Réunion (La Réunion): Unterschied zwischen den Versionen
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Charakteristisch für Réunion sind außerdem zahlreiche Wasserfälle, die sich oft aus großer Höhe über steile Felswände ergießen. Durch die hohen Niederschläge entstehen viele temporäre und permanente Wasserläufe, die das Landschaftsbild zusätzlich prägen. Ebenso finden sich in höheren Lagen gelegentlich kleine Bergseen und Feuchtgebiete, die inmitten der sonst oft steilen und felsigen Umgebung liegen. | Charakteristisch für Réunion sind außerdem zahlreiche Wasserfälle, die sich oft aus großer Höhe über steile Felswände ergießen. Durch die hohen Niederschläge entstehen viele temporäre und permanente Wasserläufe, die das Landschaftsbild zusätzlich prägen. Ebenso finden sich in höheren Lagen gelegentlich kleine Bergseen und Feuchtgebiete, die inmitten der sonst oft steilen und felsigen Umgebung liegen. | ||
'''Erhebungen''' | '''Erhebungen''' | ||
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Neben den heimischen und endemischen Arten gibt es auf Réunion auch zahlreiche eingeführte Tiere, die sich im Laufe der Zeit in der Inselnatur etabliert haben. Dazu gehört beispielsweise der Tangue, eine Igelart, die ursprünglich aus Madagaskar stammt und heute in vielen Teilen der Insel vorkommt. Auch der Margouillat ist sehr verbreitet und gehört zu den typischen Tieren im Umfeld menschlicher Siedlungen. | Neben den heimischen und endemischen Arten gibt es auf Réunion auch zahlreiche eingeführte Tiere, die sich im Laufe der Zeit in der Inselnatur etabliert haben. Dazu gehört beispielsweise der Tangue, eine Igelart, die ursprünglich aus Madagaskar stammt und heute in vielen Teilen der Insel vorkommt. Auch der Margouillat ist sehr verbreitet und gehört zu den typischen Tieren im Umfeld menschlicher Siedlungen. | ||
'''Pflanzen-und Tierarten ('''endemisch): | '''Pflanzen-und Tierarten ('''endemisch): | ||
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'''Bevölkerungsaufteilung | '''Bevölkerungsaufteilung''' 2001: | ||
* Bevölkerungszahl insgesamt 732.570 | |||
* weiblich 371.072 (50,65 %) | |||
* männlich 361.498 (49,35 %) | |||
* unter 15jährig 234.928 (32,07 %) | |||
* 15 bis 64 Jahre alt 456.045 (62,25 %) | |||
* über 64jährig 41.597 (5,68 %) | |||
Die Fruchtbarkeitsrate lag 2008 bei 2,47 Kindern pro gebärfähiger Frau, das Durchschnittsalter bei 26,7 Jahren. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 74 Jahren. | Die Fruchtbarkeitsrate lag 2008 bei 2,47 Kindern pro gebärfähiger Frau, das Durchschnittsalter bei 26,7 Jahren. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 74 Jahren. | ||
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Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war die Insel unbewohnt. Erst mit der französischen Kolonisierung begann eine systematische Besiedlung, die die Grundlage der heutigen Gesellschaft bildete. Mit der Etablierung der Plantagenwirtschaft, insbesondere für Zuckerrohr und später auch Vanille, wurden im 17. und 18. Jahrhundert versklavte Menschen aus Madagaskar, Ostafrika und anderen Regionen des Indischen Ozeans nach Réunion gebracht. Sie bildeten die wichtigste Arbeitskraft auf den Plantagen und prägten dauerhaft die demografische und kulturelle Entwicklung der Insel. Nach der Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert wurde die Arbeitskraft zunehmend durch freie Vertragsarbeiter ersetzt, die vor allem aus Indien kamen, aber auch aus China und anderen Regionen stammten. | Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war die Insel unbewohnt. Erst mit der französischen Kolonisierung begann eine systematische Besiedlung, die die Grundlage der heutigen Gesellschaft bildete. Mit der Etablierung der Plantagenwirtschaft, insbesondere für Zuckerrohr und später auch Vanille, wurden im 17. und 18. Jahrhundert versklavte Menschen aus Madagaskar, Ostafrika und anderen Regionen des Indischen Ozeans nach Réunion gebracht. Sie bildeten die wichtigste Arbeitskraft auf den Plantagen und prägten dauerhaft die demografische und kulturelle Entwicklung der Insel. Nach der Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert wurde die Arbeitskraft zunehmend durch freie Vertragsarbeiter ersetzt, die vor allem aus Indien kamen, aber auch aus China und anderen Regionen stammten. | ||
Aus dieser langen Geschichte der Vermischung entstand eine vielfältige Gesellschaft, die heute häufig unter dem Begriff | Aus dieser langen Geschichte der Vermischung entstand eine vielfältige Gesellschaft, die heute häufig unter dem Begriff '''Kreolen''' (créoles) zusammengefasst wird. Dieser Begriff beschreibt auf Réunion jedoch weniger eine einzelne ethnische Gruppe als vielmehr eine gemeinsame kulturelle Identität, die aus der Vermischung verschiedener Herkunftsgruppen entstanden ist. Zentrales identitätsstiftendes Element ist dabei das sogenannte „Métissage“, also die ethnische, kulturelle und sprachliche Vermischung sowie das weitgehend friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. | ||
Historisch und sozial werden verschiedene Herkunftsgruppen unterschieden, die jeweils eigene Bezeichnungen tragen. Menschen mit Wurzeln in Madagaskar und Ostafrika werden traditionell als Cafres bezeichnet. Diese Gruppe geht überwiegend auf die Nachkommen der versklavten afrikanischen Bevölkerung zurück. Die indischstämmige Bevölkerung wird je nach religiösem Hintergrund unterschieden: muslimische Familien werden oft als Zarabes bezeichnet, während hinduistische Tamilen als Malbars bekannt sind. Diese Unterscheidung ist stark kulturell und religiös geprägt und spiegelt die Herkunft aus verschiedenen Regionen Indiens wider. | Historisch und sozial werden verschiedene Herkunftsgruppen unterschieden, die jeweils eigene Bezeichnungen tragen. Menschen mit Wurzeln in Madagaskar und Ostafrika werden traditionell als '''Cafres''' bezeichnet. Diese Gruppe geht überwiegend auf die Nachkommen der versklavten afrikanischen Bevölkerung zurück. Die indischstämmige Bevölkerung wird je nach religiösem Hintergrund unterschieden: muslimische Familien werden oft als '''Zarabes''' bezeichnet, während hinduistische Tamilen als '''Malbars''' bekannt sind. Diese Unterscheidung ist stark kulturell und religiös geprägt und spiegelt die Herkunft aus verschiedenen Regionen Indiens wider. | ||
Eine weitere Gruppe bilden die Sinoi, also Menschen chinesischer Herkunft, die im Zuge der Arbeitsmigration und des Handels auf die Insel kamen und vor allem im wirtschaftlichen Bereich aktiv waren. Die europäischstämmige Bevölkerung ist ebenfalls vielfältig. Die sogenannten „Petits Blancs“ oder Yabs stammen meist von verarmten französischen Siedlern und Kleinbauern ab, während die „Grands Blancs“ Nachfahren wohlhabender Kolonialfamilien und Großgrundbesitzer sind, die historisch eine bedeutende Rolle in der Plantagenwirtschaft spielten. Als | Eine weitere Gruppe bilden die '''Sinoi''', also Menschen chinesischer Herkunft, die im Zuge der Arbeitsmigration und des Handels auf die Insel kamen und vor allem im wirtschaftlichen Bereich aktiv waren. Die europäischstämmige Bevölkerung ist ebenfalls vielfältig. Die sogenannten „Petits Blancs“ oder '''Yabs''' stammen meist von verarmten französischen Siedlern und Kleinbauern ab, während die „Grands Blancs“ Nachfahren wohlhabender Kolonialfamilien und Großgrundbesitzer sind, die historisch eine bedeutende Rolle in der Plantagenwirtschaft spielten. Als '''Z’oreils''' werden schließlich neu zugewanderte Franzosen aus dem europäischen Frankreich bezeichnet, die heute häufig in Verwaltung, Bildung oder im öffentlichen Dienst tätig sind. | ||
Da die französische Verfassung die Erhebung ethnischer Daten verbietet, beruhen alle Angaben zur Bevölkerungszusammensetzung auf Schätzungen. Demnach setzt sich die Bevölkerung von Réunion ungefähr aus mehreren großen Gruppen zusammen: etwa 45 Prozent sind Nachkommen afrikanischer und madagassischer Sklaven, häufig mit europäischer Vermischung; rund 25 Prozent haben indische Wurzeln, davon etwa 24 Prozent Malbars und etwa 1 Prozent Zarabes; etwa 25 Prozent der Bevölkerung sind europäischer Herkunft; und ungefähr 3 Prozent haben chinesische Wurzeln. | Da die französische Verfassung die Erhebung ethnischer Daten verbietet, beruhen alle Angaben zur Bevölkerungszusammensetzung auf Schätzungen. Demnach setzt sich die Bevölkerung von Réunion ungefähr aus mehreren großen Gruppen zusammen: etwa 45 Prozent sind Nachkommen afrikanischer und madagassischer Sklaven, häufig mit europäischer Vermischung; rund 25 Prozent haben indische Wurzeln, davon etwa 24 Prozent Malbars und etwa 1 Prozent Zarabes; etwa 25 Prozent der Bevölkerung sind europäischer Herkunft; und ungefähr 3 Prozent haben chinesische Wurzeln. | ||
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Neben Französisch und Kreolisch existieren auf Réunion auch weitere Sprachen, die jedoch nur von kleineren Bevölkerungsgruppen gesprochen werden. Dazu gehören unter anderem Tamilisch, Gujarati, Chinesisch sowie Malagasy. Diese Sprachen wurden von Einwanderergruppen aus Indien, China und Madagaskar mitgebracht und teilweise über Generationen hinweg bewahrt. Sie spielen heute vor allem im familiären, kulturellen und religiösen Bereich eine Rolle, etwa in Tempeln, religiösen Zeremonien oder innerhalb ethnischer Gemeinschaften, haben jedoch im öffentlichen Leben keine große Bedeutung. | Neben Französisch und Kreolisch existieren auf Réunion auch weitere Sprachen, die jedoch nur von kleineren Bevölkerungsgruppen gesprochen werden. Dazu gehören unter anderem Tamilisch, Gujarati, Chinesisch sowie Malagasy. Diese Sprachen wurden von Einwanderergruppen aus Indien, China und Madagaskar mitgebracht und teilweise über Generationen hinweg bewahrt. Sie spielen heute vor allem im familiären, kulturellen und religiösen Bereich eine Rolle, etwa in Tempeln, religiösen Zeremonien oder innerhalb ethnischer Gemeinschaften, haben jedoch im öffentlichen Leben keine große Bedeutung. | ||
'''Sprachen auf Reunion''' (nach ethnologue): | '''Sprachen auf Reunion''' (nach ethnologue): | ||
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* '''Reunion Kreolisch''' [rcf] 555,000 in Réunion (1987). Gesamtsprecherzahl: 600.500. Auch auf den Komoren und in Madagaskar. ''Dialekte:'' zwei: städtisch und ländlich; der erstere ist ähnlich Französisch [fra], der letztere hat sehr viele Elemente des Bantu und westafrikanischer Sprachen. ''Einordnung:'' Creole, French based | * '''Reunion Kreolisch''' [rcf] 555,000 in Réunion (1987). Gesamtsprecherzahl: 600.500. Auch auf den Komoren und in Madagaskar. ''Dialekte:'' zwei: städtisch und ländlich; der erstere ist ähnlich Französisch [fra], der letztere hat sehr viele Elemente des Bantu und westafrikanischer Sprachen. ''Einordnung:'' Creole, French based | ||
* '''Tamilisch''' [tam] Inklusive L2 Sprecher: 120.000 in Réunion (1991 Froise). ''Einordnung:'' Dravidian, Southern, Tamil-Kannada, Tamil-Kodagu, Tamil-Malayalam, Tamil | * '''Tamilisch''' [tam] Inklusive L2 Sprecher: 120.000 in Réunion (1991 Froise). ''Einordnung:'' Dravidian, Southern, Tamil-Kannada, Tamil-Kodagu, Tamil-Malayalam, Tamil | ||
==== '''Reuninisch''' ==== | |||
Die kreolische Sprache, das Kréol Réyoné oder Réunion-Kreolisch, ist eine französischbasierte Kreolsprache, die sich bereits in den ersten Jahrzehnten der Besiedlung im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte. Sie entstand aus der Notwendigkeit, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft miteinander kommunizieren mussten – französische Kolonisten, Sklaven aus Madagaskar und Ostafrika sowie spätere Einwanderer aus Indien und China. Der Wortschatz basiert überwiegend auf dem Französischen des 17. Jahrhunderts, wird jedoch durch grammatikalische Strukturen und Wörter aus dem Malagassischen, afrikanischen Sprachen, Hindi, Tamil, Gujarati und Portugiesischen bereichert. Die Aussprache ist weicher und melodischer, mit vereinfachten Verbformen und einer eigenen Syntax, die den Alltag lebendig und ausdrucksstark macht. Kreolisch wird in familiären und freundschaftlichen Kontexten gesprochen, während Französisch die Amtssprache in Schule, Verwaltung und Medien bleibt. Dennoch ist Kreolisch die Muttersprache von über neunzig Prozent der Bevölkerung und wird zunehmend auch in Literatur, Musik und im öffentlichen Raum gewürdigt. | |||
Die Geschichte des Kreolischen ist eng mit der Kolonialzeit verbunden. Auf den Plantagen diente es als Verkehrssprache zwischen Herren und Sklaven und wurde später auch nach der Abschaffung der Sklaverei 1848 weiterentwickelt, als indische und chinesische Arbeiter hinzukamen. Lange Zeit galt Kreolisch als „niedere“ Sprache und wurde in der Schule sogar unterdrückt. Erst seit den letzten Jahrzehnten gibt es ein wachsendes Bewusstsein für seinen Wert als identitätsstiftendes Element. Heute existieren Wörterbücher, literarische Werke und sogar Übersetzungen bekannter Comics wie Asterix ins Kreolische. Es gibt verschiedene Dialektvarianten, die vom bergigen Inland über das Flachland bis hin zu städtischen Formen reichen, die dem Französischen näherstehen. | |||
Die kreolische Kultur zeigt sich besonders in der Musik und im Tanz. Der Maloya, der aus afrikanischen und malagassischen Rhythmen, Trommeln und Gesängen entstand, war ursprünglich ein Ausdruck des Widerstands und der Trauer der Sklaven. Er wurde lange verboten, gilt heute aber als UNESCO-Weltkulturerbe und ist ein Symbol der Réunioner Identität. Daneben gibt es den Séga, der afrikanische und europäische Einflüsse verbindet und fröhlichere, tanzbare Rhythmen bietet. Beide Musikstile werden bei Festen, Familienfeiern und politischen Veranstaltungen gespielt und verbinden die Generationen. Die kreolische Küche spiegelt die gleiche Vielfalt wider: Gerichte wie Cari, ein würziges Curry mit Tomaten und Gewürzen, Rougail oder das berühmte Vanille-Eis mit lokalen Früchten vereinen französische, indische, afrikanische und chinesische Aromen. Zuckerrohr, Reis, Fisch und exotische Gewürze sind Grundlagen, die mit viel Liebe und Gemeinschaftssinn zubereitet werden. | |||
=== '''Religion''' === | === '''Religion''' === | ||
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Die religiöse Vielfalt von Réunion zeigt sich besonders deutlich im alltäglichen Leben und in der kulturellen Landschaft der Insel. Aufgrund der verschiedenen religiösen Traditionen finden sich zahlreiche Gotteshäuser unterschiedlicher Konfessionen in unmittelbarer Nähe zueinander. Katholische Kirchen, hinduistische Tempel, Moscheen und kleinere religiöse Stätten prägen das Stadt- und Landschaftsbild gleichermaßen. | Die religiöse Vielfalt von Réunion zeigt sich besonders deutlich im alltäglichen Leben und in der kulturellen Landschaft der Insel. Aufgrund der verschiedenen religiösen Traditionen finden sich zahlreiche Gotteshäuser unterschiedlicher Konfessionen in unmittelbarer Nähe zueinander. Katholische Kirchen, hinduistische Tempel, Moscheen und kleinere religiöse Stätten prägen das Stadt- und Landschaftsbild gleichermaßen. | ||
'''Religionsbekenntnisse''' 2001: | '''Religionsbekenntnisse''' 2001: | ||
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* 1975 - 2023 Gilbert Aubry | * 1975 - 2023 Gilbert Aubry | ||
* seit 2023 Pascale Chane Teng | * seit 2023 Pascale Chane Teng | ||
==== '''Islam''' ==== | |||
Der Islam gelangte im Laufe des 19. Jahrhunderts nach Réunion. Besonders wichtig war die Einwanderung muslimischer Händler und Arbeiter aus Indien, vor allem aus Gujarat. Viele dieser Einwanderer waren sunnitische Muslime und ließen sich dauerhaft auf der Insel nieder. Sie beteiligten sich am Handel, gründeten Geschäfte und bauten nach und nach religiöse und kulturelle Einrichtungen auf. Aufgrund ihrer Herkunft werden viele Muslime auf Réunion bis heute als „Zarabes“ bezeichnet, obwohl die meisten nicht arabischer, sondern indischer Abstammung sind. Der Begriff entstand historisch durch die Verbindung der Händler zum arabisch geprägten Handelsraum des Indischen Ozeans. | |||
Heute bildet der Islam eine der bedeutenden Minderheitsreligionen auf Réunion. Die Mehrheit der Bevölkerung ist zwar christlich, insbesondere römisch-katholisch, doch Muslime stellen einen sichtbaren und gesellschaftlich anerkannten Teil der Bevölkerung dar. Schätzungen gehen von mehreren zehntausend Muslimen aus, was etwa sieben bis zehn Prozent der Einwohner entsprechen kann. Die genaue Zahl ist schwer festzustellen, da in Frankreich keine offiziellen Statistiken zur Religionszugehörigkeit erhoben werden. | |||
Die meisten Muslime auf Réunion gehören dem sunnitischen Islam an. Daneben gibt es kleinere Gruppen anderer islamischer Richtungen. Die muslimischen Gemeinden verfügen über Moscheen, Gebetsräume, Koranschulen und kulturelle Vereinigungen. Besonders in Städten wie Saint-Denis, Saint-Pierre, Saint-André und Le Port befinden sich bedeutende islamische Zentren. Die Moscheen dienen nicht nur als Orte des Gebets, sondern auch als Treffpunkte für Bildung, soziale Unterstützung und die Bewahrung kultureller Traditionen. | |||
Der islamische Alltag auf Réunion wird von den Gegebenheiten einer multikulturellen Gesellschaft geprägt. Muslime können ihre Religion grundsätzlich frei ausüben. Freitagsgebete, Ramadan, das Opferfest und andere religiöse Feiertage werden innerhalb der Gemeinschaft gefeiert. Während die französische Gesetzgebung auf dem Prinzip der Laizität beruht, also der Trennung von Staat und Religion, können religiöse Gemeinschaften ihre Angelegenheiten weitgehend selbst organisieren. Muslimische Vereine übernehmen daher häufig Aufgaben im Bereich religiöser Bildung und Gemeinschaftsarbeit. | |||
Der Ramadan besitzt auf Réunion eine besondere gesellschaftliche Bedeutung. Während dieses Monats treffen sich Familien und Gemeindemitglieder zum gemeinsamen Fastenbrechen nach Sonnenuntergang. In vielen Moscheen werden zusätzliche Gebete und religiöse Veranstaltungen organisiert. Die kulturelle Vielfalt der Insel zeigt sich dabei auch in der Küche, da indische, kreolische und andere kulinarische Einflüsse miteinander verschmelzen. | |||
Ein charakteristisches Merkmal des Islams auf Réunion ist seine enge Verbindung mit der Geschichte des Handels im Indischen Ozean. Muslimische Kaufleute spielten über Generationen hinweg eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung der Insel. Viele Familienunternehmen, die von muslimischen Einwanderern gegründet wurden, bestehen bis heute und haben zur wirtschaftlichen Integration der Gemeinschaft beigetragen. | |||
==== '''Judentum''' ==== | |||
Die Geschichte des Judentums auf Réunion ist eng mit der französischen Kolonialgeschichte verbunden. Während der Kolonialzeit war die jüdische Präsenz auf der Insel sehr gering. Anders als in einigen anderen Regionen des Indischen Ozeans entstanden auf Réunion keine größeren jüdischen Siedlungen. Einzelne jüdische Familien gelangten im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts als Händler, Beamte, Unternehmer oder Einwanderer aus Frankreich auf die Insel. Da ihre Zahl klein blieb, entwickelte sich zunächst keine größere organisierte jüdische Gemeinschaft. | |||
Erst im 20. Jahrhundert wuchs die jüdische Präsenz langsam an. Die meisten Juden auf Réunion stammen aus Frankreich oder haben familiäre Wurzeln in anderen Teilen der französischen Welt. Einige Familien kamen aus Nordafrika, insbesondere aus Algerien, Marokko und Tunesien, nachdem sich dort die politischen Verhältnisse im Zuge der Entkolonialisierung verändert hatten. Andere zogen aus beruflichen oder wirtschaftlichen Gründen direkt aus dem französischen Mutterland nach Réunion. | |||
Heute umfasst die jüdische Gemeinschaft nur einige hundert Personen. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, da Frankreich aus Datenschutz- und Gleichheitsgründen keine offiziellen Statistiken über die Religionszugehörigkeit seiner Bürger erhebt. Trotz ihrer geringen Größe verfügt die Gemeinschaft über religiöse und kulturelle Strukturen, die es ermöglichen, jüdische Traditionen und religiöse Praktiken aufrechtzuerhalten. | |||
Das religiöse Leben der Juden auf Réunion orientiert sich überwiegend an den Traditionen des orthodoxen und konservativen Judentums, wobei die Gemeinschaft aufgrund ihrer geringen Größe oft pragmatische Lösungen finden muss. Religiöse Feiern, Gottesdienste und gemeinschaftliche Veranstaltungen spielen eine wichtige Rolle für die Bewahrung der jüdischen Identität. Besondere Bedeutung haben die großen jüdischen Feiertage wie Rosch ha-Schana, Jom Kippur, Pessach, Sukkot und Chanukka. | |||
Da die Zahl der Gemeindemitglieder begrenzt ist, bestehen enge Kontakte zu jüdischen Organisationen und Gemeinden im französischen Mutterland. Religiöse Literatur, koschere Lebensmittel und rabbinische Unterstützung werden teilweise durch diese Verbindungen organisiert. Moderne Kommunikationsmittel haben die Verbindung zu anderen jüdischen Gemeinschaften weltweit zusätzlich erleichtert. | |||
Das Judentum auf Réunion wird durch die französische Rechtsordnung geschützt. Wie alle anerkannten Religionsgemeinschaften profitieren auch jüdische Gemeinden von der Religionsfreiheit, die in Frankreich garantiert ist. Gleichzeitig gilt auf Réunion wie im übrigen Frankreich das Prinzip der Laizität, das eine institutionelle Trennung von Staat und Religion vorsieht. Religiöse Gemeinschaften organisieren ihre Angelegenheiten daher weitgehend eigenständig. | |||
Die jüdische Gemeinschaft ist in das gesellschaftliche Leben der Insel integriert. Ihre Mitglieder arbeiten in unterschiedlichen Berufen und Bereichen des öffentlichen Lebens. Aufgrund der geringen Größe der Gemeinschaft stehen soziale Kontakte und Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Religionen im Vordergrund. Das friedliche Zusammenleben verschiedener Glaubensrichtungen gehört zu den charakteristischen Merkmalen Réunions. | |||
==== '''Esoterik''' ==== | |||
Die Wurzeln esoterischer Praktiken auf Réunion reichen bis in die Kolonialzeit zurück. Mit den Siedlern, Sklaven und Vertragsarbeitern gelangten unterschiedliche Vorstellungen über Heilung, Schutz, Geister, Schicksal und übernatürliche Kräfte auf die Insel. Afrikanische und madagassische Traditionen brachten Glaubensformen mit, die von Ahnenverehrung, spirituellen Kräften und magischen Schutzritualen geprägt waren. Gleichzeitig existierten europäische Vorstellungen über Wahrsagerei, Volksmagie und religiöse Mystik. Aus Indien kamen hinduistische Traditionen, die teilweise spirituelle Praktiken und Vorstellungen über Karma, Wiedergeburt und kosmische Kräfte beinhalteten. | |||
Im Laufe der Zeit vermischten sich diese Einflüsse miteinander. Dadurch entstand auf Réunion eine besondere Form volkstümlicher Spiritualität, die oft Elemente verschiedener Herkunft kombiniert. Viele Menschen unterscheiden dabei nicht strikt zwischen Religion, Tradition, Volksglauben und Esoterik. Religiöse Praktiken können mit Vorstellungen über Glück, Schutz, Heilung oder spirituelle Energien verbunden werden, ohne dass dies als Widerspruch empfunden wird. | |||
Ein wichtiger Bereich der Esoterik auf Réunion betrifft traditionelle Heilmethoden. Neben der modernen Medizin existiert eine lange Tradition von Heilkundigen, die mit Kräutern, Gebeten, Segnungen oder spirituellen Praktiken arbeiten. Manche Menschen suchen solche Personen auf, um körperliche Beschwerden, seelische Probleme oder familiäre Schwierigkeiten behandeln zu lassen. Dabei spielen Vorstellungen über negative Energien, spirituelle Einflüsse oder übernatürliche Ursachen von Krankheiten teilweise eine Rolle. | |||
Auch der Glaube an Geister und unsichtbare Kräfte ist in Teilen der Bevölkerung verbreitet. In verschiedenen kulturellen Traditionen der Insel existieren Erzählungen über Geister Verstorbener, übernatürliche Erscheinungen oder spirituelle Wesen. Solche Vorstellungen stammen aus unterschiedlichen kulturellen Quellen und wurden im Laufe der Geschichte miteinander verbunden. Sie gehören häufig zum Bereich des Volksglaubens und werden von manchen Menschen ernst genommen, während andere sie eher als Teil des kulturellen Erbes betrachten. | |||
Seit dem späten 20. Jahrhundert haben zudem moderne westliche Formen der Esoterik auf Réunion an Bedeutung gewonnen. Dazu gehören Astrologie, Tarotkarten, Numerologie, Meditation, Energiearbeit, Reiki, Kristallheilkunde und verschiedene Formen spiritueller Selbstentwicklung. Diese Praktiken wurden vor allem durch Bücher, Medien, Tourismus und die enge Verbindung zu Frankreich verbreitet. Besonders in städtischen Gebieten finden sich Menschen, die sich für alternative Spiritualität interessieren oder entsprechende Angebote nutzen. | |||
Die Natur Réunions spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in vielen esoterischen Vorstellungen. Die vulkanische Landschaft, die tropischen Wälder, die Berge und die abgelegenen Regionen der Insel werden von manchen Menschen als Orte besonderer spiritueller Kraft angesehen. Naturverbundenheit, Meditation und persönliche spirituelle Erfahrungen werden häufig mit diesen Landschaften in Verbindung gebracht. | |||
Die Beziehung zwischen Esoterik und den etablierten Religionen ist unterschiedlich. Manche Christen, Hindus oder Muslime lehnen esoterische Praktiken ausdrücklich ab und betrachten sie als unvereinbar mit ihrem Glauben. Andere übernehmen einzelne Elemente oder verbinden religiöse und spirituelle Vorstellungen miteinander. Dadurch entstehen individuelle Glaubensformen, die sich nicht immer eindeutig einer bestimmten Kategorie zuordnen lassen. | |||
== '''Siedlungen''' == | == '''Siedlungen''' == | ||
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Neben dem Hafen Le Port gibt es weitere kleinere Häfen und Anlegestellen, die vor allem regionale Funktionen übernehmen, etwa für Fischerei, lokale Versorgung oder kleinere Transportverbindungen. Diese ergänzen die Hauptfunktionen des großen Industriehafens und tragen zur logistischen Versorgung der Insel bei. | Neben dem Hafen Le Port gibt es weitere kleinere Häfen und Anlegestellen, die vor allem regionale Funktionen übernehmen, etwa für Fischerei, lokale Versorgung oder kleinere Transportverbindungen. Diese ergänzen die Hauptfunktionen des großen Industriehafens und tragen zur logistischen Versorgung der Insel bei. | ||
'''Schiffsflotte''' 1998: | '''Schiffsflotte''' 1998: | ||
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Die landwirtschaftlichen Betriebe auf der Insel sind häufig kleinräumig strukturiert und setzen auf Mischkulturen. Viele Bauern kombinieren verschiedene Anbauprodukte, um sowohl wirtschaftliche Stabilität als auch eine bessere Nutzung der unterschiedlichen Klimazonen zu erreichen. Während Zuckerrohr weiterhin die Fläche dominiert, gewinnen nachhaltige und biologische Anbaumethoden sowie hochwertige Spezialprodukte wie Vanille zunehmend an Bedeutung. | Die landwirtschaftlichen Betriebe auf der Insel sind häufig kleinräumig strukturiert und setzen auf Mischkulturen. Viele Bauern kombinieren verschiedene Anbauprodukte, um sowohl wirtschaftliche Stabilität als auch eine bessere Nutzung der unterschiedlichen Klimazonen zu erreichen. Während Zuckerrohr weiterhin die Fläche dominiert, gewinnen nachhaltige und biologische Anbaumethoden sowie hochwertige Spezialprodukte wie Vanille zunehmend an Bedeutung. | ||
'''Viehbestand''': 1989 1997 1999 | '''Viehbestand''': 1989 1997 1999 | ||
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Aquakultur ist auf Réunion bisher nur in sehr begrenztem Umfang entwickelt. Zwar gibt es einzelne Projekte zur Zucht von Fischen oder Meeresorganismen, doch spielt diese Form der Produktion wirtschaftlich noch keine große Rolle im Vergleich zur klassischen Hochsee- und Küstenfischerei. | Aquakultur ist auf Réunion bisher nur in sehr begrenztem Umfang entwickelt. Zwar gibt es einzelne Projekte zur Zucht von Fischen oder Meeresorganismen, doch spielt diese Form der Produktion wirtschaftlich noch keine große Rolle im Vergleich zur klassischen Hochsee- und Küstenfischerei. | ||
'''Anlandungen''' in t insgesamt: | '''Anlandungen''' in t insgesamt: | ||
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=== '''Wasserwirtschaft''' === | === '''Wasserwirtschaft''' === | ||
Die | Die Wasserversorgung der Bevölkerung basiert auf zahlreichen Quellen, Flüssen, Grundwasservorkommen und Speichersystemen. Das Wasser wird in den regenreichen Gebieten gesammelt und über ein weit verzweigtes Leitungsnetz zu den Städten und Gemeinden transportiert. Da die Insel aufgrund ihrer vulkanischen Entstehung über viele Gebirgsbäche und natürliche Quellen verfügt, stehen grundsätzlich erhebliche Wasserressourcen zur Verfügung. Die Herausforderung besteht jedoch darin, diese Ressourcen räumlich und zeitlich auszugleichen. | ||
Eine | Eine der bedeutendsten wasserwirtschaftlichen Maßnahmen ist das sogenannte „La Réunion Irrigation Project“ beziehungsweise das Bewässerungsprojekt der Westküste. Dieses Großprojekt wurde entwickelt, um Wasser aus den niederschlagsreichen Regionen der Insel in die trockeneren Gebiete des Westens zu transportieren. Kernstück des Systems sind mehrere unterirdische Tunnel und technische Anlagen, die Wasser über viele Kilometer durch das Inselinnere leiten. Dadurch können landwirtschaftliche Flächen bewässert und gleichzeitig die Versorgung der Bevölkerung verbessert werden. | ||
Die Tunnel verlaufen teilweise tief im vulkanischen Gestein und verbinden wasserreiche Einzugsgebiete mit Regionen, die natürlicherweise über deutlich geringere Wasservorkommen verfügen. Das Projekt gilt als eines der größten wasserwirtschaftlichen Infrastrukturvorhaben im Indischen Ozean. Es ermöglicht insbesondere die Versorgung der landwirtschaftlich bedeutenden Westregionen und trägt dazu bei, die wirtschaftliche Entwicklung der Insel zu sichern. | |||
Von besonderer Bedeutung ist die Bewässerung der Zuckerrohrplantagen. Zuckerrohr gehört seit Jahrhunderten zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produkten Réunions und prägt große Teile der Kulturlandschaft. Da viele Anbauflächen in relativ trockenen Regionen liegen, ist eine zuverlässige Wasserversorgung entscheidend für die Erträge. Durch das Bewässerungssystem können die Felder auch während niederschlagsarmer Perioden ausreichend mit Wasser versorgt werden. Darüber hinaus profitieren Obst-, Gemüse- und Viehwirtschaft von den verbesserten Wasserressourcen. | |||
Neben der landwirtschaftlichen Nutzung spielt Wasser auch eine zentrale Rolle bei der Energieerzeugung. Die zahlreichen Flüsse und die steilen Höhenunterschiede der Insel bieten günstige Voraussetzungen für die Nutzung von Wasserkraft. Mehrere Wasserkraftwerke nutzen die Energie des fließenden Wassers zur Stromproduktion. Die Wasserkraft stellt einen wichtigen Bestandteil der erneuerbaren Energieversorgung Réunions dar und liefert ungefähr ein Fünftel des auf der Insel erzeugten Stroms. | |||
Die Nutzung der Wasserkraft besitzt mehrere Vorteile. Sie ermöglicht eine vergleichsweise stabile Stromproduktion unabhängig von Tageszeit und Wetterbedingungen. Während Solar- und Windenergie von Sonneneinstrahlung beziehungsweise Wind abhängig sind, können Wasserkraftanlagen oft kontinuierlicher betrieben werden. Dadurch tragen sie wesentlich zur Stabilisierung des Stromnetzes bei und ergänzen andere erneuerbare Energiequellen. | |||
Neben der Wasserkraft werden auf Réunion zunehmend weitere erneuerbare Energien ausgebaut. Photovoltaikanlagen nutzen die intensive Sonneneinstrahlung der Tropen, Windkraftanlagen erzeugen Strom an geeigneten Küsten- und Höhenlagen, und Biomasse wird insbesondere aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Zuckerrohrabfällen gewonnen. Die Kombination dieser Energiequellen soll langfristig die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen reduzieren. | |||
Die Insel verfolgt ehrgeizige energiepolitische Ziele. Angestrebt wird eine weitgehende beziehungsweise vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien bis etwa 2030. Die Wasserkraft nimmt innerhalb dieser Strategie eine Schlüsselrolle ein, da sie als vergleichsweise verlässliche und etablierte Technologie gilt. Zusammen mit Solarenergie, Windkraft, Biomasse und zukünftigen Speichertechnologien soll sie den Übergang zu einem nachhaltigen Energiesystem ermöglichen. | |||
Die | |||
=== '''Energiewirtschaft''' === | |||
Die Regierung der Insel verfolgt das langfristige Ziel, ihre Energieversorgung weitgehend beziehungsweise vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen und dadurch eine hohe energetische Eigenständigkeit zu erreichen. Aufgrund ihrer natürlichen Voraussetzungen verfügt Réunion über günstige Bedingungen für verschiedene Formen regenerativer Energiegewinnung. Die intensive Sonneneinstrahlung, die hohen Niederschlagsmengen, die gebirgige Landschaft und die landwirtschaftliche Produktion bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen. | |||
Der Strombedarf der Insel steigt seit Jahrzehnten aufgrund des Bevölkerungswachstums, der wirtschaftlichen Entwicklung und des zunehmenden Lebensstandards kontinuierlich an. Gleichzeitig stellt die Versorgungssicherheit eine besondere Herausforderung dar, da Energieimporte teuer sind und die Insel aufgrund ihrer Lage empfindlich auf Schwankungen der internationalen Energiemärkte reagieren kann. Aus diesem Grund verfolgt Réunion eine Strategie der Diversifizierung seiner Energiequellen. | |||
Derzeit stammt ein bedeutender Teil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Rund 36,5 Prozent der elektrischen Energie werden durch regenerative Quellen bereitgestellt. Die wichtigste erneuerbare Energiequelle ist die Wasserkraft, die etwa 20 Prozent der Stromproduktion liefert. Die zahlreichen Flüsse, Wasserfälle und großen Höhenunterschiede der Insel schaffen günstige Voraussetzungen für den Betrieb von Wasserkraftwerken. Da Wasserkraft vergleichsweise konstant Strom liefern kann, übernimmt sie eine wichtige Rolle für die Stabilität des Stromnetzes. | |||
Neben der Wasserkraft gewinnt die Solarenergie zunehmend an Bedeutung. Aufgrund der tropischen Lage verfügt Réunion über eine hohe jährliche Sonneneinstrahlung, die für die Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen genutzt wird. In vielen Gemeinden wurden Solaranlagen auf Wohnhäusern, öffentlichen Gebäuden und Gewerbebauten installiert. Ein bekanntes Beispiel ist die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Einkaufszentrums E.Leclerc in Saint-Leu. Die Anlage besitzt eine Leistung von etwa einem Megawatt Peak und wird durch Batteriespeicher ergänzt, die überschüssigen Strom zwischenspeichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen können. Solche Systeme gelten als wichtige Bausteine für die zukünftige Energieversorgung der Insel. | |||
Auch die Windenergie trägt zur Stromerzeugung bei. Obwohl die verfügbaren Flächen für große Windparks begrenzt sind und die topografischen Bedingungen Herausforderungen mit sich bringen, werden geeignete Standorte genutzt, um die Kraft der Passatwinde zur Energieproduktion einzusetzen. Die Windenergie ergänzt dabei andere erneuerbare Energiequellen und trägt zur Verringerung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe bei. | |||
Ein weiterer Bestandteil des Energiemixes ist die Nutzung von Biomasse und Biogas. Besonders die Zuckerrohrwirtschaft spielt hierbei eine wichtige Rolle. Bei der Verarbeitung von Zuckerrohr fallen große Mengen pflanzlicher Rückstände an, die energetisch genutzt werden können. Diese Biomasse dient als Brennstoff für Kraftwerke und ermöglicht eine zusätzliche erneuerbare Stromerzeugung. Durch die Verwertung landwirtschaftlicher Reststoffe wird gleichzeitig die Abfallmenge reduziert und die regionale Wertschöpfung gestärkt. | |||
Trotz der Fortschritte im Bereich der erneuerbaren Energien ist die Insel weiterhin auf konventionelle Kraftwerke angewiesen. Fossile Brennstoffe decken noch einen erheblichen Teil des Strombedarfs. Zu den wichtigsten Anlagen gehört das Kraftwerk Port-Est in der Gemeinde Le Port. Mit einer elektrischen Leistung von rund 210 Megawatt zählt es zu den größten Kraftwerken Réunions. Die Anlage arbeitet hauptsächlich mit Dieselgeneratoren und stellt etwa ein Viertel des gesamten Strombedarfs der Insel bereit. Aufgrund seiner hohen Leistung spielt das Kraftwerk eine wichtige Rolle für die Versorgungssicherheit, insbesondere wenn erneuerbare Energiequellen aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen weniger Strom liefern. | |||
=== '''Abfallwirtschaft''' === | |||
Die Abfallwirtschaft auf Réunion orientiert sich weitgehend an den Vorgaben Frankreichs und der Europäischen Union. Ziel ist es, die Umweltbelastungen durch Abfälle zu reduzieren, wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen und die Deponierung von Müll langfristig zu verringern. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Programme gestartet, um die Sammlung, Sortierung und Wiederverwertung von Abfällen zu verbessern. | |||
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Mülltrennung. Seit den 2020er Jahren wurde die getrennte Erfassung verschiedener Abfallarten deutlich ausgeweitet. Haushalte und Unternehmen werden dazu angehalten, Verpackungen, Papier, Glas, Metall, Kunststoffe, Bioabfälle und Restmüll getrennt zu sammeln. Durch diese Maßnahmen sollen höhere Recyclingquoten erreicht und wertvolle Rohstoffe dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt werden. Gleichzeitig werden die Bürger durch Informationskampagnen über die Bedeutung der Mülltrennung und des nachhaltigen Konsums informiert. | |||
Besonders wichtig ist die Vermeidung von Abfällen. Die zuständigen Behörden verfolgen das Ziel, die Menge der Haushaltsabfälle bis zum Jahr 2030 um etwa 15 Prozent gegenüber dem Niveau von 2010 zu senken. Dieses Ziel soll durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen erreicht werden. Dazu gehören die Förderung wiederverwendbarer Produkte, die Verringerung von Einwegverpackungen, die Sensibilisierung der Bevölkerung für nachhaltigen Konsum sowie die Unterstützung von Reparatur- und Wiederverwendungsinitiativen. | |||
Die Organisation der Abfallwirtschaft erfolgt überwiegend durch interkommunale Zusammenschlüsse mehrerer Gemeinden. Diese Verbünde koordinieren die Sammlung, den Transport und die Behandlung der Abfälle. Für die praktische Durchführung werden häufig private Unternehmen beauftragt, die über die notwendige technische Infrastruktur und Fachkenntnis verfügen. Dadurch entsteht eine Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Einrichtungen und privaten Dienstleistern. | |||
Zu den bedeutenden Unternehmen im Abfallsektor gehören die französischen Umweltkonzerne Veolia und Suez, die auch auf Réunion tätig sind. Daneben existieren zahlreiche mittelständische Unternehmen, die Dienstleistungen im Bereich Sammlung, Sortierung, Recycling und Entsorgung anbieten. Der Markt entwickelt sich dynamisch und wird zunehmend durch Investitionen in moderne Recyclingtechnologien geprägt. Die Kreislaufwirtschaft gilt dabei als wichtiger Zukunftssektor der Insel. | |||
Ein wachsendes Thema ist die Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung. Große Handelsunternehmen beteiligen sich an entsprechenden Programmen, um weggeworfene Lebensmittel zu reduzieren. So setzt beispielsweise E.Leclerc auf digitale Systeme und künstliche Intelligenz, um Lagerbestände besser zu überwachen, den Verkauf verderblicher Produkte rechtzeitig anzupassen und überschüssige Lebensmittel an soziale Einrichtungen weiterzugeben. Solche Maßnahmen tragen dazu bei, Abfälle bereits an der Quelle zu vermeiden und gleichzeitig soziale Projekte zu unterstützen. | |||
Neben der stofflichen Verwertung gewinnt auch die energetische Nutzung von Abfällen an Bedeutung. Ab dem Jahr 2027 soll auf Réunion die energetische Verwertung eines Teils des Hausmülls umgesetzt werden. Dabei werden nicht recycelbare Abfälle genutzt, um Energie zu erzeugen. Dieses Verfahren ermöglicht eine Verringerung der Deponiemengen und kann gleichzeitig zur Strom- oder Wärmeerzeugung beitragen. Die energetische Verwertung wird als Ergänzung zum Recycling verstanden, nicht als dessen Ersatz. Vorrang haben weiterhin Abfallvermeidung, Wiederverwendung und stoffliche Verwertung. | |||
=== '''Handel''' === | |||
Da die landwirtschaftliche und industrielle Produktion auf Réunion nur einen Teil des Bedarfs decken kann, werden viele Waren aus dem französischen Mutterland, aus anderen europäischen Ländern sowie aus Asien, Afrika und dem Indischen Ozean importiert. Lebensmittel, Konsumgüter, Fahrzeuge, Elektronik, Baumaterialien und zahlreiche weitere Produkte gelangen über die Seehäfen und den internationalen Flughafen auf die Insel. Besonders der Hafen von Le Port besitzt eine zentrale Bedeutung für den Warenverkehr und gilt als wichtigster Umschlagplatz Réunions. | |||
Der Einzelhandel ist überwiegend modern organisiert und ähnelt in vielen Bereichen dem französischen Festland. Große Supermarktketten, Verbrauchermärkte und Einkaufszentren prägen das Bild der städtischen Gebiete. Gleichzeitig existieren zahlreiche kleine Familienunternehmen, die oft seit Generationen im Besitz lokaler Familien sind. Diese Mischung aus großen Handelsketten und traditionellen Geschäften verleiht dem Handelssektor eine besondere Vielfalt. | |||
Zu den wichtigsten Akteuren im Lebensmitteleinzelhandel gehört die französische Handelskette E.Leclerc, die auf Réunion mehrere große Märkte betreibt. Die Unternehmen dieser Gruppe zählen zu den bedeutendsten Einzelhändlern der Insel und bieten ein breites Sortiment an Lebensmitteln, Haushaltswaren, Elektronik und anderen Konsumgütern an. Daneben sind weitere französische Handelsgruppen vertreten, die ähnlich wie im Mutterland große Supermärkte und Hypermärkte betreiben. | |||
Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Handelskette Carrefour, die mit mehreren Standorten auf der Insel präsent ist. Die Märkte dienen vielen Einwohnern als zentrale Einkaufsorte und bieten sowohl importierte als auch lokal produzierte Waren an. Besonders Produkte aus der regionalen Landwirtschaft, darunter Obst, Gemüse, Gewürze, Vanille und Zuckerrohrprodukte, werden zunehmend gefördert. | |||
Neben den großen Handelsketten spielen traditionelle Märkte eine wichtige Rolle. In zahlreichen Städten und Gemeinden finden regelmäßig Wochenmärkte statt, auf denen lokale Produzenten ihre Waren direkt verkaufen. Frisches Obst, Gemüse, Fisch, Gewürze, Kunsthandwerk und traditionelle Lebensmittel gehören zu den typischen Angeboten. Diese Märkte sind nicht nur wirtschaftlich bedeutend, sondern auch wichtige soziale Treffpunkte. | |||
Besonders bekannt ist der Markt von Marché Forain de Saint-Paul, der zu den größten und traditionsreichsten Märkten der Insel zählt. Hier werden regionale Produkte ebenso angeboten wie Waren aus den verschiedenen kulturellen Traditionen Réunions. Die Vielfalt des Angebots spiegelt die ethnische und kulturelle Zusammensetzung der Bevölkerung wider. | |||
Der Handel wird stark durch die multikulturelle Geschichte der Insel geprägt. Nachfahren europäischer, indischer, chinesischer, afrikanischer und madagassischer Einwanderer betreiben seit Generationen Geschäfte, Restaurants und Handelsunternehmen. Besonders Familien indischer und chinesischer Herkunft spielten historisch eine wichtige Rolle im Aufbau des Einzelhandels. Viele dieser Familienunternehmen bestehen bis heute und gehören zu den etablierten Wirtschaftsakteuren der Insel. | |||
In den größeren Städten entstanden moderne Einkaufszentren, die eine wichtige Funktion im Konsumverhalten der Bevölkerung übernehmen. Dort befinden sich Supermärkte, Modegeschäfte, Elektronikmärkte, Banken, Restaurants und Dienstleistungsunternehmen unter einem Dach. Solche Zentren entsprechen weitgehend europäischen Standards und dienen vielen Menschen als zentrale Einkaufsorte. | |||
'''Cap Sacré-Cœur''' ist das größte Einkaufszentrum der Insel und bietet auf 27.000 m² über 90 Geschäfte, Restaurants, ein Food-Court und einen Hypermarkt. Es vereint internationale Ketten, lokale Marken und zahlreiche Freizeitmöglichkeiten. '''Duparc Sainte-Marie''' nahe Saint-Denis bietet Produkte von mehr als 80 Einzelhändler, einen großen Run Market-Hypermarkt, kostenlose Parkplätze und vielseitige Gastronomie. Das '''Centre Commercial Grand Nord Réunion''' in Saint-Denis hat zahlreiche lokale und internationale Filialen. Im Osten der Insel gelegen, verbindet das '''Centre Commercial Grand-Est''' in Sainte-Suzanne eine Vielzahl von Geschäften für Mode, Elektronik und Alltagsbedarf unter einem Dach. | |||
=== '''Finanzwesen''' === | |||
Der Bankensektor ist modern entwickelt und entspricht weitgehend dem französischen Standard. Die wichtigsten Banken der Insel sind Tochtergesellschaften großer französischer Finanzinstitute. Zu den bedeutenden Akteuren gehören beispielsweise Banque de la Réunion, Crédit Agricole La Réunion-Mayotte, BNP Paribas, Société Générale sowie weitere französische Kreditinstitute. Sie bieten Privatpersonen, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen die üblichen Finanzdienstleistungen an, darunter Kontoführung, Kredite, Immobilienfinanzierungen, Sparprodukte und Versicherungen. | |||
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich jedoch teilweise von denen des französischen Festlands. Die höhere Abhängigkeit von Importen, die vergleichsweise hohen Lebenshaltungskosten und strukturelle Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt beeinflussen auch den Finanzsektor. Deshalb spielen staatliche Förderprogramme, Entwicklungsbanken und öffentliche Investitionshilfen eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten, Unternehmen und sozialen Maßnahmen. | |||
Im Steuerwesen gelten grundsätzlich französische und europäische Vorschriften. Dennoch existieren mehrere Besonderheiten, die speziell für die französischen Überseegebiete geschaffen wurden. Eine wichtige Abweichung betrifft die Mehrwertsteuer. Während auf dem französischen Festland andere Steuersätze gelten, beträgt die lokale Mehrwertsteuer auf Réunion in der Regel 8,5 Prozent. Für bestimmte Lebensmittel und Grundnahrungsmittel gilt ein reduzierter Satz von 2,1 Prozent. Diese Sonderregelungen sollen den wirtschaftlichen Besonderheiten der Insel Rechnung tragen und die Belastung der Verbraucher begrenzen. | |||
Eine weitere Besonderheit sind die sogenannten „Droits d’Octroi de Mer“. Dabei handelt es sich um eine historische Abgabe, deren Ursprung bis in die Kolonialzeit zurückreicht. Diese Steuer wird auf zahlreiche eingeführte Waren erhoben und dient der Finanzierung der Gemeinden und anderer öffentlicher Einrichtungen. Gleichzeitig soll sie die lokale Produktion gegenüber Importwaren schützen. Aufgrund ihrer besonderen Funktion wurde diese Regelung von der Europäischen Union ausdrücklich genehmigt, obwohl sie von den allgemeinen Prinzipien des europäischen Binnenmarktes abweicht. | |||
Zusätzlich existieren die „Droits Additionnels d’Octroi de Mer“ (DAOM). Diese ergänzende Abgabe wurde später eingeführt, um zusätzliche Einnahmen für die öffentlichen Haushalte der Insel zu schaffen. Hintergrund war die Tatsache, dass die Finanzierung durch lokale Steuereinnahmen, staatliche Zuschüsse aus Frankreich und europäische Fördermittel nicht immer ausreichte, um sämtliche öffentlichen Aufgaben und Investitionen zu finanzieren. Die DAOM stellt daher eine zusätzliche Einnahmequelle dar und wurde ebenfalls von den europäischen Institutionen genehmigt. | |||
Eine zentrale Rolle im Finanzsystem Réunions spielt die Organisation IEDOM – Institut d’Émission des Départements d’Outre-Mer. Diese Institution fungiert als wichtige Schnittstelle zwischen dem französischen Staat, der Banque de France und den französischen Überseegebieten. Das IEDOM übernimmt zahlreiche Aufgaben im Bereich der Finanzaufsicht, Wirtschaftsbeobachtung und öffentlichen Finanzverwaltung. | |||
Zu den Aufgaben des IEDOM gehört unter anderem die Bereitstellung und Verwaltung des Bargeldumlaufs in den französischen Überseegebieten im Auftrag der Banque de France. Dadurch wird sichergestellt, dass ausreichend Banknoten und Münzen verfügbar sind und der Zahlungsverkehr reibungslos funktioniert. Darüber hinaus sammelt und analysiert das Institut umfangreiche wirtschaftliche und finanzielle Daten über die Insel. | |||
Eine weitere wichtige Funktion besteht in der Vertretung der französischen Kommission für überschuldete Privatpersonen, der sogenannten „Commission de surendettement des particuliers“. Diese Einrichtung unterstützt Menschen, die ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können, und entwickelt Lösungen zur Schuldenregulierung. Auf Réunion bearbeitet das IEDOM jährlich mehrere hundert Fälle überschuldeter Haushalte und trägt damit zur sozialen Stabilität bei. | |||
Darüber hinaus fungiert das Institut als wirtschaftliche und finanzielle Beobachtungsstelle der Insel. Es veröffentlicht regelmäßig Studien, Berichte und Analysen zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Beschäftigungssituation, zu Investitionen, Preisen, Unternehmensgründungen und anderen wirtschaftlichen Kennzahlen. Diese Informationen dienen politischen Entscheidungsträgern, Unternehmen und Investoren als wichtige Grundlage für wirtschaftliche Planungen. | |||
Der Versicherungssektor ist ebenfalls gut entwickelt und orientiert sich an französischen Standards. Aufgrund der besonderen geografischen Lage spielen Versicherungen gegen Naturkatastrophen eine wichtige Rolle. Zyklone, Überschwemmungen, Erdrutsche und andere Naturereignisse können erhebliche Schäden verursachen. Daher besitzen viele Privatpersonen und Unternehmen spezielle Versicherungen, die solche Risiken abdecken. | |||
== '''Soziales und Gesundheit''' == | |||
