Marie-Galante (Mawigalant)

Aus Insularium
Version vom 27. Dezember 2025, 08:17 Uhr von Insularium (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „Marie-Galante ist die kleine Schwester der französischen Antilleninsel Guadeloupe. Das Leben läuft hier etwas gemächlicher ab. Die kreisrunde Runde ist bekannt für ihre unzähligen Windmühlen, die einst zum Zuckerrohrpressen verwendet wurden. {{Inselsteckbrief|offizieller Name=Marie-Galante|alternative Bezeichnungen=Touloukaera (arawak), Aïchi, auch Haichi oder Aulinagan (kalinago), Santa María la Galante, Maria Galanda, Marigalante, Santa María…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Marie-Galante ist die kleine Schwester der französischen Antilleninsel Guadeloupe. Das Leben läuft hier etwas gemächlicher ab. Die kreisrunde Runde ist bekannt für ihre unzähligen Windmühlen, die einst zum Zuckerrohrpressen verwendet wurden.

Inselsteckbrief
offizieller Name Marie-Galante
alternative Bezeichnungen Touloukaera (arawak), Aïchi, auch Haichi oder Aulinagan (kalinago), Santa María la Galante, Maria Galanda, Marigalante, Santa María Galante, Santa María de la Inmaculada Concepción, Marigalante (1493), L’Île aux cent moulions, La Grande Galotte (poetisch), Mawigalant, Marigalant (kreolisch)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp echte Insel
Inselart vulkanische Insel
Gewässer Karibisches Meer (Mer des Caraïbes), Atlantischer Ozean (Océan Atlantique)
Inselgruppe Kleine Antillen (Petites Antilles)
politische Zugehörigkeit Staat: Republik Frankreich (République française)
Region bzw. Provinz: Guadeloupe (Région / Departement d’outre mer de Guadeloupe)
Gliederung 3 communes (Gemeinden)
Status Kanton (canton)
Koordinaten 15°56‘ N, 61°15‘ W
Entfernung zur nächsten Insel 23,5 km (Terre-de-Haut / Îles de la Petite Terre)
Entfernung zum Festland 573 m (Punta de Dragon / Venezuela)
Fläche 158,01 km² / 61 mi²
geschütztes Gebiet 31,67 km² / 12,23 mi² (20,0 %)
maximale Länge 15,4 km (N-S)
maximale Breite 15,2 km (W-O)
Küstenlänge 84 km
tiefste Stelle 0 m (Karibisches Meer / Atlantischer Ozean)
höchste Stelle 204 m (Mabouya / Morne Constant)
relative Höhe 204 m
mittlere Höhe 52 m
maximaler Tidenhub 0,5 bis 0,6 m (Grand-Bourg 0,5 m)
Zeitzone HNA (Heure normale de l’Atlantique / Atlantic Standard Time / Atlantik-Standardzeit, UTC-4)
Realzeit UTC minus 4 Stunden 5 bis 6 Minuten
Einwohnerzahl 10.422 (2022)
Dichte (Einwohner pro km²) 65,69
Inselzentrum Grand-Bourg


Name

In der präkolumbischen Zeit war die Insel von indigenen Völkern besiedelt: Zuerst von den Arawak, die sie Touloukaera nannten (möglicherweise bezogen auf „Insel der Krabben“ oder eine lokale Bezeichnung), und später von den Kariben (Kalinago), die den Namen Aïchi, auch Haichi oder Aulinagan, „Land des Baumwollbaums“, verwendeten. Diese Bezeichnungen spiegelten die natürliche Umwelt wider – reiche Gewässer, Baumwolle und fruchtbare Böden – und waren tief in der animistischen Kultur der Ureinwohner verwurzelt. Mit der Kolonisierung gingen diese Namen weitgehend verloren, erleben aber heute in der kreolischen Identitätsbewegung eine Renaissance. Im guadeloupischen Kreol (Krèyol Gwadloup) wird die Insel oft Mawigalant oder Marigalant genannt, eine phonetische Anpassung für den Alltag.

Der moderne Name entstand am 3. November 1493, als Christoph Kolumbus während seiner zweiten Reise die Insel sichtete und in der Bucht Anse Ballet (heute in Grand-Bourg) anlandete. Er benannte sie nach seinem Flaggschiff, das in zeitgenössischen Quellen als Santa María la Galante, Maria Galanda, Marigalante oder Santa María Galante erscheint. Galante bedeutet „galant, elegant“ oder „anmutig“ und war ein ehrenvoller Beiname für die Jungfrau Maria, die als Schutzpatronin der Seefahrer galt. Kolumbus' Schiff selbst hieß offiziell La Gallega ("die Galicierin", nach seinem Herkunftsort) oder Santa María de la Inmaculada Concepción, doch die Crew gab ihm den Spitznamen Marigalante. Diese Namensgebung folgte der Tradition spanischer Entdecker, neue Territorien religiös zu weihen und den christlichen Anspruch zu markieren.

Obwohl die Insel zunächst spanisch beansprucht wurde, blieb sie aufgrund des Widerstands der Kariben unkolonisiert. Erst mit der französischen Besiedlung ab 1648 etablierte sich die Schreibweise Marie-Galante (mit Bindestrich), die den Namen der französischen Sprache anpasste und bis heute offiziell gilt. Die französische Herrschaft ab 1674 (mit Unterbrechungen durch britische Besetzungen) festigte diese Form.

Die Spitznamen der Insel ergänzen die Namensgeschichte: L'île aux cent moulins, "die Insel der hundert Mühlen", entstand im 19. Jahrhundert durch die über 100 Windmühlen der Zuckerrohr-Ära (heute etwa 72 erhalten), und La Grande Galotte, "die große Galette" (Galette ist ein flacher, runder Kuchen oder Pfannkuche), bezieht sich auf die kreisförmige, flache Topografie der Insel. Der Spanier bezeichneten sie wegen der auffälligen runden Form auch als Sombrero.

  • international:  Marie-Galante
  • amharisch:  ማሪ ጋላንት [Mari Galant]
  • arabisch:  ماري غالانت [Mārī Ghālānṭ / Maːriː ɣaːlaːnt]
  • armenisch:  Մարի Գալանտ [Mari Galant]
  • bengalisch:  মারি-গালাঁত [Māri-Gālāṁta]
  • birmanisch:  မာရီ ဂလန့် [Mari Galant / Məɹì ɡəlæ̃ʔ]
  • bulgarisch:  Мари-Галант [Mari-Galant]
  • chinesisch:  玛丽-加朗特 [Mǎlì-Jiālǎngtè]
  • georgisch:  მარი-გალანტი [Mari-Galant’i]
  • griechisch:  Μαρί-Γκαλάντ [Marí-Gkalánt]
  • gudscheratisch: મારી-ગલાન્ત [Mārī-Galānta]
  • hebräisch:  מארי-גלנט [Mari-Galant]
  • hindi:  मारी-गलांट [Mārī-Galāṁṭ]
  • japanisch:  マリー=ガラント [Marī Garanto]
  • kambodschanisch: ម៉ារី ហ្គាឡង់ [Maːɾiː ɡaːlaŋ]
  • kanaresisch:  ಮಾರಿ-ಗಲಾಂಟ್ [Māri-Galāṁṭ]
  • kasachisch:  Мари-Галант [Mari-Galant]
  • koreanisch:  마리갈랑트 [Mari Gallangteu]
  • laotisch:  ມາຣີ ກາລັງ [Māri Kālang / Maːɾiː kaːlaŋ]
  • lateinisch:  Maria Galanda
  • lettisch:  Marī-Galante
  • litauisch:  Mari-Galantas
  • makedonisch:  Мари-Галант [Mari-Galant]
  • malayalam:  മാരി-ഗലാന്റ് [Māri-Galānṯ]
  • maldivisch:  މާރީ ގަލަންޓް [Mārī Galanṭ]
  • marathisch:  मारी-गलांत [Mārī-Galānta]
  • nepalesisch:  मारी-गलान्ट [Mārī-Galānṭ]
  • orissisch:  ମାରି-ଗଲାଣ୍ଟ [Māri-Galāṇṭa]
  • pandschabisch: ਮਾਰੀ-ਗਲਾਂਤ [Mārī-Galāṁt]
  • paschtunisch:  ماري ګالانټ [Mārī Gālāṇṭ]
  • persisch:  ماری گالانت [Mārī Gālānt]
  • russisch:  Мари-Галант [Mari-Galant]
  • serbisch:  Мари-Галант [Mari-Galant]
  • singhalesisch: මාරි-ගලන්ට් [Māri-Galanṭ]
  • tamil:  மாரி-கலான்ட் [Māri-Kalāṇṭ]
  • telugu:  మారీ-గలాంట్ [Mārī-Galāṁṭ]
  • thai:  มารี-กาล็องต์ [Mārī Kālǭng / Maːɾiː kaːlɔ̂ŋ]
  • tibetisch:  མ་རི་ག་ལནྟེ [Ma ri ga lan te]
  • ukrainisch:  Марі-Галант [Mari-Halan]
  • urdu:  ماری گلانٹ [Mārī Galāṇṭ]
  • weißrussisch:  Мары-Галант [Mary-Galant]


Offizieller Name:  Marie Galante

  • Bezeichnung der Bewohner:  Marie-Galantais (Marie-Galanter)
  • adjektivisch: marie-galantais (marie-galanter)


Kürzel:

  • Code:  MG / MGL
  • Kfz:  -
  • SIREN-Code:  249710047
  • ISO-Code:  GP-MG

Lage

Marie Galante liegt im nördlich zentralen Bereich der kleinen Antillen, unmittelbar südöstlich von Guadeloupe auf durchschnittlich 15°56‘ n.B. und 61°15‘ w.L.. Die Insel liegt 26 km südlich von Sainte-Anne und 43 km südöstlich von Pointe-à-Pitre.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  16°00‘40“ n.B. (Grosse Pointe)
  • südlichster Punkt:  15°52‘04“ n.B. (Pointe des Basses)
  • östlichster Punkt:  61°11‘24“ w.L. (Pointe de Tali)
  • westlichster Punkt:  61°19‘56“ w.L. (Pointe de Folle Anse)


Entfernungen:

  • Terre-de-Haut / Îles de la Petite Terre  23,4 km
  • Terre-de-Haut / Î
  • les des Saintes  25,4 km
  • Grande-Terre / Guadeloupe  26,7 km
  • Basse-Terre / Duadeloupe  26,8 km
  • Dominica  28,7 km
  • La Désirade  36,9 km
  • Pointe à Pitre  43 km
  • Marinique  111 km
  • Saint Lucia  199 km
  • Punta Peñas / Venezuela  573 km

Zeitzone

Auf Marie Galante gilt die Heure Standard de l’Atlantique bzw. Atlantic Standard Time (Atlantische Standard-Zeit), abgekürzt HSA bzw. AST (AZ), 5 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit, UTC-4). Die Realzeit liegt um  4 Stunden und 5 bis 6 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).

Fläche

Die Insel Marie Galante hat eine Fläche von 158,01 km² bzw. 61 mi². Von Norden nach Süden zwischen Grosse Pointe und Pointe des Basses durchmisst sie 15,4 km, von Osten nach Westen zwischen Pointe de Tali und Pointe de Folle Anse 15,2 km. Die Küste hat eine Gesamtlänge von 84 km. Der Tidenhub beträgt 0,5 bis 0,6 m, bei Grand-Bourg 0,5 m. Höchster Punkt ist der Mabouya bzw. Morne Constant mit 204 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei 52 m.

Geologie

Die Insel Marie-Galante ist ein erhöhtes Atoll auf zerklüftetem Kalksteinsubstrat, das auf dem äußeren Bogen der karibischen Platte liegt. Eine Verwerfung namens „la Barre“ trennt das nördliche Viertel vom Rest der Insel. Die Nordküste in Richtung Grande-Terre ist durch eine hohe Steilküste gekennzeichnet, während sich der höchste Punkt, der Morne Constant (204 m Höhe), im Osten auf dem Gebiet der Gemeinde Capesterre-de-Marie-Galante befindet.

Im Gegensatz zur vulkanischen Basse-Terre gehört Marie Galante zum externen oder alten Inselbogen (arc externe), der durch die Subduktion der atlantischen Platte unter die karibische Platte entstanden ist. Die Insel ist ein flaches, rundes Plateau – daher ihr Spitzname „La Grande Galette“ – mit einer maximalen Höhe von 204 Metern am Morne Constant. Ihre Geologie ist geprägt von einer dicken Schicht mariner Kalksteine, die auf einem älteren vulkanischen oder sedimentären Sockel aufliegt, und zeigt typische Karstphänomene sowie tektonische Einflüsse.

Die Formation der Insel begann vor Millionen von Jahren: Der Untergrund besteht aus einem deformierten Basement aus dem Jurassischen bis Tertiären Zeitalter, das vulkanische und sedimentäre Elemente umfasst. Darauf lagerte sich ab dem frühen Pliozän (vor rund 5 Millionen Jahren) eine mächtige Karbonatplattform ab, die aus Korallenriffen und algalischen Ablagerungen entstand. Diese Plattform entwickelte sich in mehreren Phasen: Zunächst rote Algenfazies im Zanclean bis Gelasian, gefolgt von Korallenfazies im frühen Calabrian (Pleistozän). Marie-Galante emergierte relativ spät, wahrscheinlich vor 1 bis 2 Millionen Jahren, später als andere Teile des Archipels. Tektonische Bewegungen – Extensionen und Hebungen zwischen 8 und 5 Millionen Jahren vor heute – formten Reliefs und Faults, die die Plattform beeinflussten. Die Insel ist leicht geneigt und von Grabensystemen durchzogen, wie dem Marie-Galante-Graben, der sie von Grande-Terre trennt.

Das Landschaftsbild wird von Karstformen dominiert: Das Kalksteinplateau ist stark erodiert, mit Dolinen (geschlossene Senken, oft mit Mares gefüllt), Aven (Gouffres wie der spektakuläre Gueule Grand Gouffre oder Trou à Diable) und terrassierten Küsten. An der Ost- und Nordostküste ragen hohe Klippen (Falaises Est) auf, die durch Wellenerosion und Hebung entstanden sind, während die Westküste flachere Strände und Lagunen aufweist. Der zentrale Plateau ist von einer Barre de l’Île (einer Verwerfung) durchzogen, die die Insel in Nord- und Südteil teilt. Diese Karstlandschaft führt zu einer typischen Hydrologie: Oberflächengewässer sind rar, stattdessen speist Regenwasser ein ausgedehntes Grundwasserreservoir im porösen Kalkstein, das für die Versorgung der Insel entscheidend ist.

Landschaft

Die fast kreisrund geformte Insel ist leicht gewellt. Der Kalksteinsockel zerbrach vermutlich schon bei der Inselentstehung. Dadurch ist der nördliche Inselteil vom Süden durch eine 147 m hohe Steilklippe La Grande Barre abgetrennt. Der flachere nördliche Teil wird Les Bas genannt, das höhere südliche Plateau ist Les Hauts.

Marie-Galante präsentiert sich als ruhige, weitläufige Insel, deren Landschaften von sanften Hügeln, fruchtbaren Ebenen und einer langen Küstenlinie geprägt sind. Im Inselinneren wechseln sich Zuckerrohrfelder mit grünen Weiden ab, auf denen Rinder grasen und alte Windmühlen an die koloniale Vergangenheit erinnern. Kleine Dörfer liegen eingebettet zwischen Mangobäumen und Palmen, während schmale Straßen durch eine nahezu unberührte Natur führen. Entlang der Küste öffnen sich weite Strände mit hellem Sand, die stellenweise von schroffen Kalksteinklippen unterbrochen werden. Das Meer schimmert je nach Lichteinfall in Türkis- und Blautönen und bildet einen starken Kontrast zum satten Grün der Vegetation.


Erhebung

  • Mabouya (Morne Constant)  204 m


Fluss

  • Rivière du Vieux Fort  7,5 km          

Flora und Fauna

Wie die anderen Kleinen Antillen ist sie vor weniger als fünf Millionen Jahren aus dem Meer aufgetaucht. Diese Isolation hat die Entstehung einer hohen Rate an Endemiten begünstigt. Vor der Ankunft der Europäer im 16. Jahrhundert war der Archipel vollständig bewaldet. Jahrhundert vollständig bewaldet. Mit dieser Ankunft gingen biologische Invasionen und Rodungen einher, die sich gravierend auf die Artenvielfalt ausgewirkt haben.

Viele Arten sind von der Insel verschwunden, und die natürliche Umgebung von Marie-Galante leidet etwas unter dem Rückzug des Waldes, der beschleunigten Verstädterung der letzten Jahre und der Entwicklung des Anbaus, insbesondere des Zuckerrohrs, die alle dazu geführt haben, dass der Wald an Bedeutung verloren hat und an einigen Stellen sogar verschwunden ist. Der Anbau von Zuckerrohr hat in den Nichtgebirgslandschaften seine Spuren hinterlassen. Die Landwirtschaft (vor allem der Export) von Zuckerrohr und Alkohol (Rum) wird weiterhin stark gefördert, um sie "nachhaltiger" zu machen und ihren Niedergang durch Europa, den französischen Staat und die lokalen Behörden (Region und Departement) zu stoppen.

Flora

Als Kalksteininsel mit trockenem Klima und ausgedehnten Zuckerrohrfeldern ist ihre natürliche Vegetation stark fragmentiert: Der ursprüngliche trockene Tropenwald bedeckt weniger als 5 % der Fläche, und Mangroven sind auf isolierte Standorte wie in Vieux-Fort und Saint-Louis beschränkt. Dennoch gilt die Insel als Biodiversitäts-Hotspot im Guadeloupe-Archipel, mit einer Mischung aus endemischen Arten, karibischen Typen und mariner Vielfalt. Die Flora umfasst xerophile (trockenheitsresistente) Pflanzen wie Sukkulenten, dornige Sträucher und Bäume, während die Fauna vor allem Reptilien, Vögel und marine Arten beherbergt. Menschliche Einflüsse – von der Kolonialzeit bis zur modernen Landwirtschaft – haben zu Artenverlusten und Invasionen geführt, doch Schutzmaßnahmen im Rahmen der Biosphärenreservat-Guadeloupe (seit 1992) tragen zur Erhaltung bei.

Die Pflanzenwelt von Marie-Galante ist an das semi-aride Klima angepasst und dominiert von trockener Waldvegetation. Typische Arten sind der Gaïac-Baum (Guaiacum officinale), ein endemischer Antillen-Baum mit dichtem Holz und medizinisch genutzter Harz, sowie der Gommier rouge (Bursera simaruba), dessen Rinde traditionell in der Volksmedizin verwendet wird. Weitere markante Pflanzen sind Mahagoni-Bäume (Swietenia mahagoni), Frangipani (Plumeria), Bougainvillea, Balisier (Heliconia) mit farbenprächtigen Blüten, Kokospalmen entlang der Strände sowie Arten wie Poirier pays und Raisinier bord de mer in den Küstengebieten. Mangroven (zum Beispiel Rhizophora mangle und Avicennia germinans) bilden wichtige Küstenschutz-Ökosysteme und filtern Sedimente. Die Zuckerrohr-Monokultur hat jedoch große Teile der natürlichen Vegetation verdrängt, und invasive Arten wie der Tulipier du Gabon bedrohen die einheimische Flora.

Fauna

Die Tierwelt ist geprägt von Reptilien und Vögeln, da Säugetiere größtenteils eingeführt oder ausgestorben sind. Endemisch ist der Marie-Galante-Anolis (Ctenonotus ferreus oder Anolis ferreus), ein kleiner Lizard, der in trockenen Habitaten vorkommt. Fossilfunde zeigen eine reiche prähistorische Herpetofauna mit Arten wie Ameiva, Sphaerodactylus und Capitellum mariagalantae, von denen einige durch menschliche Einwirkung verschwanden. Heute begegnen Besucher häufig Leguanen, Geckos und Anolis-Arten. Vögel umfassen Kolibris, Zuckerfresser (Sucrier à ventre jaune) und Seevögel wie Rotfußtölpel oder Noddis an den Klippen (im Important Bird Area der Nordküste). Meeresschildkröten (Karett- und Lederschildkröten) legen Eier an den Stränden ab, besonders in geschützten Buchten wie Trois-Îlets.

