Guadeloupe (Gwadloup): Unterschied zwischen den Versionen
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Guadeloupe ist eine Art Frankreich in der Karibik - mit vielen keorlischen Einschlägen und einem wachsenden Selbstbewusstsein. Nach der Abtrennung der früher zum Verwaltungsgebiet gehörigen Inseln Saint-Bathélemy und Saint-Martin gehen die Bewohner des Archipels jetzt eigene Wege in Richtung mehr Eigenständigkeit. | Guadeloupe ist eine Art Frankreich in der Karibik - mit vielen keorlischen Einschlägen und einem wachsenden Selbstbewusstsein. Nach der Abtrennung der früher zum Verwaltungsgebiet gehörigen Inseln Saint-Bathélemy und Saint-Martin gehen die Bewohner des Archipels jetzt eigene Wege in Richtung mehr Eigenständigkeit. | ||
{{Inselsteckbrief|offizieller Name=Guadeloupe (französisch), Gwadloup (kreolisch)|alternative Bezeichnungen=Karukera | {{Inselsteckbrief|offizieller Name=Guadeloupe (französisch), Gwadloup (kreolisch)|alternative Bezeichnungen=Karukera, Caloucaéra, Karoukera, Karukéra (karibisch), Santa María de Guadalupe (1493), Guadalupe, Guadaloupe, Guadeloupe, Guadalupa (spanisch), Gwada (lokal)|Kategorie=Meeresinsel|Inseltyp=echte Insel|Inselart=vulkanische Insel|Gewässer=Karibisches Meer (Mer des Caraïbes) und Atlantischer Ozean (Océan Atlantique)|Inselgruppe=Kleine Antillen (Petites Antilles)|politische Zugehörigkeit=Staat: Republik Frankreich (République française)<br>Region bzw. Provinz: Guadeloupe (Région / Departement d’outre mer de Guadeloupe)|Gliederung=2 arrondissements (Kreise), inbsgesamt 5<br>18 cantons (Kantone), insgesamt 21<br>26 communes (Gemeinden), insgesamt 32|Status=Inselregion (région d’outre mer)|Koordinaten=61°34‘ N, 16°14‘ W|Entfernung zur nächsten Insel=140 m (La Roche), 9,5 km (La Désirade)|Entfernung zum Festland=579 km (Punta de Dragon / Venezuela)|Fläche=1.438 km² / 555 mi² (mit Nebeninseln 1628,43 km² / 628,74 mi²)|geschütztes Gebiet=257 km² / 99 mi² (17,9 %)|maximale Länge=67,8 km (W-O)|maximale Breite=46,5 km (N-S)|Küstenlänge=581 km|tiefste Stelle=0 m (Karibisches Meer / Atlantischer Ozean)|höchste Stelle=1467 m (Soufrière)|relative Höhe=1467 m|mittlere Höhe=56 m|maximaler Tidenhub=0,4 bis 0,7 m (Pointe à Pitre 0,62 m)|Zeitzone=HNA (Heure normale de l’Atlantique / Atlantic Standard Time / Atlantik-Standardzeit, UTC-4)|Realzeit=UTC minus 4 Stunden 4 bis 7 Minuten|Einwohnerzahl=369.424, Department 383.569 (2022)|Dichte=256,90, Department 235,45|Inselzentrum=Basse-Terre}} | ||
== '''Name''' == | == '''Name''' == | ||
Vor der Ankunft der Europäer war Guadeloupe von indigenen Völkern bewohnt, zunächst von Arawak-Gruppen (Taino) und später von den Kariben (Kalinago). Letztere nannten die Insel '''Karukera''', auch '''''Caloucaéra''''', '''''Karoukera''''' oder '''''Karukéra''''' geschrieben, was in ihrer Sprache „die Insel der schönen Gewässer“ oder „die Insel mit den schönen Wassern“ bedeutet. Dieser Name bezog sich auf die natürliche Schönheit der Insel, insbesondere ihre zahlreichen Flüsse, Wasserfälle (wie die Carbet-Fälle) und üppigen Quellen, die für die indigene Landwirtschaft und das tägliche Leben essenziell waren. Der Name Karukera wird heute noch in der kreolischen Kultur Guadeloupes verwendet, etwa in Tourismuswerbung oder als Symbol für die lokale Identität. | |||
[[Datei:Guadeloupe map.png|rechts]] | |||
Am 4. November 1493 landete Kolumbus während seiner zweiten Reise in die Neue Welt an der Südostküste Guadeloupes, nahe dem heutigen Ort Capesterre-Belle-Eau. Die Expedition war auf der Suche nach frischem Wasser und Vorräten, und Kolumbus war beeindruckt von der üppigen Vegetation und den Wasserquellen der Insel. Er nannte sie '''''Santa María de Guadalupe''''' oder einfach '''''Guadalupe''''', zu Ehren des spanischen Wallfahrtsorts Santa María de Guadalupe in der Provinz Cáceres (Extremadura). Kolumbus hatte vor seiner Abreise ''Santa María de Guadalupe'' besucht, um zu beten und ein Gelübde abzulegen. Das Kloster, gegründet im 14. Jahrhundert, beherbergte eine Statue der Jungfrau Maria, die als Schutzpatronin der Seefahrer galt. Kolumbus' Namensgebung folgte einer gängigen Praxis der spanischen Entdecker, Orte in der Neuen Welt nach religiösen Stätten in Spanien zu benennen, um den christlichen Anspruch zu unterstreichen und die Kolonisierung zu legitimieren. | |||
Der Name ''Guadalupe'' selbst hat tiefere etymologische Wurzeln, die über Spanien hinausreichen. Er leitet sich vom arabischen ''Wad-al-luben'' oder ''Wadi al-lubb'' ab, was „verborgener Fluss“ oder „Fluss des Wolfes“ bedeutet – eine Kombination aus arabisch ''wadi'', "Tal oder Flussbett" und lateinisch ''lupus'' "Wolf", möglicherweise vermischt mit spanischen Einflüssen. Diese Bezeichnung geht zurück auf die maurische Periode in Spanien (8. bis 15. Jahrhundert). Eine alternative Interpretation sieht in ''Guadalupe'' eine Referenz zu Genesis 3:15 („er zertritt den Kopf der Schlange“), was symbolisch für Marias Triumph über das Böse steht, und verbindet es mit der arabischen Wurzel ''guada'', "Fluss", und ''lupe'' für den "Wolf als Symbol für den Teufel". Der Name ''Guadalupe'' wurde in der Neuen Welt mehrmals vergeben (zum Beispiel ''Guadalupe'' in Mexiko, ''Guadalupe''-Inseln vor Kalifornien), immer mit Bezug zur spanischen Wallfahrtsstätte. | |||
Die Franzosen übernahmen den spanischen Namen, passten ihn jedoch an ihre Sprache an: Aus ''Guadalupe'' wurde '''''Guadeloupe''''', mit dem charakteristischen französischen „ou“-Laut. Diese Anpassung spiegelt die französische Dominanz wider, die bis heute anhält – die Insel ist seit 1674 (mit Unterbrechungen) französisches Territorium. Im Laufe der Kolonialzeit blieb der Name inl Varianten wie '''''Guadaloupe''''' oder '''''Guadalupa''''' in Karten und Berichten erhalten. Im karibischen Kreolisch heißt die Insel heute '''''Gwadloup''''', von den Bewohnern wird sie meist kurz '''''Gwada''''' genannt.[[Datei:Guadeloupe map.png|rechts]] | |||
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* japanisch: グアドループ [Guadorūpu] | * japanisch: グアドループ [Guadorūpu] | ||
* jerseyanisch: Guadeloupe | * jerseyanisch: Guadeloupe | ||
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* kabardisch: Гваделуп [Gvadelup] | * kabardisch: Гваделуп [Gvadelup] | ||
* kabiye: Gvadlup | * kabiye: Gvadlup | ||
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* zazakisch: Gwadelup | * zazakisch: Gwadelup | ||
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* Bezeichnung der Bewohner: Guadeloupéens (Guadelupianer) | * Bezeichnung der Bewohner: Guadeloupéens (Guadelupianer) | ||
* adjektivisch: guadeloupéen (guadelupianisch) | * adjektivisch: guadeloupéen (guadelupianisch) | ||
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'''Lage''' | |||
Guadelupe liegt im zentralen Bereich der Kleinen Antillen auf durchschnittlich 61°34‘ w.L. und 16°14‘ n.B.. Guadeloupe liegt zwischen den Antilleninseln Antigua und Montserrat im Norden sowie Dominica im Süden. Der Archipel befindet sich damit auf der gleichen geografischen Breite wie der Norden Senegals mit Saint-Louis, der Süden von Mauretanien, Zentral-Mali mit Gao, Zentral-Niger, das Massif Ennedi im Norden des Tschad, der nördliche Vorortebereich der sudanesischen Hauptstadt Khartoum, Zentral-Jemen mit Al-Ghaydah, Zentral-Indien mit Raichur, Tenali und Machilipatnam, das Irrawaddy-Delta in Birma, Khon Kaen im zentralen Norden Thailands, Süd.Laos, Da Nang in Vietnam, Lingayen und Dagupan auf derphilippinischen Insel Luzon, der äußerste Süden Mexikos mit Iuchitan und Chiapas, der Norden Guatemalas, der Süden von Belize und die Nordküste von Honduras mit den Islas de la Bahia. | Guadelupe liegt im zentralen Bereich der Kleinen Antillen auf durchschnittlich 61°34‘ w.L. und 16°14‘ n.B.. Guadeloupe liegt zwischen den Antilleninseln Antigua und Montserrat im Norden sowie Dominica im Süden. Der Archipel befindet sich damit auf der gleichen geografischen Breite wie der Norden Senegals mit Saint-Louis, der Süden von Mauretanien, Zentral-Mali mit Gao, Zentral-Niger, das Massif Ennedi im Norden des Tschad, der nördliche Vorortebereich der sudanesischen Hauptstadt Khartoum, Zentral-Jemen mit Al-Ghaydah, Zentral-Indien mit Raichur, Tenali und Machilipatnam, das Irrawaddy-Delta in Birma, Khon Kaen im zentralen Norden Thailands, Süd.Laos, Da Nang in Vietnam, Lingayen und Dagupan auf derphilippinischen Insel Luzon, der äußerste Süden Mexikos mit Iuchitan und Chiapas, der Norden Guatemalas, der Süden von Belize und die Nordküste von Honduras mit den Islas de la Bahia. | ||
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== '''Geologie''' == | == '''Geologie''' == | ||
Guadeloupe liegt am östlichen Rand der Karibischen Platte | Guadeloupe liegt am östlichen Rand der Karibischen Platte innerhalb des aktiven Vulkanbogens der Kleinen Antillen. Die geologische Entwicklung des Archipels wird maßgeblich durch die Subduktion der atlantischen Lithosphäre unter die Karibische Platte bestimmt. Dabei taucht die ozeanische Kruste der im Atlantik gelegenen Amerikanischen Platten am östlichen Rand der Karibischen Platte nach Westen ab. Die dabei entstehenden hohen Temperaturen und Drücke führen zur teilweisen Aufschmelzung des Mantelmaterials und zur Bildung von Magma, das entlang des Inselbogens aufsteigt. Dieser seit mehreren zehn Millionen Jahren andauernde tektonische Prozess ist für die Entstehung der vulkanischen Inseln der Kleinen Antillen verantwortlich und verursacht bis heute Erdbeben, vulkanische Aktivität und hydrothermale Erscheinungen. | ||
Der Inselbogen der Kleinen Antillen erstreckt sich über ungefähr 850 km von den Jungferninseln im Norden bis zur Küste Venezuelas im Süden und bildet die östliche Begrenzung des Karibischen Meeres. Seine geologische Entwicklung verlief in mehreren Phasen. Neben älteren vulkanischen Inselbogenstrukturen, die teilweise bis in die Kreidezeit zurückreichen, entstanden jüngere vulkanische Formationen, die den heutigen Inselbogen prägen. Guadeloupe liegt im Bereich dieses jüngeren Inselbogens, dessen vulkanische Entwicklung insbesondere während des Pliozäns und des Quartärs ausgeprägt war. Die Inselgruppe weist deshalb eine außergewöhnlich vielfältige Geologie auf: Während Basse-Terre von vulkanischen Gesteinen und jungen Gebirgsformen geprägt wird, bestehen Grande-Terre und mehrere vorgelagerte Inseln überwiegend aus Kalkgesteinen, Korallenriffablagerungen und anderen marinen Sedimenten. Die unterschiedlichen Entstehungsbedingungen erklären die deutlichen Gegensätze zwischen den steilen, bewaldeten Vulkanbergen und den flacheren, verkarsteten Kalksteinlandschaften. | |||
Die tektonische Aktivität ist auf zahlreiche Störungen und Verwerfungen zurückzuführen, die den Untergrund des Archipels durchziehen. Zu den regional bedeutenden tektonischen Strukturen gehören unter anderem die Faille de la Barre und die Faille de Cadoue. Hinzu kommen Störungssysteme im Bereich des Meeresbodens zwischen Guadeloupe, Dominica und den benachbarten Inseln. Die Bewegungen entlang dieser Bruchzonen können starke Erdbeben auslösen. Guadeloupe gehört deshalb zu den seismisch besonders gefährdeten Gebieten Frankreichs und ist in der französischen Erdbebengefährdungsklassifizierung der höchsten Stufe 5 zugeordnet. Die tektonischen Bewegungen beeinflussen außerdem die Hebung und Absenkung einzelner Inselbereiche sowie die Entstehung von Küstenformen und untermeerischen Geländestrukturen. | |||
Die Basse-Terre bildet mit einer Fläche von etwa 848 km² die westliche und geologisch jüngere der beiden Hauptinseln. Sie gehört zum inneren, weiterhin vulkanisch aktiven Inselbogen der Kleinen Antillen und ist durch eine ausgeprägte Gebirgslandschaft mit steilen Berghängen, tief eingeschnittenen Tälern, Schluchten und zahlreichen Flussläufen gekennzeichnet. Ihre vulkanische Entwicklung begann vor ungefähr 3,5 Millionen Jahren und verlief in mehreren aufeinanderfolgenden Phasen, in denen unterschiedliche Vulkangebäude und Lavaformationen entstanden. Zu den ältesten größeren Einheiten gehört das nördliche Vulkangebiet, dessen Entstehung ungefähr zwischen 3,5 und 1 Millionen Jahren zurückliegt. Es folgten die Ausbildung der axialen Gebirgskette zwischen etwa 1,25 Millionen und 450.000 Jahren sowie die Entstehung der Monts Caraïbes im Süden und der Chaîne de Bouillante im Westen. Die verschiedenen Vulkangebiete bestehen überwiegend aus basaltischen, andesitischen und dazitischen Gesteinen. Neben ausgedehnten Lavaablagerungen finden sich pyroklastische Ablagerungen, vulkanische Brekzien und durch spätere Verwitterung veränderte Gesteinsschichten. Die intensive tropische Verwitterung hat insbesondere die älteren vulkanischen Formationen stark verändert und zur Bildung mächtiger Böden beigetragen. | |||
Im südlichen Teil der Basse-Terre erhebt sich das Massiv der Grande Découverte mit dem aktiven Vulkan La Soufrière, der mit 1467 m die höchste Erhebung Guadeloupes und der Kleinen Antillen darstellt. Es handelt sich um einen komplexen Stratovulkan, dessen Aufbau durch wiederholte explosive und effusive Ausbrüche, die Entstehung von Lavadomen sowie mehrere größere Flankeneinstürze geprägt wurde. Das heutige Vulkangebäude entwickelte sich innerhalb älterer vulkanischer Strukturen. Vor ungefähr 200.000 Jahren entstand der Vulkan Grande Découverte. Eine größere explosive Eruption führte später zur Ausbildung einer Caldera, innerhalb derer sich der jüngere Vulkan Carmichaël entwickelte. Weitere massive Flankenkollapse ereigneten sich vor ungefähr 11.500 und 3100 Jahren. Dabei entstanden große Einsturzkrater und ausgedehnte Ablagerungen aus Gesteinstrümmern, die teilweise bis zur Küste gelangten. Der heutige Gipfelbereich wird von einem abgeflachten Lavadom gebildet, der aus zähflüssigem, überwiegend dazitischem Magma hervorgegangen ist. Die Gesteine des Soufrière-Massivs umfassen vor allem Andesite und Dazite, deren mineralische Zusammensetzung unter anderem durch Feldspäte, Pyroxene und Amphibole geprägt wird. | |||
Die vulkanische Tätigkeit der Soufrière ist durch einen Wechsel zwischen magmatischen Eruptionen und phreatischen Explosionen gekennzeichnet. Die letzte größere magmatische Eruption fand im 15. Jahrhundert statt und wird auf ungefähr 1440 bis 1530 datiert. Sie führte unter anderem zur Entstehung des heutigen Lavadoms. Spätere Ausbrüche waren überwiegend phreatischer Natur, wobei unterirdisches Wasser durch die Erwärmung des vulkanischen Untergrundes schlagartig verdampfte und dabei Asche, Gesteinsbruchstücke und Wasserdampf ausstieß. Besonders bedeutend war die Aktivitätsphase von 1976 bis 1977. Nach einer starken Zunahme der Erdbebenaktivität kam es am 8. Juli 1976 zu einer phreatischen Explosion, bei der feines vulkanisches Material über die Westflanke verteilt wurde. Es folgten weitere Dampf- und Gasemissionen, Erschütterungen sowie kleinere Schlamm- und Geröllströme. Wegen der möglichen Gefährdung durch stärkere Ausbrüche wurde ein großer Teil des südlichen Basse-Terre evakuiert. Rund 72.000 Menschen mussten zeitweise ihre Wohnungen verlassen. Die Aktivität ging 1977 allmählich zurück, ohne dass es zu einer neuen magmatischen Eruption kam. Die Soufrière gilt weiterhin als aktiver Vulkan und wird durch das Vulkanologische und Seismologische Observatorium Guadeloupes überwacht. Zu den beobachteten Erscheinungen gehören fumarolische Gas- und Wasserdampfaustritte, hydrothermale Veränderungen des Gesteins und eine oberflächennahe Erdbebenaktivität. | |||
Neben dem Soufrière-Massiv prägen zahlreiche weitere vulkanische Gebirgszüge und Einzelberge die Landschaft der Basse-Terre. Im südlichen Inselteil befinden sich die Monts Caraïbes, deren vulkanische Gesteine vor ungefähr 500.000 bis 400.000 Jahren entstanden. Im Zentrum verläuft die Chaîne Axiale mit mehreren markanten Gipfeln und Vulkankegeln. Weiter nördlich liegen die Mamelles, zwei charakteristische vulkanische Erhebungen, deren Gesteine überwiegend aus dazitischen Porphyren bestehen. Diese enthalten gut erkennbare Quarzkristalle und gehören zu den jüngeren Formationen des nördlichen Vulkangebiets. Die vulkanischen Gebirgszüge werden von zahlreichen tief eingeschnittenen Tälern unterbrochen, die durch die starke Niederschlagsmenge und die intensive Erosion entstanden sind. Besonders eindrucksvoll sind die Chutes du Carbet, eine Folge von drei großen Wasserfällen am Osthang des Soufrière-Massivs. Ihre Wasserläufe haben sich in unterschiedliche vulkanische Gesteinsschichten eingeschnitten und legen dabei Basalt-, Andesit- und pyroklastische Ablagerungen frei. Die Entstehung der betreffenden Gesteinsformationen reicht von ungefähr 140.000 Jahren bis in die jüngere Erdgeschichte. An verschiedenen Stellen treten säulenförmige Basaltstrukturen auf, die durch das Abkühlen und Schrumpfen mächtiger Lavaströme entstanden sind. Solche Basaltorgeln sind unter anderem im Gebiet von Matouba zu finden. Auch an den Steilküsten und in den Flusstälern der Basse-Terre sind ältere Lavaformationen und vulkanische Ablagerungen aufgeschlossen. | |||
Ein weiteres charakteristisches Merkmal der vulkanischen Geologie sind die hydrothermalen Erscheinungen. Regenwasser dringt in die durchlässigen vulkanischen Gesteinsschichten ein, wird in tieferen Bereichen durch die Erdwärme erhitzt und tritt anschließend als warmes oder heißes Wasser sowie als mineralreiche Quelle wieder an die Oberfläche. Besonders ausgeprägt sind diese Erscheinungen an der Westküste im Raum Bouillante. Dort befinden sich zahlreiche heiße Quellen und fumarolische Austrittsstellen, die mit dem vulkanischen Untergrund der Basse-Terre zusammenhängen. Die geothermischen Ressourcen werden zur Energiegewinnung genutzt. Das Geothermiekraftwerk Bouillante gehört zu den bedeutenden Anlagen dieser Art in der Karibik und nutzt heißes Wasser und Dampf aus dem Untergrund zur Stromerzeugung. Die hydrothermalen Prozesse führen außerdem zur chemischen Veränderung der umgebenden Gesteine. Dabei entstehen unter anderem tonmineralreiche Zersetzungszonen, die lokal die Festigkeit des vulkanischen Untergrundes herabsetzen können. | |||
Die vulkanische Aktivität der Basse-Terre hat nicht nur Gebirge und Täler geschaffen, sondern auch die Entstehung zahlreicher besonderer Landschaftsformen ermöglicht. Dazu gehören ehemalige Krater, Lavadome, erstarrte Lavaströme, vulkanische Schuttkegel, pyroklastische Ablagerungen und durch Erosion freigelegte Gesteinswände. An den Hängen des Soufrière-Massivs finden sich zudem ältere Ablagerungen großer Bergstürze und vulkanischer Schlammströme. Die Kombination aus hohen Niederschlägen, steilem Relief, starker chemischer Verwitterung und tektonischer Beanspruchung führt dazu, dass die Hänge vielerorts anfällig für Erdrutsche und Hangrutschungen sind. Die Flüsse transportieren große Mengen vulkanischen Lockermaterials in die Küstenebenen und lagern dort Sand, Kies und Schluff ab. Auf diese Weise entstehen im Übergangsbereich zwischen Gebirge und Küste jüngere Schwemmfächer und alluviale Ablagerungen. | |||
Die Grande-Terre bildet mit ungefähr 586 km² die östliche Hauptinsel Guadeloupes. Ihre geologische Entstehung unterscheidet sich grundlegend von jener der Basse-Terre. Sie gehört zum äußeren, heute erloschenen Vulkaninselbogen der Kleinen Antillen und besteht oberflächlich fast vollständig aus marinen Kalksteinen. Diese entstanden durch die Ablagerung von Korallen, Muscheln, Kalkalgen und anderen kalkbildenden Meeresorganismen in flachen tropischen Gewässern. Die karbonatischen Ablagerungen begannen vor ungefähr fünf Millionen Jahren und setzten sich während des Pliozäns und Pleistozäns fort. Im Laufe der Zeit wurden die Riff- und Lagunensedimente verfestigt und durch tektonische Hebungen über den Meeresspiegel angehoben. Die Kalksteinformationen erreichen örtlich eine Mächtigkeit von mehr als 120 m. Unter ihnen befinden sich ältere vulkanische Gesteine, die heute größtenteils von den jüngeren Kalkablagerungen überdeckt sind. | |||
Die Oberfläche der Grande-Terre besteht aus mehreren unterschiedlich hoch gelegenen Kalksteinterrassen und flachwelligen Plateaus. Im Norden und Osten treten teilweise steile, vom Atlantik angeschnittene Kalksteinküsten auf, während im Süden und Westen flachere Küstenabschnitte mit Stränden, Lagunen und Korallenriffen überwiegen. Besonders charakteristisch ist das Gebiet der Grands-Fonds im Inselinneren. Dort hat die tropische Verwitterung die Kalksteinoberfläche tiefgreifend verändert und eine ausgeprägte Karstlandschaft mit zahlreichen Hügeln, Senken, Trockentälern und Dolinen geschaffen. Regenwasser löst das leicht angreifbare Calciumcarbonat des Kalksteins und erweitert vorhandene Klüfte und Spalten. Dadurch entstehen unregelmäßige Geländeformen und unterirdische Entwässerungswege. Die höchsten Erhebungen der Grande-Terre bleiben vergleichsweise niedrig; der Morne l'Escale erreicht ungefähr 135 m. Im Gegensatz zu den vulkanischen Gebirgen der Basse-Terre besitzt die Grande-Terre daher ein überwiegend flaches bis hügeliges Relief. | |||
Die geologische Struktur der Grande-Terre ist eng mit der Entwicklung ehemaliger Korallenriffe verbunden. Während verschiedener Phasen des Pleistozäns bildeten sich bei höheren Meeresspiegelständen ausgedehnte Riffkörper, die später durch Schwankungen des Meeresspiegels und tektonische Hebungen trockenfielen. Die unterschiedlichen Höhenlagen der Kalksteinterrassen dokumentieren diese Entwicklung. An der Nordküste treten die Kalksteine teilweise als steile Felsklippen hervor, während die südlichen und westlichen Küstenabschnitte stärker durch Riffbildungen, jüngere Strandablagerungen und marine Erosionsprozesse geprägt werden. Im Bereich des Grand Cul-de-Sac Marin und des Petit Cul-de-Sac Marin befinden sich flache Meeresgebiete, in denen Korallenriffe, Mangroven und jüngere Sedimente miteinander verbunden sind. Die Kalksteinuntergründe der Grande-Terre bilden außerdem einen wichtigen Grundwasserspeicher, dessen Wasserführung von Niederschlägen, Durchlässigkeit und Verkarstung abhängt. | |||
Marie-Galante liegt südöstlich der Grande-Terre und gehört ebenfalls zum äußeren, nicht mehr vulkanisch aktiven Inselbogen. Die Insel besitzt einen überwiegend kalkhaltigen geologischen Aufbau, der demjenigen der Grande-Terre ähnelt. Ihre Oberfläche besteht größtenteils aus marinen Kalksteinablagerungen, die auf einem wesentlich älteren vulkanischen Untergrund liegen. Die Kalksteine entstanden durch die Ablagerung von Korallenriffen und anderen kalkbildenden Meeresorganismen während des Pliozäns und Pleistozäns. Durch spätere tektonische Hebungen wurden die ehemaligen Meeresablagerungen über den Meeresspiegel angehoben und bildeten mehrere Kalksteinterrassen. Die Insel erreicht im Zentrum und im nördlichen Bereich größere Höhen als an ihren Küsten. Durch die chemische Verwitterung der Kalksteine entwickelte sich eine Karstlandschaft mit sanften Hügeln, Senken und Dolinen. Besonders im Bereich von Morne Piton und Morne Constant sind solche Geländeformen ausgeprägt. Die Küsten werden im Norden stellenweise von höheren Kalksteinklippen gebildet, während im Süden flachere Küstenabschnitte, Strände und vorgelagerte Riffstrukturen überwiegen. Die Kalksteinlandschaft von Marie-Galante weist damit deutliche Ähnlichkeiten mit der Grande-Terre auf, besitzt jedoch aufgrund ihrer eigenständigen Hebungs- und Erosionsgeschichte eine eigene Reliefstruktur. | |||
La Désirade liegt östlich der Grande-Terre und nimmt innerhalb des Archipels eine besondere geologische Stellung ein. Sie gehört zu den ältesten geologisch erschlossenen Teilen des Inselbogens der Kleinen Antillen. Ihr Grundgebirge enthält Gesteine mesozoischen Alters, deren Entstehung bis in den Oberjura vor ungefähr 145 Millionen Jahren zurückreicht. Damit dokumentiert die Insel eine sehr frühe Phase der geologischen Entwicklung des karibischen Inselbogens. Das Grundgebirge besteht aus verschiedenen magmatischen und metamorphen Gesteinen, darunter Andesite, Dazite, Rhyolithe und intrusive Gesteine wie Granodiorite. Diese älteren Formationen treten insbesondere im östlichen Inselteil an die Oberfläche. Sie werden teilweise von jüngeren marinen Kalksteinablagerungen überlagert, die aus Korallenriffen und anderen karbonatischen Sedimenten hervorgegangen sind. Die geologische Entwicklung umfasst somit sowohl alte magmatische Prozesse als auch spätere marine Ablagerungs- und Hebungsphasen. Die Oberfläche wird von einem langgestreckten, teilweise geneigten Plateau geprägt, das im Bereich der Grande Montagne etwa 275 m erreicht. Besonders im Norden und Osten haben die Meeresbrandung und die Verwitterung steile Felswände und markante Küstenabbrüche geschaffen. Die Übergänge zwischen dem alten magmatischen Grundgebirge und den jüngeren Kalksteinformationen sind für die geologische Erforschung der Insel besonders aufschlussreich. La Désirade ermöglicht damit einen Einblick in eine wesentlich ältere Entwicklungsphase des Antillenbogens als die überwiegend quartären Vulkangebiete der Basse-Terre. | |||
Die | Der Archipel der Îles des Saintes südlich der Basse-Terre besitzt dagegen überwiegend vulkanischen Ursprung und gehört wie diese zum inneren Inselbogen der Kleinen Antillen. Seine Inseln entstanden durch vulkanische Prozesse, die teilweise bis ins Miozän zurückreichen und sich während des Pliozäns und Pleistozäns fortsetzten. Die geologischen Formationen umfassen ältere vulkanische Gesteine sowie jüngere Lava- und pyroklastische Ablagerungen. Besonders auf Terre-de-Haut und Terre-de-Bas treten steile vulkanische Hügel, felsige Landzungen und stark gegliederte Küstenabschnitte hervor. Die Gesteine bestehen vorwiegend aus andesitischen und dazitischen Materialien, die durch die Abkühlung von Lava beziehungsweise die Ablagerung ausgeworfenen vulkanischen Materials entstanden. Die starke Erosion durch Regenwasser und Meeresbrandung hat die ursprünglichen Vulkangebäude im Laufe der Zeit erheblich verändert. Im Gegensatz zu Grande-Terre und Marie-Galante besitzen die Saintes deshalb ein deutlich stärker ausgeprägtes Gebirgsrelief. Ihre Entstehung steht in engem Zusammenhang mit der jüngeren vulkanischen Entwicklung der Basse-Terre. | ||
Die geologische Vielfalt Guadeloupes wird schließlich durch die zahlreichen kleineren Inseln und Riffe ergänzt. Petite-Terre besteht überwiegend aus angehobenen Kalksteinformationen und gehört ebenso wie Grande-Terre und Marie-Galante zum äußeren Kalksteininselbogen. Die vorgelagerten Korallenriffe und Flachwasserbereiche sind durch die Ablagerung kalkbildender Organismen entstanden und werden bis heute durch marine Sedimentationsprozesse verändert. In den geschützten Meeresgebieten des Grand Cul-de-Sac Marin und des Petit Cul-de-Sac Marin haben sich ausgedehnte Korallenriffsysteme, Sandbänke und Lagunenablagerungen entwickelt. An den Küsten der vulkanischen Inseln dominieren dagegen Felsklippen, erstarrte Lavaformationen und durch Brandung geformte Steilküsten. Die unterschiedlichen Gesteinsarten bestimmen somit wesentlich die Küstenformen, die Bodenbeschaffenheit und die natürliche Entwässerung der einzelnen Inseln. | |||
Die geologische Entwicklung Guadeloupes ist bis heute nicht abgeschlossen. Die Subduktion der nordamerikanischen Platte unter die Karibische Platte verursacht weiterhin tektonische Spannungen, Erdbeben und vulkanische Prozesse. Neben der unmittelbaren Gefährdung durch Erdbeben und mögliche Vulkanausbrüche spielen auch Tsunamis, Hangrutschungen, Bergstürze und vulkanische Schlammströme eine wichtige Rolle bei der Bewertung der Naturgefahren. Besonders die Basse-Terre ist aufgrund ihrer steilen Vulkanhänge, der intensiven Niederschläge und der hydrothermal veränderten Gesteine anfällig für Massenbewegungen. Die Grande-Terre und die Kalksteininseln sind dagegen stärker von Küstenerosion, Karstprozessen und Veränderungen des Grundwassers betroffen. Insgesamt dokumentiert Guadeloupe auf engem Raum die Entwicklung zweier unterschiedlicher Inselbogensysteme: eines jüngeren, weiterhin aktiven vulkanischen Bogens im Westen und eines älteren, überwiegend aus angehobenen marinen Kalksteinformationen bestehenden Bogens im Osten. | |||
== '''Landschaft''' == | == '''Landschaft''' == | ||
Basse-Terre ist vulkanischen | Der Archipel vereint hohe vulkanische Gebirge, dicht bewachsene Regenwälder, tiefe Schluchten, wasserreiche Flusstäler, Wasserfälle, kalkhaltige Hügellandschaften, Mangrovenwälder, Lagunen, Korallenriffe und ausgedehnte Sandstrände. Besonders deutlich ist der landschaftliche Gegensatz zwischen den beiden Hauptinseln Basse-Terre und Grande-Terre. Während Basse-Terre von einem bewaldeten Vulkangebirge beherrscht wird, besitzt Grande-Terre ein wesentlich flacheres Relief mit Kalksteinplateaus, sanften Hügeln und einer stark gegliederten Küstenlandschaft. Die kleineren Inseln Marie-Galante, La Désirade und Les Saintes weisen jeweils eigenständige Landschaftsformen auf. | ||
Basse-Terre ist landschaftlich die abwechslungsreichste und gebirgigste Insel des Archipels. Ihr Inneres wird von einem langgestreckten vulkanischen Gebirgsmassiv durchzogen, dessen höchste Erhebung der 1467 m hohe Vulkan La Soufrière ist. Die Berghänge steigen teilweise unmittelbar aus den Küstenniederungen auf und sind von tief eingeschnittenen Tälern, steilen Schluchten und zahlreichen Wasserläufen durchzogen. Große Teile des Gebirges sind von dichtem tropischem Regenwald bedeckt, der insbesondere an den Ost- und Südosthängen aufgrund der feuchten Passatwinde besonders üppig ausgeprägt ist. Die Vegetation reicht von feuchten Tieflandwäldern über Bergregenwälder bis zu niedrigem Nebelwald in den höheren Lagen. Auf den Gipfelregionen des Soufrière-Massivs bestimmen feuchte, windgeprägte Gebirgsvegetation, Moose, Farne und niedrige Sträucher das Landschaftsbild. | |||
Die höchsten Gebirgsbereiche werden durch mehrere markante Gipfel und Bergketten gegliedert. Neben dem Soufrière-Massiv gehören die Gebirgszüge der Chaîne Axiale, die Monts Caraïbes und die nördlich gelegenen Mamelles zu den charakteristischen Landschaftselementen. Die Mamelles bilden zwei auffällige, dicht bewachsene Vulkankegel im Norden der Insel. Ihre abgerundeten Gipfel heben sich deutlich aus dem umliegenden Waldgebiet hervor. Die Monts Caraïbes im Süden weisen ein stärker gegliedertes Relief mit steilen Hängen und schmalen Bergrücken auf. Zwischen den Gebirgszügen liegen zahlreiche Täler, deren Flüsse teilweise über mehrere Stufen in Richtung Küste abfallen. | |||
Besonders eindrucksvoll sind die Wasserfalllandschaften der Basse-Terre. Die bekanntesten Wasserfälle sind die Chutes du Carbet am Osthang des Soufrière-Massivs. Sie bestehen aus drei aufeinanderfolgenden Wasserfällen, die sich in einer tief eingeschnittenen, dicht bewaldeten Schlucht befinden. Der zweite Wasserfall besitzt eine Fallhöhe von ungefähr 110 m und gehört zu den bekanntesten Naturattraktionen Guadeloupes. Der erste Wasserfall fällt über etwa 115 m in ein enges Tal, während der dritte eine geringere Fallhöhe aufweist. Die Wasserführung wird durch die hohen Niederschläge im Gebirge gespeist und schwankt im Jahresverlauf. Weitere eindrucksvolle Wasserfälle und Kaskaden befinden sich im Gebiet des Carbet-Flusses sowie entlang der zahlreichen Gebirgsbäche. Zu den bekannten Zielen gehören auch die Cascade aux Écrevisses im Nationalpark Guadeloupe und die Wasserfälle im Gebiet von Matouba. | |||
Im Westen der Basse-Terre erstreckt sich zwischen den Gebirgszügen und dem Karibischen Meer eine schmale, teilweise unterbrochene Küstenebene. Sie wird von Flussmündungen, kleinen Buchten, schwarzen und grauen Vulkanstränden sowie felsigen Landvorsprüngen geprägt. Besonders im Raum Bouillante und Pointe-Noire wechseln sich steile, bewaldete Küstenabschnitte mit kleinen Stränden und geschützten Meeresbuchten ab. An mehreren Stellen reichen die vulkanischen Berghänge bis unmittelbar an das Meer. Die Küste besitzt deshalb einen stark gegliederten Charakter mit zahlreichen Felsvorsprüngen, kleinen Buchten und teilweise steil abfallenden Uferpartien. Die Strände bestehen vielfach aus dunklem vulkanischem Sand oder aus grobem, durch Brandung zerkleinertem Gesteinsmaterial. Im Süden der Insel befinden sich auch hellere Sandstrände, deren Material teilweise aus Korallen- und Muschelkalk besteht. | |||
Eine besondere Landschaftsform bilden die heißen Quellen und hydrothermal geprägten Gebiete an der Westküste. Im Raum Bouillante treten an verschiedenen Stellen warme und heiße Wässer aus dem vulkanischen Untergrund aus. Die Küstenlandschaft ist hier durch vulkanische Felsformationen, kleine Buchten und teilweise bewaldete Hänge geprägt. Im Süden befinden sich die heißen Quellen von Bains Jaunes am Fuß des Soufrière-Massivs. Sie liegen in einer feuchten, dicht bewachsenen Gebirgslandschaft und werden von vulkanisch erwärmtem Wasser gespeist. Auch die Gebiete um Matouba und Saint-Claude weisen zahlreiche Quellen und wasserreiche Schluchten auf. | |||
Die südliche Basse-Terre wird von der Landschaft des Soufrière-Massivs beherrscht. Rund um den Gipfel befinden sich steile Vulkanhänge, alte Kraterstrukturen, Lavadome und durch Erosion freigelegte Felsformationen. Die Gipfelregion ist häufig von Wolken und Nebel umgeben. Fumarolen und schwefelhaltige Dämpfe treten an mehreren Stellen aus dem Untergrund aus und prägen die unmittelbare Umgebung des Vulkans. Die Vegetation wird in den höchsten Lagen niedriger und lückiger, während an den tieferen Berghängen dichter Bergwald vorherrscht. Besonders auffällig sind die starken Höhenunterschiede auf vergleichsweise kurzen Entfernungen: Von den Küstenebenen führen Straßen und Wanderwege durch tropischen Wald, feuchte Bergtäler und steile Vulkanlandschaften bis in die hochgelegenen Gipfelregionen. | |||
Im Norden der Basse-Terre verändert sich das Landschaftsbild allmählich. Die Gebirgszüge werden niedriger und gehen in hügelige, teilweise von Flüssen durchzogene Landschaften über. Im Gebiet von Sainte-Rose und Deshaies wechseln sich bewaldete Hügel, kleine landwirtschaftlich genutzte Flächen, Flusstäler und schmale Küstenebenen ab. Besonders an der Nordwestküste befinden sich zahlreiche kleine Buchten und Strände, die von bewaldeten Landvorsprüngen begrenzt werden. Die Grande Anse bei Deshaies gehört mit ihrem langen, goldfarbenen Sandstrand, den Kokospalmen und den bewaldeten Berghängen zu den markantesten Küstenlandschaften der Insel. Weiter südlich liegen die Küstenorte Pointe-Noire, Bouillante und Vieux-Habitants, deren Umgebung durch steile Hänge, kleine Flusstäler und teilweise terrassierte Kulturlandschaften geprägt. | |||
Eine besondere Landschaftsform bildet die Route de la Traversée, die das zentrale Gebirgsmassiv der Basse-Terre auf einer Länge von ungefähr 17 km durchquert. Sie führt von Petit-Bourg über den Col des Mamelles nach Pointe-Noire und erschließt einen der ausgedehntesten zusammenhängenden Regenwaldgebiete der Insel. Entlang der Straße liegen dicht bewachsene Berghänge, feuchte Schluchten, Flüsse und kleinere Wasserfälle. Die Cascade aux Écrevisses ist eine der bekanntesten Kaskaden dieser Region. Das Gebiet um die Maison de la Forêt vermittelt einen Eindruck von der Struktur des tropischen Bergregenwaldes mit seinen hohen Bäumen, Farnen, Lianen und epiphytischen Pflanzen. | |||
Die Ostküste der Basse-Terre ist stärker von den feuchten Passatwinden des Atlantiks beeinflusst. Hier münden zahlreiche Flüsse aus dem Gebirge in das Meer. Die Küste besitzt teilweise schmale Schwemmlandebenen, schwarze Sandstrände, felsige Abschnitte und kleinere Buchten. Im Süden bei Capesterre-Belle-Eau liegen die Mündungsgebiete mehrerer Flüsse, deren Wasserläufe aus den höheren Gebirgslagen herabkommen. Die Umgebung ist durch Zuckerrohrfelder, Bananenplantagen und kleinere landwirtschaftliche Flächen geprägt. An einigen Küstenabschnitten bilden sich durch die Ablagerung von Flusssedimenten dunkle Strände, während andernorts felsige Lavaküsten dominieren. | |||
Grande-Terre besitzt im Vergleich zur gebirgigen Basse-Terre ein deutlich flacheres und offeneres Landschaftsbild. Die Insel wird von einem leicht gewellten Kalksteinplateau eingenommen, das von landwirtschaftlichen Flächen, kleinen Hügelketten, Karstsenken und Küstenebenen durchzogen wird. Im Inselinneren wechseln sich Zuckerrohrfelder, Weideflächen, kleine Waldstücke und Siedlungen ab. Die Landschaft ist insbesondere im Norden und Osten trockener und offener als auf Basse-Terre. Die Passatwinde und die geringeren Niederschläge begünstigen eine Vegetation aus Trockenwald, Buschland und niedrigem Strauchbewuchs. Im Süden und Westen befinden sich dagegen ausgedehnte Strände, Lagunen und teilweise von Korallenriffen geschützte Küstenabschnitte. | |||
Im zentralen Bereich der Grande-Terre liegt die Landschaft der Grands-Fonds, die durch eine stark gegliederte Kalksteinhügellandschaft gekennzeichnet ist. Zahlreiche kleine Hügel, Senken und Täler bilden ein unregelmäßiges Relief, das durch die Verkarstung des Kalksteins entstanden ist. Die Hänge sind teilweise mit Buschvegetation, kleinen Waldflächen und landwirtschaftlichen Kulturen bedeckt. Zwischen den Hügeln liegen fruchtbare Senken, in denen Landwirtschaft betrieben wird. Die Grands-Fonds gehören zu den landschaftlich abwechslungsreichsten Gebieten der Grande-Terre und bilden einen deutlichen Gegensatz zu den flachen Küstenebenen. | |||
Besonders markant ist die Ostspitze der Grande-Terre bei Saint-François mit der Pointe des Châteaux. Hier ragen scharfkantige Kalksteinfelsen und langgestreckte Landzungen in den Atlantik hinaus. Die Küste wird von steilen Klippen, Felsvorsprüngen, kleinen Buchten und schmalen Sandstränden geprägt. Die starke Brandung hat den Kalkstein über lange Zeiträume ausgewaschen und zahlreiche bizarre Felsformen geschaffen. Vom Aussichtspunkt auf der Landzunge reicht der Blick bei geeigneten Wetterverhältnissen bis zur Insel La Désirade. Die Landschaft ist überwiegend offen und von niedriger Küstenvegetation, Gräsern und Sträuchern bedeckt. An der Pointe des Châteaux treffen die kräftige Atlantikbrandung und die exponierte Kalksteinküste unmittelbar aufeinander. | |||
Am nördlichen Ende der Grande-Terre befindet sich die Pointe de la Grande Vigie bei Anse-Bertrand. Sie bildet einen der eindrucksvollsten Küstenabschnitte des Archipels. Die bis zu etwa 80 m hohen Kalksteinklippen fallen steil zum Atlantik ab und werden durch die Brandung ständig verändert. Zwischen den Felsvorsprüngen befinden sich kleinere Buchten und Einschnitte. Bei klarer Sicht sind von hier aus die Inseln La Désirade, Montserrat und Antigua zu erkennen. Die Umgebung ist von einer niedrigen, windbeständigen Küstenvegetation geprägt. Weiter südlich liegt das Gebiet von Porte d'Enfer, eine tief in die Kalksteinküste eingeschnittene Meeresbucht mit steilen Felswänden. Die Brandung hat dort eine schmale, geschützte Wasserfläche geschaffen, die von hohen Kalksteinwänden umgeben ist. In der näheren Umgebung befinden sich weitere Küsteneinschnitte und natürliche Felsformationen. | |||
Die | Die südliche Grande-Terre besitzt eine wesentlich sanftere Küstenlandschaft. Zwischen Le Gosier, Sainte-Anne und Saint-François erstrecken sich helle Sandstrände, geschützte Buchten und flache Lagunen. Die Strände werden teilweise durch vorgelagerte Korallenriffe vor der stärkeren Brandung geschützt. Zu den bekannten Küstenabschnitten gehören die Plage de la Caravelle bei Sainte-Anne, die Plage du Bourg und die Plage des Raisins Clairs bei Saint-François. Charakteristisch sind die flachen, türkisfarbenen Küstengewässer, die hellen Sandflächen und die stellenweise dichten Bestände von Kokospalmen. Zwischen den Stränden liegen felsige Landzungen, kleine Feuchtgebiete und Küstenvegetation. Die Lagunen weisen unterschiedliche Wassertiefen auf und gehen stellenweise in Seegrasflächen und Korallenriffe über. | ||
Eine weitere bedeutende Landschaftseinheit bildet der Grand Cul-de-Sac Marin zwischen Basse-Terre und Grande-Terre. Diese große, teilweise nur wenige Meter tiefe Meeresbucht wird durch ein ausgedehntes Korallenriffsystem vom offenen Atlantik abgegrenzt. Das rund 24.500 ha große Meeresgebiet umfasst Mangrovenwälder, Seegraswiesen, Korallenriffe, Schlammflächen, Lagunen und zahlreiche kleine Inseln. Das vorgelagerte Riff erstreckt sich über ungefähr 39 km und gehört zu den längsten zusammenhängenden Korallenriffstrukturen der Kleinen Antillen. Die geschützten Wasserflächen sind durch geringe Wassertiefen, helle Sandbänke und stellenweise ausgedehnte Seegrasbestände gekennzeichnet. Die zahlreichen kleinen Inseln, darunter die Îlet Caret und die Îlet Fajou, liegen innerhalb dieser Lagunenlandschaft. | |||
Entlang der südlichen und westlichen Randbereiche des Grand Cul-de-Sac Marin befinden sich ausgedehnte Mangrovenwälder. Sie bestehen vor allem aus verschiedenen Mangrovenbaumarten, deren Wurzeln im flachen Wasser stehen oder aus dem Schlick herausragen. Besonders auffällig sind die Stelzwurzeln der Roten Mangrove, die ein dichtes Geflecht über dem Wasser bilden. Dahinter schließen sich teilweise Bestände der Schwarzen und Weißen Mangrove sowie feuchte Sumpfwälder an. Die Mangroven gehen landwärts in Sümpfe, feuchte Niederungen und zeitweise überflutete Grasflächen über. Diese Landschaften sind durch ein verzweigtes Netz aus Wasserläufen und natürlichen Kanälen gegliedert. Sie dienen zahlreichen Vogelarten als Brut- und Rastgebiet und bieten Jungfischen, Krebsen und anderen Meerestieren geschützte Lebensräume. Zusammen mit den vorgelagerten Seegraswiesen und Korallenriffen bilden sie ein eng miteinander verbundenes Küstenökosystem. | |||
Auch der Petit Cul-de-Sac Marin zwischen der südlichen Grande-Terre und der Basse-Terre weist ausgedehnte Mangrovenbestände und flache Küstengewässer auf. Die Landschaft ist hier stärker durch die Nähe zu den Siedlungs- und Hafenbereichen von Pointe-à-Pitre und Les Abymes beeinflusst. Dennoch befinden sich in den Randbereichen größere zusammenhängende Feuchtgebiete, die von Mangroven, Sumpfwäldern und offenen Wasserflächen geprägt werden. Die Übergänge zwischen Land und Meer sind vielerorts flach und durch schlammige Ufer sowie dichte Wurzelbestände gekennzeichnet. | |||
Zu Guadeloupe gehören folgende Inseln (* bewohnt): | Zu Guadeloupe gehören folgende Inseln (* bewohnt): | ||
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=== '''Flora''' === | === '''Flora''' === | ||
Die Pflanzenwelt umfasst feuchte tropische Regenwälder, montane Nebelwälder, trockene Küstenwälder, Mangrovensümpfe, salzverträgliche Strandvegetation, Kalksteinbuschland und ausgedehnte landwirtschaftliche Kulturflächen. Besonders artenreich ist die Vegetation der gebirgigen Basse-Terre, wo die hohen Niederschläge, die unterschiedlichen Höhenlagen und die vulkanischen Böden zahlreiche Pflanzenlebensräume ermöglichen. Grande-Terre und die kleineren Kalksteininseln besitzen dagegen überwiegend trockenheits- und salztolerante Pflanzengesellschaften. Die natürliche Flora wird durch zahlreiche eingeführte Nutz- und Zierpflanzen ergänzt, die im Laufe der Kolonialgeschichte und des internationalen Handels nach Guadeloupe gelangten. | |||
Die | Die ursprüngliche Vegetation der Basse-Terre wird vor allem durch die ausgedehnten tropischen Regenwälder des Nationalparks Guadeloupe bestimmt. Sie bedecken große Teile des zentralen und südlichen Vulkangebirges und erstrecken sich von den feuchten Küstenniederungen bis in die hochgelegenen Bergregionen. Die Zusammensetzung der Wälder verändert sich mit zunehmender Höhe, Temperatur, Niederschlagsmenge und Windbelastung. In den tieferen Lagen dominieren immergrüne tropische Wälder mit hohen, breitkronigen Bäumen, dichtem Unterwuchs und zahlreichen Kletter- und Aufsitzerpflanzen. Zu den charakteristischen Baumarten gehört der Gommier blanc (Dacryodes excelsa), ein großer Baum aus der Familie der Balsambaumgewächse, dessen aromatisches Harz traditionell genutzt wurde. Ebenfalls typisch sind verschiedene Mahagoniarten, darunter Swietenia mahagoni, sowie weitere einheimische Edelhölzer. Der Acajou rouge (Amanoa caribaea), der Bois de rose und verschiedene Arten der Familien der Lorbeer- und Seifenbaumgewächse gehören ebenfalls zur artenreichen Baumflora der Insel. | ||
In den feuchten Tiefland- und Bergwäldern wachsen neben den hohen Bäumen zahlreiche kleinere Gehölze, Sträucher und Palmen. Kapokbäume (Ceiba pentandra) können beträchtliche Höhen erreichen und bilden mit ihren weit ausladenden Kronen markante Bestandteile des tropischen Waldes. Hinzu kommen verschiedene Feigenarten, wilde Avocadoverwandte, Baumfarne und weitere immergrüne Laubbäume. Der Wald besitzt mehrere übereinanderliegende Vegetationsschichten: Über dem geschlossenen Kronendach ragen einzelne besonders hohe Bäume hervor, darunter befinden sich die mittlere Baumschicht, eine Strauch- und Jungbaumschicht sowie eine feuchte Krautschicht. Lianen verbinden die verschiedenen Stockwerke miteinander, während Kletterpflanzen und großblättrige Aronstabgewächse an den Baumstämmen emporwachsen. Zu diesen gehören Philodendren und weitere Vertreter der Gattung Anthurium. | |||
Besonders auffällig ist der Reichtum an Farnen und Aufsitzerpflanzen. In den feuchten Wäldern kommen zahlreiche Farnarten vor, darunter auch Baumfarne der Gattung Cyathea, deren Stämme mehrere Meter hoch werden können. Auf den Ästen und Stämmen der Bäume siedeln Orchideen, Bromelien, Moose und Flechten. Sie nutzen die Bäume als Unterlage, ohne ihnen unmittelbar Nährstoffe zu entziehen. Die Orchideenflora Guadeloupes umfasst zahlreiche heimische Arten, darunter terrestrisch wachsende und epiphytische Vertreter. Insgesamt sind auf dem Archipel mehr als hundert Orchideenarten nachgewiesen. Die feuchten Waldgebiete der Basse-Terre bieten ihnen durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die unterschiedlichen Lichtverhältnisse besonders günstige Lebensbedingungen. | |||
Mit zunehmender Höhe verändert sich die Zusammensetzung des Waldes. In den montanen Regionen entstehen feuchte Bergwälder und Nebelwälder, deren Bäume häufig niedriger und stärker verzweigt sind. Die Stämme und Äste sind dicht mit Moosen, Flechten, Farnen und Orchideen bewachsen. Besonders in den Gipfelregionen des Soufrière-Massivs herrschen häufig Nebel, starke Winde und vergleichsweise niedrige Temperaturen. Die Vegetation wird dort zunehmend niedrigwüchsig und geht stellenweise in eine Gebirgsbuschlandschaft über. In den höchsten Bereichen treten Zwergsträucher, Gräser, Kräuter, Farne und Moose auf. Die Pflanzen weisen häufig gedrungene Wuchsformen auf, die eine Anpassung an Wind, Feuchtigkeit und die besonderen Bodenverhältnisse darstellen. Auf offenen, exponierten Flächen finden sich außerdem charakteristische Hochgebirgsgesellschaften mit niedrigem Bewuchs und einzelnen verkrüppelten Gehölzen. | |||
Die | Die Hochlagenvegetation ist besonders artenreich und besitzt einen hohen Anteil endemischer Pflanzen. Viele dieser Arten kommen ausschließlich auf Basse-Terre oder innerhalb der Kleinen Antillen vor. Zu den botanisch bemerkenswerten Pflanzen gehören die Bergananas (Pitcairnia bifrons), die gelbe Bergananas (Guzmania plumierii), der Bergthymian (Tibouchina ornata), der Bergmangrove (Clusia venosa) und der Berglorbeer (Podocarpus coriaceus). Auf den höchsten, besonders feuchten und windigen Gipfelregionen wachsen Moose, Flechten und Bärlappgewächse. Die Vegetation erreicht dort häufig nur noch eine Höhe von etwa 1,50 m. Die endemischen Pflanzenbestände sind aufgrund ihrer begrenzten Verbreitung besonders schutzbedürftig. | ||
Eine herausragende Bedeutung besitzt die Orchideenflora Guadeloupes. Auf dem Archipel sind ungefähr 100 wild wachsende Orchideenarten nachgewiesen. Davon sind fünf ausschließlich auf Basse-Terre heimisch und kommen weltweit nur dort vor. Weitere Arten sind auf die Antillen oder die Kleinen Antillen beschränkt. Die meisten Orchideen wachsen als Epiphyten auf Bäumen oder als Epilithen auf Felsen. Ein kleinerer Teil lebt unmittelbar im Boden. Besonders artenreich sind die feuchten Bergwälder, in denen die Orchideen von der hohen Luftfeuchtigkeit und den unterschiedlichen Lichtverhältnissen profitieren. Zu den Gattungen der einheimischen Orchideen gehören unter anderem Epidendrum, Ionopsis, Octomeria und Leochilus. Einige Arten wachsen bevorzugt an Flussufern, andere besiedeln Baumstämme und Äste in geschlossenen Waldgebieten. Die Orchideen gehören zu den besonders gefährdeten Bestandteilen der einheimischen Pflanzenwelt. Lebensraumzerstörung, Waldfragmentierung und das illegale Sammeln von Pflanzen beeinträchtigen ihre Bestände. | |||
Neben den Orchideen bilden die Bromeliengewächse eine charakteristische Gruppe der tropischen Vegetation. Sie wachsen sowohl am Boden als auch auf Bäumen und Felsen. Ihre Blattrosetten sammeln Regenwasser und schaffen dadurch kleinräumige Lebensräume für zahlreiche Kleintiere. Zu den heimischen Arten gehören Vertreter der Gattungen Aechmea, Guzmania und Pitcairnia. Auch Aronstabgewächse wie Philodendron und Anthurium sind in den feuchten Waldgebieten verbreitet. Ihre großen, teilweise glänzenden Blätter gehören zu den auffälligen Erscheinungen des tropischen Unterwuchses. An feuchten Felswänden und Baumstämmen wachsen außerdem zahlreiche Moose, Flechten und kleinere Farne. | |||
Die Farnflora ist ebenfalls außergewöhnlich vielfältig. Guadeloupe besitzt mehr als 300 Farnarten, von denen einige in den feuchten Bergwäldern baumförmige Wuchsformen entwickeln und Höhen von bis zu 15 m erreichen können. Besonders in den Schluchten, an Wasserfällen und entlang der Gebirgsbäche bilden Farne dichte Bestände. Zu den typischen Vertretern gehören verschiedene Arten der Baumfarngattungen Cyathea und Alsophila sowie zahlreiche kleinere Hautfarne und Tüpfelfarne. Die Moose und Farne profitieren von den hohen Niederschlägen und der nahezu ganzjährig vorhandenen Luftfeuchtigkeit. Insgesamt sind auf Guadeloupe mehr als 600 Moosarten nachgewiesen. | |||
In den tieferen Lagen der Basse-Terre geht der feuchte Bergregenwald stellenweise in saisonal trockenere Wälder und sekundäre Vegetationsbestände über. Hier wachsen unter anderem verschiedene Feigenbäume, Myrtengewächse, Hülsenfrüchtler und immergrüne Laubbäume. Auf gerodeten Flächen und entlang der Straßen haben sich häufig Bambusbestände, Gräser, Sträucher und schnell wachsende Pionierpflanzen angesiedelt. Auch der Gummibaum Gommier blanc (Dacryodes excelsa) gehört zu den charakteristischen einheimischen Baumarten. Sein aromatisches Harz wurde traditionell unter anderem zur Herstellung von Fackeln und für verschiedene handwerkliche Zwecke verwendet. In den Wäldern kommen außerdem zahlreiche weitere Harz- und Nutzholzarten vor. | |||
An den Küsten von Basse-Terre und Grande-Terre verändert sich die Pflanzenwelt deutlich. Auf den trockeneren und stärker dem Wind ausgesetzten Küstenabschnitten wachsen salzverträgliche Sträucher, Gräser, Kräuter und kleinere Bäume. Besonders verbreitet ist die Seetraube (Coccoloba uvifera), ein charakteristischer Küstenbaum mit großen, rundlichen Blättern und traubenförmigen Fruchtständen. Ihre Früchte sind essbar und werden örtlich verarbeitet. Ebenfalls typisch sind verschiedene Strandwinden, salztolerante Wolfsmilchgewächse und niedrig wachsende Küstenpflanzen. An vielen Stränden stehen Kokospalmen (Cocos nucifera), die vor allem das Landschaftsbild der touristisch erschlossenen Küstenabschnitte prägen. | |||
Eine auffällige, zugleich gefährliche Küstenpflanze ist der Manchinelbaum (Hippomane mancinella). Er wächst bevorzugt auf sandigen Küstenböden und kann unmittelbar hinter den Stränden vorkommen. Seine Früchte ähneln kleinen Äpfeln, sind jedoch hochgiftig. Auch der milchige Pflanzensaft verursacht schwere Hautreizungen und kann bei Kontakt mit den Augen zu erheblichen Verletzungen führen. Selbst Regenwasser, das durch die Baumkrone fällt, kann reizende Bestandteile enthalten. Die Bäume werden deshalb an manchen Stränden durch Warnschilder gekennzeichnet. Daneben kommen in den Küstenregionen verschiedene Kakteen, Agaven, niedrige Palmen und dornige Sträucher vor. | |||
Besonders charakteristisch für die flachen Küstengebiete sind die Mangrovenwälder. Sie erstrecken sich vor allem entlang des Grand Cul-de-Sac Marin, des Petit Cul-de-Sac Marin und der geschützten Buchten von Grande-Terre und Basse-Terre. Die Mangroven wachsen auf schlammigen, regelmäßig überfluteten Böden und bilden ein dichtes Wurzelgeflecht. Die wichtigste Art ist die Rote Mangrove (Rhizophora mangle), deren charakteristische Stelzwurzeln aus dem Wasser herausragen und den Bäumen Halt im weichen Untergrund geben. Dahinter wachsen die Schwarze Mangrove (Avicennia germinans), die Weiße Mangrove (Laguncularia racemosa) und die Knopfmangrove (Conocarpus erectus). Diese Arten bilden je nach Salzgehalt, Überflutungshäufigkeit und Bodenbeschaffenheit unterschiedliche Vegetationszonen. | |||
''' | Die Mangrovenbestände gehen landwärts in feuchte Sumpfwälder, Brackwasserbereiche und zeitweise überflutete Niederungen über. Zwischen den Mangroven wachsen verschiedene salztolerante Gräser und Kräuter. Die Wurzelbereiche bieten Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere und stabilisieren gleichzeitig die Küstenböden. Sie vermindern die Auswirkungen von Wellenschlag und Erosion und halten einen Teil der vom Land eingetragenen Sedimente zurück. Die Mangroven gehören daher zu den ökologisch bedeutendsten Vegetationsformationen Guadeloupes. | ||
Auf den Kalksteinböden der Grande-Terre und Marie-Galantes herrscht eine andere Pflanzenwelt vor. Die natürlichen Wälder sind hier stärker an zeitweise trockene Bedingungen angepasst. Sie bestehen aus trockenheitsverträglichen Laubbäumen, Sträuchern, Kletterpflanzen und dornigen Gehölzen. Besonders in den nördlichen und östlichen Gebieten der Grande-Terre finden sich Trockenwälder und Buschformationen. Zu den charakteristischen Pflanzen gehören der Dividivi (Libidibia coriaria), verschiedene Akazienarten, Seetrauben und kleinere Kakteen. Der Dividivi ist durch seine häufig unregelmäßig geformte Krone und die gebogenen, schotenartigen Früchte erkennbar. Seine Rinde und Früchte enthalten Gerbstoffe, die früher unter anderem für die Lederverarbeitung genutzt wurden. | |||
Auf den trockenen Kalksteinflächen der Grande-Terre kommen außerdem verschiedene Wolfsmilchgewächse, sukkulente Pflanzen und trockenheitsangepasste Gräser vor. Besonders an der Pointe des Châteaux und der Pointe de la Grande Vigie wird die Vegetation durch salzhaltige Gischt, starke Winde und flachgründige Böden geprägt. Die Pflanzen bleiben dort häufig niedrig und bilden lockere Bestände zwischen den Kalksteinfelsen. Auf den exponierten Küstenflächen wachsen auch verschiedene Strandwinden und krautige Pflanzen, die mit ihren weitreichenden Wurzelsystemen den lockeren Sand befestigen. | |||
Die landwirtschaftliche Pflanzenwelt nimmt auf den Inseln einen großen Flächenanteil ein. Besonders auf Grande-Terre und Marie-Galante prägen Zuckerrohrfelder (Saccharum officinarum) weite Landschaftsbereiche. Zuckerrohr war über Jahrhunderte die wichtigste Kulturpflanze der kolonialen Plantagenwirtschaft und bildet bis heute eine bedeutende Grundlage der Zucker- und Rumherstellung. Auf Basse-Terre sind dagegen Bananenplantagen besonders verbreitet. Die Bananenstaude (Musa spp.) wird vor allem in den feuchteren Gebieten der Insel angebaut. Die Bananenwirtschaft besitzt große Bedeutung für die regionale Landwirtschaft und den Export nach Frankreich und in andere europäische Märkte. | |||
Zu den weiteren landwirtschaftlich genutzten Pflanzen gehören Ananas (Ananas comosus), Kaffee (Coffea arabica), Kakao (Theobroma cacao), Maniok (Manihot esculenta), Yams (Dioscorea spp.), Süßkartoffeln (Ipomoea batatas) und verschiedene Gemüsekulturen. Kaffee und Kakao werden insbesondere in kleineren landwirtschaftlichen Betrieben und teilweise in agroforstwirtschaftlichen Systemen angebaut. Die Obstproduktion umfasst unter anderem Mango (Mangifera indica), Guave (Psidium guajava), Papaya (Carica papaya), Avocado (Persea americana), Brotfrucht (Artocarpus altilis), Soursop beziehungsweise Stachelannone (Annona muricata), Passionsfrucht (Passiflora edulis), Litschi (Litchi chinensis), Karambole (Averrhoa carambola), Zitrusfrüchte und Kokosnüsse. | |||
Ein großer Teil dieser heute verbreiteten Nutzpflanzen stammt ursprünglich nicht aus Guadeloupe. Sie gelangten im Laufe der Kolonialgeschichte durch den transatlantischen und interkontinentalen Handel auf die Inseln. Dazu gehören zahlreiche Pflanzen aus Südamerika, Mittelamerika, Afrika, Madagaskar, Asien und dem pazifischen Raum. Die Kokospalme, die Mango, die Papaya und die Litschi gehören ebenso zu den eingeführten Arten wie der Brotfruchtbaum. Auch der Filao (Casuarina equisetifolia) wurde als Küsten- und Windschutzbaum eingeführt. Er wird häufig an Stränden und auf sandigen Küstenflächen gepflanzt. Der Flammenbaum (Delonix regia) aus Madagaskar ist mit seinen roten Blüten eine verbreitete Zierpflanze. | |||
Die Garten- und Zierpflanzenflora ist besonders vielfältig. Bougainvilleen, Hibiskus, Allamanda, Anthurien, Porzellanrosen (Etlingera elatior), Helikonien und verschiedene Liliengewächse gedeihen im tropischen Klima. Hinzu kommen Paradiesvogelblumen (Strelitzia reginae), Alpinien, Bromelien, Zierorchideen und zahlreiche Palmenarten. Die Königspalme (Roystonea regia) ist eine häufig angepflanzte Zierbaumart. Auch der auffällige Baum des Reisenden (Ravenala madagascariensis) aus Madagaskar ist in Parks und größeren Gärten anzutreffen. Die Blütenpflanzen blühen je nach Art zu unterschiedlichen Jahreszeiten, sodass in den Gärten und Siedlungen fast ganzjährig blühende Pflanzen vorhanden sind. | |||
Zu den weiteren eingeführten Pflanzen gehören Noni (Morinda citrifolia), Aloe vera und zahlreiche Gewürz- und Heilpflanzen. Noni wird traditionell als Nutz- und Heilpflanze verwendet, während Aloe vera vor allem für kosmetische und hautpflegende Anwendungen kultiviert wird. Auch Zimt, Gewürznelken, Ingwer, Kurkuma und verschiedene Pfefferarten gehören zur tropischen Nutzpflanzenwelt der Inseln. | |||
Die einheimische Flora Guadeloupes besitzt einen hohen Anteil regional begrenzter Arten. Nach den Angaben des Botanischen Konservatoriums der Inseln Guadeloupes umfasst die Pflanzenwelt des Archipels ungefähr 2400 wild lebende Pflanzenarten. Hinzu kommen rund 1200 eingeführte Pflanzenarten, von denen sich ein Teil dauerhaft in der freien Natur etabliert hat. Die einheimische Pflanzenwelt umfasst mehr als 360 Baumarten sowie eine große Zahl von Farnen, Moosen, Orchideen und Blütenpflanzen. Ungefähr 75 % der Pflanzenarten der Kleinen Antillen sind auch auf Guadeloupe vertreten. Rund zwanzig Pflanzenarten kommen ausschließlich auf dem Archipel vor. | |||
Zu den botanisch besonders wertvollen endemischen Arten gehören unter anderem die Guadeloupe-Palme (Acrocomia karukerana), die Bromelie Aechmea flemingii, das Aronstabgewächs Anthurium dussii, der Guadeloupe-Binsen (Juncus guadeloupensis), die Lobelie Lobelia persicifolia und verschiedene endemische Farnarten. Auch die Orchideen Epidendrum mutelianum und Octomeria ffrenchiana gehören zu den regional bedeutsamen Pflanzen. Einige dieser Arten besitzen sehr kleine Verbreitungsgebiete und sind auf bestimmte Höhenlagen oder feuchte Waldstandorte beschränkt. | |||
=== '''Fauna''' === | |||
Die Tierwelt Guadeloupes ist durch die unterschiedlichen Lebensräume des Archipels geprägt. Die feuchten Bergregenwälder und Nebelwälder der Basse-Terre, die trockeneren Küstenwälder der Grande-Terre, die Mangrovensümpfe, Lagunen, Korallenriffe und offenen Meeresgebiete beherbergen eine artenreiche Fauna mit zahlreichen auf die Kleinen Antillen beschränkten Arten. Besonders vielfältig ist die Vogel-, Reptilien- und Wirbellosenwelt. Die Säugetierfauna ist dagegen vergleichsweise artenarm, was unter anderem auf die isolierte Lage der Inseln und die Veränderungen der ursprünglichen Lebensräume zurückzuführen ist. Viele der heute vorkommenden Tierarten sind erst durch natürliche Ausbreitung oder menschliche Einführung auf den Archipel gelangt. | |||
Die ursprüngliche Tierwelt Guadeloupes wurde seit der Besiedlung durch indigene Bevölkerungsgruppen und insbesondere seit der europäischen Kolonisierung erheblich verändert. Die Jagd mit Pfeilen und später mit Feuerwaffen führte zur Dezimierung verschiedener einheimischer Säugetiere und Vögel. Hinzu kamen die Rodung der Wälder, die Ausweitung der Landwirtschaft und die Einführung fremder Tierarten. Besonders folgenreich war die Ansiedlung des Kleinen Indischen Mungos (Urva auropunctata, früher Herpestes auropunctatus) im 19. Jahrhundert. Er wurde zur Bekämpfung von Ratten auf den Zuckerrohrplantagen eingeführt, entwickelte sich jedoch zu einem erheblichen Störfaktor für die einheimische Tierwelt. Neben Nagetieren erbeutet er Reptilien, Amphibien, Vogeleier und bodenbrütende Vögel. Dadurch gingen die Bestände verschiedener einheimischer Arten zurück. Die ursprüngliche Schlangenfauna wurde ebenfalls stark beeinträchtigt, ist jedoch nicht vollständig verschwunden. | |||
Zu den heute auffälligsten Säugetieren gehört der Guadeloupe-Waschbär (Procyon lotor), der lokal auch Racoon oder Mapache genannt wird. Er kommt vor allem auf Basse-Terre vor und bewohnt Wälder, Flusstäler und teilweise auch küstennahe Gebiete. Die Tiere sind überwiegend nachtaktiv und ernähren sich vielseitig von Früchten, Insekten, Krebstieren, kleinen Wirbeltieren und anderen verfügbaren Nahrungsquellen. Der Waschbär ist auf Guadeloupe eine eingeführte beziehungsweise durch menschliche Einflüsse verbreitete Form und stellt keine ausschließlich hier vorkommende Art dar. | |||
Zu den einheimischen Säugetieren gehören verschiedene Fledermäuse, die einen wichtigen Bestandteil der Fauna bilden. Sie nutzen Höhlen, Baumhöhlen und andere geschützte Quartiere und übernehmen wichtige ökologische Funktionen als Insektenfresser, Bestäuber und Samenverbreiter. Zu den verbreiteten Arten gehören der Antillen-Fruchtvampir (Brachyphylla cavernarum), die Jamaika-Fruchtfledermaus (Artibeus jamaicensis), die Kleine Braune Fledermaus (Myotis nigricans) und verschiedene Blattnasenfledermäuse. Besonders die fruchtfressenden Arten tragen zur natürlichen Regeneration der Wälder bei, indem sie Samen über größere Entfernungen verbreiten. | |||
Die ursprüngliche Landsäugetierfauna umfasste außerdem verschiedene Nagetiere. Dazu zählt die Aguti (Dasyprocta leporina), ein tagaktives Nagetier, das sich hauptsächlich von Früchten, Samen, Nüssen und anderen Pflanzenteilen ernährt. Agutis leben vor allem in bewaldeten Gebieten und tragen durch das Vergraben von Samen zur Verbreitung verschiedener Baumarten bei. Ihre Bestände sind durch Lebensraumveränderungen und Bejagung regional zurückgegangen. Die frühere Fauna umfasste auch weitere kleinere Nagetiere, deren Bestände durch eingeführte Raubtiere und die Veränderung der natürlichen Lebensräume stark beeinträchtigt wurden. | |||
Der Karibische Manati oder Karibik-Lamentin (Trichechus manatus) gehörte früher ebenfalls zur Tierwelt der Region. Diese großen pflanzenfressenden Meeressäuger bewohnten flache Küstengewässer, Flussmündungen und Lagunen. Der Name des Ortes Lamentin auf Basse-Terre wird mit dem früheren Vorkommen dieser Tiere in Verbindung gebracht. Durch Bejagung und die Zerstörung ihrer Lebensräume verschwanden die Manatis jedoch aus den Gewässern Guadeloupes. Sie gelten dort seit langer Zeit als lokal ausgestorben. In jüngerer Zeit wurden Wiederansiedlungsmaßnahmen vorbereitet und einzelne Tiere in die geschützten Küstengewässer entlassen, um eine erneute dauerhafte Population aufzubauen. | |||
Die Reptilienfauna ist für die Kleinen Antillen besonders charakteristisch. Zu den auffälligen Arten gehört der Grüne Leguan (Iguana iguana), der vor allem in trockeneren Küstengebieten, Gärten und lichten Wäldern vorkommt. Daneben existiert der Kleine Antillen-Leguan (Iguana delicatissima), eine ursprünglich heimische Art, deren Bestände durch die Konkurrenz und Hybridisierung mit dem eingeführten Grünen Leguan stark zurückgegangen sind. Die beiden Arten unterscheiden sich unter anderem durch ihre Färbung und bestimmte anatomische Merkmale. Der Kleine Antillen-Leguan ist besonders schutzbedürftig und auf geeignete, störungsarme Lebensräume angewiesen. | |||
Die Gecko- und Anolisfauna ist ebenfalls sehr vielfältig. Besonders verbreitet sind die Anolis-Echsen, die sowohl in den Regenwäldern als auch in Gärten, Siedlungen und trockeneren Küstengebieten vorkommen. Der Guadeloupe-Anolis (Anolis marmoratus) ist eine charakteristische, in mehreren regionalen Unterarten auftretende Echsenart. Die Tiere besitzen eine variable Färbung, die von Grün- und Brauntönen bis zu auffälligen Zeichnungen reicht. Sie halten sich häufig an Baumstämmen, Ästen, Mauern und Gebäuden auf und ernähren sich hauptsächlich von Insekten und anderen kleinen Wirbellosen. Hinzu kommen verschiedene Geckos, darunter der bizarre Kugelfingergecko (Sphaerodactylus fantasticus), der zu den kleinsten Echsen der Inselwelt gehört. Er lebt vorwiegend am Boden zwischen Laub, Steinen und verrottendem Pflanzenmaterial. Auch größere Geckos wie der Amerikanische Großkopfgecko (Thecadactylus rapicauda) sind vertreten. | |||
Die Schlangenfauna Guadeloupes ist vergleichsweise artenarm. Zu den bedeutendsten heimischen Arten gehören die Antillen-Rennnatter (Alsophis antillensis) und die auf den Saintes vorkommende Saintes-Rennnatter (Alsophis sanctonum). Beide Arten sind ungiftig und ernähren sich von kleinen Echsen, Fröschen und anderen Wirbeltieren. Die Antillen-Rennnatter war früher über größere Teile des Archipels verbreitet, ist inzwischen jedoch äußerst selten und gilt als vom Aussterben bedroht. Auch die Saintes-Rennnatter besitzt nur ein kleines Verbreitungsgebiet und ist durch eingeschleppte Raubtiere und die Veränderung ihrer Lebensräume gefährdet. Giftige Landschlangen spielen in der heutigen Fauna Guadeloupes keine Rolle. Die Schlangenbestände wurden durch die Einführung des Mungos, die Zerstörung natürlicher Lebensräume und die menschliche Verfolgung stark beeinträchtigt. | |||
Die Amphibienfauna umfasst verschiedene Froscharten, die überwiegend an feuchte Waldgebiete, Bachläufe und andere wasserreiche Lebensräume gebunden sind. Besonders charakteristisch sind die Pfeiffrösche der Gattung Eleutherodactylus. Zu den endemischen Arten gehören der Barlagne-Pfeiffrosch (Eleutherodactylus barlagnei) und der Pinchon-Pfeiffrosch (Eleutherodactylus pinchoni), die vor allem in den feuchten Bergwäldern der Basse-Terre vorkommen. Sie sind vergleichsweise klein und legen ihre Eier an geschützten Stellen an Land ab. Die Entwicklung der Jungtiere erfolgt ohne ein frei schwimmendes Kaulquappenstadium. Ihr charakteristischer Ruf ist besonders in den Abend- und Nachtstunden zu hören. | |||
Der Johnstone-Pfeiffrosch (Eleutherodactylus johnstonei) ist dagegen eine eingeführte Art, die sich auch in Siedlungsgebieten und Gärten ausgebreitet hat. Weitere Amphibien sind der Martinique-Pfeiffrosch (Eleutherodactylus martinicensis) und die Aga-Kröte (Rhinella marina), die ebenfalls in unterschiedlichen Lebensräumen vorkommen. Die einheimischen Amphibien reagieren empfindlich auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit, die Verschmutzung von Gewässern und die Zerstörung der Waldlebensräume. Einige Arten besitzen nur sehr kleine Verbreitungsgebiete und sind deshalb besonders gefährdet. | |||
Die Vogelwelt gehört zu den artenreichsten Bestandteilen der Tierwelt Guadeloupes. Insgesamt wurden auf dem Archipel rund 290 Vogelarten beobachtet, wobei ein Teil davon nur als Durchzügler oder gelegentlicher Gast auftritt. Etwa 80 Arten brüten regelmäßig auf den Inseln. Die Wälder der Basse-Terre beherbergen mehrere charakteristische Arten der Kleinen Antillen, darunter den endemischen Guadeloupe-Specht (Melanerpes herminieri). Er ist der einzige Specht, der dauerhaft auf Guadeloupe vorkommt, und zugleich eine ausschließlich auf diesem Archipel heimische Vogelart. Er besiedelt unterschiedliche Waldtypen, darunter feuchte Bergwälder, trockenere Wälder, Mangroven und teilweise auch baumbestandene Kulturlandschaften. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten und anderen Wirbellosen, die er unter der Rinde und im Holz von Bäumen sucht. Außerdem nutzt er Baumhöhlen als Schlaf- und Brutplätze. | |||
Zu den charakteristischen Waldvögeln gehört auch der Bananenquit (Coereba flaveola), der wegen seines gekrümmten Schnabels und seiner Vorliebe für Nektar auffällt. Er besucht Blüten und ernährt sich daneben von kleinen Insekten und Früchten. Kolibris sind ebenfalls weit verbreitet. Zu den auffälligsten Arten zählt der Purpurkehlkolibri (Eulampis jugularis), der mit seinem langen, gebogenen Schnabel an die Nutzung röhrenförmiger Blüten angepasst ist. Daneben kommen verschiedene weitere Kolibriarten vor, die eine wichtige Rolle bei der Bestäubung einheimischer Pflanzen übernehmen. | |||
Eine besondere Stellung unter den Waldvögeln nimmt die Antillendrossel (Turdus lherminieri) ein, die in den feuchten Bergwäldern lebt und sich überwiegend von Früchten, Insekten und anderen kleinen Wirbellosen ernährt. Der Braune Trembler (Cinclocerthia ruficauda) ist für seine charakteristischen zitternden Körperbewegungen bekannt, die ihm seinen Namen eingebracht haben. Weitere typische Vertreter der regionalen Vogelwelt sind der Graue Thrasher (Allenia fusca), der Antillen-Saltator (Saltator albicollis), die Antillen-Buschammer (Loxigilla noctis) und der Guadeloupe-Tyrann (Myiarchus oberi). Mehrere dieser Arten sind auf die Kleinen Antillen beschränkt. | |||
In den offenen Landschaften und landwirtschaftlich genutzten Gebieten kommen Tauben, Turteltauben, Grasmücken, Tyrannen und verschiedene Singvögel vor. Besonders verbreitet ist die Zenaidataube (Zenaida aurita), die sowohl in Siedlungen als auch in offenen Landschaften und an Waldrändern anzutreffen ist. Auch die Kleine Antillen-Taube (Patagioenas squamosa) gehört zur einheimischen Vogelwelt. Auf den Zuckerrohrfeldern und Weideflächen suchen verschiedene Vogelarten nach Insekten und Samen. Der Bananenquit, die Antillen-Buschammer und zahlreiche Kolibris nutzen außerdem Gärten und blütenreiche Siedlungsbereiche als Nahrungsräume. | |||
An den Küsten, auf vorgelagerten Felsen und in den Mangrovengebieten leben zahlreiche See- und Wasservögel. Besonders auffällig ist der Prachtfregattvogel (Fregata magnificens), der mit seinen langen, schmalen Flügeln über den Küstengewässern kreist. Die Männchen besitzen einen roten Kehlsack, den sie während der Balz stark aufblasen. Braune Pelikane (Pelecanus occidentalis) jagen im Sturzflug nach Fischen und sind regelmäßig entlang der Küsten zu beobachten. Braunfußtölpel (Sula leucogaster) und Rotschnabel-Tropikvögel (Phaethon aethereus) brüten beziehungsweise halten sich an geeigneten Felsinseln und Steilküsten auf. Weitere typische Seevögel sind verschiedene Seeschwalben, Möwen und Sturmvögel. | |||
Die Mangroven und Lagunen des Grand Cul-de-Sac Marin besitzen eine besondere Bedeutung als Brut-, Rast- und Nahrungsgebiete. Dort leben unter anderem Reiher, Ibisse, Limikolen und verschiedene Entenarten. Der Rötelreiher (Egretta rufescens), der Schmuckreiher (Egretta thula) und der Grünreiher (Butorides virescens) suchen im flachen Wasser nach Fischen, Krebsen und anderen Kleintieren. Während des Vogelzugs kommen zahlreiche Arten aus Nordamerika auf die Inseln. Besonders zwischen Juli und November werden Zugvögel beobachtet, die die Feuchtgebiete und Küstenbereiche als Rastplätze nutzen. Einige überwintern mehrere Monate auf Guadeloupe, andere verweilen nur während kurzer Zwischenstopps. | |||
Die Meeresfauna gehört zu den artenreichsten der gesamten Region. Die Küstengewässer sind durch Korallenriffe, Seegraswiesen, Mangroven, Lagunen und felsige Unterwasserlandschaften geprägt. Besonders bekannt ist das Meeresschutzgebiet Réserve Cousteau vor der Westküste der Basse-Terre im Bereich von Bouillante. Es umfasst die Îlets Pigeon und die umliegenden Riff- und Felsgebiete. Die Unterwasserwelt ist durch eine große Vielfalt an tropischen Fischen, Korallen, Schwämmen, Krebstieren und Weichtieren gekennzeichnet. | |||
''' | Zu den auffälligsten Fischgruppen gehören Papageifische (Scaridae), Kaiserfische (Pomacanthidae), Doktorfische (Acanthuridae), Falterfische (Chaetodontidae), Schnapper (Lutjanidae) und Zackenbarsche (Epinephelidae). Papageifische besitzen kräftige, schnabelartige Kiefer, mit denen sie Algen von Korallenoberflächen abweiden und dabei auch Korallengestein abschaben. Kaiser- und Falterfische halten sich häufig zwischen den Korallen auf, während Zackenbarsche in Höhlen und Felsspalten auf Beute lauern. Hinzu kommen Muränen, Barrakudas, Stachelmakrelen und zahlreiche kleinere Rifffische. In tieferen Gewässern treten außerdem größere pelagische Fischarten auf, darunter Thunfische, Marline und verschiedene Haiarten. | ||
Die Korallenriffe werden von Steinkorallen, Weichkorallen und Schwämmen aufgebaut. Zu den typischen Arten gehören Hirnkorallen, Sternkorallen und Geweihkorallen. Die Korallen bilden komplexe Strukturen, die zahlreichen Meerestieren Schutz und Nahrung bieten. Zwischen den Korallen leben Langusten, Krabben, Garnelen, Seeigel, Seesterne und zahlreiche Schneckenarten. Auch Muscheln und Kopffüßer gehören zur wirbellosen Meeresfauna. Die Riffe sind jedoch durch steigende Wassertemperaturen, Korallenbleiche, Krankheiten, Verschmutzung und mechanische Beschädigungen gefährdet. | |||
Eine besondere Bedeutung besitzen die Meeresschildkröten. In den Gewässern Guadeloupes kommen mehrere Arten vor, von denen insbesondere die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas), die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) und die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) zu nennen sind. Die Grüne Meeresschildkröte hält sich bevorzugt in Seegraswiesen und flachen Lagunen auf, wo sie hauptsächlich pflanzliche Nahrung aufnimmt. Die Echte Karettschildkröte sucht ihre Nahrung vor allem zwischen Korallen und Schwämmen. Die Unechte Karettschildkröte ernährt sich überwiegend von Krebstieren und Weichtieren. An verschiedenen Sandstränden des Archipels legen Meeresschildkröten ihre Eier ab. Zu den bekannten Nistgebieten gehören die Strände von Grande-Terre, Marie-Galante und La Désirade. Die Tiere und ihre Nistplätze stehen unter strengem Schutz. | |||
Auch Meeressäugetiere sind in den Gewässern Guadeloupes vertreten. Regelmäßig werden verschiedene Delfinarten beobachtet, darunter der Große Tümmler (Tursiops truncatus), der Zügeldelfin (Stenella frontalis) und der Spinnerdelfin (Stenella longirostris). Sie halten sich sowohl in küstennahen Gewässern als auch im offenen Meer auf. In den tieferen Meeresbereichen kommen außerdem Pottwale (Physeter macrocephalus) vor. Weitere Walarten, darunter Buckelwale (Megaptera novaeangliae), nutzen die Gewässer der Kleinen Antillen während ihrer saisonalen Wanderungen. Sie ziehen insbesondere während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit durch die Region. Auch Grindwale und verschiedene Schnabelwalarten werden gelegentlich beobachtet. | |||
Der Karibische Manati (Trichechus manatus), der früher in den flachen Küstengewässern, Lagunen und Flussmündungen Guadeloupes vorkam, verschwand durch intensive Bejagung bereits vor längerer Zeit aus dem Archipel. Sein historisches Vorkommen ist unter anderem mit der Bezeichnung der Gemeinde Lamentin verbunden. Im Rahmen von Artenschutzmaßnahmen wurden in jüngerer Zeit Wiederansiedlungsprojekte für diese Meeressäuger verfolgt. Der Manati ist ein großer Pflanzenfresser, der sich hauptsächlich von Seegras und anderen Wasserpflanzen ernährt. Seine Wiederansiedlung ist an geeignete, störungsarme Küstenlebensräume und ausreichende Nahrungsbestände gebunden. | |||
|''' | Die wirbellose Tierwelt ist außerordentlich vielfältig. In den Regenwäldern der Basse-Terre leben zahlreiche Schmetterlinge, Käfer, Ameisen, Heuschrecken, Zikaden, Libellen und Spinnen. Zu den auffälligsten Käfern gehört der Herkuleskäfer (Dynastes hercules), einer der größten Blatthornkäfer der Welt. Die Männchen besitzen ein ausgeprägtes Horn, das sie bei Auseinandersetzungen mit anderen Männchen einsetzen. Seine Larven entwickeln sich in verrottendem Holz. Ebenfalls bemerkenswert sind verschiedene Bockkäfer, Blatthornkäfer und metallisch glänzende Prachtkäfer. | ||
|''' | |||
|''' | Die Schmetterlingsfauna umfasst zahlreiche tropische Arten. Dazu gehören der Monarchfalter (Danaus plexippus), verschiedene Passionsblumenfalter und Schwalbenschwänze sowie die großen Eulenfalter. Viele Arten sind auf bestimmte Futterpflanzen angewiesen und kommen deshalb nur in geeigneten Wald- und Buschlandschaften vor. Besonders in den feuchten Gebieten der Basse-Terre sind zahlreiche Nachtfalter verbreitet. Die Raupen vieler Arten ernähren sich von Blättern einheimischer Bäume und Sträucher. | ||
|''' | |||
|''' | Zu den auffälligen Wirbellosen gehören außerdem große Hundertfüßer, Tausendfüßer und Vogelspinnen. Die einheimische Vogelspinne Cyrtopholis femoralis lebt vor allem in feuchten Waldgebieten und unter Steinen oder in selbst angelegten Wohnröhren. Sie ernährt sich von Insekten und anderen kleinen Wirbellosen. In den feuchten Wäldern kommen auch zahlreiche andere Spinnenarten vor, die Netze zwischen Blättern und Ästen anlegen oder als Bodenjäger leben. | ||
|''' | |||
| | An den Küsten und in den Wäldern sind verschiedene Landkrabben verbreitet. Besonders bekannt ist die Rote Landkrabbe (Gecarcinus ruricola), die sich überwiegend von pflanzlichem Material, Früchten und organischen Resten ernährt. Sie lebt in feuchten Küstenwäldern und anderen geeigneten Lebensräumen und wandert während ihrer Fortpflanzungszeit teilweise in Richtung Meer. Weitere Krabbenarten bewohnen die Mangroven und Flussmündungen. Dort leben auch zahlreiche Garnelen, Einsiedlerkrebse und andere Krebstiere. In den Mangrovenwäldern finden sie zwischen den Stelzwurzeln der Bäume Nahrung und Schutz. | ||
|''' | |||
Die Süßwasserfauna ist weniger artenreich als die Meeresfauna, weist jedoch ebenfalls charakteristische Arten auf. In den Flüssen und Bächen der Basse-Terre leben verschiedene Süßwasserfische, darunter Guppys (Poecilia reticulata), Schläfergrundeln und verschiedene Arten der Gattung Sicydium. Besonders bekannt ist die Guadeloupe-Klettergrundel (Sicydium plumieri), die in schnell fließenden Bächen und Flüssen vorkommt. Die Tiere besitzen einen Haftapparat an der Bauchseite, mit dem sie sich an Steinen festhalten und selbst starke Strömungen überwinden können. Ihre Fortpflanzung ist mit dem Meer verbunden: Die Larven gelangen nach dem Schlüpfen flussabwärts ins Meer und kehren später als Jungfische in die Fließgewässer zurück. In den Flussmündungen und Brackwasserbereichen kommen außerdem verschiedene Garnelen und Krabben vor. | |||
Eine besondere Stellung nehmen die eingeführten Tierarten ein. Neben dem bereits erwähnten Mungo gehören dazu Ratten, Mäuse, Hauskatzen, Hunde und verwilderte Schweine. Auch Ziegen und andere Nutztiere haben sich teilweise in natürlichen Lebensräumen ausgebreitet. Besonders Ratten und Katzen stellen eine Gefahr für bodenbrütende Vögel, Reptilien und Amphibien dar. Der Mungo beeinträchtigt vor allem die Bestände kleiner Wirbeltiere. Eingeschleppte Arten wie die Aga-Kröte und verschiedene Geckos haben sich ebenfalls in Teilen des Archipels etabliert. Einige dieser Arten konkurrieren mit einheimischen Tieren um Nahrung und Lebensraum. | |||
'''Pflanzen-und Tierarten:''' | |||
'''''F''lora''' | |||
* Blütenpflanzen 1400 | |||
|''' | '''Fauna''' | ||
|''' | * Fische 151 | ||
* Vögel 32 | |||
* Reptilien 27 | |||
* Säugetiere 11 | |||
* Amfibien 5 | |||
== '''Naturschutz''' == | |||
Das wichtigste eigenständige Waldschutzgebiet der Insel ist die '''Réserve biologique dirigée du Nord de la Grande-Terre'''. Sie wurde am 17. April 2018 eingerichtet und umfasst 727,81 ha in den Gemeinden Anse-Bertrand, Port-Louis und Petit-Canal. Das Gebiet erstreckt sich über Waldflächen des Départements, den staatlichen Küstenwald und Flächen des Conservatoire du littoral. Geschützt werden vor allem die letzten größeren Reste des ursprünglichen Trockenwaldes von Grande-Terre. Diese Wälder sind durch die lange landwirtschaftliche Nutzung, insbesondere den Zuckerrohranbau, die Viehhaltung und die Ausdehnung der Siedlungen stark zurückgedrängt worden. Die Schutzgebietsverwaltung zielt auf den Erhalt der verbliebenen Waldgesellschaften und ihrer Tier- und Pflanzenwelt. | |||
Auch die Küstenlandschaften im Norden und Osten von Grande-Terre besitzen einen hohen Schutzwert. Dazu gehören die felsigen Steilküsten und Kalksteinformationen bei Pointe de la Grande Vigie sowie die Küstenabschnitte von Anse-Bertrand mit ihren Buchten, Klippen und natürlichen Felsöffnungen. Die Pointe des Châteaux im äußersten Südosten ist eine markante, von Wind und Brandung geprägte Halbinsel mit niedriger Küstenvegetation, Trockenrasen und felsigen Lebensräumen. Diese Landschaften stehen teilweise unter Landschafts- und Küstenschutz; sie sind jedoch nicht pauschal als einheitliches Naturschutzgebiet mit eigener Schutzgebietsfläche zu behandeln. | |||
Eine besondere Bedeutung besitzt außerdem der Grand Cul-de-Sac Marin zwischen Grande-Terre und Basse-Terre. Die flache Meeresbucht umfasst Mangrovenwälder, Seegraswiesen, Lagunen, Korallenriffe und kleine Inseln. Die frühere Réserve naturelle nationale du Grand Cul-de-Sac Marin wurde 1987 eingerichtet. Seit der Neuordnung des Nationalparks im Jahr 2009 sind ihre geschützten Teilflächen in dessen Kernzone integriert. Das Gebiet ist zugleich ein international bedeutendes Feuchtgebiet nach der Ramsar-Konvention und Teil des Biosphärenreservats des Archipels. | |||
|''' | Das bedeutendste Schutzgebiet von Basse-Terre ist der 1989 gegründete '''Parc national de la Guadeloupe'''. Sein terrestrischer Kernbereich umfasst rund 21.000 ha, davon etwa 17.300 ha im bewaldeten Bergmassiv von Basse-Terre. Er erstreckt sich über die Höhenstufen vom feuchtwarmen Tiefland bis zu den Berg- und Nebelwäldern des Vulkangebietes. Zu den geschützten Landschaften gehören die Wälder des Massif de la Soufrière, die Umgebung des Vulkans La Soufrière, die Monts Caraïbes und die bewaldeten Gebiete im Zentrum der Insel. Die Schutzbestimmungen dienen dem Erhalt der tropischen Bergwälder, der endemischen Pflanzen- und Tierarten, der Flussläufe und Wasserfälle sowie der empfindlichen Vulkanlandschaften. | ||
|''' | Zum Kernbereich gehören neben den Bergwäldern auch mehrere kleinere Inseln und Küstengebiete. Dazu zählen die Îlets Pigeon vor Bouillante, deren Unterwasserwelt mit Korallenriffen und Seegrasbeständen zum Schutzgebiet gehört, sowie die Îlets Kahouanne und Tête-à-l’Anglais vor der Nordwestküste. Weitere geschützte Teilflächen liegen im Bereich der Mangroven und Feuchtgebiete des Grand Cul-de-Sac Marin, darunter die Inseln Fajou, Christophe, Labiche und Carénage sowie die Feuchtgebiete von Choisy und Lambis. Die geschützten Meeresflächen umfassen Riffe, Seegraswiesen und Küstengewässer, die als Lebensraum und Fortpflanzungsgebiet zahlreicher Fisch-, Krebs- und Meeresschildkrötenarten dienen. | ||
An der Westküste liegt bei Bouillante das Gebiet der '''Îlets Pigeon''' mit dem bekannten Unterwasserbereich der Réserve Cousteau. Es ist Bestandteil des marinen Schutzsystems des Nationalparks und umfasst Korallenriffe, Felsformationen und artenreiche Meereslebensräume. Die Gewässer werden zum Tauchen und Schnorcheln genutzt; zugleich gelten Einschränkungen zum Schutz der empfindlichen Riffgemeinschaften. | |||
Weitere Schutzflächen befinden sich entlang der Küste. Dazu zählen geschützte Strand- und Dünenabschnitte, die als Nistplätze von Meeresschildkröten dienen, sowie einzelne Biotopschutzgebiete. An der Küste von Basse-Terre sind insbesondere die Strände und Küstenbereiche bei Grande-Anse und Deshaies sowie bei Trois-Rivières von Bedeutung. Dort sollen unter anderem die Eiablageplätze der Meeresschildkröten vor baulichen Eingriffen, Störungen und Beleuchtung geschützt werden. | |||