Die Grundlage des Sozialwesens von Réunion bildet das französische System der sozialen Sicherheit, die sogenannte Sécurité sociale. Dieses System schützt die Bevölkerung vor den finanziellen Folgen von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter, Invalidität und anderen sozialen Risiken. Die Leistungen werden überwiegend durch Sozialbeiträge, Steuern und staatliche Zuschüsse finanziert. Auf Réunion gelten dabei grundsätzlich dieselben gesetzlichen Regelungen wie in Frankreich. | |||
Ein wichtiger Bestandteil des Sozialwesens ist die Krankenversicherung. Alle Einwohner haben Zugang zu medizinischer Versorgung und können Leistungen von Ärzten, Krankenhäusern, Fachkliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen in Anspruch nehmen. Die Kosten werden je nach Leistung vollständig oder teilweise von der Krankenversicherung übernommen. Ergänzend schließen viele Menschen private Zusatzversicherungen ab, um verbleibende Eigenanteile abzudecken. | |||
Familienförderung besitzt auf Réunion eine besonders große Bedeutung. Die Insel weist traditionell eine vergleichsweise junge Bevölkerung auf, weshalb Familienleistungen einen wichtigen Teil der sozialen Ausgaben ausmachen. Familien erhalten finanzielle Unterstützung für Kindererziehung, Wohnkosten, Betreuungseinrichtungen und weitere familienbezogene Ausgaben. Zuständig für viele dieser Leistungen ist die französische Familienkasse, die Caisse d’Allocations Familiales (CAF), die auch auf Réunion tätig ist. | |||
Ein weiteres zentrales Element des Sozialwesens ist die Unterstützung von Menschen mit geringem Einkommen. Viele Einwohner profitieren von sozialen Transferleistungen, die ein Mindestmaß an finanzieller Sicherheit gewährleisten sollen. Dazu gehört insbesondere das Revenu de Solidarité Active (RSA), eine Sozialleistung für Personen mit geringem oder keinem Einkommen. Diese Unterstützung spielt auf Réunion eine größere Rolle als im französischen Mutterland, da die Arbeitslosenquote traditionell höher liegt und ein größerer Teil der Bevölkerung von wirtschaftlicher Unsicherheit betroffen ist. | |||
Die Bekämpfung von Armut zählt zu den wichtigsten Aufgaben der Sozialpolitik auf der Insel. Trotz erheblicher staatlicher Unterstützung bestehen weiterhin soziale Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Regionen. In einigen Stadtteilen und ländlichen Gebieten leben Menschen unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Öffentliche Programme fördern daher den Zugang zu Bildung, Beschäftigung, Gesundheitsversorgung und sozialer Integration. | |||
Die Arbeitslosenunterstützung ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des Systems. Arbeitnehmer, die ihre Beschäftigung verlieren, können unter bestimmten Voraussetzungen Arbeitslosengeld erhalten. Darüber hinaus existieren Programme zur beruflichen Weiterbildung, Umschulung und Arbeitsvermittlung. Ziel ist es, die Integration in den Arbeitsmarkt zu fördern und die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu verringern, die seit vielen Jahren zu den größten sozialen Herausforderungen der Insel gehört. | |||
Auch die Rentenversicherung entspricht weitgehend dem französischen Modell. Arbeitnehmer zahlen während ihres Berufslebens Beiträge in die Rentenkassen ein und erhalten nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters eine Altersrente. Ergänzend existieren Leistungen für Witwen, Witwer, Menschen mit Behinderungen und andere Personengruppen mit besonderen Bedürfnissen. | |||
Die Wohnungs- und Sozialpolitik spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Aufgrund des Bevölkerungswachstums und der begrenzten Flächenverfügbarkeit besteht ein hoher Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Öffentliche Wohnungsbaugesellschaften errichten Sozialwohnungen und fördern den Zugang zu angemessenem Wohnraum für einkommensschwächere Haushalte. Gleichzeitig werden Programme zur Sanierung bestehender Wohngebiete und zur Verbesserung der Lebensbedingungen durchgeführt. | |||
Ein wichtiger Bereich des Sozialwesens ist die Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen. Kinderschutzdienste, Jugendhilfeeinrichtungen, Beratungsstellen und soziale Dienste begleiten Familien in schwierigen Lebenssituationen. Für ältere Menschen stehen Pflegeeinrichtungen, ambulante Hilfsdienste und verschiedene Unterstützungsangebote zur Verfügung, um ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen. | |||
Menschen mit Behinderungen erhalten ebenfalls umfangreiche Unterstützung. Dazu gehören finanzielle Leistungen, spezielle Bildungsangebote, berufliche Fördermaßnahmen sowie Hilfen zur gesellschaftlichen Teilhabe. Ziel ist es, die Inklusion zu fördern und Benachteiligungen im Alltag zu verringern. | |||
Die Finanzierung des Sozialwesens erfolgt überwiegend durch den französischen Staat, Sozialversicherungsbeiträge und öffentliche Haushalte. Da die sozialen Ausgaben auf Réunion aufgrund der besonderen wirtschaftlichen Situation vergleichsweise hoch sind, fließen erhebliche Mittel aus Frankreich auf die Insel. Diese Transfers tragen wesentlich dazu bei, den Lebensstandard der Bevölkerung zu sichern und soziale Ungleichheiten abzumildern. Auch zahlreiche gemeinnützige Organisationen, Vereine, kirchliche Einrichtungen und soziale Initiativen ergänzen die staatlichen Leistungen. Sie engagieren sich in Bereichen wie Armutsbekämpfung, Obdachlosenhilfe, Familienberatung, Integration, Behindertenarbeit und Unterstützung älterer Menschen. Durch ihre Arbeit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft. | |||
Die | |||
=== '''Gesundheitswesen''' === | |||
Die medizinische Grundversorgung ist gut ausgebaut und umfasst Hausärzte, Fachärzte, Apotheken sowie Gesundheitszentren in vielen Gemeinden. Die Patienten sind in das französische System der Krankenversicherung eingebunden, das einen großen Teil der Behandlungskosten übernimmt. Dadurch ist der Zugang zu medizinischer Versorgung für die Mehrheit der Bevölkerung gewährleistet, unabhängig vom Einkommen. | |||
Das Krankenhauswesen auf Réunion ist modern strukturiert und besteht aus mehreren großen öffentlichen Krankenhäusern sowie privaten Kliniken. Besonders wichtig sind die beiden Universitätskliniken in Saint-Denis und Saint-Pierre. Diese Einrichtungen, die als CHU (Centre Hospitalier Universitaire) geführt werden, bieten eine breite Palette an spezialisierten Behandlungen, Notfallmedizin, Chirurgie und Forschung. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Versorgung komplexer und schwerer Erkrankungen. | |||
Neben den Universitätskliniken gibt es weitere regionale Krankenhäuser, die die medizinische Versorgung über die gesamte Insel verteilen. Diese Krankenhäuser stellen sicher, dass auch in entlegeneren Regionen eine grundlegende Notfall- und Akutversorgung verfügbar ist. Ergänzt wird dieses Netz durch zahlreiche private Kliniken, die oft kürzere Wartezeiten und spezialisierte Leistungen anbieten. | |||
Die Universitätsklinikum '''Centre Hospitalier Universitaire Sud Réunion''' (C.H.U. de Saint-Pierre) in Saint-Pierre ist das größte öffentliche Krankenhaus im Süden der Insel. Es verfügt über diverse Abteilungen wie Anästhesie, Kardiologie, Dermatologie, Gynäkologie, Neurologie, Pädiatrie, Radiologie und plastische Chirurgie. Es bietet umfassende medizinische und pflegerische Leistungen und ist eine führende Gesundheitseinrichtung der Region. | |||
Die '''Clinique Sainte-Clotilde''' ist die größte Privatklinik auf La Réunion, gelegen im Nordosten der Insel in Saint-Denis. Sie hat eine Kapazität von etwa 310 Betten und ist sowohl in der Chirurgie als auch der Geburtshilfe eine der größten Kliniken Frankreichs. Die Klinik bietet umfassende operative und medizinische Fachbereiche, Palliativpflege sowie spezielle Einrichtungen wie ein Schmerztherapiezentrum an. | |||
Das '''Centre Hospitalier Universitaire de La Réunion''' (CHU de La Réunion) betreibt mehrere Standorte und beschäftigt über 8.000 Fachkräfte. Es ist die zentrale öffentliche Gesundheitsinstitution auf der Insel mit einem umfassenden medizinischen Leistungsspektrum. | |||
Die | Die Notfallmedizin ist gut organisiert. Der Rettungsdienst (SAMU) koordiniert medizinische Notfälle und stellt schnelle Hilfe durch Rettungswagen und Notärzte sicher. Bei schweren Notfällen wird die Versorgung in die spezialisierten Krankenhäuser verlegt. Aufgrund der Insellage spielt die Luftrettung eine besondere Rolle, insbesondere bei sehr schweren Fällen oder wenn Patienten zur Behandlung nach Frankreich transportiert werden müssen. | ||
Ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitswesens ist die öffentliche Gesundheitsvorsorge. Gesundheitsbehörden führen regelmäßige Impfprogramme, Vorsorgeuntersuchungen und Aufklärungskampagnen durch. Diese Maßnahmen sollen Krankheiten frühzeitig verhindern oder erkennen. Besonders wichtig sind Programme zur Bekämpfung von Mückenkrankheiten wie Dengue-Fieber oder Chikungunya, die im tropischen Klima der Insel regelmäßig auftreten können. | |||
Die Gesundheitsversorgung auf Réunion ist stark mit dem französischen Sozialversicherungssystem verknüpft. Die Caisse Générale de Sécurité Sociale (CGSS) übernimmt die Verwaltung der Sozial- und Krankenversicherung auf der Insel. Sie sorgt dafür, dass medizinische Leistungen abgerechnet und Versicherte betreut werden. Ergänzend gibt es Zusatzversicherungen, die weitere Kosten abdecken können. | |||
Trotz des hohen medizinischen Standards gibt es strukturelle Herausforderungen. Dazu gehören ein relativ hoher Bedarf an medizinischer Versorgung aufgrund sozialer Ungleichheiten und chronischer Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen. Zudem besteht in einigen Fachrichtungen ein Mangel an Ärzten, insbesondere in ländlichen oder abgelegenen Regionen der Insel. | |||
Ein weiteres Merkmal des Gesundheitswesens ist die enge Verbindung zur Metropole Frankreich. Bei sehr spezialisierten Behandlungen, seltenen Erkrankungen oder komplexen Operationen werden Patienten teilweise in Krankenhäuser im französischen Mutterland überwiesen. Diese medizinische Evakuierung stellt sicher, dass auch hochspezialisierte Versorgung verfügbar ist, die lokal nicht immer angeboten werden kann. | |||
Auch die psychische Gesundheitsversorgung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es gibt psychiatrische Einrichtungen, Psychologen, Beratungsstellen und Programme zur Unterstützung von Menschen mit Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen. Der Ausbau dieser Angebote ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Gesundheitspolitik der Insel. | |||
Die pharmazeutische Versorgung ist ebenfalls gut entwickelt. Apotheken sind weit verbreitet und stellen Medikamente, Beratung und Gesundheitsdienstleistungen bereit. Die Versorgung mit wichtigen Arzneimitteln ist durch das französische System weitgehend gesichert, auch wenn bestimmte Medikamente importiert werden müssen. | |||
'''Gesundheitseinrichtungen''' 2000: | |||
=== '''Film''' === | * Apotheken 261 | ||
Auf La Réunion gibt es eine lebendige Film- und Kinolandschaft, unterstützt durch die Agence Film Réunion, die seit 2001 die lokale Filmindustrie fördert. Diese Agentur unterstützt Dreharbeiten auf der Insel, berät Filmschaffende, fördert junge Filmtalente und plant die Teilnahme an internationalen Festivals. So wird die regionale und internationale Sichtbarkeit des Réunioner Kinos permanent ausgebaut. Die wichtigsten Kinos der Insel sind: | * praktische Ärzte 731 (986,2 Personen pro Arzt) | ||
* Fachärzte 362 | |||
* Zahnärzte 357 | |||
=== '''Krankheiten''' === | |||
Zu den bekanntesten Gesundheitsproblemen der Insel gehören durch Stechmücken übertragene Krankheiten. Das warme und feuchte Klima bietet günstige Bedingungen für die Vermehrung verschiedener Mückenarten. Besonders bedeutsam ist das Dengue-Fieber, eine Viruserkrankung, die durch die Tigermücke übertragen wird. Dengue verursacht typischerweise hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Hautausschläge. In den vergangenen Jahren kam es auf Réunion wiederholt zu größeren Dengue-Ausbrüchen, die mehrere tausend Menschen betrafen. Die Gesundheitsbehörden führen deshalb regelmäßig Maßnahmen zur Mückenbekämpfung und Aufklärung der Bevölkerung durch. | |||
Eine weitere wichtige tropische Krankheit ist Chikungunya. Diese Viruserkrankung wird ebenfalls durch Stechmücken übertragen und erlangte internationale Bekanntheit durch einen schweren Ausbruch auf Réunion in den Jahren 2005 und 2006. Damals infizierte sich ein erheblicher Teil der Bevölkerung. Die Krankheit verursacht hohes Fieber sowie oft sehr starke Gelenk- und Muskelschmerzen, die bei manchen Betroffenen über Monate oder sogar Jahre anhalten können. Der Ausbruch führte zu umfangreichen Verbesserungen bei der Überwachung und Bekämpfung von Mückenkrankheiten. | |||
Zika-Virus-Infektionen können ebenfalls auftreten, wenn auch deutlich seltener als Dengue oder Chikungunya. Das Virus wird durch dieselben Mückenarten übertragen und verläuft häufig mild. Besondere Aufmerksamkeit gilt jedoch schwangeren Frauen, da eine Infektion während der Schwangerschaft schwere Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen kann. | |||
Neben den tropischen Viruserkrankungen kommt auch die Leptospirose vor. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Kontakt mit Wasser oder Boden übertragen wird, die mit dem Urin infizierter Tiere verunreinigt sind. Besonders nach starken Regenfällen und Überschwemmungen steigt das Risiko einer Ansteckung. Die Erkrankung kann von milden grippeähnlichen Symptomen bis zu schweren Organerkrankungen reichen. | |||
Auch verschiedene Magen-Darm-Erkrankungen treten gelegentlich auf. Diese stehen häufig mit verunreinigten Lebensmitteln oder Wasser in Zusammenhang, kommen jedoch aufgrund der hohen hygienischen Standards deutlich seltener vor als in vielen anderen tropischen Regionen. Die Trinkwasserversorgung wird regelmäßig überwacht, wodurch größere Ausbrüche meist verhindert werden können. | |||
Neben Infektionskrankheiten stellen chronische Erkrankungen eine bedeutende gesundheitliche Herausforderung dar. Wie in vielen modernen Gesellschaften nehmen Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle ein. Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle gehören zu den häufigsten Ursachen für schwere Erkrankungen und Todesfälle. Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und ungesunde Ernährungsgewohnheiten tragen zu diesem Problem bei. | |||
Besonders verbreitet ist Diabetes mellitus, insbesondere Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung betrifft einen höheren Anteil der Bevölkerung als im französischen Durchschnitt. Ursachen sind unter anderem Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten, ein zunehmender Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel, Bewegungsmangel und genetische Faktoren. Diabetes stellt eine der wichtigsten Herausforderungen für das Gesundheitswesen der Insel dar und verursacht zahlreiche Folgeerkrankungen. | |||
Auch Übergewicht und Adipositas kommen vergleichsweise häufig vor. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Veränderungen, Urbanisierung und dem Wandel traditioneller Ernährungsweisen. Gesundheitsbehörden fördern daher Programme zur Prävention, Ernährungsberatung und Bewegungsförderung. | |||
Krebserkrankungen gehören ebenfalls zu den bedeutenden Gesundheitsproblemen auf Réunion. Wie in Europa zählen Brustkrebs, Prostatakrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs zu den häufigsten Krebsarten. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennungsprogramme sollen die Heilungschancen verbessern und die Sterblichkeit senken. | |||
Atemwegserkrankungen spielen insbesondere bei älteren Menschen eine Rolle. Asthma, chronische Bronchitis und andere Erkrankungen der Atemwege können durch Umweltfaktoren, Allergien oder Tabakkonsum beeinflusst werden. Zeitweise können auch vulkanische Aktivitäten des Vulkans Piton de la Fournaise die Luftqualität beeinträchtigen, wenn vulkanische Gase und Partikel freigesetzt werden. | |||
Psychische Erkrankungen erhalten zunehmend Aufmerksamkeit im Gesundheitssystem. Depressionen, Angststörungen, Stressbelastungen und Suchterkrankungen werden verstärkt diagnostiziert und behandelt. Die Gesundheitsbehörden bemühen sich, den Zugang zu psychologischer und psychiatrischer Betreuung auszubauen und Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen abzubauen. | |||
== '''Bildung''' == | |||
Das Schulsystem ist in mehrere Stufen gegliedert. Die früheste Bildungsphase beginnt mit der freiwilligen Vorschule, der école maternelle, die etwa im Alter von drei Jahren beginnt und als Vorbereitung auf die Grundschule dient. Dort werden grundlegende sprachliche, soziale und motorische Fähigkeiten gefördert. Anschließend folgt die Grundschule, die école primaire, die in der Regel fünf Jahre dauert und die Basisausbildung in Fächern wie Französisch, Mathematik, Sachunterricht, Kunst und Sport vermittelt. | |||
Nach der Grundschule wechseln die Schülerinnen und Schüler in das collège, das die erste Sekundarstufe darstellt. Diese dauert vier Jahre und endet mit dem Abschluss des diplôme national du brevet. In dieser Phase werden die Grundlagen der Allgemeinbildung vertieft und die Schülerinnen und Schüler auf unterschiedliche Bildungswege vorbereitet. | |||
Nach dem collège gibt es verschiedene Möglichkeiten der weiteren Ausbildung. Ein Teil der Jugendlichen besucht das allgemeine oder technische Gymnasium, das lycée général oder lycée technologique, während andere eine berufliche Ausbildung im lycée professionnel wählen. Im lycée dauert die Ausbildung in der Regel drei Jahre und endet mit dem baccalauréat, dem französischen Abitur, oder mit beruflichen Abschlüssen wie dem CAP oder dem bac professionnel. Diese Abschlüsse ermöglichen entweder den direkten Einstieg in das Berufsleben oder den Zugang zu höheren Bildungswegen. | |||
Im Bereich der beruflichen Bildung spielt die praxisorientierte Ausbildung eine wichtige Rolle, da sie auf die Bedürfnisse des regionalen Arbeitsmarktes zugeschnitten ist. Viele junge Menschen entscheiden sich für technische oder handwerkliche Berufe, die auf der Insel besonders nachgefragt sind. | |||
Die Hochschulbildung wird auf Réunion vor allem durch die Université de La Réunion getragen, die 1960 gegründet wurde und ihren Hauptsitz in Saint-Denis hat. Die Universität bietet ein breites Spektrum an Studiengängen in den Bereichen Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Recht, Wirtschaft, Technik und Bildung an. Sie ist eng in das französische Hochschulsystem eingebunden und ermöglicht Abschlüsse nach dem LMD-System (Licence, Master, Doctorat). Die Universität zieht auch Studierende aus der Region des Indischen Ozeans an und spielt eine wichtige Rolle für die wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der Insel. | |||
Insgesamt gibt es auf Réunion eine große Zahl an Schulen im Primar- und Sekundarbereich, die sowohl öffentliche als auch einige private Einrichtungen umfassen. Das öffentliche Schulwesen dominiert jedoch deutlich, da es kostenlos ist und flächendeckend angeboten wird. Private Schulen existieren, spielen aber im Vergleich zum staatlichen System eine eher untergeordnete Rolle. | |||
Trotz der gut ausgebauten Bildungsstruktur gibt es auf Réunion einige Herausforderungen. Eine davon ist die sprachliche Situation. Im Alltag sprechen viele Menschen Réunion-Kreolisch, während der Unterricht vollständig auf Französisch erfolgt. Dies kann insbesondere für Kinder aus sprachlich weniger privilegierten Familien zu Anfangsschwierigkeiten führen. Deshalb gibt es Förderprogramme und pädagogische Maßnahmen, um den Übergang zur französischen Standardsprache zu erleichtern. | |||
Ein weiteres Problem war in der Vergangenheit eine vergleichsweise hohe Analphabetenrate sowie eine höhere Schulabbruchquote im Vergleich zum französischen Festland. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Situation jedoch deutlich verbessert. Durch gezielte Bildungsmaßnahmen, bessere Schulstrukturen und stärkere staatliche Unterstützung konnten sowohl die Einschulungsraten als auch der Bildungsabschluss deutlich erhöht werden. | |||
Die Bildungsbeteiligung ist insgesamt gestiegen, dennoch bleibt die Verringerung der Schulabbrüche eine wichtige bildungspolitische Aufgabe. Besonders Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien sind stärker gefährdet, das Schulsystem frühzeitig zu verlassen. Daher werden Programme zur individuellen Förderung, Berufsorientierung und sozialen Unterstützung eingesetzt. | |||
Ein besonderes Merkmal des Bildungssystems ist die zunehmende Förderung von Mehrsprachigkeit und internationaler Ausrichtung. Neben Englisch wird auch Deutsch in einigen Schulen unterrichtet. Besonders hervorzuheben ist das Abibac-Programm, das eine doppelte Qualifikation in Französisch und Deutsch ermöglicht und seit den 2000er Jahren an ausgewählten Lycées angeboten wird. Dieses Programm stärkt die internationalen Bildungs- und Berufschancen der Schülerinnen und Schüler. | |||
'''Schulen''', Lehrer und Schüler 1998: | |||
pré-primaire 175 1 500 43 826 | |||
primaire 351 4 050 76 364 | |||
secondaire 111 6 343 96 811 | |||
université 1 286 8 663 | |||
=== '''Höhere Bildung''' === | |||
Die Insel ist ein echtes Reservoir für Technologie, Forschung und Entwicklung dank der Präsenz von rund 30 Labors (Universitätslabors und andere), von Forschungsorganisationen (CIRAD, le Centre de Coopération International en Recherche Agronomique pour le Développement (Landwirtschaftliches Forschungszentrum für internationale Entwicklung), BRGM, le Bureau de Recherches Géologiques et Minières (Forschungszentrum für Geologie und Bergbau), IFREMER, l`Institut français de Recherche pour l`exploitation de la MER (Französisches Forschungsinstitut für die Nutzung des Meeres), IRD, l`Institut de Recherche pour le Developpement (Forschungsinstitut für Entwicklung) und einem exponentiell wachsenden Informations- und Telekommunikationssektor. | |||
Die '''Université de La Réunion''' (Universität La Réunion) ist die einzige staatliche Universität auf der Insel La Réunion und die einzige europäische Universität im Indischen Ozean. Sie wurde 1982 gegründet und bietet Studiengänge nach europäischem Standard an, darunter Bachelor-, Master- und Doktoratsprogramme. Die Universität hat rund 12.000 bis 19.000 Studenten und verteilt ihre Einrichtungen auf sechs Standorte, vor allem in Saint-Denis, aber auch in Le Tampon und Saint-Pierre. Zu den Fakultäten zählen unter anderem Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Geistes- und Naturwissenschaften sowie weitere spezialisierte Institute wie beispielsweise der Technologiepark. | |||
Die Universität zeichnet sich durch ihre Rolle als Schnittstelle zwischen Europa und dem Indischen Ozean aus und bietet Forschungsschwerpunkte in Bereichen wie Nachhaltige Entwicklung, Gesellschaft, Geopolitik, Ökologie und Gesundheit in tropischen Umgebungen. Sie verfügt außerdem über zahlreiche Erasmus+ Kooperationen, internationale Programme und einen guten Ruf als Bildungs- und Forschungseinrichtung in der Region. | |||
=== '''Bibliotheken und Archive''' === | |||
Die '''Médiathèque de Saint-Paul''' ist ein modernes Kombinationsgebäude mit Bibliothek, Archiv, Auditorium, Lernräumen und weiteren Einrichtungen. Sie wurde 2015 eröffnet und bietet unterschiedliche Bereiche für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Das Gebäude ist architektonisch markant und öffnet den Blick auf den Indischen Ozean. | |||
Die '''Bibliothèque Départementale de La Réunion''' in Saint-Denis ist die zentrale öffentliche Bibliothek des Départementes. Sie sammelt Bücher, Karten, digitale Medien und bietet vielfältige öffentliche Dienste an. | |||
Die '''Departmental Archives of Réunion''' befinden sich in Sainte-Clotilde (4 rue Marcel Pagnol). Dort werden historische Originaldokumente und staatliche Akten aufbewahrt. Die Archive stehen auch internationalen Forschern offen und stellen oft digitalisierte Materialien bereit. | |||
Die '''Université de La Réunion''' verfügt über eigene Universitätsbibliotheken an ihren Standorten, insbesondere in Saint-Denis. Diese bieten umfangreiche wissenschaftliche Literatur, elektronische Ressourcen und digitale Datenbanken für Studierende und Forschende. | |||
Zusätzlich gibt es eine '''Médiathèque in Saint-Joseph''', die kulturelle und öffentliche Funktionen erfüllt und in der regionalen Gemeinschaft verankert ist. | |||
== '''Kultur''' == | |||
Die Insel La Réunion hat nicht nur schöne Strände und eine faszinierende Berglandschaft zu bieten, sondern überrascht auch durch ihre interessante und bunte Kulturlandschaft. Dies verdankt die Insel einer faszinierenden ethnischen Vielfalt. Die Vermischung der Bevölkerungsgruppen stellt eine echte Bereicherung dar. | |||
=== '''Museen''' === | |||
Das am 14. August 1855 eröffnete '''Musée d‘histoire naturelle de La Réunion''' ist das älteste Museum der Insel. Es befindet sich im Jardin de l’État in Saint-Denis. Es beherbergt insgesamt 42.000 Ausstellungsstücke, die die Naturgeschichte von La Réunion und dem Indischen Ozean darstellen. | |||
Das '''Musée Léon Dierx''' in Saint-Denis ist Ein Kunstmuseum mit Werken von Impressionisten und Künstlern wie Cézanne, Gauguin, Picasso und Renoir. Es befindet sich im ehemaligen bischöflichen Palast. | |||
Das '''Musée Stella Matutina''' in Piton Saint-Leu befindet sich in einer ehemaligen Zuckerfabrik, das die Geschichte der Zuckerindustrie auf der Insel zeigt. | |||
Das '''Musée de Villèle''' in Saint-Gilles-les-Hauts ist ein historisches Museum mit Ausstellungen zu Porzellan, Waffen und Schiffsmodellen aus der Zeit der Ostindienkompanie. | |||
'''Kélonia''' in Saint-Leu ist keine klassische Kunstgalerie, sondern eine Meeresschildkrötenstation mit Forschung, Schutzprojekten und Aufzucht verletzter Tiere. | |||
'''La Cité du Volcan''' in La Plaine des Cafres ist ein Vulkanmuseum mit modernen technischen Inszenierungen, das Vulkanismus und Umweltphänomene erklärt. | |||
Das '''Musée des Arts Décoratifs de l’Océan Indien''' (MADOI) in Saint-Louis zeigt Kunstgewerbeobjekte verschiedener Kulturen des Indischen Ozeans und beherbergt ein historisches Kaffeegut. | |||
Daneben gibt es noch weitere kleinere Museen und historische Stätten wie das Landwirtschaftsmuseum, sowie das Aquarium in Saint-Gilles und zahlreiche sakrale Bauwerke mit kultureller Bedeutung. | |||
=== '''Architektur''' === | |||
Die Architektur auf Réunion ist ein Spiegel der historischen Entwicklung, der klimatischen Bedingungen und der kulturellen Vielfalt der Insel. Sie vereint Einflüsse aus Europa, Afrika, Madagaskar, Indien und China und hat im Laufe der Zeit eine eigenständige, kreolische Baukultur hervorgebracht. Gleichzeitig zeigt sie deutliche Spuren der französischen Kolonialzeit sowie moderne Einflüsse zeitgenössischer Architektur. | |||
Die traditionelle kreolische Architektur ist besonders charakteristisch für Réunion. Typisch sind Wohnhäuser aus Holz oder leichten Materialien, die an das tropische Klima angepasst sind. Ein zentrales Element ist die sogenannte Varangue, eine überdachte Veranda, die als Übergangsraum zwischen Innen- und Außenbereich dient. Sie schützt vor Sonne und Regen und bildet zugleich einen wichtigen sozialen Raum des Hauses. Viele dieser Häuser stehen auf erhöhten Fundamenten, um Luftzirkulation zu ermöglichen und Feuchtigkeit zu reduzieren. Große Fenster und viele Öffnungen sorgen zusätzlich für natürliche Belüftung, was in dem warm-feuchten Klima besonders wichtig ist. | |||
Auch die Dächer sind charakteristisch: häufig werden Wellblechdächer verwendet, die leicht, robust und gut geeignet für starke Regenfälle und Zyklone sind. Die Häuser sind oft farbenfroh gestaltet und von tropischen Gärten umgeben, in denen lokale Pflanzen wie Palmen, Hibiskus oder Bougainvillea wachsen. Diese Gartenanlagen sind nicht nur dekorativ, sondern tragen ebenfalls zum Mikroklima und zur Kühlung der Umgebung bei. | |||
Ein bedeutender Teil der Architektur auf Réunion stammt aus der Kolonialzeit. Während der Zuckerrohrplantagenwirtschaft entstanden große Herrenhäuser der Plantagenbesitzer, die oft im neoklassizistischen oder kolonialen Stil errichtet wurden. Diese Gebäude waren repräsentativ gestaltet und sollten den wirtschaftlichen und sozialen Status ihrer Besitzer widerspiegeln. Ein bekanntes Beispiel ist das Musée de Villèle, eine ehemalige Plantagenresidenz, die heute als Museum dient. Sie zeigt die historische Verbindung zwischen Architektur, Landwirtschaft und Kolonialgeschichte und umfasst neben dem Herrenhaus auch die früheren Wirtschaftsgebäude der Zuckerproduktion. | |||
In der Hauptstadt Saint-Denis findet sich eine Vielzahl kolonialer und historischer Gebäude, darunter Villen wohlhabender Familien aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie öffentliche Verwaltungsbauten. Diese Gebäude zeichnen sich häufig durch Veranden, hohe Decken, große Fenster und dekorative Fassaden aus, die sowohl europäischen Stilrichtungen als auch klimatischen Anforderungen angepasst sind. Beispiele solcher Bauwerke sind historische Villen und das Rathaus der Stadt, das auf den Fundamenten eines ehemaligen militärischen Gebäudes errichtet wurde. | |||
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich auf Réunion eine moderne Architektur, die internationale Strömungen mit lokalen Bedingungen verband. Besonders prägend waren Architekten, die sich an der modernen Bewegung orientierten und gleichzeitig auf das tropische Klima Rücksicht nahmen. Ein wichtiger Vertreter war Jean Bossu, der im Umfeld des Ateliers von Le Corbusier arbeitete. Seine Gebäude auf Réunion zeichnen sich durch klare geometrische Formen, funktionale Gestaltung und eine Anpassung an das Klima aus, etwa durch Schattenelemente, offene Strukturen und modulare Bauweisen. | |||
Moderne öffentliche Gebäude verbinden heute funktionale Architektur mit klimatischen Anpassungen. Ein Beispiel ist die Médiathèque de Saint-Paul, ein Kultur- und Bibliothekszentrum, das große Glasflächen, offene Raumstrukturen und Sonnenschutzsysteme wie Brise-Soleils nutzt. Diese architektonischen Elemente sind darauf ausgelegt, Licht und Hitze zu regulieren und gleichzeitig eine offene Verbindung zur Umgebung herzustellen. | |||
Die Architektur auf Réunion ist insgesamt stark vom tropischen Klima geprägt. Schutz vor Zyklonen, starke Regenfälle, hohe Luftfeuchtigkeit und intensive Sonneneinstrahlung haben zu Bauweisen geführt, die auf Belüftung, Stabilität und Flexibilität ausgelegt sind. Gleichzeitig spielen Naturmaterialien und lokale Bauformen eine wichtige Rolle, insbesondere in ländlichen Regionen. | |||
Neben Wohn- und Verwaltungsgebäuden gibt es auch religiöse Architektur, die die multikulturelle Gesellschaft der Insel widerspiegelt. Kirchen, hinduistische Tempel, Moscheen und andere religiöse Bauwerke stehen oft in unmittelbarer Nähe zueinander und zeigen unterschiedliche architektonische Traditionen. Diese Vielfalt ist ein sichtbarer Ausdruck der kulturellen Geschichte Réunions. | |||
Die moderne Stadtentwicklung führt zunehmend zu einer Verdichtung urbaner Räume, insbesondere in den Küstenregionen. Dabei entstehen neue Wohnanlagen, Einkaufszentren und Bürogebäude, die häufig in Beton- und Stahlbauweise errichtet werden. Gleichzeitig wird versucht, nachhaltige und energieeffiziente Architektur zu fördern, die natürliche Belüftung, Sonnenschutz und erneuerbare Energien berücksichtigt. | |||
=== '''Bildende Kunst''' === | |||
In der frühen Geschichte der Insel war die bildende Kunst vor allem funktional und dekorativ geprägt. Kunsthandwerk stand im Vordergrund, insbesondere in Form von Holzarbeiten, Textilien, Keramik und Alltagsgegenständen. Diese frühen Formen künstlerischen Ausdrucks waren eng mit dem Leben der Bevölkerung verbunden und spiegelten die kulturellen Einflüsse der verschiedenen Bevölkerungsgruppen wider, die im Zuge der Kolonisation und des Handels auf die Insel kamen. | |||
Ein wichtiger Einflussbereich ist die afrikanische und madagassische Tradition, die sich in ornamentalen Mustern, symbolischen Darstellungen und handwerklichen Techniken zeigt. Ebenso brachten indische Einwanderer künstlerische Elemente wie farbenreiche Stoffe, religiöse Motive und dekorative Gestaltungstechniken mit. Europäische Einflüsse, insbesondere aus Frankreich, prägten hingegen die akademische Malerei, Porträtkunst und Architekturzeichnung während der Kolonialzeit. | |||
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich auf Réunion eine stärker europäisch geprägte Malerei, die häufig Landschaften, koloniale Szenen und das Leben auf Zuckerrohrplantagen darstellte. Diese Werke dienten oft der dokumentarischen Darstellung der Insel und spiegelten zugleich die koloniale Perspektive dieser Zeit wider. Gleichzeitig entstanden erste lokale Künstler, die begannen, eigene Sichtweisen und Themen zu entwickeln. | |||
Im Laufe des 20. Jahrhunderts gewann die moderne und zeitgenössische Kunst zunehmend an Bedeutung. Künstler auf Réunion begannen, sich von rein europäischen Vorbildern zu lösen und eigene Ausdrucksformen zu entwickeln, die die kulturelle Vielfalt der Insel reflektieren. Themen wie Identität, Migration, koloniale Geschichte, Natur und soziale Realität wurden zunehmend in den Mittelpunkt gestellt. | |||
Ein zentrales Merkmal der bildenden Kunst auf Réunion ist die starke Verbindung zur Natur. Die Landschaft der Insel mit ihren Vulkanen, Bergen, Wäldern und dem Meer ist eine wichtige Inspirationsquelle für Malerei, Fotografie und Skulptur. Besonders der aktive Vulkan Piton de la Fournaise wird häufig künstlerisch verarbeitet und symbolisiert sowohl Zerstörung als auch Erneuerung. | |||
Die zeitgenössische Kunstszene ist vielfältig und umfasst Malerei, Skulptur, Fotografie, Street Art, Installationskunst und digitale Medien. Viele Künstler beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Fragen wie kultureller Identität, sozialen Ungleichheiten, Umweltproblemen und dem Leben in einer postkolonialen Gesellschaft. Diese Themen werden oft in experimentellen und interdisziplinären Formen dargestellt. | |||
Ein wichtiger Bestandteil der Kunstszene sind kulturelle Einrichtungen, Museen und Ausstellungsräume. Das '''Musée Léon Dierx''' ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Insel. Es beherbergt Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst sowie Werke europäischer und lokaler Künstler. Das Museum spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung der Kunst und der Bewahrung des kulturellen Erbes. Es zeigt bedeutende Werke impressionistischer und moderner Malerei, unter anderem von Künstlern wie Gauguin, Cézanne und Picasso. Das Museum wurde 1912 eröffnet und trägt den Namen des lokalen Dichters Léon Dierx. Das '''Musée des Arts Décoratifs de l’Océan Indien''' in Saint-Louis beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Kunstgewerbeobjekten aus verschiedenen Kulturen des Indischen Ozeans, darunter auch aus indischer, chinesischer und afrikanischer Herkunft. Es verbindet Kunst mit regionaler Geschichte und bewahrt das letzte historische Kaffeegut der Übersee-Départements. | |||
Es gibt zeitgenössische Kunstorte wie '''Lieu d'art Contemporain de La Réunion''', die Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen mit regionaler und internationaler Kunst organisieren. Darüber hinaus finden sich in Museen wie dem Musée Historique de Villèle auch zeigt die bildenden Künste ergänzende historische und kulturelle Ausstellungselemente, die den Einfluss von Kunst in der kolonialen Geschichte reflektieren. | |||
Die Kunstszene auf der Insel ist stark von der vielfältigen kulturellen und ethnischen Zusammensetzung sowie der kolonialen Vergangenheit geprägt, was sich in den ausgestellten Werken und Sammlungen widerspiegelt Unter den vielen Künstlern, die auf Réunion zur Welt kamen, ist vor allem Ambroise Vollard hervorzuheben. Er wurde 1868 in Saint Denis geboren. Karriere machte er in Paris als großartiger Kunsthändler, Schriftsteller und Verleger. Dort starb er 1939. | |||
=== '''Literatur''' === | |||
Ein zentraler Bestandteil der literarischen Tradition ist die kreolische Sprache Réunions. Über viele Generationen hinweg wurden Geschichten, Mythen, Lieder und Legenden vor allem mündlich weitergegeben. Diese orale Tradition spielte eine wichtige Rolle für die Bewahrung kultureller Identität, insbesondere in Zeiten der Sklaverei und kolonialen Unterdrückung, als vielen Bevölkerungsgruppen der Zugang zur Schriftkultur eingeschränkt war. Erst ab dem 19. und besonders im 20. Jahrhundert begann man, diese mündlichen Formen systematisch zu sammeln, zu analysieren und auch schriftlich festzuhalten. | |||
Die Themen der Literatur auf Réunion sind eng mit der Geschichte und Gesellschaft der Insel verbunden. Häufig stehen koloniale Erfahrungen, Sklaverei, Migration, soziale Ungleichheit und kulturelle Identität im Mittelpunkt. Viele Werke setzen sich kritisch mit der Vergangenheit auseinander und thematisieren die Auswirkungen der kolonialen Strukturen auf das heutige gesellschaftliche Leben. Gleichzeitig spielt auch die Natur der Insel eine wichtige Rolle, insbesondere die vulkanische Landschaft, die tropischen Wälder und das Meer, die oft symbolisch für Freiheit, Gefahr oder Wandel stehen. | |||
Neben diesen historischen und gesellschaftlichen Themen finden sich in der Literatur auch zahlreiche Mythen und Legenden, die tief in der lokalen Kultur verwurzelt sind. Diese Geschichten verbinden afrikanische, indische und europäische Elemente und zeigen die synkretistische Natur der kreolischen Kultur. Sie werden sowohl in der mündlichen als auch in der schriftlichen Literatur verarbeitet und tragen wesentlich zur kulturellen Identität der Insel bei. | |||
Ein bedeutender Vertreter der Literatur aus Réunion ist der Schriftsteller Axel Gauvin, der in seinen Werken häufig die kreolische Sprache und das Leben der einfachen Bevölkerung in den Mittelpunkt stellt. Seine Romane, darunter bekannte Werke wie „La Petite Créole“ oder andere sozialrealistische Erzählungen, beschäftigen sich mit Identität, Sprache und gesellschaftlichen Konflikten auf der Insel. Ein weiteres wichtiges Werk im Kontext der regionalen Literatur ist „L’Enfant de la montagne“ (oft im Zusammenhang mit der Darstellung der Kindheit und sozialen Realität auf Réunion genannt), das Einblicke in das Leben in unterschiedlichen sozialen Schichten bietet. | |||
Auch andere Autoren haben die Literatur Réunions geprägt, darunter sowohl französischsprachige als auch kreolisch beeinflusste Schriftsteller. Einige internationale Autoren mit Bezug zur Insel haben Réunion als Schauplatz oder Inspirationsquelle genutzt, wodurch die Insel auch in der französischen und globalen Literatur präsent ist. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Réunion keine große Anzahl international bekannter Autoren hervorgebracht hat, sondern eher eine regionale, aber kulturell sehr bedeutende Literaturszene besitzt. | |||
Die moderne Literatur auf Réunion ist vielfältig und umfasst Romane, Kurzgeschichten, Lyrik, Theaterstücke und Essays. Viele zeitgenössische Autoren beschäftigen sich mit Themen wie Identität, Globalisierung, Migration und Umwelt. Die Spannung zwischen Tradition und Moderne spielt dabei eine zentrale Rolle. Besonders die Frage, wie sich kreolische Kultur und französische Sprache miteinander verbinden lassen, ist ein häufig diskutiertes Thema. | |||
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zunehmende Anerkennung der kreolischen Sprache in der Literatur. Während Französisch lange Zeit die dominante Schriftsprache war, gewinnt das Réunion-Kreolische zunehmend an Bedeutung als literarisches Ausdrucksmittel. Autoren verwenden es bewusst, um Authentizität zu schaffen und kulturelle Identität zu stärken. | |||
=== '''Theater''' === | |||
Die wichtigsten Theater der Insel sind: | |||
* '''Teat Champ Fleuri''' (Saint-Denis / Sainte-Clotilde): Das größte überdachte Theater der Insel verfügt über einen Hauptsaal mit etwa 900 Plätzen und einen kleineren Saal („Karo Kann“) für 100 Gäste. Das Programm umfasst eine breite Palette an Bühnenkünsten: Theater, Musik, Tanz, Zirkus, Marionetten, Kino und Ausstellungen. Jährlich werden Highlights wie das Jugendfestival "Toto Total" (Februar-März) und das Tanzfestival "Total Danse" (November) veranstaltet. Schwerpunkt liegt auf Künstlern aus La Réunion, aber auch international bekannte Namen treten auf. | |||
* '''Théâtre Les Bambous''' (Saint-Benoît): Szene nationalen Interesses für "Kunst und Schöpfung": Nach einer Renovierung präsentiert Les Bambous jährlich 3 bis 4 Eigenproduktionen, Gastaufführungen, Workshops und Bildungsprojekte. Besonderes Augenmerk liegt auf zeitgenössischer Kunst und Nachwuchsförderung. Der Foyerbereich steht auch für bildende Kunst und Musiker offen. Es gibt spezielle Festivals und Kinderprogramme während der Ferien. | |||
* '''Théâtre Vladimir Canter''': Auf dem Campus der Université de La Réunion in Saint-Denis bietet dieses Theater ein abwechslungsreiches Programm mit darstellender Kunst und ist auch Ausbildungs- und Aufführungsstätte für Studierende. | |||
* '''Théâtre Vollard''' (Sainte-Clotilde): Ein weiteres Theaterhaus im Stadtzentrum von Sainte-Clotilde, das insbesondere durch seine Nähe zum kulturellen Alltag und zur Diversität der Inselaufführungen besticht. | |||
* '''Theatre Plein Air Saint Gilles''': Open-Air-Spielstätte in Saint-Gilles, ideal für Festivals und Großveranstaltungen im Freien. | |||
Die Theaterszene ist stark geprägt von kreativen Eigenproduktionen, Experimentierfreude und Offenheit für verschiedene Darstellungsformen. Viele Bühnen pflegen einen engen Austausch mit Schulen, Amateurgruppen und internationalen Partnern. Neben den festen Häusern gibt es kleine Bühnen, Café-Konzerte, Open-Air-Theater und Festivals, bei denen Musik, Maloya, Séga oder Tanztheater integriert werden. Internationale Festivals, regionale Wettbewerbe und mobile Produktionen bringen das Theater auch in kleinere Gemeinden der Insel und fördern die kulturelle Vielfalt nachhaltig. | |||
=== '''Film''' === | |||
Auf La Réunion gibt es eine lebendige Film- und Kinolandschaft, unterstützt durch die Agence Film Réunion, die seit 2001 die lokale Filmindustrie fördert. Diese Agentur unterstützt Dreharbeiten auf der Insel, berät Filmschaffende, fördert junge Filmtalente und plant die Teilnahme an internationalen Festivals. So wird die regionale und internationale Sichtbarkeit des Réunioner Kinos permanent ausgebaut. Die wichtigsten Kinos der Insel sind: | |||
* '''Multiplexe Ciné Cambaie''' in Saint-Paul, das als größtes Multiplexkino acht Säle mit insgesamt 1.600 Plätzen und moderner Ausstattung, u.a. für Menschen mit Einschränkungen, bietet. | |||
* '''Ciné Rex''' in Saint-Denis, ein traditionsreiches Haus im Stadtzentrum. | |||
* '''Ciné Lacaze''' in Saint-Denis, mit zwei Kinosälen für ein breites Filmangebot. | |||
Weitere Kinos gibt es in Saint-Pierre und Saint-Gilles. Die Insel bietet außerdem Open-Air-Kinoevents wie das „Kino unter den Sternen“ in Sainte-Anne. Dazu kommen mehrere Filmfestivals: | |||
* Das '''Festival International du Film de l'Océan Indien''' (FIFOI) fand erstmals im April 2025 statt. Hier werden Spielfilme, Kurzfilme und Animationen aus der Region gezeigt und prämiert. Das Ziel ist, das kreative Filmschaffen des Indischen Ozeans einem breiten internationalen Publikum sichtbar zu machen und neue Talente zu fördern. | |||
* Das renommierte '''Méme pas peur'''-Festival ist ein etabliertes internationales Festival für Fantastik-Filme auf La Réunion und bindet auch lokale sowie internationale Künstler und Filmschaffende ein. | |||
* Das '''48 Hour Film Project''' wird regelmäßig auf La Réunion veranstaltet. Bei diesem Wettbewerb entstehen Kurzfilme innerhalb von nur zwei Tagen, mit lokalen Premieren in den Kinos der Insel. Gewinner nehmen am weltweiten Filmapalooza teil. | |||
La Réunion verfügt über eigene Filmcrews, technisches Equipment und Infrastruktur für internationale sowie lokale Dreharbeiten. Die Agence Film Réunion unterstützt Produktionen logistisch und finanziell, um sowohl lokale Inhalte wie auch internationale Projekte auf der Insel zu ermöglichen. Auch Filmförderungen durch Steueranreize und regionale Beihilfen sind verfügbar. | |||
Neben klassischen Kinobetrieben und Festivals gibt es spezielle Initiativen für Filmbildung, etwa mit Filmvorführungen und Workshops für Schulen und Hochschulen (zum Beispiel Scientific Film Festival an der Universität Saint-Denis). Kulturelle Veranstaltungen wie „Piaf fait son cinéma“ kombinieren Musik mit Filmkunst. | |||
=== '''Musik und Tanz''' === | |||
Die musikalischen Traditionen der Insel sind stark von afrikanischen, madagassischen, europäischen und indischen Einflüssen geprägt, die sich über Jahrhunderte hinweg miteinander vermischt haben. Aus dieser Verbindung sind eigenständige musikalische Ausdrucksformen entstanden, die sowohl im Alltag als auch bei Festen, religiösen Zeremonien und gesellschaftlichen Veranstaltungen eine wichtige Rolle spielen. | |||
Im 19. Jahrhundert war das musikalische Leben auf Réunion stark von europäischen Einflüssen geprägt, insbesondere durch die Kolonialzeit. In dieser Zeit wurden viele Melodien aus Europa übernommen, vor allem aus Frankreich, während die Texte häufig in die kreolische Sprache übersetzt oder angepasst wurden. Dadurch entstand eine besondere Mischform, bei der europäische musikalische Strukturen mit lokaler Sprache und kulturellem Ausdruck verbunden wurden. Straßenmusik und Volkslieder waren weit verbreitet und dienten sowohl der Unterhaltung als auch der Weitergabe von Geschichten und Emotionen innerhalb der Bevölkerung. | |||
Ein bekanntes Beispiel aus dieser Zeit ist das Lied „Ti Fleur fanée“ von Fourcade, das bis heute einen besonderen Stellenwert in der musikalischen Erinnerungskultur Réunions besitzt. Es wird von vielen Menschen als sehr emotionales und identitätsstiftendes Lied betrachtet und ist generationsübergreifend bekannt. Solche Lieder wurden nicht nur gehört, sondern auch gemeinsam gesungen und bildeten einen wichtigen Teil des sozialen Lebens. Musik war eng mit dem Alltag verbunden und wurde oft bei familiären oder gemeinschaftlichen Zusammenkünften gepflegt. | |||
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Musik- und Tanzkultur im 19. und frühen 20. Jahrhundert waren die sogenannten Bälle, die als gesellschaftliche Ereignisse eine große Bedeutung hatten. Dabei unterschied man zwischen Bällen in geschlossenen Sälen und den sogenannten „bals la poussière“, also Tanzveranstaltungen im Freien auf staubigem Boden. Beide Formen waren sehr beliebt und boten der Bevölkerung eine Möglichkeit, sich zu treffen, zu tanzen und soziale Kontakte zu pflegen. | |||
Bei diesen Veranstaltungen wurden häufig europäische Tänze wie Polka und Walzer gespielt, begleitet von Instrumenten wie Akkordeon, Geige oder Blasinstrumenten. Das Akkordeon spielte dabei eine besonders wichtige Rolle, da es gut zu den klimatischen Bedingungen und zur Tanzmusik der Insel passte. Diese Bälle hatten nicht nur eine festliche Funktion, sondern waren auch wichtige soziale Ereignisse, bei denen Beziehungen geknüpft und Gemeinschaften gestärkt wurden. Im Laufe der Zeit sind diese traditionellen Bälle jedoch seltener geworden und wurden teilweise durch moderne Musikveranstaltungen und sogenannte „kabars“ ersetzt, die eine zeitgenössische Form des musikalischen Zusammenkommens darstellen. | |||
Eine der bedeutendsten und kulturell tief verwurzelten Musik- und Tanzformen auf Réunion ist der Maloya. Der Maloya hat seine Ursprünge in der Zeit der Sklaverei und wurde von afrikanischen und madagassischen Sklaven entwickelt. Er entstand als Ausdruck von Schmerz, Sehnsucht, Widerstand und spiritueller Verbindung zu den Ahnen. Der Maloya war lange Zeit verboten oder zumindest gesellschaftlich marginalisiert, da er eng mit der Geschichte der Sklaverei und dem Widerstand gegen koloniale Herrschaft verbunden war. | |||
Der '''Maloya''' vereint Gesang, Tanz und rhythmische Perkussion. Typische Instrumente sind der Kayamb, eine mit Samen gefüllte Rassel aus Pflanzenmaterial, der Roulèr, eine große Trommel, der Pikèr sowie der Bobre, ein musikalischer Bogeninstrumenttyp. Die Musik ist oft rhythmisch intensiv und wird in Gruppen aufgeführt, wobei der kollektive Charakter besonders wichtig ist. Tanz und Musik verschmelzen dabei zu einer gemeinsamen Ausdrucksform, die häufig auch spirituelle oder rituelle Elemente enthält. | |||
Heute ist der Maloya ein starkes Symbol der kulturellen Identität Réunions. Er steht für die Geschichte der Insel, für die Erinnerung an die Sklaverei und für den Widerstand gegen Unterdrückung. Gleichzeitig ist er ein lebendiger Bestandteil der modernen Kultur und wird bei Konzerten, Festivals und offiziellen Veranstaltungen aufgeführt. Im Jahr 2009 wurde der Maloya von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt, was seine kulturelle Bedeutung zusätzlich unterstreicht. | |||
Neben dem Maloya ist der '''Séga''' eine weitere zentrale Musik- und Tanzform der Insel. Der Séga entstand etwa im 19. Jahrhundert als Mischform verschiedener musikalischer Traditionen. Er verbindet afrikanische Rhythmen und Tanzbewegungen mit europäischen Einflüssen, insbesondere der französischen Quadrille. Der Séga entwickelte sich aus dem kulturellen Umfeld der versklavten und später freien Bevölkerung und wurde zu einer populären Ausdrucksform des Alltagslebens. Charakteristisch für den Séga ist der Gebrauch der kreolischen Sprache in den Liedtexten. Diese sprachliche Komponente ist bis heute erhalten geblieben und ein wesentliches Merkmal des Genres. Der Séga ist im Vergleich zum Maloya meist fröhlicher, leichter und stärker auf Tanz und Unterhaltung ausgerichtet. Dennoch enthält auch er historische und emotionale Elemente, die die Erfahrungen der Bevölkerung widerspiegeln. | |||
