Réunion (La Réunion): Unterschied zwischen den Versionen
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== '''Landschaft''' == | == '''Landschaft''' == | ||
Réunion | Die Landschaften von Réunion sind außergewöhnlich vielfältig und werden stark durch die vulkanische Entstehung der Insel sowie durch Erosion, Klima und Höhenunterschiede geprägt. Die Insel erhebt sich steil aus dem Indischen Ozean und ist von schroffen Bergen, tief eingeschnittenen Tälern und steilen Küstenklippen gekennzeichnet. Diese geologische Struktur führt dazu, dass sich auf relativ kleinem Raum sehr unterschiedliche Landschaftsformen entwickeln konnten. | ||
Ein zentrales Merkmal der Insel sind die tief eingeschnittenen Talkessel, die sogenannten Cirques, die durch vulkanische Aktivität und anschließende Erosion entstanden sind. Diese Täler sind teilweise weit geöffnet und bieten in ihren unteren Bereichen Platz für Siedlungen und landwirtschaftliche Nutzung, während die steilen Hänge oft unzugänglich und dicht bewaldet sind. Dadurch entsteht ein stark gegliedertes Landschaftsbild mit deutlichen Höhen- und Klimastufen. | |||
Die Insel wird häufig als „ein ganzer Kontinent im Kleinen“ beschrieben, da sie eine enorme landschaftliche Vielfalt aufweist. Auf Réunion treffen sehr unterschiedliche Naturformen unmittelbar aufeinander: tropische Regenwälder stehen neben trockenen, fast mondähnlichen Lavafeldern, aktive Vulkane grenzen an erloschene Kraterlandschaften, und schroffe Gebirgskämme wechseln sich mit sanften Hochebenen ab. Diese Vielfalt macht die Insel zu einem der abwechslungsreichsten Naturräume im Indischen Ozean. | |||
Besonders prägend ist der Vulkanismus, der die gesamte Insel geformt hat. Große Teile der Landschaft bestehen aus erstarrten Lavaströmen, zerklüfteten Felsformationen und weiten Lavafeldern, die nach Vulkanausbrüchen entstanden sind. Diese jungen vulkanischen Landschaften verändern sich teilweise noch heute, insbesondere im Bereich des aktiven Piton de la Fournaise, dessen Ausbrüche regelmäßig neue Gesteinsflächen und Landschaftsformen schaffen. | |||
Neben den vulkanischen Strukturen spielen auch Erosionsprozesse eine wichtige Rolle. Über Millionen Jahre haben Wasser, Wind und Vegetation die Insel stark geformt und tiefe Schluchten, steile Bergflanken und markante Felsnadeln geschaffen. Diese Prozesse sind besonders gut in den Hochgebirgsregionen sichtbar, wo die Landschaft stark zerklüftet und schwer zugänglich ist. | |||
Charakteristisch für Réunion sind außerdem zahlreiche Wasserfälle, die sich oft aus großer Höhe über steile Felswände ergießen. Durch die hohen Niederschläge entstehen viele temporäre und permanente Wasserläufe, die das Landschaftsbild zusätzlich prägen. Ebenso finden sich in höheren Lagen gelegentlich kleine Bergseen und Feuchtgebiete, die inmitten der sonst oft steilen und felsigen Umgebung liegen. | |||
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=== '''Flora''' === | === '''Flora''' === | ||
Auf Réunion gibt es sehr unterschiedliche Vegetationszonen, die von tropischen Küstenpflanzen bis hin zu kargen Hochgebirgslandschaften reichen. Insgesamt zählt die Insel zu den botanisch artenreichen Regionen im Indischen Ozean, auch wenn ein Teil der ursprünglichen Vegetation durch Landwirtschaft und menschliche Nutzung verändert wurde. | |||
Auf Réunion kommen das ganze Jahr über zahlreiche blühende Pflanzenarten vor, die der Insel ein dauerhaft grünes und farbenreiches Erscheinungsbild verleihen. Insgesamt werden über 700 Arten von Blütenpflanzen geschätzt, darunter etwa 230 verschiedene Farnarten. Zusätzlich ist die Flora durch eine große Vielfalt an Flechten, Moosen, Algen und Pilzen ergänzt, die besonders in den feuchten Berg- und Waldregionen gedeihen. Neben der ursprünglichen Vegetation finden sich heute auch zahlreiche eingeführte Nutz- und Zierpflanzen, die durch den Menschen eingebracht wurden und sich teilweise stark verbreitet haben. | |||
Typisch für die tropische Pflanzenwelt sind Orchideen, Hibiskus, Jasmin, Oleander, Azaleen, Rhododendren und Hortensien, die in vielen Regionen der Insel vorkommen und häufig auch in Gärten kultiviert werden. Besonders charakteristisch sind außerdem Nutzpflanzen wie Zuckerrohr und Vanille, die seit der Kolonialzeit eine zentrale wirtschaftliche Rolle spielen und bis heute zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produkten von Réunion gehören. Diese Pflanzen prägen nicht nur die Landschaft, sondern auch die wirtschaftliche Struktur der Insel. | |||
In den tieferen Lagen, insbesondere an den Küsten, finden sich zudem charakteristische Baumarten wie Tamarindenwälder, Filao-Bäume sowie große Bambusbestände. Auffällig sind auch sogenannte Flammenbäume, die mit ihren intensiven roten Blüten das Landschaftsbild prägen und häufig als Zierbäume verwendet werden. In den Küstenregionen wurden zudem Vacaobäume angepflanzt, um die Vegetation vor starken Winden und Erosion zu schützen, beispielsweise in Gebieten wie der Anse des Cascades. | |||
In den mittleren Höhenlagen, etwa bis rund 700 Meter, wird die Vegetation stark durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Hier dominieren vor allem Zuckerrohrplantagen sowie der Anbau von Geranien, die teilweise den ursprünglichen Regenwald verdrängt haben. Zwischen etwa 700 und 1300 Metern Höhe entwickelt sich aufgrund der hohen Niederschläge und häufigen Nebelbildung eine besonders dichte und mehrschichtige Vegetation. In Regionen wie dem Forêt de Bébour-Bélouve finden sich üppige Bergregenwälder mit Baumfarnen, Orchideen und zahlreichen weiteren Farnarten, die in mehreren Vegetationsschichten wachsen. | |||
Zur Stabilisierung des Bodens und zum Schutz vor Erosion wurde in diesen Höhenlagen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts auch die japanische Sicheltanne (Cryptomeria) großflächig angepflanzt, beispielsweise in der Region Terre Plate bei Hell-Bourg. Diese eingeführten Baumarten haben die ursprüngliche Vegetation teilweise ersetzt, erfüllen jedoch eine wichtige ökologische Schutzfunktion. | |||
In höheren Lagen, etwa im Bereich des Cirque de Mafate und auf verschiedenen Plateaus, findet man endemische Pflanzenarten wie die sogenannte Höhentamarinde, eine Mimosenart, die bis zu 25 Meter hoch werden kann und gut an die rauen Bedingungen angepasst ist. Diese Vegetation prägt vor allem offene Hochflächen wie die Plaine des Tamarins. | |||
Ab etwa 1600 Metern Höhe, etwa in Regionen wie Coteau Kerveguen bei Cilaos, verändert sich das Landschaftsbild deutlich. Der zuvor dichte Bergregenwald geht in eine deutlich kargere Vegetation über, in der Baumheiden und niedrigwüchsige Pflanzen dominieren. Diese Höhenstufen sind geprägt von kühleren Temperaturen, starken Winden und einer insgesamt raueren Umwelt, die nur spezialisierte Pflanzenarten zulässt. | |||
=== '''Fauna''' === | === '''Fauna''' === | ||
Zu den häufig | Zu den auffälligsten und häufig beobachteten Vögeln gehören der Tec-Tec, ein kleiner endemischer Singvogel, sowie der Cardinal, der durch sein leuchtend rotes Federkleid besonders ins Auge fällt. Der Cardinal ist in vielen Regionen der Insel verbreitet und gilt als einer der farbenprächtigsten Vögel Réunions, weshalb er auch häufig als Fotomotiv dient. Ein weiterer charakteristischer Vogel ist der Paille-en-queue, ein Seevogel mit langen Schwanzfedern, der als Symbol der Insel gilt und häufig an Küstenklippen und über dem offenen Meer zu sehen ist. | ||
Neben den Vögeln sind auch verschiedene Reptilienarten typisch für die Insel. Chamäleons kommen in mehreren Arten vor und gelten als besonders faszinierende Tiere, da sie ihre Farbe wechseln können und perfekt an ihre Umgebung angepasst sind. Ebenso weit verbreitet sind Geckos, die im Alltag der Menschen häufig vorkommen und sich gut an das Leben in menschlichen Siedlungen angepasst haben. Der Endormi Chamäleon ist dabei besonders bekannt und gehört zu den charakteristischen Reptilien der Insel. | |||
Auch Insekten und Spinnentiere spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Die Seidenspinne gehört zu den auffälligeren Arten und wird aufgrund ihrer Größe und Erscheinung von vielen Besuchern als beeindruckend, teilweise auch als furchteinflößend wahrgenommen. Trotz ihrer Größe ist sie für den Menschen ungefährlich und ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Gleichgewichts, da sie zur Kontrolle von Insektenpopulationen beiträgt. | |||
Neben den heimischen und endemischen Arten gibt es auf Réunion auch zahlreiche eingeführte Tiere, die sich im Laufe der Zeit in der Inselnatur etabliert haben. Dazu gehört beispielsweise der Tangue, eine Igelart, die ursprünglich aus Madagaskar stammt und heute in vielen Teilen der Insel vorkommt. Auch der Margouillat ist sehr verbreitet und gehört zu den typischen Tieren im Umfeld menschlicher Siedlungen. | |||
'''Pflanzen-und Tierarten ('''endemisch): | '''Pflanzen-und Tierarten ('''endemisch): | ||
'''Flora''' | |||
* Blütenpflanzen 720 (176) | * Blütenpflanzen 720 (176) | ||
'''Fauna''' | |||
* Fische 251 . | * Fische 251 . | ||
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== '''Naturschutz''' == | == '''Naturschutz''' == | ||
Bis zum Jahr 2007 existierten auf Réunion insgesamt fünf größere Naturschutzgebiete. Diese nahmen zusammen eine Fläche von etwa 226 Quadratkilometern ein, was rund 9,6 Prozent der gesamten Insel entspricht. Diese Schutzgebiete dienten vor allem dem Erhalt der letzten naturnahen Wälder, der Bergregionen sowie empfindlicher Ökosysteme. Mit der Zeit wurde jedoch deutlich, dass ein umfassenderer und besser koordinierter Schutz notwendig war, um die einzigartige Biodiversität der Insel langfristig zu sichern. | |||
Im Jahr 2007 wurde daher der Nationalpark Réunion gegründet, der als neunter Nationalpark Frankreichs gilt. Dieser Park stellte eine bedeutende Weiterentwicklung des Naturschutzes auf der Insel dar, da er große Teile des zentralen und bergigen Inselinneren unter Schutz stellte. Das Kerngebiet des Nationalparks umfasst etwa 40 Prozent der Insel und schützt damit einen außergewöhnlich großen Anteil der natürlichen Landschaft Réunions. | |||
Der Nationalpark wurde insbesondere mit dem Ziel geschaffen, die zahlreichen endemischen Tier- und Pflanzenarten der Insel zu bewahren. Réunion weist im Verhältnis zu seiner Fläche eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt auf. Flächenbereinigt gibt es hier etwa dreimal so viele endemische Arten wie auf Hawaii und sogar fünfmal so viele wie auf den Galápagos-Inseln. Diese hohe Endemismusrate macht die Insel zu einem der wichtigsten Biodiversitäts-Hotspots weltweit. | |||
Im Jahr 2010 wurde der Nationalpark unter dem Titel „Pitons, cirques et remparts de l’île de La Réunion“ in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Diese Auszeichnung würdigt sowohl die außergewöhnliche landschaftliche als auch die ökologische Bedeutung der Insel. Das Welterbe umfasst die markanten vulkanischen Strukturen, die das Landschaftsbild Réunions prägen. | |||
Zum geschützten Gebiet gehören sowohl der erloschene Vulkan Piton des Neiges als auch die drei großen Talkessel, die durch seine geologische Entwicklung entstanden sind: der Cirque de Cilaos, der Cirque de Mafate und der Cirque de Salazie. Diese sogenannten „Cirques“ sind tief eingeschnittene, amphitheaterartige Täler, die durch Erosion und vulkanische Prozesse geformt wurden und heute zu den spektakulärsten Landschaften der Insel gehören. | |||
Ebenso Teil des Nationalparks ist der noch aktive Vulkan Piton de la Fournaise im Südosten der Insel. Er zählt zu den aktivsten Vulkanen der Welt und prägt sowohl die Geologie als auch die Ökosysteme der Region. Seine regelmäßigen Ausbrüche schaffen neue Landschaften und beeinflussen die Vegetation immer wieder neu. | |||
== '''Klima''' == | |||
Das Klima auf Réunion ist insgesamt tropisch und stark vom Meer sowie von der ausgeprägten Reliefstruktur der Insel geprägt. Es handelt sich überwiegend um ein tropisch-sommerfeuchtes Klima, das nach der Köppen-Geiger-Klassifikation größtenteils als Aw eingestuft wird, also als tropisches Savannenklima. Gleichzeitig ist das Klima jedoch nicht einheitlich, sondern durch sehr starke regionale Unterschiede und zahlreiche Mikroklimate gekennzeichnet, die durch die hohen Gebirge und die Passatwinde entstehen. | |||
Die Insel wird klimatisch stark durch die feuchten Südostpassate beeinflusst. Diese treffen vor allem auf die Ostküste und führen dort zu sehr hohen Niederschlagsmengen. Die Westküste liegt dagegen im Regenschatten der zentralen Bergmassive und ist deutlich trockener, teilweise sogar halbtrocken mit steppenähnlichen Bedingungen. Dadurch entstehen auf engstem Raum sehr unterschiedliche Landschafts- und Vegetationszonen, von tropischem Regenwald im Osten bis zu trockeneren Savannen- und Buschlandschaften im Westen. | |||
Réunion gehört weltweit zu den Regionen mit den extremsten Niederschlagsereignissen. Besonders an der Ostküste können durch tropische Zyklone und starke Regenfälle außergewöhnliche Mengen an Niederschlag auftreten. Ein bekanntes Extremereignis wurde am 15. und 16. März 1952 registriert, als innerhalb von 24 Stunden rund 1870 Millimeter Regen fielen. Ein weiteres außergewöhnliches Ereignis trat im Jahr 2007 auf, als innerhalb von drei Tagen etwa 3929 Millimeter Niederschlag gemessen wurden. Diese Werte gehören zu den höchsten jemals auf der Erde gemessenen Regenmengen in diesen Zeiträumen und zeigen die extreme klimatische Dynamik der Insel. Zum Vergleich: Länder wie Österreich erreichen im Durchschnitt etwa 1170 Millimeter Niederschlag pro Jahr, Deutschland sogar nur rund 700 Millimeter. | |||
Trotz dieser extrem hohen Regenmengen ist Réunion nicht dauerhaft bewölkt oder niederschlagsreich. Im Gegenteil: Die Insel weist im Jahresmittel etwa 2000 Sonnenstunden auf, was für eine tropische Insel relativ hoch ist. Die Sonneneinstrahlung ist besonders an der Westküste und in höheren Lagen häufig intensiv, während die Ostseite häufiger von Wolken und Regen geprägt ist. | |||
Die Temperaturen auf Réunion sind ganzjährig warm, unterliegen jedoch ebenfalls regionalen und höhenbedingten Unterschieden. An der Küste liegen die Durchschnittstemperaturen im Südsommer, also zwischen Dezember und März, bei etwa 30 Grad Celsius. Im Südwinter, von Juni bis August, sinken die Werte im Mittel auf etwa 20 Grad Celsius. Die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sind im tropischen Klima relativ gering, wie es für Regionen in Äquatornähe typisch ist. | |||
Zwischen West- und Ostseite der Insel bestehen ebenfalls Temperaturunterschiede. Die Westküste ist im Allgemeinen etwas wärmer und trockener, während die Ostküste durch die feuchteren Luftmassen etwas kühler und niederschlagsreicher ist. Besonders markant sind jedoch die klimatischen Unterschiede zwischen Küste und Bergland. In höheren Lagen sinken die Durchschnittstemperaturen auf etwa 15 Grad Celsius, und in den höchsten Gebirgsregionen kann es in den Wintermonaten, insbesondere im Juli und August, sogar zu leichten Minusgraden und gelegentlichem Schneefall kommen. Gleichzeitig bilden sich dort häufig Nebel- und Wolkenfelder, die die Gipfel oft in dichte Feuchtigkeit hüllen. | |||
Auch die Wassertemperaturen rund um Réunion bleiben ganzjährig angenehm warm und liegen selbst in den kühleren Monaten noch bei etwa 23 bis 24 Grad Celsius. Dadurch ist die Insel grundsätzlich das ganze Jahr über für Bade- und Wassersporttourismus geeignet, auch wenn Zyklonsaisons und starke Regenfälle saisonal Einschränkungen mit sich bringen können. | |||
'''Klimadaten von Saint-André''' (30 m, 1961 bis 1990): | |||
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== '''Mythologie''' == | == '''Mythologie''' == | ||
Eine der bekanntesten Sagen ist die Geschichte von Großmutter Kalle, auf Kreolisch oft als Granmer Kal bezeichnet. Sie wird als alte Hexe oder spirituelle Erscheinung beschrieben, deren Geist nach ihrem Tod weiterhin auf der Insel umhergehen soll. In den Erzählungen gilt sie als unheimliche Figur, die in der Nacht erscheint und düstere Vorzeichen oder Unglück ankündigt. Besonders in ländlichen Regionen wurde die Sage traditionell genutzt, um Kinder zu warnen oder unerklärliche Ereignisse in der Natur zu deuten. | |||
Der | Eine weitere bekannte Legende stammt aus der Region Sainte-Rose und handelt von Monsieur Leroux. Der Überlieferung nach stellte er eine Figur einer Jungfrau mit Sonnenschirm auf seine Felder, um seine Ernte zu schützen. Als der Vulkan Piton de la Fournaise ausbrach und Lavaströme in Richtung seiner Ländereien flossen, soll die Lava angeblich an seiner Grenze gestoppt worden sein. Diese Geschichte wird oft als Beispiel für Glauben an übernatürlichen Schutz und spirituelle Kräfte interpretiert, die mit der Natur in Verbindung stehen. | ||
Der | Auch natürliche Landschaftsformen sind eng mit mythologischen Erzählungen verknüpft. Der Wasserfall „Voile de la Mariée“, was „Brautschleier“ bedeutet, ist eines der bekanntesten Naturdenkmäler der Insel. Der Legende nach geht er auf eine tragische Liebesgeschichte zurück: Ein reicher junger Mann wollte eine arme Frau heiraten, doch ihr Vater verweigerte die Zustimmung. In ihrer Verzweiflung soll die junge Frau in die Berge geflohen sein, woraufhin sie verschwand und sich ihr Schleier in den Wasserfällen der Berge auflöste. Der Wasserfall wird deshalb bis heute als Symbol für unerfüllte Liebe und Tragik betrachtet. | ||
Teil der | Eine besonders dunkle Figur der Inselgeschichte ist Sitarane, ein historischer Verbrecher, der im frühen 20. Jahrhundert auf Réunion lebte. Er war Teil einer kriminellen Gruppe, die für Diebstähle und Morde verantwortlich gemacht wurde. Im Laufe der Zeit wurde seine Figur jedoch stark mythisch überhöht und teilweise mit übernatürlichen Kräften in Verbindung gebracht. In manchen Erzählungen gilt er als Zauberer oder als Person mit okkulten Fähigkeiten. Sein Grab wird von einigen Menschen bis heute mit bestimmten Ritualen verbunden, was zeigt, wie stark sich historische Realität und Mythos miteinander vermischen können. | ||
Auch moderne historische Figuren sind Teil der Erinnerungskultur und Mythologisierung der Insel. Dazu gehört unter anderem Roland Garros, der auf Réunion geboren wurde und als Pionier der Luftfahrt gilt. Obwohl er eine reale historische Person war, hat sich sein Name auf der Insel symbolisch verfestigt. Viele Orte, Einrichtungen und das internationale Tennisturnier in Frankreich tragen seinen Namen, wodurch er in der kollektiven Erinnerung der Insel als eine Art heldenhafte Figur weiterlebt. | |||
== '''Geschichte''' == | == '''Geschichte''' == | ||
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=== '''Frühzeit''' === | === '''Frühzeit''' === | ||
Die Frühzeit von Réunion und der gesamten Maskarenen-Region ist nur lückenhaft überliefert und beruht zu einem großen Teil auf indirekten historischen Hinweisen, arabischen Quellen und späteren europäischen Karten. Sicher ist, dass der Indische Ozean bereits lange vor der europäischen Expansion ein intensiver Handelsraum war, der vor allem von arabischen Seefahrern sowie austronesischen Navigatoren genutzt und kartographisch zumindest teilweise erfasst wurde. Diese frühen Seefahrer verfügten über ausgeprägte Kenntnisse der Monsunwinde, die ihnen regelmäßige und relativ zuverlässige Routen zwischen Ostafrika, der Arabischen Halbinsel, Indien und Südostasien ermöglichten. | |||
Bereits im 10. Jahrhundert sollen die Maskarenen-Inseln, zu denen Réunion, Mauritius und Rodrigues gehören, arabischen Seefahrern bekannt gewesen sein. Réunion wurde dabei vermutlich nur gesichtet oder grob beschrieben, ohne dass es zu einer dauerhaften Besiedlung kam. Mauritius wurde in einigen Überlieferungen als diva harab bezeichnet, was sinngemäß „verlassene Insel“ oder „Wüsteninsel“ bedeutet, während Rodrigues als diva mashriq, also „Ostinsel“, bezeichnet wurde. Diese Namen deuten darauf hin, dass die Inseln zwar bekannt waren, aber offenbar keinen dauerhaften Siedlungscharakter hatten und eher als Orientierungspunkte oder Versorgungsstationen auf langen Seerouten dienten. | |||
Die arabische Seefahrt basierte auf hochentwickelten Schiffstypen, insbesondere den sogenannten Dhaus, die für die Bedingungen des Indischen Ozeans gut geeignet waren. Diese Schiffe konnten den starken Monsunwinden und den saisonal wechselnden Strömungen standhalten und ermöglichten den weitreichenden Handel über große Entfernungen. Vom 7. Jahrhundert an bis in die Zeit der europäischen Entdeckungsfahrten dominierten arabische Händler große Teile des Seehandels im Indischen Ozean. Sie kontrollierten wichtige Handelsrouten, über die Güter wie Seide, Gewürze, Edelsteine und andere wertvolle Waren zwischen Ostafrika, Arabien, Indien und Südostasien transportiert wurden. | |||
Im Zuge dieser Handelsaktivitäten wurden die Inseln des Indischen Ozeans vermutlich gelegentlich entdeckt oder angefahren, möglicherweise auch durch Zufall infolge von Stürmen oder Abweichungen von den regulären Routen. Einige Überlieferungen erwähnen einen arabischen Seefahrer namens Suhliman, der die Inselgruppe als Tirakka bezeichnet haben soll. Ob es sich dabei um eine tatsächliche historische Figur oder um eine spätere Überlieferung handelt, ist nicht eindeutig geklärt, doch solche Berichte zeigen, dass die Inseln in der arabischen Geographie zumindest in Ansätzen bekannt gewesen sein könnten. | |||
Die erste gesicherte Darstellung der Maskarenen in einem europäischen Kontext stammt aus dem Jahr 1502. Auf einer frühen Weltkarte, die auf einer arabischen Vorlage beruhte und von dem Kartografen Alberto Cantino angefertigt wurde, erscheinen die Inseln erstmals in europäischer Überlieferung. In dieser Darstellung wurde Réunion als Dina Margabim bezeichnet, Mauritius als Dina Arobi und Rodrigues als Dina Mozare. Diese Namen gehen wahrscheinlich auf arabische oder arabisch beeinflusste Bezeichnungen zurück und wurden von portugiesischen Kartografen übernommen oder angepasst. | |||
Auch andere portugiesische Kartografen des frühen 16. Jahrhunderts führten die Inseln in ihren Kartenwerken auf und trugen damit zur Verbreitung des Wissens über die Maskarenen in Europa bei. Diese frühen Darstellungen zeigen, dass die Inselgruppe zumindest indirekt bereits vor der eigentlichen europäischen Kolonisierung bekannt war, auch wenn genaue Kenntnisse über ihre Beschaffenheit noch fehlten. | |||
Es gibt zudem Hinweise darauf, dass auch austronesische Seefahrer, insbesondere Malaien, im späten Mittelalter möglicherweise den westlichen Indischen Ozean erreichten. Einige Forscher vermuten, dass sie Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts die Insel Mauritius betreten oder zumindest gesichtet haben könnten. Diese Annahme stützt sich unter anderem auf vereinzelte spätere Funde und indirekte Hinweise, etwa Inschriften oder Berichte europäischer Entdecker. Gesicherte archäologische Belege für eine dauerhafte Präsenz fehlen jedoch. | |||
=== '''Europäische Kontaktzeit''' === | === '''Europäische Kontaktzeit''' === | ||
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=== '''Restaurationszeit''' === | === '''Restaurationszeit''' === | ||
In der | In der Zeit der Restauration nach 1815 kehrte die Dynastie der Bourbonen in Frankreich an die Macht zurück. Obwohl der Wiener Kongress 1815 den Sklavenhandel formal verboten hatte, wurde dieser auf den französischen Inseln im Indischen Ozean zunächst weiterhin inoffiziell toleriert. Zwischen 1817 und 1831 wurden auf die Île Bourbon noch mehr als 45.000 versklavte Menschen gebracht. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass wirtschaftliche Interessen der Plantagenbesitzer zunächst stärker wogen als internationale Verbote. Die Sklavenarbeit bildete weiterhin das Fundament der Zuckerrohrwirtschaft, die das wirtschaftliche Rückgrat der Insel darstellte. | ||
Die politische Entwicklung in Frankreich hatte jedoch direkte Auswirkungen auf die Kolonie. Nach der Julirevolution von 1830 und der Errichtung der Julimonarchie verschärfte sich die Haltung gegenüber dem Sklavenhandel. Dieser wurde nun energischer bekämpft, auch wenn die vollständige Abschaffung der Sklaverei noch nicht sofort umgesetzt wurde. Erste Reformen zielten darauf ab, die Lebensbedingungen der versklavten Bevölkerung zu verbessern und den rechtlichen Rahmen zu verändern. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung waren die sogenannten Mackau-Gesetze von 1845, die den Sklaven gewisse Rechte einräumten und ihre Situation zumindest teilweise verbesserten. Diese Maßnahmen stellten jedoch noch keine vollständige Emanzipation dar, sondern eher eine vorsichtige Reform innerhalb des bestehenden Systems. | |||
Am 9. Juni 1848 | Neben der Sklavenfrage war die Restaurationszeit auch von Naturkatastrophen, wirtschaftlichen Entwicklungen und institutionellen Veränderungen geprägt. Im Jahr 1820 wurde die Insel von einer Choleraepidemie heimgesucht, die große Auswirkungen auf die Bevölkerung hatte und die ohnehin schwierigen Lebensbedingungen weiter verschärfte. Neun Jahre später, 1829, richtete ein schwerer Wirbelsturm erhebliche Schäden an und zerstörte Teile der Infrastruktur sowie landwirtschaftliche Flächen. Solche Naturereignisse waren für die Inselwirtschaft besonders belastend, da sie stark von der Landwirtschaft abhängig war. | ||
Trotz dieser Krisen begann sich die koloniale Verwaltung langsam zu modernisieren. Im Jahr 1831 wurde eine Handelskammer gegründet, die die wirtschaftlichen Interessen der Plantagenbesitzer und Händler organisierte und vertrat. Ein Jahr später, 1832, wurde erstmals ein Generalrat gewählt, was einen ersten Schritt in Richtung institutioneller Mitbestimmung innerhalb der Kolonie darstellte, auch wenn diese noch stark eingeschränkt war und vor allem der kolonialen Elite zugutekam. | |||
Ein bedeutender wirtschaftlicher Fortschritt dieser Zeit war die Entwicklung des Vanilleanbaus. Um 1840 gelang die künstliche Befruchtung von Vanillepflanzen, was den Anbau dieser wertvollen Gewürzpflanze revolutionierte. Dadurch konnte sich die Produktion stark ausweiten, und die sogenannte „Bourbon-Vanille“ entwickelte sich zu einem weltweit gefragten Exportprodukt. Dieser wirtschaftliche Erfolg trug wesentlich zur weiteren Integration der Insel in den globalen Handel bei und stärkte die Bedeutung der Landwirtschaft über den Zucker hinaus. | |||
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung der Insel deutlich an und erreichte bis 1848 etwa 103.490 Einwohner. Diese Zahl umfasst sowohl freie Siedler als auch eine große Zahl versklavter Menschen, die weiterhin unter schwierigen Bedingungen in der Plantagenwirtschaft arbeiteten. | |||
Das Jahr 1848 markierte schließlich einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Insel. Am 9. Juni 1848 wurde in Frankreich die Republik ausgerufen, was auch direkte Auswirkungen auf die Kolonien hatte. In diesem Zusammenhang erhielt die Insel am 9. Juli offiziell wieder den Namen Réunion, um ihre Zugehörigkeit zur französischen Nation zu betonen. Dieser Namenswechsel symbolisierte eine neue politische Epoche und die Abkehr von der monarchischen Vergangenheit. | |||
Bereits am 27. April 1848 war die Emanzipation der Sklaven verkündet worden, doch die vollständige Umsetzung dauerte noch einige Monate. Erst am 20. Dezember 1848 wurde die Abschaffung der Sklaverei auf der Insel endgültig vollzogen. Der französische Kommissar Joseph Napoléon Sébastien Sarda Garriga proklamierte die Freiheit von rund 60.000 versklavten Menschen. Damit endete ein zentrales Kapitel der kolonialen Geschichte der Insel, auch wenn die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Sklaverei noch lange nachwirkten. | |||
=== '''Zeit der Sklavenbefreiung''' === | === '''Zeit der Sklavenbefreiung''' === | ||
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=== '''Weltkriegszeit''' === | === '''Weltkriegszeit''' === | ||
1914 kam es | Im Jahr 1914 kam es auf Réunion im Zusammenhang mit Wahlen zur französischen Nationalversammlung zu schweren Unruhen. Diese Konflikte hatten sowohl politische als auch soziale Ursachen und spiegelten die Spannungen innerhalb der kolonialen Gesellschaft wider. Die Auseinandersetzungen eskalierten derart, dass es zu gewaltsamen Zusammenstößen kam, bei denen 14 Menschen starben und etwa 300 Personen verletzt wurden. Diese Ereignisse zeigen, dass politische Partizipation in der Kolonie von erheblichen sozialen Spannungen begleitet war. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verschärfte sich die Situation zusätzlich, da nun erneut Männer aus der Kolonie nach Europa entsandt wurden, um im französischen Militärdienst zu kämpfen. Viele sogenannte „Kreolen“ wurden in den Krieg eingezogen oder als Arbeitskräfte in den Kriegsgebieten eingesetzt, was tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft der Insel hatte. | ||
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann eine Phase wirtschaftlicher Erholung und erneuter Integration in die französische Handelswirtschaft. Die Exporte von Réunion nach Europa nahmen wieder deutlich zu. Die Insel blieb stark auf landwirtschaftliche Produkte spezialisiert, die für den Export bestimmt waren. Im Jahr 1923 umfasste das Exportportfolio eine breite Palette an Gütern, darunter Zucker, Vanille, Maniok, Rosengeranienöl, Ylang-Ylang-Öl, Vetiver, Kaffee, Kakao, Tee, Tabak sowie verschiedene Nüsse, Aloe, Mais, Obst und Gemüse. Diese Vielfalt zeigt, dass Réunion trotz seiner kolonialen Struktur eine relativ breit aufgestellte Agrarproduktion besaß, auch wenn Zucker weiterhin das wichtigste Exportgut blieb. | |||
In den 1920er Jahren verbesserten sich zudem die Verkehrs- und Handelsverbindungen zwischen der Insel und dem französischen Mutterland. Ein bedeutender Schritt war die Einrichtung einer regelmäßigen Passagierschifffahrtslinie zwischen Marseille und dem Hafen von Le Port im Jahr 1925. Diese Verbindung erleichterte den Personen- und Warenverkehr erheblich und stärkte die wirtschaftliche und administrative Anbindung an Frankreich. Gleichzeitig förderte sie die Mobilität einzelner Bevölkerungsgruppen, insbesondere von Verwaltungsbeamten, Händlern und Arbeitern. | |||
