Rügen: Unterschied zwischen den Versionen
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* 1. März 1947 - 7. Oktober 1949 Kreis Rügen in Mecklenburg innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone | * 1. März 1947 - 7. Oktober 1949 Kreis Rügen in Mecklenburg innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone | ||
* 7. Oktober 1949 bis 25. Juli 1952 Kreis Rügen im Land Mecklenburg der Deutschen Demokratischen Reopublik | * 7. Oktober 1949 bis 25. Juli 1952 Kreis Rügen im Land Mecklenburg der Deutschen Demokratischen Reopublik | ||
* 25. Juli 1952 bis 3. Oktober 1990 Kreis Rügen im | * 25. Juli 1952 bis 3. Oktober 1990 Kreis Rügen im Bezirk Rostock der Deutschen Demokratischen Republik | ||
* 3. Oktober 1990 bis 4. September 2011 Landkreis Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland | * 3. Oktober 1990 bis 4. September 2011 Landkreis Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland | ||
* seit 4. September 2011 Landkreis Vorpommern-Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland | * seit 4. September 2011 Landkreis Vorpommern-Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland | ||
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=== '''Legislative und Exekutive''' === | === '''Legislative und Exekutive''' === | ||
Der | Die Insel Rügen gehört vollständig zum Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern, sodass die legislative und exekutive Gewalt primär auf Kreisebene sowie auf der kommunalen Ebene der Gemeinden und Ämter angesiedelt ist. Es gibt keine eigenständige Inselverwaltung; Rügen ist in mehrere amtsfreie Gemeinden und Ämter unterteilt, die wiederum dem Landkreis unterstehen. | ||
Auf Kreisebene (die Rügen und das umliegende Festland umfasst) bildet der Kreistag die legislative Gewalt. Er besteht aus 69 direkt gewählten Mitgliedern (Legislaturperiode 2024–2029, gewählt am 9. Juni 2024). Der Kreistag beschließt Satzungen, den Haushalt, wichtige Investitionen (unter anderem in Schulen, Nahverkehr oder Infrastruktur) und überwacht die Verwaltung. Die Sitzverteilung ist pluralistisch, mit Fraktionen wie CDU (stärkste Kraft), Die Linke, Grüne, SPD, FDP und anderen; es gibt keine feste Koalition. Sitzungen sind öffentlich und finden in Stralsund oder anderen Orten statt, mit einer Außenstelle in Bergen auf Rügen. | |||
Die exekutive Gewalt auf Kreisebene liegt beim Landrat, der die Kreisverwaltung leitet und Beschlüsse des Kreistages umsetzt. Seit 2018 (wiedergewählt in der Stichwahl am 25. Mai 2025 mit über 75 Prozent) ist Dr. Stefan Kerth (parteilos, früher SPD) Landrat. Er ist hauptamtlich tätig, leitet die Verwaltung mit Fachbereichen (zujm Beispiel für Bau, Soziales, Wirtschaftsförderung) und vertritt den Kreis nach außen. Die Kreisverwaltung hat ihren Hauptsitz in Stralsund, mit einer wichtigen Außenstelle in Bergen auf Rügen für inselnahe Angelegenheiten. | |||
Auf kommunaler Ebene (direkt auf Rügen) gibt es mehrere amtsfreie Städte/Gemeinden (zum Beispliel Bergen auf Rügen als größte und zentralste Stadt, Binz, Sassnitz, Putbus) sowie Ämter wie Amt Bergen auf Rügen, Amt West-Rügen (inklusive Hiddensee), Amt Nord-Rügen und Amt Mönchgut-Granitz. In diesen bilden die Gemeindevertretungen oder Stadtvertretungen die Legislative: Sie beschließen lokale Satzungen, Haushalte und Planungen (unter anderem Tourismus und Bauvorhaben). Die Exekutive liegt bei den Bürgermeistern (haupt- oder ehrenamtlich), die die Verwaltung leiten und umsetzen. In Ämtern übernimmt ein Amtsvorsteher oder der Amtsausschuss koordinierende Funktionen. | |||
=== '''Inseloberhaupt''' === | === '''Inseloberhaupt''' === | ||
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=== '''Flagge und Wappen''' === | === '''Flagge und Wappen''' === | ||
Das Wappen des Landkreises Rügen wurde am 18. Januar 1993 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 68 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Blasonierung: „Geteilt von Gold über Blau; oben ein rot gekrönter und bewehrter Schwarzer Löwe mit Doppelschweif, der aus dem im unteren Felde befindlichen, aus fünf roten Steinen gebildeten Stufengiebel hervorwächst. Auf dem Schild ruht eine Volkskrone; sie besteht aus einem mit roten Steinen geschmückten goldenen Reifen, der mit fünf ornamentalen Blättern besetzt ist.“ | Das Wappen des Landkreises Rügen wurde am 18. Januar 1993 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 68 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Blasonierung: „Geteilt von Gold über Blau; oben ein rot gekrönter und bewehrter Schwarzer Löwe mit Doppelschweif, der aus dem im unteren Felde befindlichen, aus fünf roten Steinen gebildeten Stufengiebel hervorwächst. Auf dem Schild ruht eine Volkskrone; sie besteht aus einem mit roten Steinen geschmückten goldenen Reifen, der mit fünf ornamentalen Blättern besetzt ist.“ Das Wappen wurde von dem Sagarder Gerhard Koggelmann gestaltet. | ||
Das Wappen wurde von dem Sagarder Gerhard Koggelmann gestaltet | |||
Die Flagge des Landkreises Rügen ist eine Wappenflagge. Sie zeigt zwei gleichbreite Längsstreifen in den Farben Gelb (oben) und Blau (unten). Auf dem oberen Streifen liegt ein rot gekrönter und bewehrter Schwarzer Löwe mit Doppelschweif, welcher aus dem auf dem unteren Streifen liegenden, aus fünf roten Steinen gebildeten Stufengiebel hervorwächst. Die Länge des Flaggentuches verhält sich zur Höhe wie 5:3. | Die Flagge des Landkreises Rügen ist eine Wappenflagge. Sie zeigt zwei gleichbreite Längsstreifen in den Farben Gelb (oben) und Blau (unten). Auf dem oberen Streifen liegt ein rot gekrönter und bewehrter Schwarzer Löwe mit Doppelschweif, welcher aus dem auf dem unteren Streifen liegenden, aus fünf roten Steinen gebildeten Stufengiebel hervorwächst. Die Länge des Flaggentuches verhält sich zur Höhe wie 5:3. | ||
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Aktuelle Version vom 5. Januar 2026, 08:36 Uhr
Rügen ist die größte deutsche Insel. Sie liegt vor der vorpommerschen Ostseeküste, umgeben von zahlreichen Bodden, Halbinseln und kleineren Eilanden. Einst germanisches, dann slawisches Siedlungsgebiet, von Dänemark und Schweden sowie schließlich Preußen beherrscht, ist Rügen heute eins der beliebtesten deutschen Ausflugsziele.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | Rügen |
| alternative Bezeichnungen | Rougion (altgriechisch), Rugium (lateinisch), Rugia (mittellateinisch, polnisch), Terra Rugianorum (13. Jahrhundert), Rugen, Rygen, Rugien (14./15. Jahrhundert), Rujany (obersorbisch) |
| Kategorie | Meeresinsel |
| Inseltyp | Damminsel (seit 1936) |
| Inselart | Sedimentinsel |
| Gewässer | Ostsee |
| Inselgruppe | Rügen-Archipel bzw. Rügener Inselwelt |
| politische Zugehörigkeit | Staat: Deutschland (Bundesrepublik Deutschland) Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern Landkreis: Vorpommern-Rügen |
| Gliederung | 3 amtsfreie Stadtgemeinden 4 Ämter 38 Gemeinden |
| Status | kommunale Verwaltungseinheit |
| Koordinaten | 54°26‘ N, 13°24‘ O |
| Entfernung zur nächsten Insel | 140 m (Ummanz), 1,5 km (Hiddensee), 7 km (Usedom) |
| Entfernung zum Festland | 910 m (Am Strelasund / Mecklenburg-Vorpommern) |
| Fläche | 955,22 km² / 368,81 mi² (mit Nebeninseln 974,17 km² / 376,13 mi², mit Flutbereich 974,53 km² bzw. 376,27 mi²) |
| geschütztes Gebiet | 401,3 km² / 154,9 mi² (42,01 %) |
| maximale Länge | 51,4 km (N-S) |
| maximale Breite | 42,8 km (W-O) |
| Küstenlänge | 530,4 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Ostsee) |
| höchste Stelle | 161 m (Piekberg) |
| relative Höhe | 161 m |
| mittlere Höhe | 24 m |
| maximaler Tidenhub | 0,1 bis 0,2 m (Kap Arkona 0,11 m) |
| Zeitzone | MEZ (Mitteleuropäische Zeit, UTC+1) |
| Realzeit | UTC plus 52 bis 55 Minuten |
| Einwohnerzahl | 64.720, Verwaltungsgebiet 66.202 (2023) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 67,75, Verwaltungsgebiet 67,93 |
| Inselzentrum | Bergen auf Rügen |
Name
Bei Ptolemaios wurde im 1. Jahrhundert der Ort ʽΡογιον [Rougion] erwähnt. Im Lateinischen hieß die Insel Rugium bzw. Rugia, wobei die letztere Bezeichnung heute noch im Polnischen gebrnäuchlich ist. Die erste urkundliche (schriftliche) Erwähnung der Insel Rügen stammt aus der Zeit zwischen 1008 und 1018, als Thietmar von Merseburg die Insel in seiner Chronik als Siedlungsgebiet der Rani erwähnte. Auch Adam von Bremen berichtete in der „Hamburgischen Kirchengeschichte“ (um 1040 bis 1080) über die Rani oder Rugiani (Ranen), dem auf Rügen ansässigen slawischen Volk. Die Insel selbst nannte er Rugia bzw. insula Rugia. Auch die Dänen verwendeten 1168 diese Bezeichnung. Im 13. Jahrhundert erschien die Insel als Terra Rugianorum „Land der Rugier“. In späteren Texten ist von Rugen, Rygen und Rugien die Rede.
Ab dem 7. Jahrhundert siedelten slawische Stämme auf Rügen, die von Chronisten wie Helmold von Bosau als Ranen, auch Rujani oder Rugjani, bezeichnet und als Namensgeber der Insel beschrieben wurden. Diese Theorie wird zwar mittlerweile bezweifelt, Tatsache aber ist, dass die slawische Bevölkerung viele Ortsnamen auf Rügen prägte, die bis heute erhalten sind. Die Inselbezeichnung könnte sich in diesem Zusammenhang vom slawischen Wort roh für „Horn“ oder „Landzunge“ herleiten, was auf die Form der Insel anspielt. Alternative Deutungen beziehen sich auf ein slawisches Wort mit der Bedeutung „rauschende, geräuschvolle See“.
Unklar ist schlussendlich auch der Bezug auf das germanische Volk der Rugier. Tacitus erwähnte in seiner Germania (44,1) die Rugii als Volk, das zusammen mit den Goten und Lugiern an der Südküste der Ostsee lebt. Seiner Darstellung zufolge zeichneten sich die drei Stämme durch „runde Schilde, kurze Schwerter und Gehorsam gegenüber ihren Königen“ aus. Der Name Rugier, Rugini oder Rugen bedeutet „Roggenbauer“ oder „Roggenesser“.

- international: Rügen, Rugen
- amharisch: ሪገን [Rīgen], ሩገን ደሴት [Rugen desēt]
- arabisch: روجن [Rūjin], جزيرة روجن [Jazīrat Rūjin]
- armenisch: Ռյուգեն [Ryugen]
- bengalisch: রিগেন [Rigen]
- birmanisch: မြန်မာ): ရူဂင်ကျွန်း [Rugin Kywan]
- bulgarisch: Рюген [Rjugen]
- chinesisch: 吕根岛 [Lǚgēn Dǎo]
- esperanto: Rugeno
- georgisch: რუგენი [Rugeni]
- griechisch: Ρύγκεν [Rýnken]
- gudscheratisch: રુગેન [Rugen], રુગેન ટાપુ [Rugen ṭāpu]
- hebräisch: רוגן [Rugen]
- hindi: रूगेन [Rūgen], रूगेन द्वीप [Rūgen dvīp]
- japanisch: リューゲン [Ryūgen]
- kambodschanisch: រូហ្គេន [Rugen], កោះរូហ្គេន [Koh Rugen]
- kasachisch: Рюген аралы [Rıýgen araly]
- koreanisch: 뤼겐 [Ryugen]
- laotisch: ຣືເກນ [Rügen], ເກາະຣືເກນ [Ko Rügen]
- lateinisch: Rugium, Rugia
- lettisch: Rügene
- litauisch: Riugena
- makedonisch: Руген [Rugen]
- malayalam: റൂഗൻ [Ṟūgan], റൂഗൻ ദ്വീപ് [Ṟūgan dvīp]
- maldivisch: ރުގެން [Rugen], ރުގެން ރަށް [Rugen raṣ]
- marathisch: रुगेन [Rugen], रुगेन बेट [Rugen beṭ]
- nepalesisch: रूगेन [Rūgen], रूगेन टापु [Rūgen ṭāpu]
- orissisch: ରୁଗେନ୍ [Rugen], ରୁଗେନ୍ ଦ୍ୱୀପ [Rugen Dwīpa]
- persisch: روگن [Rugen]
- polnisch: Rugia
- russisch: Рюген [Rjugen]
- serbisch: Руген [Rugen]
- singhalesisch: රූගන් [Rūgan], රූගන් දූපත [Rūgan dūpata]
- sorbisch, nieder: Rygen
- sorbisch, ober: Rujany
- tamilisch: ரூகன் [Rūkaṉ], ரூகென் தீவு [Rūken tīvu]
- thai: รือเกิน [Rʉ̄a-ken], เกาะรือเกิน [Kò rʉ̄a-ken]
- tschechisch: Rujána
- ukrainisch: Руген [Ruhen]
- urdu: روگن [Rūgen], روگن جزیرہ [Rūgen jazīra]
- usbekisch: Ryugen, Ryugen oroli
- weißrussisch: Руген [Ruhen]
Offizieller Name: Rügen
- Bezeichnung der Bewohner: Rüganer
- adjektivisch: rüganisch
Kürzel:
- Code: RÜ / RÜG
- Kfz: VR, GMN, NVP, RDG, RÜG
- ISO-Code: DE.MV.RÜ
Lage
Die Insel Rügen liegt vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns im Süden der Ostsee auf durchschnittlich 54°26‘ n.B. und 13°24‘ ö.L.. Sie befindet sich auf der gleichen geografischen Breite wie Kaliningrad, Süd-Litauen, das nördliche Weißrussland, Zentral-Russland mit Smolensk, die südlichen Vororte von Moskau, die Republiken Mordwinien und Tatarstan, Zentral-Sibirien, Nowossibirsk und Kemerowo, der Baikalsee, die fernöstliche russische Insel Schantar, die zentrale Kamtschatka, die Aleuteninsel Unimak, der äußerste Süden Alaskas, der Norden der kanadischen Provinzen British Columbia, Alberta, Saskatchewan, Manitoba, Ontario, Quebec und Labrador, das nördlich-zentrale Irland, der Norden Englands und Schleswig-Holstein. Rügen ist nur 2 km von der Festlandküste entfernt. Sie liegt 180 km nördlich von Berlin.
Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 54°40‘08 n.B. (Kap Arkona)
- südlichster Punkt: 54°13’15“ n.B. (Palmer Ort / Zudar)
- östlichster Punkt: 13°45‘06“’ ö.L. (Nordperd)
- westlichster Punkt: 13°06‘52“ ö.L. (Altefähr) bzw. 13°03’32“ ö.L. (Gellen / Hiddensee)
Entfernungen:
- Am Strelasund / Mecklenburg-Vorpommern 0,9 km
- Hiddensee 1,5 km
- Usedom / Mecklenburg-Vorpommern (Ruden) 7 km
- Wollin / Polen 53 km
- Møn / Dänemark (Møns Klimt) 54 km
- Schonen / Schweden (Smygehamn) 73 km
- Bornholm / Dänemark (Rønne) 87 km
- Fehmarn / Schleswig-Holstein (Staberhuk) 114 km
- Gotland / Schweden (Hoburgen) 153 km
- Berlin 180 km
- Kaliningrad / Russland (Mierzeja Wislana) 380 km
Zeitzone
Auf Rügen gilt die Mitteleuropäische Zeit, abgekürzt MEZ (UTC+1) mit sommerzeitlicher Vorstellung um eine Stunde zwischen Ende März und Ende Oktoiber. Die Realzeit liegt um 52 bis 55 Minuten vor der Koordinierten Weltzeit (UTC).
Fläche
Rügen hat eine maximale Länge von 51,4 km (von Süd nach Nord), eine maximale Breite von 42,8 km im Süden. Die Fläche der eigentlichen Insel beträgt 909,8 km² bzw. 351,3 mi². Mit neun Nebeninseln ist Rügen 955,22 km² bzw. 368,81 mi², inklusive Hiddensee und Ummanz 974,17 km² bzw. 376,13 mi², mit Flutbereich 974,53 km² bzw. 376,27 mi² groß. Die Küste hat eine Gesamtlänge von 530,4 km auf Rügen, mit Nebeninseln 573,4 km. Höchster Punkt der Insel ist der Piekberg mit 161 m, die mittlere Seehöhe liegt bei 24 m. Der Tidenhub beträgt 0,1 bis 0,2 m, am Kap Arkona 0,11 m.

Fläche:
- insgesamt 974,17 km²
- davon Rügen mit 9 Nebeninseln 955,22 km²
- Hiddensee mit 4 Nebeninseln 18,95 km²
- Fläche einschließlich Flutbereich 974,53 km²
Durchmesser:
- Länge - Nord-Süd (Kap Arkona - Palmer Ort / Zudar) 51,4 km
- Breite - Ost-West (Gelbes Ufer / Altefähr - Nordperd / Göhren) 42,8 km
Flächenaufteilung 2001:
- Agrarland 673,62 km² (69,12 %)
- Wald 154,07 km² (15,49 %)
- Moore 72,62 km² (7,45 %)
- Ödland 48,72 km² (5,33 %)
- Siedlungsland 43,69 km² (4,48 %)
- Verkehrsfläche 25,91 km² (2,56 %)
- Gewässer 20,31 km² (2,08 %)
- Industrieland 3,75 km² (0,39 %)
- Parkanlagen 3,47 km² (0,36 %)
Küstenlänge:
- insgesamt 573,4 km
- davon Rügen 530,4 km
- Nebeninseln 43,0 km
- davon Gras- und Kiesküste 454,9 km
- frei zugängliche Sandstrände 63,2 km
- Naturstrände 27,0 km
- Hafenbereiche 25,5 km
- Boddenstrände 2,8 km
Geologie
Rügen gehörte zusammen mit der dänischen Insel Møn auf der Rügen gegenüberliegenden Seite der Ostsee einst zu einem größeren Plateau aus Kreidekalk, das durch tektonische Bewegungen an die Erdoberfläche gedrückt worden war. Der weitaus größte Teil dieser Landmasse ist durch Erosion und Verwerfungen wieder verschwunden, übrig blieben die beiden Inseln mit ihren charakteristischen Kreidefelsen.
Die Entstehung der Insel Rügen reicht bis in die Oberkreide, vor z,irka 70 bis 80 Millionen Jahren, zurück. Damals lagerten sich in einem etwa 100 km breiten Bereich (Ost-West-Ausdehnung) des Meeres gefälltes Kalzit und Reste von Coccolithophoriden und Foraminiferen ab. In einer Tiefe von 200 bis 400 Metern bildete sich so ein Kalksediment mit einer Mächtigkeit von bis zu 400 Metern. Mit dem Beginn des Tertiärs (vor ca. 65 Millionen Jahren) zog sich das Meer zurück und hinterließ ein Festland. Im skandinavischen Raum kam es am Ende des Tertiärs zu einer erheblichen Abkühlung, woraus starke Niederschläge und die Gletschervorstöße der jeweiligen Kaltzeiten (vor allem Saale-Kaltzeit und Weichsel-Kaltzeit) resultierten. Die Gletscher förderten riesige Mengen an Moränenmaterial und formten das Gebiet durch Erosion weitgehend um. Durch den relativ raschen Anstieg des Meeresspiegels während der Littorina-Transgression wurden große Landesteile des Gebietes von Rügen wieder überflutet und es blieben nur noch die Inselkerne zurück. Diese Inselkerne verbanden sich im Laufe des späten Holozäns durch Küstenausgleichsprozesse. Hierbei wird durch Brandungen und Meeresströmungen das Material der Küsten abgetragen und meist seitlich der Inselkerne, im sogenannten Strömungsschatten, wieder angelagert (Bildung von Landzungen). Durch diesen Landabtrag wurden die Küsten zu Steilufern umgeformt und es entstand eine zusammenhängende Insel aus fünf Kernen.
Die Steilufer Wittows und Jasmunds bilden die Geologie Rügens sehr charakteristisch ab, da sie besonders stark aufgewölbt und mit Kreide durchsetzt wurden. Die mächtigen gegeneinander verstellten Kreidekomplexe wechseln sich mit Pleistozänstreifen ab, da die Kreidekomplexe durch das Vorstoßen der Gletscher abgeschürft und in die Schichten des Pleistozäns eingeschuppt oder in einer schrägen Lage aneinander gestapelt wurden.
Landschaft
Rügen liegt vor der pommerschen Ostseeküste und gehört zu Mecklenburg-Vorpommern. Das „Tor“ zur Insel Rügen ist die Hansestadt Stralsund. Die Insel, durch Rügendamm und Rügenbrücke über den zwei Kilometer breiten Strelasund mit dem Festland verbunden, hat eine maximale Länge von 52 km (von Süd nach Nord), eine maximale Breite von 41 km im Süden und eine Fläche von 926 km². Die Küste ist durch zahlreiche Meeresbuchten (Bodden oder Wieken) sowie vorspringende Halbinseln und Landzungen stark zergliedert.
Der Nordteil des Greifswalder Boddens, der Rügische Bodden, ist eine große Bucht im Süden Rügens. Der Küste vorgelagert ist hier die Insel Vilm. Am Westende der Bucht erstreckt sich die Halbinsel Zudar mit dem südlichsten Punkt Rügens (Palmer Ort); am Ostende ragt die wiederum stark gegliederte Halbinsel Mönchgut in das Meer. Diese Halbinsel endet im Osten am Kap Nordperd bei Göhren und im Süden am Kap Südperd bei Thiessow. Im Westen der Halbinsel Mönchgut teilt eine 5 km lange schmale Landzunge, das Reddevitzer Höft die beiden Buchten Having und Hagensche Wiek.
Der Nordosten der Insel Rügen wird von der Halbinsel Jasmund gebildet, die mit der Kerninsel „Muttland„ durch die Nehrung Schmale Heide zwischen Binz-Prora und Sassnitz-Mukran und einen Bahn- und Straßendamm bei Lietzow verbunden ist. Die Schmale Heide trennt die Außenbucht der Prorer Wiek vom Kleinen Jasmunder Bodden. Auf der Halbinsel Jasmund befinden sich mit dem Piekberg (161 m) die höchste Erhebung und mit dem Königsstuhl, einem 118 m hohen Kreidefelsen der Stubbenkammer, das markanteste Wahrzeichen der Insel Rügen. Eine weitere Nehrung, die Schaabe, verbindet Jasmund mit der Halbinsel Wittow im Norden Rügens. Die Schaabe trennt wiederum die Außenbucht der Tromper Wiek vom Großen Jasmunder Bodden. Die Halbinsel Wittow und die westlich anschließende lange und schmale Halbinsel Bug wird vom Hauptteil Rügens durch den Rassower Strom, den Breetzer Bodden und den Breeger Bodden abgetrennt. Die Halbinsel Wittow schließt nach Norden mit dem Kap Arkona ab. Knapp einen Kilometer nordwestlich befindet sich auf 54°41‘ n.B. der nördlichste Punkt Mecklenburg-Vorpommerns. Vor diesem Kliff (Gellort) liegt der Siebenschneiderstein, der viertgrößte Findling Rügens, am Ufer.
Die Nordwest- und Westseite der Insel Rügen ist ebenfalls stark gegliedert, aber etwas flacher. Ihr vorgelagert sind die Inseln Hiddensee und Ummanz sowie die kleineren Inseln Öhe, Liebitz und Heuwiese. Durch Sandabtragung und Sandanlagerung der Ostsee müssen die Fahrrinnen nördlich und südlich der Insel Hiddensee ständig ausgebaggert werden, anderenfalls würde Hiddensee mit Rügen binnen weniger Jahre „zusammenwachsen“.
Die Mitte Rügens ist nur wenig hügelig, das Gebiet wird vornehmlich von der Landwirtschaft geprägt. Östlich der Stadt Bergen auf Rügen werden 90 m erreicht (Rugard mit Aussichtsturm) und im südöstlichen Hügelland der Granitz 107 m. Der Boden auf Rügen ist sehr fruchtbar und ergiebig, besonders auf Wittow, der Kornkammer der Insel. Daneben gibt es größere Kohlanbaugebiete. Rügen ist mit vielen Findlingen übersät, von denen die 22 größten zu den gesetzlich geschützten Geotopen zählen (siehe auch: Findlinge um und auf Rügen).
Erhebungen
- Piekberg 161,0 m (Jasmund)
- Königsstuhl 118,0 m (Stubbenkammer)
- Rugard 91,0 m (Zentralrügen)
Seen
- Tetzitzer See 1,50 km²
- Selliner See 1,28 km²
- Schmachter See 1,19 km²
- Neuensiener See 0,47 km²
- Kniepower See 0,12 km²
- Großer Dunt 0,08 km²
Fluss
- Duwenbeek-Lanzengraben 16 km
Inseln Fläche Ausmaße Seehöhe
Rügen 909,8 km² 51,4 x 42,5 km 161 m
Ummanz 41,80 km² 7,2 x 4,5 km 4,5 m
Hiddensee 19,02 km² 18,6 x 3,7 km 72,5 m
Vilm 0,938 km² 3,3 x 0,8 km 37,5 m
Fährinsel 0,585 km² 1,2 x 0,6 km 2,2 m
Öhe 0,550 km² 1,0 x 0,8 km 3,0 m
Liebitz 0,410 km² 0,9 x 0,6 km 3,0 m
Urkewitz 0,250 km² 0,6 x 0,3 km 5,0 m
Heuwiese 0,170 km² 0,6 x 0,4 km 1,0 m
Beuchel 0,168 km² 0,4 x 0,2 km 1,0 m
Flora und Fauna
Die Pflanzenwelt Rügens ist geprägt durch eine große Vielfalt an maritimen, kalkreichen und moorigen Lebensräumen, darunter Buchenwälder, Küstendünen mit Salz-Aster und Strandhafer sowie seltene Orchideen und Wollgräser. Die Tierwelt umfasst zahlreiche Vogelarten wie Kraniche und Seeadler, aber auch Rotwild, Wildschweine und eine artenreiche Insektenwelt, wobei die Insel besonders als Brut- und Rastplatz für Zugvögel bekannt ist.
Flora
Die unterschiedliche Flora ist äußerst ansprechend, denn neben mediterranen Pflanzen gedeihen hier gerade in den Mooren auch Exemplare, die teilweise unbekannt oder nur sehr selten zu finden sind. Bemerkenswerten sind vor allem die zahlreichen Parkanlagen mit Mammutbäumen und jahrhundertealten Korkeichen.
In Kesselmooren wachsen Wollgräser, Torfmoose, Fieberklee, Sonnentau, Moosbeere, Sumpfporst und Riesenschachtelhalm. Feuchtwiesen beherbergen Sumpfdotterblume, Echte Brunnenkresse, Echtes Lungenkraut, Wald-Schlüsselblume sowie verschiedene Orchideenarten.
An den Küsten und auf Dünen findet man Strandhafer, Dünenheide, Krähenbeere und Kriechweide. Am Blockstrand von Wittow wachsen Meerkohl und Gemeine Küchenschelle. Die Salzwiesen bieten Lebensraum für salztolerante Arten wie Strand-Grasnelke, Salzaster, Meerstrand-Dreizack und Queller.
Die Buchenwälder an der Kreideküste von Jasmund sind im Frühling mit Leberblümchen, Buschwindröschen, Goldsternarten und Lerchensporn geschmückt. In Uferschluchten gedeihen Eschen, Ulmen, Ahorn, Seggen und Riesenschachtelhalm. Die Granitz ist das größte zusammenhängende Waldgebiet mit Steilhangbuchenwäldern, in denen Berg-Ahorn, Wald-Schwingel und verschiedene Straucharten wie Alpen-Johannisbeere, Heckenkirsche, Hartriegel und Sal-Weide vorkommen.
Auf Kreideschutthängen und in Heidelandschaften findet man artenreiche Rasengemeinschaften mit bis zu zwanzig Orchideenarten, darunter den Frauenschuh. Klatschmohn, Raps und Königskerze prägen im Frühling und Sommer das Landschaftsbild.
Aufgrund des kalkhaltigen Bodens gedeihen auf Rügen zahlreiche Orchideenarten, die an anderen Orten Deutschlands selten oder bereits verschwunden sind. In den Mooren wachsen fleischfressende Pflanzen wie der Sonnentau. Die Allee 2008, gesäumt von Berg- und Spitzahorn, Eschen und Krimlinden, ist ein Beispiel für die historischen Alleen der Insel.
Die Pflanzenwelt Rügens ist durch historische Rodungen und die Industrialisierung der Landwirtschaft beeinträchtigt worden, doch viele seltene und bedrohte Arten haben sich bis heute erhalten. Besonders im Biosphärenreservat Südost-Rügen finden sich noch zahlreiche gefährdete Pflanzenarten, die anderswo in Deutschland bereits verschwunden sind.
Fauna
In den Wäldern und Moorflächen leben Rot-, Dam- und Rehwild sowie Wildschweine. Auch Mufflons, ursprünglich zu Jagdzwecken ausgesetzt, sind auf Jasmund anzutreffen. Rotfuchs, Dachs, Waschbär und Marderhund sind verbreitet, wobei der Marderhund mittlerweile häufiger als der Fuchs ist. Das rauhwollige Pommersche Landschaf ist eine alte Haustierrasse, die das Landschaftsbild des Mönchguts prägt und als Landschaftspfleger dient.
Rügen ist ein wichtiger Rast- und Brutplatz für über 300 Vogelarten. Jährlich nutzen mehr als 2,5 Millionen Vögel die Insel als Zwischenstation oder Überwinterungsort. Insbesondere der Seeadler, mit bis zu 2,6 Metern Flügelspannweite, ist auf Rügen wieder häufig zu beobachten. Es gibt fast 50 Brutpaare auf der Insel. Kraniche, Möwen, Brandschwalben, Kormorane, Haubentaucher, Rohrammer, Rohrsänger und viele Watvögel sind typisch für die Küsten, Bodden und Feuchtgebiete. Auf den kleinen Inseln Tollow und Zudar brüten Kormorane in großen Kolonien. Im Herbst rasten Tausende Kraniche auf Rügen und bieten dabei ein beeindruckendes Naturschauspiel. Auch mehrere Fledermausarten sind auf Rügen heimisch und als nächtliche Jäger unterwegs.
Springfrösche, Teich- und Kammolche, Rotbauchunke, Erdkröte und Wechselkröte sowie zahlreiche Froscharten sind in Mooren und Feuchtgebieten heimisch. Schlingnatter, Glattnatter, Kreuzotter und Ringelnatter kommen auf Rügen vor.
In Feuchtwiesen, Mooren und auf Trockenrasenflächen leben artenreiche Insekten-, Spinnen- und Weichtiergemeinschaften. Besonders in blütenreichen Landschaften sind zahlreiche Schmetterlingsarten zu finden.
In der Ostsee und den Boddengewässern leben Hering, Flunder, Hornfisch, Aal, Hecht, Zander, Dorsch, Plötze und Blei. Quallen sind in der Ostsee ebenfalls vertreten. Vor der Küste lassen sich Kegelrobben und Seehunde beobachten, deren Population sich dank Schutzmaßnahmen erholt hat.
Die Tierwelt des Nationalparks Jasmund ist besonders artenreich und vielfältig. Rund 1.000 Käferarten leben hier im oder vom Holz. In den klaren Bächen, die die Stubnitzwälder durchziehen, findet sich mit dem Alpenstrudelwurm ein ungewöhnlicher Bewohner, der sonst nur im Gebirge vorkommt. An diesen Bächen kann auch der Eisvogel beobachtet werden. In den Kliffs der Kreidefelsen nisten Mehlschwalben und die Kreideeule, ein cremefarbener Nachtfalter, hat ihr einziges Vorkommen in Deutschland auf Jasmund. Aufgrund des hohen Besucherdrucks sind allerdings Wanderfalke und Seeadler im Nationalpark nur noch selten zu beobachten.
Pflanzen-und Tierarten:
Flora
- Blütenpflanzen 680
- Moose 90
- Flechten 90
Fauna
- Vögel 323
- Säugetiere 40
Naturschutz
Auf Rügen und dessen Nebeninseln wurden insgesamt 32 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche vomn 406,8 km² eingerichtet, was 41,74 % der Fläche entspricht. 401,3 km² davon befinden sich auf dem Gebiet der Insel Rügen.
Naturschutzgebiete:
- Biosphärenreservat Südost-Rügen 235,0 km² (davon 233,3 km² auf der Insel Rügen)
- Feuchtgebiet Westrügen-Hiddensee
- Vorpommersche Boddenlandschaft 75,2 km²
- Nationalpark Jasmund 30 km²
- Naturschutzgebiet Mönchgut 23,4 km²
- Naturschutzgebiet Granitz 11,3 km²
- Naturschutzgebiet Tetzitzer See mit Liddow 10,9 km²
- Naturschutzgebiet Schoritzer Wiek 4,4 km²
- Naturschutzgebiet Insel Pulitz 2,5 km²
- Naturschutzgebiet Neuensiener und Selliner See 2,3 km²
- Naturschutzgebiet Spyckerscher See 2,0 km²
- Naturschutzgebiet Schmale Heide mit Steinfeldern 2,0 km²
- Naturschutzgebiet Langes Moor 1.8 km²
- Naturschutzgebiet Roter See bei Glowe 1,8 km²
- Naturschutzgebiet Insel Vilm 1,7 km²
- Naturschutzgebiet Goot-Muglitz 1,6 km²
- Naturschutzgebiet Vogelhaken-Glewitz 0,9 km²
- Naturschutzgebiet Vreechener See 0,8 km²
- Naturschutzgebiet Liddower Haken 0,8 km²
- Naturschutzgebiet Wittower Nordufer 0,5 km²
- Naturschutzgebiet Kniepower See 0,3 km²
- sonstige 0,2 km²
Das 235 km² umfassende Biosphärenreservat Südost-Rügen ist ein Biosphärenreservat im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, welches den Südosten der Insel Rügen (einschließlich Granitz und Mönchgut), die Boddengewässer (Rügischer Bodden) zwischen Putbus und Thiessow, die Außenküsten zwischen Thiessow und Binz sowie die Insel Vilm umfasst. Es ist ein repräsentativer Landschaftsausschnitt des nordostdeutschen Tieflandes mit allen Landschafts- und Küstenformen des mecklenburg-vorpommerschen Küstengebietes auf kleinstem Raum. Es wurde 1990 im Rahmen des Nationalparkprogramms der DDR zum Biosphärenreservat erklärt. Es hat große Bedeutung als Rast- und Brutrevier für Zugvögel, hauptsächlich verschiedene Gänsearten wie Grau-, Saat- und Blässgans. Hier zu findende geschützte Bienenarten sind zum Beispiel Pelz-, Furchen- und Kegelbiene, Gold- und Faltenwespe. Seegras-, Rot- und Grünalgenbestände in den küstennahen Bereichen des Greifswalder Boddens sind Laichgebiet der Ostseeheringe. Zum Biosphärenreservat gehören mehrere Kernzonen (Totalreservate). Hierzu gehört auch das Gebiet des in der Granitz gelegenen Schwarzen Sees sowie die Insel Vilm und Teile der Halbinseln Möchgut und Zicker.