Die Ausprägung des Séga variiert innerhalb des Indischen Ozeans. Jede Inselregion hat ihre eigene Version entwickelt, die sich im Rhythmus, im Tempo und in der Instrumentierung unterscheidet. Auf Réunion ist der Séga traditionell etwas ruhiger als etwa auf Rodrigues oder den Seychellen, wo schnellere Varianten verbreitet sind. Diese regionalen Unterschiede zeigen die Anpassungsfähigkeit und Vielfalt dieser Musikform. Typische Instrumente des Séga sind unter anderem Akkordeon, Gitarre, Percussion-Instrumente und teilweise auch moderne elektronische Instrumente. Im Laufe der Zeit wurde der Séga zunehmend professionalisiert und in die populäre Musik integriert, wodurch er auch international bekannter wurde. | |||
In der modernen Musikszene Réunions existieren Maloya und Séga nebeneinander und beeinflussen sich gegenseitig. Während der Maloya eher als Ausdruck historischer Erinnerung, kultureller Identität und kollektiver Erfahrung verstanden wird, steht der Séga stärker für Lebensfreude, Tanz und soziale Begegnung. Beide Musikrichtungen ergänzen sich und bilden gemeinsam das musikalische Fundament der Insel. | |||
=== '''Kleidung''' === | |||
Die traditionelle Kleidung und Tracht auf Réunion spiegelt die kulturelle Vielfalt der Insel wider, die von afrikanischen, indischen, europäischen, chinesischen und madagassischen Einflüssen geprägt ist. Heutzutage tragen die Menschen auf La Réunion meist leichte, bequeme Kleidung, die dem tropischen Klima angepasst ist: Baumwollstoffe, T-Shirts, Sommerkleider, Shorts und luftige Hemden sind verbreitet. Für Wanderungen sind praktisch geschnittene Outfits üblich. In den Höhenlagen oder an kühleren Abenden wird eine Jacke oder ein Pullover empfohlen. | |||
Die Insel besitzt eine reiche Textilkultur, die sich durch bunte Stoffe, auffällige Muster und Motive aus der lokalen Fauna und Flora auszeichnet. Kreolische T-Shirts mit Sprüchen auf Réunion-Kreolisch, florale Designs, sowie Accessoires wie Pareos und Tücher sind typische Souvenirs. Lokale Kunsthandwerkerinnen und Marken wie „Pardon“ oder „Zékli“ fertigen originelle Textilien, darunter Stickereien, Ponchos, Babyartikel und modische Shirts mit traditionellen Elementen, oft in farbenfrohem und nachhaltigem Design. Diese Textilien erzählen nicht nur Geschichten, sondern symbolisieren auch die Identität und Kreativität der Insel. | |||
Während die europäische Kolonialzeit orientierte sich die festliche Kleidung der Oberschicht am französischen Stil. Eine „klassische kreolische Festtracht“ umfasst für Frauen meist lange, weite Röcke aus bunten Stoffen, unter denen mehrere Unterröcke getragen wurden, Blusen mit Rüschen oder Spitzen, und ein breiter, oft mit Blumen verzierter Strohhut. Männer tragen helle Leinenhosen und Hemden, ein Tuch oder eine Schärpe als Gürtel sowie gelegentlich einen Strohhut. | |||
Diese traditionelle Festkleidung wird heute vor allem zu besonderen Anlässen, Festivals und bei Volksauftritten getragen und ist Symbol für den kulturellen Stolz der Bevölkerung. Sie steht für Vielfalt und Harmonie der auf Réunion lebenden Kulturen. Korbflechtereien, Schmuck und andere Handwerksarbeiten ergänzen die Kleidung und sind wichtige Bestandteile des lokalen Erscheinungsbilds. | |||
Die Bekleidung ist auch ein wichtiger Teil des Séga. Sie ist bunt und voller lebendiger Farben. Die Frauen tragen ein kleines Oberteil, welches vorne mit Knoten getragen wird, und einen Rock, der eng an der Taille anliegt und nach unten weit auseinandergeht. Die Männer tragen ein Hemd und eine Korsaren-Hose. Der moderne Séga kam in den 1950er und 1960er Jahren auf. Er wird immer noch mit den traditionellen Instrumenten gespielt und in der Bekleidung von damals getanzt. Viele Vorführungen sind besonders auf den Volksfesten zu sehen. Der Séga entwickelt sich ständig weiter, und heutzutage spielen einige Künstler Séga mit Synthesizer oder modernen Instrumenten. Aber der Séga an sich bleibt sehr beliebt. | |||
=== '''Kulinarik und Gastronomie''' === | |||
Die Restaurants der Insel bieten französische und kreolische Spezialitäten an, wie ''Rougail'' (Meeresfrüchte mit verschiedenen Soßen) und zahlreiche Currys. Das einheimische Gemüse ''Bredes'' schmeckt ähnlich wie Spinat. Spezialitäten sind auch ''Petit salé aux lentilles'' (Gepökeltes mit Linsen) oder ''Canard'' ''au maïs'' (Ente mit Mais). Beliebt sind arabischer Kaffee ''(Café Bourbon)'' und der gute einheimische Rum, der in verschiedenen Sorten Rumpunsch wie ''Rhum Arrange'' (weißer Rum mit Vanille, Orchideen, Anis und Zimt) verwendet wird. | |||
Reis bildet die Basis vieler Gerichte und wird oft mit Hülsenfrüchten wie Linsen oder Bohnen serviert. Typisch sind intensive und kreative Gewürzmischungen, oft mit Kurkuma, Ingwer, Knoblauch, Thymian und Chili. Besonders berühmt ist die einheimische Bourbon-Vanille. Viele Gerichte werden geschmort oder gedünstet, um die Aromen optimal zu entfalten. | |||
Typische Gerichte der Insel sind: | |||
* '''Cari (Carry):''' Das wohl bekannteste Gericht, eine Art Curry aus Fleisch (z.B. Huhn, Fisch, Ziegenfleisch) oder Gemüse, geschmort in einer würzigen Sauce mit Tomaten, Zwiebeln und vielen Gewürzen. Der „Poulet-Cari“ mit Hähnchen ist besonders beliebt. | |||
* '''Rougail:''' Eine pikante Soße aus Tomaten, Zwiebeln, Ingwer und Gewürzen, oft zu Saucisse (Würsten), Boucané (geräuchertem Schweinefleisch), Fisch oder zum Curry gereicht. Die Variante „Rougail saucisse“ ist ein echter Inselklassiker. | |||
* '''Cabri Massalé:''' Ein Ziegencurry mit indischer Gewürzmischung (Massalé), traditionell beim tamilischen Neujahrsfest beliebt. | |||
* '''Boucané:''' Geräucherter Schweinebauch, oft über offenem Feuer gegrillt und kräftig gewürzt. | |||
* '''Samosas (Samoussas):''' Frittierte Teigtaschen gefüllt mit Gemüse oder Fleisch, die ihren Ursprung in Indien haben und als Snack sehr beliebt sind. | |||
* '''Chouchou-Gratin:''' Ein Auflauf aus dem lokalen Kürbisgewächs (Chayote), häufig als vegetarische Beilage. | |||
* '''Zourite-Eintopf:''' Oktopus geschmort in Wein und Gewürzen. | |||
Frittierte Süßkartoffeln, Tarowurzeln oder Yamswurzeln sind beliebte Beilagen. Frisches Obst (zum Beispiel Bananen, Mangos, Passionsfrucht) wird oft als Nachspeise serviert oder im Kuchen verarbeitet. | |||
Das Nationalgetränk ist Rum, traditionell aus Zuckerrohrsaft destilliert und oft mit Vanille oder Gewürzen aromatisiert. Das lokale Bier der Insel heißpt Dodo. Fruchtsäfte und hausgemachte Limonaden sind ebenfalls sehr verbreitet. | |||
Die Vielfalt basiert auf ständigem Austausch und Vermischung der Kochtraditionen von Einwanderern und der lokalen Bevölkerung. Märkte bieten ein breites Angebot lokaler Produkte und frischer Zutaten – besonders Gewürze und tropische Früchte. | |||
=== '''Festkultur''' === | |||
Auf Réunion gelten die französischen Feiertage. | |||
'''Feiertage:''' | |||
* 1. Januar - Neujahr | |||
* März / April - Ostern | |||
* 1. Mai - Tag der Arbeit | |||
* 8. Mai - Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg | |||
* Juni - Christi Himmelfahrt | |||
* 14. Juli - Nationalfeiertag | |||
* 15. August - Maria Himmelfahrt | |||
* 1. November - Allerheiligen | |||
* 11. November - Tag des Waffenstillstand | |||
* 20. Dezember - Abschaffung der Sklaverei | |||
* 25. Dezember - Weihnachten | |||
Die wichtigsten Feste sind: Feuerlauf (Januar), Ananasfest, Bois de Nèfles, Sainte-Clotilde (Februar), Fête du Chouchou et de la Pêche, Hell-Bourg, Salazie (Mai), Musikfestival (inselweit im Juni), Tour de L’Îsle (Radrennen im September), Blumenschau, Le Tampon (Oktober), Internationaler Triathlon (November) und Fest zum Gedenken an die Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1848 (inselweit am 20. Dezember). | |||
== '''Medien''' == | |||
Die Medienlandschaft auf Réunion ist eng mit dem französischen Mediensystem verbunden und unterliegt denselben rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen wie im französischen Mutterland. Die Presse hat auf Réunion eine lange Tradition und ist ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Kommunikation. Bereits im 19. und 20. Jahrhundert entwickelten sich lokale Zeitungen, die über politische Ereignisse, wirtschaftliche Entwicklungen und gesellschaftliche Themen berichteten. Im Jahr 1997 existierten auf der Insel insgesamt drei Tageszeitungen und vier Wochenzeitungen mit einer Gesamtauflage von etwa 65.000 beziehungsweise 86.000 Exemplaren. Diese Zahlen zeigen die Bedeutung der Printmedien in einer relativ kleinen, aber stark informierten Gesellschaft. | |||
Zu den wichtigsten Tageszeitungen gehören heute unter anderem Le Journal de l'île de La Réunion sowie Le Quotidien de La Réunion. Diese Zeitungen berichten über lokale, nationale und internationale Themen und spielen eine zentrale Rolle in der politischen Meinungsbildung auf der Insel. Ergänzt wird die Presselandschaft durch Wochenzeitungen, Magazine und digitale Nachrichtenplattformen, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. | |||
Ein wichtiger Wandel der letzten Jahrzehnte ist die Digitalisierung der Medien. Viele Zeitungen haben Online-Ausgaben entwickelt, und soziale Medien spielen eine immer größere Rolle bei der Verbreitung von Nachrichten. Dadurch hat sich die Geschwindigkeit der Informationsverbreitung deutlich erhöht, und auch jüngere Zielgruppen werden stärker erreicht. Gleichzeitig stellt die Digitalisierung traditionelle Medien vor wirtschaftliche Herausforderungen. | |||
Der Rundfunk ist ebenfalls ein zentraler Bestandteil der Medienlandschaft auf Réunion. Im Jahr 1997 gab es insgesamt 44 Radiosender und 22 Fernsehstationen, was die hohe Vielfalt und regionale Differenzierung der Medienangebote verdeutlicht. Radio spielt bis heute eine besonders wichtige Rolle, da es aufgrund seiner Zugänglichkeit und Mobilität ein weit verbreitetes Medium ist. | |||
Zu den wichtigsten Rundfunkanbietern gehört der öffentlich-rechtliche Sender Réunion La 1ère, der Teil des französischen Übersee-Mediennetzwerks France Télévisions ist. Dieser Sender bietet Fernseh- und Radioprogramme an und berichtet über lokale Ereignisse, Kultur, Politik und Gesellschaft. Ergänzt wird das Angebot durch private Radiosender, die Musik, Unterhaltung und lokale Nachrichten ausstrahlen. | |||
Das Fernsehen auf Réunion ist ebenfalls stark in das französische Mediensystem integriert. Neben lokalen Produktionen werden viele Programme aus Frankreich übernommen. Dadurch ist das Fernsehangebot sehr vielfältig und umfasst Nachrichten, Unterhaltung, Serien, Filme und Dokumentationen. Gleichzeitig entstehen zunehmend eigene regionale Produktionen, die sich mit der Kultur und dem Alltag der Insel beschäftigen. | |||
Die Medien auf Réunion erfüllen eine wichtige Funktion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie informieren nicht nur über aktuelle Ereignisse, sondern tragen auch zur kulturellen Identität bei, indem sie die Vielfalt der Inselbevölkerung widerspiegeln. Besonders die Verwendung von Réunion-Kreolisch in bestimmten Medienformaten stärkt die sprachliche und kulturelle Identität der lokalen Bevölkerung. | |||
Ein weiteres Merkmal der Medienlandschaft ist die starke Abhängigkeit von Frankreich. Viele Inhalte, technische Standards und organisatorische Strukturen sind direkt an das französische Mediensystem gekoppelt. Dies gewährleistet zwar eine hohe Qualität und Stabilität, führt aber auch dazu, dass lokale Besonderheiten manchmal weniger stark im Mittelpunkt stehen. | |||
Gleichzeitig hat sich in den letzten Jahren eine dynamische digitale Medienkultur entwickelt. Online-Nachrichtenportale, Blogs und soziale Netzwerke sind zu wichtigen Informationsquellen geworden. Insbesondere junge Menschen nutzen zunehmend digitale Plattformen, um sich über lokale und globale Themen zu informieren und auszutauschen. | |||
'''Zeitungen''' | |||
Tageszeitungen | |||
* ''Journal de l'île de La Réunion'', journal généraliste. | |||
* ''Le Quotidien de La Réunion'', journal généraliste. | |||
* ''Témoignages'', journal généraliste de sensibilité communiste. | |||
Magazine | |||
* ''Femmes magazine'', magazine féminin encarté dans le ''Journal de l'île de La Réunion''. | |||
* ''Femmes magazine'', magazine féminin encarté dans le ''Journal de l'île de La Réunion''. | |||
* ''Star Top TV'', magazine de télévision. | * ''Star Top TV'', magazine de télévision. | ||
* ''Télé Mag'', magazine de télévision. | * ''Télé Mag'', magazine de télévision. | ||
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== '''Sport''' == | == '''Sport''' == | ||
Der | Der populärste und am weitesten verbreitete Sport auf Réunion ist Fußball. Er gilt als klarer Nationalsport der Insel und wird in allen Altersgruppen und sozialen Schichten gespielt. Die Insel verfügt über eine eigene Fußballliga, die Ligue Réunionnaise de Football, die organisatorisch zur Französischen Fußballföderation gehört. Diese Liga organisiert den regionalen Spielbetrieb, Pokalwettbewerbe und die Ausbildung von Nachwuchsspielern. Obwohl Réunion keine eigenständige FIFA-Nationalmannschaft besitzt, existiert eine Auswahlmannschaft, die gelegentlich Freundschaftsspiele und regionale Turniere bestreitet. Viele talentierte Spieler aus Réunion wechseln in den professionellen französischen Fußball und spielen in höheren Ligen auf dem Festland. | ||
Neben Fußball sind zahlreiche weitere Mannschaftssportarten sehr beliebt. Handball, Basketball und Rugby haben eine stabile Vereinsstruktur und werden in Schulen und Sportvereinen aktiv gefördert. Besonders Rugby hat durch den Einfluss der französischen Sportkultur eine feste Fangemeinde. Auch Leichtathletik spielt eine wichtige Rolle, insbesondere in Schulen und bei regionalen Wettkämpfen, wobei Disziplinen wie Sprint, Weitsprung und Mittelstreckenlauf besonders verbreitet sind. | |||
Ein besonderes Merkmal des Sports auf Réunion ist die starke Verbindung zur Natur. Aufgrund der einzigartigen Landschaft hat sich eine ausgeprägte Outdoor- und Abenteuersportkultur entwickelt. Der Inselstaat bietet ideale Bedingungen für Sportarten wie Trailrunning, Wandern, Klettern und Bergsteigen. Besonders der Vulkan Piton de la Fournaise sowie die Bergregionen des Cirque de Mafate, Salazie und Cilaos sind beliebte Ziele für Sportler und Wanderer. | |||
Trailrunning hat auf Réunion eine besondere Bedeutung erlangt und gilt als eine der charakteristischsten Sportarten der Insel. Internationale Veranstaltungen wie der „Grand Raid de La Réunion“, auch als „Diagonale des Fous“ bekannt, ziehen jedes Jahr zahlreiche Teilnehmer aus aller Welt an. Dieses extrem anspruchsvolle Rennen führt über mehrere hundert Kilometer durch das bergige und vulkanische Terrain der Insel und gilt als eines der härtesten Trailrennen weltweit. | |||
Die Küstenregionen bieten zahlreiche Möglichkeiten für Wassersportarten. Besonders die geschützten Lagunen an der Westküste, etwa rund um Saint-Gilles-les-Bains, eignen sich gut zum Schwimmen, Schnorcheln, Tauchen und Segeln. Die Korallenriffe schützen viele Bereiche vor starken Wellen und schaffen ruhige Bedingungen für Freizeit- und Breitensport. | |||
Surfen ist ebenfalls beliebt, allerdings gibt es auf Réunion aufgrund der Haifischproblematik bestimmte Einschränkungen. In den vergangenen Jahren kam es zu mehreren Zwischenfällen, weshalb einige Küstenabschnitte nur unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen genutzt werden dürfen. Trotzdem bleibt Surfen eine wichtige Sportart, die besonders in ausgewiesenen und überwachten Zonen ausgeübt wird. | |||
Das Landesinnere der Insel bietet ideale Bedingungen für Canyoning und Rafting. Die vielen Flüsse, Wasserfälle und tief eingeschnittenen Schluchten ermöglichen spektakuläre Sporterlebnisse in einer sehr natürlichen Umgebung. Diese Aktivitäten verbinden körperliche Herausforderung mit Naturerlebnis und sind sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen sehr beliebt. | |||
Auch Angeln spielt eine gewisse Rolle, sowohl im Meer als auch in Süßwassergebieten. In Bergregionen und Flussläufen werden teilweise lokale Fischarten gefangen, während das Hochseeangeln entlang der Küste ein weiteres Freizeitangebot darstellt. | |||
Neben diesen Natur- und Mannschaftssportarten gibt es auf Réunion auch eine breite Palette weiterer sportlicher Aktivitäten. Dazu gehören unter anderem Reiten, Tennis, Golf, Mountainbiking, Squash und Fitnesssportarten. Durch die klimatischen Bedingungen sind viele dieser Aktivitäten das ganze Jahr über möglich. | |||
Extremsportarten haben in den letzten Jahren ebenfalls an Bedeutung gewonnen. Dazu zählen Drachenfliegen, Gleitschirmfliegen und Fallschirmspringen, die vor allem in den Bergregionen und entlang der Küste durchgeführt werden. Die spektakuläre Landschaft macht Réunion zu einem attraktiven Ziel für Abenteuersportler aus aller Welt. | |||
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== '''Fremdenverkehr''' == | == '''Fremdenverkehr''' == | ||
Der Tourismus | Der Fremdenverkehr spielt auf Réunion eine wichtige Rolle für die Wirtschaft der Insel und ist eng mit der außergewöhnlichen Natur, der kulturellen Vielfalt und der Zugehörigkeit zu Frankreich verbunden. Die Insel wird oft als „tropisches Frankreich im Indischen Ozean“ bezeichnet und bietet eine Kombination aus Vulkanlandschaften, Bergen, Regenwäldern, Stränden und kulturellen Sehenswürdigkeiten. Der Tourismus richtet sich sowohl an französische Besucher vom Festland als auch zunehmend an internationale Gäste, die Natur- und Aktivurlaub suchen. | ||
Ein zentraler Anziehungspunkt ist die beeindruckende Landschaft Réunions, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Besonders die drei Talkessel Cirque de Mafate, Cirque de Cilaos und Cirque de Salazie sowie der aktive Vulkan Piton de la Fournaise zählen zu den wichtigsten touristischen Highlights. Diese Gebiete bieten Möglichkeiten zum Wandern, Trekking und Naturerlebnis und machen Réunion zu einem bedeutenden Ziel für Ökotourismus und Abenteuertourismus. | |||
Der Tourismus ist stark naturorientiert geprägt. Wanderungen durch die Bergwelt, Vulkanbesteigungen, Canyoning in Schluchten, Wasserfalltouren und Naturbeobachtungen gehören zu den beliebtesten Aktivitäten. Gleichzeitig spielen die Küstenregionen eine wichtige Rolle, insbesondere die Westküste mit ihren Stränden und Lagunen. Orte wie Saint-Gilles-les-Bains oder L’Hermitage sind wichtige touristische Zentren mit Hotels, Restaurants und Freizeitangeboten. | |||
Der Bade- und Strandtourismus ist allerdings aufgrund der Haiproblematik an einigen Küstenabschnitten eingeschränkt. Deshalb konzentriert sich der Tourismus stärker auf sichere Badezonen, Lagunen und kontrollierte Wassersportbereiche. Gleichzeitig werden Sicherheitsmaßnahmen und Überwachungsprogramme eingesetzt, um das Risiko für Besucher zu reduzieren. | |||
Der kulturelle Tourismus ist ebenfalls von Bedeutung. Besucher interessieren sich für die kreolische Kultur, koloniale Architektur, lokale Märkte, Musik wie Maloya und Séga sowie die multikulturelle Gesellschaft der Insel. Städte wie Saint-Denis bieten historische Gebäude, Museen und kulturelle Einrichtungen, die Einblicke in die Geschichte und Entwicklung Réunions ermöglichen. Der Tourismus auf Réunion ist insgesamt weniger massenorientiert als in klassischen Stranddestinationen, sondern eher auf Natur, Aktivurlaub und kulturelle Erlebnisse ausgerichtet. Dadurch wird versucht, eine nachhaltigere Form des Tourismus zu fördern, die die Umwelt und die lokalen Ressourcen berücksichtigt. | |||
Die Infrastruktur für Unterbringung ist gut entwickelt und vielfältig. Sie reicht von großen Hotelanlagen bis hin zu kleinen, familiengeführten Gästehäusern. In den touristischen Zentren an der Westküste befinden sich die meisten Hotels, Resorts und Ferienanlagen. Diese bieten häufig internationale Standards und richten sich sowohl an Pauschalreisende als auch an Individualtouristen. | |||
Neben Hotels spielen sogenannte „gîtes“ eine wichtige Rolle, also kleine ländliche Unterkünfte, oft in den Bergen oder in traditionell kreolischer Umgebung. Diese Unterkünfte ermöglichen einen besonders naturnahen Aufenthalt und sind vor allem bei Wanderern und Naturliebhabern sehr beliebt. Sie bieten einfache, aber authentische Übernachtungsmöglichkeiten und sind oft familiengeführt. Auch Ferienwohnungen und private Unterkünfte haben an Bedeutung gewonnen. Durch Plattformen der digitalen Vermietung ist das Angebot stark gewachsen, wodurch Besucher flexibler reisen können. Diese Form der Unterkunft ist besonders bei längeren Aufenthalten oder individuellen Rundreisen beliebt. | |||
Für Wanderer gibt es zudem spezielle Berghütten, insbesondere im Gebiet von Mafate, das nur zu Fuß oder per Helikopter erreichbar ist. Diese einfachen Unterkünfte sind funktional ausgestattet und dienen vor allem als Übernachtungsmöglichkeit für mehrtägige Trekkingtouren. Sie tragen wesentlich zur Entwicklung des Wandertourismus bei. | |||
Der internationale Flughafen Roland Garros bei Saint-Denis ist das wichtigste Tor für den Fremdenverkehr. Er verbindet Réunion regelmäßig mit Frankreich sowie mit anderen Zielen im Indischen Ozean. Der Tourismus ist daher stark vom Luftverkehr abhängig, da es keine direkte Straßen- oder Bahnverbindung zum Festland gibt. | |||
Version vom 19. Juni 2026, 08:57 Uhr
Die Insel Réunion ist nebst einigen kleineren unbewohnten Eilanden der letzte Rest des einst weitreichenden französischen Territoriums im Indischen Ozean. Beherrscht von einem mächtigen Vulkan ist das Gebiet ein Ausleger französischer Kultur und Lebensart auf der Südhalbkugel der Erde.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | La Réunion |
| alternative Bezeichnungen | Diva maghrebin (14. Jahrhundert), Diva Morgabine (1502), Santa Appollonia (1507), Ilha Mascarenha, Île Mascareigne (16. Jahrhundeert), Île Bourbon (1642), Île de la Réunion (1793), Île Bonaparte (1806) |
| Kategorie | Meeresinsel |
| Inseltyp | echte Insel |
| Inselart | vulkanische Insel |
| Gewässer | Indischer Ozean (Océan Indien) |
| Inselgruppe | Réunion (La Réunion) |
| politische Zugehörigkeit | Staat: Frankreich (République française) Department: Überseegebiet Réunion (Département et région d’outre-mer de La Réunion) |
| Gliederung | 5 arrondissements (Kreise) 24 communes (Gemeinden) 25 cantons (Kantone) |
| Status | Überseegebiet (région d'outre mer) |
| Koordinaten | 21°05’ S, 55°31’ O |
| Entfernung zur nächsten Insel | 40 m (Petite Île), 171,3 km (Mauritius) |
| Entfernung zum Festland | 1663 km (Clajulo / Mosambik) |
| Fläche | 2.503,74 km² / 966,69 mi² |
| geschütztes Gebiet | 226 km² / 87,3 mi² (9,6 %) |
| maximale Länge | 57,9 km (N-S) |
| maximale Breite | 57,7 km (W-O) |
| Küstenlänge | 207 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Indischer Ozean) |
| höchste Stelle | 3069 m (Piton des Neiges) |
| relative Höhe | 3069 m |
| mittlere Höhe | 532 m |
| maximaler Tidenhub | 0,4 bis 0,9 m (Pointe des Galets 0,77 m) |
| Zeitzone | HM (Heure de Maurice / Mauritius Time / Mauritius-Zeit, UTC+4) |
| Realzeit | UTC plus 3 Stunden 41 bis 43 Minuten |
| Einwohnerzahl | 878.491 (2024) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 350,91 |
| Inselzentrum | Saint-Denis |
Name
Die Araber nannten die Insel Diva maghrebin, zu deutsch „Westinsel“. Unter dem davon abgeleiteten Namen Diva Morgabine ist sie erstmals auf einer Seekarte aus dem Jahr 1502 verzeichnet. 1507 nannten die vorbeisegelenden Portugiesen sie Santa Appollonia nach der heiligen Apollonia, die der Legende zufolge im 3. Jahrhundert in Ägypten vom aufgebrachten heidnischen Mob gelyncht wurde. Möglicherweise hatte einer der Sichtenden Zahnschmerzen, denn die Anrufung besagter Heiliger soll in solchen Fällen Wunder tun.
Danach hieß die Insel lange Zeit über Île Mascreigne, die lautlich angepasste Form des portugiesischen Ilha Mascarenha zu Ehren des portugiesischen Seefahrer Pedro Mascarenas (1484 bis 1555), der die Insel im Jahr 1512 für die Europäer entdeckte. 1642 wurde sie zu Ehren des französischen Herrscherhauses Île Bourbon, „Insel der Bourbonen“, genannt. Dieser Name wurde mit der Französischen Revolution natürlich obsolet. Und so änderte sich die Inselbezeichnung zwischen 1793 und 1848 recht häufig. Am 19. März 1793 erhielt die Insel zum ersten Mal ihren heutigen Namen: Île de la Réunion, was in etwa „Insel der Zusammenkunft“ bedeutet.
Wahrscheinlich wurde sie in Anlehnung an die 1789 während der französischen Revolution stattfindende Generalversammlung (Etats Généraux) so genannt, auf der die Abschaffung der Privilegien für den Adel und den Klerus beschlossen wurde. Eine andere mögliche Erklärung leitet sich aus einer weiteren Bedeutung des Worts réunion ab. Neben „Vereinigung“ steht es auch für „Treffen“, ein vom damaligen französischen Kolonieminister Gaspar Monge vorgeschlagenes „Modewort“ jener Zeit, da erst durch die Revolution die allgemeine Versammlungsfreiheit erlaubt wurde. Die Insel könnte ihren Namen auch der Vereinigung (réunion) der Revolutionäre aus Marseille und der Nationalgarden beim Sturm auf die Tuilerien am 10. August 1792, mit dem König Ludwig XVI. vom Thron verjagt wurde, verdanken.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, konkret ab 15. August 1806, hieß sie für kurze Zeit zu Ehren des französischen „Kaisers“ Ile Bonaparte, danach ab 7. August 1810 wieder Ile Bourbon, ehe sie am 6. September 1848 ihren endgültigen Namen Île de la Réunion mit der Kurzform La Réunion, gesprochen [laʀey’njɔ̃], oder noch kürzer Réunion, erhielt.

- abchasisch: Реюнион [Reyunion]
- afrikaans: Reunion
- akan: Reyuniɔn
- albanisch: Reunion
- altaisch: Реюнoн [Reyunon]
- amharisch: ሪዩኒዮን [Riyuniyon]
- arabisch: روينيون [al-Ğasira al-Rejunio], ريونيون [Riūniyūn]
- aragonesisch: A Reunión
- armenisch: Ռեյունիոն [Reyunion]
- aromunisch: Reunion
- aserbaidschanisch: Reünion
- assamesisch: ৰিউনিওন [Ri‘uniyon]
- asturisch: La Reunión
- aymara: Reunion
- bambara: Reyuɲɔŋ
- baschkirisch: Реюнион [Reyunion]
- baskisch: Reunion
- bengalisch: রিউনিয়ন [Ri‘uniyan]
- bhutanisch: རེ་ཡུ་ནིཡོན་ [Reyu-ni-yon]
- biharisch: रीयूनियन [Riyūniyan]
- birmanisch: ရကျူနီယွန်း [ra-kyu-ni-yun]
- bislama: Reunion
- bosnisch: Реинион [Reinion]
- bretonisch: Reunion
- bulgarisch: Реюнион [Reyunnon]
- burjatisch: Реюнион [Rejunion]
- cebuano: Reunion
- chakassisch: Реюнoн [Reyunon]
- chavakano: Reunion
- cherokee. ᎵᏳᏂᏲᏂ [Liyuniyoni]
- chinesisch: 留尼旺岛 [Liúníwàng dǎo]
- dänisch: Reunion
- dari: رئونیون [Riūniyūn]
- deutsch: Reunion
- dine: Riyuniyon
- englisch: Reunion
- esperanto: Reunio
- estnisch: Reunion
- ewe: Reunion nutome
- färingisch: Reunion
- fidschianisch: Riyunion
- finnisch: Reunion
- franko-provenzalisch: Réunion
- französisch: La Réunion
- friesisch: Reunion
- friulanisch: Reunion
- ful: Rewiñoo
- gagausisch: Reunyon, Reunion
- galizisch: Reunión
- ganda: Leyunyoni
- gälisch: Reunion
- georgisch: რეიუნიონი [Reyunioni]
- griechisch: Ρεϋνιόν [Reúnión], Ρεουνιόν [Reounión]
- grönländisch: Reunion
- guarani: Reunion
- gudscheratisch: રીયૂનિયન [Riyūniyan]
- guyanisch: Réunió
- haitianisch: Réunió
- hakka: Liúníwàng
- hausa: Rawuniyan
- hawaiianisch: Leyunioni, Leiunioni
- hebräisch: ראוניון [Reyunion Iyim], ראוניון [Raoniyon]
- hindi: रीयूनियन [Riyūniyan]
- ido: Reunion
- igbo: Reunio
- ilokano: Reunion
- indonesisch: Reunion
- interlingua: Reunion
- irisch: Rhiunioin
- isländisch: Reunion
- italienisch: Isola della Riunione, Reunion
- jakutisch: ᕒᕐᕀᓇᕘᓐ [Rəriinavun]
- jamaikanisch: Riunyon
- japanisch: レユニオン [Reyunion]
- jerseyanisch: Réunion
- jiddisch: רעוניון [Reunion]
- kabardisch: Реюнoн [Reyunon]
- kabylisch: Rewinyon
- kalmükisch: Рейюнион [Rejyunion]
- kambodschanisch: រ៉េយូនីយ៉ុង [Reyouniyong]
- kanaresisch: ರೀಯುನಿಯನ್ [Riyuniyan]
- karakalpakisch: Реюнoн [Reyunon]
- karatschai-balkarisch: Реюнoн [Reyunon]
- karelisch: Peyниoн [Reunion]
- kasachisch: Реюнион [Reyunion]
- kaschubisch: Reunion
- katalanisch: Illa de la Reunió
- kikuyu: Riyunioni
- kirgisisch: Реюнoн [Reyunon]
- komi: Реюнoн [Reyunon]
- koreanisch: 레위니옹 [Rewiniong)]
- kornisch: Ynys Reunion
- korsisch: Reunion, Riunione
- krimtatarisch: Peyниoн [Reunion]
- kroatisch: Reunion
- kumükisch: Реюнoн [Reyunon]
- kurdisch: Rejunió
- ladinisch: Reunion
- ladino: רעוניון [Reunion]
- laotisch: ເຣືອນີອງ [Rueanion]
- lateinisch: Reunio
- lettisch: Reinjona
- letzeburgisch: Reunion
- lingala: Lenyo
- litauisch: Reunjonas, Reunionas
- livisch: Reunion
- luba-katanga: Lenyo
- madegassisch: Larenion
- makedonisch: Peyниoн [Reunion]
- malaisch: Reunion
- malayalam: റിയൂണ്യൻ [Riyūṇyan]
- maldivisch: ރީޔުން [Riyun]
- maltesisch: Reunion
- manx: Ellan Aachruinnaght
- maori: Riuniona
- marathisch: रीयुनियन [Riyuniyan]
- mari: Рейюнион [Rejyunion]
- maurizisch: La Réyinyon
- mindeng: Lí-ū-ni-ung
- mingrelisch: რეუნიონი“ [Reunion]
- minnan: Lí-ū-ni-ông
- mirandesisch: Reunión
- moldawisch: Peyниoн [Reunion]
- mongolisch: Рейунион [Reyunion]
- mordwinisch: Реюнион [Rejunion]
- nahuatl: Reunion
- nauruanisch: Reunion
- nepalesisch: रियुनियन [Riyuniyan]
- niederländisch: Reunion
- norwegisch: Reunion
- okzitanisch: Reünion
- olonetzisch: Reunion
- orissisch: ରେୟୁନିଅନ୍ [Reyunian]
- oromo: Reeuniyuu
- ossetisch: Реюнoн [Rejunon]
- pampangan: Reunion
- pandschabisch: ਰਿਯੂਨਿਅਨ [Riyūni'an]
- panganisan: Reunion
- papiamentu: Reunio
- paschtunisch: ریونین [Reunion]
- persisch: رئونیون [Reunion], رئونیون [Riūniyūn]
- piemontesisch: Reunion
- pitkernisch: Reunion Ailen
- plattdeutsch: Reunion
- polnisch: Wyspa Reunion
- portugiesisch: Reunião
- quetschua: Reunion
- rätoromanisch: Réunion
- romani: Reunion
- rumänisch: Reunion
- rundi-rwandesisch: Reyiniyo
- russisch: Реюньóн [Reyun’ón]
- ruthenisch: Реюнioн [Reyunion]
- samisch: Reunion
- samoanisch: Leunion
- sardisch: Reunion
- saterfriesisch: Reunion
- schlesisch: Reunion
- schottisch: Reunion
- schwedisch: Reunion
- schweizerdeutsch: Reunion
- serbisch: Реинион [Reinion]
- seschellisch: Reunio
- sindhi: ری یونین [Ree Union]
- singhalesisch: රියුනියන් [Riyuniyan]
- sizilianisch: Isula della Riuniune
- slovio: Reunionju Ostrovis
- slowakisch: Reunion
- slowenisch: Reunion
- somalisch: Reunio
- sorbisch: Reunion
- spanisch: La Reunión
- sudovisch: Reunion
- sundanesisch: Reunion
- swahili: Reunio
- syrisch: ܪܹܘܢܝܽܘܢ [Reunion]
- tadschikisch: Реюнoн [Rejunon]
- tagalog: Reunion
- tahitianisch: Reuniona
- tamilisch: ரியுனியன் [Riyuniyan]
- tatarisch: Реюнoн [Rejunon]
- telugu: రియూనియన్ [Riyūniyan]
- thai: เรอูนียง [Reuniyong]
- tibetisch: རི་ཡུ་ནིཡོན་ [Ri-yu-ni-yon]
- tigrinisch: ሪዩኒዮን [Riyuniyon]
- tok pisin: Reunion
- tonganisch: Li’iunioni, Le’unioni, Re‘unioni
- tschechisch: Reunion
- turkmenisch: Реюнoн [Reyunon]
- tuwinisch: Реюнoн [Rejunon]
- türkisch: Reunion
- udmurtisch: Реюнoн [Reyunon]
- uigurisch:
- ukrainisch: Pеюнioн [Reyunion]
- ungarisch: Reunion
- urdu: ری یونین [Ree Union]
- usbekisch: Реюнoн [Rejunon]
- venezianisch:
- vietnamesisch: Đảo Réunion
- visayan: Réunion
- volapük: Reuneän
- walisisch: reunion
- wallonisch: Réunion
- weißrussisch: Реюньoн [Reyun’on]
- wolof: Reunio
- yoruba: Orílẹ́ède Riuniyan
- zhuang: Léiz Yenh Bwngz
- zulu: iReunion
Offizieller Name:
- Île de la Réunion bzw. Département et région d’outre-mer de La Réunion
- Bezeichnung der Bewohner: Réunioniens (Reunioner)
- adjektivisch: réunionien (reunionisch)
Kürzel:
- Code: RE / REU
- Deutsch: REU
- Alternativ: RUN
- Sport: REU (inoffiziell)
- Kfz: -
- FIPS-Code: RE
- ISO-Code: RE, REU, 638
- Internet: .re
Lage
Réunion ist die westlichste der Maskarenen-Inseln östlich von Madagaskar im Südwesten des Indischen Ozeans. Sie liegt auf durchschnittlich 21°05’ s.B. und 55°31’ ö.L. und befindet sich damit auf der gleichen geografischen Breite wie Australien zwischen Barrow Island in West-Australien und Proserpine in Queensland, Koumac im Norden Neukaledoniens, die Insel Ouvéa, der Süden Tongas, die Île du Duc de Gloucester im Tuamotu-Archipel, Nor-Chile, der äußerste Süden Boliviens, der Norden Paraguays, Campo Grande und Vitoria in Brasilien, Kalkfeld im nördlichen Zentrum Namibias, Zentral-Botswana mit Francistown, der Süden Simbabwes, Chingune im südlich-zentralen Mosambik sowie Ambositra im südlichen Zentrum Madagaskars. Réunion liegt etwas mehr als 700 km östlich von Madagaskar.

Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 20°48’40“ s.B. (Saint-Denis)
- südlichster Punkt: 21°22’36“ s.B (Pointe de Langevin)
- östlichster Punkt: 55°50’34“ ö.L. (Pointe des Cascades)
- westlichster Punkt: 55°13’21“ ö.L. (Pointe des Aigrettes)
Entfernungen:
- Mauritius (Le Morne) 171,3 km
- Madagaskar (Mangoro) 730 km
- Tromelin 1030 km
- Coëtivy / Seschellen 1320 km
- Iles Glorieuses 1460 km
- Ile de l’Europa 1630 km
- Mosambik (Clajulo) 1663 km
- Diego Garcia 2350 km
- Kerguelen (Ile Roland) 3310 km
- Indien (Cape Comorin) 3880 km
Zeitzone
Auf Réunion gilt die Heure de Maurice bzw. Mauritius Time (Mauritius-Zeit), abgekürzt HM bzw. MT (MTZ), 3 Stunden vor der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC+4). Die Realzeit liegt um 3 Stunden und 41 bis 43 Minuten vor der Koordinierten Weltzeit (UTC).
Fläche
Die Insel Réunion hat eine Fläche von 2.503,74 km² bzw. 966,69 mi², das Atoll ist 2.518 km² groß. Bis 2005 wurden auch die nicht zu Réunion gehörenden Îles éparses (Bassas da India, Europa, Îles Glorieuses, Juan de Nova und Tromelin) vom Präfekten von Réunion verwaltet. Für das Verwaltungsgebiet angegeben werden 2.512 km² bzw. 969,9 mi². Von Norden nach Süden zwischen Saint-Denis und Pointe de Langevin durchmisst die Insel 57,9 km, von Westen nach Osten zwischen Pointe de Bretagne und Pointe des Cascades 57,7 km. Die Küste der Insel ist insgesamt 207 km lang. Die höchste Stelle ist der Piton des Neiges mit 3069 m. Tiefste Stelle ist die Küste des Indischen Ozeans mit einem maximalen Tidenhub von 0,4 bis 0,9 m, bei Pointe des Galets 0,77 m. Die mittlere Seehöhe beträgt 532 m.
Flächenaufteilung um 2011:
- Wiesen und Sträucher 913 km² (36,3 %)
- Waldland 870 km² (34,6 %)
- Agrarland 401 km² (16,0 %)
- Sümpfe und Gewässer 120 km² (4,8 %)
- Weideland 102 km² 84,1 %)
- Ödland 50 km² (2,0 %)
- Bebautes Land 55 km² (2,2 %)
Geologie
Die Entstehung der Insel Réunion begann vor über 66 Millionen Jahren, als sich der asogenannte Réunion-Hotspot, der auch für die Deccan-Trapp-Basalte in Indien verantwortlich ist, noch im Bereich des indischen Subkntinents befand. Im Lauf der Zeit entstanden der Chagos-Lakkadiven-Rücken und das Maskarenen-Plateau, zu denen auch Mauritius und Rodrigues zählen.
Eine Vulkankette, deren höchste Gipfel der Piton des Neiges (3069 m) und der noch aktive Piton de la Fournaise (2631 m) sind und die durch Hot-Spot-Vulkanismus entstanden ist, verläuft quer über die ganze Insel. Diese Kette besteht hauptsächlich aus zwei großen Schildvulkanen. Mit 3071 m ist der Piton des Neiges der höchste Punkt im Indischen Ozean. Er ist schon seit rund 12,000 Jahren erloschen und extrem stark erodiert. Der Großteil des Gesteins besteht aus Basalt, es kommen aber auch Andesit, Phonolith und Trachyt sowie kleinere Alkalifelseinschlüsse als Gänge und Schichten vor. Der Vulkan weist Anzeichen von Caldera-Bildung durch den Einsturz des Kraterrands auf, verursacht durch Magmakammer-Entleerungen und tektonische Störungen. Der Piton de la Fournaise befindet sich im Süden der Insel und ist einer der weltweit aktivsten. Er hat zwei halbkreisförmige Krater und eruptiert meist sehr flüssige basaltische Laven. Im Durchschnitt kommt es etwa alle neun Monate zu einer Eruption.
Die Geologie ist geprägt von hawaiianischen und strombolianischen Eruptionsformen mit typisch schnellen, ausgedehnten Lavaströmen. Die Gesteine sind reich an Labradorit, aber relativ arm an Olivin. Während die Insel auf der einen Seite wächst, erodiert sie auf der anderen Seite. Die dadurch entstandenen landschaftlichen Gegensätze machen Reunion außerordentlich abwechslungsreich und bietet mit ihren die drei Cirques (Talkessel) Salazie, Cilaos und Mafate. Sie liegen rund um den Piton des Neiges dem aktiven Vulkan Piton de la Fournaise und dem dazwischenliegenden Regenwald Bébour-Bélouve aussergewöhnliche Wandergebiete. Daneben haben riffbauende Korallen an der Westküste lange Sandstrände entstehen lassen.
Die Insel besteht fast ausschließlich aus vulkanischen Gesteinen; Sedimentgesteine finden sich fast nur in Form von kleinen Kalksteinvorkommen im Sockelbereich des Piton des Neiges. Intensive Erosion durch hohe Niederschläge hat eine extrem zerklüftete Topografie hervorgebracht, mit tief eingeschnittenen Tälern und steilen Bergflanken.
Die Entstehung Réunions begann vor über 66 Millionen Jahren, als sich der Hotspot noch unter Indien befand. Im Lauf der Zeit entstanden der Chagos-Lakkadiven-Rücken und das Maskarenen-Plateau, zu denen auch Mauritius und Rodrigues zählen.
Es gibt wenig wirtschaftlich nutzbare Lagerstätten; einige kleine Steinbrüche dienen lokalen Baubedürfnissen. Die vulkanische Aktivität sowie starker Regen und Zyklone führen regelmäßig zu Naturgefahren wie Hangrutschungen und Überschwemmungen.
Landschaft
Die Landschaften von Réunion sind außergewöhnlich vielfältig und werden stark durch die vulkanische Entstehung der Insel sowie durch Erosion, Klima und Höhenunterschiede geprägt. Die Insel erhebt sich steil aus dem Indischen Ozean und ist von schroffen Bergen, tief eingeschnittenen Tälern und steilen Küstenklippen gekennzeichnet. Diese geologische Struktur führt dazu, dass sich auf relativ kleinem Raum sehr unterschiedliche Landschaftsformen entwickeln konnten.
Ein zentrales Merkmal der Insel sind die tief eingeschnittenen Talkessel, die sogenannten Cirques, die durch vulkanische Aktivität und anschließende Erosion entstanden sind. Diese Täler sind teilweise weit geöffnet und bieten in ihren unteren Bereichen Platz für Siedlungen und landwirtschaftliche Nutzung, während die steilen Hänge oft unzugänglich und dicht bewaldet sind. Dadurch entsteht ein stark gegliedertes Landschaftsbild mit deutlichen Höhen- und Klimastufen.
Die Insel wird häufig als „ein ganzer Kontinent im Kleinen“ beschrieben, da sie eine enorme landschaftliche Vielfalt aufweist. Auf Réunion treffen sehr unterschiedliche Naturformen unmittelbar aufeinander: tropische Regenwälder stehen neben trockenen, fast mondähnlichen Lavafeldern, aktive Vulkane grenzen an erloschene Kraterlandschaften, und schroffe Gebirgskämme wechseln sich mit sanften Hochebenen ab. Diese Vielfalt macht die Insel zu einem der abwechslungsreichsten Naturräume im Indischen Ozean.
Besonders prägend ist der Vulkanismus, der die gesamte Insel geformt hat. Große Teile der Landschaft bestehen aus erstarrten Lavaströmen, zerklüfteten Felsformationen und weiten Lavafeldern, die nach Vulkanausbrüchen entstanden sind. Diese jungen vulkanischen Landschaften verändern sich teilweise noch heute, insbesondere im Bereich des aktiven Piton de la Fournaise, dessen Ausbrüche regelmäßig neue Gesteinsflächen und Landschaftsformen schaffen.
Neben den vulkanischen Strukturen spielen auch Erosionsprozesse eine wichtige Rolle. Über Millionen Jahre haben Wasser, Wind und Vegetation die Insel stark geformt und tiefe Schluchten, steile Bergflanken und markante Felsnadeln geschaffen. Diese Prozesse sind besonders gut in den Hochgebirgsregionen sichtbar, wo die Landschaft stark zerklüftet und schwer zugänglich ist.
Charakteristisch für Réunion sind außerdem zahlreiche Wasserfälle, die sich oft aus großer Höhe über steile Felswände ergießen. Durch die hohen Niederschläge entstehen viele temporäre und permanente Wasserläufe, die das Landschaftsbild zusätzlich prägen. Ebenso finden sich in höheren Lagen gelegentlich kleine Bergseen und Feuchtgebiete, die inmitten der sonst oft steilen und felsigen Umgebung liegen.
Erhebungen
- Piton des Neiges (Cirque de Cilaos / Salazie) 3069 m
- Le Gros Morne (Cirque de Cilaos / Mafate / Salazie) 2992 mC
- Grand Bernard (Cirque de Cilaos / Mafate) 2896 m
- Piton de la Fournaise (Fournaise) 2621 m
- Petit Bénare 2600 m
- Piton Chisny 2440 m
- Piton Haüy 2407 m
- Piton Rouge 2402 m
- Demi-Piton 2395 m
- Piton des Feux 2384 m
- Piton Rouge de Saint-Leu 2368 m
- Piton de Partage 2361 m
- Sommet de l’Etre-Deux 2352 m
- La Roche Écrite 2276 m
- Piton de Bert 2274 m
- Morne de Fourche 2267 m
- Cimandef 2228 m
- Piton Textor 2224 m
- Piton de Caille 2184 m
- Piton Bernica 2156 m
- Puys Ramond 2108 m
- Piton Argamasse 2095 m
- Mazerin 2092 m
- Nez Coupé de Sainte-Rose 2075 m
- Piton dans l’Bout 2002 m
- Pitons Plats 1964 m
- Piton des Orangers 1944 m
- Piton Bleu 1921 m
- Nez Coupé de Tremblet 1913 m
- Piton de l’Eau 1887 m
- Piton Marmite 1877 m
- Piton de la Source 1834 m
- Piton Tortue 1807 m
- Piton Plaine des Fougères 1800 m
- Piton des Cabris 1723 m
- Piton des Villers 1712 m
- Bonnet de Prêtre 1709 m
- Piton Mavouse 1680 m
- Piton Doret 1651 m
- Piton Carré 1649 m
- Piton de la Plaine des Cafres 1639 m
- Piton des Calumets 1616 m
- Piton Bé Massoune 1614 m
- Piton de Fourche 1614 m
- Pic des Sables 1583 m
- Piton des Trois Mares 1561 m
- Piton de Bébour 1473 m
- Piton Fougère 1467 m
- Piton Cabris 1435 m
- Piton Ravine Marquet 1415 m
- Piton de Crac 1386 m
- Piton d’Anchaing 1356 m
- Morne du Bras des Lianes 1341 m
- Gros Morne de Gueule Rouge 1302 m
- Piton Doré 1297 m
- Morne de l’Étang 1296 m
- Piton des Songes 1271 m
- Morne de Saint François 1181 m
- Piton Tanan 1148 m
- Piton de la Rivière des Roches 1074 m
See
- Grand Étang 0,32 km², Seehöhe 480 m, Tiefe 25 m
Fluss
- Rivière Saint-Étienne 29 km
Flora und Fauna
Réunion verfügt über eine einzigartige und vielfältige Fauna und Flora. Zu ihrer Tierwelt gehören viele endemische Arten von Vögeln, Reptilien, Fledermäusen und Meereslebewesen. Die Insel beherbergt etwa 1.730 Arten von Gefäßpflanzen und zahlreiche einzigartige Tiere wie den Réunion-Rohrweihe, den Réunion-Ziergecko und die Réunion-Kleine Mastiff-Fledermaus. Auch rund um die Korallenriffe gibt es bedeutende Meeresarten, obwohl diese Riffe durch Umweltveränderungen beeinträchtigt wurden.
Flora
Auf Réunion gibt es sehr unterschiedliche Vegetationszonen, die von tropischen Küstenpflanzen bis hin zu kargen Hochgebirgslandschaften reichen. Insgesamt zählt die Insel zu den botanisch artenreichen Regionen im Indischen Ozean, auch wenn ein Teil der ursprünglichen Vegetation durch Landwirtschaft und menschliche Nutzung verändert wurde.
Auf Réunion kommen das ganze Jahr über zahlreiche blühende Pflanzenarten vor, die der Insel ein dauerhaft grünes und farbenreiches Erscheinungsbild verleihen. Insgesamt werden über 700 Arten von Blütenpflanzen geschätzt, darunter etwa 230 verschiedene Farnarten. Zusätzlich ist die Flora durch eine große Vielfalt an Flechten, Moosen, Algen und Pilzen ergänzt, die besonders in den feuchten Berg- und Waldregionen gedeihen. Neben der ursprünglichen Vegetation finden sich heute auch zahlreiche eingeführte Nutz- und Zierpflanzen, die durch den Menschen eingebracht wurden und sich teilweise stark verbreitet haben.
Typisch für die tropische Pflanzenwelt sind Orchideen, Hibiskus, Jasmin, Oleander, Azaleen, Rhododendren und Hortensien, die in vielen Regionen der Insel vorkommen und häufig auch in Gärten kultiviert werden. Besonders charakteristisch sind außerdem Nutzpflanzen wie Zuckerrohr und Vanille, die seit der Kolonialzeit eine zentrale wirtschaftliche Rolle spielen und bis heute zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produkten von Réunion gehören. Diese Pflanzen prägen nicht nur die Landschaft, sondern auch die wirtschaftliche Struktur der Insel.
In den tieferen Lagen, insbesondere an den Küsten, finden sich zudem charakteristische Baumarten wie Tamarindenwälder, Filao-Bäume sowie große Bambusbestände. Auffällig sind auch sogenannte Flammenbäume, die mit ihren intensiven roten Blüten das Landschaftsbild prägen und häufig als Zierbäume verwendet werden. In den Küstenregionen wurden zudem Vacaobäume angepflanzt, um die Vegetation vor starken Winden und Erosion zu schützen, beispielsweise in Gebieten wie der Anse des Cascades.
In den mittleren Höhenlagen, etwa bis rund 700 Meter, wird die Vegetation stark durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Hier dominieren vor allem Zuckerrohrplantagen sowie der Anbau von Geranien, die teilweise den ursprünglichen Regenwald verdrängt haben. Zwischen etwa 700 und 1300 Metern Höhe entwickelt sich aufgrund der hohen Niederschläge und häufigen Nebelbildung eine besonders dichte und mehrschichtige Vegetation. In Regionen wie dem Forêt de Bébour-Bélouve finden sich üppige Bergregenwälder mit Baumfarnen, Orchideen und zahlreichen weiteren Farnarten, die in mehreren Vegetationsschichten wachsen.
Zur Stabilisierung des Bodens und zum Schutz vor Erosion wurde in diesen Höhenlagen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts auch die japanische Sicheltanne (Cryptomeria) großflächig angepflanzt, beispielsweise in der Region Terre Plate bei Hell-Bourg. Diese eingeführten Baumarten haben die ursprüngliche Vegetation teilweise ersetzt, erfüllen jedoch eine wichtige ökologische Schutzfunktion.
In höheren Lagen, etwa im Bereich des Cirque de Mafate und auf verschiedenen Plateaus, findet man endemische Pflanzenarten wie die sogenannte Höhentamarinde, eine Mimosenart, die bis zu 25 Meter hoch werden kann und gut an die rauen Bedingungen angepasst ist. Diese Vegetation prägt vor allem offene Hochflächen wie die Plaine des Tamarins.
Ab etwa 1600 Metern Höhe, etwa in Regionen wie Coteau Kerveguen bei Cilaos, verändert sich das Landschaftsbild deutlich. Der zuvor dichte Bergregenwald geht in eine deutlich kargere Vegetation über, in der Baumheiden und niedrigwüchsige Pflanzen dominieren. Diese Höhenstufen sind geprägt von kühleren Temperaturen, starken Winden und einer insgesamt raueren Umwelt, die nur spezialisierte Pflanzenarten zulässt.
Fauna
Zu den auffälligsten und häufig beobachteten Vögeln gehören der Tec-Tec, ein kleiner endemischer Singvogel, sowie der Cardinal, der durch sein leuchtend rotes Federkleid besonders ins Auge fällt. Der Cardinal ist in vielen Regionen der Insel verbreitet und gilt als einer der farbenprächtigsten Vögel Réunions, weshalb er auch häufig als Fotomotiv dient. Ein weiterer charakteristischer Vogel ist der Paille-en-queue, ein Seevogel mit langen Schwanzfedern, der als Symbol der Insel gilt und häufig an Küstenklippen und über dem offenen Meer zu sehen ist.
Neben den Vögeln sind auch verschiedene Reptilienarten typisch für die Insel. Chamäleons kommen in mehreren Arten vor und gelten als besonders faszinierende Tiere, da sie ihre Farbe wechseln können und perfekt an ihre Umgebung angepasst sind. Ebenso weit verbreitet sind Geckos, die im Alltag der Menschen häufig vorkommen und sich gut an das Leben in menschlichen Siedlungen angepasst haben. Der Endormi Chamäleon ist dabei besonders bekannt und gehört zu den charakteristischen Reptilien der Insel.
Auch Insekten und Spinnentiere spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Die Seidenspinne gehört zu den auffälligeren Arten und wird aufgrund ihrer Größe und Erscheinung von vielen Besuchern als beeindruckend, teilweise auch als furchteinflößend wahrgenommen. Trotz ihrer Größe ist sie für den Menschen ungefährlich und ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Gleichgewichts, da sie zur Kontrolle von Insektenpopulationen beiträgt.
Neben den heimischen und endemischen Arten gibt es auf Réunion auch zahlreiche eingeführte Tiere, die sich im Laufe der Zeit in der Inselnatur etabliert haben. Dazu gehört beispielsweise der Tangue, eine Igelart, die ursprünglich aus Madagaskar stammt und heute in vielen Teilen der Insel vorkommt. Auch der Margouillat ist sehr verbreitet und gehört zu den typischen Tieren im Umfeld menschlicher Siedlungen.
Pflanzen-und Tierarten (endemisch):
Flora
- Blütenpflanzen 720 (176)
Fauna
- Fische 251 .
- Vögel 91 (4)
- Reptilien 19 .
- Säugetiere 9
- Amfibien 2
Naturschutz
Bis zum Jahr 2007 existierten auf Réunion insgesamt fünf größere Naturschutzgebiete. Diese nahmen zusammen eine Fläche von etwa 226 Quadratkilometern ein, was rund 9,6 Prozent der gesamten Insel entspricht. Diese Schutzgebiete dienten vor allem dem Erhalt der letzten naturnahen Wälder, der Bergregionen sowie empfindlicher Ökosysteme. Mit der Zeit wurde jedoch deutlich, dass ein umfassenderer und besser koordinierter Schutz notwendig war, um die einzigartige Biodiversität der Insel langfristig zu sichern.
Im Jahr 2007 wurde daher der Nationalpark Réunion gegründet, der als neunter Nationalpark Frankreichs gilt. Dieser Park stellte eine bedeutende Weiterentwicklung des Naturschutzes auf der Insel dar, da er große Teile des zentralen und bergigen Inselinneren unter Schutz stellte. Das Kerngebiet des Nationalparks umfasst etwa 40 Prozent der Insel und schützt damit einen außergewöhnlich großen Anteil der natürlichen Landschaft Réunions.
Der Nationalpark wurde insbesondere mit dem Ziel geschaffen, die zahlreichen endemischen Tier- und Pflanzenarten der Insel zu bewahren. Réunion weist im Verhältnis zu seiner Fläche eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt auf. Flächenbereinigt gibt es hier etwa dreimal so viele endemische Arten wie auf Hawaii und sogar fünfmal so viele wie auf den Galápagos-Inseln. Diese hohe Endemismusrate macht die Insel zu einem der wichtigsten Biodiversitäts-Hotspots weltweit.
Im Jahr 2010 wurde der Nationalpark unter dem Titel „Pitons, cirques et remparts de l’île de La Réunion“ in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Diese Auszeichnung würdigt sowohl die außergewöhnliche landschaftliche als auch die ökologische Bedeutung der Insel. Das Welterbe umfasst die markanten vulkanischen Strukturen, die das Landschaftsbild Réunions prägen.
Zum geschützten Gebiet gehören sowohl der erloschene Vulkan Piton des Neiges als auch die drei großen Talkessel, die durch seine geologische Entwicklung entstanden sind: der Cirque de Cilaos, der Cirque de Mafate und der Cirque de Salazie. Diese sogenannten „Cirques“ sind tief eingeschnittene, amphitheaterartige Täler, die durch Erosion und vulkanische Prozesse geformt wurden und heute zu den spektakulärsten Landschaften der Insel gehören.
