haff und die Hochseefischerei waren bedeutend. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fischerei in der Volksrepublik Polen teilweise kollektiviert, mit staatlichen Kuttern aus Świnoujście. Der Hafen war ein Stützpunkt für die Ostseeflotte, und Dorsch, Hering und Sprotte wurden in großen Mengen gefangen.
Heute ist die Küstenfischerei stark reguliert: EU-Quoten, Schonzeiten und der Schutz des Woliński Park Narodowy sowie des Stettiner Haffs (Natura-2000-Gebiet) begrenzen den Fang. Nur wenige Berufsfischer sind aktiv, meist mit kleinen Booten aus Świnoujście (Wolin-Teil) oder Dziwnów. Gefangen werden vor allem Dorsch, Hering, Plattfisch (Flunder, Scholle) und Aal. Die Hochseefischerei ist nahezu verschwunden – größere Kutter starten von anderen Häfen wie Kołobrzeg oder Władysławowo.
Die Binnenfischerei im Stettiner Haff und den Seen konzentriert sich auf Zander, Barsch, Hecht und Aal. Angeln ist beliebt, sowohl als Sport als auch kommerziell, doch strenge Lizenzen gelten.
Der größte Einfluss der Fischerei zeigt sich heute im Tourismus: Frisch geräucherter Fisch (Makrele, Aal, Lachsforelle) wird an zahlreichen Räuchereien und Ständen entlang der Strände und Promenaden verkauft – ein typisches Souvenir und Snack für Besucher. Viele ehemalige Fischerfamilien betreiben Räuchereien oder kleine Gaststätten (smażalnie ryb). Das Muzeum Rybołówstwa Morskiego in Świnoujście dokumentiert die Geschichte.
Handwerk
Die bekannteste und älteste Handwerkstradition ist die Bernsteinverarbeitung. Bernstein (bursztyn) wird seit der Steinzeit an den Stränden der Insel gesammelt und war bereits in der Wikingerzeit ein wichtiges Exportgut. Heute gibt es in Międzyzdroje, Świnoujście und Wolin zahlreiche kleine Werkstätten und Geschäfte, in denen Bernstein zu Schmuck (Ohrringe, Ketten, Anhänger), Figuren und Souvenirs verarbeitet wird. Viele Handwerker schleifen, polieren und fassen den „Ostseegold“ selbst – ein beliebtes Mitbringsel für Touristen. Größere Ateliers bieten auch Kurse an, in denen Besucher eigene Stücke herstellen können.
Weitere traditionelle Handwerke umfassen Holzarbeiten: Drechsler und Schnitzer fertigen Schalen, Figuren, Schiffe oder Wikinger-Motive aus einheimischem Holz. In Wolin, nahe dem Zentrum der Slawen und Wikinger, entstehen Rekonstruktionen historischer Gegenstände wie Schilde, Schmuck oder Werkzeuge für Reenactment-Gruppen.
Keramik und Töpferei sind ebenfalls vertreten: Lokale Töpfer stellen Geschirr, Vasen und dekorative Objekte her, oft mit maritimen oder slawischen Motiven. In Międzyzdroje und Dziwnów finden sich Werkstätten, die Souvenirs wie Leuchttürme oder Muscheln aus Ton anbieten.
Textilhandwerk wie Stricken, Häkeln oder Weberei wird vor allem von älteren Bewohnerinnen gepflegt und auf Märkten verkauft – Pullover, Schals oder Tischdecken mit regionalen Mustern.
In der Hochsaison blüht das Handwerk auf Märkten und Festen auf: Beim Festival der Slawen und Wikinger in Wolin präsentieren Dutzende Handwerker historische Techniken (Schmieden, Lederbearbeitung, Seilmacherei, Bogenschneiden). Ähnliche Stände gibt es auf den Promenaden von Międzyzdroje und in Świnoujście.
Moderne Dienstleistungshandwerksbereiche wie Bau-, Installations- oder Reparaturbetriebe existieren natürlich für den lokalen Bedarf, sind aber klein und oft saisonal durch den Tourismus belastet (Renovierungen von Ferienhäusern).
Industrie
Die Industrie spielt auf der Insel Wolin eine untergeordnete Rolle und ist stark auf den Hafen und die Energieversorgung konzentriert. Aufgrund der naturnahen Lage, des umfassenden Naturschutzes (über 40 % der Fläche im Woliński Park Narodowy) und der Dominanz des Tourismus gibt es keine schweren oder großflächigen Industriebetriebe. Die wenigen industriellen Aktivitäten sind maritim, logistisch oder energiebezogen und fast ausschließlich im östlichen Teil von Świnoujście angesiedelt, der zur Insel gehört.
Der wichtigste Industriezweig ist der See- und Hafenbetrieb in Świnoujście. Der Hafen ist einer der größten Polens und umfasst Frachtterminals für Schüttgut (Kohle, Erz, Getreide), Container und Ro-Ro-Verkehr. Werften und Reparaturbetriebe für Schiffe existieren in kleinerem Umfang; größere Schiffbauaktivitäten finden jedoch in Szczecin statt.
Ein bedeutender moderner Industriezweig ist die Energieversorgung: Seit 2015 betreibt Polskie LNG das LNG-Terminal (Flüssigerdgas) auf der Wolin-Seite von Świnoujście (im Stadtteil Warszów). Es ist das größte Terminal dieser Art in Polen und dient der Diversifikation der Gasimporte. Mit einer Kapazität von aktuell zirka 6,2 Milliarden m³ pro Jahr (Erweiterung auf 8,3 geplant) ist es ein strategisches Infrastrukturprojekt von nationaler Bedeutung. Das Terminal schafft Arbeitsplätze und bringt logistische Aktivitäten mit sich, bleibt aber räumlich begrenzt.
Kleinere industrielle Betriebe umfassen Lebensmittelverarbeitung (unter anderem Fischverarbeitung und Räuchereien), Baumaterialproduktion und Handwerksbetriebe. Historisch gab es Kreideabbau (zum Beispiel bei Wapnica), der jedoch eingestellt wurde und heute touristisch genutzt wird (türkisfarbener See).
In Międzyzdroje, Wolin und Dziwnów fehlt Industrie fast vollständig – hier dominieren Tourismus, Gastronomie und Dienstleistungen. Umweltvorschriften und der Nationalpark verhindern größere Ansiedlungen.
Wasserwirtschaft
Die Trinkwasserversorgung erfolgt größtenteils über das Festlandnetz. Wasser wird aus Tiefbrunnen und Oberflächenentnahmestellen im Hinterland (unter anderem aus dem Goleniów-Gebiet) gepumpt, aufbereitet und über Unterwasserleitungen sowie Pumpstationen auf die Insel geleitet. Lokale Brunnen ergänzen das System in kleineren Orten wie Wolin oder Dziwnów, doch Grundwasser ist aufgrund sandiger Böden und Salzwassereinflusses begrenzt. Die Versorgung liegt in der Hand kommunaler Unternehmen (zum Beispiel Zakład Wodociągów i Kanalizacji in Świnoujście und Międzyzdroje), die moderne Aufbereitungsanlagen betreiben. In der Hochsaison steigt der Verbrauch durch Touristen stark an, was gelegentlich Engpässe verursacht.
