Usedom (Uznam)

Aus Insularium
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Im frühen Mittelalter war die Insel wendisches Gebiet, dann lange Zeit preußisch. Seit 1945 ist Usedom eine geteilte Insel. Drei Viertel gehören zu Deutschland, der Rest ist ein Teil Polens. Beide sind mittlerweile mit dem Festland verbunden Der polnische Teil über die Nebeninsel Wollin, der deutsche über eine im Juni 1934 bei Wolgast die errichtete Brücke.

Inselsteckbrief
offizieller Name Usedom (deutsch), Uznam (polnisch)
alternative Bezeichnungen Uznjöm, Uznjom (wendisch), Uznoimi, Uznoim (1175), Uznam, Uznom, Uzdem (12./13. Jahrhundert), Usdum, Usedum (1420)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp Brückeninsel (seit 1934)
Inselart glaziale Insel (Moräneninsel)
Gewässer Ostsee (Morze Bałtyckie) und Pommersche Bucht (Zatoka Pomorska)
Inselgruppe Usedom (Uznam)
politische Zugehörigkeit Staaten: Deutschland (Bundesrepublik Deutschland) und Republik Polen (Rzeczpospolita Polska)
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern und Woiwodschaft: Westpommern (Województwo zachodniopomorskie)
Landkreis: Vorpommern-Greifswald und kreeisfreie Stadt: Swinemünde (Świnoujście)
Gliederung deutscher Landesteil: 2 Ämter
19 Gemeinden
1 Stadt
1 Amtsfreie Gemeinde
polnischer Landesteil: 1 powiat grodzki (Stadtgemeinde)
Status geteilte Insel (wyspa podzielona)
Koordinaten 53°59‘ N, 14°04‘ O
Entfernung zur nächsten Insel 190 m (Karsibor)
Entfernung zum Festland 180 m (Wolgast)
Fläche 445 km² /171,8 mi² (deutscher Teil 354,2 km² /136,7 mi², polnischer Teil 90,8 km² / 35,1 mi²)
geschütztes Gebiet 55 km² / 21 mi² (12,4 %)
maximale Länge 66,4 km (NW-SO)
maximale Breite 23,9 km (NO-SW)
Küstenlänge 268 km
tiefste Stelle 0 m (Ostsee)
höchste Stelle 68 m (Golm)
relative Höhe 68 m
mittlere Höhe 10 m
maximaler Tidenhub 0,03 bis 0,08 m (Koserow 0,07 m, Swinemünde 0,04 m)
Zeitzone MEZ / CSE (Mitteleuropäische Zeit / Czas Środkowoeuropejski, UTC+1)
Realzeit UTC plus 55 bis 57 Minuten
Einwohnerzahl 58.270 (2024)
Dichte (Einwohner pro km²) 130,94
Inselzentrum Swinemünde (Świnoujście)


Name

Usedom heißt polnisch Uznam und wendisch Uznjöm bzw. Uznjom. Der Name Uznoimia civitas wurde 1124/25 von dem hier missionierenden Bischof Otto von Bamberg erstmals urkndlich festgehalten. Er bezieht sich auf die gleichnamige Kleinstadt im Südwesten der Insel. Der Name leitet sich vom polabischen Wortstamm uznam ab, der „Mündung“ bzw. „Flussmündung“ bedeutet - eine passende Beschreibung für die Lage der Insel im Mündungsdelta der Oder mit den Armen Peene, Swine und Dievenow. Alternative Deutungen verbinden ihn mit dem slawischen Wort „znoj“ für „Strom“, „umflossen“ oder „von Wasser umströmt“, was die insularen und lagunären Gegebenheiten der Region widerspiegelt. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Schreibweise über die Formen Uznoimi, Uznoim (1175), Uznam, Uznom, Uzdem (12./13. Jahrhundert) bis hin zu Usdum, Usedum (1420) und schließlich dem heutigen „Usedom“.

Eine alte Sage erzählt die Namensgeschichte Usedoms etwas anders: „In alter Zeit war sie, obwohl schon längst bewohnt, noch immer namenlos. Darum versammelten sich eines Tages alle Bewohner an einem Ort. Jeder konnte einen Vorschlag machen. Viel Gerede ging hin und her. Nur einen Namen für die Insel Usedom wusste keiner zu nennen. Schließlich sprach ein grauhaariger Alter. Hört liebe Leute. Ich will euch einen Rat geben, sonst sitzen wir hier noch lange. Das nächste Wort, das einer spricht, soll der Name unserer Insel sein. Jetzt schwiegen alle. Wie leicht konnte ein unbedachtes Wort den Namen der Insel verderben. So saßen sie wohl eine gute Stunde angestrengt, bis einer plötzlich aufsprang und ungeduldig rief: O so dumm, dass wir keinen Namen finden. Nun war es geschehen. Hatten sie aber gehofft einen besonders schönen Namen zu bekommen, so war es nichts damit. Sie mussten sich jetzt Osodummer nennen lassen. Doch lachend fanden sie sich drein. Schließlich war das besser als gar kein Name. Und im Laufe vieler, vieler Jahre ist dann Usedom daraus geworden.“

  • international:  Usedom
  • amharisch:  ኡዘዶም [Uzedomi]
  • arabisch:  أوزيدوم [Ūzīdūm]
  • armenisch:  Ուզեդոմ [Uzedom]
  • bengalisch:  উজেডম [Ujeḍama]
  • birmanisch:  ဥဇေဒေါင် [Uzedawng]
  • bulgarisch:  Узедом [Uzedom]
  • chinesisch:  乌泽多姆 [Wūzéduōmǔ]
  • esperanto:  Usedomo
  • georgisch:  უზედომი [Uzedomi]
  • griechisch:  Ούζεντομ [Oúzentom]
  • gudscheratisch: ઉસેડોમ [Usedom]
  • hebräisch:  אוזדום [Uzedom]
  • hindi:  उसेडोम [Usedom]
  • japanisch:  ウゼドム [Uzedomu]
  • kambodschanisch: អ៊ូសេដុម [Usedum]
  • kanaresisch:  ಉಸೆಡಾಮ್ [Usedom]
  • kasachisch:  Узедом [Uzedom]
  • kaschubisch:  Ùznóm
  • koreanisch:  우제돔 [Ujedom]
  • laotisch:  ອູເຊດົມ [Usedom]
  • lateinisch:  Usedomia
  • lettisch:  Uzedoma
  • litauisch:  Uzedomas
  • makedonisch:  Узедом [Uzedom]
  • malayalam:  ഉസെഡോം [Usedom]
  • maldivisch:  ޔުސެޑޮމް [Usedom]
  • marathisch:  उसेडोम [Usedom]
  • mongolisch:  Узедом [Uzedom]
  • nepalesisch:  उसेडोम [Usedom]
  • orissisch:  ଉସେଡମ [Usedom]
  • pandschabisch: ਉਸੇਡੋਮ [Usedom]
  • paschtunisch:  اوزېډوم [Uzedom]
  • persisch:  اوزدوم [Uzedom]
  • polabisch:  Uznam, Uznom
  • polnisch:  Uznam
  • russisch:  Узедом [Uzedom]
  • ruthenisch:  Узедом [Uzedom]
  • schlesisch:  Uznam
  • serbisch:  Узедом [Uzedom]
  • sorbisch, ober: Uznam
  • sorbisch, nieder:  Wuznam
  • singhalesisch: උසෙඩොම් [Usedom]
  • tamilisch:  உசெடோம் [Ucedōm]
  • telugu:  ఉసెడామ్ [Usedom]
  • thai:  อูเซโดม [Usedom]
  • tibetisch:  ཨུ་ཟེ་དོམ། [Uzedom]
  • ukrainisch:  Узедом [Uzedom]
  • urdu:  اسیڈوم [Usedom]
  • usbekisch:  Uzedom
  • weißrussisch:  Узедам [Uzedam]


Offizieller Name:

  • deutsch:  Usedom
  • polnisch:  Uznam
  • Bezeichnung der Bewohner:  Mieszkańcy Uznamu bzw. Usedomer
  • adjektivisch:  uznamski bzw. usedomer


Kürzel:

  • Code:  US bzw. UZ / USD bzw. UZN
  • Kfz: -
  • ISO-Code:  DE.MV.US bzw. PL.PM.UZ

Lage

Usedom ist eine Insel in der Ostsee vor dem Stettiner Haff auf durchschnittlich 53°59‘ n.B. und 14°04‘ ö.L.. Sie gehört zum größeren Teil zum deutschen Land Mecklenburg-Vorpommern. Der östlichste Teil der Insel um die Hafenstadt Swinemünde ist polnisches Staatsgebiet. Weiter östlich schließen sich die Inseln Wollin und Kaseburg an.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  54°10‘12“ n.B. (Peenemünder Haken)
  • südlichster Punkt:  53°49‘15“ n.B. (Kanal Piastowski)
  • östlichster Punkt:  14°20‘02“ ö.L. (Kanal Piastowski)
  • westlichster Punkt:  13°46‘03“ ö.L. (Peenemünder Haken)


Entfernungen:

  • Wolgast  180 m
  • Karsibor  190 m
  • Swinemünde / Wollin  330 m
  • Ruden 3,2 km
  • Greiufswalder Oie  10,3 km
  • Rügen 11,6 km
  • Stettin  45 km
  • Rostock  108 km
  • Berlin 156 km
  • Warschau  485 km

Zeitzone

Auf Usedom gilt die Mitteleuropäische Zeit, abgekürzt MEZ, polnisch Czas Środkowoeuropejski, kurz CSE, englisch Central European Time, kurz CET, eine Stunde vor der Koordinierten Weltzeit (Coordinated Universal Time / UTC). Die Realzeit liegt um 55 bis 57 Minuten vor der Koordinierten Weltzeit (UTC).

Fläche

Usedom hat eine Gesamtfläche von 445 km² bzw. 171,8 mi². Davon gehören 354,2 km² zu Deutschland und 90,8 km² zu Polen - nach alternativen Angaben 373 km² deutsches und 72 km² polnisches Gebiet. Von Nordwesten nach Südosten hat sie eine Länge von 66,4 km bei einer maximalen Breite von 23,9 km, aber an der dünnsten Stelle zwischen Koserow und Zempin ist sie nur 300 Meter breit. Hier wurde die Insel in der Vergangenheit häufig durch Sturmfluten in zwei Teile geteilt, woran heute noch der Gedenkstein in Koserow erinnert. Die breiteste Stelle befindet sich mit 28 km zwischen Swinemünde und Zecherin. Die Küste ist 268 km, nach konservativen Schätzungen nur 90 bis 200 km lang, davon 42 km an der Ostsee. Höchste Erhebung ist der Golm mit 69 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei etwa 10 m, der Tidenhub bei 0,03 bis 0,08 m, bei Koserow 0,07 m, bei Swinemünde 0,04 m.

Geologie

Die Insel Usedom stellt eine der jüngsten geologischen Formationen in Pommern dar. Ihre Entstehung und heutige Gestalt sind vor allem durch die Prozesse der letzten Eiszeit, der Weichsel-Kaltzeit, geprägt, die vor etwa 20.000 Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Während dieser Periode schoben sich massive Eismassen aus Skandinavien bis in die Region vor, formten das Relief und hinterließen eine Vielzahl von Sedimenten. Die Oberflächengestaltung des Oderästuars, zu dem Usedom gehört, entstand erst am Ende dieser Eiszeit vor etwa 14.000 bis 15.000 Jahren. Usedom und die benachbarte Insel Wollin entstanden als Ergebnis glazialer Aktivitäten, wobei die Inselkerne – erhöhte Moränenbereiche – zunächst als isolierte Erhebungen aus dem Meer ragten. Diese Kerne, wie die bei Wolgast-Zecherin, Neuendorf, Zinnowitz, Koserow-Streckelsberg und Stubbenfelde, wurden durch das Schmelzen der Gletscher freigelegt, doch steigende Meeresspiegel und Strömungen erodierten sie und transportierten Sedimente, die die Buchten zwischen ihnen auffüllten.

Die geologische Struktur Usedoms basiert auf quartären Ablagerungen, die bis zu 400 Meter dick sein können und ältere Substrate überdecken. Der untere Bereich des oberflächennahen Untergrunds wird von Geschiebemergel (Till) dominiert, einem diamiktonischen Sediment aus der Weichsel-Eiszeit, das reich an Kalk und feinen Fraktionen ist und eine geringe Durchlässigkeit aufweist. Dieser untere Geschiebemergel, möglicherweise aus dem Brandenburger Stadium oder der Saale-Eiszeit stammend, enthält hauptsächlich nordisches Kristallin und paläozoische Kalke, mit einem hohen Anteil an Silt und Ton, was ihn als Aquiclude wirken lässt. Darüber lagern pleistozäne Sande, die als glaziofluviale Ablagerungen interpretiert werden und eine höhere Permeabilität zeigen, mit Korngrößen von Fein- bis Mittelsand und hydraulischen Leitfähigkeitswerten von 4×10⁻⁵ bis 6×10⁻⁴ m/s. Der obere Geschiebemergel, zugeordnet zum Mecklenburger Vorstoß der Weichsel-Eiszeit, ist variabel und enthält Strukturen wie Überschiebungen und Flexuren, die auf Sedimentation in teilweise gefrorenem Boden hindeuten. Abschließend folgen obere pleistozäne Sande und holozäne Sedimente, einschließlich Basistorf und mariner Sande mit Muschelschalen, die den Übergang zur Litorina-Transgression vor etwa 7.000 Jahren markieren. Diese holozänen Schichten zeugen von einer zunehmenden Versüßung und Verlandung, mit Übergängen zu Niedermoortorf und einer Permeabilität, die den oberen Grundwasserleiter bildet.

Die Landschaftsformen Usedoms sind geprägt von Endmoränen, Stauchendmoränen, kuppigen Grundmoränen, Sandern, Os-Akkumulationen, Moortiefen und See-Sandflächen. Besonders vielfältig ist der östliche Teil der Insel im Thurbruch-Becken, das den Gothensee und Kachliner See umfasst, mit glazialen Hohlformen von überlagernden Gletscherzungen. Moränenwälle wie die der Franzburger Teilstaffel bei der Stadt Usedom und die der Velgaster und Nordrügen-Ost-Usedomer Staffel formen das Relief, das sich ostwärts über Wollin in die polnische Küste fortsetzt. Die größte Grundmoränenfläche liegt im Usedomer Winkel zwischen Zecherin und Usedom-Stadt, ein flachwelliges Gelände aus Geschiebemergel, das nährstoffreiche Ackerböden trägt und den Thurbruch umbogen. Beim Schmelzen der Gletscher lagerten sich grobe Materialien wie Steine und Kies ab, die Steinflächen im Achterwasser, Wallberge bei Mellenthin und Morgenitz sowie den Borgwald und Ubu bildeten. Feinere Sande wurden südwärts transportiert und schufen nährstoffarme Gebiete wie die Mellenthiner Heide und den Usedomer Forst, die mit Kiefern, Birken und Eichen bewachsen sind.

Ein markantes Beispiel für die glaziale Prägung ist der Streckelsberg, eine Stauchmoräne bei Koserow mit einer Höhe von 56 Metern, die vor über 16.000 Jahren durch einen kleineren Gletschervorstoß entstand. Ursprünglich größer und höher, wurde sie durch Erosion der Ostsee-Wellen, Wellen und Winde um 250 Meter in den letzten 300 Jahren zurückgedrängt. Ähnlich das Steilufer am Langen Berg bei Bansin, das zu den am stärksten erodierten Kliffs an der deutschen Ostseeküste zählt und aus eiszeitlichem Geschiebe besteht. Nach dem Eisrückzug bildeten sich proglaziale Seen, die in Phasen wie Yoldia-See, Ancylus-See und schließlich die heutige Ostsee übergingen. Vor 9.000 Jahren begann der Anstieg des Ostsee-Spiegels, der bis vor 2.000 Jahren andauerte und Usedom zunächst auf Kerne reduzierte, die vor 7.500 Jahren nur noch aus dem Wasser ragten. Durch Verlandung, Dünenbildung und Sedimentakkumulation schlossen sich Lücken wie die Zinnowitzpforte und Pudagla-Swinepforte, was die heutige Form schuf.

Holozäne Prozesse umfassen die Bildung von Mooren in Buchten und Becken, wie Flutmoore am Haff und Peenestrom sowie große Verlandungsmoore im Thurbruch und Zernin mit Torfschichten von mehreren Metern. Innere Seen wie Kölpinsee, Schmollensee, Gothensee und der versumpfte Mümmelkensee bei Bansin sind Reste ehemaliger Meeresbuchten, die durch Sedimentation verlandeten. Die Außenküste wechselt zwischen Steilufern und flachen Dünen, mit anhaltender Erosion durch Meereskräfte, die Kliffs abragen und Material für Neulandbildung nutzen. Bis vor etwa 600 Jahren war Usedom mit Rügen verbunden, bis eine Sturmflut 1304 die Inseln trennte. Heutige Küstenschutzmaßnahmen, wie Buhnen und Sandaufschüttungen, mildern die Erosion.

Landschaft

Prägende Landschaftsform auf Usedom ist die Ostseeküste mit ihren langen, feinsandigen Stränden, die zu den breitesten Deutschlands zählen. Diese Strände werden von Dünen begleitet, die als natürlicher Schutz vor Sturmfluten dienen und mit Strandhafer, Krähenbeere und Kiefern bewachsen sind. Besonders eindrucksvoll sind die Steilküstenabschnitte bei Koserow, Ückeritz und Bansin, wo sich bewaldete Hänge direkt über dem Meer erheben und immer wieder Ausblicke auf die offene Ostsee ermöglichen. Der ständige Einfluss von Wind und Wasser formt diese Küstenlandschaft kontinuierlich neu.

Hinter den Dünen erstrecken sich ausgedehnte Küstenwälder, die vor allem aus Kiefern, Buchen und Eichen bestehen. Diese Wälder schaffen einen Übergang zwischen Meer und Inselinnerem und bieten zahlreichen Tierarten Lebensraum. Je nach Jahreszeit verändert sich hier das Landschaftsbild deutlich: Im Frühjahr ist der Waldboden von Blüten überzogen, im Sommer dominiert sattes Grün, und im Herbst sorgen bunte Laubfärbungen für eine besondere Stimmung.

Das Inselinnere Usedoms wirkt ruhiger und ursprünglicher. Weite Felder, sanfte Hügel, kleine Dörfer und alte Gutshöfe prägen diese Kulturlandschaft. Dazwischen liegen Moore, Wiesen und kleine Seen, die häufig von Schilf umgeben sind. Diese Bereiche sind ökologisch besonders wertvoll und bieten Rückzugsorte für seltene Vogelarten, Amphibien und Insekten. Die offene Weite des Binnenlandes vermittelt ein Gefühl von Ruhe und Gelassenheit, fernab der belebten Seebäder.

Eine landschaftliche Besonderheit ist das Achterwasser, eine flache Lagunenlandschaft zwischen Insel und Festland. Hier bestimmen Schilfgürtel, Buchten, Halbinseln und kleine Inseln das Bild. Das Wasser ist meist ruhig und spiegelt Himmel und Wolken, was besonders bei Sonnenauf- und -untergängen eine eindrucksvolle Atmosphäre schafft. Die Ufer des Achterwassers sind stellenweise kaum erschlossen und wirken sehr naturbelassen. Fischerboote, Reetdächer und alte Holzstege fügen sich harmonisch in die Landschaft ein.

Im Süden Usedoms geht die Insel allmählich in das Stettiner Haff über. Diese Landschaft ist geprägt von flachen Ufern, weiten Wasserflächen und einem starken Einfluss des Brackwassers. Auch hier spielen Schilf und Feuchtwiesen eine große Rolle. Das Haff wirkt oft still und weit, ganz anders als die offene Ostsee, und unterstreicht die landschaftliche Gegensätzlichkeit der Insel.


Erhebungen

  • Golm  69 m
  • Streckelsberg  58 m
  • Weißer Berg  32 m

Flora und Fauna

Auf Usedom prägen Buchen- und Kiefernwälder, Moore, Dünen und artenreiche Trocken- und Magerrasen die Flora, darunter seltene Arten wie Sumpfporst, Lungen-Enzian und verschiedene Orchideen. Die Fauna ist besonders vogelreich mit Seeadler, Kranich, zahlreichen Enten- und Gänsearten sowie Säugetieren wie Fischotter und Biber.

Flora

Der Waldanteil auf Usedom ist in den letzten beiden Jahrhunderten von 36 % auf 24 % gesunken. Gerade die Erlenbruchwälder, die sich in den feuchten Gebieten der Insel befinden, sind besonders bedroht. Grund dafür ist die landwirtschaftliche Nutzung dieses Raumes.

An der Ostseeküste dominieren die Dünenlandschaften. Hier spielen Pionierpflanzen eine entscheidende Rolle bei der Befestigung des Sands: Der Strandhafer stabilisiert mit seinen tief reichenden Wurzeln die Weißdünen, während in den älteren Graudünen Arten wie Stranddistel, Sand-Segge oder Silbergras vorkommen. In salzbeeinflussten Bereichen der Küste und an den Ufern der Boddengewässer gedeihen halophile Pflanzen in Salzwiesen und Schilfzonen, darunter Schilfrohr, Salz-Aster, Strandsimse, Tataren-Lattich, Strandsalde sowie Meerkohl und Queller.