Von 1995 bis 2009 erhielt das Biosphärenreservat Unterstützung im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes Ostrügensche Boddenlandschaft, welches im Mai 2009 abgeschlossen wurde. Da ein Biosphärenreservat mindestens 300 km² umfassen muss, wird, nach Feststellung dieses Mangels durch die UNESCO-Evaluierung 2005, an einer Gebietsvergrößerung rund um den Jasmunder Bodden gearbeitet. Seit 2008 wird ein Pflege- und Entwicklungsplan erarbeitet. Die sieben Naturschutzgebiete umfassen eine Fläche von 40,84 km².
- Goor-Muglitz (142 ha)
- Granitz (1162 ha)
- Insel Vilm (171 ha)
- Mönchgut (2320 ha)
- Neuensiener und Selliner See (213 ha)
- Quellsumpf Ziegensteine bei Groß Stresow (4 ha)
- Wreechener See (72 ha)
Der Nationalpark Jasmund liegt auf der Halbinsel Jasmund im Nordosten der Insel Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und besteht seit dem 12. September 1990. Er ist 3.003 Hektar (ha) groß und ist damit Deutschlands kleinster Nationalpark. Seit 25. Juni 2011 gehört der Buchenwald des Parks zum UNESCO-Welterbe. Das Gebiet umfasst den mit ursprünglichem Buchenwald bestockten Höhenrücken der Stubnitz nördlich der Hafenstadt Sassnitz mit der Kreide-Kliffküste (2.200 ha), einem 500 m weit in die Ostsee hinein reichenden Wasserstreifen (603 ha) sowie 200 ha im Westen des Nationalparks, die sich aus den ehemaligen Quoltitzer Kreidebrüchen, Wiesen, Mooren und Trockenrasen zusammensetzen. Die höchste Erhebung Rügens, der 161 m hohe Piekberg, befindet sich ebenfalls im Nationalpark.
Das natürliche Kreidevorkommen auf der Halbinsel Jasmund wurde in Kreidebrüchen seit langem abgebaut. Als 1926 die Wiedereröffnung eines bereits stillgelegten Kreidebruchs drohte, wies man die Küste nördlich von Sassnitz als Naturschutzgebiet aus. Am 12. September 1990 wurde dieser Küstenabschnitt im Rahmen des Nationalparkprogramms zum Nationalpark erklärt. Die Kreidefelsen der Insel Rügen sind einer ständigen Erosion ausgesetzt. Mit jedem Sturm brechen große Stücke aus den Felsen und reißen gelegentlich auch Bäume und Sträucher mit ins Meer. Herausgelöst werden dabei auch Fossilien: Hier sind versteinerte Reste von Seeigeln, Schwämmen und Austern zu entdecken. Die Erosion der Küste hat zugenommen, seitdem im 19. und 20. Jahrhundert größere Findlinge vor der Küste entnommen wurden, um sie für den Ausbau von Häfen zu verwenden. Die Findlinge wirkten vor den Kreidefelsen als natürliche Wellenbrecher; seit ihrem Abtransport dringt das Wasser der Ostsee mit ungebrochener Gewalt an die Steilküste vor.
Der markanteste Punkt des Nationalparks ist der 118 Meter hohe Kreidefelsen Königsstuhl, der 2004 mit in das Gelände des neuen Besucherzentrums einbezogen wurde. Die Plattform dieses aus der Küstenlinie herausragenden Kreidefelsens betreten im Schnitt jährlich 300.000 Menschen, um von dort aus auf die Ostsee und die benachbarten imposanten Küstenabschnitte blicken zu können. Als besondere Erscheinung haben auch die Wissower Klinken Weltruhm erlangt, wurden allerdings am 24. Februar 2005 nach einem großen Uferabbruch weitgehend zerstört.
In den Mooren des Nationalparks entspringen mehrere Bäche, wie etwa (von Südwesten nach Norden) Steinbach und Lenzer Bach, Wissower Bach, Leescher Bach, Kieler und Brisnitzer Bach sowie Krietbach und Kollicker Bach. Mehrere von ihnen Münden über die Kreidekliffs in die Ostsee und bilden einige der wenigen Wasserfälle des norddeutschen Tieflands. Der Nationalpark bietet aufgrund seiner besonderen geologischen Bedingungen zahlreichen seltenen Pflanzen und Tieren eine Heimat. Insbesondere schützt er das größte zusammenhängende Buchenwaldgebiet an der deutschen Ostseeküste.
In den Wäldern der Stubnitz sind zahlreiche mit Wasser gefüllte, abflusslose Senken und Mulden zu finden, die meistens als eiszeitliche Toteislöcher entstanden. Wo diese Wasserflächen verlanden, entstehen sogenannte Kesselmoore. Zahlreiche Schwarzerlen sind an diesen Senken und Kesselmooren zu finden. An trockeneren Stellen sind Wildbirne, Wildapfel, Elsbeere und Eiben zu finden. Zu den hier vorkommenden Orchideenarten zählt auch der Frauenschuh. Eine weitere Besonderheit ist die Salzvegetation an der Nordküste des Nationalparks.
Das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl ist das Besucherzentrum des Nationalparks Jasmund auf der Insel Rügen. Es wurde 2004 eröffnet und zählt mit rund 300.000 Besuchern jährlich (2008) zu den meistbesuchten Nationalpark-Zentren in Deutschland. Seine Aufgabe ist es, Informationen über den Nationalpark zu vermitteln und die Eigenart und Schönheit der Natur für die Besucher erlebbar zu machen, ohne die Ökologie des Nationalparks wesentlich zu schädigen. Das Zentrum bietet eine Erlebnisausstellung, ein Multivisionskino und weitere Angebote und Veranstaltungen im Außengelände. Namensgeber ist der nahe gelegene Kreidefelsen Königsstuhl. Betreiber des Zentrums ist die Nationalpark-Zentrum Königsstuhl Sassnitz gGmbH, deren Gesellschafter die Umweltstiftung WWF Deutschland und die Stadt Sassnitz sind.
Aufgrund der Faszination durch die imposanten Kreidefelsen bestand schon im 19. Jahrhundert Bedarf an einigen Annehmlichkeiten an dieser markanten Stelle. Im Jahre 1835 erbaute man daher einen Gasthof aus Holz im Schweizer Stil unter Leitung von Karl Friedrich Schinkel. Nachdem dieses Gebäude mehrmals niederbrannte und jedes Mal wieder aufgebaut wurde, entschloss man sich 1893, ein Hotel aus Stein zu errichten. Dieses Gebäude ist heute noch erhalten und ist für die Ausstellung des Nationalpark-Zentrums umfunktioniert worden. Um 1900 diente es als Gasthof und als Poststation.
Im Zweiten Weltkrieg um 1943 diente es als Lazarett. Später besetzte es die Rote Armee. Auch die DDR-Marine (Grenzbrigade Küste) nutzte diese Gebäude später als Kasernen. Es wurden noch weitere Bunker und ein Wachturm auf dem Gelände errichtet. 1990 beschloss der DDR-Ministerrat, dieses Gebiet als Nationalpark zu deklarieren. Bis 1999 lag das Gelände brach und die Gebäude verfielen zusehends. 2000 wurden der Wachturm und die Kasernen (bis auf eine) abgerissen. Da nicht ein weiterer Gasthof für Touristen errichtet werden sollte, gründeten der WWF Deutschland, das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Stadt Sassnitz die Stubnitzhaus Sassnitz gGmbH. Es wurde ein Projekt ins Leben gerufen, um ein Naturinformationszentrum zu errichten. Im März 2004 wurde das heutige Nationalpark-Zentrum Königsstuhl eröffnet.
Das Nationalparkamt Vorpommern ist zuständig für den Nationalpark Jasmund. Die Mitarbeiter des Nationalparkamtes agieren zum Schutz der natürlichen Region. Sie kümmern sich um Besuchereinrichtungen (Wege, Treppen undsoweiter) und deren Verkehrssicherheit, sowie um Umweltbildungsprojekte.
Das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl soll im Gegensatz dazu die Eigenart und Schönheit der Natur für die Besucher unmittelbar erlebbar machen und Wissenswertes über den Nationalpark vermitteln. Hier wird ein Kompromiss mit dem Nationalpark-Gedanken eingegangen. Denn die Natur soll sich ohne menschliche Einflüsse nach ihren eigenen Gesetzen entwickeln können, Eingriffe und Beeinflussungen sollen möglichst minimiert werden. Mithilfe des Nationalpark-Zentrums kann es Besuchern jedoch ermöglicht werden, aktiv die Natur zu erleben und stille Erholung zu genießen, ohne dass die Natur Schaden nimmt.
Das Zentrum verfolgt ein einheitliches Konzept des Umweltschutzes. Der Umweltschutz soll nicht nur Teil der Einstellung aller Mitarbeiter sein, sondern alle Bereiche des Zentrums einbeziehen wie beispielsweise die verwendeten Baumaterialien, den Betrieb des Restaurants und das im Büro oder für Printmedien verwendete Papier.
Innerhalb des Geländes des Nationalpark-Zentrums befindet sich der Königsstuhl, einer der imposantesten Felsen an Rügens Kreideküste. Hier gibt es eine Aussichtsplattform, die über wenige Stufen erreichbar ist. Unter dieser Plattform liegt ein denkmalgeschütztes Hünengrab. Die 2.000 m² große Ausstellung zeigt unter dem Motto einer Zeitreise - beginnend in der Urzeit – Exponate wie Aquarien und einen Eisberg-Gletscher. Die Ausstellung wird mithilfe eines interaktiven Kopfhörersystems geleitet.
Auf vier Leinwänden vermittelt eine 180°-Projektion einen Eindruck der Schönheit des Nationalparks Jasmund. Großformatige Fotos wechseln mit bewegten Bildern, untermalt von stimmungsvoller Musik. Die Darsteller - Kinder von der Insel Rügen - nehmen die Besucher an der Hand und führen sie durch diese zauberhafte Welt. Der „Flug“ über den Nationalpark Jasmund im Multivisionskino dauert 15 Minuten. Der schneckenförmige Kinosaal bietet etwa 70 Zuschauern Platz. Kerngedanke dieses Films ist es, die Besucher auf der emotionalen Ebene durch die Schönheit Jasmunds und dem Blick für die Details für die Nationalpark-Idee zu begeistern und zu sensibilisieren.
Im Nationalpark gilt ein generelles Wegegebot. Besucher wandern vor allem in der Stubbenkammer, der Waldhalle und am Hochufer. Dort gibt es gut beschilderte Wanderwege mit einer Gesamtlänge von 43 Kilometern. Bei der Erschließung der Natur zu Fuß gilt der Leitgedanke des Nationalparks. Dieser besagt, dass möglichst große und zusammenhängende Ruhezonen geschaffen und erhalten werden. Um an den Strand zu gelangen, gibt es 4 Abstiege vom Hochuferweg. Die Holztreppen befinden sich am Hankenufer zwischen Lohme und dem Königsstuhl, am Königsstuhl in Richtung Victoriasicht, am Kieler Ufer und am Hengst. Zwei weitere Abstiege außerhalb des Nationalparks befinden sich an der Nationalpark-Grenze zu Sassnitz am Wedding, ein anderer in Lohme. Zugelassen sind nur diese Abstiege.
Das Naturschutzgebiet Goor-Muglitz ist ein 157 Hektar großes Naturschutzgebiet in Mecklenburg-Vorpommern am Nordufer des Greifswalder Boddens. Die Unterschutzstellung erfolgte am 12. September 1990 im Rahmen der Gründung des Biosphärenreservats Südost-Rügen. Schutzziel des aus zwei Teilen bestehenden Naturschutzgebietes ist einerseits der Erhalt und die Entwicklung eines Laubwaldgebietes mit altem Baumbestand in der Goor und der Erhalt der Freetzer Niederung sowie andererseits der Schutz eines bewaldeten Steilhanges bei Muglitz, der mit Wildobst durchsetzt ist. Die Flächen gehören zur Schutzzone 2 (Pflegezone) des Biosphärenreservats. Die steinigen Flachwasserbereiche des Boddens gehören ebenfalls zum Schutzgebiet.
Umliegende Orte sind Lauterbach im Westen und Freetz im Norden. Der Gebietszustand wird insgesamt als gut eingestuft, da sich die Flächen weitgehend ungestört entwickeln. Allerdings sind Eingriffe aus der Vergangenheit zu mildern, wie die Aufforstung mit Nadelgehölzen in Teilbereichen sowie die Entwässerung der Freetzer Niederung. Teile der Flächen liegen im Eigentum der Stiftung Umwelt und Naturschutz M-V sowie der Michael-Succow-Stiftung. Nach EU-Recht ist das Naturschutzgebiet Bestandteil des FFH-Gebiets Küstenlandschaft Südostrügen. Ein Betreten der Flächen ist auf mehreren öffentlichen Wegen möglich. Von der Succow-Stiftung wurde ein Naturlehrpfad eingerichtet.
Die Goor entstand während der letzten Eiszeit. Die sandigen Böden weisen auf einen Kames hin. An die heute bis zu 36 Meter hohe Goor schließt sich östlich die Freetzer Niederung an, die sich in einer Grundmoränenfläche befindet und nacheiszeitlich mit einem Durchströmungsmoor versumpfte. Die Torfmächtigkeit erreichte bis zu zwei Meter, verringerte sich jedoch durch Entwässerungen der vergangenen 150 Jahre. Das Hügelgrab nördlich von Lauterbach und die Großsteingräber bei Lonvitz belegen die menschliche Besiedlung seit der Jungsteinzeit. Der Name Goor ist slawischen Ursprungs und verweist auf die Hügellage. Die Schwedische Matrikelkarte aus dem Jahr 1696 zeigt die Goor als mit Eichen und Buchen bewaldet. Eine Fläche im Norden wurde bis zur Aufforstung im 19. Jahrhundert als Acker genutzt. Durch das 1818 fertiggestellte Badehaus im Westen wurden die Flächen auch als Erholungsgebiet angesehen. Diese Art der Nutzung wurde durch den Bau eines Kinderferienlagers zu DDR-Zeiten intensiviert. Die Gebäude wurden 2009 abgerissen.
Das Moränenkliff der Goor ist mit Wald bestockt, der hauptsächlich von Buche, Zitterpappel, Stiel-Eiche, Hainbuche und Robinie bestimmt wird. Landeinwärts finden sich in Senken kleinflächige Bruchwälder mit Birken und Torfmoosen. Die ehemalige Ackerfläche wurde mit Fichte, Lärche, Douglasie und Pappel aufgeforstet. Die Freetzer Niederung bedecken Schilfröhrichte mit Wasserdost, Echter Engelwurz, Sumpf-Läusekraut, Hirse-Segge, Sumpf-Herzblatt und weiteren Arten mesotropher Feuchtwiesen. Im Teilgebiet Muglitz stocken Wildgehölze, wie Wildbirne und Wildapfel, auf den Moränenkliffs zusammen mit Esche, Kiefer, Stiel-Eiche, Vogelbeere, Pfaffenhütchen, Schneeball und Holunder. An der Steilküste brütet die Uferschwalbe. Weitere hervorhebenswerte Brutvögel sind Zwergschnäpper, Waldkauz und Wachtel.
Das Naturschutzgebiet Wreechener See ist ein 72 Hektar großes Naturschutzgebiet in Mecklenburg-Vorpommern zwei Kilometer südlich von Putbus. Die Unterschutzstellung erfolgte am 12. September 1990 im Rahmen der Gründung des Biosphärenreservates Südost-Rügen. Ziel der Ausweisung ist es, eine lagunenartige Bucht des Greifswalder Boddens als eine der letzten regionalen Ruhezonen für rastende Wasservögel zu erhalten. Der Wreechener See ist darüber hinaus gekennzeichnet von Verlandungsgesellschaften und ist Brutgebiet seltener Vogelarten. Angrenzende Feuchtwiesen werden extensiv genutzt.
Umliegende Orte sind Wreechen unmittelbar östlich sowie Krakvitz und Neukamp. Es besteht eine Verbindung zum Greifswalder Bodden. Der Gebietszustand wird als befriedigend angesehen, da der Gewässerzustand durch landwirtschaftliche Nährstoffeinträge beeinträchtigt wird. Im Jahr 1997 kam es aufgrund von Sauerstoffmangel im Wasser des polytrophen Sees zum massenhaften Fischsterben. Die fast vollständig verschwundene Makrophytenflora hat sich in den vergangenen Jahren in Teilgebieten wieder angesiedelt. Im Schutzgebiet wird weiterhin Schilf zur Rohrwerbung geerntet.
Im Norden des Naturschutzgebietes befindet sich eine Schutzhütte, die einen Überblick ermöglicht. Die Straße von Neukamp nach Wreechen führt direkt an der Ostgrenze des Schutzgebiets entlang. Nach EU-Recht sind die Flächen Bestandteil des FFH-Gebiets und Vogelschutzgebiets.
Der Wreecher See entstand aus einem Toteisblock während der letzten Eiszeit. Durch den Meeresspiegelanstieg der Littorina-Transgression überfluteten die Flächen und bekamen Anschluss an den Bodden. Küstenausgleichsprozesse führten zur Bildung von Sandhaken, welche den See vom Bodden mehr und mehr abtrennten. Der See verlandete und es bildete sich ein Gehölz- und Röhrichtgürtel aus. Im Westen entstanden Durchströmungs- und Quellmoore.
Zwei Großsteingräber südlich des Schutzgebiets weisen auf eine menschliche Besiedlung seit der Jungsteinzeit hin. Unweit südlich von Neukamp landeten Preußische Truppen 1678 und begannen die Invasion Rügens.
Vom Boddenwasser beeinflusste Röhrichte umgeben den See. Typische Arten sind Schilf, Gemeine Salzbinse, Strand-Aster, Salz-Teichsimse, Gemeine Teichsimse und Wasserminze. Angrenzende Wiesen sind kleinflächig mit Salzwiesen durchsetzt. Es finden sich Salzbunge, Englischer Alant, Strand- und Sumpf-Dreizack, Großes Flohkraut, Natternzunge und Breitblättriges Knabenkraut.
Ursprünglich kamen im See Grundrasen aus Kamm-Laichkraut, Hornblatt, Brackwasser-Hahnenfuß und Armleuchteralgen vor. Nachdem diese in den vergangenen Jahrzehnten durch Nährstoffeinträge und nachfolgende Verschlechterung der Wasserqualität verschwanden, konnten in den vergangenen Jahren Neubesiedlungen dieser Arten nachgewiesen werden.
Brutvögel im Gebiet sind Teichrohrsänger, Rohrammer sowie verschiedene Entenarten. Das Naturschutzgebiet hat eine herausragende Bedeutung als Rastgebiet für Enten, wie Stock-, Tafel-, Reiher-, Schell- und Spießente sowie für Mittel-, Gänse- und Zwergsäger. Im Frühjahr und Herbst konnten auch Raubseeschwalben beobachtet werden. Blindschleiche, Waldeidechse, Laub- und Grünfrosch kommen im Gebiet vor.
Klima
Auf Rügen herrscht ein gemäßigt ozeanisches Klima (nach Köppen Cfb). Die Insel zählt zu den sonnenscheinreichsten Gebieten Deutschlands und in vielen Jahren scheint nirgendwo in Deutschland die Sonne länger als auf der Insel Rügen. Großklimatisch betrachtet zählen die Inseln Rügen und Hiddensee zum Ostseeküstenklima von Mecklenburg-Vorpommern. Es unterliegt einem häufigen Wechsel zwischen maritimen und kontinentalen Einflüssen. Nach Köppen wird es als Cfb (§warmgemäßigtes Klima“) klassifiziert. Das Bedeutet milde Temperaturen - kein Monat unter –3°C, mindestens vier Monate über 10°C, keine ausgeprägte Trockenzeit, Niederschlag fällt ganzjährig und nicht zu heißer Sommer - der wärmste Monat bleibt unter 22 °C.
Die maritimen Komponenten überwiegen aber deutlich, weswegen sich das Küsten und Inselklima durch frische und reine Luft, viel Sonnenschein und lebhafte Luftbewegung auszeichnet. Da heißt es: tief durchatmen und die Seele baumeln lassen. Die Wetterfrösche prognostizieren bei guter Dosierung aller Reize optimale Erholungseffekte. Und das nicht nur im Sommer. Denn angenehme Temperaturen bietet die Insel während des ganzen Jahres. Die Lufttemperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 8°C. Bereits im März können bis zu 20°C gemessen werden, und ab Mai klettert das Quecksilber schon mal bis zur 30-Grad-Marke. Zu heiß am Strand wird es dabei nie, weil der am späten Vormittag einsetzende Seewind immer für ein angenehmes Lüftchen sorgt, das übrigens am kühleren Abend wieder abklingt.
Auch im Hochsommer bleiben 35°C so die höchste Marke. Auf die Sonne kann man sich „meistens“ verlassen. Sie scheint auf Rügen durchschnittliche 1870 Stunden im Jahr. Der sonnenreichste Monat ist der Juni. Mit 65 Tagen, an denen die Sonne mehr als zehn Stunden scheint, können Rügen-Urlauber sicher rechnen. In sonnenscheinreichen Jahren kann es sogar vorkommen, dass die Zahl auf 100 Tage klettert.
Klimadaten für Rügen
| Tagestemperatur (°C) | Nachttemperatur (°C) | Wassertemperatur (°C) | Regentage | Sonnenstunden pro Tag | Luftfeuchtigkeit (%) | |
| Januar | 1,9 | -1,7 | 1,0 | 9–14 | 1,2 | 87 |
| Februar | 3,0 | -1,6 | 2,0 | 8–12 | 2,1 | 87 |
| März | 4,3 | 0,0 | 3,0 | 9–11 | 3,8 | 85 |
| April | 8,0 | 2,7 | 5,0 | 8–9 | 5,9 | 83 |
| Mai | 12,8 | 7,2 | 11,0 | 8–10 | 8,4 | 81 |
| Juni | 17,3 | 11,4 | 14,0 | 8–11 | 8,7 | 80 |
| Juli | 19,2 | 13,6 | 17,0 | 9–12 | 8,4 | 81 |
| August | 19,5 | 14,0 | 17,0 | 8–13 | 7,9 | 81 |
| September | 16,3 | 11,4 | 15,0 | 9–13 | 5,5 | 82 |
| Oktober | 12,0 | 7,8 | 11,0 | 9–15 | 3,5 | 84 |
| November | 7,1 | 3,4 | 7,0 | 11–15 | 1,7 | 85 |
| Dezember | 3,0 | 0,0 | 4,0 | 10–15 | 1,2 | 86 |
| Jahr | 10,4 | 5,7 | 8,9 | 600 | 4,9 | 83,5 |
Mythologie
Muhme, Mahrt und Möme. Von holden und unholden Geistern in Haus und Hof und viergesichtigen Gottheiten erzählen die Sagen und Legenden aus alten Zeiten. Gottheiten mit den klangvollen Namen Swantevit, Rugievit, Porevit und Porenut wurden einst verehrt von den Ranen auf Rügen.
Nicht weit von der Ahlbeck liegt ein kleiner Hof, Namens Granitz, unter der großen waldigen Uferforst, welche auch die Granitz genannt wird. Auf diesem Höfchen lebte vor nicht langen Jahren ein Herr von Scheele. Dieser war aber in spätern Jahren ganz in Trübsinn versunken und ging mit Niemandem mehr um, ob er wohl früher ein Lebemann und munterer Jäger gewesen war. Dies kam daher, daß seine drei schönen Töchter, die man die drei Blonden hieß und die hier in des Waldes Einsamkeit unter Herden und Vögeln aufgewachsen waren, mit einem Male in einer Nacht davongegangen waren und nie wieder gekommen sind.
Das hatte der alte Mann sich zu Gemüthe gezogen und in Folge dessen allen Umgang mit Menschen abgebrochen. Dagegen ging er viel mit den kleinen Schwarzen um und war manche Nacht außer dem Hause, ohne daß Jemand erfuhr, wo er gewesen war. Wenn er aber um die Morgendämmerung nach Hause kam, flüsterte er seiner Haushälterin zu; „Pst! Pst! ich habe heute an hoher Tafel geschmaust.“ Dieser Herr von Scheele aber pflegte manchmal aufzuthauen und dann erzählte er seinen Freunden, in den Granitzer Tannen um die Ahlbeck und an dem ganzen Ufer wimmele es von Unterirdischen. Auch hat er Leuten, die er dort spazieren führte, oft eine Menge kleiner Spuren gezeigt, wie von den allerkleinsten Kindern, die da im Sande von ihren Füßchen einen Abdruck hinterlassen hätten, und ihnen plötzlich zugerufen: „Horch! wie es da wieder wispert und flüstert!“
Ein anderes Mal, als er mit guten Freunden längs des Meeresstrandes hinging, ist er wie in Verwunderung plötzlich stillgestanden, hat auf das Meer gezeigt und gerufen: „Da sind sie meiner Seele wieder in voller Arbeit, und viele Tausende sind um ein Paar versunkene Stückfässer Wein beschäftigt, die sie ans Ufer wälzen. Was wird dies die Nacht für ein lustiges Gelage werden!“ Dann hat er ihnen erzählt, er könne sie sehen bei Tage und bei Nacht, und ihm thäten sie nichts, ja sie seien seine besonderen Freunde und einer habe sein Haus einmal von Feuersgefahr errettet, da er ihn nach Mitternacht aus tiefem Schlafe aufweckte und ihm einen Feuerbrand zeigte, der vom Heerde gefallen war und schon anderes Holz und Stroh, das auf dem Flure lag, anzünden wollte.
Man sehe beinahe alle Tage einige von ihnen am Ufer, bei hohen Stürmen aber, wo das Meer sehr tobe, seien sie fast alle da und lauerten auf Bernstein und Schiffbrüche und gewiß vergehe kein Schiff, von welchem sie nicht den besten Theil der Ladung bärgen und unter die Erde in Sicherheit brächten. Und wie herrlich da unter den Sandbergen bei ihnen zu wohnen sei und welche krystallne Paläste sie hätten, davon habe auch kein Mensch eine Vorstellung, der nicht da unten gewesen sei. (http://www.rügengeschichte.de/html/ms.html)
Geschichte
Funde in den Bodden weisen auf eine Besiedelung seit der Steinzeit hin. Auf ganz Rügen findet man viele Steindenkmäler, wie Großsteingräber und Opfersteine, die bis in die heutige Zeit erhalten geblieben sind. Für die Zeit ab dem 1. Jahrhundert zählt man die Bewohner Rügens zum ostgermanischen Stamm der Rugier, die in etwa die Region des späteren Vorpommerns besiedelten und der Insel den Namen gaben. In der Zeit der Völkerwanderung zogen viele Rugier südwärts und gründeten ein Reich in Pannonien. Die slawischen Ranen etablierten im 7. Jahrhundert ihre Herrschaft und versahen die Insel mit Heiligtümern wie dem Svantevit-Tempel am Kap Arkona. 1168 eroberten die Dänen die Insel und christianisierten die Bevölkerung, bevor Rügen 1325 unter pommersche und später schwedische Herrschaft fiel. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Rügen Teil Preußens und gehört heute zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.
Mesolithikum
Die Erstbesiedlung Rügens erfolgte bereits im Mesolithikum (Mittelsteinzeit), nach dem Rückzug der letzten eiszeitlichen Gletscher. Die ältesten nachweisbaren Siedlungsspuren stammen aus dem -8. Jahrtausend, als Menschen vermutlich aus dem dänisch-südschwedischen Raum über eine Landverbindung auf die Insel kamen.
Zu dieser Zeit bestand Rügen aus mehreren Inseln, die noch nicht durch Landbrücken verbunden waren. Die ersten Siedler lebten als Jäger, Sammler und Fischer in kleinen Gruppen, die sich von Wild, Fisch und Meeresfrüchten ernährten. Archäologische Funde wie Werkzeuge, Waffen und Siedlungsreste belegen ihre Anwesenheit in dieser Region.
Die bekannteste mesolithische Fundgruppe auf Rügen ist die sogenannte Lietzow-Kultur, benannt nach Fundplätzen bei Lietzow. Sie ist charakteristisch für die Zeit zwischen dem frühen -5. Jahrtausend und etwa -4000, wobei die Anfänge dieser Kultur durch den ansteigenden Meeresspiegel oft schwer zu datieren sind. Die Menschen lebten in einfachen Behausungen wie Schilfhütten oder Fellzelten, und die Bevölkerung umfasste vermutlich nur einige Hundert Personen.
Neolithikum
Das Neolithikum (Jungsteinzeit) auf Rügen begann etwa um -4000 mit dem Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu sesshaften Bauern. Archäologische Funde belegen, dass in dieser Zeit erste dauerhafte Siedlungen entstanden und Ackerbau sowie Viehzutzucht betrieben wurden.
Typisch für diese Epoche sind die Megalithgräber, die auf Rügen zahlreich anzutreffen sind. Zu den bekanntesten zählen die sogenannten Großsteingräber, wie das Großsteingrab von Nobbin oder die sogenannten „Hünengräber“, die sich vor allem im Norden der Insel finden. Diese monumentalen Grabanlagen sind charakteristisch für die Trichterbecherkultur (um -4100 bis -2800), die in Norddeutschland und auf Rügen stark vertreten war.
Während des Neolithikums entwickelten sich auf Rügen komplexe soziale Strukturen und religiöse Vorstellungen, wie die aufwendige Bestattungspraxis zeigt. Die Insel war aufgrund ihrer Lage und Ressourcen bereits in dieser Zeit ein attraktiver Siedlungsraum. Die Jungsteinzeit endete auf Rügen etwa um -1800, als die Bronzezeit begann.
Bronzezeit
Die Bronzezeit auf Rügen dauerte etwa von -2000 bis -800, wobei die wichtigsten archäologischen Funde und Siedlungsnachweise in den Zeitraum -1500 bis -600 fallen. In dieser Zeit siedelten Menschen mit einer eigenen, kulturell geprägten Lebensweise auf der Insel, die zur sogenannten Hügelgräberkultur des nordischen Kreises gezählt wird. Diese Kultur ist Teil der frühgermanischen Kulturentwicklung und umfasste neben Rügen auch weite Teile Norddeutschlands, Skandinaviens und des Baltikums.
Charakteristisch für die Bronzezeit auf Rügen sind zahlreiche Hügelgräber, die heute noch im Landschaftsbild sichtbar sind. Die Menschen betrieben Ackerbau und Viehzucht, fertigten Textilien, Werkzeuge und Tongefäße an und entwickelten ein ausgeprägtes Handelsnetz. Schmuck, Waffen und Werkzeuge aus Bronze – oftmals mit Bernstein verziert – wurden als Grabbeigaben verwendet. Bernstein war ein begehrtes Tauschobjekt und wurde über Handelsrouten bis nach Mittel- und Südeuropa verbreitet.
Rügen entwickelte sich in der Bronzezeit zu einem wichtigen Handelszentrum an der Route zwischen Skandinavien und dem Baltikum. Die intensive Nutzung der Landschaft zeigt sich auch in archäologisch nachgewiesenen Feldsystemen und Siedlungsresten, die bis in die Slawenzeit genutzt wurden.
Eisenzeit
Die Eisenzeit auf Rügen umfasst die Periode von etwa -600 bis 400, wobei die Chronologie je nach Region und Kultur variiert. In Norddeutschland gliedert sie sich in die vorrömische Eisenzeit (um -600 bis um 0, mit Jastorf-Kultur) und die römische Kaiserzeit (um 0 bis 375/400). Mit Einbeziehung der Völkerwanderungszeit (ab375) reicht sie teilweise bis ins 5./6. Jahrhundert, als germanische Restbevölkerungen noch nachweisbar sind. Die Insel war in dieser Epoche von ostgermanischen Stämmen besiedelt, wobei die Verbindung zu den Rugiern (Rugii) besonders hervorzuheben ist – ein Stamm, der bei Tacitus ("Germania", entstanden um das Jahr 98) erwähnt wird und dessen Name etymologisch mit „Rügen“ verknüpft wird (obwohl eine direkte Besiedlung der Insel durch die Rugier archäologisch nicht eindeutig bewiesen, aber plausibel ist).
Rügen wurde in der Eisenzeit zu einem wichtigen Handelsplatz an der südlichen Ostsee, vor allem durch den Bernsteinhandel („Bernsteinstraße“). Kontakte reichten nach Jütland, Dänemark, Skandinavien und indirekt zum Römischen Reich. Römische Importe – wie Bronzegefäße, Fibeln, Glaswaren und Terra-Sigillata-Keramik – gelangten über Tauschhandel (hauptsächlich gegen Bernstein) auf die Insel und belegen eine offene, heterogene Gesellschaft mit vielfältigen Kultureinflüssen.
Charakteristisch sind Siedlungsspuren in kleinen Haufendörfern (Sippendörfern), Gräberfelder mit Urnen- und Brandbestattungen sowie Hügelgräber. Das namengebende Gräberfeld am Mühlenberg bei Gustow (1. bis 4. Jahrhundert) gehört zur Gustow-Gruppe (eine lokale Variante der römischen Kaiserzeit in Vorpommern). Es umfasst zahlreiche Brandgräber mit reichen Beigaben und gab der gesamten Kulturphase ihren Namen. Weitere Fundplätze wie in Drammendorf oder Rothenkirchen zeigen Siedlungen mit Wohnstallhäusern und Fibeln (zum Beispiel Bügelknopffibeln aus dem 5. Jahrhundert).
