Anguilla: Unterschied zwischen den Versionen
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* 1. Mai 1707 bis 31. Dezember 1800 Kolonie Inseln über dem Winde (''Colony Leeward Islands'') des Königreichs Großbritannien (''Kingdom'' ''of Great Britain'') | * 1. Mai 1707 bis 31. Dezember 1800 Kolonie Inseln über dem Winde (''Colony Leeward Islands'') des Königreichs Großbritannien (''Kingdom'' ''of Great Britain'') | ||
* 1. Januar 1801 bis 26. April 1816 Kolonie Inseln über dem Winde (''Colony Leeward Islands'') des Vereinigten Königreichs (''United Kingdom of Great Britain and Ireland'') | * 1. Januar 1801 bis 26. April 1816 Kolonie Inseln über dem Winde (''Colony Leeward Islands'') des Vereinigten Königreichs (''United Kingdom of Great Britain and Ireland'') | ||
* 26. April 1816 bis | * 26. April 1816 bis 19. Dezember 1832 Kolonie Saint Christopher, Nevis, Anguilla und Britische Jungferninseln (''Colony Saint Christopher, Nevis, Anguilla and British Virgin Islands'') des Vereinigten Königreichs (United Kingdom) | ||
* 19. Dezember 1832 bis 7. Juni 1882 Kolonie Inseln über dem Winde (''Colony Leeward Islands'') des Vereinigten Königreichs (''United Kingdom of Great Britain and Ireland'') | * 19. Dezember 1832 bis 7. Juni 1882 Kolonie Inseln über dem Winde (''Colony Leeward Islands'') des Vereinigten Königreichs (''United Kingdom of Great Britain and Ireland'') | ||
* 7. Juni 1882 bis 27. Februar 1967 Kolonie Saint Christopher-Nevis-Anguilla (''Colony Saint Christopher-Nevis-Anguilla'') des Vereinigten Königreichs (''United Kingdom of Great Britain and Ireland'', ab 27. April 1927 ''United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland'') | * 7. Juni 1882 bis 27. Februar 1967 Kolonie Saint Christopher-Nevis-Anguilla (''Colony Saint Christopher-Nevis-Anguilla'') des Vereinigten Königreichs (''United Kingdom of Great Britain and Ireland'', ab 27. April 1927 ''United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland'') | ||
Aktuelle Version vom 2. Oktober 2026, 06:03 Uhr
Anguilla, östlich von Puerto Rico am Rande der karibischen Inselwelt gelegen, ist eine Inseln über dem Winde im Bereich der Kleinen Antillen. Politisch ist das Eiland, zu dem administrativ auch einige kleinere Koralleninseln gehören, ein Überseegebiet des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland. In den späten 1960er Jahren erlebte Anguilla eine kurzzeitige Unabhängigkeit, die so gut funktionierte, dass sich das Mutterland dazu veranlasst sah, der Sache militärisch ein Ende zu setzen. Aus dem solcherart zerstörten Erfolgsprojekt eines autarken Ministaats wurde in der Folgezeit eine Steueroase und ein Urlaubsparadies für "Superreiche". Der Traum vom eigenstaatlichen "Small Is Beautiful" lebt nur noch in wehmütiger Aufmüpfigkeit weiter, während neuerdings der Hype um die "Künstliche Intelligenz" bzw. "Artificial Intelligence" in Form der bei einschlägigen Unternehmen begehrten inseleigenen Internet-Domain ".ai" Millionen an Dollar ins Land spült.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | Anguilla |
| alternative Bezeichnungen | Malliouhana (arawak), Anguillé (1565), Snake Island (1650) |
| Kategorie | Meeresinsel |
| Inseltyp | echte Insel |
| Inselart | Koralleninsel |
| Gewässer | Karibisches Meer (Caribbean Sea) und Atlantischer Ozean (Atlantic Ocean) |
| Inselgruppe | Kleine Antillen (Lesser Antilles) |
| politische Zugehörigkeit | Staat: Großbritannien (United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland) Überseegebiet: Anguilla |
| Gliederung | 7 election districts (Wahlbezirke) 10 regions (Regionen) 14 districts (Bezirke) 55 localities (Siedlungen) |
| Status | Britisches Überseegebiet mit innerer Autonomie (internally self-governing British Overseas Territory) |
| Koordinaten | 18°13‘ N, 63°03‘ W |
| Entfernung zur nächsten Insel | 550 m (Scrub Island), 7,1 km (Saint Martin) |
| Entfernung zum Festland | 825 km (Corúpano / Venezuela) |
| Fläche | 91 km² / 35,1 mi² (mit Nebeninseln 96 km² / 37 mi², Atoll 102 km² / 39,4 mi²) |
| geschütztes Gebiet | 8,3 km² / 3,2 mi² (9,12 %) |
| maximale Länge | 25,1 km (ONO-WSW) |
| maximale Breite | 5,3 km (NNW-SSO) |
| Küstenlänge | 61 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Karibisches Meer) |
| höchste Stelle | 73 m (Crocus Hill) |
| relative Höhe | 73 m |
| mittlere Höhe | 20 m |
| maximaler Tidenhub | 0,5 bis 0,6 m (Road Bay 0,56 m) |
| Zeitzone | AST (Atlantic Standard Time / Atlantik-Standardzeit, UTC-4) |
| Realzeit | UTC minus 4 Stunden 12 bis 13 Minuten |
| Einwohnerzahl | 14.725 (2025) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 161,85 (bezogen auf das Verwaltungsgebiet 153,42) |
| Inselzentrum | The Valley |
Name
Der Name Anguilla, gesprochen [æŋˈɡwɪlə], geht auf das italienische Wort anguilla beziehungsweise das gleichlautende lateinische Wort anguilla für „Aal“ zurück. Die Bezeichnung wird traditionell mit der langgestreckten, schmalen Form der Insel in Verbindung gebracht. Wann und durch wen der Name erstmals vergeben wurde, ist allerdings nicht eindeutig geklärt. Die amtliche Geschichtsdarstellung Anguillas führt ihn auf die europäischen Entdecker des 15. und 16. Jahrhunderts zurück und erklärt sie mit der langgestreckten, aalähnlichen Gestalt der Insel.
Vor der europäischen Benennung besaß die Insel eine indigene Bezeichnung, die heute meist als Malliouhana überliefert wird. Die Regierung von Anguilla gibt als traditionelle Bedeutung „arrow-shape sea serpent“, also sinngemäß „pfeilförmige Seeschlange“, an. Die amtliche Kulturpolitik weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass sowohl die Zuschreibung des Namens an die Arawak als auch seine genaue Bedeutung wissenschaftlich nicht abschließend geklärt sind.
Die ersten Bewohner Anguillas kamen mehrere Jahrtausende vor der europäischen Expansion aus dem südamerikanischen und südkaribischen Raum. Archäologische Funde belegen eine menschliche Besiedlung bereits vor etwa 3300 Jahren. Später entstanden dauerhafte Siedlungen der arawaksprachigen Bevölkerung. Die amtliche Kulturgeschichte Anguillas datiert die Besiedlung durch Arawak sprechende Gruppen auf etwa 600 und führt Malliouhana als die ihnen zugeschriebene Bezeichnung der Insel an. Eine einfache Abfolge „Ciboney – Arawak – Kariben“ entspricht dagegen nicht dem heutigen Forschungsstand, da die ethnischen und sprachlichen Zuordnungen der frühesten Bewohner nicht für alle Zeitabschnitte eindeutig sind.
Als Christoph Kolumbus 1493 auf seiner zweiten Reise durch die Karibik segelte, passierte seine Flotte Anguilla, landete jedoch nicht auf der Insel. Damit war die Insel zwar Teil des europäischen geografischen Kenntnisraumes geworden, eine dauerhafte europäische Besiedlung erfolgte zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht. Die amtliche Geschichtsdarstellung führt die europäische Bezeichnung Anguilla auf diese frühe Phase der europäischen Erkundung zurück.
Die häufig anzutreffende Behauptung, Kolumbus selbst habe der Insel den Namen Anguilla gegeben, ist historisch nicht sicher belegt. Der Name könnte von einem anderen europäischen Seefahrer oder Kartografen übernommen worden sein. Auch die verbreitete Erklärung, die Benennung sei unmittelbar wegen der langgestreckten Form der Insel erfolgt, ist eine traditionelle Deutung. Die italienische Bezeichnung anguilla bedeutet tatsächlich „Aal“, ebenso wie spanisch anguila und französisch anguille.
Besonders problematisch ist die häufig wiederholte Angabe, René Goulaine de Laudonnière habe Anguilla bereits 1565 unter der französischen Form Anguillé genannt und damit möglicherweise den heutigen Namen geprägt. Laudonnière war tatsächlich 1564/65 Leiter der französischen Expedition nach Florida, und seine Reiseberichte gehören zu den wichtigen europäischen Quellen dieser Zeit. Die verfügbaren bibliografischen Nachweise bestätigen seine Florida-Reise, liefern jedoch keinen hinreichenden Beleg dafür, dass er Anguilla als erster europäischer Reisender unter der Form Anguillé bezeichnete. Der heutige englische Name Anguilla setzte sich schließlich dauerhaft durch. Seine Bedeutung als „Aal“ blieb dabei erhalten und wurde durch die langgestreckte Form der Insel zusätzlich plausibel gemacht. Mit der britischen Besiedlung im 17. Jahrhundert wurde Anguilla endgültig zum vorherrschenden europäischen Namen der Insel. Die ersten dauerhaften englischen Siedler kamen um 1650, überwiegend aus dem britischen Kolonialraum der Kleinen Antillen. Sie nannten das Eiland in Anspielung auf dessen Form auch Snake Island „Schlangeninsel“.
Daneben existierte im englischen Sprachgebrauch zeitweise die Bezeichnung Snake Island, also „Schlangeninsel“. Sie nahm ebenfalls Bezug auf die längliche Gestalt der Insel und stand damit sinngemäß in derselben Bildtradition wie die Bezeichnungen Anguilla und Malliouhana. Snake Island wurde jedoch nicht zum amtlichen Namen und verschwand weitgehend aus dem allgemeinen Gebrauch.
Die indigene Bezeichnung Malliouhana blieb dagegen als Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses Anguillas erhalten. Sie findet sich bis heute in den Namen von Einrichtungen, Veranstaltungen, Unternehmen und kulturellen Projekten. So wurde beispielsweise der Malliouhana Poetry Competition von der University of the West Indies Open Campus, Summit Chambers und dem Department of Library Services veranstaltet. Der Name wird damit weiterhin als Bezug auf die vorkoloniale Geschichte und das indigene Erbe der Insel verwendet.

- abchasisch: Ангила [Angila]
- acehnesisch: Angila
- adygisch: Ангилe [Angile]
- afrikaans: Anguilla
- akan: Anguila
- albanisch: Anguilla
- altaisch: Ангила [Angila]
- amharisch: አንጒላ [Angʷǝla]
- angelsächsisch: Anguilla
- anguillanisch: Anguilla
- arabisch: أنغويلا [‘nġūīlā]
- aragonesisch: Anguila
- arawakisch: Malliouhana
- armenisch: Անգւիլա [Anguila]
- aromunisch: Anguilla
- aserbaidschanisch: Anqîla
- assamesisch: অ্যাঙ্গুইলা [Æṅgu'ila]
- asturianisch: Anguila
- awarisch: Ангила [Angila]
- aymara: Anguila
- bambara: Angiya
- bandscharisch: Anguila
- baschkirisch: Ангила [Angila]
- baskisch: Anguila, Angila
- bengalisch: অ্যাঙ্গুইলা [Æṅgu'ila]
- bhutanisch: ཨང་གུའི་ལ་ [Ang-gu'i-la]
- bikol: Anguila
- birmanisch: အန်ဂွီလာ [Angwì-lá]
- bislama: Angila
- bosnisch: Ангилa [Angila]
- bretonisch: Anguilla
- bulgarisch: Ангилa [Angila]
- burjatisch: Ангила [Angila]
- cebuano: Anguilla
- chakassisch: Ангила [Angila]
- chavakano: Anguilla
- cherokee: ᎠᎩᏪᎳ [A-gi-we-la]
- chinesisch: 安圭拉 [Ānguīlā]
- dänisch: Anguilla
- deutsch: Anguilla
- dine: Ankwííłá, Aangwííyah
- englisch: Anguilla
- esperanto: Angvilo
- estnisch: Anguilla
- estremadurisch: Anguila
- ewe: Anguilla nutome
- färöisch: Anguilla
- fidschianisch: Angila
- finnisch: Anguilla
- französisch: Anguilla, Anguille
- friesisch: Anguilla
- friulanisch: Anguilla
- ful: Anngiyaa
- gagausisch: Ангила [Angila]
- galizisch: Anguila
- ganda: Angwila
- gälisch: Anguilla
- georgisch: ანგუილა [Angvila]
- griechisch: Ανγκουίλα [Angkouila]
- grönländisch: Angila
- guarani: Angila
- guyanisch: Anguilla
- haitianisch: Anguille
- hakka: 安圭拉 [An1-Gui1-La1]
- hausa: Angila
- hawaiianisch: ʻAnuila
- hebräisch: אנגווילה [Angîla]
- hindi: अंगुइला [Aṁgîlâ]
- ido: Anguila
- igbo: Angila
- ilokano: Anguilla
- indonesisch: Anguila, Anguilla
- irisch: Anguilla
- isländisch: Anguilla
- italienisch: Anguilla
- jakutisch: Ангила [Angila]
- jamaikanisch: Angwila
- japanisch: アンギラ [Angila, Angira]
- jerseyanisch: Anguille
- jiddisch: אנגולה [Angîla]
- kabardisch: Ангила [Angila]
- kabylisch: ⴰⵏⴳⵓⵉⵍⴰ [Anguila]
- kambodschanisch: អង្វីឡា [Angvila], អង់ហ្គីឡា [Aŋgiilaa]
- karakalpakisch: Ангила [Angila]
- karatschai-tscherkessisch: Ангила [Angila]
- karibisch-kreolisch: Anguilla, Anguille
- kasachisch: Ангила [Angila]
- kaschubisch: Angwila
- katalanisch: Anguila
- kikuyu: Anguilla
- kirgisisch: Ангила [Angila]
- koreanisch: 앵귈라 [Aenggwila]
- kornisch: Anguilla
- korsisch: Anguilla
- kroatisch: Anguilla
- kumükisch: Ангила [Angila]
- kurdisch: Angwilya
- ladinisch: Anguila
- ladino: Angila
- lakisch: Ангила [Angila]
- laotisch: ອັນກິລາ [Angila],แองกวิลลา [Aeng-vil-la]
- lasisch: ანგუილა [Angvila]
- lateinisch: Anguilla
- lesgisch: Ангила [Angila]
- lettgallisch: Angilja
- lettisch: Angilja
- letzeburgisch: Anguilla
- ligurisch: Anguilla
- lingala: Angiyɛ
- litauisch: Angilija
- livisch: Angila
- lombardisch: Anguilla
- luba-katanga: Angiye
- madegassisch: Angîla
- makedonisch: Ангилa [Angila]
- malaisch: Anguila, Anguilla
- malayalam: ആൻഗ്വില്ല [Āṅgvilla]
- maldivisch: އަންގީލާ [Aŋila]
- maltesisch: Anguilla
- manx: yn Anguilla
- maori: Ānguira
- marathisch: अँग्विला [Anguila]
- minangkabau: Angila
- mindong: 安圭拉 [Ang1-Gui1-La1]
- minnan: 安圭拉 [An1-Gue1-La1]
- mirandesisch: Anguila
- moldawisch: Ангyиллa [Anguilla]
- mongolisch: Ангила [Angila]
- mordwinisch: Ангилa [Angila]
- nahuatl: Angvilan
- nauruanisch: Anguilla
- nepalesisch: एङ्गुइला [Eṅguila]
- niederländisch: Anguilla
- norwegisch: Anguilla
- novial: Angila
- okzitanisch: Anguille
- orissisch: ଆଙ୍ଗୁଇଲ୍ଲା [Āṅgilā]
- oromo: Angiila
- ossetisch: Ангила [Angila]
- pampangan: Anguila
- pandschabisch: ਐਂਗੁਈਲਾ [Angvila]
- papiamentu: Anguila
- paschtunisch: Angîlâ
- persisch: آنگیل [Angvila]
- piemontesisch: Anguilla
- pikardisch: Anguille
- pitkernisch: Anguilla
- polnisch: Anguilla
- portugiesisch: Anguilla
- provenzalisch: Anguille
- quetschua: Angwila
- rätoromanisch: Anguilla
- rumänisch: Anguila
- rundi-rwandesisch: Angwija
- russisch: Ангyиллa [Anguilla], Ангилья [Angil’ja]
- ruthenisch: Ангyиллa [Anguilla]
- samisch: Anguilla
- samoanisch: Anuila
- sardisch: Anguilla
- saterfriesisch: Anguilla
- schottisch: Anguilla
- schwedisch: Anguilla
- serbisch: Ангилa [Angila]
- sindhi: اينگويلا [Angwīlā]
- singhalesisch: ඇන්ගිලා [Ængilā]
- sizilianisch: Anguilla
- slowakisch: Anguilla
- slowenisch: Anguilla
- somalisch: Angiila
- sorbisch: Anguilla
- spanisch: Anguila
- sudovisch: Angvila
- swahili: Anguila
- syrisch: ܐܲܢܓܘܼܝܠܵܐ [Angewilā]
- tabassaranisch: Ангила [Angila]
- tadschikisch: Ангила [Angila]
- tagalog: Anguila1
- tahitianisch: ’Anuira
- tamilisch: அங்கியுலா [Angiyulā], ஆங்கில்லா [Āṅkillā]
- tatarisch: Ангила [Angila]
- telugu: ఆంగ్విల్లా [Āṅgvillā]
- thai: แองกวิลลา [Angîlâ]
- tonganisch: Anikuila, ʻAnguila
- tschechisch: Anguilla
- tschetschenisch: Ангила [Angila]
- tschuwaschisch: Ангила [Angila]
- turkmenisch: Anguila
- tuwinisch: Ангила [Angila]
- türkisch: Anguila
- twi: Aŋvila
- uigurisch: ئانگۋىللا [Angwila]
- ukrainisch: Ангилa [Angila]
- ungarisch: Anguilla
- urdu: Angîla
- usbekisch: Ангила [Angila]
- venezianisch: Anguila
- vietnamesisch: An-guî-lâ
- visayan: Anguila
- volapük: Languilän
- voronisch: Angiila
- walisisch: Anguilla
- wallonisch: Angouille
- weißrussisch: Ангилья [Angil’ja]
- wepsisch: Anguilla
- winaray: Anguilla
- wolof: Angila
- yoruba: Orílẹ́ède Ààngúlílà, Àngúíllà
- zazakisch: Angila
- zhuang: Angila
- zulu: iAngila
Offizieller Name: Anguilla
- Bezeichnung der Bewohner: Anguillans (Anguillaner)
- adjektivisch: anguillan (anguillanisch)
Kürzel:
- Landescode: AI / AIA
- Deutsch: AGA
- Alternativ: ANG
- Sport: AIA
- Kfz: AXA
- FIPS-Code: AV
- ISO-Code: AI, AIA, 660
- Internet: .ai
Lage
Die Insel Anguilla liegt am Rand der Karibik auf durchschnittlich 18°13‘ n.B. und 63°03‘ w.L.. Das karibische Eiland befindet sich damit auf der gleichen geografischen Breite wie die mauretanische Hauptstadt Nuakschott, der Südrand des Tibesti-Gebirges im Tschad, Tokar nahe der Rotmeerküste im Sudan, die Inselgruppe Harrat Habhab ash Shaykh vor Saudi-Arabien, Zufar im Süden des Oman, Puna und Vizianagaram in Indien, Sandoway in Birma, Lampam nahe Chiang Mai im Norden Thailands, Luang Prabang in Laos, Ha Tinh im Zentrum Vietnams, der Norden der philippinischen Insel Luzon, die nördliche Marianen-Insel Agrihan, der Süden der Hauptinsel von Hawaii, Coatzacoalcos an der Bahia de Campeche in Mexiko, der Norden des Staates Belize, Albany auf Jamaika, Les Cayes im Süden von Haiti, Barahona in der Dominikanischen Republik und Mayagüez auf Puerto Rico. Die Entfernungen betragen intern von Scrub Island nach Sombrero Island sowie von Anguillita Island nach Sombrero Island jeweils 62 km, von Dog Island nach Sombrero Island 40 km und von Dog Island nach Scrub Island 36 km.

Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 18°16'22" n.B. (Windward Point) bzw. 18°35‘57“ n.B. (Sombrero Island)
- südlichster Punkt: 18°09'36" n.B. (Lower West) bzw. 18°09‘18“ n.B. (Blowing Rock)
- östlichster Punkt: 62°57'57" ö.L. (Windward Point) bzw. 62°55‘35“ w.L. (Graftens Point)
- westlichster Punkt: 63°10'22" ö.L. (Lower West End Point) bzw. 63°25‘57“ w.L. (Sombrero Island)
Entfernungen:
- Saint Martin 7,1 km
- Saint Berthelemy 27 km
- Saba 53 km
- Sint Eustatius 73 km
- Saint Kitts (Dieppe Bay Town) 81 km
- Anegada / Jungfern-Inseln 82 km
- Barbuda (Goat Point) 118 km
- Antigua (Five Islands) 169 km
- Montserrat (North West Bluff) 186 km
- Isla Culebrata / Puerto Rico 190 km
- Guadelupe (Pointe de la Grande Vigie) 237 km
- Dominikanische Republik (Cabo Engaño) 500 km
- Venezuela (Carúpano) 825 km
Zeitzone
Auf Anguilla gilt die Atlantic Standard Time (Atlantische Standard-Zeit), abgekürzt AST (ASZ), 5 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC-4). Es gibt keine sommerzeitliche Umstellung. Die Realzeit liegt um 4 Stunden und 12 bis 13 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).
Fläche
Die Kolonie Anguilla hat eine offizielle Fläche von 96 km² bzw. 37 mi², mit Atoll 102 km² bzw. 39,4 mi². Davon entfallen 91 km² bzw. 35,1 mi² auf die Hauptinsel. Die Länge von Nordwesten nach Südosten, vom Forest Point zum Sombrero Island beträgt 65 km, die Breite von Nordosten nach Südwesten, vom Scrub Island zum Anguillita Island ist 30 km. Die Maße der Hauptinsel sind 25,1 mal 5,3 km. Die Küste hat eine Länge von 61 km. Der maximale Tidenhub, sprich Unterschied zwischen Ebbe und Flut, liegt bei 0,4 bis 0,8 m, in Road Bay bei 0,56 m. Höchster Punkt ist der Crocus Hill mit 65 m (192 feet) im Zentrum der Insel. Mehr als die Hälfte der Landfläche besteht aus Wiesen und Sträuchern. Die mittlere Seehöhe liegt bei rund 20 m.
Flächenaufteilung um 2000:
- Wiesen und Sträucher 59,0 km² (61,5 %)
- Waldland 19,0 km² (19,8 %)
- Agrarland 12,5 km² (13,0 %)
- Ödland 3,0 km² (3,1 %)
- Verbautes Gelände 2,5 km² (2,6 %)
Geologie
Anguilla gehört geologisch zur Inselbogenregion der Kleinen Antillen. Der geologische Aufbau der Insel unterscheidet sich damit von demjenigen einer ausschließlich aus jungen Korallenablagerungen entstandenen Koralleninsel. Unter der heute fast vollständig von Kalkstein bedeckten Oberfläche liegen ältere vulkanische und vulkanoklastische Gesteine. Diese bilden den geologischen Unterbau, während die darüber liegenden Kalksteine vor allem aus marinen und riffbildenden Ablagerungen des Tertiärs hervorgegangen sind. Geologische Übersichten ordnen die Gesteine Anguillas dem vulkanischen Inselbogen der Kleinen Antillen zu und unterscheiden einen älteren vulkanischen Untergrund von den darüber lagernden Kalksteinen des Oligozäns, Miozäns und Pliozäns.
Das auffälligste Gestein der heutigen Inseloberfläche ist Kalkstein. Die Anguilla-Formation besteht aus korallenführenden Kalksteinen und kalkhaltigen Mergeln und ist besonders gut an den Küstenklippen bei Crocus Bay aufgeschlossen. Historische geologische Untersuchungen beschrieben den Oberflächenkalk als überwiegend oberoligozänen Kalkstein; spätere Untersuchungen ordnen die Kalksteinabfolge differenzierter und beziehen auch miozäne und pliozäne Riffbildungen ein. Die Kalksteine enthalten zahlreiche Fossilien mariner Organismen, insbesondere Korallen und andere Riffbewohner.
Der vulkanische Untergrund tritt nur an wenigen Stellen unmittelbar an die Oberfläche. Besonders deutlich ist er im Bereich von Road Bay beziehungsweise Sandy Ground aufgeschlossen. Dort steht ein dunkles, schwarzbraunes bis violettes Gestein an, das von hellen Kalzitadern durchzogen wird. Die historische geologische Beschreibung lokalisiert den Aufschluss unmittelbar nördlich von Road Village und gibt für den sichtbaren Fels eine Höhe von etwa sechs bis acht Metern über dem Meeresspiegel an. Über diesem dunklen Grundgestein liegen die hellen kalkigen Schichten, die den größten Teil der Inseloberfläche bilden.
Auch bei Crocus Bay lässt sich der Übergang zwischen älteren vulkanischen beziehungsweise vulkanoklastischen Ablagerungen und den darüberliegenden Kalksteinen untersuchen. Dort besteht die Basis der Kalksteinfolge aus Tonen, Grits, vulkanischen Brekzien und weiteren grobkörnigen Ablagerungen. Historische Untersuchungen fanden an der westlichen Seite der Bucht blaue, weiße, rote und gelbe Tone. Besonders die blauen Tone stehen mit Vorkommen von Lignit und fossilem Harz in Verbindung. Geologische Aufschlüsse bei Crocus Bay zeigen damit eine wesentlich kompliziertere Abfolge als die vereinfachte Vorstellung eines einheitlichen Kalksteinmantels.
Die Kalksteindecke entstand in einer Zeit, in der große Teile des heutigen Anguilla-Gebietes von einem flachen tropischen Meer bedeckt waren. In diesem Meer entwickelten sich Korallenriffe und andere karbonatreiche Lebensgemeinschaften. Aus ihren Skeletten und den Kalkschalen zahlreicher Meeresorganismen bildeten sich mächtige Kalksedimente. Die spätere Hebung und tektonische Veränderung des Gebietes führte dazu, dass diese ursprünglich untermeerischen Ablagerungen heute die Landoberfläche Anguillas bilden. Die Riffkalksteine sind deshalb zugleich ein Archiv der früheren tropischen Meeresumwelt.
Die geologische Entwicklung setzte sich nach der Ablagerung der Kalksteine fort. Die Insel wurde wiederholt von Meeresspiegelschwankungen und tektonischen Bewegungen beeinflusst. Während des Pliozäns und Pleistozäns bildete die heute unter dem Meer liegende Anguilla Bank eine ausgedehnte flache Land- beziehungsweise Schelfregion. Geologische Rekonstruktionen gehen davon aus, dass diese Bank zeitweise eine Verbindung zwischen Anguilla, Saint Martin und Saint-Barthélemy beziehungsweise den dazwischenliegenden Landmassen ermöglichte. Die heutigen Inseln sind daher Überreste eines wesentlich größeren zusammenhängenden geologischen Schelfgebietes.
Die geringe Höhe Anguillas und die flache Gestalt der Insel sind ebenfalls eng mit ihrem geologischen Aufbau verbunden. Die Kalksteinschichten wurden nicht zu einem hohen Gebirge aufgefaltet, sondern bilden eine schwach geneigte, relativ niedrig liegende Oberfläche. Durch Verwitterung, Lösung des Kalksteins und Erosion entstanden flache Senken, Mulden, Klippen und kleinere Täler. Die Küstenklippen im Norden sowie die zahlreichen flachen Buchten und Sandstrände sind das Ergebnis dieser geologischen Grundlage und der anschließenden Küstenformung durch Brandung und Meeresspiegelveränderungen.
Der größte Teil der Oberfläche besitzt nur eine dünne Bodenauflage. An vielen Stellen liegt der Kalkstein unmittelbar unter einer sehr flachen Verwitterungsdecke oder tritt direkt an die Oberfläche. Dadurch entstehen die für Anguilla typischen hellen, zerklüfteten Kalksteinflächen. Landwirtschaftlich günstigere Böden konzentrieren sich auf Senken, Mulden und andere Stellen, an denen sich feinere Verwitterungsprodukte und organisches Material ansammeln konnten.
Auffällig sind die rötlichen Böden, die in solchen Senken auftreten. Ihre Farbe entsteht durch die Anreicherung unlöslicher mineralischer Bestandteile während der chemischen Verwitterung des Kalksteins. Der Kalk selbst wird durch Niederschlagswasser teilweise gelöst und abgeführt; zurück bleiben die weniger löslichen Bestandteile des Ausgangsgesteins. Die roten Böden sind deshalb keine gewöhnlichen Tonböden, auch wenn ihre Farbe und teilweise ihre Konsistenz daran erinnern. An geeigneten Standorten können sie eine deutlich höhere landwirtschaftliche Produktivität besitzen als die flachgründigen Böden der umliegenden Kalksteinflächen.
Die Durchlässigkeit des Kalksteins hat außerdem große Bedeutung für die Wasserwirtschaft. Niederschlagswasser kann in Klüfte, Spalten und Poren des Gesteins eindringen und zur Grundwasserneubildung beitragen. Gleichzeitig ist der Grundwasserkörper wegen der geringen Inselgröße, der begrenzten Niederschläge und der Nähe zum Meer empfindlich gegenüber Übernutzung und Versalzung. Die Geologie ist deshalb unmittelbar mit der Verfügbarkeit von Süßwasser verbunden.
An den Küsten wird die Kalksteinoberfläche durch Brandung, Lösung und mechanische Erosion weiter verändert. Klippen entstehen dort, wo die Brandung den Fels unmittelbar angreift. An geschützten Küstenabschnitten lagern sich dagegen Sand, Muschelkalk und Korallenschutt ab und bilden Strände. Die zahlreichen Sandbuchten Anguillas sind somit nicht allein touristische Landschaftselemente, sondern Produkte der Wechselwirkung zwischen Kalksteingeologie, Korallenriffen, Küstenströmungen und Meeresspiegelschwankungen.
Eine besondere geologische und ökologische Bedeutung besitzt das Korallenriffsystem der Insel. Die Riffbildungen stehen in engem Zusammenhang mit der Entstehung der Kalksteine. Lebende Korallenriffe und ältere fossile Riffkörper bilden gemeinsam einen wichtigen Bestandteil der marinen Landschaft um Anguilla. Das Riffsystem beeinflusst die Form der Küste, schützt zahlreiche Buchten vor der direkten Brandung und liefert durch die Zersetzung von Korallen- und Muschelmaterial einen Teil des Materials, aus dem die heutigen Strände bestehen.
Bei Crocus Bay sind außerdem kohlenstoffhaltige Ablagerungen bekannt. In den dortigen blauen Tonen wurden Lignit beziehungsweise Braunkohle und fossiles Harz gefunden. Historische Untersuchungen dokumentieren sowohl Lignitstücke als auch harzartige, bernsteinähnliche Substanzen. Die Vorkommen sind geologisch interessant, besitzen jedoch keine Bedeutung als wirtschaftlich nutzbare Kohlelagerstätte.
Die ältere Darstellung, nach der diese Ablagerungen unmittelbar als Spuren eines karbonzeitlichen Sumpfwaldes vor etwa 300 bis 400 Millionen Jahren zu verstehen seien, entspricht nicht dem gesicherten geologischen Gesamtbild Anguillas. Ebenso lässt sich die heutige Insel nicht einfach als seit dem Devon bestehender Teil eines festen Pangaea-Kontinents darstellen. Pangaea entstand erst wesentlich später als das Devon und vereinte bereits vorhandene Kontinentalblöcke. Die für Anguilla maßgebliche geologische Geschichte wird stattdessen durch die Entwicklung des karibischen Plattenraums, vulkanische und vulkanoklastische Prozesse sowie die spätere Bildung und Hebung der tertiären Kalkstein- und Riffablagerungen bestimmt.
Landschaft
Die Insel erreicht nur geringe Höhen und besitzt deshalb überwiegend weite, offene Landschaftsräume. Die Oberfläche fällt im Allgemeinen nach Süden beziehungsweise Südwesten ab und geht an vielen Stellen allmählich in die flachen Küstenbereiche über. Im Norden und Nordosten treten dagegen häufiger felsige Küstenabschnitte und Klippen auf, die von Buchten und einzelnen Sandstränden unterbrochen werden.
Die Hauptinsel lässt sich landschaftlich in mehrere Bereiche gliedern. Der östliche Teil reicht in Richtung Scrub Island und wird von trockenen Buschlandschaften, flach gewellten Kalksteinflächen und Küstenabschnitten mit zahlreichen Buchten bestimmt. Im mittleren Bereich liegt The Valley, die Hauptstadt und das wichtigste Siedlungs- und Verwaltungszentrum. Die Landschaft um The Valley ist stärker durch Straßen, Wohngebiete, Gewerbe- und Dienstleistungsbauten geprägt als die dünner besiedelten Außenbereiche. Westlich und südwestlich schließen sich wiederum flache, teilweise offene Landschaften und die Küstenbuchten des West Ends an. Die kleinere Insel Anguillita liegt vor der Südwestspitze der Hauptinsel.
Charakteristisch für das Landschaftsbild sind die zahlreichen flachen Senken und abflusslosen Becken. In ihnen liegen Salz- und Feuchtgebiete, darunter mehrere größere Salzteiche. Zu den bekannten Gewässern dieser Art gehören der Rendezvous Salt Pond, der Cauls Pond, der Badcox Pond und der Grey Pond. Sie führen nicht dauerhaft Süßwasser, sondern sind von Niederschlag, Verdunstung und teilweise vom Meer beeinflusst. Die Salzteiche sind zugleich bedeutende Lebensräume für Vögel und andere an Feucht- und Küstenstandorte angepasste Tierarten.
Die Nordküste weist gegenüber der flacheren Südküste häufiger felsige Abschnitte und Klippen auf. Dazwischen liegen Buchten wie Crocus Bay, Little Bay, Shoal Bay und die Küstenbereiche bei Island Harbour. Crocus Bay liegt nördlich von The Valley und wird durch felsige Küstenabschnitte begrenzt. Little Bay ist eine kleinere, von Felsen und einem vorgelagerten Riff geschützte Bucht. Die Küstenformen entstehen aus dem Zusammenspiel von Kalkstein, Brandung, Korallenmaterial und Sedimentablagerungen.
Eine der markantesten Landschaften im Osten ist Shoal Bay East. Der Küstenraum besteht aus einem langen Sandstrand, flachen Küstengewässern und den angrenzenden trockenen Buschlandschaften. In der Umgebung befinden sich außerdem der archäologisch bedeutende Bereich von Fountain Cavern sowie weitere Kalkstein- und Küstenformationen. Die Ostküste reicht weiter über Island Harbour und Windward Point bis zu den äußeren Küstenabschnitten der Insel. Island Harbour ist durch seine geschützte Bucht und seine Verbindung zur traditionellen Fischerei und zum Bootsbau geprägt.
Die Südküste besitzt eine größere Zahl weit geschwungener Sandbuchten. Von Osten nach Westen folgen unter anderem Savannah Bay, Forest Bay, Little Harbour, Rendezvous Bay, Long Bay, Cove Bay, Maundays Bay, Barnes Bay, Meads Bay und die Buchten des West Ends. Zwischen den Stränden und dem offenen Inselinneren liegen vielfach Salzpfannen, Buschland und niedrig gelegene Siedlungsflächen. Mehrere dieser Küstenabschnitte sind nach dem Beach Protection Act als geschützte Strände ausgewiesen. Dazu gehören unter anderem Rendezvous Bay, Maundays Bay, Meads Bay, Cove Bay, Little Harbour, Shoal Bay East und Shoal Bay West.
Rendezvous Bay gehört zu den größeren Landschaftsräumen an der Südküste. Die Bucht besitzt einen nach Südwesten ausgerichteten Sandstrand und wird landseitig durch einen Salzsee beziehungsweise eine Salzpfanne begrenzt. Die Küstenform wird an beiden Seiten durch vorspringende Landbereiche geschützt. Wegen der geringen Höhenlage gehören die angrenzenden Flächen zugleich zu den Bereichen, die gegenüber Sturmfluten, starkem Seegang und langfristigem Meeresspiegelanstieg empfindlich sind.
Westlich von Rendezvous Bay liegen Long Bay und Cove Bay, anschließend Maundays Bay und Barnes Bay. Maundays Bay ist eine kleinere, geschützte Bucht mit Sandstrand. Der Landschaftsraum des West Ends wird stärker von touristischer Bebauung, Villen und Hotelanlagen geprägt als die östlichen und nordöstlichen Teile der Insel. Trotzdem bestehen zwischen den bebauten Bereichen weiterhin trockene Buschvegetation, Küstengehölze und offene Flächen.
Meads Bay bildet einen der wichtigsten Küstenräume im Westen. Der lange Sandstrand wird von flachen Küstengewässern und einer überwiegend niedrig gelegenen Landfläche begleitet. Dahinter liegen touristische Anlagen, Wohngebiete und Verkehrswege. Weiter westlich schließt Shoal Bay West an, eine ausgedehnte Bucht mit Sandstrand, flachen Küstengewässern und angrenzenden bebauten sowie unbebauten Flächen. Die westlichen Küstenlandschaften sind damit stärker durch die moderne touristische Nutzung überprägt als die Landschaften der abgelegeneren Ostküste.
Im Südwesten liegt Blowing Point mit seinem Fährhafen. Die Küste ist hier stärker durch Hafenanlagen, Anlegestellen, Straßen und Siedlungsflächen geprägt. Von Blowing Point bestehen regelmäßige Verbindungen nach Saint-Martin beziehungsweise Sint Maarten. Die südliche Küstenlandschaft besitzt dadurch neben ihrer natürlichen Funktion auch eine wichtige verkehrsgeographische Bedeutung.
Die vorgelagerten Inseln und Inselchen bilden eigene Landschaftsräume. Scrub Island liegt vor der Nordostseite Anguillas und besitzt eine trockene, weitgehend offene Vegetation. Anguillita liegt vor der Südwestspitze der Hauptinsel. Weitere kleinere Inseln und Cays befinden sich vor allem im Westen und Norden, darunter Sandy Island, Seal Island und die Prickly Pear Cays. Diese Inseln sind teilweise unbewohnt und besitzen gegenüber der Hauptinsel einen höheren Anteil natürlicher Küsten- und Buschvegetation. Die amtlichen Karten Anguillas führen diese Inseln und die dazwischenliegenden Buchten und Riffbereiche als eigenständige Bestandteile des Inselraumes.
Eine Besonderheit der Landschaft sind die Übergänge zwischen Land, Salzgewässern, Sandstränden, Felsklippen und Korallenriffen. An einigen Stellen schützen vorgelagerte Riffe die Küste vor der direkten Brandungsenergie. Little Harbour besitzt beispielsweise einen natürlichen, durch Fels- und Riffstrukturen geschützten Innenbereich. Auch andere Buchten weisen vorgelagerte Riff- und Felsstrukturen auf, die die Form der Küste beeinflussen.
Das Landschaftsbild wird außerdem durch die trockene Vegetation bestimmt. Anstelle dichter tropischer Wälder überwiegen niedrige Sträucher, Trockenbusch, Gräser und einzelne trockenheitsverträgliche Bäume. Mangroven treten an geeigneten flachen und geschützten Küstenstandorten auf. Dadurch entsteht ein deutlicher Gegensatz zwischen den offenen, trockenen Landschaften des Inselinneren und den feuchteren beziehungsweise salzbeeinflussten Küsten- und Salzseegebieten.
Die heutige Landschaft ist zugleich das Ergebnis einer langen menschlichen Nutzung. Landwirtschaft, Viehhaltung, Salzgewinnung, Fischerei, Siedlungsentwicklung, Straßenbau und seit dem späten 20. Jahrhundert vor allem der Ausbau des Tourismus haben die ursprünglichen Landschaftsräume verändert. Besonders im Bereich von The Valley, West End, Meads Bay, Rendezvous Bay und Blowing Point ist die Bebauungsdichte höher als in den östlichen und nordöstlichen Teilen der Insel.

Erhebungen
- Crocus Hill 73 m (192 ft)
- Fountain Hill 55 m (179 ft)
- Isaac’s Cliff 50 m (165 ft)
- South Hill 49 m (161 ft)
- Junks Hole 46 m (150 ft)
- Rey Hill 42 m (138 ft)
Seen
- Cove Pond 0,4 km²
- Road Salt Pond 0,35 km²
- Cauls Pond 0,26 km²
- Little Bay Pond 0,2 km²
- Meads Bay Pond 0,2 km²
- Long Salt Pond 0,19 km²
- Rendezvous Salt Pond 0,18 km²
- West End Salt Pond 0,15 km²
- Badcocks Pond 0,1 km²
Bach
- Crocus River 2,5 km
Inseln
- Anguilla 91,0 km²
- Scrub Island 3,70 km²
- Dog Island 2,07 km²
- Prickly Pear Cays 0,40 km²
- Sombrero Island 0,36 km²
Flora und Fauna
Die Insel und ihre umliegenden unbewohnten Kalksteininseln bieten Lebensraum für eine Reihe von einzigartigen und bedrohten Arten. Es gibt hier keine natürlichen Seen oder Flüsse, aber die Salzpfannen sind wichtige Lebensräume für eine Vielzahl von Organismen.
Flora
Die natürliche Vegetation besteht überwiegend aus trockenen Busch- und Strauchgesellschaften, Trockenwaldresten, Grasland und Küstenvegetation. Dichter, geschlossener Wald ist auf der flachen und niederschlagsarmen Insel nur kleinflächig ausgebildet. Besonders die trockenen Böden, die begrenzte Wasserversorgung und die wiederkehrenden Dürren bestimmen die Zusammensetzung der Vegetation.
In weiten Teilen Anguillas wachsen niedrige Sträucher, Dornbüsche und trockenheitsresistente Bäume. Zu den charakteristischen Pflanzen gehören unter anderem verschiedene Arten der Gattungen Acacia, Prosopis, Coccoloba und Capparis. Hinzu kommen Gräser, Kräuter und sukkulente Pflanzen, die auch längere Trockenperioden überstehen. Die Vegetation besitzt dadurch vielfach einen offenen Charakter. Zwischen einzelnen Bäumen und Sträuchern liegen freie Flächen mit Gräsern und niedriger Bodenvegetation.
Eine besondere Rolle spielt die ursprüngliche Trockenwald- und Buschvegetation. Zu den einheimischen Gehölzen gehören unter anderem lignum vitae beziehungsweise Guajakbaum (Guaiacum officinale), verschiedene Akazienarten, Pigeonwood (Coccoloba diversifolia), Gumbo-limbo (Bursera simaruba), Sea grape (Coccoloba uvifera) und verschiedene Palmen. Guaiacum officinale ist wegen seines sehr harten Holzes historisch wirtschaftlich genutzt worden und gehört heute zu den schutzbedürftigen Pflanzenarten der Karibik.
An den Küsten verändert sich die Vegetation entsprechend den besonderen Bedingungen aus Salz, Wind, Sand und periodischer Überflutung. Auf den Stränden wachsen unter anderem Strandgräser und andere salz- und trockenheitsverträgliche Pflanzen. Typische Küstengehölze sind Sea grape (Coccoloba uvifera) und verschiedene Strandsträucher. Kokospalmen (Cocos nucifera) kommen ebenfalls vor, sind jedoch keine ursprüngliche Wildvegetation Anguillas, sondern wurden durch den Menschen in der Karibik verbreitet und angepflanzt.
In geschützten Küstenabschnitten und flachen Buchten treten Mangroven auf. Sie bilden einen eigenen Vegetationstyp und sind ökologisch besonders bedeutend, weil ihre Wurzelsysteme Sedimente festhalten, Küsten vor Erosion schützen und Lebensräume für Fische, Krebstiere, Vögel und andere Tiere schaffen. Zu den für die Karibik typischen Mangroven gehören Rote Mangrove (Rhizophora mangle), Schwarze Mangrove (Avicennia germinans), Weiße Mangrove (Laguncularia racemosa) und Buttonwood beziehungsweise Knopfmangrove (Conocarpus erectus). Mangrovenbestände sind auf Anguilla zwar flächenmäßig begrenzt, besitzen aber eine wesentlich größere ökologische Bedeutung als ihre geringe Ausdehnung vermuten lässt.
Eine charakteristische Pflanze der trockenen Küstenbereiche ist der Manchinelbaum (Hippomane mancinella). Er gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse und besitzt einen stark giftigen Milchsaft. Auch die Früchte sind giftig. Manchinelbäume wachsen insbesondere an trockenen Küstenstandorten und sind Bestandteil der natürlichen karibischen Küstenvegetation. Ihr Vorkommen steht daher nicht in erster Linie mit Hotelanlagen in Zusammenhang, sondern mit den natürlichen Standortbedingungen der Küsten.
Die Vegetation wird seit Jahrhunderten durch menschliche Nutzung verändert. Landwirtschaft, Holznutzung, Siedlungsentwicklung, Straßenbau und die Anlage touristischer Einrichtungen haben natürliche Vegetationsflächen verkleinert und fragmentiert. Besonders stark wirkt sich außerdem die Haltung von Ziegen aus. Freilaufende und verwilderte Ziegen fressen zahlreiche junge Triebe und Gehölze und können dadurch die natürliche Verjüngung der Vegetation behindern. Auf stark beweideten Flächen bleibt häufig eine niedrige, offene Buschvegetation zurück.
Neben der Beweidung stellen eingeschleppte Pflanzenarten ein weiteres Problem dar. Einige nichtheimische Arten breiten sich auf gestörten Flächen besonders schnell aus und verändern dadurch die Zusammensetzung der ursprünglichen Pflanzengesellschaften. Die Ausbreitung invasiver Arten wird deshalb bei Naturschutz- und Landschaftspflegeprojekten berücksichtigt. Gleichzeitig sind viele einheimische Pflanzenarten an Störungen, Trockenheit und hohe Temperaturen angepasst und können sich auf geeigneten Flächen regenerieren.
Die Pflanzenwelt Anguillas umfasst sowohl einheimische karibische Arten als auch zahlreiche durch Menschen eingeführte Pflanzen. Eine genaue Gesamtzahl hängt davon ab, ob verwilderte Kulturpflanzen, Zierpflanzen und gelegentlich auftretende nicht etablierte Arten in die Artenlisten einbezogen werden. Ältere Angaben nennen rund 320 Gefäßpflanzenarten, von denen ein erheblicher Teil nicht ursprünglich auf Anguilla vorkommt. Eine solche Zahl sollte deshalb als floristische Bestandsaufnahme und nicht als Zahl ausschließlich wild vorkommender einheimischer Arten verstanden werden.
Von besonderem botanischem Interesse ist Rondeletia anguillensis aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae). Die Art beziehungsweise ihre taxonomische Abgrenzung wurde im Zusammenhang mit der Flora Anguillas wiederholt untersucht und macht deutlich, dass die Insel auch eigenständige beziehungsweise regional besonders charakteristische Pflanzenelemente besitzt. Eine pauschale Einstufung als ausschließlich auf Anguilla endemische Art sollte jedoch vermieden werden, wenn die jeweilige taxonomische Abgrenzung und das Gesamtverbreitungsgebiet nicht berücksichtigt werden.
Zu den botanisch bedeutsamen Landschaftsräumen gehören die trockenen Buschgebiete im Inselinneren, die Küstenvegetation, Mangrovenbestände, Feuchtgebiete und die Vegetation der kleineren vorgelagerten Inseln und Felsen. Gerade die kleinen Feuchtgebiete und Mangroven sind für die biologische Vielfalt wichtig, weil sie Pflanzenarten beherbergen, die an periodisch feuchte oder salzhaltige Standorte angepasst sind.
Fauna
Abseits der auf Anguilla allgegenwärtigen Ziegen - jedes Kind bekommt gleichsam als schulische Erziehungsmaßnahme eine zur Betreuung - finden sich auf der Insel zum Teil seltene Tierarten. Die auf Anguilla lebenden Wasserschildkröten und Leguane sind in ihrem Bestand gefährdet und wurden unter Artenschutz gestellt. Im Grasland tummeln sich mehr als 12.000 Ziegen, die zumeist wild leben.
Anguilla ist der Lebensraum des kubanischen Laubfroschs (Osteopilus septentrionalis). Die Rotfußschildkröte (Chelonoidis carbonaria) ist eine hier vorkommende Schildkrötenart, die ursprünglich aus Südamerika stammt. Durch Hurrikane Mitte der 1990er Jahre wurden Grüne Leguane (Iguana iguana) über das Wasser nach Anguilla verschleppt. Alle drei Tiere sind eingeführt worden.
Fünf Arten von Fledermäusen aus Anguilla sind in der Literatur bekannt: Die Inselblattfledermaus (Monophyllus plethodon), die Westindische Flughundfledermaus (Brachyphylla cavernarum), die Jamaikanische Flughundfledermaus (Artibeus jamaicensis), das Mexikanische Trichterohr (Natalus stramineus) und die Samtschwanzfledermaus (Molossus molossus).
Die Avifauna Anguillas umfasste laut Bird Checklists of the World vom Juli 2022 insgesamt 181 Arten. Davon sind vier vom Menschen eingeführt worden und 100 sind selten oder zufällig. Eine Art auf dieser Liste ist ausgerottet worden.
Zu den Anatidae gehören Enten und die meisten entenähnlichen Wasservögel, wie Gänse und Schwäne. Diese Vögel sind mit Schwimmfüßen, abgeflachten Schnäbeln und Federn, die dank ihrer öligen Beschichtung hervorragend Wasser abweisen können, an ein Leben im Wasser angepasst.
Westindische Pfeifgans, Dendrocygna arborea;66 Pfeifgans, Dendrocygna bicolor; Graugans, Anser caerulescens ; Moorente, Aix sponsa; Blauflügelente, Spatula discors; Marmelente, Spatula cyanoptera; Löffelente, Spatula clypeata; Pfeifente, Mareca penelope; Pfeifente, Mareca americana Spießente, Anas bahamensis; Spießente, Anas acuta; Marmelente, Anas crecca: Langhalsente, Aythya collaris; Zwergente, Aythya affinis; Spießente, Clangula hyemalis ; Rötelfalke, Lophodytes cucullatus; Rotfederente, Oxyura jamaicensis.
Flamingos sind gesellige, 0,9 bis 1,5 m große Watvögel, die sowohl in der westlichen als auch in der östlichen Hemisphäre vorkommen. Sie ernähren sich von Mollusken und Algen. Ihre merkwürdigen Schnäbel sind speziell angepasst, um Schlamm und Schleim von der Nahrung zu trennen, und sie benutzen sie auf dem Kopf stehend, was einzigartig ist. Der Amerikanische Flamingo, Phoenicopterus ruber, ist auf Anguilla zu finden.
Haubentaucher sind kleine bis mittelgroße Süßwasser-Tauchvögel mit Lappenzehen und sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher; ihre Füße sind jedoch weit hinten am Körper angebracht, was sie an Land eher unbeholfen macht. Der Haubentaucher, Podilymbus podiceps, ist in dem Gebiet zu finden.
Tauben und Turteltauben sind robuste Vögel mit kurzen Hälsen und kurzen, schlanken Schnäbeln mit fleischigem Wachs. Auf Anguilla kann man Arten wie die Felsentaube (Columba livia), die Schuppentaube (Patagioenas squamosa), die Weißscheiteltaube (Patagioenas leucocephala), die Turteltaube (Streptopelia decaocto), die Turteltaube (Columbina passerina), die Weißflügeltaube (Zenaida asiatica) und die Zenaida-Taube (Zenaida aurita) beobachten. Bis heute wurden auf Anguilla 136 Vogelarten gezählt, von denen 38 brüten und 101 nicht brüten.
Nur eine Art, die Weißscheiteltaube, ist von BirdLife International (2004) als weltweit bedroht eingestuft. Sie war früher auf Anguilla weit verbreitet, wurde aber seit über zehn Jahren nicht mehr gesichtet. Obwohl sie erst kürzlich gesichtet wurde, gilt sie als ausgestorben und wird nicht als wichtiges Vogelschutzgebiet (Important Bird Area, IBA) eingestuft. Es gibt noch zwei weitere Arten, die weltweit von Bedeutung für die Erhaltung sind, auch wenn das Vorkommen noch nicht bestätigt werden konnte. Der gefährdete Kentish Plover ist ein seltener Wintergast. Das vom Aussterben bedrohte Karibische Blässhuhn brütet vermutlich in den Teichen des Festlands.
Anguilla gehört zum Endemischen Vogelgebiet 030 der Kleinen Antillen. Die Insel teilt sich vier Arten, deren Verbreitung auf andere Inseln der Antillen beschränkt ist. Dabei handelt es sich um den Grünkehlkolibri, den Antillen-Schopfkolibri, den Perlaugenkratzer und den Kleinen Antillengimpel. Der Antillen-Schopfkolibri wurde in den letzten Jahren nur noch sehr selten gesichtet, da er durch den Hurrikan Luis im Jahr 1995 praktisch ausgerottet wurde.
Mindestens 15 Seevogelarten brüten heute auf Anguilla, und zwei weitere Arten, der Audubon-Sturmtaucher und der Schwarze Sturmtaucher, wurden zu Brutvogelarten in diesem Gebiet erklärt. Bei Erhebungen auf Anguilla und den vorgelagerten Inseln in den Jahren 1999/2000 wurden über 10.000 Brutpaare von Möwen und Seeschwalben sowie über 2.000 Brutpaare von Tölpeln, Tropenvögeln und Prachtfregattvögeln festgestellt. Obwohl Anguilla eine der kleinsten Inselgruppen der Antillen ist, beherbergt sie bis zu 10 % der westindischen Populationen von Antillen-Maskentölpeln und Flankenseeschwalben und 30 % der Brauntölpel.
Die Seevögel Anguillas brüten hauptsächlich auf sieben kleinen unbewohnten Inseln. Alle sind vom Festland aus leicht zu erreichen, mit Ausnahme der abgelegenen Felseninsel Sombrero Island. Das Festland beherbergt heute kleine Populationen von Weißschwanz- und Rotschnabeldreikoptern, die in Löchern in niedrigen Klippen nisten, sowie mehrere Kolonien von Flussseeschwalben, die in den Lagunen und Teichen an der Küste brüten.
Das Lagunennetz von Anguilla ist ein wichtiges Überwinterungs- und Durchzugsgebiet für nearktische Watvögel wie Regenpfeifer, Flussuferläufer und Strandläufer.
Fledermausarten gibt es insgesamt fünf auf Anguilla: Monophyllus plethodon, Brachyphylla cavernarum, Artibeus jamaicensis, Natalus stramineus und Molossus molossus.
Tier- und Pflanzenarten (in Klammern endemisch)
Flora:
- Gefäßpflanzen 321 (1)
Fauna:
- Vögel 181
- Säugetiere 12
- Reptilien 2
Naturschutz
Anguilla ist von einzigartigen Korallenriffen umgeben, auf denen neben einer Vielzahl farbenprächtiger Fische mitunter auch Meeresschildkröten anzutreffen sind. Die prächtigen Unterwassergärten in den anguillanischen Gewässern stehen allesamt unter striktem Naturschutz; nichts darf entfernt werden. Die geschützte Landfläche umfasst insgesamt 8,3 km², das sind 9,1 % des Inselareals.
- East End Pond Conservation Area (5,26 ha): Ein wichtiges Feuchtgebiet, das als Schutzgebiet ausgewiesen wurde
- Fountain Cavern National Park (4,75 ha): Eine bedeutende archäologische Stätte und Höhle, die 1985 zum Nationalpark erklärt wurde
- Big Spring Heritage Site: Ein geschützter Bereich mit präkolumbianischen Petroglyphen
- Marine Parks (insgesamt 58,5 km² Meeresfläche): Anguilla hat ein Netzwerk von sechs Meeresschutzgebieten, die 1993 eingerichtet wurden, um Korallenriffe und Seegrasökosysteme zu schützen. Diese umfassen:
- Dog Island
- Prickly Pear
- Little Bay
- Shoal Bay-Island Harbour
- Sandy Island
- Sombrero Island
Important Bird Areas (IBAs, insgesamt 7,3 km²): Anguilla hat 14 wichtige Vogelschutzgebiete, die etwa 8 % der Landfläche der Insel ausmachen. Diese Gebiete sind für den Schutz von 17 Schlüsselvogelarten, darunter fünf Arten mit begrenztem Verbreitungsgebiet, von internationaler Bedeutung
Der Anguilla National Trust, gegründet 1993, spielt eine wichtige Rolle beim Schutz dieser Gebiete und der Durchführung von Naturschutzprojekten auf der Insel.
Klima
Anguilla liegt am Nordrand der tropischen Zone und besitzt ein ganzjährig warmes, trocken geprägtes tropisches Klima. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation wird das Klima als tropisches Savannenklima mit ausgeprägter Trockenzeit (Aw) eingeordnet. Die geringe Reliefenergie der Insel beeinflusst das Klima wesentlich: Anguilla besitzt keine höheren Gebirgszüge, die Luftmassen zum Aufsteigen zwingen und dadurch großräumig Niederschläge erzeugen. Die Niederschlagsverteilung ist deshalb unregelmäßig und von einzelnen Starkregenereignissen, tropischen Störungen und Hurrikanen geprägt.