Die Abwasserentsorgung ist gut ausgebaut: Kläranlagen in Świnoujście (größte Anlage der Region), Międzyzdroje und Wolin behandeln das Abwasser mechanisch-biologisch und leiten gereinigtes Wasser in die Ostsee oder das Haff ein. Viele touristische Anlagen verfügen über eigene Kleinkläranlagen. Der Anschlussgrad liegt hoch, und EU-Normen werden eingehalten, um die empfindlichen Gewässer des Woliński Park Narodowy und des Natura-2000-Gebiets Stettiner Haff zu schützen.
Hochwasserschutz und Küstenschutz sind zentrale Aufgaben: Die niedrigen Lagen und die offene Ostseeküste machen die Insel anfällig für Sturmfluten. Deiche entlang des Haffs und Dünenbefestigungen an der Nordküste (unter anderem mit Sanddornpflanzungen) schützen vor Überflutung. Nach Sturmfluten wie 1995 oder 2009 wurden Schutzmaßnahmen verstärkt, darunter Wellenbrecher und regelmäßige Sandaufspülungen an Stränden. Das Delta der Świna wird überwacht, um Verlandung und Erosion zu managen.
Maritime Wasserwirtschaft umfasst die Pflege der Häfen und Fahrrinnen: Der Seehafen Świnoujście erfordert regelmäßiges Baggern der Zufahrt, um große Schiffe (inklusive LNG-Tanker) zu ermöglichen. Das Stettiner Haff ist ein sensibles Feuchtgebiet mit strengen Regelungen für Schifffahrt und Fischerei.
Energiewirtschaft
Die Energiewirtschaft auf Wolin ist durch eine einzige, aber strategisch hochbedeutende Anlage geprägt: das LNG-Terminal in Świnoujście (genauer im Stadtteil Warszów auf der Wolin-Seite). Es stellt die einzige größere energiebezogene Infrastruktur der Insel dar und hat nationale Bedeutung für die Energieversorgung Polens.
Das Terminal Regazyfikacyjny LNG im. Prezydenta Lecha Kaczyńskiego wurde 2015 in Betrieb genommen und ist das erste und bislang größte Flüssigerdgas-Terminal Polens. Es dient der Diversifikation der Gasimporte und reduziert die Abhängigkeit von russischem Pipelinegas. Die Anlage kann jährlich etwa 6,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas regasifizieren (Erweiterung auf 8,3 Milliarden m³ bis 2028 geplant). LNG-Tanker aus Katar, den USA, Norwegen und anderen Ländern legen regelmäßig an. Das Terminal umfasst zwei Kryotanks, Verdampfer und eine Pipeline-Anbindung ans polnische Netz.
Neben dem LNG-Terminal gibt es keine weiteren größeren Energieanlagen auf der Insel. Erneuerbare Energien spielen eine marginale Rolle: Einige kleine Photovoltaik-Anlagen auf Dächern von Hotels, Ferienhäusern und öffentlichen Gebäuden existieren, doch Windkraft ist aufgrund des Woliński Park Narodowy und strenger Naturschutzvorgaben nicht vorhanden – weder Onshore- noch Offshore-Windparks in unmittelbarer Nähe der Insel. Biomasse- oder Wasserkraftnutzung fehlt ebenfalls.
Die Strom- und Wärmeversorgung der Insel erfolgt über das nationale Netz: Strom kommt über Hochspannungsleitungen aus dem Festland (Szczecin-Region), Gas teilweise direkt aus dem Terminal. Private Haushalte und touristische Betriebe nutzen zunehmend Wärmepumpen und Solarthermie, doch dies bleibt kleinstrukturiert.
In der Vergangenheit gab es keine nennenswerte Energiewirtschaft: In der preußischen Zeit und bis 1945 diente Kohle aus Schlesien der Versorgung, in der Volksrepublik Polen wurde die Insel über das zentrale Netz angeschlossen.
Abfallwirtschaft
Die Abfallwirtschaft auf der Insel Wolin ist modern, touristisch angepasst und stark von den Vorgaben der EU sowie dem Naturschutz geprägt. Aufgrund der hohen Besucherzahlen in der Sommersaison (bis zu mehrere Hunderttausend Gäste) und der sensiblen Ökosysteme (Woliński Park Narodowy, Stettiner Haff) steht eine nachhaltige und getrennte Sammlung im Vordergrund. Die Zuständigkeit liegt bei den einzelnen Gemeinden: Gmina Międzyzdroje, Gmina Wolin, Gmina Dziwnów und der kreisfreien Stadt Świnoujście (einschließlich des Wolin-Teils). Jede Gemeinde betreibt ein eigenes System zur Abfallentsorgung, oft in Kooperation mit regionalen Unternehmen wie dem Zakład Gospodarki Komunalnej oder privaten Dienstleistern.
Die Mülltrennung ist obligatorisch und folgt dem polnischen Standard: Getrennte Behälter für Papier, Glas, Kunststoff/Metall, Bioabfall und Restmüll stehen in allen Orten zur Verfügung. In touristischen Zentren wie Międzyzdroje und Świnoujście gibt es zusätzliche Sammelstellen an Stränden und Promenaden, um Verpackungsmüll zu reduzieren. In der Hochsaison werden Container häufiger geleert und mobile Sammelstellen eingerichtet.
Sperrmüll und Problemabfälle (Batterien, Elektrogeräte, Farben) werden über spezielle Termine oder Punkte (PSZOK – Punkty Selektywnej Zbiórki Odpadów Komunalnych) abgeholt. In Międzyzdroje und Świnoujście existieren feste Annahmestellen.
Die Entsorgung erfolgt größtenteils über das Festland: Abfall wird per Lkw oder Schiff nach Sortieranlagen und Deponien in der Region Szczecin transportiert. Eine eigene Deponie gibt es auf der Insel nicht. Recyclingquoten liegen über dem polnischen Durchschnitt, da Tourismusbetriebe und Gemeinden stark auf Nachhaltigkeit setzen.
Problembereiche sind der saisonale Müllanstieg (vor allem Plastik und Einwegverpackungen) und der Schutz der Natur: Im Nationalpark und an Stränden werden regelmäßig Clean-up-Aktionen durchgeführt. Initiativen wie „plastikfreie Strände“ oder Pfandflaschen-Systeme gewinnen an Bedeutung.
Handel
Der Handel auf der Insel Wolin ist stark saisonal und touristisch geprägt. Außerhalb der Sommersaison (Juni bis August) sind viele Geschäfte geschlossen oder stark reduziert, während in der Hochsaison ein dichtes Netz aus Läden, Märkten und Boutiquen die Orte belebt. Der Einzelhandel konzentriert sich auf die Seebäder Międzyzdroje, Świnoujście (Wolin-Teil) und Dziwnów; in der Stadt Wolin und kleineren Dörfern ist das Angebot deutlich begrenzter.
Międzyzdroje ist das kommerzielle Zentrum der Insel: Die Fußgängerzone und die Promenade sind gesäumt von Souvenirläden, Modeboutiquen, Schmuckgeschäften (vor allem Bernstein), Sport- und Outdoor-Shops sowie Cafés und Restaurants. Typisch sind Geschäfte mit regionalen Produkten wie Sanddorn-Produkten (Säfte, Marmeladen, Kosmetik), Bernstein-Schmuck, maritimen Souvenirs (Leuchttürme, Muscheln) und polnischen Marken (unter anderem Kleidung von Reserved, Sinsay oder CCC). Supermärkte wie Biedronka, Lidl und Dino versorgen Einheimische und Touristen mit Lebensmitteln.
