Lanzarote: Unterschied zwischen den Versionen
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* japanisch: ランサローテ [Ransarōte] | * japanisch: ランサローテ [Ransarōte] | ||
* kambodschanisch: លាន់ហ្សារូត [Lānzārut] | * kambodschanisch: លាន់ហ្សារូត [Lānzārut] | ||
* kanaresisch: ಲಾಂಜರೋಟೆ [Lānjarōṭe] | |||
* kasachisch: Лансароте [Lanzarote] | * kasachisch: Лансароте [Lanzarote] | ||
* koreanisch: 란자로테 [Ranjatote] | * koreanisch: 란자로테 [Ranjatote] | ||
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* malayalam: ലാൻസറോട്ട് [Lānsaṟōṭṭ] | * malayalam: ലാൻസറോട്ട് [Lānsaṟōṭṭ] | ||
* maldivisch: ލާނޒާރޯޓް [Lānzārōt] | * maldivisch: ލާނޒާރޯޓް [Lānzārōt] | ||
* marathisch: लान्झारोटे [Lānjhāroṭe] | |||
* nepalesisch: लान्झारोटे [Lānjhāroṭe] | |||
* orissisch: ଲାନ୍ଜାରୋଟେ [Lānjāroṭe] | * orissisch: ଲାନ୍ଜାରୋଟେ [Lānjāroṭe] | ||
* pandschabisch: ਲਾਂਜ਼ਾਰੋਟੇ [Lānzāroṭe] | |||
* paschtunisch: لانزاروټې [Lānzāroṭe] | |||
* persisch: لانزاروت [Lānzārūt] | * persisch: لانزاروت [Lānzārūt] | ||
* russisch: Лансароте [Lanzarote] | * russisch: Лансароте [Lanzarote] | ||
* serbisch: Лансароте [Lanzarote] | * serbisch: Лансароте [Lanzarote] | ||
* | * singhalesisch: ලන්සහරෝටේ [Lansaharōṭē] | ||
* tamilisch: லான்ஜரோட்ட [Lānjaroṭṭa] | * tamilisch: லான்ஜரோட்ட [Lānjaroṭṭa] | ||
* thai: ลันซาโรเต [Lansa Roté] | * thai: ลันซาโรเต [Lansa Roté] | ||
* tibetisch: ལན་ཟ་རོ་ཏེ [Lan Za Ro Te] | |||
* ukrainisch: Лансароте [Lanzarote] | * ukrainisch: Лансароте [Lanzarote] | ||
* urdu: لانزاروٹ [Lānzārōṭ] | * urdu: لانزاروٹ [Lānzārōṭ] | ||
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* östlichster Punkt: 13°25'09" w.L. (Punta Prieta) bzw. 13°19’59“ w.L. (Roque del Este) | * östlichster Punkt: 13°25'09" w.L. (Punta Prieta) bzw. 13°19’59“ w.L. (Roque del Este) | ||
* westlichster Punkt: 13°53’31“ w.L. (Punta Ginés) | * westlichster Punkt: 13°53’31“ w.L. (Punta Ginés) | ||
'''Entfernungen:''' | '''Entfernungen:''' | ||
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'''Flächenaufteilung''' um 2000: | '''Flächenaufteilung''' um 2000: | ||
Ödland | * Ödland 624,69 km² (71,8 %) | ||
* Agrarland "30,27 km² [27,2 %) | |||
Agrarland | ** Wiesen und Weiden 170,99 km² | ||
** Äcker und Gärten 59,28 km² | |||
* Siedlungsland 8,10 km² (0,9 %) | |||
* Waldland 0,96 km² (0,1 %) | |||
Siedlungsland | |||
Waldland | |||
== '''Geologie''' == | == '''Geologie''' == | ||
Lanzarote ist eine Insel vulkanischen Ursprungs. Vor rund 36 Millionen Jahren begannen wiederholte unterseeische Vulkanausbrüche den Sockel der Insel zu bilden. Diese Eruptionen entstanden als Erscheinungen von Intraplattenvulkanismus durch Kontinentaldrift und Hotspot-Vulkanismus. Ausführlicheres dazu im Artikel Kanarische Inseln. Vor 15,5 Millionen Jahren wuchs Lanzarote über die Meeresoberfläche hinaus. Das Geodynamisches Labor Lanzarote erforscht die dazugehörigen terrestrischen, ozeanischen und atmosphärischen Phänomene. | Lanzarote ist eine Insel vulkanischen Ursprungs. Vor rund 36 Millionen Jahren begannen wiederholte unterseeische Vulkanausbrüche den Sockel der Insel zu bilden. Diese Eruptionen entstanden als Erscheinungen von Intraplattenvulkanismus durch Kontinentaldrift und Hotspot-Vulkanismus. Ausführlicheres dazu im Artikel Kanarische Inseln. Vor 15,5 Millionen Jahren wuchs Lanzarote über die Meeresoberfläche hinaus. Das Geodynamisches Labor Lanzarote erforscht die dazugehörigen terrestrischen, ozeanischen und atmosphärischen Phänomene. | ||
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* Phase 4: Hier wird unterschieden: Die erste Eruptionsphase ließ vor gut 3.000 Jahren im Nordosten Lanzarotes das 30 Quadratkilometer große Malpaís de la Corona und damit auch die bekannte Cueva de los Verdes entstehen. Die zweite Eruptionsphase ereignete sich von 1730 bis 1736 und 1824, wobei über 23 Prozent der Fläche Lanzarotes mit etwa 3 bis 5 km³ neuer Lava aus etwa 30 neuen Vulkankratern bedeckt wurden. Diese Größenordnung ist hinsichtlich Dauer, eruptierter Lavamengen und Zusammensetzung der Laven (unter anderem Olivin-Basalt) in historischer Zeit weltweit eine der bedeutendsten, höchstens noch vergleichbar mit den Eruptionen der Eldgjá (um 934) und der Laki-Krater (1783/84) in Island. Heute erstreckt sich auf einem Großteil dieses Gebietes der Timanfaya-Nationalpark. | * Phase 4: Hier wird unterschieden: Die erste Eruptionsphase ließ vor gut 3.000 Jahren im Nordosten Lanzarotes das 30 Quadratkilometer große Malpaís de la Corona und damit auch die bekannte Cueva de los Verdes entstehen. Die zweite Eruptionsphase ereignete sich von 1730 bis 1736 und 1824, wobei über 23 Prozent der Fläche Lanzarotes mit etwa 3 bis 5 km³ neuer Lava aus etwa 30 neuen Vulkankratern bedeckt wurden. Diese Größenordnung ist hinsichtlich Dauer, eruptierter Lavamengen und Zusammensetzung der Laven (unter anderem Olivin-Basalt) in historischer Zeit weltweit eine der bedeutendsten, höchstens noch vergleichbar mit den Eruptionen der Eldgjá (um 934) und der Laki-Krater (1783/84) in Island. Heute erstreckt sich auf einem Großteil dieses Gebietes der Timanfaya-Nationalpark. | ||
Die bisher letzten Vulkanausbrüche auf der Insel fanden im Jahre 1824 statt. Am 31. Juli begann der Ausbruch des ''Vulkan de Clérigo Duarte''. Über 14 Kilometer lang war die Eruptionsspalte. Bei ''Punte del Cochino'' wälzte sich eine sechs Kilometer lange Lavamasse ins Meer. Vorangegangen waren 10 Jahre lang zahlreiche Erdbeben mittlerer Stärke. Die Besonderheiten dieses Ausbruchs waren die Dünnflüssigkeit der Lava, und die enormen Säulen kochenden Salzwassers, die aus den Kratern herausschlugen und die Gegend überschwemmten. Der letzte der Lavaströme bedrohte das Dorf Mancha Blanca. In ihrer Not liehen sich die Bewohner von Mancha Blanca aus der Kirche in Tinajo die Statue der ''Virgen de los Dolores''. Damit zogen sie in einer Prozession der glühenden Lava entgegen. Das ''Wunder'' geschah: Kurz vor dem ersten Haus des Ortes erkaltete die Lava. Heute steht an dieser Stelle ein Holzkreuz. Noch heute wird dieser Tag regelmäßig mit einer Prozession gefeiert. | |||
== '''Landschaft''' == | |||
Die Landschaft der Insel Lanzarote gehört zu den außergewöhnlichsten Europas und ist fast vollständig durch vulkanische Prozesse geprägt. Gewaltige Lavafelder, erkaltete Vulkankegel, schroffe Küsten, ausgedehnte Ebenen und bizarre Felsformationen verleihen der Insel ihr unverwechselbares Erscheinungsbild. Gleichzeitig sorgen der geringe Niederschlag und die spärliche Vegetation dafür, dass die geologischen Strukturen nahezu unverdeckt sichtbar sind. Lanzarote gilt deshalb als eine der eindrucksvollsten Vulkanlandschaften der Erde. | |||
Die Insel erstreckt sich von der nördlichsten Landspitze, der Punta Fariones, bis zur südlichen Punta Pechiguera über eine Länge von rund 58 Kilometern. Ihre größte Ost-West-Ausdehnung beträgt etwa 34 Kilometer. Mit einer Fläche von 845,93 Quadratkilometern ist Lanzarote die viertgrößte Insel der Kanaren und umfasst rund 11,3 Prozent der Gesamtfläche des Archipels. Südlich der Insel liegt in einer Entfernung von etwa 11,5 Kilometern Fuerteventura. Im Norden trennt nur ein rund ein Kilometer breiter Meeresarm Lanzarote vom Chinijo-Archipel mit den Inseln La Graciosa, Montaña Clara, Alegranza, Roque del Oeste und Roque del Este. | |||
Die Küstenlinie besitzt eine Gesamtlänge von etwa 213 Kilometern. Davon entfallen lediglich rund zehn Kilometer auf Sandstrände und etwa 16,5 Kilometer auf Kiesstrände. Der weitaus größte Teil der Küste besteht aus steilen Lavaklippen, schroffen Felsbuchten und vulkanischen Steilküsten, die unmittelbar aus dem Atlantik aufragen. Besonders eindrucksvoll präsentieren sich die hohen Steilküsten im Norden, während im Süden und Osten zahlreiche kleinere Buchten und natürliche Strände das Landschaftsbild ergänzen. | |||
Das Relief der Insel wird von zwei größeren Gebirgszügen geprägt. Im Norden erhebt sich das Famara-Massiv, dessen höchster Gipfel, die Peñas del Chache, eine Höhe von 671 Metern erreicht und damit den höchsten Punkt der Insel bildet. Das Massiv endet nach Westen in den spektakulären Steilklippen des Risco de Famara, die mehrere hundert Meter nahezu senkrecht zum Atlantik abfallen und einen eindrucksvollen Blick auf La Graciosa ermöglichen. | |||
Im Süden befindet sich das deutlich ältere Gebirge der Los Ajaches, dessen höchste Erhebung 608 Meter erreicht. Dieses stark erodierte Vulkanmassiv gehört zu den ältesten geologischen Strukturen Lanzarotes und unterscheidet sich deutlich von den jüngeren Vulkanlandschaften im Inselinneren. Seine zerklüfteten Berghänge und tief eingeschnittenen Täler geben Einblicke in die frühe vulkanische Entwicklung der Insel. | |||
Zwischen dem Famara-Massiv und den Vulkangebieten des Südwestens erstreckt sich die weitläufige Sandebene von El Jable. Diese Landschaft besteht aus feinem, vom Wind verfrachtetem Muschel- und Kalksand, der sich über Jahrtausende angesammelt hat. El Jable bildet eine ungewöhnliche Übergangszone zwischen Gebirge und Lavafeldern und wird bis heute teilweise landwirtschaftlich genutzt. Gleichzeitig stellt die Sandlandschaft einen wichtigen Lebensraum für spezialisierte Pflanzen- und Tierarten dar. | |||
Den bekanntesten Landschaftsraum bildet jedoch das Gebiet der sogenannten Feuerberge, die Montañas del Fuego, im Timanfaya National Park. Hier ereigneten sich zwischen 1730 und 1736 die größten historisch dokumentierten Vulkanausbrüche der Kanarischen Inseln. Innerhalb von sechs Jahren entstanden zahlreiche neue Vulkankegel, ausgedehnte Lavafelder und Aschelandschaften. Etwa ein Viertel der Insel wurde von Lava und vulkanischer Asche überdeckt. Besonders schwer betroffen waren die damals fruchtbarsten landwirtschaftlichen Gebiete. Mehrere Dörfer und Gehöfte mit insgesamt etwa 420 Häusern verschwanden vollständig unter den Lavamassen. Weitere Eruptionen folgten im Jahr 1824 und veränderten einzelne Bereiche der Landschaft erneut. | |||
Heute präsentiert sich das Timanfaya-Gebiet als nahezu vegetationslose Vulkanlandschaft mit schwarzen und rötlichen Lavafeldern, Aschekegeln, erstarrten Lavaströmen und zahlreichen Kratern. Aufgrund der noch immer vorhandenen geothermischen Aktivität herrschen bereits wenige Meter unter der Erdoberfläche Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius, was den Nationalpark weltweit einzigartig macht. | |||
Abseits der großen Vulkanfelder wird Lanzarote von einer sanft gewellten Hügellandschaft geprägt, aus der zahlreiche markante Vulkankegel herausragen. Diese sogenannten Schlackenkegel entstanden während verschiedener Eruptionsphasen und verleihen der Insel ihr charakteristisches Relief. Viele dieser Vulkane sind heute vollständig erloschen und können bestiegen werden. Von ihren Gipfeln bieten sich weite Ausblicke über Lavafelder, Küsten und das umliegende Meer. | |||
Charakteristisch für Lanzarote sind außerdem die zahlreichen Lavahöhlen und Lavatunnel, die beim Abfließen glühender Lava entstanden. Zu den bekanntesten gehören die Höhlensysteme der Cueva de los Verdes sowie die Jameos del Agua, in denen eingestürzte Decken ehemaliger Lavatunnel eindrucksvolle unterirdische Landschaften geschaffen haben. | |||
Auch der Mensch hat das Landschaftsbild nachhaltig geprägt. Besonders in den Weinbaugebieten von La Geria wurden Tausende trichterförmige Vertiefungen in die vulkanische Ascheschicht gegraben, um Weinreben vor Wind zu schützen und die nächtliche Feuchtigkeit zu speichern. Diese einzigartige Kulturlandschaft gilt weltweit als Beispiel für die erfolgreiche Anpassung der Landwirtschaft an extreme Naturbedingungen. | |||
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* Montaña Ortiz 451 m | * Montaña Ortiz 451 m | ||
* Montaña de Guanapay 448 m | * Montaña de Guanapay 448 m | ||
'''See''' | '''See''' | ||
* Charco de los Clicos 0,03 km² | * Charco de los Clicos 0,03 km² | ||
'''Inseln''' | '''Inseln''' | ||
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=== '''Flora''' === | === '''Flora''' === | ||
Die Vegetation wird vor allem von Pflanzen bestimmt, die sich an extreme Trockenheit angepasst haben. Besonders verbreitet sind sukkulente Pflanzen, die Wasser in ihren Blättern oder Stängeln speichern können, Xerophyten, die durch kleine Blätter, Dornen oder dicke Wachsschichten Wasserverluste minimieren, sowie salztolerante Pflanzen, die auch in küstennahen Bereichen mit salzhaltigen Böden gedeihen können. Diese Anpassungen ermöglichen es der Vegetation, selbst lange Trockenperioden und intensive Sonneneinstrahlung zu überstehen. | |||
Nach vulkanischen Ausbrüchen beginnt die Wiederbesiedlung des jungen Lavagesteins zunächst mit Flechten. Diese niederen Pflanzen gehören zu den ersten Organismen, die auf den nährstoffarmen Lavaflächen wachsen können. Bis heute wurden auf Lanzarote etwa 180 verschiedene Flechtenarten nachgewiesen. Sie spielen eine entscheidende ökologische Rolle, da sie das Gestein langsam verwittern lassen und organisches Material bilden. Dadurch schaffen sie die Voraussetzungen für die sogenannte ökologische Sukzession, also die allmähliche Entwicklung einer immer vielfältigeren Pflanzengesellschaft. | |||
Sobald sich erste dünne Bodenschichten gebildet haben, folgen höhere Pflanzenarten. Besonders charakteristisch sind verschiedene Wolfsmilchgewächse der Gattung Euphorbia, die auf den Kanaren als Tabaiba bezeichnet werden. Diese Pflanzen gehören zu den auffälligsten Vertretern der trockenen Buschvegetation Lanzarotes. Sie besitzen wasserspeichernde Gewebe und sind hervorragend an die Trockenheit sowie den nährstoffarmen Vulkanboden angepasst. Gemeinsam mit anderen sukkulenten Sträuchern prägen sie weite Teile der Landschaft. | |||
Im feuchteren Norden der Insel ist die Pflanzenwelt deutlich artenreicher als im Süden. Durch die höheren Niederschläge und den häufig auftretenden Passatnebel können dort auch anspruchsvollere Pflanzen gedeihen. Besonders charakteristisch ist die Kanarische Dattelpalme, die zu den bekanntesten endemischen Baumarten der Kanaren zählt. Hinzu kommen verschiedene Farnarten, die vor allem in schattigen und feuchteren Bereichen wachsen. Ebenfalls vertreten ist die Kanarische Kiefer, deren Anpassungsfähigkeit sie zu einer der wichtigsten Baumarten des Archipels macht. Vereinzelt findet sich zudem der wilde Ölbaum (Olea europaea), der als Relikt früherer Vegetationsformen gilt. | |||
Ein besonders eindrucksvolles Naturschauspiel bietet sich nach den winterlichen Regenfällen. Vor allem im Februar und März erwacht die Vegetation im Norden der Insel zu neuem Leben. Zahlreiche einjährige Pflanzen keimen innerhalb weniger Wochen und verwandeln die ansonsten karge Vulkanlandschaft in ein farbenfrohes Blütenmeer. Diese kurze Blütezeit stellt einen wichtigen Abschnitt im Jahreszyklus vieler Pflanzenarten dar und bietet zugleich zahlreichen Insekten Nahrung. | |||
Historisch war die Vegetation Lanzarotes wesentlich vielfältiger. Wissenschaftliche Untersuchungen und historische Berichte gehen davon aus, dass die Hochflächen des Risco de Famara früher von ausgedehnten Lorbeerwäldern bedeckt waren. Diese feuchten Nebelwälder gehörten einst zu den charakteristischen Pflanzengesellschaften der Kanarischen Inseln. Durch Rodungen, Beweidung und klimatische Veränderungen verschwanden sie jedoch weitgehend. Heute existiert lediglich ein kleiner Rest dieses ursprünglichen Lorbeerwaldes an den höchsten Bereichen der Famara-Steilküste, wo die klimatischen Bedingungen weiterhin ausreichend Feuchtigkeit bieten. | |||
Auch die Landwirtschaft hat die Pflanzenwelt Lanzarotes nachhaltig geprägt. Besonders bekannt sind die Weinbaugebiete von La Geria, in denen Weinreben in trichterförmigen Vertiefungen der vulkanischen Lapillischichten wachsen. Die poröse Vulkanasche speichert die nächtliche Feuchtigkeit und schützt die Pflanzen gleichzeitig vor Verdunstung und Wind. Diese weltweit einzigartige Anbaumethode zeigt eindrucksvoll, wie sich die Landwirtschaft den extremen Umweltbedingungen der Insel angepasst hat. | |||
Die Flora der Insel besteht aus: | Die Flora der Insel besteht aus: | ||
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=== '''Fauna''' === | === '''Fauna''' === | ||
Die Tierwelt der Insel Lanzarote ist trotz der trockenen und kargen Landschaft erstaunlich vielfältig. Aufgrund der isolierten Lage im Atlantischen Ozean konnten sich zahlreiche Tierarten entwickeln, die an die besonderen Umweltbedingungen der Kanaren angepasst sind. Gleichzeitig ist die Fauna durch den Einfluss des Menschen geprägt, der im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Tierarten auf die Insel brachte. Während einige dieser eingeführten Arten heute zum alltäglichen Landschaftsbild gehören, existieren daneben mehrere endemische Tierarten, die ausschließlich auf Lanzarote oder den östlichen Kanarischen Inseln vorkommen. | |||
Die Vogelwelt umfasst | Die ursprüngliche Säugetierwelt der Insel war äußerst artenarm. Nach heutigem Kenntnisstand sind Fledermäuse die einzigen ursprünglich auf Lanzarote heimischen Säugetiere, da sie die Insel aus eigener Kraft über das Meer erreichen konnten. Alle anderen heute vorkommenden Säugetiere wurden vermutlich vom Menschen eingeführt. Dazu zählen Hausziegen, Schafe, Esel, Pferde, Katzen, Hunde, Kaninchen und Nagetiere, die im Zuge der Besiedlung oder späterer wirtschaftlicher Entwicklungen auf die Insel gelangten. | ||
Eine besondere Rolle spielen die Dromedare. Sie wurden im 19. Jahrhundert nach Lanzarote gebracht und erwiesen sich als ideale Arbeits- und Lasttiere, da sie hervorragend an das trockene Klima, die vulkanischen Böden und den Wassermangel angepasst sind. Vor allem in der Landwirtschaft wurden sie zum Pflügen der Felder in den Aschelandschaften der Weinbaugebiete sowie als Transporttiere eingesetzt. Heute haben sie ihre frühere wirtschaftliche Bedeutung weitgehend verloren und werden hauptsächlich im Tourismus genutzt. Besonders im Gebiet des Timanfaya National Park gehören Dromedarritte zu den bekanntesten touristischen Attraktionen der Insel. | |||
Von besonderem wissenschaftlichem Interesse ist die Kanaren-Spitzmaus (Crocidura canariensis). Diese kleine Insektenfresserart wurde 1985 zunächst auf der Nachbarinsel Fuerteventura entdeckt und 1987 als eigenständige Art beschrieben. Später konnte sie auch auf Lanzarote sowie auf mehreren vorgelagerten unbewohnten Inseln nachgewiesen werden. Die Kanaren-Spitzmaus gehört zu den wenigen ursprünglich auf den östlichen Kanaren vorkommenden Landsäugetieren und ist hervorragend an die trockenen Lebensräume angepasst. | |||
Die Vogelwelt Lanzarotes umfasst etwa 35 regelmäßig vorkommende Brutvogelarten sowie zahlreiche Zugvögel, die die Insel als Rastplatz nutzen. Aufgrund der offenen Landschaften und der ausgedehnten Küstengebiete finden viele spezialisierte Vogelarten geeignete Lebensräume. Besonders bekannt ist der seltene Eleonorenfalke, der auf den steilen Felsklippen und vorgelagerten Inseln brütet und zu den bemerkenswertesten Greifvögeln des Mittelmeer- und Atlantikraums zählt. Ebenfalls vertreten sind Wanderfalken, Fischadler sowie verschiedene Eulen-, Möwen-, Seeschwalben- und Watvogelarten. In den Salinen, Lagunen und Küstenbereichen lassen sich außerdem Reiher, Regenpfeifer und andere Wasservögel beobachten. Während der Zugzeiten nutzen zahlreiche europäische und afrikanische Vogelarten Lanzarote als Zwischenstation auf ihren Wanderungen. | |||
Die Reptilien stellen einen besonders charakteristischen Bestandteil der Insel fauna dar. Am häufigsten begegnet man der Ostkanareneidechse (Gallotia atlantica), einer endemischen Art der östlichen Kanaren. Sie kommt vor allem im Norden Lanzarotes vor, besiedelt jedoch auch weite Teile der Insel und ist hervorragend an die trockenen Vulkanlandschaften angepasst. Daneben leben verschiedene Geckos und kleinere Echsenarten, die sich tagsüber auf den sonnengewärmten Lavagesteinen beobachten lassen. Schlangen kommen auf Lanzarote natürlicherweise nicht vor. | |||
Auch die wirbellose Tierwelt weist zahlreiche Besonderheiten auf. Besonders bemerkenswert ist der kleine Albinokrebs Munidopsis polymorpha, der ausschließlich in der unterirdischen Lagune der Jameos del Agua lebt. Dieses blinde, weiß gefärbte Krebstier besitzt keine Pigmente und hat sich vollständig an das dunkle Höhlensystem angepasst. Verwandte Arten kommen normalerweise erst in Meerestiefen von mehreren tausend Metern vor. Wie diese Art in das unterirdische Lavahöhlensystem gelangte, ist bis heute wissenschaftlich nicht vollständig geklärt und zählt zu den faszinierendsten zoologischen Rätseln der Kanaren. | |||
Die Küstengewässer rund um Lanzarote beherbergen eine außerordentlich artenreiche Meeresfauna. In den klaren Gewässern leben zahlreiche Fischarten, Kraken, Sepien, Langusten, Muränen und Rochen. Darüber hinaus werden regelmäßig Meeresschildkröten beobachtet, darunter die Unechte Karettschildkröte. Auch Delfine und verschiedene Walarten durchqueren die Gewässer rund um die Insel, insbesondere Grindwale, Große Tümmler sowie gelegentlich Pottwale und Finnwale. | |||
== '''Naturschutz''' == | == '''Naturschutz''' == | ||
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* Plan Lanzarote Sostenible 2007 | * Plan Lanzarote Sostenible 2007 | ||
* Estrategia Lanzarote 2020 | * Estrategia Lanzarote 2020 | ||
Darüber hinaus können alle Informationen zu den verschiedenen Aspekten, Plänen und Projekten, die das Biosphärenreservat Lanzarote ausmachen, auf seiner eigenen Website eingesehen werden. Der Sitz des Biosphärenreservats Lanzarote befindet sich seit 2021 in der Casa de los Arroyo. Es handelt sich um ein Gebäude aus dem Jahr 1739, nur drei Jahre nach dem Vulkanausbruch von Timanfaya, der die Insel sechs Jahre lang verwüstete. Es ist jedoch nicht der einzige Ort, an dem das Büro untergebracht war, das im Laufe seiner drei Jahrzehnte in verschiedenen Gebäuden des Cabildo untergebracht war, bis 2007 durch einen Plenarbeschluss die Schaffung eines endgültigen Sitzes für das Reservat beschlossen wurde. | Darüber hinaus können alle Informationen zu den verschiedenen Aspekten, Plänen und Projekten, die das Biosphärenreservat Lanzarote ausmachen, auf seiner eigenen Website eingesehen werden. Der Sitz des Biosphärenreservats Lanzarote befindet sich seit 2021 in der Casa de los Arroyo. Es handelt sich um ein Gebäude aus dem Jahr 1739, nur drei Jahre nach dem Vulkanausbruch von Timanfaya, der die Insel sechs Jahre lang verwüstete. Es ist jedoch nicht der einzige Ort, an dem das Büro untergebracht war, das im Laufe seiner drei Jahrzehnte in verschiedenen Gebäuden des Cabildo untergebracht war, bis 2007 durch einen Plenarbeschluss die Schaffung eines endgültigen Sitzes für das Reservat beschlossen wurde. | ||
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* Los Janubios 1,6 km² | * Los Janubios 1,6 km² | ||
Der '''Nationalpark Timanfaya''' (spanisch ''Parque Nacional de Timanfaya'') auf der Kanareninsel Lanzarote wurde 1974 zum achten Nationalpark in Spanien erklärt. Er wird auch als ''Montañas del Fuego'' (Feuerberge) bezeichnet. Die etwa 845 km² große Insel Lanzarote ist zu drei Vierteln mit Lava bedeckt, ausgespien aus mindestens 300 Kratern von etwa 100 Vulkanen. Das Eruptivmaterial der sechs Jahre dauernden Ausbrüche vom 1. September 1730 bis 16. April 1736 bedeckt etwa 167 km² Lanzarotes. Der Timanfaya Nationalpark im Südwesten der Insel erstreckt sich über 51,07 km², von der Ortsgrenze Yaizas bis zum ''Montaña Timanfaya'', die Westgrenze bildet die Küstenlinie. Hier entstanden damals 32 Vulkankegel. Diese Ausbrüche im 18. Jahrhundert waren, nicht nur wegen der großen Menge des ausgespienen Materials, sondern auch wegen der langen Dauer, die bedeutendsten in der Geschichte des Vulkanismus. Zu den Ausbrüchen an Land kamen noch zahlreiche Seebeben. | |||
Der '''Nationalpark Timanfaya''' (spanisch ''Parque Nacional de Timanfaya'') auf der Kanareninsel Lanzarote wurde 1974 zum achten Nationalpark in Spanien erklärt. Er wird auch als ''Montañas del Fuego'' (Feuerberge) bezeichnet. | |||
Die etwa 845 km² große Insel Lanzarote ist zu drei Vierteln mit Lava bedeckt, ausgespien aus mindestens 300 Kratern von etwa 100 Vulkanen. Das Eruptivmaterial der sechs Jahre dauernden Ausbrüche vom 1. September 1730 bis 16. April 1736 bedeckt etwa 167 km² Lanzarotes. Der Timanfaya Nationalpark im Südwesten der Insel erstreckt sich über 51,07 km², von der Ortsgrenze Yaizas bis zum ''Montaña Timanfaya'', die Westgrenze bildet die Küstenlinie. Hier entstanden damals 32 Vulkankegel. Diese Ausbrüche im 18. Jahrhundert waren, nicht nur wegen der großen Menge des ausgespienen Materials, sondern auch wegen der langen Dauer, die bedeutendsten in der Geschichte des Vulkanismus. Zu den Ausbrüchen an Land kamen noch zahlreiche Seebeben. | |||
Die Einheimischen waren davon überzeugt, dass die ''Virgen de los Volcanes'' 1736 den Lavafluss am Montaña de Guiguan gestoppt und damit die umliegenden Dörfer verschont hätte. Sie versprachen daher, ihr eine Kapelle zu bauen. Erst im Jahre 1781 konnte die bettelarme Bevölkerung die kleine Kapelle Ermita de los Dolores in Mancha Blanca fertigstellen. Als das Gebiet bei den nächsten Vulkanausbrüchen im Jahre 1824 erneut verschont blieb, interpretierte man dies als Wiederholung des Wunders. Die Marienfigur, die zuvor in der Kirche in Tinajo untergebracht war, erhielt 1862 ihren endgültigen Standort in der Kapelle ''Ermita de los Dolores''. | Die Einheimischen waren davon überzeugt, dass die ''Virgen de los Volcanes'' 1736 den Lavafluss am Montaña de Guiguan gestoppt und damit die umliegenden Dörfer verschont hätte. Sie versprachen daher, ihr eine Kapelle zu bauen. Erst im Jahre 1781 konnte die bettelarme Bevölkerung die kleine Kapelle Ermita de los Dolores in Mancha Blanca fertigstellen. Als das Gebiet bei den nächsten Vulkanausbrüchen im Jahre 1824 erneut verschont blieb, interpretierte man dies als Wiederholung des Wunders. Die Marienfigur, die zuvor in der Kirche in Tinajo untergebracht war, erhielt 1862 ihren endgültigen Standort in der Kapelle ''Ermita de los Dolores''. | ||
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Angelockt sowohl durch wertvolle Rohstoffe wie Orseille (rote Färberflechte) als auch durch Sklaven, unternahm Jean de Béthencourt 1402 eine Expedition unter König Heinrich III. von Kastilien zu den Kanarischen Inseln. Er ging im Süden Lanzarotes (von den Guanchen noch ''Titeroygatra'' genannt), bei den Papagayo-Stränden an Land und konnte den einheimischen Inselkönig ''Guardafía'' davon überzeugen, mit ihm friedlich zusammenzuarbeiten, indem er ihm Schutz vor portugiesischen und spanischen Menschenhändlern anbot. Mit seiner Hilfe konnte er in der Rubicón-Ebene eine Festung bauen. Dies war aber eine Täuschung, da Béthencourt den Frieden nutzte, um die anderen Inseln zu erobern. Er stellte aber bald fest, dass seine Ausrüstung und die ihm zur Verfügung stehenden Soldaten nicht ausreichten, die Kontrolle über alle Inseln zu erlangen. Béthencourt begab sich somit zurück aufs Festland. Während seiner Abwesenheit nutzte Gadifer de la Salle die kleine vorgelagerte Insel Los Lobos als Stützpunkt. Hier führte ''Bertín de Berneval'' dann aber einen Aufstand und nahm Einheimische als Sklaven mit nach Spanien. ''Gadifer'' hatte nun kein Schiff mehr und verdurstete beinahe auf Lobos, während die Einheimischen mit dem Töten von Europäern begannen. Mit Hilfe des Guanchen ''Atchen'' wollte ''Gadifer'' seine Leute rächen. Atchen nahm den König ''Guardafía'' auf Lanzarote gefangen und wollte selbst an die Macht. ''Guardafía'' konnte jedoch fliehen und ließ ''Atchen'' lebendig verbrennen. Béthencourts mitgebrachte Geistliche tauften ''Guardafía'' und beeilten sich mit der Taufe vieler Guanchen, was diese zu Sklaven machte. Zu Béthencourts Rückkehr 1404 war Lanzarote unterworfen. So konnte man sich gut gerüstet der Eroberung der Nachbarinsel Fuerteventura widmen. Béthencourts weniger erfolgreicher Neffe ''Maciot de Béthencourt'' blieb als sein Stellvertreter auf Lanzarote. Er nahm sich die Tochter namens Teguise des bisherigen Herrschers ''Guardafia'' zur Lebensgefährtin, und benannte den damaligen Ort ''Acatife'' nach ihr. | Angelockt sowohl durch wertvolle Rohstoffe wie Orseille (rote Färberflechte) als auch durch Sklaven, unternahm Jean de Béthencourt 1402 eine Expedition unter König Heinrich III. von Kastilien zu den Kanarischen Inseln. Er ging im Süden Lanzarotes (von den Guanchen noch ''Titeroygatra'' genannt), bei den Papagayo-Stränden an Land und konnte den einheimischen Inselkönig ''Guardafía'' davon überzeugen, mit ihm friedlich zusammenzuarbeiten, indem er ihm Schutz vor portugiesischen und spanischen Menschenhändlern anbot. Mit seiner Hilfe konnte er in der Rubicón-Ebene eine Festung bauen. Dies war aber eine Täuschung, da Béthencourt den Frieden nutzte, um die anderen Inseln zu erobern. Er stellte aber bald fest, dass seine Ausrüstung und die ihm zur Verfügung stehenden Soldaten nicht ausreichten, die Kontrolle über alle Inseln zu erlangen. Béthencourt begab sich somit zurück aufs Festland. Während seiner Abwesenheit nutzte Gadifer de la Salle die kleine vorgelagerte Insel Los Lobos als Stützpunkt. Hier führte ''Bertín de Berneval'' dann aber einen Aufstand und nahm Einheimische als Sklaven mit nach Spanien. ''Gadifer'' hatte nun kein Schiff mehr und verdurstete beinahe auf Lobos, während die Einheimischen mit dem Töten von Europäern begannen. Mit Hilfe des Guanchen ''Atchen'' wollte ''Gadifer'' seine Leute rächen. Atchen nahm den König ''Guardafía'' auf Lanzarote gefangen und wollte selbst an die Macht. ''Guardafía'' konnte jedoch fliehen und ließ ''Atchen'' lebendig verbrennen. Béthencourts mitgebrachte Geistliche tauften ''Guardafía'' und beeilten sich mit der Taufe vieler Guanchen, was diese zu Sklaven machte. Zu Béthencourts Rückkehr 1404 war Lanzarote unterworfen. So konnte man sich gut gerüstet der Eroberung der Nachbarinsel Fuerteventura widmen. Béthencourts weniger erfolgreicher Neffe ''Maciot de Béthencourt'' blieb als sein Stellvertreter auf Lanzarote. Er nahm sich die Tochter namens Teguise des bisherigen Herrschers ''Guardafia'' zur Lebensgefährtin, und benannte den damaligen Ort ''Acatife'' nach ihr. | ||
Rubicón bei den Papagayo-Stränden wurde sogar erster Bischofssitz durch Benedikt XIII. Bischof ''Alfonso Sanlúcar de Barrameda'' zeigte ''Maciot de Béthencourt'' wegen seines tyrannischen Verhaltens bei der Spanischen Krone an (''siehe auch:'' Liste der Bischöfe der Kanarischen Inseln). Daraufhin übergab ''Enrique de Guzmán'', Graf von Niebla 1430 auf Befehl der Krone den Besitz der bisher eroberten Inseln an ''Guillén de las Casas''. 1435 übernahm ''Fernán Peraza'' durch Erbschaft diesen Besitz. Auf Druck von Béthencourt besetzten Portugiesen Lanzarote, wurden aber nach zwei Jahren von dort vertrieben. Auf Hernán Peraza folgte der Ehemann der ''Inés Peraza'', ''Diego Herrera'', der Lanzarote und Fuerteventura auf seine Kinder ''Sancho de Herrera'', ''María de Ayala'' und ''Constanza de Samiento'' verteilte. | Rubicón bei den Papagayo-Stränden wurde sogar erster Bischofssitz durch Benedikt XIII. Bischof ''Alfonso Sanlúcar de Barrameda'' zeigte ''Maciot de Béthencourt'' wegen seines tyrannischen Verhaltens bei der Spanischen Krone an (''siehe auch:'' Liste der Bischöfe der Kanarischen Inseln). Daraufhin übergab ''Enrique de Guzmán'', Graf von Niebla 1430 auf Befehl der Krone den Besitz der bisher eroberten Inseln an ''Guillén de las Casas''. 1435 übernahm ''Fernán Peraza'' durch Erbschaft diesen Besitz. Auf Druck von Béthencourt besetzten Portugiesen Lanzarote, wurden aber nach zwei Jahren von dort vertrieben. Auf Hernán Peraza folgte der Ehemann der ''Inés Peraza'', ''Diego Herrera'', der Lanzarote und Fuerteventura auf seine Kinder ''Sancho de Herrera'', ''María de Ayala'' und ''Constanza de Samiento'' verteilte. | ||
=== '''Feudalherrschaftszeit''' === | === '''Feudalherrschaftszeit''' === | ||
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Das nach der Eroberung auf Lanzarote und anderen Inseln des Archipels eingeführte Feudalsystem wurde 1811 abgeschafft, als die Feudalherrschaft in ganz Spanien endete. Außerdem wurden zu dieser Zeit die modernen Gemeinden, wie wir sie heute kennen, geschaffen, wodurch das bis dahin bestehende Konzept der Pfarrei verschwand. Andererseits waren das 19. und ein Großteil des 20. Jahrhunderts auf den Kanarischen Inseln geprägt von der Rivalität zwischen den Oligarchien der beiden bevölkerungsreichsten Inseln (Teneriffa und Gran Canaria), die um die Vorherrschaft über den Archipel stritten, der damals eine einzige Provinz mit der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife bildete. Der sogenannte Inselstreit wirkte sich schließlich auch auf die Politik Lanzarotes aus. Im 19. Jahrhundert kam es zu einer spürbaren Auswanderungswelle auf dem Seeweg nach Amerika, insbesondere nach Venezuela, wobei die Reisenden in einigen Fällen in den Calmas Chichas, den Windstillezonen dieses Teils des Atlantiks, tragische Ereignisse erlebten. Seit 1911 ist in allen Gemeinden Lanzarotes ein wachsendes Interesse an regionalen Angelegenheiten zu beobachten, zu einem Zeitpunkt, als Gran Canaria bereits auf die Teilung der Provinz gesetzt hatte. Zunächst hatten sich die Inselinstitutionen gegen die Teilung ausgesprochen, schlossen sich dann aber in gewisser Weise dieser Linie an, in der Hoffnung, dass die Dezentralisierung des Archipels Verbesserungen für die Insel mit sich bringen würde, und verteidigten Vorschläge, die später nicht umgesetzt wurden, wie beispielsweise den Inselwahlbezirk. Im Rahmen dieses Rechtsstreits wurde auch das Gesetz über die Inselräte von 1912 verabschiedet, mit dem die Inselinstitutionen, wie wir sie heute kennen, ins Leben gerufen wurden. | Das nach der Eroberung auf Lanzarote und anderen Inseln des Archipels eingeführte Feudalsystem wurde 1811 abgeschafft, als die Feudalherrschaft in ganz Spanien endete. Außerdem wurden zu dieser Zeit die modernen Gemeinden, wie wir sie heute kennen, geschaffen, wodurch das bis dahin bestehende Konzept der Pfarrei verschwand. Andererseits waren das 19. und ein Großteil des 20. Jahrhunderts auf den Kanarischen Inseln geprägt von der Rivalität zwischen den Oligarchien der beiden bevölkerungsreichsten Inseln (Teneriffa und Gran Canaria), die um die Vorherrschaft über den Archipel stritten, der damals eine einzige Provinz mit der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife bildete. Der sogenannte Inselstreit wirkte sich schließlich auch auf die Politik Lanzarotes aus. Im 19. Jahrhundert kam es zu einer spürbaren Auswanderungswelle auf dem Seeweg nach Amerika, insbesondere nach Venezuela, wobei die Reisenden in einigen Fällen in den Calmas Chichas, den Windstillezonen dieses Teils des Atlantiks, tragische Ereignisse erlebten. Seit 1911 ist in allen Gemeinden Lanzarotes ein wachsendes Interesse an regionalen Angelegenheiten zu beobachten, zu einem Zeitpunkt, als Gran Canaria bereits auf die Teilung der Provinz gesetzt hatte. Zunächst hatten sich die Inselinstitutionen gegen die Teilung ausgesprochen, schlossen sich dann aber in gewisser Weise dieser Linie an, in der Hoffnung, dass die Dezentralisierung des Archipels Verbesserungen für die Insel mit sich bringen würde, und verteidigten Vorschläge, die später nicht umgesetzt wurden, wie beispielsweise den Inselwahlbezirk. Im Rahmen dieses Rechtsstreits wurde auch das Gesetz über die Inselräte von 1912 verabschiedet, mit dem die Inselinstitutionen, wie wir sie heute kennen, ins Leben gerufen wurden. | ||
=== | === '''Weltkriegszeit''' === | ||
Beim Ausbruch des Erster Weltkrieg gehörten die Kanarischen Inseln bereits seit Jahrhunderten zu Spanien. Da Spanien während des gesamten Krieges neutral blieb, war Lanzarote nicht unmittelbar in militärische Auseinandersetzungen verwickelt. Die Neutralität bedeutete jedoch nicht, dass die Insel von den Folgen verschont blieb. Der internationale Seehandel ging deutlich zurück, da zahlreiche Schifffahrtsrouten durch die Kriegslage beeinträchtigt wurden. Für Lanzarote, dessen Wirtschaft auf Fischerei, Landwirtschaft und den Handel mit den anderen Kanarischen Inseln sowie dem spanischen Festland angewiesen war, führte dies zu Versorgungsengpässen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten. | |||
Besonders der Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse und der Import wichtiger Güter wurden erschwert. Lebensmittel, Kleidung, Werkzeuge und andere Waren des täglichen Bedarfs verteuerten sich. Gleichzeitig verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage vieler Familien, da die ohnehin trockene Insel nur begrenzte landwirtschaftliche Erträge erwirtschaftete. Auswanderung blieb deshalb auch während dieser Zeit für viele Einwohner eine wichtige Möglichkeit, den schwierigen Lebensbedingungen zu entkommen. | |||
In den 1920er- und frühen 1930er-Jahren erholte sich die Wirtschaft nur langsam. Lanzarote blieb weiterhin eine vergleichsweise arme Insel mit geringer Industrialisierung. Die Bevölkerung lebte überwiegend von Landwirtschaft, Fischerei und Viehzucht. Infrastruktur, Gesundheitsversorgung und Bildung entwickelten sich nur langsam weiter. | |||
Eine wesentlich größere Bedeutung als die beiden Weltkriege hatte für Lanzarote der Spanische Bürgerkrieg von 1936 bis 1939. Bereits kurz nach dem Militärputsch vom Juli 1936 gerieten die Kanarischen Inseln unter die Kontrolle der nationalistischen Truppen unter der Führung von Francisco Franco. Franco selbst hatte unmittelbar vor Beginn des Aufstands als Militärbefehlshaber auf den Kanarischen Inseln gedient und verließ von dort aus den Archipel, um den Militärputsch in Spanisch-Marokko einzuleiten. | |||
Auch auf Lanzarote übernahmen die Nationalisten rasch die Kontrolle. Größere militärische Kämpfe fanden auf der Insel nicht statt, da organisierter Widerstand kaum möglich war. Dennoch kam es wie auf anderen Kanarischen Inseln zu politischen Verhaftungen, Repressionen und der Unterdrückung tatsächlicher oder vermeintlicher Gegner des neuen Regimes. Republikanisch gesinnte Einwohner mussten mit Inhaftierungen, Berufsverboten oder anderen Sanktionen rechnen. Im Vergleich zu einigen größeren Inseln blieb das Ausmaß der Gewalt jedoch geringer. | |||
Nach dem Sieg Francos im Jahr 1939 begann die jahrzehntelange Diktatur. Kurz darauf brach der Zweiter Weltkrieg aus. Spanien blieb offiziell neutral und erklärte später lediglich den Status der „Nichtkriegführerschaft“, wodurch das Land nicht direkt an den Kampfhandlungen teilnahm. Auch Lanzarote wurde deshalb nie militärisch angegriffen. | |||
Dennoch gewann die strategische Lage der Kanarischen Inseln im Atlantik erheblich an Bedeutung. Sowohl die Alliierten als auch die Achsenmächte beobachteten den Archipel aufmerksam, da die Inseln nahe wichtiger Schifffahrtsrouten zwischen Europa, Afrika und Amerika lagen. Es existierten auf beiden Seiten Überlegungen für mögliche militärische Operationen oder eine Besetzung der Kanaren, falls Spanien in den Krieg eintreten sollte. Diese Pläne wurden jedoch niemals umgesetzt. | |||
Während des Zweiten Weltkriegs litt Lanzarote erneut unter wirtschaftlichen Problemen. Der internationale Handel wurde stark eingeschränkt, viele Schiffe mieden wegen der Gefahr deutscher U-Boote den Atlantik oder fuhren nur unter großen Sicherheitsvorkehrungen. Dadurch verschlechterte sich die Versorgung mit Lebensmitteln, Treibstoff und Industrieprodukten erheblich. Gleichzeitig führte die Wirtschaftspolitik des Franco-Regimes mit ihrer weitgehenden Autarkie zu zusätzlichen Engpässen. | |||
Die | Die Bevölkerung war deshalb gezwungen, sich weitgehend selbst zu versorgen. Landwirtschaft und Fischerei gewannen nochmals an Bedeutung, obwohl auch sie unter Materialmangel litten. Viele Familien betrieben kleine Gärten, hielten Ziegen oder Schafe und nutzten sämtliche verfügbaren Ressourcen, um den täglichen Bedarf zu decken. Armut und Unterernährung waren in den Kriegs- und Nachkriegsjahren weit verbreitet. | ||
Militärisch wurde die Insel vorsorglich gesichert. Küstenbeobachtung, kleinere Garnisonen und Verteidigungsmaßnahmen sollten eine mögliche Invasion verhindern. Größere Befestigungsanlagen oder umfangreiche militärische Infrastruktur entstanden auf Lanzarote jedoch nicht, da die Insel als weniger bedeutend galt als andere strategische Standorte des Archipels. | |||
Die | Die Jahre bis 1945 waren insgesamt von wirtschaftlicher Stagnation geprägt. Tourismus existierte praktisch noch nicht, moderne Verkehrsverbindungen fehlten weitgehend, und die Bevölkerung lebte unter einfachen Verhältnissen. Erst Jahrzehnte später begann sich Lanzarote wirtschaftlich zu modernisieren und sich schrittweise zu einem bedeutenden Touristenziel zu entwickeln. | ||
=== '''Moderne Zeit''' === | |||
Nach dem Ende des Zweiter Weltkrieg blieb Spanien unter Franco international weitgehend isoliert. Da das Land während des Krieges zwar offiziell neutral geblieben war, aber enge Beziehungen zu den Achsenmächten unterhalten hatte, war es zunächst diplomatisch und wirtschaftlich von vielen Staaten ausgeschlossen. Diese Isolation wirkte sich auch auf Lanzarote aus. Die Versorgung mit Lebensmitteln, Treibstoffen, Maschinen und Konsumgütern blieb schwierig, und die Wirtschaft entwickelte sich nur langsam. | |||
Die | Die Bevölkerung lebte überwiegend von der Landwirtschaft, der Fischerei und der Viehzucht. Angebaut wurden vor allem Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Hülsenfrüchte und Wein. Besonders charakteristisch blieb der Weinbau im Gebiet von La Geria, dessen außergewöhnliche Anbaumethode mit trichterförmigen Mulden in der Vulkanasche bereits seit dem 18. Jahrhundert praktiziert wurde. Daneben spielten Ziegenhaltung, Schafzucht und der Anbau von Feigen und Kakteen weiterhin eine wichtige Rolle für die Selbstversorgung. | ||
Die Fischerei war neben der Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig. Die Fischer fuhren überwiegend entlang der Küsten Lanzarotes oder bis zu den Gewässern vor der Westküste Afrikas. Moderne Fangmethoden standen allerdings nur in begrenztem Umfang zur Verfügung, sodass die Erträge relativ gering blieben. | |||
Die wirtschaftliche Situation war insgesamt schwierig. Viele Familien lebten unter einfachen Verhältnissen, Wohnungen waren häufig klein und bescheiden ausgestattet, und die technische Infrastruktur war nur schwach entwickelt. Elektrizität, fließendes Wasser und asphaltierte Straßen standen längst nicht überall zur Verfügung. Besonders in den abgelegenen Dörfern blieb das Leben stark von traditionellen Lebensweisen geprägt. | |||
Auch die medizinische Versorgung war begrenzt. Kleinere Gesundheitsstationen existierten zwar, doch für komplizierte Behandlungen mussten Patienten häufig auf andere Kanarische Inseln oder auf das spanische Festland reisen. Ähnlich verhielt es sich im Bildungswesen, das zwar schrittweise ausgebaut wurde, aber noch unter Lehrermangel und unzureichender Ausstattung litt. | |||
In den 1950er Jahren begann sich die internationale Stellung Spaniens allmählich zu verbessern. Mit dem Beginn des Kalten Krieges gewann das Land für die westlichen Staaten strategische Bedeutung. Internationale Abkommen führten zu einer schrittweisen wirtschaftlichen Öffnung, wodurch auch die Kanarischen Inseln zunehmend von Investitionen profitierten. | |||
Ein entscheidender Wendepunkt war der wirtschaftspolitische Kurswechsel Spaniens Ende der 1950er-Jahre. Mit dem sogenannten Stabilisierungsplan von 1959 leitete die Regierung eine vorsichtige Liberalisierung der Wirtschaft ein. Dies führte zu mehr Investitionen, einem verbesserten Außenhandel und einem langsam steigenden Lebensstandard. Auch Lanzarote profitierte von diesen Entwicklungen, wenn auch zunächst nur in begrenztem Umfang. | |||
Während dieser Zeit verbesserten sich nach und nach die Verkehrsverbindungen. Straßen wurden ausgebaut, Hafenanlagen modernisiert und der Flugverkehr entwickelte sich langsam weiter. Dadurch verringerte sich die jahrhundertelange Isolation der Insel. Gleichzeitig nahm der Kontakt zu den übrigen Kanarischen Inseln sowie zum spanischen Festland zu. | |||
Eine herausragende Persönlichkeit dieser Zeit war der aus Lanzarote stammende Künstler César Manrique. Nach Jahren im Ausland kehrte er Anfang der 1960er-Jahre regelmäßig auf seine Heimatinsel zurück und entwickelte erste Ideen, Natur, Architektur und Kunst miteinander zu verbinden. Obwohl seine größten Projekte erst nach 1966 verwirklicht wurden, begann er bereits in dieser Zeit, sich für den Schutz der einzigartigen Vulkanlandschaft und gegen unkontrollierte Bebauung einzusetzen. Seine Vorstellungen sollten die spätere Entwicklung Lanzarotes entscheidend prägen. | |||
Ab den frühen 1960er Jahren entdeckten zunehmend einzelne Reisende die landschaftlichen Besonderheiten der Insel. Noch handelte es sich überwiegend um Individualtouristen und Naturinteressierte. Hotels, Ferienanlagen und touristische Infrastruktur waren kaum vorhanden. Dennoch erkannte die Inselverwaltung allmählich das wirtschaftliche Potenzial des Tourismus. | |||
Im Jahr 1967 wurden die ersten beiden touristischen Einrichtungen an der Küste von Puerto del Carmen in Betrieb genommen: das Hotel Los Fariones und das Hotel San Antonio, denen ein Parador Nacional folgte, der zu einer Zeit nur einen einzigen Mieter hatte, einen Arzt, der auf der Insel tätig war. Diese beiden ersten Hotels wurden Zeugen der möglicherweise größten Veränderung, die Lanzarote in seiner Geschichte erlebt hat: Von einer unterentwickelten und durstigen Insel mit Bauern, Fischern und Einwanderern entwickelte sie sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Tourismusmacht, die jedes Jahr fast zwei Millionen Besucher anzieht und aufgrund der starken Einwanderung ein rasantes Bevölkerungswachstum verzeichnet. | |||
Um dieses touristische Wunder zu ermöglichen, musste die Insel zuvor das größte Hindernis überwinden, das seit Jahrhunderten die Entwicklung ihrer Bevölkerung beeinträchtigt hatte: den fast vollständigen Mangel an Trinkwasser. Das subdesertische Klima Lanzarotes hatte über Jahrhunderte hinweg unzählige Krisen, Hungersnöte und Massenauswanderungen verursacht. Um 1960 reichten die Arbeiten zur Kanalisierung von Wasser von Famara nach Arrecife und das zu Beginn des Jahrhunderts in der Inselhauptstadt geschaffene große Reservoir (La Mareta del Estado), das mit Wasser von anderen Inseln gefüllt wurde, kaum aus, um die Grundversorgung sicherzustellen. | |||
Die Lösung kam 1965, als auf Initiative der Brüder Díaz Rijo und mit Unterstützung aller Wirtschaftssektoren der Insel die erste Entsalzungsanlage der Kanarischen Inseln und ganz Spaniens auf Lanzarote installiert wurde. Diese Anlage, eine der ersten Entsalzungsanlagen weltweit, bot Lanzarote die Möglichkeit, neue Wirtschaftssektoren zu erschließen, die den Inselstaat aus seiner jahrhundertelangen Unterentwicklung herausführten. Bis in die 1970er Jahre stammte ein Großteil des auf der Insel verbrauchten Stroms aus Generatoren, die auf einem im Hafen von Arrecife vor Anker liegenden Schiff installiert waren, und es wurden mit Zement bedeckte vulkanische Hügel genutzt, um Regenwasser zu sammeln und in Zisternen zu speichern, bis es trinkbar war. In früheren Zeiten bezogen die Bewohner der Insel das Wasser, das sie zum Trinken benötigten, aus dem Ballastwasser der Schiffe, die in ihrem Hafen anlegten. | |||
1966 kehrte der aus Lanzarote stammende Künstler César Manrique von seinem Aufenthalt in New York zurück und ließ sich endgültig auf Lanzarote nieder. Manrique machte sich bald daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich die Insel zu einem touristischen Ziel entwickeln konnte, das ihre Landschaft und kulturelle Identität respektierte, und fand dabei die notwendige Unterstützung in der Person des damaligen Präsidenten des Cabildo, José Ramírez Cerdá. Das Tandem César Manrique und José Ramírez sowie das soziale Bewusstsein, das durch die Inselzeitung La Antena geweckt wurde, machten es möglich, Lanzarote innerhalb eines Jahrzehnts zu mehr als nur einem Reiseziel mit gutem Klima und schönen Stränden zu machen, wo die landwirtschaftliche Landschaft, die vulkanische Natur der Insel, die Eigenart der Inselbewohner, die Kunst und die traditionelle Architektur zusammenkamen, um eine echte Tourismusmarke zu schaffen. 1968 wurde der vom Künstler Jesús Soto hergerichtete, für Besucher zugängliche Teil der Höhle Cueva de los Verdes eröffnet. Im selben Jahr weihte Manrique die Skulptur Fecundidad (Fruchtbarkeit) oder Monumento al Campesino (Denkmal für den Bauern) im geografischen Zentrum der Insel ein, neben einem von der traditionellen Architektur inspirierten Hausmuseum. Auf dieses Werk folgten der Mirador del Río, das Besucherzentrum der Montañas del Fuego (Timanfaya), das Internationale Kunstmuseum Castillo de San José und die Gestaltung der Jameos del Agua. Auf diese Weise gelang es der Insel, als der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckte, sich mit einem Netz von Zentren auszustatten, in denen Kunst und Natur miteinander verschmolzen. All dies führte bei den Einwohnern Lanzarotes zu einem Umweltbewusstsein, das der Insel 1993 den Titel eines Biosphärenreservats der UNESCO einbrachte.Ein weiterer wichtiger Punkt in den letzten Jahrzehnten ist der rasche Niedergang des Fischereisektors, der Anfang der 1970er Jahre für die Wirtschaft der Insel von grundlegender Bedeutung war und heute nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Die Besetzung des spanischen Protektorats oder der spanischen Provinz Westsahara durch Marokko im Jahr 1975 bedeutete den Verlust der traditionellen Fischgründe, in denen die mächtige Fischereiflotte der Insel tätig war, ohne dass die Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Mauretanien den Verlust des Zugangs zur nördlichen Sahara-Bank ausreichend kompensieren konnte. So ist seit Mitte der 1970er Jahre ein allmählicher Rückgang der traditionellen Primärsektoren der Inselwirtschaft zu beobachten, der der Vorherrschaft des Tourismus und der damit verbundenen Aktivitäten (Bauwesen, Handel, Gastgewerbe undsoweiter) Platz macht. All diese Veränderungen fielen zeitlich mit den letzten Jahren der Franco-Diktatur und dem Prozess der Wiedererlangung der politischen Freiheiten zusammen, der nach dem Übergang zur Demokratie in Spanien einsetzte und einen Rahmen für Demokratie und Autonomie für die Kanarischen Inseln schuf. | |||
Trotz des Umweltbewusstseins der Inselbewohner machten sich seit Ende der 1980er Jahre auch auf Lanzarote einige Aspekte des in anderen Tourismusdestinationen eingeführten, entwicklungsorientierten und ökologisch nicht nachhaltigen Modells bemerkbar. Vor seinem Tod im Jahr 1992 hatte sich Manrique selbst an die Spitze der Proteste gegen den Massentourismus und die städtebaulichen Fehlentscheidungen gestellt und war zu einem Symbol für den Schutz des Territoriums und der Natur der Kanarischen Inseln geworden. | |||