Auch im Bereich der Kommunikation und Infrastruktur kam es zu wichtigen Entwicklungen. Im Dezember 1936 wurde erstmals Post auf dem Luftweg zwischen dem Flughafen Le Bourget in Frankreich und dem Flughafen Gillot bei Saint-Denis auf Réunion transportiert. Dieser Flugpostverkehr markierte einen bedeutenden Fortschritt in der Anbindung der Insel an das europäische Festland und verkürzte die Kommunikationszeiten erheblich. Damit begann langsam der Übergang von einer ausschließlich maritimen Verbindung zu modernen Luftverkehrsstrukturen. | |||
Die Zeit des Zweiten Weltkriegs brachte für Réunion erneut große Herausforderungen. Die Insel blieb zwar geografisch weit vom Kriegsschauplatz entfernt, war jedoch politisch stark betroffen. Nach der Niederlage Frankreichs im Jahr 1940 unterstand Réunion dem Vichy-Regime, das die Kontrolle über viele Kolonien ausübte. Diese Phase war geprägt von wirtschaftlichen Engpässen, Versorgungsproblemen und politischer Unsicherheit. Die Handelsverbindungen nach Europa wurden stark eingeschränkt, was zu Versorgungsengpässen auf der Insel führte. Gleichzeitig kam es zu politischen Spannungen zwischen Anhängern des Vichy-Regimes und jenen, die sich der „Freien Frankreich“-Bewegung von Charles de Gaulle verbunden fühlten. | |||
Gegen Ende des Krieges wurde Réunion schließlich wieder enger in die Strukturen des freien Frankreich eingebunden. 1942 übernahmen Kräfte der „Freien Franzosen“ die Kontrolle über die Insel, wodurch sie sich wieder auf die Seite der Alliierten stellte. Dies führte zu einer schrittweisen Stabilisierung der politischen Lage bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. | |||
=== '''Moderne Ära''' === | === '''Moderne Ära''' === | ||
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=== '''Legislative und Exekutive''' === | === '''Legislative und Exekutive''' === | ||
Die politische und administrative Struktur von Réunion ist eng an das französische Staats- und Verwaltungssystem angelehnt, da die Insel ein sogenanntes Übersee-Département und gleichzeitig eine Region Frankreichs ist. Dadurch gilt dort grundsätzlich das gleiche institutionelle Modell wie im europäischen Frankreich, allerdings mit einigen Besonderheiten, die aus der Insellage und den spezifischen lokalen Anforderungen resultieren. | |||
Der | Das Département und die Region von Réunion sind territorial identisch, das heißt, sie umfassen exakt dasselbe geografische Gebiet. Trotz dieser räumlichen Übereinstimmung bestehen jedoch zwei getrennte Selbstverwaltungsstrukturen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Einerseits gibt es den Generalrat des Départements, der heute als Départementalrat bezeichnet wird, und andererseits den Regionalrat. Beide Organe sind eigenständig und verfügen jeweils über klar definierte Kompetenzen, die im französischen Verwaltungsrecht zwischen Département- und Regionalebene aufgeteilt sind. | ||
Der Départementalrat ist vor allem für Aufgaben zuständig, die sich auf die soziale und lokale Verwaltung beziehen. Dazu gehören unter anderem soziale Hilfen, die Verwaltung von bestimmten Infrastrukturen auf lokaler Ebene sowie Maßnahmen im Bereich der Grundversorgung und des täglichen öffentlichen Lebens. Diese Ebene ist stärker auf unmittelbare Bürgernähe und soziale Aufgaben ausgerichtet. | |||
Der Regionalrat von Conseil Régional de La Réunion hingegen übernimmt die übergeordnete Planung und Entwicklung der Insel. Er verfügt über regierungsähnliche Kompetenzen für alle Angelegenheiten, die die gesamte Insel betreffen, insbesondere in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Regionalplanung, Infrastrukturentwicklung, Bildung und nachhaltige Entwicklung. Damit ist er maßgeblich für die strategische Ausrichtung der Insel verantwortlich. | |||
Die Besonderheit dieses Systems liegt darin, dass zwei Institutionen parallel existieren, obwohl sie denselben territorialen Raum verwalten. Dies führt dazu, dass administrative Aufgaben klar zwischen lokaler Sozialverwaltung und regionaler Entwicklungsplanung getrennt sind, aber dennoch eng miteinander abgestimmt werden müssen. | |||
=== '''Inseloberhaupt''' === | === '''Inseloberhaupt''' === | ||
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* '''UPF''' = Union pour France (Union for France / Union für Frankreich) | * '''UPF''' = Union pour France (Union for France / Union für Frankreich) | ||
Auf Réunion gilt das französische (Mehrheits-)Wahlrecht für alle Bürger über 18 Jahren. | |||
=== '''Justizwesen und Kriminalität''' === | |||
Das Justizwesen auf Réunion ist vollständig in das französische Rechtssystem eingebunden, da die Insel als Übersee-Département ein integraler Bestandteil der Französischen Republik ist. Das bedeutet, dass dort exakt die gleichen Gesetze gelten wie im europäischen Frankreich und auch die gleiche gerichtliche Struktur vorhanden ist. Es gibt keine eigenständige Rechtsordnung, sondern eine vollständige Anwendung des französischen Zivil-, Straf- und Verwaltungsrechts. | |||
Die Justizbehörden auf Réunion umfassen Gerichte aller üblichen Instanzen, darunter Amts- und Landgerichte sowie höhere Gerichtsinstanzen, die für Berufungsverfahren zuständig sind. Ebenso existieren Staatsanwaltschaften, die für die strafrechtliche Verfolgung verantwortlich sind. Diese Institutionen arbeiten nach denselben gesetzlichen Grundlagen und Verfahrensregeln wie im Mutterland Frankreich. | |||
Auch die Polizei ist Teil des französischen staatlichen Sicherheitsapparats. Auf der Insel sind sowohl die nationale Polizei als auch die Gendarmerie vertreten, die gemeinsam für öffentliche Sicherheit, Strafverfolgung und Ordnung sorgen. Damit ist gewährleistet, dass das staatliche Gewaltmonopol einheitlich nach französischem Recht ausgeübt wird. | |||
Die Gerichts- und Verwaltungsgebäude auf der Insel sind modern ausgestattet und in die lokale städtische Struktur eingebunden. Sie spiegeln die französische Verwaltungsarchitektur wider, berücksichtigen jedoch teilweise auch kreolische und tropische Gestaltungselemente, die sich an das Klima und die kulturelle Umgebung der Insel anpassen. | |||
Réunion | Die gesellschaftliche Situation auf Réunion ist jedoch von bestimmten sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt, die auch Auswirkungen auf das soziale Gefüge und indirekt auf die Kriminalitätslage haben. Die Wirtschaft der Insel ist stark vom öffentlichen Dienst abhängig, insbesondere von Beamten, die im Durchschnitt deutlich höhere Einkommen erzielen als große Teile der übrigen Bevölkerung. Diese Einkommensunterschiede führen teilweise zu sozialen Spannungen und einer relativ hohen Lebenshaltungskostenstruktur. | ||
Im Bereich der Kriminalität weist Réunion typische Probleme einer modernen, dicht besiedelten Inselgesellschaft auf. Dazu gehören insbesondere Eigentumsdelikte wie Diebstahl, gelegentlich auch Drogenhandel sowie vereinzelt gewalttätige Vorfälle. Diese Erscheinungen sind jedoch nicht außergewöhnlich hoch im Vergleich zu anderen französischen Überseegebieten und bewegen sich insgesamt im Rahmen ähnlicher Regionen innerhalb Frankreichs. | |||
=== '''Militär''' === | === '''Militär''' === | ||
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=== '''Flagge und Wappen''' === | === '''Flagge und Wappen''' === | ||
Der Generalrat des Départements | Der Generalrat des Départements (heute Départementalrat) verwendet ein eigenes Logo, das auf einer weißen Flagge dargestellt wird. Dieses besteht aus einem weißen „R“ auf einem vielfarbigen Rechteck. Unter diesem Symbol befindet sich je nach Variante entweder der Schriftzug „Conseil de la Réunion“ oder „Département de la Réunion“ in blauer Schrift. Diese Gestaltung betont vor allem die institutionelle Identität der lokalen Verwaltungsebene innerhalb des französischen Systems. | ||
Seit 1982 besitzt Réunion zusätzlich den Status einer französischen Überseeregion. Der Regionalrat verwendet hierfür eine eigene Regionalflagge, die ebenfalls auf weißem Hintergrund basiert. Zentrales Element ist ein Logo, das eine stilisierte Sonne zeigt, die über einer blau schraffierten Darstellung der Insel aufgeht. Unter diesem Symbol steht in der Regel der Name der Region in schwarzer Schrift. In einigen Varianten wird zusätzlich der Slogan „Valorisons nos atouts“ in blauer Schrift verwendet, was auf die Bedeutung der eigenen regionalen Ressourcen und Stärken hinweist. | |||
Neben diesen modernen Verwaltungsflaggen existiert auch ein offizielles Wappen der Insel, das 1925 eingeführt wurde. Dieses Wappen ist ein gevierter Schild, der verschiedene historische und geografische Elemente von Réunion symbolisch vereint. Im Wappen sind unter anderem Berge dargestellt, darunter der höchste Gipfel der Insel, der Piton des Neiges, der die vulkanische Entstehung und das gebirgige Relief der Insel repräsentiert. Ein weiteres Feld zeigt ein historisches Schiff, das auf die maritime Entdeckung und Kolonialgeschichte verweist. | |||
Zusätzlich enthält das Wappen drei goldene Lilien, die auf die französische Monarchie der Bourbonen-Dynastie hinweisen und den historischen Namen Île Bourbon symbolisieren. Goldene Bienen stehen für Napoleon Bonaparte und seine Herrschaftszeit, während ein Herzschild die französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot mit den Buchstaben „RF“ für République française zeigt. Diese Kombination verdeutlicht die enge politische Verbindung zur französischen Republik. | |||
Das Motto des Wappens lautet „Florebo quocumque ferar“, was übersetzt „Ich werde blühen, wohin man mich auch bringt“ bedeutet. Dieser Leitspruch wird oft als Ausdruck der Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft der Inselgesellschaft interpretiert und verbindet koloniale Geschichte mit einem identitätsstiftenden Selbstverständnis. | |||
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=== '''Hauptstadt''' === | === '''Hauptstadt''' === | ||
Die Hauptstadt- und Verwaltungsentwicklung von Réunion ist eng mit der frühen Kolonialgeschichte der Insel verbunden und zeigt, wie sich politische und wirtschaftliche Zentren im Laufe der Zeit verschoben haben. Die ersten französischen Ansiedlungen und die spätere Entwicklung der wichtigsten Städte stehen dabei in direktem Zusammenhang mit der strategischen Nutzung der Küstenregionen. | |||
Die erste bedeutende Siedlung entstand im Bereich der heutigen Gemeinde '''Saint-Paul'''. An der dortigen Bucht gingen die Franzosen am 29. Juni 1642 im Zuge der zweiten Inbesitznahme der Maskarenen erstmals an Land. Diese Region gilt daher als älteste dauerhaft besiedelte Zone der Insel. Saint-Paul entwickelte sich in der frühen Kolonialzeit schnell zum wichtigsten Verwaltungs- und Handelszentrum und war zunächst der erste Hauptort von Réunion. | |||
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts verlagerte sich jedoch das politische und wirtschaftliche Zentrum der Insel zunehmend. Im Jahr 1669 wurde die spätere Hauptstadt Saint-Denis von Étienne Régnault gegründet. Aufgrund ihrer günstigeren Lage im Norden der Insel, insbesondere in Bezug auf Schifffahrtsrouten und Verwaltung, gewann die Stadt im Verlauf des 18. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung. | |||
Schließlich wurde '''Saint-Denis''' im Jahr 1738 offiziell zur neuen Hauptstadt der Insel erklärt und löste damit Saint-Paul als administratives Zentrum ab. Seit dieser Zeit ist Saint-Denis das politische und administrative Herz von Réunion geblieben. Die Stadt entwickelte sich kontinuierlich weiter und ist bis heute Sitz der wichtigsten Regierungs- und Verwaltungsinstitutionen der Insel sowie der Präfektur des französischen Staates vor Ort. | |||
Saint-Denis erfüllt damit die Funktion einer Hauptstadt im klassischen Sinn: Sie ist das Zentrum der regionalen Verwaltung, der politischen Entscheidungsstrukturen und vieler wirtschaftlicher und kultureller Einrichtungen. Gleichzeitig bleibt Saint-Paul als historische Ursprungsregion der Besiedlung ein wichtiger Ort mit hoher symbolischer Bedeutung für die frühe Kolonialgeschichte. | |||
=== '''Verwaltungsgliederung''' === | === '''Verwaltungsgliederung''' === | ||
Version vom 18. Juni 2026, 19:44 Uhr
Die Insel Réunion ist nebst einigen kleineren unbewohnten Eilanden der letzte Rest des einst weitreichenden französischen Territoriums im Indischen Ozean. Beherrscht von einem mächtigen Vulkan ist das Gebiet ein Ausleger französischer Kultur und Lebensart auf der Südhalbkugel der Erde.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | La Réunion |
| alternative Bezeichnungen | Diva maghrebin (14. Jahrhundert), Diva Morgabine (1502), Santa Appollonia (1507), Ilha Mascarenha, Île Mascareigne (16. Jahrhundeert), Île Bourbon (1642), Île de la Réunion (1793), Île Bonaparte (1806) |
| Kategorie | Meeresinsel |
| Inseltyp | echte Insel |
| Inselart | vulkanische Insel |
| Gewässer | Indischer Ozean (Océan Indien) |
| Inselgruppe | Réunion (La Réunion) |
| politische Zugehörigkeit | Staat: Frankreich (République française) Department: Überseegebiet Réunion (Département et région d’outre-mer de La Réunion) |
| Gliederung | 5 arrondissements (Kreise) 24 communes (Gemeinden) 25 cantons (Kantone) |
| Status | Überseegebiet (région d'outre mer) |
| Koordinaten | 21°05’ S, 55°31’ O |
| Entfernung zur nächsten Insel | 40 m (Petite Île), 171,3 km (Mauritius) |
| Entfernung zum Festland | 1663 km (Clajulo / Mosambik) |
| Fläche | 2.503,74 km² / 966,69 mi² |
| geschütztes Gebiet | 226 km² / 87,3 mi² (9,6 %) |
| maximale Länge | 57,9 km (N-S) |
| maximale Breite | 57,7 km (W-O) |
| Küstenlänge | 207 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Indischer Ozean) |
| höchste Stelle | 3069 m (Piton des Neiges) |
| relative Höhe | 3069 m |
| mittlere Höhe | 532 m |
| maximaler Tidenhub | 0,4 bis 0,9 m (Pointe des Galets 0,77 m) |
| Zeitzone | HM (Heure de Maurice / Mauritius Time / Mauritius-Zeit, UTC+4) |
| Realzeit | UTC plus 3 Stunden 41 bis 43 Minuten |
| Einwohnerzahl | 878.491 (2024) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 350,91 |
| Inselzentrum | Saint-Denis |
Name
Die Araber nannten die Insel Diva maghrebin, zu deutsch „Westinsel“. Unter dem davon abgeleiteten Namen Diva Morgabine ist sie erstmals auf einer Seekarte aus dem Jahr 1502 verzeichnet. 1507 nannten die vorbeisegelenden Portugiesen sie Santa Appollonia nach der heiligen Apollonia, die der Legende zufolge im 3. Jahrhundert in Ägypten vom aufgebrachten heidnischen Mob gelyncht wurde. Möglicherweise hatte einer der Sichtenden Zahnschmerzen, denn die Anrufung besagter Heiliger soll in solchen Fällen Wunder tun.
Danach hieß die Insel lange Zeit über Île Mascreigne, die lautlich angepasste Form des portugiesischen Ilha Mascarenha zu Ehren des portugiesischen Seefahrer Pedro Mascarenas (1484 bis 1555), der die Insel im Jahr 1512 für die Europäer entdeckte. 1642 wurde sie zu Ehren des französischen Herrscherhauses Île Bourbon, „Insel der Bourbonen“, genannt. Dieser Name wurde mit der Französischen Revolution natürlich obsolet. Und so änderte sich die Inselbezeichnung zwischen 1793 und 1848 recht häufig. Am 19. März 1793 erhielt die Insel zum ersten Mal ihren heutigen Namen: Île de la Réunion, was in etwa „Insel der Zusammenkunft“ bedeutet.
Wahrscheinlich wurde sie in Anlehnung an die 1789 während der französischen Revolution stattfindende Generalversammlung (Etats Généraux) so genannt, auf der die Abschaffung der Privilegien für den Adel und den Klerus beschlossen wurde. Eine andere mögliche Erklärung leitet sich aus einer weiteren Bedeutung des Worts réunion ab. Neben „Vereinigung“ steht es auch für „Treffen“, ein vom damaligen französischen Kolonieminister Gaspar Monge vorgeschlagenes „Modewort“ jener Zeit, da erst durch die Revolution die allgemeine Versammlungsfreiheit erlaubt wurde. Die Insel könnte ihren Namen auch der Vereinigung (réunion) der Revolutionäre aus Marseille und der Nationalgarden beim Sturm auf die Tuilerien am 10. August 1792, mit dem König Ludwig XVI. vom Thron verjagt wurde, verdanken.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, konkret ab 15. August 1806, hieß sie für kurze Zeit zu Ehren des französischen „Kaisers“ Ile Bonaparte, danach ab 7. August 1810 wieder Ile Bourbon, ehe sie am 6. September 1848 ihren endgültigen Namen Île de la Réunion mit der Kurzform La Réunion, gesprochen [laʀey’njɔ̃], oder noch kürzer Réunion, erhielt.

- abchasisch: Реюнион [Reyunion]
- afrikaans: Reunion
- akan: Reyuniɔn
- albanisch: Reunion
- altaisch: Реюнoн [Reyunon]
- amharisch: ሪዩኒዮን [Riyuniyon]
- arabisch: روينيون [al-Ğasira al-Rejunio], ريونيون [Riūniyūn]
- aragonesisch: A Reunión
- armenisch: Ռեյունիոն [Reyunion]
- aromunisch: Reunion
- aserbaidschanisch: Reünion
- assamesisch: ৰিউনিওন [Ri‘uniyon]
- asturisch: La Reunión
- aymara: Reunion
- bambara: Reyuɲɔŋ
- baschkirisch: Реюнион [Reyunion]
- baskisch: Reunion
- bengalisch: রিউনিয়ন [Ri‘uniyan]
- bhutanisch: རེ་ཡུ་ནིཡོན་ [Reyu-ni-yon]
- biharisch: रीयूनियन [Riyūniyan]
- birmanisch: ရကျူနီယွန်း [ra-kyu-ni-yun]
- bislama: Reunion
- bosnisch: Реинион [Reinion]
- bretonisch: Reunion
- bulgarisch: Реюнион [Reyunnon]
- burjatisch: Реюнион [Rejunion]
- cebuano: Reunion
- chakassisch: Реюнoн [Reyunon]
- chavakano: Reunion
- cherokee. ᎵᏳᏂᏲᏂ [Liyuniyoni]
- chinesisch: 留尼旺岛 [Liúníwàng dǎo]
- dänisch: Reunion
- dari: رئونیون [Riūniyūn]
- deutsch: Reunion
- dine: Riyuniyon
- englisch: Reunion
- esperanto: Reunio
- estnisch: Reunion
- ewe: Reunion nutome
- färingisch: Reunion
- fidschianisch: Riyunion
- finnisch: Reunion
- franko-provenzalisch: Réunion
- französisch: La Réunion
- friesisch: Reunion
- friulanisch: Reunion
- ful: Rewiñoo
- gagausisch: Reunyon, Reunion
- galizisch: Reunión
- ganda: Leyunyoni
- gälisch: Reunion
- georgisch: რეიუნიონი [Reyunioni]
- griechisch: Ρεϋνιόν [Reúnión], Ρεουνιόν [Reounión]
- grönländisch: Reunion
- guarani: Reunion
- gudscheratisch: રીયૂનિયન [Riyūniyan]
- guyanisch: Réunió
- haitianisch: Réunió
- hakka: Liúníwàng
- hausa: Rawuniyan
- hawaiianisch: Leyunioni, Leiunioni
- hebräisch: ראוניון [Reyunion Iyim], ראוניון [Raoniyon]
- hindi: रीयूनियन [Riyūniyan]
- ido: Reunion
- igbo: Reunio
- ilokano: Reunion
- indonesisch: Reunion
- interlingua: Reunion
- irisch: Rhiunioin
- isländisch: Reunion
- italienisch: Isola della Riunione, Reunion
- jakutisch: ᕒᕐᕀᓇᕘᓐ [Rəriinavun]
- jamaikanisch: Riunyon
- japanisch: レユニオン [Reyunion]
- jerseyanisch: Réunion
- jiddisch: רעוניון [Reunion]
- kabardisch: Реюнoн [Reyunon]
- kabylisch: Rewinyon
- kalmükisch: Рейюнион [Rejyunion]
- kambodschanisch: រ៉េយូនីយ៉ុង [Reyouniyong]
- kanaresisch: ರೀಯುನಿಯನ್ [Riyuniyan]
- karakalpakisch: Реюнoн [Reyunon]
- karatschai-balkarisch: Реюнoн [Reyunon]
- karelisch: Peyниoн [Reunion]
- kasachisch: Реюнион [Reyunion]
- kaschubisch: Reunion
- katalanisch: Illa de la Reunió
- kikuyu: Riyunioni
- kirgisisch: Реюнoн [Reyunon]
- komi: Реюнoн [Reyunon]
- koreanisch: 레위니옹 [Rewiniong)]
- kornisch: Ynys Reunion
- korsisch: Reunion, Riunione
- krimtatarisch: Peyниoн [Reunion]
- kroatisch: Reunion
- kumükisch: Реюнoн [Reyunon]
- kurdisch: Rejunió
- ladinisch: Reunion
- ladino: רעוניון [Reunion]
- laotisch: ເຣືອນີອງ [Rueanion]
- lateinisch: Reunio
- lettisch: Reinjona
- letzeburgisch: Reunion
- lingala: Lenyo
- litauisch: Reunjonas, Reunionas
- livisch: Reunion
- luba-katanga: Lenyo
- madegassisch: Larenion
- makedonisch: Peyниoн [Reunion]
- malaisch: Reunion
- malayalam: റിയൂണ്യൻ [Riyūṇyan]
- maldivisch: ރީޔުން [Riyun]
- maltesisch: Reunion
- manx: Ellan Aachruinnaght
- maori: Riuniona
- marathisch: रीयुनियन [Riyuniyan]
- mari: Рейюнион [Rejyunion]
- maurizisch: La Réyinyon
- mindeng: Lí-ū-ni-ung
- mingrelisch: რეუნიონი“ [Reunion]
- minnan: Lí-ū-ni-ông
- mirandesisch: Reunión
- moldawisch: Peyниoн [Reunion]
- mongolisch: Рейунион [Reyunion]
- mordwinisch: Реюнион [Rejunion]
- nahuatl: Reunion
- nauruanisch: Reunion
- nepalesisch: रियुनियन [Riyuniyan]
- niederländisch: Reunion
- norwegisch: Reunion
- okzitanisch: Reünion
- olonetzisch: Reunion
- orissisch: ରେୟୁନିଅନ୍ [Reyunian]
- oromo: Reeuniyuu
- ossetisch: Реюнoн [Rejunon]
- pampangan: Reunion
- pandschabisch: ਰਿਯੂਨਿਅਨ [Riyūni'an]
- panganisan: Reunion
- papiamentu: Reunio
- paschtunisch: ریونین [Reunion]
- persisch: رئونیون [Reunion], رئونیون [Riūniyūn]
- piemontesisch: Reunion
- pitkernisch: Reunion Ailen
- plattdeutsch: Reunion
- polnisch: Wyspa Reunion
- portugiesisch: Reunião
- quetschua: Reunion
- rätoromanisch: Réunion
- romani: Reunion
- rumänisch: Reunion
- rundi-rwandesisch: Reyiniyo
- russisch: Реюньóн [Reyun’ón]
- ruthenisch: Реюнioн [Reyunion]
- samisch: Reunion
- samoanisch: Leunion
- sardisch: Reunion
- saterfriesisch: Reunion
- schlesisch: Reunion
- schottisch: Reunion
- schwedisch: Reunion
- schweizerdeutsch: Reunion
- serbisch: Реинион [Reinion]
- seschellisch: Reunio
- sindhi: ری یونین [Ree Union]
- singhalesisch: රියුනියන් [Riyuniyan]
- sizilianisch: Isula della Riuniune
- slovio: Reunionju Ostrovis
- slowakisch: Reunion
- slowenisch: Reunion
- somalisch: Reunio
- sorbisch: Reunion
- spanisch: La Reunión
- sudovisch: Reunion
- sundanesisch: Reunion
- swahili: Reunio
- syrisch: ܪܹܘܢܝܽܘܢ [Reunion]
- tadschikisch: Реюнoн [Rejunon]
- tagalog: Reunion
- tahitianisch: Reuniona
- tamilisch: ரியுனியன் [Riyuniyan]
- tatarisch: Реюнoн [Rejunon]
- telugu: రియూనియన్ [Riyūniyan]
- thai: เรอูนียง [Reuniyong]
- tibetisch: རི་ཡུ་ནིཡོན་ [Ri-yu-ni-yon]
- tigrinisch: ሪዩኒዮን [Riyuniyon]
- tok pisin: Reunion
- tonganisch: Li’iunioni, Le’unioni, Re‘unioni
- tschechisch: Reunion
- turkmenisch: Реюнoн [Reyunon]
- tuwinisch: Реюнoн [Rejunon]
- türkisch: Reunion
- udmurtisch: Реюнoн [Reyunon]
- uigurisch:
- ukrainisch: Pеюнioн [Reyunion]
- ungarisch: Reunion
- urdu: ری یونین [Ree Union]
- usbekisch: Реюнoн [Rejunon]
- venezianisch:
- vietnamesisch: Đảo Réunion
- visayan: Réunion
- volapük: Reuneän
- walisisch: reunion
- wallonisch: Réunion
- weißrussisch: Реюньoн [Reyun’on]
- wolof: Reunio
- yoruba: Orílẹ́ède Riuniyan
- zhuang: Léiz Yenh Bwngz
- zulu: iReunion
Offizieller Name: Île de la Réunion bzw. Département et région d’outre-mer de La Réunion
- Bezeichnung der Bewohner: Réunioniens (Reunioner)
- adjektivisch: réunionien (reunionisch)
Kürzel:
- Code: RE / REU
- Deutsch: REU
- Alternativ: RUN
- Sport: REU (inoffiziell)
- Kfz: -
- FIPS-Code: RE
- ISO-Code: RE, REU, 638
- Internet: .re
Lage
Réunion ist die westlichste der Maskarenen-Inseln östlich von Madagaskar im Südwesten des Indischen Ozeans. Sie liegt auf durchschnittlich 21°05’ s.B. und 55°31’ ö.L. und befindet sich damit auf der gleichen geografischen Breite wie Australien zwischen Barrow Island in West-Australien und Proserpine in Queensland, Koumac im Norden Neukaledoniens, die Insel Ouvéa, der Süden Tongas, die Île du Duc de Gloucester im Tuamotu-Archipel, Nor-Chile, der äußerste Süden Boliviens, der Norden Paraguays, Campo Grande und Vitoria in Brasilien, Kalkfeld im nördlichen Zentrum Namibias, Zentral-Botswana mit Francistown, der Süden Simbabwes, Chingune im südlich-zentralen Mosambik sowie Ambositra im südlichen Zentrum Madagaskars. Réunion liegt etwas mehr als 700 km östlich von Madagaskar.

Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 20°48’40“ s.B. (Saint-Denis)
- südlichster Punkt: 21°22’36“ s.B (Pointe de Langevin)
- östlichster Punkt: 55°50’34“ ö.L. (Pointe des Cascades)
- westlichster Punkt: 55°13’21“ ö.L. (Pointe des Aigrettes)
Entfernungen:
- Mauritius (Le Morne) 171,3 km
- Madagaskar (Mangoro) 730 km
- Tromelin 1030 km
- Coëtivy / Seschellen 1320 km
- Iles Glorieuses 1460 km
- Ile de l’Europa 1630 km
- Mosambik (Clajulo) 1663 km
- Diego Garcia 2350 km
- Kerguelen (Ile Roland) 3310 km
- Indien (Cape Comorin) 3880 km
Zeitzone
Auf Réunion gilt die Heure de Maurice bzw. Mauritius Time (Mauritius-Zeit), abgekürzt HM bzw. MT (MTZ), 3 Stunden vor der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC+4). Die Realzeit liegt um 3 Stunden und 41 bis 43 Minuten vor der Koordinierten Weltzeit (UTC).
Fläche
Die Insel Réunion hat eine Fläche von 2.503,74 km² bzw. 966,69 mi², das Atoll ist 2.518 km² groß. Bis 2005 wurden auch die nicht zu Réunion gehörenden Îles éparses (Bassas da India, Europa, Îles Glorieuses, Juan de Nova und Tromelin) vom Präfekten von Réunion verwaltet. Für das Verwaltungsgebiet angegeben werden 2.512 km² bzw. 969,9 mi². Von Norden nach Süden zwischen Saint-Denis und Pointe de Langevin durchmisst die Insel 57,9 km, von Westen nach Osten zwischen Pointe de Bretagne und Pointe des Cascades 57,7 km. Die Küste der Insel ist insgesamt 207 km lang. Die höchste Stelle ist der Piton des Neiges mit 3069 m. Tiefste Stelle ist die Küste des Indischen Ozeans mit einem maximalen Tidenhub von 0,4 bis 0,9 m, bei Pointe des Galets 0,77 m. Die mittlere Seehöhe beträgt 532 m.
Flächenaufteilung um 2011:
Wiesen und Sträucher 913 km² 36,3 %
Waldland 870 km² 34,6 %
Agrarland 401 km² 16,0 %
Sümpfe und Gewässer 120 km² 4,8 %
Weideland 102 km² 4,1 %
Ödland 50 km² 2,0 %
Bebautes Land 55 km² 2,2 %
Geologie
Die Entstehung der Insel Réunion begann vor über 66 Millionen Jahren, als sich der asogenannte Réunion-Hotspot, der auch für die Deccan-Trapp-Basalte in Indien verantwortlich ist, noch im Bereich des indischen Subkntinents befand. Im Lauf der Zeit entstanden der Chagos-Lakkadiven-Rücken und das Maskarenen-Plateau, zu denen auch Mauritius und Rodrigues zählen.
Eine Vulkankette, deren höchste Gipfel der Piton des Neiges (3069 m) und der noch aktive Piton de la Fournaise (2631 m) sind und die durch Hot-Spot-Vulkanismus entstanden ist, verläuft quer über die ganze Insel. Diese Kette besteht hauptsächlich aus zwei großen Schildvulkanen. Mit 3071 m ist der Piton des Neiges der höchste Punkt im Indischen Ozean. Er ist schon seit rund 12,000 Jahren erloschen und extrem stark erodiert. Der Großteil des Gesteins besteht aus Basalt, es kommen aber auch Andesit, Phonolith und Trachyt sowie kleinere Alkalifelseinschlüsse als Gänge und Schichten vor. Der Vulkan weist Anzeichen von Caldera-Bildung durch den Einsturz des Kraterrands auf, verursacht durch Magmakammer-Entleerungen und tektonische Störungen. Der Piton de la Fournaise befindet sich im Süden der Insel und ist einer der weltweit aktivsten. Er hat zwei halbkreisförmige Krater und eruptiert meist sehr flüssige basaltische Laven. Im Durchschnitt kommt es etwa alle neun Monate zu einer Eruption.
Die Geologie ist geprägt von hawaiianischen und strombolianischen Eruptionsformen mit typisch schnellen, ausgedehnten Lavaströmen. Die Gesteine sind reich an Labradorit, aber relativ arm an Olivin. Während die Insel auf der einen Seite wächst, erodiert sie auf der anderen Seite. Die dadurch entstandenen landschaftlichen Gegensätze machen Reunion außerordentlich abwechslungsreich und bietet mit ihren die drei Cirques (Talkessel) Salazie, Cilaos und Mafate. Sie liegen rund um den Piton des Neiges dem aktiven Vulkan Piton de la Fournaise und dem dazwischenliegenden Regenwald Bébour-Bélouve aussergewöhnliche Wandergebiete. Daneben haben riffbauende Korallen an der Westküste lange Sandstrände entstehen lassen.
Die Insel besteht fast ausschließlich aus vulkanischen Gesteinen; Sedimentgesteine finden sich fast nur in Form von kleinen Kalksteinvorkommen im Sockelbereich des Piton des Neiges. Intensive Erosion durch hohe Niederschläge hat eine extrem zerklüftete Topografie hervorgebracht, mit tief eingeschnittenen Tälern und steilen Bergflanken.
Die Entstehung Réunions begann vor über 66 Millionen Jahren, als sich der Hotspot noch unter Indien befand. Im Lauf der Zeit entstanden der Chagos-Lakkadiven-Rücken und das Maskarenen-Plateau, zu denen auch Mauritius und Rodrigues zählen.
Es gibt wenig wirtschaftlich nutzbare Lagerstätten; einige kleine Steinbrüche dienen lokalen Baubedürfnissen. Die vulkanische Aktivität sowie starker Regen und Zyklone führen regelmäßig zu Naturgefahren wie Hangrutschungen und Überschwemmungen.
Landschaft
Die Landschaften von Réunion sind außergewöhnlich vielfältig und werden stark durch die vulkanische Entstehung der Insel sowie durch Erosion, Klima und Höhenunterschiede geprägt. Die Insel erhebt sich steil aus dem Indischen Ozean und ist von schroffen Bergen, tief eingeschnittenen Tälern und steilen Küstenklippen gekennzeichnet. Diese geologische Struktur führt dazu, dass sich auf relativ kleinem Raum sehr unterschiedliche Landschaftsformen entwickeln konnten.
Ein zentrales Merkmal der Insel sind die tief eingeschnittenen Talkessel, die sogenannten Cirques, die durch vulkanische Aktivität und anschließende Erosion entstanden sind. Diese Täler sind teilweise weit geöffnet und bieten in ihren unteren Bereichen Platz für Siedlungen und landwirtschaftliche Nutzung, während die steilen Hänge oft unzugänglich und dicht bewaldet sind. Dadurch entsteht ein stark gegliedertes Landschaftsbild mit deutlichen Höhen- und Klimastufen.
Die Insel wird häufig als „ein ganzer Kontinent im Kleinen“ beschrieben, da sie eine enorme landschaftliche Vielfalt aufweist. Auf Réunion treffen sehr unterschiedliche Naturformen unmittelbar aufeinander: tropische Regenwälder stehen neben trockenen, fast mondähnlichen Lavafeldern, aktive Vulkane grenzen an erloschene Kraterlandschaften, und schroffe Gebirgskämme wechseln sich mit sanften Hochebenen ab. Diese Vielfalt macht die Insel zu einem der abwechslungsreichsten Naturräume im Indischen Ozean.
Besonders prägend ist der Vulkanismus, der die gesamte Insel geformt hat. Große Teile der Landschaft bestehen aus erstarrten Lavaströmen, zerklüfteten Felsformationen und weiten Lavafeldern, die nach Vulkanausbrüchen entstanden sind. Diese jungen vulkanischen Landschaften verändern sich teilweise noch heute, insbesondere im Bereich des aktiven Piton de la Fournaise, dessen Ausbrüche regelmäßig neue Gesteinsflächen und Landschaftsformen schaffen.