Der Nationalpark bildet zusammen mit den weiteren Schutzflächen die Grundlage für das Biosphärenreservat des Archipels Guadeloupe, das von der UNESCO anerkannt wurde. Dieses umfasst nicht nur die streng geschützten Kernzonen, sondern auch Puffer- und Übergangsräume, in denen Siedlungen, Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus unter Berücksichtigung der ökologischen Anforderungen stattfinden. Das Biosphärenreservat ist daher kein durchgehend streng geschütztes Naturschutzgebiet, sondern ein großräumiges Konzept zur Verbindung von Naturschutz und nachhaltiger Nutzung. | |||
== '''Klima''' == | |||
Guadeloupe besitzt ein tropisches, maritim beeinflusstes Klima, das durch ganzjährig hohe Temperaturen, eine ausgeprägte Luftfeuchtigkeit und relativ geringe jahreszeitliche Temperaturschwankungen gekennzeichnet ist. Die Passatwinde aus östlichen bis nordöstlichen Richtungen mildern die tropische Wärme. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation überwiegt auf den tiefer gelegenen Inselteilen das tropische Monsunklima (Am). In den niederschlagsreichen Höhenlagen von Basse-Terre treten dagegen Bedingungen eines tropischen Regenwaldklimas (Af) auf. | |||
Das Klima wird wesentlich durch die Lage im Bereich der tropischen Passatzirkulation und durch den Wechsel zwischen dem subtropischen Hochdruckgürtel und der innertropischen Konvergenzzone bestimmt. Die feuchten Ostpassate treffen auf das hohe Gebirgsmassiv von Basse-Terre und werden zum Aufsteigen gezwungen. Dabei kühlt die Luft ab, Wasserdampf kondensiert und es entstehen häufig Wolken und ergiebige Steigungsregen. Grande-Terre liegt dagegen überwiegend im Regenschatten des Gebirges und besitzt ein deutlich trockeneres Klima. Die Niederschlagsunterschiede zwischen beiden Inseln sind deshalb beträchtlich. | |||
|''' | Im Jahresverlauf werden zwei Hauptjahreszeiten und zwei Übergangsphasen unterschieden. Die Trockenzeit, der sogenannte Carême, reicht im Allgemeinen von Januar bis April. Sie ist durch beständige Passatwinde, vergleichsweise geringe Niederschläge und häufig sonniges Wetter geprägt. Von Mitte April bis Juni folgt eine erste Übergangszeit mit zunehmender Schwüle, nachlassenden Passatwinden und häufiger werdenden Schauern und Gewittern. Die feuchte Jahreszeit, Hivernage genannt, erstreckt sich ungefähr von Juni beziehungsweise Juli bis November. In dieser Zeit treten häufig kräftige Regenschauer, Gewitter und längere Niederschlagsperioden auf. Im Dezember nimmt die Regenhäufigkeit wieder ab; zugleich verstärken sich die Passatwinde. Die zeitlichen Grenzen der Jahreszeiten schwanken von Jahr zu Jahr. | ||
Die Lufttemperaturen bleiben das ganze Jahr über hoch. Während der trockeneren Monate liegen die durchschnittlichen Tageshöchstwerte meist zwischen 28 und 31 °C, die nächtlichen Tiefstwerte zwischen 19 und 23 °C. In der feuchten Jahreszeit steigen die Tageshöchstwerte häufig auf 31 bis 33°C, während die Nächte mit etwa 22 bis 25 °C wärmer bleiben. Die höchste gefühlte Wärme entsteht bei schwachem Wind und hoher Luftfeuchtigkeit. In den Bergregionen von Basse-Terre sinken die Temperaturen mit zunehmender Höhe deutlich; auf den höchsten Gipfeln herrschen wesentlich kühlere und feuchtere Bedingungen als an den Küsten. | |||
Die räumlichen Niederschlagsunterschiede sind besonders ausgeprägt. Auf Grande-Terre fallen je nach Lage ungefähr 1.000 bis 1.800 mm Niederschlag im Jahr. Die östlichen und nördlichen Küstenbereiche gehören zu den trockeneren Gebieten; auch die Halbinsel um Saint-François und Pointe des Châteaux weist vergleichsweise geringe Regenmengen auf. Auf Basse-Terre liegen die Jahresniederschläge an der windzugewandten Ostseite unterhalb von 600 m Höhe meist zwischen 1.800 und 3.500 mm. In den höheren Lagen des Massivs steigen sie auf mehrere Tausend Millimeter. Am Gipfel der Soufrière werden nach langjährigen Messreihen Werte von etwa 6.200 bis über 8.000 mm erreicht; ältere Klimareihen weisen noch höhere Werte aus. Die Angabe von rund 9.900 mm ist daher als möglicher Wert für besonders niederschlagsreiche Messperioden beziehungsweise ältere Klimanormalwerte zu verstehen, nicht als einheitlicher aktueller Jahresdurchschnitt. | |||
Die Westküste von Basse-Terre, die sogenannte Côte-sous-le-vent, liegt nach dem Überströmen des Gebirgsmassivs im Regenschatten. Dort sind die Niederschläge geringer als an der Ostseite, obwohl auch diese Küstenregion deutlich feuchter sein kann als Teile von Grande-Terre. Die Unterschiede zeigen sich auch in der Zahl der Regentage: In den Höhenlagen der Soufrière fällt an einem großen Teil des Jahres Niederschlag, während die trockeneren Küstenabschnitte wesentlich längere niederschlagsarme Phasen aufweisen. | |||
Die Passatwinde sorgen an den Küsten für eine regelmäßige Luftbewegung. Während der Trockenzeit sind sie meist beständiger und kräftiger, während der feuchten Jahreszeit können sie zeitweise nachlassen. Bei schwacher Windströmung nimmt die Schwüle deutlich zu. Die relative Luftfeuchtigkeit ist vor allem in den Regenwaldgebieten und in den höheren Lagen hoch; auf den exponierten Gipfeln der Soufrière treten häufig Nebel, Wolken und starke Winde auf. Dort liegen die Temperaturen deutlich unter denen der Küstenregionen und bewegen sich häufig nur zwischen etwa 15 und 22°C. | |||
Guadeloupe liegt im Bereich der atlantischen Hurrikansaison, die offiziell von Juni bis November dauert. Tropische Wellen, Tiefdruckgebiete und tropische Wirbelstürme können in dieser Zeit Starkregen, Überschwemmungen, Erdrutsche und hohe Windgeschwindigkeiten verursachen. Besonders die steilen Hänge von Basse-Terre sind bei lang anhaltenden Regenfällen anfällig für Hangrutschungen und Sturzfluten. Auch Grande-Terre ist durch Starkregen, Küstenüberschwemmungen und Sturmfluten gefährdet. Die Auswirkungen einzelner Wirbelstürme können die jährliche Niederschlagsverteilung erheblich verändern. | |||
Die Sonnenscheindauer ist an der trockeneren Ost- und Südküste von Grande-Terre besonders hoch. Auf Basse-Terre wird sie durch die häufige Wolkenbildung über dem Gebirge und die ausgeprägten Steigungsregen vermindert. Die Meerestemperaturen bleiben ganzjährig warm und liegen nach Angaben des französischen Wetterdienstes im Allgemeinen zwischen 26 und 29 °C. | |||
'''Klimadaten für Pointe à Pitre''' (7 m , 1961 bis 1990) | |||
{| class="wikitable" | |||
| | |||
|'''Jan''' | |||
|'''Feb''' | |||
|'''Mär''' | |||
|'''Apr''' | |||
|'''Mai''' | |||
|'''Jun''' | |||
|'''Jul''' | |||
|'''Aug''' | |||
|'''Sep''' | |||
|'''Okt''' | |||
|'''Nov''' | |||
|'''Dez''' | |||
|'''Jahr''' | |||
|- | |- | ||
|''' | |'''Mitteltemperatur (°C)''' | ||
| | |23,4 | ||
| | |23,5 | ||
| | |24,0 | ||
| | |26,0 | ||
| | |26,0 | ||
| | |26,8 | ||
| | |26,7 | ||
| | |26,8 | ||
| | |26,7 | ||
| | |26,1 | ||
| | |26,3 | ||
| | |24,1 | ||
|''' | |'''25,5''' | ||
|- | |- | ||
| | |'''Niederschlag (mm)''' | ||
| | |91 | ||
| | |66 | ||
| | |66 | ||
| | |86 | ||
| | |135 | ||
| | |148 | ||
| | |179 | ||
| | |244 | ||
| | |196 | ||
| | |229 | ||
| | |231 | ||
| | |143 | ||
|''' | |'''1814''' | ||
|- | |- | ||
| | |'''Niederschlagstage >0,1 mm''' | ||
| | |19 | ||
|16 | |||
|16 | |||
|16 | |||
|21 | |||
|21 | |||
|25 | |||
|23 | |||
|22 | |||
|22 | |||
|23 | |||
|25 | |25 | ||
|26 | |'''249''' | ||
|26 | |- | ||
|27 | |'''Potenzielle Verdunstung (mm)''' | ||
|27 | |104 | ||
|28 | |117 | ||
|28 | |141 | ||
|28 | |138 | ||
|28 | |126 | ||
|27 | |129 | ||
|27 | |124 | ||
|'''27''' | |107 | ||
|} | |89 | ||
|88 | |||
|82 | |||
|90 | |||
|'''1335''' | |||
|- | |||
|'''Sonnenstunden pro Tag''' | |||
|7,2 | |||
|7,8 | |||
|8,3 | |||
|6,0 | |||
|7,5 | |||
|7,6 | |||
|7,5 | |||
|7,5 | |||
|7,0 | |||
|7,1 | |||
|7,0 | |||
|7,1 | |||
|'''7,4''' | |||
|- | |||
|'''Wassertemperatur (°C)''' | |||
|26 | |||
|25 | |||
|26 | |||
|26 | |||
|27 | |||
|27 | |||
|28 | |||
|28 | |||
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|28 | |||
|27 | |||
|27 | |||
|'''27''' | |||
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=== '''Entdeckungszeit''' === | === '''Entdeckungszeit''' === | ||
Am 4. November 1493 erreichte Christoph Kolumbus Guadeloupe während seiner zweiten Reise nach Amerika. Er benannte die Insel Santa María de Guadalupe nach dem spanischen Marienheiligtum von Guadalupe in der Extremadura. In den europäischen Aufzeichnungen erschien damit erstmals der Name, aus dem die heutige Bezeichnung Guadeloupe hervorging. Die indigene Bevölkerung verwendete den Namen Karukera, der gewöhnlich mit „Insel der schönen Gewässer“ übersetzt wird. Kolumbus und seine Begleiter gingen an Land und erkundeten Teile der Insel. Die Expedition hielt sich nur kurze Zeit auf und setzte anschließend ihre Fahrt durch die Kleinen Antillen fort. Eine europäische Niederlassung wurde nicht gegründet. | |||
Die Bewohner gehörten zu den indigenen Bevölkerungsgruppen der Kleinen Antillen, die von den Europäern meist als Kariben bezeichnet wurden und sich selbst als Kalinago beziehungsweise Kalina bezeichneten. Sie lebten in Siedlungen an den Küsten und in den geschützten Bereichen des Inselinneren. Fischfang, Landwirtschaft, Jagd und der Austausch mit benachbarten Inseln bildeten wichtige Grundlagen ihrer Lebensweise. Guadeloupe war in ein weitreichendes Netz von Kontakten eingebunden, das sich über die Kleinen Antillen bis zur Küste des heutigen Venezuela erstreckte. Die europäische Bezeichnung „Kariben“ fasste unterschiedliche indigene Gemeinschaften zusammen und wurde in den zeitgenössischen Quellen nicht immer einheitlich verwendet. | |||
Spanien beanspruchte Guadeloupe im Zuge seiner Expansion in der Karibik, konzentrierte seine kolonialen Anstrengungen jedoch vor allem auf die Großen Antillen und die Gebiete mit größeren wirtschaftlichen Erträgen. Im frühen 16. Jahrhundert kam es zu spanischen Unternehmungen in den Kleinen Antillen, die neben Erkundung und Versorgung auch der Gefangennahme indigener Menschen dienten. Spanische Sklavenjäger unternahmen Überfälle auf Inseln der Region und verschleppten Bewohner nach Hispaniola, Puerto Rico und auf andere spanisch beherrschte Gebiete. Die Kalinago leisteten Widerstand und verteidigten ihre Siedlungsgebiete und Handelsverbindungen. | |||
Ein konkreter spanischer Kolonisierungsplan ist für das Jahr 1520 belegt. Am 9. Juli dieses Jahres erhielt Antonio Serrano von König Karl I. eine Genehmigung zur Eroberung und Besiedlung Guadeloupes. Er sollte spanische Siedler auf die Insel bringen und dort eine dauerhafte Niederlassung aufbauen. Das Vorhaben sah auch landwirtschaftliche Nutzung, Viehzucht und weitere wirtschaftliche Tätigkeiten vor. Serrano gelang es jedoch nicht, genügend Siedler und die erforderlichen Mittel zusammenzubringen. Der Plan wurde nicht umgesetzt; eine spanische Kolonie entstand nicht. Die häufig anzutreffende Darstellung, Spanien habe im 16. Jahrhundert wiederholt Zuckerrohr- und Tabakplantagen auf Guadeloupe angelegt, ist durch die verfügbaren historischen Belege nicht gesichert. | |||
Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde der Archipel von spanischen, französischen und englischen Schiffen angelaufen. Die Kleinen Antillen dienten europäischen Seefahrern als Zwischenstationen auf den Routen zwischen Europa, den spanischen Besitzungen in der Karibik und dem südamerikanischen Festland. Schiffe nahmen Wasser und Nahrungsmittel auf und tauschten gelegentlich Waren mit der indigenen Bevölkerung. Daneben operierten Freibeuter und andere bewaffnete Seefahrer in der Region. Ihre Tätigkeit richtete sich vor allem gegen den spanischen Schiffsverkehr und die spanischen Besitzungen. Guadeloupe war dabei Teil des größeren karibischen Operations- und Versorgungsraumes, ohne sich zu einem dauerhaften europäischen Piratenstützpunkt zu entwickeln. | |||
Die indigene Bevölkerung wurde durch diese Kontakte zunehmend mit den Folgen der europäischen Expansion konfrontiert. Besonders schwerwiegend waren die Überfälle zur Gefangennahme und Verschleppung von Menschen. Hinzu kamen eingeschleppte Infektionskrankheiten, gegen die die Bewohner der Inseln keine vergleichbare Immunität besaßen. Die Bevölkerungsverluste der Kalinago in den Kleinen Antillen waren erheblich; sie lassen sich für Guadeloupe allein jedoch nicht zuverlässig beziffern. Trotz dieser Belastungen blieb die Insel bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts unter indigener Kontrolle. Die europäischen Mächte hatten zwar Ansprüche erhoben und die Gewässer der Region in ihre Handels- und Machtkonflikte einbezogen, eine dauerhafte Besetzung Guadeloupes war ihnen bis dahin nicht gelungen. | |||
=== '''Kolonialzeit''' === | === '''Französische Kolonialzeit''' === | ||
Der erste ernstzunehmende Kolonisierungsversuch begann um 1625/26, als der französische Händler und Abenteurer Pierre Belain d’Esnambuc, der bereits St. Kitts (Saint-Christophe) besiedelt hatte, erste Erkundungen anstellte und spanische Siedler vertrieb. Im Jahr 1635 gelang es den Franzosen endgültig, die Insel zu erobern. Charles Liénard de l’Olive und Jean du Plessis d’Ossonville, im Auftrag der Compagnie des Îles d’Amérique (gegründet 1635 von Kardinal Richelieu), landeten am 28. Juni 1635 mit etwa 550 Siedlern und etablierten die erste dauerhafte französische Präsenz. Die Compagnie zielte auf wirtschaftliche Ausbeutung ab, doch die Siedler stießen auf erbitterten Widerstand der Kariben, die mit Pfeil und Bogen kämpften und Allianzen mit anderen Inselvölkern schlossen. Bis 1640 starben viele Franzosen an Krankheiten, Hunger und Kämpfen; die Compagnie ging bankrott und verkaufte die Insel 1649 an Charles Houël du Petit Pré, der als Gouverneur die Plantagenwirtschaft einführte. | |||
Die französischen Siedler etablierten erste Plantagen, die zunächst auf Tabak und Indigo ausgerichtet waren, da Zuckerrohr erst später dominierte. Die Lebensbedingungen waren hart: Die Kolonisten kämpften mit tropischen Krankheiten wie Malaria, unzureichender Versorgung und Konflikten mit den Kariben. Die Siedlungen konzentrierten sich auf Basse-Terre, wo Fort Charles (später Fort Saint-Charles) als Verteidigungsposition gebaut wurde. Die Compagnie des Îles de l’Amérique hatte jedoch finanzielle Schwierigkeiten, was die Kolonisierung erschwerte. Viele der ersten Siedler waren Vertragsarbeiter (engagés), die für wenige Jahre gegen Landversprechen arbeiteten, sowie einige freie Kolonisten aus Frankreich, vor allem aus der Normandie und der Bretagne. Die Gesellschaft war stark hierarchisch, mit einer kleinen Elite weißer Siedler an der Spitze und einer wachsenden Zahl afrikanischer Sklaven, die ab den 1620er Jahren aus Westafrika eingeführt wurden, um die Arbeitskräftemängel zu kompensieren. | |||
Ab den 1650er Jahren wurde Zuckerrohr als Hauptkultur angebaut, ergänzt durch Tabak, Indigo und später Kaffee. Die Arbeitskräfte reichten jedoch nicht aus: 1650 trafen die ersten afrikanischen Sklaven ein, verschleppt im Rahmen des transatlantischen Sklavenhandels. Bis 1656 kam es zu ersten Sklavenaufständen, die brutal niedergeschlagen wurden, oft mit Hilfe indigener Gruppen. Die Kariben wurden schrittweise vertrieben oder deportiert – viele flohen nach Dominica. 1664 übernahm die Französische Westindienkompanie (Compagnie des Indes occidentales) die Kontrolle, doch nach ihrem Bankrott 1674 fiel Guadeloupe direkt unter die französische Krone. Ein Gouverneur in Basse-Terre leitete die Verwaltung, und die Insel wurde in 32 Bezirke (quartiers) unterteilt. Der Code Noir von 1685, erlassen von Ludwig XIV., regelte die Sklaverei: Er erlaubte Misshandlungen, verbot aber willkürliche Tötungen und förderte die Christianisierung der Sklaven. Zu dieser Zeit stellten Sklaven bereits die Mehrheit der Bevölkerung dar, mit einer Lebenserwartung von nur etwa sieben Jahren auf den Plantagen durch harte Arbeit, Unterernährung und Krankheiten. Frauen wurden oft durch Schocks und Missbrauch unfruchtbar, was die Reproduktion der Arbeitskräfte erschwert. | |||
Im 18. Jahrhundert wurde Guadeloupe zu einem wichtigen Knotenpunkt der französischen Karibikökonomie. Zuckerrohrplantagen dominierten, und der Export von Rohrzucker, Melasse und Rum boomte. Kaffee wurde in den 1720er Jahren eingeführt, Kakao ab 1775. Die Stadt Pointe-à-Pitre entstand 1735 als Hafen und Handelszentrum, was den Handel mit Nordamerika und Europa ankurbelte. Die Bevölkerung wuchs: Bis 1750 lebten etwa 50.000 Menschen auf der Insel, davon 85 % Sklaven. | |||
Allerdings war die Insel Schauplatz zahlreicher Konflikte zwischen Frankreich und Großbritannien. Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) drangen britische Truppen im Februar 1759 ein und eroberten Guadeloupe am 23. April 1759 nach einer Belagerung. Die Besatzung dauerte bis zum 10. Februar 1763, als der Frieden von Paris die Insel gegen französische Konzessionen in Kanada zurückgab. Unter britischer Herrschaft florierte der Handel weiter, da britische Händler den Zuckerimport steigerten. 1782, während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, eroberten die Briten die Insel erneut nach der Schlacht bei den Saintes, gaben sie aber 1783 zurück. | |||
Der Widerstand der Sklaven blieb für die Machthaber ein Problem. Maroons (entflohene Sklaven) bildeten Communities in den Wäldern und führten Guerilla-Kriege. Aufstände wie 1737 oder 1793 zeigten die Instabilität des Systems. Die Aufklärungsideen sickerten ein, doch die Plantagenbesitzer (grands blancs) hielten an der Sklaverei fest. | |||
=== '''Französische Revolution''' === | |||
Die Französische Revolution von 1789 erreichte Guadeloupe mit Verzögerung. 1790 forderten freie Farbige (mulâtres) gleiche Rechte, was zu Spannungen führte. Im Februar 1794 schaffte die Nationalkonvention die Sklaverei in allen französischen Kolonien ab (Dekret vom 4. Februar 1794). Dies löste Chaos aus: Plantagenbesitzer rebellierten und luden britische Truppen ein, die im April 1794 einmarschierten und die Insel besetzten, um die Abschaffung zu verhindern. | |||
Der französische Kommissar Victor Hugues landete im Juni 1794 mit Truppen und befreiten Sklaven, vertrieb die Briten bis Dezember 1794 und etablierte eine republikanische Ordnung. Hugues, ein Jakobiner, führte eine „Reign of Terror“: Über 1.000 royalistische Kolonisten wurden hingerichtet, Plantagen enteignet und Sklaven in Milizen integriert. Er regierte bis 1798, machte Guadeloupe zu einer Basis für Kaperfahrten gegen britische Schiffe und förderte die Gleichberechtigung, was die Insel zu einem Symbol der Revolution machte. | |||
Mit Napoleons Machtergreifung änderte sich alles. Am 20. Mai 1802 verfügte er die Wiedereinführung der Sklaverei in den Kolonien, um die Wirtschaft zu stabilisieren. In Guadeloupe führte dies zu einem Aufstand: Schwarze Offiziere wie Louis Delgrès (ein kreolischer Mulatte, geboren 1766) und Joseph Ignace (1769–1802) stellten sich mit 300 Soldaten gegen die Expeditionstruppen unter General Antoine Richepanse. Delgrès proklamierte am 10. Mai 1802 die Freiheit und zog sich in die Berge zurück. Am 28. Mai 1802, in der Schlacht von Matouba, sprengten Delgrès und seine Anhänger sich in die Luft, um der Gefangenschaft zu entgehen – ein Akt des heldenhaften Widerstands. Überlebende, darunter die schwangere Mulattin Solitude (eine Maroon-Führerin), wurden gefangen: Solitude gebar am 28. November 1802 und wurde am 29. November hingerichtet. Etwa 250 Todesurteile folgten; der Aufstand wurde bis 1804 niedergeschlagen. Die Sklaverei wurde am 14. Mai 1803 offiziell wiederhergestellt. | |||
In den napoleonischen Kriegen eroberte Großbritannien Guadeloupe am 4. Februar 1810 erneut. Am 3. März 1813 trat es die Insel an Schweden ab (Frieden von Stockholm), als Kompensation für den schwedischen Kronprinzen Karl XIV. Johann (ehemals Bernadotte). Schweden hielt sie jedoch nur nominell; im Frieden von Paris am 30. Mai 1814 gab es Guadeloupe gegen 24 Millionen Franc zurück an Frankreich. Diese Summe schuf den „Guadeloupe-Fonds“, eine Rente, die Schweden bis 1983 erhielt. Die letzte britische Invasion erfolgte 1815 (8. bis 10. August), doch der Wiener Kongress bestätigte die französische Herrschaft. | |||
=== '''Umbruchszeit''' === | |||
Die napoleonische Epoche endete für Guadeloupe mit der letzten britischen Invasion vom 8. bis 10. August 1815, während der Hundert Tage Napoleons. Die Insel kapitulierte schnell, und die britische Besatzung dauerte bis April 1816. Der Wiener Kongress bestätigte endgültig die französische Souveränität, und Guadeloupe kehrte unter die Herrschaft der restaurierten Bourbonen-Monarchie zurück. Diese Periode markierte den Beginn einer stabilen französischen Kolonialverwaltung ohne weitere große Eroberungen, doch die Insel litt unter den Nachwirkungen der Kriege: zerstörte Plantagen, Schulden und eine geschwächte Wirtschaft. | |||
Ab 1816 etablierte sich das „Régime des amiraux“: Die Gouverneure waren meist Marineoffiziere mit weitreichenden Vollmachten. Die Sklaverei, 1802 wieder eingeführt, wurde zunehmend instabil. Maroons (entflohene Sklaven) organisierten sich in den Wäldern, und Aufstände häuften sich. Die Aufklärung und abolitionistische Ideen aus Europa (unter anderem durch Victor Schœlcher) sickerten ein, verstärkt durch die britische Abschaffung der Sklaverei 1833. | |||
Wirtschaftlich dominierte weiterhin die Zuckerrohrproduktion, ergänzt durch Kaffee und Kakao. Doch die Konkurrenz durch Rübenzucker aus Europa führte zu einer Krise: Preise fielen, und viele Plantagenbesitzer verschuldeten sich. Die Bevölkerung stagnierte oder ging zurück (von rund 100.000 im frühen 19. Jahrhundert). Naturkatastrophen wie Erdbeben wie das von 1843 verschärften die Lage. | |||
Der entscheidende Wendepunkt kam mit der Revolution von 1848 in Frankreich. Die provisorische Regierung unter Victor Schœlcher, Unterstaatssekretär für die Kolonien, erließ das Dekret zur endgültigen Abschaffung der Sklaverei vdurch das ''Décret d'abolition de l'esclavage'' vom 27. April 1848. In Guadeloupe proklamierte der Gouverneur Jean-François Layrle die Freiheit vorzeitig am 27. Mai 1848, um Aufstände wie in Martinique zu verhindern. Rund 87.000 Sklaven wurden befreit. Plantagenbesitzer erhielten Entschädigungen, die ehemaligen Sklaven jedoch nichts – keine Landverteilung oder Reparationen. Viele weigerten sich, weiter auf den Plantagen zu arbeiten, was zu einem akuten Arbeitskräftemangel führte. | |||
Um den Plantagenbetrieb aufrechtzuerhalten, organisierte Frankreich die Einwanderung von Kontraktarbeitern (engagés). Ab dem 24. Dezember 1854 traf das erste Schiff ''Aurélie'' mit 314 indischen Arbeitern ein (hauptsächlich aus Pondichéry und Tamil-Regionen). Bis 1889 kamen in 95 Konvois zirka 42.900 Inder nach Guadeloupe; viele blieben und integrierten sich, trotz harter Bedingungen (5-Jahres-Verträge, oft verlängert). Kleinere Gruppen aus Afrika, China und Madeira folgten. Diese Immigration prägte die kreolische Gesellschaft und führte zu einer multiethnischen Bevölkerung. | |||
Die Zuckerindustrie modernisierte sich: Kleine ''habitations-sucreries'' verschwanden zugunsten zentraler Usinen (Fabriken) mit Dampfmaschinen. Dennoch verschärfte sich die Krise durch Überproduktion und fallende Preise. Guadeloupe wurde politisch stärker integriert: Ab 1848/1849 wählten die Inselbewohner Abgeordnete (wie etwa Schœlcher selbst für Guadeloupe). Unter Napoleon III. (1852–1870) wuchs der Abolitionismus, und 1870 wurde die koloniale Repräsentation in Paris wiederhergestellt. | |||
Mit der Gründung der Dritten Republik 1870 erhielten die „alten Kolonien“ (Guadeloupe, Martinique, Réunion, Guyane) den Status von Départements, mit vollen Bürgerrechten und Repräsentation in Paris. Guadeloupe sandte Deputierte und Senatoren. Politisch entstand ein früher Sozialismus: Ab den 1890er Jahren organisierte Hégésippe Légitimus (erster schwarzer Deputierter) eine sozialistische Bewegung, die Arbeiterrechte und Antikolonialismus forderte, doch sie scheiterte teilweise an inneren Konflikten. | |||
Wirtschaftlich dominierte die Zuckerkrise: Von 1884 bis ca. 1910 litt die Insel unter Überproduktion, Konkurrenz durch europäischen Rübenzucker und niedrigen Preisen. Viele Usinen schlossen, Bankrotte häuften sich, und die Bevölkerung wanderte ab. Diversifikation (Banane, Vanille) begann zögerlich. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (1905, voll umgesetzt vor 1914) integrierte Guadeloupe stärker in Frankreich, weckte aber auch Debatten über Bürgerrechte. | |||
Bis 1914 blieb Guadeloupe eine agrarische Kolonie mit tiefer sozialer Ungleichheit: Eine kleine Elite von ''békés'' (weiße Kreolen) kontrollierte die Wirtschaft, während die Mehrheit (Nachkommen von Sklaven und Indern) in Armut lebte. Die Insel hatte ca. 212.000 Einwohner und erholte sich langsam von der langen Depression. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 sollte Guadeloupe stark einbeziehen: Tausende Soldaten kämpften in Europa, und die Wirtschaft litt unter Blockaden. | |||
=== '''Weltkriegsära''' === | === '''Weltkriegsära''' === | ||
Als Teil des französischen Kolonialreichs unterlag die Insel der allgemeinen Wehrpflicht, die 1913 eingeführt worden war und auch auf die Kolonien ausgedehnt wurde. Tausende Guadeloupéer, vor allem aus der afro-karibischen Bevölkerung, wurden rekrutiert und in französische Armeeformationen eingegliedert, oft in Kolonialtruppen wie den Tirailleurs Sénégalais, obwohl sie selbst aus der Karibik stammten. Diese Männer dienten an der Westfront in Europa, wo sie schwere Verluste erlitten – Schätzungen gehen von mehreren Hundert Toten und Verwundeten aus, die in den Schützengräben starben oder an Krankheiten erlagen. Die Rekrutierung führte auf der Insel zu sozialen Spannungen, da sie hauptsächlich die armen, kreolischen Familien traf, während weiße Pflanzerfamilien (Békés) oft Ausnahmen erhielten. Wirtschaftlich litt Guadeloupe unter der Unterbrechung des Zuckerexports nach Europa, was zu Lieferengpässen und steigenden Preisen für Importgüter führte. Die Landwirtschaft, dominiert von Zuckerrohr- und Bananenplantagen, stagnierte, und die Insel war auf französische Subventionen angewiesen. Nach dem Krieg kehrten viele Überlebende mit traumatischen Erfahrungen zurück, was zu Unruhen und Forderungen nach besserer Repräsentation beitrug, obwohl die Kolonialverwaltung diese Stimmen unterdrückte. Insgesamt blieb Guadeloupe fernab direkter Kämpfe, doch der Krieg verstärkte die Abhängigkeit vom Mutterland und die Ungleichheiten in der kolonialen Gesellschaft. | Als Teil des französischen Kolonialreichs unterlag die Insel der allgemeinen Wehrpflicht, die 1913 eingeführt worden war und auch auf die Kolonien ausgedehnt wurde. Tausende Guadeloupéer, vor allem aus der afro-karibischen Bevölkerung, wurden rekrutiert und in französische Armeeformationen eingegliedert, oft in Kolonialtruppen wie den Tirailleurs Sénégalais, obwohl sie selbst aus der Karibik stammten. Diese Männer dienten an der Westfront in Europa, wo sie schwere Verluste erlitten – Schätzungen gehen von mehreren Hundert Toten und Verwundeten aus, die in den Schützengräben starben oder an Krankheiten erlagen. Die Rekrutierung führte auf der Insel zu sozialen Spannungen, da sie hauptsächlich die armen, kreolischen Familien traf, während weiße Pflanzerfamilien (Békés) oft Ausnahmen erhielten. Wirtschaftlich litt Guadeloupe unter der Unterbrechung des Zuckerexports nach Europa, was zu Lieferengpässen und steigenden Preisen für Importgüter führte. Die Landwirtschaft, dominiert von Zuckerrohr- und Bananenplantagen, stagnierte, und die Insel war auf französische Subventionen angewiesen. Nach dem Krieg kehrten viele Überlebende mit traumatischen Erfahrungen zurück, was zu Unruhen und Forderungen nach besserer Repräsentation beitrug, obwohl die Kolonialverwaltung diese Stimmen unterdrückte. Insgesamt blieb Guadeloupe fernab direkter Kämpfe, doch der Krieg verstärkte die Abhängigkeit vom Mutterland und die Ungleichheiten in der kolonialen Gesellschaft. | ||
Veteranen forderten nun mehr Rechte für die Bürger der Kolonie. Zwar bestanden auf der Insel volle Bürgerrechte, doch die sozialen Leistungen aus der Metropole (zum Beispiel Arbeiterrechte) erreichten die Kolonie oft nicht. Die Zuckerindustrie kollaborierte eng mit der Kolonialverwaltung, was Ungleichheiten verstärkte. Die Zuckerwirtschaft dominierte weiterhin (fast alle kultivierbaren Flächen für Zuckerrohr). In den 1920er Jahren profitierte Guadeloupe kurz vom Nachkriegsbedarf, doch Konkurrenz durch europäischen Rübenzucker und Überproduktion führte zu fallenden Preisen. | |||
Der verheerende Zyklon von 1928 zerstörte viele Usinen und Plantagen - die Folge waren hohe Wiederaufbaukosten. Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf hart: Zuckerpreise fielen um bis zu 67 %, Exporte brachen ein. Viele Plantagenbesitzer (oft weiße Kreolen, „békés“) verschuldeten sich, Löhne sanken, Arbeitslosigkeit stieg. Ouvriers agricoles (meist Nachkommen ehemaliger Sklaven und indischer Kontraktarbeiter) litten unter Ausbeutung und Armut. Die Bevölkerung stagnierte oder wuchs langsam (auf über 200.000 Einwohner in den 1920erund 1930er Jahren). Abwanderung begann, vor allem junger Menschen. | |||
In den 1930er Jahren wuchs Arbeiterbewegung zu einem politisch bedeutsamen Faktor heran. Ein System gegenseitiger Unterstützung und frühe Gewerkschaften entstanden, inspiriert von sozialistischen Ideen. Figuren wie Hégésippe Légitimus (schon vor dem Krieg aktiv) forderten mehr Rechte. 1935 feierte Frankreich das Tricentenaire (300 Jahre französische Präsenz in den Antillen) mit Kolonialausstellungen – Propaganda für die „loyale“ Kolonie, trotz Krisen. Der Hafen von Pointe-à-Pitre profitierte vom Panamakanal (eröffnet 1914), Bananenexport begann zögerlich als Diversifikation. | |||
Der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945) markierte einen tieferen Einschnitt für Guadeloupe, da die Insel zwischen Vichy-Regime und Freiem Frankreich hin- und hergerissen war. Nach dem Fall Frankreichs im Juni 1940 schwor Guadeloupe der Vichy-Regierung unter Marschall Pétain Treue, ähnlich wie Martinique, und wurde von Admiral Georges Robert als Hochkommissar für die Antillen verwaltet. Dies führte zu einer Isolation der Insel: Britische und US-amerikanische Blockaden verhinderten Handel und Lieferungen, was zu akuten Versorgungsengpässen führte – Nahrungsmittelrationierungen, Mangel an Treibstoff und Medikamenten prägten den Alltag. | Der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945) markierte einen tieferen Einschnitt für Guadeloupe, da die Insel zwischen Vichy-Regime und Freiem Frankreich hin- und hergerissen war. Nach dem Fall Frankreichs im Juni 1940 schwor Guadeloupe der Vichy-Regierung unter Marschall Pétain Treue, ähnlich wie Martinique, und wurde von Admiral Georges Robert als Hochkommissar für die Antillen verwaltet. Dies führte zu einer Isolation der Insel: Britische und US-amerikanische Blockaden verhinderten Handel und Lieferungen, was zu akuten Versorgungsengpässen führte – Nahrungsmittelrationierungen, Mangel an Treibstoff und Medikamenten prägten den Alltag. | ||
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Die Vichy-Politik, geprägt von Rassismus und Autoritarismus, verstärkte soziale Spaltungen; sie förderte eine „Nationale Revolution“ mit antisemitischen Maßnahmen und Unterdrückung lokaler Opposition, was Tausende Bewohner – darunter Intellektuelle, Juden und Dissidenten – zur Flucht nach Dominica oder in die USA trieb. Auf Guadeloupe entstanden Widerstandsgruppen, die Flugblätter verteilten und Sabotageakte planten, doch die Vichy-Verwaltung reagierte mit Zensur und Verhaftungen. Im Juli 1943, unter dem Druck alliierter Mächte und interner Unruhen, wechselte die Insel unter Führung des Gouverneurs Henri Hoppenot zur Gaullistischen Bewegung und schloss sich den Alliierten an. Dies brachte wirtschaftliche Erleichterung durch US-Hilfen, aber auch neue Belastungen: Die Insel diente als Stützpunkt für Konvois und Flüchtlinge, und lokale Truppen wurden in die Freie Französische Armee integriert, die in Europa und Nordafrika kämpfte. Der Krieg endete für Guadeloupe mit einer Phase der Reconstruction, die Armut und soziale Unruhen hinterließ, und ebnete den Weg für die Departmentalisierung 1946, die die Insel enger an Frankreich band. Insgesamt forderte der Konflikt Hunderte Leben durch Hungersnot, Krankheiten und militärische Einberufungen, ohne dass die Insel Schauplatz großer Schlachten wurde. | Die Vichy-Politik, geprägt von Rassismus und Autoritarismus, verstärkte soziale Spaltungen; sie förderte eine „Nationale Revolution“ mit antisemitischen Maßnahmen und Unterdrückung lokaler Opposition, was Tausende Bewohner – darunter Intellektuelle, Juden und Dissidenten – zur Flucht nach Dominica oder in die USA trieb. Auf Guadeloupe entstanden Widerstandsgruppen, die Flugblätter verteilten und Sabotageakte planten, doch die Vichy-Verwaltung reagierte mit Zensur und Verhaftungen. Im Juli 1943, unter dem Druck alliierter Mächte und interner Unruhen, wechselte die Insel unter Führung des Gouverneurs Henri Hoppenot zur Gaullistischen Bewegung und schloss sich den Alliierten an. Dies brachte wirtschaftliche Erleichterung durch US-Hilfen, aber auch neue Belastungen: Die Insel diente als Stützpunkt für Konvois und Flüchtlinge, und lokale Truppen wurden in die Freie Französische Armee integriert, die in Europa und Nordafrika kämpfte. Der Krieg endete für Guadeloupe mit einer Phase der Reconstruction, die Armut und soziale Unruhen hinterließ, und ebnete den Weg für die Departmentalisierung 1946, die die Insel enger an Frankreich band. Insgesamt forderte der Konflikt Hunderte Leben durch Hungersnot, Krankheiten und militärische Einberufungen, ohne dass die Insel Schauplatz großer Schlachten wurde. | ||
=== '''Moderne Zeit''' === | === '''Moderne Zeit''' === | ||
Nach dem Krieg, im März 1946, wurde Guadeloupe durch das Gesetz zur Départementalisation zu einem französischen Überseedepartement (Département d’Outre-Mer, DOM) umgewandelt – ein Prozess, der von Politikern wie Aimé Césaire und Victor Schœlcher inspiriert war und als „Dekolonisation durch institutionelle Assimilation“ gilt. Dies bedeutete volle Bürgerrechte, Integration in das französische Verwaltungssystem und finanzielle Unterstützung aus Paris, einschließlich Sozialleistungen und Infrastrukturinvestitionen. 1947 wurde Henry Poignet als erster Präfekt ernannt. | |||
Wirtschaftlich blieb die Insel abhängig von der Landwirtschaft: Zuckerrohr und Bananen dominierten, unterstützt durch Subventionen. Doch die Übergangsphase war von sozialen Spannungen geprägt. 1952 kam es zum „Massaker von St. Valentine“ in Le Moule, bei dem streikende Fabrikarbeiter von der französischen Polizei (Compagnies républicaines de sécurité) beschossen wurden; vier Menschen starben, was die anhaltenden kolonialen Ungleichheiten und Rassismen aufzeigte. Charles de Gaulle besuchte die Insel 1956, 1960 und 1964, um die Loyalität zu stärken und Separatisten zu besänftigen, was vorübergehend gelang. | |||
In den 1960er Jahren wuchsen soziale Konflikte durch hohe Arbeitslosigkeit (oft über 20 %), niedrige Löhne und Rassendiskriminierung. Ein Höhepunkt war der Mai 1967 in Pointe-à-Pitre: Nach einem rassistischen Angriff auf den schwarzen Guadeloupéer Raphael Balzinc brachen Rassenunruhen aus, die von der französischen Polizei brutal niedergeschlagen wurden; offiziell acht Tote, inoffiziell möglicherweise mehr. Diese Ereignisse, oft als „Massaker von Mai 1967“ bezeichnet, verstärkten die Forderungen nach mehr Autonomie und markierten den Beginn einer stärkeren antikolonialen Bewegung. | |||
Wirtschaftlich begann eine Modernisierung: Die Zuckerindustrie wurde rationalisiert, mit weniger, aber effizienteren Usinen. Bananenexporte stiegen dank EU-Subventionen (Guadeloupe als Teil Frankreichs profitierte von der Gemeinsamen Agrarpolitik). Tourismus setzte ein, mit ersten Hotels und Flügen aus Frankreich und Nordamerika. Die Bevölkerung wuchs auf etwa 300.000 Einwohner, doch Armut blieb hoch, da viele Jobs saisonal waren. | |||
Die 1970er waren von politischem Aktivismus geprägt. 1974 wurde Guadeloupe zu einer französischen Region erhoben, was administrative Autonomie brachte. Dennoch wuchsen Unabhängigkeitsbewegungen: Die Union populaire pour la libération de la Guadeloupe (UPLG), gegründet 1978, forderte vollständige Souveränität. Radikalere Gruppen wie die Groupe de libération armée (GLA) und die Alliance révolutionnaire caraïbe (ARC) verübten Bombenanschläge auf der Insel und in Paris, um Aufmerksamkeit zu erregen. Frankreich reagierte mit Repression, doch die Verhandlungen über Autonomie stockten. | |||
Wirtschaftlich litt Guadeloupe unter der Ölkrise 1973/74, die Importkosten steigen ließ. Immigration aus Haiti, Dominica und der Dominikanischen Republik nahm zu, um den Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft zu decken – bis 1980 machten Immigranten bis zu 10 % der Bevölkerung aus. Eine große Krise war 1976 der drohende Ausbruch des Vulkans La Soufrière: Seismische Aktivitäten führten zur Evakuierung von über 70.000 Menschen aus Basse-Terre, was wirtschaftliche Verluste verursachte, obwohl der große Eruption ausblieb. Sozial förderten kulturelle Bewegungen wie die Kreolisierung (unter anderem durch Musikgenres wie Zouk) die lokale Identität, während Frankreich Investitionen in Bildung und Gesundheit tätigte. | |||
1982/83 erhielt Guadeloupe durch die Dezentralisierungsgesetze unter Präsident Mitterrand mehr Autonomie: Ein Regionalrat wurde eingerichtet, der Kompetenzen in Wirtschaft, Kultur und Umwelt übernahm. Dennoch hielten Separatistenanschläge an, mit Gewalt in den 1980er Jahren, die jedoch abebbten, da die Mehrheit die Vorteile der französischen Zugehörigkeit (Subventionen, EU-Mitgliedschaft) schätzte. | |||
Wirtschaftlich wuchs der Tourismussektor: Bis Ende der 1980er besuchten jährlich über 200.000 Touristen die Insel, was Jobs schuf, aber auch Umweltprobleme. Die Landwirtschaft litt unter Pestiziden wie Chlordecon, das bis 1993 verwendet wurde und langfristig Böden und Gesundheit vergiftete. Ein katastrophales Ereignis war Hurrikan Hugo am 16./17. September 1989: Mit Winden über 250 km/h zerstörte er 60 % der Gebäude, tötete 12 Menschen und verursachte Schäden in Milliardenhöhe. Die Wiederaufbauhilfe aus Frankreich und der EU half, die Infrastruktur zu modernisieren, einschließlich des Flughafens Pointe-à-Pitre. | |||
In den 1990er Jahren profitierte Guadeloupe vom EU-Status als „äußerste Region“ (Outermost Region seit 1992), was Strukturfonds für Infrastruktur brachte. Der Tourismus boomte, mit Fokus auf Ökotourismus und Kreuzfahrten. Die Wirtschaft diversifizierte sich leicht: Neben Bananen (50 % der Exporte) wuchsen Dienstleistungen, doch Arbeitslosigkeit blieb bei 25 bis 30 %, besonders unter Jugendlichen, was soziale Spannungen schürte. | |||
1995 trafen mehrere Hurrikane (Iris, Luis, Marilyn), die wiederum Schäden anrichteten und die Vulnerabilität der Insel unterstrichen. Politisch gab es Reformen: 2000 stimmte das französische Parlament institutionellen Änderungen zu, die lokale Versammlungen stärken sollten, einschließlich internationaler Beziehungen. Unabhängigkeitsbewegungen verloren an Schwung, doch kulturelle Initiativen wie das Mémorial ACTe (eröffnet 2015, aber geplant in den 1990er) thematisierten Sklaverei und Kreolidentität. | |||
Die 2000er Jahre waren für Guadeloupe eine Phase anhaltender wirtschaftlicher Abhängigkeit von Frankreich, institutioneller Anpassungen und wachsender sozialer Spannungen. Als französisches Überseedepartement profitierte die Insel von EU-Subventionen und Transfers aus Paris, litt jedoch unter hohen Lebenshaltungskosten, Arbeitslosigkeit (oft über 20–25 %) und einer Monokultur in Bananen- und Zuckerproduktion. Die Bevölkerung stagnierte bei etwa 400.000 Einwohnern, mit zunehmender Abwanderung junger Menschen. Kulturelle Identitätsdebatten und Umweltprobleme (z. B. Pestizidbelastung durch Chlordecon) verstärkten die Unzufriedenheit, die im Generalstreik von 2009 kulminierte. | |||
Zu Beginn des Jahrzehnts genehmigte das französische Parlament 2000 Reformen, die lokale Versammlungen stärkten, einschließlich Kompetenzen in internationalen Beziehungen. Dies war Teil einer breiteren Dezentralisierung für die Überseedépartements. Ein Schlüsselereignis war das Referendum am 7. Dezember 2003: Die Wähler in Guadeloupe lehnten eine institutionelle Evolution ab, die mehr Autonomie gebracht hätte (ähnlich wie in anderen DOM). Stattdessen stimmten die abhängigen Inseln Saint-Martin und Saint-Barthélemy für eine Trennung; sie wurden 2007 zu eigenen Collectivités d’outre-mer mit erweiterter Autonomie. Guadeloupe behielt seinen Status als Département und Region, was die finanzielle Abhängigkeit von Paris zementierte, aber auch Stabilität durch Sozialtransfers bot. | |||
Politisch dominierten linke Kräfte wie die Sozialistische Partei (z. B. Victorin Lurel als Regionalpräsident ab 2004). Unabhängigkeitsbewegungen blieben marginal, doch Kritik an der „kolonialen“ Wirtschaftsstruktur wuchs: Importe (vor allem aus Frankreich) waren teuer, lokale Produkte benachteiligt, und eine kleine Elite (oft weiße „Békés“) kontrollierte große Teile der Wirtschaft. | |||
Die Wirtschaft wuchs moderat (durchschnittlich +3 % jährlich bis 2008), getrieben von Tourismus, öffentlichem Sektor und EU-Fonds. Bananenexporte blieben zentral, doch WTO-Verhandlungen bedrohten Subventionen. Der Tourismus litt unter Konkurrenz (unter anderem Dominikanische Republik) und Naturkatastrophen. Hurrikane prägten die Dekade: Keine verheerenden Direkttreffer wie Hugo 1989, aber mehrere Stürme (z. B. Lenny 1999 noch nachwirkend, oder indirekte Effekte in den 2000ern) verursachten Schäden an Infrastruktur und Landwirtschaft. Die Insel diversifizierte langsam in Dienstleistungen und Ökotourismus, doch Arbeitslosigkeit blieb hoch, besonders unter Jugendlichen. Umwelt- und Gesundheitsprobleme eskalierten: Der Einsatz von Chlordecon (bis 1993 verboten, aber Nachwirkungen) vergiftete Böden und führte zu Krebsfällen – ein Skandal, der später (ab 2000er) stärker thematisiert wurde. | |||
Ab Mitte der 2000er Jahre verschärften steigende Preise für Lebensmittel, Benzin und Importe die Ungleichheit. Löhne lagen niedriger als in Metropolitan-Frankreich, während Lebenshaltungskosten 30–50 % höher waren. Dies traf besonders die Mehrheit (afrikanischer oder gemischter Herkunft) hart, während Profite oft bei einer weißen Minderheit landeten. Im Dezember 2008 eskalierten Proteste: Blockaden gegen hohe Treibstoffpreise. | |||
Der Generalstreik auf den Französischen Antillen 2009 begann auf Guadeloupe am 20. Januar 2009 und dehnte sich am 5. Februar 2009 auf die Nachbarinsel Martinique aus. Hintergrund dieses vom „Kollektiv gegen die Ausbeutung“ (Liyannaj Kont Pwoftasyion, LKP) unter seinem Führer Elie Domota initiierten Generalstreiks waren im Wesentlichen Forderungen nach einer Anhebung der Mindestlöhne um 200 Euro und nach einer Herabsetzung der Preise für bestimmte Lebensmittel sowie die öffentlichen Verkehrsmittel. Nachdem der Streik in kurzer Zeit den größten Teil der örtlichen Wirtschaft lahm gelegt, im Übrigen aber zunächst keine Verhandlungsfortschritte erbracht hatte, kam es Mitte Februar 2009 zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Straßenkämpfen in mehreren Orten der Insel, in deren Verlauf der Gewerkschaftssekretär Jacques Bino getötet wurde und aufgrund derer der Konflikt nunmehr auch außerhalb Guadeloupes - insbesondere in französischen und anderen europäischen Medien - Aufmerksamkeit erregte. Auf diese Weise zum Einschreiten gezwungen, gelang es der französischen Regierung schließlich, sowohl durch finanzielle Zugeständnisse des Staates als auch durch Druck auf die örtlichen Arbeitgeberverbände eine Einigung (den sog. „Accord Bino“) zu erreichen, mit dessen Abschluss am 4. März 2009 der Generalstreik nach annähernd siebenwöchiger Dauer offiziell beendet wurde. | Der Generalstreik auf den Französischen Antillen 2009 begann auf Guadeloupe am 20. Januar 2009 und dehnte sich am 5. Februar 2009 auf die Nachbarinsel Martinique aus. Hintergrund dieses vom „Kollektiv gegen die Ausbeutung“ (Liyannaj Kont Pwoftasyion, LKP) unter seinem Führer Elie Domota initiierten Generalstreiks waren im Wesentlichen Forderungen nach einer Anhebung der Mindestlöhne um 200 Euro und nach einer Herabsetzung der Preise für bestimmte Lebensmittel sowie die öffentlichen Verkehrsmittel. Nachdem der Streik in kurzer Zeit den größten Teil der örtlichen Wirtschaft lahm gelegt, im Übrigen aber zunächst keine Verhandlungsfortschritte erbracht hatte, kam es Mitte Februar 2009 zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Straßenkämpfen in mehreren Orten der Insel, in deren Verlauf der Gewerkschaftssekretär Jacques Bino getötet wurde und aufgrund derer der Konflikt nunmehr auch außerhalb Guadeloupes - insbesondere in französischen und anderen europäischen Medien - Aufmerksamkeit erregte. Auf diese Weise zum Einschreiten gezwungen, gelang es der französischen Regierung schließlich, sowohl durch finanzielle Zugeständnisse des Staates als auch durch Druck auf die örtlichen Arbeitgeberverbände eine Einigung (den sog. „Accord Bino“) zu erreichen, mit dessen Abschluss am 4. März 2009 der Generalstreik nach annähernd siebenwöchiger Dauer offiziell beendet wurde. | ||
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* 4. Juli 1763 bis 1768 Kronkolonie Guadeloupe (''Colonie de Guadeloupe'') des Königreichs Frankreich (''Royaume de France'') | * 4. Juli 1763 bis 1768 Kronkolonie Guadeloupe (''Colonie de Guadeloupe'') des Königreichs Frankreich (''Royaume de France'') | ||
* 1768 bis 1775 Kolonie Französische Antillen (''Antilles françaises'') des Königreichs Frankreich (''Royaume de France'') | * 1768 bis 1775 Kolonie Französische Antillen (''Antilles françaises'') des Königreichs Frankreich (''Royaume de France'') | ||
* 1775 | * 1775 bis 22. September 1792 Kronkolonie Guadeloupe (''Colonie de Guadeloupe'') des Königreichs Frankreich (''Royaume de France'') | ||
* 22. September 1792 bis 21. April 1794 Kolonie Guadeloupe (''Colonie de Guadeloupe'') der Republik Frankreich (''République française'') | |||
* 21. April bis 4. Juni 1794 Königreich Großbritannien (''Kingdom of Great Britain'') | * 21. April bis 4. Juni 1794 Königreich Großbritannien (''Kingdom of Great Britain'') | ||
* 4. Juni 1794 bis 25. Oktober 1797 Republik Frankreich (''République française'') | * 4. Juni 1794 bis 25. Oktober 1797 Kolonie Guadeloupe (''Colonie de Guadeloupe'') der Republik Frankreich (''République française'') | ||
* 25. Oktober 1797 bis 19. April 1801 Department Guadeloupe (''Département Guadeloupe'') der Republik Frankreich (''République française'') | * 25. Oktober 1797 bis 19. April 1801 Department Guadeloupe (''Département Guadeloupe'') der Republik Frankreich (''République française'') | ||
* 19. April 1801 bis 18. MaI 1804 Republik Frankreich (''République française'') | * 19. April 1801 bis 18. MaI 1804 Republik Frankreich (''République française'') | ||
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=== '''Legislative und Exekutive''' === | === '''Legislative und Exekutive''' === | ||
Guadeloupe ist ein französisches Überseedépartement und zugleich eine Überseeregion (Département et région d’outre-mer, DROM). Der institutionelle Status beruht auf Artikel 73 der französischen Verfassung. Anders als Martinique und Französisch-Guayana besitzt Guadeloupe keine einheitliche Gebietskörperschaft mit einer gemeinsamen Volksvertretung, sondern weiterhin getrennte Departements- und Regionalorgane. Bei einer Volksbefragung am 7. Dezember 2003 lehnten die Einwohner die Zusammenlegung beider Gebietskörperschaften in einer einzigen Institution ab. | |||
Die Gesetzgebung liegt grundsätzlich beim französischen Parlament in Paris, das aus Nationalversammlung und Senat besteht. Guadeloupe verfügt über keine eigene gesetzgebende Versammlung mit allgemeiner Gesetzgebungskompetenz. Die französischen Gesetze und Verordnungen gelten auf der Insel grundsätzlich unmittelbar, können jedoch aufgrund ihrer besonderen geografischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen angepasst werden. Unter den Voraussetzungen des Artikels 73 der Verfassung können die Gebietskörperschaften außerdem ermächtigt werden, in bestimmten Bereichen eigene Regelungen zu erlassen. Hoheitliche Zuständigkeiten wie Außenpolitik, Verteidigung, Justiz und Staatsangehörigkeitsrecht verbleiben beim französischen Staat. | |||
Die Bevölkerung ist durch vier Abgeordnete in der französischen Nationalversammlung und drei Senatoren im Senat vertreten. Die Abgeordneten werden in den Wahlkreisen Guadeloupes direkt gewählt. Die Senatoren werden indirekt durch ein Wahlkollegium bestimmt, dem insbesondere gewählte Vertreter der Gemeinden und der Gebietskörperschaften angehören. Guadeloupe ist außerdem Teil des französischen Wahlgebiets für das Europäische Parlament und gehört zur Europäischen Union als Region in äußerster Randlage. | |||
Die regionale Volksvertretung ist der Conseil régional de la Guadeloupe mit Sitz in Basse-Terre. Er besteht aus 41 Regionalräten, die für sechs Jahre gewählt werden. Zu seinen Aufgaben gehören die regionale Raumordnung, die Wirtschaftsförderung, die berufliche Bildung, die Verwaltung regionaler Verkehrsangebote, die Unterstützung von Unternehmen sowie die Planung und Finanzierung regionaler Infrastruktur. Der Regionalrat befasst sich außerdem mit der Entwicklung des Tourismus, der Energiepolitik und der europäischen Förderprogramme. | |||
Die Exekutive ist auf Guadeloupe zwischen den beiden Gebietskörperschaften und der französischen Staatsverwaltung aufgeteilt. An der Spitze des Départements steht der Präsident des Conseil départemental. Seit dem 1. Juli 2021 bekleidet Guy Losbar dieses Amt. Er leitet die Verwaltung des Départements, bereitet die Beschlüsse der Departementsversammlung vor und setzt sie um. Zu den Aufgaben des Départements gehören insbesondere die Sozialhilfe, die Unterstützung von Familien, Kindern und älteren Menschen, die Behindertenhilfe, die soziale Eingliederung, der Unterhalt der Departementsstraßen sowie bestimmte Aufgaben im Schul- und Bildungswesen. | |||
Der Conseil départemental besteht aus 42 gewählten Mitgliedern, die in 21 Kantonen jeweils paarweise – eine Frau und ein Mann – gewählt werden. Der Präsident wird von den Mitgliedern der Versammlung bestimmt. Ihm stehen zwölf Vizepräsidenten und weitere Mitglieder des ständigen Ausschusses zur Seite. Der Conseil départemental beschließt den Haushalt und kontrolliert die Tätigkeit der Verwaltung. | |||
Die regionale Exekutive wird vom Präsidenten des Conseil régional geführt. Seit dem 18. Dezember 2015 ist Ary Chalus Präsident der Regionalversammlung. Er wird von neun Vizepräsidenten unterstützt und leitet die regionale Verwaltung. Zu den wesentlichen Zuständigkeiten der Region gehören die wirtschaftliche Entwicklung, die Raumordnung, die berufliche Ausbildung, die Regionalplanung, der öffentliche Regionalverkehr, die Verwaltung der regionalen Verkehrs- und Hafeninfrastruktur sowie die Förderung von Tourismus, Kultur und Energieprojekten. | |||
Die staatliche Exekutive wird durch den Präfekten der Region und des Départements Guadeloupe vertreten. Er wird vom französischen Staatspräsidenten auf Vorschlag der Regierung ernannt und hat seinen Amtssitz in Basse-Terre. Seit Januar 2025 ist Xavier Lefort Präfekt. Er vertritt die französische Regierung, koordiniert die staatlichen Verwaltungsstellen und überwacht die Rechtmäßigkeit der Beschlüsse der Gebietskörperschaften. Zu seinen Aufgaben gehören außerdem die öffentliche Sicherheit, der Katastrophenschutz, die Umsetzung staatlicher Programme sowie die Koordination der Polizei- und Gendarmeriebehörden. In Pointe-à-Pitre befindet sich eine Unterpräfektur; weitere staatliche Verwaltungsstellen sind über den Archipel verteilt. | |||
=== '''Inseloberhaupt''' === | === '''Inseloberhaupt''' === | ||
Höchster Repräsentant der Insel ist | Höchster Repräsentant der Insel ist der Präsident des Regionalrats. | ||
'''Gouverneurs''' (Gouverneure) | '''Gouverneurs''' (Gouverneure) | ||
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* seit 18 Dez 2015 Ary Chalus (* 1961) GUSR | * seit 18 Dez 2015 Ary Chalus (* 1961) GUSR | ||
=== '''Politische Gruppierungen | === '''Politische Gruppierungen''' === | ||
Die Parteienlandschaft Guadeloupes entspricht im Wesentlichen der Frankreichs mit einigen autonomistischen Kleingruppierungen. | Die Parteienlandschaft Guadeloupes entspricht im Wesentlichen der Frankreichs mit einigen autonomistischen Kleingruppierungen. | ||
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=== '''Justizwesen und Kriminalität''' === | === '''Justizwesen und Kriminalität''' === | ||
Das Justizwesen | Das Justizwesen Guadeloupes ist vollständig in das französische Rechtssystem eingebunden. Es gilt das französische Zivil-, Straf- und Verwaltungsrecht; die Gerichtsorganisation entspricht grundsätzlich jener des französischen Mutterlandes. Die Gerichtsbarkeit ist auf die besonderen räumlichen Verhältnisse des Archipels und die Zuständigkeit für die benachbarten französischen Überseegebiete abgestimmt. | ||
Das Berufungsgericht, die Cour d’appel de Basse-Terre, hat seinen Sitz in Basse-Terre und ist für die Urteile der erstinstanzlichen Gerichte zuständig. Zum Gerichtsbezirk gehören Guadeloupe sowie die Gebietskörperschaften Saint-Martin und Saint-Barthélemy. Auf der Hauptinsel bestehen zwei erstinstanzliche Gerichte, die Tribunaux judiciaires de Basse-Terre und de Pointe-à-Pitre. Sie bearbeiten Zivil- und Strafsachen und verfügen über jeweils zuständige Strafkammern. Hinzu kommen die Cour d’assises für schwere Straftaten, die Handelsgerichte, die Arbeitsgerichte (Conseils de prud’hommes) und das Tribunal de proximité in Saint-Martin. Die früheren Tribunaux de grande instance und Tribunaux d’instance wurden im Zuge der französischen Justizreform zum 1. Januar 2020 weitgehend durch die Tribunaux judiciaires beziehungsweise die Gerichte der örtlichen Nähe ersetzt. Friedensgerichte mit der früheren Funktion der juges de paix bestehen nicht mehr. | |||
Die Staatsanwaltschaften in Basse-Terre und Pointe-à-Pitre vertreten die öffentliche Anklage und leiten beziehungsweise überwachen strafrechtliche Ermittlungen. Für besonders schwere und überregional organisierte Kriminalität steht außerdem die Juridiction interrégionale spécialisée (JIRS) in Fort-de-France auf Martinique zur Verfügung. Sie ist für komplexe Fälle organisierter Kriminalität sowie für umfangreiche Wirtschafts- und Finanzdelikte zuständig, insbesondere wenn diese mehrere Gebiete oder Staaten betreffen. Zu ihren Aufgaben gehören Verfahren gegen international tätige Drogenhandelsorganisationen und kriminelle Netzwerke. | |||
Die | Die Polizei- und Sicherheitsaufgaben werden von der Police nationale und der Gendarmerie nationale wahrgenommen. Die Police nationale ist vor allem in den größeren Städten und Ballungsräumen tätig, während die Gendarmerie insbesondere für ländliche Gebiete und kleinere Gemeinden zuständig ist. Das Gendarmeriekommando Guadeloupes (COMGEND) verfügte nach Angaben der Präfektur im Oktober 2024 über rund 680 Berufssoldaten, ergänzt durch etwa 310 Reservisten und 150 mobile Gendarmen. Zu den spezialisierten Einheiten gehören eine Forschungsabteilung für schwere Kriminalität, eine GIGN-Einheit, eine Kriminaltechnikgruppe, eine nautische Brigade und eine Luftunterstützungseinheit. Die Gesamtzahl von rund 2.000 dauerhaft stationierten Polizei- und Gendarmeriebeamten lässt sich aus den verfügbaren amtlichen Angaben nicht bestätigen. | ||
Die Kriminalitätslage ist seit mehreren Jahren durch eine hohe Zahl schwerer Gewaltdelikte geprägt. Besonders problematisch sind Tötungsdelikte, versuchte Tötungen und bewaffnete Raubüberfälle. Nach den von der Präfektur mitgeteilten Zahlen wurden 2025 in Guadeloupe 47 Tötungsdelikte registriert. Die Rate lag bei etwa 11,5 Fällen je 100.000 Einwohner und damit deutlich über dem Durchschnitt des französischen Mutterlandes. Für den gesamten Gerichtsbezirk der Cour d’appel de Basse-Terre, der zusätzlich Saint-Martin und Saint-Barthélemy umfasst, wurden für 2025 insgesamt 52 Tötungsdelikte und 260 versuchte Tötungsdelikte gemeldet. Diese Zahlen dürfen deshalb nicht ohne Weiteres Guadeloupe allein zugerechnet werden. | |||
Auch bewaffnete Raubüberfälle stellen ein erhebliches Sicherheitsproblem dar. 2025 wurden in Guadeloupe rund 575 solcher Delikte erfasst; bei etwa drei Vierteln der Fälle kamen Schusswaffen zum Einsatz. Damit lag das Département bei bewaffneten Raubüberfällen im französischen Vergleich auf einem der vorderen Plätze. Daneben treten Körperverletzungen, häusliche und sexuelle Gewalt, Einbrüche, Fahrzeugdiebstähle und Sachbeschädigungen auf. Die amtlichen Statistiken zeigen zugleich, dass die Entwicklung je nach Deliktsart unterschiedlich verläuft und nicht alle Formen der Kriminalität gleichermaßen zunehmen. | |||
Ein wesentlicher Faktor der schweren Gewaltkriminalität ist der Drogenhandel. Guadeloupe liegt an den See- und Luftverkehrsrouten zwischen Südamerika, der Karibik und Europa. Schmuggelnetzwerke nutzen insbesondere den Waren- und Containerverkehr sowie kleinere Schiffe und Boote für den Transport von Kokain und Cannabis. Konflikte um Handelswege, Lieferungen und Absatzmärkte führen zu bewaffneten Auseinandersetzungen und Tötungsdelikten. Die französischen Sicherheitsbehörden arbeiten deshalb verstärkt mit der Drogenbekämpfungsbehörde OFAST, der Polizei, der Gendarmerie und den spezialisierten Justizstellen zusammen. Die Ermittlungen betreffen zunehmend auch überregionale und internationale Netzwerke. | |||
Die Gewalt konzentriert sich nicht ausschließlich auf einzelne Stadtviertel, tritt aber besonders in den dicht besiedelten Gebieten des Großraums Pointe-à-Pitre auf, darunter Les Abymes, Pointe-à-Pitre und Baie-Mahault. Auch andere Gemeinden sind von bewaffneten Überfällen und Gewaltdelikten betroffen. Die Sicherheitslage wird durch soziale Probleme wie Armut, Jugendarbeitslosigkeit und ungleiche Bildungschancen zusätzlich belastet. Diese Faktoren erklären die Kriminalität nicht allein, gehören jedoch zum gesellschaftlichen Umfeld, in dem organisierte Banden und lokale Drogenmärkte agieren. | |||
Die Behörden haben auf die Entwicklung mit verstärkten Polizeikontrollen, Waffenfahndung, Razzien gegen Drogenhandelsstrukturen und einer engeren Zusammenarbeit zwischen Polizei, Gendarmerie und Justiz reagiert. Die Gerichte sind durch die hohe Zahl schwerer Strafverfahren stark beansprucht. Im Januar 2026 kündigte die Leitung der Cour d’appel de Basse-Terre deshalb eine stärkere Bündelung der Strafverfolgung und die Einrichtung eines besonderen Antikriminalitätsschwerpunktes an. Zugleich wurden zusätzliche Richter und Justizbedienstete in Aussicht gestellt. | |||
=== '''Sicherheitskräfte''' === | === '''Sicherheitskräfte''' === | ||
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=== '''Flagge und Wappen''' === | === '''Flagge und Wappen''' === | ||
Als französisches Überseedépartement und Überseeregion führt der Archipel die französische Nationalflagge, die Trikolore aus drei senkrechten Streifen in Blau, Weiß und Rot. Sie wird an öffentlichen Gebäuden, bei staatlichen Veranstaltungen und von den französischen Behörden verwendet. Daneben haben sich mehrere inoffizielle Flaggen und regionale Bildzeichen entwickelt, die unterschiedliche Vorstellungen von der kulturellen, historischen und politischen Identität Guadeloupes ausdrücken. | |||
Eine verbreitete inoffizielle Flagge geht auf eine heraldische Darstellung zurück, die mit den historischen Wappen Guadeloupes und der Stadt Pointe-à-Pitre verbunden ist. Sie zeigt ein schwarzes oder gelegentlich rotes Tuch. Im oberen blauen Streifen befinden sich drei goldene Lilien. Im unteren Feld ist eine gelbe Sonne mit zahlreichen Strahlen über einem grünen Zuckerrohrzweig dargestellt. Die Lilien verweisen auf die französische Herrschaft und die koloniale Vergangenheit, die Sonne auf das tropische Klima und das Zuckerrohr auf die historische Bedeutung des Plantagenanbaus. Die Flagge wird vor allem im touristischen und kulturellen Zusammenhang verwendet, besitzt jedoch keine amtliche Anerkennung. | |||
Daneben existiert eine politisch geprägte Flagge der Unabhängigkeitsbewegung. Sie wurde von der Union populaire pour la libération de la Guadeloupe (UPLG), die 1978 gegründet wurde, entwickelt und 1984 als möglicher Nationalflaggenentwurf vorgeschlagen. Ihr Grundmuster besteht aus einem roten Feld mit einem großen gelben fünfzackigen Stern sowie schmalen grünen und weißen Streifen am oberen und unteren Rand. Rot steht in der Deutung der Bewegung für das Blut der Vorfahren und der versklavten Bevölkerung, Grün für die Natur und der gelbe Stern für Guadeloupe sowie die internationale Solidarität. Die Flagge ähnelt in ihrem Aufbau der Nationalflagge Surinames. Sie wird bei politischen, kulturellen und sportlichen Veranstaltungen verwendet und ist insbesondere als Ausdruck einer eigenständigen guadeloupischen Identität bekannt. | |||
Auch die Regionalverwaltung verwendet ein eigenes grafisches Erkennungszeichen. Das Logo der Region zeigt eine stilisierte Sonne und einen fliegenden Vogel auf einem blau-grünen Hintergrund. Darunter steht die Bezeichnung „Région Guadeloupe“, die durch eine gelbe Linie ergänzt wird. Das Motiv wird auf Veröffentlichungen, Verwaltungsunterlagen und regionalen Darstellungen verwendet. Es handelt sich um ein institutionelles Logo und nicht um ein heraldisches Wappen oder eine amtlich angenommene Flagge. | |||
Das inoffizielle Wappen Guadeloupes ist ebenfalls von den historischen Darstellungen mit Sonne, Zuckerrohr und Lilien abgeleitet. Es zeigt einen schwarzen Schild mit einer goldenen Sonne und einem grünen Zuckerrohrzweig. Im blauen Schildhaupt befinden sich drei goldene Lilien. Diese Darstellung wird gelegentlich auf Souvenirs, Stoffabzeichen und Sammlermünzen wiedergegeben. Eine rechtlich verbindliche Wappenführung durch das Département oder die Region besteht jedoch nicht. Auch die Behauptung, es gebe ein offiziell eingeführtes Wappen mit Pelikan als Wappentier, trifft auf Guadeloupe nicht zu. | |||
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=== '''Hymne''' === | === '''Hymne''' === | ||
Als französisches Übersee-Département singt die Guadeloupe bei offiziellen Anlässen die französische Nationalhymne | Als französisches Übersee-Département singt die Guadeloupe bei offiziellen Anlässen die französische Nationalhymne „La Marseillaise“. Es gibt keine separate offizielle Hymne für die Insel, die unabhängig von Frankreich ist. Dennoch hat die Guadeloupe eine reiche musikalische Tradition, die sich in kreolischen Liedern und Protestchansons widerspiegelt. Eine Art inoffizieller Hymne ist „La Gwadloup sé tan nou“ („Guadeloupe gehört uns“). Das Lied ist 2009 während der großen sozialen Mobilisierung des Collectifs LKP (Liyannaj Kont Pwofitasyon – Allianz gegen Ausbeutung) entstanden. Es wurde zum Symbol des Widerstands gegen wirtschaftliche Ungerechtigkeit, hohe Preise und koloniale Erbschaften und ist bis heute in Demonstrationen und kulturellen Veranstaltungen präsent. | ||
=== ''' | === '''Hauptort''' === | ||
Die erste Siedlung war in '''Capesterre''' auf dem Inselteil Basse-Terre, die 1636 gegründet wurde und zunächst als provisorisches Zentrum diente. '''Basse-Terre''' übernahm diese Rolle schnell und wurde 1643 zur Hauptstadt. Um 1640 begann die Besiedlung des Gebietes der heutigen Stadt, nachdem mit den Kariben der Region Friede geschlossen wurde und sich Charles Houël, Gouverneur von Guadeloupe, am Rivière aux Herbes niederließ. Ab 1650 ließ er im Süden der Stadt das Fort Louis-Delgrès (früher Fort Saint-Charles) erbauen, das die Gouverneursstadt schützte. Offiziell wurde es 1703 zur Hauptstadt erklärt, einen Status, den es bis heute behält. Im späten 18. Jahrhundert (nach 1789) verlor es seine Rolle als kommerzielles Zentrum an Pointe-à-Pitre auf dem Nachbarinselteil Grande-Terre, blieb aber die offizielle Hauptstadt. Heute, im Schatten des weitaus größeren Pointe-à-Pitre, ist Basse-Terre noch Parlamentssitz des Überseedepartements Guadeloupe. | Die erste Siedlung war in '''Capesterre''' auf dem Inselteil Basse-Terre, die 1636 gegründet wurde und zunächst als provisorisches Zentrum diente. '''Basse-Terre''' übernahm diese Rolle schnell und wurde 1643 zur Hauptstadt. Um 1640 begann die Besiedlung des Gebietes der heutigen Stadt, nachdem mit den Kariben der Region Friede geschlossen wurde und sich Charles Houël, Gouverneur von Guadeloupe, am Rivière aux Herbes niederließ. Ab 1650 ließ er im Süden der Stadt das Fort Louis-Delgrès (früher Fort Saint-Charles) erbauen, das die Gouverneursstadt schützte. Offiziell wurde es 1703 zur Hauptstadt erklärt, einen Status, den es bis heute behält. Im späten 18. Jahrhundert (nach 1789) verlor es seine Rolle als kommerzielles Zentrum an Pointe-à-Pitre auf dem Nachbarinselteil Grande-Terre, blieb aber die offizielle Hauptstadt. Heute, im Schatten des weitaus größeren Pointe-à-Pitre, ist Basse-Terre noch Parlamentssitz des Überseedepartements Guadeloupe. | ||
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'''Lebenserwartung''' in Jahren 2006: | '''Lebenserwartung''' in Jahren 2006: | ||
insgesamt | * insgesamt 78,02 | ||
* Männer 74,91 | |||
* Frauen 81,37 | |||
Die Zahl der Haushalte beträgt insgesamt etwa 120.000. | |||
=== '''Volksgruppen''' === | |||
Rund zwei Drittel der Einwohner Guadeloupes sind Schwarze oder Mulatten. Ungefähr 7 % der Bevölkerung sind Weiße. Diese Nachkommen der kolonialen Oberschicht werden ''Grands-Blancs'' genannt. Daneben existieren aber auch einige Gruppen verarmte weißer Siedler (''Petits-Blancs''): die ''Blancs-Matignons'' in den ''Grands-Fonds'' auf Grande-Terre, die ''Saintois'' auf dem Archipel ''Les Saintes'', die ''Saint-Barths'' auf der Insel Saint-Barthélémy und die ''Désiradiens'' auf der Insel La Désirade. | |||
Die Menschen afrikanischer Herkunft, deren Vorfahren während der Kolonialzeit als versklavte Arbeitskräfte aus Westafrika auf die Insel gebracht wurden, bilden den Kern der guadeloupischen Gesellschaft und hat die Kultur, Sprache (insbesondere das Kreolische) und Traditionen der Insel maßgeblich geprägt. Viele dieser Nachfahren identifizieren sich als Kreolen, ein Begriff, der in der Karibik Menschen mit gemischter afrikanischer, europäischer und manchmal indigener Herkunft umfasst. | |||
Neben der afro-karibischen Mehrheit gibt es eine bedeutende Gruppe von Menschen mit gemischter Herkunft, die als „Métis“ bezeichnet werden. Diese Gruppe entstand aus der Vermischung afrikanischer, europäischer (vor allem französischer) und teilweise indigener oder asiatischer Vorfahren. Die europäische Komponente stammt hauptsächlich von französischen Kolonisatoren und Siedlern, die seit dem 17. Jahrhundert auf die Insel kamen. Nachkommen dieser europäischen Siedler, oft als „Békés“ bekannt, bilden eine kleine, aber historisch einflussreiche Minderheit. Die Békés sind meist Nachfahren weißer französischer Pflanzerfamilien, die während der Kolonialzeit die Zuckerrohrplantagen kontrollierten. Sie leben vor allem auf der Insel Basse-Terre und haben bis heute in bestimmten wirtschaftlichen Bereichen Einfluss. | |||
Eine weitere wichtige Volksgruppe sind Nachfahren indischer Einwanderer, die als „Indo-Guadeloupéens“ bekannt sind. Nach der Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert wurden viele indische Vertragsarbeiter (vor allem aus Südindien) auf die Insel gebracht, um auf den Plantagen zu arbeiten. Ihre Nachkommen haben eine eigene kulturelle Identität bewahrt, die sich in Traditionen, Religion (vor allem Hinduismus), Küche und Festen wie Diwali zeigt. | |||
Die indigenen Kariben, die ursprünglichen Bewohner der Insel, sind heute nur noch in sehr geringer Zahl vertreten. Die meisten wurden während der Kolonialzeit durch Krankheiten, Kriege und Vertreibung ausgelöscht. Dennoch gibt es Spuren ihrer Kultur in der Sprache, den Ortsnamen und der Geschichte der Insel. | |||
Kleinere Minderheiten umfassen Menschen mit nahöstlicher Herkunft (vor allem aus Syrien und dem Libanon), die im 19. und 20. Jahrhundert als Händler nach Guadeloupe kamen, sowie eine wachsende Zahl von Einwanderern aus anderen karibischen Inseln (wie Haiti oder Dominica) und Frankreich. Diese Gruppen tragen zur kulturellen Vielfalt der Insel bei, insbesondere in urbanen Zentren wie Pointe-à-Pitre. | |||
'''Volksgruppen''' 2001: | |||
* Afrokaribier 276.000 (72 %) | |||
* Inder 54.000 (14 %) | |||
* Europäer 27.000 (7 %) | |||
* Libanesen und Syrer 15.000 (4 %) | |||
* Chinesen 11.000 (3 %) | |||
=== '''Sprachen''' === | |||
Französisch ist die alleinige Amtssprache Guadeloupes und die Sprache der Verwaltung, der Gerichte, des öffentlichen Bildungswesens und des überwiegenden Teils der schriftlichen Kommunikation. Es handelt sich um eine französische Gebietskörperschaft, weshalb die sprachliche Gesetzgebung der Französischen Republik gilt. Guadeloupe-Kreolisch besitzt trotz seiner großen gesellschaftlichen Bedeutung keinen Amtssprachenstatus. Im Alltag stehen beide Sprachen jedoch in einem engen Verhältnis: Viele Einwohner wechseln je nach Gesprächspartner, Situation und Thema zwischen Französisch und Kreolisch oder verwenden Mischformen. | |||
Das Guadeloupe-Kreolische (kréyòl gwadloupéyen, französisch créole guadeloupéen) gehört zu den französisch-lexifizierten Kreolsprachen der Kleinen Antillen. Seine Entstehung hängt mit der französischen Kolonisierung, der Plantagenwirtschaft und der Versklavung afrikanischer Menschen zusammen. Die Sprache entwickelte sich aus dem Französischen und verschiedenen west- und zentralafrikanischen Sprachtraditionen; hinzu kamen Einflüsse aus dem karibischen Sprachraum. Die Grammatik und der Satzbau unterscheiden sich deutlich vom Französischen, auch wenn ein großer Teil des Wortschatzes französischen Ursprungs ist. | |||
Die | |||
Das Kreolische wird auf dem gesamten Archipel gesprochen, also nicht nur auf Grande-Terre und Basse-Terre, sondern auch auf Marie-Galante, La Désirade und den Îles des Saintes. Es bestehen lokale Unterschiede in Aussprache, Wortschatz und Redewendungen, die jedoch die Verständigung zwischen den Inseln nicht grundsätzlich behindern. Die Sprache ist eng mit der Geschichte und dem kulturellen Selbstverständnis der Bevölkerung verbunden. Sie wird in Gesprächen, Sprichwörtern, Erzählungen, Liedern, im Gwo ka, im Zouk und in der Literatur verwendet. Neben der mündlichen Überlieferung gibt es eine etablierte Schriftsprache. Seit den 1980er-Jahren wurde dafür eine weitgehend einheitliche Orthografie entwickelt. | |||
Die Stellung des Kreolischen hat sich im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts verändert. Während es früher für einen großen Teil der Bevölkerung die vorherrschende Alltagssprache war, hat Französisch durch Schulbildung, Verwaltung, Medien und den engeren Austausch mit dem französischen Mutterland stark an Bedeutung gewonnen. Heute sind viele Einwohner zweisprachig, wobei die tatsächliche Sprachkompetenz und die Verwendung der beiden Sprachen je nach Alter, familiärem Umfeld und sozialer Situation unterschiedlich ausfallen. Die pauschale Annahme, Kreolisch werde in ländlichen Gebieten oder auf den kleineren Inseln grundsätzlich häufiger gesprochen als Französisch, lässt sich nicht für alle Gemeinden und Bevölkerungsgruppen bestätigen. | |||
Seit den 1980er-Jahren wird das Kreolische zunehmend als eigenständige Sprache und als wesentlicher Bestandteil des kulturellen Erbes anerkannt. Es wird an Schulen als regionale Sprache angeboten. 2001 wurde ein eigener Lehramtsstudiengang beziehungsweise eine Lehrbefähigung für kreolische Sprachen (CAPES de créole) geschaffen; seitdem können entsprechend ausgebildete Lehrkräfte Kreolisch im Unterricht vermitteln. Daneben bestehen zweisprachige Unterrichtsangebote in Französisch und Kreolisch. Französisch bleibt jedoch die hauptsächliche Unterrichtssprache und die Sprache der staatlichen Institutionen. | |||
Englisch ist als Fremdsprache und Verkehrssprache im Tourismus, im internationalen Geschäftsverkehr und im Kontakt mit den englischsprachigen Nachbarinseln von Bedeutung. Es wird vor allem in Hotels, bei Ausflugsanbietern und in touristisch geprägten Orten verwendet, ist aber nicht in der gesamten Bevölkerung gleichermaßen verbreitet. Englische Kreolsprachen wie das Antiguanische oder das Dominikanische sind keine traditionellen Sprachen Guadeloupes; sie können durch Besucher, Arbeitsmigration und Kontakte mit den Nachbarinseln in einzelnen Gesprächssituationen vorkommen. Spanisch spielt aufgrund der geografischen Nähe zu den spanischsprachigen Karibikgebieten und Lateinamerika ebenfalls eine gewisse Rolle, ist aber keine verbreitete Alltagssprache des Archipels. | |||
'''Sprachen in Guadeloupe''' (nach ethnologue): | |||
* '''Französisch''' [fra] 7.300 in Guadelupe (2004). ''Einordnung:'' Indo-European, Italic, Romance, Italo-Western, Western, Gallo-Iberian, Gallo-Romance, Gallo-Rhaetian, Oïl, French | |||
* '''Guadelupianisch''' (Guadeloupe Creole French) [gcf] 430.000 in Guadelupe (2001). Gesamtsprecherzahl: 848.000. Östliches St. Barthélemy, Marie Galante. Auch in Martinique. ''Alternativbezeichnungen:'' Kreyol, Martiniquan Creole French, Patois, Patwa. ''Dialekte:'' Marie Galante Creole French, St. Barth Creole French. St. Barth Creole unterscheidet sich grammatikalisch, phonolopgisch und lexikalisch, es gilt verschiedentlich als eigene Sprache (Maher 1989). Ähnlichkeit mit Saint Lucia Creole [acf] 89 %. ''Einordnung:'' Creole, French based | |||
* '''Haitianisch''' [hat] 12.000 in Guadelupe (2004). St. Maarten, St. Barths und Guadelupe. ''Alternativbezeichnungen:'' Creole, Haitian Creole. ''Classification:'' Creole, French based | |||
==== '''Guadeloupe-Kreolisch''' ==== | |||
Guadeloupe-Kreolisch, auf Kreolisch selbst '''Kréyol Gwadloupéyen''' oder kurz '''Kréyol''', ist die Muttersprache der großen Mehrheit der Bewohner von Guadeloupe und den dazugehörigen Inseln (Marie-Galante, Les Saintes, La Désirade und dem französischen Teil von Saint-Martin). Es handelt sich um eine französisch-basierte Kreolsprache, die im 17. und 18. Jahrhundert auf den Zuckerplantagen entstanden ist, als versklavte Afrikaner verschiedener Sprachen (vor allem aus West- und Zentralafrika) mit französischen Kolonisatoren und deren Dialekten in Kontakt kamen. | |||
Der Wortschatz ist zu etwa 85 bis 90 % französischen Ursprungs, klingt aber oft völlig anders, weil die Wörter stark verkürzt und an afrikanische Lautstrukturen angepasst wurden. Beispiele: | |||
* französisch „la maison“ - kreolisch "kay la" oder einfach "kay" | |||
* französisch „il est grand“ - kreolisch "i gwo" | |||
* französisch „je vais manger“ - kreolisch "man ka alé manjé" | |||
Die Grammatik ist extrem einfach und analytisch: | |||
* Es gibt keine Verbkonjugation nach Person oder Zahl. Stattdessen stehen kleine Partikeln vor dem Verb, die Zeit und Aspekt anzeigen: | |||
** ka = progressiv/präsens („i ka palé“ = er/sie spricht gerade) | |||
** té ka = Vergangenheit progressiv („i té ka palé“ = er/sie war am Sprechen) | |||
** a(k) oder kay = Futur („i a palé“ = er/sie wird sprechen) | |||
* Artikel stehen meist hinter dem Nomen: tifi-a (das Mädchen), maché-a (der Markt) | |||
* Possessiv wird einfach durch Juxtaposition ausgedrückt: kay mwen = mein Haus (wörtlich „Haus ich“) | |||
* Negation mit pa vor dem Verb: mwen pa ka vini = ich komme nicht. | |||
Trotz starker Ähnlichkeit mit dem Martinique-Kreolisch und dem Haiti-Kreolisch ist Guadeloupe-Kreolisch eigenständig und für Sprecher der anderen Varietäten nicht immer sofort zu 100 % verständlich. Es hat eigene Wörter, eine etwas andere Intonation und viele regionale Ausdrücke, die stark von der Insel oder sogar vom Dorf abhängen. | |||
Heute sprechen etwa 80 bis 90 % der Guadeloupäer Kreolisch als Alltagssprache, fast alle sind aber bilingual mit Französisch. Kreolisch wird im Radio, in der Musik (besonders Zouk und Gwo Ka), im Theater und zunehmend auch in der Schule unterrichtet. Seit 2002 gibt es eine offizielle Schreibweise (basierend auf der GEREC-Methode), die sich langsam durchsetzt. | |||
=== '''Religion''' === | |||
Die römisch-katholische Kirche ist die wichtigste Religionsgemeinschaft und geht auf die französische Kolonialherrschaft zurück. Missionare begleiteten die französische Besiedlung ab 1635; die katholische Kirche wurde in der Kolonialzeit zur zentralen religiösen Institution. Auch nach der Abschaffung der Sklaverei und dem Ende der Kolonialherrschaft blieb der Katholizismus tief im gesellschaftlichen Leben verwurzelt. Kirchen, Kapellen und Pfarrgemeinden prägen zahlreiche Ortschaften. Bedeutende Kirchenbauten befinden sich unter anderem in Basse-Terre, Pointe-à-Pitre, Les Abymes, Sainte-Anne und Le Moule. | |||
Die katholische Kirche ist in einer Diözese organisiert, dem Bistum Basse-Terre und Pointe-à-Pitre. Der Bischof hat seinen Sitz in Basse-Terre. Die Pfarrgemeinden übernehmen neben den Gottesdiensten auch Aufgaben im sozialen und kulturellen Leben. Zu den wichtigsten religiösen Festen zählen Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen. Besonders ausgeprägt sind die Karfreitagsprozessionen und die Gottesdienste während der Karwoche. An Weihnachten gehören Krippenspiele und gemeinschaftliche Gesangsveranstaltungen zum religiösen Brauchtum. | |||
Neben dem Katholizismus sind verschiedene protestantische und evangelikale Gemeinschaften vertreten. Dazu gehören Baptisten, Pfingstkirchen, Siebenten-Tags-Adventisten und weitere freikirchliche Gemeinden. Auch die Zeugen Jehovas sind auf dem Archipel organisiert. Diese Gemeinschaften haben im Laufe des 20. Jahrhunderts an Bedeutung gewonnen und unterhalten eigene Kirchen, Versammlungsstätten und soziale Einrichtungen. Die Gottesdienste sind häufig von Chorgesang, Gospelmusik und einer aktiven Beteiligung der Gemeinde geprägt. | |||
Die religiöse Entwicklung wurde außerdem durch die afrikanische Herkunft eines großen Teils der Bevölkerung und durch die Einwanderung aus Indien beeinflusst. Während der Sklaverei blieben afrikanische Vorstellungen und Bräuche trotz der erzwungenen Christianisierung in Teilen der Alltagskultur erhalten. Daraus entstand eine Volksreligiosität, in der katholische Heiligenverehrung, Vorstellungen von Schutz und Heilung sowie überlieferte afrikanische Praktiken nebeneinander bestehen. Dazu gehören bestimmte Formen der Kräutermedizin, Schutzrituale und spirituelle Heilpraktiken. Ein mit Haiti vergleichbarer institutionalisierter Voodoo-Kult ist für Guadeloupe jedoch nicht kennzeichnend. | |||
Die Nachfahren indischer Vertragsarbeiter, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf die Insel kamen, bewahrten teilweise hinduistische und tamilische Traditionen. Hinduistische religiöse Bräuche werden unter anderem bei Familienfesten und Tempelzeremonien gepflegt. Bekannt sind insbesondere Zeremonien zu Ehren hinduistischer Gottheiten wie Mariamman und Kali. Einige religiöse Praktiken haben sich im Laufe der Generationen mit katholischen Traditionen und der kreolischen Alltagskultur vermischt. Der Hinduismus ist zahlenmäßig eine kleine Religionsgemeinschaft. | |||
Muslimische Gemeinden sind ebenfalls vorhanden, bleiben jedoch vergleichsweise klein. Sie bestehen vor allem aus Menschen mit familiären Wurzeln in Nordafrika, dem Nahen Osten und anderen Teilen der Karibik. Daneben gibt es kleinere Gruppen anderer Glaubensrichtungen sowie Menschen ohne religiöse Bindung. | |||
Eine Besonderheit ist die starke gesellschaftliche Präsenz religiöser Feste und Bräuche auch außerhalb des eigentlichen Gottesdienstes. Kirchliche Prozessionen, Wallfahrten, Patronatsfeste und religiöse Musikveranstaltungen gehören vielerorts zum Jahresablauf. Die katholischen Pfarrfeste verbinden religiöse Zeremonien mit Musik, Tanz und gemeinschaftlichen Mahlzeiten. Auch die evangelikalen Gemeinden organisieren regelmäßig größere Gottesdienste und religiöse Zusammenkünfte. | |||
Eine verlässliche aktuelle Religionsstatistik für die Gesamtbevölkerung Guadeloupes liegt nicht vor. Die französische Volkszählung erhebt die Religionszugehörigkeit nicht systematisch. Eine Untersuchung des französischen Statistikamtes INSEE zur religiösen Zugehörigkeit in den Überseegebieten zeigt für dort geborene Menschen eine bedeutende katholische und protestantisch geprägte Bevölkerung, zugleich aber auch einen hohen Anteil ohne Religionszugehörigkeit. Diese Ergebnisse beziehen sich auf die untersuchte Bevölkerungsgruppe und dürfen nicht als exakte Prozentverteilung für Guadeloupe verstanden werden. | |||
'''Religionsbekenntnisse''' 2001 (geschätzt): | |||
* Katholiken 361.500 94,5 %) | |||
* Zeugen Jehovas 6.500 (1,7 %) | |||
* Protestanten 3.500 (1,0 %) | |||
* Animisten 9.500 (2,5 %) | |||
* Hindus 1.600 (0,3 %) | |||
''' | ==== '''Römisch-Katholische Kirche''' ==== | ||
Die römisch-katholische Kirche ist die größte und historisch einflussreichste Religionsgemeinschaft Guadeloupes. Ihre institutionellen Wurzeln reichen bis in die französische Kolonialzeit zurück. Mit der französischen Besiedlung ab 1635 begann die systematische Missionierung der Inselbevölkerung. Die katholische Kirche wurde eng in die koloniale Gesellschaft eingebunden und spielte sowohl bei der Christianisierung der versklavten afrikanischen Bevölkerung als auch im Bildungs- und Sozialwesen eine zentrale Rolle. | |||
Kirchlich gehört Guadeloupe zur Diözese Basse-Terre und Pointe-à-Pitre (Diocèse de Basse-Terre et Pointe-à-Pitre). Sie umfasst das gesamte französische Archipel einschließlich der Inseln Saint-Martin und Saint-Barthélemy, die bis zu ihrer Verselbstständigung als Gebietskörperschaften 2007 ebenfalls zum Département Guadeloupe gehörten. Der Bischofssitz befindet sich in Basse-Terre. Die Diözese ist in Pfarrgemeinden und pastorale Bereiche gegliedert. Die Pfarrkirchen bilden in vielen Gemeinden den Mittelpunkt des religiösen Lebens. | |||
Die Diözese gehört zur Kirchenprovinz Antillen und Guyana, deren Metropolitansitz sich in Fort-de-France auf Martinique befindet. Seit dem 9. Juli 2023 ist Philippe Guiougou Bischof von Basse-Terre und Pointe-à-Pitre. Er wurde am 8. Juni 1973 in Pointe-à-Pitre geboren und 2004 zum Priester geweiht. Die Diözese zählt rund 48 inkardinierte und 59 aktive Diözesanpriester; hinzu kommen Ordenspriester, Diakone und Ordensgemeinschaften. | |||
Die Diözesanverwaltung hat ihren Sitz in Basse-Terre. Die Kathedrale Notre-Dame-de-Guadeloupe ist die Bischofskirche. Das heutige Kirchengebäude geht auf die ehemalige Kirche Saint-François zurück, die im 18. Jahrhundert von den Kapuzinern errichtet wurde. Nach der Gründung des Bistums 1850 wurde sie zur Kathedrale erhoben. Die Kirche ist seit 1975 als historisches Denkmal geschützt. Weitere bedeutende katholische Kirchen befinden sich in Pointe-à-Pitre, darunter Saint-Pierre-et-Saint-Paul und Sacré-Cœur. | |||
Die Diözese ist in zahlreiche Pfarrgemeinden gegliedert, die sich über Basse-Terre, Grande-Terre und die kleineren Inseln verteilen. Zu den Pfarrorten gehören unter anderem Les Abymes, Baie-Mahault, Capesterre-Belle-Eau, Deshaies, Le Gosier, Le Moule, Morne-à-l’Eau, Petit-Bourg, Pointe-à-Pitre, Sainte-Anne, Sainte-Rose, Trois-Rivières und Vieux-Fort. Auch La Désirade, Marie-Galante sowie Terre-de-Haut und Terre-de-Bas auf den Îles des Saintes besitzen eigene Pfarrstrukturen. | |||
