Anticosti: Unterschied zwischen den Versionen

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Anticosti ist eine zur kanadischen Provinz Quebec gehörige Insel im Sankt Lorenz-Golf. Den indianischen Festlandbewohnern diente sie einst als Jagdrevier - und genau dazu wurde sie von reichen Privatiers in neuerer Zeit wieder gemacht. Nur das Jagdwild änderte sich - waren es früher Bären, so schossen die Europäer lieber auf Hirsche, die sie zum Zweck der Jagd extra auf die Insel breachten.
Anticosti ist eine zur kanadischen Provinz Quebec gehörige Insel im Sankt Lorenz-Golf. Den indianischen Festlandbewohnern diente sie einst als Jagdrevier - und genau dazu wurde sie von reichen Privatiers in neuerer Zeit wieder gemacht. Nur das Jagdwild änderte sich - waren es früher Bären, so schossen die Europäer lieber auf Hirsche, die sie zum Zweck der Jagd extra auf die Insel breachten.
{{Inselsteckbrief|offizieller Name=Île d'Anticosti|alternative Bezeichnungen=Notiskuan (innu), Natigostec, Natigôsteg (mi’kmaq), Isle d’Assomption (1535), Assomption, Isla della Assomptione (16. Jahrhundeert), Anticosti (17. Jahrhundert), Anticosti Island (englisch)|Kategorie=Meeresinsel|Inseltyp=echte Insel|Inselart=Sedimentinsel|Gewässer=Sankt-Lorenz-Golf (Golfe du Saint-Laurent)|Inselgruppe=Anticosti (Île d'Anticosti)|politische Zugehörigkeit=Staat: Kanada (Canada)<br>Provinz: Quebec (Québec)|Gliederung=1 ville (Dorf)<br>3 reserves naturelles (Naturschutzgebiete)<br>5 pourvoiries (Jagd- und Fischfangregionen)|Status=Regionale Grafschaftsgemeinde (municipalité régionale de comté)|Koordinaten=49°29‘ N, 63°33‘ W|Entfernung zur nächsten Insel=27,5 km (Île Nue de Mingan)|Entfernung zum Festland=33,9 km (Longue Pointe de Mingan / Quebec)|Fläche=7.923,16 km² / 3.095,14 mi² (reine Landfläche 7.892,52 km² / 3.047,3 mi²)|geschütztes Gebiet=615 km² / 237 mi² (7,8 %)|maximale Länge=221,5 km (WNW-OSO)|maximale Breite=221,5 km (WNW-ONO)|Küstenlänge=531 km|tiefste Stelle=0 m (Sankt-Lorenz-Golf)|höchste Stelle=320 m (Saguenay Hill)|relative Höhe=320 m|mittlere Höhe=17 m|maximaler Tidenhub=1,8 bis 2,8 m, (Port Menier bei 2,6 m)|Zeitzone=HNE (Heure Normale de l’Est / Eastern Standard Time / Östliche Standardzeit, UTC-5)|Realzeit=UTC minus 4 Stunden 7 bis 18 Minuten|Einwohnerzahl=177 (2021)|Dichte=0,022|Inselzentrum=Port-Menier}}


== '''Name''' ==
== '''Name''' ==
Am 15. August 1535 entdeckte der französische Seefahrer Jacques Cartier im Golfe du Saint-Laurent, Sankt Lorenz-Golf, eine große, aber offensichtlich unbewohnte Insel. Er nannte sie dem Festtag entsprechend '''''Isle d’Assumption''''', „Himmelfahrtsinsel“, später verkürzt zu '''''Assomption''''', dem französischen Ausdruck für das am 15. August gefeierte Fest der Himmelfahrt Mariens. In spanischen Beschreibungen wurde daraus '''''Isla della Assomptione'''''.
Am 15. August 1535 entdeckte der französische Seefahrer Jacques Cartier im Golfe du Saint-Laurent, Sankt Lorenz-Golf, eine große, aber offensichtlich unbewohnte Insel. Er nannte sie dem Festtag entsprechend '''''Isle d’Assumption''''', „Himmelfahrtsinsel“, später verkürzt zu '''''Assomption''''', dem französischen Ausdruck für das am 15. August gefeierte Fest der Himmelfahrt Mariens. In spanischen Beschreibungen wurde daraus '''''Isla della Assomptione'''''.


Als im Jahr 1680 der französische Forschungsreisende Louis Jolliet die Insel als Belohnung für seine Entdeckungen erhielt, trug sie bereits einen anderen Namen: '''''Île d’Anticosti''''' bzw. '''''Anticosti''''', gesprochen [ɑ̃.ti.kɔs.ti]. Woher diese Bezeichnung stammte, darüber gibt es keine einhellige Meinung. So wird unter anderem vermutet, dass sie von frühen portugiesischen Seefahrernstammen könnte, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts angeblich die Gegend erkundeten und das Eiland mit dem Namen '''''Ante Costa''''' versehen hätten, was soviel wie „gegenüber der Küste gelegen“ bedeutet. Ein Sinngehalt, der sich auch aus anderen romanischen Sprachen erschließen lässt - zu romanisch ''anti'' „gegenüber“ und romanisch ''costa'' „Küste“.  
Als im Jahr 1680 der französische Forschungsreisende Louis Jolliet die Insel als Belohnung für seine Entdeckungen erhielt, trug sie bereits einen anderen Namen: '''''Île d’Anticosti''''' bzw. '''''Anticosti''''', gesprochen [ɑ̃.ti.kɔs.ti]. Woher diese Bezeichnung stammte, darüber gibt es keine einhellige Meinung. So wird unter anderem vermutet, dass sie von frühen portugiesischen Seefahrernstammen könnte, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts angeblich die Gegend erkundeten und das Eiland mit dem Namen ''Ante Costa'' versehen hätten, was soviel wie „gegenüber der Küste gelegen“ bedeutet. Ein Sinngehalt, der sich auch aus anderen romanischen Sprachen erschließen lässt - zu romanisch ''anti'' „gegenüber“ und romanisch ''costa'' „Küste“.  


Doch gibt es auch andere, in indianischen Traditionen wurzelnde Deutungsmöglichkeiten. Die Innu nämlich nannten die Insel '''''Notiskuan'''''. Das bedeutet „wo Bären gejagt werden“, was darauf hindeutet, dass die Insel von den Ureinwohnern einstmals als „Land der Bärenjagd“ genutzt wurde. Die Mi‘kmaq wiederum nannten das Eiland '''''Natigostec''''' bzw. '''''Natigôsteg''''', was sich in etwa als „vorne liegende Insel“ bzw. „vorderes Land“ übersetzen lässt.
Doch gibt es auch andere, in indianischen Traditionen wurzelnde Deutungsmöglichkeiten. Die Innu nämlich nannten die Insel '''''Notiskuan'''''. Das bedeutet „wo Bären gejagt werden“, was darauf hindeutet, dass die Insel von den Ureinwohnern einstmals als „Land der Bärenjagd“ genutzt wurde. Die Mi‘kmaq wiederum nannten das Eiland '''''Natigostec''''' bzw. '''''Natigôsteg''''', was sich in etwa als „vorne liegende Insel“ bzw. „vorderes Land“ übersetzen lässt.
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* ISO-Code: CA.QC.AC
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== '''Lage''' ==
'''Lage'''
 
Die zur kanadischen Provinz Quebec gehörige Insel Anticosti liegt auf durchschnittlich 63°33‘ w.L. und 49°29‘ n.B.. Sie befindet sich damit auf der gleichen geografischen Breite wie der Norden von Cotentin, Le Havre und Rouen in Frankreich, das Saarland und Nürnberg in Deutschland, Olomouc (Olmütz) in Tschechien, Nowy Sacz (Neusatz) in Polen, Lviv (Lemberg) und Poltava in der Ukraine, Karaganda in Kasachstan, Bulgarn in der Mongolei, Hailar in China, Vanino an der russischen Pazifikküste, das Zentrum der Insel Sachalin, die nördliche Kurileninsel Ottekotan, Texada Island nordwestlich von Vancouver in British Columbia, Lethbridge im Süden Albertas, Winnipeg in Manitoba und der Lake Nipigon in Ontario. Die Insel Anticosti liegt im Mündungsbereich des Saint Lawrence River in der Gulf of Saint Lawrence, zwischen dem Détroit du Jacques Cartier im Norden und dem Détroit de Honguedo im Süden. Das kanadische Festland ist 35 km entfernt.
Die zur kanadischen Provinz Quebec gehörige Insel Anticosti liegt auf durchschnittlich 63°33‘ w.L. und 49°29‘ n.B.. Sie befindet sich damit auf der gleichen geografischen Breite wie der Norden von Cotentin, Le Havre und Rouen in Frankreich, das Saarland und Nürnberg in Deutschland, Olomouc (Olmütz) in Tschechien, Nowy Sacz (Neusatz) in Polen, Lviv (Lemberg) und Poltava in der Ukraine, Karaganda in Kasachstan, Bulgarn in der Mongolei, Hailar in China, Vanino an der russischen Pazifikküste, das Zentrum der Insel Sachalin, die nördliche Kurileninsel Ottekotan, Texada Island nordwestlich von Vancouver in British Columbia, Lethbridge im Süden Albertas, Winnipeg in Manitoba und der Lake Nipigon in Ontario. Die Insel Anticosti liegt im Mündungsbereich des Saint Lawrence River in der Gulf of Saint Lawrence, zwischen dem Détroit du Jacques Cartier im Norden und dem Détroit de Honguedo im Süden. Das kanadische Festland ist 35 km entfernt.


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=== '''Zeitzone''' ===
=== '''Zeitzone''' ===
Auf Anticosti gilt die '''Atlantic Standard Time''' (Atlantische Zeit), abgekürzt AST (AZ), 5 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC-4). Die Realzeit liegt um 4 Stunden und 7 bis 18 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).
Auf Anticosti gilt die '''Heure Normale de l'Est''', englisch Eastern Standard Time (Östliche Standardzeit), abgekürzt HNE bzw. EST, 6 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC-5). Die Realzeit liegt um 4 Stunden und 7 bis 18 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).
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=== '''Legislative und Exekutive''' ===
=== '''Legislative und Exekutive''' ===
Die '''Legislative''' und '''Exekutive''' auf der Anticosti-Insel (Municipalité de L’Île-d’Anticosti) sind auf kommunaler Ebene organisiert, da die gesamte Insel eine einzige Municipalité in der Provinz Québec bildet. Sie gehört zur Municipalité régionale de comté (MRC) de la Minganie in der Region Côte-Nord.
Die Legislative und Exekutive auf der Anticosti-Insel (Municipalité de L’Île-d’Anticosti) sind auf kommunaler Ebene organisiert, da die gesamte Insel eine einzige Municipalité in der Provinz Québec bildet. Sie gehört zur Municipalité régionale de comté (MRC) de la Minganie in der Region Côte-Nord.


Der '''Conseil municipal''' (Gemeinderat) übt die legislative Gewalt aus. Er besteht aus der Mairesse (Bürgermeisterin) und vier Conseillers (Ratsmitgliedern), insgesamt fünf gewählte Personen. Die Wahlen erfolgen en bloc (alle Positionen gleichzeitig) alle vier Jahre. Der Rat erlässt Verordnungen (règlements), genehmigt den Haushalt, plant die Entwicklung und trifft Entscheidungen zu lokalen Angelegenheiten wie Urbanisme, Permis und Abfallmanagement. Seit den Kommunalwahlen 2025 ist der Conseil municipal zu 100 % weiblich, mit Hélène Boulanger als Mairesse an der Spitze.
Der '''Conseil municipal''' (Gemeinderat) übt die legislative Gewalt aus. Er besteht aus der Mairesse (Bürgermeisterin) und vier Conseillers (Ratsmitgliedern), insgesamt fünf gewählte Personen. Die Wahlen erfolgen en bloc (alle Positionen gleichzeitig) alle vier Jahre. Der Rat erlässt Verordnungen (règlements), genehmigt den Haushalt, plant die Entwicklung und trifft Entscheidungen zu lokalen Angelegenheiten wie Urbanisme, Permis und Abfallmanagement. Seit den Kommunalwahlen 2025 ist der Conseil municipal zu 100 % weiblich, mit Hélène Boulanger als Mairesse an der Spitze.
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Version vom 19. Dezember 2025, 10:46 Uhr

Anticosti ist eine zur kanadischen Provinz Quebec gehörige Insel im Sankt Lorenz-Golf. Den indianischen Festlandbewohnern diente sie einst als Jagdrevier - und genau dazu wurde sie von reichen Privatiers in neuerer Zeit wieder gemacht. Nur das Jagdwild änderte sich - waren es früher Bären, so schossen die Europäer lieber auf Hirsche, die sie zum Zweck der Jagd extra auf die Insel breachten.

Inselsteckbrief
offizieller Name Île d'Anticosti
alternative Bezeichnungen Notiskuan (innu), Natigostec, Natigôsteg (mi’kmaq), Isle d’Assomption (1535), Assomption, Isla della Assomptione (16. Jahrhundeert), Anticosti (17. Jahrhundert), Anticosti Island (englisch)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp echte Insel
Inselart Sedimentinsel
Gewässer Sankt-Lorenz-Golf (Golfe du Saint-Laurent)
Inselgruppe Anticosti (Île d'Anticosti)
politische Zugehörigkeit Staat: Kanada (Canada)
Provinz: Quebec (Québec)
Gliederung 1 ville (Dorf)
3 reserves naturelles (Naturschutzgebiete)
5 pourvoiries (Jagd- und Fischfangregionen)
Status Regionale Grafschaftsgemeinde (municipalité régionale de comté)
Koordinaten 49°29‘ N, 63°33‘ W
Entfernung zur nächsten Insel 27,5 km (Île Nue de Mingan)
Entfernung zum Festland 33,9 km (Longue Pointe de Mingan / Quebec)
Fläche 7.923,16 km² / 3.095,14 mi² (reine Landfläche 7.892,52 km² / 3.047,3 mi²)
geschütztes Gebiet 615 km² / 237 mi² (7,8 %)
maximale Länge 221,5 km (WNW-OSO)
maximale Breite 221,5 km (WNW-ONO)
Küstenlänge 531 km
tiefste Stelle 0 m (Sankt-Lorenz-Golf)
höchste Stelle 320 m (Saguenay Hill)
relative Höhe 320 m
mittlere Höhe 17 m
maximaler Tidenhub 1,8 bis 2,8 m, (Port Menier bei 2,6 m)
Zeitzone HNE (Heure Normale de l’Est / Eastern Standard Time / Östliche Standardzeit, UTC-5)
Realzeit UTC minus 4 Stunden 7 bis 18 Minuten
Einwohnerzahl 177 (2021)
Dichte (Einwohner pro km²) 0,022
Inselzentrum Port-Menier


Name

Am 15. August 1535 entdeckte der französische Seefahrer Jacques Cartier im Golfe du Saint-Laurent, Sankt Lorenz-Golf, eine große, aber offensichtlich unbewohnte Insel. Er nannte sie dem Festtag entsprechend Isle d’Assumption, „Himmelfahrtsinsel“, später verkürzt zu Assomption, dem französischen Ausdruck für das am 15. August gefeierte Fest der Himmelfahrt Mariens. In spanischen Beschreibungen wurde daraus Isla della Assomptione.

Als im Jahr 1680 der französische Forschungsreisende Louis Jolliet die Insel als Belohnung für seine Entdeckungen erhielt, trug sie bereits einen anderen Namen: Île d’Anticosti bzw. Anticosti, gesprochen [ɑ̃.ti.kɔs.ti]. Woher diese Bezeichnung stammte, darüber gibt es keine einhellige Meinung. So wird unter anderem vermutet, dass sie von frühen portugiesischen Seefahrernstammen könnte, die gegen Ende des 15. Jahrhunderts angeblich die Gegend erkundeten und das Eiland mit dem Namen Ante Costa versehen hätten, was soviel wie „gegenüber der Küste gelegen“ bedeutet. Ein Sinngehalt, der sich auch aus anderen romanischen Sprachen erschließen lässt - zu romanisch anti „gegenüber“ und romanisch costa „Küste“.

Doch gibt es auch andere, in indianischen Traditionen wurzelnde Deutungsmöglichkeiten. Die Innu nämlich nannten die Insel Notiskuan. Das bedeutet „wo Bären gejagt werden“, was darauf hindeutet, dass die Insel von den Ureinwohnern einstmals als „Land der Bärenjagd“ genutzt wurde. Die Mi‘kmaq wiederum nannten das Eiland Natigostec bzw. Natigôsteg, was sich in etwa als „vorne liegende Insel“ bzw. „vorderes Land“ übersetzen lässt.

Als der reiche französische Schokoladefabrikant Henri Menier im Jahr 1895 die Insel erwarb, machte er sie zu eben dem, was sie schon in indianischer Vorzeit gewesen war, zu einem Jagdrevier. Offiziell heißt sie seit damals Île d’Anticosti, englisch Anticosti Island. In offiziellen Dokumenten wird die Insel seit 1984 als Municipalité de l‘Île d’Anticosti bezeichnet.

