Falster

Aus Insularium
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Die Insel Falster ist so etwas wie die kleinere Schwester des größeren Lolland. Sie liegt in der Vogelfluglinie zwischen dem dänischen Seeland und Deutschland. Brücken verbinden das Eiland mit seinen Nachbarn Lolland, Seeland und Møn.

Inselsteckbrief
offizieller Name Falster
alternative Bezeichnungen Falstriam (um 1140), Falstar (um 1170)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp Brückeninsel (seit 1937)
Inselart Moräneninsel
Gewässer Ostsee (Østersøen) mit Fehmarnbelt (Femern Bælt)
Inselgruppe Innerer Dänischer Archipel (Den Indre Danske Øhav)
politische Zugehörigkeit Staat: Dänemark (Kongeriget Danmark)
Region: Seeland (Sjæland)
Gliederung 4 tidligere kommuner (ehemalige Gemeinden)
25 byområder (Ortschaften)
Status Inselgemeinde (kommune)
Koordinaten 54°46‘ N, 11°56‘ O
Entfernung zur nächsten Insel 260 m (Flotø), 340 m (Lolland)
Entfernung zum Festland 35,6 km (Ahrenshoop / Mecklenburg-Vorpommern / Deutschland)
Fläche 513,76 km² / 198,36 mi²
geschütztes Gebiet 35 km² / 13,5 mi² (6,8 %)
maximale Länge 56,5 (N-S)
maximale Breite 26,6 km (W-O)
Küstenlänge 244 km
tiefste Stelle -2 m (Bøtø Nor)
höchste Stelle 61 m (Kongskilde Bakke)
relative Höhe 63 m
mittlere Höhe 5 m
maximaler Tidenhub 0,1 bis 0,2 m (Nykøbing Falster 0,12 m)
Zeitzone CET (Centraleuropæisk Tidszone / Mitteleuropäische Zeit, UTC+1)
Realzeit UTC plus 47 bis 49 Minuten
Einwohnerzahl 41.481 (2025)
Dichte (Einwohner pro km²) 80,72
Inselzentrum Nykøbing Falster


Name

Die Insel wurde bereits im 9. Jahrhundert in alten Quellen als Falster erwähnt – eine der frühesten bekannten Formen stammt aus altenglischer Überlieferung. Spätere mittelalterliche Schreibweisen sind unter anderem Falstriam (lateinisch, um 1140) und Falstar (dänisch, um 1170). Die Herkunft und Bedeutung des Namens ist nicht ganz eindeutig geklärt, gilt aber als urnordisch (vordänisch). Üblicherweise wird er als Ableitung mit der typischen altnordischen Endung -str (oder -ster bzw. -star), die häufig bei Gewässern, Landzungen oder Inseln vorkommt und oft eine Art „Ort von …“ oder „Stelle mit …“ bedeutet. Der Stammteil Fal- geht wahrscheinlich auf eines von zwei urnordischen Verben zurück: faldan (später dänisch falda) für „falten, zusammenlegen“, was als mögliche Bedeutung: „die gefaltete (oder wellige/unebene) Stelle“ ergibt, eventuell bezogen auf die Landschaftsform oder Küstenlinie, und felhan (später dänisch fjala bwz. skjule) für „verbergen, verstecken, schützen“, wasa zum Sinngehalt „das Versteck, das Versteckte“ oder „das geschützte Gebiet“ führt. In letztem Fall wäre Falster verwandt mit Wörtern wie dem westjütischen fjalstær („Schlupfwinkel, Versteck“), was gut zu einer Insel passen würde, die früher als Zufluchtsort oder geschütztes Land (vor Stürmen oder Feinden) diente.

Die genaue ursprüngliche Bedeutung bleibt umstritten – Fachleute (zum Beispiel aus der dänischen Ortsnamensforschung an der Universität Kopenhagen) halten beide Deutungen für plausibel, tendieren aber oft zur „Verbergen/Schutz“-Variante, da sie landschaftlich und historisch besser passt. Falster war schon in der Wikingerzeit und im Mittelalter ein relativ abgelegener, fruchtbarer, aber windumtoster Ort im Süden Dänemarks.

  • international:  Falster
  • amharisch:  ፋልስተር [Falster]
  • arabisch:  فالستر [Fālster]
  • armenisch:  Ֆալստեր [Falster]
  • bengalisch:  ফালস্টার [Phālṣṭār]
  • birmanisch:  ဖယ်စတာ [Fɛ̀ɪsətà], ဖယ်စတာ [Falsata]
  • bulgarisch:  Фалстер [Falster]
  • chinesisch:  法尔斯泰 [Fǎ'ěrsītài], 法爾斯特 [Fǎ'ěrsītè]
  • georgisch:  ფალსტერი [P’alst’eri]
  • griechisch:  Φάλστερ [Fálster]
  • gudscheratisch:  ફાલ્સ્ટર [Phālsṭara]
  • hebräisch:  פלסטר [Falster]
  • hindi:  फाल्स्टर [Phālsṭar]
  • japanisch:  ファルスター [Farusutā]
  • kambodschanisch:  ហ្វាល់ស្ទឺរ [Falstœr], ផាល់ស្ទឺ [Phal stœ]
  • kanaresisch:  ಫಾಲ್ಸ್ಟರ್ [Phālsṭar]
  • kasachisch:  Фалстер [Falster]
  • koreanisch:  팔스터 [Pal seuteo]
  • laotisch:  ຟາລສະເຕີ [Fālasa thœ]
  • lettisch:  Falstera
  • litauisch:  Falsteris
  • makedonisch:  Фалстер [Falster]
  • malayalam:  ഫാൽസ്റ്റർ [Phālsṭar]
  • maldivisch):  ފަލްސްޓަރ [Falster]
  • marathisch:  फाल्स्टर [Phālsṭar]
  • nepalesisch:  फाल्स्टर [Phālsṭar]
  • orissisch:  ଫାଲଷ୍ଟର [Phāḷasṭara]
  • pandschabisch:  ਫਾਲਸਟਰ [Phālasaṭara]
  • paschtunisch:  فالسټر [Fālsṭar]
  • persisch:  فالستر [Fâlster]
  • russisch:  Фальстер [Falʹster]
  • serbisch:  Фалстер [Falster]
  • singhalesisch:  ෆාල්ස්ටර් [Fālsṭar]
  • tamilisch:  ஃபால்ஸ்டர் [Phālsṭar]
  • telugu:  ఫాల్స్టర్ [Phālsṭar]
  • thai:  ฟอลสเตอร์ [Fôn-sà-dtə̄ə], ฟัลสเตอร์ [Fan-sà-dtə̄ə]
  • tibetisch:  ཕལ་སྟེར་ [Phal ster]
  • ukrainisch:  Фальстер [Falʹster]
  • urdu:  فالسٹر [Fālster]
  • weißrussisch:  Фальстэр [Falʹstɛr]


Offizieller Name:  Falsteer

  • Bezeichnung der Bewohner:  Falstringer (Falsteraner)
  • adjektivisch:  falstersk (falstersch)


Kürzel:

  • Code:  FS / FST
  • Kfz:  -
  • ISO-Code:  DK-FS

Lage

Die Insel Falster liegt am Westrand der Ostsee im Süden Dänemarks auf durchschnittlich 54°46‘ n.B. und 11°56‘ ö.L.. Sie befindet sich auf der gleichen geografischen Breite wie Sylt, Nordschleswig, der Süden von Fünen, die Insel Møn, das südliche Litauen, der Norden von Weißrussland, Zentralrussland südlich von Moskau, Tatarstan, das südliche Sibirien, das südliche Zentrum der Halbinsel Kamtschatka, das Zentrum Labradors und das südliche Schottland. Die Insel liegt unmittelbar östlich von Lolland, südlich von Seeland und südwestlich von Møn.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  54°58‘36“ n.B. (Dyrefod)
  • südlichster Punkt:  54°33‘34“ n.B. (Gedser Odde)
  • östlichster Punkt:  12°10‘04“ w.L. (Hestehoved)
  • westlichster Punkt:   11°42'19" ö.L. (Resleskov) bzw. 11°41‘40“ ö.L. (Suderø)


Entfernungen:

  • Flotø  260 m
  • Lolland  340 m
  • Kalvø  380 m
  • Bogø  860 m
  • Møn  1,0 km
  • Seeland  3,9 km
  • Ahrenshoop / Mecklenburg-Vorpommern / Deutschland 35,6 km
  • Großenbroder Fähre / Schleswig-Holstein 55,1 km
  • Akanör med Falsterbo / Schweden  71 km
  • Rügen  71,5 km
  • Kopenhagen  91 km (Straße 108 km)
  • Bornholm  165 km

Zeitzone

Auf Falster gilt wie in ganz Dänemark die Mellemeuropæisk Tid (Mitteleuropäische Zeit), abgekürzt MET (MEZ). Die Realzeit liegt um 47 bis 49 Minuten vor der Koordinierten Universalzeit (UTC).

Fläche

Die Fläche der Insel beträgt insgesamt 513,76 km² bzw. 198,36 mi². Der Nord-Süd-Durchmesser beträgt 56,5 km, die maximale Ost-West-Breite 26,6 km. Die Küste ist insgesamt 244 km lang. Der maximale Tidenhub liegt bei 0,1 bis 0,2 m, in Nykøbing Falster 0,12 m. Die tiefste Stelle befindet sich im Naturschutzgebiet Bøtø Nor auf -2 m. Höchster Punkt der Insel ist Kongskilde Bakke auf 61 m, die mittlere Seehöhe liegt bei 5 m.

Geologie

Das gesamte Gebiet der dänischen Inseln ist stark von der letzten Eiszeit, der sogenannten Weichsel-Eiszeit, geprägt. In diesem Bereich oszillierte im Daniglazial der Eisrand und hinterließ seine Ablagerungen. Falsters Untergrund besteht hauptsächlich aus Kreide, die zirka 20 bis 30 m unter der Oberfläche anzutreffen ist. Darüber liegen die lehmigen Moränen, größere Sanderflächen fehlen auf Falster. Insgesamt ist der Untergrund homogen, die lehmigen, schwach gewellten Grundmoränen werden nur von Ausnahmen unterbrochen.

Mitten durch die Insel verläuft ein Endmoränenzug, der mit dem Bavnehøj (44 m) im Norden Falsters höchste Erhebung bildet, während der Rest der Insel Höhen von 0 bis 20 m aufweist. Nach Süden hin führt der Moränenzug bis Gedser und submarin auch darüber hinaus.

Im nördlichen Teil Falsters befindet sich ein Tunneltal, das sich südlich von Stubbekøbing auf einer Länge von 13 bis 14 km hinzieht und in Richtung Westen bis Nørre Vedby- Kirche reicht. Es ist etwa 10 bis 12 m tief. Auf seinem Grund befindet sich eine Reihe Seen, die aber größtenteils verlandet sind, sowie einige Moore.

In der gleichen räumlichen Ausrichtung verläuft ein Oserfeld, das im Osten bei Astrup beginnt und auf einer Breite von 100 bis 200 m bis Virket reicht, das sind etwa 10 km. Es besteht aus Sanden und Kiesen, die auch in Kiesgruben abgebaut werden. Seitlich davon liegen die für Oserfelder typischen Niederungen.

Interessant ist die Entstehung der Südspitze Falsters. Zunächst schoben die Weichsel-Gletscher, deren Hauptvorstoßrichtung Ost-West war, eine bogenförmige Hügelkette auf. Diese stellte in der Steinzeit eine Halbinsel dar. Im Mittelalter bildete sich ein System von Standwällen, das die Bucht bis auf zwei schmale Durchlässe abriegelte. Somit war Bøtø Nor als Lagune entstanden. Die Lagune ist heute verlandet.

Außerdem sind als interessante geologische Formationen unter anderem die Eisrandlage von Pomle Nakke bei Hesnaes und die Hügel von Nørre Vedby und Systofte zu nennen. Neben eiszeitlichen Kräften ist Falster also auch vom Meer geprägt. Die Küste Falsters war ursprünglich deutlich stärker zerklüftet als heute, kleine Buchten und Fjordarme waren überall zu finden. Durch Eindeichungen und Landgewinnung sind viele dieser Strukturen verschwunden.

Landschaft

Falster gehört zum Naturraum der Dänischen Südseeinseln. Die Region ist von der Weichsel- Eiszeit geprägt. Die Inseln bilden den Rest einer Landverbindung von Jütland nach Schweden.

Auf Falster dominieren Moränenküsten, die vor allem im Westen und Norden zu finden sind. Die Ostküste wird von Moränenkliffs geprägt, im Südosten ist das Strandwallsystem auffällig, das das Bøtø Nor abtrennt.

Insgesamt besteht die Landschaft Falsters aus lehmigen Grundmoränenhügeln. Der Untergrund ist weitgehend homogen. Es werden keine großen Erhebungen erreicht, der höchste Punkt Falsters ist mit 44 m der Bavnehøj im Norden der Insel.


Erhebungen

  • Kongskilde Bakke  61 m
  • Bavnehøj  44 m
  • Skjoltrup  37 m

Fauna und Flora

In den meisten Teilen Dänemarks dominiert als Wald der durch Aufforstungen entstandene Nadelwald, der zum Beispiel beim Bøtø Nor zu finden ist. Im Wald von Korselitze herrschen aber Laubbäume, hauptsächlich Buchen, vor. Ansonsten ist die Wiese ein häufig auf Falster anzutreffender Landschaftstyp.

Das Bøtø Nor mit seinem 110 ha großen Vogelschutzgebiet bietet gute Beobachtungsmöglichkeiten für Vögel. Neben einigen Raubvogelarten wie zum Beispiel Falken sind hier vor allem zahlreiche Zugvögel anzutreffen, die das Nor als Rastplatz benutzen. Allerdings gibt es auch diverse Vögel, die hier das ganze Jahr zu beobachten sind, wie die Graugans.

Flora

Die Pflanzenwelt auf Falster ist typisch für die südostdänischen Inseln: flach, fruchtbar, stark landwirtschaftlich geprägt und mit einem hohen Anteil an intensiv genutzten Ackerflächen, Wiesen und Küstenlebensräumen. Die Vegetation ist weitgehend von der boreo-nemoralen Zone beeinflusst, mit hoher Artenvielfalt auf den größeren Inseln wie Falster, Lolland, Møn und Bornholm im Vergleich zum Rest Dänemarks. Typische Wälder bestehen aus Laubbäumen wie Buche (Fagus sylvatica), Stieleiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus), Esche, Linde, Ulme und Birke, ergänzt durch Aspen, Graupappel und vereinzelt Nadelbäume wie Kiefern in Plantagen oder an windoffenen Stellen. Größere zusammenhängende Waldflächen finden sich vor allem im Osten und Südosten, etwa in Bøtøskoven (der größte Wald Süd-Falsters), wo alte Buchenbestände, Eichen und Unterwuchs mit Farnen, Anemonen und Waldblumen vorkommen.

Die offenen Landschaften dominieren jedoch: Weite Felder mit Getreide, Raps und Zuckerrüben, dazu Grünland und Wiesen, die durch Beweidung (zum Beispiel mit Rindern oder Schafen) offen gehalten werden. An den Küsten und in Feuchtgebieten entfalten sich die charakteristischsten Pflanzengesellschaften. Strandwiesen (strandenge), Salzwiesen und Rigkær (Kalksumpfe) beherbergen salztolerante Arten wie Strand-Beifuß, Strand-Dreizack, Queller, Salz-Schwingel und verschiedene Seggen. In den geschützten Feuchtgebieten wie Bøtø Nor und Rødsand/Hyllekrog wachsen Schilfrohr, Rohrkolben, Weidenbüsche, Erlen und typische Moor- und Feuchtlandpflanzen wie Tormentil, Glockenheide, Moosbeere oder Kriechweide.

Seltene oder bemerkenswerte Arten finden sich vor allem in den Natura-2000-Gebieten: Orchideen in Kalkwiesen, seltene Viol-Arten, Klokkelyng (Erica tetralix) oder spezialisierte Küstenpflanzen. Die Ostküste (unter anderem bei Marielyst oder Ulslev) hat Dünen mit Strandhafer, Sand-Segge und Heidekraut-ähnlichen Gesellschaften, während Moore und Lyng (Heide) kleinflächig vorkommen, oft in Naturschutzgebieten wie Horreby Lyng (eher Lolland, aber ähnlich). Die Flora ist durch intensive Landnutzung und Drainage beeinträchtigt – viele Feuchtgebiete wurden trockengelegt, was Artenvielfalt reduzierte –, doch Schutzmaßnahmen (Beweidung, Mahd, Deichmanagement) erhalten und fördern die Biodiversität in Küsten- und Übergangszonen.

Fauna

Die Tierwelt auf Falster ist geprägt von einer Mischung aus typischer dänischer Kulturlandschaft, intensiver Landwirtschaft und besonders artenreichen Küsten- und Feuchtgebieten, die durch das Natura-2000-Netzwerk und Ramsar-Schutzstatus international bedeutsam sind. Die Tierwelt konzentriert sich stark auf Vögel, da Falster ein wichtiger Rast- und Zugplatz in der Ostsee-Region ist, während Säugetiere und andere Gruppen weniger spektakulär, aber dennoch vorhanden sind.

Vögel dominieren die Fauna bei weitem – Falster und die umliegenden Gewässer (insbesondere Bøtø Nor, Rødsand/Hyllekrog, Guldborgsund und die Ostküste) zählen zu den besten Vogelbeobachtungsgebieten Südostdänemarks. Im Herbst und Frühjahr rasten hier Tausende Zugvögel: Graugänse, Blässgänse, Weißwangengänse, Kraniche, Entenarten wie Krickente, Löffelente, Schnatterente, Spießente und gelegentlich Singschwäne. Watt- und Watvögel wie Alpenstrandläufer, Großer Brachvogel, Rotschenkel und Kiebitze sind häufig, ergänzt durch Greifvögel wie Seeadler (die in der Region brüten), Fischadler (im Sommer), Rohrweihen und Wanderfalken. Im Frühjahr und Sommer brüten Arten wie Kiebitz, Rotschenkel, Uferschnepfe und Brachvogel in den Salzwiesen und Feuchtgebieten. Bøtø Nor ist besonders für Gänse, Enten und Kraniche bekannt, während Rødsand und Hyllekrog-Rødsand zu den wichtigsten Rastplätzen für Seevögel in Dänemark gehören, inklusive seltener Durchzügler wie Schwarzstorch, Rohrweihe oder seltene Falkenarten.

Säugetiere sind in der offenen Landschaft vor allem Rehe, Hasen, Füchse und Dachse vertreten – typisch für dänische Inseln. In den Wäldern wie Bøtøskoven leben Wildschweine (eingewandert oder freigesetzt), Rothirsche und kleinere Arten wie Iltis oder Steinmarder. Fledermäuse sind in Wäldern und an Gewässern präsent, darunter Arten wie Großer Abendsegler oder Zwergfledermaus. Marine Säugetiere spielen eine große Rolle in den Küstengebieten: Im Smålandsfarvandet und um Rødsand lebt die größte Population von Kegelrobben (grey seals) in Dänemark, oft mehrere Hundert Tiere, die auf Sandbänken ruhen. Auch Seehunde (harbour seals) sind häufig, und die Gebiete dienen als wichtige Aufzucht- und Rastzone für beide Arten.

Amphibien und Reptilien kommen in Feuchtgebieten vor, darunter Grasfrösche, Erdkröten und Teichmolche, seltener Waldeidechsen. Insekten und Schmetterlinge profitieren von den offenen Wiesen und Wäldern – Bøtøskoven ist bekannt für Arten wie Großen Perlmuttfalter, Braunen Feuerfalter oder seltene Dickkopffalter, die durch Beweidung und Pflege gefördert werden. Die intensive Landnutzung (Ackerbau, Drainage) hat die Biodiversität in den Binnenbereichen reduziert, sodass viele Arten auf die geschützten Küsten- und Feuchtzonen beschränkt sind. Diese Gebiete (Teil von Natura 2000 Nr. 173 „Smålandsfarvandet nord for Lolland, Guldborgsund, Bøtø Nor og Hyllekrog-Rødsand“ sowie Ramsar-Site) sind Hotspots für Biodiversität, besonders für Zugvögel und Robben, und werden durch extensive Beweidung (zum Beispiel mit Konik-Pferden oder Rindern), Mahd und Renaturierung gepflegt.

Naturschutz

Für den Naturschutz auf Falster ist im wesentlichen die staatliche Wald- und Naturbehörde zuständig, die dem Umweltministerium untersteht. Auf lokaler Ebene ist es der Falster Statsskovdistrikt, dem zahlreiche Wälder unterstehen. Er umfasst neben den Inseln Lolland, Falster und Møn den südlichen Teil Seelands. Bøtø Nor, Sønder Kohave, Bangsebro Skov, Hannenov Skov, Halskov Vaenge und Ovstrup Skov unterstehen der Behörde. Der Falster Staatskovdistrikt ist auch für die Vergabe der Fischereilizenzen zuständig.

Um die Qualität der Landschaft zu erhalten, werden auf Falster zahlreiche Naturschutzbemühungen unternommen. Eine davon ist die Initiative für saubere Industrie, die bereits seit 1989 besteht. Die Badewasserqualität wird jährlich untersucht. Alle untersuchten Strände Falsters haben seit der Jahrtausendwende eine gute Badewasserqualität.

Der Naturschutz auf Falster ist vor allem durch EU-weite Schutzmaßnahmen geprägt, insbesondere das Natura-2000-Netzwerk, ergänzt durch nationale Naturschutzgebiete (§ 3-Naturbeskyttelseslov), Ramsar-Gebiete und lokale Schutzgebiete. Falster ist flach, landwirtschaftlich intensiv genutzt und hat eine relativ geringe Binnenfläche unter strengem Schutz im Vergleich zu größeren dänischen Regionen, aber bedeutende Küsten- und Wattgebiete sowie Moore und Feuchtgebiete sind international geschützt. Die wichtigsten Naturschutzgebiete auf oder direkt angrenzend an Falster umfassen:

  • Bøtø Nor und Bøtøskoven im Osten/Südosten: Feuchtgebiet mit reicher Vogelwelt (Gänse, Schwäne, Enten), Wildpferden und Strandwiesen; Teil des Natura-2000-Gebiets.
  • Rødsand und Hyllekrog-Rødsand (südöstlich, teilweise angrenzend): Wichtiges Rast- und Brutgebiet für Seevögel und Robben (Kegelrobben); eines der bedeutendsten Vogelrastplätze Dänemarks.
  • Guldborgsund und angrenzende Gewässer (inkl. Bøtø Nor): Meeres- und Übergangszonen mit hoher Biodiversität.
  • Falsters Østkyst (Ostküste): Kleinere staatliche Areale mit Strand, Dünen und offenen Flächen (zum Beispiel bei Marielyst, Ulslev).
  • Weitere kleinere Gebiete: Saksfjed-Hyllekrog (nahe Rødby, aber Lolland-Falster-Übergang), Horreby Lyng (Moor auf Lolland-Falster), sowie Strandenge, Rigkær und Dünen entlang der Küste.