Auf Marie-Galante findet man Reptilien wie die Rotfußschildkröte oder Molokoï, eine Geckoart, die hier Mabouia genannt wird, und kleine Eidechsen, die Anolis genannt werden. Auch einige Meeresschildkröten kommen hierher, um ihre Eier abzulegen. Eine Krabbenart, die Touloulou genannt wird, ist recht häufig anzutreffen. Im Westen der Insel befindet sich eine Korallenbank in etwa 20 Metern Tiefe. Die Sandböden an der Küste sind in unregelmäßigen Abständen mit Seegras bewachsen.

Die Meeresfauna ist besonders reich: Korallenriffe beherbergen Barrakudas, Rochen, Anemonenfische, Skorpionfische, Gorgonien und Schwämme; Tauchspots wie Tico oder Jardin de Corail bieten Einblicke in diese Unterwasserwelt. In Mangroven leben Krebse, Fische und Vögel, während Buckelwale saisonal (Februar/März) in den Gewässern vorbeiziehen.

Naturschutz

Die Naturschutzgebiete und geschützten Zonen sind vorwiegend küstenbezogen und werden hauptsächlich vom Conservatoire du Littoral sowie dem Office National des Forêts (ONF) verwaltet. Es gibt keine großen Nationalparks oder Réserves Naturelles wie auf dem guadeloupischen Festland, dafür aber mehrere geschützte Küstenabschnitte, Feuchtgebiete und Wälder mit Fokus auf Biodiversität, Vogelwelt, Mangroven und geologische Formationen. Etwa 80 % des Küstenlinienareals sind geschützt. Die wichtigsten Naturschutzgebiete sind:

  • Falaises de Marie-Galante (Ostküstenklippen, vor allem im Norden bei Saint-Louis): Ein spektakulärer Site mit hohen Kalkklippen (bis 60 m), natürlichen Bögen wie Gueule Grand Gouffre und einer einzigartigen Vogelpopulation (zum Beispiel Puffins, Frégates, Noddis). Geschützt als Site classé und vom Conservatoire du Littoral mit einer Fläche von 959 ha.
  • Rivages de Capesterre de Marie-Galante (Südostküste): Geprägt von madréporitischen Kalksteinen, gestuften Galets (Kieselstränden) und trockener Vegetation. Fläche: 935 ha.
  • Folle Anse (bei Grand-Bourg/Saint-Louis): Die größte und wichtigste Feuchtzone der Insel mit Marais (Sümpfen), Mangroven, überschwemmten Wäldern und Prärien. Sie ist ein Hotspot für Avifauna und geschützt durch Arrêté de Protection de Biotope mit einer Fläche von 1273 ha (inklusive Marais de Folle-Anse mit einer Kernzone von 386 ha).

Weitere geschützte Elemente umfassen den Forêt Domaniale du Littoral und andere ONF-verwaltete Wälder (trockene Wälder, oft kombiniert mit Conservatoire-Zonen) sowie verschiedene kleinere Mangroven, Mares und Küstenabschnitte, die in die obigen Sites integriert sind oder durch lokale Arrêtés geschützt werden. An der Distriktstraße D 202 befindet sich die Tropfsteinhöhle Trou a Diable, das Teufelsloch, 328 m lang, mit Höhlensee, die nur mit einem Führer begangen werden sollte. Der Eingang wurde aus Sicherheitsgründen vor kurzem zugeschüttet. La Mare au Punch, Section Pirogue, nördlich von Grand-Bourg, ist ein See, der entstand, nachdem es am 24. und 25. Juni 1849 an gleicher Stelle eine Bodensenkung gab. Die gesamte geschützte Fläche (hauptsächlich durch Conservatoire du Littoral und ONF) beträgt 3167 ha, was etwa 20 % der Inseloberfläche entspricht – mit starkem Schwerpunkt auf dem Küstenstreifen und Feuchtgebieten.

Klima

Auf der Insel herrscht wie auf dem gesamten Archipel von Guadeloupe ein tropisches  Regenwaldklima (nach Köppen Af), das durch die maritimen Einflüsse und die Passatwinde, denen es ausgesetzt ist, gemildert wird. Auf Marie-Galante und den benachbarten Inseln gibt es zwei Jahreszeiten: eine Trockenzeit, lokal carême genannt, die von Januar bis Juni dauert und eine Regenzeit, hivernage genannt, von Juli bis Dezember.

Was die Temperatur betrifft, so gibt es mit durchschnittlich 27°C kaum Unterschiede zwischen den wärmsten (25 bis 32°C) und den kältesten Monaten (23 bis 29°C). Marie-Galante und seine Kalksteinplateaus können regelmäßig von schweren Dürren heimgesucht werden. Die durchschnittliche Temperatur des Meerwassers beträgt 28°C. Schließlich ist die Insel von Mai bis November von Wirbelstürmen betroffen. Diese Wirbelstürme bilden sich lokal auf den Antillen oder vor den Kapverden in Afrika und ziehen mit den Passatwinden aus dem Osten heran.

Die karibischen Inseln liegen oft im Einzugsbereich von tropischen Wirbelstürmen. Da Marie-Galante in einer sehr exponierten Region liegt, ist sie vielen Wirbelstürmen ausgesetzt. Die Insel ist von Mai bis November dem Durchzug von Wirbelstürmen ausgesetzt. Sie bilden sich lokal auf den Antillen oder vor den Kapverden in Afrika und ziehen mit den östlichen Passatwinden dahin.

Der tödlichste Wirbelsturm, der Guadeloupe und seine Inseln heimsuchte, war der Wirbelsturm von Pointe-à-Pitre im Jahr 1776, der mindestens 6.000 Menschen tötete.12 Am 16. September 1989 richtete der Wirbelsturm Hugo schwere Schäden auf den Inseln des Archipels an. Im Jahr 1995 trafen drei Wirbelstürme (Iris, Luis und Marilyn) den Archipel in weniger als drei Wochen. Im September 2017 war Marie-Galante mit dem Hurrikan Maria konfrontiert, Kategorie 5, 4 Todesopfer in Guadeloupe und anhaltende Winde von bis zu 215 km/h, viel höhere Böen in Marie-Galante und Les Saintes.

Seit dem Durchzug des Hurrikans Maria am 18. September auf den Kleinen Antillen, insbesondere auf Dominica, wo das Auge des Wirbelsturms vorbeizog, erlebte der Archipel von Guadeloupe, einschließlich des "Festlands von Guadeloupe" und Marie-Galante, die Ankunft eines Massenexodus aus Dominica, Dominiquais kommen, um Zuflucht auf benachbarten Inseln ihrer eigenen, zerstört und fast unbewohnbar zu nehmen. Das Archipel litt auch unter dem gleichen Phänomen, diesmal von St. Martin kommend, nach dem Durchzug des Hurrikans Irma, Kategorie 5, der als der stärkste Hurrikan im Nordatlantik seit 1980 gilt.

Einige der bemerkenswertesten Hurrikane, die Guadeloupe und die Inseln des Archipels im 20. und 21. Jahrhundert heimgesucht haben, sind: 12. September 1928: Hurrikan Okeechobee; 11. August 1956: Hurrikan Betsy; 26. Oktober 1963: Tropensturm Helena; 22. August 1964: Hurrikan Cleo, Kategorie 3, stark (14 Tote); 27. September 1966: Hurrikan Inez; 16./17. September 1989: Hurrikan Hugo; 14./15. September 1995: Hurrikan Marilyn; 6. September 2017: Hurrikan Irma; 18. und 19. September 2017: Hurrikan Maria.


Klimadaten für Les Abymes (1981 bis 2010)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Mittelmaximum (°C) 29,2 29,2 29,7 30,3 30,9 31,4 31,6 31,9 31,7 31,3 30,5 29,7 30,6
Mittelminimum (°C) 20,7 20,6 21 22,2 23,6 24,3 24,3 24,1 23,8 23,3 22,4 21,3 22,6
Niederschlag (mm) 83 60 67,9 96,5 134,1 107,8 129,6 169,1 206,2 214,5 213,9 134 1616,6

Mythologie

Marie-Galante, die „Insel der hundert Mühlen“, ist reich an kreolischen Mythen und Legenden, die aus der Verschmelzung afrikanischer, europäischer, indischer und indigener (Arawak und Kariben) Traditionen entstanden sind. Diese Geschichten werden oft in Veillées (Abendzusammenkünften) erzählt und dienen als Erklärungen für das Unerklärliche, Moralvorstellungen oder Warnungen vor dem Übernatürlichen. Die Mythologie der Insel ist stark von Magie, Hexerei (Quimbois) und nächtlichen Wesen geprägt, die in der ländlichen, isolierten Gesellschaft eine besondere Rolle spielen. Viele Mythen drehen sich um den Konflikt zwischen Gut und Böse, Schutzrituale und die Macht der Natur.

Die präkolumbische Mythologie der Kariben (die die Insel Aïchi nannten) ist nur fragmentarisch erhalten, da viel durch die Kolonisierung zerstört wurde. Es gab animistische Vorstellungen von Geistern in Flüssen, Wäldern und dem Meer, die später mit westafrikanischen Elementen (z. B. Wassergeistern ähnlich Mami Wata) verschmolzen. Im kreolischen Folklore dominieren folgende zentrale Figuren und Mythen:

  • Soucougnan (auch Soukounyan): Eine der bekanntesten und gefürchtetsten Gestalten auf Marie-Galante. Der Soucougnan ist ein Mensch (häufig eine ältere Frau), der nachts seine Haut abstreift und als leuchtende Feuerkugel durch die Luft fliegt. In dieser Form saugt er das Blut oder die Lebensenergie schlafender Menschen, verursacht Krankheiten oder Unglück. Tagsüber lebt er unauffällig unter den Menschen. Schutzmaßnahmen sind Salz oder Reis vor der Tür streuen (der Soucougnan muss es zählen), Kreuze oder Gebete. Findet man die abgestreifte Haut, kann man Salz darauf streuen – beim Anziehen verbrennt sie den Soucougnan bei Sonnenaufgang. Diese Legende wurzelt in afrikanischen Vampir-Mythen und symbolisiert Neid, Verrat oder soziale Spannungen in der Gemeinschaft.
  • Dorlis (oder Dorliss): Ein nächtlicher Verführer, ein incubus-ähnliches Wesen (männlich), das Frauen im Schlaf besucht und sie schwängert oder erschöpft. Er dringt durch Schlüssellöcher oder Ritzen ein. Schutz bieten Knoblauch, Messer unter dem Kissen oder ein Sieb (er muss die Löcher zählen). Der Dorlis steht für Ängste vor unerwünschter Sexualität oder Untreue und hat Parallelen in afrikanischen Geistwesen.
  • Quimbois und Gadèdzafé: Quimbois ist die lokale Form der Voodoo-ähnlichen Magie, eine Mischung aus afrikanischen Ritualen, katholischen Elementen und indigenen Praktiken. Gadèdzafé (Wächter der Angelegenheiten) sind Hexer oder Heiler, die Zauber wirken – zum Schutz oder zum Schaden. Auf Marie-Galante gibt es viele Geschichten von Flüchen, Liebeszaubern oder Racheakten, die durch Quimboiseurs ausgeführt werden. Diese Praktiken sind bis heute lebendig und werden sowohl gefürchtet als auch gesucht.
  • Zombis und revenants: Erzählungen von Toten, die durch Magie wiederbelebt werden und als willenlose Arbeiter dienen. Auf Marie-Galante, mit ihrer Zuckerrohr-Vergangenheit, verbinden sich diese Mythen oft mit der Sklaverei: Zombies als Symbol für die entrechteten Plantagenarbeiter.
  • Mami Wata (Wassergeister): In Küstengebieten erzählte Legenden von schönen Wassernymphen, die Männer ins Meer locken. Sie stammen aus afrikanischen Traditionen und mischen sich mit indigenen Flussgeistern.
  • Diablesse (Teufelsfrau): Eine schöne Frau mit einem Kuhfuß, die Männer in die Irre führt und in Abgründe lockt. Sie warnt vor Verführung und Fremden.


Weitere lokale Mythen erklären Naturphänomene: So sollen die Windmühlen von Geistern bewacht werden, oder es gibt Geschichten von verborgenen Schätzen aus Piratenzeiten. Viele Legenden drehen sich um die Isolation der Insel – nachts soll man nicht allein unterwegs sein, da übernatürliche Wesen aktiv werden.

Geschichte

Marie-Galante wurde von Kolumbus auf seiner zweiten Reise am 3. November 1493 „entdeckt“. Im Jahre 1648 ließen sich die ersten französischen Siedler nieder und kultivieren schon frühzeitig das Zuckerrohr. Sie pflanzten Tabak, Baumwolle und Indigo an, wurden aber immer wieder von den Indianern angegriffen. Der Marquis d’Aubigne wurde erster Inselgouverneur. Seine Tochter, die Marquise de Maintenon, war Kindererzieherin bei König Ludwig XVI., später dessen Geliebte und ab 1684 seine heimliche Ehefrau.

Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Comte de Témérincourt Jacques de Boisseret mit 1.276 Siedlern hierher geschickt. Nun erlebte die Wirtschaft der Insel einen deutlichen Aufschwung. Allerdings wurde sie von Spaniern, Engländern und Niederländern immer wieder angegriffen. 1691, 1703 und 1754 besetzten die Engländer die Insel, um von hier aus ihre Angriffe auf Guadeloupe auszuführen. 1776 hatten die Niederländer die Insel kurzzeitig in Besitz, und 1808 und 1815 waren es wieder die Engländer. Erst 1816 wurde sie endgültig französisch.

Grand-Bourg wurde 1653 als Ort mit Namen Marigot gegründet. 1676 überfielen 700 niederländische Soldaten die umliegenden Habitationen und stahlen die Sklaven, 1690 und 1692 machten Briten ein gleiches. Bis 1790 wuchs die Siedlung zum größten Ort auf der Insel und erhielt nun seinen heutigen Namen. 1838 und 1901 wurden bei einem Brand fast alle Gebäude zerstört und neu wiederaufgebaut. 1865 gab es eine Cholera Epidemie und ein Wirbelsturm richtete 1928 zusätzlich große Schäden an.  Zwischen 1996 und 1997 wurden in Petite Plage 25 Windkrafträder mit einer Leistung von 1.500 KW errichtet.

Die Parlamentswahlen vom 24. und 25. Juni 1849, bei denen erstmals auch ehemals versklavte Afrikaner wählen durften, wurden von der blutigen Gewalt der Demonstranten überschattet, die sich aus der schwarzen Bevölkerungsmehrheit erhoben hatten, um auf die von den reichen weißen Plantagenbesitzern inszenierten Wahlmanipulationen zu reagieren. Viele Schwarze wurden bei diesen Aufständen getötet, die dazu führten, dass Rum und Zucker von der Pirogue-Plantage in einen nahe gelegenen Teich gekippt wurden. Heute ist dieser Teich in Erinnerung an diese tragischen Ereignisse als la mare au punch („der Punschteich“) bekannt.

Vorkolumbische Zeit

Die frühesten menschlichen Spuren auf Marie Galante reichen in die archaische Periode (Mesoindien oder Preceramic Age) zurück, beginnend im -3. Jahrtausend. Möglicherweise gab es sogar ältere Besuche ab etwa -5000, ähnlich wie in Trinidad, doch auf Marie-Galante sind die Belege fragmentarisch. Diese frühen Gruppen, oft als „Archaic Age“-Völker bezeichnet, waren Jäger-Sammler-Fischer ohne Keramik, die in temporären Lagern lebten und Ressourcen wie Muscheln, Fische und Landtiere nutzten. Funde deuten auf Brandrodung (slash-and-burn) hin, eine frühe Form der Landnutzung.

Ab dem Beginn unserer Zeitrechnung, etwa ab -300 bis um 700, siedelten sich Huécoïdes und danach Arawak (Saladoid-Kultur) an. Die Huécoïdes gelten als eine der ältesten bekannten Zivilisationen auf der Insel. Die Arawak, friedliche Ackerbauern aus dem Orinoco-Gebiet (Venezuela), brachten die Keramiktechnik mit – fein verzierte Gefäße mit roten und weißen Mustern. Sie lebten in Dörfern nahe Flüssen und Küsten, bauten Maniok, Mais und Süßkartoffeln an, fischten mit Netzen und Haken und handelten über das Meer. Wichtige Fundstätten wie Folle Anse in Grand-Bourg zeigen eine lange Occupation mit Keramikfunden.

Um 850 erreichten die Kariben (Kalinago oder Island Caribs), kriegerische Gruppen aus Südamerika, die Insel. Sie verdrängten oder integrierten die Arawak schrittweise, ohne vollständige Vertreibung – moderne Forschung sieht eher eine kulturelle Evolution als brutale Invasion. Die Kariben waren exzellente Seefahrer in großen Kanus, jagten und kriegerisch, doch ihre Keramik war grober. Sie nannten die Insel Aïchi und nutzten sie als Basis in ihrem Netzwerk der Kleinen Antillen. Genetische Studien deuten auf mögliche Taíno-ähnliche Gruppen auf Marie-Galante hin, mit Verbindungen zu den Großen Antillen.

Archäologische Sehenswürdigkeiten sind Fundstätten wie Folle Anse (Grand-Bourg), mit Occupation über 1500 Jahre, inklusive Keramik und Bestattungen; Tourlourous (Capesterre-de-Marie-Galante); und Höhlen wie Grotte du Morne Rita (Capesterre), mit Petroglyphen und sepulkralen Nutzungen. Diese Funde – Polissoirs, Keramik, Werkzeuge aus Muscheln und Stein – zeugen von Alltag, Handel und Ritualen. Die Gesellschaften waren hierarchisch, mit Häuptlingen, animistischen Glaubenssystemen (Geister in Natur) und intensiver Meeresnutzung.

Spanische Kolonialzeit

Nach der „Entdeckung“ der Insel durch Christoph Kolumbus am 3. November 1493 – Marie-Galante war die zweite Insel, die er auf seiner zweiten Reise nach Dominica sichtete – blieb die Insel fast anderthalb Jahrhunderte lang weitgehend außerhalb effektiver europäischer Kontrolle. Kolumbus ging in der Bucht vor Anker, die heute als Anse Ballet in Grand-Bourg bekannt ist, und benannte sie nach seinem Flaggschiff Santa María la Galante (oft als Marigalante oder Maria Galanda überliefert), einem Ehrennamen für die Jungfrau Maria („die galante Maria“). Die erste von ihm gesichtete Insel der Reise, La Désirade, erhielt den Namen La Deseada (die Ersehnte). Beide Inseln wurden in den spanischen Akten als unter der Souveränität der Krone von Kastilien stehend eingetragen, gemäß dem Vertrag von Tordesillas (1494), der die Neue Welt zwischen Spanien und Portugal aufteilte.

Trotz dieser formellen Beanspruchung unternahmen die Spanier keine ernsthaften Kolonisierungsversuche. Der erbitterte Widerstand der Kariben (Kalinago), die die Insel Aïchi nannten, machte eine Besiedlung zu riskant. Spanische Schiffe nutzten Marie-Galante gelegentlich als Anlaufstelle für Wasser und Vorräte, doch Berichte aus dem 16. Jahrhundert sprechen von feindseligen Begegnungen: Die Kariben attackierten Landungstrupps mit Pfeil und Bogen und nutzten das unwegsame Gelände – dichte Wälder, Klippen und Mangroven – für Guerilla-Taktiken. Epidemien, die durch europäische Kontakte eingeschleppt wurden (Pocken, Masern), dezimierten die indigene Bevölkerung bereits früh, ohne dass eine dauerhafte Präsenz entstand.

Eine alternative Namensdeutung, die ein Jahrhundert später von dem baskischen Historiker Lope Martínez de Isasti überliefert wurde, besagt, dass der Name auf den Kapitän Vasco Martín Cotillos zurückgehe, der die Insel nach seiner Frau benannt habe. Diese Version ist jedoch umstritten und wird von der Mehrheit der Historiker als legendenhaft eingestuft; die direkte Verbindung zu Kolumbus’ Schiff bleibt die am besten dokumentierte Erklärung.