Im Świnoujście-Teil auf Wolin (zum Beispiel Warszów und Przytór) gibt es einige Einkaufsmöglichkeiten, darunter Discounter und Fachgeschäfte rund um den Hafen. Der Großteil des Handels liegt jedoch auf der Usedom-Seite (Centrum, Promenade), doch der Swinetunnel seit 2023 erleichtert den Einkauf für Inselbewohner.
Bäckereien, kleine Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Tabakläden und wenige Souvenirläden. In Wolin gibt es einen Wochenmarkt und Geschäfte mit Angelzubehör sowie regionale Produkte. Bernstein- und Souvenirshops sind überall präsent, oft mit Handwerk vor Ort. Wochenmärkte in Międzyzdroje und Świnoujście bieten frisches Obst, Gemüse, Honig, Fisch und Kunsthandwerk. In der Saison entstehen Pop-up-Stände und Foodtrucks entlang der Strände.
Finanzwesen
Das Finanzwesen auf der Insel Wolin ist vor allem auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung sowie des Fremdenverkehrs ausgerichtet. Eigene, ausschließlich auf der Insel ansässige Banken gibt es nicht, vielmehr sind auf Wolin Filialen oder Geschäftsstellen größerer polnischer Banken vertreten, insbesondere in den größeren Orten wie Wolin-Stadt, Międzyzdroje oder Międzywodzie. Diese Banken übernehmen die grundlegenden Aufgaben der Geldversorgung, Kontoführung, Kreditvergabe und Zahlungsabwicklung für Privatpersonen, Unternehmen und die Kommunen.
Zu den wichtigsten Bankinstituten, die in der Region präsent sind oder Dienstleistungen anbieten, gehören landesweit tätige Banken wie PKO Bank Polski, Bank Pekao oder Santander Bank Polska. Ergänzt wird das Angebot durch Genossenschaftsbanken (Bank Spółdzielczy), die traditionell eine wichtige Rolle in kleineren Städten und ländlichen Regionen spielen. Sie sind besonders eng mit der lokalen Wirtschaft verbunden und unterstützen unter anderem kleine Betriebe, Handwerker, Landwirte und touristische Unternehmen.
Eine große Bedeutung haben auf der Insel Wolin auch Geldautomaten und bargeldlose Zahlungsmöglichkeiten, da viele Touristen vor allem in der Hauptsaison auf eine unkomplizierte Versorgung mit Bargeld und Kartenzahlung angewiesen sind. In Hotels, Restaurants und Geschäften ist Kartenzahlung weit verbreitet, während Geldautomaten vor allem in den touristischen Zentren zu finden sind. Insgesamt ist das Finanzwesen auf Wolin funktional organisiert und eng in das polnische Bankensystem eingebunden, sodass sowohl Einheimische als auch Besucher zuverlässig mit Finanzdienstleistungen versorgt werden.
Soziales und Gesundheit
Die Insel Wolin ist eine relativ kleine, ländlich-touristisch geprägte Region. Das soziale Leben ist geprägt von einer engen Gemeinschaft, starkem Tourismus und den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung sowie saisonaler Zuwanderung.
Das soziale System folgt dem polnischen Standard: Sozialhilfe, Renten und Familienleistungen werden über das staatliche ZUS (Zakład Ubezpieczeń Społecznych) und lokale Ośrodki Pomocy Społecznej (Sozialhilfezentren) in jeder Gemeinde organisiert. In Międzyzdroje, Wolin und Dziwnów gibt es solche Zentren, die Unterstützung bei Armut, Alleinerziehenden oder Seniorenbetreuung leisten. Die Insel hat eine überdurchschnittlich hohe Quote älterer Menschen, da viele Rentner hier sesshaft werden – typisch für touristische Ostseeregionen. Jugend- und Familienarbeit ist aktiv, oft durch Schulen, Pfarrgemeinden und Vereine.
Gesundheitswesen
Das Gesundheitswesen ist dezentral und gut ausgebaut für eine Inselregion. Die wichtigsten Einrichtungen sind:
- Das Szpital Miejski w Świnoujściu (Städtisches Krankenhaus in Świnoujście) mit Abteilungen für Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Notaufnahme – es bedient den gesamten westlichen Teil der Insel und ist mit Hubschrauberlandeplatz ausgestattet.
- Ambulante Versorgung durch Przychodnie (Polikliniken) und private Arztpraxen in Międzyzdroje, Wolin und Dziwnów.
- In der Hochsaison verstärken temporäre medizinische Punkte an Stränden die Versorgung bei Unfällen oder Sonnenstichen.
Apotheken sind in allen größeren Orten vorhanden. Die medizinische Infrastruktur profitiert von der Nähe zu Szczecin, wo Spezialkliniken erreichbar sind. Rettungsdienste (Pogotowie Ratunkowe) sind schnell vor Ort, unterstützt durch Wasserrettung (WOPR) an den Stränden.
Krankheiten
Häufige Erkrankungen sind Herz-Kreislauf-Probleme, Krebs und Atemwegserkrankungen – verstärkt durch die alternde Bevölkerung. In der Touristensaison treten vermehrt Unfälle (Verkehr, Wassersport), Sonnenbrände und Zeckenbisse auf (Borreliose und FSME durch Wälder des Nationalparks). Psychische Belastungen (Depressionen, Alkoholprobleme) sind in ländlichen Regionen verbreitet, werden aber zunehmend durch Beratungsstellen adressiert.
Bildung
Die Insel Wolin bietet ein solides, aber dezentrales Bildungssystem. Es gibt keine Universitäten oder Hochschulen auf der Insel selbst – höhere Bildung erfordert den Weg in benachbarte Städte wie Szczecin (Stettin) oder weiter entfernte Zentren. Das Angebot konzentriert sich auf Kindergarten, Grundschule und weiterführende Schulen, ergänzt durch berufliche und Erwachsenenbildung.
Der Vorschul- und Grundschulbereich ist gut ausgebaut: In fast jedem größeren Ort gibt es Kindergärten (przedszkola) und Grundschulen (szkoły podstawowe). Beispiele sind die Szkoła Podstawowa nr 1 in Międzyzdroje, die Szkoła Podstawowa im. Mikołaja Kopernika in Wolin und Einrichtungen in Dziwnów. Diese Schulen bieten oft erweiterte Programme mit Sprachunterricht (Englisch, Deutsch) und naturkundlichen Aktivitäten, die vom nahegelegenen Woliński Park Narodowy profitieren.
Weiterführende Schulen umfassen Gymnasien (licea ogólnokształcące) und Berufsschulen (technika, branżowe szkoły). In Międzyzdroje gibt es das Liceum Ogólnokształcące sowie eine Zespół Szkół Zawodowych mit touristischen und gastronomischen Fachrichtungen – passend zur regionalen Wirtschaft. In Wolin existiert ein Schulkomplex mit Gymnasium und Berufsschule, der unter anderem Informatik, Mechanik und Hotelfach anbietet. Dziwnów hat kleinere Einrichtungen mit Schwerpunkt auf maritime Berufe.
Höhere Bildung
Höhere Bildung ist auf Wolin nicht vorhanden. Die nächstgelegenen Universitäten und Fachhochschulen befinden sich in Szczecin, darunter die Universität Szczecin, die Maritime Universität (Akademia Morska) und die Westpommersche Technische Universität. Viele Abiturienten der Insel pendeln oder ziehen für das Studium dorthin. Fernstudien oder Online-Angebote werden zunehmend genutzt, doch die Abwanderung junger Menschen zum Studium ist ein bekanntes Problem ländlicher Regionen wie Wolin.