Das zentrale Schutzgebiet ist Natura 2000-Gebiet Nr. 173 „Smålandsfarvandet nord for Lolland, Guldborgsund, Bøtø Nor og Hyllekrog-Rødsand“. Es umfasst ein Gesamtareal von etwa 78.852 bis 79.069 Hektar (je nach Quelle und genauer Abgrenzung), wovon der überwiegende Teil Meeresfläche ist (Watten, flache Buchten, Lagunen). Der landbasierte Anteil auf Falster (zum Beispiel Bøtø Nor, Teile von Rødsand/Hyllekrog, Strandenge) beträgt nur einen Bruchteil davon – schätzungsweise einige hundert bis maximal 1.000 bis 2.000 Hektar reines Land auf der Insel selbst, da das Gebiet stark marin geprägt ist und sich über Lolland, Falster und umliegende Gewässer erstreckt.

Zusätzlich gibt es kleinere staatlich verwaltete Areale (zum Beispiel an der Ostküste mit zirka 179 ha Wald/Offenland plus weitere kleine Parzellen). Die Gesamtfläche aller streng geschützten Naturschutzgebiete auf Falster (Natura 2000-Landanteil + nationale Reservate + § 3-Flächen) liegt realistisch bei 5 bis 10 % der Insel. Genaue Summen für geschütztes festes Land auf Falster sind schwer zu konkretisieren, da viele Schutzgebiete überlappen (zum Beispiel Natura 2000 mit Ramsar) und viel Küsten-/Wasserfläche einbeziehen. Der Fokus liegt auf Feuchtgebieten, Strandwiesen und Vogelrastplätzen, die durch Gräser, Beweidung und Hochwasserschutz gepflegt werden.

Klima

Das Klima Falsters ist wie das ganz Dänemarks ozeanisch geprägt nach Köppen-Geiger wird es der gemäßigten, vollhumiden ozeanischen Zone (Cfb) zugeordnet. Dies äußert sich in milden Wintern und vergleichsweise kühlen Sommern. Die Sonnenscheindauer ist jedoch angenehm hoch. Die höchsten Niederschlagswerte weist der Juli mit durchschnittlich 62 mm auf, die niedrigsten der Februar mit 31. Insgesamt kommt Falster auf 584 mm Niederschlag pro Jahr. Zum Vergleich: In Norddeutschland sind es im Schnitt 700 bis 800 mm. Dabei verteilt sich in der dänischen Inselregion der Niederschlag auf 113 Tage, wobei im Monatsmittel die Spanne von 8 Tagen (Februar, April, Mai, Juni) bis zu 12 Tagen (November) reicht. Die Temperaturen erreichen im Juli und August mit 16,2 beziehungsweise 16,3°C ihr Maximum, Tagsüber werden im August im Schnitt 20,7°C erreicht. Dei kältesten Monate sind der Januar mit -0,1°C und der Februar mit 0,0°C. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 8,1°C. Die Spannweite der Sonnenstunden reicht von lediglich 42 im Januar bis zu 218 im Juni. Insgesamt kann man sich auf im Schnitt 1546 Sonnenstunden pro Jahr freuen. Im Vergleich dazu hat der Rest Dänemarks ein etwas kühleres Klima.

Sowohl die Durchschnittstemperaturen mit 15,6°C im Juli bzw. 15,7°C im August als auch die Tagestemperaturen mit 20,0°C im August sind für Gesamtdänemark niedriger. Die niederschlagreichsten Monate sind auch hier der Juli (66 mm) und der August (67 mm). Der Februar weist als niederschlagärmster Monat 38 mm auf. Mit einer Gesamtmenge von 712 mm liegt der dänische Schnitt deutlich über dem der Südseeregion. Auch die Anzahl der Niederschlagstage ist mit 121 höher. Obwohl die durchschnittliche Sonnenscheindauer in der Gesamtbetrachtung für die Wintermonate (Dezember und Januar) etwas höher ist (jeweils 43 Stunden), liegen sowohl die Anzahl der Sonnenstunden im Mai und Juni mit 209 Stunden als auch die Gesamtzahl von 1495 Stunden unter dem Schnitt der Inselregion.

Mythologie

Die Insel teilt die klassische nordische Mythologie mit Göttern wie Odin, Thor und den Riesen, die in ganz Skandinavien erzählt wurden, doch lokale Überlieferungen drehen sich eher um volkstümliche Wesen, Geister und moralische Warnungen aus der bäuerlichen und maritimen Lebenswelt.

Eine der bekanntesten lokalen Erscheinungen sind die Jack o' Lanterns oder Irrlichter (dänisch lygtemænd oder ildmænd), die als Seelen ungerechter Menschen gelten. Besonders um Skovby auf Falster hieß es in alten Überlieferungen, dass diese Lichter die Geister von Landvermessern seien, die zu Lebzeiten Grenzen falsch abgesteckt und betrogen hatten. Sie erscheinen nachts, messen mit glühenden Eisenstäben die Hügel und rufen: „Hier ist die klare und rechte Grenze! Von hier bis dort!“, um Wanderer in Moore und Sümpfe zu locken. Solche Geschichten dienten als Warnung vor Habgier und Ungerechtigkeit und passen gut zur flachen, moorigen Landschaft Falsters.

In der Wikingerzeit und im frühen Mittelalter war Falster Schauplatz von Konflikten mit slawischen Völkern (den Wenden/Vendere), was sich in Legenden von Eindringlingen, Dolmetschern und vermischten Familien niederschlug. Ortsnamen wie Corselitze oder Grimmelstrup gehen auf slawische Großfamilien zurück, etwa die des Gnemer, der als mächtiger Gutsbesitzer im 11.–12. Jahrhundert erwähnt wird. Diese Erzählungen vermischen sich mit Mythen von verborgenen Schätzen, verfluchten Orten und Geistern der alten Bewohner, die in der Landschaft hausen.

Moderne Attraktionen wie das Museum Obscurum in Nykøbing Falster greifen diese Themen auf und präsentieren eine Sammlung angeblicher cryptozoologischer Artefakte, mythischer Kreaturen und Folklore-Objekte – darunter Werwölfe, mythische Wesen und Relikte, die die Grenze zwischen Sage und Realität verwischen. Es ist eine spielerische Hommage an die alten Geschichten von Trollen, Elfen, Nissen und Geistern, die in der dänischen Folklore weit verbreitet sind und auch auf Falster in Form von Haushaltsgeistern oder Naturwesen vorkamen.

Geschichte

Bereits kurz nach der letzten Eiszeit (Ende um -10.000) besiedelten Jäger und Fischer Falster. In der Jungsteinzeit und der Bronzezeit erbauten die inzwischen sesshaften Bewohner eindrucksvolle Grabanlagen, Hügel- und Großsteingräber. Die wichtigsten Wege über die Insel waren wohl ebenfalls schon zur Bronzezeit bekannt. In der Wikingerzeit (8. bis 11. Jahrhundert) lag Falster am wichtigen Handelsweg vom schwedischen Birka am Mälarsee nach Haithabu an der Schlei beim heutigen Schleswig. In diese Zeit fallen auch Einflüsse aus dem südlichen Ostseeraum. Funde von slawischer Keramik und einer Bootswerft in Fribrøbredalen bei Stubbekøbing, die um 1100 Schiffe nach slawischer Bauart fertigte, belegen die Kontakte ebenso wie slawische Ortsnamen auf Falster. Diese enden typischerweise auf -itse, das bekannteste Beispiel dafür ist sicherlich der Gutshof Korselitse, oder haben vinde- im Namen (Vindeby). Beit Virket befinden sich noch heute Reste des Falster Virke, ein Wallsystem, das vermutlich 1158 der Bevölkerung Schutz vor slawischen Angriffen bot.

Das 12. bis 14. Jahrhundert, auch die Waldemarszeit genannt, waren geprägt durch Waldrodungen und rege Bautätigkeiten. Neben Auseinandersetzungen mit den Slawen und der Hanse bereiteten Machtkämpfe zwischen König, Adel und Kirche Probleme. Die Friedensschlüsse mit der Hanse wurden 1365 und 1507 in Nykøbing unterzeichnet. Falster wie auch Lolland kam seit diesr Zeit eine große Bedeutung als Kornlieferant zu, die beiden Inseln befanden sich jedoch an der Peripherie des Reiches.

Ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verlor der König an Macht, und im Jahre 1332 befand sich von ehemals drei königlichen Burgen auf Falster (Egenseborg, Nykøbinghus, Gedesgard) keine mehr in Kronbesitz. Das änderte sich mit der Regierung Waldemar Atterdags (ab 1340), der Burgen zurückeroberte, obwohl dem Adel weiterhin mehr Güter gehörten. Nach der Reformation war ab 1550 die Kirche als Machtfaktor weitgehend verschwunden, was die Zunahme des Kronbesitzes förderte.

1807 bis 1814 war das Gebiet um Falster ein wichtiger Schauplatz im Krieg gegen England. Falster blieb auch in der Neuzeit unter Einfluss der südlichen Osteseegebiete, gerade in der Landwirtschaft wurden Impulse aus Holstein und Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen. In den Jahren von 1868 bis 1900 verließen zahlreiche junge Männer Falster (mit Lolland zusammen etwa 13.500), um nach Amerika auszuwandern. Der Bedarf an Hilfskräften in der Landwirtschaft wurde hauptsächlich durch Arbeiter aus Polen gedeckt.

Ein einschneidendes Erlebnis war die große Sturmflut von 1872, bei der zahlreiche Menschen starben und das erst 1860 trockengelegte Bøtø Nor wieder überflutet wurde. Kurz darauf wurden viele Deiche verstärkt. Um die Wende zum 20. Jahrhundert begann mit dem Bau der ersten 3 Ferienhäuser in der ehemaligen Künstlerkolonie Marielyst Falsters Karriere als Touristeninsel. Zu den Gästen zählte auch Franz Kafka.

Die Stadt Stubbekøbing war einst Falsters größte Siedlung. Sie erhielt 1354 die Stadtrechte. Ihre Kirche geht allerdings schon auf die Zeit von 1160 bis 1180 zurück, es ist die älteste der Insel. Früher besaß Stubbekøbing auch eine Burg, deren Wurzeln ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Stubbekøbing war schon der Flottenübungsplatz Waldemars des Großen, da die Stadt strategische günstig gelegen ist. Als Kriegshafen war die Nähe zu Rügen sehr bedeutsam. Im Jahre 1288 erfolgte eine Plünderung durch die Anhänger Marsk Stigs, die Stubbekøbing auch niederbrannten. Als Handelsplatz konnte die Stadt sich schenll ausbreiten und erlebte im 15. Jahrhundert ihre Blütezeit, als mit der Heringsfischerei im Øresund viel Geld verdient wurde. 1478 konnte hier die Braut König Hans', Christine von Sachsen, begrüßt werden. Während des Englandkrieges von 1807 bis 1814 Kam Stubbekøbing immer noch eine militärische Bedeutung zu- hier fanden Kaperer und Kanonenboote Schutz.

Nykøbing/ Falster ist heute die größte Stadt der Insel. Seit dem 12. Jahrhundert gab es dort immer ein Schloß, das jedoch 1767 nach langem Verfall abgerissen wurde. Neben den beiden Friesdensschlüssen mit der Hanse (1365 und 1507) war die Stadt Ort eines Besuchs Zar Peter des Großen. 1716 war er mit seiner Flotte unterwegs und ging dabei in Nykøbing an Land. Statt im dafür hergerichteten Schloß speiste er jedoch im nächsten Gasthaus, das seitdem den Namen „Zarens Hus“ trägt. Bedeutsam ist auch die 1532 erbaute Klosterkirche. Königin Sophia (1557 bis 1631) nahm nach dem Tode ihres Mannes Frederik II. ihren Witwensitz im Schloß von Nykøbing. Sie stiftete der Kirche ien Altarbild und ließ eine Ahnentafel von ihrer Familie anferigen, das ebenfalls in der Klosterkirche von Nykøbing zu sehen ist. Seit 1849 ist Nykøbing Bischofssitz.

Steinzeit

Die frühesten Spuren stammen aus der Zeit um -6000, als Jäger-Sammler-Gruppen in der Kongemose-Kultur (Villingebæk-Phase) lebten. Ein bemerkenswerter Fund ist eine unterwasserarchäologische Siedlung im Storstrømmen (dem Meeresarm nördlich von Falster), die 2008/09 bei Voruntersuchungen für einen neuen Hafenkanal entdeckt wurde. Unter etwa 5 Metern Wasser lagen gut erhaltene organische Reste wie Haselnüsse (die wie frisch geknackt aussahen), Fischreusen, Holzpflöcke, Wicker-Matten und Feuersteinwerkzeuge – dank der sauerstoffarmen Schlick-Schicht perfekt konserviert. Diese Funde zeigen, dass die Menschen damals intensiv fischen, sammeln und jagen, mit saisonalen Lagern an der Küste.

In der Jungsteinzeit, ab etwa -4000, setzt mit der Trichterbecherkultur (Funnel Beaker Culture) der Übergang zur Landwirtschaft ein: Getreideanbau, Viehhaltung, Keramik und monumentale Grabanlagen. Falster hat mehrere gut erhaltene Megalithgräber (Dolmen, Ganggräber und Rundhügel), darunter Glentehøj (Kite Hill) bei Horbelev – ein rundes Grabhügel mit rund 5 m Höhe und 30 m Durchmesser aus etwa -3200, einer der besterhaltenen Dolmen der Region. Weitere Beispiele finden sich im Waldgebiet Halskov Vænge (bei Bregninge/Horbelev), wo zahlreiche Dolmen und Ganggräber im Wald verteilt liegen und als „Dolmenwald“ bekannt sind. Diese Monumente dienten als Kollektivgräber für die sesshaften Bauernfamilien und symbolisieren die neue Ideologie von Ahnenkult und Territorium.

Ein sensationeller Fund aus jüngster Zeit stammt vom Jahr 2023/24. Bei Bauarbeiten zur Elektrifizierung der Bahnstrecke im Norden Falsters (bei Nygårdsvej 3) entdeckten Archäologen des Museum Lolland-Falster eine rund 5000 Jahre alte Siedlung der Trichterbecherkultur mit zwei Bauphasen von Langhäusern – und darunter den ersten bekannten stein gepflasterten Keller aus der dänischen Steinzeit. Der trapezförmige, zirka 2 mal 1,5 m große, 40 cm tiefe Keller war mit flachen Steinen ausgelegt und diente wahrscheinlich der Kühl- und Frostschutz-Lagerung von Nahrung (zum Beispiel Getreide, Fleisch). Über 1200 Artefakte kamen zutage: Feuersteinwerkzeuge, Keramikscherben, Bruchstücke und mehr. Die Entdeckung wurde 2024 in der Fachzeitschrift Radiocarbon publiziert und stellt das bisherige Bild der Steinzeitarchitektur infrage – bisher galten solche unterirdischen Konstruktionen als extrem selten oder unmöglich für diese Zeit in Skandinavien.

Weitere Spuren der Steinzeit auf Falster sind Siedlungsreste bei Radbjerg und Skelby sowie kleinere Funde von Werkzeugen und Keramik. Im Vergleich zu Lolland (wo Lola, das 5700 Jahre alte Birkenpech-Mädchen mit vollständigem Genom, gefunden wurde) oder dem Fehmarnbelt-Bereich (mit versunkenen Siedlungen und Fußabdrücken aus der Zeit um -5000) ist Falster weniger spektakulär unterwasser, aber reich an terrestrischen Monumenten und neueren Entdeckungen. Die Steinzeit endet hier um -1700 mit dem Übergang zur Bronzezeit. Viele Funde sind im Museum Lolland-Falster in Nykøbing Falster ausgestellt, wo man Lola und andere Steinzeit-Exponate sehen kann. Die Insel war damals Teil eines dynamischen Küsten- und Agrarraums, mit Menschen, die sich von Jägern zu sesshaften Bauern wandelten – und dank guter Erhaltungsbedingungen in Feuchtgebieten und Wäldern bleiben ihre Spuren bis heute sichtbar.

Bronzezeit

Die Bronzezeit auf (-1700 bis -500) bringt den Übergang zu Metallverarbeitung, komplexeren Gesellschaften und neuen Bestattungsformen mit sich. Im nordischen Kreis (Norddeutschland, Dänemark, Südschweden) ist diese Periode durch reiche Bronzehorte, Waffen, Schmuck und rituelle Deponierungen gekennzeichnet, die oft in Mooren, Flüssen oder als Hortfunde abgelegt wurden – ein Zeichen für Opferrituale, Statussymbole oder soziale Netzwerke. Falster teilt diese Merkmale, ist aber aufgrund seiner flachen, feuchten Landschaft und intensiven Landnutzung weniger spektakulär als zum Beispiel Jütland oder Seeland, doch es gibt bedeutende Funde, vor allem aus der Älteren und Jüngeren Bronzezeit.

In der Älteren Bronzezeit (Periode I bis III, um -1700 bis -1100) dominieren Hortfunde mit Bronzewaffen wie Schwertern, Dolchen, Äxten und Lanzenspitzen, oft in Mooren oder Gewässern deponiert. Typisch sind die sogenannten „Lurer“ (Bronzeluren), die in Paaren gefunden werden und rituell verwendet wurden – obwohl keine direkten Lurenfunde auf Falster bekannt sind, passen viele Depots in die regionale Tradition. Grabhügel (runde Hügelgräber) aus dieser Zeit sind auf Falster erhalten, oft mit Steinkisten oder Eichen-Sargbestattungen für Eliten, die mit Bronzeschmuck (zum Beispiel Halskragen, Armringe und Fibeln) und Waffen ausgestattet waren. Einige dieser Hügel überlagern ältere Megalithgräber, was auf Kontinuität und Ahnenkult hinweist. Siedlungen waren meist klein und verstreut, mit Langhäusern aus Holz und Lehm, ähnlich wie in der Steinzeit, aber mit mehr Viehhaltung und Getreideanbau.

In der Jüngeren Bronzezeit (Periode IV bis VI, um -1100 bis -500.) steigt die Komplexität: Größere Hortfunde mit Goldobjekten (unter anderem Goldbrakteaten oder Spiralringe), importierten Gütern aus Mitteleuropa und rituellen Deponierungen. Auf Falster und Lolland sind seltene Goldfunde dokumentiert, wie Brakteaten oder Anhänger, die in der Nähe von Forneby oder anderen Orten entdeckt wurden – oft als Votive in feuchten Zonen. Die berühmtesten regionalen Funde stammen allerdings aus dem Fehmarnbelt-Projekt (Syltholm-Fjord östlich von Rødbyhavn auf Lolland, aber nah an Falster): Stationäre Fischereianlagen aus Holz (Reusen, Pfähle, Matten) reichen bis in die Bronzezeit (bis um -900), was intensive Nutzung der Küstengewässer zeigt. Auch ein Flintmesser mit Holzgriff aus der Bronzezeit (zirka 3000 Jahre alt) wurde in der Region geborgen.

Bronzezeitliche Gräber und Siedlungen sind auf Falster durch Grabhügelreste in Wäldern wie Halskov Vænge oder bei Horbelev vertreten, wo bronzezeitliche Nachbestattungen in älteren Dolmen vorkommen. Im Vergleich zur Steinzeit gibt es weniger Monumentalbauten, dafür mehr mobile Artefakte und Hinweise auf Fernhandel (Bernstein, Bronze aus Mitteleuropa). Die Gesellschaft war hierarchisch, mit „Chiefs“ oder Eliten, die durch Reichtum und Rituale Macht demonstrierten – Hortfunde dienten wahrscheinlich als Opfer an Götter oder Ahnen.

Eisenzeit

In der Vorromischen Eisenzeit (um -500 bis 1. Jahrhundert) setzt sich die Nutzung von Eisen durch, zunächst importiert, später lokal geschmiedet. Siedlungen bestehen aus Langhäusern in kleinen Dörfern, oft in der Nähe von Feuchtgebieten oder Küsten. Grabformen wechseln zu Brandbestattungen in Urnen oder Flachgräbern, mit einfachen Beigaben wie Fibeln, Nadeln oder Keramik. Auf Falster sind solche Funde verstreut, oft in Verbindung mit älteren Grabhügeln wiederverwendet.

Die Römische Eisenzeit (1. bis 4. Jahrhundert) bringt intensiven Fernhandel: Römische Denare (Silbermünzen), Glas, Bronzegefäße und Luxusgüter erreichen die Insel, oft in Hortfunden oder reichen Gräbern deponiert. Falster und Lolland sind Teil des „Barbaricum“ jenseits des Limes und profitieren von Bernstein-Export und Söldner-Diensten. Bekannte Funde aus der Region (Lolland-Falster) umfassen Denar-Horte (zum Beispiel zwei neue Hortfunde mit je 110 und 46 Münzen aus dem 1. bis 3. Jahrhundert, entdeckt seit 2009), die auf gezielte Akkumulation von Reichtum hinweisen. Der berühmteste nahe Fundort ist Hoby auf Lolland (direkt angrenzend an Falster über den Guldborgsund): Ein außergewöhnlich reiches Grab aus der Frühen Römischen Eisenzeit (1. Jahrhundert) mit importierten römischen Silbergefäßen (darunter das berühmte Hoby-Silber mit mythologischen Motiven), Bronzen und Waffen – ein Zeichen für eine Elite, die direkte Kontakte zum Römischen Reich hatte. Ähnliche, wenn auch kleinere, Elitegräber oder Depots existieren auf Falster.

Eine markante Entdeckung ist das Hulbælte („Lochbelt“ oder Verteidigungsanlage) auf Lolland (nahe Falster), ein zirka 750 m langer Wall mit Tausenden Pfostenlöchern für angespitzte Palisaden, datiert auf das 1. bis 4. Jahrhundert (Römische Eisenzeit). Es diente wahrscheinlich der Abwehr von Angreifern und lag strategisch zwischen Feuchtgebieten – ein Hinweis auf Unsicherheiten und organisierte Verteidigung in der Region.