Im frühen 17. Jahrhundert begann das Interesse anderer Mächte zu wachsen. Englische und niederländische Freibeuter nutzten die Insel als Stützpunkt für Überfälle auf spanische Galeonen, doch auch sie gründeten keine Siedlungen. Die Kariben behielten die Kontrolle und integrierten Marie-Galante in ihr Netzwerk der Kleinen Antillen, wo sie Handel mit benachbarten Inseln betrieben und Raubzüge unternahmen.

Erst in den 1640er Jahren änderten sich die Verhältnisse grundlegend. Frankreich, das seit 1635 Guadeloupe kolonisiert hatte, suchte nach Ergänzungsterritorien für die Zuckerrohrwirtschaft. 1645 oder 1646 landete eine kleine französische Expedition unter Jacques du Parquet, dem Gouverneur von Martinique, oder seinen Vertretern auf Marie-Galante. Die Kariben leisteten Widerstand, doch die Franzosen waren besser bewaffnet. Nach Verhandlungen oder Kämpfen (Quellen widersprechen sich) wurde ein Abkommen geschlossen: Die Kariben durften zunächst bleiben, mussten aber Land abtreten.

Französische Kolonialzeit

Am 8. November 1648 organisierte der Gouverneur von Guadeloupe, Charles Houël du Petit Pré, die erste dauerhafte französische Kolonisierung: Etwa fünfzig Männer siedelten in der Nähe des Ortes, der später Vieux-Fort genannt wurde (im Norden der Insel, bei Saint-Louis). Diese Siedler rodeten Land für Tabak- und Indigoanbau und legten den Grundstein für eine Plantagenstruktur. Bereits am 4. September 1649 kaufte Jacques de Boisseret die Insel von der bankrotten Compagnie des Îles d’Amérique zurück und wurde ihr Eigentümer. Die frühen Jahre waren hart: Krankheiten, mangelnde Vorräte und Konflikte mit den verbliebenen Kariben dezimierten die Kolonisten. 1653 kam es zu einem Massaker, bei dem Kariben die wenigen überlebenden Siedler töteten, die sich den extremen Bedingungen nicht angepasst hatten. Die Insel blieb vorübergehend fast entvölkert.

Der entscheidende wirtschaftliche Impuls kam mit dem Zuckerrohr, das Christoph Kolumbus bereits 1493 auf seiner zweiten Reise in die Karibik eingeführt hatte (aus Indien oder den Kanaren stammend). Als Zucker zu einer lukrativen Handelsware wurde, begannen ab 1654 deportierte brasilianische Kolonisten (oft portugiesisch-jüdische Flüchtlinge) auf Guadeloupe die ersten Zuckerplantagen anzulegen, ausgestattet mit kleinen, von Ochsen angetriebenen Mühlen (trapes). Diese Technologie breitete sich schnell auf Marie-Galante aus. 1660 wurde in Basse-Terre ein Friedensvertrag mit den Kariben unterzeichnet, der Franzosen und Briten erlaubte, sich auf Dominica und St. Vincent niederzulassen – ein Schritt, der relative Ruhe in der Region schuf und die Expansion der Plantagenwirtschaft förderte.

1664 trat Madame de Boisseret (Witwe von Jacques) ihre Rechte an die Compagnie des Indes Occidentales ab. Die Insel erhielt nun ihre ersten vier ochsenbetriebenen Mühlen. 1665 wurde ihr Sohn, Monsieur de Boisseret de Temericourt, Gouverneur und erstellte die erste detaillierte Karte der Insel, die sein Wappen trug. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrherts wurden die ersten versklavten Afrikaner systematisch nach Marie-Galante gebracht, um die Plantagen zu bewirtschaften. Bis 1671 stellten Schwarze bereits 57 % der Bevölkerung. Zugleich siedelten sich jüdische Exilanten aus Brasilien (nach der portugiesischen Rückeroberung 1654) an; sie brachten verbesserte Techniken für den Zuckeranbau und die Raffination mit, was die Produktivität steigerte.

Die Insel litt jedoch unter den europäischen Kriegen: 1676 entführte eine niederländische Flotte während des Holländischen Krieges die Bevölkerung und plünderte Plantagen und Einrichtungen. Nach der Wiederbesiedlung folgten 1690 und 1691 weitere Angriffe durch Niederländer und Briten, die Mühlen und Raffinerien zerstörten und zur fast vollständigen Entvölkerung führten. Der Generalgouverneur von Martinique verbot daraufhin bis 1696 die Wiederbesiedlung, um Ressourcen zu schonen. Die Plantagenwirtschaft erholte sich dennoch, und die Bevölkerung wuchs durch neuen Sklavenimport.

Im 18. Jahrhundert festigte sich die Zuckerdominanz. Während des Siebenjährigen Krieges eroberten die Briten Marie-Galante 1759 und hielten sie bis 1763 (Rückgabe im Frieden von Paris). Unter britischer Herrschaft florierte der Handel kurzzeitig, doch nach der Rückkehr an Frankreich setzte sich die französische Plantagenstruktur fort. 1780 wurden erstmals Windmühlen gesichtet – eine technologische Innovation, die die Ochsenmühlen ergänzte und die Produktion steigerte. Bis 1830 waren 105 Mühlen in Betrieb, etwa die Hälfte noch ochsenbetrieben; heute sind 72 Mühlentürme erhalten und prägen das Landschaftsbild.

Die Französische Revolution erreichte Marie-Galante verzögert, doch von November 1792 bis 1794 trennte sich die Insel vorübergehend von der royalistischen Regierung Guadeloupes und orientierte sich republikanisch. Die Nationalkonvention in Paris schaffte am 4. Februar 1794 die Sklaverei in allen französischen Kolonien ab – die erste Abschaffung, die auf Marie-Galante durch den Kommissar Victor Hugues umgesetzt wurde. Befreite Sklaven wurden in Milizen integriert, um die Insel gegen britische Bedrohungen zu verteidigen.

Britische Besatzungszeit

Im April 1794 eroberten britische Truppen im Rahmen des Ersten Koalitionskrieges Guadeloupe. Unterstützt von royalistischen Plantagenbesitzern (grands blancs), die die republikanische Abschaffung der Sklaverei ablehnten, landeten die Briten und nahmen rasch Basse-Terre, Pointe-à-Pitre sowie die abhängigen Inseln ein – darunter Marie-Galante, La Désirade, Les Saintes und Petite-Terre. Auf Marie-Galante, wo die Zuckerwirtschaft bereits etabliert war, wurde die britische Herrschaft von vielen Plantagenbesitzern begrüßt, da sie die Umsetzung des Dekrets vom 4. Februar 1794 (erste Abschaffung der Sklaverei durch die Nationalkonvention) verhinderte. Die britische Verwaltung förderte den Zuckerhandel mit dem Empire und integrierte die Insel in ihr Netzwerk, was zu einem kurzfristigen wirtschaftlichen Aufschwung führte. Dennoch blieb die Besatzung instabil: Der französische Kommissar Victor Hugues landete im Juni 1794 mit republikanischen Truppen und befreiten Sklaven, vertrieb die Briten schrittweise und etablierte eine jakobinische Ordnung. Bis Oktober 1794 war Marie-Galante wieder französisch, und die Abschaffung der Sklaverei wurde vorübergehend umgesetzt.

Der Frieden von Amiens (März 1802) beendete diese Phase: Großbritannien gab Guadeloupe und alle Abhängigkeiten, einschließlich Marie-Galante, an Frankreich zurück. Mit dieser Rückgabe verfügte Napoleon Bonaparte am 20. Mai 1802 die Wiedereinführung der Sklaverei in den Kolonien, um die Plantagenwirtschaft zu stabilisieren. Auf Marie-Galante führte dies zu Unruhen: Viele befreite Afrikaner widersetzten sich, und die Plantagenbesitzer setzten das System versklavter Arbeit brutal durch. Die Zuckerproduktion erholte sich, doch die Insel blieb ein Ziel britischer Strategie.

Die zweite und längere britische Besatzung begann im März 1808 während der Napoleonischen Kriege. Die Royal Navy nahm Marie-Galante ein, um französischen Freibeutern (Kaperschiffen) den Zugriff auf den Hafen von Grand-Bourg zu verwehren und den britischen Handel in der Karibik zu schützen. Die Insel diente als Vorposten gegen französische Aktivitäten von Guadeloupe aus. Im August 1808 versuchte eine kleine französische Streitmacht unter Gouverneur von Guadeloupe die Rückeroberung, landete Truppen und belagerte die britische Garnison. Diese bestand aus Royal Marines, verstärkt durch Sir Alexander Cochranes erste Colonial Marines – eine Einheit aus entflohenen oder befreiten versklavten Afrikanern der Insel selbst rekrutiert – sowie Teilen des 1. West India Regiments (bestehend aus afrikanischen Soldaten). Die Briten besiegten die Franzosen entschieden, nahmen Hunderte gefangen und festigten ihre Kontrolle. Diese Episode unterstreicht die Ironie der Kolonialkriege: Versklavte Afrikaner kämpften auf britischer Seite für eine Macht, die die Sklaverei in ihren eigenen Kolonien erst 1833 abschaffte.

Die Besatzung dauerte bis zum Ende der Napoleonischen Kriege. Marie-Galante profitierte kurz von britischem Handel, doch Plünderungen und Kriegslasten belasteten die Plantagen. Der Frieden von Paris (1814) und der Wiener Kongress (1815) bestätigten die Rückgabe an Frankreich: Im 1815 wurde die Insel endgültig französisch, zusammen mit Guadeloupe. Die Sklaverei blieb bestehen, trotz wachsender abolitionistischer Stimmen in Europa.

Die britischen Perioden hinterließen Spuren: Zerstörte Infrastruktur, demografische Verschiebungen durch Flucht und Rekrutierung sowie eine vorübergehende Unterbrechung der französischen Verwaltung. Dennoch erholte sich die Zuckerwirtschaft, und Marie-Galante blieb ein Plantagenzentrum. Die endgültige Abschaffung der Sklaverei kam erst 1848 durch das Dekret vom 27. April, maßgeblich vorangetrieben von Abolitionisten wie Victor Schœlcher und unterstützt durch wiederholte Aufstände versklavter Afrikaner auf Guadeloupe und seinen Abhängigkeiten. Auf Marie-Galante führte dies zu einer schrittweisen Transformation der Gesellschaft, mit der Anwerbung indischer Kontraktarbeiter ab 1854, um den Arbeitskräftemangel auszugleichen.

Umbruchszeit

Im Frieden von Paris (1814) und dem Wiener Kongress (1815) gab Großbritannien Marie-Galante endgültig an Frankreich zurück, nach einer Serie von Besatzungen während der Napoleonischen Kriege (1808 bis 1815). Die Insel war strategisch unbedeutend geworden, doch ihre Zuckerproduktion machte sie wirtschaftlich wertvoll. Die britische Herrschaft hatte den Handel mit dem Empire gefördert, aber auch Plantagen zerstört und Sklaven abgezogen. Unter französischer Restauration (Bourbonen-Monarchie) wurde die Sklaverei, die 1802 wiedereingeführt worden war, vollends etabliert: Bis 1818 gab es über 100 Mühlen, die Zuckerrohr verarbeiteten, und die Bevölkerung wuchs auf etwa 15.000 Einwohner, darunter eine Mehrheit versklavter Afrikaner. Der Sklavenhandel wurde 1815 offiziell verboten (obwohl illegal fortgesetzt), und die Plantagenbesitzer (meist weiße Kreolen oder métropolitains) konsolidierten ihre Macht.

Wirtschaftlich boomte der Zucker: Marie-Galante produzierte Rohzucker, Melasse und Rum, exportiert nach Frankreich. Technologische Fortschritte, wie die Einführung von Windmühlen ab 1780 (obwohl viele noch ochsenbetrieben blieben), steigerten die Effizienz. Bis 1830 erreichte die Zahl der Mühlen ihren Höhepunkt mit 105, was der Insel den Spitznamen „L'île aux cent moulins“ einbrachte. Soziale Spannungen wuchsen jedoch: Versklavte Afrikaner, die 80 bis 90 % der Bevölkerung ausmachten, organisierten heimliche Widerstände, Fluchten (Marronage) und kleine Aufstände, inspiriert von der Haitianischen Revolution (1791 bis 1804). Natürliche Katastrophen verschärften die Lage: Der Erdbeben von 1843, das über 1.000 Tote in Guadeloupe forderte, traf auch Marie-Galante und zerstörte Mühlen und Plantagen.

Politisch blieb Marie-Galante ein Anhängsel Guadeloupes, ohne eigene Autonomie. Die Restauration und die Juli-Monarchie (1830 bis 1848) priorisierten die Kolonien als Rohstofflieferanten, doch abolitionistische Ideen aus Frankreich (zum Beispiel Victor Schœlcher) sickerten ein.

Die Revolution von 1848 in Frankreich brachte den entscheidenden Wandel: Am 27. April 1848 erließ die provisorische Regierung das Dekret zur endgültigen Abschaffung der Sklaverei in allen französischen Kolonien, maßgeblich vorangetrieben von Victor Schœlcher. Auf Marie-Galante wurde es am 27. Mai 1848 proklamiert, um Aufstände zu verhindern – etwa 8.000 Sklaven wurden befreit. Plantagenbesitzer erhielten Entschädigungen (indemnités), die Freigelassenen jedoch nichts, was zu Armut und Konflikten führte. Viele weigerten sich, weiter auf Plantagen zu arbeiten, was einen akuten Arbeitskräftemangel verursachte.

Soziale Unruhen folgten: Bei den Wahlen von Juni 1849 kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen in Grand-Bourg und Capesterre, als weiße Plantagenbesitzer Wahlen manipulierten. Schwarze Wähler protestierten, stürmten Plantagen wie Pirogue und zerstörten Vorräte – symbolisch wurde Rum und Zucker in einen Teich (heute „Mare au Punch“) geworfen. Dutzende starben in den Kämpfen, und die Ereignisse unterstrichen die rassischen Spannungen. Post-1848 organisierten sich Freigelassene in kleinen Kooperativen und bäuerlichen Farmen, doch die Zuckerelite behielt die Kontrolle.

Um den Arbeitsmangel auszugleichen, begann ab 1854 die Anwerbung von Kontraktarbeitern (engagés): Bis 1889 kamen etwa 4.000 Inder (meist aus Pondichéry und Tamil Nadu) nach Marie-Galante, mit 5-Jahres-Verträgen gegen Überfahrt und Lohn. Sie integrierten sich in die kreolische Gesellschaft, brachten kulturelle Einflüsse (etwa durch den Hinduismus) und halfen, die Zuckerproduktion aufrechtzuerhalten. Kleinere Gruppen aus Afrika, China und Portugal folgten. Die Bevölkerung stabilisierte sich bei etwa 20.000 bis 25.000 Einwohnern, mit einer Mehrheit afrikanischer Herkunft.

Wirtschaftlich litt die Insel unter der Konkurrenz europäischen Rübenzuckers: Preise fielen, und viele kleine Plantagen bankrottierten. Technische Innovationen wie Dampfmühlen ab 1883 konsolidierten die Industrie in wenigen Fabriken (zum Beispiel Trianon, gegründet 1669, noch aktiv bis ins 19. Jahrhundert). Politisch wurde Marie-Galante 1870 Teil der Dritten Republik, mit Bürgerrechten für alle, doch lokale Macht blieb bei der weißen Elite.

Bis 1914 vertiefte sich die Zuckerkrise: Überproduktion, fallende Preise und Konkurrenz aus Kuba und Europa führten zu Schließungen. Die Zahl der Mühlen sank, und die Insel diversifizierte zögerlich in Bananen, Vanille und Rum. Natürliche Katastrophen verschärften dies: Hurrikane (unter anderem 1899 San Ciriaco, der Tausende in der Karibik tötete) und Dürren zerstörten Ernten.

Die Insel war ein Hort des frühen Sozialismus. Hégésippe Légitimus, ein schwarzer Politiker, organisierte ab den 1890er Jahren Bewegungen für Arbeiterrechte, inspiriert von der Pariser Kommune. Abwanderung junger Menschen setzte ein, da Arbeitslosigkeit stieg. Kulturell mischten sich afrikanische, indische und europäische Einflüsse in der kreolischen Gesellschaft, mit Veillées (Erzählabenden) und Gwo Ka-Musik als Widerstandsformen.

Politisch blieb Marie-Galante ein Département von Guadeloupe, mit Repräsentation in Paris ab 1870. Der Dreyfus-Affäre (1894 bis 1906) hallte nach, da Antisemitismus in den Kolonien zunahm. Bis 1914 stagnierte die Bevölkerung bei etwa 25.000, und die Insel war auf französische Subventionen angewiesen.

Weltkriegsära

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 brachte Marie-Galante einen unerwarteten wirtschaftlichen Aufschwung. Die Zerstörung europäischer Rübenzuckerproduktion (insbesondere in Frankreich und Deutschland) steigerte die Nachfrage nach karibischem Rohrzucker und Rum dramatisch. Die Insel, deren Wirtschaft fast ausschließlich auf Zuckerrohr basierte, profitierte von hohen Preisen und Exporten. Die Produktion von Rum – oft als Nebenprodukt der Zuckerherstellung – wurde strategisch wichtig, da Frankreich Alkoholreserven für medizinische und militärische Zwecke aufbaute. Bis 1931 zählte Marie-Galante bis zu 18 Destillerien und vier Sucreries (Zuckerfabriken), was die höchste Zahl in ihrer Geschichte darstellte.

Patriotisch mobilisierten sich die Inselbewohner: Viele junge Männer meldeten sich freiwillig oder wurden eingezogen. Marie-Galante stellte Soldaten für die französischen Kolonialtruppen, die in Europa kämpften. Insgesamt fielen Dutzende Galantais „pour la France“ – 1919 errichtete die Insel das erste Monument aux Morts in ganz Guadeloupe, ein Symbol kolonialen Patriotismus. Die Kriegsanstrengungen verstärkten das Gefühl der Zugehörigkeit zu Frankreich, trotz anhaltender Ungleichheiten.

Nach dem Krieg 1918 brach der Boom zusammen: Europäische Rübenzuckerproduktion erholte sich, Preise fielen, und die Weltwirtschaftskrise ab 1929 verschärfte die Lage. Viele Destillerien und Mühlen schlossen; Arbeitslosigkeit und Armut stiegen. Die Monokultur machte die Insel vulnerabel – Vivres (Lebensmittel) mussten importiert werden, was zu Mangel führte. Die Bevölkerung stagnierte oder ging leicht zurück, mit zunehmender Abwanderung junger Menschen nach Guadeloupe oder Metropolitan-Frankreich.

Sozial wuchsen Spannungen: Frühe Arbeiterbewegungen und Gewerkschaften forderten bessere Löhne und Rechte. Der Patriotismus der Kriegsveteranen führte zu Denkmälern und Vereinen, doch die Insel fühlte sich vernachlässigt – schlechte Infrastruktur, begrenzte öffentliche Dienste. Naturkatastrophen wie Hurrikane (zum Beispiel in den 1920er Jahren) zerstörten Ernten und verstärkten die Abhängigkeit von Subventionen aus Paris.

Bei Kriegsausbruch 1939 unterstützten die Galantais enthusiastisch Frankreich. Nach der Niederlage 1940 und der Etablierung des Vichy-Regimes unter Marshal Pétain blieb Guadeloupe – und damit Marie-Galante – loyal zu Vichy. Der Hochkommissar Amiral Robert kontrollierte die Antillen, und die Insel litt unter alliierten Blockaden: Importe von Treibstoff, Lebensmitteln und Medikamenten brachen ein. Die Zucker- und Rumproduktion stagnierte, da Exporte unmöglich wurden; Mangel an Viehfutter und Dünger führte zu Ernteeinbußen.