Das Inselinnere wird von Wäldern geprägt, die etwa 30 Prozent der Fläche einnehmen. Typisch sind Kiefernwälder auf sandigen Böden und Dünen, Buchenwälder in den hügeligeren Moränengebieten sowie Erlenbruchwälder und Birkenbrüche in feuchteren Niederungen. Auf höheren Strandwällen finden sich Birken-Eichenwälder.

Besonders artenreich sind die Moore, die rund 15 Prozent des Naturparks ausmachen. In Küstenüberflutungsmooren, Verlandungsmooren und Hochmooren wie dem Mümmelkensee oder dem Thurbruch wachsen charakteristische Arten wie Wollgras, Sonnentau (eine fleischfressende Pflanze), Krähenbeere sowie verschiedene Torfmoose. In Feuchtwiesen und Trockenrasen blühen seltene Orchideen, etwa das Sumpfknabenkraut oder Ruthes Knabenkraut.

Unterwasserpflanzen in den flachen Gewässern umfassen Kamm-Laichkraut, Sumpf-Teichfaden und Armleuchteralgen. Die gesamte Flora Usedoms ist nicht spektakulär auffällig, sondern harmonisch und abwechslungsreich, mit vielen seltenen und geschützten Arten, die von der sensiblen Balance zwischen Salz- und Süßwasser profitieren. Diese Vielfalt macht die Insel zu einem wichtigen Refugium für die Biodiversität in der Ostseeregion.

Im Naturschutzgebiet Peenemünder Haken, Struck und Ruden kann man die Seegraswiesen finden, die sich im Boddenbereich ab zwei Meter Wassertiefe befinden. Kamm-Laichkraut, Strandsalde, Sumpf-Teichfaden und Armleuchteralgen sind auch im Naturschutzgebiet zu finden. Hier wachsen auch Schilfrohr, Strandsimse, Tataren-Lattich und Salz-Aster. Es gibt ein Birken-Eichenwald auf den höher gelegenen Strandwällen der Insel. In Streckelsberg kommen solche Pflanzen wie Großes Zweiblatt, Weiße Waldhyazinthe, Eberesche, Rote Heckenkirsche, Nestwurz, Rotes Waldvögelein, Deutsches Geißblatt, Bereifte Brombeere, Himbeere, Schwarzdorn, gemeiner Efeu und viele andere vor.

Fauna

Die Insel Usedom zählt zu den vogelreichsten Gebieten Ostdeutschlands. Insgesamt gibt es hier 150 Arten, darunter 11 Greifvogel­arten. Auf der Vogelinsel Greifswalder Oie leben Heidschnucken, Siebenschläfer sowie Steinmarder. Im Naturschutzgebiet Peenemünder Haken, Struck und Ruden sind 120 Brutvogelarten und 250 Gastvogelarten nachgewiesen. Dazu gehören Kormorane, Höckerschwäne, Blässgänse, Graugänse, Pfeifenten, Krickenten, Stockenten, Bergenten, Eisenten und Blässrallen. Der Fischotter besitzt noch einen gesicherten Bestand. Bei den Amphibien sind Seltenheiten wie Glattnatter und Rotbauchunke hervorzuheben. In Streckelsberg leben die Zaun- und Waldeidechsen, der Maulwurf, die Waldspitzmaus, die Nordische Wühlmaus, Steinmarder, Eichhörnchen und der Rotfuchs. Es sind zahlreiche Singvogelarten zu finden, vor allem Rotkehlchen, Zaunkönig, Kohlmeise, Blaumeise, Weidenlaubsänger, Zwergschnäpper, Fitislaubsänger, Mönchs- und Klappergrasmücke. Verschiedene Falterarten und Käferarten, unter anderem der Buchenbock, Sägebock, Zangenbock kommen hier ebenfalls vor.

Die Zauneidechse (Lacerta agilis) ist ein vor allem in Mittel- und Osteuropa sowie Vorderasien verbreitetes Reptil aus der Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae). Im deutschsprachigen Raum erreichen Zauneidechsen ausnahmsweise Gesamtlängen von etwa 24 cm. Die Färbung und Zeichnung ist je nach Individuum, Geschlecht, Altersstadium und Jahreszeit bei Männchen sehr variabel. In der Roten Liste Deutschlands gehört die Zauneidechse zur Vorwarnliste.

Naturschutz

Schon zu DDR-Zeiten waren einige Flächen Usedoms zu Naturschutzgebieten (NSG) sowie Landschaftsschutzgebieten (LSG) erklärt worden, die nach und nach erweitert wurden. Im Dezember 1999 wurde die gesamte Insel einschließlich der zum Festland hin liegenden Gewässer sowie einem kleinen Streifen vom Festland im Bereich des Seebades Lubmin und der Stadt Lassan offiziell zum Naturpark Insel Usedom erklärt.

Die Gesamtfläche der Naturschutzgebiete (NSG) auf der Insel Usedom (deutscher Teil) beträgt knapp 55 km². Diese Zahl bezieht sich auf die 14 Naturschutzgebiete im Bereich des Naturparks Insel Usedom und stammt aus mehreren zuverlässigen Quellen, darunter der Wikipedia-Eintrag zum Naturpark (basierend auf historischen und aktuellen Ausweisungen bis in die 1990er Jahre) sowie älteren Angaben der Naturparkverwaltung. Neuere Quellen der Naturpark-Website nennen teilweise rund 40 km², was möglicherweise eine konservativere oder aktualisierte Schätzung ohne bestimmte Wasserflächen widerspiegelt – die höhere Zahl von 55 km² gilt jedoch als etabliert und umfassend.


Naturschutzgebiete auf Usedom:

  • Naturschutzgebiet Peenemünder Haken, Struck und Ruden, das älteste NSG Usedoms (schon 1925 ausgewiesen), insgesamt 78,12 km², davon knapp 30 km² auf Usedom
  • Halbinsel Gnitz, seit 1994, 61 ha
  • Wockninsee bei Ückeritz, seit 1967, 50 ha, teilweise verlandet
  • Mümmelkensee, seit 1961, 6 ha, Moorsee zwischen Schmollensee und Ostseestrand
  • Naturschutzgebiet Halbinsel Cosim am Balmer See, seit 1996, 85 ha
  • Vogel-Inseln Böhmke und Werder im Balmer See, seit 1967, 118 ha
  • Gothensee, seit 1967, mit 800 ha das größte NSG auf Usedom, mit Niedermoor Thurbruch
  • Golm, seit 1976, 25 ha, höchster Berg Usedoms (69 m)
  • Zerninsee, seit 1995, 365 ha, verlandeter See und Moor an der Grenze zu Polen
  • Streckelsberg bei Koserow, seit 1961, 34 ha, höchste Kliffranddüne der Insel (58 m)
  • Naturschutzgebiet Mellenthiner Os, seit 1995, 65 ha, eiszeitlicher Wallberg und Moor, slawische Wallburg
  • Kleiner Krebssee, seit 1996, 45 ha, zwischen Schmollensee und Gothensee

Klima

Das Klima auf Usedom gehört nach Köppen zur Kategorie Cfb, also warmgemäßigtes, ganzjährig feuchtes Klima mit warmen Sommern. Es ist durch milde Winter, mäßig warme Sommer und relativ gleichmäßig über das Jahr verteilte Niederschläge geprägt. Mit etwas über 1900 Sonnenstunden im Jahr ist Usedom, allerdings von der Nachbarinsel Rügen dicht gefolgt, die sonnscheinreichste Region Deutschlands. Im langfristigen Klima-Mittel erreicht die Sonnenscheindauer auf Usedom jeden Tag also ungefähr fünf Stunden. An durchschnittlich neun Tagen im Monat fällt auf der Insel Usedom Regen; die mittlere Niederschlagsmenge von zirka 50 mm pro Monat ist recht gering. Durch die von der Ostsee und den Usedomer Haffgewässern Achterwasser, Peenestrom und Stettiner Haff herrührende konstant hohe Luftfeuchtigkeit entsprechen sowohl subjektives Empfinden als zum Beispiel auch die Vegetation einer viel höheren Niederschlagsmenge als es diese Klimadaten ausweisen.

Das Klima Usedoms ist vom Übergang zwischen dem durch die Ostsee gegebenen Meeresklima und dem Kontinentalklima, das von der nahen Landmasse Polens bestimmt wird, geprägt. Dieses Zusammenspiel ist einer der Gründe für die lange Sonnenscheindauer auf der Insel Usedom und weitere klimatische Besonderheiten. Dabei unterscheidet sich das Insel- und Küstenklima auf Usedom vor allem während Tiefdrucklagen zum Teil dramatisch vom Wettergeschehen wenige Kilometer landeinwärts.

Das gesunde Reizklima Usedoms ist vor allem durch die salz- und jodhaltige Seeluft bedingt. Haut- und Atemwegserkrankungen sowie Allergien werden durch das Seeklima sehr günstig beeinflusst. Die vergleichsweise hohe Sonnenscheindauer auf der Insel Usedom wirkt sich daneben günstig auf das Allgemeinbefinden aus.

Mythologie

Die bekannteste usedomer Legende handelt von Vineta, einer versunkenen reichen Handelsstadt, die oft als das „Atlantis der Ostsee“ bezeichnet wird. Der Sage nach lag Vineta vor der Küste Usedoms, insbesondere in der Nähe von Koserow oder Zinnowitz. Es handelte sich um eine prächtige Metropole, in der Kaufleute aus aller Welt zusammenkamen und unermesslichen Reichtum anhäuften. Die Bewohner waren gastfreundlich, aber mit der Zeit wurden sie hochmütig, verschwenderisch und gottlos. Sie ignorierten göttliche Warnungen und feierten in Saus und Braus weiter. Als Strafe für ihre Hybris sandte Gott eine gewaltige Sturmflut, die die Stadt in einer einzigen Nacht in die Tiefe der Ostsee riss. Seither ruht Vineta auf dem Meeresgrund, und an klaren Ostermorgen sollen Sonntagskinder die Türme und Glocken der Stadt aus den Wellen auftauchen sehen oder ihr Läuten hören. Fischer berichten von versenkten Glocken oder Kreuzen, die aus der Tiefe geborgen wurden. Historisch wird Vineta oft mit dem slawischen Handelsplatz Julin auf der benachbarten Insel Wollin gleichgesetzt, doch die Legende verortet sie bevorzugt vor Usedom und dient als Mahnung vor Übermut.

Eine weitere Sage betrifft den Berg Gollen oder Gollenberg beim Dorf Caminke am Haff, der in ganz Pommern wegen der schönen Aussicht bekannt ist, die man auf seiner Spitze hat. Der ist auf folgende Weise entstanden: In alten Zeiten lebte auf der Insel Usedom ein Fürst, der nur eine einzige Tochter und viele Schätze hatte. Er war sehr geizig, und wollte daher, um von den Schätzen nichts zu missen, bei seinen Lebzeiten die Prinzessin nicht verheirathen, wies vielmehr alle Freier zurück. Als er nun aber endlich starb, da war die Prinzessin schon in die Jahre gekommen, und eben so häßlich geworden, wie sie früher schön gewesen war. Deshalb wartete sie auch vergebens, daß sich noch ein Freier melden werde. Zuletzt erschien indeß ein mächtiger Zauberer, der wollte sie freien. Aber weil er grundhäßlich war, so gab sie ihm einen Korb. Darüber ergrimmte der Zauberer, und er verwandelte das Schloß, in welchem sie wohnte, in einen Berg, und bannte sie mit ihren Schätzen auf ewige Zeiten in denselben. Dabei sprach er die Worte:


Do ligt dat Gollen (Gold),

Schall mi wol över hollen,

Bet stumm'n betern Frieger kümmt

Ub'n Hansdag, 'n rein Sundagskind!


Der Berg, der also entstanden war, erhielt von da an den Namen, den er noch führt, und die verwünschte Prinzessin muß seitdem im Innern desselben bei ihren Schätzen sitzen und die hüten. Alle Jahre auf den Johannistag kommt sie heraus, um zu sehen, ob der stumme Freier, das reine Sonntagskind, sie noch nicht freien und erlösen will.

Zuletzt hat man sie noch im Jahre 1822 gesehen. Am Johannistage solchen Jahres spielten einige Kinder aus dem benachbarten Dorfe am Gollenberge, als sie auf einmal von diesem herabkam, und auf die Kinder zuging. Die Kinder liefen aber schreiend davon. Da sah man sie langsam und trauernd zurückkehren.

Geschichte

Usedom war bereits seit der Mittelsteinzeit besiedelt und wurde im Mittelalter zwischen slawischen Stämmen, Dänen, Schweden und Preußen mehrfach umkämpft, bevor es im 18. Jahrhundert endgültig preußisch wurde. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich die Insel durch den aufkommenden Bädertourismus zu einem bedeutenden Seebadgebiet, das vor allem in der Kaiserzeit und später in DDR-Zeiten als Urlaubsregion an Bedeutung gewann.

Mesolithikum

Das Mesolithikum (Mittelsteinzeit, um -9600 bis -5500) auf der Insel Usedom ist archäologisch nur spärlich belegt, da die Region in dieser Periode von starken landschaftlichen Veränderungen geprägt war und viele potenzielle Fundstellen durch den postglazialen Meeresspiegelanstieg überflutet oder erodiert wurden.

Nach dem Ende der letzten Eiszeit (Weichsel-Kaltzeit) lag das heutige Usedom-Gebiet zunächst als Teil einer tieferen Landbrücke im Kontext der sich formenden Ostsee (Ancylus-See und Littorina-See). Die Insel selbst entstand erst später durch den steigenden Meeresspiegel und die Bildung von Nehrungen und Barrieren. In der frühen holozänen Phase war die Region von Tundren zu Birken- und Kiefernwäldern übergehend, mit reichen Ressourcen an Wild (Rothirsch, Reh, Wildschwein), Fischen, Vögeln und pflanzlicher Nahrung wie Haselnüssen – typisch für mesolithische Jäger, Fischer und Sammler in Norddeutschland.

Direkte Funde aus dem Mesolithikum auf der heutigen Landfläche Usedoms sind rar und meist oberflächlich oder zufällig entdeckt, da systematische Grabungen fehlen. Archäologische Quellen sprechen von einer Besiedlung ab der Mittelsteinzeit, basierend auf vereinzelten Feuersteinartefakten (Mikrolithen, Klingen), die auf temporäre Lagerplätze hinweisen. Diese Gruppen lebten mobil, nutzten Bögen mit mikrolithischen Pfeilspitzen und passten sich den küstennahen Feuchtgebieten an. Potenzielle Siedlungen lagen wahrscheinlich an damaligen Flussufern oder Binnengewässern, die heute unter der Ostsee oder im Achterwasser/Haff liegen.

Der Übergang zum Neolithikum (ab etwa -5500) brachte dann deutlich mehr Funde, wie Megalithgräber und Siedlungsspuren. Das Mesolithikum auf Usedom bleibt somit eine Übergangsphase mit begrenzter Sichtbarkeit, die durch die dynamische Küstenentwicklung erklärt wird – ähnlich wie in anderen Ostsee-Regionen, wo submergierte Landschaften (zum Beispiel Doggerland-Äquivalente) die Hauptbesiedlungszonen bargen. Weitere Forschung, etwa durch Unterwasserarchäologie, könnte hier neue Erkenntnisse bringen.

Neolithikum

Das Neolithikum (Jungsteinzeit, um -5500 bis -2200) auf der Insel Usedom markiert den Übergang von mobilen Jäger- und Sammlergesellschaften zu sesshaften Ackerbauern und Viehzüchtern, der mit der Ausbreitung der Trichterbecherkultur (TBK) aus dem Norden einherging. Die Insel bot günstige Bedingungen durch fruchtbare Böden in Moränengebieten, Nähe zu Gewässern und reiche Ressourcen wie Fisch, Wild und Feuersteinvorkommen.

Archäologische Funde deuten auf eine intensive Besiedlung hin: Mehrere hundert Siedlungsspuren aus dieser Periode sind bekannt, darunter Keramik mit typischen Trichterbechern, geschliffene Steinbeile, Feuersteingeräte und Bernsteinobjekte. Die Menschen bauten Getreide (unter anderem Emmer und Einkorn) an, hielten Rinder, Schafe und Schweine und lebten in langrechteckigen Pfostenhäusern in kleinen Dörfern. Die Wirtschaft basierte auf Ackerbau, Viehzucht, Fischerei und Sammeln, ergänzt durch Handel mit Bernstein und Feuerstein.

Besonders auffällig sind die megalithischen Grabanlagen der TBK, die als kollektive Bestattungsstätten dienten und auf eine komplexe Gesellschaftsstruktur mit rituellen Praktiken hinweisen. Auf Usedom waren ursprünglich mindestens drei bis vier Großsteingräber bekannt, vor allem auf der Halbinsel Gnitz bei Lütow (auch Lütow-Neuendorf oder Netzelkow genannt). Heute existieren noch zwei, darunter ein gut erhaltenes Ganggrab (Sprockhoff-Nr. 573 und 574), das um -3000 entstand. Es handelt sich um rechteckige Kammern aus Findlingen mit Hügelüberdeckung, in denen Kollektivbestattungen erfolgten.

Eine Anlage wurde 1936/37 von Hans Jürgen Eggers ausgegraben und rekonstruiert; Funde wie 20 Keramikgefäße, zahlreiche Feuersteinbeile, Meißel, Klingen und Bernsteinschmuck zeugen von reichen Beigaben. Frühere Gräber wurden leider im 20. Jahrhundert zerstört (zum Beispiel 1907 gesprengte Anlagen). Diese Megalithgräber sind die eindrucksvollsten Zeugnisse des Neolithikums auf Usedom und verbinden die Insel mit der megalithischen Tradition Norddeutschlands und Skandinaviens.

Der Übergang zum Endneolithikum und zur Bronzezeit brachte Veränderungen wie die Einzelgrabkultur, doch die neolithischen Spuren legen den Grundstein für die spätere Besiedlung. Viele Funde sind durch spätere Überbauung oder Erosion verloren gegangen, aber die erhaltenen Denkmäler wie das Ganggrab bei Lütow (heute ein beliebtes Ausflugsziel im Wald) machen das Neolithikum greifbar und unterstreichen die frühe kulturelle Bedeutung der Insel.

Bronzezeit

Die Bronzezeit (um -2200 bzw. -1800 bis -600) auf der Insel Usedom war eine Phase intensiver Besiedlung und wirtschaftlicher Blüte, die von der strategischen Lage der Insel an wichtigen Handelsrouten profitierte, insbesondere dem Oderweg, einer nordsüdlichen Verbindung vom Mittelmeerraum in den skandinavischen Norden.

Usedom lag im Einflussbereich der Nordischen Bronzezeit und zeigte enge Verbindungen zu Kulturen in Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus. Die Menschen lebten von Ackerbau, Viehzucht, Fischerei und vor allem vom Bernsteinhandel: Der an den Stränden reichlich vorkommende „Gold der Ostsee“ wurde gegen Bronzegegenstände, Schmuck und Werkzeuge eingetauscht, was zu einer relativen Wohlstandsentwicklung führte.

Archäologische Funde belegen eine kontinuierliche Nutzung der Insel. Typisch sind Hügelgräber (Tumuli), die als Bestattungsplätze dienten und oft in Gruppen angelegt wurden. Solche Gräberfelder finden sich vor allem auf der Halbinsel Gnitz (bei Neuendorf und am Weißen Berg), im Gebiet um Korswandt sowie in anderen Teilen des Achterlands. Sie zeugen von rituellen Praktiken und einer hierarchischen Gesellschaft, in der Eliten mit reichen Beigaben (Waffen, Schmuck) bestattet wurden.

Ein herausragender Fund ist der jungbronzezeitliche Hortfund von Ückeritz (1975 entdeckt), der aus über 110 kunstvoll verzierten Bronzeobjekten besteht – darunter Teile einer Pferdegeschirrausstattung mit Scheiben, Ringen und Anhängern. Dieser Depotfund wird mit dem bronzezeitlichen Sonnenkult in Verbindung gebracht, da viele Elemente symbolische Motive (zum Beispiel Rad- oder Sonnensymbole) tragen und möglicherweise als Opfergaben dienten. Die Stücke sind heute im Historisch-Technischen Museum Peenemünde ausgestellt und unterstreichen die weitreichenden Handelskontakte.

Weitere Spuren umfassen Siedlungsreste mit Kulturschichten, Gruben und Feuerstellen aus der späten Bronze- bis frühen Eisenzeit, etwa in der Umgebung der Stadt Usedom oder in Morgenitz und Zinnowitz. Die Übergänge zur Eisenzeit sind fließend, mit Funden wie Gefäßdeponierungen. Insgesamt machen die bronzezeitlichen Relikte Usedom zu einem wichtigen Mosaikstein in der Archäologie Vorpommerns, das die Insel als Brücke zwischen nord- und südeuropäischen Kulturen hervorhebt. Viele Funde sind durch spätere Überbauung verloren gegangen, doch erhaltene Hügelgräber und Museen halten diese Epoche lebendig.