Neben den vulkanischen Strukturen spielen auch Erosionsprozesse eine wichtige Rolle. Über Millionen Jahre haben Wasser, Wind und Vegetation die Insel stark geformt und tiefe Schluchten, steile Bergflanken und markante Felsnadeln geschaffen. Diese Prozesse sind besonders gut in den Hochgebirgsregionen sichtbar, wo die Landschaft stark zerklüftet und schwer zugänglich ist.
Charakteristisch für Réunion sind außerdem zahlreiche Wasserfälle, die sich oft aus großer Höhe über steile Felswände ergießen. Durch die hohen Niederschläge entstehen viele temporäre und permanente Wasserläufe, die das Landschaftsbild zusätzlich prägen. Ebenso finden sich in höheren Lagen gelegentlich kleine Bergseen und Feuchtgebiete, die inmitten der sonst oft steilen und felsigen Umgebung liegen.
Erhebungen
- Piton des Neiges (Cirque de Cilaos / Salazie) 3069 m
- Le Gros Morne (Cirque de Cilaos / Mafate / Salazie) 2992 mC
- Grand Bernard (Cirque de Cilaos / Mafate) 2896 m
- Piton de la Fournaise (Fournaise) 2621 m
- Petit Bénare 2600 m
- Piton Chisny 2440 m
- Piton Haüy 2407 m
- Piton Rouge 2402 m
- Demi-Piton 2395 m
- Piton des Feux 2384 m
- Piton Rouge de Saint-Leu 2368 m
- Piton de Partage 2361 m
- Sommet de l’Etre-Deux 2352 m
- La Roche Écrite 2276 m
- Piton de Bert 2274 m
- Morne de Fourche 2267 m
- Cimandef 2228 m
- Piton Textor 2224 m
- Piton de Caille 2184 m
- Piton Bernica 2156 m
- Puys Ramond 2108 m
- Piton Argamasse 2095 m
- Mazerin 2092 m
- Nez Coupé de Sainte-Rose 2075 m
- Piton dans l’Bout 2002 m
- Pitons Plats 1964 m
- Piton des Orangers 1944 m
- Piton Bleu 1921 m
- Nez Coupé de Tremblet 1913 m
- Piton de l’Eau 1887 m
- Piton Marmite 1877 m
- Piton de la Source 1834 m
- Piton Tortue 1807 m
- Piton Plaine des Fougères 1800 m
- Piton des Cabris 1723 m
- Piton des Villers 1712 m
- Bonnet de Prêtre 1709 m
- Piton Mavouse 1680 m
- Piton Doret 1651 m
- Piton Carré 1649 m
- Piton de la Plaine des Cafres 1639 m
- Piton des Calumets 1616 m
- Piton Bé Massoune 1614 m
- Piton de Fourche 1614 m
- Pic des Sables 1583 m
- Piton des Trois Mares 1561 m
- Piton de Bébour 1473 m
- Piton Fougère 1467 m
- Piton Cabris 1435 m
- Piton Ravine Marquet 1415 m
- Piton de Crac 1386 m
- Piton d’Anchaing 1356 m
- Morne du Bras des Lianes 1341 m
- Gros Morne de Gueule Rouge 1302 m
- Piton Doré 1297 m
- Morne de l’Étang 1296 m
- Piton des Songes 1271 m
- Morne de Saint François 1181 m
- Piton Tanan 1148 m
- Piton de la Rivière des Roches 1074 m
See
- Grand Étang 0,32 km², Seehöhe 480 m, Tiefe 25 m
Fluss
- Rivière Saint-Étienne 29 km
Flora und Fauna
Réunion verfügt über eine einzigartige und vielfältige Fauna und Flora. Zu ihrer Tierwelt gehören viele endemische Arten von Vögeln, Reptilien, Fledermäusen und Meereslebewesen. Die Insel beherbergt etwa 1.730 Arten von Gefäßpflanzen und zahlreiche einzigartige Tiere wie den Réunion-Rohrweihe, den Réunion-Ziergecko und die Réunion-Kleine Mastiff-Fledermaus. Auch rund um die Korallenriffe gibt es bedeutende Meeresarten, obwohl diese Riffe durch Umweltveränderungen beeinträchtigt wurden.
Flora
Auf Réunion gibt es sehr unterschiedliche Vegetationszonen, die von tropischen Küstenpflanzen bis hin zu kargen Hochgebirgslandschaften reichen. Insgesamt zählt die Insel zu den botanisch artenreichen Regionen im Indischen Ozean, auch wenn ein Teil der ursprünglichen Vegetation durch Landwirtschaft und menschliche Nutzung verändert wurde.
Auf Réunion kommen das ganze Jahr über zahlreiche blühende Pflanzenarten vor, die der Insel ein dauerhaft grünes und farbenreiches Erscheinungsbild verleihen. Insgesamt werden über 700 Arten von Blütenpflanzen geschätzt, darunter etwa 230 verschiedene Farnarten. Zusätzlich ist die Flora durch eine große Vielfalt an Flechten, Moosen, Algen und Pilzen ergänzt, die besonders in den feuchten Berg- und Waldregionen gedeihen. Neben der ursprünglichen Vegetation finden sich heute auch zahlreiche eingeführte Nutz- und Zierpflanzen, die durch den Menschen eingebracht wurden und sich teilweise stark verbreitet haben.
Typisch für die tropische Pflanzenwelt sind Orchideen, Hibiskus, Jasmin, Oleander, Azaleen, Rhododendren und Hortensien, die in vielen Regionen der Insel vorkommen und häufig auch in Gärten kultiviert werden. Besonders charakteristisch sind außerdem Nutzpflanzen wie Zuckerrohr und Vanille, die seit der Kolonialzeit eine zentrale wirtschaftliche Rolle spielen und bis heute zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produkten von Réunion gehören. Diese Pflanzen prägen nicht nur die Landschaft, sondern auch die wirtschaftliche Struktur der Insel.
In den tieferen Lagen, insbesondere an den Küsten, finden sich zudem charakteristische Baumarten wie Tamarindenwälder, Filao-Bäume sowie große Bambusbestände. Auffällig sind auch sogenannte Flammenbäume, die mit ihren intensiven roten Blüten das Landschaftsbild prägen und häufig als Zierbäume verwendet werden. In den Küstenregionen wurden zudem Vacaobäume angepflanzt, um die Vegetation vor starken Winden und Erosion zu schützen, beispielsweise in Gebieten wie der Anse des Cascades.
In den mittleren Höhenlagen, etwa bis rund 700 Meter, wird die Vegetation stark durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Hier dominieren vor allem Zuckerrohrplantagen sowie der Anbau von Geranien, die teilweise den ursprünglichen Regenwald verdrängt haben. Zwischen etwa 700 und 1300 Metern Höhe entwickelt sich aufgrund der hohen Niederschläge und häufigen Nebelbildung eine besonders dichte und mehrschichtige Vegetation. In Regionen wie dem Forêt de Bébour-Bélouve finden sich üppige Bergregenwälder mit Baumfarnen, Orchideen und zahlreichen weiteren Farnarten, die in mehreren Vegetationsschichten wachsen.
Zur Stabilisierung des Bodens und zum Schutz vor Erosion wurde in diesen Höhenlagen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts auch die japanische Sicheltanne (Cryptomeria) großflächig angepflanzt, beispielsweise in der Region Terre Plate bei Hell-Bourg. Diese eingeführten Baumarten haben die ursprüngliche Vegetation teilweise ersetzt, erfüllen jedoch eine wichtige ökologische Schutzfunktion.
In höheren Lagen, etwa im Bereich des Cirque de Mafate und auf verschiedenen Plateaus, findet man endemische Pflanzenarten wie die sogenannte Höhentamarinde, eine Mimosenart, die bis zu 25 Meter hoch werden kann und gut an die rauen Bedingungen angepasst ist. Diese Vegetation prägt vor allem offene Hochflächen wie die Plaine des Tamarins.
Ab etwa 1600 Metern Höhe, etwa in Regionen wie Coteau Kerveguen bei Cilaos, verändert sich das Landschaftsbild deutlich. Der zuvor dichte Bergregenwald geht in eine deutlich kargere Vegetation über, in der Baumheiden und niedrigwüchsige Pflanzen dominieren. Diese Höhenstufen sind geprägt von kühleren Temperaturen, starken Winden und einer insgesamt raueren Umwelt, die nur spezialisierte Pflanzenarten zulässt.
Fauna
Zu den auffälligsten und häufig beobachteten Vögeln gehören der Tec-Tec, ein kleiner endemischer Singvogel, sowie der Cardinal, der durch sein leuchtend rotes Federkleid besonders ins Auge fällt. Der Cardinal ist in vielen Regionen der Insel verbreitet und gilt als einer der farbenprächtigsten Vögel Réunions, weshalb er auch häufig als Fotomotiv dient. Ein weiterer charakteristischer Vogel ist der Paille-en-queue, ein Seevogel mit langen Schwanzfedern, der als Symbol der Insel gilt und häufig an Küstenklippen und über dem offenen Meer zu sehen ist.
Neben den Vögeln sind auch verschiedene Reptilienarten typisch für die Insel. Chamäleons kommen in mehreren Arten vor und gelten als besonders faszinierende Tiere, da sie ihre Farbe wechseln können und perfekt an ihre Umgebung angepasst sind. Ebenso weit verbreitet sind Geckos, die im Alltag der Menschen häufig vorkommen und sich gut an das Leben in menschlichen Siedlungen angepasst haben. Der Endormi Chamäleon ist dabei besonders bekannt und gehört zu den charakteristischen Reptilien der Insel.
Auch Insekten und Spinnentiere spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem. Die Seidenspinne gehört zu den auffälligeren Arten und wird aufgrund ihrer Größe und Erscheinung von vielen Besuchern als beeindruckend, teilweise auch als furchteinflößend wahrgenommen. Trotz ihrer Größe ist sie für den Menschen ungefährlich und ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Gleichgewichts, da sie zur Kontrolle von Insektenpopulationen beiträgt.
Neben den heimischen und endemischen Arten gibt es auf Réunion auch zahlreiche eingeführte Tiere, die sich im Laufe der Zeit in der Inselnatur etabliert haben. Dazu gehört beispielsweise der Tangue, eine Igelart, die ursprünglich aus Madagaskar stammt und heute in vielen Teilen der Insel vorkommt. Auch der Margouillat ist sehr verbreitet und gehört zu den typischen Tieren im Umfeld menschlicher Siedlungen.
Pflanzen-und Tierarten (endemisch):
Flora
- Blütenpflanzen 720 (176)
Fauna
- Fische 251 .
- Vögel 91 (4)
- Reptilien 19 .
- Säugetiere 9
- Amfibien 2
Naturschutz
Bis zum Jahr 2007 existierten auf Réunion insgesamt fünf größere Naturschutzgebiete. Diese nahmen zusammen eine Fläche von etwa 226 Quadratkilometern ein, was rund 9,6 Prozent der gesamten Insel entspricht. Diese Schutzgebiete dienten vor allem dem Erhalt der letzten naturnahen Wälder, der Bergregionen sowie empfindlicher Ökosysteme. Mit der Zeit wurde jedoch deutlich, dass ein umfassenderer und besser koordinierter Schutz notwendig war, um die einzigartige Biodiversität der Insel langfristig zu sichern.
Im Jahr 2007 wurde daher der Nationalpark Réunion gegründet, der als neunter Nationalpark Frankreichs gilt. Dieser Park stellte eine bedeutende Weiterentwicklung des Naturschutzes auf der Insel dar, da er große Teile des zentralen und bergigen Inselinneren unter Schutz stellte. Das Kerngebiet des Nationalparks umfasst etwa 40 Prozent der Insel und schützt damit einen außergewöhnlich großen Anteil der natürlichen Landschaft Réunions.
Der Nationalpark wurde insbesondere mit dem Ziel geschaffen, die zahlreichen endemischen Tier- und Pflanzenarten der Insel zu bewahren. Réunion weist im Verhältnis zu seiner Fläche eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt auf. Flächenbereinigt gibt es hier etwa dreimal so viele endemische Arten wie auf Hawaii und sogar fünfmal so viele wie auf den Galápagos-Inseln. Diese hohe Endemismusrate macht die Insel zu einem der wichtigsten Biodiversitäts-Hotspots weltweit.
Im Jahr 2010 wurde der Nationalpark unter dem Titel „Pitons, cirques et remparts de l’île de La Réunion“ in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Diese Auszeichnung würdigt sowohl die außergewöhnliche landschaftliche als auch die ökologische Bedeutung der Insel. Das Welterbe umfasst die markanten vulkanischen Strukturen, die das Landschaftsbild Réunions prägen.
Zum geschützten Gebiet gehören sowohl der erloschene Vulkan Piton des Neiges als auch die drei großen Talkessel, die durch seine geologische Entwicklung entstanden sind: der Cirque de Cilaos, der Cirque de Mafate und der Cirque de Salazie. Diese sogenannten „Cirques“ sind tief eingeschnittene, amphitheaterartige Täler, die durch Erosion und vulkanische Prozesse geformt wurden und heute zu den spektakulärsten Landschaften der Insel gehören.
Ebenso Teil des Nationalparks ist der noch aktive Vulkan Piton de la Fournaise im Südosten der Insel. Er zählt zu den aktivsten Vulkanen der Welt und prägt sowohl die Geologie als auch die Ökosysteme der Region. Seine regelmäßigen Ausbrüche schaffen neue Landschaften und beeinflussen die Vegetation immer wieder neu.
Klima
Das Klima auf Réunion ist insgesamt tropisch und stark vom Meer sowie von der ausgeprägten Reliefstruktur der Insel geprägt. Es handelt sich überwiegend um ein tropisch-sommerfeuchtes Klima, das nach der Köppen-Geiger-Klassifikation größtenteils als Aw eingestuft wird, also als tropisches Savannenklima. Gleichzeitig ist das Klima jedoch nicht einheitlich, sondern durch sehr starke regionale Unterschiede und zahlreiche Mikroklimate gekennzeichnet, die durch die hohen Gebirge und die Passatwinde entstehen.
Die Insel wird klimatisch stark durch die feuchten Südostpassate beeinflusst. Diese treffen vor allem auf die Ostküste und führen dort zu sehr hohen Niederschlagsmengen. Die Westküste liegt dagegen im Regenschatten der zentralen Bergmassive und ist deutlich trockener, teilweise sogar halbtrocken mit steppenähnlichen Bedingungen. Dadurch entstehen auf engstem Raum sehr unterschiedliche Landschafts- und Vegetationszonen, von tropischem Regenwald im Osten bis zu trockeneren Savannen- und Buschlandschaften im Westen.
Réunion gehört weltweit zu den Regionen mit den extremsten Niederschlagsereignissen. Besonders an der Ostküste können durch tropische Zyklone und starke Regenfälle außergewöhnliche Mengen an Niederschlag auftreten. Ein bekanntes Extremereignis wurde am 15. und 16. März 1952 registriert, als innerhalb von 24 Stunden rund 1870 Millimeter Regen fielen. Ein weiteres außergewöhnliches Ereignis trat im Jahr 2007 auf, als innerhalb von drei Tagen etwa 3929 Millimeter Niederschlag gemessen wurden. Diese Werte gehören zu den höchsten jemals auf der Erde gemessenen Regenmengen in diesen Zeiträumen und zeigen die extreme klimatische Dynamik der Insel. Zum Vergleich: Länder wie Österreich erreichen im Durchschnitt etwa 1170 Millimeter Niederschlag pro Jahr, Deutschland sogar nur rund 700 Millimeter.
Trotz dieser extrem hohen Regenmengen ist Réunion nicht dauerhaft bewölkt oder niederschlagsreich. Im Gegenteil: Die Insel weist im Jahresmittel etwa 2000 Sonnenstunden auf, was für eine tropische Insel relativ hoch ist. Die Sonneneinstrahlung ist besonders an der Westküste und in höheren Lagen häufig intensiv, während die Ostseite häufiger von Wolken und Regen geprägt ist.
Die Temperaturen auf Réunion sind ganzjährig warm, unterliegen jedoch ebenfalls regionalen und höhenbedingten Unterschieden. An der Küste liegen die Durchschnittstemperaturen im Südsommer, also zwischen Dezember und März, bei etwa 30 Grad Celsius. Im Südwinter, von Juni bis August, sinken die Werte im Mittel auf etwa 20 Grad Celsius. Die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sind im tropischen Klima relativ gering, wie es für Regionen in Äquatornähe typisch ist.
Zwischen West- und Ostseite der Insel bestehen ebenfalls Temperaturunterschiede. Die Westküste ist im Allgemeinen etwas wärmer und trockener, während die Ostküste durch die feuchteren Luftmassen etwas kühler und niederschlagsreicher ist. Besonders markant sind jedoch die klimatischen Unterschiede zwischen Küste und Bergland. In höheren Lagen sinken die Durchschnittstemperaturen auf etwa 15 Grad Celsius, und in den höchsten Gebirgsregionen kann es in den Wintermonaten, insbesondere im Juli und August, sogar zu leichten Minusgraden und gelegentlichem Schneefall kommen. Gleichzeitig bilden sich dort häufig Nebel- und Wolkenfelder, die die Gipfel oft in dichte Feuchtigkeit hüllen.
Auch die Wassertemperaturen rund um Réunion bleiben ganzjährig angenehm warm und liegen selbst in den kühleren Monaten noch bei etwa 23 bis 24 Grad Celsius. Dadurch ist die Insel grundsätzlich das ganze Jahr über für Bade- und Wassersporttourismus geeignet, auch wenn Zyklonsaisons und starke Regenfälle saisonal Einschränkungen mit sich bringen können.
Klimadaten von Saint-André (30 m, 1961 bis 1990):
| Kategorie | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Temperatur (°C) | 22,8 | 22,8 | 22,5 | 21,4 | 19,6 | 18,0 | 17,3 | 17,2 | 17,9 | 19,3 | 20,7 | 22,1 | 20,1 |
| Niederschlag (mm) | 210 | 303 | 265 | 219 | 136 | 116 | 121 | 108 | 72 | 77 | 113 | 213 | 2051 |
| Niederschlagstage <0,1 mm | 21,5 | 21,4 | 23,1 | 21,4 | 18,5 | 17,4 | 19,4 | 19,9 | 16,3 | 16,3 | 16,8 | 20,3 | 23,2 |
Mythologie
Eine der bekanntesten Sagen ist die Geschichte von Großmutter Kalle, auf Kreolisch oft als Granmer Kal bezeichnet. Sie wird als alte Hexe oder spirituelle Erscheinung beschrieben, deren Geist nach ihrem Tod weiterhin auf der Insel umhergehen soll. In den Erzählungen gilt sie als unheimliche Figur, die in der Nacht erscheint und düstere Vorzeichen oder Unglück ankündigt. Besonders in ländlichen Regionen wurde die Sage traditionell genutzt, um Kinder zu warnen oder unerklärliche Ereignisse in der Natur zu deuten.
Eine weitere bekannte Legende stammt aus der Region Sainte-Rose und handelt von Monsieur Leroux. Der Überlieferung nach stellte er eine Figur einer Jungfrau mit Sonnenschirm auf seine Felder, um seine Ernte zu schützen. Als der Vulkan Piton de la Fournaise ausbrach und Lavaströme in Richtung seiner Ländereien flossen, soll die Lava angeblich an seiner Grenze gestoppt worden sein. Diese Geschichte wird oft als Beispiel für Glauben an übernatürlichen Schutz und spirituelle Kräfte interpretiert, die mit der Natur in Verbindung stehen.
Auch natürliche Landschaftsformen sind eng mit mythologischen Erzählungen verknüpft. Der Wasserfall „Voile de la Mariée“, was „Brautschleier“ bedeutet, ist eines der bekanntesten Naturdenkmäler der Insel. Der Legende nach geht er auf eine tragische Liebesgeschichte zurück: Ein reicher junger Mann wollte eine arme Frau heiraten, doch ihr Vater verweigerte die Zustimmung. In ihrer Verzweiflung soll die junge Frau in die Berge geflohen sein, woraufhin sie verschwand und sich ihr Schleier in den Wasserfällen der Berge auflöste. Der Wasserfall wird deshalb bis heute als Symbol für unerfüllte Liebe und Tragik betrachtet.
Eine besonders dunkle Figur der Inselgeschichte ist Sitarane, ein historischer Verbrecher, der im frühen 20. Jahrhundert auf Réunion lebte. Er war Teil einer kriminellen Gruppe, die für Diebstähle und Morde verantwortlich gemacht wurde. Im Laufe der Zeit wurde seine Figur jedoch stark mythisch überhöht und teilweise mit übernatürlichen Kräften in Verbindung gebracht. In manchen Erzählungen gilt er als Zauberer oder als Person mit okkulten Fähigkeiten. Sein Grab wird von einigen Menschen bis heute mit bestimmten Ritualen verbunden, was zeigt, wie stark sich historische Realität und Mythos miteinander vermischen können.
Auch moderne historische Figuren sind Teil der Erinnerungskultur und Mythologisierung der Insel. Dazu gehört unter anderem Roland Garros, der auf Réunion geboren wurde und als Pionier der Luftfahrt gilt. Obwohl er eine reale historische Person war, hat sich sein Name auf der Insel symbolisch verfestigt. Viele Orte, Einrichtungen und das internationale Tennisturnier in Frankreich tragen seinen Namen, wodurch er in der kollektiven Erinnerung der Insel als eine Art heldenhafte Figur weiterlebt.
Geschichte
Réunion ist ein Stück Frankreich im Indischen Ozean. Ehe es dazu wurde, brausten auch noch andere Kolonialstürme über sie hinweg.
Frühzeit
Die Frühzeit von Réunion und der gesamten Maskarenen-Region ist nur lückenhaft überliefert und beruht zu einem großen Teil auf indirekten historischen Hinweisen, arabischen Quellen und späteren europäischen Karten. Sicher ist, dass der Indische Ozean bereits lange vor der europäischen Expansion ein intensiver Handelsraum war, der vor allem von arabischen Seefahrern sowie austronesischen Navigatoren genutzt und kartographisch zumindest teilweise erfasst wurde. Diese frühen Seefahrer verfügten über ausgeprägte Kenntnisse der Monsunwinde, die ihnen regelmäßige und relativ zuverlässige Routen zwischen Ostafrika, der Arabischen Halbinsel, Indien und Südostasien ermöglichten.
Bereits im 10. Jahrhundert sollen die Maskarenen-Inseln, zu denen Réunion, Mauritius und Rodrigues gehören, arabischen Seefahrern bekannt gewesen sein. Réunion wurde dabei vermutlich nur gesichtet oder grob beschrieben, ohne dass es zu einer dauerhaften Besiedlung kam. Mauritius wurde in einigen Überlieferungen als diva harab bezeichnet, was sinngemäß „verlassene Insel“ oder „Wüsteninsel“ bedeutet, während Rodrigues als diva mashriq, also „Ostinsel“, bezeichnet wurde. Diese Namen deuten darauf hin, dass die Inseln zwar bekannt waren, aber offenbar keinen dauerhaften Siedlungscharakter hatten und eher als Orientierungspunkte oder Versorgungsstationen auf langen Seerouten dienten.
Die arabische Seefahrt basierte auf hochentwickelten Schiffstypen, insbesondere den sogenannten Dhaus, die für die Bedingungen des Indischen Ozeans gut geeignet waren. Diese Schiffe konnten den starken Monsunwinden und den saisonal wechselnden Strömungen standhalten und ermöglichten den weitreichenden Handel über große Entfernungen. Vom 7. Jahrhundert an bis in die Zeit der europäischen Entdeckungsfahrten dominierten arabische Händler große Teile des Seehandels im Indischen Ozean. Sie kontrollierten wichtige Handelsrouten, über die Güter wie Seide, Gewürze, Edelsteine und andere wertvolle Waren zwischen Ostafrika, Arabien, Indien und Südostasien transportiert wurden.
Im Zuge dieser Handelsaktivitäten wurden die Inseln des Indischen Ozeans vermutlich gelegentlich entdeckt oder angefahren, möglicherweise auch durch Zufall infolge von Stürmen oder Abweichungen von den regulären Routen. Einige Überlieferungen erwähnen einen arabischen Seefahrer namens Suhliman, der die Inselgruppe als Tirakka bezeichnet haben soll. Ob es sich dabei um eine tatsächliche historische Figur oder um eine spätere Überlieferung handelt, ist nicht eindeutig geklärt, doch solche Berichte zeigen, dass die Inseln in der arabischen Geographie zumindest in Ansätzen bekannt gewesen sein könnten.
Die erste gesicherte Darstellung der Maskarenen in einem europäischen Kontext stammt aus dem Jahr 1502. Auf einer frühen Weltkarte, die auf einer arabischen Vorlage beruhte und von dem Kartografen Alberto Cantino angefertigt wurde, erscheinen die Inseln erstmals in europäischer Überlieferung. In dieser Darstellung wurde Réunion als Dina Margabim bezeichnet, Mauritius als Dina Arobi und Rodrigues als Dina Mozare. Diese Namen gehen wahrscheinlich auf arabische oder arabisch beeinflusste Bezeichnungen zurück und wurden von portugiesischen Kartografen übernommen oder angepasst.
Auch andere portugiesische Kartografen des frühen 16. Jahrhunderts führten die Inseln in ihren Kartenwerken auf und trugen damit zur Verbreitung des Wissens über die Maskarenen in Europa bei. Diese frühen Darstellungen zeigen, dass die Inselgruppe zumindest indirekt bereits vor der eigentlichen europäischen Kolonisierung bekannt war, auch wenn genaue Kenntnisse über ihre Beschaffenheit noch fehlten.
Es gibt zudem Hinweise darauf, dass auch austronesische Seefahrer, insbesondere Malaien, im späten Mittelalter möglicherweise den westlichen Indischen Ozean erreichten. Einige Forscher vermuten, dass sie Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts die Insel Mauritius betreten oder zumindest gesichtet haben könnten. Diese Annahme stützt sich unter anderem auf vereinzelte spätere Funde und indirekte Hinweise, etwa Inschriften oder Berichte europäischer Entdecker. Gesicherte archäologische Belege für eine dauerhafte Präsenz fehlen jedoch.
Europäische Kontaktzeit
Erst 1498 erreichte der Portugiese Vasco da Gama über die Südspitze Afrikas den Indischen Ozean, durchfuhr auf seinem Weg nach Kalikut den Kanal von Mosambik und erforschte Mosambik und die Insel Madagaskar. Bei seinem kurzen Aufenthalt auf Madagaskar verwüstete da Gama mit seiner Mannschaft die Stadt Kingani im Norden der Insel und leitete die Ära der europäischen Kolonisierung des Indischen Ozeans ein.
Nach den Portugiesen begannen nacheinander auch die Engländer, Holländer und Franzosen mit der Kolonisierung der Region, entdeckten die Inseln neu und gründeten Niederlassungen, wobei sie sich insbesondere auch der Arbeitskraft von Sklaven aus Afrika und Madagaskar bedienten.
Bei der Erforschung der für die Europäer geeigneten Seerouten auf dem Weg nach Indien entdeckte der portugiesische Seefahrer Pedro Mascarenhas am 9. Februar 1512 die später nach ihm benannten Maskarenen. Genauso wie viele andere damaligen Seefahrer ihre Entdeckungen nach den Heiligen des Tages der Entdeckung benannten, gab auch er der Insel Réunion zu Ehren der Heiligen Apollonia den Namen nach der Santa Apollonia.
Erst über hundert Jahre nach der Entdeckung, am 23. März 1613, betrat der englische Freibeuter Blackwell (nach anderen Quellen ein holländischer Admiral namens Verhuff) die Insel und nannte sie England's forest („Englands Wald“). Er beschrieb eine paradiesische, unberührte Insel mit zahlreichen Wasserläufen und üppiger Fauna: Schildkröten, Papageien, Dodos, Turteltauben, Enten, Gänse, Wildschweine, Aale, alle „außerordentlich einfach zu fangen“.
Am 25. Juni 1638 wurden die Maskarenen erstmals formell von Frankreich beansprucht. Eine zweite formelle Inbesitznahme erfolgte am 29. Juni 1642, als die Franzosen bei Saint-Paul erstmals auf Réunion landeten.
1646 wurden zwölf Meuterer aus Fort Dauphin, einem kleinen Handelsstützpunkt auf dem Seeweg nach Indien im Süden Madagaskars, für drei Jahre auf Réunion ausgesetzt. Am 7. September 1649 wurden sie nach Fort Dauphin zurückgebracht, wobei , Berichten zufolge, einige der Verbannten nur widerwillig zurückkehrten.
Die verlockenden Beschreibungen der zurückgekehrten Meuterer lenkten das Interesse des französischen Gouverneurs auf Madagaskar, Eugène de Flacourt, auf die Insel. Mit dem Schiff Saint Laurent nahm er Réunion zum dritten Mal in Besitz und gab ihr dem französischen Königshaus der Bourbonen zu Ehre den Namen Île Bourbon („Insel Bourbon“). Er ließ vier Färsen und einen Stier auf der Insel zurück; ansonsten blieb die Insel weiterhin unberührt.
1654 wurde die Île Bourbon zum zweiten Mal vorübergehend von Kleinkriminellen besiedelt. Am 10. November 1663 ankerte die Saint Charles vor Saint-Paul bei der Grotte des Premiers Français. Die Franzosen besetzten die Île Bourbon und machten sie zu einer vollwertigen Kolonie Frankreichs. Die neue Kolonie war zugleich die erste französische Niederlassung im Indischen Ozean.
Französische Kolonialzeit
Während eines Jahrhunderts, von 1665 bis 1764, wurde die Réunion direkt von der Compagnie des Indes („Indien-Kompanie“) verwaltet, die vom französischen König eine entsprechende Konzession erhalten hatte. 1665 nahm der erste Gouverneur der Île Bourbon, Étienne Regnault, Vertreter der Compagnie des Indes, seine Tätigkeit auf der Insel auf. Die Kolonialverwaltung errichtete die ersten Siedlungen für die zunächst 30 bis 35 Einwohner der Insel, begann mit der Ausbeutung der Schätze der Insel (Schildkröten, Dodos, Wild ...) und vergab die ersten Handelskonzessionen. Die erste Kolonie, Camp Jacques, lag an der Mündung der Lagune von Saint-Paul.
Der endgültige Startschuss für die Kolonisierung der Insel fiel mit der Ankunft der ersten französischen Siedler. Begleitet wurden sie von Arbeitskräften aus Madagaskar, die zwar offiziell (noch) keine Sklaven waren (sondern serviteurs, also „Diener“), de facto aber den Siedlern der Compagnie stets zu Diensten zu stehen hatten. 1667 wurde das erste bekannte Kind auf der Insel geboren, aber wahrscheinlich hatten bereits die ersten madegassischen Frauen, die 1663 mit Louis Payen auf der Insel angekommen waren, Kinder zur Welt gebracht.
1667 wurden Saint-Denis, die heutige Hauptstadt Réunions, und Sainte-Suzanne gegründet; bis 1671 steigt die Einwohnerzahl der Île Bourbon auf 76. 1674 wurden die Überlebenden des Massakers von Fort Dauphin auf der Insel aufgenommen, die damit auch zum einzigen verbleibenden französischen Stützpunkt auf dem Seeweg nach Indien wurde. Die Insel zählte zum damaligen Zeitpunkt 150 Einwohner und geriet im Mutterland für einige Jahre in Vergessenheit, gedieh aber dennoch weiter.
Erst im Jahr 1680 versuchte Pater Bernardin, die Aufmerksamkeit König Ludwig XIV. wieder auf die Île Bourbon zu lenken. 1686 lebten auf La Réunion 216 Einwohner, und 1689 wurde De Vauboulon als erster Administrator und Gesetzgeber auf die Insel entsandt. Die Bedeutung der Île Bourbon für den Seeweg nach Indien wurde aber im Mutterland erst um 1700 erkannt, wodurch die Bevölkerungszahl stark anstieg: 1704 zählt die Insel bereits 734 Einwohner.
Ab 1718 wurde Kaffee auf der Insel angebaut. Damit begann eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs. Bis 1735 erreichte die jährliche Exportmenge einen Wert von 100.000 Pfund. Für die Kaffeeplantagen wurden jährlich 1500 zusätzliche Sklaven aus Afrika, Indien und Madagaskar auf die Insel gebracht.
1735 wurde Bertrand François Mahé de la Bourdonnais erster Generalgouverneur der Île Bourbon und der Île de France (heute Mauritius). Die Île Bourbon verlor dadurch gegenüber ihrer Schwesterinsel Île de France allmählich an Bedeutung. 1738 wurde Saint-Denis anstelle von Saint-Paul die neue Hauptstadt der Insel. 1741 wurden die jungen Einwohner der Insel für den Krieg gegen die Engländer in Indien rekrutiert. Die Kaffeeproduktion boomte weiter: 1744 werden bereits 2,5 Millionen Pfund exportiert, und die Insel hat bereits 2500 Einwohner. Zwischen 1756 und 1763 diente die Insel im Siebenjährigen Krieg als wichtige Basis im Kampf gegen die Engländer in Indien.
1764 kaufte der König nach dem Scheitern der Compagnie des Indes die Maskarenen zurück. Die Insel erfuhr im folgenden Vierteljahrhundert einen erneuten Wirtschaftsaufschwung und war beim Export von Kaffee und vor allem von Gewürzen sehr erfolgreich. Wichtigste Persönlichkeit im Gewürzhandel war Pierre Poivre, der zahlreiche neue Gewürze einführte. 1772 wurden etwa die ersten Gewürznelken auf der Insel angebaut.
Auch das Verwaltungs- und Rechtssystem der Insel ist zahlreichen Veränderungen unterworfen. Am 14. Juli 1767 übernimmt Frankreich formell die Oberhoheit über die Maskarenen. 1768 leben auf der Insel 45.000 Sklaven und 26.284 freie Einwohner. 1788, kurz vor dem Ende des Ende der königlichen Ära, leben auf der Insel 47.195 (freie) Einwohner.