Am 27. September 2002 erlebte Lanzarote die größte Volksdemonstration seiner Geschichte unter dem Motto „Nein zur Zerstörung der Insel”. Dennoch hat sich das touristische Wachstum in den letzten Jahren fortgesetzt, sodass die Zahl der Hotelbetten auf der Insel von 50.000 im Jahr 2001 auf über 72.000 im Jahr 2006 gestiegen ist. Dieses übermäßige Wachstum erfolgte trotz der wegweisenden städtebaulichen Vorschriften, die auf Lanzarote durch die aufeinanderfolgenden Inselraumordnungspläne (PIOT) und die für den Bau erlassenen Moratorien eingeführt wurden. Diese städtebaulichen Vorschriften wurden von einer Vielzahl neuer Hotelanlagen nicht eingehalten, deren Lizenzen von der Justiz aufgehoben wurden und sich derzeit in einer schwierigen rechtlichen Lage befinden, deren Zukunft noch ungewiss ist. | |||
Die auf den Tourismus und den Bausektor ausgerichtete Wirtschaft, deren Arbeitskräfte oft vom Festland stammen und sich nur vorübergehend auf der Insel aufhalten, hat dazu geführt, dass Lanzarote sich von einer Insel, von der Menschen auswanderten, zu einer Insel gewandelt hat, die eine enorme Einwanderung erlebt, wodurch sie einen spektakulären Bevölkerungsanstieg verzeichnet. Derzeit ist die Hälfte der Bevölkerung Lanzarotes außerhalb der Insel geboren, und ein Viertel der registrierten Einwohner sind Ausländer. Obwohl die Einwanderung aus Afrika auf dem Seeweg (das sogenannte Phänomen der „Pateras”) aufgrund der Bedingungen, unter denen sie stattfindet, in den Medien meist größere Beachtung findet, stammt der größte Teil der Bevölkerung hingegen aus Europa. | |||
Lanzarote hat in den letzten Jahrzehnten die größte sozioökonomische Entwicklung seiner Geschichte erlebt hat und seine Randlage endgültig hinter sich gelassen hat. Aus diesem Grund steht die Insel derzeit vor einigen der wichtigsten Herausforderungen, denen sich moderne Gesellschaften unserer Zeit gegenübersehen, wie beispielsweise der Notwendigkeit, wirtschaftliche Entwicklung und Nachhaltigkeit ihrer natürlichen Umwelt in Einklang zu bringen, die Integration ihrer Einwandererbevölkerung und die Bewahrung einer eigenen kulturellen Identität durch die Wiederbelebung des Primärsektors, der weiterhin als Anziehungspunkt für die starke Tourismusindustrie dient, sowie die Diversifizierung ihrer Wirtschaft. | |||
Die Coronazeit auf Lanzarote war geprägt von scharfen Maßnahmen, staatlichen Eingriffen und schrittweisen Lockerungen. Im März 2020 wurde eine nationale Ausgangssperre in Spanien verhängt, die auch für Lanzarote galt. Während der strengsten Phase durften sich Menschen nur zu bestimmten Zeiten und aus triftigen Gründen im Freien bewegen. Viele Geschäfte und Hotels mussten schließen, der Flugverkehr wurde eingestellt, und touristische Einreisen waren nicht mehr erlaubt. Ab Mai 2020 begann ein vierstufiger Plan zur Lockerung der Maßnahmen, der schrittweise Öffnungen von Geschäften, Restaurants, Hotels und Freizeitaktivitäten erlaubte. Ab dem 21. Mai 2020 wurde eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit eingeführt, und es gab klare Abstandsregelungen. Lanzarote lag häufig in höheren Alarmstufen mit Beschränkungen wie reduzierten Öffnungszeiten, Einschränkungen bei Versammlungen und Nacht-Ausgangssperren (zwischen 23 und 6 Uhr). Restaurants durften zeitweise nur mit reduzierter Kapazität und nur im Außenbereich Gäste bewirten. Viele Veranstaltungen und Märkte wurden abgesagt oder stark eingeschränkt. Besonders im Winter 2020/21 waren die Maßnahmen streng, um die Ansteckungen einzudämmen. | |||
Ab Anfang 2022 wurden die Maßnahmen nach und nach aufgehoben. Seit dem 26. März 2022 gelten auf Lanzarote keine Corona-bedingten Kapazitätsbeschränkungen oder Kontaktlimite mehr. Die Quarantänepflicht für Einreisende entfiel, und die Kanaren wurden vom Robert-Koch-Institut nicht mehr als Risikogebiet eingestuft. Massenveranstaltungen sind wieder erlaubt, und es gibt keine Beschränkungen mehr für Treffen. Dies markierte die Rückkehr zur „Neuen Normalität“ auf Lanzarote. | |||
Die Corona-Maßnahmen haben Lanzarote wirtschaftlich hart getroffen, da der Tourismus der Hauptwirtschaftsfaktor der Insel ist. Viele Hotels waren längere Zeit geschlossen oder nur beschränkt geöffnet. Die wiederholten Schließungen und Öffnungsschwankungen erschwerten die Planung für Betriebe erheblich. Der Tourismus erholte sich erst im Laufe des Jahres 2023 wieder spürbar. | |||
=== '''Verwaltung''' === | |||
Lanzarote ist seit 1927 selbstverwaltete Isla (Insel) der Provincia Las Palmas de Gran Canaria (Provinz Las Palmas), die seit 1983 Teil der Region Autonoma de los Canares (Autonome Region der Kanarischen Inseln) des Königreichs Spanien (Reino de España) ist. | |||
'''Herrschaftsgeschichte''' | |||
* um -600 bis 1402 eigenständige Häuptlingstümer („Königreiche“) der Mahos | |||
* 1402 bis 1479 Königreich Kastilien und León (''Reino de Castilla y León'') | |||
* 1479 bis 1485 Königreich Spanien (''Reino de España'') | |||
* 1485 bis 15. Juli 1825 Herrschaft Lanzarote (''Señorío de Lanzarote'') des Königreichs Spanien (''Reino de España'') | |||
* 15. Juli 1825 bis 17. März 1852 Provinz Kanarische Inseln (''Provincia des Islas Canarias'') des Königreichs Spanien (''Reino de España'') | |||
* 17. März 1852 bis 3. März 1854 Provinz Östliche Kanaren (''Provincia des Canarias Orientales'') des Königreichs Spanien (''Reino de España'') | |||
* 3. März 1854 bis 23. November 1927 Provinz Kanarische Inseln (''Provincia des Islas Canarias'') des Königreichs Spanien (''Reino de España'') | |||
* 23. September 1927 bis 16. August 1982 Provinz Las Palmas (''Provincia des Las Palmas'') des Königreichs Spanien (''Reino de España'') | |||
* seit 16. August 1982 Inselgemeinschaft Lanzarote (''Comunidad Insular de Lanzarote'') innerhalb der Provinz Las Palmas (''Provincia de Las Palmas'') der Autonomen Gemeinschaft Kanarische Inseln (''Comunidad Autónoma de Canarias'') des Königreichs Spanien (''Reino de España'') | |||
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=== ''' | === '''Legislative und Exekutive''' === | ||
Der '''Cabildo Insular de Lanzarote''' ist die Inselregierung von Lanzarote und fungiert als oberstes Regierungs-, Verwaltungs- und Repräsentationsorgan der Insel. Es ist eine Institution der Autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln und nimmt die Aufgaben wahr, die auf der Ebene der einzelnen Gemeinden nicht gelöst werden können, weil sie die gesamte Insel betreffen und individuelle Lösungen erfordern. | |||
Der Cabildo Insular de Lanzarote ist für vielfältige Bereiche zuständig, darunter Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft, Fischerei, Beschäftigung, Wohnungswesen, Straßenbau, Umweltschutz, Raumplanung, Trinkwasserversorgung, Soziales, Bildung, Kultur und Sport. Es ist somit für die Entwicklung und Umsetzung von politischen Maßnahmen zuständig, die dem Wohlergehen der gesamten Insel dienen und lokale Besonderheiten berücksichtigen. | |||
Der Cabildo wird direkt von der Inselbevölkerung in einer Listenwahl gewählt. Es besitzt verschiedene Gremien: | |||
* El Presidente/La Presidenta: Der oder die Vorsitzende des Cabildos repräsentiert die Institution öffentlich, bestimmt die politischen Richtlinien und leitet die Verwaltung. | |||
* El Pleno: Die Versammlung aller gewählten Abgeordneten, die gesetzgebende Körperschaft des Cabildos. | |||
* Las Comisiones del Pleno: Ausschüsse, die sich aus Vertretern der im Plenum vertretenen Parteien zusammensetzen und Beschlüsse vorbereiten. | |||
* El Consejo del Gobierno: Das Exekutivorgan, das aus Mitgliedern der Mehrheitspartei oder Koalition gebildet wird. Die einzelnen Mitglieder sind für bestimmte Aufgabenbereiche verantwortlich und der Präsident ist zugleich Vorsitzender des Rates. | |||
Aktuell besteht das Cabildo aus 23 Sitzen, die verschiedenen Parteien angehören. Präsident der Inselregierung ist seit Juni 2023 Oswaldo Betancort García von der Coalición Canaria (CC). Die Zusammensetzung spiegelt die politische Vielfalt und die lokalen Wählerpräferenzen wider. | |||
=== | === '''Inseloberhaupt''' === | ||
Höchster Repräsentant der Insel ist der Präsident der Inselregierung. | |||
Lanzarote | '''Señores de Lanzarote''' (Herrscher von Lanzarote) | ||
* 1485 - nach 1533 Sancho de Herrera y Ayala | |||
* nach 1533 Constanza Sarmiento de Herrera [w] & Pedro Hernandez de Saavedra „el Mozo“ | |||
* 1567 - 1598 Agustín I de Herrera y Rojas (1537 - 1598) | |||
* 1598 Catalina Escobar [{w] (Regentin) | |||
* 1598 - 1631 Agustín II de Herrera y Rojas (1594 - 1631) | |||
* 1598 - 21 Nov 1621 Mariana Enríquez Manrique de la Vega [w] (Regentin) | |||
* 1631 - 1632 Agustín III de Herrera y Rojas (1625 - 1632) | |||
* 1632 - 24 Nov 1661 Luisa Bravo de Guzmán [w] († 1661) | |||
* 1661 Fulgencio Bravo de Guzmán († 1665) | |||
* 1661 - 1696 Juan Francisco, duque de Estrada (1644 - 1696) | |||
* 1696 - 170. Manuel, duque de Estrada (1680 - 170.) | |||
* 170. - 22 Sep 1718 Leonor de Estrada [w] (1705 - 1718) | |||
* 29 Nov 1729 - 1736 Martín Pedro de Castejón Belvís e Ibáñez, marqués de Velamazán (1663 - 1736) | |||
* 1736 - 1752 Martín Nicolas de Castejón e Ibáñez de Segovia, marqués de Velamazán (1690 - 1752) | |||
* 1752 - 24 Aug 1764 Martín Miguel de Castejón y Dávila, marqués de Velamazán (1728 - 1764) | |||
* 1764 - 1806 María del Pilar de Castejón y Silva [w] (1750 - 1806) - ''zusammen mit -'' | |||
* 1764 - 1765 Martín Pedro de Castejón y Silva (1690 - 1765) | |||
* 1806 - 1815 Ana María de Castejón y Dávila, Marquesa de Gramosa [w] (1731 - 1815) | |||
* 1815 - 15 Jul 1825 María Luisa de Silva González de Castejón, Condesa de Cifuentes [w] (1765 - 1825) & Juan Bautista María de Queralt (1786 - 1865) | |||
'''Presidentes del Cabildo de Lanzarote''' (Präsidenten des Inselrats von Lanzarote) | |||
* 16 Mar 1913 - 1 Jan 1916 Domingo Armas Martinón | |||
* 1 Jan 1916 - 3 Jan 1918 Rafael Ramírez Vega | |||
* 3 Jan 1918 - 1 Apr 1920 Francisco Hernández Arata | |||
* 1 Apr 1920 - 30 Jan 1924 Fernando Cerdeña Bethencourt | |||
* 30 Jan - 16 Apr 1924 Adolfo Topham Martinón | |||
* 1 Apr 1924 - 1 Feb 1926 Rafael Cabrera Martinón | |||
* 1 Feb 1926 - 6 Apr 1930 Carlos Sáenz Infante | |||
* 6 Apr 1930 - 15 Apr 1931 Fernando Cerdeña Bethencourt [2] | |||
* 15 - 16 Apr 1931 Casto Martínez González | |||
* 16 Apr - 4 Mai 1931 Tomás Lubary González | |||
* 4 Mai - 3 Okt 1931 Carlos Franquis Gil | |||
* José López Betancort: 3 Okt 1931 - 31 Aug 1933 | |||
* 31 Aug 1933 - 22 Apr 1935 Sebastián Velázquez Cabrera | |||
* 22 Apr 1935 - 7 Mar 1936 José Bethencourt González | |||
* 7 Mar - 1 Aug 1936 Félix Pérez Camacho | |||
* 1 - 3 Aug 1936 José Bethencourt González [2] | |||
* 3 Aug - 3 Dez 1936 Miguel Cabrera Martinón | |||
* 3 Dez 1936 - 30 Mar 1938 Manuel Arencibia Suárez | |||
* 30 Mar - 28 Sep 1938 Isidro López Socas | |||
* 28 Sep 1938 - 13 Okt 1949 Augusto Lorenzo Quintana | |||
* 13 Okt 1949 - 23 Apr 1951 José María de Paíz García | |||
* 23 Apr 1951 - 2 Aug 1953 Francisco Matallana Cabrera | |||
* 2 Aug 1953 - 23 Aug 1955 Bonifacio Villalobos Guerrero | |||
* 23 Aug 1955 - 8 Feb 1960 Esteban Armas García | |||
* 8 Feb 1960 - 20 Sep 1974 José Ramírez Cerdá | |||
* 20 Sep 1974 - 23 Apr 1977 Francisco Gómez Ruiz | |||
* 23 Apr 1977 - 10 Okt 1978 Agustín Acosta Cruz | |||
* 10 Okt 1978 - 19 Apr 1979 Nicolás de Páiz Pereyra | |||
* 19 Apr 1979 - 23 Mai 1983 Antonio Lorenzo Martín (UCD) | |||
* 23 Mai 1983 - 30 Jun 1987 Enrique Pérez Parrilla (PSOE) | |||
* 30 Jun 1987 - 21 Jun 1991 Nicolás de Páiz Pereyra [2] (CDS) | |||
* 21 Jun 1991 - 7 Aug 1993 Dimas Martín Martín (PIL) | |||
* 7 Aug 1993 - 21 Jun 1994 Sebastiana (Chana) Perera Brito (PIL) | |||
* 21 Jun 1994 - 23 Jun 1995 Enrique Pérez Parrilla [2] (PSOE) | |||
* 23 Jun 1995 - 6 Sep 1996 Juan Carlos Becerra Robayna (PIL) | |||
* 6 Sep 1996 - 10 Mar 1997 Pedro Manuel de Armas San Ginés (PIL) | |||
* 10 Mar 1997 - 21 Jun 2003 Enrique Pérez Parrilla [3] (PSOE) | |||
* 21 Jun 2003 - 14 Jul 2004 Dimas Martín Martín [2] (PIL) | |||
* 10 Jan - 26 Jul 2004 Mario Pérez Hernández [kommissarisch] (CC) | |||
* 26 Jul 2004 - 23 Feb 2005 María José Docal Serrano (PIL) | |||
* 18 - 23 Feb 2005 Plácida Guerra Cabrera [kommissarisch] (PIL) | |||
* 23 Feb - 20 Jun 2005 Francisco Domingo Cabrera García (PP) | |||
* 14 - 30 Jun 2005 María Dolores Luzardo de León [kommissarisch] (PP) | |||
* 30 Jun 2005 - 22 Jun 2007 Inés Nieves Rojas de León (CC) | |||
* 22 Jun 2007 - 17 Okt 2009 Manuela Armas Rodríguez (PSOE) | |||
* 17 Okt 2009 - 27 Jun 2019 Pedro San Ginés Gutiérrez (CC) | |||
* 27 Jun 2019 - 26 Jun 2023 Dolores Corujo [w] (PSOE) | |||
* seit 26 Jun 2023 Oswaldo Betancort García (CC) | |||
=== '''Politische Gruppierungen und Wahlen''' === | |||
Auf Lanzarote sind folgende Parteien aktiv: | |||
* '''Coalición Canaria''' (CC): Eine der stärksten Regionalparteien auf den Kanarischen Inseln, mit vielen Mitgliedern in wichtigen Ämtern auf Lanzarote. Sie vertritt konservative und regionalistische Positionen. | |||
* '''Partido Nacionalista de Lanzarote''' (PNL): Eine regionale Partei, die sich als progressiv und nationalistisch versteht. Sie setzt sich besonders für die Belange der Insel ein. | |||
* '''Partido de Independientes de Lanzarote''' (PIL): Gegründet mit dem Ziel größerer Autonomie bis hin zur Unabhängigkeit der Kanarischen Inseln, heute eher moderat ausgerichtet. | |||
* '''Partido Socialista Obrero Español''' (PSOE): Die sozialdemokratische Volkspartei Spaniens mit lokalen Vertretungen. | |||
* '''Partido Popular''' (PP): Die konservative Volkspartei Spaniens ist auf Lanzarote weniger stark vertreten, besitzt aber dennoch politischen Einfluss. | |||
* '''Isla Lanzarote / Isla Alternativa''' (ISAL): Eine jüngere Partei mit Fokus auf ökologische und alternative politische Ansätze. | |||
* '''Alternativa Democrática''' (AD): Eine weitere junge, grün-alternative Kraft auf Inselbasis. | |||
* '''PNL & Nueva Canarias''': Ein Zusammenschluss von regionalistischen und progressiven Kräften. | |||
* '''Partido Vecinal para el Progreso''' (PVP): Eine lokal tätige Partei in San Bartolomé mit Fokus auf Bürgernähe und Umweltschutz. | |||
Dazu kommen lokale Koalitionen und kleinere Gruppierungen, die regional begrenzt aktiv sind, etwa in Haría oder San Bartolomé. | |||
=== '''Justizsystem und Kriminalität''' === | |||
Das Justizsystem auf Lanzarote ist Teil des spanischen Rechtssystems und wird hauptsächlich durch die Gerichte in Arrecife, der Inselhauptstadt, repräsentiert. Die Insel verfügt über Einrichtungen für die Rechtsprechung und Verwaltung der Justiz. Zudem wurden auf den Kanarischen Inseln, einschließlich Lanzarote, moderne Technologien wie die biometrische Signatur in den Gerichten eingeführt, um die Effizienz im Justizwesen zu steigern, Bearbeitungszeiten zu verkürzen und den Zugang zu elektronischen Gerichtsakten zu verbessern. | |||
Die Gesamtkriminalität auf Lanzarote ist im ersten Quartal 2025 leicht um etwa 0,9% zurückgegangen. Dennoch gibt es einen besorgniserregenden Anstieg bei schweren Straftaten, insbesondere bei Gewaltdelikten. Die Zahl der vollendeten Tötungsdelikte auf den Kanarischen Inseln ist von 2 im ersten Quartal 2024 auf 10 im selben Zeitraum 2025 gestiegen, was einem Anstieg von 400% entspricht. Auch versuchte Tötungsdelikte haben deutlich zugenommen, ebenso wie Sexualdelikte mit Penetration, Raubüberfälle und Drogendelikte. Dieser Trend betrifft den gesamten Archipel, wobei Lanzarote insgesamt eine moderatere Zunahme schwerwiegender Verbrechen im Vergleich zu anderen Inseln aufweist. | |||
Lanzarote ist im spanischen Vergleich besonders durch Korruptionsfälle belastet. Zahlreiche lokale Politiker, Unternehmer sowie Mitarbeiter in öffentlichen Ämtern sind in Vorwürfe wie Amtsmissbrauch und Vetternwirtschaft verwickelt. Trotz intensiver Ermittlungen sind viele Fälle durch Prozessverschleppungen und andere Probleme in der Justiz nur teilweise oder unzureichend verfolgt worden. Dies schwächt das Vertrauen in das Justizsystem und stellt eine zusätzliche Herausforderung für die Rechtsstaatlichkeit auf der Insel dar. | |||
Für den Strafvollzug gibt es auf Lanzarote Einrichtungen, wo auch juristische Unterstützungsdienste bereitgestellt werden, um die Rechte der Insassen zu wahren und ihre Reintegration zu fördern. Diese Angebote werden auch von ehrenamtlichen Rechtsanwälten unterstützt, die sich für eine humane Behandlung und Rechtssicherheit einsetzen. | |||
=== '''Flagge und Wappen''' === | |||
Lanzarote hat keine offiziell eingeführte Flagge, stattdessen wird die Flagge der Haupstadt der Insel, Arrecife, benutzt. Aber das Ortswappen wurde durch das Inselwappen ersetzt. Die Flagge ist schräglinks geteilt in zwei rechtwinklige Dreiecke rot über blau mit dem Inselwappen in ihrer Mitte. | |||
In einem roten Feld sind übereinander angeordnet zwei goldene Schalen. Das Wappen hat einen durch eine dünne goldene umlaufende Linie vom Rest getrennten roten Schildrand mit zehn goldenen Schalen. Über dem Schild ist eine Markgrafenkrone. Bei der Erstellung des Wappens hieß es im entsprechenden Dekret über die Tingierung der Schalen, sie seien „von gold und silber geschacht“, es wurden jedoch stets goldene benutzt. Es ist eigentlich das Wappen der Familie Herrera, eine ihrer Seitenlinien hatte die Herrschaft über und später den Markgrafentitel von Lanzarote inne. Letzteres wird durch die Krone versinnbildlicht. Das Wappen wurde eingeführt durch Dekret 2217/64, vom 9. Juli 1964, veröffentlicht in vom 29.Juli 1964. | |||
=== '''Hauptstadt''' === | |||
Die ursprüngliche Hauptstadt der Insel Lanzarote war '''Teguise''' im Landesinneren. Die Verlegung der Hauptstadt von Teguise nach '''Arrecife''' erfolgte 1852 hauptsächlich aus wirtschaftlichen und sicherheitsbedingten Gründen, unter anderem nachdem Teguise von Seeräubern verwüstet wurde. Arrecife hat sich durch seine Hafenlage und den Handel mit Amerika ab dem späten 18. Jahrhundert zunehmend entwickelt und schließlich den Status einer Stadt 1798 und dann der Inselhauptstadt 1852 erhalten. Arrecife ist heute das kulturelle, politische und wirtschaftliche Zentrum von Lanzarote mit rund der Hälfte der Inselbevölkerung. Der Name Arrecife bedeutet auf Deutsch „Felsenriff“ und bezieht sich auf die schützenden vorgelagerten Riffe vor der Küste, die die Stadt vor Piratenangriffen schützten. | |||
Das heutige Regierungsgebäude stammt aus dem Jahr 1997 und wurde als Baudenkmal anerkannt. Ein älteres Gebäude aus dem Jahr 1929 wird für das digitale Archiv genutzt. Das Cabildo spielt eine zentrale Rolle für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Lanzarotes und ist in viele bedeutende Entscheidungen eingebunden. | |||
=== '''Verwaltungsgliederung''' === | |||
Lanzarote besteht aus sieben Gemeinden mit zwei Inseln. Für 2016 wurden fgolgende Daten angegeben: | |||
{| class="wikitable" | |||
|'''Municipio''' | |||
|'''Fläche (km²)''' | |||
|'''Einwohner''' | |||
|'''Dichte (E/km²)''' | |||
|- | |||
|Arrecife | |||
|22,72 | |||
|58.537 | |||
|2.579 | |||
|- | |||
|Haría | |||
|106,58 | |||
|4.767 | |||
|45 | |||
|- | |||
|San Bartolomé | |||
|40,89 | |||
|18.151 | |||
|444 | |||
|- | |||
|Teguise | |||
|263,98 | |||
|21.724 | |||
|82 | |||
|- | |||
|Tías | |||
|64,61 | |||
|20.037 | |||
|310 | |||
|- | |||
|Tinajo | |||
|135,28 | |||
|5.924 | |||
|44 | |||
|- | |||
|Yaiza | |||
|211,84 | |||
|15.944 | |||
|75 | |||
|- | |||
|'''Lanzarote''' | |||
|'''845,89''' | |||
|'''145.084''' | |||
|'''172''' | |||
|} | |||
'''Verwaltungseinheiten''': | |||
7 municipios (Gemeinden) | |||
69 entidades (lokale Körperschaften) | |||
2 islas (Inseln) | |||
== '''Bevölkerung''' == | |||
Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 845,93 km². | |||
'''Bevölkerungsentwicklung''': | |||
Jahr Einwohner Dichte (E/km²) | |||
1587 120 0,14 | |||
1742 7 210 8,52 | |||
1769 9 675 11,44 | |||
1787 12 784 15,11 | |||
1842 15 315 18,10 | |||
1860 15 837 18,72 | |||
1877 17 888 21,15 | |||
1887 16 769 19,82 | |||
1897 17 857 21,11 | |||
1900 17 556 20,75 | |||
1910 18 977 22,43 | |||
1920 20 723 24,50 | |||
1930 21 932 25,92 | |||
1940 27 476 32,48 | |||
1950 30 751 36,35 | |||
1960 34 818 41,16 | |||
1970 41 912 49,55 | |||
1975 44 357 54,98 | |||
1979 51 139 63,39 | |||
1981 50 721 62,87 | |||
1982 52 894 65,56 | |||
1983 54 938 68,09 | |||
1984 56 002 69,41 | |||
1985 56 660 70,23 | |||
1986 56 901 67,27 | |||
1987 59 634 70,50 | |||
1988 65 503 77,44 | |||
1989 69 560 82,23 | |||
1990 74 007 87,49 | |||
1991 64 911 76,74 | |||
1992 68 581 81,16 | |||
1993 72 755 86,01 | |||
1994 75 110 88,79 | |||
1995 76 413 90,33 | |||
1996 77 379 91,48 | |||
1997 80 500 99,78 | |||
1998 84 849 100,30 | |||
1999 90 375 106,84 | |||
2000 96 310 113,85 | |||
2001 103 044 121,81 | |||
2002 109 942 129,97 | |||
2003 114 715 135,61 | |||
2004 116 782 138,05 | |||
2005 123 039 145,45 | |||
2006 127 457 150,67 | |||
2007 132 366 156,47 | |||
2008 139 506 164,91 | |||
2009 141 938 167,79 | |||
2010 141 437 167,20 | |||
2011 142 517 168,47 | |||
2012 142 132 168,02 | |||
2013 141 953 167,81 | |||
2014 141 940 167,79 | |||
2015 143 209 169,29 | |||
2016 145 084 171,51 | |||
2017 147 023 173,80 | |||
2018 149 183 176,35 | |||
2019 152 289 180,03 | |||
2020 155 812 184,19 | |||
2021 156 269 184,72 | |||
2022 156 944 185,53 | |||
'''Volksgruppen''': | 2023 159 021 187,98 | ||
{| class="wikitable" | |||
|'''Nationalität''' | 2024 163 230 192,96 | ||
|'''2011''' | |||
|'''2024''' | |||
|- | Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 5,158 % pro Jahr. | ||
|Kolumbien | |||
|5.961 | |||
'''Bevölkerungsaufteilung''' 1991: | |||
* Bevölkerungszahl insgesamt 64 911 | |||
* männlich 33.035 (50,89 %) | |||
* weiblich 31.876 (49,11 %) | |||
* unter 15jährig 15.812 (24,36 %) | |||
* 15 bis 64 Jahre alt 44.359 (68,34 %) | |||
* über 64jährig 4.740 (7,30 %) | |||
* städtisch 37.022 (57,04 %) | |||
* ländlich 27.889 (42,96 %) | |||
* Lanzaroter 48.678 (74,99 %) | |||
* Kanaren 13.880 (21,38 %) | |||
* Ausländer 2.353 (3,63 %) | |||
=== '''Volksgruppen''' === | |||
Die Bevölkerung der Insel Lanzarote setzt sich aus einer langen historischen Entwicklung verschiedener Volksgruppen zusammen. Ihre ethnische Zusammensetzung wurde zunächst von den kanarischen Ureinwohnern geprägt, später von europäischen Siedlern und in der Neuzeit zunehmend durch Einwanderung aus zahlreichen Ländern Europas, Afrikas und Amerikas. Heute gehört Lanzarote zu den ethnisch vielfältigsten Inseln des Kanarischen Archipels, was vor allem auf den internationalen Tourismus und die starke Zuwanderung seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückzuführen ist. | |||
Die ersten bekannten Bewohner der Insel waren die kanarischen Ureinwohner, die auf Lanzarote als Majos oder Mahos bezeichnet werden. Sie gehörten zur Gruppe der altkanarischen Völker, deren Vorfahren vermutlich zwischen dem -1. und 1. Jahrtausend aus Nordafrika auf die Kanarischen Inseln gelangten. Die Majos lebten überwiegend von Viehzucht, Fischfang und einer einfachen Landwirtschaft. Sie errichteten Steinhäuser und Höhlensiedlungen und entwickelten eine eigenständige Kultur, die sich von den Ureinwohnern der übrigen Inseln unterschied. Jede Kanareninsel besaß ihre eigene Bezeichnung für die ursprüngliche Bevölkerung; so werden beispielsweise die Ureinwohner Teneriffas als Guanchen bezeichnet. | |||
Mit der kastilischen Eroberung Lanzarotes Anfang des 15. Jahrhunderts begann eine tiefgreifende Veränderung der Bevölkerungsstruktur. Ein Teil der Majos wurde in die neue Gesellschaft integriert, während viele durch Kriege, Krankheiten oder Versklavung ums Leben kamen. Gleichzeitig siedelten sich spanische Kolonisten, vor allem aus Kastilien und Andalusien, sowie portugiesische Familien auf der Insel an. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte entstand aus der Vermischung der Ureinwohner mit europäischen Einwanderern die heutige kanarische Bevölkerung. | |||
Genetische Untersuchungen zeigen, dass die heutige Bevölkerung Lanzarotes eine Mischung aus den altkanarischen Ureinwohnern, europäischen Siedlern und nordafrikanischen Einflüssen darstellt. Diese Vermischung entwickelte sich über viele Generationen hinweg und prägt bis heute die ethnische Identität der Insel. Kulturell dominieren jedoch die spanische Sprache sowie die kanarischen Traditionen, die europäische und altkanarische Elemente miteinander verbinden. | |||
Bis weit ins 20. Jahrhundert blieb die Bevölkerung überwiegend einheimisch. Erst mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und dem rasanten Ausbau des Tourismus seit den 1960er-Jahren setzte eine starke internationale Zuwanderung ein. Arbeitskräfte aus vielen Ländern ließen sich dauerhaft auf Lanzarote nieder und trugen wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Insel bei. | |||
Heute ist Lanzarote eine multikulturelle Gesellschaft. Die größte ausländische Bevölkerungsgruppe bilden britische Staatsangehörige, von denen viele dauerhaft auf der Insel leben oder dort einen Zweitwohnsitz besitzen. Es folgen größere Gemeinschaften aus Kolumbien, Deutschland, Italien, Marokko und Argentinien. Hinzu kommen Einwohner aus zahlreichen weiteren europäischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten. Diese Vielfalt spiegelt sich im Alltagsleben, in den Schulen, im Arbeitsmarkt und im kulturellen Angebot der Insel wider. | |||
Die Einwanderung wird vor allem durch den Tourismus, das milde Klima und die gute Lebensqualität begünstigt. Viele Zugewanderte arbeiten in Hotels, Restaurants, im Handel, im Gesundheitswesen oder im Baugewerbe. Andere sind Unternehmer, Freiberufler oder Rentner, die ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft nach Lanzarote verlegt haben. | |||
Die Kanarischen Inseln insgesamt weisen einen vergleichsweise hohen Anteil ausländischer Einwohner auf. Auf Lanzarote liegt dieser Anteil aufgrund der touristischen Entwicklung besonders hoch. Im Jahr 2024 besaßen rund 24 Prozent der Einwohner keine spanische Staatsangehörigkeit. Damit gehört Lanzarote zu den internationalsten Inseln Spaniens. Die Bevölkerung setzt sich heute aus Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen, die gemeinsam das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben prägen. | |||
Trotz dieser internationalen Vielfalt besitzt die kanarische Identität weiterhin einen hohen Stellenwert. Viele Einwohner verstehen sich sowohl als Spanier als auch als Kanarier und pflegen regionale Traditionen, Feste, Musik, Trachten und kulinarische Besonderheiten. Gleichzeitig haben Einwanderer zahlreiche kulturelle Einflüsse eingebracht, wodurch sich eine offene und vielfältige Gesellschaft entwickelt hat. | |||
'''Volksgruppen''': | |||
{| class="wikitable" | |||
|'''Nationalität''' | |||
|'''2011''' | |||
|'''2024''' | |||
|- | |||
|Kolumbien | |||
|5.961 | |||
|7.121 | |7.121 | ||
|- | |- | ||
| Zeile 1.083: | Zeile 1.153: | ||
|} | |} | ||
=== | ==== '''Majos''' ==== | ||
Die | Die Majos, auch Mahos genannt, waren die ursprünglichen Bewohner der Insel Lanzarote und gehören zu den altkanarischen Bevölkerungsgruppen, die vor der europäischen Eroberung auf den östlichen Kanarischen Inseln lebten. Ihre Kultur ist heute ausgestorben, aber ihre Spuren sind in der Archäologie, in Ortsnamen und in einigen kulturellen Traditionen der Insel noch erkennbar. | ||
Die Herkunft der Majos wird meist auf nordafrikanische Berbergruppen zurückgeführt, die vermutlich bereits im -1. Jahrtausend oder in den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende auf die Kanarischen Inseln gelangten. Über lange Zeit lebten sie relativ isoliert vom afrikanischen Festland, wodurch sich eine eigenständige Inselkultur entwickelte. Auf Lanzarote bildeten die Majos eine vergleichsweise kleine, aber stabile Gemeinschaft, die sich an die trockenen und kargen Umweltbedingungen der Insel anpasste. | |||
Die ursprüngliche Sprache der Ureinwohner | Die Lebensweise der Majos war stark von der natürlichen Umgebung geprägt. Sie betrieben einfache Landwirtschaft, hielten Ziegen, Schafe und Schweine und nutzten die wenigen verfügbaren Wasserquellen sehr effizient. Zusätzlich spielten Fischfang und das Sammeln von Wildpflanzen eine wichtige Rolle für die Ernährung. Aufgrund des trockenen Klimas entwickelten sie Techniken zur Wasserspeicherung und eine an die Umwelt angepasste Wirtschaftsweise. | ||
Archäologische Funde zeigen, dass die Majos in einfachen Steinhäusern sowie in Höhlen und unter Felsüberhängen lebten. Diese Wohnformen boten Schutz vor Hitze und Wind. Sie verwendeten lokale Materialien wie Stein, Knochen und Ton zur Herstellung von Werkzeugen, Keramik und Alltagsgegenständen. Auch Felsgravuren und andere prähistorische Spuren belegen ihre kulturelle Präsenz auf der Insel. | |||
Gesellschaftlich waren die Majos vermutlich in kleinere Gemeinschaften oder Stammesgruppen organisiert. Die soziale Struktur war relativ einfach, aber dennoch klar gegliedert. Hinweise deuten darauf hin, dass es lokale Führungsstrukturen gab, die über Weideflächen, Ressourcen und Gemeinschaftsfragen entschieden. | |||
Religiöse Vorstellungen der Majos sind nur teilweise bekannt. Es wird angenommen, dass sie naturbezogene Glaubensformen praktizierten, bei denen Berge, Steine, Wasserquellen und Himmelskörper eine wichtige Rolle spielten. Wie auf anderen Kanarischen Inseln könnten auch Ahnenkulte oder rituelle Praktiken Teil ihrer spirituellen Welt gewesen sein. | |||
Mit der kastilischen Eroberung Lanzarotes im frühen 15. Jahrhundert unter dem normannischen Adligen Jean de Béthencourt begann der Niedergang der Majo-Kultur. Ein Teil der Bevölkerung wurde in die neue koloniale Gesellschaft integriert, andere wurden durch Konflikte, Krankheiten oder Versklavung dezimiert. Innerhalb weniger Generationen ging die eigenständige Kultur weitgehend verloren. Trotz ihres Verschwindens leben die Majos im kulturellen Gedächtnis der Insel weiter. Viele Ortsnamen, Landschaftsbezeichnungen und archäologische Stätten erinnern an ihre Existenz. | |||
=== '''Sprachen''' === | |||
Neben dem offiziellen Spanisch spielt der kanarische Dialekt eine bedeutende Rolle im Alltag, während durch den Tourismus und die Zuwanderung zahlreiche weitere Sprachen auf der Insel vertreten sind. Die offizielle Amtssprache ist Spanisch (Kastilisch). Sie wird in der Verwaltung, im Bildungswesen, in den Gerichten, den Medien sowie im gesamten öffentlichen Leben verwendet. Sämtliche amtlichen Dokumente, Gesetze und offiziellen Veröffentlichungen erscheinen in spanischer Sprache. Auch der Schulunterricht erfolgt grundsätzlich auf Spanisch. | |||
Im täglichen Leben sprechen die meisten Einheimischen jedoch nicht das Standardspanisch des Festlands, sondern das kanarische Spanisch (Español canario). Dieser regionale Dialekt besitzt zahlreiche sprachliche Besonderheiten und unterscheidet sich sowohl in der Aussprache als auch im Wortschatz und teilweise in der Grammatik vom Spanisch Zentral- und Nordspaniens. Zudem gibt es zwischen den einzelnen Kanarischen Inseln sowie teilweise sogar zwischen verschiedenen Orten Lanzarotes kleinere dialektale Unterschiede. | |||
Das kanarische Spanisch weist auffallende Gemeinsamkeiten mit den spanischen Sprachformen Lateinamerikas auf, insbesondere mit dem Spanisch Kubas, Venezuelas und Puerto Ricos. Diese Ähnlichkeiten gehen auf die enge historische Verbindung zwischen den Kanarischen Inseln und Amerika zurück. Über mehrere Jahrhunderte wanderten zahlreiche Kanarier nach Lateinamerika aus, während gleichzeitig sprachliche Einflüsse in beide Richtungen wirkten. | |||
Charakteristisch für das kanarische Spanisch ist die Aussprache des Buchstabens „z“ sowie des „c“ vor „e“ und „i“, die – wie in den meisten Ländern Lateinamerikas – als „s“ ausgesprochen werden. Dieses Phänomen wird als ''Seseo'' bezeichnet. Ebenso typisch ist das Abschwächen oder vollständige Weglassen des Endungs-„s“, besonders in der Umgangssprache. Wörter werden dadurch häufig weicher ausgesprochen als auf dem spanischen Festland. Auch die Aussprache bestimmter Konsonanten ist insgesamt flüssiger und weniger hart. | |||
Im Wortschatz finden sich zahlreiche regionale Ausdrücke, die auf dem spanischen Festland teilweise unbekannt sind. Viele Begriffe stammen aus der Seefahrt, der Landwirtschaft oder aus der historischen Sprache der kanarischen Ureinwohner. Hinzu kommen Lehnwörter aus Portugal sowie aus dem Spanisch Lateinamerikas. Dadurch besitzt das kanarische Spanisch einen eigenständigen sprachlichen Charakter, der von den Bewohnern als wichtiger Bestandteil ihrer regionalen Identität angesehen wird. | |||
Die ursprüngliche Sprache der Ureinwohner Lanzarotes, der Majos oder Mahos, ist dagegen vollständig ausgestorben. Mit der kastilischen Eroberung der Insel im frühen 15. Jahrhundert verschwand sie allmählich und wurde durch das Spanische ersetzt. Heute lebt diese Sprache nur noch in einzelnen Ortsnamen, Landschaftsbezeichnungen und einigen wenigen Wörtern fort, deren Ursprung auf die altkanarischen Sprachen zurückgeht. Viele geographische Namen der Insel erinnern bis heute an dieses sprachliche Erbe. | |||
=== '''Religion''' === | === '''Religion''' === | ||
| Zeile 1.102: | Zeile 1.193: | ||
* Neo-paganistische Glaubensgemeinschaften, die versuchen, das spirituelle Erbe der Ureinwohner (Guanchen) wiederzubeleben. | * Neo-paganistische Glaubensgemeinschaften, die versuchen, das spirituelle Erbe der Ureinwohner (Guanchen) wiederzubeleben. | ||
Die kanarischen Ureinwohner hatten vor der spanischen Eroberung polytheistische Religionen mit Anbetung von Sonne, Mond und Naturgottheiten. Diese alten Glaubensvorstellungen gehen heute nur noch in Volksüberlieferungen und Festen verloren. | |||
==== '''Römisch-Katholische Kirche''' ==== | |||
Die römisch-katholische Kirche spielt auf der Insel Lanzarote eine historisch gewachsene und bis heute kulturell präsente Rolle, auch wenn die heutige Gesellschaft zunehmend säkularer und religiös vielfältiger geworden ist. Sie war über Jahrhunderte hinweg eng mit der politischen, sozialen und kulturellen Entwicklung der Insel verbunden und prägt weiterhin wichtige religiöse Feste, Traditionen und Teile des öffentlichen Lebens. | |||
Die Einführung des Christentums auf Lanzarote geht auf die kastilische Eroberung im frühen 15. Jahrhundert zurück. Mit der Eroberung der Insel wurden die altkanarischen Glaubensvorstellungen der Majos oder Mahos schrittweise durch den katholischen Glauben ersetzt. Missionierung und kirchliche Organisation spielten dabei eine zentrale Rolle bei der Integration der Insel in das spanische Herrschaftssystem. Die katholische Kirche wurde schnell zur dominierenden religiösen Institution und prägte das gesellschaftliche Leben nachhaltig. | |||
Die Insel gehört heute zur Diözese Diözese Canarias, die den gesamten kanarischen Archipel kirchlich verwaltet. Innerhalb dieser Struktur sind auf Lanzarote zahlreiche Pfarreien organisiert, die die religiöse Betreuung der Bevölkerung sicherstellen. Jede größere Gemeinde verfügt über eine eigene Pfarrkirche, die sowohl für den Gottesdienst als auch für soziale und kulturelle Aktivitäten genutzt wird. | |||
Das religiöse Zentrum der Insel befindet sich in der Hauptstadt Arrecife, wo sich die wichtigsten kirchlichen Einrichtungen befinden. Zu den bedeutendsten Kirchen zählt die Kirche San Ginés, die dem Schutzpatron der Stadt gewidmet ist. Sie ist ein wichtiges religiöses und kulturelles Wahrzeichen und spielt eine zentrale Rolle bei Prozessionen und Festtagen. | |||
Neben Arrecife besitzen auch andere Orte bedeutende Kirchen und Kapellen, darunter Teguise, die ehemalige Hauptstadt der Insel. Dort finden besonders während religiöser Feste große Prozessionen statt, die tief in der lokalen Tradition verwurzelt sind. Viele dieser Feiern verbinden katholische Rituale mit volkstümlichen Elementen, Musik und Tanz. | |||
Die | Die wichtigsten religiösen Feste auf Lanzarote sind die katholischen Feiertage wie Weihnachten, Ostern, Fronleichnam sowie die Patronatsfeste der einzelnen Gemeinden. Diese sogenannten „Fiestas patronales“ sind besonders bedeutend und werden in fast allen Orten der Insel mit Prozessionen, Musik, traditionellen Tänzen, religiösen Zeremonien und gemeinschaftlichen Feiern begangen. Sie verbinden religiöse Praxis mit sozialem Zusammenhalt und kultureller Identität. | ||
Ein besonderes Merkmal der religiösen Kultur auf Lanzarote ist die enge Verbindung zwischen Kirche und lokaler Gemeinschaft. Viele Feste haben sowohl religiösen als auch gesellschaftlichen Charakter und dienen nicht nur der Glaubensausübung, sondern auch der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Dabei spielen Musik, traditionelle Kleidung und gemeinsames Essen eine wichtige Rolle. | |||
In den letzten Jahrzehnten hat sich die religiöse Landschaft jedoch verändert. Durch zunehmende Säkularisierung, Bildung und internationale Einflüsse nimmt die regelmäßige Kirchenbindung vieler Einwohner ab. Gleichzeitig ist die Kirche weiterhin bei wichtigen Lebensereignissen wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen stark präsent. Auch der Tourismus hat die religiöse Kultur beeinflusst. Kirchen werden zunehmend auch als kulturelle Sehenswürdigkeiten wahrgenommen, insbesondere historische Gebäude in Orten wie Teguise oder Yaiza. Besucher interessieren sich dabei sowohl für die Architektur als auch für die religiöse Geschichte der Insel. | |||
''' | ==== '''Islam''' ==== | ||
Die ersten islamischen Einflüsse auf den gesamten kanarischen Raum reichen allerdings indirekt weiter zurück. Vor der europäischen Eroberung hatten die Kanarischen Inseln Kontakte zu nordafrikanischen Berberkulturen, die teilweise islamisch geprägt waren. Die ursprünglichen Bewohner Lanzarotes, die Majos oder Mahos, standen vermutlich in kultureller Verbindung zu nordafrikanischen Bevölkerungsgruppen. Mit der Eroberung durch Kastilien und der anschließenden Christianisierung verschwanden diese Einflüsse jedoch weitgehend aus dem religiösen Leben der Insel. | |||
Die heutige muslimische Gemeinschaft auf Lanzarote ist überwiegend das Ergebnis von Zuwanderung aus Nordafrika, insbesondere aus Marokko, sowie aus weiteren Ländern wie Senegal, Gambia, Pakistan oder Bangladesch. Viele Zugewanderte kamen im Zuge der Arbeitsmigration seit den 1990er-Jahren auf die Insel, vor allem im Zusammenhang mit dem wachsenden Tourismussektor, dem Baugewerbe, der Landwirtschaft und dem Dienstleistungsbereich. | |||
Ein Teil der muslimischen Bevölkerung lebt dauerhaft auf der Insel, ein anderer Teil besteht aus saisonalen Arbeitskräften oder Personen mit temporärem Aufenthalt. Die größte Konzentration muslimischer Einwohner findet sich in urbanen und wirtschaftlich aktiven Zentren wie Arrecife sowie in touristischen Gebieten wie Puerto del Carmen und Costa Teguise. | |||
Religiöse Infrastruktur in Form von Moscheen und Gebetsräumen ist auf Lanzarote vorhanden, jedoch im Vergleich zur katholischen Kirche deutlich begrenzt. In Arrecife und einigen anderen Orten existieren kleine islamische Gebetsstätten, die vor allem als Gebetsräume für die lokale Gemeinschaft dienen. Diese sind meist schlicht eingerichtet und erfüllen funktionale religiöse Bedürfnisse wie das tägliche Gebet, Freitagsgebete und religiöse Feiern wie das Fastenbrechen (Id al-Fitr) und das Opferfest (Id al-Adha). | |||
Da es sich um eine Minderheitenreligion handelt, gibt es keine großen repräsentativen Moscheekomplexe wie in manchen Großstädten Europas. Stattdessen ist das religiöse Leben stärker gemeinschaftlich organisiert und findet häufig in kleineren Räumen oder angemieteten Gebäuden statt. Dennoch spielen diese Einrichtungen eine wichtige soziale Rolle, da sie nicht nur religiöse, sondern auch kulturelle und gemeinschaftliche Funktionen erfüllen. | |||
Während des Ramadan kommt der muslimischen Gemeinschaft eine besondere Bedeutung innerhalb ihres sozialen Umfelds zu. In dieser Zeit finden gemeinsame Fastenbrechen statt, oft in familiären oder gemeinschaftlichen Kreisen. In touristischen Zentren wird zudem zunehmend auf halal-konforme Ernährung geachtet, sodass einige Restaurants und Hotels entsprechende Speiseangebote bereitstellen. | |||
{| class="wikitable" | Die islamische Kultur hat auch wirtschaftliche Auswirkungen, insbesondere im Tourismussektor. Durch die internationale Besucherstruktur wächst das Bewusstsein für kulturelle und religiöse Vielfalt. Einige gastronomische Betriebe bieten halal-zertifizierte Speisen an oder berücksichtigen muslimische Ernährungsregeln, insbesondere in stark touristisch geprägten Gebieten. | ||
|'''Jahr''' | |||
|'''Arrecife''' | ==== '''Judentum''' ==== | ||
|'''Haría''' | Jüdische Einflüsse lassen sich indirekt bis in die Zeit der spanischen Geschichte zurückverfolgen. Vor der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 lebten jüdische Gemeinden auf der Iberischen Halbinsel, von denen einige Personen im Zuge der kastilischen Expansion auch in den atlantischen Raum gelangten. Auf den Kanarischen Inseln insgesamt gab es zwar zeitweise jüdische oder konvertierte Bevölkerungsgruppen (sogenannte „Conversos“), jedoch wurde das religiöse Leben stark durch die katholische Inquisition kontrolliert, sodass sich keine offenen jüdischen Gemeinden dauerhaft etablieren konnten. | ||
Auf Lanzarote selbst blieb die jüdische Präsenz über die Jahrhunderte hinweg sehr gering. Während der Kolonialzeit und der frühen Neuzeit waren religiöse Minderheiten stark eingeschränkt, und die römisch-katholische Kirche dominierte das öffentliche und private Leben vollständig. Dadurch konnten sich keine stabilen jüdischen Gemeinden oder Synagogen auf der Insel entwickeln. | |||
Die heutige jüdische Bevölkerung auf Lanzarote ist überwiegend das Ergebnis moderner Migration seit dem späten 20. Jahrhundert. Einzelne jüdische Familien oder Personen, vor allem aus europäischen Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder Frankreich sowie aus Israel, haben sich aus beruflichen oder privaten Gründen auf der Insel niedergelassen. Viele von ihnen sind Teil der internationalen Expat- und Tourismusgemeinschaft. | |||
Die Zahl jüdischer Einwohner ist im Vergleich zu anderen religiösen Gruppen sehr klein. Es existiert keine offizielle Synagoge auf Lanzarote, und religiöse Aktivitäten finden, wenn überhaupt, in privaten oder informellen Rahmen statt. Für größere religiöse Feiern oder das Gemeindeleben reisen jüdische Bewohner meist auf andere Kanarische Inseln oder nach Spanien auf das Festland, wo etablierte jüdische Gemeinden vorhanden sind, etwa in Madrid, Barcelona oder auf Teneriffa. | |||
Religiöse Praxis auf Lanzarote ist daher meist individuell organisiert. Beobachtungen des Schabbats, koschere Ernährung oder religiöse Feiertage wie Pessach oder Jom Kippur werden im privaten Umfeld durchgeführt. In touristischen Zentren gibt es vereinzelt Möglichkeiten, koschere oder entsprechend angepasste Lebensmittel zu beziehen, allerdings ist das Angebot begrenzt und stark von der Nachfrage abhängig. | |||
==== '''Eoterik''' ==== | |||
Esoterische Vorstellungen spielen auf der Insel Lanzarote keine historisch verankerte oder institutionell bedeutende Rolle, haben jedoch in der modernen Zeit – vor allem im Zusammenhang mit Tourismus, Alternativkultur und spirituellen Bewegungen – eine gewisse Präsenz entwickelt. Sie stehen dabei eher im privaten und individuellen Bereich als in einer fest etablierten religiösen oder kulturellen Tradition. | |||
Historisch war das spirituelle Leben der Insel über viele Jahrhunderte hinweg stark von der römisch-katholischen Kirche geprägt. Seit der kastilischen Eroberung im 15. Jahrhundert dominierte das Christentum das religiöse Weltbild vollständig. Frühere, vorspanische Glaubensvorstellungen der Majos oder Mahos sind zwar in ihrer ursprünglichen Form verschwunden, werden aber heute teilweise im Rahmen archäologischer oder kultureller Rekonstruktionen erwähnt. Eine direkte Verbindung zu moderner Esoterik besteht jedoch nicht. | |||
Die heutige esoterische Szene auf Lanzarote ist vor allem ein Phänomen der Gegenwart. Sie entwickelte sich im Zuge des internationalen Tourismus seit den 1970er- und 1980er-Jahren, als zunehmend Besucher und später auch Residenten aus Europa spirituelle Praktiken mit auf die Insel brachten. Dazu gehören verschiedene Formen alternativer Spiritualität wie Meditation, Yoga, Reiki, Astrologie, energetische Heilmethoden und Naturspiritualität. | |||
Die besondere Landschaft Lanzarotes mit ihren Vulkanfeldern, Kratern, Lavaformationen und der weiten, oft als „urzeitlich“ wahrgenommenen Natur wird von vielen Menschen als spirituell aufgeladen empfunden. Besonders Orte wie das Gebiet des Timanfaya National Park oder abgelegene Küstenabschnitte werden gelegentlich als Räume für Rückzug, Meditation oder persönliche spirituelle Erfahrungen genutzt. Die starke landschaftliche Reduktion – wenig Vegetation, klare Formen, intensive Farben – verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. | |||
Es gibt auf der Insel kleinere Gruppen, die sich mit alternativen Heilmethoden, energetischer Arbeit oder spirituellen Praktiken beschäftigen. Diese sind jedoch nicht zentral organisiert und bilden keine einheitliche Bewegung. Stattdessen handelt es sich um lose Netzwerke von Einheimischen, Zugewanderten und saisonalen Besuchern, die entsprechende Angebote nutzen oder anbieten. Dazu gehören etwa Retreats, Workshops oder individuelle Sitzungen. | |||
Auch im Tourismussektor hat Esoterik eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Einige Unterkünfte und Anbieter werben mit „Wellness“, „spirituellen Erfahrungen“, „Yoga-Retreats“ oder „Naturheilangeboten“. Diese Angebote richten sich vor allem an Besucher, die Erholung mit persönlicher oder spiritueller Entwicklung verbinden möchten. Dennoch bleibt dieser Bereich im Vergleich zum klassischen Bade- und Naturtourismus eher klein. | |||
Die lokale Bevölkerung steht esoterischen Praktiken überwiegend neutral bis distanziert gegenüber. Für viele Einheimische sind sie kein zentraler Bestandteil der eigenen Kultur, sondern eher ein importiertes oder touristisch geprägtes Phänomen. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Personen, die einzelne Elemente – etwa Meditation oder alternative Heilmethoden – in ihren Alltag integrieren, ohne sich einer esoterischen Szene zuzuordnen. | |||
== '''Siedlungen''' == | |||
Die Einwohnerzahlen der Gemeinden entwickelten sich wie folgt: | |||
{| class="wikitable" | |||
|'''Jahr''' | |||
|'''Arrecife''' | |||
|'''Haría''' | |||
|'''San Bartolomé''' | |'''San Bartolomé''' | ||
|'''Teguise''' | |'''Teguise''' | ||
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|17.901 | |17.901 | ||
|} | |} | ||
'''Arrecife''' ist die Hauptstadt und größte Stadt der Insel. Sie liegt an der Ostküste der Insel und ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum. Arrecife besticht durch seine Hafenlage am Atlantik, mit dem historischen Castillo de San Gabriel auf einer kleinen vorgelagerten Insel, das im 16. Jahrhundert zum Schutz vor Piraten erbaut wurde. Die Stadt hat trotz ihrer Größe den Charme eines ursprünglichen Fischerstädtchens bewahrt, mit der malerischen Meerwasserlagune Charco de San Ginés im Herzen, die mit Bars, Restaurants und dem wöchentlichen Markt ein beliebter Treffpunkt ist. Arrecife vereint moderne Infrastruktur, wie den bedeutenden Handelshafen Los Mármoles, und kulturelle Highlights mit einem lebendigen Stadtleben. Die Avenida César Manrique am Charco de San Ginés und die weiße, neoklassische Pfarrkirche San Ginés prägen das Stadtbild ebenso wie die geschäftigen Einkaufsstraßen und das rege Hafenflair. | |||
'''San Bartolomé''' befindet sich im geografischen Zentrum Lanzarotes und ist die zweitkleinste der sieben Gemeinden der Insel. Die kleine Stadt San Bartolomé gilt als eine der ältesten Siedlungen, einst unter dem Namen Ajei von den Ureinwohnern (Guanchen) bekannt. Der Hauptort besticht durch seine weiß getünchten Häuser, historische Gebäude wie die Kirche Iglesia de San Martín aus dem 18. Jahrhundert mit kunstvoller Kassettendecke im Mudéjar-Stil sowie kulturelle Sehenswürdigkeiten wie das Monumento al Campesino von César Manrique und das ethnografische Museo Tanit. Die Gemeinde ist durch ihre landwirtschaftliche Tradition geprägt und umfasst neben dem Hauptort die größere Siedlung Playa Honda, die touristisch wichtig ist und nahe dem Flughafen liegt. | |||
Die | |||
'''Teguise''' liegt nördlich von San Bartolomé und ist eine der größeren Gemeinden Lanzarotes. Teguise war bis 1852 die Hauptstadt der Insel und besitzt eine wunderschöne Altstadt mit kolonialem Flair und einer engen Verflechtung von Geschichte, Kultur und Kunsthandwerk. Die Gemeinde ist besonders bekannt für ihre lebendigen kulturellen Veranstaltungen und Märkte. Das Fischerdorf Caleta de Famara an der Küste gehört ebenfalls zu Teguise und ist ein beliebter Ort für Surfer und Naturliebhaber. Teguise ist verhältnismäßig ländlich und bewahrt mit seinen weißen Häusern und traditionellen Strukturen viele historische Werte. | |||
Die | '''Tinajo''' befindet sich im Westen der Insel und umfasst eine Fläche von etwa 135 km². Die Gemeinde ist von vulkanischer Naturlandschaft und Landwirtschaft geprägt, sie liegt nahe dem Nationalpark Timanfaya mit seinen beeindruckenden Vulkanen. Tinajo ist im Vergleich ruhiger und ländlicher als die anderen genannten Gemeinden, mit einem Fokus auf Landwirtschaft und Naturschutz. Die natürliche Umgebung macht Tinajo zu einem beliebten Ziel für Wanderer und Naturfreunde, die die vulkanische Landschaft Lanzarotes erkunden möchten. | ||
'''Yaiza''' liegt im Süden Lanzarotes und ist eine kleinere Gemeinde mit ländlichem Charakter. Sie ist bekannt für ihre Nähe zum Nationalpark Timanfaya mit seinen beeindruckenden Vulkanlandschaften und für das milde Klima sowie die traditionellen kanarischen Dörfer und Landwirtschaft. Yaiza gilt als besonders malerisch, mit typisch weiß getünchten Häusern und einem ruhigen, naturnahen Lebensstil. Die Gemeinde ist als Tor zu den touristisch erschlossenen Gebieten im Süden wie Playa Blanca ein wichtiger Standort für landwirtschaftliche Produktion, insbesondere Weinbau und Gemüseanbau, und profitiert gleichzeitig vom Tourismus. Yaiza verbindet auf harmonische Weise die Naturschönheiten Lanzarotes mit traditioneller Kultur und ist ein beliebtes Ziel für Besucher, die Ruhe und Authentizität suchen. | |||