Das kirchliche Leben umfasst die sonntäglichen Eucharistiefeiern, Taufen, Erstkommunionen, Firmungen, Trauungen und Beerdigungen. Neben der Pfarrseelsorge bestehen diözesane Einrichtungen für Katechese, Jugend- und Familienpastoral, Berufungspastoral und soziale Unterstützung. Die katholischen Gemeinden organisieren außerdem Wallfahrten, Prozessionen, Einkehrtage und religiöse Zusammenkünfte. Besonders die Karwoche, Ostern, Weihnachten und die Marienverehrung besitzen einen festen Platz im religiösen Jahreslauf. Die Diözese beteiligt sich auch an gesellschaftlichen Themen wie Familienleben, sozialer Not und Gewaltprävention. | |||
'''Bischöfe von Pointe à Pitre''' | |||
* 1850 - 1853 Pierre-Marie-Gervais Lacarrière | |||
* 1853 - 1861 Théodore-Augustin Forcade (M.E.P.) | |||
* 1862 - 1868 Antoine Boutonnet | |||
* 1869 - 1872 Joseph-Clair Reyne | |||
* 1873 - 1883 François-Benjamin-Joseph Blanger | |||
* 1884 - 1886 Fédéric-Henri Oury | |||
* 1899 - 1901 Pierre-Marie Avon | |||
* 1901 - 1907 Emmanuel-François Canappe | |||
* 1912 - 1945 Pierre-Louis Genoud (C.S.Sp.) | |||
* 1945 - 1951 Jean Gay (C.S.Sp.) | |||
'''Bischöfe von Basse-Terre und Pointe à Pitre''' | |||
* 1951 - 1968 Jean Gay (C.S.Sp.) | |||
* 1970 - 1984 Siméon Oualli | |||
* 1984 - 2008 Ernest Lucien Cabo | |||
* 2012 - 2021 Jean-Yves Riocreux | |||
* 2021 - 2023 David Macaire (Apostolischer Administrator) | |||
* seit 2023 Philippe Guiougou | |||
''' | ==== '''Judentum''' ==== | ||
Bereits 1635, als Guadeloupe von Frankreich kolonisiert wurde, kamen die ersten Juden mit niederländischen und portugiesischen Händlern auf die Insel. Die eigentliche jüdische Einwanderungswelle begann jedoch ab den 1650er Jahren. Viele sephardische Juden („portugiesische Nation“) flohen vor der Inquisition aus Portugal und Spanien sowie vor den harten antijüdischen Maßnahmen in den französischen Kolonien Martinique und später auch aus Brasilien (nach der Rückeroberung Pernambucos durch die Portugiesen 1654). Besonders attraktiv war Guadeloupe, weil die französische Krone zunächst eine relativ tolerante Politik verfolgte: Juden durften sich niederlassen, Handel treiben und sogar Plantagen besitzen, solange sie diskret blieben und keine öffentlichen Synagogen bauten. Die wichtigsten Siedlungen entstanden in den Städten Basse-Terre (damals die Hauptstadt) und Pointe-à-Pitre sowie in kleineren Orten wie Capesterre und Sainte-Rose. | |||
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts machten Juden zeitweise bis zu 15 bis 20 % der weißen Bevölkerung in bestimmten Teilen Guadeloupes aus – eine für die Karibik sehr hohe Quote. Sie waren vor allem im Zucker-, Kakao- und Kaffeehandel sowie im Überseehandel mit Amsterdam, Bordeaux und London aktiv. Berühmte jüdische Familiennamen der damaligen Zeit waren u. a. Gradis, Pereyre, Jessurun, Nassy, de la Motta und Lévy. | |||
Es gab mehrere Friedhöfe (der älteste noch erhaltene ist der jüdische Friedhof von Basse-Terre, der teilweise aus dem späten 17. Jahrhundert stammt) und mindestens zwei Beth Din (jüdische Gerichte). Öffentliche Synagogen waren verboten, aber private Bethäuser („esnoga“) existierten in Basse-Terre und Pointe-à-Pitre. | |||
1789 bis 1794 brachte die Französische Revolution zunächst volle Emanzipation für die Juden in allen französischen Kolonien. Doch unter Napoleon wurde 1808 wieder diskriminierendes Dekret erlassen, und viele jüdische Händler verließen die Insel. Die endgültige Gleichstellung kam erst 1848 mit der Zweiten Republik. | |||
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert schrumpfte die Gemeinde durch Auswanderung (vor allem nach Frankreich, Panama und in die USA) stark. Viele der alteingesessenen sephardischen Familien assimilieren sich vollständig oder wanderten ab. Während des Zweiten Weltkriegs lebten auf Guadeloupe nur noch wenige Dutzend jüdische Familien. Nach 1945 kamen einige aschkenasische Holocaust-Überlebende und später auch nordafrikanische Sephardim (vor allem aus Algerien und Marokko nach der Unabhängigkeit), aber die Zahl blieb sehr klein. Mit Stand 2025 gibt es auf ganz Guadeloupe schätzungsweise 200 bis 400 jüdische Einwohner (je nach Zählung). Die meisten leben in Pointe-à-Pitre und Les Abymes. Hier befindet sich eine kleine liberale Gemeinde (Association Culturelle Israélite de Guadeloupe) mit einem Gemeindezentrum. Es gibt allerdings keine eigene Synagoge mehr (die letzte kleine Synagoge schloss in den 1980er Jahren). Gottesdienste finden in privaten Räumen oder im Gemeindezentrum statt. Der alte jüdische Friedhof in Basse-Terre und der kleinere in Pointe-à-Pitre sind noch erhalten und werden gepflegt (vor allem vom Friedhofsverein Beth Haïm). Koscheres Essen und jüdische Infrastruktur sind praktisch nicht vorhanden – die meisten praktizierenden Juden beziehen Waren aus Frankreich oder reisen zum Hochfest nach Martinique oder Miami. | |||
== '''Siedlungen''' == | |||
Die Einwohnerzahlen der Kantone entwickelten sich wie folgt: | |||
{| class="wikitable" | |||
| | |||
|'''S 1946''' | |||
|'''Z 1954''' | |||
|'''Z 1961''' | |||
|'''Z 1967''' | |||
|'''Z 1974''' | |||
|'''Z 1982''' | |||
|'''Z 1990''' | |||
|'''Z 1999''' | |||
|'''S 2007''' | |||
|'''S 2015''' | |||
|'''S 2022''' | |||
|- | |||
|Basse-Terre | |||
|113 400 | |||
|99 700 | |||
|122 500 | |||
|116 600 | |||
|118 100 | |||
|135 341 | |||
|149 943 | |||
|172,693 | |||
|186.600 | |||
|187.332 | |||
|181.148 | |||
|''' | |||
|'''Z | |||
|'''Z | |||
|'''Z | |||
|'''Z | |||
|'''Z | |||
|''' | |||
|''' | |||
|''' | |||
|- | |- | ||
| | |Grande-Terre | ||
| | |113 500 | ||
| | |103 700 | ||
| | |133 300 | ||
| | |168 500 | ||
| | |180 400 | ||
| | |163 668 | ||
| | |177 570 | ||
| | |196,767 | ||
|197.600 | |||
|195.550 | |||
|188.276 | |||
|- | |- | ||
| | |Îles des Saintes | ||
| | |2 400 | ||
| | |2 600 | ||
| | |2 800 | ||
| | |3 300 | ||
| | |3 100 | ||
| | |2 901 | ||
| | |2 036 | ||
| | |2,998 | ||
|2.854 | |||
|2.661 | |||
|2.374 | |||
|- | |- | ||
| | |La Désirade | ||
| | |1 600 | ||
| | |10 600 | ||
| | |1 600 | ||
| | |1 600 | ||
| | |1 700 | ||
| | |1 602 | ||
| | |1 610 | ||
| | |1,620 | ||
|1.591 | |||
|1.481 | |||
|1.349 | |||
|- | |- | ||
| | |Marie-Galante | ||
| | |29 300 | ||
| | |16 000 | ||
| | |16 300 | ||
|13 | |15 900 | ||
| | |15 900 | ||
| | |13 757 | ||
| | |13 463 | ||
| | |12,488 | ||
|11.939 | |||
|10.966 | |||
|10.422 | |||
|- | |- | ||
| | |'''Guadeloupe''' | ||
| | |'''260 300''' | ||
| | |'''223 600''' | ||
| | |'''276 500''' | ||
| | |'''305 200''' | ||
| | |'''319 100''' | ||
| | |'''317 269''' | ||
| | |'''344 630''' | ||
| | |'''386 835''' | ||
|'''400.584''' | |||
|'''397.990''' | |||
|'''383.569''' | |||
|} | |||
Die Einwohnerzahlen der Gemeinden entwickeltenn sich wie folgt: | |||
{| class="wikitable" | |||
|'''Siedlung''' | |||
|'''Z 1901''' | |||
|'''Z 1921''' | |||
|'''Z 1931''' | |||
|'''Z 1936''' | |||
|'''Z 1954''' | |||
|'''Z 1961''' | |||
|'''Z 1967''' | |||
|'''Z 1974''' | |||
|- | |- | ||
| | |Anse-Bertrand | ||
| | |||
| | |||
| | |||
| | |||
| | |||
| | |||
| | | | ||
| | |3.800 | ||
| | |5.000 | ||
|5.100 | |5.100 | ||
|4.700 | |||
|- | |- | ||
| | |Baie-Mahault | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |4.800 | ||
| | |7.300 | ||
| | |7.700 | ||
| | |8.700 | ||
|- | |- | ||
| | |Baillif | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
|4.500 | |||
|5.300 | |||
|5.200 | |5.200 | ||
| | |5.800 | ||
|7. | |- | ||
| | |Basse-Terre | ||
|7.000 | |||
|8.300 | |||
|9.300 | |||
|13.600 | |||
|11.800 | |||
|14.00 | |||
|15.800 | |||
|15.800 | |||
|- | |- | ||
| | |Bouillante | ||
|3.100 | |||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |4.900 | ||
|6.400 | |||
| | |||
|6.900 | |6.900 | ||
|6.500 | |6.500 | ||
|- | |- | ||
| | |Capesterre-Belle-Eau | ||
| | |7.700 | ||
| | |10.300 | ||
| | |11.500 | ||
| | |12.000 | ||
| | |13.300 | ||
| | |16.100 | ||
| | |17.900 | ||
| | |18.200 | ||
|- | |- | ||
| | |Capesterre-de-Marie-Galante | ||
| | | | ||
|7.200 | |||
|7.100 | |||
|8.500 | |||
|4.900 | |||
|6.400 | |||
|6.900 | |6.900 | ||
| | |5.100 | ||
|- | |- | ||
| | |Deshaies | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |2.500 | ||
| | |3.300 | ||
| | |3.300 | ||
| | |3.500 | ||
|- | |- | ||
| | |Gourbeyre | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |5.200 | ||
| | |6.700 | ||
| | |7.100 | ||
| | |7.100 | ||
|- | |- | ||
| | |Goyave | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |1.800 | ||
| | |1.900 | ||
| | |3.100 | ||
| | |2.600 | ||
|- | |- | ||
| | |Grand-Bourg | ||
| | |6.900 | ||
| | |9.100 | ||
| | |10.500 | ||
| | |12.800 | ||
| | |13.800 | ||
| | |6.700 | ||
| | |6.500 | ||
| | |6.600 | ||
|- | |- | ||
| | |La Désirade (Grande Anse) | ||
| | |1.400 | ||
| | |1.600 | ||
| | |1.700 | ||
| | |1.700 | ||
| | |1.600 | ||
| | |1.600 | ||
| | |1.600 | ||
| | |1.700 | ||
|- | |- | ||
| | |Lamentin | ||
|4. | |4.600 | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
|6. | |6.900 | ||
| | |8.800 | ||
|8. | |8.900 | ||
| | |9.800 | ||
|- | |- | ||
| | |Le Gosier | ||
| | |5.200 | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |7.900 | ||
| | |10.200 | ||
| | |13.000 | ||
| | |13.900 | ||
|- | |- | ||
| | |Le Moule | ||
|11.300 | |||
|11. | |||
|15.300 | |15.300 | ||
|17.200 | |||
|17.000 | |||
|12.000 | |||
|15.000 | |||
|16.100 | |||
|16.700 | |||
|- | |||
|Les Abymes | |||
|4.000 | |||
|12.000 | |||
|14.000 | |14.000 | ||
| | |15.000 | ||
| | |18.400 | ||
| | |30.800 | ||
| | |36.400 | ||
|53.200 | |||
|- | |- | ||
| | |Morne-à-l'Eau | ||
|8.200 | |||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |11.100 | ||
|14.600 | |||
| | |14.900 | ||
| | |15.000 | ||
| | |||
|- | |- | ||
| | |Petit-Bourg | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |7.800 | ||
| | |9.500 | ||
| | |10.400 | ||
| | |12.000 | ||
|- | |- | ||
| | |Petit-Canal | ||
| | |||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
|900 | |4.200 | ||
| | |5.100 | ||
| | |5.900 | ||
| | |5.800 | ||
| | |- | ||
|Pointe-à-Pitre | |||
|18.900 | |||
|27.600 | |||
|44.600 | |||
|44.600 | |||
|26.200 | |||
|28.000 | |||
|29.500 | |||
|26.300 | |||
|- | |- | ||
| | |Pointe-Noire | ||
| | |4.000 | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
|6.200 | |||
|7.400 | |||
|8.100 | |8.100 | ||
| | |7.300 | ||
| | |- | ||
| | |Port-Louis | ||
|3.800 | |||
|6.600 | |||
|7.300 | |||
|7.000 | |||
|4.800 | |||
|6.000 | |||
|6.800 | |||
|7.000 | |||
|- | |- | ||
| | |Saint-Claude | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |8.000 | ||
| | |9.000 | ||
| | |10.300 | ||
| | |9.800 | ||
|- | |||
|Sainte-Anne | |||
|7.000 | |||
|11.8000 | |||
|15.300 | |||
|14.000 | |||
|9.900 | |||
|12.500 | |||
|13.400 | |||
|13.800 | |||
|- | |- | ||
| | |Sainte-Rose | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |8.200 | ||
| | |10.300 | ||
| | |11.600 | ||
| | |12.100 | ||
|- | |- | ||
| | |Saint-François | ||
| | |5.000 | ||
|6.300 | |||
| | |6.600 | ||
| | |6.500 | ||
| | |5.400 | ||
| | |6.300 | ||
| | |5.800 | ||
| | |5.600 | ||
| | |||
|- | |- | ||
| | |Saint-Louis | ||
| | | | ||
| | |6.300 | ||
| | |7.800 | ||
| | |8.400 | ||
| | |4.300 | ||
| | |4.300 | ||
| | |4.300 | ||
| | |4.200 | ||
|- | |- | ||
| | |Terre-de-Bas | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |||
| | | | ||
| | |1.400 | ||
| | |1.500 | ||
| | |1.800 | ||
| | |1.600 | ||
| | |||
|- | |- | ||
| | |Terre-de-Haut | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |900 | ||
|1.200 | |||
| | |1.300 | ||
| | |1.500 | ||
| | |1.500 | ||
| | |||
|- | |- | ||
| | |Trois-Rivières | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |||
| | | | ||
| | |8.100 | ||
| | |9.100 | ||
| | |9.300 | ||
| | |8.900 | ||
| | |||
|- | |- | ||
| | |Vieux-Fort | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
|1.100 | |||
| | |1.200 | ||
| | |1.300 | ||
| | |1.200 | ||
| | |||
|- | |- | ||
| | |Vieux-Habitants | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | | | ||
| | |4.800 | ||
| | |6.200 | ||
| | |7.700 | ||
| | |7.400 | ||
| | |} | ||
{| class="wikitable" | |||
|'''Siedlung''' | |||
|'''Distrikt''' | |||
|'''Z 1982''' | |||
|'''Z 1990''' | |||
|'''Z 1999''' | |||
|'''Z 2007''' | |||
|'''Z 2015''' | |||
|'''Z 2015''' | |||
|'''S 2018''' | |||
|'''S 2022''' | |||
|- | |||
|Anse-Bertrand | |||
|GT | |||
|4.570 | |||
|4.800 | |||
|5.023 | |||
|4.712 | |||
|4.881 | |||
|4.136 | |||
|4.136 | |||
|4.232 | |||
|- | |- | ||
| | |Baie-Mahault | ||
|BT | |BT | ||
| | |10.475 | ||
| | |15.036 | ||
| | |23.389 | ||
| | |28.379 | ||
| | |31.209 | ||
| | |31.193 | ||
| | |31.193 | ||
| | |30.943 | ||
|- | |- | ||
| | |Baillif | ||
|BT | |BT | ||
| | |5.612 | ||
|6. | |6.004 | ||
| | |5.837 | ||
| | |5.836 | ||
| | |5.739 | ||
| | |5.404 | ||
| | |5.404 | ||
| | |4.949 | ||
|- | |- | ||
| | |Basse-Terre | ||
|BT | |BT | ||
| | |13.656 | ||
| | |14.003 | ||
| | |12.410 | ||
| | |12.451 | ||
| | |10.443 | ||
| | |10.046 | ||
| | |10.046 | ||
| | |9.419 | ||
|- | |- | ||
| | |Bouillante | ||
| | |BT | ||
|6. | |6.649 | ||
|6. | |6.973 | ||
| | |7.336 | ||
| | |7.536 | ||
| | |7.282 | ||
| | |6.935 | ||
| | |6.935 | ||
| | |6.381 | ||
|- | |- | ||
| | |Capesterre-Belle-Eau | ||
| | |BT | ||
| | |17.472 | ||
| | |19.012 | ||
| | |19.568 | ||
| | |19.520 | ||
| | |18.980 | ||
| | |18.131 | ||
| | |18.131 | ||
| | |17.882 | ||
|- | |||
|Capesterre-de-Marie-Galante | |||
|MG | |||
|3.983 | |||
|3.825 | |||
|3.559 | |||
|3.455 | |||
|3.310 | |||
|3.293 | |||
|3.293 | |||
|3.150 | |||
|- | |- | ||
| | |Deshaies | ||
|BT | |BT | ||
| | |3.485 | ||
| | |3.476 | ||
| | |4.039 | ||
| | |4.322 | ||
| | |4.114 | ||
| | |4.033 | ||
| | |4.033 | ||
| | |3.792 | ||
|- | |- | ||
| | |Gourbeyre | ||
| | |BT | ||
| | |6.399 | ||
| | |6.330 | ||
| | |7.642 | ||
| | |8.088 | ||
| | |7.808 | ||
| | |7.778 | ||
| | |7.778 | ||
| | |7.378 | ||
|- | |- | ||
| | |Goyave | ||
| | |BT | ||
| | |2.919 | ||
| | |3.652 | ||
| | |5.060 | ||
| | |7.661 | ||
| | |7.569 | ||
| | |7.588 | ||
| | |7.588 | ||
| | |7.640 | ||
|- | |- | ||
| | |Grand-Bourg | ||
| | |MG | ||
| | |6.150 | ||
| | |6.244 | ||
| | |5.934 | ||
| | |5.674 | ||
| | |5.179 | ||
| | |4.941 | ||
| | |4.941 | ||
| | |4.678 | ||
|- | |- | ||
| | |La Désirade (Grande Anse) | ||
| | |LD | ||
| | |1.602 | ||
| | |1.610 | ||
| | |1.620 | ||
| | |1.591 | ||
| | |1.481 | ||
| | |1.432 | ||
| | |1.432 | ||
| | |1.349 | ||
|- | |- | ||
| | |Lamentin | ||
|BT | |BT | ||
| | |9.885 | ||
| | |11.334 | ||
| | |13.434 | ||
| | |15.785 | ||
| | |16.139 | ||
| | |16.536 | ||
| | |16.536 | ||
| | |18.437 | ||
|- | |- | ||
| | |Le Gosier | ||
|GT | |GT | ||
| | |15.381 | ||
| | |20.688 | ||
| | |25.360 | ||
| | |27.193 | ||
| | |27.057 | ||
| | |26.692 | ||
| | |26.692 | ||
| | |27.205 | ||
|- | |- | ||
| | |Le Moule | ||
|GT | |GT | ||
| | |15.224 | ||
| | |18.054 | ||
|20. | |20.827 | ||
| | |21.318 | ||
| | |22.329 | ||
| | |22.315 | ||
| | |22.315 | ||
| | |22.924 | ||
|- | |- | ||
| | |Les Abymes | ||
| | |GT | ||
| | |56.165 | ||
| | |62.605 | ||
| | |63.054 | ||
| | |59.404 | ||
| | |55.306 | ||
| | |53.082 | ||
| | |53.082 | ||
| | |51.760 | ||
|- | |- | ||
| | |Morne-à-l'Eau | ||
|GT | |GT | ||
| | |13.724 | ||
| | |16.042 | ||
| | |17.154 | ||
| | |16.875 | ||
| | |17.407 | ||
| | |16.875 | ||
| | |16.875 | ||
| | |15.839 | ||
|- | |- | ||
| | |Petit-Bourg | ||
|BT | |BT | ||
| | |13.078 | ||
| | |14.867 | ||
| | |20.528 | ||
| | |21.283 | ||
| | |24.086 | ||
| | |24.522 | ||
| | |24.522 | ||
| | |24.299 | ||
|- | |- | ||
| | |Petit-Canal | ||
|GT | |GT | ||
| | |5.843 | ||
| | |6.590 | ||
|20. | |7.752 | ||
| | |8.243 | ||
| | |8.167 | ||
| | |8.212 | ||
| | |8.212 | ||
| | |8.206 | ||
|- | |||
|Pointe-à-Pitre | |||
|GT | |||
|25.310 | |||
|26.029 | |||
|20.948 | |||
|17.408 | |||
|16.343 | |||
|15.410 | |||
|15.410 | |||
|14.855 | |||
|- | |- | ||
| | |Pointe-Noire | ||
|BT | |BT | ||
| | |7.698 | ||
| | |7.537 | ||
| | |7.689 | ||
| | |7.115 | ||
| | |6.280 | ||
| | |6.069 | ||
| | |6.069 | ||
| | |5.813 | ||
|- | |- | ||
| | |Port-Louis | ||
|GT | |GT | ||
|6. | |6.653 | ||
| | |5.641 | ||
|5.580 | |||
|5.466 | |||
|5.840 | |||
|5.635 | |||
|5.635 | |||
|5.591 | |||
|- | |||
|Saint-Claude | |||
|BT | |||
|8.943 | |||
|10.316 | |||
|10.237 | |||
|10.548 | |||
|10.299 | |||
|10.659 | |||
|10.659 | |10.659 | ||
| | |10.432 | ||
|- | |- | ||
|Saint-Louis | |Sainte-Anne | ||
|MG | |GT | ||
|3.624 | |13.826 | ||
|3.404 | |16.934 | ||
|2.995 | |20.410 | ||
|2.810 | |23.095 | ||
|2.477 | |24.379 | ||
|2.421 | |23.767 | ||
|2.421 | |23.767 | ||
|24.415 | |||
|- | |||
|Sainte-Rose | |||
|BT | |||
|12.299 | |||
|13.995 | |||
|17.574 | |||
|19.738 | |||
|19.899 | |||
|18.650 | |||
|18.650 | |||
|17.494 | |||
|- | |||
|Saint-François | |||
|GT | |||
|6.972 | |||
|7.987 | |||
|10.659 | |||
|13.886 | |||
|13.841 | |||
|12.348 | |||
|12.348 | |||
|13.249 | |||
|- | |||
|Saint-Louis | |||
|MG | |||
|3.624 | |||
|3.404 | |||
|2.995 | |||
|2.810 | |||
|2.477 | |||
|2.421 | |||
|2.421 | |||
|2.594 | |2.594 | ||
|- | |- | ||
| Zeile 2.599: | Zeile 2.885: | ||
=== '''Straßenverkehr''' === | === '''Straßenverkehr''' === | ||
Das Straßennetz Guadeloupes umfasst nach den verfügbaren amtlichen Angaben rund 2.809 km und besteht aus 416 km Nationalstraßen, 619 km Départementstraßen sowie 1.774 km kommunalen Stadt- und Landstraßen. Die Angabe von 2.093 km aus dem Jahr 2000 ist daher überholt beziehungsweise nicht mit der heute ausgewiesenen Gesamtlänge vergleichbar. Die Nationalstraßen werden von der Region, die Départementstraßen vom Département und die übrigen Straßen von den Gemeinden verwaltet. | |||
Auf Guadeloupe herrscht wie im übrigen Frankreich Rechtsverkehr. Das Straßennetz verbindet die größeren Siedlungen und erschließt auch die ländlichen Gebiete. Auf Basse-Terre verlaufen die wichtigsten Verkehrsachsen überwiegend entlang der Küsten, da das gebirgige und bewaldete Inselinnere nur begrenzte Durchquerungsmöglichkeiten bietet. Die RN 1 verbindet Basse-Terre mit Pointe-à-Pitre, die RN 2 erschließt die westliche Küste und die Nordseite von Basse-Terre. Auf Grande-Terre führen unter anderem die RN 4 und RN 5 von Pointe-à-Pitre in Richtung Le Gosier, Sainte-Anne und Saint-François. Die RN 6 und RN 8 erschließen den Norden von Grande-Terre; die RN 10 führt zum Industrie- und Wirtschaftsgebiet von Jarry, während die RN 11 als nördliche Umgehungsstraße von Pointe-à-Pitre dient. | |||
Das Verkehrsaufkommen ist besonders im Ballungsraum Pointe-à-Pitre hoch. Die Straßen zwischen Les Abymes, Pointe-à-Pitre, Baie-Mahault und dem Wirtschaftsgebiet Jarry sind stark belastet. Zu den wichtigsten Engpässen gehören die Zufahrten zur zentralen Agglomeration sowie die Verbindungen zwischen Grande-Terre und Basse-Terre. Der hohe Anteil des motorisierten Individualverkehrs, die Konzentration von Arbeitsplätzen und öffentlichen Einrichtungen und die begrenzten Parkmöglichkeiten führen insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten zu Staus. | |||
Die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten richten sich nach dem französischen Code de la route und der jeweiligen Beschilderung. Innerhalb geschlossener Ortschaften gilt grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Außerhalb von Ortschaften beträgt sie auf nicht baulich getrennten Straßen in der Regel 80 km/h; auf entsprechend ausgebauten und beschilderten Abschnitten mit mehreren Fahrstreifen in gleicher Richtung sind 90 km/h möglich. Auf Straßen mit baulich getrennten Richtungsfahrbahnen gilt grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Bei Regen gelten niedrigere Grenzwerte. Die früher häufig genannte pauschale Begrenzung auf 90 km/h außerhalb der Ortschaften beziehungsweise 80 km/h auf sämtlichen Schnellstraßen ist daher nicht zutreffend. Maßgeblich sind die örtlichen Verkehrsschilder. | |||
Der öffentliche Verkehr wird durch T.U.P.P. (Trans Urbain Pointe-a-Pitre) geregelt.Im zentralen Ballungsraum betreibt KARU’LIS den Stadt- und Vorortverkehr in Pointe-à-Pitre, Les Abymes, Baie-Mahault und Le Gosier. Das Netz umfasst zahlreiche Linien, die die Wohngebiete mit dem Stadtzentrum, den Einkaufs- und Gewerbegebieten sowie wichtigen Verkehrsknotenpunkten verbinden. Ergänzt wird das Angebot durch Flughafenlinien. Der internationale Flughafen Guadeloupe Maryse Condé in Les Abymes ist über die Linien AE1, AE3, AE4 und AE5 an das KARU’LIS-Netz angeschlossen. | |||
Der überregionale Busverkehr wird von der Region Guadeloupe organisiert. Seit Juni 2026 wird das neue Netz KAR’ÎLES mit zehn Linien schrittweise für die verschiedenen Gebiete des Archipels angeboten. Es verbindet unter anderem Anse-Bertrand, Le Moule, Saint-François, Sainte-Anne und Morne-à-l’Eau auf Grande-Terre mit Pointe-à-Pitre. Auf Basse-Terre bestehen Verbindungen von Deshaies, Sainte-Rose, Lamentin, Pointe-Noire, Bouillante, Vieux-Habitants, Baillif und Basse-Terre zur zentralen Agglomeration. Weitere Linien erschließen den Süden von Basse-Terre und die Gemeinden entlang der RN 1. Die veröffentlichten Fahrpreise richten sich nach der zurückgelegten Entfernung und liegen bei 1,50 beziehungsweise 3 Euro. | |||
=== '''Bahnverkehr''' === | === '''Bahnverkehr''' === | ||
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Ein umfassendes Schienennetz gab es im Gegensatz zum europäischen Mutterland, wo die SNCF ein dichtes System mit Hochgeschwindigkeitszügen wie dem TGV betreib, niet. Die topografischen Bedingungen – vulkanische Berge auf Basse-Terre, flache Plantagenflächen auf Grande-Terre und ein hohes Hurrikanrisiko – machen den Bau und Betrieb von Schienenwegen unwirtschaftlich und technisch anspruchsvoll. Stattdessen basiert die Mobilität auf Straßenverkehr mit Bussen (Karuculture), Taxis und Mietwagen, die die Hauptverbindungen zwischen Städten wie Pointe-à-Pitre und Basse-Terre sicherstellen, oft mit Engpässen durch Verkehr und mangelnde Wartung. Die einzige ausgewiesene „Zug“-ähnliche Attraktion ist ein kleiner historischer Schienenweg im Domaine Séverin, einer Zuckerrohrplantage, der Touristen zu Bildungszwecken durch die Anlage fährt, aber keinen regulären Verkehr darstellt und aufgrund begrenzter Kapazität und Saisonalität nur sporadisch genutzt wird. Diese Abwesenheit eines Bahnsystems verstärkt die Abhängigkeit von teureren Alternativen wie Flügen oder Fähren für Fernverbindungen und trägt zu Umweltbelastungen durch den Straßenverkehr bei, ohne dass Pläne für eine Eisenbahnentwicklung erkennbar sind. Insgesamt bleibt Guadeloupe auf maritime und landbasierte Straßenverbindungen angewiesen, was die Integration in das französische Verkehrsnetz auf die Schifffahrt und Luftfahrt beschränkt. | Ein umfassendes Schienennetz gab es im Gegensatz zum europäischen Mutterland, wo die SNCF ein dichtes System mit Hochgeschwindigkeitszügen wie dem TGV betreib, niet. Die topografischen Bedingungen – vulkanische Berge auf Basse-Terre, flache Plantagenflächen auf Grande-Terre und ein hohes Hurrikanrisiko – machen den Bau und Betrieb von Schienenwegen unwirtschaftlich und technisch anspruchsvoll. Stattdessen basiert die Mobilität auf Straßenverkehr mit Bussen (Karuculture), Taxis und Mietwagen, die die Hauptverbindungen zwischen Städten wie Pointe-à-Pitre und Basse-Terre sicherstellen, oft mit Engpässen durch Verkehr und mangelnde Wartung. Die einzige ausgewiesene „Zug“-ähnliche Attraktion ist ein kleiner historischer Schienenweg im Domaine Séverin, einer Zuckerrohrplantage, der Touristen zu Bildungszwecken durch die Anlage fährt, aber keinen regulären Verkehr darstellt und aufgrund begrenzter Kapazität und Saisonalität nur sporadisch genutzt wird. Diese Abwesenheit eines Bahnsystems verstärkt die Abhängigkeit von teureren Alternativen wie Flügen oder Fähren für Fernverbindungen und trägt zu Umweltbelastungen durch den Straßenverkehr bei, ohne dass Pläne für eine Eisenbahnentwicklung erkennbar sind. Insgesamt bleibt Guadeloupe auf maritime und landbasierte Straßenverbindungen angewiesen, was die Integration in das französische Verkehrsnetz auf die Schifffahrt und Luftfahrt beschränkt. | ||
Um 2013 wurde ein Projekt für ein neues Straßenbahnsystem angekündigt, das Cap Excellence bedienen sollte, aber 2018 wurde das Projekt wegen fehlender Finanzierung aufgegeben. | Um 2013 wurde ein Projekt für ein neues Straßenbahnsystem angekündigt, das Cap Excellence bedienen sollte, aber 2018 wurde das Projekt wegen fehlender Finanzierung aufgegeben. | ||
=== '''Schiffsverkahr''' === | === '''Schiffsverkahr''' === | ||
Das Hafensystem DERE iNSEL umfasst Handelshäfen für den internationalen Güterverkehr, Fährhäfen für den Personenverkehr, Fischereihäfen und Anlegestellen sowie Sportboothäfen. Der Grand Port Maritime de la Guadeloupe (GPMG), der unter der Bezeichnung Guadeloupe Port Caraïbes auftritt, verwaltet mehrere bedeutende Hafenstandorte. Dazu gehören Pointe-à-Pitre, Jarry in Baie-Mahault, die Marina Bas-du-Fort, der Hafen von Basse-Terre und der Hafen von Folle-Anse auf Marie-Galante. | |||
Der wichtigste Umschlagplatz für den internationalen Warenverkehr ist der Hafen von Jarry in der Gemeinde Baie-Mahault. Er verfügt über Containerterminals und Anlagen für den Umschlag von Massengütern, Stückgut und anderen Frachtarten. Hier werden vor allem importierte Lebensmittel, Treibstoffe, Baumaterialien, Maschinen, Konsumgüter und industrielle Vorprodukte gelöscht. Die Ausfuhr umfasst unter anderem landwirtschaftliche Erzeugnisse, insbesondere Bananen, Zucker und Rum. Der Hafen ist eng mit dem Industrie- und Gewerbegebiet Jarry verbunden und bildet einen wesentlichen Bestandteil der wirtschaftlichen Infrastruktur Guadeloupes. | |||
Der Hafen von Pointe-à-Pitre umfasst insbesondere den Passagierhafen von Bergevin und Anlagen für Kreuzfahrtschiffe sowie für die Versorgung und Wartung größerer Yachten. Pointe-à-Pitre wird regelmäßig von internationalen Kreuzfahrtschiffen angelaufen. Die Kreuzfahrtsaison konzentriert sich vor allem auf die Monate des karibischen Winters, von Herbst bis Frühjahr. Neben den großen Schiffen, die den Hafen als Ausgangs- oder Zwischenhafen nutzen, kommen kleinere Kreuzfahrtschiffe und Segelyachten in die Region. Der Hafen von Basse-Terre dient sowohl dem Güter- als auch dem Personenverkehr. Folle-Anse auf Marie-Galante ist für den regionalen Frachtverkehr und die Küstenschifffahrt von Bedeutung. | |||
Der Fährverkehr verbindet die Hauptinseln mit den kleineren Inseln des Archipels und mit mehreren Nachbarstaaten. Die wichtigsten Betreiber sind FRS Express des Îles, CTM Deher, Val’Ferry und weitere regionale Reedereien. Von Pointe-à-Pitre bestehen regelmäßige Verbindungen nach Grand-Bourg auf Marie-Galante; die Überfahrt dauert ungefähr eine Stunde. Die Îles des Saintes werden vor allem vom Hafen Trois-Rivières im Süden von Basse-Terre aus bedient. Die Überfahrt nach Terre-de-Haut dauert je nach Schiff etwa 15 bis 25 Minuten. Zusätzlich gibt es saisonale Verbindungen von Pointe-à-Pitre zu den Saintes. | |||
Die Insel La Désirade wird hauptsächlich von Saint-François auf Grande-Terre aus erreicht. Marie-Galante und die Saintes sind außerdem untereinander durch einzelne regionale Fährverbindungen verbunden. Die Fahrpläne unterscheiden sich nach Wochentag und Saison; einzelne Verbindungen werden zeitweise ausgesetzt oder nur an bestimmten Tagen angeboten. Die Zahl der Abfahrten ist deshalb nicht mit einer konstanten täglichen Frequenz gleichzusetzen. Die Fähren dienen überwiegend dem Personenverkehr. Eine Fahrzeugmitnahme ist nicht auf allen Strecken möglich und muss für die jeweilige Verbindung gesondert geprüft werden. | |||
Im internationalen Fährverkehr bestehen Verbindungen nach Dominica und Martinique sowie, mit Zwischenhalten, nach Saint Lucia. Die Strecke von Pointe-à-Pitre nach Roseau auf Dominica dauert mit einer direkten Verbindung ungefähr zweieinhalb Stunden. Die Fahrt nach Fort-de-France auf Martinique dauert je nach Verbindung und Zwischenhalt länger. Saint Lucia wird über Martinique und Dominica erreicht; die gesamte Reise kann daher deutlich mehr Zeit beanspruchen. Die Frequenz schwankt saisonal. FRS Express des Îles gibt für seine internationalen Verbindungen je nach Betriebszeitraum zwischen drei und sieben Rundfahrten pro Woche an. Auf der Strecke zwischen Guadeloupe und Martinique ist bei bestimmten Verbindungen auch die Beförderung von Fahrzeugen möglich; auf der Verbindung nach Dominica wird sie nicht angeboten. | |||
Neben den großen Handelshäfen besitzt Guadeloupe zahlreiche kleinere Hafenanlagen, Fischereihäfen und Anlegestellen. Sie dienen der Küstenfischerei, dem regionalen Personenverkehr und der Versorgung kleinerer Inselgemeinden. Fischereihäfen verfügen je nach Größe über Anlegeplätze, Einrichtungen zur Versorgung der Boote, Eisbereitstellung, Kühlmöglichkeiten und Verkaufsbereiche für den Fang. Die Fischerei konzentriert sich auf zahlreiche kleinere Häfen entlang der Küsten von Basse-Terre und Grande-Terre sowie auf die Inseln Marie-Galante und La Désirade. Die häufig genannte Zahl von 33 Hafenanlagen ist als Bestandsangabe zu verstehen; je nach Zählweise werden neben voll ausgebauten Häfen auch kleinere Fischerei- und Anlegestellen erfasst. | |||
Für die Sportschifffahrt stehen drei größere Marinas zur Verfügung: Bas-du-Fort in Le Gosier, Rivière-Sens in Gourbeyre und Saint-François. Bas-du-Fort ist der bedeutendste Sportboothafen des Archipels und bietet Liegeplätze, technische Dienstleistungen, Reparaturmöglichkeiten, Treibstoffversorgung und Einrichtungen für die Versorgung von Yachten. Auch in den beiden anderen Marinas können Segel- und Motorboote festmachen. Daneben gibt es kleinere Ankerplätze und ausgewiesene Mooringbereiche, unter anderem an der Küste von Basse-Terre und in geschützten Buchten. | |||
=== '''Luftverkehr''' === | === '''Luftverkehr''' === | ||
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{| class="wikitable" | {| class="wikitable" | ||
|Commune | |'''Commune''' | ||
|Insel | |'''Insel''' | ||
|ICAO | |'''ICAO''' | ||
|IATA | |'''IATA''' | ||
|'''Name des Flughafens''' | |'''Name des Flughafens''' | ||
|'''Gebrauch''' | |'''Gebrauch''' | ||
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2020 17 935 1 270 285 11706 | 2020 17 935 1 270 285 11706 | ||
== '''Wirtschaft''' == | |||
Die Wirtschaft von Guadeloupe stützt sich auf die gut ausgebaute Infrastruktur aus Straßen, Häfen und Flughäfen. Ihre Stärken sind die Landwirtschaft (Zucker, Rum und Bananen), der Tourismus und der Dienstleistungssektor. Zwischen Juli 2004 und Juli 2005 besuchten 369.950 Touristen als Übernachtungsgäste und 11.130 Kreuzfahrttouristen die Inselgruppe. '''In Guadeloupe sind fast 42.000 Unternehmen ansässig.''' Die meisten sind KMU mit weniger als 10 Mitarbeitern. 1.500 Unternehmen sind KMU mit 10 bis 500 Mitarbeitern. Der Dienstleistungssektor (45 %) und der Handel (30 %) sind stark vertreten, gefolgt vom Bausektor und der Industrie. Die Anzahl der Erwerbstätigen beträgt 112.000. | |||
=== '''Landwirtschaft''' === | |||
Die Landwirtschaft Guadeloupes ist historisch und wirtschaftlich vor allem durch den Zuckerrohr- und Bananenanbau geprägt. Beide Kulturen bestimmen weiterhin einen großen Teil der landwirtschaftlichen Exportproduktion, obwohl sich die Landwirtschaft zunehmend diversifiziert und ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung gegenüber dem Dienstleistungssektor abgenommen hat. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug 2023 rund 31.200 ha. Bei der Landwirtschaftszählung 2020 wurden etwa 7.300 Betriebe und rund 10.200 dauerhaft in der Landwirtschaft beschäftigte Personen erfasst. | |||
Die natürlichen Voraussetzungen unterscheiden sich zwischen den Inselteilen. Auf Basse-Terre ermöglichen die vulkanischen Böden und die hohen Niederschläge besonders im Osten und Süden den Anbau von Bananen, Obst und verschiedenen Nutzpflanzen. Die steileren Hanglagen begrenzen allerdings die maschinelle Bewirtschaftung und erhöhen die Anforderungen an den Bodenschutz. Auf Grande-Terre sind die flacheren Kalkstein- und Mergelgebiete für den Zuckerrohranbau und die Viehhaltung geeignet. Auch auf Marie-Galante besitzt Zuckerrohr eine große Bedeutung. Auf La Désirade und den Îles des Saintes ist die landwirtschaftliche Nutzfläche dagegen deutlich kleiner. | |||
Die Zuckerrohrwirtschaft ist ein traditioneller Bestandteil der Inselökonomie und geht auf die koloniale Plantagenwirtschaft zurück. Heute wird Zuckerrohr vor allem auf Grande-Terre, Marie-Galante und in Teilen von Basse-Terre angebaut. Die Ernte wird an Zuckerfabriken und Rumdestillerien geliefert. Die wichtigste Zuckerfabrik ist Gardel in Le Moule auf Grande-Terre. Auf Marie-Galante befinden sich mit Grande-Anse und Bellevue weitere bedeutende Verarbeitungsbetriebe. Ein Teil des Zuckerrohrs wird unmittelbar in landwirtschaftlichen Rumdestillerien verarbeitet. Dabei entstehen sowohl Zucker als auch Rum und Nebenprodukte wie Melasse und Bagasse, die unter anderem energetisch genutzt werden. | |||
Die Zuckerrohrproduktion unterliegt starken jährlichen Schwankungen. 2023 wurden rund 545.300 t Zuckerrohr verarbeitet, 2024 waren es infolge ungünstiger Witterungsbedingungen und niedrigerer Erträge nur etwa 409.500 t. Die Zuckerproduktion sank im selben Zeitraum von rund 36.100 auf 19.600 t. Auch die Rumherstellung ging 2024 zurück und erreichte etwa 66.000 Hektoliter reinen Alkohols. Die Entwicklung wird durch Wetterextreme, Trockenperioden, steigende Produktionskosten und den Zustand der Anbauflächen beeinflusst. | |||
Die Bananenwirtschaft konzentriert sich vor allem auf Basse-Terre, insbesondere auf die feuchteren und fruchtbaren Gebiete im Süden und Osten der Insel. Die Bananen werden überwiegend für den Export in das französische Mutterland und andere europäische Märkte erzeugt. 2024 betrug die Ernte rund 58.300 t; davon wurden knapp 55.000 t ausgeführt. Die Anbaufläche liegt in der Größenordnung von wenigen tausend Hektar und nicht bei den gelegentlich genannten 10.000 ha. Die Betriebe sind stark auf den Export ausgerichtet und werden durch europäische und französische Fördermaßnahmen unterstützt. Zu den Schwierigkeiten gehören die Ausbreitung der Schwarzen Sigatoka, hohe Kosten für Betriebsmittel, Sturmschäden und die Anfälligkeit der Plantagen gegenüber längeren Trockenperioden und Starkregen. | |||
Die | |||
Neben den beiden Exportkulturen werden zahlreiche Nahrungs- und Futterpflanzen angebaut. Zu den wichtigen Kulturen für den lokalen Markt gehören Maniok, Süßkartoffeln, Yams, Taro, Kochbananen, Mais und verschiedene Hülsenfrüchte. Im Gemüsebau werden unter anderem Tomaten, Gurken, Kürbisse, Auberginen, Paprika, Salate, Kohl und Wurzelgemüse erzeugt. Hinzu kommen tropische Früchte wie Mangos, Guaven, Papayas, Ananas, Avocados, Zitrusfrüchte und Passionsfrüchte. Der Anbau erfolgt sowohl auf spezialisierten Betrieben als auch in kleineren gemischten Landwirtschaftsbetrieben. Ein Teil der Erzeugnisse wird direkt auf Märkten, an Straßenständen und über lokale Händler verkauft. | |||
Der Gartenbau und die Erzeugung von Schnittblumen und Zierpflanzen ergänzen die landwirtschaftliche Produktion. Dazu gehören tropische Blütenpflanzen, Orchideen und Pflanzen für den regionalen Garten- und Landschaftsbau. Die Bedeutung dieser Kulturen ist im Vergleich zu Zuckerrohr und Bananen geringer, sie tragen jedoch zur Diversifizierung der Betriebe bei. Auch der ökologische Landbau wird gefördert, bleibt aber flächenmäßig begrenzt. Im Bananensektor ist der Anteil biologisch bewirtschafteter Flächen besonders klein: 2024 wurden 127 ha von sieben Betrieben biologisch bewirtschaftet. | |||
Die | Die Viehwirtschaft ist überwiegend kleinbetrieblich organisiert. Rinder werden vor allem auf Weideflächen von Grande-Terre, Marie-Galante und in den weniger dicht besiedelten Gebieten von Basse-Terre gehalten. Neben Fleischrindern gibt es kleinere Milchviehbestände. Die Rinderhaltung ist durch die begrenzte Größe vieler Betriebe, die Kosten für Futtermittel und die Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen eingeschränkt. Daneben werden Schweine, Ziegen und Schafe gehalten. Die Ziegenhaltung hat insbesondere auf trockeneren und weniger intensiv bewirtschafteten Flächen eine lange Tradition. Die Geflügelhaltung versorgt den lokalen Markt mit Eiern und Fleisch; sie ist stärker auf spezialisierte Betriebe angewiesen als die traditionelle Kleinviehhaltung. Die Tierproduktion ging in mehreren Bereichen in den vergangenen Jahren zurück, während die Geflügelwirtschaft vergleichsweise stabil blieb. | ||
Trotz der landwirtschaftlichen Produktion ist Guadeloupe in erheblichem Umfang auf Lebensmittelimporte angewiesen. Ein großer Teil der Grundnahrungsmittel, Getreideprodukte, Milchprodukte, Fleischwaren und verarbeiteten Lebensmittel wird eingeführt. Die Versorgung erfolgt vor allem aus dem französischen Mutterland und anderen europäischen Ländern, daneben aus weiteren karibischen und amerikanischen Herkunftsgebieten. Die Abhängigkeit ist besonders bei Getreide, Futtermitteln und zahlreichen verarbeiteten Produkten ausgeprägt. Die lokale Erzeugung von Obst, Gemüse und Knollenfrüchten deckt den Bedarf nur teilweise. Schwankende Ernten, hohe Produktionskosten, begrenzte Verarbeitungs- und Lagerkapazitäten sowie die Konkurrenz importierter Waren erschweren eine stärkere Selbstversorgung. Die Agrarpolitik zielt deshalb verstärkt auf die Diversifizierung der Produktion und eine größere regionale Ernährungssicherheit. | |||
=== '''Forstwirtschaft''' === | === '''Forstwirtschaft''' === | ||
Die | Die Waldfläche umfasst nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rund 72.000 ha und damit etwa 44 % der Gesamtfläche des Archipels. Der größte zusammenhängende Waldkomplex liegt auf Basse-Terre, deren vulkanisches Gebirge durch hohe Niederschläge und unterschiedliche Höhenstufen eine vielfältige tropische Vegetation aufweist. Auf Grande-Terre, Marie-Galante und La Désirade überwiegen trockenere Waldgesellschaften, Buschvegetation und landwirtschaftlich genutzte Flächen. | ||
Die Wälder lassen sich nach ihren ökologischen Bedingungen in mehrere Vegetationszonen gliedern. In den trockenen Küstenbereichen und auf den Kalksteinflächen von Grande-Terre wachsen unter anderem Meertrauben, Mancenillabäume und verschiedene trockenheitsangepasste Baum- und Straucharten. In den mittleren Höhenlagen von Basse-Terre kommen feuchte tropische Wälder mit Mahagoni, Galba, Gommier blanc und Acomat vor. In den besonders niederschlagsreichen Bergwäldern wachsen unter anderem Baumfarne, Palmen, Moose, Farne und zahlreiche Orchideen. In den höchsten Lagen treten niedrigere, durch Wind und häufige Wolkenbildung geprägte Bergwaldgesellschaften auf. An den geschützten Küsten und in den Lagunen bildet die Mangrove mit roten und schwarzen Mangrovenbäumen einen eigenen Waldtyp. | |||
Rund die Hälfte der Waldfläche befindet sich in öffentlichem Eigentum oder unter öffentlicher Verwaltung. Die Bewirtschaftung der öffentlichen Wälder obliegt dem Office national des forêts (ONF), das im Auftrag des Staates und der Gebietskörperschaften arbeitet. Die betreuten Flächen umfassen rund 37.000 ha. Dazu gehören insbesondere die große Département-Staatswaldfläche auf Basse-Terre, Küstenwälder sowie Waldflächen auf den kleineren Inseln. Die Aufgaben des ONF bestehen vor allem im Schutz der Ökosysteme, in der Wiederaufforstung, der Kontrolle von Rodungen, der Pflege von Wanderwegen und Erholungsgebieten sowie in der Überwachung der Waldflächen. | |||
Die kommerzielle Holznutzung ist im Vergleich zur Größe der Waldfläche gering. Als wirtschaftlich besonders wertvoll gelten Mahagoni-Arten, insbesondere das großblättrige Mahagoni (Swietenia macrophylla), das als Acajou des Antilles bezeichnet wird. Daneben werden unter anderem Laurier rose und weitere tropische Hölzer für Tischlerei, Möbelbau und Innenausstattung genutzt. Die ONF schätzt das grundsätzlich mobilisierbare Potenzial für Nutzholz auf etwa 3.000 bis 4.000 m³ jährlich; tatsächlich wird jedoch nur ein kleiner Teil davon geerntet. In den öffentlichen Wäldern erfolgt der Einschlag überwiegend in kleinem Umfang und häufig handwerklich. | |||
Die Entwicklung einer größeren Holzindustrie wird durch mehrere Faktoren begrenzt. Das gebirgige Gelände auf Basse-Terre, steile Hänge, feuchte und empfindliche Böden sowie eine teilweise unzureichende Forstwegeinfrastruktur erschweren die Holzernte und den Abtransport. Hinzu kommen Schutzbestimmungen für Nationalpark- und Naturschutzgebiete. Auch die kleinteilige Eigentumsstruktur und die geringe forstwirtschaftliche Bewirtschaftung vieler Privatwälder erschweren eine kontinuierliche Versorgung der holzverarbeitenden Betriebe. Ein erheblicher Teil des auf Guadeloupe benötigten Bau- und Konstruktionsholzes muss deshalb importiert werden. | |||
Neben der Holznutzung besitzt die Verarbeitung von Holz für das traditionelle Handwerk eine kulturelle Bedeutung. Lokale Tischler und Kunsthandwerker verwenden einheimische Hölzer für Möbel, Türen, Fenster, geschnitzte Gegenstände und Bauteile der kreolischen Architektur. Auch Holzkohle wird in kleinem Umfang hergestellt, unter anderem aus Campêcheholz. Eine industrielle Holzverarbeitung mit großen Sägewerken und umfangreicher Weiterverarbeitung ist dagegen nur schwach entwickelt. Holzreste und andere holzige Biomasse werden zudem als mögliche Energiequelle betrachtet. | |||
Ein wesentlicher Teil der Forstwirtschaft besteht in der Erhaltung der natürlichen Schutzfunktionen der Wälder. Die Wälder auf den Berghängen vermindern Bodenerosion, stabilisieren Hänge und regulieren den Wasserhaushalt. Die Küstenwälder und Mangroven schützen Uferbereiche vor Wellenschlag und Erosion und bieten zahlreichen Fisch-, Vogel- und Krebstierarten Lebensräume. Der Nationalpark Guadeloupe, die Réserve biologique dirigée du Nord de la Grande-Terre und verschiedene Küstenschutzgebiete sichern wichtige Waldökosysteme. Die Forstverwaltung beteiligt sich außerdem an der Wiederherstellung geschädigter Waldflächen und an Maßnahmen gegen invasive Arten. | |||
=== '''Fischerei''' === | === '''Fischerei''' === | ||
Die Fischerei | Die Fischerei ist überwiegend handwerklich organisiert und versorgt die Inselbevölkerung mit frischem Fisch und Meeresfrüchten. Die Fischereitätigkeit konzentriert sich vor allem auf den insularen Schelf und die küstennahen Gewässer. Dort werden zahlreiche bodenlebende Fischarten, kleine Schwarmfische und Krebstiere gefangen. Die Fischerei ist auf zahlreiche kleine Häfen und Anlandeplätze verteilt und bildet für viele Familien eine wichtige Erwerbsgrundlage. | ||
Die Flotte besteht hauptsächlich aus kleinen, motorisierten Fischerbooten mit einer Länge von weniger als 12 m. Die Fangfahrten dauern gewöhnlich einen Tag. Die Boote sind meist offene oder nur teilweise gedeckte Einheiten, die mit Außenbordmotoren ausgerüstet sind. Zum Einsatz kommen unter anderem Stellnetze, Reusen, Langleinen, Handleinen und Schleppangeln. Für den Fang pelagischer Arten werden außerdem Fischsammler eingesetzt, sogenannte Dispositifs de concentration de poissons (DCP). Diese schwimmenden Einrichtungen ziehen größere pelagische Fischschwärme an und ermöglichen es auch kleineren Booten, Arten zu fangen, die sich weiter von der Küste entfernt aufhalten. Im Jahr 2023 waren 516 Schiffe im europäischen Fischereiflottenregister eingetragen; 638 Boote wurden als aktiv ausgewiesen. Die Zahl der registrierten Seeleute lag bei 872. | |||
Die Fischereiproduktion belief sich 2023 auf geschätzte 2.041 t mit einem Anlandewert von rund 18,9 Millionen Euro. Für 2024 wurde eine deutlich höhere Anlandemenge von etwa 2.578 t gemeldet. Die jährlichen Fangmengen schwanken unter anderem aufgrund der Wetterbedingungen, der Verfügbarkeit der Fischbestände, der Zahl aktiver Boote und der Fangmöglichkeiten in den einzelnen Küstengebieten. Ein großer Teil der Fänge wird unmittelbar nach der Anlandung verkauft, häufig direkt durch die Fischer an Verbraucher, Restaurants und lokale Händler. | |||
Bei der Küstenfischerei werden vor allem demersale Fischarten gefangen, die in Bodennähe oder in der Nähe von Korallenriffen und Felsformationen leben. Dazu gehören Schnapper, darunter der Gelbschwanz-Schnapper (Ocyurus chrysurus), verschiedene Zackenbarsche, Grunzer und Doktorfische. Eine zweite wichtige Gruppe bilden kleine pelagische Arten wie Makrelen, Stachelmakrelen und Sardinen. Sie werden vor allem mit Netzen und Handleinen gefangen. Die Fänge werden durch Langusten, Krabben, Kraken, Muscheln und weitere Meeresfrüchte ergänzt. Zu den wirtschaftlich bedeutenden Arten gehören auch die Große Fechterschnecke (Lobatus gigas), regional als Lambi bezeichnet, und die Langusten. | |||
Die Hochsee- und Tiefseefischerei hat gegenüber der Küstenfischerei einen geringeren Umfang, gewinnt aber an Bedeutung. Zu den wichtigsten Zielfischarten gehören Wahoo (Acanthocybium solandri), Gelbflossen-Thunfisch (Thunnus albacares), Bonitos, Königsmakrelen und Goldmakrelen (Coryphaena hippurus). Auch größere Schnapperarten wie der Tiefwasser-Schnapper (Etelis oculatus) werden gefangen. Die Nutzung dieser Bestände erfordert eine sorgfältige Überwachung, da die Fangmöglichkeiten durch die begrenzte Größe der Bestände und die zunehmende Fischereitätigkeit eingeschränkt sind. Die Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen untersuchen deshalb Fangmengen, Bestandsentwicklung und die Auswirkungen der verschiedenen Fangmethoden. | |||
Die Fischerei ist durch mehrere Umweltprobleme beeinträchtigt. Besonders schwerwiegend ist die Belastung bestimmter Küstengewässer mit Chlordecon, einem früher in der Landwirtschaft eingesetzten Insektizid. Die Kontamination führte zu Einschränkungen und Verboten des Fischfangs in belasteten Gebieten. Nach Angaben der regionalen Planungsunterlagen waren rund 20 % der Küstenlinie von entsprechenden Einschränkungen betroffen. Dadurch mussten Fischer ihre Fanggebiete teilweise weiter vor die Küste verlagern. Seit 2026 wird diese Entwicklung durch ein Netz von 20 gemeinschaftlich genutzten Fischsammlern unterstützt, die den Zugang zu pelagischen Fischbeständen erleichtern sollen. | |||
Ein weiteres gesundheitliches Problem ist die Ciguatera-Fischvergiftung. Sie wird durch Ciguatoxine verursacht, die von bestimmten Mikroalgen der Gattung Gambierdiscus gebildet werden. Die Toxine gelangen über die Nahrungskette in Fische und können sich besonders in größeren Raubfischen anreichern. Betroffen sind vor allem bestimmte Schnapper, Zackenbarsche und Stachelmakrelen. Die Belastung ist nicht auf eine einzelne Fischbank im Norden Guadeloupes beschränkt, sondern kann in verschiedenen Riffgebieten auftreten. Für bestimmte Arten und Größenklassen gelten deshalb Fang- und Vermarktungsverbote. Die Behörden veröffentlichen entsprechende Artenlisten und Empfehlungen für Fischer, Händler und Verbraucher. | |||
Auch die Übernutzung einzelner Bestände und die Schädigung der Meeresökosysteme stellen Probleme dar. Langusten und die Große Fechterschnecke unterliegen Mindestgrößen, Schonzeiten und weiteren Fangbeschränkungen. Die Entnahme von Seeigeln ist ebenfalls geregelt; grundsätzlich ist ihre Fischerei verboten, während für den Weißen Seeigel (Tripneustes ventricosus) zeitlich begrenzte Ausnahmen möglich sind. In den Schutzgebieten des Nationalparks Guadeloupe, im Grand Cul-de-Sac Marin, rund um die Îlets Pigeon und im Naturreservat Petite-Terre gelten besondere Einschränkungen oder vollständige Fangverbote. Die gewerbliche Meeresfischerei wird durch eine 2025 aktualisierte Präfekturverordnung geregelt. | |||
Die | Die Anlandung der Fänge erfolgt an rund 25 Häfen und ausgewiesenen Anlandeplätzen. Zu den bedeutenderen Fischereistandorten gehören La Désirade, Saint-François, Sainte-Rose und Terre-de-Haut auf den Îles des Saintes. Die Fischereiinfrastruktur ist allerdings unterschiedlich gut ausgebaut. Nicht alle Anlandeplätze verfügen über ausreichende Kühl- und Lagermöglichkeiten, sichere Liegeplätze oder geeignete Einrichtungen zur Verarbeitung und Vermarktung. Die dezentrale Struktur der Fischerei führt dazu, dass ein großer Teil der Erzeugnisse unmittelbar vor Ort verkauft wird. | ||
Die | Die Aquakultur ist im Vergleich zur Meeresfischerei von geringer Bedeutung. Es gibt weniger als zehn wirtschaftlich tätige Einheiten. Im Mittelpunkt steht die Zucht des Gefleckten Umberfisches (Sciaenops ocellatus), einer ursprünglich aus dem westlichen Atlantik stammenden Fischart, die in Teich- und Beckenanlagen gehalten wird. Die Entwicklung des Sektors wird durch hohe Kosten für Futtermittel und technische Anlagen, die Abhängigkeit von importierten Betriebsmitteln und die begrenzte Infrastruktur erschwert. Auch die Süßwasseraquakultur ist durch die Chlordeconbelastung ehemaliger Produktionsstandorte eingeschränkt. Die erzeugten Mengen bleiben daher gering und decken nur einen kleinen Teil des lokalen Fischbedarfs. | ||
=== '''Bergbau''' === | === '''Bergbau''' === | ||
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=== '''Handwerk''' === | === '''Handwerk''' === | ||
Die handwerkliche Produktion erfolgt überwiegend in kleinen Werkstätten und Familienbetrieben. Viele Handwerker verkaufen ihre Erzeugnisse direkt, auf Märkten, bei Kulturveranstaltungen oder in spezialisierten Geschäften. Eine große industrielle Bedeutung besitzt das Handwerk nicht; als Bestandteil des kulturellen Erbes und des touristischen Angebots ist es jedoch von erheblicher Bedeutung. | |||
Zu den ältesten Handwerkstechniken gehört die Korbflechterei (vannerie). Verarbeitet werden pflanzliche Fasern, Palmblätter, Kokosblätter, Bambus, Rohr und andere lokal verfügbare Materialien. Daraus entstehen Körbe, Taschen, Matten, Hüte, Behälter und dekorative Gegenstände. Die Flechttechniken gehen teilweise auf indigene Traditionen zurück und wurden im Laufe der Zeit durch afrikanische und weitere karibische Einflüsse ergänzt. Die Beschaffung geeigneter Pflanzenfasern und die Weitergabe des handwerklichen Wissens sind heute wichtige Voraussetzungen für den Fortbestand dieses Gewerbes. | |||
Eine besondere Stellung nimmt der Salako ein, ein breitkrempiger, flachkegelförmiger Hut, der vor allem mit den Îles des Saintes verbunden ist. Er wurde traditionell von Fischern getragen und schützt vor Sonne und Regen. Seine Herstellung erfolgt aus Bambus und pflanzlichen Fasern. Die Technik ist nicht ausschließlich indigenen Ursprungs: Die lokale Überlieferung und die dokumentierte Handwerksgeschichte verweisen auch auf asiatische Einflüsse, insbesondere auf vietnamesische beziehungsweise annamitische Arbeitskräfte, die im 19. Jahrhundert nach Guadeloupe kamen. Die Zahl der Handwerker, die den Salako noch traditionell herstellen, ist gering; die Technik gilt als besonders gefährdet. | |||
Die Verarbeitung von Holz besitzt ebenfalls eine lange Tradition. Tischler und Kunsthandwerker fertigen Möbel, Türen, Fenster, Gebrauchsgegenstände und dekorative Arbeiten aus tropischen Hölzern. In Pointe-Noire auf Basse-Terre ist die Holzverarbeitung besonders bekannt. Zum traditionellen Handwerk gehören außerdem der Bau und die Reparatur von Fischerbooten sowie die Herstellung der charakteristischen Segelkanus der Saintes, der canots saintois. Diese kleinen, farbenprächtigen Boote sind ein wichtiges Element der maritimen Kultur des Archipels. Der traditionelle Bootsbau erfordert Kenntnisse in Holzverarbeitung, Rumpfkonstruktion und Segeltechnik. | |||
Ein weiteres Spezialgebiet ist die Herstellung von Musikinstrumenten. Dazu zählt vor allem die Fertigung der Trommeln ka, die für die Musikrichtung Gwo Ka verwendet werden. Die Trommeln bestehen traditionell aus einem hölzernen Korpus und einer gespannten Tierhaut. Auch kleinere Rhythmusinstrumente wie chacha und siyak werden handwerklich hergestellt. Die Instrumentenbauer tragen damit zur Weitergabe musikalischer Traditionen bei, die eng mit der Geschichte der afrikanischen Bevölkerung und der kreolischen Gesellschaft verbunden sind. | |||
Die Textilverarbeitung umfasst die Herstellung und Verzierung von Kleidung, Kostümen und Accessoires. Besonders bekannt ist die traditionelle kreolische Kleidung mit ihren farbenprächtigen Stoffen, darunter Madras-Gewebe. Schneiderinnen und Schneider fertigen Festtags- und Karnevalskostüme, traditionelle Röcke, Kopfbedeckungen und Kleidungsstücke für kulturelle Veranstaltungen. Eine besondere handwerkliche Tradition besteht in der Stickerei von Vieux-Fort im Süden von Basse-Terre. Die dort gefertigten Stickarbeiten werden unter anderem für Kleidung, Tischwäsche und dekorative Textilien verwendet. | |||
Zur Schmuckherstellung dienen Samen, getrocknete Früchte, Muscheln, Holz, Perlen und andere Naturmaterialien. Aus den Samen verschiedener tropischer Pflanzen entstehen Ketten, Armbänder, Ohrringe und Anhänger. Kalebassen werden aus den harten Früchten des Flaschenkürbis hergestellt. Sie werden ausgehöhlt, getrocknet, graviert oder bemalt und anschließend zu Gefäßen, Lampen, Schmuck- und Dekorationsgegenständen verarbeitet. Auch die Herstellung von Gegenständen aus Leder, Naturfasern und recycelten Materialien gehört zum heutigen Kunsthandwerk. | |||
Die Töpferei und Keramikverarbeitung bilden einen weiteren Bereich. In kleinen Werkstätten entstehen Gefäße, Schalen, Vasen, Figuren, Fliesen und dekorative Objekte. Neben traditionellen Formen werden moderne keramische Arbeiten hergestellt. Die Keramiker verwenden aufbereitete Tone und weitere Materialien, deren Herkunft nicht ausschließlich auf lokale Vorkommen beschränkt ist. Vereine und Werkstätten organisieren Kurse, Vorführungen und Ausstellungen, um die Techniken an jüngere Generationen weiterzugeben. | |||
Der | Ein bedeutender Teil des Kunsthandwerks ist mit dem Karneval verbunden. Die Herstellung von Masken, Kostümen, Kopfschmuck und aufwendigen Accessoires erfordert Kenntnisse in Schneiderei, Textilgestaltung, Pappmaché, Holz- und Metallbearbeitung. Die Kostüme werden von Gruppen und Vereinen häufig in gemeinschaftlicher Arbeit angefertigt. Auch die traditionelle Architektur bietet handwerkliche Betätigungsfelder, etwa bei der Zimmermannsarbeit an kreolischen Wohnhäusern, der Herstellung von Holzverkleidungen und der Restaurierung älterer Gebäude. | ||
Der Verkauf erfolgt auf Wochen- und Kunsthandwerksmärkten, in Ateliers, Souvenirläden und bei regionalen Veranstaltungen. Zu den bekannten Verkaufsorten gehören die Märkte von Pointe-à-Pitre, Sainte-Anne, Le Gosier und Saint-François. Im Norden von Basse-Terre finden regelmäßig Märkte und Veranstaltungen statt, auf denen Kunsthandwerker aus Sainte-Rose und Deshaies ihre Arbeiten anbieten. In Bouillante wird der Salon Guadeloupe Prestige veranstaltet. Die 18. Ausgabe fand vom 6. bis 8. Februar 2026 im Hall Gilles Échevin statt und umfasste 96 Stände mit Kunsthandwerk, regionalen Erzeugnissen und kulturellen Angeboten. | |||
Die Weitergabe traditioneller Fertigkeiten wird durch Vereinigungen, Werkstätten und Kulturinitiativen unterstützt. Dazu gehören Organisationen, die sich mit Korbflechterei, Textilkunst, Holzverarbeitung und der Verwendung pflanzlicher Fasern beschäftigen. Das Inventar des immateriellen Kulturerbes Guadeloupes dokumentiert zahlreiche gefährdete Handwerkstechniken, darunter die Salako-Herstellung, den traditionellen Bootsbau, die Stickerei von Vieux-Fort, die Fertigung von Gwo-Ka-Trommeln und verschiedene Flechtarbeiten. Die Dokumentation soll die noch vorhandenen Kenntnisse erfassen und ihre Weitergabe fördern. | |||
=== '''Industrie''' === | === '''Industrie''' === | ||
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=== '''Krankheiten''' === | === '''Krankheiten''' === | ||
Das Krankheitsspektrum Guadeloupes wird sowohl von tropischen Infektionskrankheiten als auch von chronischen, nicht übertragbaren Erkrankungen geprägt. Zu den wichtigsten gesundheitlichen Herausforderungen zählen Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und bestimmte Krebserkrankungen. Daneben treten durch Stechmücken übertragene Virusinfektionen, Leptospirose und sexuell übertragbare Infektionen auf. Die Gesundheitslage wird durch das tropische Klima, die Insellage, soziale Unterschiede und die teilweise eingeschränkte Erreichbarkeit medizinischer Einrichtungen auf den kleineren Inseln beeinflusst. | |||
Zu den bedeutendsten chronischen Erkrankungen gehört Diabetes mellitus, überwiegend Typ 2. Nach dem Gesundheitsbarometer von Santé publique France für 2024 gaben 13,5 % der erwachsenen Bevölkerung Guadeloupes an, an Diabetes erkrankt zu sein. Damit lag der Anteil nahezu doppelt so hoch wie im französischen Mutterland mit 7,1 %. Die Häufigkeit steigt deutlich mit dem Lebensalter. Diabetes ist eine wichtige Ursache für Folgeerkrankungen der Nieren, der Augen, der Nerven und der Blutgefäße. | |||
Ebenfalls weit verbreitet ist der arterielle Bluthochdruck. Er tritt häufig gemeinsam mit Übergewicht, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen auf und erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und chronische Nierenerkrankungen. Übergewicht und Adipositas betreffen einen großen Teil der Bevölkerung. Eine Untersuchung des INSEE aus dem Jahr 2019 ermittelte bei 52 % der Einwohner Übergewicht oder Adipositas; etwa jeder fünfte Erwachsene war adipös. Die Häufigkeit war bei Frauen höher als bei Männern. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören deshalb zu den wesentlichen Ursachen vorzeitiger Sterblichkeit. | |||
Bei den Krebserkrankungen fallen insbesondere Prostatakrebs bei Männern sowie Brustkrebs bei Frauen ins Gewicht. Auch Magen- und Gebärmutterhalskrebs sind gesundheitspolitisch relevant. Die Krebssterblichkeit und die Überlebenschancen unterscheiden sich teilweise von den entsprechenden Werten im französischen Mutterland. Als besondere Umweltbelastung gilt die frühere Verwendung des Insektizids Chlordecon in den Bananenplantagen. Der langlebige Schadstoff ist noch immer in Böden und Gewässern nachweisbar und gelangt über die Nahrungskette in den menschlichen Körper. Die langfristige Belastung ist mit einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs verbunden und wird seit Jahren epidemiologisch untersucht. | |||
Zu den wichtigen erblich bedingten Erkrankungen gehört die Sichelzellkrankheit. Sie ist in der Bevölkerung der französischen Antillen vergleichsweise häufig und wird durch ein verändertes Hämoglobin verursacht. Die Krankheit kann zu Blutarmut, schmerzhaften Gefäßverschlüssen und Schädigungen verschiedener Organe führen. Das Neugeborenenscreening ermöglicht eine frühe Diagnose und den rechtzeitigen Beginn der medizinischen Betreuung. | |||
Eine weitere gesundheitliche Herausforderung sind Infektionskrankheiten, die durch Stechmücken übertragen werden. Besonders bedeutsam ist das Denguefieber, dessen Erreger durch die Mückenart Aedes aegypti verbreitet werden. Die Erkrankung tritt in wiederkehrenden Epidemien auf und verursacht Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie teilweise schwere Komplikationen mit Blutungen und Kreislaufstörungen. Auch Chikungunya und Zika sind auf Guadeloupe aufgetreten. Chikungunya kann lang anhaltende Gelenkbeschwerden verursachen; eine Zika-Infektion ist insbesondere während einer Schwangerschaft wegen möglicher Schädigungen des ungeborenen Kindes von Bedeutung. Die Überwachung dieser Erkrankungen erfolgt durch die regionalen Gesundheitsbehörden und Santé publique France. | |||
Die Leptospirose ist eine weitere für Guadeloupe typische Infektionskrankheit. Sie wird durch Bakterien der Gattung Leptospira verursacht, die über den Urin infizierter Tiere, insbesondere Ratten, in die Umwelt gelangen. Menschen können sich durch Kontakt mit verunreinigtem Süßwasser oder feuchtem Erdreich infizieren. Die Erkrankung tritt besonders während und nach starken Regenfällen auf. Im Jahr 2025 wurden 88 wahrscheinliche oder bestätigte Fälle registriert; 35 Erkrankte mussten stationär behandelt werden, neun kamen auf eine Intensivstation und ein Todesfall wurde gemeldet. Besonders gefährdet sind Personen mit engem Kontakt zu Böden und Gewässern, etwa in der Landwirtschaft, bei Gartenarbeiten und bei der Instandhaltung von Außenanlagen. | |||
Auch HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen gehören zu den gesundheitspolitisch relevanten Problemen. Nach dem Bericht von Santé publique France für 2024 wurden in Guadeloupe, Saint-Martin und Saint-Barthélemy zusammen 65 neue HIV-Diagnosen registriert. Die Zahl der HIV-Tests nahm gegenüber dem Vorjahr zu. Bei bakteriellen Infektionen wie Chlamydien, Gonorrhö und Syphilis lagen die diagnostizierten Erkrankungsraten ebenfalls über den Vergleichswerten des französischen Mutterlandes. Die zusammengefassten Zahlen beziehen sich teilweise auf die gesamte regionale Gesundheitszuständigkeit und sind daher nicht ausschließlich Guadeloupe zuzurechnen. | |||
Weitere Infektionskrankheiten sind Atemwegsinfektionen, Magen-Darm-Erkrankungen und verschiedene parasitäre Erkrankungen. Tuberkulose wird weiterhin überwacht, spielt aber im Vergleich zu den genannten chronischen und tropischen Erkrankungen eine geringere Rolle. Malaria ist keine dauerhaft auf Guadeloupe übertragene Krankheit; importierte Fälle können jedoch bei Reisenden auftreten. Auch die Verbreitung von COVID-19 hat das Gesundheitssystem in den vergangenen Jahren zeitweise erheblich beansprucht. | |||
== '''Bildung''' == | == '''Bildung''' == | ||
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* 25./26. Dezember - Weihnachten | * 25./26. Dezember - Weihnachten | ||
Jede Gemeinde hat einen Festtag für ihren jeweiligen Heiligen und Schutzpatron. Das Fest der Köchinnen findet um den 10. August an demjenigen Samstag statt, der dem Tag des Heiligen Laurent am nächsten liegt. Dabei versammeln sich die Köchinnen aus allen Teilen der Insel mit ihren Madras auf dem Kopf und in ihren traditionellen Trachten. Sie kommen, um Körbe und fertig zubereitete Gerichte in der Peter-und-Paul-Basilika segnen zu lassen. Auf den Gottesdienst folgen ein Umzug und ein großes Festessen. | |||
Jede Gemeinde hat einen Festtag für ihren jeweiligen Heiligen und Schutzpatron. Das Fest der Köchinnen findet um den 10. August an demjenigen Samstag statt, der dem Tag des Heiligen Laurent am nächsten liegt. Dabei versammeln sich die Köchinnen aus allen Teilen der Insel mit ihren Madras auf dem Kopf und in ihren traditionellen Trachten. Sie kommen, um Körbe und fertig zubereitete Gerichte in der Peter-und-Paul-Basilika segnen zu lassen. Auf den Gottesdienst folgen ein Umzug und ein großes Festessen. | |||
Die malerischen Dorffeste, die stimmungsvollen, inbrünstigen ''chanté Nwèl'' (Weihnachtssingen), die mitreißenden Straßenfeste anlässlich des farbenprächtigen Karnevals sind die Zeichen einer Kultur, die tief in ihrer Erde und in ihrer einzigartigen Geschichte verwurzelt ist. Selbstverständlich vergessen wir auch nicht die traditionellen ''Courses de canots'' (Fischerboot-Segelregatta), die Hahnenkämpfe und natürlich die internationale Radrundfahrt, die immer noch die beliebteste Attraktion der Insel ist. | Die malerischen Dorffeste, die stimmungsvollen, inbrünstigen ''chanté Nwèl'' (Weihnachtssingen), die mitreißenden Straßenfeste anlässlich des farbenprächtigen Karnevals sind die Zeichen einer Kultur, die tief in ihrer Erde und in ihrer einzigartigen Geschichte verwurzelt ist. Selbstverständlich vergessen wir auch nicht die traditionellen ''Courses de canots'' (Fischerboot-Segelregatta), die Hahnenkämpfe und natürlich die internationale Radrundfahrt, die immer noch die beliebteste Attraktion der Insel ist. | ||
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* Le Journal des Saintes | * Le Journal des Saintes | ||
* L’Outre Mer | * L’Outre Mer | ||
'''Radiostationen:''' | '''Radiostationen:''' | ||
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* Rundfunkgeräte 113.000 (286,1) | * Rundfunkgeräte 113.000 (286,1) | ||
* Fernsehgeräte 118.000 (298,7) | * Fernsehgeräte 118.000 (298,7) | ||
'''Postdaten''': | '''Postdaten''': | ||
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* Telefon-Vorwahl: 00590 | * Telefon-Vorwahl: 00590 | ||
Hauptanbieter sind ''Wanadoo'' und and ''Antilladoo''. Es gibt Internetcafés in Saint-François, Mare-Gaillard, Pointe-à-Pitre und in anderen Städten. Außerdem hat man Internetanschluss in manchen Postämtern und bei anderen öffentlichen Stellen. Für Juni 2011 wurden insgesamt 155.740 Internet-Nutzer mit 125.860 Facebook-Usern gemeldet. | Internet-Hauptanbieter sind ''Wanadoo'' und and ''Antilladoo''. Es gibt Internetcafés in Saint-François, Mare-Gaillard, Pointe-à-Pitre und in anderen Städten. Außerdem hat man Internetanschluss in manchen Postämtern und bei anderen öffentlichen Stellen. Für Juni 2011 wurden insgesamt 155.740 Internet-Nutzer mit 125.860 Facebook-Usern gemeldet. | ||
== '''Sport''' == | == '''Sport''' == | ||
Die | Die mit Abstand populärste Mannschaftssportart ist Fußball. Die Ligue guadeloupéenne de football organisiert den Ligabetrieb und die regionalen Wettbewerbe. Die höchste Spielklasse ist die Régionale 1, deren Vereine um die guadeloupische Meisterschaft spielen. Fußball wird in nahezu allen Gemeinden betrieben und besitzt eine breite Basis im Jugend- und Amateurbereich. Die Auswahlmannschaft Guadeloupes, die Gwada Boys, ist seit 2013 Vollmitglied des Kontinentalverbandes CONCACAF, gehört jedoch nicht der FIFA an. Sie kann deshalb an Wettbewerben der CONCACAF teilnehmen, nicht aber an einer Fußball-Weltmeisterschaft. Zu ihren größten Erfolgen zählen der vierte Platz beim CONCACAF Gold Cup 2007 und das Erreichen des Viertelfinales 2009. | ||
Die Leichtathletik hat ebenfalls eine große Bedeutung. Guadeloupe brachte zahlreiche Sprinter und Mehrkämpfer hervor, die bei französischen Meisterschaften, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen erfolgreich waren. Die sportliche Ausbildung erfolgt in Vereinen und regionalen Trainingszentren. Zu den bedeutenden Sportstätten gehört das Stade René-Serge Nabajoth in Les Abymes, das über eine Leichtathletikanlage und ein Fußballfeld verfügt. | |||
Der Radsport gehört zu den besonders populären Sportarten. Das wichtigste Ereignis ist die jährlich ausgetragene Tour cycliste international de la Guadeloupe, die zu den bedeutendsten Etappenrennen der Karibik zählt. Die Rundfahrt führt über mehrere Tage durch Grande-Terre und Basse-Terre und umfasst flache Küstenabschnitte ebenso wie anspruchsvolle Bergstrecken, insbesondere im Bereich des Col des Mamelles. Neben guadeloupischen Mannschaften nehmen regelmäßig französische und ausländische Teams teil. Die 75. Ausgabe fand vom 31. Juli bis 9. August 2026 statt und umfasste einen Prolog sowie mehrere Etappen mit einer Gesamtdistanz von mehr als 1.300 km. | |||
Eine besondere Stellung nimmt der Segelsport ein. Guadeloupe ist Zielhafen der Route du Rhum – Destination Guadeloupe, einer internationalen Einhand-Transatlantikregatta von Saint-Malo nach Pointe-à-Pitre. Sie wird im Abstand von vier Jahren veranstaltet und zählt zu den bekanntesten Hochseeregatten der Welt. Die Ankunft der Segler im Hafen von Pointe-à-Pitre ist mit einem umfangreichen Begleitprogramm verbunden. Neben dieser Hochseeregatta werden lokale Segelwettbewerbe, traditionelle Regatten und Veranstaltungen mit Segelkanus ausgetragen. Die canots saintois, die traditionellen Segelboote der Îles des Saintes, sind dabei ein wichtiger Bestandteil der maritimen Sport- und Kulturtradition. | |||
Basketball ist eine weitere verbreitete Mannschaftssportart. Guadeloupe verfügt über zahlreiche Vereinsmannschaften und eine organisierte regionale Meisterschaft. Mehrere Spieler aus dem Archipel schafften den Sprung in den französischen Profisport und in die Nationalmannschaft. Zu den bekannten Basketballspielern guadeloupischer Herkunft zählt Florent Piétrus, der mit Frankreich unter anderem Europameister wurde und an den Olympischen Spielen 2012 und 2016 teilnahm. Auch Handball und Volleyball werden in Schulen, Vereinen und kommunalen Sportanlagen betrieben. | |||
Zu den weiteren verbreiteten Sportarten gehören Judo, Karate, Boxen, Tennis, Tischtennis und Schwimmen. Besonders Judo besitzt eine starke Tradition. Der aus Les Abymes stammende Teddy Riner gehört zu den international erfolgreichsten Judoka und gewann mehrere olympische Goldmedaillen sowie zahlreiche Weltmeistertitel. Seine sportliche Laufbahn hat die Popularität des Judos auf Guadeloupe zusätzlich gestärkt. Auch Kampfsportarten und Fitnessangebote sind in vielen Gemeinden durch Vereine und private Einrichtungen vertreten. | |||
Die Küsten und geschützten Lagunen bieten gute Bedingungen für Wassersport. Tauchen und Schnorcheln werden vor allem im Bereich der Îlets Pigeon vor Bouillante, im Réserve-Cousteau-Gebiet und im Grand Cul-de-Sac Marin betrieben. Weitere verbreitete Aktivitäten sind Segeln, Windsurfen, Kitesurfen, Kajakfahren, Stand-up-Paddling und Hochseefischen. Die geschützten Gewässer zwischen Grande-Terre und Basse-Terre eignen sich besonders für kleinere Segel- und Paddelboote, während die Atlantikküste von Grande-Terre stärker dem Wellengang ausgesetzt ist und entsprechende Bedingungen für Wind- und Wellensport bietet. | |||
Auf Basse-Terre haben sich Berg- und Natursportarten entwickelt. Das Gebirge mit seinen Regenwäldern, Wasserfällen und steilen Wegen bietet Möglichkeiten zum Wandern, Trailrunning, Mountainbiken und Canyoning. Besonders genutzt werden die Wanderwege im Nationalpark Guadeloupe, darunter die Routen im Gebiet des Vulkans La Soufrière und entlang der Route de la Traversée. Canyoning wird an verschiedenen Flussläufen und Wasserfällen angeboten, unter anderem im Gebiet von Saint-Claude und Capesterre-Belle-Eau. Die Aktivitäten unterliegen in Schutzgebieten besonderen Regeln und können bei Unwetter oder erhöhter vulkanischer Aktivität eingeschränkt werden. | |||
Der Pferdesport umfasst Reiten, Springreiten und Freizeitreiten. Reitvereine und private Reitanlagen organisieren Unterricht und Wettbewerbe. In ländlichen Gebieten werden Pferde außerdem für Ausritte und touristische Angebote eingesetzt. Daneben werden traditionelle Spiele und Wettkämpfe gepflegt, die mit der kreolischen Fest- und Vereinskultur verbunden sind. | |||
=== '''Fußball''' === | === '''Fußball''' === | ||
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|Trinidad und Tobago | |Trinidad und Tobago | ||
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|3 | |3 | ||
|2 | |2 | ||
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|Turks und Caicos Inseln | |Turks und Caicos Inseln | ||
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|US Jungferninseln | |US Jungferninseln | ||
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|1 | |1 | ||
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|0 | |0 | ||
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== '''Persönlichkeiten''' == | |||
Die wichtigsten von der Insel stammenden Persönlichkeiten sind: | |||
* Lucette Michaux-Chevry (1929 bis 2021), Politikerin | |||
* Maryse Condé (1937 bis 2024), Schriftstellerin | |||
* Gisèle Pineau (* 1956 in Parsis, aufgewachsen auf Vguadeloupe), Schriftstellerin und Psychiaterin | |||
* Christian Baptiste (* 1963), Politiker | |||
* Lilian Thuram (* 1972), Fußballspieler | |||
* Jacques Césaire (* 1978), Tugbyspieler und Trainer | |||
* Admiral T (Christy Campbell, * 1981), Musiker (Reggae/Dancehall) | |||
== '''Fremdenverkehr''' == | |||
Der Fremdenverkehr ist ein bedeutender Wirtschaftszweig Guadeloupes. Er stützt sich auf die tropischen Landschaften der Inselgruppe, die Strände, Korallenriffe, Regenwälder, vulkanischen Gebiete und das kulturelle Erbe der französischen Karibik. Neben dem klassischen Bade- und Erholungsurlaub haben sich Natur- und Wandertourismus, Tauchen, Segeln, Kreuzfahrten sowie kulinarische und kulturbezogene Reisen etabliert. Die touristische Infrastruktur konzentriert sich vor allem auf Grande-Terre und den Süden von Basse-Terre. Auch Marie-Galante, Les Saintes und La Désirade werden zunehmend in die touristischen Angebote einbezogen. | |||
Grande-Terre ist das wichtigste Gebiet für den Bade- und Strandurlaub. Zu den stark besuchten Küstenabschnitten gehören die Strände von Sainte-Anne, Le Gosier und Saint-François. Sainte-Anne verfügt über zahlreiche Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants und kleinere Pensionen. Le Gosier ist durch seine Nähe zu Pointe-à-Pitre und zum internationalen Flughafen ein bedeutender Standort für Hotels und Ferienanlagen. Saint-François besitzt neben Stränden und touristischen Wohnanlagen einen Yachthafen, einen Golfplatz und einen Flugplatz für den regionalen Verkehr. Auch Le Moule, Port-Louis und Anse-Bertrand werden wegen ihrer Strände, Küstenlandschaften und Wassersportmöglichkeiten besucht. An der Pointe des Châteaux und an der Pointe de la Grande Vigie stehen Naturerlebnis und Ausflüge im Vordergrund. | |||
Auf Basse-Terre ist der Fremdenverkehr stärker auf Natur, Landschaft und Aktivitäten im Freien ausgerichtet. Der Nationalpark Guadeloupe mit seinen Regenwäldern, Wasserfällen und Wanderwegen bildet eine wichtige Grundlage des Ökotourismus. Zu den bekanntesten Ausflugszielen zählen der Vulkan La Soufrière, die Chutes du Carbet, die Route de la Traversée und die Wasserfälle im Gebiet von Petit-Bourg und Capesterre-Belle-Eau. An der Westküste liegen die Bade- und Tauchorte Deshaies, Bouillante und Pointe-Noire. Bouillante ist insbesondere durch die Tauchgebiete um die Îlets Pigeon und das Réserve-Cousteau-Gebiet bekannt. Deshaies besitzt mehrere Strände und eine touristische Infrastruktur aus Hotels, Ferienhäusern und Restaurants. Im Süden von Basse-Terre werden außerdem die Thermalquellen und die historischen Orte rund um Trois-Rivières und Saint-Claude besucht. | |||
Marie-Galante ist vor allem für ihre Strände, Zuckerrohrlandschaften, Rumdestillerien und ländlich geprägten Ortschaften bekannt. Die wichtigsten touristischen Ausgangspunkte sind Grand-Bourg, Capesterre-de-Marie-Galante und Saint-Louis. Das Unterkunftsangebot besteht überwiegend aus kleineren Hotels, Pensionen, Ferienhäusern und möblierten Ferienwohnungen. Auf Les Saintes konzentriert sich der Fremdenverkehr besonders auf Terre-de-Haut mit dem Hafen von Le Bourg, der Bucht von Les Saintes und dem Strand von Pompierre. Die Insel wird sowohl von Tagesausflüglern als auch von Urlaubern besucht, die mehrere Nächte bleiben. Terre-de-Bas besitzt ein kleineres Angebot und wird vor allem wegen seiner ruhigeren Landschaft und seiner traditionellen Siedlungen aufgesucht. La Désirade hat einen vergleichsweise geringen Fremdenverkehr. Die Besucher kommen hauptsächlich wegen der Strände, der Küstenlandschaft, der Wanderwege und der Naturschutzgebiete. Die vorgelagerten Inseln Petite-Terre werden vor allem im Rahmen organisierter Boots- und Tagesausflüge besucht; Übernachtungsmöglichkeiten bestehen dort nicht. | |||
Die touristische Hauptsaison liegt in der Trockenzeit von Dezember bis April. Besonders stark ist die Nachfrage in den Monaten Januar bis März sowie während der Weihnachts- und Osterferien. In dieser Zeit reisen zahlreiche Urlauber aus Frankreich und anderen europäischen Ländern an. Die feuchtere und heißere Jahreszeit von Juni bis November ist im Allgemeinen weniger stark besucht. In diesen Monaten wirken sich auch die tropische Wirbelsturmsaison und zeitweise stärkere Niederschläge auf die Reiseplanung aus. Die Nachfrage schwankt außerdem nach Herkunft und Anlass der Reise. Neben Urlaubern aus dem französischen Mutterland kommen Gäste aus Kanada, den Vereinigten Staaten und anderen karibischen Gebieten. Der Geschäftsreiseverkehr spielt ebenfalls eine Rolle, ist jedoch kleiner als der Freizeittourismus. | |||
Die Hotellerie umfasst sowohl größere Ferienhotels und Strandresorts als auch kleinere, familiengeführte Häuser. Nach den Angaben des französischen Statistikamtes Insee waren am 1. Januar 2026 insgesamt 52 Hotels mit 3.005 Zimmern erfasst. Davon waren 19 Hotels mit 1.376 Zimmern als Vier-Sterne-Häuser und 14 Hotels mit 1.171 Zimmern als Drei-Sterne-Häuser klassifiziert. Ein Hotel verfügte über fünf Sterne und 52 Zimmer; weitere 14 Häuser mit 273 Zimmern waren nicht klassifiziert. Die statistische Erfassung berücksichtigt Hotels mit mehr als fünf Zimmern. | |||
Größere Hotels und Ferienanlagen befinden sich insbesondere im Raum Le Gosier, Sainte-Anne und Saint-François auf Grande-Terre sowie in einigen Küstenorten von Basse-Terre. Sie bieten je nach Kategorie Restaurants, Swimmingpools, Sportanlagen, Veranstaltungsräume und organisierte Ausflüge an. | |||
Neben den Hotels haben Ferienwohnungen und möblierte Ferienhäuser eine große Bedeutung. Sie werden häufig von Privatpersonen oder kleinen Vermietungsunternehmen angeboten und reichen von einfachen Apartments bis zu größeren Villen mit Garten und Swimmingpool. Besonders verbreitet sind sie in Sainte-Anne, Saint-François, Le Gosier, Deshaies und entlang der Küste von Bouillante. Auch auf Marie-Galante und Les Saintes stellen sie einen wesentlichen Teil des Übernachtungsangebots dar. Ein Teil dieser Unterkünfte wird über internationale Buchungsplattformen vermittelt. Da private Ferienwohnungen und Ferienhäuser nicht vollständig in der amtlichen Hotelstatistik erfasst werden, bildet die Zahl der registrierten Hotels allein die tatsächliche touristische Unterkunftskapazität nicht ab. | |||
Eine weitere Unterkunftsform sind Gästehäuser und Chambres d’hôtes. Dabei handelt es sich meist um kleinere Betriebe, in denen Gäste Zimmer im Haus der Betreiber oder in separaten Gebäuden auf demselben Grundstück mieten. Häufig wird ein Frühstück angeboten; teilweise erhalten die Besucher auch Einblick in die lokale Küche und den Alltag der Gastgeber. Gîtes und Gîtes ruraux sind meist eigenständige Ferienhäuser oder Apartments, die insbesondere in ländlichen und naturnahen Gebieten vermietet werden. Auf Basse-Terre liegen solche Unterkünfte vielfach in der Nähe von Wanderwegen, Wasserfällen und Nationalparkgebieten. Auf Grande-Terre befinden sie sich häufig in Strandnähe oder in den kleineren Orten im Inselinneren. | |||
Ferienanlagen und touristische Wohnanlagen ergänzen das Angebot. Sie bestehen aus einzelnen Bungalows, Apartments oder kleinen Häusergruppen und verfügen teilweise über gemeinschaftliche Einrichtungen wie Pool, Restaurant, Rezeption und Freizeitangebote. Auf Grande-Terre sind solche Anlagen besonders im Süden der Insel vertreten. Auf Basse-Terre finden sich kleinere Anlagen an der West- und Südküste. Auch einige Unterkünfte auf Marie-Galante und Les Saintes sind in dieser Form organisiert. Die Angebote unterscheiden sich hinsichtlich Größe, Ausstattung und Service erheblich. | |||
Campingplätze im klassischen Sinn spielen eine geringe Rolle. In der amtlichen Insee-Erhebung waren zum 1. Januar 2026 keine touristischen Campingplätze mit den dort geltenden Erfassungskriterien ausgewiesen. Auch andere größere gemeinschaftliche Beherbergungsformen wie Jugendherbergen oder Ferienzentren wurden in dieser Statistik nicht erfasst. Das bedeutet nicht, dass es keinerlei einfache oder naturnahe Übernachtungsmöglichkeiten gibt; kleinere, nicht unter die statistischen Kriterien fallende Angebote und private Vermietungen werden damit nicht vollständig abgebildet. | |||
Die Auslastung der Hotels unterliegt deutlichen saisonalen Schwankungen. Im Jahr 2025 wurden in den erfassten Hotels rund 1,159 Millionen Übernachtungen registriert, 9,5 Prozent weniger als 2024. Die Zahl der dort untergebrachten Gäste sank auf etwa 315.500. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer stieg geringfügig auf 3,7 Nächte. Gleichzeitig nahm der Passagierverkehr am Flughafen Guadeloupe Maryse Condé um zwei Prozent auf rund 2,1 Millionen Fluggäste zu. Auch die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere stieg 2025 auf rund 336.300. Der Rückgang der Hotelübernachtungen bedeutete daher nicht automatisch einen entsprechenden Rückgang aller Besucher: Ein Teil der Reisenden nutzte alternative Unterkünfte wie Ferienwohnungen, Ferienhäuser oder private Gastgeber. | |||
Der Kreuzfahrttourismus konzentriert sich auf Pointe-à-Pitre. Die Passagiere besuchen von dort aus unter anderem die Strände von Grande-Terre, die Hauptstadt Basse-Terre, den Nationalpark, Rumdestillerien und die Insel Les Saintes. Ein Teil der Schiffe nutzt Guadeloupe als Ausgangs- oder Zwischenhafen für Reisen durch die östliche Karibik. Daneben gibt es einen Ausflugstourismus von den Nachbarinseln, insbesondere durch Fährverbindungen nach Dominica, Martinique und zu den kleineren Inseln des Archipels. | |||
Der | |||
Zum touristischen Angebot gehören außerdem geführte Wanderungen, Vulkan- und Regenwaldtouren, botanische Ausflüge, Besuche von Zuckerrohr- und Rumproduktionsstätten, Kajak- und Bootstouren durch die Mangroven, Segelausflüge, Hochseefischen sowie Tauch- und Schnorchelangebote. Die Îlets Pigeon vor Bouillante zählen zu den bekanntesten Tauchgebieten. In den geschützten Meeresgebieten des Grand Cul-de-Sac Marin und bei Petite-Terre sind Ausflüge an besondere Regeln gebunden. Der Nationalpark und die Naturschutzgebiete bieten Wanderwege und Beobachtungsmöglichkeiten, während empfindliche Lebensräume und geschützte Arten Einschränkungen unterliegen. | |||
Aktuelle Version vom 1. November 2026, 08:44 Uhr
Guadeloupe ist eine Art Frankreich in der Karibik - mit vielen keorlischen Einschlägen und einem wachsenden Selbstbewusstsein. Nach der Abtrennung der früher zum Verwaltungsgebiet gehörigen Inseln Saint-Bathélemy und Saint-Martin gehen die Bewohner des Archipels jetzt eigene Wege in Richtung mehr Eigenständigkeit.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | Guadeloupe (französisch), Gwadloup (kreolisch) |
| alternative Bezeichnungen | Karukera, Caloucaéra, Karoukera, Karukéra (karibisch), Santa María de Guadalupe (1493), Guadalupe, Guadaloupe, Guadeloupe, Guadalupa (spanisch), Gwada (lokal) |
| Kategorie | Meeresinsel |
| Inseltyp | echte Insel |
| Inselart | vulkanische Insel |
| Gewässer | Karibisches Meer (Mer des Caraïbes) und Atlantischer Ozean (Océan Atlantique) |
| Inselgruppe | Kleine Antillen (Petites Antilles) |
| politische Zugehörigkeit | Staat: Republik Frankreich (République française) Region bzw. Provinz: Guadeloupe (Région / Departement d’outre mer de Guadeloupe) |
| Gliederung | 2 arrondissements (Kreise), inbsgesamt 5 18 cantons (Kantone), insgesamt 21 26 communes (Gemeinden), insgesamt 32 |
| Status | Inselregion (région d’outre mer) |
| Koordinaten | 61°34‘ N, 16°14‘ W |
| Entfernung zur nächsten Insel | 140 m (La Roche), 9,5 km (La Désirade) |
| Entfernung zum Festland | 579 km (Punta de Dragon / Venezuela) |
| Fläche | 1.438 km² / 555 mi² (mit Nebeninseln 1628,43 km² / 628,74 mi²) |
| geschütztes Gebiet | 257 km² / 99 mi² (17,9 %) |
| maximale Länge | 67,8 km (W-O) |
| maximale Breite | 46,5 km (N-S) |
| Küstenlänge | 581 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Karibisches Meer / Atlantischer Ozean) |
| höchste Stelle | 1467 m (Soufrière) |
| relative Höhe | 1467 m |
| mittlere Höhe | 56 m |
| maximaler Tidenhub | 0,4 bis 0,7 m (Pointe à Pitre 0,62 m) |
| Zeitzone | HNA (Heure normale de l’Atlantique / Atlantic Standard Time / Atlantik-Standardzeit, UTC-4) |
| Realzeit | UTC minus 4 Stunden 4 bis 7 Minuten |
| Einwohnerzahl | 369.424, Department 383.569 (2022) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 256,90, Department 235,45 |
| Inselzentrum | Basse-Terre |
Name
Vor der Ankunft der Europäer war Guadeloupe von indigenen Völkern bewohnt, zunächst von Arawak-Gruppen (Taino) und später von den Kariben (Kalinago). Letztere nannten die Insel Karukera, auch Caloucaéra, Karoukera oder Karukéra geschrieben, was in ihrer Sprache „die Insel der schönen Gewässer“ oder „die Insel mit den schönen Wassern“ bedeutet. Dieser Name bezog sich auf die natürliche Schönheit der Insel, insbesondere ihre zahlreichen Flüsse, Wasserfälle (wie die Carbet-Fälle) und üppigen Quellen, die für die indigene Landwirtschaft und das tägliche Leben essenziell waren. Der Name Karukera wird heute noch in der kreolischen Kultur Guadeloupes verwendet, etwa in Tourismuswerbung oder als Symbol für die lokale Identität.