Repressionen unter Vichy: Rassengesetze und Antisemitismus trafen Minderheiten, Propaganda betonte „traditionelle Werte“. Dennoch wuchs Widerstand: Viele Guadeloupéer, darunter aus Marie-Galante, schlossen sich der Dissidence an – sie flohen clandestin nach Dominica (britisch) und schlossen sich den Forces Françaises Libres (FFL) unter de Gaulle an. Tausende (aus dem gesamten Archipel rund 2.000 bis 3.000 Dissidenten) kämpften in Europa und Afrika. Die Blockade verursachte Hunger und Krankheiten; die Isolation verstärkte das Gefühl der Vernachlässigung.

1943 ralliierte sich Guadeloupe de Gaulle: Nach inneren Konflikten und Druck der Alliierten wechselte die Verwaltung die Seite. Marie-Galante folgte, und die Insel wurde Basis für alliierte Operationen. Der Krieg endete 1945 mit der Befreiung, doch die Erfahrungen von Mangel und Repression nährten Forderungen nach Gleichberechtigung.

Moderne Zeit

Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs – Blockade, Mangel und Dissidence – verstärkten die Forderung nach Gleichberechtigung. Am 19. März 1946 wurde Guadeloupe (einschließlich Grande-Terre, Basse-Terre und der Abhängigkeiten Marie-Galante, La Désirade, Les Saintes, Saint-Martin und Saint-Barthélemy) durch ein Gesetz der Vierten Republik zu einem Überseedepartement (Département d’Outre-Mer, DOM). Dies bedeutete volle Assimilation: Französische Gesetze, Sozialleistungen, Bürgerrechte und Repräsentation in Paris galten nun uneingeschränkt. Die Inseln wurden administrativ vereint unter dem Départementscode 971. 1982 erhielt Guadeloupe zusätzlich den Status einer Überseeregion mit einem einzigen Département, was mehr lokale Kompetenzen in Wirtschaft, Kultur und Bildung brachte.

Für Marie-Galante, mit ihren drei Gemeinden Capesterre-de-Marie-Galante, Grand-Bourg (dem Hauptort) und Saint-Louis, bedeutete dies den Einstieg in die Modernisierung: Elektrifizierung, Straßenbau, Schulen und Gesundheitsversorgung wurden ausgebaut, finanziert durch Transfers aus Paris. Die Zuckerwirtschaft blieb dominant, doch Subventionen ermöglichten Diversifikation in Rumproduktion (Destillerien wie Bellevue oder Bielle) und Tourismus. Die Bevölkerung, die 1946 etwa 20.000 Einwohner zählte, profitierte von Sozialsystemen, litt aber unter hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung.

Ein markantes Ereignis war die Rettung des US-Amerikaners Steven Callahan am 21. April 1982. Nachdem sein Segelboot vor den Kanaren gesunken war, driftete er 76 Tage in einem kleinen Avon-Rettungsboot (1,7 m Durchmesser) über den Atlantik – ein Rekord der Überlebensgeschichte. Callahan ernährte sich von gefangenen Fischen und Regenwasser, bevor er vor der Küste Marie-Galantes von den Fischern Paulinus Williams, Jules Paquet und Jean-Louis Paquet entdeckt und gerettet wurde. Die Fischer brachten ihn nach Grand-Bourg; die Geschichte wurde weltberühmt durch Callahans Buch Adrift und machte Marie-Galante kurzzeitig international bekannt als Ort menschlicher Solidarität.

Am 8. Januar 1994 schlossen sich die drei Gemeinden Marie-Galantes zur Communauté de communes de Marie-Galante zusammen – der ersten interkommunalen Einheit in einem französischen Überseedepartement. Diese Struktur (heute Pays Marie-Galante) koordiniert Tourismus, Abfallwirtschaft, Wirtschaftsentwicklung und Infrastruktur, mit Präsidentin Maryse Etzol (seit 2015). Sie stärkte die lokale Autonomie innerhalb des Département-Status.

Institutionelle Veränderungen betrafen den Archipel: 2007 trennten sich Saint-Martin und Saint-Barthélemy durch Referenden von Guadeloupe und wurden zu eigenen Collectivités d’Outre-Mer (COM) mit erweiterter Autonomie. Guadeloupe umfasst seither Grande-Terre, Basse-Terre, Marie-Galante, La Désirade und Les Saintes.

Die Nachkriegsjahrzehnte brachten Fortschritte: Tourismusboom ab den 1980er Jahren (Strände, Windmühlen, Rumroute), EU-Fonds als äußerste Region (seit Maastricht-Vertrag 1992) und kulturelle Renaissance (Festival Terre de Blues seit 1999). Doch Herausforderungen blieben: Der Generalstreik 2009 (LKP-Bewegung) gegen hohe Lebenshaltungskosten und Monopole lähmte die Insel 44 Tage und erzwang Zugeständnisse. Umweltprobleme wie Chlordecon-Vergiftung (Pestizid aus Bananenanbau) und Hurrikane (zum Beispiel Maria 2017) belasteten die Landwirtschaft. Die Bevölkerung sank kontinuierlich – von rund 16.000 (1960er) auf etwa 10.400 heute – durch Abwanderung und Alterung.

Während der Coronazeit war Marie-Galante – wie der Rest von Guadeloupe – stark von den Maßnahmen der französischen Regierung betroffen. Aufgrund der Insellage versuchte man zunächst, das Virus durch strenge Einreise- und Kontaktbeschränkungen fernzuhalten. Das öffentliche Leben kam zeitweise weitgehend zum Stillstand, was vor allem für den Tourismus und viele kleine Betriebe wirtschaftlich schwierig war.

Proteste gab es auf Marie-Galante selbst nur in sehr begrenztem Umfang. Größere und teils heftige Demonstrationen fanden vor allem auf den Hauptinseln von Guadeloupe (Basse-Terre und Grande-Terre) statt, insbesondere 2021. Dort richteten sich die Proteste gegen Impfpflichten für bestimmte Berufsgruppen, den Gesundheitspass sowie generell gegen soziale Ungleichheiten und die starke Abhängigkeit von Entscheidungen aus dem französischen Mutterland. Auf Marie-Galante äußerte sich der Unmut eher ruhig: durch Diskussionen in der Bevölkerung, vereinzelt lokale Versammlungen oder symbolische Aktionen, aber nicht durch größere, landesweit wahrgenommene Proteste.

Verwaltung

Die Insel Marie Galante ist seit 1946 ein Teil des Arrondissements Pointe à Pitre im französischen Überseedepartment Guadeloupe. Seit 1994 bilden die drei Inselgemeinden eine Großgemeinde (communauté des communes), die Communauté de communes de Marie-Galante (CCMG).

Seit Beginn der französischen Kolonisation war Marie-Galante verwaltungstechnisch dem Distrikt Pointe-à-Pitre zugeordnet, mit Ausnahme der Revolutionszeit von 1793/94. Und während dieser kurzen Zeit war dieses Gebiet republikanisch, während der Rest des Archipels von Guadeloupe monarchisch blieb.


Herrschaftsgeschichte

  • um -300 bis 9. Jahrhundert Stammesgemeinschaften der Arawak (Taino)
  • 9. Jahrhundert bis 6. November 1648 Stammesgemeinschaften der Kariben  (Kalinago)
  • 6. November 1648 bis 1664 Kolonie Amerikanische Inseln (Colonie des Îles de l’Amerique) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
  • 1664 bis Dezember 1674 Kolonie Westindien (Colonie des Indes Occidentales) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
  • Dezember 1674 bis 26. Mai 1759 Kronkolonie Guadeloupe (Colonie de Guadeloupe) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
  • 26. Mai 1759 bis 2. Juli 1763 Königreich Großbritannien (Kingdom of Great Britain)
  • 4. Juli 1763 bis 1768 Kronkolonie Guadeloupe (Colonie de Guadeloupe) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
  • 1768 bis 1775 Kolonie Französische Antillen (Antilles françaises) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
  • 1775 bis 1. November 1792 Kronkolonie Guadeloupe (Colonie de Guadeloupe) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
  • 1. November 1792 bis 12. Februar 1793 Republik Marie Galante (République de Marie-Galante)
  • 12. Februar 1793 bis 20. April 1794 Kolonie Guadeloupe (Colonie de Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
  • 20. April bis 4. Juni 1794 Königreich Großbritannien (Kingdom of Great Britain)
  • 4. Juni 1794 bis 25. Oktober 1797 Kolonie Guadeloupe (Colonie de Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
  • 25. Oktober 1797 bis 19. April 1801 Department Guadeloupe (Département Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
  • 19. April 1801 bis 18. MaI 1804 Republik Frankreich (République française)
  • 18 Mai 1804 bis 6. Februar 1810 Kaiserreich Frankreich (Empire français)
  • 6. Februar 1810 bis 7. Dezember 1814 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
  • 7. Dezember 1814 bis 1. März 1815 Königreich Frankreich (Royaume de France)
  • 1. März bis 22. Juni 1815 Kaiserreich Frankreich (Empire français)
  • 22. Juni bis 10. August 1815 Königreich Frankreich (Royaume de France)
  • 10. August 1815 bis 26. Juli 1816 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
  • 26. Juli 1816 bis 24. Juni 1940 Frankreich (1816 bis 1848 Royaume de France, 1848 bis 1852 République française, 1852 bis 1870 Empire français, 1870 bis 1940 République française)
  • 24. Juni 1940 bis 14. Juli 1943 Französischer Staat (État français) mit Sitz in Vichy
  • 14. Juli 1943 bis 14. Juni 1946 Republik Frankreich (République française)
  • 19. März 1946 bis 28. März 2003 Department Guadeloupe (Département Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
  • seit 28. März 2003 Überseeregion Guadeloupe (Région d’outre mer de Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)

Legislative und Exekutive

Die Insel Marie-Galante besteht aus drei Gemeinden: Capesterre-de-Marie-Galante, Grand-Bourg (Hauptort) und Saint-Louis-de-Marie-Galante, die in der Communauté de communes de Marie-Galante (Gemeinschaft der Gemeinden von Marie-Galante), kurz C.C.M.G., zusammengeschlossen sind, deren Sitz sich in der Stadt Grand-Bourg befindet.

Inseloberhaupt

Höchster Repräsentant der Insel ist der Präsident des Gemeindeverbandes.


Gouverneurs de Marie-Galante (Gouverneure von Marie Galante)

  • 4 Sep 1649 - 1653  Jacques de Boisseret († 1653)
  • 1653 - 1655  Madeleine Houël de Boisseret [w] (1613 - 1655)
  • 1670 - 1677  Jacques de Boisseret, Chevalier de Thémericourt († 1677)
  • 1679 - 1686  Charles-François d'Angennes, Marquis de Maintenon(1648 - 1691)
  • 1 Jan 1686 - 1692  Charles Auger de La Motte (um 1640 - 1705)
  • 1695 - 1696  de Laurière (de Poincy, † 1696)
  • 1696 - 1702  Bonaventure-François de Boisfermé (1661 - 1722)
  • 23 Aug 1714 - 1723  Charles de Brunier, Marquis de Larnage (Königlicher Leutnant, 1687 - 1746)
  • Jun 1723 - 1724  Ravary (Königlicher Leutnant, † 1724)
  • 1724 - 1725  Robert Philippe de Longvilliers de Poincy [amtierend] (1671? - 1761)
  • 1725 - 1726  La Chassagne [amtierend]
  • Mar 1726 - 1729  Pierre Le Bègue († 1729)
  • 1729 - 1748  Robert Philippe de Longvilliers de Poincy [2]
  • 1748? - 1752?  Joseph de Jarrier de La  Chassaigne (Königlicher Leutnant)
  • 15 Feb 1752 - 1759  Nicolas Baptiste des Merliers de Longueville (1688 - 1761)
  • 1759 - 26 Mai 1759  Joseph de Jarrier de La Chassaigne [2, amtierend]

British Governor (Britischer Gouverneur)

  • 1759 - 1763  Francis Maclean (1717? - 1781)

Governeurs particulaires (Teilgouverneure)

  • 1763 - 1776  Marc Étienne de Joubert (1716 - 1784)
  • 1777 - Aug 1779  Pierre Joseph de Neyon de Villiers (1718 - 1780)
  • 1779 - 27 Jun 1785  Auguste Lescuiller Descoudrelles (1785)
  • 1785? - 1790  Jean Étienne, Marquis de Ségur d‘Aguesseau (1731 - 1789)
  • 1790 - 1 Nov 1792  Emmanuel Joseph Desnoyers (1733 - um 1798)

Présidents de la Commission (Kommisionspräsidenten des Comité des Douze)

  • 1 Nov 1792 - 12 Feb 1793  Robert Philippe Claude Deshayes (Deshaies, 1740 - 1808) &  Dominique Murat (1742 - 1819)

Présidents de la Commission (Komissionspräsidenten)

  • 1 Nov 1792 - 20 Apr 1794  Deshaies

Présidents de la Communauté de communes de Marie-Galante (Präsidenten des Gemeindeverbands Marie Galante)

  • 2005 - 2014 Harry Selbonne
  • 2014 - 2015 Marlène Miraculeux-Bourgeois [w]
  • seit 2015 Maryse Etzol [w]

Politische Parteien

Marie-Galante verfügt über keine eigenen, ausschließlich inselspezifischen politischen Parteien, sondern ist in das politische System von Guadeloupe und Frankreich eingebunden. Die politische Landschaft auf der Insel spiegelt daher weitgehend die Parteien und Bewegungen wider, die auch in Guadeloupe insgesamt aktiv sind, wobei lokale Persönlichkeiten und kommunale Interessen eine besonders große Rolle spielen.

Auf kommunaler Ebene, also in den drei Gemeinden Grand-Bourg, Capesterre-de-Marie-Galante und Saint-Louis, dominieren häufig lokale Wahllisten und parteiunabhängige Kandidaten. Diese konzentrieren sich stärker auf konkrete Themen wie Infrastruktur, Landwirtschaft, Wasserversorgung oder wirtschaftliche Entwicklung als auf strikte Parteiprogramme. Persönliche Bekanntheit und Vertrauen innerhalb der Gemeinschaft sind dabei oft entscheidender als eine klare Parteizugehörigkeit.

Gleichzeitig sind auf Marie-Galante auch Vertreter größerer politischer Strömungen präsent, die in Guadeloupe und Frankreich aktiv sind. Dazu zählen linke und linksautonome Parteien wie sozialistische, kommunistische oder autonomistische Bewegungen, die sich für soziale Gerechtigkeit, stärkere Selbstverwaltung und die Berücksichtigung kolonialer Geschichte einsetzen. Daneben gibt es Parteien des französischen politischen Spektrums, etwa aus dem zentristischen oder konservativen Bereich, die vor allem bei nationalen Wahlen wie Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen eine Rolle spielen.

Justizwesen und Kriminalität

Marie-Galante, eine kleine, ländliche Insel mit etwa 10.400 Einwohnern als Abhängigkeit des französischen Überseedepartements Guadeloupe, verfügt über ein Justizwesen, das vollständig in das französische Rechtssystem integriert ist, aber aufgrund der Isolation und geringen Größe stark dezentralisiert und abhängig von der Hauptinsel bleibt. Es gibt keine eigenen Gerichte vor Ort – alle Verfahren werden beim Tribunal judiciaire de Pointe-à-Pitre (für den östlichen Teil Guadeloupes, einschließlich Marie-Galante) oder in Basse-Terre abgewickelt. Schwere Straffälle landen bei der Cour d’appel in Basse-Terre. Um den Zugang zur Justiz zu erleichtern, hat das Tribunal de Pointe-à-Pitre seit 2025 auswärtige Sitzungen (audiences foraines) eingeführt: Die erste penale Audience fand am 12. Dezember 2025 in der Salle des Fêtes von Grand-Bourg statt, wo lokale Angeklagte direkt vor Magistraten und Greffiers verhandelt wurden. Diese Initiative der Procureure Caroline Calbo und des Justizministeriums soll regelmäßig wiederholt werden, um den Inselbewohnern lange Reisen zu ersparen und den öffentlichen Justizdienst zugänglicher zu machen.

Die polizeiliche Präsenz obliegt der Gendarmerie nationale mit der Brigade territoriale autonome (BTA) de Grand-Bourg (Rue du Docteur Félix Selbonne). Eine kleine Einheit von etwa 4 bis 6 Gendarmen übernimmt Patrouillen, Verkehrsüberwachung, Umweltschutz und Erstinterventionen. Es gibt keine Police nationale auf der Insel – die Gendarmerie ist allein zuständig. Bei Bedarf werden Verstärkungen aus Pointe-à-Pitre oder mobile Einheiten hinzugezogen. Gerichtsvollzieher (Huissiers) und Notare kommen bei Bedarf von der Hauptinsel.

Die Kriminalität auf Marie-Galante ist im Vergleich zu urbanen Gebieten Guadeloupes wie Pointe-à-Pitre niedrig und konzentriert sich auf Eigentumsdelikte. Guadeloupe insgesamt weist einen hohen Kriminalitätsindex auf (zirka 62 Delikte pro 1.000 Einwohner 2024), doch auf Marie-Galante liegt der Fokus auf Einbrüchen (Cambriolages), Diebstählen und kleineren Drogenfällen. In Capesterre-de-Marie-Galante wurden 2024 etwa 70 Delikte registriert (Taux zirka 22 pro 1.000 Einwohner) – niedriger als der Departementsdurchschnitt, aber steigend. Schwere Gewaltkriminalität ist selten, doch Einzelfälle wie ein Mord mit Harpune 2023 oder ein Schuss auf eine Gendarme-Wohnung 2024 (mit 5 Jahren Haft 2025 verurteilt) machen Schlagzeilen. Häufige Probleme sind nächtliche Einbrüche, oft organisiert, sowie häusliche Gewalt und Drogenhandel (Cannabis oder Kokain-Transit).

Die Zunahme der Delinquance in den letzten Jahren (ähnlich wie in Guadeloupe um 10 bis 15 % in manchen Kategorien) führt zu wachsendem Unsicherheitsgefühl: Bewohner und Händler organisieren Petitionen und Proteste, zum Beispiel nach spektakulären Einbrüchen wie dem Angriff auf einen Post-Geldautomaten mit Bagger 2024. Ursachen sind Jugendarbeitslosigkeit, wirtschaftliche Probleme, Abwanderung und die Isolation der Insel. Die Gendarmerie reagiert mit Prävention, Patrouillen und gemeinsamen Operationen (zum Beispiel mit Douanes und Brigade nautique 2025 gegen Schmuggel). Die Aufklärungsrate bei lokalen Delikten ist hoch, da die kleine Gemeinschaft Kooperation erleichtert.

Flagge und Wappen

Marie-Galante, als Abhängigkeit des französischen Überseedepartements Guadeloupe, besitzt keine offizielle eigene Flagge oder ein heraldisches Wappen im klassischen Sinne, wie es bei unabhängigen Staaten oder Regionen üblich ist. Stattdessen verwendet die Insel die Symbole Frankreichs (die Trikolore als offizielle Flagge) und lokale, inoffizielle oder institutionelle Embleme, die ihre Identität als „Insel der hundert Mühlen“ und kreolische Kultur betonen. Historisch gab es keine kontinuierliche Tradition eigener Symbole, da Marie-Galante administrativ immer Guadeloupe untergeordnet war.

Die Flagge Marie-Galantes ist inoffiziell und wird hauptsächlich durch das Logo der Communauté de communes de Marie-Galante (gegründet 1994) repräsentiert. Dieses Logo zeigt typischerweise stilisierte Elemente wie Windmühlen, das Meer, Palmen oder die runde Form der Insel auf weißem Grund und dient als quasi-offizielle Flagge bei lokalen Veranstaltungen, Tourismuswerbung oder interkommunalen Aktivitäten.

Es gibt keine historische Flagge aus der Kolonialzeit; während französischer Herrschaft wehte die Trikolore, unter britischen Besatzungen (z1759 bis 1763 oder 1808 bis 1815) die Union Jack. Unabhängigkeitsbewegungen (marginal) verwenden gelegentlich Varianten der inoffiziellen Guadeloupe-Flagge (schwarz mit Sonne und Zuckerrohr), doch diese sind nicht spezifisch für Marie-Galante.