'''Haría''', im Nordosten der Insel gelegen, ist bekannt als das „Tal der tausend Palmen“. Die Gemeinde hat rund 5.500 Einwohner, von denen etwa 1.000 im gleichnamigen Hauptort Haría leben, der auf etwa 270 Meter Höhe inmitten einer grünen Oase liegt. Die Umgebung ist geprägt von einer vergleichsweise üppigen Vegetation dank des gemäßigten Klimas und der Berglandschaft des Famara-Gebirges, mit Las Peñas del Chache als höchstem Punkt Lanzarotes. Haría ist ein ruhiger Ort, der vom Tourismus noch weitgehend unberührt geblieben ist und dessen Bevölkerung vor allem von Landwirtschaft lebt. Der Hauptplatz Plaza León y Castillo mit der Pfarrkirche Nuestra Señora de la Encarnación bildet das Zentrum des Ortes. Haría gilt als idyllisch, mit vielen kleinen Bars und Cafés, und war der letzte Wohnort des bekannten Künstlers César Manrique. | |||
'''Straßenverkehr''' | '''Tías''' liegt im südlichen Zentrum der Insel. Der Ort ist vor allem für seine Nähe zum touristisch bedeutenden Ort Puerto del Carmen bekannt, dem größten Feriengebiet der Insel. Die Gemeinde zeichnet sich durch ihre mediterrane Atmosphäre aus und liegt an einer geschützten Küste am Atlantik. Tías selbst ist ein eher ruhiger Ort, der durch seine beiden historischen Kirchen und traditionelle kanarische Architektur geprägt ist. Die Gemeinde hat den höchsten Anteil an Ausländern auf Lanzarote, etwa 38,5%, was dem Ort eine internationale Prägung verleiht. Die umliegenden Landschaften wie La Geria, bekannt für den Weinanbau und als Naturpark, sind wichtige Sehenswürdigkeiten in der Region. | ||
== '''Verkehr''' == | |||
Die Insel verfügt über ein gut ausgebautes Verkehrsnetz mit internationaler Anbbindung über den Flughafen von Arrecife. | |||
=== '''Straßenverkehr''' === | |||
Das Straßennetz umfasst mehrere hundert Kilometer asphaltierter Straßen und gehört zu den modernsten innerhalb der Kanarischen Inseln. Die meisten Haupt- und Nebenstraßen befinden sich in einem sehr guten baulichen Zustand und werden regelmäßig instand gehalten. Selbst kleinere Ortschaften und abgelegene Sehenswürdigkeiten sind über befestigte Straßen erreichbar. Aufgrund der überschaubaren Größe der Insel lassen sich nahezu alle Ziele innerhalb von weniger als einer Stunde Fahrzeit erreichen. | |||
Die wichtigste Verkehrsachse verläuft von Norden nach Süden und verbindet die Ortschaft Órzola an der Nordküste mit Playa Blanca im äußersten Süden. Diese Nord-Süd-Verbindung wurde als Gebiet von regionalem Interesse eingestuft, da sie den größten Teil des Personen- und Warenverkehrs der Insel aufnimmt. Sie besteht aus den Straßen LZ-1 und LZ-2 sowie der Umgehungsstraße um die Inselhauptstadt Arrecife, welche beide Hauptstraßen miteinander verbindet und den Durchgangsverkehr aus dem Stadtzentrum heraushält. | |||
Die LZ-1 führt von Arrecife entlang der Ostküste über mehrere Gemeinden bis nach Órzola. Sie erschließt den nördlichen Teil der Insel und verbindet unter anderem den Hafen, von dem Fährverbindungen zur Nachbarinsel La Graciosa bestehen. Die LZ-2 verläuft südlich von Arrecife über Yaiza bis nach Playa Blanca und verbindet damit die wichtigsten Tourismusregionen im Süden mit der Inselhauptstadt. | |||
Zwischen Arrecife und Tías besitzt die LZ-2 einen autobahnähnlich ausgebauten Abschnitt mit mehreren Fahrspuren und höhenfreien Kreuzungen. Ein weiterer Schnellstraßenabschnitt befindet sich auf der LZ-20 zwischen Arrecife und San Bartolomé. Diese Strecken dienen vor allem dem Pendlerverkehr sowie der schnellen Anbindung des Flughafens und der touristischen Zentren. | |||
Neben den Hauptverkehrsachsen erschließen zahlreiche gut ausgebaute Nebenstraßen alle übrigen Gemeinden sowie die wichtigsten Natur- und Kulturdenkmäler. Auch abgelegene Landschaften wie der Timanfaya National Park, die Weinregion La Geria oder die Steilküste des Risco de Famara sind problemlos mit dem Auto erreichbar. | |||
Der öffentliche Busverkehr wird durch ein dichtes Netz regionaler Linien gewährleistet. Die Busse, auf den Kanaren allgemein als „Guaguas“ bezeichnet, verbinden nahezu sämtliche Gemeinden der Insel miteinander. Zentrales Drehkreuz ist Arrecife, wo die meisten Linien beginnen oder enden und Umsteigemöglichkeiten bestehen. | |||
Von Arrecife bestehen regelmäßige Busverbindungen in alle größeren Orte der Insel, darunter nach Puerto del Carmen, Costa Teguise, Playa Blanca, Teguise, San Bartolomé, Tías, Haría, Yaiza und Órzola. Ebenso werden der Flughafen sowie die Fährhäfen von Playa Blanca und Órzola in das Liniennetz eingebunden. Dadurch können Reisende auch ohne eigenes Fahrzeug viele Ziele auf Lanzarote erreichen. | |||
Innerhalb der Hauptstadt Arrecife existiert zusätzlich ein städtisches Busnetz, das verschiedene Wohngebiete, das Stadtzentrum, den Hafen und öffentliche Einrichtungen miteinander verbindet. Auch in den Gemeinden Tías und San Bartolomé sowie im Ferienort Playa Blanca verkehren örtliche Buslinien, die den innerörtlichen Verkehr ergänzen und touristische Einrichtungen anbinden. | |||
Trotz des vergleichsweise guten Liniennetzes spielt der öffentliche Nahverkehr im Alltag vieler Einwohner und Urlauber eine geringere Rolle als der Individualverkehr. Die Busse verkehren auf den Hauptstrecken regelmäßig, in ländlichen Gebieten jedoch teilweise nur wenige Male täglich. Für viele Ausflüge zu abgelegenen Stränden, Aussichtspunkten oder Naturgebieten sind die Fahrpläne deshalb weniger flexibel als die Nutzung eines eigenen Fahrzeugs. | |||
'''Straßenverkehr''' 1989: | |||
* Straßen insgesamt 1.881 km | |||
* davon asphaltiert 431 km (0,510 km/km²) | |||
* Tankstellen 1994: 15 | |||
'''Fahrzeugbestand''' 1991: | |||
* insgesamt 42.149 (0,649 pro Person) | |||
* Pkw 30.772 | |||
* Mopeds und Motorräder 8.467 | |||
* Lkw 2.109 | |||
* Autobusse 153 | |||
* Nutzfahrzeuge 117 | |||
* sonstige 531 | |||
=== '''Schiffsverkehr''' === | === '''Schiffsverkehr''' === | ||
Der Seehafen Puerto de Arrecife, Los Mármoles | Der wichtigste Hafen der Insel ist der Seehafen Puerto de Arrecife (Los Mármoles). Die Hafenanlage, die auch unter dem Namen Los Mármoles bekannt ist, bildet den bedeutendsten Umschlagplatz für Versorgungsgüter auf Lanzarote. Hier werden nahezu alle wichtigen Importwaren entladen, darunter Lebensmittel, Baustoffe, Treibstoffe, Fahrzeuge, Maschinen und Konsumgüter. Gleichzeitig werden von hier aus landwirtschaftliche Erzeugnisse, Fischereiprodukte und andere Waren verschifft. | ||
Neben seiner Funktion als Frachthafen besitzt Puerto de Arrecife auch große Bedeutung für den Personenverkehr. Regelmäßige Fährverbindungen verbinden Lanzarote mit den beiden Hauptstädten der Kanarischen Inseln, Las Palmas de Gran Canaria auf Gran Canaria sowie Santa Cruz de Tenerife auf Tenerife. Darüber hinaus bestehen Verbindungen zum spanischen Festland, insbesondere zum Hafen von Cádiz. Diese Linien ermöglichen sowohl den Transport von Passagieren als auch von Fahrzeugen und Fracht und stellen eine wichtige Alternative zum Flugverkehr dar. | |||
Eine besondere Bedeutung besitzt der Hafen von Playa Blanca im Süden der Insel. Von hier verkehren mehrmals täglich Autofähren und Schnellfähren zur nur etwa 15 Kilometer entfernten Nachbarinsel Fuerteventura. Die Verbindung zum Hafen von Corralejo gehört zu den meistgenutzten Fährstrecken der Kanarischen Inseln und wird hauptsächlich von den Reedereien Naviera Armas und Fred. Olsen Express betrieben. Aufgrund der kurzen Fahrzeit von etwa einer halben Stunde wird diese Verbindung sowohl von Einheimischen als auch von Touristen intensiv genutzt. | |||
Zusätzlich besteht seit dem Jahr 2004 eine regelmäßige Personenfährverbindung vom Hafen Puerto del Carmen nach Fuerteventura. Diese Linie wird mehrmals wöchentlich bedient und richtet sich vor allem an Tagesausflügler und Urlauber, die beide Inseln miteinander kombinieren möchten. | |||
Von großer regionaler Bedeutung ist außerdem der Hafen von Órzola im Norden Lanzarotes. Von dort bestehen ganzjährig regelmäßige Fährverbindungen zur kleinen Nachbarinsel La Graciosa. Da La Graciosa über keinen Flughafen verfügt, stellt diese kurze Fährstrecke die einzige öffentliche Verkehrsverbindung zur Insel dar. Mehrmals täglich verkehren Passagierfähren zwischen beiden Inseln und gewährleisten die Versorgung der dortigen Bevölkerung sowie den touristischen Verkehr. | |||
Neben den Fährhäfen verfügt Lanzarote über mehrere Sport- und Yachthäfen. Besonders bedeutend sind die Marinas in Arrecife, Puerto del Carmen und Playa Blanca. Sie bieten Liegeplätze für Segel- und Motoryachten sowie umfangreiche Serviceeinrichtungen für den Wassersport. Aufgrund des ganzjährig milden Klimas und der günstigen Windverhältnisse zählt Lanzarote zu den beliebten Zielen internationaler Segler. | |||
Auch der Kreuzfahrttourismus hat in den vergangenen Jahrzehnten erheblich an Bedeutung gewonnen. Der Hafen von Arrecife wird regelmäßig von großen Kreuzfahrtschiffen angelaufen, die Passagiere aus Europa und anderen Teilen der Welt auf die Insel bringen. Für viele Kreuzfahrtreisende bildet Lanzarote einen wichtigen Zwischenstopp auf Atlantikrouten oder Kreuzfahrten zwischen Europa und den Kanarischen Inseln. Dadurch profitiert insbesondere die Hauptstadt Arrecife wirtschaftlich vom internationalen Kreuzfahrttourismus. | |||
Der Güterverkehr über See bleibt jedoch die wichtigste Funktion der Häfen. Da Lanzarote über nur wenige eigene Rohstoffe verfügt und zahlreiche Konsumgüter importieren muss, sind die regelmäßigen Frachtschiffe für die Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar. Ebenso werden Treibstoffe, Baumaterialien und Lebensmittel nahezu vollständig über den Seeweg angeliefert. | |||
Auf Lanzarote befinden sich folgende Leuchttürme: | Auf Lanzarote befinden sich folgende Leuchttürme: | ||
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=== '''Landwirtschaft''' === | === '''Landwirtschaft''' === | ||
Die traditionelle | Die traditionelle Landwirtschaft basiert vor allem auf Trockenfeldbau, der sich auf etwa 8000 Hektar im mittleren und nördlichen Teil der Insel konzentriert. Diese Anbauform nutzt die natürliche Feuchtigkeit aus nächtlicher Kondensation und gelegentlichen Niederschlägen und kommt weitgehend ohne künstliche Bewässerung aus. Die Böden werden dabei durch eine spezielle Technik verbessert, bei der eine etwa 15 Zentimeter dicke Schicht aus vulkanischem Lapilli (vulkanischer Asche und Gesteinskrümeln) auf fruchtbaren Untergrund aufgebracht wird. Diese Methode wird als „enarenado artificial“ bezeichnet und hilft, die Verdunstung zu reduzieren und die Feuchtigkeit im Boden zu halten. | ||
Ein besonders charakteristisches Beispiel dieser landwirtschaftlichen Praxis sind die Opuntienfelder bei Guatiza. Dort werden Feigenkakteen (Opuntia) kultiviert, auf denen Schildläuse gezüchtet werden. Aus diesen Insekten wird der traditionelle Karminfarbstoff gewonnen, der früher ein bedeutendes Exportprodukt der Insel war. Auch wenn diese Produktion heute nur noch in geringerem Umfang stattfindet, bleibt sie ein wichtiger Bestandteil der landwirtschaftlichen Geschichte Lanzarotes. | |||
Im Trockenfeldbau werden vor allem robuste Nutzpflanzen angebaut, die mit wenig Wasser auskommen. Dazu gehören Kartoffeln, Zwiebeln, Mais, Knoblauch, Tomaten und Luzerne. Diese Kulturen sind an die schwierigen Bedingungen angepasst und werden häufig in kleinen Parzellen bewirtschaftet, die durch Steinmauern oder natürliche Windschutzstrukturen geschützt sind. | |||
Eine weitere besondere Form der Landwirtschaft findet sich in der Sandebene von El Jable, die sich unterhalb des Famara-Massivs erstreckt. Hier wird auf etwa 1000 Hektar sogenannter Sandkulturen betrieben. In diesen Gebieten wird der Boden zusätzlich mit einer dünnen Schicht vulkanischer Asche bedeckt, um die Feuchtigkeit besser zu speichern. Angebaut werden dort vor allem Süßkartoffeln, Melonen, Kürbisse, Tomaten und Gurken. Die Erträge sind im Vergleich zu anderen Regionen jedoch geringer, da die Bedingungen weiterhin sehr anspruchsvoll sind. | |||
Ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft ist die Viehhaltung, insbesondere die Ziegenzucht. Ziegen sind optimal an die trockene Umgebung angepasst und bilden seit Jahrhunderten eine zentrale Grundlage der lokalen Landwirtschaft. Aus ihrer Milch wird der traditionelle Ziegenkäse hergestellt, der in verschiedenen Varianten produziert wird und einen festen Platz in der regionalen Ernährungskultur einnimmt. | |||
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=== '''Weinbau''' === | === '''Weinbau''' === | ||
Trotz der extrem trockenen klimatischen Bedingungen hat sich hier eine einzigartige Form des Weinbaus entwickelt, die weltweit nahezu einmalig ist und stark von der vulkanischen Landschaft geprägt wird. Das wichtigste Weinbaugebiet ist La Geria. Es umfasst einen großen Teil der zentral-südlichen Inselregion und gilt zugleich als geschütztes Landschaftsgebiet. Der Weinbau erstreckt sich insgesamt auf etwa 2300 Hektar. Die besondere landschaftliche Struktur und die traditionelle Anbaumethode haben La Geria zu einem Symbol für die Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft an extreme Umweltbedingungen gemacht. | |||
Die Reben werden nicht in klassischen Reihen gepflanzt, sondern in trichterförmigen Mulden, die in die mehrere Meter dicke Schicht aus vulkanischer Asche und Lapilli (lokal „Picón“) gegraben werden. Diese Methode wird als „enarenado natural“ bezeichnet. Jede Pflanze wird zusätzlich durch halbkreisförmige Steinmauern vor dem starken Wind geschützt, der auf Lanzarote häufig weht. Diese Kombination aus Ascheschutz und Windschutz ermöglicht überhaupt erst den erfolgreichen Weinbau in dieser trockenen Region. | |||
Die | |||
Die vulkanische Ascheschicht spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie speichert nachts die Feuchtigkeit aus der Luft und gibt sie tagsüber langsam wieder an den Boden ab. Gleichzeitig schützt sie die darunterliegende Erde vor Verdunstung und Erosion. Die Wurzeln der Reben können tief in den fruchtbaren Untergrund eindringen und so auch in sehr trockenen Perioden ausreichend Wasser aufnehmen. | |||
Angebaut werden sowohl rote als auch weiße Rebsorten. Zu den wichtigsten roten Sorten gehören Listán Negro und Negramoll. Für Weißweine werden vor allem Listán Blanco, Malvasia, Moscatel und Diego verwendet. Besonders die Malvasia-Traube hat eine lange Tradition auf Lanzarote und ist für aromatische, oft leicht süßliche Weine bekannt, die international Anerkennung gefunden haben. | |||
Der Weinbau auf Lanzarote ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell von großer Bedeutung. Er prägt die Identität der Insel und ist eng mit der Landschaft und den traditionellen Anbaumethoden verbunden. Viele Weingüter sind Familienbetriebe, die über Generationen hinweg bewirtschaftet werden und traditionelle Techniken bewahren. | |||
Ein bekanntes Weingut ist die Bodega El Grifo, eines der ältesten Weingüter der Kanarischen Inseln. Es verfügt über ein eigenes Weinmuseum, in dem die Geschichte des Weinbaus auf Lanzarote dokumentiert wird. Besucher können dort die Entwicklung der traditionellen Anbaumethoden sowie die Besonderheiten der lokalen Rebsorten kennenlernen. | |||
Neben ihrer wirtschaftlichen Funktion hat die Weinlandschaft von La Geria auch eine starke touristische Bedeutung. Die außergewöhnliche Optik der schwarzen Vulkanasche, die grünen Reben und die runden Pflanzkrater zieht zahlreiche Besucher an. Viele Weingüter bieten Verkostungen an und verbinden Weinbau mit Tourismus, was für viele Betriebe eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle darstellt. | |||
=== '''Forstwirtschaft''' === | |||
Große zusammenhängende Waldflächen gibt es auf Lanzarote nicht. Die Vegetation ist insgesamt spärlich und stark an Trockenheit, Wind und salzhaltige Luft angepasst. Dennoch finden sich einige bedeutende Vegetationszonen mit baumartigem Bewuchs, die vor allem im nördlichen Inselteil und in höher gelegenen oder geschützten Regionen vorkommen. Besonders hervorzuheben ist die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis), die zu den widerstandsfähigsten Baumarten der Kanarischen Inseln zählt und in der Lage ist, auch auf kargen vulkanischen Böden zu wachsen. | |||
Einige der wichtigsten vegetationsreichen Gebiete befinden sich in der Region Haría im Norden der Insel. Das dortige Tal, oft als „Tal der tausend Palmen“ bezeichnet, ist eines der wenigen Gebiete Lanzarotes mit vergleichsweise dichter Baum- und Palmenvegetation. Die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) prägt hier das Landschaftsbild und bildet zusammen mit kleineren Gärten, Terrassenfeldern und vereinzelten Baumgruppen eine grüne Oase innerhalb der ansonsten trockenen Inselstruktur. | |||
Weitere vegetationsreiche Zonen finden sich in geschützten Höhenlagen und in weniger besiedelten Bereichen, etwa im Umfeld des Famara-Massiv sowie in Teilen des Naturraums des Timanfaya National Park. Allerdings ist die Vegetation dort sehr spärlich und besteht überwiegend aus niedrig wachsenden, trockenheitsresistenten Pflanzen, Flechten und einzelnen Sträuchern. Geschlossene Wälder fehlen auch hier weitgehend. | |||
Die Forstwirtschaft im engeren Sinne konzentriert sich daher vor allem auf Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen. Dazu gehören Aufforstungsprojekte mit Kanarischer Kiefer sowie die Pflanzung von Sträuchern und Bäumen zur Eindämmung von Bodenerosion und zur Stabilisierung empfindlicher Hanglagen. Besonders in Gebieten, die durch frühere landwirtschaftliche Nutzung oder Erosion geschädigt wurden, werden gezielt Maßnahmen zur Wiederbegrünung durchgeführt. | |||
Ein wichtiger Aspekt ist der Schutz vor Winderosion, die auf Lanzarote aufgrund der starken Passatwinde eine große Rolle spielt. Vegetationsstreifen, Steinmauern und gezielte Bepflanzung dienen dazu, den Boden zu stabilisieren und die Ausbreitung von Sand und Asche zu verhindern. Diese Maßnahmen sind eng mit der traditionellen Landwirtschaft verbunden, insbesondere mit den Anbausystemen im Gebiet El Jable, wo vegetationsarme Sandflächen durch menschliche Nutzung und Schutzmaßnahmen teilweise stabilisiert wurden. | |||
=== '''Fischerei''' === | |||
DIn der Vergangenheit war die Fischerei eine der wichtigsten Lebensgrundlagen der Inselbevölkerung. Kleine Boote fingen in Küstennähe verschiedene Fischarten, die sowohl für den Eigenbedarf als auch für den lokalen Handel genutzt wurden. Die Fischer arbeiteten meist in familiären Strukturen und waren stark von Wetterbedingungen, Meeresströmungen und saisonalen Schwankungen abhängig. Die traditionelle Küstenfischerei ist bis heute in einigen Orten erhalten geblieben. | |||
Typische Fanggebiete befinden sich entlang der felsigen Küsten und in Bereichen mit vulkanischem Untergrund, wo sich besonders viele Fischarten ansiedeln. Zu den häufig gefangenen Arten gehören unter anderem Barrakudas, Brassen, Goldbrassen, Seebarsche sowie verschiedene kleinere Riff- und Küstenfische. In tieferen oder anspruchsvolleren Gewässern treten auch größere Arten wie Zackenbarsche oder Cabrillas auf, die in Felsspalten und Unterwasserhöhlen leben. | |||
Neben der traditionellen Küstenfischerei hat sich auf Lanzarote auch die Hochseefischerei entwickelt, insbesondere im Rahmen des Tourismus. Der Atlantik rund um die Insel bietet günstige Bedingungen für sportliches Angeln, da dort größere Raubfische und pelagische Arten vorkommen. Beim Hochseeangeln werden unter anderem Thunfisch, Marlin, Wahoo, Barrakuda und Goldbrassen gefangen. Diese Form der Fischerei ist heute vor allem als Freizeitaktivität organisiert. | |||
Zahlreiche Anbieter auf der Insel bieten Angelcharter und geführte Hochseeangeltouren an. Diese Touren richten sich sowohl an Anfänger als auch an erfahrene Angler und beinhalten in der Regel Ausrüstung, Boot, Skipper sowie teilweise auch die erforderlichen Angelgenehmigungen. Ausgangspunkte sind meist die touristisch gut erschlossenen Häfen, insbesondere in Puerto del Carmen, Playa Blanca und Arrecife. | |||
Die Preise für solche Touren variieren je nach Dauer, Saison und Ausstattung erheblich. Während kurze Ausfahrten vergleichsweise günstig sind, können exklusive Hochseeangeltouren mit Spezialbooten und längeren Strecken deutlich teurer sein. Besonders in der Hochsaison ist das Angebot stark auf Touristen ausgerichtet. | |||
Neben dem Tourismus spielt auch die lokale Versorgung eine Rolle. In Küstenorten wie Playa Quemada oder La Santa ist die Fischerei noch stärker traditionell geprägt. Dort werden weiterhin kleine Fangboote genutzt, und frischer Fisch wird direkt an lokale Restaurants oder Märkte geliefert. Diese Orte bewahren einen Teil der ursprünglichen Fischereikultur der Insel. | |||
Regulatorisch unterliegt die Fischerei auf Lanzarote – wie im gesamten spanischen Staatsgebiet – klaren Vorschriften. Dazu gehören Schonzeiten, Fangquoten, Mindestgrößen für Fische sowie Lizenzpflichten. Diese Regeln dienen dem Schutz der marinen Ökosysteme und sollen eine nachhaltige Nutzung der Fischbestände sicherstellen. | |||
Fischereiwirtschaft 1992: | |||
* Fischer 263 | |||
* Fischerboote 150 | |||
* Fischereibetriebe 139 | |||
Anlandungen in t: | |||
1940 3 660,0 | |||
1975 354 663,0 | |||
1982 1145 825,0 | |||
1987 61,579,0 | |||
1990 127 006,2 | |||
davon 1990 | |||
* ozeanische Fische 565,0 | |||
* Tiefseefische 3.348,1 | |||
* Küstenfische 123092,0 | |||
* Krustentiere und Mollusken 1,1 | |||
=== '''Bergbau''' === | |||
Historisch beschränkten sich bergbauliche Aktivitäten auf den Abbau von Baumaterialien. Besonders wichtig waren Basalt, Tuffstein und andere vulkanische Gesteine, die nach Vulkanausbrüchen in großer Menge zur Verfügung standen. Diese Materialien wurden traditionell für den Hausbau, für Mauern, Wege und landwirtschaftliche Strukturen genutzt. Viele der charakteristischen Steinmauern, die Felder vor Wind schützen, bestehen aus lokal gewonnenem Lavagestein. Der Abbau erfolgte meist in kleinen Steinbrüchen, ohne industrielle Großtechnik. | |||
Ein weiterer wichtiger Rohstoff ist der vulkanische Lapilli, lokal auch „Picón“ genannt. Dieses Material entsteht bei explosiven Vulkanausbrüchen und bedeckt große Teile der Inseloberfläche. Es wird nicht im klassischen Sinne „abgebaut“, sondern direkt aus der Landschaft entnommen und in der Landwirtschaft weiterverwendet. Besonders im Weinbaugebiet La Geria sowie im traditionellen Trockenfeldbau wird dieser Lapilli als Bodenabdeckung genutzt, um Feuchtigkeit zu speichern und die Verdunstung zu reduzieren. | |||
Auch Bimsstein und andere poröse vulkanische Gesteine wurden in geringem Umfang gewonnen und teilweise als leichtes Baumaterial verwendet. Diese Materialien eignen sich aufgrund ihrer Struktur gut für den Bau von Häusern, da sie vergleichsweise leicht sind und gute isolierende Eigenschaften besitzen. | |||
Ein klassischer industrieller Bergbau mit tiefen Schächten oder großflächigen Tagebauen hat sich auf Lanzarote nie entwickelt. Es fehlen sowohl metallische Erzlagerstätten als auch fossile Brennstoffe oder andere wirtschaftlich bedeutende Mineralvorkommen. Die vulkanische Aktivität der Insel hat zwar eine vielfältige Geologie geschaffen, jedoch keine großflächig ausbeutbaren Rohstofflager hinterlassen. | |||
Die wirtschaftliche Bedeutung des Rohstoffabbaus ist daher insgesamt gering. Mit dem Aufkommen des Naturschutzes und der wachsenden Bedeutung des Tourismus wurden selbst kleine Steinbrüche zunehmend eingeschränkt oder aufgegeben, um das Landschaftsbild nicht zu beeinträchtigen. Insbesondere in sensiblen Gebieten wie dem Timanfaya National Park ist jeglicher Rohstoffabbau streng verboten. | |||
=== '''Handwerk''' === | === '''Handwerk''' === | ||
Dewr wichtigste handwerkliche Bereich ist die traditionelle Keramik- und Töpferkunst. Diese geht auf alte Techniken zurück, die bereits in vorspanischer Zeit von den Majos oder Mahos genutzt wurden und später weiterentwickelt wurden. Aus lokalem Ton werden bis heute Gefäße, Schalen und dekorative Objekte gefertigt, die häufig von Hand geformt und in einfachen Brennöfen gehärtet werden. Ein bekanntes symbolisches Beispiel sind die „Novios del Mojón“, kleine Tonfiguren, die früher eine rituelle oder soziale Bedeutung im Zusammenhang mit Heiratstraditionen hatten und heute als kulturelles Erinnerungsstück gelten. | |||
Ein weiterer bedeutender Bereich ist die Korbflechterei. Dabei werden vor allem Palmblätter der Kanarischen Dattelpalme verarbeitet, die auf Lanzarote in geschützten Tälern wie Haría wachsen. Aus diesen natürlichen Materialien entstehen Körbe, Hüte, Matten und traditionelle Käseformen. Diese Produkte waren früher unverzichtbare Alltagsgegenstände in der Landwirtschaft und im Haushalt und werden heute sowohl als funktionale als auch dekorative Objekte hergestellt. | |||
Auch der textile Bereich besitzt eine lange Tradition. Besonders hervorzuheben sind feine Stickereien, Häkelarbeiten und Spitzenherstellung, die häufig in Handarbeit gefertigt werden. Diese Techniken werden traditionell innerhalb von Familien weitergegeben und sind eng mit der ländlichen Kultur der Insel verbunden. Viele dieser Textilprodukte wurden früher im häuslichen Umfeld hergestellt und dienten der Ausstattung von Kleidung, Haushaltsgegenständen oder religiösen Textilien. | |||
Neben den | Ein charakteristisches Element der Handwerkskultur ist zudem die Herstellung der Timple, eines kleinen, gitarrenähnlichen Zupfinstruments, das typisch für die Kanarischen Inseln ist. Die Timple spielt eine wichtige Rolle in der traditionellen Musik und wird bis heute von spezialisierten Handwerkern gefertigt. Sie ist eng mit der musikalischen Identität der Region verbunden und wird sowohl in folkloristischen Gruppen als auch in moderner kanarischer Musik verwendet. | ||
Neben diesen klassischen Handwerksformen existieren weitere Bereiche wie die Messerherstellung, Holzarbeiten, Glasdekoration, Seifenproduktion und kleinere kunsthandwerkliche Spezialgebiete. Viele dieser Tätigkeiten entstehen in kleinen Werkstätten, in denen handwerkliches Können und künstlerische Gestaltung eng miteinander verbunden sind. | |||
Eine wichtige Rolle für die Präsentation und den Erhalt des Handwerks spielen traditionelle Märkte und kulturelle Einrichtungen. Besonders bekannt ist der Kunsthandwerksmarkt in Teguise, der regelmäßig stattfindet und zahlreiche Handwerker aus der ganzen Insel zusammenbringt. Auch in Haría gibt es Märkte, auf denen lokale Produkte angeboten werden. Diese Orte dienen nicht nur dem Verkauf, sondern auch dem kulturellen Austausch und der Bewahrung traditioneller Techniken. | |||
Museale Einrichtungen und Besucherzentren, wie das Casa Museo del Campesino, tragen ebenfalls zur Vermittlung der Handwerkskultur bei. Dort können Besucher traditionelle Arbeitsweisen kennenlernen und sehen, wie eng Handwerk, Landwirtschaft und Alltagsleben historisch miteinander verbunden waren. | |||
Heute wird das Handwerk auf Lanzarote auch institutionell gefördert, etwa durch lokale Kulturprogramme und die Unterstützung der Inselverwaltung. Ziel ist es, traditionelle Techniken zu bewahren und gleichzeitig neue Generationen einzubinden, damit das Wissen nicht verloren geht. Gleichzeitig spielt der Tourismus eine wichtige Rolle, da viele Besucher gezielt handgefertigte Produkte als authentische Erinnerung an die Insel erwerben. | |||
=== '''Industrie''' === | === '''Industrie''' === | ||
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=== '''Wasserwirtschaft''' === | === '''Wasserwirtschaft''' === | ||
In früheren Zeiten versuchte die Bevölkerung, Regenwasser in Zisternen, sogenannten Ajibes, zu sammeln. Diese Speicher waren in Häusern, Höfen und landwirtschaftlichen Flächen verbreitet und bildeten lange Zeit die wichtigste Grundlage der Wasserversorgung. Zusätzlich gab es in einigen Gebieten natürliche oder künstlich erschlossene Wasser führende Stollen und Brunnen. Diese traditionellen Systeme reichten jedoch nur für eine kleine Bevölkerung aus und wurden im Laufe der Zeit zunehmend unzuverlässig, unter anderem durch Versalzung und sinkende Grundwasserqualität. | |||
Seit | Mit dem Bevölkerungswachstum und dem Aufstieg des Tourismus wurde die moderne Wasserversorgung zunehmend auf technologische Lösungen umgestellt. Seit den 1960er-Jahren spielt die Meerwasserentsalzung die zentrale Rolle. Eine große Entsalzungsanlage in Arrecife versorgt heute den größten Teil der Insel. Insgesamt decken Entsalzungsanlagen etwa 85 bis 90 Prozent des gesamten Wasserbedarfs ab. Weitere kleinere Anlagen befinden sich in touristisch und infrastrukturell wichtigen Gebieten wie Costa Teguise, Puerto del Carmen sowie im Bereich von Hotel Club La Santa. | ||
Die Meerwasserentsalzung ist jedoch sehr energieintensiv. Sie wird überwiegend mit fossilen Energieträgern betrieben, was sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Herausforderungen mit sich bringt. Neben dem hohen Energieverbrauch entstehen auch Umweltprobleme durch die Einleitung von konzentrierter Salzsole in das Meer sowie durch teilweise unzureichend behandeltes Abwasser. Diese Einleitungen können lokale marine Ökosysteme belasten, weshalb Umweltauflagen und Kontrollen zunehmend an Bedeutung gewinnen. | |||
Ein weiteres Problem ist die Verteilung des Wassers auf der Insel. Obwohl die Versorgung in touristischen Zentren und größeren Ortschaften grundsätzlich gesichert ist, kommt es in einigen ländlichen oder höher gelegenen Gebieten zeitweise zu Engpässen oder Unterbrechungen. Das Leitungsnetz ist teilweise veraltet, wodurch Wasserverluste durch Leckagen entstehen. Diese Verluste stellen einen erheblichen Anteil der Gesamtmenge dar und sind ein zentrales Problem der Infrastrukturpolitik. | |||
Der Wasserverbrauch auf Lanzarote wird stark vom Tourismus beeinflusst. Touristische Einrichtungen verbrauchen pro Kopf deutlich mehr Wasser als die lokale Bevölkerung, was die Versorgung zusätzlich belastet. Hotels, Schwimmbäder, Golfanlagen und touristische Infrastruktur erhöhen den Gesamtbedarf erheblich und machen eine stabile Wasserwirtschaft zu einer dauerhaften Herausforderung. | |||
In den letzten Jahren wurden verschiedene Modernisierungsprogramme gestartet, um die Effizienz des Wassersystems zu verbessern. Dazu gehören Investitionen in die Reparatur von Leitungen, die Reduzierung von Verlusten im Netz sowie die Optimierung der Entsalzungsanlagen. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und gleichzeitig die Umweltbelastung zu verringern. | |||
=== '''Energiewirtschaft''' === | === '''Energiewirtschaft''' === | ||
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Die Insel kämpft mit einem fragmentierten und veralteten Stromnetz, das mit der steigenden Nachfrage kaum Schritt hält. Notfallmaßnahmen und Investitionsprogramme sollen Blackouts vermeiden und die Integration erneuerbarer Energien verbessern. Die Verbindung per Unterseekabel zu Fuerteventura hilft bei der Energieversorgung, ist aber nicht ausreichend, um die gesamte Insel autark und nachhaltig zu versorgen. | Die Insel kämpft mit einem fragmentierten und veralteten Stromnetz, das mit der steigenden Nachfrage kaum Schritt hält. Notfallmaßnahmen und Investitionsprogramme sollen Blackouts vermeiden und die Integration erneuerbarer Energien verbessern. Die Verbindung per Unterseekabel zu Fuerteventura hilft bei der Energieversorgung, ist aber nicht ausreichend, um die gesamte Insel autark und nachhaltig zu versorgen. | ||
'''Kraftwerksbetrieb''' 1992: | |||
* Transformatoren 59 | |||
* installierte Leistung 102,03 mwh | |||
* Energieproduktion 294 478 mwh | |||
* Elektrische Anschlüsse 1992: | |||
* insgesamt 14.539 | |||
* Energieverbrauch 99.526 mwh | |||
Elektrische Anschlüsse 1992: | |||
=== '''Abfallwirtschaft''' === | === '''Abfallwirtschaft''' === | ||
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== '''Soziales und Gesundheit''' == | == '''Soziales und Gesundheit''' == | ||
Auf Lanzarote gibt | Zur sozialen Grundsicherung gehören einkommensabhängige Unterstützungsleistungen für Menschen in finanziellen Notlagen sowie spezifische Hilfen für Familien mit geringem Einkommen. Auf Lanzarote werden diese Leistungen durch regionale Sozialdienste der Gemeinden und der Inselverwaltung koordiniert, die als erste Anlaufstellen für Betroffene dienen. | ||
Ein wichtiger Bereich ist die Unterstützung älterer Menschen. Aufgrund des demografischen Wandels spielt die Altenpflege eine zunehmende Rolle. Es gibt sowohl öffentliche als auch private Pflegeeinrichtungen, Tagesstätten und ambulante Pflegedienste. Viele ältere Menschen werden zudem in ihren Familien betreut, wobei ergänzende soziale Dienste wie Haushaltshilfe oder Pflegeberatung zur Verfügung stehen. | |||
Auch die Betreuung von Menschen mit Behinderungen ist ein fester Bestandteil des Sozialwesens. Hierzu zählen Förderprogramme, spezialisierte Bildungsangebote, berufliche Integration sowie betreute Wohnformen. Ziel ist es, die gesellschaftliche Teilhabe zu fördern und ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen. | |||
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Familien und Kindern. Dazu gehören Programme zur frühkindlichen Förderung, Sozialarbeit in Schulen sowie Maßnahmen zum Schutz von Minderjährigen in schwierigen Lebenssituationen. In Fällen von familiären Krisen oder sozialer Gefährdung greifen spezialisierte Dienste ein, um Betreuung und Schutz sicherzustellen. | |||
Auch Migration spielt im Sozialwesen von Lanzarote eine wichtige Rolle. Aufgrund der internationalen Bevölkerung gibt es spezielle Integrationsangebote, Sprachkurse und Beratungsstellen, die Migrantinnen und Migranten beim Zugang zu Bildung, Arbeit und sozialen Leistungen unterstützen. Diese Angebote werden häufig in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen und staatlichen Stellen umgesetzt. | |||
Im Bereich der Beschäftigung existieren Programme zur Arbeitsförderung und beruflichen Weiterbildung. Diese sollen insbesondere Jugendlichen, Langzeitarbeitslosen und Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen helfen, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten. Der Tourismussektor spielt dabei eine zentrale Rolle, da er den größten Teil der Arbeitsplätze auf der Insel stellt. | |||
=== '''Gesundheitswesen''' === | |||
Die zentrale Einrichtung der öffentlichen Gesundheitsversorgung ist das '''Hospital General de Lanzarote''' in Arrecife. Dieses Krankenhaus bildet das wichtigste medizinische Zentrum der Insel und verfügt über Notfallversorgung, chirurgische Abteilungen, Innere Medizin, Intensivmedizin sowie weitere Fachbereiche. Es übernimmt die Grund- und Akutversorgung für die gesamte Inselbevölkerung und ist zugleich erste Anlaufstelle für schwerere medizinische Fälle. | |||
Apotheken sind | Ergänzt wird das öffentliche System durch zahlreiche Gesundheitszentren (Centro de Salud), die über die Insel verteilt sind. Diese Einrichtungen bieten die hausärztliche Grundversorgung, Impfungen, kleinere Notfallbehandlungen und präventive Gesundheitsdienste. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der wohnortnahen medizinischen Versorgung und sorgen dafür, dass auch abgelegenere Gemeinden Zugang zu grundlegender Gesundheitsbetreuung haben. | ||
Im privaten Sektor spielt das Hospiten Lanzarote eine zentrale Rolle. Diese moderne Privatklinik in Puerto del Carmen bietet ein breites Spektrum an Fachrichtungen, diagnostischen Verfahren und Notfallmedizin. Sie ist besonders bei internationalen Patientinnen und Patienten sowie bei Privatversicherten stark frequentiert und ergänzt das öffentliche Gesundheitssystem durch schnellere Zugänge und spezialisierte Angebote. | |||
Zusätzlich gibt es weitere private Kliniken und medizinische Zentren, unter anderem in touristisch geprägten Orten wie Playa Blanca und Costa Teguise. Diese Einrichtungen bieten häufig Facharztpraxen, ambulante Behandlungen sowie diagnostische Leistungen wie Röntgen, Ultraschall, CT oder MRT an. Besonders in den touristischen Zentren ist die medizinische Versorgung stark auf internationale Patientinnen und Patienten ausgerichtet. | |||
Auch die Apothekenlandschaft ist gut entwickelt. Apotheken sind über die gesamte Insel verteilt und durch das grüne Kreuz leicht erkennbar. Viele Apotheken bieten zusätzlich Notdienste außerhalb der regulären Öffnungszeiten an. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Versorgung mit rezeptfreien Medikamenten, verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sowie bei der Beratung zu kleineren gesundheitlichen Beschwerden. | |||
=== '''Krankheiten''' === | === '''Krankheiten''' === | ||
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== '''Bildung''' == | == '''Bildung''' == | ||
Das Bildungswesen auf der Insel Lanzarote ist Teil des spanischen staatlichen Bildungssystems und folgt damit den landesweit einheitlichen Strukturen, die durch die Autonome Gemeinschaft der Kanarischen Inseln umgesetzt und regional angepasst werden. Es umfasst frühkindliche Bildung, Grundschule, Sekundarstufe sowie berufliche und akademische Ausbildungsmöglichkeiten und ist insgesamt gut zugänglich und flächendeckend organisiert. | |||
Die schulische Ausbildung beginnt mit der frühkindlichen Bildung (Educación Infantil), die in Kindergärten und Vorschuleinrichtungen angeboten wird. Daran schließt die Grundschule (Educación Primaria) an, die in der Regel von Kindern im Alter von etwa sechs bis zwölf Jahren besucht wird. Diese Schulen sind über die gesamte Insel verteilt, sodass auch kleinere Gemeinden eine wohnortnahe Grundversorgung im Bildungsbereich haben. | |||
Die Sekundarstufe (Educación Secundaria Obligatoria, ESO) sowie die anschließende Oberstufe (Bachillerato) werden in weiterführenden Schulen in größeren Orten angeboten, insbesondere in Arrecife sowie in Gemeinden wie Teguise und Tías. Diese Schulen bereiten entweder auf die Universität oder auf eine berufliche Ausbildung vor. | |||
Ein wichtiger Bestandteil des Bildungssystems ist die berufliche Bildung (Formación Profesional). Sie spielt auf Lanzarote eine besondere Rolle, da viele Ausbildungsprogramme eng mit der regionalen Wirtschaft verbunden sind. Besonders der Tourismussektor, das Gesundheitswesen und technische Berufe stehen im Fokus. Berufsschulen vermitteln praktische und theoretische Kenntnisse und erleichtern den Einstieg in den Arbeitsmarkt der Insel. | |||
Im Hochschulbereich ist Lanzarote kein eigenständiger Universitätsstandort im klassischen Sinne, jedoch gibt es Außenstellen und Studienzentren, die mit der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) verbunden sind. In Einrichtungen wie in Tahiche werden insbesondere Studiengänge im Bereich Pflege, Tourismus und angewandte Wissenschaften angeboten. Diese Studienangebote ermöglichen es Studierenden, auf der Insel zu bleiben, ohne vollständig auf das Festland oder andere Inseln ausweichen zu müssen. | |||
Die Bildungspolitik legt zudem großen Wert auf Integration und Chancengleichheit. Da Lanzarote eine internationale Bevölkerung hat, gibt es spezielle Förderprogramme für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, insbesondere Sprachförderung im Spanischen. Auch inklusive Bildung für Kinder mit besonderen Bedürfnissen ist fest im System verankert. | |||
Neben dem formalen Bildungssystem spielen außerschulische Bildungsangebote eine wichtige Rolle. Dazu gehören Musikschulen, Sportprogramme, Sprachkurse und kulturelle Bildungsinitiativen, die oft von Gemeinden oder Kulturzentren organisiert werden. Diese Angebote tragen zur sozialen Integration und zur kulturellen Entwicklung bei. | |||
=== '''Höhere Bildung''' === | === '''Höhere Bildung''' === | ||
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=== '''Bibliotheken und Archive''' === | === '''Bibliotheken und Archive''' === | ||
Die wichtigste Einrichtung ist die '''Biblioteca Insular de Lanzarote''' in Arrecife. Sie fungiert als zentrale Inselbibliothek und bietet ein breites Angebot an Büchern, digitalen Medien, Lernplätzen und kulturellen Veranstaltungen. Neben ihrer Funktion als Ausleihbibliothek ist sie auch ein wichtiger Ort für kulturelle Bildung, Leseförderung und öffentliche Veranstaltungen wie Lesungen, Workshops oder Ausstellungen. Sie richtet sich an alle Altersgruppen und spielt eine zentrale Rolle im Bildungs- und Kulturleben der Insel. | |||
Ergänzend dazu existieren mehrere kommunale Bibliotheken in den größeren Gemeinden. Dazu gehört insbesondere die Bibliothek von Puerto del Carmen im Gemeindegebiet Tías. Diese Einrichtungen bieten ebenfalls Bücher, audiovisuelle Medien und Lernräume, sind jedoch stärker auf die lokale Bevölkerung und touristisch geprägte Nutzergruppen ausgerichtet. Sie dienen oft auch als Treffpunkte für kleinere kulturelle Veranstaltungen und Bildungsangebote. | |||
Im akademischen Bereich spielt die Bibliothek der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) am Standort Tahiche eine wichtige Rolle. Sie versorgt Studierende und Forschende, insbesondere in den Bereichen Pflege, Tourismus und angewandte Wissenschaften, mit Fachliteratur, Datenbanken und digitalen Ressourcen. Diese Einrichtung verbindet die Insel direkt mit dem Hochschulsystem der Kanarischen Inseln und unterstützt die akademische Ausbildung vor Ort. | |||
Neben den klassischen Bibliotheken gibt es auf Lanzarote auch kleinere Kulturhäuser und Einrichtungen, die literarische Nachlässe, regionale Dokumente und historische Materialien bewahren. Diese Sammlungen sind oft Teil von Museen oder kulturellen Zentren und dienen der Bewahrung der lokalen Geschichte, einschließlich der Entwicklung der Inselgesellschaft, der Landwirtschaft und der kulturellen Identität. | |||
Archive im engeren Sinne sind auf der Insel weniger zentralisiert, sondern häufig Teil der kommunalen Verwaltung oder kultureller Institutionen. Wichtige Dokumente zur Geschichte der Insel, etwa aus der Kolonialzeit oder zur Entwicklung der Gemeinden, werden in regionalen oder überregionalen Archiven der Kanarischen Inseln ergänzt und gesichert. | |||
== '''Kultur''' == | == '''Kultur''' == | ||
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=== '''Architektur''' === | === '''Architektur''' === | ||
Die wichtigsten kulturellen Sehenswürdigkeiten der Insel | Die traditionelle Architektur Lanzarotes ist funktional und an das trockene, windreiche Klima angepasst. Häuser sind meist weiß verputzt, mit flachen oder leicht geneigten Dächern und oft mit grünen oder blauen Holzarbeiten an Türen und Fenstern versehen. Diese Farbgestaltung dient nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern hilft auch, Sonnenlicht zu reflektieren und das Raumklima angenehm zu halten. In vielen ländlichen Gebieten werden zudem Natursteine und vulkanische Materialien verwendet, die direkt aus der Umgebung stammen. | ||
Typisch sind auch niedrige Bauformen, Innenhöfe und windgeschützte Strukturen. Aufgrund der starken Passatwinde sind Gebäude häufig so ausgerichtet, dass sie Schutz vor Wind und Sand bieten. In der Landwirtschaft prägen zudem Steinmauern und halbkreisförmige Schutzwälle die Landschaft, die sowohl funktional als auch landschaftsbildprägend sind. | |||
Eine besondere Rolle spielt die Verbindung von Architektur und Landschaftskunst durch César Manrique, der das moderne Erscheinungsbild der Insel entscheidend geprägt hat. Seine Philosophie bestand darin, Bauwerke harmonisch in die natürliche Umgebung einzufügen und großflächige Zersiedelung oder Hochhausarchitektur zu vermeiden. Dadurch blieb das Landschaftsbild Lanzarotes weitgehend unverändert und charakteristisch. | |||
Zu den wichtigsten architektonischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten zählen zahlreiche Orte, die Natur, Kunst und Architektur miteinander verbinden. Dazu gehören die Montañas del Fuego im Timanfaya National Park, wo die rohe Vulkanlandschaft selbst als „natürliche Architektur“ wahrgenommen wird. Ebenso bedeutend sind die unterirdischen Lavatunnel der Cueva de los Verdes sowie die Kunst- und Kulturanlage Jameos del Agua, die in natürliche Höhlen integriert wurden. | |||
Auch der Mirador del Río ist ein herausragendes Beispiel moderner Architektur, da er als Aussichtspunkt nahtlos in eine Klippe integriert wurde und den Blick auf den Chinijo-Archipel ermöglicht. Weitere Beispiele sind der Jardín de Cactus in Guatiza sowie die Fundación César Manrique in Tahiche, die in einem ehemaligen Vulkangesteinshaus untergebracht ist. | |||
Historische Architektur findet sich insbesondere in den alten Befestigungsanlagen wie dem Castillo de Santa Bárbara in Teguise sowie in den Küstenfestungen von Castillo de San Gabriel und Castillo de San José. Diese Anlagen dienten ursprünglich der Verteidigung gegen Piratenangriffe und schützen strategisch wichtige Punkte der Insel. | |||
Auch ländliche Architektur spielt eine wichtige Rolle. Beispiele sind traditionelle Bauernhöfe, Windmühlen, Zisternen und landwirtschaftliche Strukturen, die eng mit der historischen Lebensweise verbunden sind. Das Monumento al Campesino erinnert symbolisch an die landwirtschaftliche Arbeit der Inselbevölkerung. | |||
=== '''Bildende Kunst''' === | === '''Bildende Kunst''' === | ||
Das bedeutendste Zentrum der modernen Kunst ist das Museo Internacional de Arte Contemporáneo (MIAC), das sich in der historischen Festung Castillo de San José befindet. Dieses Museum entstand auf Initiative von César Manrique im Jahr 1976 und gilt als eines der wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst auf den Kanarischen Inseln. Es verbindet die rohe, historische Architektur der Festung mit moderner Kunst und schafft so einen charakteristischen Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart. | |||
Die Sammlung des MIAC umfasst Werke international bedeutender Künstler wie Joan Miró und Antoni Tàpies sowie Arbeiten kanarischer und spanischer Künstler, darunter auch regionale Positionen wie Pancho Lasso. Diese Mischung macht das Museum zu einem wichtigen Ort des kulturellen Austauschs und der künstlerischen Reflexion. Neben den Ausstellungen trägt auch die Lage direkt am Hafen von Arrecife zur besonderen Atmosphäre bei. | |||
Ein weiteres Merkmal der bildenden Kunst auf Lanzarote ist die enge Verbindung zwischen Kunst und Landschaftsgestaltung. César Manrique prägte die Insel nicht nur architektonisch, sondern auch künstlerisch, indem er Kunstwerke bewusst in die natürliche Umgebung integrierte. Dieses Konzept hat die Entwicklung der Insel nachhaltig beeinflusst und dafür gesorgt, dass öffentliche Kunst und Landschaft oft untrennbar miteinander verbunden sind. | |||
Nach dem Tod Manriques im Jahr 1992 entwickelte sich eine neue Generation von Künstlern, die seine Ideen weiterführen oder eigene Wege gehen. Ein Beispiel ist der einheimische Künstler Luis Villalba, der mit seiner Kunstwerkstatt El Taller de Arte (ETDA) in der Region Tías aktiv ist. Seine Arbeit verbindet lokale Einflüsse mit internationalen Kunstströmungen und trägt zur zeitgenössischen Kunstszene der Insel bei. | |||
Neben institutionellen Einrichtungen spielt auch die freie Kunstszene eine wichtige Rolle. Kleine Galerien, Ateliers und kulturelle Initiativen bieten Raum für experimentelle und lokale Kunstformen. Dabei werden häufig Themen wie Natur, Vulkanlandschaft, Identität und Tourismus aufgegriffen, die eng mit dem Leben auf Lanzarote verbunden sind. | |||
Auch Kunst im öffentlichen Raum ist auf der Insel stark präsent. Viele Kreisverkehre, Plätze und Gebäude wurden künstlerisch gestaltet, oft im Sinne der Philosophie Manriques, die eine harmonische Verbindung von Kunst, Architektur und Natur betont. Dadurch wird die gesamte Insel zu einem offenen Kunstraum. | |||
=== '''Literatur''' === | === '''Literatur''' === | ||
Die Literatur | Die lanzarotische Literatur umfasst erzählende Prosa, Lyrik, Essays und zeitgenössische Romane, die häufig Themen wie Isolation, Naturgewalt, soziale Veränderungen und das Leben in einer insularen Gemeinschaft aufgreifen. Dabei spielt die enge Beziehung zwischen Mensch und Landschaft eine zentrale Rolle, da die vulkanische Umgebung oft als symbolischer und atmosphärischer Hintergrund literarischer Werke dient. | ||
Ein bedeutendes Werk der kanarischen Literatur, das auch Lanzarote thematisch berührt, ist der Roman „Mararía“ von Rafael Arozarena. Dieses Werk gilt als moderner Klassiker der kanarischen Literatur und schildert in eindringlicher Weise das Leben in einer abgelegenen, von Traditionen geprägten Umgebung. Die Darstellung der Landschaft und der sozialen Strukturen vermittelt ein intensives Bild des Insellebens und macht den Roman zu einem wichtigen Bezugspunkt für die literarische Auseinandersetzung mit den Kanarischen Inseln. | |||
Neben diesem Klassiker hat sich eine vielfältige zeitgenössische Literaturszene entwickelt. Autoren von der Insel sowie aus dem weiteren kanarischen Raum beschäftigen sich mit Themen wie Identität, Migration, Tourismus, sozialem Wandel und kulturellem Erbe. Dabei entstehen sowohl Romane als auch Kurzgeschichten und Essays, die das moderne Leben auf Lanzarote reflektieren und häufig zwischen lokaler Verwurzelung und globalen Einflüssen vermitteln. | |||
Ein wichtiger Bestandteil der literarischen Kultur sind auch zweisprachige Publikationen, insbesondere spanisch-deutsche Ausgaben, die sich an ein internationales Publikum richten. Diese Werke tragen der starken touristischen Präsenz auf der Insel Rechnung und fördern den kulturellen Austausch zwischen Einheimischen und Besuchern. Sie helfen zudem, die literarische Produktion der Insel über Sprachgrenzen hinweg sichtbar zu machen. | |||
Darüber hinaus finden regelmäßig literarische Veranstaltungen statt, die das kulturelle Leben auf Lanzarote bereichern. Das Lanzarote Literature Festival ist ein Beispiel für ein solches Ereignis, bei dem Autoren Lesungen halten, über ihre Werke diskutieren und sich mit dem Publikum austauschen. Diese Veranstaltungen fördern nicht nur die lokale Literaturszene, sondern stärken auch die kulturelle Bedeutung der Literatur im öffentlichen Leben der Insel. | |||
Lanzarote ist ein | |||
Auch kleinere literarische Initiativen, Schreibwerkstätten und kulturelle Zentren tragen zur Vielfalt bei. Sie bieten Raum für Nachwuchsautorinnen und -autoren und unterstützen die Entwicklung neuer literarischer Stimmen. Besonders in Verbindung mit Schulen und kulturellen Einrichtungen entstehen so Projekte, die die literarische Bildung fördern und kreative Ausdrucksformen stärken. | |||
Inhaltlich spiegeln viele Werke auf Lanzarote die Besonderheiten des Insellebens wider. Dazu gehören Themen wie Abgeschiedenheit, die Kraft der Natur, das Leben in kleinen Gemeinschaften sowie die Veränderungen durch Tourismus und Globalisierung. Die Literatur dient dabei oft als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und als Mittel zur Reflexion kultureller Identität. | |||
=== '''Theater''' === | |||
Das zentrale Theater der Insel ist das '''Teatro Víctor Fernández Gopar “El Salinero”''' in Arrecife. Dieses Haus entstand aus der Umgestaltung einer früheren Bildungseinrichtung und entwickelte sich zu einem modernen Kulturzentrum. Es dient als Hauptbühne für Theateraufführungen, Musicals, Tanzproduktionen, Konzerte und andere darstellende Künste. Durch seine zentrale Rolle ist es ein kultureller Treffpunkt für die gesamte Inselbevölkerung sowie für Besucherinnen und Besucher. | |||