Eisenzeit

Die Eisenzeit (um -600 bis um 400) auf der Insel Usedom ist archäologisch weniger spektakulär als die vorangegangene Bronzezeit, doch sie zeugt von einer kontinuierlichen Besiedlung und kulturellen Anpassung in einer Phase, in der Eisen als neues Material die Werkzeug- und Waffenherstellung revolutionierte.

Usedom gehörte in dieser Periode zum Siedlungsgebiet ostgermanischer Stämme, wahrscheinlich der Bastarnen oder vorpomoranischer Gruppen, die später in die römisch beeinflusste Przeworsk-Kultur und die lokalen pommerschen Kulturen übergingen. Die Insel profitierte weiterhin von ihrer Lage an Handelsrouten, insbesondere dem Bernsteinweg entlang der Ostsee und der Oder. Bernstein blieb ein wichtiges Exportgut, das gegen Eisen, römische Bronzegefäße und Glas eingetauscht wurde.

Typische Funde der frühen Eisenzeit (Vorrömische Eisenzeit) sind Siedlungsspuren mit Grubenhäusern, Keramik mit grober Verzierung und vereinzelten Eisenobjekten wie Messer, Sicheln oder Fibeln. Siedlungen lagen bevorzugt auf leichten Erhebungen im Achterland oder in der Nähe von Gewässern, etwa in den Gebieten um die Stadt Usedom, Pudagla, Zinnowitz oder auf der Gnitz. Urnengräberfelder mit Brandbestattungen ersetzten zunehmend die Hügelgräber der Bronzezeit; solche Friedhöfe sind aus Ückeritz, Benz und anderen Orten bekannt.

In der jüngeren vorrömischen und römischen Eisenzeit (um -300 bis 400) nahmen die Kontakte zum Römischen Reich zu. Importe wie Terra-Sigillata-Gefäße, Glas- und Bronzeobjekte sowie römische Münzen (Denare) belegen den Fernhandel. Ein bemerkenswerter Fund ist der Hortfund von Kölpinsee (Loddin), der römische Silbermünzen und Schmuck enthielt. Solche Deponierungen werden oft als Opfergaben oder Krisenverstecke interpretiert.

Die späte Eisenzeit (Völkerwanderungszeit) brachte Veränderungen durch die Wanderungsbewegungen germanischer Stämme. Auf Usedom sind Siedlungen mit slawischen Einflüssen ab dem 6./7. Jahrhundert erkennbar, die den Übergang zur slawischen Periode einleiten. Eisenzeitliche Befestigungen oder Burgwälle sind auf der Insel selbst nicht nachgewiesen – diese entstanden erst später unter slawischer Herrschaft.

Völkerwanderungszeit und frühes Mittelalter

In der späten Eisenzeit und Völkerwanderungszeit war Usedom Teil des Siedlungsgebiets ostgermanischer Stämme. Archäologische Funde, insbesondere am Peenemünder Haken (Nordspitze der Insel), wie Werkzeuge, Waffen und Schmuck, belegen eine kontinuierliche Besiedlung bis in diese Periode hinein. Mit den großen Wanderungsbewegungen germanischer Gruppen ab dem 4./5. Jahrhundert verließen viele Bewohner die Region Richtung Süden und Westen, was zu einer deutlichen Entvölkerung führte. Usedom wurde weitgehend bevölkerungsfrei, ähnlich wie weite Teile Vorpommerns – eine Folge der Kettenreaktion durch Hunneneinfälle und Stammesverschiebungen.

Ab dem 6./7. Jahrhundert, im Kontext der slawischen Expansion aus dem Osten, begann die Neubesiedlung durch westslawische Gruppen, wahrscheinlich Lutizen oder vorpommersche Stämme. Diese Slawen nutzten die fruchtbaren Böden und die günstige Lage an Peenestrom, Achterwasser und Ostsee für Ackerbau, Viehzucht, Fischerei und Handel. Erste slawische Siedlungsspuren datieren ab dem 8./9. Jahrhundert, mit Funden wie grober Keramik und einfachen Grubenhäusern. Die Insel trug slawische Ortsnamen (zum Beispiel Usedom von „uznam“ = Mündung), und die Bevölkerung lebte in offenen Dörfern ohne starke Befestigungen.

Bis zum Jahr 1000 blieben intensive Zentralisierungen rar; erste Burgwälle als Herrschafts- und Schutzorte entstanden erst um oder nach 1000, wie der spätere Burgwall „Bauhof“ bei der Stadt Usedom (Ursprünge in der späten mittel- bis frühen spätslawischen Zeit). Die Region gehörte zur „terra Wanzlow“ mit Usedom als einem der Zentren. Diese Epoche war geprägt von relativer Isolation, heidnischen Traditionen und loser Stammesorganisation, bis im 10./11. Jahrhundert stärkere Herrschaftsstrukturen und Kontakte zu Nachbarn (Dänen, Pommernherzöge) aufkamen.

Hoch- und Spätmittelalter

Ab dem 10. Jahrhundert bestand bei Usedom eine slawische Burgsiedlung, die als „Urbs Osna“ überliefert ist und um 1115/19 von den Dänen zerstört wurde. Mit der Herrschaftsübernahme durch Herzog Wartislaw I. von Pommern zu Beginn des 12. Jahrhunderts setzte die Missionierung der slawischen Eliten durch Bischof Otto von Bamberg ein, deren Höhepunkt die Annahme des Christentums am Pfingstsonntag 1128 war, an die seit 1928 ein Kreuz auf dem Burgwall erinnert.

Um 1159 wurde auf dem Burgwall erneut eine Burg errichtet, und daneben entstand eine planmäßig angelegte Stadt mit Markt, die sich im 12. und frühen 13. Jahrhundert zu einer der bevorzugten Residenzen der pommerschen Herzöge entwickelte. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts zählte Usedom damit zu den politischen Zentren des Herzogtums, verlor diese Rolle später jedoch zugunsten von Wolgast und Stettin.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts setzte nach langwierigen Auseinandersetzungen zwischen slawischen Bewohnern und Dänen die Einwanderung deutscher Siedler ein, wodurch die Insel dauerhaft in den deutschen Kulturraum einbezogen wurde. Es entstanden neue Dörfer mit Hufenverfassung und Dreifelderwirtschaft, während sich adelige Familien slawischer wie deutscher Herkunft im Lehnsverband niederließen.

An der Stelle der slawischen Großsiedlung entwickelte sich die Stadt Usedom, die 1298 lübisches Stadtrecht erhielt und damit städtische Autonomierechte und ein eigenes Rechtssystem bekam. Träger der neuen, christlich geprägten Kultur war vor allem die Kirche, insbesondere das um 1155 nahe Usedom gegründete Prämonstratenserkloster Grobe, das 1308 nach Pudagla verlegt wurde und im Laufe des Mittelalters umfangreiche Ländereien auf der Insel erwarb.

Durch die wachsende Macht des Klosters und des Landadels veränderten sich im späten Mittelalter Besitz- und Herrschaftsstrukturen auf Usedom deutlich, bis das Kloster im Zuge der Reformation 1535 aufgehoben und in ein herzogliches Amt umgewandelt wurde. Damit endete die mittelalterliche Klosterherrschaft, und die weltliche Landeshoheit der pommerschen Herzöge trat auf der Insel noch klarer hervor.

Frühe Neuzeit

Die Frühe Neuzeit auf der Insel Usedom war von tiefgreifenden politischen Umbrüchen geprägt, die die Insel in die großen Konflikte Europas verwickelten und ihren Herrschaftswechsel von pommerscher zu schwedischer und schließlich preußischer Oberhoheit markierten.

Im 16. Jahrhundert gehörte Usedom zum Herzogtum Pommern, das nach der Reformation lutherisch geprägt war und unter den Greifenherzögen eine relative Stabilität erlebte. Die Insel profitierte von ihrer Lage an der Ostsee mit Fischerei, Handel und Landwirtschaft, doch bereits im frühen 17. Jahrhundert wurde sie in den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) hineingezogen. Pommern litt unter Besetzungen durch kaiserliche Truppen Wallensteins, Plünderungen und hohen Kontributionen. Ein entscheidender Wendepunkt kam 1630: Eine schwedische Armee unter König Gustav II. Adolf landete am 26. Juni (bzw. 6. Juli nach gregorianischem Kalender) bei Peenemünde mit rund 13.000–15.000 Soldaten. Damit begann das eigentliche Eingreifen des nordischen Königreiches in den Dreißigjährigen Krieg. Die Schweden vertrieben rasch die kaiserlichen Truppen aus Pommern, besetzten Usedom und Wollin und nutzten die Insel als Brückenkopf für weitere Vorstöße. Gustav Adolf wurde von vielen Protestanten als Retter gesehen, doch die Besatzung brachte auch Belastungen durch Einquartierungen und Abgaben für die Bevölkerung.

Nach dem Tod des letzten Pommernherzogs Bogislaw XIV. 1637 übernahm Schweden die volle Verwaltung. Im Westfälischen Frieden 1648 fiel Usedom zusammen mit dem übrigen Vorpommern und dem gesamten Odermündungsgebiet einschließlich der Nachbarinsel Wollin an Schweden und wurde Teil von Schwedisch-Pommern. Der schwedische König herrschte dort jedoch nur als Herzog von Pommern, und das Gebiet blieb Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Weder jetzt noch bei späteren Besitzwechseln bis 1945 fand eine Vertreibung der ansässigen Bevölkerung statt. Die Schwedenzeit brachte eine Phase der Konsolidierung: Ab den 1690er Jahren erfolgte eine präzise Landesvermessung (Schwedenmatrikel), die detaillierte Karten und Steuergrundlagen schuf und bis heute eine wertvolle historische Quelle darstellt. Kirchen, Verwaltung und Rechtsprechung standen unter schwedischem Einfluss, doch die lokale Bevölkerung behielt ihre Sprache und Traditionen.

Zwischen 1648 und 1720 war die Insel Usedom mehrfach Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Brandenburg-Preußen und Schweden, darunter im Zweiten Nordischen Krieg (1655 bis 1660) und vor allem im Großen Nordischen Krieg (1700–1721). Schwedisch-Pommern diente als Aufmarschgebiet, litt unter Besetzungen durch Dänen, Preußen und andere Mächte. Ab 1713 stand Usedom unter preußischem Sequester, und im Ergebnis des Großen Nordischen Krieges kam die Insel endgültig an Preußen durch den Frieden von Stockholm 1720. Damit endete die schwedische Epoche, und Usedom wurde Teil der preußischen Provinz Pommern – ein Übergang, der den Grundstein für die spätere wirtschaftliche und touristische Entwicklung legte. Die Frühe Neuzeit hinterließ auf Usedom Spuren in Form von Befestigungen, Gedenksteinen (wie dem Gustav-Adolf-Stein in Peenemünde) und einer resilienten Bevölkerung, die trotz Kriege und Herrschaftswechsel ihre Identität bewahrte.

Preußische Zeit

Nach dem Großen Nordischen Krieg kam Usedom 1720 endgültig an Preußen, nachdem es seit 1648 schwedisch gewesen war. Die Insel litt zuvor unter wiederholten Besetzungen und Kämpfen zwischen Schweden und Brandenburg-Preußen. Unter preußischer Verwaltung begann eine Phase der Stabilisierung und wirtschaftlichen Entwicklung. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Swine ausgebaut, um die Schifffahrt zu erleichtern, was zur Gründung der neuen Hafenstadt Swinemünde an der Mündung führte. Diese Maßnahmen dienten der Unabhängigkeit von schwedisch kontrollierten Routen und förderten den Handel.

1818 wurde als Teil der preußischen Verwaltungsreformen aus den beiden Inseln Usedom und Wollin der Landkreis Usedom-Wollin mit der Kreisstadt Swinemünde gebildet. Bereits wenige Jahre später, 1824 beziehungsweise 1825, begann der Badebetrieb in den Orten Swinemünde und Heringsdorf, denen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts noch Koserow, Zinnowitz und Ahlbeck folgten. Die ersten Seebäder auf Usedom entstanden nach 1820, doch von einem wahrhaften Seebädertourismus auf der Insel kann man erst ab 1875 sprechen, als die Insel ans Eisenbahnnetz angeschlossen wurde.

Im 19. Jahrhundert hatte die Insel durch ihre relative Nähe zu Berlin eine so große touristische Bedeutung (Kaiserbäder), dass 1876 als Abzweig von der Bahnlinie Berlin–Prenzlau–Stralsund eine direkte Bahnlinie von Berlin nach Ahlbeck und Swinemünde gebaut wurde. Diese Verbindung, die über Ducherow und die Karniner Brücke führte, verkürzte die Reisezeit erheblich und machte Usedom für das Berliner Bürgertum und den Adel erreichbar. Von dieser Bahnlinie ist außer dem Bahndamm und einigen Bahnhofsgebäuden nur noch die eindrucksvolle Ruine der stählernen Hubbrücke Karnin erhalten, die 1933 als moderne Hebetechnik den Peenestrom überspannte.

Die große Zeit der Seebäder, die Usedom überregional bekannt machten, begann erst nach der Reichsgründung 1871. Orte wie Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin entwickelten sich zu den „Kaiserbädern“, besucht von Kaisern, Adeligen und Prominenz. Prächtige Villen in Bäderarchitektur, Seebrücken und Promenaden entstanden, und der feine Sandstrand zog Tausende an. Mit dem Bau der Kaiserfahrt (1875–1880) wurde ein Teil der Insel im Südosten mit dem Dorf Kaseburg abgeschnitten und zur eigenen Insel zwischen dem Kanal und der Swine – eine Maßnahme zur Verbesserung der Schifffahrt zwischen Stettin und der Ostsee.

Weltkriegsära

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 erreichte die Mobilmachung auch Usedom rasch. Die strategische Lage an der Ostsee führte zu umfangreichen Verteidigungsmaßnahmen: Entlang der Küste wurden Beobachtungsstände, Funkstationen und Marineartillerie positioniert, Dünen verstärkt und unterirdische Munitionsdepots angelegt, etwa in der Mellenthiner Heide. Die Insel diente als Teil der Küstenverteidigung, blieb jedoch von direkten Kämpfen verschont. Der Krieg und die anschließende Wirtschaftskrise dämpften den Tourismus erheblich, der sich in den 1920er Jahren nur langsam erholte.

In der NS-Zeit ab 1933 intensivierte sich die Militarisierung. Ab 1936 erfolgte die Errichtung der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde an der Nordspitze der Insel, wo unter Leitung von Wernher von Braun und Walter Dornberger die Entwicklung moderner Raketen vorangetrieben wurde – darunter die A4 (später als V2 bekannt), deren erster erfolgreicher Start 1942 gelang. Parallel entstand die Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West, und in Swinemünde wurde ein wichtiger Marinestützpunkt ausgebaut. Diese Anlagen beschäftigten Tausende, darunter Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge unter grausamen Bedingungen, und machten Usedom zu einem zentralen Ort der deutschen Rüstungsforschung, oft als „Wiege der Raumfahrt“ bezeichnet, doch primär als Quelle von Zerstörung.

Im Zweiten Weltkrieg gerieten diese militärischen Einrichtungen ins Visier der Alliierten. Der erste große Angriff, die britische Operation Hydra in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1943, zielte auf Peenemünde ab und verursachte schwere Schäden, tötete jedoch vor allem Zwangsarbeiter. Weitere Luftangriffe der Royal Air Force und der US Army Air Forces folgten bis 1945. Die verheerendste Tragödie ereignete sich am 12. März 1945, als amerikanische Bomber Swinemünde in den Mittagsstunden angriffen. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt überfüllt mit Flüchtlingen aus den Ostgebieten; neuere Forschungen schätzen die Opferzahl auf 4.500 bis 6.000, überwiegend Zivilisten. Viele Tote wurden in Massengräbern auf dem Golm bei Kamminke beigesetzt, wo heute eine Kriegsgräber- und Gedenkstätte mit internationaler Jugendbegegnungsstätte (eröffnet 2005 durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge) an die Opfer erinnert.

1945 markierte ein weiteres Epochenjahr: Anfang Mai besetzten sowjetische Truppen die Insel, und im Rahmen der Potsdamer Konferenz wurde die östliche Spitze Usedoms mit der Stadt Swinemünde (heute Świnoujście) Polen zugesprochen. Die offizielle Übergabe erfolgte im Oktober 1945, begleitet von der Vertreibung der deutschen Bevölkerung. Damit endete eine Ära, in der Usedom vollständig deutsch gewesen war, und die Insel wurde geteilt – eine Grenze, die bis heute besteht, wenngleich sie seit dem Schengen-Abkommen offen ist. Die Kriegsereignisse hinterließen tiefe Spuren in der Landschaft und im kollektiven Gedächtnis der Region.

Kommunistische Zeit

Auf der Potsdamer Konferenz wurde mit der Festlegung der deutsch-polnischen Grenze die Unterstellung Swinemündes unter polnische Verwaltung beschlossen. Die offizielle Übergabe durch den Landrat des Kreises Usedom-Wollin (ab da nur noch Kreis Usedom) erfolgte am 6. Oktober 1945 im Beisein von Vertretern der sowjetischen Besatzungsmacht. 1950 erkannte die DDR im Görlitzer Abkommen die neue Grenze an, 1990 auch das wiedervereinigte Deutschland.

Von 1945 bis 1952 bestand der bei Deutschland verbliebene Teil der Insel in administrativer Hinsicht als Kreis Usedom in der Sowjetischen Besatzungszone weiter. Sitz der Kreisverwaltung war vom Oktober 1945 bis März 1946 Bansin, danach Ahlbeck, wohin bereits im Oktober 1945 die vorher in Swinemünde ansässige sowjetische Kreiskommandantur verlegt worden war. Mit der Verwaltungsreform vom Sommer 1952 entstand aus dem Kreis Usedom und Teilen des angrenzenden Festlandes, die vorher zum Kreis Greifswald gehört hatten, der neue Kreis Wolgast mit Sitz der Kreisverwaltung in der gleichnamigen Stadt. Dieser Kreis bestand bis zur Kreisgebietsreform des Jahres 1994. Dann wurde er mit den Kreisen Anklam und Greifswald zum Landkreis Ostvorpommern zusammengeschlossen, dessen Sitz die Stadt Anklam war. Seit der Kreisgebietsreform 2011 gehört die Insel zum Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Der Fremdenverkehr blieb nach dem Zweiten Weltkrieg neben Landwirtschaft und Fischerei ein wichtiger Wirtschaftszweig. 1953 wurden die meisten privaten Hotels und Pensionen in der „Aktion Rose„ beschlagnahmt beziehungsweise enteignet. Volkseigene Betriebe aus der ganzen DDR, der Feriendienst des FDGB und staatliche Institutionen übernahmen die Einrichtungen.

Viele Inselbewohner fanden als Pendler Arbeit in Wolgast auf der Peene-Werft, die in der Zeit der DDR hauptsächlich Rüstungsaufträge erledigte. Daneben war das Militär ein wichtiger Arbeitgeber. Im Norden der Insel übernahm die NVA von den Sowjets die alten Militäranlagen in Peenemünde und Karlshagen, die zu einem Marine- und Luftwaffenstützpunkt wurden. Weiterhin gab es Einheiten der NVA in Pudagla und der Roten Armee in Garz. Des Weiteren gab es von 1988 bis 1990 ein Fliegerausbildungsgeschwader der NVA in Garz. Nach 1990 wurden alle Armeestandorte aufgelöst. Daneben bestanden auch kleinere Wirtschaftszweige wie die Erdölförderung in Lütow.

Moderne Zeit

Mit der friedlichen Revolution und der deutschen Wiedervereinigung 1990 endete die DDR-Ära auf Usedom abrupt. Bis 1989 basierte die Wirtschaft auf Landwirtschaft, Fischerei, FDGB-Ferienheimen und militärischen Einrichtungen (zum Beispiel in Peenemünde). Nach der Wende klärten sich Eigentumsverhältnisse langsam, viele Betriebe schlossen, was zu hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung – besonders junger Menschen – führte. Der Tourismus, bereits in der DDR wichtig, wurde zum alleinigen Hauptwirtschaftszweig. Viele villenartige Ferienheime standen zunächst leer, doch private Investoren (oft aus Westdeutschland) sanierten die Bäderarchitektur in Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Die „Kaiserbäder“ erlebten eine Renaissance.

In den 1990er Jahren modernisierte sich die Infrastruktur entscheidend: Die Peenebrücke in Wolgast wurde 1994–2000 neu gebaut (mit Eisenbahngleis), sodass ab 2000 wieder Züge den Peenestrom queren konnten – ein Meilenstein nach der Zerstörung der Karniner Brücke 1945. Peenemünde wandelte sich vom Sperrgebiet zum Historisch-Technischen Museum (eröffnet 1991/92), das die Raketenvergangenheit aufarbeitet. Der Flughafen Heringsdorf erhielt Linienverbindungen, und Wellness- sowie Naturtourismus (Naturpark Usedom) gewannen an Bedeutung.