Die Temperaturen weisen im Jahresverlauf nur geringe Schwankungen auf. Die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen liegen ungefähr zwischen 27 °C im Dezember und 30 °C im Juli. Auch während der übrigen Monate bewegen sich die mittleren Höchsttemperaturen überwiegend um 28 bis 30 °C. Die langjährigen Mittelwerte zeigen entsprechend ein sehr gleichmäßiges thermisches Jahresprofil. Für The Valley wurde für den Zeitraum 1961 bis 1990 eine Jahresmitteltemperatur von 27,1 °C angegeben; für den Zeitraum 1980 bis 2016 wurden 27,2 °C ermittelt. Die Nordostpassate sorgen dabei regelmäßig für eine Luftbewegung und mildern insbesondere an der Küste die Wirkung der hohen Temperaturen.
Die Niederschlagsmenge liegt im langjährigen Mittel bei ungefähr 900 mm jährlich. Für The Valley wurden für den Zeitraum 1981 bis 2010 durchschnittlich 919 mm pro Jahr angegeben. Diese Menge verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig über das Jahr. Die höchsten Niederschläge fallen gewöhnlich im Spätsommer und Herbst, wobei September und Oktober zu den feuchtesten Monaten gehören. Februar und März sind dagegen im Mittel die trockensten Monate. Auch innerhalb einzelner Jahre bestehen erhebliche Unterschiede, weil ein großer Teil des Jahresniederschlags durch wenige kräftige Schauer, Gewitter, tropische Systeme oder Hurrikane fallen kann. Die amtliche Statistik Anguillas erfasst Niederschlag, Temperatur und weitere Klimaparameter am Clayton J. Lloyd International Airport monatlich; die verfügbare Klimareihe beginnt 1973 und reicht bis in die Gegenwart.
Die Trockenzeit ist für die natürlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Insel von großer Bedeutung. Anguilla verfügt über keine dauerhaft wasserführenden Flüsse und nur über begrenzte natürliche Süßwasservorkommen. Die unregelmäßigen Niederschläge führen deshalb regelmäßig zu längeren Perioden mit hoher Wasserknappheit. Landwirtschaft und natürliche Vegetation sind auf die saisonale Niederschlagsverteilung eingestellt. Für die menschliche Wasserversorgung besitzen Regenwasserspeicherung, Grundwasser und Meerwasserentsalzung entsprechend eine besondere Bedeutung.
Die Luftfeuchtigkeit ist trotz des trockenen Charakters des Klimas insbesondere in den wärmeren Monaten relativ hoch. Der Nordostpassat führt feuchte Meeresluft über die Insel. Dadurch entstehen auch außerhalb der eigentlichen Regenzeit einzelne Schauer. Die flache Landschaft verhindert jedoch die Ausbildung eines ausgeprägten Stauniederschlagsklimas. Zwischen den einzelnen Inselteilen können die Niederschlagsmengen dennoch erheblich variieren, insbesondere bei lokalen Schauern.
Von Juni bis November besteht eine erhöhte Gefahr durch tropische Wirbelstürme. Die Hauptphase der atlantischen Hurrikansaison liegt zwischen August und Oktober. Anguilla befindet sich im nördlichen Bereich der Kleinen Antillen und liegt damit innerhalb des regelmäßig von tropischen Stürmen und Hurrikanen betroffenen karibischen Raumes. Besonders schwere Ereignisse können Gebäude, Straßen, Stromversorgung, Wasserversorgung, Hafenanlagen und landwirtschaftliche Flächen beschädigen. Zu den einschneidendsten Ereignissen der jüngeren Geschichte gehört Hurrikan Irma im September 2017, der auf Anguilla schwere Schäden an der Infrastruktur und am Gebäudebestand verursachte.
Hurrikane und tropische Stürme bringen nicht nur extreme Windgeschwindigkeiten, sondern auch Starkregen, Sturmfluten und hohe Wellen. Wegen der geringen Höhe der Insel können Küstengebiete besonders durch Überflutung und Erosion betroffen sein. Die Auswirkungen beschränken sich deshalb nicht auf die unmittelbare Küstenzone. Schäden an Stromleitungen, Straßen, Dächern, Wasseranlagen und Kommunikationssystemen können die Versorgung der gesamten Insel beeinträchtigen.
Neben Hurrikanen sind Dürreperioden ein wesentlicher klimatischer Risikofaktor. Mehrjährige Niederschlagsdefizite wirken sich unmittelbar auf die Grundwasserneubildung, die Landwirtschaft und die Trinkwasserversorgung aus. Die Kombination aus hoher Verdunstung, geringen natürlichen Süßwasserreserven und unregelmäßigen Niederschlägen erklärt die für Anguilla typische Trockenheit trotz der tropischen Lage.
Die Passatwinde sind ein dauerhaftes Merkmal des Inselklimas. Sie wehen überwiegend aus östlichen bis nordöstlichen Richtungen und beeinflussen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Verdunstung und Seegang. Während der trockeneren Monate tragen sie zur regelmäßigen Durchlüftung der Insel bei. Gleichzeitig beeinflussen sie die Vegetation, die Küstenlandschaften und die Nutzung der Meeresgebiete.
Die schwersten Hurricane Seasons waren:
- 1950: Hurricane Janet zerstörte oder beschädigte 411 Häuser auf Anguilla.
- 1955: Hurricane Alice beschädigte 626 Häuser und einige Schiffe.
- 1960: Hurricane Donna verursachte Verwüstungen auf der gesamten Insel.
- 1979: Hurricane Frederick vernichtete Ernten und Haustiere.
- 1984: Hurricane Klaus versenkte mehrere Schiffe.
- 1995: Hurricane Luis richtete schwere Schäden an Gebäuden und der Natur an, gefolgt von den Regenfällen des Tropensturms Marilyn.
- 1998: Hurricane Georges führte zu flutartigen Regenfällen und Schäden in der Landwirtschaft.
- 1999: Hurricane Lenny verursachte schwere Überschwemmungen von 1,5 bis 6 Metern.
- 2017: Hurricane Irma, ein Kategorie-5-Hurrikan, traf Anguilla mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 320 km/h und verursachte erhebliche Zerstörungen.
Klimadaten für George Hill (35 m, 1961 bis 1990)
| Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr | |
| Mitteltemperatur (°C) | 24,2 | 24,2 | 24,6 | 25,0 | 25,5 | 26,2 | 26,5 | 26,8 | 26,8 | 26,4 | 25.8 | 24,8 | 25,6 |
| Niederschlag (mm) | 89 | 65 | 63 | 95 | 151 | 134 | 134 | 164 | 194 | 157 | 161 | 116 | 1523 |
| Niederschlagstage | 14,6 | 11,2 | 11,1 | 11,0 | 13,6 | 13,6 | 15,7 | 15,9 | 16,2 | 17,1 | 15,8 | 15,4 | 171,2 |
| Wassertemperatur (°C) für Stoney Ground | 26,2 | 25,8 | 25,9 | 26,9 | 27,3 | 28,2 | 28,5 | 29,1 | 29,3 | 28,9 | 28,4 | 27,3 | 27,7 |
Mythologie
Die Spiritualität der Arawak basierte auf der Sonne, dem Mond und zwei heiligen Höhlen, aus denen ihrer Überzeugung nach die gesamte Menschheit stammte. Diese beiden Höhlen, Big Springs in Island Harbour und The Fountain in Shoal Bay, existieren noch heute und sind wichtige archäologische Stätten. Besonders bemerkenswert ist die "Brunnenhöhle" (The Fountain), die als die wichtigste bis heute intakte Zeremonienstätte der östlichen Karibik aus viorkolonialer Zeit gilt. In ihr befinden sich insgesamt 33 Petroglyphen, dazu Schalen und ein Stalagmit, der als Sinnbild von Jocahu (Yucahu), der höchsten Gottheit der Arawak, geschnitzt wurde. Diese mythischen Ursprünge und heiligen Stätten der Arawak bilden einen wichtigen Teil des kulturellen und spirituellen Erbes der Insel Anguilla und tragen zur einzigartigen Identität der Insel bei.
Für die Arawak war die Erde der Körper einer großen Muttergöttin, und die Menschen selbst waren aus einer schützenden Höhle in das Licht der Sonne herausgetreten. Die Götter, die diese Welt lenkten, waren keine fernen Gestalten, sondern wohnten in Steinen, Felsen, Bäumen und heiligen Statuetten, den sogenannten Zemi. Besonders wichtig waren jene, die über Wasser, Fruchtbarkeit, Landwirtschaft und die verheerenden Stürme wachten, die regelmäßig über die Insel fegten. Die Vorstellung, dass Hurrikans von einem mächtigen Geist namens Juracán entfesselt werden, verlieh den Naturgewalten eine menschliche, manchmal sogar moralische Dimension. Gleichzeitig wurde das Meer als Reich von Wesen betrachtet, die Fischer schützten oder prüften, und Riffe galten als Wohnstätten von schimmernden Wassergeistern und geheimnisvollen Krabbenwesen, die das Schicksal Verstorbener mit sich trugen. Aus dieser frühen Zeit stammt auch die Legende eines leuchtenden Vogels, der in mondlosen Nächten über Anguilla schwebte und entweder Unglück ankündigte oder verlorenen Seelen den Weg wies.
Die später auf der Insel lebenden Kalinago, ein kriegerisches Volk, prägten die spirituelle Landschaft Anguillas weiter. In ihren Erzählungen taucht der Maboya auf, ein gefürchteter Geist, der Krankheiten bringen, Stürme rufen oder Krieger in gefährliche Trancezustände führen konnte. Ihre Schamanen versuchten, durch Rituale und Beschwörungen Einfluss auf diesen Geist zu nehmen, um seine zerstörerischen Kräfte abzuwenden. Auch Tiere hatten einen spirituellen Stellenwert: Der Hai galt als Beschützer mutiger Männer, der Kolibri als Symbol der Wiedergeburt, und die Schlange als Vermittlerin zwischen Leben und Tod.
Mit der Kolonialzeit gelangten afrikanische Traditionen nach Anguilla, die sich mit den vorhandenen Mythen verschmolzen. Aus dieser Verbindung entstand die lokale Variante des Soucouyant, einer Gestalt, die tagsüber wie ein gewöhnlicher alter Mensch erscheint, nachts aber ihre Haut ablegt und als feurige Kugel über die Dörfer schwebt. Viele Bewohner erzählten sich lange Zeit, dass man ihn an glühenden Lichtbahnen am Himmel erkennen könne, besonders in Nächten, in denen die Mangroven still und das Meer ungewöhnlich glatt war. Ähnlich gefürchtet waren die Duppies, ruhelose Geister der Toten, die in verlassenen Plantagen Unheil stiften oder in Träumen erscheinen konnten. Auch die afrikanisch geprägte Obeah-Tradition, eine Mischung aus Heilkunde, Wahrsagerei und spiritueller Praxis, fand ihren Platz im kulturellen Leben Anguillas und beeinflusst bis heute viele Erzählungen über schützende oder gefährliche magische Kräfte.
Neben diesen überregionalen Mythen haben sich auf Anguilla einige ganz eigene Legenden entwickelt. Von den Höhlen in der Region Island Harbour erzählt man sich, dass dort Stimmen zu hören seien und Lichtschimmer auftauchen, besonders nach Stürmen – angeblich die Seelen von Menschen, die zwischen Wasser und Fels gefangen wurden. An der Ostküste wiederum berichtet eine alte Sage vom kopflosen Fischer, der in besonders unruhigen Nächten am Strand erscheint, um Seefahrer vor nahenden Unglücken zu warnen. Und über den Salzteichen der Insel soll in Zeiten großer Dürre gelegentlich ein flammendes Pferd galoppieren, ein mystisches Wesen, das Regen bringt oder zumindest einen Wetterumschwung ankündigt.
Geschichte
Auf Anguilla winken den Menschen, wie Werbeprospekte verkünden, geradezu paradiesische Zustände. Ewige Sonne, endlose Strände und eine einzigartige Wassergüte - das alles hat, so heißt es, ein kleines, knapp 25 km durchmessendes Eiland am Rande der Karibik zu bieten. Und ein wenig vom Flair eines Garten Eden hat diese Insel tatsächlich an sich, wenn auch nicht ganz so makellos, wie das verkündet wird. Denn das märchenhafte Land ist den nicht immer holden Mächten der Natur und den noch unholderen Mächten der globalen Einheitsstrategen ausgeliefert. So liegt, ein wenig abgenutzt und ausgebrannt, dieses Eiland abseits der großen Touristenströme in etwa dort, wo sich die Inselwelt der Antillen in den Weiten des Atlantischen Ozeans verliert.
Trotz seiner Abgesondertheit findet sich das knapp 91 km² große Stück Land immer wieder in den Schlagzeilen der Weltpresse. Allerdings nicht auf den tagespolitischen Seiten, sondern in den Klatschspalten einschlägiger Boulevardblätter. Dort ist es als Nobelabsteige für Hollywoodstars oder High Society-Snobs ebenso berühmt wie berüchtigt. Brad Pitt, Jennifer Aniston, Robin Williams, Billy Crystal, Liam Neeson, Uma Thurman, Ethan Hawk und unzählige weitere Stars und Sternchen - sie alle urlaubten in dem „Inselparadies“. Und in ihrem Gefolge machte sich eine Heerschar Paparazzi auf Anguilla breit, um hier bei stets subtropischen Temperaturen ihrem Prominentenjagdtrieb zu frönen. Dass die karibische Insel abseits allen Glamours eine höchst bewegte, von Rebellionen gegen herrschsüchtige Machthaber geprägte Geschichte hat, geht im Trubel rund um die urlaubenden Berühmtheiten und Adabeis zumeist unter. Dabei ist diese Geschichte spannend genug und böte Stoff für mehr als nur einen Hollywoodschinken.
Vorkolumbische Zeit
Im Zeitraum von etwa -2000 bis 1500 entwickelte sich auf der Insel die erste indianische Kultur auf Angfuilla. Archäologische Funde am östlichen Ende der Insel sind rund 3300 Jahre alt. Zu den ältesten Hinterlassenschaften gehören Steinwerkzeuge, Muschelartefakte, geschliffene Äxte und andere Geräte aus der vor-keramischen Zeit. Damit gehört Anguilla zu den seit langer Zeit von Menschen besiedelten Inseln der nördlichen Kleinen Antillen.
Die ersten Bewohner kamen aus dem südamerikanischen beziehungsweise südkaribischen Raum über das Meer. Als Wasserfahrzeuge dienten Einbäume und Flöße. Die Bevölkerung stand dadurch von Anfang an in engem Kontakt mit anderen Inseln des karibischen Archipels. Die präkolumbischen Gesellschaften der Kleinen Antillen waren keine isolierten Inselgesellschaften; archäologische Untersuchungen zeigen vielmehr weitreichende Verbindungen, Austauschbeziehungen und Wanderungsbewegungen zwischen den Inseln.
Die Bezeichnung Ciboney wird in älteren Darstellungen gelegentlich auf frühe Bewohner Anguillas angewandt. Eine eindeutige Zuordnung der frühesten Bevölkerung Anguillas zu einem eigenständigen Volk der Ciboney ist archäologisch jedoch nicht gesichert. Auch die häufig anzutreffende Vorstellung, dass nacheinander Ciboney, Arawaken und Kariben in klar voneinander getrennten Bevölkerungsgruppen auf der Insel lebten, entspricht nicht dem heutigen Stand der archäologischen Forschung. Für die spätere vorkolumbische Besiedlung ist dagegen eine arawaksprachige Bevölkerung gut belegt. Die Anguilla Culture Policy datiert ihre Ansiedlung auf etwa 600 n. Chr. und beschreibt sie als Hersteller von Keramik und als Gründer dauerhafter Dörfer.
Die Arawak genannten beziehungsweise arawaksprachigen Bevölkerungsgruppen betrieben Landwirtschaft und bauten unter anderem Maniok, Süßkartoffeln, Yams, Mais, Baumwolle und Tabak an. Daneben nutzten sie die reichen Meeresressourcen der Insel und ihrer Küstengewässer. Fischfang und das Sammeln von Muscheln ergänzten die pflanzliche Ernährung. Die landwirtschaftliche Nutzung erfolgte unter den besonderen Bedingungen einer trockenen Insel mit begrenzten Süßwasserressourcen. Die Bewohner mussten ihre Siedlungen und Wirtschaftsweise daher an die saisonal schwankenden Niederschläge und die begrenzten landwirtschaftlichen Flächen anpassen.
Die archäologischen Fundplätze zeigen, dass Anguilla im späten vorkolumbischen Zeitraum nicht nur aus einzelnen kleinen Lagern bestand. Auf der Insel sind zahlreiche Siedlungsplätze nachgewiesen. Ein Regierungsdokument nennt 39 bekannte Siedlungen auf der Hauptinsel, die auf die präkolumbische Besiedlung zurückgehen. Zu den bedeutenden Fundorten gehören Sandy Hill, Rendezvous Bay, Big Spring bei Island Harbour und Fountain Cavern bei Shoal Bay East.
Besondere Bedeutung besitzt der Fundplatz Sandy Hill. Archäologische Untersuchungen haben dort neben Keramik und Nahrungsresten auch Hinweise auf soziale Statusunterschiede und gemeinschaftliche Festmahle erbracht. Damit lässt sich die vorkolumbische Gesellschaft Anguillas nicht pauschal als vollständig egalitär beschreiben. Die Funde zeigen vielmehr eine differenzierte soziale Organisation, in der bestimmte Personen oder Gruppen bei gemeinschaftlichen Aktivitäten eine besondere Stellung einnehmen konnten.
Eine zentrale Stellung innerhalb der vorkolumbischen Kulturlandschaft nimmt Fountain Cavern bei Shoal Bay East ein. Die Höhle wurde als zeremonieller Ort genutzt und enthält zahlreiche präkolumbische Petroglyphen sowie Keramikreste. Besonders bekannt ist eine aus einem Stalagmiten herausgearbeitete menschliche beziehungsweise anthropomorphe Darstellung, die traditionell mit Jocahu, einer bedeutenden Gottheit der arawakischen Religion, in Verbindung gebracht wird. Die Höhle gilt deshalb als einer der bedeutendsten archäologischen Fundplätze Anguillas.
Auch Big Spring bei Island Harbour besitzt eine herausragende archäologische Bedeutung. Die dortige Höhle enthält zahlreiche Felszeichnungen beziehungsweise Petroglyphen und dokumentiert die religiöse und kulturelle Nutzung des Ortes durch die präkolumbische Bevölkerung. Die Fundplätze Fountain Cavern und Big Spring zeigen, dass Höhlen und Quellen nicht nur wegen ihrer natürlichen Ressourcen genutzt wurden, sondern auch eine zeremonielle Bedeutung besaßen.
Die Bezeichnung Malliouhana wird traditionell als vorkolumbischer Name Anguillas angegeben. Die Regierung Anguillas gibt als Bedeutung „arrow-shape sea serpent“, also eine pfeilförmige beziehungsweise schlangenartige Gestalt, an. Gleichzeitig weist die staatliche Kulturpolitik ausdrücklich darauf hin, dass sowohl die Zuschreibung des Namens an die Arawak als auch seine genaue Bedeutung nicht abschließend geklärt sind. Für eine sachliche Darstellung sollte Malliouhana deshalb als traditionell überlieferte, aber hinsichtlich Herkunft und genauer Bedeutung nicht vollständig gesicherte Bezeichnung behandelt werden.
Die natürlichen Bedingungen stellten die Bewohner vor erhebliche Herausforderungen. Anguilla besitzt nur wenige dauerhafte Süßwasserressourcen und ist regelmäßig von Trockenperioden betroffen. Gleichzeitig konnten tropische Stürme und Hurrikane die Küsten und Siedlungen beeinträchtigen. Die Bevölkerung entwickelte deshalb eine Wirtschaftsweise, die Landwirtschaft, Fischfang, Sammeln und die Nutzung verschiedener Meeres- und Landressourcen miteinander verband. Die Insel war trotz ihrer geringen Größe in die regionalen Verkehrs- und Austauschbeziehungen der karibischen Inselwelt eingebunden.
Die religiöse Welt der vorkolumbischen Bevölkerung lässt sich vor allem anhand archäologischer Hinterlassenschaften rekonstruieren. Petroglyphen, zeremonielle Plätze, besondere Steinobjekte, sogenannte Zemís, Muschelwerkzeuge und Keramikreste belegen eine ausgeprägte materielle Kultur. Die Verbindung von Höhlen, Quellen und bildlichen Darstellungen weist auf religiöse Handlungen und Zeremonien hin. Die konkrete Bedeutung einzelner Darstellungen lässt sich jedoch nicht in allen Fällen sicher bestimmen.
Eine dauerhafte indigene Bevölkerung bestand zur Zeit der europäischen Kolonisation des 17. Jahrhunderts nicht mehr. Die staatliche Kulturgeschichte Anguillas berichtet, dass die Arawak-Bevölkerung vor der Ankunft der ersten englischen Siedler 1650 bereits verschwunden war. Spanische Kolonialmächte hatten indigene Menschen von den kleineren Inseln verschleppt und als Arbeitskräfte auf den größeren Inseln, insbesondere Hispaniola und Kuba, eingesetzt. Hinzu kamen die Folgen von Krankheiten und der kolonialen Umgestaltung der karibischen Gesellschaften. Von der vorkolumbischen Bevölkerung blieben jedoch zahlreiche materielle Hinterlassenschaften auf Anguilla erhalten, darunter Keramik, Steinwerkzeuge, Muschelobjekte, Petroglyphen und zeremonielle Anlagen.
Entdeckungszeit
Während seiner zweiten Reise sichtete Christoph Kolumbus am 2. November 1493 die Insel von weitem, als seine Flotte nördlich der Leeward Islands vorbeizog. Er hielt nicht an und ging auch nicht vor Anker. In seinen Logbüchern und auf den frühen Karten taucht die Insel deshalb zunächst gar nicht oder nur als unbenannter Punkt auf. Spätere Chronisten schrieben ihm nachträglich die Namensgebung Anguilla (spanisch „Aal“) zu, weil die langgestreckte, schmale Form der Insel aus der Ferne an einen Aal erinnere. Ob er den Namen tatsächlich vergeben hat, ist jedoch stark umstritten – viele Historiker halten das für eine Legende aus dem 17. oder 18. Jahrhundert.
Der französische Hugenotte René Goulaine de Laudonnière, der im Auftrag der französischen Krone die Küste Floridas erkundete, segelte 1564/65 auf seiner Rückreise durch die nördlichen Kleinen Antillen. Er erwähnte eine Insel, die er Anguilla nannte – das ist die erste gesicherte schriftliche Nennung des Namens. Es ist daher gut möglich, dass nicht Kolumbus, sondern Laudonnière der eigentliche Namensgeber war.
Wie auch immer, vor Anker ging hier kein europäisches Schiff. Die Insel lag abseits der großen Schifffahrtsrouten (der übliche Weg von Europa nach Hispaniola und ins Karibische Meer führte deutlich südlicher über Dominica, Guadeloupe und die Passage der Anegada). Zudem bot Anguilla so gut wie nichts, was für die Kolonialmächte interessant gewesen wäre. Es gab kaum Süßwasser (nur Zisternen und kleine Quellen), keinen geschütztern Naturhafen, einen dünnen, steinigen Boden, kaum geeignet für Zuckerrohr oder andere Exportkulturen, keine nennenswerten Edelmetalle oder strategische Bedeutung und eine exponierte Lage, die sie anfällig für Hurrikane machte.
Spanien, das zunächst das Monopol über die gesamte Karibik beanspruchte, betrachtete Anguilla und die anderen nördlichen Leeward Islands (außer St. Croix) als islas inútiles – nutzlose Inseln – und ließ sie bewusst unbesiedelt. In dieser Zeit verschwand auch die indigene Bevölkerung fast vollständig. Ob durch versprengte spanische Sklavenjäger, durch eingeschleppte Krankheiten (bei kurzen Landgängen) oder durch freiwillige Abwanderung auf größere Nachbarinseln, ist unklar. Jedenfalls war Anguilla spätestens um 1600 praktisch unbewohnt.
Erst als englische und französische Freibeuter sowie Kolonisatoren in den 1620er Jahren begannen, die kleinen Inseln systematisch zu besetzen (St. Kitts 1623/1624 durch Thomas Warner bzw. Pierre Belain d’Esnambuc), rückte auch Anguilla ins Blickfeld. Es gibt vereinzelte Berichte über kurzfristige Aufenthalte von Engländern oder Holländern, die dort Wasser oder Schildkröten suchten, aber keine dauerhafte Siedlung.
Kolonialzeit
Im Jahr 1631 errichtete die niederländische Geoctrooieerde Westindische Compagnie ein Fort auf der Insel . Das passte den Spaniern wiederum gar nicht. 1633 griffen sie den holländischen Posten an, zerstörten die Anlage und vertrieben die Holländer - ohne allerdings selbst Besatzer zurückzulassen. Dies ermunterete die Briten, nun iihrerseits aktiv zu werden und die Kolonisierung des "jungfräulichen Landes" in Angriff zu nehmen. Angespornt voin Versprechungen einträglicher Plantagenwirtschaft wagten sich 1650 erstmals britische Siedler von der 80 km entfernten Insel Saint Christopher hierher. Sie gründeten einen von Antigua aus beaufsichtigten "local council" und machten sich an die Arbeit.
Die Neuankömmlinge betrachteten das „unberührte Land“, wie sie in ihren Berichten schrieben, als ihr Eigentum und machten sich daran, Tabaksplantagen einzurichten. Die Briten mühten sich eine Zeitlanmg ab, doch im Jahr 1656 erschienen indianische Krieger von der Nachbarinsel Saint Martin auf "ihrer" Insel. Möglicherweise, aber so genau sind die historischen Quellen nicht, waren auch „Ureinwohner“ Anguillas unter den Angreifern. Den „wilden Eingeborenen“ jedenfalls gelang es, durch gezielte Attacken die Europäer in Angst und Schrecken zu versetzen. Viele Siedler kamen bei den Kämpfen ums Leben, etliche wurden versklavt und von Malliouhana vertrieben. Eine schwere Demütigung für die britische Imperialmacht, die sich nun genötigt sahen, zu gröberen Mitteln zu greifen, um der widerborstigen „Indianer“ Herr zu werden.
Als Vollstrecker der Eroberung Anguillas trat zehn Jahre nach der schmählichen Niederlage der britischen Pioniere eine neue Kolonialmacht auf den Plan: Frankreich. Mit über dreihundert Mann rückte die königliche Armee anno 1666 an und erkämpfte sich die Insel mit Gewalt. Von den Franzosen terrorisiert, zogen sich die wenigen verbliebenen Inselbewohner in die Wälder zurück, wurden aber auch dort verfolgt, vergewaltigt und niedergemetzelt. Das übliche koloniale Szenario.
Trotz ihres Einsatzes erhielten letztlich aber nicht die Franzosen, sondern die Engländer den vertraglich abgesicherten Zuschlag zur „zivilisatorischen“ Erschließung des Eilands. Im Vertrag von Breda wurde ihnen 1667 der Besitz Anguillas zugestanden. Und so ließen sich um 1670 erneut britische Siedler auf Anguilla nieder. Als mehr oder weniger freiwillige Begleiter der Kolonialherren kamen halbfreie Iren und afrikanische Sklaven mit hierher. Von der indianischen Urbevölkerung ist in den Schriften aus jener Zeit keine Rede mehr. Was moderne Forscher zu dem Schluss verleitete, dass sie bald nach oder vielleicht sogar schon vor der Ankunft der Europäer gänzlich verschwunden wäre. Bis heute ist jedoch unklar, ob die anguillanischen Eingeborenen tatsächlich „ausgestorben“ sind, oder ob nicht vielleicht doch ein Teil, mit Sklaven „vermischt“, überlebt hat.
Abseits dessen griff die französische Armee, unterstützt von einem Kontingentg anglo-irischer Kämpfer, die Insel erneut an, woraufhin die meisten englischen Siedler nach Antigua flohen. In den Dürreperioden nach 1680 waren die Bedingungen auf der Insel so schlecht, dass viele der auf Anguilla Verbliebenen 1694 auf die Jungferninseln, speziell das unter französischer Kontrolle stehende Saint Croix, auswanderten. Eine von Abraham Howell geführte Gruppe anguillanischer Siedler unternahm den Versuch, sich auf Crab Island vor der Küste Puerto Ricos niederzulassen, da diese Insel im Vergleich zum trockenen und dürren Anguilla als bewohnbarer angesehen wurde. Die Handvoll Anguillaner, die sich an der Aktion beteiligten, wurde nach kurzer Zeit von spanischen Streitkräften gewaltsam vertrieben. Sie kehrten daraufhin auf "ihre" Insel zurück. Dort stablisierte sich das Leben allmählich und bis zum Jahr 1724 wuchs die Bevölkerungszahl auf 360 Europäer und 900 Afrikaner an..
Das britische Empire richtete auf der Insel unterdessen ungeachtet aller eventuellen Ansprüche anderer europäischer Mächte oder gar „indianischer Eingeborener“ einen kleinen karibischen Stützpunkt ein. Dem von den neuen Landbesitzern betriebenen intensiven Baumwollanbau fiel schon nach kurzer Zeit fast die gesamte alte Pflanzenwelt zum Opfer. Die Wälder verschwanden, und das verstärkte die Wirkung die immer wieder auftretenden Naturkatastrophen - die Dürren auf der einen und die fast jedes Jahr über das fragile Stück Land hinwegbrausenden Hurricanes auf der anderen Seite. Die kolonialen Behörden sahen trotz alledem keinen Grund, sich intensiver um eine Verbesserung der Lebensbedingungen auf der abgelegenen Insel zu kümmern.
Interessant war sie lediglich als stragische Bastion. 1744, während des Österreichischen Erbfolgekriegs, drangen 300 Anguillianer und zwei Freibeuter von Saint Christopher in die französische Hälfte des benachbarten Saint Martin ein. Sie hielten das eroberte Gebiert bis zum Vertrag von Aachen (Aix-la-Chapelle) im Jahr 1748. Zwischendurch landeten zwei französische Fregatten landeten 1745 mit 700 - nach alternativen Quellen 1000 - Mann in der Crocus Bay auf Anguilla, wurden aber von 150 Milizionären unter der Führung von Gouverneur Arthur Hodge zurückgeschlagen.
Nach einer eher ruhigen Zeit kam es erst 1796 zu neuerlichen gröberen Auseinandersetzungen. Am 27. Noivember jenes Jahres griff ein 400 Mann starker französischer Trupp die Insel an und zerstörte zwei Siedlungen - South Hill und The Valley. Nach diesem iÜberraschungscoup formierten sich de Einheimischen auf dem Long Path vor dem Fort Sandy Hill und begannen mit dem Abwehrkampf. Gleichzeitig kam von St. Christopher aus die Fregatte HMS Lapwing unter Kapitän Barton den Bedrängten zu Hilfe.Gemeinsam konnte man die französischen Okkupanten besiegen - und der Versuch der damals von Napoleon Bonaparte geführten Kolonialmacht, sich Anguilla einzuverleiben, scheiterte erneut.
Die in London ansässige Kolonialverwaltung protestierte unterdessen lautstark, drohte den Franzosen noch lautstärker, schenkte der Insel aber ansonsten keine weitere Beachtung. Bittbriefe der Kolonisten zwecks Unterstützung nach Unwettern oder Missernten wurden nur mit einiger Verzögerung beantwortet. Und so entwickelte sich mit der Zeit ein Selbständigkeitsdenken, das untergründig auch bei denjenigen Fuß fasste, die die unterste Stufe der gesellschaftlichen Pyramide bildeten, den Sklaven. Diese bildeten das "Arbeitermatereial" beim Aufbau der örtlichen Plantagenwirtschaft, die aber anbetrachts der ungünstigen geologischen und klimatischen Verhältlnisse nicht wirklich in Schwung kam. Man schätzt, dass die Bevölkerung Anguillas von einem Höchststand von etwa 10.000 auf nur noch 2000 gesunken ist. Im Jahr 1819 gab es 360 Europäer, 320 freie Afrikaner und 2451 Sklaven auf der Insel. Letztere waren auch auf Anguilla brutalen Behandlungen ausgesetzt. Allerdings wurden Mulatten-Sklaven, die Kinder ihrer Herren waren, immer wieder in die Freiheit entlassen und sie erhielten in einigen Fällen auch Land. Neben dieser auf "Manumissionen" (Akten der Freilassung von Sklaven durch ihre Besitzer) basierenden Mulatten-Klasse gab es Fälle, in denen anguillanische Sklaven für ihre Arbeitskraft an andere Inseln vermietet wurden. Mit der Entschädigung, die sie dafür erhielten, erkauften sich diese nicht nur ihre Freiheit sondern auch Grundstücke für geringe Summen, da das Land von ihren früheren Herren als unfruchtbar angesehen wurde.
Anbetrachts der prekären Situation auf der Insel kam es mehrfach zu Unruhen, und nach Hungersnöten in den 1820ere Jahren entstand eine breite Aufstandsbewegung. Die Auseinandersetzungen forderten Verletzte, sogar Tote. In dieser Situation sahen die britischen Kolonialherren die einzige Lösung für das Problem in einer Unterordnung der Insel unter eine andere Kolonie, Saint Christopher (Saint Kitts). Dies stachelte die Rebellen allerdings nur noch mehr an. Für kurze Zeit hatten sie mit ihrem Aufstand sogar Erfolg und schufen im Jahr 1825 einen quasi unabhängigen Sklavenstaat. Die britische Kolonialmacht sah eine kurze Zeit lang zu, merkte dann aber, dass sich die Rebellen tatsächlich selbst über die Runden zu bringen vermochten. Sie tat also, was sie tun musste - und schlug zurück. Nach der Wiedereroberung ordneten sie Anguilla ihrer Kolonie Saint Kitts unter und hofften durch eine neue, strengere Verwaltung die Inselbewohner besser unter Kontrolle halten zu können.
Um die auch andernorts angespannte Situation zu beruhigen, schafften die Briten in den 1830er Jahren die Sklaverei in ihren Kolonien ab. Die Emanzipation führte dazu, dass immer mehr Sklaven von den benachbarten französischen und holländischen Inseln, die noch nicht befreit worden waren, nach Anguilla flüchteten. Während die Plantagenbesitzer nach Europa zurückkehrten, schlugen sich die Freigelassenen auf Anguilla weiterhin als Subsistenzbauern und -fischer durch. In den 1830er und 1840er Jahren kam es zu Dürreperioden und Hungersnöten. Dies verschärfte die bereits vorhandene Not auf der Insel und führte zu weit verbreiteter Armut und Leid auf der Insel, was wiederum dazu führte, dass Diebstahl und Schmuggel als Mittel zum Überleben weit verbreitet waren. Die britische Regierung versuchte, die gesamte Bevölkerung der Insel nach Demerara in Britisch-Guayana (dem heutigen Guyana) zu schicken, doch die meisten blieben und schufen neue Einkommensquellen. Derr große See im Zentrum der Insel etwa wurde für den Export von Salz in die Vereinigten Staaten genutzt. Jährlich wurden etwa 3.000.000 Scheffel produziert. Dies wurde zum Haupthandelsgut der Insel, wobei auch weiterhin Zucker, Baumwolle und Tabak produziert wurden.
1872 brachen neue, schwere Unruhen aus. Ein als Kompromiss eingebrachtes Bittgesuch der Anguillaner um mehr Selbständigkeit wurde von den Kolonialbehörden jedoch strikt abgelehnt. Das Zugeständnis auch nur ein klein wenig größerer Freiheiten an die kolonialen Untertanen kam nicht in Frage. Erst nach einiger Zeit beruhigte sich die poliotische Lage wieder. Auch die wirtschaftliche Situation entspannte sich. Durch die exzessive Holzkohleproduktion wurde bis zur Jahrhundertwende die gesamte Insel im Wesentlichen abgeholzt, aber immerhin ermöglichte das als Folge davon entstandene ausgedehnte Weideland den Export von Rindern nach Saint Thomas, einer damals zu Dänemark gehörigen Jungferninsel. Außerdem wurde Kalkphosphat hergestellt.
Ab 1882 war die Insel administrativ fest mit St. Kitts und Nevis verbunden. Anguilla bildete innerhalb der Leeward Islands Federation lediglich die nördlichste, ärmste und am meisten vergessene Ecke der Präsidentschaft St. Christopher-Nevis-Anguilla. Es gab weder nennenswerte Plantagenwirtschaft noch Bodenschätze; die Menschen lebten von karger Landwirtschaft, Fischfang und der Gewinnung von Salz in den Salinen von Sandy Ground und Road Bay. Die Insel besaß keinen Hafen, keinen Flughafen, kein Elektrizitätsnetz und kaum Straßen. Regelmäßige Schiffsverbindungen nach St. Kitts gab es nur alle paar Wochen.
Weltkriegsära
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Anguilla eine wirtschaftlich schwach entwickelte, überwiegend von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, Fischerei, Salzgewinnung und saisonaler Arbeitsmigration geprägte Inselgesellschaft. Die natürlichen Voraussetzungen für eine großflächige Landwirtschaft waren ungünstig. Die Niederschläge waren unregelmäßig, die Böden teilweise flach und die verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen begrenzt. Bereits seit dem 19. Jahrhundert wanderten deshalb viele Anguillianer zeitweise aus, um außerhalb der Insel Arbeit zu finden. Ein wichtiges Ziel waren die Zuckerrohrgebiete der umliegenden Inseln und insbesondere die Dominikanische Republik. Nach Angaben der späteren amtlichen Armuts- und Sozialanalyse setzte sich diese Arbeitsmigration über Jahrzehnte fort und wurde zu einem charakteristischen Bestandteil der anguillischen Gesellschaft.
Während des Ersten Weltkriegs blieb Anguilla wirtschaftlich weitgehend von den größeren politischen und militärischen Entwicklungen der Karibik entfernt. Die Insel war weiterhin Bestandteil der britischen Kolonialordnung und wurde administrativ über die Leeward-Islands-Strukturen verwaltet. Die Bevölkerung lebte überwiegend von Landwirtschaft, Viehhaltung, Fischerei, Salzgewinnung, handwerklichen Tätigkeiten und dem Handel mit anderen karibischen Inseln. Der Seeverkehr hatte dabei eine zentrale Bedeutung, da die Verbindung zu den benachbarten Inseln überwiegend mit Segel- und später Motorbooten erfolgte.
Die wirtschaftliche Situation blieb auch in den 1920er Jahren schwierig. Anguilla verfügte nur über wenige natürliche Ressourcen und besaß keine größere Industrie. Ein Teil der Bevölkerung war deshalb auf saisonale Beschäftigung außerhalb der Insel angewiesen. Besonders die Arbeit in der Landwirtschaft und im Zuckerrohranbau anderer karibischer Gebiete bot Verdienstmöglichkeiten. Die Migration führte zugleich zur Entstehung von Familien- und Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Anguilla und anderen karibischen Inseln, der Dominikanischen Republik sowie später den Vereinigten Staaten und Großbritannien.
Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre verschärfte die wirtschaftlichen Probleme. Der Rückgang des internationalen Handels und der Nachfrage nach landwirtschaftlichen und anderen Exportprodukten traf auch die kleinen Volkswirtschaften der britischen Karibik. Für Anguilla kamen wiederkehrende Dürren und Hurrikane hinzu. Die Insel war deshalb weiterhin stark von der Auswanderung abhängig. Die spätere amtliche Darstellung der Wirtschaftsgeschichte beschreibt für die Jahrzehnte nach der Abschaffung der Sklaverei eine langfristige Abwanderung von Anguillianern auf der Suche nach Arbeitsmöglichkeiten, insbesondere in die Zuckerrohrgebiete der Dominikanischen Republik.
Die politischen Veränderungen in den britischen Westindischen Inseln erreichten Anguilla ebenfalls. Die demokratische Entwicklung war zunächst langsam. 1933 empfahl die Closer Union Commission unter Leitung von Sir Charles Fergusson eine Wiedereinführung des Wahlprinzips, nachdem die gewählte Vertretung 1877 durch eine reine Crown-Colony-Verwaltung ersetzt worden war. Der erste entsprechende Gesetzentwurf scheiterte 1934 am Widerstand der von Pflanzern dominierten Legislative. Nach den sozialen Unruhen von 1935 entschied das britische Colonial Office jedoch, das Wahlprinzip wieder einzuführen. Die neue Verfassung teilte die Presidency in Wahlbezirke auf; St. Kitts erhielt drei Sitze, Nevis und Anguilla jeweils einen. Die ersten Wahlen nach dieser Regelung fanden am 24. Juni 1937 statt.
Die sozialen Unruhen der 1930er Jahre führten außerdem zur Einsetzung der Moyne Commission, die 1938 und 1939 die sozialen und politischen Verhältnisse in verschiedenen britischen Karibikkolonien untersuchte. Die Kommission empfahl unter anderem die Einführung eines allgemeinen Erwachsenenwahlrechts. Dieses wurde für St. Kitts, Nevis und Anguilla allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg verwirklicht. Die Verfassungsreformen von 1952 beseitigten die bisherigen Eigentums- und Einkommensvoraussetzungen für das Wahlrecht. Wahlberechtigt waren nun alle Personen ab 21 Jahren. Für Anguilla bestand weiterhin ein eigener Wahlbezirk mit einem Abgeordneten im Legislative Council. Die ersten Wahlen unter dem allgemeinen Erwachsenenwahlrecht fanden am 6. Oktober 1952 statt.
Der Zweite Weltkrieg brachte neue Beschäftigungsmöglichkeiten für Bewohner Anguillas. Anguillianer fanden Arbeit in anderen Teilen der Karibik, unter anderem in Bereichen, die mit der Kriegswirtschaft und den militärischen Einrichtungen der Alliierten verbunden waren. Die Insel selbst entwickelte sich jedoch nicht zu einem größeren Militärstützpunkt. Die während des Krieges und danach zunehmende Arbeitsmigration verstärkte die wirtschaftliche Bedeutung von Geldüberweisungen aus dem Ausland. Die Verbindung zwischen der auf Anguilla lebenden Bevölkerung und den bereits ausgewanderten Familienmitgliedern wurde dadurch weiter gefestigt.
Nach 1945 blieb Anguilla wirtschaftlich gegenüber den größeren karibischen Inseln zurück. Landwirtschaft, Fischerei, Salzgewinnung, Bootsbau und Kleinhandel bildeten weiterhin wichtige Bestandteile der örtlichen Wirtschaft. Gleichzeitig nahm die politische Bedeutung der Frage zu, wie Anguilla innerhalb der britischen Karibik verwaltet werden sollte. Die Insel war seit dem 19. Jahrhundert mit Saint Kitts und Nevis verbunden, obwohl ihre Bevölkerung und ihre wirtschaftlichen Verhältnisse deutlich kleiner waren. Bereits die Regierungsgeschichte Anguillas weist darauf hin, dass diese Verbindung von einem erheblichen Teil der anguillischen Grundbesitzer abgelehnt worden war und Anguilla in der gemeinsamen Legislative nur über einen einzelnen Vertreter verfügte.
1952 wurde das allgemeine Erwachsenenwahlrecht eingeführt und Anguilla erhielt weiterhin einen eigenen Wahlbezirk. Damit war die Bevölkerung erstmals unabhängig von Besitz- und Einkommensvoraussetzungen an den Wahlen beteiligt. Die politische Vertretung blieb jedoch zahlenmäßig klein. Anguilla hatte gegenüber Saint Kitts, der bevölkerungsreicheren Hauptinsel des Verwaltungsverbandes, nur einen Abgeordneten.
1958 wurde Saint Kitts-Nevis-Anguilla Bestandteil der neu geschaffenen West Indies Federation. Diese Föderation sollte mehrere britische Karibikkolonien in einer gemeinsamen politischen Struktur zusammenführen. Anguilla war damit nicht eigenständig innerhalb der Föderation vertreten, sondern blieb Teil der politischen Einheit Saint Kitts-Nevis-Anguilla. Der Verwaltungsschwerpunkt lag weiterhin auf Saint Kitts, insbesondere in Basseterre. Die räumliche Entfernung und die unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen verstärkten in Anguilla die Forderung nach einer stärkeren lokalen politischen Eigenständigkeit.
Die West Indies Federation bestand nur wenige Jahre. 1962 zerfiel die Föderation, nachdem sich mehrere ihrer Mitglieder für einen eigenen staatlichen Weg entschieden hatten. Für Saint Kitts, Nevis und Anguilla entstand anschließend die Frage nach der künftigen verfassungsrechtlichen Stellung. Die britische Regierung entwickelte für die verbliebenen Gebiete das Modell der Associated Statehood. Anguilla sollte dabei weiterhin gemeinsam mit Saint Kitts und Nevis verwaltet werden.
Unabhängigkeitsära
Die nach wie vor anhaltende unterdrückerische Politik, verknüpft mit wirtschaftlicher Ausbeutung, und dies auf dem Hintergrund mehrmaliger Dürren und Missernten, zwang viele Inselbewohner zum Auswandern. Aber auch in der Fremde blieben sie ihrer alten Heimat treu und unterstützten den zurückgebliebenen harten Kern bei seinem Kampf gegen das fremdherrschaftliche Joch. 1929 eskalierte die Lage erneut, und die Insulaner verlangten von den britischen Verwaltern mehr Eigenständigkeit. Die uneinsichtigen Kolonialherren setzten jedoch weiter auf ihre bewährte Politik des Teile und Herrsche und gewährten den Anguillanern lediglich ein eingeschränktes Stimmrecht auf gesamtstaatlicher Ebene.
So blieb der Bodensatz am Brodeln, bis 1958 das soziale Pulverfass neuerlich zu explodieren drohte. Die Unruhen wurden durch einen schweren Hurricane zwar etwas abgebremst, brachen aber schon nach kurzer Zeit wieder aus. Durch ihre Absicht, die Insel mit zwei anderen Minikolonien, Saint Kitts und Nevis zu einem gemeinsamen Staat zusammenzuschließen, gossen die britischen Kolonialherren allerdings - sie hatten aus der Geschichte offensichtlich nichts gelernt - weiter Öl ins Feuer. Mit dem Anschluss an die Nachbarinseln wären die Anguillaner zur Kolonie einer pro forma „selbständigen“, praktisch aber auch weiterhin von England gelenkten Kolonie geworden. Ein unannehmbares Ansinnen.
Nach neuerlichen schweren Unruhen gründeten die Aufständischen Mitte der 1960erJahre eine Bewegung, die sich die Erlangung der völligen staatlichen Unabhängigkeit zum Ziel setzte. Führer der Rebellen war der charismatische Jeremiah Gumbs, der bald zum „roving ambassador“, zum „fliegenden Boten“ der Anguillaner wurde. 1913 im Insel-Hauptort The Valley in ärmlichsten Verhältnissen geboren, hatte er vor seiner politischen Karriere unter anderem als Baumwollarbeiter in der Dominikanischen Republik sowie als Dock- und Ölarbeiter auf den niederländischen Karibik-Inseln Aruba und Curaçao gearbeitet. Anschließend hatte er eine Zeitlang in den USA gelebt, wo er sich als Soldat und Mechaniker verdingte und eine Dentistenlehre absolvierte. Eine typische Tellerwäscherkarriere, die ihren Höhepunkt in der Gründung einer eigenen Ölgesellschaft, der Gumbs Fuels, fand. Als vergleichsweise reicher Mann kehrte er nach Anguilla zurück - und gründete 1962 dessen erstes Strandhotel, das Rendezvous Bay Hotel. Dabei lernte er das „natürliche Paradies“, wie er seine Heimat nannte, ganz neu kennen. Mit geschärftem Blick für die Feinheiten der sozialen Zusammenhänge sah er seine Landsleute auf der einen Seite als billige Arbeitskräfte, die für reiche Herrschaften auf der anderen Seite Diener spielten. Ein Bild, das ihn zutiefst anwiderte.
Gumbs entwickelte sich binnen kurzer Zeit zum engagierten Verfechter der staatlichen Unabhängigkeit seines Landes. Mit einer entsprechenden, von seinen Landsleuten mit großer Mehrheit unterstützten Petition in der Tasche reiste er in die anderen Karibikstaaten, in die USA und immer wieder zu den Vereinten Nationen nach New York. Viele Anguillaner sahen in ihm einen wahren „local hero“. Und sie priesen ihn als „einen Leuchtturm unbeugsamer Selbstbestimmung, grenzenlosen Einsatzes und ewigen Glaubens an die Kraft und Würde des Menschen“, kurzum als eine Art Gandhi der Karibik.
Unter Gumbs’ Federführung wurden im Untergrund die Pläne für ein unabhängiges Anguilla ausgearbeitet. Deren Umsetzung erfolgte Schritt für Schritt, nach genau ausgeklügeltem Muster. Im Mai 1967 verwiesen die Insulaner die von den Briten als ihre Nachfolger eingesetzten Beamten aus Saint Kitts - in Wirklichkeit nicht mehr als eine Handvoll Polizisten - des Landes. Die Rebellen übernahmen damit selbst die Herrschaftsgewalt und bauten binnen kurzer Zeit eine eigene Verwaltungsstruktur auf. Gleichzeitig bereiteten sie eine Volksabstimmung vor, die am 11. Juli durchgeführt wurde und ein eindeutiges Ergebnis brachte. 1813 von 1818 Wahlberechtigten - eine mehr als überwältigende Mehrheit - stimmten für die Loslösung vom Kolonialverband um Saint Kitts und damit für die Selbständigkeit des Landes. Auf diese Weise abgesichert, erklärten die Anguillaner tags darauf ihre Insel zum unabhängigen Staat.
Zur selben Zeit versammelte sich fast die gesamte Inselregierung in Puerto Rico im Haus des aus Köln stammenden Tropenarchitekten Henry Klumb. Sie trafen sich dort mit kalifornischen Freunden, Enthusiasten und Fachleuten, zu denen auch ein Österreicher gehörte: Leopold Kohr. Für ihn war die Unterstützung der Anguillaner mehr als nur eine Herzenssache. 1909 in der „Stille Nacht“-Gemeinde Oberndorf bei Salzburg geboren, pflegte Kohr bereits früh Kontakte zu anarchistischen Gruppen, schrieb aufwühlende Reportagen, berichtete unter anderem als republikanischer Journalist vom Spanischen Bürgerkrieg und etablierte sich während des Zweiten Weltkriegs als antifaschistischer Autor und Nationalökonom. In den Jahren nach dem Krieg avancierte er zum Vordenker des „Small is beautiful“.
Seine bereits in den 1950er Jahren formulierte Grundthese lässt sich kurz in etwa so zusammenfassen: Große Reiche streben danach, als im Sinne ihrer Machterhaltung zu vereinheitlichen. Kreative Eigenständigkeit kann demgegenüber nur im Kleinen gedeihen. In den Worten Kohrs: „Nur das Totalitäre erfreut sich an Einheit und Vereinigung mehr als an der Harmonie, die durch die sich ausgleichende Vielfalt erzeugt wird.“ Eine Vielfalt, die in Form eigenständiger Regionen und kleiner Staatsgebilde ihren Ausdruck findet. „Diese kleinen Nationen entstanden von selbst, während die großen Mächte immer durch Gewalt geschaffen wurden“. Die meisten Menschen, war Kohr überzeugt, wollen „nicht in riesigen sinnlosen Reichen leben. Sie wollen in ihren Provinzen, in ihren Bergen und Tälern leben. Sie wollen zu Hause leben“ und dort ihre Fähigkeiten entfalten. „Am Ende war es immer der kleine Staat und nicht das Reich, das überlebte. Deshalb müssen kleine Staaten nicht künstlich geschaffen werden. Sie müssen nur befreit werden.“
Kohr unterrichtete an etlichen US-amerikanischen Universitäten, unter anderem in San Diego, und er unterstützte Untergrundbewegungen, die sich gegen mächtige Großnationen zur Wehr setzten. Um seine Ideen von der Lebensfähigkeit, ja Vorteilhaftigkeit kleiner Staatsgebilde in die Praxis umsetzen zu können, suchte er nach einem Stück Erde, dessen Bewohner zu einem solchen Experiment auch bereit waren. Auf Anguilla wurde er fündig.
Sein Ziel und das der sogenannten „San Francisco Group“ war es, ein Entwicklungsprogramm für das Eiland zu entwerfen und solcherart letztlich zu beweisen, dass „Probleme, an denen die Großen scheitern, im Kleinen gelöst werden können.“ Eine der ersten Pioniertaten des Teams war die Einführung einer eigenen Inselwährung, des legendären „Anguilla Liberty Dollar“. Heute ein begehrtes Sammlerstück, trug er ursprünglich nicht grad zur internationalen Reputation des neuen Staates bei. Aus ein paar Dutzend Sack peruanischer Silbermünzen in einer auf Fälschung spezialisierten Werkstatt geprägt, stattete man ihn feierlich mit den Insignien der frisch erkämpften Unabhängigkeit aus. Er fand tatsächlich Anklang und war bald das Hauptzahlungsmittel auf der Insel. Noch mehr gefragt aber waren die zum Teil mit heroischen Motiven versehenen Briefmarken, die binnen Kurzem weltweit so beliebt wurden, dass die Weltpostunion als erste Organisation den jungen Staat offiziell anerkannte. Die Einnahmen aus dem Markengeschäft halfen der Insel dabei, sich ohne fremde Investitionen über Wasser zu halten.
Ein kleiner Exkurs an dieser Stelle: Eine Sammlung wertvoller Briefmarken, darunter nicht zuletzt auch solcher aus Anguilla, bildete die Grundlage des „Right Livelihood Award“, der gemeinhin als „Alternativer Nobelpreis“ gilt. Diese Auszeichnung wird seit 1980 für hervorragende Leistungen im Bereich „ökologieverträglicher und menschenwürdiger Lebensweisen“ vergeben. Sein Erfinder, der Schwede Jakob von Üexküll, hat dafür den Erlös seines Bestandes wertvoller Briefmarken - immerhin rund 200.000 Euro pro Jahr - zur Verfügung gestellt. Unter den Ehrenpreisträgern findet sich auch Leopold Kohr.
Aber zurück in die Karibik. In ihrem bodenlosen Enthusiamus machten sich die Anguillaner nach erfolgreichem Start ins neue, freie Leben daran, dem Rest der Welt die frohe Botschaft ihrer endlich erlangten Unabhängigkeit zu verkünden. Um dies auch symbolisch zum Ausdruck zu bringen, entwarfen sie zunächst eine Flagge. Die Three Dolphins Flag zeigt drei kreisende Delfine, die als Sinnbild für Einheit, Stärke und Dauerhaftigkeit stehen. Der Hintergrund ist weiß als Zeichen der Ruhe auf türkisem Grund, was das Meer, den Glauben, die Jugend und die Hoffnung darstellen soll. Mit diesem Banner bewaffnet warben die Anguillaner weltweit um Sympathien für ihren jungen Staat. Und sie taten dies durchaus medienbewusst. Am 14. August 1967 kauften sie eine ganze Seite in der New York Times und präsentierten sich dort stolz als Volk, das nicht länger Hilfskellnerdienste leisten und sich nie wieder von einer Kolonialmacht unterwerfen lassen wollte.
Die etablierte Staatenwelt freilich nahm von dem Neuling nur am Rande, wenn überhaupt, Notiz. Die Mächtigen sahen Alleingänge wie jenen Anguillas nicht gern und versagten den Insulanern jegliche Unterstützung. Kaum jemand glaubte, dass ein Ministaat wie dieser mit knapp 6000 Einwohnern und doppelt soviel Ziegen auf die Dauer ohne fremde Hilfe überlebensfähig wäre. Aber die imperialen Denker irrten sich. Beraten von Kohr und anderen Spezialisten arbeiteten die Anguillaner eigenständige landwirtschaftliche Richtlinien aus, die das Land weg von börsenabhängiger Weltmarktproduktion, hin zu Selbstversorgung führen sollten. Gleichzeitig nahmen die Insulaner den Ausbau ihres Straßennetzes in Angriff, wobei sie sich nicht an großen Hotels, sondern an den eigenen Notwendigkeiten orientierten. Den bodenständigen Bedürfnissen angepasst wurden auch das Ausbildungssystem und das Gesundheitswesen. Das Ziel dabei: Keine fremden Lehrer sollten mehr die anguillanischen Kinder unterrichten und keine fremden Ärzte die inseleigenen Krankheiten behandeln.
In einer zweiten Aufbauphase machten sich die Anguillaner daran, den Fremdenverkehr weiter zu entwickeln. Dabei achteten sie streng darauf, dass keine ausländischen Touristikunternehmen ins Land kamen und den Rahm abschöpften. Die Gewinne sollten ausschließlich den Einheimischen zugute kommen, die somit tatsächlich zu Kellnern im eigenen Land wurden und nicht mehr Hilfsdienste zu leisten gezwungen waren. Was sie bieten wollten, war Qualität - eine selbstbewusste Kultur und eine einigermaßen intakte Natur - statt Quantität. Sprich: Anguilla sollte sich frei von jeglichem Massentourismus auf die eigenen Stärken konzentrieren. Und die Ansätze waren tatsächlich viel versprechend.
Im fernen London rechnete man unterdessen unverdrossen mit dem baldigen Zusammenbruch des ungeliebten Einzelgängerzwergstaats. In der britischen Presse wurden die Anguillaner als eine Mischung aus Hippies und Mafiosi verunglimpft, und Jeremiah Gumbs galt überhaupt als Obergauner. Man traute weder ihm noch der restlichen Staatsführung zu, aus dem Land eine wirklich eigenständige Nation machen. Nichtsdestotrotz blühte Anguilla auf und gedieh wie nie zuvor. Der Elan, mit dem die Inselbürger an die Aufbauarbeit gingen, war bewundernswert. Für Stephan Krass offenbarte sich hier eine „Ironie der Geschichte: ausgerechnet der vom Empire abgefallene Inselzwerg führte der maroden Weltmacht England vor Augen, was man unter ‚splendid isolation’ versteht.“
Der immer deutlicher sichtbar werdende Erfolg des Projekts beschämte die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien zutiefst. In dieser Situation legte die anguillanische Regierung noch ein Schäufchen nach und setzte für den 6. Februar 1969 eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung an. Deren Zielsetzung: Die Bewohner der Insel sollten die politische Entscheidungsgewalt über sich für alle Zukunft selbst in die Hand nehmen. Keine andere Macht der Welt durfte mehr den Fortgang ihres Schicksal bestimmen. Und das Ergebnis war neuerlich eindeutig: 1739 von 1744 der Bürger stimmten für die neue Verfassung.