Revolutionszeit
Die Jahre der Französischen Revolution und Napoléon Bonapartes bringen insbesondere wegen der zahlreichen Nachwirkungen der Kriege eine schwierige Periode für die Insel. 1789 übernimmt die während der Revolution gebildete Kolonialversammlung die Verwaltung auf der Insel. Zwischen 1793 und 1795 kommt es wegen der weitgehend zusammengebrochenen Versorgung aus dem Mutterland zu schweren Engpässen bei Lebensmitteln, die die Inselbevölkerung aber mit Hilfe der Korsaren übersteht.
Die Revolution wirft auch die Frage eines neuen Namens für die Insel auf. Zunächst wird 1793 eine Benennung als Île de Jemmapes erwogen, nach der Schlacht von Jemappes 1792. Am 8. April 1794 erhält die Insel anstelle der alten Bezeichnung den Namen Île de la Réunion – zu deutsch etwa „Insel der Zusammenkunft“ oder „Insel der Vereinigung“, nach der Vereinigung der Revolutionäre aus Marseille und der Nationalgarden beim Sturm auf die Tuilerien, mit dem der Bourbonenkönig vom Thron verjagt wurde. Neben der Änderung des Namens wird auch der royalistische Gouverneur verhaftet.
Zu starken Spannungen kommt es, als sich die Kolonialversammlung 1795 entgegen den Vorgaben aus Paris weigert, die Sklaverei abzuschaffen. Anstelle einer vollständigen Abschaffung der Sklaverei stärkt die Versammlung nur geringfügig die Rechte der Sklaven. Im selben Jahr übernimmt die Bergpartei die Macht auf Réunion. 1796 wiederholt die Kolonialversammlung formell ihre Weigerung, die Sklaverei abzuschaffen. Ab 1798 wird Réunion vom Mutterland als „gesetzlos“ oder „vogelfrei“ betrachtet. Die Insel kapselt sich von Frankreich in einer Autonomie ab, und 1799 errichtet die Kolonialversammlung auf der Insel eine Diktatur.
1801, nach der Machtergreifung durch Napoleon, kommt Réunion wieder unter französische Kontrolle. Napoleon verändert den Status der Insel neuerlich, indem er sie einem Generalkapitän (capitaine général) mit Sitz auf der Île de France (Mauritius) unterstellt. Die Kolonialversammlung wird abgeschafft, die Sklaverei 1802 wieder in vollem Umfang eingeführt. Im August 1806 wird die Insel zu Ehren Napoleons in Île Bonaparte umbenannt.
1807 verwüsten mehrere Wirbelstürme und andere Naturkatastrophen alle Kaffee- und Gewürznelkenplantagen. Die Insel richtet ihre Landwirtschaft in Richtung einer anderen, widerstandsfähigeren und bis heute dominierenden Kulturpflanze aus: Zuckerrohr.
1808 beginnt die englische Flotte eine Blockade der verteidigungslosen Insel. Die Engländer gehen von 16. bis 25. August 1809 in Sainte-Rose an Land, werden aber von der Nationalgarde von Saint-Benoît zurückgeschlagen. Am 21. September nehmen die Engländer Saint-Paul ein, ziehen sich aber unmittelbar darauf wieder zurück.
Am 7. Juli 1810 landen die Engländer bei Grande Chaloupe erneut auf der Insel und ziehen in Richtung der Hauptstadt Saint-Denis. Am 8. Juli unterliegen die Franzosen in der sogenannten „Redoutenschlacht“ (französisch bataille de la Redoute), Réunion kapituliert. Am 9. Juli 1810 erhält die Insel wieder ihren alten Namen aus dem Ancien Régime: Île Bourbon.
Bis 1815 bleibt die Insel unter englischer Besatzung, ohne dass diese Periode besondere Spuren in der Geschichte hinterlassen hätte. Am 6. April 1815 wird die Insel mit dem Vertrag von Paris an das wiedererrichtete Königreich Frankreich zurückgegeben. Die Insel hat zu diesem Zeitpunkt 68.309 Einwohner. Die Zuckerrohrplantagen haben sich gut entwickelt, aber die Insel kann ihren Lebensmittelbedarf nicht mehr selbst decken.
Restaurationszeit
In der Zeit der Restauration nach 1815 kehrte die Dynastie der Bourbonen in Frankreich an die Macht zurück. Obwohl der Wiener Kongress 1815 den Sklavenhandel formal verboten hatte, wurde dieser auf den französischen Inseln im Indischen Ozean zunächst weiterhin inoffiziell toleriert. Zwischen 1817 und 1831 wurden auf die Île Bourbon noch mehr als 45.000 versklavte Menschen gebracht. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass wirtschaftliche Interessen der Plantagenbesitzer zunächst stärker wogen als internationale Verbote. Die Sklavenarbeit bildete weiterhin das Fundament der Zuckerrohrwirtschaft, die das wirtschaftliche Rückgrat der Insel darstellte.
Die politische Entwicklung in Frankreich hatte jedoch direkte Auswirkungen auf die Kolonie. Nach der Julirevolution von 1830 und der Errichtung der Julimonarchie verschärfte sich die Haltung gegenüber dem Sklavenhandel. Dieser wurde nun energischer bekämpft, auch wenn die vollständige Abschaffung der Sklaverei noch nicht sofort umgesetzt wurde. Erste Reformen zielten darauf ab, die Lebensbedingungen der versklavten Bevölkerung zu verbessern und den rechtlichen Rahmen zu verändern. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung waren die sogenannten Mackau-Gesetze von 1845, die den Sklaven gewisse Rechte einräumten und ihre Situation zumindest teilweise verbesserten. Diese Maßnahmen stellten jedoch noch keine vollständige Emanzipation dar, sondern eher eine vorsichtige Reform innerhalb des bestehenden Systems.
Neben der Sklavenfrage war die Restaurationszeit auch von Naturkatastrophen, wirtschaftlichen Entwicklungen und institutionellen Veränderungen geprägt. Im Jahr 1820 wurde die Insel von einer Choleraepidemie heimgesucht, die große Auswirkungen auf die Bevölkerung hatte und die ohnehin schwierigen Lebensbedingungen weiter verschärfte. Neun Jahre später, 1829, richtete ein schwerer Wirbelsturm erhebliche Schäden an und zerstörte Teile der Infrastruktur sowie landwirtschaftliche Flächen. Solche Naturereignisse waren für die Inselwirtschaft besonders belastend, da sie stark von der Landwirtschaft abhängig war.
Trotz dieser Krisen begann sich die koloniale Verwaltung langsam zu modernisieren. Im Jahr 1831 wurde eine Handelskammer gegründet, die die wirtschaftlichen Interessen der Plantagenbesitzer und Händler organisierte und vertrat. Ein Jahr später, 1832, wurde erstmals ein Generalrat gewählt, was einen ersten Schritt in Richtung institutioneller Mitbestimmung innerhalb der Kolonie darstellte, auch wenn diese noch stark eingeschränkt war und vor allem der kolonialen Elite zugutekam.
Ein bedeutender wirtschaftlicher Fortschritt dieser Zeit war die Entwicklung des Vanilleanbaus. Um 1840 gelang die künstliche Befruchtung von Vanillepflanzen, was den Anbau dieser wertvollen Gewürzpflanze revolutionierte. Dadurch konnte sich die Produktion stark ausweiten, und die sogenannte „Bourbon-Vanille“ entwickelte sich zu einem weltweit gefragten Exportprodukt. Dieser wirtschaftliche Erfolg trug wesentlich zur weiteren Integration der Insel in den globalen Handel bei und stärkte die Bedeutung der Landwirtschaft über den Zucker hinaus.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung der Insel deutlich an und erreichte bis 1848 etwa 103.490 Einwohner. Diese Zahl umfasst sowohl freie Siedler als auch eine große Zahl versklavter Menschen, die weiterhin unter schwierigen Bedingungen in der Plantagenwirtschaft arbeiteten.
Das Jahr 1848 markierte schließlich einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Insel. Am 9. Juni 1848 wurde in Frankreich die Republik ausgerufen, was auch direkte Auswirkungen auf die Kolonien hatte. In diesem Zusammenhang erhielt die Insel am 9. Juli offiziell wieder den Namen Réunion, um ihre Zugehörigkeit zur französischen Nation zu betonen. Dieser Namenswechsel symbolisierte eine neue politische Epoche und die Abkehr von der monarchischen Vergangenheit.
Bereits am 27. April 1848 war die Emanzipation der Sklaven verkündet worden, doch die vollständige Umsetzung dauerte noch einige Monate. Erst am 20. Dezember 1848 wurde die Abschaffung der Sklaverei auf der Insel endgültig vollzogen. Der französische Kommissar Joseph Napoléon Sébastien Sarda Garriga proklamierte die Freiheit von rund 60.000 versklavten Menschen. Damit endete ein zentrales Kapitel der kolonialen Geschichte der Insel, auch wenn die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Sklaverei noch lange nachwirkten.
Zeit der Sklavenbefreiung
Auch nach der Abschaffung der Sklaverei bleibt Réunion noch bis 1946 eine französische Kolonie. Und auch für die Sklaverei wird ein sozioökonomisches Nachfolgekonzept gefunden, mit dem die Bediensteten der Plantagenbesitzer weiterhin geknechtet werden können: Man entwickelt den engagisme (später auch servilisme genannt), der viele neue Gastarbeiter aus den bisherigen Sklavenherkunftsländern (Madagaskar und Ostafrika, vor allem aber verstärkt auch Indien) nach Réunion bringt, nun zwar auf Basis von Arbeitsverträgen, aber nur sehr schlecht bezahlt. Durch diese Wirtschaftsimmigration explodiert die Bevölkerung der Insel – allein zwischen 1848 und 1882 verdoppelt sich die Bevölkerung –, die zudem durch die zunehmende Überbevölkerung immer stärker von Reisimporten abhängig wird.
Am 1. Januar 1848 leben auf Réunion 62.151 Sklaven die damit 60 % der Gesamtbevölkerung stellen. Mit ihrer Freilassung am 20. Dezember 1848 erhalten sie alle von der Kolonialverwaltung einen bürgerlichen Namen zugewiesen, der ihrem bisherigen Sklavennamen hinzugefügt wird. Die Freigelassenen bleiben entweder bei ihren ehemaligen Besitzern an ihrem angestammten „Arbeitsplatz“ oder sie vagabundieren auf der Insel als schlecht bezahlte Wanderarbeiter. Dabei konkurrieren die ehemaligen Sklaven auf dem nunmehr „freien“ Arbeitsmarkt mit über 100.000 im Rahmen des oben erwähnten engagisme nach und nach neu für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen rekrutierten Indern (genannt malabars, nach der Malabarküste im Südwesten Indiens) und Afrikanern (genannt cafres, also „Kaffern“).
1849 finden auf der Insel die ersten Wahlen mit allgemeinem Wahlrecht statt. Am 8. August 1852 wird Hubert de Lisle erster neuer Gouverneur nach dem Ende der Sklaverei. 1855 wird in Saint-Denis mit dem Naturhistorischen Museum ( Muséum d'histoire naturelle de la Réunion) das erste große Museum auf der Insel eröffnet. 1859 wird die Insel von Cholera- und Pockenepidemien heimgesucht; im selben Jahr endet auch die systematische Einwanderung von Afrikanern. 1860 hat die Insel bereits 179.190 Einwohner; am 21. April wird in Saint-Denis das Rathaus (hôtel de ville) eingeweiht. 1865 bricht eine Typhusepidemie aus. 1868 kommt es zu einer großen Brandkatastrophe in Salazie. In Saint-Denis bricht im gleichen Jahr ein Aufruhr aus, woraufhin für sechs Monate der Belagerungszustand ausgerufen wird.
1870 beträgt die Einwohnerzahl der Insel 193.360. Am 22. Oktober wird ein Freiwilligenkorps von Kreolen für den Krieg gegen Preußen nach Europa entsandt. 1878 werden die Arbeiten für den Bau eines neuen Hafens (heute Le Port) und einer Eisenbahn aufgenommen. Die erste Eisenbahnlinie von Saint-Benoît nach Saint-Denis wird am 11. Februar, die zweite von Saint-Louis nach Saint-Pierre am 19. Juni 1882 eröffnet. 1885 endet auch die Rekrutierung von Arbeitskräften aus Indien. Am 14. Februar 1886 wird der künstliche Hafen an der Pointe des Galets (heute Le Port) in Betrieb genommen. Im Jahr 1894 wird mit der Fertigstellung des Pont suspendu (Hängebrücke) über die Rivière de l’Est auch der äußerste Osten der Insel verkehrstechnisch erschlossen. Bis 1897 geht nach dem Ende der systematischen Zuwanderung die Bevölkerungszahl auf 173.190 zurück.
1900 wird das erste Kraftfahrzeug auf die Insel gebracht. 1901 exportiert die Insel 41.500 Tonnen Zuckerrohr. 1907 brennt der Badeort Saint-Gilles vollständig nieder, 1910 das Lycée de la Réunion in Saint-Denis (heute als Lycée Leconte de Lisle wiederaufgebaut). 1911 wird von den beiden kreolischen Intellektuellen Marius und Ary Leblond das Musée des Beaux-Arts (Musée Léon Dierx) geschaffen. 1913 wird die Académie von Réunion eingerichtet, die alle Bildungseinrichtungen auf der Insel zusammenfasst und koordiniert.
Weltkriegszeit
Im Jahr 1914 kam es auf Réunion im Zusammenhang mit Wahlen zur französischen Nationalversammlung zu schweren Unruhen. Diese Konflikte hatten sowohl politische als auch soziale Ursachen und spiegelten die Spannungen innerhalb der kolonialen Gesellschaft wider. Die Auseinandersetzungen eskalierten derart, dass es zu gewaltsamen Zusammenstößen kam, bei denen 14 Menschen starben und etwa 300 Personen verletzt wurden. Diese Ereignisse zeigen, dass politische Partizipation in der Kolonie von erheblichen sozialen Spannungen begleitet war. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verschärfte sich die Situation zusätzlich, da nun erneut Männer aus der Kolonie nach Europa entsandt wurden, um im französischen Militärdienst zu kämpfen. Viele sogenannte „Kreolen“ wurden in den Krieg eingezogen oder als Arbeitskräfte in den Kriegsgebieten eingesetzt, was tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft der Insel hatte.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann eine Phase wirtschaftlicher Erholung und erneuter Integration in die französische Handelswirtschaft. Die Exporte von Réunion nach Europa nahmen wieder deutlich zu. Die Insel blieb stark auf landwirtschaftliche Produkte spezialisiert, die für den Export bestimmt waren. Im Jahr 1923 umfasste das Exportportfolio eine breite Palette an Gütern, darunter Zucker, Vanille, Maniok, Rosengeranienöl, Ylang-Ylang-Öl, Vetiver, Kaffee, Kakao, Tee, Tabak sowie verschiedene Nüsse, Aloe, Mais, Obst und Gemüse. Diese Vielfalt zeigt, dass Réunion trotz seiner kolonialen Struktur eine relativ breit aufgestellte Agrarproduktion besaß, auch wenn Zucker weiterhin das wichtigste Exportgut blieb.
In den 1920er Jahren verbesserten sich zudem die Verkehrs- und Handelsverbindungen zwischen der Insel und dem französischen Mutterland. Ein bedeutender Schritt war die Einrichtung einer regelmäßigen Passagierschifffahrtslinie zwischen Marseille und dem Hafen von Le Port im Jahr 1925. Diese Verbindung erleichterte den Personen- und Warenverkehr erheblich und stärkte die wirtschaftliche und administrative Anbindung an Frankreich. Gleichzeitig förderte sie die Mobilität einzelner Bevölkerungsgruppen, insbesondere von Verwaltungsbeamten, Händlern und Arbeitern.
Auch im Bereich der Kommunikation und Infrastruktur kam es zu wichtigen Entwicklungen. Im Dezember 1936 wurde erstmals Post auf dem Luftweg zwischen dem Flughafen Le Bourget in Frankreich und dem Flughafen Gillot bei Saint-Denis auf Réunion transportiert. Dieser Flugpostverkehr markierte einen bedeutenden Fortschritt in der Anbindung der Insel an das europäische Festland und verkürzte die Kommunikationszeiten erheblich. Damit begann langsam der Übergang von einer ausschließlich maritimen Verbindung zu modernen Luftverkehrsstrukturen.
Die Zeit des Zweiten Weltkriegs brachte für Réunion erneut große Herausforderungen. Die Insel blieb zwar geografisch weit vom Kriegsschauplatz entfernt, war jedoch politisch stark betroffen. Nach der Niederlage Frankreichs im Jahr 1940 unterstand Réunion dem Vichy-Regime, das die Kontrolle über viele Kolonien ausübte. Diese Phase war geprägt von wirtschaftlichen Engpässen, Versorgungsproblemen und politischer Unsicherheit. Die Handelsverbindungen nach Europa wurden stark eingeschränkt, was zu Versorgungsengpässen auf der Insel führte. Gleichzeitig kam es zu politischen Spannungen zwischen Anhängern des Vichy-Regimes und jenen, die sich der „Freien Frankreich“-Bewegung von Charles de Gaulle verbunden fühlten.
Gegen Ende des Krieges wurde Réunion schließlich wieder enger in die Strukturen des freien Frankreich eingebunden. 1942 übernahmen Kräfte der „Freien Franzosen“ die Kontrolle über die Insel, wodurch sie sich wieder auf die Seite der Alliierten stellte. Dies führte zu einer schrittweisen Stabilisierung der politischen Lage bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945.
Moderne Ära
Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Réunion am 19. März 1946 als Überseedépartement (département d’outre-mer) und damit als integraler Bestandteil Frankreichs in die neu gegründete Vierte Republik integriert. Diese départementalisation beendet die Kolonialzeit auf Réunion und löst eine starke Modernisierung und beschleunigte wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Insel aus.
Besonders die wirtschaftlichen Umwälzungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind beträchtlich: Die koloniale Plantagenwirtschaft wird von einer westeuropäisch inspirierten Konsumgesellschaft abgelöst, wobei aber die Wirtschaft auf Réunion selbst fragil und unausgewogen bleibt, mit einem aufgeblähten tertiären Sektor – eine Situation, die durch die erheblichen Sozialtransfers (gleiche Sozialstandards wie im französischen Mutterland) noch weiter verschärft wird. Die Bevölkerung verdreifacht sich innerhalb von fünfzig Jahren und steigt von 227.000 im Jahr 1946 auf 770.000 im Jahr 2005.
1948 verwüstet ein Wirbelsturm mit Windgeschwindigkeiten von 300 km/h weite Teile der Insel, hinterlässt 165 Tote und Schäden in Höhe von drei Milliarden CFA-Franc. Mit Inkrafttreten der Römischen Verträge von 1957 wird Réunion Teil der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (später EG). Die Bevölkerungszahl liegt 1962 bei 354.294.
Am 6. Mai 1963 wird Michel Debré erstmals von der Bevölkerung Réunions in die Nationalversammlung gewählt. In den darauffolgenden Jahren organisiert Debré eine bis heute heftig umstrittene beispiellose Umsiedlung von über 1000 Kindern auf das französische Festland, die aus ihren Familien herausgerissen werden, um bevölkerungsschwache Départements (zum Beispiel Creuse) zu verstärken.
1964 wird das Speicherkraftwerk Takamaka eröffnet. 1965 wird im Süden der Insel ein eigenes Arrondissement mit Saint-Pierre, dem wirtschaftlichen Zentrum des Inselsüdens, als Hauptstadt errichtet. Am 1. Januar 1975 wird der CFA- durch den französischen Franc ersetzt, um die wirtschaftliche Integration in das Mutterland zu verstärken. 1976 errichtet die katholische Kirche ein eigenes Bistum auf Réunion; erster Bischof von Réunion wird Gilbert Aubry. Am 5. März 1976 wird nach 29-monatiger Bauzeit die 11,7 km lange und 230 Millionen Franc teure Küstenstraße von Saint-Denis nach La Possession eröffnet. 1978 finden die ersten Spiele des Indischen Ozeans auf Réunion statt.
Die Dezentralisierungsreformen des Innenministers Gaston Defferre unter dem neuen sozialistischen Staatspräsidenten François Mitterrand machen das Überseedépartement Réunion 1982 gleichzeitig zu einer Überseeregion (région d'outre-mer). Als erster Regionalrat Frankreichs wird am 2. März 1983 jener von Réunion direkt vom Volk gewählt. Am 1. Januar 1996 wird unter dem neuen gaullistischen Staatspräsidenten Jacques Chirac das Sozialsystem auf Réunion endgültig an das im französischen Mutterland angeglichen. Mit dem Vertrag von Amsterdam 1997 erhält Réunion innerhalb der Europäischen Union einen Sonderstatus als „Region in äußerster Randlage der Union“ (région ultra-périphérique) mit diversen Handelserleichterungen zur Förderung der Wirtschaft. 1999 steigt die Einwohnerzahl auf Réunion über 700.000.
Während der Coronazeit gab es auf Réunion verschiedene Maßnahmen, die im Laufe der Pandemie angepasst wurden. Im März 2020 galt zunächst eine Ausgangssperre (Confinement), bei der nur mit einem ausgefüllten Formular für Einkäufe, gesundheitliche Gründe oder Sport im Wohnumkreis das Verlassen des Hauses erlaubt war. Restaurants und viele Läden wurden geschlossen, nur Lebensmittelgeschäfte blieben offen. Zudem gab es Einschränkungen bei Reisesperren innerhalb der EU und Inselblockaden. Am 1. August 2022 wurden jedoch alle Einreisebeschränkungen zwischen Réunion, dem französischen Festland und dem Ausland aufgehoben.
Verwaltung
Am 9. Februar 1513 sichteten die Portugiesen die Insel, eine Kolonisierung wurde aber nicht in Angriff genommen. 1638 beanspruchte Frankreich erstmals das Eiland, im September 1642 erneut, aber erst 1649 wurde es formal annektiert. Die erste Siedlung entstand 1664. Von 1674 bis 1764 stand die Île Bourbon unter der Verwaltung der Compagnie des Indes Orientales. 1764 wurde sie französische Kronkolonie. Von 3. Februar 1803 bis 9. Juli 1810 war Réunion, wie es nun hieß, Teil der Kolonie Indes-Orientales. Von 9. Juli 1810 bis August 1815 besetzten britische Truppen die Insel. Von 22. Juni 1940 bis 25. September 1942 verwaltete Viuchy-Frankreich die Insel,. Danach war sie bis 1946 von den Briten besetzt. Am 19. März 1946 wurde Réunion ein französisches Übersee-Department. Seit 28. Mai 2003 ist die Insel eine Überseeregion.
Herrschaftsgeschichte
- 9. Februar 1507 bis 27. März 1613 freies Territorium
- 27. März 1613 bis Juni 1638 formaler Anspruch durch das Königreich England (Kingdom of England)
- Juni 1638 bis 1. Dezember 1674 Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 1. Dezember 1674 bis 14. Juli 1767 Französische Ostindien-Gesellschaft (Compagnie Française des Indes Orientales)
- 14. Juli 1767 bis 19. März 1793 Kronkolonie Insel Bourbon (Colonie royale de l’Île Bourbon) des Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 19. März 1793 bis 25. Oktober 1797 Kolonie Réunion (Île de la Réunion) der Republik Frankreich (République française)
- 25. Oktober 1797 bis 19. April 1801 Department Réunion (Departement Île de la Réunion) der Republik Frankreich (République française)
- 3. Februar 1803 bis 9. Juli 1810 Kolonie Ostindien (Indes-Orientales) des Kaiserreichs Frankreich (Empire français)
- 9. Juli 1810 bis 5. April 1815 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
- 5. April 1815 bis 6. September 1848 Koloniel Bourbon-Insel (Île Bourbon) der Republik Frankreich (République française)
- 6. September 1848 bis 16. Juni 1940 Inselkolonie Réunion (Île de la Réunion) der Republik Frankreich (République française)
- 16. Juni 1940 bis 30. November 1942 Französischer Staat (État français) mit Sitz in Vichy
- 30. November 1942 bis 19. März 1946 Republik Frankreich (République française)
- 19. März 1946 bis 28. Märzm 2003 Überseedepartment Réunion (Département d’outre-mer de La Réunion) der Republik Frankreich (République française)
- seit 28. März 2003 Überseeregion Réunion (Département et région d’outre-mer de La Réunion) der Republik Frankreich (République française)
Verfassung
Réunion ist seit März 1946 ein département d’outre mer (Überseedepartment) der Republik Frankreich. Es galt die jeweilige französische Verfassung. Seit 1972 hat Réunion durch weitere Rechte eine größere Unabhängigkeit von Frankreich bekommen. Seit 1997 ist die Insel außerdem eine sogenannte région ultrapériphérique, eine Region in äußerster Randlage der Europäischen Union.
Legislative und Exekutive
Die politische und administrative Struktur von Réunion ist eng an das französische Staats- und Verwaltungssystem angelehnt, da die Insel ein sogenanntes Übersee-Département und gleichzeitig eine Region Frankreichs ist. Dadurch gilt dort grundsätzlich das gleiche institutionelle Modell wie im europäischen Frankreich, allerdings mit einigen Besonderheiten, die aus der Insellage und den spezifischen lokalen Anforderungen resultieren.
Das Département und die Region von Réunion sind territorial identisch, das heißt, sie umfassen exakt dasselbe geografische Gebiet. Trotz dieser räumlichen Übereinstimmung bestehen jedoch zwei getrennte Selbstverwaltungsstrukturen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Einerseits gibt es den Generalrat des Départements, der heute als Départementalrat bezeichnet wird, und andererseits den Regionalrat. Beide Organe sind eigenständig und verfügen jeweils über klar definierte Kompetenzen, die im französischen Verwaltungsrecht zwischen Département- und Regionalebene aufgeteilt sind.
Der Départementalrat ist vor allem für Aufgaben zuständig, die sich auf die soziale und lokale Verwaltung beziehen. Dazu gehören unter anderem soziale Hilfen, die Verwaltung von bestimmten Infrastrukturen auf lokaler Ebene sowie Maßnahmen im Bereich der Grundversorgung und des täglichen öffentlichen Lebens. Diese Ebene ist stärker auf unmittelbare Bürgernähe und soziale Aufgaben ausgerichtet.
Der Regionalrat von Conseil Régional de La Réunion hingegen übernimmt die übergeordnete Planung und Entwicklung der Insel. Er verfügt über regierungsähnliche Kompetenzen für alle Angelegenheiten, die die gesamte Insel betreffen, insbesondere in den Bereichen Wirtschaftsförderung, Regionalplanung, Infrastrukturentwicklung, Bildung und nachhaltige Entwicklung. Damit ist er maßgeblich für die strategische Ausrichtung der Insel verantwortlich.
Die Besonderheit dieses Systems liegt darin, dass zwei Institutionen parallel existieren, obwohl sie denselben territorialen Raum verwalten. Dies führt dazu, dass administrative Aufgaben klar zwischen lokaler Sozialverwaltung und regionaler Entwicklungsplanung getrennt sind, aber dennoch eng miteinander abgestimmt werden müssen.
Inseloberhaupt
Die in die Zuständigkeit des französischen Zentralstaates fallenden Angelegenheiten unterstehen dem Präfekten, der das Mutterland vertritt und zugleich eine Art Staatsoberhauptbildet.