Erwachsenenbildung und Weiterbildung erfolgen über Volkshochschulen (uniwersytety ludowe) oder Kurse der Gemeinden, oft mit Fokus auf Tourismus, Sprachen und digitale Kompetenzen. Bibliotheken in Międzyzdroje, Wolin und Świnoujście bieten Leseförderung und Veranstaltungen.
Bibliotheken und Archive
Die Insel verfügt über ein kleines, aber funktionales Netz an öffentlichen Bibliotheken. Es gibt keine großen wissenschaftlichen Institutionen oder staatlichen Archive auf der Insel. Die lokalen Einrichtungen konzentrieren sich auf allgemeine Literatur, Kinder- und Jugendliteratur sowie regionale Themen wie Geschichte, Natur und Tourismus. Die wichtigsten Bibliotheken sind:
- Die Miejska Biblioteka Publiczna w Międzyzdrojach (Städtische Öffentliche Bibliothek in Międzyzdroje) ist die größte und modernste auf der Insel. Sie bietet einen umfangreichen Bestand an Büchern, Zeitschriften, Hörbüchern und E-Books sowie Lesesäle, Internetzugang und regelmäßige Veranstaltungen wie Lesungen, Workshops und Kinderprogramme. Im Sommer dient sie auch Touristen als Informationspunkt.
- Die Miejska Biblioteka Publiczna im. Stefana Żeromskiego w Wolinie in der Stadt Wolin verfügt über einen historisch-regionalen Schwerpunkt mit Materialien zur Wikingerzeit, Vineta-Legende und pommerschen Geschichte. Sie organisiert Ausstellungen und Vorträge, oft in Kooperation mit dem Slawen- und Wikingerzentrum.
- In Dziwnów gibt es eine Filiale der Biblioteka Publiczna Gminy Dziwnów, die sich auf maritime Literatur und Kinderangebote konzentriert.
- Der Wolin-Teil von Świnoujście wird von der Miejska Biblioteka Publiczna w Świnoujściu mitversorgt, die mehrere Filialen hat und einen großen Bestand an fremdsprachiger Literatur (Deutsch, Englisch) für Touristen bereithält.
Alle Bibliotheken sind Teil des polnischen Bibliotheksnetzwerks und bieten Zugang zu digitalen Katalogen sowie zur landesweiten Ausleihe. Sie fungieren oft als kulturelle Treffpunkte mit Lesekreisen, Ferienprogrammen und Kooperationen mit Schulen.
Archive gibt es auf der Insel nicht in institutioneller Form. Lokale historische Dokumente (unter anderem Urkunden, Karten, Fotos aus der deutschen und polnischen Zeit) werden in den Bibliotheken oder Gemeindeämtern aufbewahrt. Wichtige Quellen zur Inselgeschichte finden sich im Archiwum Państwowe w Szczecinie (Staatsarchiv Stettin) mit Abteilungen in Kamień Pomorski und Świnoujście. Dort lagern Akten aus der preußischen, schwedischen und pommerschen Zeit sowie Nachkriegsdokumente zur Umsiedlung.
Kultur
Die stürmische Geschichte der Insel Wolin ist der Grund für ihre kulturelle Vielfältigkeit, die jedoch eng verbunden ist mit dem Meer (Fischerei, Handel). Im Parkgebiet (und in der benachbarten Umgebung) findet man Spuren früherer Grabstätten und mit historischen Zeiten verbunden Orte. Diese Objekte sind Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen wie auch des Interesses der Touristen.
Museen
Wolin verfügt über eine Reihe von Museen, die sich vor allem auf die reiche Geschichte, Archäologie, Natur und maritime Traditionen konzentrieren. Die Einrichtungen sind meist klein bis mittelgroß, touristisch ausgerichtet und verteilt auf die größeren Orte wie Wolin, Międzyzdroje und den Wolin-Teil von Świnoujście. Sie spiegeln die wechselvolle Vergangenheit der Insel wider – von der Wikingerzeit über die pommersche Epoche bis zur Nachkriegszeit.
Das bedeutendste und bekannteste Museum ist das Centrum Słowian i Wikingów (Zentrum der Slawen und Wikinger) in Wolin. Es liegt auf dem Silberberg (Rekonstruktion der frühmittelalterlichen Burg) und präsentiert in einem Freilichtmuseum rekonstruierte Hütten, Werkstätten und Boote aus dem 9. bis 11. Jahrhundert. Die Ausstellung zeigt archäologische Funde aus der Blütezeit der Stadt Wolin (Jumne/Julin) und informiert über Handel, Handwerk und Alltag. Höhepunkt ist das jährliche Festival der Slawen und Wikinger, das das Museum lebendig macht.
In Międzyzdroje befindet sich das Muzeum Przyrodnicze Wolińskiego Parku Narodowego (Naturkundemuseum des Wolin-Nationalparks). Es informiert über die einzigartige Flora und Fauna der Insel, mit Präparaten von Seeadlern, Wisenten und anderen Tieren sowie Exponaten zu Geologie, Kliffs und dem marinen Ökosystem. Eine Wisent-Schauanlage in der Nähe ergänzt das Museum.
Ebenfalls in Międzyzdroje gibt es das Muzeum Bunkier (Bunkermuseum) mit unterirdischen Anlagen aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg sowie das kleine Muzeum Figur Woskowych (Wachsfigurenkabinett) mit Prominenten aus Film und Geschichte.
Im Wolin-Teil von Świnoujście in den Stadtteilen Warszów und Przytór liegen mehrere militärhistorische Museen:
- Das Muzeum Obrony Wybrzeża im Fort Gerharda (Ostfort) – eine original erhaltene preußische Festung aus dem 19. Jahrhundert mit interaktiven Führungen in historischen Uniformen.
- Die Podziemne Miasto na Wyspie Wolin (Unterirdische Stadt) – ein ausgedehnter Bunker-Komplex aus dem Kalten Krieg mit Kommandozentralen und Gängen.
- Das Muzeum Rybołówstwa Morskiego (Museum für Hochseefischerei) in Świnoujście, das teilweise den Wolin-Bereich abdeckt und Boote, Netze und Fischereigeschichte zeigt.
Kleinere Sammlungen gibt es in Dziwnów (maritime Exponate) und privaten Initiativen wie dem Planetarium in Międzyzdroje oder dem Park Miniatur i Kolejek (Miniaturpark).
Architektur
Die ältesten erhaltenen Bauten stammen aus dem Mittelalter: Die gotische St.-Nikolaus-Kirche (Kolegiata św. Mikołaja) in der Stadt Wolin aus dem 13. bis 15. Jahrhundert ist das prominenteste Beispiel – eine Backsteinbasilika mit mächtigem Turm, die als ehemalige Kollegiatkirche diente. Reste von Burganlagen und Rekonstruktionen im Centrum Słowian i Wikingów erinnern an die slawisch-wikingische Epoche.
Die prägendste Epoche ist die Bäderarchitektur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus preußischer Zeit. In Międzyzdroje (Misdroy) und Świnoujście (Swinemünde) dominieren villenartige Kurhäuser, Hotels und Pensionen im Stil des Historismus und Jugendstils: Weiße Fassaden, Veranden, Türmchen, Balkone und reicher Stuckschmuck. Beispiele sind das Hotel Amber Baltic oder historische Villen entlang der Promenade. Die langen Seebrücken (unter anderem in Międzyzdroje fast 400 m) und der markante Leuchtturm in Świnoujście (68 m, 1857) sind ikonische Bauwerke dieser Zeit.