Mit deren praktischer Umsetzung zerbrach Anguilla das letzte noch bestehende Band zum britischen „Mutterland“, die formelle Hoheit der Königin, und erklärte sich zur unabhängigen Republik. Damit war das Fass aus Sicht der ehemaligen Herrscher endgültig voll. Ein weiteres Erstarken des Ministaats konnten und durften sie nicht mehr zulassen. Die Folgewirkungen wären, wie Kolonialpolitiker in den diesbezüglich einberufenen Krisensitzungen bemerkten, unabsehbar gewesen. Denn auch andernorts regten sich schon Unabhängigkeitsbestrebungen anguillanischer Art. Man musste also das Experiment beenden, bevor es Schule machte. Und da wortgewaltige Drohgebärden nichts nutzten, blieb den verunsicherten Imperialstrategen nichts anderes übrig, als zu gewaltsamen Mitteln zu greifen.
Was folgte, war einer der kuriosesten Militäreinsätze der Geschichte. Er begann damit, dass im März 1969 für schwere Kampfeinsätze geschulte britische Truppen auf Anguilla landeten. Dessen Präsident Ronald Webster war zuvor noch rasch in die USA geflogen, um vor den Vereinten Nationen Protest gegen die Invasion einzulegen. Er fand jedoch kein Gehör und musste unverrichteter Dinge wieder in seine Heimat zurückkehren. Dort hatte sich inzwischen ein mit schwerer Munition versehenes britisches Kontingent festgesetzt. Gegenwehr war sinnlos - die alte verrostete Kanone im Hafen der Insel richtete gegen die bis an die Zähne bewaffneten Eroberer genauso wenig aus wie das ansonsten einzig als Kampfmittel zur Verfügung stehende Hausgerät. Und so nahm die Inselbevölkerung ihr Schicksal hin - mit leisem Murren und tiefer Enttäuschung. Es war das Ende eines Traums. Unvergesslich: das Bild eines mit Maschinengewehr bewaffneten Besatzers, der nackt am Strand von Anguilla patrouilliert, offensichtlich nicht wissend, wo er da eigentlich hineingeraten war. Kein Mensch, der sich widersetzte, nur Sand und die endlose Weite des Meeres. Die britischen Soldaten, bereit durch die Hölle zu gehen, waren in einem Paradies gelandet. Und die Eroberer zerstörten, ohne wirklich Hand anlegen zu müssen, ein eben erblühendes, zartes Pflänzchen der Freiheit.
Moderne Zeit
Die neuen alten Machthaber setzten in der Folgezeit alles daran, die mittlerweile entstandene Selbstverwaltungsstruktur durch koloniale Verflechtungen zu ersetzen und so jegliches Selbständigkeitsstreben der Insulaner für alle Zukunft unmöglich zu machen. Große Tourismusunternehmen kamen auf die Insel, und die Anguillaner fanden sich unversehens wieder in ihrer alten Rolle als Hilfskellner und Diener reicher Herren. Die Rebellion der Jahre 1967 bis 1969 spielte bald nur noch als Vermarktungsprodukt im alles überwuchernden cocakolonialen Dschungel eine Rolle. Binnen weniger Jahre wurde Anguilla so nachhaltig „globalisiert“, sprich in internationale wirtschaftliche Unternehmungen hinein verstrickt, dass eine neuerliche Unabhängigkeitsbewegung von vornherein zum Scheitern verurteilt sein musste. Unter diesen Voraussetzungen erhielt Anguilla im Februar 1976 pro forma eine „innere Autonomie“ unter britischem „Schutz“ zuerkannt. Aber da war nichts mehr autonom, und es gab keine Chance und auch keinen wirklichen Willen mehr, eine tatsächlich eigenständige Untergrundkultur aufzubauen.
Die neue, 1976 eingesetzte Inselregierung, der zunächst der alte Haudegen Webster vorstand, wurde von der Kolonialmacht nach Lust und Laune gegängelt. Ein kurzer Disput über Landrechte mit dem Repräsentanten der britischen Krone führte zu Websters Absetzung, aber auch seinem Nachfolger Emil Gumbs waren die Hände gebunden. In Interviews äußerte er sich bezüglich der anguillanischen Unabhängigkeit stets diplomatisch. Sie war für ihn schlicht kein Thema mehr, Schluss, aus, Ende. Die Zeit des revolutionären Aufbegehrens war vorbei. Und außerdem wollte man sich’s mit den Eroberern von einst nicht verscherzen - immerhin brachten sie als Touristen einiges Geld auf die Insel, das letztlich auch den Einwohnern zugute kam.
Außerdem machte und macht Anguilla gute Geschäfte mit Briefkastenfirmen. Zuletzt unter anderem mit der österreichischen Gewerkschaftsbank Bawag, die durch „karibische Geldtransfers“ beinah in den Ruin geschlittert wäre. Im März 2006 kam dieser Skandal an die Öffentlichkeit, wobei am Rande vermerkt wurde, dass die riskanten Geschäfte zu einem Gutteil über Anguilla abgewickelt wurden. Die Insel geriet damit selbst ein wenig in Verruf, gilt sie doch als fragwürdiges Steuerparadies. Aber wie im mittlerweile gerichtlich abgewickelten Fall Bawag sichtbar wurde, kann es neoliberalen Profitgeiern schon mal passieren, dass sie in dem sandigen Terrain gehörig auf die Nase donnern. So frisst der Kolonialismus manchmal jene, die ihn finanzieren. Ein Teufelskreis, der uns die übelsten Seiten unserer politischen und wirtschaftlichen Überheblichkeit vor Augen führt.
Die Anguillaner trugen und tragen ihre Niederlage demgemäß mit Fassung - und mit allen Unbillen zum Trotz untergründig keimender Hoffnung. Immerhin, ihre Flagge mit den drei kreisenden Delfinen wurde 1990 als Wappenschild in die britische Kolonialfahne einfügt. Für manche war dies ein kleiner Hoffnungsschimmer und stellte mithin ein gutes Omen für die Zukunft dar, für andere aber war es bloß ein weiteres Zeichen dafür, dass sich mit der alten Revolution gut hausieren gehen ließ. Wie sich nicht zuletzt bei offiziellen Anlässen zeigt: Selbst offizielle Repräsentanten der Krone feiern heutzutags den die einstige Unabhängigkeit zelebrierenden „Anguilla Day“ am 30. Mai - allerdings so, als wäre die Sache damals ein bloßer Karnevalsscherz gewesen.
Unterdessen erhielten die Anguillaner - ihre Zahl ist dank spätkolonialen Zuzugs mittlerweile auf über 12.000 angewachsen - im März 1999 die britische Staatsbürgerschaft. Man gestand sie ihnen zu, um sie nur ja bei der Stange zu halten. Wie stark jedoch die Sehnsucht nach Freiheit nach wie vor ist, zeigte sich zuletzt beim Tod des Nationalhelden Jeremiah Gumbs im April 2004. Sein Begräbnis wurde zu einem auch über die Insel hinaus viel beachteten Demonstrationszug. Mehr als 1000 seiner Verehrer erinnerten sich noch einmal an den alten, beinah erfolgreichen Aufstand. Anguillas Flaggen wehten auf Halbmast, alle Geschäfte waren geschlossen, und selbst die Regierung trauerte. In seiner Grabrede pries Gumbs’ Sohn Clyde die „Schonungslosigkeit“ seines Vaters „in Sachen Selbstbestimmung“ als Erbschaft für die Zukunft.
Diese sieht durchaus rosig aus. Im Jahr 1995 erhielt Anguilla und nicht die nahegelegene Insel Antigua, das die gleichen Buchstaben im Namen trägt, die Internet-Adresse ".ai". Aus damaliger Sicht war noch nicht abzusehen, dass sich dies dereinst als Geldquelle ungeahnten Ausmaßes entpuppen würde, denn das Kürzel steht im Englischen für "Artrificial Intelligence", "künstliche Intelligenz", und da wollen sich neuerdings immer mehr Unternehmen einklinken. Laut Premierminister Webster (laut Kurier vom 16.10.2024) ist davon auszugehen, "dass der KI-Boom noch lange anhalten wird". Anguilla, das bislang "auf Hilfen aus Großbritannien angewiesen war, kann sich durch die KI-Einnahmen nun zunehmend selbst finanzieren."
Ihre Eigenständigkeit bewahrte sich die Insel auch schon während der Corona-Zeit. Von März bis November 2020 waren die Grenzen geschlossen. Corona-Todesfall gab es keinen und Impfzahlen scheinen nirgendwo auf. Unterdessen leidet der internationale Ruf der Insel unter dem Dauervorwurf, Steuerflüchtigen als "tax heaven" zu dienen (unter anderem soll hier in den spätzen 1990er Jahren der österreichische BAWAG-Chef Helmut Elsner 1,4 Milliarden Euro in den Sand gesetzt haben). Mangelnde Steuertransparenz und unzureichende Umsetzung internationaler Standards zur Verhinderung von Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung Die EU hat Anguilla mehrfach auf ihre Liste der nicht kooperativen Länder und Gebiete für Steuerzwecke gesetzt, zuletzt im Oktober 2022.
Verwaltung
Anguilla gehört seit 1650 zum britischen Empire. Von 1967 bis 1969 kurzzeitig unabhängig, ist es heute ein kolonial verwaltetes britisches Überseegebiet mit einer 1980 pro forma garantierten inneren Autonomie. Als Mitglied des britischen Staatsverbandes ist es mit der Europäischen Union (EU) verbunden. Außerdem ist Anguilla assoziiertes Mitglied der Karibischen Gemeinschaft, der Organisation Ostkaribischer Staaten und der CARICOM. Es gehört zu den Trägern der University of the West Indies.
Herrschaftsgeschichte
- um -1300 bis 6. Jahrhundert Stammesgemeinschaften der Ciboney
- 6. Jahrhundert bis 2. Juli 1627 Stammesgemeinschaften der Arawak
- 2. Juli 1627 bis 25. April 1636 Besitztum von James, Earl of Carlisle, verliehen durch König Charles I. von England
- 25. April 1636 bis 1650 Königreich England (Kingdom of England)
- 1650 bis 1670 Kolonie Anguilla (Colony of Anguilla) des Königreichs England (Kingdom of England)
- Juni 1666 Königreich Frankreich (Royaume de France) unter Sieur des Roses
- 1670 bis 1. Mai 1707 Kolonie Inseln über dem Winde (Colony Leeward Islands) des Königreichs England (Kingdom of England)
- 1. Mai 1707 bis 31. Dezember 1800 Kolonie Inseln über dem Winde (Colony Leeward Islands) des Königreichs Großbritannien (Kingdom of Great Britain)
- 1. Januar 1801 bis 26. April 1816 Kolonie Inseln über dem Winde (Colony Leeward Islands) des Vereinigten Königreichs (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
- 26. April 1816 bis 19. Dezember 1832 Kolonie Saint Christopher, Nevis, Anguilla und Britische Jungferninseln (Colony Saint Christopher, Nevis, Anguilla and British Virgin Islands) des Vereinigten Königreichs (United Kingdom)
- 19. Dezember 1832 bis 7. Juni 1882 Kolonie Inseln über dem Winde (Colony Leeward Islands) des Vereinigten Königreichs (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
- 7. Juni 1882 bis 27. Februar 1967 Kolonie Saint Christopher-Nevis-Anguilla (Colony Saint Christopher-Nevis-Anguilla) des Vereinigten Königreichs (United Kingdom of Great Britain and Ireland, ab 27. April 1927 United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland)
- 27. Februar 1967 bis 6. Februar 1969 Assoziierter Staat Saint Christopher-Nevis-Anguilla (Associated State of Saint Christopher-Nevis-Anguilla)
- 6. Februar bis 19. März 1969 Republik Anguilla (Republic of Anguilla)
- 19. März 1969 bis 27. Juli 1971 Direktverwaltung durch das Vereinigte Königreich (United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland) unter Notstandsbefugnissen
- 27. Juli 1971 bis 19. Dezember 1980 Kolonie Anguilla (Colony of Anguilla) des Vereinigten Königreichs (United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland)
- seit 19. Dezember 1980 Überseegebiet Anguilla (British Dependent Territory Anguilla) des Vereinigten Königreichs (United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland) mit innerer Autonomie
Verfassung
Die verfassungsrechtliche Entwicklung Anguillas ist eng mit dem politischen Verhältnis zu Saint Kitts und Nevis und mit der Anguilla Revolution von 1967 verbunden. Vor der Erlangung einer weitergehenden inneren Selbstverwaltung war Anguilla Teil der politischen Einheit Saint Kitts-Nevis-Anguilla. Die Verfassungsreformen der 1930er Jahre führten zunächst zu einer Neuordnung der Wahlkreise und des Legislative Council. Das allgemeine Erwachsenenwahlrecht wurde für Saint Kitts, Nevis und Anguilla jedoch erst 1952 eingeführt. Von diesem Zeitpunkt an konnten alle Personen ab 21 Jahren unabhängig von Eigentum oder Einkommen an den Wahlen teilnehmen. Die ersten Wahlen unter diesem Wahlrecht fanden am 6. Oktober 1952 statt.
Die politische Entwicklung änderte sich grundlegend nach dem Zusammenbruch der Westindischen Föderation 1962 und der anschließenden Bildung der Westindischen assoziierten Staatlichkeit. Die geplante staatliche Verbindung von Saint Kitts, Nevis und Anguilla führte auf Anguilla zu erheblichem politischen Widerstand. Am 30. Mai 1967 vertrieben Anguillaner die auf der Insel stationierte Royal St. Kitts Police Force. Dieses Ereignis wird heute als Anguilla Day begangen. Im weiteren Verlauf erklärte sich Anguilla am 11. Juli 1967 zu einer unabhängigen Republik; diese politische Ordnung wurde allerdings nicht international als dauerhafte staatliche Unabhängigkeit anerkannt.
Nach weiteren Verhandlungen griff Großbritannien im März 1969 militärisch ein und übernahm die unmittelbare Kontrolle über die Insel. Die britische Intervention beendete die von Anguilla angestrebte eigenständige republikanische Ordnung, führte aber anschließend zu einer schrittweisen Neuordnung der politischen und verfassungsrechtlichen Stellung des Gebiets. Mit dem Anguilla Act 1971 und dem Anguilla (Administration) Order 1971 wurde eine neue Verwaltungsordnung geschaffen. Der Commissioner erhielt die zentrale Verwaltungsgewalt, musste sich bei bestimmten Angelegenheiten jedoch mit dem Anguilla Council beraten. 1972 fanden die ersten Wahlen nach dieser neuen Verwaltungsordnung statt.
Ein weiterer Schritt folgte mit der Anguilla (Constitution) Order 1976. Sie ersetzte die vorangegangene Verwaltungsordnung durch eine formelle Verfassungsordnung und schuf institutionelle Grundlagen für eine weitergehende innere Selbstverwaltung. Diese Verfassung wurde jedoch bereits wenige Jahre später durch eine neue Verfassungsordnung ersetzt.
Die heute maßgebliche Grundlage der politischen Ordnung geht auf die Anguilla Constitution Order 1982 zurück. Sie wurde am 10. März 1982 im Privy Council des Vereinigten Königreichs erlassen und trat am 1. April 1982 in Kraft. Mit ihrem Inkrafttreten wurde die Verfassung von 1976 aufgehoben und durch eine neue Verfassung ersetzt. Die Constitution Order 1982 regelte unter anderem die Grundrechte und Grundfreiheiten, die Stellung des Gouverneurs, das House of Assembly, das Executive Council, die Justiz und den öffentlichen Dienst.
Die Verfassung von 1982 enthält einen umfangreichen Grundrechtsteil. Zu den ausdrücklich geschützten Rechten gehören unter anderem das Recht auf Leben, persönliche Freiheit, Eigentum und Rechtsschutz sowie die Freiheit des Gewissens, der Meinungsäußerung und der friedlichen Versammlung und Vereinigung. Ebenfalls geschützt werden das Privat- und Familienleben sowie weitere rechtsstaatliche Garantien. Die Grundrechte gelten grundsätzlich unabhängig von Rasse, Herkunft, politischer Auffassung, Hautfarbe, Religion oder Geschlecht.
Die Verfassung verbindet parlamentarische Selbstverwaltung mit den besonderen Zuständigkeiten eines Britischen Überseegebiets. Der Gouverneur vertritt den britischen Monarchen und verfügt über eigene verfassungsrechtliche Befugnisse. Dazu gehören insbesondere bestimmte Bereiche der äußeren Angelegenheiten, der Verteidigung und der inneren Sicherheit. Die Verfassung von 1982 sieht zugleich vor, dass der Gouverneur bei zahlreichen Angelegenheiten mit dem Executive Council beziehungsweise dem Chief Minister zusammenarbeitet. Für bestimmte Bereiche kann der Gouverneur Zuständigkeiten an den Chief Minister oder einen anderen Minister übertragen.
Eine wichtige Änderung erfolgte durch den Anguilla Constitution (Amendment) Order 1990. Dieser änderte verschiedene Bestimmungen der Constitution Order 1982 und ist Bestandteil der heute fortgeltenden Verfassungsordnung. Die amtliche konsolidierte Fassung weist ausdrücklich die Constitution Order 1982 und den Constitution (Amendment) Order 1990 gemeinsam aus. Die Änderung von 1990 betraf unter anderem die verfassungsrechtliche Abgrenzung bestimmter Zuständigkeiten des Gouverneurs und die Organisation der Exekutive.
Die Verfassung legt auch die Funktionsweise des House of Assembly fest. Das Parlament besitzt Gesetzgebungsbefugnisse für die inneren Angelegenheiten Anguillas. Gesetzentwürfe werden im Assembly eingebracht, beraten und verabschiedet. Gleichzeitig enthält die Verfassung besondere Regelungen für Finanzgesetze und bestimmte Befugnisse des Gouverneurs. So darf das Assembly bestimmte Gesetzesvorhaben zur Einführung oder Erhöhung von Steuern beziehungsweise zur Belastung öffentlicher Einnahmen nur auf Empfehlung des Gouverneurs behandeln. Darüber hinaus bestehen verfassungsrechtliche Reservebefugnisse des Gouverneurs für bestimmte außergewöhnliche Situationen.
Die Legislaturperiode des House of Assembly beträgt grundsätzlich fünf Jahre, sofern das Parlament nicht vorher aufgelöst wird. Nach einer Auflösung muss innerhalb der in der Verfassung vorgesehenen Frist eine allgemeine Wahl stattfinden. Damit ist die häufig anzutreffende Angabe einer festen vierjährigen Legislaturperiode für die gegenwärtige Verfassungsordnung nicht zutreffend.
Die Verfassung regelt darüber hinaus die Unabhängigkeit und Organisation des öffentlichen Dienstes. Sie sieht unter anderem eine Public Service Commission vor, deren Mitglieder nach den in der Verfassung festgelegten Verfahren bestellt werden. Damit bildet die Constitution Order nicht nur die Grundlage des politischen Systems, sondern auch des institutionellen Aufbaus der öffentlichen Verwaltung.
Legislative und Exekutive
Anguilla ist ein Britisches Überseegebiet mit einer weitgehenden inneren Selbstverwaltung. Staatsoberhaupt ist der britische Monarch, der auf Anguilla durch einen vom Vereinigten Königreich ernannten Gouverneur vertreten wird. Die Verfassung von Anguilla regelt die Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen dem Gouverneur, dem House of Assembly und der Regierung. Die Gesetzgebung wird durch das House of Assembly ausgeübt, während die Regierung die Exekutivgewalt innerhalb des verfassungsrechtlich festgelegten Rahmens wahrnimmt.
Das Parlament Anguillas trägt die Bezeichnung House of Assembly und hat seinen Sitz in The Valley. Es besteht nach der geltenden Verfassungsordnung aus 13 gewählten Mitgliedern sowie zwei nicht stimmberechtigten Mitgliedern von Amts wegen, dem Deputy Governor und dem Attorney-General. Zusätzlich wird ein Speaker gewählt, der die Sitzungen des Parlaments leitet. Die frühere Verfassungsregelung sah neben den gewählten Abgeordneten zwei vom Gouverneur ernannte Mitglieder vor. Diese beiden nominierten Sitze wurden durch die Verfassungsänderungen von 2019 abgeschafft. Damit werden die politischen Mitglieder des House of Assembly heute ausschließlich durch Wahlen bestimmt.
Das House of Assembly verabschiedet die Gesetze Anguillas, berät über den Staatshaushalt und kontrolliert die Tätigkeit der Regierung. Die Abgeordneten vertreten die Wahlbezirke der Insel und bilden zugleich die Grundlage für die Regierungsbildung. Der Gouverneur ist nicht Mitglied des House of Assembly. Die gegenwärtige Parlamentsverwaltung wird vom Clerk to the House of Assembly geführt; diese Funktion hat Lenox J. Proctor inne. Das Parlamentsgebäude befindet sich an der Parliamentary Drive in The Valley.
Die Exekutive wird durch den Premier und das Executive Council ausgeübt. Die Verfassung bezeichnet dieses Gremium als Executive Council; in der politischen Praxis wird es auch als Cabinet beziehungsweise Regierung bezeichnet. Es besteht aus dem Premier, höchstens drei weiteren Ministern sowie dem Deputy Governor und dem Attorney-General als Mitgliedern von Amts wegen. Die Ernennung des Premiers erfolgt durch den Gouverneur aus dem Kreis der gewählten Mitglieder des House of Assembly. Maßgeblich ist dabei, welches gewählte Mitglied nach Einschätzung des Gouverneurs die Unterstützung der Mehrheit der gewählten Abgeordneten besitzt. Die weiteren Minister werden vom Gouverneur auf Vorschlag des Premiers aus den gewählten Mitgliedern des House of Assembly ernannt. Ein Parliamentary Secretary kann zusätzlich aus den gewählten oder nominierten Mitgliedern des Assembly ernannt werden.
Die gegenwärtige Regierung wird von Premierministerin Cora Richardson-Hodge geführt. Sie ist zugleich Ministerin für Finance, Labour, Immigration, Home Affairs and Constitutional Affairs. Weitere Mitglieder des Executive Council sind Cardigan Connor als Minister für Health, Tourism and Sports, Kyle Hodge als Minister für Economic Development, Industry, Commerce, Lands, Planning, Water and Natural Resources, Shellya Rogers-Webster als Ministerin für Social Development, Education & Library, Youth and Culture sowie Jose Vanterpool als Minister für Infrastructure, Communications, Utilities, Housing, IT and E-Government Services. Die Zusammensetzung und Ressortverteilung sind in den Sitzungsprotokollen des Executive Council von 2026 dokumentiert.
Der Deputy Governor ist Perin Bradley. Er gehört dem Executive Council von Amts wegen an, übt dort aber nicht die Funktion eines politischen Ministers aus. Ebenfalls von Amts wegen gehört der Attorney-General dem Executive Council an. Dieses Amt hat Rachel Spearing inne. In den Sitzungen des Executive Council nehmen außerdem der Clerk to Executive Council und je nach Beratungsgegenstand weitere Beamte, Ministerialberater oder Assistenten teil.
Als Parliamentary Secretary ist Cordell Richardson tätig. Er gehört nicht zu den Ministern des Executive Council, unterstützt aber die Regierung bei parlamentarischen und ministeriellen Aufgaben. Die Regierungsressorts umfassen unter anderem Finanzen, Arbeit und Einwanderung, wirtschaftliche Entwicklung, Handel und natürliche Ressourcen, Gesundheit, Tourismus, Bildung, soziale Entwicklung, Infrastruktur, Kommunikation, Energieversorgung, Wasserwirtschaft, Wohnungswesen und elektronische Regierungsdienste.
Eine besondere Stellung nimmt der Gouverneur ein. Er vertritt den britischen Monarchen auf Anguilla und besitzt nach der Verfassung eigene Zuständigkeiten, insbesondere in bestimmten Bereichen der äußeren Angelegenheiten, der Verteidigung, der inneren Sicherheit und des öffentlichen Dienstes. Gleichzeitig wird ein großer Teil der inneren Verwaltung durch die gewählte Regierung wahrgenommen. Dadurch verbindet das politische System Anguillas Elemente parlamentarischer Selbstregierung mit den verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten eines Britischen Überseegebiets.
Government of Anguilla (Regierung von Anguilla, 2005 bis 2010)
- Chef-Minister, Minister für Land, Planung, Information und Rundfunk, Umwelt,
- Geschlechtsangelegenheiten; Menschenrechte, Immigration und interne Angelegenheiten - Osbourne B. Fleming
- Minister für Finanzen, Tourismus, wirtschaftliche Entwicklung und Handel - Victor Banks
- Minister für Infrastruktur, Kommunikation, öffentliche Leistungen und Wohnen - Kenneth Harrigan
- Minister für soziale Entwicklung, Erziehung, Gesundheit, Sport, Jugend und Kultur - McNeil Rogers
- Parlamentssekretär mit den Verantwortungsbereichen Wasser, Fischfang und Landwirtschaft - Albert Hughes
Government of Anguilla (Regierung von Anguilla, seit Februar 2010 bis April 2015)
- Gouverneur - William A. Harrison, ab 2013 Christina Scott
- Stellvertretender Gouverneur - Stanley E. Reid
- Permanenter Sekretär - Aurjul H. Wilson
- Chef-Minister, Minister für Finanzen, wirtschaftliche Entwicklung, Investment und Tourismus - Hubert B. Hughes
- Minister für soziale Entwicklung - Edison A. Baird
- Permanente Sekretärin für Erziehung, Jugend, Kultur und Sport - Chanelle Patty Barrett
- Permanenter Sekretär für Gesundheit und soziale Entwicklung - Bonnie Richardson
- Minister für heimatliche Angelegenheiten, natürliche Ressourcen, Land und physische Planung - Walcott A. Richardson
- Minister für Infrastruktur, Kommunikation, Gebäude, Wohnen, Landwirtschaft und Fischerei - Evan Gumbs
Government of Anguilla (Regierung von Anguilla, designiert 2015)
- Governor: Christina Scott
- Deputy Governor: Stanley E. Reid
- Permanent Secretary: Kathleen Rogers
- Minister of Infrastructure, Communications, Utilities & Housing: Curtis Richardson
- Minister of Social Development: Evans McNiel Rogers
- Permanent Secretary, Education, Youth & Culture, Sports: Chanelle Petty Barrett
- Permanent Secretary, Health & Social Development: Bonnie Richardson-Lake
- Ministry of Home Affairs, Natural Resources, Lands & Physical Planning: Cora Richardson-Hodge
Government of Anguilla (Regierung von Anguilla, designiert 2017)
- H.E. The Governor - His Excellency the Governor, Mr. Tim Foy, OBE (ab August 2017)
- Her Excellency the Governor - Ms Christina Scott (bis August 2017)
- Chief Minister and Minister of Finance, Economic Development, Investments & Tourism - Hon. Victor F. Banks
- Deputy Governor - Hon. Stanley E. Reid
- Minister of Home Affairs, Natural Resources, Lands & Physical Planning - Hon. Cora Richardfson-Hodge
- Minister of Social Development - Hon. Evans McNiel Rogers
- Minister of Infrastructure, Communications, Utilities & Housing - Hon. Curtis Richardson
- Attorney General - Hon. Rupert Jones
Government of Anguilla (Regierung von Anguilla, designiert 2020)
- The Honourable Minister of Finance, Tourism and Health - The Honourable Premier, Dr. Ellis Lorenzo Webster
- The Honourable Minister of Home Affairs – Mr. Kenneth Hodge
- The Honourable Minister of Social Development and Education – Ms. Dee-Ann Kentish-Rogers
- The Honourable Ministerial Assistant in the Ministry of Social Development with responsibility for Youth , Sports and Culture – Mr. Merrick Richardson
- The Honourable Minister of Infrastructure – Mr.Haydn Hughes
- The Honourable Parliamentary Secretary for Economic Development – Mrs. Quincia Gumbs-Marie
- The Honourable Minister of Trade and Commerce – Mr. Kyle Hodge
Inseloberhaupt
Anguilla wurde bis 1967 von Richtern und obersten Beamten verwaltet. Während der kurzen Zeit der Unabhängigkeit hatte die Insel sogar einen eigenen Präsidenten, ehe die britische Kolonialmacht nach der Okkupation im März 1969 Kommissäre mit der administrativen Leitung betraute. Seit 1982 ist der Governor (Gouverneur) höchster Repräsentant des Inselstaats. Seine Zuständigkeit als Vertreter der britischen Krone und damit de facto Staatsoberhaupt erstreckt sich vor allem auf Fragen der Verteidigung, der Außen- und internationalen Finanzpolitik sowie der inneren Sicherheit (inklusive der Polizei). Der Gouverneur wird vom britischen Monarchen eingesetzt. Oberhaupt der von den Inselbewohnern gewählten Regierung war von 1976 bis 2019 der Chief Minister, seit 2019 ist es der Premier.
Lehensherr
- 2. Juli 1627 - 25 Apr 1636 James Hay, 1st Earl of Carlisle (1580 - 1636)
Deputy Governors (Vizegouverneure)
- 1660 - 1666 William Watts (auf Saint Kitts, † 1666)
- 1666 - 1689 Abraham Howell († nach 1727)
- 1689 - 1735? George Leonard (um 1655 - 1735?)
- 1727 - 1729 Francis Phips (Lieutenant Goverenor of Anguilla and Virgin Islands, um 1683 - um 1740)
- 1735 - 1741 John Richardson (1679 - 1741)
- 30 Jun 1741 - 28 Jan 1749 Arthur Hodge († 1749)
- 21 Mai 1745 de la Touche (französischer Kommandant)
- 1749 - 1750 John Welch
- 1750 - 1768 Benjamin Gumbs II († 1768)
- 1768 - 1771 Benjamin Roberts
- 1771 - 1776 John Smith
- 1776? - 1782? Benjamin Gumbs III
- 1782 - 1805? Thomas Hodge
- Nov 1796 André Seris & Laboutique (französische Kommandanten)
- 1805 - 1825 William Richardson († um 1829)
Chief magistrates, ab 1827 auch Chairmen of the Vestry (Oberste Richter)
- 13 Dez 1835 - 1841 Thomas Egar
- 1842 - 1846 Richard Challenger (1805 - nach 1858)
- 1846 - 1862 Robert William Pickwood (ab 1853 auf Saint Kitts, um 1809 - 1862)
- 1862 - 1863 Isidore Peter Lynch Dyett (1812 - 1864)
- 26 Nov 1863 - 28 Jan 1868 George Alsbury (1813 - 1879)
- Jan 1868 - Feb 1869 Alexander Augustus Melfort Campbell (1827 - 1890)
- Mar 1869 - Mai 1871 Neale Porter (1826? - 1905)
- um 1873 D.S. Lloyd
- um 1877 Richard Mahoney Hickson (1825 - 1881)
- um 1879 - 1882 James Louis Lake
Wardens bzw. Magistrates (Richter)
- 1882 - 1888 James Louis Lake
- 1888 - 1890 Edwin Baynes [amtierend]
- 1891 - 1894 Alexander Robert Mackay (1855 - 1896)
- 1894 - 1897 Norman Lockhart
- Dez 1897 - 1904? Joseph Numa Rat (1848 - 1915)
- um 1905 - 1906 G.B. Mason
- 1906 - 1908? Wilfried Murray Wigley (1876 - 1959)
- 1908? - 1910 W.T. Samuels
- 1910 - 1912 Alan Cuthbert Burns (1887 - 1980)
- um 1913 W.E. Burton
- um 1913 - um 1915 George Ignatius Mendes (1878 - 1944)
- um 1917 - um 1918 W.E. Burton [2]
- 9 Aug 1918 - 31 Mai 1923 Samuel B. Jones
- 1923/26? - 24 Dez 1937 John Y. MacFadyen
- 1937/38 C.E.E. Stevens
- 1939? - 1948? A.P. McDonald
- 1952 - 1958 Joseph Darnley Maloney (1905 - vor 2000)
- 1958 - 1962 G.C.H. Thomas (1911 - 1994)
- 1962 - 31 Mai 1967 Vincent Fitzgerald Byron (ab 9 Mar 1967 nicht mehr auf Anguilla, 1913 - 1998)
Chairman of the Peacekeeping Committee (Vorsitzender des Friedenskomitees)
- 30 Mai - 12 Jul 1967 Walter G. Hodge (1920 - 1989)
Chief Executives and Chairmen of the Anguilla Council (Oberste Beamte und Vorsitzende des Anguilla-Rats)
- 12 Jul - 4 Aug 1967 Peter Adams
- 4 Aug 1967 - 8 Jan 1968 James Ronald Webster (1926 - 2016) PPP
Commissioner (Kommissär)
- 8 Jan 1968 - 9 Jan 1969 Anthony „Tony“ Lee (1923 - 2017)
Chief Executive and Chairman of the Anguilla Council (Oberster Beamter und Vorsitzender des Anguilla-Rats)
- 9 Jan - 21 Feb 1969 James Ronald Webster [2] PPP
President (Präsident)
- 21 Feb - 19 Mar 1969 James Ronald Webster [2] PPP
Commissioners (Kommissäre)
- 19 Mar - 20 Apr 1969 Anthony „Tony“ Lee [2]
- 20 Apr 1969 - 28 Jul, 1969 John Alfred Cumber (1920 - 1991)
- 28 Jul 1969 - 17 Mar 1971 Willoughby Harry Thompson (1919 - 2018)
- 17 Mar 1971 - 5 Nov 1974 Arthur Christopher Watson (1927 - 2001)
- 14 Nov 1974 - 6 Mar 1978 David Francis Battye Le Breton (1931 - 2023)
- 23 Mar 1978 - 1 Apr 1983 Charles Harry Godden (1922 - 2020)
Governors (Gouverneure)
- 1 Apr 1982 - 1983 Charles Harry Godden
- Nov 1983 - 7 Apr 1987 Alastair Turner Baillie (1932 - 2009)
- 17 Mai 1987 - 1989 Geoffrey Owen Whittaker (1932 - 2015)
- 25 Nov 1989 - Aug 1992 Brian George John Canty (1931 - 2024)
- 14 Aug 1992 - 31 Okt 1995 Alan William Shave (* 1936)
- 3 Nov 1995 - Dez 1996 Alan Hoole (1942 - 2000)
- Dez 1996 - 27 Jan 2000 Robert Harris [amtierend bis 29 Mai 1997] (* 1941)
- 27 Jan - 4 Feb 2000 Roger Cousins [amtierend]
- 4 Feb 2000 - 29 Apr 2004 Peter Johnstone (* 1944)
- 29 Apr - 28 Mai 2004 Mark Capes [amtierend]
- 28 Mai 2004 - 2 Jun 2006 Alan Edden Huckle (* 1948)
- 2 Jun - 10 Jul 2006 Mark Capes [2, amtierend]
- 10 Jul 2006 - 12 Mar 2009 Andrew George (* 1952)
- 12 Mar - 21 Apr 2009 Stanley Everton Reid [amtierend] (* 1968?)
- 21 Apr 2009 - 18 Jul 2013 Alistair Harrison (* 1954)
- 18 - 23 Jul 2013 Stanley Everton Reid [2, amtierend]
- 23 Jul 2013 - 17 Aug 2017 Christina Scott [w] (* 1974)
- 17 - 21 Aug 2017 Perin Bradley [amtierend] (* 1977)
- 21 Aug 2017 - 30 Dez 2020 Timothy „Tim“ Foy (* 1961)
- 30 Dez 2020 - 18 Jan 2021 Perin Bradley [2, amtierend]
- 18 Jan 2021 - 31 Mai 2023 Dileeni Dniel-Salvaratnam [w] (* 1976?)
- 1 - 26 Jun 2023 Perin Bradley [3, amtierend]
- 26 Jun - 11 Sep 2023 Paul Candlere [amtierend]
- seit 11 Sep 2023 Julia Crouch [w] (* 1967?)
Chairman of the Anguilla Council (Vorsitzender des Anguilla-Rats)
- 21 Okt 1967 - 10 Feb 1976 James Ronald Webster
Chief ministers (Premierminister)
- 10 Feb 1976 - 2 Feb 1977 James Ronald Webster PPP, 1977 AUP
- 2 Feb 1977 - 28 Mai 1980 Emile Gumbs (1928 - 2018) ANA
- 28 Mai 1980 - 12 Mar 1984 James Ronald Webster [2] AUP, ab 1981 ADP
- 12 Mar 1984 - 16 Mar 1994 Emile Gumbs [2] ANA
- 16 Mar 1994 - 6 Mar 2000 Hubert B. Hughes (1933 - 2021) AUP-ADP
- 6 Mar 2000 - 16 Feb 2010 Osbourne Fleming (* 1940) ANA, ab 2005 AUF
- 16 Feb 2010 - 23 Apr 2015 Hubert B. Hughes [2] AUM
- 23 Apr 2015 - 14 Mai 2019 Victor Franklin Banks (* 1947) AUF
Premiers
- 14 Mai 2019 - 30 Jun 2020 Victor Franklin Banks AUF
- 30 Jun 2020 - 25 Feb 2025 Ellis Lorenzo Webster (* 1963) APM
- seit 25 Feb 2023 Cora Richardson-Hodge [w] AUF
Politische Gruppierungen
Die auf der Insel aktiven Parteien werden großteils dem konservativen Lager zugerechnet. Sie entstanden während der 1970er Jahre und sind mitunter noch deutlich revolutionär geprägt.
- ADP = Anguilla Democratic Party (Demokratische Partei von Anguilla, konerservativ)
- ANA = Anguilla National Alliance (Nationale Allianz von Anguilla, konservativ)
- APM = Anguilla Patriotic Movement (Partiotische Bewegung von Anguilla, nationalistisch)
- APP = Anguilla Progressive Party (Forschrittspartei von Anguilla)
- ASA = Anguilla Strategic Alliance (Strategische Allianz von Anguilla, regionalistisch)
- AUP = Anguilla United Party (Vereinigte Partei von Anguilla) bzw. AUM = Anguilla United Movement (Vereinigte Bewegung von Anguilla, konservativ)
- MGD = Movement of Grassroot Democracy (Bewegung der Graswurzeldemokratie, basisdemokratisch)
- PPP = People's Progressive Party (Fortschrittliche Volkspartei, liberal-progressiv, nicht mehr aktiv)
- UF = United Front (Vereinigte Front, eine Koalition aus ANA und AUP, konservativ)
Auf Anguilla gilt das britische Wahlrecht für alle Bürger über 18 Jahren.
Justizwesen und Kriminalität
Anguilla ist ein britisches Überseegebiet in der Karibik und Teil des Gerichtssystems der Eastern Caribbean Supreme Court (ECSC). Das Justizwesen umfasst:
- Eastern Caribbean Supreme Court (ECSC): Zuständig für Anguilla mit einem High Court und einem Court of Appeal. Diese Gerichte bearbeiten sowohl Zivil- als auch Strafsachen.
- Lokale Justizbehörden: Die Justizabteilung Anguillas arbeitet unabhängig und strebt eine effiziente, zügige Rechtsprechung an.
- Rechtsdienstleistungen: Es gibt etablierte Anwaltskanzleien, die ein breites Spektrum an Rechtsgebieten abdecken.
Das System ist darauf ausgelegt, Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit zu gewährleisten. Die Regierung betont die Bedeutung von Unabhängigkeit und Effizienz im Justizwesen.
Die Kriminalitätsrate ist niedrig, schwere Gewaltverbrechen sind selten. Anguilla, die kleine britische Überseeinsel in der nördlichen Karibik, gilt als eines der sichersten Reiseziele der Region und weist eine der niedrigsten Kriminalitätsraten im gesamten Karibikraum auf. Laut dem Global Peace Index und der Bewertung von World Population Review für 2025 wurde Anguilla sogar als das sicherste Land der Karibik gekürt, mit minimalen Vorfällen von Gewaltkriminalität oder Kleinkriminalität, die seine Reputation als tropisches Paradies kaum trüben. Der Kriminalitätsindex liegt bei etwa 12,5 Punkten (nach Numbeo), was eine der niedrigsten Werte weltweit darstellt und vor allem auf die geringe Bevölkerungszahl von rund 15.000 Einwohnern, die Isolation der Insel und eine stabile politische Lage zurückzuführen ist. Die US-Außenministerium und das britische Außenministerium raten jeweils nur zu „normalen Vorsichtsmaßnahmen“ (Level 1), was bedeutet, dass Reisende keine erhöhten Risiken eingehen müssen, solange sie grundlegende Sicherheitsregeln beachten.
Die kanadische Regierung weist indessen auf einen leichten Anstieg seltener, aber ernsterer Vorfälle hin, darunter gewalttätige Delikte mit Schusswaffen und drogenbezogene Kriminalität, die gelegentlich in bewohnten oder öffentlichen Bereichen vorkommen. Diese „Spike“ in gangbezogener Kriminalität betrifft vor allem lokale Konflikte unter Jugendbanden in Dorfzentren und richtet sich selten gegen Touristen – es gibt keine bekannten Fälle von Überfällen auf Besucher in den letzten Jahren. Kleinkriminalität wie Diebstahl von Wertsachen, Einbrüche in Autos oder Taschendiebstähle an Stränden oder in belebten Touristenvierteln ist die häufigste Bedrohung, bleibt aber auf Gelegenheitsdelikte beschränkt und kann durch einfache Maßnahmen vermieden werden, wie das Nicht-Herauslassen von Gepäck, das Vermeiden isolierter Spaziergänge bei Nacht und die Nutzung von Hotelsafes. Drogenkriminalität ist moderat, betrifft jedoch hauptsächlich den lokalen Kontext und selten Urlauber; illegale Drogenbesitz wird streng geahndet, mit hohen Strafen ähnlich wie im Vereinigten Königreich.
Sicherheitskräfte
Anguilla besitzt keine eigenen Streitkräfte. Die Verteidigung des Britischen Überseegebiets fällt in den Zuständigkeitsbereich des Vereinigten Königreichs. Die innere Sicherheit und die polizeilichen Aufgaben werden dagegen auf Anguilla selbst wahrgenommen. Verfassungsrechtlich gehören die Sicherheitsbereiche zu den Zuständigkeiten, die beim Gouverneur verbleiben; die Royal Anguilla Police Force ist die für die polizeiliche und innere Sicherheit verantwortliche Institution.
Die Royal Anguilla Police Force (RAPF) ist die nationale Polizei Anguillas mit Sitz in The Valley. Sie entstand 1990 als Nachfolgeorganisation der 1972 eingerichteten Anguilla Police Force, die nach der Trennung Anguillas von Saint Kitts und Nevis für die polizeiliche Versorgung des Gebiets zuständig war. Die Bezeichnung „Royal Anguilla Police Force“ wurde 1990 eingeführt. Die RAPF ist für die allgemeine Polizeiarbeit, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, die Kriminalitätsbekämpfung, Ermittlungen, den Schutz von Personen und Eigentum sowie weitere Aufgaben der inneren Sicherheit zuständig. Gemeinsam mit dem Attorney General übernimmt sie außerdem Funktionen im Strafverfolgungsbereich, da Anguilla keine von der Polizei vollständig getrennte Staatsanwaltschaft besitzt.
Die Leitung der RAPF obliegt dem Commissioner of Police. Derzeit ist Robert M. Clark Commissioner of Police. Die offizielle Regierungsseite führt ihn als Leiter der Polizei; der aktuelle Policing Plan 2025–2030 wurde ebenfalls unter seinem Namen veröffentlicht. Die zuvor amtierenden Commissioner, darunter Paul C. Morrison und David Lynch, gehören damit zur Geschichte der Polizeiführung und sind nicht mehr die gegenwärtigen Amtsinhaber.
Die Personalstärke der Polizei hat sich seit den früher genannten 111 Beamten verändert. Der Regierungsstellenplan für 2024 wies einen Commissioner, einen Deputy Commissioner, zwei Superintendenten, sieben Inspectors, 19 Sergeants sowie 92 Constables beziehungsweise Senior Constables aus. Damit umfasste der genehmigte Stellenplan insgesamt 122 Polizeistellen. Die tatsächliche Zahl der besetzten Stellen kann von der Zahl der genehmigten Stellen abweichen.
Für den Zeitraum 2025 bis 2030 legt die RAPF einen Schwerpunkt auf mehrere Bereiche der inneren Sicherheit. Dazu gehören insbesondere Waffenkriminalität, Verkehrssicherheit, der Schutz gefährdeter Personen, die weitere Professionalisierung der Polizei sowie eine stärkere Einbindung der Bevölkerung in die Polizeiarbeit. Der Policing Plan beschreibt außerdem Community Policing, Transparenz und das Vertrauen zwischen Polizei und Bevölkerung als zentrale Bestandteile der Polizeiarbeit.
Für 2026 wurde der finanzielle und personelle Ausbau der Sicherheitsstrukturen weiter verstärkt. Der Haushalt sieht für die Royal Anguilla Police Force eine Erhöhung der Mittel von 16,49 Millionen East Caribbean Dollars im Jahr 2025 auf 20,54 Millionen East Caribbean Dollars im Jahr 2026 vor. Vorgesehen sind zusätzliche Polizeistellen, eine Verstärkung des Emergency Response Teams und zusätzliche Ausbildung. Gleichzeitig besteht weiterhin begrenzte Unterstützung durch britische Armed Response Officers, die insbesondere spezialisierte Fähigkeiten und Unterstützung bei besonderen Einsatzlagen bereitstellen. Die Regierung verfolgt dabei den Ausbau eigener personeller und fachlicher Kapazitäten.
Neben der Polizei gehören weitere staatliche Einrichtungen zum Sicherheits- und Justizsystem Anguillas. Dazu zählen das Büro des Attorney General, das Justizwesen mit Magistrate's Court und High Court, HM Prison, die Financial Intelligence Unit sowie das Department of Disaster Management. Der Gouverneur arbeitet mit der Regierung Anguillas und dem Commissioner of Police an der Organisation der inneren Sicherheit und an der Weiterentwicklung der Polizeiarbeit. Für die Sicherheit des Luft- und Seeverkehrs bestehen zusätzlich besondere staatliche Zuständigkeiten und internationale Verpflichtungen.
Die Katastrophenvorsorge bildet wegen der Lage Anguillas in der Hurrikanzone einen weiteren Bestandteil des staatlichen Sicherheitswesens. Das Department of Disaster Management ist für Vorsorge, Risikominderung, Vorbereitung, Notfallmaßnahmen und Wiederaufbau bei Naturkatastrophen zuständig. Polizei, Katastrophenschutz, Gesundheitswesen und andere öffentliche Stellen arbeiten bei größeren Schadensereignissen zusammen.
Internationale Beziehungen
Der einst unabhängige Staat Anguilla hatte nur wenige Freunde. Einzig die Weltpostunion erkannte ihn an. Heute wird Anguilla nach außen hin von Großbritannien vertreten. Als autonome staatliche Einheit ist es Mitglied der Caribbean Development Bank (CDB) sowie assoziiertes Mitglied der United Nations Economic Commission for Latin America and the Caribbean (ECLAC), Caribbean Community (CARICOM) und der Organization of Eastern Caribbean States (OECS). Die Interpol hat auf der Insel ein Subbüro.
Flagge und Wappen
Die Flagge Anguillas zeigt auf blauem Hintergrund links oben den Union Jack, die Flagge des britischen Mutterlandes. Sie ist somit eine Blue Ensign. In der rechten Hälfte ist das Wappen Anguillas dargestellt. Es zeigt drei Delphine. Bis 1967 war der Union Jack des Vereinigten Königreiches die einzige Flagge Anguillas. Die Revolution von 1967 brachte eine neue Flagge hervor, auf der zwei Wassernixen mit einer Muschel zwischen ihnen abgebildet waren. Diese Flagge wurde von einer in San Francisco lebenden Gruppe Anguillaner überbracht und bei der Zerstörung der alten Flagge erstmals gehisst. Sie wurde aber nicht wirklich akzeptiert und bald durch die Flagge der Three Dolphins („Drei Delphine“) ersetzt, die sofort allgemein angenommen wurde und noch heute von den Inselbewohnern benutzt wird, obwohl sie nicht offiziell ist.
Die drei orangefarbenen Delphine repräsentieren Ausdauer, Einheit und Stabilität und sind als Symbol der Kontinuität kreisförmig angeordnet. Die Flagge hat einen weißen Hintergrund, der für Frieden und Ruhe steht, mit einem türkisfarbenen Streifen am unteren Rand, der sowohl das umgebende Meer als auch Glaube, Jugend und Hoffnung symbolisiert. Die Drei-Delphine-Flagge wurde viele Jahre benutzt, aber es herrschte die Ansicht, dass Anguilla eine eigene, offizielle Flagge benötige. Brian Canty, ehemaliger Gouverneur von Anguilla, schlug eine neue Flagge vor und entwarf einige Skizzen, die zur Genehmigung an Königin Elisabeth II. nach London geschickt wurden.
Die neue, erstmals am 30. Mai 1990 gehisste Flagge zeigt auf blauem Hintergrund einen Union Jack in der linken oberen Ecke und auf der rechten Seite einen Schild, in dem auf weißem Untergrund mit türkisfarbener Basis drei orangefarbene Delphine zu sehen sind. Die Gestaltung vereint also die Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich und die Drei-Delphine-Flagge Anguillas.
Die Governor’s Flag, die offizielle Flagge des Gouverneurs, enthält den Union Jack und das Wappen Anguillas, umgeben von einem Lorbeerkranz. Sie wird gehisst, wenn der Gouverneur sich an seinem Amtssitz aufhält, sowie an Autos und Schiffen, mit denen der Gouverneur zu offiziellen Besuchen unterwegs ist.
Das am 30. Mai 1980 eingeführte Wappen Anguillas, offiziell Coat of Arms of Anguilla, besteht aus einem Wappenschild, dessen obere Hälfte vor weißem Hintergrund drei rote ineinander gewundene Delfine zeigt. Sie stehen für Freundschaft, Wissen und Stärke. Der Kreis den sie bilden, soll Kontinuität symbolisieren. Der untere Teil des Wappen ist türkisblau und soll Wasser darstellen und das Meer symbolisieren, von dem Anguilla als Insel eingeschlossen ist. Dieses Wappen ist auch auf der Flagge Anguillas dargestellt.
Das offizielle Seal (Siegel) ist ein Schild in einem Doppelkreis, der die Worte Strength and Endurance („Kraft und Geduld“) enthält.
Nationale Symbole:
- Farbe: hellblau
- Pflanze: white cedar (Weiße Zeder, thuja occidentalis)
- Tiere: Delfin und Ziege
- Motto: Strength and Endurance („Stärke und Geduld“)
- Helden: Jeremiah Gumbs und J. Ronald Webster
Hymne
Seit 1981 hat Anguilla eine eigene Nationalhymne. Sie wurde von Alex Richardson komponiert und getextet und trägt den Titel God Bless Anguilla („Gott segne Anguilla“).
Originaltext Übersetzung
God bless Anguilla Gott segne Anguilla
Nurture and keep her Ernähre und erhalte sie
Noble and beauteous Edel und schön
She stands midst the sea Sie steht inmitten des Meeres
Oh land of the happy Oh Land deer Glücklichen
A haven we'll make thee Einen Hafen werden wir ihr bereiten
Our lives and love Unser Leben und unsere Liebe
We give unto thee Geben wir ihr.
Chorus Refrain
With heart and soul Mit Herz und Seele
We'll build a nation Werden wir eine Nation erschaffen
Proud, strong and free Stolz, stark und frei
We'll love her hold her Wir werden sie lieben und erhalten
Dear to our hearts for eternity Ganz nah bei unseren Herzen in Ewigkeit
Let truth and right Lass Wahrheit und Recht
our banner be Unser Banner sein
We'll march ever on Unter dem wir für immer marschieren
Mighty we'll make Mächtig werden wir es tun
Long may she prosper Lang mag sie gedeihen
God grant her leaders Gott gibt ihren Führern
wisdom and grace Weisheit und Gnade
May glory and honour Mögen Glorie und Ehre
Ever attend her Sie immer berühren
Firm shall she stand Fest soll sie stehen
Throughout every age Durch alle Zeiten
Chorus Refrain
Hauptort
Die Insel hat kein wirkliches natürliches Zentrum, allerdings ist The Valley seit der Gründung der Siedlung im frühen 18. Jahrhundert der zentrale Ort auf der Insel. Damals begann sich die Bevölkerung zunehmend um diesen zentral gelegenen Ort zu konzentrieren, weil er im Gegensatz zu den Küstenorten sicher vor Hurrikanen und Piratenangriffen war. Anguilla wurde 1650 von englischen Siedlern aus Saintg Kitts kolonisiert, und The Valley entstand als kleine Siedlung für Kolonisten und Plantagenarbeiter. Vor dem 18. Jahrhundert gab es auf Anguilla keinen eindeutigen Hauptort. Die Insel war extrem dünn besiedelt (oft nur 300 bis 500 Einwohner) und bestand aus mehreren verstreuten kleinen Dörfern und Plantagen. Die wichtigsten frühen Siedlungen und Anlandeplätze waren Crocus Bay, der erste Landeplatz der englischen Siedler 1650, und Sandy Ground, der bedeutendste Hafen im 17. und 18. Jahrhundert. Die Verwaltung und kirchlichen Funktionen wurden oft von diesen Küstenorten aus wahrgenommen, je nachdem, wo gerade der zuständige Beamte oder Pfarrer lebte. Ein festes administratives Zentrum existierte nicht.
Als Anguilla 1980 nach der Trennung von Saint Kitts und Nevis zum eigenständigen britischen Territorium wurde, erlangte The Valley den Status einer inoffiziellen "capital". Erst 1997 wurde der kleine Ort mit der neuen Verfassung von Anguilla auch offiziell zur Hauptstadt erklärt – bis dahin war es zwar schon lange der tatsächliche Regierungssitz, aber nie formell als „capital“ festgelegt worden.
Verwaltungsgliederung
Die Insel Anguilla besteht aus 7 election districts (Wahlbezirke), 10 regions (Regionen) und 14 districts (Bezirke): Blowing Point, East End, eorge Hill, Island Harbour, North Hill, North Side, Sandy Ground, Sandy Hill, South Hill, Stoney Ground, The Farrington, The Quarter (mit Red Hill), The Valley und West End (mit Long Bay). Auf der untersten Eebene gibt es 55 localities (Örtlichkeiten bzw. Siedlungen). Hauptort ist seit 1652 The Valley.
Verwaltungseinheiten:
7 election districts (Wahlbezirke)
10 regions (Regionen)
14 districts (Bezirke)
55 localities (Siedlungen)
Bevölkerung
Auf Anguilla leben zur Zeit mehr als 15.000 Menschen. Sie verteilen sich fast gleichmäßig über die gesamte Insel. Die erste Zählung im Jahr 1673 ergab 500 waffenfähige Männer. Im Folgenden die Entwicklung der Einwohnerzahl samt Dichte (E/km²), bezogen auf die Fläche von 91 km².
Bevölkerungsentwicklung:
Jahr Einwohner Dichte (E/km²)
1000 2 100 23,08
1500 1 800 19,78
1652 200 2,20
1673 1 300 14,29
1724 1 260 13,85
1743 1 500 16,48
1800 2 000 21,98
1819 3 131 34,41
1834 1 956 21,49
1844 2 900 31,87
1851 3 100 34,07
1871 2 800 30,77
1881 3 200 35,16
1891 3 500 38,46
1901 3 890 42,75
1906 4 000 43,96
1911 4 188 46,02
1916 4 200 46,15
1921 4 239 46,58
1926 4 300 47,25
1931 4 500 49,45
1938 5 700 62,64
1945 5 100 56,04
1948 5 000 54,95
1949 5 100 56,04
1950 5 150 56,59
1951 5 200 57,14
1953 5 300 58,24
1954 5 400 59,34
1955 5 500 60,44
1956 5 605 61,59
1957 5 700 62,64
1958 5 750 63,19
1959 5 800 63,74
1960 5 810 63,85
1961 5 820 63,96
1962 5 830 64,07
1963 5 840 64,18
1964 5 850 64,29
1965 5 870 64,51
1966 5 900 64,84
1967 6 000 66,03
1968 6 050 66,48
1969 6 100 67,03
1970 6 150 67,58
1971 6 200 68,13
1972 6 300 69,23
1973 6 400 70,33
1974 6 519 71,64
1975 6 700 73,63
1976 6 800 74,73
1977 6 900 75,82
1978 7 000 76,92
1979 7 000 76,92
1980 7 100 78,02
1981 7 100 78,02
1982 6 800 74,73
1983 6 519 71,64
1984 6 680 73,41
1985 6 800 74,73
1986 6 900 75,82
1987 7 200 79,12
1988 7 500 82,42
1989 8 000 88,91
1990 8 300 91,21
1991 8 600 94,51
1992 8 960 98,46
1994 10 300 113,19
1995 10 302 113,21
1996 10 430 114,62
1997 10 875 119,51
1998 11 147 122,49
1999 11 510 126,48
2000 11 787 129,53
2001 11 561 127,04
2002 12 466 136,99
2003 12 738 139,98
2004 13 008 142,95
2005 13 477 148,10
2006 12 903 141,79
2007 13 150 144,51
2008 13 360 146,81
2009 13 565 149,07
2010 13 769 151,31
2011 13 572 149,14
2012 13 411 147,37
2013 13 452 147,82
2014 14 459 158,89
2015 14 611 160,56
2016 14 764 162,24
2017 14 909 163,84
2018 15 045 165,33
2019 15 175 166,76
2020 15 003 164,87
1/2021 15 117 166,12
2021 15 701 172,54
2022 15 200 167,03
2023 14 410 158,35
2024 14 598 160,42
2025 14 728 161,85
Für 2005 wurden in alternativen Quellen 12.827 Einwohner angegeben, für das folgende Jahr 13.155 und für 2007 13.487. Der Anteil der Frauen ist mit wachsender Lebenserwartung interessanterweise ebenso gesunken wie der der Jugendlichen.