Commandants (Kommandanten der Compagnie des Indes Orientales)
- 5 Aug 1665 - 8 Mai 1671 Étienne Régnault († 1688)
- 11 Mai 1671 - 22 Nov 1674 Jacques de La Heure dit La Hure († 1674/75)
- 22 Nov - 1 Dez 1674 Jacob de la Haye [de facto]
- 1 Dez 1674 - 17 Jun 1678 Henri Esse d'Orgeret († 1678)
- 18 Jun 1678 - Jan 1680 Germain de Fleuricourt Moulinier († 1680)
- Jan 1680 - 30 Nov 1686 J. Bernardin de Quimper (1634 - 1689)
- 1 Dez 1686 - 9 Dez 1689 Jean-Baptiste Drouillard († 1693)
- 11 Dez 1689 - 26 Nov 1690 Henri Habert de Vauboulon (1632 ? - 1692)
- 4 Mar 1691 - 29 Apr 1694 Michel Firélin (um 1667 - 1697)
- Apr/Mai 1694 Prades & Lemayeur [amtierend]
- Mai 1694 - 2 Jul 1696 Direktoire de Saint-Paul: Athanase Touchard (Führer „naturel de l'île“, um 1642 - 1715), Louis Caron, René Hoarau, François Mussard, Lezin Rouillard und Antoine Payet
- 1 Aug 1696 - 6 Jun 1698 Joseph Bastide
- 21 Okt 1699 - 13 Mai 1701 Jacques de la Cour de la Saulais
- 12 Jun 1701 - 5 Mar 1709 Jean-Baptiste de Villers
- 7 Mar 1709 - 24 Mar 1710 François Michel Desbordes, Sieur de Charanville
- 22 Apr 1710 - 14 Nov 1715 Pierre Antoine Parat de Chaillenest (um 1670 - 1721)
- 4 Dez 1715 - 14 Feb 1718 Henri de Justamond (1686 - 1735)
- 6 Sep 1718 - 22 Aug 1723 Joseph Beauvollier de Courchant
- 23 Aug 1723 - 1 Dez 1725 Antoine Boucher-Desforges (um 1680 - 1725)
- 2 Dez 1725 - 28 Mai 1727 Hélie Dioré (1677 - 1741)
- 21 Jul 1727 - 11 Jul 1735 Pierre Benoît Dumas (1696 - 1745)
- 12 Jul - 1 Okt 1735 Bertrand François Mahé, Comte de La Bourdonnais (1699 - 1753)
Commandants (Kommandanten unter den Generalgouverneuren der Maskarenen)
- 2 Okt 1735 - 30 Sep 1739 Charles L'Emery Dumont
- 11 Nov 1739 - 12 Dez 1743 Pierre André d'Héguerty (1700 - 1763)
- 13 Dez 1743 - 8 Mai 1745 Didier de Saint-Martin (1698 - 1777)
- 15 Mai - 31 Okt 1745 Jean-Baptiste Azéma (1697 - 1745)
- 1 Nov - 18 Dez 1745 Didier de Saint-Martin [2]
Gouverneurs (Gouverneure)
- 29 Dez 1745 - 28 Mar 1747 Gaspard de Ballade († 1749)
- 14 Apr 1747 - 11 Nov 1748 Didier de Saint-Martin
- 22 Nov 1748 - 17 Mar 1749 Gaspard de Ballade [2]
- 24 Mai - 23 Aug 1749 Antoine Marie Desforges-Boucher (1713 - 1790)
- 6 Sep 1749 - 16 Okt 1750 Joseph Brénier
- 16 Okt 1750 - 14 Dez 1752 Jean-Baptiste Charles Bouvet de Lozier (1705 - 1786)
- 14 Dez 1752 - 14 Jan 1756 Joseph Brénier [2]
- 12 Jul - 15 Okt 1757 Antoine Marie Desforges-Boucher [2]
- 19 Okt 1757 - 6 Sep 1763 Jean-Baptiste Charles Bouvet de Lozier [2]
- 7 Sep - 14 Okt 1763 Jean Sentuary (1711 - 1784)
- 5 Nov 1763 - 30 Mar 1767 François Jacques Bertin d’Avesnes (1716 - 1793)
- 31 Mar - 4 Nov 1767 Martin Adrien Bellier (1718 - 1793)
- 4 Nov 1767 - 4 Okt 1773 Guillaume Léonard de Bellecombe (1728 - 1792)
- 15 Dez 1773 - 15 Okt 1776 Jean-Guillaume Steinauer
- 26 Okt 1776 - 30 Apr 1779 François de Souillac (1732 - 1803)
- 25 Mai 1779 - 22 Aug 1781 Joseph Murinay de Saint-Maurice
- 25 Aug 1781 - 21 Apr 1785 André Joseph François Chalvet, Baron de Souville (um 1753 - vor 1810)
- 2 Mai 1785 - 15 Feb 1788 Élie Dioré (1727 - 1803)
- 21 Feb 1788 - 15 Aug 1790 David Charpentier de Cossigny (1740 - 1801)
- 8 Sep 1790 - 18 Okt 1792 Dominique Prosper de Chermont (1741 - 1798)
- 19 Okt 1792 - 11 Apr 1794 Jean-Baptiste Vigoureux du Plessis (1735 - 1825)
- 12 Apr 1794 - 1 Nov 1795 Pierre Alexandre Roubaud
- 2 Nov 1795 - 7 Okt 1803 Philippe Antoine Jacob de Cordemoy (um 1755 - 1820)
- 10 Nov 1803 - 31 Dez 1805 François Louis Magallon, comte de la Morlière
- 9 Jan 1806 - 25 Sep 1809 Nicolas Ernault de Regnac des Brulys (1757 - 1809)
- 9 Okt 1809 - 8 Jul 1810 Jean-Chrysostome Bruneteau de Sainte-Suzanne (um 1760 - 1830)
- 9 Jul - 20 Dez 1810 Robert Townsend Farquhar (1776 - 1830)
- 20 Dez 1810 - 26 Apr 1811 Henry Sheehy Keating (1775 - 1847)
- 26 Apr - 10 Jul 1811 Robert Townsend Farquhar [2]
- 10 Jul 1811 - 5 Apr 1815 Henry Sheehy Keating [2]
- 6 Apr 1815 - 30 Jun 1817 Athanase Hyacinthe Bouvet de Lozier (1770 - 1825)
- 1 Jul 1817 - 9 Sep 1818 Hilaire Urbain Lafitte de Courteil
- 13 Sep 1818 - 14 Feb 1821 Pierre Bernard de Milius (1773 - 1829)
- 15 Feb 1821 - 14 Okt 1826 Louis Henri de Saulces de Freycinet (1777 - 1840)
- 20 Okt 1826 - 4 Jul 1830 Achille Gui Marie Michel de Penfentenio de Cheffontaines (1776 - 1835)
- 5 Jul 1830 - 7 Nov 1832 Étienne Henri Mengin du Valdailly (1778 - 1865)
- 8 Nov 1832 - 4 Mai 1838 Jacques Philippe Cuvillier (1774 - 1857)
- 5 Mai 1838 - 14 Okt 1841 Anne Chrétien Louis de Hell (1783 - 1864)
- 15 Okt 1841 - 4 Jun 1846 Charles Louis Joseph Bazoche (1784 - 1853)
- 5 Jun 1846 - 13 Okt 1848 Emmanuel François Joseph Graeb (1790 - 1850)
- 13 Okt 1848 - 7 Mar 1850 Joseph Napoléon Sarda-Garriga (1808 - 1877)
- 9 Mar 1850 - 14 Feb 1851 Marie-Boin-Ézéchiel Barolet de Puligny (1803 - 1877)
- 15 Feb 1851 - 8 Aug 1852 Louis Isaac Pierre Hilaire Doret (1789 - 1866)
- 8 Aug 1852 - 8 Jan 1858 Louis Henri Hubert Delisle (1810 - 1881)
- 11 Jan - 27 Mar 1858 Lefevre [amtierend]
- 28 Mar 1858 - 19 Sep 1864 Rodolphe Augustin, Baron Darricau (1807 - 1877)
- 4 Jan 1865 - 23 Sep 1869 Marie Jules Dupré (1815 - 1881)
- 27 Sep 1869 - 18 Sep 1875 Louis Hippolyte de Lormel (1806 - 1888)
- 19 Nov 1875 - 29 Apr 1879 Pierre Aristide Faron (1814 - 1879)
- 6 Mai 1879 - 23 Mar 1886 Pierre Étienne Cuinier (1824 - 1888)
- 23 Mar - 11 Okt 1886 Jean Baptiste Antoine Lougnon [interimistisch] (1843 - 1893)
- 11 Okt 1886 - 16 Dez 1887 Étienne Antoine Guillaume Richaud (1841 - 1889)
- 16 Dez 1887 - 21 Aug 1888 Jean Baptiste Antoine Lougnon [2]
- 22 Aug 1888 - 10 Jul 1893 Louis Evenor Édouard Manès (1835 - 1898)
- 11 Jul 1893 - 21 Jun 1895 Henri Eloi Danel (1850 - 1900)
- 22 Jun - 12 Aug 1895 Henri Charles Roberdeau (1849 - 1916)
- 13 Aug 1895 - 19 Mai 1896 Benedict Jacob de Cordemoy (1848 - 1907)
- 19 Mai 1896 - 30 Okt 1900 Laurent Marie Émile Beauchamp (1838 - 1901)
- 30 Okt 1900 - 19 Feb 1901 Charles Albert Madre (1844 - 1908)
- 19 Feb 1901 - 29 Jul 1905 Paul Samary (1848 - 1911)
- 29 Jul 1905 - 30 Aug 1906 Fernand Ernest Therond [amtierend] (1862 - 1921)
- 30 Aug - 7 Nov 1906 Auguste Marius Verignon (1851 - nach 1910)
- 8 Nov 1906 - 27 Dez 1907 Adrien Jules Jean Bonhoure (1860 - 1929)
- 1 Jan 1908 - 19 Mar 1908 Henri François Charles Cor (1864 - 1932)
- 19 Mar 1908 - 18 Jan 1910 Camille Lucien Xavier Guy (1860 - 1929)
- 18 Jan - 17 Sep 1910 Philippe Émile Jullien (1845 - 1912)
- 18 Sep 1910 - 28 Jul 1912 François Pierre Rodier (1854 - 1913)
- 30 Aug 1912 - 22 Nov 1913 Hubert Auguste Garbit (1869 - 1933)
- 23 Nov 1913 - 1 Jun 1919 Pierre Louis Alfred Duprat (1880 - 1953)
- 2 Jun 1919 - 26 Jul 1920 Victor Jean Brochard [amtierend]
- 27 Jul 1920 - 5 Sep 1922 Frédéric Estèbe (1863 - 1936)
- 6 Sep 1922 - 21 Aug 1923 Henri Cleret de Langavant (1872 - nach 1925)
- 22 Aug 1923 - 2 Okt 1924 Maurice Pierre Lapalud (1868 - nach 1925)
- 31 Mar 1925 - 28 Nov 1932 Jules Vincent Repiquet (1874 - 1960)
- 29 Nov 1932 - 13 Jun 1934 Louis Fabre (1885 - 1936)
- 14 Jun 1934 - 29 Mai 1936 Alphonse Paul Albert Choteau (1883 - 1936)
- 29 Mai - 16 Aug 1936 Charles Victor Allard [interimistisch]
- 17 Aug 1936 - 27 Okt 1938 Léon Hippolyte Truitard (1885 - 1972)
- 28 Okt 1938 - 29 Dez 1939 Joseph Urbain Court (1881 - 1948)
- 30 Dez 1939 - 1 Dez 1942 Pierre Émile Aubert (1888 - 1972)
- 1 Dez 1942 - 17 Jul 1947 André Jean Charles Capagorry (1894 - 1981)
Préfets (Präfekte, 10 Mai 1982 - 24 Feb 1988 Kommissäre der Republik)
- 16 Aug 1947 - 1 Jun 1950 Paul Demange (1906 - 1970)
- 1 Jun 1950 - 4 Jul 1952 Roland Luc Béchoff (1906 - 2006)
- 4 Jul 1952 - 14 Mai 1956 Pierre Philip (1893 - 1961)
- 12 Jun 1956 - 1 Mar 1963 Jean François Pierre Perreau-Pradier (1911 - 1981)
- 1 Mar 1963 - 1 Sep 1966 Alfred Diefenbacher (1915 - 2015)
- 11 Sep 1966 - 22 Okt 1969 Jean Vaudeville (1921 - 1993)
- 29 Okt 1969 - 21 Aug 1972 Paul Cousseran (1922 - 2000)
- 28 Aug 1972 - 14 Apr 1975 Claude Edmond Vieillescazes (* 1923)
- 14 Apr 1975 - 12 Mai 1977 Robert Lamy (1925 - 2023)
- 16 Mai 1977 - 22 Mai 1980 Bernard Landouzy (* 1933)
- 29 Mai 1980 - 1 Aug 1981 Jacques Jean Frédéric Seval (1930 - 2021)
- 1 Aug 1981 - 15 Mar 1984 Michel Francis Levallois (1934 - 2018)
- 26 Mar 1984 - 9 Apr 1986 Michel Blangy (* 1939)
- 9 - 25 Apr 1986 Jean-Marc Rebière [amtierend] (* 1948)
- 25 Apr 1986 - 11 Sep 1989 Jean Anciaux (* 1930)
- 11 Sep 1989 - 18 Jul 1991 Daniel Constantin (* 1940)
- 18 Jul 1991 - Dez 1992 Jacques Dewatre (1936 - 2021)
- 2 Dez 1992 - 2 Jan 1995 Hubert Fournier (* 1948)
- 9 Jan - 27 Nov 1995 Pierre Steinmetz (* 1943)
- 27 - 29 Nov 1995 Yves Dassonville [amtierend] (1948 - 2021)
- 29 Nov 1995 - 15 Jul 1998 Robert Pommies (* 1941)
- 15 Jul - 5 Aug 1998 Yves Dassonville [2, amtierend]
- 5 Aug 1998 - 2 Jul 2001 Jean Daubigny (1948 - 2024)
- 2 - 31 Jul 2001 Vincent Bouvier [amtierend] (* 1952)
- 31 Jul 2001 - 13 Aug 2004 Gonthier Friederici (* 1945)
- 13 - 16 Aug 2004 Franck-Olivier Lachaud [amtierend] (* 1969)
- 16 Aug 2004 - 4 Jun 2005 Dominique Vian (* 1944)
- 4 Jun - 16 Jul 2004 Franck-Olivier Lachaud [2, amtierend]
- 16 Jul 2005 - 22 Aug 2006 Laurent Cayrel (* 1950)
- 22 - 28 Aug 2006 Franck-Olivier Lachaud [3, amtierend]
- 28 Aug 2006 - 8 Feb 2010 Pierre-Henri Maccioni (* 1948)
- 8 - 15 Feb 2010 Michel Theuil [amtierend] (1958 - 2013)
- 15 Feb 2010 - 27 Aug 2012 Michel Lalande (* 1955)
- 27 Aug 2012 - Aug 2014 Jean-Luc Marx (* 1954)
- Aug - 2 Sep 2014 Xavier Brunetière [amtierend] (* 1978)
- 2 Sep 2014 - 3 Jun 2017 Dominique Sorain (* 1955)
- 3 Jun - 10 Jul 2017 Maurice Barate [amtierend] (* 1961)
- 10 Jul 2017 - 17 Jun 2019 Amaury de Saint-Quentin (* 1960)
- 17 Jun 2019 - 1 Aug 2022 Jacques Billant (* 1960)
- 1 - 23 Aug 2022 Régine Pam [w] (* 1964)
- 23 Aug 2022 - 22 Okt 2024 Jérôme Filippini (* 1968)
- 22 Okt - 18 Nov 2024 Laurent Lenoble [amtierend] (* 1967)
- seit 18 Nov 2024 Patrice Latron (* 1961)
Ordonnateurs (Anweidungsbefugte, unterstellt den Intendanten auf der Île de France [Mauritius])
- 1767 - 1778 Honoré de Crémont (1731 - 1800)
- 1778 - 1784 Jean-Charles-Potier, Marquis de Courcy (um 1725 - 1797)
- 20 Aug 1784 - 4 Okt 1785 Augustin-François Motais de Narbonne (1747 - 1827)
- 1785 - 1789 Jean-Baptiste Thibault de Chanvalon (1751 - 1838)
- 7 Nov 1789 - 7 Mai 1794 Pierre Rathier du Vergé (1746 - vor 1810)
- Mai 1794 - 1799 Jean-Baptiste Thibault de Chanvalon [2]
- 1799 - 1803 de Saint-Perne
- 1803 J.H.B. Marchant (sous-préfet, 1756 - nach 1820)
- 6 Apr 1815 - 5 Dez 1816 J.H.B. Marchant [2]
- Dez 1816 - 28 Jun 1817 Auguste Montjol de Lanux [interimistisch] (1766 - 1836)
- 28 Jun - 9 Sep 1817 Philippe-Panon, Baron de Richemont Desbassayns (1774 - 1840)
Présidents du Conseil général (Präsidennten des Generalsrats)
- 19 Nov 1945 - Mai 1946 Paul Picaud (1907 - 1998)
- Mai - 31 Okt 1946 Léon de Lépervanche (1907 - 1961) PCR
- 31 Okt 1946 - 13 Okt 1949 Roger Vidot (1911 - 1976)
- 13 Okt 1949 - 6 Jan 1966 Roger Payet (1894 - 1966) PCR
- 8 Mai 1966 - 4 Okt 1967 Marcel Cerneau (1905 - 1990) UDF
- 4 Okt 1967 - 24 Mar 1982 Pierre Lagourgue (1921 - 1998) UC
- 24 Mar 1982 - 8 Okt 1988 Auguste Legros (1922 - 2008) RPR
- Okt 1988 - Aug 1993 Éric Boyer (* 1939) RPR
- Aug 1993 - 28 Mar 1994 Joseph Sinimalé [interimistisch] (* 1943)
- 28 Mar 1994 - 30 Mar 1998 Christophe Payet (* 1940) PS
- 30 Mar 1998 - 1 Apr 2004 Jean-Luc Poudroux (* 1950) UDF
- 1 Apr 2004 - 2 Apr 2015 Nassimah Mangrolia Dindar [w] (* 1960) UMP
Présidents du Conseil départmental (Präsidentnen des Deparstmentalrats)
- 2 Apr 2015 - 18 Dez 2017 Nassimah Dindar-Mangrolia [w] UMP
- seit 18 Dez 2017 Cyrille Melchior (* 1961) LR
Présidents du Conseil régional (Präsidenten des Regionalrats)
- 15 Dez 1973 - 3 Jan 1978 Marcel Cerneau (1905 - 1990) UDF, ab 1976 RPR
- 3 Jan 1978 - 28 Feb 1983 Yves Barau (1910 - 1994) RPR
- 28 Feb 1983 - Mar 1986 Mario Hoarau (1914 - 1993) PCR
- Mar 1986 - 27 Mar 1992 Pierre Lagourgue (1921 - 1998) FRA
- 27 Mar 1992 - 25 Jun 1993 Camille Sudre (* 1948) FD
- 25 Jun 1993 - 23 Mar 1998 Marguerite „Margie“ Sudre [w] (* 1943) RPR
- 23 Mar 1998 - 26 Mar 2010 Paul Vergès (1925 - 2016) PCR
- 26 Mar 2010 - 2 Jul 2021 Didier Robert (* 1964) UMP, ab 2015 LR
- seit 2 Jul 2021 Huguette Bello [w] (* 1950) PLR
Politische Gruppierungen und Wahlen
Auf der Insel hat sich zusätzlich zu der dem französischen Mutterland angegeglicxhenen Parteienspektrum eine Parteienlandschaft entwickelt, die mehr oder weniger auf Autonomie hinsteuert.
Politische Gruppierungen:
- CDS = Centre des Démocrates Sociaux (Centre of Social Democrats / Zentrum der Sozialdemokraten)
- FD = Free Dom (Free Dom / Freies Department d' Outre-Mer [Freies Übersee-Department], geführt von Camille Sudre)
- FRA = Futur de France-Réunion oder France-Réunion Future (Future for France-Reunion / Französisch-Reunionische Zukunft)
- PCR = Parti Communiste Réunionnais (Communist Party of Reunion / Kommunistische Partei Reunion)
- PS = Parti Socialiste (Socialist Party / Sozialistische Partei)
- RN = Rassemlement National (National Assembly / Nationale Versammlung, rechts)
- RPR = Rassemblement Pour la République (Republican Rally / Republikanische Versammlung, gaullistisch, konservativ, 1976 bis 2002 Vorgänger der UDR, aufgegangen in der UMP)
- UC = Union Centriste (Centrist Union / Zentristische Union)
- UDF = Union pour Français la Démocratie (Union for French Democracy / Union für französische Demokratie)
- UMP = Union pour un Mouvement Populaire (Union for a People’s Movement / Union für eine Volksbewegung [bis 17 Nov 2002 Union für präsidentielle Mehrheit], konservativ, gegründet 23 Apr 2002 als Vereinigung von RPR, DL und dem Großteil der UDF)
- UPF = Union pour France (Union for France / Union für Frankreich)
Auf Réunion gilt das französische (Mehrheits-)Wahlrecht für alle Bürger über 18 Jahren.
Justizwesen und Kriminalität
Das Justizwesen auf Réunion ist vollständig in das französische Rechtssystem eingebunden, da die Insel als Übersee-Département ein integraler Bestandteil der Französischen Republik ist. Das bedeutet, dass dort exakt die gleichen Gesetze gelten wie im europäischen Frankreich und auch die gleiche gerichtliche Struktur vorhanden ist. Es gibt keine eigenständige Rechtsordnung, sondern eine vollständige Anwendung des französischen Zivil-, Straf- und Verwaltungsrechts.
Die Justizbehörden auf Réunion umfassen Gerichte aller üblichen Instanzen, darunter Amts- und Landgerichte sowie höhere Gerichtsinstanzen, die für Berufungsverfahren zuständig sind. Ebenso existieren Staatsanwaltschaften, die für die strafrechtliche Verfolgung verantwortlich sind. Diese Institutionen arbeiten nach denselben gesetzlichen Grundlagen und Verfahrensregeln wie im Mutterland Frankreich.
Auch die Polizei ist Teil des französischen staatlichen Sicherheitsapparats. Auf der Insel sind sowohl die nationale Polizei als auch die Gendarmerie vertreten, die gemeinsam für öffentliche Sicherheit, Strafverfolgung und Ordnung sorgen. Damit ist gewährleistet, dass das staatliche Gewaltmonopol einheitlich nach französischem Recht ausgeübt wird.
Die Gerichts- und Verwaltungsgebäude auf der Insel sind modern ausgestattet und in die lokale städtische Struktur eingebunden. Sie spiegeln die französische Verwaltungsarchitektur wider, berücksichtigen jedoch teilweise auch kreolische und tropische Gestaltungselemente, die sich an das Klima und die kulturelle Umgebung der Insel anpassen.
Die gesellschaftliche Situation auf Réunion ist jedoch von bestimmten sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt, die auch Auswirkungen auf das soziale Gefüge und indirekt auf die Kriminalitätslage haben. Die Wirtschaft der Insel ist stark vom öffentlichen Dienst abhängig, insbesondere von Beamten, die im Durchschnitt deutlich höhere Einkommen erzielen als große Teile der übrigen Bevölkerung. Diese Einkommensunterschiede führen teilweise zu sozialen Spannungen und einer relativ hohen Lebenshaltungskostenstruktur.
Im Bereich der Kriminalität weist Réunion typische Probleme einer modernen, dicht besiedelten Inselgesellschaft auf. Dazu gehören insbesondere Eigentumsdelikte wie Diebstahl, gelegentlich auch Drogenhandel sowie vereinzelt gewalttätige Vorfälle. Diese Erscheinungen sind jedoch nicht außergewöhnlich hoch im Vergleich zu anderen französischen Überseegebieten und bewegen sich insgesamt im Rahmen ähnlicher Regionen innerhalb Frankreichs.
Militär
Die Insel besitzt keine eigenen Streitkräfte, wohl aber eine eigene Polizei und Küstenwache. Für die Verteidigung der Insel ist der französische Staat zuständig. Die Insel ist Standort verschiedener Einheiten der französischen Streitkräfte – darunter das 2e Régiment de Parachutistes d’Infanterie de Marine (2e RPIMa), ein Fallschirmjägerbataillon mit Sitz in Saint-Denis. Zusätzlich gibt es Marine- und Luftwaffenstützpunkte, von denen aus im Indischen Ozean und angrenzender Region Einsätze zur Seeüberwachung, Souveränitätssicherung und für internationale Einsätze erfolgen. Die Militärkräfte übernehmen Aufgaben zur Verteidigung des französischen Staatsgebiets, Katastrophenschutz, Küstenwache, Terrorismusabwehr sowie Hilfe bei Naturkatastrophen oder humanitären Einsätzen in der Region.
Die Insel ist für Frankreich ein strategisch wichtiger Stützpunkt im Indischen Ozean, etwa zur Projektion französischer Militärmacht, für logistische Aufgaben und als Operationsbasis, zum Beispiel im Anti-Piraterie-Einsatz.
Internationale Beziehungen
Réunion pflegt enge Beziehungen zu den Nachbarstaaten Mauritius, Madagaskar und Seschellen. Ansonsten werden die außenpolitischen Agenden vom französischen Mutterland wahrgnommen. Seit 1997 ist Réunion eine sogenannte „Region in äußerster Randlage“ (région ultrapériphérique) der EU. Damit genießt die Insel Zugang zu EU-Programmen sowie diversen Wirtschaftsförderungen, bleibt aber beim Thema Freizügigkeit und Zollbestimmungen teils ausgenommen.
Die Universität von La Réunion spielt eine bedeutende Rolle im akademischen Austausch und in der Kooperation insbesondere im Indischen Ozean, mit Partnern in Afrika, Asien und Europa. Ziel ist es, ein zentraler Wissenschaftsstandort für die Region zu sein.
Als französisches und europäisches Territorium im Indischen Ozean ist Réunion ein geopolitischer Brückenkopf Frankreichs und der EU zwischen Afrika, Asien und Australien. Die Insel ist Stützpunkt für französische und europäische Einsätze sowie Plattform für humanitäre Missionen in der Region.
Flagge und Wappen
Der Generalrat des Départements (heute Départementalrat) verwendet ein eigenes Logo, das auf einer weißen Flagge dargestellt wird. Dieses besteht aus einem weißen „R“ auf einem vielfarbigen Rechteck. Unter diesem Symbol befindet sich je nach Variante entweder der Schriftzug „Conseil de la Réunion“ oder „Département de la Réunion“ in blauer Schrift. Diese Gestaltung betont vor allem die institutionelle Identität der lokalen Verwaltungsebene innerhalb des französischen Systems.
Seit 1982 besitzt Réunion zusätzlich den Status einer französischen Überseeregion. Der Regionalrat verwendet hierfür eine eigene Regionalflagge, die ebenfalls auf weißem Hintergrund basiert. Zentrales Element ist ein Logo, das eine stilisierte Sonne zeigt, die über einer blau schraffierten Darstellung der Insel aufgeht. Unter diesem Symbol steht in der Regel der Name der Region in schwarzer Schrift. In einigen Varianten wird zusätzlich der Slogan „Valorisons nos atouts“ in blauer Schrift verwendet, was auf die Bedeutung der eigenen regionalen Ressourcen und Stärken hinweist.
Neben diesen modernen Verwaltungsflaggen existiert auch ein offizielles Wappen der Insel, das 1925 eingeführt wurde. Dieses Wappen ist ein gevierter Schild, der verschiedene historische und geografische Elemente von Réunion symbolisch vereint. Im Wappen sind unter anderem Berge dargestellt, darunter der höchste Gipfel der Insel, der Piton des Neiges, der die vulkanische Entstehung und das gebirgige Relief der Insel repräsentiert. Ein weiteres Feld zeigt ein historisches Schiff, das auf die maritime Entdeckung und Kolonialgeschichte verweist.
Zusätzlich enthält das Wappen drei goldene Lilien, die auf die französische Monarchie der Bourbonen-Dynastie hinweisen und den historischen Namen Île Bourbon symbolisieren. Goldene Bienen stehen für Napoleon Bonaparte und seine Herrschaftszeit, während ein Herzschild die französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot mit den Buchstaben „RF“ für République française zeigt. Diese Kombination verdeutlicht die enge politische Verbindung zur französischen Republik.
Das Motto des Wappens lautet „Florebo quocumque ferar“, was übersetzt „Ich werde blühen, wohin man mich auch bringt“ bedeutet. Dieser Leitspruch wird oft als Ausdruck der Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft der Inselgesellschaft interpretiert und verbindet koloniale Geschichte mit einem identitätsstiftenden Selbstverständnis.
Nationale Symbole:
- Farbe: weiß
- Pflanze: Vanille (vanilla planifolia)
- Tier: Rallenalk (dryolimnas augusti)
- Motto: Florebo quocumque ferar („Ich werde blühen, wohin man mich auch bringt“)
- Held: -
Hymne
Réunion hat keine eigene Hymne. Bei offiziellen Anlässen wird die Marseillaise gespielt. Inoffiziell allerdings haben die Réunionesen ein Volkslied, P‘tit fleur fanée („Kleine verblühte Blume“), zu ihrer Hymne erkoren. Das Lied ist ein Walzer mit einem Text in kreolischem Französisch. Es wird in den Schulen gelehrt und bei Festlichkeiten gesungen.
Hauptstadt
Die Hauptstadt- und Verwaltungsentwicklung von Réunion ist eng mit der frühen Kolonialgeschichte der Insel verbunden und zeigt, wie sich politische und wirtschaftliche Zentren im Laufe der Zeit verschoben haben. Die ersten französischen Ansiedlungen und die spätere Entwicklung der wichtigsten Städte stehen dabei in direktem Zusammenhang mit der strategischen Nutzung der Küstenregionen.
Die erste bedeutende Siedlung entstand im Bereich der heutigen Gemeinde Saint-Paul. An der dortigen Bucht gingen die Franzosen am 29. Juni 1642 im Zuge der zweiten Inbesitznahme der Maskarenen erstmals an Land. Diese Region gilt daher als älteste dauerhaft besiedelte Zone der Insel. Saint-Paul entwickelte sich in der frühen Kolonialzeit schnell zum wichtigsten Verwaltungs- und Handelszentrum und war zunächst der erste Hauptort von Réunion.
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts verlagerte sich jedoch das politische und wirtschaftliche Zentrum der Insel zunehmend. Im Jahr 1669 wurde die spätere Hauptstadt Saint-Denis von Étienne Régnault gegründet. Aufgrund ihrer günstigeren Lage im Norden der Insel, insbesondere in Bezug auf Schifffahrtsrouten und Verwaltung, gewann die Stadt im Verlauf des 18. Jahrhunderts immer mehr an Bedeutung.
Schließlich wurde Saint-Denis im Jahr 1738 offiziell zur neuen Hauptstadt der Insel erklärt und löste damit Saint-Paul als administratives Zentrum ab. Seit dieser Zeit ist Saint-Denis das politische und administrative Herz von Réunion geblieben. Die Stadt entwickelte sich kontinuierlich weiter und ist bis heute Sitz der wichtigsten Regierungs- und Verwaltungsinstitutionen der Insel sowie der Präfektur des französischen Staates vor Ort.
Saint-Denis erfüllt damit die Funktion einer Hauptstadt im klassischen Sinn: Sie ist das Zentrum der regionalen Verwaltung, der politischen Entscheidungsstrukturen und vieler wirtschaftlicher und kultureller Einrichtungen. Gleichzeitig bleibt Saint-Paul als historische Ursprungsregion der Besiedlung ein wichtiger Ort mit hoher symbolischer Bedeutung für die frühe Kolonialgeschichte.
Verwaltungsgliederung
Réunion besteht aus 5 arrondissements, die wiederum in Gemeinden und Kantone unterteilt sind im Folgenden nach dem Zensus von 1999:
| Arrondissement | HASC | INSEE | Fläche (km²) | Fläche (mi²) | Einwohner |
| Îles Éparses | RE.IE
|
38 | 15 | 0 | |
| Saint-Benoît | RE.BN
|
9743
|
738 | 285 | 101.804 |
| Saint-Denis | RE.DN
|
9741
|
421 | 163 | 236.599 |
| Saint-Paul | RE.PL
|
9744
|
466 | 180 | 138.551 |
| Saint-Pierre | RE.PR
|
9742
|
883 | 341 | 229.346 |
| Réunion | 2.546 | 984 | 706.300 | ||
Die Gemeinden der Insel sind:
| INSEE-Code | Code Postal | Commune | Intercommunalité | Gründungsjahr |
| 97401 | 97425 | Les Avirons | CCSUD | 1894 |
| 97402 | 97412 | Bras-Panon | CIREST | 1882 |
| 97424 | 97413 | Cilaos | CIVIS | 1965 |
| 97403 | 97414 | L’Entre-Deux | CCSUD | 1882 |
| 97404 | 97427 | L’Étang-Salé | CIVIS | 1894 |
| 97405 | 97429 | Petite-Île | CIVIS | 1935 |
| 97406 | 97431 | La Plaine-des-Palmistes | CIREST | 1899 |
| 97407 | 97420 | Le Port | TCO | 1895 |
| 97408 | 97419 | La Possession | TCO | 1890 |
| 97409 | 97440 | Saint-André | CIREST | 1741 |
| 97410 | 97437 | Saint-Benoît | CIREST | 1733 |
| 97411 | 97400 | Saint-Denis | CINOR | 1689 |
| 97418 | 97438 | Sainte-Marie | CINOR | 1737 |
| 97419 | 97439 | Sainte-Rose | CIREST | 1790 |
| 97420 | 97441 | Sainte-Suzanne | CINOR | 1704 |
| 97412 | 97480 | Saint-Joseph | CCSUD | 1875 |
| 97413 | 97416 | Saint-Leu | TCO | 1790 |
| 97414 | 97450 | Saint-Louis | CIVIS | 1768 |
| 97415 | 97428 | Saint-Paul | TCO | 1663 |
| 97417 | 97442 | Saint-Philippe | keine | 1830 |
| 97416 | 97410 | Saint-Pierre | CIVIS | 1735 |
| 97421 | 97433 | Salazie | CIREST | 1899 |
| 97422 | 97418 | Le Tampon | CCSUD | 1925 |
| 97423 | 97426 | Trois-Bassins | TCO | 1897 |
| Name | Fläche (km²) | Einwohner 2019 | Dichte (E/km²) | Arrondissement |
| Bras-Panon | 88,55 | 13.057 | 147,45 | Saint-Benoît |
| Cilaos | 84,4 | 5.538 | 61,62 | Saint-Pierre |
| Entre-Deux | 66,83 | 6.927 | 103,65 | Saint-Pierre |
| La Plaine-des-Palmistes | 83,19 | 6.626 | 79,65 | Saint-Benoît |
| Le Port | 16,62 | 32.977 | 1984,18 | Saint-Paul |
| La Possession | 118,35 | 32.985 | 278,71 | Saint-Paul |
| Le Tampon | 165,43 | 79.824 | 482,52 | Saint-Pierre |
| Les Avirons | 26,27 | 11.440 | 435,48 | Saint-Pierre |
| Les Trois-Bassins | 42,58 | 7.015 | 164,79 | Saint-Paul |
| L'Étang-Salé | 38,65 | 14.059 | 363,75 | Saint-Pierre |
| Petite-Île | 33,93 | 12.395 | 365,31 | Saint-Pierre |
| Saint-André | 53,07 | 56.902 | 1072,21 | Saint-Benoît |
| Saint-Benoît | 229,61 | 37.036 | 161,30 | Saint-Benoît |
| Saint-Denis | 142,79 | 153.810 | 1077,17 | Saint-Denis |
| Saint-Joseph | 178,5 | 37.918 | 212,43 | Saint-Pierre |
| Saint-Leu | 118,37 | 34.586 | 292,19 | Saint-Paul |
| Saint-Louis | 98,9 | 53.120 | 537,11 | Saint-Pierre |
| Saint-Paul | 241,28 | 103.208 | 427,75 | Saint-Paul |
| Saint-Philippe | 153,94 | 5.198 | 33,77 | Saint-Pierre |
| Saint-Pierre | 95,99 | 84.982 | 885,32 | Saint-Pierre |
| Sainte-Marie | 87,21 | 34.061 | 390,56 | Saint-Denis |
| Sainte-Rose | 177,6 | 6.345 | 35,72 | Saint-Benoît |
| Sainte-Suzanne | 58,84 | 24.065 | 408,99 | Saint-Denis |
| Salazie | 103,82 | 7.136 | 68,73 | Saint-Benoît |
Verwaltungsgliederung:
5 arrondissements (Kreise)
24 communes (Gemeinden)
25 cantons (Kantone)
Bevölkerung
Die geschätzte Einwohnerzahl von Réunion im Jahr 2024 beträgt 878.591. Diese Zahl basiert auf Interpolationen der neuesten Daten der Vereinten Nationen, laut StatisticsTimes.com. Andere Quellen liefern leicht abweichende Schätzungen, beispielsweise 882.405 laut World Population Review oder 892.102 laut Data Commons. Laut Worldometer stieg die Bevölkerung im Jahr 2024 um 3.708 Einwohner. Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die Fläche von 2.503,74 km².
Bevölkerungsentwicklung:
Jahr Einwohner Dichte (E/km²)
1646 12 0,01
1654 13 0,01
1670 50 0,02
1686 269 0,11
1707 734 0,29
1750 950 0,38
1777 1 171 0,47
1804 35 500 14,18
1826 87 200 34,83
1830 89 000 35,55
1837 110 000 43,93
1839 103 700 41,42
1848 105 700 42,22
1851 110 800 44,25
1858 161 300 64,42
1862 166 600 66,54
1870 182 700 72,97
1873 193 400 77,24
1876 183 200 73,17
1878 178 300 71,21
1880 180 800 72,21
1885 179 600 71,73
1889 165 900 66,26
1892 167 200 66,78
1906 173 200 69,18
1902 173 315 69,22
1907 177 700 70,97
1911 173 822 69,42
1921 173 190 69,17
1926 186 800 74,61
1931 197 933 79,05
1936 208 300 83,20
1941 220 955 88,25
1946 241 708 96,52
1948 233 500 93,26
1949 237 400 94,82
1950 243 700 97,33
1951 250 700 100,13
1952 257 700 102,93
1953 265 500 106,04
1954 274 370 109,58
1955 286 100 114,27
1956 296 000 118,22
1957 298 700 119,30
1958 317 900 126,97
1959 327 200 130,68
1960 337 500 134,80
1961 349 282 139,50
1962 358 900 143,35
1963 371 900 148,54
1964 385 000 153,77
1965 392 900 156,93
1966 403 300 161,08
1967 416 525 166,35
1968 425 500 169,95
1969 435 900 174,10
1970 445 500 177,93
1971 455 000 181,73
1972 463 400 185,08
1973 469 800 187,64
1974 480 152 191,77
1975 481 100 192,15
1976 486 900 194,47
1977 492 400 196,67
1978 497 400 198,66
1979 502 600 200,74
1980 507 400 202,66
1981 512 100 204,53
1982 515 798 206,01
1983 518 450 207,07
1984 527 200 210,56
1985 546 100 218,11
1986 555 250 221,77
1987 564 865 225,61
1988 574 082 229,29
1989 590 450 235,81
1990 597 828 238,77
1991 611 600 244,27
1992 625 000 249,63
1993 631 500 252,22
1994 645 000 257,61
1995 653 000 260,81
1996 664 000 265,20
1997 678 200 270,87
1998 697 600 278,52
1999 717 723 286,66
2000 720 934 287,94
2001 729 700 291,44
2002 740 900 295,92
2003 752 300 300,47
2004 763 200 304,82
2005 774 600 309,38
2006 784 000 313,13
2007 794 500 317,33
2008 802 855 320,07
2009 812 800 324,63
2010 821 836 328,24
2011 822 986 328,70
2012 843 459 336,88
2013 844 994 337,94
2014 843 617 336,94
2015 850 727 339,78
2016 853 000 34,69
2017 856 500 342,09
2018 858 166 342,75
2019 860 500 343,69
2020 863 083 344,72
2021 867 010 346,29
2022 871 540 348,10
2023 874 883 349,43
2024 878 591 350,91
Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 2,125 % pro Jahr, um folgenden Jahrzehnt bis 2011 um jährlich 1,505 %.
Bevölkerungsaufteilung:
Bevölkerungszahl 2001 insgesamt 732 570
davon weiblich 371 072 50,65 %
männlich 361 498 49,35 %
davon unter 15jährig 234 928 32,07 %
15 bis 64 Jahre alt 456 045 62,25 %
über 64jährig 41 597 5,68 %
Die Fruchtbarkeitsrate lag 2008 bei 2,47 Kindern pro gebärfähiger Frau, das Durchschnittsalter bei 26,7 Jahren. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 74 Jahren.