Die Gesellschaft war geprägt von enger Verbundenheit zu den dänischen Inseln und Jütland (skandinavische Einflüsse in Keramik und Schmuck). Ab dem 3. Jahrhundert verließen die meisten Rugier und andere ostgermanische Gruppen die Region: Sie zogen südwärts, zunächst ins Odergebiet, dann mit Goten und anderen Stämmen in die Donauregion (Pannonien/Noricum). Um 450 gründeten sie unter König Flaccitheus ein kurzlebiges Reich in Niederösterreich („Rugiland“), das 487/88 von Odoaker zerstört wurde. Die Abwanderung wurde durch Klimaveränderungen, Bevölkerungsdruck und den Hunneneinfall ausgelöst, möglicherweise spielten auch slawische Vorstöße eine Rolle. Auf Rügen blieben nur germanische Restpopulationen bis ins 6. Jahrhundert, bevor ab dem 7. Jahrhundert westslawische Stämme (Ranen) einwanderten und die Insel besiedelten. Das markante Kap Arkona (Jaromarsburg) war in der Eisenzeit noch nicht das slawische Heiligtum, sondern Teil der germanischen Landschaft – spätere slawische Burgen überlagerten ältere Strukturen.
Zeit der Ranen
Die Ranen (auch Rujanen, Ruani oder Rügen-Slawen genannt) waren ein westslawischer Stamm der Polaben, der im Zuge der slawischen Völkerwanderung ab dem 6./7. Jahrhundert in die nach der Abwanderung der germanischen Rugier weitgehend entvölkerten Gebiete auf der Insel Rügen und dem angrenzenden Festland (zwischen Recknitz und Ryck) einwanderte. Sie assimilierten mögliche germanische Restbevölkerungen und prägten die Region nachhaltig – erkennbar an zahlreichen slawischen Ortsnamen wie Rambin, Ralswiek, Wittow oder Granitz. Die Herausbildung eines eigenständigen Ranenreiches als politisch-militärische Einheit erfolgte jedoch erst ab dem 9.–10. Jahrhundert, mit Höhepunkten im 11. und 12. Jahrhundert.
Die Grundlage ihrer Macht war die ranische Flotte, die sie zu gefürchteten Seefahrern und Piraten machte, sowie die strategisch günstige Lage in der südlichen Ostsee. Sie kontrollierten wichtige Handelsrouten und führten Raubzüge bis nach Dänemark durch, das trotz seiner Erfolge in Britannien und Skandinavien bis ins 12. Jahrhundert hinein keine dauerhafte Dominanz über die Ranen erlangen konnte. Frühe dänische Angriffe (z. B. 1136 unter Erik II. Emune, der Arkona vorübergehend eroberte) scheiterten langfristig.
Im Dreieck Barth–Jasmund–Gristow entstanden zahlreiche slawische Burgwälle, Tempel und Siedlungen. Das religiöse Zentrum war die Tempelburg Arkona (heute Jaromarsburg genannt) am Kap Arkona auf der Halbinsel Wittow. Hier stand der dem vierköpfigen Gott Svantovit (Svantevit) geweihte Tempel, der ab dem Fall des lutizischen Heiligtums Rethra (um 1068) zum Hauptheiligtum aller nordwestslawischen Heiden wurde. Der Tempel diente als Orakelstätte (u. a. mit einem heiligen weißen Pferd für Weissagungen) und war reich an Schätzen aus Tributen und Beute. Arkona war eine reine Kult- und Festungsanlage, keine weltliche Residenz.
Das weltliche Zentrum des Reiches war Charenza (auch Karentia oder Karenz), der Sitz der ranischen Fürsten. Ältere Forschung identifizierte es mit dem Burgwall bei Garz im Süden Rügens, doch neuere interdisziplinäre Studien (seit 2004/2005) lokalisieren es mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Burgwall Venz (bei Trent, westlich des Großen Jasmunder Boddens). Hier befanden sich Tempel für weitere Götter wie Rugievit, Porenut und Porevit. Charenza war Verwaltungs- und Machtzentrum mit königlicher Residenz.
Der wichtigste Handelsplatz war Ralswiek am südlichsten Punkt des Großen Jasmunder Boddens. Ab dem 8. Jahrhundert (Gründung um 775–800) als Seehafen angelegt, war es einer der bedeutendsten Ostseehandelsplätze der Ranen – vergleichbar mit Haithabu oder Wolin. Archäologische Funde (seit 1967): Vier ranische Boote (bis 14 m lang), arabische Dirhams (Münzschatz mit über 2.200 Stück aus dem 8.–10. Jh.), persische Drachmen und Fernhandelsgüter belegen intensive Kontakte bis Skandinavien, Byzanz und dem Orient. Ralswiek war unbefestigt, aber durch Wasser geschützt, und diente als Umschlagplatz für Bernstein, Sklaven, Pelze und Leinentücher (als Zahlungsmittel).
Das Ende der ranischen Unabhängigkeit kam 1168: Der dänische König Waldemar I. und Bischof Absalon von Roskilde eroberten nach mehrtägiger Belagerung die Jaromarsburg am Kap Arkona (15./16. Juni). Die Svantovit-Statue wurde zerhackt und verbrannt. Die ranischen Fürsten Tetzlaw (oder Tezlaw) und sein Bruder Jaromar I. kapitulierten kampflos in Charenza, ließen sich taufen und erkannten die dänische Lehnshoheit an. Damit endete die heidnische Eigenständigkeit; Rügen wurde christianisiert und zum Fürstentum Rügen unter dänischer Oberhoheit (bis 1325). Die ranische Elite behielt jedoch Macht, und die Bevölkerung blieb slawisch geprägt.
Dänische Zeit
Der dänische König Waldemar I. und sein Heerführer und Berater Bischof Absalon von Roskilde zerstörten 1168 den Svantovit-Tempel im Burgwall am Kap Arkona und beendeten damit sowohl die territoriale als auch die religiöse Eigenständigkeit der Ranen. Der Ranenfürst Jaromar I. († 1218) wurde Vasall des dänischen Königs, die Inselbewohner christianisiert. 1184 versuchten die Pommern, welche ihren Herrschaftsbereich zuvor bis in das Land Gützkow und nach Demmin ausgedehnt hatten und somit zu direkten Nachbarn des nun dänischen Fürstentums Rügen geworden waren, im Auftrag ihres Lehnsherren, des römisch-deutschen Kaisers, Rügen für das Reich zu nehmen, wurden aber im Greifswalder Bodden vernichtend geschlagen.
Unter dänischer Herrschaft veränderte das Fürstentum Rügen sein Gesicht. Dänische Klöster wurden gegründet (zum Beispiel Bergen 1193 und Hilda, heute Eldena, 1199). Deutsche Kolonisten wurden in das Land geholt und stellten bald den größten und kulturell prägenden Bevölkerungsteil. Das slawisch-kulturelle Element verschwand, auch mangels eigener slawisch-kirchlicher Strukturen, sodass die Ranen in der Folgezeit im heute deutschgeprägten Volk der Rügener aufgingen. Neben der Aufsiedlung des Landes, dem Kloster- und Kirchenbau, wurden auch Städte neu gegründet. 1234 gründet der Rügenfürst Wizlaw I. die Stadt Stralsund und gewährte 1241 Greifswald das Marktrecht. Die Macht der Städte wuchs schnell und zwang die Rügenfürsten zu Zugeständnissen – so wurde etwa die Barther Fürstenburg geschleift und Schadegast, der fürstliche „Zwilling“ des bürgerlichen Stralsund, zugunsten der Letzteren geräumt. 1304 verwüstete ein als „Allerheiligenflut 1304“ bekanntes Sturmhochwasser die Insel und überspülte die Landzunge zwischen Mönchgut und Ruden.
Pommersche Zeit
Nach dem Tod des letzten slawischen Fürsten Wizlaw III. am 8. November 1325 erlosch das unabhängige Fürstentum Rügen in der männlichen Linie. Aufgrund eines Erbverbrüderungsvertrags aus dem Jahr 1321 fiel das Gebiet – die Insel Rügen sowie angrenzende Festlandsbereiche – zunächst an das Herzogtum Pommern-Wolgast. Diese Erbfolge war jedoch umstritten und führte, verquickt mit dänischen Thronstreitigkeiten, zu den beiden Rügenschen Erbfolgekriegen (1326 bis 1328 und 1351 bis 1354). Im Ersten Krieg setzte sich Pommern-Wolgast zunächst durch, doch Mecklenburg erhielt Pfandrechte. Der Zweite Krieg endete 1354 mit dem Frieden von Stralsund, durch den das ehemalige Fürstentum Rügen endgültig Pommern-Wolgast zugesprochen wurde und damit Teil des Heiligen Römischen Reichs.
Die pommerschen Herzöge aus dem Hause Greifen übernahmen eine effiziente Verwaltung, verteidigten die Insel gegen äußere Bedrohungen und förderten ihre Entwicklung. Sie übertrugen Ländereien an adelige Familien, die sich auf Rügen niederließen, und integrierten das Gebiet administrativ. Zwischenzeitlich entstand eine abgezweigte Linie mit dem Teilherzogtum Pommern-Barth (um 1372 bis 1451), das westliche Festlandsbesitzungen umfasste. 1478 vereinigte Herzog Bogislaw X. das gesamte Pommern wieder, einschließlich Rügens, unter einer Herrschaft.
Die Christianisierung der Insel hatte bereits im 12. und 13. Jahrhundert nach der dänischen Eroberung 1168 eingesetzt. Zentren des geistlichen Lebens waren Klöster wie das Zisterzienserkloster Bergen (gegründet 1193) und Hilda (heute Eldena bei Greifswald). Die Marienkirche in Bergen, deren Bau ab 1180 begann, blieb ein zentrales Gotteshaus. Die Bevölkerung assimilierte sich zunehmend: Die slawische (polabische) Sprache der Ranen verschwand im Laufe des 15. Jahrhunderts fast vollständig, insbesondere auf der Halbinsel Mönchgut und Jasmund, wo die letzte Muttersprachlerin um 1404 starb. Viele Ortsnamen slawischen Ursprungs – wie Bergen, Garz oder Putbus – blieben jedoch erhalten. Im 15. Jahrhundert war Rügen bereits überwiegend deutsch besiedelt, geprägt durch Zuzug aus dem Reichsgebiet.
Im 16. Jahrhundert erreichte die Reformation die Insel. Auf dem Landtag in Treptow an der Rega beschlossen die Herzöge Barnim IX. von Pommern-Stettin und Philipp I. von Pommern-Wolgast 1534 die Einführung des protestantischen Glaubens als Landesreligion in ganz Pommern. Die Klöster auf Rügen, darunter Bergen und Hilda, wurden säkularisiert; ihr Grundbesitz fiel an die Herzöge. Dies stärkte die landesherrliche Macht und markierte den Übergang zur Frühen Neuzeit.
Wirtschaftlich blieb Rügen ländlich geprägt. Die Bevölkerung lebte vor allem von Landwirtschaft (Getreide- und Kartoffelanbau), Fischerei, Viehzucht und kleinem Handel. Städte wie Bergen erhielten zwar im 17. Jahrhundert Stadtrechte, blieben aber klein und agrarisch orientiert. Die Herzöge organisierten Verwaltung und Schutz der Insel, etwa durch Burgen und Befestigungen.
Schwedische Zeit
Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges fiel Rügen im Westfälischen Frieden von 1648 zusammen mit Vorpommern und Stralsund als Reichslehen an das Königreich Schweden. Die Insel wurde Teil der Provinz Schwedisch-Pommern, die Schweden als Entschädigung für seine Kriegsanstrengungen erhielt. Diese fast 167 Jahre währende Periode war geprägt von einer effizienten schwedischen Verwaltung, wirtschaftlicher Erholung und wiederholten kriegerischen Auseinandersetzungen, in denen Rügen mehrfach kurzzeitig besetzt wurde.
Die schwedische Krone führte eine moderne und zentralisierte Verwaltung ein, die auf genauen Katastern und Steuerreformen basierte. Bereits in den 1690er Jahren erfolgten umfassende Landvermessungen, um eine gerechtere Besteuerung zu ermöglichen. 1683 wurde ein regelmäßiger Postdienst zwischen Rügen und Ystad in Schweden eingerichtet, der die Verbindung zur fernen Metropole stärkte. Die Geistlichen in den 27 Pfarrgemeinden der Insel wirkten als verlängerter Arm der Verwaltung und überwachten Schulwesen und lokale Angelegenheiten. Dennoch blieb die Gesellschaft stark feudal: Die Mehrheit der Landbevölkerung lebte in Leibeigenschaft, die erst durch König Gustav IV. Adolf im Jahr 1806 aufgehoben wurde – früher als in vielen anderen deutschen Regionen. Diese Reform wurde durch den auf Rügen geborenen Ernst Moritz Arndt beeinflusst, der sich vehement gegen die Leibeigenschaft aussprach.
Wirtschaftlich erholte sich die Insel langsam von den Kriegsfolgen. Die traditionelle Landwirtschaft mit Getreideanbau, Viehzucht und Fischerei dominierte weiterhin, ergänzt durch Kreideabbau und Handel. Die schwedische Herrschaft förderte Infrastruktur und Stabilität, was zu einem moderaten Aufschwung führte. Allerdings wurde Rügen wiederholt Schauplatz europäischer Konflikte: Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg landeten 1678 brandenburgisch-preußische und dänische Truppen unter Kurfürst Friedrich Wilhelm auf der Insel und eroberten sie vorübergehend. Nach dem Frieden von Saint-Germain 1679 kehrte Rügen jedoch an Schweden zurück. Ähnlich erging es während des Großen Nordischen Krieges: 1715 wurde die Insel von preußischen und dänischen Truppen besetzt, fiel aber 1720 im Frieden von Frederiksborg erneut an Schweden.
Gegen Ende der Schwedenzeit zeigten sich erste Ansätze des Tourismus. 1794 eröffnete Pastor Heinrich Christoph von Willich in Sagard die „Brunnen-, Bade- und Vergnügungsanstalt“ am Gesundbrunnen – das erste organisierte Bad auf Rügen. Die eisen- und kohlensäurehaltige Quelle zog Kurgäste an, doch der Betrieb war nur von kurzer Dauer und endete um 1830. Bedeutendere Entwicklungen folgten erst in der preußischen Epoche, etwa mit dem Seebad in Lauterbach bei Putbus.
Preußische Zeit
Nach den Wirren der Napoleonischen Kriege, in denen Rügen von 1807 bis 1813 unter französischer Besatzung stand, wurde die Insel im Frieden von Kiel 1814 zunächst von Schweden an Dänemark abgetreten. Mit den Beschlüssen des Wiener Kongresses 1815 wurde Rügen zusammen mit Neuvorpommern an Preußen übergeben. Die Übergabe erfolgte feierlich in Stralsund.Ab 1818 gehörte die Insel zum Regierungsbezirk Stralsund in der Provinz Pommern. Diese Eingliederung markierte den Beginn einer rund 130 Jahre währenden preußischen Epoche, die von wirtschaftlicher Stabilisierung, infrastrukturellem Ausbau und dem Aufstieg des Tourismus geprägt war.
Die traditionelle Wirtschaftsstruktur Rügens blieb zunächst von Landwirtschaft und Fischerei dominiert. Die meisten Bewohner lebten vom Fischfang, dem Anbau von Kartoffeln und Getreide sowie von der Rinder- und Schafzucht. Handel, Lotsentätigkeit und kleinere Gewerbe wie der Abbau von Kreide ergänzten die Einkünfte. Die Inselbewohner waren größtenteils in einer ländlichen, agrarischen Gesellschaft verwurzelt, wobei Großgrundbesitzer wie die Fürstenfamilie zu Putbus erheblichen Einfluss ausübten.
Ein entscheidender Impulsgeber für die Modernisierung war Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus (1783–1854), einer der reichsten und einflussreichsten Adligen der Insel. Er baute Putbus zur klassizistischen Residenzstadt aus, förderte den Schiffbau und investierte in Industrie wie Zucker- und Kreidefabriken. Besonders visionär war seine Rolle beim Aufbau des Tourismus: Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts hatten erste Kurgäste die Insel besucht, doch Wilhelm Malte I. legte 1816 mit dem Badehaus in der Goor bei Lauterbach das erste organisierte Seebad an. Es erhielt 1818 den Namen „Friedrich-Wilhelms-Bad“ zu Ehren des preußischen Königs. Anfangs übernachteten die Gäste in Fischer- und Bauernstuben; erst 1869 eröffnete das erste Hotel. Ab den 1830er Jahren wurde der Fremdenverkehr zu einer bedeutenden Einkommensquelle, die allmählich Fischerei und Landwirtschaft überflügelte.
Die landschaftliche Schönheit Rügens – insbesondere die Kreidefelsen, Buchenwälder und Boddenlandschaften – zog Künstler und Intellektuelle an. Der Romantiker Caspar David Friedrich, der die Insel mehrfach bereiste, verewigte sie in seinem berühmten Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“ (1818), das während seiner Hochzeitsreise entstand und die Stubbenkammer zeigt. Auch Philipp Otto Runge und der Dichter Ludwig Gotthard Kosegarten fanden hier Inspiration. Diese künstlerische Aufwertung verstärkte den Ruf Rügens als Sehnsuchtsort der Romantik.
Der Tourismusboom beschleunigte sich durch verbesserte Verkehrsverbindungen. Seit dem 1. Juli 1883 ermöglichte ein Eisenbahntrajekt zwischen Stralsund und Altefähr die bequeme Anreise per Zug. Später folgten Normalspurbahnen nach Bergen und Sassnitz sowie Schmalspurlinien wie die Rügensche Kleinbahn („Rasender Roland“). Diese Infrastruktur beflügelte nicht nur den Fremdenverkehr, sondern auch den Handel. Orte wie Saßnitz, Binz, Sellin und Göhren entwickelten sich rasch zu eleganten Seebädern mit Villen, Promenaden und Hotels im Stil der Bäderarchitektur. Ende des 19. Jahrhunderts war Sassnitz das führende Bad, doch Binz und Sellin holten auf.
Weltkriegsära
Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wurde auch Rügen in die Kriegswirtschaft eingebunden. Die Insel diente teilweise als Standort für militärische Einrichtungen, vor allem zur Küstenverteidigung. Viele junge Männer von Rügen wurden eingezogen, und die Bevölkerung war mit Nahrungsmittelrationierungen und wirtschaftlichen Engpässen konfrontiert. Trotz der relativen Abgeschiedenheit von den Fronten litt die Insel unter den direkten und indirekten Folgen des Krieges: Arbeitskräftemangel, Inflation, und der Verlust vieler Männer an der Front.
Die Jahre des Krieges führten auch zu gesellschaftlichen Veränderungen: Frauen übernahmen zunehmend Aufgaben in Landwirtschaft, Handwerk und Verwaltung, während die Männer im Krieg waren. Die Ferien- und Kurorte auf Rügen wie Binz oder Sellin mussten Einschränkungen hinnehmen, da touristische Aktivitäten stark reduziert wurden.
Nach der Niederlage Deutschlands im November 1918 endete der Erste Weltkrieg, und die Monarchie wurde abgeschafft. Rügen gehörte nun zur neu gegründeten Weimarer Republik. Die politische Situation war instabil: Streiks, Unruhen und die Gründung von Arbeiter- und Soldatenräten prägten die ersten Jahre nach dem Krieg.
Wirtschaftlich hatte die Insel weiterhin mit den Folgen des Krieges zu kämpfen. Die Inflation der frühen 1920er Jahre traf auch Rügen hart, und viele Familien litten unter Armut. Dennoch begann der Tourismus sich langsam zu erholen, da die Kurorte und Bäder erneut Gäste aus ganz Deutschland anzogen. Die Infrastruktur wurde nach und nach modernisiert, Hotels und Kureinrichtungen wurden teilweise renoviert und erweitert. Die politische Stimmung auf der Insel spiegelte die Spannungen der Weimarer Republik wider: konservative, liberale und sozialistische Kräfte standen einander gegenüber, und die politische Polarisierung nahm in den späten 1920er Jahren zu.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Rügen Teil des gleichgeschalteten Deutschlands. Die NSDAP setzte ihre politischen Strukturen auch auf der Insel durch: Ortsgruppen wurden gebildet, und die Bevölkerung wurde ideologisch geprägt. Schulen, Vereine und kulturelle Einrichtungen wurden dem nationalsozialistischen Einfluss unterworfen, während politische Gegner verfolgt oder mundtot gemacht wurden. Der Tourismus wurde nun propagandistisch genutzt, insbesondere zur „Verkörperung deutscher Küstenkultur“ und zur Erholung der NS-Bevölkerung. Ferienanlagen, Jugendherbergen und Kureinrichtungen wurden ausgebaut.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 änderte sich das Leben auf Rügen erneut. Die Insel hatte als Küstengebiet strategische Bedeutung, insbesondere für die Kriegsmarine. Rügen diente unter anderem als Standort für Küstenbefestigungen, Artilleriegeschütze und kleine Marinestützpunkte. Viele Rüganer wurden eingezogen, und die Bevölkerung musste sich mit Rationierungen, Evakuierungen und Luftschutzmaßnahmen auseinandersetzen.
Im Verlauf des Krieges nahm die Insel zudem Flüchtlinge aus anderen Teilen Deutschlands auf, insbesondere aus Städten, die durch alliierte Bombenangriffe zerstört wurden. Die Infrastruktur der Insel wurde teilweise militärisch genutzt, darunter Bahnanlagen, Häfen und Hotels, die als Lazarette oder Kasernen dienten.
Kommunistische Zeit
1945 fiel die Insel Rügen zusammen mit ganz Mecklenburg-Vorpommern in den Bereich der sowjetischen Besatzungszone. Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Jahr 1949 wurde Rügen offiziell Teil der DDR. Die Insel stand fortan unter einer zentralistischen Verwaltung und war von den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen der sozialistischen Planwirtschaft geprägt.
In den ersten Nachkriegsjahren war Rügen wie viele andere Regionen stark von Zerstörungen und Flüchtlingsbewegungen betroffen. Viele Einwohner aus den ehemaligen Ostgebieten kamen als Vertriebene auf die Insel, während die preußisch-deutsche Verwaltung vollständig aufgelöst wurde. Die Landwirtschaft und Fischerei wurden schnell in den Fokus der neuen Regierung gerückt. Im Zuge der Bodenreform wurden große Güter und landwirtschaftliche Betriebe enteignet, zerschlagen oder in volkseigene Betriebe (VEB) und Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) überführt. Diese Umstrukturierung prägte das Landschaftsbild und die Lebensweise vieler Bewohner nachhaltig.
Auch der Tourismus, der auf Rügen schon in der Weimarer Republik und während der frühen DDR eine Rolle gespielt hatte, wurde stark staatlich gelenkt. Die Kur- und Badeorte wie Binz, Sellin oder Göhren wurden für die Erholung der DDR-Bevölkerung ausgebaut, wobei die Infrastruktur nach sozialistischen Vorstellungen geplant wurde. Hotels, Ferienheime und Sanatorien wurden verstaatlicht, und die Reisebewegungen innerhalb der DDR konzentrierten sich auf Rügen als beliebtes Urlaubsziel für Arbeiter, Familien und Schulklassen. Westtourismus war hingegen nahezu ausgeschlossen, die Insel war für Westdeutsche nur sehr eingeschränkt zugänglich.
Die DDR setzte auf die Modernisierung der Infrastruktur: Straßen, Fährverbindungen und der Hafen Mukran wurden ausgebaut, um die Insel wirtschaftlich und strategisch zu integrieren. Mukran entwickelte sich später zu einem bedeutenden Fähr- und Verkehrsknotenpunkt, der auch militärisch relevant war, da die Insel an der Ostsee lag.
Das Alltagsleben der Rüganer war stark von der Planwirtschaft geprägt. Viele Jugendliche wurden in FDJ (Freie Deutsche Jugend) und andere Organisationen integriert, Landwirtschaft und Handwerk wurden kollektiviert, und die politische Überwachung durch die Staatssicherheit (Stasi) war präsent. Auch kulturell gab es Bemühungen, die Identität der Insel im Sinne der sozialistischen Ideologie zu gestalten: Heimatvereine, Kulturhäuser und Ferienspiele wurden gefördert, während religiöse Institutionen und private Initiativen kontrolliert wurden.
In der späten DDR-Zeit, besonders in den 1970er und 1980er Jahren, profitierte Rügen zunehmend vom „sozialistischen Tourismus“. Die Insel war ein beliebtes Ziel für Ferienlager, Jugendgruppen und Familienurlaube. Gleichzeitig führten wirtschaftliche Engpässe in der DDR zu Versorgungsproblemen, und die Insel litt unter begrenzten Ressourcen, insbesondere bei Konsumgütern, Baumaterialien und moderner Technik. Die Isolation von Westdeutschland und die politische Kontrolle prägten das Leben der Menschen nachhaltig.
Mit der friedlichen Revolution 1989 und dem Fall der Berliner Mauer begann für Rügen eine neue Ära. Die staatliche Kontrolle und Planwirtschaft endeten, die bisherigen Betriebe wurden privatisiert oder stillgelegt, und der Tourismus öffnete sich erstmals für internationale Gäste. Die Insel stand vor der Herausforderung, sich von der sozialistischen Wirtschafts- und Lebensweise zu lösen und gleichzeitig ihre Attraktivität als Ostseeinsel zu bewahren.
Moderne Zeit
Am 3. Oktober 1990 wurde Rügen über Nacht wieder Teil eines freien, demokratischen Deutschlands. Die Freude über die wiedergewonnene Freiheit war riesig, doch schon wenige Monate später schlug die Ernüchterung zu: Fast die gesamte bisherige Wirtschaftsstruktur brach zusammen. Die NVA-Standorte in Prora, Dranske, Bug und am Schwarzen Busch wurden bis 1994 aufgelöst, Tausende hochqualifizierte Soldaten, Offiziere und Zivilangestellte standen plötzlich ohne Arbeit da. Die großen Fischereikombinate Sassnitz und die LPGs lösten sich auf, die Arbeitslosenquote schnellte auf über 30 Prozent. Besonders die jungen Leute zogen in Scharen nach Westdeutschland – zwischen 1990 und 2005 verlor die Insel fast ein Viertel ihrer Einwohner unter 35 Jahren.
Gleichzeitig begann jedoch eine beispiellose Sanierungsoffensive. Mit Milliarden aus dem Solidarpakt, EU-Fördermitteln und privatem Kapital wurden die einst grauen, verfallenen Seebäder Binz, Sellin, Baabe, Göhren und Sassnitz praktisch neu erfunden. Hunderte Bädervillen in der typischen weißen Bäderarchitektur wurden originalgetreu restauriert, Seebrücken wiederaufgebaut (Sellin 1998, Binz 1994, Göhren 1993), Promenaden gepflastert und Luxushotels eröffnet. Was in der DDR-Jahrzehnten aus Mangel an Farbe, Material und Freiheit verfallen war, erstrahlte innerhalb von 15 Jahren in neuem Glanz.
Der Koloss von Prora wurde zum Symbol der schwierigen Vergangenheitsbewältigung. Nach Abzug der NVA 1992 standen die fünf Kilometer langen Blöcke zunächst leer, verfielen, wurden geplündert und von Jugendlichen als Abenteuerspielplatz genutzt. Ab 1993 kaufte das Land Mecklenburg-Vorpommern Block für Block zurück. Es entstanden eine der größten Jugendherbergen Deutschlands (Block 2, eröffnet 2011), ein Dokumentationszentrum „Prora-Zentrum“, Museen, und seit 2016 werden Teile als Ferienwohnungen vermietet – ein Projekt, das bis heute heftige Debatten auslöst.
Die Verkehrsverbindungen wurden revolutioniert: Der alte Rügendamm von 1936 blieb zwar erhalten, wurde aber ab 2004 durch die neue, 4,1 km lange Rügenbrücke (offiziell „Strelasundquerung“) ergänzt, die am 20. Oktober 2007 eröffnet wurde und den Autoverkehr deutlich entlastete. Der Regionalflughafen Bergen wurde 1994 für den zivilen Verkehr freigegeben, bleibt aber klein. Die „Rasende Roland“-Schmalspurbahn wurde 1999 saniert und zur Touristenattraktion.
Der Tourismus explodierte. Hatte Rügen in der DDR-Zeit etwa 1–1,2 Millionen Übernachtungen pro Jahr (fast ausschließlich FDGB und Betriebe), so stieg die Zahl ab Mitte der 1990er Jahre rasant an: 2000 bereits über 3 Millionen, 2010 über 5 Millionen, 2019 fast 8 Millionen Übernachtungen. Heute (2024/25) liegt Rügen stabil bei 7,2–7,5 Millionen Übernachtungen jährlich und ist damit das beliebteste deutsche Festland-Reiseziel vor Sylt und dem Schwarzwald. Neue Luxus-Hotelketten (A-Rosa 2004, Cerêna 2023, Cliff-Hotel 2001) und Tausende privat vermietete Ferienwohnungen und -häuser prägen das Bild.
Die Natur wurde endlich richtig geschützt: 1990 entstand der Nationalpark Jasmund (mit den Kreidefelsen und dem Königsstuhl), 2011 kam der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft hinzu. Der Nationalpark-Zentrum Königsstuhl (eröffnet 2004) ist heute eine der meistbesuchten Attraktionen Norddeutschlands.
Die Kreisstrukturen wechselten mehrfach: 1990 wurde der alte Landkreis Rügen wiederhergestellt, 2011 dann mit Stralsund und Nordvorpommern zum Landkreis Vorpommern-Rügen verschmolzen (heute ca. 225.000 Einwohner). Bergen auf Rügen blieb Kreissitz.
Die Bevölkerungsentwicklung kehrte sich ab etwa 2010 um: Durch Zuzug aus Westdeutschland, Rückkehrer und seit 2015 auch viele Fachkräfte aus Osteuropa steigt die Einwohnerzahl wieder leicht (aktuell ca. 67.000 auf der eigentlichen Insel Rügen). Gleichzeitig bleibt die Alterung spürbar – in vielen Dörfern stehen noch immer leer gezogene Höfe aus den 1990er Jahren. Politisch war Rügen lange eine Hochburg der Linkspartei (Nachfolgerin der SED/PDS), seit etwa 2015 gewinnt jedoch die AfD stark hinzu, besonders in den strukturschwächeren Regionen wie dem Norden (Dranske, Altenkirchen) und im ehemaligen Militärort Prora.
Infrastrukturelle Maßnahmen der letzten Jahre waren die Kompletterneuerung der B 196 (2020 bis 2024), der Bau des „Baaber Bollwerk“-Yachthafens, die Sanierung des Jagdschlosses Granitz und die Eröffnung des „KdF-Museums“ in Prora 2018. Seit 2022 gibt es erste ernstzunehmende Pläne für eine feste Fehmarnbelt-ähnliche Querung nach Skandinien – ein Rügen-Anschluss wird dabei immer wieder diskutiert.
Die während der Coronazeit gesetzten Maßnahmen waren äußerst streng. Bereits im Frühjahr 2020 wurden Reisen zum Zweitwohnsitz auf Rügen untersagt, Ferienunterkünfte mussten schließen, und touristische Aufenthalte waren nur noch in Ausnahmefällen erlaubt. Im November 2020 trat ein deutschlandweites Verbot für private Urlaubsreisen in Kraft, das auch die Insel betraf. Hotels, Gastronomie, Fähren und Freizeitangebote blieben geschlossen. Für viele Menschen, die vom Tourismus lebten, bedeutete dies massive wirtschaftliche Einbußen.
Auch gesellschaftlich wirkte die Pandemie stark nach. Die Isolation und Lockdowns führten zu einer Zunahme häuslicher Gewalt, und Pflegeheime waren besonders belastet. Pflegekräfte standen unter enormem Druck, und in Einrichtungen kam es zu Infektionen. Gleichzeitig wurden Strukturen der medizinischen Versorgung und Verwaltung auf die Probe gestellt. Mit Beginn des Jahres 2021 begannen schrittweise Lockerungen: Ab Juni 2021 wurde der touristische Lockdown aufgehoben, Ferienorte und Unterkünfte konnten wieder öffnen. Die Insel passte sich an die neue Realität mit Hygieneauflagen, Testzentren und angepassten touristischen Angeboten an. Die Maßnahmenpolitik enbdete erst 2022.
Verwaltung
Der Landkreis Rügen ist der flächenkleinste sowie, gemessen an der Einwohnerzahl, nach dem Landkreis Müritz der zweitkleinste Landkreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Der Landkreis umfasst die gleichnamige Insel Rügen (95 % des Landkreises) – die größte Insel Deutschlands – in der Ostsee, sowie deren westlich vorgelagerte Inseln Hiddensee, Ummanz und einige kleinere Inseln. Auf dem Festland liegt der Landkreis Nordvorpommern sowie die kreisfreie Stadt Stralsund dem Landkreis Rügen am nächsten. Der 1818 gegründete Landkreis gehört mit über 190 Jahren zu den ältesten noch in praktisch unveränderter Form bestehenden Verwaltungseinheiten in Deutschland.
Der Landkreis Rügen entstand 1818 im Zuge der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress und gehörte zum Regierungsbezirk Stralsund in der preußischen Provinz Pommern. Dieser umfasste die meist ländlichen Gebiete der gleichnamigen Insel. Das Landratsamt war in Bergen auf Rügen. Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich.
Zum 30. September 1929 fand im Kreis Rügen entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle bisher selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Zum 1. Januar 1939 führte der Kreis Rügen entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung die Bezeichnung Landkreis.
Der Landkreis Rügen umfasste am 1. Januar 1945 die beiden Städte Bergen/Rügen und Garz/Rügen sowie 60 weitere Gemeinden, von denen drei (Binz, Putbus und Saßnitz) mehr als 2.000 Einwohner besaßen. Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt und wurde Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone.
1952 wurden die Länder der DDR aufgelöst und es wurde eine umfassende Gebietsreform durchgeführt. Dabei wurde der Landkreis Rügen aufgelöst und in die beiden Kreise Bergen und Putbus geteilt, die Teil des Bezirks Rostock wurden. Bereits 1956 wurden die beiden Kreise wieder zu einem Kreis Rügen vereinigt. Seit 1990 ist der nun wieder als Landkreis bezeichnete Kreis Teil des neugebildeten Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Im Zuge einer Kreisgebietsreform im Jahr 2011 sollen die Landkreise Rügen, Nordvorpommern und die Hansestadt Stralsund Teile eines neuen Landkreises Nordvorpommern mit Verwaltungssitz in Stralsund werden.