Bevölkerungsaufteilung:
Bevölkerungszahl 1984 insgesamt 6 680
davon weiblich 3 424 51,26 %
männlich 3 256 48,74 %
davon unter 15jährig 1 544 23,11 %
15 bis 64 Jahre alt 4 380 65,57 %
über 64jährig 756 11,32 %
Bevölkerungszahl 2001 insgesamt 11 430
davon weiblich 5 802 50,76 %
männlich 5 628 49,24 %
davon unter 15jährig 2 067 18,08 %
15 bis 64 Jahre alt 8 791 76,91 %
über 64jährig 572 7,63 %
Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 vergleichsweise rasch um 2,878 % pro Jahr. Dies liegt zum Teil sicherlich aan einer relativ großen Zuwanderungsrate. Die Fruchtbarkeitsrate allerdings sinkt seit einigen Jahrzehnten konstant. 1996 lag sie bei 2,01, im Jahr 2003 bei 1,77 und 2007 bei Kindern pro gebärfähiger Frau. Die Zahl der Geburten liegt indes noch deutlich über der der Sterbefälle. Die Kindersterblichkeit betrug im Jahr 2005 insgesamt 14,27 ‰.
Vitalstatistik: Geburten Sterbefälle Wachstum
1985 177 25,3 73 10,4 104 14,9
1991 169 19,4 59 6,8 110 12,6
1993 169 18,6 59 6,5 110 12,1
1997 189 17,4 59 5,4 129 12,0
1998 190 17,0 61 5,5 129 11,5
1999 192 16,7 61 5,3 131 11,4
2000 193 16,4 68 5,8 125 10,6
2001 183 16,0 52 4,5 131 11,4
2002 169 13,6 65 5,2 104 8,4
2003 139 10,9 65 5,3 74 5,6
2004 188 14,5 71 5,5 117 9,0
2005 184 14,26 ‰ 70 5,43 ‰ 114 8,83 ‰
Das Durchschnittsalter lag zur Jahrtausendwende noch bei 29,9 Jahren, 2004 waren es 30,2 und 2007 deutlich mehr, nämlich 31,6 Jahre, 2010 schließlich 33 Jahre. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei mehr als 80 Jahren, die Fruchtbarkeitsrate im Jahr 2010 bei 1,75 Kindern pro Frau.
Lebenserwartung in Jahren: 1996 1999 2002 2007 2010 2025
insgesamt 77,04 77,71 78,88 77,46 80,65 80,9
Männer 74,07 74,72 76,52 74,53 78,11 78,3
Frauen 80,08 80,78 81,11 80,49 83,26 83,5
Die Zahl der Haushalte ist immer noch erstaunlich gering. Sie verteilen sie auf insgesamt etwas mehr als 3000 Familien.
Haushalte 2001 2011
Gesamtzahl 3 787 4 935
Personen in Haushalten 11 561 13 572
Personen pro Haushalt 3,053 2,750
Volksgruppen
Die Bevölkerung Anguillas ist ethnisch und herkunftsmäßig überwiegend afrokaribisch. Nach der Volkszählung von 2001 bezeichneten sich 90,1 % der Einwohner als afrikanischer beziehungsweise schwarzer Herkunft; 4,6 % gaben eine gemischte Herkunft an. Die Statistikbehörden weisen darauf hin, dass solche Angaben von gesellschaftlichen Vorstellungen über ethnische Zugehörigkeit beeinflusst werden und deshalb zwischen verschiedenen Volkszählungen nicht ohne Weiteres miteinander verglichen werden können. Für 1960 wurden beispielsweise 78 % als afrikanischer beziehungsweise schwarzer Herkunft und 21 % als gemischter Herkunft ausgewiesen.
Die afrokaribische Bevölkerungsmehrheit geht im Wesentlichen auf die während der britischen Kolonialzeit nach Anguilla gebrachten und dort versklavten Afrikaner zurück. Die Herkunft dieser Bevölkerung war nicht auf ein einziges Gebiet beschränkt. Historische und neuere Forschungen nennen sowohl Westafrika als auch Zentralafrika als Herkunftsräume der Vorfahren der afroanguillischen Bevölkerung. Die verfügbaren historischen Quellen erlauben dabei keine zuverlässige Zuordnung der gesamten heutigen Bevölkerung zu einzelnen modernen Staaten wie Nigeria, Ghana, Benin oder der Demokratischen Republik Kongo. Bereits für das Jahr 1683 ist eine beträchtliche afrikanische Bevölkerung auf Anguilla archivalisch belegt.
Die indigene Bevölkerung Anguillas lebte bereits lange vor der europäischen Kolonisation auf der Insel. Archäologische Funde reichen mindestens 3300 Jahre zurück. Die frühen Bewohner kamen aus dem südamerikanischen beziehungsweise südkaribischen Raum und entwickelten Siedlungen, Landwirtschaft und religiöse Anlagen. Die Kulturpolitik Anguillas bezeichnet insbesondere arawaksprachige Gruppen als wichtige Bewohner der späteren präkolonialen Epoche und datiert ihre dauerhafte Besiedlung etwa ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. Zu ihren Kulturpflanzen gehörten unter anderem Maniok, Süßkartoffeln, Baumwolle, Yams, Tabak und Mais. Zu den archäologischen Hinterlassenschaften gehören Keramik, Steinwerkzeuge, Muschelartefakte, Petroglyphen und religiöse Objekte. Bedeutende Fundplätze sind unter anderem die Fountain Cavern bei Shoal Bay East und Big Spring bei Island Harbour.
Als die ersten englischen Siedler 1650 von Saint Kitts nach Anguilla kamen, bestand auf der Insel nach den historischen Darstellungen der Regierung keine dauerhaft ansässige arawakische Bevölkerung mehr. Die indigene Bevölkerung der Region war infolge der europäischen Kolonisation, insbesondere durch Verschleppung, Zwangsarbeit und Krankheiten, stark dezimiert worden. Damit entstand keine ununterbrochene indigene Bevölkerungsgruppe, die bis in die Gegenwart fortbestand. Archäologisch ist die indigene Präsenz jedoch ein wesentlicher Bestandteil der frühen Geschichte Anguillas.
Die englische Kolonisation begann 1650. Wegen der trockenen Böden und der begrenzten landwirtschaftlichen Möglichkeiten entwickelte sich Anguilla nicht zu einem der großen Plantagenzentren der Kleinen Antillen. Dennoch wurden versklavte Afrikaner auf die Insel gebracht. Sie arbeiteten unter anderem in der Landwirtschaft, im Baumwoll- und Tabakanbau, in späteren Zuckeranbauversuchen sowie bei der Salzgewinnung. Im frühen 18. Jahrhundert wurde auch Zucker angebaut, doch die wirtschaftliche Bedeutung der großen Plantagenwirtschaft blieb gegenüber Inseln wie Antigua oder Barbados begrenzt. Die Regierung Anguillas beschreibt die historische Entwicklung entsprechend als Abfolge von indigener Besiedlung, europäischer Kolonisation, Zuckerwirtschaft, Sklaverei, Emanzipation und politischer Revolution.
Nach der Abschaffung der Sklaverei im britischen Empire und dem Ende des Apprenticeship-Systems in den 1830er Jahren blieb die überwiegende Mehrheit der ehemaligen versklavten Bevölkerung auf Anguilla. Dadurch entwickelte sich eine überwiegend afroanguillische Gesellschaft, deren soziale und kulturelle Strukturen bis in die Gegenwart fortbestehen. Die afrokaribische Herkunft zeigt sich unter anderem in Sprache, Musik, religiösen Traditionen, Familienstrukturen, Festkultur, Küche, Fischerei und Bootsbau.
Die Bevölkerung Anguillas war während des 19. und 20. Jahrhunderts zugleich durch starke Auswanderung geprägt. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten auf der trockenen und ressourcenarmen Insel waren begrenzt. Viele Anguillaner wanderten deshalb zeitweise oder dauerhaft in andere karibische Gebiete, in die Vereinigten Staaten und nach Großbritannien aus. Besonders bedeutende Zielgebiete der Diaspora waren Saint Thomas auf den Amerikanischen Jungferninseln, Saint Maarten, die Dominikanische Republik und Großbritannien. In Großbritannien bildeten sich unter anderem anguillische Gemeinschaften in und um Slough. Die Auswanderung führte zu einer weitreichenden Diaspora, deren Mitglieder ihre familiären, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zur Insel vielfach aufrechterhielten.
Seit dem wirtschaftlichen Aufschwung des späteren 20. Jahrhunderts veränderte sich die Bevölkerungsstruktur erneut. Mit der Ausweitung des Tourismus und der Entwicklung des internationalen Finanz- und Dienstleistungssektors stieg der Bedarf an Arbeitskräften. Neben Menschen aus anderen karibischen Staaten kamen zunehmend Arbeitsmigranten aus Lateinamerika, Asien, Nordamerika und Europa nach Anguilla. Eine ältere offizielle Bevölkerungsanalyse nennt insbesondere Zuwanderer aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und verschiedenen karibischen Inseln; seit etwa 2006 wurden außerdem größere Zuwanderungsbewegungen aus China, Indien und Mexiko im Zusammenhang mit dem expandierenden Tourismussektor festgestellt.
Eine wichtige ausländische Bevölkerungsgruppe bilden Menschen aus der Dominikanischen Republik. Daneben leben auf Anguilla Menschen anderer karibischer Herkunft sowie Personen aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Kanada, Europa, Lateinamerika und verschiedenen asiatischen Staaten. Die amtlichen Statistiken erfassen Migration und Staatsangehörigkeit getrennt und stellen entsprechende Daten ab 2014 zur Verfügung. Eine aktuelle ethnische Aufschlüsselung nach einzelnen Herkunftsgruppen liegt dagegen nicht in einer Form vor, die die älteren Prozentangaben unmittelbar fortschreiben lässt.
Volksgruppen 1992:
- Anguillaner 6.884 (76,83 %)
- Ausländer 2.076 (23,18 %)
Volksgruppen 2001:
- Anguillaner 8.301 (72,62 %)
- Ausländer 3.129 (27,38 %)
- Anguillans & Blacks 10.296 (90,08 %)
- Mixed 531 (4,65 %)
- Caucasian 428 (3,74 %)
- East Indian 93 (0,81 %)
- Chinese 21 (0,18 %)
- Amerindian / Carib 19 (0,17 %)
- sonstige 42 (0,37 %
Gegenwärtige Zusammensetzung (nach derVolkszählungen 2011 und neueren Schätzungen)
- Afro-Anguiller / Schwarze Bevölkerung: 85 bis 0 %, die große Mehrheit der Einwohner sind Nachfahren der afrikanischen Sklaven. Sie bilden eine sehr homogene afro-karibische („West Indian“) Gesellschaft mit starkem englisch-kreolischen Kulturerbe.
- Weiße (meist europäischstämmig): 3 bis 4 %, vor allem britische und irische Nachfahren aus der Kolonialzeit sowie neuere Zuwanderer (Expatriates).
- Mulatten / Mixed: 4 bis 5 %, Personen mit gemischt afrikanischer und europäischer Abstammung.
- Andere Gruppen (zusammen 5 bis 8 %):
- Hispano-Karibische (vor allem aus der Dominikanischen Republik und St. Maarten/Sint Maarten)
- Inder und Indo-Karibische (kleine Minderheit)
- Chinesen (meist Händlerfamilien)
- Nahöstliche (libanesisch-syrische) Händlerfamilien
- Nordamerikaner und Europäer (vor allem wohlhabende Residenten und Rentner)
Sprachen
Englisch wird in Regierung und Verwaltung, im Bildungswesen, im Rechtswesen, in den Medien und im geschäftlichen Schriftverkehr verwendet. Die gesprochene Alltagssprache unterscheidet sich jedoch vielfach vom britisch geprägten Standardenglisch. Ein großer Teil der einheimischen Bevölkerung verwendet eine charakteristische anglophone karibische Varietät, die auf der Insel als „Anguillian“, „Anguilla Talk“ oder einfach als „dialect“ beziehungsweise „dialek“ bezeichnet wird. In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird diese Varietät als Anguillian Creole bezeichnet.
Anguillian Creole gehört zu den englischbasierten Kreolsprachen der östlichen beziehungsweise nordöstlichen Karibik. Es steht innerhalb des Leeward Caribbean Creole English in enger historischer Beziehung zu den Kreolvarietäten von Antigua und Barbuda, Saint Kitts und Nevis und Montserrat. Gleichzeitig weist das Anguillian eigene lautliche, grammatische und lexikalische Merkmale auf. Die sprachwissenschaftliche Einordnung als eigenständige lokale Varietät innerhalb des anglophonen karibischen Kreolkontinuums ist deshalb genauer als die bloße Bezeichnung „Englischdialekt“.
Der Wortschatz des Anguillian Creole ist überwiegend englischer Herkunft. Die Grammatik und Aussprache unterscheiden sich jedoch vom Standardenglischen. Wie bei anderen karibischen Kreolsprachen entstanden diese Unterschiede unter historischen Bedingungen intensiven Sprachkontakts zwischen europäischen Sprachen und afrikanischen Sprachen. Die Forschung zur Entstehung des Anguillian konzentriert sich insbesondere auf die frühe Kolonisationszeit Anguillas zwischen dem 17. und frühen 18. Jahrhundert. Don E. Walicek untersucht dabei die Sprachkontakte während der frühen Besiedlung und die gesellschaftlichen Beziehungen zwischen europäischen Siedlern und versklavten Afrikanern.
Für die Herkunft der afrikanischen sprachlichen Einflüsse sind insbesondere die Regionen Goldküste, Sklavenküste und Windward Coast von Bedeutung. Die historischen Bezeichnungen entsprechen ungefähr Teilen des heutigen Ghana sowie der Küstengebiete von Togo, Benin und angrenzenden Regionen Westafrikas. Mit den aus diesen Gebieten verschleppten Menschen gelangten Sprecher verschiedener afrikanischer Sprachen nach Anguilla. Dazu gehörten unter anderem Sprecher von Akan-Sprachen sowie von Ewe-Fon- und Mande-Sprachen. Die Bevölkerung war damit bereits in Afrika sprachlich nicht homogen.
Die sprachliche Entwicklung auf Anguilla verlief nicht als einfacher Austausch einer afrikanischen Sprache gegen Englisch. In der frühen Kolonialgesellschaft trafen mehrere europäische und afrikanische Sprachformen aufeinander. Englische Varietäten bildeten die lexikalische Grundlage der späteren Kreolsprache, während afrikanische Sprachen zur Ausbildung einzelner grammatischer und lautlicher Strukturen beitrugen. Die heutige Forschung betrachtet die Entstehung des Anguillian deshalb als Ergebnis langfristiger Sprachkontakte und sozialer Veränderungen und nicht als unmittelbare Übernahme einer einzelnen afrikanischen Sprache.
Die Archive Anguillas liefern Hinweise darauf, dass sich während der frühen Kolonisationsphase unterschiedliche, teilweise miteinander in Kontakt stehende Sprachgemeinschaften herausbildeten. Die europäische Bevölkerung verwendete verschiedene Formen des Englischen, während die versklavte afrikanische Bevölkerung über unterschiedliche afrikanische Sprachen und kontaktsprachliche Formen verfügte. Durch die täglichen Kontakte innerhalb der kolonialen Gesellschaft entwickelten sich gemeinsame Kommunikationsformen. Im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts entstand daraus eine zunehmend stabile lokale Sprachvarietät.
Die Entwicklung des Anguillian steht außerdem mit der Bevölkerungs- und Sozialgeschichte der Insel in Verbindung. Versklavte Afrikaner bildeten bereits Mitte des 18. Jahrhunderts einen großen Teil der Bevölkerung. Nach der Abschaffung der Sklaverei und den anschließenden gesellschaftlichen Veränderungen entwickelte sich die lokale Sprachform zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil der gemeinsamen anguillanischen Identität. Walicek untersucht ausdrücklich den Zusammenhang zwischen Sprachentwicklung, sozialen Beziehungen, Migration, Rassenbeziehungen, Alphabetisierung und der Herausbildung einer gemeinsamen gesellschaftlichen Identität auf Anguilla.
Das Anguillian ist dabei kein französischbasiertes Antillen-Kreol. Es gehört zur anglophonen Kreoltradition der Leeward Islands und ist daher grundsätzlich von den französischbasierten Kreolsprachen zu unterscheiden, die auf Inseln wie Martinique, Guadeloupe, Dominica oder Saint Lucia historische Bedeutung besitzen. Die unmittelbare sprachgeschichtliche Grundlage Anguillas ist vielmehr das Englische in Verbindung mit den afrikanischen Sprachen der Bevölkerung der Kolonialzeit.
Innerhalb des karibischen Kreolkontinuums besitzt Anguillian zugleich eine eigene Stellung. Die Varietät wird als Anguillian Creole beziehungsweise Anguillan Creole geführt und hat kein eigenes ISO-639-3-Sprachkürzel. In der Fachliteratur und in sprachwissenschaftlichen Darstellungen wird sie teilweise als Varietät des Antiguan and Barbudan Creole beziehungsweise Leeward Caribbean Creole eingeordnet. Die Bezeichnung „Anguillian“ bleibt auf der Insel selbst jedoch eine wichtige Selbstbezeichnung der lokalen Sprechweise.
Ein charakteristisches Merkmal der Sprachsituation ist die Koexistenz verschiedener Sprachregister. In formellen Situationen wird Standardenglisch verwendet, während in familiären, nachbarschaftlichen und anderen informellen Situationen lokale anguillanische Sprachformen stärker hervortreten. Zwischen diesen Polen besteht ein Kontinuum verschiedener Sprechweisen. Sprecher können je nach Gesprächspartner, Situation und gesellschaftlichem Zusammenhang stärker standardnahes Englisch oder stärker kreolisch geprägtes Anguillian verwenden.
Die Unterschiede zum Standardenglisch betreffen unter anderem Aussprache, Grammatik, Pronomen, Verbformen, Satzbau und Wortschatz. Die lokale Varietät ist deshalb nicht lediglich durch einen regionalen Akzent des Englischen gekennzeichnet. Gleichzeitig verwenden viele Sprecher ohne Schwierigkeiten standardenglische Formen, sodass die Grenze zwischen Englisch und Anguillian im alltäglichen Sprachgebrauch fließend sein kann. Die linguistische Forschung behandelt diese Situation als Bestandteil eines karibischen Kreolkontinuums.
Neben Englisch und Anguillian werden auf Anguilla weitere Sprachen gesprochen. Dazu gehören Spanisch und Chinesisch sowie Sprachen von Einwanderern aus anderen karibischen Staaten und aus weiteren Herkunftsregionen. Die sprachliche Vielfalt steht mit der internationalen Migration, dem Tourismus und der wirtschaftlichen Verflechtung Anguillas mit anderen karibischen Gebieten zusammen. Die Größen dieser Sprachgruppen sind deutlich geringer als die der englischsprachigen Bevölkerung.
Besonders durch die Nähe zu Saint-Martin und Sint Maarten bestehen intensive Kontakte zu französisch- und niederländischsprachigen beziehungsweise mehrsprachigen Bevölkerungsgruppen. Französisch und Niederländisch haben dadurch im regionalen Verkehr eine größere praktische Bedeutung als es ihre Sprecherzahl auf Anguilla selbst vermuten lässt. Für internationale Besucher und im Tourismus dominiert jedoch weiterhin Englisch.
Auch Spanisch besitzt durch die Migration aus spanischsprachigen karibischen und lateinamerikanischen Ländern Bedeutung. Spanisch wird insbesondere innerhalb entsprechender Einwanderergemeinschaften und im persönlichen Umfeld verwendet. Chinesische Sprachen werden ebenfalls von Teilen der eingewanderten Bevölkerung gesprochen. Eine vollständige aktuelle Aufteilung der Bevölkerung nach einzelnen Sprachen liegt für die jüngere Zeit nicht in einer ebenso detaillierten Form vor wie die älteren Angaben zur religiösen Zusammensetzung.
Angiullanisch
Das anguillanische Kreol, oft „Anguillan Creole English“ genannt, ist eine englischbasierte Kreolsprache, die auf der kleinen Karibikinsel Anguilla gesprochen wird. Sie gehört zur Familie der Leeward Caribbean Creoles, die sich aus dem Kontakt zwischen englischen Kolonialsprechern und versklavten Afrikanern entwickelt haben. Obwohl Anguilla politisch britisch geprägt ist und Standardenglisch Amtssprache ist, bleibt das Kreol ein wichtiges Element der lokalen Identität.
Das anguillanische Kreol ist dem barbadischen (Bajan) sowie dem saint-kittsisch-nevisianischen Kreol besonders ähnlich, unterscheidet sich aber durch einen charakteristischen Rhythmus und eine tendenziell weichere Aussprache. Viele Merkmale sind typisch karibisch, doch Anguilla gilt als eine der Inseln, auf denen das Kreol am nächsten am Englischen geblieben ist. Manchmal sprechen Linguisten sogar von einem „quasi-englischen Kreol“, weil es für Englischsprecher oft leichter verständlich ist als Varietäten anderer Inseln.
Typisch für die Sprache ist die vereinfachte Grammatik ohne Flexionsendungen. Verben verändern ihre Form grundsätzlich nicht; Zeit und Aspekt werden stattdessen durch kleine Partikel ausgedrückt. Die Zukunft wird etwa mit gon oder guh markiert, die progressive Form mit dey oder da, und für abgeschlossene Handlungen gibt es oft das Partikel done. Das Kreol hat zudem eine eigene Satzmelodie: Die Intonation steigt häufig am Satzende an, was dem Redestil eine sehr lebendige, fast musikalische Qualität verleiht.
Auch der Wortschatz zeigt die Mischgeschichte der Insel. Der Großteil stammt natürlich aus dem Englischen, aber es finden sich afrikanische Einflüsse – etwa in Begriffen für Musik, Rituale oder familiäre Beziehungen – sowie einige indigene Wörter, vor allem für Pflanzen, Tiere und Landschaftsformen. Ein Kennzeichen des anguillanischen Kreols ist die starke Reduktion von Konsonantenclustern und das „Weichwerden“ harter Laute, wodurch Wörter flüssiger klingen als im Standardenglisch. So wird etwa this zu dis, that zu dat, ask zu aks, children zu chirr’n und them zu dem.
Trotz dieser Unterschiede zum Englischen hat das Kreol in Anguilla keinen niedrigen Status; es wird breit akzeptiert und als Zeichen kultureller Zugehörigkeit empfunden. Viele Anguillianer wechseln mühelos zwischen Standardenglisch und Kreol, je nach Kontext – ein Phänomen, das als Code-Switching bekannt ist. In familiären, informellen und humorvollen Situationen dominiert das Kreol, während in Schule, Verwaltung und Tourismus üblicherweise Standardenglisch verwendet wird.
Spezielle, oft verwendete Ausdrücke, die dem eigentlichen englischen Wortsinn diametral widersprechen, sind unter anderem:
- hard = ausgesprochen, frei heraus gesagt
- scamp = unglaubwürdig
- wicked = abscheulich, frevelhaft
- vexed = zornig, wütend
Dazu kommen Ausdrücke wie - nach https://trueanguilla.com/10-essential-anguillian-dialect-words-phrases/
- bat = ein Tier mit Flügeln
- finish = nichts mehr da
- gale = Orkan, Hurricane
- me one alone = für mich selbst
- lime = mit Freunden abhängen, zu einer Veranstaltung gehen
- ayou (kurz für all of you) = ihr alle
- ayou lawd = oh mein Gott! (Ausdruck der Überraschung)
- fore day morning = Tageszeit vor dem Sonnenaufgang
- wha’you sayin‘? = wie geht es dir?
- safe = gut (als Antwort auf vorige Frage), ein kompliziert verschlossener Schrank zur Aufbewahrung von Wertsachen
- dizguzting = ärgerlich, irritierend
- wine = Wein, Drehung der Taille beim Tanz
- dress over = sich bewegen, um Platz für jemanden zu schaffen
Eine Liste anguillanischer Ausdrücke wird unter https://whatwedoinanguilla.com/language/ erarbeitet.
Religion
Die Bevölkerung Anguillas ist überwiegend christlich. Das religiöse Leben wird vor allem von protestantischen Kirchen bestimmt, wobei die anglikanische und die methodistische Tradition historisch besonders stark verankert sind. Daneben bestehen baptistische, pfingstlerische, adventistische, evangelikale und weitere protestantische Gemeinden. Auch die römisch-katholische Kirche besitzt eine feste Stellung. Hinzu kommen kleinere Religionsgemeinschaften, darunter Rastafari, Muslime, Hindus, Bahai und andere religiöse Gruppen.
Die amtliche Statistik zeigt die starke Stellung der beiden traditionellen protestantischen Kirchen besonders deutlich. Im Jahr 2001 gehörten 29,0 % der Bevölkerung der anglikanischen Kirche und 23,9 % der methodistischen Kirche an. Weitere größere Gruppen waren Pfingstler mit 7,7 %, Angehörige der Church of God mit 7,6 %, Siebenten-Tags-Adventisten mit ebenfalls 7,6 %, Baptisten mit 7,3 % und römische Katholiken mit 5,7 %. Jehovas Zeugen und Rastafari machten jeweils 0,7 % aus. Die Vergleichszahlen von 1992 zeigen, dass die Anteile von Anglikanern und Methodisten damals noch höher lagen: 40,4 % waren Anglikaner und 33,2 % Methodisten; die römisch-katholische Bevölkerung stellte 3,2 %, Siebenten-Tags-Adventisten 7,0 % und Baptisten 4,7 %.
Eine spätere statistische Zusammenstellung für die Bevölkerung Anguillas nennt weiterhin eine starke Stellung der methodistischen Gemeinden; daneben werden Pfingstler, Angehörige des allgemeinen Christentums, Siebenten-Tags-Adventisten, Baptisten und römische Katholiken als größere Gruppen ausgewiesen. Für die heutige Situation ist allerdings zu berücksichtigen, dass die detaillierten konfessionellen Angaben vor allem aus den älteren Volkszählungen stammen. Das Statistics Department führt Volkszählungen grundsätzlich im Abstand von zehn Jahren durch; die bisherigen vollständigen Zählungen fanden 1960, 1974, 1984, 1992, 2001 und 2011 statt.
Die anglikanische Tradition geht auf die britische Kolonialgeschichte zurück. Die Church of England beziehungsweise die heutige Anglican Church gehört zu den ältesten institutionell etablierten christlichen Traditionen der Insel. Anglikanische Gemeinden bestehen unter anderem in The Valley und in weiteren Siedlungsbereichen. Kirchengebäude dienen nicht nur Gottesdiensten, sondern auch Gemeindearbeit, Bildungsangeboten, sozialen Aktivitäten und öffentlichen Veranstaltungen.
Ebenso tief reicht die Geschichte des Methodismus zurück. Die Wesleyan Methodist Missionary Society in England begann im frühen 19. Jahrhundert mit der organisierten missionarischen Tätigkeit auf Anguilla. 1817 wurden methodistische Kirchen- und Schulaktivitäten aufgebaut. Die Verbindung von religiöser Unterweisung und Alphabetisierung war ein wesentlicher Bestandteil der damaligen Missionsarbeit. Damit entstand neben der kirchlichen Tätigkeit auch ein Beitrag zur Entwicklung des Bildungswesens.
Die Christianisierung der Bevölkerung erfolgte nicht bereits unmittelbar mit der britischen Besiedlung in einer einheitlichen und flächendeckenden Form. Während der frühen Kolonialzeit waren christliche Geistliche nur begrenzt dauerhaft auf der Insel vertreten. Die religiösen Vorstellungen der europäischen Siedler und der aus Afrika stammenden Bevölkerung waren zunächst stark durch deren jeweilige Herkunftsregionen geprägt. Mit der zunehmenden institutionellen Tätigkeit christlicher Missionen im 19. Jahrhundert entstanden dauerhaft organisierte Gemeinden, Schulen und Kirchen.
Eine besondere Rolle spielte die religiöse Betreuung der versklavten afrikanischen Bevölkerung. Bereits 1813 nahmen sich christliche Geistliche offiziell der religiösen Unterweisung versklavter Menschen an. Die Missionen verbanden die religiöse Unterweisung mit der Vermittlung grundlegender Lese- und Schreibkenntnisse. Besonders die methodistische Missionsarbeit wurde im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einer wichtigen gesellschaftlichen Institution.
Nach der Abschaffung der Sklaverei im Britischen Empire im Jahr 1834 beziehungsweise dem Ende des Lehrlingssystems 1838 entwickelten sich die Kirchen zu wichtigen Einrichtungen der afro-anguillischen Gesellschaft. Sie übernahmen neben Gottesdiensten auch Aufgaben der Bildung, sozialen Unterstützung und Gemeinschaftsorganisation. Kirchen bildeten damit einen wesentlichen Teil der lokalen gesellschaftlichen Infrastruktur.
Die römisch-katholische Kirche ist zahlenmäßig kleiner als die großen protestantischen Traditionen. Ihr Bevölkerungsanteil stieg nach den amtlichen Angaben von 3,2 % im Jahr 1992 auf 5,7 % im Jahr 2001. In späteren statistischen Zusammenstellungen wird ein Anteil von 6,8 % genannt. Die katholische Seelsorge Anguillas ist kirchlich in die Diözese Saint John's–Basseterre eingebunden, deren Sitz in Saint John's auf Antigua liegt. Diese Diözese umfasst katholische Gemeinden auf Antigua und Barbuda sowie Saint Kitts und Nevis und weitere Gebiete der östlichen Karibik.
Die protestantische Landschaft hat sich seit dem 20. Jahrhundert weiter ausdifferenziert. Neben Anglikanern und Methodisten entstanden Gemeinden der Baptisten, Siebenten-Tags-Adventisten, Pfingstkirchen, Church of God, evangelikaler Kirchen und weiterer freikirchlicher Organisationen. Die amtlichen Zensusformulare erfassen neben diesen Gruppen auch unter anderem Brethren, Presbyterianer, die Heilsarmee, Jehovas Zeugen, Bahai, Muslime, Hindus, Rastafari und Personen ohne Religionszugehörigkeit.
Die Rastafari-Bewegung bildet eine kleine religiöse Minderheit. Sie entstand im karibischen Raum im 20. Jahrhundert und verbindet religiöse Vorstellungen mit afrikanisch-karibischer Kulturgeschichte. Auf Anguilla steht Rastafari unter anderem mit der lokalen Musik- und Kulturszene in Verbindung. Bei der Volkszählung von 2001 wurden 0,7 % der Bevölkerung als Rastafarians erfasst.
Daneben existieren kleinere muslimische und hinduistische Gemeinschaften. Ihre Entstehung steht vor allem mit der internationalen Migration und der zunehmenden Zusammensetzung der Bevölkerung aus Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen. Auch Bahai und weitere kleinere Religionsgemeinschaften sind vertreten. Die religiöse Landschaft ist deshalb vielfältiger als es der hohe Anteil christlicher Bevölkerung zunächst erkennen lässt.
Die Kirchen haben bis in die Gegenwart eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Sie betreiben Gottesdienste, Jugend- und Bildungsarbeit, karitative Tätigkeiten, Gemeindeveranstaltungen und soziale Unterstützungsangebote. Kirchen und Geistliche beteiligen sich außerdem an öffentlichen Veranstaltungen und gesellschaftlichen Diskussionen. Die Bedeutung der Kirchen zeigt sich auch daran, dass verschiedene Kirchengebäude und kirchliche Einrichtungen regelmäßig als Veranstaltungsorte für öffentliche Aktivitäten genutzt werden.
Religionsbekenntnisse 2011:
- 73,2 % Protestanten, darunter:
- 22,7 % Anglikaner
- 19,4 % Methodisten
- 10,5 % Pfingstbewegung
- 8,3 % Siebenten-Tags-Adventisten
- 7,1 % Baptisten
- 4,9 % Gemeinde Gottes
- 6,8 %Katholiken
- 1,1 % Zeugen Jehovas
- 10,9 % sonstige Christen
- 3,2 % sonstige Religionen
- 4,5 % keine Religion
| Religion | Z 2001 | Z 2011 |
| Anglicans | 3.313 | 3.077 |
| Methodist | 2.733 | 2.627 |
| Pentecostal | 878 | 1.421 |
| Christianity | - | 1.370 |
| Seventh-day Adventist | 871 | 1.312 |
| Baptist | 833 | 961 |
| Roman Catholic | 654 | 920 |
| Church of God | 869 | 664 |
| Jehovah Witness | 81 | 146 |
| Evangelical | 60 | 107 |
| Rastafarian | 85 | 74 |
| Hinduism | 45 | 58 |
| Islam | 36 | 43 |
| Presbyterian | 22 | 25 |
| Judaism | 16 | 19 |
| Brethren | 39 | 15 |
| ohne Bekenntnis | 456 | 610 |
| sonstige | 400 | 263 |
| unbekannt | 39 | 40 |
Die wichtigsten Religionsgemeinschaften sind:
Anglican Communion (Anglikanische Kirche):
- aktiv seit 1650
- Sitz: Saint Mary’s Rectory, The Valley
- Verbreitung: ganze Insel
- Organisation: parish Saint Mary’s der diocese of the North Eastern Caribbean and Aruba
- Kirchen: Andrew’s Anglican Church (Island Harbour), Saint Augustine’s Anglican Church (East End) und Saint Mary’s Anglican Church (The Valley)
- Zahl der Mitglieder: 4200 (1996), 4314 (1997), 4459 (1998), 3313 (2001), 3081 (2011)
Apostolic Faith (Apostolischer Glaube):
- aktiv seit 1960er Jahre
- Sitz: Blowing Point
- Verbreitung: Süden Anguillas
- Organisation: eigenständige Gemeinde
- Kirche: Apostolic Faith Church (Blowing Point)
- Zahl der Mitglieder: ca. 120 (1996)
Bahai Faith (Bahai-Glaubensgemeinschaft):
- aktiv seit 1960er Jahre
- Sitz: The Valley
- Verbreitung: Inselzentrum
- Organisation: autonome Gemeinschaft
- Zahl der Mitglieder: 119 (2001)
Baptist Church (Baptistische Kirche):
- aktiv seit 1962
- Sitz: Rey Hill
- Verbreitung: Inselzentrum
- Organisation:
- Kirche: Central Baptiste Church (Rey Hill)
- Zahl der Mitglieder: 520 (1996), 539 (1997), 557 (1998), 833 (2001)
Christian Fellowship (Christliche Bruderschaft):
- aktiv seit 2000er Jahre
- Sitz: Blowing Point
- Verbreitung: Blowing Point
- Organisation: community (Gemeinschaft)
- Kirche: Christian Fellowship Church (Blowing Point)
- Zahl der Mitglieder: ca. 40
Church of God (Kirche Gottes):
- aktiv seit 1970er Jahre
- Sitz: North Side und West End
- Verbreitung: ganze Insel
- Organisation: 2 churches (Kirchengemeinden)
- Kirchen: Church of God (The Valley), Church of God Holiness (North Side) und Church of God of Prophecy (West End)
- Zahl der Mitglieder: 250 (1996), 869 (2001)
Jehova’s Witnesses (Zeugen Jehovas):
- aktiv seit 1960er Jahre
- Sitz: The Valley
- Verbreitung: Inselzentrum
- Organisation: Teil der Caribbean Mission
- Bethaus: Kingdom Hall (The Valley)
- Zahl der Mitglieder: 30 (1996), 35 (2003)
Methodist Church (Methodistische Kirche):
- aktiv seit 1813
- Sitz: South Hill
- Verbreitung: ganze Insel
- Organisation:
- Kirchen: Bethel Methodist Church ( South Hill) und Wesleyan Holiness Church (Stoney Ground)
- Zahl der Mitglieder: 3450 (1996), 2733 (2001)
Pentecostal Church (Pfingstkirche):
- aktiv seit 1970er Jahre
- Sitz: -
- Verbreitung: Inselzentrum
- Organisation:
- Zahl der Mitglieder: 170 (1996), 878 (2001)
Plymouth Brethren (Plymouth-Bruderschaft):
- aktiv seit 1970er Jahre
- Sitz: The Valley
- Verbreitung: Inselzentrum
- Organisation:
- Bethaus: Bethany Gospel Hall (The Valley)
- Zahl der Mitglieder: ca. 30 (2001)
Roman Catholic Church (Römisch-Katholische Kirche):
- aktiv seit 1632
- Sitz: Saint Gerard’s, The Valley
- Verbreitung: Inselzentrum
- Organisation: parish der diocese of Saint John’s-Basseterre
- Kirche: Saint Gerard’s Catholic Church (Lower Valley)
- Zahl der Mitglieder: 200 (1991), 310 (1996), 324 (1997), 654 (2001)
Seventh Day Adventist Church (Adventisten):
- aktiv seit 1960er Jahre
- Sitz: East End
- Verbreitung: Inselzentrum
- Organisation: North Caribbean Conference innerhalb der Caribbean Union Conference
- Kirche: Mount Fortune Seventh Day Adventist Church (East End)
- Zahl der Mitglieder: 730 (1996), 850 (2001)
Siedlungen
Die Bevölkerung Anguillas verteilt sich vergleichsweise weitläufig auf die Hauptinsel. Im Hauptort The Valley lebten 2001 laut Zensus nur 10,11 % der Bevölkerung. Die zehn Regionen hatten im gleichen Jahr folgende Bevölkerungszahlen:

| Region | Einwohner |
| 1 West End | 736 |
| 2 South Hill North | 1 354 |
| 3 Blowing Point & South Hill East | 1 422 |
| 4 Little Harbour, North Hill, Sandy Ground & West Old Ta | 1 090 |
| 5 East Old Ta, Rey Hill, The Forest & Long Ground | 1 051 |
| 6 Valley South, Quarter & Crocus Hill | 1 151 |
| 7 Valley North & North Side | 830 |
| 8 Stoney Ground | 1 497 |
| 9 East End, The Farrington & Sandy Hill Bay | 1 103 |
| 10 Island Harbour | 1 326 |
| Insgesamt | 11 560 |
Die Bevölkerungszahl der districts (Bezirke) entwickelte sich wie folgt:
| District | Z 1984 | Z 1992 | Z 2001 | Z 2011 |
| Blowing Point | 463 | 802 | 779 | 825 |
| East End | 420 | 672 | 614 | 661 |
| George Hill | 492 | 635 | 791 | 1.124 |
| Island Harbour | 672 | 744 | 855 | 963 |
| North Hill | 288 | 410 | 439 | 444 |
| North Side | The Valley | 667 | 1.195 | 1.514 |
| Sandy Ground | 224 | 247 | 274 | 252 |
| Sandy Hill | 376 | 364 | 557 | 633 |
| South Hill | 961 | 1.102 | 1.495 | 1.689 |
| Stoney Ground | The Valley | 949 | 1.133 | 1.577 |
| The Farrington | 222 | 304 | 546 | 629 |
| The Quarter (mit Rey Hill) | 424 | 654 | 978 | 1.079 |
| The Valley (mit Upper & South Valley) | 1.709 | 795 | 1.169 | 1.298 |
| West End (mit Long Bay) | 402 | 611 | 736 | 884 |
Die Siedlungen der Insel hatten folgende Einwohnerzahlen:
| Rang | Z 1992 | Z 2001 | S 2005 | S 2006 | S 2007 | S 2008 | B 2010 | |
| 1 | North Side | 667 | 1 195 | 1 526 | 1 621 | 1 721 | 1 976 | 2 272 |
| 2 | The Valley | 795 | 1 169 | 1 379 | 1 435 | 1 493 | 1 680 | 1 855 |
| 3 | The Quarter | 654 | 978 | 1 162 | 1 211 | 1 262 | 1 423 | 1 578 |
| 4 | Stoney Ground | 949 | 1 133 | 1 225 | 1 247 | 1 268 | 1 395 | 1 473 |
| 5 | Island Harbour | 744 | 855 | 910 | 922 | 934 | 1 024 | 1 072 |
| 6 | George Hill | 635 | 791 | 871 | 891 | 910 | 1 006 | 1 072 |
| 7 | The Farrington | 304 | 546 | 700 | 744 | 791 | 909 | 1 048 |
| 8 | West End | 611 | 736 | 799 | 814 | 829 | 913 | 966 |
| 9 | Blowing Point | 802 | 779 | 819 | 824 | 827 | 899 | 919 |
| 10 | Sandy Hill | 364 | 557 | 668 | 699 | 730 | 825 | 920 |
| 11 | East End | 672 | 614 | 634 | 634 | 633 | 684 | 691 |
| 12 | North Hill | 410 | 439 | 454 | 456 | 459 | 499 | 514 |
| 13 | Sandy Ground | 247 | 274 | 326 | 341 | 356 | 404 | 442 |
| Nr. | Name | B 2012 | %/Jahr | Breitengrad | Längengrad |
| 1 | Blowing Point | 942 | 1,74 | 18.18°N | 63.10°W |
| 2 | East End | 701 | 1,21 | 18.23°N | 63.00°W |
| 3 | George Hill | 1 135 | 3,34 | 18.20°N | 63.07°W |
| 4 | Island Harbour | 1 114 | 2,43 | 18.25°N | 63.00°W |
| 5 | North Hill | 526 | 1,66 | ||
| 6 | North Side | 2 592 | 7,29 | ||
| 7 | Sandy Ground | 477 | 5,17 | 18.20°N | 63.09°W |
| 8 | Sandy Hill | 1 018 | 5,64 | ||
| 9 | Stoney Ground | 1 545 | 2,86 | 18.22°N | 63.03°W |
| 10 | The Farrington | 1 199 | 7,41 | 18.20°N | 63.03°W |
| 11 | The Quarter | 1 737 | 5,36 | ||
| 12 | The Valley | 2 035 | 5,17 | 18.22°N | 63.05°W |
| 13 | West End | 1 015 | 2,97 |
The Valley liegt im Zentrum Anguillas und ist die Hauptstadt sowie das Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum des Territoriums. Hier befinden sich die Regierung, zahlreiche Behörden, das Hauptpostamt, Geschäfte, Banken, Supermärkte, Restaurants und weitere Dienstleistungsbetriebe. Auch der Clayton J. Lloyd International Airport liegt im Bereich der Hauptstadt. Das Siedlungsbild besteht nicht aus einer geschlossenen Innenstadt mit mehrgeschossiger Bebauung, sondern überwiegend aus freistehenden ein- und zweigeschossigen Gebäuden, zwischen denen Wohnhäuser, Gewerbebetriebe und unbebaute Grundstücke liegen.
Zum historischen Kern gehört Old Valley beziehungsweise The Old Valley im Bereich der Straße nach Crocus Hill. Dort konzentrieren sich mehrere der ältesten erhaltenen Gebäude Anguillas. Dazu gehören Ebenezer Methodist Church, Miss Marjorie's House, The Warden's Place und weitere historische Häuser. Das Wallblake House von 1785 liegt ebenfalls bei The Valley und ist das älteste erhaltene Plantagenhaus der Insel. Damit besitzt die Hauptstadt neben ihrer heutigen Verwaltungs- und Wirtschaftsfunktion auch den wichtigsten historischen Baubestand Anguillas.
North Side erstreckt sich nördlich beziehungsweise nordöstlich von The Valley und gehört zu den größeren Wohngebieten Anguillas. Der Distrikt ist sowohl durch Wohnbebauung als auch durch kleinere Geschäfte und Dienstleistungen geprägt. Die amtliche Einteilung führt North Side gemeinsam mit The Valley, The Quarter, Stoney Ground und mehreren kleineren Siedlungsbereichen im Wahlbezirk Valley North.
The Quarter liegt östlich von The Valley und bildet einen weiteren größeren Wohnbereich. Zum Siedlungsgebiet gehören unter anderem Rey Hill und angrenzende kleinere Wohnlagen. Die Bebauung ist überwiegend locker und von Einfamilienhäusern geprägt. Der Distrikt gehört zu den Bereichen, die in den amtlichen Unterlagen als eigenständiger Siedlungs- und Verwaltungsraum geführt werden.
Stoney Ground liegt nördlich beziehungsweise nordöstlich des zentralen Siedlungsbereichs. Zum Gebiet gehören auch Cauls Bottom und kleinere benachbarte Siedlungsbereiche. Stoney Ground ist vor allem ein Wohngebiet und besitzt eine deutlich weniger touristisch geprägte Funktion als West End, Meads Bay oder Shoal Bay. Die amtlichen Gebietsprofile fassen Stoney Ground und The Quarter zu einem zusammenhängenden Siedlungsraum mit mehreren kleineren Ortsteilen zusammen.
Sandy Ground liegt an der Südküste der Road Bay und besitzt wegen seiner Lage zwischen der Bucht und dem ehemaligen Salzgewinnungsgebiet eine besondere Siedlungsstruktur. Der Ort entwickelte sich historisch aus der Salzgewinnung und der Seefahrt und besitzt bis heute eine ausgeprägte Hafenfunktion. Road Bay ist einer der wichtigsten Anlaufpunkte für Boote und Yachten; zugleich bestehen hier Restaurants, Bars, kleinere Geschäfte und touristische Einrichtungen. Sandy Ground ist außerdem ein Ausgangspunkt für Bootsfahrten zu den vorgelagerten Inseln. Die amtliche Gebietseinteilung ordnet Sandy Ground dem Road-North-Wahlbezirk zu.
Nördlich von Sandy Ground liegt North Hill. Der Bereich ist überwiegend durch Wohnbebauung geprägt und wird in den staatlichen Gebietsprofilen ausdrücklich als inland residential community beschrieben. North Hill steht damit in einem deutlichen räumlichen Zusammenhang mit Sandy Ground, besitzt aber einen stärker wohnorientierten Charakter.
South Hill liegt südlich und südwestlich von The Valley und gehört zu den größeren Siedlungs- und Wohngebieten der Insel. Der Distrikt umfasst sowohl ältere Wohnbereiche als auch neuere Bebauung und reicht bis in den Bereich zwischen dem zentralen Inselgebiet und den westlichen beziehungsweise südwestlichen Küstenabschnitten. In der amtlichen Statistik gehörte South Hill bereits bei der Volkszählung 2001 zu den bevölkerungsreichsten Distrikten Anguillas.
Blowing Point liegt an der Südwestküste und besitzt wegen des Fährhafens eine besondere Verkehrsfunktion. Von hier bestehen regelmäßige Fährverbindungen nach Sint Maarten beziehungsweise Saint-Martin. Dadurch ist Blowing Point neben Road Bay einer der wichtigsten maritimen Zugangspunkte der Insel. Der Ort besitzt Wohngebiete, Geschäfte, Restaurants und touristische Einrichtungen und steht räumlich in Verbindung mit South Hill und Rendezvous Bay.
George Hill liegt südlich beziehungsweise südwestlich von The Valley und ist überwiegend durch Wohnbebauung sowie kleinere Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe geprägt. Zum Bereich gehören auch Wallblake und Little Harbour. George Hill gehört damit zum zentralen Siedlungsraum zwischen The Valley, South Hill und den westlichen Gebieten. Die staatliche Abfallwirtschaft führt George Hill zusammen mit The Valley, Wallblake, Little Harbour, The Forest, The Quarter und Rey Hill in der zentralen Entsorgungszone.
The Forest ist ein kleinerer Siedlungsbereich im südlichen beziehungsweise zentralen Teil Anguillas. Er liegt außerhalb der eigentlichen Hauptstadt und besitzt überwiegend Wohncharakter. Die Bezeichnung bezeichnet dabei eher einen lokalen Siedlungsbereich als einen geschlossenen Ort mit städtischem Zentrum. The Forest wird in den staatlichen Gebiets- und Verwaltungsunterlagen gemeinsam mit The Quarter, Rey Hill und weiteren zentralen Siedlungsbereichen aufgeführt.
The Farrington liegt im Osten der Insel zwischen dem zentralen Siedlungsgebiet und East End. Zum Distrikt gehören unter anderem Wattices und weitere kleinere Siedlungsbereiche. Die Bebauung besteht überwiegend aus Wohnhäusern und kleineren landwirtschaftlichen beziehungsweise gewerblichen Grundstücken. Im Osten schließt der Siedlungsraum an Sandy Hill, East End und Island Harbour an.
Sandy Hill liegt im östlichen Inselbereich und bildet zusammen mit Long Path, Chalvilles, Deep Waters und weiteren kleineren Wohnlagen einen größeren Siedlungsraum. Der Bereich ist stärker durch Wohn- und Alltagsfunktionen als durch den internationalen Tourismus geprägt. Die heutige administrative Einteilung führt Sandy Hill als eigenen Distrikt und Wahlbezirk.
East End befindet sich am östlichen Ende Anguillas. Der Distrikt ist dünner besiedelt als die zentralen Bereiche und besitzt neben Wohngebieten auch landwirtschaftlich genutzte Flächen, Küstenbereiche und kleinere Gewerbebetriebe. Östlich und südöstlich schließt Island Harbour an. East End ist außerdem über die Straßenverbindungen mit Sandy Hill, The Farrington und den zentralen Teilen der Insel verbunden.
Island Harbour ist eine Küstensiedlung im Osten Anguillas und traditionell stark mit Fischerei und Bootsverkehr verbunden. Zum Siedlungsraum gehören unter anderem Mango Garden, Island Harbour, Sea Rocks, Junks Hole, Windward Point und Harbour Ridge. Der Hafen bildet das Zentrum des Ortes. Restaurants und kleinere touristische Betriebe konzentrieren sich ebenfalls in diesem Bereich. Island Harbour ist zugleich Ausgangspunkt für das Festival Del Mar und für verschiedene Boots- und Wassersportaktivitäten.
West End nimmt wegen seiner touristischen Funktion eine Sonderstellung ein. Der westliche Distrikt umfasst West End Village sowie die Küstenbereiche Long Bay, Meads Bay und Maundays Bay. Hier konzentrieren sich zahlreiche Hotels, Resorts, Villen, Restaurants und touristische Dienstleistungsbetriebe. Gleichzeitig bestehen weiterhin Wohnhäuser und kleinere lokale Betriebe. West End ist damit sowohl ein eigenständiger Siedlungsbereich als auch das wichtigste zusammenhängende Tourismusgebiet Anguillas.
Die Siedlungsstruktur insgesamt ist somit nicht durch ein einzelnes geschlossenes Stadtgebiet bestimmt. The Valley bildet das politische, administrative und wirtschaftliche Zentrum; darum herum liegen zahlreiche überwiegend lockere Wohn- und Mischsiedlungen. Sandy Ground und Blowing Point besitzen vor allem wegen ihrer Häfen besondere Verkehrsfunktionen, Island Harbour ist eng mit Fischerei und Bootsverkehr verbunden, während West End, Meads Bay und Maundays Bay stark vom Fremdenverkehr geprägt sind. North Side, The Quarter, Stoney Ground, South Hill, George Hill, North Hill, Sandy Hill, East End und The Farrington bilden überwiegend Wohn- und Alltagsräume mit jeweils eigenen lokalen Gemeinschaften. Die amtlichen Gebietsprofile bestätigen diese funktionale Differenzierung zwischen urbanen Bereichen, Wohngebieten und Küstengemeinden.
Verkehr
Anguilla hat ein verhältnismäßig gutes Verkehrsnetz, das vor allemwährend der kurzen Zeit der Unabhängigkeit ausgebaut wurde. Neben dem internen Straßenverkehr existieren internationale Schiffs- und Flugverbindungen.
Straßenverkehr
Das Straßennetz Anguillas umfasst rund 105 km Straßen, von denen etwa 65 km asphaltiert sind. Bei einer Inselfläche von rund 91 km² ergibt sich daraus eine Straßendichte von etwa 1,15 km Straße je km²; bezogen ausschließlich auf die asphaltierte Strecke sind es etwa 0,71 km je km². Das Straßennetz erschließt die einzelnen Siedlungsbereiche und verbindet insbesondere The Valley als Verwaltungs- und Geschäftszentrum mit den Küstenorten und dem Wallblake Airport.
Eine der wichtigsten Straßenverbindungen führt von der Crocus Bay im Norden über The Valley nach The Quarter im Osten. Von The Quarter verlaufen Straßen weiter in Richtung Betty Hill und anschließend nordwärts nach White Hill; über Chalvilles besteht die Verbindung zurück nach The Quarter. Von diesem Straßensystem zweigen Verbindungen zum Wallblake Airport sowie in Richtung George Hill und South Hill ab. Eine weitere wichtige Straßenachse führt von The Valley über South Hill und George Hill nach West End Village im äußersten Westen der Insel. Dadurch entsteht ein relativ engmaschiges Netz aus Haupt- und Nebenstraßen, das die meisten dauerhaft bewohnten Gebiete miteinander verbindet.
Auf Anguilla gilt Linksverkehr. Gleichzeitig sind sowohl Fahrzeuge mit Rechtslenkung als auch Fahrzeuge mit Linkslenkung im Straßenverkehr anzutreffen. Die staatlichen Vorschriften regeln die Zulassung, technische Untersuchung und Registrierung der Fahrzeuge. Für die Registrierung ist unter anderem ein Eigentumsnachweis und eine gültige Versicherung erforderlich; die Fahrzeuge werden vor der Zulassung auf ihre Verkehrstauglichkeit untersucht.
Für die zulässigen Geschwindigkeiten gelten die örtlichen Vorschriften des Straßenverkehrsrechts. Die häufig angeführten Werte von 20 Meilen pro Stunde innerhalb bebauter Bereiche und 30 Meilen pro Stunde außerhalb geschlossener Siedlungen entsprechen etwa 32 beziehungsweise 48 km/h. Auf einzelnen Straßen können abweichende Beschränkungen gelten. Das Straßenverkehrsrecht stellt außerdem ausdrücklich rücksichtsloses und gefährliches Fahren unter Strafe.
Das Straßenbild ist überwiegend von niedrigen Gebäuden, Einfamilienhäusern, Grundstückszufahrten und verstreut liegenden Gewerbebetrieben geprägt. The Valley weist als wichtigstes Geschäfts- und Verwaltungszentrum eine höhere Verkehrsdichte auf als die ländlicheren Teile der Insel. Im Bereich der touristisch stark genutzten Westküste sowie rund um The Valley, den Wallblake Airport, Blowing Point und Sandy Ground konzentriert sich ein erheblicher Teil des motorisierten Verkehrs.
Die Beschilderung und Fahrbahnmarkierung ist im Vergleich zu dicht besiedelten europäischen Verkehrsgebieten weniger umfangreich. Wegweiser, Verkehrszeichen und Markierungen sind vor allem an wichtigen Kreuzungen und verkehrsrelevanten Stellen vorhanden. Für die Orientierung spielen daher neben der Beschilderung die Ortsnamen und die bekannten Hauptverbindungen eine wichtige Rolle.
Der Kraftfahrzeugverkehr ist für den innerörtlichen und überörtlichen Personenverkehr von großer Bedeutung. Öffentliche Buslinien im europäischen Sinn bilden kein flächendeckendes Rückgrat des Personenverkehrs. Für Besucher und Einwohner spielen deshalb private Fahrzeuge, Taxis und Mietwagen eine wichtige Rolle. Mehrere Mietwagenunternehmen bieten Automobile verschiedener Klassen an; daneben können Fahrräder und Motorroller gemietet werden.
Taxis dürfen auf Anguilla nur mit entsprechender Genehmigung betrieben werden. Die Taxi-Lizenz wird vom Transport Board erteilt und muss jährlich erneuert werden; die derzeit angegebene Gebühr beträgt 200 EC-Dollar. Zu den wichtigen Standorten für den Taxiverkehr gehören Blowing Point, der Wallblake Airport und The Valley. Am Blowing Point konzentriert sich der Verkehr zusätzlich auf die Fährverbindungen nach Saint-Martin beziehungsweise Sint Maarten.
Für ausländische Besucher besteht eine besondere Regelung. Wer mit einem ausländischen Führerschein auf Anguilla fahren möchte, benötigt eine örtliche befristete Fahrerlaubnis. Diese wird vom Inland Revenue Department beziehungsweise von den meisten Autovermietungen ausgegeben. Nach der aktuell veröffentlichten Regelung kostet die dreimonatige Erlaubnis 67 EC-Dollar; daneben besteht eine dreitägige Erlaubnis für 40 EC-Dollar. Eine Regierungsinformation nennt weiterhin einen Preis von 20 US-Dollar beziehungsweise 53,76 EC-Dollar für die dreimonatige Erlaubnis. Die gesetzlichen Vorschriften sehen grundsätzlich eine zeitlich begrenzte Fahrerlaubnis für bona-fide-Besucher vor.
Für eine reguläre Fahrerlaubnis müssen die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt werden. Die aktuelle Regierungsinformation nennt ein Mindestalter von 18 Jahren sowie eine theoretische und eine praktische Fahrprüfung. Eine Fahrerlaubnis der Klasse B kann für ein Jahr oder für drei Jahre ausgestellt werden. Die Verkehrsverwaltung liegt institutionell beim zuständigen Regierungsbereich für Infrastruktur; die technische Überwachung der Fahrzeuge erfolgt über das Vehicle Inspection Centre.
Der Straßenverkehr wird durch das Vehicles and Road Traffic Act und die dazugehörigen Verordnungen geregelt. Neben Fahrerlaubnissen und Fahrzeugzulassungen umfasst das Regelwerk Vorschriften über Fahrzeugklassen, technische Anforderungen, Taxiverkehr, Sicherheitsausrüstung und das Verhalten im Straßenverkehr. Das Tragen eines Sicherheitsgurtes und weitere Sicherheitsvorschriften sind Bestandteil der örtlichen Verkehrsordnung. Für Motorräder bestehen eigene Bestimmungen, darunter Vorschriften zur Sicherheitsausrüstung.