Ab den 2000er Jahren boomte der Tourismus: Übernachtungszahlen stiegen kontinuierlich, Usedom wurde als „Sonneninsel“ vermarktet. Die Usedom Tourismus GmbH (gegr. 2000) koordinierte die Entwicklung, neue Hotels, Ferienwohnungen und Seebrücken entstanden. Die Insel profitierte von der Nähe zu Berlin und der EU-Ost-Erweiterung 2004 (offene Grenze zu Polen). Bis 2019 erreichte der Tourismus Rekordwerte, mit Millionen Übernachtungen jährlich – doch auch Kritik an Überfüllung, hohen Preisen und Belastung für Einwohner wuchs.

Die Corona-Maßnahmenpolitik ab 2020 traf Usedom hart. Lockdowns schlossen Hotels monatelang (über 70 Tage 2020), Umsätze brachen ein. 2020/21 fehlten internationale Gäste, Einreisebeschränkungen erschwerten den Zugang. Dennoch erholte sich der Inlandstourismus schnell. Ab 2021 strömten Rekordzahlen Deutscher (Nachholeffekt), Strände und Orte waren oft überlaufen. Die Branche passte sich mit Hygienekonzepten an, und Usedom galt als „sicherer“ Natururlaub.

Verwaltung

Der deutsche Teil der Insel gehört zum Landkreis Vorpommern-Greifswald im Land Mecklenburg-Vorpommern. Der polnische Teil gehört zur Woiwodschaft Westpommern.


Herrschaftsgeschichte

  • -1. bis 6. Jahrhundert ostgermanisches Stammesgebiet
  • 7. bis 9. Jahrhundert Stammesgebiet der Wilzen
  • 9.Jahrhundert bis 1125/28 Stammesgebiet der Lutizen
  • 1125/28 bis 6. Juli 1630 Herzogtum Pommern (Ducatus Pomeraniae)
  • 6. Juli 1630 bis 1. Februar 1720 Schwedisch-Pommern (Svenska Pommern)  im Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
  • 1. Februar 1720 bis 18. Januar 1871 Provinz Pommern des Königreichs Preußen
  • 18. Januar 1871 bis 9. November 1918 Provinz Pommern im Deutschen Kaiserreich
  • 9. November 1918 bis 2. August 1945 Provinz Pommern im Deutschen Reich
  • 2. August 1945 bis 3. Oktober 1990 Deutsche Demokratische Republik und Volksrepublik Polen (Polska Rzeczpospolita Ludowa)
  • seit 3. Oktober 1990 Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland und Woiwodschaft Westpommern (Województwo zachodniopomorskie) der Republik Polen (Trzecia Rzeczpospolita)

Legislative und Exekutive

Die Insel Usedom ist seit 1945 politisch geteilt: Der größere westliche Teil gehört zu Deutschland (Mecklenburg-Vorpommern, Landkreis Vorpommern-Greifswald), der östliche Teil mit Świnoujście (ehemals Swinemünde) zu Polen (Woiwodschaft Westpommern). Es gibt keine einheitliche Legislative oder Exekutive für die gesamte Insel – die Verwaltung erfolgt separat in beiden Ländern.

Der deutsche Teil gehört vollständig zum Landkreis Vorpommern-Greifswald. Die kommunale Ebene ist in Ämter unterteilt:

  • Amt Usedom-Süd (Süd- und Mittelteil, Sitz in der Stadt Usedom): Umfasst 14 Gemeinden und die Stadt Usedom (darunter Koserow, Ückeritz, Zinnowitz-Teile, Kamminke und Garz). Legislative: Jede Gemeinde hat eine Gemeindevertretung (oder Stadtvertretung in Usedom), gewählt von den Bürgern. Der Amtsausschuss (bestehend aus Bürgermeistern und weiteren Mitgliedern) entscheidet über amtliche Angelegenheiten. Exekutive: Die ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinden leiten die Verwaltung; das Amt erledigt zentrale Aufgaben (zum Beispiel Bau und Meldewesen).
  • Amt Usedom-Nord (Nordteil): Umfasst Gemeinden wie Peenemünde, Karlshagen, Trassenheide, Zinnowitz. Legislative/Exekutive: Ähnlich strukturiert mit Gemeindevertretungen und Amtsausschuss.
  • Amtsfreie Gemeinde Ostseebad Heringsdorf (Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin): Legislative: Gemeindevertretung. Exekutive: Bürgermeister und eigene Verwaltung.
  • Auf Kreisebene: Der Kreistag (gewählt) ist die Legislative, der Landrat (Michael Sack, aktuell) die Exekutive für kreisweite Aufgaben (zum BeispielSchulen, Soziales, Straßen).
  • Der gesamte polnische Teil ist die kreisfreie Stadt Świnoujście (Woiwodschaft Westpommern). Legislative: Die Stadtverordnetenversammlung (Rada Miasta), gewählt von den Bürgern. Exekutive: Der Stadtpräsident (Prezydent Miasta, direkt gewählt; aktuell Joanna Agatowska).

Inseloberhaupt

Usedom war im Mittelalter ein regionales Zentrum (mit der slawischen Burg und Siedlung in der heutigen Stadt Usedom), aber unter der Oberhoheit pommerscher Herzöge wie Wartislaw I. (ab den 1120er Jahren) oder Bogislaw I.. Später gehörte die Insel zum Herzogtum Pommern unter den Greifenherzögen (zum Beispiel Bogislaw IV., der 1298 der Stadt Usedom Rechte verlieh). Lokale Verwaltung lag bei Klöstern (z. B. Kloster Grobe/Pudagla) oder Amtleuten. Ab dem 17. Jahrhundert war Usedom Teil Schwedisch-Pommerns; Verwaltung durch schwedische Gouverneure oder Amtmänner (kein spezifisches Inseloberhaupt). 1720 fiel die Insel unter preußische Provinzialverwaltung (Provinz Pommern), später Landkreis Usedom-Wollin mit Sitz in Swinemünde.

Der deutsche Teil gehört heute zum Landkreis Vorpommern-Greifswald (Amt Usedom-Süd mit Sitz in der Stadt Usedom). Es gibt Bürgermeister einzelner Gemeinden, aber kein gesamtinsulares Oberhaupt. Der polnische Teil (Świnoujście) hat einen eigenen Stadtpräsidenten.

Politische Gruppierungen

Auf kommunaler Ebene dominieren im deutschen Teil parteifreie Wählergruppen, Bürgerlisten und unabhängige Vereinigungen, die lokale Interessen (zum Beispiel Tourismusförderung, Strandpflege) vertreten. Klassische Bundesparteien spielen eine untergeordnete Rolle; viele Bürgermeister sind parteilos.

  • CDU: Oft stark vertreten, insbesondere in den Kaiserbädern (Heringsdorf, Ahlbeck, Bansin).
  • AfD: In den letzten Jahren (Landtags- und Kommunalwahlen) überdurchschnittlich erfolgreich, zum Beispiel in Peenemünde oder Zinnowitz hohe Stimmenanteile; die Insel galt zeitweise als AfD-Hochburg in MV.
  • Freie Wähler / Wählergemeinschaften: Sehr präsent, unter anderme Bürger für Heringsdorf, Unabhängige Wählergemeinschaften in Zinnowitz, Karlshagen oder Peenemünde.
  • Die Linke und SPD: Schwächer, oft nur vereinzelte Sitze.
  • Grüne und FDP: Selten oder gar nicht in Gemeindevertretungen vertreten.
  • Früher (bis 2010er): NPD hatte Sitze (zum Beispiel in Heringsdorf), heute marginal.


Die kreisfreie Stadt Świnoujście hat eine Stadtverordnetenversammlung (Rada Miasta). Hier dominieren nationale polnische Parteien und lokale Komitees:

  • KO (Koalicja Obywatelska): Liberales Bündnis um Platforma Obywatelska (PO), oft stark.
  • PiS (Prawo i Sprawiedliwość): Nationalkonservativ, früher dominant.
  • Lokale Wählerkomitees: Häufig erfolgreich, zum Beispiel bezpartyjne (parteilos) oder stadtbezogene Gruppen.
  • Kleinere Parteien: Lewica, PSL oder Konfederacja je nach Wahl.

Justizwesen und Kriminalität

Die Insel Usedom, geteilt zwischen Deutschland und Polen, hat eine lange historische Entwicklung hinter sich, die auch das Justizwesen und die Kriminalität geprägt hat. Historisch war Usedom Teil des Herzogtums Pommern, später Schwedisch-Pommern (nach dem Dreißigjährigen Krieg bis 1720) und dann preußisch. In diesen Epochen unterlag die Rechtsprechung den jeweiligen Herrschern: Im Mittelalter erhielt die Stadt Usedom 1298 lübisches Stadtrecht, was lokale Gerichte und Verwaltung etablierte. Unter schwedischer und preußischer Herrschaft gab es regionale Gerichte in Vorpommern, oft zentralisiert in Städten wie Wolgast oder Anklam. Spezifische historische Gerichte oder Strafvollzugsanstalten direkt auf der Insel sind kaum dokumentiert; Strafsachen wurden typischerweise in den umliegenden Zentren behandelt. Auf dem polnischen Teil (Świnoujście/Swinemünde) existierte bis 2018 ein kleines Untersuchungsgefängnis aus der Zeit um 1900, das nach 1945 zeitweise von den Sowjets genutzt wurde.

In der modernen Zeit gehört der deutsche Teil Usedoms zum Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Die Justiz ist hier dezentral organisiert: Zuständige Amtsgerichte befinden sich in Anklam oder Wolgast, das Landgericht in Stralsund. Die Polizei untersteht dem Polizeipräsidium Neubrandenburg mit Revieren auf der Insel (zum Beispiel in Heringsdorf oder Ahlbeck). Der Strafvollzug erfolgt nicht lokal, sondern in Anstalten wie Stralsund oder Waldeck.

Kriminalität auf Usedom ist stark vom Tourismus und der Grenzlage geprägt. Die Insel gilt als Hotspot für Eigentumsdelikte, insbesondere Diebstähle von E-Bikes und Fahrrädern – oft durch organisierte Banden, die die Nähe zur polnischen Grenze nutzen. In den letzten Jahren entfielen hohe Schadenssummen (zum Beispiel über 600.000 Euro allein 2025 bis November) auf solche Taten, die vor allem Urlauber betreffen. Frühere Berichte aus den 2010er Jahren sprachen sogar von Usedom als „Kriminalitäts-Insel“, mit steigenden Diebstahlszahlen und einem überdurchschnittlichen Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in der Grenzregion. Gewaltdelikte sind seltener, aber spektakuläre Fälle wie der Mord an einer Achtzehnjährigen in Zinnowitz 2019 (Prozess in Stralsund mit lebenslanger Haft) oder Misshandlungen haben Aufmerksamkeit erregt.

Trotz dieser Probleme liegt die allgemeine Kriminalitätsrate in Mecklenburg-Vorpommern niedrig im bundesweiten Vergleich. Die „gefühlte“ Unsicherheit ist oft höher, bedingt durch Saisonalität: Im Sommer steigen Delikte durch die Millionen Touristen. Die Polizei verstärkt Präsenz in den Seebädern, und grenzüberschreitende Kooperation mit Polen hilft bei der Bekämpfung organisierter Kriminalität.

Flagge und Wappen

Historisch war Usedom Teil Pommerns, weshalb viele Symbole den roten Greif als pommersches Element aufgreifen. Die Stadt Usedom, die der Insel ihren Namen gab, hat ein modernes Wappen, das 1997 genehmigt wurde: In Silber ein seitlich gekehrter blauer Spangenhelm mit goldener Helmkrone und natürlichem Pfauenstoß. Als Helmzier dient ein vorwärts gekehrter, golden gekrönter blauer Spangenhelm mit blau-silbernen Decken und einem von zwei blau-silbernen Fähnchen eingeschlossenen natürlichen Pfauenstoß. Dieses Wappen wurde vom Heraldiker Michael Zapfe aus Weimar gestaltet und ersetzte ältere Varianten, darunter den „Störgreif“ (eine pommersche Figur), der von ca. 1720 bis 1930 verwendet wurde.

Die Flagge der Stadt Usedom, ebenfalls 1998 genehmigt, ist quer gestreift in Blau-Weiß-Blau (Verhältnis 1:3:1) und trägt in der Mitte des weißen Streifens das Vollwappen, das zwei Drittel der Flaggenhöhe einnimmt. Das Verhältnis Höhe zu Länge beträgt 3:5. Diese Farben lehnen sich an pommersche Traditionen an.

Auf der Insel gibt es keine einheitliche „Inselflagge“, aber touristisch werden oft Fahnen mit der Silhouette der Inselkarte verwendet, häufig in Blau-Weiß oder mit Sonnenmotiven (Usedom wird als „Sonneninsel“ vermarktet). Andere Orte wie Ahlbeck, Heringsdorf oder Bansin (die Kaiserbäder) haben eigene Wappen, oft mit Greif und maritimen Symbolen wie Aal oder Wellen.

Der polnische Teil (Uznam) fällt unter das Wappen und die Flagge von Świnoujście: Das Stadtwappen zeigt typischerweise einen Greif oder maritime Elemente, die Flagge ist oft blau-weiß mit Wappen. Świnoujście betont seine Insellage durch Symbole wie Anker oder Wellen.

Hauptstadt

Die Insel Usedom hat aufgrund ihrer politischen Teilung zwischen Deutschland und Polen seit 1945 keine einheitliche „Hauptstadt“ im administrativen Sinne. Heute gilt die polnische Stadt Świnoujście (ehemals Swinemünde) als die größte und bevölkerungsreichste Stadt der Insel. Sie nimmt den gesamten polnischen Teil Usedoms ein und wird oft als der zentrale oder „hauptstädtische“ Ort der gesamten Insel bezeichnet, insbesondere wegen ihrer Größe, ihres Hafens und ihrer touristischen Bedeutung.

Diese Rolle übernahm Świnoujście jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz 1945 wurde der östliche Teil der Insel mit der Stadt Swinemünde Polen zugesprochen, die offizielle Übergabe erfolgte am 6. Oktober 1945. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben, und die Stadt erhielt den polnischen Namen Świnoujście. Seitdem ist sie die dominierende städtische Siedlung auf der Insel, während der deutsche Teil keine vergleichbar große Stadt besitzt.

Vor 1945 war Swinemünde bereits eine bedeutende Hafen- und Badeortstadt (sie erhielt 1765 das Stadtrecht und entwickelte sich ab dem 19. Jahrhundert zum größten Seebad der Insel), doch der historische Hauptort und Namensgeber der Insel war die Stadt Usedom im Südwesten. Diese war bis zur Gründung Swinemündes die einzige Stadt auf der Insel und diente im Mittelalter (bis Mitte des 13. Jahrhunderts) als eine der Hauptresidenzen der pommerschen Herzöge. Der Name der Insel leitet sich direkt von dieser Stadt ab (slawisch Uznoim/Uznam). Auch in späteren Epochen blieb Usedom ein wichtiger Verwaltungsort, etwa als Sitz des Amtes Usedom-Süd heute.

Verwaltungsgliederung

Die Insel Usedom ist politisch geteilt. Der größere Teil (373 km²) gehört zu Deutschland (Landkreis Vorpommern-Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern), der kleinere östliche Teil (72 km²) zu Polen (Woiwodschaft Westpommern).

Der deutsche Teil ist in drei Verwaltungseinheiten gegliedert:

  • Amt Usedom-Nord (Nordwesten der Insel, Verwaltungssitz in Zinnowitz)
  • Amt Usedom-Süd (Mittel- und Südosten der Insel, Verwaltungssitz in der Stadt Usedom)
  • Amtsfreie Gemeinde Ostseebad Heringsdorf (die drei Kaiserbäder: Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin)

Amt Usedom-Nord (5 Gemeinden):

  • Ostseebad Karlshagen
  • Mölschow
  • Peenemünde
  • Ostseebad Trassenheide
  • Ostseebad Zinnowitz

Amt Usedom-Süd (14 Gemeinden und 1 Stadt):

  • Benz
  • Dargen
  • Garz
  • Kamminke
  • Korswandt
  • Koserow
  • Loddin
  • Mellenthin
  • Pudagla
  • Rankwitz
  • Stolpe auf Usedom
  • Ückeritz
  • Zempin
  • Zirchow
  • Stadt Usedom (Verwaltungssitz des Amtes)

Amtsfreie Gemeinde:

  • Ostseebad Heringsdorf (einschließlich Ahlbeck und Bansin)


Der polnische Teil der Insel Usedom besteht fast ausschließlich aus dem Gebiet der Stadt Świnoujście (Swinemünde). Świnoujście ist eine kreisfreie Stadt (Stadt mit Powiat-Rechten) und erstreckt sich über mehrere Inseln (Usedom/Uznam, Wolin/Wollin und Karsibór/Kaseburg), wobei der Großteil der Bevölkerung und der touristischen Infrastruktur auf dem Usedom-Anteil liegt (insbesondere die Dzielnica Nadmorska – das Kur- und Strandviertel).


           Verwaltungseinheiten:

           deutscher Landesteil

                       2 Ämter

                                   19 Gemeinden

                                   1 Stadt

                       1 Amtsfreie Gemeinde

           polnischer Landesteil

                       1 powiat grodzki (Stadtgemeinde)

Bevölkerung

Von den insgesamt 66.300 Einwohnern des Jahres 2024 leben 23.460 Menschen auf deutscher Seite. Die übrigen 34.800 Einwohner wohnen fast ausschließlich in der polnischen Stadt Swinoujscie (Swinemünde), Im Folgenden die geschätzte Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 445 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1905                35 000              78,65

           1925                50 000             112,36

           1930                62 000             139,33

           1939                64 500             144,94

           1950                55 000             123,60

           1961                60 000             134,83

           1971                65 000             146,07

           1981                70 000             157,30

           1991                71 650             161,01

           2000                67 400             151,46

           2001                67 100             150,79

           2002                67 000             150,56

           2003                66 900             150,33

           2004                66 800             150,10

           2005                66 700             149,87

           2006                66 500             149,44

           2007                66 400             149,21

           2008                66 300             149,99

           2009                66 200             148,76

           2010                66 000             148,31

           2011                65 800             147,87

           2012                65 200             146,52

           2013                64 600             145,17

           2014                64 000             143,82

           2015                63 500             142,70

           2016                63 000             141,57

           2017                62 600             140,67

           2018                62 200             139,78

           2019                61 800             138,88

           2020                61 300             137,75

           2021                60 800             136,63

           2022                60 350             135,62

           2023                59 300             133,26

           2024                58 270             130,94

Volksgruppen

war historisch von slawischen Stämmen besiedelt, die ab dem 7. Jahrhundert nach dem Abzug germanischer Gruppen (wie Rugier) in die Region einwanderten. Polabische Slawen, auch Wenden genannt, gründeten Siedlungen und Burgen, darunter die Hauptortschaft Uznoim/Uznam, die der Insel ihren Namen gab. Diese slawische Bevölkerung dominierte bis ins 12. Jahrhundert, als die Christianisierung durch Otto von Bamberg und die Ostsiedlung einsetzten.

Ab dem 13. Jahrhundert wanderten im Zuge der deutschen Ostkolonisation zahlreiche Siedler aus dem Westen ein, die slawische Bewohner allmählich assimilierten. Die slawische Sprache verschwand auf der Insel bereits im Mittelalter, erhalten blieben jedoch Ortsnamen wie Koserow, Zinnowitz oder Pudagla. Die Bevölkerung entwickelte sich zu einem pommerschen Neustamm mit überwiegend deutscher Prägung unter den Greifenherzögen.

Bis 1945 war die gesamte Insel deutsch besiedelt und Teil der Provinz Pommern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der östliche Teil (einschließlich Swinemünde/Świnoujście) Polen zugesprochen: Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben, und polnische Siedler – oft aus den ehemaligen ostpolnischen Gebieten – zogen zu. Seitdem teilt sich die Insel ethnisch entlang der Grenze: Der deutsche Teil ist mehrheitlich deutsch, der polnische Teil mehrheitlich polnisch.

Heute leben auf der Insel rund 58.000 Menschen (Stand 2024), ohne nennenswerte ethnische Minderheiten. Auf dem deutschen Teil dominieren Deutsche, ergänzt durch Zuzügler aus anderen Regionen Deutschlands und geringe Anteile an EU-Bürgern durch Tourismus und Arbeit. Im polnischen Świnoujście sind fast alle Einwohner Polen, mit minimalen Minderheiten (zum Beispiel Ukrainer durch aktuelle Migration). Es gibt keine anerkannten nationalen Minderheiten wie Sorben oder Dänen, und slawische Traditionen leben nur in der Geschichte und Namensgebung fort.