Ebenso Teil des Nationalparks ist der noch aktive Vulkan Piton de la Fournaise im Südosten der Insel. Er zählt zu den aktivsten Vulkanen der Welt und prägt sowohl die Geologie als auch die Ökosysteme der Region. Seine regelmäßigen Ausbrüche schaffen neue Landschaften und beeinflussen die Vegetation immer wieder neu.
Klima
Das Klima auf Réunion ist insgesamt tropisch und stark vom Meer sowie von der ausgeprägten Reliefstruktur der Insel geprägt. Es handelt sich überwiegend um ein tropisch-sommerfeuchtes Klima, das nach der Köppen-Geiger-Klassifikation größtenteils als Aw eingestuft wird, also als tropisches Savannenklima. Gleichzeitig ist das Klima jedoch nicht einheitlich, sondern durch sehr starke regionale Unterschiede und zahlreiche Mikroklimate gekennzeichnet, die durch die hohen Gebirge und die Passatwinde entstehen.
Die Insel wird klimatisch stark durch die feuchten Südostpassate beeinflusst. Diese treffen vor allem auf die Ostküste und führen dort zu sehr hohen Niederschlagsmengen. Die Westküste liegt dagegen im Regenschatten der zentralen Bergmassive und ist deutlich trockener, teilweise sogar halbtrocken mit steppenähnlichen Bedingungen. Dadurch entstehen auf engstem Raum sehr unterschiedliche Landschafts- und Vegetationszonen, von tropischem Regenwald im Osten bis zu trockeneren Savannen- und Buschlandschaften im Westen.
Réunion gehört weltweit zu den Regionen mit den extremsten Niederschlagsereignissen. Besonders an der Ostküste können durch tropische Zyklone und starke Regenfälle außergewöhnliche Mengen an Niederschlag auftreten. Ein bekanntes Extremereignis wurde am 15. und 16. März 1952 registriert, als innerhalb von 24 Stunden rund 1870 Millimeter Regen fielen. Ein weiteres außergewöhnliches Ereignis trat im Jahr 2007 auf, als innerhalb von drei Tagen etwa 3929 Millimeter Niederschlag gemessen wurden. Diese Werte gehören zu den höchsten jemals auf der Erde gemessenen Regenmengen in diesen Zeiträumen und zeigen die extreme klimatische Dynamik der Insel. Zum Vergleich: Länder wie Österreich erreichen im Durchschnitt etwa 1170 Millimeter Niederschlag pro Jahr, Deutschland sogar nur rund 700 Millimeter.
Trotz dieser extrem hohen Regenmengen ist Réunion nicht dauerhaft bewölkt oder niederschlagsreich. Im Gegenteil: Die Insel weist im Jahresmittel etwa 2000 Sonnenstunden auf, was für eine tropische Insel relativ hoch ist. Die Sonneneinstrahlung ist besonders an der Westküste und in höheren Lagen häufig intensiv, während die Ostseite häufiger von Wolken und Regen geprägt ist.
Die Temperaturen auf Réunion sind ganzjährig warm, unterliegen jedoch ebenfalls regionalen und höhenbedingten Unterschieden. An der Küste liegen die Durchschnittstemperaturen im Südsommer, also zwischen Dezember und März, bei etwa 30 Grad Celsius. Im Südwinter, von Juni bis August, sinken die Werte im Mittel auf etwa 20 Grad Celsius. Die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sind im tropischen Klima relativ gering, wie es für Regionen in Äquatornähe typisch ist.
Zwischen West- und Ostseite der Insel bestehen ebenfalls Temperaturunterschiede. Die Westküste ist im Allgemeinen etwas wärmer und trockener, während die Ostküste durch die feuchteren Luftmassen etwas kühler und niederschlagsreicher ist. Besonders markant sind jedoch die klimatischen Unterschiede zwischen Küste und Bergland. In höheren Lagen sinken die Durchschnittstemperaturen auf etwa 15 Grad Celsius, und in den höchsten Gebirgsregionen kann es in den Wintermonaten, insbesondere im Juli und August, sogar zu leichten Minusgraden und gelegentlichem Schneefall kommen. Gleichzeitig bilden sich dort häufig Nebel- und Wolkenfelder, die die Gipfel oft in dichte Feuchtigkeit hüllen.
Auch die Wassertemperaturen rund um Réunion bleiben ganzjährig angenehm warm und liegen selbst in den kühleren Monaten noch bei etwa 23 bis 24 Grad Celsius. Dadurch ist die Insel grundsätzlich das ganze Jahr über für Bade- und Wassersporttourismus geeignet, auch wenn Zyklonsaisons und starke Regenfälle saisonal Einschränkungen mit sich bringen können.
Klimadaten von Saint-André (30 m, 1961 bis 1990):
| Kategorie | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Temperatur (°C) | 22,8 | 22,8 | 22,5 | 21,4 | 19,6 | 18,0 | 17,3 | 17,2 | 17,9 | 19,3 | 20,7 | 22,1 | 20,1 |
| Niederschlag (mm) | 210 | 303 | 265 | 219 | 136 | 116 | 121 | 108 | 72 | 77 | 113 | 213 | 2051 |
| Niederschlagstage <0,1 mm | 21,5 | 21,4 | 23,1 | 21,4 | 18,5 | 17,4 | 19,4 | 19,9 | 16,3 | 16,3 | 16,8 | 20,3 | 23,2 |
Mythologie
Eine der bekanntesten Sagen ist die Geschichte von Großmutter Kalle, auf Kreolisch oft als Granmer Kal bezeichnet. Sie wird als alte Hexe oder spirituelle Erscheinung beschrieben, deren Geist nach ihrem Tod weiterhin auf der Insel umhergehen soll. In den Erzählungen gilt sie als unheimliche Figur, die in der Nacht erscheint und düstere Vorzeichen oder Unglück ankündigt. Besonders in ländlichen Regionen wurde die Sage traditionell genutzt, um Kinder zu warnen oder unerklärliche Ereignisse in der Natur zu deuten.
Eine weitere bekannte Legende stammt aus der Region Sainte-Rose und handelt von Monsieur Leroux. Der Überlieferung nach stellte er eine Figur einer Jungfrau mit Sonnenschirm auf seine Felder, um seine Ernte zu schützen. Als der Vulkan Piton de la Fournaise ausbrach und Lavaströme in Richtung seiner Ländereien flossen, soll die Lava angeblich an seiner Grenze gestoppt worden sein. Diese Geschichte wird oft als Beispiel für Glauben an übernatürlichen Schutz und spirituelle Kräfte interpretiert, die mit der Natur in Verbindung stehen.
Auch natürliche Landschaftsformen sind eng mit mythologischen Erzählungen verknüpft. Der Wasserfall „Voile de la Mariée“, was „Brautschleier“ bedeutet, ist eines der bekanntesten Naturdenkmäler der Insel. Der Legende nach geht er auf eine tragische Liebesgeschichte zurück: Ein reicher junger Mann wollte eine arme Frau heiraten, doch ihr Vater verweigerte die Zustimmung. In ihrer Verzweiflung soll die junge Frau in die Berge geflohen sein, woraufhin sie verschwand und sich ihr Schleier in den Wasserfällen der Berge auflöste. Der Wasserfall wird deshalb bis heute als Symbol für unerfüllte Liebe und Tragik betrachtet.
Eine besonders dunkle Figur der Inselgeschichte ist Sitarane, ein historischer Verbrecher, der im frühen 20. Jahrhundert auf Réunion lebte. Er war Teil einer kriminellen Gruppe, die für Diebstähle und Morde verantwortlich gemacht wurde. Im Laufe der Zeit wurde seine Figur jedoch stark mythisch überhöht und teilweise mit übernatürlichen Kräften in Verbindung gebracht. In manchen Erzählungen gilt er als Zauberer oder als Person mit okkulten Fähigkeiten. Sein Grab wird von einigen Menschen bis heute mit bestimmten Ritualen verbunden, was zeigt, wie stark sich historische Realität und Mythos miteinander vermischen können.
Auch moderne historische Figuren sind Teil der Erinnerungskultur und Mythologisierung der Insel. Dazu gehört unter anderem Roland Garros, der auf Réunion geboren wurde und als Pionier der Luftfahrt gilt. Obwohl er eine reale historische Person war, hat sich sein Name auf der Insel symbolisch verfestigt. Viele Orte, Einrichtungen und das internationale Tennisturnier in Frankreich tragen seinen Namen, wodurch er in der kollektiven Erinnerung der Insel als eine Art heldenhafte Figur weiterlebt.
Geschichte
Réunion ist ein Stück Frankreich im Indischen Ozean. Ehe es dazu wurde, brausten auch noch andere Kolonialstürme über sie hinweg.
Frühzeit
Die Frühzeit von Réunion und der gesamten Maskarenen-Region ist nur lückenhaft überliefert und beruht zu einem großen Teil auf indirekten historischen Hinweisen, arabischen Quellen und späteren europäischen Karten. Sicher ist, dass der Indische Ozean bereits lange vor der europäischen Expansion ein intensiver Handelsraum war, der vor allem von arabischen Seefahrern sowie austronesischen Navigatoren genutzt und kartographisch zumindest teilweise erfasst wurde. Diese frühen Seefahrer verfügten über ausgeprägte Kenntnisse der Monsunwinde, die ihnen regelmäßige und relativ zuverlässige Routen zwischen Ostafrika, der Arabischen Halbinsel, Indien und Südostasien ermöglichten.
Bereits im 10. Jahrhundert sollen die Maskarenen-Inseln, zu denen Réunion, Mauritius und Rodrigues gehören, arabischen Seefahrern bekannt gewesen sein. Réunion wurde dabei vermutlich nur gesichtet oder grob beschrieben, ohne dass es zu einer dauerhaften Besiedlung kam. Mauritius wurde in einigen Überlieferungen als diva harab bezeichnet, was sinngemäß „verlassene Insel“ oder „Wüsteninsel“ bedeutet, während Rodrigues als diva mashriq, also „Ostinsel“, bezeichnet wurde. Diese Namen deuten darauf hin, dass die Inseln zwar bekannt waren, aber offenbar keinen dauerhaften Siedlungscharakter hatten und eher als Orientierungspunkte oder Versorgungsstationen auf langen Seerouten dienten.
Die arabische Seefahrt basierte auf hochentwickelten Schiffstypen, insbesondere den sogenannten Dhaus, die für die Bedingungen des Indischen Ozeans gut geeignet waren. Diese Schiffe konnten den starken Monsunwinden und den saisonal wechselnden Strömungen standhalten und ermöglichten den weitreichenden Handel über große Entfernungen. Vom 7. Jahrhundert an bis in die Zeit der europäischen Entdeckungsfahrten dominierten arabische Händler große Teile des Seehandels im Indischen Ozean. Sie kontrollierten wichtige Handelsrouten, über die Güter wie Seide, Gewürze, Edelsteine und andere wertvolle Waren zwischen Ostafrika, Arabien, Indien und Südostasien transportiert wurden.
Im Zuge dieser Handelsaktivitäten wurden die Inseln des Indischen Ozeans vermutlich gelegentlich entdeckt oder angefahren, möglicherweise auch durch Zufall infolge von Stürmen oder Abweichungen von den regulären Routen. Einige Überlieferungen erwähnen einen arabischen Seefahrer namens Suhliman, der die Inselgruppe als Tirakka bezeichnet haben soll. Ob es sich dabei um eine tatsächliche historische Figur oder um eine spätere Überlieferung handelt, ist nicht eindeutig geklärt, doch solche Berichte zeigen, dass die Inseln in der arabischen Geographie zumindest in Ansätzen bekannt gewesen sein könnten.
Die erste gesicherte Darstellung der Maskarenen in einem europäischen Kontext stammt aus dem Jahr 1502. Auf einer frühen Weltkarte, die auf einer arabischen Vorlage beruhte und von dem Kartografen Alberto Cantino angefertigt wurde, erscheinen die Inseln erstmals in europäischer Überlieferung. In dieser Darstellung wurde Réunion als Dina Margabim bezeichnet, Mauritius als Dina Arobi und Rodrigues als Dina Mozare. Diese Namen gehen wahrscheinlich auf arabische oder arabisch beeinflusste Bezeichnungen zurück und wurden von portugiesischen Kartografen übernommen oder angepasst.
Auch andere portugiesische Kartografen des frühen 16. Jahrhunderts führten die Inseln in ihren Kartenwerken auf und trugen damit zur Verbreitung des Wissens über die Maskarenen in Europa bei. Diese frühen Darstellungen zeigen, dass die Inselgruppe zumindest indirekt bereits vor der eigentlichen europäischen Kolonisierung bekannt war, auch wenn genaue Kenntnisse über ihre Beschaffenheit noch fehlten.
Es gibt zudem Hinweise darauf, dass auch austronesische Seefahrer, insbesondere Malaien, im späten Mittelalter möglicherweise den westlichen Indischen Ozean erreichten. Einige Forscher vermuten, dass sie Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts die Insel Mauritius betreten oder zumindest gesichtet haben könnten. Diese Annahme stützt sich unter anderem auf vereinzelte spätere Funde und indirekte Hinweise, etwa Inschriften oder Berichte europäischer Entdecker. Gesicherte archäologische Belege für eine dauerhafte Präsenz fehlen jedoch.
Europäische Kontaktzeit
Erst 1498 erreichte der Portugiese Vasco da Gama über die Südspitze Afrikas den Indischen Ozean, durchfuhr auf seinem Weg nach Kalikut den Kanal von Mosambik und erforschte Mosambik und die Insel Madagaskar. Bei seinem kurzen Aufenthalt auf Madagaskar verwüstete da Gama mit seiner Mannschaft die Stadt Kingani im Norden der Insel und leitete die Ära der europäischen Kolonisierung des Indischen Ozeans ein.
Nach den Portugiesen begannen nacheinander auch die Engländer, Holländer und Franzosen mit der Kolonisierung der Region, entdeckten die Inseln neu und gründeten Niederlassungen, wobei sie sich insbesondere auch der Arbeitskraft von Sklaven aus Afrika und Madagaskar bedienten.
Bei der Erforschung der für die Europäer geeigneten Seerouten auf dem Weg nach Indien entdeckte der portugiesische Seefahrer Pedro Mascarenhas am 9. Februar 1512 die später nach ihm benannten Maskarenen. Genauso wie viele andere damaligen Seefahrer ihre Entdeckungen nach den Heiligen des Tages der Entdeckung benannten, gab auch er der Insel Réunion zu Ehren der Heiligen Apollonia den Namen nach der Santa Apollonia.
Erst über hundert Jahre nach der Entdeckung, am 23. März 1613, betrat der englische Freibeuter Blackwell (nach anderen Quellen ein holländischer Admiral namens Verhuff) die Insel und nannte sie England's forest („Englands Wald“). Er beschrieb eine paradiesische, unberührte Insel mit zahlreichen Wasserläufen und üppiger Fauna: Schildkröten, Papageien, Dodos, Turteltauben, Enten, Gänse, Wildschweine, Aale, alle „außerordentlich einfach zu fangen“.
Am 25. Juni 1638 wurden die Maskarenen erstmals formell von Frankreich beansprucht. Eine zweite formelle Inbesitznahme erfolgte am 29. Juni 1642, als die Franzosen bei Saint-Paul erstmals auf Réunion landeten.
1646 wurden zwölf Meuterer aus Fort Dauphin, einem kleinen Handelsstützpunkt auf dem Seeweg nach Indien im Süden Madagaskars, für drei Jahre auf Réunion ausgesetzt. Am 7. September 1649 wurden sie nach Fort Dauphin zurückgebracht, wobei , Berichten zufolge, einige der Verbannten nur widerwillig zurückkehrten.
Die verlockenden Beschreibungen der zurückgekehrten Meuterer lenkten das Interesse des französischen Gouverneurs auf Madagaskar, Eugène de Flacourt, auf die Insel. Mit dem Schiff Saint Laurent nahm er Réunion zum dritten Mal in Besitz und gab ihr dem französischen Königshaus der Bourbonen zu Ehre den Namen Île Bourbon („Insel Bourbon“). Er ließ vier Färsen und einen Stier auf der Insel zurück; ansonsten blieb die Insel weiterhin unberührt.
1654 wurde die Île Bourbon zum zweiten Mal vorübergehend von Kleinkriminellen besiedelt. Am 10. November 1663 ankerte die Saint Charles vor Saint-Paul bei der Grotte des Premiers Français. Die Franzosen besetzten die Île Bourbon und machten sie zu einer vollwertigen Kolonie Frankreichs. Die neue Kolonie war zugleich die erste französische Niederlassung im Indischen Ozean.
Französische Kolonialzeit
Während eines Jahrhunderts, von 1665 bis 1764, wurde die Réunion direkt von der Compagnie des Indes („Indien-Kompanie“) verwaltet, die vom französischen König eine entsprechende Konzession erhalten hatte. 1665 nahm der erste Gouverneur der Île Bourbon, Étienne Regnault, Vertreter der Compagnie des Indes, seine Tätigkeit auf der Insel auf. Die Kolonialverwaltung errichtete die ersten Siedlungen für die zunächst 30 bis 35 Einwohner der Insel, begann mit der Ausbeutung der Schätze der Insel (Schildkröten, Dodos, Wild ...) und vergab die ersten Handelskonzessionen. Die erste Kolonie, Camp Jacques, lag an der Mündung der Lagune von Saint-Paul.
Der endgültige Startschuss für die Kolonisierung der Insel fiel mit der Ankunft der ersten französischen Siedler. Begleitet wurden sie von Arbeitskräften aus Madagaskar, die zwar offiziell (noch) keine Sklaven waren (sondern serviteurs, also „Diener“), de facto aber den Siedlern der Compagnie stets zu Diensten zu stehen hatten. 1667 wurde das erste bekannte Kind auf der Insel geboren, aber wahrscheinlich hatten bereits die ersten madegassischen Frauen, die 1663 mit Louis Payen auf der Insel angekommen waren, Kinder zur Welt gebracht.
1667 wurden Saint-Denis, die heutige Hauptstadt Réunions, und Sainte-Suzanne gegründet; bis 1671 steigt die Einwohnerzahl der Île Bourbon auf 76. 1674 wurden die Überlebenden des Massakers von Fort Dauphin auf der Insel aufgenommen, die damit auch zum einzigen verbleibenden französischen Stützpunkt auf dem Seeweg nach Indien wurde. Die Insel zählte zum damaligen Zeitpunkt 150 Einwohner und geriet im Mutterland für einige Jahre in Vergessenheit, gedieh aber dennoch weiter.
Erst im Jahr 1680 versuchte Pater Bernardin, die Aufmerksamkeit König Ludwig XIV. wieder auf die Île Bourbon zu lenken. 1686 lebten auf La Réunion 216 Einwohner, und 1689 wurde De Vauboulon als erster Administrator und Gesetzgeber auf die Insel entsandt. Die Bedeutung der Île Bourbon für den Seeweg nach Indien wurde aber im Mutterland erst um 1700 erkannt, wodurch die Bevölkerungszahl stark anstieg: 1704 zählt die Insel bereits 734 Einwohner.
Ab 1718 wurde Kaffee auf der Insel angebaut. Damit begann eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Bis 1735 erreichte die jährliche Exportmenge einen Wert von 100.000 Pfund. Für die Kaffeeplantagen wurden jährlich 1500 zusätzliche Sklaven aus Afrika, Indien und Madagaskar auf die Insel gebracht.
1735 wurde Bertrand François Mahé de la Bourdonnais erster Generalgouverneur der Île Bourbon und der Île de France (heute Mauritius). Die Île Bourbon verlor dadurch gegenüber ihrer Schwesterinsel Île de France allmählich an Bedeutung. 1738 wurde Saint-Denis anstelle von Saint-Paul die neue Hauptstadt der Insel. 1741 wurden die jungen Einwohner der Insel für den Krieg gegen die Engländer in Indien rekrutiert. Die Kaffeeproduktion boomte weiter: 1744 werden bereits 2,5 Millionen Pfund exportiert, und die Insel hat bereits 2500 Einwohner. Zwischen 1756 und 1763 diente die Insel im Siebenjährigen Krieg als wichtige Basis im Kampf gegen die Engländer in Indien.
1764 kaufte der König nach dem Scheitern der Compagnie des Indes die Maskarenen zurück. Die Insel erfuhr im folgenden Vierteljahrhundert einen erneuten Wirtschaftsaufschwung und war beim Export von Kaffee und vor allem von Gewürzen sehr erfolgreich. Wichtigste Persönlichkeit im Gewürzhandel war Pierre Poivre, der zahlreiche neue Gewürze einführte. 1772 wurden etwa die ersten Gewürznelken auf der Insel angebaut.
Auch das Verwaltungs- und Rechtssystem der Insel ist zahlreichen Veränderungen unterworfen. Am 14. Juli 1767 übernimmt Frankreich formell die Oberhoheit über die Maskarenen. 1768 leben auf der Insel 45.000 Sklaven und 26.284 freie Einwohner. 1788, kurz vor dem Ende des Ende der königlichen Ära, leben auf der Insel 47.195 (freie) Einwohner.
Revolutionszeit
Die Jahre der Französischen Revolution und Napoléon Bonapartes bringen insbesondere wegen der zahlreichen Nachwirkungen der Kriege eine schwierige Periode für die Insel. 1789 übernimmt die während der Revolution gebildete Kolonialversammlung die Verwaltung auf der Insel. Zwischen 1793 und 1795 kommt es wegen der weitgehend zusammengebrochenen Versorgung aus dem Mutterland zu schweren Engpässen bei Lebensmitteln, die die Inselbevölkerung aber mit Hilfe der Korsaren übersteht.
Die Revolution wirft auch die Frage eines neuen Namens für die Insel auf. Zunächst wird 1793 eine Benennung als Île de Jemmapes erwogen, nach der Schlacht von Jemappes 1792. Am 8. April 1794 erhält die Insel anstelle der alten Bezeichnung den Namen Île de la Réunion – zu deutsch etwa „Insel der Zusammenkunft“ oder „Insel der Vereinigung“, nach der Vereinigung der Revolutionäre aus Marseille und der Nationalgarden beim Sturm auf die Tuilerien, mit dem der Bourbonenkönig vom Thron verjagt wurde. Neben der Änderung des Namens wird auch der royalistische Gouverneur verhaftet.
Zu starken Spannungen kommt es, als sich die Kolonialversammlung 1795 entgegen den Vorgaben aus Paris weigert, die Sklaverei abzuschaffen. Anstelle einer vollständigen Abschaffung der Sklaverei stärkt die Versammlung nur geringfügig die Rechte der Sklaven. Im selben Jahr übernimmt die Bergpartei die Macht auf Réunion. 1796 wiederholt die Kolonialversammlung formell ihre Weigerung, die Sklaverei abzuschaffen. Ab 1798 wird Réunion vom Mutterland als „gesetzlos“ oder „vogelfrei“ betrachtet. Die Insel kapselt sich von Frankreich in einer Autonomie ab, und 1799 errichtet die Kolonialversammlung auf der Insel eine Diktatur.
1801, nach der Machtergreifung durch Napoleon, kommt Réunion wieder unter französische Kontrolle. Napoleon verändert den Status der Insel neuerlich, indem er sie einem Generalkapitän (capitaine général) mit Sitz auf der Île de France (Mauritius) unterstellt. Die Kolonialversammlung wird abgeschafft, die Sklaverei 1802 wieder in vollem Umfang eingeführt. Im August 1806 wird die Insel zu Ehren Napoleons in Île Bonaparte umbenannt.
1807 verwüsten mehrere Wirbelstürme und andere Naturkatastrophen alle Kaffee- und Gewürznelkenplantagen. Die Insel richtet ihre Landwirtschaft in Richtung einer anderen, widerstandsfähigeren und bis heute dominierenden Kulturpflanze aus: Zuckerrohr.
1808 beginnt die englische Flotte eine Blockade der verteidigungslosen Insel. Die Engländer gehen von 16. bis 25. August 1809 in Sainte-Rose an Land, werden aber von der Nationalgarde von Saint-Benoît zurückgeschlagen. Am 21. September nehmen die Engländer Saint-Paul ein, ziehen sich aber unmittelbar darauf wieder zurück.
Am 7. Juli 1810 landen die Engländer bei Grande Chaloupe erneut auf der Insel und ziehen in Richtung der Hauptstadt Saint-Denis. Am 8. Juli unterliegen die Franzosen in der sogenannten „Redoutenschlacht“ (französisch bataille de la Redoute), Réunion kapituliert. Am 9. Juli 1810 erhält die Insel wieder ihren alten Namen aus dem Ancien Régime: Île Bourbon.
Bis 1815 bleibt die Insel unter englischer Besatzung, ohne dass diese Periode besondere Spuren in der Geschichte hinterlassen hätte. Am 6. April 1815 wird die Insel mit dem Vertrag von Paris an das wiedererrichtete Königreich Frankreich zurückgegeben. Die Insel hat zu diesem Zeitpunkt 68.309 Einwohner. Die Zuckerrohrplantagen haben sich gut entwickelt, aber die Insel kann ihren Lebensmittelbedarf nicht mehr selbst decken.
Restaurationszeit
In der Zeit der Restauration nach 1815 kehrte die Dynastie der Bourbonen in Frankreich an die Macht zurück. Obwohl der Wiener Kongress 1815 den Sklavenhandel formal verboten hatte, wurde dieser auf den französischen Inseln im Indischen Ozean zunächst weiterhin inoffiziell toleriert. Zwischen 1817 und 1831 wurden auf die Île Bourbon noch mehr als 45.000 versklavte Menschen gebracht. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass wirtschaftliche Interessen der Plantagenbesitzer zunächst stärker wogen als internationale Verbote. Die Sklavenarbeit bildete weiterhin das Fundament der Zuckerrohrwirtschaft, die das wirtschaftliche Rückgrat der Insel darstellte.
Die politische Entwicklung in Frankreich hatte jedoch direkte Auswirkungen auf die Kolonie. Nach der Julirevolution von 1830 und der Errichtung der Julimonarchie verschärfte sich die Haltung gegenüber dem Sklavenhandel. Dieser wurde nun energischer bekämpft, auch wenn die vollständige Abschaffung der Sklaverei noch nicht sofort umgesetzt wurde. Erste Reformen zielten darauf ab, die Lebensbedingungen der versklavten Bevölkerung zu verbessern und den rechtlichen Rahmen zu verändern. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung waren die sogenannten Mackau-Gesetze von 1845, die den Sklaven gewisse Rechte einräumten und ihre Situation zumindest teilweise verbesserten. Diese Maßnahmen stellten jedoch noch keine vollständige Emanzipation dar, sondern eher eine vorsichtige Reform innerhalb des bestehenden Systems.
Neben der Sklavenfrage war die Restaurationszeit auch von Naturkatastrophen, wirtschaftlichen Entwicklungen und institutionellen Veränderungen geprägt. Im Jahr 1820 wurde die Insel von einer Choleraepidemie heimgesucht, die große Auswirkungen auf die Bevölkerung hatte und die ohnehin schwierigen Lebensbedingungen weiter verschärfte. Neun Jahre später, 1829, richtete ein schwerer Wirbelsturm erhebliche Schäden an und zerstörte Teile der Infrastruktur sowie landwirtschaftliche Flächen. Solche Naturereignisse waren für die Inselwirtschaft besonders belastend, da sie stark von der Landwirtschaft abhängig war.
Trotz dieser Krisen begann sich die koloniale Verwaltung langsam zu modernisieren. Im Jahr 1831 wurde eine Handelskammer gegründet, die die wirtschaftlichen Interessen der Plantagenbesitzer und Händler organisierte und vertrat. Ein Jahr später, 1832, wurde erstmals ein Generalrat gewählt, was einen ersten Schritt in Richtung institutioneller Mitbestimmung innerhalb der Kolonie darstellte, auch wenn diese noch stark eingeschränkt war und vor allem der kolonialen Elite zugutekam.
Ein bedeutender wirtschaftlicher Fortschritt dieser Zeit war die Entwicklung des Vanilleanbaus. Um 1840 gelang die künstliche Befruchtung von Vanillepflanzen, was den Anbau dieser wertvollen Gewürzpflanze revolutionierte. Dadurch konnte sich die Produktion stark ausweiten, und die sogenannte „Bourbon-Vanille“ entwickelte sich zu einem weltweit gefragten Exportprodukt. Dieser wirtschaftliche Erfolg trug wesentlich zur weiteren Integration der Insel in den globalen Handel bei und stärkte die Bedeutung der Landwirtschaft über den Zucker hinaus.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung der Insel deutlich an und erreichte bis 1848 etwa 103.490 Einwohner. Diese Zahl umfasst sowohl freie Siedler als auch eine große Zahl versklavter Menschen, die weiterhin unter schwierigen Bedingungen in der Plantagenwirtschaft arbeiteten.
Das Jahr 1848 markierte schließlich einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Insel. Am 9. Juni 1848 wurde in Frankreich die Republik ausgerufen, was auch direkte Auswirkungen auf die Kolonien hatte. In diesem Zusammenhang erhielt die Insel am 9. Juli offiziell wieder den Namen Réunion, um ihre Zugehörigkeit zur französischen Nation zu betonen. Dieser Namenswechsel symbolisierte eine neue politische Epoche und die Abkehr von der monarchischen Vergangenheit.
Bereits am 27. April 1848 war die Emanzipation der Sklaven verkündet worden, doch die vollständige Umsetzung dauerte noch einige Monate. Erst am 20. Dezember 1848 wurde die Abschaffung der Sklaverei auf der Insel endgültig vollzogen. Der französische Kommissar Joseph Napoléon Sébastien Sarda Garriga proklamierte die Freiheit von rund 60.000 versklavten Menschen. Damit endete ein zentrales Kapitel der kolonialen Geschichte der Insel, auch wenn die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Sklaverei noch lange nachwirkten.
Zeit der Sklavenbefreiung
Auch nach der Abschaffung der Sklaverei bleibt Réunion noch bis 1946 eine französische Kolonie. Und auch für die Sklaverei wird ein sozioökonomisches Nachfolgekonzept gefunden, mit dem die Bediensteten der Plantagenbesitzer weiterhin geknechtet werden können: Man entwickelt den engagisme (später auch servilisme genannt), der viele neue Gastarbeiter aus den bisherigen Sklavenherkunftsländern (Madagaskar und Ostafrika, vor allem aber verstärkt auch Indien) nach Réunion bringt, nun zwar auf Basis von Arbeitsverträgen, aber nur sehr schlecht bezahlt. Durch diese Wirtschaftsimmigration explodiert die Bevölkerung der Insel – allein zwischen 1848 und 1882 verdoppelt sich die Bevölkerung –, die zudem durch die zunehmende Überbevölkerung immer stärker von Reisimporten abhängig wird.
Am 1. Januar 1848 leben auf Réunion 62.151 Sklaven die damit 60 % der Gesamtbevölkerung stellen. Mit ihrer Freilassung am 20. Dezember 1848 erhalten sie alle von der Kolonialverwaltung einen bürgerlichen Namen zugewiesen, der ihrem bisherigen Sklavennamen hinzugefügt wird. Die Freigelassenen bleiben entweder bei ihren ehemaligen Besitzern an ihrem angestammten „Arbeitsplatz“ oder sie vagabundieren auf der Insel als schlecht bezahlte Wanderarbeiter. Dabei konkurrieren die ehemaligen Sklaven auf dem nunmehr „freien“ Arbeitsmarkt mit über 100.000 im Rahmen des oben erwähnten engagisme nach und nach neu für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen rekrutierten Indern (genannt malabars, nach der Malabarküste im Südwesten Indiens) und Afrikanern (genannt cafres, also „Kaffern“).
1849 finden auf der Insel die ersten Wahlen mit allgemeinem Wahlrecht statt. Am 8. August 1852 wird Hubert de Lisle erster neuer Gouverneur nach dem Ende der Sklaverei. 1855 wird in Saint-Denis mit dem Naturhistorischen Museum ( Muséum d'histoire naturelle de la Réunion) das erste große Museum auf der Insel eröffnet. 1859 wird die Insel von Cholera- und Pockenepidemien heimgesucht; im selben Jahr endet auch die systematische Einwanderung von Afrikanern. 1860 hat die Insel bereits 179.190 Einwohner; am 21. April wird in Saint-Denis das Rathaus (hôtel de ville) eingeweiht. 1865 bricht eine Typhusepidemie aus. 1868 kommt es zu einer großen Brandkatastrophe in Salazie. In Saint-Denis bricht im gleichen Jahr ein Aufruhr aus, woraufhin für sechs Monate der Belagerungszustand ausgerufen wird.
1870 beträgt die Einwohnerzahl der Insel 193.360. Am 22. Oktober wird ein Freiwilligenkorps von Kreolen für den Krieg gegen Preußen nach Europa entsandt. 1878 werden die Arbeiten für den Bau eines neuen Hafens (heute Le Port) und einer Eisenbahn aufgenommen. Die erste Eisenbahnlinie von Saint-Benoît nach Saint-Denis wird am 11. Februar, die zweite von Saint-Louis nach Saint-Pierre am 19. Juni 1882 eröffnet. 1885 endet auch die Rekrutierung von Arbeitskräften aus Indien. Am 14. Februar 1886 wird der künstliche Hafen an der Pointe des Galets (heute Le Port) in Betrieb genommen. Im Jahr 1894 wird mit der Fertigstellung des Pont suspendu (Hängebrücke) über die Rivière de l’Est auch der äußerste Osten der Insel verkehrstechnisch erschlossen. Bis 1897 geht nach dem Ende der systematischen Zuwanderung die Bevölkerungszahl auf 173.190 zurück.
1900 wird das erste Kraftfahrzeug auf die Insel gebracht. 1901 exportiert die Insel 41.500 Tonnen Zuckerrohr. 1907 brennt der Badeort Saint-Gilles vollständig nieder, 1910 das Lycée de la Réunion in Saint-Denis (heute als Lycée Leconte de Lisle wiederaufgebaut). 1911 wird von den beiden kreolischen Intellektuellen Marius und Ary Leblond das Musée des Beaux-Arts (Musée Léon Dierx) geschaffen. 1913 wird die Académie von Réunion eingerichtet, die alle Bildungseinrichtungen auf der Insel zusammenfasst und koordiniert.
Weltkriegszeit
Im Jahr 1914 kam es auf Réunion im Zusammenhang mit Wahlen zur französischen Nationalversammlung zu schweren Unruhen. Diese Konflikte hatten sowohl politische als auch soziale Ursachen und spiegelten die Spannungen innerhalb der kolonialen Gesellschaft wider. Die Auseinandersetzungen eskalierten derart, dass es zu gewaltsamen Zusammenstößen kam, bei denen 14 Menschen starben und etwa 300 Personen verletzt wurden. Diese Ereignisse zeigen, dass politische Partizipation in der Kolonie von erheblichen sozialen Spannungen begleitet war. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verschärfte sich die Situation zusätzlich, da nun erneut Männer aus der Kolonie nach Europa entsandt wurden, um im französischen Militärdienst zu kämpfen. Viele sogenannte „Kreolen“ wurden in den Krieg eingezogen oder als Arbeitskräfte in den Kriegsgebieten eingesetzt, was tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft der Insel hatte.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann eine Phase wirtschaftlicher Erholung und erneuter Integration in die französische Handelswirtschaft. Die Exporte von Réunion nach Europa nahmen wieder deutlich zu. Die Insel blieb stark auf landwirtschaftliche Produkte spezialisiert, die für den Export bestimmt waren. Im Jahr 1923 umfasste das Exportportfolio eine breite Palette an Gütern, darunter Zucker, Vanille, Maniok, Rosengeranienöl, Ylang-Ylang-Öl, Vetiver, Kaffee, Kakao, Tee, Tabak sowie verschiedene Nüsse, Aloe, Mais, Obst und Gemüse. Diese Vielfalt zeigt, dass Réunion trotz seiner kolonialen Struktur eine relativ breit aufgestellte Agrarproduktion besaß, auch wenn Zucker weiterhin das wichtigste Exportgut blieb.
In den 1920er Jahren verbesserten sich zudem die Verkehrs- und Handelsverbindungen zwischen der Insel und dem französischen Mutterland. Ein bedeutender Schritt war die Einrichtung einer regelmäßigen Passagierschifffahrtslinie zwischen Marseille und dem Hafen von Le Port im Jahr 1925. Diese Verbindung erleichterte den Personen- und Warenverkehr erheblich und stärkte die wirtschaftliche und administrative Anbindung an Frankreich. Gleichzeitig förderte sie die Mobilität einzelner Bevölkerungsgruppen, insbesondere von Verwaltungsbeamten, Händlern und Arbeitern.
Auch im Bereich der Kommunikation und Infrastruktur kam es zu wichtigen Entwicklungen. Im Dezember 1936 wurde erstmals Post auf dem Luftweg zwischen dem Flughafen Le Bourget in Frankreich und dem Flughafen Gillot bei Saint-Denis auf Réunion transportiert. Dieser Flugpostverkehr markierte einen bedeutenden Fortschritt in der Anbindung der Insel an das europäische Festland und verkürzte die Kommunikationszeiten erheblich. Damit begann langsam der Übergang von einer ausschließlich maritimen Verbindung zu modernen Luftverkehrsstrukturen.
Die Zeit des Zweiten Weltkriegs brachte für Réunion erneut große Herausforderungen. Die Insel blieb zwar geografisch weit vom Kriegsschauplatz entfernt, war jedoch politisch stark betroffen. Nach der Niederlage Frankreichs im Jahr 1940 unterstand Réunion dem Vichy-Regime, das die Kontrolle über viele Kolonien ausübte. Diese Phase war geprägt von wirtschaftlichen Engpässen, Versorgungsproblemen und politischer Unsicherheit. Die Handelsverbindungen nach Europa wurden stark eingeschränkt, was zu Versorgungsengpässen auf der Insel führte. Gleichzeitig kam es zu politischen Spannungen zwischen Anhängern des Vichy-Regimes und jenen, die sich der „Freien Frankreich“-Bewegung von Charles de Gaulle verbunden fühlten.
Gegen Ende des Krieges wurde Réunion schließlich wieder enger in die Strukturen des freien Frankreich eingebunden. 1942 übernahmen Kräfte der „Freien Franzosen“ die Kontrolle über die Insel, wodurch sie sich wieder auf die Seite der Alliierten stellte. Dies führte zu einer schrittweisen Stabilisierung der politischen Lage bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945.
Moderne Ära
Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Réunion am 19. März 1946 als Überseedépartement (département d’outre-mer) und damit als integraler Bestandteil Frankreichs in die neu gegründete Vierte Republik integriert. Diese départementalisation beendet die Kolonialzeit auf Réunion und löst eine starke Modernisierung und beschleunigte wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Insel aus.
Besonders die wirtschaftlichen Umwälzungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind beträchtlich: Die koloniale Plantagenwirtschaft wird von einer westeuropäisch inspirierten Konsumgesellschaft abgelöst, wobei aber die Wirtschaft auf Réunion selbst fragil und unausgewogen bleibt, mit einem aufgeblähten tertiären Sektor – eine Situation, die durch die erheblichen Sozialtransfers (gleiche Sozialstandards wie im französischen Mutterland) noch weiter verschärft wird. Die Bevölkerung verdreifacht sich innerhalb von fünfzig Jahren und steigt von 227.000 im Jahr 1946 auf 770.000 im Jahr 2005.
1948 verwüstet ein Wirbelsturm mit Windgeschwindigkeiten von 300 km/h weite Teile der Insel, hinterlässt 165 Tote und Schäden in Höhe von drei Milliarden CFA-Franc. Mit Inkrafttreten der Römischen Verträge von 1957 wird Réunion Teil der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (später EG). Die Bevölkerungszahl liegt 1962 bei 354.294.
Am 6. Mai 1963 wird Michel Debré erstmals von der Bevölkerung Réunions in die Nationalversammlung gewählt. In den darauffolgenden Jahren organisiert Debré eine bis heute heftig umstrittene beispiellose Umsiedlung von über 1000 Kindern auf das französische Festland, die aus ihren Familien herausgerissen werden, um bevölkerungsschwache Départements (zum Beispiel Creuse) zu verstärken.
1964 wird das Speicherkraftwerk Takamaka eröffnet. 1965 wird im Süden der Insel ein eigenes Arrondissement mit Saint-Pierre, dem wirtschaftlichen Zentrum des Inselsüdens, als Hauptstadt errichtet. Am 1. Januar 1975 wird der CFA- durch den französischen Franc ersetzt, um die wirtschaftliche Integration in das Mutterland zu verstärken. 1976 errichtet die katholische Kirche ein eigenes Bistum auf Réunion; erster Bischof von Réunion wird Gilbert Aubry. Am 5. März 1976 wird nach 29-monatiger Bauzeit die 11,7 km lange und 230 Millionen Franc teure Küstenstraße von Saint-Denis nach La Possession eröffnet. 1978 finden die ersten Spiele des Indischen Ozeans auf Réunion statt.
Die Dezentralisierungsreformen des Innenministers Gaston Defferre unter dem neuen sozialistischen Staatspräsidenten François Mitterrand machen das Überseedépartement Réunion 1982 gleichzeitig zu einer Überseeregion (région d'outre-mer). Als erster Regionalrat Frankreichs wird am 2. März 1983 jener von Réunion direkt vom Volk gewählt. Am 1. Januar 1996 wird unter dem neuen gaullistischen Staatspräsidenten Jacques Chirac das Sozialsystem auf Réunion endgültig an das im französischen Mutterland angeglichen. Mit dem Vertrag von Amsterdam 1997 erhält Réunion innerhalb der Europäischen Union einen Sonderstatus als „Region in äußerster Randlage der Union“ (région ultra-périphérique) mit diversen Handelserleichterungen zur Förderung der Wirtschaft. 1999 steigt die Einwohnerzahl auf Réunion über 700.000.
Während der Coronazeit gab es auf Réunion verschiedene Maßnahmen, die im Laufe der Pandemie angepasst wurden. Im März 2020 galt zunächst eine Ausgangssperre (Confinement), bei der nur mit einem ausgefüllten Formular für Einkäufe, gesundheitliche Gründe oder Sport im Wohnumkreis das Verlassen des Hauses erlaubt war. Restaurants und viele Läden wurden geschlossen, nur Lebensmittelgeschäfte blieben offen. Zudem gab es Einschränkungen bei Reisesperren innerhalb der EU und Inselblockaden. Am 1. August 2022 wurden jedoch alle Einreisebeschränkungen zwischen Réunion, dem französischen Festland und dem Ausland aufgehoben.
Verwaltung
Am 9. Februar 1513 sichteten die Portugiesen die Insel, eine Kolonisierung wurde aber nicht in Angriff genommen. 1638 beanspruchte Frankreich erstmals das Eiland, im September 1642 erneut, aber erst 1649 wurde es formal annektiert. Die erste Siedlung entstand 1664. Von 1674 bis 1764 stand die Île Bourbon unter der Verwaltung der Compagnie des Indes Orientales. 1764 wurde sie französische Kronkolonie. Von 3. Februar 1803 bis 9. Juli 1810 war Réunion, wie es nun hieß, Teil der Kolonie Indes-Orientales. Von 9. Juli 1810 bis August 1815 besetzten britische Truppen die Insel. Von 22. Juni 1940 bis 25. September 1942 verwaltete Viuchy-Frankreich die Insel,. Danach war sie bis 1946 von den Briten besetzt. Am 19. März 1946 wurde Réunion ein französisches Übersee-Department. Seit 28. Mai 2003 ist die Insel eine Überseeregion.
Herrschaftsgeschichte
- 9. Februar 1507 bis 27. März 1613 freies Territorium
- 27. März 1613 bis Juni 1638 formaler Anspruch durch das Königreich England (Kingdom of England)
- Juni 1638 bis 1. Dezember 1674 Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 1. Dezember 1674 bis 14. Juli 1767 Französische Ostindien-Gesellschaft (Compagnie Française des Indes Orientales)
- 14. Juli 1767 bis 19. März 1793 Kronkolonie Insel Bourbon (Colonie royale de l’Île Bourbon) des Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 19. März 1793 bis 25. Oktober 1797 Kolonie Réunion (Île de la Réunion) der Republik Frankreich (République française)
- 25. Oktober 1797 bis 19. April 1801 Department Réunion (Departement Île de la Réunion) der Republik Frankreich (République française)
- 3. Februar 1803 bis 9. Juli 1810 Kolonie Ostindien (Indes-Orientales) des Kaiserreichs Frankreich (Empire français)
- 9. Juli 1810 bis 5. April 1815 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
- 5. April 1815 bis 6. September 1848 Koloniel Bourbon-Insel (Île Bourbon) der Republik Frankreich (République française)
- 6. September 1848 bis 16. Juni 1940 Inselkolonie Réunion (Île de la Réunion) der Republik Frankreich (République française)
- 16. Juni 1940 bis 30. November 1942 Französischer Staat (État français) mit Sitz in Vichy
- 30. November 1942 bis 19. März 1946 Republik Frankreich (République française)
- 19. März 1946 bis 28. Märzm 2003 Überseedepartment Réunion (Département d’outre-mer de La Réunion) der Republik Frankreich (République française)
- seit 28. März 2003 Überseeregion Réunion (Département et région d’outre-mer de La Réunion) der Republik Frankreich (République française)
Verfassung
Réunion ist seit März 1946 ein département d’outre mer (Überseedepartment) der Republik Frankreich. Es galt die jeweilige französische Verfassung. Seit 1972 hat Réunion durch weitere Rechte eine größere Unabhängigkeit von Frankreich bekommen. Seit 1997 ist die Insel außerdem eine sogenannte région ultrapériphérique, eine Region in äußerster Randlage der Europäischen Union.
Legislative und Exekutive
Die politische und administrative Struktur von Réunion ist eng an das französische Staats- und Verwaltungssystem angelehnt, da die Insel ein sogenanntes Übersee-Département und gleichzeitig eine Region Frankreichs ist. Dadurch gilt dort grundsätzlich das gleiche institutionelle Modell wie im europäischen Frankreich, allerdings mit einigen Besonderheiten, die aus der Insellage und den spezifischen lokalen Anforderungen resultieren.
Das Département und die Region von Réunion sind territorial identisch, das heißt, sie umfassen exakt dasselbe geografische Gebiet. Trotz dieser räumlichen Übereinstimmung bestehen jedoch zwei getrennte Selbstverwaltungsstrukturen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Einerseits gibt es den Generalrat des Départements, der heute als Départementalrat bezeichnet wird, und andererseits den Regionalrat. Beide Organe sind eigenständig und verfügen jeweils über klar definierte Kompetenzen, die im französischen Verwaltungsrecht zwischen Département- und Regionalebene aufgeteilt sind.
Der Départementalrat ist vor allem für Aufgaben zuständig, die sich auf die soziale und lokale Verwaltung beziehen. Dazu gehören unter anderem soziale Hilfen, die Verwaltung von bestimmten Infrastrukturen auf lokaler Ebene sowie Maßnahmen im Bereich der Grundversorgung und des täglichen öffentlichen Lebens. Diese Ebene ist stärker auf unmittelbare Bürgernähe und soziale Aufgaben ausgerichtet.
Der Regionalrat von Conseil Régional de La Réunion hingegen übernimmt die übergeordnete Planung und Entwicklung der Insel. Er verfügt über regierungsähnliche Kompetenzen für alle Angelegenheiten, die die gesamte Insel betreffen, insbesondere in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Regionalplanung, Infrastrukturentwicklung, Bildung und nachhaltige Entwicklung. Damit ist er maßgeblich für die strategische Ausrichtung der Insel verantwortlich.
Die Besonderheit dieses Systems liegt darin, dass zwei Institutionen parallel existieren, obwohl sie denselben territorialen Raum verwalten. Dies führt dazu, dass administrative Aufgaben klar zwischen lokaler Sozialverwaltung und regionaler Entwicklungsplanung getrennt sind, aber dennoch eng miteinander abgestimmt werden müssen.
Inseloberhaupt
Die in die Zuständigkeit des französischen Zentralstaates fallenden Angelegenheiten unterstehen dem Präfekten, der das Mutterland vertritt und zugleich eine Art Staatsoberhauptbildet.