  • amharisch:  አንቲኮስቲ [Antikosti]
  • arabisch:  أنتيكوستي [ʔantikusti]
  • armenisch:  Անտիկոստի [Antikosti]
  • bengalisch:  অ্যান্টিকোস্টি [ænṭikôsṭi]
  • birmanisch:  အန်တီကိုစတီ [ʔəntìkoʊsti]
  • bulgarisch:  Антикости [Antikosti]
  • cherokee: ᎠᏂᏘᎦᏍᏘ [Anitigasti]
  • chinesisch:  安蒂科斯蒂 [āndìkēsīdì]
  • englisch: Anticosti Island
  • französisch: Île d'Anticosti
  • georgisch:  ანტიკოსტი [Ant’ik’ost’i]
  • griechisch:  Αντικοστί [Antikostí]
  • gudscheratisch:  એન્ટિકોસ્ટી [Enṭikosṭī]
  • hebräisch:  אנטיקוסטי [Antikosti]
  • hindi:  एंटिकोस्टि [Eṇṭikosṭi]
  • innu: Notiskuan
  • japanisch:  アンティコスティ [Antikosuti]
  • kambodschanisch:  អង់ទីកូស្តី [ʔɑŋtiikousti]
  • kanaresisch:  ಆಂಟಿಕೋಸ್ಟಿ [āṇṭikōsṭi]
  • kasachisch:  Антикости [Antïkostï]
  • koreanisch:  안티코스티 [Antikoseuti]
  • laotisch:  ອັນຕິໂກສຕິ [ʔantikoːsti]
  • litauisch:  Antikostis
  • makedonisch:  Антикости [Antikosti]
  • malayalam:  ആന്റികോസ്റ്റി [āṇṭikōsṟṟi]
  • maldivisch:  އެންޓިކޮސްޓި [Enṭikosṭi]
  • mi'kmaq: Natigôsteg, Natigostec
  • orissisch:  ଆଣ୍ଟିକୋଷ୍ଟି [āṇṭikoṣṭi]
  • pandschabisch:  ਐਂਟੀਕੋਸਟੀ [Aiṇṭīkosṭī]
  • persisch:  آنتیکوستي [Ântikosti]
  • russisch:  Антикости [Antikosti]
  • serbisch:  Антикости [Antikosti]
  • singhalesisch:  ඇන්ටිකොස්ටි [ænṭikosṭi]
  • tamil:  ஆன்டிகோஸ்டி [āṇṭikōsṭi]
  • telugu:  ఆంటికోస్టి [āṇṭikōsṭi]
  • thai:  แอนติคอสติ [ɛ̄ntikʰɔ̄sti]
  • tibetisch:  ཨན་ཏི་ཀོ་སྟི [An ti ko sti]
  • ukrainisch:  Антікості [Antikosti]
  • urdu:  اینٹی کوسٹی [ænṭi kosṭi]
  • weißrussisch:  Антыкосці [Antykosci]


Offizieller Name:  Municipalité de l‘Île d‘Anticosti

  • Bezeichnung der Bewohner:  Anticostiens (Anticostier)
  • adjektivisch:  anticostien (anticostisch)


Kürzel:

  • Code:  AC / ACT
  • Kfz:  -
  • ISO-Code: CA.QC.AC

Lage

Die zur kanadischen Provinz Quebec gehörige Insel Anticosti liegt auf durchschnittlich 63°33‘ w.L. und 49°29‘ n.B.. Sie befindet sich damit auf der gleichen geografischen Breite wie der Norden von Cotentin, Le Havre und Rouen in Frankreich, das Saarland und Nürnberg in Deutschland, Olomouc (Olmütz) in Tschechien, Nowy Sacz (Neusatz) in Polen, Lviv (Lemberg) und Poltava in der Ukraine, Karaganda in Kasachstan, Bulgarn in der Mongolei, Hailar in China, Vanino an der russischen Pazifikküste, das Zentrum der Insel Sachalin, die nördliche Kurileninsel Ottekotan, Texada Island nordwestlich von Vancouver in British Columbia, Lethbridge im Süden Albertas, Winnipeg in Manitoba und der Lake Nipigon in Ontario. Die Insel Anticosti liegt im Mündungsbereich des Saint Lawrence River in der Gulf of Saint Lawrence, zwischen dem Détroit du Jacques Cartier im Norden und dem Détroit de Honguedo im Süden. Das kanadische Festland ist 35 km entfernt.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  49°56‘10“ n.B. (Cap de Rabast)
  • südlichster Punkt:  49°02‘55“ n.B. (Pointe du Sud)
  • östlichster Punkt:  61°40‘20“ w.L. (Pointe del’Est)
  • westlichster Punkt:  64°29‘55“ w.L. (Pointe de l’Ouest)


Entfernungen:

  • Île Nue de Mingan / Mingan-Archipel  27,5 km
  • La Grande Île / Mingan-Archipel  30,8 km
  • Longue Pointe de Mingan / Quebec  33,9 km
  • Péninsule de Gaspé (Rivière du Renard)  70 km
  • Île Brion / Magdalenen-Inseln  142 km
  • Îles de la Madeleine  163 km
  • Miscou Island / New Brunswick  170 km
  • Neufundland (Port-au-Port Peninsula)  193 km
  • Nova Scotia (Cape Saint Lawrence)  241 km
  • Prince Edward Island (North Cape)  248 km
  • Quebec City   600 km

Zeitzone

Auf Anticosti gilt die Heure Normale de l'Est, englisch Eastern Standard Time (Östliche Standardzeit), abgekürzt HNE bzw. EST, 6 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC-5). Die Realzeit liegt um 4 Stunden und 7 bis 18 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).

Fläche

Die Insel Anticosti hat eine Gesamtfläche von 7.923,16 km² bzw. 3.095,14 mi², mit Flutbereich 7.941 km² bzw. 3.066 mi², ohne Binnengewässer 7.263 km². Die Landfläche beträgt 7.892,52 km² bzw. 3.047,3 mi². Der maximale Tidenhub liegt bei 1,8 bis 2,8 m, in Port Menier bei 2,6 m. Der Durchmesser der Insel ist von Westnordwest (Pointe de l’Ouest) nach Ostsüdost (Pointe de l’Est) 221,5 km, die Breite vom Pointe Carleton zum Pointe de Sud-Est ist 54,6 km. Die Küste hat eine Länge von 531 km. Die mittlere Seehöhe beträgt 17 m, die höchste Stelle liegt am Saguenay Hill bei 320 m.

Geologie

Die Geologie der Anticosti-Insel, der größten Insel Québecs im Golf von Sankt Lorenz, ist von außergewöhnlicher Bedeutung, da sie eine der vollständigsten und am besten erhaltenen Abfolgen sedimentärer Gesteine aus dem späten Ordovizium und frühen Silurium (etwa 450 bis 435 Millionen Jahre alt) aufweist. Diese Schichten, die eine Mächtigkeit von bis zu über 2000 Metern erreichen, entstanden in einem tropischen Flachmeer am Rand des damaligen Kontinents Laurentia. Über einen Zeitraum von rund 10 bis 15 Millionen Jahren lagerte sich eine dicke Schicht aus Kalksteinen und Mergeln ab, die reich an Fossilien mariner Wirbelloser wie Brachiopoden, Trilobiten, Korallen, Crinoiden und Gastropoden sind. Diese Ablagerungen dokumentieren nicht nur eine blühende Unterwasserwelt, sondern auch die erste globale Massenaussterbeereignis der Erdgeschichte am Ende des Ordoviziums (vor etwa 445 Millionen Jahren), bei dem bis zu 85 % der marinen Arten verschwanden. Anticosti gilt daher als weltweit bester natürlicher Aufschluss für dieses Ereignis und wurde 2023 von der UNESCO zum Welterbe erklärt.

Die sichtbaren Gesteine der Insel – vor allem Formationen wie Vauréal, Ellis Bay, Becscie, Gun River und Jupiter – bestehen hauptsächlich aus Karbonatgesteinen (Kalksteinen), die durch die Ansammlung von Sedimenten und organischen Resten auf dem Meeresboden entstanden sind. Unter der Insel liegt der Macasty-Schiefer (Äquivalent zum Utica-Schiefer des mittleren Ordoviziums), eine organikreiche Schicht, die potenziell Schieferöl- und -gasvorkommen birgt und sich in benachbarte Regionen Québecs, Ontarios und des nordöstlichen US-Bundesstaats erstreckt. Diese tiefere Schicht markiert ältere Phasen der Sedimentation, während die oberflächennahen Schichten die Entwicklung vom späten Ordovizium ins Silurium widerspiegeln.

Während der letzten Eiszeit (Wisconsin-Vereisung) war Anticosti von einem mächtigen Eisschild der Laurentide-Eisdecke bedeckt, der die Insel durch sein enormes Gewicht isostatisch um bis zu 150 Meter absenkte. Nach dem Schmelzen des Eises vor etwa 10.000 bis 18.000 Jahren begann ein langsamer isostatischer Aufstieg (postglazialer Rebound), der bis heute anhält. Schmelzwasser und abfließende Gletscherströme schnitten tiefe Schluchten, Canyons und Täler in das weiche Kalkgestein ein, was die heutige Landschaft mit ihren dramatischen Klippen, Wasserfällen und Flussläufen prägt. Glaziale Spuren wie megalineare Rillen und Drumlins zeugen von der ehemaligen Präsenz eines schnellen Eisstroms (Laurentian Channel Ice Stream), der über die Insel floss.

Heute präsentiert sich Anticosti als flachwellige Platte mit borealer Waldlandschaft, umgeben von steilen Kalkklippen, die durch Erosion ständig neue Fossilien freilegen. Die Kombination aus paläozoischer Sedimentation, fossilreicher Erhaltung und quartärer Glazialgeschichte macht die Insel zu einem einzigartigen geologischen Archiv, das Einblicke in Klimaveränderungen, Aussterbeereignisse und die Erholung des Lebens gewährt.

Landschaft

Anticosti ist ein raues Eiland, sumpfig und von Canyons durchzogen. Das Land ist leicht gewellt mit etlichen tiefen, canyonartigen Taleinschnitten und nach Osten hin flach auslaufend. Die Küste ist großteils flach, hat aber etliche Steilstufen im zentralen nördlichen und südlichen Bereich. Der Osten der Insel ist Moor- und Torfland. Auf der Insel gibt es mehrere Höhlen, deren bekanneste die 1981 entdeckte, 685 m lange Caverne de la Rivière à la Patate ist. Dazu kommen spektakuläre Wasserfälle. Höchster ist der 76 m hohe Chute de Vauréal im Canyon de Vauréal.


Erhebungen

  • Saguenay Hill  320 m (Saguenay Hills)
  • North Coast  191 m (Côte du Nord)


Seen

  • Lac Wickenden 6,8 km²
  • Lac (du) Renard  3,0 km²


Flüsse

  • Rivière Jupiter  74 km
  • Rivière aux Saumons  52 km

Flora und Fauna

Die Flora der Insel Anticosti umfasst typische boreale Wälder mit Weißtanne, Balsamtanne und Schwarzer Fichte sowie Moore, seltene Orchideen wie Cypripedium arietinum und endemische Pflanzen wie Anticosti-Aster, die durch Überweidung durch Weißwedelhirsche bedroht sind. Die Fauna zeichnet sich durch eingeführte Arten wie Weißwedelhirsche, Elche, Biber und Hasen aus, ergänzt durch einheimische Rotfüchse, Fischotter, Lachse, Forellen sowie eine der größten Weißkopfseeadler-Kolonien Nordamerikas.

Flora

Die Flora der Anticosti-Insel spiegelt ihre Lage in der borealen Zone wider und ist geprägt von einem maritimen subborealen Klima mit kühlen Sommern, milden Wintern und reichlichem Schneefall. Der Wald gehört zur Anticosti-Sektion der borealen Region und zum Domain der Balsamtanne-Weißbirke im östlichen Québec. Dominierende Baumarten sind die Weißfichte (Picea glauca), die Balsamtanne (Abies balsamea) und die Schwarzfichte (Picea mariana), die dichte Nadelwälder bilden.

Sporadisch treten Laub- und andere Nadelbäume wie die Weißbirke (Betula papyrifera), die Zitterpappel (Populus tremuloides), die Balsampappel (Populus balsamifera) und die Lärche (Larix laricina) auf. Im Osten der Insel erstrecken sich ausgedehnte Moor- und Feuchtgebiete (Tourbières und Buschlandschaften), die eine vielfältige Untervegetation aus Moosen, Seggen und niedrigen Sträuchern beherbergen.

Die Vegetation ist jedoch stark von anthropogenen und natürlichen Störungen beeinflusst. Frühere Waldbrände und Stürme haben die Waldstruktur geformt, doch der größte Einfluss geht heute von der übermäßigen Population des eingeführten Weißwedelhirsches (Odocoileus virginianus) aus. Seit der Einführung von etwa 220 Tieren Ende des 19. Jahrhunderts hat sich die Herde explosionsartig vermehrt – auf zeitweise über 20 Tiere pro km² – und verursacht massive Schäden durch intensives Brouten. Bevorzugte Arten wie die Balsamtanne werden systematisch dezimiert, was zu einer Verdrängung durch weniger anfällige Weißfichten führt und die Regeneration vieler Bäume und Sträucher verhindert. Dies hat weitreichende Folgen: Die Untervegetation ist stark reduziert, Beerenproduktion eingebrochen (was sogar zur lokalen Ausrottung des Schwarzbären führte), und die Biodiversität von Insekten, Vögeln und anderen Pflanzen leidet.

Zusätzlich setzen Insekten wie der Hemlock-Wollaus (Lambdina fiscellaria), der Östliche Fichtenknospenwickler (Choristoneura fumiferana) und der Fichtenkäfer (Dendroctonus rufipennis) den Bäumen zu. Trotz dieser Probleme zeichnet sich Anticosti durch eine bemerkenswerte botanische Vielfalt aus. Die Insel ist ein Schwerpunkt für Pflanzen am Rand ihrer Verbreitung: Arktisch-alpine Arten, die sonst in der Arktis oder in Hochgebirgen vorkommen, finden hier Reliktvorkommen, ebenso cordillerane Arten aus den Rocky Mountains und Endemiten des Golfe du Saint-Laurent, wie der Anticosti-Aster (Symphyotrichum anticostense).

Fauna

Als die Europäer zum ersten Mal ihren Fuß auf die Insel setzten, gab es hier lediglich sieben Säugetierarten: den Schwarzbär (Ursus americanus), den Flussotter (Lutra canadensis), den Rotfuchs (Vulpes vulpes), den Amerikanischen Marder (Martes americana), die Wildmaus (Peromyscus maniculatus) und zwei Fledermausarten (Myotis lucifugus und Myotis septentrionalis). Mittlerweile haben die eingeführte Arten die alteingesessenen an Zahl übertrumpft, so etwa das Weißschwanzwild (Odocoileus virginianus), der Elch (Alces alces), der Schneehase (Lepus americanus), der Biber (Castor canadensis) und die Bisamratte (Ondatra zibethicus). Heute sind Schwarzbär und Marder fast ausgestorben.

Zwar jagten Innu auf der Insel Otter, und auch Mi'kmaq suchten die Inseln auf, doch blieb die Insel wohl unbewohnt. Gelegentlich kamen französische, baskische und portugiesische Fischer hinzu, doch überließen sie die Jagdgebiete weitgehend den Innu. Der vom französischen König privilegierte Louis Joliet ließ 1681 im Nordwesten der Insel einen Handelsposten errichten, den sein Sohn Charles als Seigneur über die Insel weiterführte, doch nach dessen Tod verfiel der Posten. Obwohl Anticosti an ein Unternehmenskonsortium verkauft wurde, kam es nie zu einer Nutzung seitens der neuen, britischen Kolonialherren.

Seit der Besiedlung wurde eine Reihe von Tierarten eingeführt, wie etwa Lachse, dann Weißwedelhirsche (heute leben über 100.000 auf der Insel), Elche (von ihnen dürfen jährlich 9000 abgeschossen werden), Schneeschuhhasen, Biber sowie die Bisamratte.

Vogelarten gibt es auf der Insel in etwa die gleichen wie auf dem benachbarten Festland, so auch den Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus). Eingeführt wurden unter anderem der Krausfasan (Bonasa umbellus) und der Schmuckfasan (Falcipennis canadensis). Sie sind an Zahl jedoch nach wie vor gering, konnten sich also nicht durchsetzen. Amfibien und Reptilien gibt es keine auf der Insel, allerdings gibt es hier drei Froscharten: den Grünen Frosch (Rana clamitans), den Nerzfrosch (R. septentrionalis) und den Nördlichen Leopardenfrosch (R. pipiens).