Eine besondere Form des Theaters auf Lanzarote ist eng mit der Landschaftsarchitektur von César Manrique verbunden. Ein herausragendes Beispiel ist das Auditorium in den Jameos del Agua, das in einer natürlichen Lavahöhle integriert wurde. Dieser außergewöhnliche Veranstaltungsort zeichnet sich durch seine natürliche Akustik und die einzigartige Atmosphäre aus, die durch die Verbindung von Kunst, Natur und Architektur entsteht. Hier finden regelmäßig Konzerte und kulturelle Veranstaltungen statt, die weit über die Insel hinaus bekannt sind. | |||
Neben den festen Spielstätten spielt das Festivalwesen eine wichtige Rolle im Theaterleben. Besonders bedeutend ist das Escena Lanzarote, ein Festival der darstellenden Künste, das in der Regel über mehrere Monate stattfindet. Es umfasst ein breites Spektrum an Formen wie Schauspiel, Tanz, Zirkuskunst, Oper, Puppentheater und experimentelle Performances. Dadurch wird die kulturelle Vielfalt der Insel sichtbar und die darstellenden Künste werden einem breiten Publikum zugänglich gemacht. | |||
=== ''' | === '''Film''' === | ||
Die | Die Insel wird häufig als „natürliches Filmset“ genutzt, da ihre vulkanischen Landschaften, Küstenformationen, Strände und architektonisch markanten Orte vielfältige visuelle Hintergründe bieten, die in dieser Form selten sind. Besonders charakteristisch sind die Kontraste zwischen schwarzem Lavagestein, hellen Sandstränden, trockenen Ebenen und modern gestalteten Kunst- und Architekturorten. Diese Vielfalt ermöglicht es Filmproduktionen, unterschiedlichste Szenarien auf engem Raum darzustellen – von futuristischen Landschaften über historische Settings bis hin zu exotischen Naturkulissen. Auch das ganzjährig milde Klima trägt dazu bei, dass Dreharbeiten nahezu jederzeit möglich sind. | ||
Die Insel wird regelmäßig von internationalen Film- und Fotoproduktionen genutzt. Dabei spielt die lokale Filmförderung eine wichtige Rolle. Die Lanzarote Film Commission unterstützt Produktionsfirmen bei Genehmigungen, Drehorten, logistischen Fragen und der Koordination mit lokalen Behörden. Diese institutionelle Unterstützung hat dazu beigetragen, dass Lanzarote sich als verlässlicher Standort für audiovisuelle Produktionen etabliert hat. | |||
Neben der Filmförderung existieren auch spezialisierte Produktionsdienstleister, die umfassende Unterstützung für Dreharbeiten anbieten. Dazu gehören Unternehmen wie Studio- und Servicefirmen, die Leistungen in den Bereichen Location-Scouting, Casting, Ausstattung, Transport, Catering und Produktionsorganisation bereitstellen. Diese Strukturen ermöglichen es internationalen Teams, effizient auf der Insel zu arbeiten. | |||
Die Kinokultur auf Lanzarote selbst ist vergleichsweise klein, aber funktional in das städtische Kulturleben eingebettet. In größeren Orten wie Arrecife gibt es Kinos, die ein Programm aus internationalen Filmen, spanischen Produktionen und gelegentlichen Filmfestivals zeigen. Diese Einrichtungen dienen sowohl der Unterhaltung als auch der kulturellen Bildung und ergänzen das Angebot der darstellenden und bildenden Künste. | |||
=== '''Musik und Tanz''' === | |||
Die traditionelle Musik der Kanarischen Inseln ist stark in Lanzarote verwurzelt und wird häufig bei lokalen Festen, religiösen Feiern und Dorfgemeinschaftsveranstaltungen gespielt. Ein zentrales Instrument ist die Timple, ein kleines, gitarrenähnliches Zupfinstrument, das charakteristisch für die kanarische Musik ist. Es begleitet Gesang und Tanz und bildet das musikalische Fundament vieler traditioneller Stücke. Die Musik ist oft rhythmisch lebhaft, aber auch melancholisch und erzählt Geschichten aus dem Alltag, der Natur und der Geschichte der Inselbewohner. | |||
Zu den wichtigsten traditionellen Tanzformen gehören die Isa, die Folías und die Malagueñas. Die Isa ist meist fröhlich und schnell und wird häufig in Gruppen getanzt, oft bei Volksfesten oder Familienfeiern. Die Folías sind eher langsam und gefühlvoll, während die Malagueñas sowohl musikalisch als auch tänzerisch einen stärkeren emotionalen Ausdruck haben. Diese Tänze werden traditionell in Trachten aufgeführt und sind ein wichtiger Teil der kulturellen Identität der Insel. | |||
Neben der traditionellen Musik hat sich auf Lanzarote eine vielfältige moderne Musikszene entwickelt. In Kulturzentren, Theatern und bei Festivals werden unterschiedliche Genres wie Klassik, Jazz, Rock, Pop und elektronische Musik präsentiert. Besonders bedeutend sind Veranstaltungen wie das Canarias Jazz & Más Festival, das internationale Musiker anzieht und auch auf Lanzarote Station macht. Solche Festivals tragen dazu bei, die Insel in ein überregionales musikalisches Netzwerk einzubinden. | |||
Auch lokale Musikveranstaltungen wie das Teguise Music Showcase bieten Plattformen für regionale und internationale Künstler. Diese Events fördern den Austausch zwischen lokalen Talenten und der internationalen Musikszene und stärken die kulturelle Vielfalt der Insel. | |||
Ein besonders lebendiger Bestandteil der Musik- und Tanzkultur ist der Karneval, der in verschiedenen Gemeinden gefeiert wird, insbesondere in Arrecife. Während dieser Zeit verwandeln sich die Straßen in große Bühnen für Musik, Tanz und farbenfrohe Umzüge. Gruppen von Tänzern und Musikern, sogenannte Comparsas, prägen das Bild mit aufwendigen Kostümen, rhythmischer Percussion und energiegeladenen Choreografien. Der Karneval ist eines der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse des Jahres und zieht sowohl Einheimische als auch Besucher an. | |||
Die Musikszene auf Lanzarote wird zudem durch lokale Bands, Schulen und Kulturvereine getragen, die musikalische Ausbildung und Aufführungen fördern. Viele junge Musiker lernen traditionelle Instrumente, während gleichzeitig moderne Einflüsse aufgenommen werden. Dadurch entsteht eine dynamische Mischung aus Bewahrung und Innovation. | |||
Auch Tanz spielt außerhalb traditioneller Formen eine wichtige Rolle. In Tanzschulen und Kulturzentren werden moderne Tanzstile wie Salsa, Hip-Hop oder zeitgenössischer Tanz gelehrt und aufgeführt. Diese Vielfalt zeigt, wie offen die Insel für neue kulturelle Entwicklungen ist, ohne ihre traditionellen Wurzeln zu verlieren. | |||
=== '''Kleidung''' === | |||
Die Trachten der Insel unterscheiden sich in Details von denen anderer Kanarischer Inseln, weisen jedoch gemeinsame historische Wurzeln auf, die aus ländlicher Alltagskleidung des 18. und 19. Jahrhunderts hervorgegangen sind. Die Materialien waren ursprünglich funktional und regional verfügbar, insbesondere Leinen, Baumwolle und Wolle, die an das Klima und die Arbeitsbedingungen angepasst waren. | |||
Die traditionelle Frauentracht besteht typischerweise aus einem langen, oft gestreiften oder gemusterten Rock, einer schlichten Bluse und einer dekorativen Schürze. Besonders charakteristisch ist der kunstvoll gestaltete Kopfschmuck, der häufig aus feinem Leinen gefertigt wird und in halbkreisförmiger oder gefalteter Form den Kopf bedeckt. Ergänzt wird die Kleidung durch Tücher oder Schultertücher, die sowohl dekorative als auch praktische Funktionen erfüllen. | |||
Die Männertracht ist ebenfalls klar definiert und besteht traditionell aus einem weißen oder naturfarbenen Hemd aus Baumwolle oder Leinen, einer kurzen, eng anliegenden Weste – häufig aus dunklem Stoff – sowie einer langen Hose. Charakteristisch sind zudem Hüte oder Kappen, die regional variieren und teilweise historische oder arbeitsbezogene Ursprünge haben. Holzknöpfe und einfache Stickereien sind typische Details, die die handwerkliche Tradition der Insel widerspiegeln. | |||
Die Tracht ist eng mit dem ländlichen Leben der früheren Bevölkerung verbunden, insbesondere mit Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei. Sie vermittelt ein Bild der sozialen Struktur vergangener Zeiten und wird heute bewusst gepflegt, um dieses kulturelle Erbe zu bewahren. | |||
Bei Festen wie dem Tag der Kanarischen Inseln oder bei traditionellen Romerías wird die Tracht regelmäßig getragen. Diese Veranstaltungen sind nicht nur religiös oder folkloristisch geprägt, sondern auch wichtige soziale Ereignisse, bei denen sich Gemeinden versammeln, gemeinsam feiern und traditionelle Musik, Tanz und Kleidung präsentieren. | |||
=== '''Kulinarik und Gastronomie''' === | |||
Eine zentrale Rolle spielt die Fischküche, die auf der langen Seefahrer- und Küstentradition der Insel basiert. Frischer Fisch und Meeresfrüchte sind in vielen traditionellen Gerichten enthalten. Typisch sind Zubereitungen wie Sancocho, ein klassisches Gericht aus gesalzenem Fisch mit Kartoffeln und Süßkartoffeln, sowie Ropa Vieja de Pescado, bei dem zerkleinerter Fisch in würziger Soße verarbeitet wird. Weitere Spezialitäten sind Fischsuppen, Salpicón de Pulpo (Oktopussalat), sowie gegrillte oder getrocknete Fischgerichte, die oft einfach, aber aromatisch zubereitet werden. | |||
Neben der Fischerei prägt die Landwirtschaft die Inselküche stark. Durch den Trockenfeldbau entstehen trotz schwieriger Bedingungen Produkte wie Kartoffeln, Süßkartoffeln, Zwiebeln, Linsen, Kürbisse, Tomaten und Mais. Diese Zutaten bilden die Grundlage vieler traditioneller Gerichte. Besonders bekannt sind Papas arrugadas con mojo, kleine runzelige Kartoffeln, die in Salzwasser gekocht und mit den charakteristischen Mojo-Soßen serviert werden. Diese Soßen – meist in Varianten wie Mojo rojo und Mojo verde – gehören zu den kulinarischen Erkennungsmerkmalen der gesamten Kanarischen Inseln. | |||
Weitere traditionelle Gerichte sind Caldo de millo, eine Maisbrühe, sowie Caldo de papas, eine Kartoffelsuppe. Auch Eintöpfe wie der Puchero canario sind verbreitet und spiegeln die ländliche, bodenständige Küche wider. Eine besondere Rolle spielt Gofio, ein geröstetes Mehl aus Getreide, meist Weizen oder Mais, das seit vorspanischer Zeit verwendet wird und in Suppen, Desserts oder als Beilage eingesetzt wird. | |||
Die Viehzucht, insbesondere die Ziegenhaltung, ist ebenfalls zentral für die Gastronomie auf Lanzarote. Ziegenfleisch, traditionell als „Baifo“ bezeichnet, wird besonders zu festlichen Anlässen zubereitet. Ebenso bedeutend ist die Herstellung von Ziegenkäse, der sowohl in handwerklicher als auch in moderner Produktion hergestellt wird und einen festen Platz in der regionalen Küche hat. | |||
Auch die süße Küche ist vielfältig und stark von lokalen Zutaten geprägt. Zu den traditionellen Desserts gehören Torrijas, eine Art Arme Ritter, Bienmesabe mit Mandeln, Frangollo sowie Truchas de Navidad, gefüllte Teigtaschen, die besonders in der Weihnachtszeit beliebt sind. Diese Süßspeisen zeigen die Verbindung von spanischen, kanarischen und lokalen Einflüssen. | |||
Ein unverzichtbarer Bestandteil der Gastronomie ist der Weinbau der Insel Lanzarote, insbesondere die Malvasía-Weine aus der Region La Geria. Die vulkanischen Böden und die besondere Anbaumethode im Lavagestein verleihen den Weinen ein einzigartiges Aroma und machen sie zu einem wichtigen kulinarischen Begleiter der Inselküche. | |||
=== '''Festkultur''' === | === '''Festkultur''' === | ||
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* 8. Dezember – Mariä Empfängnis (Inmaculada Concepción) | * 8. Dezember – Mariä Empfängnis (Inmaculada Concepción) | ||
* 25. Dezember – Weihnachten (Navidad) | * 25. Dezember – Weihnachten (Navidad) | ||
Dazu kommen zahlreiche traditionelle und moderne Feste. Die wichtigsten sind: | Dazu kommen zahlreiche traditionelle und moderne Feste. Die wichtigsten sind: | ||
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* Romerías: Pilgerfahrten mit Folklore, Tanz und religiöser Verehrung, zum Beispiel „Romería de Los Dolores“ in Tinajo (Ende August bis Mitte September). | * Romerías: Pilgerfahrten mit Folklore, Tanz und religiöser Verehrung, zum Beispiel „Romería de Los Dolores“ in Tinajo (Ende August bis Mitte September). | ||
* Weihnachts- und Silvesterfeiern: Weihnachtsmärkte, Krippen, Paraden der Heiligen Drei Könige und Silvesterpartys in Arrecife und anderen Gemeinden. | * Weihnachts- und Silvesterfeiern: Weihnachtsmärkte, Krippen, Paraden der Heiligen Drei Könige und Silvesterpartys in Arrecife und anderen Gemeinden. | ||
Des Weiteren gibt es regelmäßige Konzerte, zum Beispiel „Noches de Jameos“, Salsa-Festivals, Rock- und Salsa-Events, Tapas-Messen. Puerto del Carmen und Playa Blanca sind bekannt für lebhafte Nachtleben, Events und Festivals, die vor allem Touristen anziehen. Auch Küstenorte wie Caleta de Famara, Punta Mujeres oder Arrieta bieten sommerliche Feste mit traditionellem Flair. | Des Weiteren gibt es regelmäßige Konzerte, zum Beispiel „Noches de Jameos“, Salsa-Festivals, Rock- und Salsa-Events, Tapas-Messen. Puerto del Carmen und Playa Blanca sind bekannt für lebhafte Nachtleben, Events und Festivals, die vor allem Touristen anziehen. Auch Küstenorte wie Caleta de Famara, Punta Mujeres oder Arrieta bieten sommerliche Feste mit traditionellem Flair. | ||
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* 35572 Masdache, Conil | * 35572 Masdache, Conil | ||
== '''Sport''' == | == '''Sport''' == | ||
Eine der wichtigsten Sportkategorien ist der Wassersport. Besonders Surfen, Windsurfen und Kitesurfen sind auf Lanzarote sehr verbreitet, da die Nord- und Ostküste regelmäßig stabile Wind- und Wellenbedingungen bietet. Die Kombination aus offenen Atlantikwellen und geschützten Buchten ermöglicht sowohl Anfängern als auch erfahrenen Sportlern optimale Bedingungen. Auch Stand-up-Paddling und Bodyboarding sind weit verbreitete Aktivitäten entlang der Küsten. | |||
=== '''Fußball''' === | Ebenso bedeutend ist das Tauchen und Schnorcheln. Die Unterwasserwelt rund um Lanzarote ist durch vulkanische Felsformationen, Höhlen und eine große Artenvielfalt geprägt. Sichtweiten sind häufig sehr gut, was die Insel zu einem beliebten Ziel für Tauchschulen und internationale Tauchtouristen macht. Besonders in geschützten Meeresgebieten können Riffbewohner, Barrakudas, Rochen und verschiedene Fischarten beobachtet werden. | ||
Auf Lanzarote gibt es mehrere aktive Vereine, von denen die '''Unión Deportiva Lanzarote''' (UD Lanzarote) der prominenteste ist. UD Lanzarote wurde 1970 gegründet und spielt aktuell in der Tercera División, der vierthöchsten spanischen Liga, mit Heimspielen im Stadion Ciudad Deportiva de Lanzarote in Arrecife. Der Club hat eine treue Anhängerschaft und eine Nachwuchsförderung, die Fußballtalente beider Geschlechter entwickelt. | |||
Neben Wassersport bietet die Insel auch hervorragende Bedingungen für Landsportarten. Das vulkanische Gelände eignet sich besonders für Mountainbiking, Trailrunning und Wandern. Routen führen durch Lavafelder, Kraterlandschaften und entlang von Küstenklippen und bieten sowohl landschaftliche Vielfalt als auch sportliche Herausforderungen. Besonders beliebt sind Strecken im Bereich des Timanfaya National Park sowie in den Gebirgszügen im Norden und Süden der Insel. | |||
Neben UD Lanzarote ist auch '''US Yaiza''' ein bedeutender Verein auf der Insel, der regionale Wettbewerbe bestreitet. Weitere Clubs, die teilweise in regionalen Ligen spielen, sind CD Marino, CD San Miguel, UD Tamaraceite, CF Panadería Pulido und San Bartolomé. Außerdem findet jährlich der '''Lanzarote International Cup''' statt, ein international bekanntes Jugendfußballturnier, das zahlreiche Teams aus ganz Europa anzieht. | |||
Auch der Radsport hat auf Lanzarote eine hohe Bedeutung. Die Insel gilt als Trainingsort für internationale Profi- und Hobbysportler, insbesondere wegen der konstanten Wetterbedingungen und der anspruchsvollen, aber gut ausgebauten Straßen. Viele Triathleten nutzen die Insel für Trainingslager, da sie sowohl flache Strecken als auch steile Anstiege bietet. | |||
Eine besondere Rolle spielt das Club La Santa, ein international bekanntes Sport- und Trainingsresort im Norden der Insel. Dieses Zentrum bietet Trainingsmöglichkeiten für über 80 verschiedene Sportarten, darunter Leichtathletik, Schwimmen, Tennis, Fußball, Triathlon und viele weitere Disziplinen. Es ist ein wichtiger Standort für Profisportler, Nationalteams und ambitionierte Freizeitsportler und trägt wesentlich zum sportlichen Image der Insel bei. | |||
Darüber hinaus sind auch Freizeit- und Trendsportarten auf Lanzarote verbreitet. Dazu gehören Golf, Paragliding, Kartfahren sowie Fitness- und Wassersportcamps. Die Golfplätze profitieren vom milden Klima, während Paragliding insbesondere die Höhenunterschiede und Küstenwinde nutzt, um spektakuläre Flüge über die Landschaft zu ermöglichen. | |||
Der Sport ist auch eng mit dem Tourismus verbunden. Viele Besucher reisen gezielt nach Lanzarote, um sportliche Aktivitäten mit Urlaub zu verbinden. Hotels und Resorts bieten häufig eigene Sportprogramme, Kurse und Ausrüstungsverleih an, wodurch Sport zu einem zentralen Bestandteil des touristischen Angebots wird. | |||
Neben dem Freizeit- und Profisport gibt es auch eine aktive lokale Sportszene. Fußball, Basketball und Leichtathletik sind in Schulen und Vereinen stark vertreten. Regionale Wettbewerbe und Jugendprogramme fördern den Nachwuchs und sorgen für eine breite sportliche Basis auf der Insel Lanzarote. | |||
=== '''Fußball''' === | |||
Auf Lanzarote gibt es mehrere aktive Vereine, von denen die '''Unión Deportiva Lanzarote''' (UD Lanzarote) der prominenteste ist. UD Lanzarote wurde 1970 gegründet und spielt aktuell in der Tercera División, der vierthöchsten spanischen Liga, mit Heimspielen im Stadion Ciudad Deportiva de Lanzarote in Arrecife. Der Club hat eine treue Anhängerschaft und eine Nachwuchsförderung, die Fußballtalente beider Geschlechter entwickelt. | |||
Neben UD Lanzarote ist auch '''US Yaiza''' ein bedeutender Verein auf der Insel, der regionale Wettbewerbe bestreitet. Weitere Clubs, die teilweise in regionalen Ligen spielen, sind CD Marino, CD San Miguel, UD Tamaraceite, CF Panadería Pulido und San Bartolomé. Außerdem findet jährlich der '''Lanzarote International Cup''' statt, ein international bekanntes Jugendfußballturnier, das zahlreiche Teams aus ganz Europa anzieht. | |||
=== '''Lucha Canaria''' === | |||
Lucha Canaria ist ein traditioneller kanarischer Ringkampfsport mit tief verwurzelter Bedeutung auf Lanzarote. Der Kampf findet auf einem runden, mit Sand bedeckten Platz statt, wobei zwei Kontrahenten versuchen, den Gegner mit erlaubten Griffen so zu Boden zu bringen, dass dieser einen anderen Körperteil als die Füße berührt. Lucha Canaria basiert auf Respekt, Fairness und Tradition und ist eng mit der Kultur und den Festen auf Lanzarote verbunden, etwa bei Sportveranstaltungen rund um das San Ginés Fest in Arrecife. Die Insel fördert aktiv diesen Nationalsport mit Vereinen und Wettkämpfen, die eine bedeutende Rolle im lokalen Gemeinschaftsleben spielen. | |||
== '''Persönlichkeiten''' == | |||
Der Künstler César Manrique trug entscheidend zur Gestaltung der Insel bei. Manrique hat es erreicht, dass außer einem Hochhaus in der Hauptstadt Arrecife, welches bereits stand, bevor César mit seinem Schulfreund die entsprechenden Gesetze durchsetzte, kein Gebäude auf der Insel höher als drei Stockwerke (also eine ausgewachsene Palme) gebaut werden durfte, und somit die Insel nicht für den typischen Massentourismus geeignet war. Diese Entwicklung hat sich seit einigen Jahren zunehmend verändert, so dass in den Touristenhochburgen Costa Teguise, Puerto del Carmen und Playa Blanca in Richtung der Papagayo-Strände nun ebenfalls höher gebaut wird. Die Gestaltung der Häuser sah außerdem vor, sie generell weiß zu streichen, und in Fischerorten deren Fensterläden, Türen und Gartenzäune blau, und in landwirtschaftlichen Gegenden grün abzusetzen. Inzwischen sind Grün und Blau, aber auch Braun oder Naturholzfarben inselweit vermischt. | |||
Die wichtigsten mit Lanzarote verbundenen Persönlichkeiten sind: | |||
* Zonzamas (um 1377), Inselhäuptling | |||
* Porincesa Ico (um 1378 bis nach 1400), indigene „Prinzessin“ | |||
* Guadarfia (um 1500), letzter indigener Herrscher von Lanzarote | |||
* Alfonso Espínola (1845 bis 1905), nach Uruguay ausgwanderter Arzt | |||
* Pancho Lasso [1904 bis 1973), Bildhauer | |||
* César Manrique (1919 bis 1992), Künstler, Architekt, Bildhauer und Umweltschützer | |||
* Juan Brito Martín (1919 bis 2018), Archäoloige und Volkskundler | |||
* Aurelianoi Negrín (1927 bis 2010), Offizier und Politiker | |||
* Dimas Martín (* 1948), Politiker | |||
* Rosana (* 1963), Sängerin | |||
* Pedro Jorge Romero (* 1967), Schriftsteller | |||
* Goya Toledo (* 1969), Schauspielerin und Fotomodell | |||
* Santi Torres (* 1976), Fußballer | |||
* Jonathan Pérez Olivero (* 1984), Politiker | |||
* Miguel González Ortega (* 1987), Fußballer | |||
== '''Fremdenverkehr''' == | |||
Der Fremdenverkehr auf der Insel Lanzarote ist der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig und prägt nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Die Insel gehört zu den etablierten Reisezielen der Kanarischen Inseln und verzeichnet seit Jahrzehnten eine stabile bis wachsende Zahl internationaler Besucher. Besonders stark vertreten sind Reisende aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Irland, Frankreich und Spanien, die das ganzjährig milde Klima und die besondere Vulkanlandschaft schätzen. | |||
Auch im Jahr 2025 zeigte sich ein anhaltender Aufwärtstrend bei den Besucherzahlen. In einzelnen Monaten wurden mehrere hunderttausend Touristen gezählt, was die hohe Bedeutung der Insel im europäischen Urlaubstourismus unterstreicht. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt meist zwischen einer Woche und gut acht Tagen. Gleichzeitig steigen die durchschnittlichen Ausgaben pro Gast, was den wirtschaftlichen Wert des Tourismus zusätzlich erhöht. | |||
Ein zentrales Merkmal des Tourismus auf Lanzarote ist die strategische Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. Die Insel verfolgt seit Jahren ein Modell, das eher auf Qualität als auf massenhafte Besucherzahlen setzt. Ziel ist es, die empfindlichen natürlichen Ressourcen sowie die kulturelle Identität der Insel Lanzarote langfristig zu schützen. Diese Strategie steht in engem Zusammenhang mit der besonderen Landschaft und der architektonischen Gestaltung, die stark durch César Manrique geprägt wurde. | |||
Die touristische Infrastruktur ist gut entwickelt und umfasst eine breite Palette an Unterkunftsmöglichkeiten. In den Haupttourismuszentren wie Puerto del Carmen, Playa Blanca und Costa Teguise finden sich große Hotelanlagen, Apartmentkomplexe, Ferienwohnungen und Resorts. Diese Orte sind besonders auf internationale Gäste ausgerichtet und bieten eine umfassende touristische Infrastruktur mit Restaurants, Freizeitangeboten und Einkaufsmöglichkeiten. | |||
Neben großen Hotels spielen auch kleinere Unterkünfte eine wichtige Rolle. Dazu gehören Boutique-Hotels, Landhäuser (Casas rurales), Ferienwohnungen und individuell geführte Pensionen. Diese Unterkünfte richten sich oft an Besucher, die eine ruhigere und authentischere Erfahrung suchen und stärker in die lokale Umgebung eingebunden sein möchten. | |||
Ein wichtiger Bestandteil des Tourismus sind zudem All-inclusive-Resorts und spezialisierte Hotelanlagen, die sich auf Sport, Wellness oder Familienurlaub konzentrieren. Viele dieser Einrichtungen bieten zusätzliche Dienstleistungen wie Ausflüge, Sportprogramme oder Wellnessangebote an und sind stark in die lokale Wirtschaft eingebunden. | |||
Die | Die touristische Entwicklung hat auch Auswirkungen auf andere Sektoren wie Gastronomie, Verkehr und Kultur. Restaurants, Freizeitangebote, Ausflugsveranstalter und lokale Produzenten profitieren direkt vom Besucherstrom. Gleichzeitig führt der hohe Tourismusanteil auch zu Herausforderungen, etwa im Bereich Wasserverbrauch, Infrastruktur und Umweltschutz. | ||
== '''Literatur''' == | == '''Literatur''' == | ||
Aktuelle Version vom 28. Juni 2026, 17:38 Uhr
Lanzarote ist die dem spanischen Mutterland am nächsten gelegene Kanarische Insel. Sie ist bekannt für ihre Feuerberge im Timanfaya-Nationalpark, weiße Häuser mit grünen Fensterläden und das milde, ganzjährig angenehme Klima, das sie zu einem beliebten Reiseziel für Naturliebhaber und Sportler macht.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | Lanzarote |
| alternative Bezeichnungen | Tytheroygatra,Tylerogakaet, Toicusa, Dolatelac (altkanarisch), Insula de Lançarotus Marocelus (1339), Lancelotto, Lanzarotto, Lansalotto, Lanzaroto, Insula Lanzarotta (14. bis 16. Jahrhundert), sla del Fuego, Isla de los Vulcanes, Isla Mítica (poetisch), Conejera (lokal) |
| Kategorie | Meeresinsel |
| Inseltyp | echte Insel |
| Inselart | vulkanische Insel |
| Gewässer | Atlantischer Ozean (Océano Atlántico) |
| Inselgruppe | Kanarische Inseln (Islas Canarias) |
| politische Zugehörigkeit | Staat: Spanien (Reino de España) Region: Kanarische Inseln (Comunidad Autónoma de Canarias) Provinz: Las Palmas |
| Gliederung | 7 municipios (Gemeinden) 69 entidades (Siedlungsbereiche), davon 68 auf Lanzarote |
| Status | Inselgemeinschaft (comunidad insular) |
| Koordinaten | 29°10‘ N, 13°35‘ W |
| Entfernung zur nächsten Insel | 140 m (Islote de San Gabriel), 1,0 km (La Graciosa) |
| Entfernung zum Festland | 127 km (Tarfaya / Marokko) |
| Fläche | 806,79 km² / 311,47 mi² (mit Nebeninseln 845,935 km² / 326,6 mi²) |
| geschütztes Gebiet | 351 km² / 135,5 mi² (43,5 %) |
| maximale Länge | 57,5 km (NO-SW) |
| maximale Breite | 20,6 km (NW-SO) |
| Küstenlänge | 247,5 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Atlantischer Ozean) |
| höchste Stelle | 671 m (Peñas del Clache) |
| relative Höhe | 671 m |
| mittlere Höhe | 35 m |
| maximaler Tidenhub | 2,6 bis 3,0 m (Puerto de Arrecife 2,9 m) |
| Zeitzone | HCE (Hora Central Europea / Mitteleuropäische Zeit, UTC+1) |
| Realzeit | UTC minus 53 bis 56 Minuten |
| Einwohnerzahl | 163.510, Verwaltungseinheit 163 230 (2024) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 202,67, Verwaltungseinheit 192,96 |
| Inselzentrum | Arrecife |
Name
Der Name Lanzarote, gesprochen [ˌlansaˈɾote[ bzw. ]ˌlanθaˈɾote], historisch auch Lancelotto, Lanzarotto, Lansalotto und Lanzaroto, mittellateinisch Insula Lanzarotta, geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf den genuesischen Seefahrer Lanzarote da Framqua alias Lancilotto Maloxelo bzw. Lanceloto Malocello zurück, der die Insel im 1336 zum ersten Mal besuchte und dessen Anwesenheit offenbar Spuren hinterlassen hat: Die Burg von Guanapay, die älteste auf Lanzarote, soll auf einem alten Turm aus dem Jahr 1336 erbaut worden sein, der von Malocello errichtet wurde. Auf der ersten Portolankarte des Mallorquiners Angelino Dulcert aus dem Jahr 1339, die die Kanarischen Inseln in ihrer heutigen Form mehr oder weniger wiedergibt, wird Lanzarote als Insula de Lançarotus Marocelus bezeichnet. Auf späteren Karten und Seekarten erfährt diese Bezeichnung phonetische Veränderungen, aber es besteht kein Zweifel, dass der heutige Name von jenem Seefahrer stammt, der einst dort landete.
Eine andere Theorie vertritt der Historiker Antonio de Nebrija. Er leitet sich der Name von spanisch lanza rota „kaputte Lanze“ ab, da dem Eroberer Juan de Bethencourt beim Betreten der Insel eine Lanze brach. So schön diese These auch klingt, beweisbar ist sie nicht und auch ungewöhnlich, da es im Spanischen korrekt lanza quebrada „gebrochene Lanze“ heißen müsste. Autoren wie Leonardo Torriani, Juan de Abréu Galindo und José de Viera y Clavijo aus Teneriffa nahmen an, dass die Inselbezeichnung von französisch lance l'eau stammt, was „wirf das Wasser” bedeutet. Dies soll der freudige Ausruf der Franzosen gewesen sein, als sie die Küste Lanzarotes erblickten. Für den Philologen Sebastián Sosa Barroso leitet sich der Name der Insel von Isla Cerote oder La cerote ab, wobei cerote der Saft der Tabaiba ist. Lanzarote beschreibe demgemäß im Lateinischen eine Art „Harz“ oder „Gummi“ sei. Auf der Insel gibt es nämlich viele Sträucher, Tabaiba genannt, deren Saft süß und dickflüssig ist und würdig sei, um im Namen der Insel verewigt zu werden.
Als altkanarische Bezeichnungen sind Tytheroygatra bzw. Tylerogakaet, was als „die Verbrannte” übersetzt werden kann, sowie Toicusa und Dolatelac überliefert. In der Antike wurde die Insel lateinisch Iunonia genannt - nach der Göttin Juno. Moderne „Kosenamen” sind spanisch Isla del Fuego, zu Deutsch „Feuerinsel”, Isla de los Vulcanes, „Insel der Vulkane”, und Isla Mítica, „mythische Insel”. Die Einheimischen nennen ihre Insel auch gern Conejera, „Kaninchen”.

- international: Lanzarote
- amharisch: ላንዛሮቴ [Lānzarōtē]
- arabisch: لانزاروتي [Lānzārūtī]
- armenisch: Լանսարոտե [Lansarote]
- aserbaidschanisch: Lansarote
- bengalisch: লানজারোটে [Lānzārōṭē]
- biharisch: लान्जारोटे [Lānʒārōṭē]
- birmanisch: လန်ဇာရိုတယ် [Lansarote]
- bulgarisch: Лансароте [Lanzarote]
- chinesisch: 兰萨罗特 [Lánsàluótè]
- georgisch: ლანზაროტე [Lanzarote]
- griechisch: Λανθαρότε [Lantharóte]
- gudscheratisch: લાનઝારોટ [Lānjhāroṭ]
- hebräisch: לנזרוטה [Lanzarnote]
- hindi: लान्जारोटे [Lānʒārōṭē]
- japanisch: ランサローテ [Ransarōte]
- kambodschanisch: លាន់ហ្សារូត [Lānzārut]
- kanaresisch: ಲಾಂಜರೋಟೆ [Lānjarōṭe]
- kasachisch: Лансароте [Lanzarote]
- koreanisch: 란자로테 [Ranjatote]
- laotisch: ລານຊາໂຣເຕ [Lānsaroté]
- lateinisch: Iunonia, Insula Lanzarotta
- lettisch: Lansarote
- litauisch: Lansarotė
- makedonisch: Лансароте [Lanzarote]
- malayalam: ലാൻസറോട്ട് [Lānsaṟōṭṭ]
- maldivisch: ލާނޒާރޯޓް [Lānzārōt]
- marathisch: लान्झारोटे [Lānjhāroṭe]
- nepalesisch: लान्झारोटे [Lānjhāroṭe]
- orissisch: ଲାନ୍ଜାରୋଟେ [Lānjāroṭe]
- pandschabisch: ਲਾਂਜ਼ਾਰੋਟੇ [Lānzāroṭe]
- paschtunisch: لانزاروټې [Lānzāroṭe]
- persisch: لانزاروت [Lānzārūt]
- russisch: Лансароте [Lanzarote]
- serbisch: Лансароте [Lanzarote]
- singhalesisch: ලන්සහරෝටේ [Lansaharōṭē]
- tamilisch: லான்ஜரோட்ட [Lānjaroṭṭa]
- thai: ลันซาโรเต [Lansa Roté]
- tibetisch: ལན་ཟ་རོ་ཏེ [Lan Za Ro Te]
- ukrainisch: Лансароте [Lanzarote]
- urdu: لانزاروٹ [Lānzārōṭ]
- weißrussisch: Лансароте [Lanzarote]
Offizieller Name: Lanzarote
- Bezeichnung der Bewohner: Lanzaroteños (Lanzarotener)
- adjektivisch: lanzaroteño (lanzarotisch)
Kürzel:
- Code: LR / LNZ
- Kfz: -
- ISO-Code: ES.IC.LR
Lage
Lanzarote liegt im äußeersten Nordosten der Kanarischen Inseln auf durchschnittlich 29°10‘ n.B. und 13°35‘ w.L.. Die Insel liegt 127 km westlich der marokkanischen Küste und über 700 km vom spanischen Festland entfernt.

Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 29°14‘24“ n.B. (Punta Fariones) bzw. 29°24’35“ n.B. (Punta Mosegos / Alegranza)
- südlichster Punkt: 28°50’12“ n.B. (Punta de Papagayo)
- östlichster Punkt: 13°25'09" w.L. (Punta Prieta) bzw. 13°19’59“ w.L. (Roque del Este)
- westlichster Punkt: 13°53’31“ w.L. (Punta Ginés)
Entfernungen:
- Islote de San Gabriel 140 m
- La Graciosa 1 km
- Isla de Lobos 8 km
- Fuerteventura 11 km
- Marokko (Tarfaya) 127 km
- Gran Canaria / Kanaren (La Isleta) 167 km
- Teneriffa / Kanaren (Punta de Anaga) 220 km
- Gomera / Kanaren (Punta de San Cristóbal) 325 km
- La Palma / Kanaren (Punta Salinas) 375 km
- Hierro / Kanaren (Punta Caleta) 410 km
- Madeira (Ponta do Garajau) 455 km
- Spanien (Cap Trafalgar) 725 km
Zeitzone
In Lanzarote gilt die Hora Central Europea bzw. Central European Time (Mitteleuropäische Zeit), abgekürzt HCE bzw. CET (MEZ). Die Realzeit liegt um 53 bis 56 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).
Fläche
Lanzarote hat eine Fläche von 845,935 km² bzw. 326,6 mi². Davon entfallen 806,79 km² auf die Hauptinsel und 39.14 km² auf 12 Nebeneilande. Inklusive Flutbereich umfasst Lanzarote 847 km². Der Archipel durchmisst von Nordosten nach Südwesten zwischen Punta Mosegos auf Alegranza und Punta de Pechiguera 74,5 km, von Nordnordwesten nach Südsüdosten zwischen La Isleta Punta de la Lagarta 21,5 km. Die Hauptinsel durchmisst von Nordosten nach Südwesten 57,5 km bei einer maximalen Breite von 20,6 km. Die Küste ist insgesamt 247,5 km lang, darunter 192,5 km Steilküste, 19,5 km Hafenbereiche, 16,5 km Kies-, 10 km Sandstrand und 9 km Felsküste. Der Tidenhub beträgt 2,6 bis 3,0 m, in Puerto de Arrecife 2,9 m. Höchster Punkt ist der Peñas del Chache mit 671 m. Die mittlere Seehöhe liegt bei 35 m.
Flächenaufteilung um 2000:
- Ödland 624,69 km² (71,8 %)
- Agrarland "30,27 km² [27,2 %)
- Wiesen und Weiden 170,99 km²
- Äcker und Gärten 59,28 km²
- Siedlungsland 8,10 km² (0,9 %)
- Waldland 0,96 km² (0,1 %)
Geologie
Lanzarote ist eine Insel vulkanischen Ursprungs. Vor rund 36 Millionen Jahren begannen wiederholte unterseeische Vulkanausbrüche den Sockel der Insel zu bilden. Diese Eruptionen entstanden als Erscheinungen von Intraplattenvulkanismus durch Kontinentaldrift und Hotspot-Vulkanismus. Ausführlicheres dazu im Artikel Kanarische Inseln. Vor 15,5 Millionen Jahren wuchs Lanzarote über die Meeresoberfläche hinaus. Das Geodynamisches Labor Lanzarote erforscht die dazugehörigen terrestrischen, ozeanischen und atmosphärischen Phänomene.
Die Oberfläche Lanzarotes ist durch vier vulkanische Phasen entstanden, die meist durch die Kalium-Argon-Datierung nachgewiesen sind:
- Phase 1: Hier entstanden das Famara-Gebirgsmassiv im Norden, der zweithöchste Gebirgszug Los Ajaches, der östliche Teil der Rubicón-Ebene, sowie einzelne Vulkane bei Tías im Südosten. Diese Eruptionsphase fand vor 15,5 bis 3,8 Millionen Jahren statt, unterbrochen durch Zeiten, die von Erosion geprägt waren.
- Phase 2: Hier entstanden der westliche Teil der Rubicón-Ebene mit dem Montaña Roja, einige Vulkane im Inselinneren, sowie der Montaña de Guanapay bei Teguise und der Atalaya bei Haría im Norden. Diese eruptive Phase fand vor etwa vor 1,3 bis 2,7 Millionen Jahren statt.
- Phase 3: Hier gab es bis zu 100 Eruptionszentren, die sich vor etwa 730.000 bis 240.000 Jahren über die ganze Insel verteilt haben.
- Phase 4: Hier wird unterschieden: Die erste Eruptionsphase ließ vor gut 3.000 Jahren im Nordosten Lanzarotes das 30 Quadratkilometer große Malpaís de la Corona und damit auch die bekannte Cueva de los Verdes entstehen. Die zweite Eruptionsphase ereignete sich von 1730 bis 1736 und 1824, wobei über 23 Prozent der Fläche Lanzarotes mit etwa 3 bis 5 km³ neuer Lava aus etwa 30 neuen Vulkankratern bedeckt wurden. Diese Größenordnung ist hinsichtlich Dauer, eruptierter Lavamengen und Zusammensetzung der Laven (unter anderem Olivin-Basalt) in historischer Zeit weltweit eine der bedeutendsten, höchstens noch vergleichbar mit den Eruptionen der Eldgjá (um 934) und der Laki-Krater (1783/84) in Island. Heute erstreckt sich auf einem Großteil dieses Gebietes der Timanfaya-Nationalpark.
Die bisher letzten Vulkanausbrüche auf der Insel fanden im Jahre 1824 statt. Am 31. Juli begann der Ausbruch des Vulkan de Clérigo Duarte. Über 14 Kilometer lang war die Eruptionsspalte. Bei Punte del Cochino wälzte sich eine sechs Kilometer lange Lavamasse ins Meer. Vorangegangen waren 10 Jahre lang zahlreiche Erdbeben mittlerer Stärke. Die Besonderheiten dieses Ausbruchs waren die Dünnflüssigkeit der Lava, und die enormen Säulen kochenden Salzwassers, die aus den Kratern herausschlugen und die Gegend überschwemmten. Der letzte der Lavaströme bedrohte das Dorf Mancha Blanca. In ihrer Not liehen sich die Bewohner von Mancha Blanca aus der Kirche in Tinajo die Statue der Virgen de los Dolores. Damit zogen sie in einer Prozession der glühenden Lava entgegen. Das Wunder geschah: Kurz vor dem ersten Haus des Ortes erkaltete die Lava. Heute steht an dieser Stelle ein Holzkreuz. Noch heute wird dieser Tag regelmäßig mit einer Prozession gefeiert.
Landschaft
Die Landschaft der Insel Lanzarote gehört zu den außergewöhnlichsten Europas und ist fast vollständig durch vulkanische Prozesse geprägt. Gewaltige Lavafelder, erkaltete Vulkankegel, schroffe Küsten, ausgedehnte Ebenen und bizarre Felsformationen verleihen der Insel ihr unverwechselbares Erscheinungsbild. Gleichzeitig sorgen der geringe Niederschlag und die spärliche Vegetation dafür, dass die geologischen Strukturen nahezu unverdeckt sichtbar sind. Lanzarote gilt deshalb als eine der eindrucksvollsten Vulkanlandschaften der Erde.
Die Insel erstreckt sich von der nördlichsten Landspitze, der Punta Fariones, bis zur südlichen Punta Pechiguera über eine Länge von rund 58 Kilometern. Ihre größte Ost-West-Ausdehnung beträgt etwa 34 Kilometer. Mit einer Fläche von 845,93 Quadratkilometern ist Lanzarote die viertgrößte Insel der Kanaren und umfasst rund 11,3 Prozent der Gesamtfläche des Archipels. Südlich der Insel liegt in einer Entfernung von etwa 11,5 Kilometern Fuerteventura. Im Norden trennt nur ein rund ein Kilometer breiter Meeresarm Lanzarote vom Chinijo-Archipel mit den Inseln La Graciosa, Montaña Clara, Alegranza, Roque del Oeste und Roque del Este.
Die Küstenlinie besitzt eine Gesamtlänge von etwa 213 Kilometern. Davon entfallen lediglich rund zehn Kilometer auf Sandstrände und etwa 16,5 Kilometer auf Kiesstrände. Der weitaus größte Teil der Küste besteht aus steilen Lavaklippen, schroffen Felsbuchten und vulkanischen Steilküsten, die unmittelbar aus dem Atlantik aufragen. Besonders eindrucksvoll präsentieren sich die hohen Steilküsten im Norden, während im Süden und Osten zahlreiche kleinere Buchten und natürliche Strände das Landschaftsbild ergänzen.
Das Relief der Insel wird von zwei größeren Gebirgszügen geprägt. Im Norden erhebt sich das Famara-Massiv, dessen höchster Gipfel, die Peñas del Chache, eine Höhe von 671 Metern erreicht und damit den höchsten Punkt der Insel bildet. Das Massiv endet nach Westen in den spektakulären Steilklippen des Risco de Famara, die mehrere hundert Meter nahezu senkrecht zum Atlantik abfallen und einen eindrucksvollen Blick auf La Graciosa ermöglichen.
Im Süden befindet sich das deutlich ältere Gebirge der Los Ajaches, dessen höchste Erhebung 608 Meter erreicht. Dieses stark erodierte Vulkanmassiv gehört zu den ältesten geologischen Strukturen Lanzarotes und unterscheidet sich deutlich von den jüngeren Vulkanlandschaften im Inselinneren. Seine zerklüfteten Berghänge und tief eingeschnittenen Täler geben Einblicke in die frühe vulkanische Entwicklung der Insel.
Zwischen dem Famara-Massiv und den Vulkangebieten des Südwestens erstreckt sich die weitläufige Sandebene von El Jable. Diese Landschaft besteht aus feinem, vom Wind verfrachtetem Muschel- und Kalksand, der sich über Jahrtausende angesammelt hat. El Jable bildet eine ungewöhnliche Übergangszone zwischen Gebirge und Lavafeldern und wird bis heute teilweise landwirtschaftlich genutzt. Gleichzeitig stellt die Sandlandschaft einen wichtigen Lebensraum für spezialisierte Pflanzen- und Tierarten dar.
Den bekanntesten Landschaftsraum bildet jedoch das Gebiet der sogenannten Feuerberge, die Montañas del Fuego, im Timanfaya National Park. Hier ereigneten sich zwischen 1730 und 1736 die größten historisch dokumentierten Vulkanausbrüche der Kanarischen Inseln. Innerhalb von sechs Jahren entstanden zahlreiche neue Vulkankegel, ausgedehnte Lavafelder und Aschelandschaften. Etwa ein Viertel der Insel wurde von Lava und vulkanischer Asche überdeckt. Besonders schwer betroffen waren die damals fruchtbarsten landwirtschaftlichen Gebiete. Mehrere Dörfer und Gehöfte mit insgesamt etwa 420 Häusern verschwanden vollständig unter den Lavamassen. Weitere Eruptionen folgten im Jahr 1824 und veränderten einzelne Bereiche der Landschaft erneut.
Heute präsentiert sich das Timanfaya-Gebiet als nahezu vegetationslose Vulkanlandschaft mit schwarzen und rötlichen Lavafeldern, Aschekegeln, erstarrten Lavaströmen und zahlreichen Kratern. Aufgrund der noch immer vorhandenen geothermischen Aktivität herrschen bereits wenige Meter unter der Erdoberfläche Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius, was den Nationalpark weltweit einzigartig macht.
Abseits der großen Vulkanfelder wird Lanzarote von einer sanft gewellten Hügellandschaft geprägt, aus der zahlreiche markante Vulkankegel herausragen. Diese sogenannten Schlackenkegel entstanden während verschiedener Eruptionsphasen und verleihen der Insel ihr charakteristisches Relief. Viele dieser Vulkane sind heute vollständig erloschen und können bestiegen werden. Von ihren Gipfeln bieten sich weite Ausblicke über Lavafelder, Küsten und das umliegende Meer.
Charakteristisch für Lanzarote sind außerdem die zahlreichen Lavahöhlen und Lavatunnel, die beim Abfließen glühender Lava entstanden. Zu den bekanntesten gehören die Höhlensysteme der Cueva de los Verdes sowie die Jameos del Agua, in denen eingestürzte Decken ehemaliger Lavatunnel eindrucksvolle unterirdische Landschaften geschaffen haben.
Auch der Mensch hat das Landschaftsbild nachhaltig geprägt. Besonders in den Weinbaugebieten von La Geria wurden Tausende trichterförmige Vertiefungen in die vulkanische Ascheschicht gegraben, um Weinreben vor Wind zu schützen und die nächtliche Feuchtigkeit zu speichern. Diese einzigartige Kulturlandschaft gilt weltweit als Beispiel für die erfolgreiche Anpassung der Landwirtschaft an extreme Naturbedingungen.
Erhebungen
- Peñas del Chache (Macizo de Famara) 671 m
- Montaña de Guardilama 603 m
- Monte Corona 603 m
- Peña de Juan Estevez 577 m
- Hacha Grande 562 m
- Montaña Tamia 551 m
- Montaña Negra 513 m
- Montaña Tesa 506 m
- Tinasoria 506 m
- Peña de la Pequeña 501 m
- Montaña Blanca 460 m
- Pico de Maramajo 455 m
- Pico de los Cuervos 451 m
- Montaña Ortiz 451 m
- Montaña de Guanapay 448 m
See
- Charco de los Clicos 0,03 km²
Inseln
- Lanzarote 806,79 km²
- Graciosa 27,45 km²
- Alegranza 10,20 km²
- Montaña Clara 1,33 km²
- Roque del Infierno del Oeste 0,07 km²
- Roque del Este 0,06 km²
Flora und Fauna
Die Landschaft auf Lanzarote ist geprägt von widerstandsfähigen, wasserspeichernden Pflanzen wie Wolfsmilchgewächsen, Sukkulenten und salztoleranten Arten, während die Fauna aus Echsen, Geckos, kleinen Nagetieren, verschiedenen Vogelarten sowie der einzigartigen blinden Krebsart „weißer Mönch“ in den Lavahöhlen und einer vielfältigen Meereswelt mit Delfinen und Walen besteht.
Flora
Die Vegetation wird vor allem von Pflanzen bestimmt, die sich an extreme Trockenheit angepasst haben. Besonders verbreitet sind sukkulente Pflanzen, die Wasser in ihren Blättern oder Stängeln speichern können, Xerophyten, die durch kleine Blätter, Dornen oder dicke Wachsschichten Wasserverluste minimieren, sowie salztolerante Pflanzen, die auch in küstennahen Bereichen mit salzhaltigen Böden gedeihen können. Diese Anpassungen ermöglichen es der Vegetation, selbst lange Trockenperioden und intensive Sonneneinstrahlung zu überstehen.
Nach vulkanischen Ausbrüchen beginnt die Wiederbesiedlung des jungen Lavagesteins zunächst mit Flechten. Diese niederen Pflanzen gehören zu den ersten Organismen, die auf den nährstoffarmen Lavaflächen wachsen können. Bis heute wurden auf Lanzarote etwa 180 verschiedene Flechtenarten nachgewiesen. Sie spielen eine entscheidende ökologische Rolle, da sie das Gestein langsam verwittern lassen und organisches Material bilden. Dadurch schaffen sie die Voraussetzungen für die sogenannte ökologische Sukzession, also die allmähliche Entwicklung einer immer vielfältigeren Pflanzengesellschaft.
Sobald sich erste dünne Bodenschichten gebildet haben, folgen höhere Pflanzenarten. Besonders charakteristisch sind verschiedene Wolfsmilchgewächse der Gattung Euphorbia, die auf den Kanaren als Tabaiba bezeichnet werden. Diese Pflanzen gehören zu den auffälligsten Vertretern der trockenen Buschvegetation Lanzarotes. Sie besitzen wasserspeichernde Gewebe und sind hervorragend an die Trockenheit sowie den nährstoffarmen Vulkanboden angepasst. Gemeinsam mit anderen sukkulenten Sträuchern prägen sie weite Teile der Landschaft.
Im feuchteren Norden der Insel ist die Pflanzenwelt deutlich artenreicher als im Süden. Durch die höheren Niederschläge und den häufig auftretenden Passatnebel können dort auch anspruchsvollere Pflanzen gedeihen. Besonders charakteristisch ist die Kanarische Dattelpalme, die zu den bekanntesten endemischen Baumarten der Kanaren zählt. Hinzu kommen verschiedene Farnarten, die vor allem in schattigen und feuchteren Bereichen wachsen. Ebenfalls vertreten ist die Kanarische Kiefer, deren Anpassungsfähigkeit sie zu einer der wichtigsten Baumarten des Archipels macht. Vereinzelt findet sich zudem der wilde Ölbaum (Olea europaea), der als Relikt früherer Vegetationsformen gilt.
Ein besonders eindrucksvolles Naturschauspiel bietet sich nach den winterlichen Regenfällen. Vor allem im Februar und März erwacht die Vegetation im Norden der Insel zu neuem Leben. Zahlreiche einjährige Pflanzen keimen innerhalb weniger Wochen und verwandeln die ansonsten karge Vulkanlandschaft in ein farbenfrohes Blütenmeer. Diese kurze Blütezeit stellt einen wichtigen Abschnitt im Jahreszyklus vieler Pflanzenarten dar und bietet zugleich zahlreichen Insekten Nahrung.
Historisch war die Vegetation Lanzarotes wesentlich vielfältiger. Wissenschaftliche Untersuchungen und historische Berichte gehen davon aus, dass die Hochflächen des Risco de Famara früher von ausgedehnten Lorbeerwäldern bedeckt waren. Diese feuchten Nebelwälder gehörten einst zu den charakteristischen Pflanzengesellschaften der Kanarischen Inseln. Durch Rodungen, Beweidung und klimatische Veränderungen verschwanden sie jedoch weitgehend. Heute existiert lediglich ein kleiner Rest dieses ursprünglichen Lorbeerwaldes an den höchsten Bereichen der Famara-Steilküste, wo die klimatischen Bedingungen weiterhin ausreichend Feuchtigkeit bieten.
Auch die Landwirtschaft hat die Pflanzenwelt Lanzarotes nachhaltig geprägt. Besonders bekannt sind die Weinbaugebiete von La Geria, in denen Weinreben in trichterförmigen Vertiefungen der vulkanischen Lapillischichten wachsen. Die poröse Vulkanasche speichert die nächtliche Feuchtigkeit und schützt die Pflanzen gleichzeitig vor Verdunstung und Wind. Diese weltweit einzigartige Anbaumethode zeigt eindrucksvoll, wie sich die Landwirtschaft den extremen Umweltbedingungen der Insel angepasst hat.
Die Flora der Insel besteht aus:
- wild wachsende Pflanzen 606
- davon lanzarotische Endemiten 19
- kanarische Endemiten 60
- makaronesische Endemiten 20
Fauna
Die Tierwelt der Insel Lanzarote ist trotz der trockenen und kargen Landschaft erstaunlich vielfältig. Aufgrund der isolierten Lage im Atlantischen Ozean konnten sich zahlreiche Tierarten entwickeln, die an die besonderen Umweltbedingungen der Kanaren angepasst sind. Gleichzeitig ist die Fauna durch den Einfluss des Menschen geprägt, der im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Tierarten auf die Insel brachte. Während einige dieser eingeführten Arten heute zum alltäglichen Landschaftsbild gehören, existieren daneben mehrere endemische Tierarten, die ausschließlich auf Lanzarote oder den östlichen Kanarischen Inseln vorkommen.
Die ursprüngliche Säugetierwelt der Insel war äußerst artenarm. Nach heutigem Kenntnisstand sind Fledermäuse die einzigen ursprünglich auf Lanzarote heimischen Säugetiere, da sie die Insel aus eigener Kraft über das Meer erreichen konnten. Alle anderen heute vorkommenden Säugetiere wurden vermutlich vom Menschen eingeführt. Dazu zählen Hausziegen, Schafe, Esel, Pferde, Katzen, Hunde, Kaninchen und Nagetiere, die im Zuge der Besiedlung oder späterer wirtschaftlicher Entwicklungen auf die Insel gelangten.
Eine besondere Rolle spielen die Dromedare. Sie wurden im 19. Jahrhundert nach Lanzarote gebracht und erwiesen sich als ideale Arbeits- und Lasttiere, da sie hervorragend an das trockene Klima, die vulkanischen Böden und den Wassermangel angepasst sind. Vor allem in der Landwirtschaft wurden sie zum Pflügen der Felder in den Aschelandschaften der Weinbaugebiete sowie als Transporttiere eingesetzt. Heute haben sie ihre frühere wirtschaftliche Bedeutung weitgehend verloren und werden hauptsächlich im Tourismus genutzt. Besonders im Gebiet des Timanfaya National Park gehören Dromedarritte zu den bekanntesten touristischen Attraktionen der Insel.
Von besonderem wissenschaftlichem Interesse ist die Kanaren-Spitzmaus (Crocidura canariensis). Diese kleine Insektenfresserart wurde 1985 zunächst auf der Nachbarinsel Fuerteventura entdeckt und 1987 als eigenständige Art beschrieben. Später konnte sie auch auf Lanzarote sowie auf mehreren vorgelagerten unbewohnten Inseln nachgewiesen werden. Die Kanaren-Spitzmaus gehört zu den wenigen ursprünglich auf den östlichen Kanaren vorkommenden Landsäugetieren und ist hervorragend an die trockenen Lebensräume angepasst.
Die Vogelwelt Lanzarotes umfasst etwa 35 regelmäßig vorkommende Brutvogelarten sowie zahlreiche Zugvögel, die die Insel als Rastplatz nutzen. Aufgrund der offenen Landschaften und der ausgedehnten Küstengebiete finden viele spezialisierte Vogelarten geeignete Lebensräume. Besonders bekannt ist der seltene Eleonorenfalke, der auf den steilen Felsklippen und vorgelagerten Inseln brütet und zu den bemerkenswertesten Greifvögeln des Mittelmeer- und Atlantikraums zählt. Ebenfalls vertreten sind Wanderfalken, Fischadler sowie verschiedene Eulen-, Möwen-, Seeschwalben- und Watvogelarten. In den Salinen, Lagunen und Küstenbereichen lassen sich außerdem Reiher, Regenpfeifer und andere Wasservögel beobachten. Während der Zugzeiten nutzen zahlreiche europäische und afrikanische Vogelarten Lanzarote als Zwischenstation auf ihren Wanderungen.
Die Reptilien stellen einen besonders charakteristischen Bestandteil der Insel fauna dar. Am häufigsten begegnet man der Ostkanareneidechse (Gallotia atlantica), einer endemischen Art der östlichen Kanaren. Sie kommt vor allem im Norden Lanzarotes vor, besiedelt jedoch auch weite Teile der Insel und ist hervorragend an die trockenen Vulkanlandschaften angepasst. Daneben leben verschiedene Geckos und kleinere Echsenarten, die sich tagsüber auf den sonnengewärmten Lavagesteinen beobachten lassen. Schlangen kommen auf Lanzarote natürlicherweise nicht vor.
Auch die wirbellose Tierwelt weist zahlreiche Besonderheiten auf. Besonders bemerkenswert ist der kleine Albinokrebs Munidopsis polymorpha, der ausschließlich in der unterirdischen Lagune der Jameos del Agua lebt. Dieses blinde, weiß gefärbte Krebstier besitzt keine Pigmente und hat sich vollständig an das dunkle Höhlensystem angepasst. Verwandte Arten kommen normalerweise erst in Meerestiefen von mehreren tausend Metern vor. Wie diese Art in das unterirdische Lavahöhlensystem gelangte, ist bis heute wissenschaftlich nicht vollständig geklärt und zählt zu den faszinierendsten zoologischen Rätseln der Kanaren.
Die Küstengewässer rund um Lanzarote beherbergen eine außerordentlich artenreiche Meeresfauna. In den klaren Gewässern leben zahlreiche Fischarten, Kraken, Sepien, Langusten, Muränen und Rochen. Darüber hinaus werden regelmäßig Meeresschildkröten beobachtet, darunter die Unechte Karettschildkröte. Auch Delfine und verschiedene Walarten durchqueren die Gewässer rund um die Insel, insbesondere Grindwale, Große Tümmler sowie gelegentlich Pottwale und Finnwale.