Sprachen

Die Insel weist aufgrund ihrer historischen Entwicklung und der Teilung seit 1945 eine zweisprachige Prägung auf. Ursprünglich sprachen slawische Stämme (Polaben oder Pomoranen) ab dem 7./8. Jahrhundert westslawische Dialekte, die der pomoranischen Gruppe angehörten. Der Inselname selbst leitet sich aus dem Slawischen ab. Mit der Christianisierung durch Otto von Bamberg (1124/25) und der Ostsiedlung ab dem 13. Jahrhundert setzte eine Germanisierung ein. Deutsche Siedler brachten das Niederdeutsche (Plattdeutsch) mit, das sich rasch durchsetzte. Die slawische Sprache verschwand auf Usedom bereits im Mittelalter vollständig – im Gegensatz zu weiter östlichen Regionen Pommerns, wo Reste wie das Kaschubische oder Slowinzische länger überlebten. Bis 1945 war die gesamte Insel deutschsprachig, mit niederdeutschen Dialekten (ostpommersche oder mecklenburgisch-vorpommersche Varianten) neben dem Hochdeutschen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Teilung der Insel wurde der östliche Teil mit Świnoujście (Swinemünde) polnisch. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben, und polnische Siedler zogen ein. Seither ist der polnische Teil mehrheitlich polnischsprachig, während der deutsche Teil (größerer Flächenanteil) deutsch bleibt. Amtssprache ist entsprechend Deutsch im deutschen Teil und Polnisch im polnischen. Aufgrund des intensiven Tourismus und der Grenznähe sind Zweisprachigkeit und Fremdsprachenkenntnisse verbreitet: Viele Bewohner und Beschäftigte im Tourismus sprechen auf beiden Seiten grundlegend die Nachbarsprache sowie Englisch. Niederdeutsche Dialekte (Plattdeutsch) halten sich besonders in ländlichen Gebieten des deutschen Teils, wenngleich sie rückläufig sind.

Heute prägt die Grenzlage eine bilinguales Alltagsleben: Schilder, Menüs und Informationen sind oft zweisprachig, und grenzüberschreitende Kooperationen (zum Beispiel in Polizei oder Bildung) fördern den Sprachaustausch.

Religion

Die Insel Usedom blickt auf eine über neunhundertjährige christliche Tradition zurück, die mit der Missionierung durch Bischof Otto von Bamberg begann. Dieser „Apostel der Pommern“ unternahm 1124/25 und 1128 Missionsreisen in die Region; auf seiner zweiten Reise nahmen die slawischen Edlen zu Pfingsten 1128 in der Burgstadt Usedom das Christentum an. Damit wurde die Insel früh christianisiert, und es entstanden erste Kirchen sowie Klöster, darunter das Prämonstratenser-Kloster Grobe bei Usedom (um 1155 gegründet, später nach Pudagla verlegt). Die Christianisierung markierte den Übergang vom slawischen Heidentum zum Christentum und legte den Grundstein für zahlreiche Gotteshäuser.

Im Mittelalter prägten gotische Feldstein- und Backsteinkirchen das Bild der Insel, von denen viele aus dem 13. bis 15. Jahrhundert stammen, etwa in Koserow, Benz, Liepe (erstmals 1216 erwähnt, älteste urkundlich bezeugte Kirche), Zirchow oder Garz. Diese Dorfkirchen dienten oft als Zufluchtsstätten und spiegeln die pommersche Geschichte wider. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden in den aufstrebenden Seebädern neugotische Kirchen, wie in Ahlbeck (1895), Heringsdorf oder die jüngste in Bansin (1939). Insgesamt gibt es auf dem deutschen Teil rund 19 evangelische Kirchen, die heute nicht nur Gottesdienste, sondern auch Konzerte und kulturelle Veranstaltungen beherbergen.

Mit der Reformation wurde Pommern ab 1534 lutherisch; die Insel blieb bis ins 20. Jahrhundert überwiegend evangelisch-protestantisch. Nach 1945 veränderte sich die Situation durch die Teilung der Insel: Der östliche Teil mit Świnoujście (Swinemünde) wurde polnisch und ist heute mehrheitlich katholisch geprägt, wie der Großteil Polens. Auf dem deutschen Teil gehört die Mehrheit der Kirchen zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), mit Pfarrämtern in Orten wie Usedom, Zinnowitz oder den Kaiserbädern. Katholische Gemeinden sind kleiner; es gibt etwa 800 Katholiken (Stand älterer Angaben), mit Kirchen wie St. Otto in Zinnowitz oder Heringsdorf, die seit 2020 zur Pfarrei Sankt Otto (benannt nach Otto von Bamberg) gehören.

Heute ist die Insel stark säkularisiert, wie ganz Mecklenburg-Vorpommern und Westpommern: Nur ein kleiner Teil der rund 58.000 Einwohner ist kirchlich gebunden, viele Kirchen dienen primär als touristische und kulturelle Attraktionen. Die Gotteshäuser erzählen von acht Jahrhunderten Christentum und laden zu Besinnung ein, unabhängig von Konfession. Andere Religionen spielen aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte und dem touristischen Charakter keine nennenswerte Rolle. Die Kirchen verbinden Geschichte, Architektur und Spiritualität und machen Usedom zu einem Ort stiller Reflexion inmitten der Ostseelandschaft.

Siedlungen

Die Einwohnerzahlen der Gemeinden entwickelten sich wie folgt:

Gemeinde S 1990 S 2001 S 2011 Z 2022 S 2024
Benz 967 1.002 991 1.074 1.072
Dargen 539 573 538 552 548
Garz ... 213 241 279 258
Heringsdorf 11.461 9.430 9.033 5.991 5.790
Kamminke 357 324 288 234 229
Karlshagen 3.778 3.113 3.114 2.865 2.832
Korswandt 477 545 597 581 573
Koserow 1.667 1.649 1.707 1.584 1.530
Loddin 1.030 1.007 1.023 933 872
Mellenthin 450 510 473 428 445
Mölschow 676 862 801 696 691
Peenemünde 745 419 279 331 369
Pudagla 443 436 429 460 472
Rankwitz 696 691 647 528 510
Stolpe auf Usedom 381 406 373 341 353
Trassenheide 710 933 896 765 760
Usedom 2.272 1.983 1.872 1.492 1.499
Zempin 890 845 956 930 889
Zinnowitz 4.371 3.777 3.935 3.715 3.765
Zirchow 683 848 601 577 603
Świnoujście [Swinemünde] insgesamt 43.307 41.796 41.480 40.204 38.904


Die größten und bedeutendsten Orte auf der Insel Usedom sind Zinnowitz und die Gemeinde Seebad Heringsdorf, die aus einem Zusammenschluss der ehemals drei selbständigen Gemeinden Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck hervorgegangen ist. Die neue „Großgemeinde“, die zugleich einziges deutsches Seebad mit - man lese und staune - drei Seebrücken ist, zählt nun ein Drittel der deutschen Bevölkerung Usedoms, das heißt rund 10.000 Einwohner. Viele luxuriöse und elegante Bauten, die im Stile der sogenannten Bäderarchitektur am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurden, prägen weiterhin maßgeblich das Erscheinungsbild dieses weithin bekannten Seebads in allen seinen drei Ortsteilen.

Zinnowitz liegt an der schmalen Nordküste der Insel Usedom und gilt als eines der beliebtesten Ostseebäder des deutschen Teils. Der Ort erstreckte sich ursprünglich als kleines Fischerdorf, entwickelte sich jedoch ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasch zu einem eleganten Seebad. Heute prägen die klassische Bäderarchitektur mit weißen Villen, die lange Seebrücke (eine der längsten Usedoms mit 315 Metern) und der breite, feine Sandstrand das Bild. Zinnowitz verfügt über eine lebendige Promenade, ein modernes Kurzentrum mit Thalasso-Angeboten, die Bernsteinbäder und die Vineta-Brücke als Wahrzeichen. Kulturell bekannt ist der Ort durch die Freilichtbühne „Blechbüchse“, wo alljährlich die Vineta-Festspiele stattfinden, die an die versunkene legendäre Stadt Vineta erinnern.

Die Stadt Usedom befindet sich im südwestlichen Binnenland der Insel und ist der historische Namensgeber der gesamten Insel. Als einzige Stadt auf der Insel bis zur Gründung Swinemündes im 18. Jahrhundert war sie im Mittelalter eine bedeutende Residenz der pommerschen Herzöge und ein wichtiger Handelsort. Die gut erhaltene Altstadt mit dem markanten Anklamer Tor, dem Marienkirche aus dem 13. Jahrhundert und dem Schlossberg zeugt von dieser Vergangenheit. Heute hat die Stadt etwa 1.800 Einwohner und strahlt eine beschaue, kleinstädtische Atmosphäre aus. Der Hafen am Peenestrom, die Nähe zum Naturschutzgebiet am Achterwasser und die idyllische Lage zwischen Wiesen und Wäldern machen Usedom zu einem ruhigen Gegenpol zu den lebhaften Seebädern.

Koserow liegt an der schmalsten Stelle der Insel zwischen Ostsee und Achterwasser und verbindet damit Strand- und Binnengewässer auf besonders charmante Weise. Der Ort, der bereits 1347 urkundlich erwähnt wurde, ist eines der ältesten Seebäder Usedoms. Bekannt ist Koserow vor allem für sein steiles, bewaldetes Kliff, den Streckelsberg (58 Meter, die höchste Erhebung der Insel), von dem aus man einen weiten Blick über die Ostsee hat. Der feine Sandstrand, die historische Salzhütten und die aus dem 13. Jahrhundert stammende Feldsteinkirche prägen das Ortsbild. Koserow gilt als besonders naturverbunden und ruhig; hier finden sich keine großen Hotelburgen, sondern eher Pensionen, Ferienhäuser und eine entspannte Atmosphäre. Der Ort ist beliebt bei Wanderern und Naturliebhabern, da er direkt am Küstenwald liegt und Ausgangspunkt für Touren ins Hinterland ist.

Der östliche Teil der Insel Usedom gehört seit 1945 zur polnischen Stadt Świnoujście (deutsch Swinemünde). Dieser Inselteil umfasst die ehemaligen deutschen Seebäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin – die berühmten „Kaiserbäder“ – sowie den Ort Kamminke im Binnenland. Diese Orte bilden heute die Stadtteile Świnoujście-Ahlbeck, Świnoujście-Heringsdorf und Świnoujście-Bansin. Die prächtige Bäderarchitektur aus der Kaiserzeit mit langen Seebrücken, luxuriösen Villen und Promenaden ist hier besonders gut erhalten und steht unter Denkmalschutz. Heringsdorf gilt als das eleganteste der drei Bäder und verfügt über die längste Seebrücke Polens (508 Meter). Der breite, feine Sandstrand zieht jährlich Millionen Besucher an. Der Usedomer Teil von Świnoujście ist mehrheitlich polnischsprachig, profitiert aber stark vom grenzüberschreitenden Tourismus mit Deutschland. Die Grenze verläuft direkt am Strand zwischen Ahlbeck (polnisch) und Ahlbeck (deutsch), was einen nahtlosen Übergang zwischen beiden Ländern ermöglicht. Kamminke, das einzige Binnenort auf diesem Teil, ist ein ruhiges Dorf mit Hafen am Achterwasser. Insgesamt verbindet dieser Abschnitt historische deutsche Bädertradition mit moderner polnischer Verwaltung und lebendiger Kurkultur.

Verkehr

Die Verkehrsstruktur der Insel wurde in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich ausgebaut und modernisiert. Über zwei Hauptbrücken bestehen verbindungen zum Festland.

Straßenverkehr

Der Straßenverkehr auf der Insel Usedom ist geprägt von ihrer Insellage, der Teilung zwischen Deutschland und Polen sowie dem starken Tourismus, der in der Hochsaison zu erheblichen Verkehrsbelastungen führt. Der deutsche Teil der Insel ist über zwei Hauptzufahrten erreichbar: Im Norden führt die Bundesstraße 111 von der Anschlussstelle Gützkow der Bundesautobahn 20 über die Peenebrücke Wolgast auf die Insel. Im Süden verbindet die Bundesstraße 110 von der Anschlussstelle Jarmen der A 20 über die Zecheriner Brücke (bei Zecherin) das Festland mit Usedom. Beide Brücken sind Klappbrücken, die regelmäßig für den Schiffsverkehr geöffnet werden, was zu Wartezeiten von bis zu einer Stunde führen kann – ein typisches Merkmal des Inselverkehrs, das besonders in der Saison Geduld erfordert.

Innerhalb der Insel dienen die Bundesstraßen 111 und 110 als Hauptverkehrsachsen. Die B 111 verläuft entlang der Nordküste durch die Seebäder wie Zinnowitz, die Kaiserbäder und weiter bis Ahlbeck, während die B 110 das südliche Hinterland erschließt und Orte wie die Stadt Usedom oder Pudagla anbindet. Die Küstenstraße zwischen den Kaiserbädern und Zinnowitz ist in der Hochsaison oft stark belastet, Staus und Parkplatzmangel gehören zum Alltag. Radwege parallel zu den Hauptstraßen und ein gut ausgebautes Netz für Fahrradtouren entlasten den Autoverkehr etwas.

Der öffentliche Personennahverkehr auf der Straße wird im deutschen Teil von der OstseeBus GmbH betrieben, die Linienbusse zwischen den Orten und Seebädern einsetzt und Anschluss an die Usedomer Bäderbahn bietet. Grenzüberschreitend gibt es zwei Straßenübergänge: Bei Ahlbeck (direkt am Strand) und bei Garz (südlich) bestehen Verbindungen nach Świnoujście, die seit dem Schengen-Beitritt Polens ohne Personenkontrolle passierbar sind.

Der polnische Teil Usedoms – die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin sowie Kamminke – gehört verwaltungsrechtlich zu Świnoujście. Von der benachbarten polnischen Insel Wolin ist dieser Inselteil für den Straßenverkehr lange Zeit nur über Autofähren in Świnoujście erreichbar gewesen. Seit der Eröffnung des Swinetunnels im Jahr 2023 entfällt diese Fährpflicht für den innerstädtischen Verkehr, was den Zugang deutlich erleichtert hat.

Bahnverkehr

Die Anbindung ans deutsche Eisenbahnnetz erfolgt über die Hauptstrecke Berlin–Stralsund, von der in Züssow die Bahnstrecke Züssow–Wolgast Hafen abzweigt. Diese führt über die Peenebrücke Wolgast auf die Insel und verbindet Usedom mit dem Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn. Regionalexpress-Züge (RE) verkehren regelmäßig von Stralsund oder Berlin über Züssow nach Wolgast und weiter zu den Seebädern.

Die Ostseebäder werden durch die Usedomer Bäderbahn (UBB) erschlossen, eine private Regionalbahn, die die Strecke Wolgaster Fähre–Heringsdorf (Neue Kaiserbahn) bedient. Die UBB fährt stündlich oder in der Saison häufiger von Züssow über Wolgast Hafen, Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck bis ins Zentrum von Świnoujście (Swinemünde Centrum). Seit September 2008 ist dieser grenzüberschreitende Betrieb möglich, was eine nahtlose Verbindung zwischen dem deutschen und polnischen Teil der Insel schafft – ein großer Vorteil für Touristen, die ohne Umsteigen die Kaiserbäder und Świnoujście erreichen können.

Von Zinnowitz zweigt eine Stichstrecke nach Peenemünde ab, die auf einer ehemaligen Werkbahn der Heeresversuchsanstalt basiert. Diese Linie wird ebenfalls von der UBB betrieben und ist besonders bei Geschichtsinteressierten beliebt, da sie zum Historisch-Technischen Museum Peenemünde führt. In der Hochsaison werden die Züge der UBB oft verstärkt, und es gibt Sonderfahrten mit historischen Triebwagen oder Dampfloks.

Historisch war die Anbindung deutlich umfangreicher: Bis 1945 verband die zweigleisige Strecke Ducherow–Swinemünde (über Karnin und Ahlbeck) die Insel direkt mit dem Hinterland. Die markante Hubbrücke Karnin über den Peenestrom wurde 1945 gesprengt; nur der Mittelteil blieb als technisches Denkmal erhalten. Nach dem Krieg wurde die Strecke nicht wiederaufgebaut, und der Bahnverkehr konzentrierte sich auf die westliche Zufahrt über Wolgast.

Heute ist der Bahnverkehr auf Usedom vor allem touristisch geprägt. Die UBB befördert jährlich Millionen Fahrgäste, besonders in der Sommersaison, und ermöglicht autofreies Reisen zu den Stränden. Die grenzüberschreitende Linie stärkt die deutsch-polnische Vernetzung und macht Usedom zu einem leicht erreichbaren Ziel aus ganz Deutschland und Polen.

Schiffsverkehr

Der usedomer Schiffsverkehr umfasst touristische Ausflugsfahrten, Fährverbindungen und kommerzielle Häfen, geprägt von der Inselteilung und dem Tourismusboom. Der Hauptakteur für Passagierschifffahrt ist die Reederei Adler-Schiffe, die von Seebrücken in den Kaiserbädern (Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck) sowie Zinnowitz, Koserow und Peenemünde aus operiert.

Beliebte Routen sind Kurzseefahrten entlang der Steilküste, Rundfahrten um die Insel (ein Highlight mit Blick auf Ostsee, Peenestrom und Swine), Hafenrundfahrten in Świnoujście sowie Tagesausflüge nach Misdroy auf Wollin oder sogar zur Insel Rügen. Weitere Anbieter bieten Fahrten auf dem Achterwasser und Peenestrom an, etwa ab Freest, Kröslin oder Kamminke, mit Zielen wie Greifswalder Oie oder Kegelrobben-Beobachtungen. Im Binnenbereich gibt es kleinere Sportboothäfen in Orten wie Karlshagen, Krummin, Rankwitz oder Stagnieß, die vor allem Seglern und Motorbootfahrern dienen.

Im polnischen Teil dominiert Świnoujście (Swinemünde) als bedeutender Seehafen mit internationalen Fährverbindungen nach Schweden (Ystad, Trelleborg) und Dänemark. Kreuzfahrtschiffe legen hier zunehmend an. Innerhalb der Stadt verbindet eine Stadtfähre (für Fußgänger und Radfahrer) den Usedomer mit dem Wolliner Teil, während Autos seit 2023 den Swinetunnel nutzen – frühere Autofähren wurden eingestellt.

Der Schiffsverkehr ist stark saisonal: In der Hochsaison (Mai bis Oktober) verkehren Ausflugsschiffe täglich, oft mit Landgängen in Polen. Die Brücken über den Peenestrom (Wolgast und Zecherin) öffnen sich regelmäßig für den Schiffsverkehr, was Wartezeiten für Autofahrer verursachen kann. Insgesamt verbindet der maritime Verkehr die natürliche Schönheit Usedoms mit grenzüberschreitendem Tourismus und macht die Insel zu einem attraktiven Revier für Wassersport und Erholung.

Flugverkehr

Bei der Ortschaft Garz nahe der polnischen Grenze befindet sich der Flughafen Heringsdorf, auf dem Flugzeuge bis zur Größe eines Airbus A320 landen können. Neben Linienflügen können auch Rundflüge über die Insel gebucht werden. Es gibt Flugverbindungen nach Berlin Tempelhof, Mannheim, Mönchengladbach, Saarbrücken, Stettin und Münster/Osnabrück. Auf dem Flughafen in Peenemünde sind hingegen nur Sportflieger zugelasssen.

Der Heringsdorfer Regionalflughafen ist einer der ältesten deutschen Luftzielorte und galt nach dem bis 1972 im Linienverkehr und bis 1991 als Verkehrslandeplatz betriebenen Flughafen Leipzig-Mockau als der zweitälteste Flughafen auf dem Territorium der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Der damalige Exerzierplatz der Garnison Swinemünde wurde bereits 1911 durch die Rumpler Taube des kaiserlichen Heeres angeflogen. Im Jahr 1919 begann die Geschichte des Flughafens als „Landflugplatz Swinemünde“ der benachbarten Stadt. Der Platz wurde durch die Sablatnig-Flugzeugbau GmbH nach dem Ersten Weltkrieg ausgebaut. Die ersten Verkehrsmaschinen, die den heutigen Flughafen Heringsdorf anflogen, waren SAB P III für sechs Passagiere. In den 1930er Jahren trainierten hier auch Segelflieger.

Im Jahre 1935 übernahm die Luftwaffe der Wehrmacht den Flugplatz und ließ ihn in den folgenden Jahren zum Fliegerhorst Garz ausbauen. Ab 1936 wurde hier die Küstenjagdstaffel 3/136 stationiert. Diese war mit Flugzeugen vom Typ Heinkel He 51 ausgerüstet. In dieser Zeit wurde auch eine Kunstflugstaffel aufgebaut, die mit Maschinen vom Typ Bücker Jungmeister flog. Im Jahr 1937 erhielt die Einheit zunächst Jagdflugzeuge des Typs Messerschmitt Bf 109 und kurze Zeit später auch Bf 110. Für die Ausbildung an der Bf 110 wurde östlich des Flugplatzes in Richtung Kamminke ein Schießplatz angelegt. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde das Rollfeld ausgebaut, um größere Maschinen wie die Langstreckenbomber He 177 aufnehmen zu können. Während die umliegenden Dörfer am 4. Mai 1945 Luftangriffen durch die Rote Armee ausgesetzt waren, blieb der bereits geräumte Flugplatz unbeschädigt und wurde am folgenden Tag durch sowjetische Truppen besetzt.