Naturschutz

1872 erwarb die als Forsyth Company bekannte Gesellschaft die Insel. Einige Akadier und Neufundländ siedelten an der English Bay, bei Lance au Cutter und an der Fox Bay. Trotz mehrerer Bankrotte weigerte sich die kanadische Regierung, Anticosti zurückzukaufen. Henri Menier, der Anticosti 1895 kaufte, führte 150 Hirschkühe aus Virginia ein. Ihr Bestand wird heute auf mehr als 150.000 Tiere geschätzt. Die Ansiedlung von Bisons und Wapiti bzw. Rothirschen scheiterte jedoch. Ab 1899 siedelte die Regierung die Siedler gegen ihren Widerstand nach Renfrew und Perth in Ontario, ja, sogar nach Dauphin in Manitoba um.

Inzwischen lebten 200 Siedler in Bay-Holy-Clare, 127 in L’Anse au Cutters und 14 am Fox River. Menier starb 1913, ihm folgte sein Bruder Gaston Menier als Besitzer der Insel. Er verkaufte sie 1926 an die Anticosti Corporation, die bis 1929 einen erheblichen Teil des Waldbestandes abholzte. 1931 ging Anticosti an die Consolidated Paper Corporation, die sich als erste im Tourismus versuchte.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts ging man zu den für Nordamerika typischen Kahlschlägen über. 1908 bis 1918 wurden 1,8 Millionen m³ eingeschlagen, 1926 bis 1930 1,3 Millionen, 1946 bis 1971 waren es nur noch 0,145 bis 0,36 Millionen pro Jahr.

1974 kaufte die Regierung Québecs die Insel für 26.363.000 Dollar zurück und errichtete ein Schutzgebiet. Es umfasste 572 km², dazu kamen noch zwei ecological reserves, nämlich Pointe-Heath (19 km²) und Grand-Lac-Salé (24 km²). Nach dem völligen Zusammenbruch der Waldbestände stieg die Holzmenge seit 1995 (0,1 Millionen) wieder an. Im Jahr 2005 waren es 0,175 Millionen m³ erhöht.

Heute wird der größte Teil der Anticosti-Insel (4.213 km²) von Sépaq Anticosti verwaltet, einer Abteilng der Provinzbehörde für Parks und Wildtierreservate Sépaq. Sie fördert aktiv den Tourismus auf der Insel, insbesondere Jagd- und Angeltouren. Weitere 572 km² (221 Quadratmeilen) stehen im Nationalpark Anticosti (Parc national d'Anticosti) unter Schutz.

Auf Anticosti gibt es fünf Jagd- und Fischfangregionen. Im Jahr 2001 wurde der Parc National d’Anticosti mit einer Fläche von 572 km² geschaffen. Dazu kommen zwei weitere Réserves écologiques, nämlich jene von Pointe-Heath (19 km²) und Grand-Lac-Salé (24 km²). Die Gesamtfläche der Naturschutzgebiete beträgt 615 km², das sind 7,76 % der Gesamtfläche.

Die Aufgabe des auf der namensgebenden Insel Anticosti gelegenen, 571,8 km² großen Parks, besteht darin, den mindestens 133 Vogelarten und 24 Säugetierarten ein Refugium zu bieten. Dazu begann die Provinzregierung 1985, die Insel zurückzukaufen um einen Park einzurichten. Dieser wurde 2001 gegründet.

Klima

Die Île d’Anticosti im Golf von Sankt Lorenz besitzt ein kühles, subarktisches Klima mit starkem maritimem Einfluss. Nach der Klimaklassifikation von Köppen-Geiger wird es der Kategorie Dfc zugeordnet. Dieses Klima ist gekennzeichnet durch lange, kalte Winter, kurze, kühle Sommer und ganzjährig ausreichende Niederschläge, ohne ausgeprägte Trockenzeit.

Der Winter auf Anticosti ist lang und schneereich. Die Temperaturen liegen mehrere Monate deutlich unter dem Gefrierpunkt, wobei die kältesten Monate Durchschnittswerte um etwa −10 °C bis −12 °C erreichen. Durch häufige Stürme, hohe Luftfeuchtigkeit und starken Schneefall kann sich besonders im Inselinneren eine sehr mächtige Schneedecke bilden. Der maritime Einfluss des Golfs von Sankt Lorenz mildert extreme Kälte zwar etwas ab, sorgt aber gleichzeitig für windige, feuchte und oft trübe Wetterverhältnisse.

Der Sommer ist kurz und vergleichsweise kühl. Die wärmsten Monate, vor allem Juli und August, erreichen durchschnittliche Temperaturen von etwa 14 bis 16°C. Heiße Tage sind selten, da das umgebende Meer die Lufttemperaturen stark reguliert. Auch im Sommer treten häufig Nebel, Niederschläge und wechselhaftes Wetter auf, was typisch für ozeanisch beeinflusste subarktische Regionen ist.

Über das gesamte Jahr verteilt fällt Niederschlag in Form von Regen und Schnee, sodass Anticosti keine Trockenzeit kennt. Die hohe Feuchtigkeit und die relativ geringen Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter fördern ausgedehnte Wälder und Feuchtgebiete, die für die Insel charakteristisch sind.


Klimadaten für Port Menier (1951 bis 1980)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Höchstrekord (°C) 7,2 8,3 10,0 18,3 24,4 31,1 27,8 28,9 25,6 20,6 13,9 11,1 31,1
Mittelmaximum (°C) −6,2 −5,7 −1,8 3,5 9,3 15,8 19,0 18,0 13,6 8,1 2,7 −3,5 6,1
Mitteltemperatur (°C) −10,5 −10,9 −5,9 −0,5 5,5 11,2 15,3 13,9 9,8 4,4 −0,7 −7,3 2,0
Mittelminimum (°C) −15,0 −16,1 −10,7 −4,4 1,4 6,6 11,5 9,7 5,8 0,6 −4,0 −10,9 −2,1
Tiefstrekord (°C) −36,7) −37,8 −38,3 −21,7 −12,2 −5,0 0,6 0,6 −6,7 −11,1 −21,1 −31,7 −38,3
Niederschlag (mm) 79,5 65,6 53,6 54,3 75,1 79,6 85,0 80,8 86,8 92,5 81,0 74,1 907,9
Regen (mm) 11,7 7,5 6,4 26,1 69,9 79,6 85,0 80,8 86,8 85,6 55,5 15,1 610,0
Schneefall (cm) 78,4 62,1 51,9 28,8 5,2 0,0 0,0 0,0 0,0 6,0 30,5 64,9 327,8
Niederschlagstage (≥ 0,2 mm) 16 12 10 11 11 10 12 11 10 12 12 14 141
Regentage (≥ 0,2 mm) 3 1 2 6 10 10 12 11 10 12 7 2 86
Schneetage (≥ 0,2 cm) 14 10 9 5 1 0 0 0 0 1 6 13 59
Sonnenstunden 77,6 121,0 137,0 163,8 243,2 243,8 243,8 253,2 172,4 127,4 95,5 62,8 1,941,5


Klimadaten  für Port Menier (1981 bis 2010)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Mitteltemperatur (°C) −11,3 −10,6 −6,0 −0,7 4,3 9,9 13,7 13,3 9,3 4,6 −0,9 −6,6 1,7
Niederschlag (mm) 63 47 61 81 89 98 91 107 121 116 98 77 1049
Niederschlag mm 94 64 66 67 91 109 147 130 99 133 88 88 1143

Mythologie

Die indigenen Völker nutzten sie seit Tausenden von Jahren als Jagd- und Fischgrund, doch ihre Geschichten und spirituellen Überlieferungen beziehen sich eher auf das Festland oder andere Regionen. Stattdessen ist Anticosti von einer reichen Folklore geprägt, die aus ihrer dramatischen Geschichte entstanden ist: Über 400 dokumentierte Schiffbrüche haben ihr den Ruf als „Friedhof des Golfs“ eingebracht. Jacques Cartier nannte sie bereits 1535 „die Land, das Gott dem Kain gab“ – eine biblische Anspielung auf eine verfluchte, unwirtliche Ödnis. Diese gefährliche Küste mit tückischen Riffen, Nebeln und Strömungen nährte zahlreiche Legenden über Naufragen, Kannibalismus, Piraterie und übernatürliche Wesen.

Eine der bekanntesten Legenden ist die der Sauvagesse (der „Wilden Frau“). Sie handelt von einer jungen Innu-Frau, die allein auf der Insel zurückblieb, nachdem eine Krankheit ihre Familie dahingerafft hatte. Sie pflegte die überlebenden Kinder und verschwand später in der Wildnis. In der Folklore erscheint sie als hilfsbereite Geistgestalt: Bei Schiffbrüchen rettet sie Seeleute, pflegt Verletzte und verschwindet spurlos, sobald die Gefahr gebannt ist. Viele Matrosen verdankten ihr angeblich ihr Leben, und die Bucht Anse de la Sauvagesse trägt ihren Namen.

Eine düstere Geschichte ist das Massaker von Anticosti (oder der Untergang der Granicus im Jahr 1829). Ein Schiff strandete, die Überlebenden überwinterten in Not und griffen schließlich zum Kannibalismus, um zu überleben. Nur wenige wurden gerettet, und die Erzählung wurde zu einem Mahnmal für die Grausamkeit der Insel.

Besonders mysteriös ist die Figur des Louis-Olivier Gamache, bekannt als der „Zauberer von Anticosti“ (Sorcerer of Anticosti). Dieser Einsiedler aus dem 19. Jahrhundert lebte isoliert in der Baie Ellis, half Schiffbrüchigen, plünderte aber auch Wracks. Gerüchte machten ihn zu einem Hexer: Er soll Schiffe durch falsche Signale angelockt haben, Feuerbälle beschworen und sogar den Teufel als Gefährten gehabt haben. Manche sagen, sein Geist spuke noch heute, und die riesige Hirschpopulation (über 160.000 Tiere) sei eine Art Fluch – Gamaches Seele, die die Insel übernommen hat.

Weitere Legenden ranken sich um Piraterie, Wahnsinnige Einsiedler und versuchte Kolonisierungen, die scheiterten. Der französische Schokoladenmagnat Henri Menier, der die Insel 1895 kaufte und zu einem privaten Jagdparadies machte, trug zur mythischen Aura bei: Er importierte Tiere, baute eine feudale Gesellschaft auf und schuf ein „Paradies“ inmitten der Wildnis – doch nach seinem Tod zerfiel vieles wieder.

Geschichte

Während Jahrtausenden war Anticosti Jagdgebiet der auf dem Festland lebenden Ureinwohner. Die Innu jagten jeweils im Frühjahr auf der Insel Otter, auch Mikmaq suchten die Inseln auf, doch scheinen dort keine Menschen dauerhaft gewohnt zu haben. Die Nachbarn vom Festland nutzten die Insel bloß zur Jagd. Vor allem die auf dem Eiland lebenden Bären scheinen begehrt gewesen zu sein. Darauf jedenfalls deutet der Innu-Name für Anticosti hin, Notiskuan, der „wo Bären gejagt werden“ bedeutet. Ein Land für Jäger also seit Urzeiten.

Vorkolumbische Zeit

Die indianische Frühzeit auf der Anticosti-Insel ist durch eine sporadische, saisonale Nutzung durch indigene Völker geprägt, ohne Hinweise auf permanente Siedlungen. Die Insel diente über Tausende von Jahren als Jagd- und Ressourcengebiet für Gruppen vom Festland, insbesondere die Innu (Montagnais) von der Nordküste des Sankt-Lorenz-Golfs und die Mi'kmaq aus der Gaspésie und südlicheren Regionen.

Die Innu nannten die Insel Notiskuan („wo man Bären jagt“), was ihre Hauptaktivität widerspiegelt: die Jagd auf Schwarzbären, die dort reichlich vorkamen, sowie auf andere Wildtiere wie Marten oder Robben. Die Mi'kmaq bezeichneten sie als Natigôsteg oder Natigostec („vorgelagertes Land“ oder „Land davor“), in Anlehnung an ihre Lage am Eingang des Golfs. Diese Namen unterstreichen die Rolle Anticostis als ergänzendes Territorium im Rahmen des Nitassinan (Innu-Territorium) und des traditionellen Mi'kmaq-Gebiets.

Archäologische Funde deuten auf eine Nutzung seit etwa 3.500 Jahren hin, mit Spuren prähistorischer Stätten an der Südküste, darunter lithische Artefakte aus Materialien der Gaspésie. Die raue Klimabedingungen – kühle Sommer, harte Winter und begrenzte Ressourcen – verhinderten jedoch dauerhafte Besiedlung; die Insel blieb ein saisonales Jagdrevier, das im Frühling und Sommer per Kanu vom Festland aus erreicht wurde (ca. 30 bis 50 km Entfernung).

Es gibt keine Belege für intensive Landwirtschaft, Dorfstrukturen oder größere Populationen; die indigene Präsenz war nomadisch und ressourcenorientiert, fokussiert auf Jagd, Fischerei und Sammeln. Spätere Privatisierung der Insel ab dem 19. Jahrhundert beschränkte den Zugang für indigene Gemeinschaften weiter.

Europäische Pionierzeit

Als Jacques Cartier am 15. August 1535 als erster Europäer die Insel im Sankt Lorenz-Golf sichtete, wusste er davon nichts und gab dem neu entdeckten Land den Namen Assomption nach dem Tag, an dem es ihn hierher verschlagen hat. Cartier lieferte die erste kurze Beschreibung Anticostis. Um 1609 erschien erstmals die lateinische Version Anticosty. Gelegentlich landeten hier wohl französische, baskische und portugiesische Fischer, doch überließen sie die Jagdgebiete weitgehend den Innu. Die Insel blieb aber abseits der kolonialen Interessen der europäischen Mächte. Erst im frühen 17. Jahrhundert verleibte es Frankreich seinem kolonialen Verband ein.

1680 vergab König Ludwig XIV. die Insel zusammen mit dem nördlich davon gelegenen Mingan-Archipel an den Entdecker Louis Joliet. 1681 ließ er auf zwei Acre im Nordwesten der Insel die Bäume fällen, um einen Handelsposten zu bauen. Die Gesellschaft kaufte Fisch und Robbenöl von den Innu und verkaufte es nach Québec. Es waren dies Jolliet, seine Frau, vier Kinder und sechs Diener, die sich 1681 ein kleines Fort bauten. Die Kolonie gedieh durchaus, bis 1690 aus Massachusetts kommende Truppen unter dem Kommando von William Phips hier landeten, das kleine Fort belagerten und es schließlich eroberten. Die Jolliets wurden zwar vertrieben und kehrten auch nicht mehr auf die Insel zurück, sie blieben aber Besitzer Anticostis. Nach Joliets Tod im Jahr 1700 übernahm sein Sohn Charles die Seigneurie über die Insel, doch nach dessen Tod gab man den Posten auf. Bis 1763 die Briten Anspruch erhoben und es über den Frieden von Paris ihrer Kolonie Neufundland zuschlugen.

Kolonisierungszeit

Im Jahr 1774 wurde Anticosti im Rahmen des Quebec Act wieder der Provinz Quebec (damals Lower Canada) angegliedert und blieb dabei - mit Ausnahme einer kurzen Phase der Zugehörigkeit zu Newfoundland von 1809 bis 1825. Diese administrativen Wechsel spiegelten die strategische Bedeutung der Insel an der Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms wider, ohne jedoch zu nennenswerter Besiedlung zu führen. Die Eigentumsverhältnisse waren komplex: Nach dem Tod von Louis Jolliet (um 1700) war die Insel unter seinen Erben aufgeteilt worden, und bis ins 19. Jahrhundert wechselten die Besitzer häufig durch Verkäufe und Auktionen. Es gab keine dauerhaften Siedlungen; die Insel wurde sporadisch von Fischern, Jägern und indigenen Völkern (Innu und Mi'kmaq) genutzt.

Im frühen 19. Jahrhundert verstärkte sich der Ruf der Insel durch Legenden um Einsiedler wie Louis-Olivier Gamache (um 1810 bis 1854), der als exzentrischer Farmer und Helfer (oder Plünderer) von Schiffbrüchigen bekannt wurde. Er trug zur Folklore bei, die Anticosti als wilde, verfluchte Ödnis darstellte – ein Bild, das durch dramatische Naufragen wie den Untergang der Granicus (1828) mit Berichten von Kannibalismus unter den Überlebenden verstärkt wurde.

Ab den 1850er Jahren entstanden erste kleine Siedlungen: Fischer aus Newfoundland ließen sich in Fox Bay (heute Baie du Renard) nieder, und weitere Ansätze gab es in English Bay (heute Baie-Sainte-Claire). Die kanadische Regierung errichtete Leuchttürme und Vorratsdepots für Schiffbrüchige, da die Wracks zunahmen. Dennoch blieb die Bevölkerung minimal – meist Leuchtturmwärter und saisonale Fischer.