Lebenserwartung in Jahren: 1996 2001 2003
insgesamt 74,77 72,93 73,43
Männer 71,71 69,53 70,03
Frauen 77,98 76,49 77,00
Die Zahl der Haushalte beträgt insgesamt rund 250.000.
Haushalte: 1967 1982 1999
Gesamtzahl 53 355 141 123 215 044
Personen pro Haushalt 7,807 3,655 3,338
Volksgruppen
Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war Réunion unbewohnt. Im Zuge der französischen Kolonisierung kamen französische Siedler auf die Insel, die für die Plantagenwirtschaft (Bourbon-Vanille, Zuckerrohr) Sklaven aus Madagaskar, Ostafrika und Indien dorthin verschleppten. Nach dem Ende der Sklaverei wurde im 19. Jahrhundert dann die Einwanderung von freien Vertragsarbeitern gefördert. Die Nachkommen der einstigen kolonialen Siedler und Sklaven bilden eine verhältnismäßig homogene Gesellschaft und werden zusammen als Kreolen (créoles) bezeichnet. Als identitätsstiftend für alle Réunionaisen wird heute das „Metissage“ betrachtet, die Vermischung und das friedliche Zusammenleben aller Bevölkerungsgruppen.
Aus Madagaskar und Ostafrika stammende Menschen werden Cafres genannt, die später angekommenen Inder je nach Glaubensbekenntnis Zarabes (Muslime) oder Malbars (Tamilen, Hindus). Die Sinoi kamen einst aus China, die P'tit blancs oder Yabs sind Abkommen verarmter französischer kolonialer Siedler, die grand blancs Abkommen der französischen Großgrundbesitzer. Als Z'oreil werden neuzugewanderte Franzosen aus der „Metropole“, dem europäischen Frankreich, bezeichnet.
Weil die Französische Verfassung das Sammeln ethnischer Daten verbietet, gibt es nur Schätzungen. Danach sind heute etwa 45 % der Bevölkerung mit Europäern vermischte Nachfahren madagassischer und afrikanischer Sklaven, etwa 25 % indischer (etwa 24 % Malbar und etwa 1 % Zarab), etwa 25 % europäischer und etwa 3 % chinesischer Herkunft.
Sprachen
Die Mehrheit der Bevölkerung der Insel spricht eine lexikalisch auf dem Französischen basierende eigene Kreolsprache, das Réunion-Kreolische. Einzige Amtssprache und überwiegende Schriftsprache ist das Französische.
Das Kreolische auf Réunion, Eigenbezeichnung Kréol, ist nah verwandt mit den ebenfalls französisch-basierten Bourbonnais-Kreolsprachen von Mauritius und den Seychellen, da die Inseln alle zumindest anfangs von Frankreich kolonialisiert wurden. Die Sprecher der kreolophonen Inseln des Indischen Ozeans können sich mit etwas Übung gegenseitig verstehen, dennoch nimmt das Réunion-Kreolische eine Sonderstellung ein, da es durch den ständigen und andauernden Kontakt zum französischen Standard diesem in vielen Strukturen noch näher ist als die anderen Kreolsprachen. Manche Linguisten betrachten es deshalb als nicht vollständig kreolisiert oder „Halb-Kreol“, die Übergänge zwischen eindeutig kreolischer Ausdrucksweise und einem nur regional gefärbten Französisch sind von Sprecher zu Sprecher oft unterschiedlich.
Vereinzelt werden noch asiatische und afrikanische Sprachen verwendet wie Tamilisch, Gujarati, Chinesisch und Malagasy, die von den ehemaligen Plantagenarbeitern aus Südasien, China und Afrika bzw. deren Nachfahren bewahrt oder neu erlernt wurden. Sie spielen jedoch im öffentlichen Leben kaum eine Rolle und bleiben auf den familiären, kulturellen oder religiösen Bereich der jeweiligen Bevölkerungsgruppen beschränkt.
Sprachen auf Reunion (nach ethnologue):
Französisch
[fra] 2.400 in Réunion (Johnstone 1993). Einordnung: Indo-European, Italic, Romance, Italo-Western, Western, Gallo-Iberian, Gallo-Romance, Gallo-Rhaetian, Oïl, French
Reunion Kreolisch
[rcf] 555,000 in Réunion (1987). Gesamtsprecherzahl: 600.500. Auch auf den Komoren und in Madagaskar. Dialekte: zwei: städtisch und ländlich; der erstere ist ähnlich Französisch [fra], der letztere hat sehr viele Elemente des Bantu und westafrikanischer Sprachen. Einordnung: Creole, French based
Tamilisch
[tam] Inklusive L2 Sprecher: 120.000 in Réunion (1991 Froise). Einordnung: Dravidian, Southern, Tamil-Kannada, Tamil-Kodagu, Tamil-Malayalam, Tamil
Religion
Die religiöse Zusammensetzung auf der Insel Réunion im Jahr 2025 ist überwiegend christlich geprägt. Etwa 87,6 % der Bevölkerung gehören dem Christentum an, wobei circa 80 % Katholiken sind und weitere rund 7 % Protestanten. Daneben gibt es Minderheiten mit hinduistischem Glauben (4,5 %) und muslimischem Glauben (4,2 %). Etwa 2 % der Bevölkerung sind religiös nicht affiliiert, und kleinere Anteile folgen anderen Religionen oder traditionellen Glaubensformen
Aufgrund der außergewöhnlich großen kulturellen Vielfalt der Bevölkerung bietet La Réunion ein Kaleidoskop an religiösen und „spirituellen“ Sehenswürdigkeiten. So kann man bei einem Streifzug über die Insel die unterschiedlichsten Architekturstile entdecken. Außerdem werden von vielen Einwohnern noch die religiösen Traditionen ihrer Vorfahren gepflegt, so dass die unterschiedlichsten religiösen Feste das kulturelle Leben der Insel bereichern.
Religionsbekenntnisse 2001:
Katholiken 625 322 84,36 %
Protestanten 40 511 5,53 %
Randchristen 6 666 0,91 %
Freikirchler 3 590 0,49 %
Hindus 49 082 6,70 %
Moslems 15 750 2,15 %
Bahais 513 0,01 %
sonstige und Bekenntnislose 45 273 6,18 %
Römisch-Katholische Kirche
Das Bistum Saint-Denis-de-La Réunion (lateinisch Dioecesis S. Dionysii Reunionis) ist eine Diözese der römisch-katholischen Kirche mit Sitz in Saint-Denis. 1712 wurde die Apostolische Präfektur der Inseln im Indischen Ozean durch Papst Clemens XI. aus dem damaligen Bistum Malakka heraus gegründet. Papst Pius VII. firmierte sie 1818 zur Apostolischen Präfektur Bourbon um. 1826 und am 10. Januar 1830 gab die Apostolische Präfektur Bourbon Teile ihres Territoriums zur Gründung der Apostolischen Präfekturen Batavia und Südseeinseln ab. Gregor XVI. gründete 1841 die Apostolische Präfektur Madagaskar heraus; Pius IX. erhob 1850 die Präfektur Bourbon zum heutigen Bistum Saint-Denis-de-La Réunion. Am 26. Februar 1860 gründete der Papst die Apostolische Präfektur Zanguebar aus Teilen des Territoriums des Bistums. Das Bistum ist immediat und direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt. Insgesamt bestehen 72 Pfarreien, die von 57 Diözesan- und 64 Ordenspriestern, dazu 22 ständiegn Diakonen, 68 Ordensbrüdern und 247 Ordensschwestern betreut werden bei einem Gläubigenanteil von 79,2 % (Stand 2015).
Bischöfe
- 1850 - 1857 Florian-Jules-Félix Desprez
- 1857 - 1871 Armand-René Maupoint
- 187i2 - 1876 Victor-Jean-François-Paulin Delannoy
- 1876 - 1880 Dominique-Clément-Marie Soulé
- 1881 - 1887 Joseph Coldefy
- 1887i - 1892 Edmond-Frédéric Fuzet
- 1892 - 1919 Jacques-Paul-Antonin Fabre
- 1919 - 1934 Georges-Marie Bonnin de La Bonninière de Beaumont
- 1934 - 1960 François-Emile-Marie Cléret de Langavant
- 1960 - 1975 Georges Guibert
- 1975 - 2023 Gilbert Aubry
- seit 2023 Pascale Chane Teng
Siedlungen
Saint-Denis ist die Hauptstadt und mit rund 156.000 Einwohnern die größte Stadt der Insel Réunion. Sie liegt an der Nordküste und ist das politische, administrative und kulturelle Zentrum der Insel. Gegründet wurde Saint-Denis 1669, benannt nach einem französischen Schiff. Die Stadt zeichnet sich durch ihre koloniale Architektur, zahlreiche Museen, Kirchen und ein lebendiges kulturelles Leben aus. Saint-Denis beherbergt die Inselverwaltung, die Universität von Réunion und bietet ein vielfältiges Nachtleben. Die Altstadt verbindet historische Sehenswürdigkeiten mit modernen Einrichtungen, während das historische Viertel „Le Barachois“ an der Küste eine beliebte Promenade ist.
La Possession befindet sich zwischen Saint-Denis und Saint Paul an der Westküste. Die Geminde umfasst Teile des Talkessels Mafate, eines spektakulären Berggebiets, das zu Wanderungen einlädt. La Possession wurde 1890 als Gemeinde gegründet, nachdem sie bis 1834 Teil von Saint Paul war. Hier finden sich koloniale Gebäude, ein Alter Hafen mit Yachthafen, industrielle Gebäude wie Zuckersilos sowie alte Häuser der Eisenbahngesellschaft und andere historische Bauwerke. Die Gegend ist auch Ausgangspunkt für Wanderungen in die Bergregionen Mafate und Roche Vert Bouteille.
Le Port ist eine Stadt im Nordwesten der Insel Réunion mit etwa 33.670 Einwohnern (Stand 2022). Sie entstand 1878 als Arbeitersiedlung für den Bau des großen Hafens, der 1886 eröffnet wurde. Le Port ist der wichtigste Überseehafen der Insel und heute eine reine Industriestadt ohne große touristische Highlights. Die Stadt hat eine bedeutende Geschichte als Geburtsstätte der Gewerkschaftsbewegung auf Réunion. Sehenswürdigkeiten sind unter anderem die Kirche Jeanne d‘Arc und das Insektarium der Insel. Einkaufsmöglichkeiten und ein Wochenmarkt prägen das Stadtbild im Zentrum.
Saint Paul ist die älteste Gemeinde der Insel und war bis 1738 Hauptstadt von Réunion. Am 29. Juni 1642 landeten hier die Franzosen und gründeten damit die erste dauerhafte französische Niederlassung im Indischen Ozean. Heute ist Saint Paul eine der größten Gemeinden Frankreichs mit über 100.000 Einwohnern. Die Gemeinde umfasst sowohl historische Orte als auch Strände und ist wirtschaftlich und administrativ bedeutend, unter anderem mit einem großen Hafen namens Le Port, der einige historische koloniale Bauwerke bietet.
Saint Leu liegt südlich von Saint Paul an der Westküste und ist eher eine kleinere, aber kulturreichere und touristisch attraktive Stadt. Sie ist bekannt für ihr malerisches, ruhiges Stadtzentrum, ihren Yachthafen, einen langen Strand und vor allem für Gleitschirmfliegen, mit jährlich organisierten Weltmeisterschaften. In der Umgebung befinden sich Sehenswürdigkeiten wie das ehemalige Salzbergwerk Pointe au Sel, das botanische Konservatorium Mascarin und das Meeresschildkröten-Zentrum Kélonia. Historisch hat Saint Leu auch eine wichtige Rolle in der Geschichte der Sklavenrevolte 1811 gespielt, als Sklaven aus Saint Leu und umliegenden Gebieten gegen die Versklavung aufbegehrten.
Saint-Louis befindet sich im Südwesten der Insel nahe Saint-Pierre. Es ist die fünftgrößte Gemeinde von Réunion. Saint-Louis wurde 1815 gegründet und hat eine historische Bedeutung, wobei die Einwohner als „Saint-Louisiens“ bezeichnet werden. Zu den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde gehören Museen, Naturschutzgebiete und kulturelle Einrichtungen. Sie ist in der Nähe von Saint-Pierre gelegen, einem größeren städtischen Zentrum.
Saint-Pierre ist die zweitgrößte Stadt und liegt an der Südküste von Réunion. Die Stadt ist ein wichtiger Hafen- und Handelsort mit einem lebhaften Markt und einem Zentrum für Fischerei und Handel. Saint-Pierre ist bekannt für sein tropisches Klima, seine Strände und als touristisches Ziel mit vielen Freizeitmöglichkeiten. Die Stadt bietet mit Restaurants, Bars und kulturellen Veranstaltungen ein lebendiges Stadtleben. Außerdem ist sie wirtschaftlich bedeutend für die Landwirtschaft, insbesondere den Anbau von Zuckerrohr, der auf Réunion traditionell eine große Rolle spielt.
Le Tampon ist eine Gemeinde im Süden von Réunion, die landschaftlich durch ihre Lage auf einem Hochebenen-Plateau am Hang des Vulkans Piton de la Fournaise geprägt ist. Sie ist bekannt für ein kühleres, gemäßigtes Klima im Vergleich zum Küstenbereich und eine landwirtschaftlich geprägte Umgebung. Le Tampon bietet eine entspannte Atmosphäre mit kleineren urbanen Zentren, kulturellen Angeboten und ist ein beliebter Wohnort für Menschen, die dem Küstenklima entfliehen möchten. Außerdem dient die Gemeinde oft als Ausgangspunkt für Touren zum Vulkan und in die Naturlandschaften der Insel.
Saint-Louis befindet sich im Südwesten der Insel, nahe dem Arrondissement Saint-Pierre. Es ist die fünftgrößte Gemeinde von Réunion. Saint-Louis wurde 1815 gegründet und hat eine historische Bedeutung, wobei die Einwohner als „Saint-Louisiens“ bezeichnet werden. Die Gemeinde bietet verschiedene Sehenswürdigkeiten, darunter Museen, Naturschutzgebiete und kulturelle Einrichtungen. Sie ist in der Nähe von Saint-Pierre gelegen, einem größeren städtischen Zentrum.
Saint-Philippe liegt am südöstlichen Zipfel von Réunion. Die Gemeinde befindet sich im sogenannten „Wilden Süden“ mit üppiger Natur und vulkanischen Landschaften aus. Bedeutend sind hier der tropische Regenwald (zum Beispiel der Wald Forêt de Mare Longue), Vulkanlandschaften wie der Lavastrom-Bereich „Grand Brûlé“ des Piton de la Fournaise, und Sehenswürdigkeiten wie der „Garden of Perfumes and Spices“ mit endemischen Pflanzen und Gewürzen. Die Einwohner leben hauptsächlich entlang der Küste und in verstreuten Siedlungen.
Sainte-Anne ist ein Dorf im Südosten von Réunion, das zur Gemeinde Saint-Benoît gehört. Es liegt zwischen den Orten Sainte-Rose und Saint-Benoît an der Ostküste der Insel. Bekannt ist Sainte-Anne vor allem für seine Kirche „Église Sainte-Anne“, die im 19. Jahrhundert erbaut wurde und durch außergewöhnliche Architektur besticht, die barocke Elemente mit filigranen Verzierungen kombiniert. Die Kirche ist ein architektonisches Kleinod und wurde sogar im Film „Die Meerjungfrau vom Mississippi“ verwendet. Die Umgebung ist ländlich mit Zuckerrohrfeldern, Wanderwegen und natürlichen Süßwasserpools, die bei Einheimischen beliebt sind.
Saint-André liegt an der Ostküste von Réunion, südlich von Sainte-Marie. Diese Gemeinde ist stark geprägt von ihrer multikulturellen Bevölkerung, insbesondere von der indischen (tamilischen) Diaspora, die nach Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert als Vertragsarbeiter einwanderte. Saint-André ist bekannt für seine Zuckerrohrplantagen, die ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind, und für sein reiches kulturelles Erbe mit zahlreichen hinduistischen Tempeln und Festen wie dem tamilischen Neujahrsfest und Deepavali (Lichterfest). Die Gemeinde gilt als kulturelles Zentrum der indischen Gemeinschaft auf Réunion und spiegelt die religiöse und ethnische Vielfalt der Insel wider.
Sainte-Marie befindet sich an der Ostküste von Réunion nahe der Hauptstadt Saint-Denis. Die Stadt ist bekannt für ihre Landwirtschaft, vor allem Zuckerrohranbau, und eine lebendige kreolische Bevölkerung. Sainte-Marie ist sowohl für ihre historische Bedeutung als auch für ihre kulturellen Feste und den Strand bekannt. Dort befinden sich auch ein Flughafen (der Flughafen Roland Garros) und wichtige Infrastruktur. Die Gemeinde verbindet ländliche und städtische Lebensformen und spielt wirtschaftlich eine wichtige Rolle auf der Insel.
Sainte-Suzanne befindet sich an der Nordostküste der Insel am Indischen Ozean liegt. Sie grenzt an die Gemeinden Saint-André, Sainte-Marie und Salazie und gehört zum Arrondissement Saint-Denis. Geografisch ist Sainte-Suzanne bekannt für den Fluss Rivière Saint-Suzanne, dessen Wasserfall „Cascade Niagara“ über eine 25 Meter hohe Klippe stürzt – ein beliebtes Ausflugsziel. Die Landschaft ist geprägt von üppiger Vegetation, Zuckerrohrfeldern und verschiedenen Wanderwegen, was sie zu einem Anziehungspunkt für Naturliebhaber macht. Historisch wurde Sainte-Suzanne 1667 vom ersten Inselgouverneur Étienne Regnault gegründet und gehört damit zu den ältesten Siedlungen Réunions. Die Gemeinde beherbergt auch einen der ältesten Leuchttürme der Insel, den Phare de Sainte-Suzanne, der im 19. Jahrhundert errichtet wurde.
Die Einwohnerzahlen der größten Ortschaften entwickelten sich wie folgt:
| Ort | 1902 | 1961 | 1967 | 1975 | 1982 |
| Bras-Panon | 4 800 | 5 600 | 5 900 | 6 945 | |
| Cilaos | 5 200 | 5 600 | 5 700 | 5 735 | |
| Entre-Deux | 3 600 | 3 800 | 3 700 | 3 705 | |
| L'Étang-Salé | 5 700 | 6 500 | 6 600 | 7 479 | |
| La-Plaine-des-Palmistes | 2 000 | 2 300 | 2 100 | 2 020 | |
| La-Possession | 6 800 | 7 600 | 10 100 | 11 002 | |
| Le-Port | 14 900 | 17 300 | 25 100 | 30 131 | |
| Le-Tampon | 24 300 | 31 300 | 36 100 | 40 545 | |
| Les-Avirons | 4 100 | 4 500 | 4 900 | 5 150 | |
| Les-Trois-Bassins | 4 200 | 4 500 | 4 900 | 5 132 | |
| Petite-Île | 7 300 | 7 900 | 8 000 | 7 834 | |
| Saint-André | 9 000 | 19 300 | 22 100 | 25 200 | 30 975 |
| Saint-Benoît | 3 700 | 16 800 | 17 700 | 21 700 | 23 541 |
| Saint-Denis | 32 900 | 65 600 | 94 100 | 103 500 | 109 072 |
| Saint-Joseph | 9 200 | 9 900 | 11 100 | 23 700 | 23 307 |
| Saint-Leu | 8 200 | 16 100 | 16 900 | 17 400 | 18 207 |
| Saint-Louis | 13 000 | 17 800 | 26 700 | 30 300 | 31 785 |
| Saint-Paul | 19 600 | 35 500 | 43 100 | 52 600 | 58 412 |
| Saint-Philippe | 1 800 | 2 900 | 3 400 | 3 500 | 3 476 |
| Saint-Pierre | 28 900 | 34 000 | 40 400 | 46 100 | 50 082 |
| Sainte-Marie | 11 400 | 14 400 | 16 600 | 17 251 | |
| Sainte-Rose | 3 200 | 4 600 | 4 800 | 4 900 | 5 265 |
| Sainte-Suzanne | 6 400 | 9 800 | 11 200 | 12 000 | 13 196 |
| Salazie | 5 000 | 6 600 | 7 100 | 6 500 | 6 467 |
Die Einwohnerzahlen der communes entwickelten sich wie folgt:
| Commune | 1911 | 1921 | 1931 | 1941 | 1946 | 1954 |
| Les Avirons | 2 684 | 2 451 | 2 848 | 3 087 | 3 364 | 3 560 |
| Bras-Panon | 3 153 | 2 752 | 3 185 | 3 231 | 3 502 | 3 981 |
| Entre-Deux | 3 449 | 3 282 | 3 230 | 3 590 | 3 803 | 3 580 |
| L’Étang Salé | 3 572 | 3 770 | 3 930 | 4 359 | 4 838 | 5 217 |
| Petite-Ile (Saint-Pierre) | 5 349 | 6 138 | 6 769 | |||
| La Plaine des Palmistes | 1 679 | 1 332 | 1 359 | 1 513 | 1 642 | 1 731 |
| Le Port | 3 924 | 3 789 | 5 248 | 6 607 | 7 204 | 10 689 |
| La Possession | 4 149 | 4 329 | 4 267 | 5 080 | 5 845 | 6 145 |
| Saint-André | 11 254 | 10 229 | 12 818 | 13 483 | 13 105 | 15 293 |
| Saint-Benoït | 10 462 | 10 811 | 10 011 | 10 352 | 10 541 | 12 043 |
| Saint-Denis | 23 972 | 21 558 | 26 807 | 32 637 | 35 971 | 41 863 |
| Sainte-Marie | 6 833 | 6 168 | 6 324 | 7 857 | 8 816 | 10 266 |
| Sainte-Rose | 3 349 | 2 943 | 2 511 | 2 581 | 2 585 | 3 227 |
| Sainte-Suzanne | 6 554 | 7 302 | 6 319 | 6 859 | 7 370 | 8 719 |
| Saint-Joseph | 9 371 | 9 980 | 11 274 | 12 446 | 13 842 | 15 082 |
| Saint-Leu | 8 004 | 10 417 | 11 281 | 11 654 | 12 255 | 13 860 |
| Saint-Louis | 13 346 | 14 803 | 17 237 | 20 867 | 23 895 | 25 220 |
| Saint-Paul | 18 646 | 19 456 | 22 679 | 23 055 | 25 909 | 28 681 |
| Saint-Pierre | 29 487 | 27 895 | 22 048 | 20 150 | 22 334 | 27 573 |
| Saint-Philippe | 1 283 | 1 550 | 1 905 | 2 162 | 2 354 | 2 329 |
| Salazie | 6 133 | 7 302 | 5 117 | 5 588 | 6 146 | 5 789 |
| Le Tampon | 12 917 | 15 096 | 16 601 | 19 201 | ||
| Les Trois-Bassins | 2 524 | 3 304 | 3 618 | 3 352 | 3 607 | 3 732 |
| Name | Z 1961 | Z 1967 | Z 1975 | Z 1982 | Z 1990 | Z 1999 | S 2007 | S 2015 | S 2022 |
| Bras-Panon | 4 824 | 5 533 | 5 990 | 6,945 | 8,455 | 9,683 | 11,216 | 12,735 | 13,131 |
| Cilaos | 5 253 | 5 586 | 5 721 | 5,735 | 5,856 | 6,115 | 5,796 | 5,350 | 5,215 |
| Entre-Deux | 3 624 | 3 780 | 3 819 | 3,705 | 4,260 | 5,170 | 5,868 | 6,781 | 7,115 |
| La Plaine-des-Palmistes | 1 981 | 2 304 | 2 081 | 2,020 | 2,676 | 3,434 | 4,713 | 6,157 | 6,920 |
| La Possession | 6 783 | 7 626 | 10 188 | 11,002 | 15,614 | 21,904 | 27,175 | 32,720 | 36,390 |
| Le Port | 14 906 | 19 768 | 25 291 | 30,131 | 34,692 | 38,412 | 38,313 | 35,280 | 33,670 |
| Les Avirons | 4 118 | 4 547 | 4 855 | 5,150 | 5,935 | 7,172 | 10,093 | 11,148 | 11,445 |
| Les Trois-Bassins | 4 195 | 4 471 | 4 858 | 5,132 | 5,767 | 6,598 | 6,929 | 7,127 | 7,113 |
| Le Tampon | 24 278 | 31 321 | 36 332 | 40,545 | 47,593 | 60,323 | 70,539 | 76,310 | 81,964 |
| L'Étang-Salé | 5 672 | 6 510 | 6 664 | 7,479 | 8,769 | 11,755 | 13,179 | 14,330 | 14,329 |
| Petite-Île | 7 302 | 7 951 | 8 024 | 7,834 | 8,852 | 10,151 | 11,672 | 12,143 | 12,920 |
| Saint-André | 19 255 | 22 094 | 25 413 | 30,075 | 35,049 | 43,174 | 51,964 | 55,730 | 57,546 |
| Saint-Benoît | 16 783 | 19 492 | 21 831 | 23,541 | 26,187 | 31,560 | 33,485 | 37,940 | 37,585 |
| Saint-Denis | 65 275 | 85 444 | 104 254 | 109,072 | 121,999 | 131,557 | 140,733 | 146,985 | 156,149 |
| Sainte-Marie | 11 414 | 14 367 | 16 662 | 17,251 | 20,158 | 26,582 | 31,143 | 32,940 | 35,584 |
| Sainte-Rose | 4 614 | 4 761 | 4 884 | 5,265 | 5,761 | 6,551 | 6,680 | 6,621 | 6,450 |
| Sainte-Suzanne | 9 794 | 11 151 | 12 093 | 13,196 | 14,695 | 18,144 | 21,856 | 23,068 | 24,855 |
| Saint-Joseph | 20 127 | 22 351 | 23 843 | 23,307 | 25,630 | 30,293 | 34,602 | 37,608 | 38,992 |
| Saint-Leu | 16 137 | 16 870 | 17 523 | 18,207 | 20,931 | 25,314 | 29,422 | 33,701 | 35,597 |
| Saint-Louis | 23 944 | 26 663 | 30 455 | 31,785 | 37,420 | 43,519 | 50,131 | 53,524 | 54,478 |
| Saint-Paul | 35 528 | 43 129 | 52 994 | 58,412 | 71,669 | 87,712 | 101,023 | 105,967 | 106,220 |
| Saint-Philippe | 33 947 | 40 355 | 46 390 | 3,476 | 4,005 | 4,860 | 5,129 | 5,115 | 5,093 |
| Saint-Pierre | 2 938 | 3 336 | 3 465 | 50,082 | 58,846 | 68,915 | 75,265 | 84,063 | 85,254 |
| Salazie | 6 590 | 7 105 | 6 522 | 6,467 | 7,004 | 7,402 | 7,181 | 7,384 | 7,333 |
Verkehr
Die Insel Réunion ist im Küstenbereich verkehrsmäßig sehr gut ausgebaut. Das Landesinnere ist großteils nur schwer erschließbar.
Straßenverkehr
Das Straßennetz der Insel umfasst 2784 km. Davon sind 1360 km asfaltiert, der Rest ist alledings auch ganzjährig benutzbar. Hauptverkehrslinie der Insel ist die Ringstraße, welche die größten Siedlungen entlang der Küste miteinander verbindet. Die geografisch bedingte Konzentration des Verkehrs auf diese Ringstraße führt zusammen mit der hohen Autodichte zu großen Verkehrsproblemen
Im Nordwesten und im Süden ist die Strecke zweispurig ausgebaut und zum Teil auf einem künstlichen Plateau vor der Steilküste angelegt. Um die alltäglichen Verkehrsstaus zwischen St. Paul und Etang Salé zu entspannen, wird zwischen dem Westen und dem Süden der Insel eine weitere, vierspurige Trasse gebaut – die Route des Tamarins. Diese Straße soll streckenweise überdacht und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Mit Kosten von über einer Milliarde Euro gilt diese Konstruktion als eine der teuersten Straßenbauten der Europäischen Union. Die Eröffnung ist für das Jahr 2009 geplant. Ungefähr in Nord-Süd-Richtung wird La Réunion von einer Verbindungsstraße zwischen Saint-Benoît und Saint-Pierre durchquert - diese Strecke führt über die Hochebene zwischen den beiden Vulkanmassiven.
Wegen der zunehmenden Verkehrsbelastung auf der Küstenstraße soll im nördlichen Teil in den nächsten Jahren eine neue Regional-Stadtbahn, genannt „Tramtrain“, von Saint-Benoît bis Saint-Paul gebaut werden. Es ist vorgesehen, sie innerstädtisch als Straßenbahn und außerhalb wie ein Regionalzug verkehren zu lassen. Ein oder mehrere Tunnel sollen das Bergmassiv zwischen Saint-Denis und La Possession durchqueren.
Der Zustand der Straßen ist vor allem im Küstenbereich sehr gut. Zum Inselinneren hin sind manche Straßen nicht optimal instandgehalten. Das Tankstellennetz auf Reunion ist in den großen und mittleren Städten sehr dicht. In kleineren Dörfern besonders im Gebirge sind jedoch weit weniger Tankstellen anzutreffen. Des weiteren ist zu beachten, dass die Tankstellen in der Regel nach Sonnenuntergang sowie Sonntag Nachmittags geschlossen sind.
Als die ersten Autos nach Reunion importiert wurden, konnten sich nur die Reichen, meistens die Besitzer von Zuckerrohrplantagen, ein Auto leisten. So wurde schnell klar, dass die Autobesitzer reich waren. Die Kinder sagten sogar: "Wenn ich groß und reich bin, werde ich mir ein Auto kaufen". Das Auto war schon damals ein Statussymbol. Heute hat auf Reunion sprichwörtlich jeder ein Auto. Sonntags wird das Autos mit viel Liebe entweder mit dem Wasser eines Bachs oder mit einem Gartenschlauch gewaschen. Viel Geld wird in das Aussehen und in die Stereoanlage des Autos investiert.
Das Busnetz wird hauptsächlich vom regionalen öffentlichen Unternehmen „Car Jaune“ betrieben, das die wesentlichen Städte, Dörfer und touristischen Ziele der Insel miteinander verbindet. Es gibt 13 Linien, die die Insel umfassend abdecken, etwa von Saint-Denis im Norden bis Saint-Pierre im Süden und viele Orte dazwischen, inklusive Strandorte wie Saint-Gilles-les-Bains und bergige Gebiete wie Cilaos. Die Busse sind gelb („Car Jaune“) und gelten als erschwingliches, nachhaltiges und praktisches Fortbewegungsmittel.
Neben „Car Jaune“ gibt es auch regionale Busnetzwerke, etwa „Estival“ im Osten und weitere Anbieter für spezifische Landesteile. Transportdienstleistungen wie Shuttles, Taxis sowie Sammeltaxis („Taxis à la place“) ergänzen das Angebot, insbesondere für schwer zugängliche Wandergebiete.
Fahrzeugbestand insgesamt:
1970 91 296
1998 219 456
1999 234 578
2000 258 400
Bahnverkehr
Réunion hatte historisch ein Schienennetz in Meterspur, das von 1882 bis etwa 1963 als Eisenbahnstrecke betrieben wurde. Es gab zwei Hauptstrecken entlang der Küste: von Saint-Benoît ostwärts und von Saint-Denis zu Saint-Pierre im Südwesten, die insgesamt etwa 124 Kilometer lang waren. Diese schwierige geologische Landschaft erforderte den Bau von über 50 Brücken, mehreren Tunneln und Durchlässen. Der Schienenpersonenverkehr wurde zugunsten des Individualverkehrs Mitte des 20. Jahrhunderts aufgegeben.
Ein Touristenzug verkehrte von 1990 bis vor einiger Zeit auf einem kurzen 4 Kilometer langen Abschnitt bei La Grande Chaloupe, dieser wurde aber eingestellt. Es gibt Pläne bzw. Konzepte für ein neues Tram-Train-System, das als moderne Straßenbahn-Eisenbahn-Hybrid entlang der Küste verkehren soll. Die erste Phase soll 41,5 km von Saint-Paul über Saint-Denis bis zum Flughafen Roland Garros in Sainte-Marie führen und beinhaltet aufwändige Ingenieurbauten einschließlich eines 10 km langen Tunnels. In Zukunft soll die Strecke auf bis zu 150 km ausgebaut werden, etwa zwischen Saint-Benoît und Saint-Pierre. Ein 10 km langer Tramroute wurde ebenfalls für eine Eröffnung um 2024 vorgeschlagen, aber dies gilt als ambitioniertes Ziel.
Schiffsverkehr
Auf Réunion gibt es sieben größere Häfen und rund 10 Anlegestellen. Le Port ist ein Industrie- und Frachthafen an der Westküste von Réunion. Dort legen auch Kreuzfahrtschiffe an. Der Hafen liegt etwa 20 Kilometer von der Inselhauptstadt Saint-Denis entfernt. Vom Hafengelände fährt ein kostenloser Shuttlebus zum Hafenausgang, von dort bestehen Busverbindungen nach Saint-Denis. Die Taximöglichkeiten sind limitiert und oft teuer. Am Hafenausgang gibt es eine Touristeninformation und in Hafennähe befinden sich Mietwagenstationen (Avis, Budget, Hertz u.a.), um die Insel bequem zu erkunden. Der Hafen selbst ist industriell geprägt, mit nachts teils lautem Betriebsgeräusch und Beleuchtung. Die Straßen auf der Insel sind gut ausgebaut und recht modern, was die Erkundung mit dem Auto oder Mietwagen erleichtert. Aufgrund der geografischen Lage ist Réunion ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrten im Indischen Ozean. Für Passagiere ist der Hafen Le Port der wichtigste Anlaufpunkt für Seereisen zur Insel Réunion
Schiffsflotte 1998:
- Schifffahrtsgesellschaften 5
- Tonnage 28 264 brt
- Schiffsabfertigungen 885
Schiffsverkehr 1998:
Passagiere 20 147 22 189
Fracht 2 597 300 t 467 900 t
Flugverkehr
Der internationale Flughafen Réunion befindet sich 10 km östlich von Saint-Denis im Norden der Insel. Er ist nach dem Flugpionier Roland Garros benannt, der auf La Réunion geboren wurde. Im Süden der Insel befindet sich der Flughafen Pierrefonds, der der Insel unter anderem gute Verbindungen nach Mauritius bietet.