Die Zahlen der auf der Insel in Verkehr stehenden Fahrzeuge sehen wie folgt aus:
| Fahrzeugbestand | 1994 | 2001 | 2022 |
|---|---|---|---|
| insgesamt | 3.870 | 5.829 | |
| davon Pkw | 2.584 | 3.701 | |
| Busse und Kleinlastwagen | 1.188 | 1.876 | |
| Lkws | 47 | 145 | |
| Motorräder | 42 | 103 | |
| Agrarfahrzeuge | 9 | 4 |
Zwar herrscht auf Anguilla Linksverkehr, doch haben die meisten Autos keine Rechts- sondern Linkslenkung. Die Höchstgeschwindigkeiten sind innerorts 20 Meilen (32 km/h), außerorts 30 Meilen (48 km/h), auf einsamen Strecken sind auch maximal 40 Meilen (64 km/h) erlaubt, schneller sollte man aber nicht fahren. Orts- und Straßenschilder sowie Fahrbahnmarkierungen sind nicht vorhanden. Geiches gilt für Busse. Es existieren nur Taxis oder Mietwagen.
Schiffsverkehr
Das Hafensystem Anguillas besteht aus mehreren Hafen- und Anlegestellen, die unterschiedliche Funktionen erfüllen. Zu den wichtigsten Anlagen gehören Road Bay, Blowing Point, Sandy Ground und Corito Bay. Hinzu kommen kleinere Jetties und Anlegestellen für Fischerei, private Boote, Ausflugsfahrzeuge und andere kleinere Wasserfahrzeuge.
Road Bay an der Westseite von Sandy Ground ist der wichtigste traditionelle Handelshafen Anguillas. Über Road Bay werden Container, Stückgut und trockene Massengüter angeliefert. Der Hafen besitzt Lager- und Umschlagseinrichtungen und ist damit ein wesentlicher Bestandteil der Versorgung der Insel. Historisch konzentrierte sich ein erheblicher Teil des kommerziellen Seeverkehrs auf Road Bay. Mit der Entwicklung anderer Hafenanlagen wurden die einzelnen Funktionen des Güterverkehrs jedoch stärker auf verschiedene Standorte verteilt.
Corito Bay an der Südküste übernimmt eine besondere Funktion bei der Energieversorgung. Dort werden Erdölprodukte und Propan von Tankern angeliefert. Die Anlage ist damit unmittelbar mit der Kraftstoffversorgung des Inselnetzes und des Straßenverkehrs verbunden. Die dort eingesetzten Tankschiffe sind kleiner als die großen internationalen Tanker und bringen die für Anguillas Energieversorgung erforderlichen Produkte in mehreren Teilpartien auf die Insel.
Blowing Point an der Südküste ist dagegen der wichtigste Passagierhafen. Das dortige Fährterminal wurde im Januar 2023 nach einer umfassenden Erneuerung offiziell eröffnet. Blowing Point ist der wichtigste maritime Grenzübergang Anguillas und verbindet die Insel regelmäßig mit dem französischen Teil von Saint-Martin. Das Terminal dient außerdem dem Verkehr mit dem niederländischen Sint Maarten sowie privaten Charter- und Ausflugsbooten.
Die wichtigste internationale Fährverbindung führt von Blowing Point nach Marigot auf der französischen Seite von Saint-Martin. Die Überfahrt dauert je nach eingesetztem Schiff und Seegang ungefähr 20 bis 30 Minuten. Der Verkehr ist ganzjährig organisiert und besteht aus zahlreichen täglichen Fahrten. Nach dem derzeit veröffentlichten Fahrplan beginnen die Abfahrten von Blowing Point um 7.30 Uhr; weitere Verbindungen folgen im Abstand von ungefähr einer Stunde, mit zusätzlichen Fahrten am Nachmittag und frühen Abend. Von Marigot verkehren die Fähren ab 8.30 Uhr zurück nach Anguilla.
Neben der Verbindung nach Marigot besteht vom Blowing Point Ferry Terminal auch eine weniger stark frequentierte Fährverbindung nach Philipsburg auf der niederländischen Seite von Sint Maarten. Diese Route ergänzt die wesentlich stärker genutzte Verbindung zum französischen Saint-Martin. Die Regierung von Anguilla weist ausdrücklich darauf hin, dass die Verbindung nach Philipsburg seltener bedient wird als diejenige nach Marigot.
Die Fährverbindung nach Saint-Martin ist zugleich ein wichtiger Bestandteil des internationalen Reiseverkehrs der Insel. Saint-Martin besitzt mit dem Princess Juliana International Airport einen bedeutenden internationalen Flughafen. Deshalb reisen viele Anguilla erreichende Personen zunächst nach Saint-Martin und setzen ihre Reise von dort mit der Fähre nach Blowing Point fort. Zusätzlich stehen private Charterboote und Schnellboote für direkte Transfers zwischen Anguilla und Saint-Martin zur Verfügung. Das Blowing Point Ferry Terminal dient außerdem als Ausgangspunkt für private Bootsfahrten nach Saint-Barthélemy und für weitere Ausflugsfahrten.
Für die Einreise über die Fähre sind die üblichen Grenz- und Zollformalitäten erforderlich. Bei der Fahrt zwischen Anguilla und dem französischen Saint-Martin wird die französische beziehungsweise saint-martinische Einwanderungs- und Zollkontrolle in Marigot durchgeführt. Die Regierung weist darauf hin, dass für die Einreise nach Saint-Martin ein gültiger Reisepass erforderlich ist. Für die Rückreise nach Anguilla gelten die Einreisebestimmungen des britischen Überseegebiets.
Der Seeverkehr zwischen Anguilla und Saint-Martin hat eine wesentlich größere Bedeutung als der direkte internationale Schiffsverkehr zu weiter entfernten Staaten. Die kurze Entfernung zwischen den Inseln ermöglicht einen regelmäßigen Pendelverkehr von Personen, während Warenverkehr und Versorgungsschifffahrt überwiegend über die dafür vorgesehenen Handelshäfen abgewickelt werden. Historische Untersuchungen des Hafensystems zeigen, dass Blowing Point bereits seit Jahrzehnten einen sehr hohen Anteil des internationalen Passagierverkehrs Anguillas auf sich konzentriert.
Der Fährverkehr ist allerdings wetterabhängig. Bei starkem Seegang und insbesondere bei tropischen Wirbelstürmen werden die Verbindungen eingestellt. Auch kleinere Charter- und Ausflugsboote sind von den Seegangsverhältnissen abhängig. Die historische Hafenplanung dokumentierte bereits, dass die Fährverbindungen bei schlechten Wetterbedingungen zeitweise unterbrochen werden mussten.
Der Güterverkehr ist vom Personenverkehr deutlich getrennt. Container- und Stückgutschiffe laufen vor allem die für den Warenumschlag bestimmten Hafenanlagen an, während Blowing Point auf den Personenverkehr ausgerichtet ist. Die moderne Hafenstruktur entspricht damit einer funktionalen Aufteilung zwischen Passagierverkehr, allgemeinem Güterverkehr und Energieversorgung.
Sandy Ground besitzt neben seiner Bedeutung als Siedlungs- und Fremdenverkehrsstandort ebenfalls maritime Einrichtungen. Der Bereich ist insbesondere mit kleineren Passagierbooten, Ausflugsfahrten, Fischerei und privaten Wasserfahrzeugen verbunden. In der historischen Hafenplanung wurden auch Bewegungen von Passagierbooten zwischen Sandy Ground und anderen Inselbereichen erfasst.
Die Fischerei wird überwiegend mit kleineren Motorbooten betrieben. Hinzu kommen Sportfischerei, Charterfahrten, Tauchausflüge und andere touristische Bootsaktivitäten. Eine große Hochseefischereiflotte besitzt Anguilla nicht. Der maritime Verkehr ist deshalb durch viele kleine und mittlere Boote sowie durch die regelmäßig verkehrenden Fähren geprägt.
Die frühere Angabe einer Flotte von lediglich vier registrierten Schiffen mit zusammen 994 BRZ beschreibt nicht die Gesamtheit der heute im Gebiet eingesetzten Wasserfahrzeuge. Sie bezieht sich auf eine bestimmte statistische Abgrenzung registrierter Schiffe und ist daher nicht mit sämtlichen Fähren, Fischerbooten, Charterbooten, Sportbooten und kleineren privaten Fahrzeugen gleichzusetzen. Für die heutige Darstellung des Schiffsverkehrs ist deshalb die funktionale Gliederung der Hafen- und Fähranlagen aussagekräftiger.
Die staatliche Zuständigkeit für die Hafeninfrastruktur liegt heute bei der Anguilla Air and Sea Ports Authority. Sie ist für die Seehafen- und Flughafeninfrastruktur zuständig und unterhält unter anderem die Einrichtungen am Blowing Point Port. Damit werden Hafenbetrieb, internationale Passagierabfertigung und die Verbindung zum übrigen karibischen Raum institutionell zusammengeführt.
Blowing Point:
- Lage: 18°10‘ N, 63°06‘ W
- maximaler Tidenhub: 0,5 m
- Hafenerrichtung: 19. Jh.
- Funktionen: Fährhafen
- Hafenfläche: ca. 2 ha
- Zahl der Piers: 1
- Kai- und Pierlänge: ca. 300 m
- Anlegestellen: ca. 50
- maximaler Tiefgang: ca. 2 m
- Leuchtfeuer: 0
Crocus Bay:
- Lage: 18°14‘ N, 63°04‘ W
- maximaler Tidenhub: 0,5 m
- Hafenerrichtung: 17. Jh.
- Funktionen: Fischer-, Handels-, Jachthafen
- Hafenfläche: ca. 1,5 ha
- Zahl der Piers: 1
- Kai- und Pierlänge: ca. 300 m
- Anlegestellen: ca. 50
- maximaler Tiefgang: ca. 2 m
- Leuchtfeuer: 0
Island Harbour:
- Lage: 18°16‘ N, 63°00‘ W
- maximaler Tidenhub: 0,6 m
- Hafenerrichtung: 19. Jh.
- Funktionen: Fischer-, Handels-, Jachthafen
- Hafenfläche: ca. 1 ha
- Zahl der Piers: 1
- Kai- und Pierlänge: ca. 400 m
- Anlegestellen: ca. 50
- maximaler Tiefgang: ca. 2 m
- Leuchtfeuer: 0
Road Bay:
- Lage: 18°13‘ N, 63°06‘ W
- maximaler Tidenhub: 0,6 m
- Hafenerrichtung: 18. Jh.
- Funktionen: Fischer-, Handels-, Jachthafen
- Hafenfläche: ca. 3 ha
- Zahl der Piers: 2
- Kai- und Pierlänge: ca. 900 m
- Anlegestellen: ca. 100
- maximaler Tiefgang: ca. 2,5 m
- Leuchtfeuer: 0
Leuchtturm gibt es auf Anguilla selbst keinen. Lediglich die Insel Sombrero besitzt ein Lighthouse, das allerdings nicht mehr betrieben wird.
Luftverkehr
Der einzige Flughafen der Insel ist der Clayton J. Lloyd International Airport, der südlich beziehungsweise am südlichen Rand von The Valley liegt. Die Anlage befindet sich im Bereich Wallblake und wird sowohl für den kommerziellen Linienverkehr als auch für private Flugzeuge, Chartermaschinen und Rundflüge genutzt. Zuständig für den Flughafen ist die Anguilla Air and Sea Ports Authority (AASPA). Die staatliche Flughafenverwaltung führt den Executive Airport Manager und betreibt die Infrastruktur als Bestandteil des kombinierten Luft- und Seehafensystems Anguillas.
Der Flughafen trug früher die Bezeichnung Wallblake Airport. Die heutige Bezeichnung Clayton J. Lloyd International Airport erinnert an Clayton J. Lloyd, einen aus Anguilla stammenden Politiker und Unternehmer. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird neben dem offiziellen Namen weiterhin häufig die Bezeichnung Wallblake Airport verwendet.
Die Start- und Landebahn ist für den Regionalverkehr mit Turbopropmaschinen und kleineren Verkehrsflugzeugen ausgelegt. Ein älterer Flughafenplan weist eine Bahnlänge von 5.462 Fuß beziehungsweise 1.665 m aus. Bereits damals konnten neben regionalen Turbopropflugzeugen auch private Jets aus Nordamerika den Flughafen nutzen. Der Flughafen übernahm in dieser Phase etwa ein Viertel der Übernachtungs-Gästeankünfte Anguillas.
Die Flughafeneinrichtungen wurden in den vergangenen Jahren erweitert und modernisiert. Im Mittelpunkt steht dabei die Erneuerung des Terminalgebäudes. Nach den staatlichen Planungen soll die neue Anlage schnellere Abfertigungsabläufe, größere Kapazitäten und verbesserte Einrichtungen für den regionalen und internationalen Luftverkehr bieten. Für 2026 ist außerdem der Beginn weiterer Arbeiten an Start- und Landebahn sowie Vorfeld vorgesehen. Die langfristige Flughafenplanung sieht eine Verlängerung der Start- und Landebahn auf 7.000 Fuß vor.
Der Linienflugverkehr verbindet Anguilla vor allem mit den größeren Flughäfen der östlichen Karibik und mit Puerto Rico. Nach den derzeit von der Regierung veröffentlichten Angaben bestehen beziehungsweise bestanden regelmäßige Verbindungen nach Saint-Martin/Sint Maarten, Saint-Barthélemy, Antigua, Saint Kitts und Nevis, Saint Eustatius, Puerto Rico, Saint Thomas sowie zu den Britischen und Amerikanischen Jungferninseln. Zusätzlich werden die Dominikanische Republik und weitere Ziele im karibischen Raum durch regionale Anbieter und Charterverbindungen bedient. Die konkreten Flugtage und Flugfrequenzen unterscheiden sich nach Gesellschaft und Saison.
Zu den auf der staatlichen Flughafenseite aufgeführten Fluggesellschaften und Luftfahrtunternehmen gehören Anguilla Air Services, Trans Anguilla Airways, Seaborne Airlines, Cape Air, Tradewind Aviation, Servicios Aéreos Profesionales (SAP), Sky High Aviation und Air Sunshine. Anguilla Air Services bietet regelmäßige Verbindungen nach Saint-Martin und Saint-Barthélemy sowie Charterflüge im karibischen Raum an. Trans Anguilla Airways bedient unter anderem Saint Kitts, Saint Eustatius und Antigua. Cape Air ist mit Verbindungen nach Puerto Rico, Saint Kitts und Nevis sowie zu den Amerikanischen und Britischen Jungferninseln vertreten. Weitere Anbieter bedienen Puerto Rico, die Dominikanische Republik und Saint Thomas.
Eine besondere Bedeutung besitzt Saint-Martin beziehungsweise Sint Maarten als regionales Luftverkehrsdrehkreuz. Von dort bestehen zahlreiche weiterführende internationale Flugverbindungen nach Nordamerika, Europa und in die übrige Karibik. Die Kombination aus Flug nach Saint-Martin und anschließender Weiterfahrt mit der Fähre von Marigot nach Blowing Point ist deshalb eine wichtige Anreisemöglichkeit für Anguilla. Die Regierung beschreibt den Clayton J. Lloyd International Airport zugleich als Flughafen mit täglichen Verbindungen zu den internationalen Flughäfen von Antigua, Saint-Martin, Puerto Rico und Saint Thomas.
Neben den Linienflügen spielt die allgemeine Luftfahrt eine beträchtliche Rolle. Privatflugzeuge, Geschäftsflugzeuge und Chartermaschinen können den Flughafen nutzen. Besonders für den Verkehr mit kleineren Inseln sind Charterflüge von Bedeutung. Anguilla Air Services und Trans Anguilla Airways bieten neben ihren Linienverbindungen auch Charterflüge und Rundflüge an. Dadurch besteht eine direkte Luftverkehrsanbindung auch zu kleineren karibischen Zielen, die nicht über einen kontinuierlichen Linienverkehr mit größeren Verkehrsflugzeugen verfügen.
Der Flughafen besitzt außerdem eine Funktion für den lokalen Tourismus. Ein erheblicher Teil der aus Nordamerika, Europa und anderen Regionen anreisenden Besucher erreicht Anguilla über eine Kombination aus internationalem Flug nach einem größeren karibischen Flughafen und anschließendem Regionalflug. Direktflüge mit kleineren Flugzeugen verkürzen dabei die Reisezeit gegenüber einer ausschließlichen Anreise über den Fährverkehr.
Der Luftverkehr unterliegt wie der Seeverkehr den Grenz-, Einwanderungs- und Zollbestimmungen Anguillas. Bei internationalen Flügen werden Einwanderungs- und Zollformalitäten am Clayton J. Lloyd International Airport abgewickelt. Die Zollbehörde ist für die Kontrolle der Einfuhr von Waren und die damit verbundenen Abgaben zuständig. Sie arbeitet dabei mit dem Flughafen und den übrigen staatlichen Behörden zusammen.
Für abfliegende Passagiere werden eine staatliche Abfluggebühr und eine Sicherheitsgebühr erhoben. Die aktuell veröffentlichte Gebührenordnung nennt für Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren eine Abfluggebühr von 67 EC-Dollar beziehungsweise 25 US-Dollar sowie eine Sicherheitsgebühr von 8 EC-Dollar beziehungsweise 3 US-Dollar. Für Kinder unter zwölf Jahren gelten niedrigere Beträge.
Der Flughafen besitzt auch für die wirtschaftliche Entwicklung Anguillas Bedeutung. Neben dem Tourismus ermöglicht er den schnellen Transport von Geschäftsreisenden, Fachkräften, Ersatzteilen, medizinisch benötigten Gütern und anderen zeitkritischen Waren. Aufgrund der Insellage ist die Kombination aus Luft- und Seeverkehr für die Versorgung und die internationale wirtschaftliche Einbindung erforderlich.
| Airlines | Ziele |
| Air Sunshine | Dominica–Douglas-Charles, San Juan, St. Maarten, St. Thomas, St. Croix (Charter) |
| American Eagle | Miami |
| Anguilla Air Services | Antigua, St. Barthelemy, St. Maarten, Charter: Barbuda, Nevis, Saba, St. Kitts, Tortola, Virgin Gorda, Dominica–Canefield |
| Cape Air | St. Thomas |
| Caribbean Charter Flights | Antigua, Nevis, San Juan, St. Barthélemy, St. Kitts, St. Maarten, St. Thomas, Virgin Gorda (alle Charter) |
| Coastal Air | Charter: Dominica–Canefield, Nevis, St. Croix, St. Eustatius, St. Maarten |
| Rainbow International Airlines | Charter: Antigua, Aruba, Barbados, Barbuda, Bonaire, Curaçao, Dominica–Douglas-Charles, Fort-de-France, Grenada, Kingston, Montserrat, Nassau, Nevis, Port of Spain, Pointe-à-Pitre, Providenciales, St. Croix, St. Kitts, St. Lucia–Vigie, St. Maarten, St. Martin, St. Thomas, San Juan, Tobago, Tortola, Virgin Gorda, Dominica–Canefield |
| Silver Airways | San Juan |
| Sky High | Santo Domingo–Las Americas |
| St Barth Commuter | Charter: St. Barthélemy |
| Tradewind Aviation | saisonal: San Juan |
| Trans Anguilla Airways | Nevis, St. Barthelemy, St. Eustatius, St. Kitts, St. Maarten, Tortola, Virgin Gorda, Charter: Antigua, Barbados, Barbuda, Bequia, Canouan, Dominica-Canefield, Dominica–Douglas-Charles, Fort-de-France, Grenada, Montserrat, Mustique, Port of Spain, Pointe-à-Pitre, St. Lucia–Vigie, St. Martin, Tobago, Union Island |
Clayton J. Lloyd International Airport:
- ursprüngliche Bezeichnung: Wellblake Airfield (bis 4. Juli 2010)
- Code: AXA / TQPF
- Lage: 18°12‘17“ N, 63°03‘18“ W
- Entfernung: 3 km südwestlich von The Valley, am George Hill / Long Ground
- Seehöhe: 39 m (127 ft)
- Inbetriebnahme: 1944, Ausbau 2004
- Betreiber: Anguilla Air & Sea Ports Authority
- Terminal: 1
- Rollbahn: 1
- Länge der Rollbahn: 1665 m (Asfalt)
- Fluggesellschaften: 12
- Flugzeug-Standplätze: ca. 20
- jährliche Passagierkapazität: 88.892 Pas<sagiere (2008)
- jährliche Frachtkapazität: 169 f (2008)
Wirtschaft
Anguilla hat nur wenige natürliche Rohstoffe. Die Wirtschaft ist sehr stark abhängig vom Luxustourismus, Übersee-Bankgeschäften (Offshore-Banking), Hummerfang und Zahlungen durch Auswanderer. Der ansteigende Tourismus, welcher den Bausektor anspornt, hat zum Wirtschaftswachstum beigetragen. Anguillanische Beamte haben ihr Hauptaugenmerk auf der Entwicklung des kleinen, aber wachsenden Steueroasen-Finanzwesens. In der Zwischenzeit ruhen die Hoffnungen der Wirtschaft hauptsächlich auf dem Tourismus.
Von den fast 7000 Personen im erwerbsfähigen Alter sind knapp 8 % arbeitslos. 23 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Im Jahr 2002 betrug das Bruttoinlandsprodukt 112 Millionen US-$. Das ergibt es BIP von rund 7500 US-$ pro Kopf.
Landwirtschaft
Das flache, überwiegend aus Korallenkalk aufgebaute Land besitzt nur eine dünne und stellenweise wenig fruchtbare Bodenschicht. Hinzu kommen das trockene Klima, unregelmäßige Niederschläge und wiederkehrende Dürreperioden. Tropische Wirbelstürme können außerdem innerhalb kurzer Zeit landwirtschaftliche Flächen, Kulturen, Zäune und Wasserspeicher beschädigen. Eine großflächige, intensiv bewässerte Landwirtschaft hat sich unter diesen Bedingungen nicht entwickelt.
Historisch bildete die Landwirtschaft dennoch einen wichtigen Bestandteil des Lebensunterhalts. Die Bevölkerung bewirtschaftete kleine Flächen in Form von Mischkulturen und erzeugte einen Teil der benötigten Nahrungsmittel selbst. Angebaut wurden unter anderem Maniok, Yams, Süßkartoffeln, Erdnüsse, Hirse, Mais, Erbsen und Bohnen. Hinzu kamen verschiedene tropische Früchte.
Die landwirtschaftliche Nutzung konzentrierte sich auf die günstigeren Böden und die Bereiche, in denen sich Regenwasser besser halten lässt. Wegen der geringen Niederschlagsmenge ist die Landwirtschaft überwiegend regenabhängig. Bewässerungslandwirtschaft mit großem Wasserverbrauch ist aufgrund der begrenzten Süßwasserressourcen nur in kleinem Umfang möglich.
Maniok besitzt aufgrund seiner Trockenheitsverträglichkeit besondere Bedeutung. Auch Süßkartoffeln und Yams gehören zu den traditionellen Nahrungspflanzen. Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen ergänzen den Anbau. Mais und Hirse können ebenfalls unter den relativ trockenen Bedingungen kultiviert werden. Der Anbau verschiedener Kulturen auf kleinen Flächen vermindert dabei die Abhängigkeit von einer einzigen Ernte.
Der Obstbau umfasst verschiedene tropische und subtropische Arten. Angebaut werden unter anderem Mangos, Avocados, Bananen, Papayas, Guaven und Zitrusfrüchte. Die Produktion erfolgt überwiegend in kleinen Gärten und landwirtschaftlichen Betrieben und dient hauptsächlich dem lokalen Verbrauch.
Die Landwirtschaft Anguillas ist nicht mit den großen Plantagenwirtschaften vieler anderer karibischer Inseln vergleichbar. Während auf Inseln mit höherer Niederschlagsmenge umfangreiche Zuckerrohr-, Bananen- oder andere Exportplantagen entstanden, verhinderten auf Anguilla Trockenheit und geringe Bodenfruchtbarkeit die Entwicklung einer vergleichbaren Plantagenwirtschaft.
Britische Kolonialbehörden und Siedler versuchten zwar, Tabak und Zuckerrohr anzubauen. Die natürlichen Voraussetzungen waren dafür jedoch ungünstig. Zuckerrohr benötigt für hohe Erträge eine ausreichende Wasserverfügbarkeit und fruchtbare Böden; beides ist auf Anguilla nur begrenzt vorhanden. Eine dauerhaft rentable Zuckerplantagenwirtschaft entstand deshalb nicht.
Diese Entwicklung hatte auch erhebliche gesellschaftliche Folgen. Auf Anguilla entstand keine mit den großen Zuckerinseln vergleichbare Plantagenökonomie. Zwar wurden auch versklavte Afrikaner auf die Insel gebracht, doch blieb die Zahl der Plantagen und damit der Bedarf an großer landwirtschaftlicher Arbeitskraft gering. Die Bevölkerung war stärker durch kleinbäuerliche Selbstversorgung, Fischerei, Seefahrt und saisonale Arbeitsmigration geprägt.
Die geringe landwirtschaftliche Produktivität bedeutete gleichzeitig, dass Anguilla schon historisch auf den Austausch mit anderen Inseln angewiesen war. Lebensmittel, die auf der Insel nicht oder nicht in ausreichender Menge produziert werden konnten, wurden eingeführt. Fisch und andere Meeresprodukte ergänzten die landwirtschaftliche Ernährung.
Eine besondere Rolle spielt die Ziegenhaltung. Anguilla besitzt große Flächen mit trockenem, niedrigem Buschland, das sich nur eingeschränkt für den Ackerbau eignet. Ziegen können diese Vegetation nutzen und sind relativ gut an trockene Bedingungen angepasst. Die Ziegenhaltung wurde deshalb zu einem charakteristischen Bestandteil der traditionellen Landwirtschaft.
Neben Ziegen werden auch andere Nutztiere gehalten. Dazu gehören Schweine, Rinder und Geflügel. Die Tierhaltung erfolgt überwiegend in kleinen Betrieben und dient vor allem der Versorgung des lokalen Marktes. Geflügelhaltung besitzt wegen des vergleichsweise geringen Flächenbedarfs besondere Bedeutung.
Die Viehhaltung ist allerdings ebenfalls von den Wasser- und Futterbedingungen abhängig. Während längerer Trockenperioden sinkt das natürliche Futterangebot, sodass zusätzliches Futter beschafft werden muss. Für größere Tierbestände stellt außerdem die Versorgung mit Trinkwasser einen erheblichen Aufwand dar.
Heute existieren auf Anguilla weiterhin zahlreiche kleine landwirtschaftliche Betriebe und Gehöfte. Nach den von der Regierung verwendeten landwirtschaftlichen Statistiken wird die Landwirtschaft überwiegend durch kleine Holdings geprägt. Die Betriebe produzieren vor allem für den lokalen Markt und für die Eigenversorgung und nicht für einen umfangreichen internationalen Export.
Die landwirtschaftliche Produktion ist damit deutlich stärker auf Ernährung und lokale Versorgung ausgerichtet als auf den Export. Anguilla gehört nicht zu den karibischen Inseln mit einer bedeutenden exportorientierten Agrarwirtschaft. Der überwiegende Teil der Lebensmittelversorgung wird durch Importe ergänzt.
Diese Importabhängigkeit ist ein strukturelles Merkmal der Landwirtschaft Anguillas. Supermärkte, Restaurants und Hotels benötigen Lebensmittelmengen und eine Produktvielfalt, die von den örtlichen Betrieben nicht bereitgestellt werden können. Insbesondere Getreide, Reis, Mehl, zahlreiche Gemüsearten, Fleischprodukte und andere Grundnahrungsmittel müssen in erheblichem Umfang eingeführt werden.
Der Tourismus beeinflusst die Landwirtschaft zunehmend. Hotels und Restaurants bilden einen zusätzlichen Absatzmarkt für lokal erzeugtes Gemüse, Obst, Fleisch, Eier und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse. Gleichzeitig benötigt der Tourismus große Mengen an Lebensmitteln, sodass die lokale Landwirtschaft nur einen begrenzten Teil der touristischen Nachfrage decken kann.

Viehbestand (Haustiere) 2001:
- Geflügel 6.815
- Ziegen 3.722
- Hunde 2.452
- Schweine 650
- Schafe 600
- Rinder 64
Agrarprodukte (Ertrag in t): 1994 2003
- Salat 12,0 8,0
- Mais 4,0 4,5
- Tomaten 3,0 4,0
- Hirse 1,5 4,0
- Erbsnen 5,0 4,0
- Pfeffer 3,0 4,0
- Auberginen 3,0 3,0
- Kürbisse 0,5 3,0
- Süßkartofffeln 2,0 3,0
- Wassermelonen 1,0 2,5
- Brokkoli 0,2 2,0
- Limonen 4,5 2,0
- Mangos 5,0 2,0
- Pawpaws 0,2 2,0
- Kohl 1,0 1,0
- Jams 1,0 1,0
- Flaschenkürbisse 0,3 1,0
- Gurken 0,2 1,0
- Schnittlauch 0,1 1,0
- Okra 0,1 1,0
- Thymian u.ä. 0,1 1,0
- Karotten 1,5 0,5
- Kassava 0,1 0,5
- Zwiebel 0,5 0,5
- Bohnen 0,5 0,5
- Mangold 0,1 0,5
- Stangenbohnen 0,1 0,5
Forstwirtschaft
Die natürliche Vegetation besteht vor allem aus trockenem Buschland, Sträuchern, niedrig wachsenden Bäumen, Gräsern und verschiedenen trockenheitsverträglichen Pflanzen. Die Gehölze bleiben wegen der begrenzten Wasserverfügbarkeit vielfach niedrig und bilden keine ausgedehnten Bestände, die eine kommerzielle Holzproduktion ermöglichen würden.
Historisch wurden vorhandene Gehölze dennoch genutzt. Holz diente der Bevölkerung als Brennstoff und als Baumaterial. Es wurde außerdem für Zäune, Pfosten, Werkzeuge, einfache landwirtschaftliche Einrichtungen und den Bootsbau verwendet. Die Nutzung erfolgte überwiegend in kleinem Umfang und nicht in Form einer organisierten Forstwirtschaft mit planmäßigen Einschlägen und Wiederaufforstungen.
Besonders während der frühen Besiedlungsphase war Holz für den Bau von Häusern und Wirtschaftsgebäuden wichtig. Auch beim Bau von Fischerbooten und größeren Segelbooten wurden Holzarten der Insel und der benachbarten Inseln verwendet. Der traditionelle Bootsbau entwickelte sich jedoch nicht zu einer auf heimischer Holzproduktion beruhenden Industrie. Geeignete Hölzer mussten teilweise aus anderen karibischen Gebieten bezogen werden.
Die geringe Niederschlagsmenge begrenzt das Wachstum von Bäumen erheblich. Eine intensive Holzproduktion würde regelmäßige Wasserverfügbarkeit und ausreichend tiefgründige Böden voraussetzen. Beides ist auf großen Teilen Anguillas nicht gegeben. Hinzu kommt die geringe Fläche der Insel, wodurch eine wirtschaftliche Nutzung größerer Waldflächen ohnehin nicht möglich wäre.
Die historische Landwirtschaft trug ebenfalls zur Verringerung der Gehölzbestände bei. Flächen wurden für Felder, Weiden und Siedlungen gerodet. Die Rodungen waren allerdings wesentlich weniger umfangreich als auf den karibischen Inseln, auf denen großflächige Zuckerrohrplantagen entstanden. Gerade die geringe Eignung Anguillas für Zuckerrohr begrenzte die dauerhafte Umwandlung der natürlichen Vegetation in Plantagenflächen.
Nach Aufgabe oder Verringerung der landwirtschaftlichen Nutzung konnten sich auf vielen Flächen wieder Sträucher und Bäume ausbreiten. Dabei entstand jedoch kein geschlossener Feuchtwald, sondern überwiegend eine trockene Sekundärvegetation. Sie besteht aus Arten, die an Wasserknappheit und hohe Temperaturen angepasst sind.
Ziegenhaltung beeinflusst die Gehölzvegetation zusätzlich. Die Tiere fressen junge Triebe, Blätter und niedrige Zweige und können dadurch die natürliche Verjüngung von Bäumen behindern. Eine hohe Beweidungsintensität kann die Entwicklung dichter Gehölzbestände verhindern und zur Offenhaltung trockener Buschlandschaften beitragen.
Heute steht deshalb nicht die Holzproduktion, sondern der Schutz und die Erhaltung der vorhandenen Vegetation im Mittelpunkt. Gehölzbestände erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Sie bieten Vögeln, Reptilien, Insekten und anderen Tieren Nahrung und Unterschlupf und tragen zum Schutz des Bodens vor Wind- und Wassererosion bei.
Die Vegetation besitzt auch eine wichtige Funktion für den Wasserhaushalt. Pflanzen verlangsamen den Oberflächenabfluss bei starken Niederschlägen und fördern die Rückhaltung von Wasser im Boden. Dies ist auf einer trockenen Insel besonders wichtig, weil starke Regenfälle nach längeren Trockenperioden einen erheblichen Teil des Oberbodens abtragen können.
Auch als Windschutz sind Gehölze von Bedeutung. Die relativ flache Insel ist den Passatwinden und während der Hurrikansaison starken Winden ausgesetzt. Buschvegetation und Baumgruppen können die Windgeschwindigkeit in Bodennähe reduzieren und damit zur Stabilisierung der Böden beitragen.
Die Nutzung von Holz als Brennstoff ist gegenüber früher stark zurückgegangen. Haushalte verwenden heute überwiegend moderne Energieträger, sodass die Entnahme von Brennholz keine Grundlage eines eigenständigen Wirtschaftszweiges mehr bildet.
Fischerei
Die natürlichen Voraussetzungen begünstigten die Entwicklung dieses Wirtschaftszweiges, denn Anguilla liegt in einem fischreichen Meeresgebiet der nordöstlichen Karibik. Zugleich erschwerten die geringe Niederschlagsmenge, die begrenzten landwirtschaftlich nutzbaren Böden und die wiederkehrenden Dürren die Entwicklung einer ertragreichen Landwirtschaft. Dadurch gewann die Nutzung der Meeresressourcen für die Bevölkerung besondere Bedeutung. Die Anguilla Archaeological and Historical Society beschreibt Fischerei, Bootsbau und Seefahrt deshalb als grundlegende Bestandteile der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der Insel.
Die traditionelle Fischerei wurde mit kleinen offenen Holzbooten betrieben. Die historischen Fischerboote waren meist etwa 17 bis 20 Fuß, also ungefähr 5,2 bis 6,1 Meter, lang, besaßen häufig kein Deck und führten einen einzelnen hohen Mast mit Großsegel und Fock. Mit diesen Booten fuhren die Fischer schon früh weit über die unmittelbaren Küstengewässer hinaus. Als Fanggebiete wurden unter anderem die Riffe vor Anguilla und weiter nördlich gelegene Fischgründe wie die Old English Bank genutzt.
Gefischt wurde traditionell mit Leinen und Fischfallen beziehungsweise Reusen. Zu den früher häufig gefangenen Arten gehörten Zackenbarsche, Schnapper, Grunzer, Meerbarben, Doktorfische und weitere Rifffische. Auch Hammerhaie wurden früher gefangen; einzelne Arten und Bestände haben sich seitdem verändert. Da es früher keine Kühlung gab, mussten die Fischer ihren Fang möglichst schnell an Land bringen und verkaufen. Historisch fuhren sie deshalb bereits vor Sonnenaufgang hinaus und kehrten am Vormittag zurück.
Die Fischerei diente zunächst in hohem Maß der Ernährung der Bevölkerung. Überschüsse wurden verkauft oder gegen Lebensmittel und andere Waren eingetauscht. Besonders Saint Martin war ein wichtiger Absatz- und Handelsort. Fisch konnte dort gegen Mehl, Reis, Maismehl, Pökelfleisch und andere auf Anguilla nur begrenzt verfügbare Güter getauscht werden. Die Fischerei war dadurch nicht nur eine Nahrungsquelle, sondern Bestandteil eines regionalen Handelsnetzes.
Eine bedeutende Fischereigemeinde entwickelte sich in Island Harbour im Osten Anguillas. Der Ort blieb bis in die Gegenwart ein wichtiger Standort der Fischerei. Die Fischerboote wurden traditionell direkt an den Stränden beziehungsweise in den geschützten Buchten der Insel an Land gebracht. Die heute bekannten bunten Fischerboote Anguillas gehen unmittelbar auf diese ältere Bootstradition zurück.
Der traditionelle Fischfang steht außerdem in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des anguillanischen Bootsbaus. Die Fischer benötigten schnelle, seetüchtige und zugleich leicht zu handhabende Boote. Die historischen Fischerboote wurden deshalb auf Geschwindigkeit und gute Segeleigenschaften ausgelegt. Nach dem Ende der täglichen Fangarbeit warteten die Boote häufig aufeinander, um gemeinsam zur Insel zurückzukehren. Aus diesen Fahrten entwickelte sich allmählich der Wettbewerb zwischen den Booten, der später zur Grundlage der berühmten anguillanischen Bootsrennen wurde. Die heutigen Rennboote gelten als direkte Nachfahren der historischen Fischerboote.
Neben der eigentlichen Fischerei entwickelte sich bereits im 18. und 19. Jahrhundert eine umfangreiche Seeschifffahrt. Größere Schoner und Schaluppen übernahmen den Transport von Menschen und Waren zwischen Anguilla und den Nachbarinseln. Damit entstand eine klare Verbindung zwischen Fischerei, Bootsbau, Segelhandwerk und Handel. Während die Fischer überwiegend mit kleinen Booten arbeiteten, verwendeten Händler größere Segelschiffe für den interinsularen Warenverkehr.
Ein bekanntes Beispiel für diese Schifffahrtstradition ist die Warspite. Das Schiff wurde 1909 in Sandy Ground als Gazelle gebaut und 1916 von Arthur Romney erworben und in Warspite umbenannt. Es wurde unter anderem für Transporte zwischen Anguilla und der Dominikanischen Republik eingesetzt, wo anguillanische Arbeitskräfte saisonal auf Zuckerrohrplantagen arbeiteten. Später transportierte das Schiff Waren und insbesondere Salz innerhalb der Karibik und versorgte außerdem den Leuchtturm auf Sombrero. Die Warspite wurde 1984 während des Hurrikans Klaus zerstört.
Die Verbindung zwischen Fischerei und Schifffahrt war für Anguilla besonders wichtig, weil die Insel nur begrenzte Möglichkeiten für eine exportorientierte Landwirtschaft besaß. Die Bevölkerung entwickelte deshalb verschiedene Formen der Erwerbstätigkeit auf dem Meer. Ein Teil arbeitete als Fischer, ein anderer Teil als Seeleute auf Schonen und Handelsschiffen. Diese maritime Wirtschaftsweise trug wesentlich zur Entwicklung der heutigen anguillanischen Kultur bei.
Bis zum Beginn des modernen Tourismus Ende der 1960er Jahre bestanden die kommerziellen Fischereien vor allem aus Schnappern und anderen Rifffischen. Langusten wurden ebenfalls gefangen, zunächst unter anderem als Köder für Fischfallen und zusätzlich für den Export nach Saint Martin beziehungsweise Sint Maarten, Puerto Rico und auf die U.S. Virgin Islands. Mit dem Aufkommen des Tourismus stieg die lokale Nachfrage nach Fisch und Langusten stark an. Nach Angaben des anguillanischen Fisheries Development Plan verlagerte sich die Langustenfischerei dadurch von einer stark exportorientierten Tätigkeit zunehmend auf die Versorgung des heimischen Marktes.
Heute gehören Langusten beziehungsweise die Karibische Languste Panulirus argus zu den wirtschaftlich bedeutenden Fangarten. Ebenfalls wichtig sind verschiedene Schnapperarten, insbesondere der Red Snapper und andere Arten der Familie Lutjanidae. Hinzu kommen Thunfische, Wahoo, Mahi-Mahi, verschiedene Jacks, Zackenbarsche und weitere Rifffische. Die aktuelle regionale Fischereistatistik nennt außerdem verschiedene Arten von Haien und andere größere Meeresfische als Fangarten.
Eine weitere kommerziell bedeutende Ressource ist die Große Fechterschnecke, die auf Englisch Queen Conch und wissenschaftlich Lobatus gigas genannt wird. Sie wird durch Tauchen beziehungsweise Hauttauchen und teilweise mit Atemgerät gefangen. Wegen der ökologischen Bedeutung und der Empfindlichkeit der Bestände unterliegt die Conch-Fischerei besonderen gesetzlichen Regelungen.
Die heutige Fischereiflotte besteht weiterhin überwiegend aus kleinen, lokal gebauten offenen Booten mit Außenbordmotoren. Nach dem aktuellen nationalen Fischereibericht für Anguilla gab es für 2022 rund 96 lizenzierte kommerzielle Fischereifahrzeuge und etwa 240 Fischer. Abgesehen von einem größeren 16-Meter-Trawler arbeiten die meisten Fischer mit lokal gebauten offenen Booten von etwa 5 bis 15 Metern Länge.
Die Umstellung vom Segel- auf den Motorantrieb veränderte die Fischerei erheblich. Um etwa 1970 setzte sich der Außenbordmotor durch. Dadurch konnten Fischer ihre Fangplätze schneller erreichen, Reusen effizienter kontrollieren und mehrere Fangstellen während einer Ausfahrt bedienen. Die heutige Fischerei erfolgt deshalb überwiegend mit motorisierten offenen Booten und nicht mehr mit den historischen Segelfischerbooten.
Bei den heutigen Fangmethoden kommen unter anderem Leinenfischerei, Reusen und Fallen für Langusten und andere Arten, Schleppangeln, Langleinen, Ringwadennetze sowie Speerfischerei zum Einsatz. Auch sogenannte Fish Aggregating Devices, kurz FADs, werden für bestimmte pelagische Fischarten verwendet. Die eingesetzten Methoden unterscheiden sich je nach Zielart und Fanggebiet.
Die Fischerei ist heute allerdings kein großindustrieller Wirtschaftszweig. Der aktuelle nationale Bericht bezeichnet sie ausdrücklich als weiterhin unterentwickelt und stellt fest, dass es keine großmaßstäbliche kommerzielle Fischereiindustrie gibt. Sie wird vielmehr von einer relativ kleinen Zahl von Fischern mit kleinen beziehungsweise mittelgroßen Booten betrieben.
Die gefangenen Fische und Meerestiere werden teilweise unmittelbar auf Anguilla verkauft. Fischmärkte, Händler, Restaurants und private Haushalte bilden die wichtigsten lokalen Absatzwege. Die Gastronomie nutzt insbesondere Langusten, Schnapper, Conch und weitere Rifffische. Fisch und Meeresfrüchte gehören damit zu den charakteristischen Bestandteilen der anguillanischen Küche.
Die Fischerei hat durch den Fremdenverkehr eine zusätzliche Absatzmöglichkeit erhalten. Hotels und Restaurants benötigen Fisch und Meeresfrüchte für ihre Küche, während Besucher auch an Sport- und Charterfischerei teilnehmen können. Gleichzeitig erhöhte der Tourismus den lokalen Bedarf an Langusten und anderen hochwertigen Meeresprodukten. Der Fisheries Development Plan stellte fest, dass die lokale Nachfrage nach Langusten mit dem Wachstum des Tourismus so stark zunahm, dass die verfügbare Produktion kaum noch für lokale und Exportmärkte gleichzeitig ausreichte.
Anlandungen in t insgesamt
- 1991 324
- 1993 330
- 1994 333
- 1995 350
- 1998 360
Bergbau
Der Bergbau auf Anguilla konzentriert sich im Wesentlichen auf die Gewinnung von mineralischen und nichtmetallischen Rohstoffen für den lokalen Bau- und Infrastruktursektor. Aufgrund der geologischen Zusammensetzung der Insel gibt es keine bedeutenden Lagerstätten von Metallerzen, Kohle oder Erdöl. Anguilla besteht überwiegend aus Kalkstein und anderen karbonatischen Ablagerungen; entsprechend liegt der Schwerpunkt der Rohstoffgewinnung auf Kalkstein, Gesteinskörnungen und Sand.
Eine wichtige Grundlage bildet der Kalkstein. Geologisch besteht Anguilla weitgehend aus marinen Kalksteinablagerungen. Der Kalkstein ist stellenweise fest und massiv ausgebildet, weist aber auch Klüfte, Poren und durch Lösung entstandene Hohlräume auf. Untersuchungen für die Infrastrukturplanung haben einen Kalksteinbruch im Norden der Hauptinsel als Quelle für Gesteinskörnungen identifiziert. Das dort gewonnene Gestein wird durch Sprengen gelöst, anschließend gebrochen und nach Korngrößen sortiert. Es entstehen unter anderem verschiedene Splittfraktionen sowie feinere Sandfraktionen, die beispielsweise für Beton, Asphalt und die Herstellung von Betonsteinen verwendet werden.
Der Abbau von Kalkstein beziehungsweise Gesteinskörnungen steht damit in erster Linie mit dem Baugewerbe in Verbindung. Die gewonnenen Materialien werden für Straßenbau, Gebäude, Fundamente, Beton, Asphalt und andere Bauarbeiten benötigt. Wegen der begrenzten Größe des lokalen Marktes handelt es sich nicht um einen Bergbau von internationaler Größenordnung.
Neben dem Kalkstein ist Sand ein wichtiger mineralischer Rohstoff. Sand wurde insbesondere für die Bauwirtschaft gewonnen. Historische und moderne Untersuchungen dokumentieren Sandabbau insbesondere im östlichen Teil Anguillas. Dabei wurden teilweise Dünen und Sandkörper hinter den Stränden abgetragen. Die Entnahme von Sand hat nach Untersuchungen der anguillanischen Behörden an einzelnen Küstenabschnitten zur Verringerung des Strandvolumens und zu verstärkter Erosion beigetragen.
Der Sandabbau unterliegt deshalb inzwischen erheblichen Einschränkungen. Das Department of Natural Resources weist ausdrücklich darauf hin, dass der Abbau von Strandsand in Anguilla illegal ist. Für die Entfernung von Sand ist grundsätzlich eine Genehmigung der Physical Planning Unit erforderlich; bei Strandsand ist eine solche Genehmigung nach den Angaben der Behörde voraussichtlich nicht zu erhalten.
Die staatliche Planungsgesetzgebung behandelt Bergbau ausdrücklich als eine Form der Landentwicklung. Dazu zählt auch die Entfernung von Sand. Solche Vorhaben unterliegen daher der Genehmigungspflicht nach den Vorschriften über die Landentwicklung.
Die Einschränkungen beim Sandabbau haben vor allem ökologische Gründe. Strände und Dünen bilden natürliche Sedimentspeicher. Werden diese Materialien entfernt, steht bei Sturmereignissen weniger Sand zur Verfügung, um den natürlichen Verlust auszugleichen. Dadurch kann die Küstenerosion verstärkt werden. Außerdem können Dünen als natürliche Barrieren zwischen Meer und Salzteichen fungieren. Ihr Abbau kann deshalb die Anfälligkeit der dahinterliegenden Gebiete gegenüber Sturmfluten erhöhen.
Eine besondere historische Bedeutung hatte die Gewinnung von Salz. Sie ist allerdings eher der Salzwirtschaft als dem klassischen Bergbau zuzurechnen. Anguilla verfügt über mehrere natürliche Salzseen beziehungsweise Salzpfannen, von denen insbesondere die Anlagen bei Sandy Ground und West End wirtschaftlich genutzt wurden. Die Salzgewinnung war über lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftszweig und eine bedeutende Grundlage des lokalen Warenhandels.
Besonders die Salzpfanne bei Sandy Ground war für die Geschichte Anguillas von Bedeutung. Dort wurde Salz aus dem Meerwasser beziehungsweise aus den flachen Salzteichen gewonnen und anschließend über den Hafen von Road Bay verschifft. Die Salzindustrie gehörte zu den Wirtschaftszweigen, die Anguilla vor dem Aufstieg des modernen Tourismus wirtschaftlich prägten. Historische Einrichtungen wie Kalksteinmauern der ehemaligen Salzgewinnungsanlagen sind noch vorhanden.
Die Salzproduktion war eng mit der maritimen Wirtschaft verbunden. Das gewonnene Salz wurde mit Segelschiffen und später mit motorisierten Schiffen zu anderen karibischen Inseln transportiert. Damit bestanden enge Verbindungen zwischen Salzgewinnung, Schifffahrt, Schiffbau, Handel und Fischerei.
Heute besitzt die Salzgewinnung nur noch eine wesentlich geringere wirtschaftliche Bedeutung als in der historischen Periode. Die alten Salzwerke sind vor allem kulturhistorisch interessant und dokumentieren einen Wirtschaftszweig, der vor der Entwicklung des Tourismus eine größere Rolle für die Insel spielte. Die Regierung hat bei Planungen für Sandy Ground ausdrücklich vorgeschlagen, die Geschichte des Salzabbaus und der damit verbundenen maritimen Wirtschaft museal zu dokumentieren.
Für die Rohstoffwirtschaft ist außerdem wichtig, dass Anguilla keine bedeutende Förderung metallischer Rohstoffe besitzt. Es gibt keine industrielle Eisenerz-, Bauxit-, Kupfer-, Gold- oder Edelmetallförderung. Ebenso existiert keine Erdöl- oder Erdgasindustrie auf der Insel. Die mineralische Rohstoffgewinnung bleibt damit auf nichtmetallische Baustoffe und die historische Salzgewinnung konzentriert.
Handwerk
Zum traditionellen und modernen Kunsthandwerk gehören unter anderem Stickereien und andere Nadelarbeiten, Keramik, Holzarbeiten, Skulpturen, Schmuck, handgefertigte Seifen und Kerzen. Hinzu kommen verschiedene Souvenirartikel, Postkarten, dekorative Gegenstände sowie Bücher über Anguilla. Die Herstellung erfolgt überwiegend in kleinen Werkstätten oder Ateliers und vielfach in Einzelanfertigung beziehungsweise kleinen Serien.
Eine wichtige Rolle spielt das Made in Anguilla Arts & Crafts Centre in West End. Das 2019 eröffnete Zentrum verbindet Arbeits- und Ausstellungsräume mit Verkaufsflächen und dient lokalen Künstlern und Kunsthandwerkern als gemeinsamer Ort für Produktion, Präsentation und Verkauf. Das Zentrum unterstützt damit insbesondere die Vermarktung von Erzeugnissen, die auf Anguilla hergestellt werden, und verbindet handwerkliche Produktion mit der Pflege der lokalen Kultur.
Ein weiterer Anlaufpunkt für Kunsthandwerk befindet sich in The Valley. Dort werden unter anderem lokale Kunstwerke, Keramik, Bücher und weitere Erzeugnisse angeboten. Solche Verkaufsstellen richten sich sowohl an die einheimische Bevölkerung als auch an Besucher und bilden eine direkte Verbindung zwischen Handwerk und Tourismus.
Neben dem Kunsthandwerk bestehen zahlreiche praktische Handwerksberufe. Dazu gehören Tischler und Schreiner, Bootsbauer, Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Maler, Fliesenleger, Elektriker, Installateure, Metallbauer, Kfz-Mechaniker und Bootsmotorenmechaniker. Diese Berufe haben für den täglichen Betrieb der Insel eine wesentlich unmittelbarere wirtschaftliche Funktion als das touristische Souvenirhandwerk.
Der Bootsbau besitzt dabei eine besondere historische Bedeutung. Die traditionelle Fischerei erforderte schnelle und seetüchtige Holzboote. Aus dieser handwerklichen Tradition entwickelte sich das für Anguilla charakteristische Können im Bau von Fischer- und Rennbooten. Die heutigen Bootsrennen bewahren einen Teil dieser handwerklichen Tradition, da die Rennboote auf den historischen Fischerbooten beruhen.
Auch nach der Umstellung der Fischerei auf motorisierte Boote blieb die maritime Handwerkstradition erhalten. Reparatur, Wartung und Umbau von Fischerbooten, Freizeitbooten und Charterbooten gehören weiterhin zu den spezialisierten Tätigkeiten auf der Insel. Dazu kommen Arbeiten an Außenbordmotoren, elektrischen Anlagen, Rümpfen, Masten und Beschlägen.
Das Bauhandwerk hat durch den Tourismus und die hohe Zahl von Ferienhäusern, Hotels, Restaurants und anderen touristischen Einrichtungen erheblich an Bedeutung gewonnen. Hinzu kommen umfangreiche Reparaturarbeiten nach den schweren Hurrikanen, insbesondere nach Irma im Jahr 2017. Dachdecker, Zimmerleute, Maurer, Elektriker und Installateure waren danach an der Wiederherstellung beschädigter Gebäude und technischer Anlagen beteiligt.
Das Kunsthandwerk wird überwiegend unmittelbar an Endkunden verkauft. Besucher erwerben die Erzeugnisse in Geschäften, Galerien, auf Märkten und in spezialisierten Kunsthandwerkszentren. Dadurch entsteht eine kurze Absatzkette zwischen Produzent und Käufer. Eine großindustrielle Serienproduktion findet in diesem Bereich nicht statt.
Besonders Frauen sind traditionell in verschiedenen Bereichen des textilen und dekorativen Kunsthandwerks vertreten. Stickerei, Näharbeiten, Schmuckherstellung, Kerzen, Seifen und andere kleinmaßstäbliche Produkte lassen sich mit kleinen Werkstätten oder Heimarbeit verbinden. Gleichzeitig arbeiten Männer und Frauen in Holzverarbeitung, Keramik, Metallhandwerk, Bootsbau und Baugewerbe.
Industrie
Der Bootsbau gehört zu den wichtigsten traditionellen Produktionszweigen. Anguilla besitzt eine jahrhundertealte maritime Tradition, die aus Fischerei, Seefahrt und Küstenhandel hervorgegangen ist. Kleine Werften und Bootsbauer fertigen und reparieren Boote für die Fischerei, den privaten Freizeitverkehr, Charterunternehmen und den Tourismus. Verwendet werden sowohl Holz als auch moderne Werkstoffe wie glasfaserverstärkter Kunststoff. Neben Neubauten spielen Reparatur, Wartung, Motoreneinbau und Umbauten eine wichtige Rolle.
Der traditionelle Holzbootbau steht besonders eng mit der Kultur Anguillas in Verbindung. Die historischen Fischerboote dienten als Vorbild für die modernen Rennboote, die bei den traditionellen Bootsrennen eingesetzt werden. Damit verbindet dieser Produktionszweig wirtschaftliche Tätigkeit mit dem kulturellen Erbe der Insel.
Eine wesentlich größere Bedeutung besitzt die Bauwirtschaft. Wohnhäuser, Hotels, Ferienvillen, Restaurants, Geschäftsgebäude, Straßen und technische Infrastruktur erzeugen einen kontinuierlichen Bedarf an Bauleistungen und Baumaterialien. Nach Hurrikan Irma im September 2017 nahm die Bautätigkeit besonders stark zu, weil große Teile der baulichen und technischen Infrastruktur beschädigt worden waren. Der Wiederaufbau führte zu einer außergewöhnlich hohen Nachfrage nach Bauunternehmen, Handwerkern und Baumaterialien.
Zur baunahen Produktion gehören unter anderem die Herstellung von Betonsteinen, Mörtel, Betonfertigteilen und anderen Baustoffen. Auch Zuschlagstoffe aus lokal gewonnenem Kalkstein werden für Bauarbeiten verwendet. Die lokale Herstellung kann jedoch nur einen Teil des Bedarfs decken; zahlreiche Baumaterialien, Maschinen und technische Komponenten müssen eingeführt werden.
Die Lebensmittelverarbeitung bildet einen weiteren kleinen Produktionsbereich. Landwirtschaftliche Erzeugnisse und Fisch werden teilweise unmittelbar auf der Insel verarbeitet. Dazu gehören die Reinigung, Zerlegung und Verpackung von Fisch und Meeresfrüchten sowie die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Wegen der geringen landwirtschaftlichen Produktion und des hohen Lebensmittelbedarfs des Tourismus bleibt die lokale Lebensmittelverarbeitung allerdings auf bestimmte Produktgruppen beschränkt.
Die Fischerei ist selbst kein industrieller Produktionszweig, besitzt aber einen nachgelagerten Verarbeitungsbereich. Besonders Langusten und verschiedene Fischarten werden für den lokalen Verbrauch und den Verkauf an Gastronomiebetriebe verarbeitet. Die Verarbeitung erfolgt überwiegend in kleinen Betrieben und nicht in großen industriellen Fischfabriken.
Auch Getränke, Backwaren und andere Lebensmittel werden auf Anguilla in kleinen gewerblichen Betrieben hergestellt. Bäckereien und Lebensmittelproduzenten bedienen vor allem den lokalen Markt und die Gastronomie. Eine exportorientierte Lebensmittelindustrie mit großen Fabriken entstand dagegen nicht.
Die Herstellung von Möbeln und Innenausstattungen steht ebenfalls mit dem Bau- und Tourismussektor in Verbindung. Tischlereien fertigen Möbel, Türen, Fenster, Einbauten und andere Holzkonstruktionen. Hotels, Restaurants und Ferienhäuser stellen einen wichtigen Absatzmarkt dar.
Eine bedeutende industrielle Grundlage für den Tourismus bilden außerdem Wartungs- und Reparaturbetriebe. Dazu gehören Kfz-Werkstätten, Bootswerkstätten, Metallbauunternehmen, elektrische Fachbetriebe und technische Dienstleister. Sie übernehmen Aufgaben, die auf einer kleinen Insel für den Betrieb von Fahrzeugen, Schiffen, Gebäuden und touristischen Anlagen unverzichtbar sind.
Die früher bedeutendere Salzgewinnung gehört heute nicht mehr zu den tragenden industriellen Wirtschaftszweigen. Historisch wurde Salz in den Salzteichen von Sandy Ground und West End gewonnen und mit Schiffen in andere karibische Gebiete exportiert. Die alten Salzwerke dokumentieren einen wichtigen Abschnitt der Wirtschaftsgeschichte Anguillas, die industrielle Produktion von Salz besitzt heute jedoch nur noch geringe Bedeutung.