Am 4. November 1493 landete Kolumbus während seiner zweiten Reise in die Neue Welt an der Südostküste Guadeloupes, nahe dem heutigen Ort Capesterre-Belle-Eau. Die Expedition war auf der Suche nach frischem Wasser und Vorräten, und Kolumbus war beeindruckt von der üppigen Vegetation und den Wasserquellen der Insel. Er nannte sie Santa María de Guadalupe oder einfach Guadalupe, zu Ehren des spanischen Wallfahrtsorts Santa María de Guadalupe in der Provinz Cáceres (Extremadura). Kolumbus hatte vor seiner Abreise Santa María de Guadalupe besucht, um zu beten und ein Gelübde abzulegen. Das Kloster, gegründet im 14. Jahrhundert, beherbergte eine Statue der Jungfrau Maria, die als Schutzpatronin der Seefahrer galt. Kolumbus' Namensgebung folgte einer gängigen Praxis der spanischen Entdecker, Orte in der Neuen Welt nach religiösen Stätten in Spanien zu benennen, um den christlichen Anspruch zu unterstreichen und die Kolonisierung zu legitimieren.
Der Name Guadalupe selbst hat tiefere etymologische Wurzeln, die über Spanien hinausreichen. Er leitet sich vom arabischen Wad-al-luben oder Wadi al-lubb ab, was „verborgener Fluss“ oder „Fluss des Wolfes“ bedeutet – eine Kombination aus arabisch wadi, "Tal oder Flussbett" und lateinisch lupus "Wolf", möglicherweise vermischt mit spanischen Einflüssen. Diese Bezeichnung geht zurück auf die maurische Periode in Spanien (8. bis 15. Jahrhundert). Eine alternative Interpretation sieht in Guadalupe eine Referenz zu Genesis 3:15 („er zertritt den Kopf der Schlange“), was symbolisch für Marias Triumph über das Böse steht, und verbindet es mit der arabischen Wurzel guada, "Fluss", und lupe für den "Wolf als Symbol für den Teufel". Der Name Guadalupe wurde in der Neuen Welt mehrmals vergeben (zum Beispiel Guadalupe in Mexiko, Guadalupe-Inseln vor Kalifornien), immer mit Bezug zur spanischen Wallfahrtsstätte.
Die Franzosen übernahmen den spanischen Namen, passten ihn jedoch an ihre Sprache an: Aus Guadalupe wurde Guadeloupe, mit dem charakteristischen französischen „ou“-Laut. Diese Anpassung spiegelt die französische Dominanz wider, die bis heute anhält – die Insel ist seit 1674 (mit Unterbrechungen) französisches Territorium. Im Laufe der Kolonialzeit blieb der Name inl Varianten wie Guadaloupe oder Guadalupa in Karten und Berichten erhalten. Im karibischen Kreolisch heißt die Insel heute Gwadloup, von den Bewohnern wird sie meist kurz Gwada genannt.

- abchasisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- acehnesisch: Guadelupe
- adygisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- afrikaans: Guadeloupe
- akan: Gwadlup
- albanisch: Guadelupa
- altaisch: Гваделуп [Gvadelup]
- amharisch: ጉዋደሉፕ [Guwaadelup]
- angelsächsisch: Guadeloupe
- arabisch: غوادلوب [Jwadhub], جوادلوب [Ghwādlūb]
- aragonesisch: Guadalupe
- armenisch: Գվատելուսպա [Gvateloupa]
- aserbaidschanisch: Гyаделупа [Guadelupa]
- assamesisch: গুয়াদলু [Goyāṭilūp]
- aymara: Guadelupa
- bairisch-österreichisch: Gwadlup
- bambara: Gwadelup
- bandscharisch: Guadelupa
- baschkirisch: Гваделуп [Gvadelup]
- baskisch: Guadalupe
- bengalisch: গুয়াদলুপ [Goyāṭilūpa], গুয়াদলুপ [Guādalup], গুয়াদেলৌপ [Guādelou]
- bhutanisch: གོ་ཌེ་ལུ་པེ [Go-de-lu-pe]
- biharisch: ग्वाडेलूप [Gvaadelūp]
- bikol: Guadalupe
- birmanisch: ဂွါဒလ်ကျွန်း [Gwadal kyun], ဂွါဒီလု [Gwadeilu]
- bislama: Gwadlup
- bosnisch: Гвадалупa [Gvadelupa]
- bretonisch: Gwadeloup, Gwadloup
- bulgarisch: Гвадалупе [Gvadelupe]
- burjatisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- cebuano: Guadelupe, Guadeloupe
- chakassisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- chavakano: Guadalupe
- cherokee: ᎩᏓᎷᏇ [Gidalugwe]
- chinesisch: 瓜德罗普 [Wēidìlūpe], 瓜德羅普 [Guādéluōpǔ]
- dari: گوادلوپ [Gūātlūp]
- dänisch: Guadeloupe
- deutsch: Guadelupe, Guadeloupe
- englisch: Guadeloupe
- esperanto: Gvadelupo
- estnisch: Guadeloupe
- estremadurisch: Guaalupi
- färöisch: Guadelupe
- fidschianisch: Guadelupe
- finnisch: Guadeloupe
- flämisch: Guadelupe
- französisch: Guadeloupe
- friesisch: Guadelupe
- friulanisch: Guadelupe
- ful: Gwadlub
- gagausisch: Guadelup
- galizisch: Guadalupe
- gälisch: Guadalup
- georgisch: გვატელუპა [Gvatelupa]
- griechisch: Γουαδελούπη [Gouadeloúpê]
- grönländisch: Guadelupe
- guarani: Guadalupe
- gudscheratisch: ગ્વાડેલુપ [Gvaadelup]
- guyanisch: Gwadlup
- haitianisch: Gwadloup
- hakka: 瓜德罗普 [Guaˇtekˋloˋphuˇ]
- hausa: Gwadlup
- hawaiianisch: Kuādelūpu
- hebräisch: גואדלופ [Guadelof]
- hindi: गुआदेलूप [Gvādelūp]
- ido: Guadelupa
- igbo: Gvadelup
- ilokano: Gvadelup
- indonesisch: Guadelupe
- interlingua: Guadalupe
- irisch: an Guiadeloup
- isländisch: Gvadelúp, Gvadelúpeyjar
- italienisch: Guadalupa
- jakutisch: Гваделуп [Gvadelup]
- jamaikanisch: Guadiluup
- japanisch: グアドループ [Guadorūpu]
- jerseyanisch: Guadeloupe
- jiddisch: גוואדלופ [Guadalupa]
- kabardisch: Гваделуп [Gvadelup]
- kabiye: Gvadlup
- kabylisch: Gwadelup
- kalmükisch: Гваделуп [Gvadelup]
- kambodschanisch: ក្វាឌេលូប [Kwa-delup]
- kanaresisch: ಗ್ವಾಡೆಲೂಪ್ [Gvāḍelūp]
- karakalpakisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- karatschai-balkarisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- karelisch: Гyаделупe [Guadelupe]
- karibisch kreolisch: Gwada, Gwadloup
- kasachisch: Гваделупe [Gvadelupe]
- kaschubisch: Gwadelupa
- katalanisch: Guadalupe
- kirgisisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- komi: Гваделуп [Gvadelup]
- koreanisch: 과들루프 [Gwadeullupeu]
- kornisch: Guadelup
- korsisch: Guadalupa
- krimtatarisch: Гваделупe [Gvadelupe]
- kroatisch: Gvadalupa
- kumükisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- kurdisch: Gwadelup
- ladinisch: Guadeloupe
- lakisch: Гваделуп [Gvadelup]
- laotisch: กวาเดอลูป [Kwaa-de-lup]
- lasisch: გვატელუპა [Gvatelupa]
- lateinisch: Guadalupa, Guadelupa
- lesgisch: Гваделуп [Gvadelup]
- lettisch: Gvadelupa
- letzeburgisch: Guadelupe
- lingala: Gwadelup
- litauisch: Gvadelupa
- livisch: Guadeloupe
- madegassisch: Guadelupe
- makedonisch: Гвадалупе [Gvadelupe]
- malaisch: Guadelupe
- malayalam: ഗ്വാഡലൂപ് [Gvadalūp]
- maldivisch: ގޯޑިލޫޕު [Gu'āṫilūp]
- maltesisch: Gwadelup
- manx: yn Guadelup
- maori: Kuātelūpu
- marathisch: ग्वादेलोप [Gvādelūp]
- mari: Гваделуп [Gvadelup]
- mindeng: 瓜德罗普 [Guādéluópǔ]
- mingrelisch: გვატელუპა [Gvatelupa]
- minnan: 朶列普 [To-li̍t-pó͘]
- mirandesisch: Guadalupe
- moldawisch: Гyадалупе [Guadelupe]
- mongolisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- mordwinisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- nahuatl: Kuādelup
- nauruanisch: Guadelupe
- nepalesisch: ग्वादेलोप [Gvādelūp]
- norwegisch: Guadeloupe
- novial: Guadeloupe
- okzitanisch: Guadalupe
- olonetzisch: Gvadelup
- orissisch: ଗୁଆଡେଲୂପ୍ [Guāḍelūp]
- oromo: Gwaadaluup
- ossetisch: Гваделупæ [Gvadelupä]
- pampangan: Guadelupe
- pandschabisch: ਗੁਆਡੇਲੂਪ [Guāḍēlūp] bzw. گوآڈیلُپ [Guāḍēlup]
- panganisan: Guadalupe
- papiamentu: Guadelupe
- paschtunisch: ګوآديلوپ [Gwardilop]
- persisch: گوادلوپ [Gūātlūp]
- piemontesisch: Guadalupa
- pikardisch: Guadeloupe
- pitkernisch: Gwadlup
- polnisch: Gwadelupa
- portugiesisch: Guadalupe
- provenzalisch: Guadalupe
- quetschua: Guadalupe
- rätoromanisch: Guadelupe
- romani: Guadalupe
- rumänisch: Guadelupa
- rundi-rwandesisch: Gwadelupe
- russisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- ruthenisch: Гвадалуп [Gvadelup]
- samisch: Guadelupe
- samoanisch: Kuātelūpu
- sardisch: Guadalupa
- saterfriesisch: Guadelupe
- schlesisch: Gwadelup
- schottisch: Guadeloupe
- schwedisch: Guadeloupe
- serbisch: Гвадалуп [Gvadelup]
- sindhi: گواڈیلوپ [Gvāṫelūp]
- singhalesisch: ගුවඩ්ලූපය [Guwaḍlūpaya]
- sizilianisch: Guadalupa
- slovio: Guadelupe
- slowakisch: Guadeloupe
- slowenisch: Guadeloupe
- somalisch: Guadeluub
- sorbisch: Guadelupa
- spanisch: Guadalupe
- sudovisch: Gvedelupa
- sundanesisch: Guadelup
- surinamesisch: Guadelupa
- swahili: Guadelupe
- swasi: Igwadlup
- syrisch: ܓܘܐܕܠܘܦܐ [Guadelufa]
- tabassaranisch: Гваделуп [Gvadelup]
- tadschikisch: Gvatelupä
- tagalog: Guadalupe
- tahitianisch: Kuadēlupa
- tamilisch: கவாடேலூப் [Kavāṭēlūp]
- tatarisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- telugu: గ్వాడెలూప్ [Gvāḍēlūp]8
- thai: กัวเดอลุป [Kuātēlūp]
- tibetisch: གོ་ཌེ་ལུ་པེ [Go-de-lu-pe]
- tigrinisch: ጉዋደሉፕ [Guwaadelup]
- timoresisch: Guadelupa
- tok pisin: Guadelup
- tonganisch: Kuadelūpu
- tschechisch: Guadeloupe
- tschetschenisch: Гваделуп [Gvadelup]
- tschuwaschisch: Гваделуп [Gvadelup]
- turkmenisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- tuwinisch: Гваделуп [Gvadelup]
- türkisch: Guadeloupe
- twi: Gwadlib
- udmurtisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- uigurisch: گۋادېلوپ [Gwadelope]
- ukrainisch: Гвадeлупa [Gvadelupa]
- ungarisch: Guadeloupe
- urdu: گواڈیلوپ [Gvāṫelūp]
- usbekisch: Гваделупа [Gvadelupa]
- venezianisch: Guadalupe
- vietnamesisch: Goa-tê-lû-pe
- visayan: Guadalupe
- volapük: Guadelupän
- voronisch: Guadelupe
- walisisch: Gwadelwp
- wallonisch: Guadeloupe
- weißrussisch: Гвадалупе [Gvadelupe]
- wepsisch: Guadelupa
- winaray: Guadelupe
- wolof: Guwaadalup
- xhosa: Gwadlup
- yoruba: Gwadlup
- yukatekisch: Guadelupa
- zazakisch: Gwadelup
- zulu: iGuadelup
Offizieller Name: Guadeloupe
- Bezeichnung der Bewohner: Guadeloupéens (Guadelupianer)
- adjektivisch: guadeloupéen (guadelupianisch)
Kürzel:
- Landescode: GP / GLP
- Deutsch: GDL
- Alternativ: GUA
- Sport: GLP (inoffiziell)
- Kfz: -
- Internet: .gp
Lage
Guadelupe liegt im zentralen Bereich der Kleinen Antillen auf durchschnittlich 61°34‘ w.L. und 16°14‘ n.B.. Guadeloupe liegt zwischen den Antilleninseln Antigua und Montserrat im Norden sowie Dominica im Süden. Der Archipel befindet sich damit auf der gleichen geografischen Breite wie der Norden Senegals mit Saint-Louis, der Süden von Mauretanien, Zentral-Mali mit Gao, Zentral-Niger, das Massif Ennedi im Norden des Tschad, der nördliche Vorortebereich der sudanesischen Hauptstadt Khartoum, Zentral-Jemen mit Al-Ghaydah, Zentral-Indien mit Raichur, Tenali und Machilipatnam, das Irrawaddy-Delta in Birma, Khon Kaen im zentralen Norden Thailands, Süd.Laos, Da Nang in Vietnam, Lingayen und Dagupan auf derphilippinischen Insel Luzon, der äußerste Süden Mexikos mit Iuchitan und Chiapas, der Norden Guatemalas, der Süden von Belize und die Nordküste von Honduras mit den Islas de la Bahia.
Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 16°31‘20“ n.B. (Pointe de la Grande Vigie)
- südlichster Punkt: 15°56'46" n.B. (Vieux-Fort) bzw. 15°50‘08“ n.B. (Pointe des Colibris / Grand Ilet / Les Saintes)
- östlichster Punkt: 61°10'23" w.L. (Pointe des Colibris) bzw. 60°59‘51“ w.L. (Pointe Double / La Désirade)
- westlichster Punkt: 61°48‘17“ w.L. (Pointe Ferry)

Entfernungen:
- La Roche 140 m
- La Désirade 9,5 km
- Terre-de-Bas (Les Saintes) 10 km
- Marie-Galante 26,5 km
- Dominica (Carib Point) 43 km
- Montserrat (Shoe Rock) 57 km
- Antigua (South Point) 62 km
- Nevis (Dogwood Estate) 120 km
- Martinique (Pointe de Macouba) 132 km
- Saint-Barthélemy 203 km
- Dominica 220 km
- Saint-Martin (Pointe-Blanche) 229 km
- Venezuela (PÜunta de Dragon) 579 km
Zeitzone
In Guadelupe gilt die Heure Standard de l’Atlantique bzw. Atlantic Standard Time (Atlantische Standard-Zeit), abgekürzt HSA bzw. AST (AZ), 5 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit, UTC-4). Die Realzeit liegt um 4 Stunden und 4 bis 7 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).
Fläche
Das Überseedepartment Guadeloupe hat seit der Ausgliederung der nunmehrigen Überseegemeinden Saint-Barthélemy und Saint-Martin im Jahr 2007 eine offizielle Fläche von 1628,43 km² bzw. 628,74 mi². Zuvor waren es 1702,62 km². Die Hoheitsgewässer umfassen rund 70.000 km². Die 1.438 km² bzw. 555 mi² umfassende Hauptinsel durchmisst von West nach Ost 67,8 km bei einer maximalen Nord-Süd-Erstreckung von 34,5 km (Basse-Terre) und 46,5 km (Grande-Terre). Die Küstenlänge beträgt 581 km, nach alternativen Angaben 579 km. Höchste Erhebung ist der Soufrière mit 1467 m. Die tiefste Stelle liegt auf Meeresniveau bei einem maximalen Tidenhub von 0,4 bis 0,7 m (Pointe à Pitre 0,62 m), die mittlere Seehöhe bei 56 m.
Flächenaufteilung 2011:
- Waldland 636 km² (39 %)
- Wiesen und Sträucher 440 km² (27 %)
- Agrarland 293 km² (18 %)
- Weideland 228 km² (14 %)
- Gewässer 16 km² (1 %)
- Verbautes Gelände 15 km² (1 %)
Grenzverlauf
Ab 19. März 1946 war Guadeloupe ein französisches Überseedepartment. Am 22. Februar 2007 wurden Saint-Martin und Saint-Barthélemy vom Territorium des Überseedepartments Guadeloupe losgelöst.
Geologie
Guadeloupe liegt am östlichen Rand der Karibischen Platte innerhalb des aktiven Vulkanbogens der Kleinen Antillen. Die geologische Entwicklung des Archipels wird maßgeblich durch die Subduktion der atlantischen Lithosphäre unter die Karibische Platte bestimmt. Dabei taucht die ozeanische Kruste der im Atlantik gelegenen Amerikanischen Platten am östlichen Rand der Karibischen Platte nach Westen ab. Die dabei entstehenden hohen Temperaturen und Drücke führen zur teilweisen Aufschmelzung des Mantelmaterials und zur Bildung von Magma, das entlang des Inselbogens aufsteigt. Dieser seit mehreren zehn Millionen Jahren andauernde tektonische Prozess ist für die Entstehung der vulkanischen Inseln der Kleinen Antillen verantwortlich und verursacht bis heute Erdbeben, vulkanische Aktivität und hydrothermale Erscheinungen.
Der Inselbogen der Kleinen Antillen erstreckt sich über ungefähr 850 km von den Jungferninseln im Norden bis zur Küste Venezuelas im Süden und bildet die östliche Begrenzung des Karibischen Meeres. Seine geologische Entwicklung verlief in mehreren Phasen. Neben älteren vulkanischen Inselbogenstrukturen, die teilweise bis in die Kreidezeit zurückreichen, entstanden jüngere vulkanische Formationen, die den heutigen Inselbogen prägen. Guadeloupe liegt im Bereich dieses jüngeren Inselbogens, dessen vulkanische Entwicklung insbesondere während des Pliozäns und des Quartärs ausgeprägt war. Die Inselgruppe weist deshalb eine außergewöhnlich vielfältige Geologie auf: Während Basse-Terre von vulkanischen Gesteinen und jungen Gebirgsformen geprägt wird, bestehen Grande-Terre und mehrere vorgelagerte Inseln überwiegend aus Kalkgesteinen, Korallenriffablagerungen und anderen marinen Sedimenten. Die unterschiedlichen Entstehungsbedingungen erklären die deutlichen Gegensätze zwischen den steilen, bewaldeten Vulkanbergen und den flacheren, verkarsteten Kalksteinlandschaften.
Die tektonische Aktivität ist auf zahlreiche Störungen und Verwerfungen zurückzuführen, die den Untergrund des Archipels durchziehen. Zu den regional bedeutenden tektonischen Strukturen gehören unter anderem die Faille de la Barre und die Faille de Cadoue. Hinzu kommen Störungssysteme im Bereich des Meeresbodens zwischen Guadeloupe, Dominica und den benachbarten Inseln. Die Bewegungen entlang dieser Bruchzonen können starke Erdbeben auslösen. Guadeloupe gehört deshalb zu den seismisch besonders gefährdeten Gebieten Frankreichs und ist in der französischen Erdbebengefährdungsklassifizierung der höchsten Stufe 5 zugeordnet. Die tektonischen Bewegungen beeinflussen außerdem die Hebung und Absenkung einzelner Inselbereiche sowie die Entstehung von Küstenformen und untermeerischen Geländestrukturen.
Die Basse-Terre bildet mit einer Fläche von etwa 848 km² die westliche und geologisch jüngere der beiden Hauptinseln. Sie gehört zum inneren, weiterhin vulkanisch aktiven Inselbogen der Kleinen Antillen und ist durch eine ausgeprägte Gebirgslandschaft mit steilen Berghängen, tief eingeschnittenen Tälern, Schluchten und zahlreichen Flussläufen gekennzeichnet. Ihre vulkanische Entwicklung begann vor ungefähr 3,5 Millionen Jahren und verlief in mehreren aufeinanderfolgenden Phasen, in denen unterschiedliche Vulkangebäude und Lavaformationen entstanden. Zu den ältesten größeren Einheiten gehört das nördliche Vulkangebiet, dessen Entstehung ungefähr zwischen 3,5 und 1 Millionen Jahren zurückliegt. Es folgten die Ausbildung der axialen Gebirgskette zwischen etwa 1,25 Millionen und 450.000 Jahren sowie die Entstehung der Monts Caraïbes im Süden und der Chaîne de Bouillante im Westen. Die verschiedenen Vulkangebiete bestehen überwiegend aus basaltischen, andesitischen und dazitischen Gesteinen. Neben ausgedehnten Lavaablagerungen finden sich pyroklastische Ablagerungen, vulkanische Brekzien und durch spätere Verwitterung veränderte Gesteinsschichten. Die intensive tropische Verwitterung hat insbesondere die älteren vulkanischen Formationen stark verändert und zur Bildung mächtiger Böden beigetragen.
Im südlichen Teil der Basse-Terre erhebt sich das Massiv der Grande Découverte mit dem aktiven Vulkan La Soufrière, der mit 1467 m die höchste Erhebung Guadeloupes und der Kleinen Antillen darstellt. Es handelt sich um einen komplexen Stratovulkan, dessen Aufbau durch wiederholte explosive und effusive Ausbrüche, die Entstehung von Lavadomen sowie mehrere größere Flankeneinstürze geprägt wurde. Das heutige Vulkangebäude entwickelte sich innerhalb älterer vulkanischer Strukturen. Vor ungefähr 200.000 Jahren entstand der Vulkan Grande Découverte. Eine größere explosive Eruption führte später zur Ausbildung einer Caldera, innerhalb derer sich der jüngere Vulkan Carmichaël entwickelte. Weitere massive Flankenkollapse ereigneten sich vor ungefähr 11.500 und 3100 Jahren. Dabei entstanden große Einsturzkrater und ausgedehnte Ablagerungen aus Gesteinstrümmern, die teilweise bis zur Küste gelangten. Der heutige Gipfelbereich wird von einem abgeflachten Lavadom gebildet, der aus zähflüssigem, überwiegend dazitischem Magma hervorgegangen ist. Die Gesteine des Soufrière-Massivs umfassen vor allem Andesite und Dazite, deren mineralische Zusammensetzung unter anderem durch Feldspäte, Pyroxene und Amphibole geprägt wird.
Die vulkanische Tätigkeit der Soufrière ist durch einen Wechsel zwischen magmatischen Eruptionen und phreatischen Explosionen gekennzeichnet. Die letzte größere magmatische Eruption fand im 15. Jahrhundert statt und wird auf ungefähr 1440 bis 1530 datiert. Sie führte unter anderem zur Entstehung des heutigen Lavadoms. Spätere Ausbrüche waren überwiegend phreatischer Natur, wobei unterirdisches Wasser durch die Erwärmung des vulkanischen Untergrundes schlagartig verdampfte und dabei Asche, Gesteinsbruchstücke und Wasserdampf ausstieß. Besonders bedeutend war die Aktivitätsphase von 1976 bis 1977. Nach einer starken Zunahme der Erdbebenaktivität kam es am 8. Juli 1976 zu einer phreatischen Explosion, bei der feines vulkanisches Material über die Westflanke verteilt wurde. Es folgten weitere Dampf- und Gasemissionen, Erschütterungen sowie kleinere Schlamm- und Geröllströme. Wegen der möglichen Gefährdung durch stärkere Ausbrüche wurde ein großer Teil des südlichen Basse-Terre evakuiert. Rund 72.000 Menschen mussten zeitweise ihre Wohnungen verlassen. Die Aktivität ging 1977 allmählich zurück, ohne dass es zu einer neuen magmatischen Eruption kam. Die Soufrière gilt weiterhin als aktiver Vulkan und wird durch das Vulkanologische und Seismologische Observatorium Guadeloupes überwacht. Zu den beobachteten Erscheinungen gehören fumarolische Gas- und Wasserdampfaustritte, hydrothermale Veränderungen des Gesteins und eine oberflächennahe Erdbebenaktivität.
Neben dem Soufrière-Massiv prägen zahlreiche weitere vulkanische Gebirgszüge und Einzelberge die Landschaft der Basse-Terre. Im südlichen Inselteil befinden sich die Monts Caraïbes, deren vulkanische Gesteine vor ungefähr 500.000 bis 400.000 Jahren entstanden. Im Zentrum verläuft die Chaîne Axiale mit mehreren markanten Gipfeln und Vulkankegeln. Weiter nördlich liegen die Mamelles, zwei charakteristische vulkanische Erhebungen, deren Gesteine überwiegend aus dazitischen Porphyren bestehen. Diese enthalten gut erkennbare Quarzkristalle und gehören zu den jüngeren Formationen des nördlichen Vulkangebiets. Die vulkanischen Gebirgszüge werden von zahlreichen tief eingeschnittenen Tälern unterbrochen, die durch die starke Niederschlagsmenge und die intensive Erosion entstanden sind. Besonders eindrucksvoll sind die Chutes du Carbet, eine Folge von drei großen Wasserfällen am Osthang des Soufrière-Massivs. Ihre Wasserläufe haben sich in unterschiedliche vulkanische Gesteinsschichten eingeschnitten und legen dabei Basalt-, Andesit- und pyroklastische Ablagerungen frei. Die Entstehung der betreffenden Gesteinsformationen reicht von ungefähr 140.000 Jahren bis in die jüngere Erdgeschichte. An verschiedenen Stellen treten säulenförmige Basaltstrukturen auf, die durch das Abkühlen und Schrumpfen mächtiger Lavaströme entstanden sind. Solche Basaltorgeln sind unter anderem im Gebiet von Matouba zu finden. Auch an den Steilküsten und in den Flusstälern der Basse-Terre sind ältere Lavaformationen und vulkanische Ablagerungen aufgeschlossen.
Ein weiteres charakteristisches Merkmal der vulkanischen Geologie sind die hydrothermalen Erscheinungen. Regenwasser dringt in die durchlässigen vulkanischen Gesteinsschichten ein, wird in tieferen Bereichen durch die Erdwärme erhitzt und tritt anschließend als warmes oder heißes Wasser sowie als mineralreiche Quelle wieder an die Oberfläche. Besonders ausgeprägt sind diese Erscheinungen an der Westküste im Raum Bouillante. Dort befinden sich zahlreiche heiße Quellen und fumarolische Austrittsstellen, die mit dem vulkanischen Untergrund der Basse-Terre zusammenhängen. Die geothermischen Ressourcen werden zur Energiegewinnung genutzt. Das Geothermiekraftwerk Bouillante gehört zu den bedeutenden Anlagen dieser Art in der Karibik und nutzt heißes Wasser und Dampf aus dem Untergrund zur Stromerzeugung. Die hydrothermalen Prozesse führen außerdem zur chemischen Veränderung der umgebenden Gesteine. Dabei entstehen unter anderem tonmineralreiche Zersetzungszonen, die lokal die Festigkeit des vulkanischen Untergrundes herabsetzen können.
Die vulkanische Aktivität der Basse-Terre hat nicht nur Gebirge und Täler geschaffen, sondern auch die Entstehung zahlreicher besonderer Landschaftsformen ermöglicht. Dazu gehören ehemalige Krater, Lavadome, erstarrte Lavaströme, vulkanische Schuttkegel, pyroklastische Ablagerungen und durch Erosion freigelegte Gesteinswände. An den Hängen des Soufrière-Massivs finden sich zudem ältere Ablagerungen großer Bergstürze und vulkanischer Schlammströme. Die Kombination aus hohen Niederschlägen, steilem Relief, starker chemischer Verwitterung und tektonischer Beanspruchung führt dazu, dass die Hänge vielerorts anfällig für Erdrutsche und Hangrutschungen sind. Die Flüsse transportieren große Mengen vulkanischen Lockermaterials in die Küstenebenen und lagern dort Sand, Kies und Schluff ab. Auf diese Weise entstehen im Übergangsbereich zwischen Gebirge und Küste jüngere Schwemmfächer und alluviale Ablagerungen.
Die Grande-Terre bildet mit ungefähr 586 km² die östliche Hauptinsel Guadeloupes. Ihre geologische Entstehung unterscheidet sich grundlegend von jener der Basse-Terre. Sie gehört zum äußeren, heute erloschenen Vulkaninselbogen der Kleinen Antillen und besteht oberflächlich fast vollständig aus marinen Kalksteinen. Diese entstanden durch die Ablagerung von Korallen, Muscheln, Kalkalgen und anderen kalkbildenden Meeresorganismen in flachen tropischen Gewässern. Die karbonatischen Ablagerungen begannen vor ungefähr fünf Millionen Jahren und setzten sich während des Pliozäns und Pleistozäns fort. Im Laufe der Zeit wurden die Riff- und Lagunensedimente verfestigt und durch tektonische Hebungen über den Meeresspiegel angehoben. Die Kalksteinformationen erreichen örtlich eine Mächtigkeit von mehr als 120 m. Unter ihnen befinden sich ältere vulkanische Gesteine, die heute größtenteils von den jüngeren Kalkablagerungen überdeckt sind.
Die Oberfläche der Grande-Terre besteht aus mehreren unterschiedlich hoch gelegenen Kalksteinterrassen und flachwelligen Plateaus. Im Norden und Osten treten teilweise steile, vom Atlantik angeschnittene Kalksteinküsten auf, während im Süden und Westen flachere Küstenabschnitte mit Stränden, Lagunen und Korallenriffen überwiegen. Besonders charakteristisch ist das Gebiet der Grands-Fonds im Inselinneren. Dort hat die tropische Verwitterung die Kalksteinoberfläche tiefgreifend verändert und eine ausgeprägte Karstlandschaft mit zahlreichen Hügeln, Senken, Trockentälern und Dolinen geschaffen. Regenwasser löst das leicht angreifbare Calciumcarbonat des Kalksteins und erweitert vorhandene Klüfte und Spalten. Dadurch entstehen unregelmäßige Geländeformen und unterirdische Entwässerungswege. Die höchsten Erhebungen der Grande-Terre bleiben vergleichsweise niedrig; der Morne l'Escale erreicht ungefähr 135 m. Im Gegensatz zu den vulkanischen Gebirgen der Basse-Terre besitzt die Grande-Terre daher ein überwiegend flaches bis hügeliges Relief.
Die geologische Struktur der Grande-Terre ist eng mit der Entwicklung ehemaliger Korallenriffe verbunden. Während verschiedener Phasen des Pleistozäns bildeten sich bei höheren Meeresspiegelständen ausgedehnte Riffkörper, die später durch Schwankungen des Meeresspiegels und tektonische Hebungen trockenfielen. Die unterschiedlichen Höhenlagen der Kalksteinterrassen dokumentieren diese Entwicklung. An der Nordküste treten die Kalksteine teilweise als steile Felsklippen hervor, während die südlichen und westlichen Küstenabschnitte stärker durch Riffbildungen, jüngere Strandablagerungen und marine Erosionsprozesse geprägt werden. Im Bereich des Grand Cul-de-Sac Marin und des Petit Cul-de-Sac Marin befinden sich flache Meeresgebiete, in denen Korallenriffe, Mangroven und jüngere Sedimente miteinander verbunden sind. Die Kalksteinuntergründe der Grande-Terre bilden außerdem einen wichtigen Grundwasserspeicher, dessen Wasserführung von Niederschlägen, Durchlässigkeit und Verkarstung abhängt.
Marie-Galante liegt südöstlich der Grande-Terre und gehört ebenfalls zum äußeren, nicht mehr vulkanisch aktiven Inselbogen. Die Insel besitzt einen überwiegend kalkhaltigen geologischen Aufbau, der demjenigen der Grande-Terre ähnelt. Ihre Oberfläche besteht größtenteils aus marinen Kalksteinablagerungen, die auf einem wesentlich älteren vulkanischen Untergrund liegen. Die Kalksteine entstanden durch die Ablagerung von Korallenriffen und anderen kalkbildenden Meeresorganismen während des Pliozäns und Pleistozäns. Durch spätere tektonische Hebungen wurden die ehemaligen Meeresablagerungen über den Meeresspiegel angehoben und bildeten mehrere Kalksteinterrassen. Die Insel erreicht im Zentrum und im nördlichen Bereich größere Höhen als an ihren Küsten. Durch die chemische Verwitterung der Kalksteine entwickelte sich eine Karstlandschaft mit sanften Hügeln, Senken und Dolinen. Besonders im Bereich von Morne Piton und Morne Constant sind solche Geländeformen ausgeprägt. Die Küsten werden im Norden stellenweise von höheren Kalksteinklippen gebildet, während im Süden flachere Küstenabschnitte, Strände und vorgelagerte Riffstrukturen überwiegen. Die Kalksteinlandschaft von Marie-Galante weist damit deutliche Ähnlichkeiten mit der Grande-Terre auf, besitzt jedoch aufgrund ihrer eigenständigen Hebungs- und Erosionsgeschichte eine eigene Reliefstruktur.
La Désirade liegt östlich der Grande-Terre und nimmt innerhalb des Archipels eine besondere geologische Stellung ein. Sie gehört zu den ältesten geologisch erschlossenen Teilen des Inselbogens der Kleinen Antillen. Ihr Grundgebirge enthält Gesteine mesozoischen Alters, deren Entstehung bis in den Oberjura vor ungefähr 145 Millionen Jahren zurückreicht. Damit dokumentiert die Insel eine sehr frühe Phase der geologischen Entwicklung des karibischen Inselbogens. Das Grundgebirge besteht aus verschiedenen magmatischen und metamorphen Gesteinen, darunter Andesite, Dazite, Rhyolithe und intrusive Gesteine wie Granodiorite. Diese älteren Formationen treten insbesondere im östlichen Inselteil an die Oberfläche. Sie werden teilweise von jüngeren marinen Kalksteinablagerungen überlagert, die aus Korallenriffen und anderen karbonatischen Sedimenten hervorgegangen sind. Die geologische Entwicklung umfasst somit sowohl alte magmatische Prozesse als auch spätere marine Ablagerungs- und Hebungsphasen. Die Oberfläche wird von einem langgestreckten, teilweise geneigten Plateau geprägt, das im Bereich der Grande Montagne etwa 275 m erreicht. Besonders im Norden und Osten haben die Meeresbrandung und die Verwitterung steile Felswände und markante Küstenabbrüche geschaffen. Die Übergänge zwischen dem alten magmatischen Grundgebirge und den jüngeren Kalksteinformationen sind für die geologische Erforschung der Insel besonders aufschlussreich. La Désirade ermöglicht damit einen Einblick in eine wesentlich ältere Entwicklungsphase des Antillenbogens als die überwiegend quartären Vulkangebiete der Basse-Terre.
Der Archipel der Îles des Saintes südlich der Basse-Terre besitzt dagegen überwiegend vulkanischen Ursprung und gehört wie diese zum inneren Inselbogen der Kleinen Antillen. Seine Inseln entstanden durch vulkanische Prozesse, die teilweise bis ins Miozän zurückreichen und sich während des Pliozäns und Pleistozäns fortsetzten. Die geologischen Formationen umfassen ältere vulkanische Gesteine sowie jüngere Lava- und pyroklastische Ablagerungen. Besonders auf Terre-de-Haut und Terre-de-Bas treten steile vulkanische Hügel, felsige Landzungen und stark gegliederte Küstenabschnitte hervor. Die Gesteine bestehen vorwiegend aus andesitischen und dazitischen Materialien, die durch die Abkühlung von Lava beziehungsweise die Ablagerung ausgeworfenen vulkanischen Materials entstanden. Die starke Erosion durch Regenwasser und Meeresbrandung hat die ursprünglichen Vulkangebäude im Laufe der Zeit erheblich verändert. Im Gegensatz zu Grande-Terre und Marie-Galante besitzen die Saintes deshalb ein deutlich stärker ausgeprägtes Gebirgsrelief. Ihre Entstehung steht in engem Zusammenhang mit der jüngeren vulkanischen Entwicklung der Basse-Terre.
Die geologische Vielfalt Guadeloupes wird schließlich durch die zahlreichen kleineren Inseln und Riffe ergänzt. Petite-Terre besteht überwiegend aus angehobenen Kalksteinformationen und gehört ebenso wie Grande-Terre und Marie-Galante zum äußeren Kalksteininselbogen. Die vorgelagerten Korallenriffe und Flachwasserbereiche sind durch die Ablagerung kalkbildender Organismen entstanden und werden bis heute durch marine Sedimentationsprozesse verändert. In den geschützten Meeresgebieten des Grand Cul-de-Sac Marin und des Petit Cul-de-Sac Marin haben sich ausgedehnte Korallenriffsysteme, Sandbänke und Lagunenablagerungen entwickelt. An den Küsten der vulkanischen Inseln dominieren dagegen Felsklippen, erstarrte Lavaformationen und durch Brandung geformte Steilküsten. Die unterschiedlichen Gesteinsarten bestimmen somit wesentlich die Küstenformen, die Bodenbeschaffenheit und die natürliche Entwässerung der einzelnen Inseln.
Die geologische Entwicklung Guadeloupes ist bis heute nicht abgeschlossen. Die Subduktion der nordamerikanischen Platte unter die Karibische Platte verursacht weiterhin tektonische Spannungen, Erdbeben und vulkanische Prozesse. Neben der unmittelbaren Gefährdung durch Erdbeben und mögliche Vulkanausbrüche spielen auch Tsunamis, Hangrutschungen, Bergstürze und vulkanische Schlammströme eine wichtige Rolle bei der Bewertung der Naturgefahren. Besonders die Basse-Terre ist aufgrund ihrer steilen Vulkanhänge, der intensiven Niederschläge und der hydrothermal veränderten Gesteine anfällig für Massenbewegungen. Die Grande-Terre und die Kalksteininseln sind dagegen stärker von Küstenerosion, Karstprozessen und Veränderungen des Grundwassers betroffen. Insgesamt dokumentiert Guadeloupe auf engem Raum die Entwicklung zweier unterschiedlicher Inselbogensysteme: eines jüngeren, weiterhin aktiven vulkanischen Bogens im Westen und eines älteren, überwiegend aus angehobenen marinen Kalksteinformationen bestehenden Bogens im Osten.
Landschaft
Der Archipel vereint hohe vulkanische Gebirge, dicht bewachsene Regenwälder, tiefe Schluchten, wasserreiche Flusstäler, Wasserfälle, kalkhaltige Hügellandschaften, Mangrovenwälder, Lagunen, Korallenriffe und ausgedehnte Sandstrände. Besonders deutlich ist der landschaftliche Gegensatz zwischen den beiden Hauptinseln Basse-Terre und Grande-Terre. Während Basse-Terre von einem bewaldeten Vulkangebirge beherrscht wird, besitzt Grande-Terre ein wesentlich flacheres Relief mit Kalksteinplateaus, sanften Hügeln und einer stark gegliederten Küstenlandschaft. Die kleineren Inseln Marie-Galante, La Désirade und Les Saintes weisen jeweils eigenständige Landschaftsformen auf.
Basse-Terre ist landschaftlich die abwechslungsreichste und gebirgigste Insel des Archipels. Ihr Inneres wird von einem langgestreckten vulkanischen Gebirgsmassiv durchzogen, dessen höchste Erhebung der 1467 m hohe Vulkan La Soufrière ist. Die Berghänge steigen teilweise unmittelbar aus den Küstenniederungen auf und sind von tief eingeschnittenen Tälern, steilen Schluchten und zahlreichen Wasserläufen durchzogen. Große Teile des Gebirges sind von dichtem tropischem Regenwald bedeckt, der insbesondere an den Ost- und Südosthängen aufgrund der feuchten Passatwinde besonders üppig ausgeprägt ist. Die Vegetation reicht von feuchten Tieflandwäldern über Bergregenwälder bis zu niedrigem Nebelwald in den höheren Lagen. Auf den Gipfelregionen des Soufrière-Massivs bestimmen feuchte, windgeprägte Gebirgsvegetation, Moose, Farne und niedrige Sträucher das Landschaftsbild.
Die höchsten Gebirgsbereiche werden durch mehrere markante Gipfel und Bergketten gegliedert. Neben dem Soufrière-Massiv gehören die Gebirgszüge der Chaîne Axiale, die Monts Caraïbes und die nördlich gelegenen Mamelles zu den charakteristischen Landschaftselementen. Die Mamelles bilden zwei auffällige, dicht bewachsene Vulkankegel im Norden der Insel. Ihre abgerundeten Gipfel heben sich deutlich aus dem umliegenden Waldgebiet hervor. Die Monts Caraïbes im Süden weisen ein stärker gegliedertes Relief mit steilen Hängen und schmalen Bergrücken auf. Zwischen den Gebirgszügen liegen zahlreiche Täler, deren Flüsse teilweise über mehrere Stufen in Richtung Küste abfallen.
Besonders eindrucksvoll sind die Wasserfalllandschaften der Basse-Terre. Die bekanntesten Wasserfälle sind die Chutes du Carbet am Osthang des Soufrière-Massivs. Sie bestehen aus drei aufeinanderfolgenden Wasserfällen, die sich in einer tief eingeschnittenen, dicht bewaldeten Schlucht befinden. Der zweite Wasserfall besitzt eine Fallhöhe von ungefähr 110 m und gehört zu den bekanntesten Naturattraktionen Guadeloupes. Der erste Wasserfall fällt über etwa 115 m in ein enges Tal, während der dritte eine geringere Fallhöhe aufweist. Die Wasserführung wird durch die hohen Niederschläge im Gebirge gespeist und schwankt im Jahresverlauf. Weitere eindrucksvolle Wasserfälle und Kaskaden befinden sich im Gebiet des Carbet-Flusses sowie entlang der zahlreichen Gebirgsbäche. Zu den bekannten Zielen gehören auch die Cascade aux Écrevisses im Nationalpark Guadeloupe und die Wasserfälle im Gebiet von Matouba.
Im Westen der Basse-Terre erstreckt sich zwischen den Gebirgszügen und dem Karibischen Meer eine schmale, teilweise unterbrochene Küstenebene. Sie wird von Flussmündungen, kleinen Buchten, schwarzen und grauen Vulkanstränden sowie felsigen Landvorsprüngen geprägt. Besonders im Raum Bouillante und Pointe-Noire wechseln sich steile, bewaldete Küstenabschnitte mit kleinen Stränden und geschützten Meeresbuchten ab. An mehreren Stellen reichen die vulkanischen Berghänge bis unmittelbar an das Meer. Die Küste besitzt deshalb einen stark gegliederten Charakter mit zahlreichen Felsvorsprüngen, kleinen Buchten und teilweise steil abfallenden Uferpartien. Die Strände bestehen vielfach aus dunklem vulkanischem Sand oder aus grobem, durch Brandung zerkleinertem Gesteinsmaterial. Im Süden der Insel befinden sich auch hellere Sandstrände, deren Material teilweise aus Korallen- und Muschelkalk besteht.
Eine besondere Landschaftsform bilden die heißen Quellen und hydrothermal geprägten Gebiete an der Westküste. Im Raum Bouillante treten an verschiedenen Stellen warme und heiße Wässer aus dem vulkanischen Untergrund aus. Die Küstenlandschaft ist hier durch vulkanische Felsformationen, kleine Buchten und teilweise bewaldete Hänge geprägt. Im Süden befinden sich die heißen Quellen von Bains Jaunes am Fuß des Soufrière-Massivs. Sie liegen in einer feuchten, dicht bewachsenen Gebirgslandschaft und werden von vulkanisch erwärmtem Wasser gespeist. Auch die Gebiete um Matouba und Saint-Claude weisen zahlreiche Quellen und wasserreiche Schluchten auf.
Die südliche Basse-Terre wird von der Landschaft des Soufrière-Massivs beherrscht. Rund um den Gipfel befinden sich steile Vulkanhänge, alte Kraterstrukturen, Lavadome und durch Erosion freigelegte Felsformationen. Die Gipfelregion ist häufig von Wolken und Nebel umgeben. Fumarolen und schwefelhaltige Dämpfe treten an mehreren Stellen aus dem Untergrund aus und prägen die unmittelbare Umgebung des Vulkans. Die Vegetation wird in den höchsten Lagen niedriger und lückiger, während an den tieferen Berghängen dichter Bergwald vorherrscht. Besonders auffällig sind die starken Höhenunterschiede auf vergleichsweise kurzen Entfernungen: Von den Küstenebenen führen Straßen und Wanderwege durch tropischen Wald, feuchte Bergtäler und steile Vulkanlandschaften bis in die hochgelegenen Gipfelregionen.
Im Norden der Basse-Terre verändert sich das Landschaftsbild allmählich. Die Gebirgszüge werden niedriger und gehen in hügelige, teilweise von Flüssen durchzogene Landschaften über. Im Gebiet von Sainte-Rose und Deshaies wechseln sich bewaldete Hügel, kleine landwirtschaftlich genutzte Flächen, Flusstäler und schmale Küstenebenen ab. Besonders an der Nordwestküste befinden sich zahlreiche kleine Buchten und Strände, die von bewaldeten Landvorsprüngen begrenzt werden. Die Grande Anse bei Deshaies gehört mit ihrem langen, goldfarbenen Sandstrand, den Kokospalmen und den bewaldeten Berghängen zu den markantesten Küstenlandschaften der Insel. Weiter südlich liegen die Küstenorte Pointe-Noire, Bouillante und Vieux-Habitants, deren Umgebung durch steile Hänge, kleine Flusstäler und teilweise terrassierte Kulturlandschaften geprägt.
Eine besondere Landschaftsform bildet die Route de la Traversée, die das zentrale Gebirgsmassiv der Basse-Terre auf einer Länge von ungefähr 17 km durchquert. Sie führt von Petit-Bourg über den Col des Mamelles nach Pointe-Noire und erschließt einen der ausgedehntesten zusammenhängenden Regenwaldgebiete der Insel. Entlang der Straße liegen dicht bewachsene Berghänge, feuchte Schluchten, Flüsse und kleinere Wasserfälle. Die Cascade aux Écrevisses ist eine der bekanntesten Kaskaden dieser Region. Das Gebiet um die Maison de la Forêt vermittelt einen Eindruck von der Struktur des tropischen Bergregenwaldes mit seinen hohen Bäumen, Farnen, Lianen und epiphytischen Pflanzen.
Die Ostküste der Basse-Terre ist stärker von den feuchten Passatwinden des Atlantiks beeinflusst. Hier münden zahlreiche Flüsse aus dem Gebirge in das Meer. Die Küste besitzt teilweise schmale Schwemmlandebenen, schwarze Sandstrände, felsige Abschnitte und kleinere Buchten. Im Süden bei Capesterre-Belle-Eau liegen die Mündungsgebiete mehrerer Flüsse, deren Wasserläufe aus den höheren Gebirgslagen herabkommen. Die Umgebung ist durch Zuckerrohrfelder, Bananenplantagen und kleinere landwirtschaftliche Flächen geprägt. An einigen Küstenabschnitten bilden sich durch die Ablagerung von Flusssedimenten dunkle Strände, während andernorts felsige Lavaküsten dominieren.
Grande-Terre besitzt im Vergleich zur gebirgigen Basse-Terre ein deutlich flacheres und offeneres Landschaftsbild. Die Insel wird von einem leicht gewellten Kalksteinplateau eingenommen, das von landwirtschaftlichen Flächen, kleinen Hügelketten, Karstsenken und Küstenebenen durchzogen wird. Im Inselinneren wechseln sich Zuckerrohrfelder, Weideflächen, kleine Waldstücke und Siedlungen ab. Die Landschaft ist insbesondere im Norden und Osten trockener und offener als auf Basse-Terre. Die Passatwinde und die geringeren Niederschläge begünstigen eine Vegetation aus Trockenwald, Buschland und niedrigem Strauchbewuchs. Im Süden und Westen befinden sich dagegen ausgedehnte Strände, Lagunen und teilweise von Korallenriffen geschützte Küstenabschnitte.
Im zentralen Bereich der Grande-Terre liegt die Landschaft der Grands-Fonds, die durch eine stark gegliederte Kalksteinhügellandschaft gekennzeichnet ist. Zahlreiche kleine Hügel, Senken und Täler bilden ein unregelmäßiges Relief, das durch die Verkarstung des Kalksteins entstanden ist. Die Hänge sind teilweise mit Buschvegetation, kleinen Waldflächen und landwirtschaftlichen Kulturen bedeckt. Zwischen den Hügeln liegen fruchtbare Senken, in denen Landwirtschaft betrieben wird. Die Grands-Fonds gehören zu den landschaftlich abwechslungsreichsten Gebieten der Grande-Terre und bilden einen deutlichen Gegensatz zu den flachen Küstenebenen.
Besonders markant ist die Ostspitze der Grande-Terre bei Saint-François mit der Pointe des Châteaux. Hier ragen scharfkantige Kalksteinfelsen und langgestreckte Landzungen in den Atlantik hinaus. Die Küste wird von steilen Klippen, Felsvorsprüngen, kleinen Buchten und schmalen Sandstränden geprägt. Die starke Brandung hat den Kalkstein über lange Zeiträume ausgewaschen und zahlreiche bizarre Felsformen geschaffen. Vom Aussichtspunkt auf der Landzunge reicht der Blick bei geeigneten Wetterverhältnissen bis zur Insel La Désirade. Die Landschaft ist überwiegend offen und von niedriger Küstenvegetation, Gräsern und Sträuchern bedeckt. An der Pointe des Châteaux treffen die kräftige Atlantikbrandung und die exponierte Kalksteinküste unmittelbar aufeinander.
Am nördlichen Ende der Grande-Terre befindet sich die Pointe de la Grande Vigie bei Anse-Bertrand. Sie bildet einen der eindrucksvollsten Küstenabschnitte des Archipels. Die bis zu etwa 80 m hohen Kalksteinklippen fallen steil zum Atlantik ab und werden durch die Brandung ständig verändert. Zwischen den Felsvorsprüngen befinden sich kleinere Buchten und Einschnitte. Bei klarer Sicht sind von hier aus die Inseln La Désirade, Montserrat und Antigua zu erkennen. Die Umgebung ist von einer niedrigen, windbeständigen Küstenvegetation geprägt. Weiter südlich liegt das Gebiet von Porte d'Enfer, eine tief in die Kalksteinküste eingeschnittene Meeresbucht mit steilen Felswänden. Die Brandung hat dort eine schmale, geschützte Wasserfläche geschaffen, die von hohen Kalksteinwänden umgeben ist. In der näheren Umgebung befinden sich weitere Küsteneinschnitte und natürliche Felsformationen.
Die südliche Grande-Terre besitzt eine wesentlich sanftere Küstenlandschaft. Zwischen Le Gosier, Sainte-Anne und Saint-François erstrecken sich helle Sandstrände, geschützte Buchten und flache Lagunen. Die Strände werden teilweise durch vorgelagerte Korallenriffe vor der stärkeren Brandung geschützt. Zu den bekannten Küstenabschnitten gehören die Plage de la Caravelle bei Sainte-Anne, die Plage du Bourg und die Plage des Raisins Clairs bei Saint-François. Charakteristisch sind die flachen, türkisfarbenen Küstengewässer, die hellen Sandflächen und die stellenweise dichten Bestände von Kokospalmen. Zwischen den Stränden liegen felsige Landzungen, kleine Feuchtgebiete und Küstenvegetation. Die Lagunen weisen unterschiedliche Wassertiefen auf und gehen stellenweise in Seegrasflächen und Korallenriffe über.
Eine weitere bedeutende Landschaftseinheit bildet der Grand Cul-de-Sac Marin zwischen Basse-Terre und Grande-Terre. Diese große, teilweise nur wenige Meter tiefe Meeresbucht wird durch ein ausgedehntes Korallenriffsystem vom offenen Atlantik abgegrenzt. Das rund 24.500 ha große Meeresgebiet umfasst Mangrovenwälder, Seegraswiesen, Korallenriffe, Schlammflächen, Lagunen und zahlreiche kleine Inseln. Das vorgelagerte Riff erstreckt sich über ungefähr 39 km und gehört zu den längsten zusammenhängenden Korallenriffstrukturen der Kleinen Antillen. Die geschützten Wasserflächen sind durch geringe Wassertiefen, helle Sandbänke und stellenweise ausgedehnte Seegrasbestände gekennzeichnet. Die zahlreichen kleinen Inseln, darunter die Îlet Caret und die Îlet Fajou, liegen innerhalb dieser Lagunenlandschaft.
Entlang der südlichen und westlichen Randbereiche des Grand Cul-de-Sac Marin befinden sich ausgedehnte Mangrovenwälder. Sie bestehen vor allem aus verschiedenen Mangrovenbaumarten, deren Wurzeln im flachen Wasser stehen oder aus dem Schlick herausragen. Besonders auffällig sind die Stelzwurzeln der Roten Mangrove, die ein dichtes Geflecht über dem Wasser bilden. Dahinter schließen sich teilweise Bestände der Schwarzen und Weißen Mangrove sowie feuchte Sumpfwälder an. Die Mangroven gehen landwärts in Sümpfe, feuchte Niederungen und zeitweise überflutete Grasflächen über. Diese Landschaften sind durch ein verzweigtes Netz aus Wasserläufen und natürlichen Kanälen gegliedert. Sie dienen zahlreichen Vogelarten als Brut- und Rastgebiet und bieten Jungfischen, Krebsen und anderen Meerestieren geschützte Lebensräume. Zusammen mit den vorgelagerten Seegraswiesen und Korallenriffen bilden sie ein eng miteinander verbundenes Küstenökosystem.
Auch der Petit Cul-de-Sac Marin zwischen der südlichen Grande-Terre und der Basse-Terre weist ausgedehnte Mangrovenbestände und flache Küstengewässer auf. Die Landschaft ist hier stärker durch die Nähe zu den Siedlungs- und Hafenbereichen von Pointe-à-Pitre und Les Abymes beeinflusst. Dennoch befinden sich in den Randbereichen größere zusammenhängende Feuchtgebiete, die von Mangroven, Sumpfwäldern und offenen Wasserflächen geprägt werden. Die Übergänge zwischen Land und Meer sind vielerorts flach und durch schlammige Ufer sowie dichte Wurzelbestände gekennzeichnet.
Zu Guadeloupe gehören folgende Inseln (* bewohnt):
- Baleine du Sud
- Basse-Terre *
- Grand Îlet (Îlets de Carénage)
- Grand Îlet (Îlets Pigeon)
- Grand Îlet (Petit-Bourg)
- Grande-Terre *
- Haie Bébel
- Îlet à Cabrit
- Îlet à Christophe
- Îlet à Cochons
- Îlet à Colas
- Îlet à Fajou
- Îlet à Kahouanne
- Îlet à Nègre
- Îlet Blanc
- Îlet Boissard
- Îlet Brument
- Îlet Caret
- Îlet Chasse
- Îlet Crabière
- Îlet de la Voûte
- Îlet des Petits Pompons
- Îlet du Vieux Fort
- Îlet du Gosier
- Îlet Duberran
- Îlet Feuille
- Îlet Fortune
- Îlet Frégate de Haut
- Îlet le Boyer
- Îlet Macou
- Îlet Mangue à Laurette
- Îlet Maurice
- Îlet Rat
- Îlet Saint-Hilaire
- Îlet Tome
- Îlet Yanka
- La Biche
- La Coche
- La Désirade *
- La Redonde
- La Roche
- Le Pâté
- Le Piton
- L'Éperon
- Le Souffleur
- L'Îlet
- Marie-Galante *
- Petit Îlet (Îlets de Carénage)
- Petit Îlet (Îlets Pigeon)
- Terre-de-Bas * (Îles des Saintes)
- Terre de Bas (La Désirade)
- Terre-de-Haut * (Îles des Saintes)
- Terre de Haut (La Désirade)
- Tête à l'Anglais
Erhebungen
- Soufrière 1467 m
- L’Echelle 1397 m
- Grand Sans-Toucher 1354 m
- Matèliane 1298 m
- Morne du Col 1263 m
- Nez Cassé 1261 m
- Morne Bel-Air ou Merwart 1155 m
- La Citerne 1155 m
- Morne de la Capesterre 1134 m
- Morne Moustique ou Jouffre 1120 m
- Morne aux Barbus 1114 m
- Moutons de Bouillante 1088 m
- Morne Incapable 1086 m
- Morne de la Madeleine 969 m
- Trois Crêtes 917 m
- Morne Soldat 851 m
- Morne Montval 819 m
- Belle Hôtesse 777 m
- Les Mamelles 768 m
- La Couronne 756 m
- Morne Jeanneton 744 m
- Morne à Louis 743 m
- Richard 728 m
- Morne Saint-Jean 725 m
- Tète Allègre 717 m
See
- La Manche à Eau 0,24 km²
Fluss
- Grande Rivière Goyaves 35 km
Flora und Fauna
Guadeloupe ist eine Inselgruppe mit reicher Flora und Fauna: Die Vegetation reicht von dichten Mangrovenwäldern und Kokospalmen an den Küsten bis hin zu üppigen Tropenwäldern mit Mahagoni, Kapokbäumen und über 1000 Baumarten auf der vulkanischen Insel Basse-Terre. In der Tierwelt sind zahlreiche Schmetterlingsarten, endemische Reptilien wie Leguane und Blindschlangen, verschiedene Vogelarten einschließlich des bedrohten Guadeloupe-Spechts sowie seltene Säugetiere wie der Guadeloupe-Waschbär vertreten. Die Insel beherbergt zudem einen Nationalpark mit Vielfalt an Pflanzen und Tieren, darunter 38 Vogel- und 17 Säugetierarten.
Flora
Die Pflanzenwelt umfasst feuchte tropische Regenwälder, montane Nebelwälder, trockene Küstenwälder, Mangrovensümpfe, salzverträgliche Strandvegetation, Kalksteinbuschland und ausgedehnte landwirtschaftliche Kulturflächen. Besonders artenreich ist die Vegetation der gebirgigen Basse-Terre, wo die hohen Niederschläge, die unterschiedlichen Höhenlagen und die vulkanischen Böden zahlreiche Pflanzenlebensräume ermöglichen. Grande-Terre und die kleineren Kalksteininseln besitzen dagegen überwiegend trockenheits- und salztolerante Pflanzengesellschaften. Die natürliche Flora wird durch zahlreiche eingeführte Nutz- und Zierpflanzen ergänzt, die im Laufe der Kolonialgeschichte und des internationalen Handels nach Guadeloupe gelangten.
Die ursprüngliche Vegetation der Basse-Terre wird vor allem durch die ausgedehnten tropischen Regenwälder des Nationalparks Guadeloupe bestimmt. Sie bedecken große Teile des zentralen und südlichen Vulkangebirges und erstrecken sich von den feuchten Küstenniederungen bis in die hochgelegenen Bergregionen. Die Zusammensetzung der Wälder verändert sich mit zunehmender Höhe, Temperatur, Niederschlagsmenge und Windbelastung. In den tieferen Lagen dominieren immergrüne tropische Wälder mit hohen, breitkronigen Bäumen, dichtem Unterwuchs und zahlreichen Kletter- und Aufsitzerpflanzen. Zu den charakteristischen Baumarten gehört der Gommier blanc (Dacryodes excelsa), ein großer Baum aus der Familie der Balsambaumgewächse, dessen aromatisches Harz traditionell genutzt wurde. Ebenfalls typisch sind verschiedene Mahagoniarten, darunter Swietenia mahagoni, sowie weitere einheimische Edelhölzer. Der Acajou rouge (Amanoa caribaea), der Bois de rose und verschiedene Arten der Familien der Lorbeer- und Seifenbaumgewächse gehören ebenfalls zur artenreichen Baumflora der Insel.
In den feuchten Tiefland- und Bergwäldern wachsen neben den hohen Bäumen zahlreiche kleinere Gehölze, Sträucher und Palmen. Kapokbäume (Ceiba pentandra) können beträchtliche Höhen erreichen und bilden mit ihren weit ausladenden Kronen markante Bestandteile des tropischen Waldes. Hinzu kommen verschiedene Feigenarten, wilde Avocadoverwandte, Baumfarne und weitere immergrüne Laubbäume. Der Wald besitzt mehrere übereinanderliegende Vegetationsschichten: Über dem geschlossenen Kronendach ragen einzelne besonders hohe Bäume hervor, darunter befinden sich die mittlere Baumschicht, eine Strauch- und Jungbaumschicht sowie eine feuchte Krautschicht. Lianen verbinden die verschiedenen Stockwerke miteinander, während Kletterpflanzen und großblättrige Aronstabgewächse an den Baumstämmen emporwachsen. Zu diesen gehören Philodendren und weitere Vertreter der Gattung Anthurium.
Besonders auffällig ist der Reichtum an Farnen und Aufsitzerpflanzen. In den feuchten Wäldern kommen zahlreiche Farnarten vor, darunter auch Baumfarne der Gattung Cyathea, deren Stämme mehrere Meter hoch werden können. Auf den Ästen und Stämmen der Bäume siedeln Orchideen, Bromelien, Moose und Flechten. Sie nutzen die Bäume als Unterlage, ohne ihnen unmittelbar Nährstoffe zu entziehen. Die Orchideenflora Guadeloupes umfasst zahlreiche heimische Arten, darunter terrestrisch wachsende und epiphytische Vertreter. Insgesamt sind auf dem Archipel mehr als hundert Orchideenarten nachgewiesen. Die feuchten Waldgebiete der Basse-Terre bieten ihnen durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die unterschiedlichen Lichtverhältnisse besonders günstige Lebensbedingungen.
Mit zunehmender Höhe verändert sich die Zusammensetzung des Waldes. In den montanen Regionen entstehen feuchte Bergwälder und Nebelwälder, deren Bäume häufig niedriger und stärker verzweigt sind. Die Stämme und Äste sind dicht mit Moosen, Flechten, Farnen und Orchideen bewachsen. Besonders in den Gipfelregionen des Soufrière-Massivs herrschen häufig Nebel, starke Winde und vergleichsweise niedrige Temperaturen. Die Vegetation wird dort zunehmend niedrigwüchsig und geht stellenweise in eine Gebirgsbuschlandschaft über. In den höchsten Bereichen treten Zwergsträucher, Gräser, Kräuter, Farne und Moose auf. Die Pflanzen weisen häufig gedrungene Wuchsformen auf, die eine Anpassung an Wind, Feuchtigkeit und die besonderen Bodenverhältnisse darstellen. Auf offenen, exponierten Flächen finden sich außerdem charakteristische Hochgebirgsgesellschaften mit niedrigem Bewuchs und einzelnen verkrüppelten Gehölzen.
Die Hochlagenvegetation ist besonders artenreich und besitzt einen hohen Anteil endemischer Pflanzen. Viele dieser Arten kommen ausschließlich auf Basse-Terre oder innerhalb der Kleinen Antillen vor. Zu den botanisch bemerkenswerten Pflanzen gehören die Bergananas (Pitcairnia bifrons), die gelbe Bergananas (Guzmania plumierii), der Bergthymian (Tibouchina ornata), der Bergmangrove (Clusia venosa) und der Berglorbeer (Podocarpus coriaceus). Auf den höchsten, besonders feuchten und windigen Gipfelregionen wachsen Moose, Flechten und Bärlappgewächse. Die Vegetation erreicht dort häufig nur noch eine Höhe von etwa 1,50 m. Die endemischen Pflanzenbestände sind aufgrund ihrer begrenzten Verbreitung besonders schutzbedürftig.
Eine herausragende Bedeutung besitzt die Orchideenflora Guadeloupes. Auf dem Archipel sind ungefähr 100 wild wachsende Orchideenarten nachgewiesen. Davon sind fünf ausschließlich auf Basse-Terre heimisch und kommen weltweit nur dort vor. Weitere Arten sind auf die Antillen oder die Kleinen Antillen beschränkt. Die meisten Orchideen wachsen als Epiphyten auf Bäumen oder als Epilithen auf Felsen. Ein kleinerer Teil lebt unmittelbar im Boden. Besonders artenreich sind die feuchten Bergwälder, in denen die Orchideen von der hohen Luftfeuchtigkeit und den unterschiedlichen Lichtverhältnissen profitieren. Zu den Gattungen der einheimischen Orchideen gehören unter anderem Epidendrum, Ionopsis, Octomeria und Leochilus. Einige Arten wachsen bevorzugt an Flussufern, andere besiedeln Baumstämme und Äste in geschlossenen Waldgebieten. Die Orchideen gehören zu den besonders gefährdeten Bestandteilen der einheimischen Pflanzenwelt. Lebensraumzerstörung, Waldfragmentierung und das illegale Sammeln von Pflanzen beeinträchtigen ihre Bestände.
Neben den Orchideen bilden die Bromeliengewächse eine charakteristische Gruppe der tropischen Vegetation. Sie wachsen sowohl am Boden als auch auf Bäumen und Felsen. Ihre Blattrosetten sammeln Regenwasser und schaffen dadurch kleinräumige Lebensräume für zahlreiche Kleintiere. Zu den heimischen Arten gehören Vertreter der Gattungen Aechmea, Guzmania und Pitcairnia. Auch Aronstabgewächse wie Philodendron und Anthurium sind in den feuchten Waldgebieten verbreitet. Ihre großen, teilweise glänzenden Blätter gehören zu den auffälligen Erscheinungen des tropischen Unterwuchses. An feuchten Felswänden und Baumstämmen wachsen außerdem zahlreiche Moose, Flechten und kleinere Farne.
Die Farnflora ist ebenfalls außergewöhnlich vielfältig. Guadeloupe besitzt mehr als 300 Farnarten, von denen einige in den feuchten Bergwäldern baumförmige Wuchsformen entwickeln und Höhen von bis zu 15 m erreichen können. Besonders in den Schluchten, an Wasserfällen und entlang der Gebirgsbäche bilden Farne dichte Bestände. Zu den typischen Vertretern gehören verschiedene Arten der Baumfarngattungen Cyathea und Alsophila sowie zahlreiche kleinere Hautfarne und Tüpfelfarne. Die Moose und Farne profitieren von den hohen Niederschlägen und der nahezu ganzjährig vorhandenen Luftfeuchtigkeit. Insgesamt sind auf Guadeloupe mehr als 600 Moosarten nachgewiesen.
In den tieferen Lagen der Basse-Terre geht der feuchte Bergregenwald stellenweise in saisonal trockenere Wälder und sekundäre Vegetationsbestände über. Hier wachsen unter anderem verschiedene Feigenbäume, Myrtengewächse, Hülsenfrüchtler und immergrüne Laubbäume. Auf gerodeten Flächen und entlang der Straßen haben sich häufig Bambusbestände, Gräser, Sträucher und schnell wachsende Pionierpflanzen angesiedelt. Auch der Gummibaum Gommier blanc (Dacryodes excelsa) gehört zu den charakteristischen einheimischen Baumarten. Sein aromatisches Harz wurde traditionell unter anderem zur Herstellung von Fackeln und für verschiedene handwerkliche Zwecke verwendet. In den Wäldern kommen außerdem zahlreiche weitere Harz- und Nutzholzarten vor.
An den Küsten von Basse-Terre und Grande-Terre verändert sich die Pflanzenwelt deutlich. Auf den trockeneren und stärker dem Wind ausgesetzten Küstenabschnitten wachsen salzverträgliche Sträucher, Gräser, Kräuter und kleinere Bäume. Besonders verbreitet ist die Seetraube (Coccoloba uvifera), ein charakteristischer Küstenbaum mit großen, rundlichen Blättern und traubenförmigen Fruchtständen. Ihre Früchte sind essbar und werden örtlich verarbeitet. Ebenfalls typisch sind verschiedene Strandwinden, salztolerante Wolfsmilchgewächse und niedrig wachsende Küstenpflanzen. An vielen Stränden stehen Kokospalmen (Cocos nucifera), die vor allem das Landschaftsbild der touristisch erschlossenen Küstenabschnitte prägen.
Eine auffällige, zugleich gefährliche Küstenpflanze ist der Manchinelbaum (Hippomane mancinella). Er wächst bevorzugt auf sandigen Küstenböden und kann unmittelbar hinter den Stränden vorkommen. Seine Früchte ähneln kleinen Äpfeln, sind jedoch hochgiftig. Auch der milchige Pflanzensaft verursacht schwere Hautreizungen und kann bei Kontakt mit den Augen zu erheblichen Verletzungen führen. Selbst Regenwasser, das durch die Baumkrone fällt, kann reizende Bestandteile enthalten. Die Bäume werden deshalb an manchen Stränden durch Warnschilder gekennzeichnet. Daneben kommen in den Küstenregionen verschiedene Kakteen, Agaven, niedrige Palmen und dornige Sträucher vor.
Besonders charakteristisch für die flachen Küstengebiete sind die Mangrovenwälder. Sie erstrecken sich vor allem entlang des Grand Cul-de-Sac Marin, des Petit Cul-de-Sac Marin und der geschützten Buchten von Grande-Terre und Basse-Terre. Die Mangroven wachsen auf schlammigen, regelmäßig überfluteten Böden und bilden ein dichtes Wurzelgeflecht. Die wichtigste Art ist die Rote Mangrove (Rhizophora mangle), deren charakteristische Stelzwurzeln aus dem Wasser herausragen und den Bäumen Halt im weichen Untergrund geben. Dahinter wachsen die Schwarze Mangrove (Avicennia germinans), die Weiße Mangrove (Laguncularia racemosa) und die Knopfmangrove (Conocarpus erectus). Diese Arten bilden je nach Salzgehalt, Überflutungshäufigkeit und Bodenbeschaffenheit unterschiedliche Vegetationszonen.
Die Mangrovenbestände gehen landwärts in feuchte Sumpfwälder, Brackwasserbereiche und zeitweise überflutete Niederungen über. Zwischen den Mangroven wachsen verschiedene salztolerante Gräser und Kräuter. Die Wurzelbereiche bieten Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere und stabilisieren gleichzeitig die Küstenböden. Sie vermindern die Auswirkungen von Wellenschlag und Erosion und halten einen Teil der vom Land eingetragenen Sedimente zurück. Die Mangroven gehören daher zu den ökologisch bedeutendsten Vegetationsformationen Guadeloupes.
Auf den Kalksteinböden der Grande-Terre und Marie-Galantes herrscht eine andere Pflanzenwelt vor. Die natürlichen Wälder sind hier stärker an zeitweise trockene Bedingungen angepasst. Sie bestehen aus trockenheitsverträglichen Laubbäumen, Sträuchern, Kletterpflanzen und dornigen Gehölzen. Besonders in den nördlichen und östlichen Gebieten der Grande-Terre finden sich Trockenwälder und Buschformationen. Zu den charakteristischen Pflanzen gehören der Dividivi (Libidibia coriaria), verschiedene Akazienarten, Seetrauben und kleinere Kakteen. Der Dividivi ist durch seine häufig unregelmäßig geformte Krone und die gebogenen, schotenartigen Früchte erkennbar. Seine Rinde und Früchte enthalten Gerbstoffe, die früher unter anderem für die Lederverarbeitung genutzt wurden.
Auf den trockenen Kalksteinflächen der Grande-Terre kommen außerdem verschiedene Wolfsmilchgewächse, sukkulente Pflanzen und trockenheitsangepasste Gräser vor. Besonders an der Pointe des Châteaux und der Pointe de la Grande Vigie wird die Vegetation durch salzhaltige Gischt, starke Winde und flachgründige Böden geprägt. Die Pflanzen bleiben dort häufig niedrig und bilden lockere Bestände zwischen den Kalksteinfelsen. Auf den exponierten Küstenflächen wachsen auch verschiedene Strandwinden und krautige Pflanzen, die mit ihren weitreichenden Wurzelsystemen den lockeren Sand befestigen.
Die landwirtschaftliche Pflanzenwelt nimmt auf den Inseln einen großen Flächenanteil ein. Besonders auf Grande-Terre und Marie-Galante prägen Zuckerrohrfelder (Saccharum officinarum) weite Landschaftsbereiche. Zuckerrohr war über Jahrhunderte die wichtigste Kulturpflanze der kolonialen Plantagenwirtschaft und bildet bis heute eine bedeutende Grundlage der Zucker- und Rumherstellung. Auf Basse-Terre sind dagegen Bananenplantagen besonders verbreitet. Die Bananenstaude (Musa spp.) wird vor allem in den feuchteren Gebieten der Insel angebaut. Die Bananenwirtschaft besitzt große Bedeutung für die regionale Landwirtschaft und den Export nach Frankreich und in andere europäische Märkte.
Zu den weiteren landwirtschaftlich genutzten Pflanzen gehören Ananas (Ananas comosus), Kaffee (Coffea arabica), Kakao (Theobroma cacao), Maniok (Manihot esculenta), Yams (Dioscorea spp.), Süßkartoffeln (Ipomoea batatas) und verschiedene Gemüsekulturen. Kaffee und Kakao werden insbesondere in kleineren landwirtschaftlichen Betrieben und teilweise in agroforstwirtschaftlichen Systemen angebaut. Die Obstproduktion umfasst unter anderem Mango (Mangifera indica), Guave (Psidium guajava), Papaya (Carica papaya), Avocado (Persea americana), Brotfrucht (Artocarpus altilis), Soursop beziehungsweise Stachelannone (Annona muricata), Passionsfrucht (Passiflora edulis), Litschi (Litchi chinensis), Karambole (Averrhoa carambola), Zitrusfrüchte und Kokosnüsse.
Ein großer Teil dieser heute verbreiteten Nutzpflanzen stammt ursprünglich nicht aus Guadeloupe. Sie gelangten im Laufe der Kolonialgeschichte durch den transatlantischen und interkontinentalen Handel auf die Inseln. Dazu gehören zahlreiche Pflanzen aus Südamerika, Mittelamerika, Afrika, Madagaskar, Asien und dem pazifischen Raum. Die Kokospalme, die Mango, die Papaya und die Litschi gehören ebenso zu den eingeführten Arten wie der Brotfruchtbaum. Auch der Filao (Casuarina equisetifolia) wurde als Küsten- und Windschutzbaum eingeführt. Er wird häufig an Stränden und auf sandigen Küstenflächen gepflanzt. Der Flammenbaum (Delonix regia) aus Madagaskar ist mit seinen roten Blüten eine verbreitete Zierpflanze.
Die Garten- und Zierpflanzenflora ist besonders vielfältig. Bougainvilleen, Hibiskus, Allamanda, Anthurien, Porzellanrosen (Etlingera elatior), Helikonien und verschiedene Liliengewächse gedeihen im tropischen Klima. Hinzu kommen Paradiesvogelblumen (Strelitzia reginae), Alpinien, Bromelien, Zierorchideen und zahlreiche Palmenarten. Die Königspalme (Roystonea regia) ist eine häufig angepflanzte Zierbaumart. Auch der auffällige Baum des Reisenden (Ravenala madagascariensis) aus Madagaskar ist in Parks und größeren Gärten anzutreffen. Die Blütenpflanzen blühen je nach Art zu unterschiedlichen Jahreszeiten, sodass in den Gärten und Siedlungen fast ganzjährig blühende Pflanzen vorhanden sind.
Zu den weiteren eingeführten Pflanzen gehören Noni (Morinda citrifolia), Aloe vera und zahlreiche Gewürz- und Heilpflanzen. Noni wird traditionell als Nutz- und Heilpflanze verwendet, während Aloe vera vor allem für kosmetische und hautpflegende Anwendungen kultiviert wird. Auch Zimt, Gewürznelken, Ingwer, Kurkuma und verschiedene Pfefferarten gehören zur tropischen Nutzpflanzenwelt der Inseln.
Die einheimische Flora Guadeloupes besitzt einen hohen Anteil regional begrenzter Arten. Nach den Angaben des Botanischen Konservatoriums der Inseln Guadeloupes umfasst die Pflanzenwelt des Archipels ungefähr 2400 wild lebende Pflanzenarten. Hinzu kommen rund 1200 eingeführte Pflanzenarten, von denen sich ein Teil dauerhaft in der freien Natur etabliert hat. Die einheimische Pflanzenwelt umfasst mehr als 360 Baumarten sowie eine große Zahl von Farnen, Moosen, Orchideen und Blütenpflanzen. Ungefähr 75 % der Pflanzenarten der Kleinen Antillen sind auch auf Guadeloupe vertreten. Rund zwanzig Pflanzenarten kommen ausschließlich auf dem Archipel vor.
Zu den botanisch besonders wertvollen endemischen Arten gehören unter anderem die Guadeloupe-Palme (Acrocomia karukerana), die Bromelie Aechmea flemingii, das Aronstabgewächs Anthurium dussii, der Guadeloupe-Binsen (Juncus guadeloupensis), die Lobelie Lobelia persicifolia und verschiedene endemische Farnarten. Auch die Orchideen Epidendrum mutelianum und Octomeria ffrenchiana gehören zu den regional bedeutsamen Pflanzen. Einige dieser Arten besitzen sehr kleine Verbreitungsgebiete und sind auf bestimmte Höhenlagen oder feuchte Waldstandorte beschränkt.
Fauna
Die Tierwelt Guadeloupes ist durch die unterschiedlichen Lebensräume des Archipels geprägt. Die feuchten Bergregenwälder und Nebelwälder der Basse-Terre, die trockeneren Küstenwälder der Grande-Terre, die Mangrovensümpfe, Lagunen, Korallenriffe und offenen Meeresgebiete beherbergen eine artenreiche Fauna mit zahlreichen auf die Kleinen Antillen beschränkten Arten. Besonders vielfältig ist die Vogel-, Reptilien- und Wirbellosenwelt. Die Säugetierfauna ist dagegen vergleichsweise artenarm, was unter anderem auf die isolierte Lage der Inseln und die Veränderungen der ursprünglichen Lebensräume zurückzuführen ist. Viele der heute vorkommenden Tierarten sind erst durch natürliche Ausbreitung oder menschliche Einführung auf den Archipel gelangt.
Die ursprüngliche Tierwelt Guadeloupes wurde seit der Besiedlung durch indigene Bevölkerungsgruppen und insbesondere seit der europäischen Kolonisierung erheblich verändert. Die Jagd mit Pfeilen und später mit Feuerwaffen führte zur Dezimierung verschiedener einheimischer Säugetiere und Vögel. Hinzu kamen die Rodung der Wälder, die Ausweitung der Landwirtschaft und die Einführung fremder Tierarten. Besonders folgenreich war die Ansiedlung des Kleinen Indischen Mungos (Urva auropunctata, früher Herpestes auropunctatus) im 19. Jahrhundert. Er wurde zur Bekämpfung von Ratten auf den Zuckerrohrplantagen eingeführt, entwickelte sich jedoch zu einem erheblichen Störfaktor für die einheimische Tierwelt. Neben Nagetieren erbeutet er Reptilien, Amphibien, Vogeleier und bodenbrütende Vögel. Dadurch gingen die Bestände verschiedener einheimischer Arten zurück. Die ursprüngliche Schlangenfauna wurde ebenfalls stark beeinträchtigt, ist jedoch nicht vollständig verschwunden.