In der Nachkriegszeit und der Volksrepublik Polen (1945–1989) entstanden funktionale sozialistische Großbauten: Mehrgeschossige Plattenbauten und große Betriebsferienheime (domy wczasowe) prägen vor allem Międzyzdroje und Świnoujście. Typisch sind blockartige Sanatorien und Hotels mit klaren Linien, viel Glas und Beton, die oft in den 1960er–1980er Jahren errichtet wurden.
Seit den 1990er Jahren dominiert moderne Tourismusarchitektur: Neue Hotels, Apartmenthäuser und Ferienanlagen orientieren sich an skandinavischem oder baltischem Stil – niedrig, holzverkleidet, mit großen Fenstern und Flachdächern. Viele Bauten integrieren ökologische Elemente (Gründächer, Solarpaneele). Der Swinetunnel (2023) ist ein modernes Ingenieurbauwerk, das die Insel architektonisch mit dem Festland verbindet.n Militärische Architektur ist präsent: Preußische Festungen wie Fort Gerharda und Bunkeranlagen aus dem Kalten Krieg (unter anderem Podziemne Miasto) sind heute Museen.
Bildende Kunst
Die wichtigsten Orte für bildende Kunst sind die Seebäder Międzyzdroje und Świnoujście (einschließlich des Wolin-Teils). In Międzyzdroje finden sich entlang der Promenade und in der Innenstadt mehrere Galerien, die vor allem Malerei und Grafik zeigen. Typische Motive sind maritime Landschaften, Sonnenuntergänge über der Ostsee, die Steilküsten des Nationalparks oder historische Szenen aus der Wikingerzeit und Vineta-Legende. Künstler wie lokale Maler oder Gäste aus Szczecin und ganz Polen präsentieren Ölbilder, Aquarelle und Acrylwerke. Beliebt sind auch Bernsteinbilder – eingebettete Bernsteinstücke in Gemälden oder als Reliefs.
In Wolin selbst steht die Kunst im Zeichen der frühmittelalterlichen Geschichte: Das Centrum Słowian i Wikingów zeigt nicht nur Rekonstruktionen, sondern auch zeitgenössische Interpretationen – Skulpturen, Holzschnitzereien und Metallarbeiten mit slawischen und nordischen Motiven. Künstler stellen hier oft während des jährlichen Festivals aus.
Bildhauerei ist vor allem in Form von Freiluftskulpturen präsent: In Międzyzdroje gibt es moderne Installationen entlang der Promenade, in Świnoujście Skulpturen am Hafen. Bernstein- und Holzskulpturen sind ein regionales Markenzeichen.
Fotografie boomt durch die Natur: Viele Galerien zeigen Landschafts- und Wildlife-Fotografien aus dem Woliński Park Narodowy – Seeadler, Wisente, Kliffs bei Sonnenaufgang. In der Hochsaison organisieren Fotografen Workshops und Ausstellungen.
Kleinere Galerien und Ateliers finden sich in Dziwnów und privaten Häusern; oft verkaufen Künstler direkt an Touristen. Jährliche Events wie das Festival der Slawen und Wikinger oder Kunstpleinaire in Międzyzdroje bringen temporäre Ausstellungen und Live-Malerei.
Literatur
Es gibt keine eigenständige „Wolin-Literatur“ als literarische Schule oder Bewegung, doch die Insel hat zahlreiche Schriftsteller, Dichter und Historiker inspiriert und dient als Schauplatz in Werken verschiedener Epochen. Die literarische Szene ist klein, dezentral und stark touristisch sowie regionalhistorisch orientiert.
Die bekannteste literarische Verbindung ist die Vineta-Legende, die von der versunkenen reichen Stadt vor der Küste Wolins handelt. Diese Sage hat seit dem Mittelalter Dichter und Schriftsteller fasziniert: Adam von Bremen erwähnte bereits im 11. Jahrhundert die prächtige Jumne (Wolin). Im 19. Jahrhundert griffen romantische Autoren das Motiv auf – etwa Wilhelm Meinhold in seiner Novelle „Maria Schweidler, die Bernsteinhexe“ (1843), die teilweise auf Wollin spielt und Bernsteinmythen verarbeitet. Gerhart Hauptmann, der Nobelpreisträger, verbrachte Zeit in der Region und ließ pommersche Motive in seine Werke einfließen.
In der polnischen Literatur nach 1945 wurde Wolin als Symbol der „wiedergewonnenen Gebiete“ (ziemie odzyskane) behandelt. Autoren wie Wilhelm Szewczyk oder Zdzisław Skrok schrieben historische Romane und Essays über die slawische Vergangenheit und die Wikingerzeit. Besonders populär ist die Vineta-Sage in Werken von Jan Papuga oder in Kinderbüchern, die die Insel als Abenteuerschauplatz nutzen.
Heutige regionale Literatur dreht sich oft um Geschichte, Natur und Tourismus: Lokale Autoren wie Andrzej K. Gwóźdź oder Historiker aus Szczecin veröffentlichen Bücher zur Archäologie Wolins, zur Jómsborg-Legende oder zur Nachkriegsumsiedlung. Reiseführer, Fotobände und Gedichtsammlungen über die Ostsee und die Kliffs sind in Buchläden und Bibliotheken der Insel weit verbreitet.
Literarische Veranstaltungen finden vor allem in Międzyzdroje statt: Das jährliche Festival der Stars hat auch literarische Lesungen, und in der Promenadenbuchhandlung oder der Bibliothek gibt es Autorenbegegnungen. In Wolin ergänzen Lesungen im Slawen- und Wikingerzentrum das Programm.
Kriminalliteratur und Regionalliteratur erfreuen sich wachsender Beliebtheit: Autoren wie Katarzyna Puzyńska oder Radek Rak (obwohl nicht direkt aus der Region) lassen pommersche Motive einfließen. Lokale Verlage bringen kleine Auflagen mit Gedichten über die Seeadler, Wisente oder die Świna-Mündung heraus.
Theater
Das Theater ist am prominentesten in Międzyzdroje vertreten. Hier gibt es kein festes Ensemble oder eigenes Theatergebäude, doch in der Sommersaison finden zahlreiche Aufführungen statt. Das Amfiteatr w Międzyzdrojach (Amphitheater) dient als Hauptbühne für Open-Air-Veranstaltungen: Kabarett, Musiktheater, Komödien und Gastspiele polnischer Theater aus Szczecin, Warsaw oder Gdańsk. Beliebt sind Sommerfestivals mit satirischen Programmen und Kinderstücken. In der Hala Sportowa oder im Kulturhaus (Dom Kultury) werden ganzjährig kleinere Vorstellungen gezeigt, oft von Amateurgruppen oder Tourneetruppen.
In Świnoujście (einschließlich des Wolin-Teils) gibt es das Teatrzyk Miejski und gelegentliche Aufführungen im Kulturzentrum. Historisches Theater wird in Wolin gepflegt: Im Centrum Słowian i Wikingów finden während des jährlichen Festivals der Slawen und Wikinger dramatische Rekonstruktionen statt – Theaterstücke mit Kostümen, Kämpfen und Mythen um Jómsborg und Vineta, dargeboten von Hunderten von Reenactment-Darstellern.