Commandants (Kommandanten der Compagnie des Indes Orientales)
- 5 Aug 1665 - 8 Mai 1671 Étienne Régnault († 1688)
- 11 Mai 1671 - 22 Nov 1674 Jacques de La Heure dit La Hure († 1674/75)
- 22 Nov - 1 Dez 1674 Jacob de la Haye [de facto]
- 1 Dez 1674 - 17 Jun 1678 Henri Esse d'Orgeret († 1678)
- 18 Jun 1678 - Jan 1680 Germain de Fleuricourt Moulinier († 1680)
- Jan 1680 - 30 Nov 1686 J. Bernardin de Quimper (1634 - 1689)
- 1 Dez 1686 - 9 Dez 1689 Jean-Baptiste Drouillard († 1693)
- 11 Dez 1689 - 26 Nov 1690 Henri Habert de Vauboulon (1632 ? - 1692)
- 4 Mar 1691 - 29 Apr 1694 Michel Firélin (um 1667 - 1697)
- Apr/Mai 1694 Prades & Lemayeur [amtierend]
- Mai 1694 - 2 Jul 1696 Direktoire de Saint-Paul: Athanase Touchard (Führer „naturel de l'île“, um 1642 - 1715), Louis Caron, René Hoarau, François Mussard, Lezin Rouillard und Antoine Payet
- 1 Aug 1696 - 6 Jun 1698 Joseph Bastide
- 21 Okt 1699 - 13 Mai 1701 Jacques de la Cour de la Saulais
- 12 Jun 1701 - 5 Mar 1709 Jean-Baptiste de Villers
- 7 Mar 1709 - 24 Mar 1710 François Michel Desbordes, Sieur de Charanville
- 22 Apr 1710 - 14 Nov 1715 Pierre Antoine Parat de Chaillenest (um 1670 - 1721)
- 4 Dez 1715 - 14 Feb 1718 Henri de Justamond (1686 - 1735)
- 6 Sep 1718 - 22 Aug 1723 Joseph Beauvollier de Courchant
- 23 Aug 1723 - 1 Dez 1725 Antoine Boucher-Desforges (um 1680 - 1725)
- 2 Dez 1725 - 28 Mai 1727 Hélie Dioré (1677 - 1741)
- 21 Jul 1727 - 11 Jul 1735 Pierre Benoît Dumas (1696 - 1745)
- 12 Jul - 1 Okt 1735 Bertrand François Mahé, Comte de La Bourdonnais (1699 - 1753)
Commandants (Kommandanten unter den Generalgouverneuren der Maskarenen)
- 2 Okt 1735 - 30 Sep 1739 Charles L'Emery Dumont
- 11 Nov 1739 - 12 Dez 1743 Pierre André d'Héguerty (1700 - 1763)
- 13 Dez 1743 - 8 Mai 1745 Didier de Saint-Martin (1698 - 1777)
- 15 Mai - 31 Okt 1745 Jean-Baptiste Azéma (1697 - 1745)
- 1 Nov - 18 Dez 1745 Didier de Saint-Martin [2]
Gouverneurs (Gouverneure)
- 29 Dez 1745 - 28 Mar 1747 Gaspard de Ballade († 1749)
- 14 Apr 1747 - 11 Nov 1748 Didier de Saint-Martin
- 22 Nov 1748 - 17 Mar 1749 Gaspard de Ballade [2]
- 24 Mai - 23 Aug 1749 Antoine Marie Desforges-Boucher (1713 - 1790)
- 6 Sep 1749 - 16 Okt 1750 Joseph Brénier
- 16 Okt 1750 - 14 Dez 1752 Jean-Baptiste Charles Bouvet de Lozier (1705 - 1786)
- 14 Dez 1752 - 14 Jan 1756 Joseph Brénier [2]
- 12 Jul - 15 Okt 1757 Antoine Marie Desforges-Boucher [2]
- 19 Okt 1757 - 6 Sep 1763 Jean-Baptiste Charles Bouvet de Lozier [2]
- 7 Sep - 14 Okt 1763 Jean Sentuary (1711 - 1784)
- 5 Nov 1763 - 30 Mar 1767 François Jacques Bertin d’Avesnes (1716 - 1793)
- 31 Mar - 4 Nov 1767 Martin Adrien Bellier (1718 - 1793)
- 4 Nov 1767 - 4 Okt 1773 Guillaume Léonard de Bellecombe (1728 - 1792)
- 15 Dez 1773 - 15 Okt 1776 Jean-Guillaume Steinauer
- 26 Okt 1776 - 30 Apr 1779 François de Souillac (1732 - 1803)
- 25 Mai 1779 - 22 Aug 1781 Joseph Murinay de Saint-Maurice
- 25 Aug 1781 - 21 Apr 1785 André Joseph François Chalvet, Baron de Souville (um 1753 - vor 1810)
- 2 Mai 1785 - 15 Feb 1788 Élie Dioré (1727 - 1803)
- 21 Feb 1788 - 15 Aug 1790 David Charpentier de Cossigny (1740 - 1801)
- 8 Sep 1790 - 18 Okt 1792 Dominique Prosper de Chermont (1741 - 1798)
- 19 Okt 1792 - 11 Apr 1794 Jean-Baptiste Vigoureux du Plessis (1735 - 1825)
- 12 Apr 1794 - 1 Nov 1795 Pierre Alexandre Roubaud
- 2 Nov 1795 - 7 Okt 1803 Philippe Antoine Jacob de Cordemoy (um 1755 - 1820)
- 10 Nov 1803 - 31 Dez 1805 François Louis Magallon, comte de la Morlière
- 9 Jan 1806 - 25 Sep 1809 Nicolas Ernault de Regnac des Brulys (1757 - 1809)
- 9 Okt 1809 - 8 Jul 1810 Jean-Chrysostome Bruneteau de Sainte-Suzanne (um 1760 - 1830)
- 9 Jul - 20 Dez 1810 Robert Townsend Farquhar (1776 - 1830)
- 20 Dez 1810 - 26 Apr 1811 Henry Sheehy Keating (1775 - 1847)
- 26 Apr - 10 Jul 1811 Robert Townsend Farquhar [2]
- 10 Jul 1811 - 5 Apr 1815 Henry Sheehy Keating [2]
- 6 Apr 1815 - 30 Jun 1817 Athanase Hyacinthe Bouvet de Lozier (1770 - 1825)
- 1 Jul 1817 - 9 Sep 1818 Hilaire Urbain Lafitte de Courteil
- 13 Sep 1818 - 14 Feb 1821 Pierre Bernard de Milius (1773 - 1829)
- 15 Feb 1821 - 14 Okt 1826 Louis Henri de Saulces de Freycinet (1777 - 1840)
- 20 Okt 1826 - 4 Jul 1830 Achille Gui Marie Michel de Penfentenio de Cheffontaines (1776 - 1835)
- 5 Jul 1830 - 7 Nov 1832 Étienne Henri Mengin du Valdailly (1778 - 1865)
- 8 Nov 1832 - 4 Mai 1838 Jacques Philippe Cuvillier (1774 - 1857)
- 5 Mai 1838 - 14 Okt 1841 Anne Chrétien Louis de Hell (1783 - 1864)
- 15 Okt 1841 - 4 Jun 1846 Charles Louis Joseph Bazoche (1784 - 1853)
- 5 Jun 1846 - 13 Okt 1848 Emmanuel François Joseph Graeb (1790 - 1850)
- 13 Okt 1848 - 7 Mar 1850 Joseph Napoléon Sarda-Garriga (1808 - 1877)
- 9 Mar 1850 - 14 Feb 1851 Marie-Boin-Ézéchiel Barolet de Puligny (1803 - 1877)
- 15 Feb 1851 - 8 Aug 1852 Louis Isaac Pierre Hilaire Doret (1789 - 1866)
- 8 Aug 1852 - 8 Jan 1858 Louis Henri Hubert Delisle (1810 - 1881)
- 11 Jan - 27 Mar 1858 Lefevre [amtierend]
- 28 Mar 1858 - 19 Sep 1864 Rodolphe Augustin, Baron Darricau (1807 - 1877)
- 4 Jan 1865 - 23 Sep 1869 Marie Jules Dupré (1815 - 1881)
- 27 Sep 1869 - 18 Sep 1875 Louis Hippolyte de Lormel (1806 - 1888)
- 19 Nov 1875 - 29 Apr 1879 Pierre Aristide Faron (1814 - 1879)
- 6 Mai 1879 - 23 Mar 1886 Pierre Étienne Cuinier (1824 - 1888)
- 23 Mar - 11 Okt 1886 Jean Baptiste Antoine Lougnon [interimistisch] (1843 - 1893)
- 11 Okt 1886 - 16 Dez 1887 Étienne Antoine Guillaume Richaud (1841 - 1889)
- 16 Dez 1887 - 21 Aug 1888 Jean Baptiste Antoine Lougnon [2]
- 22 Aug 1888 - 10 Jul 1893 Louis Evenor Édouard Manès (1835 - 1898)
- 11 Jul 1893 - 21 Jun 1895 Henri Eloi Danel (1850 - 1900)
- 22 Jun - 12 Aug 1895 Henri Charles Roberdeau (1849 - 1916)
- 13 Aug 1895 - 19 Mai 1896 Benedict Jacob de Cordemoy (1848 - 1907)
- 19 Mai 1896 - 30 Okt 1900 Laurent Marie Émile Beauchamp (1838 - 1901)
- 30 Okt 1900 - 19 Feb 1901 Charles Albert Madre (1844 - 1908)
- 19 Feb 1901 - 29 Jul 1905 Paul Samary (1848 - 1911)
- 29 Jul 1905 - 30 Aug 1906 Fernand Ernest Therond [amtierend] (1862 - 1921)
- 30 Aug - 7 Nov 1906 Auguste Marius Verignon (1851 - nach 1910)
- 8 Nov 1906 - 27 Dez 1907 Adrien Jules Jean Bonhoure (1860 - 1929)
- 1 Jan 1908 - 19 Mar 1908 Henri François Charles Cor (1864 - 1932)
- 19 Mar 1908 - 18 Jan 1910 Camille Lucien Xavier Guy (1860 - 1929)
- 18 Jan - 17 Sep 1910 Philippe Émile Jullien (1845 - 1912)
- 18 Sep 1910 - 28 Jul 1912 François Pierre Rodier (1854 - 1913)
- 30 Aug 1912 - 22 Nov 1913 Hubert Auguste Garbit (1869 - 1933)
- 23 Nov 1913 - 1 Jun 1919 Pierre Louis Alfred Duprat (1880 - 1953)
- 2 Jun 1919 - 26 Jul 1920 Victor Jean Brochard [amtierend]
- 27 Jul 1920 - 5 Sep 1922 Frédéric Estèbe (1863 - 1936)
- 6 Sep 1922 - 21 Aug 1923 Henri Cleret de Langavant (1872 - nach 1925)
- 22 Aug 1923 - 2 Okt 1924 Maurice Pierre Lapalud (1868 - nach 1925)
- 31 Mar 1925 - 28 Nov 1932 Jules Vincent Repiquet (1874 - 1960)
- 29 Nov 1932 - 13 Jun 1934 Louis Fabre (1885 - 1936)
- 14 Jun 1934 - 29 Mai 1936 Alphonse Paul Albert Choteau (1883 - 1936)
- 29 Mai - 16 Aug 1936 Charles Victor Allard [interimistisch]
- 17 Aug 1936 - 27 Okt 1938 Léon Hippolyte Truitard (1885 - 1972)
- 28 Okt 1938 - 29 Dez 1939 Joseph Urbain Court (1881 - 1948)
- 30 Dez 1939 - 1 Dez 1942 Pierre Émile Aubert (1888 - 1972)
- 1 Dez 1942 - 17 Jul 1947 André Jean Charles Capagorry (1894 - 1981)
Préfets (Präfekte, 10 Mai 1982 - 24 Feb 1988 Kommissäre der Republik)
- 16 Aug 1947 - 1 Jun 1950 Paul Demange (1906 - 1970)
- 1 Jun 1950 - 4 Jul 1952 Roland Luc Béchoff (1906 - 2006)
- 4 Jul 1952 - 14 Mai 1956 Pierre Philip (1893 - 1961)
- 12 Jun 1956 - 1 Mar 1963 Jean François Pierre Perreau-Pradier (1911 - 1981)
- 1 Mar 1963 - 1 Sep 1966 Alfred Diefenbacher (1915 - 2015)
- 11 Sep 1966 - 22 Okt 1969 Jean Vaudeville (1921 - 1993)
- 29 Okt 1969 - 21 Aug 1972 Paul Cousseran (1922 - 2000)
- 28 Aug 1972 - 14 Apr 1975 Claude Edmond Vieillescazes (* 1923)
- 14 Apr 1975 - 12 Mai 1977 Robert Lamy (1925 - 2023)
- 16 Mai 1977 - 22 Mai 1980 Bernard Landouzy (* 1933)
- 29 Mai 1980 - 1 Aug 1981 Jacques Jean Frédéric Seval (1930 - 2021)
- 1 Aug 1981 - 15 Mar 1984 Michel Francis Levallois (1934 - 2018)
- 26 Mar 1984 - 9 Apr 1986 Michel Blangy (* 1939)
- 9 - 25 Apr 1986 Jean-Marc Rebière [amtierend] (* 1948)
- 25 Apr 1986 - 11 Sep 1989 Jean Anciaux (* 1930)
- 11 Sep 1989 - 18 Jul 1991 Daniel Constantin (* 1940)
- 18 Jul 1991 - Dez 1992 Jacques Dewatre (1936 - 2021)
- 2 Dez 1992 - 2 Jan 1995 Hubert Fournier (* 1948)
- 9 Jan - 27 Nov 1995 Pierre Steinmetz (* 1943)
- 27 - 29 Nov 1995 Yves Dassonville [amtierend] (1948 - 2021)
- 29 Nov 1995 - 15 Jul 1998 Robert Pommies (* 1941)
- 15 Jul - 5 Aug 1998 Yves Dassonville [2, amtierend]
- 5 Aug 1998 - 2 Jul 2001 Jean Daubigny (1948 - 2024)
- 2 - 31 Jul 2001 Vincent Bouvier [amtierend] (* 1952)
- 31 Jul 2001 - 13 Aug 2004 Gonthier Friederici (* 1945)
- 13 - 16 Aug 2004 Franck-Olivier Lachaud [amtierend] (* 1969)
- 16 Aug 2004 - 4 Jun 2005 Dominique Vian (* 1944)
- 4 Jun - 16 Jul 2004 Franck-Olivier Lachaud [2, amtierend]
- 16 Jul 2005 - 22 Aug 2006 Laurent Cayrel (* 1950)
- 22 - 28 Aug 2006 Franck-Olivier Lachaud [3, amtierend]
- 28 Aug 2006 - 8 Feb 2010 Pierre-Henri Maccioni (* 1948)
- 8 - 15 Feb 2010 Michel Theuil [amtierend] (1958 - 2013)
- 15 Feb 2010 - 27 Aug 2012 Michel Lalande (* 1955)
- 27 Aug 2012 - Aug 2014 Jean-Luc Marx (* 1954)
- Aug - 2 Sep 2014 Xavier Brunetière [amtierend] (* 1978)
- 2 Sep 2014 - 3 Jun 2017 Dominique Sorain (* 1955)
- 3 Jun - 10 Jul 2017 Maurice Barate [amtierend] (* 1961)
- 10 Jul 2017 - 17 Jun 2019 Amaury de Saint-Quentin (* 1960)
- 17 Jun 2019 - 1 Aug 2022 Jacques Billant (* 1960)
- 1 - 23 Aug 2022 Régine Pam [w] (* 1964)
- 23 Aug 2022 - 22 Okt 2024 Jérôme Filippini (* 1968)
- 22 Okt - 18 Nov 2024 Laurent Lenoble [amtierend] (* 1967)
- seit 18 Nov 2024 Patrice Latron (* 1961)
Ordonnateurs (Anweidungsbefugte, unterstellt den Intendanten auf der Île de France [Mauritius])
- 1767 - 1778 Honoré de Crémont (1731 - 1800)
- 1778 - 1784 Jean-Charles-Potier, Marquis de Courcy (um 1725 - 1797)
- 20 Aug 1784 - 4 Okt 1785 Augustin-François Motais de Narbonne (1747 - 1827)
- 1785 - 1789 Jean-Baptiste Thibault de Chanvalon (1751 - 1838)
- 7 Nov 1789 - 7 Mai 1794 Pierre Rathier du Vergé (1746 - vor 1810)
- Mai 1794 - 1799 Jean-Baptiste Thibault de Chanvalon [2]
- 1799 - 1803 de Saint-Perne
- 1803 J.H.B. Marchant (sous-préfet, 1756 - nach 1820)
- 6 Apr 1815 - 5 Dez 1816 J.H.B. Marchant [2]
- Dez 1816 - 28 Jun 1817 Auguste Montjol de Lanux [interimistisch] (1766 - 1836)
- 28 Jun - 9 Sep 1817 Philippe-Panon, Baron de Richemont Desbassayns (1774 - 1840)
Présidents du Conseil général (Präsidennten des Generalsrats)
- 19 Nov 1945 - Mai 1946 Paul Picaud (1907 - 1998)
- Mai - 31 Okt 1946 Léon de Lépervanche (1907 - 1961) PCR
- 31 Okt 1946 - 13 Okt 1949 Roger Vidot (1911 - 1976)
- 13 Okt 1949 - 6 Jan 1966 Roger Payet (1894 - 1966) PCR
- 8 Mai 1966 - 4 Okt 1967 Marcel Cerneau (1905 - 1990) UDF
- 4 Okt 1967 - 24 Mar 1982 Pierre Lagourgue (1921 - 1998) UC
- 24 Mar 1982 - 8 Okt 1988 Auguste Legros (1922 - 2008) RPR
- Okt 1988 - Aug 1993 Éric Boyer (* 1939) RPR
- Aug 1993 - 28 Mar 1994 Joseph Sinimalé [interimistisch] (* 1943)
- 28 Mar 1994 - 30 Mar 1998 Christophe Payet (* 1940) PS
- 30 Mar 1998 - 1 Apr 2004 Jean-Luc Poudroux (* 1950) UDF
- 1 Apr 2004 - 2 Apr 2015 Nassimah Mangrolia Dindar [w] (* 1960) UMP
Présidents du Conseil départmental (Präsidentnen des Deparstmentalrats)
- 2 Apr 2015 - 18 Dez 2017 Nassimah Dindar-Mangrolia [w] UMP
- seit 18 Dez 2017 Cyrille Melchior (* 1961) LR
Présidents du Conseil régional (Präsidenten des Regionalrats)
- 15 Dez 1973 - 3 Jan 1978 Marcel Cerneau (1905 - 1990) UDF, ab 1976 RPR
- 3 Jan 1978 - 28 Feb 1983 Yves Barau (1910 - 1994) RPR
- 28 Feb 1983 - Mar 1986 Mario Hoarau (1914 - 1993) PCR
- Mar 1986 - 27 Mar 1992 Pierre Lagourgue (1921 - 1998) FRA
- 27 Mar 1992 - 25 Jun 1993 Camille Sudre (* 1948) FD
- 25 Jun 1993 - 23 Mar 1998 Marguerite „Margie“ Sudre [w] (* 1943) RPR
- 23 Mar 1998 - 26 Mar 2010 Paul Vergès (1925 - 2016) PCR
- 26 Mar 2010 - 2 Jul 2021 Didier Robert (* 1964) UMP, ab 2015 LR
- seit 2 Jul 2021 Huguette Bello [w] (* 1950) PLR
Politische Gruppierungen und Wahlen
Auf der Insel hat sich zusätzlich zu der dem französischen Mutterland angegeglicxhenen Parteienspektrum eine Parteienlandschaft entwickelt, die mehr oder weniger auf Autonomie hinsteuert.
Politische Gruppierungen:
- CDS = Centre des Démocrates Sociaux (Centre of Social Democrats / Zentrum der Sozialdemokraten)
- FD = Free Dom (Free Dom / Freies Department d' Outre-Mer [Freies Übersee-Department], geführt von Camille Sudre)
- FRA = Futur de France-Réunion oder France-Réunion Future (Future for France-Reunion / Französisch-Reunionische Zukunft)
- PCR = Parti Communiste Réunionnais (Communist Party of Reunion / Kommunistische Partei Reunion)
- PS = Parti Socialiste (Socialist Party / Sozialistische Partei)
- RN = Rassemlement National (National Assembly / Nationale Versammlung, rechts)
- RPR = Rassemblement Pour la République (Republican Rally / Republikanische Versammlung, gaullistisch, konservativ, 1976 bis 2002 Vorgänger der UDR, aufgegangen in der UMP)
- UC = Union Centriste (Centrist Union / Zentristische Union)
- UDF = Union pour Français la Démocratie (Union for French Democracy / Union für französische Demokratie)
- UMP = Union pour un Mouvement Populaire (Union for a People’s Movement / Union für eine Volksbewegung [bis 17 Nov 2002 Union für präsidentielle Mehrheit], konservativ, gegründet 23 Apr 2002 als Vereinigung von RPR, DL und dem Großteil der UDF)
- UPF = Union pour France (Union for France / Union für Frankreich)
Auf Réunion gilt das französische (Mehrheits-)Wahlrecht für alle Bürger über 18 Jahren.
Justizwesen und Kriminalität
Das Justizwesen auf Réunion ist vollständig in das französische Rechtssystem eingebunden, da die Insel als Übersee-Département ein integraler Bestandteil der Französischen Republik ist. Das bedeutet, dass dort exakt die gleichen Gesetze gelten wie im europäischen Frankreich und auch die gleiche gerichtliche Struktur vorhanden ist. Es gibt keine eigenständige Rechtsordnung, sondern eine vollständige Anwendung des französischen Zivil-, Straf- und Verwaltungsrechts.
Die Justizbehörden auf Réunion umfassen Gerichte aller üblichen Instanzen, darunter Amts- und Landgerichte sowie höhere Gerichtsinstanzen, die für Berufungsverfahren zuständig sind. Ebenso existieren Staatsanwaltschaften, die für die strafrechtliche Verfolgung verantwortlich sind. Diese Institutionen arbeiten nach denselben gesetzlichen Grundlagen und Verfahrensregeln wie im Mutterland Frankreich.
Auch die Polizei ist Teil des französischen staatlichen Sicherheitsapparats. Auf der Insel sind sowohl die nationale Polizei als auch die Gendarmerie vertreten, die gemeinsam für öffentliche Sicherheit, Strafverfolgung und Ordnung sorgen. Damit ist gewährleistet, dass das staatliche Gewaltmonopol einheitlich nach französischem Recht ausgeübt wird.
Die Gerichts- und Verwaltungsgebäude auf der Insel sind modern ausgestattet und in die lokale städtische Struktur eingebunden. Sie spiegeln die französische Verwaltungsarchitektur wider, berücksichtigen jedoch teilweise auch kreolische und tropische Gestaltungselemente, die sich an das Klima und die kulturelle Umgebung der Insel anpassen.
Die gesellschaftliche Situation auf Réunion ist jedoch von bestimmten sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt, die auch Auswirkungen auf das soziale Gefüge und indirekt auf die Kriminalitätslage haben. Die Wirtschaft der Insel ist stark vom öffentlichen Dienst abhängig, insbesondere von Beamten, die im Durchschnitt deutlich höhere Einkommen erzielen als große Teile der übrigen Bevölkerung. Diese Einkommensunterschiede führen teilweise zu sozialen Spannungen und einer relativ hohen Lebenshaltungskostenstruktur.
Im Bereich der Kriminalität weist Réunion typische Probleme einer modernen, dicht besiedelten Inselgesellschaft auf. Dazu gehören insbesondere Eigentumsdelikte wie Diebstahl, gelegentlich auch Drogenhandel sowie vereinzelt gewalttätige Vorfälle. Diese Erscheinungen sind jedoch nicht außergewöhnlich hoch im Vergleich zu anderen französischen Überseegebieten und bewegen sich insgesamt im Rahmen ähnlicher Regionen innerhalb Frankreichs.
Militär
Die Insel besitzt keine eigenen Streitkräfte, wohl aber eine eigene Polizei und Küstenwache. Für die Verteidigung der Insel ist der französische Staat zuständig. Die Insel ist Standort verschiedener Einheiten der französischen Streitkräfte – darunter das 2e Régiment de Parachutistes d’Infanterie de Marine (2e RPIMa), ein Fallschirmjägerbataillon mit Sitz in Saint-Denis. Zusätzlich gibt es Marine- und Luftwaffenstützpunkte, von denen aus im Indischen Ozean und angrenzender Region Einsätze zur Seeüberwachung, Souveränitätssicherung und für internationale Einsätze erfolgen. Die Militärkräfte übernehmen Aufgaben zur Verteidigung des französischen Staatsgebiets, Katastrophenschutz, Küstenwache, Terrorismusabwehr sowie Hilfe bei Naturkatastrophen oder humanitären Einsätzen in der Region.
Die Insel ist für Frankreich ein strategisch wichtiger Stützpunkt im Indischen Ozean, etwa zur Projektion französischer Militärmacht, für logistische Aufgaben und als Operationsbasis, zum Beispiel im Anti-Piraterie-Einsatz.
Internationale Beziehungen
Réunion pflegt enge Beziehungen zu den Nachbarstaaten Mauritius, Madagaskar und Seschellen. Ansonsten werden die außenpolitischen Agenden vom französischen Mutterland wahrgnommen. Seit 1997 ist Réunion eine sogenannte „Region in äußerster Randlage“ (région ultrapériphérique) der EU. Damit genießt die Insel Zugang zu EU-Programmen sowie diversen Wirtschaftsförderungen, bleibt aber beim Thema Freizügigkeit und Zollbestimmungen teils ausgenommen.
Die Universität von La Réunion spielt eine bedeutende Rolle im akademischen Austausch und in der Kooperation insbesondere im Indischen Ozean, mit Partnern in Afrika, Asien und Europa. Ziel ist es, ein zentraler Wissenschaftsstandort für die Region zu sein.
Als französisches und europäisches Territorium im Indischen Ozean ist Réunion ein geopolitischer Brückenkopf Frankreichs und der EU zwischen Afrika, Asien und Australien. Die Insel ist Stützpunkt für französische und europäische Einsätze sowie Plattform für humanitäre Missionen in der Region.
Flagge und Wappen
Der Generalrat des Départements (heute Départementalrat) verwendet ein eigenes Logo, das auf einer weißen Flagge dargestellt wird. Dieses besteht aus einem weißen „R“ auf einem vielfarbigen Rechteck. Unter diesem Symbol befindet sich je nach Variante entweder der Schriftzug „Conseil de la Réunion“ oder „Département de la Réunion“ in blauer Schrift. Diese Gestaltung betont vor allem die institutionelle Identität der lokalen Verwaltungsebene innerhalb des französischen Systems.
Seit 1982 besitzt Réunion zusätzlich den Status einer französischen Überseeregion. Der Regionalrat verwendet hierfür eine eigene Regionalflagge, die ebenfalls auf weißem Hintergrund basiert. Zentrales Element ist ein Logo, das eine stilisierte Sonne zeigt, die über einer blau schraffierten Darstellung der Insel aufgeht. Unter diesem Symbol steht in der Regel der Name der Region in schwarzer Schrift. In einigen Varianten wird zusätzlich der Slogan „Valorisons nos atouts“ in blauer Schrift verwendet, was auf die Bedeutung der eigenen regionalen Ressourcen und Stärken hinweist.
Neben diesen modernen Verwaltungsflaggen existiert auch ein offizielles Wappen der Insel, das 1925 eingeführt wurde. Dieses Wappen ist ein gevierter Schild, der verschiedene historische und geografische Elemente von Réunion symbolisch vereint. Im Wappen sind unter anderem Berge dargestellt, darunter der höchste Gipfel der Insel, der Piton des Neiges, der die vulkanische Entstehung und das gebirgige Relief der Insel repräsentiert. Ein weiteres Feld zeigt ein historisches Schiff, das auf die maritime Entdeckung und Kolonialgeschichte verweist.
Zusätzlich enthält das Wappen drei goldene Lilien, die auf die französische Monarchie der Bourbonen-Dynastie hinweisen und den historischen Namen Île Bourbon symbolisieren. Goldene Bienen stehen für Napoleon Bonaparte und seine Herrschaftszeit, während ein Herzschild die französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot mit den Buchstaben „RF“ für République française zeigt. Diese Kombination verdeutlicht die enge politische Verbindung zur französischen Republik.
Das Motto des Wappens lautet „Florebo quocumque ferar“, was übersetzt „Ich werde blühen, wohin man mich auch bringt“ bedeutet. Dieser Leitspruch wird oft als Ausdruck der Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft der Inselgesellschaft interpretiert und verbindet koloniale Geschichte mit einem identitätsstiftenden Selbstverständnis.
Nationale Symbole:
- Farbe: weiß
- Pflanze: Vanille (vanilla planifolia)
- Tier: Rallenalk (dryolimnas augusti)
- Motto: Florebo quocumque ferar („Ich werde blühen, wohin man mich auch bringt“)
- Held: -
Hymne
Réunion hat keine eigene Hymne. Bei offiziellen Anlässen wird die Marseillaise gespielt. Inoffiziell allerdings haben die Réunionesen ein Volkslied, P‘tit fleur fanée („Kleine verblühte Blume“), zu ihrer Hymne erkoren. Das Lied ist ein Walzer mit einem Text in kreolischem Französisch. Es wird in den Schulen gelehrt und bei Festlichkeiten gesungen.
Hauptstadt
Die Hauptstadt- und Verwaltungsentwicklung von Réunion ist eng mit der frühen Kolonialgeschichte der Insel verbunden und zeigt, wie sich politische und wirtschaftliche Zentren im Laufe der Zeit verschoben haben. Die ersten französischen Ansiedlungen und die spätere Entwicklung der wichtigsten Städte stehen dabei in direktem Zusammenhang mit der strategischen Nutzung der Küstenregionen.
Die erste bedeutende Siedlung entstand im Bereich der heutigen Gemeinde Saint-Paul. An der dortigen Bucht gingen die Franzosen am 29. Juni 1642 im Zuge der zweiten Inbesitznahme der Maskarenen erstmals an Land. Diese Region gilt daher als älteste dauerhaft besiedelte Zone der Insel. Saint-Paul entwickelte sich in der frühen Kolonialzeit schnell zum wichtigsten Verwaltungs- und Handelszentrum und war zunächst der erste Hauptort von Réunion.
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts verlagerte sich jedoch das politische und wirtschaftliche Zentrum der Insel zunehmend. Im Jahr 1669 wurde die spätere Hauptstadt Saint-Denis von Étienne Régnault gegründet. Aufgrund ihrer günstigeren Lage im Norden der Insel, insbesondere in Bezug auf Schifffahrtsrouten und Verwaltung, gewann die Stadt im Verlauf des 18. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung.
Schließlich wurde Saint-Denis im Jahr 1738 offiziell zur neuen Hauptstadt der Insel erklärt und löste damit Saint-Paul als administratives Zentrum ab. Seit dieser Zeit ist Saint-Denis das politische und administrative Herz von Réunion geblieben. Die Stadt entwickelte sich kontinuierlich weiter und ist bis heute Sitz der wichtigsten Regierungs- und Verwaltungsinstitutionen der Insel sowie der Präfektur des französischen Staates vor Ort.
Saint-Denis erfüllt damit die Funktion einer Hauptstadt im klassischen Sinn: Sie ist das Zentrum der regionalen Verwaltung, der politischen Entscheidungsstrukturen und vieler wirtschaftlicher und kultureller Einrichtungen. Gleichzeitig bleibt Saint-Paul als historische Ursprungsregion der Besiedlung ein wichtiger Ort mit hoher symbolischer Bedeutung für die frühe Kolonialgeschichte.
Verwaltungsgliederung
Réunion besteht aus 5 arrondissements, die wiederum in Gemeinden und Kantone unterteilt sind im Folgenden nach dem Zensus von 1999:
| Arrondissement | HASC | INSEE | Fläche (km²) | Fläche (mi²) | Einwohner |
| Îles Éparses | RE.IE
|
38 | 15 | 0 | |
| Saint-Benoît | RE.BN
|
9743
|
738 | 285 | 101.804 |
| Saint-Denis | RE.DN
|
9741
|
421 | 163 | 236.599 |
| Saint-Paul | RE.PL
|
9744
|
466 | 180 | 138.551 |
| Saint-Pierre | RE.PR
|
9742
|
883 | 341 | 229.346 |
| Réunion | 2.546 | 984 | 706.300 | ||
Die Gemeinden der Insel sind:
| INSEE-Code | Code Postal | Commune | Intercommunalité | Gründungsjahr |
| 97401 | 97425 | Les Avirons | CCSUD | 1894 |
| 97402 | 97412 | Bras-Panon | CIREST | 1882 |
| 97424 | 97413 | Cilaos | CIVIS | 1965 |
| 97403 | 97414 | L’Entre-Deux | CCSUD | 1882 |
| 97404 | 97427 | L’Étang-Salé | CIVIS | 1894 |
| 97405 | 97429 | Petite-Île | CIVIS | 1935 |
| 97406 | 97431 | La Plaine-des-Palmistes | CIREST | 1899 |
| 97407 | 97420 | Le Port | TCO | 1895 |
| 97408 | 97419 | La Possession | TCO | 1890 |
| 97409 | 97440 | Saint-André | CIREST | 1741 |
| 97410 | 97437 | Saint-Benoît | CIREST | 1733 |
| 97411 | 97400 | Saint-Denis | CINOR | 1689 |
| 97418 | 97438 | Sainte-Marie | CINOR | 1737 |
| 97419 | 97439 | Sainte-Rose | CIREST | 1790 |
| 97420 | 97441 | Sainte-Suzanne | CINOR | 1704 |
| 97412 | 97480 | Saint-Joseph | CCSUD | 1875 |
| 97413 | 97416 | Saint-Leu | TCO | 1790 |
| 97414 | 97450 | Saint-Louis | CIVIS | 1768 |
| 97415 | 97428 | Saint-Paul | TCO | 1663 |
| 97417 | 97442 | Saint-Philippe | keine | 1830 |
| 97416 | 97410 | Saint-Pierre | CIVIS | 1735 |
| 97421 | 97433 | Salazie | CIREST | 1899 |
| 97422 | 97418 | Le Tampon | CCSUD | 1925 |
| 97423 | 97426 | Trois-Bassins | TCO | 1897 |
| Name | Fläche (km²) | Einwohner 2019 | Dichte (E/km²) | Arrondissement |
| Bras-Panon | 88,55 | 13.057 | 147,45 | Saint-Benoît |
| Cilaos | 84,4 | 5.538 | 61,62 | Saint-Pierre |
| Entre-Deux | 66,83 | 6.927 | 103,65 | Saint-Pierre |
| La Plaine-des-Palmistes | 83,19 | 6.626 | 79,65 | Saint-Benoît |
| Le Port | 16,62 | 32.977 | 1984,18 | Saint-Paul |
| La Possession | 118,35 | 32.985 | 278,71 | Saint-Paul |
| Le Tampon | 165,43 | 79.824 | 482,52 | Saint-Pierre |
| Les Avirons | 26,27 | 11.440 | 435,48 | Saint-Pierre |
| Les Trois-Bassins | 42,58 | 7.015 | 164,79 | Saint-Paul |
| L'Étang-Salé | 38,65 | 14.059 | 363,75 | Saint-Pierre |
| Petite-Île | 33,93 | 12.395 | 365,31 | Saint-Pierre |
| Saint-André | 53,07 | 56.902 | 1072,21 | Saint-Benoît |
| Saint-Benoît | 229,61 | 37.036 | 161,30 | Saint-Benoît |
| Saint-Denis | 142,79 | 153.810 | 1077,17 | Saint-Denis |
| Saint-Joseph | 178,5 | 37.918 | 212,43 | Saint-Pierre |
| Saint-Leu | 118,37 | 34.586 | 292,19 | Saint-Paul |
| Saint-Louis | 98,9 | 53.120 | 537,11 | Saint-Pierre |
| Saint-Paul | 241,28 | 103.208 | 427,75 | Saint-Paul |
| Saint-Philippe | 153,94 | 5.198 | 33,77 | Saint-Pierre |
| Saint-Pierre | 95,99 | 84.982 | 885,32 | Saint-Pierre |
| Sainte-Marie | 87,21 | 34.061 | 390,56 | Saint-Denis |
| Sainte-Rose | 177,6 | 6.345 | 35,72 | Saint-Benoît |
| Sainte-Suzanne | 58,84 | 24.065 | 408,99 | Saint-Denis |
| Salazie | 103,82 | 7.136 | 68,73 | Saint-Benoît |
Verwaltungsgliederung:
5 arrondissements (Kreise)
24 communes (Gemeinden)
25 cantons (Kantone)
Bevölkerung
Die geschätzte Einwohnerzahl von Réunion im Jahr 2024 beträgt 878.591. Diese Zahl basiert auf Interpolationen der neuesten Daten der Vereinten Nationen, laut StatisticsTimes.com. Andere Quellen liefern leicht abweichende Schätzungen, beispielsweise 882.405 laut World Population Review oder 892.102 laut Data Commons. Laut Worldometer stieg die Bevölkerung im Jahr 2024 um 3.708 Einwohner. Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die Fläche von 2.503,74 km².
Bevölkerungsentwicklung:
Jahr Einwohner Dichte (E/km²)
1646 12 0,01
1654 13 0,01
1670 50 0,02
1686 269 0,11
1707 734 0,29
1750 950 0,38
1777 1 171 0,47
1804 35 500 14,18
1826 87 200 34,83
1830 89 000 35,55
1837 110 000 43,93
1839 103 700 41,42
1848 105 700 42,22
1851 110 800 44,25
1858 161 300 64,42
1862 166 600 66,54
1870 182 700 72,97
1873 193 400 77,24
1876 183 200 73,17
1878 178 300 71,21
1880 180 800 72,21
1885 179 600 71,73
1889 165 900 66,26
1892 167 200 66,78
1906 173 200 69,18
1902 173 315 69,22
1907 177 700 70,97
1911 173 822 69,42
1921 173 190 69,17
1926 186 800 74,61
1931 197 933 79,05
1936 208 300 83,20
1941 220 955 88,25
1946 241 708 96,52
1948 233 500 93,26
1949 237 400 94,82
1950 243 700 97,33
1951 250 700 100,13
1952 257 700 102,93
1953 265 500 106,04
1954 274 370 109,58
1955 286 100 114,27
1956 296 000 118,22
1957 298 700 119,30
1958 317 900 126,97
1959 327 200 130,68
1960 337 500 134,80
1961 349 282 139,50
1962 358 900 143,35
1963 371 900 148,54
1964 385 000 153,77
1965 392 900 156,93
1966 403 300 161,08
1967 416 525 166,35
1968 425 500 169,95
1969 435 900 174,10
1970 445 500 177,93
1971 455 000 181,73
1972 463 400 185,08
1973 469 800 187,64
1974 480 152 191,77
1975 481 100 192,15
1976 486 900 194,47
1977 492 400 196,67
1978 497 400 198,66
1979 502 600 200,74
1980 507 400 202,66
1981 512 100 204,53
1982 515 798 206,01
1983 518 450 207,07
1984 527 200 210,56
1985 546 100 218,11
1986 555 250 221,77
1987 564 865 225,61
1988 574 082 229,29
1989 590 450 235,81
1990 597 828 238,77
1991 611 600 244,27
1992 625 000 249,63
1993 631 500 252,22
1994 645 000 257,61
1995 653 000 260,81
1996 664 000 265,20
1997 678 200 270,87
1998 697 600 278,52
1999 717 723 286,66
2000 720 934 287,94
2001 729 700 291,44
2002 740 900 295,92
2003 752 300 300,47
2004 763 200 304,82
2005 774 600 309,38
2006 784 000 313,13
2007 794 500 317,33
2008 802 855 320,07
2009 812 800 324,63
2010 821 836 328,24
2011 822 986 328,70
2012 843 459 336,88
2013 844 994 337,94
2014 843 617 336,94
2015 850 727 339,78
2016 853 000 34,69
2017 856 500 342,09
2018 858 166 342,75
2019 860 500 343,69
2020 863 083 344,72
2021 867 010 346,29
2022 871 540 348,10
2023 874 883 349,43
2024 878 591 350,91
Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 2,125 % pro Jahr, um folgenden Jahrzehnt bis 2011 um jährlich 1,505 %.
Bevölkerungsaufteilung 2001:
- Bevölkerungszahl insgesamt 732.570
- weiblich 371.072 (50,65 %)
- männlich 361.498 (49,35 %)
- unter 15jährig 234.928 (32,07 %)
- 15 bis 64 Jahre alt 456.045 (62,25 %)
- über 64jährig 41.597 (5,68 %)
Die Fruchtbarkeitsrate lag 2008 bei 2,47 Kindern pro gebärfähiger Frau, das Durchschnittsalter bei 26,7 Jahren. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 74 Jahren.
Lebenserwartung in Jahren: 1996 2001 2003
insgesamt 74,77 72,93 73,43
Männer 71,71 69,53 70,03
Frauen 77,98 76,49 77,00
Die Zahl der Haushalte beträgt insgesamt rund 250.000.
Haushalte: 1967 1982 1999
Gesamtzahl 53 355 141 123 215 044
Personen pro Haushalt 7,807 3,655 3,338
Volksgruppen
Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war die Insel unbewohnt. Erst mit der französischen Kolonisierung begann eine systematische Besiedlung, die die Grundlage der heutigen Gesellschaft bildete. Mit der Etablierung der Plantagenwirtschaft, insbesondere für Zuckerrohr und später auch Vanille, wurden im 17. und 18. Jahrhundert versklavte Menschen aus Madagaskar, Ostafrika und anderen Regionen des Indischen Ozeans nach Réunion gebracht. Sie bildeten die wichtigste Arbeitskraft auf den Plantagen und prägten dauerhaft die demografische und kulturelle Entwicklung der Insel. Nach der Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert wurde die Arbeitskraft zunehmend durch freie Vertragsarbeiter ersetzt, die vor allem aus Indien kamen, aber auch aus China und anderen Regionen stammten.
Aus dieser langen Geschichte der Vermischung entstand eine vielfältige Gesellschaft, die heute häufig unter dem Begriff Kreolen (créoles) zusammengefasst wird. Dieser Begriff beschreibt auf Réunion jedoch weniger eine einzelne ethnische Gruppe als vielmehr eine gemeinsame kulturelle Identität, die aus der Vermischung verschiedener Herkunftsgruppen entstanden ist. Zentrales identitätsstiftendes Element ist dabei das sogenannte „Métissage“, also die ethnische, kulturelle und sprachliche Vermischung sowie das weitgehend friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.
Historisch und sozial werden verschiedene Herkunftsgruppen unterschieden, die jeweils eigene Bezeichnungen tragen. Menschen mit Wurzeln in Madagaskar und Ostafrika werden traditionell als Cafres bezeichnet. Diese Gruppe geht überwiegend auf die Nachkommen der versklavten afrikanischen Bevölkerung zurück. Die indischstämmige Bevölkerung wird je nach religiösem Hintergrund unterschieden: muslimische Familien werden oft als Zarabes bezeichnet, während hinduistische Tamilen als Malbars bekannt sind. Diese Unterscheidung ist stark kulturell und religiös geprägt und spiegelt die Herkunft aus verschiedenen Regionen Indiens wider.
Eine weitere Gruppe bilden die Sinoi, also Menschen chinesischer Herkunft, die im Zuge der Arbeitsmigration und des Handels auf die Insel kamen und vor allem im wirtschaftlichen Bereich aktiv waren. Die europäischstämmige Bevölkerung ist ebenfalls vielfältig. Die sogenannten „Petits Blancs“ oder Yabs stammen meist von verarmten französischen Siedlern und Kleinbauern ab, während die „Grands Blancs“ Nachfahren wohlhabender Kolonialfamilien und Großgrundbesitzer sind, die historisch eine bedeutende Rolle in der Plantagenwirtschaft spielten. Als Z’oreils werden schließlich neu zugewanderte Franzosen aus dem europäischen Frankreich bezeichnet, die heute häufig in Verwaltung, Bildung oder im öffentlichen Dienst tätig sind.
Da die französische Verfassung die Erhebung ethnischer Daten verbietet, beruhen alle Angaben zur Bevölkerungszusammensetzung auf Schätzungen. Demnach setzt sich die Bevölkerung von Réunion ungefähr aus mehreren großen Gruppen zusammen: etwa 45 Prozent sind Nachkommen afrikanischer und madagassischer Sklaven, häufig mit europäischer Vermischung; rund 25 Prozent haben indische Wurzeln, davon etwa 24 Prozent Malbars und etwa 1 Prozent Zarabes; etwa 25 Prozent der Bevölkerung sind europäischer Herkunft; und ungefähr 3 Prozent haben chinesische Wurzeln.
Sprachen
Die Mehrheit der Bevölkerung von Réunion spricht das Réunion-Kreolische, das auch unter der Eigenbezeichnung „Kréol“ bekannt ist. Diese Sprache ist lexikalisch stark vom Französischen geprägt, enthält aber auch Einflüsse aus afrikanischen, madagassischen, indischen und teilweise chinesischen Sprachen, die im Laufe der Kolonialgeschichte auf die Insel gelangten. Das Kreolische entstand ursprünglich als Verständigungssprache zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf den Plantagen und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer eigenständigen Muttersprache großer Teile der Bevölkerung.
Die einzige offizielle Amtssprache ist jedoch Französisch, das auch die wichtigste Schriftsprache, Verwaltungs- und Bildungssprache ist. Alle staatlichen Institutionen, Schulen, Gerichte und offiziellen Dokumente verwenden ausschließlich Französisch, wodurch es eine zentrale Rolle im öffentlichen Leben einnimmt. Das führt zu einer weit verbreiteten Situation der funktionalen Zweisprachigkeit, bei der viele Einwohner zwischen Kreolisch im Alltag und Französisch in formellen Kontexten wechseln.
Das Réunion-Kreolische steht in enger Beziehung zu den anderen französischbasierten Kreolsprachen des Indischen Ozeans, insbesondere zu den Kreolsprachen von Mauritius und den Seychellen. Diese Sprachen sind historisch miteinander verwandt, da sie sich unter ähnlichen kolonialen Bedingungen entwickelt haben. Sprecher dieser Inseln können sich bei ausreichender Gewöhnung teilweise gegenseitig verstehen, obwohl es regionale Unterschiede im Wortschatz, in der Aussprache und in der Grammatik gibt.
Das Kreolische von Réunion nimmt innerhalb dieser Sprachgruppe eine besondere Stellung ein. Aufgrund des anhaltenden intensiven Kontakts zum Standardfranzösischen ist es strukturell stärker vom Französischen beeinflusst als viele andere Kreolsprachen. Aus diesem Grund wird es von einigen Linguisten als besonders „französischnah“ beschrieben, und es wird teilweise diskutiert, ob es sich um eine vollständig eigenständige Kreolsprache oder eher um ein stark kreolisiertes Regionalfranzösisch handelt. Die Übergänge zwischen Kreolisch und Französisch sind im Alltag oft fließend und können je nach Sprecher und Situation variieren.
Neben Französisch und Kreolisch existieren auf Réunion auch weitere Sprachen, die jedoch nur von kleineren Bevölkerungsgruppen gesprochen werden. Dazu gehören unter anderem Tamilisch, Gujarati, Chinesisch sowie Malagasy. Diese Sprachen wurden von Einwanderergruppen aus Indien, China und Madagaskar mitgebracht und teilweise über Generationen hinweg bewahrt. Sie spielen heute vor allem im familiären, kulturellen und religiösen Bereich eine Rolle, etwa in Tempeln, religiösen Zeremonien oder innerhalb ethnischer Gemeinschaften, haben jedoch im öffentlichen Leben keine große Bedeutung.
Sprachen auf Reunion (nach ethnologue):
- Französisch [fra] 2.400 in Réunion (Johnstone 1993). Einordnung: Indo-European, Italic, Romance, Italo-Western, Western, Gallo-Iberian, Gallo-Romance, Gallo-Rhaetian, Oïl, French
- Reunion Kreolisch [rcf] 555,000 in Réunion (1987). Gesamtsprecherzahl: 600.500. Auch auf den Komoren und in Madagaskar. Dialekte: zwei: städtisch und ländlich; der erstere ist ähnlich Französisch [fra], der letztere hat sehr viele Elemente des Bantu und westafrikanischer Sprachen. Einordnung: Creole, French based
- Tamilisch [tam] Inklusive L2 Sprecher: 120.000 in Réunion (1991 Froise). Einordnung: Dravidian, Southern, Tamil-Kannada, Tamil-Kodagu, Tamil-Malayalam, Tamil
Reuninisch
Die kreolische Sprache, das Kréol Réyoné oder Réunion-Kreolisch, ist eine französischbasierte Kreolsprache, die sich bereits in den ersten Jahrzehnten der Besiedlung im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte. Sie entstand aus der Notwendigkeit, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft miteinander kommunizieren mussten – französische Kolonisten, Sklaven aus Madagaskar und Ostafrika sowie spätere Einwanderer aus Indien und China. Der Wortschatz basiert überwiegend auf dem Französischen des 17. Jahrhunderts, wird jedoch durch grammatikalische Strukturen und Wörter aus dem Malagassischen, afrikanischen Sprachen, Hindi, Tamil, Gujarati und Portugiesischen bereichert. Die Aussprache ist weicher und melodischer, mit vereinfachten Verbformen und einer eigenen Syntax, die den Alltag lebendig und ausdrucksstark macht. Kreolisch wird in familiären und freundschaftlichen Kontexten gesprochen, während Französisch die Amtssprache in Schule, Verwaltung und Medien bleibt. Dennoch ist Kreolisch die Muttersprache von über neunzig Prozent der Bevölkerung und wird zunehmend auch in Literatur, Musik und im öffentlichen Raum gewürdigt.
Die Geschichte des Kreolischen ist eng mit der Kolonialzeit verbunden. Auf den Plantagen diente es als Verkehrssprache zwischen Herren und Sklaven und wurde später auch nach der Abschaffung der Sklaverei 1848 weiterentwickelt, als indische und chinesische Arbeiter hinzukamen. Lange Zeit galt Kreolisch als „niedere“ Sprache und wurde in der Schule sogar unterdrückt. Erst seit den letzten Jahrzehnten gibt es ein wachsendes Bewusstsein für seinen Wert als identitätsstiftendes Element. Heute existieren Wörterbücher, literarische Werke und sogar Übersetzungen bekannter Comics wie Asterix ins Kreolische. Es gibt verschiedene Dialektvarianten, die vom bergigen Inland über das Flachland bis hin zu städtischen Formen reichen, die dem Französischen näherstehen.
Die kreolische Kultur zeigt sich besonders in der Musik und im Tanz. Der Maloya, der aus afrikanischen und malagassischen Rhythmen, Trommeln und Gesängen entstand, war ursprünglich ein Ausdruck des Widerstands und der Trauer der Sklaven. Er wurde lange verboten, gilt heute aber als UNESCO-Weltkulturerbe und ist ein Symbol der Réunioner Identität. Daneben gibt es den Séga, der afrikanische und europäische Einflüsse verbindet und fröhlichere, tanzbare Rhythmen bietet. Beide Musikstile werden bei Festen, Familienfeiern und politischen Veranstaltungen gespielt und verbinden die Generationen. Die kreolische Küche spiegelt die gleiche Vielfalt wider: Gerichte wie Cari, ein würziges Curry mit Tomaten und Gewürzen, Rougail oder das berühmte Vanille-Eis mit lokalen Früchten vereinen französische, indische, afrikanische und chinesische Aromen. Zuckerrohr, Reis, Fisch und exotische Gewürze sind Grundlagen, die mit viel Liebe und Gemeinschaftssinn zubereitet werden.
Religion
Im Jahr 2025 ist die Bevölkerung von Réunion überwiegend christlich geprägt. Etwa 87,6 Prozent der Einwohner gehören dem Christentum an. Innerhalb dieser Gruppe stellen die Katholiken mit rund 80 Prozent die klare Mehrheit, während etwa 7 Prozent protestantischen Kirchen oder anderen christlichen Gemeinschaften angehören. Diese Dominanz des Christentums geht vor allem auf die französische Kolonialzeit zurück, in der die katholische Kirche eine zentrale Rolle in Bildung, Verwaltung und gesellschaftlichem Leben spielte.
Neben dem Christentum gibt es bedeutende religiöse Minderheiten, die eng mit der Einwanderungsgeschichte der Insel verbunden sind. Rund 4,5 Prozent der Bevölkerung praktizieren den Hinduismus, der vor allem durch indische Vertragsarbeiter im 19. Jahrhundert auf die Insel gebracht wurde. Hinduistische Tempel und Feste sind heute fester Bestandteil des kulturellen Lebens und tragen zur religiösen Vielfalt bei. Ebenso gibt es eine muslimische Minderheit von etwa 4,2 Prozent, die ebenfalls auf die Migration aus Indien, Ostafrika und Südostasien zurückgeht. Moscheen und islamische Gemeinden sind über die Insel verteilt und erfüllen sowohl religiöse als auch soziale Funktionen.
Etwa 2 Prozent der Bevölkerung gehören keiner Religion an oder sind religiös nicht affiliiert. Daneben existieren kleinere Gruppen, die anderen Glaubensrichtungen folgen oder traditionelle und synkretistische Glaubensformen pflegen, die oft Elemente verschiedener Religionen miteinander verbinden.
Die religiöse Vielfalt von Réunion zeigt sich besonders deutlich im alltäglichen Leben und in der kulturellen Landschaft der Insel. Aufgrund der verschiedenen religiösen Traditionen finden sich zahlreiche Gotteshäuser unterschiedlicher Konfessionen in unmittelbarer Nähe zueinander. Katholische Kirchen, hinduistische Tempel, Moscheen und kleinere religiöse Stätten prägen das Stadt- und Landschaftsbild gleichermaßen.
Religionsbekenntnisse 2001:
- Katholiken 625:322 (84,36 %)
- Protestanten 40:511 (5,53 %)
- Randchristen 6:666 (0,91 %)
- Freikirchler 3:590 (0,49 %)
- Hindus 49:082 (6,70 %)
- Moslems 15:750 82,15 %)
- Bahais 513 (0,01 %)
- sonstige und Bekenntnislose 45:273 (6,18 %)
Römisch-Katholische Kirche
Das Bistum Saint-Denis-de-La Réunion (lateinisch Dioecesis S. Dionysii Reunionis) ist eine Diözese der römisch-katholischen Kirche mit Sitz in Saint-Denis. 1712 wurde die Apostolische Präfektur der Inseln im Indischen Ozean durch Papst Clemens XI. aus dem damaligen Bistum Malakka heraus gegründet. Papst Pius VII. firmierte sie 1818 zur Apostolischen Präfektur Bourbon um. 1826 und am 10. Januar 1830 gab die Apostolische Präfektur Bourbon Teile ihres Territoriums zur Gründung der Apostolischen Präfekturen Batavia und Südseeinseln ab. Gregor XVI. gründete 1841 die Apostolische Präfektur Madagaskar heraus; Pius IX. erhob 1850 die Präfektur Bourbon zum heutigen Bistum Saint-Denis-de-La Réunion. Am 26. Februar 1860 gründete der Papst die Apostolische Präfektur Zanguebar aus Teilen des Territoriums des Bistums. Das Bistum ist immediat und direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt. Insgesamt bestehen 72 Pfarreien, die von 57 Diözesan- und 64 Ordenspriestern, dazu 22 ständiegn Diakonen, 68 Ordensbrüdern und 247 Ordensschwestern betreut werden bei einem Gläubigenanteil von 79,2 % (Stand 2015).
Bischöfe
- 1850 - 1857 Florian-Jules-Félix Desprez
- 1857 - 1871 Armand-René Maupoint
- 187i2 - 1876 Victor-Jean-François-Paulin Delannoy
- 1876 - 1880 Dominique-Clément-Marie Soulé
- 1881 - 1887 Joseph Coldefy
- 1887i - 1892 Edmond-Frédéric Fuzet
- 1892 - 1919 Jacques-Paul-Antonin Fabre
- 1919 - 1934 Georges-Marie Bonnin de La Bonninière de Beaumont
- 1934 - 1960 François-Emile-Marie Cléret de Langavant
- 1960 - 1975 Georges Guibert
- 1975 - 2023 Gilbert Aubry
- seit 2023 Pascale Chane Teng
Islam
Der Islam gelangte im Laufe des 19. Jahrhunderts nach Réunion. Besonders wichtig war die Einwanderung muslimischer Händler und Arbeiter aus Indien, vor allem aus Gujarat. Viele dieser Einwanderer waren sunnitische Muslime und ließen sich dauerhaft auf der Insel nieder. Sie beteiligten sich am Handel, gründeten Geschäfte und bauten nach und nach religiöse und kulturelle Einrichtungen auf. Aufgrund ihrer Herkunft werden viele Muslime auf Réunion bis heute als „Zarabes“ bezeichnet, obwohl die meisten nicht arabischer, sondern indischer Abstammung sind. Der Begriff entstand historisch durch die Verbindung der Händler zum arabisch geprägten Handelsraum des Indischen Ozeans.
Heute bildet der Islam eine der bedeutenden Minderheitsreligionen auf Réunion. Die Mehrheit der Bevölkerung ist zwar christlich, insbesondere römisch-katholisch, doch Muslime stellen einen sichtbaren und gesellschaftlich anerkannten Teil der Bevölkerung dar. Schätzungen gehen von mehreren zehntausend Muslimen aus, was etwa sieben bis zehn Prozent der Einwohner entsprechen kann. Die genaue Zahl ist schwer festzustellen, da in Frankreich keine offiziellen Statistiken zur Religionszugehörigkeit erhoben werden.
Die meisten Muslime auf Réunion gehören dem sunnitischen Islam an. Daneben gibt es kleinere Gruppen anderer islamischer Richtungen. Die muslimischen Gemeinden verfügen über Moscheen, Gebetsräume, Koranschulen und kulturelle Vereinigungen. Besonders in Städten wie Saint-Denis, Saint-Pierre, Saint-André und Le Port befinden sich bedeutende islamische Zentren. Die Moscheen dienen nicht nur als Orte des Gebets, sondern auch als Treffpunkte für Bildung, soziale Unterstützung und die Bewahrung kultureller Traditionen.
Der islamische Alltag auf Réunion wird von den Gegebenheiten einer multikulturellen Gesellschaft geprägt. Muslime können ihre Religion grundsätzlich frei ausüben. Freitagsgebete, Ramadan, das Opferfest und andere religiöse Feiertage werden innerhalb der Gemeinschaft gefeiert. Während die französische Gesetzgebung auf dem Prinzip der Laizität beruht, also der Trennung von Staat und Religion, können religiöse Gemeinschaften ihre Angelegenheiten weitgehend selbst organisieren. Muslimische Vereine übernehmen daher häufig Aufgaben im Bereich religiöser Bildung und Gemeinschaftsarbeit.
Der Ramadan besitzt auf Réunion eine besondere gesellschaftliche Bedeutung. Während dieses Monats treffen sich Familien und Gemeindemitglieder zum gemeinsamen Fastenbrechen nach Sonnenuntergang. In vielen Moscheen werden zusätzliche Gebete und religiöse Veranstaltungen organisiert. Die kulturelle Vielfalt der Insel zeigt sich dabei auch in der Küche, da indische, kreolische und andere kulinarische Einflüsse miteinander verschmelzen.
Ein charakteristisches Merkmal des Islams auf Réunion ist seine enge Verbindung mit der Geschichte des Handels im Indischen Ozean. Muslimische Kaufleute spielten über Generationen hinweg eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung der Insel. Viele Familienunternehmen, die von muslimischen Einwanderern gegründet wurden, bestehen bis heute und haben zur wirtschaftlichen Integration der Gemeinschaft beigetragen.
Judentum
Die Geschichte des Judentums auf Réunion ist eng mit der französischen Kolonialgeschichte verbunden. Während der Kolonialzeit war die jüdische Präsenz auf der Insel sehr gering. Anders als in einigen anderen Regionen des Indischen Ozeans entstanden auf Réunion keine größeren jüdischen Siedlungen. Einzelne jüdische Familien gelangten im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts als Händler, Beamte, Unternehmer oder Einwanderer aus Frankreich auf die Insel. Da ihre Zahl klein blieb, entwickelte sich zunächst keine größere organisierte jüdische Gemeinschaft.
Erst im 20. Jahrhundert wuchs die jüdische Präsenz langsam an. Die meisten Juden auf Réunion stammen aus Frankreich oder haben familiäre Wurzeln in anderen Teilen der französischen Welt. Einige Familien kamen aus Nordafrika, insbesondere aus Algerien, Marokko und Tunesien, nachdem sich dort die politischen Verhältnisse im Zuge der Entkolonialisierung verändert hatten. Andere zogen aus beruflichen oder wirtschaftlichen Gründen direkt aus dem französischen Mutterland nach Réunion.
Heute umfasst die jüdische Gemeinschaft nur einige hundert Personen. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, da Frankreich aus Datenschutz- und Gleichheitsgründen keine offiziellen Statistiken über die Religionszugehörigkeit seiner Bürger erhebt. Trotz ihrer geringen Größe verfügt die Gemeinschaft über religiöse und kulturelle Strukturen, die es ermöglichen, jüdische Traditionen und religiöse Praktiken aufrechtzuerhalten.
Das religiöse Leben der Juden auf Réunion orientiert sich überwiegend an den Traditionen des orthodoxen und konservativen Judentums, wobei die Gemeinschaft aufgrund ihrer geringen Größe oft pragmatische Lösungen finden muss. Religiöse Feiern, Gottesdienste und gemeinschaftliche Veranstaltungen spielen eine wichtige Rolle für die Bewahrung der jüdischen Identität. Besondere Bedeutung haben die großen jüdischen Feiertage wie Rosch ha-Schana, Jom Kippur, Pessach, Sukkot und Chanukka.
Da die Zahl der Gemeindemitglieder begrenzt ist, bestehen enge Kontakte zu jüdischen Organisationen und Gemeinden im französischen Mutterland. Religiöse Literatur, koschere Lebensmittel und rabbinische Unterstützung werden teilweise durch diese Verbindungen organisiert. Moderne Kommunikationsmittel haben die Verbindung zu anderen jüdischen Gemeinschaften weltweit zusätzlich erleichtert.