1872 erwarb die Anticosti Company, besser bekannt unter dem Namen Forsyth Company, das Eiland. Einige akadische und Neufundländer Familien siedelten sich an der English Bay, bei Lance au Cutter und an der Fox Bay an. Doch wenig später ging die Gesellschaft bankrott. Dennoch blieben die Siedler, obwohl die Provinzregierung sie zurückholen wollte. 1884 wurde die Insel erneut gekauft, diesmal von Francis William Stockwell, einem Briten, und zwei Québecern. Doch auch dieses Unternehmen scheiterte und die kanadische Regierung weigerte sich, Anticosti zurückzukaufen.

1884 kaufte Francis Stockwell die Insel, ging aber bald darauf in Konkurs und musste Anticosti wieder abgeben. In dieser Situation trat 1895 der reiche französische Schokoladenfabrikant Henri Menier auf den Plan und bezahlte 125.000 Dollar für die Insel. Er benannte die English Bay in Bay-Holy-Clare um, die Geschäfte überließ er George Martin Zede. Menier verlangte eine Abgabe von den noch immer dort ansässigen Neufundländern, die die Zahlung jedoch verweigerten. Darauf verklagte er die Familien 1896 wegen Piraterie, musste sich aber nach einem Prozess schließlich bei ihnen entschuldigen.

Menier machte Anticosti zu seinem persönlichen „Spielzeug“ und entwickelte einige utopische Pläne, die er hier umzusetzen beabsichtigte. Einige davon konnte er tatsächlich verwirklichen. So errichtete er eine erste Siedlung in der Baie Sainte Claire und schuf die Grundlagen für eine wirtschaftliche Entwicklung, die auch einigen Gewinn abwarf. Fischfang und die Nutzung der Wälder, Torf- und Mineralvorkommen erwiesen sich als durchaus einträglich. Menier führte 150 Hirschkühe aus Virginia ein, um wenigstens ein Geschäft mit der Jagd machen zu können. Der eingeführte Weißwedelhirsch hat sich seitdem stark ausgebreitet, der Bestand wird auf mehr als 150.000 Exemplare geschätzt. Die Ansiedlung von Amerikanischen Bisons und Wapitis bzw. Rothirschen scheiterte jedoch. 1899 wendete sich das Blatt zu Ungunsten der Neufundländer, denn nun verlangte die kanadische Regierung ihren Abzug. Diese wehrten sich aber, zuletzt mit Waffengewalt. John Stubbert, der Betreiber der Telegraphenstation, musste für einige Zeit ins Gefängnis. Wie beim ersten Prozess vertrat auch diesmal die Presbyterianerkirche die Angeklagten.

Die kanadische Regierung siedelte die Familien schließlich gewaltsam nach Renfrew und Perth in Ontario bzw. nach Dauphin in Manitoba um. Da hier vor allem französische Bürokratie gegen die englischen Siedler stand, kam es in der Presse zu heftigen Debatten.

Henri Menier heiratete derweil. Von 1896 bis 1899 entstand das Château Menier, und im Jahr 1900 wurde Port-Menier, der heutige Inselhauptort gegründet. Inzwischen lebten 200 Menschen in Bay-Holy-Clare, 127 in L’Anse au Cutters und 14 am Fox River. Die Bewohner betrieben sogar Landwirtschaft. 1909 waren immerhin 800 ha agrarisch genutzt.

Menier starb 1913, ihm folgte sein Bruder Gaston Menier als Besitzer der Insel. Er verkaufte sie 1926 für 6,5 Millionen Dollar an die Anticosti Corporation, ein Konsortium, das aus der St. Maurice Valley Corporation, der Port Alfred Pulp and Paper Company und der Wayagamack Pulp and Paper Company bestand. Bis 1929 florierte das Unternehmen und holzte einen erheblichen Teil des Waldbestandes ab. Doch 1931 musste Anticosti an die Consolidated Paper Corporation verkauft werden. Sie schlug weiterhin Holz ein, versuchte sich aber auch in Fischerei und - erstmals - im Tourismus.

Für Anticosti war der wirtschaftliche Höhenflug indes zu Ende. Der Holzabbau ging stark zurück, und immer mehr Menschen verließen das Eiland wieder. In dieser Situation traten die deutschen Nationalsozialisten auf den Plan und versuchten 1937, sich die Insel unter den Nagel zu reißen. Vergeblich. Und so blieb es, wie es war.

Weltkriegsära

Schon 1918, als während des Ersten Weltkriegs deutsche U-Boote in der St.-Lorenz-Mündung auftauchten, warnte Martin-Zédé, der Director-General von Anticosti Island vor der Unterschätzung der strategischen Bedeutung der Insel, die den Eingang zum größten Strom Kanadas blockieren konnte.

Am 29. Juli 1937 erhielt ein Finanzier aus Montreal eine Kaufoption auf die Insel, die er an einen Alois Miedl in Amsterdam weitergab. Während des Sommers besuchten dreizehn Deutsche Anticosti und inspizierten die Insel. Am 2. Dezember spekulierte die Montreal Gazette erstmals über „Germans Negotiating Purchase of Anticosti”. William Glyn, der zufälligerweise mit den 13 Männern im selben Hotel Aufenthalt genommen hatte, identifizierte „Dr. Wollert und Captain Mueller“ als Führer der Besuchergruppe und als Vertraute Hitlers. Er meldete dies der Regierung und forderte, die Tätigkeiten des Präsidenten der Consolidated Paper Corp., L. J. Belnap, zu untersuchen, der sich Anfang 1938 mit einem Untersekretär des Außenministeriums traf. Schon am 14. Dezember war ein Memorandum an den Premierminister Mackenzie King gegangen. Dennoch geschah nichts, zumal das Unternehmen in der unterentwickelten Region bis zu 2500 Arbeitsplätze versprach.

Das änderte sich mit der Okkupation Österreichs durch Deutschland im März 1938. Kriegsminister Ian Mackenzie warnte davor, dass Deutschland entweder Rohstoffe über die Insel beschaffen oder gar eine Militärbasis einrichten wolle. Die US-Regierung war besorgt, Hermann Göring schrieb an Mackenzie King. Dieser antwortete am 12. Mai, dass es keinerlei Restriktionen für die Ausfuhr von Holz gebe, doch gelte dies möglicherweise nicht für die Zukunft. Außerdem habe die Provinz Québec soeben die Ausfuhr von Holz untersagt.

Inzwischen hatte die Hauptversammlung der Noch-Besitzer von Anticosti dem Verkauf am 27. April zugestimmt. Am 17. Mai wurde der Premierminister im Parlament direkt gefragt, ob es im kanadischen Interesse sei, die Insel zu verkaufen, was der Premierminister verneinte. Ende Juli, nachdem Gerüchte über die angebliche Anwesenheit eines Vertrauten Hitlers durch die Presse gingen, wurde eine Delegation auf der HMCS Skeena zur Insel geschickt. Doch die Mannschaft fand nichts, was auf Verproviantierung, Festungsbauten oder sonstige militärische Vorbereitungen hätte hinweisen können.

Mit dem beginnenden U-Boot-Krieg wurde der Verkauf ohne großes Aufheben von der Tagesordnung genommen. 1953 brannte die Consolidated Paper Consortium Limited das Menier-Haus aus angeblichen Sicherheitsgründen nieder.

Moderne Zeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Anticosti Island zunächst in Privatbesitz eines Forstunternehmens (Consolidated Bathurst Ltd.), das die Holzindustrie betrieb, doch die wirtschaftliche Bedeutung nahm ab. Bis in die 1970er Jahre sank die Bevölkerungszahl dramatisch – 1972 lebten nur noch knapp mehr als 300 Menschen auf der Insel, hauptsächlich in Port-Menier. In dieser Situation erwarb die Provinz Québec 1974 die gesamte Insel für rund 24 Millionen Dollar und wandelte sie in ein öffentliches Gebiet um, das sich zu einem attraktiven Ziel für Forscher, Naturbeobachter, Jäger und Angler entwickelte. Besucher kamen und kommen seither vor allem aus den USA, angelockt von der unberührten Wildnis, den reichen Lachsbeständen in Flüssen wie der Jupiter und der hohen Dichte an Weißwedelhirschen, die durch kontrollierte Jagd bewirtschaftet werden.

In Anerkennung der eigenständigen Entwicklung der Insel wurde Anticosti 1984 zur eigenständigen Municipalité erklärt. Ab den 1980er Jahren begann die Provinz, Teilbereiche unter Naturschutz zu stellen: 1978 entstand die Réserve écologique de la Pointe-Heath, die die Moore am Ostrand sowie die dortige Steilküste – ein wichtiges Brutgebiet für Seevögel – schützt (ca. 19 km²). 1996 folgte die Réserve écologique du Grand-Lac-Salé an der Südküste, die die größten Salzmarschen der Region Anticosti-Minganie mit dem „Großen Salzsee“ bewahrt (zirka 24 km²).

Ein Jahr zuvor, 2000, unterzeichnete die Produits Forestiers Anticosti Inc. (PFA) ein Forest Management Agreement (FMA), in dem sie sich zu naturschonender und nachhaltiger Forstwirtschaft verpflichtete. Dies markierte einen Wendepunkt hin zu verantwortungsvoller Nutzung. 2001 wurde schließlich der Parc national d‘Anticosti (Anticosti National Park) geschaffen, der 572 km² umfasst und zusammen mit den beiden ökologischen Reserven ein geschütztes Kerngebiet bildet. Der Park, verwaltet von der Sépaq, fördert sanften Tourismus, Wandern, Fossiliensuche und Beobachtung der einzigartigen Geologie.

In den folgenden Jahren verstärkte Québec den Schutz: Potenzielle Öl- und Gasexplorationen, die in den 2010er Jahren diskutiert wurden, wurden 2017 endgültig verboten, um die natürliche Integrität zu wahren. 2023 erreichte Anticosti einen Höhepunkt in seiner modernen Geschichte, als die Insel – insbesondere ihre außergewöhnlichen Fossilienfundstätten aus dem Ordovizium-Silurium – von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurde. Dies unterstreicht den globalen Wert als bestes Archiv der ersten Massenaussterbeereignis der Erdgeschichte und verstärkt den Fokus auf Biodiversitätsschutz und ökologischen Tourismus.

Verwaltung

Die Insel Anticosti war von 1680 bis 1763 eine Seigneurie der Familie Jolliet, danach für kurze Zeit ein Teil Neufundlands. Seit 1774 gehört sie zu Kanada. 1895 gelangte die Insel in den Privatbesitz Henri Meniers. 1974 erwarb die Provinz Quebec die Insel und verlieh ihr 1984 den Status einer municipalité (Gemeinde).


Herrschaftsgeschichte

  • -1. Jahrtausend bis 15. August 1535 Stammesgebiet der Mi’kmaq und Innu
  • 15. August 1535 bis 10. Februar 1763 Königreich Frankreich (Royaume de France)
  • 10. Februar 1763 bis 22. Juni 1774 Kolonie Neufundland (Newfoundland Colony) des Königreichs Großbritannien (Kingdom of Great Britain)
  • 22. Juni 1774 bis 31. Dezember 1800 Kolonialprovinz Quebec (Province of Quebec) des Königreichs Großbritannien (Kingdom of Great Britain)
  • 1. Januar 1801 bis 30. März 1809 Kolonialprovinz Quebec (Province of Quebec) des Vereinigten Königreichs (Unitjed Kingdom of Great Britainand Ireland)
  • 30. März 1809 bis 22. Juni 1825 Kolonie Neufundland (Newfoundland Colony) des Vereinigten Königreichs (Unitjed Kingdom of Great Britainand Ireland)
  • 22. Juni 1825 bis 1. Juli 1873 Kolonialprovinz Quebec (Province of Quebec) des Vereinigten Königreichs (Unitjed Kingdom of Great Britainand Ireland)
  • seit 1. Juli 1873 Provinz Quebec (Province de Québec) des Staates Kanada (Dominion of Canada, seit 1982 schlicht Canada)

Legislative und Exekutive

Die Legislative und Exekutive auf der Anticosti-Insel (Municipalité de L’Île-d’Anticosti) sind auf kommunaler Ebene organisiert, da die gesamte Insel eine einzige Municipalité in der Provinz Québec bildet. Sie gehört zur Municipalité régionale de comté (MRC) de la Minganie in der Region Côte-Nord.

Der Conseil municipal (Gemeinderat) übt die legislative Gewalt aus. Er besteht aus der Mairesse (Bürgermeisterin) und vier Conseillers (Ratsmitgliedern), insgesamt fünf gewählte Personen. Die Wahlen erfolgen en bloc (alle Positionen gleichzeitig) alle vier Jahre. Der Rat erlässt Verordnungen (règlements), genehmigt den Haushalt, plant die Entwicklung und trifft Entscheidungen zu lokalen Angelegenheiten wie Urbanisme, Permis und Abfallmanagement. Seit den Kommunalwahlen 2025 ist der Conseil municipal zu 100 % weiblich, mit Hélène Boulanger als Mairesse an der Spitze.

Die exekutive Gewalt liegt bei der Mairesse, die den Rat leitet und die tägliche Verwaltung überwacht, sowie bei der administrativen Direction générale. Die Municipalité beschäftigt einen Directeur général (aktuell Mathieu Gravel), eine Directrice générale adjointe et greffière-trésorière sowie weitere Mitarbeiter für Büro, Rechnungswesen und Inspektionen. Diese Beamten setzen die Beschlüsse des Rates um, managen den Betrieb (zum Beispiel Infrastruktur in Port-Menier) und koordinieren mit der MRC Minganie.

Auf höherer Ebene unterliegt die Insel der Provinzregierung von Québec: Die Société des établissements de plein air du Québec (Sépaq), eine provinziale Crown Corporation, verwaltet den Parc national d’Anticosti (572 km²) sowie große Teile der Jagd-, Fischerei- und Tourismusgebiete. Die Sépaq handelt im Auftrag des Ministère de l’Environnement, de la Lutte contre les changements climatiques, de la Faune et des Parcs und sorgt für Naturschutz und nachhaltige Nutzung.

Die Municipalité verfügt über begrenzte Autonomie; viele Kompetenzen (zum Beispiel Umweltschutz, Wildtiermanagement, Tourismusförderung) teilen sich mit der Provinz. Mit nur etwa 200 ständigen Einwohnern bleibt die Governance stark lokal und kooperativ ausgerichtet, fokussiert auf den Erhalt der einzigartigen Natur und den sanften Tourismus.

Inseloberhaupt

Höchster Repräsentant der Insel ist der Bürgermeister (maire), aktuell eine Bürgermeisterin  (mairesse), die mit Stand 2025 einem rein weiblich besetzten Gemeinderat vorsitzt.


Maires de l’Île de l’Anticosti (Bürgermeister von Anticosti)

  • 2002 - 2005  Denis Malouzin
  • 2005 - 2013  Denis Duteau
  • 2013 - Apr 2016  Jean-François Boudreault
  • Apr 2016 - Nov 2021  John Pineault
  • seit Nov 2021  Hélène Boulanger

Justizwesen und Kriminalität

Das Justizwesen auf der Anticosti-Insel ist aufgrund der geringen Bevölkerung (rund 200 ständige Einwohner, konzentriert in Port-Menier) und der isolierten Lage stark dezentralisiert und an die Strukturen der Provinz Québec angegliedert. Es gibt weder ein eigenes Gericht noch einen ständigen Polizeiposten auf der Insel; alle justiziellen und polizeilichen Angelegenheiten werden von außerhalb koordiniert.

Die Polizeiarbeit obliegt der Sûreté du Québec (SQ), der provinzialen Polizei, die für den gesamten ungedeckten Bereich Québecs zuständig ist. Auf Anticosti gibt es keinen festen SQ-Posten – die Insel wird saisonal oder bei Bedarf vom Centre de services de Sept-Îles (auf dem Festland der Côte-Nord) aus betreut. Polizisten werden per Flugzeug oder Schiff entsandt, etwa für Präventionskampagnen (zum Beispiel gegen sexuelle Belästigung während der Jagdsaison), Schulbesuche oder seltene Vorfälle. Für bundesrechtliche Angelegenheiten (wie etwa organisierte Kriminalität an der Küste) kooperiert die SQ mit der Royal Canadian Mounted Police (RCMP), deren Detachment in Sept-Îles auch Anticosti mitverantwortet.

Gerichtlich gehört die Municipalité de L’Île-d’Anticosti zum District judiciaire de Minganie (oder dem weiter gefassten Bezirk der Côte-Nord). Es finden keine regulären Sitzungen vor Ort statt; Verhandlungen erfolgen in den Palais de justice auf dem Festland, vor allem in Sept-Îles oder Havre-Saint-Pierre. Leichte Verstöße (unter anderem Verkehrsdelikte, Jagd- oder Fischereivergehen) können von Justices of the Peace oder itineranten Richtern der Court of Québec gehandhabt werden, die bei Bedarf anreisen. Schwere Fälle (Strafsachen, Zivilprozesse) werden an die Cour du Québec oder die Superior Court of Québec verwiesen. Die Isolation macht Verfahren logistisch aufwendig: Zeugen, Angeklagte und Beamte müssen transportiert werden.