Zu den heute auffälligsten Säugetieren gehört der Guadeloupe-Waschbär (Procyon lotor), der lokal auch Racoon oder Mapache genannt wird. Er kommt vor allem auf Basse-Terre vor und bewohnt Wälder, Flusstäler und teilweise auch küstennahe Gebiete. Die Tiere sind überwiegend nachtaktiv und ernähren sich vielseitig von Früchten, Insekten, Krebstieren, kleinen Wirbeltieren und anderen verfügbaren Nahrungsquellen. Der Waschbär ist auf Guadeloupe eine eingeführte beziehungsweise durch menschliche Einflüsse verbreitete Form und stellt keine ausschließlich hier vorkommende Art dar.
Zu den einheimischen Säugetieren gehören verschiedene Fledermäuse, die einen wichtigen Bestandteil der Fauna bilden. Sie nutzen Höhlen, Baumhöhlen und andere geschützte Quartiere und übernehmen wichtige ökologische Funktionen als Insektenfresser, Bestäuber und Samenverbreiter. Zu den verbreiteten Arten gehören der Antillen-Fruchtvampir (Brachyphylla cavernarum), die Jamaika-Fruchtfledermaus (Artibeus jamaicensis), die Kleine Braune Fledermaus (Myotis nigricans) und verschiedene Blattnasenfledermäuse. Besonders die fruchtfressenden Arten tragen zur natürlichen Regeneration der Wälder bei, indem sie Samen über größere Entfernungen verbreiten.
Die ursprüngliche Landsäugetierfauna umfasste außerdem verschiedene Nagetiere. Dazu zählt die Aguti (Dasyprocta leporina), ein tagaktives Nagetier, das sich hauptsächlich von Früchten, Samen, Nüssen und anderen Pflanzenteilen ernährt. Agutis leben vor allem in bewaldeten Gebieten und tragen durch das Vergraben von Samen zur Verbreitung verschiedener Baumarten bei. Ihre Bestände sind durch Lebensraumveränderungen und Bejagung regional zurückgegangen. Die frühere Fauna umfasste auch weitere kleinere Nagetiere, deren Bestände durch eingeführte Raubtiere und die Veränderung der natürlichen Lebensräume stark beeinträchtigt wurden.
Der Karibische Manati oder Karibik-Lamentin (Trichechus manatus) gehörte früher ebenfalls zur Tierwelt der Region. Diese großen pflanzenfressenden Meeressäuger bewohnten flache Küstengewässer, Flussmündungen und Lagunen. Der Name des Ortes Lamentin auf Basse-Terre wird mit dem früheren Vorkommen dieser Tiere in Verbindung gebracht. Durch Bejagung und die Zerstörung ihrer Lebensräume verschwanden die Manatis jedoch aus den Gewässern Guadeloupes. Sie gelten dort seit langer Zeit als lokal ausgestorben. In jüngerer Zeit wurden Wiederansiedlungsmaßnahmen vorbereitet und einzelne Tiere in die geschützten Küstengewässer entlassen, um eine erneute dauerhafte Population aufzubauen.
Die Reptilienfauna ist für die Kleinen Antillen besonders charakteristisch. Zu den auffälligen Arten gehört der Grüne Leguan (Iguana iguana), der vor allem in trockeneren Küstengebieten, Gärten und lichten Wäldern vorkommt. Daneben existiert der Kleine Antillen-Leguan (Iguana delicatissima), eine ursprünglich heimische Art, deren Bestände durch die Konkurrenz und Hybridisierung mit dem eingeführten Grünen Leguan stark zurückgegangen sind. Die beiden Arten unterscheiden sich unter anderem durch ihre Färbung und bestimmte anatomische Merkmale. Der Kleine Antillen-Leguan ist besonders schutzbedürftig und auf geeignete, störungsarme Lebensräume angewiesen.
Die Gecko- und Anolisfauna ist ebenfalls sehr vielfältig. Besonders verbreitet sind die Anolis-Echsen, die sowohl in den Regenwäldern als auch in Gärten, Siedlungen und trockeneren Küstengebieten vorkommen. Der Guadeloupe-Anolis (Anolis marmoratus) ist eine charakteristische, in mehreren regionalen Unterarten auftretende Echsenart. Die Tiere besitzen eine variable Färbung, die von Grün- und Brauntönen bis zu auffälligen Zeichnungen reicht. Sie halten sich häufig an Baumstämmen, Ästen, Mauern und Gebäuden auf und ernähren sich hauptsächlich von Insekten und anderen kleinen Wirbellosen. Hinzu kommen verschiedene Geckos, darunter der bizarre Kugelfingergecko (Sphaerodactylus fantasticus), der zu den kleinsten Echsen der Inselwelt gehört. Er lebt vorwiegend am Boden zwischen Laub, Steinen und verrottendem Pflanzenmaterial. Auch größere Geckos wie der Amerikanische Großkopfgecko (Thecadactylus rapicauda) sind vertreten.
Die Schlangenfauna Guadeloupes ist vergleichsweise artenarm. Zu den bedeutendsten heimischen Arten gehören die Antillen-Rennnatter (Alsophis antillensis) und die auf den Saintes vorkommende Saintes-Rennnatter (Alsophis sanctonum). Beide Arten sind ungiftig und ernähren sich von kleinen Echsen, Fröschen und anderen Wirbeltieren. Die Antillen-Rennnatter war früher über größere Teile des Archipels verbreitet, ist inzwischen jedoch äußerst selten und gilt als vom Aussterben bedroht. Auch die Saintes-Rennnatter besitzt nur ein kleines Verbreitungsgebiet und ist durch eingeschleppte Raubtiere und die Veränderung ihrer Lebensräume gefährdet. Giftige Landschlangen spielen in der heutigen Fauna Guadeloupes keine Rolle. Die Schlangenbestände wurden durch die Einführung des Mungos, die Zerstörung natürlicher Lebensräume und die menschliche Verfolgung stark beeinträchtigt.
Die Amphibienfauna umfasst verschiedene Froscharten, die überwiegend an feuchte Waldgebiete, Bachläufe und andere wasserreiche Lebensräume gebunden sind. Besonders charakteristisch sind die Pfeiffrösche der Gattung Eleutherodactylus. Zu den endemischen Arten gehören der Barlagne-Pfeiffrosch (Eleutherodactylus barlagnei) und der Pinchon-Pfeiffrosch (Eleutherodactylus pinchoni), die vor allem in den feuchten Bergwäldern der Basse-Terre vorkommen. Sie sind vergleichsweise klein und legen ihre Eier an geschützten Stellen an Land ab. Die Entwicklung der Jungtiere erfolgt ohne ein frei schwimmendes Kaulquappenstadium. Ihr charakteristischer Ruf ist besonders in den Abend- und Nachtstunden zu hören.
Der Johnstone-Pfeiffrosch (Eleutherodactylus johnstonei) ist dagegen eine eingeführte Art, die sich auch in Siedlungsgebieten und Gärten ausgebreitet hat. Weitere Amphibien sind der Martinique-Pfeiffrosch (Eleutherodactylus martinicensis) und die Aga-Kröte (Rhinella marina), die ebenfalls in unterschiedlichen Lebensräumen vorkommen. Die einheimischen Amphibien reagieren empfindlich auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit, die Verschmutzung von Gewässern und die Zerstörung der Waldlebensräume. Einige Arten besitzen nur sehr kleine Verbreitungsgebiete und sind deshalb besonders gefährdet.
Die Vogelwelt gehört zu den artenreichsten Bestandteilen der Tierwelt Guadeloupes. Insgesamt wurden auf dem Archipel rund 290 Vogelarten beobachtet, wobei ein Teil davon nur als Durchzügler oder gelegentlicher Gast auftritt. Etwa 80 Arten brüten regelmäßig auf den Inseln. Die Wälder der Basse-Terre beherbergen mehrere charakteristische Arten der Kleinen Antillen, darunter den endemischen Guadeloupe-Specht (Melanerpes herminieri). Er ist der einzige Specht, der dauerhaft auf Guadeloupe vorkommt, und zugleich eine ausschließlich auf diesem Archipel heimische Vogelart. Er besiedelt unterschiedliche Waldtypen, darunter feuchte Bergwälder, trockenere Wälder, Mangroven und teilweise auch baumbestandene Kulturlandschaften. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten und anderen Wirbellosen, die er unter der Rinde und im Holz von Bäumen sucht. Außerdem nutzt er Baumhöhlen als Schlaf- und Brutplätze.
Zu den charakteristischen Waldvögeln gehört auch der Bananenquit (Coereba flaveola), der wegen seines gekrümmten Schnabels und seiner Vorliebe für Nektar auffällt. Er besucht Blüten und ernährt sich daneben von kleinen Insekten und Früchten. Kolibris sind ebenfalls weit verbreitet. Zu den auffälligsten Arten zählt der Purpurkehlkolibri (Eulampis jugularis), der mit seinem langen, gebogenen Schnabel an die Nutzung röhrenförmiger Blüten angepasst ist. Daneben kommen verschiedene weitere Kolibriarten vor, die eine wichtige Rolle bei der Bestäubung einheimischer Pflanzen übernehmen.
Eine besondere Stellung unter den Waldvögeln nimmt die Antillendrossel (Turdus lherminieri) ein, die in den feuchten Bergwäldern lebt und sich überwiegend von Früchten, Insekten und anderen kleinen Wirbellosen ernährt. Der Braune Trembler (Cinclocerthia ruficauda) ist für seine charakteristischen zitternden Körperbewegungen bekannt, die ihm seinen Namen eingebracht haben. Weitere typische Vertreter der regionalen Vogelwelt sind der Graue Thrasher (Allenia fusca), der Antillen-Saltator (Saltator albicollis), die Antillen-Buschammer (Loxigilla noctis) und der Guadeloupe-Tyrann (Myiarchus oberi). Mehrere dieser Arten sind auf die Kleinen Antillen beschränkt.
In den offenen Landschaften und landwirtschaftlich genutzten Gebieten kommen Tauben, Turteltauben, Grasmücken, Tyrannen und verschiedene Singvögel vor. Besonders verbreitet ist die Zenaidataube (Zenaida aurita), die sowohl in Siedlungen als auch in offenen Landschaften und an Waldrändern anzutreffen ist. Auch die Kleine Antillen-Taube (Patagioenas squamosa) gehört zur einheimischen Vogelwelt. Auf den Zuckerrohrfeldern und Weideflächen suchen verschiedene Vogelarten nach Insekten und Samen. Der Bananenquit, die Antillen-Buschammer und zahlreiche Kolibris nutzen außerdem Gärten und blütenreiche Siedlungsbereiche als Nahrungsräume.
An den Küsten, auf vorgelagerten Felsen und in den Mangrovengebieten leben zahlreiche See- und Wasservögel. Besonders auffällig ist der Prachtfregattvogel (Fregata magnificens), der mit seinen langen, schmalen Flügeln über den Küstengewässern kreist. Die Männchen besitzen einen roten Kehlsack, den sie während der Balz stark aufblasen. Braune Pelikane (Pelecanus occidentalis) jagen im Sturzflug nach Fischen und sind regelmäßig entlang der Küsten zu beobachten. Braunfußtölpel (Sula leucogaster) und Rotschnabel-Tropikvögel (Phaethon aethereus) brüten beziehungsweise halten sich an geeigneten Felsinseln und Steilküsten auf. Weitere typische Seevögel sind verschiedene Seeschwalben, Möwen und Sturmvögel.
Die Mangroven und Lagunen des Grand Cul-de-Sac Marin besitzen eine besondere Bedeutung als Brut-, Rast- und Nahrungsgebiete. Dort leben unter anderem Reiher, Ibisse, Limikolen und verschiedene Entenarten. Der Rötelreiher (Egretta rufescens), der Schmuckreiher (Egretta thula) und der Grünreiher (Butorides virescens) suchen im flachen Wasser nach Fischen, Krebsen und anderen Kleintieren. Während des Vogelzugs kommen zahlreiche Arten aus Nordamerika auf die Inseln. Besonders zwischen Juli und November werden Zugvögel beobachtet, die die Feuchtgebiete und Küstenbereiche als Rastplätze nutzen. Einige überwintern mehrere Monate auf Guadeloupe, andere verweilen nur während kurzer Zwischenstopps.
Die Meeresfauna gehört zu den artenreichsten der gesamten Region. Die Küstengewässer sind durch Korallenriffe, Seegraswiesen, Mangroven, Lagunen und felsige Unterwasserlandschaften geprägt. Besonders bekannt ist das Meeresschutzgebiet Réserve Cousteau vor der Westküste der Basse-Terre im Bereich von Bouillante. Es umfasst die Îlets Pigeon und die umliegenden Riff- und Felsgebiete. Die Unterwasserwelt ist durch eine große Vielfalt an tropischen Fischen, Korallen, Schwämmen, Krebstieren und Weichtieren gekennzeichnet.
Zu den auffälligsten Fischgruppen gehören Papageifische (Scaridae), Kaiserfische (Pomacanthidae), Doktorfische (Acanthuridae), Falterfische (Chaetodontidae), Schnapper (Lutjanidae) und Zackenbarsche (Epinephelidae). Papageifische besitzen kräftige, schnabelartige Kiefer, mit denen sie Algen von Korallenoberflächen abweiden und dabei auch Korallengestein abschaben. Kaiser- und Falterfische halten sich häufig zwischen den Korallen auf, während Zackenbarsche in Höhlen und Felsspalten auf Beute lauern. Hinzu kommen Muränen, Barrakudas, Stachelmakrelen und zahlreiche kleinere Rifffische. In tieferen Gewässern treten außerdem größere pelagische Fischarten auf, darunter Thunfische, Marline und verschiedene Haiarten.
Die Korallenriffe werden von Steinkorallen, Weichkorallen und Schwämmen aufgebaut. Zu den typischen Arten gehören Hirnkorallen, Sternkorallen und Geweihkorallen. Die Korallen bilden komplexe Strukturen, die zahlreichen Meerestieren Schutz und Nahrung bieten. Zwischen den Korallen leben Langusten, Krabben, Garnelen, Seeigel, Seesterne und zahlreiche Schneckenarten. Auch Muscheln und Kopffüßer gehören zur wirbellosen Meeresfauna. Die Riffe sind jedoch durch steigende Wassertemperaturen, Korallenbleiche, Krankheiten, Verschmutzung und mechanische Beschädigungen gefährdet.
Eine besondere Bedeutung besitzen die Meeresschildkröten. In den Gewässern Guadeloupes kommen mehrere Arten vor, von denen insbesondere die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas), die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) und die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) zu nennen sind. Die Grüne Meeresschildkröte hält sich bevorzugt in Seegraswiesen und flachen Lagunen auf, wo sie hauptsächlich pflanzliche Nahrung aufnimmt. Die Echte Karettschildkröte sucht ihre Nahrung vor allem zwischen Korallen und Schwämmen. Die Unechte Karettschildkröte ernährt sich überwiegend von Krebstieren und Weichtieren. An verschiedenen Sandstränden des Archipels legen Meeresschildkröten ihre Eier ab. Zu den bekannten Nistgebieten gehören die Strände von Grande-Terre, Marie-Galante und La Désirade. Die Tiere und ihre Nistplätze stehen unter strengem Schutz.
Auch Meeressäugetiere sind in den Gewässern Guadeloupes vertreten. Regelmäßig werden verschiedene Delfinarten beobachtet, darunter der Große Tümmler (Tursiops truncatus), der Zügeldelfin (Stenella frontalis) und der Spinnerdelfin (Stenella longirostris). Sie halten sich sowohl in küstennahen Gewässern als auch im offenen Meer auf. In den tieferen Meeresbereichen kommen außerdem Pottwale (Physeter macrocephalus) vor. Weitere Walarten, darunter Buckelwale (Megaptera novaeangliae), nutzen die Gewässer der Kleinen Antillen während ihrer saisonalen Wanderungen. Sie ziehen insbesondere während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit durch die Region. Auch Grindwale und verschiedene Schnabelwalarten werden gelegentlich beobachtet.
Der Karibische Manati (Trichechus manatus), der früher in den flachen Küstengewässern, Lagunen und Flussmündungen Guadeloupes vorkam, verschwand durch intensive Bejagung bereits vor längerer Zeit aus dem Archipel. Sein historisches Vorkommen ist unter anderem mit der Bezeichnung der Gemeinde Lamentin verbunden. Im Rahmen von Artenschutzmaßnahmen wurden in jüngerer Zeit Wiederansiedlungsprojekte für diese Meeressäuger verfolgt. Der Manati ist ein großer Pflanzenfresser, der sich hauptsächlich von Seegras und anderen Wasserpflanzen ernährt. Seine Wiederansiedlung ist an geeignete, störungsarme Küstenlebensräume und ausreichende Nahrungsbestände gebunden.
Die wirbellose Tierwelt ist außerordentlich vielfältig. In den Regenwäldern der Basse-Terre leben zahlreiche Schmetterlinge, Käfer, Ameisen, Heuschrecken, Zikaden, Libellen und Spinnen. Zu den auffälligsten Käfern gehört der Herkuleskäfer (Dynastes hercules), einer der größten Blatthornkäfer der Welt. Die Männchen besitzen ein ausgeprägtes Horn, das sie bei Auseinandersetzungen mit anderen Männchen einsetzen. Seine Larven entwickeln sich in verrottendem Holz. Ebenfalls bemerkenswert sind verschiedene Bockkäfer, Blatthornkäfer und metallisch glänzende Prachtkäfer.
Die Schmetterlingsfauna umfasst zahlreiche tropische Arten. Dazu gehören der Monarchfalter (Danaus plexippus), verschiedene Passionsblumenfalter und Schwalbenschwänze sowie die großen Eulenfalter. Viele Arten sind auf bestimmte Futterpflanzen angewiesen und kommen deshalb nur in geeigneten Wald- und Buschlandschaften vor. Besonders in den feuchten Gebieten der Basse-Terre sind zahlreiche Nachtfalter verbreitet. Die Raupen vieler Arten ernähren sich von Blättern einheimischer Bäume und Sträucher.
Zu den auffälligen Wirbellosen gehören außerdem große Hundertfüßer, Tausendfüßer und Vogelspinnen. Die einheimische Vogelspinne Cyrtopholis femoralis lebt vor allem in feuchten Waldgebieten und unter Steinen oder in selbst angelegten Wohnröhren. Sie ernährt sich von Insekten und anderen kleinen Wirbellosen. In den feuchten Wäldern kommen auch zahlreiche andere Spinnenarten vor, die Netze zwischen Blättern und Ästen anlegen oder als Bodenjäger leben.
An den Küsten und in den Wäldern sind verschiedene Landkrabben verbreitet. Besonders bekannt ist die Rote Landkrabbe (Gecarcinus ruricola), die sich überwiegend von pflanzlichem Material, Früchten und organischen Resten ernährt. Sie lebt in feuchten Küstenwäldern und anderen geeigneten Lebensräumen und wandert während ihrer Fortpflanzungszeit teilweise in Richtung Meer. Weitere Krabbenarten bewohnen die Mangroven und Flussmündungen. Dort leben auch zahlreiche Garnelen, Einsiedlerkrebse und andere Krebstiere. In den Mangrovenwäldern finden sie zwischen den Stelzwurzeln der Bäume Nahrung und Schutz.
Die Süßwasserfauna ist weniger artenreich als die Meeresfauna, weist jedoch ebenfalls charakteristische Arten auf. In den Flüssen und Bächen der Basse-Terre leben verschiedene Süßwasserfische, darunter Guppys (Poecilia reticulata), Schläfergrundeln und verschiedene Arten der Gattung Sicydium. Besonders bekannt ist die Guadeloupe-Klettergrundel (Sicydium plumieri), die in schnell fließenden Bächen und Flüssen vorkommt. Die Tiere besitzen einen Haftapparat an der Bauchseite, mit dem sie sich an Steinen festhalten und selbst starke Strömungen überwinden können. Ihre Fortpflanzung ist mit dem Meer verbunden: Die Larven gelangen nach dem Schlüpfen flussabwärts ins Meer und kehren später als Jungfische in die Fließgewässer zurück. In den Flussmündungen und Brackwasserbereichen kommen außerdem verschiedene Garnelen und Krabben vor.
Eine besondere Stellung nehmen die eingeführten Tierarten ein. Neben dem bereits erwähnten Mungo gehören dazu Ratten, Mäuse, Hauskatzen, Hunde und verwilderte Schweine. Auch Ziegen und andere Nutztiere haben sich teilweise in natürlichen Lebensräumen ausgebreitet. Besonders Ratten und Katzen stellen eine Gefahr für bodenbrütende Vögel, Reptilien und Amphibien dar. Der Mungo beeinträchtigt vor allem die Bestände kleiner Wirbeltiere. Eingeschleppte Arten wie die Aga-Kröte und verschiedene Geckos haben sich ebenfalls in Teilen des Archipels etabliert. Einige dieser Arten konkurrieren mit einheimischen Tieren um Nahrung und Lebensraum.
Pflanzen-und Tierarten:
Flora
- Blütenpflanzen 1400
Fauna
- Fische 151
- Vögel 32
- Reptilien 27
- Säugetiere 11
- Amfibien 5
Naturschutz
Das wichtigste eigenständige Waldschutzgebiet der Insel ist die Réserve biologique dirigée du Nord de la Grande-Terre. Sie wurde am 17. April 2018 eingerichtet und umfasst 727,81 ha in den Gemeinden Anse-Bertrand, Port-Louis und Petit-Canal. Das Gebiet erstreckt sich über Waldflächen des Départements, den staatlichen Küstenwald und Flächen des Conservatoire du littoral. Geschützt werden vor allem die letzten größeren Reste des ursprünglichen Trockenwaldes von Grande-Terre. Diese Wälder sind durch die lange landwirtschaftliche Nutzung, insbesondere den Zuckerrohranbau, die Viehhaltung und die Ausdehnung der Siedlungen stark zurückgedrängt worden. Die Schutzgebietsverwaltung zielt auf den Erhalt der verbliebenen Waldgesellschaften und ihrer Tier- und Pflanzenwelt.
Auch die Küstenlandschaften im Norden und Osten von Grande-Terre besitzen einen hohen Schutzwert. Dazu gehören die felsigen Steilküsten und Kalksteinformationen bei Pointe de la Grande Vigie sowie die Küstenabschnitte von Anse-Bertrand mit ihren Buchten, Klippen und natürlichen Felsöffnungen. Die Pointe des Châteaux im äußersten Südosten ist eine markante, von Wind und Brandung geprägte Halbinsel mit niedriger Küstenvegetation, Trockenrasen und felsigen Lebensräumen. Diese Landschaften stehen teilweise unter Landschafts- und Küstenschutz; sie sind jedoch nicht pauschal als einheitliches Naturschutzgebiet mit eigener Schutzgebietsfläche zu behandeln.
Eine besondere Bedeutung besitzt außerdem der Grand Cul-de-Sac Marin zwischen Grande-Terre und Basse-Terre. Die flache Meeresbucht umfasst Mangrovenwälder, Seegraswiesen, Lagunen, Korallenriffe und kleine Inseln. Die frühere Réserve naturelle nationale du Grand Cul-de-Sac Marin wurde 1987 eingerichtet. Seit der Neuordnung des Nationalparks im Jahr 2009 sind ihre geschützten Teilflächen in dessen Kernzone integriert. Das Gebiet ist zugleich ein international bedeutendes Feuchtgebiet nach der Ramsar-Konvention und Teil des Biosphärenreservats des Archipels.
Das bedeutendste Schutzgebiet von Basse-Terre ist der 1989 gegründete Parc national de la Guadeloupe. Sein terrestrischer Kernbereich umfasst rund 21.000 ha, davon etwa 17.300 ha im bewaldeten Bergmassiv von Basse-Terre. Er erstreckt sich über die Höhenstufen vom feuchtwarmen Tiefland bis zu den Berg- und Nebelwäldern des Vulkangebietes. Zu den geschützten Landschaften gehören die Wälder des Massif de la Soufrière, die Umgebung des Vulkans La Soufrière, die Monts Caraïbes und die bewaldeten Gebiete im Zentrum der Insel. Die Schutzbestimmungen dienen dem Erhalt der tropischen Bergwälder, der endemischen Pflanzen- und Tierarten, der Flussläufe und Wasserfälle sowie der empfindlichen Vulkanlandschaften.
Zum Kernbereich gehören neben den Bergwäldern auch mehrere kleinere Inseln und Küstengebiete. Dazu zählen die Îlets Pigeon vor Bouillante, deren Unterwasserwelt mit Korallenriffen und Seegrasbeständen zum Schutzgebiet gehört, sowie die Îlets Kahouanne und Tête-à-l’Anglais vor der Nordwestküste. Weitere geschützte Teilflächen liegen im Bereich der Mangroven und Feuchtgebiete des Grand Cul-de-Sac Marin, darunter die Inseln Fajou, Christophe, Labiche und Carénage sowie die Feuchtgebiete von Choisy und Lambis. Die geschützten Meeresflächen umfassen Riffe, Seegraswiesen und Küstengewässer, die als Lebensraum und Fortpflanzungsgebiet zahlreicher Fisch-, Krebs- und Meeresschildkrötenarten dienen.
An der Westküste liegt bei Bouillante das Gebiet der Îlets Pigeon mit dem bekannten Unterwasserbereich der Réserve Cousteau. Es ist Bestandteil des marinen Schutzsystems des Nationalparks und umfasst Korallenriffe, Felsformationen und artenreiche Meereslebensräume. Die Gewässer werden zum Tauchen und Schnorcheln genutzt; zugleich gelten Einschränkungen zum Schutz der empfindlichen Riffgemeinschaften.
Weitere Schutzflächen befinden sich entlang der Küste. Dazu zählen geschützte Strand- und Dünenabschnitte, die als Nistplätze von Meeresschildkröten dienen, sowie einzelne Biotopschutzgebiete. An der Küste von Basse-Terre sind insbesondere die Strände und Küstenbereiche bei Grande-Anse und Deshaies sowie bei Trois-Rivières von Bedeutung. Dort sollen unter anderem die Eiablageplätze der Meeresschildkröten vor baulichen Eingriffen, Störungen und Beleuchtung geschützt werden.
Der Nationalpark bildet zusammen mit den weiteren Schutzflächen die Grundlage für das Biosphärenreservat des Archipels Guadeloupe, das von der UNESCO anerkannt wurde. Dieses umfasst nicht nur die streng geschützten Kernzonen, sondern auch Puffer- und Übergangsräume, in denen Siedlungen, Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus unter Berücksichtigung der ökologischen Anforderungen stattfinden. Das Biosphärenreservat ist daher kein durchgehend streng geschütztes Naturschutzgebiet, sondern ein großräumiges Konzept zur Verbindung von Naturschutz und nachhaltiger Nutzung.
Klima
Guadeloupe besitzt ein tropisches, maritim beeinflusstes Klima, das durch ganzjährig hohe Temperaturen, eine ausgeprägte Luftfeuchtigkeit und relativ geringe jahreszeitliche Temperaturschwankungen gekennzeichnet ist. Die Passatwinde aus östlichen bis nordöstlichen Richtungen mildern die tropische Wärme. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation überwiegt auf den tiefer gelegenen Inselteilen das tropische Monsunklima (Am). In den niederschlagsreichen Höhenlagen von Basse-Terre treten dagegen Bedingungen eines tropischen Regenwaldklimas (Af) auf.
Das Klima wird wesentlich durch die Lage im Bereich der tropischen Passatzirkulation und durch den Wechsel zwischen dem subtropischen Hochdruckgürtel und der innertropischen Konvergenzzone bestimmt. Die feuchten Ostpassate treffen auf das hohe Gebirgsmassiv von Basse-Terre und werden zum Aufsteigen gezwungen. Dabei kühlt die Luft ab, Wasserdampf kondensiert und es entstehen häufig Wolken und ergiebige Steigungsregen. Grande-Terre liegt dagegen überwiegend im Regenschatten des Gebirges und besitzt ein deutlich trockeneres Klima. Die Niederschlagsunterschiede zwischen beiden Inseln sind deshalb beträchtlich.
Im Jahresverlauf werden zwei Hauptjahreszeiten und zwei Übergangsphasen unterschieden. Die Trockenzeit, der sogenannte Carême, reicht im Allgemeinen von Januar bis April. Sie ist durch beständige Passatwinde, vergleichsweise geringe Niederschläge und häufig sonniges Wetter geprägt. Von Mitte April bis Juni folgt eine erste Übergangszeit mit zunehmender Schwüle, nachlassenden Passatwinden und häufiger werdenden Schauern und Gewittern. Die feuchte Jahreszeit, Hivernage genannt, erstreckt sich ungefähr von Juni beziehungsweise Juli bis November. In dieser Zeit treten häufig kräftige Regenschauer, Gewitter und längere Niederschlagsperioden auf. Im Dezember nimmt die Regenhäufigkeit wieder ab; zugleich verstärken sich die Passatwinde. Die zeitlichen Grenzen der Jahreszeiten schwanken von Jahr zu Jahr.
Die Lufttemperaturen bleiben das ganze Jahr über hoch. Während der trockeneren Monate liegen die durchschnittlichen Tageshöchstwerte meist zwischen 28 und 31 °C, die nächtlichen Tiefstwerte zwischen 19 und 23 °C. In der feuchten Jahreszeit steigen die Tageshöchstwerte häufig auf 31 bis 33°C, während die Nächte mit etwa 22 bis 25 °C wärmer bleiben. Die höchste gefühlte Wärme entsteht bei schwachem Wind und hoher Luftfeuchtigkeit. In den Bergregionen von Basse-Terre sinken die Temperaturen mit zunehmender Höhe deutlich; auf den höchsten Gipfeln herrschen wesentlich kühlere und feuchtere Bedingungen als an den Küsten.
Die räumlichen Niederschlagsunterschiede sind besonders ausgeprägt. Auf Grande-Terre fallen je nach Lage ungefähr 1.000 bis 1.800 mm Niederschlag im Jahr. Die östlichen und nördlichen Küstenbereiche gehören zu den trockeneren Gebieten; auch die Halbinsel um Saint-François und Pointe des Châteaux weist vergleichsweise geringe Regenmengen auf. Auf Basse-Terre liegen die Jahresniederschläge an der windzugewandten Ostseite unterhalb von 600 m Höhe meist zwischen 1.800 und 3.500 mm. In den höheren Lagen des Massivs steigen sie auf mehrere Tausend Millimeter. Am Gipfel der Soufrière werden nach langjährigen Messreihen Werte von etwa 6.200 bis über 8.000 mm erreicht; ältere Klimareihen weisen noch höhere Werte aus. Die Angabe von rund 9.900 mm ist daher als möglicher Wert für besonders niederschlagsreiche Messperioden beziehungsweise ältere Klimanormalwerte zu verstehen, nicht als einheitlicher aktueller Jahresdurchschnitt.
Die Westküste von Basse-Terre, die sogenannte Côte-sous-le-vent, liegt nach dem Überströmen des Gebirgsmassivs im Regenschatten. Dort sind die Niederschläge geringer als an der Ostseite, obwohl auch diese Küstenregion deutlich feuchter sein kann als Teile von Grande-Terre. Die Unterschiede zeigen sich auch in der Zahl der Regentage: In den Höhenlagen der Soufrière fällt an einem großen Teil des Jahres Niederschlag, während die trockeneren Küstenabschnitte wesentlich längere niederschlagsarme Phasen aufweisen.
Die Passatwinde sorgen an den Küsten für eine regelmäßige Luftbewegung. Während der Trockenzeit sind sie meist beständiger und kräftiger, während der feuchten Jahreszeit können sie zeitweise nachlassen. Bei schwacher Windströmung nimmt die Schwüle deutlich zu. Die relative Luftfeuchtigkeit ist vor allem in den Regenwaldgebieten und in den höheren Lagen hoch; auf den exponierten Gipfeln der Soufrière treten häufig Nebel, Wolken und starke Winde auf. Dort liegen die Temperaturen deutlich unter denen der Küstenregionen und bewegen sich häufig nur zwischen etwa 15 und 22°C.
Guadeloupe liegt im Bereich der atlantischen Hurrikansaison, die offiziell von Juni bis November dauert. Tropische Wellen, Tiefdruckgebiete und tropische Wirbelstürme können in dieser Zeit Starkregen, Überschwemmungen, Erdrutsche und hohe Windgeschwindigkeiten verursachen. Besonders die steilen Hänge von Basse-Terre sind bei lang anhaltenden Regenfällen anfällig für Hangrutschungen und Sturzfluten. Auch Grande-Terre ist durch Starkregen, Küstenüberschwemmungen und Sturmfluten gefährdet. Die Auswirkungen einzelner Wirbelstürme können die jährliche Niederschlagsverteilung erheblich verändern.
Die Sonnenscheindauer ist an der trockeneren Ost- und Südküste von Grande-Terre besonders hoch. Auf Basse-Terre wird sie durch die häufige Wolkenbildung über dem Gebirge und die ausgeprägten Steigungsregen vermindert. Die Meerestemperaturen bleiben ganzjährig warm und liegen nach Angaben des französischen Wetterdienstes im Allgemeinen zwischen 26 und 29 °C.
Klimadaten für Pointe à Pitre (7 m , 1961 bis 1990)
| Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr | |
| Mitteltemperatur (°C) | 23,4 | 23,5 | 24,0 | 26,0 | 26,0 | 26,8 | 26,7 | 26,8 | 26,7 | 26,1 | 26,3 | 24,1 | 25,5 |
| Niederschlag (mm) | 91 | 66 | 66 | 86 | 135 | 148 | 179 | 244 | 196 | 229 | 231 | 143 | 1814 |
| Niederschlagstage >0,1 mm | 19 | 16 | 16 | 16 | 21 | 21 | 25 | 23 | 22 | 22 | 23 | 25 | 249 |
| Potenzielle Verdunstung (mm) | 104 | 117 | 141 | 138 | 126 | 129 | 124 | 107 | 89 | 88 | 82 | 90 | 1335 |
| Sonnenstunden pro Tag | 7,2 | 7,8 | 8,3 | 6,0 | 7,5 | 7,6 | 7,5 | 7,5 | 7,0 | 7,1 | 7,0 | 7,1 | 7,4 |
| Wassertemperatur (°C) | 26 | 25 | 26 | 26 | 27 | 27 | 28 | 28 | 28 | 28 | 27 | 27 | 27 |
Klimadaten für Les Abymes / Pointe-à-Pitre (1981 bis 2010, Extreme seit 1950)
| Jan | Feb | Mar | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr | |
| Höchstrekord (°C) | 31,8 | 32,1 | 32,8 | 33,3 | 33,3 | 33,4 | 34,2 | 34,2 | 34,1 | 34,1 | 33,4 | 32,4 | 34,2 |
| Mittelmaximum (°C) | 29,2 | 29,2 | 29,7 | 30,3 | 30,9 | 31,4 | 31,6 | 31,9 | 31,7 | 31,3 | 30,5 | 29,7 | 30,6 |
| Mitteltemperatur (°C) | 24,9 | 24,9 | 25,3 | 26,3 | 27,2 | 27,9 | 28,0 | 28,0 | 27,8 | 27,3 | 26,5 | 25,5 | 26,6 |
| Mittelminimum (°C) | 20,7 | 20,6 | 21,0 | 22,2 | 23,6 | 24,3 | 24,3 | 24,1 | 23,8 | 23,3 | 22,4 | 21,3 | 22,6 |
| Tiefstrekord (°C) | 13,5 | 13,0 | 13,9 | 15,8 | 16,4 | 18,9 | 19,6 | 19,8 | 19,5 | 19,0 | 16,8 | 14,4 | 13,0 |
| Niederschlag (mm) | 83,0 | 60,0 | 67,9 | 96,5 | 134,1 | 107,8 | 129,6 | 169,1 | 206,2 | 214,5 | 213,9 | 134,0 | 1616,6 |
| Niederschlagstage (≥ 1,0 mm) | 15,83 | 12,30 | 11,10 | 10,73 | 13,07 | 13,20 | 15,20 | 16,43 | 16,27 | 17,50 | 17,40 | 16,47 | 175,50 |
| Sonnenstunden | 192,4 | 182,7 | 217,5 | 211,4 | 212,7 | 206,5 | 198,3 | 221,5 | 200,6 | 181,7 | 181,4 | 189,1 | 2395,7 |
Mythologie
Vor der Ankunft der Europäer waren die Kariben und zuvor die Arawak die Hauptträger der Mythologie auf Guadeloupe, die sie „Karukera“ (Insel der schönen Wasser) nannten. Die Kariben hatten eine animistische Weltanschauung, in der Naturgeister (Zemis bei den Arawak, später von den Kariben übernommen) eine zentrale Rolle spielten. Diese Geister waren mit Elementen wie dem Meer, dem Vulkan La Soufrière, Flüssen oder Wäldern verbunden. Ein bekannter Mythos der Kariben beschreibt die Entstehung der Inseln durch einen großen Geist, der die Erde aus dem Meer erhob, um den Menschen einen Lebensraum zu geben. Der Vulkan La Soufrière galt als Sitz mächtiger Geister, und Geschichten warnten davor, seinen Zorn durch respektloses Verhalten zu wecken. Mündliche Überlieferungen, oft durch Petroglyphen und Rituale übermittelt, erzählten von Helden oder Häuptlingen, die gegen Seeungeheuer oder feindliche Geister kämpften. Die Kariben glaubten an einen Schöpfergott, Yocahu, und an einen dualistischen Kampf zwischen guten und bösen Kräften, verkörpert durch Hurrikane oder Krankheiten. Viele dieser Mythen wurden durch die Kolonisierung ausgelöscht, doch Spuren finden sich in Ortsnamen und archäologischen Überresten.
Mit der Ankunft afrikanischer Sklaven ab dem 17. Jahrhundert gelangten Elemente westafrikanischer Mythologien, insbesondere aus den Kulturen der Yoruba, Fon und Akan, nach Guadeloupe. Diese Glaubenssysteme vermischten sich mit christlichen Elementen und indigenen Überlieferungen, was zur Entstehung einer kreolischen Mythologie führte. Ein zentraler Aspekt ist die Verehrung von Ahnen, die als Schutzgeister über die Lebenden wachen. Geschichten über Anansi, die trickreiche Spinne aus westafrikanischen Mythen, fanden Eingang in die mündliche Tradition Guadeloupes. Anansi wird oft als schlauer Held dargestellt, der mit List übermächtige Gegner überwindet, was für versklavte Menschen ein Symbol des Widerstands war. Ebenso gibt es Erzählungen über „Zombis“ (nicht die modernen Zombies), die in der kreolischen Mythologie Geister oder Seelen Verstorbener sind, die durch Magie kontrolliert werden können. Diese Vorstellung wurzelt in afrikanischen spirituellen Praktiken und wurde durch den Voodoo-Einfluss aus Haiti verstärkt, obwohl Voodoo auf Guadeloupe weniger institutionalisiert ist als auf Haiti. Mythen über Meerjungfrauen (Maman d’lo), die in Flüssen oder an der Küste leben und Fischer locken, sind weit verbreitet und verbinden afrikanische Wasser-Geister wie Mami Wata mit karibischen Elementen.
Die kreolische Kultur Guadeloupes entwickelte eine einzigartige Mythologie, die afrikanische, europäische und karibische Elemente vereint. Viele Mythen wurden durch mündliche Überlieferung, Tänze wie Gwo Ka und Lieder weitergegeben. Eine bekannte Figur ist der „Diable“ (Teufel), der in Geschichten als Gestaltwandler erscheint, der nachts Reisende in Wäldern oder an Kreuzungen täuscht. Diese Figur hat Wurzeln in afrikanischen Trickster-Mythen, wurde aber durch christliche Vorstellungen von Gut und Böse beeinflusst. Ebenso gibt es Geschichten über „Soucouyants“, vampirähnliche Wesen, die ihre Haut ablegen und nachts als Feuerbälle durch die Lüfte fliegen, um das Blut von Menschen zu trinken. Diese Mythen dienten oft dazu, soziale Normen zu stärken oder Ängste vor dem Unbekannten auszudrücken. Die katholische Kirche, die durch französische Kolonisatoren eingeführt wurde, führte zu einem Synkretismus, bei dem afrikanische Gottheiten mit christlichen Heiligen verschmolzen – etwa die Yoruba-Göttin Yemayá mit der Jungfrau Maria.
Die tropische Umgebung Guadeloupes prägte viele Mythen, insbesondere um Naturphänomene. Hurrikane wurden oft als Zorn der Geister oder Götter interpretiert, die die Menschen für Missachtung der Natur bestraften. Geschichten erzählten von Rituale, die durchgeführt wurden, um diese Kräfte zu besänftigen, etwa durch Opfergaben an den Vulkan oder das Meer. Der Wald, dicht und unzugänglich, war Schauplatz von Mythen über verlorene Seelen oder Schutzgeister, die Wanderer entweder retteten oder in die Irre führten.
Nach der Abschaffung der Sklaverei 1848 kamen indische Vertragsarbeiter nach Guadeloupe, die hinduistische Mythen mitbrachten. Geschichten über Götter wie Krishna, Shiva oder Kali wurden in indischen Gemeinschaften erzählt, oft bei religiösen Festen wie Diwali. Diese Mythen vermischten sich nur begrenzt mit der kreolischen Mythologie, blieben aber in indischen Enklaven, etwa auf Marie-Galante, präsent.
Die Mythen Guadeloupes wurden überwiegend mündlich überliefert, da die Kolonialverwaltung schriftliche Aufzeichnungen indigener oder afrikanischer Geschichten unterdrückte. Heute werden viele dieser Erzählungen durch kreolische Literatur, Musik und Theater lebendig gehalten. Moderne Autoren und Künstler, wie die Schriftstellerin Maryse Condé, greifen diese Mythen auf, um die Identität und Geschichte der Insel zu beleuchten. Trotz der Dominanz des Christentums bleiben animistische und synkretistische Glaubenselemente in der Volksreligion präsent, etwa in spirituellen Heilpraktiken oder Festen.
Geschichte
Guadeloupe ist seit mehr als 5000 Jahren bewohnt, zuletzt von kriegerischen Kariben (Kalinago). Die Geschichte der Europäisierung begann mit der „Entdeckung“ durch Columbus im Jahr 1493. Seit 1674 gehört zu Insel - mit kurzen Unterbrechungen - zu Frankreich.
Vorkolumbische Zeit
Die ältesten archäologischen Zeugnisse menschlichen Lebens stammen aus der Zeit von -3500 bis -3000. Um -300 besiedelten die Arawak von Südamerika aus die Inseln der Kleinen Antillen. Diese Volksgemeinschaft, auch als Taino oder Igneri bezeichnet, lebte in organisierten Gemeinschaften mit einer agrarischen Lebensweise. Sie bauten Maniok, Mais, Süßkartoffeln und Baumwolle an und nutzten einfache Bewässerungstechniken, um ihre Felder zu versorgen. Ihre Siedlungen bestanden aus strohgedeckten Hütten (Bohíos), die in kleinen Dörfern entlang von Flüssen oder Küsten errichtet wurden. Die Arawak waren geschickte Fischer und nutzten Kanus, die aus Baumstämmen gefertigt wurden, für den Fischfang und den Handel mit benachbarten Inseln. Ihre Gesellschaft war hierarchisch organisiert, angeführt von Häuptlingen (Caciques), und hatte eine ausgeprägte spirituelle Kultur mit Ritualen, die Naturgeister und Ahnen verehrten. Archäologische Funde, wie Keramik mit geometrischen Mustern und Steinwerkzeuge, zeugen von ihrer handwerklichen Fertigkeit.
Ab etwa 1000 wurden die Arawak auf Guadeloupe zunehmend von den Kariben verdrängt oder assimiliert, einem kriegerischeren Volk, das ebenfalls aus dem südamerikanischen Festland (dem heutigen Venezuela und Guyana) einwanderte. Die Kariben, nach denen die Karibik benannt ist, waren bekannt für ihre Seefahrerkünste und ihre aggressivere Haltung gegenüber benachbarten Gruppen. Sie übernahmen viele Elemente der Arawak-Kultur, wie den Maniok-Anbau, entwickelten jedoch eine stärkere maritime Lebensweise, die auf Fischerei, Jagd und gelegentlichen Raubzügen basierte. Ihre Siedlungen waren kleiner und mobiler, oft an strategischen Küstenpunkten gelegen, um Angriffe abzuwehren oder Handel zu betreiben. Die Kariben nutzten Bögen, Speere und Keulen als Waffen und hatten eine Kultur, die stark auf mündliche Überlieferungen und Kriegsrituale ausgerichtet war. Frauen spielten eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft und der Herstellung von Keramik, während Männer für Jagd, Fischerei und Verteidigung zuständig waren.
Die soziale Struktur der Kariben war weniger zentralisiert als die der Arawak, mit autonomen Dorfgruppen unter lokalen Anführern. Ihre Religion umfasste animistische Glaubensvorstellungen, bei denen Naturphänomene wie Vulkane (zum Beispiel La Soufrière) oder das Meer als heilig galten. Archäologische Überreste, wie Petroglyphen und Keramikfunde auf Guadeloupe, deuten auf komplexe Rituale und eine reiche materielle Kultur hin. Handel mit anderen Inseln, etwa Dominica oder Martinique, war üblich, wobei Muscheln, Federn und Lebensmittel ausgetauscht wurden.
Die Lebensweise der Kariben ähnelte der der Arawak. Aus der Beute, die sie durch Jagd und Fischfang erlegten, bereiteten sie einen sehr scharfen Pfeffertopf zu und servierten ihn mit Fladenbrot aus Maniokmehl. Daneben aßen sie Papayas, Guaven, Ananas und Avocados und die Männer rauchten Zigarren. Zu ihren Haushaltsgeräten gehörten Tongefäße, Behälter aus Pflanzenmaterial und Hängematten aus Baumwolle. Die Frauen trugen einen Lendenschurz, die Männer gingen nackt. Zum Schutz gegen Insekten, als Schmuck und als Kriegsbemalung rieben sie sich mit einem Roucou genannten roten Pflanzenfarbstoff ein, der mit Öl vermischt wurde. Auf ihren Kriegszügen töteten die Karaiben die Arawak-Männer und nahmen deren Frauen als Sklaven. Von den Karaiben wird berichtet, dass sie ihre männlichen Gefangenen verzehrten. Allerdings hat sich herausgestellt, dass viele Gerüchte um Kannibalismus wissenschaftlich nicht haltbar sind und sich entweder als falsch verstandene Beerdigungsriten entpuppten oder in aufgebauschter Berichterstattung ihren Ursprung hatten. Bei den indianischen Ureinwohnern hieß die Insel Karukera – Insel der schönen Wasser.
Die Bevölkerungszahl der indigenen Gruppen vor Kolumbus ist schwer zu schätzen, liegt aber vermutlich im Bereich von einigen Tausend, verteilt auf kleine Dörfer über die Inseln des Archipels (Grande-Terre, Basse-Terre, Marie-Galante und andere). Die natürlichen Ressourcen Guadeloupes, wie fruchtbare Böden, reichhaltige Fischgründe und tropisches Klima, ermöglichten eine stabile Subsistenzwirtschaft, die jedoch durch Hurrikane und interne Konflikte gefährdet war.
Mit der Ankunft von Kolumbus im November 1493 begann die Kolonisierung, die für die indigenen Völker katastrophale Folgen hatte. Die Kariben leisteten zunächst Widerstand, doch Krankheiten wie Pocken, Zwangsarbeit und kriegerische Auseinandersetzungen mit den Europäern führten innerhalb weniger Jahrzehnte zum nahezu vollständigen Verschwinden der indigenen Bevölkerung. Heute sind nur wenige Spuren ihrer Kultur in Ortsnamen, archäologischen Stätten und vereinzelten Traditionen erhalten.
Entdeckungszeit
Am 4. November 1493 erreichte Christoph Kolumbus Guadeloupe während seiner zweiten Reise nach Amerika. Er benannte die Insel Santa María de Guadalupe nach dem spanischen Marienheiligtum von Guadalupe in der Extremadura. In den europäischen Aufzeichnungen erschien damit erstmals der Name, aus dem die heutige Bezeichnung Guadeloupe hervorging. Die indigene Bevölkerung verwendete den Namen Karukera, der gewöhnlich mit „Insel der schönen Gewässer“ übersetzt wird. Kolumbus und seine Begleiter gingen an Land und erkundeten Teile der Insel. Die Expedition hielt sich nur kurze Zeit auf und setzte anschließend ihre Fahrt durch die Kleinen Antillen fort. Eine europäische Niederlassung wurde nicht gegründet.
Die Bewohner gehörten zu den indigenen Bevölkerungsgruppen der Kleinen Antillen, die von den Europäern meist als Kariben bezeichnet wurden und sich selbst als Kalinago beziehungsweise Kalina bezeichneten. Sie lebten in Siedlungen an den Küsten und in den geschützten Bereichen des Inselinneren. Fischfang, Landwirtschaft, Jagd und der Austausch mit benachbarten Inseln bildeten wichtige Grundlagen ihrer Lebensweise. Guadeloupe war in ein weitreichendes Netz von Kontakten eingebunden, das sich über die Kleinen Antillen bis zur Küste des heutigen Venezuela erstreckte. Die europäische Bezeichnung „Kariben“ fasste unterschiedliche indigene Gemeinschaften zusammen und wurde in den zeitgenössischen Quellen nicht immer einheitlich verwendet.
Spanien beanspruchte Guadeloupe im Zuge seiner Expansion in der Karibik, konzentrierte seine kolonialen Anstrengungen jedoch vor allem auf die Großen Antillen und die Gebiete mit größeren wirtschaftlichen Erträgen. Im frühen 16. Jahrhundert kam es zu spanischen Unternehmungen in den Kleinen Antillen, die neben Erkundung und Versorgung auch der Gefangennahme indigener Menschen dienten. Spanische Sklavenjäger unternahmen Überfälle auf Inseln der Region und verschleppten Bewohner nach Hispaniola, Puerto Rico und auf andere spanisch beherrschte Gebiete. Die Kalinago leisteten Widerstand und verteidigten ihre Siedlungsgebiete und Handelsverbindungen.
Ein konkreter spanischer Kolonisierungsplan ist für das Jahr 1520 belegt. Am 9. Juli dieses Jahres erhielt Antonio Serrano von König Karl I. eine Genehmigung zur Eroberung und Besiedlung Guadeloupes. Er sollte spanische Siedler auf die Insel bringen und dort eine dauerhafte Niederlassung aufbauen. Das Vorhaben sah auch landwirtschaftliche Nutzung, Viehzucht und weitere wirtschaftliche Tätigkeiten vor. Serrano gelang es jedoch nicht, genügend Siedler und die erforderlichen Mittel zusammenzubringen. Der Plan wurde nicht umgesetzt; eine spanische Kolonie entstand nicht. Die häufig anzutreffende Darstellung, Spanien habe im 16. Jahrhundert wiederholt Zuckerrohr- und Tabakplantagen auf Guadeloupe angelegt, ist durch die verfügbaren historischen Belege nicht gesichert.
Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde der Archipel von spanischen, französischen und englischen Schiffen angelaufen. Die Kleinen Antillen dienten europäischen Seefahrern als Zwischenstationen auf den Routen zwischen Europa, den spanischen Besitzungen in der Karibik und dem südamerikanischen Festland. Schiffe nahmen Wasser und Nahrungsmittel auf und tauschten gelegentlich Waren mit der indigenen Bevölkerung. Daneben operierten Freibeuter und andere bewaffnete Seefahrer in der Region. Ihre Tätigkeit richtete sich vor allem gegen den spanischen Schiffsverkehr und die spanischen Besitzungen. Guadeloupe war dabei Teil des größeren karibischen Operations- und Versorgungsraumes, ohne sich zu einem dauerhaften europäischen Piratenstützpunkt zu entwickeln.
Die indigene Bevölkerung wurde durch diese Kontakte zunehmend mit den Folgen der europäischen Expansion konfrontiert. Besonders schwerwiegend waren die Überfälle zur Gefangennahme und Verschleppung von Menschen. Hinzu kamen eingeschleppte Infektionskrankheiten, gegen die die Bewohner der Inseln keine vergleichbare Immunität besaßen. Die Bevölkerungsverluste der Kalinago in den Kleinen Antillen waren erheblich; sie lassen sich für Guadeloupe allein jedoch nicht zuverlässig beziffern. Trotz dieser Belastungen blieb die Insel bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts unter indigener Kontrolle. Die europäischen Mächte hatten zwar Ansprüche erhoben und die Gewässer der Region in ihre Handels- und Machtkonflikte einbezogen, eine dauerhafte Besetzung Guadeloupes war ihnen bis dahin nicht gelungen.
Französische Kolonialzeit
Der erste ernstzunehmende Kolonisierungsversuch begann um 1625/26, als der französische Händler und Abenteurer Pierre Belain d’Esnambuc, der bereits St. Kitts (Saint-Christophe) besiedelt hatte, erste Erkundungen anstellte und spanische Siedler vertrieb. Im Jahr 1635 gelang es den Franzosen endgültig, die Insel zu erobern. Charles Liénard de l’Olive und Jean du Plessis d’Ossonville, im Auftrag der Compagnie des Îles d’Amérique (gegründet 1635 von Kardinal Richelieu), landeten am 28. Juni 1635 mit etwa 550 Siedlern und etablierten die erste dauerhafte französische Präsenz. Die Compagnie zielte auf wirtschaftliche Ausbeutung ab, doch die Siedler stießen auf erbitterten Widerstand der Kariben, die mit Pfeil und Bogen kämpften und Allianzen mit anderen Inselvölkern schlossen. Bis 1640 starben viele Franzosen an Krankheiten, Hunger und Kämpfen; die Compagnie ging bankrott und verkaufte die Insel 1649 an Charles Houël du Petit Pré, der als Gouverneur die Plantagenwirtschaft einführte.
Die französischen Siedler etablierten erste Plantagen, die zunächst auf Tabak und Indigo ausgerichtet waren, da Zuckerrohr erst später dominierte. Die Lebensbedingungen waren hart: Die Kolonisten kämpften mit tropischen Krankheiten wie Malaria, unzureichender Versorgung und Konflikten mit den Kariben. Die Siedlungen konzentrierten sich auf Basse-Terre, wo Fort Charles (später Fort Saint-Charles) als Verteidigungsposition gebaut wurde. Die Compagnie des Îles de l’Amérique hatte jedoch finanzielle Schwierigkeiten, was die Kolonisierung erschwerte. Viele der ersten Siedler waren Vertragsarbeiter (engagés), die für wenige Jahre gegen Landversprechen arbeiteten, sowie einige freie Kolonisten aus Frankreich, vor allem aus der Normandie und der Bretagne. Die Gesellschaft war stark hierarchisch, mit einer kleinen Elite weißer Siedler an der Spitze und einer wachsenden Zahl afrikanischer Sklaven, die ab den 1620er Jahren aus Westafrika eingeführt wurden, um die Arbeitskräftemängel zu kompensieren.
Ab den 1650er Jahren wurde Zuckerrohr als Hauptkultur angebaut, ergänzt durch Tabak, Indigo und später Kaffee. Die Arbeitskräfte reichten jedoch nicht aus: 1650 trafen die ersten afrikanischen Sklaven ein, verschleppt im Rahmen des transatlantischen Sklavenhandels. Bis 1656 kam es zu ersten Sklavenaufständen, die brutal niedergeschlagen wurden, oft mit Hilfe indigener Gruppen. Die Kariben wurden schrittweise vertrieben oder deportiert – viele flohen nach Dominica. 1664 übernahm die Französische Westindienkompanie (Compagnie des Indes occidentales) die Kontrolle, doch nach ihrem Bankrott 1674 fiel Guadeloupe direkt unter die französische Krone. Ein Gouverneur in Basse-Terre leitete die Verwaltung, und die Insel wurde in 32 Bezirke (quartiers) unterteilt. Der Code Noir von 1685, erlassen von Ludwig XIV., regelte die Sklaverei: Er erlaubte Misshandlungen, verbot aber willkürliche Tötungen und förderte die Christianisierung der Sklaven. Zu dieser Zeit stellten Sklaven bereits die Mehrheit der Bevölkerung dar, mit einer Lebenserwartung von nur etwa sieben Jahren auf den Plantagen durch harte Arbeit, Unterernährung und Krankheiten. Frauen wurden oft durch Schocks und Missbrauch unfruchtbar, was die Reproduktion der Arbeitskräfte erschwert.
Im 18. Jahrhundert wurde Guadeloupe zu einem wichtigen Knotenpunkt der französischen Karibikökonomie. Zuckerrohrplantagen dominierten, und der Export von Rohrzucker, Melasse und Rum boomte. Kaffee wurde in den 1720er Jahren eingeführt, Kakao ab 1775. Die Stadt Pointe-à-Pitre entstand 1735 als Hafen und Handelszentrum, was den Handel mit Nordamerika und Europa ankurbelte. Die Bevölkerung wuchs: Bis 1750 lebten etwa 50.000 Menschen auf der Insel, davon 85 % Sklaven.
Allerdings war die Insel Schauplatz zahlreicher Konflikte zwischen Frankreich und Großbritannien. Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) drangen britische Truppen im Februar 1759 ein und eroberten Guadeloupe am 23. April 1759 nach einer Belagerung. Die Besatzung dauerte bis zum 10. Februar 1763, als der Frieden von Paris die Insel gegen französische Konzessionen in Kanada zurückgab. Unter britischer Herrschaft florierte der Handel weiter, da britische Händler den Zuckerimport steigerten. 1782, während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, eroberten die Briten die Insel erneut nach der Schlacht bei den Saintes, gaben sie aber 1783 zurück.
Der Widerstand der Sklaven blieb für die Machthaber ein Problem. Maroons (entflohene Sklaven) bildeten Communities in den Wäldern und führten Guerilla-Kriege. Aufstände wie 1737 oder 1793 zeigten die Instabilität des Systems. Die Aufklärungsideen sickerten ein, doch die Plantagenbesitzer (grands blancs) hielten an der Sklaverei fest.
Französische Revolution
Die Französische Revolution von 1789 erreichte Guadeloupe mit Verzögerung. 1790 forderten freie Farbige (mulâtres) gleiche Rechte, was zu Spannungen führte. Im Februar 1794 schaffte die Nationalkonvention die Sklaverei in allen französischen Kolonien ab (Dekret vom 4. Februar 1794). Dies löste Chaos aus: Plantagenbesitzer rebellierten und luden britische Truppen ein, die im April 1794 einmarschierten und die Insel besetzten, um die Abschaffung zu verhindern.
Der französische Kommissar Victor Hugues landete im Juni 1794 mit Truppen und befreiten Sklaven, vertrieb die Briten bis Dezember 1794 und etablierte eine republikanische Ordnung. Hugues, ein Jakobiner, führte eine „Reign of Terror“: Über 1.000 royalistische Kolonisten wurden hingerichtet, Plantagen enteignet und Sklaven in Milizen integriert. Er regierte bis 1798, machte Guadeloupe zu einer Basis für Kaperfahrten gegen britische Schiffe und förderte die Gleichberechtigung, was die Insel zu einem Symbol der Revolution machte.
Mit Napoleons Machtergreifung änderte sich alles. Am 20. Mai 1802 verfügte er die Wiedereinführung der Sklaverei in den Kolonien, um die Wirtschaft zu stabilisieren. In Guadeloupe führte dies zu einem Aufstand: Schwarze Offiziere wie Louis Delgrès (ein kreolischer Mulatte, geboren 1766) und Joseph Ignace (1769–1802) stellten sich mit 300 Soldaten gegen die Expeditionstruppen unter General Antoine Richepanse. Delgrès proklamierte am 10. Mai 1802 die Freiheit und zog sich in die Berge zurück. Am 28. Mai 1802, in der Schlacht von Matouba, sprengten Delgrès und seine Anhänger sich in die Luft, um der Gefangenschaft zu entgehen – ein Akt des heldenhaften Widerstands. Überlebende, darunter die schwangere Mulattin Solitude (eine Maroon-Führerin), wurden gefangen: Solitude gebar am 28. November 1802 und wurde am 29. November hingerichtet. Etwa 250 Todesurteile folgten; der Aufstand wurde bis 1804 niedergeschlagen. Die Sklaverei wurde am 14. Mai 1803 offiziell wiederhergestellt.
In den napoleonischen Kriegen eroberte Großbritannien Guadeloupe am 4. Februar 1810 erneut. Am 3. März 1813 trat es die Insel an Schweden ab (Frieden von Stockholm), als Kompensation für den schwedischen Kronprinzen Karl XIV. Johann (ehemals Bernadotte). Schweden hielt sie jedoch nur nominell; im Frieden von Paris am 30. Mai 1814 gab es Guadeloupe gegen 24 Millionen Franc zurück an Frankreich. Diese Summe schuf den „Guadeloupe-Fonds“, eine Rente, die Schweden bis 1983 erhielt. Die letzte britische Invasion erfolgte 1815 (8. bis 10. August), doch der Wiener Kongress bestätigte die französische Herrschaft.
Umbruchszeit
Die napoleonische Epoche endete für Guadeloupe mit der letzten britischen Invasion vom 8. bis 10. August 1815, während der Hundert Tage Napoleons. Die Insel kapitulierte schnell, und die britische Besatzung dauerte bis April 1816. Der Wiener Kongress bestätigte endgültig die französische Souveränität, und Guadeloupe kehrte unter die Herrschaft der restaurierten Bourbonen-Monarchie zurück. Diese Periode markierte den Beginn einer stabilen französischen Kolonialverwaltung ohne weitere große Eroberungen, doch die Insel litt unter den Nachwirkungen der Kriege: zerstörte Plantagen, Schulden und eine geschwächte Wirtschaft.
Ab 1816 etablierte sich das „Régime des amiraux“: Die Gouverneure waren meist Marineoffiziere mit weitreichenden Vollmachten. Die Sklaverei, 1802 wieder eingeführt, wurde zunehmend instabil. Maroons (entflohene Sklaven) organisierten sich in den Wäldern, und Aufstände häuften sich. Die Aufklärung und abolitionistische Ideen aus Europa (unter anderem durch Victor Schœlcher) sickerten ein, verstärkt durch die britische Abschaffung der Sklaverei 1833.
Wirtschaftlich dominierte weiterhin die Zuckerrohrproduktion, ergänzt durch Kaffee und Kakao. Doch die Konkurrenz durch Rübenzucker aus Europa führte zu einer Krise: Preise fielen, und viele Plantagenbesitzer verschuldeten sich. Die Bevölkerung stagnierte oder ging zurück (von rund 100.000 im frühen 19. Jahrhundert). Naturkatastrophen wie Erdbeben wie das von 1843 verschärften die Lage.
Der entscheidende Wendepunkt kam mit der Revolution von 1848 in Frankreich. Die provisorische Regierung unter Victor Schœlcher, Unterstaatssekretär für die Kolonien, erließ das Dekret zur endgültigen Abschaffung der Sklaverei vdurch das Décret d'abolition de l'esclavage vom 27. April 1848. In Guadeloupe proklamierte der Gouverneur Jean-François Layrle die Freiheit vorzeitig am 27. Mai 1848, um Aufstände wie in Martinique zu verhindern. Rund 87.000 Sklaven wurden befreit. Plantagenbesitzer erhielten Entschädigungen, die ehemaligen Sklaven jedoch nichts – keine Landverteilung oder Reparationen. Viele weigerten sich, weiter auf den Plantagen zu arbeiten, was zu einem akuten Arbeitskräftemangel führte.
Um den Plantagenbetrieb aufrechtzuerhalten, organisierte Frankreich die Einwanderung von Kontraktarbeitern (engagés). Ab dem 24. Dezember 1854 traf das erste Schiff Aurélie mit 314 indischen Arbeitern ein (hauptsächlich aus Pondichéry und Tamil-Regionen). Bis 1889 kamen in 95 Konvois zirka 42.900 Inder nach Guadeloupe; viele blieben und integrierten sich, trotz harter Bedingungen (5-Jahres-Verträge, oft verlängert). Kleinere Gruppen aus Afrika, China und Madeira folgten. Diese Immigration prägte die kreolische Gesellschaft und führte zu einer multiethnischen Bevölkerung.
Die Zuckerindustrie modernisierte sich: Kleine habitations-sucreries verschwanden zugunsten zentraler Usinen (Fabriken) mit Dampfmaschinen. Dennoch verschärfte sich die Krise durch Überproduktion und fallende Preise. Guadeloupe wurde politisch stärker integriert: Ab 1848/1849 wählten die Inselbewohner Abgeordnete (wie etwa Schœlcher selbst für Guadeloupe). Unter Napoleon III. (1852–1870) wuchs der Abolitionismus, und 1870 wurde die koloniale Repräsentation in Paris wiederhergestellt.
Mit der Gründung der Dritten Republik 1870 erhielten die „alten Kolonien“ (Guadeloupe, Martinique, Réunion, Guyane) den Status von Départements, mit vollen Bürgerrechten und Repräsentation in Paris. Guadeloupe sandte Deputierte und Senatoren. Politisch entstand ein früher Sozialismus: Ab den 1890er Jahren organisierte Hégésippe Légitimus (erster schwarzer Deputierter) eine sozialistische Bewegung, die Arbeiterrechte und Antikolonialismus forderte, doch sie scheiterte teilweise an inneren Konflikten.
Wirtschaftlich dominierte die Zuckerkrise: Von 1884 bis ca. 1910 litt die Insel unter Überproduktion, Konkurrenz durch europäischen Rübenzucker und niedrigen Preisen. Viele Usinen schlossen, Bankrotte häuften sich, und die Bevölkerung wanderte ab. Diversifikation (Banane, Vanille) begann zögerlich. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (1905, voll umgesetzt vor 1914) integrierte Guadeloupe stärker in Frankreich, weckte aber auch Debatten über Bürgerrechte.
Bis 1914 blieb Guadeloupe eine agrarische Kolonie mit tiefer sozialer Ungleichheit: Eine kleine Elite von békés (weiße Kreolen) kontrollierte die Wirtschaft, während die Mehrheit (Nachkommen von Sklaven und Indern) in Armut lebte. Die Insel hatte ca. 212.000 Einwohner und erholte sich langsam von der langen Depression. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 sollte Guadeloupe stark einbeziehen: Tausende Soldaten kämpften in Europa, und die Wirtschaft litt unter Blockaden.
Weltkriegsära
Als Teil des französischen Kolonialreichs unterlag die Insel der allgemeinen Wehrpflicht, die 1913 eingeführt worden war und auch auf die Kolonien ausgedehnt wurde. Tausende Guadeloupéer, vor allem aus der afro-karibischen Bevölkerung, wurden rekrutiert und in französische Armeeformationen eingegliedert, oft in Kolonialtruppen wie den Tirailleurs Sénégalais, obwohl sie selbst aus der Karibik stammten. Diese Männer dienten an der Westfront in Europa, wo sie schwere Verluste erlitten – Schätzungen gehen von mehreren Hundert Toten und Verwundeten aus, die in den Schützengräben starben oder an Krankheiten erlagen. Die Rekrutierung führte auf der Insel zu sozialen Spannungen, da sie hauptsächlich die armen, kreolischen Familien traf, während weiße Pflanzerfamilien (Békés) oft Ausnahmen erhielten. Wirtschaftlich litt Guadeloupe unter der Unterbrechung des Zuckerexports nach Europa, was zu Lieferengpässen und steigenden Preisen für Importgüter führte. Die Landwirtschaft, dominiert von Zuckerrohr- und Bananenplantagen, stagnierte, und die Insel war auf französische Subventionen angewiesen. Nach dem Krieg kehrten viele Überlebende mit traumatischen Erfahrungen zurück, was zu Unruhen und Forderungen nach besserer Repräsentation beitrug, obwohl die Kolonialverwaltung diese Stimmen unterdrückte. Insgesamt blieb Guadeloupe fernab direkter Kämpfe, doch der Krieg verstärkte die Abhängigkeit vom Mutterland und die Ungleichheiten in der kolonialen Gesellschaft.
Veteranen forderten nun mehr Rechte für die Bürger der Kolonie. Zwar bestanden auf der Insel volle Bürgerrechte, doch die sozialen Leistungen aus der Metropole (zum Beispiel Arbeiterrechte) erreichten die Kolonie oft nicht. Die Zuckerindustrie kollaborierte eng mit der Kolonialverwaltung, was Ungleichheiten verstärkte. Die Zuckerwirtschaft dominierte weiterhin (fast alle kultivierbaren Flächen für Zuckerrohr). In den 1920er Jahren profitierte Guadeloupe kurz vom Nachkriegsbedarf, doch Konkurrenz durch europäischen Rübenzucker und Überproduktion führte zu fallenden Preisen.
Der verheerende Zyklon von 1928 zerstörte viele Usinen und Plantagen - die Folge waren hohe Wiederaufbaukosten. Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf hart: Zuckerpreise fielen um bis zu 67 %, Exporte brachen ein. Viele Plantagenbesitzer (oft weiße Kreolen, „békés“) verschuldeten sich, Löhne sanken, Arbeitslosigkeit stieg. Ouvriers agricoles (meist Nachkommen ehemaliger Sklaven und indischer Kontraktarbeiter) litten unter Ausbeutung und Armut. Die Bevölkerung stagnierte oder wuchs langsam (auf über 200.000 Einwohner in den 1920erund 1930er Jahren). Abwanderung begann, vor allem junger Menschen.
In den 1930er Jahren wuchs Arbeiterbewegung zu einem politisch bedeutsamen Faktor heran. Ein System gegenseitiger Unterstützung und frühe Gewerkschaften entstanden, inspiriert von sozialistischen Ideen. Figuren wie Hégésippe Légitimus (schon vor dem Krieg aktiv) forderten mehr Rechte. 1935 feierte Frankreich das Tricentenaire (300 Jahre französische Präsenz in den Antillen) mit Kolonialausstellungen – Propaganda für die „loyale“ Kolonie, trotz Krisen. Der Hafen von Pointe-à-Pitre profitierte vom Panamakanal (eröffnet 1914), Bananenexport begann zögerlich als Diversifikation.
Der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945) markierte einen tieferen Einschnitt für Guadeloupe, da die Insel zwischen Vichy-Regime und Freiem Frankreich hin- und hergerissen war. Nach dem Fall Frankreichs im Juni 1940 schwor Guadeloupe der Vichy-Regierung unter Marschall Pétain Treue, ähnlich wie Martinique, und wurde von Admiral Georges Robert als Hochkommissar für die Antillen verwaltet. Dies führte zu einer Isolation der Insel: Britische und US-amerikanische Blockaden verhinderten Handel und Lieferungen, was zu akuten Versorgungsengpässen führte – Nahrungsmittelrationierungen, Mangel an Treibstoff und Medikamenten prägten den Alltag.
Die Vichy-Politik, geprägt von Rassismus und Autoritarismus, verstärkte soziale Spaltungen; sie förderte eine „Nationale Revolution“ mit antisemitischen Maßnahmen und Unterdrückung lokaler Opposition, was Tausende Bewohner – darunter Intellektuelle, Juden und Dissidenten – zur Flucht nach Dominica oder in die USA trieb. Auf Guadeloupe entstanden Widerstandsgruppen, die Flugblätter verteilten und Sabotageakte planten, doch die Vichy-Verwaltung reagierte mit Zensur und Verhaftungen. Im Juli 1943, unter dem Druck alliierter Mächte und interner Unruhen, wechselte die Insel unter Führung des Gouverneurs Henri Hoppenot zur Gaullistischen Bewegung und schloss sich den Alliierten an. Dies brachte wirtschaftliche Erleichterung durch US-Hilfen, aber auch neue Belastungen: Die Insel diente als Stützpunkt für Konvois und Flüchtlinge, und lokale Truppen wurden in die Freie Französische Armee integriert, die in Europa und Nordafrika kämpfte. Der Krieg endete für Guadeloupe mit einer Phase der Reconstruction, die Armut und soziale Unruhen hinterließ, und ebnete den Weg für die Departmentalisierung 1946, die die Insel enger an Frankreich band. Insgesamt forderte der Konflikt Hunderte Leben durch Hungersnot, Krankheiten und militärische Einberufungen, ohne dass die Insel Schauplatz großer Schlachten wurde.
Moderne Zeit
Nach dem Krieg, im März 1946, wurde Guadeloupe durch das Gesetz zur Départementalisation zu einem französischen Überseedepartement (Département d’Outre-Mer, DOM) umgewandelt – ein Prozess, der von Politikern wie Aimé Césaire und Victor Schœlcher inspiriert war und als „Dekolonisation durch institutionelle Assimilation“ gilt. Dies bedeutete volle Bürgerrechte, Integration in das französische Verwaltungssystem und finanzielle Unterstützung aus Paris, einschließlich Sozialleistungen und Infrastrukturinvestitionen. 1947 wurde Henry Poignet als erster Präfekt ernannt.
Wirtschaftlich blieb die Insel abhängig von der Landwirtschaft: Zuckerrohr und Bananen dominierten, unterstützt durch Subventionen. Doch die Übergangsphase war von sozialen Spannungen geprägt. 1952 kam es zum „Massaker von St. Valentine“ in Le Moule, bei dem streikende Fabrikarbeiter von der französischen Polizei (Compagnies républicaines de sécurité) beschossen wurden; vier Menschen starben, was die anhaltenden kolonialen Ungleichheiten und Rassismen aufzeigte. Charles de Gaulle besuchte die Insel 1956, 1960 und 1964, um die Loyalität zu stärken und Separatisten zu besänftigen, was vorübergehend gelang.
In den 1960er Jahren wuchsen soziale Konflikte durch hohe Arbeitslosigkeit (oft über 20 %), niedrige Löhne und Rassendiskriminierung. Ein Höhepunkt war der Mai 1967 in Pointe-à-Pitre: Nach einem rassistischen Angriff auf den schwarzen Guadeloupéer Raphael Balzinc brachen Rassenunruhen aus, die von der französischen Polizei brutal niedergeschlagen wurden; offiziell acht Tote, inoffiziell möglicherweise mehr. Diese Ereignisse, oft als „Massaker von Mai 1967“ bezeichnet, verstärkten die Forderungen nach mehr Autonomie und markierten den Beginn einer stärkeren antikolonialen Bewegung.
Wirtschaftlich begann eine Modernisierung: Die Zuckerindustrie wurde rationalisiert, mit weniger, aber effizienteren Usinen. Bananenexporte stiegen dank EU-Subventionen (Guadeloupe als Teil Frankreichs profitierte von der Gemeinsamen Agrarpolitik). Tourismus setzte ein, mit ersten Hotels und Flügen aus Frankreich und Nordamerika. Die Bevölkerung wuchs auf etwa 300.000 Einwohner, doch Armut blieb hoch, da viele Jobs saisonal waren.
Die 1970er waren von politischem Aktivismus geprägt. 1974 wurde Guadeloupe zu einer französischen Region erhoben, was administrative Autonomie brachte. Dennoch wuchsen Unabhängigkeitsbewegungen: Die Union populaire pour la libération de la Guadeloupe (UPLG), gegründet 1978, forderte vollständige Souveränität. Radikalere Gruppen wie die Groupe de libération armée (GLA) und die Alliance révolutionnaire caraïbe (ARC) verübten Bombenanschläge auf der Insel und in Paris, um Aufmerksamkeit zu erregen. Frankreich reagierte mit Repression, doch die Verhandlungen über Autonomie stockten.
Wirtschaftlich litt Guadeloupe unter der Ölkrise 1973/74, die Importkosten steigen ließ. Immigration aus Haiti, Dominica und der Dominikanischen Republik nahm zu, um den Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft zu decken – bis 1980 machten Immigranten bis zu 10 % der Bevölkerung aus. Eine große Krise war 1976 der drohende Ausbruch des Vulkans La Soufrière: Seismische Aktivitäten führten zur Evakuierung von über 70.000 Menschen aus Basse-Terre, was wirtschaftliche Verluste verursachte, obwohl der große Eruption ausblieb. Sozial förderten kulturelle Bewegungen wie die Kreolisierung (unter anderem durch Musikgenres wie Zouk) die lokale Identität, während Frankreich Investitionen in Bildung und Gesundheit tätigte.
1982/83 erhielt Guadeloupe durch die Dezentralisierungsgesetze unter Präsident Mitterrand mehr Autonomie: Ein Regionalrat wurde eingerichtet, der Kompetenzen in Wirtschaft, Kultur und Umwelt übernahm. Dennoch hielten Separatistenanschläge an, mit Gewalt in den 1980er Jahren, die jedoch abebbten, da die Mehrheit die Vorteile der französischen Zugehörigkeit (Subventionen, EU-Mitgliedschaft) schätzte.
Wirtschaftlich wuchs der Tourismussektor: Bis Ende der 1980er besuchten jährlich über 200.000 Touristen die Insel, was Jobs schuf, aber auch Umweltprobleme. Die Landwirtschaft litt unter Pestiziden wie Chlordecon, das bis 1993 verwendet wurde und langfristig Böden und Gesundheit vergiftete. Ein katastrophales Ereignis war Hurrikan Hugo am 16./17. September 1989: Mit Winden über 250 km/h zerstörte er 60 % der Gebäude, tötete 12 Menschen und verursachte Schäden in Milliardenhöhe. Die Wiederaufbauhilfe aus Frankreich und der EU half, die Infrastruktur zu modernisieren, einschließlich des Flughafens Pointe-à-Pitre.
In den 1990er Jahren profitierte Guadeloupe vom EU-Status als „äußerste Region“ (Outermost Region seit 1992), was Strukturfonds für Infrastruktur brachte. Der Tourismus boomte, mit Fokus auf Ökotourismus und Kreuzfahrten. Die Wirtschaft diversifizierte sich leicht: Neben Bananen (50 % der Exporte) wuchsen Dienstleistungen, doch Arbeitslosigkeit blieb bei 25 bis 30 %, besonders unter Jugendlichen, was soziale Spannungen schürte.
1995 trafen mehrere Hurrikane (Iris, Luis, Marilyn), die wiederum Schäden anrichteten und die Vulnerabilität der Insel unterstrichen. Politisch gab es Reformen: 2000 stimmte das französische Parlament institutionellen Änderungen zu, die lokale Versammlungen stärken sollten, einschließlich internationaler Beziehungen. Unabhängigkeitsbewegungen verloren an Schwung, doch kulturelle Initiativen wie das Mémorial ACTe (eröffnet 2015, aber geplant in den 1990er) thematisierten Sklaverei und Kreolidentität.
Die 2000er Jahre waren für Guadeloupe eine Phase anhaltender wirtschaftlicher Abhängigkeit von Frankreich, institutioneller Anpassungen und wachsender sozialer Spannungen. Als französisches Überseedepartement profitierte die Insel von EU-Subventionen und Transfers aus Paris, litt jedoch unter hohen Lebenshaltungskosten, Arbeitslosigkeit (oft über 20–25 %) und einer Monokultur in Bananen- und Zuckerproduktion. Die Bevölkerung stagnierte bei etwa 400.000 Einwohnern, mit zunehmender Abwanderung junger Menschen. Kulturelle Identitätsdebatten und Umweltprobleme (z. B. Pestizidbelastung durch Chlordecon) verstärkten die Unzufriedenheit, die im Generalstreik von 2009 kulminierte.
Zu Beginn des Jahrzehnts genehmigte das französische Parlament 2000 Reformen, die lokale Versammlungen stärkten, einschließlich Kompetenzen in internationalen Beziehungen. Dies war Teil einer breiteren Dezentralisierung für die Überseedépartements. Ein Schlüsselereignis war das Referendum am 7. Dezember 2003: Die Wähler in Guadeloupe lehnten eine institutionelle Evolution ab, die mehr Autonomie gebracht hätte (ähnlich wie in anderen DOM). Stattdessen stimmten die abhängigen Inseln Saint-Martin und Saint-Barthélemy für eine Trennung; sie wurden 2007 zu eigenen Collectivités d’outre-mer mit erweiterter Autonomie. Guadeloupe behielt seinen Status als Département und Region, was die finanzielle Abhängigkeit von Paris zementierte, aber auch Stabilität durch Sozialtransfers bot.
Politisch dominierten linke Kräfte wie die Sozialistische Partei (z. B. Victorin Lurel als Regionalpräsident ab 2004). Unabhängigkeitsbewegungen blieben marginal, doch Kritik an der „kolonialen“ Wirtschaftsstruktur wuchs: Importe (vor allem aus Frankreich) waren teuer, lokale Produkte benachteiligt, und eine kleine Elite (oft weiße „Békés“) kontrollierte große Teile der Wirtschaft.
Die Wirtschaft wuchs moderat (durchschnittlich +3 % jährlich bis 2008), getrieben von Tourismus, öffentlichem Sektor und EU-Fonds. Bananenexporte blieben zentral, doch WTO-Verhandlungen bedrohten Subventionen. Der Tourismus litt unter Konkurrenz (unter anderem Dominikanische Republik) und Naturkatastrophen. Hurrikane prägten die Dekade: Keine verheerenden Direkttreffer wie Hugo 1989, aber mehrere Stürme (z. B. Lenny 1999 noch nachwirkend, oder indirekte Effekte in den 2000ern) verursachten Schäden an Infrastruktur und Landwirtschaft. Die Insel diversifizierte langsam in Dienstleistungen und Ökotourismus, doch Arbeitslosigkeit blieb hoch, besonders unter Jugendlichen. Umwelt- und Gesundheitsprobleme eskalierten: Der Einsatz von Chlordecon (bis 1993 verboten, aber Nachwirkungen) vergiftete Böden und führte zu Krebsfällen – ein Skandal, der später (ab 2000er) stärker thematisiert wurde.
Ab Mitte der 2000er Jahre verschärften steigende Preise für Lebensmittel, Benzin und Importe die Ungleichheit. Löhne lagen niedriger als in Metropolitan-Frankreich, während Lebenshaltungskosten 30–50 % höher waren. Dies traf besonders die Mehrheit (afrikanischer oder gemischter Herkunft) hart, während Profite oft bei einer weißen Minderheit landeten. Im Dezember 2008 eskalierten Proteste: Blockaden gegen hohe Treibstoffpreise.
Der Generalstreik auf den Französischen Antillen 2009 begann auf Guadeloupe am 20. Januar 2009 und dehnte sich am 5. Februar 2009 auf die Nachbarinsel Martinique aus. Hintergrund dieses vom „Kollektiv gegen die Ausbeutung“ (Liyannaj Kont Pwoftasyion, LKP) unter seinem Führer Elie Domota initiierten Generalstreiks waren im Wesentlichen Forderungen nach einer Anhebung der Mindestlöhne um 200 Euro und nach einer Herabsetzung der Preise für bestimmte Lebensmittel sowie die öffentlichen Verkehrsmittel. Nachdem der Streik in kurzer Zeit den größten Teil der örtlichen Wirtschaft lahm gelegt, im Übrigen aber zunächst keine Verhandlungsfortschritte erbracht hatte, kam es Mitte Februar 2009 zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Straßenkämpfen in mehreren Orten der Insel, in deren Verlauf der Gewerkschaftssekretär Jacques Bino getötet wurde und aufgrund derer der Konflikt nunmehr auch außerhalb Guadeloupes - insbesondere in französischen und anderen europäischen Medien - Aufmerksamkeit erregte. Auf diese Weise zum Einschreiten gezwungen, gelang es der französischen Regierung schließlich, sowohl durch finanzielle Zugeständnisse des Staates als auch durch Druck auf die örtlichen Arbeitgeberverbände eine Einigung (den sog. „Accord Bino“) zu erreichen, mit dessen Abschluss am 4. März 2009 der Generalstreik nach annähernd siebenwöchiger Dauer offiziell beendet wurde.
Während der Coronazeit gab es auf Guadeloupe ab März 2020 strenge Maßnahmen wie nächtliche Ausgangssperren und Beschränkungen für öffentliche Versammlungen. Die Maskenpflicht in Innenräumen, Zugangsbeschränkungen bei Freizeitaktivitäten und regelmäßige Desinfektionen prägten den Alltag im öffentlichen Leben. Krankenhäuser waren oft überlastet, und die Behörden setzten zusätzliche Intensivbetten ein. 2021 und 2022 kam es zu intensiven Protesten gegen Impfpflicht und Gesundheitsnachweise. Die Quote der mRNA-Impfungen lag bei 52,8 %.
Verwaltung
Nach der Sichtung der Insel durch Columbus im November 1493 blieb die Insel zunächst unberührt. Erst am 28. Juni 1635 kam sie unter französische Kolonialherrschaft. Verwaltet wurde sie zunächst von der Compagnie des Îles de l'Amérique. Bis April 1759 war Guadeloupe, ab 1674 Kronkolonie, Teil der Französischen Antillen. Von April 1759 bis 1763 okkupierten die Briten die Insel, danach war sie bis 1775 wieder Teil der Französischen Antillen. Von 25. Oktober 1797 bis 19. April 1801 hatte sie den Status eines Departments. Von 6. Februar 1810 bis 7. Dezember 1814 und erneut von 10. August 1815 bis 25. Juli 1816 war sie wieder von Briten besetzt. Davor, von 3. März 1813 bis 30. Mai 1814 gehörte die Insel formal zu Schweden.
Von 14. September 1939 bis 1943 unterstand Guadeloupe der Hochkommissar und Kommandanten des Atlantischen Westens. Von 16. Juni 1940 bis 14. Juli 1943 wurde sie vom Vichy-Frankreich aus regiert. Ab 19. März 1946 war Guadeloupe ein französisches Überseedepartment. Am 28. März 2003 wurde sie Überseeregion. Ein Referendum zur Umwandlung in eine collectivité Territoriale am 7. Dezember 2003 endete mit einer Ablehnung von 72,98 %. Am 22. Februar 2007 wurden Saint-Martin und Saint-Barthélemy von Guadeloupe losgelöst.
Herrschaftsgeschichte
- um -300 bis 11. Jahrhundert Stammesgemeinschaften der Arawak (Taino)
- 11. Jahrhundert bis 1635 Stammesgemeinschaften der Kariben (Kalinago)
- 28. Juni 1635 bis 1664 Kolonie Amerikanische Inseln (Colonie des Îles de l’Amerique) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
- 1664 bis Dezember 1674 Kolonie Westindien (Colonie des Indes Occidentales) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
- Dezember 1674 bis 27. April 1759 Kronkolonie Guadeloupe (Colonie de Guadeloupe) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
- 27. April 1759 bis 2. Juli 1763 Königreich Großbritannien (Kingdom of Great Britain)
- 4. Juli 1763 bis 1768 Kronkolonie Guadeloupe (Colonie de Guadeloupe) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
- 1768 bis 1775 Kolonie Französische Antillen (Antilles françaises) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
- 1775 bis 22. September 1792 Kronkolonie Guadeloupe (Colonie de Guadeloupe) des Königreichs Frankreich (Royaume de France)
- 22. September 1792 bis 21. April 1794 Kolonie Guadeloupe (Colonie de Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
- 21. April bis 4. Juni 1794 Königreich Großbritannien (Kingdom of Great Britain)
- 4. Juni 1794 bis 25. Oktober 1797 Kolonie Guadeloupe (Colonie de Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
- 25. Oktober 1797 bis 19. April 1801 Department Guadeloupe (Département Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
- 19. April 1801 bis 18. MaI 1804 Republik Frankreich (République française)
- 18 Mai 1804 bis 6. Februar 1810 Kaiserreich Frankreich (Empire français)
- 6. Februar 1810 bis 7. Dezember 1814 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
- 7. Dezember 1814 bis 1. März 1815 Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 1. März bis 22. Juni 1815 Kaiserreich Frankreich (Empire français)
- 22. Juni bis 10. August 1815 Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 10. August 1815 bis 26. Juli 1816 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
- 26. Juli 1816 bis 24. Juni 1940 Frankreich (1816 bis 1848 Royaume de France, 1848 bis 1852 République française, 1852 bis 1870 Empire français, 1870 bis 1940 République française)
- 24. Juni 1940 bis 14. Juli 1943 Französischer Staat (État français) mit Sitz in Vichy
- 14. Juli 1943 bis 14. Juni 1946 Republik Frankreich (République française)
- 19. März 1946 bis 28. März 2003 Department Guadeloupe (Département Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
- seit 28. März 2003 Überseeregion Guadeloupe (Région d’outre mer de Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
Verfassung
Guadeloupe bildet ein Département und seit den Dezentralisierungsgesetzen des Beginns der 1980er Jahre zugleich auch eine eigene Region Frankreichs. Alle französischen Gesetze finden in Guadeloupe ihre Anwendung. Jedoch müssen nach Artikel 73 der Französischen Verfassung vom 28. September 1958 die lokalen Besonderheiten Berücksichtigung finden.
Legislative und Exekutive
Guadeloupe ist ein französisches Überseedépartement und zugleich eine Überseeregion (Département et région d’outre-mer, DROM). Der institutionelle Status beruht auf Artikel 73 der französischen Verfassung. Anders als Martinique und Französisch-Guayana besitzt Guadeloupe keine einheitliche Gebietskörperschaft mit einer gemeinsamen Volksvertretung, sondern weiterhin getrennte Departements- und Regionalorgane. Bei einer Volksbefragung am 7. Dezember 2003 lehnten die Einwohner die Zusammenlegung beider Gebietskörperschaften in einer einzigen Institution ab.
Die Gesetzgebung liegt grundsätzlich beim französischen Parlament in Paris, das aus Nationalversammlung und Senat besteht. Guadeloupe verfügt über keine eigene gesetzgebende Versammlung mit allgemeiner Gesetzgebungskompetenz. Die französischen Gesetze und Verordnungen gelten auf der Insel grundsätzlich unmittelbar, können jedoch aufgrund ihrer besonderen geografischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen angepasst werden. Unter den Voraussetzungen des Artikels 73 der Verfassung können die Gebietskörperschaften außerdem ermächtigt werden, in bestimmten Bereichen eigene Regelungen zu erlassen. Hoheitliche Zuständigkeiten wie Außenpolitik, Verteidigung, Justiz und Staatsangehörigkeitsrecht verbleiben beim französischen Staat.
Die Bevölkerung ist durch vier Abgeordnete in der französischen Nationalversammlung und drei Senatoren im Senat vertreten. Die Abgeordneten werden in den Wahlkreisen Guadeloupes direkt gewählt. Die Senatoren werden indirekt durch ein Wahlkollegium bestimmt, dem insbesondere gewählte Vertreter der Gemeinden und der Gebietskörperschaften angehören. Guadeloupe ist außerdem Teil des französischen Wahlgebiets für das Europäische Parlament und gehört zur Europäischen Union als Region in äußerster Randlage.
Die regionale Volksvertretung ist der Conseil régional de la Guadeloupe mit Sitz in Basse-Terre. Er besteht aus 41 Regionalräten, die für sechs Jahre gewählt werden. Zu seinen Aufgaben gehören die regionale Raumordnung, die Wirtschaftsförderung, die berufliche Bildung, die Verwaltung regionaler Verkehrsangebote, die Unterstützung von Unternehmen sowie die Planung und Finanzierung regionaler Infrastruktur. Der Regionalrat befasst sich außerdem mit der Entwicklung des Tourismus, der Energiepolitik und der europäischen Förderprogramme.
Die Exekutive ist auf Guadeloupe zwischen den beiden Gebietskörperschaften und der französischen Staatsverwaltung aufgeteilt. An der Spitze des Départements steht der Präsident des Conseil départemental. Seit dem 1. Juli 2021 bekleidet Guy Losbar dieses Amt. Er leitet die Verwaltung des Départements, bereitet die Beschlüsse der Departementsversammlung vor und setzt sie um. Zu den Aufgaben des Départements gehören insbesondere die Sozialhilfe, die Unterstützung von Familien, Kindern und älteren Menschen, die Behindertenhilfe, die soziale Eingliederung, der Unterhalt der Departementsstraßen sowie bestimmte Aufgaben im Schul- und Bildungswesen.
Der Conseil départemental besteht aus 42 gewählten Mitgliedern, die in 21 Kantonen jeweils paarweise – eine Frau und ein Mann – gewählt werden. Der Präsident wird von den Mitgliedern der Versammlung bestimmt. Ihm stehen zwölf Vizepräsidenten und weitere Mitglieder des ständigen Ausschusses zur Seite. Der Conseil départemental beschließt den Haushalt und kontrolliert die Tätigkeit der Verwaltung.