Das Judentum auf Réunion wird durch die französische Rechtsordnung geschützt. Wie alle anerkannten Religionsgemeinschaften profitieren auch jüdische Gemeinden von der Religionsfreiheit, die in Frankreich garantiert ist. Gleichzeitig gilt auf Réunion wie im übrigen Frankreich das Prinzip der Laizität, das eine institutionelle Trennung von Staat und Religion vorsieht. Religiöse Gemeinschaften organisieren ihre Angelegenheiten daher weitgehend eigenständig.
Die jüdische Gemeinschaft ist in das gesellschaftliche Leben der Insel integriert. Ihre Mitglieder arbeiten in unterschiedlichen Berufen und Bereichen des öffentlichen Lebens. Aufgrund der geringen Größe der Gemeinschaft stehen soziale Kontakte und Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Religionen im Vordergrund. Das friedliche Zusammenleben verschiedener Glaubensrichtungen gehört zu den charakteristischen Merkmalen Réunions.
Esoterik
Die Wurzeln esoterischer Praktiken auf Réunion reichen bis in die Kolonialzeit zurück. Mit den Siedlern, Sklaven und Vertragsarbeitern gelangten unterschiedliche Vorstellungen über Heilung, Schutz, Geister, Schicksal und übernatürliche Kräfte auf die Insel. Afrikanische und madagassische Traditionen brachten Glaubensformen mit, die von Ahnenverehrung, spirituellen Kräften und magischen Schutzritualen geprägt waren. Gleichzeitig existierten europäische Vorstellungen über Wahrsagerei, Volksmagie und religiöse Mystik. Aus Indien kamen hinduistische Traditionen, die teilweise spirituelle Praktiken und Vorstellungen über Karma, Wiedergeburt und kosmische Kräfte beinhalteten.
Im Laufe der Zeit vermischten sich diese Einflüsse miteinander. Dadurch entstand auf Réunion eine besondere Form volkstümlicher Spiritualität, die oft Elemente verschiedener Herkunft kombiniert. Viele Menschen unterscheiden dabei nicht strikt zwischen Religion, Tradition, Volksglauben und Esoterik. Religiöse Praktiken können mit Vorstellungen über Glück, Schutz, Heilung oder spirituelle Energien verbunden werden, ohne dass dies als Widerspruch empfunden wird.
Ein wichtiger Bereich der Esoterik auf Réunion betrifft traditionelle Heilmethoden. Neben der modernen Medizin existiert eine lange Tradition von Heilkundigen, die mit Kräutern, Gebeten, Segnungen oder spirituellen Praktiken arbeiten. Manche Menschen suchen solche Personen auf, um körperliche Beschwerden, seelische Probleme oder familiäre Schwierigkeiten behandeln zu lassen. Dabei spielen Vorstellungen über negative Energien, spirituelle Einflüsse oder übernatürliche Ursachen von Krankheiten teilweise eine Rolle.
Auch der Glaube an Geister und unsichtbare Kräfte ist in Teilen der Bevölkerung verbreitet. In verschiedenen kulturellen Traditionen der Insel existieren Erzählungen über Geister Verstorbener, übernatürliche Erscheinungen oder spirituelle Wesen. Solche Vorstellungen stammen aus unterschiedlichen kulturellen Quellen und wurden im Laufe der Geschichte miteinander verbunden. Sie gehören häufig zum Bereich des Volksglaubens und werden von manchen Menschen ernst genommen, während andere sie eher als Teil des kulturellen Erbes betrachten.
Seit dem späten 20. Jahrhundert haben zudem moderne westliche Formen der Esoterik auf Réunion an Bedeutung gewonnen. Dazu gehören Astrologie, Tarotkarten, Numerologie, Meditation, Energiearbeit, Reiki, Kristallheilkunde und verschiedene Formen spiritueller Selbstentwicklung. Diese Praktiken wurden vor allem durch Bücher, Medien, Tourismus und die enge Verbindung zu Frankreich verbreitet. Besonders in städtischen Gebieten finden sich Menschen, die sich für alternative Spiritualität interessieren oder entsprechende Angebote nutzen.
Die Natur Réunions spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in vielen esoterischen Vorstellungen. Die vulkanische Landschaft, die tropischen Wälder, die Berge und die abgelegenen Regionen der Insel werden von manchen Menschen als Orte besonderer spiritueller Kraft angesehen. Naturverbundenheit, Meditation und persönliche spirituelle Erfahrungen werden häufig mit diesen Landschaften in Verbindung gebracht.
Die Beziehung zwischen Esoterik und den etablierten Religionen ist unterschiedlich. Manche Christen, Hindus oder Muslime lehnen esoterische Praktiken ausdrücklich ab und betrachten sie als unvereinbar mit ihrem Glauben. Andere übernehmen einzelne Elemente oder verbinden religiöse und spirituelle Vorstellungen miteinander. Dadurch entstehen individuelle Glaubensformen, die sich nicht immer eindeutig einer bestimmten Kategorie zuordnen lassen.
Siedlungen
Die Einwohnerzahlen der größten Ortschaften entwickelten sich wie folgt:
| Ort | 1902 | 1961 | 1967 | 1975 | 1982 |
| Bras-Panon | 4 800 | 5 600 | 5 900 | 6 945 | |
| Cilaos | 5 200 | 5 600 | 5 700 | 5 735 | |
| Entre-Deux | 3 600 | 3 800 | 3 700 | 3 705 | |
| L'Étang-Salé | 5 700 | 6 500 | 6 600 | 7 479 | |
| La-Plaine-des-Palmistes | 2 000 | 2 300 | 2 100 | 2 020 | |
| La-Possession | 6 800 | 7 600 | 10 100 | 11 002 | |
| Le-Port | 14 900 | 17 300 | 25 100 | 30 131 | |
| Le-Tampon | 24 300 | 31 300 | 36 100 | 40 545 | |
| Les-Avirons | 4 100 | 4 500 | 4 900 | 5 150 | |
| Les-Trois-Bassins | 4 200 | 4 500 | 4 900 | 5 132 | |
| Petite-Île | 7 300 | 7 900 | 8 000 | 7 834 | |
| Saint-André | 9 000 | 19 300 | 22 100 | 25 200 | 30 975 |
| Saint-Benoît | 3 700 | 16 800 | 17 700 | 21 700 | 23 541 |
| Saint-Denis | 32 900 | 65 600 | 94 100 | 103 500 | 109 072 |
| Saint-Joseph | 9 200 | 9 900 | 11 100 | 23 700 | 23 307 |
| Saint-Leu | 8 200 | 16 100 | 16 900 | 17 400 | 18 207 |
| Saint-Louis | 13 000 | 17 800 | 26 700 | 30 300 | 31 785 |
| Saint-Paul | 19 600 | 35 500 | 43 100 | 52 600 | 58 412 |
| Saint-Philippe | 1 800 | 2 900 | 3 400 | 3 500 | 3 476 |
| Saint-Pierre | 28 900 | 34 000 | 40 400 | 46 100 | 50 082 |
| Sainte-Marie | 11 400 | 14 400 | 16 600 | 17 251 | |
| Sainte-Rose | 3 200 | 4 600 | 4 800 | 4 900 | 5 265 |
| Sainte-Suzanne | 6 400 | 9 800 | 11 200 | 12 000 | 13 196 |
| Salazie | 5 000 | 6 600 | 7 100 | 6 500 | 6 467 |
Die Einwohnerzahlen der communes entwickelten sich wie folgt:
| Commune | 1911 | 1921 | 1931 | 1941 | 1946 | 1954 |
| Les Avirons | 2 684 | 2 451 | 2 848 | 3 087 | 3 364 | 3 560 |
| Bras-Panon | 3 153 | 2 752 | 3 185 | 3 231 | 3 502 | 3 981 |
| Entre-Deux | 3 449 | 3 282 | 3 230 | 3 590 | 3 803 | 3 580 |
| L’Étang Salé | 3 572 | 3 770 | 3 930 | 4 359 | 4 838 | 5 217 |
| Petite-Ile (Saint-Pierre) | 5 349 | 6 138 | 6 769 | |||
| La Plaine des Palmistes | 1 679 | 1 332 | 1 359 | 1 513 | 1 642 | 1 731 |
| Le Port | 3 924 | 3 789 | 5 248 | 6 607 | 7 204 | 10 689 |
| La Possession | 4 149 | 4 329 | 4 267 | 5 080 | 5 845 | 6 145 |
| Saint-André | 11 254 | 10 229 | 12 818 | 13 483 | 13 105 | 15 293 |
| Saint-Benoït | 10 462 | 10 811 | 10 011 | 10 352 | 10 541 | 12 043 |
| Saint-Denis | 23 972 | 21 558 | 26 807 | 32 637 | 35 971 | 41 863 |
| Sainte-Marie | 6 833 | 6 168 | 6 324 | 7 857 | 8 816 | 10 266 |
| Sainte-Rose | 3 349 | 2 943 | 2 511 | 2 581 | 2 585 | 3 227 |
| Sainte-Suzanne | 6 554 | 7 302 | 6 319 | 6 859 | 7 370 | 8 719 |
| Saint-Joseph | 9 371 | 9 980 | 11 274 | 12 446 | 13 842 | 15 082 |
| Saint-Leu | 8 004 | 10 417 | 11 281 | 11 654 | 12 255 | 13 860 |
| Saint-Louis | 13 346 | 14 803 | 17 237 | 20 867 | 23 895 | 25 220 |
| Saint-Paul | 18 646 | 19 456 | 22 679 | 23 055 | 25 909 | 28 681 |
| Saint-Pierre | 29 487 | 27 895 | 22 048 | 20 150 | 22 334 | 27 573 |
| Saint-Philippe | 1 283 | 1 550 | 1 905 | 2 162 | 2 354 | 2 329 |
| Salazie | 6 133 | 7 302 | 5 117 | 5 588 | 6 146 | 5 789 |
| Le Tampon | 12 917 | 15 096 | 16 601 | 19 201 | ||
| Les Trois-Bassins | 2 524 | 3 304 | 3 618 | 3 352 | 3 607 | 3 732 |
| Name | Z 1961 | Z 1967 | Z 1975 | Z 1982 | Z 1990 | Z 1999 | S 2007 | S 2015 | S 2022 |
| Bras-Panon | 4 824 | 5 533 | 5 990 | 6,945 | 8,455 | 9,683 | 11,216 | 12,735 | 13,131 |
| Cilaos | 5 253 | 5 586 | 5 721 | 5,735 | 5,856 | 6,115 | 5,796 | 5,350 | 5,215 |
| Entre-Deux | 3 624 | 3 780 | 3 819 | 3,705 | 4,260 | 5,170 | 5,868 | 6,781 | 7,115 |
| La Plaine-des-Palmistes | 1 981 | 2 304 | 2 081 | 2,020 | 2,676 | 3,434 | 4,713 | 6,157 | 6,920 |
| La Possession | 6 783 | 7 626 | 10 188 | 11,002 | 15,614 | 21,904 | 27,175 | 32,720 | 36,390 |
| Le Port | 14 906 | 19 768 | 25 291 | 30,131 | 34,692 | 38,412 | 38,313 | 35,280 | 33,670 |
| Les Avirons | 4 118 | 4 547 | 4 855 | 5,150 | 5,935 | 7,172 | 10,093 | 11,148 | 11,445 |
| Les Trois-Bassins | 4 195 | 4 471 | 4 858 | 5,132 | 5,767 | 6,598 | 6,929 | 7,127 | 7,113 |
| Le Tampon | 24 278 | 31 321 | 36 332 | 40,545 | 47,593 | 60,323 | 70,539 | 76,310 | 81,964 |
| L'Étang-Salé | 5 672 | 6 510 | 6 664 | 7,479 | 8,769 | 11,755 | 13,179 | 14,330 | 14,329 |
| Petite-Île | 7 302 | 7 951 | 8 024 | 7,834 | 8,852 | 10,151 | 11,672 | 12,143 | 12,920 |
| Saint-André | 19 255 | 22 094 | 25 413 | 30,075 | 35,049 | 43,174 | 51,964 | 55,730 | 57,546 |
| Saint-Benoît | 16 783 | 19 492 | 21 831 | 23,541 | 26,187 | 31,560 | 33,485 | 37,940 | 37,585 |
| Saint-Denis | 65 275 | 85 444 | 104 254 | 109,072 | 121,999 | 131,557 | 140,733 | 146,985 | 156,149 |
| Sainte-Marie | 11 414 | 14 367 | 16 662 | 17,251 | 20,158 | 26,582 | 31,143 | 32,940 | 35,584 |
| Sainte-Rose | 4 614 | 4 761 | 4 884 | 5,265 | 5,761 | 6,551 | 6,680 | 6,621 | 6,450 |
| Sainte-Suzanne | 9 794 | 11 151 | 12 093 | 13,196 | 14,695 | 18,144 | 21,856 | 23,068 | 24,855 |
| Saint-Joseph | 20 127 | 22 351 | 23 843 | 23,307 | 25,630 | 30,293 | 34,602 | 37,608 | 38,992 |
| Saint-Leu | 16 137 | 16 870 | 17 523 | 18,207 | 20,931 | 25,314 | 29,422 | 33,701 | 35,597 |
| Saint-Louis | 23 944 | 26 663 | 30 455 | 31,785 | 37,420 | 43,519 | 50,131 | 53,524 | 54,478 |
| Saint-Paul | 35 528 | 43 129 | 52 994 | 58,412 | 71,669 | 87,712 | 101,023 | 105,967 | 106,220 |
| Saint-Philippe | 33 947 | 40 355 | 46 390 | 3,476 | 4,005 | 4,860 | 5,129 | 5,115 | 5,093 |
| Saint-Pierre | 2 938 | 3 336 | 3 465 | 50,082 | 58,846 | 68,915 | 75,265 | 84,063 | 85,254 |
| Salazie | 6 590 | 7 105 | 6 522 | 6,467 | 7,004 | 7,402 | 7,181 | 7,384 | 7,333 |
Saint-Denis ist die Hauptstadt und mit rund 156.000 Einwohnern die größte Stadt der Insel Réunion. Sie liegt an der Nordküste und ist das politische, administrative und kulturelle Zentrum der Insel. Gegründet wurde Saint-Denis 1669, benannt nach einem französischen Schiff. Die Stadt zeichnet sich durch ihre koloniale Architektur, zahlreiche Museen, Kirchen und ein lebendiges kulturelles Leben aus. Saint-Denis beherbergt die Inselverwaltung, die Universität von Réunion und bietet ein vielfältiges Nachtleben. Die Altstadt verbindet historische Sehenswürdigkeiten mit modernen Einrichtungen, während das historische Viertel „Le Barachois“ an der Küste eine beliebte Promenade ist.
La Possession befindet sich zwischen Saint-Denis und Saint Paul an der Westküste. Die Geminde umfasst Teile des Talkessels Mafate, eines spektakulären Berggebiets, das zu Wanderungen einlädt. La Possession wurde 1890 als Gemeinde gegründet, nachdem sie bis 1834 Teil von Saint Paul war. Hier finden sich koloniale Gebäude, ein Alter Hafen mit Yachthafen, industrielle Gebäude wie Zuckersilos sowie alte Häuser der Eisenbahngesellschaft und andere historische Bauwerke. Die Gegend ist auch Ausgangspunkt für Wanderungen in die Bergregionen Mafate und Roche Vert Bouteille.
Le Port ist eine Stadt im Nordwesten der Insel Réunion mit etwa 33.670 Einwohnern (Stand 2022). Sie entstand 1878 als Arbeitersiedlung für den Bau des großen Hafens, der 1886 eröffnet wurde. Le Port ist der wichtigste Überseehafen der Insel und heute eine reine Industriestadt ohne große touristische Highlights. Die Stadt hat eine bedeutende Geschichte als Geburtsstätte der Gewerkschaftsbewegung auf Réunion. Sehenswürdigkeiten sind unter anderem die Kirche Jeanne d‘Arc und das Insektarium der Insel. Einkaufsmöglichkeiten und ein Wochenmarkt prägen das Stadtbild im Zentrum.
Saint Paul ist die älteste Gemeinde der Insel und war bis 1738 Hauptstadt von Réunion. Am 29. Juni 1642 landeten hier die Franzosen und gründeten damit die erste dauerhafte französische Niederlassung im Indischen Ozean. Heute ist Saint Paul eine der größten Gemeinden Frankreichs mit über 100.000 Einwohnern. Die Gemeinde umfasst sowohl historische Orte als auch Strände und ist wirtschaftlich und administrativ bedeutend, unter anderem mit einem großen Hafen namens Le Port, der einige historische koloniale Bauwerke bietet.
Saint Leu liegt südlich von Saint Paul an der Westküste und ist eher eine kleinere, aber kulturreichere und touristisch attraktive Stadt. Sie ist bekannt für ihr malerisches, ruhiges Stadtzentrum, ihren Yachthafen, einen langen Strand und vor allem für Gleitschirmfliegen, mit jährlich organisierten Weltmeisterschaften. In der Umgebung befinden sich Sehenswürdigkeiten wie das ehemalige Salzbergwerk Pointe au Sel, das botanische Konservatorium Mascarin und das Meeresschildkröten-Zentrum Kélonia. Historisch hat Saint Leu auch eine wichtige Rolle in der Geschichte der Sklavenrevolte 1811 gespielt, als Sklaven aus Saint Leu und umliegenden Gebieten gegen die Versklavung aufbegehrten.
Saint-Louis befindet sich im Südwesten der Insel nahe Saint-Pierre. Es ist die fünftgrößte Gemeinde von Réunion. Saint-Louis wurde 1815 gegründet und hat eine historische Bedeutung, wobei die Einwohner als „Saint-Louisiens“ bezeichnet werden. Zu den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde gehören Museen, Naturschutzgebiete und kulturelle Einrichtungen. Sie ist in der Nähe von Saint-Pierre gelegen, einem größeren städtischen Zentrum.
Saint-Pierre ist die zweitgrößte Stadt und liegt an der Südküste von Réunion. Die Stadt ist ein wichtiger Hafen- und Handelsort mit einem lebhaften Markt und einem Zentrum für Fischerei und Handel. Saint-Pierre ist bekannt für sein tropisches Klima, seine Strände und als touristisches Ziel mit vielen Freizeitmöglichkeiten. Die Stadt bietet mit Restaurants, Bars und kulturellen Veranstaltungen ein lebendiges Stadtleben. Außerdem ist sie wirtschaftlich bedeutend für die Landwirtschaft, insbesondere den Anbau von Zuckerrohr, der auf Réunion traditionell eine große Rolle spielt.
Le Tampon ist eine Gemeinde im Süden von Réunion, die landschaftlich durch ihre Lage auf einem Hochebenen-Plateau am Hang des Vulkans Piton de la Fournaise geprägt ist. Sie ist bekannt für ein kühleres, gemäßigtes Klima im Vergleich zum Küstenbereich und eine landwirtschaftlich geprägte Umgebung. Le Tampon bietet eine entspannte Atmosphäre mit kleineren urbanen Zentren, kulturellen Angeboten und ist ein beliebter Wohnort für Menschen, die dem Küstenklima entfliehen möchten. Außerdem dient die Gemeinde oft als Ausgangspunkt für Touren zum Vulkan und in die Naturlandschaften der Insel.
Saint-Louis befindet sich im Südwesten der Insel, nahe dem Arrondissement Saint-Pierre. Es ist die fünftgrößte Gemeinde von Réunion. Saint-Louis wurde 1815 gegründet und hat eine historische Bedeutung, wobei die Einwohner als „Saint-Louisiens“ bezeichnet werden. Die Gemeinde bietet verschiedene Sehenswürdigkeiten, darunter Museen, Naturschutzgebiete und kulturelle Einrichtungen. Sie ist in der Nähe von Saint-Pierre gelegen, einem größeren städtischen Zentrum.
Saint-Philippe liegt am südöstlichen Zipfel von Réunion. Die Gemeinde befindet sich im sogenannten „Wilden Süden“ mit üppiger Natur und vulkanischen Landschaften aus. Bedeutend sind hier der tropische Regenwald (zum Beispiel der Wald Forêt de Mare Longue), Vulkanlandschaften wie der Lavastrom-Bereich „Grand Brûlé“ des Piton de la Fournaise, und Sehenswürdigkeiten wie der „Garden of Perfumes and Spices“ mit endemischen Pflanzen und Gewürzen. Die Einwohner leben hauptsächlich entlang der Küste und in verstreuten Siedlungen.
Sainte-Anne ist ein Dorf im Südosten von Réunion, das zur Gemeinde Saint-Benoît gehört. Es liegt zwischen den Orten Sainte-Rose und Saint-Benoît an der Ostküste der Insel. Bekannt ist Sainte-Anne vor allem für seine Kirche „Église Sainte-Anne“, die im 19. Jahrhundert erbaut wurde und durch außergewöhnliche Architektur besticht, die barocke Elemente mit filigranen Verzierungen kombiniert. Die Kirche ist ein architektonisches Kleinod und wurde sogar im Film „Die Meerjungfrau vom Mississippi“ verwendet. Die Umgebung ist ländlich mit Zuckerrohrfeldern, Wanderwegen und natürlichen Süßwasserpools, die bei Einheimischen beliebt sind.
Saint-André liegt an der Ostküste von Réunion, südlich von Sainte-Marie. Diese Gemeinde ist stark geprägt von ihrer multikulturellen Bevölkerung, insbesondere von der indischen (tamilischen) Diaspora, die nach Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert als Vertragsarbeiter einwanderte. Saint-André ist bekannt für seine Zuckerrohrplantagen, die ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind, und für sein reiches kulturelles Erbe mit zahlreichen hinduistischen Tempeln und Festen wie dem tamilischen Neujahrsfest und Deepavali (Lichterfest). Die Gemeinde gilt als kulturelles Zentrum der indischen Gemeinschaft auf Réunion und spiegelt die religiöse und ethnische Vielfalt der Insel wider.
Sainte-Marie befindet sich an der Ostküste von Réunion nahe der Hauptstadt Saint-Denis. Die Stadt ist bekannt für ihre Landwirtschaft, vor allem Zuckerrohranbau, und eine lebendige kreolische Bevölkerung. Sainte-Marie ist sowohl für ihre historische Bedeutung als auch für ihre kulturellen Feste und den Strand bekannt. Dort befinden sich auch ein Flughafen (der Flughafen Roland Garros) und wichtige Infrastruktur. Die Gemeinde verbindet ländliche und städtische Lebensformen und spielt wirtschaftlich eine wichtige Rolle auf der Insel.
Sainte-Suzanne befindet sich an der Nordostküste der Insel am Indischen Ozean liegt. Sie grenzt an die Gemeinden Saint-André, Sainte-Marie und Salazie und gehört zum Arrondissement Saint-Denis. Geografisch ist Sainte-Suzanne bekannt für den Fluss Rivière Saint-Suzanne, dessen Wasserfall „Cascade Niagara“ über eine 25 Meter hohe Klippe stürzt – ein beliebtes Ausflugsziel. Die Landschaft ist geprägt von üppiger Vegetation, Zuckerrohrfeldern und verschiedenen Wanderwegen, was sie zu einem Anziehungspunkt für Naturliebhaber macht. Historisch wurde Sainte-Suzanne 1667 vom ersten Inselgouverneur Étienne Regnault gegründet und gehört damit zu den ältesten Siedlungen Réunions. Die Gemeinde beherbergt auch einen der ältesten Leuchttürme der Insel, den Phare de Sainte-Suzanne, der im 19. Jahrhundert errichtet wurde.
Verkehr
Die Insel Réunion ist im Küstenbereich verkehrsmäßig sehr gut ausgebaut. Das Landesinnere ist großteils nur schwer erschließbar.
Straßenverkehr
Das Straßennetz der Insel umfasst 2784 km. Davon sind 1360 km asfaltiert, der Rest ist alledings auch ganzjährig benutzbar. Hauptverkehrslinie der Insel ist die Ringstraße, welche die größten Siedlungen entlang der Küste miteinander verbindet. Die geografisch bedingte Konzentration des Verkehrs auf diese Ringstraße führt zusammen mit der hohen Autodichte zu großen Verkehrsproblemen
Im Nordwesten und im Süden ist die Strecke zweispurig ausgebaut und zum Teil auf einem künstlichen Plateau vor der Steilküste angelegt. Um die alltäglichen Verkehrsstaus zwischen St. Paul und Etang Salé zu entspannen, wird zwischen dem Westen und dem Süden der Insel eine weitere, vierspurige Trasse gebaut – die Route des Tamarins. Diese Straße soll streckenweise überdacht und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Mit Kosten von über einer Milliarde Euro gilt diese Konstruktion als eine der teuersten Straßenbauten der Europäischen Union. Die Eröffnung ist für das Jahr 2009 geplant. Ungefähr in Nord-Süd-Richtung wird La Réunion von einer Verbindungsstraße zwischen Saint-Benoît und Saint-Pierre durchquert - diese Strecke führt über die Hochebene zwischen den beiden Vulkanmassiven.
Wegen der zunehmenden Verkehrsbelastung auf der Küstenstraße soll im nördlichen Teil in den nächsten Jahren eine neue Regional-Stadtbahn, genannt „Tramtrain“, von Saint-Benoît bis Saint-Paul gebaut werden. Es ist vorgesehen, sie innerstädtisch als Straßenbahn und außerhalb wie ein Regionalzug verkehren zu lassen. Ein oder mehrere Tunnel sollen das Bergmassiv zwischen Saint-Denis und La Possession durchqueren.
Der Zustand der Straßen ist vor allem im Küstenbereich sehr gut. Zum Inselinneren hin sind manche Straßen nicht optimal instandgehalten. Das Tankstellennetz auf Reunion ist in den großen und mittleren Städten sehr dicht. In kleineren Dörfern besonders im Gebirge sind jedoch weit weniger Tankstellen anzutreffen. Des weiteren ist zu beachten, dass die Tankstellen in der Regel nach Sonnenuntergang sowie Sonntag Nachmittags geschlossen sind.
Als die ersten Autos nach Reunion importiert wurden, konnten sich nur die Reichen, meistens die Besitzer von Zuckerrohrplantagen, ein Auto leisten. So wurde schnell klar, dass die Autobesitzer reich waren. Die Kinder sagten sogar: "Wenn ich groß und reich bin, werde ich mir ein Auto kaufen". Das Auto war schon damals ein Statussymbol. Heute hat auf Reunion sprichwörtlich jeder ein Auto. Sonntags wird das Autos mit viel Liebe entweder mit dem Wasser eines Bachs oder mit einem Gartenschlauch gewaschen. Viel Geld wird in das Aussehen und in die Stereoanlage des Autos investiert.
Das Busnetz wird hauptsächlich vom regionalen öffentlichen Unternehmen „Car Jaune“ betrieben, das die wesentlichen Städte, Dörfer und touristischen Ziele der Insel miteinander verbindet. Es gibt 13 Linien, die die Insel umfassend abdecken, etwa von Saint-Denis im Norden bis Saint-Pierre im Süden und viele Orte dazwischen, inklusive Strandorte wie Saint-Gilles-les-Bains und bergige Gebiete wie Cilaos. Die Busse sind gelb („Car Jaune“) und gelten als erschwingliches, nachhaltiges und praktisches Fortbewegungsmittel.
Neben „Car Jaune“ gibt es auch regionale Busnetzwerke, etwa „Estival“ im Osten und weitere Anbieter für spezifische Landesteile. Transportdienstleistungen wie Shuttles, Taxis sowie Sammeltaxis („Taxis à la place“) ergänzen das Angebot, insbesondere für schwer zugängliche Wandergebiete.
Fahrzeugbestand insgesamt:
1970 91 296
1998 219 456
1999 234 578
2000 258 400
Bahnverkehr
Réunion hatte historisch ein Schienennetz in Meterspur, das von 1882 bis etwa 1963 als Eisenbahnstrecke betrieben wurde. Es gab zwei Hauptstrecken entlang der Küste: von Saint-Benoît ostwärts und von Saint-Denis zu Saint-Pierre im Südwesten, die insgesamt etwa 124 Kilometer lang waren. Diese schwierige geologische Landschaft erforderte den Bau von über 50 Brücken, mehreren Tunneln und Durchlässen. Der Schienenpersonenverkehr wurde zugunsten des Individualverkehrs Mitte des 20. Jahrhunderts aufgegeben.
Ein Touristenzug verkehrte von 1990 bis vor einiger Zeit auf einem kurzen 4 Kilometer langen Abschnitt bei La Grande Chaloupe, dieser wurde aber eingestellt. Es gibt Pläne bzw. Konzepte für ein neues Tram-Train-System, das als moderne Straßenbahn-Eisenbahn-Hybrid entlang der Küste verkehren soll. Die erste Phase soll 41,5 km von Saint-Paul über Saint-Denis bis zum Flughafen Roland Garros in Sainte-Marie führen und beinhaltet aufwändige Ingenieurbauten einschließlich eines 10 km langen Tunnels. In Zukunft soll die Strecke auf bis zu 150 km ausgebaut werden, etwa zwischen Saint-Benoît und Saint-Pierre. Ein 10 km langer Tramroute wurde ebenfalls für eine Eröffnung um 2024 vorgeschlagen, aber dies gilt als ambitioniertes Ziel.
Schiffsverkehr
Auf Réunion gibt es mehrere größere Häfen sowie zahlreiche kleinere Anlegestellen. Insgesamt existieren etwa sieben bedeutendere Hafenanlagen und rund zehn weitere Anlegepunkte, die unterschiedliche Funktionen erfüllen, etwa für Fischerei, Handel, Tourismus oder lokale Versorgung. Der wichtigste Hafen der Insel ist Le Port, der sich an der Westküste befindet und als zentraler Industrie- und Frachthafen dient.
Der Hafen Le Port ist das wichtigste logistische Zentrum der Insel und spielt eine entscheidende Rolle für die Versorgung der Bevölkerung. Hier werden Güter aller Art umgeschlagen, darunter Lebensmittel, Baustoffe, Maschinen und Konsumgüter, die für den täglichen Bedarf der Insel notwendig sind. Aufgrund der geografischen Isolation ist Réunion stark auf diesen Seehandel angewiesen, da nahezu alle Importwaren über diesen Hafen abgewickelt werden.
Neben dem Frachtverkehr ist Le Port auch ein bedeutender Anlaufpunkt für den Kreuzfahrttourismus. Immer mehr Kreuzfahrtschiffe im Indischen Ozean legen dort an, wodurch die Insel stärker in internationale Seerouten eingebunden ist. Der Hafen liegt etwa 20 Kilometer von der Inselhauptstadt Saint-Denis entfernt und ist gut an das Straßennetz angebunden. Für Passagiere stehen verschiedene Transportmöglichkeiten zur Verfügung, darunter Shuttlebusse, die direkt vom Hafengelände zum Ausgang fahren, sowie öffentliche Busverbindungen in Richtung Saint-Denis.
Direkt am Hafenausgang befinden sich touristische Einrichtungen wie Informationsstellen, die Besucher bei der Planung von Ausflügen unterstützen. In der Nähe des Hafens sind außerdem Mietwagenanbieter vertreten, wodurch Touristen die Möglichkeit haben, die Insel flexibel zu erkunden. Aufgrund der bergigen Landschaft und der weit verstreuten Sehenswürdigkeiten ist der Individualverkehr mit Mietwagen eine häufig genutzte Option.
Der Hafen selbst ist stark industriell geprägt, mit umfangreichen Lagerflächen, Containerterminals und nächtlichem Betrieb, der teilweise mit erhöhter Geräusch- und Lichtentwicklung verbunden ist. Dies unterstreicht seine Bedeutung als wirtschaftliches Zentrum, zeigt aber auch die funktionale Trennung zwischen Industriegebiet und touristischen Zonen.
Die Straßeninfrastruktur auf Réunion ist insgesamt gut ausgebaut und modern, insbesondere entlang der Küstenregionen. Dies erleichtert die Verbindung zwischen Hafen, Hauptstadt und touristischen Regionen erheblich und unterstützt sowohl den Güterverkehr als auch den Personenverkehr auf der Insel.
Neben dem Hafen Le Port gibt es weitere kleinere Häfen und Anlegestellen, die vor allem regionale Funktionen übernehmen, etwa für Fischerei, lokale Versorgung oder kleinere Transportverbindungen. Diese ergänzen die Hauptfunktionen des großen Industriehafens und tragen zur logistischen Versorgung der Insel bei.
Schiffsflotte 1998:
- Schifffahrtsgesellschaften 5
- Tonnage 28 264 brt
- Schiffsabfertigungen 885
Schiffsverkehr 1998:
Passagiere 20 147 22 189
Fracht 2 597 300 t 467 900 t
Flugverkehr
Der internationale Flughafen Réunion befindet sich 10 km östlich von Saint-Denis im Norden der Insel. Er ist nach dem Flugpionier Roland Garros benannt, der auf La Réunion geboren wurde. Im Süden der Insel befindet sich der Flughafen Pierrefonds, der der Insel unter anderem gute Verbindungen nach Mauritius bietet.
Der internationale Flughafen Réunion (Aéroport de La Réunion Roland Garros, englisch früher Gillot Airport) ist der wichtigste Flughafen der Insel. Er befindet sich etwa 10 km östlich von Saint-Denis an der Nordspitze der Insel. Flughafenbetreiber ist die dortige Handelskammer (Chambre de commerce et d'industrie de la Réunion). Der Flughafen wurde nach dem französischen Luftfahrtpionier Roland Garros benannt, der 1888 in Saint-Denis geboren wurde. Die Flughafeninfrastruktur besteht aus einem Tower, zwei asphaltierten Start- und Landebahnen und einem Terminal. Der Flughafen ist unter anderem für die Muster Airbus A340, Airbus A380, Boeing 747 und Boeing 777 ausgelegt. ILS wird nur für die Bahn 14/32 angeboten. Der Flughafen dient als Basis der Militäreinheit Détachement air 181 Réunion (DA 181) „Lieutenant Roland Garros“.
| Airlines | Ziele |
| Air Austral | Antananarivo, Bangkok–Suvarnabhumi, Chennai, Dzaoudzi, Johannesburg–O. R. Tambo, Mahé, Marseille, Mauritius, Moroni, Nosy Be, Paris–Charles de Gaulle, Toamasina |
| Air France | Paris–Charles de Gaulle, Paris–Orly |
| Air Madagascar | Antananarivo, Antsiranana, Guangzhou, Sainte-Marie, Tôlanaro |
| Air Mauritius | Mauritius |
| Corsair International | Paris–Orly |
| French Bee | Paris–Orly |
| XL Airways France | Lyon, Marseille, Paris–Charles de Gaulle, Toulouse |
Réunion Airport
- französischer Name: Aéroport de La Réunion Roland Garros
- Code: RUN / FMEE
- Lage: 20°53‘14“ S, 55°30‘37“ O
- Seehöhe: 20 m (66 ft)
- Entfernung: 10 km östlich von Saint Denis
- Inbetriebnahme:
- Betreiber: Chambre de commerce et d’industrie de la Réunion
- Terminal: 1
- Rollbahnen: 2
- Länge der Rollbahnen: 3200 m und 2670 m (beide Asfalt)
- Fluggesellschaften: 7
- Flugzeug-Standplätze: ca. 60
- jährliche Passagierkapazität:
- jährliche Frachtkapazität:
- Flughafen-Statistik: Jahr Flugbewegungen Passagiere Fracht in t
2016 12 272 2 103 919 26 610
2022 35 441 2 339 611 31 605
2023 32 900 2 689 954
Wirtschaft
Im Jahr 2006 lag das regionale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, bei 61,6 % des Durchschnitts der EU-27. Mit einer Wachstumsrate, die in den letzten 30 Jahren zweimal höher war als die durchschnittliche französische Wachstumsrate (5 % jährlich), zeichnet sich La Réunion als eine der europäischen Regionen mit der größten Dynamik für die Schaffung von Arbeitsplätzen pro Einwohner aus. Die Region wird im Jahr 2025 wahrscheinlich über einen Markt von einer Million Einwohnern mit europäischer Kaufkraft und europäischem Konsumgeschmack verfügen.
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft auf Réunion ist ein zentraler Bestandteil der Wirtschaft und hat sich historisch stark aus der kolonialen Plantagenwirtschaft entwickelt. Sie ist bis heute geprägt von der besonderen geografischen Situation der Insel, den unterschiedlichen Höhenstufen, den fruchtbaren Vulkanböden sowie dem tropischen Klima mit teils extrem hohen Niederschlägen. Dadurch ist eine vielseitige Agrarstruktur entstanden, die sowohl traditionelle Exportkulturen als auch moderne und spezialisierte Produkte umfasst.
Seit über zwei Jahrhunderten spielt der Anbau von Zuckerrohr eine dominierende Rolle. Zuckerrohr gilt als klassische Plantagenkultur und wird auf großen Flächen angebaut, die sich bis in Höhenlagen von etwa 700 Metern erstrecken. Die Produktion erreicht jährlich rund 200.000 Tonnen Zucker und stellt bis heute einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. Historisch war Zucker das wichtigste Exportprodukt der Insel und prägte Landschaft, Gesellschaft und Wirtschaftsstruktur maßgeblich.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts geriet die Zuckerwirtschaft jedoch in eine Krise, die durch internationale Konkurrenz und Preisschwankungen ausgelöst wurde. In der Folge begann eine Diversifizierung der Landwirtschaft, bei der neue Exportpflanzen eingeführt und gefördert wurden. Besonders bedeutend wurden dabei Vanille, Geranium und Vetiver, die bis heute eine wichtige Rolle spielen.
Die Bourbon-Vanille, die aus einer tropischen Orchideenart gewonnen wird, zählt zu den hochwertigsten Vanillesorten weltweit. Ihr Anbau ist sehr arbeitsintensiv, da die Blüten in der Regel per Hand bestäubt werden müssen. Diese aufwendige Produktion trägt dazu bei, dass Vanille aus Réunion international einen hohen Qualitätsstatus besitzt und ein wichtiges Nischenexportprodukt darstellt.
Auch der Anbau von Geranium ist wirtschaftlich bedeutsam, da aus den Pflanzen ätherische Öle gewonnen werden, die vor allem in der Parfumindustrie Verwendung finden. Vetiver wiederum ist eine Graspflanze, deren Wurzelsystem zur Bodenstabilisierung genutzt wird. Sie spielt eine wichtige ökologische Rolle, da sie hilft, Erosion und Erdrutsche in den steilen Hanglagen der Insel zu verhindern.
Neben diesen Exportkulturen existiert eine vielfältige Nahrungsmittelproduktion. Auf Réunion werden zahlreiche Obst- und Gemüsesorten angebaut, darunter Ananas, Zitrusfrüchte sowie Kürbisarten wie die sogenannte Chayote, lokal auch „Chou chou“ genannt. Ergänzt wird dies durch verschiedene „Brèdes“, also essbare Blätter und Stängel einheimischer Pflanzen, die einen wichtigen Bestandteil der kreolischen Küche darstellen.
Auch der Anbau von Gewürzen ist charakteristisch für die Inselwirtschaft. Dazu gehören Kurkuma, Zimt, Muskatnuss und Nelken sowie die sogenannte „Quatre-épices“-Pflanze, die in der lokalen Küche für aromatische Mischungen verwendet wird. Diese Gewürze tragen sowohl zur kulinarischen Vielfalt als auch zur kleinräumigen Landwirtschaft bei.
Ein weiteres wichtiges Agrarprodukt ist der Kaffee, insbesondere die seltene Sorte Bourbon Pointu, die für ihre hohe Qualität und ihren besonderen Geschmack bekannt ist. Obwohl der Kaffeeanbau heute nur noch eine Nebenrolle spielt, besitzt er eine gewisse Nischenbedeutung im Premiumsegment.
Die landwirtschaftlichen Betriebe auf der Insel sind häufig kleinräumig strukturiert und setzen auf Mischkulturen. Viele Bauern kombinieren verschiedene Anbauprodukte, um sowohl wirtschaftliche Stabilität als auch eine bessere Nutzung der unterschiedlichen Klimazonen zu erreichen. Während Zuckerrohr weiterhin die Fläche dominiert, gewinnen nachhaltige und biologische Anbaumethoden sowie hochwertige Spezialprodukte wie Vanille zunehmend an Bedeutung.
Viehbestand: 1989 1997 1999
Geflügel 209 744 8 000 000 11 000 000
Schweine 70 921 100 000 89 000
Ziegen 31 318 32 000 38 000
Rinder 18 601 26 000 27 000
Schafe 2 280 2 000 2 000
Weinbau
Der Weinbau auf Réunion ist eine seltene Besonderheit und konzentriert sich vor allem auf das Hochlandgebiet rund um den Talkessel von Cilaos im Inselinneren. Hier wurden bereits im 19. Jahrhundert erste Reben gepflanzt, zunächst hauptsächlich die robuste amerikanische Sorte Isabella (Vitis labrusca). Wegen gesetzlicher Beschränkungen und Klimaschwierigkeiten war die Entwicklung des professionellen Weinbaus lange begrenzt.
Erst ab den 1990er Jahren begann man, edlere Rebsorten anzusiedeln, darunter Chenin Blanc, Malbec, Pinot Noir, Verdelho, Gros Manseng, Gamay und Syrah. Die Gründung der Winzergenossenschaft „Chai de Cilaos“ 1992 markierte einen Neuanfang. Die ersten hochwertigen Weiß- und Rotweine wurden wenige Jahre später produziert. Seit 2004 dürfen die Weine aus Cilaos die Bezeichnung „Vin de Pays“ tragen und sind somit offizielle Landweine Frankreichs – Réunion ist damit der einzige europäische Weinberg in der südlichen Hemisphäre.
Heute werden im Cilaos-Talkessel etwa 15 bis 20 Hektar mit Wein bepflanzt, und es entstehen Weiß-, Rosé- und Rotweine – bekannt ist vor allem der trockene Chenin Blanc. Die Ernte beginnt bereits im Januar, was die Trauben zu den ersten Frankreichs macht. Daneben gibt es experimentelle Parzellen an anderen Orten, etwa am Piton de l’Hermitage oder Mont Roquefeuil.
Der Fokus liegt auf geringe Mengen, die Qualität variiert, Flaschen und Ausstattungen müssen importiert werden und der Wettbewerb mit importierten Festlandsweinen ist groß. Trotzdem sind die Weine von Cilaos bei Einheimischen und Touristen als regionales Kuriosum und Souvenir beliebt. Zudem werden daneben auf kleinen Familienbetrieben weiterhin süßere, einfachere Landweine oft aus Isabella-Trauben hergestellt und abseits des offiziellen Weinbaus verkauft.
Forstwirtschaft
Ursprünglich war Réunion nahezu vollständig von tropischen und montanen Wäldern bedeckt. Mit der Kolonialisierung begann jedoch eine starke Abholzung, insbesondere im 17. bis 19. Jahrhundert. Wälder wurden für den Zuckerrohranbau gerodet, aber auch zur Gewinnung von Bauholz, Brennmaterial und zur Schaffung von Siedlungs- und Weideflächen genutzt. Dadurch gingen große Teile der ursprünglichen Primärvegetation verloren, und viele Waldgebiete wurden in Sekundärwälder oder landwirtschaftlich genutzte Flächen umgewandelt.
Heute existieren nur noch relativ kleine Reste naturnaher Primärwälder, vor allem in schwer zugänglichen Bergregionen und Nationalparkzonen. Diese Wälder sind von großer Bedeutung, da sie zahlreiche endemische Pflanzenarten beherbergen und eine wichtige Rolle im Wasserhaushalt der Insel spielen. Sie tragen dazu bei, die starken Niederschläge zu regulieren und verhindern in den steilen Hängen großflächige Erosionen und Erdrutsche.
Ein großer Teil der heutigen Forstwirtschaft ist daher eng mit Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen verbunden. Aufforstungsprogramme wurden insbesondere seit der Mitte des 20. Jahrhunderts eingeführt, um geschädigte Gebiete zu stabilisieren. Dabei wurden sowohl einheimische als auch eingeführte Baumarten verwendet. Besonders häufig wurden schnell wachsende Arten wie die japanische Zeder oder verschiedene Eukalyptusarten gepflanzt, um Erosionsflächen zu befestigen und die Holzversorgung teilweise zu unterstützen.
Neben diesen Schutzaufforstungen gibt es auch wirtschaftlich genutzte Forstflächen, allerdings in deutlich geringerem Umfang als in vielen anderen Regionen der Welt. Die Holzproduktion spielt auf der Insel nur eine untergeordnete Rolle, da die verfügbare Fläche begrenzt ist und der ökologische Wert der Wälder deutlich höher bewertet wird als ihre kommerzielle Nutzung.
Eine besondere Bedeutung haben die Berg- und Nebelwälder, die in höheren Lagen vorkommen. Diese Wälder sind oft dauerhaft feucht, stark bewachsen und schwer zugänglich. Sie erfüllen eine wichtige Funktion als Wasserspeicher und tragen zur Stabilität der gesamten Landschaft bei. In diesen Bereichen wird die Forstwirtschaft fast ausschließlich unter Naturschutzaspekten betrieben.
Fischerei
Auf Réunion liegt der Schwerpunkt der Fischerei klar auf pelagischen Arten, also Fischen, die im offenen Meer leben. Dazu gehören insbesondere Thunfisch, Schwertfisch, Makrelenhechte sowie verschiedene Haiarten. Diese Arten machen den Großteil der Fangmenge aus und sind sowohl für den lokalen Markt als auch für den Export von Bedeutung. Insgesamt entfallen etwa 87 Prozent der Fänge auf pelagische Fischarten, was die starke Ausrichtung auf Hochseefischerei verdeutlicht.
Die Fischereiflotte besteht aus unterschiedlichen Schiffstypen. Kleinere Küstenboote bedienen vor allem den lokalen Markt und fischen in küstennahen Gewässern. Ergänzt wird diese Flotte durch größere Hochseeschiffe, die in der erweiterten Wirtschaftszone von Réunion sowie teilweise in benachbarten Gewässern, etwa vor Madagaskar, operieren. Diese Schiffe sind technisch besser ausgestattet und auf längere Fangfahrten ausgelegt.
Eine besondere Bedeutung hat die Schwertfisch-Langleinenfischerei. Diese Methode gilt als relativ selektiv, da sie gezielt größere, geschlechtsreife Tiere fängt. In einigen Bereichen wurde diese Fischerei bereits mit Nachhaltigkeitszertifizierungen wie dem MSC-Siegel ausgezeichnet, was auf eine zunehmende Ausrichtung auf umweltverträgliche Fangmethoden hinweist. Dennoch bleibt die Balance zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Meeresschutz eine dauerhafte Herausforderung.
Die Fischereiindustrie bietet auf der Insel rund 1.200 Arbeitsplätze und trägt damit etwa 0,5 Prozent zur Gesamtbeschäftigung bei. Neben dem Fang selbst spielt auch die Verarbeitung eine Rolle, insbesondere für den lokalen Verbrauch sowie für den Exportmarkt. Ein Teil der Fischprodukte wird exportiert, vor allem nach Europa, was zusätzliche wirtschaftliche Bedeutung schafft.
Der Exportwert von Fischereiprodukten lag zeitweise bei mehreren Dutzend Millionen Euro pro Jahr, was die Rolle der Branche als ergänzender, aber nicht dominierender Wirtschaftszweig unterstreicht. Gleichzeitig ist die Branche jedoch anfällig für Schwankungen durch Umweltbedingungen, Fangquoten und internationale Marktpreise.
Aquakultur ist auf Réunion bisher nur in sehr begrenztem Umfang entwickelt. Zwar gibt es einzelne Projekte zur Zucht von Fischen oder Meeresorganismen, doch spielt diese Form der Produktion wirtschaftlich noch keine große Rolle im Vergleich zur klassischen Hochsee- und Küstenfischerei.
Anlandungen in t insgesamt:
1995 4 821
1996 5 195
1997 5 882
1998 6 516
Bergbau
Réunion ist eine vulkanische Insel, die aus basaltischen Lavaströmen und pyroklastischen Ablagerungen aufgebaut ist. Diese Gesteine enthalten zwar grundsätzlich mineralische Bestandteile, jedoch keine großen, wirtschaftlich rentablen Lagerstätten von Metallen oder fossilen Rohstoffen wie Kohle, Erdöl oder Erdgas. Auch bedeutende Erzvorkommen, wie sie in anderen Regionen der Welt im Bergbau genutzt werden, sind auf der Insel nicht vorhanden.
Historisch beschränkte sich der Abbau daher vor allem auf lokale Materialien für den Bau- und Infrastrukturbedarf. Dazu gehören Basaltgestein, das als Baumaterial für Straßenbau, Gebäude und Hafenanlagen genutzt wurde, sowie Sand und Kies aus Flussbetten und Küstenbereichen. Diese Rohstoffe wurden und werden bis heute vor allem für den lokalen Bedarf gewonnen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Ausbau von Siedlungen und Verkehrswegen.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Gewinnung von Gesteinsmaterial aus Steinbrüchen. Diese dienen hauptsächlich der Herstellung von Baustoffen wie Schotter und Beton. Aufgrund der starken Bautätigkeit und der begrenzten Fläche der Insel ist diese Art der Rohstoffgewinnung zwar wirtschaftlich relevant, bleibt jedoch lokal begrenzt und industriell relativ klein strukturiert.
Größere industrielle Bergbauaktivitäten, wie man sie aus kontinentalen Bergbauregionen kennt, existieren auf Réunion nicht. Die topografischen Bedingungen mit tief eingeschnittenen Tälern, steilen Hängen und schwer zugänglichen Gebirgsregionen sowie der hohe ökologische Schutzstatus großer Teile der Insel verhindern eine extensive Nutzung möglicher Rohstoffvorkommen.
Handwerk
Auf Réunion spielt insbesondere die Verarbeitung natürlicher Materialien eine zentrale Rolle. Ein wichtiger Bereich ist die Korbflechterei, bei der lokale Naturfasern wie Bambus, Rattan und vor allem die Fasern des Schraubenbaums (Vacoa) verwendet werden. Aus diesen Materialien entstehen Körbe, Taschen, Hüte, Matten und dekorative Objekte wie Lampenschirme. Diese Techniken gehen teilweise auf madagassische Handwerkstraditionen zurück und sind besonders in bestimmten Regionen der Insel, etwa im Süden, stark verbreitet.
Ein weiterer bedeutender Bereich sind Holzarbeiten und Schnitzereien. Hier werden sowohl Gebrauchsgegenstände als auch dekorative Elemente gefertigt. Dazu gehören kunstvoll gestaltete Messergriffe aus einheimischen Hölzern, kleine Skulpturen sowie sogenannte „Lambrequins“, also verzierte Holzleisten, die traditionell zur Dekoration kreolischer Häuser verwendet werden. Diese Arbeiten verbinden handwerkliches Können mit ästhetischen Elementen der lokalen Baukultur.
Auch die Textil- und Stoffverarbeitung hat eine lange Tradition. Besonders charakteristisch sind feine Sticktechniken, die als „Jours“ bekannt sind und durch das gezielte Entfernen oder Verschieben von Stofffäden filigrane Muster erzeugen. Diese Technik wird häufig für Tischdecken, Kleidung und Heimtextilien verwendet. Ergänzt wird sie durch moderne Textilgestaltung, bei der lokale Designer Kleidung wie T-Shirts oder Kinderbekleidung mit kreolischen Motiven entwerfen und herstellen.
Im Bereich Schmuckherstellung werden auf der Insel häufig Halbedelsteine wie Amethyst, Obsidian oder ähnliche Mineralien verarbeitet. Daraus entstehen Halsketten, Armbänder und Ohrringe, oft kombiniert mit natürlichen Materialien wie Holz oder duftenden Pflanzenessenzen. Diese Schmuckstücke spiegeln sowohl die natürliche Umgebung als auch die kulturelle Identität der Insel wider.
Ein weiteres wichtiges Handwerksfeld ist die Herstellung von Seifen und ätherischen Ölen. In verschiedenen Orten entstehen handgefertigte Seifen mit unterschiedlichen Duftnoten, die oft auf lokalen Pflanzen und Blumen basieren. Besonders bekannt ist die Produktion von ätherischen Ölen, die unter anderem aus Vanille, Geranie oder anderen aromatischen Pflanzen gewonnen werden. Diese Produkte haben sowohl eine kosmetische als auch eine touristische Bedeutung.
Das Handwerk auf Réunion ist stark mit dem Tourismus verbunden. In vielen Orten und auf Märkten, darunter auch saisonale Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte, werden lokale Produkte verkauft. Diese Märkte sind wichtige Orte für den direkten Kontakt zwischen Produzenten und Besuchern und tragen dazu bei, das kulturelle Erbe des Handwerks sichtbar zu machen und wirtschaftlich zu unterstützen.
Industrie
Auf Réunion bildet die Verarbeitung von Zuckerrohr traditionell den wichtigsten industriellen Zweig. Zuckerrohr wird nicht nur angebaut, sondern auch in industriellen Anlagen zu Zucker weiterverarbeitet. Ergänzend spielt die Rumproduktion eine bedeutende Rolle, da aus dem Nebenprodukt der Zuckerherstellung, der Melasse, hochwertiger landwirtschaftlicher Rum hergestellt wird. Diese Industriezweige sind historisch gewachsen und eng mit der kolonialen Plantagenwirtschaft verbunden.
Neben der Zuckerindustrie existieren weitere Verarbeitungsindustrien, die sich vor allem auf landwirtschaftliche Produkte stützen. Dazu gehören die Verarbeitung von Vanille, Gewürzen, ätherischen Ölen sowie Obst und Gemüse. Diese Bereiche sind zwar deutlich kleiner als die Zuckerindustrie, tragen jedoch zur wirtschaftlichen Diversifizierung bei und bedienen sowohl lokale als auch internationale Märkte, insbesondere im Premium- und Nischenbereich.
Auch die Fischverarbeitung stellt einen wichtigen industriellen Sektor dar. Gefangene Fischarten, insbesondere Thunfisch und Schwertfisch, werden teilweise direkt auf der Insel verarbeitet, gefroren oder für den Export vorbereitet. Diese Industrie ist eng mit der Fischerei verbunden und ergänzt den maritimen Wirtschaftssektor.
Ein weiterer Bestandteil der industriellen Struktur ist die Lebensmittelindustrie, die Produkte für den lokalen Markt herstellt. Dazu gehören Getränke, Backwaren, Milchprodukte und verarbeitete Lebensmittel, die vor allem für die Versorgung der Bevölkerung von Bedeutung sind. Diese Betriebe sind meist mittelständisch organisiert und auf die Bedürfnisse der Inselbevölkerung zugeschnitten.
Darüber hinaus spielen das Handwerk und kleinere Produktionsbetriebe eine gewisse industrielle Rolle, insbesondere in der Herstellung von Konsumgütern, Bauprodukten und touristischen Artikeln. Diese Bereiche sind jedoch eher kleingewerblich geprägt und nicht mit industriellen Großstrukturen vergleichbar.
Die industrielle Entwicklung von Réunion ist historisch eng mit der Kolonialzeit verbunden, in der die Insel als landwirtschaftliche Produktionskolonie für Zucker, Kaffee und später Vanille genutzt wurde. Diese historische Ausrichtung prägt bis heute die industrielle Struktur, die sich stark auf Verarbeitung und Weiterveredelung dieser Rohstoffe konzentriert.