Die Kriminalität auf Anticosti ist extrem niedrig und spiegelt die kleine, eng verbundene Gemeinschaft sowie die Abgeschiedenheit wider. Schwere Verbrechen wie Mord, Raub oder organisierte Kriminalität sind praktisch inexistent – es gibt keine Statistiken, die Anticosti separat ausweisen, da die Fallzahlen zu gering sind, um in provinzialen oder nationalen Berichten (wie etwa von Statistique Canada) hervorzutreten. Häufigere Delikte betreffen allenfalls Verstöße gegen Jagd- und Fischereivorschriften, kleinere Diebstähle, Alkohol am Steuer oder saisonale Probleme während der Touristensaison (zum Beispiel Konflikte unter Jägern oder Fischern). Die Überpopulation der Weißwedelhirschherde führt gelegentlich zu Wilderei, die von Wildhütern der Sépaq kontrolliert wird. Insgesamt gilt die Insel als einer der sichersten Orte Québecs: Die geringe Bevölkerungsdichte, die starke Gemeinschaftskontrolle und der Fokus auf Naturschutz und Tourismus minimieren kriminelle Aktivitäten. Präventive Maßnahmen der SQ, wie Sensibilisierungskampagnen, tragen dazu bei, dass Anticosti ein friedliches und sicheres Refugium bleibt.

Flagge und Wappen

Die Municipalité de L’Île-d’Anticosti verfügt weder über eine offizielle Flagge noch über ein heraldisches Wappen (armoiries oder blason). Als kleine, 1984 gegründete Gemeinde mit nur etwa 200 Einwohnern hat sie keine eigenen kommunalen Symbole wie eine Fahne oder ein Wappen registriert oder adoptiert, wie es bei vielen größeren oder älteren Municipalités in Québec üblich ist.

Stattdessen verwendet die Municipalité in offiziellen Dokumenten, auf ihrer Website und in der Kommunikation ein modernes Logo, das die natürliche Schönheit der Insel widerspiegelt: Es zeigt typischerweise stilisierte Elemente wie Wellen, Klippen, Wälder oder Wildtiere (z. B. Hirsche), oft in Grün- und Blautönen, um die boreale Wildnis, den Golf von Sankt Lorenz und den Tourismus zu betonen. Ähnlich nutzt der Parc national d’Anticosti sowie die Tourismusorganisation ein eigenes Logo mit Motiven wie Lachsen, Fossilien oder Landschaften, die den UNESCO-Welterbe-Status und die einzigartige Geologie hervorheben.

Die Insel als Ganzes fällt unter die Symbole der Provinz Québec (Fleurdelisé-Flagge und Wappen mit Lilien), ohne eigene historische oder offizielle Heraldik aus der Zeit früherer Eigentümer wie Henri Menier. Diese Abwesenheit eigener Symbole unterstreicht den Fokus auf Naturschutz und unberührte Wildnis statt auf traditionelle kommunale Repräsentation.

Hauptort

Der Hauptort von Anticosti ist Port-Menier, das einzige dauerhaft bewohnte Dorf der Insel. Es liegt am westlichen Ende in der Baie Ellis (Ellis Bay) und dient als administratives Zentrum, Hafen, Flughafenstandort und Ausgangspunkt für Tourismus, Jagd und Fischerei. Port-Menier wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem französischen Schokoladenfabrikanten Henri Menier gegründet, der die Insel 1895 erworben hatte. Zunächst versuchte er 1895 eine Siedlung in der Baie-Sainte-Claire (heute Baie Sainte-Claire) aufzubauen, doch die Bucht erwies sich als zu seicht für große Schiffe. Deshalb verlegte er den Hauptort um 1899/1900 nach Ellis Bay, wo er einen tiefen Hafen mit einem 1000 Meter langen Kai anlegen ließ und das Dorf Port-Menier (benannt nach sich selbst) als Modellsiedlung errichtete.

Seit etwa 1900 ist Port-Menier der einzige bedeutende Ort der Insel. Frühere Siedlungen wie Baie-Sainte-Claire oder English Bay (heute Baie-du-Renard) wurden in den 1920er Jahren aufgegeben, als die Insel an Forstunternehmen überging. Heute leben hier fast alle der rund 200 ständigen Einwohner Anticostis, und der Ort bleibt das unbestrittene Zentrum der Insel.

Verwaltungseinheiten

Die Municipalité de l’Anticosti besteht aus dem ville (Dorf) Port-Menier, das zugleich als Verwaltungssitz fungiert, drei Naturschutzgebieten und fünf pourvoiries (Jagd- und Fischfangregionen).


           Verwaltungsgliederung:

           1 ville (Dorf)

           3 reserves naturelles (Naturschutzgebiete)

           5 pourvoiries (Jagd- und Fischfangregionen)

Bevölkerung

Anticosti wurde von indianischen Gemeinschaften wahrscheinlich nie dauerhaft bewohnt. Und auch die Europäer kamen erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Zahl der Dauersiedler ist aber nach wie vor sehr gering. Etwas mehr als 250 Menschen leben ganzjährig hier. Im Folgenden die Entwicklung der Einwohnerzahl samt Dichte, bezogen auf die Fläche von 7.923,16 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1894                       0               0,00

           1895                     40               0,01

           1901                   200               0,03

           1911                   500               0,06

           1921                   400               0,04

           1926                   800               0,10

           1931                3 000               0,38

           1941                2 800               0,35

           1951                1 200               0,15

           1961                   532               0,07

           1971                   350               0,04

           1981                   320               0,04

           1988                   300               0,04

           1991                   264               0,04

           1996                  263               0,04

           1999                   265               0,04

           2000                   265               0,04

           2001                   266               0,04

           2002                   270               0,04

           2003                   282               0,04

           2004                   285               0,04

           2005                   285               0,04

           2006                   281               0,04

           2007                   280               0,04

           2008                   275               0,03

           2009                   270               0,03

           2010                   260               0,03

           2011                   255               0,03  

           2012                   250               0,03

           2013                   245               0,03

           2014                   240               0,03

           2015                   235               0,03

           2016                   230               0,03

           2017                   220               0,03

           2018                   210               0,03

           2019                   200               0,03

           2020                   190               0,03

           2021                   177               0,02

           2022                   175               0,02

           2023                   170               0,02

           2024                   170               0,02


Von 1981 bis 2001 sank die Bevölkerung um durchschnittlich 0,844 % pro Jahr. Die Lebenserwartung liegt bei annähernd 78, das Durchschnittsalter der Einwohner bei etwa 38 Jahren.


Bevölkerungsaufteilung 2001:

  • Bevölkerungszahl insgesamt  266
  • weiblich  135 (50,75 %)
  • männlich  131 (49,25 %)
  • unter 15jährig  55 (20,68 %)
  • 15 bis 64 Jahre alt  196 (69,92 %)
  • über 64jährig  25 (9,40 %)


Die Zahl der Haushalte betrug zur Jahrtausendwende 115, was einen Durchschnitt von 2,313 Personen pro Einheit ergibt. Die Zahl der bewohnten Häuser betrug zum selben Zeitpunkt 140.

Volksgruppen

Die Volksgruppen (ethnische Herkunft) sind überwiegend französisch-kanadisch (Québécois). Die Bewohner stammen größtenteils von französischen Siedlern und Familien ab, die seit dem späten 19. Jahrhundert (speziell unter Henri Menier) oder früher (Acadier und Französisch-Kanadier) auf der Insel lebten. Es gibt keine signifikanten Minderheiten indigener Völker (Innu oder Mi'kmaq), trotz der historischen Nutzung der Insel durch diese Gruppen vor der europäischen Kolonisation. Neuere Zuzüge sind rar; die Bevölkerung ist eng verwandt und homogen, mit gelegentlichen Einwanderern aus anderen Teilen Québecs oder Frankreichs. Die Abgeschiedenheit und der Fokus auf Naturschutz sowie Tourismus fördern diese kulturelle Einheitlichkeit, die Anticosti zu einer der am homogensten frankophonen und ethnisch einheitlichen Gemeinden Québecs macht.

Sprachen

Auf der Insel wird ausschließlich Französisch gesprochen. Aufgrund der geringen und homogenen Bevölkerung (rund 177 ständige Einwohner im Jahr 2021, hauptsächlich in Port-Menier konzentriert) ist Französisch die einzige Alltagssprache. Nur 10 Einwohner (3,75 %) gaben bei der Volkszählung 2001 Englisch als Muttersprache an. Laut Zensusdaten von 2011 waren bereits 100 % der Bewohner frankophon, und neuere Statistiken deuten auf eine ähnliche Situation hin. Englisch wird saisonal von Touristen (vor allem aus den USA) und Mitarbeitern in der Tourismusbranche gesprochen, bleibt aber marginal. Indigene Sprachen wie Innu-aimun (Notiskuan) oder Mi'kmaq (Natigostec oder Natigôsteg), die historischen Namen der Insel, sind nicht mehr in Gebrauch, da keine indigenen Gemeinschaften dauerhaft ansässig sind.

Religion

Auf der Insel dominiert wie in den meisten frankophonen Regionen Québecs der Katholizismus. Die Insel hat eine katholische Geschichte, die bis zu den ersten Siedlern und Missionaren im 19. Jahrhundert zurückreicht. Es gibt Spuren alter Friedhöfe (zum Beispiel in Baie-Sainte-Claire mit katholischen und protestantischen Abschnitten aus der Zeit früherer Siedler). Heute gibt es keine aktive Kirche oder regelmäßige Gottesdienste vor Ort – aufgrund der Isolation und kleinen Bevölkerung werden religiöse Bedürfnisse individuell oder bei Besuchen auf dem Festland gedeckt. Viele Einwohner sind säkularisiert, typisch für das moderne Québec, wo der Katholizismus zwar kulturell verwurzelt, aber nicht mehr stark praktiziert wird. Andere Religionen sind aufgrund der demografischen Homogenität nicht vertreten.


Konfessionen 2001:

  • Katholiken  250 (94,98 %)
  • sonstige  10 (3,76 %)
  • Bekenntnislose  6 (2,26 %)

Siedlungen

Das kleine Dorf Port Menier liegt am westlichen Ende der Insel und dient als administratives und logistisches Zentrum der gesamten Insel. Es ist nach dem französischen Schokoladenmagnaten Henri Menier benannt, der die Insel 1895 kaufte und das Dorf Ende des 19. Jahrhunderts als Hafenort gründete, da die natürliche Bucht hier bessere Bedingungen bot als frühere Siedlungen wie Baie-Sainte-Claire. Heute hat Port-Menier etwa 180 bis 200 ständige Einwohner (je nach Quelle, z. B. rund 177 im Zensus 2021). Im Sommer verdoppelt sich die Bevölkerung durch Saisonarbeiter und Touristen, die vor allem für die berühmte Hirschjagd (Anticosti hat über 160.000 Weißwedelhirsche), Angeln und Naturbeobachtung kommen. Die Wirtschaft basiert auf Outdoor-Tourismus, Forstwirtschaft und grundlegenden Dienstleistungen.

Das Dorf ist kompakt und überschaubar: Es gibt einen Hafen für Fähren (z. B. vom Relais Nordik aus Sept-Îles oder Havre-Saint-Pierre), einen kleinen Flughafen (Port-Menier Airport) mit Linienflügen, eine Tankstelle, einen Lebensmittelladen (Coopérative), eine Bank (Caisse populaire), Restaurants, Unterkünfte wie die Auberge Port-Menier und Autovermietungen. Die Straßen sind größtenteils unbefestigt, und das Dorf ist von borealen Wäldern und der rauen Küste umgeben. Historisch war Port-Menier lange eine "Company Town" – zuerst unter Menier, später unter Holzfirmen wie Consolidated Bathurst. Viele Gebäude stammen aus der Menier-Ära, und in der Nähe liegen Ruinen des luxuriösen Château Menier (1953 abgebrannt). Das Dorf strahlt eine ruhige, isolierte Atmosphäre aus: umgeben von Wildnis, mit Blick auf den Sankt-Lorenz-Strom, Klippen und häufigen Nebeln.

Verkehr

Anticosti ist eine nur peripher erschlossene Region mit mäßigen Außenkontakten. Neben dem kleinen Hafen gibt es einen ebenso kleinen Flugplatz, im Landesinneren nur Wege.

Straßenverkehr

Der Straßenverkehr auf Anticosti ist stark begrenzt und der Wildnis angepasst. Die Insel verfügt über kein asfaltiertes Straßennetz außer einer kurzen gepflasterten Strecke in Port-Menier; das Hauptverkehrswege ist die Route Henri-Menier (auch Transanticostienne genannt), eine etwa 204 km lange Schotterstraße, die von Port-Menier im Westen quer durch die Insel bis zur Ostküste führt. Sie durchquert den Parc national d'Anticosti und verbindet den Hauptort mit Lodges, Angelplätzen, Jagdgebieten und kleinen Landepisten. Zahlreiche abzweigende Wald- und Nebenstraßen (ebenfalls unbefestigt) erschließen Flüsse, Seen und touristische Ziele.

Aufgrund der rauen Beschaffenheit – Schlaglöcher, Staub und Wildwechsel (insbesondere durch die hohe Hirschdichte) – sind Allradfahrzeuge oder Pick-ups empfohlen; zwei Ersatzreifen sind obligatorisch. Der Verkehr ist extrem gering: Mit nur rund 200 ständigen Einwohnern und saisonalen Touristen (3.000 bis 8.000 pro Jahr) herrscht kaum Betrieb, abgesehen von Holztransportern der Forstwirtschaft und Fahrzeugen der Sépaq. Geschwindigkeitsbeschränkungen werden streng eingehalten, um Unfälle mit Wildtieren zu vermeiden. Fahrzeuge können in Port-Menier gemietet werden, da die Mitnahme privater Autos über die Fähre teuer und kompliziert ist. Der Straßenverkehr dient hauptsächlich dem sanften Tourismus, der Jagd und Fischerei sowie der lokalen Mobilität und unterstreicht die unberührte, abgelegene Charakteristik der Insel.

Schiffsverkahr

Der Schiffsverkehr rund um die Insel Anticosti ist aufgrund ihrer isolierten Lage im Golf von Sankt Lorenz stark eingeschränkt und dient primär der Versorgung sowie dem Tourismus. Der einzige regelmäßige Passagier- und Frachtdienst wird durch die Société des traversiers du Québec (STQ) mit dem Schiff MV Bella Desgagnés (betrieben von Relais Nordik) gewährleistet. Dieses gemischte Fracht- und Passagierschiff verbindet die Insel wöchentlich – in der Regel zweimal pro Woche – mit dem Festland: Die Route führt von Rimouski über Sept-Îles und weitere Häfen der Basse-Côte-Nord bis Blanc-Sablon, mit Anlauf in Port-Menier, dem einzigen Hafen der Insel. Die Saison läuft typischerweise von Anfang April bis Mitte Januar, abhängig von Eisbedingungen, und umfasst Kabinen, Verpflegung sowie die Mitnahme von Fahrzeugen in Containern. Der Verkehr dient der Lieferung von Gütern, Lebensmitteln und Baumaterialien an die kleine Bevölkerung sowie dem Transport von Touristen, Jägern und Anglern, von denen viele aus den USA stammen. Aufgrund von Wetter und Gezeiten können Abfahrten verzögert oder ausfallen, weshalb Flexibilität empfohlen wird.

Gelegentliche Versorgungsschiffe oder private Boote nutzen den Hafen in Port-Menier, und Kreuzfahrtschiffe umfahren die Insel oft wegen ihrer gefährlichen Riffe (historisch als „Friedhof des Golfs“ bekannt mit Hunderten von Wracks). Projekte für eine zusätzliche Fährverbindung (zum Beispiel eine tägliche Navette zwischen Havre-Saint-Pierre, Port-Menier und der Gaspésie) wurden in den letzten Jahren diskutiert und relanciert, um den Tourismus zu fördern, sind jedoch bislang nicht umgesetzt.


Port-Menier

  • Lage:  49°51’ N, 64°17’ W
  • maximaler Tidenhub:  1,5 m
  • Hafenerrichtung: 1895
  • Hafenfläche:  1 ha
  • Zahl der Piers:  1
  • Kai- und Pierlänge:  100 m
  • Anlegestellen:  ca. 20
  • maximaler Tiefgang: ca. 2 m
  • Leuchtfeuer:  0
  • Hafenumschlag: 


Auf Anticosti Island gibt es insgesamt neun Leuchttürme (phares), von denen zwei allerdings nicht mehr in Betrieb sind.