Herrschaftsgeschichte
- um -600 bis 1. Jahrhundert ostgermanische Stammesgemeinschaften
- 1. bis 4. Jahrhundert Stammesgemeinschaft der Rugier
- 4. bis 7. Jahrhundert slawische Stammesgemeinschaften
- 7. Jahrhundert bis 1168 Reich der Ranen (Rana Rice)
- 1168 bis 1325 Fürstentum Rügen (Ducatus Rugiae bzw. Principatus Rugiae) als Teil des Königreichs Dänemark (Kongeriget Danmark)
- 1325 bis 1478 Herzogtum Pommern-Wolgast
- 1478 bis 24. Oktober 1648 Herzogtum Pommer-Stettin
- 24. Oktober 1648 bis 15. Dezember 1678 Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
- 15. Dezember 1678 bis 9. Juni 1679 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)
- 9. Juni 1679 bis 22. Dezember 1715 Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
- 22. Dezember 1715 bis 21. Juli 1720 Königreich Preußen
- 21. Juli 1720 bis 7. September 1807 Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
- 7. September 1807 bis März 1813 Kaiserreich Frankreich (Empire française)
- März 1813 bis 14. Januar 1814 Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
- 14. Januar 1814 bis 23. Mai 1815 Königreich Dänemark (Kongeriget Danmark)
- 23. Mai 1815 bis 1818 Königreich Preußen
- 1818 bis 1. Juli 1867 Landkreis Bergen, ab 1842 Landkreis Rügen, Regierungsbezirk Stralsund, Provinz Pommern, Königreich Preußen
- 1.Juli 1867 - 31. Dezember 1870 Kresi Rüögen im Norddeutschen Bund
- 1.Januar 1871 bis 31. Dezember 1930 Kreis Rügen in der Provinz Pommern des Deutschen Reiches
- 1.Januar 1939 bis 8. Mai 1945 Landkreis Rügen in der Provinz Pommern des Deutschen Reiches
- 8. Mai 1945 bis 1. März 1947 Kreis Rügen im Land Mecklenburg-Vorpommern der Sowjetischen Besatzungszone
- 1. März 1947 - 7. Oktober 1949 Kreis Rügen in Mecklenburg innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone
- 7. Oktober 1949 bis 25. Juli 1952 Kreis Rügen im Land Mecklenburg der Deutschen Demokratischen Reopublik
- 25. Juli 1952 bis 3. Oktober 1990 Kreis Rügen im Bezirk Rostock der Deutschen Demokratischen Republik
- 3. Oktober 1990 bis 4. September 2011 Landkreis Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland
- seit 4. September 2011 Landkreis Vorpommern-Rügen im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern der Bundesrepublik Deutschland
Verfassung
Der Landkreis Rügen gliederte sich in Stadtgemeinden, in Landgemeinden und – bis zu deren vollständiger Auflösung – in selbstständige Gutsbezirke.
Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Die bisherigen Stadtgemeinden Bergen auf Rügen und Garz auf Rügen führten jetzt die Bezeichnung Stadt.
Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst.
Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.
Legislative und Exekutive
Die Insel Rügen gehört vollständig zum Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern, sodass die legislative und exekutive Gewalt primär auf Kreisebene sowie auf der kommunalen Ebene der Gemeinden und Ämter angesiedelt ist. Es gibt keine eigenständige Inselverwaltung; Rügen ist in mehrere amtsfreie Gemeinden und Ämter unterteilt, die wiederum dem Landkreis unterstehen.
Auf Kreisebene (die Rügen und das umliegende Festland umfasst) bildet der Kreistag die legislative Gewalt. Er besteht aus 69 direkt gewählten Mitgliedern (Legislaturperiode 2024–2029, gewählt am 9. Juni 2024). Der Kreistag beschließt Satzungen, den Haushalt, wichtige Investitionen (unter anderem in Schulen, Nahverkehr oder Infrastruktur) und überwacht die Verwaltung. Die Sitzverteilung ist pluralistisch, mit Fraktionen wie CDU (stärkste Kraft), Die Linke, Grüne, SPD, FDP und anderen; es gibt keine feste Koalition. Sitzungen sind öffentlich und finden in Stralsund oder anderen Orten statt, mit einer Außenstelle in Bergen auf Rügen.
Die exekutive Gewalt auf Kreisebene liegt beim Landrat, der die Kreisverwaltung leitet und Beschlüsse des Kreistages umsetzt. Seit 2018 (wiedergewählt in der Stichwahl am 25. Mai 2025 mit über 75 Prozent) ist Dr. Stefan Kerth (parteilos, früher SPD) Landrat. Er ist hauptamtlich tätig, leitet die Verwaltung mit Fachbereichen (zujm Beispiel für Bau, Soziales, Wirtschaftsförderung) und vertritt den Kreis nach außen. Die Kreisverwaltung hat ihren Hauptsitz in Stralsund, mit einer wichtigen Außenstelle in Bergen auf Rügen für inselnahe Angelegenheiten.
Auf kommunaler Ebene (direkt auf Rügen) gibt es mehrere amtsfreie Städte/Gemeinden (zum Beispliel Bergen auf Rügen als größte und zentralste Stadt, Binz, Sassnitz, Putbus) sowie Ämter wie Amt Bergen auf Rügen, Amt West-Rügen (inklusive Hiddensee), Amt Nord-Rügen und Amt Mönchgut-Granitz. In diesen bilden die Gemeindevertretungen oder Stadtvertretungen die Legislative: Sie beschließen lokale Satzungen, Haushalte und Planungen (unter anderem Tourismus und Bauvorhaben). Die Exekutive liegt bei den Bürgermeistern (haupt- oder ehrenamtlich), die die Verwaltung leiten und umsetzen. In Ämtern übernimmt ein Amtsvorsteher oder der Amtsausschuss koordinierende Funktionen.
Inseloberhaupt
Das Amt des Landvogtes von Rügen war das bedeutendste landesherrliche Amt auf dem Territorium des ehemaligen Fürstentums Rügen nach dessen Anschluss an das Herzogtum Pommern. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Fürsten von Rügen mit Wizlaw III. kam das Fürstentum an das Herzogtum Pommern-Wolgast. Mit Stoislaw, Herr zu Putbus, wurde 1326 erstmals ein Landvogt erwähnt. Der Landvogt verkörperte die höchste Gewalt der Gesetzgebung und Rechtsprechung im neuen Landesteil. Das in Bergen auf Rügen ansässige Landvogteigericht war als Instanz den Gerichten der Gardvogteien - Verwaltungs- und Gerichtsbezirke, in die das Fürstentum Rügen ursprünglich unterteilt war - übergeordnet.
Für den landständischen Adel, aus dessen Reihen er üblicherweise stammte, war der Landvogt die erste gerichtliche Instanz. Später wurde der Landvogt gleichzeitig Amtshauptmann in Bergen auf Rügen. Diese Verhältnisse blieben auch in Schwedisch-Pommern erhalten. Der Landvogt erhielt sein Gehalt aus der schwedischen Staatskasse. 1699 versuchten die Schweden das Amt abzuschaffen und zahlten kein Gehalt mehr. 1706 mussten sie es wieder einführen. Die Gehaltszahlungen wurden aber nicht wieder aufgenommen. Während der dänischen Besetzung Schwedisch-Pommerns im Großen Nordischen Krieg von 1715 bis 1721 setzten die Dänen eigene Leute auf den Posten.
Beim Versuch Gustavs IV. Adolf, 1806 Schwedisch-Pommern dem schwedischen Staatsverband anzuschließen, erfolgte eine umfassende Reorganisation des Gerichtswesens, bei der das Amt des Landvogtes abgeschafft wurde.
Fürsten der Ranen
- um 1066 Kruto (Krito)
- vor 1100 Grines (Grimmus)
- 1105 - 1141 Ratislaus (Ratze, Ratislaw)
Fürsten von Rügen
- 1168–1170 Tezlaw (Tetzlaw, Tetzlaff)
- 1170 - 1218 Jaromar I.
- 1218–1221 Barmuta
- 24. November 1221–1249 Wizlaw I
- 1249 - 1260 Jaromar II
- 1260 - 1302 Wizlaw II
- 1303 - 1325 Wizlaw III
Landvögte
- 1326 Stoislaw, Herr zu Putbus
- 1334 - 1338 Johann, Herr zu Putbus
- 1432 Henning Jasmund
- 1443 Magnus Plate
- 1448 - 1452 Raven Barnekow
- 1471 Ehrich Kahlende
- 1481 Raven Barnekow (Sohn)
- 1481 - 1490 Degener Buggenhagen
- 1490 - 1496 Curd Krakevitz
- 1496 - 1517 Waldemar, Herr zu Putbus
- 1517 - 1524 Degener Buggenhagen
- 1524 - 1525 Balzer Caspar Jasmund
- 1525 - 1536 Wilken von Platen
- 1536 - 1554 Jarslav Kahlden
- 1554 - 1558 Matthäus von Normann
- 1558 - 1560 Ehrich Kahlden
- 1560 - 1573 Georg Joachim von Platen
- 1573 - 1584 Heinrich von Normann
- 1584 - 1595 Gutzlaf Rotermund
- 1595 - 1602 Balzer Jasmund
- 1602 - 1604 Christoph von der Lancken
- 1604 - 1611 Hans von Krakvitz
- 1611 - 1628 Christoph von der Lancken
- 1629 Nicolaus von Ahnen (nur ernannt)
- 1630 - 1632 Arend von Bohlen
- 1632 - 1642 Eckard von Usedom, Landrat
- 1643 - 1664 Ernst von Berglasen († 1666)
- 1664 - 1694 Wilken von Berglasen, Landrat
- 1694 - 1698 Johann Karl von der Lancken
- 1699 - 1706 Jacob von Wewezer, Amtmann
- 1706 - 1711 Arend Christoph von Bohlen, Amtmann
- 1711 - 1716 Hermann Alexander von Wolffradt, Amtmann
- 1716 - 1718 Johann Jansson von Silberstern, königlich dänischer Amtmann
- 1718 - 1721 Christoph August von John, königlich dänischer Amtmann
- 1721 - 1734 Hermann Alexander von Wolffradt, Amtmann
- 1736 - 1759 Bogislaw Georg von Platen
- 1760 - 1785 Carl Gustav von Wolffradt
- 1785 - 1805 Karl Friedrich von Usedom
- 1805 - 1806 Karl Ludwig Adolph von Bohlen, Amtsrichter
Landräte des Landckreises Rügen
- 1818 - 1836 J. von Engeström
- 1838 - 1841 von Kathen
- 1841 - 1857 von der Lancken
- 1857 - 1873 von Platen
- 1873 - 1880 Axel Eggert von Usedom (1839 - 1884)
- 1880 - 1886 Rudolf Freiherr von Reiswitz
- 1886 - 1896 Victor von Koerber (1851 - 1918)
- 1896 - 1903 Joachim von Lattorff
- 1903 - 1918 Hans Jaspar von Maltzahn (1869 - 1929)
- 1921 Milenz
- 1933 - 1934 Gottfried Graf von Bismarck-Schönhausen (1901 - 1949)
- 1934 - 1936 Schiedlausky ]vertretungsweise]
- 1936 - 1945 Hermann Weißenborn
- 1945 - 1948 Arno Hübner (1893 - 1973)
- 1993 - 16 Sep 2001 Karin Timmel (*1958)
- 16 Sep 2001 - 10 Okt 2011 Kerstin Kassner (* 1958) Die Linke
Landräte des Landkreises Vorpommern-Rügen
- 10 Okt 2011 - 10 Jun 2018 Ralf Drescher (* 1956) CDU
- seit 10 Jun 2018 Stefan Kerth (* 1973) SPD, ab 2023 parteilos
Politische Gruppierungen und Wahlen
Auf Rügen sind f olgende Parteien aktiv:
- CDU (Christlich Demokratische Union)
- SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands)
- AfD (Alternative für Deutschland)
- Die Linke
- Bündnis Sarah Wagenknecht (BSW)
- FDP (Freie Demokratische Partei)
- Bündnis 90/Die Grünen
Im Landkreis Vorpommern-Rügen erreichte der parteilose Amtsinhaber Stefan Kerth (ehemals SPD) im ersten Wahlgang 49,2 % der Stimmen, der AfD-Kandidat Carlos Rodrigues kam auf 27,5 %. In der Stichwahl setzte sich Kerth deutlich mit 75,1 % gegen Rodrigues (24,9 %) durch. Die SPD, Linke, Grüne und CDU unterstützten Kerth in der Stichwahl3. Laut Sonntagsfrage vom April 2025 ag die AfD landesweit mit 29 % vor der SPD (21 %), CDU (17 %), Die Linke (15 %), Bündnis Sahra Wagenknecht (6 %) und Grünen (5 %).
Justizsystem und Kriminilität
Das Justizsystem auf Rügen ist vollständig in das deutsche Rechtssystem eingebunden und wird seit der großen Gerichtsstrukturreform von 2015 zentral von Stralsund aus gesteuert. Das frühere eigenständige Amtsgericht Bergen auf Rügen existiert nicht mehr; es ist heute lediglich eine Zweigstelle des Amtsgerichts Stralsund. Im historischen Gerichtsgebäude in der Ringstraße in Bergen werden weiterhin die meisten Alltagsverfahren der Inselbewohner und Urlauber abgewickelt: Scheidungen, Sorgerechtsstreitigkeiten, Unterhalts- und Mietstreitigkeiten, Nachlassangelegenheiten, Betreuungssachen sowie kleinere Strafsachen und Ordnungswidrigkeiten. Wer jedoch wegen schwerer Körperverletzung, Raub, Sexualdelikten oder gar eines Totschlags angeklagt ist, muss vor dem Landgericht Stralsund erscheinen. Die Staatsanwaltschaft Stralsund führt sämtliche Ermittlungen, und bei Berufungen geht es weiter zum Oberlandesgericht Rostock. Eine eigene Justizvollzugsanstalt gibt es auf der Insel nicht – Verurteilte werden in die JVAs Stralsund, Waldeck oder Bützow verlegt.
Die Reform von 2015 war für viele Rügener ein schmerzhafter Einschnitt. Die Fahrt nach Stralsund dauert bei normalem Verkehr mindestens eine Stunde, bei Stau auf dem Rügendamm oder der neuen Rügenbrücke schnell doppelt so lange. Dennoch hat sich die Zweigstelle Bergen als Kompromiss bewährt: Richter und Rechtspfleger kommen regelmäßig auf die Insel, sodass die meisten Termine weiterhin vor Ort stattfinden können.
Kriminalität spielt auf Rügen im bundesweiten Vergleich eine untergeordnete Rolle. Der Landkreis Vorpommern-Rügen gehört seit Jahren zu den sichersten Regionen Deutschlands. Die polizeiliche Kriminalstatistik 2024 weist für den gesamten Landkreis etwa 11.500 Straftaten aus, wovon nur etwa 15–18 % auf die Insel entfallen. Die Aufklärungsquote liegt bei über 62 % und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Gewaltkriminalität ist extrem selten: Im Jahr 2024 gab es im gesamten Landkreis nur zwei vollendete Tötungsdelikte, keines davon auf Rügen.
Die typischen Delikte sind klar saisonal geprägt. In den Sommermonaten steigen vor allem Diebstähle sprunghaft an: Fahrräder und E-Bikes (oft hochwertige Modelle, die ungesichert vor Hotels oder Strandzugängen stehen), Taschendiebstähle in den Fußgängerzonen von Binz und Sellin, Autoaufbrüche auf den großen Parkplätzen am Königsstuhl oder in Prora sowie gelegentliche Wohnungseinbrüche in nur saisonal bewohnten Ferienhäusern. Betrugsvorfälle betreffen häufig falsche Handwerker oder unseriöse Vermieter von Ferienwohnungen über Internetportale.
Vandalismus tritt vor allem nach größeren Veranstaltungen oder in der Nebensaison auf – beschmierte Seebrücken, zerstörte Strandkörbe oder demolierte Bushaltestellen. Alkoholbedingte Körperverletzungen und Schlägereien konzentrieren sich auf wenige Wochenenden im Jahr, etwa beim Sassnitzer Hafenfest oder nach Fußballspielen. Drogenkriminalität ist im Vergleich zu Großstädten marginal; es handelt sich überwiegend um Konsumdelikte und kleinen Handel mit Cannabis.
Die Polizei ist mit der Wache Bergen auf Rügen sowie den Polizeistandorten in Sassnitz und Binz präsent. In der Hauptsaison werden zusätzliche Kräfte aus anderen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns auf die Insel verlegt, und die Wasserschutzpolizei kontrolliert verstärkt die Häfen und die Küstengewässer. Die enge Zusammenarbeit zwischen Polizei, Tourismusverbänden und Gemeinden hat sich bewährt: Viele Strandkörbe und Fahrradständer sind inzwischen mit Videoüberwachung ausgestattet, und in Binz und Sellin gibt es regelmäßige Streifen zu Fuß.
Internationale Politik
Rügen und insbesondere seine größeren Städte sind aktiv in internationale Politik und Städtepartnerschaften eingebunden. Diese Partnerschaften dienen vor allem dem kulturellen, wirtschaftlichen und jugendlichen Austausch sowie der Förderung von Projekten auf kommunaler Ebene.
Partnerstädte von Bergen auf Rügen sind:
- Oldenburg in Holstein (Deutschland)
- Svedala (Schweden)
- Goleniów (Polen)
- Palanga (Litauen)
Flagge und Wappen
Das Wappen des Landkreises Rügen wurde am 18. Januar 1993 durch das Innenministerium genehmigt und unter der Nr. 68 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Blasonierung: „Geteilt von Gold über Blau; oben ein rot gekrönter und bewehrter Schwarzer Löwe mit Doppelschweif, der aus dem im unteren Felde befindlichen, aus fünf roten Steinen gebildeten Stufengiebel hervorwächst. Auf dem Schild ruht eine Volkskrone; sie besteht aus einem mit roten Steinen geschmückten goldenen Reifen, der mit fünf ornamentalen Blättern besetzt ist.“ Das Wappen wurde von dem Sagarder Gerhard Koggelmann gestaltet.
Die Flagge des Landkreises Rügen ist eine Wappenflagge. Sie zeigt zwei gleichbreite Längsstreifen in den Farben Gelb (oben) und Blau (unten). Auf dem oberen Streifen liegt ein rot gekrönter und bewehrter Schwarzer Löwe mit Doppelschweif, welcher aus dem auf dem unteren Streifen liegenden, aus fünf roten Steinen gebildeten Stufengiebel hervorwächst. Die Länge des Flaggentuches verhält sich zur Höhe wie 5:3.
Hauptstadt
Im Früh- und Hochmittelalter war das Machtzentrum des slawischen Ranenfürstentums eindeutig die Burg Charenza (auch Karenza). Die genaue Lage ist bis heute umstritten, die meisten Historiker und Archäologen identifizieren sie jedoch mit dem Ringwall bei Venz (Garz/Venzer Burgwall) im Südosten der Insel. Hier residierte der Ranenfürst, hier tagte das Thing, und von hier aus wurde das weitgehend autonome Territorium regiert. Das religiöse Zentrum lag dagegen im äußersten Norden - die Tempelburg Jaromarsborg unterhalb des heutigen Kap Arkona mit dem berühmten Svantevit-Heiligtum. Arkona war somit geistliche, Charenza weltliche „Hauptstadt“ der Ranen – bis beide 1168 vom dänischen König Waldemar I. und Bischof Absalon von Roskilde zerstört wurden.
Nach der Eroberung und Christianisierung wurde das Fürstentum Rügen dänisches Lehen und später eigenständiges Fürstentum unter den slawischen Fürsten Jaromar I. und seinen Nachfolgern. Verwaltungssitz war nun meist die in den 1210er Jahren gegründete Stadt Stralsund, die jedoch auf dem Festland liegt, sowie zeitweilig die Burg auf dem Rugard bei Bergen, die bereits im 12. Jahrhundert als Befestigung existierte. Eine echte Insel-„Hauptstadt“ gab es in dieser Zeit nicht mehr.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg fiel Rügen 1648 an Schweden. Die Schweden richteten in Bergen eine neue Verwaltung ein und verliehen dem Ort 1613 offiziell das Stadtrecht – als erste Stadt auf der Insel überhaupt. Der Rugard wurde zur Festung ausgebaut, und Bergen avancierte zum militärischen und administrativen Zentrum Schwedisch-Pommerns auf der Insel. Als Rügen 1815 an Preußen fiel, blieb Bergen weiterhin Sitz des Landkreises Rügen und wurde offiziell zur Kreisstadt erklärt.
Von der preußischen Zeit bis zur Auflösung der Länder in der DDR 1952 war Bergen de facto die „Hauptstadt“ Rügens. Hier saß der Landrat, hier war das Katasteramt, das Finanzamt und das Amtsgericht. Die Stadt wuchs langsam, blieb aber mit etwa 5.000 bis 7.000 Einwohnern stets bescheiden – im Gegensatz zu den touristischen Zentren Binz, Sellin oder Sassnitz. In der DDR wurde der Landkreis Rügen 1952 aufgelöst und in die neuen Kreise Bergen, Putbus und später Rügen (Sitz Bergen) umgewandelt. Auch in dieser Zeit blieb Bergen Verwaltungssitz des Kreises.
Nach der Wiedervereinigung wurde 1990 zunächst wieder der alte Landkreis Rügen geschaffen – wieder mit Sitz in Bergen. Bei der großen Kreisreform 2011 fusionierte dieser mit den Landkreisen Nordvorpommern und der Hansestadt Stralsund zum neuen Landkreis Vorpommern-Rügen. Stralsund wurde neuer Kreissitz, Bergen behielt jedoch zahlreiche Außenstellen (zum Beispiel Katasteramt, Jugendamt, Teile des Bauamts). Am 1. Januar 2005 wurde das Amt Bergen auf Rügen gegründet - heute mit über 23.000 Einwohnern das bevölkerungsreichste Amt Mecklenburg-Vorpommerns. Bergen ist seither offizieller Verwaltungssitz dieses Amtes und gleichzeitig eines der 18 Mittelzentren des Landes. Damit hat die Stadt trotz des Verlusts des Landratsamtes wieder eine zentrale regionale Funktion.
Verwaltungsgliederung
Der Landkreis Rügen besteht aus drei amtsfreien Gemeinden und vier Ämtern mit 38 Gemeinden. Bis 2002 gab es 4 amtsfreie Stadtgemeinden mit 7 Ämtern und 44 Gemeinden sowie die amtsfreie Femeinde Hiddensee mit drei Ortsgebieten.
Ämter und Gemeinden 2001
| Amt / Gemeinde | Fläche (km²) | Einwohner | Dichte (E/km²) |
| Bergen-Land | 153,04 | 4.635 | 30,29 |
| Garz Stadt | 18,79 | 1.753 | 93,29 |
| Gustow | 28,43 | 652 | 22,93 |
| Karnitz | 15,21 | 217 | 14,27 |
| Poseritz | 40,28 | 1.240 | 30,78 |
| Zudar | 21,83 | 553 | 25,33 |
| Garz (Amt) | 134,03 | 4.646 | 34,66 |
| Gingst | 162,81 | 4.584 | 28,16 |
| Jasmund | 63,77 | 4.636 | 72,70 |
| Mönchgut-Granitz | 57,56 | 6.648 | 115,41 |
| Südwest-Rügen | 106,98 | 5.564 | 52,01 |
| Wittow | 97,18 | 5.537 | 56,98 |
| Amtsfreie Städte | |||
| Bergen auf Rügen | 41,77 | 15.425 | 369,28 |
| Ostseebad Binz | 25,22 | 5.532 | 219,35 |
| Putbus | 66,59 | 4.968 | 74,61 |
| Sassnitz | 46,27 | 11.568 | 250,01 |
| Amtsfreie Gemeinde | |||
| Hiddensee | 18,95 | 1.196 | 63,11 |
Für 2018 werden folgende Einwohnerzahlen angegeben:
Amtsfreie Gemeinden
· Binz (5397)
· Putbus, Stadt (4364)
· Sassnitz, Stadt (9320)
Ämter
· Amt Bergen auf Rügen (20.321)
- Bergen auf Rügen, Stadt * (13.460)
- Buschvitz (245)
- Garz/Rügen, Stadt (2194)
- Gustow (576)
- Lietzow (246)
- Parchtitz (767)
- Patzig (457)
- Poseritz (978)
- Ralswiek (245)
- Rappin (301)
- Sehlen (852)
- Amt Mönchgut-Granitz (7215)
- Baabe * (914)
- Göhren (1255)
- Lancken-Granitz (435)
- Mönchgut (1339)
- Sellin (2623)
- Zirkow (649)
- Amt Nord-Rügen (7742)
- Altenkirchen (907)
- Breege (629)
- Dranske (1117)
- Glowe (968)
- Lohme (436)
- Putgarten (183)
- Sagard * (2457)
- Wiek (1045)
- Amt West-Rügen (9490)
- Altefähr (1250)
- Dreschvitz (742)
- Gingst (1294)
- Insel Hiddensee (1000)
- Kluis (421)
- Neuenkirchen (288)
- Rambin (929)
- Samtens * (1943)
- Schaprode (431)
- Trent (661)
- Ummanz (531)
Verwaltungseinheiten:
Verwaltungseinheiten:
3 amtsfreie Stadtgemeinden
4 Ämter
38 Gemeinden
Bevölkerung
Der Landkreis Rügen hat in der Zeit von der politischen Wende 1990 bis zum März 2004 fast 15 % seiner Bevölkerung verloren. Diese und die ähnlichen Zahlen anderer Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern lassen Gremien in der Landesregierung immer wieder über eine Zusammenlegung / Neuordnung von Landkreisen sprechen. Die Bevölkerung des Landkreises Rügen hatte sich am 13. Juni 2004 in einem Bürgerentscheid zur Selbständigkeit Rügens mit über 92 % für den Erhalt des Landkreises in seiner jetzigen Form ausgesprochen. Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche des Landkreises von 974,53 km².
Bevölkerungsentwicklung:
Jahr Einwohner Dichte (E/km²)
1817 28 000 28,75
1843 39 000 40,04
1897 45 000 46,18
1900 46 270 47,48
1919 50 704 52,05
1933 53 289 54,70
1937 54 000 55,43
1939 62 270 63,90
1946 89 306 91,66
1950 88 412 90,74
1960 87 500 89,79
1970 86 866 89,16
1973 86 100 88,37
1978 84 515 86,74
1981 84 539 86,77
1985 85 205 87,45
1990 85 275 87,52
1991 83 614 85,83
1992 82 431 84,62
1993 81 466 83,63
1994 80 466 82,60
1995 79 260 81,35
1996 78 331 80,40
1997 77 595 79,64
1998 76 927 78,96
1999 76 208 78,22
2000 75 386 77,38
6/2001 74 934 76,92
2001 74 402 76,37
2002 74 149 76,12
2003 73 500 75,42
2004 72 663 74,56
2005 71 000 72,86
2006 70 459 73,33
2007 68 716 70,51
2008 68 872 70,67
2009 68 126 69,93
2010 67 526 69,29
2011 67 250 69,01
2012 66 500 68,24
2013 66 000 67,72
2014 65 500 67,21
2015 65 000 66,70
2016 64 500 66,18
2017 63 849 65,62
1/2018 62 990 64,64
2018 63 790 65,46
2019 66 982 68,73
2020 65 130 66,83
2021 65 374 67,08
2022 66 042 67,77
2023 66 202 67,93
Die Bevölkerung sank von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 0,6 % pro Jahr.
Bevölkerungsaufteilung:
Bevölkerungszahl 2001 insgesamt 74 402
davon weiblich 37 549 50,47 %
männlich 36 853 49,53 %
davon ländlich 40 092 51,67 %
städtisch 37 503 48,33 %
Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 78 Jahren. Die Zahl der Haushalte beträgt insgesamt rund 30.000.
Haushalte 1996:
- Gesamtzahl 34 755
- Personen pro Haushalt 2,254
Volksgruppen
Rügen war im Laufe der Geschichte von verschiedenen Volksgruppen besiedelt und geprägt. Bereits seit der Steinzeit war Rügen fast durchgängig besiedelt, wie archäologische Funde zeigen. Nach der Bronzezeit lebten auf Rügen zunächst germanische Stämme. Besonders belegt ist eine germanische Bevölkerung im 1. bis 4./5. Jahrhundert, etwa in der Gemarkung Gustow. Die Zuordnung einzelner germanischer Stämme ist in der Forschung teils umstritten. Die oft genannten Rugier, die Namensgeber der Insel sein könnten, siedelten laut neueren Erkenntnissen wahrscheinlich nicht dauerhaft auf Rügen, sondern nur in begrenztem Umfang oder wurden mythologisch überhöht.
Ab dem 7. Jahrhundert wanderten westslawische Stämme, die sogenannten Ranen (auch Rujanen oder Rugini genannt), in die durch die Völkerwanderung weitgehend entvölkerten Gebiete ein und besiedelten Rügen sowie das umliegende Festland. Die Ranen waren bekannt für ihre polytheistische Religion mit Hauptgöttern wie Svantevit (verehrt am Kap Arkona), Rugievit, Porenut, Porevit und Tjarnaglofi. Sie verloren 1168 ihre Unabhängigkeit an die Dänen, als diese das Heiligtum am Kap Arkona eroberten. Danach wurde das Christentum eingeführt und die Insel kam unter dänische Herrschaft.
Nach der Christianisierung und der Eingliederung in das dänische Bistum Roskilde wurde Rügen zunehmend deutschsprachig und Teil des Herzogtums Pommern. Im weiteren Verlauf der Geschichte spielten deutsche Siedler und verschiedene Herrscher eine dominierende Rolle
Sprachen
Die germanischen Stämme, die vor den Slawen auf Rügen lebten, sprachen vermutlich verschiedene ostgermanische oder nordgermanische Dialekte. Die Ranen (auch Rujanen genannt) sprachen einen westslawischen Dialekt, der dem Polabischen nahestand und heute ausgestorben ist.
Nach der Eroberung durch die Dänen 1168 und der Christianisierung wurde das Slawische allmählich vom Deutschen verdrängt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war auf Rügen vor allem das Niederdeutsche (Plattdeutsch) verbreitet. Mit der Reformation und der Einführung der Bibelübersetzung Martin Luthers setzte sich auch das Hochdeutsche durch, blieb aber zunächst vor allem Schriftsprache. Während der dänischen Herrschaft gab es Einflüsse des Dänischen, aber keine flächendeckende Verbreitung als Alltagssprache.
Heute ist auf Rügen wie im gesamten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern Deutsch die vorherrschende Alltagssprache. Plattdeutsch wird noch von einigen älteren Menschen gesprochen und in Vereinen oder kulturellen Projekten gepflegt. Als Fremdsprachen sind vor allem Englisch und teilweise skandinavische Sprachen verbreitet, besonders im Tourismus.
Religion
Auf Rügen gibt es evangelisch-lutherische Kirchgemeinden, diese gehören zum Kirchenkreis Stralsund der Pommerschen Evangelischen Kirche. Die katholischen Gemeinden gehören zum Dekanat Vorpommern des Erzbistums Berlin. Im Landkreis gibt es drei Gemeinden der Neuapostolischen Kirche, sie gehören zum Bezirk Stralsund in der Gebietskirche Mecklenburg-Vorpommern, die dem Apostelbezirk Norddeutschland untersteht.
Auf der Insel Rügen gibt es 49 Kirchengebäude, darunter 43 (ohne Hiddensee und Ummanz 41) evangelische, drei neuapostolische und drei katholische Kirchen. Die Rügener katholische Kirchengemeinde, die nördlichste des Erzbistums Berlin, hat ihren Sitz in der St. Bonifatius-Kirche in Bergen auf Rügen. Die ältesten Kirchen auf Rügen stammen aus dem 12. Jahrhundert. Die jüngsten Kirchenbauten wurden im 20. Jahrhundert erbaut, um den gestiegenen Bedarf durch das aufkommende Bäderwesen zu befriedigen.
Judentum
Historische Belege für jüdisches Leben auf Rügen sind eher spärlich. Im 18. und 19. Jahrhundert begann jedoch eine kleine Zahl jüdischer Familien, sich auf der Insel niederzulassen. Viele von ihnen kamen aus dem Binnenland Mecklenburgs, oft aus Stralsund, Greifswald oder dem Umfeld des Herzogtums Pommern. Sie waren meist Händler, Handwerker oder Kaufleute, die von der wachsenden Bedeutung des Tourismus und der aufblühenden Kurorte auf Rügen profitieren konnten.
Im 19. Jahrhundert bildeten sich einige feste jüdische Gemeinden auf Rügen, vor allem in den größeren Städten wie Bergen und Putbus. Die jüdischen Familien waren meist gut integriert, betrieben Geschäfte oder waren im Tourismus tätig. Religiöses Leben fand in kleinen Bethäusern oder privaten Wohnungen statt, da die Zahl der Gemeindemitglieder oft zu gering war, um größere Synagogen zu errichten.
Es gab Kontakte zu den jüdischen Gemeinden auf dem Festland, insbesondere nach Stralsund, Greifswald und Stettin. Die Kinder der jüdischen Familien besuchten häufig öffentliche Schulen oder private jüdische Bildungseinrichtungen in den größeren Städten der Umgebung.
In der Weimarer Republik lebten auf Rügen weiterhin nur wenige hundert Juden. Die Gemeinden waren klein, aber kulturell aktiv. Viele Familien betrieben Läden, Gasthäuser oder waren als Handwerker tätig. Das gesellschaftliche Leben war geprägt von einer gewissen Integration in die Mehrheitsbevölkerung, zugleich existierte in Deutschland aber auch antisemitische Strömungen, die sich teilweise auch auf Rügen bemerkbar machten.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann für die jüdischen Einwohner Rügens eine dramatische Verschlechterung ihrer Lebenssituation. Antisemitische Gesetze, Boykotte und gesellschaftliche Ausgrenzung führten dazu, dass viele jüdische Familien die Insel verließen, sofern sie dazu die Möglichkeit hatten.
Die wenigen Juden, die auf Rügen verblieben, wurden Opfer von Entrechtung, Zwangsarbeit, Deportationen und letztlich Ermordung während des Holocaust. Es gab auf Rügen keine großen Sammelorte für Deportationen; die verbliebenen jüdischen Einwohner wurden meist über Stralsund oder Greifswald in Konzentrationslager gebracht.
Nach 1945 gab es auf Rügen keine nennenswerte jüdische Gemeinde mehr. Einige Überlebende des Holocaust oder deren Nachkommen ließen sich kurzzeitig auf der Insel nieder, doch ein dauerhaftes jüdisches Gemeindeleben entstand nicht. Die Spuren der jüdischen Bevölkerung sind heute vor allem durch wenige Grabstätten auf Friedhöfen, historische Dokumente und Erinnerungsinitiativen sichtbar.