Wasserwirtschaft
Die Wasserversorgung der Bevölkerung basiert auf zahlreichen Quellen, Flüssen, Grundwasservorkommen und Speichersystemen. Das Wasser wird in den regenreichen Gebieten gesammelt und über ein weit verzweigtes Leitungsnetz zu den Städten und Gemeinden transportiert. Da die Insel aufgrund ihrer vulkanischen Entstehung über viele Gebirgsbäche und natürliche Quellen verfügt, stehen grundsätzlich erhebliche Wasserressourcen zur Verfügung. Die Herausforderung besteht jedoch darin, diese Ressourcen räumlich und zeitlich auszugleichen.
Eine der bedeutendsten wasserwirtschaftlichen Maßnahmen ist das sogenannte „La Réunion Irrigation Project“ beziehungsweise das Bewässerungsprojekt der Westküste. Dieses Großprojekt wurde entwickelt, um Wasser aus den niederschlagsreichen Regionen der Insel in die trockeneren Gebiete des Westens zu transportieren. Kernstück des Systems sind mehrere unterirdische Tunnel und technische Anlagen, die Wasser über viele Kilometer durch das Inselinnere leiten. Dadurch können landwirtschaftliche Flächen bewässert und gleichzeitig die Versorgung der Bevölkerung verbessert werden.
Die Tunnel verlaufen teilweise tief im vulkanischen Gestein und verbinden wasserreiche Einzugsgebiete mit Regionen, die natürlicherweise über deutlich geringere Wasservorkommen verfügen. Das Projekt gilt als eines der größten wasserwirtschaftlichen Infrastrukturvorhaben im Indischen Ozean. Es ermöglicht insbesondere die Versorgung der landwirtschaftlich bedeutenden Westregionen und trägt dazu bei, die wirtschaftliche Entwicklung der Insel zu sichern.
Von besonderer Bedeutung ist die Bewässerung der Zuckerrohrplantagen. Zuckerrohr gehört seit Jahrhunderten zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produkten Réunions und prägt große Teile der Kulturlandschaft. Da viele Anbauflächen in relativ trockenen Regionen liegen, ist eine zuverlässige Wasserversorgung entscheidend für die Erträge. Durch das Bewässerungssystem können die Felder auch während niederschlagsarmer Perioden ausreichend mit Wasser versorgt werden. Darüber hinaus profitieren Obst-, Gemüse- und Viehwirtschaft von den verbesserten Wasserressourcen.
Neben der landwirtschaftlichen Nutzung spielt Wasser auch eine zentrale Rolle bei der Energieerzeugung. Die zahlreichen Flüsse und die steilen Höhenunterschiede der Insel bieten günstige Voraussetzungen für die Nutzung von Wasserkraft. Mehrere Wasserkraftwerke nutzen die Energie des fließenden Wassers zur Stromproduktion. Die Wasserkraft stellt einen wichtigen Bestandteil der erneuerbaren Energieversorgung Réunions dar und liefert ungefähr ein Fünftel des auf der Insel erzeugten Stroms.
Die Nutzung der Wasserkraft besitzt mehrere Vorteile. Sie ermöglicht eine vergleichsweise stabile Stromproduktion unabhängig von Tageszeit und Wetterbedingungen. Während Solar- und Windenergie von Sonneneinstrahlung beziehungsweise Wind abhängig sind, können Wasserkraftanlagen oft kontinuierlicher betrieben werden. Dadurch tragen sie wesentlich zur Stabilisierung des Stromnetzes bei und ergänzen andere erneuerbare Energiequellen.
Neben der Wasserkraft werden auf Réunion zunehmend weitere erneuerbare Energien ausgebaut. Photovoltaikanlagen nutzen die intensive Sonneneinstrahlung der Tropen, Windkraftanlagen erzeugen Strom an geeigneten Küsten- und Höhenlagen, und Biomasse wird insbesondere aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Zuckerrohrabfällen gewonnen. Die Kombination dieser Energiequellen soll langfristig die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen reduzieren.
Die Insel verfolgt ehrgeizige energiepolitische Ziele. Angestrebt wird eine weitgehende beziehungsweise vollständige Versorgung mit erneuerbaren Energien bis etwa 2030. Die Wasserkraft nimmt innerhalb dieser Strategie eine Schlüsselrolle ein, da sie als vergleichsweise verlässliche und etablierte Technologie gilt. Zusammen mit Solarenergie, Windkraft, Biomasse und zukünftigen Speichertechnologien soll sie den Übergang zu einem nachhaltigen Energiesystem ermöglichen.
Energiewirtschaft
Die Regierung der Insel verfolgt das langfristige Ziel, ihre Energieversorgung weitgehend beziehungsweise vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen und dadurch eine hohe energetische Eigenständigkeit zu erreichen. Aufgrund ihrer natürlichen Voraussetzungen verfügt Réunion über günstige Bedingungen für verschiedene Formen regenerativer Energiegewinnung. Die intensive Sonneneinstrahlung, die hohen Niederschlagsmengen, die gebirgige Landschaft und die landwirtschaftliche Produktion bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen.
Der Strombedarf der Insel steigt seit Jahrzehnten aufgrund des Bevölkerungswachstums, der wirtschaftlichen Entwicklung und des zunehmenden Lebensstandards kontinuierlich an. Gleichzeitig stellt die Versorgungssicherheit eine besondere Herausforderung dar, da Energieimporte teuer sind und die Insel aufgrund ihrer Lage empfindlich auf Schwankungen der internationalen Energiemärkte reagieren kann. Aus diesem Grund verfolgt Réunion eine Strategie der Diversifizierung seiner Energiequellen.
Derzeit stammt ein bedeutender Teil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Rund 36,5 Prozent der elektrischen Energie werden durch regenerative Quellen bereitgestellt. Die wichtigste erneuerbare Energiequelle ist die Wasserkraft, die etwa 20 Prozent der Stromproduktion liefert. Die zahlreichen Flüsse, Wasserfälle und großen Höhenunterschiede der Insel schaffen günstige Voraussetzungen für den Betrieb von Wasserkraftwerken. Da Wasserkraft vergleichsweise konstant Strom liefern kann, übernimmt sie eine wichtige Rolle für die Stabilität des Stromnetzes.
Neben der Wasserkraft gewinnt die Solarenergie zunehmend an Bedeutung. Aufgrund der tropischen Lage verfügt Réunion über eine hohe jährliche Sonneneinstrahlung, die für die Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen genutzt wird. In vielen Gemeinden wurden Solaranlagen auf Wohnhäusern, öffentlichen Gebäuden und Gewerbebauten installiert. Ein bekanntes Beispiel ist die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Einkaufszentrums E.Leclerc in Saint-Leu. Die Anlage besitzt eine Leistung von etwa einem Megawatt Peak und wird durch Batteriespeicher ergänzt, die überschüssigen Strom zwischenspeichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen können. Solche Systeme gelten als wichtige Bausteine für die zukünftige Energieversorgung der Insel.
Auch die Windenergie trägt zur Stromerzeugung bei. Obwohl die verfügbaren Flächen für große Windparks begrenzt sind und die topografischen Bedingungen Herausforderungen mit sich bringen, werden geeignete Standorte genutzt, um die Kraft der Passatwinde zur Energieproduktion einzusetzen. Die Windenergie ergänzt dabei andere erneuerbare Energiequellen und trägt zur Verringerung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe bei.
Ein weiterer Bestandteil des Energiemixes ist die Nutzung von Biomasse und Biogas. Besonders die Zuckerrohrwirtschaft spielt hierbei eine wichtige Rolle. Bei der Verarbeitung von Zuckerrohr fallen große Mengen pflanzlicher Rückstände an, die energetisch genutzt werden können. Diese Biomasse dient als Brennstoff für Kraftwerke und ermöglicht eine zusätzliche erneuerbare Stromerzeugung. Durch die Verwertung landwirtschaftlicher Reststoffe wird gleichzeitig die Abfallmenge reduziert und die regionale Wertschöpfung gestärkt.
Trotz der Fortschritte im Bereich der erneuerbaren Energien ist die Insel weiterhin auf konventionelle Kraftwerke angewiesen. Fossile Brennstoffe decken noch einen erheblichen Teil des Strombedarfs. Zu den wichtigsten Anlagen gehört das Kraftwerk Port-Est in der Gemeinde Le Port. Mit einer elektrischen Leistung von rund 210 Megawatt zählt es zu den größten Kraftwerken Réunions. Die Anlage arbeitet hauptsächlich mit Dieselgeneratoren und stellt etwa ein Viertel des gesamten Strombedarfs der Insel bereit. Aufgrund seiner hohen Leistung spielt das Kraftwerk eine wichtige Rolle für die Versorgungssicherheit, insbesondere wenn erneuerbare Energiequellen aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen weniger Strom liefern.
Abfallwirtschaft
Die Abfallwirtschaft auf Réunion orientiert sich weitgehend an den Vorgaben Frankreichs und der Europäischen Union. Ziel ist es, die Umweltbelastungen durch Abfälle zu reduzieren, wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen und die Deponierung von Müll langfristig zu verringern. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Programme gestartet, um die Sammlung, Sortierung und Wiederverwertung von Abfällen zu verbessern.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Mülltrennung. Seit den 2020er Jahren wurde die getrennte Erfassung verschiedener Abfallarten deutlich ausgeweitet. Haushalte und Unternehmen werden dazu angehalten, Verpackungen, Papier, Glas, Metall, Kunststoffe, Bioabfälle und Restmüll getrennt zu sammeln. Durch diese Maßnahmen sollen höhere Recyclingquoten erreicht und wertvolle Rohstoffe dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt werden. Gleichzeitig werden die Bürger durch Informationskampagnen über die Bedeutung der Mülltrennung und des nachhaltigen Konsums informiert.
Besonders wichtig ist die Vermeidung von Abfällen. Die zuständigen Behörden verfolgen das Ziel, die Menge der Haushaltsabfälle bis zum Jahr 2030 um etwa 15 Prozent gegenüber dem Niveau von 2010 zu senken. Dieses Ziel soll durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen erreicht werden. Dazu gehören die Förderung wiederverwendbarer Produkte, die Verringerung von Einwegverpackungen, die Sensibilisierung der Bevölkerung für nachhaltigen Konsum sowie die Unterstützung von Reparatur- und Wiederverwendungsinitiativen.
Die Organisation der Abfallwirtschaft erfolgt überwiegend durch interkommunale Zusammenschlüsse mehrerer Gemeinden. Diese Verbünde koordinieren die Sammlung, den Transport und die Behandlung der Abfälle. Für die praktische Durchführung werden häufig private Unternehmen beauftragt, die über die notwendige technische Infrastruktur und Fachkenntnis verfügen. Dadurch entsteht eine Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Einrichtungen und privaten Dienstleistern.
Zu den bedeutenden Unternehmen im Abfallsektor gehören die französischen Umweltkonzerne Veolia und Suez, die auch auf Réunion tätig sind. Daneben existieren zahlreiche mittelständische Unternehmen, die Dienstleistungen im Bereich Sammlung, Sortierung, Recycling und Entsorgung anbieten. Der Markt entwickelt sich dynamisch und wird zunehmend durch Investitionen in moderne Recyclingtechnologien geprägt. Die Kreislaufwirtschaft gilt dabei als wichtiger Zukunftssektor der Insel.
Ein wachsendes Thema ist die Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung. Große Handelsunternehmen beteiligen sich an entsprechenden Programmen, um weggeworfene Lebensmittel zu reduzieren. So setzt beispielsweise E.Leclerc auf digitale Systeme und künstliche Intelligenz, um Lagerbestände besser zu überwachen, den Verkauf verderblicher Produkte rechtzeitig anzupassen und überschüssige Lebensmittel an soziale Einrichtungen weiterzugeben. Solche Maßnahmen tragen dazu bei, Abfälle bereits an der Quelle zu vermeiden und gleichzeitig soziale Projekte zu unterstützen.
Neben der stofflichen Verwertung gewinnt auch die energetische Nutzung von Abfällen an Bedeutung. Ab dem Jahr 2027 soll auf Réunion die energetische Verwertung eines Teils des Hausmülls umgesetzt werden. Dabei werden nicht recycelbare Abfälle genutzt, um Energie zu erzeugen. Dieses Verfahren ermöglicht eine Verringerung der Deponiemengen und kann gleichzeitig zur Strom- oder Wärmeerzeugung beitragen. Die energetische Verwertung wird als Ergänzung zum Recycling verstanden, nicht als dessen Ersatz. Vorrang haben weiterhin Abfallvermeidung, Wiederverwendung und stoffliche Verwertung.
Handel
Da die landwirtschaftliche und industrielle Produktion auf Réunion nur einen Teil des Bedarfs decken kann, werden viele Waren aus dem französischen Mutterland, aus anderen europäischen Ländern sowie aus Asien, Afrika und dem Indischen Ozean importiert. Lebensmittel, Konsumgüter, Fahrzeuge, Elektronik, Baumaterialien und zahlreiche weitere Produkte gelangen über die Seehäfen und den internationalen Flughafen auf die Insel. Besonders der Hafen von Le Port besitzt eine zentrale Bedeutung für den Warenverkehr und gilt als wichtigster Umschlagplatz Réunions.
Der Einzelhandel ist überwiegend modern organisiert und ähnelt in vielen Bereichen dem französischen Festland. Große Supermarktketten, Verbrauchermärkte und Einkaufszentren prägen das Bild der städtischen Gebiete. Gleichzeitig existieren zahlreiche kleine Familienunternehmen, die oft seit Generationen im Besitz lokaler Familien sind. Diese Mischung aus großen Handelsketten und traditionellen Geschäften verleiht dem Handelssektor eine besondere Vielfalt.
Zu den wichtigsten Akteuren im Lebensmitteleinzelhandel gehört die französische Handelskette E.Leclerc, die auf Réunion mehrere große Märkte betreibt. Die Unternehmen dieser Gruppe zählen zu den bedeutendsten Einzelhändlern der Insel und bieten ein breites Sortiment an Lebensmitteln, Haushaltswaren, Elektronik und anderen Konsumgütern an. Daneben sind weitere französische Handelsgruppen vertreten, die ähnlich wie im Mutterland große Supermärkte und Hypermärkte betreiben.
Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Handelskette Carrefour, die mit mehreren Standorten auf der Insel präsent ist. Die Märkte dienen vielen Einwohnern als zentrale Einkaufsorte und bieten sowohl importierte als auch lokal produzierte Waren an. Besonders Produkte aus der regionalen Landwirtschaft, darunter Obst, Gemüse, Gewürze, Vanille und Zuckerrohrprodukte, werden zunehmend gefördert.
Neben den großen Handelsketten spielen traditionelle Märkte eine wichtige Rolle. In zahlreichen Städten und Gemeinden finden regelmäßig Wochenmärkte statt, auf denen lokale Produzenten ihre Waren direkt verkaufen. Frisches Obst, Gemüse, Fisch, Gewürze, Kunsthandwerk und traditionelle Lebensmittel gehören zu den typischen Angeboten. Diese Märkte sind nicht nur wirtschaftlich bedeutend, sondern auch wichtige soziale Treffpunkte.
Besonders bekannt ist der Markt von Marché Forain de Saint-Paul, der zu den größten und traditionsreichsten Märkten der Insel zählt. Hier werden regionale Produkte ebenso angeboten wie Waren aus den verschiedenen kulturellen Traditionen Réunions. Die Vielfalt des Angebots spiegelt die ethnische und kulturelle Zusammensetzung der Bevölkerung wider.
Der Handel wird stark durch die multikulturelle Geschichte der Insel geprägt. Nachfahren europäischer, indischer, chinesischer, afrikanischer und madagassischer Einwanderer betreiben seit Generationen Geschäfte, Restaurants und Handelsunternehmen. Besonders Familien indischer und chinesischer Herkunft spielten historisch eine wichtige Rolle im Aufbau des Einzelhandels. Viele dieser Familienunternehmen bestehen bis heute und gehören zu den etablierten Wirtschaftsakteuren der Insel.
In den größeren Städten entstanden moderne Einkaufszentren, die eine wichtige Funktion im Konsumverhalten der Bevölkerung übernehmen. Dort befinden sich Supermärkte, Modegeschäfte, Elektronikmärkte, Banken, Restaurants und Dienstleistungsunternehmen unter einem Dach. Solche Zentren entsprechen weitgehend europäischen Standards und dienen vielen Menschen als zentrale Einkaufsorte.
Cap Sacré-Cœur ist das größte Einkaufszentrum der Insel und bietet auf 27.000 m² über 90 Geschäfte, Restaurants, ein Food-Court und einen Hypermarkt. Es vereint internationale Ketten, lokale Marken und zahlreiche Freizeitmöglichkeiten. Duparc Sainte-Marie nahe Saint-Denis bietet Produkte von mehr als 80 Einzelhändler, einen großen Run Market-Hypermarkt, kostenlose Parkplätze und vielseitige Gastronomie. Das Centre Commercial Grand Nord Réunion in Saint-Denis hat zahlreiche lokale und internationale Filialen. Im Osten der Insel gelegen, verbindet das Centre Commercial Grand-Est in Sainte-Suzanne eine Vielzahl von Geschäften für Mode, Elektronik und Alltagsbedarf unter einem Dach.
Finanzwesen
Der Bankensektor ist modern entwickelt und entspricht weitgehend dem französischen Standard. Die wichtigsten Banken der Insel sind Tochtergesellschaften großer französischer Finanzinstitute. Zu den bedeutenden Akteuren gehören beispielsweise Banque de la Réunion, Crédit Agricole La Réunion-Mayotte, BNP Paribas, Société Générale sowie weitere französische Kreditinstitute. Sie bieten Privatpersonen, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen die üblichen Finanzdienstleistungen an, darunter Kontoführung, Kredite, Immobilienfinanzierungen, Sparprodukte und Versicherungen.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich jedoch teilweise von denen des französischen Festlands. Die höhere Abhängigkeit von Importen, die vergleichsweise hohen Lebenshaltungskosten und strukturelle Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt beeinflussen auch den Finanzsektor. Deshalb spielen staatliche Förderprogramme, Entwicklungsbanken und öffentliche Investitionshilfen eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten, Unternehmen und sozialen Maßnahmen.
Im Steuerwesen gelten grundsätzlich französische und europäische Vorschriften. Dennoch existieren mehrere Besonderheiten, die speziell für die französischen Überseegebiete geschaffen wurden. Eine wichtige Abweichung betrifft die Mehrwertsteuer. Während auf dem französischen Festland andere Steuersätze gelten, beträgt die lokale Mehrwertsteuer auf Réunion in der Regel 8,5 Prozent. Für bestimmte Lebensmittel und Grundnahrungsmittel gilt ein reduzierter Satz von 2,1 Prozent. Diese Sonderregelungen sollen den wirtschaftlichen Besonderheiten der Insel Rechnung tragen und die Belastung der Verbraucher begrenzen.
Eine weitere Besonderheit sind die sogenannten „Droits d’Octroi de Mer“. Dabei handelt es sich um eine historische Abgabe, deren Ursprung bis in die Kolonialzeit zurückreicht. Diese Steuer wird auf zahlreiche eingeführte Waren erhoben und dient der Finanzierung der Gemeinden und anderer öffentlicher Einrichtungen. Gleichzeitig soll sie die lokale Produktion gegenüber Importwaren schützen. Aufgrund ihrer besonderen Funktion wurde diese Regelung von der Europäischen Union ausdrücklich genehmigt, obwohl sie von den allgemeinen Prinzipien des europäischen Binnenmarktes abweicht.
Zusätzlich existieren die „Droits Additionnels d’Octroi de Mer“ (DAOM). Diese ergänzende Abgabe wurde später eingeführt, um zusätzliche Einnahmen für die öffentlichen Haushalte der Insel zu schaffen. Hintergrund war die Tatsache, dass die Finanzierung durch lokale Steuereinnahmen, staatliche Zuschüsse aus Frankreich und europäische Fördermittel nicht immer ausreichte, um sämtliche öffentlichen Aufgaben und Investitionen zu finanzieren. Die DAOM stellt daher eine zusätzliche Einnahmequelle dar und wurde ebenfalls von den europäischen Institutionen genehmigt.
Eine zentrale Rolle im Finanzsystem Réunions spielt die Organisation IEDOM – Institut d’Émission des Départements d’Outre-Mer. Diese Institution fungiert als wichtige Schnittstelle zwischen dem französischen Staat, der Banque de France und den französischen Überseegebieten. Das IEDOM übernimmt zahlreiche Aufgaben im Bereich der Finanzaufsicht, Wirtschaftsbeobachtung und öffentlichen Finanzverwaltung.
Zu den Aufgaben des IEDOM gehört unter anderem die Bereitstellung und Verwaltung des Bargeldumlaufs in den französischen Überseegebieten im Auftrag der Banque de France. Dadurch wird sichergestellt, dass ausreichend Banknoten und Münzen verfügbar sind und der Zahlungsverkehr reibungslos funktioniert. Darüber hinaus sammelt und analysiert das Institut umfangreiche wirtschaftliche und finanzielle Daten über die Insel.
Eine weitere wichtige Funktion besteht in der Vertretung der französischen Kommission für überschuldete Privatpersonen, der sogenannten „Commission de surendettement des particuliers“. Diese Einrichtung unterstützt Menschen, die ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können, und entwickelt Lösungen zur Schuldenregulierung. Auf Réunion bearbeitet das IEDOM jährlich mehrere hundert Fälle überschuldeter Haushalte und trägt damit zur sozialen Stabilität bei.
Darüber hinaus fungiert das Institut als wirtschaftliche und finanzielle Beobachtungsstelle der Insel. Es veröffentlicht regelmäßig Studien, Berichte und Analysen zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Beschäftigungssituation, zu Investitionen, Preisen, Unternehmensgründungen und anderen wirtschaftlichen Kennzahlen. Diese Informationen dienen politischen Entscheidungsträgern, Unternehmen und Investoren als wichtige Grundlage für wirtschaftliche Planungen.
Der Versicherungssektor ist ebenfalls gut entwickelt und orientiert sich an französischen Standards. Aufgrund der besonderen geografischen Lage spielen Versicherungen gegen Naturkatastrophen eine wichtige Rolle. Zyklone, Überschwemmungen, Erdrutsche und andere Naturereignisse können erhebliche Schäden verursachen. Daher besitzen viele Privatpersonen und Unternehmen spezielle Versicherungen, die solche Risiken abdecken.
Soziales und Gesundheit
Die Grundlage des Sozialwesens von Réunion bildet das französische System der sozialen Sicherheit, die sogenannte Sécurité sociale. Dieses System schützt die Bevölkerung vor den finanziellen Folgen von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Alter, Invalidität und anderen sozialen Risiken. Die Leistungen werden überwiegend durch Sozialbeiträge, Steuern und staatliche Zuschüsse finanziert. Auf Réunion gelten dabei grundsätzlich dieselben gesetzlichen Regelungen wie in Frankreich.
Ein wichtiger Bestandteil des Sozialwesens ist die Krankenversicherung. Alle Einwohner haben Zugang zu medizinischer Versorgung und können Leistungen von Ärzten, Krankenhäusern, Fachkliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen in Anspruch nehmen. Die Kosten werden je nach Leistung vollständig oder teilweise von der Krankenversicherung übernommen. Ergänzend schließen viele Menschen private Zusatzversicherungen ab, um verbleibende Eigenanteile abzudecken.
Familienförderung besitzt auf Réunion eine besonders große Bedeutung. Die Insel weist traditionell eine vergleichsweise junge Bevölkerung auf, weshalb Familienleistungen einen wichtigen Teil der sozialen Ausgaben ausmachen. Familien erhalten finanzielle Unterstützung für Kindererziehung, Wohnkosten, Betreuungseinrichtungen und weitere familienbezogene Ausgaben. Zuständig für viele dieser Leistungen ist die französische Familienkasse, die Caisse d’Allocations Familiales (CAF), die auch auf Réunion tätig ist.
Ein weiteres zentrales Element des Sozialwesens ist die Unterstützung von Menschen mit geringem Einkommen. Viele Einwohner profitieren von sozialen Transferleistungen, die ein Mindestmaß an finanzieller Sicherheit gewährleisten sollen. Dazu gehört insbesondere das Revenu de Solidarité Active (RSA), eine Sozialleistung für Personen mit geringem oder keinem Einkommen. Diese Unterstützung spielt auf Réunion eine größere Rolle als im französischen Mutterland, da die Arbeitslosenquote traditionell höher liegt und ein größerer Teil der Bevölkerung von wirtschaftlicher Unsicherheit betroffen ist.
Die Bekämpfung von Armut zählt zu den wichtigsten Aufgaben der Sozialpolitik auf der Insel. Trotz erheblicher staatlicher Unterstützung bestehen weiterhin soziale Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Regionen. In einigen Stadtteilen und ländlichen Gebieten leben Menschen unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Öffentliche Programme fördern daher den Zugang zu Bildung, Beschäftigung, Gesundheitsversorgung und sozialer Integration.
Die Arbeitslosenunterstützung ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des Systems. Arbeitnehmer, die ihre Beschäftigung verlieren, können unter bestimmten Voraussetzungen Arbeitslosengeld erhalten. Darüber hinaus existieren Programme zur beruflichen Weiterbildung, Umschulung und Arbeitsvermittlung. Ziel ist es, die Integration in den Arbeitsmarkt zu fördern und die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu verringern, die seit vielen Jahren zu den größten sozialen Herausforderungen der Insel gehört.
Auch die Rentenversicherung entspricht weitgehend dem französischen Modell. Arbeitnehmer zahlen während ihres Berufslebens Beiträge in die Rentenkassen ein und erhalten nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters eine Altersrente. Ergänzend existieren Leistungen für Witwen, Witwer, Menschen mit Behinderungen und andere Personengruppen mit besonderen Bedürfnissen.
Die Wohnungs- und Sozialpolitik spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Aufgrund des Bevölkerungswachstums und der begrenzten Flächenverfügbarkeit besteht ein hoher Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Öffentliche Wohnungsbaugesellschaften errichten Sozialwohnungen und fördern den Zugang zu angemessenem Wohnraum für einkommensschwächere Haushalte. Gleichzeitig werden Programme zur Sanierung bestehender Wohngebiete und zur Verbesserung der Lebensbedingungen durchgeführt.
Ein wichtiger Bereich des Sozialwesens ist die Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen. Kinderschutzdienste, Jugendhilfeeinrichtungen, Beratungsstellen und soziale Dienste begleiten Familien in schwierigen Lebenssituationen. Für ältere Menschen stehen Pflegeeinrichtungen, ambulante Hilfsdienste und verschiedene Unterstützungsangebote zur Verfügung, um ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen.
Menschen mit Behinderungen erhalten ebenfalls umfangreiche Unterstützung. Dazu gehören finanzielle Leistungen, spezielle Bildungsangebote, berufliche Fördermaßnahmen sowie Hilfen zur gesellschaftlichen Teilhabe. Ziel ist es, die Inklusion zu fördern und Benachteiligungen im Alltag zu verringern.
Die Finanzierung des Sozialwesens erfolgt überwiegend durch den französischen Staat, Sozialversicherungsbeiträge und öffentliche Haushalte. Da die sozialen Ausgaben auf Réunion aufgrund der besonderen wirtschaftlichen Situation vergleichsweise hoch sind, fließen erhebliche Mittel aus Frankreich auf die Insel. Diese Transfers tragen wesentlich dazu bei, den Lebensstandard der Bevölkerung zu sichern und soziale Ungleichheiten abzumildern. Auch zahlreiche gemeinnützige Organisationen, Vereine, kirchliche Einrichtungen und soziale Initiativen ergänzen die staatlichen Leistungen. Sie engagieren sich in Bereichen wie Armutsbekämpfung, Obdachlosenhilfe, Familienberatung, Integration, Behindertenarbeit und Unterstützung älterer Menschen. Durch ihre Arbeit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft.
Gesundheitswesen
Die medizinische Grundversorgung ist gut ausgebaut und umfasst Hausärzte, Fachärzte, Apotheken sowie Gesundheitszentren in vielen Gemeinden. Die Patienten sind in das französische System der Krankenversicherung eingebunden, das einen großen Teil der Behandlungskosten übernimmt. Dadurch ist der Zugang zu medizinischer Versorgung für die Mehrheit der Bevölkerung gewährleistet, unabhängig vom Einkommen.
Das Krankenhauswesen auf Réunion ist modern strukturiert und besteht aus mehreren großen öffentlichen Krankenhäusern sowie privaten Kliniken. Besonders wichtig sind die beiden Universitätskliniken in Saint-Denis und Saint-Pierre. Diese Einrichtungen, die als CHU (Centre Hospitalier Universitaire) geführt werden, bieten eine breite Palette an spezialisierten Behandlungen, Notfallmedizin, Chirurgie und Forschung. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Versorgung komplexer und schwerer Erkrankungen.
Neben den Universitätskliniken gibt es weitere regionale Krankenhäuser, die die medizinische Versorgung über die gesamte Insel verteilen. Diese Krankenhäuser stellen sicher, dass auch in entlegeneren Regionen eine grundlegende Notfall- und Akutversorgung verfügbar ist. Ergänzt wird dieses Netz durch zahlreiche private Kliniken, die oft kürzere Wartezeiten und spezialisierte Leistungen anbieten.
Die Universitätsklinikum Centre Hospitalier Universitaire Sud Réunion (C.H.U. de Saint-Pierre) in Saint-Pierre ist das größte öffentliche Krankenhaus im Süden der Insel. Es verfügt über diverse Abteilungen wie Anästhesie, Kardiologie, Dermatologie, Gynäkologie, Neurologie, Pädiatrie, Radiologie und plastische Chirurgie. Es bietet umfassende medizinische und pflegerische Leistungen und ist eine führende Gesundheitseinrichtung der Region.
Die Clinique Sainte-Clotilde ist die größte Privatklinik auf La Réunion, gelegen im Nordosten der Insel in Saint-Denis. Sie hat eine Kapazität von etwa 310 Betten und ist sowohl in der Chirurgie als auch der Geburtshilfe eine der größten Kliniken Frankreichs. Die Klinik bietet umfassende operative und medizinische Fachbereiche, Palliativpflege sowie spezielle Einrichtungen wie ein Schmerztherapiezentrum an.
Das Centre Hospitalier Universitaire de La Réunion (CHU de La Réunion) betreibt mehrere Standorte und beschäftigt über 8.000 Fachkräfte. Es ist die zentrale öffentliche Gesundheitsinstitution auf der Insel mit einem umfassenden medizinischen Leistungsspektrum.
Die Notfallmedizin ist gut organisiert. Der Rettungsdienst (SAMU) koordiniert medizinische Notfälle und stellt schnelle Hilfe durch Rettungswagen und Notärzte sicher. Bei schweren Notfällen wird die Versorgung in die spezialisierten Krankenhäuser verlegt. Aufgrund der Insellage spielt die Luftrettung eine besondere Rolle, insbesondere bei sehr schweren Fällen oder wenn Patienten zur Behandlung nach Frankreich transportiert werden müssen.
Ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitswesens ist die öffentliche Gesundheitsvorsorge. Gesundheitsbehörden führen regelmäßige Impfprogramme, Vorsorgeuntersuchungen und Aufklärungskampagnen durch. Diese Maßnahmen sollen Krankheiten frühzeitig verhindern oder erkennen. Besonders wichtig sind Programme zur Bekämpfung von Mückenkrankheiten wie Dengue-Fieber oder Chikungunya, die im tropischen Klima der Insel regelmäßig auftreten können.
Die Gesundheitsversorgung auf Réunion ist stark mit dem französischen Sozialversicherungssystem verknüpft. Die Caisse Générale de Sécurité Sociale (CGSS) übernimmt die Verwaltung der Sozial- und Krankenversicherung auf der Insel. Sie sorgt dafür, dass medizinische Leistungen abgerechnet und Versicherte betreut werden. Ergänzend gibt es Zusatzversicherungen, die weitere Kosten abdecken können.
Trotz des hohen medizinischen Standards gibt es strukturelle Herausforderungen. Dazu gehören ein relativ hoher Bedarf an medizinischer Versorgung aufgrund sozialer Ungleichheiten und chronischer Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen. Zudem besteht in einigen Fachrichtungen ein Mangel an Ärzten, insbesondere in ländlichen oder abgelegenen Regionen der Insel.
Ein weiteres Merkmal des Gesundheitswesens ist die enge Verbindung zur Metropole Frankreich. Bei sehr spezialisierten Behandlungen, seltenen Erkrankungen oder komplexen Operationen werden Patienten teilweise in Krankenhäuser im französischen Mutterland überwiesen. Diese medizinische Evakuierung stellt sicher, dass auch hochspezialisierte Versorgung verfügbar ist, die lokal nicht immer angeboten werden kann.
Auch die psychische Gesundheitsversorgung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es gibt psychiatrische Einrichtungen, Psychologen, Beratungsstellen und Programme zur Unterstützung von Menschen mit Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen. Der Ausbau dieser Angebote ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Gesundheitspolitik der Insel.
Die pharmazeutische Versorgung ist ebenfalls gut entwickelt. Apotheken sind weit verbreitet und stellen Medikamente, Beratung und Gesundheitsdienstleistungen bereit. Die Versorgung mit wichtigen Arzneimitteln ist durch das französische System weitgehend gesichert, auch wenn bestimmte Medikamente importiert werden müssen.
Gesundheitseinrichtungen 2000:
- Apotheken 261
- praktische Ärzte 731 (986,2 Personen pro Arzt)
- Fachärzte 362
- Zahnärzte 357
Krankheiten
Zu den bekanntesten Gesundheitsproblemen der Insel gehören durch Stechmücken übertragene Krankheiten. Das warme und feuchte Klima bietet günstige Bedingungen für die Vermehrung verschiedener Mückenarten. Besonders bedeutsam ist das Dengue-Fieber, eine Viruserkrankung, die durch die Tigermücke übertragen wird. Dengue verursacht typischerweise hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Hautausschläge. In den vergangenen Jahren kam es auf Réunion wiederholt zu größeren Dengue-Ausbrüchen, die mehrere tausend Menschen betrafen. Die Gesundheitsbehörden führen deshalb regelmäßig Maßnahmen zur Mückenbekämpfung und Aufklärung der Bevölkerung durch.
Eine weitere wichtige tropische Krankheit ist Chikungunya. Diese Viruserkrankung wird ebenfalls durch Stechmücken übertragen und erlangte internationale Bekanntheit durch einen schweren Ausbruch auf Réunion in den Jahren 2005 und 2006. Damals infizierte sich ein erheblicher Teil der Bevölkerung. Die Krankheit verursacht hohes Fieber sowie oft sehr starke Gelenk- und Muskelschmerzen, die bei manchen Betroffenen über Monate oder sogar Jahre anhalten können. Der Ausbruch führte zu umfangreichen Verbesserungen bei der Überwachung und Bekämpfung von Mückenkrankheiten.
Zika-Virus-Infektionen können ebenfalls auftreten, wenn auch deutlich seltener als Dengue oder Chikungunya. Das Virus wird durch dieselben Mückenarten übertragen und verläuft häufig mild. Besondere Aufmerksamkeit gilt jedoch schwangeren Frauen, da eine Infektion während der Schwangerschaft schwere Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen kann.
Neben den tropischen Viruserkrankungen kommt auch die Leptospirose vor. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Kontakt mit Wasser oder Boden übertragen wird, die mit dem Urin infizierter Tiere verunreinigt sind. Besonders nach starken Regenfällen und Überschwemmungen steigt das Risiko einer Ansteckung. Die Erkrankung kann von milden grippeähnlichen Symptomen bis zu schweren Organerkrankungen reichen.
Auch verschiedene Magen-Darm-Erkrankungen treten gelegentlich auf. Diese stehen häufig mit verunreinigten Lebensmitteln oder Wasser in Zusammenhang, kommen jedoch aufgrund der hohen hygienischen Standards deutlich seltener vor als in vielen anderen tropischen Regionen. Die Trinkwasserversorgung wird regelmäßig überwacht, wodurch größere Ausbrüche meist verhindert werden können.
Neben Infektionskrankheiten stellen chronische Erkrankungen eine bedeutende gesundheitliche Herausforderung dar. Wie in vielen modernen Gesellschaften nehmen Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle ein. Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle gehören zu den häufigsten Ursachen für schwere Erkrankungen und Todesfälle. Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und ungesunde Ernährungsgewohnheiten tragen zu diesem Problem bei.
Besonders verbreitet ist Diabetes mellitus, insbesondere Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung betrifft einen höheren Anteil der Bevölkerung als im französischen Durchschnitt. Ursachen sind unter anderem Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten, ein zunehmender Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel, Bewegungsmangel und genetische Faktoren. Diabetes stellt eine der wichtigsten Herausforderungen für das Gesundheitswesen der Insel dar und verursacht zahlreiche Folgeerkrankungen.
Auch Übergewicht und Adipositas kommen vergleichsweise häufig vor. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Veränderungen, Urbanisierung und dem Wandel traditioneller Ernährungsweisen. Gesundheitsbehörden fördern daher Programme zur Prävention, Ernährungsberatung und Bewegungsförderung.
Krebserkrankungen gehören ebenfalls zu den bedeutenden Gesundheitsproblemen auf Réunion. Wie in Europa zählen Brustkrebs, Prostatakrebs, Darmkrebs und Lungenkrebs zu den häufigsten Krebsarten. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennungsprogramme sollen die Heilungschancen verbessern und die Sterblichkeit senken.
Atemwegserkrankungen spielen insbesondere bei älteren Menschen eine Rolle. Asthma, chronische Bronchitis und andere Erkrankungen der Atemwege können durch Umweltfaktoren, Allergien oder Tabakkonsum beeinflusst werden. Zeitweise können auch vulkanische Aktivitäten des Vulkans Piton de la Fournaise die Luftqualität beeinträchtigen, wenn vulkanische Gase und Partikel freigesetzt werden.
Psychische Erkrankungen erhalten zunehmend Aufmerksamkeit im Gesundheitssystem. Depressionen, Angststörungen, Stressbelastungen und Suchterkrankungen werden verstärkt diagnostiziert und behandelt. Die Gesundheitsbehörden bemühen sich, den Zugang zu psychologischer und psychiatrischer Betreuung auszubauen und Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen abzubauen.
Bildung
Das Schulsystem ist in mehrere Stufen gegliedert. Die früheste Bildungsphase beginnt mit der freiwilligen Vorschule, der école maternelle, die etwa im Alter von drei Jahren beginnt und als Vorbereitung auf die Grundschule dient. Dort werden grundlegende sprachliche, soziale und motorische Fähigkeiten gefördert. Anschließend folgt die Grundschule, die école primaire, die in der Regel fünf Jahre dauert und die Basisausbildung in Fächern wie Französisch, Mathematik, Sachunterricht, Kunst und Sport vermittelt.
Nach der Grundschule wechseln die Schülerinnen und Schüler in das collège, das die erste Sekundarstufe darstellt. Diese dauert vier Jahre und endet mit dem Abschluss des diplôme national du brevet. In dieser Phase werden die Grundlagen der Allgemeinbildung vertieft und die Schülerinnen und Schüler auf unterschiedliche Bildungswege vorbereitet.
Nach dem collège gibt es verschiedene Möglichkeiten der weiteren Ausbildung. Ein Teil der Jugendlichen besucht das allgemeine oder technische Gymnasium, das lycée général oder lycée technologique, während andere eine berufliche Ausbildung im lycée professionnel wählen. Im lycée dauert die Ausbildung in der Regel drei Jahre und endet mit dem baccalauréat, dem französischen Abitur, oder mit beruflichen Abschlüssen wie dem CAP oder dem bac professionnel. Diese Abschlüsse ermöglichen entweder den direkten Einstieg in das Berufsleben oder den Zugang zu höheren Bildungswegen.
Im Bereich der beruflichen Bildung spielt die praxisorientierte Ausbildung eine wichtige Rolle, da sie auf die Bedürfnisse des regionalen Arbeitsmarktes zugeschnitten ist. Viele junge Menschen entscheiden sich für technische oder handwerkliche Berufe, die auf der Insel besonders nachgefragt sind.
Die Hochschulbildung wird auf Réunion vor allem durch die Université de La Réunion getragen, die 1960 gegründet wurde und ihren Hauptsitz in Saint-Denis hat. Die Universität bietet ein breites Spektrum an Studiengängen in den Bereichen Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Recht, Wirtschaft, Technik und Bildung an. Sie ist eng in das französische Hochschulsystem eingebunden und ermöglicht Abschlüsse nach dem LMD-System (Licence, Master, Doctorat). Die Universität zieht auch Studierende aus der Region des Indischen Ozeans an und spielt eine wichtige Rolle für die wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der Insel.
Insgesamt gibt es auf Réunion eine große Zahl an Schulen im Primar- und Sekundarbereich, die sowohl öffentliche als auch einige private Einrichtungen umfassen. Das öffentliche Schulwesen dominiert jedoch deutlich, da es kostenlos ist und flächendeckend angeboten wird. Private Schulen existieren, spielen aber im Vergleich zum staatlichen System eine eher untergeordnete Rolle.
Trotz der gut ausgebauten Bildungsstruktur gibt es auf Réunion einige Herausforderungen. Eine davon ist die sprachliche Situation. Im Alltag sprechen viele Menschen Réunion-Kreolisch, während der Unterricht vollständig auf Französisch erfolgt. Dies kann insbesondere für Kinder aus sprachlich weniger privilegierten Familien zu Anfangsschwierigkeiten führen. Deshalb gibt es Förderprogramme und pädagogische Maßnahmen, um den Übergang zur französischen Standardsprache zu erleichtern.
Ein weiteres Problem war in der Vergangenheit eine vergleichsweise hohe Analphabetenrate sowie eine höhere Schulabbruchquote im Vergleich zum französischen Festland. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Situation jedoch deutlich verbessert. Durch gezielte Bildungsmaßnahmen, bessere Schulstrukturen und stärkere staatliche Unterstützung konnten sowohl die Einschulungsraten als auch der Bildungsabschluss deutlich erhöht werden.
Die Bildungsbeteiligung ist insgesamt gestiegen, dennoch bleibt die Verringerung der Schulabbrüche eine wichtige bildungspolitische Aufgabe. Besonders Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien sind stärker gefährdet, das Schulsystem frühzeitig zu verlassen. Daher werden Programme zur individuellen Förderung, Berufsorientierung und sozialen Unterstützung eingesetzt.
Ein besonderes Merkmal des Bildungssystems ist die zunehmende Förderung von Mehrsprachigkeit und internationaler Ausrichtung. Neben Englisch wird auch Deutsch in einigen Schulen unterrichtet. Besonders hervorzuheben ist das Abibac-Programm, das eine doppelte Qualifikation in Französisch und Deutsch ermöglicht und seit den 2000er Jahren an ausgewählten Lycées angeboten wird. Dieses Programm stärkt die internationalen Bildungs- und Berufschancen der Schülerinnen und Schüler.
Schulen, Lehrer und Schüler 1998:
pré-primaire 175 1 500 43 826
primaire 351 4 050 76 364
secondaire 111 6 343 96 811
université 1 286 8 663
Höhere Bildung
Die Insel ist ein echtes Reservoir für Technologie, Forschung und Entwicklung dank der Präsenz von rund 30 Labors (Universitätslabors und andere), von Forschungsorganisationen (CIRAD, le Centre de Coopération International en Recherche Agronomique pour le Développement (Landwirtschaftliches Forschungszentrum für internationale Entwicklung), BRGM, le Bureau de Recherches Géologiques et Minières (Forschungszentrum für Geologie und Bergbau), IFREMER, l`Institut français de Recherche pour l`exploitation de la MER (Französisches Forschungsinstitut für die Nutzung des Meeres), IRD, l`Institut de Recherche pour le Developpement (Forschungsinstitut für Entwicklung) und einem exponentiell wachsenden Informations- und Telekommunikationssektor.
Die Université de La Réunion (Universität La Réunion) ist die einzige staatliche Universität auf der Insel La Réunion und die einzige europäische Universität im Indischen Ozean. Sie wurde 1982 gegründet und bietet Studiengänge nach europäischem Standard an, darunter Bachelor-, Master- und Doktoratsprogramme. Die Universität hat rund 12.000 bis 19.000 Studenten und verteilt ihre Einrichtungen auf sechs Standorte, vor allem in Saint-Denis, aber auch in Le Tampon und Saint-Pierre. Zu den Fakultäten zählen unter anderem Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Geistes- und Naturwissenschaften sowie weitere spezialisierte Institute wie beispielsweise der Technologiepark.
Die Universität zeichnet sich durch ihre Rolle als Schnittstelle zwischen Europa und dem Indischen Ozean aus und bietet Forschungsschwerpunkte in Bereichen wie Nachhaltige Entwicklung, Gesellschaft, Geopolitik, Ökologie und Gesundheit in tropischen Umgebungen. Sie verfügt außerdem über zahlreiche Erasmus+ Kooperationen, internationale Programme und einen guten Ruf als Bildungs- und Forschungseinrichtung in der Region.
Bibliotheken und Archive
Die Médiathèque de Saint-Paul ist ein modernes Kombinationsgebäude mit Bibliothek, Archiv, Auditorium, Lernräumen und weiteren Einrichtungen. Sie wurde 2015 eröffnet und bietet unterschiedliche Bereiche für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Das Gebäude ist architektonisch markant und öffnet den Blick auf den Indischen Ozean.
Die Bibliothèque Départementale de La Réunion in Saint-Denis ist die zentrale öffentliche Bibliothek des Départementes. Sie sammelt Bücher, Karten, digitale Medien und bietet vielfältige öffentliche Dienste an.
Die Departmental Archives of Réunion befinden sich in Sainte-Clotilde (4 rue Marcel Pagnol). Dort werden historische Originaldokumente und staatliche Akten aufbewahrt. Die Archive stehen auch internationalen Forschern offen und stellen oft digitalisierte Materialien bereit.
Die Université de La Réunion verfügt über eigene Universitätsbibliotheken an ihren Standorten, insbesondere in Saint-Denis. Diese bieten umfangreiche wissenschaftliche Literatur, elektronische Ressourcen und digitale Datenbanken für Studierende und Forschende.
Zusätzlich gibt es eine Médiathèque in Saint-Joseph, die kulturelle und öffentliche Funktionen erfüllt und in der regionalen Gemeinschaft verankert ist.
Kultur
Die Insel La Réunion hat nicht nur schöne Strände und eine faszinierende Berglandschaft zu bieten, sondern überrascht auch durch ihre interessante und bunte Kulturlandschaft. Dies verdankt die Insel einer faszinierenden ethnischen Vielfalt. Die Vermischung der Bevölkerungsgruppen stellt eine echte Bereicherung dar.
Museen
Das am 14. August 1855 eröffnete Musée d‘histoire naturelle de La Réunion ist das älteste Museum der Insel. Es befindet sich im Jardin de l’État in Saint-Denis. Es beherbergt insgesamt 42.000 Ausstellungsstücke, die die Naturgeschichte von La Réunion und dem Indischen Ozean darstellen.
Das Musée Léon Dierx in Saint-Denis ist Ein Kunstmuseum mit Werken von Impressionisten und Künstlern wie Cézanne, Gauguin, Picasso und Renoir. Es befindet sich im ehemaligen bischöflichen Palast.
Das Musée Stella Matutina in Piton Saint-Leu befindet sich in einer ehemaligen Zuckerfabrik, das die Geschichte der Zuckerindustrie auf der Insel zeigt.
Das Musée de Villèle in Saint-Gilles-les-Hauts ist ein historisches Museum mit Ausstellungen zu Porzellan, Waffen und Schiffsmodellen aus der Zeit der Ostindienkompanie.
Kélonia in Saint-Leu ist keine klassische Kunstgalerie, sondern eine Meeresschildkrötenstation mit Forschung, Schutzprojekten und Aufzucht verletzter Tiere.
La Cité du Volcan in La Plaine des Cafres ist ein Vulkanmuseum mit modernen technischen Inszenierungen, das Vulkanismus und Umweltphänomene erklärt.
Das Musée des Arts Décoratifs de l’Océan Indien (MADOI) in Saint-Louis zeigt Kunstgewerbeobjekte verschiedener Kulturen des Indischen Ozeans und beherbergt ein historisches Kaffeegut.
Daneben gibt es noch weitere kleinere Museen und historische Stätten wie das Landwirtschaftsmuseum, sowie das Aquarium in Saint-Gilles und zahlreiche sakrale Bauwerke mit kultureller Bedeutung.
Architektur
Die Architektur auf Réunion ist ein Spiegel der historischen Entwicklung, der klimatischen Bedingungen und der kulturellen Vielfalt der Insel. Sie vereint Einflüsse aus Europa, Afrika, Madagaskar, Indien und China und hat im Laufe der Zeit eine eigenständige, kreolische Baukultur hervorgebracht. Gleichzeitig zeigt sie deutliche Spuren der französischen Kolonialzeit sowie moderne Einflüsse zeitgenössischer Architektur.
Die traditionelle kreolische Architektur ist besonders charakteristisch für Réunion. Typisch sind Wohnhäuser aus Holz oder leichten Materialien, die an das tropische Klima angepasst sind. Ein zentrales Element ist die sogenannte Varangue, eine überdachte Veranda, die als Übergangsraum zwischen Innen- und Außenbereich dient. Sie schützt vor Sonne und Regen und bildet zugleich einen wichtigen sozialen Raum des Hauses. Viele dieser Häuser stehen auf erhöhten Fundamenten, um Luftzirkulation zu ermöglichen und Feuchtigkeit zu reduzieren. Große Fenster und viele Öffnungen sorgen zusätzlich für natürliche Belüftung, was in dem warm-feuchten Klima besonders wichtig ist.
Auch die Dächer sind charakteristisch: häufig werden Wellblechdächer verwendet, die leicht, robust und gut geeignet für starke Regenfälle und Zyklone sind. Die Häuser sind oft farbenfroh gestaltet und von tropischen Gärten umgeben, in denen lokale Pflanzen wie Palmen, Hibiskus oder Bougainvillea wachsen. Diese Gartenanlagen sind nicht nur dekorativ, sondern tragen ebenfalls zum Mikroklima und zur Kühlung der Umgebung bei.
Ein bedeutender Teil der Architektur auf Réunion stammt aus der Kolonialzeit. Während der Zuckerrohrplantagenwirtschaft entstanden große Herrenhäuser der Plantagenbesitzer, die oft im neoklassizistischen oder kolonialen Stil errichtet wurden. Diese Gebäude waren repräsentativ gestaltet und sollten den wirtschaftlichen und sozialen Status ihrer Besitzer widerspiegeln. Ein bekanntes Beispiel ist das Musée de Villèle, eine ehemalige Plantagenresidenz, die heute als Museum dient. Sie zeigt die historische Verbindung zwischen Architektur, Landwirtschaft und Kolonialgeschichte und umfasst neben dem Herrenhaus auch die früheren Wirtschaftsgebäude der Zuckerproduktion.
In der Hauptstadt Saint-Denis findet sich eine Vielzahl kolonialer und historischer Gebäude, darunter Villen wohlhabender Familien aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sowie öffentliche Verwaltungsbauten. Diese Gebäude zeichnen sich häufig durch Veranden, hohe Decken, große Fenster und dekorative Fassaden aus, die sowohl europäischen Stilrichtungen als auch klimatischen Anforderungen angepasst sind. Beispiele solcher Bauwerke sind historische Villen und das Rathaus der Stadt, das auf den Fundamenten eines ehemaligen militärischen Gebäudes errichtet wurde.
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich auf Réunion eine moderne Architektur, die internationale Strömungen mit lokalen Bedingungen verband. Besonders prägend waren Architekten, die sich an der modernen Bewegung orientierten und gleichzeitig auf das tropische Klima Rücksicht nahmen. Ein wichtiger Vertreter war Jean Bossu, der im Umfeld des Ateliers von Le Corbusier arbeitete. Seine Gebäude auf Réunion zeichnen sich durch klare geometrische Formen, funktionale Gestaltung und eine Anpassung an das Klima aus, etwa durch Schattenelemente, offene Strukturen und modulare Bauweisen.
Moderne öffentliche Gebäude verbinden heute funktionale Architektur mit klimatischen Anpassungen. Ein Beispiel ist die Médiathèque de Saint-Paul, ein Kultur- und Bibliothekszentrum, das große Glasflächen, offene Raumstrukturen und Sonnenschutzsysteme wie Brise-Soleils nutzt. Diese architektonischen Elemente sind darauf ausgelegt, Licht und Hitze zu regulieren und gleichzeitig eine offene Verbindung zur Umgebung herzustellen.
Die Architektur auf Réunion ist insgesamt stark vom tropischen Klima geprägt. Schutz vor Zyklonen, starke Regenfälle, hohe Luftfeuchtigkeit und intensive Sonneneinstrahlung haben zu Bauweisen geführt, die auf Belüftung, Stabilität und Flexibilität ausgelegt sind. Gleichzeitig spielen Naturmaterialien und lokale Bauformen eine wichtige Rolle, insbesondere in ländlichen Regionen.
Neben Wohn- und Verwaltungsgebäuden gibt es auch religiöse Architektur, die die multikulturelle Gesellschaft der Insel widerspiegelt. Kirchen, hinduistische Tempel, Moscheen und andere religiöse Bauwerke stehen oft in unmittelbarer Nähe zueinander und zeigen unterschiedliche architektonische Traditionen. Diese Vielfalt ist ein sichtbarer Ausdruck der kulturellen Geschichte Réunions.
Die moderne Stadtentwicklung führt zunehmend zu einer Verdichtung urbaner Räume, insbesondere in den Küstenregionen. Dabei entstehen neue Wohnanlagen, Einkaufszentren und Bürogebäude, die häufig in Beton- und Stahlbauweise errichtet werden. Gleichzeitig wird versucht, nachhaltige und energieeffiziente Architektur zu fördern, die natürliche Belüftung, Sonnenschutz und erneuerbare Energien berücksichtigt.
Bildende Kunst
In der frühen Geschichte der Insel war die bildende Kunst vor allem funktional und dekorativ geprägt. Kunsthandwerk stand im Vordergrund, insbesondere in Form von Holzarbeiten, Textilien, Keramik und Alltagsgegenständen. Diese frühen Formen künstlerischen Ausdrucks waren eng mit dem Leben der Bevölkerung verbunden und spiegelten die kulturellen Einflüsse der verschiedenen Bevölkerungsgruppen wider, die im Zuge der Kolonisation und des Handels auf die Insel kamen.
Ein wichtiger Einflussbereich ist die afrikanische und madagassische Tradition, die sich in ornamentalen Mustern, symbolischen Darstellungen und handwerklichen Techniken zeigt. Ebenso brachten indische Einwanderer künstlerische Elemente wie farbenreiche Stoffe, religiöse Motive und dekorative Gestaltungstechniken mit. Europäische Einflüsse, insbesondere aus Frankreich, prägten hingegen die akademische Malerei, Porträtkunst und Architekturzeichnung während der Kolonialzeit.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich auf Réunion eine stärker europäisch geprägte Malerei, die häufig Landschaften, koloniale Szenen und das Leben auf Zuckerrohrplantagen darstellte. Diese Werke dienten oft der dokumentarischen Darstellung der Insel und spiegelten zugleich die koloniale Perspektive dieser Zeit wider. Gleichzeitig entstanden erste lokale Künstler, die begannen, eigene Sichtweisen und Themen zu entwickeln.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts gewann die moderne und zeitgenössische Kunst zunehmend an Bedeutung. Künstler auf Réunion begannen, sich von rein europäischen Vorbildern zu lösen und eigene Ausdrucksformen zu entwickeln, die die kulturelle Vielfalt der Insel reflektieren. Themen wie Identität, Migration, koloniale Geschichte, Natur und soziale Realität wurden zunehmend in den Mittelpunkt gestellt.