Der internationale Flughafen Réunion (Aéroport de La Réunion Roland Garros, englisch früher Gillot Airport) ist der wichtigste Flughafen der Insel. Er befindet sich etwa 10 km östlich von Saint-Denis an der Nordspitze der Insel. Flughafenbetreiber ist die dortige Handelskammer (Chambre de commerce et d'industrie de la Réunion). Der Flughafen wurde nach dem französischen Luftfahrtpionier Roland Garros benannt, der 1888 in Saint-Denis geboren wurde. Die Flughafeninfrastruktur besteht aus einem Tower, zwei asphaltierten Start- und Landebahnen und einem Terminal. Der Flughafen ist unter anderem für die Muster Airbus A340, Airbus A380, Boeing 747 und Boeing 777 ausgelegt. ILS wird nur für die Bahn 14/32 angeboten. Der Flughafen dient als Basis der Militäreinheit Détachement air 181 Réunion (DA 181) „Lieutenant Roland Garros“.
| Airlines | Ziele |
| Air Austral | Antananarivo, Bangkok–Suvarnabhumi, Chennai, Dzaoudzi, Johannesburg–O. R. Tambo, Mahé, Marseille, Mauritius, Moroni, Nosy Be, Paris–Charles de Gaulle, Toamasina |
| Air France | Paris–Charles de Gaulle, Paris–Orly |
| Air Madagascar | Antananarivo, Antsiranana, Guangzhou, Sainte-Marie, Tôlanaro |
| Air Mauritius | Mauritius |
| Corsair International | Paris–Orly |
| French Bee | Paris–Orly |
| XL Airways France | Lyon, Marseille, Paris–Charles de Gaulle, Toulouse |
Réunion Airport
- französischer Name: Aéroport de La Réunion Roland Garros
- Code: RUN / FMEE
- Lage: 20°53‘14“ S, 55°30‘37“ O
- Seehöhe: 20 m (66 ft)
- Entfernung: 10 km östlich von Saint Denis
- Inbetriebnahme:
- Betreiber: Chambre de commerce et d’industrie de la Réunion
- Terminal: 1
- Rollbahnen: 2
- Länge der Rollbahnen: 3200 m und 2670 m (beide Asfalt)
- Fluggesellschaften: 7
- Flugzeug-Standplätze: ca. 60
- jährliche Passagierkapazität:
- jährliche Frachtkapazität:
- Flughafen-Statistik: Jahr Flugbewegungen Passagiere Fracht in t
2016 12 272 2 103 919 26 610
2022 35 441 2 339 611 31 605
2023 32 900 2 689 954
Wirtschaft
Im Jahr 2006 lag das regionale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, bei 61,6 % des Durchschnitts der EU-27. Mit einer Wachstumsrate, die in den letzten 30 Jahren zweimal höher war als die durchschnittliche französische Wachstumsrate (5 % jährlich), zeichnet sich La Réunion als eine der europäischen Regionen mit der größten Dynamik für die Schaffung von Arbeitsplätzen pro Einwohner aus. Die Region wird im Jahr 2025 wahrscheinlich über einen Markt von einer Million Einwohnern mit europäischer Kaufkraft und europäischem Konsumgeschmack verfügen.
Landwirtschaft
Seit über zwei Jahrhunderten wird Zuckerrohr angebaut (200.000 Tonnen Zucker pro Jahr in bis zu 700 Höhenmetern). Ende des 19ten Jahrhunderts begann jedoch die Zuckerrohrkrise, infolgedessen neuen Pflanzenkuturen, wie Vetiver, Geranium (für die Parfumherstellung) oder Bourbon Vanille (die aus einer Orchidee entstammt) für den Export entwickelt wurden. Die Vanille wird aufwendig per Hand bestäubt und zählt als eine der besten weltweit. Daneben werden auch noch andere Agrarprodukte auf Réunion angebaut
- Kaffee, insbesondere die Sorte Bourbon Pointu, wächst auf der Insel und ist bekannt für seine Qualität.
- Obst und Gemüse, zum Beispiel Ananas, Kürbis (Chayote oder „Chou chou“), Zitrusfrüchte sowie diverse „Brèdes“ (Blätter und Stängel verschiedener einheimischer Pflanzen), werden ebenfalls angebaut.
- Gewürze wie Kurkuma, Zimt, Muskatnuss, Nelken und das „Quatre-épices“ (Vier-Gewürze-Pflanze) bereichern die lokale Küche und Landwirtschaft.
- Vetiver wird als Graspflanze angebaut, um Böden zu stabilisieren und Erdrutsche zu verhindern.
Die landwirtschaftlichen Betriebe sind oft vielfältig und kombinieren den Anbau verschiedener Pflanzen und Früchte. Während Zuckerrohr traditionell dominiert, gewinnen organischer Anbau und spezielle Produkte wie Vanille wieder an Bedeutung. Der Sektor beschäftigt mehr als 10% der Bevölkerung und ist auch touristisch interessant, da Besucher Plantagen besichtigen und lokale Spezialitäten kennenlernen können.
Viehbestand: 1989 1997 1999
Geflügel 209 744 8 000 000 11 000 000
Schweine 70 921 100 000 89 000
Ziegen 31 318 32 000 38 000
Rinder 18 601 26 000 27 000
Schafe 2 280 2 000 2 000
Weinbau
Der Weinbau auf Réunion ist eine seltene Besonderheit und konzentriert sich vor allem auf das Hochlandgebiet rund um den Talkessel von Cilaos im Inselinneren. Hier wurden bereits im 19. Jahrhundert erste Reben gepflanzt, zunächst hauptsächlich die robuste amerikanische Sorte Isabella (Vitis labrusca). Wegen gesetzlicher Beschränkungen und Klimaschwierigkeiten war die Entwicklung des professionellen Weinbaus lange begrenzt.
Erst ab den 1990er Jahren begann man, edlere Rebsorten anzusiedeln, darunter Chenin Blanc, Malbec, Pinot Noir, Verdelho, Gros Manseng, Gamay und Syrah. Die Gründung der Winzergenossenschaft „Chai de Cilaos“ 1992 markierte einen Neuanfang. Die ersten hochwertigen Weiß- und Rotweine wurden wenige Jahre später produziert. Seit 2004 dürfen die Weine aus Cilaos die Bezeichnung „Vin de Pays“ tragen und sind somit offizielle Landweine Frankreichs – Réunion ist damit der einzige europäische Weinberg in der südlichen Hemisphäre.
Heute werden im Cilaos-Talkessel etwa 15 bis 20 Hektar mit Wein bepflanzt, und es entstehen Weiß-, Rosé- und Rotweine – bekannt ist vor allem der trockene Chenin Blanc. Die Ernte beginnt bereits im Januar, was die Trauben zu den ersten Frankreichs macht. Daneben gibt es experimentelle Parzellen an anderen Orten, etwa am Piton de l’Hermitage oder Mont Roquefeuil.
Der Fokus liegt auf geringe Mengen, die Qualität variiert, Flaschen und Ausstattungen müssen importiert werden und der Wettbewerb mit importierten Festlandsweinen ist groß. Trotzdem sind die Weine von Cilaos bei Einheimischen und Touristen als regionales Kuriosum und Souvenir beliebt. Zudem werden daneben auf kleinen Familienbetrieben weiterhin süßere, einfachere Landweine oft aus Isabella-Trauben hergestellt und abseits des offiziellen Weinbaus verkauft.
Fischerei
Die Fischerei auf Réunion spielt eine wichtige Rolle in der lokalen Wirtschaft, insbesondere in der Verarbeitung und dem Export von pelagischen Fischarten. Die Hauptfischarten sind Thunfisch, Schwertfisch, verschiedene Makrelenhechte und pelagische Haie. Die Fischerei konzentriert sich auf große pelagische Arten, die etwa 87 % der Fangmenge ausmachen. Die Flotte umfasst sowohl kleine Küstenschiffe, die vor allem für den lokalen Markt fischen, als auch größere Hochseefahrzeuge, die in der erweiterten ausschließlichen Wirtschaftszone von Réunion und madagassischen Gewässern operieren.
Eine Besonderheit ist die Schwertfisch-Langleinenfischerei, die mittlerweile eine MSC-Zertifizierung für nachhaltige Fischerei erhalten hat. Dabei kommen selektive Fangtechniken zum Einsatz, um geschlechtsreife Fische gezielt zu fangen und bedrohte Arten zu schonen. Die Fischereiindustrie auf Réunion schafft rund 1.200 Arbeitsplätze, was etwa 0,5 % der Gesamtbeschäftigung entspricht. Weitere Herausforderungen der Fischerei sind unter anderem die Integration in den Binnenmarkt und ökonomische Schwierigkeiten einzelner Unternehmen. Aquakultur wird bislang nur in geringem Umfang betrieben.
Die Fischerei trägt sowohl zum lokalen Konsum als auch zum Export bei: Der Exportwert für Fischprodukte lag 2010 bei etwa 58 Millionen Euro, vorwiegend an das europäische Festland
Anlandungen in t insgesamt:
1995 4 821
1996 5 195
1997 5 882
1998 6 516
Bergbau
Es gibt auf Réunion ein Institut, das sich mit Bergbau beschäftigt. Der Wirtschaftszweig selbst ist allerdings unbedeutend.
Handwerk
Das traditionelle Handwerk auf Réunion ist vielfältig und spiegelt die Kultur, Natur und Geschichte der Insel wider. Dabei engagieren sich zahlreiche lokale Kunsthandwerker, die Produkte mit viel Leidenschaft und regionalem Know-how herstellen. Zu den wichtigsten Handwerksprodukten und -traditionen gehören:
- Korbflechterei: Gefertigt werden Gegenstände aus Naturfasern wie Rattan, Bambus und vor allem Fasern des Schraubenbaumes (Vacoa). Typische Produkte sind Körbe, Taschen, Hüte, Fußmatten und Lampen. Dieser Handwerkszweig ist von originalen madagassischen Techniken inspiriert und besonders in Gemeinden wie Saint-Philippe stark vertreten.
- Holzarbeiten und Schnitzereien: Handgefertigte Messer mit Griffen aus einheimischem Holz, Holzskulpturen sowie dekorative Elemente wie „Lambrequins“ – geschnitzte Zierleisten an traditionellen Häusern – gehören dazu.
- Textilien und Stickereien: Auf der Insel gibt es kunstvolle Stickereien („Jours“), die mit viel Geschick durch das Wegschieben von Stofffäden filigrane Muster schaffen. Farbige und gemusterte Stoffe werden für Kleidung, Tischdecken und Kissen verwendet. Lokale Designer fertigen zudem originelle T-Shirts und Kinderkleidung mit regionalen Motiven.
- Schmuck: Schmuckstücke aus Halbedelsteinen (zum Beispiel Lapislazuli, Amethyst, Obsidian) und duftendem Sandelholz sind typisch, oft als Halsketten, Armbänder und Ohrringe.
- Seifen und ätherische Öle: In Orten wie Sainte-Anne und Le Tampon werden Seifen in vielfältigen Duftnoten hergestellt. Zudem gibt es eine Kooperative zur Produktion ätherischer Bourbon-Öle, die Besucher in die Welt der Düfte einführt.
Auf der gesamten Insel gibt es spezialisierte Läden und Märkte (zum Beispiel Weihnachtsmärkte), die diese lokalen Handwerksprodukte anbieten und ihren kulturellen Wert unterstreichen.
Industrie
Die industrielle Entwicklung auf Réunion konzentriert sich vor allem auf die Bereiche Landwirtschaftsverarbeitung (z.B. Zuckerrohrverarbeitung und Rumproduktion), Fischerei, Lebensmittelindustrie, Handwerk und Dienstleistungen. Große Rohstoff- oder Bergbauindustrien existieren nicht.
Historisch wurde die Insel ab dem 17. Jahrhundert als Kolonie zur landwirtschaftlichen Produktion genutzt, wobei Kaffee, Vanille und Zuckerrohr zu den wichtigsten Produkten gehörten. Industrielle Anlagen rund um die Zuckerrohrraffination bilden heute wichtige Wachstumsbranchen. Weitere Industriezweige sind relativ klein und konzentrieren sich auf lokale Bedürfnisse und touristische Dienstleistungen.
Wasserwirtschaft
Die Wasserwirtschaft auf Réunion ist ein wichtiger Bereich, da die Insel sehr unterschiedliche klimatische und geografische Bedingungen aufweist: Die Ostseite ist regenreich und wasserreich, während die Westseite trockener ist. Um die Wasserressourcen optimal zu nutzen, gibt es auf Réunion ein komplexes System zur Wasserversorgung und Bewässerung.
Eine bedeutende Infrastruktur stellt das „La Réunion Irrigation Project“ dar: Dieses Projekt umfasst ein System von unterirdischen Tunneln, die Wasser von den regenreichen Ostquellen durch die Insel transportieren, vor allem zur Bewässerung der Zuckerrohrfelder im trockeneren Westen und zur Versorgung der Bevölkerung. Die Tunnel transportieren Wasser über mehrere Kilometer, um Engpässe auf der Westseite der Insel auszugleichen.
Darüber hinaus spielt Wasserkraft eine wichtige Rolle bei der Energieerzeugung auf Réunion. Circa 20% des Stroms stammen aus Wasserkraft, mit weiteren Anteilen von Photovoltaik, Windenergie und Biomasse. Die Insel strebt bis 2030 eine vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien an, wobei die Wasserkraft als stabiler Teil des Energiemixes gilt.
Energiewirtschaft
Die Energiewirtschaft auf Réunion ist stark geprägt von dem Bestreben, die Insel bis 2030 autark und vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Aktuell stammen etwa 36,5 % der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Dabei entfallen zirka 20 % auf Wasserkraft und rund 9 % auf Photovoltaik, Windenergie und Biogas. Die restliche Stromversorgung basiert noch teilweise auf fossilen Brennstoffen wie Diesel und Kohle.
Das Kraftwerk Port-Est in der Gemeinde Le Port ist mit einer elektrischen Leistung von 210 Megawatt eines der größten Kraftwerke der Insel und deckt etwa 25% des Strombedarfs, es basiert auf Dieselgeneratoren. Zur Förderung erneuerbarer Energien setzt die Insel auf verschiedene Technologien:
- Wasserkraft nutzt die reichen Wasserressourcen der Insel.
- Solarenergie wird durch mehrere Photovoltaikanlagen gefördert; auf dem Dach des Einkaufszentrums E.Leclerc in Saint-Leu befindet sich beispielsweise ein 1 MWp starkes PV-System mit Batteriespeicher.
- Windenergie und Biogas ergänzen das Energiemix.
- Innovative Prognose- und Steuerungstechnologien verbessern die Integration von erneuerbaren Energien in das Stromnetz.
Abfallwirtschaft
Die Abfallwirtschaft auf Réunion steht vor Herausforderungen, hat aber klare Strategien zur Verbesserung und Entwicklung. Ähnlich wie in Frankreich gibt es Bemühungen, die Mülltrennung und das Recycling weiter auszubauen und zu modernisieren. Ab den 2020er Jahren wurde die Mülltrennung ausgeweitet, um mehr Wertstoffe getrennt zu erfassen. Ein besonderes Anliegen ist die Vermeidung von Abfällen, insbesondere werden Ziele verfolgt, Haushaltsabfälle bis 2030 um 15 % gegenüber 2010 zu reduzieren.
Zur Abfallentsorgung bestehen interkommunale Verbünde, die private Firmen mit der Sammlung und Trennung beauftragen. Große Unternehmen wie Veolia und Suez sind in der Region aktiv, ebenso mittelgroße Firmen. Der Markt ist zunehmend dynamisch und auf Wachstum im Recycling ausgerichtet. Der Handel reagiert ebenfalls, etwa der Einzelhändler E.Leclerc auf Réunion setzt auf Digitalisierung und KI, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren und Produkte rechtzeitig weiterzuverkaufen oder zu spenden.
Ab 2027 wird die energetische Verwertung von Hausmüll umgesetzt, um Energie aus Abfällen zu gewinnen. Infrastrukturen zur Abfallbereitung, Entsorgung und Wiederverwertung werden zunehmend modernisiert und auf umweltfreundliche Verfahren umgestellt.
Handel
Réunion ist wirtschaftlich stark vom Mutterland Frankreich und von der EU abhängig: Die Einfuhren nach Réunion überstiegen im Jahr 2007 die Ausfuhren um das Fünfzehnfache. Fast der gesamte Ex- und Import wird über Frankreich abgewickelt. Handelspartner sind daneben noch Madagaskar, Mauritius und Indien.
Cap Sacré-Cœur ist das größte Einkaufszentrum der Insel und bietet auf 27.000 m² über 90 Geschäfte, Restaurants, ein Food-Court und einen Hypermarkt. Es vereint internationale Ketten, lokale Marken und zahlreiche Freizeitmöglichkeiten. Duparc Sainte-Marie nahe Saint-Denis bietet Produkte von mehr als 80 Einzelhändler, einen großen Run Market-Hypermarkt, kostenlose Parkplätze und vielseitige Gastronomie. Das Centre Commercial Grand Nord Réunion in Saint-Denis hat zahlreiche lokale und internationale Filialen. Im Osten der Insel gelegen, verbindet das Centre Commercial Grand-Est in Sainte-Suzanne eine Vielzahl von Geschäften für Mode, Elektronik und Alltagsbedarf unter einem Dach.
Finanzwesen
Reunion gehört zu Frankreich und daher zur Europäischen Union. Im Prinzip gelten die französischen und europäischen Gesetze auch auf Reunion. Jedoch sind immer wieder Anpassungen zu diesen Gesetzen wegen der Entfernung der Insel und ihrer wirtschaftlichen Situation erforderlich. Deshalb beträgt die lokale MWSt. 8,5 % (2,1% für das Essen). Noch dazu kommen die „Droits d’Octroi de Mer“ (eine Steuer aus der Kolonialzeit, auch DOM genannt) und die „Droits Additionnels d'Octroi de Mer“ (auch DAOM genannt). DAOM ist eine zusätzliche Steuer zu der DOM, die viel Später in Kraft getreten ist, da die Subventionen aus Frankreich, die finanzielle Unterstützung von der EU sowie die DOM bei der Ausgaben der Insel manchmal nicht ausreichend sind). Diese Steuer sind daher von der EU genehmigt worden.
Das Institut IEDOM (Institut d'Emission des DOM) stellt unter anderem Scheine und Münzen für die Banque de France in den französischen Überseedepartements aus. Ebenfalls vertritt es für den französischen Staat die Commission de surendettement des particuliers (Kommission zuständig für überschuldete Privathaushalte) und bearbeitet ungefähr 800 Dossiers im Jahr. Es ist auch ein Observatoire économique et financier au service du développement de l'île („Beobachtungsstelle für die finanzielle und wirtschaftliche Lage der Insel für ihre Weiterentwicklung“).
Soziales und Gesundheit
Die medizinische Versorgung auf La Réunion entspricht generell europäischen Standards; Krankenhäuser und ambulante Einrichtungen sind meist gut ausgestattet. Hygienestandards sind in der Regel unbedenklich. Urlauber aus der EU können sich mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) behandeln lassen, vor allem bei akuten Erkrankungen oder Unfällen.
Die Universitätsklinikum Centre Hospitalier Universitaire Sud Réunion (C.H.U. de Saint-Pierre) in Saint-Pierre ist das größte öffentliche Krankenhaus im Süden der Insel. Es verfügt über diverse Abteilungen wie Anästhesie, Kardiologie, Dermatologie, Gynäkologie, Neurologie, Pädiatrie, Radiologie und plastische Chirurgie. Es bietet umfassende medizinische und pflegerische Leistungen und ist eine führende Gesundheitseinrichtung der Region.
Die Clinique Sainte-Clotilde ist die größte Privatklinik auf La Réunion, gelegen im Nordosten der Insel in Saint-Denis. Sie hat eine Kapazität von etwa 310 Betten und ist sowohl in der Chirurgie als auch der Geburtshilfe eine der größten Kliniken Frankreichs. Die Klinik bietet umfassende operative und medizinische Fachbereiche, Palliativpflege sowie spezielle Einrichtungen wie ein Schmerztherapiezentrum an.
Das Centre Hospitalier Universitaire de La Réunion (CHU de La Réunion) betreibt mehrere Standorte und beschäftigt über 8.000 Fachkräfte. Es ist die zentrale öffentliche Gesundheitsinstitution auf der Insel mit einem umfassenden medizinischen Leistungsspektrum.
Gesundheitseinrichtungen 2000:
- Apotheken 261
- praktische Ärzte 731 (986,2 Personen pro Arzt)
- Fachärzte 362
- Zahnärzte 357
Krankheiten
Auf Réunion gibt es keine besonderen Krankheitshäufungen. Vereinzelt anzutreffen sind:
- Dengue-Fieber: Schutz vor Mücken durch Haut bedeckende Kleidung. Verwendung von Insekten, dagegen wirken abweisende Mitteln (Cremes, Lotionen, Sprays), Anti-Mückencoils, Mückennetze undsoweiter
- Diverse Darminfektionen: Parasiten, Bakterien, Viren (Wurmbefall, Shigellen, Salmonellen, Amöben, Lamblien), Schutz durch sorgfältige Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene
Bildung
Die Bildung auf der Insel La Réunion entspricht dem französischen Bildungssystem, da La Réunion ein französisches Übersee-Departement ist. Das öffentliche Bildungssystem ist kostenlos und laizistisch, und allen Bürgern steht das Recht auf Bildung zu. Das Schulsystem gliedert sich wie folgt:
- Beginn mit freiwilliger Vorschule (école maternelle), ähnlich einem Kindergarten.
- Danach fünf Jahre Grundschule (école primaire).
- Im Alter von 11 Jahren besuchen Schüler das collège, eine vierjährige Sekundarstufe mit dem Abschluss brevet.
- Es bestehen Möglichkeiten zur Berufsbildung nach dem Collège mit Zertifikaten wie CAP.
- Es folgen die Gymnasialstufen (lycée) mit drei Jahren bis zum Abitur (baccalauréat) oder beruflichen Abschlüssen mit dem lycée professionnel.
- Das Hochschulstudium ist in drei Zyklen organisiert (DEUG, maîtrise undsoweiter).
Auf La Réunion gibt es ca. 104 öffentliche und private Bildungseinrichtungen im primären und sekundären Bereich. Seit 1960 gibt es die Université de la Réunion in Saint-Denis, die verschiedene Fachrichtungen anbietet und auch international Studenten anzieht.
Herausforderungen sind vor allem die Sprachbarrieren, da viele Kinder Kreolisch sprechen, die Unterrichtssprache aber Französisch ist. Die Analphabetenquote war früher hoch, und Abbrecherquoten im Vergleich zu Frankreich höher, obwohl sich die Situation zunehmend verbessert. So besuchen viele Jugendlichen weiterhin Schulen, auch wenn die Quote der Schulabbrecher noch vergleichsweise hoch ist. Private Schulen spielen kaum eine Rolle. Auf der Insel gibt es auch bilingualen Unterricht und das Abibac-Programm (doppelte französisch-deutsche Hochschulreife), das seit den 2000er Jahren an einigen Lycées eingeführt wurde und eine wichtige Rolle für den Deutschunterricht spielt.
Schulen, Lehrer und Schüler 1998:
pré-primaire 175 1 500 43 826
primaire 351 4 050 76 364
secondaire 111 6 343 96 811
université 1 286 8 663
Höhere Bildung
Die Insel ist ein echtes Reservoir für Technologie, Forschung und Entwicklung dank der Präsenz von rund 30 Labors (Universitätslabors und andere), von Forschungsorganisationen (CIRAD, le Centre de Coopération International en Recherche Agronomique pour le Développement (Landwirtschaftliches Forschungszentrum für internationale Entwicklung), BRGM, le Bureau de Recherches Géologiques et Minières (Forschungszentrum für Geologie und Bergbau), IFREMER, l`Institut français de Recherche pour l`exploitation de la MER (Französisches Forschungsinstitut für die Nutzung des Meeres), IRD, l`Institut de Recherche pour le Developpement (Forschungsinstitut für Entwicklung) und einem exponentiell wachsenden Informations- und Telekommunikationssektor.
Die Université de La Réunion (Universität La Réunion) ist die einzige staatliche Universität auf der Insel La Réunion und die einzige europäische Universität im Indischen Ozean. Sie wurde 1982 gegründet und bietet Studiengänge nach europäischem Standard an, darunter Bachelor-, Master- und Doktoratsprogramme. Die Universität hat rund 12.000 bis 19.000 Studenten und verteilt ihre Einrichtungen auf sechs Standorte, vor allem in Saint-Denis, aber auch in Le Tampon und Saint-Pierre. Zu den Fakultäten zählen unter anderem Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Geistes- und Naturwissenschaften sowie weitere spezialisierte Institute wie beispielsweise der Technologiepark.
Die Universität zeichnet sich durch ihre Rolle als Schnittstelle zwischen Europa und dem Indischen Ozean aus und bietet Forschungsschwerpunkte in Bereichen wie Nachhaltige Entwicklung, Gesellschaft, Geopolitik, Ökologie und Gesundheit in tropischen Umgebungen. Sie verfügt außerdem über zahlreiche Erasmus+ Kooperationen, internationale Programme und einen guten Ruf als Bildungs- und Forschungseinrichtung in der Region.
Bibliotheken und Archive
Die Médiathèque de Saint-Paul ist ein modernes Kombinationsgebäude mit Bibliothek, Archiv, Auditorium, Lernräumen und weiteren Einrichtungen. Sie wurde 2015 eröffnet und bietet unterschiedliche Bereiche für Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Das Gebäude ist architektonisch markant und öffnet den Blick auf den Indischen Ozean.
Die Bibliothèque Départementale de La Réunion in Saint-Denis ist die zentrale öffentliche Bibliothek des Départementes. Sie sammelt Bücher, Karten, digitale Medien und bietet vielfältige öffentliche Dienste an.
Die Departmental Archives of Réunion befinden sich in Sainte-Clotilde (4 rue Marcel Pagnol). Dort werden historische Originaldokumente und staatliche Akten aufbewahrt. Die Archive stehen auch internationalen Forschern offen und stellen oft digitalisierte Materialien bereit.
Die Université de La Réunion verfügt über eigene Universitätsbibliotheken an ihren Standorten, insbesondere in Saint-Denis. Diese bieten umfangreiche wissenschaftliche Literatur, elektronische Ressourcen und digitale Datenbanken für Studierende und Forschende.
Zusätzlich gibt es eine Médiathèque in Saint-Joseph, die kulturelle und öffentliche Funktionen erfüllt und in der regionalen Gemeinschaft verankert ist.
Kultur
Die Insel La Réunion hat nicht nur schöne Strände und eine faszinierende Berglandschaft zu bieten, sondern überrascht auch durch ihre interessante und bunte Kulturlandschaft. Dies verdankt die Insel einer faszinierenden ethnischen Vielfalt. Die Vermischung der Bevölkerungsgruppen stellt eine echte Bereicherung dar.
Museen
Das am 14. August 1855 eröffnete Musée d‘histoire naturelle de La Réunion ist das älteste Museum der Insel. Es befindet sich im Jardin de l’État in Saint-Denis. Es beherbergt insgesamt 42.000 Ausstellungsstücke, die die Naturgeschichte von La Réunion und dem Indischen Ozean darstellen.
Das Musée Léon Dierx in Saint-Denis ist Ein Kunstmuseum mit Werken von Impressionisten und Künstlern wie Cézanne, Gauguin, Picasso und Renoir. Es befindet sich im ehemaligen bischöflichen Palast.
Das Musée Stella Matutina in Piton Saint-Leu befindet sich in einer ehemaligen Zuckerfabrik, das die Geschichte der Zuckerindustrie auf der Insel zeigt.
Das Musée de Villèle in Saint-Gilles-les-Hauts ist ein historisches Museum mit Ausstellungen zu Porzellan, Waffen und Schiffsmodellen aus der Zeit der Ostindienkompanie.
Kélonia in Saint-Leu ist keine klassische Kunstgalerie, sondern eine Meeresschildkrötenstation mit Forschung, Schutzprojekten und Aufzucht verletzter Tiere.
La Cité du Volcan in La Plaine des Cafres ist ein Vulkanmuseum mit modernen technischen Inszenierungen, das Vulkanismus und Umweltphänomene erklärt.
Das Musée des Arts Décoratifs de l’Océan Indien (MADOI) in Saint-Louis zeigt Kunstgewerbeobjekte verschiedener Kulturen des Indischen Ozeans und beherbergt ein historisches Kaffeegut.
Daneben gibt es noch weitere kleinere Museen und historische Stätten wie das Landwirtschaftsmuseum, sowie das Aquarium in Saint-Gilles und zahlreiche sakrale Bauwerke mit kultureller Bedeutung.
Architektur
Die Architektur auf Réunion ist stark durch die Geschichte, das Klima und die kulturelle Vielfalt der Insel geprägt und zeigt eine eigene, charakteristische Mischung aus kolonialen, kreolischen und modernen Stilelementen.
Die traditionellen kreolischen Häuser sind meist aus Holz gebaut, mit Wellblechdächern und verfügen über eine sogenannte Varangue, eine überdachte Terrasse oder Veranda, die vor Regen und Sonne schützt. Die Häuser sind oft auf einem hohen Sockel gebaut, um eine natürliche Belüftung zur Kühlung zu ermöglichen. Dabei sind sie meist symmetrisch gebaut mit vielen Öffnungen für Luftzirkulation und besitzen tropische Gärten mit lokalen Pflanzen.
Bedeutende Zeugnisse der kolonialen Architektur sind die Herrenhäuser der Plantagenbesitzer, wie das Musée de Villèle in Saint-Paul, eine ehemalige Zuckerrohrplantagenvilla mit neoklassizistischer Fassade und Belvedere. Diese großen Anwesen bestanden aus Herrenhaus, Zuckerfabrikgebäuden und Sklavenunterkünften als kleine unabhängige Einheiten.
In der Hauptstadt Saint-Denis finden sich zahlreiche Kolonialbauten und Villen, beispielsweise die Villen Deramond und Carrère, sowie öffentliche Gebäude wie das Rathaus, das auf den Fundaments eines ehemaligen Waffenlagers erbaut wurde. Die Architektur des 20. Jahrhunderts ist durch unterschiedlich hohe Gebäudeflügel gekennzeichnet, beispielsweise die Poststelle oder das Verwaltungsgebäude für Landwirtschaft und Forsten, die vom Architekten Jean Bossu (Atelier Le Corbusier) entworfen wurden. Hier verbinden sich moderne Bauweisen mit lokalem Bezug.
Ein modernes Beispiel tropischer Architektur ist die Médiathèque de Saint-Paul, ein Bibliotheks- und Kulturzentrum mit großen Fenstern, die den Blick auf den Indischen Ozean freigeben, und verschiedenen architektonischen Maßnahmen für das tropische Klima wie Brise-Soleils aus perforiertem Aluminium.
Bildende Kunst
Die Insel La Réunion bietet vielfältige Angebote im Bereich bildende Kunst, die vor allem in Museen und Kunstgalerien sichtbar sind. Das Musée Départemental Léon Dierx in Saint-Denis ist das wichtigste Kunstmuseum der Insel und dem Bereich der schönen Künste gewidmet. Es zeigt bedeutende Werke impressionistischer und moderner Malerei, unter anderem von Künstlern wie Gauguin, Cézanne und Picasso. Das Museum wurde 1912 eröffnet und trägt den Namen des lokalen Dichters Léon Dierx. Das Musée des Arts Décoratifs de l’Océan Indien in Saint-Louis beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Kunstgewerbeobjekten aus verschiedenen Kulturen des Indischen Ozeans, darunter auch aus indischer, chinesischer und afrikanischer Herkunft. Es verbindet Kunst mit regionaler Geschichte und bewahrt das letzte historische Kaffeegut der Übersee-Départements.
Es gibt zeitgenössische Kunstorte wie Lieu d'art Contemporain de La Réunion, die Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen mit regionaler und internationaler Kunst organisieren. Darüber hinaus finden sich in Museen wie dem Musée Historique de Villèle auch zeigt die bildenden Künste ergänzende historische und kulturelle Ausstellungselemente, die den Einfluss von Kunst in der kolonialen Geschichte reflektieren.
Die Kunstszene auf der Insel ist stark von der vielfältigen kulturellen und ethnischen Zusammensetzung sowie der kolonialen Vergangenheit geprägt, was sich in den ausgestellten Werken und Sammlungen widerspiegelt Unter den vielen Künstlern, die auf Réunion zur Welt kamen, ist vor allem Ambroise Vollard hervorzuheben. Er wurde 1868 in Saint Denis geboren. Karriere machte er in Paris als großartiger Kunsthändler, Schriftsteller und Verleger. Dort starb er 1939.
Literatur
Die Literatur von Réunion ist geprägt von der kulturellen Vielfalt und der bewegten Geschichte der Insel, die afrikanische, europäische, indische, chinesische und kreolische Einflüsse vereint. Die schriftstellerische Tradition der Insel spiegelt diese Multikulturalität wider. Zudem hat Réunion einige wichtigste französische Schriftsteller hervorgebracht wie etwa Michel Houellebecq und Axel Gauvin.
Eine wichtige Besonderheit ist die kreolsprachige Literatur, die vor allem in mündlicher Form überliefert wurde und deren wissenschaftliche Erfassung im 19. und 20. Jahrhundert begann. Kreolsprachige Erzählungen, Legenden und Lieder sind ein bedeutender Bestandteil der kulturellen Identität und werden heute zunehmend auch schriftlich dokumentiert und interpretiert.
Thematisch befassen sich viele literarische Werke mit den Lebensbedingungen auf der Insel, der kolonialen Vergangenheit, der Sklaverei und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Spannungen. Ebenso finden sich in der Literatur Legenden und Mythen der Insel, die das kulturelle Gefühl und die Identität der Bevölkerung prägen.