Siedlungen
Zentrum der Insel ist die Kreisstadt Bergen auf Rügen. Weitere Städte sind Sassnitz, Putbus und Garz/Rügen. Hinzu kommen die Ostseebäder Binz, Sellin, Göhren, Baabe und Thiessow. Rügen wird wegen seiner vielfältigen Landschaft und der langen, feinsandigen Badestrände von vielen Urlaubern besucht. Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:
| Ortschaft | Z 1939 | S 1990 | S 1995 | S 2001 | Z 2011 | S 2019 | S 2020 | Z 2022 | S 2023 |
| Altefähr | 1.127 | 1.118 | 1.360 | 1.196 | 1.283 | 1.275 | 1.262 | 1.275 | |
| Altenkirchen | 1.416 | 1.289 | 1.188 | 998 | 924 | 901 | 883 | 885 | |
| Altenpleen | 943 | 942 | 932 | 973 | 934 | 1.000 | 953 | 972 | |
| Baabe | 764 | 776 | 884 | 858 | 937 | 954 | 920 | 921 | |
| Bergen auf Rügen | 6.178 | 19.363 | 17.548 | 15.740 | 13.926 | 13.478 | 13.572 | 13.646 | 13.649 |
| Binz | 2.222 | 6.778 | 6.169 | 5.548 | 5.199 | 5.393 | 5.488 | 4.967 | 5.009 |
| Breege | 879 | 850 | 806 | 664 | 608 | 573 | 587 | 566 | |
| Buschvitz | 196 | 210 | 257 | 249 | 259 | 253 | 235 | 228 | |
| Dranske | 1.500 | 3.739 | 3.212 | 1.826 | 1.227 | 1.123 | 1.149 | 1.060 | 1.041 |
| Dreschvitz | 784 | 756 | 785 | 809 | 723 | 753 | 746 | 758 | |
| Garz/Rügen | 2.493 | 2.902 | 2.779 | 2.729 | 2.294 | 2.185 | 2.215 | 2.196 | 2.188 |
| Gingst | 1.717 | 1.551 | 1.535 | 1.389 | 1.272 | 1.227 | 1.206 | 1.292 | |
| Glowe | 1.035 | 926 | 912 | 987 | 972 | 974 | 923 | 987 | |
| Göhren | 1.499 | 1.272 | 1.285 | 1.267 | 1.277 | 1.315 | 1.212 | 1.256 | |
| Gustow | 683 | 685 | 653 | 629 | 585 | 584 | 607 | 588 | |
| Insel Hiddensee | 1.261 | 1.274 | 1.173 | 995 | 981 | 992 | 942 | 926 | |
| Kluis | 334 | 327 | 376 | 398 | 416 | 411 | 393 | 386 | |
| Kramerhof | 699 | 824 | 1.630 | 1.756 | 1.874 | 1.894 | 1.899 | 1.933 | |
| Lancken-Granitz | 371 | 331 | 401 | 389 | 442 | 454 | 479 | 467 | |
| Lietzow | 346 | 318 | 302 | 262 | 249 | 257 | 238 | 231 | |
| Lohme | 677 | 623 | 621 | 466 | 449 | 459 | 471 | 464 | |
| Mönchgut | 1.339 | 1.323 | 1.478 | 1.371 | 1.360 | 1.369 | 1.302 | 1.282 | |
| Neuenkirchen | 541 | 478 | 448 | 336 | 278 | 284 | 274 | 271 | |
| Parchtitz | 742 | 717 | 816 | 761 | 766 | 769 | 740 | 750 | |
| Patzig | 422 | 422 | 509 | 476 | 443 | 452 | 438 | 419 | |
| Poseritz | 1.375 | 1.270 | 1.237 | 1.069 | 964 | 986 | 949 | 937 | |
| Putbus | 4.167 | 5.188 | 5.044 | 4.919 | 4.373 | 4.435 | 4.487 | 4.469 | 4.445 |
| Putgarten | 332 | 300 | 289 | 218 | 180 | 185 | 180 | 181 | |
| Ralswiek | 529 | 406 | 288 | 238 | 245 | 252 | 244 | 249 | |
| Rambin | 981 | 995 | 1.099 | 991 | 954 | 944 | 922 | 919 | |
| Rappin | 487 | 437 | 414 | 331 | 295 | 312 | 307 | 302 | |
| Sagard | 2.500 | 3.751 | 3.563 | 3.050 | 2.474 | 2.394 | 2.398 | 2.347 | 2.404 |
| Samtens | 2.512 | 2.356 | 2.276 | 1.999 | 1.938 | 1.915 | 1.988 | 2.028 | |
| Sassnitz | 6.359 | 13.032 | 12.241 | 11.468 | 9.749 | 9.186 | 9.191 | 9.010 | 9.040 |
| Schaprode | 663 | 626 | 568 | 476 | 420 | 419 | 421 | 413 | |
| Sehlen | 672 | 691 | 939 | 867 | 848 | 877 | 890 | 893 | |
| Sellin | 2.852 | 2.690 | 2.556 | 2.435 | 2.631 | 2.653 | 2.501 | 2.513 | |
| Trent | 1.072 | 973 | 926 | 733 | 663 | 657 | 657 | 645 | |
| Ummanz | 774 | 713 | 717 | 581 | 526 | 542 | 574 | 556 | |
| Wiek | 1.463 | 1.299 | 1.281 | 1.164 | 1.036 | 1.061 | 988 | 985 | |
| Zirkow | 677 | 702 | 743 | 651 | 682 | 685 | 658 | 668 |
Bergen auf Rügen ist der zentrale Hauptort und das Verwaltungs-, Gewerbe- und Geschäftszentrum der Insel Rügen. Die Stadt liegt mitten im hügeligen Herzen der Insel auf einer Anhöhe von etwa 55 Metern über dem Meeresspiegel, die während der letzten Eiszeit entstand. Am nordöstlichen Stadtrand erhebt sich der Rugard, eine bewaldete Endmoräne und mit 91 Metern die höchste Erhebung der Stadt sowie das dritthöchste Gebiet Rügens.
Bergen auf Rügen hat rund 13.600 bis 14.000 Einwohner und ist seit 2005 Verwaltungssitz des gleichnamigen Amtes, das zu den bevölkerungsreichsten Ämtern Mecklenburg-Vorpommerns zählt. Die Stadt ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt für Bus und Bahn und gilt als eines von 18 Mittelzentren im Bundesland. Die Innenstadt ist geprägt von historischen Fachwerkhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert und lockt mit ihrem städtischen Flair zahlreiche Besucher an. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die Sankt-Marien-Kirche, der Klosterhof mit mittelalterlicher Kultur, der Marktplatz sowie der Ernst-Moritz-Arndt-Turm auf dem Rugard, der eine beeindruckende Aussicht über die Insel bietet.
Die Umgebung ist landwirtschaftlich geprägt und bietet eine vielfältige Naturlandschaft: Im Nordwesten liegt der Nonnensee, im Nordosten der Kleine Jasmunder Bodden, im Süden das Kiebitzmoor sowie das Hofstädter Moor. Der Rugard ist ein beliebtes Naherholungsgebiet mit Wanderwegen, einem Kletterwald und einer Sommerrodelbahn.
Sassnitz ist die nördlichste Stadt der Insel Rügen und liegt auf der Halbinsel Jasmund im Nordosten der Insel. Mit rund 10.000 Einwohnern ist Sassnitz ein bedeutender Hafen- und Fährort sowie ein staatlich anerkannter Erholungsort. Die Stadt vereint maritimes Flair, historische Bäderarchitektur und eine eindrucksvolle Naturlandschaft. Ein markanter grün-weißer Leuchtturm aus dem Jahr 1903, der das Stadtbild prägt. Mit etwa 1.450 Metern Europas zweitlängste Außenmole, die Stadt und Hafen miteinander verbindet und einen Spaziergang direkt am Wasser ermöglicht. Im Stadthafen befinden sich das Fischerei- und Hafenmuseum sowie das ehemalige britische U-Boot H.M.S. OTUS. Die neu gestaltete Promenade lädt zum Flanieren und Genießen ein.
Die Altstadt ist geprägt von eleganten, weiß verzierten Villen aus der Gründerzeit, die das maritime Flair unterstreichen. Sassnitz ist das „Tor“ zu den berühmten Kreidefelsen und dem UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder“. Sassnitz lebt vom Fischfang, dem Hafenbetrieb und dem Tourismus. Die Stadt ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Natur und zu den Kreidefelsen.
Putbus ist eine kleine Stadt im Südosten von Rügen, bekannt als „Weiße Stadt“ wegen ihrer vielen klassizistischen, weiß gestrichenen Gebäude. Die Stadt wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus als Residenzstadt geplant und angelegt. Putbus ist ein Paradebeispiel für klassizistische Architektur in Norddeutschland.
Der Marktplatz mit dem Circus, ein kreisförmig angelegter Platz, ist von klassizistischen Häusern umgeben und ein architektonisches Highlight. Der weitläufige Schlosspark mit Orangerie und Teehaus bietet zahlreiche Spazierwege und botanische Besonderheiten. Das älteste durchgängig bespielte Theater Mecklenburg-Vorpommerns. Die Schmalspurbahn „Rasender Roland“ verbindet Putbus mit anderen Orten auf Rügen und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Im Zentrum steht der Obelisk, der dem Stadtgründer gewidmet ist. Putbus ist ein ruhiges, stilvolles Städtchen mit viel Kultur, Geschichte und grünen Oasen. Die Stadt ist besonders für Architektur- und Kulturinteressierte ein lohnendes Ziel.
Binz ist der bekannteste und größte Ostseebadort der Insel Rügen und liegt an der Ostküste der Insel. Mit rund 5.000 Einwohnern und einer Vielzahl von Gästen ist Binz das touristische Zentrum der Insel. Der Ort ist berühmt für seine kilometerlange, feinsandige Strandpromenade, die eleganten Villen im Stil der Bäderarchitektur und das pulsierende Kurleben.
Die Strandpromenade erstreckt sich über mehrere Kilometer und bietet zahlreiche Cafés, Restaurants und Geschäfte. Viele historische, reich verzierte Villen prägen das Ortsbild und verleihen Binz einen besonderen Charme. Ein markantes Gebäude ist das Kurhaus Binz am Strand, das als Wahrzeichen und Veranstaltungsort dient. In der Nähe von Binz liegt das imposante Jagdschloss Granitz, ein beliebtes Ausflugsziel mit herrlicher Aussicht vom Turm. Die Schmale Heide ist eine Landzunge, die Binz mit dem Nationalpark Jasmund verbindet. Das Naturbad Binz ist ein großes, modernes Freibad mit Rutschen und Sportmöglichkeiten.
Garz ist die älteste Stadt auf Rügen und liegt im Süden der Insel, etwa 15 Kilometer südlich von Putbus. Mit etwa 2.600 Einwohnern ist Garz ein ruhiges, historisches Städtchen, das oft als „Tor zur Halbinsel Mönchgut“ bezeichnet wird. Die St. Petri-Kirche ist eine der ältesten Kirchen auf Rügen, die im 13. Jahrhundert errichtet wurde. Garz besitzt einen kleinen, charmanten Marktplatz und einige gut erhaltene historische Gebäude. In der Nähe der Stadt befinden sich die Reste einer slawischen Wallburg aus dem 9. bis 12. Jahrhundert.
Garz ist weniger touristisch als andere Orte auf Rügen und bietet daher viel Ruhe und Ursprünglichkeit. Die Umgebung ist geprägt von Wiesen, Feldern und kleinen Wäldern – ideal für Radtouren und Spaziergänge.
Sellin ist eines der bekanntesten Seebäder auf der Insel Rügen und liegt an der Ostküste, südlich von Binz und südöstlich von Putbus. Der Ort ist berühmt für seine Bäderarchitektur, die berühmte Seebrücke und einen langen, feinsandigen Ostseestrand. Die 394 Meter lange Seebrücke ist das Wahrzeichen von Sellin. Sie führt weit ins Meer hinaus und bietet einen wunderschönen Blick auf die Ostsee. Im Brückenhaus befinden sich Restaurants, Cafés und eine Tauchgondel. Die Straßen von Sellin sind gesäumt von eleganten, historischen Villen im Stil der Bäderarchitektur, die dem Ort einen besonderen Charme verleihen.
Sellin verfügt über einen feinsandigen, breiten Ostseestrand, der sich über mehrere Kilometer erstreckt und zum Baden, Spazieren und Entspannen einlädt. Der Kurpark ist eine grüne Oase mitten im Ort und bietet zahlreiche Sitzmöglichkeiten, einen Kinderspielplatz und einen kleinen Teich. Sellin hat einen kleinen, aber sehr gepflegten Ortskern mit Boutiquen, Cafés und Restaurants. Die Häuser sind meist weiß gestrichen und mit blumenreichen Vorgärten geschmückt. In der Nähe von Sellin befinden sich der Schmachter See, der Selliner See und der Granitzer Wald – ideale Ziele für Ausflüge zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
Verkehr
Der Verkehr von und nach Rügen läuft über Stralsund. Dazu kommen überregionale Verbindungen über mehrere Häfen und den Flughafen der Insel.
Mit dem Begriff Strelasundquerung werden die beiden Brückenverbindungen der Insel Rügen über den Strelasund zum vorpommerschen Festland bei Stralsund, die Rügenbrücke und der Rügendamm, sowie die regelmäßig betriebenen Fährverbindungen zwischen Stralsund und Altefähr sowie Stahlbrode und Glewitz bezeichnet. Der Rügendamm ist die erste feste Strelasundquerung, über den sowohl die alte Bundesstraße 96, die Bahnstrecke Stralsund–Sassnitz sowie ein kombinierter Fuß- und Radweg führen. Sie wurde 1936/37 fertiggestellt. Rügenbrücke ist der Name der im Jahr 2007 fertiggestellten dreispurigen Hochbrücke ausschließlich für den Kraftfahrzeugverkehr zwischen der Ortschaft Altefähr auf Rügen und der Hanse- und Weltkulturerbestadt Stralsund im Zuge der als Ortsumgehung ausgebauten Bundesstraße 96. Beide Brücken werden parallel betrieben.
Straßenverkehr
Der Individualverkehr vom Festland auf die Insel Rügen wurde bis Oktober 2007 hauptsächlich über den zweispurigen Rügendamm abgewickelt, der zwischen Stralsund und Altefähr über den Strelasund führt.
Für eine zweite Strelasundquerung wurde am 31. August 2004 der Grundstein gelegt. Diese parallel zum Rügendamm verlaufende Brücke hat eine Länge von rund 4,1 km und eine Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt von 42 m und wurde am 20. Oktober 2007 eröffnet. Um die Stadt Stralsund zu entlasten, wurde in den letzten Jahren eine Umgehungsstraße aus südwestlicher Richtung gebaut. Die Bundesstraße 96 zwischen Stralsund und Greifswald ist außerdem über einen Zubringer mit der Bundesautobahn 20 verbunden. Die B 96 führt von Stralsund über Bergen bis nach Sassnitz. Hier ist eine neue Streckenführung mit Ortsumgehungen geplant (B 96 Neu).
Autofrei hingegen sind zum Schutz der Landschaft die wichtigsten Touristenattraktionen Kap Arkona, der Königsstuhl und das Jagdschloss Granitz, aber auch die zum Landkreis Rügen gehörende Insel Hiddensee. Alle diese Ziele können mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrzeugen ohne Verbrennungsmotor erreicht werden.
Der Busverkehr auf Rügen wird von der Rügener Personennahverkehrs GmbH betrieben. Seit 1996 wurde er kontinuierlich ausgebaut, es wurde ein integraler Taktfahrplan für ihn entwickelt. Alle wichtigen Städte und Gemeinden der Insel sind inzwischen mindestens zweistündlich untereinander verbunden, in der Hauptsaison teilweise wesentlich häufiger. Während des ganzen Jahres verkehren die Busse inzwischen mindestens stündlich auf den Strecken Königsstuhl–Sassnitz–Binz–Göhren–Klein Zicker, Sassnitz–Binz–Bergen, Schaprode–Bergen–Klein Zicker, Bergen/Sassnitz–Altenkirchen–Wiek–Dranske und Altenkirchen–Putgarten bei Kap Arkona. Darüber hinaus ist der Busverkehr insbesondere in Bergen, aber auch an anderen Stationen, gut mit dem Bahnverkehr verknüpft.
Rügen besitzt ein ausgeschildertes Radwegenetz. Der Ausbauzustand und die Beschilderung dieses Radwegenetzes ist in seinen einzelnen Abschnitten sehr unterschiedlich. Er reicht von sehr gut im Bereich der Ostseebäder bis mangelhaft im Bereich zwischen Garz und Zudar. Es gibt einen Fahrradrundweg um die ganze Insel. Während der Saison besteht auf einigen Strecken die Möglichkeit, Fahrräder in den Bussen mitzunehmen. In den Eisenbahnen ist dies grundsätzlich möglich.
Straßenverkehr 2002:
- Straßen insgesamt 1995 km
- davon Hiddensee 24 km
- Radwege 200 km
Fahrzeugbestand 2002:
- insgesamt 43.251
- davon Pkw 36.918
- Mopeds und Motorräder 1.894
- Lkw 2.925
- Autobusse 104
- Nutzfahrzeuge 979
- sonstige 431
Die Rügener Personennahverkehrs GmbH (RPNV) ist das größte Verkehrsunternehmen auf der Insel Rügen. Die RPNV bedient die gesamte Insel Rügen und die Hansestadt Stralsund mit über 25 Linien sowie eine Insel-Buslinie für die benachbarte Insel Hiddensee. Das Unternehmen wurde 1992 als GmbH vom Landkreis Rügen gegründet und ging aus der um 1953 gegründeten „VEB Kraftverkehr Rügen“ hervor. In der Vergangenheit wurden neben dem Personenlinienverkehr auch Gütertransporte durchgeführt. Gegründet wurde das Unternehmen mit vier Bussen, Traktoren, LKW und Taxis; später gehörte ein Teil zum Stralsunder Unternehmen „Kraftverkehr Ostseetrans Stralsund“. Die RPNV ist heute mit an die 100 Mitarbeitern das größte Verkehrsunternehmen auf der Insel Rügen.
Gegenwärtige Linien sind:
| Nummer | von ↔ bis | über |
| 10 | Wiek ↔ Dranske | Altenkirchen, Breege |
| 11 | Altenkirchen ↔ Putgarten | (Umstieg in Arkonabahn möglich) |
| 12 | Dranske, Bug ↔ Bergen | Altenkirchen, Sagard, Lietzow, Ralswiek |
| 13 | Sassnitz ↔ Dranske | Sagard, Wiek, Altenkirchen |
| 14 | Sassnitz ↔ Glowe | Sagard, Lohme, Königsstuhl |
| 18 | Sassnitz (Wedding) ↔ Sassnitz (RügenerRing) | Busbahnhof, Sassnitz (Neuer Friedhof) |
| 18 | Sassnitz (Busbahnhof) ↔ Sassnitz (Fährhafen Mukran) | Sassnitz (Neuer Friedhof) |
| 19 | Hagen (Parkplatz) ↔ Königstuhl | Pendelbus |
| 20 | Königstuhl ↔ Klein Zicker | Sassnitz, Binz, Serams (Wendeplatz), Göhren |
| 23 | Sassnitz ↔ Bergen | Sassnitz, Binz (im Sommer bis Königsstuhl) |
| 24 | Bergen ↔ Klein Zicker | Zirkow, Serams (Wendeplatz), Göhren |
| 25 | Sellin (Seebrücke) ↔ Neu Reddevitz | Ortsbus |
| 28 | Bergen ↔ Binz | Karow, Lubkow |
| 29 | Bergen ↔ Stedar | Buschvitz |
| 30 | Bergen/Serams (Wpl) ↔ Stralsund | Putbus, Garz, Stralsund |
| 31 | Bergen ↔ Lauterbach(Hafen) | Tilzow, Kettelshagen |
| 32 | Bergen (Busbahnhof) ↔ Bergen (Busbahnhof) | Stadtlinie |
| 33 | Bergen ↔ Zicker | Sehlen, Garz |
| 34 | Garz ↔ Samtens | Berglase |
| 35 | Bergen ↔ Schaprode/Wittower Fähre | Gingst, Trent |
| 37 | Bergen ↔ Vieregge | Rappin |
| 38 | Bergen ↔ Waase (Ummanz) | Rappin, Gingst |
| 39 | Bergen ↔ Ralswiek Ort | Störtebekerbus (nur zu den Spielzeiten) |
| 40 | Bergen ↔ Gingst | Samtens |
| 41 | Bergen/Gingst ↔ Stralsund | Samtens |
| 59 | Grieben ↔ Neuendorf | Kloster, Vitte (alle Orte: Hiddensee) |
In der Hauptsaison besteht eine durchgehende Buslinie vom Ostseebad Göhren nach Putgarten über Sassnitz, Sagard und Altenkirchen. Die RPNV hält in seinem Fuhrpark aktuell 56 Busse, wovon viele mit Biodiesel fahren. Das Unternehmen hat in seinem Fuhrpark einen großen Anteil an Bussen der Hersteller Neoplan und Solaris. Darüber hinaus besitzt die RPNV noch Busse von MAN, Volvo und Fiat. Im Sommer bietet die RPNV auch die Möglichkeit zur Fahrradmitnahme, wofür Fahrradanhänger und Heckträger vorgehalten werden.
Bahnverkehr
Die Rügensche Kleinbahn (auch Rasender Roland genannt) ist eine Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 750 mm auf der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Die dampfbetriebene Schmalspurbahn ist eine Hauptattraktion der Insel und verbindet Putbus über Binz, Sellin und Baabe mit Göhren. Seit dem Jahr 2008 erbringt die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn (PRESS) aus Jöhstadt mit ihrem neuen Geschäftsbereich Rügensche Bäderbahn (RüBB) die Verkehrsleistungen.
Auf einer Strecke von 24,1 km wird mit historischen Dampflokomotiven und Waggons, die teilweise fast 100 Jahre alt sind, ein regulärer Betrieb aufrechterhalten.
Der erste Streckenabschnitt von Putbus nach Binz, der noch heute in Betrieb ist, wurde 1895 eröffnet. Der Betreiber, der damals als Rügensche Kleinbahn-Aktiengesellschaft (RüKB) firmierte, erweiterte sein Netz bis 1899 auf 97,3 Kilometer. Eine Strecke führte vom Bahnhof Altefähr, gegenüber Stralsund, über Putbus nach Göhren. Die andere Strecke führte von Altenkirchen, nahe dem Kap Arkona, über die Wittower Fähre nach Bergen. Ende der 1960er Jahre wurden die meisten Streckenabschnitte stillgelegt.
Seit einem Gleisumbau zwischen 1977 und 1979 ist die Strecke Putbus–Göhren mit Oberbau K ausgerüstet, der Wechsel von Kies- zur Schotterbettung geschah erst Anfang der 1990er Jahre.
Errichtet wurden die Strecken von der Rügenschen Kleinbahn-Aktiengesellschaft RüKB, an der die bauausführende Firma Lenz & Co. einen gewichtigen Anteil am Aktienkapital besaß. Die Firma Lenz & Co. übernahm zunächst auch die Betriebsführung. Ab 1. April 1910 ging diese an den Provinzialverband der Provinz Pommern über.
1940 übernahmen die als Körperschaft des öffentlichen Rechts neu gegründeten Pommerschen Landesbahnen die Rügensche Kleinbahn-Aktiengesellschaft in ihr Eigentum.
Nach 1945 wurde die Strecke wie alle privaten Kleinbahnen in Mecklenburg-Vorpommern dem Landesbahnamt Demmin unterstellt. 1949 wurden die Strecken dann von der Deutschen Reichsbahn in der DDR übernommen. Am 1. Januar 1996 ging der Betrieb der verbliebenen Strecke von der nunmehrigen Deutschen Bahn AG an die neu gegründete Rügensche Kleinbahn GmbH & Co. über, welche damals zur Karsdorfer Eisenbahngesellschaft KEG gehörte.
Nach der Insolvenz der Karsdorfer Eisenbahngesellschaft verkaufte deren Geschäftsführer Bernhard van Engelen die ihm persönlich gehörende RüKB im März 2004 an die Eisenbahn-Betriebsgesellschaft (EBG) von Ludger Guttwein. Ein Streit über den Kaufpreis und über die Weiterführung des Betriebs führte dazu, dass der Vertrag im Mai 2004 rückgängig gemacht wurde. Im November 2004 wurde die RüKB schließlich an Hermann Schöntag verkauft.
Da die Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern den Verkehrsvertrag aus rechtlichen Gründen nicht verlängern wollte und stattdessen die auf der Strecke erbrachten Nahverkehrsleistungen im Herbst 2007 neu ausgeschrieben hatte, endete am 31. Dezember 2007 die Leistungspflicht der RüKB. Das Verfahren ging zugunsten der Eisenbahn-Bau-Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbH (PRESS) aus, die den Rasenden Roland 20 Jahre betreiben soll. Der neue Vertrag sieht vor, dass die neue Betreibergesellschaft die Infrastruktur für den Betrieb leihweise vom Landkreis Rügen erhält.
Wegen Streitigkeiten des Landkreises Rügen mit dem ehemaligen Betreiber bezüglich des Rückkaufs des Fahrzeugparks bestand seit dem 18. März 2008 ein Übergangsbetrieb zwischen Binz und Göhren mit von der PRESS angemieteten Fahrzeugen. Am 9. April 2008 erhielt die PRESS die Verfügungsgewalt über die zurückgekauften Fahrzeuge und seit dem 26. April 2008 fährt die Bahn auch wieder im Zwei-Stunden Takt mit zwei Zügen zwischen Putbus und Göhren. Am 1. Juni 2008 übernahm sie die Mitarbeiter und die Eisenbahninfrastruktur von der RüKB. Seit dem 7. Juni 2008 setzt die RüBB einen dritten Zug zwischen Binz und Göhren ein, sodass dort ein Stundentakt realisiert wird.
Strecke Altefähr–Putbus–Göhren, Eröffnungsdaten:
- Putbus–Binz 22. Juli 1895
- Binz–Sellin West 20. März 1896
- Sellin West–Sellin Ost 23. Mai 1896
- Sellin Ost–Göhren 13. Oktober 1899
- Altefähr–Putbus 4. Juli 1896
- Putbus–Lauterbach Mole 28. Mai 1999 (Dreischienengleis in vorhandener Bahnstrecke Bergen auf Rügen–Lauterbach Mole)
Strecke Bergen - Altenkirchen, Eröffnungsdaten:
- Bergen–Wittower Fähre 21. Dezember 1896
- Fährhof–Altenkirchen 21. Dezember 1896
- Buhrkov Abzweig–Starrvitz-Gramtitz 1. November 1918
- Starrvitz-Gramtitz–Bug 16. Dezember 1918
Die Strecke erschloss vor allem das landwirtschaftlich geprägte Hinterland der Insel Rügen und besaß im Ausflugsverkehr auf der Insel Rügen keine Bedeutung. Als Besonderheit bestand zwischen Wittower Fähre und Fährhof eine Eisenbahnfährverbindung, die auch dem Straßenverkehr diente. Genutzt wurde die Fähre nur im Güterverkehr und für die Überführung von Lokomotiven und Wagen, im Reisezugverkehr wurden keine Wagen übergesetzt. Die Abkürzung „LB“ hinter den Bahnhofsnamen Putbus und Binz steht für „Landesbahn“.
Pläne zur Erweiterung der Strecke gab es mehrere, realisiert wurde letztlich nur der Abzweig auf den Bug aus militärischen Gründen. Schon genehmigte Streckenprojekte, wie die Streckenverlängerung nach Kap Arkona und von Trent nach Schaprode wurden letztlich nicht errichtet. Auch die Verbindung von Bubkevitz nach Garz, 1907 genehmigt, wurde nicht gebaut, obwohl die Verbindung der beiden Strecken auf Rügen sicherlich enorme betriebliche Vorteile gebracht hätte.
In den 1960er Jahren verlor die Strecke im Güterverkehr ihre Bedeutung, da immer mehr Transporte auf den Straßenverkehr übergingen. Am 10. September 1968 wurde der Betrieb auf der Nordstrecke Fährhof–Altenkirchen eingestellt, am 19. Januar 1970 endete auch der Verkehr auf der Strecke Bergen–Wittower Fähre. Der Abzweig zur Halbinsel Bug war schon 1955 endgültig eingestellt worden.
Die Fährverbindung zwischen Wittower Fähre und Fährhof blieb noch bis 1975 im Eigentum der Deutschen Reichsbahn und ging erst dann an die Weiße Flotte über. Erst in den 1990er Jahren wurden die alten Eisenbahnfährschiffe außer Dienst gestellt und durch Neubauten ersetzt.
Auf der Bahn wurden zunächst zweiachsige Dampflokomotiven der Lenz-Typen n und m eingesetzt, später auch dreiachsige Loks des Typ o und vierachsige Loks der Typen nn und Mh. Auch eine preußische T 36 kam nach Rügen. Nach der Übernahme der Strecke durch die Deutsche Reichsbahn kamen Lokomotiven anderer Bahnen hinzu, manche nur für kurze Zeit, so die Baureihen 99451, 99453, 99464, 99465 und 99480, vor allem aber die Baureihe 9951–60, die sächsische IV K, ab den 1980er Jahren auch Neubauloks der Baureihe 9977–79. Letztere ist neben Lokomotiven der Type M und der Baureihe 99480 auch heute noch vorhanden. Heute sind auch verschiedene Dampflokomotiven aus Privatbesitz auf der Strecke unterwegs. Seit 1965 gab es auch Diesellokomotiven, vornehmlich für Rangieraufgaben, zunächst zwei ehemalige Heeresfeldbahn Köf, von denen eine noch vorhanden ist. Seit 1998 fährt auch die von der Deutschen Bundesbahn stammende V 51 901 auf Rügen.
Im Rügenschen Schmalspurnetz wurde von Anfang an die Görlitzer Gewichtsbremse verwendet. 1965 begann die Umstellung auf Druckluftbremse. Im Gegensatz zu vielen anderen Schmalspurstrecken sind die Leitungskupplungen an den Fahrzeugen symmetrisch angeordnet. Da die ursprünglichen Maschinen keine Heizkupplungen hatten, mussten die Personenwagen mit Öfen ausgerüstet werden. Auch die seit den 1960er Jahren von sächsischen Strecken umgesetzten Wagen wurden mit Öfen nachgerüstet. Von Anfang an wird die Balancierhebelkupplung benutzt. Einen Betrieb mit Rollfahrzeugen gab es nie.
Der Übergangsverkehr ab dem 21. März 2008 erfolgte mit der Diesellokomotive 199 008-4 der IG Pressnitztalbahn, der 99 773 der SDG sowie der Dampflok 99 787 der Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft. Gepäck- und Reisezugwagen wurden von der SDG und SOEG angemietet. Nachdem der Betrieb mit Leihfahrzeugen zu Beginn des Winterfahrplans 2008/09 beendet wurde, wurden die Fahrzeuge wieder nach Sachsen zurückgebracht. Als neue Lok ist seit Oktober 2008 die ehemalige Lok 7 der Mansfelder Bergwerksbahn unter der Nummer 99 4011 im Einsatz.
Bahnnetz:
- Bahnnetz insgesamt 26,9 km
- davon dampfbetrieben 26,9 km
- Bahnnetz 1918 bis 1955 104,9 km
- Bahnlinie 1 (ehemals 4 Teilstrecken)
- Haltestellen 13 (ehemals 32)
Kleinbahn „Der rasende Roland“:
- Kürzel: RR
- Betriebszeit: 1895/99 - 1967, seit 1996/99
- Putbus - Binz 1895 - 1967, seit 1996
- Binz - Sellin 1896 - 1967, seit 1996
- Sellin - Göhren 1899 - 1967, seit 1996
- Putbus - Lauterbach Mole seit 1999
- Strecke: Lauterbach Mole - Putbus - Binz - Sellin - Göhren
- Länge insgesamt: 26,9 km
- Putbus - Binz 10,9 km
- Binz - Sellin 8,3 km
- Sellin - Göhren 5,1 km
- Putbus - Lauterbach Mole 2,6 km
- Betriebsart: dampf
- Zahl der Haltestellen: 13
Rügensche Kleinbahnen:
- Kürzel: RüKB
- Betriebszeit: 1896 - 1960/70
- Altefähr - Bergen - Putbus 1896 - 1967
- Bergen - Wittower Fähre 1896 - 1970
- Fährhof - Buhrkopf - Altenkirchen 1896 - 1960/68
- Buhrkopf - Starrvitz-Gamtitz - Bug 1918 - 1955
- Strecke:
- Hauptstrecke Altefähr - Bergen - Putbus
- Abzweigung Bergen - Wittower Fähre
- Fortführung Fährhof - Buhrkopf - Altenkirchen
- Militärischer Zubringer Buhrkopf - Starrvitz-Gamtitz - Bug
- Gesamtlänge: 80,3 km
- Altefähr - Bergen - Putbus 35,3 km
- Bergen - Wittower Fähre 22,5 km
- Fährhof - Buhrkopf - Altenkirchen 14,5 km
- Buhrkopf - Starrvitz-Gamtitz - Bug 8,0 km
- Betriebsart: dampf
- Zahl der Haltestellen: (20)
Schiffsverkehr
Zwischen der Halbinsel Zudar auf Rügen und Stahlbrode auf dem Festland auf halbem Wege zwischen Stralsund und Greifswald verkehren zwei Autofähren der Weißen Flotte im halbstündlichen Wechsel. Von Rügens Kernland („Muttland“) nach Wittow verkehrt die Wittower Fähre, eine Autofähre der Weißen Flotte. Vom Fährhafen Sassnitz in Mukran gehen Fährverbindungen auf die dänische Insel Bornholm, ins schwedische Trelleborg, ins Baltikum nach Klaipėda und nach Sankt Petersburg ab.
Die ebenfalls zum Landkreis Rügen gehörende Insel Hiddensee ist vom Fährhafen Schaprode aus im Linienverkehr mit Rügen verbunden, der zunehmend in den integralen Taktfahrplan auf der Insel Rügen eingebunden wird. Des Weiteren verkehren Schiffe im Linienverkehr von Stralsund sowie von Wiek und Breege aus nach Hiddensee. Im Ausflugsverkehr gibt es Schiffsverbindungen von Lauterbach nach Gager sowie zwischen Sassnitz, Binz, Sellin und Göhren, hinzu kommen Rundfahrten vor allem von Sassnitz aber auch von Lohme zum Königsstuhl. Ausflugsdampfer verkehren auch zwischen den Seebädern und Peenemünde auf Usedom; dort besteht Anschluss an die Usedomer Bäderbahn (UBB).
Auf Rügen stehen vier Leuchttürme.
Leuchtfeuer Dornbusch:
- Standort: Hiddensee, Dornbusch bei Grieben, 54°35‘ N, 13°04‘ O
- Inbetriebnahme: 1888
- Turmhöhe: 28 m
- Feuerhöhe: 100 m
- Befeuerung: 2000 Watt
- Tagweite: 45 km
Süderleuchtturm:
- Standort: Hiddensee, Gellen, 54°27‘ N, 13°04‘ O
- Ersterwähnung: „Luchte“ 1306
- Inbetriebnahme: 1905
- Turmhöhe: 12 m
- Feuerhöhe: 55 m
- Befeuerung: Quermarkenfeuer
- Tagweite: ca. 25 km
Leuchtturm Kap Arkona:
- Standort: Rügen, Kap Arkona, 54°40‘ N, 13°26‘ O
- Inbetriebnahme: 1902
- Turmhöhe: 35 m
- Feuerhöhe: 75 m
- Befeuerung: Blitzfeuer mit 2 x 1000 Watt
- Tagweite: 41 km
Schinkelturm:
- Standort: Rügen, Kap Arkona, 54°40‘ N, 13°26‘ O
- Betrieb: 1827 bis 1902
- Turmhöhe: 19,3 m
- Feuerhöhe: 65 m
- ehemalige Befeuerung: 17 Rüböllampen
- ehemalige Tagweite: 15 km
Königslinie ist die Fährverbindung mit Eisenbahntransport von Sassnitz in Deutschland nach Trelleborg in Schweden . Sie stellt mit einer Fahrtzeit von etwa vier Stunden die kürzeste direkte Fährverbindung zwischen Deutschland und Schweden dar und ist in die E 22 eingebunden. Benannt ist sie nach Kaiser Wilhelm II. als König von Preußen und dem schwedischen König Gustav V..