In der Germanischen Eisenzeit (um 400 bis 800) nehmen Goldfunde zu: Brakteaten (dünne Goldmedaillons mit mythischen Motiven, oft Odin-Darstellungen), Goldringe und Anhänger, die als Amulette oder Statussymbole dienten. Auf Lolland-Falster wurden seltene Goldbrakteaten gefunden (zum Beispiel ein Odin-Amulett aus der Zeit um 500, entdeckt 2016), die in der nordischen Mythologie wurzeln. Opferrituale halten an: Ein makabrer Fund ist der Opferhund aus Svingelmosen (2016 entdeckt), ein Hundeskelett mit schweren Brüchen und Verletzungen – wahrscheinlich rituell getötet und in einem Moor abgelegt, typisch für germanische Opferpraktiken.

Wikingerzeit

Die Wikingerzeit auf Falster (um 800 bis 1050/1200) ist eine Phase intensiver Kontakte zur Ostsee-Region, Handel, Konflikte mit slawischen Völkern (Wenden/Vendere) und allmählicher Christianisierung, wobei Falster eher als agrarische und handelsorientierte Randzone des dänischen Reiches agierte – ohne die großen Ringburgen oder spektakulären Schiffsgräber wie in Jütland oder auf Seeland. Die Insel profitierte von ihrer strategischen Lage im Süden Dänemarks, nahe dem Guldborgsund und der Ostsee, was sie zu einem Knotenpunkt für Handel mit den Küstenslawen (im heutigen Mecklenburg-Vorpommern) machte. Archäologische Projekte wie „Daner og Vendere“ des Museum Lolland-Falster beleuchten diese Beziehungen: Dänen und Slawen waren abwechselnd Handelspartner und Gegner, mit gegenseitigen Raubzügen, aber auch Ehen, kulturellem Austausch und gemeinsamer Schiffbauweise (Kiel zuerst, dann Bug am Kiel).

Typische Wikinger-Funde auf Falster sind Silberhorte (Schatzfunde mit arabischen Dirhams, Schmuckfragmenten, Bruchsilber und Gewichten), die als Zahlungsmittel für Handel dienten. Ein bemerkenswerter Hort stammt aus Vålse Vig (geschützter Naturhafen), einer der größten Silberfunde Dänemarks aus der Wikingerzeit – ein Hinweis auf saisonale Handelsplätze vor der Entstehung fester Marktflecken. Weitere Horte mit arabischem Silber und baltischer Keramik zeigen Verbindungen über die Ostsee. Runensteine sind rar, aber sieben sind auf Lolland-Falster bekannt (zum Beispiel in Tillitse mit wendischem Ortsnamen, der einen dänischen Runenstein-Errichter Eskild Sunesøn erwähnt), die lokale Machtverhältnisse, Reisen und internationale Kontakte dokumentieren – oft ohne slawische Namen, trotz wendischer Einflüsse in Ortsnamen wie Corselitze oder Grimmelstrup.

Siedlungen waren meist kleine Dörfer mit Langhäusern, Viehhaltung und Ackerbau; Nykøbing Falster wuchs erst ab dem 11. Jahrhundert als Handelsort mit Handwerk und Schiffahrt auf. Es gibt keine großen Wikingerfestungen auf Falster selbst (im Gegensatz zu Borgring oder Trelleborg auf Seeland), aber Gerüchte oder Untersuchungen zu einer möglichen großen Festungsanlage aus der Wikingerzeit (manchmal als „größte in Dänemark“ bezeichnet) deuten auf Befestigungen hin, die bis ins 12. Jahrhundert genutzt wurden – allerdings nicht bestätigt als klassische Ringburg. Der Fokus lag auf maritimer Aktivität: Schiffe, Handel und Raubzüge gegen slawische Küsten, ergänzt durch Importe wie Keramik oder Silber.

Mittelalter

Die Mittelalter war eine Zeit der Konsolidierung dänischer Herrschaft, Christianisierung, städtischer Entwicklung, Verteidigung gegen slawische (wendische) Angriffe und Integration in das dänische Königreich. Die Insel lag an der südlichen Grenze des Reiches und war ein umstrittenes Grenzgebiet zwischen Dänen und den slawischen Wenden (Vendere) aus dem heutigen Mecklenburg-Vorpommern, was zu Konflikten, aber auch zu Handel, Ehen und kulturellem Austausch führte. Archäologische und historische Projekte wie „Daner og Vendere“ des Museum Lolland-Falster beleuchten diese komplexen Beziehungen: Dänen und Slawen waren abwechselnd Partner und Feinde, mit Raubzügen in beide Richtungen, doch ab dem 12. Jahrhundert dominierte die dänische Krone durch militärische Überlegenheit und Christianisierung.

Ein zentraler Meilenstein war die Gründung von Nykøbing Falster Ende des 12. Jahrhunderts (um 1180 bis 1200) um die neu errichtete Burg Nykøbing Slot (auch Nykøbing Borg genannt) auf einer Halbinsel am Guldborgsund. Die Burg diente als Schutz gegen wendische Piraten und Raubzüge und wurde schnell zum administrativen, militärischen und wirtschaftlichen Zentrum der Insel. Die Stadt entstand als „ny købing“ (neuer Marktflecken) mit Handelsplatz und Fährverbindung nach Lolland, erhielt bald købstadsrettigheder (Stadtrechte, spätestens um 1300 gesichert) und wuchs durch königliche Präsenz – mehrere dänische Könige nutzten das Schloss als Residenz oder Witwensitz. Nach der Reformation (1536) diente es verwitweten Königinnen (oft deutscher Herkunft), was zu Einwanderung deutscher Familien führte. Das Schloss wurde 1763 verkauft und abgerissen, doch sein Erbe prägt die Stadt bis heute.

Falster war in den Wendischen Kreuzzügen (Wendenkreuzzug 1147 und Folgefeldzüge bis etwa 1185) peripher, aber betroffen: Diese Nordischen Kreuzzüge gegen die heidnischen Slawen (Teil der Zweiten Kreuzzugs) führten zu dänischen Siegen, z. B. der Vernichtung einer wendischen Flotte vor der Falster-Küste 1172 unter König Valdemar dem Großen. Danach hörten wendische Piratenangriffe auf dänische Gewässer weitgehend auf. Slawische Einflüsse blieben jedoch in Ortsnamen (zum Beispiel Corselitze, Grimmelstrup mit Endungen -itse oder -by), Keramikfunden und archäologischen Spuren erhalten – Zeugnisse von gemischten Familien, Handel und kulturellem Austausch.

Wirtschaftlich profitierte Falster von seiner Lage: Fruchtbare Böden für Ackerbau und Viehzucht, Handel über den Guldborgsund und Hanse-Kontakte (obwohl keine direkte Hanse-Stadt). Stubbekøbing im Norden erhielt 1354 Stadtrechte und war lange die bedeutendste Stadt, wurde aber im Spätmittelalter von Nykøbing überholt. Die Insel gehörte meist der Krone (krongods), mit lokalen Adligen und Thing-Versammlungen. Kirchen und Klöster (unter anderem Franziskaner in Nykøbing) zeugen von der Christianisierung, die ab dem 11. Jahrhundert voranschritt.

Militärische Konflikte hielten an: 1368 wurde Nykøbing Slot während eines Hanse-Kriegs von schwedisch-hanseatischen Truppen belagert und kurz eingenommen (Kommandant Henning Aldestorp kapitulierte). Spätmittelalterliche Rodungen (zum Beispiel in Wäldern wie Halskov Vænge) schufen neue Dörfer, da der Bedarf an Ackerland stieg und die Piratenbedrohung nachließ. Das Mittelalter endet mit der Reformation 1536, als Dänemark lutherisch wurde – Falster integrierte sich voll ins dänische Reich, mit Nykøbing als dauerhaftem Zentrum.

Heute wird diese Epoche lebendig im Middelaldercentret (Mittelalterzentrum) in Nykøbing Falster, einem Freilichtmuseum mit Rekonstruktion einer mittelalterlichen Stadt (Sundkøbing um 1400), Ritterturnieren, Handwerksvorführungen, Belagerungsmaschinen und interaktiven Aktivitäten – ein Highlight für Besucher, das die Geschichte greifbar macht. Viele Funde und Details sind im Museum Lolland-Falster ausgestellt, wo die wendisch-dänischen Beziehungen detailliert dokumentiert werden. Das Mittelalter machte aus Falster eine befestigte, christliche und handeltreibende Insel mit starker Bindung ans Wasser und ans dänische Kernland.

Frühe Neuzeit

Die Frühe Neuzeit (1536 bis um 1800) war geprägt von der Reformation, der Etablierung des Absolutismus in Dänemark, wirtschaftlicher Stagnation und langsamer Modernisierung in einer peripheren, agrarisch dominierten Region. Nach der Reformation 1536, die Dänemark lutherisch machte, wurde die katholische Kirche aufgelöst: Klöster und Kirchenbesitz gingen an die Krone über, und die Franziskaner in Nykøbing Falster verschwanden. Die Reformation verlief relativ friedlich und ohne große Unruhen auf Falster – die Insel profitierte von der neuen lutherischen Kirchenordnung, die Bildung und Predigt in der Volkssprache förderte, doch lokale Traditionen hielten sich lange.

Nykøbing Falster blieb das unumstrittene Zentrum: Die Burg (Nykøbing Slot) diente nach der Reformation als Witwensitz für königliche Witwen (oft aus deutschem Adel), was zu Einwanderung deutscher Familien und kulturellen Einflüssen führte. Die Stadt wurde 1539 offiziell als købstad bestätigt und wuchs durch Handel, Handwerk und den Fährverkehr über den Guldborgsund. 1667 heiratete König Christian V. dort Charlotte Amalie von Hessen-Kassel – ein Ereignis, das die königliche Präsenz unterstrich. Im 18. Jahrhundert beherbergte das „Czarens Hus“ (heute Museum Falsters Minder) 1716 Zar Peter den Großen während des Großen Nordischen Kriegs, als Dänemark mit Russland gegen Schweden verbündet war – ein Zeichen für die strategische Lage Falsters in Ostsee-Konflikten.

Der Absolutismus (eingeführt 1660 unter Friedrich III.) traf Falster hart: Die Stände (Adel und Bürger) verloren Macht, die Krone übernahm direkte Kontrolle, und Steuern stiegen zur Finanzierung von Kriegen (zum Beispiel Großer Nordischer Krieg 1700 bis 1721, in dem Lolland-Falster Truppen und Versorgung stellte). Die Insel gehörte meist zum Krongut, mit wenigen Adelsgütern, und litt unter hohen Abgaben, Viehseuchen (Rinderpest im 18. Jahrhundert, die große Teile des Viehbestands dezimierte) und Missernten. Viele Bauern waren leibeigen (vornæs) bis zur Bauernbefreiung 1788, was soziale Spannungen schürte, aber auf Falster weniger zu Aufständen führte als anderswo.

Wirtschaftlich stagnierte Falster: Die Landwirtschaft (Getreide, Vieh, später Zuckerrüben) blieb dominant, doch der Handel über Gedser und Nykøbing war begrenzt – die Hanse-Einflüsse schwanden, und die Ostsee-Piraterie (zum Beispiel durch Schweden) bedrohte Schifffahrt. Im 18. Jahrhundert setzte eine leichte Erholung ein: Bessere Deich- und Entwässerungsmaßnahmen schützten vor Überschwemmungen, und die Merkantilismus-Politik förderte Manufakturen (unter anderem kleine Textil- und Tabakbetriebe in Nykøbing). Die Bevölkerung wuchs langsam, blieb aber ländlich – Nykøbing hatte um 1800 rund 2.000 bis 3.000 Einwohner.

Kulturell und religiös war die Periode ruhig: Lutheranische Kirchen (zum Beispiel die gotische Abteikirche in Nykøbing) prägten das Leben, mit Pietismus-Einflüssen im 18. Jahrhundert. Bildung blieb begrenzt, doch die Krone förderte Schulen. Falster war keine dynamische Region – im Gegensatz zu Kopenhagen oder Jütland –, sondern eine stabile, aber arme Peripherie des dänischen Absolutismusstaats. Die Epoche endet mit der Agrarreform um 1788 bis 1800, die Leibeigenschaft abschaffte und Privateigentum ermöglichte – ein Wendepunkt, der Falster in die Moderne führte, mit wachsendem Handel und Industrialisierung im 19. Jahrhundert.

Modernisierungszeit

Nach den Agrarreformen Ende des 18. Jahrhunderts (Abschaffung der Leibeigenschaft 1788, Einführung des Privateigentums an Land und Auflösung der Dreifelderwirtschaft) setzte auf Falster eine Phase intensiver landwirtschaftlicher Umstrukturierung ein: Die Bauern wurden freier, konnten Land kaufen oder pachten und wandten sich stärker marktorientierten Kulturen zu. Die fruchtbaren Böden der Insel eigneten sich hervorragend für Getreide, aber vor allem für den Anbau von Zuckerrüben (sukkerroer), der ab den 1870er und 1880er Jahren explosionsartig zunahm und Lolland-Falster zu einem der wichtigsten Zuckerproduktionsgebiete Europas machte.

Die Zuckerindustrie wurde zum Motor der lokalen Wirtschaft: Ab den 1870er Jahren entstanden mehrere Zuckerfabriken (zum Beispiel in Nykøbing Falster 1884), die Rüben verarbeiteten und den „weißen Gold“-Export förderten. Nach dem Verkauf der dänischen Westindischen Inseln 1917 wurde Lolland-Falster noch wichtiger für die nationale Zuckerproduktion – doch schon vor 1914 boomte die Branche. Der Rübenanbau erforderte viel Handarbeit, was zu saisonaler Zuwanderung führte: Ab den 1880er und 1890er Jahren kamen Tausende polnischer Saisonarbeiterinnen (roepiger), die als billige Arbeitskräfte die Felder bestellten – 1914 arbeiteten allein auf Lolland-Falster um 14.000 polnische Frauen in den Rübenfeldern. Diese Migration veränderte die Demografie und führte zu neuen sozialen Spannungen, aber auch zu kulturellem Austausch.

Parallel dazu kam der Eisenbahnbau als weiterer Schub: Die Lolland-Falster-Strecke (Kopenhagen–Nykøbing Falster) wurde in den 1860er Jahren eröffnet (Storstrømsbro 1963, aber Vorläufer ab 1870er), was den Transport von Rüben, Zucker und Gütern enorm erleichterte und Nykøbing Falster zum Knotenpunkt machte. Die Bahn verband die Insel enger mit dem Rest Dänemarks, förderte den Export und zog Industrie an (kleinere Manufakturen, Mühlen, Brauereien). Nykøbing Falster wuchs von ca. 3.000 Einwohnern um 1800 auf über 10.000 um 1900 – durch Zuzug vom Land, Handwerk und frühe Industrialisierung.

Politisch und gesellschaftlich war Falster Teil der dänischen Nationalbewegung: Nach dem Verlust Norwegens 1814 und Schleswigs 1864 (Deutsch-Dänischer Krieg) stärkte sich der nationale Konsens. Die liberale Verfassung von 1849 und die Bauernbewegung (Bondevennerne) hatten Einfluss – auf Falster gab es 1841 die berühmte „Falstertale“ von Orla Lehmann, die für eine freie Verfassung warb und die Bauern mobilisierte. Die Region blieb jedoch ländlich-konservativ, mit starker lutherischer Kirche und begrenzter Urbanisierung außerhalb Nykøbings.

Sozial gab es Fortschritte und Härten: Die Agrarreformen schufen wohlhabendere Bauernhöfe, doch viele Kleinbauern und Landarbeiter blieben arm. Die Zuckerboom brachte Wohlstand in die Region, aber auch Abhängigkeit von Weltmarktpreisen und harte Arbeitsbedingungen für Saisonkräfte. Bis 1914 war Falster eine prosperierende Agrar- und Frühindustrie-Region: Zucker, Getreideexport, Bahnverbindungen und wachsende Städte prägten das Bild – eine Insel, die von der dänischen Industrialisierung profitierte, ohne großstädtisch zu werden. Der Erste Weltkrieg unterbrach diesen Aufschwung nur leicht, doch die Grundlage für das 20. Jahrhundert (Zuckerfabriken in Nykøbing und Nakskov bis heute) war gelegt.

Weltkriegsära

Der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) traf Dänemark als neutrales Land nur indirekt. Es gab Lebensmittelknappheit, Rationierung und wirtschaftliche Belastungen durch Blockaden, doch Falster profitierte von der hohen Nachfrage nach Agrarprodukten (Getreide, Zuckerrüben) für den Export – die Zuckerfabriken in Nykøbing Falster und Umgebung liefen auf Hochtouren. Die polnischen Saisonarbeiterinnen (roepiger) blieben wichtig, auch wenn der Zustrom während des Kriegs abnahm.

In der Zwischenkriegszeit (1918 bis 1939) boomte die Zuckerproduktion weiter: Lolland-Falster wurde zum Kern der dänischen Zuckerrübenverarbeitung, mit Fabriken wie der in Nykøbing (gegründet 1884, erweitert in den 1920er/30er Jahren) und Nakskov. Die Region erlebte Wohlstand durch Exporte, doch die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf hart – Preiseinbrüche, Arbeitslosigkeit und soziale Spannungen. Die Demografie veränderte sich durch anhaltende polnische Migration (bis zu 14.000 roepiger jährlich in den 1930er Jahren), was zu kulturellen Einflüssen und gelegentlichen Konflikten führte. Politisch blieb Falster konservativ-ländlich, mit starker Unterstützung für liberale oder sozialdemokratische Kräfte; der Nationalsozialismus (DNSAP) hatte hier wenig Einfluss.

Der Zweite Weltkrieg begann für Dänemark mit der deutschen Invasion am 9. April 1940 (Operation Weserübung): Deutsche Truppen landeten unter anderem in Gedser (Süden Falsters) und nahmen die Storstrømsbro (Verbindung Falster–Seeland) ein. Der Widerstand war minimal – die dänische Armee kapitulierte schnell, und König Christian X. sowie die Regierung akzeptierten die „Friedensbesetzung“, um Schlimmeres zu verhindern. Bis August 1943 blieb die Besatzung relativ „mild“: Die dänische Regierung behielt innere Autonomie, Polizei und Verwaltung funktionierten weiter, und Falster erlebte keine massiven Kämpfe. Die Zuckerindustrie arbeitete für die Besatzer (Rübenexport nach Deutschland), was die Region wirtschaftlich stabil hielt, aber Ressourcenknappheit und Rationierung brachte.

Ab 29. August 1943 („zweite Okkupation“) verschärfte sich die Lage: Die Deutschen übernahmen direkte Kontrolle, entwaffneten die dänische Armee und Polizei, und der Widerstand wuchs. Auf Lolland-Falster gab es lokale Widerstandsgruppen (zum Beispiel in Nykøbing Falster und Umgebung), die Sabotageakte gegen Bahnen, Telefonleitungen oder deutsche Transporte durchführten – oft in Kooperation mit Kopenhagener Gruppen. Bekannte Figuren wie Monica Wichfeld (aus der Region, hingerichtet 1945 als einzige dänische Frau mit Todesurteil) engagierten sich aktiv und halfen bei Fluchten oder Spionage. Die Rettung der dänischen Juden im Oktober 1943 (über 7.000 flohen nach Schweden) betraf Falster nur marginal, da wenige Juden dort lebten, doch Boote starteten gelegentlich von der Küste.

Falster diente als Transitroute: Die Fähre Gedser–Warnemünde (heute Rostock) transportierte deutsche Truppen und Güter; die Vogelfluglinie blieb bis 1945 aktiv. Ab 1944/45 nahmen Flüchtlingsströme zu: In den letzten Kriegsmonaten nahmen Lolland-Falster über 7.000 deutsche Zivilflüchtlinge auf (zum Beispiel in Lagern wie Hasselø), die interniert wurden – ein Kontrast zur Besatzung. Die Befreiung kam am 4./5. Mai 1945: Deutsche Truppen in Dänemark kapitulierten vor britischen Kräften (ohne Kampf auf dänischem Boden, außer Bornholm). Auf Falster feierten die Menschen die Freiheit, deutsche Soldaten wurden entwaffnet und abtransportiert.

Moderne Zeit

Nach der Befreiung 1945 und dem Ende der deutschen Besatzung setzte der Wiederaufbau schnell ein: Die Zuckerfabriken in Nykøbing Falster und Nakskov liefen wieder auf Hochtouren und erreichten in den 1950er und 1960er Jahren ihre höchsten Produktionszahlen. Lolland-Falster blieb bis in die 1980er Jahre der wichtigste Zuckerrüben-Anbauraum Dänemarks, und die Region profitierte vom Export in die EG (ab 1973 Mitgliedschaft) und später in die EU. Die polnischen Saisonarbeiterinnen (roepiger) wurden ab den 1950er Jahren durch Gastarbeiter aus Jugoslawien, Türkei und später Polen ersetzt, doch die Zahl sank allmählich, da Mechanisierung (Erntemaschinen) die Handarbeit reduzierte.

Die Landwirtschaft modernisierte sich rasant: Die 1950er bis 1970er Jahre waren die Blütezeit großer, spezialisierter Höfe mit intensivem Rüben- und Getreideanbau, aber auch mit zunehmender Viehhaltung (Schweine, Milchkühe). Die Agrarreformen der Nachkriegszeit (zum Beispiel Zusammenlegung kleiner Höfe) führten zu immer größeren Betrieben. Gleichzeitig begann der Bevölkerungsrückgang auf dem Land: Viele junge Menschen zogen nach Kopenhagen oder ins Ausland, sodass die Einwohnerzahl Falsters von rund 55.000 um 1950 auf unter 45.000 um 2000 sank. Nykøbing Falster wuchs dagegen leicht und blieb mit etwa 16.000 bis 17.000 Einwohnern das Zentrum.

Die Infrastruktur erfuhr entscheidende Verbesserungen: Die Storstrømsbro (die alte Brücke über den Storstrømmen) wurde 1963 durch die moderne Kong Frederik den IX’s Bro mit kombinierter Straße und Schiene ersetzt – ein Meilenstein, der Falster enger an Seeland und den Rest Dänemarks anband. Die Fährverbindung Gedser–Rostock (heute Gedser–Rostock) wurde nach dem Krieg wieder aufgenommen und entwickelte sich zur wichtigsten Ostsee-Querung für Autofahrer und Lkw (Vogelfluglinie). Der Tourismus nahm ab den 1960er Jahren zu: Der Strandort Marielyst wurde zum beliebten Ferienziel mit Campingplätzen, Ferienhäusern und Sommertourismus, besonders aus Deutschland.