Die regionale Exekutive wird vom Präsidenten des Conseil régional geführt. Seit dem 18. Dezember 2015 ist Ary Chalus Präsident der Regionalversammlung. Er wird von neun Vizepräsidenten unterstützt und leitet die regionale Verwaltung. Zu den wesentlichen Zuständigkeiten der Region gehören die wirtschaftliche Entwicklung, die Raumordnung, die berufliche Ausbildung, die Regionalplanung, der öffentliche Regionalverkehr, die Verwaltung der regionalen Verkehrs- und Hafeninfrastruktur sowie die Förderung von Tourismus, Kultur und Energieprojekten.
Die staatliche Exekutive wird durch den Präfekten der Region und des Départements Guadeloupe vertreten. Er wird vom französischen Staatspräsidenten auf Vorschlag der Regierung ernannt und hat seinen Amtssitz in Basse-Terre. Seit Januar 2025 ist Xavier Lefort Präfekt. Er vertritt die französische Regierung, koordiniert die staatlichen Verwaltungsstellen und überwacht die Rechtmäßigkeit der Beschlüsse der Gebietskörperschaften. Zu seinen Aufgaben gehören außerdem die öffentliche Sicherheit, der Katastrophenschutz, die Umsetzung staatlicher Programme sowie die Koordination der Polizei- und Gendarmeriebehörden. In Pointe-à-Pitre befindet sich eine Unterpräfektur; weitere staatliche Verwaltungsstellen sind über den Archipel verteilt.
Inseloberhaupt
Höchster Repräsentant der Insel ist der Präsident des Regionalrats.
Gouverneurs (Gouverneure)
- 28 Jun - 4 Dez 1635 Jean Duplessis, Sieur d’Ossonville († 1635)
- 28 Jun 1635 - Nov 1640 Charles Liènard de l’Olive
- 25 Nov 1640 - Sep 1643 Jean Aubert
- 7 Sep 1643 - Aug 1664 Charles Houël, Sieur de Petit-Pré (1616 - 1682)
- Aug 1644 - Mai 1645 Marivet [interimistisch]
- 29 Mai 1654 - 1656 Chevalier Houël + de Boisseret [amtierend]
- 23 Jun 1664 - Nov 1664 Ducoudray [amtierend]
- 5 Nov 1664 - 1669 Claude François du Lyon (1633 ? - 1674)
- 1669 - 1677 Charles François du Lyon († 1677)
- 1677 de Baas de l’Herpinière (möglicherweise nicht im Amt)
- 5 Jul 1677 - 1694 Pierre Hencelin (Hincelin, † 1694)
- 15 Jul 1695 - 1702 Charles Auger de la Motte (1640 - 1705)
- 1703 - 1705 Joseph d'Honon de Galiffet († 1706)
- 1 Mai 1703 - 1705 Bonaventure-François de Boisfermé [amtierend für Galiffet] (1661 - 1722)
- 1704 - 1717 Georges Robert Cloche de Mont-Saint-Rémy de La Malmaison († 1717)
- Mai 1717 - 18 Mar 1718 Savinien Michel Lagarrigue de Savigny [interimistisch] (1660 - 1722)
- 22 Jun 1717 François de Pas de Mazencourt, Marquis de Feuquières (nicht im Amt, um 1660 - 1731)
- Mai 1719 - Okt 1727 Alexandre Vaultier de Moyencourt, Seigneur de Reuilly, Comte de Moyencourt († 1728)
- 21 Okt 1727 - 27 Jul 1734 Robert Giraud du Poyet (1665 - 1740)
- 27 Jul 1734 - 17 Aug 1737 Charles de Brunier, Marquis de Lamage (1687 - 1746)
- 17 Aug 1737 - 1753 Gabriel d’Erchigny de Clieu (1687 - 1774)
- Okt 1749 - Dez 1750 de Lafond [amtiuerend für d’Erchigny]
- 27 Dez 1753 - 1757 Jean Antoine Joseph de Mirabeau (1717 - 1794)
- 15 Jan 1757 - 27 Apr 1759 Charles François Emmanuel Nadeau du Treil (1703 - 1786)
- 1 Mai - Mai 1759 John Barrington (um 1705 - 1764)
- Mai 1759 - 11 Mar 1760 Byam Crump († 1760)
- Mar 1760 - 4 Jul 1763 Campbell Dalrymple (1716 - 1764)
- 4 Jul 1763 - 4 Jul 1763 François Charles de Bourlamaque (1716 - 1764)
Gouverneurs géneraux (Generalgouverneure)
- 4 Jul 1763 - 24 Jun 1764 François Charles de Bourlamaque
- 24 Jun 1764 - 20 Mar 1765 Henri Edouard, Baron de Copley [interimistisch]
- 20 Mar 1765 - 29 Nov 1768 Pierre Gédéon de Nolivos (1714 - nach 1770)
Gouverneurs (Gouverneure)
- 29 Nov 1768 - 27 Feb 1769 Anne Joseph Hippolyte de Maurès de Malartic (1730 - 1800)
- 27 Feb 1769 - Aug 1771 François Claude Amour du Chariol, Marquis de Bouillé (1739 - 1800)
- Aug 1771 - 14 Apr 1773 Louis François de Dion (1730 - 1794)
- 14 Apr 1773 - 29 Dez 1775 Édouard Hilaire Louis de Tilly, Comte de Tilly (1738 - 1785)
- 29 Dez 1776 - 1782 Bache Elzéar Alexandre, Comte d’Arbaud de Jouques (1720 - 1793)
- 16 Nov 1782 - 28 Mar 1783 Claude Charles de Marillac, Vicomte de Damas (1731 - 1800)
- 28 Mar 1783 - 27 Mai 1784 Louis Thomas Beauné, Comte de la Saulais [interimistisch] (1724 - nach 1806)
- 27 Mai 1784 - 9 Jun 1786 Charles François de Clugny de Thénisey (1741 - 1792)
- 9 Jun - 4 Dez 1786 Comte de Micond [amtierend]
- 4 Dez 1786 - 25 Jul 1792 Charles François de Clugny de Thénisey [2]
- 25 Jul 1792 - 5 Jan 1793 René Marie, Vicomte d’Arrot (de Darrot, 1754 - 1821)
- 5 Jan - 18 Mar 1793 Jean Baptiste Raimond Lacrosse [provisorisch] (1765 - 1829)
- 18 Mar 1793 - 20 Apr 1794 Georges Henri Victor Collot (1750 - 1805)
- 21 Apr - 2 Jun 1794 Thomas Dundas (Gouverneur, 1750 - 1794)
Commissaires (Kommissare, delegiert durch die Nationale Konvention)
- 7 Jun 1794 - 6 Jan 1795 Jean Baptiste Victor Hugues (1762 - 1826)
- 6 Jan 1795 - 26 Jan 1796 Jean Baptiste Victor Hugues, Gasparsd Goyrand (1764 - 1799) & Alexandre Lebas
Agents particuliers du Directoire exécutif (Agenten des Französischen Exekutivdirektoriums)
- 26 Jan 1796 - 22 Nov 1798 Jean Baptiste Victor Hugues & Alexandre Lebas
- 22 Nov 1798 - 17 Okt 1799 Edme Étienne Borne-Desfourneaux (1767 - 1849)
- 17 Okt - 11 Dez 1799 Marie Auguste Paris [provisorisch] (1771 -1814)
- 11 Dez 1799 - 29 Mai 1801 Nicolas Georges Jeannet-Oudin (1762 - 1828) & René Gaston Baco de la Chapelle (bis 30 Dez 1800, 1751 - 1800), Étienne Mainaud Bizefranc, Comte de Laveaux (bis 28 Feb 1800, 1751 -1828) & Bresseau (ab 28 Feb 1800)
Capitaines généraux (Generalkapitäne)
- 29 Mai 1801 - 1 Nov 1801 Jean Baptiste Raymond Lacrosse
- 24 Okt 1801 - 6 Mai 1802 Magloire Pélage (Präsident des Provisorischen Regierungsrats, in Rebellion, 1766 - 1810)
- 7 Mai - 3 Sep 1802 Antoine Richepance (1770 - 1802)
- 4 Aug 1802 - 8 Mai 1803 Jean Baptiste Raymond Lacrosse [2, amtierend für Richepance bis 3 Sep 1802]
- 8 Mai 1803 - 6 Feb 1810 Manuel Louis Jean Augustin Ernouf (1753 - 1827)
Governors (Gouverneure)
- 6 Feb 1810 - 20 Jul 1810 Sir George Beckwith (britischer Kommandant, 1753 - 1823)
- 1810 - 26 Jun 1813 Sir Alexander Forrester Inglis Cochrane (1758 - 1832)
- 26 Jun 1813 - Dez 1814 John Skinner [amtierend] (um 1750 - 1827)
Commissaires (Kommissäre)
- 7 - 14 Dez 1814 Baron Eugène Édouard Boyer de Peyreleau (1774 - 1856)
- 14 Dez 1814 - 10 Aug 1815 Charles Alexandre Léon Durand, Comte de Linois (1761 - 1848)
Gouverneurs généraux (Generalgouverneure)
- 10 Aug 1815 - 25 Jul 1816 Sir James Leith (1763 - 1816)
- 25 Jul 1816 - 30m Jun 1823 Antoine Philippe de Lardenoy (1747 - 1825)
Gouverneurs et administrateurs pour le roi (Gouverneure und Verwalter für den König)
- 1 Jul 1823 - 18 Mai 1826 Louis Léon Jacob (1768 - 1854)
- 18 Mai - 1 Jun 1826 Louis François Vatable [amtierend] (1773 - 1853)
- 1 Jun 1826 - 1 Mai 1830 Jean Julien, Baron Angot des Rotours (1773 - 1844)
- 1 Mai 1830 - 8 Jul 1831 Louis François Vatable [2]
Gouverneurs (Gouverneure)
- 8 Jul 1831 - 3 Jun 1837 René Arnous des Saulsays (1769 - 1852)
- 3 Jun 1837 - Jun 1841 Louis Jean Guillaume Jubelin (1787 - 1860)
- 7 Jun 1841 - 7 Jun 1845 Jean Baptiste Marie Augustin Gourbeyre (1786 - 1845)
- 7 Jun - 31 Okt 1845 Joseph Athanase Varlet [interimistisch] (1787 - 1864)
- 31 Okt 1845 - 5 Jun 1848 Jean-François Layrle (1791 - 1881)
- 5 Jun - 12 Okt 1848 Alexandre Gatine [amtierend] (Generalkommissär, 1805 - 1864)
- 12 Okt 1848 - 14 Apr 1849 Jacques Amédée Philippe Fiéron (1796 - 1872)
- 14 Apr - 12 Dez 1849 Jean Jacques Louis Fabvre (1800 - 1864)
- 12 Dez 1849 - 1 Nov 1851 Jacques Amédée Philippe Fiéron [2]
- 1 - 26 Nov 1851 Jean-Baptiste Honoré Chaumont [amtierend] (1803 - 1869)
- 26 Nov 1851 - 12 Dez 1853 Tranquille Aubry-Bailleul (1798 - 1860)
- 13 Dez 1853 - 13 Jan 1854 Louis Laurent Auguste Guillet [amtierend] (1794 - 1871)
- 13 Jan 1854 - 28 Mai 1856 Philibert Augustin Bonfils (1809 - 1871)
- 29 Mai 1856 - 5 Mar 1857 Louis Laurent Auguste Guillet [2, amtierend]
- 5 Mar 1857 - 12 Mar 1859 Philippe Victor Touchard (1810 - 1879)
- 13 Mar 1859 - 4 Jan 1860 Napoléon Joseph Louis Bontemps (1813 - 1872)
- 5 Jan 1860 - 11 Jan 1862 Charles Victor Frébault (1813 - 1888)
- 11 Jan - 4 Jul 1862 Louis Hippolyte de Lormel [amtierend] (1806 - 1888)
- 4 Jul, 1862 - 26 Feb 1864 Charles Victor Frébault [2]
- 26 Feb - 19 Mai 1864 Joseph Desmazes [amtierend] (1806 - 1882)
- 19 Mai 1864 - 20 Apr 1866 Louis Hippolyte de Lormel
- 20 Apr - 13 Dez 1866 Joseph Desmazes [2, amtierend]
- 13 Dez 1866 - 7 Dez 1868 Louis Hippolyte de Lormel [2]
- 7 Dez 1868 - 24 Apr 1870 Joseph Desmazes [3, amtierend]
- 24 Apr 1870 - 24 Mar 1873 Marie Gabriel Couturier (1830 - 1898)
- 24 Mar - 23 Aug 1873 Oktave Bernard Gilbert-Pierre [amtierend] (1817 - 1882)
- 23 Aug 1873 - 10 Aug 1879 Marie Gabriel Couturier [2]
- 10 Aug - 21 Dez 1879 Hippolyte Pierre Mazé [amtierend] (1818 - 1892)
- 21 Dez 1879 - 2 Dez 1880 Marie Gabriel Couturier [3]
- 2 Nov - 28 Dez 1880 Jean Joseph Marie Léonce Laugier (1829 - 1900)
- 28 Dez 1880 - 9 Jul 1881 Hippolyte Pierre Mazé [2, amtierend]
- 9 Jul 1881 - 12 Mai 1885 Jean Joseph Marie Léonce Laugier [2]
- 12 Mai - 21 Dez 1885 Villebrode Coridon [amtierend]
- 21 Dez 1885 - 23 Mar 1886 Jean Joseph Marie Léonce Laugier [3]
- 23 Mar - 12 Apr 1886 Adolphe Ernest Auguste Le Boucher (1837 - 1896)
- 12 Apr - 22 Sep 1886 L.J.P.Sainte-Luce [amtierend]
- 22 Sep 1886 - 31 Jan 1891 Adolphe Ernest Auguste Le Boucher [2]
- 31 Jan - 22 Feb 1891 Louis Hippolyte Marie Nouët (1844 - 1933)
- 22 Feb - 10 Mar 1891 Félix Gabriel Antoine Feillet [amtierend]
- 10 Mar 1891 - 9 Jul 1894 Louis Hippolyte Marie Nouët [2]
- 9 Jul 1894 - 8 Jun 1895 Marie Jacques Noël Pardon (1854 - 1910)
- 8 - 10 Jun 1895 Jean Jules Armand Charles Couzinet [amtierend] (1854 - 1906)
- 10 Jun - 11 Jul 1895 Dauphin Moracchini (1846 - 1903)
- 11 Jul 1895 - 21 Feb 1896 Jean Jules Armand Charles Couzinet [2, amtierend]
- 21 Feb 1896 - 1 Jun 1900 Dauphin Moracchini (1846 - 1903)
- 1 Jun 1900 - 6 Jul 1901 Joseph Pascal François [amtierend] (1853 - 1914)
- 6 Jul 1901 - 12 Jul 1902 Martial Henri Merlin (1860 - 1935)
- 12 Jul - 15 Okt 1902 Charles Amédée Rognon [amtierend] (1861 - 1911)
- 15 Okt 1902 - 1 Dez 1904 Paul Marie Armand Beuverand de La Loyère (1847 - 1913)
- 1 Dez 1904 - 8 Apr 1905 Jules Louis Richard [amtierend] (1854 - 1915)
- 8 Apr 1905 - 1 Aug 1906 Léon Jules Pol Boulloche (1859 - 1922)
- 1 - 20 Aug 1906 Paul Joseph Cécile Artaud [amtierend] (1851 - 1920)
- 20 Aug 1906 - 21 Jul 1907 William Maurice Fawtier [amtierend] (1867 - 1926)
- 21 Jul 1907 - 29 Jun 1908 Victor Marie Louis Ballot (1853 - 1939)
- 30 Jun 1908 - 21 Feb 1909 Philippe Marius Henry [amtierend] (1865 - 1915)
- 21 Feb 1909 - 6 Nov 1910 Henri François Charles Cor (1864 - 1932)
- 6 Nov 1910 - 6 Apr 1911 William Maurice Fawtier [2, amtierend]
- 6 Apr 1911 - Feb 1913 Jean Jules Émile Peuvergne (1849 - 1916)
- 14 Apr 1913 - 12 Jun 1914 Émile Joseph Merwart ((1869 - 1960)
- 12 Jun - 25 Jul 1914 Jules Gérard Auguste Lauret [interimistisch] (1866 - nach 1915)
- 25 Jul 1914 - 1917 Émile Joseph Merwart [2]
- 5 Jun - 18 Jun 1917 Alexandre Émile Joyeux [amtierend] (1863 - nach 1920)
- 18 Jun 1917 - 1919 Jules Maurice Gourbeil (1867 - 1948)
- 22 Jan 1919 - 12 Jun 1920 Raoul de la Vaissière [interimistisch]
- 12 Jun 1920 - 1924 Pierre Louis Alfred Duprat (1880 - 1953)
- 25 Jul 1924 - 1924 Eugène Stanislas Josselin Robert [interimistisch][ (1867 - 1956)
- 19 Okt 1924 - 2 Apr 1926 Maurice Beurnier [interimistisch bis 30 Dez 1924] (1878 - 1949)
- 24 Jun 1926 - 2 Apr 1929 Louis Martial Innocent Gerbinis (1871 - 1954)
- Apr 1929 - 1931 Théophile Antoine Pascal Tellier (1872 - 1955)
- Aug 1931 - 1933 Alphonse Paul Albert Choteau (1883 - 1936)
- 9 Mai 1933 - 25 Okt 1936 Joseph Louis Bouge (1878 - 1960)
- 25 Okt 1936 - 26 Jul 1938 Adolphe Félix Sylvestre Éboué (1884 - 1944)
- 26 Jul 1938 - 29 Nov 1938 Léopold Arthur André Allys [amtierend] (1888 - 1968)
- 29 Nov 1938 - 21 Feb 1940 Marie François Julien Pierre-Alype (1886 - 1956)
- 21 Feb - 30 Apr 1940 Georges Marin Émile Venard [amtierend](1883 - 1974)
- 30 Apr 1940 - 15 Jul 1943 Constant Louis Sylvain Sorin (1901 - 1970)
- 9 - 15 Jul 1943 Paul Valentino (in Rebellion, 1902 - 1988)
- 15 Jul 1943 - 21 Sep 1943 Georges Émile Albert Poirier [amtierend] (1894 - nach 1945)
- 21 Sep 1943 - 1945 Maurice Pierre Eugène François Stéphane Bertaut (1900 - 1994)
- 4 Okt 1945 - 1946 André Pierre [interimistisch]
- 30 Apr 1946 - 12 Okt 1947 Ernest Maurice de Nattes (1908 - 1994)
Préfets (Präfekten, 10 Mai 1982 - 24 Feb 1988 republikanische Kommissäre)
- 26 Dez 1947 - 24 Nov 1950 Gilbert Eugène Félicien Marie Philipson (1908 - 1983)
- 16 Jan 1951 - 18 Mai 1954 Gaston Villéger (1904 - 1986)
- 18 Mai 1954 - 18 Dez 1955 Jacques Ravail (1907 - 1971)
- 22 Dez 1955 - 6 Mar 1958 Guy Malines [amtierend bis 22 Mai 1956] (1909 - 1984)
- 6 Mar 1958 - 1 Okt 1960 Jean-Pierre Abeille (1907 - 1981)
- 1 Okt 1960 - 1 Aug 1965 Albert Bonhomme (1913 - 1975)
- 1 Aug 1965 - 12 Jul 1967 Pierre Bolotte (1921 - 2008)
- 16 Aug 1967 - 16 Dez 1969 Jean Deleplanque (1919 - 2021)
- 16 Dez 1969 - 1 Jul 1973 Pierre Mathieu Brunon (1922 - 2000)
- 12 Jul 1973 - 15 Nov 1975 Jacques Jean Louis Le Cornec (1927 - 2022)
- 15 Nov 1975 - 15 Okt 1978 Jean-Claude Aurousseau (* 1929)
- 5 Okt 1978 - 28 Feb 1982 Guy Pierre Marie Maillard (1930 - 2013)
- 28 Feb 1982 - 13 Feb 1984 Robert Miguet (1929 - 2019)
- Feb 1984 - Apr 1986 Maurice Saborin (* 1933)
- 9 Apr 1986 - 4 Nov 1987 Yves Bonnet (* 1935)
- 4 Nov 1987 - Nov 1989 Bernard Sarazin (* 1929)
- Nov 1989 - 18 Jul 1991 Jean-Paul Proust (1940 - 2010)
- 31 Jul 1991 - 6 Okt 1993 Franck Perriez (* 1944)
- 6 Okt 1993 - 21 Nov 1994 Alain Frouté (* 1939)
- 21 Nov 1994 - 16 Okt 1996 Michel Diefenbacher (1947 - 2017)
- 12 Nov 1996 - 16 Aug 1999 Jean Fedini (* 1938)
- 16 Aug 1999 - 6 Aug 2002 Jean-François Carenco (* 1952)
- 6 Aug 2002 - 17 Jul 2004 Dominique Vian (* 1944)
- 17 Jul - 17 Aug 2004 Denis Labbé [amtierend] (* 1952)
- 17 Aug 2004 - 12 Jun 2006 Paul Girot de Langlade (* 1946)
- 12 Jun 2006 - 28 Okt 2007 Jean-Jacques Brot (* 1956)
- 28 Okt - 5 Nov 2007 Yvon Alain [amtierend] (* 1955)
- 5 Nov 2007 - Nov 2008 Emmanuel Berthier (* 1957)
- 8 Dez 2008 - Nov 2009 Nicolas Desforges (* 1955)
- 23 Nov 2009 - 24 Aug 2011 Jean-Luc Michel Fabre (* 1949)
- 17 Jul - 11 Sep 2011 Philippe Jaumouillé [amtierend bis 24 Aug 2011] (1954 - 2011)
- 11 Sep 2011 - 14 Feb 2013 Amaury de Saint-Quentin (*1960)
- 14 Feb 2013 - 1 Dez 2014 Marcelle Pierrot [w] (* 1949)
- 1 Dez 2014 - 22 Aug 2017 Jacques Brillant (* 1960)
- 22 Aug - 4 Sep 2017 Virginie Kles [w, amtierend] (* 1961)
- 4 Sep 2017 - 18 Mai 2018 Éric Maire (* 1954)
- 18 - 28 Mai 2018 Virginie Kles [w, 2, amtierend]
- 28 Mai 2018 - 7 Jul 2020 Philippe Gustin (* 1960)
- 7 Jul 2020 - 10 Aug 2020 Virginie Klès [w, 3, amtierend]
- 10 Aug 2020 - 31 Jan 2023 Alexandre Rochatte (* 1969)
- 31 Jan 2023 - 6 Feb 2023 Maurice Tubul [amtierend] (* 1965)
- 6 Feb 2023 - 1 Sep 2025 Xavier Lefort (* 1965)
- seit 1 Sep 2025 Thierry Devimeux
Intendants de la Justice, Police et des Finances (Intendanten für Justiz, Polizei und Finanzen)
- 1763 - 1766 Louis de Thomassin de Peynier (1705 - 1794)
- 1766 - 1768 Jean-Louis-Honoré d'Hesmivy, Baron de Moissacn (1719 - 1769)
Ordonnateurs (Anordnungsbefugte, untergeordnet den Intendanten von Martinique)
- 1769 - 1775 Antoine-Bernard d’Eu de Montenoix (1731 - 1805)
- 1775 - 1780 Louis de Thomassin de Peynier [2]
- 1780 - 1781 Antoine-Bernard d’Eu de Montenoix [2]
- 1781 - 1786 Claude-Nicolas Fayolle (1735 - um 1802)
- 1786 - 1789 Eugène-Jean-Stanislas Foullon d’Ecotiers (1753 - 1821)
- 1789 - 1790 Pierre Iger [amtierend]
- 1791 - 1792 Guillot de Robespierre [interimistisch]
- 1792 Minut
Intendants de la Justice, Police et des Finances (Intendanten für Justiz, Polizei und Finanzen)
- 14 Dez 1814 - 1815 Léger François Trutié de Vaucresson [interimistisch] (1774 - 1849)
- 26 Jun 1814 - Mai 1816 Jean-François-César de Guilhermy (1761 - 1829)
- 30 Aug 1816 - 12 Jan 1818 Eugène-Jean-Stanislas Foullon d’Ecotiers
Président du Conseils général (Präsidenten des Regionalrats, Machthaber ab 2 Mar 1982)
- 17 Nov 1945 - 12 Okt 1949 Joseph Pitat (1908 - 1969)
- 12 Okt 1949 - 19 Sep 1950 Furcie Tirolien (1886 - 1965)
- 19 Sep 1950 - 17 Okt 1951 Henri Rinaldo (1909 - 1985)
- 17 Okt 1951 - 17 Nov 1952 Omer Ninine
- 17 Nov 1952 - 1953 Adrien Georges Bourgarel
- 14 Nov 1954 - 20 Nov 1956 René Toribio
- 20 Nov 1956 - 2 Dez 1957 Adrien Georges Bourgarel [2]
- 2 Dez 1957 - 3 Okt 1973 Henri Rinaldo [2]
- 3 Okt 1973 - 17 Mar 1976 Lucien Bernier (1914 - 1989) PS
- 17 Mar 1976 - 28 Mar 1979 Georges Dagonia (1930 - 2007) PS
- 28 Mar 1979 - 24 Mar 1982 Lucien Bernier [2] PS / UDF
- 24 Mar 1982 - 25 Mar 1985 Lucette Michaux-Chevry [w] (1929 - 2021) RPR
- 25 Mar 1985 - 27 Mar 1998 Dominique Larifla (* 1936) PS
- 27 Mar 1998 - 23 Mar 2001 Marcellin Lubeth (* 1922) FRUI.G
- 23 Mar 2001 - 2 Apr 2015 Jacques Gillot (* 1948) GUSR
Présidents du Conseil Départmental (Präsidenten des Departmentalrats)
- 2 Apr 2015 - 1 Jul 2021 Josette Borel-Lincertin [w] (* 1941) PS
- seit 1 Jul 2021 Guy Losbar (* 1961) GUSR
Présidents du Conseil Régional (Präsidenten des Regionalrats)
- 1975 - 1980 Pierre Mathieu PS
- 1980 - 1981 Robert Pentier (1920 - 2017) DVD
- 1981 - 1982 Marcel Esdras (1927 - 1988) UDF
- 1981 - 1983 Marcel Gargar (1911 - 2004)
- Feb 1983 - Mar 1986 José Moustache (1932 - 2013) RPR
- Mar 1986 - 29 Mar 1992 Félix Proto (1942 - 2013) PS
- 29 Mar 1992 - 2 Apr 2004 Lucette Michaux-Chevry [w] RPR, ab 2002 UMP
- 2 Apr 2004 - 3 Aug 2012 Victorin Lurel (* 1951) PS
- 3 Aug 2012 - 2 Mai 2014 Josette Borel-Lincertin [w] (* 1941) PS
- 2 Mai 2014 - 18 Dez 2015 Victorin Lurel [2] PS
- seit 18 Dez 2015 Ary Chalus (* 1961) GUSR
Politische Gruppierungen
Die Parteienlandschaft Guadeloupes entspricht im Wesentlichen der Frankreichs mit einigen autonomistischen Kleingruppierungen.
Politische Gruppierungen:
- CGT-G = Communauté Général des Travailleurs - Guadeloupe (Common Federation of Guadeloupian Workers / Allgemeine Föderation Guadelupianischer Arbeiter)
- GP = Gauche Pluriel (Plurialist Left / Verschiedene Linke)
- FRUI.G = Guadeloupe Unie Socialisme et Réalités (United Socialism and Reality of Guadeloupe / Vereinigter Sozialismus und Realismus in Guadelupe
- KLPG = Mouvement Chrétien pour la Libération de Guadeloupe (Christian Movement for the Liberation of Guadeloupe / Christliche Bewegung für die Befreiung von Guadeloupe)
- MoDem = Mouvement Démocratique (Democratic Movement / demokratische Bewegung)
- MPGI = Mouvement pour Guadeloupe Indépendante (Movement for an Independent Guadeloupe / Bewegung für ein unabhängiges Guadeloupe, Vorsitzender Luc Reinette)
- MSG = Mouvement Socialiste Guadeloupéen (Guadeloupian Socialist Movement / Guadelupische Sozialistische Bewegung)
- OG = Objectif Guadeloupéen (Guadeloupean Objective / Guadelupische Zielvorstellung)
- PC = Parti Communiste (Communist Party / Kommunistische Partei)
- PPDG = Progressif Démocratique Parti de Guadeloupe (Progressive Democratic Party of Guadeloupe / Progressive Demokratische Partei Guadeloupes, Vorsitzender Henri Bangou)
- PS = Parti Socialist (Socialist Party / Sozialistische Partei, Vorsitzender Abdon Saman)
- RPF = Rassemblement du Peuple Français (Rally for the French People / Versammlung des Französischen Volkes, aktiv 1945 bis 1955)
- RPR = Rassemblement pour la République (Rally for the Republic / Sammlungsbewegung für die Republik, Vorsitzender zuletzt Aldo Blaise, aktiv 1976 bis 2002)
- PCG = Parti Communiste de Guadeloupe (Communist Party of Guadeloupe / Kommunistische Partei Guadeloupes, Vorsitzender Christian Celeste)
- SFIO = Section Française de l’Internationale Ouvrière (French Section of International of Workers / Französische Sektion der Internationale der Arbeiter)
- UDF = Union pour la Démocratie Française (Union for French Democracy / Union für die französische Demokratie, Vorsitzender Marcel Esdras)
- UGTG = (Common Union of Guadeloupian Workers / Allgemeine Union gouadeloupischer Arbeiter)
- UMP = Union pour un Mouvement Populaire (Movement for a Popular Movement / Union für eine Volksbewegung)
- UPLG = Union Populaire pour la Libération de Guadeloupe (Popular Union for the Liberation of Guadeloupe / Volksunion für die Befreiung Guadeloupes, Vorsitzender Lucien Perrutin)
Wahlen finden alle drei bzw. sechs Jahre statt. Wahlberechtigt sind wie in Frankreich alle Bürger über 18 Jahren, die Frauen de iure seit 1906.
Justizwesen und Kriminalität
Das Justizwesen Guadeloupes ist vollständig in das französische Rechtssystem eingebunden. Es gilt das französische Zivil-, Straf- und Verwaltungsrecht; die Gerichtsorganisation entspricht grundsätzlich jener des französischen Mutterlandes. Die Gerichtsbarkeit ist auf die besonderen räumlichen Verhältnisse des Archipels und die Zuständigkeit für die benachbarten französischen Überseegebiete abgestimmt.
Das Berufungsgericht, die Cour d’appel de Basse-Terre, hat seinen Sitz in Basse-Terre und ist für die Urteile der erstinstanzlichen Gerichte zuständig. Zum Gerichtsbezirk gehören Guadeloupe sowie die Gebietskörperschaften Saint-Martin und Saint-Barthélemy. Auf der Hauptinsel bestehen zwei erstinstanzliche Gerichte, die Tribunaux judiciaires de Basse-Terre und de Pointe-à-Pitre. Sie bearbeiten Zivil- und Strafsachen und verfügen über jeweils zuständige Strafkammern. Hinzu kommen die Cour d’assises für schwere Straftaten, die Handelsgerichte, die Arbeitsgerichte (Conseils de prud’hommes) und das Tribunal de proximité in Saint-Martin. Die früheren Tribunaux de grande instance und Tribunaux d’instance wurden im Zuge der französischen Justizreform zum 1. Januar 2020 weitgehend durch die Tribunaux judiciaires beziehungsweise die Gerichte der örtlichen Nähe ersetzt. Friedensgerichte mit der früheren Funktion der juges de paix bestehen nicht mehr.
Die Staatsanwaltschaften in Basse-Terre und Pointe-à-Pitre vertreten die öffentliche Anklage und leiten beziehungsweise überwachen strafrechtliche Ermittlungen. Für besonders schwere und überregional organisierte Kriminalität steht außerdem die Juridiction interrégionale spécialisée (JIRS) in Fort-de-France auf Martinique zur Verfügung. Sie ist für komplexe Fälle organisierter Kriminalität sowie für umfangreiche Wirtschafts- und Finanzdelikte zuständig, insbesondere wenn diese mehrere Gebiete oder Staaten betreffen. Zu ihren Aufgaben gehören Verfahren gegen international tätige Drogenhandelsorganisationen und kriminelle Netzwerke.
Die Polizei- und Sicherheitsaufgaben werden von der Police nationale und der Gendarmerie nationale wahrgenommen. Die Police nationale ist vor allem in den größeren Städten und Ballungsräumen tätig, während die Gendarmerie insbesondere für ländliche Gebiete und kleinere Gemeinden zuständig ist. Das Gendarmeriekommando Guadeloupes (COMGEND) verfügte nach Angaben der Präfektur im Oktober 2024 über rund 680 Berufssoldaten, ergänzt durch etwa 310 Reservisten und 150 mobile Gendarmen. Zu den spezialisierten Einheiten gehören eine Forschungsabteilung für schwere Kriminalität, eine GIGN-Einheit, eine Kriminaltechnikgruppe, eine nautische Brigade und eine Luftunterstützungseinheit. Die Gesamtzahl von rund 2.000 dauerhaft stationierten Polizei- und Gendarmeriebeamten lässt sich aus den verfügbaren amtlichen Angaben nicht bestätigen.
Die Kriminalitätslage ist seit mehreren Jahren durch eine hohe Zahl schwerer Gewaltdelikte geprägt. Besonders problematisch sind Tötungsdelikte, versuchte Tötungen und bewaffnete Raubüberfälle. Nach den von der Präfektur mitgeteilten Zahlen wurden 2025 in Guadeloupe 47 Tötungsdelikte registriert. Die Rate lag bei etwa 11,5 Fällen je 100.000 Einwohner und damit deutlich über dem Durchschnitt des französischen Mutterlandes. Für den gesamten Gerichtsbezirk der Cour d’appel de Basse-Terre, der zusätzlich Saint-Martin und Saint-Barthélemy umfasst, wurden für 2025 insgesamt 52 Tötungsdelikte und 260 versuchte Tötungsdelikte gemeldet. Diese Zahlen dürfen deshalb nicht ohne Weiteres Guadeloupe allein zugerechnet werden.
Auch bewaffnete Raubüberfälle stellen ein erhebliches Sicherheitsproblem dar. 2025 wurden in Guadeloupe rund 575 solcher Delikte erfasst; bei etwa drei Vierteln der Fälle kamen Schusswaffen zum Einsatz. Damit lag das Département bei bewaffneten Raubüberfällen im französischen Vergleich auf einem der vorderen Plätze. Daneben treten Körperverletzungen, häusliche und sexuelle Gewalt, Einbrüche, Fahrzeugdiebstähle und Sachbeschädigungen auf. Die amtlichen Statistiken zeigen zugleich, dass die Entwicklung je nach Deliktsart unterschiedlich verläuft und nicht alle Formen der Kriminalität gleichermaßen zunehmen.
Ein wesentlicher Faktor der schweren Gewaltkriminalität ist der Drogenhandel. Guadeloupe liegt an den See- und Luftverkehrsrouten zwischen Südamerika, der Karibik und Europa. Schmuggelnetzwerke nutzen insbesondere den Waren- und Containerverkehr sowie kleinere Schiffe und Boote für den Transport von Kokain und Cannabis. Konflikte um Handelswege, Lieferungen und Absatzmärkte führen zu bewaffneten Auseinandersetzungen und Tötungsdelikten. Die französischen Sicherheitsbehörden arbeiten deshalb verstärkt mit der Drogenbekämpfungsbehörde OFAST, der Polizei, der Gendarmerie und den spezialisierten Justizstellen zusammen. Die Ermittlungen betreffen zunehmend auch überregionale und internationale Netzwerke.
Die Gewalt konzentriert sich nicht ausschließlich auf einzelne Stadtviertel, tritt aber besonders in den dicht besiedelten Gebieten des Großraums Pointe-à-Pitre auf, darunter Les Abymes, Pointe-à-Pitre und Baie-Mahault. Auch andere Gemeinden sind von bewaffneten Überfällen und Gewaltdelikten betroffen. Die Sicherheitslage wird durch soziale Probleme wie Armut, Jugendarbeitslosigkeit und ungleiche Bildungschancen zusätzlich belastet. Diese Faktoren erklären die Kriminalität nicht allein, gehören jedoch zum gesellschaftlichen Umfeld, in dem organisierte Banden und lokale Drogenmärkte agieren.
Die Behörden haben auf die Entwicklung mit verstärkten Polizeikontrollen, Waffenfahndung, Razzien gegen Drogenhandelsstrukturen und einer engeren Zusammenarbeit zwischen Polizei, Gendarmerie und Justiz reagiert. Die Gerichte sind durch die hohe Zahl schwerer Strafverfahren stark beansprucht. Im Januar 2026 kündigte die Leitung der Cour d’appel de Basse-Terre deshalb eine stärkere Bündelung der Strafverfolgung und die Einrichtung eines besonderen Antikriminalitätsschwerpunktes an. Zugleich wurden zusätzliche Richter und Justizbedienstete in Aussicht gestellt.
Sicherheitskräfte
Die Sicherheitskräfte in Guadeloupe bestehen aus einer Kombination von Einheiten der französischen Police Nationale und Gendarmerie Nationale, die als französisches Übersee-Département dem nationalen Sicherheitsapparat unterstehen. Insgesamt sind etwa 2.000 Sicherheitskräfte auf den Inseln stationiert, um die öffentliche Ordnung in einer Region mit hoher Kriminalitätsrate (ca. 62 Straftaten pro 1.000 Einwohner im Jahr 2024) zu gewährleisten.
- Police Nationale: Verantwortlich für urbane Gebiete wie Pointe-à-Pitre und Les Abymes. Sie übernimmt Ermittlungen bei schweren Straftaten, Verkehrsregelung und Präventionsmaßnahmen. Spezialisierte Einheiten wie die Compagnies Républicaines de Sécurité (CRS) werden bei Unruhen oder Großereignissen eingesetzt.
- Gendarmerie Nationale: Zuständig für ländliche Gebiete und kleinere Inseln wie Marie-Galante oder La Désirade. Sie verfügt über mobile Einheiten und führt Operationen gegen organisierte Kriminalität, insbesondere Drogenhandel, durch. Die Gendarmerie Intervention Group (GIGN) ist für Anti-Terror-Einsätze und Geiselnahmen verfügbar.
- Zoll- und Küstenwache: Aufgrund der geografischen Lage Guadeloupes in der Karibik spielen Zollbehörden und die französische Marine eine Schlüsselrolle im Kampf gegen Schmuggel, insbesondere von Drogen aus Venezuela oder der Dominikanischen Republik. Im Jahr 2025 wurde zum Beispiel ein Drogennetzwerk mit über 800 kg beschlagnahmtem Kokain zerschlagen.
Internationale Beziehungen
Die Außenpolitik Guadeloupes wird von Frankreich bestimmt. Es bestehen allerdings enge Verbindungen zu Martinique und den karibischen Nachbarstaaten.
Flagge und Wappen
Als französisches Überseedépartement und Überseeregion führt der Archipel die französische Nationalflagge, die Trikolore aus drei senkrechten Streifen in Blau, Weiß und Rot. Sie wird an öffentlichen Gebäuden, bei staatlichen Veranstaltungen und von den französischen Behörden verwendet. Daneben haben sich mehrere inoffizielle Flaggen und regionale Bildzeichen entwickelt, die unterschiedliche Vorstellungen von der kulturellen, historischen und politischen Identität Guadeloupes ausdrücken.
Eine verbreitete inoffizielle Flagge geht auf eine heraldische Darstellung zurück, die mit den historischen Wappen Guadeloupes und der Stadt Pointe-à-Pitre verbunden ist. Sie zeigt ein schwarzes oder gelegentlich rotes Tuch. Im oberen blauen Streifen befinden sich drei goldene Lilien. Im unteren Feld ist eine gelbe Sonne mit zahlreichen Strahlen über einem grünen Zuckerrohrzweig dargestellt. Die Lilien verweisen auf die französische Herrschaft und die koloniale Vergangenheit, die Sonne auf das tropische Klima und das Zuckerrohr auf die historische Bedeutung des Plantagenanbaus. Die Flagge wird vor allem im touristischen und kulturellen Zusammenhang verwendet, besitzt jedoch keine amtliche Anerkennung.
Daneben existiert eine politisch geprägte Flagge der Unabhängigkeitsbewegung. Sie wurde von der Union populaire pour la libération de la Guadeloupe (UPLG), die 1978 gegründet wurde, entwickelt und 1984 als möglicher Nationalflaggenentwurf vorgeschlagen. Ihr Grundmuster besteht aus einem roten Feld mit einem großen gelben fünfzackigen Stern sowie schmalen grünen und weißen Streifen am oberen und unteren Rand. Rot steht in der Deutung der Bewegung für das Blut der Vorfahren und der versklavten Bevölkerung, Grün für die Natur und der gelbe Stern für Guadeloupe sowie die internationale Solidarität. Die Flagge ähnelt in ihrem Aufbau der Nationalflagge Surinames. Sie wird bei politischen, kulturellen und sportlichen Veranstaltungen verwendet und ist insbesondere als Ausdruck einer eigenständigen guadeloupischen Identität bekannt.
Auch die Regionalverwaltung verwendet ein eigenes grafisches Erkennungszeichen. Das Logo der Region zeigt eine stilisierte Sonne und einen fliegenden Vogel auf einem blau-grünen Hintergrund. Darunter steht die Bezeichnung „Région Guadeloupe“, die durch eine gelbe Linie ergänzt wird. Das Motiv wird auf Veröffentlichungen, Verwaltungsunterlagen und regionalen Darstellungen verwendet. Es handelt sich um ein institutionelles Logo und nicht um ein heraldisches Wappen oder eine amtlich angenommene Flagge.
Das inoffizielle Wappen Guadeloupes ist ebenfalls von den historischen Darstellungen mit Sonne, Zuckerrohr und Lilien abgeleitet. Es zeigt einen schwarzen Schild mit einer goldenen Sonne und einem grünen Zuckerrohrzweig. Im blauen Schildhaupt befinden sich drei goldene Lilien. Diese Darstellung wird gelegentlich auf Souvenirs, Stoffabzeichen und Sammlermünzen wiedergegeben. Eine rechtlich verbindliche Wappenführung durch das Département oder die Region besteht jedoch nicht. Auch die Behauptung, es gebe ein offiziell eingeführtes Wappen mit Pelikan als Wappentier, trifft auf Guadeloupe nicht zu.
Nationale Symbole:
- Farben: grün-blau
- Pflanze: canne à sucre (Zuckerrohr)
- Tier: ti-raccoon (Waschbär, procyon lotor)
- Motto: Liberté, Égalité, Fraternité („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“)
- Held: Louis Delgrèd (Freiheitskämpfer, 1766 bis 1802)
Hymne
Als französisches Übersee-Département singt die Guadeloupe bei offiziellen Anlässen die französische Nationalhymne „La Marseillaise“. Es gibt keine separate offizielle Hymne für die Insel, die unabhängig von Frankreich ist. Dennoch hat die Guadeloupe eine reiche musikalische Tradition, die sich in kreolischen Liedern und Protestchansons widerspiegelt. Eine Art inoffizieller Hymne ist „La Gwadloup sé tan nou“ („Guadeloupe gehört uns“). Das Lied ist 2009 während der großen sozialen Mobilisierung des Collectifs LKP (Liyannaj Kont Pwofitasyon – Allianz gegen Ausbeutung) entstanden. Es wurde zum Symbol des Widerstands gegen wirtschaftliche Ungerechtigkeit, hohe Preise und koloniale Erbschaften und ist bis heute in Demonstrationen und kulturellen Veranstaltungen präsent.
Hauptort
Die erste Siedlung war in Capesterre auf dem Inselteil Basse-Terre, die 1636 gegründet wurde und zunächst als provisorisches Zentrum diente. Basse-Terre übernahm diese Rolle schnell und wurde 1643 zur Hauptstadt. Um 1640 begann die Besiedlung des Gebietes der heutigen Stadt, nachdem mit den Kariben der Region Friede geschlossen wurde und sich Charles Houël, Gouverneur von Guadeloupe, am Rivière aux Herbes niederließ. Ab 1650 ließ er im Süden der Stadt das Fort Louis-Delgrès (früher Fort Saint-Charles) erbauen, das die Gouverneursstadt schützte. Offiziell wurde es 1703 zur Hauptstadt erklärt, einen Status, den es bis heute behält. Im späten 18. Jahrhundert (nach 1789) verlor es seine Rolle als kommerzielles Zentrum an Pointe-à-Pitre auf dem Nachbarinselteil Grande-Terre, blieb aber die offizielle Hauptstadt. Heute, im Schatten des weitaus größeren Pointe-à-Pitre, ist Basse-Terre noch Parlamentssitz des Überseedepartements Guadeloupe.
Verwaltungsgliederung
Guadeloupe besteht aus zwei Kreisen (arrondissements), die wiederum in 32 Gemeinden unterteilt sind. Die Inseln des Überseedepartments sind nach dem Zensus von 1999:
| Name | Abk. | Hauptstadt | Fläche (km²) | Einwohner |
| Basse-Terre | BT | Basse-Terre | 848 | 172 693 |
| Grande-Terre | GT | Pointe-à-Pitre | 590 | 196 767 |
| Îles des Saintes | IS | Terre-de-Bas | 13 | 2 998 |
| La Désirade | LD | La Désirade | 20 | 1 620 |
| Marie-Galante | MG | Grand-Bourg | 158 | 12 488 |
| Guadeloupe | GLP | Basse-Terre | 1 629 | 386 835 |
Die Gemeinden Guadeloupes sind nach dem Zensus von 1999:
| Commune | HASC | Fläche (km²) | Einwohner | Insel |
| Anse-Bertrand | GP.PP.AB
|
62,50 | 5 023 | Grande-Terre |
| Baie-Mahault | GP.BT.BM
|
46,02 | 23 389 | Basse-Terre |
| Baillif | GP.BT.BA
|
24,30 | 5 837 | Basse-Terre |
| Basse-Terre | GP.BT.BT
|
5,78 | 12 410 | Basse-Terre |
| Bouillante | GP.BT.BO
|
43,46 | 7 336 | Basse-Terre |
| Capesterre-Belle-Eau | GP.BT.CB
|
103,30 | 19 568 | Basse-Terre |
| Capesterre-de-Marie-Galante | GP.PP.CM
|
46,19 | 3 559 | Marie-Galante |
| Deshaies | GP.BT.DE
|
31,10 | 4 039 | Basse-Terre |
| Gourbeyre | GP.BT.GR
|
22,52 | 7 642 | Basse-Terre |
| Goyave | GP.BT.GY
|
59,91 | 5 060 | Basse-Terre |
| Grand-Bourg | GP.PP.GB
|
55,54 | 5 934 | Marie-Galante |
| La Désirade | GP.PP.LD
|
21,12 | 1 620 | La Désirade |
| Lamentin | GP.BT.LT
|
65,60 | 13 434 | Basse-Terre |
| Le Gosier | GP.PP.LG
|
45,20 | 25 360 | Grande-Terre |
| Le Moule | GP.PP.LM
|
82,84 | 20 827 | Grande-Terre |
| Les Abymes | GP.PP.LA
|
81,25 | 63 054 | Grande-Terre |
| Morne-à-l'Eau | GP.PP.MO
|
64,50 | 17 154 | Grande-Terre |
| Petit-Bourg | GP.BT.PB
|
129,88 | 20 528 | Basse-Terre |
| Petit-Canal | GP.PP.PC
|
70,50 | 7 752 | Grande-Terre |
| Pointe-à-Pitre | GP.PP.PP
|
2,66 | 20 948 | Grande-Terre |
| Pointe-Noire | GP.BT.PN
|
59,70 | 7 689 | Basse-Terre |
| Port-Louis | GP.PP.PL
|
44,24 | 5 580 | Grande-Terre |
| Saint-Claude | GP.BT.SC
|
34,30 | 10 237 | Basse-Terre |
| Saint-François | GP.PP.SF
|
80,29 | 10 659 | Grande-Terre |
| Saint-Louis | GP.PP.SL
|
118,60 | 2 995 | Marie-Galante |
| Sainte-Anne | GP.PP.SA
|
56,28 | 20 410 | Grande-Terre |
| Sainte-Rose | GP.BT.SR
|
53,20 | 17 574 | Basse-Terre |
| Terre-de-Bas | GP.BT.TB
|
6,80 | 1 269 | Les Saintes |
| Terre-de-Haut | GP.BT.TH
|
6,00 | 1 729 | Les Saintes |
| Trois-Rivières | GP.BT.TR
|
31,10 | 8 738 | Basse-Terre |
| Vieux-Fort | GP.BT.VF
|
7,24 | 1 601 | Basse-Terre |
| Vieux-Habitants | GP.BT.VH
|
58,70 | 7 611 | Basse-Terre |
| Guadeloupe | 1 628,43 | 386 835 |
Verwaltungseinheiten:
5 arrondissements (Bezirke). davon 2 auf Guadeloupe
21 cantons (Kantone), davon 18 auf Guadeloupe
32 communmes (Gemeinden), davon 26 auf Guadeloupe
Bevölkerung
Im Folgenden die Entwicklung der Einwohnerzahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 1.628,43 km².
Bevölkerungsentwicklung:
Jahr Einwohner Dichte (E/km²)
1500 50 000 30,70
1686 11 400 7,00
1700 30 000 18,42
1750 40 000 24,56
1769 50 600 31,07
1796 102 000 62,64
1800 103 000 63,25
1825 110 000 67,55
1831 113 700 69,82
1851 126 800 77,87
1862 139 100 85,42
1870 151 500 93,03
1876 164 600 101,08
1878 179 600 110,29
1890 186 500 114,53
1889 157 100 96,47
1895 160 900 98,81
1901 175 800 107,96
1906 183 800 112,87
1911 200 000 122,82
1916 210 000 128,96
1921 223 000 136,94
1926 236 300 145,05
1931 259 600 159,42
1936 297 200 182,51
1938 299 000 183,62
1941 275 000 168,87
1946 260 300 159,85
1950 240 000 147,38
1951 235 000 144,31
1952 230 000 141,24
1953 225 000 138,17
1954 223 600 137,31
1955 228 000 140,01
1956 233 000 143,08
1957 240 000 147,38
1958 250 000 153,52
1959 260 000 159,66
1960 270 000 165,80
1961 276 500 169,80
1962 280 000 171,95
1963 285 000 175,02
1964 290 000 178,09
1965 295 000 181,16
1966 300 000 184,23
1967 305 200 187,42
1968 307 500 188,83
1969 310 000 190,39
1970 312 000 191,61
1971 314 000 192,83
1972 316 000 194,05
1973 318 000 195,27
1974 319 100 195,96
1975 318 000 195,27
1976 317 000 194,66
1977 317 000 194,66
1978 316 000 194,05
1979 316 000 194,05
1980 315 000 193,44
1981 315 000 193,44
1982 317 279 194,84
1983 320 000 196,51
1984 323 000 198,35
1985 326 000 200,19
1986 329 000 202,03
1987 332 000 203,87
1988 335 000 205,71
1989 337 500 207,25
1990 339 958 208,76
1991 342 000 210,02
1992 345 000 211,86
1993 350 000 214,93
1994 356 000 218,62
1995 361 000 221,69
1996 366 000 224,76
1997 374 000 229,67
1998 380 000 233,35
1999 386 566 237,39
2000 384 000 235,81
2001 382 618 234,96
2002 385 000 236,42
2003 387 500 237,96
2004 390 000 239,50
2005 392 500 241,04
2006 395 000 242,58
2007 398 000 244,41
2008 401 983 246,85
2009 402 500 247,17
2010 403 355 247,70
2011 404 695 249,52
2012 403 314 247,67
2013 402 119 246,94
2014 403 750 247,94
2015 397 990 244,40
2016 394 110 242,02
2017 390 253 239,65
2018 387 629 237,82
2019 384 239 235,96
2020 381 294 234,14
2021 384 315 236,05
2022 383 569 235,45
2023 378 561 232,47
2024 377 142 231,61
2025 380 387 233,57
Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 1,073 % pro Jahr. Das Durchschnittsalter lag 2008 bei 32,2 Jahren, die Fruchtbarkeitsrate bei 1,9 Kindern pro gebärfähiger Frau. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 78 Jahren.
Lebenserwartung in Jahren 2006:
- insgesamt 78,02
- Männer 74,91
- Frauen 81,37
Die Zahl der Haushalte beträgt insgesamt etwa 120.000.
Volksgruppen
Rund zwei Drittel der Einwohner Guadeloupes sind Schwarze oder Mulatten. Ungefähr 7 % der Bevölkerung sind Weiße. Diese Nachkommen der kolonialen Oberschicht werden Grands-Blancs genannt. Daneben existieren aber auch einige Gruppen verarmte weißer Siedler (Petits-Blancs): die Blancs-Matignons in den Grands-Fonds auf Grande-Terre, die Saintois auf dem Archipel Les Saintes, die Saint-Barths auf der Insel Saint-Barthélémy und die Désiradiens auf der Insel La Désirade.
Die Menschen afrikanischer Herkunft, deren Vorfahren während der Kolonialzeit als versklavte Arbeitskräfte aus Westafrika auf die Insel gebracht wurden, bilden den Kern der guadeloupischen Gesellschaft und hat die Kultur, Sprache (insbesondere das Kreolische) und Traditionen der Insel maßgeblich geprägt. Viele dieser Nachfahren identifizieren sich als Kreolen, ein Begriff, der in der Karibik Menschen mit gemischter afrikanischer, europäischer und manchmal indigener Herkunft umfasst.
Neben der afro-karibischen Mehrheit gibt es eine bedeutende Gruppe von Menschen mit gemischter Herkunft, die als „Métis“ bezeichnet werden. Diese Gruppe entstand aus der Vermischung afrikanischer, europäischer (vor allem französischer) und teilweise indigener oder asiatischer Vorfahren. Die europäische Komponente stammt hauptsächlich von französischen Kolonisatoren und Siedlern, die seit dem 17. Jahrhundert auf die Insel kamen. Nachkommen dieser europäischen Siedler, oft als „Békés“ bekannt, bilden eine kleine, aber historisch einflussreiche Minderheit. Die Békés sind meist Nachfahren weißer französischer Pflanzerfamilien, die während der Kolonialzeit die Zuckerrohrplantagen kontrollierten. Sie leben vor allem auf der Insel Basse-Terre und haben bis heute in bestimmten wirtschaftlichen Bereichen Einfluss.
Eine weitere wichtige Volksgruppe sind Nachfahren indischer Einwanderer, die als „Indo-Guadeloupéens“ bekannt sind. Nach der Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert wurden viele indische Vertragsarbeiter (vor allem aus Südindien) auf die Insel gebracht, um auf den Plantagen zu arbeiten. Ihre Nachkommen haben eine eigene kulturelle Identität bewahrt, die sich in Traditionen, Religion (vor allem Hinduismus), Küche und Festen wie Diwali zeigt.
Die indigenen Kariben, die ursprünglichen Bewohner der Insel, sind heute nur noch in sehr geringer Zahl vertreten. Die meisten wurden während der Kolonialzeit durch Krankheiten, Kriege und Vertreibung ausgelöscht. Dennoch gibt es Spuren ihrer Kultur in der Sprache, den Ortsnamen und der Geschichte der Insel.
Kleinere Minderheiten umfassen Menschen mit nahöstlicher Herkunft (vor allem aus Syrien und dem Libanon), die im 19. und 20. Jahrhundert als Händler nach Guadeloupe kamen, sowie eine wachsende Zahl von Einwanderern aus anderen karibischen Inseln (wie Haiti oder Dominica) und Frankreich. Diese Gruppen tragen zur kulturellen Vielfalt der Insel bei, insbesondere in urbanen Zentren wie Pointe-à-Pitre.
Volksgruppen 2001:
- Afrokaribier 276.000 (72 %)
- Inder 54.000 (14 %)
- Europäer 27.000 (7 %)
- Libanesen und Syrer 15.000 (4 %)
- Chinesen 11.000 (3 %)
Sprachen
Französisch ist die alleinige Amtssprache Guadeloupes und die Sprache der Verwaltung, der Gerichte, des öffentlichen Bildungswesens und des überwiegenden Teils der schriftlichen Kommunikation. Es handelt sich um eine französische Gebietskörperschaft, weshalb die sprachliche Gesetzgebung der Französischen Republik gilt. Guadeloupe-Kreolisch besitzt trotz seiner großen gesellschaftlichen Bedeutung keinen Amtssprachenstatus. Im Alltag stehen beide Sprachen jedoch in einem engen Verhältnis: Viele Einwohner wechseln je nach Gesprächspartner, Situation und Thema zwischen Französisch und Kreolisch oder verwenden Mischformen.
Das Guadeloupe-Kreolische (kréyòl gwadloupéyen, französisch créole guadeloupéen) gehört zu den französisch-lexifizierten Kreolsprachen der Kleinen Antillen. Seine Entstehung hängt mit der französischen Kolonisierung, der Plantagenwirtschaft und der Versklavung afrikanischer Menschen zusammen. Die Sprache entwickelte sich aus dem Französischen und verschiedenen west- und zentralafrikanischen Sprachtraditionen; hinzu kamen Einflüsse aus dem karibischen Sprachraum. Die Grammatik und der Satzbau unterscheiden sich deutlich vom Französischen, auch wenn ein großer Teil des Wortschatzes französischen Ursprungs ist.
Das Kreolische wird auf dem gesamten Archipel gesprochen, also nicht nur auf Grande-Terre und Basse-Terre, sondern auch auf Marie-Galante, La Désirade und den Îles des Saintes. Es bestehen lokale Unterschiede in Aussprache, Wortschatz und Redewendungen, die jedoch die Verständigung zwischen den Inseln nicht grundsätzlich behindern. Die Sprache ist eng mit der Geschichte und dem kulturellen Selbstverständnis der Bevölkerung verbunden. Sie wird in Gesprächen, Sprichwörtern, Erzählungen, Liedern, im Gwo ka, im Zouk und in der Literatur verwendet. Neben der mündlichen Überlieferung gibt es eine etablierte Schriftsprache. Seit den 1980er-Jahren wurde dafür eine weitgehend einheitliche Orthografie entwickelt.
Die Stellung des Kreolischen hat sich im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts verändert. Während es früher für einen großen Teil der Bevölkerung die vorherrschende Alltagssprache war, hat Französisch durch Schulbildung, Verwaltung, Medien und den engeren Austausch mit dem französischen Mutterland stark an Bedeutung gewonnen. Heute sind viele Einwohner zweisprachig, wobei die tatsächliche Sprachkompetenz und die Verwendung der beiden Sprachen je nach Alter, familiärem Umfeld und sozialer Situation unterschiedlich ausfallen. Die pauschale Annahme, Kreolisch werde in ländlichen Gebieten oder auf den kleineren Inseln grundsätzlich häufiger gesprochen als Französisch, lässt sich nicht für alle Gemeinden und Bevölkerungsgruppen bestätigen.
Seit den 1980er-Jahren wird das Kreolische zunehmend als eigenständige Sprache und als wesentlicher Bestandteil des kulturellen Erbes anerkannt. Es wird an Schulen als regionale Sprache angeboten. 2001 wurde ein eigener Lehramtsstudiengang beziehungsweise eine Lehrbefähigung für kreolische Sprachen (CAPES de créole) geschaffen; seitdem können entsprechend ausgebildete Lehrkräfte Kreolisch im Unterricht vermitteln. Daneben bestehen zweisprachige Unterrichtsangebote in Französisch und Kreolisch. Französisch bleibt jedoch die hauptsächliche Unterrichtssprache und die Sprache der staatlichen Institutionen.
Englisch ist als Fremdsprache und Verkehrssprache im Tourismus, im internationalen Geschäftsverkehr und im Kontakt mit den englischsprachigen Nachbarinseln von Bedeutung. Es wird vor allem in Hotels, bei Ausflugsanbietern und in touristisch geprägten Orten verwendet, ist aber nicht in der gesamten Bevölkerung gleichermaßen verbreitet. Englische Kreolsprachen wie das Antiguanische oder das Dominikanische sind keine traditionellen Sprachen Guadeloupes; sie können durch Besucher, Arbeitsmigration und Kontakte mit den Nachbarinseln in einzelnen Gesprächssituationen vorkommen. Spanisch spielt aufgrund der geografischen Nähe zu den spanischsprachigen Karibikgebieten und Lateinamerika ebenfalls eine gewisse Rolle, ist aber keine verbreitete Alltagssprache des Archipels.
Sprachen in Guadeloupe (nach ethnologue):
- Französisch [fra] 7.300 in Guadelupe (2004). Einordnung: Indo-European, Italic, Romance, Italo-Western, Western, Gallo-Iberian, Gallo-Romance, Gallo-Rhaetian, Oïl, French
- Guadelupianisch (Guadeloupe Creole French) [gcf] 430.000 in Guadelupe (2001). Gesamtsprecherzahl: 848.000. Östliches St. Barthélemy, Marie Galante. Auch in Martinique. Alternativbezeichnungen: Kreyol, Martiniquan Creole French, Patois, Patwa. Dialekte: Marie Galante Creole French, St. Barth Creole French. St. Barth Creole unterscheidet sich grammatikalisch, phonolopgisch und lexikalisch, es gilt verschiedentlich als eigene Sprache (Maher 1989). Ähnlichkeit mit Saint Lucia Creole [acf] 89 %. Einordnung: Creole, French based
- Haitianisch [hat] 12.000 in Guadelupe (2004). St. Maarten, St. Barths und Guadelupe. Alternativbezeichnungen: Creole, Haitian Creole. Classification: Creole, French based
Guadeloupe-Kreolisch
Guadeloupe-Kreolisch, auf Kreolisch selbst Kréyol Gwadloupéyen oder kurz Kréyol, ist die Muttersprache der großen Mehrheit der Bewohner von Guadeloupe und den dazugehörigen Inseln (Marie-Galante, Les Saintes, La Désirade und dem französischen Teil von Saint-Martin). Es handelt sich um eine französisch-basierte Kreolsprache, die im 17. und 18. Jahrhundert auf den Zuckerplantagen entstanden ist, als versklavte Afrikaner verschiedener Sprachen (vor allem aus West- und Zentralafrika) mit französischen Kolonisatoren und deren Dialekten in Kontakt kamen.
Der Wortschatz ist zu etwa 85 bis 90 % französischen Ursprungs, klingt aber oft völlig anders, weil die Wörter stark verkürzt und an afrikanische Lautstrukturen angepasst wurden. Beispiele:
- französisch „la maison“ - kreolisch "kay la" oder einfach "kay"
- französisch „il est grand“ - kreolisch "i gwo"
- französisch „je vais manger“ - kreolisch "man ka alé manjé"
Die Grammatik ist extrem einfach und analytisch:
- Es gibt keine Verbkonjugation nach Person oder Zahl. Stattdessen stehen kleine Partikeln vor dem Verb, die Zeit und Aspekt anzeigen:
- ka = progressiv/präsens („i ka palé“ = er/sie spricht gerade)
- té ka = Vergangenheit progressiv („i té ka palé“ = er/sie war am Sprechen)
- a(k) oder kay = Futur („i a palé“ = er/sie wird sprechen)
- Artikel stehen meist hinter dem Nomen: tifi-a (das Mädchen), maché-a (der Markt)
- Possessiv wird einfach durch Juxtaposition ausgedrückt: kay mwen = mein Haus (wörtlich „Haus ich“)
- Negation mit pa vor dem Verb: mwen pa ka vini = ich komme nicht.
Trotz starker Ähnlichkeit mit dem Martinique-Kreolisch und dem Haiti-Kreolisch ist Guadeloupe-Kreolisch eigenständig und für Sprecher der anderen Varietäten nicht immer sofort zu 100 % verständlich. Es hat eigene Wörter, eine etwas andere Intonation und viele regionale Ausdrücke, die stark von der Insel oder sogar vom Dorf abhängen.
Heute sprechen etwa 80 bis 90 % der Guadeloupäer Kreolisch als Alltagssprache, fast alle sind aber bilingual mit Französisch. Kreolisch wird im Radio, in der Musik (besonders Zouk und Gwo Ka), im Theater und zunehmend auch in der Schule unterrichtet. Seit 2002 gibt es eine offizielle Schreibweise (basierend auf der GEREC-Methode), die sich langsam durchsetzt.
Religion
Die römisch-katholische Kirche ist die wichtigste Religionsgemeinschaft und geht auf die französische Kolonialherrschaft zurück. Missionare begleiteten die französische Besiedlung ab 1635; die katholische Kirche wurde in der Kolonialzeit zur zentralen religiösen Institution. Auch nach der Abschaffung der Sklaverei und dem Ende der Kolonialherrschaft blieb der Katholizismus tief im gesellschaftlichen Leben verwurzelt. Kirchen, Kapellen und Pfarrgemeinden prägen zahlreiche Ortschaften. Bedeutende Kirchenbauten befinden sich unter anderem in Basse-Terre, Pointe-à-Pitre, Les Abymes, Sainte-Anne und Le Moule.
Die katholische Kirche ist in einer Diözese organisiert, dem Bistum Basse-Terre und Pointe-à-Pitre. Der Bischof hat seinen Sitz in Basse-Terre. Die Pfarrgemeinden übernehmen neben den Gottesdiensten auch Aufgaben im sozialen und kulturellen Leben. Zu den wichtigsten religiösen Festen zählen Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen. Besonders ausgeprägt sind die Karfreitagsprozessionen und die Gottesdienste während der Karwoche. An Weihnachten gehören Krippenspiele und gemeinschaftliche Gesangsveranstaltungen zum religiösen Brauchtum.
Neben dem Katholizismus sind verschiedene protestantische und evangelikale Gemeinschaften vertreten. Dazu gehören Baptisten, Pfingstkirchen, Siebenten-Tags-Adventisten und weitere freikirchliche Gemeinden. Auch die Zeugen Jehovas sind auf dem Archipel organisiert. Diese Gemeinschaften haben im Laufe des 20. Jahrhunderts an Bedeutung gewonnen und unterhalten eigene Kirchen, Versammlungsstätten und soziale Einrichtungen. Die Gottesdienste sind häufig von Chorgesang, Gospelmusik und einer aktiven Beteiligung der Gemeinde geprägt.
Die religiöse Entwicklung wurde außerdem durch die afrikanische Herkunft eines großen Teils der Bevölkerung und durch die Einwanderung aus Indien beeinflusst. Während der Sklaverei blieben afrikanische Vorstellungen und Bräuche trotz der erzwungenen Christianisierung in Teilen der Alltagskultur erhalten. Daraus entstand eine Volksreligiosität, in der katholische Heiligenverehrung, Vorstellungen von Schutz und Heilung sowie überlieferte afrikanische Praktiken nebeneinander bestehen. Dazu gehören bestimmte Formen der Kräutermedizin, Schutzrituale und spirituelle Heilpraktiken. Ein mit Haiti vergleichbarer institutionalisierter Voodoo-Kult ist für Guadeloupe jedoch nicht kennzeichnend.
Die Nachfahren indischer Vertragsarbeiter, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf die Insel kamen, bewahrten teilweise hinduistische und tamilische Traditionen. Hinduistische religiöse Bräuche werden unter anderem bei Familienfesten und Tempelzeremonien gepflegt. Bekannt sind insbesondere Zeremonien zu Ehren hinduistischer Gottheiten wie Mariamman und Kali. Einige religiöse Praktiken haben sich im Laufe der Generationen mit katholischen Traditionen und der kreolischen Alltagskultur vermischt. Der Hinduismus ist zahlenmäßig eine kleine Religionsgemeinschaft.
Muslimische Gemeinden sind ebenfalls vorhanden, bleiben jedoch vergleichsweise klein. Sie bestehen vor allem aus Menschen mit familiären Wurzeln in Nordafrika, dem Nahen Osten und anderen Teilen der Karibik. Daneben gibt es kleinere Gruppen anderer Glaubensrichtungen sowie Menschen ohne religiöse Bindung.
Eine Besonderheit ist die starke gesellschaftliche Präsenz religiöser Feste und Bräuche auch außerhalb des eigentlichen Gottesdienstes. Kirchliche Prozessionen, Wallfahrten, Patronatsfeste und religiöse Musikveranstaltungen gehören vielerorts zum Jahresablauf. Die katholischen Pfarrfeste verbinden religiöse Zeremonien mit Musik, Tanz und gemeinschaftlichen Mahlzeiten. Auch die evangelikalen Gemeinden organisieren regelmäßig größere Gottesdienste und religiöse Zusammenkünfte.
Eine verlässliche aktuelle Religionsstatistik für die Gesamtbevölkerung Guadeloupes liegt nicht vor. Die französische Volkszählung erhebt die Religionszugehörigkeit nicht systematisch. Eine Untersuchung des französischen Statistikamtes INSEE zur religiösen Zugehörigkeit in den Überseegebieten zeigt für dort geborene Menschen eine bedeutende katholische und protestantisch geprägte Bevölkerung, zugleich aber auch einen hohen Anteil ohne Religionszugehörigkeit. Diese Ergebnisse beziehen sich auf die untersuchte Bevölkerungsgruppe und dürfen nicht als exakte Prozentverteilung für Guadeloupe verstanden werden.
Religionsbekenntnisse 2001 (geschätzt):
- Katholiken 361.500 94,5 %)
- Zeugen Jehovas 6.500 (1,7 %)
- Protestanten 3.500 (1,0 %)
- Animisten 9.500 (2,5 %)
- Hindus 1.600 (0,3 %)
Römisch-Katholische Kirche
Die römisch-katholische Kirche ist die größte und historisch einflussreichste Religionsgemeinschaft Guadeloupes. Ihre institutionellen Wurzeln reichen bis in die französische Kolonialzeit zurück. Mit der französischen Besiedlung ab 1635 begann die systematische Missionierung der Inselbevölkerung. Die katholische Kirche wurde eng in die koloniale Gesellschaft eingebunden und spielte sowohl bei der Christianisierung der versklavten afrikanischen Bevölkerung als auch im Bildungs- und Sozialwesen eine zentrale Rolle.
Kirchlich gehört Guadeloupe zur Diözese Basse-Terre und Pointe-à-Pitre (Diocèse de Basse-Terre et Pointe-à-Pitre). Sie umfasst das gesamte französische Archipel einschließlich der Inseln Saint-Martin und Saint-Barthélemy, die bis zu ihrer Verselbstständigung als Gebietskörperschaften 2007 ebenfalls zum Département Guadeloupe gehörten. Der Bischofssitz befindet sich in Basse-Terre. Die Diözese ist in Pfarrgemeinden und pastorale Bereiche gegliedert. Die Pfarrkirchen bilden in vielen Gemeinden den Mittelpunkt des religiösen Lebens.
Die Diözese gehört zur Kirchenprovinz Antillen und Guyana, deren Metropolitansitz sich in Fort-de-France auf Martinique befindet. Seit dem 9. Juli 2023 ist Philippe Guiougou Bischof von Basse-Terre und Pointe-à-Pitre. Er wurde am 8. Juni 1973 in Pointe-à-Pitre geboren und 2004 zum Priester geweiht. Die Diözese zählt rund 48 inkardinierte und 59 aktive Diözesanpriester; hinzu kommen Ordenspriester, Diakone und Ordensgemeinschaften.
Die Diözesanverwaltung hat ihren Sitz in Basse-Terre. Die Kathedrale Notre-Dame-de-Guadeloupe ist die Bischofskirche. Das heutige Kirchengebäude geht auf die ehemalige Kirche Saint-François zurück, die im 18. Jahrhundert von den Kapuzinern errichtet wurde. Nach der Gründung des Bistums 1850 wurde sie zur Kathedrale erhoben. Die Kirche ist seit 1975 als historisches Denkmal geschützt. Weitere bedeutende katholische Kirchen befinden sich in Pointe-à-Pitre, darunter Saint-Pierre-et-Saint-Paul und Sacré-Cœur.
Die Diözese ist in zahlreiche Pfarrgemeinden gegliedert, die sich über Basse-Terre, Grande-Terre und die kleineren Inseln verteilen. Zu den Pfarrorten gehören unter anderem Les Abymes, Baie-Mahault, Capesterre-Belle-Eau, Deshaies, Le Gosier, Le Moule, Morne-à-l’Eau, Petit-Bourg, Pointe-à-Pitre, Sainte-Anne, Sainte-Rose, Trois-Rivières und Vieux-Fort. Auch La Désirade, Marie-Galante sowie Terre-de-Haut und Terre-de-Bas auf den Îles des Saintes besitzen eigene Pfarrstrukturen.
Das kirchliche Leben umfasst die sonntäglichen Eucharistiefeiern, Taufen, Erstkommunionen, Firmungen, Trauungen und Beerdigungen. Neben der Pfarrseelsorge bestehen diözesane Einrichtungen für Katechese, Jugend- und Familienpastoral, Berufungspastoral und soziale Unterstützung. Die katholischen Gemeinden organisieren außerdem Wallfahrten, Prozessionen, Einkehrtage und religiöse Zusammenkünfte. Besonders die Karwoche, Ostern, Weihnachten und die Marienverehrung besitzen einen festen Platz im religiösen Jahreslauf. Die Diözese beteiligt sich auch an gesellschaftlichen Themen wie Familienleben, sozialer Not und Gewaltprävention.
Bischöfe von Pointe à Pitre
- 1850 - 1853 Pierre-Marie-Gervais Lacarrière
- 1853 - 1861 Théodore-Augustin Forcade (M.E.P.)
- 1862 - 1868 Antoine Boutonnet
- 1869 - 1872 Joseph-Clair Reyne
- 1873 - 1883 François-Benjamin-Joseph Blanger
- 1884 - 1886 Fédéric-Henri Oury
- 1899 - 1901 Pierre-Marie Avon
- 1901 - 1907 Emmanuel-François Canappe
- 1912 - 1945 Pierre-Louis Genoud (C.S.Sp.)
- 1945 - 1951 Jean Gay (C.S.Sp.)
Bischöfe von Basse-Terre und Pointe à Pitre
- 1951 - 1968 Jean Gay (C.S.Sp.)
- 1970 - 1984 Siméon Oualli
- 1984 - 2008 Ernest Lucien Cabo
- 2012 - 2021 Jean-Yves Riocreux
- 2021 - 2023 David Macaire (Apostolischer Administrator)
- seit 2023 Philippe Guiougou
Judentum
Bereits 1635, als Guadeloupe von Frankreich kolonisiert wurde, kamen die ersten Juden mit niederländischen und portugiesischen Händlern auf die Insel. Die eigentliche jüdische Einwanderungswelle begann jedoch ab den 1650er Jahren. Viele sephardische Juden („portugiesische Nation“) flohen vor der Inquisition aus Portugal und Spanien sowie vor den harten antijüdischen Maßnahmen in den französischen Kolonien Martinique und später auch aus Brasilien (nach der Rückeroberung Pernambucos durch die Portugiesen 1654). Besonders attraktiv war Guadeloupe, weil die französische Krone zunächst eine relativ tolerante Politik verfolgte: Juden durften sich niederlassen, Handel treiben und sogar Plantagen besitzen, solange sie diskret blieben und keine öffentlichen Synagogen bauten. Die wichtigsten Siedlungen entstanden in den Städten Basse-Terre (damals die Hauptstadt) und Pointe-à-Pitre sowie in kleineren Orten wie Capesterre und Sainte-Rose.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts machten Juden zeitweise bis zu 15 bis 20 % der weißen Bevölkerung in bestimmten Teilen Guadeloupes aus – eine für die Karibik sehr hohe Quote. Sie waren vor allem im Zucker-, Kakao- und Kaffeehandel sowie im Überseehandel mit Amsterdam, Bordeaux und London aktiv. Berühmte jüdische Familiennamen der damaligen Zeit waren u. a. Gradis, Pereyre, Jessurun, Nassy, de la Motta und Lévy.
Es gab mehrere Friedhöfe (der älteste noch erhaltene ist der jüdische Friedhof von Basse-Terre, der teilweise aus dem späten 17. Jahrhundert stammt) und mindestens zwei Beth Din (jüdische Gerichte). Öffentliche Synagogen waren verboten, aber private Bethäuser („esnoga“) existierten in Basse-Terre und Pointe-à-Pitre.
1789 bis 1794 brachte die Französische Revolution zunächst volle Emanzipation für die Juden in allen französischen Kolonien. Doch unter Napoleon wurde 1808 wieder diskriminierendes Dekret erlassen, und viele jüdische Händler verließen die Insel. Die endgültige Gleichstellung kam erst 1848 mit der Zweiten Republik.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert schrumpfte die Gemeinde durch Auswanderung (vor allem nach Frankreich, Panama und in die USA) stark. Viele der alteingesessenen sephardischen Familien assimilieren sich vollständig oder wanderten ab. Während des Zweiten Weltkriegs lebten auf Guadeloupe nur noch wenige Dutzend jüdische Familien. Nach 1945 kamen einige aschkenasische Holocaust-Überlebende und später auch nordafrikanische Sephardim (vor allem aus Algerien und Marokko nach der Unabhängigkeit), aber die Zahl blieb sehr klein. Mit Stand 2025 gibt es auf ganz Guadeloupe schätzungsweise 200 bis 400 jüdische Einwohner (je nach Zählung). Die meisten leben in Pointe-à-Pitre und Les Abymes. Hier befindet sich eine kleine liberale Gemeinde (Association Culturelle Israélite de Guadeloupe) mit einem Gemeindezentrum. Es gibt allerdings keine eigene Synagoge mehr (die letzte kleine Synagoge schloss in den 1980er Jahren). Gottesdienste finden in privaten Räumen oder im Gemeindezentrum statt. Der alte jüdische Friedhof in Basse-Terre und der kleinere in Pointe-à-Pitre sind noch erhalten und werden gepflegt (vor allem vom Friedhofsverein Beth Haïm). Koscheres Essen und jüdische Infrastruktur sind praktisch nicht vorhanden – die meisten praktizierenden Juden beziehen Waren aus Frankreich oder reisen zum Hochfest nach Martinique oder Miami.
Siedlungen
Die Einwohnerzahlen der Kantone entwickelten sich wie folgt:
| S 1946 | Z 1954 | Z 1961 | Z 1967 | Z 1974 | Z 1982 | Z 1990 | Z 1999 | S 2007 | S 2015 | S 2022 | |
| Basse-Terre | 113 400 | 99 700 | 122 500 | 116 600 | 118 100 | 135 341 | 149 943 | 172,693 | 186.600 | 187.332 | 181.148 |
| Grande-Terre | 113 500 | 103 700 | 133 300 | 168 500 | 180 400 | 163 668 | 177 570 | 196,767 | 197.600 | 195.550 | 188.276 |
| Îles des Saintes | 2 400 | 2 600 | 2 800 | 3 300 | 3 100 | 2 901 | 2 036 | 2,998 | 2.854 | 2.661 | 2.374 |
| La Désirade | 1 600 | 10 600 | 1 600 | 1 600 | 1 700 | 1 602 | 1 610 | 1,620 | 1.591 | 1.481 | 1.349 |
| Marie-Galante | 29 300 | 16 000 | 16 300 | 15 900 | 15 900 | 13 757 | 13 463 | 12,488 | 11.939 | 10.966 | 10.422 |
| Guadeloupe | 260 300 | 223 600 | 276 500 | 305 200 | 319 100 | 317 269 | 344 630 | 386 835 | 400.584 | 397.990 | 383.569 |
Die Einwohnerzahlen der Gemeinden entwickeltenn sich wie folgt:
| Siedlung | Z 1901 | Z 1921 | Z 1931 | Z 1936 | Z 1954 | Z 1961 | Z 1967 | Z 1974 |
| Anse-Bertrand | 3.800 | 5.000 | 5.100 | 4.700 | ||||
| Baie-Mahault | 4.800 | 7.300 | 7.700 | 8.700 | ||||
| Baillif | 4.500 | 5.300 | 5.200 | 5.800 | ||||
| Basse-Terre | 7.000 | 8.300 | 9.300 | 13.600 | 11.800 | 14.00 | 15.800 | 15.800 |
| Bouillante | 3.100 | 4.900 | 6.400 | 6.900 | 6.500 | |||
| Capesterre-Belle-Eau | 7.700 | 10.300 | 11.500 | 12.000 | 13.300 | 16.100 | 17.900 | 18.200 |
| Capesterre-de-Marie-Galante | 7.200 | 7.100 | 8.500 | 4.900 | 6.400 | 6.900 | 5.100 | |
| Deshaies | 2.500 | 3.300 | 3.300 | 3.500 | ||||
| Gourbeyre | 5.200 | 6.700 | 7.100 | 7.100 | ||||
| Goyave | 1.800 | 1.900 | 3.100 | 2.600 | ||||
| Grand-Bourg | 6.900 | 9.100 | 10.500 | 12.800 | 13.800 | 6.700 | 6.500 | 6.600 |
| La Désirade (Grande Anse) | 1.400 | 1.600 | 1.700 | 1.700 | 1.600 | 1.600 | 1.600 | 1.700 |
| Lamentin | 4.600 | 6.900 | 8.800 | 8.900 | 9.800 | |||
| Le Gosier | 5.200 | 7.900 | 10.200 | 13.000 | 13.900 | |||
| Le Moule | 11.300 | 15.300 | 17.200 | 17.000 | 12.000 | 15.000 | 16.100 | 16.700 |
| Les Abymes | 4.000 | 12.000 | 14.000 | 15.000 | 18.400 | 30.800 | 36.400 | 53.200 |
| Morne-à-l'Eau | 8.200 | 11.100 | 14.600 | 14.900 | 15.000 | |||
| Petit-Bourg | 7.800 | 9.500 | 10.400 | 12.000 | ||||
| Petit-Canal | 4.200 | 5.100 | 5.900 | 5.800 | ||||
| Pointe-à-Pitre | 18.900 | 27.600 | 44.600 | 44.600 | 26.200 | 28.000 | 29.500 | 26.300 |
| Pointe-Noire | 4.000 | 6.200 | 7.400 | 8.100 | 7.300 | |||
| Port-Louis | 3.800 | 6.600 | 7.300 | 7.000 | 4.800 | 6.000 | 6.800 | 7.000 |
| Saint-Claude | 8.000 | 9.000 | 10.300 | 9.800 | ||||
| Sainte-Anne | 7.000 | 11.8000 | 15.300 | 14.000 | 9.900 | 12.500 | 13.400 | 13.800 |
| Sainte-Rose | 8.200 | 10.300 | 11.600 | 12.100 | ||||
| Saint-François | 5.000 | 6.300 | 6.600 | 6.500 | 5.400 | 6.300 | 5.800 | 5.600 |
| Saint-Louis | 6.300 | 7.800 | 8.400 | 4.300 | 4.300 | 4.300 | 4.200 | |
| Terre-de-Bas | 1.400 | 1.500 | 1.800 | 1.600 | ||||
| Terre-de-Haut | 900 | 1.200 | 1.300 | 1.500 | 1.500 | |||
| Trois-Rivières | 8.100 | 9.100 | 9.300 | 8.900 | ||||
| Vieux-Fort | 1.100 | 1.200 | 1.300 | 1.200 | ||||
| Vieux-Habitants | 4.800 | 6.200 | 7.700 | 7.400 |
| Siedlung | Distrikt | Z 1982 | Z 1990 | Z 1999 | Z 2007 | Z 2015 | Z 2015 | S 2018 | S 2022 |
| Anse-Bertrand | GT | 4.570 | 4.800 | 5.023 | 4.712 | 4.881 | 4.136 | 4.136 | 4.232 |
| Baie-Mahault | BT | 10.475 | 15.036 | 23.389 | 28.379 | 31.209 | 31.193 | 31.193 | 30.943 |
| Baillif | BT | 5.612 | 6.004 | 5.837 | 5.836 | 5.739 | 5.404 | 5.404 | 4.949 |
| Basse-Terre | BT | 13.656 | 14.003 | 12.410 | 12.451 | 10.443 | 10.046 | 10.046 | 9.419 |
| Bouillante | BT | 6.649 | 6.973 | 7.336 | 7.536 | 7.282 | 6.935 | 6.935 | 6.381 |
| Capesterre-Belle-Eau | BT | 17.472 | 19.012 | 19.568 | 19.520 | 18.980 | 18.131 | 18.131 | 17.882 |
| Capesterre-de-Marie-Galante | MG | 3.983 | 3.825 | 3.559 | 3.455 | 3.310 | 3.293 | 3.293 | 3.150 |
| Deshaies | BT | 3.485 | 3.476 | 4.039 | 4.322 | 4.114 | 4.033 | 4.033 | 3.792 |
| Gourbeyre | BT | 6.399 | 6.330 | 7.642 | 8.088 | 7.808 | 7.778 | 7.778 | 7.378 |
| Goyave | BT | 2.919 | 3.652 | 5.060 | 7.661 | 7.569 | 7.588 | 7.588 | 7.640 |
| Grand-Bourg | MG | 6.150 | 6.244 | 5.934 | 5.674 | 5.179 | 4.941 | 4.941 | 4.678 |
| La Désirade (Grande Anse) | LD | 1.602 | 1.610 | 1.620 | 1.591 | 1.481 | 1.432 | 1.432 | 1.349 |
| Lamentin | BT | 9.885 | 11.334 | 13.434 | 15.785 | 16.139 | 16.536 | 16.536 | 18.437 |
| Le Gosier | GT | 15.381 | 20.688 | 25.360 | 27.193 | 27.057 | 26.692 | 26.692 | 27.205 |
| Le Moule | GT | 15.224 | 18.054 | 20.827 | 21.318 | 22.329 | 22.315 | 22.315 | 22.924 |
| Les Abymes | GT | 56.165 | 62.605 | 63.054 | 59.404 | 55.306 | 53.082 | 53.082 | 51.760 |
| Morne-à-l'Eau | GT | 13.724 | 16.042 | 17.154 | 16.875 | 17.407 | 16.875 | 16.875 | 15.839 |
| Petit-Bourg | BT | 13.078 | 14.867 | 20.528 | 21.283 | 24.086 | 24.522 | 24.522 | 24.299 |
| Petit-Canal | GT | 5.843 | 6.590 | 7.752 | 8.243 | 8.167 | 8.212 | 8.212 | 8.206 |
| Pointe-à-Pitre | GT | 25.310 | 26.029 | 20.948 | 17.408 | 16.343 | 15.410 | 15.410 | 14.855 |
| Pointe-Noire | BT | 7.698 | 7.537 | 7.689 | 7.115 | 6.280 | 6.069 | 6.069 | 5.813 |
| Port-Louis | GT | 6.653 | 5.641 | 5.580 | 5.466 | 5.840 | 5.635 | 5.635 | 5.591 |
| Saint-Claude | BT | 8.943 | 10.316 | 10.237 | 10.548 | 10.299 | 10.659 | 10.659 | 10.432 |
| Sainte-Anne | GT | 13.826 | 16.934 | 20.410 | 23.095 | 24.379 | 23.767 | 23.767 | 24.415 |
| Sainte-Rose | BT | 12.299 | 13.995 | 17.574 | 19.738 | 19.899 | 18.650 | 18.650 | 17.494 |
| Saint-François | GT | 6.972 | 7.987 | 10.659 | 13.886 | 13.841 | 12.348 | 12.348 | 13.249 |
| Saint-Louis | MG | 3.624 | 3.404 | 2.995 | 2.810 | 2.477 | 2.421 | 2.421 | 2.594 |
| Terre-de-Bas | IS | 1.427 | 1.509 | 1.269 | 1.000 | 1.060 | 1.011 | 1.011 | 895 |
| Terre-de-Haut | IS | 1.474 | 1.527 | 1.729 | 1.854 | 1.601 | 1.526 | 1.526 | 1.479 |
| Trois-Rivières | BT | 8.094 | 8.556 | 8.738 | 8.884 | 8.297 | 7.991 | 7.991 | 7.519 |
| Vieux-Fort | BT | 1.232 | 1.478 | 1.601 | 1.770 | 1.864 | 1.844 | 1.844 | 1.730 |
| Vieux-Habitants | BT | 7.445 | 7.373 | 7.611 | 7.684 | 7.324 | 7.154 | 7.154 | 7.040 |
Saint-François liegt im äußersten Norden der Grande-Terre. Die Gemeinde erstreckt sich entlang der Ostküste und umfasst Flächen für Landwirtschaft, insbesondere Bananen- und Zuckerrohranbau, sowie Fischerei in der umliegenden Bucht. Sie dient als lokales Zentrum für den Handel mit Agrarprodukten und hat eine begrenzte Infrastruktur mit Schulen, einem Krankenhaus und kleineren Gewerbebetrieben, die auf die Versorgung der umliegenden ländlichen Gebiete ausgerichtet sind. Die Bevölkerung lebt größtenteils von traditionellen Erwerbsquellen, wobei saisonale Arbeitsmigration in andere Teile der Insel vorkommt.
Pointe-à-Pitre befindet sich zentral auf der Grande-Terre, nahe dem Scharnierpunkt zum Basse-Terre. Als wirtschaftliches Herz der Insel beherbergt die Stadt den Hauptcontainerhafen und Märkte für Import- und Exportgüter, was zu städtischer Verdichtung und Verkehrsbelastung führt. Die Wohngebiete sind dicht bebaut, mit einer Mischung aus administrativen Gebäuden, Geschäften und Wohnhäusern, die aufgrund von Hurrikanrisiken und Alterung der Bauten regelmäßige Instandsetzungsmaßnahmen erfordern. Die Gemeinde kämpft mit Arbeitslosigkeit in nicht-hafenbezogenen Sektoren und dient als Pendlerort für umliegende Vororte.
Sainte-Rose liegt im nördlichen Teil des Basse-Terre, mit einer Fläche von vulkanischen Hügeln und Küstenstreifen. Die Wirtschaft basiert auf Bananenproduktion und Viehzucht, ergänzt durch kleinere Handelsunternehmen entlang der Hauptstraße. Die Gemeinde umfasst Siedlungen mit grundlegender Versorgungseinrichtungen wie Schulen und Gesundheitszentren, die jedoch aufgrund der hügeligen Topografie und begrenzten Verbindungen zu Abgelegenheit führen. Die Bevölkerung ist auf familiäre Landwirtschaft angewiesen, was zu Abwanderung junger Menschen in städtischere Zentren beiträgt.
Le Moule befindet sich an der Nordostküste der Grande-Terre. Die Gemeinde ist geprägt von flachen landwirtschaftlichen Flächen für Zuckerrohr und Viehweiden, mit einem Hafen für lokale Fischerei und Fracht. Siedlungen konzentrieren sich um die Küstenstraße, wo Märkte und Werkstätten für landwirtschaftliche Geräte betrieben werden, während innere Bereiche dünn besiedelt sind. Die Infrastruktur umfasst Schulen und ein lokales Krankenhaus, doch Überschwemmungsrisiken durch tropische Stürme belasten die Wohnqualität und erfordern laufende Sanierungen.
Les Abymes, die größte Gemeinde Guadeloupes, liegt südlich von La Moule auf der Grande-Terre. Als Vorort von Pointe-à-Pitre dient die Gemeinde als Wohn- und Pendlerzentrum mit dichten Wohnhäusern, Einkaufszentren und Industrieflächen für Lebensmittelverarbeitung. Die Wirtschaft hängt stark vom Großraumverkehr ab, was zu Staus und Umweltbelastungen führt, während Bildungseinrichtungen und Verwaltungsämter die tägliche Funktion erfüllen. Die Bevölkerung besteht aus vielfältigen sozialen Schichten, mit Herausforderungen wie Jugendarbeitslosigkeit und Überlastung öffentlicher Dienste.
Le Gosier grenzt unmittelbar südlich an Les Abymes auf der Grande-Terre und weist 27.205 Einwohner auf (2022). Die Gemeinde umfasst Küstengebiete mit Hotels und Yachthäfen, die auf den Schiffsverkehr und den lokalen Handel ausgerichtet sind, sowie innere Wohnviertel mit Geschäften. Die Infrastruktur ist auf den Tourismus und den Pendlerverkehr zugeschnitten, mit Schulen und Gesundheitszentren, die jedoch in der Hochsaison überfordert sind. Die Bevölkerung lebt von Dienstleistungen und Fischerei, wobei saisonale Schwankungen in der Beschäftigung zu wirtschaftlicher Instabilität beitragen.
Petit-Bourg liegt westlich davon, am Übergang zur Basse-Terre. Die hügelige Landschaft beherbergt Bananenplantagen und Forstwirtschaft, ergänzt durch kleinere Industriebetriebe für Verarbeitung. Siedlungen verteilen sich entlang der Hauptverkehrsader, mit Märkten und Schulen als zentrale Punkte, während abgelegene Teile begrenzte Zugänglichkeit haben. Die Gemeinde dient als Wohnort für Arbeiter aus umliegenden Plantagen, mit typischen Problemen wie Abhängigkeit von Agrarpreisen und unzureichender Modernisierung der Wege.