Am 1. Mai 1897 wurde eine Postdampferlinie Sassnitz–Trelleborg eingerichtet. Anfangs sah der Staatsvertrag zwischen Preußen und Schweden nur eine Abfahrt je Richtung und Tag mit Schnellzuganschlüssen nach Berlin und Stockholm vor. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens wurde beschlossen, die Postfähre in eine Eisenbahnfähre umzuwandeln.
Nach dem Abschluss des Vertrages vom 15. November 1907 über die Einrichtung einer Eisenbahnfährverbindung zwischen dem Deutschen Reich und Schweden wurden von beiden Staaten zunächst je zwei Fährschiffe gebaut. Ab 1909 kamen auf deutscher Seite die von der Schichauwerft Danzig gebauten Eisenbahnfährschiffe Preußen und ihr Schwesterschiff Deutschland und auf schwedischer Seite die Fährschiffe Drottning Victoria und Konung Gustav V. zum Einsatz. Nach den neuen Anforderungen entsprechenden umfangreichen Umbaumaßnahmen am Fährhafen Sassnitz zwischen 1908 und 1912 unter der Leitung von Hermann Proetel, benutzte bereits am 6. Juli 1909 der erste Zug die neue Fähre in Anwesenheit des schwedischen Königs und des deutschen Kaisers. Dies gilt als „eigentlicher“ Eröffnungstermin für die Königslinie.
Im November 1911 wurde eine Funkverbindung zwischen Sassnitz, Trelleborg und den Fährschiffen eingerichtet, was eine erhöhte Sicherheit während der Überfahrt mit sich brachte. Zu gleicher Zeit wurde auch damit begonnen, am Kap Arkona ein Seefunkfeuer zu betreiben, um die Navigation auf der Fährlinie zu verbessern.
Im Jahre 1936 wurde der Rügendamm eröffnet. Damit entfiel der zusätzliche zeitraubende Fährtransport zwischen Stralsund und Altefähr auf Rügen, wodurch die Fahrtzeit um eine Stunde verkürzt werden konnte.
Im Zweiten Weltkrieg stellten die Fähren der Königslinie mehrfach den Verkehr ein. Auf der Route wurde nun unter anderem Nachschub für die in Norwegen stationierten deutschen Truppen befördert. Wegen der Zerstörung des Rügendamms und des Fährhafens in Sassnitz ruhte der Verkehr nach Kriegsende insgesamt drei Jahre. Am 16. März 1948 wurde der internationale Fährverkehr wieder aufgenommen.
Mit dem Einsatz des viergleisigen Fährschiffs Trelleborg begann die Zeit der Großfähren mit Autotransport auf der Ostsee. Für dieses und die folgenden Schiffe (Sassnitz, Skåne, Rügen sowie die Ersatzneubauten Trelleborg und Sassnitz in den Achtzigerjahren) mussten die Fährbetten und -brücken verbreitert werden. Täglich wurden zwei bis vier Schnellzugpaare (Tageszug Berlinaren, Nachtzug Sassnitz-Express, nach Verlegung in den Fährhafen Mukran Nils Holgersson) Stockholm, später nur noch Malmö–Berlin Ostbahnhof transportiert. Ab 1962 fuhren Zubringerzüge von West-Berlin (Berlin Zoo), später auch durchgehende Kurswagen. Bis zum Ende der siebziger Jahre verkehrte der Meridian 270/271 zwischen Belgrad und Malmö, später ersetzt durch ein Saisonzugpaar Csardas von und nach Budapest. Zeitweise verkehrte der Zug Berlinaren als Schnelltriebwagen (DR-Baureihe 175). Die Züge wurden bis zur politischen Wende in der DDR überwiegend von Skandinaviern, West-Berlinern und Diplomaten benutzt.
Seit 1998 fahren die Fährschiffe nicht mehr direkt vom Stadthafen aus, sondern vom neuen Fährhafen Sassnitz im Stadtteil Mukran. Die einzigen Reisezugwagen, die noch planmäßig mit den Schiffen der Königslinie transportiert werden, sind die Schlaf- und Liegewagen des privat betriebenen Zugpaares Berlin-Night-Express Malmö–Berlin.
Bahnreisende kommend von Stralsund fahren bis zum Bahnhof Sassnitz. Neben dem Bahnhofsgebäude befindet sich der Busbahnhof, welcher durch die Buslinie 18 der Rügener Personennahverkehrsgesellschaft einen Anschluss zum Fährhafen Mukran gewährleistet. Der Fahrplan ist mit den Abfahrtzeiten der Schiffe der Scandlines abgestimmt. Der Fahrpreis für eine einfache Fahrt beträgt 1,85 Euro. In Trelleborg werden die Reisenden mit einem kostenlosen Shuttlebus vom Fähranleger zum Tor des Hafengeländes gefahren. Um den zentralen Busbahnhof in Trelleborg zu erreichen, ist ein Fußweg von zehn Minuten einzuplanen. In regelmäßigen Abständen fahren dort Busse u.a. nach Malmö.
Anlässlich des im Jahre 2009 seit 100 Jahren bestehenden Fährverkehrs wurde mit dem Erstausgabetag 2. Juli 2009 eine Sonderbriefmarke der Deutschen Post herausgegeben. Die Briefmarke im Wert von 145 Eurocent basiert auf dem Entwurf von Jochen Bertholdt, Rostock und zeigt eine Ansicht der Fähranlagen in Sassnitz in den 1920er Jahren. Zwei Sonderstempel der Stempelstellen Berlin und Bonn waren für den Erstausgabetag vorgesehen. Weiterhin fand am 6. Juli 2009 um 7:45 Uhr eine Sonderfahrt des Fährschiffs Sassnitz von Mukran nach Trelleborg, mit traditionellem Zwischenstopp im Stadthafen von Sassnitz statt.
Flugverkehr
Der Regionalflugplatz Rügen ist der einzige Flugplatz der Insel Rügen. Der Flugplatz liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Dreschvitz in deren Ortsteil Güttin, etwa 8 km südlich der Stadt Bergen direkt an der B 96. Die Nutzung der asphaltierten Landebahn ist auf Flugzeuge mit einem Maximalgewicht von 5,7 t begrenzt. Für den Nachtflugbetrieb kann sie beleuchtet werden.
Der Flugplatz liegt nur wenige hundert Meter von der Bundesstraße 96 entfernt. Der Flugplatz liegt nicht weit von der Bahnstrecke Stralsund - Bergen - Sassnitz/Binz, der nächste Bahnhof an dieser Bahnstrecke ist Teschenhagen, weniger als 3 Straßenkilometer entfernt. In Teschenhagen besteht in der Hauptverkehrszeit stündlich Anschluss mit RegionalExpress nach Stralsund, sowie nach Bergen auf Rügen. Es gibt auch Verbindungen nach Rostock, Sassnitz und Binz.
Entstanden ist der Flugplatz als Agrarflugfeld in Güttin mit einer Rasenlandefläche. Nach der ausschließlichen Nutzung für Agrarflüge von 1982 bis 1990 wurden im Sommer 1990 erstmals Rundflüge über die Insel angeboten, damals noch mit Agrarflugschulmaschinen vom Typ Z-37 bzw. Antonow (AN-2)
In den Jahren nach 1990 kamen erste Bedarfsflüge nach Bornholm, Berlin-Tempelhof und Hamburg hinzu. Im Mai 1993 wurde die 750 m lange Graspiste durch eine 900 m lange Asphaltlandebahn mit dazugehörigen Rollwegen ersetzt. 1995 wurde ein Hangar mit einer Grundfläche von 20x30m errichtet und eine Landebahnbefeuerung mit PAPI installiert.Im Juli 1998 erfolgte die Einweihung eines Abfertigungsgebäudes mit Tower und Gaststätte. Vorhanden ist auch ein stationäre oberirdische Tankanlage für AVGAS.
Flugplatz Güttin
- Code: GTI / EDCG
- Lage: 54°23‘03“ N, 13°19‘54“ O
- Seehöhe: 21 m (64 ft)
- Entfernung: nahe Güttin in Zentralrügen
- Betrieb: 1982 - 1990 Agrarflugplatz, 1991/92 Sonderlandeplatz, seit 1993 Verkehrslandeplatz
- Betreiber: Ostsee-Flug-Rügen GmbH
- Terminal: 1
- Rollbahn: 1
- Länge der Rollbahn: 900 m (Asfalt)
- Fluggesellschaft: 1
- Flugzeug-Standplätze: ca. 10
- jährliche Passagierkapazität: ca. 20.000
- jährliche Frachtkapazität: ca. 100 t
Wirtschaft
Die Unternehmensstruktur Rügens zeichnet sich durch Kleinteiligkeit aus, die sich in einer erstaunlichen Breite darstellt. Die Insel bietet einen breiten Branchenmix verschiedenster Unternehmen und Produkte. Bekannt ist Rügen natürlich in erster Linie als Urlaubsregion und so verwundert es kaum, wenn der Tourismus den bedeutendsten Wirtschaftszweig darstellt.
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft auf Rügen ist ein zentraler Wirtschaftszweig, der die offene Insellandschaft maßgeblich prägt und eng mit der regionalen Identität sowie dem dominierenden Tourismus verknüpft ist. Sie zeichnet sich durch moderne, effiziente Bewirtschaftungsmethoden aus, die zunehmend ökologische Aspekte berücksichtigen. Auf einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von rund 65.000 Hektar dominiert der Ackerbau, ergänzt durch Grünlandwirtschaft. Typische Kulturen sind Getreide wie Winterweizen, Wintergerste und Sommergerste, sowie Ölsaaten wie Winter- und Industrieraps. Daneben spielen Spezialkulturen wie Spargel und verschiedene Kartoffelsorten eine wichtige Rolle, die oft regional vermarktet werden.
Die Tierhaltung ist auf Rügen weniger ausgeprägt als der Pflanzenbau, konzentriert sich jedoch auf extensive Weidewirtschaft mit Rindern, insbesondere Mutterkuhhaltung, sowie auf Schweinehaltung in kleineren Beständen. Viele Betriebe haben sich auf extensive Formen spezialisiert, die mit den natürlichen Gegebenheiten der Insel harmonieren. Geflügelhaltung ist vorhanden, unterliegt aber strengen Auflagen, wie Stallpflichten bei Vogelgrippe-Risiken.
Viele Landwirte setzen auf regionale und Direktvermarktung, etwa über Hofläden, Märkte oder eigene Produkte wie Rapsöl, Kartoffeln und Fleisch. Dies stärkt die lokale Wertschöpfung und schafft zusätzliche Einkommensquellen. Besonders eng ist die Verzahnung mit dem Tourismus: Zahlreiche Betriebe bieten „Urlaub auf dem Bauernhof“ an, inklusive Ferienwohnungen, Hoffesten, Traktorfahrten für Kinder oder Erlebnisangebote wie Tierfütterung. Solche Angebote machen die Landwirtschaft erlebbar und tragen zur Akzeptanz bei Einheimischen und Gästen bei.
Die Bewirtschaftung muss sich den besonderen ökologischen Rahmenbedingungen anpassen: Große Teile der Insel, insbesondere Südost-Rügen, liegen im UNESCO-Biosphärenreservat, mit Mooren, Grünland, Boddenlandschaften und Schutzgebieten. Dies erfordert sensiblen Umgang mit Naturschutzvorgaben, wie sie im Nationalpark Jasmund oder anderen Reservaten gelten. In Mecklenburg-Vorpommern wird ein höherer Anteil Flächen ökologisch bewirtschaftet als im Bundesdurchschnitt, was auch auf Rügen zunehmend spürbar ist. Landwirte profitieren von EU- und nationalen Förderprogrammen für nachhaltige Praktiken, wie Bodenschutz oder Biodiversitätsmaßnahmen.
Der Bauernverband Rügen e.V., als Regionalverband des Bauernverbands Mecklenburg-Vorpommern, vertritt die Interessen der Landwirte gegenüber Politik, Gesellschaft und Tourismusbranche. Er organisiert Schulungen, Beratungen, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit, etwa durch Erntefeste mit Tierschauen oder Tage der offenen Höfe. Gerade auf der „Urlauberinsel“ Rügen ist der Verband wichtig, um Konflikte zwischen intensiver Landnutzung und Tourismus auszugleichen und kooperative Lösungen zu fördern.
Forstwirtschaft
Die Insel Rügen ist mit einem Waldanteil von etwa 17 bis 19 Prozent eine der waldärmsten Regionen Deutschlands (Bundesdurchschnitt: 32 Prozent). Die gesamte Waldfläche beträgt rund 14.650 Hektar, von denen nur etwa 1.500 Hektar im Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern stehen. Der Großteil verteilt sich auf über 2.000 private und kommunale Waldbesitzer. Die Forstwirtschaft auf Rügen ist geprägt von der insularen Lage, den vielfältigen Standortbedingungen und einem starken Naturschutzeinfluss, der die wirtschaftliche Nutzung in vielen Bereichen einschränkt.
Historisch war die Waldnutzung auf Rügen intensiv und oft übermäßig. In der pommerschen und schwedischen Zeit sowie während der Napoleonischen Kriege litten die Wälder unter Rodungen für Brennholz, Schiffbau und Landgewinnung. Im 19. Jahrhundert, in der preußischen Epoche, herrschte akute Holznot, was zu gezielten Aufforstungen führte. Innerhalb von nur 50 Jahren nach 1834 wurde die Waldfläche im öffentlichen Eigentum in Neuvorpommern (einschließlich Rügen) um über 40 Prozent gesteigert. Traditionelle Bewirtschaftungsformen wie Nieder- und Mittelwald spielten eine Rolle: Im Niederwald wurden Bäume kurzzyklisch genutzt, um Brennholz und Lohe zu gewinnen; Reste dieser historischen Nutzung finden sich heute noch in Teilen des Nationalparks Jasmund, wo sie aus Naturschutzgründen erhalten werden.
Die naturräumliche Vielfalt Rügens spiegelt sich in den Waldtypen wider. Dominierend sind schattige Buchenwälder auf den Endmoränen der Halbinsel Jasmund und in der Granitz, Kiefern-Küstendünenwälder entlang der Strände sowie Erlenbruchwälder in Mooren und Feuchtgebieten. Besonders wertvoll sind die alten Rotbuchenbestände, die ohne intensive Forstwirtschaft die natürliche Waldgesellschaft bilden würden. Der Nationalpark Jasmund (gegründet 1990, kleinster Nationalpark Deutschlands mit rund 3.000 Hektar) und das Biosphärenreservat Südost-Rügen schützen große Teile dieser Wälder. Hier gilt das Prinzip „Natur Natur sein lassen“: In Kernzonen wie der Stubnitz (2.400 Hektar) oder der Goor wird auf Eingriffe verzichtet, um urwaldähnliche Strukturen mit Totholz und hoher Biodiversität entstehen zu lassen. Die alten Buchenwälder im Jasmund sind seit 2011 UNESCO-Weltnaturerbe und repräsentieren die größten zusammenhängenden Buchenwälder an der Ostseeküste.
In den bewirtschafteten Flächen außerhalb der Schutzgebiete orientiert sich die Forstwirtschaft an naturnahen Prinzipien. Das Forstamt Rügen (Teil der Landesforst MV) fördert Mischwälder, Mittelwaldsysteme und PEFC-zertifizierte nachhaltige Bewirtschaftung. Küstenschutzwälder, etwa bei Sassnitz, dienen dem Erosionsschutz und werden mit angepassten Arten wie Weißdorn oder Holunder gepflegt. Der Klimawandel stellt neue Herausforderungen dar: Trockenheit und Stürme gefährden Bestände, weshalb der Waldumbau zu stabileren Mischwäldern vorangetrieben wird. Zudem gibt es Bestrebungen zur Waldmehrung, um den geringen Waldanteil zu erhöhen und Kohlenstoff zu binden.
Fischerei
Die Fischerei auf Rügen ist ein bedeutender Wirtschaftszweig und zugleich ein wichtiger Teil der regionalen Kultur und Identität. Sie umfasst sowohl die traditionelle Berufsfischerei als auch die Freizeitfischerei (Angeln), wobei beide Bereiche eng mit den besonderen Lebensräumen der Insel – insbesondere den Boddengewässern – verbunden sind. Die schwach salzhaltigen Bodden um Rügen bieten ideale Bedingungen für zahlreiche Fischarten wie Hecht, Barsch, Aal, Zander und Flunder. Die Berufsfischerei auf Rügen ist traditionell und regional ausgerichtet. Die wirtschaftliche Bedeutung der Angelfischerei auf den Boddenhecht ist allerdings deutlich höher als die der Berufsfischerei auf Hecht – sie bringt eine Bruttowertschöpfung von über 10 Millionen Euro pro Jahr und sichert über 200 Arbeitsplätze in der Region.
Um die Fischerei als traditionellen Handwerksberuf zu bewahren und die regionale Vermarktung zu stärken, gibt es Förderprogramme wie den Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF). Für die Fischwirtschaftsregion Rügen stehen bis 2027 fast 640.000 Euro für Projekte zur Verbesserung der Direktvermarktung und Vernetzung der Fischer zur Verfügung. Die Fischerei steht vor Herausforderungen wie Bestandsrückgängen (insbesondere beim Hecht), Umweltveränderungen durch Klimawandel und Überdüngung, Verlust von Laichplätzen und einem erhöhten Fraßdruck durch Kormorane.
Die Boddengewässer Rügens sind ein Hotspot des Angeltourismus. Besonders der Boddenhecht, der hier zu beeindruckenden Größen heranwachsen kann, zieht Angler aus ganz Deutschland und Europa an. Aufgrund des Rückgangs der Hechtbestände wurden Schutzmaßnahmen eingeführt, etwa die Einrichtung von Winterlagern für Hechte mit stark eingeschränkter Befischung und die Reduzierung der täglichen Entnahmequote für Angler. In bestimmten Gebieten ist die Stellnetzfischerei auf Hecht nicht mehr erlaubt. Für andere Fischarten wie Dorsch gelten zusätzliche Beschränkungen, etwa ein Fangverbot für Freizeitfischer.
Viele Fischer auf Rügen setzen auf schonende Fangmethoden und nachhaltige Fischerei, um die Bestände langfristig zu sichern. Wissenschaftliche Studien und Dialogprozesse mit Fischerei, Tourismus und Naturschutz haben zu konkreten Empfehlungen für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände geführt. Ziel ist es, den Druck auf die Fischbestände zu verringern und die Vermehrung der Fische zu ermöglichen.
Bergbau
In der Geschichte Rügens gab es keinen nennenswerten Bergbau auf Metalle, Kohle oder andere klassische Rohstoffe. Die geologische Struktur der Insel ist dafür nicht geeignet. Eine Ausnahme stellt der historische Kreideabbau dar. Im „Gummanzer Kreidebruch“ wurde von 1859 bis 1962 Kreide abgebaut, die als „weißes Gold“ bezeichnet wurde. Heute ist der Bruch ein touristischer Anziehungspunkt und Teil des Kreidemuseums Gummanz.
In der DDR-Zeit wurde rund um Rügen und Usedom auch nach Erdöl gebohrt, um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern. Die Förderung war jedoch wirtschaftlich und mengenmäßig begrenzt und spielt heute keine Rolle mehr.
In der Steinzeit wurde auch auf Rügen Feuerstein abgebaut, wie in vielen Regionen Europas, jedoch nicht in industriellem Maßstab. Archäologische Funde zeigen, dass Feuerstein als Rohstoff für Werkzeuge genutzt wurde.
Handwerk
Das Handwerk auf Rügen ist vielseitig, kreativ und fest mit der Inselkultur verwurzelt. Es spiegelt sowohl traditionelle Techniken als auch moderne, innovative Ansätze wider und wird von Einheimischen wie Besuchern gleichermaßen geschätzt.
In den liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern des Museums in Gingst wird das Leben und Arbeiten des 18. und 19. Jahrhunderts lebendig. Besucher können originale Werkstätten von Schustern, Schneidern, Weißnäherinnen und Webern besichtigen. Zusätzlich gibt es eine Schmiede mit funktionstüchtigem Inventar, wo gelegentlich Schmiedearbeiten vorgeführt werden.
Zu den typischen Handwerken gehörten auf Rügen Tischlerei, Stellmacherei, Korbflechten, Schmiedekunst, Weberei und Schneiderhandwerk. Viele Künstler und Handwerker verarbeiten regionale Materialien wie Treibholz, Glas, Bernstein, Keramik und Wolle zu Schmuck, Dekoration, Textilien und Kunstwerken.
Zweimal wöchentlich (Dienstag und Donnerstag, Mai bis Oktober) präsentieren mehr als 100 Manufakturen und Kunsthandwerker aus der Region ihre Produkte am Hafen von Thiessow. Das Angebot reicht von handgefertigtem Schmuck, Keramik, Textilien und Kunstwerken bis zu geflochtenen Korbwaren, Glasperlen, Messern, bestickter Wäsche, Leinen, Strickarbeiten und Kindermode.
Viele Künstler lassen sich von der Natur Rügens inspirieren und fertigen Unikate, die die Schönheit der Insel widerspiegeln. Besonders beliebt sind handgemachte Souvenirs, Schmuck, Keramik und Dekorationen aus natürlichen Materialien. Viele Handwerker legen Wert auf nachhaltige Produktion und verwenden überwiegend regionale Rohstoffe, etwa Treibholz oder Schafwolle.
Auf dem Rügen-Markt und in den Handwerkerstuben Gingst können Besucher Handwerkern über die Schulter schauen, Produkte direkt vor Ort erwerben und sich über alte und neue Techniken informieren. Auch die Herstellung regionaler Spezialitäten wie Fisch, Käse, Marmeladen und Backwaren zählt zum traditionellen Handwerk auf Rügen.
Industrie
Die Industrie auf Rügen ist im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands eher kleinstrukturiert und mittelständisch geprägt. Sie spielt eine untergeordnete Rolle gegenüber den dominierenden Wirtschaftszweigen Tourismus, Landwirtschaft und Handel. Der Landkreis Vorpommern-Rügen zeichnet sich durch eine Vielzahl kleiner und mittlerer Unternehmen aus, die vor allem in den Bereichen Bauwirtschaft, Handwerk, erneuerbare Energien und maritimer Wirtschaft tätig sind. Schwere Industrie oder große Fertigungsanlagen fehlen weitgehend, was mit den naturräumlichen Bedingungen der Insel – Schutzgebiete, Biosphärenreservat und touristische Ausrichtung – zusammenhängt.
Ein bedeutender Industriezweig ist die Lebensmittelverarbeitung, insbesondere die Fischverarbeitung. Das Unternehmen Rügen Fisch GmbH mit Sitz in Sassnitz ist der größte deutsche Hersteller von Fischkonserven und ein zentraler Arbeitgeber auf der Insel. Es produziert unter Marken wie Hawesta, Rügen Krone, Lysell und Ostsee Fisch ein breites Sortiment an haltbaren Fischprodukten, darunter Räucherwaren und Konserven. Die Traditionsfirma beschäftigt mehrere Hundert Mitarbeiter und exportiert Teile ihrer Produktion. Historisch gewachsen aus volkseigenen Betrieben der DDR-Zeit, hat sich Rügen Fisch zu einem modernen, international orientierten Unternehmen entwickelt, das seit 2021 vollständig zur Thai Union Group gehört.
Im maritimen Bereich gibt es kleinere Betriebe im Schiff- und Bootsbau sowie in der Zulieferindustrie. Beispiele sind die Bootsbau Rügen GmbH in Lauterbach, die sich auf den Bau und Refit von Yachten spezialisiert hat, sowie die MBR Metallbau Rügen GmbH, die Komponenten für den Schiffbau, Stahlkonstruktionen und Spezialcontainer fertigt. Größere Werften wie die ehemalige Volkswerft in Stralsund (nahe Rügen) haben sich nach Insolvenzen und Umstrukturierungen zu maritimen Industrieparks gewandelt, mit Fokus auf Reparatur, Recycling und Spezialschiffbau. Die maritime Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns profitiert von der Energiewende, etwa durch Offshore-Projekte, doch auf Rügen selbst bleibt die Industrie hier begrenzt.
Weitere industrielle Aktivitäten finden sich in Gewerbegebieten wie in Bergen auf Rügen, wo Unternehmen aus dem Baustoffbereich, Handwerk und kleineren Fertigungen ansässig sind. Frühere Nahrungsmittelproduktionen wie Molkereien oder Backwarenfabriken aus DDR-Zeiten sind größtenteils Geschichte; übrig geblieben sind moderne, oft regionale Betriebe. Der Verein Rügen Produkte e.V. fördert lokale Hersteller, die transparente und nachhaltige Produktion betonen.
Wasserwirtschaft
Die Wasserwirtschaft auf Rügen ist durch eine moderne, gut ausgebaute Infrastruktur zur Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung geprägt und wird von mehreren regionalen Versorgern organisiert. Der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR) ist für die Inseln Rügen, Hiddensee und Ummanz verantwortlich.
Technische Daten 2024:
- 23 Wasserwerke
- 27 Wasserfassungen
- 115 aktive Brunnen
- Über 360 km Haupttransportleitungen
- 686 km Versorgungsleitungen
- 22.526 Hausanschlüsse (Anschlussgrad: 98 %)
- Jährliche Wasserförderung: ca. 5,3 Millionen m³
- Jährliche Trinkwassermenge: ca. 4,5 Millionen m³
- Wasserverluste: ca. 13 % (hauptsächlich durch Rohrbrüche)
Das Trinkwasser wird aus Grundwasser gewonnen, in modernen Wasserwerken aufbereitet und regelmäßig streng kontrolliert. Die Qualität entspricht den Vorgaben der Trinkwasserverordnung. Die Versorgung ist zuverlässig und auch in der touristischen Hochsaison gewährleistet.
Abwasserbehandlung
- Kläranlagen: 34 Kläranlagen auf Rügen, davon 6 mit einer dritten Reinigungsstufe.
- Kapazität: Insgesamt 178.209 Einwohnergleichwerte (EGW)
- Abwassermenge (2024): rund 3,9 Millionen m³
- Netz: 605 km Schmutzwasserkanal, 267 km Regenwasserkanal, 13 km Mischwasserkanal, 377 km Hausanschlusskanal.
Moderne Abwasserreinigungstechnologien sorgen für einen hohen Umweltschutz und die Rückführung des gereinigten Wassers in den natürlichen Kreislauf. Die Untere Wasserbehörde des Landkreises Vorpommern-Rügen überwacht oberirdische Gewässer (Bäche, Gräben) und das Grundwasser. Sie ist für die Gewässeraufsicht, Überwachung von Anlagen und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben verantwortlich. Schutz und nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen.
Energiewirtschaft
Das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl wurde als Null-Emissionen-Haus konzipiert. Die Stromversorgung des Hauses erfolgt über eine Fotovoltaikanlage. Da das Zentrum an einem der sonnenreichsten Orte Deutschlands steht, kann die Anlage bis zu 18 KW erzeugen. Um die Erdwärme zur Energiegewinnung für Heizung, Klimaanlage und warmes Wasser zu nutzen, wurde auf dem Freigelände des Nationalpark-Zentrums eine Erdwärmeanlage installiert. Durch neue Technologien wird der nachhaltige Umgang mit Trinkwasser gewährleistet. Das Entwässerungskonzept ist durch eine strikte Trennung der anfallenden Abwässer nach Grad der Verschmutzung bestimmt. Abwässer werden mittels Freigefälle abgeleitet, einem Fettabscheider zugeführt und zur Vorklärung der Pflanzenkläranlage zugeleitet. Das so gereinigte Wasser entspricht in seinen Grenzwerten der EU-Badewasserrichtlinie. Das gereinigte Wasser wird ausschließlich für eine Zweitnutzung als Spülwasser für Toiletten genutzt.
Das LNG-Terminal im Hafen Mukran auf Rügen ist Gegenstand zahlreicher Konflikte, die sowohl Umwelt- und Naturschutz als auch die regionale Akzeptanz betreffen. Umweltverbände wie der NABU und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisieren das Projekt wegen möglicher Gefahren für das Ökosystem des Greifswalder Boddens und der Ostseeküste. Die Bauarbeiten, insbesondere das Baggern für die Gas-Pipeline, könnten sensible Lebensräume schädigen. Der NABU reichte Klage gegen die Bauarbeiten ein, das Bundesverwaltungsgericht lehnte jedoch im Januar 2024 einen Eilantrag ab. Viele Bewohner und Gemeinden auf Rügen, darunter die Gemeinde Binz, lehnen das Terminal ab. Sie befürchten Sicherheitsrisiken, erhöhten Schiffsverkehr und negative Auswirkungen auf Tourismus und Lebensqualität. Die Gemeinde Binz äußerte Bedenken hinsichtlich des Kollisionsrisikos durch große LNG-Tanker im Hafen, was später teilweise korrigiert wurde. Es gibt Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Terminals, da die tatsächlichen Liefermengen bisher weit unter den geplanten Kapazitäten liegen. Kritiker wie die DUH sprechen von einer "teuren und unnötigen Investitionsruine". Politisch wurde das Terminal trotz massiven Widerstands genehmigt, um vorgelich die Energieversorgung Deutschlands zu sichern und die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern.
Abfallwirtschaft
Die Abfallwirtschaft im Landkreis Vorpommern-Rügen (und damit auch auf Rügen) ist durch ein umfassendes System zur Sammlung, Trennung und Entsorgung von Abfällen geprägt. Restmüll wird regelmäßig an den angeschlossenen Grundstücken abgeholt. Für zusätzlichen Restmüll gibt es spezielle Restabfallsäcke. Bioabfall wird ebenfalls über das Holsystem, also direkt an den Grundstücken, wird Bioabfall eingesammelt. Die Einsammlung von Leichtverpackungen erfolgt durch die Nehlsen MV GmbH & Co. KG, beauftragt vom Dualen System Deutschlands. Wer eine Gelbe Tonne möchte, muss dies schriftlich beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft melden. Die Abholung von Papier und Pappe wird ebenfalls über das Holsystem organisiert. Papiertonnen können bei Nehlsen MV GmbH & Co. KG bestellt werden. Sperrmüll muss angemeldet werden und wird dann zu festgelegten Terminen abgeholt. Schadstoffe können auf den Wertstoffhöfen des Landkreises abgegeben werden.
Es gibt sieben Wertstoffhöfe im Landkreis (zum Beispiel in Sagard, Samtens, Stralsund, Grimmen, Barth, Ribnitz-Damgarten und Camitz), auf denen verschiedene Abfallarten gebührenfrei oder gebührenpflichtig abgegeben werden können. Seit Januar 2025 werden Alttextilien getrennt gesammelt. Es gibt Sammelcontainer auf den Wertstoffhöfen und bei karitativen Organisationen. Nicht wiederverwertbare Textilien gehören in den Restmüll oder können gebührenpflichtig entsorgt werden.
Im Landkreis gibt es regelmäßig Repaircafés, bei denen defekte Gegenstände gemeinsam repariert werden, um Abfall zu vermeiden. Illegale Müllentsorgungen können dem Fachgebiet Umweltschutz gemeldet werden. Zuständig für die Organisation und Durchführung der Abfallentsorgung.
Handel
Der Handel auf Rügen ist vielfältig, aber geprägt von kleinen, charmanten Läden, Boutiquen, Souvenirshops und regionalen Märkten, statt von riesigen Shoppingcentern26. Besonders in den Ostseebädern wie Binz, Sellin, Baabe und Göhren sowie in den Städten Bergen und Sassnitz gibt es eine breite Auswahl an Geschäften – von maritimer Mode über regionale Spezialitäten bis hin zu Kunsthandwerk.
Die wichtigsten Einkaufszentren und größeren Shoppingmöglichkeiten ains:
- Rügen Galerie (Bergen auf Rügen): Eines der bekanntesten Einkaufszentren der Insel mit verschiedenen Einzelhandelsgeschäften, Dienstleistern und Gastronomie.
- City-Center Bergen auf Rügen: Ein weiteres lokales Zentrum mit Einzelhandel und Dienstleistungen.
- Woolworth (Bergen): Filiale der bekannten Kette für Haushaltswaren, Kleidung und mehr.
- Ostsee-Center (Stralsund): Nicht direkt auf Rügen, aber von der Insel aus gut erreichbar, bietet zahlreiche Geschäfte und Gastronomie.
Regionale Produkte, frisches Obst und Gemüse, Spezialitäten und handgemachte Waren gibt es auf den Wochenmärkten und in Hofläden, die auf Rügen eine lange Tradition haben. Besonders beliebtê Spezialgeschäfte betreffen Keramik, Schmuck (unter anderem Bernstein), regionale Delikatessen (zum Beispiel Sanddorn, Fisch), Buchhandlungen und Modeboutiquen. In den Fußgängerzonen der größeren Orte gibt es eine bunte Mischung aus kleinen und größeren Läden, Apotheken, Drogerien und Supermärkten.
Finanzwesen
Das Finanzwesen auf Rügen ist gut entwickelt und bietet eine breite Palette an Bankdienstleistungen, insbesondere in der zentralen Stadt Bergen auf Rügen. Die wichtigsten Banken und Sparkassen sind:
- Sparkasse Vorpommern: Hauptfiliale: Billrothstraße 4, 18528 Bergen auf Rügen. Weitere Standorte: SB-Filiale Bergen Rotensee (Ruschwitzstraße 56), SB-Filiale Bergen Süd (Straße der DSF 3). Services: Girokonto, Kreditkarte, Privatkredit, Baufinanzierung, Versicherungen, Geldanlage, Bausparen, Altersvorsorge, Wertpapiere, Immobilien, Sortenhandel, Schließfächer, SB-Kontoservice, Ein- und Auszahlungsautomaten, Geldautomaten (Mo–So, 5:00–23:00 Uhr).
- Volksbank Vorpommern eG: Filiale: Bahnhofstraße 67, 18528 Bergen auf Rügen. Services: Girokonto, Kredite, Baufinanzierung, Altersvorsorge, Versicherungen, Wertpapiere, Firmenkundenservice. Öffnungszeiten: Montag–Freitag, teilweise mit Mittagspause, unterschiedliche Nachmittagsöffnungszeiten je nach Wochentag.
- Commerzbank: SB-Standort: ARAL-Tankstelle, Stralsunder Chaussee 23, 18528 Bergen auf Rügen. Services: Geldautomat, Selbstbedienungsfunktionen.
Die frühere Postbank-Filiale ist in Bergen auf Rügen mittlerweile geschlossen. Laut Branchenverzeichnissen gibt es in Bergen auf Rügen zahlreiche Bankfilialen und SB-Standorte verschiedener Anbieter, sodass sowohl Privatkunden als auch Unternehmen umfassend versorgt werden
Soziales und Gesundheit
Die AWO (Arbeiterwohlfahrt) ist ein wichtiger Träger sozialer Dienste mit Angeboten wie Kindertagesstätten, Jugendwohngruppen, Seniorentreffs, Pflegediensten, betreutem Wohnen, Essen auf Rädern und Frauenschutzhäusern. Das DRK (Deutsches Rotes Kreuz) betreibt ambulante Pflegedienste, Sozialstationen und Hausnotrufdienste auf ganz Rügen und ist rund um die Uhr erreichbar.