  • Escarpment Bagot Lighthouse
  • Phare de Cap de la Table
  • Phare de Cap de Rabast
  • Phare de Pointe Carleton
  • Phare de Pointe de l’Ouest
  • Phare de Pointe du Sud
  • Phare de Pointe du Sud-Est
  • Phare de Pointe du Sud-Ouest
  • Phare de Pointe Heath

Luftverkehr

Der Aéroport de Port-Menier ist der einzige Verkehrsflughafen der Insel. Er liegt etwa 5 Kilometer östlich von Port-Menier, dem Hauptort, auf einer Höhe von rund 51 Metern über dem Meeresspiegel und verfügt über eine einzige asphaltierte Start- und Landebahn sowie ein kleines Terminalgebäude. Der Flughafen dient primär dem regionalen Verkehr und dem Tourismus, mit Linienflügen der Airline Air Liaison, die regelmäßige Verbindungen nach Sept-Îles, Havre-Saint-Pierre und anderen Orten auf dem Festland anbietet. Zusätzlich landen hier Charterflüge, Privatmaschinen und saisonale Touristenflüge, insbesondere für Jäger und Angler. Aufgrund der Isolation der Insel ist der Flughafen eine wichtige Alternative zur Fährverbindung und ermöglicht schnellen Zugang für Besucher, Forscher und Versorgungsgüter.

Die Geschichte des Flughafens ist eng mit der Entwicklung der Insel im 20. Jahrhundert verknüpft, obwohl genaue Baujahre nicht prominent dokumentiert sind. Während der Ära von Henri Menier (1895 bis 1926), der die Insel als privates Jagdrevier nutzte, gab es keine Hinweise auf einen Flughafen – der Transport erfolgte damals ausschließlich per Schiff. Der Flughafen entstand wahrscheinlich in der Mitte des 20. Jahrhunderts, nach dem Verkauf der Insel an Forstunternehmen 1926 und insbesondere nach dem Erwerb durch die Provinz Québec 1974, als der Tourismus und Naturschutz gefördert wurden. In den 2010er Jahren wurde die Piste gepflastert und modernisiert (zum Beispiel Projekte mit Millionen Tonnen Material für die Bahn), um die Sicherheit und Kapazität zu verbessern. Heute ist er ein wesentlicher Bestandteil der Infrastruktur, die den sanften Tourismus unterstützt, und ergänzt die anderen kleinen Landepisten auf der Insel, konkret private Aerodrome wie Rivière-aux-Saumons. Die Abgeschiedenheit macht ihn zu einem logistischen Knotenpunkt in einer der isoliertesten Regionen Québecs.

Airlines Ziele
Air Liaison Baie-Comeau, Havre Saint-Pierre, Mont-Joli, Québec City, Sept-Îles
Pascan Aviation (Charters) Havre Saint-Pierre, Sept-Îles


Port-Menier Airport

  • französischer Name:  Aéroport de Port-Menier
  • Code: YPN / CYPN
  • Lage: 49°50‘11“ N, 64°17‘19“ W
  • Seehöhe: 51 m (168 ft)
  • Entfernung: 5 km nordöstlich von Port-Menier
  • Inbetriebnahme:  1960er Jahre
  • Betreiber: Transports Quebec
  • Terminal: 1
  • Rollbahn: 1
  • Länge der Rollbahn:  1489 m (Asfalt)
  • Fluggesellschaften:  2
  • Flugzeug-Standplätze:  -
  • jährliche Passagierkapazität:  ca. 2000
  • jährliche Frachtkapazität:  ca. 100 t

Wirtschaft

Die Wirtschaft der Île d'Anticosti basiert heute primär auf Ökotourismus, der durch den Parc national d'Anticosti und die UNESCO-Welterbestatus mit Fossilien und Wildlife wie Weißwedelhirschen angezogen wird. Historisch dominierten Forstwirtschaft, Fischerei und private Jagdrevier-Exploitation bis zum Staatskauf 1974, wobei derzeit nur ca. 200 Einwohner in Port-Menier von Dienstleistungen und Naturschutz leben.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft auf der Anticosti-Insel spielt heute praktisch keine Rolle mehr und ist auf minimale private Aktivitäten beschränkt. Der kalkhaltige, dünne Boden, das raue maritime Klima mit kurzen Vegetationsperioden und die Abgeschiedenheit machen kommerzielle Landwirtschaft unwirtschaftlich. Es gibt keine aktiven Farmen, keine Viehzucht in nennenswertem Umfang und keinen Anbau von Feldfrüchten oder Gemüse für den Export.

Historisch gab es jedoch Versuche: Bereits Louis Jolliet, der erste Seigneur der Insel im 17. Jahrhundert, betrieb eine kleine Farm für den Eigenbedarf. Unter Henri Menier (1895–1913) wurde Landwirtschaft intensiver gefördert – über 800 Hektar wurden gerodet und kultiviert, um die Insel autark zu machen und Siedler zu versorgen. Es entstanden Felder für Getreide, Gemüse und Futterpflanzen, ergänzt durch Viehhaltung. Nach Meniers Tod und dem Übergang an Forstunternehmen in den 1920er Jahren wurde die Landwirtschaft jedoch schrittweise aufgegeben. Bis in die 1930er Jahre verschwanden die letzten Kulturen, da der Fokus auf Forstwirtschaft und später Tourismus lag. Seit dem Erwerb durch die Provinz Québec 1974 dient die Insel primär dem Naturschutz und der Jagd; Versorgung erfolgt über Importe vom Festland. Heute beschränkt sich „Landwirtschaft“ auf gelegentliche Gärten in Port-Menier für den persönlichen Bedarf der rund 200 Einwohner.

Jagd

Die Jagd ist hingegen der zentrale Wirtschaftszweig und prägt die Insel seit über einem Jahrhundert. Anticosti gilt als eines der besten Reviere für Weißwedelhirsch (Cerf de Virginie) in Nordamerika, mit einer der höchsten Dichten weltweit. Die Population stammt von nur 220 Tieren ab, die Henri Menier 1896/97 einführte; ohne natürliche Prädatoren (außer gelegentlichen Füchsen) explodierte sie und schwankt heute um 150.000 bis über 160.000 Individuen, trotz winterlicher Verluste durch harte Witterung.

Jährlich kommen 3.000 bis 8.000 Jäger, überwiegend aus Québec, den USA und Kanada, angelockt von hohen Erfolgsquoten (oft nahe 100 %, mit durchschnittlich 1,9 bis 2 Tieren pro Jäger). Jeder Jäger darf zwei Hirsche (männlich, weiblich oder Jungtiere) erlegen, was das Kontingent nicht auf dem Festland beeinflusst. Die Jagd wird streng reguliert durch die Sépaq Anticosti (die über 70 bis 75 % des Territoriums verwaltet) und private Pourvoiries wie Safari Anticosti oder Pourvoirie Lac Geneviève. Methoden umfassen Ansitzjagd, Pirsch oder Stilljagd in exklusiven Sektoren; Köderjagd ist verboten, um eine natürliche Erfahrung zu gewährleisten.

Die Jagd dient nicht nur dem Tourismus, sondern auch der Populationskontrolle: Die Überdichte hat die Balsamtanne-Regeneration behindert und zu ökologischen Schäden geführt (vor allem Verdrängung anderer Arten). Durch erhöhte Abschussquoten (zum Beiuspiel mehr Weibchen und Jungtiere) und Maßnahmen wie Exclosures wird die Balance angestrebt. In den letzten Jahren (nach milderen Wintern) erholte sich der Bestand stark, mit Rekordbeobachtungen und Ernten (über 6.800 Tiere allein bei Sépaq in einer Saison). Die Jagdsaison läuft von September bis Dezember, mit Paketen inklusive Unterkunft, Guide und Transport. Anticosti bleibt ein „Jagdparadies“, das Naturschutz, Wirtschaft und Tradition vereint.

Forstwirtschaft

Neben der Jagd spielt die Forstwirtschaft eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben von Anticosti. Von 1908 bis 1918 wurden 1 800 000 m3 Holz geschlägert, von 1926 bis 1930 rund 1 300 000 m3. In den folgenden Jahren wurde die originale Baumbestand durch dichte Fichten- und Tannenpflanzungen ersetzt. Von 1946 bis 1971 wurden noch einmal 145 000 m3 bis 360 000 m3 Holz pro Jahr geschlägert. Die Regeneration des Waldes wurde damals eher der Natur überlassen. Mit der Ankunft der Produits Forestiers Anticosti Inc. (PFA) auf der Insel im Jahr 1995 begann die letzte forstwirtschaftliche Ära. Die Gesellschaft entwickelte neue Techniken der Schlägerung und der Waldregeneration. 1995 und 1996 wurden je 100.000 m³ Holz gewonnen. Im Dezember 1996 verursachte ein starker Sturm schwere Schäden. 432 700 m3 Holz mussten im folgenden Jahr verarbeitet werden. 1999 und 2000 sank der Ertrag auf 150.000 m3 Fichtenholz. Zur selben Zeit wurde ein neues Programm der Verbindung von Forstwirtschaft und Jagd entwickelt. Seit 2001 wird es auf der ganzen Insel angewendet. Diesem Programm zufolge wird ein Teil des Waldes dem Wild vorbehalten, das hier Nahrung findet. Alle zehn Jahre sollte sich eine geschlägerte Region wieder regeneriert haben. Auf diese Weise können bis zu 175 000 m3 Holz pro Jahr gewonnen werden. In diesem Sinn wurde im Jahr 2000 ein Forest Management Agreement (FMA) unterzeichnet, das die Waldnutzung für fünf Jahre festlegte. Die PFA verpflichtete sich dabei, für die nachhaltige Entwicklung des Baumbestandes in Verbindung mit den Bedürfnissen des Wildes zu sorgen.

Bergbau

Am 8. Februar 2011 veröffentlichte die Bürgerinitiative „Non au Pétrole et au Gaz au Québec“ mit 128.000 Unterschriften eine der größten Petitionen in der Geschichte Québecs gegen Fracking in der Provinz Québec, in der Hoffnung, damit die Öl- und Gasexploration auf Anticosti zu verhindern. Im Juni 2011 behauptete das québecer Unternehmen Pétrolia, auf der Insel Anticosti etwa 30 Milliarden Barrel Öl entdeckt zu haben, was das erste Mal ist, dass in der Provinz bedeutende Reserven gefunden wurden.

Im Februar 2014 kündigte die Premierministerin von Québec, Pauline Marois, an, dass die Provinzregierung sich an der Finanzierung von zwei Schiefergas-Explorationsprojekten beteiligen würde, die als Vorstufe zum Hydraulic Fracturing auf der Insel durchgeführt werden sollten. Die Provinz sagte 115 Millionen Dollar für die Finanzierung von Bohrungen für zwei getrennte Joint Ventures zu und erhielt im Gegenzug die Rechte an 50 % der Lizenzen und 60 % aller kommerziellen Gewinne. Dies war das erste Öl- und Gasgeschäft dieser Größenordnung für die Provinz. Mit dem Regierungswechsel im April 2014 könnten die Liberalen unter Philippe Couillard diese Entscheidung ändern. Petrolia Inc., Corridor Resources und Maurel & Prom bildeten ein Joint Venture, während Junex Inc. noch auf der Suche nach einem privaten Partner war.

Am 4. Juni 2013 veröffentlichte die Bürgerinitiative „Non au Pétrole et au Gaz au Québec“, die erkannte, dass Fracking weiterhin eine praktikable Methode zur Ölförderung auf Anticosti ist, eine weitere Petition, die 26.000 Unterschriften gegen Fracking, Exploration und Ausbeutung von Öl und Gas auf Anticosti Island sammelte und ein Moratorium sowie eine Umweltprüfung forderte. Der Geologie-Ingenieur Marc Durand hielt auf einer Konferenz einen Vortrag, in dem er erklärte, dass für die Erschließung mindestens 12.000 Bohrungen notwendig wären und Quebec sich verschulden würde, wenn man bedenkt, dass eine dieser Bohrungen 12 Millionen Dollar kosten würde. Ein Jahr später, als Pauline Marois eine Investition von 115 Millionen Dollar für Petrolia ankündigte, um die Erschließung fortzusetzen, stieg die Zahl der Unterschriften für dieselbe Petition auf 36.000. Die Regierung hat keine BAPE (Umweltverträglichkeitsprüfung) speziell für Anticosti eingeleitet.

Handwerk

Das Handwerk (artisanat) auf der Anticosti-Insel ist aufgrund der geringen Bevölkerung und der Fokussierung auf Naturschutz sowie Tourismus nur marginal entwickelt und beschränkt sich weitgehend auf lokale, traditionelle Aktivitäten in Port-Menier. Es gibt eine kleine Boutique d’artisanat, in der Einwohner ihre handgefertigten Produkte verkaufen – darunter Accessoires aus Pelz (zum Beispiel von Biber oder Fuchs, die vor Ort gefangen werden), warme Kleidungsstücke, Souvenirs oder Angelköder wie die berühmten Fliegen der lokalen Anglerin Manon Tanguay, die seit über 30 Jahren handgefertigt werden und internationale Bekanntheit erlangt haben. Diese Produkte richten sich hauptsächlich an Touristen und spiegeln die enge Verbindung zur Natur wider: Pelzarbeiten, Holzschnitzereien oder fossilbasierte Andenken. Kommerzielles Handwerk fehlt jedoch; es handelt sich um nebenerwerbliche Tätigkeiten, die die kulturelle Identität der frankophonen Gemeinschaft stärken und den sanften Tourismus ergänzen.

Industrie

Die Industrie ist auf Anticosti nahezu inexistent, abgesehen von einer stark regulierten und begrenzten Forstwirtschaft, die historisch eine zentrale Rolle spielte. Von 1926 bis in die 1970er Jahre war die Holzindustrie (unter Unternehmen wie Wayagamack oder Consolidated Bathurst) der dominante Wirtschaftszweig, mit intensiver Abholzung ohne Rücksicht auf Umweltschutz. Nach dem Erwerb durch die Provinz Québec 1974 verschob sich der Fokus auf Tourismus und Naturschutz, doch ab den 1990er Jahren wurde die Forstwirtschaft experimentell wiederaufgenommen – zunächst durch Produits forestiers Anticosti und später Solifor – um die Regeneration der Balsamtanne zu fördern und die übermäßige Hirschpopulation zu kontrollieren (durch Schaffung von Exclosures und gezielte Rodungen). Die jährlichen Möglichkeiten liegen bei rund 222.000 Kubikmetern, doch die Aktivitäten sind streng begrenzt, saisonal und dienen primär der Habitatverbesserung. Kontroversen in den 2010er Jahren führten zu Moratorien und Anpassungen; heute ist die Forstwirtschaft nachrangig und nachhaltig ausgerichtet.

Potenzielle Öl- und Gasexplorationen (Schieferöl) in den 2010er Jahren wurden 2017 endgültig verboten, um die Umwelt zu schützen. Andere industrielle Aktivitäten wie Bergbau oder Verarbeitung gibt es nicht. Die aktuelle Wirtschaft basiert auf Tourismus (Jagd, Fischerei, Ökotourismus), ergänzt durch saisonale Forstarbeiten und lokale Dienstleistungen. Der UNESCO-Welterbe-Status seit 2023 und erweiterte Schutzgebiete wie die Réserve de biodiversité verbieten industrielle Entwicklungen weitgehend und fördern stattdessen Diversifikation durch sanften Tourismus, was die Insel als unberührte Wildnis erhält.

Wasserwirtschaft

Bis Ende 2025 war die Trinkwasserversorgung in Port-Menier, dem einzigen dauerhaft bewohnten Ort, problematisch. Das Wasser aus lokalen Quellen war oft bräunlich gefärbt und unterlag seit über 20 Jahren einem Kochgebot (avis d’ébullition). Bewohner lagerten abgefülltes Wasser oder kochten es ab. Im November 2025 wurde die Usine de traitement d’eau potable eingeweiht, finanziert mit über 8,3 Millionen Dollar vom Gouvernement du Québec im Rahmen des Programme d’infrastructures municipales d’eau. Diese Anlage ermöglicht erstmals die direkte Nutzung von Leitungswasser als Trinkwasser, verbessert die Qualität und integriert eine bessere Abwasserbehandlung. Die Infrastruktur wurde zusammen mit einem neuen multifunktionalen Gemeindezentrum eröffnet und markiert einen Meilenstein für die Lebensqualität der rund 200 Einwohner. Außerhalb von Port-Menier (unter anderem in Lodges der Sépaq oder Pourvoiries) erfolgt die Versorgung dezentral durch Brunnen, Quellen oder importiertes Wasser.

Die Insel verfügt über ein reiches Netz an kristallklaren Flüssen, Seen und Wasserfällen, die für ihre außergewöhnliche Wasserqualität bekannt sind – viele Gewässer wie die Rivière Jupiter (die „Königin“ der Lachsflüsse mit türkisfarbenem, klarem Wasser) oder die Rivière Chicotte gelten als unberührt und bieten ideale Habitate für Atlantischen Lachs. Die Klarheit ermöglicht oft die Sicht auf Fische von der Oberfläche. Starke natürliche Schwankungen des Wasserstands (z. B. durch Schneeschmelze) beeinflussen die Ökologie, bleiben aber ungestört durch menschliche Eingriffe.