Auch der Rohstoffabbau ist begrenzt. Kalkstein und Gesteinskörnungen werden für den lokalen Baubedarf gewonnen, während Sandabbau an den Stränden wegen seiner Auswirkungen auf die Küstenlandschaft eingeschränkt beziehungsweise verboten ist. Eine mineralverarbeitende Großindustrie entstand daraus nicht.
Neben der materiellen Produktion besitzt Anguilla einen stark ausgeprägten dienstleistungsorientierten Wirtschaftsbereich. Hierzu gehören internationale Unternehmensdienstleistungen, Finanzdienstleistungen, Versicherungen und digitale Dienstleistungen. Diese Tätigkeiten sind jedoch keine Industrie im klassischen Sinne und sollten von der industriellen Produktion getrennt betrachtet werden.
Besondere internationale Bedeutung besitzt die Internet-Domain .ai. Sie ist die offizielle Länder-Top-Level-Domain Anguillas und wird wegen der Abkürzung „AI“ für artificial intelligence weltweit von Unternehmen und Organisationen genutzt. Die Einnahmen aus der Vergabe von .ai-Domains sind inzwischen eine wichtige Einnahmequelle für das Territorium. Die Domainwirtschaft ist jedoch eine digitale Dienstleistung und keine industrielle Fertigung.
Auch die Behauptung, Anguilla sei deshalb eine „Steueroase“ mit einer einheitlichen Körperschaftsteuer von 0 Prozent, greift zu kurz. Das Steuer- und Gesellschaftsrecht umfasst verschiedene Abgaben, Gebühren und Regelungen. Die .ai-Domainwirtschaft sollte deshalb wirtschaftlich nicht mit einer klassischen Offshore-Industrie gleichgesetzt werden.
Die Industrie Anguillas ist somit vor allem eine kleinbetriebliche Versorgungs- und Verarbeitungsindustrie. Ihre wichtigsten Bereiche sind Bootsbau und Bootsreparatur, Baustoffherstellung, Lebensmittelverarbeitung, Möbel- und Holzproduktion sowie verschiedene technische Reparatur- und Wartungsbetriebe. Ergänzt wird sie durch die Gewinnung von Kalkstein und Gesteinskörnungen.
Wasserwirtschaft
Die Insel besitzt keine dauerhaften Flüsse und Seen, sodass die Wasserversorgung auf verschiedene voneinander abhängige Quellen und technische Verfahren angewiesen ist. Eine traditionelle Grundlage bilden private und gewerbliche Zisternen, in denen Niederschlagswasser gesammelt wird. Daneben werden Grundwasservorkommen über Brunnen erschlossen und Meerwasser durch Umkehrosmose entsalzt. Bereits ältere Untersuchungen bezeichneten die Entsalzung als wichtigste Quelle für Trinkwasser; gleichzeitig verfügten viele Haushalte über eigene Zisternen. Die Bauvorschriften sehen die Errichtung von Zisternen auf Grundstücken vor.
Das Grundwasser bildet einen wichtigen Bestandteil der Wasserversorgung, ist aber wegen der Insellage besonders empfindlich gegenüber Übernutzung. Wird mehr Wasser aus dem Aquifer entnommen, als durch Niederschläge und natürliche Versickerung nachgeliefert wird, kann Meerwasser in die unterirdischen Süßwasserbereiche eindringen und deren Salzgehalt erhöhen. Während der ausgeprägten Dürre des Jahres 2022 verschärfte sich dieses Problem. Lokale Brunnenbetreiber und die öffentliche Wasserversorgung waren gleichermaßen von der verminderten Grundwasserneubildung betroffen. Zeitgenössische Berichte beschrieben eine zunehmende Versalzung des Aquifers bei länger anhaltender Trockenheit.
Die Regenwassernutzung besitzt deshalb weiterhin eine wichtige Funktion. Auf vielen Grundstücken werden Dächer als Sammelflächen verwendet und die Niederschläge über Rinnen und Leitungen in unterirdische oder oberirdische Zisternen geleitet. Dieses System ist auf Anguilla historisch weit verbreitet und reduziert den Bedarf an aufbereitetem Leitungswasser. Seine Leistungsfähigkeit hängt jedoch unmittelbar von der Niederschlagsmenge ab. Bei längeren Trockenperioden müssen die Zisternenvorräte ergänzt werden, unter anderem durch angeliefertes Wasser oder Wasser aus dem öffentlichen Versorgungssystem. Bereits ältere Untersuchungen stellten fest, dass Zisternen einen wesentlichen Bestandteil der privaten Wasserversorgung darstellen.
Die wichtigste technische Säule der öffentlichen Trinkwasserversorgung ist inzwischen die Meerwasserentsalzung durch Umkehrosmose. Entsalztes Wasser wird in Speichertanks geleitet und anschließend über das öffentliche Leitungsnetz an Haushalte und Betriebe verteilt. Zusätzlich existieren private Produzenten und Wasserlieferanten. Historisch wurde die öffentliche Produktion durch private Anbieter ergänzt, während bei Versorgungsengpässen auch Wasser mit Tankwagen zu Haushalten und Betrieben transportiert wurde. Die Entsalzung ermöglicht eine vom aktuellen Niederschlag weitgehend unabhängige Trinkwasserproduktion, benötigt allerdings erhebliche Mengen elektrischer Energie und verursacht entsprechend hohe Produktionskosten.
Die Verteilung des erzeugten Wassers ist ein wesentlich größeres Problem als die reine Wassergewinnung. Das öffentliche Leitungsnetz ist teilweise stark überaltert und weist umfangreiche Leckverluste auf. Die Regierung stellte bereits 2023 fest, dass bis zu 80 Prozent des erzeugten Wassers durch Leckagen verloren gingen, und bezeichnete diesen Zustand als weder nachhaltig noch finanziell tragbar. Für die Sanierung des Netzes waren zunächst 5 Millionen East Caribbean Dollar an Investitionen vorgesehen; zugleich wurde der langfristige Finanzbedarf für die Erneuerung des Netzes auf wesentlich höhere Beträge geschätzt.
Auch 2025 wurde die Größenordnung der Wasserverluste weiterhin mit bis zu 80 Prozent angegeben. Nach Angaben des zuständigen Ministers waren die Rohrleitungen vielfach veraltet und in einem schlechten Zustand. Das Problem betrifft nicht nur die Wasserverschwendung, sondern auch die Versorgungssicherheit und die Kosten für die Verbraucher, weil produziert und bezahlt werden muss, obwohl ein erheblicher Teil des Wassers den Abnehmer überhaupt nicht erreicht. Im August 2025 wurde der notwendige vollständige Ausbau beziehungsweise Ersatz wesentlicher Teile des Verteilungsnetzes mit rund 50 Millionen East Caribbean Dollar veranschlagt.
Die öffentliche Wasserverwaltung wurde 2024 neu organisiert. Bis April 2024 war die Water Corporation of Anguilla (WCA) für das öffentliche Wassersystem zuständig. Seit April 2024 nimmt das Department of Water Services diese Aufgaben innerhalb der Zentralverwaltung wahr. Zu seinem Aufgabenbereich gehören die öffentliche Wassergewinnung und -verteilung sowie die Verwaltung und Instandhaltung der entsprechenden Infrastruktur. Die gesetzliche Grundlage wurde mit dem Department of Water Services Act 2024 geschaffen.
Die staatliche Wasserpolitik konzentriert sich zunehmend auf die Sanierung des Leitungsnetzes und auf eine nachhaltigere Bewirtschaftung des Grundwassers. 2024 wurde ein Projekt zur Entwicklung eines nationalen, klimaresilienten Grundwassermanagementplans begonnen. Das von der Europäischen Union finanzierte Green-Overseas-Programm unterstützt dabei die Regierung Anguillas; mit der fachlichen Durchführung wurde Royal HaskoningDHV beauftragt. Ziel ist eine systematischere Erfassung, Überwachung und Bewirtschaftung der Grundwasserressourcen, um Übernutzung und Versalzung zu begrenzen.
Rechtlich bildet unter anderem der Water and Wells Act den Rahmen für die Nutzung der Wasserressourcen. Das Gesetz gehört weiterhin zum geltenden Recht Anguillas. Es regelt die staatliche Kontrolle über Brunnen und die Nutzung von Wasserressourcen und bildet damit einen Teil der rechtlichen Grundlage für die Überwachung der Grundwasserentnahme.
Ein weiterer Bereich ist die Versorgung durch private Wasserunternehmen und Tankwagen. Sie gewinnen Wasser aus eigenen Brunnen oder beziehen Wasser aus dem öffentlichen System und liefern es an Haushalte, Hotels, Unternehmen und andere Abnehmer. Diese private Versorgung erhält insbesondere während Perioden mit intermittierender öffentlicher Versorgung Bedeutung. Bereits frühere Untersuchungen stellten fest, dass neben der öffentlichen Produktion mehrere private Lieferanten tätig waren.
Der Tourismus erhöht den Wasserbedarf erheblich. Hotels, Ferienanlagen, Restaurants, Villen und andere touristische Betriebe benötigen Wasser für Trinkwasser, Duschen, Küchen, Wäschereien, Reinigung, Schwimmbäder und Gartenbewässerung. Dadurch fällt der Wasserverbrauch gerade während der touristisch wichtigen Zeiten besonders ins Gewicht. Landwirtschaftliche Betriebe sind ebenfalls auf eine verlässliche Wasserversorgung angewiesen; Wasser- und Ernährungssicherheit stehen deshalb in einem direkten Zusammenhang. Die Regierung hat diesen Zusammenhang ausdrücklich hervorgehoben.
Auch die Stromversorgung ist eng mit der Wasserwirtschaft verbunden. Da ein großer Teil des Trinkwassers durch Umkehrosmose erzeugt wird, benötigt die Wasserproduktion kontinuierlich elektrische Energie. Störungen der Stromversorgung können deshalb gleichzeitig die Wasserproduktion und die Verteilung beeinträchtigen. Umgekehrt erhöhen die Energiekosten die Kosten der Entsalzung und damit die Kosten des erzeugten Trinkwassers.
Das Abwasser stellt eine weitere Aufgabe der Wasserwirtschaft dar. Auf einer kleinen, dicht genutzten Insel müssen Abwässer aus Haushalten, Hotels, Restaurants und anderen Betrieben gesammelt, behandelt oder über geeignete dezentrale Systeme entsorgt werden. Abwasseranlagen, Klärgruben und andere Abwassersysteme müssen dabei so betrieben werden, dass Grundwasser und Küstengewässer nicht durch Nährstoffe, Krankheitserreger oder andere Schadstoffe belastet werden. Wegen der geringen Entfernung zwischen Siedlungsgebieten, Grundwasser und Meer besitzt die Abwasserentsorgung unmittelbar Bedeutung für die Trinkwasserressourcen und die Küstenökosysteme.
Flaschenwasser ergänzt die öffentliche und private Wasserversorgung. Ein Teil des abgefüllten Trinkwassers wird importiert, wodurch zusätzlich Verpackungsabfälle entstehen. Bereits ältere Untersuchungen bezeichneten importiertes Flaschenwasser als wichtigen Bestandteil der Trinkwasserversorgung und verwiesen gleichzeitig auf die daraus entstehende Entsorgungsproblematik.
Energiewirtschaft
Die Elektrifizierung entwickelte sich schrittweise. Bis in die 1970er Jahre konzentrierte sich die Stromversorgung auf den Raum The Valley. In den folgenden Jahren wurde das Netz auf weitere Siedlungen und schließlich auf die gesamte Insel ausgedehnt. Nach Angaben der Anguilla Electricity Company Limited (ANGLEC) ist heute praktisch das gesamte bewohnte Gebiet an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.
Eine wichtige Entwicklungsstufe war die Einführung einer zentraleren Stromversorgung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zuvor waren einzelne Haushalte und Betriebe teilweise auf eigene Generatoren angewiesen. Mit dem Ausbau des öffentlichen Netzes konnten diese dezentralen Anlagen zunehmend durch eine gemeinsame Stromversorgung ersetzt werden.
Für die öffentliche Stromversorgung ist die Anguilla Electricity Company Limited (ANGLEC) zuständig. Das Unternehmen erzeugt, überträgt und verteilt den elektrischen Strom auf der Insel. ANGLEC betreibt dafür ein eigenes Kraftwerk beziehungsweise mehrere Erzeugungseinheiten und unterhält das Inselstromnetz mit seinen Leitungen, Transformatoren und Verteilungsanlagen.
Die Stromerzeugung basiert traditionell überwiegend auf Dieselgeneratoren. Dabei werden Verbrennungsmotoren mit Generatoren gekoppelt, die mechanische Energie in elektrische Energie umwandeln. Diese Technik eignet sich für kleine Inselnetze, weil die Leistung der einzelnen Generatoren an die jeweilige Nachfrage angepasst werden kann. Gleichzeitig führt die Abhängigkeit von importiertem Dieselkraftstoff zu einer starken Abhängigkeit von internationalen Brennstoffpreisen und Transportkosten.
Die Anguillanische Energiewirtschaft ist deshalb trotz der eigenen Stromerzeugung keine energieautarke Wirtschaft. Die elektrische Energie wird zwar auf der Insel erzeugt, die Primärenergie für die konventionelle Stromproduktion stammt jedoch überwiegend aus importierten fossilen Brennstoffen. Die Aussage, Anguilla produziere seine gesamte benötigte Energie „selbst“, muss daher zwischen Stromerzeugung und Primärenergieversorgung unterscheiden.
Der jährliche Stromverbrauch liegt in der Größenordnung von mehreren Dutzend Millionen Kilowattstunden. Die genaue Jahresmenge schwankt abhängig von Wirtschaftstätigkeit, Tourismus, Wetter und Bevölkerungsentwicklung. Besonders während der touristischen Hochsaison steigt die Nachfrage durch Hotels, Restaurants, Klimaanlagen, Kühlanlagen, Geschäfte und andere gewerbliche Einrichtungen.
Der Tourismus ist damit ein wichtiger Faktor für den Stromverbrauch. Hotels und Ferienanlagen benötigen Elektrizität für Klimatisierung, Beleuchtung, Warmwasserbereitung, Kühlung, Küchen, Pumpen und Schwimmbäder. Wegen des tropischen Klimas nimmt insbesondere die Klimatisierung einen erheblichen Teil des Strombedarfs ein.
Auch private Haushalte benötigen vergleichsweise viel elektrische Energie für Klimaanlagen, Ventilatoren, Kühlschränke, Gefriergeräte, Warmwasserbereiter und andere Haushaltsgeräte. Die Stromnachfrage ist daher eng mit den Temperaturen und der Nutzung von Klimaanlagen verbunden.
Das Stromnetz arbeitet mit dem in den Vereinigten Staaten üblichen System von 60 Hz. Bei der Netzspannung sind Angaben von 110 beziehungsweise 120 Volt gebräuchlich; für moderne Haushaltsgeräte ist auf Anguilla das nordamerikanische 120-Volt-System maßgeblich. Entsprechend werden überwiegend Steckersysteme nach nordamerikanischem Standard verwendet. Besucher aus Ländern mit 230-Volt-Netzen benötigen für viele Geräte einen geeigneten Adapter und bei nicht für 100–127 Volt ausgelegten Geräten zusätzlich einen Spannungswandler.
Die isolierte Lage macht die Versorgungssicherheit zu einer besonderen Aufgabe. Bei einem Inselnetz kann ein größerer Ausfall eines Kraftwerks oder einer wichtigen Übertragungsleitung nicht durch Strom aus einem benachbarten Verbundnetz ausgeglichen werden. ANGLEC muss deshalb ausreichende Erzeugungskapazitäten und Reserveleistung vorhalten.
Eine zusätzliche Herausforderung sind tropische Wirbelstürme. Anguilla liegt im Hurrikangürtel der Karibik, und schwere Stürme können Stromleitungen, Masten, Transformatoren und andere Teile der Infrastruktur beschädigen. Hurrikan Irma im September 2017 verursachte erhebliche Schäden an der Energieinfrastruktur und führte zu umfangreichen Wiederaufbauarbeiten.
Nach 2017 wurde deshalb stärker auf die Widerstandsfähigkeit des Stromnetzes gegenüber Hurrikanen geachtet. Dazu gehören die Reparatur und Verstärkung von Leitungen, die Erneuerung beschädigter Anlagen und die Verbesserung der Wiederherstellungsmöglichkeiten nach Naturkatastrophen.
Neben der konventionellen Stromerzeugung gewinnt die Solarenergie an Bedeutung. Anguilla verfügt aufgrund der tropischen Lage über eine hohe solare Einstrahlung und damit grundsätzlich günstige Bedingungen für Photovoltaikanlagen. Solarmodule werden zunehmend auf Gebäuden und bei privaten beziehungsweise gewerblichen Anlagen eingesetzt.
Energieproduktion: 2000 2006
Produktion 45,85 mio. kWh 79,51 mio. KWh
Verbrauch 42,60 mio. kWh 75,50 mio. kWh
Verbrauch pro Person pro Jahr 3614 kWh 5886 kWh
Abfallwirtschaft
Die Abfallsammlung ist staatlich organisiert und an private Unternehmen vergeben. Die Insel ist für die Haus- und Gewerbeabfallsammlung in vier Entsorgungszonen eingeteilt. Die Zoneneinteilung wird von der Regierung vorgegeben; die privaten Auftragnehmer übernehmen die regelmäßige Sammlung der Haushalts- und Gemeinschaftsbehälter sowie Abfälle von staatlichen Einrichtungen, Schulen, Polizei, Flug- und Seehäfen und teilweise von öffentlichen Straßenbereichen.
Zone 1 umfasst den Westen Anguillas von West End bis zum Bereich South Hill und schließt Blowing Point ein. Zone 2 bildet den zentralen Teil der Insel mit Sandy Ground, North Hill, George Hill, Wallblake, Little Harbour, The Forest, The Quarter und Rey Hill. Zone 3 umfasst The Valley sowie unter anderem Sachasses, Rock Farm, Crocus Hill, Roaches Hill, North Side, Stoney Ground, Cauls Bottom, Wattices und Little Dix. Zone 4 liegt im Osten und reicht von Shoal Bay und Deep Waters über Island Harbour und East End bis zum Bereich Farrington. Nach den derzeit auf der Regierungsseite veröffentlichten Angaben werden Zone 1 und Zone 2 von Elmoalis Ltd., Zone 3 von Waste Tech Ltd. und Zone 4 von Krystal Enviro Services Ltd. bedient.
Die Sammlung erfolgt sowohl an privaten Haushalten als auch an Gemeinschaftsstandorten. Je nach Zone werden Haushaltsbehälter und Gemeinschaftscontainer an unterschiedlichen Wochentagen geleert. Die offiziellen Sammelzeiten liegen grundsätzlich zwischen 5.00 und 17.00 Uhr. Für den Bereich The Valley ist beispielsweise eine Sammlung von Haushalts- und Gemeinschaftsbehältern an mehreren Tagen pro Woche vorgesehen. Die genaue Einteilung ermöglicht eine flächendeckende Abfuhr trotz der verstreuten Siedlungsstruktur Anguillas.
Der zentrale Entsorgungsstandort ist die Deponie bei Corito im Süden der Insel. Historische Planungsunterlagen bezeichnen Corito als einzige Deponie Anguillas. Die frühere offene Verbrennung auf dem Gelände wurde eingestellt. Bereits seit längerer Zeit bestehen damit die für kleine Inselterritorien typischen Probleme: nur begrenzt verfügbare Fläche, hohe Transport- und Betriebskosten, zunehmende Abfallmengen und eine beschränkte Möglichkeit, neue Entsorgungsflächen zu erschließen.
Die Belastung des Corito-Standortes ist weiterhin erheblich. Nach Angaben aus dem Jahr 2025 werden dort durchschnittlich rund 9.377 Tonnen Abfall pro Jahr verarbeitet. Als wesentliche Probleme wurden eine begrenzte Kapazität, fehlende beziehungsweise unzureichende Recyclinginfrastruktur, Umweltgefahren und eine mögliche Beeinträchtigung des Grundwassers genannt. Die Regierung ließ deshalb 2025 Fachleute aus anderen karibischen Gebieten die Situation untersuchen und Empfehlungen für eine grundlegende Verbesserung der Abfallentsorgung ausarbeiten.
Recycling spielt bislang eine deutlich kleinere Rolle als die Ablagerung auf der Deponie. Historisch wurden beispielsweise bestimmte Glasflaschen gesammelt und zur Wiederverwertung nach Trinidad transportiert. Die geringe Größe des lokalen Marktes erschwert die Einrichtung eigenständiger Recyclingindustrien, da sortierte Wertstoffe häufig gesammelt, transportiert und außerhalb Anguillas weiterverarbeitet werden müssen. Die Entwicklung von Recycling- und Verwertungsangeboten ist deshalb eng mit den Kosten des Seetransports und der Verfügbarkeit geeigneter Abnehmer auf anderen karibischen Inseln oder außerhalb der Region verbunden.
Neben dem gewöhnlichen Hausmüll fallen auf Anguilla weitere Abfallarten an, die gesondert behandelt werden müssen. Dazu gehören Sperrmüll, Gartenabfälle, gefährliche Abfälle sowie Bau- und Abbruchabfälle. In den staatlichen Ausschreibungsunterlagen werden diese Abfallarten ausdrücklich von der normalen Sammlung des Haushaltsabfalls unterschieden. Auch medizinische und biogefährliche Abfälle unterliegen besonderen Anforderungen und werden nicht einfach gemeinsam mit dem normalen Hausmüll entsorgt.
- Zone 1 & 2: Elmoralis Ltd.
- Zone 3: Waste Tech Ltd.
- Zone 4: Krystal Enviro
Handel
Die kleine Insel verfügt über eine begrenzte eigene Rohstoff- und Produktionsbasis, während Lebensmittel, Treibstoffe, Fahrzeuge, Maschinen, Baumaterialien, Elektrogeräte, Bekleidung und zahlreiche Konsumgüter eingeführt werden müssen. Die amtliche Handelsstatistik erfasst den Warenhandel nach der Standard International Trade Classification (SITC); als Datenquellen dienen vor allem HM Customs, das Statistics Department und die Eastern Caribbean Central Bank. Die veröffentlichte Zeitreihe reicht derzeit bis 2022, wobei das Statistics Department auf Schwierigkeiten bei der Aufbereitung der Daten für die Jahre 2011 bis heute hinweist.
Das daraus entstehende strukturelle Handelsdefizit gehört zu den grundlegenden Merkmalen der anguillanischen Außenwirtschaft. Ältere Regierungsstatistiken zeigen bereits für 2005 ein erhebliches Ungleichgewicht: Warenimporte wurden damals mit 129,9 Millionen US-Dollar angegeben, während die Exporte lediglich 14,56 Millionen US-Dollar erreichten. Zu den wichtigsten Exportpartnern gehörten das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten, Puerto Rico und Saint-Martin. Die im Ausgangstext genannten 80,9 Millionen US-Dollar Importe und 2,6 Millionen US-Dollar Exporte stammen dagegen aus einer anderen beziehungsweise älteren statistischen Abgrenzung und sollten deshalb nicht ohne Jahresangabe als aktuelle Handelswerte verwendet werden.
Die wichtigsten Importgüter sind Treibstoffe, Nahrungsmittel, Fahrzeuge, Maschinen und technische Geräte, chemische Erzeugnisse, Baumaterialien, Textilien sowie sonstige Fertigwaren. Ein erheblicher Teil dieser Waren gelangt zunächst über die internationalen Handels- und Schiffsverbindungen in die Region und wird anschließend nach Anguilla weitertransportiert. Aufgrund der geringen Größe des Binnenmarktes und der fehlenden industriellen Massenproduktion besitzt Anguilla nur eine kleine eigene Exportbasis. Exportiert werden vor allem Erzeugnisse aus der Fischerei sowie einzelne lokal hergestellte Waren und Dienstleistungen; der wesentlich größere Teil der Wirtschaftsleistung entsteht im Dienstleistungssektor, insbesondere im Tourismus, im Finanzwesen, im Immobilienbereich und bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Die Regierung selbst bezeichnet den Tourismus als Rückgrat der Wirtschaft und nennt gleichzeitig Fischerei und Bootsbau als traditionelle Wirtschaftsbereiche.
Der Handel wird durch die besondere geographische Lage Anguillas geprägt. Die Insel liegt unmittelbar nördlich von Saint-Martin und östlich von Puerto Rico und gehört zu den nördlichen Leeward Islands. Für den Warenverkehr sind deshalb insbesondere die Verbindungen zu den Vereinigten Staaten, Puerto Rico, Saint-Martin und dem Vereinigten Königreich von Bedeutung. Historisch weist die amtliche Handelsstatistik ausdrücklich das Vereinigte Königreich, die USA, Puerto Rico und Saint-Martin als wichtige Handelspartner aus.
Eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben spielt die Anguilla Chamber of Commerce and Industry (ACOCI) mit Sitz in The Valley. Die Handelskammer ist eine gemeinnützige Organisation, die lizenzierten Unternehmen offensteht und die Interessen der örtlichen Wirtschaft vertritt. Zu ihren Aufgaben gehören die Vernetzung von Unternehmen, die Unterstützung bei der Unternehmensentwicklung, Fortbildung, wirtschaftspolitische Interessenvertretung sowie die Vermittlung von Kontakten zu Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern. Die Kammer unterhält außerdem ein Mitgliederverzeichnis, in dem Unternehmen aus Handel, Einzelhandel, Großhandel, Gastronomie, Tourismus, Finanzwesen, Bauwirtschaft, IT, Dienstleistungen und anderen Branchen erfasst sind.
Zum örtlichen Handelsgewerbe gehören sowohl Groß- und Importhändler als auch kleinere Einzelhandelsgeschäfte. Das Angebot umfasst Lebensmittel, Getränke, Haushaltswaren, Bekleidung, Schuhe, Baumaterialien, Elektrogeräte, Möbel, Autoteile, Werkzeuge und sonstige Gebrauchsgüter. Die Handelskammer führt dafür unter anderem die Kategorie „Merchants & Wholesale“, in der beispielsweise Ashley & Sons und Unique Trading Ltd. als Unternehmen aus Handel und Großhandel aufgeführt sind.
The Valley bildet das wichtigste Geschäfts- und Handelszentrum der Insel. Hier konzentrieren sich Regierungsstellen, Banken, Versicherungen, Rechts- und Wirtschaftsberatungen, Geschäfte, Restaurants und zahlreiche andere Dienstleistungsunternehmen. Weitere Geschäftsstandorte befinden sich unter anderem in South Hill, George Hill, Sandy Ground, Blowing Point und den übrigen Siedlungsbereichen. Die Struktur des Einzelhandels wird dabei durch die geringe Bevölkerungszahl und die starke Ausrichtung auf den Tourismus geprägt. Neben Geschäften für die einheimische Bevölkerung gibt es deshalb zahlreiche Betriebe, deren Angebot auf Besucher, Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants und den gehobenen Tourismussektor ausgerichtet ist.
Der Einzelhandel ist zugleich stark von den Einfuhren abhängig. Die meisten Waren müssen nach Anguilla eingeführt werden, wodurch Transportkosten, internationale Frachtraten, Hafenabfertigung und Wechselkurse unmittelbar auf die Preise im lokalen Handel wirken. Für Händler bedeutet dies, dass Lagerhaltung und regelmäßige Nachlieferungen eine größere Bedeutung besitzen als in großen Binnenmärkten. Unterbrechungen des Schiffsverkehrs oder Schäden an Hafen- und Straßeninfrastruktur können deshalb unmittelbar Auswirkungen auf die Warenversorgung haben.
Neben dem klassischen Warenhandel hat sich ein breiter Dienstleistungshandel entwickelt. Dazu gehören Tourismusleistungen, Unterkunft, Gastronomie, Immobiliengeschäfte, Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Rechts- und Unternehmensberatung, Transport, Telekommunikation und IT-Dienstleistungen. Die Anguilla Chamber of Commerce führt in ihrem Mitgliederbestand entsprechend Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Bereichen, darunter Handel, Finanzwesen und Versicherungen, Computer und Informationstechnologie, professionelle Dienstleistungen, Unterkunft und Gastronomie.
Die Anguilla Chamber of Commerce and Industry versucht dabei nicht nur die Interessen des lokalen Handels zu vertreten, sondern auch die Vernetzung mit Unternehmen außerhalb des Territoriums zu verbessern. Sie bietet ihren Mitgliedern unter anderem Kontakte zu neuen Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern sowie Schulungen und Unternehmensberatung an. Damit erfüllt sie auch eine Funktion bei der wirtschaftlichen Diversifizierung und bei der Verbesserung der Absatzmöglichkeiten anguillanischer Unternehmen.
Zu den bekanntesten Einkaufsstätten gehören:
- Irie Life: Bekannt für ihre lebendige Atmosphäre und eine bunte Auswahl an Kleidung und Strandbekleidung.
- AXA Signature Jewellery: Luxus-Schmuck für Männer, Frauen und Kinder.
- Devonish Art Gallery und Stone Cellar Art Gallery: Diese Galerien bieten eine Vielzahl von Kunstwerken und Skulpturen.
- Cheddie Richardson Carving Studio: Spezialisiert auf Holzschnitzereien aus Treibholz.
- Beach Happy: Ein Strandboutique mit einer breiten Palette an Schwimmenkleidung und lokalen Souvenirs.
- Sands & Salts: Einzigartige Geschenke und Schmuck, hergestellt mit Sand und Salz von den Stränden Anguillas.
Finanzwesen
Anguilla gilt als Steueroase. Hier setzte unter anderem die österreichische Bawag mehrere Millionen Euro in den Sand. Tatsächlich bilden die Einkommen aus diesem Sektor eine wichtige Stütze der anguillanischen Wirtschaft, nicht jedoch der anguillanischen Bevölkerung, die aus dem offshore banking keinen Nutzen zieht. In der Europäischen Union ist man sich über die Einstufung Anfuillas als Steueroase nicht ganz einig. Im Oktober 2021 wurde Anguilla von der EU-Liste nicht kooperativer Länder und Gebiete gestrichen. Am 4. Oktober 2022 wurde Anguilla jedoch erneut auf diese Liste gesetzt. Die OECD bezeichnet den Finanzdienstleistungssektor Anguillas nach wie vor ausdrücklich als einen Bereich, der Offshore- und Inlandsbanken, Offshore- und Inlandsversicherungen, Investmentfonds sowie Trust- und Corporate-Service-Anbieter umfasst. Eine Börse besitzt Anguilla nicht.
Das Bankensystem besteht aus einem inländischen und einem internationalen beziehungsweise Offshore-Bereich. Nach den von der Regierung veröffentlichten Angaben gab es zuletzt zwei inländische Geschäftsbanken und drei Offshore-Banken. Zu den Offshore-Banken zählen die Caribbean Commercial Investment Bank Limited (CCIB), die National Bank of Anguilla (Private Banking and Trust) Limited und die Foreign Commerce Bank Limited. Die beiden erstgenannten Institute stehen seit mehreren Jahren unter Verwaltung; die Foreign Commerce Bank ist als sogenannte Captive Bank auf verbundene Unternehmen und deren Eigentümer beziehungsweise Geschäftspartner ausgerichtet. Im Inlandsgeschäft sind die National Commercial Bank of Anguilla Limited und die Republic Bank (Anguilla) Limited tätig. Ergänzt wird das Bankensystem durch die Liberty Co-operative Credit Union.
Die inländischen Banken werden im Währungs- und Bankenbereich durch die Eastern Caribbean Central Bank (ECCB) reguliert und von der Anguilla Financial Services Commission (AFSC) hinsichtlich der Einhaltung der Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung überwacht. Für Offshore-Banken und andere Finanzdienstleistungsunternehmen ist die Financial Services Commission von zentraler Bedeutung. Der Finanzsektor unterliegt damit einem institutionalisierten Aufsichts- und Regelwerk und ist nicht mit einem unregulierten Bankensystem gleichzusetzen.
Historisch wurde Anguilla als Offshore-Finanzplatz genutzt. Die Bezeichnung „Steueroase“ ist dabei eine politische und wirtschaftliche Bewertung und keine eigenständige rechtliche Kategorie. Die Europäische Union verwendet stattdessen die Bezeichnung „nicht kooperative Länder und Gebiete für Steuerzwecke“ und bewertet die Gebiete anhand festgelegter Kriterien zur Steuertransparenz, fairen Besteuerung und Vermeidung von Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung. Anguilla wurde erstmals im Oktober 2020 in diese EU-Liste aufgenommen.
Am 5. Oktober 2021 wurde Anguilla wieder von der EU-Liste der nicht kooperativen Gebiete gestrichen. Der EU-Rat begründete dies damit, dass Anguilla nach einer ergänzenden Überprüfung die erforderlichen Fortschritte beim internationalen Informationsaustausch gemacht hatte; gleichzeitig wurde Anguilla weiterhin im sogenannten „State of Play“-Dokument geführt, das Gebiete erfasst, die noch nicht sämtliche internationalen Steuerstandards erfüllen, aber entsprechende Verpflichtungen eingegangen sind.
Bereits am 4. Oktober 2022 nahm der EU-Rat Anguilla jedoch erneut in die EU-Liste der nicht kooperativen Länder und Gebiete für Steuerzwecke auf. Als Grund nannte der Rat insbesondere Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Substanz bestimmter Strukturen. Nach Auffassung der EU bestanden bei Anguilla Defizite bei der wirksamen Umsetzung der Anforderungen an die wirtschaftliche Substanz, wobei die Regelungen verhindern sollen, dass Gewinne ohne entsprechende reale wirtschaftliche Tätigkeit in einer Jurisdiktion angesiedelt werden.
Diese Einstufung ist von der gewöhnlichen Tätigkeit der inländischen Banken zu unterscheiden. Die EU kritisierte 2022 nicht das Vorhandensein eines normalen Bankwesens auf Anguilla, sondern bestimmte steuerliche Strukturen und die Anziehung von Gewinnen ohne ausreichende wirtschaftliche Substanz. Die Einordnung als nicht kooperative Jurisdiktion bezieht sich daher auf die von der EU angewandten steuerlichen Kriterien und bedeutet nicht, dass sämtliche Finanzdienstleistungen Anguillas oder sämtliche dort tätigen Banken als unzulässig oder illegal angesehen werden.
Auch 2026 gehört Anguilla nach den aktuellen EU-Unterlagen weiterhin zu den von der EU als nicht kooperativ eingestuften Jurisdiktionen für Steuerzwecke. Die aktuelle EU-Liste führt Anguilla ausdrücklich auf und nennt weiterhin Defizite bei der wirksamen Umsetzung der Anforderungen an die wirtschaftliche Substanz sowie weitere Verpflichtungen gegenüber dem OECD Global Forum zum Informationsaustausch.
Ein bekanntes österreichisches Beispiel für die Verbindung Anguillas mit internationalen Offshore-Strukturen waren die sogenannten Karibik-Geschäfte der BAWAG. Die Bank führte in den 1990er-Jahren über den Investmentbanker Wolfgang Flöttl umfangreiche Zins- und Währungsgeschäfte in der Karibik durch. Dabei wurden auch Gesellschaften in Anguilla eingesetzt. Die Geschäfte führten bis zum Jahr 2000 zu Verlusten von ungefähr 1 Mrd. Euro; zeitgenössische Berichte bezifferten die ursprünglichen Verluste beziehungsweise das Spekulationsvolumen teilweise höher. Die BAWAG selbst erklärte 2006, die entsprechenden Derivatgeschäfte seien 2000 mit Verlusten von rund 1 Mrd. Euro beendet worden.
Für Anguilla bedeutete die internationale Finanzwirtschaft Einnahmen durch Lizenzen, Registrierungen, Gebühren, professionelle Dienstleistungen und die Tätigkeit von Finanz- und Unternehmensdienstleistern. Der Finanzsektor schafft damit wirtschaftliche Aktivitäten auf der Insel, seine Erträge lassen sich jedoch nicht mit den persönlichen Einkommen der gesamten Bevölkerung gleichsetzen. Gleichzeitig sind viele internationale Finanzstrukturen ihrem Charakter nach grenzüberschreitend und benötigen auf Anguilla vor allem zugelassene Finanzunternehmen, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Treuhänder, Unternehmensdienstleister und Aufsichtsstrukturen. Die OECD bezeichnet den Bereich der Trust- und Corporate-Service-Provider als eine der größten Gruppen zugelassener Finanzdienstleister.
Finanzwesen:
Währung: 1 Ostkaribischer Dollar (East Caribbean Dollar) = 100 Cent
Kürzel: EC$
ISO-Code: ECD
Inflationsrate 1996: 3,6 %
Finanzbetriebe 2001:
Banken 9
Versicherungen 8
Treuhandbanken 4
Gesundheit und Soziales
Das Sozialwesen Anguillas wird heute im Wesentlichen durch staatliche Sozialleistungen, die Sozialversicherung, öffentliche Gesundheits- und Bildungsangebote sowie spezielle Hilfen für Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und einkommensschwache Haushalte getragen. Zuständig ist vor allem das Department of Social Development innerhalb des Ministry of Social Development. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem öffentliche Unterstützung, Kinderschutz, Pflege- und Betreuungsangebote, Unterstützung für Familien, Jugendhilfe, Bewährungshilfe und Programme für ältere Menschen. Die Regierung führt außerdem eine eigene Gender Affairs Unit und weitere soziale Fachdienste.
Eine wesentliche Grundlage bildet die Social Security. Das entsprechende Gesetz wurde 1980 verabschiedet. Beschäftigte und Selbständige sind grundsätzlich verpflichtet, Beiträge zum Sozialversicherungssystem zu leisten. Das System umfasst unter anderem Altersleistungen, Krankengeld, Mutterschaftsleistungen, Invaliditätsleistungen, Hinterbliebenenleistungen und Bestattungsbeihilfen. Das reguläre Rentenalter liegt bei 65 Jahren. Für ältere Menschen, die nicht oder nicht ausreichend in die Sozialversicherung eingezahlt haben, besteht zusätzlich eine nicht beitragsabhängige Altersversorgung.
Die beitragsabhängige Sozialversicherung ist damit insbesondere für Personen im formellen Arbeitsmarkt von Bedeutung. Gleichzeitig weist die staatliche Sozialschutzpolitik darauf hin, dass bestimmte Gruppen schwer in das Beitragssystem einzubeziehen sind. Dazu gehören unter anderem Selbständige und Beschäftigte in informellen oder kleinbetrieblichen Tätigkeiten wie Fischerei, Landwirtschaft, Taxigewerbe, Friseurgewerbe und Straßenhandel. Unregelmäßige Einkommen können dazu führen, dass Beiträge nicht kontinuierlich entrichtet werden.
Neben der Sozialversicherung besteht die öffentliche Sozialhilfe. Public Assistance richtet sich an Personen und Haushalte, die ihren grundlegenden Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft bestreiten können. Hinzu kommen Unterstützungen für medizinische Behandlung und andere soziale Notlagen. Im Staatshaushalt sind hierfür eigene Ausgabenpositionen vorgesehen. Für 2024 wurden beispielsweise rund 12,6 Millionen East Caribbean Dollar für Public Assistance und rund 1,34 Millionen East Caribbean Dollar für medizinische Behandlung veranschlagt.
Besonders deutlich wurde die Bedeutung dieser Leistungen während der COVID-19-Pandemie. Zwischen 2020 und 2021 wurden nach Angaben der Regierung rund 17 Millionen East Caribbean Dollar an Arbeitslosenleistungen ausgezahlt. Zusätzlich wurden Haushalte durch Stromgutschriften unterstützt und ältere Menschen erhielten Lebensmittelgutscheine. Die Regierung bezeichnete Public Assistance ausdrücklich als ein wichtiges Instrument der sozialen Eingliederung.
Die Sozialpolitik berücksichtigt daneben die Folgen von Naturkatastrophen. Anguilla ist regelmäßig Hurrikanen ausgesetzt; Hurrikan Irma verursachte 2017 erhebliche Schäden an Wohnhäusern, Infrastruktur und Arbeitsplätzen. Dadurch entstand ein zusätzlicher Bedarf an staatlicher Unterstützung. Die neuere Sozialschutzpolitik sieht deshalb ausdrücklich eine bessere Einbindung von Katastrophenvorsorge und Katastrophenhilfe in das soziale Sicherungssystem vor.
Für Kinder bestehen besondere Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen. Das Department of Social Development ist unter anderem für Pflegefamilien, Kinderschutz und Einrichtungen für Kinder in alternativen Betreuungsformen zuständig. Dazu gehören Foster Care, der Juvenile Rehabilitation Centre und das Place of Safety. Außerdem existieren staatliche Programme für Kinderunterhalt, Bildungsunterstützung und Betreuung. Ein aktualisiertes interinstitutionelles Kinderschutzprotokoll wurde 2025 veröffentlicht.
Für ältere Menschen existiert neben der Altersversorgung eine eigene staatliche Sozialpolitik. Die Regierung führt eine National Policy for Older Persons und berücksichtigt damit nicht nur Rentenleistungen, sondern auch soziale Betreuung und die Sicherung grundlegender Dienstleistungen im höheren Lebensalter. Der demografische Wandel erhöht die Bedeutung dieser Aufgaben, da mit zunehmendem Alter der Bevölkerung der Bedarf an medizinischer Versorgung, Pflege und sozialer Unterstützung wächst.
Menschen mit Behinderungen beziehungsweise dauerhaft eingeschränkter Erwerbsfähigkeit können Leistungen aus der Sozialversicherung erhalten. Die Invaliditätsleistung setzt eine entsprechende Beitragsgeschichte voraus und wird überprüft, um festzustellen, ob die Erwerbsunfähigkeit weiterhin besteht. Damit verbindet das System Einkommensersatz mit einer medizinischen beziehungsweise sozialrechtlichen Prüfung.
Auch die Absicherung von Arbeitnehmern besitzt eine wichtige soziale Funktion. Für Beschäftigte bestehen gesetzlich geregelte Leistungen bei Krankheit und Mutterschaft. Das Krankengeld wird nach den geltenden Bestimmungen auf Grundlage der versicherten Einkommen berechnet und kann bei längerer Arbeitsunfähigkeit über einen längeren Zeitraum gewährt werden. Die Mutterschaftsleistung ist ebenfalls Bestandteil der Social Security.
Die Regierung versucht zunehmend, die verschiedenen Unterstützungsleistungen zu einem umfassenderen sozialen Sicherungssystem zusammenzuführen. Die National Social Protection Policy sieht eine Verbindung von beitragsfinanzierten Leistungen, nicht beitragsfinanzierten Sozialleistungen und sozialen Dienstleistungen vor. Als langfristiges Ziel wird ein Social Protection Floor genannt, der ein Mindestmaß an Einkommens- und Lebensunterhaltssicherheit sowie Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen gewährleisten soll. Außerdem werden soziale Inklusion, Geschlechtergleichheit und die bessere Erreichbarkeit gefährdeter Bevölkerungsgruppen ausdrücklich als Ziele genannt.
Die soziale Lage Anguillas ist zugleich eng mit der Wirtschaftsstruktur verbunden. Ein erheblicher Teil der Arbeitsplätze hängt unmittelbar oder mittelbar vom Tourismus, vom Baugewerbe, vom Handel und von Dienstleistungen ab. Wirtschaftliche Einbrüche wirken sich deshalb relativ schnell auf Beschäftigung und Haushaltseinkommen aus. Die globale Finanzkrise ab 2008 und später Hurrikan Irma 2017 belasteten beispielsweise die Beschäftigung und damit auch die Einnahmen der Social Security. Der Social Security Board stellte fest, dass die Beiträge nach der Finanzkrise deutlich zurückgingen und sich die Erholung nach Irma erneut verzögerte.
Die historische politische Entwicklung seit den Unruhen von 1967 gehört zum gesellschaftlichen Hintergrund, sollte aber von der heutigen Organisation des Sozialwesens getrennt betrachtet werden. Die damalige Bewegung richtete sich gegen die politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von Saint Kitts und Nevis und führte 1967 zur Ausrufung der Republik Anguilla. Nach britischer Intervention wurde Anguilla 1969 wieder unter britische Verwaltung gestellt; später erhielt das Gebiet eine weitgehende innere Selbstverwaltung. Die heutigen sozialen Institutionen beruhen daher auf einer Kombination aus lokaler Selbstverwaltung, britischer Zugehörigkeit und eigenständiger anguillanischer Gesetzgebung.
Gesundheitswesen
Das Gesundheitswesen auf Anguilla wird durch die staatliche Health Authority of Anguilla und das Ministry of Health, Tourism & Sports organisiert. Das zentrale Krankenhaus ist das Princess Alexandra Hospital in The Valley. Ergänzt wird die stationäre Versorgung durch ein Netz von Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung. Die staatliche Gesundheitsverwaltung führt heute neben dem Krankenhaus mehrere Primary Health Centres beziehungsweise Polyclinics, eine zahnmedizinische Einheit und weitere spezialisierte Gesundheitsdienste. Die genaue Zahl der Einrichtungen hat sich durch Umbauten und organisatorische Veränderungen seit den Jahren nach Hurrikan Irma 2017 mehrfach verändert.
Das Princess Alexandra Hospital ist das einzige Krankenhaus Anguillas und übernimmt die zentrale Funktion für die stationäre Behandlung, die Notfallversorgung, Operationen, Geburtshilfe sowie diagnostische und medizinische Basisleistungen. Nach den historischen Angaben verfügte das Krankenhaus über 36 Betten. In den vergangenen Jahren wurde die Ausstattung erheblich modernisiert. Dazu gehörten unter anderem eine Erweiterung und Modernisierung der Notaufnahme, neue Sauerstoffversorgung, Verbesserungen der Radiologie, ein neuer Ultraschallbereich, die Erneuerung des Operationsbereichs sowie die Erweiterung und technische Aufrüstung des medizinischen Labors.
Die medizinische Infrastruktur wurde durch Hurrikan Irma im September 2017 schwer beschädigt. Sowohl das Princess Alexandra Hospital als auch die Gesundheitszentren auf der Insel mussten anschließend umfassend repariert und gegen zukünftige Hurrikane widerstandsfähiger gemacht werden. Zu den Maßnahmen gehörten bauliche Verstärkungen, neue Dächer und Fenster, Verbesserungen der Stromversorgung, die Erneuerung von medizinischen Anlagen sowie Investitionen in Wasser-, Sauerstoff- und Notstromsysteme. Die britische Regierung unterstützte diese Wiederherstellung finanziell.
Die primäre Gesundheitsversorgung ist über mehrere regionale Einrichtungen verteilt. Historisch wurden Gesundheitszentren in The Valley, South Hill, East End und West End betrieben; daneben wurden weitere Einrichtungen beziehungsweise Polyclinics entwickelt. Die Aufteilung auf mehrere Gesundheitsbezirke soll gewährleisten, dass die Bevölkerung auch außerhalb von The Valley Zugang zu medizinischer Grundversorgung, Vorsorge, chronischer Krankheitsbetreuung, Impfungen und weiteren ambulanten Leistungen erhält.
Ein Schwerpunkt des Gesundheitswesens liegt auf der Behandlung chronischer nichtübertragbarer Krankheiten. Dazu gehören insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck und andere chronische Leiden. Das Ministry of Health verfolgt deshalb eine integrierte Strategie zur Prävention und Behandlung chronischer Krankheiten, die Gesundheitsaufklärung, Früherkennung, Präventionsprogramme und medizinische Behandlung miteinander verbindet.
Zur medizinischen Grundversorgung gehören außerdem Zahnmedizin, Laboruntersuchungen, Radiologie, Ultraschalldiagnostik, Notfallmedizin und ambulante Behandlungen. Das medizinische Labor des Princess Alexandra Hospital wurde insbesondere ab 2020 erheblich erweitert und mit moderner Ausstattung für molekularbiologische Untersuchungen versehen. Die radiologische Abteilung erhielt ebenfalls neue beziehungsweise modernisierte Einrichtungen.
Für akute Notfälle steht der Anguilla Emergency Medical Service (AEMS) zur Verfügung. Der Rettungsdienst verfügt über entsprechend ausgerüstete Ambulanzen; die Mitarbeiter sind als First Responder und Emergency Medical Technicians (EMT) ausgebildet. Notfälle werden über die Telefonnummer 911 gemeldet, wobei die Polizei in The Valley den Notruf entgegennimmt und an den jeweils benötigten Rettungsdienst weiterleitet.
Die geringe Bevölkerungszahl und die Insellage begrenzen jedoch die Möglichkeiten, sämtliche medizinischen Fachrichtungen dauerhaft auf Anguilla vorzuhalten. Hochspezialisierte Diagnostik, komplexe Operationen und bestimmte Behandlungen müssen deshalb teilweise außerhalb des Territoriums durchgeführt werden. Bereits in den staatlichen Haushaltsunterlagen wurde darauf hingewiesen, dass das Fehlen bestimmter medizinischer Geräte Patientenüberweisungen nach Saint-Martin beziehungsweise Sint Maarten erforderlich machte. Als Beispiele wurden CT-Diagnostik, bestimmte Röntgenleistungen und zeitweise Ultraschall genannt.
Für solche Behandlungen spielt die Nachbarinsel Saint-Martin beziehungsweise Sint Maarten eine zentrale Rolle. Die Entfernung ist relativ gering, und zwischen Anguilla und der französischen beziehungsweise niederländischen Seite der Insel bestehen regelmäßige Fährverbindungen. Das Blowing Point Ferry Terminal verbindet Anguilla direkt mit Saint-Martin; die Regierung beschreibt regelmäßige Fahrten zur französischen Seite. Dadurch können Patienten bei medizinischer Notwendigkeit oder bei fehlenden Spezialangeboten relativ schnell in größere medizinische Einrichtungen der Nachbarinsel gelangen.
Die Gesundheitsversorgung Anguillas besitzt damit eine zweistufige Struktur: Das Princess Alexandra Hospital und die regionalen Gesundheitszentren decken die allgemeine medizinische und stationäre Grundversorgung ab, während für bestimmte hochspezialisierte Untersuchungen und Behandlungen auf medizinische Einrichtungen außerhalb Anguillas zurückgegriffen wird. Die Begrenzung ist vor allem eine Folge der kleinen Bevölkerungszahl und des damit verbundenen begrenzten Bedarfs, der die dauerhafte Vorhaltung sämtlicher Fachabteilungen und kostenintensiver Spezialgeräte wirtschaftlich erschwert.
Die staatliche Gesundheitsverwaltung arbeitet daneben an einer Verbesserung der medizinischen Infrastruktur. Noch 2026 wurden beispielsweise öffentliche Beschaffungen für medizinische Ausrüstung für die Station und die Intensivstation des Princess Alexandra Hospital ausgeschrieben. Dies zeigt, dass die Modernisierung der Krankenhausausstattung auch nach den größeren Wiederaufbauprogrammen der Jahre nach Hurrikan Irma fortgesetzt wird.
Neben der kurativen Medizin besitzt der Gesundheitsschutz eine eigene Verwaltungsstruktur. Das Department of Health Protection ist unter anderem für Umweltgesundheit und die Wasserlabor-Diagnostik zuständig. Damit bestehen direkte Verbindungen zwischen Gesundheitswesen, Trinkwasserüberwachung, Lebensmittelhygiene, Abfallwirtschaft und allgemeinem Umweltschutz.
Krankheiten
Auf Anguilla bestimmen heute vor allem chronische, nichtübertragbare Krankheiten das Krankheitsgeschehen. Nach Angaben der Pan American Health Organization (PAHO/WHO) sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Krebserkrankungen und chronische Atemwegserkrankungen die wichtigsten Krankheitsgruppen und die führenden Todesursachen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums entfallen mehr als 50 % der Todesfälle auf nichtübertragbare Krankheiten. Besonders häufig ist Bluthochdruck: Für etwa 25 bis 30 % der Bevölkerung wurde 2025 eine Hypertonie angegeben.
Ein wichtiger Risikofaktor ist Übergewicht. Nach dem letzten in der PAHO-Länderübersicht ausgewiesenen STEPS-Datensatz von 2016 waren 70,1 % der Bevölkerung ab 15 Jahren übergewichtig oder adipös. 34,9 % berichteten über zu wenig körperliche Bewegung. Der Anteil der Tabakkonsumenten lag dagegen bei 5,8 %. Diese Faktoren stehen insbesondere mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und bestimmten Krebserkrankungen in Zusammenhang.
Diabetes mellitus besitzt deshalb eine besondere Bedeutung für das Gesundheitswesen. Anguilla gehört zu den karibischen Gebieten, in denen die Diabetesversorgung in den vergangenen Jahren gezielt ausgebaut wurde. 2025 beteiligte sich Anguilla an einem regionalen Programm von PAHO, der Caribbean Public Health Agency (CARPHA) und der UK Health Security Agency zur Verbesserung der Prävention, Diagnostik und Behandlung von Diabetes und anderen nichtübertragbaren Krankheiten.
Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehen insbesondere Bluthochdruck und seine Folgeerkrankungen im Mittelpunkt. 2025 wurde in Anguilla ein nationales Hypertonie-Register eingeführt. Gleichzeitig wurde ein standardisierter Behandlungspfad für Bluthochdruck entwickelt. Damit sollen Erkrankungen früher erkannt, Patienten regelmäßiger kontrolliert und die Behandlung innerhalb der Primärversorgung vereinheitlicht werden.
Auch Nierenerkrankungen spielen eine Rolle. Die PAHO verwies bereits auf eine deutliche Zunahme der Zahl der Dialysepatienten: Zwischen 2010 und den Folgejahren verdoppelte sich die Zahl der Personen, die eine Dialysebehandlung erhielten. Chronische Nierenerkrankungen stehen dabei teilweise mit Diabetes und Bluthochdruck in Verbindung.
Bei den übertragbaren Krankheiten treten ebenfalls einzelne Erkrankungen auf, wobei ihre Bedeutung gegenüber den chronischen Krankheiten geringer ist. Für 2022 weist die PAHO für Anguilla sechs neue Tuberkulosefälle je 100.000 Einwohner aus. Für HIV wurde für dasselbe Jahr eine geschätzte Rate von 7,1 neuen Diagnosen je 100.000 Einwohner angegeben.
HIV gehört damit weiterhin zum Spektrum der überwachten Infektionskrankheiten. Anguilla hat zugleich bei der Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung von HIV und Syphilis wichtige Fortschritte erzielt. Die PAHO bestätigte bereits 2016 die entsprechende Eliminierung und 2018 deren erneute Zertifizierung. Die medizinische Betreuung von Menschen mit HIV umfasst neben der antiretroviralen Behandlung auch die Behandlung beziehungsweise Vorbeugung anderer Erkrankungen, die bei einer langfristigen HIV-Infektion auftreten können.
Eine weitere Gruppe bilden durch Stechmücken übertragene Krankheiten. Für Anguilla sind insbesondere Dengue, Chikungunya und Zika als überwachte beziehungsweise für die Karibik relevante Infektionskrankheiten von Bedeutung. Die PAHO bezeichnete für Anguilla periodische Ausbrüche vektorübertragener Krankheiten neben HIV als eines der wesentlichen Probleme bei den übertragbaren Krankheiten. Das warme Klima und die vorhandenen Brutstätten der Überträgermücken machen die Bekämpfung von Mückenpopulationen zu einem Bestandteil des öffentlichen Gesundheitsschutzes. Covid-19 stellte ab 2020 eine zusätzliche gesundheitliche Problematik dar. Wegen der Insellage und der begrenzten medizinischen Infrastruktur wurden Grenzkontrollen, Überwachung, massenhafte Testungen und Impfungen verordnet.
Auch psychische Erkrankungen gehören zum Aufgabenbereich des Gesundheitswesens. Anguilla verfügt über psychiatrische und psychosoziale Angebote innerhalb des öffentlichen Gesundheitssystems. Die PAHO unterstützt das Territorium bei der Entwicklung einer stärker integrierten Versorgung psychischer Erkrankungen. Im Rahmen der regionalen Gesundheitsprogramme werden psychische Gesundheit, Gewalt, Verletzungen und nichtübertragbare Krankheiten gemeinsam betrachtet.
Bei Kindern und Jugendlichen bestehen neben Infektionskrankheiten insbesondere ernährungs- und bewegungsbezogene Gesundheitsrisiken. Übergewicht und Adipositas sind deshalb nicht nur ein Problem der erwachsenen Bevölkerung. Die Gesundheitsverwaltung setzt unter anderem auf Gesundheitsaufklärung, Bewegungsprogramme und Ernährungsberatung. Bereits auf Grundlage der STEPS-Erhebung von 2016 wurde die Kampagne „Move Ya Body“ zur Förderung von Bewegung und gesünderer Ernährung entwickelt.
Die Altersstruktur der Bevölkerung beeinflusst ebenfalls das Krankheitsspektrum. 2024 waren 12,5 % der Bevölkerung 65 Jahre oder älter. Mit zunehmendem Anteil älterer Menschen gewinnen chronische Erkrankungen, Mehrfacherkrankungen, Pflegebedürftigkeit und langfristige medizinische Betreuung an Bedeutung. Die Lebenserwartung bei der Geburt lag 2024 bei 79,5 Jahren.
Bildung
Das Bildungswesen Anguillas wird vom Education Department der Regierung verwaltet. Die gesetzliche Schulpflicht erstreckt sich auf die Altersgruppe von 5 bis 17 Jahren. Frühkindliche Bildung und tertiäre Bildung sind dagegen nicht verpflichtend, gehören aber zum formalen Bildungssystem. Das Education Department ist für die Organisation und Überwachung des gesamten Schulwesens zuständig und gliedert seine Arbeit unter anderem in die Bereiche Zugang zur Bildung, Schulverwaltung, Lehrplanentwicklung, Personalentwicklung, Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft, Betreuung der Schüler sowie Bildungsfinanzierung.
Im Primarbereich bestehen sechs staatliche Grundschulen. Es handelt sich um die Alwyn Allison Primary School in West End, die Vivian Vanterpool Primary School in Island Harbour, die Morris Vanterpool Primary School in East End, die Adrian T. Hazell Primary School in South Hill, die Orealia Kelly Primary School in Stoney Ground und die Valley Primary School im Bereich The Valley. Hinzu kommen mehrere Vorschulen, die von örtlichen Kirchen betrieben werden. Nach den aktuell von der Regierung veröffentlichten Angaben besuchen rund 1.460 Kinder das staatliche Primarschulsystem.