Romane und Erzählungen moderner Autoren wie Axel Gauguin mit Werken wie „Kindheitshunger“ geben Einblick in das Leben und die sozialen Realitäten der heutigen Bevölkerung von La Réunion. Es existieren verschiedene Bücher und Reiseführer, die sich literarisch mit La Réunion beschäftigen oder die Insel als Schauplatz nutzen und die Geschichte und Kultur dem Leser nahebringen
Theater
Die wichtigsten Theater der Insel sind:
- Teat Champ Fleuri (Saint-Denis / Sainte-Clotilde): Das größte überdachte Theater der Insel verfügt über einen Hauptsaal mit etwa 900 Plätzen und einen kleineren Saal („Karo Kann“) für 100 Gäste. Das Programm umfasst eine breite Palette an Bühnenkünsten: Theater, Musik, Tanz, Zirkus, Marionetten, Kino und Ausstellungen. Jährlich werden Highlights wie das Jugendfestival "Toto Total" (Februar-März) und das Tanzfestival "Total Danse" (November) veranstaltet. Schwerpunkt liegt auf Künstlern aus La Réunion, aber auch international bekannte Namen treten auf.
- Théâtre Les Bambous (Saint-Benoît): Szene nationalen Interesses für "Kunst und Schöpfung": Nach einer Renovierung präsentiert Les Bambous jährlich 3 bis 4 Eigenproduktionen, Gastaufführungen, Workshops und Bildungsprojekte. Besonderes Augenmerk liegt auf zeitgenössischer Kunst und Nachwuchsförderung. Der Foyerbereich steht auch für bildende Kunst und Musiker offen. Es gibt spezielle Festivals und Kinderprogramme während der Ferien.
- Théâtre Vladimir Canter: Auf dem Campus der Université de La Réunion in Saint-Denis bietet dieses Theater ein abwechslungsreiches Programm mit darstellender Kunst und ist auch Ausbildungs- und Aufführungsstätte für Studierende.
- Théâtre Vollard (Sainte-Clotilde): Ein weiteres Theaterhaus im Stadtzentrum von Sainte-Clotilde, das insbesondere durch seine Nähe zum kulturellen Alltag und zur Diversität der Inselaufführungen besticht.
- Theatre Plein Air Saint Gilles: Open-Air-Spielstätte in Saint-Gilles, ideal für Festivals und Großveranstaltungen im Freien.
Die Theaterszene ist stark geprägt von kreativen Eigenproduktionen, Experimentierfreude und Offenheit für verschiedene Darstellungsformen. Viele Bühnen pflegen einen engen Austausch mit Schulen, Amateurgruppen und internationalen Partnern. Neben den festen Häusern gibt es kleine Bühnen, Café-Konzerte, Open-Air-Theater und Festivals, bei denen Musik, Maloya, Séga oder Tanztheater integriert werden. Internationale Festivals, regionale Wettbewerbe und mobile Produktionen bringen das Theater auch in kleinere Gemeinden der Insel und fördern die kulturelle Vielfalt nachhaltig.
Film
Auf La Réunion gibt es eine lebendige Film- und Kinolandschaft, unterstützt durch die Agence Film Réunion, die seit 2001 die lokale Filmindustrie fördert. Diese Agentur unterstützt Dreharbeiten auf der Insel, berät Filmschaffende, fördert junge Filmtalente und plant die Teilnahme an internationalen Festivals. So wird die regionale und internationale Sichtbarkeit des Réunioner Kinos permanent ausgebaut. Die wichtigsten Kinos der Insel sind:
- Multiplexe Ciné Cambaie in Saint-Paul, das als größtes Multiplexkino acht Säle mit insgesamt 1.600 Plätzen und moderner Ausstattung, u.a. für Menschen mit Einschränkungen, bietet.
- Ciné Rex in Saint-Denis, ein traditionsreiches Haus im Stadtzentrum.
- Ciné Lacaze in Saint-Denis, mit zwei Kinosälen für ein breites Filmangebot.
Weitere Kinos gibt es in Saint-Pierre und Saint-Gilles. Die Insel bietet außerdem Open-Air-Kinoevents wie das „Kino unter den Sternen“ in Sainte-Anne. Dazu kommen mehrere Filmfestivals:
- Das Festival International du Film de l'Océan Indien (FIFOI) fand erstmals im April 2025 statt. Hier werden Spielfilme, Kurzfilme und Animationen aus der Region gezeigt und prämiert. Das Ziel ist, das kreative Filmschaffen des Indischen Ozeans einem breiten internationalen Publikum sichtbar zu machen und neue Talente zu fördern.
- Das renommierte Méme pas peur-Festival ist ein etabliertes internationales Festival für Fantastik-Filme auf La Réunion und bindet auch lokale sowie internationale Künstler und Filmschaffende ein.
- Das 48 Hour Film Project wird regelmäßig auf La Réunion veranstaltet. Bei diesem Wettbewerb entstehen Kurzfilme innerhalb von nur zwei Tagen, mit lokalen Premieren in den Kinos der Insel. Gewinner nehmen am weltweiten Filmapalooza teil.
La Réunion verfügt über eigene Filmcrews, technisches Equipment und Infrastruktur für internationale sowie lokale Dreharbeiten. Die Agence Film Réunion unterstützt Produktionen logistisch und finanziell, um sowohl lokale Inhalte wie auch internationale Projekte auf der Insel zu ermöglichen. Auch Filmförderungen durch Steueranreize und regionale Beihilfen sind verfügbar.
Neben klassischen Kinobetrieben und Festivals gibt es spezielle Initiativen für Filmbildung, etwa mit Filmvorführungen und Workshops für Schulen und Hochschulen (zum Beispiel Scientific Film Festival an der Universität Saint-Denis). Kulturelle Veranstaltungen wie „Piaf fait son cinéma“ kombinieren Musik mit Filmkunst.
Musik und Tanz
Im 19. Jahrhundert war das Repertoire der Straßensänger voll von Liedern, deren Melodien aus Europa kamen. Kreolisch waren nur die Texte. Was auf den Schiffen gesungen wurde, wurde in die Volkssprache übersetzt und verwendet. Ti Fleur fanée von Fourcade ist nicht nur ein gutes Beispiel für die Musik des 19. Jahrhunderts, sondern auch eines der beliebtesten Lieder der Reunionesen. Sowohl Kinder als auch Erwachsene, egal aus welcher Kultur sie stammen, kennen das Lied auswendig. Dieses Lied geht uns direkt ans Herz: es ist unsere Hymne.
„Zum Ball gehen“ war damals ein besonderer Ausflug, auch für meine Eltern. Es gab zwei Arten von Bällen: in Sälen oder auf der Straße, die sogenannten „Bals la poussière“ („Staubbälle“). Aber die Reunionesen liebten beide Arten. Alle haben sich chic angezogen und amüsierten sich so gut, wie es die Überwachung durch einen Elternteil oder einen älteren Bruder bzw. eine ältere Schwester zuließ. Die Orchester spielten oft Polkas und Walzer, und das Akkordeon war ein sehr beliebtes Instrument. Diese Lieder gehörten zwar zum Standardprogramm, aber was davon geblieben ist, ist noch wichtiger, zum Beispiel schöne Erinnerungen wie: „Auf dieses Lied habe ich mit Mutti getanzt. Sie hatte so schöne Augen. In dieser Nacht hatte ich mich in sie verliebt.“ Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Diese Bälle sind heutzutage sehr selten zu finden und wurden durch die sogenannten Kabars, einer neuen, ebenfalls lebendigen Art von Musik ersetzt.
Maloya ist eine tief verwurzelte Musik- und Tanztradition, die ihre Ursprünge bei den afrikanischen und madagassischen Sklaven der Insel hat. Sie kombiniert Gesang, Tanz und eine besondere Perkussion mit Instrumenten wie Kayamb (eine Floßrassel), Roulèr (eine große Trommel), Pikèr und Bobre. Maloya war ursprünglich ein Ausdruck von Schmerz und Widerstand gegen die Sklaverei. Heute ist Maloya ein Symbol der kulturellen Identität von Réunion, wird als kollektiver Tanz aufgeführt und ist seit 2009 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Die Bewegungen im Maloya sind kollektiv und erzählen Geschichten über die Vergangenheit und die Ahnen.
Gegen 1822 entstand der Séga, eine „eine Mischform, die ostafrikanische Rhythmen und Bewegungsabläufe mit der französischen Quadrille verbindet.“ Damals wurden viele Sklaven von Afrika zwangsweise in die Kolonienplantagen des indischen Ozeans verfrachtet. Um ihr Heimweh besser ertragen zu können, haben sie angefangen zu singen und zur Musik ihrer selbsthergestellten Instrumente zu tanzen. Nach und nach wurde der Séga die Musik des indischen Ozeans. Aber es wurde nur auf Kreolisch gesungen. Diese Besonderheit des Ségas ist immer noch aktuell. Und weil jede Insel ihr eigenes Kreolisch hat, ist der Séga nicht überall derselbe, zum Beispiel ist der Rhythmus auf Rodrigues schneller und auf den Seychellen langsamer als der Rhythmus des Ségas Reunions.
Beide Musikrichtungen drücken die kulturelle Mischung und Geschichte von La Réunion aus, wobei Maloya eher die ernste und historische Seite der Insel erzählt, während Séga die festliche und lebensfrohe Seite darstellt. Die Instrumente wie Kayamb, Roulèr, Pikèr und Bobre sind typisch für diese Stile und prägen die lokalen Rhythmen maßgeblich.
Kleidung
Die traditionelle Kleidung und Tracht auf Réunion spiegelt die kulturelle Vielfalt der Insel wider, die von afrikanischen, indischen, europäischen, chinesischen und madagassischen Einflüssen geprägt ist. Heutzutage tragen die Menschen auf La Réunion meist leichte, bequeme Kleidung, die dem tropischen Klima angepasst ist: Baumwollstoffe, T-Shirts, Sommerkleider, Shorts und luftige Hemden sind verbreitet. Für Wanderungen sind praktisch geschnittene Outfits üblich. In den Höhenlagen oder an kühleren Abenden wird eine Jacke oder ein Pullover empfohlen.
Die Insel besitzt eine reiche Textilkultur, die sich durch bunte Stoffe, auffällige Muster und Motive aus der lokalen Fauna und Flora auszeichnet. Kreolische T-Shirts mit Sprüchen auf Réunion-Kreolisch, florale Designs, sowie Accessoires wie Pareos und Tücher sind typische Souvenirs. Lokale Kunsthandwerkerinnen und Marken wie „Pardon“ oder „Zékli“ fertigen originelle Textilien, darunter Stickereien, Ponchos, Babyartikel und modische Shirts mit traditionellen Elementen, oft in farbenfrohem und nachhaltigem Design. Diese Textilien erzählen nicht nur Geschichten, sondern symbolisieren auch die Identität und Kreativität der Insel.
Während die europäische Kolonialzeit orientierte sich die festliche Kleidung der Oberschicht am französischen Stil. Eine „klassische kreolische Festtracht“ umfasst für Frauen meist lange, weite Röcke aus bunten Stoffen, unter denen mehrere Unterröcke getragen wurden, Blusen mit Rüschen oder Spitzen, und ein breiter, oft mit Blumen verzierter Strohhut. Männer tragen helle Leinenhosen und Hemden, ein Tuch oder eine Schärpe als Gürtel sowie gelegentlich einen Strohhut.
Diese traditionelle Festkleidung wird heute vor allem zu besonderen Anlässen, Festivals und bei Volksauftritten getragen und ist Symbol für den kulturellen Stolz der Bevölkerung. Sie steht für Vielfalt und Harmonie der auf Réunion lebenden Kulturen. Korbflechtereien, Schmuck und andere Handwerksarbeiten ergänzen die Kleidung und sind wichtige Bestandteile des lokalen Erscheinungsbilds.
Die Bekleidung ist auch ein wichtiger Teil des Séga. Sie ist bunt und voller lebendiger Farben. Die Frauen tragen ein kleines Oberteil, welches vorne mit Knoten getragen wird, und einen Rock, der eng an der Taille anliegt und nach unten weit auseinandergeht. Die Männer tragen ein Hemd und eine Korsaren-Hose. Der moderne Séga kam in den 1950er und 1960er Jahren auf. Er wird immer noch mit den traditionellen Instrumenten gespielt und in der Bekleidung von damals getanzt. Viele Vorführungen sind besonders auf den Volksfesten zu sehen. Der Séga entwickelt sich ständig weiter, und heutzutage spielen einige Künstler Séga mit Synthesizer oder modernen Instrumenten. Aber der Séga an sich bleibt sehr beliebt.
Kulinarik und Gastronomie
Die Restaurants der Insel bieten französische und kreolische Spezialitäten an, wie Rougail (Meeresfrüchte mit verschiedenen Soßen) und zahlreiche Currys. Das einheimische Gemüse Bredes schmeckt ähnlich wie Spinat. Spezialitäten sind auch Petit salé aux lentilles (Gepökeltes mit Linsen) oder Canard au maïs (Ente mit Mais). Beliebt sind arabischer Kaffee (Café Bourbon) und der gute einheimische Rum, der in verschiedenen Sorten Rumpunsch wie Rhum Arrange (weißer Rum mit Vanille, Orchideen, Anis und Zimt) verwendet wird.
Reis bildet die Basis vieler Gerichte und wird oft mit Hülsenfrüchten wie Linsen oder Bohnen serviert. Typisch sind intensive und kreative Gewürzmischungen, oft mit Kurkuma, Ingwer, Knoblauch, Thymian und Chili. Besonders berühmt ist die einheimische Bourbon-Vanille. Viele Gerichte werden geschmort oder gedünstet, um die Aromen optimal zu entfalten.
Typische Gerichte der Insel sind:
- Cari (Carry): Das wohl bekannteste Gericht, eine Art Curry aus Fleisch (z.B. Huhn, Fisch, Ziegenfleisch) oder Gemüse, geschmort in einer würzigen Sauce mit Tomaten, Zwiebeln und vielen Gewürzen. Der „Poulet-Cari“ mit Hähnchen ist besonders beliebt.
- Rougail: Eine pikante Soße aus Tomaten, Zwiebeln, Ingwer und Gewürzen, oft zu Saucisse (Würsten), Boucané (geräuchertem Schweinefleisch), Fisch oder zum Curry gereicht. Die Variante „Rougail saucisse“ ist ein echter Inselklassiker.
- Cabri Massalé: Ein Ziegencurry mit indischer Gewürzmischung (Massalé), traditionell beim tamilischen Neujahrsfest beliebt.
- Boucané: Geräucherter Schweinebauch, oft über offenem Feuer gegrillt und kräftig gewürzt.
- Samosas (Samoussas): Frittierte Teigtaschen gefüllt mit Gemüse oder Fleisch, die ihren Ursprung in Indien haben und als Snack sehr beliebt sind.
- Chouchou-Gratin: Ein Auflauf aus dem lokalen Kürbisgewächs (Chayote), häufig als vegetarische Beilage.
- Zourite-Eintopf: Oktopus geschmort in Wein und Gewürzen.
Frittierte Süßkartoffeln, Tarowurzeln oder Yamswurzeln sind beliebte Beilagen. Frisches Obst (zum Beispiel Bananen, Mangos, Passionsfrucht) wird oft als Nachspeise serviert oder im Kuchen verarbeitet.
Das Nationalgetränk ist Rum, traditionell aus Zuckerrohrsaft destilliert und oft mit Vanille oder Gewürzen aromatisiert. Das lokale Bier der Insel heißpt Dodo. Fruchtsäfte und hausgemachte Limonaden sind ebenfalls sehr verbreitet.
Die Vielfalt basiert auf ständigem Austausch und Vermischung der Kochtraditionen von Einwanderern und der lokalen Bevölkerung. Märkte bieten ein breites Angebot lokaler Produkte und frischer Zutaten – besonders Gewürze und tropische Früchte.
Festkultur
Auf Réunion gelten die französischen Feiertage.
Feiertage:
- 1. Januar - Neujahr
- März / April - Ostern
- 1. Mai - Tag der Arbeit
- 8. Mai - Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg
- Juni - Christi Himmelfahrt
- 14. Juli - Nationalfeiertag
- 15. August - Maria Himmelfahrt
- 1. November - Allerheiligen
- 11. November - Tag des Waffenstillstand
- 20. Dezember - Abschaffung der Sklaverei
- 25. Dezember - Weihnachten
Die wichtigsten Feste sind: Feuerlauf (Januar), Ananasfest, Bois de Nèfles, Sainte-Clotilde (Februar), Fête du Chouchou et de la Pêche, Hell-Bourg, Salazie (Mai), Musikfestival (inselweit im Juni), Tour de L’Îsle (Radrennen im September), Blumenschau, Le Tampon (Oktober), Internationaler Triathlon (November) und Fest zum Gedenken an die Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1848 (inselweit am 20. Dezember).
Medien
Im Jahr 1997 gab es auf Réunion insgesamt drei Tages- und vier Wochenzeitungen mit einer Gesamtauflage von 65.000 bzw. 86.000 Stück, dazu 44 Rundfunk- und 22 Fernsehstationen.
Zeitungen
Tageszeitungen
- Journal de l'île de La Réunion, journal généraliste.
- Le Quotidien de La Réunion, journal généraliste.
- Témoignages, journal généraliste de sensibilité communiste.
Magazine
- Femmes magazine, magazine féminin encarté dans le Journal de l'île de La Réunion.
- Star Top TV, magazine de télévision.
- Télé Mag, magazine de télévision.
- Visu, magazine de télévision.
Monatszeitungen
- 2512, magazine culturel.
- L'Eco Austral, magazine économique.
- Mémento, magazine économique.
Presseagentur
- Association réunionnaise pour la diffusion de la presse
Radiosender
- Radio Freedom FM (Radio FreeDom) – Bekannt für Nachrichten, Verkehrsinformationen und Unterhaltung
- Réunion 1ère – Das offizielle Radio mit Nachrichten und aktuellen Themen der Insel
- Exo FM – Sehr beliebt für Sonnen-, Zouk-, Séga- und Maloya-Musik
- NRJ Réunion – Jugendlicher Musik-Mix mit aktuellen Hits
- RTL Réunion – Hits, Top 40 und Charts
- Hit FM Réunion – Top 40 und Charts
- Urban Hit – Hip-Hop und urbaner Sound
- Radio Kayanm FM – Pop, Zouk und Tropical
- Passion Tropical
- RSL Radio
- Chérie FM Réunion – Pop und Chanson
- Radio Coloris
- Radio Pikan – Zouk und Tropical
- Sensuelle Radio
- Rock Station – Classic Rock und Oldies
- Capital FM
- Radio Oxygène Réunion – African Music, Hits, Reggae, Zouk
- Sunlight FM
- Rire & Chansons Réunion
- Top FM – Made in France Hits und Tanzmusik
Fernsehen
- Antenne Réunion
- Kanal Austral
- NootTV
- Réunion 1re (télévision)
- Télé Free Dom
- Télé Kréol
- Tempo (RFO)
Kommunikation
Die Telefonvorwahl für Réunion l,autet 00262. Mobil telefoniert wird über GSM 900/1800. Netzbetreiber sind France Telecom (GSM 900/1800), Orange Reunion und Société Reunionnaise. Die meisten touristischen Stätten sind durch das Mobilfunknetz abgedeckt, wie Vulkan, Mafate, Rivière des Remparts und Cilaos.
Sport
Der Nationalsport von Réunion ist Fußball. Die Insel verfügt über eine eigene Fußballnationalmannschaft, die von der Réunioner Fußballliga, einem Zweig der Französischen Fußballföderation, kontrolliert wird. Neben Fußball ist bietet die Insel auch Aktivitäten in anderen Sportarten wie Leichtathletik, Handball, Basketball, Rugby und Trailrunning, dank der vielfältigen Landschaft und des ganzjährig angenehmen Klimas.
Die Sous-le-Vent-Küste und besonders die Lagune bei Saint-Gilles-des-Bains bieten gute Schwimm- und Wassersportmöglichkeiten wie Baden, Tauchen, Segeln und Surfen. Im Landesinneren garantieren wilde Bergflüsse und Wasserfälle unvergessliche Canyoning und Rafting-Erlebnisse. Vorsicht vor Haien ist jedoch geboten, man sollte die Ratschläge der Einheimischen beachten. Wandern kann man von April bis Dezember gut in den Bergen, Bergsteigen auf den vulkanischen Gipfeln. Angeln: Forellen kann man an den Takamaka-Wasserfällen fangen. Außerdem werden angeboten: Reiten, Golf, Mountainbiking, Tennis, Tontaubenschießen, Eislaufen, Squash, Drachenfliegen und Fallschirmspringen.
Fußball
Die D1 Promotionelle ist die höchste Spielklasse des Fußballverbands von Réunion. Sie wurde 1950 gegründet und umfasst aktuell 14 Mannschaften. Rekordsieger ist JS Saint-Pierroise mit 20 Titeln.
| Saison | Meister | Vizemeister |
| 1950 | SS Patriote | |
| 1951 | SS Patriote | |
| 1952 | SS Jeanne d’Arc | |
| 1953 | SS Patriote | |
| 1954 | SS Patriote | |
| 1955 | SS Patriote | |
| 1956 | JS Saint-Pierroise | SS Patriote |
| 1957 | JS Saint-Pierroise | Bourbon Club |
| 1958 | AS Saint-Louisienne | SS Jeanne d’Arc |
| 1959 | JS Saint-Pierroise | SS Charles de Foucauld |
| 1960 | JS Saint-Pierroise | SS Jeanne d’Arc |
| 1961 | JS Saint-Pierroise | Bourbon Club |
| 1962 | SS Patriote | JS Saint-Pierroise |
| 1963 | AS Saint-Louisienne | JS Saint-Pierroise |
| 1964 | AS Saint-Louisienne | JS Saint-Pierroise |
| 1965 | AS Saint-Louisienne | SS Tamponnaise |
| 1966 | AS Saint-Louisienne | SS Tamponnaise |
| 1967 | AS Saint-Louisienne | SS Patriote |
| 1968 | AS Saint-Louisienne | SS Jeanne d’Arc |
| 1969 | AS Saint-Louisienne | SS Jeanne d’Arc |
| 1970 | AS Saint-Louisienne | AS Excelsior |
| 1971 | JS Saint-Pierroise | AS Saint-Louisienne |
| 1972 | JS Saint-Pierroise | SS Patriote |
| 1973 | JS Saint-Pierroise | SAS Excelsior |
| 1974 | AS Excelsior | JS Saint-Pierroise |
| 1975 | JS Saint-Pierroise | AS Excelsior |
| 1976 | JS Saint-Pierroise | FC Ouest |
| 1977 | FC Ouest | AS Excelsior |
| 1978 | JS Saint-Pierroise | CS Saint-Denis |
| 1979 | FC Saint-Pauloise | US Bénédictine |
| 1980 | CS Saint-Denis | FC Saint-Pauloise |
| 1981 | FC Saint-Pauloise | US Bénédictine |
| 1982 | AS Saint-Louisienne | CS Saint-Denis |
| 1983 | FC Saint-Pauloise | FC Ouest |
| 1984 | CS Saint-Denis | FC Saint-Pauloise |
| 1985 | FC Saint-Pauloise | JS Saint-Pierroise |
| 1986 | FC Saint-Pauloise | CS Saint-Denis |
| 1987 | CS Saint-Denis | FC Saint-Pauloise |
| 1988 | AS Saint-Louisienne | US Stade Tamponnaise |
| 1989 | JS Saint-Pierroise | CS Saint-Denis |
| 1990 | JS Saint-Pierroise | US Stade Tamponnaise |
| 1991 | US Stade Tamponnaise | CS Saint-Denis |
| 1992 | US Stade Tamponnaise | CS Saint-Denis |
| 1993 | JS Saint-Pierroise | CS Saint-Denis |
| 1994 | JS Saint-Pierroise | US Stade Tamponnaise |
| 1995 | CS Saint-Denis | US Stade Tamponnaise |
| 1996 | CS Saint-Denis | JS Saint-Pierroise |
| 1997 | AS Saint-Louisienne | US Stade Tamponnaise |
| 1998 | AS Saint-Louisienne | US Stade Tamponnaise |
| 1999 | US Stade Tamponnaise | JS Saint-Pierroise |
| 2000 | AS Marsouins | US Stade Tamponnaise |
| 2001 | AS Saint-Louisienne | JS Saint-Pierroise |
| 2002 | AS Saint-Louisienne | US Stade Tamponnaise |
| 2003 | US Stade Tamponnaise | AS Saint-Louisienne |
| 2004 | US Stade Tamponnaise | AS Excelsior |
| 2005 | US Stade Tamponnaise | AS Excelsior |
| 2006 | US Stade Tamponnaise | JS Saint-Pierroise |
| 2007 | US Stade Tamponnaise | AS Excelsior |
| 2008 | JS Saint-Pierroise | US Stade Tamponnaise |
| 2009 | US Stade Tamponnaise | AS Excelsior |
| 2010 | US Stade Tamponnaise | US Sainte-Marienne |
| 2011 | FC Saint-Pauloise | US Sainte-Marienne |
| 2012 | AS Saint-Louisienne | US Sainte-Marienne |
| 2013 | US Sainte-Marienne | FC Saint-Pauloise |
| 2014 | FC Saint-Pauloise | AS Excelsior |
| 2015 | JS Saint-Pierroise | AS Saint-Louisienne |
| 2016/17 | JS Saint-Pierroise | US Sainte-Marienne |
| 2017 | JS Saint-Pierroise | AS Excelsior |
| 2018 | JS Saint-Pierroise | SS Jeanne d’Arc |
| 2019 | JS Saint-Pierroise | US Sainte-Marienne |
| 2021 | La Tamponnaise | AS Excelsior |
| 2022 | Saint-Denis FC | JS Saint-Pierroise |
| 2023 | AS Excelsior | JS Saint-Pierroise |
| 2024 | AS Excelsior | FC Saint-Pauloise |
Anzahl der Titel
| Verein | Stadt | Titel | zuletzt |
| JS Saint-Pierre | Saint-Pierre | 21 | 2019 |
| AS Saint-Louisienne | Saint-Louis | 16 | 2012 |
| US Stade Tamponnaise | Le Tampon | 11 | 2021 |
| FC Saint-Pauloise | Saint-Paul | 7 | 2014 |
| SS Patriote | Saint-Denis | 6 | 1962 |
| Saint-Denis FC | Saint-Denis | 6 | 2022 |
| AS Excelsior | Saint-Joseph | 3 | 2024 |
| SS Jeanne d’Arc | Saint-Pierre | 1 | 1952 |
| AS Marsouins | Saint-Leu | 1 | 2000 |
| FC Ouest | Saint-Paul | 1 | 1977 |
| US Sainte-Marienne | Sainte-Marie | 1 | 2013 |
Die Ligue Réunionnaise de Football organisiert den Fußballsport auf Réunion. Sie ist kein Mitglied des Weltfußballverbandes FIFA, lediglich assoziiertes Mitglied des Kontinentalverbandes CAF, was die Mannschaft jedoch nicht berechtigt, an den Qualifikationsspielen zum Afrika-Cup teilzunehmen. Réunion kann nicht an Qualifikationsspielen zu Fußballweltmeisterschaften teilnehmen. Trotzdem hat La Réunion bereits einige internationale Spiele bestritten, die meisten davon gegen Madagaskar, Mauritius und die Seychellen..
Réunion ist kein Mitglied des Weltfußballverbandes FIFA und nimmt daher auch nicht an Qualifikationsspielen zu Fußball-Weltmeisterschaften teil. La Réunion ist lediglich assoziiertes Mitglied des Kontinentalverbandes CAF, was die Mannschaft jedoch nicht berechtigt, an den Qualifikationsspielen zum Afrika-Cup teilzunehmen. Außerdem beteiligt sich die Nationalauswahl an der Coupe de l’Outre-Mer, dem Wettbewerb für Nationalmannschaften aus Frankreichs überseeischen Gebieten. 2008 und 2012 gewann Réunion die Siegestrophäe.
Zudem hat La Réunion bereits einige internationale Spiele bestritten, die meisten davon gegen Madagaskar, Mauritius und die Seychellen.
In jüngerer Zeit spielen von der Insel stammende Profifußballer zunehmend eine gewichtigere Rolle in der französischen A-Nationalelf. So hat deren Trainer Laurent Blanc mit Guillaume Hoarau, Benoît Trémoulinas und Dimitri Payet gleich drei von ihnen in sein Aufgebot für die Europameisterschafts-Qualifikationsspiele im Oktober 2010 berufen. Die Bilanz der Ländermatches bis 2011 sieht wie folgt aus:
| Gegner | Sp | S | U | N | T+ | T- | Diff |
| Comoros | 6 | 4 | 1 | 1 | 13 | 3 | 10 |
| Congo | 2 | 1 | 0 | 1 | 3 | 5 | -2 |
| French Guiana | 3 | 2 | 1 | 0 | 3 | 0 | 3 |
| Gabon | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 3 | -3 |
| Guadeloupe | 2 | 1 | 0 | 1 | 3 | 3 | 0 |
| Kenya | 3 | 0 | 0 | 3 | 2 | 7 | -5 |
| Madagascar | 21 | 3 | 4 | 14 | 30 | 53 | -23 |
| Malawi | 1 | 0 | 0 | 1 | 2 | 8 | -6 |
| Maldives | 2 | 2 | 0 | 0 | 18 | 0 | 18 |
| Martinique | 2 | 1 | 1 | 0 | 1 | 0 | 1 |
| Mauritius | 35 | 7 | 9 | 19 | 39 | 101 | -62 |
| Mayotte | 4 | 3 | 1 | 0 | 12 | 4 | 8 |
| New Caledonia | 2 | 2 | 0 | 0 | 7 | 3 | 4 |
| Saint Pierre and Miquelon | 1 | 1 | 0 | 0 | 11 | 0 | 11 |
| Seychelles | 15 | 12 | 1 | 2 | 30 | 10 | 20 |
| Tanzania | 1 | 0 | 1 | 0 | 1 | 1 | 0 |
| Togo | 1 | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 1 |
| Zaire | 1 | 1 | 0 | 0 | 2 | 1 | 1 |
| Zimbabwe | 3 | 0 | 1 | 2 | 3 | 5 | -2 |
| Total | 106 | 41 | 20 | 45 | 181 | 207 | –26 |
Persönlichkeiten
Die wichtigsten Persönlichkeiten von der Insel Réunion sind:
- Raymond Barre (1924 bis 2007), französischer Politiker und Wirtschaftswissenschaftler
- Tonton David (* 12. Oktober 1967), Reggaekünstler
- Roland Garros (1888 bis 1918), Flugpionier
- Axel Gauvin (* 3. August 1944), Schriftsteller
- Michel Houellebecq (1958 oder 1956), Schriftsteller
- Charles Leconte de Lisle (1818 bis 1894), französischer Dichter
- Daniel Narcisse, französischer Handballspieler
- Paul Véronge de la Nux, Komponist
- Jackson Richardson, französischer Handballspieler
- Laurent Robert (* 21. Mai 1975), französischer Fußballspieler
Fremdenverkehr
Der Tourismus entwickelt sich langsam, steht aber weiter im Schatten von Mauritius, das über zahlreichere Badestrände verfügt und wegen der weiter verbreiteten englischen Sprache von nicht-französischen Touristen bevorzugt wird. Reisende kommen vor allem aus dem europäischen Frankreich und Mauritius und konzentrieren sich auf Wander- oder Sporturlaube.
Gästezahlen
1984 79 000
1997 370 255
1999 394 000
2000 430 000
Ein- und Ausreise:
- Reisedokumente: Für die Einreise genügt ein einfacher Reisepass.
- Impfungen: Es werden keine speziellen impfungen verlangt, ausgenommen gegen Gelbfieber bei Einreise aus Gelbfiebergebieten.
- Zollbestimmungen: Für Réunion gelten die französischen Zollbestimmungen.
- Reisen mit Kfz: Der nationale Führerschein berechtigt zum Lenken eines Mietautos auf Réunion.
- Umgangsformen: Die üblichen Höflichkeitsformen gelten auch hier. Die indischen, pakistanischen und europäischen Einwanderer haben sich ihre unterschiedlichen Kulturformen weitgehend erhalten und feiern ihre eigenen Feste und Feiertage.
- Trinkgeld: Zirka 10 % Trinkgeld sind üblich.
- Reisezeit: Die beste Reisezeit La Reunion ist von April bis Dezember. Von Ende Dezember bis in den April hinein herrscht der Monsun mit teilweise starken Regenfällen und die Luft hat eine hohe Luftfeuchtigkeit. Aber auch während der anderen Monaten muss man mit kurzen Schauern rechnen.
Literatur
- wikipedia = https://fr.wikipedia.org/wiki/Cat%C3%A9gorie:La_R%C3%A9union
- wikitravel = https://wikitravel.org/en/Reunion
- wikivoyage = https://en.wikivoyage.org/wiki/R%C3%A9union
Reiseberichte
- Réunion, Reiseberichte = https://reunion.de/reiseberichte/
- La Réunion Blog = https://wolkenweit.de/la-reunion/
- Eva Maccani: La Réunion - Tropische Wanderreise = https://www.asi-reisen.de/blog/reisebericht-la-reunion-erwandern/
- Explorer: La Réunion - ein europäisches Paradies = https://www.explorer.de/reiseziele/indischer-ozean/la-reunion/la-reunion-reisebericht-ein-europaeisches-paradies.html
Videos
- Flying over Réunion Island = https://www.youtube.com/watch?v=ICkbtU2-Tgw
- Réunion - Auf dem Weg zur Insel der DSensationen = https://www.youtube.com/watch?v=takYKxyrtI4
- Les secrets de l'Île de la Réunion = https://www.youtube.com/watch?v=umlBXAv3es0
- Reiseführer für die Insel La Réunion = https://www.youtube.com/watch?v=6DdHerhMDfU
Atlas
- Réunion, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/#map=11/-21.1313/55.5428
- Réunion, ADAC = https://maps.adac.de/land/reunion
- Réunion, Satellit = https://satellites.pro/Google/Reunion_map
Reiseangebote
Insel La Réunion = https://www.insel-la-reunion.com/
Urlaub auf der Insel La Réunion = https://www.france.fr/de/reiseziel/insel-la-reunion/
Forum
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