Ein Wappen im heraldischen Sinn existiert ebenfalls nicht offiziell. Historische Erwähnungen beziehen sich auf das Wappen des Gouverneurs Monsieur de Boisseret de Temericourt (1665), das auf einer alten Karte der Insel abgebildet war – ein persönliches Familienwappen, das nicht die Insel selbst repräsentierte.

Moderne Embleme sind Logos: Das der Communauté de communes zeigt oft Windmühlen, Wellen und grüne Elemente, symbolisierend die Zuckerrohrtradition, das Meer und die Natur. Die drei Kommunen (Grand-Bourg, Capesterre-de-Marie-Galante, Saint-Louis) haben keine eigenen Wappen; stattdessen nutzen sie französische oder lokale Motive. Diese inoffiziellen Symbole entstanden erst im 20. Jahrhundert mit dem Tourismus und der interkommunalen Struktur 1994. Sie betonen die einzigartige Identität Marie-Galantes – authentisch, ländlich und kreolisch – ohne formelle Heraldik. Offiziell gilt die französische Trikolore, ergänzt durch das Logo der Communauté als lokales Erkennungszeichen.

Hauptstadt

In vorkolumbischer Zeit existierten verteilte Dörfer ohne zentrale Hauptstadt. Unter spanischer nomineller Souveränität (1493 bis 1648) blieb die Insel unkolonisiert, und die erste französische Siedlung war für kurze Zeit Vieux-Fort. Mit der Stabilisierung der Kolonie ab Ende des 17. Jahrhunderts wurde Grand-Bourg zum Verwaltungssitz und blieb dies auch nach der Gründung der Communauté de communes 1994.

Grand-Bourg (auch Grand-Bourg de Marie-Galante genannt), ist der größte und wirtschaftlich wichtigste Ort mit dem Hauptport, dem Flughafen und den meisten Verwaltungseinrichtungen. Grand-Bourg ist der zentrale Ort für Handel, Tourismus und Administration und wird oft als „Hauptstadt“ oder „capitale“ der Insel bezeichnet. Die erste dauerhafte Siedlung entstand zwar 1648 in der Nähe von Vieux-Fort (heute in der Kommune Saint-Louis), doch nach Konflikten und Massakern wie jenem des Jahres 1653 verlagerte sich der Schwerpunkt rasch auf den südwestlichen Bereich, wo Grand-Bourg entstand. Der Ort entwickelte sich zum Hauptbourgs (großen Bourg) mit Hafen und Plantagen, und seit der Etablierung der Kommunen im 19. Jahrhundert, 1837 Teilung in Grand-Bourg bourg und campagne und der Wiesdervereinigung 1850 ist er offiziell der Chef-lieu. Während der Revolution (1792 bis 1794) hieß der Ort kurz „Réunion“, behielt aber seine zentrale Rolle.

Verwaltungsgliederung

Während das Inselgebiet vor der kantonalen Neuaufteilung von 2014 in drei Kantone aufgeteilt war, gibt es seit 2015 nur noch einen Kanton: Marie-Galante. Die Insel Marie Galante besteht aus drei Gemeinden.

Nummer Villes Fläche (km²) Einwohner 2018 Dichte (E/km²)
1 Grand-Bourg 55,54 4.941 88,96
2 Capesterre 46,19 3.293 71,29
3 Saint-Louis 56,28 2.421 43,02


           Verwaltungseinheiten:

           3 communes (Gemeinden)

Bevölkerung

Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 158,01 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/qkm)

           1850                13 500               85,44

           1889                14 300               90,51

           1901                15 200               96,20

           1912                19 000             120,25

           1921                22 000             139,24

           1926                22 500             142,41

           1931                25 400             160,76

           1938                29 700             187,97

           1946                29 300             185,44

           1954                16 000             101,27

           1961                16 300             103,16

           1967                15 867             100,42

           1971                15 900             100,63

           1974                15 912             100,71

           1981                13 790               87,28

           1982                13 757               87,07

           1990                13 473               85,27

           1999                12 488               79,04

           2001                12 800               81,01

           2002                13 050               82,59

           2003                13 250               83,86

           2004                13 470               85,25

           2005                13 600               86,07

           2006                13 500               84,43

           2007                13 000               82,27

           2008                12 500               79,11

           2009                12 000               75,94

           2010                11 561               73,17

           2011                11 404               72,17

           2012                11 500              72,78

           2013                11 528              72,96

           2014                11 066               70,03

           2015                10 966              69,40

           2016                10 867              68,77

           2017                10 760              68,10

           2018                10 655              67,43

           2019                10 650              67,40

           2020                10 642              67,35

           2021                10 550              66,77

           2022                10 422              65,96


Die Bevölkerung sank von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 0,504 % pro Jahr.

Volksgruppen

Die Mehrheit der Bewohner (geschätzt über 90 %) hat afrikanische Wurzeln, Nachkommen der versklavten Afrikaner, die ab dem späten 17. Jahrhundert für die Zuckerplantagen importiert wurden. Bereits 1671 machten Schwarze 57 % der Population aus, und diese Gruppe wurde rasch dominant. Heute bilden sie den Kern der kreolischen Kultur, mit Traditionen wie Gwo Ka-Musik, Veillées und kreolischer Sprache.

Ein signifikanter Anteil stammt von indischen Kontraktarbeitern (Indo-Marie-Galantais), die nach der Abschaffung der Sklaverei 1848 angeworben wurden. Ab 1854 kamen Tausende (hauptsächlich aus Tamil-Regionen und Pondichéry) mit Verträgen von 3 bis 5 Jahren; viele blieben und integrierten sich. Ihre Nachkommen bereichern die Gesellschaft mit Elementen wie Hindu-Tempeln, Curry-Gerichten und Familienstrukturen, obwohl die indische Identität stark kreolisiert ist.

Europäische Abstammung (meist französisch, aber auch niederländisch-jüdisch aus dem 17. Jahrhundert) ist in einer kleinen Minderheit vertreten, oft in der ehemaligen Plantagenelite (Békés). Jüdische Siedler aus Brasilien brachten im 17. Jahrhundert Zuckertechniken mit. Heutige Métropolitains (aus Frankreich Hexagonal) sind meist temporär (Beamte, Lehrer, Rentner) und machen einen geringen, aber wachsenden Anteil aus.

Indigene Spuren (Arawak und Kariben, die die Insel Aïchi nannten) sind fast vollständig verschwunden; die Ureinwohner wurden durch Kolonisierung, Krankheiten und Vertreibung dezimiert. Genetische und kulturelle Einflüsse persistieren minimal in der kreolischen Mischung.

Moderne Zuwanderung ist gering. Einige Zuzügler aus Haiti, Dominikanischer Republik oder anderen Karibikinseln, sowie Rückkehrer aus der Diaspora. Die Gesellschaft ist stark kreolisch gemischt (métissage), mit fließenden Identitäten – „indo-européenne et africaine“ als historischer Kern. Soziale Schichten basieren eher auf Klasse und Herkunft als auf reiner Ethnie, doch die kreolische Kultur dominiert: Katholizismus mit afrikanischen Elementen, Feste wie Karneval und eine starke lokale Identität trotz Abwanderung.

Sprachen

Auf Marie-Galante wird überwiegend Französisch als Amts- und Bildungssprache gesprochen, da die Insel seit 1946 Teil des französischen Überseedepartements Guadeloupe ist. Das Französische ist in Verwaltung, Schule, Medien und offiziellen Kontexten dominant und wird von praktisch allen Bewohnern verstanden und genutzt. Es handelt sich um Standardfranzösisch mit leichten regionalen Akzenten, die durch kreolische Einflüsse geprägt sind.

Die alltägliche Umgangssprache der Mehrheit der etwa 10.400 Einwohner ist jedoch das Guadeloupean Creole (Krèyol Gwadloup oder einfach Krèyol), eine kreolische Sprache auf französischer Basis mit starken afrikanischen (westafrikanische Substrate), indischen, karibischen und englischen Einflüssen. Auf Marie-Galante wird eine lokale Variante gesprochen, die oft als Mawigalant oder Marigalant bezeichnet wird und sich durch phonetische Besonderheiten und Vokabular aus der Zuckerrohr- und Rumtradition auszeichnet. Krèyol ist die Sprache des familiären und gemeinschaftlichen Lebens, der Veillées (Abendzusammenkünfte), der Musik (zum B eispiel Gwo Ka) und vieler Feste. Es wird oral überliefert und hat eine wachsende schriftliche Tradition, in Literatur, Liedtexten oder lokalen Medien. Seit den 1980er Jahren gibt es Bemühungen um Standardisierung und Unterricht in Kreol (CAPES Créole seit 2002), doch es bleibt primär eine gesprochene Sprache.

Englisch wird von Teilen der Bevölkerung verstanden, vor allem im Tourismus oder durch Kontakte mit anglophonen Nachbarinseln (speziell Dominica), ist aber nicht weit verbreitet. Indische Sprachen wie Tamil oder Hindi sind durch die Nachkommen der Kontraktarbeiter (ab 1854) in Spuren erhalten, etwa in religiösen Ritualen oder Familiennamen, haben sich aber weitgehend in das Kreol integriert. Indigene Sprachen der Arawak und Kariben (Island Carib) sind seit der Kolonisierung ausgestorben; nur wenige Wörter (zum Beispiel für Pflanzen oder Orte) überleben im Kreol.

Religion

Die Religion auf Marie-Galante ist stark vom Katholizismus geprägt, der seit der französischen Kolonisierung im 17. Jahrhundert die dominante Konfession darstellt. Als Teil des französischen Überseedepartements Guadeloupe gehört die Insel zur Diözese Basse-Terre et Pointe-à-Pitre, und der Katholizismus ist tief in der kreolischen Kultur verwurzelt. Jede der drei Kommunen – Grand-Bourg, Capesterre-de-Marie-Galante und Saint-Louis – verfügt über eine eigene Pfarrkirche: Die Église de l’Immaculée Conception in Grand-Bourg, die Église Notre-Dame de l’Assomption in Capesterre und die Église Saint-Louis in Saint-Louis. Diese Kirchen sind nicht nur Gottesdienstorte, sondern auch zentrale Treffpunkte für Feste, Prozessionen und Gemeindeleben. Patronatsfeste (Fêtes patronales) wie die der Unbefleckten Empfängnis oder der Himmelfahrt werden mit Messen, Umzügen und traditioneller Musik gefeiert. Der Katholizismus ist synkretistisch: Er mischt sich mit afrikanischen Elementen aus der Sklavenzeit, etwa in Form von Gebeten für Schutz oder Heilung, und bleibt für die Mehrheit der etwa 10.400 Einwohner die Hauptreligion, auch wenn die Kirchenbesuche rückläufig sind.

Neben dem Katholizismus gibt es kleinere protestantische Gemeinden, vor allem adventistische und pfingstlerische Kirchen, die seit dem 20. Jahrhundert durch Missionare aus den USA oder anderen Karibikinseln Fuß gefasst haben. Diese Gruppen sind in den letzten Jahrzehnten gewachsen und ziehen vor allem jüngere oder sozial benachteiligte Bewohner an, die dynamischere Gottesdienste mit Musik und Gemeinschaft suchen.

Durch die indischen Kontraktarbeiter ab 1854 ist der Hinduismus präsent, wenn auch in einer stark kreolisierten Form. Kleine Tempel (zum Beispiel in Capesterre oder Grand-Bourg) dienen hinduistischen Familien für Puja-Rituale, Diwali-Feiern oder Hochzeiten. Die indische Gemeinschaft ist zahlenmäßig klein, doch ihre Traditionen bereichern das kulturelle Leben, etwa durch Tänze oder Küche.

Andere Religionen sind marginal: Einige Zeugen Jehovas, adventistische Gruppen oder individuelle Muslime (durch moderne Immigration). Atheismus oder Agnostizismus nimmt in jüngeren Generationen zu, beeinflusst durch Säkularisierung und Abwanderung.

Traditionelle afrikanische Glaubenspraktiken überleben in synkretistischer Form im Quimbois (lokale Magie und Heilkunde), das Elemente von Vodun-ähnlichen Ritualen, Kräutern und Schutzgebeten enthält. Quimbois wird nicht als Religion, sondern als spirituelle Praxis betrachtet und ist bei vielen Katholiken akzeptiert – ein Beispiel für die kreolische Vermischung von Christentum und afrikanischen Wurzeln.

Siedlungen

Die Hauptsiedlungen der Insel sind Grand-Bourg, Saint-Louis und Capesterre.

Villes Z 1974 Z 1982 Z 1990 Z 1999 Z 2006 Z 2011 S 2012 S 2013 S 2015 S 2016 S 2017 S 2018
Grand-Bourg 5.146 6.150 6.244 5 707 5 085 5 470 5.423 5.564 5j.179 5.085 5.012 4.941
Capesterre 6.611 3.983 3.825 3 469 3 310 3 352 3.330 3.389 3.310 3.310 3.301 3.293
Saint-Louis 4.155 3.624 3.404 2 833 2 472 2 582 2.535 2.575 2.477 2.472 2.447 2.421


Grand-Bourg, der größte und zentrale Ort, liegt an der Südwestküste und ist der Verwaltungssitz (Chef-lieu) sowie wirtschaftliches Herz der Insel. Von hier aus verkehren Fähren nach Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe, dazu kommt der nahegelegen kleine Flughafen Marie-Galante. Der Ort entstand im 17. Jahrhundert als Handels- und Plantagenzentrum und trägt Spuren dieser Geschichte: Die Kirche Église de l’Immaculée Conception, der Marktplatz mit bunten Ständen für Obst, Rum und Gewürze sowie das Rathaus prägen das Bild. Grand-Bourg ist lebendig, mit Cafés, Restaurants und dem Sitz der Communauté de communes. Hier finden viele Feste statt, wie das Terre de Blues Festival, und der Ort dient als Einstiegspunkt für Touristen, die die Strände von Petite-Anse oder die Destillerien besuchen.

Capesterre-de-Marie-Galante, an der Südostküste gelegen, ist die zweitgrößte Kommune. Der Name „Capesterre“ bedeutet „Kap im Osten“ und bezieht sich auf die Lage gegenüber der Passatwinde. Der Ort ist bekannt für seine landwirtschaftliche Prägung und die Nähe zu spektakulären Naturstellen wie der Gueule Grand Gouffre (einer natürlichen Felsbogenformation) und dem Strand von Petite-Anse. Die Kirche Notre-Dame de l’Assomption dominiert den Ortskern, umgeben von kreolischen Häusern und kleinen Geschäften. Capesterre war historisch ein wichtiges Zentrum der Zuckerproduktion mit vielen erhaltenen Windmühlen (z. B. die Mühle von Bézard). Heute leben viele Fischer und Landwirte hier, und der Ort wirkt ruhiger als Grand-Bourg, mit einem starken Gemeinschaftsgefühl und Traditionen wie dem Ochsenkarrenrennen.

Saint-Louis, an der Nordwestküste, ist die kleinste der drei Kommunen. Der Ort erstreckt sich entlang einer flachen Bucht mit einem Fischerhafen, der für seinen lebendigen Fischmarkt bekannt ist. Die erste französische Siedlung 1648 lag in der Nähe (Vieux-Fort), doch nach Konflikten verlagerte sich das Zentrum. Die Kirche Saint-Louis und der Platz davor sind Treffpunkte für lokale Veranstaltungen. Saint-Louis ist besonders für seine Strände (wie Anse Canot) und die Nähe zu Mangroven geschätzt, die Kajaktouren ermöglichen. Der Ort hat eine entspannte Atmosphäre, geprägt von Fischerei und Rumdestillerien, und wirkt am authentischsten – fernab des Tourismusdrucks.

Verkehr

Marie-Galante ist nur per Fähre oder Kleinflugzeug von Guadeloupe aus erreichbar, mit regelmäßigen Verbindungen von Pointe-à-Pitre (rund eine Stunde Fahrzeit) oder Saint-François. Auf der Insel empfiehlt sich ein Mietwagen für die Erkundung der engen Straßen und abgelegenen Strände, da Busse unregelmäßig fahren und Taxis teuer sind.

Straßenverkehr

Das Straßennetz umfasst etwa 200 km, größtenteils asphaltiert, mit einer Ringstraße (RD 203), die die Insel umrundet und die drei Kommunen verbindet. Die Straßen sind schmal, kurvenreich und oft von Zuckerrohrfeldern oder Küsten gesäumt, was zu einer entspannten, aber vorsichtigen Fahrweise führt. Der Verkehr ist gering – Rushhours gibt es kaum, und Ochsenkarren oder landwirtschaftliche Fahrzeuge sind noch gelegentlich unterwegs. Mietwagen und Roller sind bei Touristen beliebt, Taxis und Busse (wenige Linien) verbinden die Orte. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt meist 50 bis 80 km/h, und Unfälle sind selten, aber durch Tiere auf der Straße oder Regen möglich. Seit den 1990er Jahren wurden Straßen ausgebaut (EU-Fonds), doch Schlaglöcher und Überflutungen nach Regen bleiben Probleme.

Es gibt mehrere Taxis und zahlreiche Fahrzeugvermietungen (Autos und Motorroller). Zwischen Grand-Bourg, Capesterre und Saint-Louis besteht eine Busverbindung.

Schiffsverkehr

Der Schiffsverkehr ist traditionell der wichtigste Verbindungsweg und bleibt essenziell für Güter und Personen. Der Hauptport liegt in Grand-Bourg, mit Fähren nach Pointe-à-Pitre (Express des Îles oder Valferry, Fahrzeit zirka 45 bis 60 Minuten, mehrere Abfahrten täglich). Kleinere Häfen in Saint-Louis (Fischerboote) und Capesterre dienen lokaler Fischerei und gelegentlichen Ausflügen.

Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert exportierten Segelschiffe Zucker und Rum, während Sklavenschiffe und Kontraktarbeitertransporte die Demografie prägten. Heute transportieren Fähren Autos, Waren und Passagiere; sie sind wetterabhängig und können bei starkem Seegang ausfallen. Fischerboote versorgen den lokalen Markt, und Yachten ankern in Buchten. Der Schiffsverkehr unterstreicht die Abhängigkeit von Guadeloupe: Ohne ihn wäre die Insel isoliert, doch er verbindet sie auch mit der karibischen Tradition der Seefahrt.

Im Jahr 2017 verkehrten zwei große konkurrierende Unternehmen jeweils etwa dreimal täglich zwischen den Häfen von Grand-Bourg, Saint-Louis und dem Hafen von Bergevin in Pointe-à-Pitre: Valferry und Island Express. Von Saint-Louis aus gibt es weitere Verbindungen. Die Überfahrt dauert etwa eine Stunde.

Lastkähne des autonomen Hafens von Pointe-à-Pitre und andere Schiffe ermöglichen den täglichen Transport von Waren aus dem Seehafen von Folle Anse, der seinen transatlantischen Handel mit dem französischen Festland und dem übrigen Europa sowie mit anderen Teilen Amerikas unter anderem über den Hafen von Pointe-à-Pitre und Jarry abwickelt.

Flugverkehr

Der Flughafen Marie-Galante (früherer Name Les Bases) liegt etwa 4 km nordöstlich von Grand-Bourg und ist der einzige Flugplatz der Insel. Er wurde in den 1950er Jahren als einfache Graspiste für kleine Propellermaschinen gebaut, um die Isolation der Insel zu mildern und den Transport von Personen und Gütern zu erleichtern. In den 1960er und 1970er Jahren wurde die Piste asphaltiert und verlängert (heute 1.240 Meter lang), um regelmäßige Verbindungen nach Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe aufzunehmen. Die Geschichte des Flughafens ist eng mit der Départementalisation 1946 verbunden: Französische Subventionen ermöglichten den Ausbau, und er diente zunächst vor allem Verwaltungs- und medizinischen Flügen. In den 1980er Jahren wuchs der Tourismus, und Air Guadeloupe (später Air Caraïbes) führte tägliche Flüge mit Cessna oder Twin Otter ein. Heute betreibt Air Caraïbes die Linie mit ATR-42-Maschinen (bis 48 Sitzplätze), mit mehreren täglichen Flügen nach Pointe-à-Pitre (Flugdauer zirka 20 Minuten). Der kleine Terminal ist bescheiden, mit Check-in, Wartebereich und Café, und der Flughafen bleibt ein vitaler Lifeline für medizinische Evakuierungen, Geschäftsreisen und Touristen. Er hat keine internationalen Flüge und ist wetterabhängig, da die Insel oft Passatwinden ausgesetzt ist.