Ab den 1980er und 1990er Jahren kam es zu einem Strukturwandel: Die Zuckerindustrie schrumpfte (mehrere Fabriken wurden geschlossen, die letzten großen in Nakskov und Nykøbing halten bis heute), die EU-Agrarreformen (1992) und die Globalisierung drückten die Preise, und die Landwirtschaft musste sich diversifizieren (zum Beispiel Bio-Anbau, Pferdehaltung, Tourismus). Die Bevölkerungszahl stagnierte oder sank leicht, und die Region galt als strukturschwach. 2007 fusionierte die alte Nykøbing Falster Kommune mit anderen zu der neuen Guldborgsund Kommune, deren Verwaltungssitz Nykøbing Falster blieb.

Kulturell und gesellschaftlich war Falster in diesen Jahrzehnten typisch dänisch: Hohe Lebensqualität, starke Wohlfahrtsstaat-Integration, gute Schulen und Gesundheitsversorgung. Die Region profitierte vom dänischen Wirtschaftsboom der 1950er bis 1970er Jahre und blieb von großen Krisen (zum Beispiel Ölkrise 1973) relativ verschont. Politisch war sie eher konservativ bis sozialdemokratisch, mit starkem Fokus auf Landwirtschaft und Regionalpolitik.

Bis zur Coronazeit (2020) war Falster eine stabile, ländlich geprägte, aber gut angebundene Insel: Zuckerproduktion und Tourismus (Marielyst, Bøtø Nor) als wichtigste Wirtschaftszweige, Nykøbing Falster als regionales Zentrum mit Handel, Bildung (CELF) und Verkehrsknotenpunkt. Die Insel hatte sich von der reinen Agrarregion der Nachkriegszeit zu einer Mischung aus Landwirtschaft, Tourismus, Pendler-Region und Naturschutzgebieten entwickelt – eine ruhige, grüne Ecke Dänemarks, die von der Corona-Pandemie 2020/21 zwar getroffen wurde (Lockdowns, weniger Tourismus), aber keine dramatischen wirtschaftlichen Einbrüche erlebte.

Verwaltung

Mit der Kommunalreform in Dänemark zum 1. Januar 2007 wurden die ehemaligen vier Kommunen auf Falster mit zwei ehemaligen Kommunen des östlichen Lollands zur neuen Guldborgsund Kommune in der Region Sjælland zusammengeschlossen. Die neue Kommune erstreckt sich über ein Gebiet von 903,42 km² und wird von 63.211 Einwohnern (1. Januar 2009) bewohnt. Die ehemaligen Kommunen auf Falster hießen: Nykøbing Falster, Nørre Alslev, Stubbekøbing und Sydfalster. Die ehemaligen Kommunen auf Lolland waren Nysted und Sakskøbing.


Herrschaftsgeschichte

  • -5. bis 8. Jahrhundert germanische Fürstentümer
  • 8. Jahrhundert bis 958 dänische Königreiche
  • 958 bis 2. August 1380 Königreich der Dänen (Regnum Danorum)
  • 2. August 1380 bis 17. Juni 1397 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
  • 17. Juni 1397 bis 6. Juni 1523 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge) als Teil der Kalmarer Union
  • 6. Juni 1523 bis 16. Februar 1658 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
  • 16. Februar 1658 bis 27. Mai 1660 Königreich Schweden (Konungariket Sverige) und Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
  • 27.Mai 1660 bis 14. Januar 1814 Königreich Dänemark-Norwegen (Kongeriget Danmark-Norge)
  • 14. Januar 1814 bis 9. April 1940 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)
  • 9. April 1940 bis 5. Mai 1945 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark) unter Besatzung durch das Deutsche Reich
  • seit 5. Mai 1945 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)

Legislative und Exekutive

Auf Falster gibt es keine eigenständige legislative oder exekutive Gewalt, da sie Teil des dänischen Staates ist und somit denselben politischen Strukturen unterliegt wie der Rest des Landes. Dänemark ist eine parlamentarische Monarchie, und alle gesetzgebenden Aufgaben werden auf nationaler Ebene vom Folketing, dem dänischen Parlament in Kopenhagen, wahrgenommen. Dieses Parlament erlässt Gesetze, die für ganz Dänemark gelten, einschließlich der Regionen und Inseln wie Falster.

Für die Exekutive ist die dänische Regierung zuständig, die durch den Ministerpräsidenten geleitet wird und auf nationaler Ebene die Verwaltung, Umsetzung der Gesetze und die öffentliche Ordnung sicherstellt. Auf lokaler Ebene fällt Falster unter die Guldborgsund Kommune, die für die konkrete Verwaltung vor Ort verantwortlich ist. Die Kommune übernimmt Aufgaben wie Schulen, Gesundheitsdienste, Straßenunterhalt, soziale Dienste und Bauangelegenheiten. Sie wird von einem Gemeinderat (Kommunalbestyrelse) geleitet, der direkt von den Einwohnern gewählt wird, und von einem Bürgermeister, der als exekutives Organ die Umsetzung der Beschlüsse des Rats überwacht.

Inseloberhaupt

Höchster Repräsentant der Insel ist der Bürgermeister der Guldborgsund Kommune.


Borgmestre af Guldborgsund Kommune (Bürgermeister der Gemeinde Guldbordsund)

  • 1 Jan 2007 - 31 Dez 2009 Kaj Petersen
  • 1 Jan 2010 - 31 Dez 2021 John Brædder
  • seit 1 Jan 2022 Simon Hansen

Justizwesen und Kriminalität

Falster gehört zur Retskreds 14 mit Sitz in Nykøbing Falster, wo die Retten i Nykøbing Falster (Byret) alle grundlegenden Gerichtsverfahren bearbeitet. Diese Bezirksgericht behandelt Zivilstreitigkeiten (inklusive familienrechtlicher Fälle wie Scheidungen, Sorgerecht und Unterhalt), Strafsachen (von leichten Vergehen bis zu schwereren Delikten, die nicht an das Landgericht weitergeleitet werden), Fogedsager (Zwangsvollstreckung, Räumungen), Skiftesager (Erbschafts- und Insolvenzangelegenheiten) sowie Notarforretninger (Beglaubigungen, Testamente). Die Zuständigkeit erstreckt sich auf Guldborgsund Kommune (Falster und Teile Lollands), Lolland Kommune und Vordingborg Kommune (Südseeland). Schwerere Strafsachen (Mord und schwere Gewalt) oder Berufungen gehen an das Østre Landsret in Kopenhagen. Das Gericht sitzt in modernen Räumlichkeiten an der Vestensborg Allé 8 in Nykøbing Falster und ist montags bis freitags von 8:30 bis 15:00 Uhr erreichbar.

Die Polizeiarbeit auf Falster fällt unter den Politi Sydsjælland og Lolland-Falster (Polizeidistrikt Südseeland und Lolland-Falster), mit Hauptstation in Nykøbing Falster und kleineren Diensten in Nakskov (Lolland) sowie Streifenwagen und Präventionsarbeit auf der Insel. Der Distrikt deckt ein großes, ländliches Gebiet mit relativ niedriger Bevölkerungsdichte ab, was die Kriminalitätsstruktur beeinflusst: Weniger urbane Banden- oder Drogenkriminalität als in Kopenhagen, dafür mehr Eigentumsdelikte, Verkehrsverstöße und gelegentliche Gewalt im privaten oder alkoholbedingten Kontext.

Die Kriminalitätsbelastung auf Lolland-Falster (inklusive Falster) liegt nach den neuesten verfügbaren Statistiken von Danmarks Statistik und Politi (Stand 2023/24, mit Tendenz bis 2025/26) unter dem nationalen Durchschnitt Dänemarks. In Guldborgsund Kommune (Falster) wurden 2023/24 etwa 1.635 bis 1.700 anmeldte Straftaten pro Jahr registriert, darunter vor allem Ejendomsforbrydelser (Eigentumsdelikte wie Einbrüche, Diebstähle, Vandalismus) mit rund 1.500 bis 1.600 Fällen, Voldsforbrydelser (Gewaltdelikte) mit 300 bis 350 Fällen und Seksualforbrydelser (Sexualdelikte) mit 60 bis 70 Fällen. Særlove (Sondergesetze, unter anderem Verkehrs-, Waffen- oder Drogenverstöße) machen einen großen Anteil aus, oft mit über 1.000 Fällen jährlich. Die Aufklärungsquote liegt bei typischen 40 bis 60 % für Eigentumsdelikte und höher bei Gewalt. Im Vergleich zu urbanen Gebieten ist die Rate pro Einwohner niedrig; Lolland-Falster gilt als eine der sichereren Regionen Dänemarks, mit Rückgang bei vielen Kategorien seit den 2010er Jahren (zum Beispiel weniger Einbrüche durch bessere Prävention und Demografie). Narkotikabeslaglæggelser (Drogenbeschlagnahmen) sind moderat, mit Fokus auf Cannabis und kleinere Mengen, ohne dass die Region als Hotspot gilt.

Flagge und Wappen

Die Flagge und das Wappen der Insel Falster existieren nicht als offizielle, einheitliche Symbole für die gesamte Insel, da Falster seit 2007 Teil der Guldborgsund Kommune ist und historisch nie eine eigene administrative Einheit mit eigenem Wappen oder Flagge hatte – im Gegensatz zu manchen anderen dänischen Inseln oder historischen Landesteilen. Stattdessen werden Symbole der größten Stadt, der ehemaligen Kommune oder der aktuellen Verwaltung verwendet, die stark mit Falster assoziiert sind.

Das bekannteste Wappen, das oft mit Falster in Verbindung gebracht wird, ist das Wappen der Stadt Nykøbing Falster (Vaabenskjoldet for Nykøbing Falster). Es zeigt in Blau ein silbernes (weißes) Segelschiff mit drei Masten und geblähten Segeln, das seit mindestens 1556 aus dem ältesten bekannten Stadtsiegel stammt. Das Motiv symbolisiert die zentrale Rolle des Hafens und des Seehandels für die Stadt und damit für die ganze Insel. Das Wappen wurde 1938 offiziell registriert und ist bis heute in Gebrauch – es erscheint auf offiziellen Dokumenten, Souvenirs, Flaggen und dem Stadtwappen. Die Farben Blau und Weiß spiegeln die maritime Tradition wider, und das Schiff ist ein klassisches heraldisches Symbol für Handel und Schifffahrt.

Eine separate Flagge für Falster als Insel gibt es nicht offiziell. In manchen inoffiziellen oder historischen Kontexten (zum Beispiel in Vexillologie-Seiten oder lokalen Vereinen) wird eine blaue Flagge mit grünem skandinavischem Kreuz (nordisches Kreuz), weiß umrandet, als „Lolland-Falster-Flagge“ oder ähnlich erwähnt – diese ist jedoch nicht offiziell anerkannt und wird eher als folkloristisches oder touristisches Design gehandelt, das die beiden Schwesterinseln Lolland und Falster gemeinsam repräsentieren soll. Solche Designs sind nicht kommunal genehmigt und dienen meist dekorativen Zwecken.

Seit der Kommunalreform 2007 gilt das Wappen der Guldborgsund Kommune für das gesamte Gebiet inklusive Falster. Es zeigt in Gold (gelb) drei blaue Wellenleisten (symbolisch für den Guldborgsund und die umliegenden Gewässer) und darüber drei silberne Eichenblätter (für die Wälder und die Natur der Region). Die offizielle Flagge der Kommune basiert darauf: gelber Grund mit den drei blauen Wellen und den Eichenblättern in der oberen Hälfte, oft mit dem Wappen in der Mitte. Diese Symbole repräsentieren heute Falster administrativ, auch wenn viele Einheimische emotional stärker mit dem alten Nykøbing-Falster-Schiff verbunden sind.

Hauptort

Der Hauptort der Insel ist seit dem späten 12. Jahrhundert Nykøbing Falster (oft kurz Nykøbing F. genannt), das sich schnell zur größten und wichtigsten Siedlung der Insel entwickelte und diese Rolle bis heute behält. Die Stadt wurde Ende des 12. Jahrhunderts (um 1180 bis 1200) um die damals neu errichtete Burg Nykøbing Slot gegründet, die als Schutz gegen die slawischen Wenden (Vendere) diente – eine Befestigungsanlage auf einer Halbinsel am Guldborgsund, die später zu einem königlichen Witwensitz wurde. Die Gründung erfolgte als „ny købing“ (neuer Marktflecken), was den Namen erklärt und auf die Absicht hinweist, einen neuen Handels- und Schutzort zu schaffen. Bereits im 13. Jahrhundert erhielt Nykøbing den Status eines Marktfleckens (købstad), wurde 1539 offiziell zur Stadt (købstadsrettigheder) erhoben und wuchs durch seine günstige Lage am Wasser, den Fährverkehr nach Lolland und den Handel (Hanse-Einfluss, Schiffbau) rasch zum wirtschaftlichen und administrativen Zentrum Falsters.

Vor Nykøbing Falster gab es keinen vergleichbaren zentralen Hauptort auf der Insel – Falster war im frühen Mittelalter dezentral besiedelt, mit verstreuten Dörfern, Höfen und kleineren Siedlungen. Die ältesten bekannten Orte waren slawisch-wendisch beeinflusste Dörfer (z. B. mit Endungen -itse oder -by wie Corselitze, Grimmelstrup) und Wikingerzeit-Siedlungen, aber keine dominante Stadt. Stubbekøbing im Norden (ebenfalls Ende 12. Jahrhundert gegründet) war ein weiterer Marktflecken und Konkurrent, blieb aber kleiner und regionaler (heute ca. 2.300 Einwohner gegenüber über 16.000 in Nykøbing). Bis ins 18. Jahrhundert gehörte der Großteil Falsters der Krone, und es gab keine feste „Hauptstadt“ im modernen Sinne – Macht und Verwaltung lagen bei königlichen Beamten, Burgen und lokalen Thing-Versammlungen.

Ab dem 19. Jahrhundert festigte Nykøbing seine Position durch Industrialisierung (Zuckerfabrik 1884), Bahnanschluss und Hafenentwicklung. Von 1970 bis 2006 war es Verwaltungssitz der Storstrøms Amt (ehemaliges Amt) und der alten Nykøbing Falster Kommune. Seit der Kommunalreform 2007 ist es Sitz der Guldborgsund Kommune (die ganz Falster plus Teile Lollands und Seelands umfasst), sodass Nykøbing Falster bis heute das unumstrittene Zentrum der Insel bleibt – mit Rathaus, Gericht, Bahnhof, Einkaufsstraßen, Kultur und dem Großteil der Bevölkerung (rund ein Drittel aller Falster-Bewohner leben dort). Andere Orte wie Stubbekøbing, Sakskøbing oder Gedser haben nie diese zentrale Rolle übernommen.

Verwaltungsgliederung

Die Insel Falster bestand bis 2006 aus drei Gemeinden (kommuner) mit 13 Ortschaften (byområder).

Kommune Fläche (km²) Einwohner 2001 Dichte (E/km²)
Nykøbing / Falster 133,80 25.498 190,57
Nørre Alslev 181,20 9.436 52,08
Stubbekøbing 146,51 6.812 46,50
Sydfalster 113,31 7.029 62,03


           Verwaltungsgliederung:

           4 tidligere kommuner (ehemalige Gemeinden)

                       25 byområder (Ortschaften)

Bevölkerung

Im Folgenden die Bevölkerungsentwicklung samt Dichte, bezogen auf die Fläche von 513,76 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner     Dichte (E/km²)

           1901                34 436             67,03

           1906                36 029             70,13

           1911                39 376             76,64

           1916                41 243             80,28

           1921                43 163             84,01

           1925                44 771             87,14

           1930                44 731             87,07

           1935                44 280             86,19

           1940                44 198             86,03

           1945                45 665             88,88

           1950                46 665             90,83

           1955                47 108             91,69

           1960                46 662             90,82

           1965                45 906             89,35

           1970                44 684             86,97

           1976                44 295             86,22

           1981                44 019             85,68

           1986                42 968             83,63

           1987                42 930             83,56

           1988                42 900             83,50

           1989                42 880             83,46

           1990                42 846             83,40

           1991                42 820             83,35

           1992                42 800             83,31

           1993                42 750             83,21

           1994                42 720             83,15

           1995                42 697             83,11

           1996                42 750             83,21

           1997                42 890             83,48

           1998                43 016             83,73

           1999                43 199             84,08

           2000                43 171             84,03

           2001                43 261             84,20

           2002                43 442             84,56

           2003                43 537             84,74

           2004                43 498             84,67

           2005                43 405             84,48

           2006                43 364             84,41

           2007                44 266             86,16

           2008                43 640             84,94

           2009                43 530             84,73

           2010                43 389             84,45

           2011                43 244             84,17

           2012                42 697             83,11

           2013                42 544             82,81

           2014                42 352             82,44

           2015                42 328             82,39

           2016                42 399             82,53

           2017                42 738             83,19

           2018                42 582             82,88

           2019                42 450             82,63

           2020                42 451             82,62

           2021                42 221             82,18

           2022                42 186             82,08

           2023                42 068             81,87

           2024                41 621             81,00

           2025                41 481             80,72


Die Einwohnerzahl sank von 1981 bis 2001 im Jahresdurchschnitt um 0,086 %.


Bevölkerungsaufteilung 2001:

  • Bevölkerungszahl insgesamt   14.563
  • weiblich  7.386 (50,72 %) 
  • männlich  7.177 (49,28 %)

Volksgruppen

Die Geschichte der Insel reicht bis in die Steinzeit zurück, mit archäologischen Funden wie Grabhügeln und Siedlungsresten. In der Wikingerzeit und im frühen Mittelalter zeigen Ortsnamen mit Endungen wie „-by“ oder „-itse“ Einflüsse slawisch-wendischer Gruppen (Wenden), die aus dem südlichen Ostseeraum kamen. Diese slawischen Wenden führten im 12. Jahrhundert zu Konflikten mit den dänischen Herrschern, etwa in Kriegen um 1158. Ab dem Hochmittelalter setzte sich jedoch eine klare dänische Dominanz durch. Die Insel gehörte lange Zeit größtenteils direkt zur Krone, was eine starke zentrale Kontrolle und eine einheitliche dänische Besiedlung begünstigte.

Im Laufe der Jahrhunderte blieb die Bevölkerung Falsters fast ausschließlich dänisch. Es gab keine nennenswerten Ansiedlungen anderer ethnischer Gruppen wie Deutsche, Friesen oder Roma, die anderswo in Dänemark in kleiner Zahl vorkommen. Auch die polnischen Saisonarbeiter, die Anfang des 20. Jahrhunderts (besonders um 1914) auf Lolland-Falster in der Landwirtschaft (speziell Rübenfelder) tätig waren, blieben temporär und führten nicht zu einer dauerhaften polnischen Volksgruppe auf der Insel.

Von den Einwohnern Falsters sind über ein Drittel in der größten Stadt Nykøbing Falster konzentriert. Die Bevölkerung ist weiterhin überwiegend ethnisch dänisch. Wie in vielen ländlichen und provinziellen Teilen Dänemarks gibt es in den letzten Jahrzehnten Zuzug von Menschen mit Migrationshintergrund aus nicht-westlichen Ländern (unter anderem aus dem Nahen Osten, Afrika oder Osteuropa), doch diese Gruppen bilden keine traditionellen Volksgruppen mit langer historischer Präsenz. Die Region Lolland-Falster gilt insgesamt als wirtschaftlich schwächer und hat eine etwas kürzere Lebenserwartung als der dänische Durchschnitt, was aber eher mit sozioökonomischen Faktoren als mit ethnischer Vielfalt zusammenhängt.

Sprachen

Auf Falster wird – wie im gesamten heutigen Dänemark – Dänisch als einzige offizielle und dominante Sprache gesprochen. Es handelt sich um Standarddänisch (Rigsdansk), das in Schule, Medien, Verwaltung und im Alltag der jüngeren Generationen verwendet wird. Falster gehört zur Gruppe der inseldänischen Dialekte (ødansk oder ømål), die traditionell auf den dänischen Inseln östlich von Jütland gesprochen wurden, einschließlich Seeland, Fünen, Lolland, Falster und Møn.

Historisch entwickelte sich auf Falster ein eigener Dialekt, der als falstersk oder falstringsk bezeichnet wird. Dieser Dialekt teilt viele Merkmale mit dem benachbarten lollandsk (Lolländisch), sodass man oft von lolland-falstersk als zusammengehörigem südinseldänischem Varietätsbereich spricht. Charakteristische Züge dieses Dialekts sind unter anderem

  • Fehlendes oder stark reduziertes stød (der typische dänische Kehlkopfverschluss, der in vielen Wörtern wie rød oder ud auftritt) – stattdessen wird oft eine glatte, offene Aussprache bevorzugt, zum Beispiel „rø“ statt „rød“ oder „u“ statt „ud“.
  • Das sogenannte bløde d (weiches d) nach Vokalen fehlt häufig oder wird anders realisiert.
  • Offenere Diphthonge und teilweise abweichende Vokalqualitäten, etwa in Wörtern wie „oet“ für „otte“ (acht).
  • Syntaktische Besonderheiten, wie eine konsequentere feste Wortstellung in Nebensätzen (zum Beispiel „Jeg kender ikke hende“ statt der rigsdansk-üblichen Inversion in manchen Kontexten), was als logischer empfunden wird, aber von Außenstehenden oft als typisch „südinseldänisch“ wahrgenommen wird.


Diese Dialektmerkmale waren bis ins 20. Jahrhundert auf dem Land und in kleineren Orten stark ausgeprägt. In Nykøbing Falster, der größten Stadt der Insel, war der Einfluss des Standards schon früher spürbar. Seit den 1950er und 1960er Jahren hat die Dialektverwendung jedoch massiv abgenommen – wie überall in Dänemark. Heute sprechen nur noch wenige ältere Menschen den klassischen falstersk-Dialekt in Reinform; die meisten Einwohner verwenden eine regionale Variante des Standarddänischen mit leichten lokalen Färbungen (sogenannte regionssprog). Der Dialekt gilt als fast ausgestorben oder stark marginalisiert, ähnlich wie viele andere traditionelle dänische Mundarten.

Fremdsprachen oder Minderheitensprachen spielen auf Falster keine nennenswerte Rolle. Es gab nie eine dauerhafte sprachliche Minderheit wie in Südjütland (Deutsch) oder auf Bornholm (mit seinem sehr eigenständigen bornholmsk). Temporäre Einflüsse, etwa durch polnische Saisonarbeiter Anfang des 20. Jahrhunderts in der Rübenwirtschaft auf Lolland-Falster, hinterließen keine bleibende Sprachgemeinschaft oder polnischsprachige Tradition. Moderner Zuzug aus nicht-westlichen Ländern (speziell Nahost und Afrika) bringt wie überall in Dänemark mehrsprachige Haushalte mit, doch Dänisch bleibt die alleinige öffentliche und dominante Sprache.