Der Schutz der Gewässer ist priorisiert: Der Parc national d’Anticosti (572 km²) und ökologische Reserven bewahren Flüsse und Feuchtgebiete. Strenge Regulierungen für Fischerei und Tourismus (zum Beispiel durch Sépaq) verhindern Verschmutzung. Geplante marine Parks im Golf von Sankt Lorenz ergänzen den Schutz. Frühere Risiken wie potenzielle Öl- und Gasexplorationen wurden 2017 verboten, um die sensible Hydrologie zu erhalten.

Energiewirtschaft

Die Energiewirtschaft auf Anticosti basiert auf einem autonomen Netz von Hydro-Québec, das nicht ans Festland angeschlossen ist. Die Elektrizitätsversorgung erfolgt primär durch Dieselgeneratoren in der Zentrale von Port-Menier, ergänzt durch kleinere Anlagen in Lodges. Dies macht die Energie teuer und umweltbelastend, da Diesel vom Festland importiert werden muss. Es gab Pläne zur Umstellung auf erneuerbare Quellen: Frühere Projekte umfassten Solaranlagen (unter anderem am Campement Vauréal der Sépaq) und Diskussionen über Biomasse aus lokalem Holz oder Windenergie. Hydro-Québec strebt seit Jahren eine Dekarbonisierung autonomer Netze an, doch auf Anticosti bleibt Diesel dominant. Der hohe Schutzstatus und die Isolation erschweren größere Projekte; der Fokus liegt auf Effizienzsteigerung und möglicher Hybridlösungen.

Abfallwirtschaft

Die Abfallwirtschaft stellt aufgrund der Abgeschiedenheit eine Herausforderung dar. Die Insel verfügt über einen kleinen kommunalen Deponieplatz in Port-Menier, der in der Vergangenheit Kapazitätsprobleme hatte und Unterstützung von Québec erforderte. Abfälle werden größtenteils lokal entsorgt oder per Schiff/F lugzeug exportiert; Recycling ist begrenzt, aber es gibt Initiativen zur Sortierung und Reduktion. Die Provinz unterstützt isolierte Gemeinden wie Anticosti durch Programme von Recyc-Québec und der Société du Plan Nord (20 Millionen Dollar Investitionen 2024 für über 150 Kommunen), die bessere Sammelsysteme, Transport und Verwertung fördern. Touristische Anbieter und die Sépaq praktizieren "Leave No Trace"-Prinzipien; Cleanup-Aktionen (zum Beispiel Expédition Saint-Laurent) entfernen regelmäßig Müll von Stränden. Der Naturschutz priorisiert Minimierung von Abfällen, um die sensible Ökologie zu schützen.

Handel

Der Handel und die kommerziellen Aktivitäten auf der Anticosti-Insel konzentrieren sich ausschließlich auf Port-Menier, dem einzigen Dorf mit rund 200 ständigen Einwohnern. Aufgrund der Isolation und des Fokus auf Tourismus sowie Naturschutz gibt es nur wenige, aber essenzielle Geschäfte, die den Bedarf der Bewohner und der saisonalen Touristen (Jäger, Angler, Ökotouristen) decken.

Das zentrale Geschäft ist die Coopérative de Consommation de l’Île d’Anticosti (unter dem Banner Marché Richelieu/Métro), ein genossenschaftlich organisiertes Lebensmittelgeschäft mit Metzgerei, Bäckerei, Frischprodukten (Obst, Gemüse), Take-out-Angeboten und einer Agentur der Société des alcools du Québec (SAQ) für Alkoholika. Es ist der einzige größere Supermarkt der Insel und wird per Schiff oder Flugzeug beliefert; Preise sind etwas höher als auf dem Festland, aber Mitglieder erhalten Rabatte. Ergänzt wird dies durch L’Accommodeur Malouin, einen Magasin général (ähnlich einem Dépanneur mit Quincaillerie), der neben Grundnahrungsmitteln (Brot, Milch, Konserven, Gefrorenes) auch Baumaterialien, Werkzeuge (als Home Hardware-Partner), Souvenirs und weitere Alltagsartikel anbietet.

Weitere kleine Angebote umfassen eine Boutique d’artisanat mit lokalen Handwerksprodukten (unter anderem Pelzaccessoires und Souvenirs), eine Tankstelle und gelegentliche Verkaufsstände in touristischen Einrichtungen wie der Boutique Nature der Sépaq. Restaurants und Unterkünfte (zum Beispiel Auberge Port-Menier) bieten ergänzende Dienstleistungen. Der Handel ist stark saisonal: Im Sommer und Herbst (Jagd- und Fischereisaison) verdoppelt sich die Aktivität durch Tausende Besucher, die Vorräte und Ausrüstung kaufen.

Finanzwesen

Zum Finanzwesen gibt es keine klassische Bankfiliale mit Geldautomaten (ATM). Stattdessen betreibt die Caisse populaire Desjardins de Mingan-Anticosti ein Centre de services in Port-Menier (Rue des Olympiades), das grundlegende Bankdienstleistungen am Schalter anbietet: Ein- und Auszahlungen, Überweisungen, Kontoführung. Bargeldabhebungen sind möglich, aber kein automatisierter Geldautomat vorhanden – Transaktionen erfolgen persönlich während der Öffnungszeiten. Viele Einwohner und Touristen nutzen digitale Banking-Apps (AccèsD von Desjardins), Kreditkarten oder bargeldlose Zahlungen, wo möglich. Größere Beträge oder komplexe Operationen erfordern oft einen Besuch auf dem Festland (zum Beispiel Sept-Îles). Diese minimalistische Infrastruktur passt zur Abgeschiedenheit und kleinen Gemeinschaft, wo der Tourismus die Haupteinnahmequelle bleibt und finanzielle Bedürfnisse schlicht gehalten sind.

Soziales und Gesundheit

Das soziale Leben auf der Anticosti-Insel ist durch die kleine, eng verbundene Gemeinschaft in Port-Menier geprägt, mit rund 200 ständigen Einwohnern. Die Isolation fördert starke Solidarität und lokale Initiativen: Organisationen wie die Chevaliers de Colomb, les Artisans d’Anticosti, der Club de curling, der Club de l’âge d’or und der Comité aviseur du territoire des résidents organisieren regelmäßig Freizeit-, Kultur- und Gemeinschaftsaktivitäten. Die kürzlich eröffnete Maison de la communauté de Port-Menier dient als Treffpunkt für Veranstaltungen, Feste und soziale Zusammenkünfte.

Die Bevölkerung ist homogen frankophon und familienorientiert; saisonale Touristen (vor allem Jäger und Angler) beleben das Dorf im Sommer und Herbst, was zu temporären Interaktionen führt. Herausforderungen wie Abwanderung und Alterung der Bevölkerung werden durch gemeinschaftliche Bemühungen und provinzielle Unterstützung ausgeglichen, was Anticosti zu einer friedlichen, kooperativen und naturverbundenen Gemeinschaft macht.

Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen ist aufgrund der Abgeschiedenheit grundlegend und an das Netz des Centre intégré de santé et de services sociaux (CISSS) de la Côte-Nord angebunden. Der einzige medizinische Einrichtung ist der CLSC de Port-Menier (auch Dispensaire genannt), der grundlegende Dienstleistungen wie Pflege, Impfungen, Notfallversorgung und gelegentliche Besuche von Ärzten oder Spezialisten (etwa Zahnärzte) anbietet. Eine Infirmière ist vor Ort präsent, und es gibt ein Service de garde für Notfälle; schwere Fälle erfordern jedoch Evakuierung per Flugzeug oder Schiff ans Festland (unter anderem nach Sept-Îles). Nach der Eröffnung einer neuen Trinkwasseraufbereitungsanlage 2025 hat sich die allgemeine Gesundheitssituation verbessert, da langjährige Kochgebote aufgehoben wurden. Präventive Maßnahmen, wie Info-Santé 811 oder 911 für Notfälle, sind essenziell. Die Versorgung ist stabil, aber logistisch abhängig von Wetter und Transport.

Krankheiten

Bezüglich Krankheiten ist die Situation auf Anticosti typisch für eine boreale, wildreiche Region mit niedriger Bevölkerungsdichte. Schwere oder epidemische Erkrankungen sind rar; die größte potenzielle Bedrohung stellt die Maladie de Lyme (Borréliose de Lyme) dar, übertragen durch Zecken (tiques à pattes noires), die durch die enorme Weißwedelhirschpopulation begünstigt werden. Die Insel gilt als Risikogebiet, da Klimaveränderungen die Ausbreitung der Zecken fördern; Prävention (Schutzkleidung, Zeckenkontrolle) ist empfohlen, und Fälle werden über das CISSS überwacht. Andere tick-borne Krankheiten wie Anaplasmose sind möglich, aber selten. Chronische Erkrankungen (zum Beispiel durch Alterung) oder saisonale Infekte (Grippe) dominieren; die gute Luft- und Wasserqualität sowie die naturnahe Lebensweise tragen zu einer insgesamt robusten Gesundheit bei, ergänzt durch provinzielle Programme.

Bildung

Das Bildungswesen auf der Anticosti-Insel ist aufgrund der geringen und altersgemischten Bevölkerung (rund 200 ständige Einwohner) stark eingeschränkt und konzentriert sich ausschließlich auf den Primarbereich. In Port-Menier betreibt die Commission scolaire du Littoral die École Saint-Joseph, eine kleine Primarschule (maternelle bis 6e année/secondaire 1), die jedoch seit Jahren nur sehr wenige Schüler hat – oft unter zehn Kinder insgesamt. In manchen Jahren gibt es gar keine Einschreibungen, sodass die Schule zeitweise geschlossen bleibt oder nur sporadisch unterrichtet wird. Lehrer werden vom Festland entsandt oder pendeln; der Unterricht erfolgt auf Französisch und folgt dem Québecer Lehrplan. Für die Sekundarstufe II (secondaire 2–5) müssen Jugendliche die Insel verlassen und meist in Sept-Îles, Havre-Saint-Pierre oder weiter entfernten Orten internatartig untergebracht werden. Höhere Bildung (Cégep, Universität) ist nur auf dem Festland möglich. Die Isolation und die demografische Entwicklung (Alterung, geringe Geburtenrate) machen eine vollständige Schulinfrastruktur unwirtschaftlich; Bildung bleibt daher grundlegend und stark von provinzialen Unterstützungsprogrammen abhängig.

Bibliotheken und Archive

Bibliotheken gibt es auf Anticosti in klassischer Form keine öffentliche Bibliothek. Stattdessen existiert eine kleine Bibliothèque scolaire in der École Saint-Joseph, die der Gemeinschaft offensteht und Bücher, Zeitschriften sowie digitale Ressourcen (über das Programm Culture à l’école oder Réseau BIBLIO de la Côte-Nord) bereitstellt. Die Sammlung ist bescheiden und dient vor allem Kindern und Familien; Erwachsene nutzen oft digitale Plattformen oder bestellen Bücher über das Festland. In der Maison de la communauté oder bei der Municipalité können gelegentlich Bücher ausgeliehen werden, doch eine eigenständige öffentliche Bibliothek fehlt.

Historische Dokumente, Fotos und Aufzeichnungen zur Inselgeschichte (zum Beispiel aus der Menier-Ära, Forstwirtschaft oder Siedlungsgeschichte) werden teils privat von Einwohnern oder der Municipalité aufbewahrt, teils in regionalen Archiven auf dem Festland verwahrt – etwa beim Centre d’archives de la Côte-Nord in Sept-Îles oder bei der Société historique d’Anticosti.

Der Parc national d’Anticosti und die Sépaq dokumentieren naturwissenschaftliche und geologische Daten, die teilweise digital zugänglich sind. Der UNESCO-Welterbe-Status seit 2023 hat die Erfassung paläontologischer und geologischer Funde verstärkt, doch ein lokales Archivzentrum existiert nicht. Bildung und Wissensvermittlung auf Anticosti bleiben somit stark informell, gemeinschaftlich und auf die Bedürfnisse einer kleinen, naturverbundenen Bevölkerung ausgerichtet.

Kultur

Kultur ist nicht unbedingt die Stärke der Insulaner. Die Jagd ist Dreh- und Angelpunkt des Lebens hier. In den letzten Jahren ist jedoch das ökologische Bewusstsein auf Anticosti gewachsen, und so gibt es hier seit den 1990er Jahren ein Ökomuseum, das Écomusée d’Anticosti in Port-Menier, das die verschiedenen Phasen der natürlichen Entwicklung der Insel zeigt.

Museen

Das Écomusée d’Anticosti, auch bekannt als Centre d’interprétation de l’histoire, de la culture et de la paléontologie d’Anticosti, befindet sich in Port-Menier. Es handelt sich um eine kleine, aber bedeutende Einrichtung. Gegründet in den 1990er Jahren, dient es der Präsentation der natürlichen, geologischen und kulturellen Entwicklung der Insel und ist in der ehemaligen katholischen Kirche des Dorfes untergebracht, was ihm einen historischen Charme verleiht. Die Ausstellungen fokussieren sich auf die verschiedenen Phasen der Inselgeschichte: Von der prähistorischen Entstehung vor über 400 Millionen Jahren im Ordovizium und Silurium, einschließlich der ersten globalen Massenaussterbeereignis vor etwa 445 Millionen Jahren, bis hin zur modernen Besiedlung und Ökologie. Besucher können Fossilien entdecken – darunter Brachiopoden, Trilobiten und Korallen –, die die einzigartige paläontologische Bedeutung Anticostis illustrieren, ergänzt durch Artefakte aus der Zeit Henri Meniers (Ende 19. Jahrhundert), Möbel und Objekte des täglichen Lebens der Inselbewohner sowie Informationen zu Flora, Fauna und aktuellen Umweltschutzmaßnahmen. Die Hauptpräsentation „La fantastique épopée du vivant“ (auf Französisch und Englisch) bietet einen interaktiven Einblick in die Evolution des Lebens und die Erholung nach Aussterben, mit einer durchschnittlichen Besichtigungsdauer von 45 Minuten. Das Écomusée ist saisonal geöffnet (typischerweise von Mai bis Oktober, sonntags bis freitags), der Eintritt beträgt etwa 7 CAD für Erwachsene und ist für unter Achtzehnjährige kostenlos.

Touristische Einrichtungen und der Parc national d’Anticosti spielen ebenfalls eine Rolle in der Wissensvermittlung. Im Centre d’interprétation des Parc national d’Anticosti in Port-Menier oder in den Lodges (speziell die Auberge McDonald) finden Besucher kleine informative Ausstellungen zu Geologie, Fossilien, Flora, Fauna und Inselgeschichte – oft mit Schautafeln, Modellen und echten Fossilfunden aus dem Ordovizium-Silurium. Der UNESCO-Welterbe-Status seit 2023 hat diese Präsentationen verstärkt, doch sie bleiben integriert in Besucherzentren und dienen primär der Umweltbildung.

Historische Artefakte aus der Menier-Ära (zum Beispiel alte Gebäude, der Leuchtturm von Pointe-Carleton oder Ruinen in Baie-Sainte-Claire) sind als Freilichtexponate erhalten, werden aber nicht museal betreut. Private Sammlungen von Einwohnern (Fossilien, Fotos, Werkzeuge) sind gelegentlich in der Maison de la communauté oder bei Veranstaltungen zugänglich. Größere Sammlungen zur Inselgeschichte lagern in regionalen Museen auf dem Festland, etwa im Musée régional de la Côte-Nord in Sept-Îles. Anticosti setzt somit auf naturnahe, dezentrale und touristisch orientierte Formen der Wissensvermittlung statt auf institutionalisierte Medien oder Museen.

Architektur

Die Architektur der Insel ist geprägt von ihrer Geschichte als privates Jagdrevier und später als Naturschutzgebiet, mit funktionalen, holzbetonten Bauten, die der rauen Umwelt angepasst sind. Der bedeutendste historische Bau war das Château Menier, eine luxuriöse Villa im Stil französischer Residenzen des frühen 20. Jahrhunderts, die zwischen 1900 und 1905 vom Architekten Stéphen Sauvestre (bekannt durch die Tour Eiffel) für Henri Menier errichtet wurde. Diese imposante Holzkonstruktion mit vier Etagen, etwa 20 Zimmern und einer Verrière mit Fleur-de-Lys-Motiven lag in der Baie de Gamache und diente als Jagdschloss. Sie wurde 1953 von der Forstgesellschaft Consolidated Bathurst absichtlich niedergebrannt; heute sind nur Ruinen mit freigelegten Fundamenten und einem rekonstruierten Turm erhalten, ergänzt durch Interpretationspaneele.