Film
Film hat auf Wolin eine besonders starke Tradition durch das Festiwal Gwiazd w Międzyzdrojach (Festival der Stars). Seit 1996 findet dieses jährliche Ereignis im Juli statt und zieht polnische Filmstars, Regisseure und Schauspieler an. Höhepunkt ist die Aleja Gwiazd („Walk of Fame“) an der Promenade, wo Prominente ihre Handabdrücke hinterlassen. Begleitet wird das Festival von Filmvorführungen, Premieren, Retrospektiven und Diskussionen im Kino Planet oder Open-Air am Strand. Międzyzdroje gilt dadurch als „polnisches Cannes“ der Ostsee.
In Świnoujście gibt es das moderne Kino 7D und klassische Filmvorführungen im Kulturhaus. Historische Filme über die Region (unter anderem Dokumentationen zur Wikingerzeit oder zur Nachkriegszeit) werden in Museen gezeigt. Die Insel dient gelegentlich als Drehort: Filme wie „Sami swoi“ oder Dokumentationen über Vineta nutzen die Kliffs und Strände.
Musik und Tanz
Die klassische und Kurmusik hat eine lange Tradition aus der preußischen Bäderzeit. In Międzyzdroje finden im Sommer regelmäßig Konzerte im Amphitheater statt: Kammermusik, Klavierabende, Streichquartette und Auftritte von Orchestern aus Szczecin oder Gdańsk. Die Promenadenkonzerte (ähnlich wie in den Kaiserbädern) mit Blasmusik, Salonorchestern oder Jazzbands sind ein fester Bestandteil des Kurprogramms. In Świnoujście gibt es vergleichbare Veranstaltungen im Musikpavillon oder im Kulturhaus.
Volksmusik und Folk sind stark vertreten: Regionale pommersche und kaschubische Lieder werden von lokalen Chören und Folkgruppen gepflegt. In Wolin steht die Musik im Zeichen der slawisch-wikingischen Vergangenheit: Beim jährlichen Festival der Slawen und Wikinger (eines der größten Reenactment-Festivals Europas) spielen zahlreiche Gruppen rekonstruierte frühmittelalterliche Musik auf originalgetreuen oder nachgebauten Instrumenten – Dudelsäcke, Trommeln, Luren, Tagelharfen, Lyren, Knochenflöten und Rahmentrommeln. Bands wie Jar, Żywiołak, Rzepczyno oder internationale Gruppen aus Skandinavien, Deutschland und der Ukraine präsentieren slawische, baltische und nordische Folktraditionen. Die Musik ist oft archaisch, rhythmisch und gesanglich kraftvoll – eine Mischung aus historischer Rekonstruktion und moderner Folk-Interpretation.
Populäre Musik dominiert die Sommersaison: In Międzyzdroje und Świnoujście treten polnische Stars bei Open-Air-Konzerten auf – Rock, Pop, Disco-Polo und Shanties (Seemannslieder). Das Festiwal Gwiazd bringt oft musikalische Gäste mit. In Dziwnów gibt es kleinere Festivals mit lokalen Bands und Covergruppen.
Tanz ist eng mit Musik und Festen verbunden. Beim Wikingerfestival in Wolin werden historische Tänze rekonstruiert – Kreistänze, Waffentänze und rituelle Darbietungen slawischer und nordischer Traditionen, dargeboten von Hunderten von Teilnehmern in authentischen Kostümen. Moderne Tanzgruppen präsentieren Folk-Tänze aus Pommern, Polen und Skandinavien.
In den Seebädern finden Tanzabende und Disco-Veranstaltungen statt: In Międzyzdroje gibt es Tanzlokale und Clubs mit Live-Musik oder DJs. Volkstanzgruppen aus der Region treten bei Festen auf, und in Kulturhäusern werden Kurse für Senioren oder Kinder angeboten. Musikschulen in Międzyzdroje und Świnoujście bieten Klavier-, Gitarren- und Gesangsunterricht; Folk- und historische Tanzkurse werden saisonal im Slawen- und Wikingerzentrum angeboten.
Kleidung
Eine eigene, heute noch regelmäßig getragene Inseltracht besitzt Wolin nicht mehr. Die traditionelle Kleidung auf der Insel Wolin war jedoch Teil der historischen pommerschen Trachten, die sich bis ins 19. Jahrhundert entwickelten und vor allem von der ländlichen Bevölkerung getragen wurden. Sie unterschieden sich je nach Dorf, sozialem Stand und Anlass, wiesen aber gemeinsame Merkmale der pommerschen Küstenregion auf.
Die Frauentracht bestand in der Regel aus einem langen, dunklen Rock, einer Schürze und einem eng anliegenden Mieder oder einer Weste, die oft reich verziert war. Dazu trugen Frauen weiße Blusen mit Puffärmeln und ein Kopftuch oder eine Haube, die je nach Familienstand unterschiedlich gebunden wurde. An Festtagen wurden bunte Stoffe, Stickereien und Schmuck wie Ketten oder Broschen getragen, während die Alltagskleidung einfacher und praktischer gehalten war. Die Farben waren häufig kräftig, etwa Rot, Blau oder Grün, was typisch für pommersche Trachten war.
Die Männer trugen Leinenhemden, Westen und knielange Hosen oder lange Stoffhosen. Dazu kamen hohe Stiefel oder feste Lederschuhe sowie Hüte oder Mützen, die vor Wind und Wetter schützten. Im Alltag dominierte schlichte, robuste Kleidung, die für die Arbeit in der Landwirtschaft, der Fischerei oder im Handwerk geeignet war. Zu besonderen Anlässen wurden feinere Stoffe und besser gearbeitete Kleidungsstücke angelegt.
Kulinarik und Gastronomie
Die Küche der Insel Wolin ist stark von ihrer maritimen Lage an der Ostsee und der pommerschen Tradition geprägt. Frischer Fisch und Meeresfrüchte bilden das Herzstück der regionalen Küche, ergänzt durch herzhafte polnische Gerichte und Produkte aus der umliegenden Natur des Woliński Park Narodowy. Die Gastronomie richtet sich vor allem an Touristen, mit einem breiten Angebot in den Seebädern Międzyzdroje, Dziwnów und dem Wolin-Teil von Świnoujście, während kleinere Orte wie Wolin authentischere, lokale Speisen bieten.
Fangfrischer Fisch dominiert die Speisekarten: Beliebte Gerichte sind gebratener Dorsch (dorsz smażony), Zanderfilet (sandacz), Hering in verschiedenen Varianten (śledź), Räucheraal (węgorz wędzony) und geräucherte Makrele (makrela wędzona). Die klassische polnische Fischsuppe (zupa rybna) – eine würzige Brühe aus mehreren Fischsorten, Gemüse, Kartoffeln und Kräutern – ist ein fester Bestandteil vieler Menüs. Geräucherter Fisch wird oft direkt an kleinen Räuchereien oder auf Märkten verkauft und als schneller Imbiss genossen.
Neben Fisch finden sich typisch polnische Speisen wie Pierogi (Teigtaschen mit Fisch-, Fleisch- oder Pilzfüllung), Bigos (Sauerkrauteintopf mit Wild oder Wurst), Żurek (sauerteigbasierte Suppe) oder Gołąbki (Kohlrouladen). Aus der Region stammen Wildgerichte mit Waldpilzen, Preiselbeeren oder Sanddorn, da der Nationalpark reich an Wild und Beeren ist. Sanddornprodukte – Saft, Marmelade oder Likör – sind eine lokale Spezialität und werden oft als vitaminreicher Begleiter serviert.