Religion

Auf Falster ist die Religion – wie im restlichen Dänemark – stark von der evangelisch-lutherischen Volkskirche (Folkekirken) geprägt, die historisch und statistisch die dominante religiöse Institution darstellt. Die Insel gehört zum Stift Lolland-Falster (Bistum Lolland-Falster), einem der zehn dänischen Bistümer der Folkekirke mit Sitz in Maribo (auf Lolland). Das Bistum umfasst Lolland, Falster und die kleineren umliegenden Inseln.

Historisch gesehen war Falster seit der Christianisierung Dänemarks im 10., bis 12. Jahrhundert christlich geprägt. Vor der Reformation gab es auf der Insel mehrere Klöster und Kirchen, darunter benediktinische Einrichtungen wie das spätere Priorat in Halsted (Lolland, aber mit regionalem Einfluss). Nach der Reformation 1536 wurde die lutherische Lehre Staatsreligion, und die alten katholischen Strukturen wurden umgewandelt. Die vielen kleinen Dorfkirchen auf Falster (oft romanisch oder gotisch aus dem 12. bis 15. Jahrhundert) zeugen von dieser langen christlichen Kontinuität – es gibt über 40 Kirchen allein auf der Insel, was bei der relativ kleinen Bevölkerung eine hohe Dichte ergibt.

Heute ist die Religionslandschaft auf Falster extrem homogen: Die große Mehrheit der Bevölkerung gehört – zumindest nominell – der Folkekirke an. Im Bistum Lolland-Falster liegt der Anteil der Mitglieder der Volkskirche bei fast 80 % der Bevölkerung (Stand jüngster verfügbarer Daten um 2025), deutlich höher als der landesweite Durchschnitt von etwa 70,7 %. Das bedeutet, dass Falster (zusammen mit Lolland) zu den Regionen Dänemarks gehört, in denen die Bindung an die Staatskirche traditionell stärker ist als in urbanen oder westjütländischen Gebieten. Über 70 % der Kinder werden weiterhin getauft, und Konfirmation bleibt ein weit verbreitetes Übergangsritual.

Trotz hoher formeller Mitgliedschaft ist die tatsächliche Religiosität – wie überall in Dänemark – niedrig. Gottesdienstbesuche sind selten (oft unter 5 % regelmäßig), und die Kirche dient vor allem als kulturelle Institution für Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und Weihnachtsfeiern. Die Folkekirke auf Falster ist typisch „grundtvigianisch“ geprägt: liberal-theologisch, volksnah, mit Betonung auf Gesang, Gemeinschaft und dänische Identität statt strenger Dogmatik.

Siedlungen

Die größten Orte sind Nykøbing Falster, Stubbekøbing und Nørre Alslev. Auf Falster liegt der Ferienort Marielyst und der südlichste Punkt Dänemarks bei Gedser.

Siedlung S 2006 S 2010 S 2011 S 2016 S 2021 S 2025
Eskilstrup 1.135 1.082 1.108 1.074 1.071 1.093
Gedser 854 907 809 741 679 632
Guldborg 571 579 572 548 535 495
Hasselø Plantage 245 227 238 228 216 212
Horbelev 621 618 601 587 576 536
Horreby 315 320 325 297 298 273
Idestrup 1.272 1.300 1.261 1.174 1.147 1.135
Marielyst 708 770 780 702 726 633
Nordbyen 1.225 1,661 1.678 1.732 1.743 1.984
Nørre Alslev 2.282 2.414 2.407 2.388 2.346 2.363
Nykøbing (Falster) 16.590 16.859 16.464 16.618 16.980 16.682
Nykøbing Strandhuse 251 270 274 291 310 290
Ønslev 436 423 419 400 394 395
Orehoved 486 476 489 463 441 426
Øster Kippinge 274 260 276 247 261 269
Sønder Vedby Skovhuse 285 280 319 290 299 295
Systofte Skovby 357 361 354 348 348 343
Tingsted ... 216 216 223 220 228
Væggerløse 1.345 1.334 1.368 1.305 1.321 1.302
Vålse 235 230 213 237 221 207


Nykøbing Falster (mit Satellitenorten über 26.000 Einwohner 2025) ist das religiöse und kulturelle Zentrum der Insel. Hier steht die historische Klosterkirke (ehemaliges Franziskanerkloster aus dem Mittelalter, heute Hauptkirche des Nykøbing Falster Sogns) sowie weitere Kirchen. Die Stadt hat die höchste Konzentration an kirchlichen Einrichtungen und auch die wenigen nicht-folkekirchlichen Gruppen auf Falster (zum Beispiel eine kleine Gemeinde der Zeugen Jehovas oder Mormonen mit wenigen Dutzend Mitgliedern). Dennoch bleibt die Religionslandschaft extrem homogen lutherisch; andere Konfessionen oder Religionen (Islam, etc.) sind marginal und vor allem durch modernen Zuzug bedingt, der in der Stadt etwas stärker ist als auf dem Land.

Nordbyen (ca. 1.900–2.000 Einwohner) ist eine moderne Vorstadt/Satellitenort direkt nördlich von Nykøbing Falster, entstanden im 20. Jahrhundert. Religiös gibt es hier keine eigene große Kirche; die Bewohner nutzen überwiegend die Kirchen in Nykøbing (unter anderem Klosterkirken). Die Bevölkerung ist typisch suburban-dänisch: hohe Folkekirke-Mitgliedschaft (nahe 80 %), aber säkularer Lebensstil ohne nennenswerte Minderheiten oder alternative Glaubensgemeinschaften.

Nørre Alslev ist eine klassische Stationsby im nördlichen Falster mit eigener Nørre Alslev Kirke (mittelalterliche rote Backsteinkirche, bekannt für ihre Kalkmalereien). Das Sogn ist traditionell stark folkekirchlich geprägt. Die Ortschaft spiegelt den ländlich-provinziellen Charakter wider: sehr hohe Mitgliedschaft in der Volkskirche, Dorfkirche als zentraler kultureller Punkt für Taufen, Konfirmationen und Beerdigungen, aber kaum aktive Gemeindearbeit über das Übliche hinaus. Keine anderen Religionsgemeinschaften von Belang.

Væggerløse im Süden hat eine der ältesten Kirchen der Insel, die Væggerløse Kirke (erbaut um 1100, romanisch-gotisch, mit historischen Elementen wie Kalkmalereien und Grabmälern). Das Dorf war im Mittelalter Teil der Vendischen Einflusszone (Kirche teilweise St. Olav geweiht, was auf norwegisch-dänische Verbindungen hinweist), wurde aber früh christianisiert und lutherisch. Heute ist es ein typisches kleines Falster-Dorf: fast ausschließlich Folkekirke-Mitglieder, die Kirche dient als lokales Wahrzeichen und für Lebensübergänge. Es gibt eine kleine moderne Ergänzungskirche (Strandkirken von 1959 in der Nähe), aber keine nennenswerten Abweichungen vom lutherischen Mainstream.

Verkehr

Falster ist über mehrere Brücken und einen Tunnel eng in das dänische Fernstraßennetz eingebunden, darunter die E47, die die Insel mit Seeland (Storstrøms- und Farø-Brücken) und Lolland (unter anderem Guldborgsundtunnel und König-Frederik-IX.-Brücke) verbindet. Zudem verlaufen wichtige Bahn- und Radfernwege – einschließlich der Vogelfluglinie und des Ostseeküsten-Radwegs (EuroVelo 10) – über Falster, was die Insel zu einem bedeutenden Knotenpunkt für Straßen-, Schienen- und Fahrradtourismusverkehr macht.​

Straßenverkehr

1951 wurde zunächst eine Fährverbindung zwischen Großenbrode und Gedser aufgenommen, nach dem Bau der Fehmahrnsundbrücke 1963 wurde die sogenannte Vogelfluglinie ausgewiesen. Dadurch erhielt Nykøbing eine neue Eisenbahnverbindung nach Rødby, inklusive einer neuen Brücke (Kong-Frederik-IX-Brücke) über den Guldborgsund. 1988 schließlich war auch der Tunnel unter dem Guldborgsund fertig, der die alte Brücke von 1934 entlastet, die im Norden des Sundes eine Querung bildet. Er unterquert den Sund in einer Tiefe von 6,2 m.

Falster ist heute mit der nördlich gelegenen Insel Seeland durch die Storstrømbrücke, eine kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke (Vogelfluglinie) über die kleine Insel Masnedø, verbunden. Über die kleine Insel Farø besteht ferner mit der Farø-Brücke eine Straßenbrücke im Verlauf der E47 von Hamburg nach Kopenhagen. Auf Farø existiert eine Abzweigung, die über die Insel Bogø zur Insel Møn führt. Nach Lolland bestehen zwei Straßen- und eine Eisenbahnbrücke sowie ein Straßentunnel im Verlauf der E47 (Rødby - Kopenhagen).

Die Hauptverbindung für den Durchgangsverkehr ist heute die E4, die den Tunnel unter dem Guldborgsund und die Farøbrücke nutzt. Auch die Nebenstraßen sowie zahlreiche Radwegen sind in den letzten Jahren verstärkt ausgebaut worden.

Der Busverkehr auf der Insel ist Teil des regionalen öffentlichen Nahverkehrsnetzes von Din Offentlige Transport (DOT) für Seeland, Lolland, Falster und Møn und wird hauptsächlich von Movia betrieben. Nykøbing Falster dient als zentraler Knotenpunkt, wo die meisten Buslinien starten oder enden und gute Anschlüsse an die Bahn bestehen. Im Stadtgebiet von Nykøbing Falster verkehren die Bybusse 701 und 702 tagsüber etwa zweimal pro Stunde (zwischen 7 und 20 Uhr, sonst stündlich) und decken die wichtigsten Stadtteile ab, während Linie 703 eine direkte Verbindung vom Bahnhof zum CELF (Ausbildungszentrum) herstellt.

Auf der Insel selbst gibt es mehrere Regionalbuslinien, die Falster verbinden. Die wichtigste ist Linie 740, die von Nykøbing Falster Station über Væggerløse, Stavreby, Skelby, Gedesby und bis zur Gedser Færge (Fährhafen) fährt – diese Route ist täglich in Betrieb und dient als Lebensader für den Süden der Insel, inklusive Anschluss an die Scandlines-Fähren nach Rostock. Weitere Linien sind 742 (Nykøbing F. – Væggerløse – Marielyst – Bøtøskoven) und die saisonale Sommerbuslinie 743 (Marielyst – Gedser), die vor allem in der Urlaubszeit verstärkt wird. Im Norden Falsters gibt es die Ringrute Nordfalster, die Nørre Alslev Station mit vielen Orten im nördlichen Teil der Insel verbindet und so einen Rundverkehr ermöglicht.

Bahnverkehr

Der Bahnverkehr auf der Insel Falster ist heute relativ überschaubar und konzentriert sich hauptsächlich auf die Lolland-Falster-Strecke, die von Kopenhagen über die Storstrømsbro nach Nykøbing Falster führt. Von dort aus verkehren Regionalzüge der DSB regelmäßig in Richtung Ringsted und weiter nach København, mit guten Anschlüssen an den Fernverkehr. Die Strecke ist elektrifiziert und Teil des dänischen Hauptnetzes. Nykøbing Falster dient als zentraler Knotenpunkt der Insel, wo Züge aus Richtung Seeland ankommen und enden.

Bis 2009 gab es zusätzlich eine Zweigstrecke von Nykøbing Falster nach Gedser im Süden der Insel, die sogenannte Gedserbane oder Bahnstrecke Nykøbing–Gedser. Diese eingleisige Strecke wurde 1886 eröffnet, um den Fährhafen Gedser anzubinden, von wo aus lange Zeit internationale Eisenbahnfähren nach Warnemünde und Rostock fuhren und damit die Vogelfluglinie (die direkte Schienenverbindung Kopenhagen–Hamburg) ermöglichten. Der Personenverkehr auf der Gedser-Strecke wurde 2009 eingestellt, der Güterverkehr folgte kurz darauf. Die Gleise wurden später im Zuge des Baus der festen Fehmarnbelt-Querung teilweise entfernt oder stillgelegt, sodass heute nur noch die Hauptstrecke nach Nykøbing Falster aktiv ist.

Internationale Züge über die Vogelfluglinie (via Rødby–Puttgarden) hielten bis 2019 in Nykøbing Falster, wurden dann aber vorübergehend über die Große-Belt-Brücke und Flensburg umgeleitet, bis der Fehmarnbelt-Tunnel voraussichtlich ab Ende der 2020er Jahre die alte Route wieder attraktiv macht. Aktuell (Stand 2026) gibt es auf Falster selbst keinen reinen Inselrundverkehr oder weitere Nebenstrecken mehr; der Zugverkehr dient vor allem dem Pendeln nach Seeland und dem Anschluss an den nationalen Fernverkehr. Die DSB bietet stündliche oder halbstündliche Verbindungen von Nykøbing Falster nach Kopenhagen an, oft mit Umstieg in Ringsted oder Vordingborg.

Schiffsverkehr

Obwohl es schon lange Schiffsverbindungen von Falster aus gab, markiert die Aufnahme der festen Fährverbindung von Warnemünde nach Gedser an der Südspitze Falsters einen wichtigen Schritt. Diese Linie erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Teilung Deutschlands erhebliche Probleme. Sie besteht noch immer, allerdings nicht mehr für den Transport von Eisenbahnen.

Trotz der inzwischen bestehenden Brückenverbindung ist auch die Fähre von Stubbekøbing nach Bogø immer noch aktiv und bietet eine reizvolle Alternative.

Der Schiffsverkehr auf und um die Insel ist heute vor allem auf internationale Fährverbindungen ausgerichtet und dient hauptsächlich dem Transitverkehr zwischen Deutschland und Dänemark sowie dem Tourismus. Der wichtigste und bei weitem frequenteste Hafen ist Gedser im äußersten Süden der Insel. Von dort betreibt Scandlines die Direktverbindung Gedser–Rostock (umgekehrt Rostock–Gedser). Diese Route ist ganzjährig in Betrieb, dauert etwa 1 Stunde 45 Minuten bis 2 Stunden und bietet bis zu 10 bis 12 Abfahrten pro Tag (je nach Saison und Wochentag), oft rund um die Uhr verteilt. Die Fähren sind moderne Hybrid-Schiffe, die Passagiere, Autos, Wohnmobile, Lkw und Fracht transportieren. Tickets kosten je nach Fahrzeug, Saison und Buchungszeit ab zirka 80 bis 90 € für eine einfache Fahrt (PKW inkl. Fahrer), mit Frühbucher-Rabatten und flexiblen Tarifen. Die Verbindung ist Teil der klassischen Vogelfluglinie und beliebt für Reisen nach Skandinavien oder als entspannte Alternative zur Autobahn.

Neben Gedser gibt es auf Falster selbst keine weiteren nennenswerten kommerziellen Fährhäfen mit regelmäßigem Personen- oder Autoverkehr. Historisch war Gedser bis 2009 auch per Bahn angebunden (Gedserbane), doch diese Strecke ist stillgelegt. Kleinere lokale Fährverbindungen oder Ausflugsboote existieren nicht in nennenswertem Umfang auf der Insel – Falster ist primär über Brücken (nach Lolland) und Straßen erreichbar.

Für Lolland-Falster insgesamt ist die parallel laufende Scandlines-Route Rødby–Puttgarden (auf Lolland, nur wenige Kilometer westlich über die Falsterbrücke) die zweite große Ostsee-Querung: Sie verkehrt alle 30 Minuten, dauert nur 45 Minuten und hat deutlich höhere Frequenz (bis zu 47 Abfahrten täglich). Beide Routen ergänzen sich und bleiben 2026 voll in Betrieb, da der Fehmarnbelt-Tunnel (fest geplante Eröffnung voraussichtlich 2029 oder später) noch nicht fertig ist – die Bauarbeiten laufen zwar intensiv, beeinflussen den Fährbetrieb aber derzeit nicht.

Wirtschaft

Obgleich die Landwirtschaft hier stärker vertreten ist als im Landesschnitt, ist wie in ganz Dänemark ist auf Falster der Dienstleistungssektor am stärksten vertreten. Zahlreiche Arbeitsplätze finden sich im Finanzbereich, aber auch in der Verwaltung. So ist die Verwaltung des Storstrøms Amt in Nykøbing ansässig. Auch die Häfen von Nykøbing und Gedser bieten Arbeit. Die Industrie hingegen ist vergleichsweise schwach ausgeprägt. Sehr wichtig ist der Tourismus

Landwirtschaft

Auf Falster hat die Landwirtschaft und Fischerei einen höheren Anteil am Erwerb als im Landesschnitt. Besonders Stubbekøbing Kommune weist mit 16 % einen dreimal so hohen Anteil auf. Nykøbing als Kommune mit einem starken urbanen Zentrum hat jedoch nur einen Anteil von 3 % Erwerbsarbeit in der Landwirtschaft. Der Landesschnitt betrug 1992 5,4 %. In absoluten Zahlen ausgedrückt waren auf Falster 2003 350 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft vorhanden, das sind 42 weniger als 2002.

Falster war schon vor vielen Jahrhunderten ein wichtiger Kornlieferant für das dänische Reich. Auch heute werden Getreide (vor allem Weizen) und Zuckerrüben angebaut. Im Storstøms Amt wurden 2004 316,8 Millionen kg Winterweizen geerntet.

Die klassische Hauptkultur war lange die Zuckerrübe (sukkerroe). Lolland-Falster war das Zentrum der dänischen Zuckerrübenproduktion – bis in die 2000er und 2010er Jahre mit mehreren Fabriken (unter anderem in Nykøbing Falster und Nakskov). Heute ist die Produktion stark rückläufig: Viele Fabriken sind geschlossen, und der Anbau hat abgenommen (teilweise durch EU-Zuckerquoten-Abschaffung 2017 und Marktdruck). Dennoch bleibt die Zuckerrübe regional wichtig, oft in Fruchtfolge mit Getreide und Raps. Andere bedeutende Ackerfrüchte sind Winterraps (vinterraps) – eine der wichtigsten Ölfrüchte, mit hohem Anteil in der Region, Getreide (vinterhvede, vinterbyg, vårbyg, rug) – die Fläche für Korn ist groß, mit guten Erträgen durch die Böden, Mais (til ensilage/grovfoder), Raps, Erbsen, Bohnen und zunehmend Kartoffeln (industriell und Speise-), Der ökologischer Anbau wächst, aber bleibt unterdurchschnittlich (Lolland-Falster hat oft niedrige Öko-Anteile im Vergleich zu anderen Regionen).

Husdyrhaltung (Tierproduktion) ist weniger dominant als in Jütland, aber vorhanden: Viele Betriebe kombinieren Ackerbau mit Schweine (svin) oder Rindvieh (kvæg, oft Milch- oder Mastrinder). Die Region hat keine extrem hohen Dichten wie Westjütland, was zu geringeren Phosphor- und Stickstoffüberschüssen führt (im Vergleich zu husdyr-täten Gebieten). Es gibt immer mehr planteavl (reiner Pflanzenbau)-Betriebe, da der Strukturwandel zu größeren, spezialisierten Höfen führt. Die Anzahl der Betriebe sinkt kontinuierlich (wie landesweit: von zirka 28.000 auf unter 20.000 in den letzten Jahren), während die durchschnittliche Größe zunimmt.

Die Wirtschaftlichkeit ist volatil: Kornpreise fielen 2024 erneut (zweites Jahr in Folge), was Erträge drückt, während Inputkosten (Dünger, Energie) hoch bleiben. Viele Betriebe sind auf Subventionen (EU-GAP, grüne Zahlungen) angewiesen. Es gibt eine starke Präsenz von Genossenschaften wie DLG (mit Modtagepladser in Nykøbing Falster für Getreide und Raps) und lokale Hofläden/Farmshops, die Direktvermarktung fördern (zum Beispiel Gemüse, Obst, Honig und Fleisch).

Forstwirtschaft

Der Wald um Corselitze (im Nordosten, nahe der Küste) ist ein zusammenhängendes Areal aus Laub- und Nadelmischwald, das zum Gut Corselitze gehört (seit 1792 im Besitz einer Stiftung, die Land- und Forstwirtschaft betreibt). Hier dominieren Buchen, Eichen und einige Nadelbäume, mit langen Alleen und Parkanlagen im englischen Stil. Kleinere Wälder gibt es im Zentrum und Osten, oft als Mischwälder mit Buchen, Eichen, Eschen und eingestreuten Nadelbäumen (zum Beispiel Fichten oder Douglasien in Plantagen). Christianssædeskoven befindet sich auf Lolland, aber regional relevant. Der größte Wald von Lolland-Falster insgesamt, mit ehemaligem Forsthaus (Plantagehuset), der als Vorbild für bewirtschaftete Wälder dient.

Die Forstwirtschaft ist größtenteils privat oder stiftungsgebunden (unter anderem Gutshöfe wie Corselitze), mit wenig staatlichem Forstbesitz. Die Bewirtschaftung folgt den dänischen Prinzipien der naturnahen Waldbewirtschaftung (nach Skovudviklingstyper-Katalog der Naturstyrelsen): Mischbestände mit hohem Laubholzanteil (Buche, Eiche, Esche, Ahorn), natürliche Verjüngung, geringe Kahlschläge und Fokus auf Biodiversität, Erholung und Klimaschutz. Nadelholz (Fichte, Douglasie) wird in Plantagen für schnelles Wachstum und Holzproduktion genutzt, aber nicht dominant. Es gibt zunehmend Klimawald-Projekte: Mischungen mit schnellwachsenden Arten wie Poppel oder Douglasie, um CO2-Bindung zu maximieren – passend zur nationalen Politik, bis 2045 zirka 10 % der Agrarflächen in Wald/Natur umzuwandeln (größte Landschaftsveränderung seit über 100 Jahren).

Die Wirtschaftlichkeit ist begrenzt: Holzproduktion (zum Beispiel für Bauholz, Energieholz, Pellets) ist nebensächlich im Vergleich zu Ackerbau oder Tourismus. Viele Wälder dienen primär Erholung (Wandern, Radwege), Jagd (Reh, Wildschwein, Fasane), Naturschutz (vor allem NATURA 2000-Gebiete mit alten Buchenbeständen) und Landschaftsbild (Alléen zu Gutshöfen). Es gibt kaum große Sägewerke oder Verarbeitung vor Ort, Holz wird oft exportiert oder regional genutzt.