Sainte-Anne erstreckt sich im Südosten der Grande-Terre. Die Gemeinde umfasst flache Küsten- und Mangrovenflächen, wo Landwirtschaft mit Zuckerrohr und Viehzucht dominiert, neben einem kleinen Hafen für Fisch und Fracht. Wohngebiete sind um die Zentrumsstraße gruppiert, mit grundlegenden Einrichtungen wie Schulen und einem Gesundheitszentrum, die auf die ländliche Struktur abgestimmt sind. Die Bevölkerung ist auf traditionelle Erwerbszweige angewiesen, was zu begrenzten Einkommensmöglichkeiten und Abwanderung führt.
Lamentin liegt zentral auf der Basse-Terre. Die Gemeinde ist von fruchtbarem Boden umgeben, der für Bananen- und Gemüseanbau genutzt wird, mit kleineren Gewerbegebieten für Lagerung. Siedlungen folgen den Flussläufen, mit Märkten und Schulen als Knotenpunkte, doch Überschwemmungen durch Regenfälle belasten die Infrastruktur regelmäßig. Die Bevölkerung pendelt häufig nach Pointe-à-Pitre, was den lokalen Alltag prägt und zu unvollständiger Nutzung lokaler Ressourcen beiträgt.
Capesterre-Belle-Eau befindet sich südwestlich davon auf der Basse-Terre, mit rund 17.882 Einwohnern (2022). Die vulkanische Böschung eignet sich für intensiven Bananenbau, der die Hauptbeschäftigung darstellt, ergänzt durch Viehzucht und Handwerk. Die Gemeinde erstreckt sich über steile Hänge mit verteilten Siedlungen, die durch enge Straßen verbunden sind, und bietet Schulen sowie ein lokales Zentrum für medizinische Versorgung. Die Abhängigkeit von der Landwirtschaft macht die Wirtschaft anfällig für Witterungseinflüsse und Marktschwankungen.
Baie-Mahault liegt weiter südlich am Übergang zur Basse-Terre. Als industrielles Zentrum beherbergt die Gemeinde Raffinerien, Logistikbetriebe und Wohnsiedlungen in der Nähe des Flughafens, was zu hoher Verkehrsbelastung führt. Die Infrastruktur umfasst Einkaufszentren, Schulen und Krankenhäuser, die auf die urbane Dichte ausgelegt sind, doch Umweltbelastungen durch Industrie sind ein anhaltendes Thema. Die Bevölkerung ist vielfältig und pendelorientiert, mit Fokus auf Dienstleistungen und Handel.
Saint-Claude liegt im äußersten Süden der Basse-Terre. Die Gemeinde liegt in den Ausläufern des Südens, mit Hanglagen für Kaffee- und Bananenanbau sowie Forstwirtschaft. Siedlungen sind terrassenförmig angeordnet, mit engen Wegen zu Märkten und Schulen, während der Vulkan Soufrière in der Nähe geologische Risiken birgt. Die Bevölkerung lebt von lokaler Landwirtschaft und Kleingewerbe, was zu begrenzten wirtschaftlichen Perspektiven und Abhängigkeit von Subventionen führt.
Verkehr
Daie Insel ist durch Straßenund Wege gut erschlossen. Für mden internationalen Verkehr gibt es mehrere Häfen und einen internationalen Flughafen.
Straßenverkehr
Das Straßennetz Guadeloupes umfasst nach den verfügbaren amtlichen Angaben rund 2.809 km und besteht aus 416 km Nationalstraßen, 619 km Départementstraßen sowie 1.774 km kommunalen Stadt- und Landstraßen. Die Angabe von 2.093 km aus dem Jahr 2000 ist daher überholt beziehungsweise nicht mit der heute ausgewiesenen Gesamtlänge vergleichbar. Die Nationalstraßen werden von der Region, die Départementstraßen vom Département und die übrigen Straßen von den Gemeinden verwaltet.
Auf Guadeloupe herrscht wie im übrigen Frankreich Rechtsverkehr. Das Straßennetz verbindet die größeren Siedlungen und erschließt auch die ländlichen Gebiete. Auf Basse-Terre verlaufen die wichtigsten Verkehrsachsen überwiegend entlang der Küsten, da das gebirgige und bewaldete Inselinnere nur begrenzte Durchquerungsmöglichkeiten bietet. Die RN 1 verbindet Basse-Terre mit Pointe-à-Pitre, die RN 2 erschließt die westliche Küste und die Nordseite von Basse-Terre. Auf Grande-Terre führen unter anderem die RN 4 und RN 5 von Pointe-à-Pitre in Richtung Le Gosier, Sainte-Anne und Saint-François. Die RN 6 und RN 8 erschließen den Norden von Grande-Terre; die RN 10 führt zum Industrie- und Wirtschaftsgebiet von Jarry, während die RN 11 als nördliche Umgehungsstraße von Pointe-à-Pitre dient.
Das Verkehrsaufkommen ist besonders im Ballungsraum Pointe-à-Pitre hoch. Die Straßen zwischen Les Abymes, Pointe-à-Pitre, Baie-Mahault und dem Wirtschaftsgebiet Jarry sind stark belastet. Zu den wichtigsten Engpässen gehören die Zufahrten zur zentralen Agglomeration sowie die Verbindungen zwischen Grande-Terre und Basse-Terre. Der hohe Anteil des motorisierten Individualverkehrs, die Konzentration von Arbeitsplätzen und öffentlichen Einrichtungen und die begrenzten Parkmöglichkeiten führen insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten zu Staus.
Die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten richten sich nach dem französischen Code de la route und der jeweiligen Beschilderung. Innerhalb geschlossener Ortschaften gilt grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Außerhalb von Ortschaften beträgt sie auf nicht baulich getrennten Straßen in der Regel 80 km/h; auf entsprechend ausgebauten und beschilderten Abschnitten mit mehreren Fahrstreifen in gleicher Richtung sind 90 km/h möglich. Auf Straßen mit baulich getrennten Richtungsfahrbahnen gilt grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Bei Regen gelten niedrigere Grenzwerte. Die früher häufig genannte pauschale Begrenzung auf 90 km/h außerhalb der Ortschaften beziehungsweise 80 km/h auf sämtlichen Schnellstraßen ist daher nicht zutreffend. Maßgeblich sind die örtlichen Verkehrsschilder.
Der öffentliche Verkehr wird durch T.U.P.P. (Trans Urbain Pointe-a-Pitre) geregelt.Im zentralen Ballungsraum betreibt KARU’LIS den Stadt- und Vorortverkehr in Pointe-à-Pitre, Les Abymes, Baie-Mahault und Le Gosier. Das Netz umfasst zahlreiche Linien, die die Wohngebiete mit dem Stadtzentrum, den Einkaufs- und Gewerbegebieten sowie wichtigen Verkehrsknotenpunkten verbinden. Ergänzt wird das Angebot durch Flughafenlinien. Der internationale Flughafen Guadeloupe Maryse Condé in Les Abymes ist über die Linien AE1, AE3, AE4 und AE5 an das KARU’LIS-Netz angeschlossen.
Der überregionale Busverkehr wird von der Region Guadeloupe organisiert. Seit Juni 2026 wird das neue Netz KAR’ÎLES mit zehn Linien schrittweise für die verschiedenen Gebiete des Archipels angeboten. Es verbindet unter anderem Anse-Bertrand, Le Moule, Saint-François, Sainte-Anne und Morne-à-l’Eau auf Grande-Terre mit Pointe-à-Pitre. Auf Basse-Terre bestehen Verbindungen von Deshaies, Sainte-Rose, Lamentin, Pointe-Noire, Bouillante, Vieux-Habitants, Baillif und Basse-Terre zur zentralen Agglomeration. Weitere Linien erschließen den Süden von Basse-Terre und die Gemeinden entlang der RN 1. Die veröffentlichten Fahrpreise richten sich nach der zurückgelegten Entfernung und liegen bei 1,50 beziehungsweise 3 Euro.
Bahnverkehr
Die ersten Eisenbahnen in Guadeloupe wurden in den 1860er Jahren gebaut, um die sich entwickelnde Zuckerrohrindustrie zu bedienen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts gab es auf den Inseln Grande-Terre, Basse-Terre und Marie-Galante eine große Anzahl unabhängiger Strecken verschiedener Spurweiten mit einer Gesamtlänge von über 160 km. In den 1960er Jahren befand sich die Zuckerrohrindustrie im Niedergang, und die letzte der Bahnen (in Beauport auf Grande-Terre) stellte 1989 den industriellen Betrieb ein, wurde aber später teilweise als Touristenbahn wiedereröffnet. Die Bahn wird heute mit speziell angefertigten Waggons betrieben, die von dieselbetriebenen Werksfahrzeugen gezogen werden. Eine Dampflokomotive ist weiterhin ausgestellt.
Von anderen Eisenbahnen auf den Inseln gibt es nur wenige Überbleibsel. Ein Stahlviadukt über die Ravine Corneille in der Nähe von Le Moule trug einst eine Eisenbahnlinie von der Zuckerfabrik in Gardel zum Hafen.
Ein umfassendes Schienennetz gab es im Gegensatz zum europäischen Mutterland, wo die SNCF ein dichtes System mit Hochgeschwindigkeitszügen wie dem TGV betreib, niet. Die topografischen Bedingungen – vulkanische Berge auf Basse-Terre, flache Plantagenflächen auf Grande-Terre und ein hohes Hurrikanrisiko – machen den Bau und Betrieb von Schienenwegen unwirtschaftlich und technisch anspruchsvoll. Stattdessen basiert die Mobilität auf Straßenverkehr mit Bussen (Karuculture), Taxis und Mietwagen, die die Hauptverbindungen zwischen Städten wie Pointe-à-Pitre und Basse-Terre sicherstellen, oft mit Engpässen durch Verkehr und mangelnde Wartung. Die einzige ausgewiesene „Zug“-ähnliche Attraktion ist ein kleiner historischer Schienenweg im Domaine Séverin, einer Zuckerrohrplantage, der Touristen zu Bildungszwecken durch die Anlage fährt, aber keinen regulären Verkehr darstellt und aufgrund begrenzter Kapazität und Saisonalität nur sporadisch genutzt wird. Diese Abwesenheit eines Bahnsystems verstärkt die Abhängigkeit von teureren Alternativen wie Flügen oder Fähren für Fernverbindungen und trägt zu Umweltbelastungen durch den Straßenverkehr bei, ohne dass Pläne für eine Eisenbahnentwicklung erkennbar sind. Insgesamt bleibt Guadeloupe auf maritime und landbasierte Straßenverbindungen angewiesen, was die Integration in das französische Verkehrsnetz auf die Schifffahrt und Luftfahrt beschränkt.
Um 2013 wurde ein Projekt für ein neues Straßenbahnsystem angekündigt, das Cap Excellence bedienen sollte, aber 2018 wurde das Projekt wegen fehlender Finanzierung aufgegeben.
Schiffsverkahr
Das Hafensystem DERE iNSEL umfasst Handelshäfen für den internationalen Güterverkehr, Fährhäfen für den Personenverkehr, Fischereihäfen und Anlegestellen sowie Sportboothäfen. Der Grand Port Maritime de la Guadeloupe (GPMG), der unter der Bezeichnung Guadeloupe Port Caraïbes auftritt, verwaltet mehrere bedeutende Hafenstandorte. Dazu gehören Pointe-à-Pitre, Jarry in Baie-Mahault, die Marina Bas-du-Fort, der Hafen von Basse-Terre und der Hafen von Folle-Anse auf Marie-Galante.
Der wichtigste Umschlagplatz für den internationalen Warenverkehr ist der Hafen von Jarry in der Gemeinde Baie-Mahault. Er verfügt über Containerterminals und Anlagen für den Umschlag von Massengütern, Stückgut und anderen Frachtarten. Hier werden vor allem importierte Lebensmittel, Treibstoffe, Baumaterialien, Maschinen, Konsumgüter und industrielle Vorprodukte gelöscht. Die Ausfuhr umfasst unter anderem landwirtschaftliche Erzeugnisse, insbesondere Bananen, Zucker und Rum. Der Hafen ist eng mit dem Industrie- und Gewerbegebiet Jarry verbunden und bildet einen wesentlichen Bestandteil der wirtschaftlichen Infrastruktur Guadeloupes.
Der Hafen von Pointe-à-Pitre umfasst insbesondere den Passagierhafen von Bergevin und Anlagen für Kreuzfahrtschiffe sowie für die Versorgung und Wartung größerer Yachten. Pointe-à-Pitre wird regelmäßig von internationalen Kreuzfahrtschiffen angelaufen. Die Kreuzfahrtsaison konzentriert sich vor allem auf die Monate des karibischen Winters, von Herbst bis Frühjahr. Neben den großen Schiffen, die den Hafen als Ausgangs- oder Zwischenhafen nutzen, kommen kleinere Kreuzfahrtschiffe und Segelyachten in die Region. Der Hafen von Basse-Terre dient sowohl dem Güter- als auch dem Personenverkehr. Folle-Anse auf Marie-Galante ist für den regionalen Frachtverkehr und die Küstenschifffahrt von Bedeutung.
Der Fährverkehr verbindet die Hauptinseln mit den kleineren Inseln des Archipels und mit mehreren Nachbarstaaten. Die wichtigsten Betreiber sind FRS Express des Îles, CTM Deher, Val’Ferry und weitere regionale Reedereien. Von Pointe-à-Pitre bestehen regelmäßige Verbindungen nach Grand-Bourg auf Marie-Galante; die Überfahrt dauert ungefähr eine Stunde. Die Îles des Saintes werden vor allem vom Hafen Trois-Rivières im Süden von Basse-Terre aus bedient. Die Überfahrt nach Terre-de-Haut dauert je nach Schiff etwa 15 bis 25 Minuten. Zusätzlich gibt es saisonale Verbindungen von Pointe-à-Pitre zu den Saintes.
Die Insel La Désirade wird hauptsächlich von Saint-François auf Grande-Terre aus erreicht. Marie-Galante und die Saintes sind außerdem untereinander durch einzelne regionale Fährverbindungen verbunden. Die Fahrpläne unterscheiden sich nach Wochentag und Saison; einzelne Verbindungen werden zeitweise ausgesetzt oder nur an bestimmten Tagen angeboten. Die Zahl der Abfahrten ist deshalb nicht mit einer konstanten täglichen Frequenz gleichzusetzen. Die Fähren dienen überwiegend dem Personenverkehr. Eine Fahrzeugmitnahme ist nicht auf allen Strecken möglich und muss für die jeweilige Verbindung gesondert geprüft werden.
Im internationalen Fährverkehr bestehen Verbindungen nach Dominica und Martinique sowie, mit Zwischenhalten, nach Saint Lucia. Die Strecke von Pointe-à-Pitre nach Roseau auf Dominica dauert mit einer direkten Verbindung ungefähr zweieinhalb Stunden. Die Fahrt nach Fort-de-France auf Martinique dauert je nach Verbindung und Zwischenhalt länger. Saint Lucia wird über Martinique und Dominica erreicht; die gesamte Reise kann daher deutlich mehr Zeit beanspruchen. Die Frequenz schwankt saisonal. FRS Express des Îles gibt für seine internationalen Verbindungen je nach Betriebszeitraum zwischen drei und sieben Rundfahrten pro Woche an. Auf der Strecke zwischen Guadeloupe und Martinique ist bei bestimmten Verbindungen auch die Beförderung von Fahrzeugen möglich; auf der Verbindung nach Dominica wird sie nicht angeboten.
Neben den großen Handelshäfen besitzt Guadeloupe zahlreiche kleinere Hafenanlagen, Fischereihäfen und Anlegestellen. Sie dienen der Küstenfischerei, dem regionalen Personenverkehr und der Versorgung kleinerer Inselgemeinden. Fischereihäfen verfügen je nach Größe über Anlegeplätze, Einrichtungen zur Versorgung der Boote, Eisbereitstellung, Kühlmöglichkeiten und Verkaufsbereiche für den Fang. Die Fischerei konzentriert sich auf zahlreiche kleinere Häfen entlang der Küsten von Basse-Terre und Grande-Terre sowie auf die Inseln Marie-Galante und La Désirade. Die häufig genannte Zahl von 33 Hafenanlagen ist als Bestandsangabe zu verstehen; je nach Zählweise werden neben voll ausgebauten Häfen auch kleinere Fischerei- und Anlegestellen erfasst.
Für die Sportschifffahrt stehen drei größere Marinas zur Verfügung: Bas-du-Fort in Le Gosier, Rivière-Sens in Gourbeyre und Saint-François. Bas-du-Fort ist der bedeutendste Sportboothafen des Archipels und bietet Liegeplätze, technische Dienstleistungen, Reparaturmöglichkeiten, Treibstoffversorgung und Einrichtungen für die Versorgung von Yachten. Auch in den beiden anderen Marinas können Segel- und Motorboote festmachen. Daneben gibt es kleinere Ankerplätze und ausgewiesene Mooringbereiche, unter anderem an der Küste von Basse-Terre und in geschützten Buchten.
Luftverkehr
Guadeloupe besitzt seit 1965 einen internationalen Flughafen, den Pole Caraibes, 5 km nördlich von Pointe-à-Pitre auf der Insel Grande-Terre. Dazu kommen noch vier weitere, kleinere Flughäfen.
| Commune | Insel | ICAO | IATA | Name des Flughafens | Gebrauch | Koordinaten |
| Baillif | Basse-Terre | TFFB | BBR | Baillif Airport | beschränkt | 16°00′38″N 61°44′32″W |
| Grande-Anse | La Désirade | TFFA | DSD | La Désirade Airport (Grande-Anse Airport) | beschränkt | 16°17′49″N 61°05′04″W |
| Grand-Bourg | Marie-Galante | TFFM | GBJ | Marie-Galante Airport (Les Bases Airport) | zivil | 15°52′07″N 61°16′20″W |
| Pointe-à-Pitre | Grande-Terre | TFFR | PTP | Pointe-à-Pitre Airport (Le Raizet Airport) | zivil | 16°15′51″N 61°31′33″W |
| Saint-François | Grande-Terre | TFFC | SFC | Saint-François Airport | zivil | 16°15′28″N 61°15′45″W |
| Terre-de-Haut | Terre-de-Haut (Les Saintes) | TFFS | LSS | Les Saintes Airport (Terre-de-Haut Airport) | beschränkt | 15°51′52″N 61°34′50″W |
Der Flughafen Pointe-à-Pitre, auch Aéroport Pôle Caraïbes oder Aéroport Le Raizet genannt, offiziell Aéroport de Point-à-Pître Le Raizet) ist der Hauptflughafen von Guadeloupe. Er hatte 2020 pandemiebedingt nur 1,27 Millionen Passagiere, während es im Jahr zuvor noch 2,48 Millionen waren. Der Flughafen befindet sich auf der Insel Grande-Terre, auf dem Gebiet der Gemeinde Les Abymes, rund fünf Kilometer nördlich von Pointe-à-Pitre. Er ist Heimatflughafen für Air Caraïbes und Air Antilles Express.
Im Jahr 1965 wurde der Flughafen eröffnet. Das Terminal befand sich auf der Südseite. 1970 landete die erste Boeing 747. Um den immer größeren Passagierzahlen gerecht zu werden, wurde in den 1990er Jahren ein neues Terminal im Nordteil errichtet, das 1996 eröffnet wurde. In ihm werden mittlerweile alle internationalen Flüge abgefertigt; es verfügt über fünf Fluggastbrücken. Ebenfalls wurde ein kleines Frachtzentrum errichtet. 2006 besuchte der Airbus A380 auf einem Testflug unter anderem den Flughafen von Guadeloupe. Am 30. Juni 2014 wurde das für regionale Karibikflüge vorgesehene Terminal T2 eingeweiht.
Die Startbahn des Flughafens ist mit 3,5 km Länge in der Lage, alle Großraumflugzeuge aufzunehmen. Die Terminals sind für vier Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt. Es gibt mehrere Flugvereine, unter anderem Les Ailes Guadeloupéennes und den Aéroclub de l’Aviation Civile Guadeloupe.
Am 22. Juni 1962 kam eine Boeing 707-328 der Air France (Luftfahrzeugkennzeichen F-BHST) von ihrer vorgesehenen Flugroute ab und flog im Anflug auf den Flughafen Pointe-à-Pitre in 1400 Metern Höhe gegen einen bewaldeten Berg. Alle 113 Personen an Bord kamen ums Leben. Infolge eines Gewitters war es zu falschen Anzeigen des Radiokompasses gekommen (siehe auch Air-France-Flug 117).
Am 5. März 1968 flog eine Boeing 707-328C der Air France (F-BLCJ) beim Anflug auf den Flughafen in 1200 Metern Höhe gegen einen Vulkan. Alle 63 Personen an Bord kamen ums Leben. Der Flugschreiber konnte nie geborgen und die Absturzursache nicht ermittelt werden.
| Airlines | Ziele |
| Air Antilles | Dominica–Douglas-Charles, Fort-de-France, Saint Barthélemy, St. Maarten, St. Martin, San Juan, Santo Domingo–Las Américas |
| Air Belgium | Charleroi |
| Air Canada | Montréal–Trudeau |
| Air Caraïbes | Fort-de-France, Paris–Orly, St. Martin, Santo Domingo–Las Américas, saisonal: St. Maarten |
| Air France | Cayenne, Fort-de-France, Miami, Paris–Orly, Port-au-Prince, saisonal: Montréal–Trudeau, Paris–Charles de Gaulle, Havanna (Charter) |
| Air Transat | saisonal: Montréal–Trudeau |
| American Eagle | Miami |
| Condor | saisonal (Charter): Frankfurt |
| Corsair International | Paris–Orly, saisonal: Bordeaux, Lyon |
| JetBlue | New York–JFK |
| Neos | saisonal (Charter): Mailand-Malpensa |
| Sky High | Santo Domingo–Las Américas |
| Winair | Dominica–Douglas-Charles |
Pointe à Pitre Airport
- französischer Name: Aéroport Guadeloupe - Pôle Caraïbes
- Code: PTP / TFFR
- Lage: 16°15‘51“ N, 61°31‘33“ W
- Seehöhe: 11 m (35 ft)
- Entfernung:
- Inbetriebnahme:
- Betreiber: Regierung von Guadeloupe
- Terminal: 1
- Rollbahn: 1
- Länge der Rollbahn: 3129 m (Asfalt)
- Fluggesellschaften: 13
- Flugzeug-Standplätze: ca. 100
- jährliche Passagierkapazität:
- jährliche Frachtkapazität:
- Flughafen-Statistik: Jahr Flugbewegungen Passagiere Fracht in t
2019 28 786 2 488 782
2020 17 935 1 270 285 11706
Wirtschaft
Die Wirtschaft von Guadeloupe stützt sich auf die gut ausgebaute Infrastruktur aus Straßen, Häfen und Flughäfen. Ihre Stärken sind die Landwirtschaft (Zucker, Rum und Bananen), der Tourismus und der Dienstleistungssektor. Zwischen Juli 2004 und Juli 2005 besuchten 369.950 Touristen als Übernachtungsgäste und 11.130 Kreuzfahrttouristen die Inselgruppe. In Guadeloupe sind fast 42.000 Unternehmen ansässig. Die meisten sind KMU mit weniger als 10 Mitarbeitern. 1.500 Unternehmen sind KMU mit 10 bis 500 Mitarbeitern. Der Dienstleistungssektor (45 %) und der Handel (30 %) sind stark vertreten, gefolgt vom Bausektor und der Industrie. Die Anzahl der Erwerbstätigen beträgt 112.000.
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft Guadeloupes ist historisch und wirtschaftlich vor allem durch den Zuckerrohr- und Bananenanbau geprägt. Beide Kulturen bestimmen weiterhin einen großen Teil der landwirtschaftlichen Exportproduktion, obwohl sich die Landwirtschaft zunehmend diversifiziert und ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung gegenüber dem Dienstleistungssektor abgenommen hat. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug 2023 rund 31.200 ha. Bei der Landwirtschaftszählung 2020 wurden etwa 7.300 Betriebe und rund 10.200 dauerhaft in der Landwirtschaft beschäftigte Personen erfasst.
Die natürlichen Voraussetzungen unterscheiden sich zwischen den Inselteilen. Auf Basse-Terre ermöglichen die vulkanischen Böden und die hohen Niederschläge besonders im Osten und Süden den Anbau von Bananen, Obst und verschiedenen Nutzpflanzen. Die steileren Hanglagen begrenzen allerdings die maschinelle Bewirtschaftung und erhöhen die Anforderungen an den Bodenschutz. Auf Grande-Terre sind die flacheren Kalkstein- und Mergelgebiete für den Zuckerrohranbau und die Viehhaltung geeignet. Auch auf Marie-Galante besitzt Zuckerrohr eine große Bedeutung. Auf La Désirade und den Îles des Saintes ist die landwirtschaftliche Nutzfläche dagegen deutlich kleiner.
Die Zuckerrohrwirtschaft ist ein traditioneller Bestandteil der Inselökonomie und geht auf die koloniale Plantagenwirtschaft zurück. Heute wird Zuckerrohr vor allem auf Grande-Terre, Marie-Galante und in Teilen von Basse-Terre angebaut. Die Ernte wird an Zuckerfabriken und Rumdestillerien geliefert. Die wichtigste Zuckerfabrik ist Gardel in Le Moule auf Grande-Terre. Auf Marie-Galante befinden sich mit Grande-Anse und Bellevue weitere bedeutende Verarbeitungsbetriebe. Ein Teil des Zuckerrohrs wird unmittelbar in landwirtschaftlichen Rumdestillerien verarbeitet. Dabei entstehen sowohl Zucker als auch Rum und Nebenprodukte wie Melasse und Bagasse, die unter anderem energetisch genutzt werden.
Die Zuckerrohrproduktion unterliegt starken jährlichen Schwankungen. 2023 wurden rund 545.300 t Zuckerrohr verarbeitet, 2024 waren es infolge ungünstiger Witterungsbedingungen und niedrigerer Erträge nur etwa 409.500 t. Die Zuckerproduktion sank im selben Zeitraum von rund 36.100 auf 19.600 t. Auch die Rumherstellung ging 2024 zurück und erreichte etwa 66.000 Hektoliter reinen Alkohols. Die Entwicklung wird durch Wetterextreme, Trockenperioden, steigende Produktionskosten und den Zustand der Anbauflächen beeinflusst.
Die Bananenwirtschaft konzentriert sich vor allem auf Basse-Terre, insbesondere auf die feuchteren und fruchtbaren Gebiete im Süden und Osten der Insel. Die Bananen werden überwiegend für den Export in das französische Mutterland und andere europäische Märkte erzeugt. 2024 betrug die Ernte rund 58.300 t; davon wurden knapp 55.000 t ausgeführt. Die Anbaufläche liegt in der Größenordnung von wenigen tausend Hektar und nicht bei den gelegentlich genannten 10.000 ha. Die Betriebe sind stark auf den Export ausgerichtet und werden durch europäische und französische Fördermaßnahmen unterstützt. Zu den Schwierigkeiten gehören die Ausbreitung der Schwarzen Sigatoka, hohe Kosten für Betriebsmittel, Sturmschäden und die Anfälligkeit der Plantagen gegenüber längeren Trockenperioden und Starkregen.
Neben den beiden Exportkulturen werden zahlreiche Nahrungs- und Futterpflanzen angebaut. Zu den wichtigen Kulturen für den lokalen Markt gehören Maniok, Süßkartoffeln, Yams, Taro, Kochbananen, Mais und verschiedene Hülsenfrüchte. Im Gemüsebau werden unter anderem Tomaten, Gurken, Kürbisse, Auberginen, Paprika, Salate, Kohl und Wurzelgemüse erzeugt. Hinzu kommen tropische Früchte wie Mangos, Guaven, Papayas, Ananas, Avocados, Zitrusfrüchte und Passionsfrüchte. Der Anbau erfolgt sowohl auf spezialisierten Betrieben als auch in kleineren gemischten Landwirtschaftsbetrieben. Ein Teil der Erzeugnisse wird direkt auf Märkten, an Straßenständen und über lokale Händler verkauft.
Der Gartenbau und die Erzeugung von Schnittblumen und Zierpflanzen ergänzen die landwirtschaftliche Produktion. Dazu gehören tropische Blütenpflanzen, Orchideen und Pflanzen für den regionalen Garten- und Landschaftsbau. Die Bedeutung dieser Kulturen ist im Vergleich zu Zuckerrohr und Bananen geringer, sie tragen jedoch zur Diversifizierung der Betriebe bei. Auch der ökologische Landbau wird gefördert, bleibt aber flächenmäßig begrenzt. Im Bananensektor ist der Anteil biologisch bewirtschafteter Flächen besonders klein: 2024 wurden 127 ha von sieben Betrieben biologisch bewirtschaftet.
Die Viehwirtschaft ist überwiegend kleinbetrieblich organisiert. Rinder werden vor allem auf Weideflächen von Grande-Terre, Marie-Galante und in den weniger dicht besiedelten Gebieten von Basse-Terre gehalten. Neben Fleischrindern gibt es kleinere Milchviehbestände. Die Rinderhaltung ist durch die begrenzte Größe vieler Betriebe, die Kosten für Futtermittel und die Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen eingeschränkt. Daneben werden Schweine, Ziegen und Schafe gehalten. Die Ziegenhaltung hat insbesondere auf trockeneren und weniger intensiv bewirtschafteten Flächen eine lange Tradition. Die Geflügelhaltung versorgt den lokalen Markt mit Eiern und Fleisch; sie ist stärker auf spezialisierte Betriebe angewiesen als die traditionelle Kleinviehhaltung. Die Tierproduktion ging in mehreren Bereichen in den vergangenen Jahren zurück, während die Geflügelwirtschaft vergleichsweise stabil blieb.
Trotz der landwirtschaftlichen Produktion ist Guadeloupe in erheblichem Umfang auf Lebensmittelimporte angewiesen. Ein großer Teil der Grundnahrungsmittel, Getreideprodukte, Milchprodukte, Fleischwaren und verarbeiteten Lebensmittel wird eingeführt. Die Versorgung erfolgt vor allem aus dem französischen Mutterland und anderen europäischen Ländern, daneben aus weiteren karibischen und amerikanischen Herkunftsgebieten. Die Abhängigkeit ist besonders bei Getreide, Futtermitteln und zahlreichen verarbeiteten Produkten ausgeprägt. Die lokale Erzeugung von Obst, Gemüse und Knollenfrüchten deckt den Bedarf nur teilweise. Schwankende Ernten, hohe Produktionskosten, begrenzte Verarbeitungs- und Lagerkapazitäten sowie die Konkurrenz importierter Waren erschweren eine stärkere Selbstversorgung. Die Agrarpolitik zielt deshalb verstärkt auf die Diversifizierung der Produktion und eine größere regionale Ernährungssicherheit.
Forstwirtschaft
Die Waldfläche umfasst nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rund 72.000 ha und damit etwa 44 % der Gesamtfläche des Archipels. Der größte zusammenhängende Waldkomplex liegt auf Basse-Terre, deren vulkanisches Gebirge durch hohe Niederschläge und unterschiedliche Höhenstufen eine vielfältige tropische Vegetation aufweist. Auf Grande-Terre, Marie-Galante und La Désirade überwiegen trockenere Waldgesellschaften, Buschvegetation und landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Die Wälder lassen sich nach ihren ökologischen Bedingungen in mehrere Vegetationszonen gliedern. In den trockenen Küstenbereichen und auf den Kalksteinflächen von Grande-Terre wachsen unter anderem Meertrauben, Mancenillabäume und verschiedene trockenheitsangepasste Baum- und Straucharten. In den mittleren Höhenlagen von Basse-Terre kommen feuchte tropische Wälder mit Mahagoni, Galba, Gommier blanc und Acomat vor. In den besonders niederschlagsreichen Bergwäldern wachsen unter anderem Baumfarne, Palmen, Moose, Farne und zahlreiche Orchideen. In den höchsten Lagen treten niedrigere, durch Wind und häufige Wolkenbildung geprägte Bergwaldgesellschaften auf. An den geschützten Küsten und in den Lagunen bildet die Mangrove mit roten und schwarzen Mangrovenbäumen einen eigenen Waldtyp.
Rund die Hälfte der Waldfläche befindet sich in öffentlichem Eigentum oder unter öffentlicher Verwaltung. Die Bewirtschaftung der öffentlichen Wälder obliegt dem Office national des forêts (ONF), das im Auftrag des Staates und der Gebietskörperschaften arbeitet. Die betreuten Flächen umfassen rund 37.000 ha. Dazu gehören insbesondere die große Département-Staatswaldfläche auf Basse-Terre, Küstenwälder sowie Waldflächen auf den kleineren Inseln. Die Aufgaben des ONF bestehen vor allem im Schutz der Ökosysteme, in der Wiederaufforstung, der Kontrolle von Rodungen, der Pflege von Wanderwegen und Erholungsgebieten sowie in der Überwachung der Waldflächen.
Die kommerzielle Holznutzung ist im Vergleich zur Größe der Waldfläche gering. Als wirtschaftlich besonders wertvoll gelten Mahagoni-Arten, insbesondere das großblättrige Mahagoni (Swietenia macrophylla), das als Acajou des Antilles bezeichnet wird. Daneben werden unter anderem Laurier rose und weitere tropische Hölzer für Tischlerei, Möbelbau und Innenausstattung genutzt. Die ONF schätzt das grundsätzlich mobilisierbare Potenzial für Nutzholz auf etwa 3.000 bis 4.000 m³ jährlich; tatsächlich wird jedoch nur ein kleiner Teil davon geerntet. In den öffentlichen Wäldern erfolgt der Einschlag überwiegend in kleinem Umfang und häufig handwerklich.
Die Entwicklung einer größeren Holzindustrie wird durch mehrere Faktoren begrenzt. Das gebirgige Gelände auf Basse-Terre, steile Hänge, feuchte und empfindliche Böden sowie eine teilweise unzureichende Forstwegeinfrastruktur erschweren die Holzernte und den Abtransport. Hinzu kommen Schutzbestimmungen für Nationalpark- und Naturschutzgebiete. Auch die kleinteilige Eigentumsstruktur und die geringe forstwirtschaftliche Bewirtschaftung vieler Privatwälder erschweren eine kontinuierliche Versorgung der holzverarbeitenden Betriebe. Ein erheblicher Teil des auf Guadeloupe benötigten Bau- und Konstruktionsholzes muss deshalb importiert werden.
Neben der Holznutzung besitzt die Verarbeitung von Holz für das traditionelle Handwerk eine kulturelle Bedeutung. Lokale Tischler und Kunsthandwerker verwenden einheimische Hölzer für Möbel, Türen, Fenster, geschnitzte Gegenstände und Bauteile der kreolischen Architektur. Auch Holzkohle wird in kleinem Umfang hergestellt, unter anderem aus Campêcheholz. Eine industrielle Holzverarbeitung mit großen Sägewerken und umfangreicher Weiterverarbeitung ist dagegen nur schwach entwickelt. Holzreste und andere holzige Biomasse werden zudem als mögliche Energiequelle betrachtet.
Ein wesentlicher Teil der Forstwirtschaft besteht in der Erhaltung der natürlichen Schutzfunktionen der Wälder. Die Wälder auf den Berghängen vermindern Bodenerosion, stabilisieren Hänge und regulieren den Wasserhaushalt. Die Küstenwälder und Mangroven schützen Uferbereiche vor Wellenschlag und Erosion und bieten zahlreichen Fisch-, Vogel- und Krebstierarten Lebensräume. Der Nationalpark Guadeloupe, die Réserve biologique dirigée du Nord de la Grande-Terre und verschiedene Küstenschutzgebiete sichern wichtige Waldökosysteme. Die Forstverwaltung beteiligt sich außerdem an der Wiederherstellung geschädigter Waldflächen und an Maßnahmen gegen invasive Arten.
Fischerei
Die Fischerei ist überwiegend handwerklich organisiert und versorgt die Inselbevölkerung mit frischem Fisch und Meeresfrüchten. Die Fischereitätigkeit konzentriert sich vor allem auf den insularen Schelf und die küstennahen Gewässer. Dort werden zahlreiche bodenlebende Fischarten, kleine Schwarmfische und Krebstiere gefangen. Die Fischerei ist auf zahlreiche kleine Häfen und Anlandeplätze verteilt und bildet für viele Familien eine wichtige Erwerbsgrundlage.
Die Flotte besteht hauptsächlich aus kleinen, motorisierten Fischerbooten mit einer Länge von weniger als 12 m. Die Fangfahrten dauern gewöhnlich einen Tag. Die Boote sind meist offene oder nur teilweise gedeckte Einheiten, die mit Außenbordmotoren ausgerüstet sind. Zum Einsatz kommen unter anderem Stellnetze, Reusen, Langleinen, Handleinen und Schleppangeln. Für den Fang pelagischer Arten werden außerdem Fischsammler eingesetzt, sogenannte Dispositifs de concentration de poissons (DCP). Diese schwimmenden Einrichtungen ziehen größere pelagische Fischschwärme an und ermöglichen es auch kleineren Booten, Arten zu fangen, die sich weiter von der Küste entfernt aufhalten. Im Jahr 2023 waren 516 Schiffe im europäischen Fischereiflottenregister eingetragen; 638 Boote wurden als aktiv ausgewiesen. Die Zahl der registrierten Seeleute lag bei 872.
Die Fischereiproduktion belief sich 2023 auf geschätzte 2.041 t mit einem Anlandewert von rund 18,9 Millionen Euro. Für 2024 wurde eine deutlich höhere Anlandemenge von etwa 2.578 t gemeldet. Die jährlichen Fangmengen schwanken unter anderem aufgrund der Wetterbedingungen, der Verfügbarkeit der Fischbestände, der Zahl aktiver Boote und der Fangmöglichkeiten in den einzelnen Küstengebieten. Ein großer Teil der Fänge wird unmittelbar nach der Anlandung verkauft, häufig direkt durch die Fischer an Verbraucher, Restaurants und lokale Händler.
Bei der Küstenfischerei werden vor allem demersale Fischarten gefangen, die in Bodennähe oder in der Nähe von Korallenriffen und Felsformationen leben. Dazu gehören Schnapper, darunter der Gelbschwanz-Schnapper (Ocyurus chrysurus), verschiedene Zackenbarsche, Grunzer und Doktorfische. Eine zweite wichtige Gruppe bilden kleine pelagische Arten wie Makrelen, Stachelmakrelen und Sardinen. Sie werden vor allem mit Netzen und Handleinen gefangen. Die Fänge werden durch Langusten, Krabben, Kraken, Muscheln und weitere Meeresfrüchte ergänzt. Zu den wirtschaftlich bedeutenden Arten gehören auch die Große Fechterschnecke (Lobatus gigas), regional als Lambi bezeichnet, und die Langusten.
Die Hochsee- und Tiefseefischerei hat gegenüber der Küstenfischerei einen geringeren Umfang, gewinnt aber an Bedeutung. Zu den wichtigsten Zielfischarten gehören Wahoo (Acanthocybium solandri), Gelbflossen-Thunfisch (Thunnus albacares), Bonitos, Königsmakrelen und Goldmakrelen (Coryphaena hippurus). Auch größere Schnapperarten wie der Tiefwasser-Schnapper (Etelis oculatus) werden gefangen. Die Nutzung dieser Bestände erfordert eine sorgfältige Überwachung, da die Fangmöglichkeiten durch die begrenzte Größe der Bestände und die zunehmende Fischereitätigkeit eingeschränkt sind. Die Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen untersuchen deshalb Fangmengen, Bestandsentwicklung und die Auswirkungen der verschiedenen Fangmethoden.
Die Fischerei ist durch mehrere Umweltprobleme beeinträchtigt. Besonders schwerwiegend ist die Belastung bestimmter Küstengewässer mit Chlordecon, einem früher in der Landwirtschaft eingesetzten Insektizid. Die Kontamination führte zu Einschränkungen und Verboten des Fischfangs in belasteten Gebieten. Nach Angaben der regionalen Planungsunterlagen waren rund 20 % der Küstenlinie von entsprechenden Einschränkungen betroffen. Dadurch mussten Fischer ihre Fanggebiete teilweise weiter vor die Küste verlagern. Seit 2026 wird diese Entwicklung durch ein Netz von 20 gemeinschaftlich genutzten Fischsammlern unterstützt, die den Zugang zu pelagischen Fischbeständen erleichtern sollen.
Ein weiteres gesundheitliches Problem ist die Ciguatera-Fischvergiftung. Sie wird durch Ciguatoxine verursacht, die von bestimmten Mikroalgen der Gattung Gambierdiscus gebildet werden. Die Toxine gelangen über die Nahrungskette in Fische und können sich besonders in größeren Raubfischen anreichern. Betroffen sind vor allem bestimmte Schnapper, Zackenbarsche und Stachelmakrelen. Die Belastung ist nicht auf eine einzelne Fischbank im Norden Guadeloupes beschränkt, sondern kann in verschiedenen Riffgebieten auftreten. Für bestimmte Arten und Größenklassen gelten deshalb Fang- und Vermarktungsverbote. Die Behörden veröffentlichen entsprechende Artenlisten und Empfehlungen für Fischer, Händler und Verbraucher.
Auch die Übernutzung einzelner Bestände und die Schädigung der Meeresökosysteme stellen Probleme dar. Langusten und die Große Fechterschnecke unterliegen Mindestgrößen, Schonzeiten und weiteren Fangbeschränkungen. Die Entnahme von Seeigeln ist ebenfalls geregelt; grundsätzlich ist ihre Fischerei verboten, während für den Weißen Seeigel (Tripneustes ventricosus) zeitlich begrenzte Ausnahmen möglich sind. In den Schutzgebieten des Nationalparks Guadeloupe, im Grand Cul-de-Sac Marin, rund um die Îlets Pigeon und im Naturreservat Petite-Terre gelten besondere Einschränkungen oder vollständige Fangverbote. Die gewerbliche Meeresfischerei wird durch eine 2025 aktualisierte Präfekturverordnung geregelt.
Die Anlandung der Fänge erfolgt an rund 25 Häfen und ausgewiesenen Anlandeplätzen. Zu den bedeutenderen Fischereistandorten gehören La Désirade, Saint-François, Sainte-Rose und Terre-de-Haut auf den Îles des Saintes. Die Fischereiinfrastruktur ist allerdings unterschiedlich gut ausgebaut. Nicht alle Anlandeplätze verfügen über ausreichende Kühl- und Lagermöglichkeiten, sichere Liegeplätze oder geeignete Einrichtungen zur Verarbeitung und Vermarktung. Die dezentrale Struktur der Fischerei führt dazu, dass ein großer Teil der Erzeugnisse unmittelbar vor Ort verkauft wird.
Die Aquakultur ist im Vergleich zur Meeresfischerei von geringer Bedeutung. Es gibt weniger als zehn wirtschaftlich tätige Einheiten. Im Mittelpunkt steht die Zucht des Gefleckten Umberfisches (Sciaenops ocellatus), einer ursprünglich aus dem westlichen Atlantik stammenden Fischart, die in Teich- und Beckenanlagen gehalten wird. Die Entwicklung des Sektors wird durch hohe Kosten für Futtermittel und technische Anlagen, die Abhängigkeit von importierten Betriebsmitteln und die begrenzte Infrastruktur erschwert. Auch die Süßwasseraquakultur ist durch die Chlordeconbelastung ehemaliger Produktionsstandorte eingeschränkt. Die erzeugten Mengen bleiben daher gering und decken nur einen kleinen Teil des lokalen Fischbedarfs.
Bergbau
Der Bergabu beschränkt sich auf eine Handvoll historischer und prospektiver Aktivitäten, die durch die vulkanische Geologie der Inseln geprägt sind. Laut Aufzeichnungen des United States Geological Survey (USGS) sind etwa 10 Minenstandorte identifiziert worden, die hauptsächlich Vorkommen von Gold, Kupfer, Mangan, Silber und Zink aufweisen, wobei diese jedoch größtenteils als Vorkommen (Occurrences) klassifiziert werden – also oberflächliche Auffindungen ohne systematische Förderung. Der französische geologische Dienst BRGM (Bureau de Recherches Géologiques et Minières) hat durch geophysikalische Vermessungen Potenziale für Mineralressourcen kartiert, die in der Region um Basse-Terre und Grande-Terre liegen, aber aufgrund strenger Umweltauflagen, des Nationalparks und der Abhängigkeit von Tourismus und Landwirtschaft wird keine großskalige Extraktion betrieben.
Historisch gab es in den Kolonialzeiten sporadische Versuche, Gold und Kupfer abzubauen, doch diese scheiterten an technischen Hürden und mangelnder Rentabilität, was zu einer fast vollständigen Einstellung der Aktivitäten führte. Heute konzentriert sich der BRGM auf Erkundungen, die eher der Risikobewertung für Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche dienen als der Förderung, und es gibt keine aktiven Minen, die signifikante Beschäftigung oder Exporte generieren. Die Inseln sind stattdessen auf Importe von Baumaterialien angewiesen, und jegliche Bergbaupläne stoßen auf Widerstand lokaler Gemeinden aufgrund von Umweltbelastungen und der Priorität für nachhaltige Sektoren wie Agrarwirtschaft. Insgesamt bleibt der Bergbau auf Guadeloupe ein marginaler Faktor, der durch die insularen Bedingungen und regulatorische Hürden behindert wird, ohne nennenswerten Beitrag zur Wirtschaft zu leisten.
Handwerk
Die handwerkliche Produktion erfolgt überwiegend in kleinen Werkstätten und Familienbetrieben. Viele Handwerker verkaufen ihre Erzeugnisse direkt, auf Märkten, bei Kulturveranstaltungen oder in spezialisierten Geschäften. Eine große industrielle Bedeutung besitzt das Handwerk nicht; als Bestandteil des kulturellen Erbes und des touristischen Angebots ist es jedoch von erheblicher Bedeutung.
Zu den ältesten Handwerkstechniken gehört die Korbflechterei (vannerie). Verarbeitet werden pflanzliche Fasern, Palmblätter, Kokosblätter, Bambus, Rohr und andere lokal verfügbare Materialien. Daraus entstehen Körbe, Taschen, Matten, Hüte, Behälter und dekorative Gegenstände. Die Flechttechniken gehen teilweise auf indigene Traditionen zurück und wurden im Laufe der Zeit durch afrikanische und weitere karibische Einflüsse ergänzt. Die Beschaffung geeigneter Pflanzenfasern und die Weitergabe des handwerklichen Wissens sind heute wichtige Voraussetzungen für den Fortbestand dieses Gewerbes.
Eine besondere Stellung nimmt der Salako ein, ein breitkrempiger, flachkegelförmiger Hut, der vor allem mit den Îles des Saintes verbunden ist. Er wurde traditionell von Fischern getragen und schützt vor Sonne und Regen. Seine Herstellung erfolgt aus Bambus und pflanzlichen Fasern. Die Technik ist nicht ausschließlich indigenen Ursprungs: Die lokale Überlieferung und die dokumentierte Handwerksgeschichte verweisen auch auf asiatische Einflüsse, insbesondere auf vietnamesische beziehungsweise annamitische Arbeitskräfte, die im 19. Jahrhundert nach Guadeloupe kamen. Die Zahl der Handwerker, die den Salako noch traditionell herstellen, ist gering; die Technik gilt als besonders gefährdet.
Die Verarbeitung von Holz besitzt ebenfalls eine lange Tradition. Tischler und Kunsthandwerker fertigen Möbel, Türen, Fenster, Gebrauchsgegenstände und dekorative Arbeiten aus tropischen Hölzern. In Pointe-Noire auf Basse-Terre ist die Holzverarbeitung besonders bekannt. Zum traditionellen Handwerk gehören außerdem der Bau und die Reparatur von Fischerbooten sowie die Herstellung der charakteristischen Segelkanus der Saintes, der canots saintois. Diese kleinen, farbenprächtigen Boote sind ein wichtiges Element der maritimen Kultur des Archipels. Der traditionelle Bootsbau erfordert Kenntnisse in Holzverarbeitung, Rumpfkonstruktion und Segeltechnik.
Ein weiteres Spezialgebiet ist die Herstellung von Musikinstrumenten. Dazu zählt vor allem die Fertigung der Trommeln ka, die für die Musikrichtung Gwo Ka verwendet werden. Die Trommeln bestehen traditionell aus einem hölzernen Korpus und einer gespannten Tierhaut. Auch kleinere Rhythmusinstrumente wie chacha und siyak werden handwerklich hergestellt. Die Instrumentenbauer tragen damit zur Weitergabe musikalischer Traditionen bei, die eng mit der Geschichte der afrikanischen Bevölkerung und der kreolischen Gesellschaft verbunden sind.
Die Textilverarbeitung umfasst die Herstellung und Verzierung von Kleidung, Kostümen und Accessoires. Besonders bekannt ist die traditionelle kreolische Kleidung mit ihren farbenprächtigen Stoffen, darunter Madras-Gewebe. Schneiderinnen und Schneider fertigen Festtags- und Karnevalskostüme, traditionelle Röcke, Kopfbedeckungen und Kleidungsstücke für kulturelle Veranstaltungen. Eine besondere handwerkliche Tradition besteht in der Stickerei von Vieux-Fort im Süden von Basse-Terre. Die dort gefertigten Stickarbeiten werden unter anderem für Kleidung, Tischwäsche und dekorative Textilien verwendet.
Zur Schmuckherstellung dienen Samen, getrocknete Früchte, Muscheln, Holz, Perlen und andere Naturmaterialien. Aus den Samen verschiedener tropischer Pflanzen entstehen Ketten, Armbänder, Ohrringe und Anhänger. Kalebassen werden aus den harten Früchten des Flaschenkürbis hergestellt. Sie werden ausgehöhlt, getrocknet, graviert oder bemalt und anschließend zu Gefäßen, Lampen, Schmuck- und Dekorationsgegenständen verarbeitet. Auch die Herstellung von Gegenständen aus Leder, Naturfasern und recycelten Materialien gehört zum heutigen Kunsthandwerk.
Die Töpferei und Keramikverarbeitung bilden einen weiteren Bereich. In kleinen Werkstätten entstehen Gefäße, Schalen, Vasen, Figuren, Fliesen und dekorative Objekte. Neben traditionellen Formen werden moderne keramische Arbeiten hergestellt. Die Keramiker verwenden aufbereitete Tone und weitere Materialien, deren Herkunft nicht ausschließlich auf lokale Vorkommen beschränkt ist. Vereine und Werkstätten organisieren Kurse, Vorführungen und Ausstellungen, um die Techniken an jüngere Generationen weiterzugeben.
Ein bedeutender Teil des Kunsthandwerks ist mit dem Karneval verbunden. Die Herstellung von Masken, Kostümen, Kopfschmuck und aufwendigen Accessoires erfordert Kenntnisse in Schneiderei, Textilgestaltung, Pappmaché, Holz- und Metallbearbeitung. Die Kostüme werden von Gruppen und Vereinen häufig in gemeinschaftlicher Arbeit angefertigt. Auch die traditionelle Architektur bietet handwerkliche Betätigungsfelder, etwa bei der Zimmermannsarbeit an kreolischen Wohnhäusern, der Herstellung von Holzverkleidungen und der Restaurierung älterer Gebäude.
Der Verkauf erfolgt auf Wochen- und Kunsthandwerksmärkten, in Ateliers, Souvenirläden und bei regionalen Veranstaltungen. Zu den bekannten Verkaufsorten gehören die Märkte von Pointe-à-Pitre, Sainte-Anne, Le Gosier und Saint-François. Im Norden von Basse-Terre finden regelmäßig Märkte und Veranstaltungen statt, auf denen Kunsthandwerker aus Sainte-Rose und Deshaies ihre Arbeiten anbieten. In Bouillante wird der Salon Guadeloupe Prestige veranstaltet. Die 18. Ausgabe fand vom 6. bis 8. Februar 2026 im Hall Gilles Échevin statt und umfasste 96 Stände mit Kunsthandwerk, regionalen Erzeugnissen und kulturellen Angeboten.
Die Weitergabe traditioneller Fertigkeiten wird durch Vereinigungen, Werkstätten und Kulturinitiativen unterstützt. Dazu gehören Organisationen, die sich mit Korbflechterei, Textilkunst, Holzverarbeitung und der Verwendung pflanzlicher Fasern beschäftigen. Das Inventar des immateriellen Kulturerbes Guadeloupes dokumentiert zahlreiche gefährdete Handwerkstechniken, darunter die Salako-Herstellung, den traditionellen Bootsbau, die Stickerei von Vieux-Fort, die Fertigung von Gwo-Ka-Trommeln und verschiedene Flechtarbeiten. Die Dokumentation soll die noch vorhandenen Kenntnisse erfassen und ihre Weitergabe fördern.
Industrie
Die Industrie auf Guadeloupe ist schwach entwickelt und auf leichte, verarbeitende Branchen beschränkt, die stark von der Agrarwirtschaft und dem Tourismus abhängen, während sie unter der Abhängigkeit von französischen Subventionen und Importen leidet. Der Sektor umfasst hauptsächlich die Zucker- und Rumverarbeitung in Anlagen wie der Raffinerie in Le Moule, die Bagasse-Reste für Energieproduktion nutzt, sowie kleinere Betriebe für Zement, Möbel, Bekleidung und Lebensmittelverarbeitung in Zonen wie Baie-Mahault nahe dem Flughafen.
Schiffsreparatur in Pointe-à-Pitre und Plastikverpackungen für Agrarprodukte ergänzen das Bild, aber der gesamte Industrieanteil am BIP liegt unter 10 %, mit nur wenigen Tausend Beschäftigten in ca. 200 Unternehmen. Historisch konnte keine nachhaltige Industrialisierung Fuß fassen, da die Kolonialstruktur auf Plantagen fokussierte und die Inseln durch begrenzte Flächen, teure Energie und Arbeitskonflikte behindert werden – Gewerkschaften wie die UGTG organisieren regelmäßig Streiks, die die Produktivität mindern.
Die Abhängigkeit von Importen (über 80 % der Güter) und die Dominanz des öffentlichen Sektors (größter Arbeitgeber) führen zu Stagnation, wobei Branchen wie Solarenergie oder Wellenkraft Potenziale haben, aber durch regulatorische Hürden und Umweltbelastungen gebremst werden. Insgesamt ist die Industrie auf Guadeloupe ein unterentwickelter Sektor, der die wirtschaftliche Vulnerabilität der Insel unterstreicht und auf Diversifikation durch EU-Fördermittel angewiesen ist, ohne signifikante Wachstumsdynamik zu zeigen.
Wasserwirtschaft
Die Wasserwirtschaft auf Guadeloupe, einer französischen Karibikinsel mit vulkanischer Topografie und tropischem Klima, ist durch zunehmende Knappheit, Verschmutzung und Abhängigkeit von Regenwasser geprägt, was eine integrierte Managementstrategie erfordert. Der Office de l’Eau Guadeloupe, ein öffentliches Institut, überwacht die Ressourcen, einschließlich Süßwasser, Küstengewässer und Abwässer, und fördert Maßnahmen zur Erhaltung der Qualität und Biodiversität, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Das Syndicat Mixte de Gestion de l’Eau et de l’Assainissement de Guadeloupe (SMGEAG), seit 2021 für 23 Gemeinden (außer Marie-Galante) zuständig, managt die Trinkwasserversorgung (Alimentation en Eau Potable, AEP), kollektive und nicht-kollektive Abwasserentsorgung (SPAC und SPANC) sowie die Bewältigung urbaner Niederschläge (GEPU) und Feuerwehrversorgung (DECI). Etwa 44 % der Bevölkerung sind an kollektive Abwassersysteme angeschlossen, doch viele alte Netze sind marode, was zu Infiltration von Fremdwasser und Überlastung führt, insbesondere in städtischen Zentren wie Pointe-à-Pitre.
Der Wasserverbrauch liegt bei hohem Pro-Kopf-Anteil durch Landwirtschaft (Irrigation von Bananen- und Zuckerrohrfeldern) und Tourismus, mit Preisen von rund 3,16 €/m³ im Jahr 2018 – höher als in Martinique und mit einer Ausfallrate von 38,3 % bei Zahlungen. Herausforderungen umfassen globale Erwärmung, Hurrikane und Chlordecon-Verschmutzung aus der Plantagenvergangenheit, die Böden und Grundwasser belasten; Mangroven und Feuchtgebiete dienen als natürliche Filter, werden aber durch Urbanisierung bedroht. Der Multi-Annual Action Plan 2019–2024 des Wasserverbands zielt auf eine einheitliche Wasserunion ab, integriert in den Master Water Development & Management Plan (SDAGE), um Risiken zu mindern und nachhaltige städtische Planung zu fördern, inklusive lokaler Projekte in Morne à l’Eau bis Petit-Bourg. Trotz Fortschritten bleibt die Abhängigkeit von Importen und Subventionen hoch, und Initiativen wie die von Aquaserv Caraïbes für nicht-kollektive Systeme adressieren nur Teile des Problems, während Bildung und Technologieübertragung für eine vernetzte urbane Response notwendig sind.
Energiewirtschaft
Die Energiewirtschaft auf Guadeloupe ist stark fossilabhängig, mit Öl und Kohle als Hauptquellen, was die Insel anfällig für Preisschwankungen und Importabhängigkeit macht, während erneuerbare Energien durch das Programm Pluriannuel de l’Énergie (PPE) bis 2030 auf 50 % gesteigert werden sollen. Guadeloupe Energie, das regionale Energieunternehmen, koordiniert den Übergang zu nachhaltigen Quellen, wobei derzeit etwa 35 % der Stromerzeugung aus Erneuerbaren stammt, darunter Geothermie (15 MW in Bouillante, 6 % der Bedarf), Wind (42 MW installiert, 51 GWh 2018), Photovoltaik, Biomasse und Wasserkraft (1 %).
Die Geothermieanlage in Bouillante, seit 1996 betrieben und erweitert 2005, ist die einzige im Karibikraum und nutzt vulkanische Ressourcen, doch Erweiterungen sind durch Investitionskosten und Risiken gebremst. Wasserkraft, trotz Potenzials in Basse-Terre, bleibt unterentwickelt mit nur wenigen Anlagen von Betreibern wie Force Hydraulique Antillaise (FHA) und EDF, da Speicherung und Variabilität Herausforderungen darstellen. Windparks auf Marie-Galante und La Désirade ergänzen das Netz, doch Produktion schwankt saisonal, und Biomasse aus Agrarabfällen bietet Potenzial für Wärme- und Transportsektoren. Der Verbrauch liegt bei rund 1.200 GWh jährlich, mit hohem Anteil an Klimaanlagen und Industrie; der INTERREG ETC-Projekt, geführt vom Regionalrat, fördert Geothermie-Expansion und Resilienz gegen Klimawandel.
Trotz EU-Fördermitteln und Zielen für Energieunabhängigkeit bis 2050 (Investitionen in Wind, PV und Speicherung) behindern hohe Kosten, Netzstabilität und Hurrikanrisiken den Fortschritt, wobei der Sektor nur 5 bis 10 % der Beschäftigung bietet und auf Diversifikation angewiesen ist, um wirtschaftliche Vulnerabilität zu reduzieren.
Energieproduktion 2006:
- Produktion 1.165 mio. kWh
- Verbrauch 1.085 mio. kWh
- Verbrauch pro Person pro Jahr 2746,8 kWh
Abfallwirtschaft
Die Abfallwirtschaft auf Guadeloupe kämpft mit hoher Pro-Kopf-Produktion (zirka 13 Millionen Tonnen jährlich im CARIFORUM-Raum), begrenzten Deponieräumen und Umweltbelastungen durch Tourismus, Landwirtschaft und Importe, was zu Initiativen für Recycling und Export führt. Der Regionalrat hat das Schéma Régional d’Élimination des Déchets Dangereux (PREGEDD) implementiert, um gefährliche Abfälle zu managen, während ERDF-finanzierte Anlagen in Le Gosier Plastik, Reifen und Elektroschrott verarbeiten, um Verbrennung und Deponierung zu vermeiden, die Böden und Tourismus bedrohen. Agrarische Abfälle, verschärft durch Chlordecon-Skandale, werden durch Organisationen wie Agrivalor Guadeloupe (seit 2017) gesammelt und kompostiert, um chemische Rückstände zu minimieren und Klimarisiken zu senken. Initiativen fördern verantwortungsvolle Entsorgung bei Bauern, doch illegale Deponien persistieren. Für End-of-Life-Fahrzeuge (ELVs) und E-Waste gibt es weltklasse-Einrichtungen von SNR und AER, die Demontage, Dekontamination und Export ermöglichen, unterstützt vom GEF ISLANDS-Programm und Basel-Konvention; eine Studientour 2023 teilte Best Practices mit karibischen Nachbarn.
Medizinischer Abfall (500 Tonnen jährlich) wird von Séché Healthcare mit Ecosteryl-Technologie behandelt, ähnlich wie in Frankreich, mit Fokus auf Sammlung und Desinfektion. Heimkompostierung tropischer organischer Abfälle wird gefördert, um Deponiegase zu reduzieren, doch begrenzte Kapazitäten und Bildungslücken erschweren Skalierung. Der RePLAST-OECS-Projekt, EU-finanziert, zielt auf PET- und HDPE-Recycling ab, um Plastikmüll in der Atlantikregion zu bekämpfen, mit Analyse lokaler Gesetze und Partnerschaften. Insgesamt generiert der Sektor Jobs durch Kreislaufwirtschaft, bleibt aber durch regulatorische Lücken und Abhängigkeit von Exporten behindert, wobei Kommunikation und EU-Richtlinien (zum Beispiel 2019/883 für Schiffsabfälle) zentrale Säulen sind.
Handel
Die landwirtschaftlichen Produkte sind die Hauptausfuhrgüter Guadeloupes. Bananen machen ungefähr 50 % des jährlichen Exportertrages aus, daneben werden Zucker und Rum exportiert. Von den ausgeführten Waren gehen 60 % ins europäische Frankreich, 18 % nach Martinique, 4 % in die USA. Importiert werden vor allem Nahrungsmittel, Treibstoff, Autos und andere Konsumgüter, Rohstoffe für das Baugewerbe. Die Importwaren kommen zu 63 % aus Frankreich, zu 4 % aus Deutschland, zu 3 % aus den USA, zu 2 % aus Japan und zu 2 % von den Niederländischen Antillen.
Die Geschäfte auf Guadeloupe, einer französischen Übersee-Region in der Karibik, spiegeln die enge Bindung zum Mutterland wider, mit einer Mischung aus französischen Ketten, lokalen Märkten und modernen Einkaufszentren, die vor allem auf Grande-Terre konzentriert sind. Als Teil der EU nutzt die Insel den Euro als Währung, und Kreditkarten wie Visa und Mastercard werden weitgehend akzeptiert, obwohl Bargeld in Märkten und kleineren Läden oft bevorzugt wird. Die Öffnungszeiten betragen typischerweise montags bis samstags von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr, wobei Sonntags die meisten Läden geschlossen sind; Einkaufszentren halten jedoch länger geöffnet, oft bis 20 Uhr. In städtischen Zentren wie Pointe-à-Pitre und Baie-Mahault dominieren Boutiquen mit französischen Marken wie Mango, Lacoste, L’Occitane und Sony, die Kleidung, Accessoires, Parfüms und Kosmetik anbieten, oft zu Preisen, die denen in Frankreich entsprechen, aber durch Importkosten höher ausfallen können. Lokale Handwerksgeschäfte verkaufen Souvenirs wie madras-Stoffe, geschnitzte Holzfiguren, Strohhüte (Salakos) und Kunsthandwerk aus Bambus oder Kalebassen, die in Ateliers oder auf Märkten wie dem Place de la Victoire in Pointe-à-Pitre erhältlich sind. Diese Märkte, die täglich frisches Obst, Gewürze, Fisch und Gewürze anbieten, dienen als soziale Treffpunkte, wo Händler aus kreolischen und indischen Gemeinschaften ihre Waren feilbieten, doch sie kämpfen mit Wettbewerb durch Supermärkte und saisonalen Touristenandrang. Größere Einkaufszentren wie Destreland in Baie-Mahault mit über 180 Geschäften, darunter Juweliere (Jheïpour für ethnische Stücke) und Modehäuser (Serge Blanco für Herrenbekleidung), ziehen Pendler und Familien an, bieten aber auch Herausforderungen durch Verkehrsstaus und begrenzte Parkplätze. Weitere Zentren umfassen Milénis in Les Abymes nahe dem Flughafen, das US-Dollar akzeptiert und eine breite Palette von Elektronik, Haushaltswaren und Delikatessen umfasst, sowie das kleinere Centre Commercial Hyper Bas-du-Fort in Le Gosier mit Boutiquen und Apotheken.
In ländlicheren Gebieten wie Sainte-Anne oder Saint-François finden sich spezialisierte Läden für Rum und Schokolade, etwa in der Maison de Cacao in Pointe-Noire, wo lokale Produkte wie Kakao-Liköre und Gewürze verkauft werden, doch die Abhängigkeit von Importen treibt Preise hoch und macht das Einkaufen für Einheimische belastend. Insgesamt ist das Geschäftsangebot auf Guadeloupe funktional, aber durch insularen Charakter und wirtschaftliche Abhängigkeit von Frankreich geprägt, mit Fokus auf Alltagsbedarf und Souvenirs, während Luxusshopping auf benachbarte Inseln wie St. Barthélemy verlagert wird.
Supermärkte auf Guadeloupe bilden das Rückgrat des täglichen Einkaufs, mit französischen Ketten, die eine breite Auswahl an Importgütern aus Europa und lokalen Produkten wie Bananen, Rum und Gewürzen bieten, doch hohe Preise durch Transportkosten und eine Importquote von über 80 Prozent belasten Verbraucher. Die dominanten Ketten sind Carrefour, Casino und Leader Price, die in städtischen und touristischen Gebieten präsent sind und von Montag bis Samstag bis 20 Uhr geöffnet haben, mit reduzierten Sonntagsöffnungen in manchen Filialen. Carrefour Milénis in Les Abymes, nahe dem Flughafen, ist einer der größten Hypermarkets mit Abteilungen für Frischfleisch, Gefrorenes, Milchprodukte und Bio-Artikel, der als Einkaufsstopp für Ankommende dient und US-Dollar akzeptiert, aber mit Engpässen bei Parkplätzen und langen Schlangen in der Hochsaison kämpft. Hyper Casino in Saint-François, ein weiterer Großmarkt, bietet eine umfassende Auswahl an Fleisch, Fisch, Gemüse und Haushaltswaren, schließt jedoch um 19:45 Uhr und setzt auf Eigenmarken, die günstiger, aber qualitativ variabel sind.
Leader Price in Goyave oder Saint-François ist als Discounter bekannt, mit Fokus auf Basics wie Konserven, Getränke und Reinigungsmittel zu niedrigeren Preisen, doch die Auswahl an Frischware ist begrenzt, was zu Abhängigkeit von Märkten führt. Weitere Ketten wie Super U und Ecomax (in Überseegebieten) ergänzen das Netz, mit Filialen in Le Gosier und Petit-Bourg, die Apotheken und Bäckereien integrieren, aber durch Hurrikanschäden und Lieferengpässe regelmäßig beeinträchtigt werden. Bio-Supermärkte wie P’tit Coin Bio in Pointe-à-Pitre bieten organische Produkte und Diätartikel, bleiben jedoch Nischenanbieter mit höheren Preisen. Die Supermärkte beschäftigen Tausende, fördern aber auch Kritik an Monopolen und steigenden Lebensmittelpreisen, die die Jugendarbeitslosigkeit und Armut in ländlichen Gebieten verschärfen. Insgesamt decken sie den Bedarf ab, sind aber durch Saisonalität und Abhängigkeit von französischen Lieferketten vulnerabel, mit Preisen, die 20–30 Prozent über denen in Frankreich liegen.
Handelspartner 2006:
Export: Import:
Frankreich 60 % Frankreich 63 %
Martinique 18 % Deutschland 4 %
USA 4 % USA 3 %
Deutschland 2 % Japan 2 %
Finanzwesen
Guadeloupe ist im französischen Währungssystem integriert. Ohne Geld vom Festland sähe die Zahlungsbilanz wesentlich bunter, rot nämlich, aus. Eine andere Erklärung für diese Zahl sieht so aus, dass Frankreich auf die Inseln Geld pumpt, das dann für den Kauf von französischen Waren und Dienstleistungen verwendet wird und ins Mutterland zurückfließt. Durch diesen Kreislauf würden die Békés, die im wesentlichen den Handel in den Händen haben, subventioniert.
Die Bankenlandschaft auf Guadeloupe ist von französischen Instituten dominiert, die als Überseedepartement nahtlos mit dem Festland integriert sind und Euro-Konten, Kredite sowie internationale Transfers anbieten, doch hohe Gebühren und begrenzte Filialen in ländlichen Gebieten erschweren den Zugang für viele Einwohner.
Es gibt etwa sechs Hauptbanken, mit rund 50 Filialen insgesamt, die montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr geöffnet sind und an Schaltern oder Automaten Bargeldwechsel (Euro zu US-Dollar) ermöglichen. BNP Paribas, mit Vermögen von über 800 Millionen Euro, ist eine der größten, mit Filialen in Pointe-à-Pitre und Basse-Terre, die Retail-Banking, Einlagensicherung bis 100.000 Euro und Offshore-Dienste für Expats bietet, aber mit negativen Bilanzen durch regionale Unsicherheiten kämpft. Crédit Agricole (SWIFT: CGCTGPG1) dominiert mit lokalen Kooperativen, die Agrarkredite für Bananen- und Zuckerrohrbauer vergeben und in Städten wie Les Abymes präsent sind, doch bürokratische Hürden und hohe Zinsen belasten Kleinunternehmer. BRED Banque Populaire (SWIFT: BREDFRPP) konzentriert sich auf Privatkunden und Firmenfinanzierung, mit Filialen entlang der Rue du Général de Gaulle in Saint-François, und unterstützt EU-weite Dienste, bleibt aber anfällig für Streiks der Gewerkschaft UGTG. Weitere Banken umfassen die Banque des Antilles Françaises (BDAF, SWIFT: BDAFGPGX), eine Fusion aus lokalen Einrichtungen, die Handelsfinanzierung in Baie-Mahault betreibt, sowie Caraïbes Bank (SWIFT: SOGEGPGP), die auf Tourismus und Immobilien fokussiert ist.
Historische Banken wie die ehemalige Banque de la Guadeloupe, die bis 1967 Noten emittierte, haben sich in moderne Strukturen integriert, doch die Szene leidet unter Konzentration in urbanen Zentren, was Abgelegene auf teure Online-Banking oder Postdienste anweist. Als EU-Territorium gelten französische Regulierungen, inklusive Einlagensicherung, aber Währungsschwankungen und Hurrikanrisiken erhöhen die Kosten. Insgesamt bieten die Banken Stabilität, fördern aber Ungleichheiten durch begrenzte Präsenz und Abhängigkeit von Pariser Zentralen, mit wachsendem Fokus auf digitale Dienste zur Kostensenkung.
Soziales und Gesundheit
Das soziale System auf Guadeloupe ist in das nationale französische Sozialsystem integriert, wird jedoch durch regionale Besonderheiten wie hohe Armutsquoten (rund 30 % der Bevölkerung), Jugendarbeitslosigkeit (über 40 %) und Abhängigkeit von Subventionen geprägt. Der Conseil Départemental und der Regionalrat verwalten den Großteil der Sozialausgaben, mit einem Budget von nahezu einer Milliarde Euro im Jahr 2025, wovon über 60 % für soziale Maßnahmen fließen, darunter Insertion, Unterstützung vulnerabler Gruppen und Jugendentwicklung. Kernkompetenzen umfassen die Aide Sociale à l'Enfance (ASE), die Schutz und Förderung von Kindern und Familien gewährleistet, mit Interventionen zu Hause, Platzierungen in Einrichtungen oder bei Pflegefamilien sowie Begleitung bei Adoptionen. Die Protection Maternelle et Infantile (PMI) bietet Prävention und Gesundheitsförderung für Mütter und Kleinkinder, ergänzt durch Maßnahmen gegen häusliche Gewalt und Armut. Für Jugendliche und Familien existieren Programme wie Partnerschaften mit der Mission Locale (MILE) zur beruflichen Integration, Zugang zu Rechten und Konventionen mit externen Akteuren, die den Übergang in den Arbeitsmarkt erleichtern sollen.
Das Revenu de Solidarité (RSO), eine Outre-mer-spezifische Leistung für Personen ab 55 Jahren ohne Rentenanspruch, wurde per Dekret vom 4. August 2025 revalorisiert und gilt ab April 2025, um Ältere ohne andere Hilfen (zum Beispiel AAH oder Renten) zu unterstützen. Regionale Aides, wie die Aide Régionale aux Étudiants (vom 25. August bis 30. September 2025 für Erstsemester mit Baccalauréat) oder Bourses sociales et sanitaires für Ausbildungen in Sozial- und Gesundheitsberufen, zielen auf Gleichberechtigung ab und werden über Online-Plattformen beantragt. Der Conseil Départemental organisiert zudem Action Sociale de Proximité, die in Gemeinden wie Morne-à-l'Eau oder Port-Louis läuft und Domiciliation sowie Antragsbearbeitung für Hilfen koordiniert. Die Akademie Guadeloupe bietet ergänzende Maßnahmen für Schüler und Personal, inklusive finanzieller Hilfen für Studierende, Mietkautionen via Partnerschaften wie CAUTIONEO und Begleitung durch Assistenzsoziale. Herausforderungen sind bürokratische Hürden, ungleichmäßige Verteilung (städtisch vs. ländlich) und Abhängigkeit von EU-Mitteln, was zu Engpässen bei der Umsetzung führt, während Initiativen wie der Guide des Aides der Region den Zugang erleichtern sollen.
Gesundheitswesen
Das Gesundheitssystem auf Guadeloupe wird von der Agence Régionale de Santé (ARS) Guadeloupe, Saint-Martin und Saint-Barthélemy koordiniert und folgt dem französischen Modell mit universeller Abdeckung über die Sécurité Sociale, ergänzt durch Mutuelles für Zusatzleistungen. Es umfasst zwei Hauptkrankenhäuser: das Centre Hospitalier Universitaire (CHU) Pointe-à-Pitre/Abymes auf Grande-Terre, das als Referenzzentrum mit über 1.000 Betten Notfallversorgung, Spezialisierungen (zum Beispiel Onkologie, Kardiologie) und Universitätsmedizin bietet, sowie das Centre Hospitalier de Basse-Terre (CHBT) mit Fokus auf Akutversorgung und Regionalmedizin. Diese Einrichtungen decken 80 % der stationären Behandlungen ab, kämpfen jedoch mit Personalmangel (insbesondere Pflegekräften), Überlastung durch Dengue-Ausbrüche (2025 Rekrudescenz) und Abhängigkeit von Festland-Importen für Medikamente. Die ARS hat 2025 Aufrufe gestartet, zum Beispiel für Centres de Ressources Territoriales (CRT) für Ältere (April 2025), Unités pour Personnes Handicapées Vieillissantes (UPHV) in EHPADs, Pôles d'Activités de Soins Adaptés (PASA) und Services d'Accompagnement à la Périnatalité pour Handicapés (SAPPH). Das Fonds de Lutte contre les Addictions (FLCA) 2025 adressiert Substanz- und Verhaltenssüchte, mit Schwerpunkten auf Jugendliche (9,8 % mit Netzwerk-Sucht bei Collégiens) und Frauen, basierend auf Enquêtes von 2022. E-Santé wird durch das GRADeS Archipel 971 vorangetrieben, mit Lösungen wie Télé-Échographie für isolierte Gebiete (zum Beispiel Marie-Galante) und Messagerie Sécurisée de Santé seit 2014.
Der Projet „Farma City“ in Pointe-à-Pitre (Lauréat Expé Urba Santé 2025) integriert Urbanismus und Gesundheit, mit einem Observatoire de la Santé de la Ville ab März 2025, um soziale, ökonomische und umweltbedingte Determinanten zu berücksichtigen. Weitere Initiativen umfassen den Appel à Projets SESAME (bis 15. September 2025) für Automatisierung des Medikamentenflusses in Krankenhäusern, Semaine Européenne de la Vaccination 2025 und Kampagnen gegen AVC (zwei bis drei Fälle täglich).
Das Portal d'Accompagnement des Professionnels de Santé (PAPS) erleichtert Installationen in Zonen mit Mangel (zum Beispiel für Diplômés hors UE) und RPPS-Einträge. Trotz Fortschritten belasten hohe Kosten (zum Beispiel durch Importe), Klimarisiken (Hurrikane) und Ungleichheiten (ländliche Gebiete vs. Städte) das System, das auf EU- und nationalen Förderungen angewiesen ist, während France Assos Santé Guadeloupe Advocacy für Rechte und Zugang betreibt.
Krankheiten
Das Krankheitsspektrum Guadeloupes wird sowohl von tropischen Infektionskrankheiten als auch von chronischen, nicht übertragbaren Erkrankungen geprägt. Zu den wichtigsten gesundheitlichen Herausforderungen zählen Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und bestimmte Krebserkrankungen. Daneben treten durch Stechmücken übertragene Virusinfektionen, Leptospirose und sexuell übertragbare Infektionen auf. Die Gesundheitslage wird durch das tropische Klima, die Insellage, soziale Unterschiede und die teilweise eingeschränkte Erreichbarkeit medizinischer Einrichtungen auf den kleineren Inseln beeinflusst.
Zu den bedeutendsten chronischen Erkrankungen gehört Diabetes mellitus, überwiegend Typ 2. Nach dem Gesundheitsbarometer von Santé publique France für 2024 gaben 13,5 % der erwachsenen Bevölkerung Guadeloupes an, an Diabetes erkrankt zu sein. Damit lag der Anteil nahezu doppelt so hoch wie im französischen Mutterland mit 7,1 %. Die Häufigkeit steigt deutlich mit dem Lebensalter. Diabetes ist eine wichtige Ursache für Folgeerkrankungen der Nieren, der Augen, der Nerven und der Blutgefäße.
Ebenfalls weit verbreitet ist der arterielle Bluthochdruck. Er tritt häufig gemeinsam mit Übergewicht, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen auf und erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und chronische Nierenerkrankungen. Übergewicht und Adipositas betreffen einen großen Teil der Bevölkerung. Eine Untersuchung des INSEE aus dem Jahr 2019 ermittelte bei 52 % der Einwohner Übergewicht oder Adipositas; etwa jeder fünfte Erwachsene war adipös. Die Häufigkeit war bei Frauen höher als bei Männern. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören deshalb zu den wesentlichen Ursachen vorzeitiger Sterblichkeit.
Bei den Krebserkrankungen fallen insbesondere Prostatakrebs bei Männern sowie Brustkrebs bei Frauen ins Gewicht. Auch Magen- und Gebärmutterhalskrebs sind gesundheitspolitisch relevant. Die Krebssterblichkeit und die Überlebenschancen unterscheiden sich teilweise von den entsprechenden Werten im französischen Mutterland. Als besondere Umweltbelastung gilt die frühere Verwendung des Insektizids Chlordecon in den Bananenplantagen. Der langlebige Schadstoff ist noch immer in Böden und Gewässern nachweisbar und gelangt über die Nahrungskette in den menschlichen Körper. Die langfristige Belastung ist mit einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs verbunden und wird seit Jahren epidemiologisch untersucht.
Zu den wichtigen erblich bedingten Erkrankungen gehört die Sichelzellkrankheit. Sie ist in der Bevölkerung der französischen Antillen vergleichsweise häufig und wird durch ein verändertes Hämoglobin verursacht. Die Krankheit kann zu Blutarmut, schmerzhaften Gefäßverschlüssen und Schädigungen verschiedener Organe führen. Das Neugeborenenscreening ermöglicht eine frühe Diagnose und den rechtzeitigen Beginn der medizinischen Betreuung.
Eine weitere gesundheitliche Herausforderung sind Infektionskrankheiten, die durch Stechmücken übertragen werden. Besonders bedeutsam ist das Denguefieber, dessen Erreger durch die Mückenart Aedes aegypti verbreitet werden. Die Erkrankung tritt in wiederkehrenden Epidemien auf und verursacht Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie teilweise schwere Komplikationen mit Blutungen und Kreislaufstörungen. Auch Chikungunya und Zika sind auf Guadeloupe aufgetreten. Chikungunya kann lang anhaltende Gelenkbeschwerden verursachen; eine Zika-Infektion ist insbesondere während einer Schwangerschaft wegen möglicher Schädigungen des ungeborenen Kindes von Bedeutung. Die Überwachung dieser Erkrankungen erfolgt durch die regionalen Gesundheitsbehörden und Santé publique France.
Die Leptospirose ist eine weitere für Guadeloupe typische Infektionskrankheit. Sie wird durch Bakterien der Gattung Leptospira verursacht, die über den Urin infizierter Tiere, insbesondere Ratten, in die Umwelt gelangen. Menschen können sich durch Kontakt mit verunreinigtem Süßwasser oder feuchtem Erdreich infizieren. Die Erkrankung tritt besonders während und nach starken Regenfällen auf. Im Jahr 2025 wurden 88 wahrscheinliche oder bestätigte Fälle registriert; 35 Erkrankte mussten stationär behandelt werden, neun kamen auf eine Intensivstation und ein Todesfall wurde gemeldet. Besonders gefährdet sind Personen mit engem Kontakt zu Böden und Gewässern, etwa in der Landwirtschaft, bei Gartenarbeiten und bei der Instandhaltung von Außenanlagen.
Auch HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen gehören zu den gesundheitspolitisch relevanten Problemen. Nach dem Bericht von Santé publique France für 2024 wurden in Guadeloupe, Saint-Martin und Saint-Barthélemy zusammen 65 neue HIV-Diagnosen registriert. Die Zahl der HIV-Tests nahm gegenüber dem Vorjahr zu. Bei bakteriellen Infektionen wie Chlamydien, Gonorrhö und Syphilis lagen die diagnostizierten Erkrankungsraten ebenfalls über den Vergleichswerten des französischen Mutterlandes. Die zusammengefassten Zahlen beziehen sich teilweise auf die gesamte regionale Gesundheitszuständigkeit und sind daher nicht ausschließlich Guadeloupe zuzurechnen.
Weitere Infektionskrankheiten sind Atemwegsinfektionen, Magen-Darm-Erkrankungen und verschiedene parasitäre Erkrankungen. Tuberkulose wird weiterhin überwacht, spielt aber im Vergleich zu den genannten chronischen und tropischen Erkrankungen eine geringere Rolle. Malaria ist keine dauerhaft auf Guadeloupe übertragene Krankheit; importierte Fälle können jedoch bei Reisenden auftreten. Auch die Verbreitung von COVID-19 hat das Gesundheitssystem in den vergangenen Jahren zeitweise erheblich beansprucht.
Bildung
ie Bildung ist kostenfrei und verpflichtend für Kinder von 3 bis 16 Jahren, mit Französisch als Unterrichtssprache, obwohl Guadeloupe-Kreolisch im informellen Kontext verbreitet ist. Das System kämpft mit Problemen wie Jugendarbeitslosigkeit, begrenzter Infrastruktur in ländlichen Gebieten und den Auswirkungen von Naturkatastrophen wie Hurrikanen, die Schulen regelmäßig schließen.
Die Grundschulbildung (école élémentaire) beginnt im Alter von 3 Jahren mit dem Kindergarten (école maternelle) und erstreckt sich bis zur fünften Klasse (CM2), gefolgt von der Sekundarstufe I (collège) für die Altersgruppe 11–15 Jahre. Etwa 80 Grundschulen und 30 Collèges sind über die Inseln verteilt, mit Schwerpunkten in städtischen Zentren wie Pointe-à-Pitre und Les Abymes.
Die Sekundarstufe II (lycée) führt zum Baccalauréat, das in allgemeinen (littéraire, économique, scientifique) oder beruflichen (professionnel) Zweigen abgelegt wird. Rund 15 Lycées, wie das Lycée Général et Technologique de Baimbridge in Les Abymes, bieten eine breite Palette an Fächern, wobei naturwissenschaftliche und technische Ausbildungen zunehmend gefördert werden, um den regionalen Arbeitsmarkt zu stärken.
Der Unterricht folgt dem französischen Lehrplan, was oft Kritik auslöst, da lokale Geschichte und Kreolisch nur marginal integriert sind. Schulen in abgelegenen Gebieten, wie auf Marie-Galante oder La Désirade, leiden unter Lehrermangel und veralteter Infrastruktur, während städtische Schulen mit Überfüllung und sozialen Spannungen kämpfen. Die Schulabbrecherquote liegt bei etwa 10 %, beeinflusst durch Armut und die Notwendigkeit, früh zu arbeiten, insbesondere in landwirtschaftlichen Gemeinden wie Capesterre-Belle-Eau.
Die berufliche Bildung ist ein wachsender Sektor, da Guadeloupe mit hoher Jugendarbeitslosigkeit (über 40 %) zu kämpfen hat. Zentren wie das Centre de Formation d’Apprentis (CFA) in Baie-Mahault bieten Ausbildungen in Handwerk, Tourismus, Landwirtschaft und Gesundheitsberufen, die auf die Bedürfnisse der Insel zugeschnitten sind. Programme wie die Mission Locale unterstützen Jugendliche ohne Abschluss durch Kurse und Praktika, etwa in der Zuckerrohrverarbeitung oder im Hotelsektor. Weiterbildung für Erwachsene wird über Einrichtungen wie das Greta Guadeloupe gefördert, das Kurse in Sprachen, IT und Management anbietet, oft in Kooperation mit der Region und EU-Fonds. Dennoch bleibt die Finanzierung begrenzt, und viele Programme erreichen ländliche Gebiete wie Sainte-Rose nur eingeschränkt, was die soziale Mobilität einschränkt.
Höhere Bildung
Die Universität der Antillen (Université des Antilles, UA) mit ihrem Hauptcampus in Fouillole bei Pointe-à-Pitre ist die zentrale Hochschuleinrichtung, die Studiengänge in Rechtswissenschaften, Wirtschaft, Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften anbietet. Sie bedient rund 10.000 Studenten, von denen viele aus Guadeloupe, Martinique oder anderen karibischen Inseln kommen. Die UA ist Teil des französischen Hochschulsystems, was Abschlüsse wie Licence, Master und Doctorat ermöglicht, aber die Abwanderung von Absolventen nach Frankreich oder Kanada ist hoch, da lokale Beschäftigungsmöglichkeiten begrenzt sind. Forschungszentren konzentrieren sich auf Themen wie Klimawandel, Vulkanologie und kreolische Kultur, doch die Finanzierung bleibt abhängig von EU-Mitteln und nationalen Zuschüssen. Ergänzende Einrichtungen wie das Institut Universitaire de Formation des Maîtres (IUFM) bilden Lehrer aus, während kleinere Institute wie die École de Commerce in Basse-Terre Managementkurse anbieten. Studiengebühren sind niedrig, da die Universität staatlich finanziert ist, aber Lebenshaltungskosten in Pointe-à-Pitre belasten Studierende, weshalb regionale Stipendien wie die Aide Régionale aux Étudiants (bis September 2025 beantragbar) gefragt sind.
Bibliotheken und Archive
Als Département untersteht die Infrastruktur dem Conseil Départemental, der Regionalrat und der Académie de Guadeloupe, mit einem Fokus auf öffentliche Lese- und Forschungsangebote, die durch die insularen Bedingungen – begrenzte Flächen, Hurrikanrisiken und hohe Abhängigkeit von Subventionen – geprägt sind. Die Einrichtungen dienen nicht nur der Konservierung von Wissen, sondern auch der Förderung der kreolischen Identität, der Digitalisierung und der Inklusion, wobei etwa 35 Bibliotheken und Mediathèques verteilt über die Hauptinseln Grande-Terre und Basse-Terre sowie kleinere Archipelinseln wie Marie-Galante existieren. Diese Einrichtungen kämpfen mit Herausforderungen wie Personalmangel, alternder Infrastruktur und ungleichem Zugang in ländlichen Gebieten, doch Initiativen wie die Mediathèque Numérique de Guadeloupe erweitern den Zugriff digital.
Die Bibliothèque Départementale de Prêt (BDP), seit 2017 offiziell als Bibliothèque Départementale bezeichnet, ist die zentrale Koordinationsstelle für das öffentliche Bibliothekswesen und wurde 1967 gegründet. Sie implementiert den Schéma Départemental de Développement de la Lecture Publique und unterstützt ein Netzwerk von über 30 kommunalen Bibliotheken und Mediathèques, indem sie Bücher, Ressourcen und Schulungen bereitstellt. Die BDP fördert Veranstaltungen wie die Nuits de la Lecture (vom 23. bis 26. Januar 2025 mit 14 teilnehmenden Einrichtungen) oder die Jeux Olympiques des Bibliothèques, die im Juli 2024 im Fort Fleur d’Épée stattfanden und Themen wie „Patrimoines“ – einschließlich kulturellem Erbe, Kulinarik und Musik – beleuchteten. Ergänzt wird dies durch die Mediathèque Numérique de Guadeloupe, eine seit 2018 betriebene Online-Plattform mit Tausenden digitaler Ressourcen wie E-Books, Filmen, Comics, Presse, Musik und Autoformationskursen zu Sprachen, IT oder dem Code de la Route. Zugänglich für Abonnenten der kommunalen Bibliotheken, ist sie rund um die Uhr verfügbar und adressiert die digitale Kluft, insbesondere in abgelegenen Gebieten. Lokale Beispiele sind die Médiathèques Nord Guadeloupe mit ihrem Online-Katalog, der Veranstaltungen wie Poetry-Slam-Abende in Anse-Bertrand anbietet, oder die Bibliothèque Municipale in Sainte-Anne, die traditionelle Leseangebote mit Community-Events verbindet. Diese kommunalen Einrichtungen, oft mit Öffnungszeiten von montags bis samstags (8 bis 17 Uhr), bieten kostenlosen Zugang zu lokaler Literatur, einschließlich Werken zu guadeloupischer Geschichte und Kreol-Kultur, und integrieren sich in das nationale System der Bibliothèque Nationale de France.
Die Universitätsbibliotheken der Université des Antilles (UA) ergänzen das Angebot mit einem Fokus auf akademische Forschung und karibische Studien. Die Bibliothèques Universitaires de Guadeloupe umfassen sieben Standorte, darunter den Hauptcampus in Fouillole bei Pointe-à-Pitre, der Millionen von Kapiteln aus Büchern und Zeitschriften in Volltext bereitstellt. Der Katalog Kolibris+ vereint gedruckte und digitale Bestände, einschließlich Thèses, Mémoires und Ressourcen zur Caraïbe-Amazonie über die Plattform Manioc. Studierende erhalten Zugang durch ihre Universitätsmatrikel, und Programme wie der Unterricht in Methodologie documentaire für L1/L2- und BUT-Studenten unterstützen den Einstieg ins Hochschulstudium. Die BU fördert auch Initiativen wie das Prix du Livre Étudiant oder Lesen-Kampagnen bis Oktober 2025, die auf Disziplinen-spezifische Ressourcen abzielen und die Abwanderung von Absolventen durch lokale Relevanz mindern sollen. Ergänzend existiert die Médiathèque Caraïbe Bettino Lara (Laméca), eine seit 1997 betriebene Spezialsammlung, die karibische Kulturen durch Bücher, audiovisuelle Medien und Ausstellungen dokumentiert und als Brücke zu benachbarten Regionen dient.
Die Archive auf Guadeloupe, vor allem die Archives Départementales in Basse-Terre, stellen das historische Gedächtnis der Insel dar und sind seit den 1960er Jahren mit einer umfangreichen Bibliothek verbunden, die über 11.000 Werke vom 17. Jahrhundert bis heute umfasst. Diese Sammlung, bereichert durch Käufe, Spenden und das Dépôt légal, enthält seltene Editionen zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur der Guadeloupe und ist ausschließlich vor Ort in der Salle de Lecture konsultierbar, ohne Ausleihe. Die Archive bewahren öffentliche und private Fonds, einschließlich Papiere zur Kolonialzeit, Sklaverei und Migration (zum Beispiel BUMIDOM in den 1960er und 1970er Jahren), und digitalisieren Teile über Manioc, eine Bibliothek numérique der Caraïbes. Als Pôle associé der BnF für das Dépôt légal imprimeur, erhalten sie alle gedruckten Werke des Départements und schließen lokale Feiertage wie Mardi Gras oder Mi-Carême ein. Das Service Éducatif organisiert Ausstellungen wie „Adolphe Catan, un regard guadeloupéen“ oder „Le Sport en Guadeloupe“, die itinerant an Schulen, Bibliotheken und Tourismusbüros verliehen werden und Themen wie Esclavage, Abolition oder Gendarmerie-Geschichte beleuchten. Partnerschaften mit der Gendarmerie oder Solidarité Femmes Guadeloupe ermöglichen interdisziplinäre Projekte, etwa zu häuslicher Gewalt. Die Archive sind von montags bis freitags geöffnet (außer Feiertagen) und dienen Forschern, Genealogen und Medienproduzenten, wobei der Katalog der Presse und der BnF-Integration den Zugriff erleichtern. Weitere kleinere Archive, wie territoriale Fonds in Guyane mit guadeloupischen Bezügen, sind online zugänglich und erweitern das Netz.