Der Sekundarunterricht konzentriert sich auf die staatliche Albena Lake-Hodge Comprehensive School (ALHCS), die einzige staatliche Sekundarschule Anguillas. Sie ist auf zwei Standorte verteilt. Campus B nimmt die Forms 1 und 2 auf, während Campus A die Forms 3 bis 6 beherbergt. Damit umfasst die Schule neben den mittleren Jahrgangsstufen auch die weiterführende Ausbildung einschließlich der Sixth Form. Die Bezeichnung Albena Lake-Hodge Comprehensive School geht auf die Umbenennung der früheren Valley Secondary School im Jahr 1986 zurück.
Die Regierung gibt aktuell rund 1.062 Schüler im staatlichen Sekundarschulsystem an. Damit befinden sich insgesamt etwa 2.522 Schüler im staatlichen Primar- und Sekundarschulwesen. Die tatsächliche Zahl aller Schüler liegt höher, wenn private Schulen und Einrichtungen der frühkindlichen Bildung berücksichtigt werden.
Die staatliche Schulverwaltung ist hierarchisch organisiert. An ihrer Spitze steht der Chief Education Officer. Ihm unterstehen unter anderem Fachbereiche für Primar- und Vorschulerziehung, Lehrplanentwicklung, multiprofessionelle Unterstützungsangebote sowie Prüfungen. Zum multiprofessionellen Unterstützungsbereich gehören unter anderem Sonderpädagogik, schulische Gesundheitsangebote und Beratung. Für Erwachsenenbildung und Weiterbildung besteht eine eigene Koordinationsstelle; auch die frühkindliche Bildung besitzt eine eigene Koordination.
Das Bildungssystem ist in das karibische und britisch geprägte Bildungsumfeld eingebunden. Für Prüfungen werden neben den auf Anguilla durchgeführten Tests of Standards auch regionale Prüfungen des Caribbean Examinations Council (CXC), insbesondere CSEC, sowie weitere internationale Prüfungen eingesetzt. Dadurch können Bildungsabschlüsse aus Anguilla mit den entsprechenden Qualifikationen anderer karibischer Bildungssysteme verbunden werden.
Die Entwicklung des Bildungswesens war bereits seit dem späten 20. Jahrhundert auf eine umfassende Schulbildung ausgerichtet. Ein wichtiger Schritt war die Umwandlung der früheren Sekundarschule in ein umfassendes Schulsystem. Die Comprehensive Education Review von 2009 dokumentierte für die ALHCS eine deutliche Zunahme der Schülerzahlen: 1991 waren 861 Schüler eingeschrieben, 2006/07 1.059 und 2008 1.077. Die Schule verfügte damals über zwei Campi sowie zusätzliche Programme für Schüler mit besonderen Bildungs- und Unterstützungsbedürfnissen.
Zur Bildungsplanung gehörte auch die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen. Anguilla beteiligte sich an den internationalen Programmen „Education for All“ und orientierte seine Bildungspolitik an der Verbesserung des Bildungszugangs, der Qualität des Unterrichts, der Lehrerausbildung und der Unterstützung von Schülern mit besonderen Bedürfnissen. Die Entwicklung der Sonderpädagogik ist dabei Bestandteil des heutigen Education Department; für diesen Bereich bestehen eigene multiprofessionelle Unterstützungsstrukturen.
Die berufliche und technische Bildung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Neben der allgemeinen Schulbildung wird die Ausbildung auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ausgerichtet, der auf Anguilla insbesondere vom Tourismus, vom Baugewerbe, vom Handel, von Dienstleistungen und von technischen Berufen geprägt ist. An der Albena Lake-Hodge Comprehensive School wurde deshalb ein Technical Block entwickelt. Nach den Regierungsangaben von 2025 soll dieser die technischen und beruflichen Ausbildungsangebote erweitern. Gleichzeitig wird das WISE-Programm (Workshop Initiative for Support in Education) als alternative Bildungs- und Unterstützungsstruktur ausgebaut.
Eine weitere aktuelle Initiative ist das INSPIRE-Programm, das nach Angaben der Regierung alle Grundschulen erreichen soll und insbesondere den Zugang zu qualitativ hochwertiger frühkindlicher Bildung verbessern soll. Damit wird der Schwerpunkt der Bildungspolitik nicht allein auf die eigentliche Schulpflicht gelegt, sondern bereits auf die Vorbereitung der Kinder auf die Grundschule.
Für Schüler mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen bestehen innerhalb des staatlichen Bildungssystems Unterstützungsangebote. Das Education Department verfügt hierfür über den Bereich Multi-Professional Support Services. Dort werden unter anderem Sonderpädagogik, schulische Gesundheitsversorgung und Beratung koordiniert. Die Betreuung von Schülern mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen ist damit in die reguläre Bildungsverwaltung integriert.
Auch Erwachsenenbildung und berufliche Weiterbildung gehören zum Bildungssystem. Eine eigene Koordinationsstelle ist für Adult and Continuing Education sowie Programme zur Lehrerfortbildung zuständig. Dadurch werden neben Kindern und Jugendlichen auch Erwachsene und bereits im Berufsleben stehende Personen in die Bildungsplanung einbezogen.
Für die weiterführende Bildung nach der Schule besitzt das Anguilla Community College besondere Bedeutung. Das College wurde im April 2009 gegründet und wird von einem Board of Governors geführt. Die Regierung verfolgt ausdrücklich das Ziel, tertiäre Bildung, insbesondere technische Ausbildung, auf der Insel anzubieten. Damit soll ein Teil der Ausbildungsmöglichkeiten, die früher grundsätzlich außerhalb Anguillas wahrgenommen werden mussten, innerhalb des Territoriums bereitgestellt werden.
Das Anguilla Community College ergänzt die schulische Ausbildung durch tertiäre und berufsbezogene Bildungsangebote. Daneben besteht das University of the West Indies Open Campus Anguilla, das Teil des regionalen Hochschulsystems der University of the West Indies ist. Die Regierung führt sowohl das Community College als auch das Open Campus im Zusammenhang mit den höheren Bildungseinrichtungen Anguillas. Für bestimmte Studiengänge und Qualifikationen müssen Studenten weiterhin Hochschulen außerhalb Anguillas besuchen.
Schulen, Lehrer und Schüler 1997:
pre-primary centres 10 26 417
primary schools 7 80 1 557
secondary school 1 75 1 062
Schulen, Lehrer und Schüler 2017:
primary schools 6 80 1 460
Die Schulen der Insel sind:
- Central Christian School
- Old East End School
- Omololu School
- Omololu Private School
- Road Primary School
- South Delta Middle School
- Stoney Ground Primary School.
- Stoney Ground School
- The Albena Lake Hodge Comprehensive School
- The Institute of Healing
Höhere Bildung
Die University of the West Indies (UWI) unterhält mit dem Global Campus in The Valley einen eigenen Standort auf Anguilla. Der heutige Global Campus ging aus dem früher als Open Campus bezeichneten Hochschulbereich hervor. Der Standort ist für sämtliche Aktivitäten des Global Campus auf Anguilla zuständig und umfasst öffentliche Dienstleistungen, Outreach-Aktivitäten, Forschung sowie Programme der Weiterbildung. Zu den vor Ort angebotenen Bereichen gehören unter anderem Management, Finanzen, Sprachen, Sozialarbeit und Betriebswirtschaft. Der Standort verfügt über Unterrichtsräume und ein Computerlabor. Die UWI ist eine regionale Universität der karibischen Staaten mit weiteren Global-Campus-Standorten, unter anderem in Barbados, Jamaika und Trinidad und Tobago.
Die New Anglia University gehört ebenfalls zu den von der Regierung Anguillas anerkannten und lizenzierten Hochschuleinrichtungen. Ihr Ausbildungsangebot umfasst ein Pre-Medical-Programm und ein Medizinstudium (MD), das auf eine spätere Tätigkeit im Gesundheitswesen beziehungsweise als Arzt vorbereitet. Damit besitzt Anguilla neben den allgemein- und berufsbegleitenden Studienangeboten der UWI auch eine auf medizinische Ausbildung ausgerichtete Hochschuleinrichtung.
Die American University of Anguilla (AUA) ist eine weitere medizinisch ausgerichtete Hochschule. Die Einrichtung bietet ein Pre-Medical-Programm sowie medizinische Studienangebote an und führt klinische Ausbildungsabschnitte im Rahmen der medizinischen Ausbildung durch. Die AUA ist in das auf Anguilla bestehende System der lizenzierten Hochschuleinrichtungen eingebunden und wird von der Regierung des Territoriums als Hochschuleinrichtung geführt.
Die Global Humanistic University (GHU) ist eine private Hochschule mit Sitz beziehungsweise Hauptbüro auf Anguilla und weiteren institutionellen Aktivitäten in Curaçao. Ihr Schwerpunkt liegt auf berufsbegleitenden und überwiegend online durchgeführten Studienprogrammen. Das Angebot umfasst die Bereiche Betriebswirtschaft, Finanzen und Recht. Die Hochschule besitzt nach Angaben der Higher Education Licensing Board des Bildungsministeriums von Anguilla seit dem 29. August 2022 eine Lizenz zum Betrieb als private Universität und zur Verleihung von Bachelor-, Master- und Doktorgraden in Betriebswirtschaft, Finanzen und Recht.
Die Studienprogramme der Global Humanistic University sind darüber hinaus durch mehrere Akkreditierungsorganisationen erfasst. Die Accreditation Agency Curaçao (AAC) führt für die GHU unter anderem Bachelor of Science, Master of Business Administration, Master of Science sowie Doctor of Business Administration beziehungsweise PhD als akkreditierte Studienprogramme mit einer Akkreditierung bis November 2032. Die amerikanische Accreditation Council for Business Schools and Programs (ACBSP) führt die GHU ebenfalls als voll akkreditierte private, gewinnorientierte Hochschule und nennt unter anderem MBA- und Doktoratsprogramme.
Zum Hochschulbereich gehört außerdem das Design Studies Institute (DSI). Die Regierung von Anguilla führt das Institut als anerkannte Hochschuleinrichtung. Es bietet berufliche Zertifikate im Bereich Design sowie den Master of Design (MDes) und den Doctor of Design (DDes) an. Die Ausbildung ist auf Design und die kreativen Branchen ausgerichtet.
Bibliotheken und Archive
Für Bibliotheken und Archive steht auf Anguilla der öffentlich organisierte Library Service im Mittelpunkt. Die zentrale Einrichtung ist der Edison L. Hughes Library and Education Complex in The Valley, in dem der Anguilla Library Service untergebracht ist. Die Bibliothek versteht sich nicht nur als Ausleihstelle, sondern als öffentliches Informations-, Bildungs- und Archivzentrum. Zu ihren Aufgaben gehören Bibliotheks-, Archiv- und Informationsdienstleistungen für soziale, kulturelle, schulische, wirtschaftliche und allgemeine Informationsbedürfnisse der Bevölkerung. Die Mitgliedschaft ist kostenlos; angeboten werden Bücher und Zeitschriften zur Ausleihe, Auskunfts- und Recherchedienste, Computer- und Internetzugang sowie audiovisuelle Medien. Zum Bestand gehören unter anderem besondere Sammlungen zur Karibik, zum nationalen Kulturerbe und die Don-Mitchell-Sammlung.
Der Edison L. Hughes Library and Education Complex entstand als Erweiterung der öffentlichen Bildungs- und Bibliotheksinfrastruktur. Der Komplex wurde Mitte der 1990er Jahre fertiggestellt; der Library Service nahm dort 1996 den Betrieb auf. 2006 wurde das zehnjährige Bestehen des Standorts begangen. Die Einrichtung verbindet die öffentliche Bibliothek mit Bildungs- und Informationsangeboten und besitzt damit eine über die reine Buchausleihe hinausgehende Funktion. Zu den Angeboten gehören unter anderem Leseförderung, Hausaufgabenbetreuung, Kinderprogramme, Ausstellungen, Buchvorstellungen, Veröffentlichungen und Informationsangebote für Schulen.
Eine besondere Rolle spielt die Bibliothek bei der Erhaltung des kulturellen und historischen Materials Anguillas. Bereits Ende der 1990er Jahre war der Aufbau eines National Archives vorgesehen. Der Library Service unterstützte damals ausdrücklich die Entwicklung eines Nationalarchivs, um bedeutende historische Dokumente für spätere Generationen zu sichern. Für die Unterbringung von Archivmaterial war bereits ein Raum im damaligen Parlamentsgebäude vorgesehen. Heute bildet die staatliche Dokumentenplattform der Regierung eine weitere wichtige digitale Informationsquelle. Die Government of Anguilla Document Library ermöglicht die Suche nach öffentlichen Dokumenten nach Stichwort, zuständigem Ressort, Dokumenttyp und Erscheinungsjahr und umfasst mehrere tausend Dokumente, darunter Regierungsberichte, Gesetzesmaterialien, Sitzungsprotokolle und andere amtliche Unterlagen.
Für die internationale digitale Bewahrung historischer Quellen ist außerdem die Digital Library of the Caribbean (dLOC) von Bedeutung. dLOC ist eine internationale, von mehreren Institutionen getragene digitale Bibliothek mit frei zugänglichen historischen und aktuellen Materialien aus der Karibik. Zu den erfassten Quellen gehören unter anderem Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Karten, Regierungsveröffentlichungen und weitere historische Dokumente. Im Zusammenhang mit Anguilla und seiner kolonialen beziehungsweise regionalen Geschichte sind insbesondere digitalisierte Veröffentlichungen aus dem früheren politischen Verband Saint Christopher, Nevis and Anguilla von Bedeutung. Dadurch können historische Quellen zur Insel auch außerhalb Anguillas online recherchiert werden.
Kultur
1993 wurde der Anguilla National Trust (ANT) gegründet mit dem Ziel, das kulturelle Erbe und die ökologischen Besonderheiten der Insel zu sichern und zu erhalten. Der Trust widmet sich in besonderer Weise der anguillanischen Geschichte.
Museen
Für Museen und Ausstellungsstätten besitzt Anguilla eine vergleichsweise kleine, aber stark auf die eigene Inselgeschichte und die bildende Kunst ausgerichtete Kulturlandschaft. Eine besondere Bedeutung hatte das Heritage Collection Museum im East End, das 1996 von dem Historiker und Sammler Colville L. Petty gegründet wurde. Die Sammlung umfasste archäologische und historische Zeugnisse von der präkolumbischen Besiedlung bis zur neueren Geschichte Anguillas. Thematisch vertreten waren unter anderem die Geschichte der Arawak, Plantagenwirtschaft und Sklaverei, Salzgewinnung, Fischerei und Bootsbau, Migration sowie die politischen Ereignisse der 1960er Jahre und die Anguilla Revolution von 1967 bis 1969. Das Museum verfügte neben Gegenständen auch über zahlreiche Fotografien und Dokumente; dazu gehörten unter anderem Unterlagen zur West End Primary School und eine nahezu vollständige Reihe der revolutionären Zeitung The Beacon.
Das Heritage Collection Museum wurde im März 2024 geschlossen. Colville Petty übergab beziehungsweise überließ seine Sammlung der Regierung von Anguilla zur weiteren Bewahrung und Präsentation. Die Regierung plante die Unterbringung der Sammlung im restaurierten Old Court House als Grundlage eines neuen staatlichen Museums. Ein Regierungsdokument von 2024 hält fest, dass die Sammlung zwar unter die Obhut, Verwahrung und Kontrolle der Regierung gestellt werden sollte, das Eigentum aber bei Colville Petty und seinen Erben verbleiben sollte. Für Versicherungszwecke wurde die Sammlung mit 75.000 US-Dollar bewertet. Damit ist das frühere Heritage Collection Museum nicht mehr als eigenständiges, von Petty betriebenes Museum anzusetzen; seine Sammlung bildet vielmehr einen wichtigen Bestandteil des geplanten beziehungsweise entstehenden staatlichen Museumsbestands Anguillas.
Die Kunstszene Anguillas wird daneben von mehreren privaten Galerien und Künstlerateliers geprägt. Die Devonish Art Gallery steht insbesondere für die Arbeiten des in Barbados geborenen Bildhauers und Keramikkünstlers Courtney Devonish, der seit 1988 auf Anguilla lebt. Seine Arbeiten umfassen Holz und Keramik; daneben werden in der Galerie Werke weiterer Künstler aus Anguilla, der Karibik und anderen Regionen gezeigt. Auch Schmuck und Kunsthandwerk gehören zum Angebot. Die Galerie befindet sich an der Straße Richtung West End und dient zugleich als Ausstellungs- und Verkaufsort.
Das Cheddie Richardson Carving Studio ist auf Holzbildhauerei spezialisiert. Cheddie Richardson arbeitet insbesondere mit Treibholz, daneben mit Mahagoni und Walnussholz. Seine Skulpturen stellen unter anderem Vögel, Delfine, Fische und menschliche Figuren dar. Ein Teil seiner Arbeiten verbindet die traditionelle Bearbeitung von Holz mit zeitgenössischer Skulptur; einzelne Werke wurden unter seiner Aufsicht auch in Bronze umgesetzt. Das Studio liegt an der Hauptstraße im westlichen Teil Anguillas und ist zugleich Arbeitsstätte und Ausstellungsraum.
Die Stone Cellar Art Gallery ist eine weitere Galerie in The Valley. Ihr Name geht auf die Unterbringung der Ausstellung in einem historischen steinernen Kellerraum zurück. Die Galerie gehört zur privaten Kunst- und Ausstellungsszene der Insel und ergänzt die stärker auf einzelne Künstler konzentrierten Ateliers durch wechselnde beziehungsweise unterschiedliche Kunstobjekte und dekorative Arbeiten. Die Phoenix Gallery und die ALAK Art Gallery gehören ebenfalls zu den auf Anguilla nachgewiesenen privaten Kunstgalerien. Die ALAK Art Gallery befindet sich an der Bay View Road in der Nähe der Fountain Cavern und präsentiert Arbeiten aus dem lokalen Kunstumfeld.
Neben diesen Einrichtungen existieren weitere Galerien und Ateliers, darunter die Savannah Gallery, die Werke aus Anguilla und der übrigen Karibik ausstellt, sowie Ateliers für Malerei und Textilkunst. Das Spektrum der auf Anguilla vertretenen bildenden Kunst reicht damit von Malerei und Fotografie über Keramik und Skulptur bis zu Holzschnitzerei, Textilkunst und Schmuck. Die Kunstgalerien übernehmen zugleich eine wirtschaftliche Funktion, da zahlreiche Arbeiten unmittelbar verkauft werden und Kunsthandwerk, lokale Produkte und Souvenirs miteinander verbunden sind.
Architektur
Die Architektur Anguillas ist vor allem durch die koloniale Geschichte, die trockenen klimatischen Bedingungen, die verfügbaren Baumaterialien und seit dem späten 20. Jahrhundert durch den Ausbau des Tourismus geprägt. Die historische Bausubstanz konzentriert sich nicht auf eine einzige klar abgegrenzte Stilperiode, sondern besteht aus Wohnhäusern, Kirchen, ehemaligen Plantagengebäuden, öffentlichen Bauten und Wirtschaftsgebäuden unterschiedlicher Entstehungszeiten. Besonders gut erhaltene Beispiele finden sich im Bereich The Valley und im sogenannten Old Valley. Dazu gehören die Ebenezer Methodist Church, Miss Marjorie’s House und The Warden’s Place. Diese Gebäude gehören zu den wichtigsten erhaltenen Zeugnissen der älteren Architektur Anguillas.
Eine besondere Stellung nimmt das Wallblake House in The Valley ein. Das Plantagenhaus entstand im späten 18. Jahrhundert; Regierungsunterlagen datieren den Bau auf 1787, während die offizielle Tourismusseite 1785 nennt. Das Wallblake Estate umfasst rund 2,5 ha. Zum historischen Ensemble gehören neben dem Wohnhaus auch Nebengebäude wie Küche, Stallungen und ehemalige Unterkünfte der Beschäftigten. Damit gehört Wallblake zu den seltenen Plantagenanlagen der Karibik, bei denen ein großer Teil des ursprünglichen Gebäudeensembles erhalten geblieben ist. Die Anlage wurde restauriert und vermittelt heute die baulichen Verhältnisse der kolonialen Plantagenwirtschaft.
Die historische Architektur Anguillas unterscheidet sich dabei von einer schematischen Einteilung in „spanischen Barock“, „Klassizismus“ und „Modernismus“. Für Anguilla sind solche europäischen Stilbezeichnungen nur eingeschränkt geeignet. Die erhaltene historische Bausubstanz steht vielmehr im Zusammenhang mit der britischen Kolonialgeschichte und der westindischen Bautradition. Charakteristisch sind einfache, zweckorientierte Gebäude, Kirchen, Plantagenhäuser und Wohnhäuser, deren Gestaltung an das tropische Klima angepasst wurde. Das Old Valley besitzt eine besonders hohe Dichte solcher historischer Gebäude.
Zu den traditionellen Elementen der Wohnarchitektur gehören Holzbauteile, Mauerwerk, Naturstein, Veranden, Fensterläden und große beziehungsweise gut belüftete Öffnungen. Bei historischen und traditionellen Häusern wurden lokale Materialien verwendet, insbesondere Kalk- beziehungsweise Korallenstein und Holz. Die Bauweise reagiert auf die hohen Temperaturen, die starke Sonneneinstrahlung und die regelmäßigen tropischen Stürme. Veranden und überdachte Außenbereiche erweitern den Wohnraum und ermöglichen gleichzeitig eine natürliche Belüftung. Ein Beispiel für die Weiterentwicklung dieser westindischen Bautradition ist die zeitgenössische Villa Bellamare, bei der unter anderem traditionelle Fensterläden, Lamellenfenster und dekorative „Gingerbread“-Holzelemente mit modernen Bautechniken kombiniert wurden.
Die historische Bausubstanz steht heute unter einem besonderen Schutz. Der Anguilla Building Code enthält eigene Bestimmungen für historische Gebäude. Reparaturen, Umbauten und Erweiterungen von Gebäuden, die wegen ihrer historischen oder architektonischen Bedeutung offiziell geschützt sind, können unter bestimmten Voraussetzungen von einzelnen Anforderungen des normalen Baurechts ausgenommen werden. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Maßnahmen den historischen Charakter des Gebäudes erhalten und die Sicherheit des Bauwerks gewährleistet bleibt. Für denkmalgeschützte oder historisch bedeutsame Gebäude müssen entsprechende Pläne und technische Unterlagen vorgelegt und genehmigt werden.
Die moderne Architektur entwickelte sich besonders mit dem starken Wachstum des Fremdenverkehrs seit dem späten 20. Jahrhundert. Neben Hotels und Gästehäusern entstanden größere private Wohnhäuser und Villen, häufig in strandnahen Lagen. Moderne Gebäude verbinden offene Grundrisse, große Fenster- und Türflächen, Terrassen, Innenhöfe und überdachte Außenbereiche mit Elementen der westindischen Bautradition. Bei vielen touristischen und privaten Bauten steht die Verbindung von Innen- und Außenraum im Mittelpunkt. Beispiele zeigen offene Wohnbereiche, große Fensterflächen, Terrassen und bauliche Lösungen zur Nutzung der natürlichen Luftzirkulation.
Die Anforderungen an die heutige Architektur ergeben sich außerdem aus den Naturgefahren und den örtlichen Bauvorschriften. Das staatliche Baurecht schreibt unter anderem Anforderungen an Gebäudeabstände, Gebäudehöhe, Entwässerung, Grundstücksgestaltung und die Vorlage von Lage-, Grundriss- und Ansichtsplänen vor. Die Planung berücksichtigt dabei auch bestehende archäologische, historische und wissenschaftlich bedeutende Stätten. Für die Erteilung einer Baugenehmigung müssen unter anderem Angaben zur Lage des Gebäudes, zu Zufahrten, Entwässerung, Abwasserentsorgung und gegebenenfalls zu Erdarbeiten vorgelegt werden.
Bildende Kunst
Das offizielle Kulturprofil Anguillas nennt insbesondere Malerei auf Leinwand, Treibholzskulpturen und zeitgenössische Arbeiten lokaler und karibischer Künstler. Galerien und Künstlerateliers dienen dabei sowohl der Präsentation als auch dem Verkauf der Werke.
Eine besondere Stellung besitzt die Holzbildhauerei. Der auf Anguilla lebende Künstler Cheddie Richardson arbeitet vor allem mit Treibholz und verwandelt angeschwemmte Holzstücke in gegenständliche Skulpturen. Zu seinen Motiven gehören Tiere, Vögel, Fische und menschliche Figuren. Sein Studio im Westen der Insel ist zugleich Arbeitsstätte und Ausstellungsraum. Auch Courtney Devonish, ein aus Barbados stammender Bildhauer und Keramiker, gehört zu den bekannten Künstlern Anguillas. Seine Arbeiten umfassen Skulpturen aus Holz und Stein sowie Keramik. Die Devonish Art Gallery präsentiert neben seinen eigenen Arbeiten auch weitere karibische Kunst und Keramik sowie handgefertigten Schmuck.
Das Anguilla Arts and Crafts Center in The Valley bildet einen wichtigen Verkaufs- und Präsentationsort für lokal hergestellte Arbeiten. Angeboten werden unter anderem Stickereien, Keramik, Kunstwerke, Bücher und Postkarten. Eine weitere Einrichtung ist das Made in Anguilla Arts & Crafts Centre im West End, das am 23. April 2019 mit Unterstützung des Anguilla United Relief Fund eröffnet wurde. Das Zentrum wurde ausdrücklich zur Förderung lokaler Künstler und Kunsthandwerker eingerichtet und bietet Arbeits- und Ausstellungsflächen für bis zu fünf Künstler gleichzeitig. Seine Lage in der Nähe von Hotels wurde auch mit dem Ziel gewählt, den Verkauf lokaler Arbeiten an Besucher zu fördern.
Neben diesen Einrichtungen bestehen mehrere private Galerien. Die Savannah Gallery im historischen Lower Valley zeigt Originalarbeiten aus Anguilla und anderen Teilen der Karibik. Die Pineapple Gallery gehört zu den älteren Kunstgalerien der Insel und besitzt einen Schwerpunkt auf haitianischer Malerei und Skulptur. Die Hibernia Gallery verbindet Kunstpräsentation mit einem gastronomischen Betrieb und zeigt unter anderem Gemälde, Silberschmuck und Kunstobjekte. Die Devonish Art Gallery und das Cheddie Richardson Carving Studio bilden weitere feste Bestandteile der lokalen Kunstszene.
Zum Kunstgewerbe gehören neben Keramik und Holzarbeiten auch handgefertigte Schmuckstücke, Textilarbeiten und andere dekorative Gegenstände. In den örtlichen Kunst- und Kunsthandwerksgeschäften werden außerdem Postkarten, Bücher und Souvenirs verkauft. Damit überschneiden sich bildende Kunst, Kunsthandwerk und der touristische Einzelhandel teilweise. Das Kulturangebot ist daher sowohl auf den lokalen Gebrauch und die kulturelle Dokumentation als auch auf den Verkauf an Besucher ausgerichtet.
Eine eigenständige Bedeutung besitzt die Gestaltung der traditionellen Rennboote. Anguilla verfügt über eine lange Bootsbautradition, und das Bootsrennen ist eine der wichtigsten kulturellen Sporttraditionen der Insel. Die Rennboote werden in Handarbeit gebaut und auffällig bemalt. Am Anguilla Day am 30. Mai findet das bedeutendste Bootsrennen statt; dabei starten handgefertigte Boote von Sandy Ground aus. Modelle dieser Rennboote werden auch als Kunst- und Souvenirobjekte hergestellt und verkauft.
Die staatliche Kulturpolitik sieht die bildende Kunst ausdrücklich als Teil der kulturellen und kreativen Wirtschaft. Zu den vorgesehenen Maßnahmen gehören die Sammlung, Archivierung und Ausstellung von Kunstwerken und kulturellen Artefakten, die Unterstützung von Künstlern durch Förderprogramme und Stipendien sowie die Schaffung öffentlicher Räume für künstlerische Ausdrucksformen. Das Department of Youth & Culture verfolgt außerdem das Ziel, Künstlern und anderen Kulturschaffenden Möglichkeiten für nachhaltige wirtschaftliche Tätigkeiten zu eröffnen.
Literatur
Jeder Anguillaner ist ein Poet. Zumindest für die Rastafarians mag dies bis zu einem gewissen Grad zutreffen. Immerhin stammen zwei ihrer wichtigsten Vertreter, Ijahnya Christian und Robert Athlyi Rogers, Autor von The Holy Piby, von hier. Auch Revolutionsführer Jeremiah Gumbs hatte eine dichterische Ader. Literarische Werke werden in besonderer Weise vom Anguilla National Trust gesammelt.
Der größte Teil der Literatur Anguillas ist in englischer Sprache verfasst, einige Veröffentlichungen sind in der lokalen kreolischen Sprache. Zu den namhaften Autoren gehören Patricia J. Adams, Robert Athlyi Rogers und Ijahnya Christian. Adams begann nach ihrem Abschluss zu schreiben, fand aber nur wenig Unterstützung für anguillanische Schriftsteller.96 Sie schrieb ein Gedicht über das, was die Anguillaner als Anguilla-Revolution bezeichnen, in dem sie davon berichtete, wie Landsome, ein Gebiet, das für die Elite der anguillanischen Gesellschaft bestimmt war, zur Heimat von Armeesoldaten wurde. Im Jahr 1969 begann sie in der Hauptstadt The Valley beim ersten öffentlichen Radiosender der Insel, Radio Anguilla 95.5 FM, zu arbeiten. Sie gehörte zu den Pionieren, die den Sender in ein Gemeinschaftsmedium verwandelten, das die Hörer mit Informationen und Bildung versorgte. 1972 heiratete sie Calvin B. Adams und bekam mit ihm fünf Kinder. Sie verließ den Sender 1973 und kehrte 1977 als Bankangestellte und Telefonistin in den Beruf zurück. 1981 kehrte Adams zum Rundfunk zurück und arbeitete als Ansagerin für den Caribbean Beacon.
1987 begann Adams als Grundschullehrerin zu arbeiten, was ihr die Möglichkeit gab, sich als Schriftstellerin zu entwickeln. Während ihrer Lehrtätigkeit schrieb sie Kindergeschichten, Theaterstücke, Gedichte und Lieder, von denen zwei, „Oh Anguilla“ und „This Is Anguilla“, weite Verbreitung fanden und es sogar zur Nationalhymne brachten. 1989 zog sie nach St. Kitts, um ein Lehramtsstudium zu absolvieren, und schloss dieses 1991 am St. Kitts-Nevis Teacher Training College ab. 1994, während des königlichen Besuchs von Königin Elizabeth II, wurden ihre beiden Lieder von einem Kinderchor für die Königin aufgeführt.
Adams veröffentlichte 1998 seine erste Gedichtsammlung Windows to Yesteryear und 2003 seine zweite, A Gift of Fire: Cultural Writings to Enlighten and Amuse. Im Jahr 2004, anlässlich des 35. Jahrestages der britischen Invasion, wurde sein Theaterstück The Anguilla Revolution uraufgeführt. A Jewel Made of Sand wurde 2006 veröffentlicht. Seine Theaterstücke, die Texte auf Englisch und Anguillakreolisch enthalten, haben dazu beigetragen, die Wahrnehmung des Anguillakreols auf der Insel zu verbessern, das in der Vergangenheit eher als negativ angesehen und nur selten schriftlich verwendet wurde. Adams wurde von Louise Bennett, einer jamaikanischen Dichterin, beeinflusst und wurde nicht nur dazu inspiriert, seine eigenen Theaterstücke zu schreiben, sondern auch die anguillanische Kreolsprache zusätzlich zum Standardenglisch zu unterrichten und seine Schüler zu ermutigen, stolz auf ihre erste Sprache zu sein. Er zog sich 2005 aus dem Schuldienst zurück.
Seit 2008 vergibt das Bildungsministerium den Patricia J. Adams Literary Award an Schüler der Grundschulen 3, 5 und 6, die sich im Schreiben hervorgetan haben. Im Jahr 2012, als Anguilla sein erstes Literaturfestival veranstaltete, waren Adams und ihr Sohn Dwayne Adams die Hauptredner. Im selben Jahr erhielt er eine Ehrennadel und die Urkunde der Königin im Rahmen des Anguilla Day Award für seinen Beitrag zur sozialen Entwicklung der Insel. 2015 erschien eine Anthologie mit dem Titel Where I See the Sun-Contemporary Poetry in Anguilla, die von Lasana M. Sekou herausgegeben wurde und neben anderen Dichtern der Insel auch Auszüge von Adams enthielt. Adams veröffentlichte 2016 seinen ersten Roman, ebenfalls in Anguilla-Kreolisch. Das Buch mit dem Titel „Blue Beans“ handelt von Eltern-Kind-Beziehungen und spielt im Jahrzehnt vor der Revolution auf Anguilla. Nach der Veröffentlichung veranstaltete das Ministerium für Jugend und Kultur eine feierliche Veranstaltung, bei der Adams für ihr literarisches Werk gelobt wurde, das dazu beigetragen hat, viele der kulturellen Traditionen Anguillas zu dokumentieren und zu bewahren. Auf „Blue Beans“ folgte eine Fortsetzung mit dem Titel „Yellow Dad“.
Der zwischen 1913 und 1917 geschriebene und 1924 in New Jersey veröffentlichte Heilige Piby war eine Antwort auf die christliche Heilige Bibel, die der Autor als „weißen Ursprungs“ bezeichnete. Für Rogers war Äthiopien das Gelobte Land für die Afrikaner. Der Heilige Piby, der von einigen als „Negerbibel“ bezeichnet wird, war das erste Buch, das ein anguillanischer Schriftsteller im zwanzigsten Jahrhundert veröffentlichte.
Obwohl das Heilige Piby allgemein als einer der wichtigsten Grundlagentexte der Rastafari-Theologie anerkannt ist, bedarf es einer besseren Quelle], ist es streng genommen kein Rastafari-Dokument. Rogers schrieb es für den Gebrauch einer afrozentrischen Religion, die er gegründet hatte und die als Afro-Athlican Constructive Gaathly bekannt ist. Während dieser Zeit reiste Pastor Rogers in zahlreiche Städte in den Vereinigten Staaten, der Karibik und Südamerika und predigte das, was er das „Gesetz der äthiopischen Erlösung und Befreiung“ nannte. In der südafrikanischen Stadt Kimberley gründete er eine seiner religiösen Organisationen, die als Afro-Athlican Constructive Gaathly bekannt wurde. Die südafrikanische Regierung griff jedoch Rogers' Niederlassung in der Region an. In einigen Teilen Jamaikas wurde auch die Veröffentlichung des Heiligen Piby eingestellt. Charles Goodridge, einer der Führer der UNIA auf der Insel, die damals eine britische Kolonie war, wurde inhaftiert, weil er die Lehren des von Rogers verfassten religiösen Textes verbreitete.103 Rogers' „athlikanischer“ Glaube zog einige Anhänger an, vor allem auf den Westindischen Inseln, erreichte aber nie ein ausreichend großes Publikum.
Theater
Die Sunshine Theatre of Anguilla, gegründet 1972 in St. Thomas (US Virgin Islands) und seit 1989 auf Anguilla ansässig, ist das Herzstück dieser Szene. Unter der Leitung von Felix und Mona Fleming hat das non-profit Ensemble über 26 große Produktionen auf die Beine gestellt und dient als kulturelles Wahrzeichen. Stücke wie „Pepper in Dem Soup“ oder „The Lion King“ – eine kindgerechte Adaption, die 2016 mit offenen Auditions für junge Talente geworben hat – feiern die Revolution von 1967, die Unabhängigkeit und alltägliche Inselgeschichten. Das Lonestar-Theater, das nach Hurrikan-Schäden wiederaufgebaut wurde, beherbergt diese Aufführungen und zieht Zuschauer aus der Nachbarschaft an. Jährliche Arts Awards ehren Pionierinnen wie Farrah Banks, die seit 1990 in Rollen von Nonnen bis zu Revolutionsheldinnen glänzt und heute als Radiomoderatorin wirkt. Neben dem Aurora Amphitheatre am Rendezvous Beach, das für Open-Air-Shows genutzt wird, fördert das Department of Youth & Culture Aufführungen, die afrikanische Wurzeln mit karibischem Flair verbinden. Theater hier ist mehr als Unterhaltung: Es stärkt die Identität einer Insel, die trotz Tourismus ihre Geschichten bewahrt.
Film
Das ambitionierteste Projekt „Anguilla Rising“ ist ein epischer Spielfilm über die „Anguilla Revolution“ von 1967 bis 1969, der den Kampf für wirtschaftliche und politische Gerechtigkeit porträtiert. Produziert von Pyrate Motion Picture Company, scoutet der Film Locations in Anguilla und Puerto Rico, mit Beteiligung lokaler Helden wie James Ronald Webster. Es soll Film-Tourismus ankurbeln und Investoren anziehen, die in Steuergutschriften investieren. Dokumentarische Werke wie „Our Anguilla“ (2008) tauchen in die britisch-westindische Geschichte ein, während „The Anguilla Connection“ (2018) aus der Serie „Paradise Discovered“ die Nachwirkungen von Hurrikans Irma und Maria beleuchtet. Stimmen von Oppositionelle wie Pam Webster, Reggae-Legende Bankie Banx und Einheimischen weben Hoffnungsstränge in die Erzählung. „Nuttin Bafflin“ erforscht die Boot-Racing-Tradition, Anguillas nationales Sport, mit dramatischen Wettrennen und historischen Anekdoten. Serien wie „Below Deck“ (2017) oder „Coupled“ nutzen die Insel als Kulisse für Yacht-Abenteuer, doch lokale Produktionen wie „An Anguilla Adventure“ (2022) von Tej Naik feiern Kultur und Tourismus authentisch. Filmen hier erfordert Permits vom Department of Tourism, doch die öffentlichen Strände laden zu Drehs ein – solange Privatsphäre gewahrt bleibt. Anguillas Leinwand ist ein Spiegel der Seele: ruhig, aber rebellisch.
Musik und Tanz
Anguilla hat eine erstaunlich reiche musikalische Tradition, die sehr stark von den benachbarten karibischen Inseln geprägt ist. Sie verbindet westindische, afrikanische, europäische und nordamerikanische Einflüsse. Zu den historischen Grundlagen gehören die Musiktraditionen der afrikanischen Bevölkerung, die während der Kolonialzeit nach Anguilla gelangte, die englische Siedlungsgeschichte und die Einflüsse irischer Einwanderer. Anders als auf mehreren größeren Nachbarinseln entwickelte sich auf Anguilla keine ausgedehnte Plantagenwirtschaft mit großen Zuckerplantagen. Dadurch entstand eine andere soziale und wirtschaftliche Struktur, in der kleinere Siedlungen, Fischerei, Seefahrt, Landwirtschaft und Handwerk eine größere Rolle spielten. Die musikalische Entwicklung wurde später besonders durch Jamaika, Trinidad und Tobago sowie durch die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich beeinflusst. Reggae, Calypso, Soca, Gospel, R&B, Pop, Hip-Hop und Country gehören heute zum musikalischen Spektrum der Insel.
Eine Besonderheit ist die starke Stellung der Country-Musik. Sie unterscheidet Anguilla vom musikalischen Profil vieler anderer karibischer Inseln. Besonders Island Harbour im Osten der Insel gilt als Zentrum dieser Tradition. Die Verbindung wird unter anderem mit der Geschichte der irischen Siedler in Island Harbour sowie mit der frühen Verbreitung von Gospel-, Folk- und Country-Musik in den Familien der Insel erklärt. Der Sänger und Songwriter Evan Webster gehört zu den bekanntesten Vertretern dieser Tradition. Er verbindet Country mit Gospel und Folk und veröffentlichte mehrere Alben. Seine Musik wurde auch außerhalb Anguillas bekannt; Aufnahmen entstanden unter anderem unter Beteiligung von Musikern und Produktionsstudios in Nashville.
Reggae besitzt ebenfalls eine besonders starke Stellung. Die Musik steht in Verbindung mit den kulturellen Beziehungen zu Jamaika und mit der Rastafari-Tradition, die auf Anguilla seit dem 20. Jahrhundert eine kulturelle Rolle spielt. Zu den mit dieser Entwicklung verbundenen Persönlichkeiten gehört Ijahnya Christian. Auch Robert Athlyi Rogers, der auf Anguilla geboren wurde und dessen 1924 erstmals veröffentlichtes Werk The Holy Piby zu den frühen Schriften der Rastafari-Bewegung gehört, ist Teil dieser Geschichte. Reggae wird sowohl von lokalen Musikern als auch von Bands und Gastmusikern aus der übrigen Karibik aufgeführt.
Der international bekannteste Musiker Anguillas ist Bankie Banx. Der Sänger, Songwriter und Gitarrist veröffentlichte zahlreiche Alben und arbeitete beziehungsweise trat mit internationalen Musikern wie Bob Dylan, Jimmy Cliff und Jimmy Buffett auf. Sein musikalisches Spektrum reicht insbesondere von Reggae und karibischen Stilrichtungen bis zu Folk und Singer-Songwriter-Musik. Banx gründete außerdem das Moonsplash Music Festival und entwickelte mit dem Dune Preserve an der Rendezvous Bay einen wichtigen Veranstaltungsort der anguillianischen Musikszene. Das Dune Preserve ist eine Musikbar und Konzertstätte, in der regelmäßig Live-Musik und größere Veranstaltungen stattfinden. Das Moonsplash Festival gehört zu den traditionsreichsten unabhängigen Musikveranstaltungen der Karibik.
Auch die Familie Banks ist über Bankie Banx hinaus für die Musik Anguillas von Bedeutung. Sein Sohn Omari Banks wurde als Sänger und Musiker bekannt und verbindet Reggae mit weiteren zeitgenössischen Stilrichtungen. Weitere lokale beziehungsweise auf der Insel aktive Musiker und Gruppen sind unter anderem Pantha Vibes International, British Dependency, True Intentions, Amalia Watty, Natalie beziehungsweise Natalee, Raskim, Gershwin Lake and The Parables, Roxanne „Roxxy“ Webster und weitere Künstler. Das offizielle Tourismusportal nennt neben international auftretenden Musikern wie Omari Banks und Pantha Vibes International auch zahlreiche lokal auftretende Musiker und Bands.
Calypso gehört ebenfalls zum traditionellen karibischen Musikbestand Anguillas. Die Stilrichtung ist besonders bei öffentlichen Festen und beim Karneval vertreten. Calypso-Wettbewerbe verbinden Musik, Gesang und aktuelle beziehungsweise gesellschaftliche Themen mit einer ausgeprägten Bühnen- und Wettbewerbskultur. Die musikalische Begleitung wird häufig durch Bands und rhythmisch orientierte Ensembles getragen. Der Calypso-Wettbewerb ist ein fester Bestandteil des Carnival-Programms.
Soca wurde später zu einem wichtigen Bestandteil des Musiklebens. Die aus Trinidad und Tobago stammende Stilrichtung verbindet Calypso mit stärker tanzorientierten Rhythmen und elektronischen beziehungsweise modernen Produktionstechniken. In Anguilla ist Soca besonders mit Karneval, Straßenveranstaltungen und Tanz verbunden. Die Xtreme Band erlangte nach ihrem Erfolg beim Carnival 2001 regionale Bekanntheit und gehört zu den Gruppen, die zur Popularisierung des Genres auf der Insel beitrugen.
Zu den charakteristischen Tänzen gehört Wukin Up, ein stark körperbetonter Tanz, der vor allem zu Soca-Musik ausgeführt wird. Er ist insbesondere bei Karnevalsveranstaltungen und anderen großen öffentlichen Festen zu beobachten. Der Tanz wird durch rhythmische Bewegungen der Hüften und des gesamten Körpers bestimmt und steht in der Tradition karibischer Tanzformen, bei denen Musik, Bewegung und kollektive Festkultur eng miteinander verbunden sind. Wukin Up gehört dabei zur modernen populären Tanzkultur und nicht zu einer historischen Volkstanztradition im engeren Sinn.
Eine besondere Bedeutung besitzt das J'ouvert, das traditionell den Beginn des Karnevalstages beziehungsweise der Karnevalsfeierlichkeiten markiert. Musik, Tanz, Straßenumzüge und die Beteiligung großer Teile der Bevölkerung verbinden sich dabei zu einer öffentlichen Festveranstaltung. Hinzu kommen kostümierte Paraden, Stelzenläufer, Straßenmusik, Calypso- und Soca-Auftritte sowie weitere Unterhaltung. Der Karneval ist damit nicht nur eine Musikveranstaltung, sondern eine Verbindung von Musik, Tanz, Kostüm, öffentlichem Straßenleben und gemeinschaftlicher Festkultur.
Der Karneval findet traditionell Anfang August statt und bildet den wichtigsten jährlich wiederkehrenden Höhepunkt des öffentlichen Musiklebens. Zum Programm gehören Calypso-Wettbewerbe, J'ouvert, Straßentänze, Bootsrennen, Kostümparaden und Auftritte von Stelzenläufern. Die Veranstaltungen werden durch Grillfeste und weitere öffentliche Zusammenkünfte ergänzt. Die zeitliche Nähe zum Jahrestag der Emanzipation verbindet die Festperiode außerdem mit einem wichtigen historischen Bestandteil der Geschichte der afrokaribischen Bevölkerung Anguillas.
Die Bootsrennen besitzen dabei eine besondere Verbindung zur Musik. Die traditionellen Rennboote sind ein wesentliches Element der kulturellen Identität Anguillas, und die Regatten gehören sowohl zum Anguilla Day als auch zu weiteren Festveranstaltungen. Musik, Tanz, Bootsrennen und öffentliche Feiern treten dabei gemeinsam auf. Das erklärt auch, weshalb Musik auf Anguilla nicht ausschließlich in Konzertsälen oder Clubs stattfindet, sondern regelmäßig mit öffentlichen Festen, Stränden, Häfen und den traditionellen Bootsrennen verbunden ist.
Neben Reggae, Calypso, Soca und Country werden auf Anguilla Gospel, Jazz, R&B, Pop und Hip-Hop aufgeführt. Gospel besitzt insbesondere wegen der starken Stellung christlicher Kirchen eine lange Tradition. Jazz erhielt durch das Tranquility Jazz Festival eine eigene Veranstaltungsplattform. Die Vielfalt der Genres wurde besonders deutlich durch das Projekt Sounds of Anguilla (Volume 1), das 2015 unter Beteiligung des Produzenten Kedar Massenburg entstand. Auf der Zusammenstellung wurden Künstler aus Anguilla aus unterschiedlichen musikalischen Bereichen zusammengeführt, darunter Pop, Reggae, Hip-Hop, Soca und R&B. Zu den beteiligten Künstlern gehörten unter anderem Bankie Banx, Amalia Watty, True Intentions, Gershwin Lake and The Parables, Pantha Vibes International, British Dependency, Roxxy Webster und weitere Musiker.
Das Projekt hatte auch eine kulturwirtschaftliche Funktion. Die Einnahmen sollten der lokalen Musikszene zugutekommen und unter anderem Aufnahmen, Tourneen und die internationale Präsentation anguillianischer Musiker unterstützen. Die Zusammenstellung dokumentierte damit zugleich die stilistische Breite der zeitgenössischen Musikproduktion der Insel.
Eine wichtige Rolle spielt die Live-Musik. Nach Angaben des offiziellen Tourismusportals wird auf Anguilla an nahezu jedem Abend der Woche, besonders aber an den Wochenenden, Live-Musik angeboten. Auftritte finden in Restaurants, Hotels, Strandbars und speziellen Musiklokalen statt. Neben lokalen Künstlern treten Musiker aus anderen karibischen Ländern und international tourende Künstler auf. Auch Sonntagsveranstaltungen mit Live-Musik, insbesondere bei Brunch-Angeboten, gehören zur öffentlichen Musikkultur.
Das Dune Preserve ist hierbei eine der bekanntesten Einrichtungen. Die von Bankie Banx gegründete Veranstaltungsstätte dient regelmäßig als Bühne für Reggae, Singer-Songwriter, Folk, Blues, Soul und andere Formen zeitgenössischer Musik. Besonders während des Moonsplash Festivals wird der Ort zu einem zentralen Treffpunkt für Musiker und Publikum. Die Verbindung des Veranstaltungsortes mit der Landschaft der Rendezvous Bay und der dortigen Düne ist zugleich ein Beispiel dafür, wie Musikveranstaltungen mit Fragen des Landschafts- und Naturschutzes verbunden wurden.
Auch die Musikveranstaltungen in Hotels und Restaurants haben eine wirtschaftliche Bedeutung. Die geringe Größe des lokalen Marktes führt dazu, dass Musiker häufig gleichzeitig auf verschiedenen Gebieten tätig sind und Auftritte bei privaten Veranstaltungen, Hotels, Restaurants, Festivals und öffentlichen Festen miteinander verbinden. Die touristische Nachfrage erweitert damit das Publikum für lokale Musiker erheblich. Das offizielle Tourismusportal nennt eine große Zahl regelmäßig auftretender lokaler Künstler und Bands und beschreibt Live-Musik als festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens der Insel.
Zu den älteren internationalen Verbindungen gehört das Country Music Festival von 2005, das unter Beteiligung des amerikanischen Country-Musikers Billy Ray Cyrus stattfand. Die Veranstaltung knüpfte an die besondere Country-Tradition Anguillas an und stellte diese einem internationalen Publikum vor. Die Verbindung von Country, Gospel und Folk mit der karibischen Musiklandschaft ist bis heute ein charakteristisches Merkmal der Insel.
Kleidung
Die Kleidung auf Anguilla ist durch das tropische Klima, die karibische Lebensweise, die britisch-westindische Geschichte und seit dem späten 20. Jahrhundert zunehmend durch den Fremdenverkehr geprägt. Eine eigenständige, im Alltag allgemein getragene Nationaltracht hat sich auf der Insel nicht herausgebildet. Traditionelle Kleidungsformen treten vor allem bei kulturellen Veranstaltungen, Paraden, Festen und offiziellen Anlässen auf. Die Kulturpolitik Anguillas verweist dabei insbesondere auf die historischen afrikanischen Einflüsse, zu deren fortbestehenden kulturellen Ausdrucksformen unter anderem Maskenkostüme während des Karnevals und die Moko-Jumbies gehören.
Die Alltagskleidung ist überwiegend leicht und an das warme, trockene Tropenklima angepasst. T-Shirts, Hemden, Blusen, Shorts, leichte Hosen, Röcke, Kleider und Sandalen gehören zur üblichen Bekleidung. Bei formelleren Anlässen werden Hemden, lange Hosen, Kleider, Röcke und geschlossene Schuhe getragen. In den touristisch geprägten Bereichen ist außerdem Resort- und Strandkleidung weit verbreitet. Das offizielle Tourismusportal beschreibt die Kleiderordnung als leger, verlangt jedoch in öffentlichen Bereichen eine angemessene Bekleidung. Badebekleidung ist außerhalb des unmittelbaren Strandbereichs nicht als normale Straßenkleidung vorgesehen; insbesondere an den offiziellen Ein- und Ausreisestellen muss angemessene Kleidung getragen werden.
Die Kleidung für Strand und Freizeit bildet einen wichtigen Bereich des lokalen Einzelhandels. Angeboten werden Badeanzüge und Bikinis für Erwachsene und Kinder, Strandkleider und Überwürfe, Hüte, Taschen, Schmuck und leichte Freizeitkleidung. Das offizielle Tourismusverzeichnis führt entsprechende Geschäfte und Boutiquen sowohl in den touristischen Zentren als auch in den Siedlungen der Insel auf. Einige Geschäfte verbinden Strandbekleidung mit lokalem Kunsthandwerk und Souvenirs, darunter T-Shirts und Mützen mit Anguilla-Motiven.
Die lokale Modeszene wird durch kleine Boutiquen und Geschäfte ergänzt, die sowohl importierte internationale Mode als auch karibisch geprägte Produkte führen. Dazu gehören Damen- und Herrenbekleidung, Kindermode, Schuhe, Handtaschen, Schmuck, Badebekleidung und Accessoires. Petals Boutique im Frangipani Beach Resort führt beispielsweise Strand- und Freizeitbekleidung für Frauen und Männer sowie Hüte, Taschen, Schmuck, Parfüm und lokale Kunst. Andere Geschäfte konzentrieren sich stärker auf importierte Mode, Baumwollbekleidung, Schuhe, Lederwaren oder Schmuck.
Eine Verbindung zwischen Kleidung und lokaler Kultur entsteht durch Textilkunst und handgefertigte Accessoires. Im Anguilla Arts and Crafts Center werden neben Keramik und Kunstwerken auch lokal gefertigte Handarbeiten und Näharbeiten angeboten. Kleidung und textile Gegenstände gehören damit teilweise zum Bereich des Kunsthandwerks. Daneben werden Schmuckstücke und Accessoires aus lokalen oder karibischen Materialien hergestellt und sowohl an Einheimische als auch an Besucher verkauft.
Bei Festen und kulturellen Veranstaltungen treten traditionelle und historisch geprägte Kostümformen stärker hervor. Besonders der Karneval und die Feierlichkeiten rund um den Anguilla Day bieten Raum für farbenprächtige Kostüme, Masken und aufwendig gestaltete Kleidung. Die Moko-Jumbies, Stelzenläufer in traditionellen beziehungsweise folkloristischen Kostümen, gehören zu den historischen afrikanischen Kultureinflüssen, die in der Kulturpolitik Anguillas ausdrücklich genannt werden.
Eine weitere Besonderheit der Inselkultur ist die Verbindung von Kleidung und dem traditionellen Bootsrennsport. Beim Anguilla Day, der an die Ereignisse der Revolution von 1967 erinnert, gehören kulturelle Darbietungen, Paraden und das traditionelle Bootsrennen zum öffentlichen Festprogramm. Die Kleidung bei solchen Veranstaltungen kann daher neben der alltäglichen und touristischen Mode auch Vereins-, Fest- und Veranstaltungsbekleidung umfassen.
Kulinarik und Gastronomie
Das kulinarische Angebot der Insel ist kosmopolitisch, man bevorzugt aber die westindische Küche. Vor allem setzt man auf Meerestiere: Hummer, Wellhornschnecken, Mahi Mahi und andere tropische Fische sowie Krabben - alle mit den Gewürzen der Insel zubereitet. Eine Spezialität ist der Anguilla Crayfish, ein Verwandter des karibischen Hummers. Ein weiterer Bestandteil der anguillanischen Küche ist konservierter Kabeljau, der gesalzen und getrocknet wurde. Dazu werden Bohnen, Tapioka, Süßkartoffeln und anderes Gemüse angeboten.
Das Herzstück ist der Anguilla Lobster – nicht die große kanadische Art, sondern der kleinere, schwanzlastige Karibik-Hummer ohne Scheren. Den isst man am liebsten pur gegrillt mit Knoblauchbutter, Zitrone und einem Hauch Scotch-Bonnet-Pfeffer. Von Juni bis März ist Lobstersaison, dann wird er überall angeboten, danach ist er teurer und seltener. Klassische Alltagsgerichte, die man in jedem lokalen „Cook Shop“ oder zu Hause findet:
- Grilled oder Steamed Fish (meist Red Snapper oder Mahi-Mahi), ganz auf dem Grill oder in Folie gedämpft mit Zwiebeln, Paprika, Thymian und viel „Seasoning“ (eine Mischung aus Salz, Pfeffer, Knoblauch, Zwiebelpulver und Piment).
- Rice and Peas – Reis mit roten Kidneybohnen oder Gungo Peas, in Kokosmilch gegart und mit Pimentkörnern und Thymian gewürzt.
- Provisions – das Gemüse der Insel: Süßkartoffeln, Yam, grüne Bananen, Brotfrucht und Eddo, alles einfach gekocht.
- Johnny Cakes – kleine, runde, leicht süßliche Maisbrote, die in Öl schwimmend goldbraun frittiert werden. Gibt’s zum Frühstück, Mittag, Abendessen – immer.
- Bullfoot Soup oder Goat Water – kräftige Suppen, die samstags traditionell serviert werden. Bullfoot ist eine dicke Kuhfuß-Suppe mit viel Gemüse, Goat Water ein scharfes Ziegen-Curry.
- Ducana – süßer, gedämpfter Teig aus geriebener Süßkartoffel und Kokos, in Bananenblatt gewickelt, oft mit Saltfish serviert.
- Fungi – Polenta-ähnliches Maisgericht, das wie fester Brei serviert wird, meist zu Fisch oder Okra-Schoten.
Zum Würzen kommt fast immer Scotch Bonnet, frischer Thymian, Frühlingszwiebeln und das berühmte „Anguilla Seasoning“ (manchmal auch „Green Seasoning“ genannt) – eine frische Paste aus Kräutern, Knoblauch und Pfeffer.
Getrunken wird Mauby (bitter-süß aus Baumrinde), Tamarinden-Saft, Bush Tea oder einfach ein eiskaltes Carib-Bier. Zum Nachtisch gibt es oft Tamarind Balls, Sugar Cake oder frische Mango mit Salz und Pfeffer.
Auf Anguilla gibt es mehr als 70 ausgezeichnete Restaurants und Lokale, die Anguilla zu einer „Hauptstadt der Kochkunst der Karibik“ machen. Fast-Food-Shops sucht man vergeblich. Die Auswahl reicht von eleganten, einladenden Feinschmecker-Fischrestaurants, über trendige Strand-Bistros bis hin zu festlichen, erschwinglichen Grill-Restaurants am Straßenrand. Die bekanntesten Restaurants sind:
- Tropical Sunset Restaurant & Bar: direkt am Strand gelegen, bietet es frische karibische Gerichte wie Hummer und BBQ.+
- Roy’s Bayside Grill: ein familiengeführtes Restaurant mit authentischen Meeresfrüchten und einem ungezwungenen Ambiente.