In Port-Menier, dem einzigen Dorf, entstand Ende des 19. Jahrhunderts ein Modellvillage im Stil einer planmäßigen Siedlung: Holzhäuser, ein langer Kai (1000 Meter), Farmgebäude und Infrastruktur wie eine kleine Eisenbahn. Viele originale Häuser aus der Menier-Zeit stehen noch und prägen das Dorf mit schlichter, funktionaler Holzarchitektur. Die ehemalige katholische Kirche beherbergt heute das Écomusée d’Anticosti und ist ein markantes Gebäude. Moderne Bauten wie die Auberge Port-Menier oder das neue multifunktionale Gemeindezentrum (2025) orientieren sich bewusst am Menier-Stil mit Holz und Stein, um die historische Ästhetik zu wahren. Leuchttürme (zum Beispiel Pointe-Carleton) und verlassene Lodges vervollständigen das Bild einer praktischen, naturverbundenen Architektur ohne prunkvolle Entwicklungen.

Bildende Kunst

Die bildende Kunst ist auf Anticosti marginal und stark mit der Natur, Geschichte und dem Tourismus verknüpft. Es gibt keine etablierten Galerien, Ateliers oder professionelle Künstlerszene; stattdessen dominieren lokale Handwerke und interpretative Darstellungen. Im Écomusée d’Anticosti werden Möbel, Objekte und Fotos aus der Menier-Ära sowie Fossilien präsentiert, die als natürliche „Skulpturen“ der Erdgeschichte wirken. Lokale Artisanat umfasst Pelzarbeiten, Holzschnitzereien und Souvenirs, oft mit Motiven von Hirschen, Lachsen oder Fossilien. Gelegentliche Projekte wie Schulfotografie-Wettbewerbe (zum Beispiel Werke von Schülern der École Saint-Joseph) oder touristische Interpretationen (Schautafeln, Modelle) ergänzen dies. Größere künstlerische Ausdrücke fehlen aufgrund der Isolation; die „Kunst“ der Insel liegt vielmehr in ihrer Landschaft, den Fossilien und der erhaltenen historischen Bausubstanz, die den UNESCO-Welterbe-Status unterstreicht.

Literatur

Die Literatur über die Anticosti-Insel ist reich an historischen, wissenschaftlichen und fiktiven Werken, die ihre einzigartige Geologie, Geschichte und Wildnis thematisieren. Es gibt keine nennenswerte lokale Literaturszene oder aktive Autoren auf der Insel selbst, doch zahlreiche Bücher aus Québec behandeln Anticosti als faszinierendes Motiv. Bekannte Werke umfassen Rémy Gilberts „Mon île au Canada“ (über die Menier-Ära 1895 bis 1913), Mathieu-Robert Sauvés „Anticosti: 450 millions d’années de vie“ (2023, ein illustriertes Sachbuch zur Geologie und Biodiversität, das den UNESCO-Status unterstreicht), sowie Romane wie die Saga „Les gardiens de la lumière“ (über Leuchtturmwärter und die Menier-Zeit) oder Claudine Paquets Jugendroman „Les fantômes d’Anticosti“ (2025). Lokale Anekdotensammlungen, wie das Buch von Luc Jobin mit Geschichten aus der Inselgeschichte, werden in Port-Menier verkauft. Fotobücher und wissenschaftliche Publikationen zu Fossilien ergänzen dies; viele Titel sind im Écomusée d’Anticosti oder online erhältlich und dienen der Sensibilisierung für den Naturschutz.

Theater

Auf Anticosti gibt es keine Bühne, kein Ensemble und keine regelmäßigen Aufführungen. Die kleine Gemeinschaft in Port-Menier organisiert gelegentliche Gemeindeveranstaltungen im Maison de la communauté, doch professionelles oder amateurhaftes Theater fehlt aufgrund der Isolation und geringen Bevölkerung. Kulturelle Ausdrucksformen bleiben informell und naturbezogen.

Film

Beim Film hat Anticosti vor allem als Drehort und Thema für Dokumentarfilme gedient, während Fiktion kürzlich hinzukam. Klassiker sind Bernard Gosselins „L’Anticoste“ (1986, ein poetisches Porträt der Insel), Jean-Claude Labrecques „Anticosti, au temps des Menier“ (über Henri Meniers Vision) sowie Dominic Champagnes „Anticosti: La chasse au pétrole extrême“ (2014, zur umstrittenen Ölexploration). Ein Dokumentarfilm wie „Anticosti, l’école du bonheur?“ (2024) beleuchtet das Inselleben durch die Schule. Die größte Produktion ist die Thriller-Serie „Anticosti“ (2025, 6 Episoden auf Séries Plus), die erste Fiction, die teilweise vor Ort gedreht wurde: Eine Rückkehrerin untersucht einen mysteriösen Tod inmitten von Naturschutz- und Entwicklungsspannungen. Anticosti dient somit als dramatischer, isolierter Kulisse, die Geheimnisse und Wildnis betont.

Musik und Tanz

Eine interessante musikalische Spur gibt es aus der Menier-Ära. Lucien Comettant, Gouverneur der Insel zwischen 1900 und 1905, komponierte etwa 77 Partituren für Piano (und Violine) im viktorianischen Stil, die kürzlich entdeckt und digitalisiert wurden. Diese Stücke spiegeln die kulturelle Raffinesse wider, die Henri Menier auf seine private Insel brachte. Heute bleibt Musik größtenteils privat oder saisonal: Einwohner hören über Internet, Radio (zum Beispiel lokale Streams wie Radio Anticosti mit Mixen) oder mitgebrachte Medien québécoise Volksmusik, Chansons oder moderne Genres. Traditionelle québécoise Musik (mit Einflüssen aus Frankreich, Irland und Schottland, wie Reels, Jigs oder Podorythmie) könnte bei familiären Zusammenkünften oder Feiern in der Maison de la communauté erklingen, doch es gibt keine dokumentierten Bands, Chöre oder regelmäßigen Auftritte.

Tanz beschränkt sich auf private oder gemeinschaftliche Anlässe. Traditionelle québécoise Tänze wie Sets carrés, Contredanses oder Gigues (mit Schritt-Tanz-Elementen) könnten bei Hochzeiten, Feiertagen oder informellen Treffen vorkommen, beeinflusst von der frankophonen Kultur der Côte-Nord. Es fehlen jedoch Vereine, Kurse oder öffentliche Events; die Abgeschiedenheit und der Fokus auf Natur, Jagd und Tourismus lassen wenig Raum für organisierte Tanzkultur.

Kleidung

Die Kleidung auf Anticosti sollte vor allem praktisch und wetterfest sein, da das Klima wechselhaft ist und viele Aktivitäten im Freien stattfinden. Selbst im Sommer sind warme, winddichte und wasserdichte Kleidungsstücke wichtig, da es häufig regnet und die Temperaturen schnell sinken können. Empfohlen werden mehrere Schichten (Zwiebellook), um sich flexibel an Wetter und Aktivität anzupassen. Robuste Wanderschuhe oder Gummistiefel sind besonders wichtig, da das Gelände oft feucht, steinig oder uneben ist. Für Jagd-, Angel- und Naturbeobachtungen eignen sich strapazierfähige Outdoor-Kleidung, idealerweise in gedeckten Farben. Auch Mütze, Handschuhe und Regenschutz sollten selbst außerhalb der Wintermonate nicht fehlen. Insgesamt ist funktionale Kleidung deutlich wichtiger als modisches Auftreten, da Komfort und Schutz vor den Naturbedingungen auf Anticosti im Vordergrund stehen.

Kulinarik und Gastronomie

Die Küche auf Anticosti sind geprägt von der Abgeschiedenheit, der jagd- und fischereireichen Tradition sowie der Versorgung per Schiff und Flugzeug. Es gibt keine gehobene Restaurantkultur, keine Sterneköche und keine lokalen Produkte in nennenswertem Umfang – stattdessen dominiert eine einfache, rustikale und wildbasierte Küche, die den Tourismus und die kleine Gemeinschaft bedient.

Die Basis der Inselküche bilden Wild und Fisch: Weißwedelhirsch (cerf de Virginie) ist allgegenwärtig und wird in den Lodges und Pourvoiries in vielfältigen Formen serviert – als Steak, Ragout, Saucisson, Tartar oder geräuchert. Der Atlantische Lachs (saumon atlantique) aus Flüssen wie der Jupiter gilt als Delikatesse und wird frisch geangelt, gegrillt, geräuchert oder als Gravlax zubereitet. Ergänzt werden diese durch Forelle, Makrele und gelegentlich Meeresfrüchte wie Muscheln oder Krabben aus dem Golf von Sankt Lorenz.

In Port-Menier gibt es nur wenige gastronomische Angebote: Die Auberge de Port-Menier und das Restaurant der Sépaq bieten klassische québécoise Gerichte mit Wildakzent – etwa Hirschfilet mit Preiselbeeren, Lachs mit Ahornsirup-Glasur oder Poutine mit lokalen Zutaten. Die Coopérative (Marché Richelieu) verkauft Grundnahrungsmittel und hat eine kleine Metzgerei sowie Take-out-Optionen (Pizza, Burger, Frites). L’Accommodeur Malouin ergänzt dies als Dépanneur mit Snacks und einfachen Mahlzeiten.

In den Jagd- und Angellodges (Safari Anticosti, Auberge McDonald oder Pavillon Vauréal) ist die Verpflegung meist im Paket enthalten: Vollpension mit herzhaften, kalorienreichen Gerichten, die auf die Outdoor-Aktivitäten abgestimmt sind – reichlich Fleisch, Kartoffeln, Suppen und Desserts wie Tarte au sucre oder Pouding chômeur. Köche verwenden, was verfügbar ist: importiertes Gemüse, Konserven und tiefgekühlte Produkte, ergänzt durch gelegentliche Beeren (Blaubeeren, Himbeeren) aus der borealen Vegetation.

Lokale Spezialitäten sind rar: Frühere Versuche unter Henri Menier, Gemüse und Vieh anzubauen, sind längst Geschichte. Heute gibt es keine Landwirtschaft; alles wird importiert, was die Preise erhöht und die Auswahl begrenzt. Alkohol (Bier, Wein, Spirituosen) ist über die SAQ-Agentur in der Coop erhältlich. Die Gastronomie Anticostis ist somit authentisch rustikal: Sie spiegelt die Wildnis wider und dient der Sättigung nach einem Tag in der Natur – ohne kulinarische Raffinesse, dafür mit dem Geschmack frischen Wilds und der Einfachheit einer abgelegenen Inselgemeinschaft.

Festtage

Auf Anticosti gelten die für Kanada üblichen Feiertage.

  • 1. Januar – Neujahr (New Year’s Day) – landesweit
  • Karfreitag oder Ostermontag – beweglich; in Québec oft Ostermontag als offizieller Feiertag
  • Montag vor dem 25. Mai – Journée nationale des Patriotes („National Patriots’ Day“) – Québec-Holiday
  • 24. Juni – Fête nationale du Québec / Saint-Jean-Baptiste Day – großer Feiertag in Québec
  • 1. Juli – Canada Day – Nationalfeiertag Kanadas
  • Erster Montag im September – Labour Day (Tag der Arbeit)
  • Zweiter Montag im Oktober – Thanksgiving (Erntedankfest)
  • 25. Dezember – Christmas Day (1. Weihnachtsfeiertag)

Medien

Es gibt keine lokale Zeitung, kein Radio und keinen Fernsehsender auf der Insel. Die Bewohner von Port-Menier informieren sich hauptsächlich über das Internet (Satelliten- oder Mobilfunkverbindung), über regionale Medien der Côte-Nord (zum Beispiel Le Nord-Côtier, Radio-Canada Côte-Nord) oder über provinzweite Québecer Sender wie TVA, Radio-Canada und Zeitungen wie Le Soleil oder Journal de Québec, die digital oder gelegentlich per Schiff/F lugzeug eintreffen.

Eine wichtige lokale Informationsquelle ist die Facebook-Seite der Municipalité de L’Île-d’Anticosti sowie die Gruppe „Anticosti – Île d’Anticosti“, in der Einwohner und ehemalige Bewohner Nachrichten, Veranstaltungen, Wetterwarnungen und Alltagsinformationen austauschen. Die Sépaq Anticosti und Tourismusorganisationen nutzen eigene Websites und Social-Media-Kanäle (Facebook, Instagram), um Besucher über Jagd, Fischerei, Parkaktivitäten und Infrastrukturprojekte zu informieren. Traditionelle Medien fehlen vollständig; die Abgeschiedenheit macht eine eigene Redaktion unwirtschaftlich, sodass die Kommunikation informell, digital und stark gemeinschaftlich bleibt.

Kommunikation

Die Postleitzahl von Anticosti ist G0G 2Y0.

Sport

Der Sport auf der Anticosti-Insel ist stark von der unberührten Natur, der Isolation und dem Fokus auf Outdoor-Aktivitäten geprägt. Aufgrund der geringen Bevölkerung und des Naturschutzstatus dominieren naturnahe, individuelle oder touristische Sportarten, während organisierte Mannschaftssportarten oder professionelle Ligen fehlen. Die bei weitem wichtigsten Sportarten sind die Jagd auf Weißwedelhirsch und die Angelsportfischerei (pêche sportive), insbesondere auf Atlantischen Lachs in Flüssen wie der Jupiter. Diese gelten als klassische Sportdisziplinen mit hohen Erfolgsquoten und ziehen jährlich Tausende Enthusiasten an, die in regulierten Sektoren der Sépaq oder privaten Pourvoiries aktiv sind.

Im Parc national d’Anticosti und auf der gesamten Insel erfreuen sich weitere Freizeitsportarten wachsender Beliebtheit: Wandern (randonnée pédestre) auf zahlreichen markierten Pfaden zu Wasserfällen, Canyons und Klippen, Seekajak (kayak de mer) entlang der Küste, Tauchen oder Schnorcheln in den klaren Gewässern, Reiten (équitation) sowie Fahrradtouren, oft mit E-Bikes auf Schotterstraßen wie der Transanticostienne.

In Port-Menier organisiert der 1981 gegründete Club de curling de l’Île d’Anticosti die einzige lokale Vereinssportart – Curling im Winter, eine traditionelle Aktivität, die von der Gemeinschaft und Organisationen wie den Chevaliers de Colomb oder dem Club de l’âge d’or unterstützt wird. Andere Freizeitaktivitäten umfassen Schneeschuhwandern oder Langlaufen im Winter, doch aufgrund der Abgeschiedenheit bleiben sie informell. Der Sport auf Anticosti dient primär der Erholung in der Wildnis, dem Tourismus und der Gemeinschaftszusammenhalt, ohne kommerzielle Infrastruktur für Ballsportarten oder Hallensport – stattdessen steht die nachhaltige Nutzung der einzigartigen Natur im Vordergrund.

Persönlichkeiten

Die beiden wichtigsten mit der Entwicklung der Insel in Zusammenhang stehenden Persönlichkeiten waren der Forscher Louis Jolliet (1645 bis 1700) sowie der Unternehmer und Abenteurer Henri Émile Anatole Menier (1853 bis 1913).

Fremdenverkehr

Den größten Anteil machen jedoch Jagd- und Angellodges aus, die oft abgelegen in der Landschaft liegen und meist nur im Rahmen organisierter Aufenthalte genutzt werden können. Diese Lodges bieten Vollverpflegung, geführte Aktivitäten und Transport an und richten sich vor allem an Jagd-, Fischerei- und Ökotouristen. Klassische Ferienwohnungen, Campingplätze oder größere Hotelanlagen sind auf Anticosti kaum vorhanden. Insgesamt sind die Unterkünfte funktional und auf Naturerlebnis ausgerichtet, was den besonderen, abgeschiedenen Charakter der Insel widerspiegelt.

Aufgrund der ungezähmten Wildnis und der reichhaltigen Tierwelt ist Anticosti Island für seine Jagd-, Angel- und Outdoor-Möglichkeiten bekannt. Zwischen 3600 und 4000 Jagdgäste kommen alljährlich auf die Insel Anticosti. Sie sind in Jagdhütten und Herbergen wie der Auberge de Port-Menier untergebracht und bilden eine der Stützen der Wirtschaft der Insel. Neben der Jagd und dem Fischfang werden in diesem Park auch viele andere Freizeitaktivitäten wie Wandern, Reiten, Naturbeobachtungen und Seekajakfahren angeboten.

Den größten Anteil der Unterbringungsmöglichkeiten machen Jagd- und Angellodges aus, die oft abgelegen in der Landschaft liegen und meist nur im Rahmen organisierter Aufenthalte genutzt werden können. Diese Lodges bieten Vollverpflegung, geführte Aktivitäten und Transport an und richten sich vor allem an Jagd-, Fischerei- und Ökotouristen. Klassische Ferienwohnungen, Campingplätze oder größere Hotelanlagen sind auf Anticosti kaum vorhanden. Insgesamt sind die Unterkünfte funktional und auf Naturerlebnis ausgerichtet, was den besonderen, abgeschiedenen Charakter der Insel widerspiegelt.

Literatur

Reiseberichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

Kanadafieber: Anticosti Island = https://www.kanadafieber.de/Reisen/Natur-aktiv/Anticosti-Island.html

Kreuzfahrten: Port Menier, Anticosti Island = https://www.kreuzfahrten.de/hafen/port-menier-anticosti-island-quebec-kanada-4672.html

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