Ambulante Pflege wird durch DRK-Sozialstationen und weitere Anbieter sichergestellt. Sie umfasst häusliche Kranken- und Altenpflege, Hauswirtschaft, Kursangebote und Notrufdienste. Teilstationäre und stationäre Pflegeeinrichtungen (Pflegeheime, Tagespflege) gibt es in verschiedenen Orten auf der Insel.
Gesundheitswesen
Rügen verfügt über ein Netz von Arztpraxen (Allgemeinmediziner, Fachärzte), Apotheken und Physiotherapiepraxen. Die Insel ist mit Krankenhäusern in Bergen auf Rügen und Stralsund (auf dem Festland, aber gut erreichbar) ausgestattet. Mobile Dienste wie Hausnotruf und mobile Pflege unterstützen Menschen in ländlichen Regionen.
Zahlreiche Angebote zur Gesundheitsförderung, wie Bewegungskurse, Wassergymnastik und Beratung zur gesunden Lebensweise, werden durch DRK, AWO und andere Träger angeboten. Die Beratung zu Krankheiten, Rehabilitation und Gesundheitsvorsorge ist ein Schwerpunkt der sozialen Dienste. Es gibt Projekte zur Förderung interkultureller Kompetenz und Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, etwa durch das IQ Netzwerk. Viele soziale Dienste und Pflegeeinrichtungen sind barrierefrei oder bieten spezielle Angebote für Menschen mit Behinderung.
Krankheiten
Die Krätze ist eine parasitäre Hauterkrankung, die durch die Krätzmilbe verursacht wird. Sie breitet sich in Deutschland wieder vermehrt aus und ist auch auf Rügen relevant. Sie ist meldepflichtig, insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kitas oder Heimen.
Fast jeder dritte Fuchs auf Rügen trägt den Fuchsbandwurm in sich. Menschen können sich durch Kontakt mit kontaminiertem Boden, Pflanzen oder durch den Verzehr von ungewaschenen Waldfrüchten infizieren. Der Fuchsbandwurm ist einer der wenigen Parasiten in unseren Breiten, die für Menschen gefährlich werden können.
Hantaviren werden durch Nagetiere (zum Beispiel Rötelmäuse) übertragen. In Deutschland gibt es zwei endemische Typen, wobei das Infektionsrisiko besonders bei Tätigkeiten im Freien (zum B eispiel Gartenarbeit, Holzstapeln) besteht. Symptome können Fieber, Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen sowie Nierenfunktionsstörungen umfassen.
Bildung
Das Bildungssystem auf Rügen ist vielfältig und bietet umfassende Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche – von der Grundschule bis zur beruflichen Ausbildung und dem Abitur. Die Insel verfügt über ein breites Bildungsangebot, das sich durch moderne pädagogische Ansätze und individuelle Förderung auszeichnet.
Schulstruktur
- Die Grundschule umfasst die Klassen 1 bis 4 und ist für alle Kinder verpflichtend. Auf Rügen gibt es zahlreiche Grundschulen, darunter auch reformpädagogisch orientierte Schulen wie die Freie Schule Rügen, die mit integriertem Hort und offenen Unterrichtsformen arbeitet.
- Nach der Grundschule folgt die Orientierungsstufe (Klassen 5 und 6), in der die Schülerinnen und Schüler gemeinsam lernen, bevor sie sich für einen weiterführenden Bildungsweg entscheiden.
- Die Regionale Schule führt zur Berufsreife oder zur Mittleren Reife (Klassen 7 bis 10) und bereitet auf den Übergang in die Berufsausbildung vor. Beispiele sind die Regionale Schule „Am Rugard“ in Bergen auf Rügen, die als Ganztagsschule und nach dem Inklusionsmodell arbeitet.
- Das Gymnasium führt in der Regel nach Klasse 12 zum Abitur und bereitet auf ein Studium vor. In Bergen auf Rügen gibt es ein Gymnasium, und auch die CJD Christophorusschule Rügen bietet einen gymnasialen Bildungsgang an.
- Rügen bietet mehrere berufliche Schulen, darunter das Fachgymnasium (Abitur mit Schwerpunkten wie Elektrotechnik, Sozialpädagogik, Wirtschaft), die höhere Berufsfachschule (Ausbildung zum Altenpfleger, Krankenpfleger, Gesundheitspfleger, Erzieher) und die Fachschule für Sozialwesen. In Sassnitz gibt es eine Fachschule für die Seefahrt, die Nautiker und Schiffsmaschinisten ausbildet.
Besondere Angebote und Konzepte
- Das Rügener Inklusionsmodell (RIM) setzt auf gemeinsames Lernen aller Kinder in den ersten Klassenstufen und wird wissenschaftlich begleitet. Ziel ist es, Entwicklungsstörungen frühzeitig zu erkennen und zu fördern, sodass kein Kind in Sonderschulklassen beschult werden muss.
- Die Freie Schule Rügen ist eine reformpädagogisch orientierte Schule mit Schwerpunkt auf Medienmündigkeit, offenen Unterrichtsformen und jahrgangsgemischten Klassen.
- In Bergen auf Rügen gibt es eine Musikschule und eine Volkshochschule für musikalische und allgemeine Weiterbildung.
- Das Sonderpädagogisches Förderzentrum unterstützt Kinder mit besonderem Förderbedarf.
- Neben den allgemeinbildenden Schulen gibt es zahlreiche Ausbildungsplätze und berufsbildende Schulen, die praxisnahe Ausbildungen in sozialen, pflegerischen und technischen Berufen anbieten.
- Die Volkshochschule und andere Einrichtungen bieten Kurse für Erwachsene und lebenslanges Lernen an.
Höhere Bildung
Auf Rügen selbst gibt es keine Universität oder Hochschule mit einem breiten Angebot an Studiengängen für ein klassisches Hochschulstudium. Die Insel bietet jedoch berufliche Schulen, Fachgymnasien und Fachschulen, die gezielt auf bestimmte Berufe vorbereiten und teilweise auch höhere Bildungsabschlüsse ermöglichen (zum Beispiel Fachabitur, staatlich anerkannte Berufsabschlüsse in Sozialpädagogik, Pflege, Seefahrt).
Für ein Studium im klassischen Sinn – etwa Bachelor, Master oder Diplom – müssen Studierende auf das Festland ausweichen. Die nächstgelegenen Hochschulen sind:
- Hochschule Stralsund: Eine moderne, technisch-wirtschaftlich ausgerichtete Campus-Hochschule mit ca. 2.000 Studierenden und einem breiten Angebot an Bachelor- und Masterstudiengängen in Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau, Wirtschaft, Tourismusmanagement, Smart Production und weiteren innovativen Feldern. Die Hochschule ist von Rügen aus schnell erreichbar.
- Universität Greifswald: Eine traditionsreiche Volluniversität mit breitem Studienangebot in Geistes-, Natur-, Sozial- und Rechtswissenschaften sowie Medizin6. Auch Greifswald ist von Rügen aus gut zu erreichen.
Bibliotheken und Archive
Rügen verfügt über ein gut ausgebautes Netz an öffentlichen Bibliotheken und bietet darüber hinaus Zugang zu regionalen Archiven. Die wichtigsten Einrichtungen sind:
- Medien- und Informationszentrum (MIZ) Bergen auf Rügen: Standort: Markt 12, 18528 Bergen auf Rügen. Das MIZ vereint Bibliothek, Medienbildung und Kultur unter einem Dach. Es bietet ein modernes Medienangebot, Veranstaltungen wie Lesungen, Filmabende, Ausstellungen und Bildungsprogramme für alle Altersgruppen.
- Stadtbibliothek Sassnitz: Zentrale Anlaufstelle für Literatur und Medien in Sassnitz.
- Bibliothek im Kleinbahnhof Binz: Angebot für Einheimische und Touristen in Binz.
- Mönchgut-Bibliothek Baabe: Lokale Bibliothek im Ostseebad Baabe.
- Kurbibliothek Göhren: Bücherei im Ostseebad Göhren.
- Bibliothek Gingst: Standort: Thälmannstraße 1, 18569 Gingst.
Es gibt weitere kommunale und kleinere Bibliotheken in verschiedenen Gemeinden, wie Ahrenshoop (Käthe Miethe Bibliothek) – diese liegt zwar nicht auf Rügen, zeigt aber die Vernetzung im Landkreis Vorpommern-Rügen.
Die größeren Städte wie Bergen auf Rügen und Sassnitz verfügen über eigene Stadtarchive. Hier werden historische Dokumente, Akten, Fotos und andere Archivalien zur Geschichte der Insel gesammelt und verwaltet. Zuständig für die gesamte Region, mit Standorten auf dem Festland (zum Beispiel Stralsund). Historische Unterlagen aus Rügen werden dort archiviert. In Museen und Heimatstuben auf Rügen gibt es häufig kleinere historische Sammlungen und Archive, die für die Lokalgeschichte relevant sind.
Viele Bibliotheken bieten Online-Kataloge und digitale Medien (Onleihe MV) an. Bibliotheken auf Rügen sind nicht nur Orte der Literatur, sondern auch Zentren für Kultur, Bildung und Begegnung. Für die Nutzung der Bibliotheken ist in der Regel ein kostenloser Bibliotheksausweis erforderlich, der vor Ort ausgestellt wird.
Kultur
Die Insel Rügen hat nicht nur eine abwechslungsreiche Natur, sondern auch ein vielfältiges Kulturangebot über das ganze Jahr. Im Sommer laden zahlreiche Kurveranstaltungen und Festivitäten den Gast auf die Insel.
Museen
Auf der Insel Rügen gibt es eine beachtliche Auswahl an Museen, die ein breites Spektrum von Geschichte, Technik, Natur und Kultur abdecken. Zu den bekanntesten und beliebtesten Museen zählen:
- Dokumentationszentrum Prora: Historisches Museum im ehemaligen KdF-Bauwerk, das die Geschichte des Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit beleuchtet.
- Oldtimer-Museum Prora: Ausstellung historischer Fahrzeuge, Lokomotiven und Technik, darunter eine der größten Dampflokomotiven Europas.
- Dinosaurierland Rügen: Freilichtmuseum mit lebensgroßen Dino-Modellen und Informationen zur Erdgeschichte.
- Kreidemuseum Gummanz; Einzigartiges Museum zur Entstehung, Gewinnung und Nutzung von Kreide, untergebracht in einem alten Kreidewerk.
- Jagdschloss Granitz: Schlossmuseum mit wildbiologischer Sammlung und beeindruckendem Ausblick vom Turm.
- U-Boot-Museum Sassnitz: Ehemaliges britisches U-Boot, das besichtigt werden kann5.
- Marinehistorisches- und Heimatmuseum Dranske/Bug: Heimat- und Militärgeschichte der Halbinsel Bug/Wittow.
- Mönchguter Museen (Göhren): Heimatmuseum, Rookhus (Rauchhaus), Museumsschiff Luise und Schulmuseum Middelhagen als Ensemble zur regionalen Geschichte.
- Ernst-Moritz-Arndt-Museum (Garz): Leben und Werk des Schriftstellers und die Geschichte Rügens.
- Uhren- und Musikgerätemuseum Putbus: Historische Uhren und Musikinstrumente.
- Bernsteinmuseum Sellin – Bernsteinfunde und Verarbeitung.
- Fischerei- und Hafenmuseum Sassnitz: Geschichte der Fischerei und des Hafens.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche kleine Heimatmuseen, Kunstgalerien und Spezialmuseen, die die Vielfalt der Insel widerspiegeln.
Architektur
Die Architektur auf Rügen ist geprägt von einer faszinierenden Vielfalt, die die Geschichte der Insel vom Mittelalter bis zur Moderne widerspiegelt. Sie verbindet traditionelle Elemente mit dem Aufschwung des Bädertourismus im 19. Jahrhundert und modernen Akzenten, die eng mit der natürlichen Landschaft und der touristischen Ausrichtung verknüpft sind.
Das markanteste Merkmal ist die Bäderarchitektur, ein Stil, der Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in den aufstrebenden Seebädern entstand. Sie entwickelte sich aus dem Klassizismus über Historismus bis zum Jugendstil und zeichnet sich durch weiß getünchte Fassaden, filigrane Holzverzierungen, verglaste Veranden, Balkone, Türmchen, Risalite und ornamentale Giebel aus. Typisch sind zwei- bis viergeschossige Villen und Hotels, die oft mit Rundbögen und Pilastern versehen sind. Dieser Stil entstand mit dem Beginn des Bädertourismus – das erste Seebad auf Rügen war Putbus-Lauterbach ab 1810 – und prägt bis heute Orte wie Binz (Strandpromenade mit Kurhaus), Sellin (Wilhelmstraße mit rund 48 Villen), Göhren, Baabe, Sassnitz und Thiessow. Viele Gebäude wurden nach der Wende liebevoll restauriert, und Neubauten orientieren sich bewusst an diesem Charme, um die historische Identität zu wahren.
In Putbus, der klassizistischen Residenzstadt des Fürsten Wilhelm Malte I., dominiert ein anderes Ensemble: Der Circus als kreisrunder Platz mit weißen Gebäuden, das Theater, die Orangerie und der Schlosspark verleihen der „Weißen Stadt“ einen harmonischen, repräsentativen Charakter.
Traditionelle Architektur findet sich vor allem in ländlichen Gebieten: Reetgedeckte Häuser und Fischerkaten, besonders auf der Halbinsel Mönchgut (zum Beispiel in Groß Zicker), erinnern an die ursprüngliche Inselbauweise. Sakrale Bauten bereichern das Bild – über 30 Kirchen, darunter romanische und gotische Backsteinkirchen wie St. Marien in Bergen (eine der ältesten auf Rügen), die Pfarrkirche in Altenkirchen oder Feldsteinkirchen in Bobbin und Gingst. Viele stammen aus dem 12. bis 15. Jahrhundert und zeugen von der Christianisierung der Insel.
Aus der DDR-Zeit stammen markante moderne Bauten des Binzer Architekten Ulrich Müther, bekannt für seine innovativen Hyparschalen aus Beton. Beispiele sind der futuristische Rettungsturm in Binz (wie ein UFO auf Stelzen), die Kurmuschel in Sassnitz oder das Inselparadies in Baabe. Diese Strukturen symbolisieren Fortschritt und sind heute denkmalgeschützt und restauriert.
Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Jagdschloss Granitz, Gutshäuser und Herrenhäuser (über 150 erhalten) sowie der Koloss von Prora als Relikt der NS-Zeit. Insgesamt spiegelt die Architektur Rügens die Wandlung von einer agrarischen Insel zu einem mondänen Urlaubsziel wider – sensibel angepasst an Naturschutz und Tourismus, mit über 300 denkmalgeschützten Bauten, die die Insel zu einem lebendigen Architekturmuseum machen.
Kirchen auf Rügen
| Ort | Kirchgemeinde | Kirche | Hauptbauzeit | Besonderheiten |
| Altefähr | Altefähr | St.-Nikolai-Kirche (Altefähr) | 15. Jahrhundert | kostbare Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert |
| Altenkirchen | Altenkirchen | Pfarrkirche Altenkirchen | 1168 | Eine der ältesten Kirchen der Insel |
| Baabe | Sellin | Dorfkirche Baabe | 1929 | einer der jüngsten Kirchenbauten auf Rügen |
| Bergen auf Rügen | St. Bonifatius (Bergen) | St.-Bonifatius-Kirche (Bergen) | 1912 | Katholische Pfarrkirche |
| Bergen auf Rügen | Bergen | St.-Marien-Kirche (Bergen) | 1193 | Eine der ältesten Kirchen der Insel |
| Bergen auf Rügen | Gemeinde Bergen auf Rügen | Neuapostolische Kirche | ||
| Bessin | Rambin | Kapelle Bessin | 1482 | Kapelle |
| Binz | Binz | Dorfkirche Binz | 1913 | Kapelle, 1911/13 im neugotischen Stil errichtet |
| Binz | St. Bonifatius (Bergen) | Stella Maris (Binz) | 1925 | Katholische Filialkirche |
| Binz | Gemeinde Binz auf Rügen | 20. Jahrhundert | Neuapostolische Kirche | |
| Bobbin | Altenkirchen | St.-Pauli-Kirche (Bobbin) | 1400 | Wallfahrtskirche |
| Boldevitz | Bergen | Schlosskapelle (Boldevitz) | 1839 | Klassizistische Kapelle (1839) in der Trauungen abgehalten werden. |
| Kloster | Hiddensee | Inselkirche Hiddensee | 1332 | auf der Insel Hiddensee |
| Garz/Rügen | Garz | St.-Petri-Kirche (Garz) | 1400 | granitenes Taufbecken vermutlich älter als die Kirche |
| Garz/Rügen | St. Bonifatius (Bergen) | Herz-Jesu-Kirche (Garz) | 1913 | Katholische Filialkirche |
| Gingst | Gingst | Sankt-Jacob-Kirche (Gingst) | 14. Jahrhundert | Barockorgel |
| Glowe | Altenkirchen | Kapelle Glowe | 1982 | im Stil einer Finnhütte erbaut |
| Göhren | Groß Zicker | Dorfkirche Göhren | 1930 | |
| Groß Zicker | Groß Zicker | Dorfkirche Groß Zicker | 1400 | Ältestes Gebäude auf dem Mönchgut |
| Gustow | Poseritz | Dorfkirche Gustow | 13. Jahrhundert | Schnitzgruppen aus dem 15. Jahrhundert |
| Kasnevitz | Putbus | St.-Jacobi-Kirche (Kasnevitz) | 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts | |
| Lancken-Granitz | Sellin | Dorfkirche Lancken-Granitz | 15. Jahrhundert | Deckenmalereien aus dem 15. Jahrhundert |
| Landow | Rambin | Dorfkirche Landow | 1312 | wahrscheinlich älteste Fachwerkkirche Mitteleuropas |
| Middelhagen | Groß Zicker | St.-Katharinen-Kirche (Middelhagen) | 1455 | |
| Neuenkirchen | Neuenkirchen | Maria-Magdalena-Kirche (Neuenkirchen) | 14./15. Jahrhundert | Glocke aus dem Jahr 1367 |
| Patzig | Schaprode | St.-Margarethen-Kirche (Patzig) | 1500 | gotische Saalkirche, Taufstein aus Granit entstand um 1250 |
| Poseritz | Poseritz | St.-Marien-Kirche (Poseritz) | 1325 | mittelalterlicher Altar mit Kreuzigungsgruppe |
| Putbus | Putbus | Schlosskirche Putbus | 1845 | spätklassizistischen Kirche mit basilikalen Querschnitt |
| Ralswiek | Bergen | Holzkapelle Ralswiek | 1907 | schwedische Holzkirche, erster Standort war Stockholm |
| Rambin | Rambin | St.-Johannis-Kirche (Rambin) | 1300 | Taufstein aus dem 13. Jahrhundert, eine der ältesten Kirchen der Insel |
| Rappin | Neuenkirchen | St.-Andreas-Kirche (Rappin) | 1305 | Taufbecken aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhundert |
| Sagard | Sassnitz | St.-Michael-Kirche (Sagard) | 1210 | zweitälteste und größte Barockorgel auf Rügen |
| Samtens | Rambin | Kirche Samtens | 15. Jahrhundert | Backsteinkirche, Innenraum im Stil des Barock umgebaut |
| Sassnitz | Sassnitz | St.-Johannis-Kirche (Sassnitz) | 1883 | asymmetrische, neugotische Kirche |
| Sassnitz | Gemeinde Sassnitz auf Rügen | Neuapostolische Kirche | ||
| Schaprode | Schaprode | St.-Johannis-Kirche (Schaprode) | 15. Jahrhundert | Wallfahrtskirche, Vorgängerbau aus dem 12. Jahrhundert |
| Sehlen | Garz | Dankeskirche (Sehlen) | 1866 | |
| Sellin | Sellin | Gnadenkirche (Sellin) | 1912 | Grüneberg-Orgel |
| Sellin | St. Bonifatius (Bergen) | Maria Meeresstern (Sellin) | 1912 | Katholische Filialkirche |
| Swantow | Poseritz | St.-Stephanus-Kirche (Swantow) | 15. Jahrhundert | Mischbauweise aus Feld- und Backsteinen |
| Thiessow | Sellin | Jesu-Sieg-Kapelle | ||
| Trent | Schaprode | St.-Katharinen-Kirche (Trent) | 15. Jahrhundert | gotische dreischiffige Kirche mit barocken Schnitzaltar |
| Vilmnitz | Putbus | Maria-Magdalena-Kirche (Vilmnitz) | 13. Jahrhundert | |
| Vitt | Altenkirchen | Vitter Kapelle | 1816 | oktogonaler Bau |
| Waase | Gingst | St.-Marien-Kirche (Waase) | 1322 | Antwerpener Retabel von 1520 |
| Wiek | Wiek | Pfarrkirche St. Georg zu Wiek | 15. Jahrhundert | gotische Backsteinkirche mit hölzernes Reiterstandbild „Ritter Georg zu Pferde“ (um 1500) |
| Zirkow | Binz | St.-Johannis-Kirche (Zirkow) | 15. Jahrhundert | Backsteinkirche mit Kanzelaltar, Beichtstühle und Taufengel aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts |
| Zudar | Garz | St.-Laurentius-Kirche (Zudar) | 1318 | Wallfahrtskirche |
Bildende Kunst
Rügen bietet eine lebendige Szene für bildende Kunst, die von der besonderen Landschaft und dem besonderen Licht der Insel inspiriert ist. Zahlreiche Galerien, Ateliers und Kunstvereine präsentieren Werke regionaler und überregionaler Künstler, darunter Malerei, Skulpturen und Fotografie – oft mit Bezug zur Ostsee, zu Küstenmotiven oder zur Geschichte der Insel. Diese war und ist ein beliebter Rückzugsort für Künstler, was sich in regelmäßigen Ausstellungen, Kunstmärkten und Kunstfestivals widerspiegelt. Besonders die Orte Ahrenshoop (nahe Rügen, aber auch auf Rügen selbst), Binz und Sellin sind für ihre Kunstszene bekannt.
Irrtümlicherweise wird oft angenommen, dass die Wissower Klinken von Caspar David Friedrich 1818 in seinem Gemälde Kreidefelsen auf Rügen verewigt wurden. Zu seiner Zeit, also vor rund 200 Jahren, existierten aber auch andere Kreidefelsformationen an Jasmunds Küste, etwa die Kreidesäulen in der Großen Stubbenkammer – also der Schlucht direkt nördlich des Königsstuhls – und die, den Kreidevorsprüngen der abgestürzten Wissower Klinken damals sehr ähnliche, Kleine Stubbenkammer direkt südlich des Königsstuhls. So entspricht die Ansicht seiner Kreidefelsen auf Rügen fast exakt dem Stahlstich Kleine Stubbenkammer von Johann Friedrich Rosmäsler (im Stadtarchiv Stralsund), den dieser 1834 schuf.
In der Galerie in Putbus, einem wahren Meisterwerk klassizistischer Baukunst, gibt es ständig wechselnde Kunstausstellungen zu bestaunen. Von einheimischen Künstlern bis hin zu international anerkannten Malern... die Galerie in Putbus ist auf jeden Fall einen Besuch wert. In der Orangerie in Putbus befindet sich zudem eine Dauerausstellung über Wolf Hildebrandt, mit dem Thema „Ein ehemaliger Bauhäusler fand seinen eigenen Weg“. Zudem bietet die alte Residenzstadt Putbus weitere Attraktionen die einen Tagesausflug zu einem schönen Erlebnis werden lassen. Das ehemalige Affenhaus, der Park, die Parkkirche, der Marstall und die Schloßterassen - um nur einige zu nennen. Die „weiße Stadt“, wie Putbus auf Grund der vielen weißen Häuser im klassizistischen Stil am kreisrunden „Circus“ auch genannt wird, zieht Jahr für Jahr viele Rügenbesucher an.
Literatur
Rügen besitzt eine lebendige Literaturlandschaft, die von lokalen Autoren, Buchhandlungen und literarischen Veranstaltungen geprägt ist. Besonders hervorzuheben ist Der Buchladen Rügen – Das kleine Literaturhaus in Gingst, das regelmäßig Lesungen mit bekannten Schriftstellern organisiert und als kulturelles Zentrum für Literaturfreunde gilt.
Die Insel ist zudem Schauplatz und Quelle der Inspiration für zahlreiche literarische Werke, etwa von Autoren wie Ernst Moritz Arndt, der auf Rügen geboren wurde. Das Ernst-Moritz-Arndt-Museum in Garz widmet sich seinem Leben und Werk und ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Literaturinteressierte.
Im September 1884 reiste Theodor Fontane nach Rügen. Seine Eindrücke fanden Eingang in den Roman Effi Briest, in dem Fontane Natur, Ortsnamen und Sehenswürdigkeiten literarisch verarbeitet. Major von Crampas, der mit Effi Briest die für sie so folgenschwere Liebschaft beginnt, trägt den Namen des ehemaligen Bauern- und Fischerdörfchens Crampas, das zusammen mit dem Fischerdorf Saßnitz 1906 zur Gemeinde Saßnitz zusammengeführt wurde. Ebenso fand der Herthasee Eingang in den Roman. Weitere literarische Besucher und Beschreiber der Insel waren Wilhelm von Humboldt, Gerhart Hauptmann, Thomas Mann, Albert Einstein, Sigmund Freud, Joachim Ringelnatz, Hans Fallada, Günter Grass, F. C. Delius, Christoph Hein, Elizabeth von Arnim und Christopher Isherwood. Auch heute sind überregionale Autoren regelmäßig auf Lesereisen auf Rügen zu Gast, und die Insel bietet mit ihren Landschaften und ihrer Geschichte vielfältige Anknüpfungspunkte für literarische Themen und Projekte.
Theater
Der kleine Ort Ralswiek ist Schauplatz der bekannten Störtebeker Festspiele, die jedes Jahr mehrere hunderttausend Besucher anziehen. Jährlich, von Ende Juni bis Anfang September, kämpft der legendäre Seeräuber Klaus Störtebeker mit seiner treuen Gefolgschaft auf der einzigartigen Natur-Freilichtbühne Ralswiek um Ehre und Gerechtigkeit. Am Ende jeder Vorstellung gibt es dann noch ein atemberaubendes Feuerwerk über der einmaligen Kulisse des Großen Jasmunder Bodden.
In der alten Residenzstadt Putbus befindet sich das Inseltheater, welches 1821 von Fürst Malte zu Putbus eröffnet und vor einigen Jahren aufwendig restauriert wurde. Unter Theaterkennern gilt der Innenraum des Theaters, als der schönste Norddeutschlands. Die Besucher können sich heute von Oper, Operette oder klassischem Theater unterhalten lassen.
In den Sommermonaten von Mai bis September zeigen international anerkannte Künstler im Variete Boddenbarsch im Saal des Kurhauses Binz ihr Können. Zum Spektrum gehören unter anderem Zauberstücke, Artistik oder Clownerei. Zwischen Weihnachten und Neujahr bieten die Veranstalter ein Programm mit viel Artistik und modernem Entertainment. Der Theatersaal im Kurhaus Binz, welcher aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts stammt und ca. 400 Gästen Platz bietet, war bereits kurz nach der Eröffnung Schauplatz rauschender Vorführungen und Feste für das mondäne Publikum der damaligen Zeit.
Film
Auf Rügen wurden zahlreiche Filme und Serien gedreht, wobei die wohl bekannteste Produktion der letzten Jahre die ARD-Reihe „Praxis mit Meerblick“ ist. Die Serie spielt auf der Insel und wird seit 2017 regelmäßig dort und in der Umgebung (z.B. Sassnitz, Binz, Bergen, Stralsund) gedreht. Die Hauptfigur ist die Ärztin Nora Kaminski, gespielt von Tanja Wedhorn. Die Dreharbeiten finden vor allem an der Ostsee und in verschiedenen Orten auf Rügen statt. Neue Folgen werden auch 2025 ausgestrahlt.
Neben „Praxis mit Meerblick“ gibt es zahlreiche Dokumentationen über Rügen, etwa auf 3sat oder in der ARD Mediathek, die die Insel, ihre Landschaft und Geschichte porträtieren. Auch ältere Produktionen wie der DEFA-Farbdokumentarfilm „Unser Rügen“ (1954) zeigen das Leben auf der Insel, insbesondere die Arbeit von Fischern, Bauern und Kreidearbeitern.
Musik und Tanz
Von alten slawischen Wurzeln über preußische Militärmusik und Kurorchester im 19. Jahrhundert bis hin zu modernen Festivals, Shanty-Chören und experimentellem Tanztheater – Musik und Tanz gehören hier seit Jahrhunderten zum Alltag und zu den Festen der Menschen.
Bereits die slawischen Ranen, die Rügen bis ins 12. Jahrhundert besiedelten, brachten eigene Musiktraditionen mit. Archäologische Funde (zum Beispiel Knochenflöten und Trommelreste aus der Jaromarsburg bei Kap Arkona) sowie mittelalterliche Chroniken deuten auf rituelle Gesänge und Reigentänze hin, die oft mit dem Svantevit-Kult verbunden waren. Nach der Christianisierung 1168 durch die Dänen verschwanden diese öffentlichen heidnischen Bräuche weitgehend, blieben aber in veränderter Form im Volksbrauchtum erhalten – etwa in Ernte- und Hochzeitsliedern.
Mit der Entdeckung der Seebäder (Binz 1876, Sellin und Göhren kurz darauf) explodierte die Musik auf der Insel. In den prächtigen Kurhäusern und auf den Seebrücken spielten täglich Kurorchester Walzer, Polkas, Märsche und Potpourris aus Operetten. Berühmte Kapellmeister wie Hermann Kipper (Binz) oder Franz Schmidt (Sassnitz) lockten das Publikum aus Berlin und Stettin an. Die Seebrücke Sellin hatte bis in die 1940er Jahre sogar ein eigenes fest angestelltes Orchester. Gleichzeitig entstanden die ersten „Bäder-Tanzkapellen“, die abends in den Hotels für Foxtrott, Tango und Charleston sorgten – oft bis in die frühen Morgenstunden.
Auf dem Land blieb die traditionelle Volksmusik lebendig. Typische Instrumente waren Geige, Akkordeon („Trekkspill“), Klarinette und Kontrabass. Auf Hochzeiten und Erntefesten („Ähntfest“) wurden Ringeltänze, Polkas und Schottische getanzt. Viele Lieder waren plattdeutsch, zum Beispiel das bekannte „Dat du min Leevsten büst“ oder Seemannslieder wie „De Nordseewellen“ – schließlich lebten viele Rügener von Fischfang und Seefahrt.
In der DDR erlebte die Volksmusik einen staatlich geförderten Aufschwung. Es entstanden zahlreiche Volkskunstensembles, darunter die „Rügener Volkstanzgruppe“ und der „Folklorekreis Bergen“. Auf den „Festivals des volkskünstlerischen Schaffens“ in Putbus oder Bergen traten Trachtengruppen in selbstgenähten Kostümen auf und präsentierten Reigen, Quadrillen und den „Rügener Fischerreigen“. Gleichzeitig gab es in den FDGB-Heimen (Sassnitz, Binz, Baabe) jeden Abend Tanz mit Live-Musik – meist Schlager und Tanzmusik aus dem Amiga-Katalog.
Kein anderes Genre prägt die Insel heute so sehr wie der Shanty-Gesang. Der wohl bekannteste Chor ist der 1954 gegründete „Shanty-Chor Sassnitz“ (einer der ältesten Deutschlands), gefolgt vom „Shanty-Chor Binz“, „De Klaashahns“ aus Sellin und vielen weiteren. Jedes Jahr finden große Shanty-Festivals statt:
- Internationales Shanty-Festival in Sassnitz (meist Pfingsten)
- Hafenfesttage in Vitte (Hiddensee) mit Shanty-Nacht
- Shanty & Folk Open Air in Göhren
Die Chöre singen nicht nur Klassiker wie „Rolling Home“ oder „La Paloma“, sondern auch eigene plattdeutsche Lieder über Kreidefelsen, Störtebeker und die „griese Mügg“ (Mückenplage). Seit 1992 finden alljährlich die „Festspiele Rügen“ (heute „Festspiele Mecklenburg-Vorpommern – Spielstätte Rügen“) statt. Konzerte in der St.-Marien-Kirche Bergen, im Jagdschloss Granitz oder open air auf der Naturbühne Ralswiek (Störtebeker-Festspiele) ziehen tausende Besucher an. Stars wie Lang Lang, Anne-Sophie Mutter oder David Garrett haben hier schon gespielt. Besonders beliebt sind die „Kreidefelsenkonzerte“ bei Sonnenuntergang am Königsstuhl.
Seit 1993 gehören die Störtebeker-Festspiele auf der Naturbühne Ralswiek zu den größten Freilichtspektakeln Europas. Jede Saison sehen über 400.000 Zuschauer die Geschichte des Freibeuters Klaus Störtebeker – mit Pferden, Feuerwerk, Stunts und einem großen Live-Orchester. Die eigens komponierte Musik (unter anderem von Martin Lingnau und Frank Ramond) verbindet Rock-, Folk- und Filmmusikelemente. Die Titelmelodie „Dat du min Leevsten büst“ ist inzwischen ein inoffizielles Rügen-Lied. Dazu kommen Musikstücke, die die regionale Kultur widerspiegeln, etwa das „Fischerliedchen von der Insel Rügen“. Solche Lieder werden oft mit klassischen Instrumenten wie Gitarre, Akkordeon oder Flöte begleitet.
Rügen bietet aber längst nicht mehr nur Volkstümlichkeit und Klassik. Seit den 2000er Jahren haben sich neue Festivals etabliert:
- „Immergut Festival“ (seit 2000, Indie-Rock, meist ausverkauft in wenigen Minuten)
- „Klang im Kloster“ (Electronic/Ambient im Kloster Michaelstein und auf Hiddensee)
- „Rügen tanzt“ – große Open-Airs mit House und Techno (zum Beispiel in Prora oder am Strand von Thiessow)
- „Jazz an der Seebrücke“ in Sellin (seit 20 Jahren jedes Wochenende im Sommer)
In Binz und Sassnitz gibt es kleine Clubs und Bars mit Live-Musik fast jeden Abend – von Singer-Songwriter bis Heavy Metal. In Bergen, Binz und Putbus gibt es regelmäßige Kurse für Standard- und Lateintänze, aber auch für Swing, Lindy Hop, Salsa und Argentine Tango. Besonders romantisch: die Tango-Abende auf der Seebrücke Sellin bei Sonnenuntergang oder die Mitternachtswalzer im Rahmen der „Weißen Nächte“ in Binz.