- Jacala: bietet gehobene internationale Küche mit frischen lokalen Zutaten, insbesondere Fischgerichte.
- Sharky’s: bekannt für seinen Hummer und authentische Meeresfrüchte.
- Blanchard’s Beach Shack: ein klassischer Strandimbiss mit sommerlichen Gerichten wie Fischtacos und gegrillten Cubans.
Gastronomie 2003:
- 38 Restaurants
- 31 sonstige Lokale
- 9 Bäckereien
- 4 Nachtklubs
- 3 Eisläden
Festkultur
Die Insel Anguilla feiert im Grunde die auch im restlichen Großbritannien üblichen Feste mit allerdings drei Besonderheiten, dem Anguilla Day, dem Emancipation Day und dem Separation Day. Abseits dessen wird auf Anguilla bei jeder sich bietenden Gelegenheit gefeiert.
Feiertage:
- 1. Januar - New Year’s Day (Neujahrstag)
- Anfang April - Good Friday (Karfreitag)
- Anfang April - Easter Sunday & Monday (Ostersonntag & Ostermontag)
- 1. Mai - Labour Day (Tag der Arbeit)
- Ende Mai - Whit Sunday & Monday (Pfingstsonntag & Pfingstmontag)
- 30. Mai bzw. 1. Juni - Anguilla Day (Anguillatag)
- 11. Juni - Queen’s Birthday (Geburtstag der Königin)
- Ende Juli / Anfang August - Carnival (Karneval)
- 1. Augustmontag - Emancipation Day (Emanzipierungstag)
- 1. Augustdonnerstag - August Thursday (August-Donnerstag)
- 6. August - Constitution Day (Verfassungstag)
- 19. Dezember - Separation Day (Tag der Teilung)
- 25. Dezember - Christmas Day (Weihnachtstag)
- 26. Dezember - Boxing Day (Stefanitag)
Das wichtigste Festereignis ist der Anguilla Summer Festival, der als karibischer Carnival aus Musik, Tanz, Straßenumzügen, Strandveranstaltungen, Wettbewerben und Bootsrennen besteht. Sein zeitlicher Schwerpunkt liegt Ende Juli und im August und steht zugleich im Zusammenhang mit der Erinnerung an die Emanzipation der versklavten Bevölkerung in den britischen Kolonien. Der erste Montag im August, August Monday, und der darauffolgende August Thursday sind gesetzliche Feiertage; 2026 fallen sie auf den 3. beziehungsweise 6. August.
Ein zentrales Element des Summer Festival ist J’ouvert, eine frühmorgendliche Straßenveranstaltung, die am August Monday bei Tagesanbruch beginnt. Hinzu kommen die Parade der Troupes durch The Valley, Kostümgruppen, Musik- und Tanzveranstaltungen, die Caribbean Beach Party, Pageants, Calypso- und Soca-Wettbewerbe sowie weitere Straßen- und Strandfeste. Zu den traditionellen Bestandteilen gehören auch Stelzenläufer und aufwendig gestaltete Kostüme. Die Veranstaltungen werden von Bands, Calypso-Sängern und Soca-Musikern begleitet. Das Festival ist damit zugleich ein Musik-, Tanz-, Straßen- und Gemeinschaftsfest. Die Regierung von Anguilla beschreibt den Summer Festival ausdrücklich als jährliche Kulturveranstaltung mit Bootsrennen, Feten, Schönheits- beziehungsweise Titelwettbewerben, Paraden und Shows.
Besondere Bedeutung besitzen die Bootsrennen. Sie sind aus der Seefahrts- und Bootsbautradition Anguillas hervorgegangen und gelten als Nationalsport. Handgefertigte Holzboote treten bei zahlreichen Rennen im Frühjahr und Sommer gegeneinander an; die Saison beginnt unter anderem im Umfeld der Osterzeit und erreicht im August mit dem Champion of Champions ihren Höhepunkt. Die Boote werden weiterhin auf der Insel gebaut und nach Klassen eingeteilt. Während der Rennen verfolgen Zuschauer das Geschehen von Stränden, Straßen und Anhöhen aus.
Auch außerhalb des Summer Festival prägen Bootsrennen den Festkalender. Das Festival Del Mar findet zu Ostern in Island Harbour statt und verbindet Hochseefischerei-Wettbewerbe, Schwimmwettbewerbe, Krabbenrennen, traditionelle Kochwettbewerbe, Live-Musik und Bootsrennen. Die dreitägige Anguilla Regatta im Mai widmet sich ebenfalls der traditionellen Segelschifffahrt und dem Bootsrennsport. Sie wurde 2002 eingerichtet; ihre Einnahmen unterstützen die Anguilla Sailing Association und deren Segelausbildung für Jugendliche.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Festkultur ist das Moonsplash Festival. Der von dem anguillianischen Musiker Bankie Banx begründete Reggae-Musikanlass wird traditionell im März oder April im Dune Preserve an der Rendezvous Bay veranstaltet und ist seit mehr als 25 Jahren Bestandteil des kulturellen Veranstaltungskalenders. Das Festival verbindet Konzerte mit einem informellen Gemeinschaftscharakter und gehört zu den bekanntesten Musikveranstaltungen der Insel.
Im Mai findet das Anguilla LitFest statt, das die literarische Kultur der Insel mit Lesungen, Podiumsgesprächen, Autorenworkshops, Buchpräsentationen und Signierstunden verbindet. Ergänzend werden poetische und mündliche Darbietungen veranstaltet. Damit besitzt die Festkultur neben Musik, Tanz und Sport auch einen ausgeprägten literarischen Bereich.
Zum Veranstaltungskalender gehören außerdem kulturelle und religiös geprägte Feiertage. Anguilla Day wird Anfang Juni mit offiziellen Zeremonien, einer Parade, einem Bootsrennen und weiteren Veranstaltungen begangen. Der Feiertag erinnert an die politische Entwicklung Anguillas und an den Beginn der Anguilla Revolution von 1967. Im Jahr 2026 fanden unter anderem ein Anguilla Day Sports Festival, eine Parade und der Premier’s Cup, das Anguilla Day Boat Race, statt.
Der musikalische Festkalender wird durch Jazz-, Country-, Reggae-, Calypso-, Soca- und andere Veranstaltungen ergänzt. Das Tranquility Jazz Festival gehört zu den regelmäßig genannten Musikveranstaltungen Anguillas und bringt regionale sowie internationale Jazzmusiker zusammen. Daneben bestehen kleinere Konzertreihen und Auftritte in Restaurants, Hotels, Bars und anderen Veranstaltungsorten. Live-Musik ist besonders an Wochenenden ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.
Seit den 2000er Jahren gehört außerdem Country-Musik zur musikalischen Festkultur der Insel. Country-Veranstaltungen knüpfen an die langjährige Verbindung Anguillas zu Nordamerika und an die auf der Insel vorhandene Country- und Folk-Musikszene an. Das von Billy Ray Cyrus unterstützte Country Music Festival wurde seit 2005 als jährliche Veranstaltung durchgeführt; daneben treten Country-Musiker auch bei anderen lokalen Veranstaltungen auf.
Medien
Auf Anguilla gibt es eine kleine, stark lokal ausgerichtete Medienlandschaft aus Printmedien, Rundfunk und zunehmend digitalen Angeboten. Die lokale Berichterstattung konzentriert sich vor allem auf Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Bildung, Sport, Kultur, Veranstaltungen und das gesellschaftliche Leben der einzelnen Gemeinden. Daneben spielen Medien aus den übrigen karibischen Staaten sowie internationale Fernsehsender und Internetangebote eine wichtige Rolle.
Im Rundfunk ist Radio ein wichtiges Medium für Nachrichten, Musik, Unterhaltung und lokale Diskussionen. Radio Anguilla sendet auf 95,5 MHz UKW und verbindet Nachrichten- und Informationssendungen mit Musik, Gesprächen und Beiträgen aus dem gesellschaftlichen Leben der Insel. Neben den öffentlich beziehungsweise lokal ausgerichteten Programmen bestehen weitere Radioprogramme mit unterschiedlichen Musik- und Unterhaltungsschwerpunkten. Die Radioprogramme übernehmen insbesondere bei aktuellen Ereignissen, Wetterlagen, Verkehrsinformationen und öffentlichen Bekanntmachungen eine wichtige Informationsfunktion.
Die wichtigste lokale Wochenzeitung ist The Anguillian. Sie bezeichnet sich selbst als „Weekly Independent Newspaper of Anguilla“ und erscheint seit vielen Jahren sowohl in gedruckter Form als auch als Online-Zeitung. Die gedruckte Ausgabe wird wöchentlich auf der Insel vertrieben; Verkaufsstellen befinden sich unter anderem in The Valley, Blowing Point, George Hill, The Quarter, Stoney Ground, West End, The Farrington, Long Path, White Hill und South Hill.
The Anguillian behandelt ein breites Spektrum lokaler Themen. Dazu gehören Nachrichten aus Regierung und Parlament, Wirtschaft, Bildung, Sport, Kultur, Religion, Gesundheitswesen und dem Gemeindeleben. Hinzu kommen Kommentare, Leitartikel, Leserbeiträge, Nachrufe und Berichte über Veranstaltungen. Die aktuelle Online-Ausgabe führt beispielsweise eigene Bereiche für lokale Nachrichten, Bildung, Sport, Wirtschaft, Regierung, Kunst und Kommentare. Damit übernimmt die Zeitung zugleich eine Archivfunktion für das öffentliche Leben Anguillas.
Die Zeitung verfügt über eine eigene Internetpräsenz und veröffentlicht dort laufend aktualisierte Beiträge. Neben frei zugänglichen Nachrichten besteht ein Abonnementbereich für weitere Online-Inhalte. Die digitale Ausgabe ermöglicht dadurch eine wesentlich schnellere Verbreitung lokaler Nachrichten als die ausschließlich gedruckte Wochenzeitung.
Eine Besonderheit des Printwesens besteht darin, dass The Anguillian zwar eine anguillianische Zeitung ist, die gedruckten Exemplare jedoch von The Herald Newspaper auf Sint Maarten hergestellt werden. Redaktion und Herausgeberschaft befinden sich dagegen in Anguilla. Als Herausgeber wird Nat Hodge’s Public Relations, Information and Consultancy Services Limited genannt; als Redakteur ist A. Nat Hodge angegeben.
Neben The Anguillian existieren beziehungsweise existierten weitere kleinere lokale und regionale Publikationen, Newsletter und thematische Druckerzeugnisse. Ihre Bedeutung liegt vor allem in speziellen Bereichen wie Wirtschaft, Tourismus, kirchlichem Leben, Vereinen und einzelnen Veranstaltungen. Wegen der geringen Einwohnerzahl des Territoriums ist der lokale Zeitungsmarkt entsprechend klein und auf eine begrenzte Zahl von Lesern und Anzeigenkunden ausgerichtet.
Das Internet hat die Mediennutzung auf Anguilla deutlich verändert. Neben den Websites der lokalen Medien werden soziale Netzwerke, Nachrichtenportale und digitale Angebote karibischer Medien genutzt. Viele Informationen über Anguilla erscheinen außerdem in Medien aus dem Umfeld der Leeward Islands, der Organisation of Eastern Caribbean States und der übrigen britischen Überseegebiete. Dadurch überschneidet sich die lokale Berichterstattung mit einer regionalen karibischen Öffentlichkeit.
Auch die sozialen Netzwerke sind für die schnelle Verbreitung lokaler Nachrichten von Bedeutung. Regierungsstellen, Unternehmen, Veranstalter, Sportvereine, Kulturorganisationen und Medien veröffentlichen dort Hinweise, Termine, Fotos und aktuelle Meldungen. Bei kurzfristigen Ereignissen ergänzen diese Kanäle die klassische Berichterstattung von Radio und Zeitung.
Das Fernsehen ist dagegen stärker durch internationale Programme geprägt. Aufgrund der geringen Größe des lokalen Marktes gibt es nur ein begrenztes Angebot eigener Fernsehproduktionen. Haushalte können über Kabel- und andere elektronische Verbreitungswege zahlreiche Programme aus Nordamerika, Großbritannien und der Karibik empfangen. Lokale Inhalte werden deshalb vielfach über Nachrichtenwebsites, soziale Netzwerke, Radio und die Online-Ausgaben der Printmedien verbreitet.
Zeitungen und Zeitschriften:
- Anguilla Life, The Valley
- Anguilla News, The Valley
- Dream Anguilla, The Valley
- The Anguillian, The Valley
- The Light, The Valley seit 1993)
- Tropical Anguilla, The Valley
- Valley Primary Student Newspaper, The Valley
- What We Do in Anguilla, The Valley seit 1981
Internet Media:
- Anguilla LNT (national)
- Anguilla News (national)
- Anguilla Daily (international)
- Caribbean Net News (international)
- Index Mundi (international)
- Inside Caribbean (international)
- One World (international)
- Topix (international)
Rundfunk:
- Radio Anguilla
Radiostationen
AM Radio
- 690 Caribbean Beacon|on FM - The Valley religiös
- 1505 Radio Anguilla|on FM - The Valley Nachrichten, Talk, Musik
- 1610 200kW Caribbean Beacon|rep - The Valley religiös
FM Radio
- 92.9 Klass 92.9 - The Valley
- 93.3 Rainbow FM - The Valley
- 95.5 Radio Anguilla - The Valley Nachrichten, Talk, Musik
- 97.7 30kW Up Beat Radio - The Valley karibische Musik, Information
- 99.3 5kW NBR-New Beginning Radio/Grace FM - The Valley christlich
- 100.1 Caribbean Beacon - The Valley religiös
- 103.3 Kool FM - The Valley karibische Themen
- 105.1 5kW Tradewinds Radio - The Valley karibische Musik, Nachrichten
- 106.7 VOC-Voice of Creation - Sachasses/The Valley religiös
Kurzwelle
- 6090 Caribbean Beacon - The Valley religiös
- 11775 Caribbean Beacon - The Valley religiös
Kommunikation
Das Kommunikationsnetz der Insel ist relativ gut ausgebaut. Das Central Post Office befindet sich in The Valley. Anguilla ist berühmt wegen seiner Briefmarken. 1967 wurde die erste Serie des „Independant Anguilla“ auf den Markt gebracht. Die Einnahmen bildeten einen wichtigen Budgetposten. Auch heute haben die Marken aus Anguilla, verwaltet vom Philatelic Bureau, einen hohen Sammlerwert.
Kommunikationseinheit 1992 2000 2002 pro 1000 Einwohner
Telefonanschlusse 3 053 4 974 6 200 476,92
Mobiltelefone 50 1 629 5 340 410,77
Rundfunkgeräte 2 700 2 900 3 000 230,77
Fernsehgeräte 800 900 1 000 76,92
Internetanschlüsse 0 919 3 000 230,77
Das Hauptpostamt in The Valley ist von Montag bis Freitag von 8 bis 15.30 Uhr geöffnet. Außerhalb der Stadt gibt es einen „Postdienst auf Rädern“. Internationale Kuriere unterstützen das nationale Postsystem. Briefmarken sind in den Läden erhältlich, in denen Postkarten gekauft werden können. Hotelrezeptionen nehmen Briefsendungen für ein Trinkgeld von zirka 1,- US$ entgegen. Luftpostsendungen brauchen bis zu vier Wochen nach Europa.
Postdaten:
- Postanschrift: Anguilla, Caribbean Sea
- Telefon-Vorwahl: 001264
Sport
Das Sportangebot Anguillas umfasst sowohl traditionelle Insel- und Wassersportarten als auch die aus dem britischen und karibischen Kulturraum übernommenen Mannschaftssportarten. Die Regierung führt unter anderem Leichtathletik, Bootsrennen, Basketball, Bodybuilding, Cricket, Radfahren, Fußball, Golf, Tennis, Netball, Softball, Tischtennis, Taekwondo und Volleyball als ausgeübte Sportarten. Auch Bridge, Domino, Pony- und Pferdesport sowie Windball gehören zum organisierten Freizeit- und Sportangebot.
Eine besondere Stellung nimmt das Bootsrennen ein. Es gilt als Nationalsport Anguillas und ist eng mit der Geschichte der Seefahrt, Fischerei, Migration und des traditionellen Bootbaus verbunden. Die heutigen Rennboote gehen auf die hölzernen Arbeits- und Segelboote zurück, mit denen Anguillianer im frühen 20. Jahrhundert zwischen den Inseln und insbesondere nach Hispaniola beziehungsweise in die Dominikanische Republik fuhren. Bei der Rückkehr nach Anguilla entwickelten sich Wettfahrten zwischen den Booten, aus denen die heutige Rennsporttradition hervorging. Die Boote werden weiterhin nach traditionellen Vorbildern gebaut und für die Rennen speziell ausgerüstet.
Die Bootsrennen finden während eines großen Teils des Jahres statt und sind besonders mit öffentlichen Feiertagen und den großen Festveranstaltungen verbunden. Ein Höhepunkt ist das Rennen am Anguilla Day am 30. Mai. Dabei treten die handgefertigten Boote vor der Küste gegeneinander an. Die Anguilla Regatta im Mai wurde 2002 gegründet und verbindet traditionelle Bootsrennen mit Segelsport. Die Einnahmen der Regatta unterstützen die Anguilla Sailing Association, die unter anderem Kindern und Jugendlichen das Segeln vermittelt.
Auch das Festival Del Mar zu Ostern in Island Harbour verbindet Sport und Festkultur. Zum Programm gehören Hochseefischerei-Wettbewerbe, Schwimmwettbewerbe und Bootsrennen sowie weitere Wettbewerbe. Damit steht der Sport in diesem Fall unmittelbar mit der traditionellen Fischerei- und Küstenkultur Anguillas in Verbindung.
Segeln wird neben dem eigentlichen Bootsrennsport ebenfalls betrieben. Kinder und Erwachsene können auf Anguilla Segelunterricht erhalten; die Anguilla Sailing Association widmet sich insbesondere der Ausbildung des Nachwuchses. Neben traditionellen Regatten gibt es Segel- und Wassersportangebote rund um die Küste und die vorgelagerten Inseln.
Von touristischem Interesse sind darüber hinaus unter anderem Schnorcheln (vor allem Sandy Island, Shoal Bay und Little Bay), Tauchen, Segeln und Hochseeangeln. Prickly Pear Cays, Dog Island und Sandy Island bieten die besten Tauchgründe.
Cricket gehört zu den wichtigsten Mannschaftssportarten. Die Verankerung dieser Sportart geht auf die britische Kolonialgeschichte und die Einbindung Anguillas in die westindische Cricketwelt zurück. Anguillianische Spieler haben auch über die Insel hinaus auf regionaler Ebene gespielt. Zu den bekannten Cricketspielern aus Anguilla zählen Cardigan Connor, Omari Banks, Chaka Hodge und weitere Spieler, die für regionale Mannschaften beziehungsweise die Leeward Islands antraten. Die staatliche Sportpolitik nennt Cricket ausdrücklich neben Bootsrennen und Leichtathletik als Sportart mit einer bedeutenden anguillianischen Tradition.
Fußball ist ebenfalls weit verbreitet und wird von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen betrieben. Die Regierung führt Football als reguläre Sportart und fördert entsprechende Programme im schulischen und kommunalen Bereich. Fußballplätze gehören zur Sportinfrastruktur der Insel und werden für Training und Wettbewerbe genutzt.
Rugby wird auf Anguilla durch den Anguilla Eels Rugby Football Club vertreten. Die Sportart besitzt gegenüber Cricket, Fußball und Bootsrennen eine kleinere organisatorische Basis, gehört aber zum institutionalisierten Sportangebot der Insel. Der Verein wird auch in der staatlichen Sportpolitik als Beispiel für die Entwicklung einer anguillianischen Sportorganisation genannt.
Eine weitere Sportart mit überregional erfolgreichen Anguillianern ist die Leichtathletik. Besonders im Sprint und im Weitsprung haben Sportler von der Insel internationale Wettbewerbe erreicht. Zu den bekanntesten Namen gehören Keith Connor und Shara Proctor; auch der Sprinter Zharnel Hughes ist mit Anguilla verbunden. Die staatliche Sportpolitik führt diese Athleten zusammen mit erfolgreichen Cricketspielern und dem Anguilla Eels RFC als Beispiele für die sportliche Entwicklung des Territoriums an.
Radfahren besitzt wegen der flachen Topografie Anguillas gute Voraussetzungen. Es wird sowohl als Freizeitsport als auch wettkampfmäßig betrieben. Das John T. Memorial Cycling Race wird im Juli von der Anguilla Cycling Association veranstaltet und gehört zu den etablierten Radsportveranstaltungen des Inselkalenders.
Tennis verfügt über eine eigene organisatorische Infrastruktur. Die Anguilla Tennis Academy hat über viele Jahre Kinder und Jugendliche ausgebildet. Im November wird mit dem Anguilla Cup ein internationales Tennisturnier veranstaltet, das von der International Tennis Federation sanktioniert wird und Wettbewerbe für Junioren und Senioren sowie weitere Tennisveranstaltungen umfasst. Öffentliche Tennisplätze gibt es im Ronald Webster Park und in einigen Hotels.
Basketball, Volleyball und Netball gehören ebenfalls zum organisierten Mannschaftssport. Hinzu kommen Leichtathletik, Schwimmen, Tischtennis, Softball, Badminton, Golf und Kampfsportarten. Das staatliche Sportprogramm umfasst darüber hinaus Angebote für Bodybuilding und verschiedene Formen des Breitensports. Für Kinder und Jugendliche werden Sportprogramme über Schulen, Vereine und kommunale Einrichtungen angeboten.
Golf wird auf Anguilla auf dem Golfplatz des Aurora Anguilla Resort & Golf Club gespielt. Daneben stehen Tennisplätze, Basketballplätze und Fußballfelder zur Verfügung. Der Ronald Webster Park in The Valley ist eine der öffentlichen Sportanlagen der Insel. Die Sportverwaltung unterhält und betreut mehrere Sportstätten und arbeitet mit den nationalen Sportverbänden zusammen.
Zum Breitensport und gesellschaftlichen Freizeitsport gehören außerdem Domino und andere Brett- beziehungsweise Gesellschaftsspiele. Die staatliche Sportverwaltung führt Domino und Bridge ausdrücklich in ihrem Sportangebot. Gerade Domino ist im gesellschaftlichen Leben der Insel eng mit dem informellen Freizeitbereich verbunden.
Die staatliche Sportförderung wird durch das Department of Sports koordiniert. Ein Sports Council bestand bereits seit 1980; 1983 richtete die Regierung ein eigenes Sportamt ein. Heute arbeitet die Sportverwaltung mit den nationalen Sportverbänden zusammen und verfolgt neben der Förderung des Leistungssports insbesondere die Entwicklung des Kinder- und Jugendsports, die Ausbildung von Trainern und Schiedsrichtern sowie die Unterhaltung von Sportanlagen. Für 2025 weist die Regierung mehr als 200 Teilnehmer an gemeindebasierten Sportprogrammen und mehr als 1.200 Schüler mit wöchentlichen qualitätsgesicherten Sportunterrichtseinheiten aus.
Segeln
Segelboot-Rennen sind sozusagen der Volkssport der seetüchtigen Anguillaner. Die traditionellen Schaluppen, kleine, auf Kiel gebaute Holzsegelboote, werden heute kaum mehr für den Fischfang, sondern hauptsächlich für den Rennsport gebaut. Wie früher sind ihre dreieckigen Segel noch immer von Hand genäht.
In ihren kleinen Segelbooten haben sich die anguillanischen Fischer früher auf der Heimfahrt oft spasseshalber Rennen geliefert und dabei ihre Geschicklichkeit beim Segeln gemessen. Heute werden die meisten Fischerboote zwar mit Aussenbordmotoren angetrieben. Segelbootrennen sind aber die große Passion der anguillanischen Männer geblieben. Kein Feiertag vergeht, ohne dass solche Rennen stattfinden. Gewöhnlich wird von den Stränden bei Sandy Ground und Blowing Point zu Bojen auf dem Meer und zurück zum Strand gesegelt. Die ganze Inselbevölkerung ist dann jeweils auf den Beinen, es werden kräftig Wetten abgeschlossen und natürlich werden die Sieger gebührend gefeiert.
Fußball
Der Fußball entwickelte sich auf Anguilla vergleichsweise spät zu einer organisierten Sportart. Die ersten Impulse werden mit den britischen Soldaten verbunden, die während der britischen Intervention auf der Insel stationiert waren. In den folgenden Jahrzehnten blieb Fußball neben den traditionell stärker verankerten Sportarten Bootsrennen, Cricket und Rugby zunächst von geringerer Bedeutung. FIFA beschreibt Fußball ausdrücklich als eine Sportart, die auf Anguilla historisch hinter diesen drei Sportarten zurückstand, deren Popularität jedoch anschließend deutlich zunahm.
Eine entscheidende organisatorische Entwicklung erfolgte 1990 mit der Gründung der Anguilla Football Association (AFA). Die AFA ist der nationale Fußballverband des britischen Überseegebiets und organisiert den Männer-, Frauen- und Jugendfußball. Die Anguilla Football Association ist Mitglied von FIFA und gehört zur Confederation of North, Central America and Caribbean Association Football (Concacaf). FIFA führt die AFA als zuständigen Mitgliedsverband Anguillas; als Verbandssitz wird 2 Queen Elizabeth Avenue in The Valley angegeben.
Mit der internationalen Einbindung erhielt der Fußball auf Anguilla Zugang zu regionalen Wettbewerben und internationalen Entwicklungsprogrammen. Die AFA nimmt mit ihren Nationalmannschaften an Wettbewerben der Concacaf teil und organisiert gleichzeitig nationale Wettbewerbe für Männer, Frauen und Nachwuchsmannschaften. Die Entwicklung des Fußballs wird außerdem durch das FIFA-Forward-Programm finanziell und infrastrukturell unterstützt. Für Anguilla weist FIFA unter anderem Investitionen von mehr als 3,1 Millionen US-Dollar in Infrastruktur sowie weitere Mittel für Nationalmannschaften und Organisationsentwicklung aus.
Die Männer-Nationalmannschaft von Anguilla trägt ihre internationalen Heimspiele im Raymond E. Guishard Stadium in The Valley aus. Das Stadion ist zugleich ein bedeutender Austragungsort des nationalen Fußballs. Bei einem Spiel der Concacaf Nations League gegen Dominica im Juni 2022 wurde dort erstmals ein Punkt für Anguilla in diesem Wettbewerb gewonnen; die Begegnung endete 0:0.
Neben dem Stadion ist das Raymond E. Guishard Technical Centre ein wichtiges Zentrum für die weitere Entwicklung des Fußballs. Dort werden Trainings und Wettbewerbe der Vereins- und Nationalmannschaften sowie Juniorenspiele durchgeführt. FIFA-Forward-Mittel wurden unter anderem für die Verbesserung der Spielflächen und der Infrastruktur eingesetzt. FIFA weist derzeit sechs Fußballplätze und ein technisches Zentrum als geförderte Infrastruktur auf.
Der Vereinsfußball besitzt auf Anguilla eine eigenständige lokale Struktur. Die nationale Männerliga wird von der AFA organisiert. Zu den bekannten Vereinen gehören unter anderem die Roaring Lions, Kicks United und Doc's United. Die Roaring Lions gehörten in den 2000er- und 2010er-Jahren zu den erfolgreichsten Mannschaften der lokalen Meisterschaft und gewannen bis 2020 acht Meistertitel seit Beginn des 21. Jahrhunderts.
Die Anguillan League beziehungsweise AFA Senior Male League bildet den zentralen nationalen Wettbewerb im Männerfußball. Die Vereinsmannschaften spielen während der Saison um die nationale Meisterschaft. Daneben werden Wettbewerbe für Frauen und verschiedene Altersklassen ausgetragen. Die AFA organisiert damit inzwischen ein vollständiges nationales Wettbewerbssystem, das vom Nachwuchsbereich über den Vereinsfußball bis zu den Nationalmannschaften reicht.
Auch der Frauenfußball wurde in den vergangenen Jahren stärker aufgebaut. Die AFA unterhält eine Frauen-Nationalmannschaft und veranstaltet nationale Wettbewerbe für Frauen und Mädchen. Concacaf nennt die Entwicklung des Frauenfußballs ausdrücklich als Bestandteil der aktuellen Arbeit des Verbandes. Zusätzlich werden Nachwuchsspielerinnen über Jugendprogramme und Talentförderung an den organisierten Fußball herangeführt.
Der Nachwuchsfußball nimmt insgesamt einen wichtigen Platz ein. Schulmannschaften und sogenannte House Teams ergänzen die Vereinswettbewerbe. Concacaf berichtet von verschiedenen Schulmannschaften, die in lokalen Wettbewerben gegeneinander antreten. Das technische Zentrum der AFA wird außerdem für Junioren- und Juniorinnenspiele sowie für Talentförderprogramme genutzt.
Die zunehmende Verbreitung des Fußballs zeigt sich auch an der Zuschauerbeteiligung. FIFA berichtete, dass Spiele des lokalen Fußballs regelmäßig zahlreiche Zuschauer aus verschiedenen Gemeinden der Insel anziehen. Beim Meisterschaftsfinale 2020 waren 1.100 Zuschauer im Raymond E. Guishard Stadium anwesend, damals die erste ausverkaufte lokale Finalveranstaltung.
International nimmt Anguilla an den Qualifikationswettbewerben zur FIFA-Weltmeisterschaft und an den Concacaf Nations-League-Wettbewerben teil. Aufgrund der geringen Bevölkerungszahl ist der Spielerpool klein, weshalb die AFA neben dem Erwachsenenfußball besonders auf Jugendförderung, Trainerausbildung, technische Infrastruktur und regelmäßige nationale Wettbewerbe setzt. FIFA bezeichnet die Organisation nationaler Männer-, Frauen- und Jugendwettbewerbe trotz der begrenzten personellen und geografischen Möglichkeiten ausdrücklich als Bestandteil der aktuellen Verbandsarbeit.
Der Fußball besitzt damit auf Anguilla heute eine deutlich stärker ausgebaute Organisationsstruktur als in den ersten Jahrzehnten seiner Verbreitung. Neben der AFA als nationalem Verband bestehen Vereins-, Schul-, Frauen- und Jugendwettbewerbe sowie eine internationale Einbindung über FIFA und Concacaf. Gleichzeitig bleiben Bootsrennen, Cricket und Rugby historisch wichtige Bestandteile der Sportkultur Anguillas.
Die Landesmeister seit 2010 waren:
- ALHCS Spartan
- Attackers (The Valley North)
- Diamond
- Doc‘s United FC
- Eagle Claw
- FC Strikers
- Kicks United FC (The Valley)
- Lymers
- Roaring Lions FC (Stoney Ground)
- Salsa Ballers FC (George Hill)
- Spartans International FC (The Valley)
- Sunset Homes Attackers FC (The Valley-North)
- Uprising FC
- West End Predators
Bisherige Meister waren:
- 1997/98 : Spartans International (The Valley)
- 1998/99 . Attackers FC (The Valley-North)
- 1999/00 : wegen des Hurricanes Lenny nicht abgehalten
- 2000/01 : Roaring Lions FC (Stoney Ground)
- 2001/02 : Roaring Lions FC (Stoney Ground)
- 2002/03 : Roaring Lions FC (Stoney Ground)
- 2004 : Spartans International (The Valley)
- 2005/06 : Roaring Lions FC (Stoney Ground)
- 2006/07 : Kicks United FC (The Valley)
- 2007/08 : Attackers FC (The Valley-North)
- 2008/09 : Attackers FC (The Valley-North)
- 2009/10 : Roaring Lions FC (Stoney Ground)
- 2010/11 : Kicks United FC (The Valley)
- 2011/12 : Kicks United FC (The Valley)
- 2012/13 : Attackers FC (The Valley-North)
- 2013/14 : Roaring Lions FC (Stoney Ground)
- 2014/15: Kicks United FC (The Valley)
- 2015/16 : Salsa Ballers (George Hill)
- 2016/17 : Roaring Lions (Stoney Ground)
- 2018 : Kicks United (The Valley)
- 2019 : Kicks United (The Valley)
- 2020 : Roaring Lions (Stoney Ground)
- 2021 : Roaring Lions (Stoney Ground)
- 2022 : Roaring Lions (Stoney Ground)
- 2023 : Doc’s United FC (Stoney Ground)
- 2024 : Doc’s United FC (Stoney Ground)
| Klub | Ortschaft | Titel | letzter Titel |
| Roaring Lions FC | Stoney Ground | 10 | 2022 |
| Kicks United FC | The Valley | 6 | 2019 |
| Attackers FC | The Valley-North | 4 | 2013 |
| Doc’s United | Stoney Ground | 2 | 2024 |
| Spartans International | The Valley | 2 | 2004 |
| Salsa Ballers | George Hill | 1 | 2016 |
Die Fußball-Nationalmannschaft aus Anguilla wurde zur Weltmeisterschaft 2006 nach Bad Neustadt in Deutschland eingeladen, obwohl sie sich nicht für die Endrunde qualifiziert hatte. Sie wurde als Zeichen der Gastfreundschaft innerhalb der FIFA-Familie eingeladen, da sie nach dem Stand der offiziellen FIFA-Weltrangliste zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaft die schlechteste Mannschaft war.
Die Gesamtübersicht bis 2024 sieht wie folgt aus:
| Team | Sp | S | U | N | T+ | T- | GD | Gewinnquote |
| Antigua and Barbuda | 4 | 0 | 0 | 4 | 3 | 22 | −19 | 0,00 |
| Bahamas | 3 | 0 | 1 | 2 | 3 | 6 | −3 | 0,00 |
| Barbados | 2 | 0 | 0 | 2 | 1 | 8 | −7 | 0,00 |
| Belize | 2 | 0 | 0 | 2 | 0 | 2 | −2 | 0,00 |
| Bonaire | 2 | 0 | 0 | 2 | 0 | 5 | −5 | 0,00 |
| British Virgin Islands | 11 | 4 | 0 | 7 | 13 | 26 | −13 | 36,36 |
| Cayman Islands | 1 | 0 | 0 | 1 | 1 | 4 | −3 | 0,00 |
| Dominica | 4 | 0 | 2 | 2 | 1 | 9 | −8 | 0,00 |
| Dominikanische Republik | 6 | 0 | 1 | 5 | 0 | 28 | −28 | 0,00 |
| El Salvador | 2 | 0 | 0 | 2 | 0 | 16 | −16 | 0,00 |
| Französisch Guyana | 2 | 0 | 0 | 2 | 1 | 9 | −8 | 0,00 |
| Grenada | 1 | 0 | 0 | 1 | 1 | 14 | −13 | 0,00 |
| Guadeloupe | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 9 | −9 | 0,00 |
| Guatemala | 2 | 0 | 0 | 2 | 0 | 15 | −15 | 0,00 |
| Guyana | 2 | 0 | 0 | 2 | 0 | 21 | −21 | 0,00 |
| Kuba | 2 | 0 | 0 | 2 | 0 | 8 | −8 | 0,00 |
| Martinique | 1 | 0 | 0 | 1 | 1 | 3 | −2 | 0,00 |
| Montserrat | 4 | 1 | 1 | 2 | 7 | 6 | +1 | 25,00 |
| Nicaragua | 3 | 0 | 0 | 3 | 0 | 14 | −14 | 0,00 |
| Panama | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 13 | −13 | 0,00 |
| Puerto Rico | 5 | 0 | 0 | 5 | 3 | 21 | −18 | 0,00 |
| Saint Kitts and Nevis | 3 | 0 | 0 | 3 | 1 | 16 | −15 | 0,00 |
| Saint Lucia | 3 | 0 | 0 | 3 | 1 | 10 | −9 | 0,00 |
| Saint Martin | 13 | 3 | 1 | 9 | 13 | 36 | −23 | 23,08 |
| Sint Maarten | 6 | 0 | 2 | 4 | 2 | 11 | −9 | 0,00 |
| Saint Vincent and the Grenadines | 3 | 0 | 0 | 3 | 1 | 9 | −8 | 0,00 |
| Suriname | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 4 | −4 | 0,00 |
| Turks and Caicos Islands | 4 | 1 | 2 | 1 | 4 | 3 | +1 | 25,00 |
| Trinidad and Tobago | 2 | 0 | 0 | 2 | 0 | 25 | −25 | 0,00 |
| U.S. Virgin Islands | 3 | 0 | 2 | 1 | 0 | 3 | −3 | 0,00 |
| insgesamt | 99 | 9 | 12 | 78 | 57 | 376 | −319 | 9,09 |
Während zunächst der Männerfußball im Mittelpunkt stand, begann sich der Frauenfußball in den frühen 2000er Jahren zu entwickeln. 2003 kamen die ersten registrierten Spielerinnen, 2006 wurde die Liga auf fünf Mannschaften erweitert. Die Frauen-Nationalmannschaft und die nationale Liga wurden in diesem Zeitraum gegründet, mit inoffiziellen internationalen Spielen und den ersten Ligaspieltagen im Jahr 2003. Eine vollwertige Liga und voll anerkannte internationale Spiele folgten 2004. In diesem Zeitraum wurden auch nationale Jugendspiele ausgetragen. Abgesehen von einer Unterbrechung der internationalen Spiele aufgrund des Chikungunya-Virus werden beide heute noch ausgetragen.
2012 wurde Raymond Guishard, der Präsident des Fußballverbands von Anguilla, von der FIFA für 45 Tage von allen fußballbezogenen Aktivitäten ausgeschlossen. Grund dafür war seine Verwicklung in den Korruptionsskandal beim Karibischen Fußballverband im Jahr zuvor. Gleichzeitig kam es zu Streitigkeiten zwischen dem AFA und mehreren Vereinen über Jugendförderprogramme und die Anwerbung von Spielern im Ausland. Infolgedessen erklärte Guishard der AFA seine Suspendierung nicht, und die Vereine erhielten auch keine Informationen über die Finanzberichte der AFA für die letzten Jahre. Sie wussten nicht, dass die AFA zwischen 2000 und 2010 mehr als 3,5 Mio. USD an FIFA-Geldern erhalten hatte und dennoch nur 17 Länderspiele bestritt, was sie zu einer der inaktivsten Mannschaften der Welt machte.
Im Jahr 2015 trug Anguilla schließlich sein erstes komplettes Länderspiel auf der Insel aus, obwohl man mehr als fünf Jahre zuvor mit internationalen Zuschüssen ein Stadion im Wert von 700.000 USD gebaut hatte.
Rugby
Rugby ist auf Anguilla eine kleine, aber seit den 2000er-Jahren organisierte Sportart. Es handelt sich überwiegend um Rugby Union. Die Verbreitung des Sports steht im Zusammenhang mit der britischen Kolonialgeschichte; die ersten Spieler und Impulse kamen aus dem britischen Umfeld. Wegen der geringen Bevölkerungszahl und der starken Stellung von Cricket, Bootsrennen und Fußball blieb Rugby jedoch zahlenmäßig eine Randsportart. Historische Quellen beschreiben Rugby Union auf Anguilla ausdrücklich als kleinen, sich entwickelnden Sport.
Das wichtigste Rugbyteam der Insel ist der Anguilla Eels Rugby Football Club (RFC). Der Verein wurde im April 2006 gegründet und übernahm damit eine zentrale Funktion beim Aufbau eines regelmäßigen Spielbetriebs. Bereits im November 2006 erreichten die Eels das Finale eines Rugbyturniers auf Sint Maarten. 2007 folgte eine Halbfinalteilnahme. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Verein zu einer festen Größe im regionalen Rugby der Kleinen Antillen; für 2010 wird ein Turniersieg der Eels überliefert.
Der Rugbyspielbetrieb auf Anguilla ist vor allem regional ausgerichtet. Wegen der kleinen Zahl aktiver Spieler und Mannschaften bestehen keine mit großen Rugbyländern vergleichbaren nationalen Ligastrukturen. Spiele und Turniere werden deshalb in Zusammenarbeit mit Mannschaften benachbarter karibischer Inseln ausgetragen. Besonders die Kontakte nach Sint Maarten und zu weiteren Inseln der Leeward Islands sind für den Spielbetrieb von Bedeutung.
Die internationale Verbandszugehörigkeit unterscheidet sich vom Fußball. Anguilla verfügt nicht über einen eigenständigen, von World Rugby anerkannten Mitgliedsverband. World Rugby führt Anguilla daher nicht als eigenständige Mitgliedsnation beziehungsweise Mitgliedsunion. Die heutige internationale Organisation von World Rugby umfasst die anerkannten Mitgliedsverbände und deren regionale Verbände; Anguilla erscheint in dieser Mitgliederstruktur nicht als eigenständiger Verband.
Historisch wurde die für Anguilla zuständige Rugbyorganisation außerdem nicht als eigenständiges Mitglied der damaligen North America West Indies Rugby Association (NAWIRA) oder des International Rugby Board (IRB) geführt. Der IRB ist inzwischen in World Rugby aufgegangen. Es bestanden jedoch Verbindungen zur englischen Rugby Football Union und damit zum britischen Rugbybereich. Die ältere Bezeichnung NAWIRA bezog sich auf die damalige regionale Rugbyorganisation; die heutige regionale Struktur in Nordamerika und der Karibik ist anders organisiert.
Neben Rugby Union besitzt insbesondere Rugby Sevens Bedeutung für kleinere karibische Gebiete, weil die Variante mit sieben Spielern pro Mannschaft geringere personelle Anforderungen stellt und bei regionalen Mehrsportveranstaltungen eingesetzt wird. Die organisatorische Entwicklung des Rugby auf Anguilla blieb allerdings wesentlich kleiner als jene des Fußballs, für den die Insel einen eigenen, FIFA- und Concacaf-anerkannten Verband besitzt.
Cricket
Die Cricket-Nationalmannschaft von Anguilla ist die repräsentative Kricketmannschaft des britischen Überseegebiets. Die Mannschaft nimmt an interregionalen Cricket-Wettbewerben in der Karibik teil, hat aber nur zweimal an den Stanford 20/20-Turnieren teilgenommen. Für die Zwecke des inländischen First-Class- und List-A-Criquets ist Anguilla Teil des Cricket-Teams der Leeward Islands. Der erste Anguillaner, der für die Westindischen Inseln Testcricket spielte, war Omari Banks im Jahr 2003.
Die ersten Spiele wurden im Rahmen der dreitägigen (aber nicht erstklassigen) Heineken Challenge Trophy (gesponsertes Turnier der Leeward-Inseln) ausgetragen, obwohl die Mannschaft anfangs nicht in vollem Umfang teilnahm und nur zwei Spiele pro Jahr in den Turnieren 1977, 1978 und 1979 bestritt. In den ersten Jahren musste die Mannschaft eine Reihe schwerer Niederlagen einstecken; der erste Sieg Anguillas in diesem Wettbewerb gelang 1980 gegen Montserrat.
Das Leeward Islands Criquet Team ist eine erstklassige Cricket-Mannschaft, die die Mitgliedsländer der Leeward Islands Criquet Association vertritt, die mit dem West Indies Criquet Board verbunden ist. Antigua und Barbuda, St. Kitts und Nevis, Anguilla, Montserrat, die Britischen Jungferninseln, die US-Jungferninseln und Sint Maarten (Niederlande) sind Mitglieder der Leeward Islands Criquet Association. Die Mannschaft nimmt nicht an internationalen Wettbewerben teil (obwohl Antigua und Barbuda 1998 an den Commonwealth Games teilnahm), sondern an interregionalen Wettbewerben in der Karibik, wie dem Regional Four Day Competition und dem Regional Super50. Das Team tritt im regionalen Cricket unter dem Franchise-Namen Leeward Islands Hurricanes an.
Die Leeward Islands haben insgesamt zehn nationale Titel gewonnen: vier im erstklassigen Cricket und sechs im eintägigen Cricket. Der letzte Titel wurde jedoch 1997/98 errungen, als man das Double gewann (obwohl man sich den Titel in der ersten Klasse mit Guyana teilte).
Persönlichkeiten
Die bekanntesten Anguillaner sind legendäre Künstler und Musiker Bankie Banx, die internationalen Cricketspieler Cardigan Connor, Jahmar Hamilton, Chaka Hodge und Omari Banks, die olympische Medaillengewinnerin (Weitsprung) Shara Proctor, der Top-Zyklist Hasani Hennis, der in Anguilla lebende britische Sprinter Zharnel Hughes und der anguillianische Spitzenkoch Kerth Gumbs, ein Star der Londoner Kochszene. Dazu kommen:
- Jeremiah Gumbs (1913 bis 1924), Tourismus-Unternehmer und Revolutionär
- Ronald Webster (1926 bis 2016), Politiker, mehrmals Chief Minister
- Emile Gumbs (1928 bis 2018), Politiker, mehrmals Chief Minister
Fremdenverkehr
Der Fremdenverkehr ist heute der wichtigste Bereich der anguillianischen Wirtschaft. Anguilla hat sich dabei auf einen vergleichsweise kleinen, überwiegend auf Individualreisende und länger verweilende Urlaubsgäste ausgerichteten Tourismus spezialisiert. Die amtliche Statistik unterscheidet zwischen Touristen mit Übernachtung und Excursionists, also Tagesbesuchern. Im Juni 2026 wurden 26.838 Besucherankünfte registriert, darunter 11.067 Touristen mit Übernachtung und 15.771 Tagesbesucher. Für 2025 weist die Statistik bis einschließlich Oktober bereits 90.477 Übernachtungsgäste aus.
Die touristische Entwicklung konzentriert sich räumlich besonders auf den Westen und Südwesten der Insel. West End gilt als wichtigstes Tourismusgebiet und umfasst mehrere größere Resortanlagen sowie zahlreiche Restaurants. Zu den bekannten Hotel- und Resortstandorten gehören Meads Bay, Maundays Bay, Barnes Bay, Long Bay, Rendezvous Bay und Cove Bay. Auch der Osten Anguillas hat sich zu einem eigenständigen touristischen Schwerpunkt entwickelt, insbesondere im Bereich von Shoal Bay East. Dort befinden sich unter anderem Resort- und Boutiqueanlagen sowie Villen und kleinere Unterkünfte. The Valley bildet dagegen vor allem das Verwaltungs- und Geschäftszentrum, besitzt aber ebenfalls Hotels, Pensionen und Villen.
Die Unterbringungsmöglichkeiten sind für die geringe Größe der Insel vergleichsweise vielfältig. Das offizielle Tourismusportal unterscheidet insbesondere zwischen Resorts, Boutique-Resorts, Villen und Ferienhäusern, Apartments, Cottages, Pensionen und kleineren Inns. Das Angebot reicht damit von großen, international ausgerichteten Resortanlagen bis zu individuell geführten Unterkünften und Selbstversorger-Apartments. Eine eigene Kategorie bilden die sogenannten „Charming Escapes“, zu denen ausgewählte Hotels, Villen und Inns gehören.
Zu den bekannten größeren Anlagen gehören das Four Seasons Resort and Residences Anguilla, das Aurora Anguilla Resort & Golf Club, Malliouhana, An Auberge Resort, Altamer und Cove Castles im Westen der Insel. Im Osten befinden sich unter anderem das Zemi Beach House sowie weitere kleinere Hotels und Villenanlagen. Die Entwicklung des West End als touristisches Zentrum reicht bis in die frühere Resortentwicklung der Insel zurück.
Eine zweite wichtige Unterkunftsform sind private Villen. Sie reichen von kleineren Ferienhäusern bis zu großen, vollständig ausgestatteten Anwesen mit mehreren Schlafzimmern, Swimmingpools und direktem Zugang zum Meer. Das offizielle Tourismusportal führt Villen ausdrücklich als eigenen Bereich des Unterkunftsangebots. Sie werden sowohl von Familien und Gruppen als auch von Paaren und Langzeitgästen genutzt.
Daneben bestehen Apartmentanlagen und Selbstversorgerunterkünfte. Diese Unterkünfte verfügen häufig über Küchen und sind dadurch stärker auf eigenständige Versorgung ausgerichtet. Sie bilden eine Alternative zu Hotels und Resorts und sind insbesondere bei längeren Aufenthalten von Bedeutung. Kleinere Cottages, Guesthouses und Inns ergänzen das Angebot.
Das touristische Angebot ist eng mit den Stränden und dem Wassersport verbunden. Das offizielle Tourismusportal nennt 33 Strände und führt Tauchen, Schnorcheln, Sportfischen, Segeln, Windsurfen, Kitesurfen, Stand-up-Paddling und Kajakfahren als wichtige Freizeitaktivitäten an. Hinzu kommen Golf, Tennis, Reiten, Vogelbeobachtung, Höhlenbesichtigungen, Rundfahrten sowie der Besuch historischer und kultureller Einrichtungen.
Zu den bedeutenden historischen Sehenswürdigkeiten gehört das Wallblake House in The Valley. Das restaurierte ehemalige Plantagenhaus wurde 1785 errichtet und gilt als das älteste erhaltene Plantagenhaus Anguillas. In seiner Umgebung befinden sich weitere historische Gebäude wie Ebenezer Methodist Church, Miss Marjorie's House und The Warden's Place. Damit bildet The Valley neben seiner Funktion als Verwaltungszentrum auch einen wichtigen Ausgangspunkt für kulturhistorische Rundgänge.
Weitere touristisch genutzte Ziele sind die Höhlen und Karsterscheinungen der Insel. Besonders bekannt ist Big Spring im Osten Anguillas, eine archäologische Fundstätte mit prähistorischen Felszeichnungen und Spuren der indigenen Besiedlung. Hinzu kommen die Salzpfannen bei Sandy Ground, die traditionellen Fischereihäfen, die Kunstgalerien sowie die historischen und kulturgeschichtlichen Sammlungen der Insel. Das Heritage Collection Museum in East End war bis zu seiner Schließung im Jahr 2024 eine wichtige Einrichtung für die Vermittlung dieser Geschichte.
Auch die vorgelagerten Inseln und Riffe werden touristisch genutzt. Ausflüge führen unter anderem nach Prickly Pear Cays, Sandy Island, Scrub Island und Dog Island. Schnorcheln, Tauchen, Sportfischen und Bootsausflüge verbinden dabei den Badetourismus mit der Meeres- und Küstenlandschaft Anguillas.
Die touristische Infrastruktur ist allerdings nicht auf Massentourismus mit großen Hotelkomplexen und einer sehr hohen Zahl von Übernachtungsgästen ausgerichtet. Die Zahl der Besucher ist im Verhältnis zu großen karibischen Reisezielen gering, wobei die Tagesbesucher einen beträchtlichen Anteil des Gesamtaufkommens ausmachen. Dies hängt auch mit der geografischen Lage zusammen: Ein großer Teil der Besucher erreicht Anguilla über die Fährverbindungen von Sint Maarten beziehungsweise Saint-Martin. Blowing Point ist der wichtigste Fährankunftspunkt; daneben werden Besucher über Road Bay und den Clayton J. Lloyd International Airport eingeführt.
Die Zusammensetzung der Herkunftsmärkte hat sich im Laufe der Zeit verändert. Die Vereinigten Staaten gehören traditionell zu den wichtigsten Herkunftsmärkten, daneben spielen andere karibische Staaten, Kanada, Großbritannien und weitere europäische Länder eine Rolle. Die in älteren Reiseführern genannten festen prozentualen Anteile von etwa 70 % US-Amerikanern, 15 % Besuchern aus anderen Antillenstaaten und 5 % Briten sind für die heutige Situation nicht als aktuelle Verteilung verwendbar. Die amtliche Statistik führt inzwischen detaillierte monatliche Herkunftsdaten und unterscheidet außerdem zwischen Aufenthalts- und Tagesgästen.
Die staatliche Tourismuspolitik ist auf eine kontrollierte touristische Entwicklung ausgerichtet. Die geringe Fläche und die begrenzte Infrastruktur setzen dem Wachstum von Hotels, Verkehr, Wasser- und Energieversorgung sowie Abfallentsorgung natürliche Grenzen. Die Unterkunftsentwicklung konzentriert sich deshalb auf kleinere Resorts, Villen, Boutiquehotels und Apartmentanlagen. Das offizielle Tourismusangebot umfasst ausdrücklich unterschiedliche Unterkunftskategorien und reicht von hochwertigen Resorts bis zu Apartments und Cottages.
Die frühere Beschreibung der Anguillianer als grundsätzlich „farbenblind“ beziehungsweise frei von Vorurteilen gegenüber weißen Besuchern ist als pauschale Charakterisierung der Bevölkerung nicht sachgerecht. Historisch ist die Gesellschaft Anguillas vielmehr durch afrikanische, britische und andere karibische Einflüsse geprägt. Im heutigen Tourismus spielen Englisch als Amtssprache, die überwiegend afrokaribische Bevölkerung, die britische politische Tradition und die enge wirtschaftliche Verbindung zu Nordamerika und den übrigen Karibikinseln gemeinsam eine Rolle. Eine allgemeine Aussage über die persönliche Einstellung der gesamten Bevölkerung gegenüber Besuchern lässt sich daraus nicht ableiten.
Auch die Aussage, Freizeitkleidung sei überall angemessen und Shorts seien lediglich in teuren Restaurants unerwünscht, ist keine allgemeingültige Regel. Die Kleidung richtet sich nach Anlass und Einrichtung. In Strandbereichen ist Badekleidung üblich, außerhalb des Strandes wird normale Freizeitkleidung getragen; Restaurants, Hotels und offizielle Veranstaltungen können eigene Kleidungsvorschriften haben.
Gästezahlen: Zimmer Gäste Dauergäste
1985 680 56 035 15 418
1986 690 64 498 16 692
1987 690 71 494 20 993
1988 702 69 482 28 207
1989 717 71 805 28 761
1990 751 90 506 31 181
1991 863 90 544 31 002
1992 920 93 180 32 076
1993 978 111 350 37 658
1994 978 125 780 43 705
1995 951 107 086 38 531
1996 866 86 239 37 498
1997 915 113 865 43 181
1998 1 045 113 798 43 874
1999 1 120 106 729 46 782
2000 1 067 81 838 43 789
2001 1 069 86 260 47 944
2002 1 037 111 118 43 759
2003 759 109 282 46 915
2004 756 120 788 53 789
2005 746 143 186 62 084
2006 167 245 72 762
2007 164 067 77 652
2008 127 862 68 284
2009 109 159 55 848
Ein- und Ausreise:
- Personaldokumente: Für touristische Einreisen bei einer Aufenthaltsdauer von bis zu 90 Tagen ist für deutsche und österreichische Staatsangehörige kein Visum erforderlich. Die Vorlage eines Weiter- oder Rückflugtickets ist mitunter erforderlich. Anforderungen einzelner Fluggesellschaften über mitzuführende Dokumente können in Einzelfällen von staatlichen Regelungen abweichen.
- Impfungen: Für die Einreise nach Anguilla sind keine bestimmten Impfungen vorgeschrieben, jedoch sollten die grundsätzlichen Impfungen, wie Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A und B hinsichtlich einer notwendigen Auffrischung überprüft werden. Wichtig sind ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor und ein wirkungsvolles Insektenschutzmittel. Für eine eventuell notwendig werdende medizinischen Versorgung, die anders ist als in Europa, sollte unbedingt vor Reiseantritt eine Auslandsreise-Krankenversicherung abgeschlossen werden, die einen Rücktransport im Notfall mit einschließt. Behandlungen müssen im Voraus bezahlt werden.
- Zollbestimmungen: Anguilla ist de iure EU-Gebiet.
- Reisen mit Kfz: Zur Benutzung von Mietwägen genügt ein in der EU gültiger Führerschein.
- Umgangsformen: Die Regierung ist bemüht, den ursprünglichen Charakter der Insel nicht durch übermäßigen Tourismus zu zerstören. Das gesellschaftliche Leben konzentriert sich vor allem auf die Urlaubsorte. Die Atmosphäre ist freundlich-entspannt. Freizeitkleidung ist überall angemessen, nur in teuren Restaurants sind Shorts tabu. Badebekleidung sollte man nur am Strand tragen. Britische und afrikanische Einflüsse ergeben eine reizvolle Mischung.
- Trinkgeld: Ein Bedienungsgeld von 15 % ist in allen Restaurantrechnungen enthalten. Hotels erheben eine Regierungssteuer von 8 % und weitere 10 % für Serviceleistungen.
- Reisezeit: Reisesaison auf Anguilla ist zwischen Dezember und Mai.
Literatur
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- Anguilla - Zauber der Karibik = https://zauberderkaribik.com/2018/06/09/anguilla/
- Urlaubsguru: Geheimtipp Anguilla = https://www.urlaubsguru.at/reisemagazin/geheimtipp-anguilla/
- Anguilla - Willkommen im Paradies = https://reisebuero-eurolloyd.de/magazin/hotelbesichtigung/27466_anguilla-willkommen-im-paradies/
- Anguilla verspricht Happiness = https://reisenexclusiv.com/anguilla-reise-erfahrung/
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- All Anguilla Beaches = https://www.youtube.com/watch?v=Ndbed-D7X0k
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Atlas
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- Anguilla, Topographie = http://www.vidiani.com/maps/maps_of_north_america/maps_of_anguilla/detailed_physica_and_road_map_of_anguilla.jpg
- Anguilla, Straßenkarte = http://www.vidiani.com/maps/maps_of_north_america/maps_of_anguilla/large_detailed_road_and_physical_map_of_anguilla.jpg
- Anguilla, detailliert = https://itmb.ca/pressrelease.php?map=anguilla
Reiseangebote
Anguilla klein aber fein = https://www.karibikreisen24.de/anguilla/anguilla-klein-und-fein.html
Austrian Travel Boutique = https://www.atb.travel/index.php?site=land&id=141
Karibikreisen = https://www.knecht-reisen.ch/karibik/anguilla
Flug- und Schiffsreise nach Anguilla = https://ivisitanguilla.com/de/anreise-nach-anguilla/Anguilla Top 10 = https://www.thetravel.com/what-to-do-in-anguilla/
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