Marie Galante Airport

  • französischer Name:  Aéroport de Marie-Galante
  • Code:  GBJ / TFFM
  • Lage:  15°52‘07“ N, 61°16‘20“ W
  • Seehöhe: 5 m (17 ft)
  • Entfernung: 5,5 km östlich von Grand-Bourg
  • Inbetriebnahme: 
  • Betreiber: Conseil Général de la Guadeloupe
  • Terminal: 1
  • Rollbahn: 1
  • Länge der Rollbahn:  1240 m (Asfalt)
  • Fluggesellschaften:  0
  • Flugzeug-Standplätze:  ca. 10
  • jährliche Passagierkapazität: 
  • jährliche Frachtkapazität: 

Wirtschaft

Marie Galanbte war in der Vergangenheit ein bedeutendes Zuckerproduktionszentrum. Ein Naturlehrpfad mit 70 Sehenswürdigkeiten, darunter zwei restaurierte Windmühlen (die Bézard-Mühle und die Bellevue-Destillerie), Wohnhäuser aus der Kolonialzeit und alte Zuckerfabriken (das Murat-Haus und die Murat-Mühle) bilden ein Netz von Wanderwegen, auf denen man die Insel und ihre Bewohner entdecken kann.

Wie die anderen Inseln der Region hat auch Marie-Galante den mit dem Tourismus einhergehenden wirtschaftlichen Wandel vollzogen. Die touristische Entwicklung basiert jedoch auf einer Politik der Erhaltung der Natur und des kulturellen Erbes, sei es präkolumbianisch, kolonial oder modern. Der Flughafen Marie-Galante befindet sich auf der Pointe des Basses, auf halbem Weg zwischen Grand-Bourg und Capesterre, was den Zugang zum Flughafen erschwert.

Landwirtschaft

Auf Marie Galante wurden frühen Tabak, Baumwolle, Kaffee und Indigo angebaut. Einst standen fast 100 Windmühlen zum Auspressen des Zuckerrohrs auf der Insel, was ihr den Beinamen l'île aux cent moulins („die Insel der 100 Mühlen“) einbrachte. Davon sind heute noch etwa 70 Türme zum Teil sichtbar. Hauptprodukt der Insel ist heute Rum (weiß und braun).

Die Kolonialwirtschaft stützte sich auf den Anbau von Tabak, Indigo, Kaffee und Baumwolle. Doch ab dem 17. Jahrhundert wurde der Zuckerrohranbau zu einer wichtigen Einnahmequelle. Diese Entwicklung setzte sich im 19. und 20. Jahrhundert fort und passte sich der Abschaffung der Versklavung von Afrikanern und der großen Zuckerkrise an.

Während der Dominanz der Zuckerrohrindustrie erhielt Marie-Galante den Spitznamen "die Insel der hundert Mühlen". Im Jahr 1818 gab es über hundert Mühlen zur Verarbeitung des Zuckerrohrs. Der Zuckerrohrsaft wurde zu Zucker oder Rum verarbeitet. Die Mühlen wurden ursprünglich von Ochsen angetrieben und ab 1780 durch Windmühlen ersetzt, die wiederum ab 1883 durch dampfbetriebene Mühlen ersetzt wurden.

Das 19. Jahrhundert brachte das Verschwinden des früheren Wirtschaftsmodells. Nach und nach wurde die kleine Zuckerraffination in größeren Fabriken abgewickelt, bis 1885 kontrollierten die fünf Standorte die Industrie. Im Jahr 1931 waren achtzehn Zuckerbrennereien und vier Fabriken in Betrieb. Im 20. Jahrhundert wurden die großen versklavten afrikanischen Plantagen gewaltsam abgeschafft und machten Platz für kleine, in Genossenschaften organisierte Betriebe. Die Landwirtschaft in Französisch-Westindien unterliegt jedoch dem globalen Wettbewerb, und zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es auf Marie-Galante nur noch eine Zuckerraffinerie (usine de Grande-Anse) und drei Destillerien (Bellevue, Bielle und Poisson). Der von ihnen hergestellte weiße Rum unterliegt einer kontrollierten Herkunftsbezeichnung (appellation d'origine contrôlée). Die ökologische Zuckerproduktion könnte eine innovative Entwicklung sein, aber die derzeitige politische Situation hat die europäischen Subventionen beendet, was die derzeitigen landwirtschaftlichen Praktiken gefährdet und somit die wirtschaftliche Zukunft von Marie-Galante und seiner Bewohner bedroht.

Forstwirtschaft

Die Wälder von Marie-Galante sind ein wesentlicher Bestandteil des natürlichen Erbes und tragen zur außergewöhnlichen Biodiversität bei. Die Vegetation reicht von trockenen Wäldern – die am besten erhaltenen der Guadeloupe-Inseln, besonders im östlichen Bereich um den Morne Piton – bis zu feuchteren Formationen im Inland. Diese Ökosysteme beherbergen über 1.000 Pflanzenarten, darunter endemische Arten und markante Bäume wie den Roten Gummibaum (Bursera simaruba), den Landesbirnbaum (Pouteria multiflora), den Tamarindenbaum oder den Meeres-Traubenbaum (Coccoloba uvifera). Das Office National des Forêts (ONF) verwaltet die öffentlichen Wälder des guadeloupischen Archipels, einschließlich denen von Marie-Galante, mit Schwerpunkten auf Biodiversitätsschutz, öffentlichem Zugang und Habitaterhaltung statt intensiver Nutzung.

Im Gegensatz zu gemäßigten Regionen, wo die Forstwirtschaft primär auf Holzproduktion abzielt, ist die Waldnutzung auf Marie-Galante durch mehrere Faktoren stark eingeschränkt: teils steiles Relief, feuchte Tonböden, unzureichende Wegeinfrastruktur und Schutzstatus vieler Gebiete. Die Holzernte bleibt minimal und beschränkt sich auf wenige hundert Kubikmeter pro Jahr, oft nur für lokale Bedürfnisse oder Pflegemaßnahmen. Eine strukturierte Holzindustrie fehlt weitgehend, da die Volumina zu gering sind, um Investitionen in Maschinen oder Sägewerke zu rechtfertigen. Stattdessen dominiert der Schutz vor Risiken wie Hurrikanen, Erosion und invasiven Arten die Managementstrategien des ONF.

Fischerei

Die Fischerei auf Marie-Galante ist eng mit dem maritimen Erbe der Insel verbunden. Die Küsten bieten reiche Fanggründe, geschützt durch Korallenriffe und Lagunen, mit über 80 Fischarten wie Thunfisch, Dorado (Goldmakrele), Rotbarsch, Papageifisch, Kaiserfisch sowie Langusten und Muscheln wie etwa Lambi. Traditionelle Techniken wie der Einsatz von Reusen (Casiers), Netzen oder Angeln zu Fuß dominieren. Die typischen Boote sind kleine Saintoises, flache, motorisierte Holzboote, die seit den 1960er Jahren von Fischern in den gesamten Kleinen Antillen genutzt werden. Die meisten Boote sind unter 8 Metern lang, was die kustennahe Fischerei begünstigt.

Im Jahr 2018 zählte die Insel etwa 48 professionelle Fischer – ein Rückgang um fast die Hälfte innerhalb eines Jahrzehnts. Sie verkaufen ihren Fang direkt auf Märkten in Capesterre-de-Marie-Galante, Grand-Bourg und Saint-Louis oder entlang der Küste. Häfen wie in Saint-Louis oder Capesterre dienen als Anlandestellen, wobei Probleme wie Versandung (zum Beispiel im Hafen von Capesterre) die Aktivitäten erschweren. Die Produktion bleibt lokal und saisonal; genaue Fangmengen sind nicht zentral erfasst, aber die Fischerei deckt einen wesentlichen Teil des Frischfischbedarfs der rund 10.000 Einwohner ab und beliefert Restaurants mit kreolischen Spezialitäten.

Handwerk

Das Handwerk auf Marie-Galante ist eng mit dem kreolischen Erbe und der Inselidentität verbunden. Es umfasst die Verarbeitung lokaler Materialien zu einzigartigen Produkten wie Schmuck aus Samen (graines locales), Früchten des Brotfruchtbaums (fruit à pain), Muscheln, Holz oder Kalabassen, Textilien (meist gefärbt mit traditionellem Indigo), Dekorationsgegenstände, Kleidung und Accessoires. Bekannte Ateliers wie „Les Amis de l’Indigo“ bewahren alte Techniken der Indigofärbung, während Boutiquen wie „Chez Zèles“ in Saint-Louis oder „Kaz a Perles“ ausschließlich handgefertigte Stücke von lokalen Künstlern und Produzenten anbieten. Viele Kreationen sind Unikate, oft mit Recycling-Elementen oder inspiriert von der Natur der Insel.

Zusätzlich ergänzt das Handwerk die agroalimentäre Tradition: Produkte wie Maniokmehl (aus Maniocries wie FARIMAG), Batterie-Sirup, Honig (zum Beispiel von der Miellerie Belle Hôtesse), Konfitüren, Öle und Liqueurs werden handwerklich hergestellt und in Boutiquen oder auf Märkten in Grand-Bourg, Saint-Louis und Capesterre-de-Marie-Galante verkauft. Diese Kombination aus Handwerk und lokalen Produkten findet sich in Geschäften wie Quintessence Creole oder HPA, die Souvenirs, Deko und Wellness-Artikel aus wertvollen Hölzern oder natürlichen Zutaten anbieten.

Im Gegensatz zu industrialisierten Regionen ist das Handwerk auf Marie-Galante kleinstrukturiert und familienbetrieben. Es leidet unter der doppelten Insellage (schwieriger Zugang zu Materialien und Märkten), begrenzter Infrastruktur und Konkurrenz durch Importe. Dennoch wächst es durch den Tourismus: Besucher schätzen authentische Souvenirs, die direkt bei den Machern gekauft werden können. Initiativen wie der GAL Pays de Marie-Galante fördern seit Jahren die Valorisation von Know-how, Artisanat und patrimoine, um eine nachhaltige „blaue und grüne“ Wirtschaft aufzubauen – mit Fokus auf Kreationen, die die Identität der Insel widerspiegeln.

Industrie und Rumproduktion

Die Industrie auf der Insel ist stark landwirtschaftlich geprägt und konzentriert sich nahezu ausschließlich auf die Verarbeitung von Zuckerrohr, insbesondere die Rumproduktion. Eine diversifizierte industrielle Landschaft wie in kontinentalen Regionen existiert nicht; stattdessen dominiert die agroindustrielle Filiale der Canne à sucre, ergänzt durch eine einzige verbliebene Sucrerie in Grande-Anse. Die Rumherstellung ist der wirtschaftliche Motor und trägt wesentlich zur lokalen Wertschöpfung bei, während Tourismus und Handwerk ergänzende Rollen spielen.

Die Rumproduktion auf Marie-Galante ist eine der renommiertesten der Karibik und basiert ausschließlich auf Rhum agricole aus reinem Zuckerrohrsaft. Die Insel profitiert von einem einzigartigen Terroir: kalkhaltigen Böden, intensiver Sonneneinstrahlung und traditioneller Bewirtschaftung, die hohe Zuckergehalte in der Canne ermöglichen. Charakteristisch sind die weißen Rhums mit 59° Alkoholgehalt – eine lokale Spezialität, die intensivere Aromen von frischer Canne, Früchten und Mineralität entfaltet. In drei Brennereien wird Rum hergestellt: Distillerie Bellevue, nördlich von Capesterre, Distillerie Bielle, nordöstlich von Grand-Bourg und Distillerie Poisson, an dem Weg von Grand-Bourg nach Saint-Louis.

Die Distillerie Bellevue in Capesterre-de-Marie-Galante ist die größte und modernste der Insel. Sie produziert jährlich über 900.000 Liter Rhum, ist Guadeloupes größter Exporteur und gilt als erste ökopositive Brennerei der Karibik mit 100% umweltfreundlicher Produktion. Ausgestattet mit hochmodernen Anlagen, darunter einer Kupferkolonne, erzeugt sie preisgekrönte Rhums mit fruchtigen Terroir-Noten, weiße Varianten (59° und 50°), alte Rhums und Punchs.

Die Distillerie Bielle nordöstlich von Grand-Bourg ist familiengeführt und bewahrt traditionelle Methoden: Handernte der Canne, Transport per Ochsenkarren und natürliche Gärung. Mit einer Produktion von rund 330.000 bis 600.000 Litern pro Jahr ist sie bekannt für komplexe, fruchtige Rhums (weiß, ambré und vieux), Liqueurs und eine charmante Atmosphäre mit Museum und Feldern.

Die Distillerie Poisson (bekannt für die Marke Père Labat) auf dem Weg von Grand-Bourg nach Saint-Louis ist die kleinste und artisanellste mit etwa 300.000 Litern jährlich. Sie betont Authentizität und Qualität vor Quantität, mit handwerklichen Prozessen und intensiven Aromen; der Père Labat ist weltweit bei Kennern geschätzt.

Wasserwirtschaft

Marie-Galante, die „Insel der hundert Mühlen“, ist eine Abhängigkeit Guadeloupes in den Kleinen Antillen mit einer Fläche von 158 km². Neben der traditionellen Landwirtschaft, insbesondere dem Zuckerrohranbau und der Rumproduktion, ist die Wasserwirtschaft (Gestion des ressources hydriques) ein zentrales Thema der lokalen Infrastruktur und Nachhaltigkeit. Aufgrund des flachen Reliefs und des karibischen Klimas mit ausgeprägten Trockenperioden fehlen oberflächliche Fließgewässer vollständig; die gesamte Versorgung mit Trink- und Nutzwasser basiert ausschließlich auf Grundwasser aus einer einzigen Nappe phréatique.

Die Wasserwirtschaft auf Marie-Galante ist geprägt von der starken Abhängigkeit von dieser unterirdischen Ressource, die durch Bohrlöcher und Captages erschlossen wird. Die Communauté de Communes de Marie-Galante (CCMG) ist für die Produktion, Behandlung, Speicherung und Distribution von Trinkwasser zuständig, während das Office de l’Eau Guadeloupe und die DEAL (Direction de l’Environnement, de l’Aménagement et du Logement) die Überwachung und Schutzmaßnahmen koordinieren. Ein Netz aus acht Piézometern misst kontinuierlich den Grundwasserspiegel. Ergänzend existiert der Staudamm Grand Bassin für Speicherung, und traditionelle Mares (kleine Teiche) werden rehabilitiert, um die Landwirtschaft zu entlasten und die Nappe zu schonen – seit 2022 laufen Projekte zur Restaurierung von Dutzenden dieser Gewässer.

Im Gegensatz zu kontinentalen Regionen mit vielfältigen Quellen und Flüssen ist die Wasserwirtschaft auf Marie-Galante hochgradig vulnerabel: Die Nappe wird intensiv genutzt, was zu einer progressiven Absenkung des Grundwasserspiegels führt (in den letzten Jahren Rückgänge von 3,6 bis 15,5 % je nach Messstelle). Häufige Dürreperioden verschärfen die Situation, sodass wiederholt Krisenstände erreicht werden und der Präfekt Restriktionen verhängt – wie Bewässerungsverbote, Reduzierung nicht essenzieller Nutzungen und Priorisierung der Trinkwasserversorgung. Zusätzliche Risiken sind die Salzwasserintrusion durch Überpumpung und steigenden Meeresspiegel sowie hohe Netzverluste durch Leckagen. Eine Entsalzungsanlage existiert nicht, da die Kosten und der Energieaufwand prohibitiv wären.

Energiewirtschaft

Die Gemeinde Saint-Louis hat eine Tochtergesellschaft der Industrie- und Handelskammer von Pointe-à-Pitre und entwickelt ein experimentelles Projekt für eine Fotovoltaikanlage. In der Ortschaft Capesterre, auf dem Morne Constant - dem am stärksten den vorherrschenden Winden ausgesetzten Ort der Insel - wurde ein Windpark errichtet, der zum Ziel der Energieunabhängigkeit der Insel (vor allem von fossilen Brennstoffen) im Rahmen der Entwicklung des Elektrizitätssystems von Guadeloupe beiträgt. Er besteht aus dreiundzwanzig zweiflügeligen, einziehbaren Windturbinen mit einer installierten Gesamtleistung von 1.380 kW, die von der Firma Quadran 5 betrieben werden.

Während 2017 mehr als zwei Drittel des auf der Insel verbrauchten Stroms von Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen in Guadeloupe erzeugt und über ein Unterseekabel importiert werden, haben die gewählten Vertreter von Marie-Galante ein Projekt zur Energieautonomie entwickelt, das auf 100 % lokalen erneuerbaren Energien in Verbindung mit einem Energiesparmodell und dem Einsatz von Elektrofahrzeugen basiert.

Es wird ein 7,5-MW-Biomassekraftwerk gebaut, das mit Bagasse (Rückstand aus der Zuckerrohrmahlung) und Haushaltsabfällen betrieben wird. Es wird durch 4 MW Photovoltaik- und Windkraftanlagen sowie einen Stromspeicher ergänzt werden. Was die Mobilität betrifft, so werden Elektrofahrzeuge und Ladestationen zum Einsatz kommen. Energieerzeugung und -verbrauch werden durch ein virtuelles Kraftwerk und ein intelligentes Stromnetz gesteuert.

Abfallwirtschaft

Die Abfallwirtschaft auf Marie-Galante wird von der Communauté de Communes de Marie-Galante (CCMG) organisiert, die seit 2008 für die Sammlung und Beseitigung von Haushaltsabfällen zuständig ist. Die Sammlung erfolgt door-to-door für Restmüll, ergänzt durch Points d’Apports Volontaires (BAV) für sortierbare Abfälle wie Glas, Papier, Kunststoff und Metall, die seit 2012 auf der gesamten Insel verteilt sind. Ein zentrales Regroupement-Center für Sperrmüll, Encombrants und spezielle Abfälle (unter anderem Elektrogeräte und Batterien) befindet sich am ehemaligen Schlachthof in Grande Savane (Grand-Bourg), wo pädagogische Betreuung und Kompostproduktion angeboten werden. Die alte Deponie in Folle-Anse wird rehabilitiert und dient teilweise als provisorischer Transitpunkt mit Quai de Transfert.

Im Gegensatz zu kontinentalen Regionen mit lokalen Verarbeitungsanlagen ist die Abfallwirtschaft auf Marie-Galante stark von logistischen und finanziellen Zwängen geprägt: Hohe Transportkosten per Schiff, begrenzte Infrastruktur, wilde Ablagerungen und die Vulnerabilität gegenüber Hurrikanen erschweren die Abläufe. Der Großteil der Abfälle landet in der Deponie La Gabarre, mit niedrigen Recyclingraten (ca. 20 % in Guadeloupe insgesamt). Dennoch fördert die CCMG aktiv die Prävention: Kostenlose Verteilung von Individualkompostern, Sensibilisierungskampagnen (zum Beispiel „Je protège mon île“), Förderung des Triage und Projekte wie Ressourcerien für Wiederverwendung. Der regionale Plan zielt auf „Zéro déchet“ bis 2035 ab, mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft.

Handel

Der Handel auf Marie-Galante gliedert sich in den lokalen Einzelhandel, Märkte und einen kleinen Exportsektor. Die drei Hauptorte – Grand-Bourg, Capesterre-de-Marie-Galante und Saint-Louis – beherbergen die meisten Geschäfte: Supermärkte (wie Ecomax, Leader Price oder kleinere Epiceries), Bäckereien, Apotheken, Tankstellen und Boutiquen für Kleidung, Souvenirs und Handwerk. Märkte finden regelmäßig statt, etwa der tägliche Fischmarkt in Saint-Louis, der Wochenmarkt in Grand-Bourg oder der Nachtmarkt in Capesterre, wo frischer Fisch, Gemüse, Früchte, Gewürze und kreolische Produkte direkt von Produzenten und Fischern verkauft werden. Diese Märkte sind zentrale Treffpunkte und stärken die lokale Kreislaufwirtschaft.