Fischerei

Die Fischerei ist nach wie vor ein wichtiger Erwerbszweig auf Falster wie im gesamten Land. Hauptsächlich werden Seefische wie Hering und Dorsch gefangen. Die wichtigsten Fischereihäfen sind Nykøbing, Stubbekøbing und Gedser. In den letzten Jahren erfuhr die Fischrei in der Ostsee starke Beschränkungen durch EU-Verordnungen, die unter anderem Schonzeiten festlegten, Mindestgrößen für die Netzmaschen und gefangenen Fische bestimmten und Vorgaben für den Umgang mit Schleppnetzen machten. Dies soll die Überfischung der Ostsee vermeiden, bedeutete jedoch für die Fischer Einbußen. So sanken die Arbeitsplätze in der Fischerei laut Statistik von 24 (2002) auf 16 (2003).

Ein wichtiger Aspekt ist die Sportfischrei, die sowohl in Binnengewässern als auch in den Ostseegebieten rund um Falster betrieben werden kann. Im Lystrup Lyng bei Eskilstrup kann kostenfrei geangelt werden, ansonsten sind Angelkarten nötig, die in Postämtern erhältlich sind. In der Ostsee ist das Angeln in der Regel kostenlos. Auf Genehmigungen muss allerdings geachtet werden, sie sind bei der örtlichen Fischereibehörde erhältlich. Angeltouren mit Fischkuttern sind ebenfalls möglich.

Bergbau

Auf Falster – und damit in der Guldborgsund Kommune (Lolland-Falster) – spielt Bergbau im klassischen Sinne praktisch keine Rolle und hat historisch nie eine nennenswerte Bedeutung gehabt. Stattdessen existiert hier eine begrenzte Råstofudvinding (Rohstoffgewinnung), die als oberflächennaher Abbau (daylight mining) von Sand, Grus (Kies), Ler (Ton) und gelegentlich Kalkstein oder Mergel betrieben wird. Diese Tätigkeiten dienen hauptsächlich der Bauindustrie (Beton, Straßenbau, Ziegel, Füllmaterial) und fallen unter die dänische Rohstoffplanung (Råstofplan) der Region Sjælland. Die Region Sjælland genehmigt und überwacht alle Abbauvorhaben; in Guldborgsund Kommune gibt es mehrere aktive oder ehemalige grusgrave (Kiesgruben) und lergrave (Tongruben), die in der Råstofplan 2020 bis 2031 ausgewiesen sind.

Typische Beispiele auf Falster sind:

  • Systofte Grusgrav (bei Nykøbing Falster): Eine aktive oder kürzlich genehmigte Grube für Sand und Kies, mit Genehmigungen für begrenzte Mengen (oft 100.000–500.000 m³/Jahr).
  • Kettinge Øst (bei Kettinge): Erweiterungen von Gruben für Grus und Sand, mit Umweltprüfungen (VVM-Screening) und Rekultivierungsplänen (oft Umwandlung in Seen oder Naturschutzgebiete nach Abbauende).
  • Weitere kleinere Gruben in der Umgebung von Nykøbing Falster, Stubbekøbing oder Væggerløse – oft in Verbindung mit lokalen Bauunternehmen oder Asphaltwerken (zum Beispiel Maribo Asfaltfabrik auf Lolland, die Material aus der Region bezieht).


Der Abbau ist streng reguliert: Es gibt Vorgaben zu Lärm, Staub, Grundwasserschutz (wichtig wegen Trinkwasserbrunnen), Rekultivierung (meist zu Seen, Wäldern oder Landwirtschaft) und Biodiversität. Viele ehemalige Gruben sind heute rekultiviert und dienen als Freizeitgebiete (zum Beispiel Bavnehøj Fritidsområde bei einer ehemaligen Grusgrav, mit Wanderwegen und Seen). Historisch wurden torv (Torf) in Mooren wie Borremosen (Hannenov Skov) abgebaut – vor allem für Brennstoffe bis ins 20. Jahrhundert –, aber das ist heute eingestellt und hinterlässt nur Spuren in der Landschaft (Seen, Moore).

Es gab nie Versuche nach Öl, Gas oder Metallen auf Falster (im Gegensatz zu sporadischen Protesten gegen hypothetische Fracking-Pläne auf Lolland um 2017). Die Rohstoffgewinnung bleibt marginal im Vergleich zur dominanten Landwirtschaft und hat keine wirtschaftliche oder beschäftigungsstarke Rolle – sie dient lokalen Bedürfnissen und wird oft von wenigen Firmen (zum Beispiel Troels Jørgensen A/S oder NCC) betrieben.

Handwerk

Das Handwerk hat auf Falster eine lange Tradition und ist bis heute in Nykøbing Falster, der größten Stadt der Insel, und in kleineren Ortschaften sichtbar. Bereits im Mittelalter entwickelte sich in Nykøbing ein städtisches Handwerk mit Schmieden, Gerbern, Tischlern und anderen Gewerken, das mit dem Handel über die Ostsee verbunden war. Heute findet man auf der Insel zahlreiche kleine Handwerksbetriebe, darunter Keramiker, Glasbläser, Schmuckdesigner, Korbflechter und andere Kunsthandwerker, die oft auch für den Tourismus produzieren und in Galerien oder Hofläden ihre Erzeugnisse anbieten. Viele dieser Betriebe arbeiten in traditioneller oder moderner handwerklicher Weise und vermarkten regionale Materialien und Techniken.

Industrielle Aktivitäten sind auf Falster selbst vergleichsweise begrenzt und konzentrieren sich vor allem auf die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. In Nykøbing Falster gab und gibt es Zuckerfabriken bzw. mit der Zuckerindustrie verbundene Betriebe, die historisch eine wichtige Rolle spielten. Daneben existieren kleinere Produktionsunternehmen in Bereichen wie Lebensmittelverarbeitung, Metallverarbeitung und Maschinenbau, jedoch keine großen Industriezentren. Viele Industriearbeitsplätze der Region liegen eher auf dem benachbarten Lolland, wo etwa Nakskov mit der Zuckerproduktion und Windkraftanlagenfertigung (Vestas) deutlich industrieller geprägt ist.

In den letzten Jahren profitierte Falster indirekt von der bevorstehenden Fehmarnbelt-Querung, da sich Logistik-, Bau- und Zulieferbetriebe in der gesamten Lolland-Falster-Region ansiedeln oder erweitern. Dadurch entstehen neue Chancen auch für Handwerksbetriebe in Bau, Metall und Dienstleistungen. Dennoch bleibt die Insel insgesamt ländlich strukturiert: Das Handwerk ist meist kleinbetrieblich, lokal verwurzelt und oft mit Tourismus, regionalen Produkten und kulturellem Erbe verknüpft, während echte Großindustrie nur in Ausnahmefällen vorkommt. Die Kombination aus traditionellem Handwerk und agrarnaher Verarbeitung prägt bis heute das wirtschaftliche Bild von Falster.

Industrie

Bis auf Nørre Alslev Kommune liegt Falster unter dem dänischen Durchschnitt der Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk. Der dänische Durchschnitt betrug 1992 24,9 %, in Falster sind es meist um die 20 %. An vorhandenen Industrien dominieren die Betriebe zur Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und Fischen. Sehr wichtig ist die Zuckerfabrik in Nykøbing, die eine von landesweit nur noch drei Zuckerfabriken ist. Sie wurde 1884 gegründet und blieb bis zu ihrer Übernahme durch die Danisco A/S 1989 eine genossenschaftliche Einrichtung.

Weiterhin gibt es fischverarbeitende Betriebe und Einrichtungen zur Metallverarbeitung. Es wird versucht, durch die Ausweisung neuer Industriegebiete neue Betriebe anzusiedeln, allerdings sollen keine Grundstücke für stark verschmutzende Industrien verwendet werden.

Wasserwirtschaft

Die Trinkwasserversorgung basiert fast ausschließlich auf Grundwasser, das aus sandigen und kalkhaltigen Aquiferen gewonnen wird. In der gesamten Region Lolland-Falster ist die Grundwasserressource lokal übernutzt – teilweise werden bis zu 150 % der nachhaltig verfügbaren Menge entnommen –, was durch die hohe landwirtschaftliche Nutzung und Nitratbelastung verstärkt wird. Die Wasserqualität ist generell hoch, doch Nitrat aus der intensiven Landwirtschaft (Zuckerrüben, Getreide) und gelegentliche Schadstoffeinträge stellen Herausforderungen dar. Kommunale Versorgungsunternehmen wie in Nykøbing Falster sorgen für die Aufbereitung und Verteilung; das Wasser ist meist weich bis mittelhart und enthält in manchen Gebieten Eisen oder Ocker, was zu leichter Verfärbung führen kann, aber gesundheitlich unbedenklich ist.

Die Abwasserwirtschaft ist dezentral organisiert. In Städten wie Nykøbing Falster und kleineren Orten gibt es moderne Kläranlagen, die das Abwasser mechanisch-biologisch reinigen, bevor es in die Ostsee oder lokale Gewässer eingeleitet wird. Viele ländliche Bereiche nutzen dezentrale Lösungen wie Kleinkläranlagen oder Anschluss an kommunale Systeme. Die Abwasserentsorgung ist eng mit der Landwirtschaft verknüpft: Reststoffe aus der Zucker- und Lebensmittelverarbeitung werden teilweise in Biogasanlagen verwertet, und gereinigtes Abwasser dient in Pilotprojekten als Prozess- oder technisches Wasser für Industrie und Aquakultur.

Ein zentrales Thema ist die Entwässerung: Falster ist flach und niedrig gelegen, weshalb seit Jahrhunderten Drainagesysteme, Gräben und Pumpstationen die Böden trocken halten, um Ackerbau zu ermöglichen. Diese künstliche Entwässerung hat jedoch zu einem Verlust grundwasserabhängiger Ökosysteme geführt und macht die Region anfällig für Grundwasserhochwasser bei starkem Regen oder steigenden Pegeln. Bei extremen Niederschlägen – wie sie durch den Klimawandel häufiger werden – kommt es zu Oberflächen- und Grundwasserüberschwemmungen, besonders in tiefer gelegenen Gebieten.

Der Küstenschutz ist besonders relevant: Mit über 600 km Küstenlinie in der gesamten Region (Falster allein hat einen erheblichen Anteil) ist Lolland-Falster stark von Sturmfluten und Meeresspiegelanstieg bedroht. Historisch schwer traf die Sturmflut von 1872 die Inseln, bei der große Teile überschwemmt wurden. Heute schützen Deiche, Dünen und Küstenbefestigungen vor Sturmfluten, doch Klimamodelle prognostizieren für Falster bis Ende des Jahrhunderts eine signifikante Zunahme von Hochwasserereignissen – bis zu 70-mal jährlich Überschreitung von Warnschwellen im Femern-Belt-Gebiet. Bis zu 19 % der Fläche könnten bei extremen Szenarien (starker Meeresspiegelanstieg plus Sturmflut) betroffen sein. Die Kommunen haben Klimatilpasningsplaner erstellt, die Maßnahmen wie erhöhte Deiche, Pumpwerke, naturnahe Lösungen (zum Beispiel Feuchtgebiete zur Wasserrückhaltung) und verbesserte Regenwasserableitung vorsehen.

Die bevorstehende Fehmarnbelt-Querung beeinflusst die Wasserwirtschaft indirekt positiv: Durch den Tunnelbau und die damit verbundene Infrastruktur entstehen neue Erkenntnisse zu Grundwasser und Salzwasserintrusion, und es werden Investitionen in resiliente Systeme getätigt. Zudem fördert die grüne Transformation (unter anderem PtX-Projekte) die Nutzung von gereinigtem Abwasser als Ressource.

Energiewirtschft

Historisch begann die moderne Windenergienutzung auf Falster bereits früh: Die Gedser-Windkraftanlage aus den 1950er Jahren gilt als eine der Pionieranlagen weltweit und markierte den Beginn der dänischen Windtechnologie-Entwicklung. Heute dominieren große Wind- und Solaranlagen das Landschaftsbild. Auf Falster und in der näheren Umgebung gibt es zahlreiche Onshore-Windparks sowie umfangreiche Photovoltaikflächen. Die Region insgesamt verfügt über geplante oder bestehende Kapazitäten in Hunderten von Megawatt für Solar-PV, Onshore-Wind und Offshore-Wind in angrenzenden Seegebieten. Der Überschuss an erneuerbarem Strom führt dazu, dass zeitweise Anlagen abgeregelt werden müssen, da die Übertragungskapazitäten begrenzt sind – ein typisches Merkmal für Inselregionen mit hoher EE-Einspeisung.

Die Energiewirtschaft auf Falster ist eng mit der Landwirtschaft und der lokalen Industrie verknüpft. Biogas aus landwirtschaftlichen Reststoffen spielt eine Rolle, und in der Zuckerindustrie (zum Beispiel bei Nordzucker) erfolgt seit kurzem ein Umstieg auf Biomethan aus Rübenschnitzeln als Prozessenergie, unterstützt durch neue Gaspipelines. Dadurch sinkt der Einsatz fossiler Brennstoffe wie Kohle und Heizöl in der Verarbeitung. Kleinere Solarparks, etwa in der Nähe von Nakskov auf Lolland, decken bereits einen erheblichen Teil des lokalen Strombedarfs, und ähnliche Projekte existieren auch auf Falster.

Die bevorstehende Fehmarnbelt-Querung verstärkt die Bedeutung der Region erheblich. Lolland-Falster positioniert sich als Hub für erneuerbare Energien, Power-to-X-Technologien (zum Beispiel Wasserstoffproduktion durch Elektrolyse), Carbon Capture und nachhaltige Datenzentren. Der massive Überschuss an günstigem grünem Strom zieht Investoren an, die energieintensive Prozesse ansiedeln wollen. Zukünftige Projekte sehen Elektrolyseure in der Größenordnung von über 1 GW vor, um Überschussstrom in Wasserstoff umzuwandeln, anstatt ihn ungenutzt zu lassen. Dies schafft neue Arbeitsplätze in Installation, Wartung, Netzausbau und innovativen Energietechnologien.

Abfallwirtschaft

Zuständig für Abfallentsorgung ist die Guldborgsund Kommune, die für Sammlung, Trennung, Entsorgung und Wiederverwertung von Abfällen verantwortlich ist. Ziel ist es, Umweltbelastungen zu reduzieren und möglichst viele Wertstoffe dem Recycling zuzuführen.

Haushaltsabfälle werden auf Falster regelmäßig getrennt gesammelt. Dazu gehören unter anderem Restmüll, Bioabfälle, Papier, Pappe, Glas, Metall und Kunststoff. Für diese Abfallarten stehen den Haushalten entsprechende Tonnen oder Sammelstellen zur Verfügung. Sperrmüll, Elektrogeräte und Problemstoffe wie Farben oder Batterien werden über Recyclinghöfe entsorgt, die über die Insel verteilt sind und für Bürger gut erreichbar sind.

Ein wichtiger Aspekt der Abfallwirtschaft auf Falster ist die umweltfreundliche Weiterverarbeitung. Wiederverwertbare Materialien werden recycelt, während nicht recycelbare Abfälle überwiegend in Müllverbrennungsanlagen gelangen, wo sie zur Energiegewinnung genutzt werden. Dieses Verfahren ist in Dänemark weit verbreitet und trägt zur Versorgung mit Fernwärme und Strom bei. Darüber hinaus legt die Kommune großen Wert auf Abfallvermeidung und Aufklärung. Informationskampagnen, klare Trennsysteme und digitale Angebote helfen den Einwohnern, Abfälle korrekt zu entsorgen. Insgesamt ist die Abfallwirtschaft auf Falster gut organisiert und stark auf Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Umweltschutz ausgerichtet, was den hohen ökologischen Standards Dänemarks entspricht.

Handel

In den Städten und größeren Ortschaften, insbesondere in Nykøbing Falster, konzentrieren sich zahlreiche Einzelhandelsgeschäfte, Einkaufsstraßen und kleinere Einkaufszentren. Dort finden sich Supermärkte, Bekleidungsgeschäfte, Elektronikläden, Apotheken sowie Fachgeschäfte für den täglichen Bedarf.

Neben den größeren Handelsketten haben auf Falster auch viele kleine, inhabergeführte Geschäfte Bedeutung. Diese bieten regionale Produkte, Handwerk, Lebensmittel aus lokaler Erzeugung oder Souvenirs an und tragen zur besonderen Atmosphäre der Insel bei. Besonders in touristisch geprägten Gegenden und Küstenorten profitieren diese Geschäfte von saisonalem Besucheraufkommen.

Ein wichtiger Bestandteil des Handels ist zudem der Wochen- und Spezialmarkt, auf dem frische Lebensmittel, Fisch, Obst, Gemüse und handwerkliche Erzeugnisse verkauft werden. Diese Märkte stärken die regionale Wirtschaft und fördern den direkten Kontakt zwischen Produzenten und Verbrauchern.

In den letzten Jahren hat auch auf Falster der Onlinehandel an Bedeutung gewonnen. Viele lokale Geschäfte kombinieren inzwischen stationären Verkauf mit Online-Angeboten oder Abholservices, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Insgesamt ist der Handel auf Falster durch eine Mischung aus modernen Einkaufsangeboten und traditionellem, lokal verwurzeltem Einzelhandel gekennzeichnet, die sowohl den Alltag der Einwohner als auch die Bedürfnisse von Gästen abdeckt.

Finanzwesen

Das Finanzwesen ist in das nationale dänische Bankensystem eingebunden und weist keine eigenständigen Inselbanken auf. Stattdessen sind auf Falster Filialen und Servicezentren großer dänischer Banken vertreten, die sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen betreuen. Besonders in der größten Stadt der Insel, Nykøbing Falster, finden sich Niederlassungen bekannter Institute wie Danske Bank, Nordea oder Jyske Bank sowie regionale Geldinstitute und Sparkassen.

Diese Banken bieten die üblichen Finanzdienstleistungen an, darunter Giro- und Sparkonten, Kredite, Hypotheken, Zahlungsverkehr, Online-Banking und Beratung für Unternehmen und Landwirte. Gerade für Falster, das stark von Landwirtschaft, Tourismus und kleineren Betrieben geprägt ist, spielen Finanzierungen für Hofbetriebe, Ferienhäuser und lokale Unternehmen eine wichtige Rolle.

Wie im übrigen Dänemark ist auch auf Falster der Trend zur Digitalisierung des Bankwesens deutlich sichtbar. Viele Bankgeschäfte werden heute online oder per App erledigt, sodass die Zahl der klassischen Schalterdienste zurückgegangen ist. Geldautomaten sind jedoch weiterhin in den größeren Orten und Einkaufszentren vorhanden und sichern die Bargeldversorgung.

Gesundheit und Soziales

Sozial gesehen ist Falster geprägt von Depopulation, Alterung der Bevölkerung und einem hohen Anteil an Menschen mit geringer Bildung oder schwachem Arbeitsmarktzugang. Die Arbeitslosigkeit liegt in Guldborgsund Kommune höher als landesweit, und viele Einwohner sind auf öffentliche Unterstützung (kontanthjælp, førtidspension etc.) angewiesen. Dies führt zu sozialer Ungleichheit: Höhere Anteile an Alleinerziehenden, Alleinlebenden und Menschen mit psychischen Belastungen. Die Region wird oft als „das Alabama Dänemarks“ bezeichnet – ein ländlich-provinzielles Gebiet mit kumulativen Nachteilen durch Abwanderung junger, gesunder und gebildeter Menschen, während vulnerablere Gruppen zuziehen oder bleiben (selektive Migration). Das hat über Jahrzehnte zu einer negativen Spirale geführt: Die Übersterblichkeit (im Vergleich zum Rest Dänemarks) hat sich seit den 1980er und 1990er Jahren schrittweise aufgebaut und liegt aktuell bei etwa 20 bis 25 % höher.

Gesundheitswesen

Auf Falster – und damit in der Guldborgsund Kommune – ist das Gesundheitswesen (sundhedsvæsen) Teil des Systems der Region Sjælland (Sjællands Region), das seit 2007 die Verantwortung für Krankenhäuser, Spezialbehandlungen und Teile der primären Versorgung trägt. Die Struktur ist zentralisiert, mit einem klaren Fokus auf das Sjællands Universitetshospital, Nykøbing F. als zentrales Akutkrankenhaus der Insel. Es gibt keine weiteren Krankenhäuser auf Falster selbst; Lolland hat eigene Einrichtungen (zum Beispiel in Nakskov und Maribo), die aber teilweise mit Nykøbing kooperieren.

Das Sjællands Universitetshospital, Nykøbing F. (kurz: Nykøbing F. Sygehus oder NFS) ist das südlichste Akutkrankenhaus in Region Sjælland und seit 2024 offiziell Teil des Sjællands Universitetshospital (Fusion mit Køge/Roskilde). Es ist spezialisiert auf schnelle Akutbehandlung (akut opståede sygdomme) und verfügt über:

  • Eine Akutafdeling (inklusive Skadestue/Notaufnahme) mit 24/7-Betrieb,
  • Abteilungen für Innere Medizin, Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie/Geburtshilfe, Pädiatrie (Børne- og Ungdomsafdeling),
  • Geriatrie (Geriatrisk afdeling),
  • Billeddiagnostik (Röntgen, CT, MRT),
  • Klinisch-biochemisches Labor (Blutproben, EKG),
  • Psychiatrische Ambulanz und Kooperation mit der Psykiatrisk Klinik in Maribo/Næstved.


Das Krankenhaus hat 200 bis 250 Betten (je nach Quelle und Umbau) und dient als Hauptversorger für die ca. 60.000 Einwohner von Guldborgsund Kommune (Lolland-Falster). Es ist modernisiert (unter anderem Neubau in den 2010er Jahren) und bleibt trotz Fusion ein vollwertiges Akutkrankenhaus mit „Styrkefunktion“ in bestimmten Bereichen (unter anderem Akutmedizin und Geriatrie). Es gab Streiks (zum Beispiel 2025 bei Servicepersonal) und Debatten über Ressourcen, aber es ist nicht bedroht.

Neben dem Krankenhaus gibt es primäre und kommunale Einrichtungen:

  • Almen praksis (Hausärzte): Es gibt einen akuten Mangel an praktizierenden Ärzten (lægemangel) auf Lolland-Falster. Viele Praxen sind geschlossen oder überlastet; die Region und Kommune zahlen hohe Prämien (Milliongulerod), um neue Ärzte anzulocken. Seit 2025 betreibt das Sjællands Universitetshospital teilweise eigene Kliniken ( auf Lolland), um die Versorgung zu sichern – ein Novum in Dänemark.
  • Nærklinikker/Sundhedscentre: Es gibt eine Sygeplejeklinik in Nykøbing Falster (seit den 2020er Jahren), wo Bürger hingehen können statt Hausbesuche durch hjemmesygeplejerske zu erhalten. Solche Kliniken bieten Wundversorgung, Blutdruckkontrolle, Injektionen etc.
  • Kommunale Dienste: Guldborgsund Kommune betreibt Plejehjem (Pflegeheime), Hjemmepleje (häusliche Pflege), Reha-Angebote und Präventionsprogramme (zum Beispiel gegen Rauchen, Adipositas). Es gibt Initiativen wie „Broen til bedre sundhed“ zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit im Gesundheitsbereich.
  • Spezialisierte Angebote: Psychiatrie wird größtenteils über Maribo (Lolland) abgedeckt, mit Auslagerung nach Næstved oder Køge für schwere Fälle. Zahnärzte, Physiotherapeuten undsoweitere sind privat oder kommunal organisiert.