David Brahm, Meister im Zupfinstrumentenmacherhandwerk, betreibt auf Rügen eine eigene Werkstatt, in der er hochwertige Gitarren, Mandolinen und andere Zupfinstrumente herstellt. Er legt Wert auf nachhaltige Materialien wie heimische Hölzer (Fichte, Esche, Eiche, Ahorn, Nussbaum) und bietet auch Baukurse für Laien an.
Klangkiste ist ein mobiles, interaktives Projekt, das Kindern und Familien das Handwerk und die Musikinstrumente näherbringt. In seinen Kursen werden Teilnehmer persönlich betreut und können ihr eigenes Instrument bauen. Die Musikschule Vorpommern-Rügen bietet Unterricht an verschiedenen Standorten, darunter Bergen auf Rügen. Hier können Interessierte klassische Instrumente wie Gitarre, Keyboard, Akkordeon, Gesang und weitere erlernen.
Kleidung
Die traditionelle Tracht auf Rügen ist vor allem durch die Mönchguter Tracht geprägt, die als einziges überliefertes Trachtenkleid der Insel bis heute erhalten geblieben ist. Sie stammt von der Halbinsel Mönchgut und wurde ab etwa 1800 näher beschrieben, ihre Ursprünge reichen vermutlich bis ins 16. Jahrhundert zurück.
Frauentracht
- Oberröcke: Dunkle, schlichte Röcke, meist aus selbst gewebtem Stoff
- Schnürleibchen: Enges Mieder, oft mit Perlen besetzt – der eigentliche Blickfang der Tracht
- Kegelförmige Haube: Typische Kopfbedeckung für Frauen
- Schlicht und zweckmäßig: Die Kleidung war sparsam gehalten und wurde meist von den Familien selbst hergestellt
Männertracht
- Weite Kniehosen: Praktisch für die Arbeit
- Bunt gestreifte Westen: Auffälliges Kleidungsstück
- Drillichjacke: Offen getragene, robuste Jacke
- Pottmütze: Traditionelle Kopfbedeckung der Fischerbauern, heute kaum noch getragen7
Die Mönchguter Tracht ist ein Symbol für Rügen und wird heute vor allem von Trachtenvereinen, Volkstanzgruppen und bei festlichen Anlässen präsentiert. Sie ist ein Aushängeschild des Fremdenverkehrs und kann im Göhrener Heimatmuseum besichtigt werden. Die Trachtengruppe von Alt Reddewitz gilt heute als größte Vertreterin des Tragens von Trachten auf Rügen. Die Tracht ist insgesamt einfach und zweckmäßig gehalten – ein Spiegelbild des Lebens der Bauern- und Fischerfamilien auf der Halbinsel Mönchgut.
Kulinarik und Gastronomie
Alljährlich im Frühjahr zieht es dann tausende Angler auf die Insel Rügen und an das Wasser. Dann nämlich kommen die Heringe zu Millionen in die Boddengewässer um Rügen herum, um dort zu laichen. Schon während der Fahrt nach Rügen, auf dem Rügendamm, sind dann hunderte von Anglern zu bestaunen, die dem Hering nachstellen.
Den Höhepunkt in der Frühjahrsangelei bildet dann der Einzug der Hornfische in die Bodden. Diese silberfarbenen, pfeilschnellen Räuber wollen sich an den zahlreichen Heringen satt fressen und ebenfalls Ihr Laichgeschäft ablegen. Alljährlich mit Beginn der Hornfischzeit, erstrahlt die Insel dann zusätzlich noch in einem leuchtenden Gelb, auf Grund der einzughaltenden Rapsblüte. Vor allem die Boddengewässer sind berühmt für Ihren Reichtum an Süß- und Salzwasserfischen. Hier lassen sich unter anderem Aal, Barsch, Dorsch, Hering, Hecht, Hornfisch, Flunder, Meeräsche, Meerforelle, Scholle, Steinbutt und Zander fangen.
Wem der Fisch auf dem Teller lieber ist als an der Angel, der kannauf der Insel zwischen zahlreichen erstklassigen Fischrestaurants wählen. Diese liegen meist direkt am Wasser, so dass der Fisch fangfrisch verarbeitet werden kann. Ein Genuss für Gaumen und Auge! Besonders lohnenswert ist ein Besuch des Sassnitzer Stadthafens. Hier können Frühaufsteher den Fischern beim Verarbeiten des Fangs über die Schulter schauen.
Fast überall auf der Insel gibt es kleine Stände, an denen man köstliche Fischbrötchen und andere Meeresspezialitäten für den kleinen Hunger zwischendurch bekommt. In Sassnitz befindet sich außerdem das hochmoderne „Rügen Fisch“ Fischwerk, wo die Meeresspezialitäten fangfrisch verarbeitet und in fast alle Supermärkte Deutschlands verschickt werden.
Alte Fischerromatik lässt sich in dem kleinen Ort Vitt, in der Nähe des Kap Arkona, nacherleben. Auch hier kann von Aal bis Zander alles verköstigt werden
Die Sanddornfrucht, auch Zitrone des Nordens genannt, enthält 10 mal mehr Vitamin C als eine Zitrone. Vor allem auf den Dünen der Küsten gedeiht die Pflanze hervorragend. Seit mehr als 200 Jahren wird die ursprünglich aus Südschweden stammende Pflanze auf Rügen angebaut. Einst diente sie dem Küstenschutz, heute erfreut Sie sich auf Grund Ihrer nachgewiesen gesundheitlichen Wirkung großer Beliebtheit. Ob Entzündungshemmend, Senkung des Cholesterinspiegels oder Stärkung der Abwehrkräfte, die Sanddornfrucht wirkt wahre Wunder.
In der einzigen Edelobstbrennerei auf Rügen, in Lieschow, erfährt man alles über alte Mecklenburger und Pommersche Obstsorten, wie Feindestillate gewonnen und Edelbrände aus traditionellen, heimischen Obstsorten hergestellt werden. Desweiteren wird der Weg vom Obst zum fertigen Produkt anschaulich erläutert. Ob Destillat oder traditioneller Likör, die Edelobstbrennerei beliefert mittlerweile zufriedene Kunden in der ganzen Welt.
Auf den einzigen deutschen Inselcamembert sind die Insulaner besonders stolz. Weit über die Grenzen Rügens ist der Rügener Badejunge mittlerweile bekannt. Erhältlich in mehreren Variationen, wie zum Beispiel Leicht-Camembert, Feiner-Camembert oder Sahne-Camembert, ist der Rügener Badejunge ein Muss für den Frühstückstisch des Rügen-Urlaubers.
Festkultur
Zur Tradition geworden sind Strand- und Hafenfeste sowie saisonale Höhepunkte, wie das Hafenfest (Sassnitz), das Bernsteinfest (Ostseebad Göhren), das Sanddornfest (Glowe) oder die berühmten Rügener Kohlwochen (Kap Arkona, gesamte Insel).
Alljährlich locken vor allem die spektakulären Störtebeker Festspiele in den Sommermonaten von Juni bis September hunderttausende von Zuschauern auf die Insel Rügen. Als Geheimtipp gilt das 1821 von Fürst Malte zu Putbus eröffnete Inseltheater in Putbus, welches über einen der schönsten Theatersäle Norddeutschlands verfügt.
Medien
Rügen Radio (Rufzeichen: DHS / Y5M) war eine Küstenfunkstelle in Deutschland. Sie hatte ihre Betriebszentrale im Ort Glowe, die Sendeanlage befand sich im Ort Lohme auf der Insel Rügen.
Durch das stetige Anwachsen der Seeschifffahrt zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde funktechnische Betreuung der Schiffe auch in der Ostsee dringend erforderlich. Hauptaufgabe sollen Funkwache und Funkverkehr zur Sicherung des menschlichen Lebens auf See sein. Am 11. September 1911 wird deshalb in Swinemünde eine Küstenfunkstelle in Betrieb genommen. Sie wird „Küstenfunkstelle Swinemünde“ (gleichzeitig der Name für den Anruf im Sprechfunkverkehr) benannt und als Rufzeichen (internationales Unterscheidungssignal und sozusagen als „Kurzname“ im Morse-Funkverkehr) werden ihr die Buchstaben DAS zugewiesen.
Ab 1930 wurde der Bau einer leistungsfähigeren Küstenfunkstelle notwendig. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Standortänderung vorgenommen, um mit der Küstenfunkstelle mehr in das Zentrum des zu versorgenden Seegebietes zu kommen. Wegen der begünstigenden Abstrahlvorzugsrichtung war ein Standort im Norden der Insel Rügen günstig.
Feldstärkemessungen ergaben, dass der günstigste Punkt für die Errichtung einer Funkempfangsstelle der Ort Glowe am Anfang der Schaabe und für die Errichtung der Funksendestelle der in östlicher Richtung 10 km entfernt liegende Ort Lohme auf der Halbinsel Jasmund bilden.
Dazu ist zu bemerken, dass damals an Funkverkehr auf Mittelwelle und auf Grenzwelle gedacht war. Das reichte aus, um die gesamte Schifffahrt im Gebiet der mittleren und südlichen Ostsee zu versorgen. Weiter entfernte Seegebiete waren durch andere Küstenfunkstellen angebunden. Und die Kurzwelle, für die Überbrückung großer Entfernungen, begann man in jenen Jahren gerade erst zu erschließen.
Die Funkempfangsstelle wurde ca. 400 m vor dem östlichen Ortseingang von Glowe errichtet. Die Funksendestelle wurde auf dem südlich von Lohme liegenden Hügel, dem „Teufelsberg“, erbaut. Die neuerrichtete Küstenfunkstelle erhielt die Bezeichnung „Küstenfunkstelle Rügen Radio“, behielt aber als „Andenken“ an den bisherigen Standort Swinemünde das Rufzeichen DAS. Im Jahre 1932 wurden Personal und technische Einrichtungen von Swinemünde zu den neuen Standorten auf Rügen verlegt.
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wird Rügen Radio in das Funkwesen der Kriegsmarine integriert. Unter anderem wird berichtet, dass von Glowe Fernmeldeaufklärung (Abhören und Entschlüsseln gegnerischer Funkverbindungen) in Richtung Nordatlantik erfolgt sei. 1945 wird der Betrieb eingestellt. Zwei Tage vor dem Eintreffen der Roten Armee wird Rügen Radio gesprengt. Übrig blieb ein Wohnhaus direkt an der Straße.
Im Zuge des allmählichen Aufbaus der volkseigenen Fischwirtschaft entstand in Sassnitz auf Rügen eine Kutterflotte. Zu deren Lenkung und zur Betreuung der Menschen auf See konnte auf eine funktechnische Nachrichtenübertragung nicht verzichtet werden. Das Fischkombinat nahm deshalb ab Ende 1948 Verhandlungen mit der damaligen Hauptverwaltung Funkwesen auf. Diese erklärte sich bereit, eine neue Küstenfunkstelle zu errichten.
Der Wiederaufbau der zerstörten Küstenfunkstelle erfolgte unter Leitung der Oberpostdirektion Schwerin durch das Telegrafenbauamt Stralsund. Sie nahm am 22. September 1949 um 03:00 Uhr morgens zunächst von Lohme aus den Telefonie-Funkverkehr mit den ersten beiden Kuttern der Fischfangflotte Sassnitz auf. Das Rufzeichen der neuen Küstenfunkstelle wurde DHS.
Das Anwachsen der Hochseefischereiflotte der DDR, die Ausdehnung der Fanggebiete bis zur Nordsee, später bis zum Nordmeer und zur Barentssee, erforderten eine Erweiterung der technischen Anlagen von Rügen Radio sowie die räumliche Trennung der Funksende- und Funkempfangsstelle, um den Empfang der leistungsschwachen Schiffssender nicht durch die eigene starke Aussendung zu beeinträchtigen.
Die Sendestelle verblieb in Lohme, während die Empfangsstelle in Glowe zunächst in einigen Räumen eines Wohnhauses untergebracht wurde. Das Gebäude der Funkempfangsstelle wurde, in Anlehnung an den alten Stil, wiedererrichtet und 1953 in Betrieb genommen.
Zur aktuellen Information der Seeleute wurde 1953 mit der Aussendung einer sogenannten „Schiffspresse“ begonnen. Sie erschien täglich mit Neuestem aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Sport. In der Ferne hatten diese Neuigkeiten aus der Heimat einen hohen Stellenwert bei den Besatzungen.
Ab 1957/58 wurden Nachrichtenverbindungen von Rügen Radio zu Schiffen der DDR auf allen Weltmeeren hergestellt. Ab 1958 wurden auch erste Seefunkgespräche auf Kurzwelle durchgeführt. Ende 1964 waren es rund 480 Seefunkstellen (das ist die im Zusammenhang mit dem Seefunkdienst übliche Bezeichnung für ein Schiff) der DDR, die über Rügen Radio mit der Heimat Verbindung halten konnten. Die Entwicklung der Handels- und Fischereiflotte der DDR und das verstärkte Anlaufen der Häfen durch fremde Schiffe machten eine erneute Nachrüstung der technischen und betrieblichen Anlagen dieser Küstenfunkstelle notwendig. Diese Erweiterungen wurden vorwiegend 1965 und 1966 realisiert.
Die nächste Aufgabenausweitung kam auf Rügen Radio zu, als durch den nahöstlichen Sechstagekrieg der Sueskanal geschlossen wurde. Die erheblich weiteren Seewege um das Kap der Guten Hoffnung herum und durch den Panamakanal wurden aktuell und mussten funktechnisch sichergestellt werden. Im Jahr 1967 wurde Funkverkehr mit inzwischen ungefähr 560 Schiffen der DDR abgewickelt. Ab 1968 wurde ein Dispatcherplatz für Kurzwellen-Telegrafie eingerichtet, um den zugenommenen Fernverkehr effektiver koordinieren zu können.
Die bisher verwendeten Richt-Empfangsantennen waren etliche Jahre vorher definiert für die damals befahrenen Seegebiete geplant und gebaut worden. Inzwischen wurden außerdem viele andere Gebiete befahren. Und eine ordentliche Küstenfunkstelle muss auf allen Seefunk-Kurzwellen-Frequenzen und in alle Richtungen mit Richtantennen „hören“ können. Ab 1972 wurde daher ein System von acht V-Antennen (je eine für 45 Grad Öffnungswinkel) an einem einzigen Mast eingesetzt. Dieser „V-Stern“ hat sich bis zum Ende des Kurzwellenverkehrs von Rügen Radio gut bewährt. Neben den Vorteilen durch die stabilere Funkverbindung wurde dadurch auch der Aufwand für die Instandhaltung des Antennenparks stark reduziert.
1973 wurde die DDR politisch anerkannt, in die UNO aufgenommen, trat dem Weltpostverein und dem Internationalen Fernmeldeverein bei. Das blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Arbeit von Rügen Radio. Die Küstenfunkstelle der DDR begann auch für Reeder kapitalistischer Staaten zu „existieren“. Nun „durfte“ Telegramm- und Gesprächsverkehr auch über Rügen Radio geführt werden. Die Erlöse aus diesem Funkverkehr steigen innerhalb eines Jahres (von 1973 bis 1974) um 50 Prozent an.
Ende der 1970er Jahre erhielt die DDR neue Rufzeichen für ihre Funkstellen, nämlich die Rufzeichenreihe Y2A ... Y9Z. Das war konsequent, denn die Vollzugsordnung für den Funkdienst legt fest, dass die Staatszugehörigkeit einer Funkstelle aus ihrem Rufzeichen (erstes und zweites Zeichen) erkennbar sein soll. Bis dahin schlossen die Rufzeichenblöcke der BRD (DA-DL) und der DDR (DM-DT) unmittelbar aneinander an. Rügen Radio erhielt hiernach das Rufzeichen Y5M.
Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik kehrte Rügen Radio zum alten Rufzeichen DHS zurück. Am 3. Oktober 1990 erfolgte der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland. Damit entstand, was den Küstenfunkdienst anging, die folgende Situation: In den alten Bundesländern gab es die sehr gut ausgerüsteten Küstenfunkstellen Norddeich Radio, Kiel Radio und Elbe-Weser Radio, die zur Deutschen Bundespost gehörten. Die Deutsche Bundespost war ungleich leistungsfähiger als die Deutsche Post der DDR.
Kiel Radio und Elbe-Weser Radio arbeiteten bereits im Nahbereich, das heißt mit Schiffen in der Nord- und Ostsee. Norddeich Radio führte zudem außer im Nahbereich auch Kurzwellen-Weitverkehr mit Schiffen auf allen Weltmeeren durch.
Hinzu kam, dass die Küstenfunkstellen in den alten Bundesländern nicht mehr voll ausgelastet waren, weil ein zunehmender Teil des Funkverkehrs im küstennahen Bereich über die Mobilfunknetze abgewickelt wurde, ein ebenfalls zunehmender Teil des Funkverkehrs mit fernen Schiffen über Satellitenverbindungen lief sowie immer weniger deutsche Besatzungsmitglieder zur See fuhren, und damit auch der private Funkverkehr über deutsche Küstenfunkstellen zurückging. Deshalb lag es nahe, den Weitverkehr (auf Kurzwelle) allein nur noch bei Norddeich Radio zu konzentrieren. Rügen Radio stellte den Weitverkehr ein.
Die Funkempfangsstelle Glowe wurde zwar noch einmal technisch neu ausgestattet und übernahm sogar für wenige Jahre den gesamten deutschen UKW-Küstenfunkdienst in der Ostsee, während Kiel Radio geschlossen wurde. Weil der Küstenfunkverkehr aber immer weiter zurückging, auch die Dienste auf Mittel- und Grenzwelle sich nicht mehr lohnten und für die Sicherheit der Schifffahrt entbehrlich wurden, stellte 1998 Rügen Radio den Küstenfunkdienst vollständig ein. Der UKW-Küstenfunkdienst wurde vorerst bei Norddeich Radio konzentriert, bis auch dieses aufgelöst wurde.
Für die Hör- und Fernsehrundfunk-Versorgung werden auf der Insel Rügen drei Sendestandorte genutzt. Bei Garz wird eine Sendeanlage für UKW-Hörrundfunk und DVB-T-Fernsehrundfunk betrieben. Als Antennenträger kommt ein 190 m hoher, abgespannter Stahlfachwerkmast zum Einsatz. (54° 19′ 25″ N, 13° 20′ 29″ O). Von einem Sendeturm bei Sassnitz-Dwasieden, einem freistehenden Fertigbetonturm, werden die Programme von Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk ausgestrahlt. (54° 30′ 48″ N, 13° 35′ 59″ O). Vom ältesten Rundfunk-Sendestandort Rügens bei Putbus wurde bis zum 1. Januar 2010 auf Mittelwelle im DRM-Modus das Programm von Deutschlandradio zeitweise digital ausgestrahlt. (54° 21′ 36″ N, 13° 29′ 14″ O).
Hör- und Fernsehrundfunk-Sendeanlagen auf Rügen:
| Programm | Sendefrequenz | Sendeleistung | Sender |
| UKW | Garz/Rügen | ||
| NDR Info | 88,6 MHz | 10 kW | |
| NDR Kultur | 91,5 MHz | 10 kW | |
| N-Joy | 95,5 MHz | 10 kW | |
| NDR 2 | 99,8 MHz | 10 kW | |
| NDR 1 Radio MV | 102,5 MHz | 50 kW | |
| Antenne MV | 105,1 MHz | 50 kW | |
| Ostseewelle | 107,6 MHz | 50 kW | |
| DVB-T | |||
| NDR-Bouquet Mecklenburg-Vorpommern
• Das Erste • NDR Fernsehen (Mecklenburg-Vorpommern) • MDR Fernsehen (Sachsen-Anhalt) / zeitweise NDR Fernsehen (Schleswig-Holstein) • rbb Fernsehen (Brandenburg) |
Kanal 29 H | 20 kW | |
| ZDFmobil-Bouquet
• ZDF • 3sat • KIKA (Kinderkanal) (6–21 Uhr) / ZDF neo (21–6 Uhr) . ZDF Info |
Kanal 40 H | 20 kW | |
| UKW | Sassnitz | ||
| Deutschlandradio Kultur | 101,4 MHz | 8 kW | |
| Deutschlandfunk | 104,0 MHz | 8 kW | |
| MW (DRM) | Putbus | ||
| Deutschlandradio (außer Betrieb, Sender wurde abgeschaltet) | 729 kHz | 1 kW | |
Kommunikation
Für Rügen gilt die Telefonvorwahl 0(044)3838. Die Postleitzahlen auf Rügen lauten:
| Postleitzahl | Ort |
| 18528 | Bergen auf Rügen |
| 18556 | Altenkirchen Rügen |
| 18556 | Breege |
| 18556 | Dranske |
| 18551 | Lohme |
| 18569 | Neuenkirchen Rügen |
| 18574 | Garz/Rügen |
| 18546 | Sassnitz |
| 18581 | Putbus |
| 18586 | Sellin |
| 18586 | Baabe |
| 18609 | Binz |
| 18573 | Altefähr |
| 18565 | Insel Hiddensee |
Sport
Auf Rügen gibt es eine vielfältige Sportlandschaft, die sowohl den Breiten- als auch den Leistungssport umfasst. Die Insel bietet dabei zahlreiche Möglichkeiten, sowohl traditionelle als auch moderne Sportarten auszuüben.
Wassersport
- Segeln, Surfen und Kitesurfen: Die Ostsee und die Boddengewässer sind beliebte Revier für Segler, Surfer und Kitesurfer.
- Rudern und Kanu: Vor allem auf den Bodden und im Nationalpark Jasmund gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Kanu- und Rudertouren.
- Angeln: Sowohl vom Ufer als auch vom Boot aus wird auf Rügen geangelt.
Ballsportarten
Fußball: Fußball ist auf Rügen sehr beliebt. Es gibt zahlreiche Vereine und Mannschaften, die in verschiedenen Ligen spielen.
Handball, Volleyball, Beachvolleyball: Besonders in den Sommermonaten werden diese Sportarten an den Stränden und in Sporthallen betrieben.
Leichtathletik und Radfahren
- Laufen und Wandern: Rügen bietet viele gut ausgebaute Wander- und Laufstrecken, darunter den berühmten Hochuferweg im Nationalpark Jasmund.
- Radfahren: Die Insel ist mit einem dichten Netz an Radwegen ausgestattet und eignet sich hervorragend für Radtouren.
Wintersport
- Eislaufen: In besonders kalten Wintern können die Bodden zufrieren und bieten dann Möglichkeiten zum Eislaufen.
Sonstige Sportarten
- Reiten: Es gibt mehrere Reitvereine und Reiterhöfe, die Ausritte und Reitunterricht anbieten.
- Golf: Auf Rügen gibt es Golfplätze, die sowohl Einheimischen als auch Gästen offenstehen.
Die Sportvereine auf Rügen sind sehr aktiv und bieten ein breites Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Besonders beliebt sind neben Fußball auch Handball, Leichtathletik und Wassersportarten. Regelmäßig finden auf der Insel Sportveranstaltungen wie Laufwettbewerbe, Segelregatten und Beachvolleyballturniere statt.
Fußball
Die wichtigste und beliebteste Sportart auf Rügen ist Fußball. Fußball ist in Deutschland insgesamt die mit Abstand meist ausgeübte und verfolgte Sportart, mit über 7 Millionen Mitgliedern in Vereinen bundesweit, und diese Popularität spiegelt sich auch auf Rügen wider1. Die Insel verfügt über zahlreiche Fußballvereine, die aktiv in verschiedenen Ligen spielen und eine große Anhängerschaft haben. Fußball ist nicht nur ein Breitensport, sondern auch ein wichtiger sozialer Faktor, der Gemeinschaft und Identifikation fördert.
Die wichtigsten Fußballvereine sind:
- SG Insel Rügen: Dieser Verein ist einer der zentralen Fußballklubs auf der Insel und betreibt mehrere Mannschaften im Spielbetrieb.
- VfL Bergen 94: Der Fußballverein aus Bergen auf Rügen ist ebenfalls ein wichtiger Akteur im lokalen Fußballgeschehen.
- 1.FC Binz: Der Verein aus Binz ist ebenfalls aktiv und bietet Fußball für verschiedene Altersklassen an.
Auch in anderen Orten wie Sassnitz, Putbus und Sellin gibt es Fußballvereine, die jedoch oft unter anderen Namen oder als Mannschaften in überregionalen Vereinen organisiert sind. Einige Vereine aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen, wie der SV Barth 1950 oder der LSV Bug, liegen zwar im Umland, sind aber für den Fußball auf Rügen relevant, da sie auch mit Rügener Vereinen in Ligen spielen.
Persönlichkeiten
Zu den bedeutendsten Rüganern gehören:
- Ernst Moritz Arndt (1769 bis 1860), deutscher Schriftsteller und Abgeordneter
- Wilhelm Malte I. Fürst zu Putbus (1783 bis 1854), unter seiner Herrschaft umfangreiche Bautätigkeit (Klassizismus)
- Theodor Billroth (1829 bis 1894), einer der bedeutendsten Chirurgen des 19. Jahrhunderts
- Berthold Delbrück (1842 bis 1922), deutscher Sprachwissenschaftler
- Franziska Tiburtius (1843 bis 1927), deutsche Ärztin und Kämpferin für das Frauenstudium
- Hans Langsdorff (1894 bis 1939), deutscher Marineoffizier und Kapitän des Panzerschiffs Admiral Graf Spee
- Matthäus von Normann (Daten unbekannt), deutscher Jurist, von 1554 bis 1569 Landvogt auf Rügen, Verfasser des Wendisch-Rügianischen Landgebrauchs
Wichtige Personen mit Bezug zur Insel waren und sind:
- Gebhard Leberecht von Blücher Fürst von Wahlstatt (1742 bis 1819), preußischer Generalfeldmarschall, verlebte seine Jugend auf Gut Venz
- Caspar David Friedrich (1774 bis 1850), Maler, weilte zu Besuchen von Verwandten mehrfach auf Rügen und ließ sich vor allem vom Kreidefelsen inspirieren
- Ludwig Gotthard Kosegarten (1758 bis 1818), Theologe, Pastor, Professor und Dichter, berühmter Pastor der Pfarrkirche Altenkirchen auf Rügen
- Maximilian Kaller (1880 bis 1947), Bischof von Ermland in Ostpreußen, trat seine erste Pfarrstelle als Missionspfarrer der St. Bonifatius-Kirchengemeinde auf Rügen an
- Hans-Jürgen Meyer war Oberleutnant der deutschen Wehrmacht und mit der Verteidigung der Insel Rügen beauftragt. In der Nacht des 4. Mai 1945 traf er sich mit dem General der Sowjetarmee Nikolai Grigorjewitsch Ljaschtschenko in Stralsund und verhandelte mit ihm die kampflose Übergabe der Insel Rügen an die Rote Armee; die Kapitulation fand am 4. Mai 1945 um 8 Uhr statt.
Fremdenverkehr
Die Insel verzeichnet etwa ein Viertel aller Übernachtungen in Mecklenburg-Vorpommern. Die meisten Gäste besuchen Rügen zwischen April und Oktober; die Hauptsaison liegt zwischen Juni und August, aber auch die ruhige Atmosphäre des Winters zieht Urlauber an. Die wichtigsten Ferienorte für den Bade- und Kurtourismus sind Binz, Sellin und Göhren, sowie Sassnitz als staatl. anerkannter Erholungsort.
Rügen ist eine der touristischen Hochburgen Deutschlands. Die Insel verzeichnet etwa ein Viertel aller Übernachtungen in Mecklenburg-Vorpommern. Die meisten Gäste besuchen Rügen zwischen April und Oktober; die Hauptsaison liegt zwischen Juni und August, aber auch die ruhige Atmosphäre des Winters zieht Urlauber an. Die wichtigsten Ferienorte für den Bade- und Kurtourismus sind Binz, Sellin und Göhren, sowie Sassnitz als staatlich anerkannter Erholungsort. Aber auch Rügens einzigartige Natur- und Kulturlandschaft zieht Touristen an, die die Insel mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem Segelboot erkunden. Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten wie Kap Arkona, den Kreidefelsen, Seebad Prora, Jagdschloss Granitz oder den klassizistischen Bauwerken von Putbus erfreuen sich seit einigen Jahren die Störtebeker-Festspiele von Ralswiek großer Beliebtheit.
Auf der Halbinsel Jasmund befindet sich der Nationalpark Jasmund, der den Buchenwald der Stubnitz samt den berühmten Rügener Kreidefelsen umfasst. Direkt am Königsstuhl befindet sich das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl, das in einer Ausstellung mit Multivisionskino Informationen über den Nationalpark bietet.
Die Kreide ist ein wichtiges Tourismus- und Exportgut für Rügen. Im Wellness-Bereich gehen etwa 70 % der Arrangements auf Angebote mit Kreide zurück. Außerdem findet Kreide in zahlreichen exportierten Wellness-Produkten Anwendung. Wegen der großen wirtschaftlichen Bedeutung wird sie als das Weiße Gold von Rügen bezeichnet.
Teile der Küsten im Westen Rügens sowie die anliegenden Bodden gehören zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, dessen Schwerpunkt die Halbinseln Darß und Zingst sowie die Insel Hiddensee bilden. Auf Rügen beginnt auch die insgesamt 2500 km lange Deutsche Alleenstraße.
Der Rügenpark ist ein Freizeitpark in Gingst auf der Ostseeinsel Rügen. Der nur von April bis Anfang November geöffnete Park gehört zu den kleineren Freizeitparks in Deutschland. Das Gebiet des Parks erstreckt sich auf 40.000 m² am Ortsrand von Gingst. An Attraktionen bietet der Park circa 15 Fahrgeschäfte, die im Eintrittspreis inkludiert sind. Die einzelnen Attraktionen sind:
- Superrutsche - größere Rutschbahn
- Luna Loop - Insassen einer Gondel fahren im Kreis und werden auf den Kopf gestellt
- Pferdereitbahn - mechanische Reitpferde für Kinder
- Nautic-Jets - ein Boot rutscht von einer Anhöhe in ein Wasserbassin
- Rondello - elektrisch betriebenes von den Fahrgästen gesteuertes Karussell
- Wildwasser-Rondell - sich schnell im Wasser drehendes Karussell
- Seilbahn - kleine Seilbahn für jeweils eine Person
- Butterfly - Wagen für zwei Personen fährt in einem Halbkreis mehrmals hoch und runter
- Jetscooter - gegen Münzen zu nutzende Fahrgeräte für Kinder
- Hüpfberg
- Holiday Schaukel - normale Schaukeln
- Komet - elektrisch betriebene bis in die Waagerechte schaukelnde Gondel
- Streichelzoo - mit mehreren Ziegen und Schafen
Eine Eisenbahn Emma fährt auf einem Rundkurs durch den Park. Im hinteren Teil des Parks befindet sich ein Selbstbedienungsrestaurant. Eine bewegliche Dinosauriernachbildung in Lebensgröße ist ein beliebtes Fotomotiv. Alle Fahrattraktionen mit Ausnahme der Parkeisenbahn sind vom Bremer Attraktionenhersteller Heege gebaut worden. Darüber hinaus befinden sich im Park ungefähr 100 große, maßstabsgetreue Nachbildungen internationaler Sehenswürdigkeiten wie der Freiheitsstatue, des Schiefen Turms von Pisa oder des deutschen Reichstags. In einer Region des Parks ist die stark gegliederte Insel Rügen mit ihren wichtigsten Bauten als Modell in den Park eingearbeitet.
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Zahl der Gäste auf Rügen und Hiddensee:
1982 220 000
1994 750 000
1995 814 000
1996 892 119
1997 934 242
1998 944 148
2001 897 336
Seebäder:
anerkannte Seebäder 6
Erholungsorte 5
Touristische Einrichtungen 2001:
Campingplätze 21
Jugendherbergen und -häuser 4
Hotels 86
sonstige Unterkünfte 554
Betten 42 839
Ferienhäuser 2 200
Ferienhausbetten 26 200
Literatur
- wikipedia = https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:R%C3%BCgen
- wikitravel = https://wikitravel.org/de/R%C3%BCgen
- wikivoyage = https://de.wikivoyage.org/wiki/R%C3%BCgen
- Barbara Branscheid u. a.: Rügen. Hiddensee. 10. Auflage, Ostfildern 2017
- Irmfried Garbe / Nils Jörn (hg.): Insel im pommrischen Meer. Beiträge zur Geschichte Rügens, hg. im Auftrag der Gesellschaft für Pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst e. V. Sardellus-Verlagsgesellschaft, Greifswald 2011
- Ludwig Albrecht Gebhardi: Geschichte des Reichs Rügen, in: Geschichte der Wendisch-Slavischen Staaten, Band 2, Halle 1793, S. 1 - 36
- Hanswilhelm Haefs: Ortsnamen und Ortsgeschichten auf Rügen mitsamt Hiddensee und Mönchgut, Atzerath bei St. Vith 2005
- Armin Kühne: Rügen im Wandel, Leipzig 2007
- Fritz Petrick: Rügen. Die Geschichte einer Insel, Kiel / Hamburg 2017
- ders. (hg.): Rügens Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart in fünf Teilen, Putbus 2008/10
- Heike Reimann / Fred Ruchhöft / Cornelia Willich: Rügen im Mittelalter. Eine interdisziplinäre Studie zur mittelalterlichen Besiedlung auf Rügen, Stuttgart 2011
- Renate Seydel (hg.): Rügen. Ein Lesebuch, Berlin 1996
Reiseberichte
- Thomas Neuendorf: Rügen. Mehr als Kreide! = https://www.grad60.com/home/ruegen-ein-reisebericht
- Claudia: Reisebericht Rühen - 5 unvergessliche Tage auf der Insel der Vielfal,t = https://www.reisedeals.com/reisebericht-ruegen/
Videos
- Insel Rügen (4k Drone) = https://www.youtube.com/watch?v=QApwaclLlhE
- Rügen 2024 Drone Aerial = https://www.youtube.com/watch?v=MPpag2ujeac
- Die Nordreportage: Wir sind Schaf = https://www.youtube.com/watch?v=c1tLAf4B7Vk
- Die Nordstory: Nordwolle Rügen = https://www.youtube.com/watch?v=_FwaWY439NI
- Insel Rügen = https://www.ruegen.at/insel-ruegen.php
- NDR Unsere Geschichte: Als Rügen Urlaubsinsel wurde = https://www.youtube.com/watch?v=3bgvyOB-h6o
- Fremdes Rügen, hier leben Geister und Fabelwesen gerne = https://www.youtube.com/watch?v=BIabytuf3aU
- Hitlers verlassener Luxus-Resort = https://www.youtube.com/watch?v=HALaiFv3aWU
Atlas
- Rügen, ADAC = https://maps.adac.de/show/ruegen
- Rügen, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/search?query=R%C3%BCgen&zoom=14&minlon=13.17063331604004&minlat=54.40539373548696&maxlon=13.305387496948244&maxlat=54.44983176453027#map=10/54.4589/13.5695
Reiseangebote
Rügen nachhaltig = https://www.ruegen.de/vor-ort/nachhaltig
Sanfter Tourismus Rügen = https://www.goclimate.de/tourismus/sanfter-tourismus-ruegen/
Forum
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