Der Import dominiert: Fast alle Konsumgüter – von Lebensmitteln über Baumaterialien bis zu Fahrzeugen – werden per Fähre aus Pointe-à-Pitre (Grande-Terre) angeliefert. Der Hafen von Grand-Bourg ist der wichtigste Umschlagplatz, ergänzt durch kleinere Anlegestellen in Saint-Louis und Capesterre. Hohe Transportkosten und Zölle führen zu deutlich höheren Preisen als auf dem Festland, was die Lebenshaltungskosten spürbar erhöht. Lokale Produkte wie Rum, Maniokmehl, Konfitüren, Honig und Handwerk werden hingegen in Boutiquen und direkt bei den Brennereien verkauft und decken einen Teil des Bedarfs.

Im Gegensatz zu städtischen oder kontinentalen Handelszentren fehlt auf Marie-Galante eine nennenswerte Großhandels- oder Industrieinfrastruktur. Der Export beschränkt sich fast ausschließlich auf Rum der drei Brennereien (Bellevue, Bielle, Poisson), der teilweise international vermarktet wird. Herausforderungen sind die begrenzte Lagerkapazität, Versandungsprobleme in Häfen, Abhängigkeit von Fährverbindungen und die Konkurrenz durch günstigere Importe. Dennoch fördern Initiativen der Communauté de Communes und des GAL Pays de Marie-Galante den lokalen Handel: Kurze Kreisläufe, Valorisation von Produkten mit Herkunftsbezeichnung und Unterstützung kleiner Händler sollen die Abwanderung von Kaufkraft verhindern.

Finanzwesen

Das Finanzwesen auf Marie-Galante ist geprägt von einer kleinen Anzahl von Bankfilialen, die primär in Grand-Bourg angesiedelt sind. Die wichtigsten Banken sind BNP Paribas (Agence in der Place de l’Église, Grand-Bourg), Crédit Agricole (Agence in der Rue du Presbytère, Grand-Bourg) und La Banque Postale (in den Postämtern der drei Hauptorte: Grand-Bourg, Capesterre-de-Marie-Galante und Saint-Louis). Diese Institutionen bieten Standardleistungen wie Kontenführung, Kredite, Sparprodukte, Zahlungsverkehr und Beratung für Privat- und Geschäftskunden. Geldautomaten (Distributeurs automatiques de billets, DAB) sind an den Filialen und Postämtern verfügbar, akzeptieren gängige Karten (Visa, Mastercard) und ermöglichen Bargeldabhebungen in Euro.

Im Gegensatz zu größeren Städten oder dem guadeloupischen Festland fehlen auf Marie-Galante spezialisierte Finanzdienstleister, Investmentbanken, Börsenmakler oder Fintech-Unternehmen. Viele komplexere Transaktionen (zum Beispiel größere Kredite oder Anlagen) erfordern oft eine Fahrt nach Pointe-à-Pitre. Herausforderungen sind die begrenzte Öffnungszeiten (meist vormittags und frühnachmittags, mit Pausen), höhere Gebühren durch Insellage, Abhängigkeit von Fährverbindungen für Bargeldtransporte und saisonale Engpässe bei Touristenhochsaison. Dennoch fördert die Communauté de Communes de Marie-Galante den Zugang zu Finanzdiensten, etwa durch Unterstützung lokaler Wirtschaftsprojekte via Bankkredite.

Soziales und Gesundheit

Im Sozialbereich sorgen mehrere EHPAD für die Betreuung älterer und abhängiger Personen: Die Résidence Médico-Sociale de Marie-Galante (Rimèd Razié) in Saint-Louis mit ca. 40 Plätzen, der EHPAD Saint-Christophe in der Polyclinique sowie weitere Einrichtungen wie eine Maison d’Accueil Spécialisée. Die Communauté de Communes de Marie-Galante koordiniert Hilfen für Familien, Behinderte und Bedürftige, unterstützt durch den Territoire d’Action Sociale (TAS), CCAS in den Kommunen und die CAF-Antenne in Grand-Bourg. Leistungen umfassen RSA, Prime d’Activité, Allocation aux Adultes Handicapés, APA, Familienbeihilfen und Insertionsmaßnahmen, oft in Kooperation mit der CGSS Guadeloupe und dem Département.

Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen auf Marie-Galante wird vom Centre Hospitalier Sainte-Marie in Grand-Bourg getragen, dem einzigen Krankenhaus der Insel. Es bietet einen Service de médecine (ca. 17 Betten), einen Centre Périnatal de Proximité (statt einer vollständigen Entbindungsstation, die seit September 2012 geschlossen ist), einen Pôle de Prévention et de Promotion de la Santé sowie einen 24-Stunden-Notdienst mit UHCD-Betten. Ergänzt wird es durch die private Polyclinique Saint-Christophe am selben Ort, die ambulante und stationäre Versorgung, Dialyse und weitere Spezialbereiche anbietet. Eine Einrichtung für die häusliche Pflege existiert in Form der Hospitalisation à Domicile (HAD) de Marie-Galante, die seit Mai 2017 (im Rahmen eines Kooperationsvertrags zwischen Polyclinique und Centre Hospitalier) komplexe Pflege zu Hause auf der gesamten Insel ermöglicht.

Niedergelassene Ärzte (vor allem Allgemeinmediziner), Zahnärzte und Spezialisten sind in den drei Hauptorten verteilt, ergänzt durch mehrere Apotheken (zum Beispiel Pharmacie du Soleil und Pharmacie Centrale in Grand-Bourg). Für Geburtshilfe, komplexe Chirurgie oder Spezialbehandlungen müssen Patienten oft per Fähre oder Hubschrauber nach Pointe-à-Pitre evakuiert werden. Personalmangel führt gelegentlich zu Einschränkungen, wie temporären Begrenzungen des Notdienstes.

Krankheiten

Die dominanten Gesundheitsprobleme auf Marie-Galante sind chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Hypertonie (Bluthochdruck) und Adipositas (Übergewicht). Diese sind in Guadeloupe und seinen Dépendances deutlich häufiger als im französischen Mutterland: Etwa 10–11 % der Bevölkerung leiden an Diabetes, 39 bis 45 % an Hypertonie, und Adipositas betrifft einen großen Teil der Erwachsenen. Auf Marie-Galante verstärkt die alternde Bevölkerung und begrenzte Zugang zu Spezialversorgung diese Belastung; das Centre Hospitalier Sainte-Marie und die Polyclinique behandeln viele Fälle dieser Art, oft mit Komplikationen wie kardiovaskulären Erkrankungen.

Zu den infektiösen Krankheiten gehören vektorübertragene Arboviroosen wie Dengue, die 2025 eine anhaltende Zirkulation zeigt – mit Intensivierung auf Marie-Galante und im gesamten Archipel. Frühere Epidemien von Chikungunya (stark 2014) und Zika (seit 2016) sind ebenfalls präsent, übertragen durch Aedes-Mücken. Leptospirose tritt saisonal nach Regenfällen auf und war 2024 in Capesterre-de-Marie-Galante besonders hoch (6,2 Fälle pro 10.000 Einwohner). Weitere Risiken umfassen Grippe (intensive Saison 2024/25), gelegentliche Sargassum-bedingte Atemprobleme und seltene Pflanzenkrankheiten wie das tödliche Vergilben der Palmen (erstmalig 2024/2025 auf der Insel entdeckt).

Bildung

Marie-Galante, die „Insel der hundert Mühlen“, ist eine Abhängigkeit Guadeloupes in den Kleinen Antillen mit einer Fläche von 158 km². Neben der traditionellen Landwirtschaft, insbesondere dem Zuckerrohranbau und der Rumproduktion, spielt die Bildung eine zentrale Rolle für die Zukunft der rund 10.000 Einwohner. Das Gebiet von Marie-Galante ist Teil der Akademie von Guadeloupe und gehört zum Pôle Grande-Terre Nord, der die Bezirke Grande-Terre Nord, Sainte-Anne und Saint-François umfasst. Die Schulverwaltung wird vom Rectorat de Guadeloupe koordiniert, wobei die Insel eigene Einrichtungen auf allen Stufen betreibt.

Das Bildungswesen auf Marie-Galante umfasst den Vorschul- und Primarbereich mit mehreren Écoles maternelles und Écoles élémentaires in den drei Kommunen Grand-Bourg, Capesterre-de-Marie-Galante und Saint-Louis. Insgesamt gibt es etwa ein Dutzend öffentliche Grundschulen sowie eine private Einrichtung unter Vertrag (École privée Saint-Joseph in Grand-Bourg). Diese Schulen bieten eine grundlegende Ausbildung mit kreolischen und französischen Elementen und integrieren oft lokale Themen wie Umweltschutz und kreolische Kultur.

Die Sekundarstufe I wird durch drei Collèges abgedeckt: das Collège Nelson-Mandela in Grand-Bourg, das Collège Rémy-Nainsouta in Capesterre-de-Marie-Galante und das Collège Saint-Charles in Saint-Louis. Sie nehmen Schüler ab der 6. Klasse auf und führen bis zum Brevet des Collèges.

Für die Sekundarstufe II steht das Lycée Polyvalent Hyacinthe-Bastaraud in Grand-Bourg zur Verfügung, das einzige Gymnasium der Insel. Es bietet allgemeine, technologische und berufliche Bildungsgänge an, darunter eine spezielle Vorbereitungsklasse für die Aufnahmeprüfung an der École Nationale de la Marine Marchande, einen Science-Po-Workshop zur Vorbereitung auf die Elitehochschule sowie eine berufliche Abteilung für Fischerei (Section Pêche), die auf die maritime Tradition der Insel abgestimmt ist. Das Lycée ermöglicht den Abschluss des Baccalauréat und ist für viele Jugendliche der Schlüssel zu weiterführenden Studien auf dem Festland oder in Frankreich.

Höhere Bildung

Das Lycée Polyvalent Hyacinthe-Bastaraud in Grand-Bourg bietet zwar post-baccalauréat-Ausbildungen an, diese sind jedoch berufsorientiert und zählen zur höheren beruflichen Bildung (Enseignement supérieur court): Es gibt BTS (Brevet de Technicien Supérieur) in Bereichen wie Management, Tourismus und möglicherweise maritime Berufe, sowie Vorbereitungsklassen (CPGE) für spezielle Aufnahmeprüfungen, darunter die École Nationale de la Marine Marchande und einen Science-Po-Workshop zur Vorbereitung auf die Elitehochschule Sciences Po Paris. Diese Angebote sind jedoch begrenzt und dienen vor allem als Brücke zu weiterführenden Studien.

Für klassische universitäre Studiengänge (Licence, Master, Doctorat) müssen die Absolventen des Baccalauréat die Insel verlassen. Die nächstgelegene Hochschule ist die Université des Antilles (Pôle Guadeloupe) in Pointe-à-Pitre mit Fakultäten für Rechtswissenschaften, Wirtschaft, Geisteswissenschaften, Medizin und Naturwissenschaften. Viele junge Marie-Galantaiser nutzen Plattformen wie Parcoursup, um Plätze in Metropolitan-Frankreich zu erhalten – häufige Ziele sind Paris, Bordeaux oder Toulouse. Stipendien und Unterstützungsprogramme des Département Guadeloupe und der Region sollen die Mobilität erleichtern, doch die doppelte Insellage (hohe Reisekosten, Trennung von der Familie) führt oft zu Abwanderung und erschwert die Rückkehr.

Bibliotheken und Archive

Die Bibliotheken auf Marie-Galante sind kleinstrukturiert und in den drei Hauptorten verteilt. Die Bibliothèque Municipale de Capesterre-de-Marie-Galante in der Rue Céran Rosemade ist eine der zentralen Einrichtungen und bietet Bücher für Erwachsene und Kinder, Leseräume sowie kulturelle Veranstaltungen wie Autorentreffen oder Leseclubs. Ähnlich existiert eine Bibliothèque Municipale in Saint-Louis-de-Marie-Galante, die den lokalen Bedarf deckt. In Grand-Bourg gibt es keine eigenständige große Bibliothek, doch die Schulen und das Lycée verfügen über Medienbestände. Innovative Ansätze wie die „Bik à liv“ in Saint-Louis – kleine Bücherboxen an öffentlichen Orten – fördern den freien Zugang zu Büchern und machen die Bibliothek dezentral zugänglich. Die Bibliothèques werden von der Bibliothèque Départementale de Guadeloupe (BDP) unterstützt, die Bestände leiht, Fortbildungen anbietet und das Netzwerk der rund 34 Bibliotheken im gesamten Département koordiniert. Ein Projekt für eine moderne Médiathèque in Capesterre-de-Marie-Galante soll die Infrastruktur weiter verbessern.

Archive im engeren Sinne fehlen auf Marie-Galante vollständig vor Ort; historische Dokumente zur Insel – wie état civil, Notariatsakten oder Kolonialunterlagen – werden in den Archives Départementales de la Guadeloupe in Gourbeyre (Basse-Terre) oder den Archives Nationales d’Outre-Mer (ANOM) in Aix-en-Provence aufbewahrt. Viele Register von Marie-Galante sind digitalisiert und online einsehbar, etwa über die Plattformen der ANOM oder BISDARI der departmental Archives.

Kultur

Auf Marie-Galante ist die Kultur stark von kreolischen Traditionen, Musik und Tanz geprägt, die sich in lokalen Festen, Märkten und Handwerkskunst widerspiegeln. Zugleich bewahrt die Insel mit Rum-Destillerien, landwirtschaftlicher Prägung und Einrichtungen wie dem Ecomusée der Habitation Murat ihr historisches Erbe als ländliche, ursprüngliche „Bauerninsel“ der französischen Antillen.

Museen

Die Museen auf Marie-Galante konzentrieren sich auf die Geschichte der Zuckerrohrwirtschaft, der Sklaverei, der Rumherstellung und des täglichen Lebens. Das bekannteste ist das Écomusée de Marie-Galante in Murat (Grand-Bourg), das auf dem Gelände der ehemaligen Habitation Murat – der größten und besterhaltenen Zuckerrohrplantage der Guadeloupe – untergebracht ist. Es umfasst die restaurierte Herrenhausanlage, eine alte Zuckerfabrik mit Mühle, eine Destillerie sowie Ausstellungen zu Plantagenleben, Sklaverei, Industriegeschichte und kreolischer Kultur. Das Écomusée wird vom Conseil Départemental de la Guadeloupe verwaltet und gilt als eine der wichtigsten historischen Stätten der Kleinen Antillen.

Ergänzt wird es durch kleinere Museen und kulturelle Räume: Die Distillerie Bielle nordöstlich von Grand-Bourg beherbergt ein kleines Museum zur Rumherstellung mit historischen Geräten, Ochsenkarren und Erläuterungen zur traditionellen Produktion. Ähnliche museale Elemente finden sich bei der Distillerie Bellevue und der Distillerie Poisson (Père Labat), wo Besucher durch Führungen und Ausstellungen Einblicke in die agroindustrielle Vergangenheit erhalten. Das Musée Edgar Clerc liegt zwar auf dem Festland (Le Moule, Grande-Terre), wird aber oft von Marie-Galante aus besucht und ergänzt das Angebot mit präkolumbischer und amerindischer Archäologie.

Weitere kleinere Initiativen wie das Musée du Rhum (teilweise in den Brennereien integriert) oder temporäre Ausstellungen in kommunalen Räumen (unter anderem in der Mairie von Capesterre) runden das Bild ab. Ein geplantes Projekt zur Schaffung eines zentralen Kulturzentrums oder einer erweiterten Médiathèque mit musealen Elementen soll das Angebot langfristig stärken.

Das Chateau Murat, 2 km östlich von Grand-Bourg wurde als Museum hergerichtet. Der Name dieses Herrenhauses hat keine Beziehung zu dem gleichnamigen königlichen Geschlecht. Es geht auf den Rechtsanwalt Dominique Murat zurück, dem eine Kaffee Plantage gehörte und der im späten 18. Jahrhundert in Capesterre lebte. Das Gebäude wurde um 1832 von einer Mademoiselle Murat entworfen, die an der Ecole des Beaux-Arts in Paris studierte. 1843 wurde die Anlage von einem Erdbeben teilweise zerstört. Das Herrenhaus hat einen Renaissancegiebel aus dem 18. Jahrhundert. Das Chateau wurde über ein Jahrhundert nach dem Erdbeben 1963 mit der Unterstützung der Société d’Èconomie Mixte la Rachate restauriert. 1976 begann man mit dem Aufbau des heutigen landeskundlichen Museums und einer Galerie. Von besonderem Interesse ist die dazugehörige Zuckermühle von 1814 mit dem erhaltenen Maschinenpark.

Im Gegensatz zu kontinentalen Regionen mit großen Nationalmuseen ist das Museumsangebot auf Marie-Galante dezentral, authentisch und stark touristisch orientiert. Herausforderungen wie begrenzte Finanzierung, Personalmangel und Hurrikanrisiken erschweren den Erhalt. Dennoch fördern die Communauté de Communes und der Conseil Départemental die Valorisation des Patrimoine durch Führungen, Schulbesuche und kulturelle Veranstaltungen.

Architektur

Die Architektur auf Marie-Galante ist geprägt von drei Hauptelementen: den historischen Habitations (Plantagenanlagen), den kreolischen Wohnhäusern und den inseltypischen Windmühlen. Die Habitations wie die Habitation Murat (heute ein Écomusée) in Grand-Bourg oder die Habitation Grand-Pierre sind die bedeutendsten Zeugnisse der Kolonialzeit. Sie bestehen aus einem Herrenhaus (Grande Case) aus Stein oder Holz mit Galerien, umgeben von ehemaligen Sklavenhütten, Zuckerfabriken, Destillerien und Tierwindmühlen. Viele der über 100 erhaltenen Windmühlen – meist aus dem 18. und 19. Jahrhundert – sind steinerne Turmmühlen mit konischem Dach und Flügelresten, die das Landschaftsbild dominieren und der Insel den Beinamen „Insel der hundert Mühlen“ einbrachten.

Die typische kreolische Wohnarchitektur ist einfach, funktional und hurrikanresistent: Kleine Holzhäuser auf Stelzen oder niedrigen Steinfundamenten, mit Satteldächern aus Wellblech (früher Schindeln), großen Veranden (Galerien) für Schatten und Lüftung sowie bunten Farben (Ocker, Blau, Grün). Fensterläden schützen vor Sonne und Stürmen, während offene Grundrisse die Luftzirkulation fördern. In den drei Hauptorten Grand-Bourg, Capesterre-de-Marie-Galante und Saint-Louis finden sich Straßenzüge mit solchen Case créoles, ergänzt durch öffentliche Gebäude wie Kirchen (unter anderem die Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption in Grand-Bourg) und Rathäuser im klassischen kolonialen Stil.

Moderne Architektur ist rar und beschränkt sich auf funktionale Bauten wie Schulen, das Centre Hospitalier Sainte-Marie oder Supermärkte. Neubauten orientieren sich zunehmend an hurrikanfesten Normen (Beton, verstärkte Dächer) und integrieren ökologische Elemente wie Regenwassernutzung. Denkmalschutz gilt für zahlreiche Habitations und Mühlen, betreut vom Conseil Départemental und der DRAC Guadeloupe.

Im Gegensatz zu urbanisierten Regionen mit vielfältigen Stilen ist die Architektur auf Marie-Galante homogen, ländlich und stark von der Vergangenheit geprägt. Herausforderungen wie Hurrikane, begrenzte Ressourcen und Tourismusdruck erfordern sensible Restaurierungen. Dennoch fördern die Communauté de Communes und lokale Vereine die Valorisation des baulichen Erbes durch Führungen, Sanierungen und kulturelle Projekte.