Krankheiten

Die Lebenserwartung auf Lolland-Falster ist die niedrigste in Dänemark – mehrere Jahre unter dem nationalen Durchschnitt (der bei 81 bis 82 Jahren liegt). Studien wie die Lolland-Falster Health Study (LOFUS), eine große bevölkerungsbasierte Kohortenstudie seit 2016/17, belegen höhere Prävalenzen von Risikofaktoren und Krankheiten. Typische Merkmale:

  • Höhere Raten an Rauchen (22 bis 24 % tägliche Raucher vs. 19 % national),
  • Adipositas (schwere Übergewicht 21 bis 25 % vs. 17 %),
  • Weniger körperliche Aktivität und ungesunde Ernährung,
  • Höhere Anteile an psychischen Belastungen (zum Beispiel Einsamkeit, Depressionen, Stress),
  • Starke Präsenz chronischer Erkrankungen: Diabetes, Hypertonie (Bluthochdruck), COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung), Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs treten häufiger auf. Die Prävalenz von Multimorbidität (mehrere chronische Krankheiten gleichzeitig) ist erhöht, besonders bei älteren und sozial benachteiligten Gruppen.


Das Selbstberichtete schlechte Gesundheitsgefühl liegt bei 20 bis 24 % der Bevölkerung (vs. rund 17 % national), und es gibt höhere Raten an Langzeitkrankschreibungen (sygefravær) sowie früherer Invalidität. Die Ursachen sind multifaktoriell: Sozioökonomische Faktoren (niedriges Einkommen, geringe Bildung), Lebensstil (Rauchen, Alkohol, Ernährung), begrenzter Zugang zu spezialisierter Versorgung (obwohl das Nykøbing Falster Sygehus zentral ist) und die kumulative Wirkung von Armut und Isolation in ländlichen Gebieten.

Bildung

Auf Falster – und damit in der Guldborgsund Kommune (die Lolland und Falster umfasst) – ist das Bildungssystem (uddannelsessystem) typisch für dänische Provinzregionen: gut strukturiert und kostenlos zugänglich, aber mit einem deutlich niedrigeren Bildungsniveau der Bevölkerung im Vergleich zum nationalen Durchschnitt. Die Region leidet unter Abwanderung junger, gebildeter Menschen, höheren Dropout-Raten und einer stärkeren Orientierung auf praktische/berufliche Ausbildungen statt akademischer Wege. Das spiegelt sich in Statistiken von Danmarks Statistik und AE-rådet wider, wo Guldborgsund zu den Kommunen mit den höchsten Anteilen an Jugendlichen ohne abgeschlossene Ausbildung oder Job gehört.

Die Grundschule (folkeskole, 0. bis 9./10. Klasse) ist flächendeckend vorhanden. Auf Falster gibt es mehrere folkeskoler, vor allem in Nykøbing Falster (zum Beispiel Nordbyskolen, Sophieskolen, Møllebakkeskolen, Østerbroskolen) sowie in kleineren Orten wie Nørre Alslev, Væggerløse oder Idestrup. Die Schulen sind kommunal organisiert und bieten oft landsbyordninger (kleine Dorfschulmodelle). Die Qualität ist solide, aber die Region kämpft mit sinkenden Schülerzahlen durch Demografie und Abwanderung, was zu Schulschließungen oder Zusammenlegungen geführt hat. Trivsel (Wohlbefinden) und Fravær (Fehlzeiten) liegen oft über dem nationalen Schnitt, beeinflusst durch sozioökonomische Faktoren.

Ungdomsuddannelser (Jugendausbildungen nach der 9./10. Klasse) sind zentral in Nykøbing Falster konzentriert:

  • Nykøbing Katedralskole (nykat-gym.dk): Das traditionsreiche gymnasium (über 500 Jahre alt) bietet STX (allgemeines Gymnasium, 3 Jahre, Zugang zu Universitäten) und HF (2-jähriges Höheres Vorbereitendes Examen, oft mit Fagpakker für bestimmte Berufe; inkl. HF+ für Schüler mit Behinderungen). Es hat hohe fachliche Standards und internationales Profil.
  • CELF – Center for Erhvervsrettede Uddannelser Lolland-Falster (celf.dk): Das größte berufliche Zentrum der Region mit HHX (Handelsgymnasium), HTX (Technisches Gymnasium), 23 erhvervsuddannelser (berufliche Ausbildungen, zum Beispiel Handwerk, Pflege, IT, Logistik) und EUX-Kombinationen (Gymnasium + Berufsausbildung). CELF hat Standorte in Nykøbing (Merkurs Plads und Kringelborg Allé) und ist der Hauptort für praktische Ausbildungen auf Lolland-Falster.
  • FGU Lolland-Falster (Forberedende Grunduddannelse): Für Jugendliche ohne direkten Einstieg in Ausbildung/Job, mit Spuren wie AGU (allgemein), PGU (produktionsorientiert) und EGU (beruflich).


Videregående uddannelser (Höhere Bildung) sind auf Falster begrenzt. Es gibt zuum Beispiel die Pædagoguddannelsen (Erzieherausbildung) von Professionshøjskolen Absalon in Nykøbing Falster sowie SOSU-Ausbildungen (Sozial- und Gesundheitshelfer). Universitätsstudien erfordern meist Pendeln nach Køge, Roskilde, Kopenhagen oder Odense – was viele abschreckt.

Das Bildungsniveau der Bevölkerung ist eines der niedrigsten in Dänemark: In Guldborgsund und Lolland haben 25 bis 30 % der 25- bis 69-Jährigen nur Grundschule als höchsten Abschluss (vs. ca. 15 bis 20 % national). Der Anteil mit videregående uddannelse (Hochschulabschluss) liegt bei unter 20 bis 25 % (oft 10 bis 15 % in älteren Daten für ähnliche Kommunen). Bei den 30-bis 34-Jährigen ist der Anteil mit nur Grundschule doppelt so hoch wie landesweit, während erhvervsuddannelser (Berufsausbildungen) überrepräsentiert sind. Besonders alarmierend: In Guldborgsund steht jeder Zehnte Jugendliche (15 bis 24 Jahre) weder in Job noch Ausbildung (NEET-Rate höher als in urbanen Gebieten), was mit Abwanderung und sozialen Faktoren zusammenhängt.

Höhere Bildung

Auf Falster ist das Angebot an højere uddannelse (videregående uddannelser, also professionsbachelor- und akademiuddannelser) begrenzt und stark praxisorientiert. Es gibt keine klassischen Universitäten (universiteter) auf der Insel, die zu master- oder ph.d.-Studien führen würden. Stattdessen konzentriert sich alles auf Professionshøjskolen Absalon (Campus Nykøbing Falster), ergänzt durch berufliche und soziale Ausbildungen. Das Bildungsniveau in der Region bleibt eines der niedrigsten in Dänemark, mit wenigen Absolventen höherer Bildung und starker Abwanderung junger Menschen zu Universitäten in Kopenhagen, Roskilde oder Odense.

Der zentrale Anbieter für videregående uddannelser auf Falster ist Professionshøjskolen Absalon am Campus Nykøbing Falster. Hier werden folgende professionsbacheloruddannelser (3 bis 3,5 Jahre, praxisnah, berufsqualifizierend) angeboten: Sygeplejerske (Krankenpflege/Sygeplejerske), Pædagog (Erzieher/Pädagogik) sowie Socialrådgiver (Sozialarbeiter/Socialrådgiver).

Diese drei Studiengänge sind die Hauptangebote in Nykøbing Falster und richten sich vor allem auf den öffentlichen Sektor (Gesundheit, Soziales, Kinder- und Jugendbereich). Der Campus ist modern und bietet gute Bedingungen, inklusive Praktika in lokalen Einrichtungen (zum Beispiel Sjællands Universitetshospital Nykøbing F., Plejehjem, Dagtilbud). Absalon hat insgesamt sieben Campus in Region Sjælland, wobei Nykøbing einer der kleineren ist. Es gibt auch efter- og videreuddannelse (Weiterbildungen, Diplom- und Akademiuddannelser) für Berufstätige, unter anderem in Pädagogik oder Sozialarbeit.

Zusätzlich gibt es auf Falster korte videregående uddannelser und berufliche Wege:

  • SOSU-uddannelser (Social- og sundhedshjælper/assistent) über SOSU Nykøbing Falster – Grundforløb und Hauptforløb, oft in Kooperation mit Guldborgsund, Lolland und Vordingborg Kommunen. Diese sind stark nachgefragt, da sie direkt in den lokalen Arbeitsmarkt (Pflege, Ältere, Behinderte) führen.
  • Erhvervsakademi- und professionsbachelor-Elemente über CELF (zum Beispiel EUX-Kombinationen mit HHX/HTX), die teilweise zu kürzeren videregående führen können.


Universitätsstudien (lange videregående uddannelser, zum Beispiel cand.mag., cand.scient., jur., med.) sind auf Falster nicht möglich. Wer höhere akademische Wege anstrebt, muss pendeln oder umziehen – oft nach Roskilde (Absalon oder RUC), Køge, Kopenhagen (KU, CBS, DTU) oder Odense (SDU). Das führt zu hoher Abwanderung: Viele junge Menschen mit gymnasialem Abschluss (STX/HF von Nykøbing Katedralskole) verlassen die Region für Studium und kehren selten zurück, was die demografische Spirale verstärkt.

Bibliotheken und Archive

Die Bibliotheken fallen unter Guldborgsund Bibliotek & Borgerservice (guldbib.dk), das seit der Kommunalreform 2007 die früheren Bibliotheken der alten Kommunen vereint hat. Es gibt sechs Bibliotheken in der Kommune, von denen die meisten auf Falster liegen:

  • Hovedbiblioteket (Hauptbibliothek) in Nykøbing Falster (Kongensgade 43, 4800 Nykøbing F.) ist das zentrale und modernste: Es bietet eine große Sammlung an Büchern, Zeitschriften, CDs, DVDs, e-Books, Datenbanken und digitalen Ressourcen (zum Beispiel eReolen für Hörbücher und E-Books). Es integriert Borgerservice (Bürgerservice), hat lange Selbstbedienungszeiten (oft 7 bis 22 Uhr) und dient als Veranstaltungsort für Vorträge, Lesungen, Kurse, Kinderprogramme und Ausstellungen. Es ist das kulturelle Herz der Region und stark digital ausgerichtet.
  • Nørre Alslev Bibliotek – Eine kleine Filiale in Nørre Alslev, mit grundlegender Ausstattung für Bücher, Medien und lokale Angebote.
  • Væggerløse Bibliotek – In Væggerløse im Süden der Insel, breit aufgestellt mit Materialien für alle Altersgruppen, inklusive Zeitungen, Zeitschriften und Veranstaltungen.
  • Sakskøbing Bibliotek und Stubbekøbing Bibliotek – Weitere kleinere Filialen auf Falster, oft kombiniert mit Bürgerservice oder Gemeindehäusern.
  • Nysted Bibliotek liegt auf Lolland, wird aber vom selben System bedient.


Die Bibliotheken fördern aktiv Læseglæde (Lesefreude), unter anderem durch Bogpakker (Buchpakete) an Schulen, Børnelitteraturfestival und digitale Dienste. Sie sind Orte für Gemeinschaft, mit Fokus auf Inklusion und Zugang für alle – typisch dänisch.

Archive sind vor allem lokalhistorisch und ehrenamtlich oder museumgebunden betrieben. Das wichtigste ist Falsters Egnshistoriske Arkiv (Falsters regionale Heimatarchiv), gegründet 1913 und seit 1948 getrennt vom Museum Falsters Minder. Es gehört zu Museum Lolland-Falster und wird von Freiwilligen betrieben (Adresse: Frisegade 45, Nykøbing F.; Kontakt über museumlollandfalster.dk/arkiv). Die Sammlung umfasst Arkivalier von Vereinen, Unternehmen und Privatpersonen, Karten von Lolland-Falster und Nykøbing F., Fotos, Tonbänder, Videos und andere Medien sowie Material speziell aus Nykøbing Falster Sogn.

Es ist Mitglied in Verbänden wie SLA (Sammenslutningen af Lokalarkiver) und LASA (Lokalhistoriske Arkiver i Sydøstdanmark). Es kooperiert mit anderen Archiven in Guldborgsund und Lolland. Weitere kleinere lokalhistoriske arkiver existieren in Dörfern (zum Beispiel Tingsted-Systofte Arkiv oder ähnliche), oft ehrenamtlich und mit Fokus auf lokale Geschichte, Fotos und Dokumente. Viele Beiträge fließen in Historisk Atlas (historiskatlas.dk) ein – eine nationale Plattform mit 170 Archiven/Museen/Bibliotheken, wo Lolland-Falster stark vertreten ist.

Kultur

Falster bietet eine reiche kulturelle Landschaft mit dem renommierten Fuglsang Kunstmuseum, das dänische Kunst von 1780 bis heute zeigt, sowie modernen Installationen wie den monumentalen Dodekalitten-Skulpturen. Historische Herrenhäuser, Gutshöfe, Kirchen wie die Maribo Domkirche und das Mittelalterzentrum in Nykøbing Falster vermitteln mittelalterliche Atmosphäre und lokale Traditionen.​

Museen

Das Museum Lolland-Falster (museumlollandfalster.dk) entstand 2014 durch die Fusion der früheren Museen in Nykøbing Falster (Stiftsmuseum und Mittelaltermuseum) und Maribo (Lolland-Falster Stiftsmuseum). Es hat zwei feste Abteilungen auf Falster. Eine davon ist Fuglsanggård – De Berejstes Museum (das Fuglsang Kunstmuseum liegt zwar auf Lolland, wird aber oft mitgezählt). Der Hauptstandort in Nykøbing Falster heißt offiziell Tsarens Familie og De Berejstes Museum (Frisegade 39, direkt neben der Klosterkirche). Hier befinden sich die Dauerausstellung zur russischen Zarenfamilie (Romanow-Sammlung, eine der größten außerhalb Russlands – Geschenke, Fotos, Möbel, Uniformen aus der Zeit, als Zar Alexander III. und seine Familie oft in Dänemark Urlaub machten), Wechselausstellungen zu Kunst, Kulturgeschichte und Archäologie sowie das Mittelaltermuseum mit Funden aus der Region (zum Beispiel Klosterfunde, Wikingerzeit, slawische Einflüsse). Das andere ist das Middelaldercentret (Mittelalterzentrum) vor den Toren von Nykøbing Falster bei Sundby (zirka 4 km westlich): Ein Freilichtmuseum der Extraklasse (Europas größtes experimentell-archäologisches Mittelalterzentrum). Es rekonstruiert eine Handelsstadt um das Jahr 1400 mit Häusern, Schiffen, Werkstätten und täglichem Living-History-Programm (Ritterturniere, Katapulte, Handwerk, Kanonenschießen). Besonders in der Sommersaison (Mai–September) sehr belebt und eines der meistbesuchten Museen Dänemarks außerhalb Kopenhagens.

Weitere museale Angebote auf Falster sind klein und meist ehrenamtlich:

  • Falsters Minder (Nykøbing Falster): Früher eigenes Stadtmuseum, heute Teil von Museum Lolland-Falster, aber mit kleiner Dauerausstellung zur Stadtgeschichte (zum Beispiel Zuckerfabrik, Hafen, Handel).
  • Gedser Remise (Südspitze Falsters): Eisenbahnmuseum in alten Lokschuppen mit historischen Zügen und Draisinen.
  • Motorcykel- og Radiomuseet in Stubbekøbing: Privates Motorrad- und Radiomuseum mit über 200 Motorrädern und alten Radios.
  • Politimuseet Nykøbing Falster: Kleines Polizeimuseum im alten Gefängnis (Knuthsgade).
  • Diverse lokalhistoriske udstillinger in Dorfgemeinschaftshäusern (zum Beispiel Eskildstrup, Væggerløse, Nørre Alslev), oft nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnet und von lokalen Geschichtsvereinen betrieben.


Es gibt kein klassisches Kunstmuseum auf Falster (das nächste ist Fuglsang Kunstmuseum auf Lolland), kein Naturkundemuseum und keine großen privaten Sammlungen.

Architektur

Die Insel zeigt vor allem mittelalterliche und frühneuzeitliche Einflüsse, mit einem klaren Schwerpunkt auf Backsteinbauweise, die seit dem 12. Jahrhundert in Dänemark dominant wurde. Es gibt keine spektakulären Barock- oder Rokokopaläste wie in anderen Teilen des Landes, sondern eine homogene, ländlich-provinzielle Baukultur mit vielen gut erhaltenen Beispielen aus Romanik, Gotik und späteren Epochen.

Die zahlreichen Dorfkirchen (über 40 allein auf Falster) sind das markanteste architektonische Erbe. Viele stammen aus der Romanik (ca. 1100–1250), oft aus Feldsteinen oder frühem Backstein, mit runden Bögen, schlichten Portalen und kleinen Fenstern. Typisch für Lolland-Falster sind die Übergangskirchen aus dem 13./14. Jahrhundert: rote Backsteinbauten, die romanische und gotische Elemente mischen – spitzbogige Fenster, Kreuzrippengewölbe und ein Chor, der später angefügt wurde. Viele wurden im 15./16. Jahrhundert gotisch erweitert (zum Beispiel mit Türmen oder Seitenschiffen) und später weiß oder rosa gekalkt, was ihnen ein charakteristisches, weiches Aussehen gibt. Beispiele sind Nørre Alslev Kirke (mit Kalkmalereien), Væggerløse Kirke (romanischer Kern um 1100, gotische Ergänzungen) oder Stubbekøbing Kirke (spätromanischer Kalkstein-Nave, gotischer Chor und Turm aus Backstein).

In Nykøbing Falster steht die Klosterkirke (Klosterkirken) als herausragendes gotisches Beispiel aus dem 15. Jahrhundert: eine dreischiffige Hallenkirche aus Backstein mit Rippengewölben, die aus einem Franziskanerkloster hervorging. Sie ist die größte und repräsentativste Kirche der Insel und zeigt den Übergang zur Spätgotik. Die Stadt selbst hat eine Mischung aus Fachwerkhäusern (bindingsværk) aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, klassizistischen Bürgerhäusern und einfachen Putzbauten aus dem 19. Jahrhundert – oft mit Satteldächern, Gauben und traditionellen Ziegeln. Viele Altstadtstraßen (unter anderem um den Torvet) bewahren diese kleinteilige, dichte Bebauung.

Ländliche Architektur dominiert außerhalb der Stadt: Typische Falster-Bauernhöfe (bondegårde) aus dem 18./19. Jahrhundert mit Fachwerk, Lehmstakenfüllung und Reet- oder Ziegeldächern, oft in Vierseiten- oder Dreiseitenhof-Anlage. Viele sind weiß gekalkt und haben Strohdächer (halmtag) oder rote Ziegeldächer. Herrenhäuser (herregårde) sind seltener als auf Lolland, aber es gibt Beispiele wie Fuglsang (klassizistisch, mit Park und Alleen) oder kleinere Gutshöfe mit barocken oder neoklassizistischen Elementen. Die Landschaft ist durch lange Alleen (alléer) zu den Höfen geprägt, die ein aristokratisches Gepräge verleihen.

Moderne Architektur ist auf Falster zurückhaltend: Das Sjællands Universitetshospital in Nykøbing Falster (Neubau ab 2010er Jahren) ist funktional und zeitgenössisch, mit Glas und Beton. Das Middelaldercentret (Freilichtmuseum bei Nykøbing) rekonstruiert authentisch eine Handelsstadt um 1400 mit Holz- und Fachwerkhäusern, Lehmwänden, Reetdächern und mittelalterlichen Techniken – es ist kein historisches Original, aber eine hochpräzise experimentelle Nachbildung.

Bildende Kunst

Das Museum Lolland-Falster in Nykøbing Falster (Frisegade) ist das zentrale Anlaufpunkt für bildende Kunst auf der Insel. Es umfasst Wechselausstellungen zu Malerei, Skulptur und Grafik, oft mit regionalem Bezug (zum Beispiel Künstler aus Lolland-Falster oder Themen zur Inselgeschichte). Hier finden sich auch Teile der historischen Sammlung, die früher im Stiftsmuseum lagen – Gemälde, Aquarelle und Plastiken dänischer Künstler vom 19. Jahrhundert bis heute. Das Museum Obscurum (ebenfalls in Nykøbing) zeigt gelegentlich zeitgenössische oder experimentelle Kunstinstallationen, oft mit einem spielerischen oder dunklen Twist. Das Middelaldercentret (Freilichtmuseum bei Nykøbing) integriert bildende Kunst indirekt: Durch Rekonstruktionen und Living-History-Elemente (zum Beispliel handwerkliche Objekte, Skulpturen in mittelalterlichem Stil) sowie temporäre Kunstausstellungen oder Performances.

Auf Lolland (aber nur wenige Kilometer entfernt, unter anderem bei Toreby) liegt das Fuglsang Kunstmuseum, das für Falster-Besucher leicht erreichbar ist und als das wichtigste Kunstmuseum der Region gilt. Es beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen dänischer Kunst von 1780 bis heute: Werke von Jens Juel, C.W. Eckersberg, P.C. Skovgaard, den Skagen-Malern, Funen Painters, Kristian Zahrtmann, Olaf Rude und vielen mehr. Der Fokus liegt auf Landschaftsmalerei, die oft Motive aus Lolland-Falster zeigt (unter anderem regionale Landschaften des 19. Jahrhunderts). Das moderne Gebäude (2008) integriert sich in die Natur, und es gibt Outdoor-Skulpturen im Fuglsang Art Landscape (große Installationen im Park und auf dem Gelände).