Nach dem Krieg wurden hier das 12. und 314. Jagdfliegerregiment (IAP), der Stab der 601. Schlachtfliegerdivision (SchAD) sowie Panzertruppen der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) stationiert. Ab 1960 nutzte das Transportflieger-Ausbildungsgeschwader 14 (TFAG-14) der Nationalen Volksarmee (NVA) den westlichen Teil des Geländes. Nach dessen Auflösung 1962 diente das Areal als Ausweichflugplatz für verschiedene Verbände der Luftstreitkräfte der DDR. Bis Anfang der 1960er Jahre war die Start- und Landebahn eine Gliederrollbahn aus Patent-Stahlsegmenten. Im Jahr 1962 wurde ein Teil des Flugplatzes zur zivilen Nutzung durch die DDR-Fluggesellschaft Interflug umgebaut und der Fliegerhorst Garz erhielt seinen heutigen Namen: „Flughafen Heringsdorf“. Um schwereren Flugzeugen wie der Iljuschin Il-14 die Landung zu ermöglichen, musste eine neue Start- und Landebahn gebaut werden. Im Jahr 1973 wurde ein Abfertigungsgebäude für den Saisonflugverkehr der Interflug in Betrieb genommen. Flugverbindungen bestanden unter anderem nach Berlin, Dresden, Erfurt und Leipzig. Bereits sechs Jahre später stellte die Interflug den regulären Inlandsflugbetrieb von und nach Heringsdorf jedoch wieder ein, betrieb jedoch in den Sommermonaten der Jahre 1979, 1980 und 1981 einen Charterflugverkehr nach Prag. Durchgeführt wurde dieser mit einer Iljuschin Il-18 der Interflug. Eine Besonderheit gab es laut Flugplan im Sommer 1964. Hier wurde ein sonntäglicher Flug mit der Il-14 nach Barth durchgeführt. Die Flugzeit betrug 25 Minuten. Im Jahr 1980 wurden die Panzertruppen der GSSD abgezogen. Bis 1992 blieb noch eine Pionierabteilung stationiert. Nach der Auflösung der NVA 1990 endete die militärische Nutzung des Geländes. Im überwiegenden Teil der ehemaligen Kasernen sind heute soziale Einrichtungen der Diakonie Züssow untergebracht.

Von 1993 bis 1996 erfolgte die Grundsanierung der Flugbetriebsflächen, die Installation einer Instrumentenanflugbefeuerung und der Aufbau einer Wetterstation. Unter dem ehemaligen Flughafendirektor Ralf Giebener kam es in Jahren 1996 und 1997 zum Charterflugverkehr nach Istanbul und Antalya mit Maschinen der Typen A320 und MD 88, im Jahr 1998 zur Fortsetzung der Linienflüge und zum Charterflugverkehr nach Tunesien.

Angesichts geringer Fluggastzahlen im Linienverkehr schlossen im Jahr 2007 Hoteliers und ein kommunales Tourismusmarketing-Unternehmen eine Öffentlich-private Partnerschaft über die Organisation des Linienflugverkehrs auf die Insel. Dadurch konnten Fluggesellschaften gewonnen werden, die durch eine Ticket-Abnahmegarantie Usedom in der Sommersaison einmal wöchentlich im Linienverkehr anfliegen. Im Jahr 2008 flog somit die damalige OLT zu vier deutschen Zielen mit Saab 340 oder Saab 2000. Im Jahr 2009 flog OLT in der Sommersaison samstags jeweils einmal nach Bremen, Köln/Bonn, Dortmund, Frankfurt am Main, Zürich, München und jeden Sonntag nach Düsseldorf. Air Berlin nahm am 1. Mai 2010 neue Verbindungen nach Dortmund, Düsseldorf und Stuttgart auf. Die geplante Verbindung nach Nürnberg kam aufgrund zu geringer Nachfrage nicht zustande. Die Flüge nach Heringsdorf wurden für Air Berlin durch die LGW mit Turbopropmaschinen des Typs DHC-8-400 betrieben. Im Jahr 2012 flogen erstmals auch die schweizerische Helvetic Airways zu Zielen in die Schweiz (Bern, Zürich) und die polnische Eurolot zu Zielen in Polen (Warschau, Krakau) bzw. ab 2013 auch nach Dortmund und Köln/Bonn. Germanwings flog 2014 erstmals anstelle von Air Berlin die Insel an. Die Strecken wurden bedient mit Bombardier CRJ900 mit 90 Sitzen (betrieben durch Eurowings) und Airbus A319. Im Sommer 2014 gab es auch vereinzelt Charterflugverkehr mit Austrian Airlines nach Linz. Eingesetzt wurde hier ein Flugzeug des Typs DHC-8-400. Im Jahr 2016 flogen auch Air Baltic und SkyWork Airlines den Flughafen an.

Der Flughafen Heringsdorf ist über die Bundesstraßen 110 und 111 an das Straßennetz angebunden und rund zehn Kilometer von Ahlbeck sowie rund 18 Kilometer von Bansin entfernt. Die Entfernung bis zu den nächsten größeren Städten der Region, Greifswald und Stralsund, beträgt rund 50 beziehungsweise 90 Kilometer, bis zum Anschluss an die A 20 etwa 60 Kilometer. Über den rund neun Kilometer vom Flughafen entfernten Bahnhof Ahlbeck und die Verbindungen der Usedomer Bäderbahn (UBB), die den Bahnnahverkehr auf der Insel Usedom und bis zum Festlandbahnhof Züssow betreibt, besteht darüber hinaus eine Anbindung an das Regional- und Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn. Ein Busanschluss zum Bahnhof besteht ein bis zweimal täglich. Die Stammstrecke der Bahn soll darüber hinaus perspektivisch über Swinemünde bis zum Flughafen verlängert werden.

Unweit des Abfertigungsgebäudes befindet sich die Freizeiteinrichtung „Hangar 10“. Sie besteht aus einem kleinen Flugzeugmuseum, einer Schauwerkstatt, Flugsimulatoren, einer Spielewelt und gastronomischen Einrichtungen. Mit Ausnahme der Bf 109 sind alle ausgestellten Exemplare flugfähig. Die Ausstellung wird ergänzt durch Darstellungen zu den Luftwaffen Deutschlands, der USA, Großbritanniens und der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Neben den Flugzeugen sind auch einige Fahrzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges ausgestellt.

Airlines Ziele
Austrian Airlines saisonal: Linz
Eurowings saisonal: Düsseldorf, Stuttgart
Lufthansa saisonal: Frankfurt
Swiss International Air Lines saisonal: Zürich


Flughafen Heringsdorf

  • Code:  HDF / EDAH
  • Lage:  53°52‘43“ N, 14°09‘08“ O
  • Seehöhe: 22 m (92 ft)
  • Entfernung: 8 km südlich von Seebad Heringsdorf
  • Inbetriebnahme:  1925
  • Betreiber: Flughafen Heringsdorf GmbH
  • Rollbahnen: 2
  • Länge der Rollbahnen:  2305 m (Asfalt) und 600 m (Gras)
  • Fluggesellschaften:  4
  • Flugzeug-Standplätze:  ca. 20
  • jährliche Passagierkapazität: 
  • jährliche Frachtkapazität: 

Wirtschaft

Der Tourismus ist der Hauptwirtschaftszweig der Insel Usedom. Aufgrund des Meeres, der vielfältigen Landschaft und der schönen Architektur in den Seebädern ist sie bereits seit 1820 bei den Urlaubern beliebt.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft auf Usedom ist durch die natürlichen Gegebenheiten stark eingeschränkt und spielt heute nur eine untergeordnete Rolle. Aufgrund der teilweise sehr armen, sandigen Böden – typisch für die eiszeitlich geprägte Landschaft Vorpommerns – ist eine intensive Landwirtschaft nur sehr begrenzt möglich. Viele Flächen sind zudem durch zahlreiche Natur- und Landschaftsschutzgebiete (wie das Naturschutzgebiet Peenemünder Haken, das Achterwasser oder Teile des Küstenwaldes) belegt, die die landwirtschaftliche Nutzung vieler Areale erschweren oder ganz ausschließen. Dadurch bleibt der Ackerbau auf vergleichsweise kleine, fruchtbarere Parzellen beschränkt.

Früher, als die Insel noch dichter besiedelt und weniger touristisch war, dominierte der Anbau robuster Kulturen, die mit den mageren Böden zurechtkamen: Hauptsächlich Roggen, Hafer und Kartoffeln. Diese Produkte deckten den Eigenbedarf und wurden teilweise vermarktet. Zeugen dieser Zeit sind die noch erhaltenen vier Wind- und Wassermühlen auf der Insel (zum Beispiel in Pudagla, Benz, Usedom und Kamminke), die aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen und einst das geerntete Getreide mahlten. Heute stehen sie meist unter Denkmalschutz und dienen als touristische Attraktionen.

In der modernen Landwirtschaft haben sich die Anbauprodukte etwas verändert: Auf den sandigen Flächen sieht man heute häufiger Mais (für Biogasproduktion) und Raps (für Öl und Biodiesel), die besser mit den Bodenverhältnissen und den EU-Förderrichtlinien harmonieren. Tierhaltung ist ebenfalls begrenzt; es gibt einige Betriebe mit Rinder- oder Schafzucht, oft extensiv auf Wiesen im Hinterland. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist stark rückläufig, viele Höfe haben aufgegeben oder sich diversifiziert.

Um wirtschaftlich zu überleben, haben einige Landwirte eine zweite Einnahmequelle erschlossen: Sie bieten „Ferien auf dem Bauernhof“ an, mit Übernachtungen in umgebauten Stallungen oder Ferienwohnungen, Hofläden mit regionalen Produkten und Erlebnissen wie Traktorfahrten oder Tierfütterung. Diese Agrartourismus-Angebote passen perfekt zur touristischen Ausrichtung Usedoms und helfen, die traditionelle Landwirtschaft in einer strukturschwachen Region zu erhalten.

Forstwirtschaft

Mit einem Waldanteil von etwa 25 Prozent (rund 12.000 Hektar auf der Gesamtfläche von 445 km²) zählt Usedom zu den waldreicheren Regionen Mecklenburg-Vorpommerns. Der markante Küstenwald erstreckt sich entlang der Ostseeküste vom Peenemünder Haken bis zur polnischen Grenze und umfasst etwa 5.000 Hektar, von denen über die Hälfte Landeswald ist. Dominierende Baumarten sind Kiefer (ca. 60 Prozent, angepasst an sandige Böden), Buche (12 Prozent) und Erle (7 Prozent), ergänzt durch Mischbestände.

Die Geschichte der organisierten Forstwirtschaft reicht über 450 Jahre zurück: Bereits im 16. Jahrhundert gab es eine Forst- und Jagdverwaltung in Pudagla (später Neu Pudagla), die eine nachhaltige Bewirtschaftung etablierte und größere Holznot wie in anderen Regionen verhinderte. Größere Rodungen erfolgten erst im 19. Jahrhundert, oft im Zusammenhang mit dem aufkommenden Tourismus – so legte Forstmeister Georg von Bülow 1824 den Grundstein für die Seebäder, indem er Wald parzellierte. Heute verwaltet das Forstamt Neu Pudagla (Teil der Landesforst Mecklenburg-Vorpommern) den Großteil der Flächen, darunter Landes-, Bundes-, Kommunal- und Privatwald.

Die Bewirtschaftung folgt dem Prinzip der Multifunktionalität: Nachhaltige Holzproduktion steht neben Naturschutz, Küstenschutz und Erholung. Große Teile sind in Schutzgebieten (FFH-Gebiete und Naturschutzgebiete wie Peenemünder Haken) integriert, mit Altholzinseln, Feuchtbiotopen und Waldwiesen, die die Artenvielfalt fördern. Der Küstenwald wurde 2016 als „Waldgebiet des Jahres“ ausgezeichnet, da er vorbildlich Nutzung, Schutz und hohen Besucherdruck (rund eine Million Urlauber jährlich) vereint. Herausforderungen sind Trockenheit, Sturm und Tourismusbelastung, weshalb Maßnahmen wie der erste deutsche Kur- und Heilwald oder geführte Touren die Erholungsfunktion stärken.

Fischerei

Im 19. Jahrhundert begann der Hering ein Exportschlager für die Insel Usedom zu werden. Mitte der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es ein reiches Heringsvorkommen in der Ostsee. Um die Fische auch ausserhalb der Insel verkaufen zu können, hat man Salzhäuser gebaut, in denen der Hering konserviert wurde. Dadurch war es möglich das Produkt in alle Teile Deutschlands zu transportieren. Mit den Jahren wurden die Heringsvorkommen in der Ostsee immer geringer. Aufgrund dessen wurde 1870 die letzte Salzerei geschlossen. Noch heute kann man die alten Salzhäuser am Strand von Zempin, Koserow und am Peeneufer von Freest besichtigen. In einigen von ihnen sind mittlerweile Restaurants untergebracht.

Heute spielt der Fischfang auf der Insel nur noch eine untergeordnete Rolle, da die Konkurrenz in Form der internationalen Hochseefischerei zu groß ist. Es gibt noch einige, die privat fischen und ihren Fang dann an die Restaurants verkaufen. Allerdings sind längst nicht alle Fische, die in den Restaurants auf den Tisch kommen, vor der Küste Usedoms gefangen worden.

Handwerk

Das Handwerk auf Usedom hat sich vom klassischen Land- und Fischerhandwerk zu einer Mischung aus traditioneller Kunsthandwerkskunst und tourismusorientierten Dienstleistungen entwickelt. Jahrhundertelang prägten Fischerei, Bootsbau, Töpferei und Reetdachdeckerei das wirtschaftliche Leben, ergänzt durch Mühlen und Räuchereien. Heute steht das Handwerk im Schatten des dominierenden Tourismus, doch viele Betriebe erhalten alte Techniken und machen sie für Besucher erlebbar.

Besonders hervorzuheben ist der Bootsbau: In Peenemünde betreiben Werften wie die von Ursula Latus oder Bootsbau Weiß traditionellen Holzbootsbau, oft mit Kursen, in denen Urlauber selbst Kanus oder Segelboote bauen können. Die Zeesenboote, typische pommersche Fischerboote, wurden 2018 als Immaterielles Kulturerbe anerkannt und werden restauriert. Reetdachdeckerei bleibt ein alter Beruf, der viele reetgedeckte Häuser der Insel erhält. Die Strandkorbmanufaktur in Heringsdorf ist die älteste Deutschlands und flechtet die ikonischen Körbe größtenteils in Handarbeit, heute oft mit modernen Materialien.

Keramiktradition lebt in Manufakturen wie der Mellenthiner Keramik fort, wo pommersche grau-blaue Gebrauchskeramik hergestellt wird. Bernsteinverarbeitung ist ein weiteres Highlight: Werkstätten schleifen, schnitzen und fassen das „Ostseegold“ zu Schmuck, oft mit Workshops zum Selberschleifen. Fischräuchereien, wie die traditionsreiche in Freest (seit 1891), veredeln frischen Fang in Handarbeit und duften durch die Dörfer.

Viele Handwerksbetriebe – von Tischlern über Optiker bis zu Metzgern – diversifizieren durch Hofläden, Ateliers oder Online-Shops und profitieren vom Tourismus. Die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern unterstützt die Betriebe in Ausbildung und Beratung.

Industrie

Auf der Insel Usedom gibt es kaum Industrieansiedlungen. Die Neptun Werft in Peenemünde hat sich auf den Bau von Segelschiffen und Großseglern ab 30 Meter Länge spezialisiert. Des Weiteren befindet sich in Heringsdorf die Korb GmbH, ein Unternehmen, dass Strandkörbe herstellt.

In Swinoujscie gibt es aufgrund der geografischen Lage und dem alten Kriegshafen die meisten Industrieansiedlungen. So hat sich dort eine Werft (Stocznia Remontowa S.A.) etabliert, die an 2 Docks Hochseeschiffe repariert und umbaut. Des Witeren besitzt die größte Stadt auf Usedom einen Handelshafen, an dem Güter wie Kohle, Eisenerz und Stückgut umgeladen werden. An den 5 Kais werden jährlich zirka 12 Millionen Tonnen umgesetzt.

Wasserwirtschaft

Der deutsche Teil wird seit 1993 vom Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Insel Usedom (mit Sitz in Ückeritz) betreut, der 24 Gemeinden versorgt und rund 32.000 ständige Einwohner (plus Millionen Touristen) bedient. Der polnische Teil (Świnoujście) hat eine eigene Versorgung.

Das Trinkwasser stammt ausschließlich aus Grundwasser, gefördert aus sechs Wasserwerken durch tiefe Brunnen (bis 82 Meter). Eine Süßwasserlinse unter der Insel bildet die Hauptquelle, die jedoch durch Salzwassereintritt von Ostsee und Bodden gefährdet ist. Fast 98 Prozent der Grundstücke sind an das öffentliche Netz angeschlossen. In der Hochsaison verdreifacht sich der Bedarf: Bis zu 17.000 Kubikmeter pro Tag fließen durch die Leitungen – die aktuelle Kapazitätsgrenze. Experten warnen vor Knappheit ab 2030, falls der Tourismus (mehr Betten) weiterwächst; Druckabfälle und Engpässe in den Kaiserbädern treten bereits auf. Der Verband erweitert Speicher (zum Beispiel neue Reinwasserbehälter in Zinnowitz mit 4.000 m³) und erkundet neue Ressourcen.

Die Abwasserentsorgung wurde nach 1990 modernisiert: Früher dominierten Kleinkläranlagen und Gruben, heute zentrale Kläranlagen mit Druckentwässerung (über 100 km Druckleitungen) und Feststofftrennung. In der Saison steigt das Abwasservolumen um bis zu 70 Prozent, was aggressive Konzentrationen erzeugt – moderne Systeme halten das aus. Der Wasser- und Bodenverband „Insel Usedom-Peenestrom“ kümmert sich um Entwässerung, Hochwasserschutz und Gewässerunterhalt, um den Wasserhaushalt zu balancieren.

Energiewirtschaft

Der deutsche Teil wird vom Netzbetreiber E.DIS (Tochter von E.ON) versorgt, der das Stromnetz kontinuierlich erweitert, um den saisonalen Spitzenverbrauch (durch Millionen Touristen) zu bewältigen. Strom kommt größtenteils vom Festland über Hochspannungsleitungen; lokale Erzeugung ist begrenzt.

Erneuerbare Energien spielen eine wachsende, aber noch untergeordnete Rolle: Die Insel gilt als sonnenreich (über 1.900 Sonnenstunden jährlich), doch große Solarparks sind durch den Status als Naturpark und Schutzgebiete rar. Stattdessen dominieren Dachanlagen und kleinere Projekte, oft durch Bürgerinitiativen wie die Inselwerke eG oder Crowdinvesting. Ein bedeutendes Vorhaben ist der geplante Energiepark in Peenemünde mit einem 10-MW-Solarpark, Speichern und einem Energie-Campus. Windkraft ist onshore kaum vertreten – Naturschutz und Tourismus (Landschaftsbild) verhindern große Anlagen; Potenzial besteht eher offshore in der Ostsee. Biogas aus landwirtschaftlichen Resten ergänzt lokal, E-Mobilität wird durch Ladeinfrastruktur gefördert.

Im polnischen Teil (Świnoujście) dominiert das LNG-Terminal (seit 2016 in Betrieb, 2025 auf 8,3 Milliarden m³/Jahr erweitert), das Polen unabhängig von russischem Gas macht und indirekt die regionale Energieversorgung stärkt. Grenzüberschreitende Projekte wie „Modellregion erneuerbare Energien Usedom-Wollin“ fördern Kooperationen.

Abfallwirtschaft

Der deutsche Teil der Insel gehört zum0 Landkreis Vorpommern-Greifswald, wo die Ver- und Entsorgungsgesellschaft mbH (VEVG) im Auftrag des Kreises die Abfallentsorgung organisiert. Dazu gehören die Sammlung von Restmüll, Bioabfall, Papier und Leichtverpackungen über Tonnen und Container, die Vergabe von Sperrmüllterminen sowie die Beseitigung illegaler Ablagerungen. Wertstoffhöfe, etwa in Zinnowitz oder anderen Orten, ermöglichen die getrennte Annahme von Recyclingmaterialien, Grünabfällen und Schadstoffen. Abfallkalender und Gebührenbescheide werden zentral erstellt, und die Entsorgung erfolgt nach dem Prinzip der Nähe zum Entstehungsort.

Der polnische Teil, der zur Stadt Świnoujście gehört, hat eine eigene kommunale Entsorgung, die ähnlich strukturiert ist, mit Fokus auf Recycling und touristische Belastungen. Aufgrund der Grenzlage gibt es keine einheitliche Insel-Abfallwirtschaft, doch der grenzüberschreitende Tourismus führt zu gemeinsamen Herausforderungen.