Die Gastronomie reicht von einfachen Fischbratküchen (smażalnia ryb) über familiengeführte Gaststätten bis zu gehobenen Restaurants mit Meerblick. In Międzyzdroje und Świnoujście gibt es zahlreiche Lokale entlang der Promenaden und Häfen, die frischen Fang des Tages anbieten. Viele Betriebe betonen regionale und saisonale Zutaten; in der Hochsaison sind Fischmärkte, Streetfood-Stände und Foodtrucks beliebt.
Festkultur
Auf Wolin gelten die polnischen Feiertage:
- Neujahr – Nowy Rok (1. Januar)
- Heilige Drei Könige – Święto Trzech Króli (6. Januar)
- Ostersonntag – Wielkanoc
- Ostermontag – Poniedziałek Wielkanocny
- Pfingstsonntag – Zielone Świątki
- Fronleichnam – Boże Ciało
- Tag der Arbeit – Święto Pracy (1. Mai)
- Tag der Verfassung – Święto Konstytucji 3 Maja (3. Mai)
- Mariä Himmelfahrt – Wniebowzięcie Najświętszej Maryi Panny (15. August)
- Allerheiligen – Wszystkich Świętych (1. November)
- Unabhängigkeitstag – Narodowe Święto Niepodległości (11. November)
- 1. Weihnachtstag – Boże Narodzenie (pierwszy dzień) (25. Dezember)
- 2. Weihnachtstag – Boże Narodzenie (drugi dzień) (26. Dezember)
Das Festival der Slawen und Wikinger (Festiwal Słowian i Wikingów) in Wolin ist eines der größten und bekanntesten historischen Reenactment-Festivals Europas. Es findet jährlich Ende Juli/Anfang August (meist über vier Tage, Donnerstag bis Sonntag) statt und zieht bis zu 50.000 Besucher an. Das Festival rekonstruiert das Leben im 9.–11. Jahrhundert, als die Stadt Wolin (damals Jumne/Julin) ein internationales Handelszentrum war, und verbindet dabei slawische und nordische (wikingerzeitliche) Elemente.
Der Veranstaltungsort ist das Centrum Słowian i Wikingów auf dem Silberberg (Wzgórze Wisielców) in Wolin – eine Freilichtanlage mit rekonstruierten Langhäusern, Werkstätten, Booten und einer Burganlage, die der legendären Jómsborg nachempfunden ist. Hier entsteht während des Festivals ein lebendiges Dorf mit über 1.000–2.000 Teilnehmern aus Polen, Skandinavien, Deutschland, der Ukraine, den Baltischen Staaten und weiteren Ländern. Zum Programm gehören:
- Schlachten und Waffenschaukämpfe: Tägliche große Nachstellungen historischer Kämpfe mit Hunderten von Kriegern in authentischen Rüstungen – Schilde, Schwerter, Äxte und Bogenschießen.
- Handwerksvorführungen: Schmieden, Töpferei, Weberei, Lederbearbeitung, Bernsteinverarbeitung, Bognbau, Seilmacherei und Brotbacken in Lehmöfen – alles nach archäologischen Vorlagen.
- Musik und Tanz: Zahlreiche Folk-Bands spielen auf rekonstruierten Instrumenten (Dudelsäcke, Trommeln, Tagelharfen, Lyren). Es gibt Kreistänze, Waffentänze und rituelle Darbietungen.
- Bootsfahrten und Regatten: Auf der Dziwna werden Drachenboote und slawische Einbäume zu Wasser gelassen.
- Märkte: Händler bieten handgefertigte Waren – Schmuck, Kleidung, Waffenrepliken, Keramik und Lebensmittel – feil.
- Rituale und Zeremonien: Nachgestellte slawische und nordische Opferzeremonien, Hochzeiten oder Begräbnisse.
- Kinderprogramm: Bogenschießen, Spiele, Handwerksworkshops und Märchenerzählungen.
Das Festival ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch wissenschaftlich fundiert: Archäologen und Historiker beraten die Rekonstruktionen, und viele Teilnehmer gehören zu seriösen Reenactment-Gruppen. Es dient der Popularisierung der frühmittelalterlichen Geschichte Wolins als multiethnisches Handelszentrum und der Legenden um Jómsborg und Vineta.
Medien
Die Medien der Insel sind überwiegend lokal und digital orientiert, mit Fokus auf Nachrichten aus den Gemeinden Międzyzdroje, Wolin, Dziwnów und dem Wolin-Teil von Świnoujście. Traditionelle Printmedien spielen eine untergeordnete Rolle; stattdessen dominieren Online-Portale, die oft mit sozialen Medien und lokalen Radiosendern verknüpft sind.
Die wichtigsten lokalen Nachrichtenquellen sind Internetportale, die täglich über Ereignisse, Tourismus, Verkehr, Wetter und lokale Politik berichten. Zu den prominentesten gehören ikamien.pl (für den Powiat Kamieński, einschließlich Kamień Pomorski, Dziwnów, Wolin und Międzyzdroje) und kamienskie.info, die aktuelle Meldungen, Ankündigungen und Fotogalerien bieten. Für Świnoujście (dessen östlicher Teil auf Wolin liegt) ist iswinoujscie.pl (auch eswinoujscie.pl) eine zentrale Plattform mit Nachrichten aus der Stadt und der Umgebung.
Im Hörfunkbereich gibt es Radio Świnoujście, eine lokale, musikorientierte und informative Station, die seit Jahren sendet und sich auf regionale Themen konzentriert. Sie ist online und teilweise über UKW empfangbar. Auf der Insel Wolin selbst strahlt Radio Złote Przeboje auf 105,6 MHz ein nationales Programm aus, das Świnoujście, Międzyzdroje, Wolin und Kamień Pomorski abdeckt, allerdings ohne lokales Fenster für regionale Nachrichten.
Fernsehen ist auf nationaler Ebene präsent (zum Beispiel TVP Szczecin als regionale Abteilung des öffentlichen Fernsehens), doch spezifisch lokale TV-Sender fehlen. Gelegentlich berichten überregionale Kanäle über Ereignisse auf der Insel, etwa im Kontext von Tourismus oder Naturschutz.
Printmedien sind rar: Es gibt keine tägliche lokale Zeitung auf der Insel; stattdessen erscheinen regionale Beilagen oder Anzeigenblätter im Rahmen größerer Verlagshäuser aus Szczecin oder Koszalin.
Kommunikation
Wollin hat die Telefonvorwahl 0(048)91.
Sport
Beliebt ist vor allem Wassersport wie Segeln, Windsurfen, Kitesurfen, Kajakfahren und Stand-up-Paddling, insbesondere in Dziwnów und Międzyzdroje. Der Hafen in Wapnica und Strände bieten Verleihmöglichkeiten. Radfahren und Wandern dominieren auf markierten Wegen (zum Beispiel rot-blauer Küstenweg oder grüner Seenplattenweg), mit einem gut ausgebauten Netz für Mountainbiking. Eine Besonderheit ist der Amber Baltic Golf Club in Kołczewo – ein 18-Loch-Platz im Nationalpark mit Panorama auf Ostsee und Wälder. Weitere Angebote: Tennisplätze, Beachvolleyball, Reiten und Angeln.
Jährliche Events wie Bieg Wikinga (Wikingerlauf in Wolin), Turniere in Badminton/Tischtennis, Rajdy rowerowe (Radrennen) und Zimowa Liga Biegowa ziehen Teilnehmer an. Der Marathon Świnoujście–Wolgast verbindet die Inseln.