Naturschutz
Die Regierung der Kanarischen Inseln beschloss am 6. November 1992, die Formalitäten einzuleiten, um Lanzarote im Rahmen des MAB-Programms (Man and Biosphere) der UNESCO zum Biosphärenreservat zu erklären. Diese Entscheidung erfolgte als Reaktion auf den Antrag des Inselrats von Lanzarote, der in der Plenarsitzung vom 26. April 1992 gestellt worden war.
Die von beiden Institutionen getroffenen Vereinbarungen wurden am 7. Oktober 1993 Realität, als die Insel in ihrer Gesamtheit zum Biosphärenreservat erklärt wurde. Diese Entscheidung wurde als Reaktion auf verschiedene gesellschaftliche Forderungen getroffen, mit dem Ziel, eine besser in ihre natürliche Umgebung integrierte Bevölkerung zu fördern. Es handelt sich um eine Verwaltungsvereinbarung, in der alle wirtschaftlichen, politischen und sozialen Akteure die Einzigartigkeit der physischen und menschlichen Umwelt Lanzarotes anerkennen und sich auf deren Erhalt für die Zukunft einigen.
Die Leitung des Biosphärenreservats obliegt der politisch-administrativen Instanz des Cabildo von Lanzarote. Um diese Erklärung und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten voranzutreiben und weiterzuentwickeln sowie die verschiedenen öffentlichen und privaten Maßnahmen zu koordinieren, schuf die Inselregierung 1996 ein dezentrales Gremium ohne eigene Rechtspersönlichkeit, den Rat des Biosphärenreservats. Es handelt sich um ein beratendes Instrument, das die Überwachung der Einhaltung der Verpflichtungen des Gebiets gegenüber der UNESCO ermöglicht.
Der Rat des Biosphärenreservats besteht aus dem Verwaltungsrat, Junta Rectora genannt, die für die Leitung und Verwaltung des Rates des Biosphärenreservats zuständig ist, dem Präsidenten und dem Geschäftsführer. Darüber hinaus wurde im Jahr 2002 das Wissenschaftliche Kabinett des Biosphärenreservats gegründet, das dem Verwaltungsrat untersteht und als technisches und wissenschaftliches Beratungsteam für die Ziele des Reservats fungiert, die 1995 in der Strategie von Sevilla festgelegt wurden. Vor seiner Gründung wurde das Observatorium für Nachhaltigkeit und Lebensqualität gegründet, das ebenfalls dem Verwaltungsrat untersteht.
Die Kandidatur Lanzarotes als Biosphärenreservat wurde durch die Abgrenzung wertvoller Naturräume, das bemerkenswerte Umweltbewusstsein der Inselbevölkerung, das Vorhandensein eines Katalogs einzigartiger, an die Umwelt angepasster Bauwerke, die Erhaltung eines traditionellen Landwirtschaftsmodells, das ein außergewöhnliches Erbe darstellt, und die Existenz eines Inselraumordnungsplans (PIOT) aus dem Jahr 1991 gefestigt, der der Insel eine integrierte und einheitliche Vision verlieh. Der Inselplan, der derzeit überarbeitet wird, steht im Einklang mit den Vorschriften des Netzwerks Natura 2000 und den verschiedenen kommunalen Raumordnungsplänen.
Die Entwicklung und Überwachung[42] Lanzarotes als Biosphärenreservat hat mehr als dreißig Jahre lang unermüdlich nach Formeln für die Nachhaltigkeit seines Fortschritts gesucht. Um in diesem Bestreben nach einem ausgewogeneren Zusammenleben voranzukommen, sind Reflexion und gesellschaftliche Debatten sowie die Schaffung von Planungsinstrumenten unerlässlich. Aus diesem Grund wurden und werden weiterhin verschiedene Projekte entwickelt, die unter anderem Bereiche wie Bildung und Forschung abdecken. Einige der Dokumente und Initiativen, die diesen Willen widerspiegeln, sind:
- Lanzarote in der Biosphäre 1998
- Life Lanzarote 2001-2004 - Erforschung neuer Handlungsansätze, Finanzierungs- und Steuerungsmöglichkeiten für das Biosphärenreservat Lanzarote
- Plan Lanzarote Sostenible 2007
- Estrategia Lanzarote 2020
Darüber hinaus können alle Informationen zu den verschiedenen Aspekten, Plänen und Projekten, die das Biosphärenreservat Lanzarote ausmachen, auf seiner eigenen Website eingesehen werden. Der Sitz des Biosphärenreservats Lanzarote befindet sich seit 2021 in der Casa de los Arroyo. Es handelt sich um ein Gebäude aus dem Jahr 1739, nur drei Jahre nach dem Vulkanausbruch von Timanfaya, der die Insel sechs Jahre lang verwüstete. Es ist jedoch nicht der einzige Ort, an dem das Büro untergebracht war, das im Laufe seiner drei Jahrzehnte in verschiedenen Gebäuden des Cabildo untergebracht war, bis 2007 durch einen Plenarbeschluss die Schaffung eines endgültigen Sitzes für das Reservat beschlossen wurde.
1993 bestanden insgesamt insgesamt sieben Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 351 km², was einem Anteil von 41,49 % an der Gesamtfläche entspricht:
- La Gería 151,9 km²
- Islotes y Famara 89,3 km²
- Timanfaya 48,4 km²
- Los Ajaches 28,8 km²
- Volcán y Malpaís de la Corona 26,9 km²
- Barranco Teneguime 4,2 km²
- Los Janubios 1,6 km²
Der Nationalpark Timanfaya (spanisch Parque Nacional de Timanfaya) auf der Kanareninsel Lanzarote wurde 1974 zum achten Nationalpark in Spanien erklärt. Er wird auch als Montañas del Fuego (Feuerberge) bezeichnet. Die etwa 845 km² große Insel Lanzarote ist zu drei Vierteln mit Lava bedeckt, ausgespien aus mindestens 300 Kratern von etwa 100 Vulkanen. Das Eruptivmaterial der sechs Jahre dauernden Ausbrüche vom 1. September 1730 bis 16. April 1736 bedeckt etwa 167 km² Lanzarotes. Der Timanfaya Nationalpark im Südwesten der Insel erstreckt sich über 51,07 km², von der Ortsgrenze Yaizas bis zum Montaña Timanfaya, die Westgrenze bildet die Küstenlinie. Hier entstanden damals 32 Vulkankegel. Diese Ausbrüche im 18. Jahrhundert waren, nicht nur wegen der großen Menge des ausgespienen Materials, sondern auch wegen der langen Dauer, die bedeutendsten in der Geschichte des Vulkanismus. Zu den Ausbrüchen an Land kamen noch zahlreiche Seebeben.
Die Einheimischen waren davon überzeugt, dass die Virgen de los Volcanes 1736 den Lavafluss am Montaña de Guiguan gestoppt und damit die umliegenden Dörfer verschont hätte. Sie versprachen daher, ihr eine Kapelle zu bauen. Erst im Jahre 1781 konnte die bettelarme Bevölkerung die kleine Kapelle Ermita de los Dolores in Mancha Blanca fertigstellen. Als das Gebiet bei den nächsten Vulkanausbrüchen im Jahre 1824 erneut verschont blieb, interpretierte man dies als Wiederholung des Wunders. Die Marienfigur, die zuvor in der Kirche in Tinajo untergebracht war, erhielt 1862 ihren endgültigen Standort in der Kapelle Ermita de los Dolores.
Der Nationalpark ist über gut asphaltierte Straßen zu erreichen. Sie wurden 1950 zum Besuch General Francos angelegt. Eine 14 Kilometer lange Rundfahrt kann nur per Bus unternommen werden. Von dem 350 Meter hoch gelegenen Montaña Rajada erhält man einen Überblick über den größten Teil des Timanfaya-Nationalparks. Das große Areal, das heute das Lavameer einnimmt, gehörte vor den Ausbrüchen zum fruchtbarsten Teil Lanzarotes. Nach der Katastrophe lag die unglaubliche Menge von acht Millionen Kubikmetern Lava dort, wo zuvor kleine Ortschaften und einzelne Gehöfte existiert hatten; insgesamt wurden etwa 420 Häuser zerstört. Die zerstörten Dörfer waren Timanfaya, Los Rodeos, Mancha Blanca, Santa Catalina, Mazo, Jarretas, Tingafa, Peña Palomas, Testeina, La Geria, Macintafe, Mozaga, Guagaro, Masdache und Iguadén, außerdem die Landgüter von Maretas und Chupaderos.
Die Vulkane, die den Timanfaya-Nationalpark bilden, gehören zur so genannten Hawaii-Gruppe. Diese bilden in großen Höhen riesige Aschesäulen, die Lapilli, die vom Wind befördert weite Flächen und Hänge alter Krater bedeckt haben. Diese durch die Ascheregen gebildeten Flächen nennt man Valle de la Tranquilidad („Tal der Ruhe“). Das Zentrum des Ausbruchs lag am Maciso del Fuego (Feuer-Massiv), welches 525 Meter hoch aufragt. Dieser Vulkan ist von Schlacke und Asche bedeckt, die von den Ausbrüchen des 18. Jahrhunderts stammen. Allerdings stellte man fest, dass der Bergrücken, der immer noch enorme Hitzestrahlung aussendet, aus sehr alter Lava besteht, dem alten Berg Timanfaya zugehörig. Interessant sind die häufigen Reihen von kleinen Öfchen (Hornitos) und Parasitenvulkanen, so genannt, weil sie sich am Fuße eines Zentralkolosses gebildet haben. Der imposante Schlackenkegel Caldera del Corazoncillo, besitzt einen Krater, dessen Tiefe etwa 100 Meter unter die Oberfläche der Umgebung geht. Die Lava dieses Vulkans begrub im Jahre 1730 das Dorf Timanfaya.
Nur sehr langsam hat sich auf dem entstandenen Malpaís (schlechten Land) wieder etwas Vegetation gebildet. Man kann an einigen Orten Flechten oder kleine Sukkulente und viele niedrige dornige Sträucher namens Aulaga Majorera entdecken. Dieser Strauch wird von der Parkverwaltung verwendet, um die hohe Temperatur des Erdbodens im Bereich des Islote de Hilario zu demonstrieren. Das in ein Loch im Boden gestopfte, trockene Geäst geht sofort in Flammen auf. Bei einer weiteren beeindruckenden Demonstration wird Wasser in ein senkrecht im Boden eingelassenes Rohr gegossen. Da die Temperatur wenige Meter unter der Erdoberfläche über 400 °C beträgt, entsteht eine explosionsartig empor schießende Dampffontäne. Westlich des Hauptkraters des Montaña del Fuego beträgt die Temperatur in 27 Metern Tiefe etwa 700 °C. Der Islote de Hilario, wurde nach jenem Mann namens Hilario benannt, der der Sage nach wie ein Einsiedler in diesem Felseneiland lebte, während mehr als einem halben Jahrhundert, ohne weitere Begleitung als seinem Kamel. Man erzählt, dass Hilario einen Feigenbaum gepflanzt hatte, der, obwohl er Wurzeln schlug, niemals Früchte trug, weil die Blüte sich nicht von Flammen ernähren konnte. Hier wurde von César Manrique das runde Restaurant El Diablo (Der Teufel) mit Kochstelle über einem heißen Erdloch errichtet. Etwa 1,5 Kilometer entfernt liegt im Casa de Los Camelleros (ehem. Haus der Kameltreiber) eines der drei Forschungslabore des Geodynamischen Labors Lanzarote.
Ein Augenzeuge der sechs Jahre dauernden Ausbrüche im 18. Jahrhundert, der Pfarrer von Yaiza, Don Andrés Lorenzo Curbelo, hat seine Eindrücke handschriftlich festgehalten. Am Hang des Montaña de la Cinta in Yaiza findet man eine 1990 errichtete Gedenktafel, welche an die schweren Vulkanausbrüche dieser Zeit erinnert. Sie ist dem damaligen Pfarrer von Yaiza gewidmet.
Klima
Das Klima auf Lanzarote wird nach der Köppen-Klimaklassifikation als Wüstenklima (BWh) eingestuft, also trocken und warm mit sehr geringen Niederschlägen. Die Insel liegt in der Passatzone, was dazu führt, dass auf der Insel ganzjährig frische Winde aus Nord bis Nordost wehen. Lanzarote besitzt ein ganzjährig mildes und niederschlagsarmes arides Klima, da die Passatwinde an der relativ flachen Insel meist nicht abregnen. Die Lufttemperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 20,5°C. Der Monatsdurchschnitt beträgt im August 24,7°C und im Januar 16,9°C. Die Wassertemperatur des Atlantischen Ozeans schwankt durch das Aufquellen kalten Tiefenwassers vor der nordwestafrikanischen Küste und dem Kanarenstrom zwischen 22°C im Sommer und 17°C im Winter.
Mit nur 112 mm Niederschlag pro Jahr ist Lanzarote die trockenste der Kanarischen Inseln, davon fallen allerdings etwa 85 Prozent von Januar bis März. Die relative Luftfeuchtigkeit beträgt im Mittel 70 Prozent. Im gebirgigen Norden können mit bis zu 300 mm pro Jahr deutlich mehr Niederschläge fallen als im Süden. Dort können die vom Atlantik kommenden nordöstlichen Passatwinde auf das Famara-Massiv mit dem höchsten Punkt von 671 m treffen, welches damit im untersten Bereich der Kondensationszone liegt. Die Passatwinde stauen sich nur bei starker Zirkulation und werden zum Aufstieg gezwungen. Die feuchte Atlantikluft kühlt während des Aufstiegs um 1 K (1°C) pro hundert Meter ab (trockenadiabatische Abkühlung). Da die kühlere Luft jedoch weniger Wasserdampf speichern kann, die absolute Menge an Wasserdampf aber gleich bleibt, kondensiert der Wasserdampf, wenn die Sättigungsgrenze erreicht ist. Es entstehen Wolken, beziehungsweise Nebel. Die Feuchtigkeit aus den Wolken reicht aus, um in diesem Gebiet Landwirtschaft in Form von Trockenfeldbau zu betreiben. Die Feuchtigkeit reicht ebenfalls aus, um im Tal der 1000 Palmen, in der Gegend um Haría, einen für Lanzarote ungewöhnlichen Anblick zu schaffen. Mit den vielen Palmen (kanarische Dattelpalme, Phoenix canariensis) und der besonders im Frühling üppigen Vegetation findet man in diesem Tal eine „grüne Oase“ auf der ansonsten sehr vegetationsarmen Insel.
Die Wasserversorgung stellte auf der niederschlagsarmen Insel schon immer ein Problem dar. Rund 25 Prozent des Wasserbedarfs wurde in den 1950er Jahren durch wasserführende Stollen im Famara-Massiv gedeckt. Von den sieben wasserführenden Stollen wurden 1950 vier genutzt, heute nur noch einer, da sinkende Grundwasserstände zu einem Nachdrücken von schwererem Meerwasser und damit zu einer Versalzung (Brackwasser) des Grundwassers geführt haben. Durch den in den 1950er Jahren einsetzenden Tourismus stieg der Wasserbedarf auf Lanzarote sprunghaft an, so dass mit Tankschiffen Wasser von den Nachbarinseln Teneriffa und Gran Canaria auf die Insel transportiert werden musste. Ursprünglich wurde der Niederschlag auch mittels großer befestigter Flächen (Eras oder auch Alcogidas genannt) gesammelt und in großen Zisternen (Ajibes) gespeichert, um es für den Verbrauch im Haus, für Tiere und die Landwirtschaft zu nutzen. Diese Anlagen aus befestigten Flächen, mit ihren teilweise eigenwilligen Außenformen an den Berghängen Lanzarotes, prägen in manchen Regionen die Landschaft.
Mit der Einführung der Meerwasserentsalzungsanlagen und der Verfügbarkeit von Leitungswasser fast überall, haben die Eras und Ajibes in der Nutzung an Bedeutung verloren. Sie haben aber über Jahrhunderte das Leben auf Lanzarote ermöglicht und sind als Bauwerke die Landschaft prägend und kulturhistorisch von Bedeutung. 1964 wurde östlich von Arrecife die erste Anlage zur Meerwasserentsalzung gebaut, die in den folgenden Jahren ständig erweitert wurde und noch heute in Betrieb ist. Die Herstellung von Süßwasser in Meerwasserentsalzungsanlagen stellt ein ökologisches Problem dar. Die Gewinnung von Süßwasser braucht viel Energie, was bedeutet, dass zusätzlich Erdöl importiert werden muss. Im Durchschnitt verbraucht jeder Tourist auf den Kanaren pro Tag etwa 230 Liter Wasser, die Einheimischen jedoch nur 138 Liter.
Auf Lanzarote, wie auch auf den anderen Kanarischen Inseln, kann es mehrmals im Jahr zu einer besonderen Wetterlage, Calima genannt, kommen. Sie entsteht, wenn über der Sahara Staubpartikel durch Sandstürme und starke Thermik bis in große Höhen transportiert werden. Mit südöstlichen Winden werden diese Aerosole dann weit auf den Atlantik hinaus transportiert. Während solcher Wetterlagen sinkt die Sichtweite auf der Insel bis auf wenige 100 Meter ab. Die Luft ist dann voller Staub und der Himmel erscheint in einem schon fast unwirklichen Rot- bis Braunton. Der hohe Gehalt an Aerosolen in der Luft kann dazu führen, dass der Luftverkehr eingestellt oder umgeleitet werden muss, da aufgrund der Topographie Lanzarotes Flugzeuge den Flughafen Guacimeta (ACE) aus Norden nur mit ausreichender Pilotensicht anfliegen können. Von den Einheimischen (Conejeros) wird dieser heiße Südostwind Levante oder auch Calima genannt. Während dieser Wetterlage können die Temperaturen zeitweise auf über 40°C ansteigen.
Klimadaten für Arrecife (21 m, 1961 bis 1990)
| Jan | Feb | Mar | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr | |
| Mitteltemperatur (°C) | 16,9 | 17,3 | 18,4 | 18,6 | 19,9 | 21,6 | 23,7 | 24,7 | 24,5 | 22,4 | 20,2 | 17,9 | 20,5 |
| Niederschlag (mm) | 25 | 18 | 12 | 6 | 2 | 0 | 0 | 0 | 2 | 6 | 15 | 26 | 112 |
| Niederschlagstage (≥ 1 mm) | 12 | 4 | 5 | 6 | 4 | 0 | 0 | 0 | 2 | 5 | 7 | 10 | 55 |
| Sonnenstunden (h/d) | 7 | 7 | 8 | 9 | 10 | 10 | 10 | 10 | 9 | 7 | 8 | 7 | 8,5 |
| Luftfeuchtigkeit (%) | 75 | 71 | 71 | 73 | 76 | 75 | 73 | 75 | 76 | 77 | 74 | 76 | 74 |
| Wassertemperatur (°C) | 17 | 17 | 18 | 20 | 20 | 21 | 22 | 22 | 20 | 19 | 18 | 17 | 19 |
Klimadaten für Arrecife (14 m, 1991 bis 2020, Extreme seit 1972)
| Jan | Feb | Mar | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr | |
| Höchstrekord (°C) | 27.9 | 29.4 | 34.4 | 36.3 | 42.6 | 40.7 | 43.4 | 43.6 | 40.5 | 37.3 | 34.2 | 27.5 | 43.6 |
| Mittelmaximum (°C) | 20.9 | 21.5 | 22.9 | 23.8 | 25.2 | 26.7 | 28.5 | 29.5 | 28.6 | 27.0 | 24.3 | 22.0 | 25.1 |
| Mitteltemperatur (°C) | 17.6 | 18.0 | 19.1 | 20.0 | 21.4 | 23.0 | 24.6 | 25.6 | 24.8 | 23.3 | 20.9 | 18.8 | 21.4 |
| Mittelminimum (°C) | 14.2 | 14.4 | 15.2 | 16.1 | 17.5 | 19.2 | 20.7 | 21.5 | 21.0 | 19.6 | 17.4 | 15.5 | 17.7 |
| Tiefstrekord (°C) | 8.0 | 7.6 | 8.3 | 9.5 | 11.5 | 12.4 | 15.4 | 16.6 | 15.5 | 12.0 | 10.9 | 9.0 | 7.6 |
| Niederschlag (mm) | 15.4 | 16.1 | 12.2 | 4.1 | 1.2 | 0.1 | 0.0 | 0.5 | 1.8 | 12.8 | 15.8 | 21.4 | 101.4 |
| Niederschlagstage (≥ 1 mm) | 2.8 | 2.5 | 2.2 | 0.9 | 0.3 | 0.0 | 0.0 | 0.1 | 0.4 | 2.1 | 3.0 | 3.2 | 17.4 |
| Sonnenstunden | 205 | 201 | 248 | 258 | 294 | 291 | 313 | 304 | 261 | 232 | 204 | 202 | 2995 |
| Sonnenstunden (h/d) | 6,6 | 7,1 | 7,4 | 8,3 | 9,1 | 9,0 | 9,1 | 8,8 | 7,4 | 7,2 | 6,7 | 6,0 | 7,7 |
| Luftfeuchtigkeit (%) | 66 | 66 | 65 | 64 | 64 | 65 | 66 | 67 | 69 | 69 | 67 | 69 | 66 |
| Wassertemperatur (°C) | 18 | 18 | 17 | 17 | 18 | 20 | 20 | 21 | 22 | 22 | 20 | 19 | 19,3 |
Mythologie
Auf Lanzarote gab es einmal eine große Mauer, die die Insel in zwei Hälften teilte. Dies lässt vermuten, dass es damals zwei Reiche gegeben haben muss. Für Opferrituale pilgerten die Menschen auf die Berge, hoben ihre Hände gen Himmel, während Milchkelche vergossen wurden. Man hat auch eine Krone gefunden, von der man glaubt, dass sie dem ersten König gehört hat, dem es zu seiner Zeit gelungen ist, beide Reiche zu vereinigen. Die Krone war aus Ziegenleder gefertigt und mit Muscheln verziert.
Eine der bekanntesten Legenden ist die des Teufels von Timanfaya, die eng mit den verheerenden Vulkanausbrüchen vom 1. September 1730 verbunden ist. Während einer Hochzeit in Timanfaya begann der Vulkan auszubrechen, die Erde bebte und ein Felsen erschlug die Braut. Der Bräutigam versuchte verzweifelt, sie zu retten, verschwand aber anschließend spurlos – die Anwesenden riefen nur „armer Teufel!“ Aus dieser Tragödie entstand die symbolische Figur des Teufels, die heute im Nationalpark Timanfaya zu sehen ist und die Zerstörungskraft sowie die Schönheit der Insel repräsentiert. Die Legende symbolisiert die rohe Naturgewalt der Vulkane und dient als Mahnung sowie kulturelles Erbe der Inselbewohner.
Eine weitere bedeutende Sage ist die von Königin Ico, die von Intrigen und Überleben in der Zeit der Ureinwohner handelt. Sie war die Tochter der Herrscher Zonzamas und Fayna, wuchs unter Zweifeln an ihrer Herkunft auf und musste sich Prüfungen stellen, um ihre Legitimität zu beweisen. Diese Geschichte spiegelt das Erbe der Ureinwohner und die komplexen Verflechtungen in der frühen Geschichte Lanzarotes wider.
Die Legende von Pedro Perico erzählt vom mutigen Kampf eines Einheimischen gegen eine vermeintliche Teufelsziege, die Angst unter den Hirten säte. Obwohl Pedro Perico am Ende im Abgrund verschwand, bleibt sein Kampf ein Symbol für Mut und Widerstandskraft der Inselbewohner.
Ein romantischer Mythos ist die Geschichte von Aloe und Vera, einem Liebespaar des 17. Jahrhunderts, das bei einem Vulkanausbruch getrennt wurde. Der Timanfaya-Nationalpark wird mit dieser Legende verbunden, da dort viele Aloe-Vera-Pflanzen wachsen, die symbolisch für die beiden Liebenden stehen.
Geschichte
Durch die Nähe zu Afrika und dem europäischen Kontinent war Lanzarote wohl die erste Kanarische Insel, die besiedelt wurde. Seit 1485 steht sie unter spanischer Herrschaft.
Altkanarische Zeit
Bevor die Eroberung der Insel im Jahr 1402 begann, wurde Lanzarote von den Mahos oder Majos bewohnt, einem Volk berberischer Abstammung und nordafrikanischer Herkunft. Der indigene Name der Insel lautet Tyterogakat oder Tytheroygatra, was unter Verwendung eines geografischen Ortsnamens der Tuareg-Berber aus Zentralalgerien mit „die Verbrannte” übersetzt wurde.
Obwohl sich der ethnische Name „Guanchen” als Bezeichnung für alle Ureinwohner der Kanarischen Inseln, die vor der Eroberung auf den Inseln lebten, durchgesetzt hat, bezieht sich dieser Name streng genommen ausschließlich auf die Ureinwohner Teneriffas. Als der genuesische Seefahrer Lancelotto Malocello zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf Lanzarote ankam, nannten sich die Einwohner offenbar selbst Majos, gemäß dem Ethnonym, das in den ethnohistorischen Quellen und in der Insel-Toponymie (Höhle von Los Majos, Stein von Los Majos undsoweiter) erhalten geblieben ist.
Es ist erwiesen, dass die ersten Bewohner der Insel, wie auch die übrigen Kanarischen Inseln, aus Nordafrika stammten, aus einem geografischen Gebiet, das sich ungefähr von Tunesien bis zur Atlantikküste und vom Mittelmeer bis zur südlichen Grenze der Sahara erstreckt, und kulturell und genetisch mit den Berbervölkern des heutigen Maghreb verbunden waren. Im Fall von Lanzarote gibt es eine Ähnlichkeit in der Art der Behausungen (die sogenannten „casas hondas”) mit denen im Mittleren Atlas und in anderen Regionen Marokkos. Die Felszeichnungen der Insel sind denen des restlichen Archipels und Nordwestafrikas ähnlich, mit einer großen Fülle an podomorphen Symbolen, die auch auf den Gipfeln des Atlas und der Kabylei zu finden sind. Die Keramik weist Parallelen zur spätneolithischen Keramik der Sahara auf. Der Gentilname „Majo” wurde mit den Namen nordafrikanischer Berberstämme in Verbindung gebracht, die von griechisch-lateinischen Autoren wie den Maxios, Mazies und Mauros erwähnt wurden. Schließlich weisen die aus der Zeit der Ureinwohner erhaltenen Sätze und Wörter auf den kamito-berberischen Stamm der verschiedenen auf den Kanarischen Inseln gesprochenen Dialekte hin. Hervorzuheben ist auch das Vorhandensein von alphabetartigen Gravuren, wie auf den übrigen Inseln, die für die libysch-berberische Schrift charakteristisch sind.
Was die Besiedlungsdaten angeht, so gingen die meisten Theorien davon aus, dass die ersten Menschen um -500 auf den Kanarischen Inseln ankamen. Aktuelle Untersuchungen mit der C-14-Methode deuten darauf hin, dass die Insel Lanzarote erstmals in der Mitte des -10. Jahrhunderts oder noch früher besiedelt wurde, wobei die Fundstätte Buenavista in Teguise die ältesten Daten des gesamten Archipels liefert. Archäologische Funde haben gezeigt, dass der kulturelle Horizont der ersten Siedler der Insel mit der Frühgeschichte Nordwestafrikas übereinstimmt, die von Berbervölkern geprägt war, die unter dem Einfluss der punischen und möglicherweise auch der lateinischen Kultur standen. Die genauen Ursachen für die Migration sind unbekannt.
Über das Aussehen der Ureinwohner der Insel ist aufgrund der wenigen anthropologischen Studien wenig mit Sicherheit bekannt. Die wenigen untersuchten Knochenfunde lassen auf eine mittelgroße bis große Statur und eine ausgeprägte Robustheit mit nordafrikanisch-mediterranen Merkmalen schließen. Ethnohistorische Quellen, vor allem die normannische Chronik der Eroberung (Le Canarien), beschränken sich darauf, anzumerken, dass „es sich um schöne und gut gebaute Menschen handelt”.
Kontaktzeit
Es wird vermutet, dass die Phönizier bereits um -1100 die Insel besucht haben. Auch die griechischen Schriftsteller und Philosophen Herodot, Platon und Plutarch berichten vom Garten der Hesperiden, vom Land der Fruchtbarkeit, wo Obst und Blumen in der Brise des Atlantikwindes duften, und Homer schreibt im vierten Gesang der Odyssee von einem paradiesischen Ort. Es ist aber unklar, um welche Inseln es sich konkret handelt.
Die ersten historischen Aufzeichnungen zu den Kanaren stammen von Pomponius Mela sowie von Plinius dem Älteren mit seiner enzyklopädischen Naturkunde Naturalis historia und Claudius Ptolemaeus, welche auch die Identifizierung einzelner Kanareninseln erlauben. Eine erste Expedition zu den Kanarischen Inseln erfolgte dabei nach Plinius durch König Juba II. von Mauretanien. Die für die einzelnen Inseln vergebenen Namen der Insulae Fortunatae (Inseln der Glückseligen) lauten: Canaria = Invallis (Gran Canaria), Ninguaria = Planasia (Teneriffa), Inaccessa (La Palma), Iunonia (Lanzarote und Fuerteventura), Pluvialia = Ombrios (Gomera) und Capraria (El Hierro). Man glaubt, dass Fuerteventura und Lanzarote miteinander verbunden waren, denn beide, und auch Lobos, werden nicht einzeln erwähnt, jedoch ein Archipel.
Archäologische Funde, die auf das -1. Jahrhundert datiert werden konnten, belegen die Anwesenheit der Römer auf Lanzarote. Konkret handelt es sich um Amphoren römischen Ursprungs, die an der Küste der Insel gefunden wurden.
Mittelalter
In den nachfolgenden Jahrhunderten geraten die Kanaren nach dem Zusammenbruch des römischen Reichs wieder in Vergessenheit und werden im Jahr 999 durch Ben Farroukh wiederentdeckt. Die Araber gaben den Inseln den Namen Al Djezir al-Khalida (Glückliche Inseln) und lehnten sich damit an den Namen der Römer an. Im Jahr 1336 stach von Lissabon aus eine Flotte unter der Führung von Lanzarote da Framqua alias Lancelotto Malocello in See, um das damalige Ende der europäischen Welt zu erforschen, das zu jener Zeit vor der nordwestafrikanischen Küste lag. Lancelotto Malocello umsegelte das Kap der Angst (Kap Bojador) nie, entdeckte aber die Kanarischen Inseln erneut und ließ sich auf Lanzarote nieder.
Zur Zeit des Aufenthaltes von Malocello auf Lanzarote herrschte dort König Zonzamas mit seiner Frau Fayna. Sie soll eine Nacht mit dem Adligen aus Vizcaia auf dem spanischen Festland namens Martin Ruiz de Avendaño verbracht haben, der 1377 die Insel erreichte. Aus dieser Nacht ist der Überlieferung nach Tochter Icó hervorgegangen. König Zonzamas und seine Frau hatten die beiden Söhne Tigufaya, der wurde Thronfolger und mit Frau und weiteren Einwohnern 1393 verschleppt, und Guanarame, der danach Thronfolger wurde. Die wohl uneheliche Tochter Icó heiratete Guanarame und bekam Luis de Guardafía als Sohn. Dessen Tochter hieß Teguise und gab der ehemaligen Hauptstadt der Insel ihren Namen. Sie heiratete Jean de Béthencourts Neffen Maciot de Béthencourt.
In der Nähe der heutigen Stadt Teguise baute er auf dem Montaña de Guanapay ein kleines Fort. Wieder in Portugal angekommen, erreichte er es, dass die von ihm entdeckte und in Besitz genommene Insel in der Weltkarte des Angelino Dulcert als Insula de Lanzarotus Marocelus eingezeichnet wird. Seither soll Lanzarote seinen Namen tragen.
Conquista
Angelockt sowohl durch wertvolle Rohstoffe wie Orseille (rote Färberflechte) als auch durch Sklaven, unternahm Jean de Béthencourt 1402 eine Expedition unter König Heinrich III. von Kastilien zu den Kanarischen Inseln. Er ging im Süden Lanzarotes (von den Guanchen noch Titeroygatra genannt), bei den Papagayo-Stränden an Land und konnte den einheimischen Inselkönig Guardafía davon überzeugen, mit ihm friedlich zusammenzuarbeiten, indem er ihm Schutz vor portugiesischen und spanischen Menschenhändlern anbot. Mit seiner Hilfe konnte er in der Rubicón-Ebene eine Festung bauen. Dies war aber eine Täuschung, da Béthencourt den Frieden nutzte, um die anderen Inseln zu erobern. Er stellte aber bald fest, dass seine Ausrüstung und die ihm zur Verfügung stehenden Soldaten nicht ausreichten, die Kontrolle über alle Inseln zu erlangen. Béthencourt begab sich somit zurück aufs Festland. Während seiner Abwesenheit nutzte Gadifer de la Salle die kleine vorgelagerte Insel Los Lobos als Stützpunkt. Hier führte Bertín de Berneval dann aber einen Aufstand und nahm Einheimische als Sklaven mit nach Spanien. Gadifer hatte nun kein Schiff mehr und verdurstete beinahe auf Lobos, während die Einheimischen mit dem Töten von Europäern begannen. Mit Hilfe des Guanchen Atchen wollte Gadifer seine Leute rächen. Atchen nahm den König Guardafía auf Lanzarote gefangen und wollte selbst an die Macht. Guardafía konnte jedoch fliehen und ließ Atchen lebendig verbrennen. Béthencourts mitgebrachte Geistliche tauften Guardafía und beeilten sich mit der Taufe vieler Guanchen, was diese zu Sklaven machte. Zu Béthencourts Rückkehr 1404 war Lanzarote unterworfen. So konnte man sich gut gerüstet der Eroberung der Nachbarinsel Fuerteventura widmen. Béthencourts weniger erfolgreicher Neffe Maciot de Béthencourt blieb als sein Stellvertreter auf Lanzarote. Er nahm sich die Tochter namens Teguise des bisherigen Herrschers Guardafia zur Lebensgefährtin, und benannte den damaligen Ort Acatife nach ihr.
Rubicón bei den Papagayo-Stränden wurde sogar erster Bischofssitz durch Benedikt XIII. Bischof Alfonso Sanlúcar de Barrameda zeigte Maciot de Béthencourt wegen seines tyrannischen Verhaltens bei der Spanischen Krone an (siehe auch: Liste der Bischöfe der Kanarischen Inseln). Daraufhin übergab Enrique de Guzmán, Graf von Niebla 1430 auf Befehl der Krone den Besitz der bisher eroberten Inseln an Guillén de las Casas. 1435 übernahm Fernán Peraza durch Erbschaft diesen Besitz. Auf Druck von Béthencourt besetzten Portugiesen Lanzarote, wurden aber nach zwei Jahren von dort vertrieben. Auf Hernán Peraza folgte der Ehemann der Inés Peraza, Diego Herrera, der Lanzarote und Fuerteventura auf seine Kinder Sancho de Herrera, María de Ayala und Constanza de Samiento verteilte.
Feudalherrschaftszeit
Lanzarote wurde zu einem Feudalbesitz, der von Maciot de Bethencourt an Enrique de Guzmán, Graf von Niebla, überging, der 1430 gezwungen war, den Besitz an Guillén de las Casas abzutreten. In dieser Zeit übte Maciot weiterhin seine Eigentumsrechte an der Insel aus, bis er sie 1448 an den portugiesischen Herrscher Heinrich den Seefahrer abtrat. Die Portugiesen besetzten die Insel sechs Jahre lang, bis Gouverneur Antao Gonçalves von Diego de Herrera abgesetzt wurde.
In den folgenden Jahrhunderten behielt die Insel eine feudale Machtstruktur bei, bis 1812 die Cortes von Cádiz die Verbindung von Landbesitz und richterlicher Gewalt, die die Herrschaften darstellten, abschafften. Während die Ausübung der Rechtsprechung, die Herrschaften waren eine Institution des germanischen Rechts, möglicherweise aus der Zeit vor dem Spätmittelalter, nach der Entscheidung der Cortes von Cádiz nicht mehr erblich war, war der Landbesitz, der zuvor als Teil seiner Funktionalität an das öffentliche Amt gebunden war, nicht mehr mit der öffentlichen Funktion der Herrschaften verbunden, die verschwanden, sondern wurde zum persönlichen Eigentum des Erben der Herrschaft. Aus wirtschaftlicher Sicht konnten die Abgeordneten den ehemaligen Inhabern der Lehnsgüter kein besseres Geschenk machen.
Aufgrund seiner Nähe zur afrikanischen Küste wurde Lanzarote zum Ziel von Angriffen berberischer und europäischer Piraten. Im Jahr 1586 eroberte der berberische Korsar Amurat mit 500 Mann die Insel und nahm die Familie des Herrschers gefangen. Sir Walter Raleigh grift während seiner letzten Expedition auf der Suche nach El Dorado im Jahr 1617 Arrecife an und zerstörte die Stadt. Die Bevölkerung flüchtete während der Angriffe in die Höhle Los Verdes. Der schlimmste Piratenüberfall ereignete sich im Jahr 1618, als die Piraten Jabán und Solimán das Versteck der Einheimischen in den Höhlen der Cueva de los Verdes entdeckten, und rund 1000 Inselbewohner gefangen nahmen, um sie anschließend auf dem afrikanischen Sklavenmarkt zum Verkauf anzubieten.
1730 kam es auf Lanzarote zu schweren Vulkanausbrüchen. Am 1. September bildeten sich auf einer Strecke von 18 Kilometern 32 neue Vulkane. Die Ausbrüche, die von dem Pfarrer von Yaiza, Andrés Lorenzo Curbelo, bis 1731 detailliert dokumentiert wurden, dauerten insgesamt 2053 Tage und endeten im Jahr 1736. Am Ende hatte die Lava rund ein Viertel der Inselfläche unter sich begraben, darunter die fruchtbarsten Böden der Insel und mehrere Dörfer und Gehöfte. Stattdessen entstanden an dieser Stelle rund hundert neue Vulkane, die den Namen Montañas del Fuego (Feuerberge) erhalten haben. Anfangs war es den Inselbewohnern unter Androhung von Strafe verboten, die Insel zu verlassen, da die Inselführung befürchtete, keine Arbeitskräfte mehr zur Verfügung zu haben. Die Versorgung mit Lebensmitteln verschlechterte sich aber zusehends, sodass der Hälfte der Bevölkerung erlaubt wurde, auf die Nachbarinsel Gran Canaria auszuwandern.
Sowohl Lanzarote als auch Fuerteventura waren im 16., 17. und 18. Jahrhundert die wichtigsten Exporteure von Weizen und Getreide auf die zentralen Inseln des Archipels, Teneriffa und Gran Canaria. Dieser Handel kam jedoch fast nie den Einwohnern von Lanzarote und Fuerteventura zugute, sodass es zu Hungersnöten kam und die Bevölkerung dieser Inseln nach Teneriffa und Gran Canaria auswandern musste, um ihr Schicksal zu verbessern. Die Insel Teneriffa wurde zum Hauptanziehungspunkt für die Einwohner von Lanzarote und Fuerteventura.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Anbau von Barrilla oder Cosco (Mesembryanthemum nodiflorum oder M. fructiferum) eingeführt, einer alkalireichen Kriechpflanze, die zur Herstellung von Seife und zur Gewinnung von Soda verwendet wurde. Die Ausbeutung dieser Pflanze war so groß, dass die Kirche darauf den Zehnten erheben wollte. Damit gab Lanzarote teilweise das ausschließlich auf Getreide basierende Wirtschaftsmodell auf, das seit der Eroberung charakteristisch für die Insel gewesen war. Der Export von Barrilla war der Grund für das allmähliche Wachstum des Hafens von Arrecife. Andererseits ermöglichten die Eruptionen des Timanfaya, die den fruchtbaren Auen im Südwesten der Insel irreparable Schäden zufügten, auf lange Sicht die Einführung des Weinanbaus auf Lanzarote. Das trockene Klima Lanzarotes erlaubte diesen Anbau nicht. Die Bauern der Insel entwickelten jedoch ein Anbausystem, bei dem die Vulkanasche dazu dient, die reichlich vorhandene Feuchtigkeit zu speichern, die sich während der Nacht in Form von „Sereno” (Tau) niederschlägt. Aus dem östlichen Mittelmeerraum kamen die Reben, aus denen der Malvasia-Wein hergestellt wird, der von Shakespeares Figur Falstaff bevorzugt wurde, aber mit der Zeit seine englische Kundschaft verlor. Händler aus Teneriffa brachten die für die Herstellung von Branntwein notwendigen Destillierapparate nach Lanzarote, ein Produkt, das ebenfalls zu dieser Zeit auf Lanzarote eingeführt wurde und zum wirtschaftlichen Aufschwung der Insel beitrug.
Außerdem gelangten aus Amerika der Anbau von Cochenille-Schildläusen auf Kaktusfeigen, Kartoffeln und Tomaten nach Lanzarote. Die Cochenille-Schildlaus, ein parasitäres Insekt der Kaktusfeige oder des Feigenkaktus, aus dem der Farbstoff Karmin gewonnen wird, der von der damals aufstrebenden britischen Textilindustrie verwendet wurde, war eine Zeit lang einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Insel. Die Plantagen sind noch heute in den Dörfern Guatiza und Mala zu sehen. Was die Fischerei betrifft, so wurde sie immer nur in Küstennähe oder handwerklich betrieben. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es keine nennenswerte Fischerei, wobei Cabo Blanco das bevorzugte Gebiet der Fischer aus Lanzarote war.
1768 kam es zu einer Dürrekatastrophe, nachdem die Winterniederschläge mehrere Jahre lang nicht fielen. Die Dürre forderte zahlreiche Tote, viele Bewohner wanderten auf die Nachbarinseln oder nach Kuba und Amerika aus.
Modernisierungszeit
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts gab Lanzarote sein bisheriges Wirtschaftsmodell auf, das während der gesamten Neuzeit auf den Getreideanbau ausgerichtet war und die Insel zum Kornspeicher der Kanaren gemacht hatte, um sich neuen Exportprodukten zu widmen, darunter vor allem der Seetang und, nach den Eruptionen des Timanfaya und der Urbarmachung von Gebieten wie La Geria, der Weinbau zur Herstellung von Weinen und Branntweinen. Diese Veränderungen legten den Grundstein für ein neues Modell der Insel, das sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts festigte. Die herausragendsten Prozesse des zeitgenössischen Lanzarote waren: das Aufkommen neuer Monokulturen für den Export, vor allem die Cochenille. Der Aufstieg von Arrecife zum wichtigsten städtischen und bevölkerungsreichen Zentrum; das Ende der Feudalherrschaft und das wachsende Interesse bestimmter Teile der Inselgesellschaft an der politischen Entwicklung der Kanarischen Inseln, die zu dieser Zeit durch den sogenannten Inselstreit geprägt war.
Die Krise der Seetangindustrie, die den Hafen von Arrecife groß gemacht hatte, führte zu einem tiefen Niedergang, der viele Inselbewohner zur Auswanderung zwang. Diese Entwicklung wurde durch eine Reihe von Dürren und Schädlingsbefall sowie durch den Vulkanausbruch von 1824, den letzten auf der Insel, noch verschlimmert. Um das Jahr 1850 herum änderte sich die Lage, als die Cochenille-Industrie zu boomen begann. Der Cochenille-Boom gab dem Hafen von Arrecife den endgültigen Aufschwung, um den sich eine aufstrebende Inselbourgeoisie ansiedelte und eine wachsende Zahl von Schiffen, die in den kanarisch-afrikanischen Fischgründen fischten. Im Jahr 1847 wurde durch einen königlichen Erlass die Hauptstadt der Insel von Teguise nach Arrecife verlegt, und 1852 wurde der Hafen von Arrecife in die Liste der zoll- und steuerfreien Häfen aufgenommen, die durch das Gesetz über die Freihäfen der Kanarischen Inseln festgelegt wurde, was der Wirtschaft der Insel einen großen Aufschwung verlieh.
Das nach der Eroberung auf Lanzarote und anderen Inseln des Archipels eingeführte Feudalsystem wurde 1811 abgeschafft, als die Feudalherrschaft in ganz Spanien endete. Außerdem wurden zu dieser Zeit die modernen Gemeinden, wie wir sie heute kennen, geschaffen, wodurch das bis dahin bestehende Konzept der Pfarrei verschwand. Andererseits waren das 19. und ein Großteil des 20. Jahrhunderts auf den Kanarischen Inseln geprägt von der Rivalität zwischen den Oligarchien der beiden bevölkerungsreichsten Inseln (Teneriffa und Gran Canaria), die um die Vorherrschaft über den Archipel stritten, der damals eine einzige Provinz mit der Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife bildete. Der sogenannte Inselstreit wirkte sich schließlich auch auf die Politik Lanzarotes aus. Im 19. Jahrhundert kam es zu einer spürbaren Auswanderungswelle auf dem Seeweg nach Amerika, insbesondere nach Venezuela, wobei die Reisenden in einigen Fällen in den Calmas Chichas, den Windstillezonen dieses Teils des Atlantiks, tragische Ereignisse erlebten. Seit 1911 ist in allen Gemeinden Lanzarotes ein wachsendes Interesse an regionalen Angelegenheiten zu beobachten, zu einem Zeitpunkt, als Gran Canaria bereits auf die Teilung der Provinz gesetzt hatte. Zunächst hatten sich die Inselinstitutionen gegen die Teilung ausgesprochen, schlossen sich dann aber in gewisser Weise dieser Linie an, in der Hoffnung, dass die Dezentralisierung des Archipels Verbesserungen für die Insel mit sich bringen würde, und verteidigten Vorschläge, die später nicht umgesetzt wurden, wie beispielsweise den Inselwahlbezirk. Im Rahmen dieses Rechtsstreits wurde auch das Gesetz über die Inselräte von 1912 verabschiedet, mit dem die Inselinstitutionen, wie wir sie heute kennen, ins Leben gerufen wurden.
Weltkriegszeit
Beim Ausbruch des Erster Weltkrieg gehörten die Kanarischen Inseln bereits seit Jahrhunderten zu Spanien. Da Spanien während des gesamten Krieges neutral blieb, war Lanzarote nicht unmittelbar in militärische Auseinandersetzungen verwickelt. Die Neutralität bedeutete jedoch nicht, dass die Insel von den Folgen verschont blieb. Der internationale Seehandel ging deutlich zurück, da zahlreiche Schifffahrtsrouten durch die Kriegslage beeinträchtigt wurden. Für Lanzarote, dessen Wirtschaft auf Fischerei, Landwirtschaft und den Handel mit den anderen Kanarischen Inseln sowie dem spanischen Festland angewiesen war, führte dies zu Versorgungsengpässen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Besonders der Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse und der Import wichtiger Güter wurden erschwert. Lebensmittel, Kleidung, Werkzeuge und andere Waren des täglichen Bedarfs verteuerten sich. Gleichzeitig verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage vieler Familien, da die ohnehin trockene Insel nur begrenzte landwirtschaftliche Erträge erwirtschaftete. Auswanderung blieb deshalb auch während dieser Zeit für viele Einwohner eine wichtige Möglichkeit, den schwierigen Lebensbedingungen zu entkommen.
In den 1920er- und frühen 1930er-Jahren erholte sich die Wirtschaft nur langsam. Lanzarote blieb weiterhin eine vergleichsweise arme Insel mit geringer Industrialisierung. Die Bevölkerung lebte überwiegend von Landwirtschaft, Fischerei und Viehzucht. Infrastruktur, Gesundheitsversorgung und Bildung entwickelten sich nur langsam weiter.
Eine wesentlich größere Bedeutung als die beiden Weltkriege hatte für Lanzarote der Spanische Bürgerkrieg von 1936 bis 1939. Bereits kurz nach dem Militärputsch vom Juli 1936 gerieten die Kanarischen Inseln unter die Kontrolle der nationalistischen Truppen unter der Führung von Francisco Franco. Franco selbst hatte unmittelbar vor Beginn des Aufstands als Militärbefehlshaber auf den Kanarischen Inseln gedient und verließ von dort aus den Archipel, um den Militärputsch in Spanisch-Marokko einzuleiten.
Auch auf Lanzarote übernahmen die Nationalisten rasch die Kontrolle. Größere militärische Kämpfe fanden auf der Insel nicht statt, da organisierter Widerstand kaum möglich war. Dennoch kam es wie auf anderen Kanarischen Inseln zu politischen Verhaftungen, Repressionen und der Unterdrückung tatsächlicher oder vermeintlicher Gegner des neuen Regimes. Republikanisch gesinnte Einwohner mussten mit Inhaftierungen, Berufsverboten oder anderen Sanktionen rechnen. Im Vergleich zu einigen größeren Inseln blieb das Ausmaß der Gewalt jedoch geringer.
Nach dem Sieg Francos im Jahr 1939 begann die jahrzehntelange Diktatur. Kurz darauf brach der Zweiter Weltkrieg aus. Spanien blieb offiziell neutral und erklärte später lediglich den Status der „Nichtkriegführerschaft“, wodurch das Land nicht direkt an den Kampfhandlungen teilnahm. Auch Lanzarote wurde deshalb nie militärisch angegriffen.
Dennoch gewann die strategische Lage der Kanarischen Inseln im Atlantik erheblich an Bedeutung. Sowohl die Alliierten als auch die Achsenmächte beobachteten den Archipel aufmerksam, da die Inseln nahe wichtiger Schifffahrtsrouten zwischen Europa, Afrika und Amerika lagen. Es existierten auf beiden Seiten Überlegungen für mögliche militärische Operationen oder eine Besetzung der Kanaren, falls Spanien in den Krieg eintreten sollte. Diese Pläne wurden jedoch niemals umgesetzt.
Während des Zweiten Weltkriegs litt Lanzarote erneut unter wirtschaftlichen Problemen. Der internationale Handel wurde stark eingeschränkt, viele Schiffe mieden wegen der Gefahr deutscher U-Boote den Atlantik oder fuhren nur unter großen Sicherheitsvorkehrungen. Dadurch verschlechterte sich die Versorgung mit Lebensmitteln, Treibstoff und Industrieprodukten erheblich. Gleichzeitig führte die Wirtschaftspolitik des Franco-Regimes mit ihrer weitgehenden Autarkie zu zusätzlichen Engpässen.
Die Bevölkerung war deshalb gezwungen, sich weitgehend selbst zu versorgen. Landwirtschaft und Fischerei gewannen nochmals an Bedeutung, obwohl auch sie unter Materialmangel litten. Viele Familien betrieben kleine Gärten, hielten Ziegen oder Schafe und nutzten sämtliche verfügbaren Ressourcen, um den täglichen Bedarf zu decken. Armut und Unterernährung waren in den Kriegs- und Nachkriegsjahren weit verbreitet.
Militärisch wurde die Insel vorsorglich gesichert. Küstenbeobachtung, kleinere Garnisonen und Verteidigungsmaßnahmen sollten eine mögliche Invasion verhindern. Größere Befestigungsanlagen oder umfangreiche militärische Infrastruktur entstanden auf Lanzarote jedoch nicht, da die Insel als weniger bedeutend galt als andere strategische Standorte des Archipels.
Die Jahre bis 1945 waren insgesamt von wirtschaftlicher Stagnation geprägt. Tourismus existierte praktisch noch nicht, moderne Verkehrsverbindungen fehlten weitgehend, und die Bevölkerung lebte unter einfachen Verhältnissen. Erst Jahrzehnte später begann sich Lanzarote wirtschaftlich zu modernisieren und sich schrittweise zu einem bedeutenden Touristenziel zu entwickeln.
Moderne Zeit
Nach dem Ende des Zweiter Weltkrieg blieb Spanien unter Franco international weitgehend isoliert. Da das Land während des Krieges zwar offiziell neutral geblieben war, aber enge Beziehungen zu den Achsenmächten unterhalten hatte, war es zunächst diplomatisch und wirtschaftlich von vielen Staaten ausgeschlossen. Diese Isolation wirkte sich auch auf Lanzarote aus. Die Versorgung mit Lebensmitteln, Treibstoffen, Maschinen und Konsumgütern blieb schwierig, und die Wirtschaft entwickelte sich nur langsam.
Die Bevölkerung lebte überwiegend von der Landwirtschaft, der Fischerei und der Viehzucht. Angebaut wurden vor allem Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Hülsenfrüchte und Wein. Besonders charakteristisch blieb der Weinbau im Gebiet von La Geria, dessen außergewöhnliche Anbaumethode mit trichterförmigen Mulden in der Vulkanasche bereits seit dem 18. Jahrhundert praktiziert wurde. Daneben spielten Ziegenhaltung, Schafzucht und der Anbau von Feigen und Kakteen weiterhin eine wichtige Rolle für die Selbstversorgung.
Die Fischerei war neben der Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig. Die Fischer fuhren überwiegend entlang der Küsten Lanzarotes oder bis zu den Gewässern vor der Westküste Afrikas. Moderne Fangmethoden standen allerdings nur in begrenztem Umfang zur Verfügung, sodass die Erträge relativ gering blieben.
Die wirtschaftliche Situation war insgesamt schwierig. Viele Familien lebten unter einfachen Verhältnissen, Wohnungen waren häufig klein und bescheiden ausgestattet, und die technische Infrastruktur war nur schwach entwickelt. Elektrizität, fließendes Wasser und asphaltierte Straßen standen längst nicht überall zur Verfügung. Besonders in den abgelegenen Dörfern blieb das Leben stark von traditionellen Lebensweisen geprägt.
Auch die medizinische Versorgung war begrenzt. Kleinere Gesundheitsstationen existierten zwar, doch für komplizierte Behandlungen mussten Patienten häufig auf andere Kanarische Inseln oder auf das spanische Festland reisen. Ähnlich verhielt es sich im Bildungswesen, das zwar schrittweise ausgebaut wurde, aber noch unter Lehrermangel und unzureichender Ausstattung litt.
In den 1950er Jahren begann sich die internationale Stellung Spaniens allmählich zu verbessern. Mit dem Beginn des Kalten Krieges gewann das Land für die westlichen Staaten strategische Bedeutung. Internationale Abkommen führten zu einer schrittweisen wirtschaftlichen Öffnung, wodurch auch die Kanarischen Inseln zunehmend von Investitionen profitierten.
Ein entscheidender Wendepunkt war der wirtschaftspolitische Kurswechsel Spaniens Ende der 1950er-Jahre. Mit dem sogenannten Stabilisierungsplan von 1959 leitete die Regierung eine vorsichtige Liberalisierung der Wirtschaft ein. Dies führte zu mehr Investitionen, einem verbesserten Außenhandel und einem langsam steigenden Lebensstandard. Auch Lanzarote profitierte von diesen Entwicklungen, wenn auch zunächst nur in begrenztem Umfang.
Während dieser Zeit verbesserten sich nach und nach die Verkehrsverbindungen. Straßen wurden ausgebaut, Hafenanlagen modernisiert und der Flugverkehr entwickelte sich langsam weiter. Dadurch verringerte sich die jahrhundertelange Isolation der Insel. Gleichzeitig nahm der Kontakt zu den übrigen Kanarischen Inseln sowie zum spanischen Festland zu.
Eine herausragende Persönlichkeit dieser Zeit war der aus Lanzarote stammende Künstler César Manrique. Nach Jahren im Ausland kehrte er Anfang der 1960er-Jahre regelmäßig auf seine Heimatinsel zurück und entwickelte erste Ideen, Natur, Architektur und Kunst miteinander zu verbinden. Obwohl seine größten Projekte erst nach 1966 verwirklicht wurden, begann er bereits in dieser Zeit, sich für den Schutz der einzigartigen Vulkanlandschaft und gegen unkontrollierte Bebauung einzusetzen. Seine Vorstellungen sollten die spätere Entwicklung Lanzarotes entscheidend prägen.
Ab den frühen 1960er Jahren entdeckten zunehmend einzelne Reisende die landschaftlichen Besonderheiten der Insel. Noch handelte es sich überwiegend um Individualtouristen und Naturinteressierte. Hotels, Ferienanlagen und touristische Infrastruktur waren kaum vorhanden. Dennoch erkannte die Inselverwaltung allmählich das wirtschaftliche Potenzial des Tourismus.
Im Jahr 1967 wurden die ersten beiden touristischen Einrichtungen an der Küste von Puerto del Carmen in Betrieb genommen: das Hotel Los Fariones und das Hotel San Antonio, denen ein Parador Nacional folgte, der zu einer Zeit nur einen einzigen Mieter hatte, einen Arzt, der auf der Insel tätig war. Diese beiden ersten Hotels wurden Zeugen der möglicherweise größten Veränderung, die Lanzarote in seiner Geschichte erlebt hat: Von einer unterentwickelten und durstigen Insel mit Bauern, Fischern und Einwanderern entwickelte sie sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Tourismusmacht, die jedes Jahr fast zwei Millionen Besucher anzieht und aufgrund der starken Einwanderung ein rasantes Bevölkerungswachstum verzeichnet.
Um dieses touristische Wunder zu ermöglichen, musste die Insel zuvor das größte Hindernis überwinden, das seit Jahrhunderten die Entwicklung ihrer Bevölkerung beeinträchtigt hatte: den fast vollständigen Mangel an Trinkwasser. Das subdesertische Klima Lanzarotes hatte über Jahrhunderte hinweg unzählige Krisen, Hungersnöte und Massenauswanderungen verursacht. Um 1960 reichten die Arbeiten zur Kanalisierung von Wasser von Famara nach Arrecife und das zu Beginn des Jahrhunderts in der Inselhauptstadt geschaffene große Reservoir (La Mareta del Estado), das mit Wasser von anderen Inseln gefüllt wurde, kaum aus, um die Grundversorgung sicherzustellen.