Die größte Belastung entsteht durch die Saisonalität. Alljährlich strömen Millionen Touristen auf die Insel, was zu überfüllten Containern, vermehrtem Müll am Strand und in Wäldern sowie höherem Aufwand für Reinigungsteams führt. In der Hochsaison verdoppelt oder verdreifacht sich das Abfallvolumen, was logistische Anpassungen wie häufigere Abholungen erfordert. Kampagnen und Appelle an Urlauber zielen darauf ab, wilden Müll zu vermeiden und die Trennung zu fördern.

Handel

Im deutschen Teil der Insel, insbesondere in den Seebädern Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin, Zinnowitz und in der Stadt Wolgast, ist der Handel stark auf den Tourismus ausgerichtet. Entlang der Strandpromenaden und Fußgängerzonen findet man zahlreiche Souvenirshops, Boutiquen, Modegeschäfte, Juweliere und Kunstgalerien. Ergänzt wird dieses Angebot durch Supermärkte, Discounter und Fachgeschäfte für den täglichen Bedarf.

In den Städten gibt es auch Einkaufszentren, Bäckereien, Metzgereien und Drogerien, die sowohl Bewohnern als auch Urlaubern dienen. Besonders während der Sommermonate erweitern viele Händler ihr Sortiment um saisonale Produkte wie Strandmode, regionale Spezialitäten oder touristische Dienstleistungen. Wochenmärkte in Orten wie Wolgast oder Zinnowitz bieten frische Lebensmittel, Handwerk und lokale Produkte, was den direkten Kontakt zwischen Produzenten und Kunden fördert.

Der polnische Teil der Insel rund um Swinemünde (Świnoujście) ist ebenfalls stark vom Tourismus geprägt, profitiert jedoch zusätzlich vom grenznahen Einkaufstourismus. Viele deutsche Urlauber nutzen die Nähe, um hier preisgünstig einzukaufen, da bestimmte Lebensmittel, Kleidung oder Kosmetikprodukte in Polen oft günstiger sind.

In Świnoujście gibt es zahlreiche Supermärkte, Einkaufszentren, Mode- und Schuhgeschäfte, Apotheken und Drogerien, die sowohl lokale Kunden als auch Touristen bedienen. Die Innenstadt ist geprägt von kleinen Fachgeschäften, Restaurants und Cafés, während die Einkaufszentren wie Centrum Handlowe Turzyn größere Auswahl und internationale Marken bieten. Auch hier sind Wochenmärkte üblich, auf denen frische Lebensmittel, regionale Produkte und handwerkliche Erzeugnisse verkauft werden.

Finanzwesen

Das Finanzwesen auf der Insel Usedom ist gut entwickelt und auf die Bedürfnisse von Einheimischen, Unternehmen und Touristen ausgerichtet. In den größeren Orten und Seebädern wie Heringsdorf, Zinnowitz, Wolgast und der Stadt Usedom sind Filialen verschiedener Banken vertreten. Dazu zählen vor allem die Sparkasse Vorpommern, die Volksbank Vorpommern sowie einzelne Geschäftsstellen überregionaler Banken. Diese bieten die üblichen Dienstleistungen wie Kontoführung, Bargeldabhebungen, Überweisungen, Kredite und Beratung an.

Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche Geldautomaten, die sich in Ortszentren, Einkaufsbereichen und touristischen Lagen befinden. Gerade für Urlauber ist dies wichtig, da auf Usedom viele saisonale Betriebe existieren. In den meisten Geschäften, Hotels und Restaurants ist bargeldloses Bezahlen mit EC- und Kreditkarte möglich, dennoch ist Bargeld – besonders in kleineren Orten oder auf Wochenmärkten – weiterhin gebräuchlich.

Soziales und Gesundheit

Mit einem Durchschnittsalter, das in Mecklenburg-Vorpommern zu den höchsten Deutschlands gehört, und einem kontinuierlichen Bevölkerungsrückgang (aktuell ca. 58.000 Einwohner) dominieren Themen wie Pflegebedarf und Prävention. Der deutsche Teil profitiert von einer gut ausgebauten Infrastruktur für Kur und Rehabilitation, während der polnische Teil (Świnoujście) eigene Einrichtungen hat.

Im Sozialwesen spielen ambulante und stationäre Pflegedienste eine zentrale Rolle. Die Diakonie betreibt Sozialstationen und Seniorenwohnanlagen, zum Beispiel in der Stadt Usedom, mit barrierefreien Wohnungen und ambulanter Pflege. Viele Einrichtungen kombinieren Pflege mit touristischen Angeboten, um Personal zu gewinnen. Der Bedarf an Sozialarbeitern und Pflegekräften ist hoch, was sich in zahlreichen Stellenangeboten widerspiegelt. Soziale Hilfen wie Beratungsstellen oder Jugendhilfe sind dezentral organisiert, oft über den Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen ist tourismusnah und kurorientiert: Usedom gilt als „Gesundheitsinsel“ mit mildem Reizklima, jodhaltiger Sole und Thalassotherapie, die Atemwegs-, Haut- und rheumatische Erkrankungen lindern. Es gibt mehrere Rehakliniken (MediClin Dünenwald Klinik in Trassenheide für Orthopädie, Kardiologie und Psychosomatik; Ostseestrand-Klinik Klaus Störtebeker; Mutter-Kind-Kliniken wie Mütter-Gesundheit-Usedom). Niedergelassene Ärzte (Allgemeinmediziner, Fachärzte, Zahnärzte) konzentrieren sich in den Seebädern und der Stadt Usedom; Akutkrankenhäuser fehlen auf der Insel – Patienten werden nach Wolgast oder Greifswald überwiesen. Apotheken und Spa-Ärzte ergänzen das Angebot in den Kaiserbädern.

Krankheiten

Krankheiten und Gesundheitsrisiken spiegeln die demografische Struktur wider: Häufig sind altersbedingte Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Rheuma, Atemwegserkrankungen und psychosomatische Beschwerden, die durch das Klima positiv beeinflusst werden. Zeckenübertragene Krankheiten wie FSME kommen vor, allerdings nicht endemisch stark. Die Überalterung führt zu höherem Pflegebedarf, während der Tourismus saisonale Belastungen (zum Beispiel Unfälle, Infekte) mit sich bringt. Präventive Angebote wie der Kur- und Heilwald in Heringsdorf fördern Gesundheit durch Waldtherapie.

Bildung

Das Bildungssystem auf der Insel Usedom ist durch die politische Teilung geprägt. Der deutsche Teil folgt dem System Mecklenburg-Vorpommerns mit Kindergärten, Grundschulen, Regionalen Schulen, Gymnasien und alternativen Konzepten, während der polnische Teil (Świnoujście) dem polnischen System entspricht. Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte und des Tourismusfokus sind Einrichtungen dezentral verteilt, oft mit Busanbindung. Viele Schulen betonen Natur- und Umweltbildung (zum Beispiel durch Kooperationen mit dem Naturpark Usedom) sowie grenzüberschreitende Elemente wie Polnischunterricht.

Kindergärten und Vorschulen sind in den meisten Orten vorhanden, zum Beispiel „Dat Görenhus“ in der Stadt Usedom (naturverbundene Pädagogik) oder Einrichtungen in den Kaiserbädern. Grundschulen gibt es untere anderem in Heringsdorf (mit Polnisch-Angebot), Ahlbeck, der Stadt Usedom (für das Hinterland) und Zinnowitz. Sekundarstufe deckt die Europäische Gesamtschule Insel Usedom in Ahlbeck ab – eine kooperative Gesamtschule mit Orientierungsstufe, Regionaler Schule (bis Klasse 10) und Gymnasium (bis Abitur), die alle Abschlüsse ermöglicht und früh Polnisch oder Französisch anbietet. Weitere Schulen wie die Ostseeschule Ückeritz (Ganztagsschule) oder alternative Projekte wie die Freie Naturschule des FreiRaumBildung Usedom e.V. (natur- und selbstbestimmt) ergänzen das Angebot.

Der Naturpark Usedom bietet Module für Kindergärten und Grundschulen zu Themen wie Nachhaltigkeit und Ostseeökologie. Auf dem polnischen Teil sorgen Schulen in Świnoujście für die Bildung, oft mit Fokus auf maritime und touristische Inhalte.

Höhere Bildung

Höhere Bildung (Universitäten oder Fachhochschulen) existiert direkt auf der Insel nicht – Studierende pendeln nach Greifswald, Stralsund oder Stettin/Szczecin. Eine Ausnahme ist die Theaterakademie Vorpommern in Zinnowitz, eine private höhere Berufsfachschule für Schauspiel (staatlich anerkannt, BAföG-fähig), die professionelle Theaterausbildung in der idyllischen Insellumgebung bietet.

Bibliotheken und Archive

deutschen Teil dominieren die Gemeindebibliotheken in den größeren Orten. Die Inselbibliothek Usedom in der Stadt Usedom (im Kulturhaus) ist eine der ältesten und bietet einen Bestand von rund 15.000 Medien (Bücher, Hörbücher, Zeitschriften, DVDs). Sie organisiert Lesungen, Vorlesestunden für Kinder und Ausstellungen. In den Kaiserbädern gibt es Bibliotheken in Heringsdorf (im Rathaus), Ahlbeck und Bansin, oft mit Sommerleseprogrammen und touristischen Infos. Zinnowitz verfügt über eine moderne Bibliothek im Kurhaus-Komplex, die auch digitale Medien und Internetzugang anbietet. Weitere kleine Einrichtungen finden sich in Ückeritz oder Koserow. Viele Bibliotheken kooperieren über den Bibliotheksverbund Mecklenburg-Vorpommern und ermöglichen Fernleihe.

Auf dem polnischen Teil (Świnoujście) betreibt die Miejska Biblioteka Publiczna (Städtische Öffentliche Bibliothek) mehrere Filialen, darunter eine zentrale Einrichtung mit polnisch- und fremdsprachiger Literatur sowie Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene.

Archive sind vor allem historisch ausgerichtet. Das Stadtarchiv Usedom bewahrt Urkunden, Karten und Dokumente zur Inselgeschichte seit dem Mittelalter. Wichtige Sammlungen zur pommerschen Vergangenheit finden sich im Landesarchiv Greifswald (Außenstelle), das auch Usedom-Materialien hält. Das Historisch-Technische Museum Peenemünde verfügt über ein umfangreiches Archiv zur Raketenforschung und Kriegszeit. Private und vereinsbasierte Archive, zum Beispiel im Hans-Werner-Richter-Haus Bansin oder im Atelier Otto Niemeyer-Holstein, ergänzen mit literarischen und künstlerischen Nachlässen.

Kultur

Die Stadt Usedom, die älteste Siedlung auf der nach ihr benannten Insel, und Peenemünde. Peenemünde ist aufgrund der berühmt-berüchtigten nationalsozialistischen Heeresversuchsanstalt, die mit der Entwicklung des Aggregates A4 bzw. der V2 eher unbeabsichtigt die Grundlagen der modernen Raumfahrttechnik schuf, die weltweit bekannteste Usedomer Gemeinde.

Museen

Heute ist Peenemünde, das in der Nähe der nordöstlichen Inselspitze liegt, ein Museumsdorf. Viele interessante Museen, darunter das Historisch-Technische-Informationszentrum, das die an diesem Standort betriebene Raketenentwicklung darstellt, bewirken, dass das Dorf nicht nur ein touristisches Highlight ist. Weitere bemerkenswerte Museen bzw. Denkmäler auf der Insel sind das Otto-Niemeyer-Holstein-Gedenkatelier in Lüttenort, das Kunstkabinett in Benz und die Reste der Eisenbahnhubbrücke in Karnin.

  • Villa Irmgard in Heringsdorf: In diesem Haus war der russische Dichter Maxim Gorki 1922 untergebracht, um sich auf Usedom von seinem Lungenleiden zu erholen. Das Wohnzimmer der Villa, auch arabisches Zimmer genannt, ist noch mit der Originaleinrichtung ausgestattet. Es ist auch noch das Gästebuch aus der Zeit erhalten geblieben, in das Maxim Gorki schrieb: „Und trotz alledem werden dennoch die Menschen mit der Zeit wie Brüder leben.“ Zusätzlich zu dem Museum werden in einem Teil der Villa immer wieder wechselnde Ausstellungen organisiert.
  • Hans-Werner-Richter-Haus in Bansin: In diesem Gebäude wuchs der Autor Hans-Werner Richter auf, ein Mitbegründer einer Vereinigung der deutschen Nachkriegsliteratur, der „Gruppe 47“. Das 100 Jahre alte Haus beherbergt heute eine Bibliothek und ein Museum, in dem man originalgetreue Zimmer und Gegenstände des Schriftstellers besichtigen kann.
  • Gedenkatelier Otto-Niemeyer-Holstein in Lüttenort: An der schmalsten Stelle der Insel errichtete der Maler Otto Niemeyer-Holstein sein Atelier. Aufgrund des Schiffsnamens, mit dem er genau an dieser Stelle anlegte, wurde auch der Ort danach benannt. Er zog sich während des 2. Weltkrieges auf die Insel zurück und richtete sein Haus in einem alten S-Bahn- Waggon ein. In seinem Malgarten befinden sich Skulpturen, die er von befreundeten Künstlern erwarb. Heute kann man diesen ebenso wie sein Haus besichtigen, in dem Ausstellungen, Konzerte und Lesungen stattfinden.

Architektur

Die Architektur auf Usedom ist geprägt von einer einzigartigen Mischung aus historischer Bäderarchitektur, mittelalterlichen Kirchen und traditionellen Dorfbauten, die den touristischen Charme und die pommersche Geschichte widerspiegeln. Das markanteste Merkmal ist die Bäderarchitektur der Gründerzeit (um 1870  bis 1914), ein eklektischer Stil, der Elemente aus Klassizismus, Historismus, Jugendstil, Neorenaissance und Neogotik vereint – oft mit weißen Fassaden, reich verzierten Holzveranden, Loggien, Türmchen, Balkonen und Dreiecksgiebeln. Sie entstand mit dem Boom der Seebäder und ist in dieser Dichte weltweit einzigartig, vor allem in den drei Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin sowie in Zinnowitz. Viele Villen und Hotels wurden nach 1990 saniert und stehen unter Denkmalschutz; Neubauten orientieren sich oft daran, um den Charme zu erhalten.

Besonders prägend sind die Wolgaster Holzhäuser, frühe Fertighäuser aus der Wolgaster Actien-Gesellschaft (ab 1868), die als Chalets in Schweizer oder nordischem Stil gebaut wurden. Die längste Strandpromenade Europas (über 12 km von Bansin bis Świnoujście) verbindet diese Ensembles und lädt zu Spaziergängen ein. Jährliche Veranstaltungen wie die „Woche der Bäderarchitektur“ in den Kaiserbädern mit Führungen und Vorträgen feiern diesen Stil.

Im Kontrast dazu stehen die mittelalterlichen Dorfkirchen aus Feld- und Backstein (13. bis 15. Jahrhundert), wie in Benz (mit umgekehrtem Kirchenschiff), Koserow, Liepe oder der Marienkirche in der Stadt Usedom. Diese gotischen Bauten mit ihren Türmen und Glockenstühlen prägen das Hinterland und dienen heute oft als Konzertorte. Im polnischen Teil (Świnoujście) setzt sich die Bäderarchitektur fort, ergänzt durch maritime Elemente wie Leuchttürme und moderne Promenadenbauten.

Bildende Kunst

Die bildende Kunst auf der Insel Usedom ist stark von der einzigartigen Ostseelandschaft, dem besonderen Licht und der natürlichen Schönheit inspiriert, die seit dem frühen 20. Jahrhundert Künstler anzieht. Obwohl Usedom keine formelle Künstlerkolonie wie das nahe Ahrenshoop entwickelte, entstand besonders nach dem Zweiten Weltkrieg ein informeller Künstlerkreis um den Maler Otto Niemeyer-Holstein (1896–1984), der als bedeutendster Künstler der Region gilt. Sein Refugium Lüttenort (zwischen Koserow und Zempin) wurde zum Treffpunkt für Maler wie Herbert Wegehaupt, Otto Manigk und Oskar Manigk – ein Ort, an dem Kunst, Natur und Gartenarchitektur verschmelzen. Das erhaltene Atelier mit Skulpturengarten (unter anderem Werke von Wieland Förster und Jo Jastram) ist heute ein beliebtes Museum und Symbol für die Inselkunst.

Frühere Einflüsse reichen bis zu Künstlern wie Lyonel Feininger, der die Benzer Kirche mehrfach malte und dessen Werke im Kunst-Kabinett Usedom ausgestellt werden. Die bildende Kunst umfasst vor allem Malerei (Landschaften, Ostseemotive), Grafik, Skulptur, Plastik und Keramik. Viele Werke sind gegenständlich und naturverbunden, oft mit impressionistischen oder expressionistischen Elementen.

Heute blüht die Szene in zahlreichen Galerien und Ateliers: Der Kunstpavillon Heringsdorf (betreut vom Usedomer Kunstverein) zeigt Malerei, Grafik und Plastik regionaler Künstler. In Zinnowitz laden das Usedomer Kunsthaus Villa Meyer (vom Künstlerehepaar Brigitte und Reinhard Meyer) und das Refugium Kunst am Meer zu wechselnden Ausstellungen ein. Weitere Highlights sind die Galerie Köpp in Ahlbeck, das Hans Werner Richter-Haus in Bansin und private Ateliers wie der Kunsthof in Katschow. Veranstaltungen wie KunstOffen öffnen Ateliers islandweit, und Pleinair-Malerei (zum Beispiel im Atelier Niemeyer-Holstein) zieht internationale Künstler an.

Auf dem polnischen Teil (Świnoujście) ist die bildende Kunst weniger prominent dokumentiert, doch die grenzüberschreitende Lage fördert Austausch. Insgesamt macht die bildende Kunst Usedom zu einem Ort kreativer Inspiration: Galerien und Museen verbinden historische Tradition mit zeitgenössischer Vielfalt und laden Touristen ein, Kunst inmitten der Natur zu erleben.

Literatur

Die Insel inspirierte zahlreiche Schriftsteller als Ort der Erholung, Reflexion und Kreativität. Schon im 19. Jahrhundert beschrieb Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ (1863) die pommersche Landschaft und Gastfreundschaft Usedoms. Maxim Gorki kurte 1922 in Heringsdorf (Villa Irmgard, heute Museum) und diskutierte mit Leo Tolstoi. Thomas Mann vollendete 1924 in Bansin seinen Roman „Der Zauberberg“. Christa Wolf verarbeitete in Werken wie „Kindheitsmuster“ und „Sommerstück“ ihre Sommeraufenthalte und Kindheitserinnerungen.

Der bekannteste „Sohn“ der Insel ist Hans Werner Richter (1908 in Bansin geboren), Gründer der einflussreichen Gruppe 47. In Romanen wie „Geschichten aus Bansin“ oder „Spuren im Sand“ schilderte er das Leben einfacher Fischerfamilien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Nachlass ist im Hans-Werner-Richter-Haus in Bansin ausgestellt, einem kleinen Literaturmuseum mit Bibliothek und Ausstellungen. Weitere Autoren wie Wilhelm Meinhold (mit „Maria Schweidler, die Bernsteinhexe“) oder zeitgenössische wie Uwe Kolbe („Mein Usedom“) und regionale Krimi-Autoren (zum Beispiel Elke Pupke) knüpfen an pommersche Traditionen an.

Heute lebt die literarische Szene vor allem durch die Usedomer Literaturtage (seit 2009), ein jährliches Frühlingfestival in den Kaiserbädern und Zinnowitz. Es präsentiert internationale Autoren, Lesungen mit Meerblick und brennende Themen. Höhepunkt ist die Verleihung des Usedomer Literaturpreises (5.000 Euro plus Aufenthalt), der den europäischen Dialog fördert – Preisträger waren unter anderem Olga Tokarczuk, Sofi Oksanen und 2025 Szczepan Twardoch. Das Festival knüpft bewusst an die Tradition von Fontane, Gorki, Mann und Richter an und macht Usedom zu einer Brücke zwischen deutscher und polnischer Literatur.

Theater

Theater hat auf der Insel Usedom eine lange Tradition, die eng mit der Kur- und Bäderkultur verknüpft ist und heute vor allem durch professionelle Freilichtbühnen, Gastspiele und Kleinkunst geprägt wird. Die wohl bekannteste und beliebteste Bühne ist die Vorpommersche Landesbühne Anklam mit ihrer Sommerfiliale, den Vineta-Festspielen in Zinnowitz. Seit 1996 wird auf der Freilichtbühne „Blechbüchse“ am Strandvorplatz jährlich ein großes Musical oder Theaterstück inszeniert, das an die versunkene Legendenstadt Vineta anknüpft – darunter Klassiker wie „Der kleine Prinz“, „Anatevka“, „Der Name der Rose“ oder „Die Päpstin“. Die Open-Air-Aufführungen vor bis zu 1.500 Zuschauern nutzen die natürliche Kulisse von Ostsee und Sonnenuntergang und ziehen in der Saison Tausende Besucher an.