Die Sportinfrastruktur umfasst Hallen in Międzyzdroje und Wolin, Strände für Beachsport sowie Wege im Nationalpark. Die Insel eignet sich ideal für naturnahe Aktivitäten – von entspanntem Wandern bis zu adrenalinreichen Wassersport – und fördert durch Vereine und Events lokale Talente, ergänzt durch touristische Angebote.
Fußball
Fußball ist die populärste Mannschaftssportart auf Wolin. Die Insel verfügt über mehrere lokale Vereine, die vor allem in unteren Ligen der Woiwodschaft Westpommern antreten und stark auf Jugendarbeit setzen. Der organisierte Fußball konzentriert sich auf die größeren Orte wie Międzyzdroje, Dziwnów, Wolin und den Wolin-Teil von Świnoujście. Die Klubs spielen meist in der Klasa okręgowa (Bezirksliga) oder darunter und fördern den Breitensport in einer touristisch geprägten Region mit begrenzter Bevölkerung.
Der bekannteste und aktivste Verein ist der KS Fala Międzyzdroje (Klub Sportowy Fala Międzyzdroje). Gegründet in den 1980er Jahren (zunächst als Leśnik, seit 1997/2000 als Fala), ist er der größte Fußballklub der Insel mit zahlreichen Jugendmannschaften von Skrzat (Kleinkinder) bis Senioren. Fala spielt in der A-Klasse oder höheren regionalen Ligen und legt großen Wert auf die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen aus der Gmina Międzyzdroje. Der Verein nutzt den Stadion und die Halle in Międzyzdroje und wird von der Gemeinde unterstützt.
In Dziwnów ist der Dziwnowski Klub Sportowy Jantar Dziwnów (DKS Jantar) der Hauptverein. Gegründet 1991 (mit Wurzeln in einer Militäreinheit), tritt er in der Klasa okręgowa an und hat Senioren-, Reserve- und Jugendteams. Jantar ist bekannt für solide Leistungen in der regionalen Liga und spielt Heimspiele auf lokalen Plätzen in Dziwnów.
Die Stadt Wolin hat den Vineta Wolin (Ludowy Klub Sportowy Vineta Wolin), benannt nach der legendären versunkenen Stadt. Der Klub spielt in der Zachodniopomorska Klasa okręgowa und hat eine Seniorenmannschaft sowie Jugendabteilungen. Das Stadion Miejski in Wolin dient als Heimstätte.
Im westlichen Teil der Insel, der zu Świnoujście gehört (Stadtteile wie Warszów auf Wolin), wirkt sich der Einfluss des größeren Klubs MKS Flota Świnoujście aus. Flota ist der ambitionierteste Verein der Region und spielte zeitweise in der 1. Liga (zweithöchste polnische Spielklasse), hat aber finanzielle Probleme gehabt und tritt aktuell in niedrigeren Ligen an. Der Hauptteil von Flota ist auf Uznam angesiedelt, doch durch die Stadtzugehörigkeit profitiert auch der Wolin-Teil indirekt.
Persönlichkeiten
Die wichtigsten mit der Insel verbundenen Persönlichkeiten sind:
- Johannes Bugenhagen (1485 bis 1558), Theologe und Reformator
- Fritz von Unruh (1885 bis 1970), Schriftsteller und Dramatiker
- Werner Bergengruen (1892 bis 1964), in Riga geborener, auf Wolin lebender Schriftsteller und Lyriker
Fremdenverkehr
Wegen seiner schönen Ostseestrände (insbesondere in Międzyzdroje, Wisełka und Międzywodzie) ist Wollin im Sommer ein beliebtes Ferienziel. Eine weitere Touristenattraktion ist der 1960 gegründete Wolliner Nationalpark. Dieser umfasst derzeit eine Fläche von knapp 11.000 Hektar und verfügt über einen kleinen Wildpark nahe Międzyzdroje. Dort gibt es unter anderem einige Exemplare der beinahe ausgestorbenen Wisente zu sehen.
Interessant sind auch die Stadt Wolin (Stadt des pommerschen Reformators Johannes Bugenhagen) sowie die Orte Wapnica (Kalkofen) mit seinem türkisfarbenen See (die ehemalige Kreidegrube der Großeltern des berühmten Arztes Carl Ludwig Schleich) und Lubin (Lebbin) mit seinem slawischen Burgwall.
Der Tourismus ist wesentlicher Teil der Aktivität des Nationalparks. Der Park besitzt eine gut entwickelte touristische Infrastruktur: ein Didaktisch-Museales Zentrum (im Ausstatten begriffen), ein Reservat zur Besichtigung von Wisenten, 4 Aussichtspunkte, 3 Parkplätze sowie ein Netz von Wanderwegen (insgesamt zirka 44 km) und Lehrpfaden. Besonders gern besuchte Orte sind der Turkusowe-See mit einer spezifischen Färbung des Wassers, der Zielonka-Hügel, das Wisent-Rezervat sowie die Aussichtspunkte „Gosan“ und „Kawcza Gora“ in der Nähe von Miedzyzdroje. Die größte Bedrohung für die Naturwelt des Parks bilden die durch sein Gebiet führenden Straßen und Zugstrecken, die den Hafen von Swinoujscie mit den übrigen Regionen Polens verbinden, sowie die Strom- und Gasleitungen.
Die Unterbringungsmöglichkeiten auf Wolin sind vielfältig und auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten. Es gibt Hotels verschiedener Kategorien, von einfachen Pensionen bis hin zu komfortablen Wellnesshotels, besonders in den größeren Badeorten. Daneben spielen Ferienwohnungen und Ferienhäuser eine große Rolle, da sie vor allem für Familien und längere Aufenthalte geeignet sind. Privatunterkünfte und Gästezimmer bieten eine preisgünstige Alternative und ermöglichen oft einen persönlichen Kontakt zu den Einheimischen. Ergänzt wird das Angebot durch Campingplätze in Strandnähe oder in naturnaher Umgebung, die besonders bei naturverbundenen Reisenden beliebt sind. Insgesamt bietet Wolin damit eine breite Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten, die den unterschiedlichen Erwartungen der Besucher gerecht wird.
Literatur
- wikipedia = https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Wolin
- wikitravel = https://wikitravel.org/en/Wolin
- wikivoyage = https://de.wikivoyage.org/wiki/Wollin
Reiseberichte
- Stefi's Welt: Westpommern entdecken – Natur pur, Kultur und Camping auf der Insel Wolin = https://www.stefiswelt.de/westpommern-wolin/
- Die 20 schönsten Ausflugsziele rund um gmina Wolin = https://www.komoot.com/de-de/guide/2588176/ausflugsziele-rund-um-gmina-gmina-gmina-wolin
- Nationalpark Wollin = https://www.polen.travel/de/nationalpark-wollin-wolinski-park-narodowy/
Videos
- Wolin drone 4k = https://www.youtube.com/watch?v=lu-c3WlWyEA
- Wolin Viking Festival = https://www.youtube.com/watch?v=MTHd0bSa8sY
- Die polnische Ostseeinsel Wollin = https://www.youtube.com/watch?v=2Gk4LlW-UOQ
Atlas
- Wollin, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/#map=11/53.9132/14.3914
- Wollin, ADAC = https://maps.adac.de/show/wolin
- Wollin, Satellit = https://satellites.pro/Wolin_map
Reiseangeboite
Wikinger Reisen - Usedom und Wollin = https://www.studienreisen.de/studienreise_289578.html
Angebote für Kurzurlaub Insel Wollin = https://www.kurzurlaub.de/region-kurzurlaub-insel_wolin.html
Forum
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