Die Lösung kam 1965, als auf Initiative der Brüder Díaz Rijo und mit Unterstützung aller Wirtschaftssektoren der Insel die erste Entsalzungsanlage der Kanarischen Inseln und ganz Spaniens auf Lanzarote installiert wurde. Diese Anlage, eine der ersten Entsalzungsanlagen weltweit, bot Lanzarote die Möglichkeit, neue Wirtschaftssektoren zu erschließen, die den Inselstaat aus seiner jahrhundertelangen Unterentwicklung herausführten. Bis in die 1970er Jahre stammte ein Großteil des auf der Insel verbrauchten Stroms aus Generatoren, die auf einem im Hafen von Arrecife vor Anker liegenden Schiff installiert waren, und es wurden mit Zement bedeckte vulkanische Hügel genutzt, um Regenwasser zu sammeln und in Zisternen zu speichern, bis es trinkbar war. In früheren Zeiten bezogen die Bewohner der Insel das Wasser, das sie zum Trinken benötigten, aus dem Ballastwasser der Schiffe, die in ihrem Hafen anlegten.
1966 kehrte der aus Lanzarote stammende Künstler César Manrique von seinem Aufenthalt in New York zurück und ließ sich endgültig auf Lanzarote nieder. Manrique machte sich bald daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich die Insel zu einem touristischen Ziel entwickeln konnte, das ihre Landschaft und kulturelle Identität respektierte, und fand dabei die notwendige Unterstützung in der Person des damaligen Präsidenten des Cabildo, José Ramírez Cerdá. Das Tandem César Manrique und José Ramírez sowie das soziale Bewusstsein, das durch die Inselzeitung La Antena geweckt wurde, machten es möglich, Lanzarote innerhalb eines Jahrzehnts zu mehr als nur einem Reiseziel mit gutem Klima und schönen Stränden zu machen, wo die landwirtschaftliche Landschaft, die vulkanische Natur der Insel, die Eigenart der Inselbewohner, die Kunst und die traditionelle Architektur zusammenkamen, um eine echte Tourismusmarke zu schaffen. 1968 wurde der vom Künstler Jesús Soto hergerichtete, für Besucher zugängliche Teil der Höhle Cueva de los Verdes eröffnet. Im selben Jahr weihte Manrique die Skulptur Fecundidad (Fruchtbarkeit) oder Monumento al Campesino (Denkmal für den Bauern) im geografischen Zentrum der Insel ein, neben einem von der traditionellen Architektur inspirierten Hausmuseum. Auf dieses Werk folgten der Mirador del Río, das Besucherzentrum der Montañas del Fuego (Timanfaya), das Internationale Kunstmuseum Castillo de San José und die Gestaltung der Jameos del Agua. Auf diese Weise gelang es der Insel, als der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckte, sich mit einem Netz von Zentren auszustatten, in denen Kunst und Natur miteinander verschmolzen. All dies führte bei den Einwohnern Lanzarotes zu einem Umweltbewusstsein, das der Insel 1993 den Titel eines Biosphärenreservats der UNESCO einbrachte.Ein weiterer wichtiger Punkt in den letzten Jahrzehnten ist der rasche Niedergang des Fischereisektors, der Anfang der 1970er Jahre für die Wirtschaft der Insel von grundlegender Bedeutung war und heute nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Die Besetzung des spanischen Protektorats oder der spanischen Provinz Westsahara durch Marokko im Jahr 1975 bedeutete den Verlust der traditionellen Fischgründe, in denen die mächtige Fischereiflotte der Insel tätig war, ohne dass die Aufrechterhaltung guter Beziehungen zu Mauretanien den Verlust des Zugangs zur nördlichen Sahara-Bank ausreichend kompensieren konnte. So ist seit Mitte der 1970er Jahre ein allmählicher Rückgang der traditionellen Primärsektoren der Inselwirtschaft zu beobachten, der der Vorherrschaft des Tourismus und der damit verbundenen Aktivitäten (Bauwesen, Handel, Gastgewerbe undsoweiter) Platz macht. All diese Veränderungen fielen zeitlich mit den letzten Jahren der Franco-Diktatur und dem Prozess der Wiedererlangung der politischen Freiheiten zusammen, der nach dem Übergang zur Demokratie in Spanien einsetzte und einen Rahmen für Demokratie und Autonomie für die Kanarischen Inseln schuf.
Trotz des Umweltbewusstseins der Inselbewohner machten sich seit Ende der 1980er Jahre auch auf Lanzarote einige Aspekte des in anderen Tourismusdestinationen eingeführten, entwicklungsorientierten und ökologisch nicht nachhaltigen Modells bemerkbar. Vor seinem Tod im Jahr 1992 hatte sich Manrique selbst an die Spitze der Proteste gegen den Massentourismus und die städtebaulichen Fehlentscheidungen gestellt und war zu einem Symbol für den Schutz des Territoriums und der Natur der Kanarischen Inseln geworden.
Am 27. September 2002 erlebte Lanzarote die größte Volksdemonstration seiner Geschichte unter dem Motto „Nein zur Zerstörung der Insel”. Dennoch hat sich das touristische Wachstum in den letzten Jahren fortgesetzt, sodass die Zahl der Hotelbetten auf der Insel von 50.000 im Jahr 2001 auf über 72.000 im Jahr 2006 gestiegen ist. Dieses übermäßige Wachstum erfolgte trotz der wegweisenden städtebaulichen Vorschriften, die auf Lanzarote durch die aufeinanderfolgenden Inselraumordnungspläne (PIOT) und die für den Bau erlassenen Moratorien eingeführt wurden. Diese städtebaulichen Vorschriften wurden von einer Vielzahl neuer Hotelanlagen nicht eingehalten, deren Lizenzen von der Justiz aufgehoben wurden und sich derzeit in einer schwierigen rechtlichen Lage befinden, deren Zukunft noch ungewiss ist.
Die auf den Tourismus und den Bausektor ausgerichtete Wirtschaft, deren Arbeitskräfte oft vom Festland stammen und sich nur vorübergehend auf der Insel aufhalten, hat dazu geführt, dass Lanzarote sich von einer Insel, von der Menschen auswanderten, zu einer Insel gewandelt hat, die eine enorme Einwanderung erlebt, wodurch sie einen spektakulären Bevölkerungsanstieg verzeichnet. Derzeit ist die Hälfte der Bevölkerung Lanzarotes außerhalb der Insel geboren, und ein Viertel der registrierten Einwohner sind Ausländer. Obwohl die Einwanderung aus Afrika auf dem Seeweg (das sogenannte Phänomen der „Pateras”) aufgrund der Bedingungen, unter denen sie stattfindet, in den Medien meist größere Beachtung findet, stammt der größte Teil der Bevölkerung hingegen aus Europa.
Lanzarote hat in den letzten Jahrzehnten die größte sozioökonomische Entwicklung seiner Geschichte erlebt hat und seine Randlage endgültig hinter sich gelassen hat. Aus diesem Grund steht die Insel derzeit vor einigen der wichtigsten Herausforderungen, denen sich moderne Gesellschaften unserer Zeit gegenübersehen, wie beispielsweise der Notwendigkeit, wirtschaftliche Entwicklung und Nachhaltigkeit ihrer natürlichen Umwelt in Einklang zu bringen, die Integration ihrer Einwandererbevölkerung und die Bewahrung einer eigenen kulturellen Identität durch die Wiederbelebung des Primärsektors, der weiterhin als Anziehungspunkt für die starke Tourismusindustrie dient, sowie die Diversifizierung ihrer Wirtschaft.
Die Coronazeit auf Lanzarote war geprägt von scharfen Maßnahmen, staatlichen Eingriffen und schrittweisen Lockerungen. Im März 2020 wurde eine nationale Ausgangssperre in Spanien verhängt, die auch für Lanzarote galt. Während der strengsten Phase durften sich Menschen nur zu bestimmten Zeiten und aus triftigen Gründen im Freien bewegen. Viele Geschäfte und Hotels mussten schließen, der Flugverkehr wurde eingestellt, und touristische Einreisen waren nicht mehr erlaubt. Ab Mai 2020 begann ein vierstufiger Plan zur Lockerung der Maßnahmen, der schrittweise Öffnungen von Geschäften, Restaurants, Hotels und Freizeitaktivitäten erlaubte. Ab dem 21. Mai 2020 wurde eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit eingeführt, und es gab klare Abstandsregelungen. Lanzarote lag häufig in höheren Alarmstufen mit Beschränkungen wie reduzierten Öffnungszeiten, Einschränkungen bei Versammlungen und Nacht-Ausgangssperren (zwischen 23 und 6 Uhr). Restaurants durften zeitweise nur mit reduzierter Kapazität und nur im Außenbereich Gäste bewirten. Viele Veranstaltungen und Märkte wurden abgesagt oder stark eingeschränkt. Besonders im Winter 2020/21 waren die Maßnahmen streng, um die Ansteckungen einzudämmen.
Ab Anfang 2022 wurden die Maßnahmen nach und nach aufgehoben. Seit dem 26. März 2022 gelten auf Lanzarote keine Corona-bedingten Kapazitätsbeschränkungen oder Kontaktlimite mehr. Die Quarantänepflicht für Einreisende entfiel, und die Kanaren wurden vom Robert-Koch-Institut nicht mehr als Risikogebiet eingestuft. Massenveranstaltungen sind wieder erlaubt, und es gibt keine Beschränkungen mehr für Treffen. Dies markierte die Rückkehr zur „Neuen Normalität“ auf Lanzarote.
Die Corona-Maßnahmen haben Lanzarote wirtschaftlich hart getroffen, da der Tourismus der Hauptwirtschaftsfaktor der Insel ist. Viele Hotels waren längere Zeit geschlossen oder nur beschränkt geöffnet. Die wiederholten Schließungen und Öffnungsschwankungen erschwerten die Planung für Betriebe erheblich. Der Tourismus erholte sich erst im Laufe des Jahres 2023 wieder spürbar.
Verwaltung
Lanzarote ist seit 1927 selbstverwaltete Isla (Insel) der Provincia Las Palmas de Gran Canaria (Provinz Las Palmas), die seit 1983 Teil der Region Autonoma de los Canares (Autonome Region der Kanarischen Inseln) des Königreichs Spanien (Reino de España) ist.
Herrschaftsgeschichte
- um -600 bis 1402 eigenständige Häuptlingstümer („Königreiche“) der Mahos
- 1402 bis 1479 Königreich Kastilien und León (Reino de Castilla y León)
- 1479 bis 1485 Königreich Spanien (Reino de España)
- 1485 bis 15. Juli 1825 Herrschaft Lanzarote (Señorío de Lanzarote) des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 15. Juli 1825 bis 17. März 1852 Provinz Kanarische Inseln (Provincia des Islas Canarias) des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 17. März 1852 bis 3. März 1854 Provinz Östliche Kanaren (Provincia des Canarias Orientales) des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 3. März 1854 bis 23. November 1927 Provinz Kanarische Inseln (Provincia des Islas Canarias) des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 23. September 1927 bis 16. August 1982 Provinz Las Palmas (Provincia des Las Palmas) des Königreichs Spanien (Reino de España)
- seit 16. August 1982 Inselgemeinschaft Lanzarote (Comunidad Insular de Lanzarote) innerhalb der Provinz Las Palmas (Provincia de Las Palmas) der Autonomen Gemeinschaft Kanarische Inseln (Comunidad Autónoma de Canarias) des Königreichs Spanien (Reino de España)
Legislative und Exekutive
Der Cabildo Insular de Lanzarote ist die Inselregierung von Lanzarote und fungiert als oberstes Regierungs-, Verwaltungs- und Repräsentationsorgan der Insel. Es ist eine Institution der Autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln und nimmt die Aufgaben wahr, die auf der Ebene der einzelnen Gemeinden nicht gelöst werden können, weil sie die gesamte Insel betreffen und individuelle Lösungen erfordern.
Der Cabildo Insular de Lanzarote ist für vielfältige Bereiche zuständig, darunter Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft, Fischerei, Beschäftigung, Wohnungswesen, Straßenbau, Umweltschutz, Raumplanung, Trinkwasserversorgung, Soziales, Bildung, Kultur und Sport. Es ist somit für die Entwicklung und Umsetzung von politischen Maßnahmen zuständig, die dem Wohlergehen der gesamten Insel dienen und lokale Besonderheiten berücksichtigen.
Der Cabildo wird direkt von der Inselbevölkerung in einer Listenwahl gewählt. Es besitzt verschiedene Gremien:
- El Presidente/La Presidenta: Der oder die Vorsitzende des Cabildos repräsentiert die Institution öffentlich, bestimmt die politischen Richtlinien und leitet die Verwaltung.
- El Pleno: Die Versammlung aller gewählten Abgeordneten, die gesetzgebende Körperschaft des Cabildos.
- Las Comisiones del Pleno: Ausschüsse, die sich aus Vertretern der im Plenum vertretenen Parteien zusammensetzen und Beschlüsse vorbereiten.
- El Consejo del Gobierno: Das Exekutivorgan, das aus Mitgliedern der Mehrheitspartei oder Koalition gebildet wird. Die einzelnen Mitglieder sind für bestimmte Aufgabenbereiche verantwortlich und der Präsident ist zugleich Vorsitzender des Rates.
Aktuell besteht das Cabildo aus 23 Sitzen, die verschiedenen Parteien angehören. Präsident der Inselregierung ist seit Juni 2023 Oswaldo Betancort García von der Coalición Canaria (CC). Die Zusammensetzung spiegelt die politische Vielfalt und die lokalen Wählerpräferenzen wider.
Inseloberhaupt
Höchster Repräsentant der Insel ist der Präsident der Inselregierung.
Señores de Lanzarote (Herrscher von Lanzarote)
- 1485 - nach 1533 Sancho de Herrera y Ayala
- nach 1533 Constanza Sarmiento de Herrera [w] & Pedro Hernandez de Saavedra „el Mozo“
- 1567 - 1598 Agustín I de Herrera y Rojas (1537 - 1598)
- 1598 Catalina Escobar [{w] (Regentin)
- 1598 - 1631 Agustín II de Herrera y Rojas (1594 - 1631)
- 1598 - 21 Nov 1621 Mariana Enríquez Manrique de la Vega [w] (Regentin)
- 1631 - 1632 Agustín III de Herrera y Rojas (1625 - 1632)
- 1632 - 24 Nov 1661 Luisa Bravo de Guzmán [w] († 1661)
- 1661 Fulgencio Bravo de Guzmán († 1665)
- 1661 - 1696 Juan Francisco, duque de Estrada (1644 - 1696)
- 1696 - 170. Manuel, duque de Estrada (1680 - 170.)
- 170. - 22 Sep 1718 Leonor de Estrada [w] (1705 - 1718)
- 29 Nov 1729 - 1736 Martín Pedro de Castejón Belvís e Ibáñez, marqués de Velamazán (1663 - 1736)
- 1736 - 1752 Martín Nicolas de Castejón e Ibáñez de Segovia, marqués de Velamazán (1690 - 1752)
- 1752 - 24 Aug 1764 Martín Miguel de Castejón y Dávila, marqués de Velamazán (1728 - 1764)
- 1764 - 1806 María del Pilar de Castejón y Silva [w] (1750 - 1806) - zusammen mit -
- 1764 - 1765 Martín Pedro de Castejón y Silva (1690 - 1765)
- 1806 - 1815 Ana María de Castejón y Dávila, Marquesa de Gramosa [w] (1731 - 1815)
- 1815 - 15 Jul 1825 María Luisa de Silva González de Castejón, Condesa de Cifuentes [w] (1765 - 1825) & Juan Bautista María de Queralt (1786 - 1865)
Presidentes del Cabildo de Lanzarote (Präsidenten des Inselrats von Lanzarote)
- 16 Mar 1913 - 1 Jan 1916 Domingo Armas Martinón
- 1 Jan 1916 - 3 Jan 1918 Rafael Ramírez Vega
- 3 Jan 1918 - 1 Apr 1920 Francisco Hernández Arata
- 1 Apr 1920 - 30 Jan 1924 Fernando Cerdeña Bethencourt
- 30 Jan - 16 Apr 1924 Adolfo Topham Martinón
- 1 Apr 1924 - 1 Feb 1926 Rafael Cabrera Martinón
- 1 Feb 1926 - 6 Apr 1930 Carlos Sáenz Infante
- 6 Apr 1930 - 15 Apr 1931 Fernando Cerdeña Bethencourt [2]
- 15 - 16 Apr 1931 Casto Martínez González
- 16 Apr - 4 Mai 1931 Tomás Lubary González
- 4 Mai - 3 Okt 1931 Carlos Franquis Gil
- José López Betancort: 3 Okt 1931 - 31 Aug 1933
- 31 Aug 1933 - 22 Apr 1935 Sebastián Velázquez Cabrera
- 22 Apr 1935 - 7 Mar 1936 José Bethencourt González
- 7 Mar - 1 Aug 1936 Félix Pérez Camacho
- 1 - 3 Aug 1936 José Bethencourt González [2]
- 3 Aug - 3 Dez 1936 Miguel Cabrera Martinón
- 3 Dez 1936 - 30 Mar 1938 Manuel Arencibia Suárez
- 30 Mar - 28 Sep 1938 Isidro López Socas
- 28 Sep 1938 - 13 Okt 1949 Augusto Lorenzo Quintana
- 13 Okt 1949 - 23 Apr 1951 José María de Paíz García
- 23 Apr 1951 - 2 Aug 1953 Francisco Matallana Cabrera
- 2 Aug 1953 - 23 Aug 1955 Bonifacio Villalobos Guerrero
- 23 Aug 1955 - 8 Feb 1960 Esteban Armas García
- 8 Feb 1960 - 20 Sep 1974 José Ramírez Cerdá
- 20 Sep 1974 - 23 Apr 1977 Francisco Gómez Ruiz
- 23 Apr 1977 - 10 Okt 1978 Agustín Acosta Cruz
- 10 Okt 1978 - 19 Apr 1979 Nicolás de Páiz Pereyra
- 19 Apr 1979 - 23 Mai 1983 Antonio Lorenzo Martín (UCD)
- 23 Mai 1983 - 30 Jun 1987 Enrique Pérez Parrilla (PSOE)
- 30 Jun 1987 - 21 Jun 1991 Nicolás de Páiz Pereyra [2] (CDS)
- 21 Jun 1991 - 7 Aug 1993 Dimas Martín Martín (PIL)
- 7 Aug 1993 - 21 Jun 1994 Sebastiana (Chana) Perera Brito (PIL)
- 21 Jun 1994 - 23 Jun 1995 Enrique Pérez Parrilla [2] (PSOE)
- 23 Jun 1995 - 6 Sep 1996 Juan Carlos Becerra Robayna (PIL)
- 6 Sep 1996 - 10 Mar 1997 Pedro Manuel de Armas San Ginés (PIL)
- 10 Mar 1997 - 21 Jun 2003 Enrique Pérez Parrilla [3] (PSOE)
- 21 Jun 2003 - 14 Jul 2004 Dimas Martín Martín [2] (PIL)
- 10 Jan - 26 Jul 2004 Mario Pérez Hernández [kommissarisch] (CC)
- 26 Jul 2004 - 23 Feb 2005 María José Docal Serrano (PIL)
- 18 - 23 Feb 2005 Plácida Guerra Cabrera [kommissarisch] (PIL)
- 23 Feb - 20 Jun 2005 Francisco Domingo Cabrera García (PP)
- 14 - 30 Jun 2005 María Dolores Luzardo de León [kommissarisch] (PP)
- 30 Jun 2005 - 22 Jun 2007 Inés Nieves Rojas de León (CC)
- 22 Jun 2007 - 17 Okt 2009 Manuela Armas Rodríguez (PSOE)
- 17 Okt 2009 - 27 Jun 2019 Pedro San Ginés Gutiérrez (CC)
- 27 Jun 2019 - 26 Jun 2023 Dolores Corujo [w] (PSOE)
- seit 26 Jun 2023 Oswaldo Betancort García (CC)
Politische Gruppierungen und Wahlen
Auf Lanzarote sind folgende Parteien aktiv:
- Coalición Canaria (CC): Eine der stärksten Regionalparteien auf den Kanarischen Inseln, mit vielen Mitgliedern in wichtigen Ämtern auf Lanzarote. Sie vertritt konservative und regionalistische Positionen.
- Partido Nacionalista de Lanzarote (PNL): Eine regionale Partei, die sich als progressiv und nationalistisch versteht. Sie setzt sich besonders für die Belange der Insel ein.
- Partido de Independientes de Lanzarote (PIL): Gegründet mit dem Ziel größerer Autonomie bis hin zur Unabhängigkeit der Kanarischen Inseln, heute eher moderat ausgerichtet.
- Partido Socialista Obrero Español (PSOE): Die sozialdemokratische Volkspartei Spaniens mit lokalen Vertretungen.
- Partido Popular (PP): Die konservative Volkspartei Spaniens ist auf Lanzarote weniger stark vertreten, besitzt aber dennoch politischen Einfluss.
- Isla Lanzarote / Isla Alternativa (ISAL): Eine jüngere Partei mit Fokus auf ökologische und alternative politische Ansätze.
- Alternativa Democrática (AD): Eine weitere junge, grün-alternative Kraft auf Inselbasis.
- PNL & Nueva Canarias: Ein Zusammenschluss von regionalistischen und progressiven Kräften.
- Partido Vecinal para el Progreso (PVP): Eine lokal tätige Partei in San Bartolomé mit Fokus auf Bürgernähe und Umweltschutz.
Dazu kommen lokale Koalitionen und kleinere Gruppierungen, die regional begrenzt aktiv sind, etwa in Haría oder San Bartolomé.
Justizsystem und Kriminalität
Das Justizsystem auf Lanzarote ist Teil des spanischen Rechtssystems und wird hauptsächlich durch die Gerichte in Arrecife, der Inselhauptstadt, repräsentiert. Die Insel verfügt über Einrichtungen für die Rechtsprechung und Verwaltung der Justiz. Zudem wurden auf den Kanarischen Inseln, einschließlich Lanzarote, moderne Technologien wie die biometrische Signatur in den Gerichten eingeführt, um die Effizienz im Justizwesen zu steigern, Bearbeitungszeiten zu verkürzen und den Zugang zu elektronischen Gerichtsakten zu verbessern.
Die Gesamtkriminalität auf Lanzarote ist im ersten Quartal 2025 leicht um etwa 0,9% zurückgegangen. Dennoch gibt es einen besorgniserregenden Anstieg bei schweren Straftaten, insbesondere bei Gewaltdelikten. Die Zahl der vollendeten Tötungsdelikte auf den Kanarischen Inseln ist von 2 im ersten Quartal 2024 auf 10 im selben Zeitraum 2025 gestiegen, was einem Anstieg von 400% entspricht. Auch versuchte Tötungsdelikte haben deutlich zugenommen, ebenso wie Sexualdelikte mit Penetration, Raubüberfälle und Drogendelikte. Dieser Trend betrifft den gesamten Archipel, wobei Lanzarote insgesamt eine moderatere Zunahme schwerwiegender Verbrechen im Vergleich zu anderen Inseln aufweist.
Lanzarote ist im spanischen Vergleich besonders durch Korruptionsfälle belastet. Zahlreiche lokale Politiker, Unternehmer sowie Mitarbeiter in öffentlichen Ämtern sind in Vorwürfe wie Amtsmissbrauch und Vetternwirtschaft verwickelt. Trotz intensiver Ermittlungen sind viele Fälle durch Prozessverschleppungen und andere Probleme in der Justiz nur teilweise oder unzureichend verfolgt worden. Dies schwächt das Vertrauen in das Justizsystem und stellt eine zusätzliche Herausforderung für die Rechtsstaatlichkeit auf der Insel dar.
Für den Strafvollzug gibt es auf Lanzarote Einrichtungen, wo auch juristische Unterstützungsdienste bereitgestellt werden, um die Rechte der Insassen zu wahren und ihre Reintegration zu fördern. Diese Angebote werden auch von ehrenamtlichen Rechtsanwälten unterstützt, die sich für eine humane Behandlung und Rechtssicherheit einsetzen.
Flagge und Wappen
Lanzarote hat keine offiziell eingeführte Flagge, stattdessen wird die Flagge der Haupstadt der Insel, Arrecife, benutzt. Aber das Ortswappen wurde durch das Inselwappen ersetzt. Die Flagge ist schräglinks geteilt in zwei rechtwinklige Dreiecke rot über blau mit dem Inselwappen in ihrer Mitte.
In einem roten Feld sind übereinander angeordnet zwei goldene Schalen. Das Wappen hat einen durch eine dünne goldene umlaufende Linie vom Rest getrennten roten Schildrand mit zehn goldenen Schalen. Über dem Schild ist eine Markgrafenkrone. Bei der Erstellung des Wappens hieß es im entsprechenden Dekret über die Tingierung der Schalen, sie seien „von gold und silber geschacht“, es wurden jedoch stets goldene benutzt. Es ist eigentlich das Wappen der Familie Herrera, eine ihrer Seitenlinien hatte die Herrschaft über und später den Markgrafentitel von Lanzarote inne. Letzteres wird durch die Krone versinnbildlicht. Das Wappen wurde eingeführt durch Dekret 2217/64, vom 9. Juli 1964, veröffentlicht in vom 29.Juli 1964.
Hauptstadt
Die ursprüngliche Hauptstadt der Insel Lanzarote war Teguise im Landesinneren. Die Verlegung der Hauptstadt von Teguise nach Arrecife erfolgte 1852 hauptsächlich aus wirtschaftlichen und sicherheitsbedingten Gründen, unter anderem nachdem Teguise von Seeräubern verwüstet wurde. Arrecife hat sich durch seine Hafenlage und den Handel mit Amerika ab dem späten 18. Jahrhundert zunehmend entwickelt und schließlich den Status einer Stadt 1798 und dann der Inselhauptstadt 1852 erhalten. Arrecife ist heute das kulturelle, politische und wirtschaftliche Zentrum von Lanzarote mit rund der Hälfte der Inselbevölkerung. Der Name Arrecife bedeutet auf Deutsch „Felsenriff“ und bezieht sich auf die schützenden vorgelagerten Riffe vor der Küste, die die Stadt vor Piratenangriffen schützten.
Das heutige Regierungsgebäude stammt aus dem Jahr 1997 und wurde als Baudenkmal anerkannt. Ein älteres Gebäude aus dem Jahr 1929 wird für das digitale Archiv genutzt. Das Cabildo spielt eine zentrale Rolle für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Lanzarotes und ist in viele bedeutende Entscheidungen eingebunden.
Verwaltungsgliederung
Lanzarote besteht aus sieben Gemeinden mit zwei Inseln. Für 2016 wurden fgolgende Daten angegeben:
| Municipio | Fläche (km²) | Einwohner | Dichte (E/km²) |
| Arrecife | 22,72 | 58.537 | 2.579 |
| Haría | 106,58 | 4.767 | 45 |
| San Bartolomé | 40,89 | 18.151 | 444 |
| Teguise | 263,98 | 21.724 | 82 |
| Tías | 64,61 | 20.037 | 310 |
| Tinajo | 135,28 | 5.924 | 44 |
| Yaiza | 211,84 | 15.944 | 75 |
| Lanzarote | 845,89 | 145.084 | 172 |
Verwaltungseinheiten:
7 municipios (Gemeinden)
69 entidades (lokale Körperschaften)
2 islas (Inseln)
Bevölkerung
Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 845,93 km².
Bevölkerungsentwicklung:
Jahr Einwohner Dichte (E/km²)
1587 120 0,14
1742 7 210 8,52
1769 9 675 11,44
1787 12 784 15,11
1842 15 315 18,10
1860 15 837 18,72
1877 17 888 21,15
1887 16 769 19,82
1897 17 857 21,11
1900 17 556 20,75
1910 18 977 22,43
1920 20 723 24,50
1930 21 932 25,92
1940 27 476 32,48
1950 30 751 36,35
1960 34 818 41,16
1970 41 912 49,55
1975 44 357 54,98
1979 51 139 63,39
1981 50 721 62,87
1982 52 894 65,56
1983 54 938 68,09
1984 56 002 69,41
1985 56 660 70,23
1986 56 901 67,27
1987 59 634 70,50
1988 65 503 77,44
1989 69 560 82,23
1990 74 007 87,49
1991 64 911 76,74
1992 68 581 81,16
1993 72 755 86,01
1994 75 110 88,79
1995 76 413 90,33
1996 77 379 91,48
1997 80 500 99,78
1998 84 849 100,30
1999 90 375 106,84
2000 96 310 113,85
2001 103 044 121,81
2002 109 942 129,97
2003 114 715 135,61
2004 116 782 138,05
2005 123 039 145,45
2006 127 457 150,67
2007 132 366 156,47
2008 139 506 164,91
2009 141 938 167,79
2010 141 437 167,20
2011 142 517 168,47
2012 142 132 168,02
2013 141 953 167,81
2014 141 940 167,79
2015 143 209 169,29
2016 145 084 171,51
2017 147 023 173,80
2018 149 183 176,35
2019 152 289 180,03
2020 155 812 184,19
2021 156 269 184,72
2022 156 944 185,53
2023 159 021 187,98
2024 163 230 192,96
Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 5,158 % pro Jahr.
Bevölkerungsaufteilung 1991:
- Bevölkerungszahl insgesamt 64 911
- männlich 33.035 (50,89 %)
- weiblich 31.876 (49,11 %)
- unter 15jährig 15.812 (24,36 %)
- 15 bis 64 Jahre alt 44.359 (68,34 %)
- über 64jährig 4.740 (7,30 %)
- städtisch 37.022 (57,04 %)
- ländlich 27.889 (42,96 %)
- Lanzaroter 48.678 (74,99 %)
- Kanaren 13.880 (21,38 %)
- Ausländer 2.353 (3,63 %)
Volksgruppen
Die Bevölkerung der Insel Lanzarote setzt sich aus einer langen historischen Entwicklung verschiedener Volksgruppen zusammen. Ihre ethnische Zusammensetzung wurde zunächst von den kanarischen Ureinwohnern geprägt, später von europäischen Siedlern und in der Neuzeit zunehmend durch Einwanderung aus zahlreichen Ländern Europas, Afrikas und Amerikas. Heute gehört Lanzarote zu den ethnisch vielfältigsten Inseln des Kanarischen Archipels, was vor allem auf den internationalen Tourismus und die starke Zuwanderung seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückzuführen ist.
Die ersten bekannten Bewohner der Insel waren die kanarischen Ureinwohner, die auf Lanzarote als Majos oder Mahos bezeichnet werden. Sie gehörten zur Gruppe der altkanarischen Völker, deren Vorfahren vermutlich zwischen dem -1. und 1. Jahrtausend aus Nordafrika auf die Kanarischen Inseln gelangten. Die Majos lebten überwiegend von Viehzucht, Fischfang und einer einfachen Landwirtschaft. Sie errichteten Steinhäuser und Höhlensiedlungen und entwickelten eine eigenständige Kultur, die sich von den Ureinwohnern der übrigen Inseln unterschied. Jede Kanareninsel besaß ihre eigene Bezeichnung für die ursprüngliche Bevölkerung; so werden beispielsweise die Ureinwohner Teneriffas als Guanchen bezeichnet.
Mit der kastilischen Eroberung Lanzarotes Anfang des 15. Jahrhunderts begann eine tiefgreifende Veränderung der Bevölkerungsstruktur. Ein Teil der Majos wurde in die neue Gesellschaft integriert, während viele durch Kriege, Krankheiten oder Versklavung ums Leben kamen. Gleichzeitig siedelten sich spanische Kolonisten, vor allem aus Kastilien und Andalusien, sowie portugiesische Familien auf der Insel an. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte entstand aus der Vermischung der Ureinwohner mit europäischen Einwanderern die heutige kanarische Bevölkerung.
Genetische Untersuchungen zeigen, dass die heutige Bevölkerung Lanzarotes eine Mischung aus den altkanarischen Ureinwohnern, europäischen Siedlern und nordafrikanischen Einflüssen darstellt. Diese Vermischung entwickelte sich über viele Generationen hinweg und prägt bis heute die ethnische Identität der Insel. Kulturell dominieren jedoch die spanische Sprache sowie die kanarischen Traditionen, die europäische und altkanarische Elemente miteinander verbinden.
Bis weit ins 20. Jahrhundert blieb die Bevölkerung überwiegend einheimisch. Erst mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und dem rasanten Ausbau des Tourismus seit den 1960er-Jahren setzte eine starke internationale Zuwanderung ein. Arbeitskräfte aus vielen Ländern ließen sich dauerhaft auf Lanzarote nieder und trugen wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Insel bei.
Heute ist Lanzarote eine multikulturelle Gesellschaft. Die größte ausländische Bevölkerungsgruppe bilden britische Staatsangehörige, von denen viele dauerhaft auf der Insel leben oder dort einen Zweitwohnsitz besitzen. Es folgen größere Gemeinschaften aus Kolumbien, Deutschland, Italien, Marokko und Argentinien. Hinzu kommen Einwohner aus zahlreichen weiteren europäischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten. Diese Vielfalt spiegelt sich im Alltagsleben, in den Schulen, im Arbeitsmarkt und im kulturellen Angebot der Insel wider.
Die Einwanderung wird vor allem durch den Tourismus, das milde Klima und die gute Lebensqualität begünstigt. Viele Zugewanderte arbeiten in Hotels, Restaurants, im Handel, im Gesundheitswesen oder im Baugewerbe. Andere sind Unternehmer, Freiberufler oder Rentner, die ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft nach Lanzarote verlegt haben.
Die Kanarischen Inseln insgesamt weisen einen vergleichsweise hohen Anteil ausländischer Einwohner auf. Auf Lanzarote liegt dieser Anteil aufgrund der touristischen Entwicklung besonders hoch. Im Jahr 2024 besaßen rund 24 Prozent der Einwohner keine spanische Staatsangehörigkeit. Damit gehört Lanzarote zu den internationalsten Inseln Spaniens. Die Bevölkerung setzt sich heute aus Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen, die gemeinsam das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben prägen.
Trotz dieser internationalen Vielfalt besitzt die kanarische Identität weiterhin einen hohen Stellenwert. Viele Einwohner verstehen sich sowohl als Spanier als auch als Kanarier und pflegen regionale Traditionen, Feste, Musik, Trachten und kulinarische Besonderheiten. Gleichzeitig haben Einwanderer zahlreiche kulturelle Einflüsse eingebracht, wodurch sich eine offene und vielfältige Gesellschaft entwickelt hat.
Volksgruppen:
| Nationalität | 2011 | 2024 |
| Kolumbien | 5.961 | 7.121 |
| Großbritannien | 7.580 | 6.254 |
| Italien | 1.305 | 4.317 |
| Marokko | 4.379 | 3.870 |
| Deutschland | 4.345 | 2.243 |
| China | 1.222 | 1.470 |
| Rumänien | 1.095 | 1.001 |
| Venezuela | 906 | 969 |
| Irland | 958 | |
| Kuba | 1.353 | 941 |
| Indien | 731 | |
| Frankreich | 721 | |
| Portugal | 571 | |
| Argentinien | 1.752 | 510 |
| Dominikanische Republik | 1.166 | 439 |
| Niederlande | 375 | |
| Ecuador | 1.683 | 364 |
| Belgien | 345 | |
| Uruguay | 954 | 315 |
Majos
Die Majos, auch Mahos genannt, waren die ursprünglichen Bewohner der Insel Lanzarote und gehören zu den altkanarischen Bevölkerungsgruppen, die vor der europäischen Eroberung auf den östlichen Kanarischen Inseln lebten. Ihre Kultur ist heute ausgestorben, aber ihre Spuren sind in der Archäologie, in Ortsnamen und in einigen kulturellen Traditionen der Insel noch erkennbar.
Die Herkunft der Majos wird meist auf nordafrikanische Berbergruppen zurückgeführt, die vermutlich bereits im -1. Jahrtausend oder in den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende auf die Kanarischen Inseln gelangten. Über lange Zeit lebten sie relativ isoliert vom afrikanischen Festland, wodurch sich eine eigenständige Inselkultur entwickelte. Auf Lanzarote bildeten die Majos eine vergleichsweise kleine, aber stabile Gemeinschaft, die sich an die trockenen und kargen Umweltbedingungen der Insel anpasste.
Die Lebensweise der Majos war stark von der natürlichen Umgebung geprägt. Sie betrieben einfache Landwirtschaft, hielten Ziegen, Schafe und Schweine und nutzten die wenigen verfügbaren Wasserquellen sehr effizient. Zusätzlich spielten Fischfang und das Sammeln von Wildpflanzen eine wichtige Rolle für die Ernährung. Aufgrund des trockenen Klimas entwickelten sie Techniken zur Wasserspeicherung und eine an die Umwelt angepasste Wirtschaftsweise.
Archäologische Funde zeigen, dass die Majos in einfachen Steinhäusern sowie in Höhlen und unter Felsüberhängen lebten. Diese Wohnformen boten Schutz vor Hitze und Wind. Sie verwendeten lokale Materialien wie Stein, Knochen und Ton zur Herstellung von Werkzeugen, Keramik und Alltagsgegenständen. Auch Felsgravuren und andere prähistorische Spuren belegen ihre kulturelle Präsenz auf der Insel.
Gesellschaftlich waren die Majos vermutlich in kleinere Gemeinschaften oder Stammesgruppen organisiert. Die soziale Struktur war relativ einfach, aber dennoch klar gegliedert. Hinweise deuten darauf hin, dass es lokale Führungsstrukturen gab, die über Weideflächen, Ressourcen und Gemeinschaftsfragen entschieden.
Religiöse Vorstellungen der Majos sind nur teilweise bekannt. Es wird angenommen, dass sie naturbezogene Glaubensformen praktizierten, bei denen Berge, Steine, Wasserquellen und Himmelskörper eine wichtige Rolle spielten. Wie auf anderen Kanarischen Inseln könnten auch Ahnenkulte oder rituelle Praktiken Teil ihrer spirituellen Welt gewesen sein.
Mit der kastilischen Eroberung Lanzarotes im frühen 15. Jahrhundert unter dem normannischen Adligen Jean de Béthencourt begann der Niedergang der Majo-Kultur. Ein Teil der Bevölkerung wurde in die neue koloniale Gesellschaft integriert, andere wurden durch Konflikte, Krankheiten oder Versklavung dezimiert. Innerhalb weniger Generationen ging die eigenständige Kultur weitgehend verloren. Trotz ihres Verschwindens leben die Majos im kulturellen Gedächtnis der Insel weiter. Viele Ortsnamen, Landschaftsbezeichnungen und archäologische Stätten erinnern an ihre Existenz.
Sprachen
Neben dem offiziellen Spanisch spielt der kanarische Dialekt eine bedeutende Rolle im Alltag, während durch den Tourismus und die Zuwanderung zahlreiche weitere Sprachen auf der Insel vertreten sind. Die offizielle Amtssprache ist Spanisch (Kastilisch). Sie wird in der Verwaltung, im Bildungswesen, in den Gerichten, den Medien sowie im gesamten öffentlichen Leben verwendet. Sämtliche amtlichen Dokumente, Gesetze und offiziellen Veröffentlichungen erscheinen in spanischer Sprache. Auch der Schulunterricht erfolgt grundsätzlich auf Spanisch.
Im täglichen Leben sprechen die meisten Einheimischen jedoch nicht das Standardspanisch des Festlands, sondern das kanarische Spanisch (Español canario). Dieser regionale Dialekt besitzt zahlreiche sprachliche Besonderheiten und unterscheidet sich sowohl in der Aussprache als auch im Wortschatz und teilweise in der Grammatik vom Spanisch Zentral- und Nordspaniens. Zudem gibt es zwischen den einzelnen Kanarischen Inseln sowie teilweise sogar zwischen verschiedenen Orten Lanzarotes kleinere dialektale Unterschiede.
Das kanarische Spanisch weist auffallende Gemeinsamkeiten mit den spanischen Sprachformen Lateinamerikas auf, insbesondere mit dem Spanisch Kubas, Venezuelas und Puerto Ricos. Diese Ähnlichkeiten gehen auf die enge historische Verbindung zwischen den Kanarischen Inseln und Amerika zurück. Über mehrere Jahrhunderte wanderten zahlreiche Kanarier nach Lateinamerika aus, während gleichzeitig sprachliche Einflüsse in beide Richtungen wirkten.
Charakteristisch für das kanarische Spanisch ist die Aussprache des Buchstabens „z“ sowie des „c“ vor „e“ und „i“, die – wie in den meisten Ländern Lateinamerikas – als „s“ ausgesprochen werden. Dieses Phänomen wird als Seseo bezeichnet. Ebenso typisch ist das Abschwächen oder vollständige Weglassen des Endungs-„s“, besonders in der Umgangssprache. Wörter werden dadurch häufig weicher ausgesprochen als auf dem spanischen Festland. Auch die Aussprache bestimmter Konsonanten ist insgesamt flüssiger und weniger hart.
Im Wortschatz finden sich zahlreiche regionale Ausdrücke, die auf dem spanischen Festland teilweise unbekannt sind. Viele Begriffe stammen aus der Seefahrt, der Landwirtschaft oder aus der historischen Sprache der kanarischen Ureinwohner. Hinzu kommen Lehnwörter aus Portugal sowie aus dem Spanisch Lateinamerikas. Dadurch besitzt das kanarische Spanisch einen eigenständigen sprachlichen Charakter, der von den Bewohnern als wichtiger Bestandteil ihrer regionalen Identität angesehen wird.
Die ursprüngliche Sprache der Ureinwohner Lanzarotes, der Majos oder Mahos, ist dagegen vollständig ausgestorben. Mit der kastilischen Eroberung der Insel im frühen 15. Jahrhundert verschwand sie allmählich und wurde durch das Spanische ersetzt. Heute lebt diese Sprache nur noch in einzelnen Ortsnamen, Landschaftsbezeichnungen und einigen wenigen Wörtern fort, deren Ursprung auf die altkanarischen Sprachen zurückgeht. Viele geographische Namen der Insel erinnern bis heute an dieses sprachliche Erbe.
Religion
Die vorherrschende Religion auf Lanzarote ist römisch-katholisch, was der historischen Entwicklung der Kanarischen Inseln entspricht. Etwa 76,7 % der Bevölkerung der Kanarischen Inseln bekennen sich zum Katholizismus. Die katholische Kirche hat auf Lanzarote viele Kirchen und Kapellen, die oft der Jungfrau Maria geweiht sind, deren Verehrung tief im kulturellen und religiösen Leben verwurzelt ist. Beliebte religiöse Feste und Pilgerzüge (Romerías) finden regelmäßig statt, bei denen Heiligenbilder durch Gemeinden getragen werden.
Neben dem Katholizismus gibt es auf Lanzarote auch Minderheiten anderer Religionen:
- Islam: Zweitgrößte Religion mit rund 80.000 Muslimen in der gesamten Region, unter ihnen viele Einwanderer und auch Einheimische.
- Evangelische Kirchen verschiedener Konfessionen, darunter die Anglikanische Kirche, Baptisten und Pfingstbewegung.
- Orthodoxe Christen, vor allem russisch-orthodoxe und rumänisch-orthodoxe Gemeinden.
- Jüdische Gemeinschaften mit historischen Wurzeln und neueren Einwanderern.
- Hinduismus, Buddhismus, traditionelle chinesische Religionen und afro-karibische Religionen wie Santería.
- Neo-paganistische Glaubensgemeinschaften, die versuchen, das spirituelle Erbe der Ureinwohner (Guanchen) wiederzubeleben.
Die kanarischen Ureinwohner hatten vor der spanischen Eroberung polytheistische Religionen mit Anbetung von Sonne, Mond und Naturgottheiten. Diese alten Glaubensvorstellungen gehen heute nur noch in Volksüberlieferungen und Festen verloren.
Römisch-Katholische Kirche
Die römisch-katholische Kirche spielt auf der Insel Lanzarote eine historisch gewachsene und bis heute kulturell präsente Rolle, auch wenn die heutige Gesellschaft zunehmend säkularer und religiös vielfältiger geworden ist. Sie war über Jahrhunderte hinweg eng mit der politischen, sozialen und kulturellen Entwicklung der Insel verbunden und prägt weiterhin wichtige religiöse Feste, Traditionen und Teile des öffentlichen Lebens.
Die Einführung des Christentums auf Lanzarote geht auf die kastilische Eroberung im frühen 15. Jahrhundert zurück. Mit der Eroberung der Insel wurden die altkanarischen Glaubensvorstellungen der Majos oder Mahos schrittweise durch den katholischen Glauben ersetzt. Missionierung und kirchliche Organisation spielten dabei eine zentrale Rolle bei der Integration der Insel in das spanische Herrschaftssystem. Die katholische Kirche wurde schnell zur dominierenden religiösen Institution und prägte das gesellschaftliche Leben nachhaltig.
Die Insel gehört heute zur Diözese Diözese Canarias, die den gesamten kanarischen Archipel kirchlich verwaltet. Innerhalb dieser Struktur sind auf Lanzarote zahlreiche Pfarreien organisiert, die die religiöse Betreuung der Bevölkerung sicherstellen. Jede größere Gemeinde verfügt über eine eigene Pfarrkirche, die sowohl für den Gottesdienst als auch für soziale und kulturelle Aktivitäten genutzt wird.
Das religiöse Zentrum der Insel befindet sich in der Hauptstadt Arrecife, wo sich die wichtigsten kirchlichen Einrichtungen befinden. Zu den bedeutendsten Kirchen zählt die Kirche San Ginés, die dem Schutzpatron der Stadt gewidmet ist. Sie ist ein wichtiges religiöses und kulturelles Wahrzeichen und spielt eine zentrale Rolle bei Prozessionen und Festtagen.
Neben Arrecife besitzen auch andere Orte bedeutende Kirchen und Kapellen, darunter Teguise, die ehemalige Hauptstadt der Insel. Dort finden besonders während religiöser Feste große Prozessionen statt, die tief in der lokalen Tradition verwurzelt sind. Viele dieser Feiern verbinden katholische Rituale mit volkstümlichen Elementen, Musik und Tanz.
Die wichtigsten religiösen Feste auf Lanzarote sind die katholischen Feiertage wie Weihnachten, Ostern, Fronleichnam sowie die Patronatsfeste der einzelnen Gemeinden. Diese sogenannten „Fiestas patronales“ sind besonders bedeutend und werden in fast allen Orten der Insel mit Prozessionen, Musik, traditionellen Tänzen, religiösen Zeremonien und gemeinschaftlichen Feiern begangen. Sie verbinden religiöse Praxis mit sozialem Zusammenhalt und kultureller Identität.
Ein besonderes Merkmal der religiösen Kultur auf Lanzarote ist die enge Verbindung zwischen Kirche und lokaler Gemeinschaft. Viele Feste haben sowohl religiösen als auch gesellschaftlichen Charakter und dienen nicht nur der Glaubensausübung, sondern auch der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Dabei spielen Musik, traditionelle Kleidung und gemeinsames Essen eine wichtige Rolle.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die religiöse Landschaft jedoch verändert. Durch zunehmende Säkularisierung, Bildung und internationale Einflüsse nimmt die regelmäßige Kirchenbindung vieler Einwohner ab. Gleichzeitig ist die Kirche weiterhin bei wichtigen Lebensereignissen wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen stark präsent. Auch der Tourismus hat die religiöse Kultur beeinflusst. Kirchen werden zunehmend auch als kulturelle Sehenswürdigkeiten wahrgenommen, insbesondere historische Gebäude in Orten wie Teguise oder Yaiza. Besucher interessieren sich dabei sowohl für die Architektur als auch für die religiöse Geschichte der Insel.
Islam
Die ersten islamischen Einflüsse auf den gesamten kanarischen Raum reichen allerdings indirekt weiter zurück. Vor der europäischen Eroberung hatten die Kanarischen Inseln Kontakte zu nordafrikanischen Berberkulturen, die teilweise islamisch geprägt waren. Die ursprünglichen Bewohner Lanzarotes, die Majos oder Mahos, standen vermutlich in kultureller Verbindung zu nordafrikanischen Bevölkerungsgruppen. Mit der Eroberung durch Kastilien und der anschließenden Christianisierung verschwanden diese Einflüsse jedoch weitgehend aus dem religiösen Leben der Insel.
Die heutige muslimische Gemeinschaft auf Lanzarote ist überwiegend das Ergebnis von Zuwanderung aus Nordafrika, insbesondere aus Marokko, sowie aus weiteren Ländern wie Senegal, Gambia, Pakistan oder Bangladesch. Viele Zugewanderte kamen im Zuge der Arbeitsmigration seit den 1990er-Jahren auf die Insel, vor allem im Zusammenhang mit dem wachsenden Tourismussektor, dem Baugewerbe, der Landwirtschaft und dem Dienstleistungsbereich.
Ein Teil der muslimischen Bevölkerung lebt dauerhaft auf der Insel, ein anderer Teil besteht aus saisonalen Arbeitskräften oder Personen mit temporärem Aufenthalt. Die größte Konzentration muslimischer Einwohner findet sich in urbanen und wirtschaftlich aktiven Zentren wie Arrecife sowie in touristischen Gebieten wie Puerto del Carmen und Costa Teguise.
Religiöse Infrastruktur in Form von Moscheen und Gebetsräumen ist auf Lanzarote vorhanden, jedoch im Vergleich zur katholischen Kirche deutlich begrenzt. In Arrecife und einigen anderen Orten existieren kleine islamische Gebetsstätten, die vor allem als Gebetsräume für die lokale Gemeinschaft dienen. Diese sind meist schlicht eingerichtet und erfüllen funktionale religiöse Bedürfnisse wie das tägliche Gebet, Freitagsgebete und religiöse Feiern wie das Fastenbrechen (Id al-Fitr) und das Opferfest (Id al-Adha).
Da es sich um eine Minderheitenreligion handelt, gibt es keine großen repräsentativen Moscheekomplexe wie in manchen Großstädten Europas. Stattdessen ist das religiöse Leben stärker gemeinschaftlich organisiert und findet häufig in kleineren Räumen oder angemieteten Gebäuden statt. Dennoch spielen diese Einrichtungen eine wichtige soziale Rolle, da sie nicht nur religiöse, sondern auch kulturelle und gemeinschaftliche Funktionen erfüllen.
Während des Ramadan kommt der muslimischen Gemeinschaft eine besondere Bedeutung innerhalb ihres sozialen Umfelds zu. In dieser Zeit finden gemeinsame Fastenbrechen statt, oft in familiären oder gemeinschaftlichen Kreisen. In touristischen Zentren wird zudem zunehmend auf halal-konforme Ernährung geachtet, sodass einige Restaurants und Hotels entsprechende Speiseangebote bereitstellen.
Die islamische Kultur hat auch wirtschaftliche Auswirkungen, insbesondere im Tourismussektor. Durch die internationale Besucherstruktur wächst das Bewusstsein für kulturelle und religiöse Vielfalt. Einige gastronomische Betriebe bieten halal-zertifizierte Speisen an oder berücksichtigen muslimische Ernährungsregeln, insbesondere in stark touristisch geprägten Gebieten.
Judentum
Jüdische Einflüsse lassen sich indirekt bis in die Zeit der spanischen Geschichte zurückverfolgen. Vor der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 lebten jüdische Gemeinden auf der Iberischen Halbinsel, von denen einige Personen im Zuge der kastilischen Expansion auch in den atlantischen Raum gelangten. Auf den Kanarischen Inseln insgesamt gab es zwar zeitweise jüdische oder konvertierte Bevölkerungsgruppen (sogenannte „Conversos“), jedoch wurde das religiöse Leben stark durch die katholische Inquisition kontrolliert, sodass sich keine offenen jüdischen Gemeinden dauerhaft etablieren konnten.
Auf Lanzarote selbst blieb die jüdische Präsenz über die Jahrhunderte hinweg sehr gering. Während der Kolonialzeit und der frühen Neuzeit waren religiöse Minderheiten stark eingeschränkt, und die römisch-katholische Kirche dominierte das öffentliche und private Leben vollständig. Dadurch konnten sich keine stabilen jüdischen Gemeinden oder Synagogen auf der Insel entwickeln.
Die heutige jüdische Bevölkerung auf Lanzarote ist überwiegend das Ergebnis moderner Migration seit dem späten 20. Jahrhundert. Einzelne jüdische Familien oder Personen, vor allem aus europäischen Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder Frankreich sowie aus Israel, haben sich aus beruflichen oder privaten Gründen auf der Insel niedergelassen. Viele von ihnen sind Teil der internationalen Expat- und Tourismusgemeinschaft.
Die Zahl jüdischer Einwohner ist im Vergleich zu anderen religiösen Gruppen sehr klein. Es existiert keine offizielle Synagoge auf Lanzarote, und religiöse Aktivitäten finden, wenn überhaupt, in privaten oder informellen Rahmen statt. Für größere religiöse Feiern oder das Gemeindeleben reisen jüdische Bewohner meist auf andere Kanarische Inseln oder nach Spanien auf das Festland, wo etablierte jüdische Gemeinden vorhanden sind, etwa in Madrid, Barcelona oder auf Teneriffa.
Religiöse Praxis auf Lanzarote ist daher meist individuell organisiert. Beobachtungen des Schabbats, koschere Ernährung oder religiöse Feiertage wie Pessach oder Jom Kippur werden im privaten Umfeld durchgeführt. In touristischen Zentren gibt es vereinzelt Möglichkeiten, koschere oder entsprechend angepasste Lebensmittel zu beziehen, allerdings ist das Angebot begrenzt und stark von der Nachfrage abhängig.
Eoterik
Esoterische Vorstellungen spielen auf der Insel Lanzarote keine historisch verankerte oder institutionell bedeutende Rolle, haben jedoch in der modernen Zeit – vor allem im Zusammenhang mit Tourismus, Alternativkultur und spirituellen Bewegungen – eine gewisse Präsenz entwickelt. Sie stehen dabei eher im privaten und individuellen Bereich als in einer fest etablierten religiösen oder kulturellen Tradition.
Historisch war das spirituelle Leben der Insel über viele Jahrhunderte hinweg stark von der römisch-katholischen Kirche geprägt. Seit der kastilischen Eroberung im 15. Jahrhundert dominierte das Christentum das religiöse Weltbild vollständig. Frühere, vorspanische Glaubensvorstellungen der Majos oder Mahos sind zwar in ihrer ursprünglichen Form verschwunden, werden aber heute teilweise im Rahmen archäologischer oder kultureller Rekonstruktionen erwähnt. Eine direkte Verbindung zu moderner Esoterik besteht jedoch nicht.
Die heutige esoterische Szene auf Lanzarote ist vor allem ein Phänomen der Gegenwart. Sie entwickelte sich im Zuge des internationalen Tourismus seit den 1970er- und 1980er-Jahren, als zunehmend Besucher und später auch Residenten aus Europa spirituelle Praktiken mit auf die Insel brachten. Dazu gehören verschiedene Formen alternativer Spiritualität wie Meditation, Yoga, Reiki, Astrologie, energetische Heilmethoden und Naturspiritualität.
Die besondere Landschaft Lanzarotes mit ihren Vulkanfeldern, Kratern, Lavaformationen und der weiten, oft als „urzeitlich“ wahrgenommenen Natur wird von vielen Menschen als spirituell aufgeladen empfunden. Besonders Orte wie das Gebiet des Timanfaya National Park oder abgelegene Küstenabschnitte werden gelegentlich als Räume für Rückzug, Meditation oder persönliche spirituelle Erfahrungen genutzt. Die starke landschaftliche Reduktion – wenig Vegetation, klare Formen, intensive Farben – verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.
Es gibt auf der Insel kleinere Gruppen, die sich mit alternativen Heilmethoden, energetischer Arbeit oder spirituellen Praktiken beschäftigen. Diese sind jedoch nicht zentral organisiert und bilden keine einheitliche Bewegung. Stattdessen handelt es sich um lose Netzwerke von Einheimischen, Zugewanderten und saisonalen Besuchern, die entsprechende Angebote nutzen oder anbieten. Dazu gehören etwa Retreats, Workshops oder individuelle Sitzungen.
Auch im Tourismussektor hat Esoterik eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Einige Unterkünfte und Anbieter werben mit „Wellness“, „spirituellen Erfahrungen“, „Yoga-Retreats“ oder „Naturheilangeboten“. Diese Angebote richten sich vor allem an Besucher, die Erholung mit persönlicher oder spiritueller Entwicklung verbinden möchten. Dennoch bleibt dieser Bereich im Vergleich zum klassischen Bade- und Naturtourismus eher klein.
Die lokale Bevölkerung steht esoterischen Praktiken überwiegend neutral bis distanziert gegenüber. Für viele Einheimische sind sie kein zentraler Bestandteil der eigenen Kultur, sondern eher ein importiertes oder touristisch geprägtes Phänomen. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Personen, die einzelne Elemente – etwa Meditation oder alternative Heilmethoden – in ihren Alltag integrieren, ohne sich einer esoterischen Szene zuzuordnen.