Ein zentrales Merkmal der bildenden Kunst auf Réunion ist die starke Verbindung zur Natur. Die Landschaft der Insel mit ihren Vulkanen, Bergen, Wäldern und dem Meer ist eine wichtige Inspirationsquelle für Malerei, Fotografie und Skulptur. Besonders der aktive Vulkan Piton de la Fournaise wird häufig künstlerisch verarbeitet und symbolisiert sowohl Zerstörung als auch Erneuerung.
Die zeitgenössische Kunstszene ist vielfältig und umfasst Malerei, Skulptur, Fotografie, Street Art, Installationskunst und digitale Medien. Viele Künstler beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Fragen wie kultureller Identität, sozialen Ungleichheiten, Umweltproblemen und dem Leben in einer postkolonialen Gesellschaft. Diese Themen werden oft in experimentellen und interdisziplinären Formen dargestellt.
Ein wichtiger Bestandteil der Kunstszene sind kulturelle Einrichtungen, Museen und Ausstellungsräume. Das Musée Léon Dierx ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Insel. Es beherbergt Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst sowie Werke europäischer und lokaler Künstler. Das Museum spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung der Kunst und der Bewahrung des kulturellen Erbes. Es zeigt bedeutende Werke impressionistischer und moderner Malerei, unter anderem von Künstlern wie Gauguin, Cézanne und Picasso. Das Museum wurde 1912 eröffnet und trägt den Namen des lokalen Dichters Léon Dierx. Das Musée des Arts Décoratifs de l’Océan Indien in Saint-Louis beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Kunstgewerbeobjekten aus verschiedenen Kulturen des Indischen Ozeans, darunter auch aus indischer, chinesischer und afrikanischer Herkunft. Es verbindet Kunst mit regionaler Geschichte und bewahrt das letzte historische Kaffeegut der Übersee-Départements.
Es gibt zeitgenössische Kunstorte wie Lieu d'art Contemporain de La Réunion, die Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen mit regionaler und internationaler Kunst organisieren. Darüber hinaus finden sich in Museen wie dem Musée Historique de Villèle auch zeigt die bildenden Künste ergänzende historische und kulturelle Ausstellungselemente, die den Einfluss von Kunst in der kolonialen Geschichte reflektieren.
Die Kunstszene auf der Insel ist stark von der vielfältigen kulturellen und ethnischen Zusammensetzung sowie der kolonialen Vergangenheit geprägt, was sich in den ausgestellten Werken und Sammlungen widerspiegelt Unter den vielen Künstlern, die auf Réunion zur Welt kamen, ist vor allem Ambroise Vollard hervorzuheben. Er wurde 1868 in Saint Denis geboren. Karriere machte er in Paris als großartiger Kunsthändler, Schriftsteller und Verleger. Dort starb er 1939.
Literatur
Ein zentraler Bestandteil der literarischen Tradition ist die kreolische Sprache Réunions. Über viele Generationen hinweg wurden Geschichten, Mythen, Lieder und Legenden vor allem mündlich weitergegeben. Diese orale Tradition spielte eine wichtige Rolle für die Bewahrung kultureller Identität, insbesondere in Zeiten der Sklaverei und kolonialen Unterdrückung, als vielen Bevölkerungsgruppen der Zugang zur Schriftkultur eingeschränkt war. Erst ab dem 19. und besonders im 20. Jahrhundert begann man, diese mündlichen Formen systematisch zu sammeln, zu analysieren und auch schriftlich festzuhalten.
Die Themen der Literatur auf Réunion sind eng mit der Geschichte und Gesellschaft der Insel verbunden. Häufig stehen koloniale Erfahrungen, Sklaverei, Migration, soziale Ungleichheit und kulturelle Identität im Mittelpunkt. Viele Werke setzen sich kritisch mit der Vergangenheit auseinander und thematisieren die Auswirkungen der kolonialen Strukturen auf das heutige gesellschaftliche Leben. Gleichzeitig spielt auch die Natur der Insel eine wichtige Rolle, insbesondere die vulkanische Landschaft, die tropischen Wälder und das Meer, die oft symbolisch für Freiheit, Gefahr oder Wandel stehen.
Neben diesen historischen und gesellschaftlichen Themen finden sich in der Literatur auch zahlreiche Mythen und Legenden, die tief in der lokalen Kultur verwurzelt sind. Diese Geschichten verbinden afrikanische, indische und europäische Elemente und zeigen die synkretistische Natur der kreolischen Kultur. Sie werden sowohl in der mündlichen als auch in der schriftlichen Literatur verarbeitet und tragen wesentlich zur kulturellen Identität der Insel bei.
Ein bedeutender Vertreter der Literatur aus Réunion ist der Schriftsteller Axel Gauvin, der in seinen Werken häufig die kreolische Sprache und das Leben der einfachen Bevölkerung in den Mittelpunkt stellt. Seine Romane, darunter bekannte Werke wie „La Petite Créole“ oder andere sozialrealistische Erzählungen, beschäftigen sich mit Identität, Sprache und gesellschaftlichen Konflikten auf der Insel. Ein weiteres wichtiges Werk im Kontext der regionalen Literatur ist „L’Enfant de la montagne“ (oft im Zusammenhang mit der Darstellung der Kindheit und sozialen Realität auf Réunion genannt), das Einblicke in das Leben in unterschiedlichen sozialen Schichten bietet.
Auch andere Autoren haben die Literatur Réunions geprägt, darunter sowohl französischsprachige als auch kreolisch beeinflusste Schriftsteller. Einige internationale Autoren mit Bezug zur Insel haben Réunion als Schauplatz oder Inspirationsquelle genutzt, wodurch die Insel auch in der französischen und globalen Literatur präsent ist. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Réunion keine große Anzahl international bekannter Autoren hervorgebracht hat, sondern eher eine regionale, aber kulturell sehr bedeutende Literaturszene besitzt.
Die moderne Literatur auf Réunion ist vielfältig und umfasst Romane, Kurzgeschichten, Lyrik, Theaterstücke und Essays. Viele zeitgenössische Autoren beschäftigen sich mit Themen wie Identität, Globalisierung, Migration und Umwelt. Die Spannung zwischen Tradition und Moderne spielt dabei eine zentrale Rolle. Besonders die Frage, wie sich kreolische Kultur und französische Sprache miteinander verbinden lassen, ist ein häufig diskutiertes Thema.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zunehmende Anerkennung der kreolischen Sprache in der Literatur. Während Französisch lange Zeit die dominante Schriftsprache war, gewinnt das Réunion-Kreolische zunehmend an Bedeutung als literarisches Ausdrucksmittel. Autoren verwenden es bewusst, um Authentizität zu schaffen und kulturelle Identität zu stärken.
Theater
Die wichtigsten Theater der Insel sind:
- Teat Champ Fleuri (Saint-Denis / Sainte-Clotilde): Das größte überdachte Theater der Insel verfügt über einen Hauptsaal mit etwa 900 Plätzen und einen kleineren Saal („Karo Kann“) für 100 Gäste. Das Programm umfasst eine breite Palette an Bühnenkünsten: Theater, Musik, Tanz, Zirkus, Marionetten, Kino und Ausstellungen. Jährlich werden Highlights wie das Jugendfestival "Toto Total" (Februar-März) und das Tanzfestival "Total Danse" (November) veranstaltet. Schwerpunkt liegt auf Künstlern aus La Réunion, aber auch international bekannte Namen treten auf.
- Théâtre Les Bambous (Saint-Benoît): Szene nationalen Interesses für "Kunst und Schöpfung": Nach einer Renovierung präsentiert Les Bambous jährlich 3 bis 4 Eigenproduktionen, Gastaufführungen, Workshops und Bildungsprojekte. Besonderes Augenmerk liegt auf zeitgenössischer Kunst und Nachwuchsförderung. Der Foyerbereich steht auch für bildende Kunst und Musiker offen. Es gibt spezielle Festivals und Kinderprogramme während der Ferien.
- Théâtre Vladimir Canter: Auf dem Campus der Université de La Réunion in Saint-Denis bietet dieses Theater ein abwechslungsreiches Programm mit darstellender Kunst und ist auch Ausbildungs- und Aufführungsstätte für Studierende.
- Théâtre Vollard (Sainte-Clotilde): Ein weiteres Theaterhaus im Stadtzentrum von Sainte-Clotilde, das insbesondere durch seine Nähe zum kulturellen Alltag und zur Diversität der Inselaufführungen besticht.
- Theatre Plein Air Saint Gilles: Open-Air-Spielstätte in Saint-Gilles, ideal für Festivals und Großveranstaltungen im Freien.
Die Theaterszene ist stark geprägt von kreativen Eigenproduktionen, Experimentierfreude und Offenheit für verschiedene Darstellungsformen. Viele Bühnen pflegen einen engen Austausch mit Schulen, Amateurgruppen und internationalen Partnern. Neben den festen Häusern gibt es kleine Bühnen, Café-Konzerte, Open-Air-Theater und Festivals, bei denen Musik, Maloya, Séga oder Tanztheater integriert werden. Internationale Festivals, regionale Wettbewerbe und mobile Produktionen bringen das Theater auch in kleinere Gemeinden der Insel und fördern die kulturelle Vielfalt nachhaltig.
Film
Auf La Réunion gibt es eine lebendige Film- und Kinolandschaft, unterstützt durch die Agence Film Réunion, die seit 2001 die lokale Filmindustrie fördert. Diese Agentur unterstützt Dreharbeiten auf der Insel, berät Filmschaffende, fördert junge Filmtalente und plant die Teilnahme an internationalen Festivals. So wird die regionale und internationale Sichtbarkeit des Réunioner Kinos permanent ausgebaut. Die wichtigsten Kinos der Insel sind:
- Multiplexe Ciné Cambaie in Saint-Paul, das als größtes Multiplexkino acht Säle mit insgesamt 1.600 Plätzen und moderner Ausstattung, u.a. für Menschen mit Einschränkungen, bietet.
- Ciné Rex in Saint-Denis, ein traditionsreiches Haus im Stadtzentrum.
- Ciné Lacaze in Saint-Denis, mit zwei Kinosälen für ein breites Filmangebot.
Weitere Kinos gibt es in Saint-Pierre und Saint-Gilles. Die Insel bietet außerdem Open-Air-Kinoevents wie das „Kino unter den Sternen“ in Sainte-Anne. Dazu kommen mehrere Filmfestivals:
- Das Festival International du Film de l'Océan Indien (FIFOI) fand erstmals im April 2025 statt. Hier werden Spielfilme, Kurzfilme und Animationen aus der Region gezeigt und prämiert. Das Ziel ist, das kreative Filmschaffen des Indischen Ozeans einem breiten internationalen Publikum sichtbar zu machen und neue Talente zu fördern.
- Das renommierte Méme pas peur-Festival ist ein etabliertes internationales Festival für Fantastik-Filme auf La Réunion und bindet auch lokale sowie internationale Künstler und Filmschaffende ein.
- Das 48 Hour Film Project wird regelmäßig auf La Réunion veranstaltet. Bei diesem Wettbewerb entstehen Kurzfilme innerhalb von nur zwei Tagen, mit lokalen Premieren in den Kinos der Insel. Gewinner nehmen am weltweiten Filmapalooza teil.
La Réunion verfügt über eigene Filmcrews, technisches Equipment und Infrastruktur für internationale sowie lokale Dreharbeiten. Die Agence Film Réunion unterstützt Produktionen logistisch und finanziell, um sowohl lokale Inhalte wie auch internationale Projekte auf der Insel zu ermöglichen. Auch Filmförderungen durch Steueranreize und regionale Beihilfen sind verfügbar.
Neben klassischen Kinobetrieben und Festivals gibt es spezielle Initiativen für Filmbildung, etwa mit Filmvorführungen und Workshops für Schulen und Hochschulen (zum Beispiel Scientific Film Festival an der Universität Saint-Denis). Kulturelle Veranstaltungen wie „Piaf fait son cinéma“ kombinieren Musik mit Filmkunst.
Musik und Tanz
Die musikalischen Traditionen der Insel sind stark von afrikanischen, madagassischen, europäischen und indischen Einflüssen geprägt, die sich über Jahrhunderte hinweg miteinander vermischt haben. Aus dieser Verbindung sind eigenständige musikalische Ausdrucksformen entstanden, die sowohl im Alltag als auch bei Festen, religiösen Zeremonien und gesellschaftlichen Veranstaltungen eine wichtige Rolle spielen.
Im 19. Jahrhundert war das musikalische Leben auf Réunion stark von europäischen Einflüssen geprägt, insbesondere durch die Kolonialzeit. In dieser Zeit wurden viele Melodien aus Europa übernommen, vor allem aus Frankreich, während die Texte häufig in die kreolische Sprache übersetzt oder angepasst wurden. Dadurch entstand eine besondere Mischform, bei der europäische musikalische Strukturen mit lokaler Sprache und kulturellem Ausdruck verbunden wurden. Straßenmusik und Volkslieder waren weit verbreitet und dienten sowohl der Unterhaltung als auch der Weitergabe von Geschichten und Emotionen innerhalb der Bevölkerung.
Ein bekanntes Beispiel aus dieser Zeit ist das Lied „Ti Fleur fanée“ von Fourcade, das bis heute einen besonderen Stellenwert in der musikalischen Erinnerungskultur Réunions besitzt. Es wird von vielen Menschen als sehr emotionales und identitätsstiftendes Lied betrachtet und ist generationsübergreifend bekannt. Solche Lieder wurden nicht nur gehört, sondern auch gemeinsam gesungen und bildeten einen wichtigen Teil des sozialen Lebens. Musik war eng mit dem Alltag verbunden und wurde oft bei familiären oder gemeinschaftlichen Zusammenkünften gepflegt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Musik- und Tanzkultur im 19. und frühen 20. Jahrhundert waren die sogenannten Bälle, die als gesellschaftliche Ereignisse eine große Bedeutung hatten. Dabei unterschied man zwischen Bällen in geschlossenen Sälen und den sogenannten „bals la poussière“, also Tanzveranstaltungen im Freien auf staubigem Boden. Beide Formen waren sehr beliebt und boten der Bevölkerung eine Möglichkeit, sich zu treffen, zu tanzen und soziale Kontakte zu pflegen.
Bei diesen Veranstaltungen wurden häufig europäische Tänze wie Polka und Walzer gespielt, begleitet von Instrumenten wie Akkordeon, Geige oder Blasinstrumenten. Das Akkordeon spielte dabei eine besonders wichtige Rolle, da es gut zu den klimatischen Bedingungen und zur Tanzmusik der Insel passte. Diese Bälle hatten nicht nur eine festliche Funktion, sondern waren auch wichtige soziale Ereignisse, bei denen Beziehungen geknüpft und Gemeinschaften gestärkt wurden. Im Laufe der Zeit sind diese traditionellen Bälle jedoch seltener geworden und wurden teilweise durch moderne Musikveranstaltungen und sogenannte „kabars“ ersetzt, die eine zeitgenössische Form des musikalischen Zusammenkommens darstellen.
Eine der bedeutendsten und kulturell tief verwurzelten Musik- und Tanzformen auf Réunion ist der Maloya. Der Maloya hat seine Ursprünge in der Zeit der Sklaverei und wurde von afrikanischen und madagassischen Sklaven entwickelt. Er entstand als Ausdruck von Schmerz, Sehnsucht, Widerstand und spiritueller Verbindung zu den Ahnen. Der Maloya war lange Zeit verboten oder zumindest gesellschaftlich marginalisiert, da er eng mit der Geschichte der Sklaverei und dem Widerstand gegen koloniale Herrschaft verbunden war.
Der Maloya vereint Gesang, Tanz und rhythmische Perkussion. Typische Instrumente sind der Kayamb, eine mit Samen gefüllte Rassel aus Pflanzenmaterial, der Roulèr, eine große Trommel, der Pikèr sowie der Bobre, ein musikalischer Bogeninstrumenttyp. Die Musik ist oft rhythmisch intensiv und wird in Gruppen aufgeführt, wobei der kollektive Charakter besonders wichtig ist. Tanz und Musik verschmelzen dabei zu einer gemeinsamen Ausdrucksform, die häufig auch spirituelle oder rituelle Elemente enthält.
Heute ist der Maloya ein starkes Symbol der kulturellen Identität Réunions. Er steht für die Geschichte der Insel, für die Erinnerung an die Sklaverei und für den Widerstand gegen Unterdrückung. Gleichzeitig ist er ein lebendiger Bestandteil der modernen Kultur und wird bei Konzerten, Festivals und offiziellen Veranstaltungen aufgeführt. Im Jahr 2009 wurde der Maloya von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt, was seine kulturelle Bedeutung zusätzlich unterstreicht.
Neben dem Maloya ist der Séga eine weitere zentrale Musik- und Tanzform der Insel. Der Séga entstand etwa im 19. Jahrhundert als Mischform verschiedener musikalischer Traditionen. Er verbindet afrikanische Rhythmen und Tanzbewegungen mit europäischen Einflüssen, insbesondere der französischen Quadrille. Der Séga entwickelte sich aus dem kulturellen Umfeld der versklavten und später freien Bevölkerung und wurde zu einer populären Ausdrucksform des Alltagslebens. Charakteristisch für den Séga ist der Gebrauch der kreolischen Sprache in den Liedtexten. Diese sprachliche Komponente ist bis heute erhalten geblieben und ein wesentliches Merkmal des Genres. Der Séga ist im Vergleich zum Maloya meist fröhlicher, leichter und stärker auf Tanz und Unterhaltung ausgerichtet. Dennoch enthält auch er historische und emotionale Elemente, die die Erfahrungen der Bevölkerung widerspiegeln.
Die Ausprägung des Séga variiert innerhalb des Indischen Ozeans. Jede Inselregion hat ihre eigene Version entwickelt, die sich im Rhythmus, im Tempo und in der Instrumentierung unterscheidet. Auf Réunion ist der Séga traditionell etwas ruhiger als etwa auf Rodrigues oder den Seychellen, wo schnellere Varianten verbreitet sind. Diese regionalen Unterschiede zeigen die Anpassungsfähigkeit und Vielfalt dieser Musikform. Typische Instrumente des Séga sind unter anderem Akkordeon, Gitarre, Percussion-Instrumente und teilweise auch moderne elektronische Instrumente. Im Laufe der Zeit wurde der Séga zunehmend professionalisiert und in die populäre Musik integriert, wodurch er auch international bekannter wurde.
In der modernen Musikszene Réunions existieren Maloya und Séga nebeneinander und beeinflussen sich gegenseitig. Während der Maloya eher als Ausdruck historischer Erinnerung, kultureller Identität und kollektiver Erfahrung verstanden wird, steht der Séga stärker für Lebensfreude, Tanz und soziale Begegnung. Beide Musikrichtungen ergänzen sich und bilden gemeinsam das musikalische Fundament der Insel.
Kleidung
Die traditionelle Kleidung und Tracht auf Réunion spiegelt die kulturelle Vielfalt der Insel wider, die von afrikanischen, indischen, europäischen, chinesischen und madagassischen Einflüssen geprägt ist. Heutzutage tragen die Menschen auf La Réunion meist leichte, bequeme Kleidung, die dem tropischen Klima angepasst ist: Baumwollstoffe, T-Shirts, Sommerkleider, Shorts und luftige Hemden sind verbreitet. Für Wanderungen sind praktisch geschnittene Outfits üblich. In den Höhenlagen oder an kühleren Abenden wird eine Jacke oder ein Pullover empfohlen.
Die Insel besitzt eine reiche Textilkultur, die sich durch bunte Stoffe, auffällige Muster und Motive aus der lokalen Fauna und Flora auszeichnet. Kreolische T-Shirts mit Sprüchen auf Réunion-Kreolisch, florale Designs, sowie Accessoires wie Pareos und Tücher sind typische Souvenirs. Lokale Kunsthandwerkerinnen und Marken wie „Pardon“ oder „Zékli“ fertigen originelle Textilien, darunter Stickereien, Ponchos, Babyartikel und modische Shirts mit traditionellen Elementen, oft in farbenfrohem und nachhaltigem Design. Diese Textilien erzählen nicht nur Geschichten, sondern symbolisieren auch die Identität und Kreativität der Insel.
Während die europäische Kolonialzeit orientierte sich die festliche Kleidung der Oberschicht am französischen Stil. Eine „klassische kreolische Festtracht“ umfasst für Frauen meist lange, weite Röcke aus bunten Stoffen, unter denen mehrere Unterröcke getragen wurden, Blusen mit Rüschen oder Spitzen, und ein breiter, oft mit Blumen verzierter Strohhut. Männer tragen helle Leinenhosen und Hemden, ein Tuch oder eine Schärpe als Gürtel sowie gelegentlich einen Strohhut.
Diese traditionelle Festkleidung wird heute vor allem zu besonderen Anlässen, Festivals und bei Volksauftritten getragen und ist Symbol für den kulturellen Stolz der Bevölkerung. Sie steht für Vielfalt und Harmonie der auf Réunion lebenden Kulturen. Korbflechtereien, Schmuck und andere Handwerksarbeiten ergänzen die Kleidung und sind wichtige Bestandteile des lokalen Erscheinungsbilds.
Die Bekleidung ist auch ein wichtiger Teil des Séga. Sie ist bunt und voller lebendiger Farben. Die Frauen tragen ein kleines Oberteil, welches vorne mit Knoten getragen wird, und einen Rock, der eng an der Taille anliegt und nach unten weit auseinandergeht. Die Männer tragen ein Hemd und eine Korsaren-Hose. Der moderne Séga kam in den 1950er und 1960er Jahren auf. Er wird immer noch mit den traditionellen Instrumenten gespielt und in der Bekleidung von damals getanzt. Viele Vorführungen sind besonders auf den Volksfesten zu sehen. Der Séga entwickelt sich ständig weiter, und heutzutage spielen einige Künstler Séga mit Synthesizer oder modernen Instrumenten. Aber der Séga an sich bleibt sehr beliebt.
Kulinarik und Gastronomie
Die Restaurants der Insel bieten französische und kreolische Spezialitäten an, wie Rougail (Meeresfrüchte mit verschiedenen Soßen) und zahlreiche Currys. Das einheimische Gemüse Bredes schmeckt ähnlich wie Spinat. Spezialitäten sind auch Petit salé aux lentilles (Gepökeltes mit Linsen) oder Canard au maïs (Ente mit Mais). Beliebt sind arabischer Kaffee (Café Bourbon) und der gute einheimische Rum, der in verschiedenen Sorten Rumpunsch wie Rhum Arrange (weißer Rum mit Vanille, Orchideen, Anis und Zimt) verwendet wird.
Reis bildet die Basis vieler Gerichte und wird oft mit Hülsenfrüchten wie Linsen oder Bohnen serviert. Typisch sind intensive und kreative Gewürzmischungen, oft mit Kurkuma, Ingwer, Knoblauch, Thymian und Chili. Besonders berühmt ist die einheimische Bourbon-Vanille. Viele Gerichte werden geschmort oder gedünstet, um die Aromen optimal zu entfalten.
Typische Gerichte der Insel sind:
- Cari (Carry): Das wohl bekannteste Gericht, eine Art Curry aus Fleisch (z.B. Huhn, Fisch, Ziegenfleisch) oder Gemüse, geschmort in einer würzigen Sauce mit Tomaten, Zwiebeln und vielen Gewürzen. Der „Poulet-Cari“ mit Hähnchen ist besonders beliebt.
- Rougail: Eine pikante Soße aus Tomaten, Zwiebeln, Ingwer und Gewürzen, oft zu Saucisse (Würsten), Boucané (geräuchertem Schweinefleisch), Fisch oder zum Curry gereicht. Die Variante „Rougail saucisse“ ist ein echter Inselklassiker.
- Cabri Massalé: Ein Ziegencurry mit indischer Gewürzmischung (Massalé), traditionell beim tamilischen Neujahrsfest beliebt.
- Boucané: Geräucherter Schweinebauch, oft über offenem Feuer gegrillt und kräftig gewürzt.
- Samosas (Samoussas): Frittierte Teigtaschen gefüllt mit Gemüse oder Fleisch, die ihren Ursprung in Indien haben und als Snack sehr beliebt sind.
- Chouchou-Gratin: Ein Auflauf aus dem lokalen Kürbisgewächs (Chayote), häufig als vegetarische Beilage.
- Zourite-Eintopf: Oktopus geschmort in Wein und Gewürzen.
Frittierte Süßkartoffeln, Tarowurzeln oder Yamswurzeln sind beliebte Beilagen. Frisches Obst (zum Beispiel Bananen, Mangos, Passionsfrucht) wird oft als Nachspeise serviert oder im Kuchen verarbeitet.
Das Nationalgetränk ist Rum, traditionell aus Zuckerrohrsaft destilliert und oft mit Vanille oder Gewürzen aromatisiert. Das lokale Bier der Insel heißpt Dodo. Fruchtsäfte und hausgemachte Limonaden sind ebenfalls sehr verbreitet.
Die Vielfalt basiert auf ständigem Austausch und Vermischung der Kochtraditionen von Einwanderern und der lokalen Bevölkerung. Märkte bieten ein breites Angebot lokaler Produkte und frischer Zutaten – besonders Gewürze und tropische Früchte.
Festkultur
Auf Réunion gelten die französischen Feiertage.
Feiertage:
- 1. Januar - Neujahr
- März / April - Ostern
- 1. Mai - Tag der Arbeit
- 8. Mai - Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg
- Juni - Christi Himmelfahrt
- 14. Juli - Nationalfeiertag
- 15. August - Maria Himmelfahrt
- 1. November - Allerheiligen
- 11. November - Tag des Waffenstillstand
- 20. Dezember - Abschaffung der Sklaverei
- 25. Dezember - Weihnachten
Die wichtigsten Feste sind: Feuerlauf (Januar), Ananasfest, Bois de Nèfles, Sainte-Clotilde (Februar), Fête du Chouchou et de la Pêche, Hell-Bourg, Salazie (Mai), Musikfestival (inselweit im Juni), Tour de L’Îsle (Radrennen im September), Blumenschau, Le Tampon (Oktober), Internationaler Triathlon (November) und Fest zum Gedenken an die Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1848 (inselweit am 20. Dezember).
Medien
Die Medienlandschaft auf Réunion ist eng mit dem französischen Mediensystem verbunden und unterliegt denselben rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen wie im französischen Mutterland. Die Presse hat auf Réunion eine lange Tradition und ist ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Kommunikation. Bereits im 19. und 20. Jahrhundert entwickelten sich lokale Zeitungen, die über politische Ereignisse, wirtschaftliche Entwicklungen und gesellschaftliche Themen berichteten. Im Jahr 1997 existierten auf der Insel insgesamt drei Tageszeitungen und vier Wochenzeitungen mit einer Gesamtauflage von etwa 65.000 beziehungsweise 86.000 Exemplaren. Diese Zahlen zeigen die Bedeutung der Printmedien in einer relativ kleinen, aber stark informierten Gesellschaft.
Zu den wichtigsten Tageszeitungen gehören heute unter anderem Le Journal de l'île de La Réunion sowie Le Quotidien de La Réunion. Diese Zeitungen berichten über lokale, nationale und internationale Themen und spielen eine zentrale Rolle in der politischen Meinungsbildung auf der Insel. Ergänzt wird die Presselandschaft durch Wochenzeitungen, Magazine und digitale Nachrichtenplattformen, die zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Ein wichtiger Wandel der letzten Jahrzehnte ist die Digitalisierung der Medien. Viele Zeitungen haben Online-Ausgaben entwickelt, und soziale Medien spielen eine immer größere Rolle bei der Verbreitung von Nachrichten. Dadurch hat sich die Geschwindigkeit der Informationsverbreitung deutlich erhöht, und auch jüngere Zielgruppen werden stärker erreicht. Gleichzeitig stellt die Digitalisierung traditionelle Medien vor wirtschaftliche Herausforderungen.
Der Rundfunk ist ebenfalls ein zentraler Bestandteil der Medienlandschaft auf Réunion. Im Jahr 1997 gab es insgesamt 44 Radiosender und 22 Fernsehstationen, was die hohe Vielfalt und regionale Differenzierung der Medienangebote verdeutlicht. Radio spielt bis heute eine besonders wichtige Rolle, da es aufgrund seiner Zugänglichkeit und Mobilität ein weit verbreitetes Medium ist.
Zu den wichtigsten Rundfunkanbietern gehört der öffentlich-rechtliche Sender Réunion La 1ère, der Teil des französischen Übersee-Mediennetzwerks France Télévisions ist. Dieser Sender bietet Fernseh- und Radioprogramme an und berichtet über lokale Ereignisse, Kultur, Politik und Gesellschaft. Ergänzt wird das Angebot durch private Radiosender, die Musik, Unterhaltung und lokale Nachrichten ausstrahlen.
Das Fernsehen auf Réunion ist ebenfalls stark in das französische Mediensystem integriert. Neben lokalen Produktionen werden viele Programme aus Frankreich übernommen. Dadurch ist das Fernsehangebot sehr vielfältig und umfasst Nachrichten, Unterhaltung, Serien, Filme und Dokumentationen. Gleichzeitig entstehen zunehmend eigene regionale Produktionen, die sich mit der Kultur und dem Alltag der Insel beschäftigen.
Die Medien auf Réunion erfüllen eine wichtige Funktion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie informieren nicht nur über aktuelle Ereignisse, sondern tragen auch zur kulturellen Identität bei, indem sie die Vielfalt der Inselbevölkerung widerspiegeln. Besonders die Verwendung von Réunion-Kreolisch in bestimmten Medienformaten stärkt die sprachliche und kulturelle Identität der lokalen Bevölkerung.
Ein weiteres Merkmal der Medienlandschaft ist die starke Abhängigkeit von Frankreich. Viele Inhalte, technische Standards und organisatorische Strukturen sind direkt an das französische Mediensystem gekoppelt. Dies gewährleistet zwar eine hohe Qualität und Stabilität, führt aber auch dazu, dass lokale Besonderheiten manchmal weniger stark im Mittelpunkt stehen.
Gleichzeitig hat sich in den letzten Jahren eine dynamische digitale Medienkultur entwickelt. Online-Nachrichtenportale, Blogs und soziale Netzwerke sind zu wichtigen Informationsquellen geworden. Insbesondere junge Menschen nutzen zunehmend digitale Plattformen, um sich über lokale und globale Themen zu informieren und auszutauschen.
Zeitungen
Tageszeitungen
- Journal de l'île de La Réunion, journal généraliste.
- Le Quotidien de La Réunion, journal généraliste.
- Témoignages, journal généraliste de sensibilité communiste.
Magazine
- Femmes magazine, magazine féminin encarté dans le Journal de l'île de La Réunion.
- Star Top TV, magazine de télévision.
- Télé Mag, magazine de télévision.
- Visu, magazine de télévision.
Monatszeitungen
- 2512, magazine culturel.
- L'Eco Austral, magazine économique.
- Mémento, magazine économique.
Presseagentur
- Association réunionnaise pour la diffusion de la presse
Radiosender
- Radio Freedom FM (Radio FreeDom) – Bekannt für Nachrichten, Verkehrsinformationen und Unterhaltung
- Réunion 1ère – Das offizielle Radio mit Nachrichten und aktuellen Themen der Insel
- Exo FM – Sehr beliebt für Sonnen-, Zouk-, Séga- und Maloya-Musik
- NRJ Réunion – Jugendlicher Musik-Mix mit aktuellen Hits
- RTL Réunion – Hits, Top 40 und Charts
- Hit FM Réunion – Top 40 und Charts
- Urban Hit – Hip-Hop und urbaner Sound
- Radio Kayanm FM – Pop, Zouk und Tropical
- Passion Tropical
- RSL Radio
- Chérie FM Réunion – Pop und Chanson
- Radio Coloris
- Radio Pikan – Zouk und Tropical
- Sensuelle Radio
- Rock Station – Classic Rock und Oldies
- Capital FM
- Radio Oxygène Réunion – African Music, Hits, Reggae, Zouk
- Sunlight FM
- Rire & Chansons Réunion
- Top FM – Made in France Hits und Tanzmusik
Fernsehen
- Antenne Réunion
- Kanal Austral
- NootTV
- Réunion 1re (télévision)
- Télé Free Dom
- Télé Kréol
- Tempo (RFO)
Kommunikation
Die Telefonvorwahl für Réunion l,autet 00262. Mobil telefoniert wird über GSM 900/1800. Netzbetreiber sind France Telecom (GSM 900/1800), Orange Reunion und Société Reunionnaise. Die meisten touristischen Stätten sind durch das Mobilfunknetz abgedeckt, wie Vulkan, Mafate, Rivière des Remparts und Cilaos.
Sport
Der populärste und am weitesten verbreitete Sport auf Réunion ist Fußball. Er gilt als klarer Nationalsport der Insel und wird in allen Altersgruppen und sozialen Schichten gespielt. Die Insel verfügt über eine eigene Fußballliga, die Ligue Réunionnaise de Football, die organisatorisch zur Französischen Fußballföderation gehört. Diese Liga organisiert den regionalen Spielbetrieb, Pokalwettbewerbe und die Ausbildung von Nachwuchsspielern. Obwohl Réunion keine eigenständige FIFA-Nationalmannschaft besitzt, existiert eine Auswahlmannschaft, die gelegentlich Freundschaftsspiele und regionale Turniere bestreitet. Viele talentierte Spieler aus Réunion wechseln in den professionellen französischen Fußball und spielen in höheren Ligen auf dem Festland.
Neben Fußball sind zahlreiche weitere Mannschaftssportarten sehr beliebt. Handball, Basketball und Rugby haben eine stabile Vereinsstruktur und werden in Schulen und Sportvereinen aktiv gefördert. Besonders Rugby hat durch den Einfluss der französischen Sportkultur eine feste Fangemeinde. Auch Leichtathletik spielt eine wichtige Rolle, insbesondere in Schulen und bei regionalen Wettkämpfen, wobei Disziplinen wie Sprint, Weitsprung und Mittelstreckenlauf besonders verbreitet sind.
Ein besonderes Merkmal des Sports auf Réunion ist die starke Verbindung zur Natur. Aufgrund der einzigartigen Landschaft hat sich eine ausgeprägte Outdoor- und Abenteuersportkultur entwickelt. Der Inselstaat bietet ideale Bedingungen für Sportarten wie Trailrunning, Wandern, Klettern und Bergsteigen. Besonders der Vulkan Piton de la Fournaise sowie die Bergregionen des Cirque de Mafate, Salazie und Cilaos sind beliebte Ziele für Sportler und Wanderer.
Trailrunning hat auf Réunion eine besondere Bedeutung erlangt und gilt als eine der charakteristischsten Sportarten der Insel. Internationale Veranstaltungen wie der „Grand Raid de La Réunion“, auch als „Diagonale des Fous“ bekannt, ziehen jedes Jahr zahlreiche Teilnehmer aus aller Welt an. Dieses extrem anspruchsvolle Rennen führt über mehrere hundert Kilometer durch das bergige und vulkanische Terrain der Insel und gilt als eines der härtesten Trailrennen weltweit.
Die Küstenregionen bieten zahlreiche Möglichkeiten für Wassersportarten. Besonders die geschützten Lagunen an der Westküste, etwa rund um Saint-Gilles-les-Bains, eignen sich gut zum Schwimmen, Schnorcheln, Tauchen und Segeln. Die Korallenriffe schützen viele Bereiche vor starken Wellen und schaffen ruhige Bedingungen für Freizeit- und Breitensport.
Surfen ist ebenfalls beliebt, allerdings gibt es auf Réunion aufgrund der Haifischproblematik bestimmte Einschränkungen. In den vergangenen Jahren kam es zu mehreren Zwischenfällen, weshalb einige Küstenabschnitte nur unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen genutzt werden dürfen. Trotzdem bleibt Surfen eine wichtige Sportart, die besonders in ausgewiesenen und überwachten Zonen ausgeübt wird.
Das Landesinnere der Insel bietet ideale Bedingungen für Canyoning und Rafting. Die vielen Flüsse, Wasserfälle und tief eingeschnittenen Schluchten ermöglichen spektakuläre Sporterlebnisse in einer sehr natürlichen Umgebung. Diese Aktivitäten verbinden körperliche Herausforderung mit Naturerlebnis und sind sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen sehr beliebt.
Auch Angeln spielt eine gewisse Rolle, sowohl im Meer als auch in Süßwassergebieten. In Bergregionen und Flussläufen werden teilweise lokale Fischarten gefangen, während das Hochseeangeln entlang der Küste ein weiteres Freizeitangebot darstellt.
Neben diesen Natur- und Mannschaftssportarten gibt es auf Réunion auch eine breite Palette weiterer sportlicher Aktivitäten. Dazu gehören unter anderem Reiten, Tennis, Golf, Mountainbiking, Squash und Fitnesssportarten. Durch die klimatischen Bedingungen sind viele dieser Aktivitäten das ganze Jahr über möglich.
Extremsportarten haben in den letzten Jahren ebenfalls an Bedeutung gewonnen. Dazu zählen Drachenfliegen, Gleitschirmfliegen und Fallschirmspringen, die vor allem in den Bergregionen und entlang der Küste durchgeführt werden. Die spektakuläre Landschaft macht Réunion zu einem attraktiven Ziel für Abenteuersportler aus aller Welt.
Fußball
Die D1 Promotionelle ist die höchste Spielklasse des Fußballverbands von Réunion. Sie wurde 1950 gegründet und umfasst aktuell 14 Mannschaften. Rekordsieger ist JS Saint-Pierroise mit 20 Titeln.
| Saison | Meister | Vizemeister |
| 1950 | SS Patriote | |
| 1951 | SS Patriote | |
| 1952 | SS Jeanne d’Arc | |
| 1953 | SS Patriote | |
| 1954 | SS Patriote | |
| 1955 | SS Patriote | |
| 1956 | JS Saint-Pierroise | SS Patriote |
| 1957 | JS Saint-Pierroise | Bourbon Club |
| 1958 | AS Saint-Louisienne | SS Jeanne d’Arc |
| 1959 | JS Saint-Pierroise | SS Charles de Foucauld |
| 1960 | JS Saint-Pierroise | SS Jeanne d’Arc |
| 1961 | JS Saint-Pierroise | Bourbon Club |
| 1962 | SS Patriote | JS Saint-Pierroise |
| 1963 | AS Saint-Louisienne | JS Saint-Pierroise |
| 1964 | AS Saint-Louisienne | JS Saint-Pierroise |
| 1965 | AS Saint-Louisienne | SS Tamponnaise |
| 1966 | AS Saint-Louisienne | SS Tamponnaise |
| 1967 | AS Saint-Louisienne | SS Patriote |
| 1968 | AS Saint-Louisienne | SS Jeanne d’Arc |
| 1969 | AS Saint-Louisienne | SS Jeanne d’Arc |
| 1970 | AS Saint-Louisienne | AS Excelsior |
| 1971 | JS Saint-Pierroise | AS Saint-Louisienne |
| 1972 | JS Saint-Pierroise | SS Patriote |
| 1973 | JS Saint-Pierroise | SAS Excelsior |
| 1974 | AS Excelsior | JS Saint-Pierroise |
| 1975 | JS Saint-Pierroise | AS Excelsior |
| 1976 | JS Saint-Pierroise | FC Ouest |
| 1977 | FC Ouest | AS Excelsior |
| 1978 | JS Saint-Pierroise | CS Saint-Denis |
| 1979 | FC Saint-Pauloise | US Bénédictine |
| 1980 | CS Saint-Denis | FC Saint-Pauloise |
| 1981 | FC Saint-Pauloise | US Bénédictine |
| 1982 | AS Saint-Louisienne | CS Saint-Denis |
| 1983 | FC Saint-Pauloise | FC Ouest |
| 1984 | CS Saint-Denis | FC Saint-Pauloise |
| 1985 | FC Saint-Pauloise | JS Saint-Pierroise |
| 1986 | FC Saint-Pauloise | CS Saint-Denis |
| 1987 | CS Saint-Denis | FC Saint-Pauloise |
| 1988 | AS Saint-Louisienne | US Stade Tamponnaise |
| 1989 | JS Saint-Pierroise | CS Saint-Denis |
| 1990 | JS Saint-Pierroise | US Stade Tamponnaise |
| 1991 | US Stade Tamponnaise | CS Saint-Denis |
| 1992 | US Stade Tamponnaise | CS Saint-Denis |
| 1993 | JS Saint-Pierroise | CS Saint-Denis |
| 1994 | JS Saint-Pierroise | US Stade Tamponnaise |
| 1995 | CS Saint-Denis | US Stade Tamponnaise |
| 1996 | CS Saint-Denis | JS Saint-Pierroise |
| 1997 | AS Saint-Louisienne | US Stade Tamponnaise |
| 1998 | AS Saint-Louisienne | US Stade Tamponnaise |
| 1999 | US Stade Tamponnaise | JS Saint-Pierroise |
| 2000 | AS Marsouins | US Stade Tamponnaise |
| 2001 | AS Saint-Louisienne | JS Saint-Pierroise |
| 2002 | AS Saint-Louisienne | US Stade Tamponnaise |
| 2003 | US Stade Tamponnaise | AS Saint-Louisienne |
| 2004 | US Stade Tamponnaise | AS Excelsior |
| 2005 | US Stade Tamponnaise | AS Excelsior |
| 2006 | US Stade Tamponnaise | JS Saint-Pierroise |
| 2007 | US Stade Tamponnaise | AS Excelsior |
| 2008 | JS Saint-Pierroise | US Stade Tamponnaise |
| 2009 | US Stade Tamponnaise | AS Excelsior |
| 2010 | US Stade Tamponnaise | US Sainte-Marienne |
| 2011 | FC Saint-Pauloise | US Sainte-Marienne |
| 2012 | AS Saint-Louisienne | US Sainte-Marienne |
| 2013 | US Sainte-Marienne | FC Saint-Pauloise |
| 2014 | FC Saint-Pauloise | AS Excelsior |
| 2015 | JS Saint-Pierroise | AS Saint-Louisienne |
| 2016/17 | JS Saint-Pierroise | US Sainte-Marienne |
| 2017 | JS Saint-Pierroise | AS Excelsior |
| 2018 | JS Saint-Pierroise | SS Jeanne d’Arc |
| 2019 | JS Saint-Pierroise | US Sainte-Marienne |
| 2021 | La Tamponnaise | AS Excelsior |
| 2022 | Saint-Denis FC | JS Saint-Pierroise |
| 2023 | AS Excelsior | JS Saint-Pierroise |
| 2024 | AS Excelsior | FC Saint-Pauloise |
Anzahl der Titel
| Verein | Stadt | Titel | zuletzt |
| JS Saint-Pierre | Saint-Pierre | 21 | 2019 |
| AS Saint-Louisienne | Saint-Louis | 16 | 2012 |
| US Stade Tamponnaise | Le Tampon | 11 | 2021 |
| FC Saint-Pauloise | Saint-Paul | 7 | 2014 |
| SS Patriote | Saint-Denis | 6 | 1962 |
| Saint-Denis FC | Saint-Denis | 6 | 2022 |
| AS Excelsior | Saint-Joseph | 3 | 2024 |
| SS Jeanne d’Arc | Saint-Pierre | 1 | 1952 |
| AS Marsouins | Saint-Leu | 1 | 2000 |
| FC Ouest | Saint-Paul | 1 | 1977 |
| US Sainte-Marienne | Sainte-Marie | 1 | 2013 |
Die Ligue Réunionnaise de Football organisiert den Fußballsport auf Réunion. Sie ist kein Mitglied des Weltfußballverbandes FIFA, lediglich assoziiertes Mitglied des Kontinentalverbandes CAF, was die Mannschaft jedoch nicht berechtigt, an den Qualifikationsspielen zum Afrika-Cup teilzunehmen. Réunion kann nicht an Qualifikationsspielen zu Fußballweltmeisterschaften teilnehmen. Trotzdem hat La Réunion bereits einige internationale Spiele bestritten, die meisten davon gegen Madagaskar, Mauritius und die Seychellen..
Réunion ist kein Mitglied des Weltfußballverbandes FIFA und nimmt daher auch nicht an Qualifikationsspielen zu Fußball-Weltmeisterschaften teil. La Réunion ist lediglich assoziiertes Mitglied des Kontinentalverbandes CAF, was die Mannschaft jedoch nicht berechtigt, an den Qualifikationsspielen zum Afrika-Cup teilzunehmen. Außerdem beteiligt sich die Nationalauswahl an der Coupe de l’Outre-Mer, dem Wettbewerb für Nationalmannschaften aus Frankreichs überseeischen Gebieten. 2008 und 2012 gewann Réunion die Siegestrophäe.
Zudem hat La Réunion bereits einige internationale Spiele bestritten, die meisten davon gegen Madagaskar, Mauritius und die Seychellen.
In jüngerer Zeit spielen von der Insel stammende Profifußballer zunehmend eine gewichtigere Rolle in der französischen A-Nationalelf. So hat deren Trainer Laurent Blanc mit Guillaume Hoarau, Benoît Trémoulinas und Dimitri Payet gleich drei von ihnen in sein Aufgebot für die Europameisterschafts-Qualifikationsspiele im Oktober 2010 berufen. Die Bilanz der Ländermatches bis 2011 sieht wie folgt aus:
| Gegner | Sp | S | U | N | T+ | T- | Diff |
| Comoros | 6 | 4 | 1 | 1 | 13 | 3 | 10 |
| Congo | 2 | 1 | 0 | 1 | 3 | 5 | -2 |
| French Guiana | 3 | 2 | 1 | 0 | 3 | 0 | 3 |
| Gabon | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 3 | -3 |
| Guadeloupe | 2 | 1 | 0 | 1 | 3 | 3 | 0 |
| Kenya | 3 | 0 | 0 | 3 | 2 | 7 | -5 |
| Madagascar | 21 | 3 | 4 | 14 | 30 | 53 | -23 |
| Malawi | 1 | 0 | 0 | 1 | 2 | 8 | -6 |
| Maldives | 2 | 2 | 0 | 0 | 18 | 0 | 18 |
| Martinique | 2 | 1 | 1 | 0 | 1 | 0 | 1 |
| Mauritius | 35 | 7 | 9 | 19 | 39 | 101 | -62 |
| Mayotte | 4 | 3 | 1 | 0 | 12 | 4 | 8 |
| New Caledonia | 2 | 2 | 0 | 0 | 7 | 3 | 4 |
| Saint Pierre and Miquelon | 1 | 1 | 0 | 0 | 11 | 0 | 11 |
| Seychelles | 15 | 12 | 1 | 2 | 30 | 10 | 20 |
| Tanzania | 1 | 0 | 1 | 0 | 1 | 1 | 0 |
| Togo | 1 | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 1 |
| Zaire | 1 | 1 | 0 | 0 | 2 | 1 | 1 |
| Zimbabwe | 3 | 0 | 1 | 2 | 3 | 5 | -2 |
| Total | 106 | 41 | 20 | 45 | 181 | 207 | –26 |
Persönlichkeiten
Die wichtigsten Persönlichkeiten von der Insel Réunion sind:
- Raymond Barre (1924 bis 2007), französischer Politiker und Wirtschaftswissenschaftler
- Tonton David (* 12. Oktober 1967), Reggaekünstler
- Roland Garros (1888 bis 1918), Flugpionier
- Axel Gauvin (* 3. August 1944), Schriftsteller
- Michel Houellebecq (1958 oder 1956), Schriftsteller
- Charles Leconte de Lisle (1818 bis 1894), französischer Dichter
- Daniel Narcisse, französischer Handballspieler
- Paul Véronge de la Nux, Komponist
- Jackson Richardson, französischer Handballspieler
- Laurent Robert (* 21. Mai 1975), französischer Fußballspieler
Fremdenverkehr
Der Fremdenverkehr spielt auf Réunion eine wichtige Rolle für die Wirtschaft der Insel und ist eng mit der außergewöhnlichen Natur, der kulturellen Vielfalt und der Zugehörigkeit zu Frankreich verbunden. Die Insel wird oft als „tropisches Frankreich im Indischen Ozean“ bezeichnet und bietet eine Kombination aus Vulkanlandschaften, Bergen, Regenwäldern, Stränden und kulturellen Sehenswürdigkeiten. Der Tourismus richtet sich sowohl an französische Besucher vom Festland als auch zunehmend an internationale Gäste, die Natur- und Aktivurlaub suchen.
Ein zentraler Anziehungspunkt ist die beeindruckende Landschaft Réunions, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Besonders die drei Talkessel Cirque de Mafate, Cirque de Cilaos und Cirque de Salazie sowie der aktive Vulkan Piton de la Fournaise zählen zu den wichtigsten touristischen Highlights. Diese Gebiete bieten Möglichkeiten zum Wandern, Trekking und Naturerlebnis und machen Réunion zu einem bedeutenden Ziel für Ökotourismus und Abenteuertourismus.
Der Tourismus ist stark naturorientiert geprägt. Wanderungen durch die Bergwelt, Vulkanbesteigungen, Canyoning in Schluchten, Wasserfalltouren und Naturbeobachtungen gehören zu den beliebtesten Aktivitäten. Gleichzeitig spielen die Küstenregionen eine wichtige Rolle, insbesondere die Westküste mit ihren Stränden und Lagunen. Orte wie Saint-Gilles-les-Bains oder L’Hermitage sind wichtige touristische Zentren mit Hotels, Restaurants und Freizeitangeboten.
Der Bade- und Strandtourismus ist allerdings aufgrund der Haiproblematik an einigen Küstenabschnitten eingeschränkt. Deshalb konzentriert sich der Tourismus stärker auf sichere Badezonen, Lagunen und kontrollierte Wassersportbereiche. Gleichzeitig werden Sicherheitsmaßnahmen und Überwachungsprogramme eingesetzt, um das Risiko für Besucher zu reduzieren.
Der kulturelle Tourismus ist ebenfalls von Bedeutung. Besucher interessieren sich für die kreolische Kultur, koloniale Architektur, lokale Märkte, Musik wie Maloya und Séga sowie die multikulturelle Gesellschaft der Insel. Städte wie Saint-Denis bieten historische Gebäude, Museen und kulturelle Einrichtungen, die Einblicke in die Geschichte und Entwicklung Réunions ermöglichen. Der Tourismus auf Réunion ist insgesamt weniger massenorientiert als in klassischen Stranddestinationen, sondern eher auf Natur, Aktivurlaub und kulturelle Erlebnisse ausgerichtet. Dadurch wird versucht, eine nachhaltigere Form des Tourismus zu fördern, die die Umwelt und die lokalen Ressourcen berücksichtigt.
Die Infrastruktur für Unterbringung ist gut entwickelt und vielfältig. Sie reicht von großen Hotelanlagen bis hin zu kleinen, familiengeführten Gästehäusern. In den touristischen Zentren an der Westküste befinden sich die meisten Hotels, Resorts und Ferienanlagen. Diese bieten häufig internationale Standards und richten sich sowohl an Pauschalreisende als auch an Individualtouristen.
Neben Hotels spielen sogenannte „gîtes“ eine wichtige Rolle, also kleine ländliche Unterkünfte, oft in den Bergen oder in traditionell kreolischer Umgebung. Diese Unterkünfte ermöglichen einen besonders naturnahen Aufenthalt und sind vor allem bei Wanderern und Naturliebhabern sehr beliebt. Sie bieten einfache, aber authentische Übernachtungsmöglichkeiten und sind oft familiengeführt. Auch Ferienwohnungen und private Unterkünfte haben an Bedeutung gewonnen. Durch Plattformen der digitalen Vermietung ist das Angebot stark gewachsen, wodurch Besucher flexibler reisen können. Diese Form der Unterkunft ist besonders bei längeren Aufenthalten oder individuellen Rundreisen beliebt.
Für Wanderer gibt es zudem spezielle Berghütten, insbesondere im Gebiet von Mafate, das nur zu Fuß oder per Helikopter erreichbar ist. Diese einfachen Unterkünfte sind funktional ausgestattet und dienen vor allem als Übernachtungsmöglichkeit für mehrtägige Trekkingtouren. Sie tragen wesentlich zur Entwicklung des Wandertourismus bei.
Der internationale Flughafen Roland Garros bei Saint-Denis ist das wichtigste Tor für den Fremdenverkehr. Er verbindet Réunion regelmäßig mit Frankreich sowie mit anderen Zielen im Indischen Ozean. Der Tourismus ist daher stark vom Luftverkehr abhängig, da es keine direkte Straßen- oder Bahnverbindung zum Festland gibt.
Gästezahlen
1984 79 000
1997 370 255
1999 394 000
2000 430 000
Ein- und Ausreise:
- Reisedokumente: Für die Einreise genügt ein einfacher Reisepass.
- Impfungen: Es werden keine speziellen impfungen verlangt, ausgenommen gegen Gelbfieber bei Einreise aus Gelbfiebergebieten.
- Zollbestimmungen: Für Réunion gelten die französischen Zollbestimmungen.
- Reisen mit Kfz: Der nationale Führerschein berechtigt zum Lenken eines Mietautos auf Réunion.
- Umgangsformen: Die üblichen Höflichkeitsformen gelten auch hier. Die indischen, pakistanischen und europäischen Einwanderer haben sich ihre unterschiedlichen Kulturformen weitgehend erhalten und feiern ihre eigenen Feste und Feiertage.
- Trinkgeld: Zirka 10 % Trinkgeld sind üblich.
- Reisezeit: Die beste Reisezeit La Reunion ist von April bis Dezember. Von Ende Dezember bis in den April hinein herrscht der Monsun mit teilweise starken Regenfällen und die Luft hat eine hohe Luftfeuchtigkeit. Aber auch während der anderen Monaten muss man mit kurzen Schauern rechnen.
Literatur
- wikipedia = https://fr.wikipedia.org/wiki/Cat%C3%A9gorie:La_R%C3%A9union
- wikitravel = https://wikitravel.org/en/Reunion
- wikivoyage = https://en.wikivoyage.org/wiki/R%C3%A9union
Reiseberichte
- Réunion, Reiseberichte = https://reunion.de/reiseberichte/
- La Réunion Blog = https://wolkenweit.de/la-reunion/
- Eva Maccani: La Réunion - Tropische Wanderreise = https://www.asi-reisen.de/blog/reisebericht-la-reunion-erwandern/
- Explorer: La Réunion - ein europäisches Paradies = https://www.explorer.de/reiseziele/indischer-ozean/la-reunion/la-reunion-reisebericht-ein-europaeisches-paradies.html
Videos
- Flying over Réunion Island = https://www.youtube.com/watch?v=ICkbtU2-Tgw
- Réunion - Auf dem Weg zur Insel der DSensationen = https://www.youtube.com/watch?v=takYKxyrtI4
- Les secrets de l'Île de la Réunion = https://www.youtube.com/watch?v=umlBXAv3es0
- Reiseführer für die Insel La Réunion = https://www.youtube.com/watch?v=6DdHerhMDfU
Atlas
- Réunion, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/#map=11/-21.1313/55.5428
- Réunion, ADAC = https://maps.adac.de/land/reunion
- Réunion, Satellit = https://satellites.pro/Google/Reunion_map
Reiseangebote
Insel La Réunion = https://www.insel-la-reunion.com/
Urlaub auf der Insel La Réunion = https://www.france.fr/de/reiseziel/insel-la-reunion/
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