Kultur
Zahlreiche Monumente und Denkmäler erinnern an die Kolonialzeit. Im Museum Schoelcher wird der Sklavenbefreiung gedacht. In Guadeloupe finden Sie eine Jahrhunderte alte Verschmelzung aus französischen und kreolischen Elementen, die sich in unserer eleganten Lebenskultur, unserer Kleidung und nicht zuletzt in unserer äußeren Erscheinung zeigt.
Museen
Als Teil des französischen Kulturerbes sind die meisten Museen staatlich oder regional gefördert, oft in historischen Gebäuden oder naturnahen Lagen untergebracht, und dienen der Bewahrung der kreolischen Identität, die afrikanische, europäische, indigene und indische Einflüsse vereint. Die Museen sind typischerweise klein bis mittelgroß, mit Öffnungszeiten von montags bis samstags (oft 9 bis 17 Uhr), und Eintrittspreisen zwischen 2 und 12 Euro, wobei Kinder und EU-Bürger ermäßigt oder kostenlos eintreten. Sie sind über die Hauptinseln Grande-Terre und Basse-Terre verteilt, mit Fokus auf Pointe-à-Pitre als kulturellem Zentrum, und ergänzen das Tourismusangebot durch Führungen, Workshops und temporäre Ausstellungen, die Themen wie Sklaverei, Rumproduktion oder indigene Petroglyphen beleuchten.
Viele Museen integrieren interaktive Elemente, wie Kostümpräsentationen oder Destillerie-Touren, und betonen die soziale Rolle, etwa durch Bildungsprogramme für Schulen oder Gedenkstätten zur Abschaffung der Sklaverei 1848. Insgesamt bieten sie einen Einblick in die komplexe Geschichte Guadeloupes, ohne die dunkle Kolonialvergangenheit zu beschönigen, und sind oft mit umliegenden Märkten oder Naturrouten verbunden, was den Besuch zu einer ganzheitlichen Erfahrung macht.
Die wichtigsten Museen der Insel sind:
- Aquarium de la Guadeloupe: Größtes Aquarium der Karibik mit tropischen Fischen, Korallen und Meereslebewesen; in Le Bas du Fort (Le Gosier, Grande-Terre); Fokus: Marine Biologie und Ökosysteme.
- Domaine de Valombreuse: Historisches Anwesen mit Museum zu kolonialer Architektur, Gärten und Alltagsleben; in Petit-Bourg (Basse-Terre); Fokus: Kreolische Lebensweise und Natur.
- Ecomusée Créole de la Guadeloupe: Freilichtmuseum mit traditionellen Hütten, Pflanzen und Tieren; in Sainte-Marie (Grande-Terre); Fokus: Kreolische Kultur und Biodiversität.
- Écomusée de Marie-Galante: Ruinen einer Zuckerrohrplantage mit Ausstellungen zur Sklaverei und Agrargeschichte; auf Marie-Galante; Fokus: Industrielle Vergangenheit und Plantagenleben.
- Edgar Clerc Archaeological Museum: Präkolumbianische Artefakte, Petroglyphen und indigene Geschichte; in Le Moule (Grande-Terre); Fokus: Arawak- und Kariben-Kulturen.
- Maison de la Banane: Museum zur Bananenproduktion mit interaktiven Exponaten und Plantagenführungen; in Sainte-Marie (Grande-Terre); Fokus: Landwirtschaft und Wirtschaft.
- Memorial ACTe (MACTe): Modernes Museum zur Sklaverei und Sklavenhandel mit Multimedia-Installationen; in Pointe-à-Pitre (Grande-Terre); Fokus: Koloniale Geschichte und Menschenrechte.
- Musée Café: Ausstellungen zur Kaffeepflanzung, Verarbeitung und Geschichte; in Vieux-Habitants (Basse-Terre); Fokus: Agrarkultur und Kolonialwirtschaft.
- Musée Costumes et Traditions: Sammlung von Trachten, Ritualen, Pflanzen und globalen Einflüssen; in Le Gosier (Grande-Terre); Fokus: Kulturelle Vielfalt und Traditionen.
- Musée du Rhum: Rum-Destillerie-Museum mit Destillationsprozess, Modellschiffen und Produkten; in Sainte-Rose (Basse-Terre); Fokus: Rumherstellung und karibische Geschichte.
- Musée Schoelcher: Leben und Werk des Abolitionisten Victor Schoelcher; in Pointe-à-Pitre (Grande-Terre); Fokus: Abschaffung der Sklaverei und Menschenrechte.
- Parc Archéologique des Roches Gravées: Freilichtpark mit präkolumbianischen Felsritzungen; in Trois-Rivières (Basse-Terre); Fokus: Indigene Kunst und Archäologie.
Architektur
Die Kultur von Guadeloupe ist von französischen, afrikanischen sowie ost- und westindischen Einflüssen geprägt. Diese Mischung wird besonders in der Architektur deutlich, die vom französischen Kolonialstil bis zu Hindu-Tempeln reicht, sowie in dem lokalen kreolischen patois, das vorwiegend zu Hause gesprochen wird.
Vor der Ankunft von Christoph Kolumbus 1493 lebten die Kariben in einfachen, funktionalen Strukturen, bekannt als „Carbets“, die aus Holz, Palmblättern und Lianen gebaut waren. Diese offenen, strohgedeckten Hütten, oft rund oder rechteckig, waren an das tropische Klima angepasst, mit erhöhten Böden gegen Überschwemmungen und guter Belüftung. Mit der französischen Kolonisierung ab 1635 entstanden Plantagenhäuser („Habitations“), wie die Habitation La Grivelière in Vieux-Habitants, die aus Stein und Holz errichtet wurden und europäische Stile wie Barock oder Klassizismus mit karibischen Elementen kombinierten. Diese Herrenhäuser, oft mit großen Veranden und hohen Decken, dienten weißen Pflanzern (Békés) und waren von Sklavenhütten umgeben, die einfache Lehm- oder Holzkonstruktionen waren. Koloniale Kirchen wie die Cathédrale Notre-Dame-de-Guadeloupe in Basse-Terre (18. Jahrhundert) zeigen französische Einflüsse mit barocken Fassaden, angepasst an lokale Materialien wie Vulkangestein. Befestigungsanlagen wie Fort Delgrès in Basse-Terre oder Fort Fleur d’Épée in Le Gosier, aus dem 17./18. Jahrhundert, nutzten Stein und strategische Lagen zur Verteidigung gegen Piraten und rivalisierende Kolonialmächte.
Die kreolische Architektur, die im 19. Jahrhundert nach der Abschaffung der Sklaverei 1848 aufblühte, ist ein Markenzeichen Guadeloupes. Typisch sind die „Cases Créoles“, ein- oder zweistöckige Holzhäuser mit bunten Fassaden, großen Fenstern und Veranden („Galerien“), die für Belüftung sorgen. Diese Häuser, oft auf Stelzen gegen Überschwemmungen, verwenden lokale Hölzer wie Mahagoni und sind mit Wellblechdächern ausgestattet, die Hurrikane überstehen. Beispiele finden sich in Pointe-à-Pitre oder auf Marie-Galante, wo sie mit Madras-Stoffen dekoriert sind, die die kulturelle Métissage widerspiegeln. Die Architektur integriert afrikanische Elemente, wie offene Innenhöfe, und indische Einflüsse, etwa in den filigranen Holzverzierungen der indo-guadeloupéischen Gemeinschaften. Fischerhütten auf Les Saintes, mit ihren kompakten Formen und Salako-Dächern, zeigen regionale Varianten. Diese Strukturen sind funktional und ästhetisch, betonen die Gemeinschaft und passen sich an die tropische Umgebung an, bleiben jedoch durch die Abhängigkeit von importierten Materialien und Modernisierung gefährdet.
Seit der Departmentalisierung 1946 hat sich die Architektur Guadeloupes modernisiert, beeinflusst durch französische Standards und den Tourismusboom. Beton und Stahl dominieren in städtischen Zentren wie Pointe-à-Pitre, wo Gebäude wie das Einkaufszentrum Destreland in Baie-Mahault oder das Centre Hospitalier Universitaire (CHU) in Les Abymes funktionale, hurrikansichere Designs nutzen. Das Memorial ACTe (2015) in Pointe-à-Pitre, entworfen von einem Architektenteam unter Leitung von Jean-Michel Mocka-Celestine, ist ein ikonisches Beispiel: Seine schwarze Granitfassade und silberne Gitterstruktur symbolisieren die Sklaverei und Befreiung, während die Architektur Nachhaltigkeit und Offenheit betont. Öffentliche Gebäude wie die Mediathèque Caraïbe in Basse-Terre oder das Artchipel-Theater in Les Abymes kombinieren moderne Ästhetik mit kreolischen Elementen, wie farbigen Fassaden oder offenen Räumen. Wohnsiedlungen in Vororten wie Lamentin setzen auf standardisierte Betonbauten, die jedoch oft Kritik wegen mangelnder kultureller Einbindung erfahren. Nachhaltige Projekte, wie die Nutzung von Geothermie in Bouillante für energieeffiziente Gebäude, gewinnen an Bedeutung, unterstützt durch EU-Programme wie den Fonds de Développement Économique et Social.
Bildende Kunst
Die bildende Kunst auf Guadeloupe, einer französischen Übersee-Region in der Karibik, ist ein dynamisches Spiegelbild der insularen Geschichte, geprägt von der kolonialen Vergangenheit, der Sklaverei, der kreolischen Vielfalt und den Einflüssen indigener, afrikanischer, europäischer sowie indischer Kulturen. Als Teil des französischen Kultursystems wird sie durch das Ministère de la Culture und regionale Institutionen wie den Direction des Affaires Culturelles (DAC) Guadeloupe gefördert, das Beihilfen für Künstler, Galerien und Ausstellungen vergibt. Die Kunstszene erstreckt sich von traditioneller Malerei und Skulptur über Street Art und Fotografie bis hin zu zeitgenössischen Installationen, oft mit Fokus auf Themen wie Identität, Migration, Umweltzerstörung und der Auseinandersetzung mit der Sklaverei. Die tropische Umgebung – vulkanische Landschaften, Mangroven und Hurrikanrisiken – inspiriert viele Werke, während die enge Bindung an Frankreich internationale Anerkennung ermöglicht, etwa durch Ausstellungen im Louvre. Dennoch kämpft die Szene mit begrenzten Ressourcen, Abhängigkeit von Subventionen und der Abwanderung von Talenten in das Festland, was zu einer hybriden, resilienten Kunst führt, die lokale Narrative global verortet.
Die Geschichte der bildenden Kunst auf Guadeloupe reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück, als erste Künstler wie Guillaume Guillon Lethière (1760 bis 1832), geboren in Guadeloupe als Sohn einer freien afrikanischen Mutter und eines weißen Franzosen, mit neoklassizistischen Gemälden wie „Le Serment des Ancêtres“ (1822) die Themen Freiheit und Abstammung aufgriffen. Lethière, der in Paris als Schüler Jacques-Louis Davids Karriere machte, symbolisiert den Übergang von kolonialer Unterdrückung zu abolitionistischer Kunst; eine Retrospektive im Louvre von November 2024 bis Februar 2025 ehrt ihn als „Guillon Lethière, né à la Guadeloupe“. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert dominierten europäische Einflüsse, mit Künstlern wie Louis-Auguste Cyparis oder den impressionistischen Werken von Suzanne Célèste Hutchings, die Landschaften und Alltagsleben darstellten. Die Négritude-Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg, beeinflusst von Aimé Césaire, weckte ein Bewusstsein für afrikanische Wurzeln, was in den Werken von Künstlern wie Pablo Chiasera oder den Skulpturen von Hector Charpentier widerhallte, die kreolische Motive mit abstrakter Formensprache verbanden. Die Unabhängigkeitsdebatten der 1960er und 1970er Jahre förderten eine „antillanische“ Kunst, die Sklaverei und Kolonialismus kritisierte, etwa in den Installationen des Memorial ACTe (eröffnet 2015), einem UNESCO-Projekt, das mit architektonischen Skulpturen von Kengo Kuma die dunkle Geschichte der Sklavenroute visualisiert. Heute integriert die Szene zeitgenössische Medien wie Video und Street Art, unterstützt durch EU-Fördermittel, die Projekte wie öffentliche Aufträge oder Künstlerresidenzen finanzieren.
Wichtige Künstler und Strömungen prägen die aktuelle Landschaft: Jérôme Filleau, ein renommierter Kunstkenner, kuratiert das Musée des Beaux-Arts in Saint-François (eröffnet 2017), das Werke lokaler Talente aus dem 16. bis 20. Jahrhundert zeigt, darunter Gemälde von guadeloupéenschen Meistern wie Louis-Philippe Mayard oder zeitgenössische Street-Artisten wie Kitsimis, dessen geschnitzte Objekte urbane Reflexionen mit traditioneller Holzarbeit verbinden. Weitere Ikonen sind Joby Bernabé mit abstrakten Skulpturen zu Identität oder die Fotografin Sonia Lavigne, die Migration und Diaspora dokumentiert. Die Szene ist vielfältig: Junge Künstler wie die Kollektive in Pointe-à-Pitre experimentieren mit Street Art, die koloniale Symbole umdeuten, während Bildhauer wie Roland Hyppolite vulkanische Materialien für umweltkritische Installationen nutzen. Galerien wie das Centre d'Art Contemporain in Basse-Terre oder das Village Artisanal in Pointe-à-Pitre dienen als Plattformen, wo Ausstellungen zu Themen wie Klimawandel oder kreolischer Mythologie gezeigt werden. Öffentliche Aufträge, zum Beispiel für das Artchipel-Theater, integrieren Kunst in den urbanen Raum und fördern den Dialog zwischen Künstlern und Gemeinden.
Museen und Ausstellungsorte sind zentrale Knotenpunkte: Das Memorial ACTe in Pointe-à-Pitre, ein ikonisches Gebäude aus Glas und Beton, verbindet Kunst mit Geschichtsdidaktik und beherbergt Installationen zu Sklaverei und Widerstand, die Besucher emotional konfrontieren. Das Musée des Beaux-Arts in Saint-François füllt Lücken in der Sammlung lokaler Werke und präsentiert von flämischen Meistern bis zu modernen guadeloupéenschen Künstlern. Das Musée Costumes et Traditions in Le Gosier integriert Kunsthandwerk wie bemalte Textilien und Skulpturen in ethnografische Ausstellungen, während das Edgar Clerc Archaeological Museum in Le Moule präkolumbianische Petroglyphen und Artefakte zeigt, die indigene Einflüsse auf die Kunstgeschichte beleuchten. Weitere Orte wie das Domaine de Valombreuse in Petit-Bourg oder das Musée Schoelcher in Pointe-à-Pitre bieten Einblicke in koloniale Architektur und abolitionistische Ikonografie. Festivals wie das Festival des Arts Urbains oder die Biennale d'Art Contemporain fördern temporäre Installationen und laden internationale Künstler ein, was die Szene belebt.
Literatur
Lange waren die Chronisten und ihre Reiseberichte die einzigen Zeugnisse der neu besiedelten Inseln, wie zum Beispiel Jean-Baptiste du Tertre (Allgemeine Geschichte der von Franzosen besiedelten Antillen - L'Histoire générale des Antilles habitées par les Français, 1640). Die Literatur des 19. Jahrhunderts wurde von der Sehnsucht der Siedler nach einer verschwundenen Welt dominiert, wie bei Pirié Saint-Aurèle, Rosemond de Beauvallon und Saint-John Perse.
Frühe Werke wie „Cyprès et palmistes“ von Poirié Saint-Aurèle (1826) oder „Hier, Aujourd’hui!“ von Rosemond du Beauvallon thematisierten die gesellschaftlichen Spaltungen zwischen Weißen, Mulatten und Schwarzen. Im 20. Jahrhundert beeinflussten europäische Strömungen wie Romantismus und Symbolismus Autoren wie Gilbert de Chambertrand, bevor die Négritude nach dem Zweiten Weltkrieg eine Welle der Identifikation auslöste.
Erst ab den 1930er Jahren entstand eine Literatur der Antillen aus den Bewegungen der négritude, antillanité und créolité, die in den Schriften von Aimé Césaire, Léopold Sédar Senghor (Balles d'Or, 1961) und Damas zum Ausdruck kommt. Die Inseln von Guadeloupe zeichnen sich durch die Präsenz von Schriftstellerinnen aus, die totgeschwiegene Frauenschicksale aufdecken. Die bekanntesten sind Maryse Condé, die Autorin des berühmten Roumans Segou-Saga sowie Simone Schwartz-Bart und Giséle Pineau.
Die heutige Literatur ist geprägt von einer métissée Moderne, mit Paris-basierten Verlagen und Übersetzungen in zahlreiche Sprachen. Maryse Condé, Nobelpreiskandidatin und Ikone, beleuchtet in Romanen wie „Traversée de la Mangrove“ (1989), „Desirada“ (1997) oder „La migration des coeurs“ (2009) Themen wie Tod, Identität und Diaspora, oft mit mythischen Elementen und feministischer Perspektive. Simone Schwarz-Bart fängt in „Pluie et vent sur Télumée Miracle“ (1972) die Resilienz einer guadeloupéischen Bäuerin ein, ein Klassiker der antillaischen Erzählung. Weitere Schlüsselautoren sind Gisèle Pineau mit ihren Romanen und Kinderbüchern über Kindheit und Trauma (zum Beispiel „L'Exil selon Julia“, 1996), Saint-John Perse (Nobelpreisträger 1960) mit seinem „antillaischen Zyklus“ in „Éloges“ und „La Gloire des Rois“, oder Ernest Pépin, der in „L'Homme-au-bâton“ (1992) und „Tambour-Babel“ (1996) die kreolische Oralität und soziale Konflikte erforscht. Zeitgenössische Stimmen wie Marie-Christine Rochmann analysieren in „L'esclave fugitif dans la littérature antillaise“ (2000) die afrikanischen Imaginäre, während Plattformen wie „Île en Île“ eine Datenbank für guadeloupéische Autoren pflegen.
Der wohl bekannteste Dichter von Guadeloupe ist Alexis Léger, der unter dem Pseudonym St John Perse schrieb und 1960 „für den hohen Flug und die bildschöpferischen Phantasien seiner Dichtung, die die Zeitlage visionär widerspiegelt“ mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Zu seinen vielen berühmten Werken gehört Anabase (1925). Die führende zeitgenössische Schriftstellerin der Französischen Antillen ist Maryse Condé, die auf Guadeloupe geboren wurde. Zwei ihrer Bestseller-Romane wurden in die englische Sprache Übersetzt: Tree of Life und Crossing the Mangrove.
Theater
Das Theater auf Guadeloupe ist ein dynamischer Raum für soziale und poetische Auseinandersetzung, der sich in Amateur- und Profi-Compagnies entfaltet und oft mit Musik, Tanz und Kreolisch verknüpft, um Themen wie Sklaverei, Kolonialismus und Identität zu beleuchten. Institutionen wie L'Artchipel in Les Abymes, die Scène nationale, dienen als zentrale Bühne für pluridisziplinäre Spektakel und subventionieren Projekte durch das Ministère de la Culture. Die Compagnie Courtes Lignes, eine Amateurtruppe unter Leitung von Claude-Georges Grimonprez seit den 1980er Jahren, inszeniert klassische und zeitgenössische Stücke wie Werke von Molière oder Pinter, mit jährlichen Produktionen in Guadeloupe und Martinique, die Debatten in Schulen anregen und von der Fédération Nationale des Compagnies de Théâtre Amateur unterstützt werden.
Professionelle Gruppen wie die Compagnie Milétoiles bieten Kurse, Residenzen und Stücke für Jung und Alt, während Ce Que Jeu Veut die lokale Dramatik fördert und die Compagnie Siyaj Elemente aus Theater, Conte, Gesang und Tanz zu einer karibéenschen Identität verschmilzt. Die Compagnie du Théâtre des Grandes Personnes zeichnet sich durch engagierte, poetische Werke aus, die historische Traumata wie die Sklaverei aufgreifen, und Tambour-Battant integriert Danse und Musik in hybride Formate.
Die Compagnie de Théâtre Amateur Courtes Lignes betont handgefertigte Décors und Kostüme, um zugängliche Stücke zu schaffen. Jährliche Events wie das Festival Off in Avignon, wo acht guadeloupéensche Compagnies (zum Beispiel in der Chapelle du Verbe Incarné oder Théâtre du Balcon) auftreten, oder lokale Saisons im Ciné-Théâtre de Lamentin erweitern den Radius. Förderprogramme wie die Aides Déconcentrées au Spectacle Vivant (ADSV) des Ministère de la Culture, mit Kommissionen im Februar 2026, unterstützen unabhängige Teams in Théâtre, Arts de la Rue und Cirque. Das Theater ist somit ein kollektiver Akt des Erinnerns und der Kritik, der Gemeinschaften stärkt und internationale Anerkennung findet, etwa durch Tourneen in Europa.
Film
Der Film auf Guadeloupe, obwohl von begrenzter Produktion geprägt, gewinnt an Schwung durch Festivals und Ausbildungsinitiativen, die lokale Geschichten von Gewalt, Diaspora und Resilienz erzählen und oft als Dokumentationen oder Fiktionen die karibische Realität einfangen. Frühe Werke wie „Guadeloupe, le pays des Belles-Eaux“ (1928) von Alfred Chaumel, ein pittoresker Dokumentarfilm über Landschaften und Plantagen, kontrastieren mit modernen Produktionen, die soziale Themen priorisieren. Regisseure wie Nelson Foix thematisieren in „Zion“ (2025), einem Thriller über Deals, Motorrad-Rodéos und Paternität in guadeloupéenschen Vierteln, die Jugendgewalt und Rédemption, produziert von Jamel Debbouze und ein Box-Office-Erfolg in den Antillen. Evariste Richer und andere tragen zur Szene bei, oft in Kooperation mit Frankreich. Wichtige Filme umfassen „Minuscule 2: Les Mandibules du bout du monde“ (2019, Animation mit Drehorten in Guadeloupe), „Voukoum“ (2012, Dokumentar über eine Musikgruppe, preisgekrönt) oder die TV-Serie „Villa Karayib“ (2014). Das Cinéstar International Film Festival (CIFF) seit 2025 feiert antillaische Produktionen, mit Wettbewerben für unabhängige Filme, Rencontres Professionnelles und Fenêtres auf afrikanische und karibische Wurzeln, inklusive einer Journée de la Création Cinématographique und Preisen wie dem Grand Prix.
Das Festival FEMI (Festival Régional et International du Cinéma), in seiner 30. Edition 2026 im Ciné-Théâtre de Lamentin, lädt bis Dezember 2025 zu Einsendungen ein und ehrt Talente wie David Parra-Serrano oder Michel Reinette, mit Fokus auf Long-Métrages und Scénaristes. Die École Kourtrajmé Caraïbes, gegründet von Sévrine Guims mit Unterstützung von Kim Chapiron und Romain Gavras, bildet seit 2025 eine Generation von Filmemachern aus, inspiriert vom Kollektiv in Montfermeil, und adressiert lokale Barrieren wie fehlende Infrastruktur. Plattformen wie Caribbean Cinédiles VOD (seit 2020) machen 50 Filme guadeloupéenscher, martiniquaischer und karibéenscher Herkunft zugänglich, untertitelt in Kreolisch, Englisch oder Spanisch, für 1 bis 2 Euro. Kinos wie Cinéstar Multiplexe (10 Säle in Les Abymes), Cinéma d'Arbaud in Basse-Terre oder das Cinéma de Capesterre-Belle-Eau zeigen lokale und internationale Streifen, doch die Szene leidet unter Importabhängigkeit und begrenzten Budgets. Insgesamt positioniert sich der guadeloupéensche Film als Stimme der Diaspora, mit wachsendem internationalen Echo durch Festivals und VOD, das die Insel von einem Drehort zu einem Produktionszentrum macht.
Musik und Tanz
Seit jeher sind für die Menschen auf Guadeloupe Musik und Tanz eine Quelle des Dialogs. Die wohl populärste Tanzmusik ist der Zouk, der in den Straßen, Cafés und den zahlreichen Diskotheken der Insel das Blut zum Kochen bringt. Die allgegenwärtige Musik der Antillen entstand aus der Mischung der Kulturen und spiegelt ihre europäische und afrikanische Herkunft wider: einerseits die von Trommeln begleiteten Lieder der Arbeiter, die dem Gwo Ka angehören und somit vor allem afrikanisch geprägt sind, andererseits die von der europäischen Quadrille, einer Orchestermusik, beeinflussten Biguines. Die Quadrille hat es ermöglicht, in die Musikgesellschaften von Guadeloupe neue Klänge wie die Geige oder das traditionelle Akkordeon zu integrieren. Später, in den 1980er Jahren, führte ihre Verschmelzung zur Geburt des Zouk mit der Gruppe Kassav. Die Texte wurden auf kreolisch gesungen, die Trommeln gaben den Rhythmus an und das Tempo stammte aus der Biguine. Der populärere Gwo Ka wird von Trommeln geprägt und von sieben Rhythmen begleitet: „Léwoz, Toumblak, Grage, Kaladja, Woulé, Mindé, Padjanbel“.
Der Karneval ist ein sehr wichtiges Fest auf Guadeloupe und Martinique. Die Musik spielt eine wichtige Rolle: guadeloupeanische Gwo-Ka-Ensembles, Zouk-Musik und guadeloupeanische Big Bands marschieren über die Insel, reisen umher und führen Musik auf, die als C (oder einfach nur Videé) bekannt ist, ähnlich wie brasilianische Sambaschulen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Karneval auf beiden Inseln zurück und wurde erst in den 1980er Jahren mit neuen Formaten und neuen Traditionen wiederbelebt. Auf beiden Inseln werden während der Karnevalsfeiern Lieder im Stil von Call-and-Response gesungen.
Biguine vidé ist eine schnellere Version des Biguine-Rhythmus, die andere Karnevalselemente kombiniert. Es handelt sich um Mitmachmusik, bei der der Bandleader eine Strophe singt und das Publikum darauf antwortet. Man kann sich ein improvisiertes Schlaginstrument schnappen und mitmachen. Zum Karneval gehören traditionell Tänze afrikanischen Ursprungs, darunter Laghia, Haut-Taille, Grage, Calinda und Bel-Air. Zu den traditionellen Instrumenten gehören die Chacha-, Tibwa-, Maké-, Boula-, Tanbou-Chan- und Tanbou-Bas-Trommeln. Neben den Biguine Vidé-Bands finden im Rahmen des Vaval auch Gesangs- und Kostümwettbewerbe, Maskeraden und Zouk-Partys statt.
Die Gwo ka ist eine Familie von Handtrommeln, die für eine Form der Volksmusik auf Guadeloupe verwendet werden. Es gibt sieben Grundrhythmen der Gwo ka und zahlreiche Variationen jedes einzelnen. Unterschiedlich große Trommeln bilden das Fundament und die Verzierungen, wobei die größte, die Boula, den zentralen Rhythmus spielt und die kleineren, die Markeur- (oder Maké-) Trommeln, diesen verzieren und mit den Tänzern, dem Publikum oder dem Sänger zusammenspielen. Der Gwo ka-Gesang ist in der Regel guttural, nasal und rau, kann aber auch hell und sanft sein und wird von erhebenden und komplexen Harmonien und Melodien begleitet.
Die ländlichen Guadelouper verwenden die Gwo-Ka-Trommeln noch immer bei Gemeinschaftserlebnissen, die Lewozes genannt werden; dies ist die traditionellste Erscheinungsform der Gwo-Ka im modernen Guadeloupe. Die Gwo ka wird auch beim Karneval und anderen Festen gespielt. Eine modernisierte und popularisierte Form der Gwo ka ist auf den Inseln bekannt; sie wird als Gwo ka moderne bezeichnet.
Das guadeloupeanische Balakadri hielt sich bis ins 20. Jahrhundert und erlebte trotz der Unterbrechung nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1980er Jahren ein Comeback. Auch auf der von Guadeloupe verwalteten Insel Marie-Galante gibt es eine lebendige und gut dokumentierte Balakadri-Tradition. Wie auf Martinique (und den kreolischsprachigen Inseln St. Lucia und Dominica) bestehen die Kwadril-Tänze aus Quadrillen und kreolisierten Versionen der Paartänze des 19. Jahrhunderts: Biguines, Mazouks und Valses Créoles.
Obwohl Guadeloupe und Martinique meist nur für den international bekannten Zouk-Stil bekannt sind, haben die Inseln auch populäre Musiker in verschiedenen aktualisierten Stilen der traditionellen Biguine, Chouval Bwa und Gwo Ka hervorgebracht. Die weltberühmte Zouk-Band Kassav' ist nach wie vor die mit Abstand bekannteste Gruppe der Insel, während die guadeloupische Karnevalsband Akiyo die einzige Gruppe dieses Stils ist, die kommerzielle Aufnahmen gemacht hat.
In den 1970er Jahren brachte eine Welle von Haitianern, vor allem Musikern, nach Dominica und auf die Französischen Antillen (Guadeloupe und Martinique) die Kadans mit, eine ausgefeilte Musikform, die schnell die Insel eroberte und dazu beitrug, alle ehemaligen französischen Kolonien in der Karibik durch die Kombination ihrer kulturellen Einflüsse zu vereinen. Diese Haitianer knüpften an die früheren Erfolge von Mini-Jazz-Künstlern wie Les Gentlemen, Les Leopards und Les Vikings de Guadeloupe an.
Später in diesem Jahrzehnt und bis in die 1980er Jahre hinein wurde auf den Französischen Antillen ein Kadenzmusikstil namens Kadenz-Lypso populär. Gordon Henderson's Exile One innovierte diesen Stil und verwandelte die Mini-Jazz-Combos in gitarrendominierte Big Bands mit voller Bläsersektion und den neu aufkommenden Synthesizern und ebnete damit den Weg für den Erfolg großer Gruppen wie Grammacks, Experience 7 und anderen. Mit diesen Einflüssen erfand die Supergruppe Kassav' den Zouk und machte ihn mit Hits wie „Zouk-La-Se Sel Medikaman Nou Ni“ populär. Kassav' wurde 1978 in Paris gegründet.
Der Mini-Jazz entstand Mitte der 60er Jahre und zeichnet sich durch die Formel der Rockbands aus: zwei Gitarren, ein Bass, Schlagzeug-Konga-Kuhglocke, einige verwenden ein Altsaxophon oder einen kompletten Bläsersatz, andere ein Keyboard, Akkordeon oder eine Leadgitarre. Alle diese kleinen Jazzbands hatten jedoch ihre Gitarren in einem ausgefeilten Stil. In den 1970er Jahren dominierte der Mini-Jazz, der noch eine Variante des Méringue-Stils verwendete. Eine der Mini-Jazz-Gruppen, Tabou Combo, wurde zum populärsten Ensemble Haitis. Von Haiti aus wurde die Mini-Jazz-Formel in den 1970er Jahren auf die Französischen Antillen übertragen.
Die einflussreichste Figur bei der Förderung des Cadence-Lypso war die dominikanische Gruppe Exile One (mit Sitz auf der Insel Guadeloupe), die vor allem die Cadence Rampa von Haiti und Calypso-Musik aus der englischsprachigen Karibik spielte. Sie wurde in den 1970er Jahren von Gruppen aus Dominica vorangetrieben und war der erste dominikanische Musikstil, der internationale Anerkennung fand.
Die dominikanische Cadence-Musik entwickelte sich unter dem Einfluss dominikanischer und karibisch-lateinamerikanischer Rhythmen sowie von Rock'n'Roll, Soul und Funk aus den Vereinigten Staaten. Ende der 1970er Jahre definierte Gordon Henderson Cadence-Lypso als „eine Synthese aus karibischen und afrikanischen Musikmustern, die das Traditionelle mit dem Zeitgenössischen verbindet“.
Neben Exile One gehörten zu den Bands Grammacks, Black Roots, Black Machine, Naked Feet, Belles Combo, Mantra, Black Affairs, Liquid Ice, Wafrikai, Midnighte Groovers und Milestone, während zu den bekanntesten Sängern Bill Thomas, Chubby Marc, Gordon Henderson, Linford John, Janet Azouz, Sinky Rabess, Tony Valmond, Jeff Joseph, Mike Moreau, Anthony Gussie und Ophelia Marie gehörten.
Die Inspiration für den rhythmischen Musikstil des Zouk stammt aus dem haitianischen Compas sowie aus der Cadence-Lypso genannten Musik - der von Grammacks und Exile One populär gemachten Dominica Cadence. Elemente von Gwo ka, Tambour, Ti bwa und Biguine vidé sind im Zouk stark vertreten. Obwohl es viele verschiedene Zouk-Stile gibt, existieren einige Gemeinsamkeiten. Die französisch-kreolische Sprache von Martinique und Guadeloupe ist ein wichtiges Element und ein unverwechselbarer Bestandteil der Musik. Im Allgemeinen basiert der Zouk auf Star-Sängern, wobei Instrumentalisten wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, und basiert fast ausschließlich auf Studioaufnahmen.
Die Musikautoren Charles De Ledesma und Gene Scaramuzzo führen die Entwicklung des Zouk auf die guadeloupeanische gwo ka und die martinikanische bèlè (Tambour und ti bwa) Volkstradition zurück. Der Musikethnologe Jocelyn Guilbault beschreibt den Zouk jedoch als eine Synthese aus populären karibischen Stilen, insbesondere dem dominikanischen Kadenz-Lypso, der haitianischen Kadenz und der guadeloupeanischen Biguine. Der Zouk entstand in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren, wobei er Elemente früherer antillischer Musikstile sowie importierter Genres verwendete.
Zouk-Love ist die Kadenz oder der Compas der französischen Antillen, die durch einen langsamen, weichen und sexuellen Rhythmus gekennzeichnet ist. Die Texte der Lieder handeln oft von der Liebe und sentimentalen Problemen.
Die Musik Kizomba aus Angola und Cabo-Love von den Kapverden sind ebenfalls Ableitungen dieses Compas-Stils der Französischen Antillen, der im Grunde genommen gleich klingt, obwohl es deutliche Unterschiede gibt, wenn man sich mit diesen Genres näher beschäftigt. Eine der Hauptvertreterinnen dieses Subgenres ist Ophelia Marie. Andere Zouk Love-Künstler kommen von den französischen Westindischen Inseln, aus den Niederlanden und aus Afrika.
Zu den populären Künstlern gehören die französisch-westindischen Künstler Edith Lefel und Nichols oder, wie die Niederländer Suzanna Lubrano und Gil Semedo, die afrikanische Künstlerin Kaysha.
Eine modernere Version des Gwo ka ist der Gwo ka moderne, bei dem neue Instrumente wie Conga- oder Djembe-Trommeln, Glockenspiele und elektrische Bassgitarre hinzukommen. Im Grunde genommen verwenden diese Stile jedoch alle die gleichen sieben Grundrhythmen wie der volkstümliche Gwo ka. Die Zouk-Legenden Kassav' spielten eine wichtige Rolle bei der Modernisierung des Gwo ka, indem sie einem Stil, der als rückständig und unkultiviert galt, urbane Glaubwürdigkeit verliehen; sie spielten zunächst im Gro ka-Format, verwendeten Lieder aus der Gwo ka-Karnevalstradition des Mas a St. Jean und brachten auf ihren früheren Alben sogar eine Hommage an die traditionalistische Trommellegende Velo unter.
Zu den modernen Gwo ka-Künstlern gehören Pakala Percussion, Van Lévé und Poukoutan'n, aber auch poppigere Musiker wie Marcel Magnat und Ti Celeste, während Gerard Hubert und andere den Gwo ka mit dem Zouk verschmolzen haben. Der berühmteste moderne Gwo-Ka-Interpret ist jedoch William Flessel, dessen Message Ka aus dem Jahr 1994 ein internationaler Hit wurde.
Bouyon (Boo-Yon) ist eine Form der populären Musik auf Dominica, die in Guadeloupe und Martinique auch als Jump Up Music bekannt ist. Die bekannteste Band des Genres ist Windward Caribbean Kulture (WCK), die den Stil 1988 durch Experimente mit einer Mischung aus Kadenz-Lypso, Jing-Ping und anderen traditionellen Tänzen begründete.
Aufgrund der Popularität von Triple K International, Ncore und der neuen Generation von Bouyon-Bands, die auf den Französischen Antillen tourten, wird ein beliebter Ableger des Bouyon aus Guadeloupe Bouyon Gwada genannt. Der Jump Up hatte seine Blütezeit in den 90er Jahren mit Liedern wie Met Veye WCK, blieb aber als Hintergrundmusik oder Karneval abgestempelt. Im Laufe der Jahre, dank des Handels mit den Dominikanern und der massenhaften Teilnahme von Guadeloupe am World Creole Music Festival, begannen sich die Vorzeigegruppen wie Triple kay und MFR Band zu demokratisieren und lokale Künstler wurden aufgenommen, darunter der Remix Allo Triple kay mit Daly und „Big Ting Poppin 'Daly“ allein.
Ein beliebter Ableger der Bouyon Gwada ist der Bouyon Hardcore, ein Stil, der sich durch seine anzüglichen und gewalttätigen Texte auszeichnet. Zu den beliebten Bouyon gwada-Musikern gehören Wee Low, Suppa, Doc J, Yellow gaza undsoweiter.
Der Hip-Hop der Französischen Antillen ist eine Hip-Hop-Musikrichtung, die ihren Ursprung in den französischen Departements Guadeloupe und Martinique in der Karibik hat. Der Hip-Hop der Französischen Antillen ist in der Regel auf Französisch und Antillen-Kreolisch und ist vor allem auf den Französischen Antillen und in Frankreich beliebt.
Sidney Duteil (geboren als Patrick Duteil 1955 in Argenteuil, Val-d'Oise), besser bekannt als Sidney, ist ein französischer Musiker, Rapper, DJ, Fernseh- und Radiomoderator[11] und gelegentlicher Schauspieler guadeloupischer Herkunft. In Frankreich ist er vor allem für seine Verbindung zu den Anfängen der französischen Hip-Hop-Szene bekannt.
Kleidung
Im Alltag dominiert leichte, funktionale Kleidung. Baumwolle und Leinen sind die bevorzugten Materialien, da sie atmungsaktiv sind und Schweiß absorbieren. Männer tragen oft kurze Hosen, T-Shirts oder leichte Hemden, während Frauen Sommerkleider, Röcke oder Blusen bevorzugen. In städtischen Zentren wie Pointe-à-Pitre oder Baie-Mahault orientiert sich die Mode an französischen Trends, mit Marken wie Lacoste oder Mango in Einkaufszentren wie Destreland, wobei die Preise durch Importkosten oft 20 bis 30 % über denen in Frankreich liegen. Europäische Einflüsse zeigen sich in formeller Kleidung für Büro- oder Verwaltungsjobs, etwa Anzüge oder Kostüme, die jedoch durch die Hitze seltener getragen werden. In ländlichen Gebieten wie Sainte-Rose oder Capesterre-Belle-Eau ist die Kleidung schlichter, mit Fokus auf Funktionalität für Landwirtschaft oder Fischerei, etwa robuste Hosen und Strohhüte, die vor Sonne schützen.
Die traditionelle Kleidung Guadeloupes ist ein zentraler Ausdruck der kreolischen Kultur und wird besonders bei Festen wie Karneval, religiösen Feiern oder Hochzeiten sichtbar. Das „Madras“-Gewebe, ein bunt karierter Baumwollstoff, ist das bekannteste Symbol und stammt aus der Kolonialzeit, als es aus Indien importiert wurde. Frauen tragen oft das „Robe Créole“ oder „Robe Chapeau“, ein langes Kleid mit Volants und Spitze, kombiniert mit einem Madras-Kopftuch, das in komplexen Stilen wie „Tête Chaudière“ (mit spitzen Enden) gebunden wird. Diese Tracht, inspiriert von der Kleidung weißer Kolonistinnen und afrikanischer Ästhetik, wird durch Schmuck wie goldene Kreolen oder Perlenketten ergänzt. Männer tragen seltener traditionelle Kleidung, aber bei kulturellen Anlässen wie Gwo Ka-Tanzveranstaltungen sind weiße Baumwollhemden mit bestickten Westen oder Madras-Elementen üblich. Auf den kleineren Inseln wie Les Saintes ist der „Salako“, ein kegelförmiger Strohhut mit Madras-Besatz, ein ikonisches Accessoire, das ursprünglich von Fischern getragen wurde. Indische Einflüsse sind in der Kleidung der indo-guadeloupischen Gemeinschaft spürbar, etwa in Saris oder Kurta-Anzügen, die bei Hindu-Festen wie Diwali getragen werden, insbesondere auf Marie-Galante.
Kulturelle Veranstaltungen wie der Karneval (Februar/März) oder das Fest der Köchinnen (Fête des Cuisinières) in Pointe-à-Pitre heben die traditionelle Kleidung hervor, wobei Gruppen wie „Mas“-Bands farbenfrohe, handgefertigte Kostüme mit Federn, Perlen und Madras-Stoffen präsentieren. Diese Events fördern die lokale Textilproduktion, obwohl viele Stoffe importiert werden, was die Kosten erhöht. Handwerksmärkte, wie der Nachtmarkt in Le Gosier, bieten Madras-Textilien und traditionelle Kleidung, oft von kleinen Ateliers wie denen im Village Artisanal in Pointe-à-Pitre, doch die Konkurrenz durch importierte Fast Fashion aus Frankreich oder Asien bedroht diese Traditionen.
Die Kolonialzeit und die Sklaverei haben die Kleidung nachhaltig beeinflusst. Versklavte Afrikaner trugen einfache Baumwollkleidung, die von Plantagenbesitzern bereitgestellt wurde, und nutzten Madras-Stoffe, um individuelle Stile zu entwickeln, die als Akt des Widerstands galten. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1848 wurde die traditionelle Kleidung ein Symbol der kreolischen Identität, während die Békés (weiße Nachfahren der Kolonisatoren) europäische Mode bevorzugten. Heute fördern Initiativen wie die Ausstellungen im Musée Costumes et Traditions in Le Gosier die Bewahrung dieser Traditionen, während Schulen und kulturelle Vereine Workshops zu Madras-Weberei oder Salako-Herstellung anbieten.
Kulinarik und Gastronomie
Die Küche von Guadeloupe ist ein buntes Potpourri aus verschiedenen Regionen der Welt. Jede der Kulturen hat seine Spuren hinterlassen, so dass viele schmackhafte Gerichte entstanden sind. Insgesamt ist die Cuisine von Guadeloupe eine gut abgestimmte Mischung aus der kreolischen und französischen Kultur. Die Einheimischen genießen gleichermaßen ein pain au chocolat (ein Croissant-artiges, mit Schokolade gefülltes Gebäck) am Morgen, gefolgt von einem Hühner-Colombo (Curry) zu Mittag. Guadeloupe ist weltweit der zweitgrößte Fischkonsument pro Kopf, daher sollten Sie sich darauf einstellen, ihn auf der Speisekarte in vielen köstlichen Variationen zu finden. Ouassous (Flusskrebse) und auch die traditionelleren Fische wie vivanneau (Roter Schnapper / Red Snapper) werden in der Regel gegrillt oder eingelegt in aromatische kreolische Gewürze - Muskat, Ingwer, Vanille und Bockshornklee - serviert. Lambi (Concha - das Fleisch einer großen Schnecke) ist ebenfalls weitverbreitet. Zu den typischen Gerichten gehören accras (eine Mischung aus Okra, Augenbohnen, Pfeffer und Salz) und crabes farci (pikant gefüllte Landkrebse). So unter anderem:
- Acras, kleine Krapfen aus Fisch oder Gemüse
- Balalou, ist ein kleiner Fisch, der frittiert gegessen wird
- Bebele, ein Gericht aus Dombrés, Kutteln und grünen Bohnen
- Blaff, ist eine würzige Fischsuppe
- Cabri, ein schmackhafter Ziegeneintopf
- Calalou, eine Kräutersuppe mit Speck
- Colombo, gegartes Huhn oder anderes Fleisch in einer Currysauce
- Feroce, ein Gericht aus Avocado, Piment, Maniok und Kabeljau
- Lambi, sind große Muscheln
- Crabe de Terre (Erdkrabbe), das Fleisch der Krabbe ist sehr zart, die Krabben werden vorher mit Kokosnuss und Piment ernährt, um ihnen einen besseren Geschmack zu verleihen
- Sousiaki, Saft aus Limonen mit marinierten Früchten mit Salz und Piment
Der Rum gehört auf der Insel zum täglichen Leben, er wird als Aperitif, Digestif und auch einfach so zwischendurch getrunken. Der T-Punch gehört zu den lokalen Spezialitäten: ein Finger breit Rum, der Saft einer halben Limone und ein kleines Briefchen Zucker, die Einheimischen trinken ihn schon am Morgen, aber eigentlich wird er den ganzen Tag lang getrunken.
Festkultur
Die offizjiellen F eiertage auf der Insel sind:
- 1. Januar - Neujahr
- Mitte Februar - Aschermittwoch
- Ende März / Anfang April - Ostern
- 1. Mai - Tag der Arbeit
- 8. Mai - Tag des Sieges
- Ende Mai / Anfang - Christi Himmelfahrt
- Ende Mai / Anfang Juni - Pfingsten
- 27. Mai - Abschaffung der Sklaverei
- 14. Juli - Tag des Sturmes auf die Bastille
- 21. Juli - Schoelcher-Tag
- 15. August - Mariä Himmelfahrt
- 1. November - Allerheiligen
- 2. November - Allerseelen
- 11. November - Gedenktag
- 25./26. Dezember - Weihnachten
Jede Gemeinde hat einen Festtag für ihren jeweiligen Heiligen und Schutzpatron. Das Fest der Köchinnen findet um den 10. August an demjenigen Samstag statt, der dem Tag des Heiligen Laurent am nächsten liegt. Dabei versammeln sich die Köchinnen aus allen Teilen der Insel mit ihren Madras auf dem Kopf und in ihren traditionellen Trachten. Sie kommen, um Körbe und fertig zubereitete Gerichte in der Peter-und-Paul-Basilika segnen zu lassen. Auf den Gottesdienst folgen ein Umzug und ein großes Festessen.
Die malerischen Dorffeste, die stimmungsvollen, inbrünstigen chanté Nwèl (Weihnachtssingen), die mitreißenden Straßenfeste anlässlich des farbenprächtigen Karnevals sind die Zeichen einer Kultur, die tief in ihrer Erde und in ihrer einzigartigen Geschichte verwurzelt ist. Selbstverständlich vergessen wir auch nicht die traditionellen Courses de canots (Fischerboot-Segelregatta), die Hahnenkämpfe und natürlich die internationale Radrundfahrt, die immer noch die beliebteste Attraktion der Insel ist.
Der im 17. Jahrhundert von Siedlern eingeführte Karneval beginnt am ersten Sonntag im Januar und endet am Aschermittwoch. Der Sonntag ist traditionell den Themenumzügen gewidmet, bei denen die Einwohner in allen Gemeinden zum größten Vergnügen aller verkleidet durch die Straßen ziehen. Trommeln, Blasinstrumente und Pfeifen begleiten die große Menge der Karnevalisten. Der Fastnachtsdienstag ist der Tag der Karnevalszüge und großen Paraden. Der Aschermittwoch ist der Grand Vidé in Schwarz-Weiß und wird mit der Beisetzung der traditionellen Figur Vaval, einer riesigen Puppe aus Papier und Stoff, die den Geist des Karnevals symbolisiert, beendet. Diese wird verbrannnt, um im nächsten Jahr wieder auferstehen zu können, und markiert somit das Ende der Festlichkeiten.
Während im französischen Kernland Allerheiligen eher trist begangen wird, ist auf Guadeloupe die Stimmung sowohl andächtig als auch festlich. Allerheiligen ist eines der wichtigsten Feste der Einwohner von Guadeloupe, die bei Nachteinbruch die Gräber im wahrsten Sinne des Wortes mit zahlreichen Kerzen bedecken.
Medien
Zeitungen und Magazine auf Guadeloupe sind überwiegend französischsprachig und orientieren sich an nationalen Standards, integrieren aber regionale Themen wie Landwirtschaft, Tourismus und soziale Ungleichheiten. Die führende Tageszeitung, France-Antilles Guadeloupe, erscheint täglich mit einer Auflage von etwa 10.000 Exemplaren und berichtet über lokale Politik, Kultur (z. B. Karneval oder Gwo Ka) und Wirtschaft, ergänzt durch nationale und internationale Nachrichten. Sie ist Teil der France-Antilles-Gruppe, die auch Martinique abdeckt, und hat eine Online-Ausgabe, die auf Abonnements basiert. Kleinere Publikationen wie Nouvelles Étincelles oder Le Pélican richten sich an lokale Leser mit Fokus auf Gemeinden wie Pointe-à-Pitre oder Basse-Terre und bieten Berichte über Veranstaltungen, Sport und Geschichte. Magazine wie Kreol Magazine betonen die kreolische Kultur, einschließlich Literatur, Musik und kulinarischer Traditionen, und sind oft zweisprachig (Französisch und Kreolisch), um die lokale Identität zu stärken. Printmedien kämpfen jedoch mit sinkenden Auflagen aufgrund der Digitalisierung und hohen Produktionskosten, da Papier und Druckmaterialien importiert werden müssen. Wochenmärkte und Kioske in Städten wie Les Abymes oder Le Gosier sind Hauptverkaufsstellen, aber die Verbreitung in ländlichen Gebieten wie Sainte-Rose ist begrenzt, was die Reichweite einschränkt.
Radio ist das meistgenutzte Medium auf Guadeloupe, da es kostengünstig, zugänglich und durch die weite Verbreitung von UKW-Sendern auch in abgelegenen Gebieten wie Marie-Galante oder La Désirade verfügbar ist. Rund 20 Radiostationen operieren auf der Insel, wobei Radio Guadeloupe 1ère, Teil des öffentlich-rechtlichen France Télévisions/Radio France-Netzwerks, die größte Reichweite hat. Es sendet Nachrichten, Wetterberichte (entscheidend wegen Hurrikanen), Musik (Zouk, Gwo Ka, Reggae) und Talkshows, oft auf Französisch mit kreolischen Elementen. Private Sender wie Radio Caraïbes International (RCI) bieten ein populäres Programm mit Fokus auf karibische Musik, lokale Debatten und interaktive Formate, die soziale Themen wie Jugendarbeitslosigkeit oder Chlordecon-Verschmutzung behandeln. Stationen wie Zouk Radio oder Trace FM richten sich an jüngere Hörer mit moderner Musik und Events, während kleinere Sender wie Radio Sainte-Anne oder Radio Basse-Terre lokale Nachrichten und Kultur fördern. Radio bleibt ein starkes Medium für Gemeinschaftsbindung, insbesondere während Naturkatastrophen, wenn Sender wie Guadeloupe 1ère Notfallinformationen verbreiten. Die Herausforderung liegt in der begrenzten Finanzierung und der Abhängigkeit von Werbeeinnahmen, was kleinere Sender anfällig für Schließungen macht.
Das Fernsehen auf Guadeloupe ist stark von France Télévisions geprägt, mit Guadeloupe La 1ère als Hauptkanal, der lokale Nachrichten, Dokumentationen über die kreolische Kultur und französische Programme kombiniert. Der Sender erreicht über 90 % der Haushalte und bietet Inhalte wie Berichte über den Karneval, historische Dokumentationen zur Sklaverei oder Wetterwarnungen, die für die Insel entscheidend sind. Private Kanäle wie Canal 10 ergänzen das Angebot mit regionalem Fokus, einschließlich Talkshows und Berichten über Tourismus oder Landwirtschaft, und sind in Städten wie Pointe-à-Pitre populär. Internationale Sender wie TF1 oder M6 sind über Satellit verfügbar, doch lokale Inhalte dominieren die Präferenzen, da sie die Lebensrealitäten der Insel besser widerspiegeln. Die Digitalisierung hat den Zugang verbessert, mit Streaming-Diensten wie France.tv, die lokale Inhalte online anbieten, doch Breitbandprobleme in ländlichen Gebieten wie Saint-Claude schränken die Nutzung ein. Fernsehen kämpft mit hohen Produktionskosten und einem kleinen Markt, was die Vielfalt der Programme einschränkt, während Werbung stark auf Tourismus und lokale Produkte wie Rum fokussiert ist.
Die Digitalisierung hat die Medienlandschaft auf Guadeloupe transformiert, mit Online-Plattformen und sozialen Medien, die traditionelle Medien ergänzen. Portale wie Guadeloupe.franceantilles.fr oder Outre-mer La 1ère bieten digitale Nachrichten, Videos und Live-Übertragungen, die von Hurrikan-Updates bis zu kulturellen Events reichen. Soziale Medien, insbesondere Facebook, Instagram und X, sind zentrale Kanäle für lokale Influencer, Künstler und Nachrichtenportale, die Themen wie Gwo Ka, Zouk oder soziale Proteste (z. B. gegen Wasserknappheit) behandeln. Plattformen wie YouTube hosten Kanäle von lokalen Musikern oder Dokumentationen, etwa über die Kolonialgeschichte oder den Memorial ACTe. Die Mediathèque Numérique de Guadeloupe bietet digitalen Zugang zu Presse- und Kulturinhalten, doch die digitale Kluft bleibt eine Herausforderung, da Breitband in ländlichen Gebieten wie Capesterre-Belle-Eau oft unzuverlässig ist. Rund 70 % der Bevölkerung nutzen regelmäßig das Internet, wobei Jugendliche und städtische Bewohner die Hauptzielgruppe sind. Online-Medien fördern die Sichtbarkeit der Insel, sind aber anfällig für Desinformation, insbesondere bei politischen Themen oder Streiks der UGTG-Gewerkschaft.
Zeitungen:
- Le Journal des Saintes
- L’Outre Mer
Radiostationen:
- Alizés 97: 97.0 FM (Pointe-à-Pitre); Lokaler Sender mit Vielfalt an Musik und Unterhaltung, Fokus auf französische und karibische Hits.
- ANTILLES MEDIA KOMPA: (Les Abymes); Spezialisiert auf Kompa, 70er/80er-Jahre und Dub-Musik.
- Bel' Radio: (Pointe-à-Pitre); Community-Sender mit lokalen Nachrichten und kreolischer Musik.
- Chérie FM Guadeloupe: 98.2 FM (Baie-Mahault); Romantische Hits, Balladen und französische Popmusik.
- Dj Patos Radio: (Sainte-Rose); Caribbean- und Dance-Musik, DJ-Sets und Partymusik.
- Guadeloupe La 1ère: 88.7 FM (Baie-Mahault); Öffentlich-rechtlicher Sender (ehemals Radio Guadeloupe), Nachrichten, Kultur und Zouk.
- Jobs et Musik: (Pointe-à-Pitre); Mix aus Job-Tipps, Unterhaltung und Musik für Jugendliche.
- La 1ère - Guadeloupe: 88.7 FM; Erweiterte Version von Guadeloupe La 1ère mit Talkshows und Wetterberichten.
- Les Stylprod: (Les Abymes); Französische Pop und Dance, Fokus auf lokale Produktionen.
- Média Caraïbes Metiss: (Pointe-à-Pitre); Karibische Musik und kulturelle Debatten.
- MFM-Madras FM: 92.9 FM (Pointe-à-Pitre); Lokale Hits, Madras-Kultur und Unterhaltung.
- NRJ Antilles: 102.3 FM (Pointe-à-Pitre); Jugendradio mit Top 40, Dance und internationalen Charts.
- Nostalgie Guadeloupe: 100.7 FM (Baie-Mahault); Oldies aus den 70er/80er/90er Jahren, französische Klassiker.
- Radio Caraïbes International (RCI Guadeloupe): 98.6 FM (Pointe-à-Pitre); Regionale Nachrichten, Zouk und Talk, deckt Antillen ab.
- Radio Cote sous: 93.5 FM (Pointe-à-Pitre); Lokale Unterhaltung und karibische Rhythmen.
- Radio Haute Tension (RHT Guadeloupe): 90.8 FM (mehrere Standorte, z.B. Pointe-à-Pitre); Zouk, Tropical und unabhängige Inhalte seit 1985.
- Radio Karata: 90.6 FM (Pointe-à-Pitre); Kreolische Musik und Community-Programme.
- Radio Kariba: (Pointe-à-Pitre); Karibische Reggae und lokale Künstler.
- Radio Saphir FM: 99.1 FM (Pointe-à-Pitre); Christliche Inhalte, Gospel und positive Musik.
- Radio Sofaïa Altitude: (Pointe-à-Pitre); Spirituelle und inspirierende Sendungen.
- Radio Transat: 91.5 FM (Pointe-à-Pitre); Transatlantische Hits und internationale Popmusik.
- Radio Vie Meilleure: 93.3 FM (Pointe-à-Pitre); Evangelikale Inhalte und motivierende Musik.
- RCI Tradition: (Pointe-à-Pitre); Traditionelle karibische Musik und Folklore.
- RHT Guadeloupe: 90.8 FM; Erweiterte Version mit Zouk und lokalen Debatten.
- Saphir FM: 99.1 FM; Fokus auf christliche Werte und Gospel.
- Tonic FM: 89.3 FM (Pointe-à-Pitre); Energetische Pop und Dance-Musik.
- Trace FM Guadeloupe: 94.1 FM (Baie-Mahault); Hip-Hop, Reggae, R'n'B und urbane Beats.
- VSM Radio – Vogue Studio Media: (Baie-Mahault); Zouk, Tropical und Studio-Produktionen.
- Zouk Radio: 94.6 FM (Basse-Terre); Spezialisiert auf Zouk und karibische Rhythmen.
Fernsehsender
- Alizés TV (Privat): Lokale Musik, Events und Unterhaltung.
- Canal 10 (Privat): Regionale Nachrichten, Talkshows, Dokumentationen.
- Canal+ Antilles (Privat, Pay-TV): Filme, Serien, Sport mit karibischem Fokus.
- ETV Guadeloupe (Privat): Lokale Nachrichten, Sport, Community-Programme.
- France 2 (Öffentlich, national): Allgemeine Nachrichten, Unterhaltung.
- France 3 (Öffentlich, national): Kultur, regionale Inhalte.
- France 4 (Öffentlich, national): Jugend- und Bildungsprogramme.
- France 5 (Öffentlich, national): Wissen, Reisen, Debatten.
- Franceinfo (Öffentlich, national): Kontinuierliche Nachrichten.
- Guadeloupe 1ère (Öffentlich): Hauptlokaler Sender mit Nachrichten, Kultur, Wetter.
- Guadeloupe 4 TV (Privat): Sport, lokale Events, Unterhaltung.
- MY TV Caraïbes (Privat, Paket): Über 100 Kanäle, Sport, Filme, international.
- TF1 (Privat, national): Serien, Shows, Nachrichten.
Kommunikation
Das nationale Telefonnetz ist gut, keine Ortsnetzkennzahlen. Die lokalen Telefonkabinen sind meist für Telefonkarten ausgerüstet, viele funktionieren auch mit Kredikarten, sehr selten sind es Münzfernsprecher. Telefonkarten erhält man in den Postämtern. Mobil telefoniert wird über GSM 900. Netzbetreiber sind France Telecom und Améris. Mobiltelefone können am Flughafen bei Baggage Plus gemietet werden. Der Sende-/Empfangsbereich erstreckt sich über die Französischen Antillen und Französisch-Guyana. St. Martin und St Barthélemy: Digitales Analognetzwerk (System B). Netzbetreiber ist St Martin Mobiles (Internet: www.stmartinmobiles.com). Die deutschen Mobilfunknetze D1 und D2 sind auf Guadeloupe uneingeschränkt funktionsfähig.
Kommunikationseinheiten 2006 (pro 1000 Einwohner)
- Telefonanschlusse 210.000 (531,6)
- Mobiltelefone 314.700 (796,7)
- Rundfunkgeräte 113.000 (286,1)
- Fernsehgeräte 118.000 (298,7)
Postdaten:
- Postanschrift: Guadeloupe, Caraïbes Françaises
- Telefon-Vorwahl: 00590
Internet-Hauptanbieter sind Wanadoo und and Antilladoo. Es gibt Internetcafés in Saint-François, Mare-Gaillard, Pointe-à-Pitre und in anderen Städten. Außerdem hat man Internetanschluss in manchen Postämtern und bei anderen öffentlichen Stellen. Für Juni 2011 wurden insgesamt 155.740 Internet-Nutzer mit 125.860 Facebook-Usern gemeldet.
Sport
Die mit Abstand populärste Mannschaftssportart ist Fußball. Die Ligue guadeloupéenne de football organisiert den Ligabetrieb und die regionalen Wettbewerbe. Die höchste Spielklasse ist die Régionale 1, deren Vereine um die guadeloupische Meisterschaft spielen. Fußball wird in nahezu allen Gemeinden betrieben und besitzt eine breite Basis im Jugend- und Amateurbereich. Die Auswahlmannschaft Guadeloupes, die Gwada Boys, ist seit 2013 Vollmitglied des Kontinentalverbandes CONCACAF, gehört jedoch nicht der FIFA an. Sie kann deshalb an Wettbewerben der CONCACAF teilnehmen, nicht aber an einer Fußball-Weltmeisterschaft. Zu ihren größten Erfolgen zählen der vierte Platz beim CONCACAF Gold Cup 2007 und das Erreichen des Viertelfinales 2009.
Die Leichtathletik hat ebenfalls eine große Bedeutung. Guadeloupe brachte zahlreiche Sprinter und Mehrkämpfer hervor, die bei französischen Meisterschaften, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen erfolgreich waren. Die sportliche Ausbildung erfolgt in Vereinen und regionalen Trainingszentren. Zu den bedeutenden Sportstätten gehört das Stade René-Serge Nabajoth in Les Abymes, das über eine Leichtathletikanlage und ein Fußballfeld verfügt.
Der Radsport gehört zu den besonders populären Sportarten. Das wichtigste Ereignis ist die jährlich ausgetragene Tour cycliste international de la Guadeloupe, die zu den bedeutendsten Etappenrennen der Karibik zählt. Die Rundfahrt führt über mehrere Tage durch Grande-Terre und Basse-Terre und umfasst flache Küstenabschnitte ebenso wie anspruchsvolle Bergstrecken, insbesondere im Bereich des Col des Mamelles. Neben guadeloupischen Mannschaften nehmen regelmäßig französische und ausländische Teams teil. Die 75. Ausgabe fand vom 31. Juli bis 9. August 2026 statt und umfasste einen Prolog sowie mehrere Etappen mit einer Gesamtdistanz von mehr als 1.300 km.
Eine besondere Stellung nimmt der Segelsport ein. Guadeloupe ist Zielhafen der Route du Rhum – Destination Guadeloupe, einer internationalen Einhand-Transatlantikregatta von Saint-Malo nach Pointe-à-Pitre. Sie wird im Abstand von vier Jahren veranstaltet und zählt zu den bekanntesten Hochseeregatten der Welt. Die Ankunft der Segler im Hafen von Pointe-à-Pitre ist mit einem umfangreichen Begleitprogramm verbunden. Neben dieser Hochseeregatta werden lokale Segelwettbewerbe, traditionelle Regatten und Veranstaltungen mit Segelkanus ausgetragen. Die canots saintois, die traditionellen Segelboote der Îles des Saintes, sind dabei ein wichtiger Bestandteil der maritimen Sport- und Kulturtradition.
Basketball ist eine weitere verbreitete Mannschaftssportart. Guadeloupe verfügt über zahlreiche Vereinsmannschaften und eine organisierte regionale Meisterschaft. Mehrere Spieler aus dem Archipel schafften den Sprung in den französischen Profisport und in die Nationalmannschaft. Zu den bekannten Basketballspielern guadeloupischer Herkunft zählt Florent Piétrus, der mit Frankreich unter anderem Europameister wurde und an den Olympischen Spielen 2012 und 2016 teilnahm. Auch Handball und Volleyball werden in Schulen, Vereinen und kommunalen Sportanlagen betrieben.
Zu den weiteren verbreiteten Sportarten gehören Judo, Karate, Boxen, Tennis, Tischtennis und Schwimmen. Besonders Judo besitzt eine starke Tradition. Der aus Les Abymes stammende Teddy Riner gehört zu den international erfolgreichsten Judoka und gewann mehrere olympische Goldmedaillen sowie zahlreiche Weltmeistertitel. Seine sportliche Laufbahn hat die Popularität des Judos auf Guadeloupe zusätzlich gestärkt. Auch Kampfsportarten und Fitnessangebote sind in vielen Gemeinden durch Vereine und private Einrichtungen vertreten.
Die Küsten und geschützten Lagunen bieten gute Bedingungen für Wassersport. Tauchen und Schnorcheln werden vor allem im Bereich der Îlets Pigeon vor Bouillante, im Réserve-Cousteau-Gebiet und im Grand Cul-de-Sac Marin betrieben. Weitere verbreitete Aktivitäten sind Segeln, Windsurfen, Kitesurfen, Kajakfahren, Stand-up-Paddling und Hochseefischen. Die geschützten Gewässer zwischen Grande-Terre und Basse-Terre eignen sich besonders für kleinere Segel- und Paddelboote, während die Atlantikküste von Grande-Terre stärker dem Wellengang ausgesetzt ist und entsprechende Bedingungen für Wind- und Wellensport bietet.
Auf Basse-Terre haben sich Berg- und Natursportarten entwickelt. Das Gebirge mit seinen Regenwäldern, Wasserfällen und steilen Wegen bietet Möglichkeiten zum Wandern, Trailrunning, Mountainbiken und Canyoning. Besonders genutzt werden die Wanderwege im Nationalpark Guadeloupe, darunter die Routen im Gebiet des Vulkans La Soufrière und entlang der Route de la Traversée. Canyoning wird an verschiedenen Flussläufen und Wasserfällen angeboten, unter anderem im Gebiet von Saint-Claude und Capesterre-Belle-Eau. Die Aktivitäten unterliegen in Schutzgebieten besonderen Regeln und können bei Unwetter oder erhöhter vulkanischer Aktivität eingeschränkt werden.
Der Pferdesport umfasst Reiten, Springreiten und Freizeitreiten. Reitvereine und private Reitanlagen organisieren Unterricht und Wettbewerbe. In ländlichen Gebieten werden Pferde außerdem für Ausritte und touristische Angebote eingesetzt. Daneben werden traditionelle Spiele und Wettkämpfe gepflegt, die mit der kreolischen Fest- und Vereinskultur verbunden sind.
Fußball
Der nationale Verband Ligue Guadeloupéenne de football, eine Unterabteilung des französischen Fußballverbandes, ist kein Mitglied des Weltfußballverbandes FIFA und nimmt daher auch nicht an Qualifikationsspielen zu Fußballweltmeisterschaften teil. Als Mitglied des Kontinentalverbandes CONCACAF (seit 1964) darf es aber bei dessen Turnieren mitmachen.
Die oberste Spielklasse des Landes ist die Guadeloupe Division d’Honneur. Seit 1952 werden offizielle Meisterschaften ausgetragen (zuvor schon inoffizmiell ab 1940). Derzeit nehmen 14 Mannschaften an den Titelkämpfen teil. Die bisherigen bekannten Meister waren:
- 1940: AS Redoutable (Pointe-à-Pitre)
- 1941: Cygne Noir (Basse-Terre)
- 1942: AS Redoutable (Pointe-à-Pitre)
- 1943: Racing Club (Basse-Terre)
- 1944/45: Moulien (Le Moule)
- 1946/47: Moulien (Le Moule)
- 1947/48: Moulien (Le Moule)
- 1948/49: Moulien (Le Moule)
- 1949/50: Racing Club (Basse-Terre)
- 1950/51: Moulien (Le Moule)
- 1951/52: Red Star (Pointe-à-Pitre)
- 1952/53: Moulien (Le Moule)
- 1953/54: Arsenal (Petit-Bourg)
- 1954/55: Moulien (Le Moule)
- 1955/56: Moulien (Le Moule)
- 1956/57: CS Capesterrien (Capesterre-Belle-Eau)
- 1959/60: La Gauloise (Basse-Terre)
- 1961/62: CS Capesterrien (Capesterre-Belle-Eau)
- 1962/63: Cygne Noir (Basse-Terre)
- 1963/64: CS Capesterrien (Capesterre-Belle-Eau)
- 1964/65: Moulien (Le Moule)
- 1965/66: Red Star (Pointe-à-Pitre)
- 1966/67: Juventus SA (Sainte-Anne)
- 1967/68: Racing Club (Basse-Terre)
- 1968/69: Juventus SA (Sainte-Anne)
- 1969/70: Red Star (Pointe-à-Pitre)
- 1970/71: La Gauloise (Basse-Terre)
- 1971/72: Cygne Noir (Basse-Terre)
- 1972/73: Juventus SA (Sainte-Anne)
- 1973/74: Juventus SA (Sainte-Anne)
- 1974/75: Juventus SA (Sainte-Anne)
- 1975/76: Juventus SA (Sainte-Anne)
- 1976/77: La Gauloise (Basse-Terre)
- 1977/78: La Gauloise (Basse-Terre)
- 1978/79: Juventus SA (Sainte-Anne)
- 1979/80: L'Etoile (Morne-à-l'Eau)
- 1980/81: L'Etoile (Morne-à-l'Eau)
- 1981/82: L'Etoile (Morne-à-l'Eau)
- 1982/83: Cygne Noir (Basse-Terre)
- 1983/84: JS Capesterre (Capesterre-de-Marie-Galante)
- 1984/85: Moulien (Le Moule)
- 1985/86: US Ansoise (Anse-Bertrand)
- 1986/87: US Ansoise (Anse-Bertrand)
- 1987/88: Solidarité (Baie-Mahault)
- 1988/89: Zénith (Morne-à-l'Eau)
- 1989/90: Solidarité (Baie-Mahault)
- 1990/91: Solidarité (Baie-Mahault)
- 1991/92: Solidarité (Baie-Mahault)
- 1992/93: Solidarité (Baie-Mahault)
- 1993/94: Moulien (Le Moule)
- 1994/95: Arsenal (Petit-Bourg)
- 1995/96: L'Etoile (Morne-à-l'Eau)
- 1996/97: L'Etoile (Morne-à-l'Eau)
- 1997/98: L'Etoile (Morne-à-l'Eau)
- 1998/99: Racing Club (Basse-Terre)
- 1999/00: Juventus SA (Sainte-Anne)
- 2000/01: L'Etoile (Morne-à-l'Eau)
- 2001/02: L'Etoile (Morne-à-l'Eau)
- 2002/03: Phare du Canal (Petit-Canal)
- 2003/04: Racing Club (Basse-Terre)
- 2004/05: AS Gosier (Le Gosier)
- 2005/06: JS Vieux-Habitants (Vieux-Habitants)
- 2006/07: L'Etoile (Morne-à-l'Eau)
- 2007/08: Evolucas (Petit-Bourg)
- 2008/09: Moulien (Le Moule)
- 2009/10: JS Vieux-Habitants (Vieux-Habitants)
- 2010/11: Moulien (Le Moule)
- 2011/12: AJSS Saintes (Terre-de-Haut)
- 2012/13: Moulien (Le Moule)
- 2013/14: Moulien (Le Moule)
- 2014/15: Moulien (Le Moule)
- 2015/16: USR (Sainte-Rose)
- 2016/17: USR (Sainte-Rose)
- 2017/18: Moulien (Le Moule)
- 2018/19: Amical Club (Grand-Bourg)
- 2019/20 : Gosier (Le Gosier)
- 2020/21 : Gosier (Le Gosier)
- 2021/22 : Solidarité (Baie-Mahault)
- 2022/23 : Moulien (Le Moule)
- 2023/24 : Moulien (Le Moule)
Meistertitel:
| Club | Stadt | Titel | letzter Titel |
| CS Moulien | Le Moule | 19 | 2023–24 |
| L'Etoile | Morne-à-l'Eau | 9 | 2006–07 |
| Juventus SA | Sainte-Anne | 8 | 1986–87 |
| Solidarité SC | Baie-Mahault | 6 | 2021–22 |
| Racing Club | Basse-Terre | 5 | 2003–04 |
| Cygne Noir | Basse-Terre | 4 | 1982–83 |
| La Gauloise | Basse-Terre | 4 | 1977–78 |
| Red Star | Pointe-à-Pitre | 3 | 1969-70 |
| CS Capesterrien | Capesterre-Belle-Eau | 3 | 1963–64 |
| AS Gosier | Le Gosier | 3 | 2020–21 |
| USR | Sainte-Rose | 2 | 2016-17 |
| JS Vieux-Habitants | JS Vieux-Habitants | 2 | 2009-10 |
| Arsenal | Petit-Bourg | 2 | 1994–95 |
| US Ansoise | Anse-Bertrand | 2 | 1986-87 |
| AS Redoutable | Pointe-à-Pitre | 2 | 1942 |
| Amical Club | Grand-Bourg de Marie-Galante | 1 | 2018-19 |
| AJSS Saintes | Terre-de-Haut | 1 | 2011-12 |
| Evolucas | Petit-Bourg | 1 | 2007-08 |
| Phare du Canal | Petit-Canal | 1 | 2002–03 |
| Zénith | Morne-à-l'Eau | 1 | 1988–89 |
| JS Capesterre | Capesterre-de-Marie-Galante | 1 | 1983–84 |
Die Fußballnationalmannschaft von Guadeloupe absolvierte 1934 ihr erstes Spiel gegen Martinique. Es ging 0:6 verloren, die höchste Niederlage bisher. Der höchste Sieg gelang 2001 gegen die Amerikanischen Jungferninseln mit 11:0. 2007 konnte sich die Mannschaft zum ersten Mal für ein größeres Turnier qualifizieren. Im CONCACAF Gold Cup 2007 setzte sich die Mannschaft mit einem Sieg gegen Kanada, einem Unentschieden gegen Haiti und einer Niederlage gegen Costa Rica als dritter in der Gruppe durch und gelangte so in das Viertelfinale. Dort schlug die Mannschaft Honduras mit 2:1 und erreichte damit das Halbfinale. Dort unterlag man Mexiko mit 0:1. Die Gesamtbilanz der Länderspiele sieht mit Stand Ende 2025 wie folgt aus:
| Gegner | Sp | S | U | N | T+ | T- |
| Anguilla | 1 | 1 | 0 | 0 | 9 | 0 |
| Antigua und Barbuda | 6 | 4 | 0 | 2 | 12 | 4 |
| Aruba | 1 | 0 | 1 | 0 | 0 | 0 |
| Bahamas | 1 | 1 | 0 | 0 | 2 | 0 |
| Barbados | 6 | 4 | 1 | 1 | 7 | 4 |
| Britische Jungferninseln | 1 | 1 | 0 | 0 | 3 | 0 |
| Cayman Insenlön | 2 | 2 | 0 | 0 | 7 | 0 |
| Costa Rica | 4 | 0 | 0 | 4 | 2 | 12 |
| Curacao | 2 | 0 | 0 | 2 | 1 | 8 |
| Dominica | 9 | 6 | 3 | 0 | 20 | 1 |
| Dominikanische Republik | 2 | 2 | 0 | 0 | 8 | 0 |
| Frankreich | 2 | 0 | 0 | 2 | 2 | 7 |
| Fran zösisch Guyana | 7 | 4 | 1 | 2 | 15 | 9 |
| Grenada | 2 | 1 | 0 | 1 | 6 | 6 |
| Guatemala | 3 | 0 | 1 | 2 | 5 | 7 |
| Guyana | 3 | 1 | 0 | 2 | 7 | 7 |
| Haiti | 5 | 0 | 1 | 4 | 2 | 12 |
| Honduras | 1 | 1 | 0 | 0 | 2 | 1 |
| Jamaika | 6 | 0 | 1 | 5 | 3 | 12 |
| Kanada | 3 | 1 | 1 | 1 | 4 | 4 |
| Kuba | 7 | 3 | 0 | 4 | 11 | 11 |
| Martinique | 44 | 12 | 8 | 24 | 59 | 80 |
| Mexiko | 2 | 0 | 0 | 2 | 0 | 3 |
| Niederländische Antillen | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 4 |
| Nicaragua | 3 | 3 | 0 | 0 | 4 | 0 |
| Norwegen | 1 | 0 | 0 | 1 | 1 | 2 |
| Panama | 3 | 1 | 0 | 2 | 6 | 9 |
| Paraguay | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 2 |
| Puerto Rico | 6 | 6 | 0 | 0 | 23 | 2 |
| Saint Lucia | 3 | 2 | 0 | 1 | 6 | 3 |
| Saint Martin | 2 | 2 | 0 | 0 | 4 | 0 |
| Sint Maarten | 4 | 4 | 0 | 0 | 13 | 2 |
| St Kitts und Nevis | 3 | 2 | 0 | 1 | 8 | 3 |
| St Lucia | 2 | 1 | 0 | 1 | 3 | 2 |
| St. Vincent und die Grenadinen | 4 | 3 | 0 | 1 | 5 | 2 |
| Suriname | 6 | 2 | 1 | 3 | 6 | 8 |
| Trinidad und Tobago | 7 | 2 | 3 | 2 | 8 | 7 |
| Turks und Caicos Inseln | 2 | 2 | 0 | 0 | 13 | 0 |
| US Jungferninseln | 1 | 1 | 0 | 0 | 11 | 0 |
| USA | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 1 |
Persönlichkeiten
Die wichtigsten von der Insel stammenden Persönlichkeiten sind:
- Lucette Michaux-Chevry (1929 bis 2021), Politikerin
- Maryse Condé (1937 bis 2024), Schriftstellerin
- Gisèle Pineau (* 1956 in Parsis, aufgewachsen auf Vguadeloupe), Schriftstellerin und Psychiaterin
- Christian Baptiste (* 1963), Politiker
- Lilian Thuram (* 1972), Fußballspieler
- Jacques Césaire (* 1978), Tugbyspieler und Trainer
- Admiral T (Christy Campbell, * 1981), Musiker (Reggae/Dancehall)
Fremdenverkehr
Der Fremdenverkehr ist ein bedeutender Wirtschaftszweig Guadeloupes. Er stützt sich auf die tropischen Landschaften der Inselgruppe, die Strände, Korallenriffe, Regenwälder, vulkanischen Gebiete und das kulturelle Erbe der französischen Karibik. Neben dem klassischen Bade- und Erholungsurlaub haben sich Natur- und Wandertourismus, Tauchen, Segeln, Kreuzfahrten sowie kulinarische und kulturbezogene Reisen etabliert. Die touristische Infrastruktur konzentriert sich vor allem auf Grande-Terre und den Süden von Basse-Terre. Auch Marie-Galante, Les Saintes und La Désirade werden zunehmend in die touristischen Angebote einbezogen.
Grande-Terre ist das wichtigste Gebiet für den Bade- und Strandurlaub. Zu den stark besuchten Küstenabschnitten gehören die Strände von Sainte-Anne, Le Gosier und Saint-François. Sainte-Anne verfügt über zahlreiche Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants und kleinere Pensionen. Le Gosier ist durch seine Nähe zu Pointe-à-Pitre und zum internationalen Flughafen ein bedeutender Standort für Hotels und Ferienanlagen. Saint-François besitzt neben Stränden und touristischen Wohnanlagen einen Yachthafen, einen Golfplatz und einen Flugplatz für den regionalen Verkehr. Auch Le Moule, Port-Louis und Anse-Bertrand werden wegen ihrer Strände, Küstenlandschaften und Wassersportmöglichkeiten besucht. An der Pointe des Châteaux und an der Pointe de la Grande Vigie stehen Naturerlebnis und Ausflüge im Vordergrund.
Auf Basse-Terre ist der Fremdenverkehr stärker auf Natur, Landschaft und Aktivitäten im Freien ausgerichtet. Der Nationalpark Guadeloupe mit seinen Regenwäldern, Wasserfällen und Wanderwegen bildet eine wichtige Grundlage des Ökotourismus. Zu den bekanntesten Ausflugszielen zählen der Vulkan La Soufrière, die Chutes du Carbet, die Route de la Traversée und die Wasserfälle im Gebiet von Petit-Bourg und Capesterre-Belle-Eau. An der Westküste liegen die Bade- und Tauchorte Deshaies, Bouillante und Pointe-Noire. Bouillante ist insbesondere durch die Tauchgebiete um die Îlets Pigeon und das Réserve-Cousteau-Gebiet bekannt. Deshaies besitzt mehrere Strände und eine touristische Infrastruktur aus Hotels, Ferienhäusern und Restaurants. Im Süden von Basse-Terre werden außerdem die Thermalquellen und die historischen Orte rund um Trois-Rivières und Saint-Claude besucht.
Marie-Galante ist vor allem für ihre Strände, Zuckerrohrlandschaften, Rumdestillerien und ländlich geprägten Ortschaften bekannt. Die wichtigsten touristischen Ausgangspunkte sind Grand-Bourg, Capesterre-de-Marie-Galante und Saint-Louis. Das Unterkunftsangebot besteht überwiegend aus kleineren Hotels, Pensionen, Ferienhäusern und möblierten Ferienwohnungen. Auf Les Saintes konzentriert sich der Fremdenverkehr besonders auf Terre-de-Haut mit dem Hafen von Le Bourg, der Bucht von Les Saintes und dem Strand von Pompierre. Die Insel wird sowohl von Tagesausflüglern als auch von Urlaubern besucht, die mehrere Nächte bleiben. Terre-de-Bas besitzt ein kleineres Angebot und wird vor allem wegen seiner ruhigeren Landschaft und seiner traditionellen Siedlungen aufgesucht. La Désirade hat einen vergleichsweise geringen Fremdenverkehr. Die Besucher kommen hauptsächlich wegen der Strände, der Küstenlandschaft, der Wanderwege und der Naturschutzgebiete. Die vorgelagerten Inseln Petite-Terre werden vor allem im Rahmen organisierter Boots- und Tagesausflüge besucht; Übernachtungsmöglichkeiten bestehen dort nicht.
Die touristische Hauptsaison liegt in der Trockenzeit von Dezember bis April. Besonders stark ist die Nachfrage in den Monaten Januar bis März sowie während der Weihnachts- und Osterferien. In dieser Zeit reisen zahlreiche Urlauber aus Frankreich und anderen europäischen Ländern an. Die feuchtere und heißere Jahreszeit von Juni bis November ist im Allgemeinen weniger stark besucht. In diesen Monaten wirken sich auch die tropische Wirbelsturmsaison und zeitweise stärkere Niederschläge auf die Reiseplanung aus. Die Nachfrage schwankt außerdem nach Herkunft und Anlass der Reise. Neben Urlaubern aus dem französischen Mutterland kommen Gäste aus Kanada, den Vereinigten Staaten und anderen karibischen Gebieten. Der Geschäftsreiseverkehr spielt ebenfalls eine Rolle, ist jedoch kleiner als der Freizeittourismus.
Die Hotellerie umfasst sowohl größere Ferienhotels und Strandresorts als auch kleinere, familiengeführte Häuser. Nach den Angaben des französischen Statistikamtes Insee waren am 1. Januar 2026 insgesamt 52 Hotels mit 3.005 Zimmern erfasst. Davon waren 19 Hotels mit 1.376 Zimmern als Vier-Sterne-Häuser und 14 Hotels mit 1.171 Zimmern als Drei-Sterne-Häuser klassifiziert. Ein Hotel verfügte über fünf Sterne und 52 Zimmer; weitere 14 Häuser mit 273 Zimmern waren nicht klassifiziert. Die statistische Erfassung berücksichtigt Hotels mit mehr als fünf Zimmern.
Größere Hotels und Ferienanlagen befinden sich insbesondere im Raum Le Gosier, Sainte-Anne und Saint-François auf Grande-Terre sowie in einigen Küstenorten von Basse-Terre. Sie bieten je nach Kategorie Restaurants, Swimmingpools, Sportanlagen, Veranstaltungsräume und organisierte Ausflüge an.
Neben den Hotels haben Ferienwohnungen und möblierte Ferienhäuser eine große Bedeutung. Sie werden häufig von Privatpersonen oder kleinen Vermietungsunternehmen angeboten und reichen von einfachen Apartments bis zu größeren Villen mit Garten und Swimmingpool. Besonders verbreitet sind sie in Sainte-Anne, Saint-François, Le Gosier, Deshaies und entlang der Küste von Bouillante. Auch auf Marie-Galante und Les Saintes stellen sie einen wesentlichen Teil des Übernachtungsangebots dar. Ein Teil dieser Unterkünfte wird über internationale Buchungsplattformen vermittelt. Da private Ferienwohnungen und Ferienhäuser nicht vollständig in der amtlichen Hotelstatistik erfasst werden, bildet die Zahl der registrierten Hotels allein die tatsächliche touristische Unterkunftskapazität nicht ab.
Eine weitere Unterkunftsform sind Gästehäuser und Chambres d’hôtes. Dabei handelt es sich meist um kleinere Betriebe, in denen Gäste Zimmer im Haus der Betreiber oder in separaten Gebäuden auf demselben Grundstück mieten. Häufig wird ein Frühstück angeboten; teilweise erhalten die Besucher auch Einblick in die lokale Küche und den Alltag der Gastgeber. Gîtes und Gîtes ruraux sind meist eigenständige Ferienhäuser oder Apartments, die insbesondere in ländlichen und naturnahen Gebieten vermietet werden. Auf Basse-Terre liegen solche Unterkünfte vielfach in der Nähe von Wanderwegen, Wasserfällen und Nationalparkgebieten. Auf Grande-Terre befinden sie sich häufig in Strandnähe oder in den kleineren Orten im Inselinneren.
Ferienanlagen und touristische Wohnanlagen ergänzen das Angebot. Sie bestehen aus einzelnen Bungalows, Apartments oder kleinen Häusergruppen und verfügen teilweise über gemeinschaftliche Einrichtungen wie Pool, Restaurant, Rezeption und Freizeitangebote. Auf Grande-Terre sind solche Anlagen besonders im Süden der Insel vertreten. Auf Basse-Terre finden sich kleinere Anlagen an der West- und Südküste. Auch einige Unterkünfte auf Marie-Galante und Les Saintes sind in dieser Form organisiert. Die Angebote unterscheiden sich hinsichtlich Größe, Ausstattung und Service erheblich.
Campingplätze im klassischen Sinn spielen eine geringe Rolle. In der amtlichen Insee-Erhebung waren zum 1. Januar 2026 keine touristischen Campingplätze mit den dort geltenden Erfassungskriterien ausgewiesen. Auch andere größere gemeinschaftliche Beherbergungsformen wie Jugendherbergen oder Ferienzentren wurden in dieser Statistik nicht erfasst. Das bedeutet nicht, dass es keinerlei einfache oder naturnahe Übernachtungsmöglichkeiten gibt; kleinere, nicht unter die statistischen Kriterien fallende Angebote und private Vermietungen werden damit nicht vollständig abgebildet.
Die Auslastung der Hotels unterliegt deutlichen saisonalen Schwankungen. Im Jahr 2025 wurden in den erfassten Hotels rund 1,159 Millionen Übernachtungen registriert, 9,5 Prozent weniger als 2024. Die Zahl der dort untergebrachten Gäste sank auf etwa 315.500. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer stieg geringfügig auf 3,7 Nächte. Gleichzeitig nahm der Passagierverkehr am Flughafen Guadeloupe Maryse Condé um zwei Prozent auf rund 2,1 Millionen Fluggäste zu. Auch die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere stieg 2025 auf rund 336.300. Der Rückgang der Hotelübernachtungen bedeutete daher nicht automatisch einen entsprechenden Rückgang aller Besucher: Ein Teil der Reisenden nutzte alternative Unterkünfte wie Ferienwohnungen, Ferienhäuser oder private Gastgeber.
Der Kreuzfahrttourismus konzentriert sich auf Pointe-à-Pitre. Die Passagiere besuchen von dort aus unter anderem die Strände von Grande-Terre, die Hauptstadt Basse-Terre, den Nationalpark, Rumdestillerien und die Insel Les Saintes. Ein Teil der Schiffe nutzt Guadeloupe als Ausgangs- oder Zwischenhafen für Reisen durch die östliche Karibik. Daneben gibt es einen Ausflugstourismus von den Nachbarinseln, insbesondere durch Fährverbindungen nach Dominica, Martinique und zu den kleineren Inseln des Archipels.
Zum touristischen Angebot gehören außerdem geführte Wanderungen, Vulkan- und Regenwaldtouren, botanische Ausflüge, Besuche von Zuckerrohr- und Rumproduktionsstätten, Kajak- und Bootstouren durch die Mangroven, Segelausflüge, Hochseefischen sowie Tauch- und Schnorchelangebote. Die Îlets Pigeon vor Bouillante zählen zu den bekanntesten Tauchgebieten. In den geschützten Meeresgebieten des Grand Cul-de-Sac Marin und bei Petite-Terre sind Ausflüge an besondere Regeln gebunden. Der Nationalpark und die Naturschutzgebiete bieten Wanderwege und Beobachtungsmöglichkeiten, während empfindliche Lebensräume und geschützte Arten Einschränkungen unterliegen.
Ein- und Ausreise:
- Reisedokumente: Der Reisepass muss mindestens sechs Monate ab Einreise gültig sein. Bisn zu 90 Tagen ist der Aufenthalte visumfrei.
- Impfungen: Es gibt keine Impfvorschriften.
- Zollbestimmungen: Guadelupe gehört zum Zollgebiet Frankreichs, hat aber Steuerhoheit.
- Reisen mit Kfz: Für das Lenken von Autos genügt der nationale Führerschein.
- Umgangsformen: In Guadelupe ist das Leben eher locker.
- Trinkgeld: In den meisten Hotels und Restaurants findet man bereits 10 % Bedienungsgeld auf der Rechnung. Kellner erwarten nochmals zirka 10 bis 15 %. Von Hotelpersonal und Gepäckträgern werden ebenfalls Trinkgelder erwartet. In der Regel zahlt man Taxifahrern 10 % des Fahrpreises.
- Reisezeit: Mit seinem warmen Klima eignet sich Guadeloupe zu jeder Jahreszeit für einen Urlaub. Im Winter (Dezember bis Februar) sind die Abende angenehm mild, tagsüber bewegen sich die Temperaturen um 28/29°C. Die trockensten Monate liegen zwischen Februar und April mit Regen an durchschnittlich sieben Tagen pro Monat. Dieser gemäßigte Zeitraum ist auch der Höhepunkt der touristischen Saison. Die feuchtesten Monate liegen zwischen Juli und November. Dies ist auch die Hurrikan-Saison, daher sollte man die Wettervorhersagen im Auge behalten. Die meisten kulturellen Veranstaltungen finden im Frühjahr und Sommer statt. Die Fête des Cuisinières ist eine bunte Veranstaltung am Augustanfang, wo Frauen in kreolischen Kleidern durch die Straßen zur Kathedrale paradieren, wo sie durch den Bischof gesegnet werden.
Literatur
- wikipedia = https://fr.wikipedia.org/wiki/Cat%C3%A9gorie:Guadeloupe
- wikitravel = https://wikitravel.org/de/Guadeloupe
- wikivoyage = https://de.wikivoyage.org/wiki/Guadeloupe
Reiseberichte
- My Travelworld: Reisebericht Guadelou,pe - die lebhafte und kontrastreiche französische Karibik = https://www.my-travelworld.de/frankreich/reisebericht-guadeloupe/
- Urlaubsguru: Guadeloupe fasziniert = https://www.urlaubsguru.de/reisemagazin/guadeloupe-karibik-franzoesische-antillen/
- Reisebericht Guadeloupe = https://guadeloupe.reiseberichte.reisen/reiseinformationen.htm
Videos
- Discover Guadeloupe by drone = https://www.youtube.com/watch?v=XzLQotT67U4
- Guadeloupe, the Best of the French Antilles = https://www.youtube.com/watch?v=0zEyd_id5_I
- Guadeloupe, Inseln der Karibik = https://www.youtube.com/watch?v=loaFMFDZb0U
- Guadeloupe Island = https://www.youtube.com/watch?v=XNGRVj70kWI
Atlas
- Guadeloupe, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/#map=10/16.1804/-61.6457
- Guadeloupe, ADAC = https://maps.adac.de/land/guadeloupe
- Guadeloupe, Satellit = https://satellites.pro/Guadeloupe_map
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