Siedlungen
Die Einwohnerzahlen der Gemeinden entwickelten sich wie folgt:
| Jahr | Arrecife | Haría | San Bartolomé | Teguise | Tías | Tinajo | Yaiza |
| 1768 | . | 990 | . | 7.318 | . | . | 1.367 |
| 1787 | . | 1.570 | . | 9.513 | . | . | 1.745 |
| 1842 | 2.363 | 2.665 | 1.906 | 3.736 | 1.759 | 1.264 | 1.296 |
| 1857 | 2.761 | 2.054 | 1.922 | 3.487 | 2.085 | 1.317 | 1.499 |
| 1860 | 2.699 | 2.233 | 1.959 | 3.537 | 2.088 | 1.327 | 1.576 |
| 1877 | 2.882 | 3.271 | 1.858 | 3.766 | 2.444 | 1.742 | 1.524 |
| 1887 | 3.262 | 3.046 | 1.572 | 3.484 | 2.148 | 1.597 | 1.353 |
| 1897 | 3.306 | 3.138 | 1.761 | 3.915 | 2.316 | 1.753 | 1.332 |
| 1900 | 3.488 | 3.189 | 1.888 | 3.919 | 2.374 | 1.786 | 1.316 |
| 1910 | 4.128 | 3.544 | 2.142 | 4.436 | 2.785 | 1.778 | 1.627 |
| 1920 | 5.003 | 4.127 | 2.298 | 4.618 | 2.990 | 1.888 | 1.655 |
| 1930 | 5.129 | 3.692 | 2.319 | 5.722 | 2.773 | 2.089 | 1.270 |
| 1940 | 6.927 | 4.214 | 2.750 | 6.048 | 2.822 | 2.376 | 1.493 |
| 1950 | 8.929 | 4.725 | 3.124 | 6.254 | 3.021 | 2.586 | 1.503 |
| 1960 | 13.104 | 4.334 | 3.472 | 7.186 | 3.318 | 2.723 | 2.382 |
| 1970 | 21.135 | 2.986 | 3.550 | 5.977 | 3.018 | 2.822 | 1.658 |
| 1981 | 28.864 | 2.624 | 4.650 | 6.096 | 3.484 | 3.071 | 1.932 |
| 1986 | 31.387 | 2.760 | 5.270 | 6.498 | 5.758 | 3.234 | 1.994 |
| 1991 | 33.906 | 2.851 | 6.217 | 8.189 | 7.556 | 3.517 | 2.675 |
| 1996 | 38.091 | 3.531 | 9.852 | 8.691 | 10.096 | 3.755 | 3.363 |
| 2001 | 44.980 | 4.027 | 13.030 | 12.392 | 12.820 | 4.512 | 5.020 |
| 2011 | 55.381 | 5.054 | 18.118 | 20.294 | 19.148 | 5.738 | 14.468 |
| 2015 | 56.940 | 4.755 | 18.402 | 21.454 | 20.019 | 5.824 | 15.815 |
| 2020 | 64.645 | 5.263 | 19.099 | 22.703 | 20.628 | 6.434 | 17.040 |
| 2023 | 68.025 | 5.590 | 19.664 | 23.762 | 21.456 | 6.832 | 17.901 |
Arrecife ist die Hauptstadt und größte Stadt der Insel. Sie liegt an der Ostküste der Insel und ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum. Arrecife besticht durch seine Hafenlage am Atlantik, mit dem historischen Castillo de San Gabriel auf einer kleinen vorgelagerten Insel, das im 16. Jahrhundert zum Schutz vor Piraten erbaut wurde. Die Stadt hat trotz ihrer Größe den Charme eines ursprünglichen Fischerstädtchens bewahrt, mit der malerischen Meerwasserlagune Charco de San Ginés im Herzen, die mit Bars, Restaurants und dem wöchentlichen Markt ein beliebter Treffpunkt ist. Arrecife vereint moderne Infrastruktur, wie den bedeutenden Handelshafen Los Mármoles, und kulturelle Highlights mit einem lebendigen Stadtleben. Die Avenida César Manrique am Charco de San Ginés und die weiße, neoklassische Pfarrkirche San Ginés prägen das Stadtbild ebenso wie die geschäftigen Einkaufsstraßen und das rege Hafenflair.
San Bartolomé befindet sich im geografischen Zentrum Lanzarotes und ist die zweitkleinste der sieben Gemeinden der Insel. Die kleine Stadt San Bartolomé gilt als eine der ältesten Siedlungen, einst unter dem Namen Ajei von den Ureinwohnern (Guanchen) bekannt. Der Hauptort besticht durch seine weiß getünchten Häuser, historische Gebäude wie die Kirche Iglesia de San Martín aus dem 18. Jahrhundert mit kunstvoller Kassettendecke im Mudéjar-Stil sowie kulturelle Sehenswürdigkeiten wie das Monumento al Campesino von César Manrique und das ethnografische Museo Tanit. Die Gemeinde ist durch ihre landwirtschaftliche Tradition geprägt und umfasst neben dem Hauptort die größere Siedlung Playa Honda, die touristisch wichtig ist und nahe dem Flughafen liegt.
Teguise liegt nördlich von San Bartolomé und ist eine der größeren Gemeinden Lanzarotes. Teguise war bis 1852 die Hauptstadt der Insel und besitzt eine wunderschöne Altstadt mit kolonialem Flair und einer engen Verflechtung von Geschichte, Kultur und Kunsthandwerk. Die Gemeinde ist besonders bekannt für ihre lebendigen kulturellen Veranstaltungen und Märkte. Das Fischerdorf Caleta de Famara an der Küste gehört ebenfalls zu Teguise und ist ein beliebter Ort für Surfer und Naturliebhaber. Teguise ist verhältnismäßig ländlich und bewahrt mit seinen weißen Häusern und traditionellen Strukturen viele historische Werte.
Tinajo befindet sich im Westen der Insel und umfasst eine Fläche von etwa 135 km². Die Gemeinde ist von vulkanischer Naturlandschaft und Landwirtschaft geprägt, sie liegt nahe dem Nationalpark Timanfaya mit seinen beeindruckenden Vulkanen. Tinajo ist im Vergleich ruhiger und ländlicher als die anderen genannten Gemeinden, mit einem Fokus auf Landwirtschaft und Naturschutz. Die natürliche Umgebung macht Tinajo zu einem beliebten Ziel für Wanderer und Naturfreunde, die die vulkanische Landschaft Lanzarotes erkunden möchten.
Yaiza liegt im Süden Lanzarotes und ist eine kleinere Gemeinde mit ländlichem Charakter. Sie ist bekannt für ihre Nähe zum Nationalpark Timanfaya mit seinen beeindruckenden Vulkanlandschaften und für das milde Klima sowie die traditionellen kanarischen Dörfer und Landwirtschaft. Yaiza gilt als besonders malerisch, mit typisch weiß getünchten Häusern und einem ruhigen, naturnahen Lebensstil. Die Gemeinde ist als Tor zu den touristisch erschlossenen Gebieten im Süden wie Playa Blanca ein wichtiger Standort für landwirtschaftliche Produktion, insbesondere Weinbau und Gemüseanbau, und profitiert gleichzeitig vom Tourismus. Yaiza verbindet auf harmonische Weise die Naturschönheiten Lanzarotes mit traditioneller Kultur und ist ein beliebtes Ziel für Besucher, die Ruhe und Authentizität suchen.
Haría, im Nordosten der Insel gelegen, ist bekannt als das „Tal der tausend Palmen“. Die Gemeinde hat rund 5.500 Einwohner, von denen etwa 1.000 im gleichnamigen Hauptort Haría leben, der auf etwa 270 Meter Höhe inmitten einer grünen Oase liegt. Die Umgebung ist geprägt von einer vergleichsweise üppigen Vegetation dank des gemäßigten Klimas und der Berglandschaft des Famara-Gebirges, mit Las Peñas del Chache als höchstem Punkt Lanzarotes. Haría ist ein ruhiger Ort, der vom Tourismus noch weitgehend unberührt geblieben ist und dessen Bevölkerung vor allem von Landwirtschaft lebt. Der Hauptplatz Plaza León y Castillo mit der Pfarrkirche Nuestra Señora de la Encarnación bildet das Zentrum des Ortes. Haría gilt als idyllisch, mit vielen kleinen Bars und Cafés, und war der letzte Wohnort des bekannten Künstlers César Manrique.
Tías liegt im südlichen Zentrum der Insel. Der Ort ist vor allem für seine Nähe zum touristisch bedeutenden Ort Puerto del Carmen bekannt, dem größten Feriengebiet der Insel. Die Gemeinde zeichnet sich durch ihre mediterrane Atmosphäre aus und liegt an einer geschützten Küste am Atlantik. Tías selbst ist ein eher ruhiger Ort, der durch seine beiden historischen Kirchen und traditionelle kanarische Architektur geprägt ist. Die Gemeinde hat den höchsten Anteil an Ausländern auf Lanzarote, etwa 38,5%, was dem Ort eine internationale Prägung verleiht. Die umliegenden Landschaften wie La Geria, bekannt für den Weinanbau und als Naturpark, sind wichtige Sehenswürdigkeiten in der Region.
Verkehr
Die Insel verfügt über ein gut ausgebautes Verkehrsnetz mit internationaler Anbbindung über den Flughafen von Arrecife.
Straßenverkehr
Das Straßennetz umfasst mehrere hundert Kilometer asphaltierter Straßen und gehört zu den modernsten innerhalb der Kanarischen Inseln. Die meisten Haupt- und Nebenstraßen befinden sich in einem sehr guten baulichen Zustand und werden regelmäßig instand gehalten. Selbst kleinere Ortschaften und abgelegene Sehenswürdigkeiten sind über befestigte Straßen erreichbar. Aufgrund der überschaubaren Größe der Insel lassen sich nahezu alle Ziele innerhalb von weniger als einer Stunde Fahrzeit erreichen.
Die wichtigste Verkehrsachse verläuft von Norden nach Süden und verbindet die Ortschaft Órzola an der Nordküste mit Playa Blanca im äußersten Süden. Diese Nord-Süd-Verbindung wurde als Gebiet von regionalem Interesse eingestuft, da sie den größten Teil des Personen- und Warenverkehrs der Insel aufnimmt. Sie besteht aus den Straßen LZ-1 und LZ-2 sowie der Umgehungsstraße um die Inselhauptstadt Arrecife, welche beide Hauptstraßen miteinander verbindet und den Durchgangsverkehr aus dem Stadtzentrum heraushält.
Die LZ-1 führt von Arrecife entlang der Ostküste über mehrere Gemeinden bis nach Órzola. Sie erschließt den nördlichen Teil der Insel und verbindet unter anderem den Hafen, von dem Fährverbindungen zur Nachbarinsel La Graciosa bestehen. Die LZ-2 verläuft südlich von Arrecife über Yaiza bis nach Playa Blanca und verbindet damit die wichtigsten Tourismusregionen im Süden mit der Inselhauptstadt.
Zwischen Arrecife und Tías besitzt die LZ-2 einen autobahnähnlich ausgebauten Abschnitt mit mehreren Fahrspuren und höhenfreien Kreuzungen. Ein weiterer Schnellstraßenabschnitt befindet sich auf der LZ-20 zwischen Arrecife und San Bartolomé. Diese Strecken dienen vor allem dem Pendlerverkehr sowie der schnellen Anbindung des Flughafens und der touristischen Zentren.
Neben den Hauptverkehrsachsen erschließen zahlreiche gut ausgebaute Nebenstraßen alle übrigen Gemeinden sowie die wichtigsten Natur- und Kulturdenkmäler. Auch abgelegene Landschaften wie der Timanfaya National Park, die Weinregion La Geria oder die Steilküste des Risco de Famara sind problemlos mit dem Auto erreichbar.
Der öffentliche Busverkehr wird durch ein dichtes Netz regionaler Linien gewährleistet. Die Busse, auf den Kanaren allgemein als „Guaguas“ bezeichnet, verbinden nahezu sämtliche Gemeinden der Insel miteinander. Zentrales Drehkreuz ist Arrecife, wo die meisten Linien beginnen oder enden und Umsteigemöglichkeiten bestehen.
Von Arrecife bestehen regelmäßige Busverbindungen in alle größeren Orte der Insel, darunter nach Puerto del Carmen, Costa Teguise, Playa Blanca, Teguise, San Bartolomé, Tías, Haría, Yaiza und Órzola. Ebenso werden der Flughafen sowie die Fährhäfen von Playa Blanca und Órzola in das Liniennetz eingebunden. Dadurch können Reisende auch ohne eigenes Fahrzeug viele Ziele auf Lanzarote erreichen.
Innerhalb der Hauptstadt Arrecife existiert zusätzlich ein städtisches Busnetz, das verschiedene Wohngebiete, das Stadtzentrum, den Hafen und öffentliche Einrichtungen miteinander verbindet. Auch in den Gemeinden Tías und San Bartolomé sowie im Ferienort Playa Blanca verkehren örtliche Buslinien, die den innerörtlichen Verkehr ergänzen und touristische Einrichtungen anbinden.
Trotz des vergleichsweise guten Liniennetzes spielt der öffentliche Nahverkehr im Alltag vieler Einwohner und Urlauber eine geringere Rolle als der Individualverkehr. Die Busse verkehren auf den Hauptstrecken regelmäßig, in ländlichen Gebieten jedoch teilweise nur wenige Male täglich. Für viele Ausflüge zu abgelegenen Stränden, Aussichtspunkten oder Naturgebieten sind die Fahrpläne deshalb weniger flexibel als die Nutzung eines eigenen Fahrzeugs.
Straßenverkehr 1989:
- Straßen insgesamt 1.881 km
- davon asphaltiert 431 km (0,510 km/km²)
- Tankstellen 1994: 15
Fahrzeugbestand 1991:
- insgesamt 42.149 (0,649 pro Person)
- Pkw 30.772
- Mopeds und Motorräder 8.467
- Lkw 2.109
- Autobusse 153
- Nutzfahrzeuge 117
- sonstige 531
Schiffsverkehr
Der wichtigste Hafen der Insel ist der Seehafen Puerto de Arrecife (Los Mármoles). Die Hafenanlage, die auch unter dem Namen Los Mármoles bekannt ist, bildet den bedeutendsten Umschlagplatz für Versorgungsgüter auf Lanzarote. Hier werden nahezu alle wichtigen Importwaren entladen, darunter Lebensmittel, Baustoffe, Treibstoffe, Fahrzeuge, Maschinen und Konsumgüter. Gleichzeitig werden von hier aus landwirtschaftliche Erzeugnisse, Fischereiprodukte und andere Waren verschifft.
Neben seiner Funktion als Frachthafen besitzt Puerto de Arrecife auch große Bedeutung für den Personenverkehr. Regelmäßige Fährverbindungen verbinden Lanzarote mit den beiden Hauptstädten der Kanarischen Inseln, Las Palmas de Gran Canaria auf Gran Canaria sowie Santa Cruz de Tenerife auf Tenerife. Darüber hinaus bestehen Verbindungen zum spanischen Festland, insbesondere zum Hafen von Cádiz. Diese Linien ermöglichen sowohl den Transport von Passagieren als auch von Fahrzeugen und Fracht und stellen eine wichtige Alternative zum Flugverkehr dar.
Eine besondere Bedeutung besitzt der Hafen von Playa Blanca im Süden der Insel. Von hier verkehren mehrmals täglich Autofähren und Schnellfähren zur nur etwa 15 Kilometer entfernten Nachbarinsel Fuerteventura. Die Verbindung zum Hafen von Corralejo gehört zu den meistgenutzten Fährstrecken der Kanarischen Inseln und wird hauptsächlich von den Reedereien Naviera Armas und Fred. Olsen Express betrieben. Aufgrund der kurzen Fahrzeit von etwa einer halben Stunde wird diese Verbindung sowohl von Einheimischen als auch von Touristen intensiv genutzt.
Zusätzlich besteht seit dem Jahr 2004 eine regelmäßige Personenfährverbindung vom Hafen Puerto del Carmen nach Fuerteventura. Diese Linie wird mehrmals wöchentlich bedient und richtet sich vor allem an Tagesausflügler und Urlauber, die beide Inseln miteinander kombinieren möchten.
Von großer regionaler Bedeutung ist außerdem der Hafen von Órzola im Norden Lanzarotes. Von dort bestehen ganzjährig regelmäßige Fährverbindungen zur kleinen Nachbarinsel La Graciosa. Da La Graciosa über keinen Flughafen verfügt, stellt diese kurze Fährstrecke die einzige öffentliche Verkehrsverbindung zur Insel dar. Mehrmals täglich verkehren Passagierfähren zwischen beiden Inseln und gewährleisten die Versorgung der dortigen Bevölkerung sowie den touristischen Verkehr.
Neben den Fährhäfen verfügt Lanzarote über mehrere Sport- und Yachthäfen. Besonders bedeutend sind die Marinas in Arrecife, Puerto del Carmen und Playa Blanca. Sie bieten Liegeplätze für Segel- und Motoryachten sowie umfangreiche Serviceeinrichtungen für den Wassersport. Aufgrund des ganzjährig milden Klimas und der günstigen Windverhältnisse zählt Lanzarote zu den beliebten Zielen internationaler Segler.
Auch der Kreuzfahrttourismus hat in den vergangenen Jahrzehnten erheblich an Bedeutung gewonnen. Der Hafen von Arrecife wird regelmäßig von großen Kreuzfahrtschiffen angelaufen, die Passagiere aus Europa und anderen Teilen der Welt auf die Insel bringen. Für viele Kreuzfahrtreisende bildet Lanzarote einen wichtigen Zwischenstopp auf Atlantikrouten oder Kreuzfahrten zwischen Europa und den Kanarischen Inseln. Dadurch profitiert insbesondere die Hauptstadt Arrecife wirtschaftlich vom internationalen Kreuzfahrttourismus.
Der Güterverkehr über See bleibt jedoch die wichtigste Funktion der Häfen. Da Lanzarote über nur wenige eigene Rohstoffe verfügt und zahlreiche Konsumgüter importieren muss, sind die regelmäßigen Frachtschiffe für die Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar. Ebenso werden Treibstoffe, Baumaterialien und Lebensmittel nahezu vollständig über den Seeweg angeliefert.
Auf Lanzarote befinden sich folgende Leuchttürme:
Faro de Pechiguera
- Standort: Punta Pechiguera, 28°51‘ N, 13°52‘ W
- Inbetriebnahme:
- Turmhöhe: 50 m
- Feuerhöhe: 55 m
- Befeuerung:
- Tragweite: 33 km
Faro de Puerto de Arrecife
- Standort: Puerto de Arrecife, 28°57‘ N, 13°33‘ W
- Inbetriebnahme:
- Turmhöhe: 6 m
- Feuerhöhe: 10 m
- Befeuerung:
- Tragweite: 13 km
Flugverkehr
Nahe der Inselhauptstadt Arrecife liegt der Flughafen Lanzarote. Hier landen die Charterflieger hauptsächlich aus England, Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Des Weiteren wird regionaler Flugverkehr, hauptsächlich mit Binter Canarias, zu den anderen Inseln des Archipels betrieben.
1936 wurde mit dem Bau eines Behelfsflughafens begonnen. Im Sommer 1940 errichtete man fünf Kilometer westlich von Arrecife, an der Costa de Guacimeta in der Gemeinde San Bartolomé einen Militärflugplatz zur Verteidigung der Inselgruppe durch die spanische Luftwaffe. 1946 wurde dieser provisorisch für den zivilen Luftverkehr freigegeben und 1947 nach einigen Umbaumaßnahmen offiziell für Inlandsflüge geöffnet. Nach diversen Ausbauarbeiten und Errichtung eines Vorfeldes in den 1950er Jahren erhielt der Flughafen 1965 eine 1.850 Meter lange und 45 Meter breite, befestigte Lande- und Startbahn mit provisorischer Befeuerung.
1969 wurde der Flughafen umfangreich mit Abfertigungsgebäude, Vorfeld, Energieversorgung und Funktechnik erweitert, am 3. März 1970 wurde er für den internationalen zivilen Passagierflugverkehr freigegeben. Wegen ständig wachsender Fluggastzahlen durch den ansteigenden Tourismus konnten immer wieder deutliche Verbesserungen der Technik und Vergrößerungen diverser Anlagen vorgenommen werden. 1999 wurde für ein Aufkommen von sechs Millionen Passagieren pro Jahr ein 42.000 m² großes, zweigeschossiges Terminal mit 42 Abfertigungsschaltern und erstmals mit geschlossenen Fluggastbrücken eröffnet. Hinzu kam ein neuer Tower sowie diverse Infrastruktur. Das nun „alte“ Terminal aus dem Jahr 1969 wird seit dem nun als Terminal 2 für Flüge innerhalb der Kanaren, sowie für Privat- und Geschäftsflüge, genutzt. Seit 2006 befindet sich im ersten Flughafengebäude aus dem Jahr 1938 das Museo Aeronáutico, ein Flughafenmuseum zur Geschichte des zivilen und militärischen Luftverkehrs auf der Insel.
| Airlines | Ziele |
| Aer Lingus | Cork, Dublin, saisonal: Shannon |
| Air Europa | Bilbao, Madrid, Santiago de Compostela, saisonal: Barcelona |
| Air Europa Express | Gran Canaria |
| Austrian Airlines | Wien |
| Binter Canarias | Gran Canaria, Tenerife-Nord |
| British Airways | London–Gatwick |
| Brussels Airlines | Brüssel |
| CanaryFly | Gran Canaria, Tenerife-Nord |
| Condor | Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Leipzig/Halle, München, Stuttgart, saisonal: Köln/Bonn, Manchester |
| Corendon Dutch Airlines | saisonal (Charter): Amsterdam |
| easyJet | Belfast–International, Bristol, Liverpool, London–Gatwick, London–Luton, Mailand–Malpensa, saisonal: Amsterdam, Hamburg, London–Southend |
| easyJet Switzerland | Basel/Mulhouse |
| Edelweiss Air | Zürich |
| Enter Air | saisonal: Warschau–Chopin |
| Eurowings | Berlin–Tegel, Düsseldorf |
| Finnair | Helsinki |
| Germania | Berlin–Tegel, Bremen, Dresden, Erfurt/Weimar, Friedrichshafen, Münster/Osnabrück, saisonal (Charter): Toulouse |
| Iberia Express | Madrid |
| Jet2.com | Belfast International, Birmingham, East Midlands, Edinburgh, Glasgow, Leeds/Bradford, London–Stansted, Manchester, Newcastle |
| Jet Time | saisonal: Billund, Helsinki (Charter) |
| Laudamotion | saisonal: Düsseldorf |
| Luxair | Luxemburg |
| Neos | saisonal: Mailand–Malpensa |
| Norwegian Air Shuttle | London–Gatwick, Oslo–Gardermoen, saisonal (Charter): Bergen |
| Novair | saisonal (Charter): Göteburg, Oslo–Gardermoen, Stockholm–Arlanda |
| Primera Air | Billund, Kopenhagen |
| Ryanair | Barcelona, Beauvais, Belfast–International, Bergamo, Berlin–Schönefeld, Birmingham, Bologna, Bristol, Charleroi, Cork, Dublin, East Midlands, Edinburgh, Eindhoven, Frankfurt, Hahn, Knock, Leeds/Bradford, Liverpool, London–Luton, London–Stansted, Madrid, Manchester, Prestwick, Rom–Fiumicino, Santiago de Compostela, Sevilla, Shannon, Weeze, saisonal: Santander, Valladolid, Zaragoza |
| Scandinavian Airlines | saisonal (Charter): Bergen |
| SmartWings | Prag, saisonal: Brest |
| SunExpress Deutschland | Köln/Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, München, Nürnberg, Paderborn/Lippstadt, Stuttgart |
| Thomas Cook Airlines | Belfast International, Birmingham, Bristol, Cardiff, East Midlands, Glasgow, London Gatwick, London Stansted, Manchester, Newcastle upon Tyne |
| Thomas Cook Airlines Scandinavia | Kopenhagen, Stockholm–Arlanda (alle Charter) |
| Transavia | Amsterdam, Eindhoven, Rotterdam, saisonal: Groningen |
| Travel Service Airlines | saisonal (Charter): Brest, Deauville, Katowice, Warschau–Chopin |
| TUI Airways | Birmingham, Bournemouth, Bristol, Cardiff, Doncaster/Sheffield, East Midlands, Exeter, London Gatwick, London Luton, Manchester, Newcastle, saisonal: Belfast–International, Edinburgh, Glasgow, London–Stansted |
| TUI fly Belgium | Brüssel |
| TUI fly Deutschland | Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, München, Stuttgart, Eindhoven |
| TUI fly Netherlands | Amsterdam, Eindhoven, saisonal: Rotterdam |
| TUI fly Nordic | Charter: Kopenhagen, Göteborg–Landvetter, Helsinki, Oslo–Gardermoen, Stockholm–Arlanda |
| Vueling | Barcelona, Bilbao, Málaga, Paris Orly, Rom, Sevilla, Zürich |
Lanzarote Airport
- spanischer Name: Aeropuerto de Guasimeta
- Code: ACE / GCRR
- Lage: 28°56‘44“ N, 13°36‘19“ W
- Seehöhe: 14 m (47 ft)
- Entfernung: Playa de Matagorda, Guasimeta, 5 km westlich von Arrecife
- Inbetriebnahme: 1964
- Betreiber: Aeropuertos Españoles y Navegación Aérea (AENA)
- Terminals: 2
- Rollbahn: 1
- Länge der Rollbahn: 2400 m (Asfalt)
- Fluggesellschaften: 40
- Flugzeug-Standplätze: ca. 60
- jährliche Passagierkapazität: 7 mio.
- jährliche Frachtkapazität: ca. 9000 t
- Flughafen-Statistik: Jahr Flugbewegungen Passagiere Fracht in t:
1964 1 919 27 749 22
1969 5 800 150 000 510
1979 9 395 825 365 4 226
1987 16 343 1 919 926 4 375
1990 . 2 371 232 4 471
2000 . 4 998 846 6 607
2001 43 368 5 079 738 7 237
2002 45 050 5 123 574 7 201
2003 47 667 5 383 426 7 492
2004 48 446 5 517 136 7 996
2005 47 158 5 467 499 6 629
2006 50 172 5 626 087 6 113
2007 52 968 5 625 580 5 784
2008 53 375 5 438 178 5 429
2009 42 915 4 701 669 4 146
2010 46 668 4 938 632 3 787
2011 49 675 5 543 744 2 873
2012 44 787 5 168 775 2 108
2013 44 259 5 334 599 2 081
2014 49 575 5 883 039 2 050
2015 50 448 6 128 971 1 805
2016 54 632 6 684 564 1 776
2017 59 476 7 389 025 1 825
2018 60 955 7 327 129 1 642
2019 60 524 7 293 087 1 434
2020 30 056 2 538 345 583
2021 38 740 3 438 1^9 498
2022 63 764 7 350 451 589
2023 68 123 8 213 259 521
2024 71 605 8 714 285 507
Wirtschaft
Die Wirtschaft Lanzarotes basiert vor allem auf dem Tourismus, der als Hauptwirtschaftszweig jährlich rund 2,5 bis 3 Millionen Besucher anzieht. Zusätzlich spielen Landwirtschaft und Weinbau eine untergeordnete, aber wichtige Rolle, wobei der Weinanbau in Gebieten wie La Geria aufgrund der einzigartigen vulkanischen Böden besonders bekannt ist. Trotz gelegentlicher Herausforderungen wie der kleinen Ernte im Jahr 2025 bleibt Lanzarote eine attraktive Destination für Investitionen, vor allem im Immobilien- und Tourismussektor, unterstützt durch ein stabiles Marktumfeld und wachsende Infrastruktur.
Landwirtschaft
Die traditionelle Landwirtschaft basiert vor allem auf Trockenfeldbau, der sich auf etwa 8000 Hektar im mittleren und nördlichen Teil der Insel konzentriert. Diese Anbauform nutzt die natürliche Feuchtigkeit aus nächtlicher Kondensation und gelegentlichen Niederschlägen und kommt weitgehend ohne künstliche Bewässerung aus. Die Böden werden dabei durch eine spezielle Technik verbessert, bei der eine etwa 15 Zentimeter dicke Schicht aus vulkanischem Lapilli (vulkanischer Asche und Gesteinskrümeln) auf fruchtbaren Untergrund aufgebracht wird. Diese Methode wird als „enarenado artificial“ bezeichnet und hilft, die Verdunstung zu reduzieren und die Feuchtigkeit im Boden zu halten.
Ein besonders charakteristisches Beispiel dieser landwirtschaftlichen Praxis sind die Opuntienfelder bei Guatiza. Dort werden Feigenkakteen (Opuntia) kultiviert, auf denen Schildläuse gezüchtet werden. Aus diesen Insekten wird der traditionelle Karminfarbstoff gewonnen, der früher ein bedeutendes Exportprodukt der Insel war. Auch wenn diese Produktion heute nur noch in geringerem Umfang stattfindet, bleibt sie ein wichtiger Bestandteil der landwirtschaftlichen Geschichte Lanzarotes.
Im Trockenfeldbau werden vor allem robuste Nutzpflanzen angebaut, die mit wenig Wasser auskommen. Dazu gehören Kartoffeln, Zwiebeln, Mais, Knoblauch, Tomaten und Luzerne. Diese Kulturen sind an die schwierigen Bedingungen angepasst und werden häufig in kleinen Parzellen bewirtschaftet, die durch Steinmauern oder natürliche Windschutzstrukturen geschützt sind.
Eine weitere besondere Form der Landwirtschaft findet sich in der Sandebene von El Jable, die sich unterhalb des Famara-Massivs erstreckt. Hier wird auf etwa 1000 Hektar sogenannter Sandkulturen betrieben. In diesen Gebieten wird der Boden zusätzlich mit einer dünnen Schicht vulkanischer Asche bedeckt, um die Feuchtigkeit besser zu speichern. Angebaut werden dort vor allem Süßkartoffeln, Melonen, Kürbisse, Tomaten und Gurken. Die Erträge sind im Vergleich zu anderen Regionen jedoch geringer, da die Bedingungen weiterhin sehr anspruchsvoll sind.
Ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft ist die Viehhaltung, insbesondere die Ziegenzucht. Ziegen sind optimal an die trockene Umgebung angepasst und bilden seit Jahrhunderten eine zentrale Grundlage der lokalen Landwirtschaft. Aus ihrer Milch wird der traditionelle Ziegenkäse hergestellt, der in verschiedenen Varianten produziert wird und einen festen Platz in der regionalen Ernährungskultur einnimmt.
Nutzfläche 1989 in ha:
insgesamt 12 020
Gemeingut 6 010
Privatbesitz 5 785
Pachtgrund 138
Teilpachtgrund 68
sonstiges 19
Agrarbetriebe 1989:
Betriebe insgesamt 3 509
Parzellen 15 699
Parzellen pro Betrieb 4,474
Agrarprodukte 1981 (Anbaufläche in ha und Ertrag in t):
Trauben 2285 2 000
Zwiebeln 1310 15 000
Süßkartoffeln 591 2 950
Mais 335 301
Melonen 270 2 130
Cochenilla 252 13
Erbsen 213 210
Kartoffeln 138 774
Bohnen 133 60
Tomaten 118 1 200
Linsen 112 62
Kichererbsen 92 32
Kürbisse 61 366
Gerste 48 29
Weizen 41 20
Tabak 30 31
Knoblauch 30 60
Mandeln und Feigen 29 14
Roggen 16 6
Puffbohnen 8 16
Viehbestand: 1972 1986 1991
Geflügel 30 000 11 130 15 000
Ziegen 14 364 4 680 10 600
Kaninchen 1 500 660 8 836
Schweine 685 616 1 699
Esel und Maultiere 1 258 269 220
Schafe 1 333 176 200
Dromedare 570 210 190
Rinder 1 397 41 38
Pferde 26 15 15
Weinbau
Trotz der extrem trockenen klimatischen Bedingungen hat sich hier eine einzigartige Form des Weinbaus entwickelt, die weltweit nahezu einmalig ist und stark von der vulkanischen Landschaft geprägt wird. Das wichtigste Weinbaugebiet ist La Geria. Es umfasst einen großen Teil der zentral-südlichen Inselregion und gilt zugleich als geschütztes Landschaftsgebiet. Der Weinbau erstreckt sich insgesamt auf etwa 2300 Hektar. Die besondere landschaftliche Struktur und die traditionelle Anbaumethode haben La Geria zu einem Symbol für die Anpassungsfähigkeit der Landwirtschaft an extreme Umweltbedingungen gemacht.
Die Reben werden nicht in klassischen Reihen gepflanzt, sondern in trichterförmigen Mulden, die in die mehrere Meter dicke Schicht aus vulkanischer Asche und Lapilli (lokal „Picón“) gegraben werden. Diese Methode wird als „enarenado natural“ bezeichnet. Jede Pflanze wird zusätzlich durch halbkreisförmige Steinmauern vor dem starken Wind geschützt, der auf Lanzarote häufig weht. Diese Kombination aus Ascheschutz und Windschutz ermöglicht überhaupt erst den erfolgreichen Weinbau in dieser trockenen Region.
Die vulkanische Ascheschicht spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie speichert nachts die Feuchtigkeit aus der Luft und gibt sie tagsüber langsam wieder an den Boden ab. Gleichzeitig schützt sie die darunterliegende Erde vor Verdunstung und Erosion. Die Wurzeln der Reben können tief in den fruchtbaren Untergrund eindringen und so auch in sehr trockenen Perioden ausreichend Wasser aufnehmen.
Angebaut werden sowohl rote als auch weiße Rebsorten. Zu den wichtigsten roten Sorten gehören Listán Negro und Negramoll. Für Weißweine werden vor allem Listán Blanco, Malvasia, Moscatel und Diego verwendet. Besonders die Malvasia-Traube hat eine lange Tradition auf Lanzarote und ist für aromatische, oft leicht süßliche Weine bekannt, die international Anerkennung gefunden haben.
Der Weinbau auf Lanzarote ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell von großer Bedeutung. Er prägt die Identität der Insel und ist eng mit der Landschaft und den traditionellen Anbaumethoden verbunden. Viele Weingüter sind Familienbetriebe, die über Generationen hinweg bewirtschaftet werden und traditionelle Techniken bewahren.
Ein bekanntes Weingut ist die Bodega El Grifo, eines der ältesten Weingüter der Kanarischen Inseln. Es verfügt über ein eigenes Weinmuseum, in dem die Geschichte des Weinbaus auf Lanzarote dokumentiert wird. Besucher können dort die Entwicklung der traditionellen Anbaumethoden sowie die Besonderheiten der lokalen Rebsorten kennenlernen.
Neben ihrer wirtschaftlichen Funktion hat die Weinlandschaft von La Geria auch eine starke touristische Bedeutung. Die außergewöhnliche Optik der schwarzen Vulkanasche, die grünen Reben und die runden Pflanzkrater zieht zahlreiche Besucher an. Viele Weingüter bieten Verkostungen an und verbinden Weinbau mit Tourismus, was für viele Betriebe eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle darstellt.
Forstwirtschaft
Große zusammenhängende Waldflächen gibt es auf Lanzarote nicht. Die Vegetation ist insgesamt spärlich und stark an Trockenheit, Wind und salzhaltige Luft angepasst. Dennoch finden sich einige bedeutende Vegetationszonen mit baumartigem Bewuchs, die vor allem im nördlichen Inselteil und in höher gelegenen oder geschützten Regionen vorkommen. Besonders hervorzuheben ist die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis), die zu den widerstandsfähigsten Baumarten der Kanarischen Inseln zählt und in der Lage ist, auch auf kargen vulkanischen Böden zu wachsen.
Einige der wichtigsten vegetationsreichen Gebiete befinden sich in der Region Haría im Norden der Insel. Das dortige Tal, oft als „Tal der tausend Palmen“ bezeichnet, ist eines der wenigen Gebiete Lanzarotes mit vergleichsweise dichter Baum- und Palmenvegetation. Die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) prägt hier das Landschaftsbild und bildet zusammen mit kleineren Gärten, Terrassenfeldern und vereinzelten Baumgruppen eine grüne Oase innerhalb der ansonsten trockenen Inselstruktur.
Weitere vegetationsreiche Zonen finden sich in geschützten Höhenlagen und in weniger besiedelten Bereichen, etwa im Umfeld des Famara-Massiv sowie in Teilen des Naturraums des Timanfaya National Park. Allerdings ist die Vegetation dort sehr spärlich und besteht überwiegend aus niedrig wachsenden, trockenheitsresistenten Pflanzen, Flechten und einzelnen Sträuchern. Geschlossene Wälder fehlen auch hier weitgehend.
Die Forstwirtschaft im engeren Sinne konzentriert sich daher vor allem auf Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen. Dazu gehören Aufforstungsprojekte mit Kanarischer Kiefer sowie die Pflanzung von Sträuchern und Bäumen zur Eindämmung von Bodenerosion und zur Stabilisierung empfindlicher Hanglagen. Besonders in Gebieten, die durch frühere landwirtschaftliche Nutzung oder Erosion geschädigt wurden, werden gezielt Maßnahmen zur Wiederbegrünung durchgeführt.
Ein wichtiger Aspekt ist der Schutz vor Winderosion, die auf Lanzarote aufgrund der starken Passatwinde eine große Rolle spielt. Vegetationsstreifen, Steinmauern und gezielte Bepflanzung dienen dazu, den Boden zu stabilisieren und die Ausbreitung von Sand und Asche zu verhindern. Diese Maßnahmen sind eng mit der traditionellen Landwirtschaft verbunden, insbesondere mit den Anbausystemen im Gebiet El Jable, wo vegetationsarme Sandflächen durch menschliche Nutzung und Schutzmaßnahmen teilweise stabilisiert wurden.
Fischerei
DIn der Vergangenheit war die Fischerei eine der wichtigsten Lebensgrundlagen der Inselbevölkerung. Kleine Boote fingen in Küstennähe verschiedene Fischarten, die sowohl für den Eigenbedarf als auch für den lokalen Handel genutzt wurden. Die Fischer arbeiteten meist in familiären Strukturen und waren stark von Wetterbedingungen, Meeresströmungen und saisonalen Schwankungen abhängig. Die traditionelle Küstenfischerei ist bis heute in einigen Orten erhalten geblieben.
Typische Fanggebiete befinden sich entlang der felsigen Küsten und in Bereichen mit vulkanischem Untergrund, wo sich besonders viele Fischarten ansiedeln. Zu den häufig gefangenen Arten gehören unter anderem Barrakudas, Brassen, Goldbrassen, Seebarsche sowie verschiedene kleinere Riff- und Küstenfische. In tieferen oder anspruchsvolleren Gewässern treten auch größere Arten wie Zackenbarsche oder Cabrillas auf, die in Felsspalten und Unterwasserhöhlen leben.
Neben der traditionellen Küstenfischerei hat sich auf Lanzarote auch die Hochseefischerei entwickelt, insbesondere im Rahmen des Tourismus. Der Atlantik rund um die Insel bietet günstige Bedingungen für sportliches Angeln, da dort größere Raubfische und pelagische Arten vorkommen. Beim Hochseeangeln werden unter anderem Thunfisch, Marlin, Wahoo, Barrakuda und Goldbrassen gefangen. Diese Form der Fischerei ist heute vor allem als Freizeitaktivität organisiert.
Zahlreiche Anbieter auf der Insel bieten Angelcharter und geführte Hochseeangeltouren an. Diese Touren richten sich sowohl an Anfänger als auch an erfahrene Angler und beinhalten in der Regel Ausrüstung, Boot, Skipper sowie teilweise auch die erforderlichen Angelgenehmigungen. Ausgangspunkte sind meist die touristisch gut erschlossenen Häfen, insbesondere in Puerto del Carmen, Playa Blanca und Arrecife.
Die Preise für solche Touren variieren je nach Dauer, Saison und Ausstattung erheblich. Während kurze Ausfahrten vergleichsweise günstig sind, können exklusive Hochseeangeltouren mit Spezialbooten und längeren Strecken deutlich teurer sein. Besonders in der Hochsaison ist das Angebot stark auf Touristen ausgerichtet.
Neben dem Tourismus spielt auch die lokale Versorgung eine Rolle. In Küstenorten wie Playa Quemada oder La Santa ist die Fischerei noch stärker traditionell geprägt. Dort werden weiterhin kleine Fangboote genutzt, und frischer Fisch wird direkt an lokale Restaurants oder Märkte geliefert. Diese Orte bewahren einen Teil der ursprünglichen Fischereikultur der Insel.
Regulatorisch unterliegt die Fischerei auf Lanzarote – wie im gesamten spanischen Staatsgebiet – klaren Vorschriften. Dazu gehören Schonzeiten, Fangquoten, Mindestgrößen für Fische sowie Lizenzpflichten. Diese Regeln dienen dem Schutz der marinen Ökosysteme und sollen eine nachhaltige Nutzung der Fischbestände sicherstellen.
Fischereiwirtschaft 1992:
- Fischer 263
- Fischerboote 150
- Fischereibetriebe 139
Anlandungen in t:
1940 3 660,0
1975 354 663,0
1982 1145 825,0
1987 61,579,0
1990 127 006,2
davon 1990
- ozeanische Fische 565,0
- Tiefseefische 3.348,1
- Küstenfische 123092,0
- Krustentiere und Mollusken 1,1
Bergbau
Historisch beschränkten sich bergbauliche Aktivitäten auf den Abbau von Baumaterialien. Besonders wichtig waren Basalt, Tuffstein und andere vulkanische Gesteine, die nach Vulkanausbrüchen in großer Menge zur Verfügung standen. Diese Materialien wurden traditionell für den Hausbau, für Mauern, Wege und landwirtschaftliche Strukturen genutzt. Viele der charakteristischen Steinmauern, die Felder vor Wind schützen, bestehen aus lokal gewonnenem Lavagestein. Der Abbau erfolgte meist in kleinen Steinbrüchen, ohne industrielle Großtechnik.
Ein weiterer wichtiger Rohstoff ist der vulkanische Lapilli, lokal auch „Picón“ genannt. Dieses Material entsteht bei explosiven Vulkanausbrüchen und bedeckt große Teile der Inseloberfläche. Es wird nicht im klassischen Sinne „abgebaut“, sondern direkt aus der Landschaft entnommen und in der Landwirtschaft weiterverwendet. Besonders im Weinbaugebiet La Geria sowie im traditionellen Trockenfeldbau wird dieser Lapilli als Bodenabdeckung genutzt, um Feuchtigkeit zu speichern und die Verdunstung zu reduzieren.
Auch Bimsstein und andere poröse vulkanische Gesteine wurden in geringem Umfang gewonnen und teilweise als leichtes Baumaterial verwendet. Diese Materialien eignen sich aufgrund ihrer Struktur gut für den Bau von Häusern, da sie vergleichsweise leicht sind und gute isolierende Eigenschaften besitzen.
Ein klassischer industrieller Bergbau mit tiefen Schächten oder großflächigen Tagebauen hat sich auf Lanzarote nie entwickelt. Es fehlen sowohl metallische Erzlagerstätten als auch fossile Brennstoffe oder andere wirtschaftlich bedeutende Mineralvorkommen. Die vulkanische Aktivität der Insel hat zwar eine vielfältige Geologie geschaffen, jedoch keine großflächig ausbeutbaren Rohstofflager hinterlassen.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Rohstoffabbaus ist daher insgesamt gering. Mit dem Aufkommen des Naturschutzes und der wachsenden Bedeutung des Tourismus wurden selbst kleine Steinbrüche zunehmend eingeschränkt oder aufgegeben, um das Landschaftsbild nicht zu beeinträchtigen. Insbesondere in sensiblen Gebieten wie dem Timanfaya National Park ist jeglicher Rohstoffabbau streng verboten.
Handwerk
Dewr wichtigste handwerkliche Bereich ist die traditionelle Keramik- und Töpferkunst. Diese geht auf alte Techniken zurück, die bereits in vorspanischer Zeit von den Majos oder Mahos genutzt wurden und später weiterentwickelt wurden. Aus lokalem Ton werden bis heute Gefäße, Schalen und dekorative Objekte gefertigt, die häufig von Hand geformt und in einfachen Brennöfen gehärtet werden. Ein bekanntes symbolisches Beispiel sind die „Novios del Mojón“, kleine Tonfiguren, die früher eine rituelle oder soziale Bedeutung im Zusammenhang mit Heiratstraditionen hatten und heute als kulturelles Erinnerungsstück gelten.
Ein weiterer bedeutender Bereich ist die Korbflechterei. Dabei werden vor allem Palmblätter der Kanarischen Dattelpalme verarbeitet, die auf Lanzarote in geschützten Tälern wie Haría wachsen. Aus diesen natürlichen Materialien entstehen Körbe, Hüte, Matten und traditionelle Käseformen. Diese Produkte waren früher unverzichtbare Alltagsgegenstände in der Landwirtschaft und im Haushalt und werden heute sowohl als funktionale als auch dekorative Objekte hergestellt.
Auch der textile Bereich besitzt eine lange Tradition. Besonders hervorzuheben sind feine Stickereien, Häkelarbeiten und Spitzenherstellung, die häufig in Handarbeit gefertigt werden. Diese Techniken werden traditionell innerhalb von Familien weitergegeben und sind eng mit der ländlichen Kultur der Insel verbunden. Viele dieser Textilprodukte wurden früher im häuslichen Umfeld hergestellt und dienten der Ausstattung von Kleidung, Haushaltsgegenständen oder religiösen Textilien.
Ein charakteristisches Element der Handwerkskultur ist zudem die Herstellung der Timple, eines kleinen, gitarrenähnlichen Zupfinstruments, das typisch für die Kanarischen Inseln ist. Die Timple spielt eine wichtige Rolle in der traditionellen Musik und wird bis heute von spezialisierten Handwerkern gefertigt. Sie ist eng mit der musikalischen Identität der Region verbunden und wird sowohl in folkloristischen Gruppen als auch in moderner kanarischer Musik verwendet.
Neben diesen klassischen Handwerksformen existieren weitere Bereiche wie die Messerherstellung, Holzarbeiten, Glasdekoration, Seifenproduktion und kleinere kunsthandwerkliche Spezialgebiete. Viele dieser Tätigkeiten entstehen in kleinen Werkstätten, in denen handwerkliches Können und künstlerische Gestaltung eng miteinander verbunden sind.
Eine wichtige Rolle für die Präsentation und den Erhalt des Handwerks spielen traditionelle Märkte und kulturelle Einrichtungen. Besonders bekannt ist der Kunsthandwerksmarkt in Teguise, der regelmäßig stattfindet und zahlreiche Handwerker aus der ganzen Insel zusammenbringt. Auch in Haría gibt es Märkte, auf denen lokale Produkte angeboten werden. Diese Orte dienen nicht nur dem Verkauf, sondern auch dem kulturellen Austausch und der Bewahrung traditioneller Techniken.
Museale Einrichtungen und Besucherzentren, wie das Casa Museo del Campesino, tragen ebenfalls zur Vermittlung der Handwerkskultur bei. Dort können Besucher traditionelle Arbeitsweisen kennenlernen und sehen, wie eng Handwerk, Landwirtschaft und Alltagsleben historisch miteinander verbunden waren.
Heute wird das Handwerk auf Lanzarote auch institutionell gefördert, etwa durch lokale Kulturprogramme und die Unterstützung der Inselverwaltung. Ziel ist es, traditionelle Techniken zu bewahren und gleichzeitig neue Generationen einzubinden, damit das Wissen nicht verloren geht. Gleichzeitig spielt der Tourismus eine wichtige Rolle, da viele Besucher gezielt handgefertigte Produkte als authentische Erinnerung an die Insel erwerben.
Industrie
Die Industrie auf Lanzarote spielt eine eher geringe Rolle in der Wirtschaftsstruktur der Insel. Größere Industrieansiedlungen gibt es kaum, wobei die wichtigsten Betriebe vor allem in Bereichen wie Elektrizitätsversorgung, Ölraffinerie und Meerwasserentsalzung angesiedelt sind. Landwirtschaft und vor allem der Weinbau haben ebenfalls eine wichtige, wenn auch untergeordnete Bedeutung. Dominierend ist jedoch klar der Tourismussektor, der den Hauptwirtschaftszweig der Insel darstellt.
Die Industrie trägt weniger als 4 % zum regionalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, was weit unter normalen Standards liegt. Ein wichtiger wirtschaftlicher Bereich ist die Bauindustrie, die eng mit dem Tourismus verbunden ist. Traditionelle Agroindustrien wie Weinbau und Salzgewinnung sind auf Lanzarote seit Langem etabliert und prägen die Wirtschaft zusätzlich.
Die Industrieproduktion im kanarischen Kontext hat sich jüngst etwas abgeschwächt, bleibt aber für den Wirtschaftssektor von Bedeutung. Industrieunternehmen auf den Kanarischen Inseln sind vor allem im Dienstleistungs- und Verarbeitungssektor tätig, während der Fertigungsbereich und Versorgung sektoral unterschiedlich stark betroffen sind. Die Industrie beschäftigt rund 29,6 % der Erwerbsbevölkerung in der Region, was jedoch auch viele nicht-industrielle Bereiche umfasst
Wasserwirtschaft
In früheren Zeiten versuchte die Bevölkerung, Regenwasser in Zisternen, sogenannten Ajibes, zu sammeln. Diese Speicher waren in Häusern, Höfen und landwirtschaftlichen Flächen verbreitet und bildeten lange Zeit die wichtigste Grundlage der Wasserversorgung. Zusätzlich gab es in einigen Gebieten natürliche oder künstlich erschlossene Wasser führende Stollen und Brunnen. Diese traditionellen Systeme reichten jedoch nur für eine kleine Bevölkerung aus und wurden im Laufe der Zeit zunehmend unzuverlässig, unter anderem durch Versalzung und sinkende Grundwasserqualität.
Mit dem Bevölkerungswachstum und dem Aufstieg des Tourismus wurde die moderne Wasserversorgung zunehmend auf technologische Lösungen umgestellt. Seit den 1960er-Jahren spielt die Meerwasserentsalzung die zentrale Rolle. Eine große Entsalzungsanlage in Arrecife versorgt heute den größten Teil der Insel. Insgesamt decken Entsalzungsanlagen etwa 85 bis 90 Prozent des gesamten Wasserbedarfs ab. Weitere kleinere Anlagen befinden sich in touristisch und infrastrukturell wichtigen Gebieten wie Costa Teguise, Puerto del Carmen sowie im Bereich von Hotel Club La Santa.
Die Meerwasserentsalzung ist jedoch sehr energieintensiv. Sie wird überwiegend mit fossilen Energieträgern betrieben, was sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Herausforderungen mit sich bringt. Neben dem hohen Energieverbrauch entstehen auch Umweltprobleme durch die Einleitung von konzentrierter Salzsole in das Meer sowie durch teilweise unzureichend behandeltes Abwasser. Diese Einleitungen können lokale marine Ökosysteme belasten, weshalb Umweltauflagen und Kontrollen zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Ein weiteres Problem ist die Verteilung des Wassers auf der Insel. Obwohl die Versorgung in touristischen Zentren und größeren Ortschaften grundsätzlich gesichert ist, kommt es in einigen ländlichen oder höher gelegenen Gebieten zeitweise zu Engpässen oder Unterbrechungen. Das Leitungsnetz ist teilweise veraltet, wodurch Wasserverluste durch Leckagen entstehen. Diese Verluste stellen einen erheblichen Anteil der Gesamtmenge dar und sind ein zentrales Problem der Infrastrukturpolitik.
Der Wasserverbrauch auf Lanzarote wird stark vom Tourismus beeinflusst. Touristische Einrichtungen verbrauchen pro Kopf deutlich mehr Wasser als die lokale Bevölkerung, was die Versorgung zusätzlich belastet. Hotels, Schwimmbäder, Golfanlagen und touristische Infrastruktur erhöhen den Gesamtbedarf erheblich und machen eine stabile Wasserwirtschaft zu einer dauerhaften Herausforderung.
In den letzten Jahren wurden verschiedene Modernisierungsprogramme gestartet, um die Effizienz des Wassersystems zu verbessern. Dazu gehören Investitionen in die Reparatur von Leitungen, die Reduzierung von Verlusten im Netz sowie die Optimierung der Entsalzungsanlagen. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und gleichzeitig die Umweltbelastung zu verringern.
Energiewirtschaft
Lanzarote ist stark abhängig von fossilen Brennstoffen, insbesondere Erdöl, das etwa 95% des Energiebedarfs deckt. Der wachsende Tourismus und Meerwasserentsalzungsanlagen haben den Verbrauch in den letzten Jahrzehnten stark erhöht. Alternative Energien spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle, etwa 5% des Energiebedarfs werden durch erneuerbare Energien gedeckt, vor allem durch Solarenergie, die bisher nur begrenzt für Brauchwassergewinnung genutzt wird.
Lanzarote betreibt fünf Windparks mit einer installierten Leistung von 40,7 Megawatt. Diese Windkraftanlagen können in Spitzenzeiten bis zu 35 % des Strombedarfs der Insel und der Nachbarinsel Fuerteventura decken. Ein bedeutender Windpark ist San Bartolomé, der 9,2 Megawatt leistet und 2022 in Betrieb genommen wurde. Die korrespondierenden Investitionen werden vom kanarischen Entwicklungsfonds unterstützt, und weitere solche Anlagen sind geplant, um den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen und die Energiesicherheit zu verbessern.
Die spanische Regierung hat 2024 Ausschreibungen für die Erneuerung der konventionellen Stromerzeugungskapazitäten veröffentlicht, um die veralteten und desolaten Kraftwerke auf Lanzarote und Fuerteventura bis 2028 zu modernisieren oder durch neue Anlagen zu ersetzen. Dabei soll ein Augenmerk auf kleiner werdende, flexiblere Kraftwerke gelegt werden, welche leichter mit erneuerbaren Energien kombinierbar sind. Die geplante installierte Leistung konventioneller Kraftwerke beträgt 215 Megawatt.
Aufgrund des vulkanischen Charakters der Insel wird auch die Nutzung von Geothermie als nachhaltige Energiequelle erforscht. Es gibt neue Entwicklungen, bei denen durch Temperaturunterschiede im Vulkanboden elektrische Energie erzeugt wird. Obwohl die Erdwärmeressourcen im Nationalpark Timanfaya liegen, wo eine Nutzung aufgrund des Schutzstatus nicht erlaubt ist, existieren Projekte mit neuartigen Thermogeneratoren, die Wärme direkt in Strom umwandeln und als zukunftsweisend gelten.
Die Insel kämpft mit einem fragmentierten und veralteten Stromnetz, das mit der steigenden Nachfrage kaum Schritt hält. Notfallmaßnahmen und Investitionsprogramme sollen Blackouts vermeiden und die Integration erneuerbarer Energien verbessern. Die Verbindung per Unterseekabel zu Fuerteventura hilft bei der Energieversorgung, ist aber nicht ausreichend, um die gesamte Insel autark und nachhaltig zu versorgen.
Kraftwerksbetrieb 1992:
- Transformatoren 59
- installierte Leistung 102,03 mwh
- Energieproduktion 294 478 mwh
- Elektrische Anschlüsse 1992:
- insgesamt 14.539
- Energieverbrauch 99.526 mwh
Abfallwirtschaft
Die Abfallwirtschaft auf Lanzarote steht vor großen Herausforderungen und entwickelt sich derzeit zu einem nachhaltigeren und umweltbewussteren System. Ein bedeutender Schritt in diese Richtung ist die kürzlich genehmigte und im Bau befindliche neue Kompostieranlage im Umweltkomplex Zonzamas. Dieses Projekt mit einem Investitionsvolumen von über 7 Millionen Euro wird von der Inselverwaltung, der kanarischen Regierung und dem Entwicklungsfonds der Kanarischen Inseln kofinanziert. Die Anlage soll jährlich etwa 3.500 Tonnen Bioabfälle und 875 Tonnen pflanzliche Reste verarbeiten und daraus rund 2.600 Tonnen hochwertigen Kompost erzeugen, der in Landwirtschaft, Gartenbau und zur Renaturierung genutzt wird.
Diese neue Infrastruktur ist Teil eines umfassenden Abfallwirtschaftsplans, der auf Kreislaufwirtschaft und Umweltschutz abzielt. Ziel ist es, das Abfallaufkommen zu minimieren, Recycling zu maximieren, die Wiederverwendung zu fördern und die Deponierung zu reduzieren. Die getrennte Sammlung von organischen Abfällen wird gemeinsam mit den sieben Gemeinden der Insel umgesetzt, um eine nachhaltige und zukunftsfähige Abfallbehandlung sicherzustellen.
Vor der Schaffung der neuen Infrastruktur gab es auf Lanzarote Schwierigkeiten mit der Recyclingquote, die unter 10 % lag, und teilweise wurden Abfälle im Boden oder Vulkan vergraben. Projekte wie eine Biogas-Anlage im Zonzamas-Gebiet konnten bisher nicht in Betrieb genommen werden, was wichtige Investitionen und organisatorische Anstrengungen für die Zukunft erforderlich macht. Aktuell wird jedoch durch die neuen Maßnahmen und die Förderung der Abfalltrennung sowie Aufklärungskampagnen ein Umdenken und eine Verbesserung des Abfallmanagements vorangetrieben.
Zusätzlich gibt es Kampagnen zur Rücknahme von kleinen Elektrogeräten, die über ein Netzwerk von über 60 Sammelstellen auf der Insel verteilt sind. Diese sollen die fachgerechte Entsorgung und das Recycling von Elektroschrott verbessern und die Umweltbelastung reduzieren.
Handel
Der Handel und die Einkaufszentren auf Lanzarote bieten eine vielfältige und moderne Infrastruktur, die sowohl den Bedürfnissen von Einheimischen als auch von Touristen gerecht wird. Dabei dominieren offene Einkaufszentren, die ein angenehmes Einkaufserlebnis mit Freizeitangeboten verbinden.
Das Centro Comercial Open Mall Lanzarote in Arrecife ist eines der größten und modernsten Einkaufszentren der Insel. Es erstreckt sich über eine Fläche von 35.100 m² auf vier Etagen und ist täglich geöffnet. Hier finden sich zahlreiche Modegeschäfte von bekannten Marken wie Zara, Cortefiel, Women’Secret und Deichmann sowie ein großer Supermarkt und diverse Restaurants. Ein Highlight ist der über 2.500 m² große Spielplatz „Sould Park“, der besonders für Familien attraktiv ist. Das Center bietet außerdem zahlreiche Serviceleistungen wie kostenlose Parkplätze, WLAN, Ladestationen für Elektrofahrzeuge.
Ein weiteres bedeutendes Einkaufszentrum ist das Biosfera Plaza in Puerto del Carmen, bekannt für seine offene, luftige Architektur mit Blick auf die benachbarte Insel Fuerteventura. Es bietet eine breite Auswahl an internationalen Marken, Unterhaltungsmöglichkeiten wie Minigolf und einen Kinderspielplatz sowie gastronomische Angebote.
Das Deiland Shopping Center in Playa Honda ist das größte Einkaufszentrum Lanzarotes mit mehr als 60 Geschäften und über 600 kostenlosen Parkplätzen. Es kombiniert Einkaufsmöglichkeiten mit Freizeitangeboten wie Bowling, Kinosälen und Restaurants. Hier finden sich viele bekannte Modemarken und ein großer Supermarkt.
An der Südspitze auf der Einkaufsmeile Calle Limones in Playa Blanca bieten zahlreiche kleine Boutiquen und Geschäfte ein abwechslungsreiches Sortiment, ideal für einen gemütlichen Einkaufsbummel. In Playa Blanca ist zudem das Rubicón Shop & Fun mit rund 40 Läden und Freizeiteinrichtungen wie Minigolf und Bowling ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Urlauber.
Darüber hinaus gibt es in Arrecife das traditionelle Einkaufszentrum El Mercadillo, das mit Geschäften rund um einen überdachten Innenhof und einer kleinen Cafeteria ausgestattet ist und besonders für regionale Produkte geschätzt wird.