Die Galerien auf Falster sind klein und privat: In Nykøbing Falster und Umgebung gibt es sporadisch Pop-up-Galerien oder Ausstellungen in Cafés und Kulturhäusern. Viele Künstler arbeiten in Ateliers auf der Insel oder pendeln nach Lolland. Die breitere Szene in Lolland-Falster umfasst Galerien wie Galleri Heike Arndt DK (in Kettinge auf Lolland, international und zeitgenössisch), Galleri Peter Pitsch, Hvedemagasinet oder Galleri Syd – diese zeigen oft dänische und internationale Künstler, Malerei, Keramik, Skulptur und Mixed Media. Es gibt eine wachsende Präsenz zeitgenössischer Kunst, zum Beispiel durch Projekte wie Art Barns Lolland (großformatige Installationen in alten Scheunen auf Lolland-Falster, ambitioniertes neues Museumskonzept mit globalen Künstlern, geplant bis 2029).

Historisch haben Künstler Lolland-Falster in der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts verewigt (Goldenes Zeitalter), oft als idyllische, flache Inselwelt mit Feldern, Alleen und Küste. Moderne Kunst auf Falster ist eher dezentral: Viele Künstler leben ländlich, arbeiten in kleinen Ateliers und stellen regional aus. Es gibt keine große urbane Szene wie in Kopenhagen, sondern eine intime, naturverbundene – oft mit Themen wie Landschaft, Geschichte und Nachhaltigkeit.

Literatur

Historisch ragt Christian Falster (1690 bis 1752) heraus, geboren auf Lolland, aber stark mit Falster verbunden durch seine Schulzeit an der Nykøbing Katedralskole. Er war ein bedeutender Satiriker, Epistelschreiber und Humanist der Aufklärungszeit, der mit scharfen, witzigen Texten gegen Pedanterie und Heuchelei wetterte – ein früher Vertreter dänischer Aufklärungsliteratur. B.S. Ingemann (1789 bis 1862), einer der wichtigsten dänischen Romantiker, wuchs in Torkilstrup Præstegård auf Lolland auf (nahe Falster) und beschreibt in seiner posthum erschienenen Levnetsbog lebendig die præstegård-Umgebung und das ländliche Leben. Emil Aarestrup (1800 bis 1856), der „Nystedsk Sanger“, praktizierte als Arzt in Nysted (Lolland) und schrieb erotisch-sinnliche Liebeslyrik, die den dänischen Goldenen Zeitalter bereicherte.

Im 20. Jahrhundert gewinnt die regionale Literatur an Tiefe: Helene Strange (1874 bis 1947) war eine engagierte Volkskundlerin, Friedensaktivistin und Autorin slægtsromaner wie Priergaardsslægten (1922/23) und Sværkeslægten (1929 bis 1941), die das ländliche Falster-Leben, Husmænd und soziale Veränderungen schildern. Sie organisierte große Friluftsmøder und sammelte folkeminder – ihre Arbeit ist im Museum Lolland-Falster dokumentiert. Knud Hjortø (1869 bis 1931) schrieb in Indensogns og Udensogns (1919) die Novelle „Falstringer“, die das Bondeliv und den Dialekt einfühlsam einfängt.

Moderne Autoren mit starker Falster-Verbindung dominieren die Gegenwart: Knud Romer (geb. 1960), geboren und aufgewachsen in Nykøbing Falster, ist der prominenteste lebende Schriftsteller der Region. Seine semi-autobiografischen Romane Den som blinker er bange for døden (2006) und Kort over Paradis (2018) verarbeiten eine schwierige Kindheit als Halbdeutscher in der Nachkriegszeit, Identitätskonflikte, Drogenkarriere und eine spätere Versöhnung mit der Heimat – er beschreibt Falster als prägendes „Landskab“, das ihn formte. Romer polarisiert lokal, hat aber nationalen Erfolg und internationale Anerkennung. Weitere zeitgenössische Stimmen aus der Region sind Helle Helle (geboren 1965, Lolland-Falster-Wurzeln), bekannt für minimalistische, präzise Prosa über Alltag und Einsamkeit (zum Beispiel in Husum), sowie Autoren in Antologien wie Os hernedefra (2022), die 46 Schreiber aus Lolland-Falster, Sydsjælland und kleinen Inseln versammelt – oft mit Themen wie Provinz, Migration und Identität.

Die Literaturszene heute ist lebendig, aber klein: Es gibt Lesungen in Bibliotheken (unter anderem Hovedbiblioteket Nykøbing), Kulturhäusern und auf Events wie dem Middelaldercentret. Viele Autoren publizieren über kleine Verlage oder selbst, und es gibt eine wachsende Gruppe lokaler Schreiber (zum Beispiel in Forfattergruppen). Historische Werke und Dialekttexte (zum Beispiel Christian Winthers lollandsk/falstersk Gedichte) werden in Archiven gepflegt. Die Guldborgsund Bibliotek fördert Leseprojekte und hat eine Sammlung regionaler Literatur.

Theater

In Nykøbing Falster gibt es zwei Theatere. Nykøbing F. Teater (Østergågade 2) ist das zentrale und größte Theater der Insel – ein klassisches Mehrzwecktheater mit 689 Plätzen (davon 265 auf dem Balkon). Es dient als Bühne für Gastspiele, Konzerte, Revuen, Musicals und Vorträge. Das Programm umfasst nationale Tourneen (zum Beispiel Vinterrevyen, klassische Ballette wie Schwanensee, Konzerte von Bands wie Thorbjørn Risager oder Lars Lilholt), aber auch lokale Events. Es wird von der Teaterforeningen Guldborgsund (eine der größten Teaterforeninger Dänemarks nach Mitgliederzahl) betrieben, die jährlich viele Vorstellungen organisiert und Tickets über Ticketmaster vertreibt. Das Theater ist multifunktional und wird auch für Kongresse genutzt.

Teatret Masken ist das einzige professionelle regionale Theater in Guldborgsund Kommune – ein kleines, aber ambitioniertes Ensemble, das zeitgenössische und relevante Stücke spielt (Gegenwartstheater, Dramen, Komödien). Es produziert eigene Inszenierungen und tourt regional. Die Saison 2025/2026 ist aktiv, mit Fokus auf qualitativ hochwertige, oft experimentelle oder gesellschaftskritische Produktionen.

Zusätzlich gibt es Amateurtheater wie Sprøjtehusteatret in Nykøbing Falster (ehrenamtlich betrieben, vielfältige lokale Produktionen in einem charmanten alten Gebäude) und kleinere Gruppen in Dörfern. Veranstaltungen finden oft in Kulturhäusern, Bibliotheken oder beim Middelaldercentret statt (zum Beispiel mittelalterliche Performances). Die Szene ist stark von der Teaterforening abhängig, die Gastspiele aus Kopenhagen oder anderen Regionen holt.

Film

Nordisk Film Biografer Nykøbing Falster (Slotsbryggen 5, direkt am Hafen) ist die moderne Hauptbiograf der Region – mit mehreren Sälen, insgesamt 487 Plätzen, digitaler Projektion und aktuellem Programm (Premierenfilme, Familienfilme, Blockbuster, aber auch Arthouse und dänische Produktionen). Es läuft täglich 12 bis 14 Vorstellungen, viele Filme in Originalversion mit dänischen Untertiteln. Das Kino hat ein integriertes Café mit Kaffee, Getränken, Popcorn und Snacks – eine beliebte Location am Wasser. Es ist die einzige große Kinokette in Guldborgsund und bedient die gesamte Insel plus Lolland. Kleinere oder historische Kinos (zum Beispiel in Maribo oder Nakskov) existieren, aber Nykøbing ist das Zentrum für Falster.

Filmveranstaltungen außerhalb des Kinos sind rar: Gelegentliche Open-Air-Vorführungen im Sommer (zum Beispiel bei Events oder im Middelaldercentret), aber kein eigenes Filmfestival. Streaming und nationale Sender (DR, TV 2) dominieren den Alltag.

Kleidung

Die traditionelle Kleidung und Tracht auf Falster spiegelt die ländliche Kultur und Geschichte der Region wider. Wie in vielen Teilen Dänemarks war die Tracht früher stark vom Alltag auf dem Land geprägt, insbesondere von der Landwirtschaft und dem Fischfang. Sie zeichnete sich durch praktische Materialien, robuste Stoffe und einfache Schnitte aus, die den täglichen Anforderungen an Arbeit und Wetter trotzen konnten.

Für die Frauen bestand die Tracht häufig aus langem Rock, Schürze und Bluse, ergänzt durch ein Kopftuch oder eine Haube, die Haare und Kopf vor Wind und Sonne schützte. Je nach Anlass und sozialem Stand konnten die Stoffe und Muster variieren – für festliche Anlässe wurden oft aufwendig bestickte Schürzen oder bunte Blusen getragen. Männer trugen Hosen aus robustem Stoff, Hemd und Weste, dazu oft eine Mütze oder Kappe. In Küstennähe waren wetterfeste Mäntel und Gummistiefel üblich, besonders bei Fischern oder Landarbeitern.

Besonders zu festlichen Gelegenheiten, wie Erntefesten, Hochzeiten oder kirchlichen Feiertagen, wurde die Tracht farbenfroher und mit traditionellen Stickereien verziert. Diese Kleidung hatte nicht nur einen praktischen Zweck, sondern diente auch als sozialer Ausdruck, der Zugehörigkeit und regionale Identität zeigte.

Heute wird die traditionelle Tracht auf Falster kaum noch im Alltag getragen, sondern findet vor allem bei Volksfesten, historischen Nachstellungen und kulturellen Veranstaltungen Verwendung. Museen und lokale Vereine bewahren das Wissen über Schnittmuster, Stoffe und traditionelle Schmuckelemente, sodass die Tracht ein sichtbares Stück kulturelles Erbe der Insel bleibt.

Kulinarik und Gastronomie

Die Inseln sind seit Jahrhunderten landwirtschaftlich geprägt, besonders durch Zuckerrüben (sukkerroer/rødbeder) – Lolland-Falster war lange das Zentrum der dänischen Zuckerrübenproduktion (bis zur Schließung vieler Fabriken). Daraus entstehen Rüben in allen Formen (geröstet, als Püree, in Salaten), aber auch moderne Interpretationen. Weitere Besonderheiten sind frisches Gemüse und Kräuter aus biologischen Gärten (unter anderem von Den Grønne Verden in Søllested: knackige Salate, essbare Blüten, Kräuter), Obst (Äpfel, Birnen, Kirschen – zum Beispiel Kirschwein von LolLEfrugt oder Frederiksdal), Fisch und Meeresfrüchte aus der Ostsee (Hering, Dorsch, Lachs, Krabben – oft geräuchert oder frisch), Wild und regionales Fleisch (Schwein, Rind, Lamm) sowie handwerkliches Brot, Butter (oft mit hohem Fettgehalt), Käse und fermentierte Produkte.

Viele Restaurants setzen auf farm-to-table: Zutaten kommen maximal regional, saisonal und oft bio. Es gibt zahlreiche Hofladen (gårdbutikker), Farmshops und Straßenstände entlang der Hauptstraßen, wo man direkt einkauft (zum Beispiel Honig, Marmeladen, Säfte, Wurst, Käse).

Die Gastronomieszene ist überschaubar, aber qualitativ hoch – vor allem in Nykøbing Falster (dem kulinarischen Zentrum) und an der Küste. Es gibt keine Michelin-Sterne auf Falster (die nächsten sind weiter nördlich), aber mehrere empfehlenswerte Orte mit guter Bewertung (Tripadvisor, lokale Guides 2025/26):

  • In Nykøbing Falster: Cafe 3Kanten (beliebtes Café mit europäischer Küche), Duomo oder Rosmarino (italienisch, Pizza/Pasta), Dhaba (indisch), Panino oder Støberiet (moderne dänische Gerichte). OM House oder Mare (im Hafenbereich Slotsbryggen) bieten kreative, nordische Crossover-Küche mit lokalen Zutaten.
  • Außerhalb: Restaurant Ö (Nysted-Hafen, Lolland-Seite, aber nah – kein Menü, täglich frisch, saisonal, sehr hochgelobt), Hesnæs Havn (Fischerbüdchen mit toller Bäckerei und Spisehal – Backwaren, Smørrebrød, lokale Gerichte), Bandholm Badehotel (gehobene Küche mit eigenem Brot, Rhabarber-Desserts, hohes Niveau).
  • Weitere: Middelaldercentret (mittelalterliche Kostproben im Freilichtmuseum), Brauereien wie Lollands Bryghus oder Krenkerup (Bier mit regionalen Zutaten).


Die Szene ist saisonal ausgerichtet. Im Sommer blüht es durch Touristen (Radfahrer, Femernbelt-Besucher), mit Streetfood-Märkten, Food-Events und Pop-ups. Im Winter ruhiger, mit Fokus auf gemütliche Cafés und traditionelle dänische Gerichte (zum Beispiel Flæskesteg, Smørrebrød, Suppen). Es gibt eine wachsende Nachhaltigkeits- und Bio-Bewegung, unterstützt durch Initiativen wie Visit Lolland-Falster („Pure ingredients and rich gastronomy“).

Festkultur

Auf der Insel werden die üblichen dänischen Festtage gefeiert:

  • 1. Januar  -  Nytår (Neujahr)
  • Ende MSamsz/Anfang April -  Påske (Ostern)
  • 16. April  -  National Festdag (Nationalfeiertag, Geburtstag der Königin)
  • Ende Mai/Anfang Juni -  Pinse (Pfingsten)
  • um 21. Juni  -  Fanø Dragefest (größtes Drachenfest der Welt)
  • 2. Juli-Wochenende -  Fannikerdager (Fannikertage mit Musik, Theater und Umzügen)
  • 3. Juli-Sonntag -  Sønderhodag (Sönderho-Tag mit Trachtenfest und Musik)
  • 1. November  -  Allehelgensdag (Allerheiligen)
  • 25./26. Dezember -  Jul (Weihnachten)
  • 31. Dezember -  Nytårsaftensdag (Silvester)

Medien

Das zentrale und bei weitem wichtigste Medium ist Lolland-Falsters Folketidende (kurz: Folketidende), Dänemarks älteste regionale Tageszeitung mit Sitz in Nykøbing Falster (Adresse: Tværgade 20). Gegründet 1873, erscheint sie täglich (außer sonntags) in gedruckter Form und vor allem stark digital über folketidende.dk. Die Zeitung deckt umfassend lokale Nachrichten aus Lolland, Falster und Guldborgsund Kommune ab: Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Unfälle, Vereinsleben, Todesanzeigen und Kleinanzeigen. Sie hat Redaktionen in Nykøbing Falster (Hauptsitz), Maribo und Nakskov und ist das unangefochtene Leitmedium der Region. Viele Einwohner auf Falster beziehen sie traditionell als Abonnement (Print oder Digital), und sie dient als primäre Informationsquelle für alles Lokale.

Zusätzlich gibt es von der Folketidende-Gruppe kostenlose Ugeavisen (Wochenblätter): Ugeavisen Guldborgsund (für Falster/Guldborgsund) und Ugeavisen Lolland. Diese erscheinen wöchentlich, werden gratis verteilt und enthalten vor allem Anzeigen, lokale Kleinmeldungen, Vereinsberichte und Werbung – typisch für dänische Gratiswochenzeitungen in ländlichen Gebieten.

Lokale Radioproduktion existiert kaum eigenständig auf Falster. Die Region wird von DR P4 Sjælland (öffentlich-rechtliches Regionalradio) versorgt, das Sendungen für Seeland inklusive Lolland-Falster produziert, mit gelegentlichen lokalen Einblendungen aus Nykøbing oder Nakskov. Kommerzielle Sender wie Radio ABC oder Nova FM sind national und haben keine dedizierten Falster-Programme. Lokale Podcasts oder Community-Radios sind marginal und spielen keine große Rolle.

Fernsehen ist ebenfalls national oder regional: TV 2 ØST (Teil von TV 2 Danmark) sendet Regionalnachrichten für Sjælland, Lolland-Falster und Møn, mit Berichten aus der Region (z. B. über Guldborgsund Kommune, Femernbelt-Projekt oder lokale Ereignisse). DR (Danmarks Radio) deckt mit DR1/DR2 und regionalen Beiträgen ab. Es gibt keine eigenen TV-Sender oder -Kanäle auf Falster.

Soziale Medien und Online-Plattformen gewinnen an Bedeutung: Die Folketidende ist stark auf Facebook, Instagram und X (ehemals Twitter) präsent (@folketidende), wo sie Breaking News teilt. Lokale Facebook-Gruppen (zum Beispiel „Nykøbing Falster og omegn“, „Guldborgsund Kommune“ oder Ortsgruppen wie „Nørre Alslev“) dienen als informelle Nachrichtenbörsen für Bürger – oft mit schnelleren, aber unmoderierteren Infos als die offizielle Presse. Die Website der Guldborgsund Kommune und Business Lolland-Falster veröffentlichen Pressemitteilungen und News, die dann in Folketidende aufgegriffen werden.

Kommunikation

Auf Falster gelten die Telefonvorwahlen 0(0454)54, +55 und +56.

Sport

Fußball ist die populärste Sport auf Falster. Zahlreiche lokale Vereine, wie der Nykøbing FC, bieten sowohl Jugend- als auch Erwachsenenmannschaften an. Diese Vereine sind wichtige soziale Treffpunkte und fördern den Zusammenhalt in den Gemeinden. Neben Fußball sind auch Handball und Volleyball verbreitet, Sportarten, die in Dänemark traditionell stark vertreten sind.

Die Wassersportmöglichkeiten auf Falster sind dank der Lage zwischen Ostsee, Guldborgsund und mehreren kleineren Fjorden hervorragend. Segeln, Windsurfen und Kajakfahren gehören zu den beliebtesten Aktivitäten, und es gibt diverse Sportvereine und Schulen, die Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene anbieten. Die Küstenlage ermöglicht zudem Sportarten wie Angeln und Stand-Up-Paddling, die sowohl für Einheimische als auch für Urlauber attraktiv sind.

Für Radsport und Laufen ist die flache, abwechslungsreiche Landschaft der Insel ideal. Es gibt gut ausgebaute Rad- und Wanderwege, die entlang der Küste, durch Wälder oder über die offenen Felder führen. Besonders beliebt sind geführte Radtouren durch die Naturschutzgebiete und entlang der Küstenlinien, die sowohl sportliche Herausforderung als auch landschaftlichen Genuss bieten.

Falster hat auch Athleten hervorgebracht, die auf internationaler Ebene erfolgreich sind. So stammen beispielsweise Mads Rasmussen, Olympiasieger im Rudern, und Sara Petersen, Leichtathletin, von der Insel. Solche Persönlichkeiten tragen dazu bei, den Sport auf Falster sichtbarer zu machen und junge Menschen zu motivieren, sich sportlich zu engagieren.

Neben dem Leistungssport gibt es auf Falster ein starkes Amateur- und Breitensportangebot. Turnhallen, Sportplätze und Fitnesszentren in Städten wie Nykøbing Falster sorgen dafür, dass Sport für alle Altersgruppen zugänglich ist. Auch traditionelle dänische Bewegungsangebote wie Gymnastikvereine haben auf der Insel einen festen Platz.

Insgesamt ist der Sport auf Falster geprägt von Vielfalt, guter Infrastruktur und enger Verbindung zur Natur. Die Kombination aus Vereinssport, Individualaktivitäten und Wassersport macht die Insel zu einem attraktiven Ziel für sportlich Interessierte und fördert gleichzeitig Gemeinschaftssinn, Gesundheit und Lebensqualität der Bewohner.

Persönlichkeiten

Von der Insel Falster stammen folgende Persönlichkeiten:

  • Marie Grubbe (1643 bis 1718), dänische Adlige, später Fährfrau und Wirtin, deren bewegtes Leben Stoff zahlreicher Werke wurde.
  • Hans Egede (1686 bis 1758), lutherischer Missionar, der als „Apostel Grönlands“ gilt.
  • Bernhard Severin Ingemann (1789 bis 1862), Dichter und Novellist, ein bedeutender Vertreter der dänischen Romantik.
  • Evald Nielsen (1879 bis 1958), Silberschmied mit Bedeutung in dänischem Kunsthandwerk.
  • Peter Freuchen (1886 bis 1957), Polarforscher, Autor, Journalist und Anthropologe, bekannt für seine arktischen Expeditionen.
  • Czesław Kozon (* 1951), römisch‑katholischer Bischof von Kopenhagen, geboren in Idestrup auf Falster.
  • Claus Meyer (* 1963), kulinarischer Unternehmer und Mitbegründer der New Nordic Cuisine (TV‑Autor & Koch).
  • Claus Jensen (* 1977), dänischer Fußballspieler, ehemaliger Nationalspieler und Profi in der englischen Premier League.
  • Mads Rasmussen (* 1981), Ruderer und Olympiasieger (Leistungssportler).
  • Sara Petersen (* 1987), Leichtathletin, Teilnehmerin und Medaillengewinnerin bei internationalen Meisterschaften.
  • Rikke Sevecke (* 1996), Fußballspielerin und dänische Nationalspielerin.

Fremdenverkehr

Der Tourismus konzentriert sich auf Marielyst und den Süden der Insel. Es gibt im Südosten der Insel Falster einen circa 20 km langen Sandbadestrand. Dieser ist sehr kinderfreundlich, weil er flach ins Wasser abfällt. Bekannte Badeorte/Ferienhausgebiete in Südfalster sind unter anderem Gedesby und Marielyst / Bøtø.

Auf der Insel gibt es zahlreiche Ferienhäuser, die besonders in Küstennähe liegen und oft direkten Zugang zu Stränden oder Naturgebieten bieten. Viele davon sind modern ausgestattet und eignen sich ideal für längere Aufenthalte. Darüber hinaus gibt es Hotels und Gasthäuser, die sowohl in den größeren Orten wie Nykøbing Falster als auch in ruhigeren Regionen zu finden sind. Diese Unterkünfte reichen von kleinen, gemütlichen Pensionen bis hin zu größeren Hotels mit Wellness- und Freizeitangeboten. Für Naturliebhaber und Camper stehen Campingplätze und Zeltplätze bereit, oft direkt an Seen, Wäldern oder der Ostseeküste, die sowohl Stellplätze für Wohnmobile als auch Mietzelte anbieten.

Ein weiteres Angebot sind B&Bs und Ferienwohnungen, die häufig von Einheimischen betrieben werden und ein authentisches dänisches Inselerlebnis ermöglichen. Insgesamt ist Falster durch diese Vielfalt an Unterkünften gut auf den Tourismus vorbereitet, wobei die Kombination aus Strandnähe, Naturerlebnis und städtischer Infrastruktur die Insel besonders attraktiv für einen abwechslungsreichen Urlaub macht.

Literatur

Reiseberichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

Visit Lolland-Falster = https://www.visitlolland-falster.de/tourist/index

Visit Danmark - Lolland-Falster = https://www.visitdenmark.de/daenemark/regionen/seeland/lolland-falster

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