Die Chapeau Rouge Freilichtbühne in Koserow (seit 2002) bietet ein abwechslungsreiches Programm mit Theater, Kabarett, Konzerten und Kinderstücken. Die intime Atmosphäre unter freiem Himmel und die Nähe zum Streckelsberg machen sie zu einem Geheimtipp für anspruchsvolle Unterhaltung. In den Kaiserbädern Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin finden regelmäßig Gastspiele statt: Die Theater Vorpommern (aus Greifswald/Stralsund) bringen Schauspiel, Operette und Musical in die Konzertsäle oder auf temporäre Bühnen. Heringsdorf verfügt zudem über das Kaiserbäder Theater als Kleinkunstbühne mit Kabarett, Lesungen und Comedy.

Im polnischen Teil (Świnoujście) ergänzt das städtische Kulturzentrum MDM Theater- und Tanzvorstellungen, oft mit grenzüberschreitenden Kooperationen. Historisch reicht die Theatertradition bis in die Kaiserzeit zurück, als Kurorchester und Salonensembles in den Villen auftraten; heute leben diese Impulse in den zahlreichen Sommerfestspielen fort.

Film

Die Insel dient dank ihrer malerischen Ostseelandschaften, der einzigartigen Bäderarchitektur und der abwechslungsreichen Naturkulisse regelmäßig als Drehort. Die Location Usedom steht häufig im Fokus von TV- und Filmkameras, wobei die Usedom Tourismus GmbH (UTG) eine zentrale Koordinationsstelle darstellt. Sie arbeitet eng mit Produktionsteams zusammen und bietet eine professionelle „Rundumbetreuung aus einer Hand“ – von Genehmigungen über Locationscouting bis zur Unterstützung bei Unterkünften und Logistik. Dadurch wird Usedom für Filmcrews zu einem attraktiven und unkomplizierten Drehort.

Die bisher größten Produktionen sind vor allem Krimiserien: Die ARD-Reihe „Usedom-Krimi“ (seit 2013) mit Katrin Sass als Karin Lossow ist die bekannteste und erfolgreichste. Die Folgen nutzen die Kaiserbäder, Peenemünde, Zinnowitz und das Achterwasser als Kulisse und ziehen Millionen Zuschauer an. Ebenso populär ist die ZDF-Serie „Hermann – Ein Usedom-Krimi“ mit Rüdiger Joswig. Weitere bekannte Formate sind „SOKO Wismar“-Folgen, die teilweise auf Usedom gedreht wurden, sowie Tatort-Episoden und einzelne Fernsehfilme wie „Die Inselärztin“ oder „Kreuzfahrt ins Glück“.

Auch Kinofilme haben die Insel entdeckt: Szenen aus „Die Pfefferkörner und der Fluch des schwarzen Königs“ (2017) oder „Ostwind – Aris Ankunft“ (2019) entstanden hier. Historische Produktionen wie „Die Gustloff“ (2008) nutzten den Hafen von Świnoujście und Peenemünde. Die ehemalige Heeresversuchsanstalt Peenemünde dient oft als düstere Kulisse für Kriegs- und Spionagegeschichten.

Durch die Dreharbeiten profitiert die Insel wirtschaftlich und touristisch: Viele Zuschauer reisen den Schauplätzen nach, was den „Film-Tourismus“ ankurbelt – Führungen zu Drehorten oder spezielle Krimi-Wanderungen sind beliebt. Die UTG führt einen Rückblick über vergangene Produktionen und vermarktet Usedom aktiv als Filmstandort.

Musik und Tanz

Die Insel gilt als eine der musikreichsten Regionen Mecklenburg-Vorpommerns: Zahlreiche Kirchen, Konzertsäle und Open-Air-Bühnen bieten das ganze Jahr über ein breites Spektrum von Klassik über Jazz bis zu Volksmusik und modernen Genres. Das Herzstück ist die Klassikszene der Usedomer Musikfestivals. Das internationale Usedomer Musikfestival (seit 1994) findet jährlich im September/Oktober statt und widmet sich jeweils einem Gastland oder einer Region (unter anderem Baltikum, Skandinavien und Polen). Weltstars wie Anne-Sophie Mutter, Daniel Barenboim oder die Wiener Philharmoniker traten bereits in den Kaiserbädern, Peenemünde oder Ahlbeck auf. Konzerte finden in historischen Kirchen (zum Beispiel Heringsdorf, Benz) und der Kraftwerkhalle Peenemünde statt. Ergänzt wird dies durch das Klassik Open Air oder das Festival junger Künstler, das Nachwuchs fördert.

Die drei Kaiserbäder verfügen über eigene Konzerthäuser: Die Konzertmuschel Heringsdorf, die Kurmuschel Ahlbeck und die Muschel Bansin sind Wahrzeichen der Bäderarchitektur und bieten in der Saison täglich Kurkonzerte – von Blasmusik und Salonorchestern bis zu Big Bands und Chören. Viele Ensembles wie das Kaiserbäder Blasorchester oder die Philharmonie Vorpommern spielen regelmäßig auf. Jazzfans kommen beim Jazz an der See oder im Jazzclub Heringsdorf auf ihre Kosten.

Volksmusik und Tanz haben pommersche und slawische Wurzeln. Plattdeutsche Lieder, Shanties und Seemannslieder erklingen bei Hafenfesten oder in Räuchereien. Auf dem polnischen Teil (Świnoujście) mischen sich polnische Volksmusik und moderne Festivals wie das FAMA-Festival (Jugendkultur mit Musik und Tanz). Traditioneller Tanz wird in Volkstanzgruppen gepflegt; in den Seebädern gibt es Tango-Abende am Strand, Salsa-Kurse oder Linedance-Events.

In den Kirchen finden ganzjährig Orgelkonzerte statt – die Insel besitzt mehrere historische Instrumente, zum Beispiel in Koserow oder Zinnowitz. Moderne Musik ist durch Open-Air-Konzerte (zum Beispiel „Stars am Strand“) und Clubs in Świnoujście vertreten.

Kleidung

Historisch war die Insel stark von der Landwirtschaft, Fischerei und dem Handwerk geprägt, was sich auch in der Alltagskleidung zeigte. Die Menschen trugen robuste und wetterfeste Kleidung, die sie vor Wind, Regen und Kälte schützte. Dazu gehörten Leinen- oder Wollstoffe, weite Hosen oder Röcke und feste Schuhe. In den Fischerdörfern waren wetterfeste Mäntel, Mützen und Schürzen typische Kleidungsstücke, die sowohl funktional als auch einfach herzustellen waren.

Die traditionelle Tracht auf Usedom unterscheidet sich je nach Ort und sozialem Stand. Für festliche Anlässe trugen die Männer oft Hosen aus Leinen oder Wolle, Hemden mit bestickten Krägen, Westen und manchmal Hüte, während die Frauen lange Röcke, Schürzen, Blusen und bestickte Mieder kombinierten. Besonders bei festlichen Gelegenheiten wurden Trachtenschmuck, Hauben oder Bänder getragen, die den sozialen Status oder den Familienstand anzeigen konnten. Die Farben der Tracht waren meist gedämpft und naturfarben, während für festliche Kleidung kräftige Farben und Stickereien verwendet wurden.

Mit dem Aufkommen des Fremdenverkehrs im 19. und 20. Jahrhundert veränderte sich die Kleidung auf Usedom zunehmend. Die traditionelle Tracht wurde seltener im Alltag getragen und ist heute vor allem bei Kulturevents, Heimatfesten und touristischen Veranstaltungen zu sehen. Gleichzeitig hat die Nähe zu den Seebädern den Einfluss der modernen Freizeit- und Urlaubsmode verstärkt: Strandkleidung, leichte Sommerkleider, Pullover und funktionale Outdoor-Bekleidung prägen heute den Alltag.

Heute wird die traditionelle Tracht auf Usedom gepflegt und in Museen, bei Festen oder in der regionalen Trachtenpflege gezeigt. Sie gilt als wichtiger Teil der kulturellen Identität der Insel und erinnert an die historische Lebensweise der Menschen in dieser Region, die eng mit Meer, Fischerei und Landwirtschaft verbunden war.

Kulinarik und Gastronomie

Usedom wird oft als „Fischinsel“ bezeichnet, da der Fang aus Ostsee, Peenestrom und Achterwasser das Herzstück vieler Speisekarten bildet: Geräucherter Aal, Hering, Dorsch, Zander und Flunder landen direkt von den Kuttern in den Räuchereien und Restaurants. Traditionsreiche Fischräuchereien wie in Freest, Koserow oder Kölpinsee räuchern nach alten Rezepten und verkaufen ihre Ware in Hofläden – ein Muss für Besucher.

Regionale Spezialitäten reichen von Sanddorn-Produkten (Säfte, Marmeladen, Liköre – die orange Beere wächst wild an der Küste und gilt als Vitamin-C-Bombe) über Wild aus den Inselwäldern bis zu Kartoffeln und Rüben aus den wenigen landwirtschaftlichen Betrieben. Pommersche Klassiker wie Labskaus, Rügener Rippenbraten oder Pfefferkuchen finden sich ebenso wie leichte Strandküche mit Salaten und Meeresfrüchten. In den letzten Jahren hat sich eine junge, kreative Szene etabliert: Sterne- und Gourmetrestaurants wie das „Freustil“ in Freest oder das „Küssin“ in Zinnowitz kombinieren regionale Zutaten mit moderner Küche und erhalten Auszeichnungen.

Die Gastronomie ist stark touristisch orientiert: In den Kaiserbädern (Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin – teils polnisch) reihen sich elegante Promenadenrestaurants, Cafés in Bäderarchitektur-Villen und Fischbrötchenstände aneinander. Zinnowitz und Koserow bieten gemütliche Strandkörbe mit Service, während das Hinterland urige Gasthöfe und Hofcafés mit selbstgebackenem Kuchen bereithält. Auf dem polnischen Teil (Świnoujście) ergänzen polnische Spezialitäten wie Bigos, Pierogi oder frischer Ostseefisch die Auswahl, oft zu günstigeren Preisen.

Viele Betriebe setzen auf Nachhaltigkeit und Regionalität – „Usedomer Genuss“-Initiativen verbinden Erzeuger, Räuchereien und Köche. Saisonale Highlights sind Fischfeste, Sanddorn-Tage oder Kulinarik-Events wie die „Usedomer Fischwochen“. Insgesamt verbindet die Gastronomie auf Usedom Tradition mit Frische und Vielfalt.

Festkultur

In den beiden Teilen der Insel gelten die jeweiligen Landesfeiertage. Für beide gelten:

  • Neujahr (1. Januar)
  • Internationaler Frauentag (8. März)
  • Karfreitag (beweglich)
  • Ostersonntag (beweglich)
  • Ostermontag (beweglich)
  • Tag der Arbeit (1. Mai)
  • Christi Himmelfahrt (beweglich)
  • Pfingstsonntag (beweglich)
  • Pfingstmontag (beweglich)
  • Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober)
  • Reformationstag (31. Oktober)
  • 1. Weihnachtstag (25. Dezember)
  • 2. Weihnachtstag (26. Dezember)

Medien

Im eutschen Teil dominieren regionale Print- und Online-Medien aus Mecklenburg-Vorpommern, die lokale Nachrichten, Veranstaltungen und touristische Themen abdecken. Es gibt keine eigenständige Inselzeitung, stattdessen berichten Lokalredaktionen großer Regionalzeitungen intensiv über Usedom.

Die wichtigste Quelle ist die Ostsee-Zeitung (OZ) mit einer dedizierten Lokalredaktion in Zinnowitz, die täglich über Ereignisse auf der Insel berichtet – von Politik und Wirtschaft bis zu Kultur und Tourismus. Die OZ hat eine polnische Online-Ausgabe gestartet, um grenzüberschreitend zu informieren und Informationslücken zu schließen. Ergänzend erscheint der Nordkurier mit umfangreicher Berichterstattung über Usedom, oft mit Fokus auf aktuelle Entwicklungen und Leserbriefe. Touristisch orientiert ist das Magazin Usedom aktuell der Nordkurier-Mediengruppe, das mehrmals jährlich als Veranstaltungs- und Ausflugsplan mit Reportagen, Inselkarte und Freizeittipps herauskommt.

Amtliche Bekanntmachungen veröffentlicht das monatliche Usedomer Amtsblatt (herausgegeben von LINUS WITTICH Medien), das kostenlos an Haushalte im Amt Usedom-Süd verteilt wird und lokale Verwaltungsthemen abdeckt. Fernsehen und Radio sind regional. Der NDR berichtet aus seinem Studio Vorpommern, und es gab früher Erwähnungen eines Usedom TV als Regionalfernsehen, das jedoch keine dominante Rolle mehr spielt.

Auf dem polnischen Teil (Świnoujście) dominieren nationale und regionale polnische Medien wie der Kurier Szczeciński, der gelegentlich über die Grenzregion berichtet. Lokale Nachrichten aus Świnoujście erscheinen in städtischen Portalen oder regionalen Ausgaben größerer polnischer Zeitungen.

Kommunikation

Für den deutschen Teil gelten folgende Ortsvorwahlen (Auswahl):

  • 038375 – Heringsdorf, Ahlbeck, Bansin
  • 038372 – Zinnowitz
  • 038371 – Wolgast (Tor zur Insel)
  • 038373 – Koserow, Loddin
  • 038370 – Usedom (Stadt), Liepe


Die Ländervorwahl für Deutschland ist 0049. Wird aus dem Ausland nach Usedom telefoniert, lässt man die führende 0 der Ortsvorwahl weg. Für Świnoujście gilt die Vorwahl 0(048)91. Alle großen deutschen Mobilfunkanbieter (Telekom, Vodafone, Telefónica/O2) sind auf Usedom vertreten. In ländlicheren Bereichen kann es vereinzelt zu schwächerem Empfang kommen, insgesamt ist die Versorgung jedoch gut.

Sport

Das Sportgeschehen auf der Insel Usedom ist stark vom Tourismus, der Ostseelage und der naturräumlichen Vielfalt geprägt – Wasser-, Strand- und Outdoorsportarten dominieren deutlich. Die Insel bietet ein breites Spektrum, das sowohl Freizeit- und Familiensport als auch Leistungssport umfasst.

Wassersport steht im Zentrum: Segeln, Surfen (Windsurfen und Kitesurfen), Stand-up-Paddling und Kajakfahren sind besonders beliebt. Das Achterwasser und der Peenestrom bieten ruhige Gewässer für Anfänger, während die offene Ostsee vor Zinnowitz, Koserow und den Kaiserbädern gute Bedingungen für Fortgeschrittene bietet. Es gibt zahlreiche Surf- und Segelschulen, zum Beispiel in Zinnowitz, Heringsdorf und Kamminke. Tauchen ist möglich, vor allem im Bereich der ehemaligen Peenemünder Versuchsanstalten (Wracks und Unterwasserhistorie). Im Winter zieht das Eissegeln und Winterschwimmen („Eisbaden“) in der Swine und am Achterwasser eine kleine, aber engagierte Szene an.

Strand- und Ballsportarten sind im Sommer allgegenwärtig. Beachvolleyball- und Beachfußballfelder stehen an fast jedem größeren Strandabschnitt, besonders in Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Jedes Jahr finden große Turniere statt, darunter das internationale Beachvolleyball-Turnier der Kaiserbäder und die Usedom Beach Soccer Championship. Der breite Sandstrand eignet sich hervorragend für Strandläufe, Drachenfestivals und Sandburgenbauen-Wettbewerbe.

Radsport und Laufsport profitieren vom gut ausgebauten Wegenetz (über 650 km Radwege). Die „Usedomer Achterwasser-Runde“ und die Strecke entlang der Küste gehören zu den beliebtesten Radtouren. Jährliche Veranstaltungen wie der Usedom-Marathon (Start in Świnoujście, Ziel in Bansin), der Nordic-Walking-Tag und verschiedene Radrennen (unter anderem „Rund um Usedom“) ziehen Tausende Teilnehmer und Zuschauer an. Der Streckelsberg in Koserow ist ein beliebtes Ziel für Trailrunning und Nordic Walking.

Leistungssport hat eine besondere Tradition in Peenemünde: Der SV Motor Wolgast-Peenemünde und andere Vereine fördern Kanu, Rudern und Segeln. Besonders erfolgreich ist der Nachwuchs im Kanurennsport und Windsurfen. In den Kaiserbädern gibt es traditionsreiche Segel- und Tennisclubs, deren Anlagen auch von Gästen genutzt werden.

Weitere Sportarten wie Reiten (zum Beispiel Reiterhof Pudagla), Golf (Platz in Karnin), Bogenschießen, Klettern (Kletterpark Koserow) und Fitnessstudios runden das Angebot ab. In der kalten Jahreszeit gewinnen Hallensportarten (Tischtennis, Badminton, Turnen) und das Eisstadion in Świnoujście an Bedeutung.

Persönlichkeiten

Die wichtigsten von der Insel Usedom stammenden Persönlichkeiten sind:

  • Klaus Störtebeker (um 1360 bis 1401), legendärer Seeräuber (Vitalienbruder), der der Überlieferung nach auch im Ostseeraum um Usedom aktiv war
  • Otto Lilienthal (1848 bis 1896), Flugpionier und Ingenieur; führte bedeutende Gleitflugversuche durch und gilt als Wegbereiter der modernen Luftfahrt
  • Lyonel Feininger (1871 bis 1956), Maler und Grafiker; wirkte zeitweise auf Usedom, seine Werke sind eng mit der Küstenlandschaft verbunden
  • Max Schmeling (1905 bis 2005), Boxer, Schwergewichts-Weltmeister, geboren in Klein Luckow (heute Teil der Region Usedom)
  • Hans Werner Richter (1908 bis 1993), Schriftsteller; Gründer der „Gruppe 47“, einer einflussreichen Vereinigung deutschsprachiger Autoren, geboren in Bansin

Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr auf Usedom spielt eine zentrale Rolle für die Insel und ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren. Usedom zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen Deutschlands und wird vor allem wegen seiner langen Sandstrände, der Seebäderarchitektur, der vielen Sonnenstunden und der abwechslungsreichen Natur geschätzt. Touristen kommen sowohl im Sommer zum Baden und Erholen als auch außerhalb der Hauptsaison für Wellness-, Aktiv- oder Natururlaub.

Mit den Ostseebädern Karlshagen, Trassenheide, Zinnowitz, Zempin, Koserow, Kölpinsee, Ückeritz und den drei Kaiserbädern (Heringsdorf, Bansin und Ahlbeck) auf deutscher Seite sowie Swinemünde (polnisch Świnoujście) in Polen besitzt die Insel eine große Bedeutung für den Fremdenverkehr beider Länder. Neben den Sandstränden an der Ostsee lockt vor allem auch die Bäderarchitektur viele Besucher an die Küste. In den zuvor genannten Orten befinden sich Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze.

Hinzu kommen Freizeiteinrichtungen wie Meerwasserbäder, eine Schmetterlingsfarm (Trassenheide), Bauernhöfe und Handwerksbetriebe (Strandkorbmanufaktur Heringsdorf), Kletterparks, Museen sowie etliche Kultur- und Kinderangebote.

Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr sind neben den Bernsteinbädern, Kaiserbädern und den anderen Badeorten an der Ostsee die auf der Insel gelegenen Binnenseen (Süßwasserseen) wie Schmollensee, Gothensee oder Wolgastsee.

Im Hinterland befinden sich die Kleinstadt Usedom, Dörfer mit Schlössern (Mellenthin, Schloss Stolpe), reetgedeckten Häusern, Salzhütten und Windmühlen (Benz, Pudagla, Trassenheide, Kamminke), die alte Hubbrücke Karnin, die Halbinseln Lieper Winkel und Gnitz, die das Achterwasser einrahmen, sowie Peenemünde. Beliebt sind Fahrradtouren auf der Insel, sowohl im Hinterland (entlang des Achterwassers) als auch an der Küste.

Die Insel ist darum bemüht, den Tourismus der Vor- und Nachsaison mit Unterstützung von EU-Fördermitteln aus dem ELER-Programm zu beleben. Den Urlauber erwarten an der sogenannten Pommerschen Riviera mehr als 35 km feiner Sandstrand, der sich ununterbrochen von Peenemünde bis Ahlbeck in die Länge hinzieht. Auf mehr als 100 km Randwanderwegen und mehr als 400 km ausgeschilderten Wanderwegen kann man die schöne Insellandschaft erkunden. Typisch für sie sind die vielen Einbuchtungen, Halbinseln, Endmoränen und Seen.

Die Unterbringungsmöglichkeiten auf Usedom sind sehr vielfältig und auf unterschiedliche Bedürfnisse ausgerichtet. In den bekannten Seebädern wie Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin gibt es zahlreiche Hotels, von einfachen Pensionen bis hin zu luxuriösen Wellness- und Strandhotels. Darüber hinaus bieten Ferienwohnungen und Ferienhäuser eine flexible und familienfreundliche Unterkunftsform, die besonders bei längeren Aufenthalten beliebt ist. Auch Campingplätze sowie Jugendherbergen stehen zur Verfügung und sprechen vor allem preisbewusste Gäste und junge Reisende an.

Literatur

Reiseberichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

Usedom Reiseportal = https://usedom.de/

Usedom Tourismus = https://www.insel-usedom.info/

Forum

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