Finanzwesen
Das Finanzwesen auf Lanzarote ist eng mit dem speziell für die Kanarischen Inseln geltenden Autonomen Finanzsystem (Régimen Económico y Fiscal de Canarias, REF) verbunden. Dieses System soll die besonderen geografischen und wirtschaftlichen Bedingungen der Inseln ausgleichen, etwa höhere Kosten bei Strom, Wasser und Transport. Dank des REF verfügen die Kanarischen Inseln jährlich über rund 400 Millionen Euro mehr, die zur Unterstützung der Lebensqualität und zur Finanzierung von Subventionen wie etwa dem 50%-Residentenrabatt für Inselreisen verwendet werden.
Auf Lanzarote gilt anstatt der spanischen Mehrwertsteuer eine niedrigere lokale Steuer namens IGIC (7%), was günstigere Preise für Verbraucher und Unternehmen bedeutet. Im Gegenzug gibt es jedoch keine Steuererstattung für Touristen, was beim Einkauf beachtet werden muss.
Da Lanzarote Teil der Europäischen Union und Spaniens ist, wird der Euro als Zahlungsmittel verwendet. Kartenzahlungen sind weit verbreitet, auch kontaktlose Zahlungsmethoden sind üblich. Bargeldabhebungen sind an vielen Automaten möglich, wobei jedoch Betreiber- und Bankgebühren anfallen können. Es ist ratsam, sich vor Reiseantritt über die Gebührenstrukturen der eigenen Bank und mögliche kostenlose Kreditkartenoptionen zu informieren.
Die Kanarischen Inseln, einschließlich Lanzarote, fordern vom spanischen Staat weiterhin eine faire Finanzierung und eine Trennung des REF von der staatlichen Regionalfinanzierung, um Doppelbelastungen zu vermeiden. Zudem gibt es politische Diskussionen über die Sicherung von Finanzmitteln für wichtige Bereiche wie Bildung und Gesundheit, um Nachteile durch EU-Finanzrahmen zu vermeiden.
Auf Lanzarote gibt es verschiedene Banken mit Filialen und Geldautomaten, die sowohl von Einheimischen als auch von Touristen genutzt werden. Die wichtigsten Bankfilialen befinden sich in den größeren Orten wie Arrecife, Playa Blanca und Puerto del Carmen. Barclays Bank S.A.E. hat eine Filiale in Arrecife (Calle Fajardo, 12). Banc Sabadell ist unter anderem in Playa Blanca vertreten (Calle Limones, 87). CaixaBank betreibt mehrere Filialen und Geldautomaten, besonders in Playa Blanca und anderen touristischen Zentren.
In Puerto del Carmen gibt es Geldautomaten verschiedener Anbieter, unter anderem auch von der Deutschen Bank, zum Beispiel direkt neben dem Burger King an der Strandpromenade. Diese Banken bieten neben klassischen Kontodiensten auch Kreditkarten, Geldautomaten für Bargeldabhebungen sowie Beratung für internationale Kunden an.
Kartenzahlungen und kontaktloses Bezahlen sind auf Lanzarote weit verbreitet. An den Geldautomaten können Reisende weltweit übliche Karten wie Visa, MasterCard oder Maestro nutzen. Allerdings können bei der Bargeldabhebung Gebühren anfallen, weshalb man sich vorab über mögliche Bankgebühren informieren sollte.
Soziales und Gesundheit
Zur sozialen Grundsicherung gehören einkommensabhängige Unterstützungsleistungen für Menschen in finanziellen Notlagen sowie spezifische Hilfen für Familien mit geringem Einkommen. Auf Lanzarote werden diese Leistungen durch regionale Sozialdienste der Gemeinden und der Inselverwaltung koordiniert, die als erste Anlaufstellen für Betroffene dienen.
Ein wichtiger Bereich ist die Unterstützung älterer Menschen. Aufgrund des demografischen Wandels spielt die Altenpflege eine zunehmende Rolle. Es gibt sowohl öffentliche als auch private Pflegeeinrichtungen, Tagesstätten und ambulante Pflegedienste. Viele ältere Menschen werden zudem in ihren Familien betreut, wobei ergänzende soziale Dienste wie Haushaltshilfe oder Pflegeberatung zur Verfügung stehen.
Auch die Betreuung von Menschen mit Behinderungen ist ein fester Bestandteil des Sozialwesens. Hierzu zählen Förderprogramme, spezialisierte Bildungsangebote, berufliche Integration sowie betreute Wohnformen. Ziel ist es, die gesellschaftliche Teilhabe zu fördern und ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Familien und Kindern. Dazu gehören Programme zur frühkindlichen Förderung, Sozialarbeit in Schulen sowie Maßnahmen zum Schutz von Minderjährigen in schwierigen Lebenssituationen. In Fällen von familiären Krisen oder sozialer Gefährdung greifen spezialisierte Dienste ein, um Betreuung und Schutz sicherzustellen.
Auch Migration spielt im Sozialwesen von Lanzarote eine wichtige Rolle. Aufgrund der internationalen Bevölkerung gibt es spezielle Integrationsangebote, Sprachkurse und Beratungsstellen, die Migrantinnen und Migranten beim Zugang zu Bildung, Arbeit und sozialen Leistungen unterstützen. Diese Angebote werden häufig in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen und staatlichen Stellen umgesetzt.
Im Bereich der Beschäftigung existieren Programme zur Arbeitsförderung und beruflichen Weiterbildung. Diese sollen insbesondere Jugendlichen, Langzeitarbeitslosen und Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen helfen, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten. Der Tourismussektor spielt dabei eine zentrale Rolle, da er den größten Teil der Arbeitsplätze auf der Insel stellt.
Gesundheitswesen
Die zentrale Einrichtung der öffentlichen Gesundheitsversorgung ist das Hospital General de Lanzarote in Arrecife. Dieses Krankenhaus bildet das wichtigste medizinische Zentrum der Insel und verfügt über Notfallversorgung, chirurgische Abteilungen, Innere Medizin, Intensivmedizin sowie weitere Fachbereiche. Es übernimmt die Grund- und Akutversorgung für die gesamte Inselbevölkerung und ist zugleich erste Anlaufstelle für schwerere medizinische Fälle.
Ergänzt wird das öffentliche System durch zahlreiche Gesundheitszentren (Centro de Salud), die über die Insel verteilt sind. Diese Einrichtungen bieten die hausärztliche Grundversorgung, Impfungen, kleinere Notfallbehandlungen und präventive Gesundheitsdienste. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der wohnortnahen medizinischen Versorgung und sorgen dafür, dass auch abgelegenere Gemeinden Zugang zu grundlegender Gesundheitsbetreuung haben.
Im privaten Sektor spielt das Hospiten Lanzarote eine zentrale Rolle. Diese moderne Privatklinik in Puerto del Carmen bietet ein breites Spektrum an Fachrichtungen, diagnostischen Verfahren und Notfallmedizin. Sie ist besonders bei internationalen Patientinnen und Patienten sowie bei Privatversicherten stark frequentiert und ergänzt das öffentliche Gesundheitssystem durch schnellere Zugänge und spezialisierte Angebote.
Zusätzlich gibt es weitere private Kliniken und medizinische Zentren, unter anderem in touristisch geprägten Orten wie Playa Blanca und Costa Teguise. Diese Einrichtungen bieten häufig Facharztpraxen, ambulante Behandlungen sowie diagnostische Leistungen wie Röntgen, Ultraschall, CT oder MRT an. Besonders in den touristischen Zentren ist die medizinische Versorgung stark auf internationale Patientinnen und Patienten ausgerichtet.
Auch die Apothekenlandschaft ist gut entwickelt. Apotheken sind über die gesamte Insel verteilt und durch das grüne Kreuz leicht erkennbar. Viele Apotheken bieten zusätzlich Notdienste außerhalb der regulären Öffnungszeiten an. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Versorgung mit rezeptfreien Medikamenten, verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sowie bei der Beratung zu kleineren gesundheitlichen Beschwerden.
Krankheiten
Vereinzelt vorkommende Krankheiten sind:
- Dengue-Fieber: Übertragen durch die Tigermücke (Aedes aegypti), die auch Zika, Gelbfieber und Chikungunya übertragen kann. Die Inseln sind deshalb mit Fallenbilderungen aktiv, um die Mückenpopulation zu kontrollieren und Tropenkrankheiten fernzuhalten. Fälle von Dengue werden gelegentlich gemeldet, vor allem durch Reisende aus tropischen Gebieten.
- Leishmaniose: Sehr selten, kommt in minimaler Form auf den Kanaren vor, besonders bei Hunden. Das Risiko für Touristen ist extrem gering.
- West-Nil-Fieber: Wird durch tagaktive Mücken übermittelt und tritt saisonal in Spanien auf. Die Infektion verläuft meist mild, aber bei manchen kann es zu neurologischen Symptomen kommen.
Bildung
Das Bildungswesen auf der Insel Lanzarote ist Teil des spanischen staatlichen Bildungssystems und folgt damit den landesweit einheitlichen Strukturen, die durch die Autonome Gemeinschaft der Kanarischen Inseln umgesetzt und regional angepasst werden. Es umfasst frühkindliche Bildung, Grundschule, Sekundarstufe sowie berufliche und akademische Ausbildungsmöglichkeiten und ist insgesamt gut zugänglich und flächendeckend organisiert.
Die schulische Ausbildung beginnt mit der frühkindlichen Bildung (Educación Infantil), die in Kindergärten und Vorschuleinrichtungen angeboten wird. Daran schließt die Grundschule (Educación Primaria) an, die in der Regel von Kindern im Alter von etwa sechs bis zwölf Jahren besucht wird. Diese Schulen sind über die gesamte Insel verteilt, sodass auch kleinere Gemeinden eine wohnortnahe Grundversorgung im Bildungsbereich haben.
Die Sekundarstufe (Educación Secundaria Obligatoria, ESO) sowie die anschließende Oberstufe (Bachillerato) werden in weiterführenden Schulen in größeren Orten angeboten, insbesondere in Arrecife sowie in Gemeinden wie Teguise und Tías. Diese Schulen bereiten entweder auf die Universität oder auf eine berufliche Ausbildung vor.
Ein wichtiger Bestandteil des Bildungssystems ist die berufliche Bildung (Formación Profesional). Sie spielt auf Lanzarote eine besondere Rolle, da viele Ausbildungsprogramme eng mit der regionalen Wirtschaft verbunden sind. Besonders der Tourismussektor, das Gesundheitswesen und technische Berufe stehen im Fokus. Berufsschulen vermitteln praktische und theoretische Kenntnisse und erleichtern den Einstieg in den Arbeitsmarkt der Insel.
Im Hochschulbereich ist Lanzarote kein eigenständiger Universitätsstandort im klassischen Sinne, jedoch gibt es Außenstellen und Studienzentren, die mit der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) verbunden sind. In Einrichtungen wie in Tahiche werden insbesondere Studiengänge im Bereich Pflege, Tourismus und angewandte Wissenschaften angeboten. Diese Studienangebote ermöglichen es Studierenden, auf der Insel zu bleiben, ohne vollständig auf das Festland oder andere Inseln ausweichen zu müssen.
Die Bildungspolitik legt zudem großen Wert auf Integration und Chancengleichheit. Da Lanzarote eine internationale Bevölkerung hat, gibt es spezielle Förderprogramme für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, insbesondere Sprachförderung im Spanischen. Auch inklusive Bildung für Kinder mit besonderen Bedürfnissen ist fest im System verankert.
Neben dem formalen Bildungssystem spielen außerschulische Bildungsangebote eine wichtige Rolle. Dazu gehören Musikschulen, Sportprogramme, Sprachkurse und kulturelle Bildungsinitiativen, die oft von Gemeinden oder Kulturzentren organisiert werden. Diese Angebote tragen zur sozialen Integration und zur kulturellen Entwicklung bei.
Höhere Bildung
Auf Lanzarote gibt es keine eigenständige Universität, aber einen Campus der Universität Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC). Der Hauptstandort befindet sich auf Gran Canaria. Der Lanzarote-Campus bietet Studiengänge und Forschungsaktivitäten mit regionalem Fokus, insbesondere zu Umweltthemen, Tourismus, Meereswissenschaften und Technik. Es gibt ein breites Spektrum von Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften über Technikwissenschaften bis hin zu Gesundheits- und Wirtschaftswissenschaften. Der Campus ist gut vernetzt mit europäischen und internationalen Hochschulen und bietet auch Austauschprogramme an. Die Universität wurde 1989 gegründet durch Zusammenlegung mehrerer Bildungseinrichtungen, und der Lanzarote-Campus ist Teil des Gesamtsystems.
Für spezialisierte oder weiterführende Bildung fahren viele Studierende auf die Hauptinseln der Kanaren wie Gran Canaria oder Teneriffa. Der Zugang zu Universitäten erfolgt über eine Abschlussprüfung (EBAU/EvAU). Lanzarote bietet auch Sprachschulen mit Spanischkursen für Ausländer, Bildungsurlaub und kulturelle Programme zur Förderung der Sprache und Integration.
Bibliotheken und Archive
Die wichtigste Einrichtung ist die Biblioteca Insular de Lanzarote in Arrecife. Sie fungiert als zentrale Inselbibliothek und bietet ein breites Angebot an Büchern, digitalen Medien, Lernplätzen und kulturellen Veranstaltungen. Neben ihrer Funktion als Ausleihbibliothek ist sie auch ein wichtiger Ort für kulturelle Bildung, Leseförderung und öffentliche Veranstaltungen wie Lesungen, Workshops oder Ausstellungen. Sie richtet sich an alle Altersgruppen und spielt eine zentrale Rolle im Bildungs- und Kulturleben der Insel.
Ergänzend dazu existieren mehrere kommunale Bibliotheken in den größeren Gemeinden. Dazu gehört insbesondere die Bibliothek von Puerto del Carmen im Gemeindegebiet Tías. Diese Einrichtungen bieten ebenfalls Bücher, audiovisuelle Medien und Lernräume, sind jedoch stärker auf die lokale Bevölkerung und touristisch geprägte Nutzergruppen ausgerichtet. Sie dienen oft auch als Treffpunkte für kleinere kulturelle Veranstaltungen und Bildungsangebote.
Im akademischen Bereich spielt die Bibliothek der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) am Standort Tahiche eine wichtige Rolle. Sie versorgt Studierende und Forschende, insbesondere in den Bereichen Pflege, Tourismus und angewandte Wissenschaften, mit Fachliteratur, Datenbanken und digitalen Ressourcen. Diese Einrichtung verbindet die Insel direkt mit dem Hochschulsystem der Kanarischen Inseln und unterstützt die akademische Ausbildung vor Ort.
Neben den klassischen Bibliotheken gibt es auf Lanzarote auch kleinere Kulturhäuser und Einrichtungen, die literarische Nachlässe, regionale Dokumente und historische Materialien bewahren. Diese Sammlungen sind oft Teil von Museen oder kulturellen Zentren und dienen der Bewahrung der lokalen Geschichte, einschließlich der Entwicklung der Inselgesellschaft, der Landwirtschaft und der kulturellen Identität.
Archive im engeren Sinne sind auf der Insel weniger zentralisiert, sondern häufig Teil der kommunalen Verwaltung oder kultureller Institutionen. Wichtige Dokumente zur Geschichte der Insel, etwa aus der Kolonialzeit oder zur Entwicklung der Gemeinden, werden in regionalen oder überregionalen Archiven der Kanarischen Inseln ergänzt und gesichert.
Kultur
Die Kultur von Lanzarote ist geprägt von einer einzigartigen Verbindung zwischen der rauen vulkanischen Landschaft und der künstlerischen Gestaltung, insbesondere durch den einflussreichen Künstler César Manrique, der Natur, Kunst und traditionelle Lebensweisen harmonisch miteinander verknüpfte. Die Insel bewahrt ihre indigene Geschichte und traditionelle Landwirtschaft, speziell die charakteristische Weinproduktion in der Region La Geria, und bietet Feste, Kunstzentren und historische Orte.
Museen
In der Fundación César Manrique sind neben den permanent ausgestellten Werken aus dem Nachlass des Künstlers César Manrique in temporären Ausstellungen auch internationale Künstler zu sehen, deren inhaltlicher Schwerpunkt im Thema „Kunst und Natur“ liegen. Die Fundación César Manrique liegt nördlich von Arrecife in der Nähe von Tabiche an der Landstraße LZ 34.
Ein weiteres Ausstellungsgebäude für Wechselausstellungen der FCM, die Sala Saramaro, befindet sich an der Plaza de la Constitución in Arrecife. Ebenfalls in Arrecife liegt das Museo Insular de Arte Contemporáno (MIAC) im Castillo San José, nahe dem Hafen in der Avenida de Naos. Die Jameos del Agua sind mit dem Museum „La Casa de los Volcanes“ verbunden, das vulkanische Phänomene der Insel erklärt.
Das El Grifo - Museo del Vino in der Weinanbauregion La Geria bietet Einblicke in die lokale Weintradition. In Playa Blanca befindet sich das Museo Atlántico, das erste Unterwassermuseum Europas, mit beeindruckenden Tauch- und Schnorchelkunstwerken.
Weitere liebevoll gestaltete Museen sind das Museo Etnográfico Tanit in San Bartolomé, das die Kultur und Geschichte der Inselbewohner zeigt, das Museo de los Cetáceos de Canarias in Puerto Calero, das sich Walen und Delfinen widmet, sowie das Museo LagOmar, ein einzigartiges Architektur- und Kunstmuseum in einer Felslandschaft eingebettet.
Architektur
Die traditionelle Architektur Lanzarotes ist funktional und an das trockene, windreiche Klima angepasst. Häuser sind meist weiß verputzt, mit flachen oder leicht geneigten Dächern und oft mit grünen oder blauen Holzarbeiten an Türen und Fenstern versehen. Diese Farbgestaltung dient nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern hilft auch, Sonnenlicht zu reflektieren und das Raumklima angenehm zu halten. In vielen ländlichen Gebieten werden zudem Natursteine und vulkanische Materialien verwendet, die direkt aus der Umgebung stammen.
Typisch sind auch niedrige Bauformen, Innenhöfe und windgeschützte Strukturen. Aufgrund der starken Passatwinde sind Gebäude häufig so ausgerichtet, dass sie Schutz vor Wind und Sand bieten. In der Landwirtschaft prägen zudem Steinmauern und halbkreisförmige Schutzwälle die Landschaft, die sowohl funktional als auch landschaftsbildprägend sind.
Eine besondere Rolle spielt die Verbindung von Architektur und Landschaftskunst durch César Manrique, der das moderne Erscheinungsbild der Insel entscheidend geprägt hat. Seine Philosophie bestand darin, Bauwerke harmonisch in die natürliche Umgebung einzufügen und großflächige Zersiedelung oder Hochhausarchitektur zu vermeiden. Dadurch blieb das Landschaftsbild Lanzarotes weitgehend unverändert und charakteristisch.
Zu den wichtigsten architektonischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten zählen zahlreiche Orte, die Natur, Kunst und Architektur miteinander verbinden. Dazu gehören die Montañas del Fuego im Timanfaya National Park, wo die rohe Vulkanlandschaft selbst als „natürliche Architektur“ wahrgenommen wird. Ebenso bedeutend sind die unterirdischen Lavatunnel der Cueva de los Verdes sowie die Kunst- und Kulturanlage Jameos del Agua, die in natürliche Höhlen integriert wurden.
Auch der Mirador del Río ist ein herausragendes Beispiel moderner Architektur, da er als Aussichtspunkt nahtlos in eine Klippe integriert wurde und den Blick auf den Chinijo-Archipel ermöglicht. Weitere Beispiele sind der Jardín de Cactus in Guatiza sowie die Fundación César Manrique in Tahiche, die in einem ehemaligen Vulkangesteinshaus untergebracht ist.
Historische Architektur findet sich insbesondere in den alten Befestigungsanlagen wie dem Castillo de Santa Bárbara in Teguise sowie in den Küstenfestungen von Castillo de San Gabriel und Castillo de San José. Diese Anlagen dienten ursprünglich der Verteidigung gegen Piratenangriffe und schützen strategisch wichtige Punkte der Insel.
Auch ländliche Architektur spielt eine wichtige Rolle. Beispiele sind traditionelle Bauernhöfe, Windmühlen, Zisternen und landwirtschaftliche Strukturen, die eng mit der historischen Lebensweise verbunden sind. Das Monumento al Campesino erinnert symbolisch an die landwirtschaftliche Arbeit der Inselbevölkerung.
Bildende Kunst
Das bedeutendste Zentrum der modernen Kunst ist das Museo Internacional de Arte Contemporáneo (MIAC), das sich in der historischen Festung Castillo de San José befindet. Dieses Museum entstand auf Initiative von César Manrique im Jahr 1976 und gilt als eines der wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst auf den Kanarischen Inseln. Es verbindet die rohe, historische Architektur der Festung mit moderner Kunst und schafft so einen charakteristischen Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Die Sammlung des MIAC umfasst Werke international bedeutender Künstler wie Joan Miró und Antoni Tàpies sowie Arbeiten kanarischer und spanischer Künstler, darunter auch regionale Positionen wie Pancho Lasso. Diese Mischung macht das Museum zu einem wichtigen Ort des kulturellen Austauschs und der künstlerischen Reflexion. Neben den Ausstellungen trägt auch die Lage direkt am Hafen von Arrecife zur besonderen Atmosphäre bei.
Ein weiteres Merkmal der bildenden Kunst auf Lanzarote ist die enge Verbindung zwischen Kunst und Landschaftsgestaltung. César Manrique prägte die Insel nicht nur architektonisch, sondern auch künstlerisch, indem er Kunstwerke bewusst in die natürliche Umgebung integrierte. Dieses Konzept hat die Entwicklung der Insel nachhaltig beeinflusst und dafür gesorgt, dass öffentliche Kunst und Landschaft oft untrennbar miteinander verbunden sind.
Nach dem Tod Manriques im Jahr 1992 entwickelte sich eine neue Generation von Künstlern, die seine Ideen weiterführen oder eigene Wege gehen. Ein Beispiel ist der einheimische Künstler Luis Villalba, der mit seiner Kunstwerkstatt El Taller de Arte (ETDA) in der Region Tías aktiv ist. Seine Arbeit verbindet lokale Einflüsse mit internationalen Kunstströmungen und trägt zur zeitgenössischen Kunstszene der Insel bei.
Neben institutionellen Einrichtungen spielt auch die freie Kunstszene eine wichtige Rolle. Kleine Galerien, Ateliers und kulturelle Initiativen bieten Raum für experimentelle und lokale Kunstformen. Dabei werden häufig Themen wie Natur, Vulkanlandschaft, Identität und Tourismus aufgegriffen, die eng mit dem Leben auf Lanzarote verbunden sind.
Auch Kunst im öffentlichen Raum ist auf der Insel stark präsent. Viele Kreisverkehre, Plätze und Gebäude wurden künstlerisch gestaltet, oft im Sinne der Philosophie Manriques, die eine harmonische Verbindung von Kunst, Architektur und Natur betont. Dadurch wird die gesamte Insel zu einem offenen Kunstraum.
Literatur
Die lanzarotische Literatur umfasst erzählende Prosa, Lyrik, Essays und zeitgenössische Romane, die häufig Themen wie Isolation, Naturgewalt, soziale Veränderungen und das Leben in einer insularen Gemeinschaft aufgreifen. Dabei spielt die enge Beziehung zwischen Mensch und Landschaft eine zentrale Rolle, da die vulkanische Umgebung oft als symbolischer und atmosphärischer Hintergrund literarischer Werke dient.
Ein bedeutendes Werk der kanarischen Literatur, das auch Lanzarote thematisch berührt, ist der Roman „Mararía“ von Rafael Arozarena. Dieses Werk gilt als moderner Klassiker der kanarischen Literatur und schildert in eindringlicher Weise das Leben in einer abgelegenen, von Traditionen geprägten Umgebung. Die Darstellung der Landschaft und der sozialen Strukturen vermittelt ein intensives Bild des Insellebens und macht den Roman zu einem wichtigen Bezugspunkt für die literarische Auseinandersetzung mit den Kanarischen Inseln.
Neben diesem Klassiker hat sich eine vielfältige zeitgenössische Literaturszene entwickelt. Autoren von der Insel sowie aus dem weiteren kanarischen Raum beschäftigen sich mit Themen wie Identität, Migration, Tourismus, sozialem Wandel und kulturellem Erbe. Dabei entstehen sowohl Romane als auch Kurzgeschichten und Essays, die das moderne Leben auf Lanzarote reflektieren und häufig zwischen lokaler Verwurzelung und globalen Einflüssen vermitteln.
Ein wichtiger Bestandteil der literarischen Kultur sind auch zweisprachige Publikationen, insbesondere spanisch-deutsche Ausgaben, die sich an ein internationales Publikum richten. Diese Werke tragen der starken touristischen Präsenz auf der Insel Rechnung und fördern den kulturellen Austausch zwischen Einheimischen und Besuchern. Sie helfen zudem, die literarische Produktion der Insel über Sprachgrenzen hinweg sichtbar zu machen.
Darüber hinaus finden regelmäßig literarische Veranstaltungen statt, die das kulturelle Leben auf Lanzarote bereichern. Das Lanzarote Literature Festival ist ein Beispiel für ein solches Ereignis, bei dem Autoren Lesungen halten, über ihre Werke diskutieren und sich mit dem Publikum austauschen. Diese Veranstaltungen fördern nicht nur die lokale Literaturszene, sondern stärken auch die kulturelle Bedeutung der Literatur im öffentlichen Leben der Insel.
Auch kleinere literarische Initiativen, Schreibwerkstätten und kulturelle Zentren tragen zur Vielfalt bei. Sie bieten Raum für Nachwuchsautorinnen und -autoren und unterstützen die Entwicklung neuer literarischer Stimmen. Besonders in Verbindung mit Schulen und kulturellen Einrichtungen entstehen so Projekte, die die literarische Bildung fördern und kreative Ausdrucksformen stärken.
Inhaltlich spiegeln viele Werke auf Lanzarote die Besonderheiten des Insellebens wider. Dazu gehören Themen wie Abgeschiedenheit, die Kraft der Natur, das Leben in kleinen Gemeinschaften sowie die Veränderungen durch Tourismus und Globalisierung. Die Literatur dient dabei oft als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und als Mittel zur Reflexion kultureller Identität.
Theater
Das zentrale Theater der Insel ist das Teatro Víctor Fernández Gopar “El Salinero” in Arrecife. Dieses Haus entstand aus der Umgestaltung einer früheren Bildungseinrichtung und entwickelte sich zu einem modernen Kulturzentrum. Es dient als Hauptbühne für Theateraufführungen, Musicals, Tanzproduktionen, Konzerte und andere darstellende Künste. Durch seine zentrale Rolle ist es ein kultureller Treffpunkt für die gesamte Inselbevölkerung sowie für Besucherinnen und Besucher.
Eine besondere Form des Theaters auf Lanzarote ist eng mit der Landschaftsarchitektur von César Manrique verbunden. Ein herausragendes Beispiel ist das Auditorium in den Jameos del Agua, das in einer natürlichen Lavahöhle integriert wurde. Dieser außergewöhnliche Veranstaltungsort zeichnet sich durch seine natürliche Akustik und die einzigartige Atmosphäre aus, die durch die Verbindung von Kunst, Natur und Architektur entsteht. Hier finden regelmäßig Konzerte und kulturelle Veranstaltungen statt, die weit über die Insel hinaus bekannt sind.
Neben den festen Spielstätten spielt das Festivalwesen eine wichtige Rolle im Theaterleben. Besonders bedeutend ist das Escena Lanzarote, ein Festival der darstellenden Künste, das in der Regel über mehrere Monate stattfindet. Es umfasst ein breites Spektrum an Formen wie Schauspiel, Tanz, Zirkuskunst, Oper, Puppentheater und experimentelle Performances. Dadurch wird die kulturelle Vielfalt der Insel sichtbar und die darstellenden Künste werden einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Film
Die Insel wird häufig als „natürliches Filmset“ genutzt, da ihre vulkanischen Landschaften, Küstenformationen, Strände und architektonisch markanten Orte vielfältige visuelle Hintergründe bieten, die in dieser Form selten sind. Besonders charakteristisch sind die Kontraste zwischen schwarzem Lavagestein, hellen Sandstränden, trockenen Ebenen und modern gestalteten Kunst- und Architekturorten. Diese Vielfalt ermöglicht es Filmproduktionen, unterschiedlichste Szenarien auf engem Raum darzustellen – von futuristischen Landschaften über historische Settings bis hin zu exotischen Naturkulissen. Auch das ganzjährig milde Klima trägt dazu bei, dass Dreharbeiten nahezu jederzeit möglich sind.
Die Insel wird regelmäßig von internationalen Film- und Fotoproduktionen genutzt. Dabei spielt die lokale Filmförderung eine wichtige Rolle. Die Lanzarote Film Commission unterstützt Produktionsfirmen bei Genehmigungen, Drehorten, logistischen Fragen und der Koordination mit lokalen Behörden. Diese institutionelle Unterstützung hat dazu beigetragen, dass Lanzarote sich als verlässlicher Standort für audiovisuelle Produktionen etabliert hat.
Neben der Filmförderung existieren auch spezialisierte Produktionsdienstleister, die umfassende Unterstützung für Dreharbeiten anbieten. Dazu gehören Unternehmen wie Studio- und Servicefirmen, die Leistungen in den Bereichen Location-Scouting, Casting, Ausstattung, Transport, Catering und Produktionsorganisation bereitstellen. Diese Strukturen ermöglichen es internationalen Teams, effizient auf der Insel zu arbeiten.
Die Kinokultur auf Lanzarote selbst ist vergleichsweise klein, aber funktional in das städtische Kulturleben eingebettet. In größeren Orten wie Arrecife gibt es Kinos, die ein Programm aus internationalen Filmen, spanischen Produktionen und gelegentlichen Filmfestivals zeigen. Diese Einrichtungen dienen sowohl der Unterhaltung als auch der kulturellen Bildung und ergänzen das Angebot der darstellenden und bildenden Künste.
Musik und Tanz
Die traditionelle Musik der Kanarischen Inseln ist stark in Lanzarote verwurzelt und wird häufig bei lokalen Festen, religiösen Feiern und Dorfgemeinschaftsveranstaltungen gespielt. Ein zentrales Instrument ist die Timple, ein kleines, gitarrenähnliches Zupfinstrument, das charakteristisch für die kanarische Musik ist. Es begleitet Gesang und Tanz und bildet das musikalische Fundament vieler traditioneller Stücke. Die Musik ist oft rhythmisch lebhaft, aber auch melancholisch und erzählt Geschichten aus dem Alltag, der Natur und der Geschichte der Inselbewohner.
Zu den wichtigsten traditionellen Tanzformen gehören die Isa, die Folías und die Malagueñas. Die Isa ist meist fröhlich und schnell und wird häufig in Gruppen getanzt, oft bei Volksfesten oder Familienfeiern. Die Folías sind eher langsam und gefühlvoll, während die Malagueñas sowohl musikalisch als auch tänzerisch einen stärkeren emotionalen Ausdruck haben. Diese Tänze werden traditionell in Trachten aufgeführt und sind ein wichtiger Teil der kulturellen Identität der Insel.
Neben der traditionellen Musik hat sich auf Lanzarote eine vielfältige moderne Musikszene entwickelt. In Kulturzentren, Theatern und bei Festivals werden unterschiedliche Genres wie Klassik, Jazz, Rock, Pop und elektronische Musik präsentiert. Besonders bedeutend sind Veranstaltungen wie das Canarias Jazz & Más Festival, das internationale Musiker anzieht und auch auf Lanzarote Station macht. Solche Festivals tragen dazu bei, die Insel in ein überregionales musikalisches Netzwerk einzubinden.
Auch lokale Musikveranstaltungen wie das Teguise Music Showcase bieten Plattformen für regionale und internationale Künstler. Diese Events fördern den Austausch zwischen lokalen Talenten und der internationalen Musikszene und stärken die kulturelle Vielfalt der Insel.
Ein besonders lebendiger Bestandteil der Musik- und Tanzkultur ist der Karneval, der in verschiedenen Gemeinden gefeiert wird, insbesondere in Arrecife. Während dieser Zeit verwandeln sich die Straßen in große Bühnen für Musik, Tanz und farbenfrohe Umzüge. Gruppen von Tänzern und Musikern, sogenannte Comparsas, prägen das Bild mit aufwendigen Kostümen, rhythmischer Percussion und energiegeladenen Choreografien. Der Karneval ist eines der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse des Jahres und zieht sowohl Einheimische als auch Besucher an.
Die Musikszene auf Lanzarote wird zudem durch lokale Bands, Schulen und Kulturvereine getragen, die musikalische Ausbildung und Aufführungen fördern. Viele junge Musiker lernen traditionelle Instrumente, während gleichzeitig moderne Einflüsse aufgenommen werden. Dadurch entsteht eine dynamische Mischung aus Bewahrung und Innovation.
Auch Tanz spielt außerhalb traditioneller Formen eine wichtige Rolle. In Tanzschulen und Kulturzentren werden moderne Tanzstile wie Salsa, Hip-Hop oder zeitgenössischer Tanz gelehrt und aufgeführt. Diese Vielfalt zeigt, wie offen die Insel für neue kulturelle Entwicklungen ist, ohne ihre traditionellen Wurzeln zu verlieren.
Kleidung
Die Trachten der Insel unterscheiden sich in Details von denen anderer Kanarischer Inseln, weisen jedoch gemeinsame historische Wurzeln auf, die aus ländlicher Alltagskleidung des 18. und 19. Jahrhunderts hervorgegangen sind. Die Materialien waren ursprünglich funktional und regional verfügbar, insbesondere Leinen, Baumwolle und Wolle, die an das Klima und die Arbeitsbedingungen angepasst waren.
Die traditionelle Frauentracht besteht typischerweise aus einem langen, oft gestreiften oder gemusterten Rock, einer schlichten Bluse und einer dekorativen Schürze. Besonders charakteristisch ist der kunstvoll gestaltete Kopfschmuck, der häufig aus feinem Leinen gefertigt wird und in halbkreisförmiger oder gefalteter Form den Kopf bedeckt. Ergänzt wird die Kleidung durch Tücher oder Schultertücher, die sowohl dekorative als auch praktische Funktionen erfüllen.
Die Männertracht ist ebenfalls klar definiert und besteht traditionell aus einem weißen oder naturfarbenen Hemd aus Baumwolle oder Leinen, einer kurzen, eng anliegenden Weste – häufig aus dunklem Stoff – sowie einer langen Hose. Charakteristisch sind zudem Hüte oder Kappen, die regional variieren und teilweise historische oder arbeitsbezogene Ursprünge haben. Holzknöpfe und einfache Stickereien sind typische Details, die die handwerkliche Tradition der Insel widerspiegeln.
Die Tracht ist eng mit dem ländlichen Leben der früheren Bevölkerung verbunden, insbesondere mit Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei. Sie vermittelt ein Bild der sozialen Struktur vergangener Zeiten und wird heute bewusst gepflegt, um dieses kulturelle Erbe zu bewahren.
Bei Festen wie dem Tag der Kanarischen Inseln oder bei traditionellen Romerías wird die Tracht regelmäßig getragen. Diese Veranstaltungen sind nicht nur religiös oder folkloristisch geprägt, sondern auch wichtige soziale Ereignisse, bei denen sich Gemeinden versammeln, gemeinsam feiern und traditionelle Musik, Tanz und Kleidung präsentieren.
Kulinarik und Gastronomie
Eine zentrale Rolle spielt die Fischküche, die auf der langen Seefahrer- und Küstentradition der Insel basiert. Frischer Fisch und Meeresfrüchte sind in vielen traditionellen Gerichten enthalten. Typisch sind Zubereitungen wie Sancocho, ein klassisches Gericht aus gesalzenem Fisch mit Kartoffeln und Süßkartoffeln, sowie Ropa Vieja de Pescado, bei dem zerkleinerter Fisch in würziger Soße verarbeitet wird. Weitere Spezialitäten sind Fischsuppen, Salpicón de Pulpo (Oktopussalat), sowie gegrillte oder getrocknete Fischgerichte, die oft einfach, aber aromatisch zubereitet werden.
Neben der Fischerei prägt die Landwirtschaft die Inselküche stark. Durch den Trockenfeldbau entstehen trotz schwieriger Bedingungen Produkte wie Kartoffeln, Süßkartoffeln, Zwiebeln, Linsen, Kürbisse, Tomaten und Mais. Diese Zutaten bilden die Grundlage vieler traditioneller Gerichte. Besonders bekannt sind Papas arrugadas con mojo, kleine runzelige Kartoffeln, die in Salzwasser gekocht und mit den charakteristischen Mojo-Soßen serviert werden. Diese Soßen – meist in Varianten wie Mojo rojo und Mojo verde – gehören zu den kulinarischen Erkennungsmerkmalen der gesamten Kanarischen Inseln.
Weitere traditionelle Gerichte sind Caldo de millo, eine Maisbrühe, sowie Caldo de papas, eine Kartoffelsuppe. Auch Eintöpfe wie der Puchero canario sind verbreitet und spiegeln die ländliche, bodenständige Küche wider. Eine besondere Rolle spielt Gofio, ein geröstetes Mehl aus Getreide, meist Weizen oder Mais, das seit vorspanischer Zeit verwendet wird und in Suppen, Desserts oder als Beilage eingesetzt wird.
Die Viehzucht, insbesondere die Ziegenhaltung, ist ebenfalls zentral für die Gastronomie auf Lanzarote. Ziegenfleisch, traditionell als „Baifo“ bezeichnet, wird besonders zu festlichen Anlässen zubereitet. Ebenso bedeutend ist die Herstellung von Ziegenkäse, der sowohl in handwerklicher als auch in moderner Produktion hergestellt wird und einen festen Platz in der regionalen Küche hat.
Auch die süße Küche ist vielfältig und stark von lokalen Zutaten geprägt. Zu den traditionellen Desserts gehören Torrijas, eine Art Arme Ritter, Bienmesabe mit Mandeln, Frangollo sowie Truchas de Navidad, gefüllte Teigtaschen, die besonders in der Weihnachtszeit beliebt sind. Diese Süßspeisen zeigen die Verbindung von spanischen, kanarischen und lokalen Einflüssen.
Ein unverzichtbarer Bestandteil der Gastronomie ist der Weinbau der Insel Lanzarote, insbesondere die Malvasía-Weine aus der Region La Geria. Die vulkanischen Böden und die besondere Anbaumethode im Lavagestein verleihen den Weinen ein einzigartiges Aroma und machen sie zu einem wichtigen kulinarischen Begleiter der Inselküche.
Festkultur
In Lanzarote gelten die spanischen Feiertage:
- 1. Januar – Neujahr (Año Nuevo)
- 6. Januar – Heilige Drei Könige (Día de Reyes / Epifanía)
- 19. März – Joseftag (San José)
- Gründonnerstag – Jueves Santo
- Karfreitag – Viernes Santo
- Ostersonntag – Domingo de Pascua
- 1. Mai – Tag der Arbeit (Día del Trabajo)
- 30. Mai – Tag der Kanarischen Inseln (Día de las Islas Canarias)
- 25. Juli – Santiago-Tag (Día de Santiago), Nationalfeiertag zu Ehren des Schutzpatrons Spaniens
- Pfingstsonntag – Pentecostés
- Fronleichnam – Corpus Christi
- 15. August – Mariä Himmelfahrt (Asunción de la Virgen)
- 16. September – Unsere Liebe Frau der Vulkane / Virgen de los Volcanes (gesetzlicher Feiertag nur auf Lanzarote und La Graciosa)
- 12. Oktober – Tag der Hispanität / Entdeckung Amerikas (Día de la Hispanidad)
- 1. November – Allerheiligen (Todos los Santos)
- 6. Dezember – Tag der Verfassung (Día de la Constitución)
- 8. Dezember – Mariä Empfängnis (Inmaculada Concepción)
- 25. Dezember – Weihnachten (Navidad)
Dazu kommen zahlreiche traditionelle und moderne Feste. Die wichtigsten sind:
- Karnevalsfeiern in verschiedenen Orten wie Arrecife, Puerto del Carmen, Playa Blanca, Haría, Teguise und San Bartolomé finden im Februar und März statt, mit farbenfrohen Paraden, Musik und Tanz. Besonderheiten sind unter anderem Kinderkarnevale, Drag-Queen-Galas und Hundekarnevale, vor allem im Playa Blanca.
- Virgen del Carmen: Schutzpatronin der Seeleute, gefeiert am 16. Juli besonders in Küstenorten wie Puerto del Carmen und Playa Blanca mit Prozessionen, Musik und Volksfesten.
- San Ginés Fest (Arrecife): Hauptfest der Inselhauptstadt Arrecife, gefeiert Ende August mit zwei Wochen lang Musik, Sportveranstaltungen, kulturellen Events und gemeinschaftlichem Feiern.
- Fiestas de San Bartolomé im August mit vielen Aktivitäten: Musik, Ausstellungen, Marktveranstaltungen.
- Romerías: Pilgerfahrten mit Folklore, Tanz und religiöser Verehrung, zum Beispiel „Romería de Los Dolores“ in Tinajo (Ende August bis Mitte September).
- Weihnachts- und Silvesterfeiern: Weihnachtsmärkte, Krippen, Paraden der Heiligen Drei Könige und Silvesterpartys in Arrecife und anderen Gemeinden.
Des Weiteren gibt es regelmäßige Konzerte, zum Beispiel „Noches de Jameos“, Salsa-Festivals, Rock- und Salsa-Events, Tapas-Messen. Puerto del Carmen und Playa Blanca sind bekannt für lebhafte Nachtleben, Events und Festivals, die vor allem Touristen anziehen. Auch Küstenorte wie Caleta de Famara, Punta Mujeres oder Arrieta bieten sommerliche Feste mit traditionellem Flair.
Medien
Lanzarote verfügt seit einigen Jahren über eine Vielzahl lokaler und insularer Medien, zu denen noch die Vertretungen der regionalen und nationalen Radio- und Fernsehsender sowie Tageszeitungen auf der Insel hinzukommen.
Die wichtigsten Zeitschriften der Insel sind La Voz de Lanzarote. Darüber hinaus haben die regionalen Tageszeitungen La Provincia und Canarias7 lokale Ausgaben für Lanzarote. Zu diesen Publikationen kommen digitale Zeitungen wie Diario de Lanzarote, Crónicas de Lanzarote und Lanzarote Opina hinzu, sowie die digitalen Ausgaben der oben genannten Publikationen.
Gazette Life ist das führende Magazin für Lanzarote mit lokalen Nachrichten, Interviews, Veranstaltungen, Gastronomie, Tipps und mehr. Es ist eine hochwertige Print- und Online-Publikation, die kostenlos an vielen Stellen auf der Insel zu finden ist.
Lanzarote Nachrichten der Fuerteventurazeitung ist bein Online-Nachrichtenportal, das aktuelle Berichte zu lokalen Themen wie Polizei- und Sicherheitsvorfällen, Wetterereignissen und kommunalen Maßnahmen veröffentlicht. Hier werden auch Eilmeldungen und wichtige Ereignisse zügig berichtet.
Wochenblatt – die Zeitung der Kanarischen Inseln ist ein auch online verfügbares Medium, die regional relevante Nachrichten für Lanzarote und die anderen Kanarischen Inseln bringt, darunter Nachrichten aus Kultur, Wirtschaft und Politik.
Außerdem existieren diverse weitere Infoportale und Social-Media-Kanäle, die aktuelle Nachrichten und Wetterinformationen für Lanzarote bereitstellen, zum Beispiel Lanzarote Information auf YouTube.
Die meistgehörten Radiosender der Insel bieten in der Regel einen Teil ihres Programms für den lokalen Bereich an, während sie den Rest der Zeit mit den großen spanischen Radiosendern verbunden sind. So sendet Radio Lanzarote einen Teil des Programms des Senders Onda Cero. Zu den ausschließlich lokalen Sendern gehören Lancelot Radio und Crónicas Radio sowie die Musiksender Radio Cristal, Buzz FM, Atlantis Radio und Radio Altahay, zusammen mit anderen, die auf Englisch senden, wie Power FM Lanzarote Stream und Holiday FM. Die nationalen Sender Cope, Radio Nacional de España und Cadena Ser nehmen lokale Inhalte auf, ebenso wie regionale Radiosender wie Radio ECCA, Radio Canarias, Canarias Radio, la Autonómica und 7.7 Radio.
Derzeit senden auf Lanzarote zwei lokale Fernsehsender: Biosfera Televisión und Lancelot Televisión. Die Insel verfügt über eine Niederlassung von Televisión Canaria und Televisión Española auf den Kanarischen Inseln.
Kommunikation
Lanzarote hat die Telefonvorwahl 0(034)928. Die Postleitzahlen der Insel lauten:
Arrecife
- 35500 für alle Ortschaften der Gemeinde
Teguise
- 35507 Tahíche
- 35508 Costa Teguise, Los Ancones
- 35509 Las Caletas, Playa Honda
- 35530 La Villa de Teguise
- 35539 Las Cabreras, El Mojón, Nazaret, Teseguite, Los Valles
- 35540 La Graciosa
- 35543 Charco del Palo, Mala
- 35544 Los Cocoteros, Guatiza
- 35558 Caleta Caballo, Caleta de Famara, La Vegueta, Tiagua, usw.
- 35561 Mozaga, Tao
Yaiza
- 35570 Yaiza, Las Breñas, Femés, El Golfo
- 35571 Puerto Calero, Cortijo Viejo
- 35572 La Geria, Playa Blanca
Haría
- 35520 Haría
- 35541 Guinate, Órzola, Ye, Máguez
- 35542 Arrieta, Punta Mujeres
- 35543 Charco del Palo, Mala
Tinajo
- 35560 Tinajo, La Santa, Mancha Blanca
San Bartolomé
- 35550 San Bartolomé
- 35509 Playa Honda
- 35558 El Islote
- 35559 Güime, Montaña Blanca
- Tías
- 35510 Puerto del Carmen
- 35571 La Asomada, Mácher
- 35572 Masdache, Conil
Sport
Eine der wichtigsten Sportkategorien ist der Wassersport. Besonders Surfen, Windsurfen und Kitesurfen sind auf Lanzarote sehr verbreitet, da die Nord- und Ostküste regelmäßig stabile Wind- und Wellenbedingungen bietet. Die Kombination aus offenen Atlantikwellen und geschützten Buchten ermöglicht sowohl Anfängern als auch erfahrenen Sportlern optimale Bedingungen. Auch Stand-up-Paddling und Bodyboarding sind weit verbreitete Aktivitäten entlang der Küsten.
Ebenso bedeutend ist das Tauchen und Schnorcheln. Die Unterwasserwelt rund um Lanzarote ist durch vulkanische Felsformationen, Höhlen und eine große Artenvielfalt geprägt. Sichtweiten sind häufig sehr gut, was die Insel zu einem beliebten Ziel für Tauchschulen und internationale Tauchtouristen macht. Besonders in geschützten Meeresgebieten können Riffbewohner, Barrakudas, Rochen und verschiedene Fischarten beobachtet werden.
Neben Wassersport bietet die Insel auch hervorragende Bedingungen für Landsportarten. Das vulkanische Gelände eignet sich besonders für Mountainbiking, Trailrunning und Wandern. Routen führen durch Lavafelder, Kraterlandschaften und entlang von Küstenklippen und bieten sowohl landschaftliche Vielfalt als auch sportliche Herausforderungen. Besonders beliebt sind Strecken im Bereich des Timanfaya National Park sowie in den Gebirgszügen im Norden und Süden der Insel.
Auch der Radsport hat auf Lanzarote eine hohe Bedeutung. Die Insel gilt als Trainingsort für internationale Profi- und Hobbysportler, insbesondere wegen der konstanten Wetterbedingungen und der anspruchsvollen, aber gut ausgebauten Straßen. Viele Triathleten nutzen die Insel für Trainingslager, da sie sowohl flache Strecken als auch steile Anstiege bietet.
Eine besondere Rolle spielt das Club La Santa, ein international bekanntes Sport- und Trainingsresort im Norden der Insel. Dieses Zentrum bietet Trainingsmöglichkeiten für über 80 verschiedene Sportarten, darunter Leichtathletik, Schwimmen, Tennis, Fußball, Triathlon und viele weitere Disziplinen. Es ist ein wichtiger Standort für Profisportler, Nationalteams und ambitionierte Freizeitsportler und trägt wesentlich zum sportlichen Image der Insel bei.
Darüber hinaus sind auch Freizeit- und Trendsportarten auf Lanzarote verbreitet. Dazu gehören Golf, Paragliding, Kartfahren sowie Fitness- und Wassersportcamps. Die Golfplätze profitieren vom milden Klima, während Paragliding insbesondere die Höhenunterschiede und Küstenwinde nutzt, um spektakuläre Flüge über die Landschaft zu ermöglichen.
Der Sport ist auch eng mit dem Tourismus verbunden. Viele Besucher reisen gezielt nach Lanzarote, um sportliche Aktivitäten mit Urlaub zu verbinden. Hotels und Resorts bieten häufig eigene Sportprogramme, Kurse und Ausrüstungsverleih an, wodurch Sport zu einem zentralen Bestandteil des touristischen Angebots wird.
Neben dem Freizeit- und Profisport gibt es auch eine aktive lokale Sportszene. Fußball, Basketball und Leichtathletik sind in Schulen und Vereinen stark vertreten. Regionale Wettbewerbe und Jugendprogramme fördern den Nachwuchs und sorgen für eine breite sportliche Basis auf der Insel Lanzarote.
Fußball
Auf Lanzarote gibt es mehrere aktive Vereine, von denen die Unión Deportiva Lanzarote (UD Lanzarote) der prominenteste ist. UD Lanzarote wurde 1970 gegründet und spielt aktuell in der Tercera División, der vierthöchsten spanischen Liga, mit Heimspielen im Stadion Ciudad Deportiva de Lanzarote in Arrecife. Der Club hat eine treue Anhängerschaft und eine Nachwuchsförderung, die Fußballtalente beider Geschlechter entwickelt.
Neben UD Lanzarote ist auch US Yaiza ein bedeutender Verein auf der Insel, der regionale Wettbewerbe bestreitet. Weitere Clubs, die teilweise in regionalen Ligen spielen, sind CD Marino, CD San Miguel, UD Tamaraceite, CF Panadería Pulido und San Bartolomé. Außerdem findet jährlich der Lanzarote International Cup statt, ein international bekanntes Jugendfußballturnier, das zahlreiche Teams aus ganz Europa anzieht.
Lucha Canaria
Lucha Canaria ist ein traditioneller kanarischer Ringkampfsport mit tief verwurzelter Bedeutung auf Lanzarote. Der Kampf findet auf einem runden, mit Sand bedeckten Platz statt, wobei zwei Kontrahenten versuchen, den Gegner mit erlaubten Griffen so zu Boden zu bringen, dass dieser einen anderen Körperteil als die Füße berührt. Lucha Canaria basiert auf Respekt, Fairness und Tradition und ist eng mit der Kultur und den Festen auf Lanzarote verbunden, etwa bei Sportveranstaltungen rund um das San Ginés Fest in Arrecife. Die Insel fördert aktiv diesen Nationalsport mit Vereinen und Wettkämpfen, die eine bedeutende Rolle im lokalen Gemeinschaftsleben spielen.
Persönlichkeiten
Der Künstler César Manrique trug entscheidend zur Gestaltung der Insel bei. Manrique hat es erreicht, dass außer einem Hochhaus in der Hauptstadt Arrecife, welches bereits stand, bevor César mit seinem Schulfreund die entsprechenden Gesetze durchsetzte, kein Gebäude auf der Insel höher als drei Stockwerke (also eine ausgewachsene Palme) gebaut werden durfte, und somit die Insel nicht für den typischen Massentourismus geeignet war. Diese Entwicklung hat sich seit einigen Jahren zunehmend verändert, so dass in den Touristenhochburgen Costa Teguise, Puerto del Carmen und Playa Blanca in Richtung der Papagayo-Strände nun ebenfalls höher gebaut wird. Die Gestaltung der Häuser sah außerdem vor, sie generell weiß zu streichen, und in Fischerorten deren Fensterläden, Türen und Gartenzäune blau, und in landwirtschaftlichen Gegenden grün abzusetzen. Inzwischen sind Grün und Blau, aber auch Braun oder Naturholzfarben inselweit vermischt.
Die wichtigsten mit Lanzarote verbundenen Persönlichkeiten sind:
- Zonzamas (um 1377), Inselhäuptling
- Porincesa Ico (um 1378 bis nach 1400), indigene „Prinzessin“
- Guadarfia (um 1500), letzter indigener Herrscher von Lanzarote
- Alfonso Espínola (1845 bis 1905), nach Uruguay ausgwanderter Arzt
- Pancho Lasso [1904 bis 1973), Bildhauer
- César Manrique (1919 bis 1992), Künstler, Architekt, Bildhauer und Umweltschützer
- Juan Brito Martín (1919 bis 2018), Archäoloige und Volkskundler
- Aurelianoi Negrín (1927 bis 2010), Offizier und Politiker
- Dimas Martín (* 1948), Politiker
- Rosana (* 1963), Sängerin
- Pedro Jorge Romero (* 1967), Schriftsteller
- Goya Toledo (* 1969), Schauspielerin und Fotomodell
- Santi Torres (* 1976), Fußballer
- Jonathan Pérez Olivero (* 1984), Politiker
- Miguel González Ortega (* 1987), Fußballer
Fremdenverkehr
Der Fremdenverkehr auf der Insel Lanzarote ist der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig und prägt nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Die Insel gehört zu den etablierten Reisezielen der Kanarischen Inseln und verzeichnet seit Jahrzehnten eine stabile bis wachsende Zahl internationaler Besucher. Besonders stark vertreten sind Reisende aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Irland, Frankreich und Spanien, die das ganzjährig milde Klima und die besondere Vulkanlandschaft schätzen.
Auch im Jahr 2025 zeigte sich ein anhaltender Aufwärtstrend bei den Besucherzahlen. In einzelnen Monaten wurden mehrere hunderttausend Touristen gezählt, was die hohe Bedeutung der Insel im europäischen Urlaubstourismus unterstreicht. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt meist zwischen einer Woche und gut acht Tagen. Gleichzeitig steigen die durchschnittlichen Ausgaben pro Gast, was den wirtschaftlichen Wert des Tourismus zusätzlich erhöht.
Ein zentrales Merkmal des Tourismus auf Lanzarote ist die strategische Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. Die Insel verfolgt seit Jahren ein Modell, das eher auf Qualität als auf massenhafte Besucherzahlen setzt. Ziel ist es, die empfindlichen natürlichen Ressourcen sowie die kulturelle Identität der Insel Lanzarote langfristig zu schützen. Diese Strategie steht in engem Zusammenhang mit der besonderen Landschaft und der architektonischen Gestaltung, die stark durch César Manrique geprägt wurde.
Die touristische Infrastruktur ist gut entwickelt und umfasst eine breite Palette an Unterkunftsmöglichkeiten. In den Haupttourismuszentren wie Puerto del Carmen, Playa Blanca und Costa Teguise finden sich große Hotelanlagen, Apartmentkomplexe, Ferienwohnungen und Resorts. Diese Orte sind besonders auf internationale Gäste ausgerichtet und bieten eine umfassende touristische Infrastruktur mit Restaurants, Freizeitangeboten und Einkaufsmöglichkeiten.
Neben großen Hotels spielen auch kleinere Unterkünfte eine wichtige Rolle. Dazu gehören Boutique-Hotels, Landhäuser (Casas rurales), Ferienwohnungen und individuell geführte Pensionen. Diese Unterkünfte richten sich oft an Besucher, die eine ruhigere und authentischere Erfahrung suchen und stärker in die lokale Umgebung eingebunden sein möchten.
Ein wichtiger Bestandteil des Tourismus sind zudem All-inclusive-Resorts und spezialisierte Hotelanlagen, die sich auf Sport, Wellness oder Familienurlaub konzentrieren. Viele dieser Einrichtungen bieten zusätzliche Dienstleistungen wie Ausflüge, Sportprogramme oder Wellnessangebote an und sind stark in die lokale Wirtschaft eingebunden.
Die touristische Entwicklung hat auch Auswirkungen auf andere Sektoren wie Gastronomie, Verkehr und Kultur. Restaurants, Freizeitangebote, Ausflugsveranstalter und lokale Produzenten profitieren direkt vom Besucherstrom. Gleichzeitig führt der hohe Tourismusanteil auch zu Herausforderungen, etwa im Bereich Wasserverbrauch, Infrastruktur und Umweltschutz.
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Zeitungen und Zeitschriften
- Almogaren, Hallein seit 1970
- Diario de Avisos, Santa Cruz de Tenerife seit 1890
- El Día, Santa Cruz de Tenerife
- Museo Canario, Las Palmas seit 1893
- Wochenspiegel, Santa Cruz de la Palma
Reiseberichte
- Immerreisen: Vulkane, Höhlen,. Kunst. Unser individueller Reisebericht von Lanzarote = https://www.immerreisen.de/reiseziele/europa/spanien/kanaren-lanzarote/
- Edeltrips: Lanzarote von Norden bis Süden = https://www.edeltrips.com/reiseberichte/lanzarote/
- My Travelworld: Reisebericht Lanzarote - die Vulkaninsel der Kanaren ganz individuell = https://www.my-travelworld.de/spanien/reisebericht-lanzarote/
Videos
- Lanzarote, Canary Islands, drone footage = https://www.youtube.com/watch?v=pwF0_1jnxlA
- Die letzten Paradiese - Insel der Feuerberge, Lanzarote = https://www.youtube.com/watch?v=EFqyMTRvvxI
- Lanzarote, Top 25 Things to Do = https://www.youtube.com/watch?v=HaMXt4jaOcc
- Wunder von Lanzarote = https://www.youtube.com/watch?v=q3MSwK9MQXM
- Lanzarote Travel Guide = https://www.youtube.com/watch?v=BXq2Nm7k06o
Atlas
- Lanzaroite, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/#map=10/29.1282/-13.8469
- Lanzarote, ADAC = https://maps.adac.de/show/lanzarote
- Lanzarote, Satellit = https://zoom.earth/places/canary-islands/lanzarote/
Reiseangebote
Lanzarote - eine eigenartige Insel = https://turismolanzarote.com/de/
Lanzarote - Urlaub abseits der Masse = https://www.urlaubabseitsdermasse.de/lanzarote
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