Bildende Kunst

Die bildende Kunst auf Marie-Galante wird von lokalen Künstlern und Künstlerinnen getragen, die oft autodidaktisch oder durch regionale Ausbildungen geprägt sind. Bekannte Namen sind der Maler und Bildhauer Michel Rovelas, der mit farbintensiven Acrylbildern kreolische Alltagsszenen, Landschaften und spirituelle Motive darstellt, sowie Joël Nankin, der durch expressive Porträts und Figurenkompositionen die Inselidentität einfängt. Weitere Künstler wie Velvet (Velvette Casimir) oder Thierry Alet arbeiten mit Mischtechniken und thematisieren Natur, Geschichte und soziale Realitäten. Skulpturen aus Holz, Stein oder recycelten Materialien finden sich häufig in Gärten, Ateliers und öffentlichen Räumen.

Ausstellungen erfolgen meist temporär: In kommunalen Sälen (unter anderem Salle des Fêtes in Grand-Bourg oder Capesterre), in den Räumen der Distillerien (Bellevue und Bielle zeigen regelmäßig lokale Werke), in Boutiquen wie „Chez Zèles“ oder „Quintessence Créole“ sowie bei jährlichen Veranstaltungen wie dem Festival Terre de Blues (wo Kunst oft mit Musik kombiniert wird). Private Ateliers öffnen auf Anfrage oder während des „Parcours des Ateliers“-Events, das Künstler der Insel vernetzt. Street-Art und Wandmalereien sind selten, doch dekorative Elemente an Häusern und Mühlen verstärken den visuellen Charme.

Literatur

Die Literatur auf Marie-Galante wird vor allem von lokalen Autorinnen und Autoren getragen, die in Französisch und Kreolisch schreiben. Bekannte Namen sind der Dichter und Erzähler Gilbert de Chambertrand, der mit Gedichten und Kurzgeschichten das Inselleben einfängt, sowie Joël Des Rosiers, der zwar auf dem Festland lebt, aber seine Wurzeln auf Marie-Galante hat und preisgekrönte Lyrik verfasst. Weitere Stimmen wie Marie-Hélène Léotin oder Ernest Pépin (aus Guadeloupe) thematisieren oft die karibische Realität, Sklaverei und Identität. Viele Texte erscheinen in kleinen Verlagen der Antillen oder werden bei lokalen Lesungen und Festivals präsentiert, etwa beim Festival Terre de Blues oder beim Festival des Îles du Vent. Kreolische Erzähltraditionen (kont, devinettes) leben in Schulen und Vereinen weiter, oft durch mündliche Überlieferung.

Theater

Das Theater ist stark gemeinde- und vereinsbasiert. Gruppen wie die Compagnie Théâtrale de Marie-Galante oder Schul- und Amateurensembles führen regelmäßig Stücke in Kreolisch und Französisch auf – häufig in kommunalen Sälen (Salle des Fêtes in Grand-Bourg oder Capesterre) oder im Freien. Themen kreisen um Alltag, Geschichte, Sklaverei und aktuelle Probleme. Bekannte Inszenierungen greifen Werke von Aimé Césaire, Édouard Glissant oder lokalen Autoren auf. Das jährliche Festival Marie-Galante en Scène oder Veranstaltungen während des Karnevals bieten Bühne für Theater, Tanz und performative Kunst. Professionelle Ensembles aus Pointe-à-Pitre gastieren gelegentlich, doch das lokale Amateurtheater prägt die Szene.

Film

Der Film ist auf Marie-Galante rar und meist dokumentarisch oder von externen Produktionen geprägt. Die Insel dient oft als Kulisse: Szenen von Filmen wie „Rue Cases-Nègres“ (nach Joseph Zobel) oder Dokumentationen über Rum und Habitations wurden hier gedreht. Lokale Initiativen wie Kurzfilme von Jugendlichen (im Rahmen von Workshops der Communauté de Communes) oder Beiträge zum Festival Régional et International du Cinéma de Guadeloupe (FEMI) zeigen Alltag und Kultur. Es gibt keine Kinosäle auf der Insel; Vorführungen finden open-air oder in Mehrzwecksälen statt. Vereine und Schulen organisieren gelegentlich Filmabende mit karibischen Produktionen.

Musik und Tanz

Die Musik- und Tanztradition auf Marie-Galante ist eine Mischung (Métissage) aus afrikanischen Wurzeln (durch die Sklaverei), europäischen Einflüssen (Quadrille aus Frankreich) und karibischen Entwicklungen. Das Gwoka (oder Gwo Ka), seit 2014 UNESCO-Weltkulturerbe, ist die Seele der guadeloupéischen Musik und stark auf Marie-Galante verankert. Es kombiniert Gesang, Tanz und Percussion auf dem Ka-Trommel (aus recycelten Fässern mit Ziegenfell) und Boula-Trommeln. Gwoka umfasst sieben grundlegende Rhythmen: Léwoz (kriegerisch, Widerstand), Kaladja (traurig, introspektiv), Toumblack (Liebe, Fruchtbarkeit, akrobatisch), Graj (Arbeit, wie Kassava-Verarbeitung), Padjanbèl (Plantagenarbeit), Woulé (Walzer mit Schal) und Menndé (karnevalistisch, kollektive Befreiung). Der Tambouyé (Trommler) improvisiert und interagiert mit dem Tänzer in der Ronde – ein Dialog aus Rhythmus, Bewegung und Responsorialgesang in Kreolisch.

Traditionelle Léwoz (abendliche Versammlungen) finden regelmäßig statt, oft in Höfen oder auf Plätzen, mit Gruppen wie Kan'Nida Lewoz, Wozan Monza oder Tradisyon Ka. Diese spontanen Feste verbinden Generationen und dienen der Transmission mündlicher Geschichte, Freude und Katharsis.

Der Quadrille ist ein koloniales Erbe, kreolisiert auf Marie-Galante: Ein Commandeur ruft Figuren (Pantalon, Été, Poule, Pastourelle) auf, oft endend in Biguine. Der Quadrille de Marie-Galante kann in Quadrat (acht Tänzer) oder Reihe getanzt werden und wird von Associations wie Les Orchidées, F.C. Ducos oder Ka-Dans-Mag gepflegt – mit wöchentlichen Ateliers in Grand-Bourg oder Capesterre.

Die Biguine, eine fröhliche Paartanzmusik mit Einflüssen aus Gwoka und Jazz, entstand Ende des 19. Jahrhunderts und symbolisiert kreolische Moderne. Auf Marie-Galante wird sie in Bals und Festen gespielt, oft mit Klarinette, Banjo und Trombone.

Moderne Strömungen wie Zouk (aus den 1980er Jahren, von Kassav' geprägt) integrieren Gwoka, Biguine und internationale Elemente (Funk, Reggae) und sind auf der Insel allgegenwärtig – in Discos, Karneval und privaten Fêtes.

Den Höhepunkt des musikalischen Jahres bildet das Festival Terre de Blues am Pfingstwochenende, eines der größten karibischen Musikfestivals mit 13.000 bis 15.000 Besuchern. Gegründet 2000 als Créole Blues, verbindet es Blues (aus Mississippi), afrikanische Rhythmen (Senegal) und kreolische Musik (Saint-Louis de Marie-Galante). Auf Bühnen in Habitation Murat und Grand-Bourg treten lokale Gwoka-Gruppen (zum Beispiel La Bande à Carnot, Gloriyé Gwoka), Zouk-Stars (Joe Dwèt Filé), Reggae-Legenden (Burning Spear) und internationale Acts auf. Das Festival fördert Tradition (Léwoz-Offs, Ateliers) und Diversität.

Kleidung

Die Tracht von Marie-Galante, einer Insel des guadeloupischen Archipels, ist eng mit der kreolischen Kultur und der kolonialen Geschichte der Karibik verbunden. Besonders die Frauentracht zeichnet sich durch ein langes, weit geschnittenes Kleid aus, das aus farbenfrohen oder fein gemusterten Stoffen gefertigt ist und oft mit Spitzen, Stickereien oder Rüschen verziert wird. Typisch ist das dazugehörige Kopftuch, das kunstvoll gebunden wird und je nach Bindetechnik früher sogar Auskunft über den Familienstand der Trägerin geben konnte. Die Farben sind häufig lebhaft und spiegeln sowohl die tropische Umgebung als auch den afrikanischen Einfluss wider. Männer trugen traditionell helle Hemden, meist aus Baumwolle oder Leinen, kombiniert mit schlichten Hosen und einem Hut aus Stroh, der Schutz vor der Sonne bot. Insgesamt steht die Tracht von Marie-Galante für Eleganz, Würde und kulturelle Identität und wird heute vor allem bei Festen, Tänzen und kulturellen Veranstaltungen gepflegt und getragen.

Kulinarik und Gastronomie

Die Küche der Insel basiert auf den Schätzen der Insel: frischem Fisch und Meeresfrüchten (Langusten, Lambi-Muscheln, Thunfisch, Dorado, Rotbarsch), Maniok, Yamswurzel, Brotfrucht, Bananen, Kokosnuss, Gewürzen wie Colombo (eine Art Curry) und Piment sowie natürlich Zuckerrohrprodukten wie Rum und Sirup. Typische Gerichte sind Court-Bouillon de poisson (Fisch in tomatiger Sauce), Blaff (gekochter Fisch mit Limette und Chili), Accras de morue (Kabeljaubeignets), Colombo de cabri oder Huhn, Féroce d’avocat (Avocado mit Maniokmehl und scharfem Fisch), Pâté en pot (Gemüsesuppe mit Fleisch) und Tourment d’amour – eine süße Tarte mit Kokos- oder Bananenfüllung, die als Spezialität der Insel gilt. Kassav (Maniokfladen) und Maniokmehl bilden die Basis vieler Beilagen.

Die Zubereitung erfolgt traditionell: Über Holzfeuer, in großen Töpfen oder auf Plancha, oft mit viel Liebe und Zeit. Gewürze wie Bois d’Inde (Pimentblatt), Cive (Schnittlauch-Art) und Roux (angeröstetes Mehl) verleihen den Gerichten Tiefe. Rum spielt nicht nur als Getränk, sondern auch in der Küche eine Rolle – in Saucen, Punchs oder zum Flambieren.

Die Gastronomie ist dezentral und authentisch: Viele der besten Adressen sind kleine Lolos (Strandrestaurants) oder Restaurants créoles wie Chez Henri oder Chez Dada in Saint-Louis, La Case à Jean-Claude in Capesterre oder Le Touloulou am Plage de Petite-Anse. Sie servieren frischen Tagesfang direkt vom Fischer, oft mit Blick aufs Meer. In Grand-Bourg finden sich Restaurants wie Le Mouton Noir oder La Table de Bacchus, die kreativer kreolisch kochen. Märkte wie der Fischmarkt in Saint-Louis und Straßenstände bieten Accras, Bouchées (gefüllte Teigtaschen) und frische Kokosnuss. Viele Familien verkaufen am Straßenrand hausgemachte Konfitüren, Sirup, Honig oder Gewürze.

Festkultur

Auf Marie Galante gelten die gleichen Feiertage wie auf Guadeloupe.


Gesetzliche Feiertage:

  • 1. Januar . Neujahr
  • April - Ostermontag
  • 1. Mai . Tag der Arbeit
  • 8. Mai . Tag des Sieges 1945
  • Mai / Juni Christi Himmelfahrt
  • Juni - Pfingsten
  • 14. Juli . Französischer Nationalfeiertag
  • 15. August . Mariä Himmelfahrt
  • 1. November . Allerheiligen
  • 11. November . Waffenstillstand 1918
  • 25. Dezember . Weihnachten


Regionale Feiertage:

  • 27. Mai – Abschaffung der Sklaverei. Einer der wichtigsten Gedenktage der Insel, mit kulturellen Veranstaltungen, Zeremonien und Erinnerungen an die Geschichte der Sklaverei.
  • Karneval (Februar/März, kein gesetzlicher Feiertag, aber gesellschaftlich sehr bedeutend)
  • Besonders Rosenmontag und Faschingsdienstag prägen das öffentliche Leben, Schulen und Betriebe sind oft geschlossen.

Medien

Das Radio ist das populärste Medium, da es mobil und wetterunabhängig ist. Marie-Galante empfängt die Sender aus Guadeloupe, darunter RFO Guadeloupe (heute France Antilles Radio oder Guadeloupe La 1ère), das Nachrichten, Musik (Zouk, Gwo Ka) und lokale Magazine sendet. Lokale Assoziationsradios wie Radio Marie-Galante (oder ähnliche Community-Sender) existieren intermittierend und strahlen Programme mit Interviews, Musik und Gemeindemeldungen aus, oft in Krèyol. Beliebte Frequenzen umfassen auch private Sender wie NRJ Guadeloupe oder Trace FM, die Unterhaltung bieten.

Die Presse ist regional: Die Tageszeitung France-Antilles (Guadeloupe-Ausgabe) wird per Fähre oder Flug verteilt und berichtet über lokale Ereignisse wie Feste, Hurrikane oder Politik. Sie hat eine Marie-Galante-Rubrik, doch Auflage und Aktualität sind begrenzt. Kostenlose Wochenzeitungen oder Magazine wie Guadeloupe Actualités erreichen die Insel sporadisch. Lokale Bulletins der Communauté de communes oder Rathäuser (zum Beispiel in Grand-Bourg) informieren über Veranstaltungen und Verwaltung.

Fernsehen kommt via Satellit oder Kabel: Guadeloupe La 1ère (France Télévisions) ist der Hauptkanal mit Nachrichten, Serien und lokalen Sendungen. Private Kanäle wie Canal+ oder internationale Programme ergänzen das Angebot. Lokale Produktionen sind rar, aber Reportagen über Marie-Galante (zum Beispiel zu Windmühlen oder Rum) erscheinen in regionalen Magazinen.

Im digitalen Zeitalter gewinnen Online-Medien an Bedeutung: Facebook-Gruppen wie „Marie-Galante Infos“ oder „Les News de Marie-Galante“ dienen als informelle Nachrichtenquellen mit Ankündigungen, Fotos und Diskussionen. Websites der Communauté de communes (paysmariegalante.fr) oder Tourismusbüros bieten aktuelle Infos. Apps und WhatsApp-Gruppen verbreiten lokale Meldungen schnell, etwa zu Wetterwarnungen oder Veranstaltungen. Internetzugang ist flächendeckend (4G/5G), doch in entlegenen Habitations schwach.

Kommunikation

Marie-Galante hat die Postleitzahlen 97112 (Grand-Bourg), 97108 (Capesterre-de-Marie-Galante) und 97126 (Saint-Louis). Die Telefonvorwahl lautet 00590.

Sport

Fußball ist die populärste Sportart und wird auf mehreren Plätzen gespielt, darunter dem Stade municipal in Grand-Bourg oder Feldern in den anderen Kommunen. Lokale Clubs wie der US Grand-Bourg oder Teams aus Capesterre und Saint-Louis nehmen am Ligasystem Guadeloupes teil (Ligue de Football de Guadeloupe). Turniere und Freundschaftsspiele finden regelmäßig statt, oft verbunden mit Patronatsfesten oder Karneval. Jugendförderung ist ein Schwerpunkt, da Fußball soziale Integration fördert.

Traditionelle Sportarten haben einen hohen Stellenwert: Das Ochsenkarrenrennen (Course de chars à bœufs) ist ein Highlight, besonders in Capesterre-de-Marie-Galante, wo jährliche Wettkämpfe mit prächtig geschmückten Karren und Ochsen abgehalten werden. Diese Rennen, die aus der Plantagenzeit stammen, ziehen Zuschauer aus ganz Guadeloupe an und verbinden Sport mit Folklore. Ebenso beliebt sind Radrennen (Courses cyclistes), die die Ringstraße nutzen – die Tour de Marie-Galante ist ein jährliches Event für Amateure und Profis.

Wassersport profitiert von der Küstenlage: Segeln, Kajakfahren in Mangroven (z. B. bei Saint-Louis) und Tauchen/Schnorcheln an Riffen wie dem Jardin de Corail sind bei Einheimischen und Touristen verbreitet. Windsurfen und Kitesurfen nutzen die Passatwinde, besonders an Stränden wie Petite-Anse. Fischerwettbewerbe oder Regatten mit traditionellen Booten (Gommier-Rennen) erhalten karibische Traditionen.

Wichtige sportliche Veranstaltungen sind die Tour de Marie-Galante-Radrundfahrt und die Karujet - Weltmeisterschaft im Jetski in Petit-Bourg, einschließlich Marie-Galante.

Fußball

Das städtische Stadion von Grand-Bourg wird vom Fußballverein US Grand-Bourg für Training und Spiele genutzt. Der Radsport wird von der Union vélocipédique marie-galantaise (UVMG) vertreten. Im städtischen Stadion von Saint-Louis de Marie-Galante finden das Training und die Spiele des Saint-Louis Athlétic Club (SLAC) statt. Seit Januar 2020 findet im Hafen von Saint-Louis ein dreitägiges Jetski-Etappenrennen statt, das von Eric Paulin, dem Organisator des "Karujet", ins Leben gerufen wurde. Darüber hinaus hat die Stadt Capesterre nach 10 Jahren Arbeit am 30. Juli ihr Stadion Stade José Bade mit einer Kapazität von mindestens 1200 Plätzen eingeweiht. Es beherbergt die Trainingseinheiten und Spiele von zwei Fußballvereinen:

  • Club Amical de Marie-Galante
  • Jeunesse-Sportive de Capesterre


Weitere Sportgruppen und -vereine sind:

  • UVMG (Union Vélocipédique marie-galantaise)
  • Amical Club de Marie-Galante, Fußballverein
  • JSC (Jeunesse-Sportive de Capesterre), Fußballverein
  • USGB (Union Sportive de Grand-Bourg), Fußballverein
  • CMGVB (Comité de Marie-Galante du Volley Ball), Volleyballverein. Leslie Turiaf ist eine berühmte Volleyballspielerin aus Marie-Galante.

Persönlichkeiten

Von der Insel Marie-Galante stammen unter anderem:

  • Guy Tirolien (1917 bis 1988), Dichter, Schriftsteller und Politiker. Er wurde in Grand-Bourg auf Marie-Galante geboren und gilt als eine wichtige Stimme der Négritude-Bewegung in der frankophonen Karibik.
  • Max Rippon (1932 bis 2022), Historiker und Autor. Er stammte aus Marie-Galante und beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte Guadeloupes und der karibischen Gesellschaften.
  • Joachim Louisy (1940 bis 2019), Politiker. Er war Präsident des Generalrats von Guadeloupe und spielte eine bedeutende Rolle in der Regionalpolitik; seine familiären Wurzeln lagen auf Marie-Galante.

Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr auf Marie-Galante ist bewusst ruhig und zurückhaltend entwickelt und unterscheidet sich deutlich vom Massentourismus anderer Karibikinseln. Die Insel spricht vor allem Reisende an, die Natur, Authentizität und Entschleunigung suchen. Große Hotelanlagen sind selten, stattdessen prägen kleine, familiär geführte Unterkünfte das Angebot. Besonders verbreitet sind Gîtes, Ferienhäuser und Ferienwohnungen, die oft in Strandnähe oder im Grünen liegen und den Gästen einen engen Kontakt zum alltäglichen Inselleben ermöglichen.

Ergänzt wird dieses Angebot durch kleine Hotels und Pensionen, die meist nur wenige Zimmer haben und persönlich geführt werden. Sie richten sich häufig an Individualreisende, Paare oder Naturliebhaber und legen Wert auf lokale Küche und eine entspannte Atmosphäre. In einigen Orten gibt es zudem Bed-and-Breakfast-Unterkünfte, bei denen Gäste direkt bei Einheimischen wohnen und einen authentischen Einblick in Kultur und Lebensweise erhalten.

Literatur

Reisebereichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

France Voyage: Marie Galante = https://www.france-voyage.com/frankreich-tourismus/marie-galante-2361.htm

Marie Galante = https://www.guadeloupe-archipel.com/de-reisefuehrer-guadeloupe-archipel-antillen-karibik-marie-galante.html


Forum

Hier geht’s zum Forum: