Saint Barthelemy (Saint-Barthélemy): Unterschied zwischen den Versionen

Aus Insularium
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== '''Name''' ==
== '''Name''' ==
Die ursprünglich hier lebenden Taino nannten die Insel '''''Ouanalao''''' bzw. '''''Ouanalaou''''' mit der Bedeutung „Ort der großen Eidechsen“ oder „Insel der Leguane“ - von ''ouana'' „Leguan, Eidechse“ und ''lao'' „Ort, Insel“. Der heutige Name stammt von Christoph Columbus, der 1493 die Insel sichtete und sie auf den Namen '''''San Bartolomeo''''' taufte. ''Bartholomäus'', französisch ''Barthélemy'', englisch ''Bartholomew'', ist ein hebräischer Name, der schlicht „Sohn des Tolmai“ bedeutet. Benannt ist die Insel allerdings nicht nach einer Heiligengestalt, sondern nach dem Bruder des Entdeckungsreisenden Cristoforo Colon, ''Bartolomeo Colón'' (1461/62 bis 1515), dem späteren Gouverneur von Hispaniola. Der spanische Name wandelte sich zu französisch '''''Saint-Barthélemy''''', gesprochen [sɛ̃ baʁtelemi], international auch '''''Saint Barthelemy''''' geschrieben. Im Inseljargon wird er meist verkürzt '''''Saint-Barth''''' oder '''''Saint Barts'''''. Die heutige offizielle Bezeichnung lauitet '''''Collectivité d'outre mer de Saint-Barthélemy'''''.
Der Name der Insel '''''Saint-Barthélemy''''' geht auf die europäische Entdeckung der Karibik durch Christoph Kolumbus zurück, während die Insel bereits lange vor der Ankunft der Europäer von indigenen Bevölkerungsgruppen bewohnt und benannt worden war. Die ursprünglich hier lebenden Taíno bezeichneten die Insel als '''''Ouanalao''''' beziehungsweise '''''Ouanalaou'''''. Diese Namen werden mit der Bedeutung „Ort der großen Eidechsen“ oder „Insel der Leguane“ in Verbindung gebracht. Als sprachliche Bestandteile werden dabei ''ouana'' für "Leguan" oder "Eidechse" und ''lao'' für "Ort" oder "Insel" angeführt. Die Bezeichnung verweist auf die in der Karibik heimischen Reptilien und gehört zur indigenen Namensüberlieferung der Insel. Allerdings ist die genaue sprachwissenschaftliche Herleitung nicht zweifelsfrei gesichert.
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Christoph Kolumbus sichtete die Insel während seiner zweiten Reise in die Karibik im Jahr 1493 und gab ihr den Namen '''''San Bartolomeo'''''. Die Namensgebung erfolgte nach seinem Bruder ''Bartolomeo Colón'', der um 1461 oder 1462 geboren wurde und 1515 starb. ''Bartolomeo'' war ein Seefahrer und Kartograf, unterstützte seinen Bruder bei dessen Unternehmungen und übernahm später politische und administrative Aufgaben in den spanischen Besitzungen der Karibik. Unter anderem amtierte er als Gouverneur von Hispaniola.
 
Der Vorname ''Bartolomeo'' geht auf den biblischen Namen ''Bartholomäus'' zurück, der seinerseits aus dem Aramäischen beziehungsweise Hebräischen überliefert ist. Seine übliche Bedeutung wird mit „Sohn des Tolmai“ angegeben. Die Namensform ist in verschiedenen europäischen Sprachen verbreitet: Im Deutschen lautet sie ''Bartholomäus'', im Französischen ''Barthélemy'', im Englischen ''Bartholomew'' und im Italienischen ''Bartolomeo''. Die französische Form ''Barthélemy'' entwickelte sich zur Grundlage des heutigen Inselnamens ''Saint-Barthélemy''. Der Bestandteil Saint bedeutet „Heiliger“ und ist in französischen Ortsnamen häufig anzutreffen.
 
Nach der ersten europäischen Namensgebung setzte sich die französische Form ''Saint-Barthélemy'' durch, nachdem französische Siedler die Insel im 17. Jahrhundert in Besitz genommen hatten. Die französische Schreibweise enthält den Akzent auf dem ersten e von ''Barthélemy'' und wird ungefähr [sɛ̃ baʁtelemi] ausgesprochen. Im internationalen Gebrauch erscheint der Name häufig auch als '''''Saint Barthelemy''''' ohne Akzent. Im Französischen und im regionalen Sprachgebrauch sind außerdem die Kurzformen '''''Saint-Barth''''' und ''Saint-Barthélemy'' gebräuchlich; im Englischen werden vor allem '''''St. Barts''''' und '''''St. Barths''''' verwendet. Diese verkürzten Namen sind insbesondere im Tourismus und in der internationalen Berichterstattung verbreitet.
 
Der indigene Name ''Ouanalao'' ist bis heute Teil des historischen Selbstverständnisses der Insel. Er findet sich auch auf dem Wappen von Saint-Barthélemy und erinnert an die vorkoloniale Geschichte des Gebiets. Die Zuordnung des Namens zu den Arawak beziehungsweise Taíno und seine genaue sprachliche Bedeutung werden in den Quellen allerdings unterschiedlich dargestellt. Während einige Darstellungen ihn mit dem Vorkommen von Leguanen verbinden, weisen sprachwissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass die genaue Herkunft nicht abschließend geklärt ist. Die Übersetzung „Ort der großen Eidechsen“ sollte daher nicht als gesicherte wörtliche Übersetzung behandelt werden.
 
Die heutige amtliche Bezeichnung lautet ''Collectivité de Saint-Barthélemy'' beziehungsweise ''Collectivité d’outre-mer de Saint-Barthélemy''. Sie bezeichnet den politischen und verwaltungsrechtlichen Status als französische Überseegebietskörperschaft. Seit dem 15. Juli 2007 besitzt ''Saint-Barthélemy'' diesen Status und ist nicht mehr als Gemeinde dem französischen Überseedépartement Guadeloupe zugeordnet.[[Datei:St. Barthelemny openstreetmap.png|rechts|1050x1050px]]


* abchasisch:  Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
* abchasisch:  Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
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* esperanto: Sankta Bartolomeo
* esperanto: Sankta Bartolomeo
* estnisch: San Barthelemy
* estnisch: San Barthelemy
* färingisch: San Barthelemy
* färöisch: San Barthelemy
* fidschianisch: San Bartolomeo
* fidschianisch: San Bartolomeo
* finnisch: San Barthelemy
* finnisch: San Barthelemy
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== '''Geologie''' ==
== '''Geologie''' ==
Die Insel entstand durch die Subduktion der atlantischen Platte unter die karibische Platte. Die ältesten Gesteine stammen aus dem Eozän (vor etwa 40–50 Millionen Jahren), mit aktiven vulkanischen Phasen bis ins Miozän (vor etwa 15 Millionen Jahren). Seitdem ruht der Vulkanismus vollständig.
Saint-Barthélemy gehört geologisch zum Inselbogen der Kleinen Antillen, dessen Entstehung eng mit der Bewegung der atlantischen Lithosphärenplatte unter die Karibische Platte verbunden ist. Durch diese Subduktion entstanden über Millionen Jahre hinweg Magmen, die aufstiegen und vulkanische Gesteine sowie tief im Untergrund erstarrte Intrusivgesteine bildeten. Die geologische Entwicklung der Insel ist damit Teil der komplexen tektonischen Geschichte des östlichen Karibikraums. Die Gesteine dokumentieren verschiedene Phasen vulkanischer Aktivität, der Abkühlung magmatischer Körper, der Hebung und Abtragung sowie späterer mariner Ablagerungen.
 
Die ältesten auf Saint-Barthélemy auftretenden Gesteine werden dem Eozän und damit einem Zeitraum vor ungefähr 50 bis 40 Millionen Jahren zugeordnet. Die vulkanische Entwicklung setzte sich über weitere Erdzeitalter fort und reichte bis in das Miozän, in dem vor etwa 15 Millionen Jahren noch magmatische Prozesse stattfanden. Seitdem ist auf der Insel kein aktiver Vulkanismus mehr bekannt. Die heutige Landschaft wird daher nicht durch gegenwärtige Vulkanausbrüche geprägt, sondern durch die langfristige Verwitterung und Erosion der älteren Gesteine, durch tektonisch bedingte Reliefunterschiede und durch die Einwirkung des Meeres.
 
Die vorherrschenden vulkanischen Gesteine werden der Formation de Saint-Barthélemy zugeordnet, deren Entstehung vor allem in das Eozän und Oligozän fällt. Dazu gehören Andesite, Dazite und vulkanische Tuffe. Andesite und Dazite sind magmatische Gesteine, die aus erkalteter Lava oder aus Magma in geringer Tiefe hervorgegangen sind. Tuffe entstanden dagegen durch die Ablagerung und Verfestigung vulkanischer Auswurfmaterialien. Die unterschiedliche Zusammensetzung und Festigkeit dieser Gesteine beeinflusst, wie stark sie durch Niederschläge, Oberflächenabfluss, Wind und Brandung abgetragen werden. Wo härtere Gesteinspartien der Erosion länger widerstehen, bleiben Höhenzüge und markante Felsrücken bestehen; weniger widerstandsfähige Bereiche werden stärker zerschnitten und bilden eingeschnittene Täler und sanftere Hänge.
 
Im zentralen Inselbereich treten neben den vulkanischen Gesteinen auch Intrusivgesteine auf. Dazu zählen Diorite und Quarz-Diorite, die entstanden, als Magma unterhalb der Erdoberfläche langsam abkühlte und kristallisierte. Solche Gesteine besitzen meist eine deutlich erkennbare kristalline Struktur und unterscheiden sich dadurch von den häufig feinkörnigeren vulkanischen Gesteinen. Ihre Freilegung an der Oberfläche ist das Ergebnis langfristiger Abtragung der darüberliegenden Gesteinsschichten. Die höher gelegenen Bereiche des Inselinneren sind somit nicht allein durch vulkanische Ablagerungen aufgebaut, sondern spiegeln auch die tiefer liegenden Teile des ehemaligen magmatischen Systems wider.
 
Der höchste Punkt der Insel ist der Morne de Vitet mit einer Höhe von etwa 286 m. Er liegt im östlichen Teil des Inselinneren und gehört zu einem stark gegliederten Relief aus Hügeln, Bergrücken und kurzen, steilen Hängen. Die Insel besitzt keine ausgedehnten Gebirgsketten, sondern ein kleinteiliges, durch Erosion geformtes Landschaftsbild. Zwischen den Erhebungen verlaufen schmale Täler, in denen sich bei starken Regenfällen zeitweise erhebliche Wassermengen sammeln können. Die steilen Hänge und die geringe Breite vieler Täler führen dazu, dass das Niederschlagswasser rasch in Richtung Küste abfließt. Die Höhenunterschiede zwischen dem Inselinneren und dem Meer sind auf kurzen Entfernungen beträchtlich, wodurch zahlreiche Küstenabschnitte von steilen Felsflanken geprägt werden.
 
Eine wichtige Rolle bei der Umgestaltung des Reliefs spielt die tropische Verwitterung. Hohe Temperaturen, wechselnde Feuchtigkeit und intensive Niederschläge greifen die vulkanischen Gesteine chemisch an. Feldspäte und andere Minerale werden dabei zersetzt, während Eisenverbindungen zur rötlichen oder braunen Färbung vieler Verwitterungsprodukte beitragen. Unter geeigneten Bedingungen entstehen stark verwitterte, eisen- und aluminiumreiche Böden. Ihre tatsächliche Zusammensetzung hängt jedoch vom Ausgangsgestein, der Hangneigung, der Entwässerung und der Dauer der Bodenentwicklung ab. Auf steilen Hängen werden die Verwitterungsdecken häufig durch Erosion abgetragen, sodass dort nur dünne Böden oder unmittelbar anstehendes Felsgestein vorkommen. In geschützteren Tälern und auf flacheren Flächen können sich dagegen mächtigere Bodenhorizonte entwickeln.


Die Hauptgesteine der Insel gehören zur '''Formation de St. Barthélemy''' aus dem Eozän–Oligozän und bestehen vorwiegend aus Andesiten, Daziten und vulkanischen Tuffen, die durch tropische Verwitterung stark verändert wurden. Im Zentrum der Insel, insbesondere am Morne de Vitet (286 m, dem höchsten Punkt), treten intrusive Gesteine wie Diorite und Quarz-Diorite auf, die aus dem Miozän stammen. An den flachen Küstenabschnitten, etwa bei Saline oder Lorient, finden sich jüngere pliozän-quartiäre Korallenkalke, die aus marinen Ablagerungen hervorgegangen sind.
Neben den vulkanischen Gesteinen treten an einigen Küstenabschnitten jüngere karbonatische Ablagerungen auf. Sie stehen mit der Entwicklung der Korallenriffe und anderer kalkbildender Meeresorganismen in Verbindung. Aus deren Skeletten und Schalen entstehen kalkreiche Sedimente, die sich unter geeigneten Bedingungen zu festem Kalkstein verfestigen. Solche Gesteine unterscheiden sich deutlich von den älteren vulkanischen Formationen und dokumentieren eine spätere Phase der Landschaftsentwicklung, in der marine Ablagerungsprozesse an Bedeutung gewannen. Kalkhaltige Gesteine und Lockersedimente finden sich insbesondere in tiefer gelegenen Küstenbereichen, während die felsigen Erhebungen überwiegend von älteren magmatischen Gesteinen geprägt werden.


Die Topografie ist geprägt von steilen, erosionsgeformten Vulkanbergen im Inneren und flacheren, kalkhaltigen Küstenebenen. Die intensive tropische Verwitterung hat rote, ferralitische Böden entstehen lassen, die reich an Eisen und Aluminium sind. Die Küstenlinie zeigt eine Abfolge von weißen Korallensandstränden, grauschwarzen vulkanischen Sandstränden und steilen Klippen, die aus abwechselnden Schichten von verwittertem Vulkangestein und Kalk bestehen. Insgesamt spiegelt die Geologie von Saint-Barthélemy eine lange Geschichte tektonischer und vulkanischer Prozesse wider, die heute durch Erosion und Korallenbildung überformt wird.
Die Küstenlandschaft zeigt entsprechend unterschiedliche geologische Formen. An exponierten Abschnitten haben Brandung und Verwitterung steile Felswände, Felsnasen und kleine Buchten herausgearbeitet. In geschützten Bereichen konnten sich dagegen flache Küstenstreifen und Strände entwickeln. Die weißen Sandstrände bestehen überwiegend aus kalkhaltigem Material, das durch die Zerkleinerung von Korallen, Muschelschalen und anderen marinen Organismen entsteht. Die Farbe und Korngröße des Sandes hängen vom jeweiligen Materialangebot und von den örtlichen Strömungsverhältnissen ab. Dunklere Strandabschnitte können Anteile vulkanischer Minerale enthalten; eine durchgehend grauschwarze Färbung ist jedoch nicht für die Küste der Insel charakteristisch.
 
Bei Saline und Lorient sowie an weiteren flacheren Küstenabschnitten treffen die älteren Gesteinsformationen auf jüngere Ablagerungsflächen. Dort haben Meeresspiegelschwankungen, die Ablagerung von Sedimenten und die Tätigkeit von Korallenorganismen die Küstenformen mitgestaltet. Die Entwicklung solcher Flächen ist eng mit den Veränderungen des Meeresspiegels während des Pliozäns und des Quartärs sowie mit den lokalen Bedingungen der Küstenströmung verbunden. Gleichzeitig tragen Sturmwellen und tropische Wirbelstürme dazu bei, Sand zu verlagern, Strände abzutragen und die Form kleiner Buchten zu verändern.


== '''Landschaft''' ==
== '''Landschaft''' ==
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=== '''Flora''' ===
=== '''Flora''' ===
Vom Regen verschont, bietet die Westküste von Saint Barthélemy eine seltene Vegetation, die hauptsächlich aus Sträuchern und Kakteen besteht. Die Ostküste ist durch mehr Niederschlag grüner. Zahlreiche Blumenarten färben die Insel. Darunter Orchideen, Alpinias, Blumenrohr und Hibiskus, die man meistens in den Gärten und öffentlichen Parkanlagen findet. Am Meer wachsen der Meertrauben, kriechende Lianen und der Manschinellenbaum, der für seinen Saft bekannt ist, der schlimme Verbrennungen auslösen kann. Sie werden diesen dank eines Hinweisschildes erkennen, welches seine Präsenz anzeigt.
Die Pflanzenwelt von Saint-Barthélemy ist an das tropisch-warme Klima, die ausgeprägten jahreszeitlichen Niederschlagsunterschiede, die salzhaltige Meeresluft und die teilweise flachgründigen Böden angepasst. Die natürliche Vegetation besteht überwiegend aus trockenheitsverträglichen Sträuchern, niedrigen Bäumen, Kakteen und anderen Sukkulenten. Daneben kommen Palmen, Küstengehölze, krautige Pflanzen und zahlreiche eingeführte Zierpflanzen vor. Das Erscheinungsbild der Vegetation unterscheidet sich je nach Lage, Bodenbeschaffenheit, Wasserversorgung und Exposition gegenüber Wind und Sonne. Während manche Gebiete einen trockenen, offenen Charakter besitzen, sind geschützte Täler, bewässerte Grundstücke und Teile der Ostküste deutlich dichter bewachsen.


Da das Gelände im Allgemeinen trocken ist, haben die Hügel meist einen kargen Boden, auf dem nur Kakteen und Sukkulenten wachsen. Während der Regenzeit wird das Gebiet grün mit Vegetation und Gras. Der östliche Teil der Insel ist grüner, da er mehr Niederschläge erhält. Eine Untersuchung aus dem Jahr 1994 ergab, dass es mehrere hundert einheimische Pflanzenarten gibt, darunter auch eingebürgerte Pflanzenarten, von denen einige in bewässerten Gebieten wachsen, während in den trockenen Gebieten die Kakteen dominieren. Seetrauben und Palmen sind weit verbreitet, während Mangroven und Sträucher in den salzigen Küstensümpfen überleben. Die Kokospalme wurde von den Pazifikinseln auf die Insel gebracht. Zu den wichtigsten Pflanzen auf der Insel gehören Flamboyantbäume, Frangipanis, Säbelpalmen, wilde Trompeten und Manchineelbäume.
Zwischen der West- und der Ostseite der Insel bestehen örtliche Unterschiede in der Vegetationsentwicklung. Auf trockenen, dem Wind ausgesetzten Hängen und an felsigen Küstenabschnitten wachsen vor allem niedrige Sträucher, dornige Pflanzen und Kakteen. Die Vegetation ist dort häufig lückig, weil sich auf dem felsigen Untergrund nur wenig Boden bildet und Niederschlagswasser rasch abfließt. In der Regenzeit treiben viele Pflanzen neu aus, Gräser bedecken zeitweise größere Flächen und die Landschaft erscheint grüner. Während trockener Perioden verlieren manche Gehölze einen Teil ihrer Blätter, und krautige Pflanzen ziehen sich zurück oder vertrocknen oberirdisch. Geschützte Standorte und Bereiche mit größerer Bodenfeuchtigkeit weisen dagegen eine dichtere Vegetation auf. Auch die Ostküste ist nicht überall gleichmäßig feucht bewachsen; die Unterschiede hängen zusätzlich von der örtlichen Topografie und der Nutzung durch den Menschen ab.


Weitere bemerkenswerte Bäume sind die Königspalme, Seetraubenbäume in Form von Sträuchern an den Stränden und als 5 bis 7 Meter hohe Bäume im Inselinneren, Aloe oder Aloe vera (aus dem Mittelmeerraum), die Nachtblühende Cereus, Mamillaria nivosa, gelber Feigenkaktus oder Barbary-Feige, die 1773 als Stacheldrahtverteidigung gegen die eindringende britische Armee gepflanzt wurde, mexikanischer Kaktus, Stapelia gigantea, goldene Trompete oder gelbe Glocke, die ursprünglich aus Südamerika stammt, Bougainvillea und andere.
Zu den charakteristischen Pflanzen der Küstenvegetation gehört die Meertraube (Coccoloba uvifera), ein Gehölz aus der Familie der Knöterichgewächse. Sie wächst als niedriger, ausladender Strauch oder als mehrere Meter hoher Baum und ist besonders gut an salzhaltige Luft, intensive Sonneneinstrahlung und trockene Standorte angepasst. Ihre großen, rundlichen, ledrigen Blätter besitzen auffällige Blattadern. Die traubenförmig angeordneten Früchte verfärben sich bei der Reife dunkelrot bis violett und sind essbar. Meertrauben stabilisieren mit ihrem Wurzelwerk Küstensande und tragen dazu bei, die Vegetation hinter den Stränden gegen Wind und Erosion zu schützen. Gemeinsam mit weiteren salzverträglichen Sträuchern bilden sie vielerorts einen wichtigen Bestandteil des Küstengürtels.


=== '''Fauna''' ===
Eine weitere bedeutende Pflanze der Strand- und Küstenbereiche ist der Manschinenbaum (Hippomane mancinella), der zu den Wolfsmilchgewächsen gehört. Er enthält einen giftigen Milchsaft, der bei Hautkontakt schwere Reizungen und Verbrennungen verursachen kann. Auch der Kontakt mit Pflanzenteilen oder mit Regenwasser, das über die Blätter läuft, kann gefährlich sein. Die Früchte ähneln kleinen Äpfeln, sind jedoch giftig und dürfen nicht verzehrt werden. Auf Saint-Barthélemy und anderen karibischen Inseln werden Manschinenbäume an touristisch genutzten Küstenabschnitten teilweise durch Warnschilder gekennzeichnet. Die Art ist trotz ihrer Giftigkeit Bestandteil der natürlichen Küstenvegetation und kann mit ihrem Wurzelwerk zur Stabilisierung des Bodens beitragen.
Die Insel von Saint Barthélémy gilt als Naturreservat. Man findet hier alle Arten von Vögeln, darunter den Pelikan, das Wahrzeichen der Insel. Mit einem guten Fernglas werden Sie sicher das Glück haben, einen Eisvogel mit blauem Gefieder zu entdecken, einen großen Fischreiher mit seiner langen schwarzen Feder auf dem Kopf, einen grünen Kolibri, einen herrlichen Fregattvogel oder einen braunen Pelikan. Der Meeresgrund wird ebenfalls häufig besucht. Kofferfische, Papageifische und Engelfische teilen sich das Plankton.
 
Besonders auffällig ist die Vielfalt der Kakteen und Sukkulenten. Sie speichern Wasser in ihren fleischigen Pflanzenteilen oder besitzen andere Anpassungen, die den Wasserverlust verringern. Zu den auf Saint-Barthélemy vorkommenden Arten zählt Mammillaria nivosa, ein kugelig bis kurzsäulig wachsender Kaktus mit dicht stehenden Dornen. Auch Feigenkakteen aus der Gattung Opuntia sind verbreitet. Der gelbe Feigenkaktus beziehungsweise die Barbary-Feige (Opuntia ficus-indica) wurde in der Karibik vielfach eingeführt und für unterschiedliche Zwecke angepflanzt. Die aufrechten, abgeflachten Sprosse tragen Dornen und können dichte Bestände bilden. Historisch wurden Feigenkakteen auf verschiedenen karibischen Inseln als lebende Barrieren verwendet, um Grundstücke abzugrenzen und Zugänge zu erschweren. Die konkrete Überlieferung, wonach sie auf Saint-Barthélemy im Jahr 1773 gezielt zur Verteidigung gegen eine britische Invasion angepflanzt worden seien, bedarf jedoch einer gesonderten historischen Bestätigung.
 
Neben den Kakteen kommen weitere sukkulente Pflanzen vor, darunter Aloe-Arten und verschiedene trockenheitsverträgliche Wolfsmilchgewächse. Aloe vera wird auf der Insel kultiviert und ist durch ihre fleischigen Blätter leicht zu erkennen. Sie stammt ursprünglich aus dem nordostafrikanischen und arabischen Raum und ist keine mediterrane Pflanze, auch wenn sie heute in zahlreichen warmen Regionen verbreitet ist. Ihre Blätter enthalten ein durchsichtiges Gel, das äußerlich verwendet wird. Daneben finden sich Zierpflanzen wie Stapelia gigantea, eine sukkulente Art mit großen, auffälligen Blüten, die ursprünglich aus dem südlichen Afrika stammt. Solche eingeführten Arten erweitern die Pflanzenvielfalt insbesondere in Gärten und an Standorten, an denen sie vor intensiver Trockenheit geschützt sind.


Es gibt viele Meeressäugetiere wie Delfine, Schweinswale und Wale, die hier während der Wanderungszeit von Dezember bis Mai zu sehen sind. Schildkröten sind ein häufiger Anblick entlang der Küste der Insel. Sie sind eine geschützte Art und stehen auf der Liste der bedrohten Arten. Es wird angegeben, dass es 15 bis 50 Jahre dauert, bis diese Art das fortpflanzungsfähige Alter erreicht. Obwohl sie im Meer leben, kommen die Weibchen zur Eiablage an die Küste und werden von privaten Vereinen geschützt. Drei Arten von Schildkröten sind besonders bemerkenswert. Diese sind: Die Lederschildkröten, die anstelle eines Panzers eine lederne Haut haben und die größten der hier vorkommenden Arten sind, die manchmal bis zu 3 Meter lang werden (der Durchschnitt liegt bei 1. Die Lederschildkröten haben einen ledernen Panzer statt eines Panzers und sind die größten der hier vorkommenden Arten. Sie sind manchmal bis zu 3 m lang (der Durchschnitt liegt bei etwa 1,5 m) und wiegen etwa 450 kg (sie ernähren sich am liebsten von Quallen); die Echten Karettschildkröten mit ihren falkenähnlichen Schnäbeln, die man in der Nähe von Riffen findet, haben im Allgemeinen einen Durchmesser von etwa 90 cm und wiegen etwa 60 kg.
Palmen gehören ebenfalls zum Landschaftsbild von Saint-Barthélemy. Neben der Kokospalme (Cocos nucifera), die an Stränden und in Siedlungsbereichen wächst, werden Königspalmen und weitere tropische Palmenarten als Zier- und Schattenbäume angepflanzt. Die Kokospalme ist im tropischen Küstenraum weit verbreitet; ihre genaue ursprüngliche Ausbreitungsgeschichte ist komplex und lässt sich nicht auf eine einzelne Herkunftsregion beschränken. Palmen prägen vor allem das Erscheinungsbild von Hotelanlagen, privaten Gärten und öffentlichen Grünflächen. Ihre Verbreitung auf der Insel ist teilweise auf gezielte Pflanzungen zurückzuführen und daher nicht mit der natürlichen Vegetation gleichzusetzen.


Zur einheimischen und wandernden Avifauna gehören braune Pelikane entlang der Küstenlinie, prächtige Fregattvögel mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,8 Metern, grüne Reiher, Schneereiher, Eisvögel, Bananensturmvögel, Breitflügelfalken, zwei Kolibriarten, der Grünkehl- und der Antillenkolibri, sowie Zenaida-Tauben.
Die Gehölzvegetation umfasst außerdem verschiedene Arten, die in der Karibik heimisch sind oder dort seit langer Zeit kultiviert werden. Der Flamboyantbaum (Delonix regia) fällt während seiner Blütezeit durch seine leuchtend roten bis orangefarbenen Blüten auf. Er stammt ursprünglich aus Madagaskar und wird auf Saint-Barthélemy vor allem als Zierbaum verwendet. Frangipani-Arten aus der Gattung Plumeria sind für ihre auffälligen, häufig weiß, gelb oder rosafarbenen Blüten und ihren intensiven Duft bekannt. Sie wachsen in Gärten und an Straßenrändern. Bougainvilleen, deren farbige Hochblätter in Violett, Rosa, Rot oder Orange erscheinen, werden häufig an Mauern, Zäunen und Gebäuden gepflanzt. Auch gelb blühende Trompetenblumen, darunter Arten der Gattung Allamanda, tragen zur farbenreichen Gestaltung von Gärten und öffentlichen Anlagen bei.


Die Meeresfauna besteht aus Anemonen, Seeigeln, Seegurken und Aalen, die zusammen mit Schildkröten, Muscheln und vielen Arten von Meeresfischen in den Riffen leben. Die Meeresfauna ist reich an Muscheln mit ihren perlmuttrosa Schalen. Ihr Fleisch ist ein beliebtes Nahrungsergänzungsmittel, und ihre Schalen sind ein begehrtes Sammelobjekt. Weitere Fischarten, die in Küstennähe in flachen Gewässern vorkommen, sind: Sergeant Majors, blaue Chromis, braune Chromis, Doktorfische, blaue Tangs und Trompetenfische. An der Küste gibt es Geisterkrabben, die immer am Strand in kleinen, in den Sand gegrabenen Tunneln leben, und Einsiedlerkrebse, die an Land leben, aber ihre Eier im Wasser ablegen und auch Müll und Abwässer fressen. Sie verbringen während und nach der Brutsaison einige Monate im Meer.
Die natürliche Pflanzenwelt wird durch krautige Pflanzen, Kletterpflanzen und kriechende Lianen ergänzt. Einige dieser Arten wachsen auf offenen Flächen und an Straßenrändern, andere besiedeln geschützte Standorte zwischen Felsen oder im Unterwuchs von Sträuchern. In der Regenzeit entwickeln sich Gräser und kurzlebige Kräuter besonders rasch. An trockenen Hängen bleiben dagegen häufig dornige Sträucher und sukkulente Pflanzen vorherrschend. Die Vegetation ist vielerorts durch die jahrhundertelange Nutzung der Flächen, durch Weidewirtschaft, Siedlungsentwicklung und wiederkehrende Trockenperioden beeinflusst.


In geschützten Küstenbuchten und salzhaltigen Feuchtgebieten kommen Mangroven und andere salzverträgliche Gehölze vor. Mangroven sind an zeitweise überflutete Böden und wechselnde Salzgehalte angepasst. Ihre Wurzelsysteme können Sedimente zurückhalten, Küstenabschnitte stabilisieren und Lebensräume für Fische, Krebstiere und zahlreiche weitere Organismen schaffen. Die Mangrovenbestände auf Saint-Barthélemy sind im Vergleich zu den großen Mangrovengebieten anderer karibischer Inseln räumlich begrenzt. Neben ihnen wachsen in salzhaltigen Küstensümpfen niedrigere Sträucher und krautige Pflanzen, die mit periodischer Überflutung und hoher Verdunstung zurechtkommen.


'''Pflanzen-und Tierarten:'''     
Auch die vom Menschen angelegten Gärten und Parkanlagen besitzen eine große Bedeutung für das sichtbare Pflanzenbild der Insel. Dort werden Orchideen, Alpinien, Blumenrohr, Hibiskus und zahlreiche weitere tropische Zierpflanzen kultiviert. Orchideen kommen in verschiedenen Wuchsformen vor, darunter Arten, die auf anderen Pflanzen sitzen, sowie solche, die im Boden wurzeln. Alpinien gehören zur Familie der Ingwergewächse und besitzen häufig große Blätter sowie auffällige Blütenstände. Blumenrohr aus der Gattung Canna wird wegen seiner großen Blätter und farbenreichen Blüten angepflanzt. Hibiskussträucher bilden große, trichterförmige Blüten, deren Farben von Weiß und Gelb bis zu kräftigem Rot reichen. Viele dieser Pflanzen benötigen eine regelmäßige Wasserversorgung und sind deshalb besonders in bewässerten Gärten, Hotelanlagen und öffentlichen Grünflächen anzutreffen.


'''Flora'''
Eine 1994 durchgeführte Untersuchung wurde mit einer Pflanzenvielfalt von mehreren hundert einheimischen und eingeführten beziehungsweise eingebürgerten Arten in Verbindung gebracht. Für eine genaue Gesamtzahl und die Aufteilung nach einheimischen, endemischen und nicht heimischen Arten wären allerdings die Originaldaten und die verwendete botanische Systematik erforderlich. Die Artenzusammensetzung wird zudem durch die Einführung von Zierpflanzen, die Veränderung natürlicher Standorte und die Ausbreitung nicht heimischer Arten beeinflusst. Eine klare Unterscheidung zwischen ursprünglicher Vegetation und späterer Garten- und Kulturlandschaft ist deshalb wichtig.


* Blütenpflanzen  336
=== '''Fauna''' ===
* Farne  9
Ein besonderer Stellenwert innerhalb der Tierwelt kommt den Vögeln zu. Saint-Barthélemy liegt innerhalb der Karibikregion, die von zahlreichen Standvögeln und saisonalen Zugvögeln genutzt wird. An den Küsten sind Braune Pelikane (Pelecanus occidentalis) regelmäßig zu beobachten. Sie fliegen häufig dicht über der Wasseroberfläche, suchen nach Fischschwärmen und stürzen sich bei der Jagd aus der Luft ins Meer. Der Pelikan gilt als eines der bekanntesten Tiermotive der Insel und wird vielfach als ihr Wahrzeichen bezeichnet. Ebenfalls auffällig ist der Prächtige Fregattvogel (Fregata magnificens), der mit seinen langen, schmalen Flügeln große Strecken über dem Meer zurücklegt. Seine Flügelspannweite kann etwa 2 m erreichen. Fregattvögel ernähren sich überwiegend von Fischen und anderen Meerestieren, die sie an der Wasseroberfläche erbeuten oder anderen Seevögeln abjagen.


'''Fauna'''
In den Küstengewässern, an kleinen Buchten und in feuchteren Bereichen lassen sich verschiedene Reiher beobachten. Dazu zählen der Grünreiher (Butorides virescens) und der Silberreiher beziehungsweise andere weiße Reiherarten, deren Vorkommen von der genauen Artbestimmung abhängt. Reiher suchen in flachen Gewässern nach kleinen Fischen, Krebstieren und anderen wirbellosen Tieren. Auch Eisvögel können auftreten, insbesondere an geeigneten Gewässern und Küstenabschnitten. Ihr Bestand und ihre Häufigkeit hängen von den örtlichen Nahrungsangeboten und Rastmöglichkeiten ab. In der offenen Buschlandschaft und an Waldrändern kommen außerdem verschiedene Greifvögel vor, darunter der Breitflügelbussard (Buteo platypterus), der in der Karibik auch als Zugvogel auftritt.


* Fische  183
Zu den auffälligen kleinen Vogelarten gehören die Kolibris. Auf den Kleinen Antillen kommen unter anderem der Antillenkolibri und der Grünkehlkarib vor. Diese Vögel ernähren sich vorwiegend von Nektar, nehmen aber auch kleine Insekten auf. Durch ihre Bestäubungstätigkeit tragen sie zur Fortpflanzung verschiedener Blütenpflanzen bei. Tauben, darunter die Zenaida-Taube (Zenaida aurita), gehören ebenfalls zur Avifauna der Insel. An den Küsten und auf vorgelagerten Felsen treten Seevögel auf, die dort ruhen, nach Nahrung suchen oder geeignete Brutplätze nutzen. Die Zusammensetzung der Vogelwelt verändert sich im Jahresverlauf, weil einige Arten ganzjährig auf der Insel leben, andere während ihrer Wanderungen durch die Karibik rasten oder die Insel nur zeitweise aufsuchen.
* Korallen  51
* Vögel  40
* Säugetiere  10
* Reptilien  9


== '''Naturschutz''' ==
Saint-Barthélemy besitzt außerdem eine artenreiche Meeresfauna. Die Korallenriffe und felsigen Unterwasserbereiche bieten Lebensraum für zahlreiche Fische, Krebstiere, Weichtiere, Stachelhäuter und andere wirbellose Tiere. Korallen schaffen durch ihre Kalkskelette komplexe Strukturen, in denen sich kleinere Organismen verstecken und Nahrung finden. Zwischen den Korallen leben unter anderem Papageifische, Doktorfische, Kaiser- beziehungsweise Engelfische, Trompetenfische und verschiedene Riffbarsche. Zu Letzteren gehören die blau gefärbten Chromis-Arten, während Sergeant Majors durch ihre dunklen Querstreifen auf hellem Körper auffallen. Die Fischgemeinschaften unterscheiden sich je nach Wassertiefe, Strömung, Korallenbewuchs und Zustand des Riffs.
Saint-Barthélemy ist von einem Meeresschutzgebiet (''Reserve Naturelle'') umgeben, das 4,75 km² umfasst und in fünf Zonen rund um die Insel unterteilt ist, die ein Netz von Schutzgebieten bilden. Das Reservat umfasst die Buchten Grand Cul de Sac, Colombier, Marigot, Petit Cul de Sac, Petite Anse sowie die Gewässer um vorgelagerte Felsen wie Les Gross Islets, Pain de Sucre, Tortue und Forchue. Das Reservat dient dem Schutz der Korallenriffe, des Seegrases und der bedrohten Meeresarten, einschließlich der Meeresschildkröten. Es hat zwei Schutzstufen - die gelben Schutzzonen, in denen bestimmte nicht-extraktive Aktivitäten wie Schnorcheln und Bootfahren erlaubt sind, und die roten Zonen mit hohem Schutzgrad, in denen die meisten Aktivitäten, einschließlich SCUBA, eingeschränkt sind, um das Meeresleben zu schützen oder zu erholen. Das Ankern ist im Reservat verboten, und in einigen der geschützten Buchten wie Colombier gibt es Anlegebojen.


== '''Klima''' ==
Papageifische ernähren sich von Algen und nehmen bei der Nahrungssuche auch Teile des Korallengesteins auf. Dadurch tragen sie zur Bildung feiner Sedimente bei und beeinflussen die Entwicklung der Riffe. Doktorfische weiden ebenfalls Algen ab und sind wichtig für das ökologische Gleichgewicht, weil sie verhindern können, dass Algen Korallen überwuchern. Engelfische nutzen unterschiedliche Nahrungsquellen, darunter Schwämme und kleine wirbellose Tiere. Trompetenfische lauern zwischen Korallen und anderen Strukturen auf kleine Fische. Neben diesen auffälligen Arten kommen zahlreiche kleinere Riffbewohner vor, deren Lebensweise eng mit den Korallen, Schwämmen und anderen Organismen verbunden ist.
Das Klima auf Saint-Barthélemy wird nach der Köppen-Klassifikation als tropisches Savannenklima (Typ Aw) eingestuft, mit heißen, feuchten Sommern und einer ausgeprägten Trockenzeit (''caréme'') im Winter. Die Hurricane-Saison (''hivernage'') mit schweren Regenfällen dauert von Juli bis November. Im Sommer kann es sehr schwül sein, da keine Passatwinde wehen.


Die Ostseite ist feuchter als die Westseite. Obwohl das Klima im Wesentlichen trocken ist, fallen im Durchschnitt 1.000 mm Niederschlag pro Jahr, allerdings mit erheblichen Schwankungen je nach Geländebeschaffenheit. Der Sommer dauert von Mai bis November, was auch die Regenzeit ist. Der Winter von Dezember bis April ist die Trockenzeit. Die Sonne scheint fast das ganze Jahr über und sogar während der Regenzeit. Die Luftfeuchtigkeit ist jedoch aufgrund der Winde nicht sehr hoch. Die Durchschnittstemperatur liegt bei etwa 25°C, wobei die Tagestemperaturen auf 32°C (90°F) ansteigen. Die durchschnittlichen Höchst- und Tiefsttemperaturen liegen im Januar bei 28°C bzw. 22°C und im Juli bei 30°C bzw. 24°C. Die niedrigste Nachttemperatur liegt bei 13°C. Das karibische Meerwasser in der Umgebung hat im Allgemeinen eine Temperatur von etwa 27°C.  
Zu den wirbellosen Meerestieren zählen Seeigel, Seegurken, Seeanemonen, Schwämme, Schnecken, Muscheln und verschiedene Krebsarten. Seeigel weiden Algen ab oder ernähren sich von organischem Material; Seegurken nehmen Sedimente auf und verwerten darin enthaltene organische Bestandteile. Seeanemonen besitzen Nesselzellen, mit denen sie Beutetiere fangen und sich gegen Fressfeinde schützen. Verschiedene Schnecken und Muscheln besiedeln Felsen, Sandflächen und Riffbereiche. Die große Vielfalt dieser Organismen ist ein wesentlicher Bestandteil der karibischen Küstenökosysteme.


'''Klimadaten für Gustavia''' (5 m, 1961 bis 1990)  
An sandigen Stränden sind Geisterkrabben zu finden. Diese Krabben graben Röhren in den Sand und halten sich vorwiegend in Strandbereichen oberhalb der regelmäßig überfluteten Zone auf. Sie sind meist nachts oder in den kühleren Tagesstunden aktiv und ernähren sich von organischem Material sowie kleinen Tieren. Einsiedlerkrebse nutzen dagegen leere Schneckengehäuse als Schutz für ihren weichen Hinterleib. Je nach Art leben sie überwiegend an Land oder im Meer. Landbewohnende Arten sind zur Fortpflanzung auf das Meer angewiesen, wo sich ihre Larven entwickeln. Sie verwerten unter anderem abgestorbene Pflanzenteile und andere organische Reste und tragen dadurch zum Abbau organischen Materials bei.
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Eine weitere wichtige Gruppe bilden die Meeresschildkröten, die sowohl in den Küstengewässern als auch an geeigneten Sandstränden vorkommen. Sie gehören zu den besonders schutzbedürftigen Tieren der Karibik. Die Weibchen verlassen das Meer zur Eiablage und graben ihre Nester oberhalb der Wasserlinie in den Sand. Nach dem Schlüpfen müssen sich die Jungtiere selbstständig zum Meer bewegen. Die Überlebensrate ist gering, weil Eier und Jungtiere zahlreichen natürlichen Gefahren ausgesetzt sind. Hinzu kommen menschliche Einflüsse wie die Bebauung der Strände, künstliche Beleuchtung, die Verschmutzung des Meeres und die Gefahr, sich in Fischereigeräten zu verfangen. Auf Saint-Barthélemy werden Meeresschildkröten durch Schutzmaßnahmen und Naturschutzorganisationen betreut. Dazu gehören die Beobachtung von Eiablageplätzen, die Erfassung von Sichtungen und die Information der Bevölkerung und der Besucher.
|'''Jan'''  
 
|'''Feb'''  
Zu den bemerkenswertesten Arten zählt die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea), die größte heute lebende Meeresschildkröte. Anders als die meisten anderen Meeresschildkröten besitzt sie keinen festen, aus Hornschilden bestehenden Panzer, sondern eine lederartige Haut über einer flexiblen, knöchernen Struktur. Große ausgewachsene Tiere können eine Länge von mehr als 2 m und ein Gewicht von mehreren hundert Kilogramm erreichen. Die Lederschildkröte ernährt sich überwiegend von Quallen und anderen gelatinösen Meerestieren. Sie legt weite Wanderungen zwischen Nahrungsgebieten und Fortpflanzungsstränden zurück und nutzt die Gewässer der Karibik als Teil ihres Lebensraums.
|'''Mar'''  
 
|'''Apr'''  
Eine zweite wichtige Art ist die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata). Sie besitzt einen schmalen, schnabelförmigen Kopf und einen charakteristisch überlappend beschuppten Panzer. Sie hält sich bevorzugt in der Nähe von Korallenriffen und anderen strukturierten Küstenlebensräumen auf. Ihre Nahrung besteht zu einem großen Teil aus Schwämmen, ergänzt durch weitere wirbellose Meerestiere. Die Karettschildkröte ist stark gefährdet, unter anderem aufgrund der Zerstörung ihrer Lebensräume und der früheren Bejagung wegen ihres Panzers, der zur Herstellung von Schmuck und Ziergegenständen verwendet wurde.
|'''Mai'''  
 
|'''Jun'''  
Als dritte Art ist die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) zu nennen. Sie nutzt Seegraswiesen und flache Küstengewässer als Nahrungsgebiete und ernährt sich im Erwachsenenalter überwiegend pflanzlich. Die Art trägt dadurch zur Nutzung und zum ökologischen Gleichgewicht von Seegrasbeständen bei. Wie die anderen Meeresschildkröten kehrt sie zur Fortpflanzung an geeignete Strände zurück. Das Erreichen der Geschlechtsreife dauert bei Meeresschildkröten viele Jahre; der genaue Zeitraum hängt von Art, Nahrungsangebot und Umweltbedingungen ab. Die Angabe von 15 bis 50 Jahren beschreibt eine große mögliche Spannweite, ist jedoch keine einheitliche Altersangabe für alle drei Arten.
|'''Jul'''  
 
|'''Aug'''  
Auch Meeressäugetiere gehören zur Fauna der Gewässer rund um Saint-Barthélemy. Verschiedene Delfinarten können in Küstennähe oder auf offener See beobachtet werden. Sie leben je nach Art in Gruppen und ernähren sich überwiegend von Fischen und Kopffüßern. Schweinswale sind ebenfalls Meeressäugetiere, dürfen jedoch nicht mit Delfinen gleichgesetzt werden; ihre Anwesenheit in den Gewässern der Insel ist nicht ohne Weiteres als regelmäßig zu bezeichnen. Darüber hinaus durchqueren verschiedene Walarten die weitere Region der Kleinen Antillen. Besonders während der Winter- und Frühjahrsmonate nutzen Buckelwale (Megaptera novaeangliae) die warmen Gewässer der Karibik zur Fortpflanzung und zur Aufzucht ihrer Kälber. Die Beobachtungswahrscheinlichkeit hängt von der Jahreszeit, der Entfernung zur Küste und den jeweiligen Wanderungsbewegungen ab. Die Monate Dezember bis Mai umfassen einen wesentlichen Teil der regionalen Walbeobachtungssaison, stellen jedoch keine feste Anwesenheitsperiode für alle Meeressäugetiere dar.
|'''Sep'''  
 
|'''Okt'''  
Die Reptilienfauna an Land umfasst neben den Meeresschildkröten verschiedene Echsenarten. Dazu gehören Geckos und andere kleine Eidechsen, die in trockenen Buschlandschaften, zwischen Felsen, in Gärten und an Gebäuden leben. Sie ernähren sich häufig von Insekten und anderen kleinen wirbellosen Tieren. Einige Arten sind an offene, trockene Standorte angepasst, während andere geschützte und feuchtere Bereiche bevorzugen. Geckos sind oft in der Dämmerung oder nachts aktiv und suchen an beleuchteten Gebäuden nach Insekten. Wie auf vielen karibischen Inseln wird die Zusammensetzung der Reptilienfauna auch durch eingeschleppte Arten beeinflusst. Für genaue Angaben zur Zahl der einheimischen, endemischen und eingeführten Arten ist eine aktuelle lokale Artenliste erforderlich.
|'''Nov'''  
 
|'''Dez'''  
Die Insektenwelt umfasst zahlreiche Schmetterlinge, Käfer, Ameisen, Heuschrecken, Libellen und weitere Gruppen. In den Gärten und auf blütenreichen Flächen finden Bestäuber wie Schmetterlinge und Bienen Nahrung. Mücken treten insbesondere nach Regenfällen und in Bereichen auf, in denen sich Wasser in natürlichen Vertiefungen oder künstlichen Behältern sammelt. Daneben leben Spinnen und andere räuberische Gliederfüßer, die Insekten erbeuten und damit zur Regulierung ihrer Bestände beitragen. Die Zusammensetzung der Insektenfauna hängt stark von der Vegetation, dem Niederschlagsgeschehen und der Verfügbarkeit geeigneter Brut- und Nahrungsplätze ab.
|'''Jahr'''
 
|-
Für den Schutz der Tierwelt besitzt das Réserve naturelle nationale de Saint-Barthélemy besondere Bedeutung. Das Naturschutzgebiet umfasst mehrere Inselchen und Meeresbereiche und dient unter anderem dem Erhalt empfindlicher Küstenlebensräume, von Korallenriffen und Seegrasflächen. Es schützt Lebensräume zahlreicher Fische und wirbelloser Meerestiere sowie Gebiete, die von Meeresschildkröten und Seevögeln genutzt werden. Zu den wichtigen Schutzaufgaben gehören die Begrenzung schädlicher Eingriffe, die Überwachung der Riffe, die Erhaltung der Unterwasservegetation und die Information der Öffentlichkeit. Die Wirksamkeit des Schutzes ist insbesondere für Korallenriffe von Bedeutung, die durch Erwärmung des Meerwassers, Korallenbleiche, Verschmutzung, mechanische Beschädigungen und Veränderungen der Wasserqualität beeinträchtigt werden können.
|'''Mitteltemeratur  °C'''
 
|25,3
 
|25,2
 
|25,9
'''Pflanzen-und Tierarten:'''     
|26,4
 
|27,0
'''Flora'''
|27,8
 
|28,0
* Blütenpflanzen  336
|28,2
* Farne  9
|28,4
 
|28,1
'''Fauna'''
|27,6
 
|26,9
* Fische  183
|'''26,9'''
* Korallen  51
|-
* Vögel  40
|'''Niederschlag mm'''
* Säugetiere  10
|58
* Reptilien  9
|46
 
|51
== '''Naturschutz''' ==
|58
Saint-Barthélemy verfügt über ein Naturschutzsystem, dessen Schwerpunkt auf dem Schutz der Küstengewässer, der Korallenriffe und der empfindlichen Meeresökosysteme liegt. Von besonderer Bedeutung ist das '''Réserve naturelle nationale de Saint-Barthélemy''', ein 1996 eingerichtetes nationales Naturschutzgebiet, das mehrere Meeresbereiche und vorgelagerte Inselchen umfasst. Es dient der Erhaltung der Korallenriffe, der Seegraswiesen, der Küstenlebensräume und der darin vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Zu den besonders schutzbedürftigen Tieren gehören Meeresschildkröten, verschiedene Riffische und zahlreiche wirbellose Meerestiere. Seevögel nutzen die vorgelagerten Felsen und Inselchen als Ruhe- und teilweise als Brutplätze.
|91
 
|55
Das Schutzgebiet ist nicht als ein einziger geschlossener Ring um die gesamte Insel angelegt, sondern besteht aus mehreren räumlich getrennten Teilgebieten. Diese liegen unter anderem in den Buchten Grand Cul-de-Sac, Marigot, Petit Cul-de-Sac und Colombier sowie in weiteren küstennahen Meeresbereichen. Auch die Gewässer bei vorgelagerten Felsen und kleinen Inselchen wie Les Gros Îlets, Pain de Sucre, Tortue und Île Fourchue gehören zu den für den Naturschutz wichtigen Gebieten. Die räumliche Aufteilung ermöglicht es, unterschiedliche Lebensräume gezielt zu schützen, darunter flache Lagunen, Seegrasflächen, Korallenriffe und felsige Unterwasserhänge.
|79
 
|102
Die fünf Teilgebiete umfassen nach Angaben der zuständigen Umweltbehörde insgesamt rund 1.200 ha beziehungsweise 12 km² Meeresfläche. Die häufig genannte Angabe von 4,75 km² ist daher nicht mit der Gesamtfläche des heutigen Schutzgebiets gleichzusetzen. Eingerichtet wurde das Réserve naturelle de Saint-Barthélemy durch ein französisches Dekret vom 10. Oktober 1996. Seit 2013 wird es von der Agence territoriale de l’environnement de Saint-Barthélemy verwaltet.
|111
 
|126
Die Schutzgebiete sind in Zonen mit unterschiedlichen Nutzungsbeschränkungen gegliedert. In den gelb dargestellten Bereichen gilt ein allgemeiner Schutz, der bestimmte Freizeitaktivitäten und geregelte Formen der Fischerei zulässt. Schnorcheln und Bootfahren sind dort grundsätzlich möglich, müssen aber die jeweils geltenden Vorschriften beachten. Das Sammeln von Korallen, Muscheln, Krebstieren und anderen geschützten Organismen ist untersagt. Auch das Füttern von Wildtieren, das Zurücklassen von Abfällen und weitere Eingriffe in die Lebensräume sind verboten.
|108
 
|98
In den rot gekennzeichneten Zonen gilt ein verstärkter Schutz. Dazu gehören insbesondere empfindliche Bereiche bei Petite Anse sowie Teile des nordöstlichen Küstenraums. Diese Gebiete dienen als Rückzugs-, Entwicklungs- und Fortpflanzungsräume für Meeresorganismen. Dort sind unter anderem das Fischen, das Ankern und das Gerätetauchen mit Pressluftflaschen untersagt. Die genauen Verbote unterscheiden sich je nach Teilgebiet und sind in den geltenden Vorschriften festgelegt.
|'''883'''
 
Ein besonderes Augenmerk gilt dem Schutz der Seegraswiesen und Korallenriffe. Seegrasflächen dienen zahlreichen Meerestieren als Nahrungs- und Aufwuchsgebiet und können zur Stabilisierung des Meeresbodens beitragen. Korallenriffe bieten mit ihren verzweigten Strukturen Lebensraum für Fische, Schwämme, Krebstiere und zahlreiche weitere Organismen. Beide Lebensräume sind empfindlich gegenüber mechanischen Beschädigungen, Verschmutzung und steigenden Wassertemperaturen. Deshalb werden auch die Auswirkungen von Bootsverkehr, Tauchtourismus und Freizeitfischerei berücksichtigt.
 
Das Ankern von Freizeitbooten ist im Schutzgebiet grundsätzlich außerhalb der ausdrücklich ausgewiesenen Ankerbereiche untersagt. In den Buchten von Colombier und Fourchue stehen umweltverträgliche Anlegebojen zur Verfügung, die verhindern sollen, dass Anker und Ankerketten Seegrasbestände oder Korallen beschädigen. In Grand Cul-de-Sac gelten besondere Einschränkungen für das freie Ankern. Für Taucher gibt es ausgewiesene Tauchplätze und entsprechende Befestigungssysteme. Die Nutzung dieser Einrichtungen unterliegt den jeweiligen örtlichen Bestimmungen.
 
Neben dem Meeresschutz werden auch die terrestrischen Lebensräume und die natürlichen Küstenabschnitte berücksichtigt. Die Bebauung, die Anlage von Straßen und touristischen Einrichtungen sowie die Veränderung der Vegetation können Lebensräume zerschneiden und den Wasserhaushalt beeinflussen. Besonders empfindlich sind kleine Feuchtgebiete, Mangrovenbestände, natürliche Sandstrände und die Brutplätze von Seevögeln und Meeresschildkröten. Die Erhaltung dieser Lebensräume ist für die Artenvielfalt der Insel ebenso wichtig wie der Schutz der Unterwasserwelt.
 
Eine weitere Aufgabe des Naturschutzes ist die Information der Bevölkerung und der Besucher. Die Umweltbehörde veröffentlicht Karten und Vorschriften zu den einzelnen Schutzzonen, informiert über erlaubte und verbotene Aktivitäten und organisiert Maßnahmen zur Beobachtung und Erhaltung der Meeresökosysteme. Kommerzielle Tätigkeiten innerhalb des Reservats, beispielsweise bestimmte touristische Angebote, unterliegen einer vorherigen Genehmigung. Damit sollen die Nutzung der Gewässer und der Schutz der empfindlichen Lebensräume miteinander vereinbart werden.
 
== '''Klima''' ==
Das Klima von Saint-Barthélemy ist tropisch-maritim und wird durch die Lage der Insel in der östlichen Karibik, die ganzjährig hohen Temperaturen und die Passatwinde geprägt. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation wird es überwiegend dem tropischen Savannenklima (Aw) zugeordnet. Charakteristisch sind geringe jahreszeitliche Temperaturschwankungen, eine ausgeprägte trockenere Jahreszeit und eine feuchtere Periode, in der kräftige Schauer und Gewitter auftreten können. Die Nähe zum Meer mildert extreme Temperaturschwankungen, während die Sonneneinstrahlung über das gesamte Jahr hinweg hoch bleibt. Die klimatischen Bedingungen beeinflussen die Vegetation, die Verfügbarkeit von Süßwasser und die Nutzung der Insel ebenso wie den Fremdenverkehr.
 
Die Jahresmitteltemperatur liegt ungefähr bei 26 °C. Die durchschnittlichen Tageshöchstwerte bewegen sich im Jahresverlauf meist zwischen etwa 28 und 31 °C, während die nächtlichen Tiefstwerte häufig zwischen 22 und 26°C liegen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Monaten sind vergleichsweise gering. Die wärmsten Monate fallen in die Zeit von Sommer bis Frühherbst, wenn die Tageshöchsttemperaturen häufig um 30°C oder darüber liegen. In den Monaten Dezember bis März sind die Temperaturen etwas niedriger, doch bleibt das Wetter auch dann überwiegend warm. Gelegentlich können kühlere Nächte auftreten; sehr niedrige Werte um 13°C wären jedoch außergewöhnlich und entsprechen nicht den üblichen winterlichen Bedingungen der Insel.
 
Die Luftfeuchtigkeit ist aufgrund des warmen Meeres und der tropischen Lage häufig hoch. Die Passatwinde sorgen allerdings regelmäßig für Luftbewegung und können das Wärmeempfinden deutlich beeinflussen. Bei schwachem Wind und hoher Luftfeuchtigkeit wird die Wärme häufig als schwül empfunden, insbesondere während der feuchteren Jahreszeit. Die Aussage, dass im Sommer grundsätzlich keine Passatwinde wehen, trifft nicht allgemein zu: Die Passate sind ein wesentlicher Bestandteil des regionalen Klimas, ihre Stärke und Beständigkeit können sich jedoch verändern. Bei schwachen Winden, hoher Sonneneinstrahlung und feuchter Luft kann sich die Wärme stärker stauen.
 
Die Niederschlagsmenge beträgt im Jahresmittel ungefähr 1.000 mm, wobei die tatsächlichen Werte zwischen den Jahren und je nach Messstandort erheblich schwanken können. Die Topografie der Insel ist vergleichsweise niedrig, dennoch beeinflussen Hänge, Windrichtung und die Lage einzelner Täler die örtliche Niederschlagsverteilung. Die östlichen Bereiche werden in manchen Wetterlagen stärker von feuchten Luftströmungen erfasst, während exponierte oder stärker windbeeinflusste Abschnitte der Westseite trockener erscheinen können. Ein durchgehend einheitlicher Unterschied zwischen Ost- und Westküste lässt sich jedoch nicht für jede Wetterlage annehmen.
 
Die trockenere Jahreszeit wird auf den französischen Antillen als carême bezeichnet und fällt im Allgemeinen in die Monate Dezember bis April. In dieser Zeit sind die Niederschläge meist geringer, und längere sonnige Abschnitte sind häufig. Die Böden trocknen stärker aus, die natürliche Vegetation wirkt vielerorts lichter, und kleinere Wasserläufe führen nur zeitweise Wasser. Die Bezeichnung carême ist regional gebräuchlich und beschreibt die saisonale Trockenperiode, nicht einen völlig niederschlagsfreien Zeitraum. Auch während dieser Monate können Schauer auftreten.
 
Die feuchtere Jahreszeit, auf den französischen Antillen hivernage genannt, erstreckt sich im Allgemeinen von etwa Juni bis November. In dieser Periode nehmen die Niederschläge zu, und kurze, intensive Schauer können sich mit sonnigen Abschnitten abwechseln. Besonders bei tropischen Wellen und Gewitterlagen sind örtlich hohe Regenmengen innerhalb kurzer Zeit möglich. Die Vegetation reagiert auf die zunehmende Bodenfeuchtigkeit mit verstärktem Wachstum. Gleichzeitig steigt die Bedeutung einer ausreichenden Entwässerung, weil Wasser auf den steilen Hängen rasch abfließt und in tiefer gelegenen Gebieten zeitweise zu Überschwemmungen führen kann.
 
Die tropische Wirbelsturmsaison dauert im Atlantik offiziell vom 1. Juni bis zum 30. November. Für Saint-Barthélemy ist insbesondere die Zeit von August bis Oktober bedeutsam, wobei September und Oktober häufig ein erhöhtes Risiko aufweisen. Tropische Stürme und Hurrikane können heftige Niederschläge, hohe Wellen, Sturmfluten und schwere Windschäden verursachen. Ein besonders einschneidendes Ereignis war Hurrikan Irma im September 2017, der Saint-Barthélemy schwer verwüstete. Auch außerhalb direkter Hurrikandurchgänge können tropische Wellen und Gewitter starke Regenfälle auslösen.
 
Die Sonnenscheindauer ist über das gesamte Jahr hinweg beträchtlich. Auch in der Regenzeit wechseln sich bewölkte Abschnitte und Schauer häufig mit sonnigem Wetter ab. Die trockeneren Monate bieten meist besonders beständige Wetterbedingungen, weshalb sie für den Fremdenverkehr und Wassersport beliebt sind. Die feuchtere Jahreszeit ist dagegen durch höhere Temperaturen, mehr Luftfeuchtigkeit und ein größeres Risiko tropischer Störungen gekennzeichnet. Die Passatwinde sorgen häufig für eine angenehme Luftbewegung und beeinflussen zugleich den Seegang sowie die Bedingungen für Segler.
 
Das Meer bleibt das ganze Jahr über warm. Nach Angaben des französischen Wetterdienstes Météo-France liegen die Wassertemperaturen rund um Saint-Barthélemy und die benachbarten nördlichen Inseln gewöhnlich zwischen 26 und 29 °C. Während der trockeneren Jahreszeit ist das Wasser tendenziell etwas kühler, während es im Spätsommer und Herbst höhere Temperaturen erreicht. Die warmen Meeresbedingungen begünstigen das Wachstum tropischer Korallenriffe, können bei länger anhaltenden marinen Hitzewellen jedoch auch Korallenbleiche verursachen.
 
'''Klimadaten für Gustavia''' (5 m, 1961 bis 1990)  
{| class="wikitable"
|
|'''Jan'''  
|'''Feb'''  
|'''Mar'''  
|'''Apr'''  
|'''Mai'''  
|'''Jun'''  
|'''Jul'''  
|'''Aug'''  
|'''Sep'''  
|'''Okt'''  
|'''Nov'''  
|'''Dez'''  
|'''Jahr'''  
|-
|-
|'''Niederschlagstage (≥ 1,0 mm)'''  
|'''Mitteltemeratur  °C'''  
|11
|25,3
|9
|25,2
|8
|25,9
|8
|26,4
|10
|27,0
|9
|27,8
|12
|28,0
|13
|28,2
|12
|28,4
|13
|28,1
|13
|27,6
|13
|26,9
|'''131'''
|'''26,9'''
|-
|-
|'''Tägliche Sonnenstunden'''
|'''Niederschlag mm'''  
|8,52
|58
|8,21
|46
|8,61
|51
|8,60
|58
|8,19
|91
|8,50
|55
|9,61
|79
|8,61
|102
|8,00
|111
|8,10
|126
|7,80
|108
|7,90
|98
|'''8,31'''
|'''883'''
|-
|-
|'''Mittlere Windgeschwindigkeit (km/h)'''
|'''Niederschlagstage (≥ 1,0 mm)'''
|18
|11
|20
|9
|21
|8
|20
|8
|15
|10
|17
|9
|22
|12
|22
|13
|19
|12
|15
|13
|19
|13
|19
|13
|'''19'''
|'''131'''
|}
|-
 
|'''Tägliche Sonnenstunden'''
|8,52
|8,21
|8,61
|8,60
|8,19
|8,50
|9,61
|8,61
|8,00
|8,10
|7,80
|7,90
|'''8,31'''
|-
|'''Mittlere Windgeschwindigkeit (km/h)'''
|18
|20
|21
|20
|15
|17
|22
|22
|19
|15
|19
|19
|'''19'''
|}
 


'''Klimadaten für Gustavia, Saint Barthelemy''' (1981 bis 2010, Extreme seit 1959)  
'''Klimadaten für Gustavia, Saint Barthelemy''' (1981 bis 2010, Extreme seit 1959)  
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=== '''Präkolumbische Zeit''' ===
=== '''Präkolumbische Zeit''' ===
In der präkolumbischen Zeit war Saint-Barthélemy von mehreren indigenen Völkern besiedelt, die migrierten und sich an die tropische Umwelt anpassten. Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung hin, die bis etwa -1000 zurückreicht. Die frühesten Bewohner gehörten wahrscheinlich zur sogenannten Ortoiroid-Kultur, einer archaischen Periode, in der Jäger und Sammler aus dem Orinoco-Becken in Venezuela oder Guyana über die Inselkette zogen.
Archäologische Funde vonb der Insel Saint-Barthélemy belegen eine Besiedlung lange vor der europäischen Kolonialzeit. Die frühesten Besiedlungsphasen werden teilweise bis in das erste Jahrtausend v. Chr. zurückgeführt. Für eine genaue Datierung und kulturelle Zuordnung sind jedoch die jeweiligen Fundstellen, die verwendeten Datierungsmethoden und die archäologischen Befunde maßgeblich. In der Forschung wird die frühe Geschichte der Kleinen Antillen häufig anhand von Keramikstilen, Werkzeugen, Siedlungsspuren und weiteren materiellen Hinterlassenschaften rekonstruiert. Die dabei verwendeten Bezeichnungen für archäologische Kulturen sind wissenschaftliche Einordnungen und dürfen nicht ohne Weiteres mit eindeutig abgegrenzten Völkern oder Sprachen gleichgesetzt werden.


Ab etwa 300 siedelten sich Arawak-sprechende Völker an, die als Saladoid-Kultur bekannt sind. Diese Gruppen brachten fortgeschrittene Keramiktechniken, Landwirtschaft und den Anbau von Maniok, Mais und Baumwolle mit. Sie lebten in Dörfern entlang der Küsten, nutzten Kanus für den Fischfang und den Handel mit benachbarten Inseln.
Die frühesten Bewohner der Inselregion werden teilweise mit archaischen Bevölkerungsgruppen in Verbindung gebracht, die sich entlang der karibischen Inselkette ausbreiteten. In der älteren archäologischen Literatur wird hierfür unter anderem die Ortoiroid-Tradition genannt, deren bekannte Fundorte vor allem im südlichen Karibikraum liegen. Solche Gruppen lebten überwiegend von Jagd, Fischfang und dem Sammeln wild wachsender Nahrung. Sie nutzten die Küsten und die angrenzenden Meeresgebiete intensiv und verfügten über Kenntnisse der lokalen Tier- und Pflanzenwelt. Ob die frühesten Bewohner Saint-Barthélemys im engeren Sinn der Ortoiroid-Kultur zugeordnet werden können, lässt sich jedoch nicht allein aus der allgemeinen Besiedlungsgeschichte der Kleinen Antillen ableiten.


Um das 9. Jahrhundert wurden sie von den kriegerischeren Kariben (auch Kalinago genannt) verdrängt oder assimiliert, die aus dem südamerikanischen Festland kamen. Die Kariben etablierten eine dominante Präsenz auf Saint-Barthélemy und benannten die Insel vermutlich „Ouanalao“, was so viel wie „Ort der Pelikane“ oder eine ähnliche Bedeutung haben könnte. Sie praktizierten eine Subsistenzwirtschaft mit Fischerei, Jagd und dem Anbau von Wurzelgewächsen, waren aber auch für ihre Raubzüge bekannt, die sie mit großen Kanus durchführten. Archäologische Stätten wie Petroglyphen in den Hügeln der Insel zeugen von rituellen Praktiken und einer animistischen Weltanschauung.
Mit der Ausbreitung keramikführender Bevölkerungsgruppen aus dem nordöstlichen Südamerika begann eine weitere wichtige Phase der Besiedlung der Kleinen Antillen. Diese Gruppen werden archäologisch häufig mit der Saladoid-Tradition in Verbindung gebracht, deren Ursprünge im Einzugsgebiet des Orinoco liegen. Ihre Ausbreitung in den Inselraum setzte im ersten Jahrtausend v. Chr. ein und führte zur Entwicklung neuer Siedlungs- und Wirtschaftsformen. Die Saladoid-Tradition ist insbesondere durch charakteristische Keramik, handwerkliche Fertigkeiten und weitreichende Kontakte zwischen den Inseln gekennzeichnet.


=== '''Kontaktzeit''' ===
Die Landwirtschaft gewann in diesen Gesellschaften an Bedeutung. Maniok gehörte zu den wichtigen Nahrungspflanzen, daneben wurden je nach Region weitere Kulturpflanzen angebaut. Fischfang, Muschelsammeln und die Nutzung anderer Meeresressourcen blieben wesentliche Bestandteile der Ernährung. Kanus ermöglichten Fahrten zwischen den Inseln und erleichterten den Austausch von Rohstoffen, Werkzeugen und anderen Gütern. Keramikgefäße dienten unter anderem der Zubereitung und Aufbewahrung von Lebensmitteln. Die archäologischen Kulturbezeichnungen erlauben allerdings keine sichere Aussage darüber, welche konkrete Bevölkerungsgruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt auf Saint-Barthélemy lebte oder welche Sprache sie sprach.
Am 11. Oktober 1493 sichtete Christoph Kolumbus die Insel während seiner zweiten Reise in die Neue Welt. Er benannte sie nach seinem Bruder Bartolomeo und beanspruchte sie formell für die spanische Krone. Trotz dieser Entdeckung unternahmen die Spanier keine ernsthaften Kolonisierungsversuche auf Saint-Barthélemy. Die Insel war zu klein, zu trocken und ressourcenarm – es fehlten Goldvorkommen, fruchtbare Böden in großem Maßstab und süße Wasserquellen –, um die Aufmerksamkeit der Konquistadoren zu erregen. Stattdessen konzentrierten sich die Spanier auf größere Inseln wie Hispaniola oder Puerto Rico. Dennoch führten sporadische spanische Schiffe Raubzüge durch, um indigene Arbeitskräfte für Plantagen oder Bergwerke zu versklaven. Diese Übergriffe schwächten die karibische Bevölkerung erheblich und trugen zur Verbreitung europäischer Krankheiten wie Pocken bei, gegen die die Ureinwohner keine Immunität besaßen.


In den folgenden Jahrzehnten blieb Saint-Barthélemy weitgehend isoliert von direkter europäischer Kontrolle, doch die Präsenz anderer Mächte wuchs. Englische, niederländische und französische Freibeuter nutzten die Insel als Stützpunkt für Piraterie und Handel im 16. und frühen 17. Jahrhundert. Die Kariben widerstanden diesen Eindringlingen erfolgreich und hielten ihre Autonomie. Berichte aus der Zeit beschreiben die Insel als dicht bewaldet mit Mangroven und Salzseen, bewohnt von einer kriegerischen Bevölkerung, die Bogenschützen und Giftpfeile einsetzte. Dennoch dezimierten Krankheiten und Konflikte die indigene Population: Schätzungen gehen davon aus, dass die karibische Bevölkerung auf den Kleinen Antillen bis 1600 um bis zu 90 Prozent schrumpfte.
In den späteren Jahrhunderten entwickelten sich im karibischen Inselraum weitere kulturelle Traditionen, die in der älteren Forschung häufig unter den Sammelbegriffen Arawak, Taíno und Kariben zusammengefasst wurden. Diese Bezeichnungen beschreiben jedoch keine einfachen, überall gleichartigen Bevölkerungsblöcke. Die Gesellschaften unterschieden sich regional hinsichtlich ihrer Sprache, politischen Organisation, Wirtschaftsweise und materiellen Kultur. Auch die Vorstellung, eine Gruppe habe eine andere vollständig verdrängt, gilt heute als zu vereinfachend. Migration, Austausch, Heiratsbeziehungen und kulturelle Veränderungen führten vielmehr zu komplexen Entwicklungen.


1648 nahmen  französische Siedler die Insel in Besitz. Zu diesem Zeitpunkt war die indigene Bevölkerung bereits stark reduziert oder vertrieben, viele Kariben flohen auf benachbarte Inseln wie Dominica. Die französische Ansiedlung legte den Grundstein für die spätere Kolonialgeschichte, doch in der dazwischenliegenden Periode von 1493 bis 1648 blieb Saint-Barthélemy ein Symbol für die Widerstandsfähigkeit indigener Kulturen inmitten europäischer Expansion – eine Phase, in der die Insel von Ouanalao zu einem vergessenen Außenposten wurde, bis sie endgültig in den Strudel der Kolonialmächte geriet.
Für die Kleinen Antillen werden Kontakte und Wanderungsbewegungen von Bevölkerungsgruppen beschrieben, die mit den Kalinago in Verbindung gebracht werden. In älteren europäischen Berichten wurden diese häufig als „Kariben“ bezeichnet. Die historischen Darstellungen europäischer Reisender und Kolonisten zeichneten oftmals ein einseitiges Bild, indem sie die Arawak beziehungsweise Taíno idealisierten und die Kalinago als besonders kriegerisch darstellten. Solche Berichte müssen vor dem Hintergrund kolonialer Interessen und der begrenzten Kenntnisse der europäischen Beobachter bewertet werden. Die Lebensweise der indigenen Gesellschaften beruhte nicht allein auf Kriegsführung, sondern ebenso auf Landwirtschaft, Fischfang, Seefahrt, Handwerk und regionalen Austauschbeziehungen.


=== '''Kolonialzeit''' ===
Für Saint-Barthélemy ist zudem zu berücksichtigen, dass die natürlichen Voraussetzungen eine dauerhafte Besiedlung erschwerten. Die Insel besitzt nur wenige natürliche Süßwasserressourcen, vergleichsweise trockene Böden und begrenzte Flächen für den Ackerbau. Deshalb wird in Darstellungen zur Inselgeschichte auch die Möglichkeit hervorgehoben, dass sie zeitweise eher als Aufenthalts-, Versorgungs- und Durchgangsort genutzt wurde, anstatt über lange Zeit eine große permanente Bevölkerung zu tragen. Indigene Besucher konnten hier fischen, Muscheln sammeln, Leguane jagen und Holz sowie andere natürliche Rohstoffe nutzen. Die genaue Intensität und Kontinuität dieser Nutzung lässt sich allerdings nicht allein aus den allgemeinen Verhältnissen der Karibik ableiten.
1648 wurde die Insel auf Anregung von Phillippe de Longvilliers de Poincy, dem Gouverneursleutnant der Französischen Westindien-Kompanie, von den Franzosen besiedelt, die anfangs etwa 50 bis 60 Siedler zählten, die später durch eine kleinere Anzahl von Siedlern aus St. Kitts ergänzt wurden. Unter der Leitung von Jacques Gentes begannen die Neuankömmlinge mit dem Anbau von Kakao. Die Siedlung wurde jedoch 1656 von Kariben angegriffen und kurzzeitig aufgegeben.


1651 verkaufte die Krone die Insel jedoch an den Orden von Malta. Fünf Jahre später vertrieben die Ureinwohner die Siedler von der Insel, bis zum Jahr 1763, als eine erneute französische Besiedlung erfolgte.
Die Bezeichnung Ouanalao wird traditionell als indigener Name Saint-Barthélemys überliefert. Sie wird häufig mit den Arawak beziehungsweise Taíno in Verbindung gebracht und gelegentlich als Hinweis auf das Vorkommen von Leguanen gedeutet. Die sprachliche Herleitung und die genaue Bedeutung sind jedoch nicht abschließend gesichert. Ebenso ist die Zuordnung des Namens zu einer bestimmten indigenen Bevölkerungsgruppe nicht zweifelsfrei belegt. Ouanalao bleibt dennoch ein wichtiger Bestandteil der Erinnerung an die vorkoloniale Geschichte der Insel.


De Poincy war der dominierende Verwalter in dieser Zeit und Mitglied des Johanniterordens. Er erleichterte die Übertragung des Eigentums von der Compagnie des Îles de l'Amérique an den Orden. Er regierte die Insel bis zu seinem Tod im Jahr 1660. Fünf Jahre später wurde sie zusammen mit den anderen Besitzungen des Ordens in der Karibik von der Französischen Westindien-Kompanie gekauft. 1674 wurde die Kompanie aufgelöst und die Inseln wurden Teil des französischen Königreichs und der Kolonie Guadeloupe hinzugefügt.
Archäologische Funde und überlieferte Fundstellen bilden die wesentliche Grundlage für die Erforschung dieser frühen Geschichte. Dazu zählen Keramikfragmente, steinerne und andere Werkzeuge sowie weitere Hinterlassenschaften menschlicher Aktivitäten. Auch Felsritzungen und Petroglyphen werden im Zusammenhang mit der indigenen Vergangenheit der Insel erwähnt. Ihre genaue Datierung, Bedeutung und kulturelle Zuordnung müssen jeweils anhand der archäologischen Untersuchungen beurteilt werden. Sie lassen sich nicht ohne weitere Belege eindeutig bestimmten Ritualen oder einer einheitlichen religiösen Weltanschauung zuordnen. Neuere archäologische Arbeiten auf Saint-Barthélemy zeigen, dass die Erforschung des historischen Erbes der Insel weiterhin fortgesetzt wird.


Die Insel erwies sich als wirtschaftlich erfolglos und war den Aktivitäten von Piraten (vor allem Daniel Montbars, auch bekannt als Montbars der Ausrotter") sowie den Briten ausgesetzt, die die Insel 1744 angriffen. Da König Ludwig XVI. die Insel als wenig wertvoll erachtete, tauschte er sie 1784 gegen Handelsprivilegien in Göteborg an Schweden aus. Die Schweden erklärten Gustavia (benannt nach dem damals regierenden schwedischen König Gustav III.) zu einem Freihafen, der den Europäern als Handelsplatz für Waren, einschließlich Schmuggelware, diente. Am 7. März 1785 wurde die Insel von den Schweden formal in Besitz genommen.
=== '''Kontaktzeit''' ===
Christoph Kolumbus erreichte die nordöstlichen Kleinen Antillen während seiner zweiten Reise in die Karibik im November 1493. Dabei wurde auch Saint-Barthélemy von Europäern wahrgenommen. Kolumbus benannte die Insel nach seinem Bruder Bartolomeo Colón und verwendete dafür die spanische Namensform San Bartolomé. Das häufig genannte Datum des 11. Oktober 1493 ist nicht zutreffend: Zu diesem Zeitpunkt befand sich Kolumbus noch nicht bei den Kleinen Antillen. Die Entdeckung bedeutete zunächst vor allem eine geografische Zuordnung innerhalb der europäischen Expansion. Eine spanische Siedlung entstand auf Saint-Barthélemy damals nicht.


=== '''Modernisierungszeit''' ===
Die Insel gehörte zu einer Region, in der bereits vor der Ankunft der Europäer indigene Gemeinschaften lebten und zwischen den Inseln der Kleinen Antillen Kontakte bestanden. Der überlieferte indigene Name Saint-Barthélemys lautet Ouanalao. Seine genaue Bedeutung ist nicht gesichert. Die Insel war Teil eines karibischen Lebensraums, in dem Fischfang, das Sammeln von Meeresressourcen, Gartenbau und der Austausch zwischen benachbarten Inseln eine Rolle spielten. Über die konkrete politische Organisation der damaligen Bevölkerung Saint-Barthélemys, ihre Bevölkerungszahl und die Beziehungen zu anderen Inseln ist jedoch wenig bekannt.
Die Sklaverei wurde auf St. Barthélemy gemäß der Verordnung über die Polizei für Sklaven und freie Farbige von 1787 praktiziert. Die letzten legalen Sklaven in der schwedischen Kolonie St. Barthélemy wurden am 9. Oktober 1847 vom Staat freigelassen. Da die Insel kein Plantagengebiet war, litten die freigelassenen Sklaven aufgrund fehlender Beschäftigungsmöglichkeiten unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten.


Saint-Barthélemy hatte nicht einmal eigene Trinkwasservorkommen, sodass Wasser von den Nachbarinseln importiert werden musste. Auf Gustav III. geht auch der Name der heutigen Hauptstadt Gustavia zurück. Durch Gewährung eines Freihandelsstatus blühte der Hafen auf (siehe auch Schwedische Westindien-Kompanie), bis 1852 ein großes Feuer wichtige Teile Gustavias zerstörte. In US-Handelsstatistiken aus dieser Zeit wird die Insel als „Schwedisch-Westindien“ geführt. Am 10. August 1877 kauften die Franzosen die Insel für 80.000 Francs wieder zurück.
Spanien konzentrierte seine kolonialen Bemühungen im 16. Jahrhundert vor allem auf größere und wirtschaftlich ergiebigere Gebiete. Hispaniola und Puerto Rico entwickelten sich zu wichtigen Zentren der spanischen Herrschaft. Saint-Barthélemy besaß weder große Flächen fruchtbaren Bodens noch bekannte bedeutende Edelmetallvorkommen. Auch der Mangel an dauerhaft verfügbaren Süßwasserquellen erschwerte eine größere Besiedlung. Diese natürlichen Bedingungen trugen dazu bei, dass die Insel nicht zu einem bedeutenden spanischen Kolonialstützpunkt wurde. Aus der fehlenden dauerhaften spanischen Niederlassung lässt sich allerdings nicht schließen, dass die Insel während des gesamten 16. Jahrhunderts vollständig von europäischen Kontakten abgeschnitten war.


Im Jahr 1852 wurde die Insel von einem verheerenden Hurrikan heimgesucht, dem ein Brand folgte. Die Wirtschaft litt, und so versuchte Schweden, sich von der Insel zu befreien. Im Jahr 1867 zerstörte ein Vulkan „fast die Insel“, wie die Illustrated London News berichtete. Nach einer Volksabstimmung im Jahr 1877 verkaufte Schweden die Insel 1878 an Frankreich zurück, das sie als Teil von Guadeloupe verwaltete.
Die Quellenlage für die folgenden Jahrzehnte ist lückenhaft. Für Saint-Barthélemy sind keine hinreichend detaillierten zeitgenössischen Belege bekannt, die eine durchgehende spanische Besetzung, regelmäßige spanische Sklavenraubzüge oder eine bestimmte Zahl von Überfällen auf die indigene Bevölkerung belegen. Die spanische Kolonialherrschaft auf den größeren Antillen hatte allerdings weitreichende Folgen für die gesamte Region. Versklavung, Zwangsarbeit, eingeschleppte Krankheiten und gewaltsame Konflikte führten vielerorts zu einem starken Rückgang der indigenen Bevölkerung. Die häufig genannte Schätzung, dass die karibische Bevölkerung der Kleinen Antillen bis 1600 um 90 Prozent zurückgegangen sei, lässt sich nicht als gesicherte Bevölkerungsstatistik für Saint-Barthélemy verwenden.


=== '''Moderne Zeit''' ===
Auch die Vorstellung, englische, niederländische und französische Freibeuter hätten die Insel bereits im 16. Jahrhundert regelmäßig als Stützpunkt genutzt, ist mit Vorsicht zu behandeln. Die nordöstlichen Kleinen Antillen lagen in einem Gebiet, in dem europäische Mächte ihre Ansprüche ausweiteten und Schiffe zwischen den Inseln verkehrten. Für Saint-Barthélemy ist jedoch vor allem die strategische Bedeutung eines geschützten Ankerplatzes in der Nähe von Saint-Christophe, dem heutigen Saint Kitts, für die französische Besitzergreifung im 17. Jahrhundert ausdrücklich überliefert. Dass die Insel später zeitweise als Zuflucht und Anlaufpunkt für Freibeuter diente, bedeutet nicht, dass sie schon seit dem 16. Jahrhundert ein dauerhaftes Piratennest gewesen wäre.
Am 19. März 1946 erhielten die Einwohner der Insel die französische Staatsbürgerschaft mit vollen Rechten. Da es auf den Inseln kaum wirtschaftliche Perspektiven gab, nahmen viele Männer von St. Barthélemy Arbeit auf Saint Thomas an, um ihre Familien zu unterstützen. Der organisierte Tourismus und die Hotellerie begannen in den 1960er Jahren und entwickelten sich ab den 1970er Jahren, insbesondere nach dem Bau der Landebahn der Insel, die Flugzeuge mittlerer Größe aufnehmen kann. Die Insel wurde bald als Luxusreiseziel bekannt und von zahlreichen Prominenten wie Greta Garbo, Howard Hughes, Benjamin de Rothschild, David Rockefeller, Lorne Michaels, Chevy Chase, Steve Martin, Jimmy Buffett und Johnny Hallyday besucht. Der Anstieg der Touristenzahlen führte zu einem Anstieg des Lebensstandards und einer raschen Modernisierung. Erst in den 1980er Jahren wurde die Insel elektrifiziert.


Saint-Barthélemy war viele Jahre lang eine französische Gemeinde und gehörte zu Guadeloupe, einer Überseeregion und einem Departement Frankreichs. In einem Referendum im Jahr 2003 forderten die Inselbewohner die Abtrennung von der Verwaltungshoheit Guadeloupes, die 2007 schließlich vollzogen wurde. Die Insel Saint Barthélemy wurde zu einer Übersee-Kollektivität (KOM). Für ihre Verwaltung wurde ein Gebietsrat gewählt, der der Insel ein gewisses Maß an Autonomie verschafft hat. Ein Senator vertritt die Insel in Paris. St. Barthélemy hat den Status eines Freihafens beibehalten und ist seit dem 1. Januar 2012 kein Gebiet in äußerster Randlage mehr, sondern ein ÜLG (Überseeisches Land oder Territorium).
Die französische Besitzergreifung von 1648 markierte den entscheidenden Einschnitt. Philippe de Longvilliers de Poincy, der französische Gouverneur von Saint-Christophe, ließ eine kleine Gruppe von ungefähr 40 bis 50 Männern unter Jacques Gente nach Saint-Barthélemy bringen. Dabei ging es nicht in erster Linie um die Anlage einer großen Plantagenkolonie. Die Insel war wegen ihrer geringen Größe, der trockenen und steinigen Böden sowie des Mangels an Süßwasser für eine intensive Landwirtschaft wenig geeignet. Ausschlaggebend waren vielmehr die Nähe zu Saint-Christophe, die Möglichkeit, einen Ankerplatz zu nutzen, und das Interesse Frankreichs, die Insel nicht einer konkurrierenden europäischen Macht zu überlassen. Die erste französische Niederlassung blieb daher klein.


Die Insel wurde im September 2017 durch den Hurrikan Irma beschädigt, ein Sturm der Kategorie 5 mit anhaltenden Winden von 295 km/h und Böen über 350 km/h. Am 6. September 2017 traf er direkt, zerstörte 90 Prozent der Gebäude, darunter Luxushotels wie Eden Rock und Le Guanahani. Die Schäden beliefen sich auf 1,4 Milliarden US-Dollar, Es gab keine Todesfälle auf der Insel, aber massive Flutungen und Stromausfälle. Die Erholung dauerte Monate, doch die Insel nutzte den Wiederaufbau für die Schaffung hurricansicherer Strukturen.
Die indigene Bevölkerung leistete Widerstand gegen die französische Ansiedlung. Der Dominikaner Jean-Baptiste du Tertre, dessen im 17. Jahrhundert veröffentlichte Berichte zu den wichtigsten frühen Quellen für die französische Kolonialgeschichte der Region gehören, berichtet von einem Angriff der Kariben im Jahr 1656, bei dem ein großer Teil der französischen Bewohner getötet worden sei. Die Überlebenden verließen demnach die Insel. Dieser Bericht bezieht sich auf die französische Siedlung und darf nicht mit einer gesicherten Aussage über die gesamte indigene Bevölkerung Saint-Barthélemys gleichgesetzt werden. Er zeigt aber, dass die französische Besitzergreifung keineswegs ohne Konflikte verlief und die indigene Bevölkerung den europäischen Anspruch auf die Insel nicht einfach hinnahm.


Zu Beginn der Coronazeit im Frühjahr 2020 schloss die Insel ihre Grenzen, führte strenge Test- und später auch Impfregeln ein und erließ Reisebeschränkungen, die den Wirtschaftsaufschwung nach Hurrikan Irma 2017 zunichtemachten. Bis Ende 2023 wurden insgesamt etwa 4.845 Fälle und 5 Todesopfer registriert, was einer Sterberate von unter 0,1 Prozent entspricht. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Maßnahmen wieder aufgehoben.
Die Franzosen kehrten 1659 zurück, nachdem eine Verständigung mit den Kariben erreicht worden war. Eine Gruppe von ungefähr 30 Siedlern ließ sich erneut nieder. Erst diese zweite Ansiedlung bildete den Ausgangspunkt für die kontinuierliche französische Besiedlung Saint-Barthélemys. Die Insel wurde zunächst von Saint-Christophe aus verwaltet und blieb wirtschaftlich eine kleine, ressourcenarme Kolonie. Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei und die Nutzung lokaler Naturprodukte prägten ihre weitere Entwicklung.


== '''Verwaltung''' ==
=== '''Kolonialzeit''' ===
Die von Arawak und Kariben bewohnte Insel wurde 1493 von Columbus für Spanien beansprucht. 1648 machten die Franzosen sie zu ihrer Kolonie. Von 1651 bis 1656 regierten hier die Malteser Johanniter. Danach war sie für kurze Zeit unbesiedelt, ehe die Franzosen 1659 mit der erneuten Kolonisierung begannen. Im März 1785 wurde die Antilleninsel schwedische Kolonie, ab 1812 Kronkolonie. Am 16. März 1878 kauften die Franzosen sie zurück und unterstellten sie Guadeloupe. Von 16. Juni 1940 bis 14. Juli 1943 regierten die Vichy-Faschisten auf der Insel. Am 1. Februar 1963 wurde sie als ''canton'' zusammen mit Sankt Martin ein ''arrondissement'' Guadeloupes. Am 7. Dezember 2003 sprachen sich 95,5 % der wahlbrechtigten Inselbewohner für die Umwandlung in eine ''collectivité'' aus.
Die erste französische Besiedlung Saint-Barthélemys erfolgte 1648 auf Initiative von Philippe de Longvilliers de Poincy, dem französischen Gouverneur auf Saint-Christophe und einer der einflussreichsten Vertreter Frankreichs in der Karibik. Poincy gehörte dem Johanniterorden an und verfolgte das Ziel, die französische Präsenz in der Region durch kleinere Außenposten zu stärken. Eine Gruppe von ungefähr 40 bis 60 Siedlern ließ sich auf Saint-Barthélemy nieder. Unter der Leitung von Jacques Gente, dessen Name in den Quellen auch in abweichenden Schreibweisen erscheint, begannen die Neuankömmlinge mit dem Aufbau einer kleinen Siedlung und mit landwirtschaftlichen Versuchen. Kakao gehörte zu den Kulturen, die angebaut werden sollten. Die begrenzten Wasserressourcen, die steinigen Böden und die geringe Größe der Insel erschwerten jedoch eine wirtschaftlich erfolgreiche Landwirtschaft.


Die französische Ansiedlung bedeutete keine friedliche und unumstrittene Inbesitznahme. Die Kariben, deren Gemeinschaften auf den Kleinen Antillen weiterhin Widerstand gegen die europäische Expansion leisteten, griffen die Siedlung 1656 an. Ein großer Teil der französischen Bewohner wurde getötet; die Überlebenden verließen die Insel. Damit scheiterte der erste Versuch, auf Saint-Barthélemy eine dauerhafte französische Kolonie aufzubauen. Die Insel blieb in den folgenden Jahren ohne eine stabile französische Siedlergemeinschaft. Die häufig anzutreffende Angabe, die Insel sei anschließend bis 1763 vollständig unbesiedelt geblieben, ist allerdings zu pauschal: 1659 wurde eine erneute französische Niederlassung gegründet.


'''Herrschaftsgeschichte'''
Die Besitzverhältnisse hatten sich bereits vor dem Angriff verändert. 1651 wurde Saint-Barthélemy zusammen mit weiteren französischen Besitzungen in der Karibik an den Johanniterorden übertragen. Poincy spielte dabei eine maßgebliche Rolle, da er selbst Mitglied des Ordens war und dessen Einfluss in der Region förderte. Die Übertragung war Teil der wechselnden Eigentums- und Verwaltungsverhältnisse, die für die frühen französischen Kolonien charakteristisch waren. Die formelle Zugehörigkeit zum Orden bedeutete jedoch nicht, dass Saint-Barthélemy zu einem bedeutenden Ordensstützpunkt wurde. Wirtschaftlich blieb die Insel unbedeutend, und die Durchsetzung europäischer Herrschaft hing weiterhin von kleinen Siedlergruppen und den Verbindungen zu den größeren französischen Kolonien ab.


* um 300 bis 9. Jahrhundert Stammesgemeinschaften der Taino
Nach Poincys Tod im Jahr 1660 blieb die Verwaltung der Insel zunächst beim Johanniterorden. Die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen und die geringe Zahl der Bewohner verhinderten jedoch, dass sich Saint-Barthélemy zu einer ertragreichen Kolonie entwickelte. Bereits 1659 hatten sich erneut französische Siedler niedergelassen, nachdem die erste Siedlung aufgegeben worden war. Sie kamen überwiegend von Saint-Christophe, dem heutigen Saint Kitts, und bauten die kleine Kolonie wieder auf. Landwirtschaft, Viehzucht, Fischfang und die Gewinnung von Salz gehörten zu den Tätigkeiten, mit denen die Bewohner ihren Lebensunterhalt bestritten. Die Insel blieb jedoch auf den Austausch mit den größeren französischen Niederlassungen der Region angewiesen.
* 9. Jahrhundert bis 1648 Stammesgemeinschaften der Kalinago
* 1648 bis 1744 Königreich Frankreich (''Royaume de France'')
* 1744 bis 1748 Königreich Großbritannien (''Kingdom of Great Britain'')
* 1748 bis 17. März 1781 Königreich Frankreich (''Royaume de France'')
* 17. März - 26. November 1781 Königreich Großbritannien (''Kingdom of Great Britain'')
* 26 Nov 1781 bis März 1785 Königreich Frankreich (Royaume de France)
* März 1785 bis 20. März 1801 Königreich Schweden (''Konungariket Sverige'')
* 20. März 1801 - 10. Juli 1802 Kaiserreich Frankreich (''Empire français'')
* 10. Juli 1802 bis 16. März 1878 Königreich Schweden (''Konungariket Sverige'')
* 16. März 1878 bis 24. Juni 1940 Department Guadeloupe des  Staates Frankreich (1816 bis 1848 ''Royaume de France'', 1848 bis 1852 ''République française'', 1852 bis 1870 ''Empire français'', 1870 bis 1940 ''République française'')
* 24. Juni 1940 bis 14. Juli 1943 Französischer Staat (''État français'') mit Sitz in Vichy
* 14. Juli 1943 bis 19. März 1946 Republik Frankreich (''République française'')
* 19. März 1946 bis 7. Februar 1963 Bezirk Basse-Terre (''Arrondissement des Basse-Terre'') innerhalb des Departments Guadeloupe (''Département Guadeloupe'') der Republik Frankreich (''République française'')
* 7. Februar 1963 bis 9. Juli 2007 Bezirk Sankt Martin und Saint Barthelemy (''Arrondissement des Saint-Martin et Saint-Barthélemy'') innerhalb des Departments Guadeloupe (''Département Guadeloupe'') der Republik Frankreich (''République française'')
* seit 9. Juli 2007 Überseegemeinschaft Saint Barthelemy (''Collectivité d'outre mer de Saint-Barthélemy'') des Republik Frankreich (''République française'')


=== '''Verfassung''' ===
1665 endete die Herrschaft des Johanniterordens über Saint-Barthélemy. Der Orden verkaufte die Insel zusammen mit anderen karibischen Besitzungen an die Französische Westindien-Kompanie. Diese Gesellschaft sollte den französischen Handel und die Kolonisierung in der Karibik organisieren und wirtschaftlich fördern. Saint-Barthélemy blieb allerdings ein kleiner Außenposten ohne bedeutende Plantagenwirtschaft und ohne große Exportüberschüsse. 1674 wurde die Französische Westindien-Kompanie aufgelöst; die Insel kam wieder unmittelbar unter die Herrschaft der französischen Krone und wurde administrativ der Kolonie Guadeloupe zugeordnet. Sie blieb damit Teil des französischen Kolonialbesitzes, ohne ein eigenständiges politisches Zentrum zu bilden.
Bis 2007 war Saint-Barthélemy eine Gemeinde und bildete zusammen mit dem französischen Teil der Nachbarinsel Saint-Martin ein Arrondissement des Überseedepartements Guadeloupe, das Arrondissement Saint-Martin-Saint-Barthélemy (auch ''Arrondissement des Îles du Nord'', „Arrondissement der nördlichen Inseln“).


Nach einem im Jahr 2003 abgehaltenen Referendum trennte sich Saint-Barthélemy – neben Saint-Martin – am 22. Februar 2007 von Guadeloupe und wurde zu einer eigenen ''Collectivité d’outre mer''. Die Verwaltung wird aber auch in Zukunft der einer französischen Kommune entsprechen. Ebenso dürfen Nichtfranzosen, die jedoch aus einem EU-Land stammen, auch zukünftig an Gemeinderatswahlen teilnehmen. Der Vertrag von Lissabon sieht vor, dass Saint-Barthélemy Teil der Europäischen Union bleibt. Saint-Barthélemy behält den Euro als offizielles Zahlungsmittel.
Im späten 17. und im 18. Jahrhundert blieb die wirtschaftliche Entwicklung begrenzt. Die Böden und das Klima ermöglichten zwar kleinräumigen Anbau, doch fehlten die Voraussetzungen für eine großflächige, besonders profitable Plantagenwirtschaft. Die Bewohner betrieben Landwirtschaft und Viehzucht, nutzten die Küstengewässer und unterhielten Verbindungen zu anderen Inseln. Die geschützten Buchten und die Lage an den Schifffahrtswegen der Kleinen Antillen waren zugleich für Seeleute und Freibeuter von Interesse. Saint-Barthélemy wurde mit der regionalen Seefahrt und dem teilweise illegalen Handel in Verbindung gebracht. Die später häufig wiederholte Darstellung, der Freibeuter Daniel Montbars, genannt „Montbars der Ausrotter“, habe die Insel als festen Stützpunkt genutzt, sollte jedoch nicht ohne einen konkreten zeitgenössischen Nachweis als gesicherte Tatsache übernommen werden.


Der Status von Saint-Barthélemy als Übersee-Körperschaft (COM) ist in den Gesetzen vom 21. Februar 2007 zur Festlegung der statutarischen und institutionellen Bestimmungen über die Überseegebiete32,33 enthalten. Saint-Barthélemy ist seit dem 1. Oktober 2020 mit einer Senatorin, Micheline Jacques, im Senat vertreten.
1744 griffen britische Kräfte Saint-Barthélemy an. Der Angriff stand im Zusammenhang mit den Rivalitäten zwischen Großbritannien und Frankreich um die Kontrolle der Karibik und deren Handelswege. Die Insel war militärisch nur begrenzt zu verteidigen. Der Überfall beeinträchtigte die Siedlung und trug zur Unsicherheit der Bewohner bei. Saint-Barthélemy blieb danach französischer Besitz, doch seine geringe wirtschaftliche Bedeutung änderte sich nicht grundlegend. Anders als größere Kolonien, deren Zucker- und andere Plantagenprodukte für den europäischen Markt hohe Einnahmen erzielten, bot die Insel der französischen Krone nur begrenzte finanzielle Vorteile.
 
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts suchte Frankreich nach Möglichkeiten, seine kolonialen Besitzungen neu zu ordnen. König Gustav III. von Schweden bemühte sich seinerseits um eine Kolonie in der Karibik, um den schwedischen Überseehandel zu erweitern. In den Verhandlungen mit Frankreich wurde Saint-Barthélemy ausgewählt, da die Insel für die französische Krone nur einen geringen wirtschaftlichen Nutzen hatte. Im Gegenzug sollten französische Kaufleute in Göteborg Handelsprivilegien erhalten. Der Vertrag über den Austausch wurde am 1. Juli 1784 geschlossen. Saint-Barthélemy ging damit vertraglich an Schweden über, auch wenn die tatsächliche Übergabe erst im folgenden Jahr erfolgte.


In der Nationalversammlung gehörte die Insel zuvor zusammen mit ihrer Nachbarin Saint-Martin zum vierten Wahlkreis von Guadeloupe. Seit den Parlamentswahlen 2012 bilden die beiden Gebiete einen eigenen Wahlkreis, der durch die Verordnung vom 29. Juli 200934 eingerichtet wurde. Die Abgeordnete des Wahlkreises ist seit dem 21. Juni 2017 Claire Guion-Firmin.
Am 7. März 1785 übernahmen die Schweden die Insel offiziell. Die schwedische Flagge wurde gehisst und die Verwaltung auf eine neue koloniale Ordnung umgestellt. Die schwedische Herrschaft begann somit nicht 1763, wie in manchen verkürzten Darstellungen fälschlich angegeben wird, sondern 1785. Der französische Siedlungs- und Verwaltungszusammenhang endete damit nach mehr als einem Jahrhundert, das von wiederholten Versuchen zur Besiedlung, wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Einbindung in die Machtkonkurrenz der europäischen Kolonialmächte geprägt gewesen war.


Der Vertreter des Staates ist der Präfekt von Guadeloupe. Er wird vor Ort vom delegierten Präfekten von Saint-Barthélemy und Saint-Martin (alias Nordinseln) unterstützt, der im Hôtel de Préfecture in Saint-Martin sitzt.
=== '''Umbruchszeit''' ===
Mit der offiziellen Übernahme Saint-Barthélemys durch Schweden begann eine neue Phase der Inselgeschichte. König Gustav III. wollte die Insel als Handelsstützpunkt nutzen und Schweden einen besseren Zugang zum Karibikhandel verschaffen. Der natürliche Hafen wurde zum Mittelpunkt der neuen Kolonie; die Siedlung Le Carénage erhielt den Namen Gustavia nach dem schwedischen König. Die Einrichtung eines Freihafens sollte Schiffe aus unterschiedlichen Ländern anziehen und den Warenumschlag fördern. Kaufleute konnten Güter lagern, umschlagen und weiterverkaufen, ohne den üblichen Zollbelastungen anderer Häfen in gleichem Umfang zu unterliegen. Dadurch gewann Saint-Barthélemy zeitweise eine Bedeutung, die weit über seine geringe Fläche und Einwohnerzahl hinausging.


Saint-Barthélemy (im Gegensatz zu Saint-Martin) ist nicht Teil der Europäischen Union, sondern lediglich wie die anderen überseeischen Länder und Gebiete (ÜLG) mit ihr assoziiert, und zwar seit dem 1. Januar 2012.35 Saint-Barthélemy ist nicht Mitglied der Europäischen Union. Zuvor war sie wie Saint-Martin eine Region in äußerster Randlage (RUP), entweder als Teil von Guadeloupe (bis 2007) oder in eigenem Namen (2007 bis 2011).
Der Freihafen begünstigte den Handel mit Waren aus Europa, Nordamerika und der Karibik. Zu den gehandelten Gütern gehörten unter anderem Lebensmittel, Textilien, Holz, Tabak und koloniale Erzeugnisse. Die Insel diente auch als Zwischenstation für Schiffe, die andere Häfen der Region anliefen. Ein Teil des Handels bewegte sich in rechtlichen Grauzonen; Schmuggel und die Umgehung von Handelsbeschränkungen waren in der Karibik des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts verbreitet. Die wirtschaftliche Entwicklung hing stark von der Schifffahrt, den politischen Rahmenbedingungen und der Nachfrage nach einem zollgünstigen Umschlagplatz ab. Saint-Barthélemy verfügte dagegen kaum über eigene Rohstoffe oder landwirtschaftliche Überschüsse, mit denen es einen umfangreichen Exporthandel hätte tragen können.


=== '''Legislative und Exekutive''' ===
Die schwedische Kolonie war auf Importe angewiesen. Die geringen Niederschläge in Trockenzeiten, das Fehlen größerer Flüsse und die begrenzten natürlichen Süßwasservorräte erschwerten die Versorgung. Regenwasser wurde in Zisternen und Sammelbecken aufgefangen; zusätzlich mussten Lebensmittel und andere Güter eingeführt werden. Die Behauptung, Trinkwasser sei grundsätzlich ausschließlich von Nachbarinseln importiert worden, ist zu pauschal, da Regenwassersammlung eine wichtige örtliche Versorgungsform war. Dennoch stellte die Wasserknappheit einen dauerhaften Nachteil dar und begrenzte die Möglichkeiten, eine größere Bevölkerung zu ernähren oder die landwirtschaftliche Produktion auszuweiten.
Die Überseegemeinschaft Saint-Barthélemy wird von einem Territorialrat (Conseil territorial) mit 19 Mitgliedern, einem Exekutivrat mit 7 Mitgliedern und einem Präsidenten verwaltet.


Das Gesetz vom 21. Februar 2007 sieht die Einrichtung eines Wirtschafts-, Sozial-, und Kulturrats (CESC) vor, dessen Mitgliederzahl durch das Dekret vom 25. Mai 2007 auf 11 festgelegt wurde. Diese Räte sind Teil einer einzigen Gebietskörperschaft. Diese übt alle Kompetenzen aus, die zuvor einer Gemeinde, einem Departement, einer Region und in den in Artikel LO 6214-3 des Gesetzes vom 21. Februar 2007 genannten Bereichen dem Staat übertragen wurden.
Die wirtschaftliche Entwicklung des Hafens beruhte zugleich auf einer Gesellschaft, in der Sklaverei weiterhin legal war. Schweden übernahm nicht nur die Insel, sondern auch die bereits bestehenden kolonialen Sozial- und Wirtschaftsverhältnisse. Sklavinnen und Sklaven wurden unter anderem im Haushalt, im Handwerk, bei Hafenarbeiten und in der Landwirtschaft eingesetzt. Da Saint-Barthélemy keine großen Zuckerplantagen besaß, unterschied sich die Struktur der Sklavenhaltung von derjenigen größerer Kolonien wie Guadeloupe oder Martinique. Das bedeutete jedoch keineswegs, dass die Sklaverei weniger gewaltsam oder für die Betroffenen weniger einschneidend gewesen wäre.


=== '''Inseloberhaupt''' ===
Die schwedische Verwaltung regelte den Status versklavter Menschen und freier Menschen afrikanischer Abstammung durch besondere koloniale Vorschriften. Dazu gehörte die 1787 erlassene Verordnung über die Polizei für Sklaven und freie Farbige. Sie unterwarf das Leben der betroffenen Bevölkerungsgruppen diskriminierenden Kontrollen und beschränkte ihre Bewegungsfreiheit und rechtliche Gleichstellung. Die wirtschaftliche Bedeutung Gustavia als Handelsplatz darf deshalb nicht losgelöst von der Sklaverei betrachtet werden, die einen Bestandteil der kolonialen Ordnung bildete.
Staatsoberhaupt von Saint Barthelemy ist der französische Präsident, vertreten durch den Préfet délégué, derzeit Jacques Simonnet. De facto Inseloberhaupt ist der Président du Conseil, Bruno Magras.  


'''Commandants''' (Kommandanten)
Am 9. Oktober 1847 wurde die Sklaverei auf Saint-Barthélemy offiziell abgeschafft. Der schwedische Staat kaufte die Freiheit der letzten versklavten Menschen frei. Je nach Quelle werden 523 oder 529 Personen genannt; die Abweichung hängt offenbar mit unterschiedlichen statistischen Angaben zusammen. Die Emanzipation beendete die rechtliche Eigentümerschaft an Menschen, beseitigte aber nicht automatisch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Sklaverei. Da es auf Saint-Barthélemy nur wenige größere Betriebe gab und die Landwirtschaft kaum zusätzliche Arbeitskräfte benötigte, fanden viele der Freigelassenen nur schwer eine dauerhafte Beschäftigung. Ein Teil verließ die Insel und wanderte nach Saint Thomas und auf andere benachbarte Inseln aus. Die Abschaffung war daher zugleich ein entscheidender rechtlicher Einschnitt und der Beginn einer schwierigen wirtschaftlichen Umstellung.


* 1648 - 1656  Jacques Gente (James Gente)
Die wirtschaftliche Lage hatte sich allerdings bereits vor 1847 deutlich verschlechtert. Der Freihafen Gustavia hatte seine größte Bedeutung um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert erreicht. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts veränderten sich die internationalen Handelswege und die Rahmenbedingungen der Schifffahrt. Größere Häfen und andere Handelsplätze gewannen an Bedeutung, während Gustavia zunehmend weniger Schiffe und Kaufleute anzog. Auch die zeitweilige Nutzung des Hafens durch Freibeuter und private bewaffnete Schiffe konnte den Rückgang des regulären Handels nicht dauerhaft ausgleichen. In den 1820er- und 1830er-Jahren führten sinkende Einnahmen zu finanziellen Schwierigkeiten der Kolonialverwaltung. Die Bevölkerung nahm ab, Geschäfte schlossen, und ein Teil der Kaufleute verlegte seine Tätigkeit auf andere Inseln.
* 1656 - 1659  Sieur de Guery
* um 1665  Sieur Beauplan
* um 1687  Legrand (Capitan commandant)
* 1687/88 - 4 Jan 1690  Henri-Charles de Vaultier, Sieur de Moyencourt († 1690)
* 4 - 26 Jan 1690  Timothy Thornhill (englischer Kommandant, um 1648 - 1703)
* 31 Mar 1698 - 19 Dez 1700  de la Hogue († 1700)
* 1713 - 1719?  Alexandre Vaultier de Moyencourt, Comte de Moyencourt (1658 - 1728)
* um 1720 - um 1730?  Jacques Gréaux
* um 1732  Christophe Mahieu
* nach 1732 - 1744 Jacques Gréaux, Jr. († 1744)
* 1744 - um 1746  Véret [amtierend]
* um 1750  Gréaux
* 1763 - 1764  Alexis Brin [amtierend]
* 1764 - 1771  René Camille, Comte de Carné de Trécesson (1719 - 1785)
* 1771 - um 1774  Pierre Bernier
* 6 Jun 1775 - Jan 1784  Alexandre-René d’Agneau-Douville (1736 - 1789)
* 3 Feb 1781 - 26 Nov 1781  British commander
* 1784? - 7 Mar 1785  Laurent François Isnard [amtierend] († 1787)


'''Gouverneurs'''  (Gouverneure)
Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten kamen wiederholt Naturkatastrophen. Bereits 1819 und 1821 zerstörten Hurrikane zahlreiche Häuser in Gustavia und beschädigten Schiffe im Hafen. Eine schwere Fieberepidemie forderte um 1840 nach den überlieferten Angaben mehr als 300 Todesopfer. Im Jahr 1850 wurde die Insel von einer besonders schweren Dürre betroffen. Die Wasserknappheit erschwerte nicht nur die Versorgung der Bevölkerung, sondern auch die Landwirtschaft und den Alltag der Hafenstadt. Die Einwohner waren auf Regenwassersammelanlagen, Zisternen und eingeführte Güter angewiesen. Die Trockenheit verdeutlichte, wie stark die Insel von ihren natürlichen Bedingungen abhängig blieb und wie wenig wirtschaftliche Reserven vorhanden waren, um längere Krisen aufzufangen.


* 1648 - 1651  Philippe de Longvilliers de Poicy
Am 2. März 1852 brach in Gustavia ein verheerender Brand aus. Begünstigt durch starke Winde breitete sich das Feuer rasch aus und zerstörte 135 Häuser, vor allem im westlichen beziehungsweise südlichen Stadtbereich. Zwischen 400 und 500 Menschen verloren dabei ihre Unterkunft. Neben Wohnhäusern waren auch Geschäfte und andere Gebäude betroffen. Viele Kaufleute, deren wirtschaftliche Lage ohnehin angespannt war, verließen anschließend die Insel endgültig. Der Brand traf damit nicht nur die Bausubstanz Gustavias, sondern schwächte auch den verbliebenen Handel und die Einnahmen der Kolonie. Der Wiederaufbau konnte den früheren Wohlstand des Hafens nicht wiederherstellen.
* 1656 - 1659  Philippe de Longvilliers de Poicy [2]
 
Die Aussage, ein Vulkan habe 1867 „fast die Insel“ zerstört, ist falsch beziehungsweise eine Verwechslung verschiedener Naturereignisse. Auf Saint-Barthélemy brach damals kein Vulkan aus. Die Insel wurde vielmehr von einem weiteren Hurrikan und einem schweren Erdbeben betroffen. Das Erdbeben beschädigte Gebäude und Straßen; zusammen mit den wiederkehrenden Stürmen und den wirtschaftlichen Problemen verschärften diese Ereignisse die prekäre Lage der Bevölkerung. Auch 1876 traf ein weiterer Hurrikan die Insel. Die wiederholten Katastrophen belasteten eine Kolonie, deren Verwaltung und Infrastruktur nur über begrenzte finanzielle Mittel verfügten.
 
In den 1850er-Jahren versuchten die Bewohner, die örtliche Landwirtschaft auszubauen. Neben der traditionellen kleinbäuerlichen Versorgung wurden unter anderem Ananas, Baumwolle und weitere Feldfrüchte angebaut. Die Ananasproduktion erreichte zeitweise einen Umfang, der den Export auf andere Inseln ermöglichte. Auch Salzgewinnung, Fischerei, Viehzucht, die Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe und kleine handwerkliche Tätigkeiten trugen zum Lebensunterhalt bei. Diese Wirtschaftsbereiche konnten jedoch den Verlust der Hafenwirtschaft nicht kompensieren. Die Erträge blieben abhängig von Niederschlägen, Bodenqualität und den begrenzten Anbauflächen. Die Insel besaß weder große Wasserläufe noch ausreichend fruchtbares Land, um eine umfangreiche exportorientierte Landwirtschaft zu entwickeln.
 
Für Schweden wurde Saint-Barthélemy dadurch zunehmend zu einer finanziellen Belastung. Die Insel war die einzige schwedische Kolonie in der Karibik und brachte der Krone keine ausreichenden Einnahmen mehr. Die Verwaltungskosten standen in keinem günstigen Verhältnis zum wirtschaftlichen Nutzen. In den späten 1860er- und 1870er-Jahren erwog Schweden deshalb, die Kolonie abzugeben. Es wurden Möglichkeiten geprüft, die Insel an andere Staaten zu verkaufen; diese Bemühungen führten zunächst zu keinem Abschluss. Schließlich kam eine Rückgabe an Frankreich in Betracht, das Saint-Barthélemy bereits vor der schwedischen Zeit besessen hatte und weiterhin über Kolonien in der Region verfügte.
 
Am 10. August 1877 unterzeichneten Frankreich und Schweden in Paris den Vertrag über die Rückgabe Saint-Barthélemys an Frankreich. Der Vertrag machte die Übertragung ausdrücklich von der Zustimmung der Inselbevölkerung abhängig. Bei der Abstimmung Ende September und Anfang Oktober 1877 sprachen sich 350 der 351 abgegebenen Stimmen für die Rückkehr zu Frankreich aus; nur eine Stimme war dagegen. Die Einwohner entschieden sich damit nahezu geschlossen für die Wiedervereinigung mit der früheren Kolonialmacht. Das Ergebnis muss vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Notlage und des schwindenden Nutzens der schwedischen Verwaltung gesehen werden.
 
Der Vertrag sah eine Zahlung Frankreichs an Schweden vor. Dabei ist zwischen zwei Beträgen zu unterscheiden: 80.000 Francs entfielen auf die Bewertung der schwedischen staatlichen Liegenschaften auf der Insel, weitere 320.000 Francs waren als Entschädigung für die Rückführung beziehungsweise Versorgung schwedischer Beamter und deren Pensionsansprüche vorgesehen. Die häufig genannte Summe von 80.000 Francs allein gibt daher nicht den gesamten finanziellen Umfang der Vereinbarung wieder. Die französische Übernahme wurde am 16. März 1878 offiziell vollzogen. An diesem Tag wurde die schwedische Flagge eingeholt und die französische Verwaltung eingesetzt. Saint-Barthélemy wurde wieder französisches Hoheitsgebiet und administrativ der Kolonie Guadeloupe zugeordnet.
 
Mit der Rückkehr zu Frankreich endete die schwedische Kolonialzeit nach knapp 93 Jahren. Ihre Spuren blieben jedoch in Gustavia sichtbar, etwa in Straßennamen, Gebäuden und dem Stadtgrundriss. Die Stadt verlor ihre frühere Stellung als internationaler Freihafen nicht schlagartig, doch die wirtschaftliche Bedeutung der Insel blieb gering. Die französische Verwaltung widmete Saint-Barthélemy nur begrenzte Aufmerksamkeit. Die örtliche Bevölkerung entwickelte deshalb im Alltag ein hohes Maß an Selbstorganisation, während staatliche Einrichtungen und öffentliche Investitionen vergleichsweise schwach blieben. Saint-Barthélemy war nun wieder französisch, gehörte aber weiterhin zu den abgelegenen und wirtschaftlich benachteiligten Inseln der Karibik.


'''Guvernörer''' (Gouverneure)
Im späten 19. Jahrhundert setzte sich die Abwanderung fort. Menschen verließen die Insel auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen, vor allem in Richtung Saint Thomas, das zu den Amerikanischen Jungferninseln gehört. Dort entstanden Gemeinschaften von Menschen aus Saint-Barthélemy, die ihre französischsprachigen und kreolischen Traditionen teilweise bewahrten. Die Abwanderung prägte Familienbeziehungen und Kontakte zwischen den Inseln über Generationen hinweg. Sie trug zugleich dazu bei, dass die Bevölkerung Saint-Barthélemys klein blieb und sich die Wirtschaft weiterhin überwiegend auf kleinbäuerliche Landwirtschaft, Fischerei, Viehzucht, handwerkliche Tätigkeiten und den lokalen Handel stützte.


* 7 Mar 1785 - 23 Apr 1787  Salomon Mauritz von Rajalin (1757 - 1825)
=== '''Weltkriegszeit''' ===
* 23 Apr 1787 - 6 Jun 1790  Pehr Herman von Rosenstein (1763 - 1799)
Die Auswanderung führte dazu, dass sich die Bevölkerungsentwicklung trotz hoher Geburtenzahlen nur langsam entwickelte oder zeitweise rückläufig war. Saint-Barthélemy blieb eng mit Saint Thomas verbunden. Dort lebten Nachkommen ausgewanderter Familien in eigenen Vierteln und pflegten Kontakte zur Herkunftsinsel. Diese Beziehungen waren nicht nur familiärer Art, sondern hatten auch wirtschaftliche Bedeutung: Geldüberweisungen, Besuche und der Austausch von Waren und Informationen halfen, die Isolation Saint-Barthélemys zu überbrücken. Die Insel blieb kulturell stark von den Nachfahren der französischen Siedler geprägt, während die Geschichte der Sklaverei und der Abwanderung ehemaliger Sklaven die demografische Entwicklung ebenfalls beeinflusst hatte.
* 6 Jun 1790 - 17 Nov 1795  Carl Fredrik Bagge af Söderby (1750 - 1828)
* 17 Nov 1795 - 26 Jan 1801  Georg Henrik af Trolle (1763 - 1824)
* 26 Jan 1801 - 14 Feb 1812  Hans Henrik Anckerheim (1748 - 1815)
* 14 Feb 1812 - 10 Aug 1816  Bernt Robert Gustaf Stackelberg (1784 - 1845)
* 10 Aug 1816 - 10 Dez 1818  Johan Samuel Rosensvärd (1782 - 1818)
* 10 Dez 1818 - 20 Aug 1819  Carl Fred4rik Berghult [amtierend] (1794 - 1834)
* 20 Aug 1819 - 27 Apr1826  Johan Norderling (1760 - 1828)
* 27 Apr1826 - Dez 1860  James Harlev Haasum (1791 - 1871)
* Dez 1860 - 11 Aug 1868  Fredrik Carl Ulrich (1808 - 1868)
* 11 Aug - 4 Dez 1868 Georg Wilhelm Netherwood [amtierend] (1828 - 1903)
* 4 Dez 1868 - 16 Mar 1878  Bror Ludvig Ulrich (1818 - 1887)


'''Maires''' (Bürgermeister)
Um die Jahrhundertwende verschärften sich gelegentlich die Spannungen zwischen der örtlichen Gemeinde und der Verwaltung von Guadeloupe. 1900 sollte Saint-Barthélemy wegen eines Haushaltsdefizits seine finanziellen Zuschüsse an kirchliche Einrichtungen einstellen. Der Gemeinderat widersetzte sich der Anordnung und hielt an den vorgesehenen Ausgaben für Kirchen, Pfarrhäuser und kirchliche Einrichtungen fest. Der Streit verdeutlicht die große Bedeutung der katholischen Kirche für das gesellschaftliche Leben und zugleich den Wunsch der Gemeinde, ihre begrenzten finanziellen Mittel selbst zu verwalten.


* 1878 - 1900  Hippolyte Duchatellard (1833 - 1910)
Die Bildungseinrichtungen entwickelten sich nur allmählich. Der Schulbesuch war in ländlichen Gebieten durch die Entfernungen, die schwierigen Wege und die Mitarbeit von Kindern in Landwirtschaft und Haushalt erschwert. In Gustavia bestanden bereits Schulen, doch die schulische Versorgung der verstreut lebenden Bevölkerung blieb unzureichend. Eine öffentliche Schule in Colombier, deren Einrichtung bereits 1902 geplant worden war, wurde erst im Mai 1923 eröffnet. Die Eröffnung verbesserte den Zugang zur Grundbildung für Kinder aus dem nordwestlichen Teil der Insel. Für weiterführende Bildung mussten Jugendliche die Insel verlassen, häufig mit dem Schiff zu einer anderen Karibikinsel.
* 1900 - 1913  Jean Bertrand Sourd (1859 - 1918)
* 1913 - 1919  Louis Déravin
* 1919 - 1925  Théodore Lédée
* 1925 - 1927  Leroy
* 1927 - 1929  Eugène Magras
* 1929 - 1931  Ruben Déravin (1870 - 1941)
* 1931 - 1933  Staphan Tara
* 1933 - 1941  Ruben Déravin [2]
* 1941 - 1942  Clément Lédée
* 1942 - 1943  Jean Lédée
* 1943 - 1944  Clément Lédée [2]
* 1944 - 1947  Raynal Rosey [delegiert bis 1945] (1901 - 1950) ab 1947 RI
* 1947 - 1962  Alexandre Magras (1917 - 2016)
* 1962  Hubert Théodore Greaux
* 1962 - 1977  Rémy de Haenen (1916 - 2008) UNR+DVD
* Mar 1977 - Mar 1983 Charles Querrard (* 1948)
* 8 Mar 1983 - 1995 Daniel Blanchard (* 1946) MAPA-SB
* 1995  Mathieu Aubin
* Jun 1995 - 15 Jul 2007  Bruno Iréné Magras (* 1951) MAPA-SB/UMP


'''Présidents du Conseil territorial''' (Präsidenten des Territorialrats)
Auch das Gesundheitswesen blieb lange unterentwickelt. Die Versorgung erfolgte teilweise durch örtliche Ärzte, kirchliche Einrichtungen und Pflegepersonal. Ein neues Krankenhaus in Gustavia wurde am 18. Februar 1934 eröffnet. Es wurde über mehrere Jahrzehnte von den Schwestern des heiligen Paulus von Chartres betreut. Die Einrichtung stellte einen wichtigen Fortschritt dar, da zuvor die Behandlung schwerer Erkrankungen und Verletzungen durch die begrenzten örtlichen Möglichkeiten und die schwierige Überfahrt nach Guadeloupe oder zu anderen Inseln erschwert worden war. Dennoch blieb die medizinische Versorgung angesichts der geringen Einwohnerzahl und der eingeschränkten Verkehrsanbindungen bescheiden.


* 15 Jul 2007 - 3 Apr 2022  Bruno Iréné Magras [wieder eingesetzt] SBA+UMP, ab 2015 LR
Im politischen Leben der Gemeinde spielten Bürgermeister, Gemeinderat, örtliche Familiennetzwerke und kirchliche Einrichtungen eine bedeutende Rolle. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Hippolyte Duchatellard lange Zeit Bürgermeister; 1900 wurde Jean-Bertrand Sourd gewählt. Nach politischen Auseinandersetzungen und einer wegen Unregelmäßigkeiten aufgehobenen Kommunalwahl übernahm 1913 Louis Déravin das Bürgermeisteramt. Später folgten unter anderem Théodore Lédée, Adolphe Leroy, Eugène Magras und Ruben Déravin. Die Kommunalpolitik befasste sich vor allem mit Straßen, Hafengebühren, Schulen, Kirchen, Wasserzisternen und der Verwendung der knappen Gemeindemittel. Die Insel war zwar Teil des französischen Staatsgebiets, ihre praktische Entwicklung hing jedoch in hohem Maß von lokalen Entscheidungen und den begrenzten Ressourcen der Gemeinde ab.
* seit 3 Apr 2022  Xavier Lédée (* 1980)  UPS


Der Erste Weltkrieg erreichte Saint-Barthélemy nicht als Kriegsschauplatz, beeinflusste die Insel aber über ihre Zugehörigkeit zu Frankreich. 1915 wurden erstmals größere Gruppen von Männern zum Militärdienst eingezogen. Die Zahl der Freiwilligen übertraf nach den überlieferten Angaben die zugeteilten Kontingente. Etwa 60 Männer kehrten nach Kriegsende auf die Insel zurück; fünf Einwohner fielen im Krieg. Die Nachricht vom Waffenstillstand im November 1918 traf auf einem Segelschiff aus Guadeloupe ein und löste große Erleichterung aus. Die Rückkehr der Soldaten war für eine kleine Gemeinde ein bedeutendes Ereignis, auch wenn der Krieg die wirtschaftlichen Grundprobleme der Insel nicht löste.


'''Prefets''' (Präfekte)
In den 1920er Jahren blieb die Wirtschaft überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Mit der Nutzung der Saline von Saline ab 1925 erhielt die Salzgewinnung wieder eine gewisse Bedeutung. Die Produktion blieb klein und konnte die Insel nicht zu einem bedeutenden Exportstandort machen. Der Fischfang, die Viehzucht, der Anbau von Nahrungspflanzen und die Herstellung von Gegenständen für den örtlichen Bedarf bildeten weiterhin die Grundlage des Lebensunterhalts. Hinzu kamen Arbeiten im Bauwesen und im Handel. Die Insel war auf die Einfuhr zahlreicher Waren angewiesen, da weder genügend Ackerland noch ausreichende Wasserressourcen vorhanden waren, um die Bevölkerung vollständig aus eigener Produktion zu versorgen.


* 21 Feb - 21 Mar 2007  Yvon Alain (interimistischer Subpräfekt, * 1955)
Ein schwerer Hurrikan suchte Saint-Barthélemy am 27. und 28. August 1924 heim. Er beschädigte Straßen und Entwässerungsgräben und deckte Dächer ab. Auch der interinsulare Schiffsverkehr wurde beeinträchtigt; das Schiff Verdun sank während des Sturms bei Nevis. Solche Ereignisse konnten die ohnehin schwache Wirtschaft empfindlich treffen, da sie Verkehrsverbindungen unterbrachen, Gebäude beschädigten und landwirtschaftliche Erträge vernichteten. Der Wiederaufbau erfolgte mit begrenzten Mitteln und vielfach in Eigenarbeit.
* 21 Mar 2007 - Aug 2009  Dominique Lacroix (* 1955)
* 24 Aug 2009 - Dez 2011  Jacques Simonnet (* 1946)
* seit 12 Dez 2011 Philippe Chopin (* 1958)


=== '''Politische Gruppierungen und Wahlen''' ===
In den 1930er Jahren wurden die Bemühungen um eine bessere Grundversorgung fortgesetzt. Neben dem Krankenhausbau verbesserten sich örtlich die Straßen und Wege, und gemeinschaftliche Zisternen blieben ein wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung. Die Veränderungen verliefen langsam. Elektrizität, motorisierter Verkehr und moderne Kommunikation waren noch nicht in einer Form verbreitet, wie sie später für die touristische Entwicklung charakteristisch wurden. Die räumliche Abgeschiedenheit prägte den Alltag weiterhin: Reisen nach Guadeloupe waren von den Fahrplänen der Schiffe und den Wetterbedingungen abhängig, während die Kontakte zu Saint Thomas und anderen Nachbarinseln für viele Familien besonders wichtig blieben.
Die Wählerschaft auf Saint-Barthélemy gehört überwiegend dem rechten Lager an. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen 2017 ging François Fillon mit 40,71 % der Stimmen als Sieger hervor und lag damit vor Marine Le Pen (22,50 %) und Emmanuel Macron (16,22 %). Im zweiten Wahlgang setzte sich Emmanuel Macron mit 58,43 % der Stimmen gegen Marine Le Pen (41,57 %) durch.


2012 erhielt Nicolas Sarkozy 62,44 % der Stimmen und lag damit weit vor François Hollande, der mit 10,08 % seinerseits von Marine Le Pen mit 11,41 % übertroffen wurde. Im zweiten Wahlgang erhielt er 82,70 %, während der gewählte Präsident 17,30 % erhielt. In der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen 2007 stimmten 77,73 % der Inselbewohner für den UMP-Kandidaten, während 22,27 % für Ségolène Royal votierten. Im Jahr 2002 erhielt Jacques Chirac 87,56 % der Stimmen, während Jean-Marie Le Pen 12,44 % der Stimmen erhielt.
Mit der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 und der Errichtung des Vichy-Regimes veränderte sich die Lage in der französischen Karibik. Guadeloupe und die übrigen französischen Antillen standen zunächst unter der Verwaltung von Admiral Georges Robert, der dem Vichy-Regime loyal gegenüberstand. Die Verbindung zum französischen Mutterland wurde stark eingeschränkt; Post und Nachrichtenverkehr unterlagen strenger Zensur. Der Krieg führte zu Versorgungsproblemen, weil gewohnte Handelsbeziehungen unterbrochen waren und Lebensmittel sowie andere Güter schwieriger zu beschaffen wurden. Für Saint-Barthélemy mit seiner ohnehin geringen landwirtschaftlichen Produktion und seiner Abhängigkeit von Einfuhren verschärfte sich dadurch die wirtschaftliche Not.


=== '''Justizwesen und Kriminaliät''' ===
Saint-Barthélemy selbst war kein bedeutender militärischer Stützpunkt und wurde während des Zweiten Weltkriegs nicht zum Schauplatz größerer Kampfhandlungen. Die Auswirkungen des Krieges zeigten sich vor allem in der eingeschränkten Schifffahrt, der Unsicherheit des Handels, dem Mangel an importierten Gütern und der Isolation von Frankreich. Die Inselbewohner mussten stärker auf örtliche Landwirtschaft, Fischfang, familiäre Netzwerke und die vorhandenen Vorräte zurückgreifen. Die Abhängigkeit von Schiffstransporten machte deutlich, wie anfällig die Versorgung einer kleinen Insel ohne große eigene Ressourcen gegenüber internationalen Krisen war.
Auf der Insel gibt es keine eigenen Gerichte. Die erstinstanzliche Zuständigkeit liegt beim Tribunal de Première Instance und der Cour d’Appel in Basse-Terre (Guadeloupe). Schwere Straftaten wie Mord werden vor dem Cour d’Assises in Guadeloupe verhandelt. Verwaltungsrechtliche und grundbuchbezogene Angelegenheiten können teilweise vom Präsidenten des Territorialrats oder einem beigeordneten Richter vor Ort entschieden werden. Die Strafverfolgung obliegt der Gendarmerie Nationale, die auf der Insel eine kleine Brigade unterhält. Sie wird bei Bedarf durch Einheiten aus Guadeloupe oder Martinique verstärkt.


Kriminalität
Die politische Lage in der Karibik änderte sich 1943, als sich Guadeloupe und Martinique von der Vichy-Verwaltung lösten und sich den Freien Französischen Streitkräften anschlossen. Damit wurde die Bindung an das Vichy-Regime in der Region beendet. Für Saint-Barthélemy bedeutete dies jedoch keine unmittelbare wirtschaftliche Umgestaltung. Die Insel blieb eine kleine Gemeinde innerhalb des Verwaltungsgebiets Guadeloupe und verfügte weiterhin nur über begrenzte Verkehrs-, Bildungs- und Versorgungseinrichtungen.


Saint-Barthélemy gilt als eine der sichersten Inseln der Karibik. Die Kriminalitätsrate ist sehr niedrig, was auf die geringe Bevölkerungsdichte, den hohen Lebensstandard und die starke touristische Präsenz zurückzuführen ist. Die häufigsten Delikte sind Einbruchdiebstähle (vor allem in Villen während der Nebensaison), Kleinkriminalität und gelegentliche Drogenfunde (meist Transit durch Yachten). Gewaltkriminalität ist eExtrem selten, Morde oder schwere Körperverletzungen kommen in Jahrzehnten nur vereinzelt vor. Das einzige gröbere Problem ist der Drogenhandel. Die Insel liegt auf Transitwegen zwischen Südamerika und Europa; Yachthäfen werden daher von Zoll und Gendarmerie überwacht. Im touristischen Bereich ist Taschendiebstahl das größte Risiko, speziell in Gustavia während der Hochsaison.
=== '''Moderne Zeit''' ===
Am 19. März 1946 wurde Saint-Barthélemy zusammen mit den anderen französischen Kolonien Guadeloupe, Martinique und Französisch-Guayana durch ein französisches Gesetz in den Status eines Überseedepartements überführt. Die Einwohner erhielten damit die französische Staatsbürgerschaft und grundsätzlich die gleichen staatsbürgerlichen Rechte wie die Bewohner des französischen Mutterlandes. Die politische Gleichstellung bedeutete jedoch nicht, dass sich die wirtschaftlichen Lebensbedingungen auf der Insel unmittelbar verbesserten. Saint-Barthélemy blieb abgelegen, verfügte nur über begrenzte natürliche Ressourcen und besaß kaum größere Arbeitgeber außerhalb der Landwirtschaft, Fischerei, des Handwerks und des lokalen Handels.


Die Aufklärungsquote ist hoch, da die Insel klein ist und die Bevölkerung eng vernetzt. Die Gendarmerie arbeitet eng mit der Douane (Zoll) und internationalen Behörden zusammen, insbesondere bei Geldwäscheverdacht – ein Thema, da Saint-Barthélemy früher als Steueroase galt (seit 2012 jedoch OECD-konform).
Die wirtschaftliche Notlage förderte die Auswanderung und die Pendelmigration. Besonders viele Männer nahmen Arbeit auf Saint Thomas auf, das zu den Amerikanischen Jungferninseln gehört. Sie arbeiteten unter anderem im Baugewerbe, im Hafen, in der Landwirtschaft und im Dienstleistungssektor. Ein Teil ihres Einkommens wurde an die Familien auf Saint-Barthélemy geschickt. Die Verbindung zu Saint Thomas war dadurch für die Versorgung zahlreicher Haushalte von großer Bedeutung. Sie erleichterte außerdem den Zugang zu Waren, Beschäftigungsmöglichkeiten und Dienstleistungen, die auf der Heimatinsel nicht verfügbar waren. Die Auswanderung war nicht nur eine vorübergehende Reaktion auf wirtschaftliche Schwierigkeiten, sondern prägte über Jahrzehnte die Familienstrukturen und die Bevölkerungsentwicklung.


=== '''Flagge und Wappen''' ===
In den ersten Nachkriegsjahrzehnten blieb die Infrastruktur Saint-Barthélemys einfach. Viele Wege waren unbefestigt, die Versorgung mit Trinkwasser beruhte weitgehend auf Regenwasserzisternen, und der Schiffsverkehr bildete die wichtigste Verbindung zur Außenwelt. Die Elektrifizierung erfolgte schrittweise und erreichte erst in den 1980er Jahren eine flächendeckendere Versorgung. Die häufig verwendete Formulierung, die Insel sei erst in den 1980er-Jahren elektrifiziert worden, sollte daher nicht so verstanden werden, dass es zuvor keinerlei elektrische Anlagen gegeben habe. Entscheidend war vielmehr, dass eine moderne, allgemein verfügbare Stromversorgung erst vergleichsweise spät entstand.
Das Wappen von Saint-Barthélemy besteht im azurblauen Haupt aus drei Lilien, die die französische Souveränität repräsentieren, in der gueule-Fasce aus einem Malteserkreuz, das an den Besitz und die Regierung der Hospitaliers des Ordens vom Heiligen Johannes von Jerusalem erinnert, und in der azurblauen Spitze aus drei Königskronen, die an die Zeit erinnern, als die Insel im Besitz der schwedischen Krone war.  


Vor dem ehemaligen Rathaus und heutigen Sitz des Territorialrates in Gustavia ist als Symbol der Insel eine weiße Flagge (Seitenverhältnis 2:3) mit dem Wappen Saint-Barthélemys gesetzt. Das Wappen wurde von Mireille Louis für die damalige Gemeinde Saint-Barthélemy entworfen. Erstmals gehisst wurde die Flagge am 20. Mai 1794, zuletzt wieder angenommen am 5. März 1848.
Die Verleihung der französischen Staatsbürgerschaft im Jahr 1946 verbesserte die rechtliche Stellung der Einwohner, beseitigte aber nicht die wirtschaftliche Isolation Saint-Barthélemys. In den ersten Nachkriegsjahrzehnten blieb die Insel von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, Fischerei, Handwerk und der Auswanderung geprägt. Viele Männer arbeiteten weiterhin auf Saint Thomas und unterstützten ihre Familien durch Geldüberweisungen. Die Insel verfügte über wenige Erwerbsmöglichkeiten, eine begrenzte Infrastruktur und nur unzureichende Verkehrsverbindungen. Der Wandel setzte ein, als Flugzeuge Saint-Barthélemy erstmals regelmäßiger mit den benachbarten Inseln verbanden.


=== '''Hymne''' ===
Eine Schlüsselrolle spielte der französische Pilot Rémy de Haenen, der 1945 oder 1946 erstmals mit einem Flugzeug auf einer einfachen Landefläche bei Saint-Jean landete. Die genaue Datierung variiert in den Darstellungen. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keinen modernen Flughafen. Die Landung war dennoch ein wichtiger Schritt, weil sie zeigte, dass die Insel trotz ihres hügeligen Geländes und der begrenzten ebenen Flächen auf dem Luftweg erreichbar war. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Flugverkehr allmählich weiter. Der heutige Flughafen Saint-Barthélemy-Rémy-de-Haenen wurde später ausgebaut und 1984 offiziell eingeweiht. Seine kurze, zwischen Hügeln und Meer gelegene Start- und Landebahn begrenzt bis heute die Flugzeugtypen, die dort landen können; größere Verkehrsflugzeuge müssen auf Nachbarinseln ausweichen.
Saint-Barthélemy besitzt eine offizielle Territorialhymne mit dem Titel '''L’Île de Saint-Barthélemy'''. Sie wurde anlässlich des Nationalfeiertags am 14. Juli erstmals öffentlich gesungen und symbolisiert die Identität der Insel als französisches Überseegebiet mit starker lokaler Prägung. Verfasst wurde das stück von Marie-Josée Géraud, einer einheimischen Lehrerin und Dichterin. Die Melodie stammt von Michel Magras, dem damaligen Präsidenten des Territorialrats. Die Hymne wurde vom Territorialrat am 22. März 2012 offiziell angenommen.


In den 1950er Jahren blieb der Tourismus zunächst auf einzelne Besucher und private Ferienaufenthalte beschränkt. Einen wichtigen Impuls gab das Interesse wohlhabender Reisender aus den Vereinigten Staaten, insbesondere von der amerikanischen Ostküste. Saint-Barthélemy bot eine vergleichsweise abgeschiedene Umgebung, kleine Buchten, Strände und eine überschaubare Siedlungsstruktur. Anders als auf größeren Karibikinseln entwickelte sich kein großflächiger Massentourismus mit ausgedehnten Hotelanlagen. Stattdessen entstanden zunächst private Ferienhäuser und kleinere Hotels, die auf eine zahlungskräftige Kundschaft ausgerichtet waren. Zu den frühen prominenten Besuchern gehörte John F. Kennedy, der Saint-Barthélemy Anfang der 1960er-Jahre besuchte. Wohlhabende Gäste kauften Grundstücke oder ließen Ferienhäuser errichten und trugen damit zur Entwicklung des gehobenen Fremdenverkehrs bei.


Text (französisch mit deutscher Übersetzung)
In den 1960er Jahren nahm die touristische Entwicklung deutlich an Fahrt auf. Die ersten komfortableren Hotels entstanden, private Villen wurden zu einem wichtigen Bestandteil des Unterkunftsangebots, und lokale Unternehmen begannen, Dienstleistungen für ausländische Gäste anzubieten. Der Tourismus schuf Beschäftigung in der Hotellerie, in Restaurants, im Baugewerbe, im Transportwesen und im Handel. Auch die Nachfrage nach Grundstücken und Immobilien stieg. Die wirtschaftliche Entwicklung führte zu Veränderungen im Alltag, denn Tätigkeiten, die zuvor vor allem der Selbstversorgung gedient hatten, wurden zunehmend durch Lohnarbeit und Dienstleistungen ergänzt.
 
In den 1970er Jahren verfestigte sich die Ausrichtung auf einen exklusiven Fremdenverkehr. Saint-Barthélemy wurde als Ferienziel für wohlhabende Besucher bekannt, die Privatsphäre, kleinere Unterkünfte und eine im Vergleich zu großen Ferienresorts weniger dicht bebaute Umgebung suchten. Die Insel entwickelte sich zu einem Ort für private Villen, gehobene Hotels, Restaurants und Jachthäfen. Unter den mit Saint-Barthélemy in Verbindung gebrachten prominenten Gästen befanden sich im Laufe der Zeit Greta Garbo, Howard Hughes, David Rockefeller, Lorne Michaels, Chevy Chase, Steve Martin, Jimmy Buffett und Johnny Hallyday. Die Anwesenheit einzelner prominenter Besucher trug zum Ruf der Insel bei; für die langfristige Entwicklung waren jedoch vor allem Investitionen, Flugverbindungen, Immobilienbesitz und der Ausbau touristischer Dienstleistungen entscheidend.
 
Die touristische Spezialisierung veränderte die Wirtschaft grundlegend. Während Landwirtschaft und Fischerei weiterhin betrieben wurden, verloren sie im Verhältnis zur wachsenden Dienstleistungswirtschaft an Bedeutung. Viele Lebensmittel und zahlreiche andere Güter mussten importiert werden. Der steigende Lebensstandard ging mit höheren Grundstücks- und Baupreisen sowie einer wachsenden Abhängigkeit von ausländischen Besuchern einher. Ein großer Teil der wirtschaftlichen Tätigkeit konzentrierte sich auf die Hochsaison, insbesondere die Wintermonate, in denen viele Gäste aus Nordamerika und Europa auf die Insel kamen.
 
Die touristische Entwicklung erforderte Verbesserungen bei Verkehr, Stromversorgung, Wasserwirtschaft und Telekommunikation. Die Elektrifizierung erfolgte schrittweise; in den 1980er-Jahren wurde die Stromversorgung erheblich ausgeweitet und damit ein wichtiger Modernisierungsschub erreicht. Die Elektrizität erleichterte den Betrieb von Hotels, Restaurants, Kühlanlagen, Werkstätten und privaten Haushalten. Der Ausbau war zugleich Voraussetzung für die zunehmende Nutzung elektrischer Haushaltsgeräte und moderner Kommunikationsmittel.
 
Auch die Trinkwasserversorgung blieb eine zentrale Herausforderung. Wegen der geringen Niederschlagsmengen in der Trockenzeit, der fehlenden größeren Flüsse und der begrenzten natürlichen Süßwasservorräte konnte der steigende Bedarf nicht allein durch Regenwassersammelanlagen gedeckt werden. Mit dem Wachstum des Tourismus nahm die Bedeutung technischer Wassergewinnung, insbesondere der Meerwasserentsalzung, zu. Die Versorgung musste nicht nur den Haushalten, sondern auch Hotels, Restaurants, Wäschereien, Schwimmbädern und anderen touristischen Einrichtungen gerecht werden. Die knappen Wasserressourcen blieben damit ein strukturelles Problem der Inselentwicklung.
 
Der Flughafen bei Saint-Jean wurde zu einem entscheidenden Bestandteil des touristischen Systems. Seine kurze Landebahn ermöglicht den Betrieb kleiner Regionalflugzeuge, während Reisende mit größeren Flugzeugen meist über Saint Martin, insbesondere den Flughafen Princess Juliana, anreisen und anschließend auf kleinere Maschinen oder Boote umsteigen. Die ungewöhnliche Lage der Landebahn zwischen Hügel und Strand machte den Flughafen selbst zu einem bekannten Merkmal Saint-Barthélemys. Der Hafen von Gustavia blieb für Versorgung, Freizeitboote und den regionalen Schiffsverkehr wichtig. Zusammen ermöglichten Luft- und Seeverkehr eine stärkere Einbindung in die Karibik und in internationale Reiseketten.
 
Die Modernisierung verlief nicht ohne Konflikte. Der wirtschaftliche Erfolg des Tourismus erhöhte den Druck auf die begrenzten Flächen, die Küstenlandschaften und die Wasserversorgung. Die Insel musste einen Ausgleich zwischen dem Ausbau von Hotels und Ferienhäusern, dem Schutz der Landschaft und den Bedürfnissen der einheimischen Bevölkerung finden. Da Saint-Barthélemy klein ist und die bebaubaren Flächen begrenzt sind, wirkten sich steigende Immobilienpreise besonders deutlich auf den Wohnungsmarkt aus. Die wirtschaftliche Entwicklung brachte höhere Einkommen und bessere Dienstleistungen, machte die Insel aber zugleich stärker von importierten Gütern, ausländischem Kapital und einer relativ kleinen Gruppe kaufkräftiger Besucher abhängig.
 
Bis ins frühe 21. Jahrhundert war Saint-Barthélemy eine französische Gemeinde innerhalb des Überseedepartements und der Überseeregion Guadeloupe. Die örtlichen Angelegenheiten wurden durch einen Gemeinderat und einen Bürgermeister verwaltet, während zahlreiche Zuständigkeiten bei den Behörden Guadeloupes und des französischen Staates lagen. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg und der zunehmenden Eigenständigkeit der Inselwirtschaft wuchs der Wunsch, über Steuern, Raumplanung, Infrastruktur und lokale Angelegenheiten selbst entscheiden zu können.


Strophe 1
Am 7. Dezember 2003 stimmten die Einwohner in einer Volksbefragung über eine neue institutionelle Stellung ab. Rund 95,5 % der gültigen Stimmen entfielen auf die Umwandlung in eine französische Überseegebietskörperschaft mit besonderem Status. Das Ergebnis ebnete den Weg für eine eigenständige Verwaltung außerhalb der bisherigen Zugehörigkeit zu Guadeloupe. Die rechtliche Grundlage schuf das französische Organgesetz vom 21. Februar 2007. Am 15. Juli 2007 wurde Saint-Barthélemy offiziell eine collectivité d’outre-mer (COM), eine französische Überseegebietskörperschaft nach Artikel 74 der Verfassung.


Ô Saint-Barthélemy, perle des Antilles, Île au cœur vaillant, joyau des mers, Tes rivages dorés, tes collines tranquilles, Chantent la liberté sous les cieux clairs.
Mit dem neuen Status wurden die bisherigen Zuständigkeiten der Gemeinde sowie zahlreiche Aufgaben übernommen, die zuvor auf Ebene des Départements und der Region Guadeloupe wahrgenommen worden waren. Dazu gehören unter anderem Teile der Steuerpolitik, der Raumordnung, des Bauwesens, des Straßenwesens und der örtlichen Infrastruktur. Die Selbstverwaltung erfolgt durch einen Territorialrat mit 19 Mitgliedern, der die politischen Leitlinien festlegt. Ein Exekutivrat führt die Beschlüsse aus. Die französische Republik bleibt jedoch für zentrale staatliche Aufgaben wie Verteidigung, Außenpolitik, Justiz und öffentliche Sicherheit verantwortlich. Saint-Barthélemy ist somit kein unabhängiger Staat, sondern weiterhin Teil Frankreichs mit erweiterten Selbstverwaltungsrechten. Auf nationaler Ebene wird die Insel unter anderem durch einen Senator im französischen Parlament vertreten.


''(O Saint-Barthélemy, Perle der Antillen, Insel mit tapferem Herzen, Juwel der Meere, Deine goldenen Küsten, deine ruhigen Hügel, Singen von Freiheit unter klarem Himmel.)''
Ein weiterer Einschnitt erfolgte am 1. Januar 2012. Bis dahin gehörte Saint-Barthélemy im europarechtlichen Sinn zu den Regionen in äußerster Randlage der Europäischen Union. Auf Wunsch der Insel und nach einer Entscheidung des Europäischen Rates vom 29. Oktober 2010 wechselte sie zum Status eines überseeischen Landes oder Gebiets, französisch pays et territoire d’outre-mer (PTOM), auf Deutsch auch als ÜLG bezeichnet. Damit gehört Saint-Barthélemy weiterhin zu Frankreich, aber nicht mehr zum Gebiet der Europäischen Union im gleichen Sinn wie die französischen Regionen in äußerster Randlage. Die Beziehungen zur EU werden seither über eine besondere Assoziierung geregelt. Der Euro blieb als Währung erhalten. Der Statuswechsel sollte der Insel ermöglichen, ihre besonderen wirtschaftlichen Bedingungen, insbesondere ihre geringe Größe, ihre Insellage und ihre starke Ausrichtung auf den Tourismus, besser zu berücksichtigen.


Refrain
Am 6. September 2017 traf der Hurrikan Irma Saint-Barthélemy mit außergewöhnlicher Stärke. Der Sturm hatte zuvor über längere Zeit die höchste Kategorie 5 erreicht. Die maximalen anhaltenden Windgeschwindigkeiten lagen während seiner Entwicklung bei etwa 295 km/h und darüber; örtlich wurden noch stärkere Böen gemessen. Die Insel lag direkt im Bereich des Sturms. Dächer wurden abgedeckt, Gebäude beschädigt, Bäume entwurzelt und Fahrzeuge umgeworfen. Auch Hafenanlagen, Straßen, Stromleitungen und Kommunikationsnetze wurden schwer getroffen. Sturmfluten und hohe Wellen überschwemmten küstennahe Bereiche.


Saint-Barth, terre d’amour et de lumière, Ton drapeau bleu blanc rouge flotte fier, Unis dans l’effort, tournés vers l’avenir, Nous te jurons fidélité, ô Saint-Barthélemy chérie !
Die Auswirkungen waren gravierend, dürfen aber nicht mit den noch größeren Zerstörungen auf der benachbarten Insel Saint-Martin gleichgesetzt werden. Nach einer Auswertung von Satellitenbildern waren auf Saint-Barthélemy 206 Gebäude, etwa 3 % des Bestands, vollständig zerstört und 157 weitere, etwa 2 %, schwer beschädigt. Insgesamt wurden zahlreiche Gebäude beeinträchtigt; die oft wiederholte Behauptung, 90 % der Gebäude seien zerstört worden, ist für Saint-Barthélemy nicht zutreffend. Die Zahl von elf Todesopfern, die in französischen Regierungsberichten im Zusammenhang mit Irma genannt wird, bezieht sich auf die betroffenen französischen Inseln zusammen und nicht allein auf Saint-Barthélemy.


''(Saint-Barth, Land der Liebe und des Lichts, Deine blau-weiß-rote Flagge weht stolz, Vereint in der Anstrengung, dem Morgen zugewandt, Wir schwören dir Treue, o geliebtes Saint-Barthélemy!)''
Unmittelbar nach dem Hurrikan waren Teile der Insel ohne Strom und Trinkwasserversorgung. Die Kommunikation war stark eingeschränkt, und die Beseitigung von Trümmern erschwerte den Verkehr. Die französische Regierung organisierte Hilfslieferungen und entsandte Einsatzkräfte. Die Wiederherstellung grundlegender Dienstleistungen gelang auf Saint-Barthélemy innerhalb der ersten Wochen vergleichsweise rasch. Dennoch mussten zahlreiche Häuser, Hotels und gewerbliche Gebäude repariert oder neu errichtet werden. Der Fremdenverkehr war in der Saison 2017/2018 stark beeinträchtigt; viele Unterkünfte konnten zunächst keine Gäste aufnehmen.


Strophe 2
Der Wiederaufbau wurde zu einer zentralen Aufgabe der folgenden Jahre. Gebäude und technische Anlagen wurden teilweise verstärkt, Stromleitungen an bestimmten Stellen unterirdisch verlegt und Einrichtungen besser gegen künftige Stürme gesichert. Allerdings wurde nicht jedes Gebäude grundsätzlich neu konzipiert, und die spätere Aufarbeitung zeigte, dass auch nach Irma weiterhin Schwachstellen bei der baulichen Anpassung an extreme Wetterereignisse bestanden. Die relativ schnelle Wiederherstellung der touristischen Infrastruktur ermöglichte eine Erholung der Wirtschaft, machte aber zugleich deutlich, wie abhängig die Insel von einer funktionierenden Hotellerie und dem internationalen Reiseverkehr ist.


De Gustavia aux plages de Saint-Jean, Ton peuple courageux bâtit son destin, Entre ciel et mer, dans l’harmonie des vents, Tu restes à jamais notre jardin.
Die Corona-Maßnahmenpolitik traf Saint-Barthélemy ab dem Frühjahr 2020 in einer Phase, in der sich die Inselwirtschaft vom Hurrikan Irma weitgehend erholt hatte. Da der Fremdenverkehr die wichtigste Einnahmequelle darstellt, wirkten sich internationale Reisebeschränkungen, Grenzkontrollen und der zeitweilige Rückgang des Flugverkehrs unmittelbar auf Hotels, Restaurants, Autovermietungen, Geschäfte und andere touristische Unternehmen aus. Die Pandemie führte zu einer Unterbrechung des gewohnten Reiseverkehrs und damit zu erheblichen Einkommensverlusten.


''(Von Gustavia bis zu den Stränden von Saint-Jean, Dein mutiges Volk schmiedet sein Schicksal, Zwischen Himmel und Meer, im Einklang der Winde, Bleibst du für immer unser Garten.)''
Die Behörden führten zeitweise Einreisebeschränkungen, Testpflichten und weitere Schutzmaßnahmen ein. Die jeweiligen Regeln änderten sich mit den französischen sowie regionalen Vorgaben. Für Reisende wurden unter anderem Nachweise über Tests und zeitweise auch Impfungen verlangt. Die Einschränkungen sollten die Einschleppung des Virus begrenzen und das örtliche Gesundheitssystem schützen, das wegen der kleinen Bevölkerung und der begrenzten medizinischen Kapazitäten auf Unterstützung von außerhalb angewiesen ist.


Refrain (wiederholt)
Mit der Verbesserung der Lage wurden die Reise- und Schutzmaßnahmen schrittweise gelockert und schließlich aufgehoben. Der internationale Tourismus kehrte zurück, doch die Pandemie hatte die Anfälligkeit der Inselwirtschaft erneut offengelegt. Anders als bei einer breiter aufgestellten Wirtschaft traf der Einbruch des Reiseverkehrs auf Saint-Barthélemy besonders viele Beschäftigte und Unternehmen gleichzeitig. Die Erholung hing maßgeblich davon ab, dass Flugverbindungen, Hotels und Restaurants wieder regulär betrieben werden konnten.


=== '''Hauptstadt''' ===
Saint-Barthélemy entwickelte sich im Laufe des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts von einer wirtschaftlich schwachen, stark von Auswanderung geprägten Insel zu einem international bekannten Ziel des gehobenen Tourismus. Die wichtigsten wirtschaftlichen Tätigkeiten liegen heute im Hotel- und Gastgewerbe, in Restaurants, im Immobiliensektor, im Bauwesen, im Einzelhandel, im Transport und in weiteren Dienstleistungen. Landwirtschaft und Fischerei werden weiterhin betrieben, spielen im Vergleich zur touristischen Wirtschaft aber eine wesentlich kleinere Rolle.
'''Gustavia''' wurde vermutlich 1763 durch französische Siedler unter dem Namen Cartage gegründet. 1785 verkaufte Frankreich die Kolonie an Schweden. Die von nun an als Verwaltungszentrum und später Hauptstadt dienende Siedlung erhielt daraufhin zu Ehren des damals amtierenden schwedischen Königs Gustav III. ihren heutigen Namen. Dabei hatte Samuel Fahlberg einen großen Anteil an der Stadtplanung. St. Barths ermöglichte als schwedische Kolonie – neutral in der von Konflikten oft heimgesuchten Karibik – allen Händlern einen freien Handel. Der Sitz der neuen Gebietskörperschaft ist das „Hôtel de la Collectivité“, das anstelle des Rathauses eingerichtet wird. Es befindet sich in „La Pointe“ (Gustavia).


=== '''Verwaltungsgliederung''' ===
Die wirtschaftliche Spezialisierung brachte hohe Einkommen und eine vergleichsweise moderne Infrastruktur mit sich. Zugleich bleiben grundlegende Herausforderungen bestehen: begrenzte Süßwasservorräte, hohe Importabhängigkeit, knappe bebaubare Flächen, steigende Immobilienpreise und die Notwendigkeit, die Küstenlandschaft und die empfindlichen Meeresökosysteme zu schützen. Hinzu kommt die wiederkehrende Gefahr schwerer Hurrikane. Die Erfahrungen mit Irma haben gezeigt, dass die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden, Verkehrswegen, Energieversorgung und Kommunikation für die Zukunft der Insel von entscheidender Bedeutung ist.
Die Gebiete der Insel sind:


{| class="wikitable"
== '''Verwaltung''' ==
|'''Name'''
Die von Arawak und Kariben bewohnte Insel wurde 1493 von Columbus für Spanien beansprucht. 1648 machten die Franzosen sie zu ihrer Kolonie. Von 1651 bis 1656 regierten hier die Malteser Johanniter. Danach war sie für kurze Zeit unbesiedelt, ehe die Franzosen 1659 mit der erneuten Kolonisierung begannen. Im März 1785 wurde die Antilleninsel schwedische Kolonie, ab 1812 Kronkolonie. Am 16. März 1878 kauften die Franzosen sie zurück und unterstellten sie Guadeloupe. Von 16. Juni 1940 bis 14. Juli 1943 regierten die Vichy-Faschisten auf der Insel. Am 1. Februar 1963 wurde sie als ''canton'' zusammen mit Sankt Martin ein ''arrondissement'' Guadeloupes. Am 7. Dezember 2003 sprachen sich 95,5 % der wahlbrechtigten Inselbewohner für die Umwandlung in eine ''collectivité'' aus.
|'''Kürzel'''
 
|'''Fläche  (ha)'''
 
|'''S  2006'''
'''Herrschaftsgeschichte'''
|'''S  2012'''
 
|'''S  2016'''
* um 300 bis 9. Jahrhundert Stammesgemeinschaften der Taino
|'''S  2022'''
* 9. Jahrhundert bis 1648 Stammesgemeinschaften der Kalinago
|-
* 1648 bis 1744 Königreich Frankreich (''Royaume de France'')
|Au Vent [Windward]
* 1744 bis 1748 Königreich Großbritannien (''Kingdom of Great Britain'')
|AVT
* 1748 bis 17. März 1781 Königreich Frankreich (''Royaume de France'')
|1.160
* 17. März - 26. November 1781 Königreich Großbritannien (''Kingdom of Great Britain'')
|3.108
* 26 Nov 1781 bis März 1785 Königreich Frankreich (Royaume de France)
|3.522
* März 1785 bis 20. März 1801 Königreich Schweden (''Konungariket Sverige'')
|3.784
* 20. März 1801 - 10. Juli 1802 Kaiserreich Frankreich (''Empire français'')
|4.322
* 10. Juli 1802 bis 16. März 1878 Königreich Schweden (''Konungariket Sverige'')
|-
* 16. März 1878 bis 24. Juni 1940 Department Guadeloupe des  Staates Frankreich (1816 bis 1848 ''Royaume de France'', 1848 bis 1852 ''République française'', 1852 bis 1870 ''Empire français'', 1870 bis 1940 ''République française'')
|Centre (Gustavia)
* 24. Juni 1940 bis 14. Juli 1943 Französischer Staat (''État français'') mit Sitz in Vichy
|CEN
* 14. Juli 1943 bis 19. März 1946 Republik Frankreich (''République française'')
|340
* 19. März 1946 bis 7. Februar 1963 Bezirk Basse-Terre (''Arrondissement des Basse-Terre'') innerhalb des Departments Guadeloupe (''Département Guadeloupe'') der Republik Frankreich (''République française'')
|2.299
* 7. Februar 1963 bis 9. Juli 2007 Bezirk Sankt Martin und Saint Barthelemy (''Arrondissement des Saint-Martin et Saint-Barthélemy'') innerhalb des Departments Guadeloupe (''Département Guadeloupe'') der Republik Frankreich (''République française'')
|2.670
* seit 9. Juli 2007 Überseegemeinschaft Saint Barthelemy (''Collectivité d'outre mer de Saint-Barthélemy'') des Republik Frankreich (''République française'')
|2.797
 
|2.728
=== '''Verfassung''' ===
|-
Bis 2007 war Saint-Barthélemy eine Gemeinde und bildete zusammen mit dem französischen Teil der Nachbarinsel Saint-Martin ein Arrondissement des Überseedepartements Guadeloupe, das Arrondissement Saint-Martin-Saint-Barthélemy (auch ''Arrondissement des Îles du Nord'', „Arrondissement der nördlichen Inseln“).
|Sous le Vent [Leeward]
 
|SLV
Nach einem im Jahr 2003 abgehaltenen Referendum trennte sich Saint-Barthélemy – neben Saint-Martin – am 22. Februar 2007 von Guadeloupe und wurde zu einer eigenen ''Collectivité d’outre mer''. Die Verwaltung wird aber auch in Zukunft der einer französischen Kommune entsprechen. Ebenso dürfen Nichtfranzosen, die jedoch aus einem EU-Land stammen, auch zukünftig an Gemeinderatswahlen teilnehmen. Der Vertrag von Lissabon sieht vor, dass Saint-Barthélemy Teil der Europäischen Union bleibt. Saint-Barthélemy behält den Euro als offizielles Zahlungsmittel.
|590
 
|2.849
Der Status von Saint-Barthélemy als Übersee-Körperschaft (COM) ist in den Gesetzen vom 21. Februar 2007 zur Festlegung der statutarischen und institutionellen Bestimmungen über die Überseegebiete32,33 enthalten. Saint-Barthélemy ist seit dem 1. Oktober 2020 mit einer Senatorin, Micheline Jacques, im Senat vertreten.
|2.939
|3.212
|3.414
|-
|'''Saint-Barthélemy'''
|'''BLM'''
|'''2.100'''
|'''8.256'''
|'''9.131'''
|'''9.793'''
|'''10.464'''
|}


In der Nationalversammlung gehörte die Insel zuvor zusammen mit ihrer Nachbarin Saint-Martin zum vierten Wahlkreis von Guadeloupe. Seit den Parlamentswahlen 2012 bilden die beiden Gebiete einen eigenen Wahlkreis, der durch die Verordnung vom 29. Juli 200934 eingerichtet wurde. Die Abgeordnete des Wahlkreises ist seit dem 21. Juni 2017 Claire Guion-Firmin.


Diese sind wiederum in 40 ''quartiers'' unterteilt:
Der Vertreter des Staates ist der Präfekt von Guadeloupe. Er wird vor Ort vom delegierten Präfekten von Saint-Barthélemy und Saint-Martin (alias Nordinseln) unterstützt, der im Hôtel de Préfecture in Saint-Martin sitzt.


{| class="wikitable"
Saint-Barthélemy (im Gegensatz zu Saint-Martin) ist nicht Teil der Europäischen Union, sondern lediglich wie die anderen überseeischen Länder und Gebiete (ÜLG) mit ihr assoziiert, und zwar seit dem 1. Januar 2012.35 Saint-Barthélemy ist nicht Mitglied der Europäischen Union. Zuvor war sie wie Saint-Martin eine Region in äußerster Randlage (RUP), entweder als Teil von Guadeloupe (bis 2007) oder in eigenem Namen (2007 bis 2011).
| colspan="2" |Sous  le Vent


'''''(Leeward)'''''
=== '''Legislative und Exekutive''' ===
| colspan="2" |Au Vent
Saint-Barthélemy ist seit dem 15. Juli 2007 eine französische Überseegebietskörperschaft mit besonderem Status (collectivité d’outre-mer, COM). Die rechtliche Grundlage bildet das Organgesetz Nr. 2007-223 vom 21. Februar 2007. Anders als zuvor als Gemeinde innerhalb Guadeloupes verfügt Saint-Barthélemy über eine eigene Gebietskörperschaft, die zahlreiche Aufgaben einer Gemeinde, eines Départements und einer Region in einer einzigen Verwaltung zusammenfasst. In bestimmten gesetzlich festgelegten Bereichen besitzt sie zudem eigene Zuständigkeiten, die andernorts beim französischen Staat liegen. Die institutionelle Ordnung besteht vor allem aus dem Territorialrat als beratender und beschließender Versammlung, dem Exekutivrat als ausführendem Organ und dem Präsidenten, der die Gebietskörperschaft vertritt. Ergänzt wird diese Struktur durch den Wirtschafts-, Sozial- und Kulturrat, der beratende Aufgaben wahrnimmt.


'''''(Windward)'''''
Der Territorialrat (Conseil territorial) ist das zentrale beschlussfassende Organ von Saint-Barthélemy. Er besteht aus 19 Mitgliedern, die von der Bevölkerung gewählt werden. Die Amtszeit beträgt grundsätzlich sechs Jahre. Der Territorialrat beschließt den Haushalt, legt die örtlichen politischen Leitlinien fest und verabschiedet die Regelungen, die in den Zuständigkeitsbereich der Gebietskörperschaft fallen. Dazu gehören insbesondere Raumplanung und Bauwesen, örtliche Straßen und Infrastruktur, wirtschaftliche Entwicklung, Tourismus, Umwelt- und Küstenschutz sowie bestimmte Fragen des Steuer- und Abgabenrechts.
|-
|'''Nr'''
|'''Quartier'''
|'''Nr'''
|'''Quartier'''
|-
|'''1'''


'''2'''
Die Zuständigkeiten des Territorialrats ergeben sich aus dem französischen Organgesetz und den ergänzenden gesetzlichen Bestimmungen. Er kann nicht in allen Angelegenheiten eigenständig Gesetze im Sinne des französischen Parlaments erlassen. Seine Beschlüsse gelten vielmehr innerhalb der ihm gesetzlich übertragenen Kompetenzen. Das französische Parlament bleibt für die nationale Gesetzgebung zuständig, während der Staat weiterhin Aufgaben wie Verteidigung, Außenpolitik, Justiz und die grundlegenden Bereiche der öffentlichen Sicherheit wahrnimmt.


'''3'''
Der Territorialrat wählt aus seiner Mitte den Präsidenten sowie die Mitglieder des Exekutivrats. Damit bildet die Wahl des Territorialrats zugleich die Grundlage für die politische Leitung und die Verwaltung der Gebietskörperschaft. Die Ratsmitglieder beraten über Haushaltsfragen, öffentliche Investitionen, örtliche Dienstleistungen und die langfristige Entwicklung der Insel. Aufgrund der geringen Fläche und der begrenzten natürlichen Ressourcen spielen Entscheidungen über die Nutzung von Grundstücken, den Schutz der Küsten, die touristische Entwicklung und die Infrastruktur eine besondere Rolle.


'''4'''
Die Exekutive besteht aus dem Präsidenten des Territorialrats und dem Exekutivrat (Conseil exécutif). Der Exekutivrat hat sieben Mitglieder: den Präsidenten, vier Vizepräsidenten und zwei weitere Mitglieder. Er wird vom Territorialrat aus dessen Mitte gewählt. Die Amtszeit ist an diejenige des Territorialrats gebunden. Die Exekutive ist damit nicht unabhängig vom gewählten Parlament der Insel, sondern geht aus dessen Zusammensetzung hervor.


'''5'''
Der Präsident ist das oberste ausführende Organ der Gebietskörperschaft. Er vertritt Saint-Barthélemy nach außen, leitet die Sitzungen des Exekutivrats und sorgt für die Vorbereitung und Umsetzung der Beschlüsse des Territorialrats und des Exekutivrats. Zu seinen Aufgaben gehören die Verwaltung der öffentlichen Dienste, die Durchführung des Haushalts und die Vertretung der Gebietskörperschaft bei Verträgen und rechtlichen Angelegenheiten. Er übt die ihm gesetzlich übertragenen Befugnisse aus und ist für die Umsetzung der politischen Entscheidungen verantwortlich.


'''6'''
Der Exekutivrat entscheidet gemeinschaftlich über die ihm gesetzlich zugewiesenen Angelegenheiten. Dazu zählen insbesondere bestimmte Verwaltungsakte, Genehmigungen und Entscheidungen in Bereichen, für die Saint-Barthélemy eigene Zuständigkeiten besitzt. Die kollegiale Arbeitsweise soll gewährleisten, dass wichtige Verwaltungsentscheidungen nicht ausschließlich vom Präsidenten getroffen werden. Der Präsident verfügt gleichwohl über eigene gesetzliche Befugnisse und nimmt innerhalb der Exekutive eine zentrale Stellung ein.


'''7'''
Neben den politischen Organen besteht der Wirtschafts-, Sozial-, Kultur- und Umweltrat (Conseil économique, social, culturel et environnemental, CESCE). Das Organgesetz von 2007 sah zunächst einen Wirtschafts-, Sozial- und Kulturrat vor. Seine Aufgaben und Zusammensetzung wurden später erweitert; die heutige Bezeichnung berücksichtigt ausdrücklich auch Umweltfragen. Die Zahl von elf Mitgliedern, die in älteren Darstellungen genannt wird, entspricht nicht mehr der aktuellen Regelung: Nach dem geltenden Erlass vom 17. Dezember 2018 umfasst das Gremium 15 Mitglieder.


'''8'''
Der CESCE ist ein beratendes Organ und keine zweite Parlamentskammer. Er setzt sich aus Vertretern wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und ökologischer Organisationen sowie aus fachlich qualifizierten Persönlichkeiten zusammen. Vertreten sind unter anderem Wirtschafts- und Berufsverbände, Handel, Baugewerbe, Hotellerie, Gastronomie, soziale und kulturelle Vereinigungen sowie Organisationen des Umwelt- und Naturschutzes. Die Mitglieder werden für fünf Jahre bestimmt. Territorialratsmitglieder dürfen dem CESCE nicht gleichzeitig angehören.


'''9'''
Der Rat gibt Stellungnahmen zu Fragen ab, die für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung der Insel von Bedeutung sind. Er wird insbesondere bei bestimmten Planungs- und Haushaltsfragen sowie bei Vorhaben mit wirtschaftlicher, sozialer oder kultureller Tragweite konsultiert. Seine Empfehlungen sind beratend; die verbindlichen Beschlüsse fasst weiterhin der Territorialrat. Der CESCE ermöglicht damit Interessenverbänden und gesellschaftlichen Gruppen, ihre Anliegen in die politische Entscheidungsfindung einzubringen.


'''10'''
Saint-Barthélemy bildet eine einzige Gebietskörperschaft, die zahlreiche Zuständigkeiten vereint, die in anderen Teilen Frankreichs auf Gemeinde, Département und Region verteilt sind. Dazu gehören die örtliche Infrastruktur, Raumplanung, Bauwesen, wirtschaftliche Entwicklung, Tourismus und verschiedene Bereiche des Umwelt- und Küstenschutzes. Eine besondere Rolle spielt die Steuerhoheit: Die Gebietskörperschaft kann innerhalb des gesetzlichen Rahmens eigene steuerliche Regelungen festlegen. Dadurch unterscheidet sich ihre Finanz- und Verwaltungspolitik von derjenigen vieler anderer französischer Gebietskörperschaften.


'''11'''
In einzelnen Bereichen darf Saint-Barthélemy außerdem eigene Regeln erlassen, sofern diese Befugnisse durch das französische Recht ausdrücklich übertragen wurden. Das betrifft insbesondere bestimmte Fragen der Einreise und des Aufenthalts ausländischer Personen, des Grundstücksrechts und der wirtschaftlichen Regulierung. Diese Autonomie ist jedoch begrenzt. Die Gebietskörperschaft ist an die französische Verfassung und die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen gebunden; die französischen Staatsorgane behalten ihre Zuständigkeiten in den Bereichen, die nicht übertragen wurden.


'''12'''
Der französische Staat wird auf Saint-Barthélemy durch seine staatliche Verwaltung vertreten. Die Zuständigkeit liegt beim Präfekten von Guadeloupe, unterstützt durch einen Präfekten beziehungsweise einen staatlichen Vertreter für Saint-Barthélemy und Saint-Martin. Der Staat bleibt unter anderem für Justiz, Verteidigung, Außenpolitik und wesentliche Aufgaben der öffentlichen Sicherheit verantwortlich. Die lokale Selbstverwaltung und die staatliche Verwaltung bestehen somit nebeneinander: Die Insel entscheidet eigenständig über zahlreiche örtliche Angelegenheiten, während sie zugleich Bestandteil der Französischen Republik bleibt.


'''13'''
=== '''Inseloberhaupt''' ===
Staatsoberhaupt von Saint Barthelemy ist der französische Präsident, vertreten durch den Préfet délégué, derzeit Jacques Simonnet. De facto Inseloberhaupt ist der Président du Conseil, Bruno Magras. 


'''14'''
'''Commandants''' (Kommandanten)


'''15'''
* 1648 - 1656  Jacques Gente (James Gente)
 
* 1656 - 1659  Sieur de Guery
'''16'''
* um 1665  Sieur Beauplan
 
* um 1687  Legrand (Capitan commandant)
'''17'''
* 1687/88 - 4 Jan 1690  Henri-Charles de Vaultier, Sieur de Moyencourt († 1690)
 
* 4 - 26 Jan 1690  Timothy Thornhill (englischer Kommandant, um 1648 - 1703)
'''18'''
* 31 Mar 1698 - 19 Dez 1700  de la Hogue († 1700)
 
* 1713 - 1719?  Alexandre Vaultier de Moyencourt, Comte de Moyencourt (1658 - 1728)
'''19'''
* um 1720 - um 1730?  Jacques Gréaux
* um 1732  Christophe Mahieu
* nach 1732 - 1744 Jacques Gréaux, Jr. († 1744)
* 1744 - um 1746  Véret [amtierend]
* um 1750  Gréaux
* 1763 - 1764  Alexis Brin [amtierend]
* 1764 - 1771  René Camille, Comte de Carné de Trécesson (1719 - 1785)
* 1771 - um 1774  Pierre Bernier
* 6 Jun 1775 - Jan 1784  Alexandre-René d’Agneau-Douville (1736 - 1789)
* 3 Feb 1781 - 26 Nov 1781  British commander
* 1784? - 7 Mar 1785  Laurent François Isnard [amtierend] († 1787)


'''20'''  
'''Gouverneurs'''  (Gouverneure)
|Colombier


Flamands
* 1648 - 1651  Philippe de Longvilliers de Poicy
* 1656 - 1659  Philippe de Longvilliers de Poicy [2]


Terre Neuve
'''Guvernörer''' (Gouverneure)


Grande  Vigie
* 7 Mar 1785 - 23 Apr 1787  Salomon Mauritz von Rajalin (1757 - 1825)
 
* 23 Apr 1787 - 6 Jun 1790  Pehr Herman von Rosenstein (1763 - 1799)
Corossol
* 6 Jun 1790 - 17 Nov 1795  Carl Fredrik Bagge af Söderby (1750 - 1828)
 
* 17 Nov 1795 - 26 Jan 1801  Georg Henrik af Trolle (1763 - 1824)
Merlette
* 26 Jan 1801 - 14 Feb 1812  Hans Henrik Anckerheim (1748 - 1815)
* 14 Feb 1812 - 10 Aug 1816  Bernt Robert Gustaf Stackelberg (1784 - 1845)
* 10 Aug 1816 - 10 Dez 1818  Johan Samuel Rosensvärd (1782 - 1818)
* 10 Dez 1818 - 20 Aug 1819  Carl Fred4rik Berghult [amtierend] (1794 - 1834)
* 20 Aug 1819 - 27 Apr1826  Johan Norderling (1760 - 1828)
* 27 Apr1826 - Dez 1860  James Harlev Haasum (1791 - 1871)
* Dez 1860 - 11 Aug 1868  Fredrik Carl Ulrich (1808 - 1868)
* 11 Aug - 4 Dez 1868 Georg Wilhelm Netherwood [amtierend] (1828 - 1903)
* 4 Dez 1868 - 16 Mar 1878  Bror Ludvig Ulrich (1818 - 1887)


La  Grande Montagne
'''Maires''' (Bürgermeister)


Anse  des Lézards
* 1878 - 1900  Hippolyte Duchatellard (1833 - 1910)
 
* 1900 - 1913  Jean Bertrand Sourd (1859 - 1918)
Anse  des Cayes
* 1913 - 1919  Louis Déravin
 
* 1919 - 1925  Théodore Lédée
Le Palidor
* 1925 - 1927  Leroy
 
* 1927 - 1929  Eugène Magras
Public
* 1929 - 1931  Ruben Déravin (1870 - 1941)
 
* 1931 - 1933  Staphan Tara
Col  de la Tourmente
* 1933 - 1941  Ruben Déravin [2]
* 1941 - 1942  Clément Lédée
* 1942 - 1943  Jean Lédée
* 1943 - 1944  Clément Lédée [2]
* 1944 - 1947  Raynal Rosey [delegiert bis 1945] (1901 - 1950) ab 1947 RI
* 1947 - 1962  Alexandre Magras (1917 - 2016)
* 1962  Hubert Théodore Greaux
* 1962 - 1977  Rémy de Haenen (1916 - 2008) UNR+DVD
* Mar 1977 - Mar 1983 Charles Querrard (* 1948)
* 8 Mar 1983 - 1995 Daniel Blanchard (* 1946) MAPA-SB
* 1995  Mathieu Aubin
* Jun 1995 - 15 Jul 2007  Bruno Iréné Magras (* 1951) MAPA-SB/UMP


Quartier  du Roi
'''Présidents du Conseil territorial''' (Präsidenten des Territorialrats)


Le Château
* 15 Jul 2007 - 3 Apr 2022  Bruno Iréné Magras [wieder eingesetzt] SBA+UMP, ab 2015 LR
* seit 3 Apr 2022  Xavier Lédée (* 1980)  UPS


Aéroport


Saint-Jean
'''Prefets''' (Präfekte)


Gustavia
* 21 Feb - 21 Mar 2007  Yvon Alain (interimistischer Subpräfekt, * 1955)
* 21 Mar 2007 - Aug 2009  Dominique Lacroix (* 1955)
* 24 Aug 2009 - Dez 2011  Jacques Simonnet (* 1946)
* seit 12 Dez 2011 Philippe Chopin (* 1958)


La Pointe
=== '''Politische Gruppierungen''' ===
Die politische Landschaft Saint-Barthélemys ist traditionell vom bürgerlich-konservativen und rechten Lager geprägt. Das zeigt sich besonders bei den französischen Präsidentschaftswahlen, bei denen die Inselbevölkerung wiederholt deutlich häufiger für konservative und rechtsgerichtete Kandidaten stimmte als für Kandidaten der Sozialisten. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch je nach Wahl und Wahlgang; sie spiegeln die abgegebenen Stimmen auf Saint-Barthélemy wider und sind nicht ohne Weiteres mit dem Wahlverhalten in ganz Frankreich gleichzusetzen.


Lurin
Bei der Präsidentschaftswahl 2002 erhielt Jacques Chirac im zweiten Wahlgang 87,56 % der gültigen Stimmen auf Saint-Barthélemy, während Jean-Marie Le Pen auf 12,44 % kam. 2007 entfielen im zweiten Wahlgang 77,73 % auf Nicolas Sarkozy von der konservativen Union pour un mouvement populaire (UMP) und 22,27 % auf die Sozialistin Ségolène Royal. Auch 2012 lag Sarkozy deutlich vorn: Er erhielt im ersten Wahlgang 62,44 %, während François Hollande 10,08 % und Marine Le Pen 11,41 % erreichten. Im zweiten Wahlgang kam Sarkozy auf 82,70 %, Hollande auf 17,30 %. Bei der Präsidentschaftswahl 2017 wurde François Fillon von den Républicains im ersten Wahlgang mit 40,71 % stärkster Kandidat. Marine Le Pen erreichte 22,50 %, Emmanuel Macron 16,22 %. Im zweiten Wahlgang gewann Macron auf der Insel mit 58,43 % gegen Le Pen mit 41,57 %. Die Ergebnisse belegen eine über mehrere Wahlen hinweg starke Unterstützung konservativer Kandidaten, zeigen aber auch, dass die Stimmenverteilung zwischen den einzelnen Wahlgängen erheblich variieren konnte.


Carénage
Bei der Präsidentschaftswahl 2022 veränderte sich das Bild im Vergleich zu 2017. Im ersten Wahlgang erhielt Emmanuel Macron 23,81 % der gültigen Stimmen, knapp vor Marine Le Pen mit 22,41 %. Éric Zemmour kam auf 17,75 %, Jean-Luc Mélenchon auf 13,17 %. Im zweiten Wahlgang setzte sich Le Pen mit 54,73 % gegen Macron durch, der 45,27 % erhielt. Damit stimmte die Mehrheit der auf Saint-Barthélemy abgegebenen gültigen Stimmen 2022 für die Kandidatin des Rassemblement national.
|'''21'''


'''22'''
Bei den Territorialwahlen spielen neben den nationalen Parteien eigenständige lokale Listen und persönliche Netzwerke eine wichtige Rolle. Die politische Auseinandersetzung dreht sich dabei vor allem um die Verwaltung der Gebietskörperschaft, die wirtschaftliche Entwicklung, die touristische Ausrichtung sowie die Interessen der ansässigen Bevölkerung. Bei der Wahl im März 2022 trat die Liste „Saint-Barth d’abord“ unter Romaric Magras gegen konkurrierende Listen an. Im zweiten Wahlgang vereinigte die aus der Opposition hervorgegangene Liste „Union-équilibre“ 50,8 % der gültigen Stimmen auf sich und erhielt 13 der 19 Sitze im Territorialrat; „Saint-Barth d’abord“ kam auf 49,2 % und sechs Sitze. Die Wahlbeteiligung betrug im zweiten Wahlgang 73,83 %. Damit endete die seit Gründung der Gebietskörperschaft 2007 bestehende politische Dominanz des von Bruno Magras geführten Lagers.


'''23'''
=== '''Justizwesen und Kriminaliät''' ===
Saint-Barthélemy verfügt über keine eigenständige Gerichtsorganisation mit einem vollständigen Netz an Gerichten. Die Rechtspflege ist in das französische Justizsystem eingebunden; für zahlreiche gerichtliche Verfahren sind daher die zuständigen Gerichte auf Guadeloupe verantwortlich. Dazu gehören insbesondere Gerichte in Basse-Terre. Die genaue Zuständigkeit richtet sich nach der Art des Verfahrens und der jeweiligen Gerichtsbarkeit. Strafsachen, Zivilverfahren und verwaltungsrechtliche Streitigkeiten unterliegen unterschiedlichen Zuständigkeitsregeln. Schwere Straftaten werden nach französischem Recht abgeurteilt; für Verbrechen, die in die Zuständigkeit eines Schwurgerichts fallen, ist die entsprechende Gerichtsbarkeit auf Guadeloupe zuständig.


'''24'''
Die Polizei- und Sicherheitsaufgaben auf der Insel werden wesentlich von der französischen Gendarmerie nationale wahrgenommen. Sie unterhält eine örtliche Dienststelle und übernimmt unter anderem Streifendienst, Ermittlungen, Verkehrskontrollen und die Aufnahme von Anzeigen. Bei umfangreicheren Ermittlungen oder besonderen Sicherheitslagen kann sie Unterstützung von übergeordneten Dienststellen anfordern. Daneben sind die Zollbehörden (Douane) für ihre gesetzlichen Aufgaben zuständig, darunter die Kontrolle von Warenbewegungen und die Bekämpfung von Schmuggel. Die Zusammenarbeit zwischen Gendarmerie, Zoll und den zuständigen französischen Behörden ist insbesondere bei grenzüberschreitenden Sachverhalten wichtig.


'''25'''
Die Kriminalität ist im Vergleich zu vielen anderen französischen Überseegebieten gering, allerdings nicht bedeutungslos. Nach einer 2025 veröffentlichten Sicherheitsbilanz wurden 2024 auf Saint-Barthélemy unter anderem 18 Wohnungseinbrüche registriert, gegenüber zehn im Vorjahr. Drei Raubüberfälle unter Einsatz von Waffen wurden 2024 gemeldet, nachdem es 2023 keine entsprechenden Fälle gegeben hatte. Auch die Zahl der registrierten Fahrzeugdiebstähle nahm zu. Bei solchen Zahlen ist zu berücksichtigen, dass bereits wenige zusätzliche Fälle bei der kleinen Wohnbevölkerung deutliche Veränderungen der statistischen Raten verursachen können.


'''26'''
Die Sicherheitsbehörden befassen sich außerdem mit häuslicher Gewalt, Verkehrsdelikten und Verstößen gegen die Betäubungsmittelgesetzgebung. Im Jahr 2024 registrierte die Gendarmerie 111 Verstöße im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln, gegenüber 64 im Jahr 2023. Die Bekämpfung des Drogenkonsums und des Handels mit illegalen Substanzen gehört damit zu den ausdrücklich genannten Aufgaben der örtlichen Sicherheitsarbeit. Wegen der Lage Saint-Barthélemys in der östlichen Karibik kontrollieren die Behörden auch den Schiffs- und Warenverkehr. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Insel selbst ein bedeutender Umschlagplatz des internationalen Drogenhandels wäre.


'''27'''
Eine pauschale Aussage, Taschendiebstahl sei das größte touristische Sicherheitsrisiko oder die Aufklärungsquote sei generell besonders hoch, ist ohne nach Deliktsarten aufgeschlüsselte Belege nicht hinreichend abgesichert. Für 2025 wurden insgesamt 729 Fälle allgemeiner Kriminalität gemeldet, nach 736 im Jahr 2024. Die Aufklärungsquote bei Straftaten gegen Personen wurde für 2025 mit 78 % angegeben. Diese Zahl bezieht sich auf diese Deliktsgruppe und darf nicht als allgemeine Aufklärungsquote sämtlicher Straftaten verstanden werden.


'''28'''
Auch die Finanzaufsicht spielt eine Rolle. Saint-Barthélemy verfügt über ein eigenes Steuersystem und wurde im Zusammenhang mit seiner steuerlichen Sonderstellung gelegentlich als Steueroase bezeichnet. Die pauschale Behauptung, die Insel sei seit 2012 generell „OECD-konform“, ist jedoch zu undifferenziert: Seit dem Wechsel vom Status einer Region in äußerster Randlage zum Status eines mit Frankreich verbundenen überseeischen Landes und Gebiets zum 1. Januar 2012 gelten besondere europäische Beziehungen. Ein Abkommen vom 17. Februar 2014 regelt unter anderem die fortgesetzte Zusammenarbeit bei der Besteuerung von Kapitaleinkünften und den Informationsaustausch zwischen Steuerbehörden. Daraus folgt nicht, dass sämtliche Fragen der Steuertransparenz oder Geldwäscheprävention mit einem einzigen Datum abschließend erledigt wären.


'''29'''
=== '''Flagge und Wappen''' ===
Saint-Barthélemy besitzt keine eigene offizielle Staatsflagge, da die Insel als französische Gebietskörperschaft mit Sonderstatus (Collectivité d’outre-mer) zu Frankreich gehört. Die amtliche Flagge ist daher die französische Trikolore mit den senkrechten Streifen in Blau, Weiß und Rot. Daneben wird eine inoffizielle lokale Flagge verwendet, die das Wappen der Insel auf weißem Grund zeigt. Sie ist unter anderem vor dem ehemaligen Rathaus von Gustavia zu sehen, das heute als Sitz des Territorialrates dient. Das weiße Flaggentuch hat ein Seitenverhältnis von 2:3. Die Angaben, wonach diese Flagge erstmals am 20. Mai 1794 gehisst und am 5. März 1848 erneut eingeführt worden sei, sind nicht zuverlässig auf die lokale Flagge zu beziehen; sie betreffen die französische Trikolore beziehungsweise deren historische Verwendung.


'''30'''
Das Wappen von Saint-Barthélemy wurde 1977 von der französischen Heraldikerin Mireille Louis für die damalige Gemeinde entworfen. Es besteht aus einem Schild mit drei waagerechten Bereichen. Das obere und das untere Feld sind blau, das mittlere ist rot. Im oberen blauen Feld stehen drei goldene Lilien nebeneinander. Der rote Balken trägt ein silbernes Malteserkreuz. Im unteren blauen Feld befinden sich drei goldene Kronen, angeordnet in der heraldischen Stellung zwei über einer. Der Schild wird in der vollständigen Wappendarstellung von einer goldenen Mauerkrone überragt und von zwei Pelikanen mit silbernem Gefieder und goldenen Schnäbeln und Beinen gehalten. Unterhalb des Schildes befindet sich ein Schriftband mit dem Namen „OUANALAO“, der als indigene Bezeichnung der Insel überliefert ist.


'''31'''
Die einzelnen Bestandteile des Wappens verweisen auf die wechselvolle Kolonialgeschichte Saint-Barthélemys. Die drei goldenen Lilien erinnern an die französische Herrschaft, die 1648 begann und nach der schwedischen Epoche 1878 wiederhergestellt wurde. Das silberne Malteserkreuz steht für die Zeit, in der die Insel dem Hospitaliterorden vom Heiligen Johannes von Jerusalem gehörte, der auch als Malteserorden bekannt ist. Die drei goldenen Kronen symbolisieren die schwedische Herrschaft von 1785 bis 1878. Damit verbindet das Wappen die drei europäischen Mächte beziehungsweise Herrschaftstraditionen, die die neuere Geschichte der Insel besonders prägten. Die Pelikane beziehen sich auf die Vogelwelt Saint-Barthélemys und dienen zugleich als charakteristische Schildhalter. Die Mauerkrone ist ein heraldisches Zeichen, das häufig in Stadt- und Gemeindewappen verwendet wird.


'''32'''
Das Wappen entstand ursprünglich für die Gemeinde Saint-Barthélemy, als die Insel noch verwaltungsmäßig zu Guadeloupe gehörte. Mit der Umwandlung in eine französische Gebietskörperschaft mit eigenem Status im Jahr 2007 wurde es weiterhin als lokales Hoheits- und Identitätssymbol verwendet. Die weiße Flagge mit dem Wappen ist jedoch von der amtlichen französischen Nationalflagge zu unterscheiden: Sie besitzt vor allem repräsentative und lokale Bedeutung und ist nicht die Flagge eines unabhängigen Staates.


'''33'''
=== '''Hymne''' ===
Saint-Barthélemy besitzt eine offizielle Territorialhymne mit dem Titel '''L’Île de Saint-Barthélemy'''. Sie wurde anlässlich des Nationalfeiertags am 14. Juli erstmals öffentlich gesungen und symbolisiert die Identität der Insel als französisches Überseegebiet mit starker lokaler Prägung. Verfasst wurde das stück von Marie-Josée Géraud, einer einheimischen Lehrerin und Dichterin. Die Melodie stammt von Michel Magras, dem damaligen Präsidenten des Territorialrats. Die Hymne wurde vom Territorialrat am 22. März 2012 offiziell angenommen.


'''34'''


'''35'''
Text (französisch mit deutscher Übersetzung)


'''36'''
Strophe 1


'''37'''
Ô Saint-Barthélemy, perle des Antilles, Île au cœur vaillant, joyau des mers, Tes rivages dorés, tes collines tranquilles, Chantent la liberté sous les cieux clairs.


'''38'''
''(O Saint-Barthélemy, Perle der Antillen, Insel mit tapferem Herzen, Juwel der Meere, Deine goldenen Küsten, deine ruhigen Hügel, Singen von Freiheit unter klarem Himmel.)''


'''39'''
Refrain


'''40'''
Saint-Barth, terre d’amour et de lumière, Ton drapeau bleu blanc rouge flotte fier, Unis dans l’effort, tournés vers l’avenir, Nous te jurons fidélité, ô Saint-Barthélemy chérie !
|Morne Criquet


Morne  de Dépoudré
''(Saint-Barth, Land der Liebe und des Lichts, Deine blau-weiß-rote Flagge weht stolz, Vereint in der Anstrengung, dem Morgen zugewandt, Wir schwören dir Treue, o geliebtes Saint-Barthélemy!)''


Gouverneur
Strophe 2


Anse  du Gouverneur
De Gustavia aux plages de Saint-Jean, Ton peuple courageux bâtit son destin, Entre ciel et mer, dans l’harmonie des vents, Tu restes à jamais notre jardin.


Morne Rouge
''(Von Gustavia bis zu den Stränden von Saint-Jean, Dein mutiges Volk schmiedet sein Schicksal, Zwischen Himmel und Meer, im Einklang der Winde, Bleibst du für immer unser Garten.)''


Grande Saline
Refrain (wiederholt)


Petite  Saline
=== '''Hauptstadt''' ===
'''Gustavia''' wurde vermutlich 1763 durch französische Siedler unter dem Namen Cartage gegründet. 1785 verkaufte Frankreich die Kolonie an Schweden. Die von nun an als Verwaltungszentrum und später Hauptstadt dienende Siedlung erhielt daraufhin zu Ehren des damals amtierenden schwedischen Königs Gustav III. ihren heutigen Namen. Dabei hatte Samuel Fahlberg einen großen Anteil an der Stadtplanung. St. Barths ermöglichte als schwedische Kolonie – neutral in der von Konflikten oft heimgesuchten Karibik – allen Händlern einen freien Handel. Der Sitz der neuen Gebietskörperschaft ist das „Hôtel de la Collectivité“, das anstelle des Rathauses eingerichtet wird. Es befindet sich in „La Pointe“ (Gustavia).


Lorient
=== '''Verwaltungsgliederung''' ===
Die Gebiete der Insel sind:


Barrière des Quatres Vents
{| class="wikitable"
 
|'''Name'''
Camaruche
|'''Kürzel'''
 
|'''Fläche  (ha)'''
Grand Fond
|'''S  2006'''
 
|'''S  2012'''
Toiny
|'''S  2016'''
 
|'''S  2022'''
Devet
|-
 
|Au Vent [Windward]
Vitet
|AVT
 
|1.160
Grand  Cul-de-Sac
|3.108
 
|3.522
Pointe  Milou
|3.784
 
|4.322
Mont Jean
|-
 
|Centre (Gustavia)
Marigot
|CEN
 
|340
Anse du Grand Cul-de-Sac
|2.299
 
|2.670
Petit  Cul-de-Sac
|2.797
|2.728
|-
|Sous le Vent [Leeward]
|SLV
|590
|2.849
|2.939
|3.212
|3.414
|-
|'''Saint-Barthélemy'''
|'''BLM'''
|'''2.100'''
|'''8.256'''
|'''9.131'''
|'''9.793'''
|'''10.464'''
|}
|}




           '''Verwaltungseinheiten''':
Diese sind wiederum in 40 ''quartiers'' unterteilt:


           3 regions (Gebiete)
{| class="wikitable"
| colspan="2" |Sous  le Vent


                       40 quartiers (Siedlungen)
'''''(Leeward)'''''
| colspan="2" |Au Vent


== '''Bevölkerung''' ==
'''''(Windward)'''''  
In Saint-Barthélemy leben rund 10.000 Menschen (Stand 2020) mit - dank Zuzugs vor allem Frankreich - stark steigender Tendenz. Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 21 km².
|-
|'''Nr'''
|'''Quartier'''
|'''Nr'''
|'''Quartier'''
|-
|'''1'''


'''2'''


           '''Bevölkerungsentwicklung''':
'''3'''


           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)
'''4'''


           1671                     336              16,00
'''5'''


           1686                     448              21,33
'''6'''


           1700                       90                 4,29
'''7'''


           1732                     365              17,38
'''8'''


           1750                     327              15,57
'''9'''


           1766                     523               24,90
'''10'''


           1775                    754               35,90
'''11'''


           1785                    749               35,67
'''12'''


           1790                  1 556               74,10
'''13'''


           1794                  2 212             105,33
'''14'''


           1812                  5 482             261,05
'''15'''


           1815                  5 763             274,43
'''16'''


           1821                  5 003             238,24
'''17'''


           1826                  4 016             191,24
'''18'''


           1836                  3 223             153,48
'''19'''


           1846                  2 590             123,33
'''20'''
|Colombier


           1857                  2 901             138,14
Flamands


           1866                  2 898             138,00
Terre Neuve


           1875                  2 374             113,05
Grande  Vigie


           1884                  2 555             121,67
Corossol


           1889                  2 654             126,38
Merlette


           1901                  2 772             132,00
La  Grande Montagne


           1906                  2 616             124,57
Anse  des Lézards


           1911                  2 545             121,19
Anse  des Cayes


           1912                  2 500             119,05
Le Palidor


           1921                  2 519             119,95
Public


           1926                  2 538             120,86
Col  de la Tourmente


           1931                  2 354             112,10
Quartier  du Roi


           1936                  2 479             118,05
Le Château


           1938                  2 500             119,05
Aéroport


           1946                  2 231             106,24
Saint-Jean


           1949                  2 080               99,04
Gustavia


           1950                  2 090               99,52
La Pointe


           1951                  2 050               97,62
Lurin


           1952                  2 050               97,62
Carénage
|'''21'''


           1953                  2 050               97,62
'''22'''


           1954                  2 079               99,00
'''23'''


           1955                  2 120             100,95
'''24'''


           1956                  2 140             101,90
'''25'''


           1957                  2 150             102,38
'''26'''


           1958                  2 160             102,86
'''27'''


           1959                  2 170             103,33
'''28'''


           1960                  2 180             103,80
'''29'''


           1961                  2 176             103,62
'''30'''


           1962                  2 220             104,71
'''31'''


           1963                  2 250             107,14
'''32'''


           1964                  2 275             108,33
'''33'''


           1965                  2 300             109,52
'''34'''


           1966                  2 325             110,71
'''35'''


           1967                  2 351             111,95
'''36'''


           1968                  2 370             160,48
'''37'''


           1969                  2 380             113,33
'''38'''


           1970                  2 400             114,28
'''39'''


           1971                  2 410             114,76
'''40'''
|Morne Criquet


           1972                  2 430             115,71
Morne  de Dépoudré


           1973                  2 460             117,14
Gouverneur


           1974                  2 491             118,62
Anse  du Gouverneur


           1975                  2 550             121,43
Morne Rouge


           1976                  2 600             123,81
Grande Saline


           1977                  2 650             126,19
Petite  Saline


           1978                  2 700             128,57
Lorient


           1979                  2 750             130,95
Barrière des Quatres Vents


           1980                  2 850             135,71
Camaruche


           1981                  2 950             140,48
Grand Fond


           1982                  3 059             145,67
Toiny


           1982                  3 200             152,38
Devet


           1983                  3 500             166,67
Vitet


           1984                  3 800             180,95
Grand  Cul-de-Sac


           1985                  4 000             190,48
Pointe  Milou


           1986                  4 200             200,00
Mont Jean


           1987                  4 400             209,52
Marigot


           1988                  4 600             219,05
Anse du Grand Cul-de-Sac


           1989                  4 800             228,57
Petit  Cul-de-Sac
|}


           1990                  5 043             240,14


           1991                  5 200             247,62
           '''Verwaltungseinheiten''':


           1992                  5 400             257,14
           3 regions (Gebiete)


           1993                  5 600             266,67
                       40 quartiers (Siedlungen)


           1994                  5 800             276,19
== '''Bevölkerung''' ==
In Saint-Barthélemy leben rund 10.000 Menschen (Stand 2020) mit - dank Zuzugs vor allem Frankreich - stark steigender Tendenz. Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 21 km².


           1995                  6 000             285,71


           1996                  6 300             300,00
           '''Bevölkerungsentwicklung''':


           1997                  6 600             314,29
           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)


           1998                  6 750             321,43
           1671                     336              16,00


           1999                  6 852             326,29
           1686                     448              21,33


           2000                  6 900             328,57
           1700                       90                 4,29


           2001                  6 952             331,05
           1732                     365              17,38


           2002                  7 237             344,62
           1750                     327              15,57


           2003                  7 448             354,67
           1766                     523               24,90


           2004                  8 255             393,10
           1775                    754               35,90


           2005                  8 398             399,90
           1785                    749               35,67


           2006                  8 938             425,62
           1790                  1 556               74,10


           2009                  9 057             431,29
           1794                  2 212             105,33


           2010                  9 100             433,33
           1812                  5 482             261,05


           2011                  9 100             433,33
           1815                  5 763             274,43


           2012                  9 131             434,81
           1821                  5 003             238,24


           2013                  9 417             448,43
           1826                  4 016             191,24


           2014                  9 427             448,90
           1836                  3 223             153,48


           2015                  9 625             458,33
           1846                  2 590             123,33


           2016                  9 793             466,33
           1857                  2 901             138,14


           2017                  9 961             474,33
           1866                  2 898             138,00


           2018                10 124             482,10
           1875                  2 374             113,05


           2019                10 289             489,95
           1884                  2 555             121,67


           2020                10 350             492,86
           1889                  2 654             126,38


           2021                10 464             498,29
           1901                  2 772             132,00


           2022                10 562             502,95
           1906                  2 616             124,57


           2023                10 660             507,62
           1911                  2 545             121,19


           2024                10 750             511,90
           1912                  2 500             119,05


           1921                  2 519             119,95


Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 6,783 % pro Jahr. Die Fruchtbarkeitsrate lag 2008 bei 1,5 Kindern pro gebärfähiger Frau, das Durchschnittsalter bei 39,1 Jahren. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 79 Jahren. Die Zahl der Haushalte beträgt insgesamt mehr als 3000.
           1926                  2 538             120,86


=== '''Volksgruppen''' ===
           1931                  2 354             112,10
Die Bevölkerung von Saint Barth lebt in 20 Ortschaften. Sie ist „bunt zusammengewürfelt“. Man findet hier viele Einwanderer aus Frankreich und anderen Ländern, vor allem aus Brasilien und Portugal. Da auf der Insel keine nutzbaren Anbauflächen für jegliche Art von Landwirtschaft sind, gab es hier auch keine Sklaven und bis heute so gut wie keine schwarzen Einwohner, außergewöhnlich für eine karibische Insel.


=== '''Sprachen''' ===
           1936                  2 479             118,05
Die Amtssprache ist Französisch. Die Muttersprachen der einheimischen Bevölkerung sind Patois Saint-Barth im Lee-Teil der Insel, Creole Saint-Barth im Luv-Teil und Englisch in Gustavia. Das Patois ähnelt dem Québec-Französisch und anderen Varietäten des volkstümlichen Französisch Amerikas, während das (immer seltener) gesprochene Kreol eine archaische Varietät ist, die dem auf den Saintes gesprochenen Kreol sehr ähnlich ist, da beide Inselsprachen von der Bevölkerung europäischer Abstammung gesprochen werden. Auch das guadeloupeische Kreolisch wird von der Bevölkerung häufig verwendet.


Englisch ist sehr verbreitet und wird in der Regel als Zweitsprache gesprochen. Es gilt als selbstverständlich, dass fast alle Erwachsenen auf der Insel die englische Sprache beherrschen. Schwedisch ist seit den 1970er Jahren verschwunden, bleibt aber als Kultursprache im Kulturerbe erhalten, da viele Dokumente in den Archiven zwischen 1784 und 1878 auf Schwedisch verfasst sind, das in dieser Zeit die Kolonialsprache war. Viele Straßenschilder sind in Schwedisch und Französisch verfasst.
           1938                  2 500             119,05


=== '''Religion''' ===
           1946                  2 231             106,24
Die Mehrzahl der Einwohner bekennt sich zur Römisch-Katholischen Kirche, die zwei Kirchengebäude auf der Insel besitzt. Das Gebiet von Saint-Barthélemy bildet die römisch-katholische Pfarrei Notre-Dame-de-l‘Assomption, die der Diözese Basse-Terre et Pointe-à-Pitre untersteht, deren Sitz sich in der Kathedrale Notre-Dame-de-Guadeloupe befindet. Das Pfarrhaus befindet sich im Stadtteil Lorient. Es gibt zwei Kirchen (Kirche in Lorient und Notre-Dame-de-l'Assomption in Gustavia) und eine Kapelle (Sainte-Catherine de Sienne in Le Colombier).


Daneben gibt es eine größere anglikanische Gemeinde. Saint-Barthélemy bildet einen Teil der Diözese Nordost-Karibik und Aruba, die der Kirche von England (Kirche in der Provinz Westindien) untersteht. Dazu kommen kleinere protestantische Minderheiten und eine wachsende Zahl Bekenntnisloser.
           1949                  2 080               99,04


== '''Siedlungen''' ==
           1950                  2 090               99,52
Die einzige größere Siedlung der Insel ist '''Gustavia''', die Hauptstadt der ''Collectivité''. Im Jahr 2006 hatte die Ortschaft 2.299 Einwohner. Im Jahr 2022 waren 2.728. Gustavia, die charmante Hauptstadt von Saint-Barthélemy, liegt an der geschützten Westküste der Insel und ist seit ihrer Gründung im Jahr 1785 das pulsierende Herz des französischen Überseegebiets. Benannt nach dem schwedischen König Gustav III., entstand der Ort aus dem ehemaligen Naturhafen Le Carénage, der bereits im 18. Jahrhundert als Reparaturplatz für Schiffe diente. Unter schwedischer Herrschaft (1784 bis 1878) wurde Gustavia zum Freihafen ausgebaut und entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Handelszentrum in der Karibik – ein Status, der noch heute in der Architektur und Atmosphäre nachklingt.


Die Stadt schmiegt sich um eine hufeisenförmige Bucht, die von roten Dächern, pastellfarbenen Kolonialhäusern und üppigen tropischen Hügeln umrahmt wird. Der Hafen ist das lebendige Zentrum: Luxusyachten, Segelboote und Fischkutter liegen dicht an dicht, während Zollbeamte und Gendarmerie diskret, aber aufmerksam wachen. Entlang der Quai de la République reihen sich Boutiquen von Dior, Louis Vuitton und Hermès, gemischt mit lokalen Juwelieren und Kunstgalerien – ein klares Zeichen für den Wohlstand der Insel. Cafés wie Le Select (das älteste Lokal, seit 1949) laden zum Beobachten des bunten Treibens ein: Einheimische in Flip-Flops, Prominente mit Sonnenbrille und Crews von Superyachten.
           1951                  2 050               97,62
 
           1952                  2 050               97,62


Architektonisch spiegelt Gustavia seine wechselvolle Geschichte wider. Schwedische Einflüsse zeigen sich in straffen, roten Holzhäusern mit weißen Fensterrahmen, etwa am Wall House (heute Museum) oder der schwedischen Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Französische Kolonialbauten mit Arkaden und Balkonen prägen die Rue de la République, während die Fortifikationen wie Fort Karl oder Fort Gustave (mit Kanonen und Panoramablick) an die strategische Bedeutung erinnern. Die Anglikanische Kirche und das katholische Gotteshaus Saint-Barthélemy zeugen von religiöser Vielfalt in einer kleinen Gemeinschaft.
           1953                  2 050               97,62


Verwaltungstechnisch ist Gustavia Sitz des Territorialrats, der Gendarmerie, des Zolls und des Hafenkapitäns. In der Hochsaison (Dezember bis April) verdreifacht sich die Bevölkerung durch Touristen und Yachtbesatzungen. Dann pulsiert das Nachtleben. Bars wie Nikki Beach oder Bagatelle ziehen Partygäste an, während ruhige Abende im Shell Beach (gesäumt von Muscheln statt Sand) oder bei Sonnenuntergang am Leuchtturm verbracht werden.
           1954                  2 079               99,00


== '''Verkehr''' ==
           1955                  2 120             100,95
Die Insel ist zu Wasser und in der Luft an den internationalen Verkehr angeschlossen. Intern besitzt sie ein gut ausgebautes Straßen- und Wegenetz.


=== '''Straßenverkehr''' ===
           1956                  2 140             101,90
Der Straßenverkehr auf Saint-Barthélemy ist geprägt von der bergigen Topografie der Insel, die aus vulkanischem Gestein besteht und von dramatischen Klippen umgeben ist. Die Straßen, größtenteils aus Beton gebaut, umlaufen die Küste in einer Hauptroute von etwa 27 km Länge und verzweigen sich in schmale, steile Nebenwege, die oft entlang von Abhängen verlaufen. Es gibt keine Ampeln, kaum Verkehrskreisel und minimale Beschilderung, was das Fahren zu einem echten Abenteuer macht – besonders bei Regen, wenn die Oberflächen rutschig werden.


Auf der Insel herrscht Rechtsverkehr. Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt bei 50 km/h, doch in der Hochsaison von Dezember bis April kann der Verkehr in Orten wie Gustavia oder St. Jean dicht werden, da Tausende von Touristen, viele in Luxus-SUVs, die Insel bevölkern. Radfahren oder Laufen entlang der Straßen ist aufgrund fehlender Gehwege und enger Schultern nicht empfehlenswert; stattdessen teilen sich Autos, Roller, Motorräder und Quads die Pisten.
           1957                  2 150             102,38


Da es kein öffentliches Bussystem gibt, ist das Mieten eines Wagens die gängigste Option: Über ein Dutzend Verleiher am Flughafen von St. Jean bieten Fahrzeuge ab etwa 33 Euro pro Tag an, oft mit Allradantrieb für die hügeligen Strecken. Taxis sind verfügbar, aber teuer und schnell gebucht.
           1958                  2 160             102,86


=== '''Schiffsverkehr''' ===
           1959                  2 170             103,33
Der Hafen von Gustavia, ein natürlicher, gut geschützter Ankerplatz im Herzen der Hauptstadt, dient als zentraler Knotenpunkt für Fähren, Yachten und Frachtschiffe. Regelmäßige Fährverbindungen starten vor allem von St. Martin (Princess Juliana Airport), wo Passagiere per Boot in nur 45 Minuten die 40 km überbrücken – Anbieter wie Le Voyageur oder Great Bay Express bieten tägliche Touren an, oft mit Optionen für Inselrundfahrten inklusive Mittagessen oder Landtouren. Weitere Routen führen von Anguilla, Antigua, Guadeloupe oder sogar Puerto Rico aus, ideal für Reisende, die die tropischen Inseln der Region kombinieren möchten.


Neben dem Passagierverkehr dominiert der Güterschiffverkehr, der die Insel mit allem Notwendigen versorgt – von Lebensmitteln über Luxusgütern bis hin zu Baustoffen. Der Port of Gustavia ist der einzige offizielle Einstiegspunkt für Fracht, unterstützt durch internationale Spediteure wie Latin American Cargo oder Tropical Shipping, die Full-Container-Load (FCL) und Roll-on/Roll-off (RoRo)-Dienste für Fahrzeuge und schwere Maschinen anbieten. Versand aus Europa (zum Beispiel Le Havre oder Bordeaux) oder den USA erfolgt per Ozeanfrachter, mit Zollabfertigung basierend auf dem CIF-Wert (Ware + Fracht + Versicherung). Spezialisierte Dienste handhaben sogar gefährliche Güter oder Kühlfracht, um die Abhängigkeit von Importen zu decken – St. Barts produziert kaum eigenes Obst oder Gemüse. Yachten und Superyachten füllen den Hafen in der Saison, untermauert durch Events wie die St. Barth Cata-Cup-Regatta im November, die den maritimen Charme der Insel feiern.
           1960                  2 180             103,80


=== '''Flugverkehr''' ===
           1961                  2 176             103,62
Der im Jahr 2004 erweiterte '''Aéroport Rémy de Haenen''' (offiziell ''Aéroport de Saint-Barthélemy-Rémy de Haenen'', früher ''Gustaf III Airport'' oder ''Saint Barthélemy Airport'' oder ''St. Jean Airport'') wird aufgrund der kurzen Landebahn (646 Meter) aus Europa nicht direkt angeflogen. Air France fliegt von Paris-Charles-de-Gaulle und KLM von Amsterdam zum Flughafen Princess Juliana (Sint Maarten). Von dort fliegen St Barth Commuter oder Winair nach St. Barthélemy. Dieser Flug mit kleineren Maschinen dauert etwa zehn Minuten. Die viermotorige Dash 7 ist die größte Passagier-Maschine, die auf dem Flughafen landen darf.


Die Landebahn liegt hinter einer Hügelkette und endet am Meer. Aufgrund der topographischen Gegebenheiten sind Starts in Richtung auf die Hügel zu (Piste 28) grundsätzlich nicht erlaubt. Der Flughafen darf nur von Piloten, die über eine spezielle Erlaubnis verfügen, angeflogen werden.
           1962                  2 220             104,71


Am 30. Oktober 2015 wurde der Flughafen nach dem französischen Flugpionier und späteren Bürgermeister von Saint-Barthélemy Rémy de Haenen (1916 bis 2008), der 1946 die erste Landung mit einem Flugzeug auf Saint-Barthélemy auf dem Gelände des heutigen Flughafens wagte, umbenannt. Am 6. September 2017 verursachte Hurrikan Irma große Schäden am Flughafen.
           1963                  2 250             107,14


Am 24. März 2001 verlor der Pilot einer DHC-6 Twin Otter (Luftfahrzeugkennzeichen ''F-OGES'') auf einem Linienflug der Air Caraïbes von Sint Maarten nach Saint-Barthélemy beim Anflug auf die Landebahn 10 die Kontrolle über das Flugzeug. Die Maschine stürzte nahe dem kurz vor der Landeschwelle gelegenen Col de la Tourmente ab und ging sofort in Flammen auf, wodurch auch ein unmittelbar neben der Absturzstelle befindliches Wohnhaus in Brand geriet. Alle 19 Insassen des Flugzeugs sowie ein Bewohner des Hauses kamen bei dem Unfall ums Leben. (nach wikipedia)
           1964                  2 275             108,33


{| class="wikitable"
           1965                  2 300             109,52
|'''Airlines'''
|'''Ziele'''
|-
|Air Antilles
|Pointe-à-Pitre
|-
|Anguilla Air Services
|Anguilla
|-
|Coastal Air
|Charter: Saint Croix
|-
|FlyMontserrat
|Charter: Montserrat
|-
|St  Barth Commuter
|Antigua, Sint Maarten,  Saint Martin,  Charter: Antigua,  Baillif, Barbados,  Barbuda, Canouan, Dominica, Dominica-Canefield,  Fort-de-France,  La Romana,  Mustique, Nevis,  Pointe-à-Pitre,  Providenciales,  Puerto Plata,  Punta Cana,  Saint Croix,  Saint-François,  Saint Kitts,  Saint Lucia-George F. L.  Charles, Saint Lucia-Hewanorra,  Saint Martin,  Saint Thomas,  Saint Vincent,  San Juan,  Santo Domingo-Las  Américas, Sint Eustatius,  Sint Maarten
|-
|Tradewind Aviation
|Antigua,  Nevis,  Saint Thomas,  San Juan,  Charter: Antigua,  San Juan,  St. Thomas
|-
|Trans  Anguilla Airways
|Anguilla
|-
|Winair
|Antigua, Sint Maarten, Saba
|}


           1966                  2 325             110,71


'''Saint Barths Airport''':
           1967                  2 351             111,95


* französischer Name:  Aéroport de Saint-Barthélemy-Rémy de Haenen
           1968                  2 370             160,48
* ursprüngliche Bezeichnung:  Aéroport Saint-Jean–Gustave III
* Code:  SBH / TFFJ
* Lage:  17°54‘16“ N, 62°50‘38“ W
* Seehöhe: 15 m (48 ft)
* Entfernung: direkt beim Quartier Saint-Jean
* Inbetriebnahme:  November 1984
* Betreiber:  La Collectivité de Saint-Barthélemy
* Terminal:  1
* Rollbahn: 1
* Länge der Rollbahn:  646 m (Beton)
* Fluggesellschaften:  8
* Flugzeug-Standplätze:  ca. 20
* jährliche Passagierkapazität:   
* jährliche Frachtkapazität:   
* Flughafen-Statistik:  Jahr Flugbewegungen Passagiere                   Fracht in t


                       2014                                       171 051                        
           1969                  2 380             113,33


                       2017                31 414             184 247                       299
           1970                  2 400             114,28


                       2018                                       140 570                        
           1971                  2 410             114,76


                       2020                26 404             119 050                       346
           1972                  2 430             115,71


== '''Wirtschaft''' ==
           1973                  2 460             117,14
Saint Barthelemy ist ins französische Wirtschaftsgefüge eingebunden. Haupteinnahmequelle der Bewohner ist der Tourismus. Es gibt kaum Arbeitslose, Steuern sind unbekannt, mit Ausnahme einer kleinen Steuer für die Straßenreinigung.


=== '''Landwirtschaft''' ===
           1974                  2 491             118,62
Aufgrund des trockenen Klimas und der schlechten Bodenverhältnisse ist Landwirtschaft nur in einigen wenigen Bereichen der Insel möglich. Der Boden ist größtenteils dünn, kalkhaltig und anfällig für Erosion, während Hurrikane und Trockenperioden regelmäßige Herausforderungen darstellen.


Während der Kolonialzeit, basierte die Wirtschaft auf Plantagenwirtschaft mit Zuckerrohr, Baumwolle und Indigo, die von Sklavenarbeit abhängig war. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1848 und dem Verkauf an Frankreich 1878 wandelte sich die Insel zu einer Fischer- und Kleinbauerncommunity.
           1975                  2 550             121,43


Heute wird Landwirtschaft nur noch subsistenziell betrieben – auf kleinen Parzellen in Tälern wie Colombier, Lorient oder Grande Saline. Wichtige Kulturen sind Gemüse wie Tomaten, Auberginen, Paprika und Salat, die in Gärten oder Gewächshäusern angebaut werden, um die lokale Bevölkerung und Restaurants zu versorgen. Tropische Früchte dominieren: Bananen, Mangos, Papayas, Ananas und Kokosnüsse wachsen wild oder in kleinen Plantagen und sind ein fester Bestandteil der kreolischen Küche.
           1976                  2 600             123,81


Auch Ziegen- und Hühnerhaltung ist verbreitet, da diese Tiere an das raue Gelände angepasst sind und Milch, Fleisch und Eier liefern. Fischerei ergänzt die Landwirtschaft; Langusten, Thunfisch und Snapper werden frisch auf Märkten in Gustavia angeboten. Aufgrund des Klimawandels und der Urbanisierung schrumpft die landwirtschaftliche Fläche weiter; viele Produkte werden importiert. Dennoch fördert die Insel nachhaltige Initiativen, wie Bio-Gärten und den Schutz einheimischer Arten, um die Biodiversität zu erhalten.
           1977                  2 650             126,19


=== '''Weinbau''' ===
           1978                  2 700             128,57
Die Insel produziert keinen kommerziellen Wein in großem Maßstab – das tropische Klima mit hoher Feuchtigkeit und Hurrikanrisiken macht klassischen Weinbau unmöglich. Stattdessen gibt es experimentelle und traditionelle Ansätze mit tropischen Früchten. Bekannt ist der „Vin de Saint-Barth“, ein hausgemachter Fruchtwein aus Ananas, Bananen oder Guaven, der in kleinen Mengen von lokalen Familien hergestellt wird. Diese Weine werden fermentiert und mit Gewürzen wie Zimt oder Vanille verfeinert, was an kreolische Traditionen erinnert.


In den 2000er Jahren starteten einige Enthusiasten Projekte mit importierten Reben, etwa in höheren Lagen bei Morne Lurin, wo drainagefähiger Boden und etwas kühlere Nächte bessere Bedingungen bieten. Hybride Sorten wie Muscadine oder tropenresistente Trauben werden getestet, doch die Erträge bleiben gering und dienen hauptsächlich dem Tourismus: In Luxushotels wie dem Eden Rock oder Cheval Blanc werden lokale Fruchtweine als Aperitif serviert.
           1979                  2 750             130,95


Der Weinbau unterstreicht den Eigenständigkeitswillen der Inselbewohner. Trotz Importabhängigkeit von Frankreich (zum Beispiel Bordeaux-Weine im Duty-Free) pflegen sie eine Nische für handwerkliche Produkte. Organisationen wie die Association des Agriculteurs de Saint-Barthélemy unterstützen solche Initiativen und organisieren Märkte, auf denen frische Erzeugnisse und Fruchtweine verkauft werden.
           1980                  2 850             135,71


=== '''Fischerei''' ===
           1981                  2 950             140,48
Die Fischerei auf St. Barths wird vorwiegend von lokalen Fischern betrieben. Die meisten Boote sind kleine, motorisierte Fischerkähne aus Fiberglas oder Holz, die von den Häfen in Gustavia, der Hauptstadt, oder kleineren Ankerplätzen wie Corossol und Lorient auslaufen. Fischer nutzen traditionelle Methoden wie Angelleinen, Netze und Fallen (zum Beispiel Reusen für Hummer und Langusten), ergänzt durch moderne Technologien wie GPS und Echolote. Die Fangzeiten richten sich nach den Gezeiten, dem Mondzyklus und den Wettermustern der Karibik, wobei die Hurrikansaison von Juni bis November die Aktivitäten stark einschränkt.


Zu den häufigsten Fangarten gehören pelagische Fische wie Thunfisch (Thon), Mahi-Mahi (Goldmakrele) und Wahoo, die in den offenen Gewässern rund um die Insel gefangen werden. Küstennah dominieren Snapper (Lutjanus-Arten), Grouper (Zackenbarsche) und Barrakuda. Besonders geschätzt sind Schalentiere: Karibische Langusten (Palinurus argus), Krabben und Conch (Strombus gigas, die Königinmuschel), die in den seichten Riffen und Seegraswiesen vorkommen. Diese Produkte landen oft direkt auf den Märkten in Gustavia oder in den Restaurants der Insel, wo sie in Gerichten wie grilled fish, lobster salad oder dem kreolischen "Court-Bouillon" verarbeitet werden. Der frische Fang ist ein Markenzeichen der lokalen Küche, die französische Raffinesse mit karibischen Einflüssen verbindet.
           1982                  3 059             145,67


Trotz ihrer Bescheidenheit steht die Fischerei vor Herausforderungen. Die Korallenriffe rund um St. Barths, die zum Schutzgebiet Réserve Naturelle Nationale de Saint-Barthélemy gehören, sind empfindlich gegenüber Überfischung und Verschmutzung. Seit 1996 gibt es strenge Regulierungen: Fangquoten, Schonzeiten (zum Beispiel für Langusten von April bis Juli) und Verbote für bestimmte Fangmethoden wie Speerfischen in Schutzzonen. Die Regierung fördert nachhaltige Praktiken, und Organisationen wie die Collectivité d'Outre-Mer unterstützen Fischer mit Subventionen für umweltfreundliche Ausrüstung. Der Tourismusboom hat den Bedarf an Meeresfrüchten gesteigert, was zu Importen aus benachbarten Inseln wie St. Martin führt, aber lokale Fischer profitieren von Premium-Preisen für "fangfrisch".
           1982                  3 200             152,38


Kulturell ist die Fischerei tief in der Geschichte der Insel verwurzelt. Viele Einwohner stammen von normannischen und bretonischen Siedlern ab, die im 17. Jahrhundert ankamen und das Fischen als Lebensgrundlage etablierten. Im Viertel Corossol, bekannt als "Fischerdorf", leben noch traditionelle Familien, die Boote bauen und Netze flicken. Feste wie die Fête de la Mer im August feiern das maritime Erbe mit Bootsparaden und Fischmärkten.
           1983                  3 500             166,67


=== '''Handwerk''' ===
           1984                  3 800             180,95
Das traditionelle Handwerk auf St. Barth wurzelt in der kreolischen Kultur und der Notwendigkeit, mit begrenzten Ressourcen auszukommen. Bootsbau ist eines der ältesten Gewerke: Lokale Handwerker, oft Nachfahren von Fischern, fertigen noch heute kleine Holzboote, sogenannte „Saint-Barth Goulets“ oder Yawl-ähnliche Segelboote, die für den Fischfang oder Regatten genutzt werden. Diese Boote werden aus importiertem Mahagoni oder lokalem Gummibaumholz gebaut, mit Techniken, die auf Generationen zurückgehen – von der Formung des Rumpfs bis hin zur Takelage. In Gustavia, der Hauptstadt, finden sich kleine Werften wie die von Lorient oder Corossol, wo Korbflechterei aus Latanier-Palmenblättern praktiziert wird. Frauen flechten hier Hüte, Taschen und Matten, die nicht nur funktional, sondern auch touristische Souvenirs sind. Diese Produkte tragen das Label „Made in St. Barth“ und werden auf Märkten oder in Boutiquen verkauft, oft zu Preisen, die die Handarbeit widerspiegeln.


Speziell hervorzuheben ist das Juwelierhandwerk. Ateliers in Gustavia fertigen Schmuck aus Korallen, Perlen und importiertem Gold, inspiriert von karibischen Motiven wie Seesternen oder Muscheln. Marken wie „Chopard“ oder lokale Designer haben hier Boutiquen, wo Uhren und Accessoires handgefertigt oder angepasst werden. Die Parfümherstellung ist ein weiteres Highlight – kleine Manufakturen destillieren Düfte aus lokalen Essenzen wie Vanille, Rum oder Zitrusfrüchten, oft in Kooperation mit französischen Luxusmarken. Die Destillerie „La Rhumerie“ in Corossol produziert handwerklichen Rum, der durch traditionelle Kupferbrennblasen und Alterung in Eichenfässern entsteht, und exportiert weltweit.
           1985                  4 000             190,48


=== '''Industrie''' ===
           1986                  4 200             200,00
Die Industrie beschränkt sich auf kleinteilige, tourismusnahe Bereiche. Bauhandwerk boomt durch den Bau von Villen und Hotels; lokale Firmen spezialisieren sich auf tropenresistente Konstruktionen mit Holz und Stein, oft unter strengen Umweltauflagen der Collectivité d’Outre-Mer. Erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung: Solaranlagen und Windkraft werden von Handwerksbetrieben installiert, da die Insel auf Importe angewiesen ist und Nachhaltigkeit fördert. Fischerei und Aquakultur bleiben handwerklich – frischer Fang wird in kleinen Verarbeitungsbetrieben zu Gerichten wie „Accras“ oder geräuchertem Fisch veredelt.


=== '''Wasserwirtschaft''' ===
           1987                  4 400             209,52
Die Insel leidet unter chronischem Wassermangel aufgrund ihres semi-ariden Klimas und fehlender natürlicher Süßwasserquellen wie Flüsse oder Grundwasserreservoirs. Historisch musste Trinkwasser von Nachbarinseln importiert werden, was die Insel abhängig machte. Heute basiert die Wasserversorgung primär auf Entsalzungsanlagen durch das Unternehmen SIDEM, die Meerwasser durch Umkehrosmose in Trinkwasser umwandeln. Die Insel produziert rund 1,3 Millionen m³ Wasser pro Jahr, wobei Saur als Betreiber für die Verteilung und Abwasserbehandlung verantwortlich ist.


Um Nachhaltigkeit zu fördern, setzen auf der Insel smarte Systeme ein, die den Verbrauch überwachen und optimieren – insbesondere im tourismusdominierten Sektor, der durch Luxusresorts und Villen stark belastet wird. Regenwasser wird in Zisternen an Gebäuden gesammelt und für nicht-trinkbare Zwecke (zum Beispiel Toilettenspülung, Gärten) genutzt. Abwasser wird in modernen Kläranlagen recycelt, um den Druck auf Ressourcen zu mindern. Die EU unterstützt Projekte zur Reduzierung von Wasserverlusten (zum Beispiel durch Leckagen, die bis zu 50 % des Wassers kosten können), mit Zielen wie einer Effizienzsteigerung auf 80 % bis 2028. Trotz Fortschritten bleibt die Versorgung anfällig für Störungen, wie 2023 durch Netzprobleme, und fordert von Bewohnern und Touristen sparsamen Umgang.
           1988                  4 600             219,05


=== '''Energiewirtschaft''' ===
           1989                  4 800             228,57
Die Energiewirtschaft auf St. Barts ist stark fossilabhängig, mit einem Fokus auf Diesel- und Schweröl-Kraftwerken, die den Großteil der 22 MW Spitzenlast decken. Die Hauptversorger sind Électricité de France (EDF) und die UIOM de Saint-Barthélemy, die zwei vernetzte Anlagen betreiben. Die Insel importiert nahezu 100 % ihrer Energie, was sie anfällig für Preisschwankungen und Ausfälle macht – wie im Juli 2023, als ein EDF-Ausfall zu Stromrationierungen führte. Ergänzt wird dies durch eine Waste-to-Energy-Anlage (von Cyclergie betrieben), die Abfall verbrennt und Strom erzeugt.


Seit 2011 fördert die Regierung erneuerbare Energien: Baugenehmigungen erfordern Solaranlagen (photovoltaisch und thermisch), und es gibt Steuererleichterungen für Solarpaneele und E-Fahrzeuge. Das Ziel ist 100 % erneuerbare Energie bis 2030, unterstützt durch EU-Programme wie Green Overseas (17,8 Mio. €) und RES EMBID (42,67 Mio. €), die Resilienz gegen Klimawandel und Übergang zu Solar- und Windkraft priorisieren. Der Tourismussektor treibt den Verbrauch, doch Initiativen wie LED-Austausch und Energieaudits senken den Bedarf.
           1990                  5 043             240,14


=== '''Abfallwirtschaft''' ===
           1991                  5 200             247,62
Die Insel erzeugt hauptsächlich Haushalts- und Tourismusabfälle (ca. 9.500 Einwohner plus Saisongäste), die durch eine zentrale Sammelstelle (Waste Processing and Recycling Centre) verarbeitet werden. Der Fokus liegt auf Reduktion, Wiederverwendung und Recycling: Bewohner sortieren in zwei Fraktionen (Restmüll und Recycelbares), mit täglicher Abholung außer sonntags. Recycelbare Materialien wie Glas, Papier, Plastik und Metalle werden getrennt gesammelt und exportiert; organische Abfälle werden kompostiert oder in der Waste-to-Energy-Anlage (UIOM/Cyclergie) verbrannt, um Strom zu erzeugen.


Die Collectivité fördert Kampagnen gegen Einwegplastik und belohnt nachhaltiges Verhalten durch Bildung (Bilingual-Flyer mit Pelikan-Symbolik). Spezielle Abfälle wie Batterien, Elektronik und Autowracks werden kostenlos entsorgt und verschifft. Die EU und lokale Initiativen wie die Nature Reserve (1.200 ha) unterstützen Projekte zur Vermeidung von Umweltbelastung, zum Beispiel durch Kompostierung in Hotels und Restaurants.
           1992                  5 400             257,14


=== '''Handel''' ===
           1993                  5 600             266,67
Der Handel auf der Insel profitiert von ihrer Status als zollfreier Hafen, was Preise für Importwaren attraktiv macht, auch wenn die Lebenshaltungskosten insgesamt hoch sind – ein Spiegel der luxuriösen Lebensweise hier. Einkaufen ist nicht nur Versorgung, sondern ein Erlebnis: Von praktischen Supermärkten für den täglichen Bedarf bis hin zu eleganten Boutiquen für Mode und Souvenirs erstreckt sich das Angebot über die gesamte Insel. Die Hauptzentren liegen in Gustavia, der charmanten Hauptstadt mit ihrem Hafen, sowie in St. Jean und Lorient, wo der Flughafen in der Nähe viele Geschäfte belebt. Viele Läden schließen mittags für Siesta (12 bis 15 Uhr), öffnen aber bis abends und an Sonntagen in reduziertem Umfang.


Die Supermärkte auf St. Barth sind das Rückgrat des Alltags-Handels und bieten eine Mischung aus französischen, amerikanischen und karibischen Produkten. Dank täglicher Lieferungen per Schiff oder Flugzeug sind Regale stets gut gefüllt, von frischem Obst und Gemüse bis zu Feinkost und Wein. Preise liegen etwa 20–50 % über denen in Frankreich oder den USA, was durch die Isolation der Insel bedingt ist, doch die Qualität ist premium. Beliebte Provisionierungsdienste erleichtern das Einkaufen, besonders für Yacht- oder Villengäste, die Waren direkt liefern lassen können.
           1994                  5 800             276,19


* '''Marché U (Super U) in St. Jean''': Der größte und bekannteste Supermarkt der Insel, direkt gegenüber dem Flughafen gelegen. Er kombiniert US- und europäische Marken, hat eine tolle Delikatessenabteilung mit à-la-carte-Optionen, eine Bäckerei, eine umfangreiche Käseauswahl und eine exzellente Weinabteilung – ideal für Rosé und Champagner. Öffnungszeiten: Mo–Sa 8–20 Uhr, So 8–13 und 16–20 Uhr. Es ist ein One-Stop-Shop für alles von Basics bis Gourmet.
           1995                  6 000             285,71
* '''Monoprix in St. Jean''': Früher als AMC bekannt, ist dies der erste Monoprix auf der Insel und dient als Treffpunkt für Locals. Der Fokus liegt auf hochwertigen Fleisch- und Spirituosen-Sortimenten, ergänzt durch frische Produkte, lokale Spezialitäten und Alltagsgegenstände. Die geräumigen Gänge und das freundliche Personal machen das Einkaufen zu einem angenehmen Erlebnis. Öffnungszeiten ähnlich wie bei Super U, mit Schwerpunkt auf Community-Shopping.
* '''U Express Oasis in Lorient''': Kleiner, aber praktisch, mit guter Auswahl an Grundnahrungsmitteln. Perfekt für schnelle Einkäufe, inklusive Haushaltswaren. Öffnungszeiten: Mo–Sa 9–21 Uhr, So 9–13 und 16–20 Uhr. Es ist eine günstigere Alternative zu den größeren Ketten.
* '''Carrefour Market''': Ein weiterer zuverlässiger Player mit Fokus auf Groceries und Haushaltsartikel, verteilt über die Insel. Es deckt den Bedarf an Basics ab, ohne den Luxusfaktor zu vernachlässigen.


           1996                  6 300             300,00


Zusätzlich gibt es Spezialgeschäfte wie Foodland oder American Gourmet für erlesene Produkte, sowie Bäckereien und Feinkostläden in Gustavia, die frische Brote, Käse und karibische Spezialitäten anbieten. Viele Supermärkte integrieren lokale Elemente, wie Rum aus der Café Gloriette oder frischen Fisch vom Markt.
           1997                  6 600             314,29


Während Supermärkte den praktischen Handel abdecken, blüht der Retail-Bereich in über 200 Boutiquen auf – ein Paradies für Fashionistas und Souvenirjäger. St. Barth ist berühmt für duty-free Shopping: Hier finden Sie Designer-Mode, Schmuck und Accessoires, die nirgendwo sonst in der Karibik so vielfältig sind. Die Szene ist geprägt von französischem Chic mit karibischem Twist, oft in Boutiquen, die wie Galerien wirken. Neue Läden öffnen regelmäßig, und viele integrieren Kunst oder lokale Handwerkskunst.
           1998                  6 750             321,43


* '''Gustavia als Shopping-Hub''': Die Hauptstadt ist das Herz des Handels mit Straßen wie Quai de la République, Rue du Général de Gaulle und Rue de Roi Oscar II. Hier reihen sich Luxusmarken wie Louis Vuitton, Dior und Hermès aneinander – exklusive Stücke, die Insel-spezifisch sind. Boutiquen wie Carla Saint Barth bieten Schuhe und Accessoires von Amina Muaddi bis Bottega Veneta, während Human Steps High-End-Marken wie Jimmy Choo und Saint Laurent führt. Für Souvenirs ist Chamade ideal: Karibische T-Shirts, Schmuck und "Made in Paradise"-Produkte mit St.-Barth-Logo.
           1999                  6 852             326,29
* '''St. Jean und andere Viertel''': Am Meer in St. Jean finden Sie Badebekleidung und Strandmode in Boutiquen wie Poupette St. Barth oder Pati, die den entspannten Inselstil verkörpern. Das Cour Vendôme Center in Gustavia ist ein upmarket-Highlight mit Swimsuits und Luxusaccessoires. Kunstgalerien und Handwerksläden, z. B. Latanier’s Braidings für geflochtene Waren, ergänzen das Angebot. Viele Hotels haben integrierte Shops für Kunst und Crafts.


=== '''Finanzwesen''' ===
           2000                  6 900             328,57
Das Finanzwesen auf Saint-Barthélemy ist eng mit der wirtschaftlichen Struktur der Insel verknüpft, die stark vom gehobenen Tourismus und einer wohlhabenden lokalen sowie internationalen Klientel geprägt ist. Als französische Überseegemeinde nutzt St. Barths den Euro und ist vollständig in das französische und europäische Finanzsystem integriert. Dadurch profitieren Banken und Kundinnen und Kunden von stabilen gesetzlichen Rahmenbedingungen und strenger Regulierung.


Auf der Insel sind mehrere Filialen großer französischer Banken vertreten, darunter BNP Paribas, Crédit Agricole, BRED Banque Populaire, Caisse d’Épargne CEPAC sowie LCL. Diese Institute bieten klassische Bankdienstleistungen wie Kontoführung, Kredite, Zahlungsverkehr und Geldautomaten ebenso an wie spezialisierte Angebote. Aufgrund des exklusiven Profils der Insel spielen Vermögensverwaltung, Private Banking und individuelle Finanzlösungen eine besonders wichtige Rolle. Viele Banken betreuen internationale Kundschaft, die in St. Barths Immobilien besitzt, geschäftlich tätig ist oder die Insel regelmäßig besucht.
           2001                  6 952             331,05


Da die Banken Zweigstellen französischer Mutterhäuser sind, unterliegen sie der Aufsicht der französischen Finanzbehörden, insbesondere der ACPR. Dadurch gelten strenge Regeln zu Transparenz, Risikomanagement und Geldwäscheprävention. Auch internationale Standards wie der automatische Informationsaustausch (CRS) finden Anwendung. Trotz dieser strengen Aufsicht gilt St. Barthélemy als steuerlich attraktiv: Es gibt keine klassische Vermögenssteuer, und die Insel bietet im Vergleich zu anderen französischen Gebieten eine vorteilhafte steuerliche Struktur, was sie für wohlhabende Privatpersonen besonders interessant macht.
           2002                  7 237             344,62


Die Finanzinfrastruktur der Insel ist gut auf den Tourismus abgestimmt. Kreditkarten werden nahezu überall akzeptiert, Banken bieten Währungsumtausch an und Geldautomaten sind insbesondere in den touristischen Zentren vorhanden.
           2003                  7 448             354,67


== '''Soziales und Gesundheit''' ==
           2004                  8 255             393,10
Die Insel, die einst stark von Landwirtschaft und Fischerei geprägt war, wandelte sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem internationalen Touristenziel für wohlhabende Besucher. Mit dem Ausbau von Yachthäfen, exklusiven Resorts und hochwertigen Dienstleistungen entstand ein Wirtschaftsmodell, das fast vollständig auf Luxus- und Qualitätstourismus basiert. Diese Entwicklung führte zu einer deutlichen Steigerung des Lebensstandards vieler Einheimischer, vor allem jener, die im Tourismus, in der Gastronomie oder in Dienstleistungsberufen arbeiten. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, und das durchschnittliche Einkommensniveau liegt über dem karibischen Durchschnitt.


Gleichzeitig bringt diese Wohlstandsentwicklung Herausforderungen mit sich. Die Lebenshaltungskosten auf Saint-Barthélemy gehören zu den höchsten der Region. Für die lokale Bevölkerung – besonders für jüngere Menschen – sind bezahlbare Wohnungen knapp, da Immobilienpreise und Mieten durch ausländische Investoren und Zweitwohnungsbesitzer stark gestiegen sind. Das führt zu einer sozialen Spaltung zwischen sehr wohlhabenden internationalen Eigentümern und den dauerhaft ansässigen Familien, deren Traditionen und Gemeinschaftsstrukturen weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
           2005                  8 398             399,90


Auch die starke Abhängigkeit vom Tourismus macht die Insel verwundbar gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen und Naturkatastrophen, etwa Hurrikans. Während Infrastruktur und soziale Dienstleistungen durch die französische Verwaltung gut ausgebaut sind, zeigt sich in Krisenzeiten, wie sensibel das gesellschaftliche Gleichgewicht sein kann.
           2006                  8 938             425,62


=== '''Gesundheitswesen''' ===
           2009                  9 057             431,29
Auf Saint Barthelemy gibt es ein Krankenhaus und eine Krankenstation. Das '''Hôpital de Bruyn''' in Gustavia verfügt über 20 Betten, eine medizinische Abteilung für 10 Patienten, eine chirurgische Abteilung mit 3 Betten und ein SSR (Soins de suite et de réadaptation) mit 7 Plätzen. Das Krankenhaus hat eine digitalisierte Radiologie und eine allgemeine Notaufnahme. das '''Centre Médical de Saint-Jean''' ist eine moderne Poliklinik mit Allgemeinmedizin, Pädiatrie, Gynäkologie und Zahnmedizin.


Die Ambulanz auf der Insel Saint-Barthélemy bietet gynäkologische Sprechstunden (vor und nach der Geburt), PMI-Sprechstunden (Protection maternelle et infantile) und einen Impfdienst für Kinder von 0 bis 6 Jahren. Die Krankenstation verfügt über ein Selbstdialysezentrum, das aus zwei Dialyseplätzen besteht. Dazu kommen drei Apotheken (in Gustavia, St. Jean und Lorient). Sie sind gut sortiert mit französischen und amerikanischen Medikamenten. Rezeptpflichtige Mittel sind teuer, aber verfügbar.
           2010                  9 100             433,33


=== '''Krankheiten''' ===
           2011                  9 100             433,33
Häufige Krankheiten auf der Insel sind:


* Tropenkrankheiten: Dengue-Fieber und Chikungunya kommen vor, besonders in der Regenzeit (Juli–November). Es gibt regelmäßige Mückenbekämpfung durch die Gemeinde. Zika ist seit 2016 selten, aber Schwangere werden gewarnt.
           2012                  9 131             434,81
* Hautkrebs: Aufgrund starker UV-Strahlung und heller Hauttypen bei vielen Residenten und Touristen ist Hautkrebs ein Thema. Jährliche Screenings werden empfohlen.
* Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Bei älteren Villenbesitzern und Locals mit traditioneller Ernährung (viel Fisch, aber auch Alkohol) häufig.
* Alkohol- und Drogenkonsum: In der Partyszene (besonders bei Saisonarbeitern und jungen Touristen) gibt es vereinzelt Probleme mit übermäßigem Konsum, aber keine öffententliche Drogenproblematik.


== '''Bildung''' ==
           2013                  9 417             448,43
Das System wird vom Service de l'Éducation Nationale de Saint-Barthélemy et Saint-Martin (SENIDN) verwaltet, das unter der Aufsicht des Rektors der Akademie von Guadeloupe steht. Ein Vice-Rektor leitet den Dienst und koordiniert mit den lokalen Behörden, darunter der Collectivité von Saint Barthélemy. Dies umfasst die Überwachung von Lehrplänen, Personalausbildung und Infrastruktur. Die Insel hat insgesamt fünf Bildungseinrichtungen: vier für die Primarstufe (zwei öffentliche und zwei private) und ein Collège für die untere Sekundarstufe (ab etwa 11 Jahren). Diese Schulen bedienen rund 800 bis 1.000 Schüler, wobei Klassengrößen bewusst klein gehalten werden, um individualisierte Betreuung zu ermöglichen.


Es gibt nur einen Kindergarten (toute petite section, petite section, moyenne section und grande section) und drei Grundschulen (CP, CE1, CE2, CM1, CM2). Das Collège Mireille-Choisy in Gustavia (6., 5., 4., 3. und 2. Klasse) ist die einzige höhere öffentliche Schule auf Saint-Barthélemy.
           2014                  9 427             448,90


Die Primarschulen, wie die École Primaire Publique Gustave-Henri-Féraud in Gustavia, folgen dem landesweiten französischen Curriculum mit Schwerpunkten in Lesen, Schreiben, Mathematik und Naturwissenschaften. Private Schulen, oft mit internationalem Charakter, ergänzen das Angebot und bieten teilweise bilingualen Unterricht in Englisch oder anderen Sprachen an, was aufgrund des starken Tourismus und der internationalen Bevölkerung gefragt ist. Das Collège de Saint-Barthélemy, das einzige Sekundarschulzentrum, bereitet auf das französische Brevet-Examen vor und integriert Fächer wie Geschichte, Geografie und Fremdsprachen. Für die obere Sekundarstufe (Lycée-Niveau) und berufliche Ausbildung müssen Schüler nach Guadeloupe, Martinique oder Frankreich reisen, da keine solchen Einrichtungen vor Ort existieren. Die Collectivité unterstützt dies durch Stipendien und Zuschüsse für Familien, die finanzielle Hürden bei der Weiterbildung ihrer Kinder überwinden müssen.
           2015                  9 625             458,33


Auf der Insel Saint-Barthélemy gibt es kein Gymnasium. Die nächstgelegenen Gymnasien sind das Lycée professionnel des Îles du Nord in Concordia und seit Kurzem das Lycée d'enseignement général et technologique Robert-Weinum in der Cité scolaire de la Savane (auf Saint-Martin).
           2016                  9 793             466,33


Erwachsenenbildung spielt eine wichtige Rolle, insbesondere für Einwanderer und Saisonarbeiter im Tourismussektor. Das Centre d'Études des Métiers (CEM) in Saint Barthélemy bietet vielfältige Fortbildungen an, darunter Sprachkurse (Französisch und Englisch), berufliche Qualifikationen in Hotellerie, Gastronomie und Management sowie Integrationprogramme. Diese Kurse sind flexibel gestaltet, oft modular und online-unterstützt, um berufstätige Teilnehmer zu erreichen. Das Ziel ist eine breite Palette an Angeboten, die auf lokale Bedürfnisse abgestimmt sind, wie z. B. Nachhaltigkeitsthemen oder digitale Kompetenzen, da die Insel zunehmend auf umweltfreundlichen Tourismus setzt.
           2017                  9 961             474,33


=== '''Höhere Bildung''' ===
           2018                10 124             482,10
Auf der Insel gibt es keine Universität. Die in Guadeloupe und Martinique angesiedelte Université des Antilles ist die nächstgelegene französische Universität für Schüler und Studenten auf Saint-Barthélemy.


=== '''Bibliotheken und Archive''' ===
           2019                10 289             489,95
Auf Saint-Barthélemy gibt es eine zentrale öffentliche Bibliothek und einen territorialen Archivdienst, die gemeinsam das kulturelle Gedächtnis der Insel bewahren. Die '''Bibliothèque Territoriale de Saint-Barthélemy''' in Gustavia dient als wichtigste Anlaufstelle für Literatur, Medien und kulturelle Aktivitäten. Sie erfüllt nicht nur die klassische Funktion einer öffentlichen Bibliothek, sondern ist auch ein sozialer Treffpunkt und unterstützt Bildungsangebote für die Bevölkerung. Ergänzt wird dieses Angebot durch den '''Service territorial des archives''', der ebenfalls in Gustavia angesiedelt ist. Dieser Archivdienst sammelt, ordnet und konserviert Dokumente, die das schriftliche und administrative Erbe der Insel ausmachen, und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Da das tropische Klima die langfristige Aufbewahrung empfindlicher Originale erschwert, wurden viele Unterlagen mikroverfilmt oder ausgelagert.
 
           2020                10 350             492,86


Ein bedeutender Teil der historischen Bestände befindet sich heute nicht auf Saint-Barthélemy selbst, sondern in Frankreich bei den '''Archives nationales d’outre-mer''' in Aix-en-Provence. Dort sind zahlreiche Dokumente aus der Zeit von etwa 1756 bis 1878 erhalten, darunter Verwaltungsakten, Unterlagen zu Handel, Finanzen, Bevölkerung sowie notarielle Dokumente. Viele dieser Quellen sind mehrsprachig, da Saint-Barthélemy im 19. Jahrhundert unter schwedischer Verwaltung stand. Aus dieser Periode stammen auch Unterlagen, die heute in schwedischen Archiven oder in Form von Mikrofilmen zugänglich sind, etwa Register, Geburts- und Heiratsakten oder Dokumente zur Freilassung versklavter Menschen. Die historische Überlieferung ist dadurch stark zersplittert: Neben lokalen Beständen existieren wichtige Quellen in Frankreich und Schweden sowie in privaten Sammlungen.
           2021                10 464             498,29


Um diese verstreuten Materialien besser zugänglich zu machen, wurden in den letzten Jahren verstärkt Digitalisierungsprojekte angestoßen. Plattformen wie ''Gallica'' oder ''Mémoire St Barth'' stellen Karten, historische Texte und digitalisierte Archivdokumente online bereit.
           2022                10 562             502,95


== '''Kultur''' ==
           2023                10 660             507,62
Die Kultur der Insel ist stark französisch geprägt mit nur leichetn karibischen Einschlägen. Dies zeigt sich unter anderem in der Architektur, im Kunsthandwerk und in der Musik.


=== '''Museen''' ===
           2024                10 750             511,90
Das wichtigste Museum ist das '''Musée Territorial''', auch „Wall House“ genannt, das sich in einem historischen Steinhaus in Gustavia befindet. Dort wird die Geschichte der Insel von der frühen Besiedlung über die schwedische Kolonialzeit bis hin zur modernen Entwicklung anschaulich präsentiert. Alte Karten, Fotografien, traditionelle Trachten, Werkzeuge und Modelle kreolischer Häuser geben Einblick in das frühe Leben der Bewohner. Ergänzt wird die Sammlung durch Räumlichkeiten, die zeitgenössischer Kunst gewidmet sind, in denen regelmäßig Werke lokaler und internationaler Künstler ausgestellt werden.


Einen ganz anderen Schwerpunkt setzt das '''Inter Oceans Museum''' im kleinen Fischerdorf Corossol. Dieses private Muschel-Museum, gegründet vom leidenschaftlichen Sammler Ingénu Magras, beherbergt über 9.000 Muscheln und Meerestiere aus aller Welt. Die Vielfalt der Exponate macht das Museum nicht nur zu einem skurrilen Highlight für Besucher, sondern auch zu einem Ort, der die Bedeutung der Meere und den Reichtum der Natur eindrucksvoll vor Augen führt.


=== '''Architektur''' ===
Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 6,783 % pro Jahr. Die Fruchtbarkeitsrate lag 2008 bei 1,5 Kindern pro gebärfähiger Frau, das Durchschnittsalter bei 39,1 Jahren. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 79 Jahren. Die Zahl der Haushalte beträgt insgesamt mehr als 3000.
Saint-Barthélemy hat sieben eingetragene architektonische Denkmäler, sechs davon befinden sich in Gustavia und eines im Stadtteil Lorient:


* schwedische Batterie im Fort Gustav III in Gustavia
=== '''Volksgruppen''' ===
* schwedischer Glockenturm in Gustavia, der eine 1799 in Stockholm gegossene Glocke beherbergt
Die alteingesessene Bevölkerung geht überwiegend auf französische Siedler und deren Nachkommen zurück. Viele Familien haben ihre Wurzeln in der normannischen, bretonischen und anderen westfranzösischen Auswanderungsgeschichte. Über Generationen entwickelte sich eine eigenständige lokale Identität, die sowohl durch die französische Sprache und Kultur als auch durch die besondere Geschichte der Insel geprägt ist. Die lange schwedische Herrschaft hinterließ Spuren in Ortsnamen und im historischen Selbstverständnis, führte aber nicht zu einer dauerhaft großen schwedischstämmigen Bevölkerungsgruppe.
* Kirche Notre-Dame-de-l‘Assomption in Gustavia
* Haus Dinzey, genannt Le Brigantin, in Gustavia
* Haus der Gouverneure von Gustavia, (ehemaliges Rathaus von Gustavia) in Gustavia
* ehemaliges Pfarrhaus der katholischen Kirche in Gustavia
* Kirche von Lorient de Saint-Barthélemy im Stadtteil Lorient


Die portugiesische Gemeinschaft zählt zu den größten Einwanderergruppen. Nach Angaben des Institut d’émission des départements d’outre-mer (IEDOM) entwickelte sie sich seit den 1980er-Jahren stark und umfasste nach dessen Darstellung etwa 30 % der Gesamtbevölkerung. Viele Portugiesen kamen ursprünglich als Arbeitskräfte für das Baugewerbe auf die Insel. Inzwischen sind sie auch in anderen Wirtschaftsbereichen vertreten, insbesondere in den Dienstleistungen. Kulturelle Vereine und eine portugiesische Sport- und Kulturvereinigung tragen dazu bei, Sprache und Traditionen innerhalb der Gemeinschaft zu pflegen.


Weitere Denkmäler und Sehenswürdigkeiten sind:
Neben den alteingesessenen Familien und der portugiesischen Gemeinschaft leben auf Saint-Barthélemy Menschen aus dem französischen Mutterland sowie aus weiteren europäischen und außereuropäischen Ländern. Zu den Herkunftsländern von Zugewanderten zählen unter anderem Brasilien, Portugal, die Vereinigten Staaten und Belgien. Die Zusammensetzung verändert sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Arbeitskräftebedarf und den Wohnmöglichkeiten. Nach der Volkszählung von 2020 waren 17,7 % der Bevölkerung im statistischen Sinn Einwanderer. Der Zuwachs der Einwohnerzahl seit den 1980er-Jahren beruht wesentlich auf Zuwanderung; zwischen 2014 und 2020 entfielen laut IEDOM 73,9 % des Bevölkerungswachstums auf den positiven Wanderungssaldo.


* Leuchtturm in Gustavia
Die Aussage, Saint-Barthélemy habe wegen fehlender landwirtschaftlicher Nutzflächen keine versklavte Bevölkerung gehabt, ist historisch falsch. Zwar eignete sich die Insel aufgrund ihrer geringen Größe, des trockenen Klimas und der begrenzten Böden nicht für eine großflächige Plantagenwirtschaft wie auf anderen Karibikinseln. Dennoch gab es Sklaverei sowohl während der französischen als auch während der schwedischen Herrschaft. Bei der Übernahme durch Schweden im Jahr 1785 lebten auf der Insel nach historischen Untersuchungen ungefähr 460 Weiße, 280 versklavte Menschen und zehn freie Schwarze. Während der schwedischen Zeit wuchs die Bevölkerung Gustavia durch Handel und Zuwanderung stark an; zeitweise bildeten Schwarze dort sogar die Mehrheit der Einwohner. Die Sklaverei wurde am 9. Oktober 1847 abgeschafft.
* Fort Karl
* Unterpräfektur (ehemaliges schwedisches Gefängnis)
* Das Grab von Johnny Hallyday auf dem Friedhof von Lorient. Johnny Hallyday besaß eine Villa auf den Anhöhen von Lorient
* Schwedischer Friedhof im Quartier Publique


=== '''Bildende Kunst''' ===
Nach der Abschaffung der Sklaverei verließen viele ehemals versklavte Menschen und ihre Nachkommen die Insel, unter anderem in Richtung Saint Thomas und anderer benachbarter Karibikinseln. Zusammen mit der vergleichsweise kleinen Zahl der ursprünglichen französischen Siedler und der späteren Zuwanderung erklärt diese Entwicklung, weshalb Saint-Barthélemy heute eine ungewöhnliche Bevölkerungsstruktur innerhalb der Karibik aufweist. Schwarze Einwohner sind jedoch nicht grundsätzlich abwesend; ihre Zahl und ihr Anteil lassen sich aus den üblichen französischen Volkszählungsdaten nicht zuverlässig bestimmen, da diese die Bevölkerung nicht nach Hautfarbe oder ethnischer Zugehörigkeit erfassen.
Die Wurzeln der bildenden Kunst auf St. Barths reichen in die traditionelle Handwerkskunst der einheimischen Bevölkerung zurück. In Corossol, einem Fischerort mit starken karibischen Wurzeln, werden bis heute Korbflechtarbeiten aus Latanier-Palmenblättern hergestellt, die als „pouilles“ bekannt sind. Diese kunstvollen Geflechte, oft in Form von Hüten, Taschen oder Dekorationen, sind nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch raffiniert und repräsentieren eine Form der volkstümlichen Skulptur. Künstlerinnen wie die lokalen Weberinnen bewahren diese Technik, die von afrikanischen und indigenen Einflüssen inspiriert ist, und integrieren sie in zeitgenössische Werke. Ähnlich spielen Muscheln und Korallen eine Rolle in der Schmuck- und Objektkunst, wo Künstler wie die in Gustavia ansässigen Designer natürliche Materialien zu Skulpturen oder Installationen verarbeiten.


Im Zentrum der modernen Kunstszene stehen Galerien und Ateliers, die von der internationalen Community der Insel profitieren. Gustavia, mit seinem malerischen Hafen, beherbergt mehrere renommierte Galerien wie die Galerie Asie oder die Space Gallery, die Werke von Künstlern aus der Karibik, Frankreich und darüber hinaus ausstellen. Ein prominenter lokaler Künstler ist Sir Roland Richardson, ein gebürtiger St. Barths-Bewohner, der für seine impressionistischen Landschaftsgemälde bekannt ist. Richardson, oft als „Vater der karibischen Plein-Air-Malerei“ bezeichnet, malt seit den 1970er Jahren die tropischen Lichtverhältnisse, Palmen und Kreolhäuser der Insel. Seine Arbeiten, die in Öl oder Aquarell gehalten sind, fangen die vibrierenden Farben des Karibischen Meers ein und werden in seiner Galerie in Gustavia präsentiert. Beeinflusst von Meistern wie Gauguin oder Monet, verbindet er europäische Techniken mit lokalen Motiven und hat Ausstellungen weltweit, von Paris bis New York.
=== '''Sprachen''' ===
Die Amtssprache von Saint-Barthélemy ist Französisch. Es wird in der Verwaltung, im Schulunterricht, in amtlichen Dokumenten und im öffentlichen Leben verwendet. Neben dem Standardfranzösischen haben sich auf der Insel zwei eigenständige lokale Sprachformen entwickelt: das Patois Saint-Barth und das Kreolisch von Saint-Barthélemy. Hinzu kommt das Englisch von Gustavia, das historisch durch die engen Handelsbeziehungen zu den englischsprachigen Nachbarinseln geprägt wurde. Die besondere sprachliche Vielfalt geht auf die geografische Trennung einzelner Siedlungsgebiete, die Geschichte der Insel und ihre Kontakte mit anderen Teilen der Karibik zurück.


Eine weitere Säule der Szene ist die Street Art und zeitgenössische Malerei, die durch die jährlichen Events wie das St. Barth Art Festival oder Pop-up-Ausstellungen in Villen und Hotels gefördert wird. Künstler wie die Französin Nathalie Lepine, die auf der Insel lebt, experimentieren mit abstrakten Formen, die von der vulkanischen Geologie und dem türkisfarbenen Wasser inspiriert sind. Skulpturen aus Treibholz, Metall oder recycelten Materialien – oft von Künstlern wie dem Bildhauer Pompi – thematisieren Umweltschutz und die Zerbrechlichkeit der Inselökologie. Die Nähe zu St. Martin ermöglicht Kooperationen; viele Künstler pendeln zwischen den Inseln und bringen Einflüsse aus der breiteren karibischen Kunstszene mit, etwa aus Haiti oder Kuba.
Das Patois Saint-Barth wird traditionell vor allem im westlichen Teil der Insel gesprochen, der als Sous-le-Vent bezeichnet wird. Zu den historisch patoisgeprägten Orten gehören Flamands, Colombier und Corossol. Sprachwissenschaftlich wird es als regionale französische Varietät beschrieben, deren Wurzeln in älteren französischen Mundarten liegen. Es weist Ähnlichkeiten mit dem volkstümlichen Französisch Nordamerikas auf, darunter auch mit bestimmten Merkmalen des Québec-Französischen. Es handelt sich jedoch nicht einfach um eine unveränderte Form des Französisch des 17. Jahrhunderts, sondern um eine eigenständige lokale Sprachform, die sich über Generationen weiterentwickelt hat.


Fotografie spielt ebenfalls eine große Rolle, da St. Barths als „St. Tropez der Karibik“ visuelle Reize bietet. Fotografen wie Antoine Verglas oder lokale Talente dokumentieren nicht nur die Landschaft, sondern auch das soziale Leben – von Regatten bis zu Karnevalsumzügen. In den letzten Jahren hat sich digitale Kunst etabliert, mit NFTs und virtuellen Galerien, die die Insel als innovativen Hotspot positionieren.
Das Kreolisch von Saint-Barthélemy ist traditionell im östlichen Inselteil Au Vent verbreitet, unter anderem in Lorient, Camaruche, Marigot, Vitet, Cul-de-Sac, Toiny und Grand Fond. Es unterscheidet sich vom Patois durch seine Grammatik und seinen Satzbau, obwohl beide Sprachformen gemeinsame historische Wurzeln und zahlreiche sprachliche Merkmale besitzen. In der Forschung wird das Kreolisch von Saint-Barthélemy mit anderen französischbasierten Kreolsprachen der Kleinen Antillen verglichen, insbesondere mit dem Kreolisch der Inselgruppe Les Saintes sowie mit Varietäten aus Guadeloupe und Martinique. Es lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres mit einer dieser Sprachen gleichsetzen.


Die '''Savaku-Statue,''' eine beeindruckende Bronzeskulptur, die einen stolzen Arawak-Indianer darstellt, thront auf dem Rondell am Col de la Tourmente, einem malerischen Pass in der Nähe des Viertels Saint-Jean auf Saint-Barthélemy. Mit einer Höhe von mehreren Metern überragt sie den Gustave-III.-Flughafen (auch Saint-Jean Airport genannt), dessen kurze, berüchtigte Landebahn direkt unterhalb liegt und von den Hügeln aus spektakulär einsehbar ist. Die Statue ist nicht nur ein markantes Wahrzeichen für Reisende, die per Flugzeug ankommen oder abfliegen, sondern verkörpert auch die urtümliche Seele der Insel – ein Tribut an die indigenen Arawak-Völker, die die Karibikregion vor der Ankunft der Europäer prägten. Der Name „Savaku“ leitet sich wahrscheinlich von einem Arawak-Begriff ab und wird als Inbegriff der Insel-Seele interpretiert. Die Skulptur ist Teil einer breiteren Initiative, kulturelle Denkmäler zu schaffen, die die multikulturelle Geschichte St. Barths widerspiegeln – von den Arawaks über schwedische und französische Kolonialherren bis hin zur modernen Luxus-Enklave.
Die beiden lokalen Sprachformen sind heute durch den zunehmenden Gebrauch des Standardfranzösischen unter Druck geraten. Besonders bei jüngeren Menschen hat Französisch im Alltag, in der Schule und in der schriftlichen Kommunikation an Bedeutung gewonnen. Die Weitergabe des traditionellen Kreolisch ist rückläufig; auch das Patois wird nicht mehr in allen Familien selbstverständlich an die nächste Generation vermittelt. Die genaue Zahl der Sprecher lässt sich nicht zuverlässig angeben, da die französischen Volkszählungen die Bevölkerung nicht systematisch nach ihren lokalen Sprachkenntnissen erfassen.


Die Statue zeigt einen Krieger der Arawak in traditioneller Pose: Er ist mit einer Lanze bewaffnet und bläst in eine große Konche (ein Schneckenhorn), ein Instrument, das in indigenen Kulturen für Signale und Zeremonien verwendet wurde. Die Bronze-Figur erhebt sich dynamisch, als würde sie die Ankunft der Flugzeuge oder die Winde der Karibik begrüßen. Zu ihren Füßen ruhen ein Pelikan – Symbol für das Meer und die Fischerei – und ein Leguan, der die tropische Fauna repräsentiert. Die Skulptur ist detailliert gearbeitet, mit Betonung auf Muskeln, Federschmuck und natürlichen Elementen, die den Zuschauer in die vor-kolumbianische Welt eintauchen lassen. Ihr Standort am Col de la Tourmente („Pass des Sturms“), einem der höchsten Punkte der Insel, verstärkt den dramatischen Effekt: Von hier aus bietet sich ein atemberaubender Panoramablick auf den Flughafen, den türkisfarbenen Saint-Jean-Strand und die umliegenden Hügel, was die Statue zu einem perfekten Fotostopp macht.
Englisch besitzt vor allem in Gustavia eine lange Tradition. Während der schwedischen Herrschaft und aufgrund des Handels mit den benachbarten britischen und dänischen Inselgebieten entwickelte sich dort eine englischsprachige Alltagssprache. Historische sprachwissenschaftliche Untersuchungen unterscheiden deshalb zwischen dem lokalen Englisch von Gustavia und den englischen Varietäten, die durch neuere Zuwanderung und den internationalen Tourismus auf die Insel gelangt sind. Englisch ist heute im Geschäftsleben, im Tourismus, im Kontakt mit Besuchern und in der Kommunikation mit den englischsprachigen Nachbarinseln weit verbreitet. Die Behauptung, nahezu alle Erwachsenen beherrschten Englisch, lässt sich allerdings mangels aktueller repräsentativer Sprachdaten nicht zahlenmäßig belegen.


=== '''Literatur''' ===
Das Kreolisch von Guadeloupe wird ebenfalls auf Saint-Barthélemy gesprochen, insbesondere durch Zugewanderte aus Guadeloupe und anderen französischen Karibikgebieten. Durch die internationale Zuwanderung und den Tourismus sind außerdem Portugiesisch und Spanisch verbreitet. In einzelnen Bevölkerungsgruppen werden weitere Sprachen gesprochen. Französisch bleibt jedoch die gemeinsame Sprache der Verwaltung und des staatlichen Bildungswesens; Englisch dient darüber hinaus als wichtige Verkehrssprache im internationalen Geschäfts- und Tourismusbereich.
Die Literatur auf Saint-Barthélemy gehört zur breiteren "karibischen Literatur", die von Autoren wie Robert Romney oder Saint-John Perse (eigentlich Alexis Leger, geboren in Guadeloupe, aber einflussreich für die gesamte Region) geformt wird. Romney, ein gebürtiger Saint-Martiner mit Verbindungen zur Insel, widmet sich in seinen Werken der Erhaltung der lokalen Geschichte und Identität – von der Zeit der Ureinwohner bis zur Sklaverei. Seine Texte, oft in mehreren Sprachen verfasst, erforschen die "Seele der Insel" durch Poesie und Erzählungen, die die Schönheit der Landschaft mit den Schmerzen der Kolonialgeschichte verweben.


Ein zentrales Ereignis in der regionalen Literatur ist das "Massaker von St. Barthélemy" (1572), das zwar historisch in Frankreich verankert ist, aber in karibischen Kontexten als Symbol für religiöse und koloniale Gewalt widerhallt. Alexandre Dumas' Roman ''La Reine Margot'' (1845) dramatisiert diesen Hugenotten-Massaker und hat die Inselliteratur inspiriert, indem es Themen von Verrat und Überleben aufgreift, die in lokalen Geschichten von Sklaverei und Unabhängigkeit mitschwingen. Moderne Autoren wie Marie-Claire Blais oder Antonine Maillet greifen in ihren Werken ähnliche Motive auf, etwa in Maillets ''La Foire de la Saint-Barthélemy'' (1994), die eine akadische Perspektive auf Feste und Tragödien bietet. Auf St. Barts selbst fördert das ''Festival Écritures des Amériques'' seit über 20 Jahren Literatur aus der Karibik, mit Lesungen im Théâtre du Paradis, wo Schriftstellerinnen wie Véronique Ovaldé und Viktor Lazlo ihre Werke vorstellen. Diese Veranstaltungen schaffen einen Raum, in dem Texte nicht nur gelesen, sondern lebendig gemacht werden – ein natürlicher Übergang zum Theater.
Schwedisch wird heute nicht mehr als allgemeine Alltagssprache verwendet. Es war während der schwedischen Herrschaft von 1785 bis 1878 die Sprache der Kolonialverwaltung und ist deshalb in historischen Akten, Verwaltungsunterlagen und anderen Dokumenten aus dieser Zeit überliefert. Die schwedische Vergangenheit ist weiterhin an zahlreichen Orts- und Straßennamen in Gustavia erkennbar. Die Beschilderung ist jedoch nicht durchgehend zweisprachig; Französisch ist die maßgebliche Sprache der amtlichen Beschilderung.


=== '''Theater''' ===
=== '''Religion''' ===
Theatralische Einrichtungen sind das Théâtre du Paradis und das Théâtre de l'Hôtel de Ville, wobei letzteres mit dem französischen Saint-Barthélemy-d'Anjou assoziiert wird, inspiriert es regionale Austausche. Die Insel beherbergt das ''Festival de Théâtre de Saint-Barthélemy'', das internationale Künstler einlädt und Stücke präsentiert, die karibische Themen wie Exil und kulturelle Hybride beleuchten. Hier verschmelzen literarische Texte mit performativer Kunst: Dumas' ''La Reine Margot'' wurde nicht nur als Roman, sondern auch als Theaterstück adaptiert, etwa in Patrice Chéreaus Inszenierung von Christopher Marlowes ''The Massacre at Paris'' (1972) am Théâtre National Populaire, die das Massaker als zeitlose Denunziation politischer Gewalt darstellt.
Die Bevölkerung Saint-Barthélemys ist überwiegend christlich geprägt. Die römisch-katholische Kirche ist die größte Religionsgemeinschaft und besitzt eine lange Tradition, die auf die französische Besiedlung der Insel zurückgeht. Daneben bestehen eine anglikanische Gemeinde und evangelische Gemeinschaften. Religion und kirchliche Traditionen spielen im gesellschaftlichen Leben weiterhin eine wichtige Rolle, insbesondere bei Familienfeiern, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und den Festtagen des Kirchenjahres. Genaue aktuelle Zahlen zur Religionszugehörigkeit liegen nicht vor, da die französische Volkszählung die Bevölkerung nicht systematisch nach Religion erfasst.  


Lokale Produktionen greifen auf die reiche Tradition zurück, in der Theater als Mittel der Gemeinschaft dient. Im Théâtre du Paradis, verwaltet von der Association SB Artists, finden regelmäßige Aufführungen statt, die von karibischen Autoren wie Jean-Claude Germain (''A Canadian Play/Une Plaie canadienne'', 1979) oder Marie-Claire Blais (''L'Île'', 1988) inspiriert sind. Diese Stücke erkunden Identitätskonflikte, oft mit einem Augenzwinkern auf die Inselgeschichte – von schwedischen Freihäfen bis zu französischen Einflüssen.
Die Insel bildet die römisch-katholische Pfarrei Notre-Dame-de-l’Assomption, die zum Bistum Basse-Terre und Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe gehört. Der Sitz des Bistums befindet sich in Basse-Terre. Die Pfarrei auf Saint-Barthélemy wird von einem katholischen Pfarrer betreut; das Pfarrhaus befindet sich heute in Gustavia. Die beiden wichtigsten katholischen Kirchen sind Notre-Dame-de-l’Assomption in Gustavia und Notre-Dame-de-l’Assomption in Lorient. Hinzu kommt die Kapelle Sainte-Catherine-de-Sienne in Colombier. Diese Gotteshäuser dienen sowohl den regelmäßigen Gottesdiensten als auch kirchlichen Festen und besonderen Anlässen.


=== '''Film''' ===
Die katholische Kirche in Gustavia stammt aus dem 19. Jahrhundert und besitzt einen vom Hauptgebäude getrennten Glockenturm. Die Kirche in Lorient ist ebenfalls ein zentraler Ort des Gemeindelebens. In Colombier entstand mit der Kapelle Sainte-Catherine-de-Sienne ein kleinerer religiöser Treffpunkt, der auch Gläubigen aus entfernteren Inselteilen offensteht. Die katholische Tradition wird zudem durch kirchliche Schulen ergänzt, darunter die École Sainte-Marie in Colombier und die École Saint-Joseph in Lorient.
Der Film blüht auf St. Barts besonders durch das ''St. Barth Film Festival'' (auch ''Cinéma Caraïbes'' genannt), das seit 1996 jährlich Ende April stattfindet und ein Highlight für karibisches Kino ist. Gegründet als Schaufenster für Filme aus der Region, präsentiert es Spielfilme, Kurzfilme und Dokumentationen zu Themen wie Migration, Abenteuer und Exil – oft mit Bezug zu literarischen und theatralischen Quellen. 2023 kehrte das Festival nach einer Covid-Pause zurück und feierte mit Werken wie William Sabourin O'Reillys ''Lazaro and the Shark: Cuba Under the Surface'', das kubanische Kultur beleuchtet und Besuche in Insel-Schulen einbezieht, um junge Zuschauer zu inspirieren. Das Festival fördert Austausch durch Roundtables, bei denen Regisseure wie die aus der Karibik mit internationalen Profis diskutieren.


Historisch verbindet sich der Film mit literarischen Motiven: Chéreaus ''La Reine Margot'' (1994), eine Adaption von Dumas' Roman, thematisiert das St.-Barthélemy-Massaker als Metapher für ewige Gewalt und wurde in Cannes gefeiert. Die atemberaubende Kinematografie, gedreht an Orten wie dem Château de Maulnes in Frankreich, evoziert karibische Intensität durch helle, gnadenlose Beleuchtung. Auf der Insel selbst dient St. Barts als Drehort für Hollywood-Produktionen – von Szenen in ''Manon des Sources'' (1986) bis zu Cameos von Stars wie Beyoncé oder Leonardo DiCaprio –, was die literarische Romantik der Insel in visuelle Ikonen verwandelt.
Eine weitere christliche Gemeinschaft ist die anglikanische Kirche von Saint-Barthélemy mit ihrem Gotteshaus in Gustavia. Sie gehört zur Diözese der Nordostkaribik und Arubas innerhalb der anglikanischen Kirchenorganisation der Provinz Westindien. Die heutige Kirche wurde Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet und 1855 fertiggestellt. Ihre Entstehung steht im Zusammenhang mit den historischen Handelsbeziehungen Gust avias zu den englischsprachigen Karibikinseln und mit der internationalen Zusammensetzung der Hafenbevölkerung während der schwedischen Herrschaft und danach. Die anglikanische Gemeinde besteht bis heute und umfasst Gläubige verschiedener Nationalitäten und Herkunftsgruppen.


=== '''Musik und Tanz''' ===
Daneben gibt es eine evangelische Gemeinde mit eigenem Gotteshaus. Auch kleinere pfingstkirchliche und andere protestantische Gruppen sind auf der Insel vertreten. Ihre Mitglieder stammen sowohl aus alteingesessenen Familien als auch aus der zugewanderten Bevölkerung. Die verschiedenen Gemeinden halten gewöhnlich eigene Gottesdienste ab; bei bestimmten familiären und gemeinschaftlichen Ereignissen kommt es auch zu ökumenischen Zusammenkünften.
Die Musik Saint-Barthélemys ist kreolisch und afrikanisch geprägt. '''Gwo ka''', die traditionelle Trommelmusik aus Guadeloupe, hat auch auf St. Barts Wurzeln geschlagen. Sieben Trommeln (''ka'') – von der tiefen ''boula'' bis zur hohen ''makè'' – erzeugen polyphone Rhythmen, begleitet von Call-and-Response-Gesang. Diese Musik entstand im 17. und 18. Jahrhundert unter versklavten Afrikanern als Ausdruck von Widerstand und Gemeinschaft. Heute erklingt sie bei ''fêtes patronales'' (Patronatsfesten), etwa am 15. August zu Ehren der Jungfrau Maria, wenn die Straßen von Gustavia und Lorient von Trommelschlägen erfüllt sind.


Doch St. Barts wäre nicht St. Barts ohne seine französisch-karibische Leichtigkeit: Zouk, geboren in den 1980er Jahren in Guadeloupe und Martinique durch Kassav’, ist der Soundtrack der Nächte. Lieder wie ''Zouk la sé sèl médikaman nou ni'' (''Zouk ist die einzige Medizin, die wir haben'') hallen in Bars wie dem Le Ti St. Barth oder dem Nikki Beach, wo DJs lokale Talente mit internationalen Beats mischen. Der Zouk – sinnlich, tanzbar, mit kreolischem Text – ist mehr als Musik: Er ist Therapie, Flirt, Identität.
Zu den wichtigsten religiösen Festtagen zählen Weihnachten, Mariä Himmelfahrt am 15. August, Allerheiligen am 1. November und der Gedenktag des heiligen Bartholomäus am 24. August, des Schutzpatrons der Insel. Besonders Mariä Himmelfahrt hat aufgrund des Patroziniums der beiden katholischen Hauptkirchen Bedeutung. Gottesdienste, Prozessionen und kirchliche Feiern verbinden religiöse Praxis mit der örtlichen Familien- und Gemeindekultur. Die religiöse Landschaft Saint-Barthélemys ist somit überwiegend katholisch, wird jedoch durch anglikanische und evangelische Traditionen ergänzt.


Die schwedische Kolonialzeit (1784 bis 1878) hinterließ subtile Spuren: In manchen Dörfern wie Corossol singen ältere Frauen noch ''chansons suédoises'' in einem französisch-schwedischen Dialekt, begleitet von Akkordeon und Gitarre. Und dann ist da der Jazz: Seit den 1990er Jahren zieht das Saint-Barth Jazz Festival (meist im November) Weltstars wie Marcus Miller oder Dee Dee Bridgewater an. 2024 trat Cory Henry im Hafen von Gustavia auf – vor Yachten und kreolischen Fischern gleichermaßen. Die Musik wird zur Brücke: zwischen Karibik und Kontinent, zwischen Volk und Elite.
== '''Siedlungen''' ==
Die einzige größere Siedlung der Insel ist '''Gustavia''', die Hauptstadt der ''Collectivité''. Im Jahr 2006 hatte die Ortschaft 2.299 Einwohner. Im Jahr 2022 waren 2.728. Gustavia, die charmante Hauptstadt von Saint-Barthélemy, liegt an der geschützten Westküste der Insel und ist seit ihrer Gründung im Jahr 1785 das pulsierende Herz des französischen Überseegebiets. Benannt nach dem schwedischen König Gustav III., entstand der Ort aus dem ehemaligen Naturhafen Le Carénage, der bereits im 18. Jahrhundert als Reparaturplatz für Schiffe diente. Unter schwedischer Herrschaft (1784 bis 1878) wurde Gustavia zum Freihafen ausgebaut und entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Handelszentrum in der Karibik – ein Status, der noch heute in der Architektur und Atmosphäre nachklingt.


Wo Musik ist, ist Tanz. Auf Saint-Barthélemy ist er körperlich, erotisch, spirituell. Der gwo ka-Tanz ist ritualisiert: Kreisförmig, mit Hüftbewegungen, die die Trommeln spiegeln. Männer und Frauen tanzen abwechselnd im Zentrum – ein Dialog aus Kraft und Anmut. Er wird in écoles de danse wie der ''Association Culturelle de Lorient'' gelehrt, wo Kinder lernen, dass Tanz Geschichte ist.
Die Stadt schmiegt sich um eine hufeisenförmige Bucht, die von roten Dächern, pastellfarbenen Kolonialhäusern und üppigen tropischen Hügeln umrahmt wird. Der Hafen ist das lebendige Zentrum: Luxusyachten, Segelboote und Fischkutter liegen dicht an dicht, während Zollbeamte und Gendarmerie diskret, aber aufmerksam wachen. Entlang der Quai de la République reihen sich Boutiquen von Dior, Louis Vuitton und Hermès, gemischt mit lokalen Juwelieren und Kunstgalerien – ein klares Zeichen für den Wohlstand der Insel. Cafés wie Le Select (das älteste Lokal, seit 1949) laden zum Beobachten des bunten Treibens ein: Einheimische in Flip-Flops, Prominente mit Sonnenbrille und Crews von Superyachten.


Der zouk brachte eine neue Sprache: eng, fließend, fast meditativ. Paare tanzen ''collé-serré'' (eng umschlungen), die Hüften kreisen synchron zum 4/4-Takt. In Clubs wie Baz Bar oder bei Strandpartys in St. Jean wird Zouk zur nächtlichen Poesie – ein Tanz, der Grenzen auflöst. Und dann gibt es die quadrille, eine koloniale Erbschaft aus Frankreich: Paare in traditioneller Kleidung tanzen geometrische Figuren zu Geige und Akkordeon. Sie wird beim Festival de la Saint-Barthélemy (24. August) aufgeführt – ein lebendiges Museum der Kolonialzeit.
Architektonisch spiegelt Gustavia seine wechselvolle Geschichte wider. Schwedische Einflüsse zeigen sich in straffen, roten Holzhäusern mit weißen Fensterrahmen, etwa am Wall House (heute Museum) oder der schwedischen Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Französische Kolonialbauten mit Arkaden und Balkonen prägen die Rue de la République, während die Fortifikationen wie Fort Karl oder Fort Gustave (mit Kanonen und Panoramablick) an die strategische Bedeutung erinnern. Die Anglikanische Kirche und das katholische Gotteshaus Saint-Barthélemy zeugen von religiöser Vielfalt in einer kleinen Gemeinschaft.


Moderne Einflüsse? Hip-Hop, Reggaeton und afrobeats dringen ein, besonders unter der Jugend. In Colombier gibt es Breakdance-Crews, die auf Parkplätzen üben. Und während der Carnaval (Februar/März) explodiert alles: Kostüme, Steel Drums, ''bigine'', ''mazurka'' – ein karibisches Mardi Gras mit lokaler Note.
Verwaltungstechnisch ist Gustavia Sitz des Territorialrats, der Gendarmerie, des Zolls und des Hafenkapitäns. In der Hochsaison (Dezember bis April) verdreifacht sich die Bevölkerung durch Touristen und Yachtbesatzungen. Dann pulsiert das Nachtleben. Bars wie Nikki Beach oder Bagatelle ziehen Partygäste an, während ruhige Abende im Shell Beach (gesäumt von Muscheln statt Sand) oder bei Sonnenuntergang am Leuchtturm verbracht werden.


Die Insel pulsiert in Zyklen. Das Festival de Musique de Saint-Barthélemy (Januar) bringt klassische Musik in die Kirche von Lorient – Bach neben kreolischen Chorälen. Das St. Barth Summer Sessions (Juli) verwandelt Strände in Open-Air-Bühnen: Reggae, Soca, Electro-Zouk. Und das Bucket Regatta (März) endet mit Live-Musik am Shell Beach – Steelpan-Bands aus Trinidad mischen sich mit lokalen ''ti bands''.
== '''Verkehr''' ==
Die Insel ist zu Wasser und in der Luft an den internationalen Verkehr angeschlossen. Intern besitzt sie ein gut ausgebautes Straßen- und Wegenetz.


Sogenannte „Orte der Ekstase“ sind:
=== '''Straßenverkehr''' ===
Der Straßenverkehr auf Saint-Barthélemy wird wesentlich durch die geringe Größe der Insel, das hügelige Relief und die stark gegliederte Küste bestimmt. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs; steile Hänge, enge Täler und felsige Küstenabschnitte begrenzen den Bau breiter Straßen. Das Straßennetz verbindet Gustavia mit den Siedlungen und Stränden rund um die Insel. Von der Hauptstadt führen Straßen unter anderem nach Saint-Jean, Lorient, Grand Fond, Toiny, Marigot, Colombier und Flamands. Viele Abschnitte verlaufen über steile Anstiege und enge Kurven. In Hanglagen sind die Fahrbahnen teilweise durch Stützmauern gesichert; an anderen Stellen grenzen sie unmittelbar an Böschungen oder Abhänge.


* Le Ti St. Barth (Pointe Milou): Cabaret, Live-Musik, Tisch-Tanz
Die Straßen sind überwiegend befestigt und asphaltiert oder betoniert. Neben den Verbindungsstraßen zwischen den größeren Siedlungen gibt es zahlreiche schmale Zufahrtsstraßen zu Wohnhäusern, Hotels, Villen und abgelegenen Küstenabschnitten. Die Fahrbahnen sind vielfach nur so breit, dass entgegenkommende Fahrzeuge langsam aneinander vorbeifahren können. An steilen Abschnitten und in engen Kurven ist besondere Vorsicht erforderlich, da die Sichtweite eingeschränkt sein kann. Bei Regen können Fahrbahnen rutschig werden; zudem fließt Wasser auf steilen Straßenabschnitten rasch ab und kann Sand oder kleine Steine auf die Fahrbahn tragen.
* La Plage (St. Jean): Zouk-Nächte mit Blick aufs Meer
* Corossol: Authentische ''fêtes de quartier'' mit Gwo Ka und Rum
* Gustavia Harbor: Silvesterkonzerte mit Feuerwerk und kollektivem Tanz


=== '''Kleidung''' ===
Auf Saint-Barthélemy herrscht Rechtsverkehr. Der Straßenverkehr wird nach französischem Recht geregelt; dazu gehören die Vorschriften über Führerscheine, Fahrzeugzulassung, Sicherheitsgurte, Alkohol am Steuer und Geschwindigkeitsbegrenzungen. Innerhalb geschlossener Ortschaften und auf schmalen Straßen ist die Geschwindigkeit den örtlichen Verhältnissen anzupassen. Die verbreitete Angabe einer allgemeinen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h sollte nicht als für jeden Straßenabschnitt geltend verstanden werden, da Beschilderung und besondere örtliche Regelungen maßgeblich sind.
Auf Saint-Barthélemy herrscht das ganze Jahr über ein warmes, tropisch-gemäßigtes Klima, das von sonnigen Tagen, warmen Nächten und einer leichten Brise geprägt ist. Deshalb eignet sich vor allem leichte, luftige Kleidung aus Naturmaterialien wie Baumwolle oder Leinen, die angenehm zu tragen sind und den Körper atmen lassen. Tagsüber dominiert ein lässiger, sommerlicher Stil: weite T-Shirts, Shorts, luftige Blusen und Kleider, dazu Sandalen oder offene Schuhe.  
 
Die Höchstgeschwindigkeit wird auf vielen Straßen mit 50 km/h angegeben; in Wohngebieten und anderen besonders geregelten Abschnitten gelten niedrigere Limits. Die Straßenverkehrsregeln werden von der Polizei kontrolliert, und die Gurtpflicht ist verbindlich. Wegen der engen Fahrbahnen, steilen Gefällestrecken und unübersichtlichen Kurven sind besonders nachts und bei Regen vorsichtiges Fahren und angepasste Geschwindigkeit erforderlich.
 
Ein dichtes Straßennetz mit mehreren parallel verlaufenden Hauptachsen gibt es nicht. Viele Ziele sind nur über eine begrenzte Zahl von Verbindungen erreichbar, sodass es auf den Straßen nach Gustavia, Saint-Jean und Lorient zu Verzögerungen kommen kann. In der touristischen Hochsaison, insbesondere rund um Weihnachten und den Jahreswechsel, nimmt der Verkehr durch Mietwagen, Lieferfahrzeuge und Fahrzeuge der ansässigen Bevölkerung zu. Parkplätze sind vor allem im Zentrum von Gustavia begrenzt. Die schmalen Straßen und kleinen Parkflächen begünstigen kompakte Fahrzeuge; große Geländewagen sind nicht grundsätzlich erforderlich, auch wenn sie auf der Insel häufig anzutreffen sind.
 
Der motorisierte Individualverkehr ist für Bewohner und Besucher von zentraler Bedeutung. Ein öffentliches Busnetz für Touristen besteht nicht. Seit Dezember 2025 gibt es zwar den Kleinbusdienst Ti Bus, der jedoch als Shuttle für Einwohner und auf der Insel Beschäftigte eingerichtet wurde und keine allgemeine touristische Verkehrsverbindung darstellt. Für Besucher sind Mietwagen, Motorroller und Taxis daher die wichtigsten Möglichkeiten, um zwischen Gustavia, dem Flughafen, den Stränden und den einzelnen Siedlungen zu verkehren.
 
Am Flughafen Rémy-de-Haenen in Saint-Jean befinden sich zahlreiche Mietwagenanbieter. Weitere Verleiher sind in Gustavia und anderen Teilen der Insel ansässig. Neben Kleinwagen werden offene Fahrzeuge, kleine Geländewagen, Motorroller und Quads angeboten. Eine Buchung im Voraus ist besonders während der Hochsaison zweckmäßig, da die verfügbare Fahrzeugzahl begrenzt ist. Die Preise hängen von Fahrzeugklasse, Mietdauer, Versicherungsumfang und Saison ab; ein dauerhaft gültiger Einheitspreis lässt sich deshalb nicht angeben.


Da Strand und Meer zum Alltag gehören, sollte ausreichend Bademode im Gepäck sein, ergänzt durch einen Sarong oder ein leichtes Tuch, das am Strand wie in Beachclubs praktisch ist. Die Sonne kann intensiv sein, sodass eine Kopfbedeckung, Sonnenbrille und gegebenenfalls ein dünnes Überwurfteil sinnvoll sind. Für die Abende, die meist warm bleiben, empfiehlt sich ein eleganter, aber entspannter „Resort Chic“: leichte Sommerkleider, Leinenhemden oder dünne Stoffhosen, ohne dass formelle Kleidung wie Jacketts oder Krawatten nötig wäre.  
Taxis stehen insbesondere am Flughafen und am Hafen von Gustavia bereit. Es gibt nur eine begrenzte Zahl von Fahrzeugen, und die Fahrpreise richten sich nach Strecke und Fahrtbedingungen; abends, an Feiertagen und zu stark nachgefragten Zeiten können höhere Tarife gelten. Eine Vorbestellung ist bei längeren Fahrten oder während der Hochsaison sinnvoll. Fußgänger und Radfahrer müssen vielerorts die Fahrbahn mit dem übrigen Verkehr teilen, da Gehwege und gesonderte Radwege nur begrenzt vorhanden sind. Wegen der Steigungen, engen Kurven und des teilweise dichten Verkehrs ist Radfahren auf vielen Strecken anspruchsvoll.  


Viele Restaurants und Bars schätzen einen gepflegten Stil, doch übertriebene Eleganz ist selten angebracht. Eine leichte Jacke oder ein dünner Pullover kann nützlich sein, wenn der Wind auffrischt oder es nach einem kurzen Regenschauer abkühlt. Insgesamt spiegelt die Kleidung auf St. Barts den Charakter der Insel wider – stilvoll, entspannt, hochwertig und perfekt abgestimmt auf Sonne, Meer und tropisches Lebensgefühl.
=== '''Schiffsverkehr''' ===
Der wichtigste Hafen befindet sich in Gustavia an der Westküste. Die Bucht bietet einen natürlichen Ankerplatz, der durch die umgebenden Landformen vergleichsweise gut geschützt ist. Der Hafen liegt unmittelbar am Zentrum der Hauptstadt und erfüllt mehrere Funktionen: Er dient dem Fähr- und Ausflugsverkehr, der Versorgung der Insel, dem Anlaufen privater Segel- und Motoryachten sowie dem Besuch größerer Luxusyachten. Wegen der begrenzten Fläche im Hafenbecken und an den Kais müssen die verschiedenen Verkehrsarten räumlich und zeitlich koordiniert werden.


=== '''Kulinarik und Gastronomie''' ===
Die regelmäßigen Passagierverbindungen bestehen vor allem zu Saint-Martin beziehungsweise Sint Maarten. Die Überfahrt ermöglicht Reisenden, die Insel auch ohne Flugverbindung direkt zu erreichen oder einen Anschluss an den internationalen Flughafen Princess Juliana auf der niederländischen Seite von Sint Maarten herzustellen. Die Fahrzeit hängt von Abfahrtsort, Schiffstyp und Seegang ab. Verbindungen werden unter anderem von Fährgesellschaften angeboten, die Gustavia mit Marigot auf der französischen Seite von Saint-Martin oder mit anderen Anlegestellen der Nachbarinsel verbinden. Fahrpläne und Abfahrtsorte können saisonal wechseln; deshalb sind konkrete Fahrtzeiten und Anbieterangaben vor einer Reise aktuell zu überprüfen.
Die Wurzeln der insularen Küche reichen in die Kolonialzeit zurück: Französische Techniken wie langsame Garung und Sauce-Zubereitung werden mit karibischen Zutaten verschmolzen. Historisch war die Ernährung einfach und ländlich – Galettes aus Maniokmehl, Poudine à patates (Süßkartoffelpudding) oder Eintöpfe aus Ziegenfleisch –, doch heute hat sich das Bild gewandelt. Renommierte Köche aus der Metropole bringen Fusion-Ideen ein, die lokale Spezialitäten aufwerten. Ein Highlight ist der Saint Barth Gourmet Festival im November, bei dem internationale Sterne-Köche wie Jean Imbert oder Eric Frechon die Insel erobern und Menüs kreieren, die karibische Frische mit französischer Präzision verbinden. Jährlich feiert das Event die "Art de Vivre", mit Kochshows, Weinproben und Pop-up-Dinners – ein Muss für jeden Foodie.


Unter den Spezialitäten ragt der frische Hummer heraus, direkt aus dem Meer gefangen und gegrillt serviert, oft mit Limettensoße oder karibischen Kräutern. Ein klassisches kreolisches Gericht ist das Ragoût de Lambis, ein würziger Eintopf aus Conch (Meeresschnecke), mariniert in Limette und Knoblauch, der die texturierte Meeresfrische betont. Fischliebhaber kommen bei gegrilltem Mahi-Mahi oder frischem Thunfisch-Carpaccio auf ihre Kosten, begleitet von Christophine (eine lokale Kürbisart) im Gratin mit Conch-Füllung. Vegetarische Akzente bieten Gerichte wie gedämpftes Gemüse mit Kokosmilch oder asiatisch inspirierte Shrimps-Röllchen mit Bacon. Für Fleischfans empfehle ich Cabri-Curry, zartes Ziegenfleisch in einer scharfen Gewürzmischung, oder Lamm-Ossobuco mit tropischen Twists. Desserts runden ab: Erfrischender Coco-Sorbet aus frischer Kokosnuss oder der cremige Süßkartoffelpudding, ein Relikt aus der bäuerlichen Tradition.
Neben den regulären Fähren verkehren private Ausflugsboote, Charterfahrzeuge und Wassertaxis. Sie befördern Besucher zu benachbarten Inseln, zu ausgewählten Küstenabschnitten und zu Freizeitangeboten auf dem Wasser. Die Verbindungen sind jedoch nicht mit einem engmaschigen öffentlichen Liniennetz vergleichbar. Fahrten nach Anguilla oder zu weiter entfernten Inseln hängen von den jeweiligen Anbietern, den Einreisebestimmungen und den Wetterbedingungen ab. Für Ziele wie Antigua, Guadeloupe oder Puerto Rico bestehen nicht durchgehend direkte regelmäßige Fährverbindungen, die mit der Verbindung nach Saint-Martin gleichzusetzen wären.


Die Vielfalt erstreckt sich auf internationale Einflüsse: Italienische Pizzerien servieren handgezogene Teigfladen mit lokalen Tomaten, asiatische Spots locken mit Nudelsalat in Kokosmilch, und mediterrane Perlen wie das Shellona am Shell Beach bieten griechische Spices mit karibischem Flair. Berühmte Adressen wie das Sand Bar im Eden Rock Hotel (unter Chef Jean-Georges Vongerichten) servieren französisch-mediterran mit Meerblick, während La Guérite in Gustavia-Hafen gegrillten Fisch mit Amalfi-Aromen paart. Bonito fusioniert französische Techniken mit südamerikanischen Zutaten, und La Petite Plage von Eric Frechon begeistert mit Trüffel-Pasta und Rum-Baba. Für Authentizität: Lokale Märkte in Gustavia, wo man frischen Fisch, Gewürze und Früchte ersteht – ideal für Picknicks oder Selbstversorger in Villen.
Der Güterverkehr bildet die Grundlage für die Versorgung der Insel. Lebensmittel, Getränke, Baumaterialien, Fahrzeuge, Treibstoffe, Haushaltswaren und zahlreiche weitere Produkte werden überwiegend eingeführt. Die Waren stammen hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten, aus dem französischen Mutterland und von der Nachbarinsel Saint-Martin. Lieferungen aus den USA werden unter anderem von Tropical Shipping transportiert; Fracht aus Frankreich gelangt über die Reederei CMA CGM häufig zunächst nach Guadeloupe und wird anschließend weiterbefördert. Auch über Saint-Martin werden Waren nach Saint-Barthélemy gebracht. Die Versorgung ist dadurch von Fahrplänen, Umschlagkapazitäten und den internationalen Frachtkosten abhängig.


Das beliebteste Getränk ist Champagner, ergänzt durch exzellente Weine aus Boutiquen wie Le Cellier du Gouverneur. Frische Säfte aus Passionfrucht oder Guave, karibische Biere oder Cocktails mit Rum runden den Tag ab. Die Kulinarik auf St. Barts ist mehr als Essen – sie ist ein Lebensgefühl, das Entspannung und Exklusivität vereint. Ob bei Sonnenuntergang am Strand oder in einem versteckten Garten: Hier schmeckt jeder Bissen nach Paradies.
Der Handelshafen von Gustavia ist räumlich begrenzt. Es fehlen ausreichend große Flächen für die Lagerung von Containern, die Zwischenlagerung von Waren und die Abfertigung von Lastkraftwagen. Diese Einschränkungen erschweren insbesondere die Versorgung mit Lebensmitteln und Baumaterialien. Im Jahr 2024 liefen 1.020 Frachtschiffe den Handelshafen an, 12 % mehr als 2023. Gleichzeitig sank die Zahl der umgeschlagenen Container, gemessen in Zwanzig-Fuß-Containereinheiten (TEU), um 2,6 %. Die Zahlen zeigen, dass die Zahl der Schiffsanläufe und die umgeschlagene Frachtmenge nicht zwangsläufig parallel verlaufen.


Es gibt hier viele Restaurants, die eine gute Küche in einer wenig an die Antillen erinnernden Atmosphäre anbieten. Besonders in Mode ist die französische Küche, die von den zahlreichen auf der Insel vertretenen amerikanischen Gästen geschätzt wird. Es wäre jedoch schade, die kreolischen Spezialitäten nicht zu probieren. Zahlreiche Restaurants, in Gustavia wie auf der gesamten Insel, bieten sie immer noch an. Blaff ist ein Gericht aus frischem Fisch, der in einer Marinade aus Zitronensaft und Gewürzen eingelegt ist. Die mit tropischen Früchten genährten und gefüllten Krabben sind hervorragend. Gegrillter Hai, Langusten und andere Krustentiere sowie Blutwurst und kreolischer Reis sind einige der Gründe, die französische Küche für eine Zeit zu entbehren.
Neben dem Güterverkehr besitzt der Yachthafen eine große wirtschaftliche Bedeutung. Gustavia ist ein Anlaufpunkt für Segelboote, Motoryachten und Superyachten, besonders während der touristischen Hochsaison von Dezember bis April. Die Hafenanlagen bieten Liegeplätze, Wasser- und Stromversorgung sowie weitere Dienstleistungen für die Schifffahrt. Wegen der begrenzten Liegeplatzkapazitäten und der hohen Nachfrage müssen größere Yachten ihren Aufenthalt häufig im Voraus planen oder auf ausgewiesene Ankerplätze ausweichen. Die Hafenbehörde regelt die Einfahrt und die Bewegungen im Hafen; für die Durchfahrt im Hafenzufahrtskanal gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von drei Knoten.


=== '''Festkultur''' ===
Kreuzfahrtschiffe laufen Gustavia ebenfalls an, doch der Kreuzfahrttourismus ist im Vergleich zum Fähr- und Yachtverkehr von geringerer Bedeutung. Die Insel verfügt nur über begrenzte Möglichkeiten, große Schiffe direkt am Kai abzufertigen; Passagiere größerer Schiffe müssen daher gegebenenfalls mit Tenderbooten an Land gebracht werden. Die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere lag 2024 zwar um 5,2 % über dem Vorjahr, blieb aber noch 33,1 % unter dem Stand von 2019. Diese Begrenzung entspricht auch der Ausrichtung Saint-Barthélemys auf einen hochwertigen, vergleichsweise exklusiven Tourismus.
Auf Saint Barthelemy werden die üblichen französischen Feiertage begangen. Einer der Feiertage des Gebiets ist der Tag des Heiligen Bartholomäus am 24. August. Bartholomäus, der Schutzpatron des Gebiets, ist laut dem Neuen Testament einer der zwölf Apostel, d. h. einer der zwölf Jünger, die von Jesus von Nazareth ausgezeichnet wurden. Außerdem gilt er als Schutzheiliger der Metzger, Gerber und Buchbinder.


Der Hafen erfüllt außerdem Aufgaben im Bereich der Sicherheit und der Umwelt. Schiffe müssen die vorgeschriebenen Einreise- und Hafenformalitäten erledigen. Die Hafenverwaltung arbeitet mit den zuständigen Behörden und der Meeresschutzorganisation der Insel zusammen. Für Freizeitboote gelten Regeln zur Abfallentsorgung und zum Verhalten in geschützten Meeresgebieten. Die Schifffahrt dient damit nicht nur dem Personen- und Warentransport, sondern ist auch eng mit der touristischen Wirtschaft, der Versorgungssicherheit und dem Schutz der Küstengewässer verbunden.


'''Festtage:'''
=== '''Flugverkehr''' ===
Der im Jahr 2004 erweiterte '''Aéroport Rémy de Haenen''' (offiziell ''Aéroport de Saint-Barthélemy-Rémy de Haenen'', früher ''Gustaf III Airport'' oder ''Saint Barthélemy Airport'' oder ''St. Jean Airport'') wird aufgrund der kurzen Landebahn (646 Meter) aus Europa nicht direkt angeflogen. Air France fliegt von Paris-Charles-de-Gaulle und KLM von Amsterdam zum Flughafen Princess Juliana (Sint Maarten). Von dort fliegen St Barth Commuter oder Winair nach St. Barthélemy. Dieser Flug mit kleineren Maschinen dauert etwa zehn Minuten. Die viermotorige Dash 7 ist die größte Passagier-Maschine, die auf dem Flughafen landen darf.


* 1. Januar  -  Neujahr
Die Landebahn liegt hinter einer Hügelkette und endet am Meer. Aufgrund der topographischen Gegebenheiten sind Starts in Richtung auf die Hügel zu (Piste 28) grundsätzlich nicht erlaubt. Der Flughafen darf nur von Piloten, die über eine spezielle Erlaubnis verfügen, angeflogen werden.  
* Mitte Februar  -  Aschermittwoch
* Ende März / Anfang April  -  Ostern
* 1. Mai  -  Tag der Arbeit
* 8. Mai -  Tag des Sieges
* Ende Mai / Anfang  -  Christi Himmelfahrt
* Ende Mai / Anfang Juni  -  Pfingsten
* 27. Mai  -  Abschaffung der Sklaverei
* 14. Juli  -  Tag des Sturmes auf die Bastille
* 21. Juli  - Schoelcher-Tag
* 15. August -  Mariä Himmelfahrt
* 1. November -  Allerheiligen
* 2. November -  Allerseelen
* 11. November -  Gedenktag
* 25./26. Dezember  -  Weihnachten


=== '''Medien''' ===
Am 30. Oktober 2015 wurde der Flughafen nach dem französischen Flugpionier und späteren Bürgermeister von Saint-Barthélemy Rémy de Haenen (1916 bis 2008), der 1946 die erste Landung mit einem Flugzeug auf Saint-Barthélemy auf dem Gelände des heutigen Flughafens wagte, umbenannt. Am 6. September 2017 verursachte Hurrikan Irma große Schäden am Flughafen.  
Die Presse auf Saint Barthélemy ist vielfältig und bilingual, da die Insel stark von französischen und amerikanischen Touristen geprägt ist. Das älteste und renommierteste Blatt ist '''Le Journal de Saint-Barth''', eine wöchentliche Zeitung, die seit 1991 erscheint und von der Société de Presse Antillaise herausgegeben wird. Sie berichtet über lokale Politik, Veranstaltungen, Sport und Tourismus, mit einem Fokus auf die Inselgemeinschaft. Die Redaktion, die in Saint-Jean ansässig ist, deckt Themen wie Umweltschutz, kulturelle Feste oder die Auswirkungen von Hurrikans ab – ein sensibles Thema seit dem verheerenden Irma im Jahr 2017. Ergänzt wird sie durch '''Le News St Barth''', ein kostenloses tägliches Boulevardblatt mit 10 bis 15 Seiten, das in französischer und englischer Version vorliegt. Es ist das perfekte Begleitmedium zum Frühstück: Kurze Nachrichten, Kleinanzeigen und Restauranttipps sorgen für Alltagsnähe. Für englischsprachige Leser gibt es '''St Barth Weekly''', das sich auf Aktuelles, Angebote und Events konzentriert, sowie Online-Portale wie '''St Barts Daily News''' oder '''Lifestyle News Saint Barth''', die lifestyle-orientierte Inhalte wie Luxusvillen, Events und Promi-News bieten. Eine umfassende Übersicht über alle Printmedien findet man auf Plattformen wie ABYZ News Links, die Links zu lokalen und internationalen Quellen sammelt. Interessant ist, dass viele Zeitungen auf Saint Martin gedruckt werden, da die Insel keine eigenen Rotationsdruckereien hat – ein Beispiel für die regionale Vernetzung in den Kleinen Antillen.


Im Hörfunkbereich, der aufgrund der mobilen Inselbevölkerung besonders beliebt ist, dominieren lokale Sender mit tropischem Flair. '''Radio St-Barth''' (98,7 FM) ist der Klassiker: Mit Adult-Contemporary-Musik, lokalen Nachrichten und Werbung für Hotels und Boutiquen strahlt es aus Colombier und erreicht auch Saint Martin. Der Sender, der seit Jahrzehnten existiert, vermittelt ein Gefühl von Inselgemeinschaft und dreht sich um Themen wie Karneval, Segelregatten oder Warnungen vor tropischen Stürmen. Ergänzt wird er durch '''Radio Transat''' (103,1 FM), das französische Hits und Unterhaltung bietet, sowie '''Tropik FM''' (97,5 FM) mit Reggae, Zouk und lateinamerikanischen Rhythmen – ideal für den Strand-Soundtrack. '''Sun FM Music''' (106,9 FM) richtet sich an englischsprachige Hörer mit Top-40-Pop und Werbespots für Luxusmarken. Insgesamt gibt es rund ein Dutzend FM-Sender, darunter Notfallfrequenzen wie Urgence Info Îles du Nord für Krisenlagen. Viele Sender streamen online, was sie für globale Zuhörer zugänglich macht, und ihre Frequenzen sind auf Seiten wie TuneIn oder Radio.net abrufbar.
Am 24. März 2001 verlor der Pilot einer DHC-6 Twin Otter (Luftfahrzeugkennzeichen ''F-OGES'') auf einem Linienflug der Air Caraïbes von Sint Maarten nach Saint-Barthélemy beim Anflug auf die Landebahn 10 die Kontrolle über das Flugzeug. Die Maschine stürzte nahe dem kurz vor der Landeschwelle gelegenen Col de la Tourmente ab und ging sofort in Flammen auf, wodurch auch ein unmittelbar neben der Absturzstelle befindliches Wohnhaus in Brand geriet. Alle 19 Insassen des Flugzeugs sowie ein Bewohner des Hauses kamen bei dem Unfall ums Leben. (nach wikipedia)


Fernsehen spielt auf Saint Barthélemy eine untergeordnete Rolle, da die Insel keine eigenen Sender hat und sich auf Satelliten- oder Kabelanbieter stützt. Französische Programme wie TF1, France 2 oder Arte sind über Provider wie Canal+ oder lokale Kabelnetze empfangbar. Örtlich von Bedeutungm sind '''Carib’inTV''', ein dreisprachiger Sender für Saint-Barthélemy und Saint-Martin, sowie  '''Guadeloupe 1<sup>re</sup>'''. Lokale Inhalte fließen oft über Radios oder Online-Plattformen ein, etwa durch Berichte von La Première (ehemals RFO), die über Hurrikane oder Tourismusentwicklungen berichtet. In Zeiten von Streaming-Diensten wie Netflix oder YouTube, die dank der exzellenten Internetversorgung (über 90 Prozent der Bevölkerung nutzen Social Media) populär sind, verliert traditionelles TV an Boden. Dennoch sorgen Events wie der St. Barts Film Festival für mediale Highlights, die international Aufmerksamkeit erregen.
{| class="wikitable"
|'''Airlines'''
|'''Ziele'''
|-
|Air Antilles
|Pointe-à-Pitre
|-
|Anguilla Air Services
|Anguilla
|-
|Coastal Air
|Charter: Saint Croix
|-
|FlyMontserrat
|Charter: Montserrat
|-
|St  Barth Commuter
|Antigua,  Sint Maarten,  Saint Martin,  Charter: Antigua,  Baillif, Barbados,  Barbuda, Canouan, Dominica, Dominica-Canefield,  Fort-de-France,  La Romana,  Mustique, Nevis,  Pointe-à-Pitre,  Providenciales,  Puerto Plata,  Punta Cana,  Saint Croix,  Saint-François,  Saint Kitts,  Saint Lucia-George F. L.  Charles, Saint Lucia-Hewanorra,  Saint Martin,  Saint Thomas,  Saint Vincent,  San Juan,  Santo Domingo-Las  Américas, Sint Eustatius,  Sint Maarten
|-
|Tradewind Aviation
|Antigua,  Nevis,  Saint Thomas,  San Juan,  Charter: Antigua,  San Juan,  St. Thomas
|-
|Trans  Anguilla Airways
|Anguilla
|-
|Winair
|Antigua, Sint Maarten, Saba
|}
 
 
'''Saint Barths Airport''':
 
* französischer Name:  Aéroport de Saint-Barthélemy-Rémy de Haenen
* ursprüngliche Bezeichnung:  Aéroport Saint-Jean–Gustave III
* Code:  SBH / TFFJ
* Lage:  17°54‘16“ N, 62°50‘38“ W
* Seehöhe: 15 m (48 ft)
* Entfernung: direkt beim Quartier Saint-Jean
* Inbetriebnahme:  November 1984
* Betreiber:  La Collectivité de Saint-Barthélemy
* Terminal:  1
* Rollbahn: 1
* Länge der Rollbahn:  646 m (Beton)
* Fluggesellschaften:  8
* Flugzeug-Standplätze:  ca. 20
* jährliche Passagierkapazität: 
* jährliche Frachtkapazität: 
* Flughafen-Statistik:  Jahr Flugbewegungen Passagiere                   Fracht in t
 
                       2014                                       171 051                      
 
                       2017                31 414             184 247                       299
 
                       2018                                       140 570                      
 
                       2020                26 404             119 050                       346
 
== '''Wirtschaft''' ==
Saint Barthelemy ist ins französische Wirtschaftsgefüge eingebunden. Haupteinnahmequelle der Bewohner ist der Tourismus. Es gibt kaum Arbeitslose, Steuern sind unbekannt, mit Ausnahme einer kleinen Steuer für die Straßenreinigung.
 
=== '''Landwirtschaft''' ===
Die Landwirtschaft spielt auf Saint-Barthélemy heute nur eine geringe wirtschaftliche Rolle. Die natürlichen Voraussetzungen sind ungünstig: Die Insel besitzt ein hügeliges, felsiges Relief, die Böden sind vielerorts flachgründig und steinig, und die Niederschläge fallen unregelmäßig. Längere Trockenperioden erschweren den Anbau, während Starkregen auf den Hängen zu Bodenerosion führen kann. Auch tropische Wirbelstürme können Kulturen und Anbauflächen beschädigen. Größere zusammenhängende Ebenen, wie sie für eine intensive Plantagenwirtschaft erforderlich wären, fehlen weitgehend.
 
Die Landwirtschaft der Kolonialzeit war nicht mit der großflächigen Zuckerrohrwirtschaft anderer Karibikinseln vergleichbar. Zwar wurden auf Saint-Barthélemy Nutzpflanzen angebaut und Vieh gehalten, doch verhinderten der Wassermangel, die begrenzte Bodenfruchtbarkeit und die geringe Fläche die Entwicklung einer dauerhaft bedeutenden Plantagenwirtschaft. Eine frühere, auf Zuckerrohr, Baumwolle und Indigo beruhende Plantagenökonomie, wie sie für andere französische Kolonien charakteristisch war, lässt sich für Saint-Barthélemy nicht in dieser Form verallgemeinern. Auch die Sklaverei war auf der Insel vorhanden, obwohl keine großflächigen Plantagen entstanden. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1847 und der Rückkehr unter französische Herrschaft 1878 blieb die Landwirtschaft kleinräumig und wurde zunehmend von Fischerei, Handel, Auswanderung und später dem Tourismus überlagert.
 
Die gegenwärtige Landwirtschaft besteht aus wenigen kleinen Betrieben, die vorwiegend auf Nischenprodukte und eine begrenzte lokale Vermarktung ausgerichtet sind. Bei der Landwirtschaftszählung 2020 wurden sechs Betriebe erfasst, gegenüber drei im Jahr 2010. Gleichzeitig sank die landwirtschaftlich genutzte Fläche von 25 Hektar auf nur noch etwa 1,3 Hektar. Die Zahl der dauerhaft in den Betrieben beschäftigten Personen stieg von drei auf acht; das ausgewiesene Arbeitsvolumen entsprach 2020 rund elf Vollzeitstellen. Der Landwirtschaftssektor machte 2024 nur etwa 0,1 % der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung aus.
 
Ein Schwerpunkt liegt inzwischen auf Pflanzenproduktion, Blumen und Gartenbau. Zwei Drittel der 2020 erfassten Betriebe waren auf Blumen oder Gartenbau spezialisiert. Neben traditionellen Anbaumethoden werden platzsparende Verfahren eingesetzt, darunter hydroponische Kulturen, bei denen Pflanzen ohne herkömmlichen Boden in einer Nährlösung wachsen. Solche Verfahren ermöglichen eine intensivere Nutzung kleiner Flächen und können den Wasserverbrauch kontrollierbarer machen. Die Erzeugnisse richten sich sowohl an Haushalte als auch an Restaurants, die frische lokale Produkte nachfragen. Eine flächendeckende Versorgung der Insel lässt sich damit allerdings nicht erreichen.
 
Die Viehwirtschaft hat stark an Bedeutung verloren. Zwischen 2010 und 2020 verringerte sich der erfasste Viehbestand auf etwa ein Siebtel des früheren Umfangs. Ziegenhaltung hat dennoch eine lokale Tradition; Ziegenfleisch, auf der Insel häufig als cabri bezeichnet, gehört zu den überlieferten regionalen Lebensmitteln. Im Rahmen der Förderung lokaler Erzeugung wurden deshalb auch Überlegungen zu einer stärker organisierten Ziegenhaltung, zur Käseherstellung und zu einer Schlachtmöglichkeit für Ziegen verfolgt. Eine bedeutende kommerzielle Rinder-, Schweine- oder Geflügelwirtschaft besteht nicht.
 
Die Entwicklung der Landwirtschaft wird vor allem durch den Mangel an verfügbarem und erschwinglichem Land sowie durch die knappen Wasserressourcen begrenzt. Saint-Barthélemy besitzt keine dauerhaften natürlichen Süßwasserläufe und ist bei der Wasserversorgung auf Regenwasserspeicherung und Meerwasserentsalzung angewiesen. Für landwirtschaftliche Betriebe sind deshalb sowohl der Zugang zu Anbauflächen als auch die Kosten der Bewässerung entscheidende Faktoren. Hinzu kommen die Konkurrenz durch Bebauung und touristische Nutzungen sowie die Schäden, die Extremwetterereignisse verursachen können. Der Hurrikan Irma zerstörte 2017 auch landwirtschaftliche Einrichtungen und Weideflächen.
 
Seit 2022 bemühen sich die örtlichen Wirtschafts- und Landwirtschaftsorganisationen verstärkt um eine Wiederbelebung der Produktion. In diesem Zusammenhang entstand die Association des agriculteurs de Saint-Barthélemy (APAG SBH). Sie vertritt die Interessen der landwirtschaftlichen Betriebe und setzt sich unter anderem für geeignete Anbauflächen, einen bezahlbaren Wasserzugang, die bessere Vermarktung lokaler Produkte und die Anschaffung professioneller Ausrüstung ein. Außerdem wird ein territorialer Plan für nachhaltige Landwirtschaft, Ernährung und Fischerei ausgearbeitet, der die örtlichen Produktionsmöglichkeiten erfassen und konkrete Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Sektors festlegen soll.
 
=== '''Forstwirtschaft''' ===
Die ursprüngliche Vegetation wurde im Laufe der Besiedlung und landwirtschaftlichen Nutzung erheblich verändert. Für den historischen Siedlungsbau, den Bootsbau, die Herstellung von Werkzeugen und den häuslichen Bedarf wurden lokal verfügbare Hölzer genutzt. Auch die Rodung von Flächen für kleine landwirtschaftliche Betriebe, Weidewirtschaft und Siedlungen trug zur Veränderung der natürlichen Gehölzbestände bei. Die begrenzten Wasserressourcen und die wiederkehrenden Trockenperioden erschwerten die Regeneration gerodeter Flächen. In vielen Bereichen entwickelte sich deshalb eine offene Vegetation aus Sträuchern, kleineren Bäumen und trockenheitsresistenten Pflanzen.
 
Die verbliebenen Trockenwälder und Gehölzbestände erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Sie bieten Lebensräume für Vögel, Reptilien, Insekten und zahlreiche einheimische Pflanzenarten. Ihre Wurzelsysteme stabilisieren die vielfach steinigen Hänge und tragen dazu bei, den Abtrag des Bodens durch Starkregen zu begrenzen. Die Vegetationsdecke ist besonders dort von Bedeutung, wo heftige Niederschläge auf trockene, wenig entwickelte Böden treffen. Zugleich tragen die Gehölze zum Wasserrückhalt und zur Erhaltung der natürlichen Bodenstruktur bei. Neben trockenen Waldformationen kommen auf Saint-Barthélemy auch Feuchtgebiete und kleine Mangrovenbestände vor, die eigene Lebensgemeinschaften beherbergen.
 
Eine kommerzielle Forstwirtschaft mit planmäßiger Holzernte, Sägewerken und einer bedeutenden Holzindustrie ist auf Saint-Barthélemy nicht etabliert. Die Forstwirtschaft ist daher vor allem im weiteren Sinne als Schutz, Pflege und Wiederherstellung der Gehölzvegetation zu verstehen. Holz für Bauarbeiten, Möbel, Innenausstattung und andere gewerbliche Zwecke muss weitgehend von außerhalb der Insel bezogen werden. Die wirtschaftliche Bedeutung der Gehölzbestände liegt weniger in der Bereitstellung von Nutzholz als in ihrem Beitrag zum Naturhaushalt und zur Erhaltung der Landschaft.
 
Der Schutz der einheimischen Pflanzenwelt wird von der Agence Territoriale de l’Environnement begleitet. Zu ihren Aufgaben gehören die Erfassung der Flora, die Beobachtung der Vegetationsbestände und die fachliche Beurteilung von Eingriffen in natürliche Lebensräume. Bei Erhebungen werden unter anderem Bäume, Sträucher und krautige Pflanzen dokumentiert. Außerdem werden Samen gesammelt, um die Vermehrung einheimischer Arten sowie gegebenenfalls Wiederansiedlungsmaßnahmen zu unterstützen. Die Behörde fördert die Verwendung standortgerechter Pflanzen, die an die Trockenheit, die intensive Sonneneinstrahlung und die salzhaltige Meeresluft angepasst sind.
 
Auch die rechtlichen Regelungen zum Schutz der Vegetation sind für den Umgang mit den Gehölzbeständen von Bedeutung. Nach den 2026 beschlossenen Änderungen des Umweltrechts von Saint-Barthélemy unterliegen bestimmte Eingriffe in die natürliche Vegetation und das Fällen von Bäumen einer umweltrechtlichen Genehmigung oder einer vorherigen Erklärung. In natürlichen Gebieten und auf wenig oder nicht bebauten Grundstücken gelten besondere Schutzbestimmungen. Die Vorschriften wurden zudem für die Beseitigung von Gehölzbeständen und für Eingriffe in Dünen und Mangroven verschärft. Damit sollen die Zerstörung von Lebensräumen, die Bodenerosion und der Verlust einheimischer Pflanzenarten begrenzt werden.
 
=== '''Fischerei''' ===
Die geografischen Voraussetzungen begünstigen unterschiedliche Formen der Küsten- und Hochseefischerei. Saint-Barthélemy liegt im nördlichen Teil der Kleinen Antillen und ist von Gewässern umgeben, die sowohl flache Küstenabschnitte als auch steil abfallende Meeresböden und tieferes offenes Meer umfassen. In Küstennähe bieten Felsbereiche, Korallenriffe und Seegraswiesen Lebensräume für zahlreiche Fisch- und Wirbellosenarten. Weiter von der Küste entfernt werden pelagische Fischarten gefangen, die sich im freien Wasser aufhalten. Die Fangmöglichkeiten hängen von der jeweiligen Jahreszeit, dem Seegang, der Wassertemperatur und der Verfügbarkeit der einzelnen Arten ab.
 
Die Fischereifahrzeuge sind überwiegend kleine, motorisierte Boote, die für den küstennahen Einsatz und für Fahrten in die umliegenden Gewässer geeignet sind. Sie bestehen je nach Bootstyp aus glasfaserverstärktem Kunststoff oder Holz. Gustavia, der Hauptort der Insel, bildet mit seinem Hafen einen wichtigen Ausgangs- und Anlaufpunkt für die maritime Wirtschaft. Daneben spielen kleinere Küstenorte und Ankerplätze eine Rolle. Corossol ist historisch besonders eng mit dem Fischfang verbunden und gilt als eines der traditionellen Fischerdörfer der Insel. Die Größe der Boote, die begrenzte Lagerkapazität und die Abhängigkeit von den Wetterbedingungen führen dazu, dass viele Fangfahrten auf einen überschaubaren Zeitraum beschränkt bleiben.
 
Die Fangmethoden richten sich nach den Zielfischarten und den örtlichen Gegebenheiten. Zum Einsatz kommen Angelleinen, Handangeln und verschiedene Arten von Leinenfischerei. In geeigneten Bereichen werden außerdem Netze und Reusen verwendet. Die Fischer benötigen Kenntnisse über Strömungen, Wassertiefen, Fischwanderungen und die jahreszeitliche Verteilung der Fangarten. Moderne Navigationsgeräte und Echolote können die Orientierung und die Suche nach geeigneten Fanggründen erleichtern. Der tatsächliche Einsatz einzelner Fanggeräte ist jedoch von den jeweils geltenden Vorschriften und den Schutzbestimmungen für bestimmte Meeresgebiete abhängig.
 
Die täglichen Fangfahrten werden wesentlich von Wind, Wellen und Strömungen beeinflusst. Auch Gezeiten und Mondphasen können bei bestimmten Fangmethoden eine Rolle spielen. Während der atlantischen Hurrikansaison von Juni bis November müssen die Fischer mit häufigeren Wetterwarnungen, stärkerem Seegang und zeitweiligen Einschränkungen des Bootsverkehrs rechnen. Besonders bei der Annäherung tropischer Wirbelstürme werden Boote gesichert und Fangfahrten unterbrochen. Daneben können längere Perioden mit ungünstigem Seegang die Versorgung mit frischem Fisch beeinträchtigen. Eine feste Fangperiode für sämtliche Fischarten besteht nicht, da sich die jahreszeitliche Verfügbarkeit je nach Art und Fanggebiet unterscheidet.
 
Zu den wirtschaftlich interessanten Fangarten gehören verschiedene pelagische Fischarten, die sich im offenen Meer aufhalten. Dazu zählen Thunfische, Goldmakrelen, die international als Mahi-Mahi bezeichnet werden, und Wahoos. Diese Fische werden vor allem mit geeigneten Leinen und anderen zugelassenen Fanggeräten gefangen. Ihre Verfügbarkeit hängt von den Wanderbewegungen der Bestände und den jeweiligen Meeresbedingungen ab. Der Fang pelagischer Arten ergänzt die küstennahe Fischerei und ermöglicht es, unterschiedliche Fischarten für den örtlichen Markt bereitzustellen.
 
In den küstennahen Gewässern kommen unter anderem Schnapper aus der Familie Lutjanidae, Zackenbarsche aus der Familie Epinephelidae und Barrakudas vor. Sie halten sich je nach Art an Riffhängen, felsigen Meeresböden oder in anderen küstennahen Lebensräumen auf. Ihre Nutzung erfordert eine genaue Kenntnis der örtlichen Fanggebiete und der geltenden Mindestmaße sowie gegebenenfalls weiterer Beschränkungen. Gerade bei Arten, die langsam wachsen oder sich erst in höherem Alter fortpflanzen, kann ein hoher Fangdruck die Bestände beeinträchtigen. Die Erhaltung der Fortpflanzungsbestände ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Fischereiregulierung.
 
Eine besondere Rolle spielen auch wirbellose Meerestiere. Dazu gehört die Karibische Languste (Panulirus argus), die in geeigneten Riff- und Felslebensräumen vorkommt. Sie ist als Speisefischereiprodukt von erheblichem kulinarischem Interesse, unterliegt jedoch Fangbeschränkungen. Daneben ist die Königinmuschel, regional Lambi genannt, wirtschaftlich und kulturell bedeutsam. Ihr heute gebräuchlicher wissenschaftlicher Name lautet Lobatus gigas; in älterer Literatur wird sie häufig als Strombus gigas geführt. Die Art lebt unter anderem auf sandigen Meeresböden und in Seegraswiesen. Ihre Nutzung ist reglementiert, weil übermäßige Entnahme die Bestände gefährden kann. Auch Krabben und weitere wirbellose Meerestiere gehören zur marinen Fauna der Insel, wobei nicht alle Arten für eine kommerzielle Nutzung infrage kommen.
 
Die Vermarktung des Fangs erfolgt in einem überschaubaren regionalen Wirtschaftskreislauf. Frischer Fisch wird an örtliche Abnehmer, gastronomische Betriebe und private Haushalte abgegeben. Restaurants können den Fang des Tages in ihre Speisekarten aufnehmen und damit die Verbindung zwischen der Fischerei und dem Fremdenverkehr herstellen. Fischgerichte, gegrillte Langusten und Zubereitungen nach karibischer Art gehören zum gastronomischen Angebot der Insel. Auch die kreolische Küche der französischen Antillen kennt Fischgerichte mit würzigen Saucen und Brühen, darunter Zubereitungen, die als Court-bouillon bezeichnet werden. Allerdings lässt sich nicht jeder Fang unmittelbar einem bestimmten Restaurant oder Markt zuordnen; ein umfassender, öffentlich zugänglicher Nachweis über die gesamten örtlichen Anlandungen und deren Verteilung liegt nicht ohne Weiteres vor.
 
Die Versorgung des Gastronomiegewerbes mit Meeresprodukten ist eng mit der touristischen Nachfrage verbunden. Saint-Barthélemy besitzt zahlreiche Restaurants, die frischen Fisch und hochwertige Meeresfrüchte anbieten. Die lokale Fischerei kann diesen Bedarf jedoch nicht allein decken. Importierte Produkte ergänzen deshalb das Angebot. Die geografische Nähe zu Saint-Martin und anderen Inseln der nördlichen Kleinen Antillen erleichtert den regionalen Warenaustausch. Gleichzeitig müssen die örtlichen Fischer mit den Kosten für Treibstoff, Wartung, Ausrüstung und Kühlung zurechtkommen. Für kleine Betriebe sind diese Kosten besonders relevant, da sie nur begrenzte Fangmengen anlanden und ihre Einnahmen von den Fangbedingungen und der Nachfrage abhängig sind.
 
Zur organisatorischen Stärkung des Wirtschaftszweigs wurde am 16. Juni 2021 das Comité Territorial des Pêches et de l’Aquaculture de Saint-Barthélemy (CTPA) gegründet. Das Gremium bündelt Interessen der professionellen Fischer und weiterer Akteure aus dem Bereich der Aquakultur. Es soll die Fischerei wirtschaftlich weiterentwickeln, die Interessen der Berufsfischer gegenüber den zuständigen Stellen vertreten und die berufliche Organisation des Sektors verbessern. Im Rahmen eines auf zehn Jahre angelegten Plans zur Aufwertung der örtlichen Fischerei wurden unter anderem die Weiterbildung von Fischern, Maßnahmen zur Verringerung der Treibstoffkosten und die Verbesserung der Vermarktung behandelt. Auch die Einrichtung einer Fischhalle und die bessere Vermarktung von Rifffischen gehörten zu den Vorhaben, die im Wirtschaftsbericht für 2023 als laufende Projekte aufgeführt wurden.
 
Die Fischerei steht zugleich vor ökologischen Herausforderungen. Korallenriffe, Seegraswiesen und andere marine Lebensräume reagieren empfindlich auf Verschmutzung, Veränderungen der Küstenbereiche und steigenden Nutzungsdruck. Abwässer, Bauarbeiten an der Küste und Schäden durch tropische Wirbelstürme können die Lebensbedingungen der Meerestiere beeinträchtigen. Hinzu kommen die Folgen einer möglichen Überfischung. Die Erhaltung der Fangbestände ist daher nicht allein eine Frage der Fischereipolitik, sondern hängt auch von der Wasserqualität und dem Schutz der Unterwasserlebensräume ab.
 
Ein wesentliches Instrument des Meeresschutzes ist die 1996 eingerichtete Réserve naturelle nationale de Saint-Barthélemy. Sie umfasst mehrere räumlich getrennte Schutzbereiche mit unterschiedlichen Regelungen. Die Fischerei ist dort nicht überall gleichermaßen erlaubt: In bestimmten Zonen ist sie vollständig untersagt, in anderen gelten besondere Einschränkungen. In der gesamten Reserve ist die Fischerei bei Nacht verboten. Für bestimmte Fangmethoden, darunter Netze, Reusen und die Unterwasserjagd mit Speeren, bestehen innerhalb des Schutzgebiets besondere Verbote beziehungsweise eng begrenzte Ausnahmen. Die konkreten Regelungen unterscheiden sich nach Schutzbereich und Fangart.
 
Auch außerhalb der Naturschutzgebiete unterliegt die Fischerei den Vorschriften der Gebietskörperschaft. Die professionelle Meeresfischerei wird insbesondere durch die Beratung des Territorialrats Nr. 2015-035 CT vom 27. Juli 2015 geregelt, die durch spätere Bestimmungen ergänzt wurde. Bestimmte Fangmethoden, darunter der Fang von Lambi, die Reusenfischerei, die Netzfischerei mit Zugnetzen und der Einsatz von Fischsammelvorrichtungen, sind ausschließlich zugelassenen Berufsfischern vorbehalten. Für die Freizeitfischerei gelten eigene Regeln. Außer beim Angeln von der Küste ist grundsätzlich eine kostenlose Genehmigung der Agence Territoriale de l’Environnement erforderlich; auch für das Angeln in der Lagune von Grand Cul-de-Sac gilt eine Genehmigungspflicht. Freizeitfänge dürfen nur vom Fischer und seiner Familie verzehrt werden und nicht in den Verkauf gelangen. Mindestgrößen, Schonzeiten, zulässige Fangmengen und räumliche Beschränkungen sind ebenfalls zu beachten.
 
Die Regulierung betrifft auch den Schutz einzelner Arten. Für Langusten und andere Meerestiere gelten besondere Vorgaben, etwa zu Mindestmaßen und Fortpflanzungszuständen. Bestimmte Arten dürfen überhaupt nicht gefangen werden. Bei der Königinmuschel ist zwischen den Bestimmungen für professionelle Fischer und jenen für Freizeitfischer zu unterscheiden: Der Fang von Lambi ist Freizeitfischern untersagt. Die jeweils gültigen Fangperioden und Größenbegrenzungen müssen anhand der aktuellen Vorschriften geprüft werden; pauschale Angaben zu einer für alle Fangarten geltenden Schonzeit wären irreführend.
 
Kulturell ist die Fischerei eng mit der Geschichte und dem Selbstverständnis Saint-Barthélemys verbunden. Die Insel wurde im 17. Jahrhundert von französischen Siedlern besiedelt, und über lange Zeit gehörten Fischfang, Seefahrt, Landwirtschaft und der Austausch mit benachbarten Inseln zu den Grundlagen der örtlichen Lebensweise. Die Fischerei war insbesondere für Haushalte wichtig, die ihren Lebensunterhalt nicht aus dem Handel oder anderen Tätigkeiten bestreiten konnten. Das über Generationen weitergegebene Wissen über Küstengewässer, Fangplätze, Bootsführung und die Verarbeitung des Fangs bildet einen Teil des maritimen Kulturerbes.
 
Corossol bewahrt bis heute einen Teil dieser Tradition. Das an der Westküste gelegene Dorf ist für seine Verbindung zur Fischerei und seine eigenständige lokale Identität bekannt. Kleine Boote, die am Strand liegen oder in der geschützten Bucht anlanden, erinnern an die Bedeutung der Küstenfischerei für die Inselgeschichte. Die maritime Tradition zeigt sich außerdem in handwerklichen Tätigkeiten und im örtlichen Gemeinschaftsleben. Historische Bootsbau- und Reparaturkenntnisse sowie der Umgang mit Netzen und anderen Fanggeräten gehören zu den Fähigkeiten, die mit dem traditionellen Fischfang verbunden sind.
 
=== '''Handwerk''' ===
Das traditionelle Handwerk auf Saint-Barthélemy entwickelte sich aus den Bedingungen einer kleinen, lange Zeit nur begrenzt erschlossenen Karibikinsel. Über Jahrhunderte mussten die Bewohner Werkzeuge, Gebrauchsgegenstände, Kleidung, Haushaltsgeräte und Teile ihrer Boote möglichst wirtschaftlich herstellen, reparieren und wiederverwenden. Die handwerklichen Tätigkeiten waren eng mit der Fischerei, der Seefahrt, der Landwirtschaft und der häuslichen Selbstversorgung verbunden. Verarbeitet wurden vor allem Holz, pflanzliche Fasern, Leder, Metall und andere lokal verfügbare Materialien. Was nicht auf der Insel gewonnen oder hergestellt werden konnte, musste über den Seehandel eingeführt werden.
 
Mit dem wirtschaftlichen Wandel und dem starken Ausbau des Fremdenverkehrs hat sich die Bedeutung des Handwerks verändert. Während früher vor allem Gebrauchsgegenstände, Arbeitsgeräte und Reparaturleistungen benötigt wurden, richtet sich ein wachsender Teil des heutigen Angebots auf Schmuck, Modeaccessoires, Kunstgegenstände, dekorative Objekte und hochwertige Einzelanfertigungen. Dabei ist zwischen dem überlieferten lokalen Handwerk und dem modernen Kunsthandwerk einerseits sowie dem internationalen Luxusgewerbe andererseits zu unterscheiden. Saint-Barthélemy verfügt über zahlreiche Geschäfte für Schmuck, Uhren, Mode und Design, doch nicht sämtliche dort angebotenen Waren werden auf der Insel hergestellt. Ein Teil des Sortiments wird importiert und vor Ort verkauft oder angepasst.
 
Der Bootsbau gehört zu den historisch bedeutsamen handwerklichen Tätigkeiten. Die Fischerei und der Verkehr zwischen den Inseln erforderten Boote, die den örtlichen Küstenverhältnissen und den Anforderungen der Seefahrt entsprachen. Traditionelle Holzboote mussten von Hand vermessen, zugeschnitten, zusammengesetzt und abgedichtet werden. Zu den anspruchsvollen Arbeiten gehörten die Formgebung des Rumpfes, die Herstellung und Befestigung der Spanten, die Verbindung der Planken sowie die Anpassung von Ruder, Mast und Segeln. Bei der Reparatur älterer Boote waren zudem Kenntnisse über die Eigenschaften der verwendeten Hölzer und die Beanspruchung der einzelnen Bauteile notwendig.
 
Holzboote spielten insbesondere für die Küstenfischerei eine wichtige Rolle. Sie mussten leicht genug sein, um unter den örtlichen Bedingungen manövriert und an geeigneten Stellen an Land gezogen werden zu können, zugleich aber den Belastungen durch Wellen, Salzwasser und tropisches Wetter standhalten. Die handwerkliche Erfahrung wurde traditionell innerhalb von Familien und zwischen erfahrenen Bootsbauern und ihren jüngeren Mitarbeitern weitergegeben. Kleinere Reparaturen konnten von den Bootsbesitzern selbst vorgenommen werden, während aufwendigere Arbeiten spezialisierte Kenntnisse voraussetzten.
 
Heute wird der traditionelle Holzbootsbau auf Saint-Barthélemy von der modernen Bootstechnik ergänzt. Motorisierte Boote aus glasfaserverstärktem Kunststoff sind für zahlreiche Einsatzzwecke praktischer und wartungsärmer als traditionelle Holzfahrzeuge. Entsprechend haben sich auch die handwerklichen Anforderungen verändert. Reparaturen an Kunststoffrümpfen, Motoren, elektrischen Anlagen und Navigationsgeräten gehören zum modernen maritimen Gewerbe. Der historische Bootsbau bleibt vor allem als Bestandteil des kulturellen Erbes bedeutsam. Die Bezeichnungen „Saint-Barth Goulets“ und „Yawl“ sollten allerdings nur dann als Namen bestimmter örtlicher Bootstypen verwendet werden, wenn sich ihre historische Verwendung für die Insel nachweisen lässt; eine allgemeine Gleichsetzung sämtlicher traditioneller Boote Saint-Barthélemys mit diesen Typen wäre nicht gerechtfertigt.
 
Die Korbflechterei und das Flechten von Pflanzenfasern gehören zu den am besten dokumentierten überlieferten Handwerkstraditionen der Insel. Besonders Corossol ist für diese Arbeiten bekannt. Dort wurden über Generationen hinweg getrocknete Blätter des Latanier, einer in der Karibik verbreiteten Fächerpalme, zu Gebrauchsgegenständen verarbeitet. Aus den Pflanzenfasern entstanden Hüte, Körbe, Taschen, Matten und kleinere dekorative Objekte. Die Erzeugnisse dienten ursprünglich vor allem dem täglichen Bedarf und wurden später zunehmend auch als Souvenirs für Besucher angeboten.
 
Die Herstellung solcher Flechtarbeiten erfordert mehrere aufeinander abgestimmte Arbeitsschritte. Zunächst müssen geeignete Blätter gesammelt und für die Verarbeitung vorbereitet werden. Nach dem Trocknen werden die Fasern sortiert und, soweit erforderlich, in schmale Streifen geteilt. Anschließend werden sie durch wiederholtes Über- und Unterflechten zu einer stabilen Fläche verbunden. Je nach Verwendungszweck entstehen unterschiedliche Muster und Formen. Bei einem Hut müssen die Flechtbahnen so angeordnet werden, dass sich eine feste Krone und eine gleichmäßige Krempe bilden. Körbe benötigen dagegen einen stabilen Boden, belastbare Seitenwände und häufig verstärkte Ränder. Die Qualität hängt unter anderem von der Gleichmäßigkeit der Fasern, der Festigkeit der Verbindungen und der Sorgfalt beim Abschluss der Ränder ab.
 
Die Flechtkunst ist zugleich ein Beispiel für die Nutzung pflanzlicher Rohstoffe, die auf Inseln mit begrenzten Ressourcen besonders wichtig war. Solche Gegenstände ließen sich mit vergleichsweise einfachen Werkzeugen herstellen und bei Bedarf reparieren. Mit dem Wandel der Lebensweise nahm ihre Bedeutung als alltägliche Gebrauchsgegenstände ab, während ihr Wert als Ausdruck regionaler Identität zunahm. Heute ist die Tradition vor allem in Corossol sichtbar. Allerdings ist zwischen der historischen Verbreitung des Handwerks und seiner heutigen wirtschaftlichen Bedeutung zu unterscheiden: Die Korbflechterei ist weiterhin ein wichtiges kulturelles Erkennungsmerkmal, aber kein industriell organisierter Produktionszweig mit großen Stückzahlen.
 
Neben der Flechtkunst gehören textile Arbeiten und die Herstellung von Kleidungsaccessoires zum handwerklichen Erbe Saint-Barthélemys. Die traditionelle Kleidung der Insel entwickelte sich unter französischen und karibischen Einflüssen. In der Vergangenheit wurden Kleidungsstücke aus praktischen Gründen häufig lange getragen, ausgebessert und umgearbeitet. Näharbeiten, das Anpassen von Kleidern und das Verzieren von Stoffen waren daher wichtige häusliche Fähigkeiten. Heute finden sich auf der Insel neben internationalen Modegeschäften auch kleinere Unternehmen, die Kleidung entwerfen, besticken, mit Perlen verzieren oder individuell verändern. Solche Arbeiten verbinden textile Handwerkstechniken mit dem modernen Mode- und Souvenirgeschäft.
 
Ein Beispiel für die Verbindung von traditioneller Formgebung und zeitgenössischem Design ist die Marke July of St Barth. Das Unternehmen wurde 1989 von Juliette Espinasse Dubois gegründet und war zunächst auf Hüte, Taschen und weitere Modeaccessoires spezialisiert. Die Gründerin integrierte unter anderem Muscheln in ihre Entwürfe und entwickelte daraus einen individuellen Stil, der mit der Küstenlandschaft und der Lebenswelt der Insel verbunden ist. 2014 kam eine eigene Parfümlinie hinzu. Das Unternehmen zeigt, wie sich lokale Motive und handwerkliche Gestaltung zu einer Marke entwickeln lassen, die über den ursprünglichen Inselmarkt hinausreicht.
 
Das Schmuckhandwerk besitzt heute eine besondere wirtschaftliche Bedeutung, wobei zwischen tatsächlich auf Saint-Barthélemy entworfenen oder gefertigten Schmuckstücken und dem Verkauf internationaler Luxusmarken unterschieden werden muss. In Gustavia gibt es Juweliere und kleinere Designateliers, die Schmuckstücke anbieten, individuell anpassen oder nach Kundenwünschen gestalten. Verarbeitet werden unter anderem Edelmetalle, Perlen und Edelsteine. Einige Entwürfe greifen maritime Motive auf, beispielsweise Muscheln, Wellen oder andere Formen aus der Natur. Auch die Farben des Meeres und die tropische Vegetation dienen als Inspirationsquellen.
 
Die handwerkliche Schmuckherstellung umfasst das Entwerfen und Vermessen eines Stücks, das Bearbeiten und Verbinden der Materialien sowie das Fassen von Steinen und Perlen. Bei individuellen Anfertigungen kommen das Anpassen von Ringgrößen, das Umarbeiten älterer Schmuckstücke und Reparaturarbeiten hinzu. Solche Leistungen unterscheiden das eigentliche Juwelierhandwerk vom reinen Einzelhandel. Der Umstand, dass eine internationale Luxusmarke eine Boutique in Gustavia betreibt, belegt dagegen nicht, dass ihre Schmuckstücke oder Uhren auf der Insel hergestellt werden. Marken wie Chopard sind Teil des internationalen Luxusangebots, dürfen aber nicht ohne entsprechenden Nachweis als örtliche Schmuckmanufakturen eingeordnet werden.
 
Auch die Herstellung von Parfüms und kosmetischen Produkten hat sich zu einem eigenständigen Bereich der Inselwirtschaft entwickelt. Dabei geht es weniger um eine traditionelle Destillation heimischer Rohstoffe als um die Verbindung tropischer Pflanzenstoffe, kosmetischer Rezepturen und moderner Produktentwicklung. Die Insel besitzt keine bedeutende industrielle Landwirtschaft, die eine umfassende Versorgung der Parfüm- und Kosmetikherstellung mit lokal angebauten Rohstoffen ermöglichen würde. Viele Bestandteile und Vorprodukte müssen deshalb von außerhalb bezogen werden.
 
Ein bekanntes Unternehmen dieses Bereichs ist Ligne St Barth. Die Marke wurde 1983 von Hervé Brin gegründet und entwickelte zunächst kosmetische Produkte auf der Grundlage pflanzlicher Öle und anderer Inhaltsstoffe, darunter Roucouöl, Aloe-vera-Gel, Avocadoöl und Kokosöl. Das Sortiment wurde später um weitere Pflegeprodukte erweitert. Die Unternehmensgeschichte ist eng mit dem tropischen Naturbild der Insel und der Entwicklung des gehobenen Wellness- und Spa-Marktes verbunden. Die Produkte werden mit Saint-Barthélemy in Verbindung gebracht und international vertrieben. Dabei handelt es sich um Kosmetik und Körperpflege, nicht ausschließlich um Parfümerzeugnisse.
 
Daneben gibt es kleinere Anbieter von Düften, die sich an der karibischen Pflanzenwelt, dem Meer und den Gerüchen tropischer Gärten orientieren. Senteurs des Îles ist beispielsweise ein auf Saint-Barthélemy entstandenes Familienunternehmen, das Duftprodukte entwickelt und vermarktet. Die Produktgestaltung greift das Image der Insel als tropischer Lebensraum auf. Bei solchen Erzeugnissen ist jedoch zu unterscheiden, ob die Duftkomposition auf der Insel entwickelt, das Produkt dort abgefüllt oder die gesamte Herstellung einschließlich der Gewinnung der Duftstoffe vor Ort durchgeführt wird. Die Verwendung von Vanille-, Zitrus- oder anderen tropischen Duftnoten bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Rohstoffe von Saint-Barthélemy stammen.
 
Neben Schmuck, Mode und Kosmetik umfasst das heutige Kunsthandwerk bildnerische und dekorative Arbeiten. Dazu zählen Malerei, Skulptur, Gestaltung von Wohnaccessoires und künstlerische Arbeiten mit Holz, Keramik oder anderen Materialien. Die Chambre économique multiprofessionnelle de Saint-Barthélemy unterstützt mit ihrer Initiative CEM’ ART die Sichtbarkeit örtlicher Künstler und Kunsthandwerker. Das Angebot umfasst ein Verzeichnis von Kreativen aus verschiedenen Bereichen sowie Maßnahmen zur Förderung und Präsentation ihrer Arbeit. Mit dem Label „Art St Barth“ sollen die künstlerische Produktion der Insel und die Herkunft der Werke stärker erkennbar werden. Auch Veranstaltungen wie der Salon de l’Art et de l’Artisanat d’Art Local dienen dazu, die örtlichen Arbeiten einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
 
Für den Absatz handwerklicher Produkte spielt der Fremdenverkehr eine zentrale Rolle. Besucher kaufen Hüte, Körbe, Schmuck, Textilien, Kunstgegenstände und kosmetische Erzeugnisse als Erinnerungsstücke oder Geschenke. Ein Teil wird in kleinen Geschäften und Boutiquen angeboten, ein anderer über spezialisierte Verkaufsstellen und internationale Vertriebswege vermarktet. Die Zahlungsbereitschaft eines wohlhabenden internationalen Publikums ermöglicht es einzelnen Gestaltern, hochwertige Einzelstücke oder kleine Serien anzubieten. Gleichzeitig entstehen dadurch hohe Anforderungen an Präsentation, Markenbildung und Produktqualität. Die wirtschaftlichen Bedingungen unterscheiden sich daher deutlich von jenen des historischen Gebrauchshandwerks, das vor allem auf den Bedarf der örtlichen Bevölkerung ausgerichtet war.
 
=== '''Industrie''' ===
Die Industrie beschränkt sich auf kleinteilige, tourismusnahe Bereiche. Bauhandwerk boomt durch den Bau von Villen und Hotels; lokale Firmen spezialisieren sich auf tropenresistente Konstruktionen mit Holz und Stein, oft unter strengen Umweltauflagen der Collectivité d’Outre-Mer. Erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung: Solaranlagen und Windkraft werden von Handwerksbetrieben installiert, da die Insel auf Importe angewiesen ist und Nachhaltigkeit fördert. Fischerei und Aquakultur bleiben handwerklich – frischer Fang wird in kleinen Verarbeitungsbetrieben zu Gerichten wie „Accras“ oder geräuchertem Fisch veredelt.
 
Saint-Barthélemy ist zwar historisch eng mit dem Rumhandel verbunden, besitzt aber keine etablierte Zuckerrohrwirtschaft und keine bekannte kommerzielle Rumdestillerie nach dem Vorbild von Martinique oder Guadeloupe. Die Insel war insbesondere während ihrer Zeit als Freihafen ein Umschlagplatz für Waren aus der Karibik, darunter Rum. Heute gibt es in Gustavia spezialisierte Geschäfte mit umfangreichen Rumangeboten. Der Verkauf, die Auswahl und die Präsentation karibischer Spirituosen sind jedoch vom eigentlichen Brennereihandwerk zu unterscheiden. Die Behauptung, eine Destillerie namens „La Rhumerie“ in Corossol stelle handwerklichen Rum in Kupferbrennblasen her und exportiere ihn weltweit, lässt sich anhand der verfügbaren Belege nicht bestätigen.
 
=== '''Wasserwirtschaft''' ===
Die Wasserwirtschaft auf Saint-Barthélemy ist aufgrund der geringen Niederschlagsmengen, der ausgeprägten Trockenzeiten und des Fehlens dauerhaft wasserführender Flüsse eine der wichtigsten infrastrukturellen Aufgaben der Insel. Die Versorgung der Bevölkerung, der Gewerbebetriebe und des Fremdenverkehrs muss weitgehend unabhängig von natürlichen Süßwasservorkommen organisiert werden. Besonders hoch ist der Bedarf in den touristisch geprägten Gebieten, in denen Hotels, Villen, Restaurants, Schwimmbäder und Gartenanlagen große Wassermengen benötigen. Gleichzeitig sind die natürlichen Möglichkeiten zur Speicherung von Niederschlagswasser begrenzt. Die Wasserversorgung beruht deshalb auf der technischen Gewinnung von Süßwasser aus Meerwasser, der Speicherung, der Verteilung über ein Leitungsnetz und der ergänzenden Nutzung von Regenwasser.
 
Saint-Barthélemy gehört zu den trockeneren Inseln der Kleinen Antillen. Die Niederschläge fallen unregelmäßig und konzentrieren sich auf bestimmte Jahreszeiten. Längere niederschlagsarme Perioden können dazu führen, dass Zisternen und andere Speicher nur unzureichend gefüllt werden. Auch während der Regenzeit ist die verfügbare Wassermenge von der Intensität und zeitlichen Verteilung der Niederschläge abhängig. Starkregen führt nicht automatisch zu einer ausreichenden Versorgung, da ein Teil des Wassers oberflächlich abfließt und bei heftigen Niederschlägen nur begrenzt gespeichert werden kann.
 
Dauerhaft wasserführende Flüsse fehlen auf der Insel. Die kleinen Einzugsgebiete und die topografischen Verhältnisse ermöglichen keine umfangreiche natürliche Speicherung in großen Flusssystemen oder Seen. Auch ergiebige, zuverlässig nutzbare Süßwassergrundwasserleiter stehen nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung, um den heutigen Bedarf zu decken. Die Wasserwirtschaft kann deshalb nicht auf die Erschließung eines größeren natürlichen Süßwasserreservoirs zurückgreifen. Das Meer ist zwar eine nahezu unbegrenzte Rohwasserquelle, doch seine Nutzung setzt energieintensive technische Anlagen voraus.
 
Historisch waren die Einwohner auf Regenwassersammlung und örtliche Speicher angewiesen. Zisternen wurden an Häusern angelegt, um das von den Dächern ablaufende Wasser aufzufangen. Solche Speicher waren für die häusliche Versorgung von großer Bedeutung und sind Ausdruck einer an Wassermangel angepassten Bau- und Lebensweise. In trockenen Zeiten musste der Verbrauch eingeschränkt werden; für bestimmte Zwecke war die Bevölkerung auf zusätzliche Lieferungen angewiesen. Mit dem Wachstum der Siedlungen und des Fremdenverkehrs reichten die traditionellen Verfahren allein nicht mehr aus.
 
Die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus verstärkte den Bedarf an einer verlässlichen öffentlichen Versorgung. Insbesondere der Ausbau von Hotels, Ferienhäusern und privaten Villen erhöhte den Verbrauch in den Bereichen Körperpflege, Wäscherei, Küchenbetrieb, Gartenbewässerung und Schwimmbadunterhaltung. Da die Wasserversorgung nicht im gleichen Maß durch natürliche Ressourcen erweitert werden kann, wurde die Meerwasserentsalzung zur Grundlage der modernen Infrastruktur.
 
Die öffentliche Trinkwasserproduktion und die Verteilung des Wassers werden von unterschiedlichen Unternehmen übernommen. Die Société Internationale de Dessalement d’Eau de Mer (SIDEM), die zur Veolia-Gruppe gehört, produziert im Auftrag der Gebietskörperschaft das entsalzte Wasser. Die SAUR betreibt dagegen das öffentliche Verteilungsnetz und ist für die Versorgung der angeschlossenen Verbraucher zuständig. Die Aufgabenteilung ist wichtig, weil Produktionsprobleme in der Entsalzungsanlage und Schäden an den Leitungen unterschiedliche Ursachen haben, sich aber beide unmittelbar auf die Versorgung auswirken können.
 
Die erste Entsalzungsanlage der Insel wurde Anfang der 1970er-Jahre errichtet. Seitdem wurde die Technik mehrfach erweitert und verändert. Heute kommen zwei grundlegende Verfahren zum Einsatz: die thermische Entsalzung durch Verdampfung und die Umkehrosmose. Bei der thermischen Entsalzung wird Meerwasser erhitzt, sodass Wasserdampf entsteht, der anschließend kondensiert und als Süßwasser aufgefangen wird. Bei der Umkehrosmose wird Meerwasser unter hohem Druck durch spezielle Membranen gepresst. Die Membranen lassen Wasser durch, halten aber einen großen Teil der gelösten Salze zurück. Das Verfahren benötigt erhebliche elektrische Energie, ist gegenüber der klassischen Verdampfung aber vergleichsweise energieeffizient.
 
Die beiden Verfahren ergänzen sich. Bei der thermischen Anlage wird ein Teil der benötigten Wärme durch Dampf aus der benachbarten Müllverbrennungsanlage bereitgestellt. Dadurch kann vorhandene Energie genutzt werden, die andernfalls nur eingeschränkt verwertbar wäre. Die Umkehrosmose bildet den zweiten wichtigen Produktionsweg. Ihre Leistungsfähigkeit hängt unter anderem vom Zustand der Membranen, dem Druck, der Qualität des Rohwassers und der regelmäßigen Wartung ab. Sand, Schwebstoffe und andere Bestandteile des Meerwassers müssen vor der eigentlichen Entsalzung ausreichend entfernt werden, damit die empfindlichen Anlagen nicht beschädigt werden.
 
Nach dem Entsalzungsprozess ist das Wasser noch nicht ohne weitere Behandlung für die öffentliche Trinkwasserversorgung geeignet. Weil ihm bei der Entsalzung ein großer Teil der gelösten Mineralstoffe entzogen wurde, muss es remineralisiert und hygienisch aufbereitet werden. Anschließend wird es in Speicherbehältern gesammelt und in das Verteilungsnetz eingespeist. Die Wasserqualität wird durch betriebliche Kontrollen und behördliche Untersuchungen überwacht.
 
Für das Jahr 2024 weist ein Bericht des französischen Umweltministeriums für die Entsalzungsanlagen auf Saint-Barthélemy eine Trinkwasserproduktion von 1.228.075 m³ aus. Das entspricht durchschnittlich rund 3.365 m³ täglich. Die installierte theoretische Höchstleistung lag nach dem Bericht bei ungefähr 8.000 m³ pro Tag; die tatsächlich nutzbare Leistung hängt jedoch von Wartungsarbeiten, technischen Störungen und dem jeweiligen Betriebszustand ab. Die Jahresproduktion darf daher nicht mit der maximal möglichen Tagesleistung verwechselt werden.
 
Auch der Energiebedarf ist beträchtlich. Für 2024 nennt derselbe Bericht einen Stromverbrauch von 4.915 MWh für die Entsalzungsproduktion. Das entspricht rechnerisch etwa 4 kWh je produziertem Kubikmeter Wasser. Hinzu kommt der Energiebedarf für die Förderung, Speicherung und Verteilung sowie für die Abwasserbehandlung. Die Kosten der Wassergewinnung sind deshalb wesentlich höher als bei Regionen, in denen ausreichend Grundwasser oder Oberflächenwasser mit vergleichsweise geringem technischen Aufwand verfügbar ist. Auch Ersatzteile, Membranen, Chemikalien und Wartungsleistungen müssen angesichts der Insellage zuverlässig beschafft werden.
 
Die erzeugten Wassermengen werden in Speichern gesammelt, bevor sie in das Leitungsnetz gelangen. Zu den zentralen Speichern gehören die Reservoirs von Colombier und Vitet, die jeweils rund 1.000 m³ fassen. Zusammen mit einem Speicher von 500 m³ an der Produktionsanlage ergibt sich eine ausgewiesene Speicherkapazität von insgesamt 2.500 m³. Der Bericht des Umweltministeriums nennt für die Versorgungsspitze außerdem einen Bedarf an zusätzlicher Speicherkapazität, weil die vorhandenen Vorräte bei hohem Verbrauch nur einen begrenzten Zeitraum überbrücken können. Die Reservoirs dienen dazu, Schwankungen zwischen Produktion und Verbrauch auszugleichen und Wasser in höher gelegene Netzabschnitte zu verteilen.
 
Die Versorgung wird durch den starken Wechsel der Bevölkerungszahl zusätzlich erschwert. Neben den dauerhaft auf der Insel lebenden Menschen müssen zeitweise zahlreiche Touristen, Beschäftigte und weitere Besucher versorgt werden. Der Bericht des Umweltministeriums geht von etwa 11.000 dauerhaft anwesenden Einwohnern und bis zu 18.000 Menschen während der touristischen Spitzenzeiten aus. Damit kann sich die Zahl der zu versorgenden Personen saisonal deutlich erhöhen. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf von Hotels, Restaurants und privaten Unterkünften, während die technische Produktionskapazität nicht beliebig schnell erweitert werden kann.
 
Die Verbrauchszahlen verdeutlichen die Entwicklung. Nach dem Wirtschaftsbericht des IEDOM stieg der durchschnittliche tägliche Wasserverbrauch von 2.944 m³ im Jahr 2019 auf 3.290 m³ im Jahr 2022. Das entsprach einem Anstieg um rund 11,8 Prozent gegenüber dem letzten vollständigen Jahr vor der Pandemie. Als wesentliche Einflussfaktoren nennt der Bericht die zunehmende Bautätigkeit und den steigenden Besucherzustrom. Im Jahr 2022 wurden über das öffentliche Netz 1.256.619 m³ Wasser abgerechnet.
 
Die öffentliche Wasserversorgung wird durch private Anlagen ergänzt. Einige Hotels und Wohnanlagen verfügen über eigene Zisternen zur Sammlung von Regenwasser; andere besitzen eigene Entsalzungsgeräte. Damit können sie einen Teil ihres Bedarfs unabhängig vom öffentlichen Netz decken. Die tatsächliche Zahl und Gesamtleistung dieser Anlagen ist jedoch nicht vollständig dokumentiert. Ihre Bedeutung lässt sich daher nicht ohne Weiteres in eine Gesamtbilanz der Wasserproduktion einrechnen. Der Bericht des Umweltministeriums weist außerdem darauf hin, dass private Betreiber die bei der Entsalzung anfallende konzentrierte Salzlösung nicht ohne entsprechende Regelungen entsorgen dürfen.
 
Die Regenwassernutzung bleibt trotz der modernen Entsalzungstechnik ein wichtiger Bestandteil der Wasserwirtschaft. Bei der traditionellen Bauweise wurde das von den Dächern ablaufende Regenwasser über Dachrinnen in unterirdische Zisternen geleitet. Diese Speicher finden sich sowohl an älteren Häusern als auch an neueren Gebäuden. Sie ermöglichen es, Niederschläge aufzufangen und für Zeiten mit geringem Regenangebot aufzubewahren. Die gespeicherten Mengen können für die Gartenbewässerung, Reinigungsarbeiten und andere geeignete Zwecke eingesetzt werden. Bei entsprechender Aufbereitung ist auch eine Nutzung als Trinkwasser möglich; dafür sind allerdings eine geeignete Filtration, Desinfektion und regelmäßige Kontrolle erforderlich.
 
Die Kapazität einer Zisterne hängt von der Dachfläche, der Niederschlagsmenge und dem Fassungsvermögen des Speichers ab. Bei langen Trockenperioden kann selbst eine große Zisterne vollständig leer werden. Umgekehrt kann bei starken Niederschlägen ein Teil des Wassers überlaufen, wenn die Speicherkapazität nicht ausreicht. Eine möglichst vollständige Nutzung des Regenwassers setzt daher eine geeignete Dimensionierung, funktionsfähige Dachrinnen, saubere Filter und eine regelmäßige Wartung voraus. Für touristische Anlagen mit großen Dachflächen und umfangreichen Außenbereichen bietet die Regenwassersammlung Möglichkeiten, den Bedarf an entsalztem Trinkwasser zu reduzieren.
 
Neben der Regenwassernutzung spielt die Verringerung von Verlusten im öffentlichen Leitungsnetz eine zentrale Rolle. Rohrbrüche, undichte Verbindungen, defekte Armaturen und nicht erfasste Wasserentnahmen können dazu führen, dass ein Teil des produzierten Wassers nicht als Verbrauch bei den Kunden ankommt. Gerade auf einer Insel, auf der jeder Kubikmeter zunächst technisch aus Meerwasser gewonnen werden muss, sind solche Verluste wirtschaftlich und ökologisch besonders problematisch.
 
Für das öffentliche Trinkwassernetz weist die französische Datenbank SISPEA für 2023 eine Verteilungseffizienz von 75,7 Prozent aus. Das bedeutet, dass ein Teil des eingespeisten Wassers rechnerisch nicht als regulär abgerechneter Verbrauch erfasst wurde. Der Wert ist nicht gleichbedeutend mit einer reinen Leckagequote, da auch andere nicht abgerechnete Wassermengen in die Berechnung eingehen können. Die Daten unterstreichen dennoch die Bedeutung einer systematischen Überwachung des Netzes, der Ortung von Leckagen und der Erneuerung älterer Leitungsabschnitte.
 
Die Überwachung des Verbrauchs kann durch Wasserzähler, regelmäßige Messungen und eine genauere Erfassung der Wasserströme verbessert werden. Digitale Zähler und technische Überwachungssysteme können ungewöhnlich hohe Verbräuche anzeigen und dabei helfen, Schäden frühzeitig zu erkennen. Für größere Hotels und andere wasserintensive Betriebe sind getrennte Messungen einzelner Verbrauchsbereiche sinnvoll, etwa für Schwimmbäder, Küchen, Wäschereien und Gartenbewässerung. Die Nutzung solcher Systeme ist jedoch nicht mit einer flächendeckend eingeführten intelligenten Steuerung auf der gesamten Insel gleichzusetzen.
 
Bezüglich Abwässern besteht in Gustavia eine zentrale Kläranlage, die unter anderem häusliches Abwasser, bestimmte gewerbliche Abwässer sowie gesammelte Inhalte aus Kleinkläranlagen und abflusslosen Gruben behandelt. Nach dem Wirtschaftsbericht des IEDOM verfügt die Anlage über eine Kapazität von 3.500 Einwohnerwerten. Die Reinigung erfolgt mit einem Membranverfahren, bei dem Feststoffe und weitere Verunreinigungen mithilfe technischer Filter zurückgehalten werden. Im Jahr 2022 wurden dort 120.927 m³ Abwasser behandelt. Die zentrale Kanalisation deckt allerdings nicht sämtliche Gebäude der Insel ab. In vielen Bereichen erfolgt die Abwasserbehandlung dezentral über eigene Anlagen, Kleinkläranlagen oder andere zugelassene Systeme. Der Service public d’assainissement non collectif (SPANC), der seit 2005 tätig ist, befasst sich mit dieser Form der Abwasserentsorgung. Die ordnungsgemäße Funktion solcher Anlagen ist besonders wichtig, da undichte Abwasserbehälter oder unzureichend gereinigte Abwässer den Boden und die Küstengewässer belasten können.
 
=== '''Energiewirtschaft''' ===
Die Stromerzeugung und -verteilung liegen im Verantwortungsbereich von Électricité de France (EDF), genauer '''EDF Systèmes Énergétiques Insulaires''' (EDF SEI). Das zentrale Kraftwerk befindet sich im Industriegebiet Public bei Gustavia. Es versorgt Haushalte, Gewerbebetriebe, öffentliche Einrichtungen und die touristische Infrastruktur über das örtliche Mittel- und Niederspannungsnetz. Zu den größten Verbrauchern gehören Hotels, Restaurants, luxuriöse Ferienvillen, Klimaanlagen, Kühlanlagen und Schwimmbadtechnik. Auch die Trinkwasserproduktion ist unmittelbar von einer zuverlässigen Stromversorgung abhängig, weil die Meerwasserentsalzung Energie benötigt. Stromausfälle wirken sich deshalb nicht nur auf Beleuchtung und Haushaltsgeräte aus, sondern können zugleich die Wasserversorgung, Telekommunikation und weitere öffentliche Dienstleistungen beeinträchtigen.
 
Das Kraftwerk ist eine thermische Anlage, die mit importiertem flüssigem Brennstoff betrieben wird. Die ältere Kraftwerksausstattung bestand aus sechs Motoren mit jeweils rund 3,1 MW Leistung, die zwischen 1988 und 1997 in Betrieb genommen wurden. Ende 2013 kamen zwei leistungsstärkere Motoren mit jeweils rund 8,7 MW hinzu. Die installierte Gesamtleistung lag damit bei ungefähr 36 MW, wobei die tatsächlich verfügbare Leistung von Wartungszustand, Ausfällen und der Betriebsfähigkeit einzelner Aggregate abhängt. Die Versorgung muss so ausgelegt sein, dass auch während hoher Verbrauchsspitzen genügend Strom bereitgestellt werden kann.
 
Der Brennstoff muss mit Schiffen auf die Insel gebracht werden. Dadurch ist die Stromproduktion von internationalen Kraftstoffpreisen und der Zuverlässigkeit des Seetransports abhängig. Die Insel verfügt weder über eigene Erdölvorkommen noch über eine für die Stromversorgung relevante heimische Brennstoffproduktion. Steigende Weltmarktpreise, höhere Transportkosten oder Störungen der Lieferketten können deshalb die Kosten der Energieversorgung erhöhen. Auch die Lagerung ausreichender Kraftstoffmengen ist für die Versorgungssicherheit wichtig, da die Insel bei ungünstigem Wetter oder nach einem schweren Sturm zeitweise schwieriger erreichbar sein kann.
 
Die im Alltag häufig als Strombedarfsspitze bezeichnete Leistung liegt bei mehr als 22 MW. Dieser Wert beschreibt die momentane elektrische Leistung, die zu Zeiten hoher Nachfrage benötigt wird, und nicht die gesamte Energiemenge eines Tages oder Jahres. Die tatsächliche Nachfrage kann je nach Tageszeit, Saison, Außentemperatur und touristischer Auslastung erheblich schwanken. Bei großer Hitze steigt insbesondere der Bedarf für Klimatisierung und Kühlung. Der starke Ausbau der touristischen Unterkünfte und der damit verbundene hohe Stromverbrauch stellen daher besondere Anforderungen an die Planung und Modernisierung der Kraftwerkskapazitäten. Die französische Energieregulierungskommission CRE weist darauf hin, dass der Stromverbrauch pro Einwohner auf Saint-Barthélemy im Vergleich zu anderen nicht mit einem überregionalen Stromnetz verbundenen französischen Inselgebieten besonders hoch ist.
 
Ein deutliches Beispiel für die Anfälligkeit des Systems ereignete sich am 10. Juli 2023. In einem elektrischen Verteilungsbereich des EDF-Kraftwerks brach ein Feuer aus, woraufhin die Anlage zunächst vollständig ausfiel. Die verfügbaren Aggregate konnten anschließend nur schrittweise wieder in Betrieb genommen werden. Am folgenden Tag standen zeitweise lediglich etwa 10 MW zur Verfügung, während die Lastspitze bei rund 22 MW lag. Deshalb wurden rollierende Stromabschaltungen eingeführt: Verschiedene Netzbereiche erhielten abwechselnd für begrenzte Zeit Strom. Rund 6.500 Kunden waren zunächst von der Unterbrechung betroffen. Die Wiederherstellung der Versorgung erfolgte schrittweise; die Störungen verdeutlichten die Folgen einer starken Abhängigkeit von einem zentralen Kraftwerksstandort.
 
Auch der Hurrikan Irma im September 2017 hatte die Schwächen der Energieinfrastruktur offengelegt. Die damaligen Schäden betrafen sowohl das Kraftwerk als auch Teile des Verteilungsnetzes. Da die Trinkwasserproduktion ebenfalls auf elektrische Energie angewiesen ist, führte der Stromausfall zugleich zu erheblichen Problemen bei der Wasserversorgung. In den folgenden Jahren wurde die Widerstandsfähigkeit des Netzes durch umfangreiche Bauarbeiten verbessert. Ein wesentlicher Bestandteil war die Verlegung von Mittel- und Niederspannungsleitungen unter die Erde. Erdverlegte Leitungen sind weniger direkt Windwurf und umherfliegenden Gegenständen ausgesetzt als Freileitungen, bleiben jedoch gegenüber Überschwemmungen, beschädigten Schaltanlagen und Störungen an anderen Netzelementen anfällig.
 
Die Stromversorgung wird durch private Notstromaggregate ergänzt, die insbesondere in größeren Hotels, Gewerbebetrieben und wichtigen Einrichtungen eingesetzt werden. Sie können bei einem Ausfall des öffentlichen Netzes eine begrenzte Ersatzversorgung ermöglichen. Ihre tatsächliche Leistung hängt jedoch von der verfügbaren Generatorleistung und den vorhandenen Kraftstoffvorräten ab. Bei einer großflächigen Störung können zudem die Versorgung mit Diesel, die Wartung der Aggregate und die sichere Ableitung der Abgase zu zusätzlichen Problemen werden. Notstromaggregate ersetzen daher keine ausreichende und zuverlässig verfügbare öffentliche Stromerzeugung.
 
Die Abfallwirtschaft ist mit der Energiewirtschaft verbunden, weil die Insel eine Anlage zur thermischen Behandlung von Abfällen besitzt. Die UIOM (Unité d’incinération des ordures ménagères) ist eine Müllverbrennungsanlage, die zur Verringerung des Abfallvolumens dient. Sie ist von der EDF-Kraftwerksanlage zu unterscheiden. Die Abfallverbrennung kann grundsätzlich zur energetischen Verwertung genutzt werden; die konkrete elektrische Leistung und der Umfang einer Stromabgabe müssen jedoch anhand der technischen Betriebsdaten der Anlage belegt werden. Die Bezeichnung Cyclergie sollte deshalb nicht ohne Weiteres als Beleg dafür verwendet werden, dass die Müllverbrennungsanlage einen wesentlichen Anteil des Inselstroms erzeugt. Die thermische Hauptversorgung des öffentlichen Stromnetzes erfolgt über das EDF-Kraftwerk.
 
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist ein wesentlicher Bestandteil der längerfristigen Energiepolitik. Besonders geeignet ist die Photovoltaik, weil Saint-Barthélemy über eine hohe Sonneneinstrahlung verfügt und auf Gebäudedächern zusätzliche Erzeugungsflächen vorhanden sind. Solarmodule können Strom für Haushalte, Hotels, Gewerbebetriebe und öffentliche Einrichtungen produzieren. Die Erzeugung schwankt allerdings mit Tageszeit, Bewölkung und Jahreszeit. Sie erreicht ihren höchsten Wert normalerweise tagsüber, während der Strombedarf durch Klimatisierung und andere Verbraucher auch in den Abendstunden hoch sein kann. Ohne ausreichende Speicher oder andere steuerbare Erzeugungsanlagen kann Solarstrom das thermische Kraftwerk daher nicht vollständig ersetzen.
 
Neben der Photovoltaik kommt die Solarthermie infrage. Solarkollektoren erwärmen Wasser mithilfe der Sonnenenergie und können dadurch den Bedarf an elektrisch oder mit Brennstoff betriebenen Warmwasserbereitern verringern. Das ist besonders in Hotels, Ferienunterkünften und privaten Villen relevant, in denen regelmäßig größere Mengen Warmwasser benötigt werden. Solarthermie reduziert zwar nicht unmittelbar den Stromverbrauch für sämtliche Anwendungen, kann aber den gesamten Energiebedarf eines Gebäudes senken.
 
Die Nutzung von Solarenergie wird durch bauliche und wirtschaftliche Maßnahmen unterstützt. Bei Neubauten können Vorschriften und Auflagen die Installation von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energie oder andere Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz vorsehen. Welche Anforderungen im Einzelnen gelten, hängt von den jeweils anwendbaren Bau- und Energievorschriften ab. Auch steuerliche Förderungen und Programme zur Unterstützung erneuerbarer Energien können Investitionen erleichtern. Dabei ist zwischen verbindlichen gesetzlichen Pflichten, zeitlich begrenzten Förderprogrammen und freiwilligen Maßnahmen einzelner Eigentümer zu unterscheiden.
 
=== '''Abfallwirtschaft''' ===
Die Zuständigkeit für die Abfallwirtschaft liegt bei der Collectivité territoriale de Saint-Barthélemy. Die Behandlung und energetische Verwertung der Abfälle wurde dem Unternehmen Ouanalao Environnement übertragen, einer Tochtergesellschaft der Paprec-Gruppe. Grundlage ist ein Vertrag über die Erbringung öffentlicher Dienstleistungen aus dem Jahr 2001. Die wichtigsten Anlagen befinden sich im Industriegebiet Public am Eingang von Gustavia. Dort sind eine Abfallannahmestelle, ein Sortierzentrum und eine Anlage zur thermischen Abfallbehandlung zusammengefasst. Der Standort dient sowohl privaten Haushalten als auch Gewerbebetrieben. Nach Angaben des IEDOM werden dort rund 22.000 Tonnen Abfälle pro Jahr behandelt. Ein großer Anteil entfällt auf Sperrmüll und andere sperrige Abfälle. Da nicht alle Materialien auf der Insel verwertet werden können, werden zahlreiche Abfallfraktionen für die weitere Behandlung und Verwertung ausgeführt.
 
Die Sammlung im Wohngebiet erfolgt nach einem System, das eine begrenzte Zahl von Sammelfraktionen vorsieht. Haushalte verwenden schwarze Säcke für den gewöhnlichen Hausmüll sowie bestimmte weitere Abfälle, darunter Papier und kleinere Kartonagen. Glasflaschen, Gläser und Getränkedosen beziehungsweise andere Lebensmittelbehälter aus Metall werden getrennt in transparenten Säcken gesammelt. Die genaue Zuordnung richtet sich nach den örtlichen Sortierregeln; größere Kartons und andere Materialien müssen häufig direkt bei der Abfallannahmestelle abgegeben werden. Die Trennung an der Quelle soll verhindern, dass verwertbare Materialien mit dem Restmüll vermischt werden, und erleichtert die anschließende Sortierung. Die reguläre Sammlung findet nach den veröffentlichten örtlichen Informationen in der Regel montags bis samstags statt; sonntags und an bestimmten Feiertagen ist sie ausgesetzt. In einzelnen Gebieten werden die Abfälle mehrmals täglich abgeholt.
 
Das Sortierzentrum im Industriegebiet Public übernimmt die Annahme und weitere Aufbereitung unterschiedlicher Abfallarten. Neben dem regulären Hausmüll werden dort unter anderem Papier und Karton, Glas, Metalle, Kunststoffe, Holz, Grünabfälle, Schrott, Elektro- und Elektronikgeräte, Batterien, Reifen, Altöle und ausgediente Fahrzeuge erfasst. Für manche Abfallarten gelten besondere Annahmezeiten oder eine vorherige Anmeldung. Gewerbliche Abfälle können anderen Gebühren- und Abgabebedingungen unterliegen als Haushaltsabfälle. Die örtliche Abfallannahmestelle ist daher nicht nur ein Sammelplatz, sondern ein wichtiger Knotenpunkt für die Trennung und Weiterleitung zahlreicher Stoffströme.
 
Die Wiederverwertung hängt stark von der Ausfuhr der sortierten Materialien ab. Schrott und andere Metalle, Glas, Elektroaltgeräte sowie verschiedene weitere Stoffe werden für die Weiterverarbeitung aufbereitet und anschließend zu spezialisierten Anlagen außerhalb der Insel transportiert. Als Zielgebiete nennt der IEDOM unter anderem die Europäische Union, die Vereinigten Staaten und das französische Mutterland. Die Rückstände aus der Rauchgasreinigung der Müllverbrennung und die bei der Verbrennung entstehende Schlacke müssen ebenfalls über dafür vorgesehene Entsorgungswege abgeführt werden. Die Insel verfügt somit über Einrichtungen zur Sammlung, Sortierung und Behandlung, kann aber nicht sämtliche Materialien und Rückstände vor Ort endgültig verwerten.
 
Die thermische Behandlung erfolgt in der Unité d’incinération des ordures ménagères (UIOM), die mit der Bezeichnung Cyclergie in Verbindung gebracht wird. Sie dient der Verbrennung geeigneter Abfälle und der Verringerung des Abfallvolumens. Die Anlage ist für das örtliche System besonders wichtig, weil Saint-Barthélemy nur begrenzte Flächen für die Ablagerung von Abfällen besitzt. Die thermische Behandlung reduziert die Menge, die anderweitig entsorgt werden muss, erzeugt allerdings auch Rückstände, die gesondert behandelt werden müssen. Dazu gehören Schlacke sowie Rückstände aus der Reinigung der Verbrennungsabgase. Die Rauchgasreinigung ist erforderlich, um Schadstoffe zurückzuhalten und die Umweltbelastung zu begrenzen. Diese Rückstände werden nicht einfach mit dem normalen Hausmüll entsorgt, sondern über spezialisierte Verwertungs- oder Entsorgungswege ausgeführt.
 
Die Abfallverbrennung ist außerdem mit der Energiewirtschaft verbunden. Die Anlage wird als Einrichtung zur energetischen Verwertung geführt, sodass bei der Behandlung Energie genutzt werden kann. Daraus folgt jedoch nicht, dass sie einen wesentlichen Anteil des gesamten Strombedarfs der Insel deckt. Für eine genaue Beurteilung wären Angaben zur tatsächlich erzeugten elektrischen Energie, zum Eigenverbrauch der Anlage und zu einer möglichen Einspeisung in das öffentliche Netz erforderlich. Die Müllverbrennungsanlage ist daher von dem EDF-Kraftwerk in Public zu unterscheiden, das die zentrale thermische Erzeugungsanlage der öffentlichen Stromversorgung darstellt. Auch ist die energetische Verwertung nicht mit Recycling gleichzusetzen: Bei der Verbrennung wird der Energieinhalt geeigneter Abfälle genutzt, während beim stofflichen Recycling Materialien für eine erneute Verwendung aufbereitet werden.
 
Die aktuellen Angaben des Betreibers verdeutlichen die Größenordnung des Systems. Für 2025 weist Paprec für den Écopôle 21.320 Tonnen angelieferte Abfälle aus. Davon entfielen 14.000 Tonnen auf die beiden Anlagen zur energetischen Verwertung, 2.000 Tonnen auf die getrennte Sammlung und 4.300 Tonnen auf die Kompostierungsplattform. Die Werte sind gerundet und beziehen sich auf unterschiedliche Behandlungswege; sie sollten deshalb nicht ohne Weiteres als vollständig additive Bilanz sämtlicher Abfallströme interpretiert werden. Die Anlage umfasst nach Angaben des Betreibers auf einer Fläche von rund 1,5 Hektar zwei Abfallannahmestellen, eine Einrichtung für Elektro- und Elektronikaltgeräte, einen Bereich zur Schadstoffentfrachtung, ein Sortierzentrum, eine Kompostierungsanlage und zwei Anlagen zur energetischen Verwertung.
 
Die thermische Verwertung ist eng mit der Trinkwasserproduktion verbunden. Der bei der Verbrennung entstehende Dampf wird direkt an die Meerwasserentsalzungsanlage SIDEM weitergeleitet und dort zur Erzeugung von Trinkwasser genutzt. Dadurch wird ein Teil des Energiebedarfs der Wasserproduktion durch die Abfallbehandlung gedeckt. Nach einer 2024 veröffentlichten Darstellung von Paprec liefert die Anlage etwa ein Drittel der für die Trinkwasserproduktion benötigten Energie. Der Nutzen besteht somit nicht allein in der Verringerung des Abfallvolumens, sondern auch in der Bereitstellung von Prozesswärme für eine für die Insel lebenswichtige Infrastruktur. Diese Nutzung von Wärme ist allerdings nicht mit einer vollständigen Stromversorgung durch Müllverbrennung gleichzusetzen.
 
Besonders umfangreich sind die Grünabfälle, die bei der Pflege von Gärten, Grundstücken und Straßenrändern anfallen. Nach den örtlichen Angaben werden gewöhnlich etwa 200 bis 250 Tonnen pflanzliche Abfälle pro Monat angeliefert. Während der Zeit verstärkter Vegetationspflege und der Vorbereitung auf die Hurrikansaison kann die Menge deutlich ansteigen; für August wurden Spitzen von 500 bis 600 Tonnen genannt. Solche saisonalen Schwankungen belasten die Annahme- und Verarbeitungsflächen. Die örtliche Abfallverwaltung empfiehlt deshalb, größere Rückschnitte möglichst frühzeitig vorzunehmen, um eine Überlastung während der Hauptsaison zu vermeiden.
 
Die Grünabfälle werden auf der Kompostierungsplattform verarbeitet. Das daraus gewonnene Kompostmaterial steht nach Angaben der örtlichen Betreiberinformationen auch zur Abholung zur Verfügung. Private Haushalte können kleinere Mengen beziehen, während gewerbliche Nutzer größere Mengen abnehmen können. Kompostierung ermöglicht es, einen Teil der pflanzlichen Abfälle lokal zu verwerten und organisches Material wieder in den Boden zurückzuführen. Sie reduziert damit den Bedarf, diese Abfälle zu verbrennen oder auszuführen. Allerdings müssen die angelieferten Materialien ausreichend frei von Fremdstoffen sein, damit der Kompost für die weitere Verwendung geeignet bleibt. Die Kompostierung ist daher auf eine möglichst saubere Trennung der Grünabfälle angewiesen.
 
Trotz der vergleichsweise umfassenden Infrastruktur bleibt die Abfallvermeidung eine zentrale Aufgabe. Der IEDOM bezifferte die Menge der haushaltsähnlichen Abfälle im Jahr 2020 auf 684 Kilogramm pro Einwohner. Auf Restmüll entfielen dabei 557 Kilogramm pro Einwohner. Diese historischen Werte liegen hoch und spiegeln sowohl den touristischen Charakter der Insel als auch die begrenzte Trennung bestimmter Verpackungsabfälle wider. Der IEDOM weist insbesondere darauf hin, dass Haushaltskunststoffe und Kartonagen teilweise mit dem Restmüll verbrannt werden, statt einer getrennten stofflichen Verwertung zugeführt zu werden. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2020 und sind daher nicht als aktuelle Jahreswerte zu verstehen; sie zeigen jedoch die strukturelle Bedeutung der Abfallvermeidung und einer verbesserten Sortierung.
 
Zur Verringerung der Abfallmengen wurden Informations- und Sensibilisierungskampagnen durchgeführt. Dazu gehört die Initiative „Saint-Barthélemy – Île sans plastique“, die vom Rotary Club der Insel mit Unterstützung örtlicher Partner vorangetrieben wurde. Sie richtet sich unter anderem an Geschäfte und Gastronomiebetriebe und wirbt für die Reduzierung von Einwegplastik, beispielsweise bei Trinkhalmen, Flaschen und Tragetaschen. Auch zweisprachige Informationsblätter erläutern die örtlichen Trennregeln. Die Umweltagentur der Insel informiert über den richtigen Umgang mit Haushaltsabfällen und weitere Maßnahmen zum Schutz der Natur. Solche Kampagnen sind besonders wichtig, weil viele Gäste nur für kurze Zeit auf der Insel leben und mit den örtlichen Sammelregeln nicht vertraut sind.
 
Sonderabfälle erfordern eine gesonderte Behandlung. Batterien, Elektro- und Elektronikgeräte, Altöle, Reifen und ausgediente Fahrzeuge dürfen nicht wie gewöhnlicher Hausmüll behandelt werden. Sie werden über spezielle Annahme- und Aufbereitungswege erfasst, teilweise schadstoffentfrachtet und anschließend an geeignete Fachbetriebe oder Entsorgungsanlagen außerhalb der Insel weitergeleitet. Auch die Rückstände der Verbrennungsanlagen müssen kontrolliert gesammelt und über spezialisierte Entsorgungswege abgeführt werden. Die getrennte Behandlung dient dazu, Schadstoffe nicht unkontrolliert in Boden, Grundwasser oder Küstengewässer gelangen zu lassen. Die Annahmebedingungen und Gebühren unterscheiden sich je nach Abfallart und danach, ob die Abfälle von privaten Haushalten oder Gewerbebetrieben stammen.
 
Eine besondere Herausforderung stellen Bau- und Abbruchabfälle dar. Auf Saint-Barthélemy wird aufgrund des begrenzten Baulands und der hohen Bedeutung von Wohnungsbau, Hotelbau und Renovierungen regelmäßig Bauschutt erzeugt. Solche Materialien benötigen große Lager- und Umschlagflächen und können nicht sämtlich auf der Insel wiederverwendet werden. Die Annahme und Weiterleitung von Bauschutt, Keramik, Holz, Metall und anderen sperrigen Materialien ist deshalb ein wichtiger Teil der Abfallwirtschaft. Die begrenzte verfügbare Fläche macht es notwendig, die Lagerung zeitlich zu begrenzen und geeignete Materialien möglichst aufzubereiten oder auszuführen.
 
=== '''Handel''' ===
Der Handel auf der Insel profitiert von ihrer Status als zollfreier Hafen, was Preise für Importwaren attraktiv macht, auch wenn die Lebenshaltungskosten insgesamt hoch sind – ein Spiegel der luxuriösen Lebensweise hier. Einkaufen ist nicht nur Versorgung, sondern ein Erlebnis: Von praktischen Supermärkten für den täglichen Bedarf bis hin zu eleganten Boutiquen für Mode und Souvenirs erstreckt sich das Angebot über die gesamte Insel. Die Hauptzentren liegen in Gustavia, der charmanten Hauptstadt mit ihrem Hafen, sowie in St. Jean und Lorient, wo der Flughafen in der Nähe viele Geschäfte belebt. Viele Läden schließen mittags für Siesta (12 bis 15 Uhr), öffnen aber bis abends und an Sonntagen in reduziertem Umfang.
 
Die Supermärkte auf St. Barth sind das Rückgrat des Alltags-Handels und bieten eine Mischung aus französischen, amerikanischen und karibischen Produkten. Dank täglicher Lieferungen per Schiff oder Flugzeug sind Regale stets gut gefüllt, von frischem Obst und Gemüse bis zu Feinkost und Wein. Preise liegen etwa 20–50 % über denen in Frankreich oder den USA, was durch die Isolation der Insel bedingt ist, doch die Qualität ist premium. Beliebte Provisionierungsdienste erleichtern das Einkaufen, besonders für Yacht- oder Villengäste, die Waren direkt liefern lassen können.
 
* '''Marché U (Super U) in St. Jean''': Der größte und bekannteste Supermarkt der Insel, direkt gegenüber dem Flughafen gelegen. Er kombiniert US- und europäische Marken, hat eine tolle Delikatessenabteilung mit à-la-carte-Optionen, eine Bäckerei, eine umfangreiche Käseauswahl und eine exzellente Weinabteilung – ideal für Rosé und Champagner. Öffnungszeiten: Mo–Sa 8–20 Uhr, So 8–13 und 16–20 Uhr. Es ist ein One-Stop-Shop für alles von Basics bis Gourmet.
* '''Monoprix in St. Jean''': Früher als AMC bekannt, ist dies der erste Monoprix auf der Insel und dient als Treffpunkt für Locals. Der Fokus liegt auf hochwertigen Fleisch- und Spirituosen-Sortimenten, ergänzt durch frische Produkte, lokale Spezialitäten und Alltagsgegenstände. Die geräumigen Gänge und das freundliche Personal machen das Einkaufen zu einem angenehmen Erlebnis. Öffnungszeiten ähnlich wie bei Super U, mit Schwerpunkt auf Community-Shopping.
* '''U Express Oasis in Lorient''': Kleiner, aber praktisch, mit guter Auswahl an Grundnahrungsmitteln. Perfekt für schnelle Einkäufe, inklusive Haushaltswaren. Öffnungszeiten: Mo–Sa 9–21 Uhr, So 9–13 und 16–20 Uhr. Es ist eine günstigere Alternative zu den größeren Ketten.
* '''Carrefour Market''': Ein weiterer zuverlässiger Player mit Fokus auf Groceries und Haushaltsartikel, verteilt über die Insel. Es deckt den Bedarf an Basics ab, ohne den Luxusfaktor zu vernachlässigen.
 
Zusätzlich gibt es Spezialgeschäfte wie Foodland oder American Gourmet für erlesene Produkte, sowie Bäckereien und Feinkostläden in Gustavia, die frische Brote, Käse und karibische Spezialitäten anbieten. Viele Supermärkte integrieren lokale Elemente, wie Rum aus der Café Gloriette oder frischen Fisch vom Markt.
 
Während Supermärkte den praktischen Handel abdecken, blüht der Retail-Bereich in über 200 Boutiquen auf – ein Paradies für Fashionistas und Souvenirjäger. St. Barth ist berühmt für duty-free Shopping: Hier finden Sie Designer-Mode, Schmuck und Accessoires, die nirgendwo sonst in der Karibik so vielfältig sind. Die Szene ist geprägt von französischem Chic mit karibischem Twist, oft in Boutiquen, die wie Galerien wirken. Neue Läden öffnen regelmäßig, und viele integrieren Kunst oder lokale Handwerkskunst.
 
* '''Gustavia als Shopping-Hub''': Die Hauptstadt ist das Herz des Handels mit Straßen wie Quai de la République, Rue du Général de Gaulle und Rue de Roi Oscar II. Hier reihen sich Luxusmarken wie Louis Vuitton, Dior und Hermès aneinander – exklusive Stücke, die Insel-spezifisch sind. Boutiquen wie Carla Saint Barth bieten Schuhe und Accessoires von Amina Muaddi bis Bottega Veneta, während Human Steps High-End-Marken wie Jimmy Choo und Saint Laurent führt. Für Souvenirs ist Chamade ideal: Karibische T-Shirts, Schmuck und "Made in Paradise"-Produkte mit St.-Barth-Logo.
* '''St. Jean und andere Viertel''': Am Meer in St. Jean finden Sie Badebekleidung und Strandmode in Boutiquen wie Poupette St. Barth oder Pati, die den entspannten Inselstil verkörpern. Das Cour Vendôme Center in Gustavia ist ein upmarket-Highlight mit Swimsuits und Luxusaccessoires. Kunstgalerien und Handwerksläden, z. B. Latanier’s Braidings für geflochtene Waren, ergänzen das Angebot. Viele Hotels haben integrierte Shops für Kunst und Crafts.
 
=== '''Finanzwesen''' ===
Das Finanzwesen auf Saint-Barthélemy ist eng mit der wirtschaftlichen Struktur der Insel verknüpft, die stark vom gehobenen Tourismus und einer wohlhabenden lokalen sowie internationalen Klientel geprägt ist. Als französische Überseegemeinde nutzt St. Barths den Euro und ist vollständig in das französische und europäische Finanzsystem integriert. Dadurch profitieren Banken und Kundinnen und Kunden von stabilen gesetzlichen Rahmenbedingungen und strenger Regulierung.
 
Auf der Insel sind mehrere Filialen großer französischer Banken vertreten, darunter BNP Paribas, Crédit Agricole, BRED Banque Populaire, Caisse d’Épargne CEPAC sowie LCL. Diese Institute bieten klassische Bankdienstleistungen wie Kontoführung, Kredite, Zahlungsverkehr und Geldautomaten ebenso an wie spezialisierte Angebote. Aufgrund des exklusiven Profils der Insel spielen Vermögensverwaltung, Private Banking und individuelle Finanzlösungen eine besonders wichtige Rolle. Viele Banken betreuen internationale Kundschaft, die in St. Barths Immobilien besitzt, geschäftlich tätig ist oder die Insel regelmäßig besucht.
 
Da die Banken Zweigstellen französischer Mutterhäuser sind, unterliegen sie der Aufsicht der französischen Finanzbehörden, insbesondere der ACPR. Dadurch gelten strenge Regeln zu Transparenz, Risikomanagement und Geldwäscheprävention. Auch internationale Standards wie der automatische Informationsaustausch (CRS) finden Anwendung. Trotz dieser strengen Aufsicht gilt St. Barthélemy als steuerlich attraktiv: Es gibt keine klassische Vermögenssteuer, und die Insel bietet im Vergleich zu anderen französischen Gebieten eine vorteilhafte steuerliche Struktur, was sie für wohlhabende Privatpersonen besonders interessant macht.
 
Die Finanzinfrastruktur der Insel ist gut auf den Tourismus abgestimmt. Kreditkarten werden nahezu überall akzeptiert, Banken bieten Währungsumtausch an und Geldautomaten sind insbesondere in den touristischen Zentren vorhanden.
 
== '''Soziales und Gesundheit''' ==
Die Insel, die einst stark von Landwirtschaft und Fischerei geprägt war, wandelte sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem internationalen Touristenziel für wohlhabende Besucher. Mit dem Ausbau von Yachthäfen, exklusiven Resorts und hochwertigen Dienstleistungen entstand ein Wirtschaftsmodell, das fast vollständig auf Luxus- und Qualitätstourismus basiert. Diese Entwicklung führte zu einer deutlichen Steigerung des Lebensstandards vieler Einheimischer, vor allem jener, die im Tourismus, in der Gastronomie oder in Dienstleistungsberufen arbeiten. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, und das durchschnittliche Einkommensniveau liegt über dem karibischen Durchschnitt.
 
Gleichzeitig bringt diese Wohlstandsentwicklung Herausforderungen mit sich. Die Lebenshaltungskosten auf Saint-Barthélemy gehören zu den höchsten der Region. Für die lokale Bevölkerung – besonders für jüngere Menschen – sind bezahlbare Wohnungen knapp, da Immobilienpreise und Mieten durch ausländische Investoren und Zweitwohnungsbesitzer stark gestiegen sind. Das führt zu einer sozialen Spaltung zwischen sehr wohlhabenden internationalen Eigentümern und den dauerhaft ansässigen Familien, deren Traditionen und Gemeinschaftsstrukturen weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
 
Auch die starke Abhängigkeit vom Tourismus macht die Insel verwundbar gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen und Naturkatastrophen, etwa Hurrikans. Während Infrastruktur und soziale Dienstleistungen durch die französische Verwaltung gut ausgebaut sind, zeigt sich in Krisenzeiten, wie sensibel das gesellschaftliche Gleichgewicht sein kann.
 
=== '''Gesundheitswesen''' ===
Das zentrale Krankenhaus ist das '''Centre Hospitalier Irénée de Bruyn''' in Gustavia, benannt nach dem Geistlichen Irénée de Bruyn, der 1933 ein Krankenhaus auf der Insel gründete. Die Einrichtung wurde 1934 offiziell eröffnet, 1987 in eine öffentliche Einrichtung umgewandelt und 2010 um ein neues Hauptgebäude erweitert. Nach den aktuellen Angaben der Fédération hospitalière de France verfügt das Krankenhaus über 17 Betten: zehn Betten in der medizinischen Abteilung und sieben Betten für die medizinische Nachsorge und Rehabilitation, in Frankreich als Soins médicaux et de réadaptation (SMR), früher Soins de suite et de réadaptation (SSR), bezeichnet. Ältere Darstellungen nennen teilweise 20 Betten, weil sie drei frühere geburtshilfliche Betten mitberücksichtigen. Eine eigenständige Geburtshilfe besteht heute nicht mehr.
 
Die medizinische Abteilung behandelt akute und chronische Erkrankungen, die eine stationäre Betreuung erfordern, darunter Infektionen sowie Erkrankungen der Atemwege, des Verdauungssystems und des Herz-Kreislauf-Systems. Auch Patienten mit entgleisten chronischen Erkrankungen oder einem erhöhten Überwachungsbedarf können dort behandelt werden. Die sieben Betten der Nachsorge und Rehabilitation dienen der weiteren medizinischen Versorgung nach einer akuten Erkrankung oder einem Krankenhausaufenthalt. Ziel ist es, die Selbstständigkeit der Patienten wiederherzustellen oder zu verbessern und, soweit möglich, die Rückkehr in die eigene Wohnung vorzubereiten.
 
Das Krankenhaus verfügt über eine Notfallversorgung, die rund um die Uhr erreichbar ist. Ergänzend besteht eine mobile Notfall- und Reanimationseinheit, der Service mobile d’urgence et de réanimation (SMUR), die mit dem Krankenhaus in Saint-Martin verbunden ist. Bei schweren Verletzungen, akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen lebensbedrohlichen Situationen erfolgt zunächst die notwendige Stabilisierung. Anschließend wird entschieden, ob eine weiterführende Behandlung auf Saint-Barthélemy möglich ist oder eine medizinisch begleitete Verlegung erforderlich wird. Das Krankenhaus besitzt jedoch keinen regulären Operationssaal und keine Intensivstation für komplexe Behandlungen. Die örtliche Notfallversorgung ist daher vor allem auf Erstbehandlung, Stabilisierung und die Organisation der Weiterbehandlung ausgerichtet.
 
Zur diagnostischen Ausstattung gehören radiologische Untersuchungen und Computertomografie. Diese Leistungen werden teilweise in Zusammenarbeit mit spezialisierten Einrichtungen erbracht. Ein medizinisches Bildgebungszentrum und ein Labor für medizinische Analysen ergänzen die Versorgung. Die Verfügbarkeit solcher Untersuchungen vor Ort ermöglicht eine raschere Abklärung zahlreicher Erkrankungen und Verletzungen. Bei besonders komplexen Diagnosen oder wenn spezielle Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten benötigt werden, bleibt die Zusammenarbeit mit größeren Krankenhäusern außerhalb der Insel notwendig.
 
Neben dem Krankenhaus gibt es ein von der Collectivité territoriale getragenes Gesundheits- und Sozialdispensaire. Es bietet insbesondere präventive und familienbezogene Leistungen an. Dazu gehören Beratungen im Rahmen der Protection maternelle et infantile (PMI), also des Mutter- und Kinderschutzes, sowie gynäkologische Sprechstunden vor und nach einer Geburt und Angebote zur Familienplanung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Impfungen für Kinder im Alter von null bis sechs Jahren und auf der Gesundheitsvorsorge für Säuglinge und Kleinkinder. Diese Aufgaben ergänzen die ärztliche Versorgung und sollen gesundheitliche Probleme möglichst früh erkennen sowie die Entwicklung von Kindern begleiten.
 
Für Schwangerschaft und Geburt bestehen besondere Einschränkungen. Auf Saint-Barthélemy gibt es keine Entbindungsstation. Schwangere müssen deshalb für die geburtshilfliche Betreuung und die Entbindung auf eine andere Insel ausweichen. Je nach medizinischer Situation kommen insbesondere Saint-Martin oder Guadeloupe infrage. Die Planung der Versorgung erfordert dabei die Abstimmung zwischen den behandelnden Ärzten, den zuständigen Krankenhäusern und gegebenenfalls dem medizinischen Transportdienst. Bei einer unerwarteten Geburt oder Komplikationen kann die Entfernung zu einer geeigneten geburtshilflichen Einrichtung die Versorgung zusätzlich erschweren.
 
Die Dialyseversorgung ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Infrastruktur. Auf der Insel wird ein Dialysezentrum der Organisation AUDRA geführt, das auf die Behandlung chronischer Nierenerkrankungen ausgerichtet ist. Das Angebot umfasst medizinisch betreute Hämodialyse, unterstützte Selbstständigkeitsdialyse sowie Beratung und Schulung für Patienten, die eine Dialyse zu Hause durchführen. Die örtliche Einrichtung verringert für betroffene Patienten den Bedarf an regelmäßigen Reisen zu einem Dialysezentrum auf einer anderen Insel. Bei akuten Komplikationen oder wenn zusätzlich intensivmedizinische, nephrologische oder chirurgische Leistungen benötigt werden, kann dennoch eine Verlegung erforderlich sein.
 
Die ambulante medizinische Versorgung wird durch niedergelassene Ärzte und weitere Gesundheitsberufe ergänzt. Dazu gehören Allgemeinmediziner, Pflegefachkräfte, Physiotherapeuten und Fachärzte, die zum Teil regelmäßig Sprechstunden anbieten. Im Jahresbericht des IEDOM für 2024, veröffentlicht 2025, wurden für 2023 acht Allgemeinmediziner, 14 freiberufliche Pflegefachkräfte und 23 Physiotherapeuten ausgewiesen. Diese Zahlen beziehen sich auf die im Bericht erfassten Berufsgruppen und dürfen nicht mit der Gesamtzahl aller auf der Insel tätigen medizinischen Fachkräfte gleichgesetzt werden. Das Angebot an Fachärzten und spezialisierten Untersuchungen ist begrenzter als in größeren Städten, weshalb manche Patienten für planbare Untersuchungen ebenfalls nach Saint-Martin oder Guadeloupe reisen müssen.
 
Die Arzneimittelversorgung erfolgt über drei Apotheken, die sich in Gustavia und Saint-Jean beziehungsweise im Bereich Lorient befinden. Sie versorgen Einwohner, Beschäftigte und Urlaubsgäste mit verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Arzneimitteln sowie mit weiteren Gesundheitsprodukten. Das Sortiment orientiert sich grundsätzlich am französischen Arzneimittelsystem. Die Behauptung, die Apotheken führten generell sowohl französische als auch amerikanische Medikamente, lässt sich nicht als allgemeine Regel bestätigen. Die Verfügbarkeit einzelner Präparate hängt von der Zulassung, der Nachfrage und der Lieferfähigkeit ab. Bei speziellen Arzneimitteln kann eine Bestellung notwendig werden; wegen der Insellage können Lieferzeiten und Beschaffungskosten eine größere Rolle spielen als auf dem französischen Festland.
 
Ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitswesens ist die Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen. Dem Krankenhaus ist das EHPAD Louis Vialenc angeschlossen, eine Einrichtung zur Unterbringung und Betreuung älterer Menschen, die dauerhaft Unterstützung benötigen. Sie verfügt über 30 Plätze. Ergänzend besteht ein Service de soins infirmiers à domicile (SSIAD), der pflegerische und unterstützende Leistungen im häuslichen Umfeld erbringt. Diese Dienste helfen, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen und pflegebedürftige Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung zu betreuen.
 
Die räumliche Begrenzung und die fehlenden hochspezialisierten Behandlungsmöglichkeiten machen medizinische Evakuierungen zu einem festen Bestandteil der Versorgung. Für schwerwiegende Erkrankungen, größere Operationen, komplexe Traumata und andere Behandlungen, die vor Ort nicht möglich sind, werden Patienten insbesondere in das Centre Hospitalier Louis-Constant Fleming auf Saint-Martin oder in größere Krankenhäuser auf Guadeloupe verlegt. Je nach Erkrankung und benötigter Fachrichtung können auch andere Einrichtungen in Betracht kommen. Die medizinischen Transfers werden durch die Zusammenarbeit der Krankenhäuser und der zuständigen Rettungsdienste organisiert. Der offizielle Internetauftritt des Krankenhauses weist für die jüngere Berichtsperiode 177 Transfers beziehungsweise medizinische Evakuierungen aus; dieser Wert ist als Angabe für den dort genannten Zeitraum zu verstehen und nicht als dauerhaft gleichbleibende Jahreszahl.
 
Die Organisation der Versorgung erfolgt in Zusammenarbeit mit Saint-Martin und Guadeloupe. Das Krankenhaus Irénée de Bruyn ist in den Groupement hospitalier de territoire des Îles du Nord eingebunden, zu dem auch das Krankenhaus Louis-Constant Fleming auf Saint-Martin gehört. Durch diese Kooperation können spezialisierte Fachärzte konsultieren, Patienten weitergeleitet und medizinische Behandlungspfade abgestimmt werden. Die Zusammenarbeit ist für eine kleine Insel besonders wichtig, da nicht sämtliche Fachrichtungen dauerhaft mit eigenständigen Abteilungen vertreten sein können. Sie ersetzt jedoch nicht die Notwendigkeit, bei schweren Erkrankungen rasch geeignete Transportmöglichkeiten bereitzustellen.
 
=== '''Krankheiten''' ===
Zu den bedeutenden gesundheitlichen Herausforderungen zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Übergewicht und weitere Stoffwechselstörungen. Diese Erkrankungen können sich über Jahre entwickeln und erfordern eine kontinuierliche ärztliche Betreuung, regelmäßige Kontrollen und gegebenenfalls eine dauerhafte medikamentöse Behandlung. Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte gehören zu den wichtigen Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Versorgung erfolgt überwiegend durch niedergelassene Ärzte und die medizinischen Einrichtungen der Insel; bei akuten Komplikationen oder einem hohen spezialisierten Behandlungsbedarf kann eine Verlegung in ein größeres Krankenhaus notwendig werden.
 
Für die Jahre 2017 bis 2019 verzeichnete das Observatoire régional de la santé de Guadeloupe (ORSaG) durchschnittlich 37 Neuaufnahmen pro Jahr in die französische Langzeiterkrankungsregelung Affection de longue durée (ALD). Bei Männern waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Gruppe der ALD-Neuaufnahmen, gefolgt von Tumorerkrankungen und Diabetes. Bei Frauen entfiel der größte Anteil auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von Tumoren und Diabetes. Diese Daten beschreiben die damalige registrierte Krankheitslast und sind nicht mit der Gesamtzahl aller Erkrankten gleichzusetzen.
 
Zu den für die Karibik typischen Infektionskrankheiten gehören durch Stechmücken übertragene Virusinfektionen. Dazu zählt vor allem das Denguefieber, das mit Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen sowie ausgeprägter Abgeschlagenheit einhergehen kann. Schwere Verläufe können Blutungen und Kreislaufkomplikationen verursachen. Auch Chikungunya und Zika sind für die Region relevant. Der Verlauf der Erkrankungen hängt von der jeweiligen Virusart und dem individuellen Gesundheitszustand ab; eine gleichzeitige oder aufeinanderfolgende Zirkulation verschiedener Viren erschwert mitunter die klinische Unterscheidung. Die Gesundheitsbehörden überwachen die Situation und setzen auf die Bekämpfung von Brutstätten, die Information der Bevölkerung und den Schutz vor Mückenstichen. Im Oktober 2024 wurde auf Saint-Barthélemy erstmals die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) nachgewiesen. Sie kann Dengue-, Chikungunya- und Zikaviren übertragen und erweitert damit die Anforderungen an die örtliche Überwachung.
 
Die epidemiologische Lage kann sich von Jahr zu Jahr deutlich verändern. Im Dezember 2025 meldete Santé publique France für Saint-Barthélemy eine ruhige Denguesituation; in den vorangegangenen Wochen waren dort keine neuen klinisch verdächtigen oder bestätigten Fälle registriert worden. Auch Chikungunya-Fälle waren bis zu diesem Bericht nicht nachgewiesen. Solche Momentaufnahmen sind jedoch keine Aussage über die dauerhafte Abwesenheit der Krankheiten. Die Gesundheitsbehörden müssen angesichts des regionalen Reiseverkehrs und der Verbreitung geeigneter Mückenarten weiterhin mit eingeschleppten Infektionen und möglichen lokalen Übertragungsketten rechnen.
 
Eine weitere tropische Infektionskrankheit ist die Leptospirose, eine bakterielle Zoonose, die durch Kontakt mit Wasser oder feuchtem Boden übertragen werden kann, der mit dem Urin infizierter Tiere, insbesondere Nagetiere, verunreinigt ist. Das Infektionsrisiko steigt unter anderem bei Gartenarbeiten, der Reinigung verschmutzter Flächen und nach starken Regenfällen oder Überschwemmungen. Die Erkrankung kann mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen beginnen und in schweren Fällen Leber, Nieren oder andere Organe schädigen. Nach dem im August 2026 veröffentlichten Jahresbericht für 2025 wurde auf Saint-Barthélemy ein bestätigter Fall gemeldet. Wegen der kleinen Bevölkerungszahl können einzelne Fälle die statistischen Werte stark beeinflussen; für die Insel sind daher die konkreten Fallzahlen aussagekräftiger als ungesicherte Verallgemeinerungen über die Häufigkeit der Erkrankung.
 
Neben diesen Infektionskrankheiten treten gewöhnliche Atemwegsinfektionen, Magen-Darm-Erkrankungen und Hautinfektionen auf. In einem warmen, feuchten Klima können kleine Hautverletzungen, Insektenstiche und schlecht versorgte Wunden leichter zu lokalen Entzündungen führen. Bei hohen Temperaturen besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Flüssigkeitsmangel, Hitzebelastung und Kreislaufbeschwerden, insbesondere bei älteren Menschen, kleinen Kindern und Personen mit chronischen Erkrankungen. Sonnenbrand und andere Folgen intensiver ultravioletter Strahlung sind ebenfalls wichtige Präventionsthemen. Diese Beschwerden sind nicht auf Saint-Barthélemy beschränkt, erhalten in einer tropischen Inselregion aber durch Klima, Freizeitaktivitäten und touristische Nutzung besondere Bedeutung.
 
Auch Krebserkrankungen stellen eine wichtige Aufgabe des Gesundheitswesens dar. Das örtliche Krankenhaus kann eine Reihe grundlegender Untersuchungen und medizinischer Behandlungen durchführen, verfügt jedoch nicht über sämtliche spezialisierten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten einer großen onkologischen Klinik. Bei komplexen Tumorerkrankungen sind deshalb häufig zusätzliche Untersuchungen und Behandlungen außerhalb der Insel erforderlich. Die Organisation von Überweisungen und medizinischen Transporten ist besonders wichtig, wenn eine rasche Abklärung oder eine zeitkritische Therapie notwendig ist.
 
Eine Besonderheit der Gesundheitsplanung ist die erbliche Hämochromatose, eine Erkrankung, bei der der Körper übermäßig viel Eisen aufnimmt und speichert. Unbehandelt kann die Eisenansammlung unter anderem Leber, Herz und Bauchspeicheldrüse schädigen. In älteren regionalen Gesundheitsplanungen wurde Hämochromatose ausdrücklich als gesundheitlich relevante Erkrankung auf Saint-Barthélemy erwähnt. Daraus lässt sich allerdings keine aktuelle Prävalenzzahl ableiten. Die Erkrankung erfordert bei betroffenen Personen eine fachgerechte Diagnose, Kontrollen der Eisenwerte und gegebenenfalls eine regelmäßige Behandlung.
 
== '''Bildung''' ==
Das System wird vom Service de l'Éducation Nationale de Saint-Barthélemy et Saint-Martin (SENIDN) verwaltet, das unter der Aufsicht des Rektors der Akademie von Guadeloupe steht. Ein Vice-Rektor leitet den Dienst und koordiniert mit den lokalen Behörden, darunter der Collectivité von Saint Barthélemy. Dies umfasst die Überwachung von Lehrplänen, Personalausbildung und Infrastruktur. Die Insel hat insgesamt fünf Bildungseinrichtungen: vier für die Primarstufe (zwei öffentliche und zwei private) und ein Collège für die untere Sekundarstufe (ab etwa 11 Jahren). Diese Schulen bedienen rund 800 bis 1.000 Schüler, wobei Klassengrößen bewusst klein gehalten werden, um individualisierte Betreuung zu ermöglichen.
 
Es gibt nur einen Kindergarten (toute petite section, petite section, moyenne section und grande section) und drei Grundschulen (CP, CE1, CE2, CM1, CM2). Das Collège Mireille-Choisy in Gustavia (6., 5., 4., 3. und 2. Klasse) ist die einzige höhere öffentliche Schule auf Saint-Barthélemy.
 
Die Primarschulen, wie die École Primaire Publique Gustave-Henri-Féraud in Gustavia, folgen dem landesweiten französischen Curriculum mit Schwerpunkten in Lesen, Schreiben, Mathematik und Naturwissenschaften. Private Schulen, oft mit internationalem Charakter, ergänzen das Angebot und bieten teilweise bilingualen Unterricht in Englisch oder anderen Sprachen an, was aufgrund des starken Tourismus und der internationalen Bevölkerung gefragt ist. Das Collège de Saint-Barthélemy, das einzige Sekundarschulzentrum, bereitet auf das französische Brevet-Examen vor und integriert Fächer wie Geschichte, Geografie und Fremdsprachen. Für die obere Sekundarstufe (Lycée-Niveau) und berufliche Ausbildung müssen Schüler nach Guadeloupe, Martinique oder Frankreich reisen, da keine solchen Einrichtungen vor Ort existieren. Die Collectivité unterstützt dies durch Stipendien und Zuschüsse für Familien, die finanzielle Hürden bei der Weiterbildung ihrer Kinder überwinden müssen.
 
Auf der Insel Saint-Barthélemy gibt es kein Gymnasium. Die nächstgelegenen Gymnasien sind das Lycée professionnel des Îles du Nord in Concordia und seit Kurzem das Lycée d'enseignement général et technologique Robert-Weinum in der Cité scolaire de la Savane (auf Saint-Martin).
 
Erwachsenenbildung spielt eine wichtige Rolle, insbesondere für Einwanderer und Saisonarbeiter im Tourismussektor. Das Centre d'Études des Métiers (CEM) in Saint Barthélemy bietet vielfältige Fortbildungen an, darunter Sprachkurse (Französisch und Englisch), berufliche Qualifikationen in Hotellerie, Gastronomie und Management sowie Integrationprogramme. Diese Kurse sind flexibel gestaltet, oft modular und online-unterstützt, um berufstätige Teilnehmer zu erreichen. Das Ziel ist eine breite Palette an Angeboten, die auf lokale Bedürfnisse abgestimmt sind, wie z. B. Nachhaltigkeitsthemen oder digitale Kompetenzen, da die Insel zunehmend auf umweltfreundlichen Tourismus setzt.
 
=== '''Höhere Bildung''' ===
Auf Saint-Barthélemy gibt es keine Universität und keine eigene Hochschule, an der ein vollständiges Hochschulstudium absolviert werden kann. Wer nach dem Schulabschluss ein Studium aufnehmen möchte, muss die Insel daher in der Regel verlassen. Die nächstgelegene französische Universität ist die Université des Antilles mit Standorten in Guadeloupe und Martinique. Sie bietet Studiengänge in verschiedenen Fachrichtungen an, darunter Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Medizin und weitere gesundheitsbezogene Fächer. Welche Studienmöglichkeiten für einzelne Absolventen infrage kommen, hängt vom gewünschten Fach, den Zulassungsvoraussetzungen und dem jeweiligen Studienangebot ab.
 
=== '''Bibliotheken und Archive''' ===
Auf Saint-Barthélemy gibt es eine zentrale öffentliche Bibliothek und einen territorialen Archivdienst, die gemeinsam das kulturelle Gedächtnis der Insel bewahren. Die '''Bibliothèque Territoriale de Saint-Barthélemy''' in Gustavia dient als wichtigste Anlaufstelle für Literatur, Medien und kulturelle Aktivitäten. Sie erfüllt nicht nur die klassische Funktion einer öffentlichen Bibliothek, sondern ist auch ein sozialer Treffpunkt und unterstützt Bildungsangebote für die Bevölkerung. Ergänzt wird dieses Angebot durch den '''Service territorial des archives''', der ebenfalls in Gustavia angesiedelt ist. Dieser Archivdienst sammelt, ordnet und konserviert Dokumente, die das schriftliche und administrative Erbe der Insel ausmachen, und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Da das tropische Klima die langfristige Aufbewahrung empfindlicher Originale erschwert, wurden viele Unterlagen mikroverfilmt oder ausgelagert.
 
Ein bedeutender Teil der historischen Bestände befindet sich heute nicht auf Saint-Barthélemy selbst, sondern in Frankreich bei den '''Archives nationales d’outre-mer''' in Aix-en-Provence. Dort sind zahlreiche Dokumente aus der Zeit von etwa 1756 bis 1878 erhalten, darunter Verwaltungsakten, Unterlagen zu Handel, Finanzen, Bevölkerung sowie notarielle Dokumente. Viele dieser Quellen sind mehrsprachig, da Saint-Barthélemy im 19. Jahrhundert unter schwedischer Verwaltung stand. Aus dieser Periode stammen auch Unterlagen, die heute in schwedischen Archiven oder in Form von Mikrofilmen zugänglich sind, etwa Register, Geburts- und Heiratsakten oder Dokumente zur Freilassung versklavter Menschen. Die historische Überlieferung ist dadurch stark zersplittert: Neben lokalen Beständen existieren wichtige Quellen in Frankreich und Schweden sowie in privaten Sammlungen.
 
Um diese verstreuten Materialien besser zugänglich zu machen, wurden in den letzten Jahren verstärkt Digitalisierungsprojekte angestoßen. Plattformen wie ''Gallica'' oder ''Mémoire St Barth'' stellen Karten, historische Texte und digitalisierte Archivdokumente online bereit.
 
== '''Kultur''' ==
Die Kultur der Insel ist stark französisch geprägt mit nur leichetn karibischen Einschlägen. Dies zeigt sich unter anderem in der Architektur, im Kunsthandwerk und in der Musik.
 
=== '''Museen''' ===
Das wichtigste Museum ist das '''Musée Territorial''', auch „Wall House“ genannt, das sich in einem historischen Steinhaus in Gustavia befindet. Dort wird die Geschichte der Insel von der frühen Besiedlung über die schwedische Kolonialzeit bis hin zur modernen Entwicklung anschaulich präsentiert. Alte Karten, Fotografien, traditionelle Trachten, Werkzeuge und Modelle kreolischer Häuser geben Einblick in das frühe Leben der Bewohner. Ergänzt wird die Sammlung durch Räumlichkeiten, die zeitgenössischer Kunst gewidmet sind, in denen regelmäßig Werke lokaler und internationaler Künstler ausgestellt werden.
 
Einen ganz anderen Schwerpunkt setzt das '''Inter Oceans Museum''' im kleinen Fischerdorf Corossol. Dieses private Muschel-Museum, gegründet vom leidenschaftlichen Sammler Ingénu Magras, beherbergt über 9.000 Muscheln und Meerestiere aus aller Welt. Die Vielfalt der Exponate macht das Museum nicht nur zu einem skurrilen Highlight für Besucher, sondern auch zu einem Ort, der die Bedeutung der Meere und den Reichtum der Natur eindrucksvoll vor Augen führt. 
 
=== '''Architektur''' ===
Die Architektur von Saint-Barthélemy ist durch die wechselvolle französische und schwedische Geschichte, die Insellage und die klimatischen Bedingungen der Kleinen Antillen geprägt. Besonders deutlich zeigt sich diese Verbindung in Gustavia, dem Hauptort und Hafen der Insel. Dort treffen Gebäude aus der schwedischen Kolonialzeit auf spätere französisch-karibische Bauformen, traditionelle Wohnhäuser und moderne touristische Architektur. Historische Verwaltungsgebäude, Kirchen, Befestigungsanlagen und Friedhöfe erinnern an die Zeit, in der Saint-Barthélemy von Frankreich an Schweden abgetreten wurde und Gustavia zu einem bedeutenden Freihafen ausgebaut wurde.
 
Die schwedische Epoche begann 1784 und endete 1878 mit der Rückgabe der Insel an Frankreich. In dieser Zeit erhielt Gustavia zahlreiche Einrichtungen, die den Handel, die Verwaltung und die militärische Sicherung des Hafens unterstützen sollten. Die Stadt wurde nach dem schwedischen König Gustav III. benannt. Die damaligen Bauten waren häufig funktional angelegt und orientierten sich an den Anforderungen eines kleinen Hafen- und Handelsplatzes. Obwohl viele historische Gebäude später verändert, zerstört oder durch Neubauten ersetzt wurden, ist die schwedische Vergangenheit im Stadtbild weiterhin sichtbar. Dazu zählen die Reste der Fortifikationen, der Glockenturm, ehemalige Verwaltungsgebäude und der schwedische Friedhof.
 
Die sieben eingetragenen historischen Baudenkmäler Saint-Barthélemys konzentrieren sich auf Gustavia und Lorient. Ihre Eintragung in das französische Verzeichnis der Monuments historiques erfolgte überwiegend 1995, bei einzelnen Gebäuden früher oder später. Die Einstufung schützt je nach Objekt das gesamte Bauwerk oder bestimmte Teile davon. Die offizielle Liste umfasst folgende Bauwerke:
 
Die schwedische Batterie des Fort Gustav III. wurde 1787 als Teil der militärischen Befestigung Gustavias errichtet. Sie gehört zu den wenigen erhaltenen Resten der vier Festungsanlagen, die während der schwedischen Herrschaft zum Schutz des Hafens angelegt wurden. Die Anlage umfasste ursprünglich Befestigungsmauern, eine Zisterne, ein Pulvermagazin, einen Wachposten und eine Bäckerei. Heute befindet sich dort eine meteorologische Station. Die erhaltenen Bauteile veranschaulichen, wie die Hafenstadt im späten 18. Jahrhundert gegen Angriffe von See her gesichert werden sollte.
 
Der schwedische Glockenturm von Gustavia stammt aus dem späten 18. Jahrhundert und wurde um 1790 errichtet. Er besteht aus lokalem Vulkangestein und beherbergt eine in Stockholm gegossene Glocke aus dem Jahr 1799. Ursprünglich gehörte der Turm zur protestantischen Kirche Sophia Magdalena, die während der schwedischen Kolonialzeit als religiöser Mittelpunkt diente. Nachdem das Kirchengebäude im 19. Jahrhundert zerstört worden war, blieb der freistehende Glockenturm als eigenständiges Bauwerk erhalten. Er diente nicht nur religiösen Zwecken, sondern kündigte auch wichtige Ereignisse im öffentlichen Leben an.
 
Die katholische Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption in Gustavia wurde 1829 fertiggestellt. Sie steht in der Rue de l’Église und besitzt einen vom Kirchengebäude getrennten Glockenturm. Die Kirche wurde 1837 durch einen Hurrikan beschädigt und 1842 wiedereröffnet. Ihre Gestaltung verbindet Elemente französisch-karibischer Kirchenarchitektur mit einer zurückhaltenden, an die örtlichen Bedingungen angepassten Bauweise. Der freistehende Turm, der Platz vor der Kirche und Teile der Einfriedung stehen unter Denkmalschutz. Das Ensemble zeigt, wie religiöse Architektur und öffentliche Freiräume im historischen Ortszentrum miteinander verbunden wurden.
 
Das Haus Dinzey, auch Le Brigantin genannt, wurde im frühen 19. Jahrhundert errichtet. Die Denkmalliste nennt 1822 als Baujahr. Es zählt zu den bemerkenswerten historischen Wohnhäusern Gustavias und steht für die Architektur wohlhabender Kaufmanns- und Handelsfamilien. Geschützt sind nicht nur das Wohnhaus, sondern auch die Umfassungsmauer, die Gärten, der terrassierte Innenhof und die Nebengebäude. Die Anordnung der Gebäude und Freiflächen verdeutlicht, dass historische Wohnanlagen auf Saint-Barthélemy häufig als zusammenhängende Grundstücke gestaltet wurden, in denen Wohnräume, Wirtschaftsräume und geschützte Außenbereiche eine Einheit bildeten.
 
Das Haus der Gouverneure, das später als Rathaus von Gustavia diente, wurde um 1780 erbaut. Während der schwedischen Herrschaft war es die Residenz der Gouverneure; nach der Rückgabe der Insel an Frankreich im Jahr 1878 wurde es als Rathaus genutzt. Diese Funktion behielt das Gebäude bis 2001. Die Bauweise verbindet einen Sockel aus Stein und lokalem Lavagestein mit einem hölzernen Obergeschoss. Das Gebäude dokumentiert damit sowohl die Verwaltungsarchitektur der Kolonialzeit als auch die spätere Nutzung historischer Bauten durch die örtlichen Behörden. Seit 2002 ist die neue Collectivité territoriale in einem anderen Verwaltungsgebäude untergebracht.
 
Das ehemalige Pfarrhaus in Gustavia gehört ebenfalls zu den geschützten historischen Gebäuden. Es stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und befindet sich in der Rue du Roi Oscar II. Die Eintragung erfolgte 2002. Das Haus steht im Zusammenhang mit der religiösen und gesellschaftlichen Entwicklung Gustavias während der schwedischen Kolonialzeit und der anschließenden französischen Epoche. Seine Bedeutung liegt vor allem im historischen Ensemble aus Kirche, Glockenturm und zugehörigen Gebäuden, das die religiöse Infrastruktur der damaligen Hafenstadt erkennen lässt.
 
Die Kirche von Lorient wurde um 1850 errichtet. Sie steht in dem kleinen Ortsteil an der Nordküste und gehört zu den wenigen erhaltenen historischen Sakralbauten außerhalb Gustavias. Ihr Glockenturm befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Meer und diente Seeleuten als Orientierungspunkt. Die Glocke wurde 1860 in Nantes gegossen. Unter Denkmalschutz steht insbesondere der Glockenturm, nicht zwingend das gesamte Kirchengebäude. Die Kirche ist damit sowohl ein Zeugnis der religiösen Entwicklung der Insel als auch ein Beispiel für die Verbindung zwischen sakraler Architektur und dem maritimen Alltag.
 
Neben diesen sieben eingetragenen Denkmälern besitzt Saint-Barthélemy weitere historische Bauwerke und bauliche Erinnerungsorte. Dazu zählt der Leuchtturm von Gustavia, der auf einer Anhöhe über dem Hafen steht. Er ist ein markanter Orientierungspunkt im Stadtbild und steht in engem Zusammenhang mit der Bedeutung Gustavias als Hafen- und Handelsplatz. Seine Funktion besteht darin, die Schifffahrt bei der Orientierung vor der Küste zu unterstützen. Das historische Stadtbild wird außerdem von ehemaligen Lagerhäusern, steinernen Gebäuden, Wohnhäusern und Treppenwegen geprägt, die sich an das teilweise steile Gelände rund um den Hafen anpassen.
 
Fort Karl liegt auf einer Anhöhe südlich des Hafens und wurde während der schwedischen Zeit zur Verteidigung Gustavias angelegt. Von der Befestigung sind heute vor allem Fundamente und Mauerreste erhalten. Die Lage über der Küste ermöglichte die Beobachtung des Meeres und die Sicherung des südlichen Zugangs zum Hafen. Zusammen mit den Überresten von Fort Gustav III. und weiteren ehemaligen Befestigungsanlagen erinnert Fort Karl an die militärische Bedeutung der Insel während der schwedischen Herrschaft. Die Festungen waren Teil eines größeren Verteidigungssystems, von dem jedoch nur einzelne Bauteile überdauert haben.
 
Die Unterpräfektur befindet sich in einem historischen Gebäudekomplex in Gustavia. Das Gebäude wird mit der schwedischen Verwaltungs- und Militärgeschichte in Verbindung gebracht und wird örtlich auch als ehemaliges schwedisches Gefängnis bezeichnet. Es verdeutlicht, dass die bauliche Entwicklung der Stadt nicht ausschließlich durch Wohnhäuser und religiöse Gebäude geprägt wurde, sondern ebenso durch Verwaltungs- und Sicherheitsbauten. Bei der Beschreibung seiner früheren Funktionen sollte allerdings zwischen historisch belegten Nutzungen und lokalen Überlieferungen unterschieden werden, da sich die Verwendung eines Gebäudes im Lauf der Zeit ändern konnte.
 
Der schwedische Friedhof im Bereich Public ist ein weiterer wichtiger Erinnerungsort. Dort wurden während der schwedischen Herrschaft und in der anschließenden Zeit Menschen unterschiedlicher Herkunft bestattet, die mit der Geschichte Gustavias verbunden waren. Historische Grabstätten und Inschriften geben Hinweise auf die damalige Bevölkerung, auf Handelsbeziehungen und auf die internationale Zusammensetzung der Hafenstadt. Der Friedhof ergänzt damit die erhaltenen Verwaltungs- und Sakralbauten um eine wichtige Quelle für die Sozialgeschichte der Insel.
 
Ein moderner Erinnerungsort ist das Grab des französischen Sängers Johnny Hallyday auf dem Friedhof von Lorient. Hallyday, der 2017 starb, besaß eine Villa auf Saint-Barthélemy und wurde auf der Insel beigesetzt. Sein Grab ist zu einem bekannten Ziel für Besucher geworden. Es gehört nicht zu den sieben eingetragenen historischen Baudenkmälern, besitzt jedoch eine besondere Bedeutung für die jüngere Kultur- und Tourismusgeschichte der Insel.
 
Neben den historischen Einzelbauten ist die traditionelle Wohnarchitektur von Saint-Barthélemy charakteristisch. Ältere Häuser wurden häufig aus lokalem Stein errichtet oder besaßen steinerne Sockel und hölzerne Obergeschosse. Die Gebäude waren meist relativ klein und an die topografischen Bedingungen angepasst. Dicke Mauern, geschützte Öffnungen, kompakte Grundrisse und überdachte Außenbereiche halfen, mit starker Sonneneinstrahlung, salzhaltiger Luft und heftigen Winden umzugehen. Zisternen und andere Vorrichtungen zur Sammlung von Regenwasser waren aufgrund der begrenzten Süßwasservorräte von großer Bedeutung. Bei historischen Gebäuden ist jedoch nicht jedes heute sichtbare Detail unverändert erhalten; zahlreiche Häuser wurden im Laufe der Zeit umgebaut, restauriert oder an neue Nutzungen angepasst.
 
Die Architektur der Insel ist außerdem durch die wiederkehrende Gefahr von Hurrikanen geprägt. Stürme können Dächer abdecken, Fenster zerstören und Mauern beschädigen. Der Hurrikan von 1837 zerstörte oder beschädigte zahlreiche Gebäude, während Hurrikan Irma im September 2017 erneut erhebliche Schäden an der Bausubstanz verursachte. Nach solchen Ereignissen wurden Häuser wiederaufgebaut, modernisiert oder durch Neubauten ersetzt. Bei neueren Gebäuden spielen deshalb verstärkte Dachbefestigungen, widerstandsfähige Fenster, geeignete Baustoffe und die sichere Verankerung von Gebäudeteilen eine wichtige Rolle. Zugleich begrenzen die steilen Hänge, die Küstennähe und die teilweise kleinen Grundstücke die Möglichkeiten einer großflächigen Bebauung.
 
Seit dem Aufstieg des gehobenen Fremdenverkehrs hat sich die Bauweise stark verändert. Neben traditionellen Wohnhäusern entstanden moderne Villen, Boutiquehotels, Restaurants und luxuriöse Ferienunterkünfte. Diese Gebäude verbinden häufig karibische Gestaltungselemente mit internationaler zeitgenössischer Architektur. Offene Terrassen, große Fensterflächen, Innenhöfe und Swimmingpools gehören zu den verbreiteten Merkmalen neuerer Wohn- und Tourismusbauten. Die Architektur ist dabei eng mit der Landschaft und dem Blick auf das Meer verbunden. Gleichzeitig erhöhen der hohe Grundstückswert, die begrenzte Fläche und die Nachfrage nach exklusiven Unterkünften den Druck auf die Bebauung. Die Erhaltung historischer Häuser und des charakteristischen Stadtbildes von Gustavia ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Denkmalpflege und der räumlichen Planung.
 
=== '''Bildende Kunst''' ===
Die Wurzeln der bildenden Kunst auf St. Barths reichen in die traditionelle Handwerkskunst der einheimischen Bevölkerung zurück. In Corossol, einem Fischerort mit starken karibischen Wurzeln, werden bis heute Korbflechtarbeiten aus Latanier-Palmenblättern hergestellt, die als „pouilles“ bekannt sind. Diese kunstvollen Geflechte, oft in Form von Hüten, Taschen oder Dekorationen, sind nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch raffiniert und repräsentieren eine Form der volkstümlichen Skulptur. Künstlerinnen wie die lokalen Weberinnen bewahren diese Technik, die von afrikanischen und indigenen Einflüssen inspiriert ist, und integrieren sie in zeitgenössische Werke. Ähnlich spielen Muscheln und Korallen eine Rolle in der Schmuck- und Objektkunst, wo Künstler wie die in Gustavia ansässigen Designer natürliche Materialien zu Skulpturen oder Installationen verarbeiten.
 
Im Zentrum der modernen Kunstszene stehen Galerien und Ateliers, die von der internationalen Community der Insel profitieren. Gustavia, mit seinem malerischen Hafen, beherbergt mehrere renommierte Galerien wie die Galerie Asie oder die Space Gallery, die Werke von Künstlern aus der Karibik, Frankreich und darüber hinaus ausstellen. Ein prominenter lokaler Künstler ist Sir Roland Richardson, ein gebürtiger St. Barths-Bewohner, der für seine impressionistischen Landschaftsgemälde bekannt ist. Richardson, oft als „Vater der karibischen Plein-Air-Malerei“ bezeichnet, malt seit den 1970er Jahren die tropischen Lichtverhältnisse, Palmen und Kreolhäuser der Insel. Seine Arbeiten, die in Öl oder Aquarell gehalten sind, fangen die vibrierenden Farben des Karibischen Meers ein und werden in seiner Galerie in Gustavia präsentiert. Beeinflusst von Meistern wie Gauguin oder Monet, verbindet er europäische Techniken mit lokalen Motiven und hat Ausstellungen weltweit, von Paris bis New York.
 
Eine weitere Säule der Szene ist die Street Art und zeitgenössische Malerei, die durch die jährlichen Events wie das St. Barth Art Festival oder Pop-up-Ausstellungen in Villen und Hotels gefördert wird. Künstler wie die Französin Nathalie Lepine, die auf der Insel lebt, experimentieren mit abstrakten Formen, die von der vulkanischen Geologie und dem türkisfarbenen Wasser inspiriert sind. Skulpturen aus Treibholz, Metall oder recycelten Materialien – oft von Künstlern wie dem Bildhauer Pompi – thematisieren Umweltschutz und die Zerbrechlichkeit der Inselökologie. Die Nähe zu St. Martin ermöglicht Kooperationen; viele Künstler pendeln zwischen den Inseln und bringen Einflüsse aus der breiteren karibischen Kunstszene mit, etwa aus Haiti oder Kuba.
 
Fotografie spielt ebenfalls eine große Rolle, da St. Barths als „St. Tropez der Karibik“ visuelle Reize bietet. Fotografen wie Antoine Verglas oder lokale Talente dokumentieren nicht nur die Landschaft, sondern auch das soziale Leben – von Regatten bis zu Karnevalsumzügen. In den letzten Jahren hat sich digitale Kunst etabliert, mit NFTs und virtuellen Galerien, die die Insel als innovativen Hotspot positionieren.
 
Die '''Savaku-Statue,''' eine beeindruckende Bronzeskulptur, die einen stolzen Arawak-Indianer darstellt, thront auf dem Rondell am Col de la Tourmente, einem malerischen Pass in der Nähe des Viertels Saint-Jean auf Saint-Barthélemy. Mit einer Höhe von mehreren Metern überragt sie den Gustave-III.-Flughafen (auch Saint-Jean Airport genannt), dessen kurze, berüchtigte Landebahn direkt unterhalb liegt und von den Hügeln aus spektakulär einsehbar ist. Die Statue ist nicht nur ein markantes Wahrzeichen für Reisende, die per Flugzeug ankommen oder abfliegen, sondern verkörpert auch die urtümliche Seele der Insel – ein Tribut an die indigenen Arawak-Völker, die die Karibikregion vor der Ankunft der Europäer prägten. Der Name „Savaku“ leitet sich wahrscheinlich von einem Arawak-Begriff ab und wird als Inbegriff der Insel-Seele interpretiert. Die Skulptur ist Teil einer breiteren Initiative, kulturelle Denkmäler zu schaffen, die die multikulturelle Geschichte St. Barths widerspiegeln – von den Arawaks über schwedische und französische Kolonialherren bis hin zur modernen Luxus-Enklave.
 
Die Statue zeigt einen Krieger der Arawak in traditioneller Pose: Er ist mit einer Lanze bewaffnet und bläst in eine große Konche (ein Schneckenhorn), ein Instrument, das in indigenen Kulturen für Signale und Zeremonien verwendet wurde. Die Bronze-Figur erhebt sich dynamisch, als würde sie die Ankunft der Flugzeuge oder die Winde der Karibik begrüßen. Zu ihren Füßen ruhen ein Pelikan – Symbol für das Meer und die Fischerei – und ein Leguan, der die tropische Fauna repräsentiert. Die Skulptur ist detailliert gearbeitet, mit Betonung auf Muskeln, Federschmuck und natürlichen Elementen, die den Zuschauer in die vor-kolumbianische Welt eintauchen lassen. Ihr Standort am Col de la Tourmente („Pass des Sturms“), einem der höchsten Punkte der Insel, verstärkt den dramatischen Effekt: Von hier aus bietet sich ein atemberaubender Panoramablick auf den Flughafen, den türkisfarbenen Saint-Jean-Strand und die umliegenden Hügel, was die Statue zu einem perfekten Fotostopp macht.
 
=== '''Literatur''' ===
Die Literatur auf Saint-Barthélemy gehört zur breiteren "karibischen Literatur", die von Autoren wie Robert Romney oder Saint-John Perse (eigentlich Alexis Leger, geboren in Guadeloupe, aber einflussreich für die gesamte Region) geformt wird. Romney, ein gebürtiger Saint-Martiner mit Verbindungen zur Insel, widmet sich in seinen Werken der Erhaltung der lokalen Geschichte und Identität – von der Zeit der Ureinwohner bis zur Sklaverei. Seine Texte, oft in mehreren Sprachen verfasst, erforschen die "Seele der Insel" durch Poesie und Erzählungen, die die Schönheit der Landschaft mit den Schmerzen der Kolonialgeschichte verweben.
 
Ein zentrales Ereignis in der regionalen Literatur ist das "Massaker von St. Barthélemy" (1572), das zwar historisch in Frankreich verankert ist, aber in karibischen Kontexten als Symbol für religiöse und koloniale Gewalt widerhallt. Alexandre Dumas' Roman ''La Reine Margot'' (1845) dramatisiert diesen Hugenotten-Massaker und hat die Inselliteratur inspiriert, indem es Themen von Verrat und Überleben aufgreift, die in lokalen Geschichten von Sklaverei und Unabhängigkeit mitschwingen. Moderne Autoren wie Marie-Claire Blais oder Antonine Maillet greifen in ihren Werken ähnliche Motive auf, etwa in Maillets ''La Foire de la Saint-Barthélemy'' (1994), die eine akadische Perspektive auf Feste und Tragödien bietet. Auf St. Barts selbst fördert das ''Festival Écritures des Amériques'' seit über 20 Jahren Literatur aus der Karibik, mit Lesungen im Théâtre du Paradis, wo Schriftstellerinnen wie Véronique Ovaldé und Viktor Lazlo ihre Werke vorstellen. Diese Veranstaltungen schaffen einen Raum, in dem Texte nicht nur gelesen, sondern lebendig gemacht werden – ein natürlicher Übergang zum Theater.
 
=== '''Theater''' ===
Theatralische Einrichtungen sind das Théâtre du Paradis und das Théâtre de l'Hôtel de Ville, wobei letzteres mit dem französischen Saint-Barthélemy-d'Anjou assoziiert wird, inspiriert es regionale Austausche. Die Insel beherbergt das ''Festival de Théâtre de Saint-Barthélemy'', das internationale Künstler einlädt und Stücke präsentiert, die karibische Themen wie Exil und kulturelle Hybride beleuchten. Hier verschmelzen literarische Texte mit performativer Kunst: Dumas' ''La Reine Margot'' wurde nicht nur als Roman, sondern auch als Theaterstück adaptiert, etwa in Patrice Chéreaus Inszenierung von Christopher Marlowes ''The Massacre at Paris'' (1972) am Théâtre National Populaire, die das Massaker als zeitlose Denunziation politischer Gewalt darstellt.
 
Lokale Produktionen greifen auf die reiche Tradition zurück, in der Theater als Mittel der Gemeinschaft dient. Im Théâtre du Paradis, verwaltet von der Association SB Artists, finden regelmäßige Aufführungen statt, die von karibischen Autoren wie Jean-Claude Germain (''A Canadian Play/Une Plaie canadienne'', 1979) oder Marie-Claire Blais (''L'Île'', 1988) inspiriert sind. Diese Stücke erkunden Identitätskonflikte, oft mit einem Augenzwinkern auf die Inselgeschichte – von schwedischen Freihäfen bis zu französischen Einflüssen.
 
=== '''Film''' ===
Der Film blüht auf St. Barts besonders durch das ''St. Barth Film Festival'' (auch ''Cinéma Caraïbes'' genannt), das seit 1996 jährlich Ende April stattfindet und ein Highlight für karibisches Kino ist. Gegründet als Schaufenster für Filme aus der Region, präsentiert es Spielfilme, Kurzfilme und Dokumentationen zu Themen wie Migration, Abenteuer und Exil – oft mit Bezug zu literarischen und theatralischen Quellen. 2023 kehrte das Festival nach einer Covid-Pause zurück und feierte mit Werken wie William Sabourin O'Reillys ''Lazaro and the Shark: Cuba Under the Surface'', das kubanische Kultur beleuchtet und Besuche in Insel-Schulen einbezieht, um junge Zuschauer zu inspirieren. Das Festival fördert Austausch durch Roundtables, bei denen Regisseure wie die aus der Karibik mit internationalen Profis diskutieren.
 
Historisch verbindet sich der Film mit literarischen Motiven: Chéreaus ''La Reine Margot'' (1994), eine Adaption von Dumas' Roman, thematisiert das St.-Barthélemy-Massaker als Metapher für ewige Gewalt und wurde in Cannes gefeiert. Die atemberaubende Kinematografie, gedreht an Orten wie dem Château de Maulnes in Frankreich, evoziert karibische Intensität durch helle, gnadenlose Beleuchtung. Auf der Insel selbst dient St. Barts als Drehort für Hollywood-Produktionen – von Szenen in ''Manon des Sources'' (1986) bis zu Cameos von Stars wie Beyoncé oder Leonardo DiCaprio –, was die literarische Romantik der Insel in visuelle Ikonen verwandelt.
 
=== '''Musik und Tanz''' ===
Die Musik Saint-Barthélemys ist kreolisch und afrikanisch geprägt. '''Gwo ka''', die traditionelle Trommelmusik aus Guadeloupe, hat auch auf St. Barts Wurzeln geschlagen. Sieben Trommeln (''ka'') – von der tiefen ''boula'' bis zur hohen ''makè'' – erzeugen polyphone Rhythmen, begleitet von Call-and-Response-Gesang. Diese Musik entstand im 17. und 18. Jahrhundert unter versklavten Afrikanern als Ausdruck von Widerstand und Gemeinschaft. Heute erklingt sie bei ''fêtes patronales'' (Patronatsfesten), etwa am 15. August zu Ehren der Jungfrau Maria, wenn die Straßen von Gustavia und Lorient von Trommelschlägen erfüllt sind.
 
Doch St. Barts wäre nicht St. Barts ohne seine französisch-karibische Leichtigkeit: Zouk, geboren in den 1980er Jahren in Guadeloupe und Martinique durch Kassav’, ist der Soundtrack der Nächte. Lieder wie ''Zouk la sé sèl médikaman nou ni'' (''Zouk ist die einzige Medizin, die wir haben'') hallen in Bars wie dem Le Ti St. Barth oder dem Nikki Beach, wo DJs lokale Talente mit internationalen Beats mischen. Der Zouk – sinnlich, tanzbar, mit kreolischem Text – ist mehr als Musik: Er ist Therapie, Flirt, Identität.
 
Die schwedische Kolonialzeit (1784 bis 1878) hinterließ subtile Spuren: In manchen Dörfern wie Corossol singen ältere Frauen noch ''chansons suédoises'' in einem französisch-schwedischen Dialekt, begleitet von Akkordeon und Gitarre. Und dann ist da der Jazz: Seit den 1990er Jahren zieht das Saint-Barth Jazz Festival (meist im November) Weltstars wie Marcus Miller oder Dee Dee Bridgewater an. 2024 trat Cory Henry im Hafen von Gustavia auf – vor Yachten und kreolischen Fischern gleichermaßen. Die Musik wird zur Brücke: zwischen Karibik und Kontinent, zwischen Volk und Elite.
 
Wo Musik ist, ist Tanz. Auf Saint-Barthélemy ist er körperlich, erotisch, spirituell. Der gwo ka-Tanz ist ritualisiert: Kreisförmig, mit Hüftbewegungen, die die Trommeln spiegeln. Männer und Frauen tanzen abwechselnd im Zentrum – ein Dialog aus Kraft und Anmut. Er wird in écoles de danse wie der ''Association Culturelle de Lorient'' gelehrt, wo Kinder lernen, dass Tanz Geschichte ist.
 
Der zouk brachte eine neue Sprache: eng, fließend, fast meditativ. Paare tanzen ''collé-serré'' (eng umschlungen), die Hüften kreisen synchron zum 4/4-Takt. In Clubs wie Baz Bar oder bei Strandpartys in St. Jean wird Zouk zur nächtlichen Poesie – ein Tanz, der Grenzen auflöst. Und dann gibt es die quadrille, eine koloniale Erbschaft aus Frankreich: Paare in traditioneller Kleidung tanzen geometrische Figuren zu Geige und Akkordeon. Sie wird beim Festival de la Saint-Barthélemy (24. August) aufgeführt – ein lebendiges Museum der Kolonialzeit.
 
Moderne Einflüsse? Hip-Hop, Reggaeton und afrobeats dringen ein, besonders unter der Jugend. In Colombier gibt es Breakdance-Crews, die auf Parkplätzen üben. Und während der Carnaval (Februar/März) explodiert alles: Kostüme, Steel Drums, ''bigine'', ''mazurka'' – ein karibisches Mardi Gras mit lokaler Note.
 
Die Insel pulsiert in Zyklen. Das Festival de Musique de Saint-Barthélemy (Januar) bringt klassische Musik in die Kirche von Lorient – Bach neben kreolischen Chorälen. Das St. Barth Summer Sessions (Juli) verwandelt Strände in Open-Air-Bühnen: Reggae, Soca, Electro-Zouk. Und das Bucket Regatta (März) endet mit Live-Musik am Shell Beach – Steelpan-Bands aus Trinidad mischen sich mit lokalen ''ti bands''.
 
Sogenannte „Orte der Ekstase“ sind:
 
* Le Ti St. Barth (Pointe Milou): Cabaret, Live-Musik, Tisch-Tanz
* La Plage (St. Jean): Zouk-Nächte mit Blick aufs Meer
* Corossol: Authentische ''fêtes de quartier'' mit Gwo Ka und Rum
* Gustavia Harbor: Silvesterkonzerte mit Feuerwerk und kollektivem Tanz
 
=== '''Kleidung''' ===
Auf Saint-Barthélemy herrscht das ganze Jahr über ein warmes, tropisch-gemäßigtes Klima, das von sonnigen Tagen, warmen Nächten und einer leichten Brise geprägt ist. Deshalb eignet sich vor allem leichte, luftige Kleidung aus Naturmaterialien wie Baumwolle oder Leinen, die angenehm zu tragen sind und den Körper atmen lassen. Tagsüber dominiert ein lässiger, sommerlicher Stil: weite T-Shirts, Shorts, luftige Blusen und Kleider, dazu Sandalen oder offene Schuhe.
 
Da Strand und Meer zum Alltag gehören, sollte ausreichend Bademode im Gepäck sein, ergänzt durch einen Sarong oder ein leichtes Tuch, das am Strand wie in Beachclubs praktisch ist. Die Sonne kann intensiv sein, sodass eine Kopfbedeckung, Sonnenbrille und gegebenenfalls ein dünnes Überwurfteil sinnvoll sind. Für die Abende, die meist warm bleiben, empfiehlt sich ein eleganter, aber entspannter „Resort Chic“: leichte Sommerkleider, Leinenhemden oder dünne Stoffhosen, ohne dass formelle Kleidung wie Jacketts oder Krawatten nötig wäre.
 
Viele Restaurants und Bars schätzen einen gepflegten Stil, doch übertriebene Eleganz ist selten angebracht. Eine leichte Jacke oder ein dünner Pullover kann nützlich sein, wenn der Wind auffrischt oder es nach einem kurzen Regenschauer abkühlt. Insgesamt spiegelt die Kleidung auf St. Barts den Charakter der Insel wider – stilvoll, entspannt, hochwertig und perfekt abgestimmt auf Sonne, Meer und tropisches Lebensgefühl.
 
=== '''Kulinarik und Gastronomie''' ===
Die Wurzeln der insularen Küche reichen in die Kolonialzeit zurück: Französische Techniken wie langsame Garung und Sauce-Zubereitung werden mit karibischen Zutaten verschmolzen. Historisch war die Ernährung einfach und ländlich – Galettes aus Maniokmehl, Poudine à patates (Süßkartoffelpudding) oder Eintöpfe aus Ziegenfleisch –, doch heute hat sich das Bild gewandelt. Renommierte Köche aus der Metropole bringen Fusion-Ideen ein, die lokale Spezialitäten aufwerten. Ein Highlight ist der Saint Barth Gourmet Festival im November, bei dem internationale Sterne-Köche wie Jean Imbert oder Eric Frechon die Insel erobern und Menüs kreieren, die karibische Frische mit französischer Präzision verbinden. Jährlich feiert das Event die "Art de Vivre", mit Kochshows, Weinproben und Pop-up-Dinners – ein Muss für jeden Foodie.
 
Unter den Spezialitäten ragt der frische Hummer heraus, direkt aus dem Meer gefangen und gegrillt serviert, oft mit Limettensoße oder karibischen Kräutern. Ein klassisches kreolisches Gericht ist das Ragoût de Lambis, ein würziger Eintopf aus Conch (Meeresschnecke), mariniert in Limette und Knoblauch, der die texturierte Meeresfrische betont. Fischliebhaber kommen bei gegrilltem Mahi-Mahi oder frischem Thunfisch-Carpaccio auf ihre Kosten, begleitet von Christophine (eine lokale Kürbisart) im Gratin mit Conch-Füllung. Vegetarische Akzente bieten Gerichte wie gedämpftes Gemüse mit Kokosmilch oder asiatisch inspirierte Shrimps-Röllchen mit Bacon. Für Fleischfans empfehle ich Cabri-Curry, zartes Ziegenfleisch in einer scharfen Gewürzmischung, oder Lamm-Ossobuco mit tropischen Twists. Desserts runden ab: Erfrischender Coco-Sorbet aus frischer Kokosnuss oder der cremige Süßkartoffelpudding, ein Relikt aus der bäuerlichen Tradition.
 
Die Vielfalt erstreckt sich auf internationale Einflüsse: Italienische Pizzerien servieren handgezogene Teigfladen mit lokalen Tomaten, asiatische Spots locken mit Nudelsalat in Kokosmilch, und mediterrane Perlen wie das Shellona am Shell Beach bieten griechische Spices mit karibischem Flair. Berühmte Adressen wie das Sand Bar im Eden Rock Hotel (unter Chef Jean-Georges Vongerichten) servieren französisch-mediterran mit Meerblick, während La Guérite in Gustavia-Hafen gegrillten Fisch mit Amalfi-Aromen paart. Bonito fusioniert französische Techniken mit südamerikanischen Zutaten, und La Petite Plage von Eric Frechon begeistert mit Trüffel-Pasta und Rum-Baba. Für Authentizität: Lokale Märkte in Gustavia, wo man frischen Fisch, Gewürze und Früchte ersteht – ideal für Picknicks oder Selbstversorger in Villen.
 
Das beliebteste Getränk ist Champagner, ergänzt durch exzellente Weine aus Boutiquen wie Le Cellier du Gouverneur. Frische Säfte aus Passionfrucht oder Guave, karibische Biere oder Cocktails mit Rum runden den Tag ab. Die Kulinarik auf St. Barts ist mehr als Essen – sie ist ein Lebensgefühl, das Entspannung und Exklusivität vereint. Ob bei Sonnenuntergang am Strand oder in einem versteckten Garten: Hier schmeckt jeder Bissen nach Paradies.
 
Es gibt hier viele Restaurants, die eine gute Küche in einer wenig an die Antillen erinnernden Atmosphäre anbieten. Besonders in Mode ist die französische Küche, die von den zahlreichen auf der Insel vertretenen amerikanischen Gästen geschätzt wird. Es wäre jedoch schade, die kreolischen Spezialitäten nicht zu probieren. Zahlreiche Restaurants, in Gustavia wie auf der gesamten Insel, bieten sie immer noch an. Blaff ist ein Gericht aus frischem Fisch, der in einer Marinade aus Zitronensaft und Gewürzen eingelegt ist. Die mit tropischen Früchten genährten und gefüllten Krabben sind hervorragend. Gegrillter Hai, Langusten und andere Krustentiere sowie Blutwurst und kreolischer Reis sind einige der Gründe, die französische Küche für eine Zeit zu entbehren.
 
=== '''Festkultur''' ===
Auf Saint Barthelemy werden die üblichen französischen Feiertage begangen. Einer der Feiertage des Gebiets ist der Tag des Heiligen Bartholomäus am 24. August. Bartholomäus, der Schutzpatron des Gebiets, ist laut dem Neuen Testament einer der zwölf Apostel, d. h. einer der zwölf Jünger, die von Jesus von Nazareth ausgezeichnet wurden. Außerdem gilt er als Schutzheiliger der Metzger, Gerber und Buchbinder.
 
 
'''Festtage:'''
 
* 1. Januar  -  Neujahr
* Mitte Februar  -  Aschermittwoch
* Ende März / Anfang April  -  Ostern
* 1. Mai  -  Tag der Arbeit
* 8. Mai -  Tag des Sieges
* Ende Mai / Anfang  -  Christi Himmelfahrt
* Ende Mai / Anfang Juni  -  Pfingsten
* 27. Mai  -  Abschaffung der Sklaverei
* 14. Juli  -  Tag des Sturmes auf die Bastille
* 21. Juli  - Schoelcher-Tag
* 15. August -  Mariä Himmelfahrt
* 1. November -  Allerheiligen
* 2. November -  Allerseelen
* 11. November -  Gedenktag
* 25./26. Dezember  -  Weihnachten
 
== '''Medien''' ==
Die Presse auf Saint Barthélemy ist vielfältig und bilingual, da die Insel stark von französischen und amerikanischen Touristen geprägt ist. Das älteste und renommierteste Blatt ist '''Le Journal de Saint-Barth''', eine wöchentliche Zeitung, die seit 1991 erscheint und von der Société de Presse Antillaise herausgegeben wird. Sie berichtet über lokale Politik, Veranstaltungen, Sport und Tourismus, mit einem Fokus auf die Inselgemeinschaft. Die Redaktion, die in Saint-Jean ansässig ist, deckt Themen wie Umweltschutz, kulturelle Feste oder die Auswirkungen von Hurrikans ab – ein sensibles Thema seit dem verheerenden Irma im Jahr 2017. Ergänzt wird sie durch '''Le News St Barth''', ein kostenloses tägliches Boulevardblatt mit 10 bis 15 Seiten, das in französischer und englischer Version vorliegt. Es ist das perfekte Begleitmedium zum Frühstück: Kurze Nachrichten, Kleinanzeigen und Restauranttipps sorgen für Alltagsnähe. Für englischsprachige Leser gibt es '''St Barth Weekly''', das sich auf Aktuelles, Angebote und Events konzentriert, sowie Online-Portale wie '''St Barts Daily News''' oder '''Lifestyle News Saint Barth''', die lifestyle-orientierte Inhalte wie Luxusvillen, Events und Promi-News bieten. Eine umfassende Übersicht über alle Printmedien findet man auf Plattformen wie ABYZ News Links, die Links zu lokalen und internationalen Quellen sammelt. Interessant ist, dass viele Zeitungen auf Saint Martin gedruckt werden, da die Insel keine eigenen Rotationsdruckereien hat – ein Beispiel für die regionale Vernetzung in den Kleinen Antillen.
 
Im Hörfunkbereich, der aufgrund der mobilen Inselbevölkerung besonders beliebt ist, dominieren lokale Sender mit tropischem Flair. '''Radio St-Barth''' (98,7 FM) ist der Klassiker: Mit Adult-Contemporary-Musik, lokalen Nachrichten und Werbung für Hotels und Boutiquen strahlt es aus Colombier und erreicht auch Saint Martin. Der Sender, der seit Jahrzehnten existiert, vermittelt ein Gefühl von Inselgemeinschaft und dreht sich um Themen wie Karneval, Segelregatten oder Warnungen vor tropischen Stürmen. Ergänzt wird er durch '''Radio Transat''' (103,1 FM), das französische Hits und Unterhaltung bietet, sowie '''Tropik FM''' (97,5 FM) mit Reggae, Zouk und lateinamerikanischen Rhythmen – ideal für den Strand-Soundtrack. '''Sun FM Music''' (106,9 FM) richtet sich an englischsprachige Hörer mit Top-40-Pop und Werbespots für Luxusmarken. Insgesamt gibt es rund ein Dutzend FM-Sender, darunter Notfallfrequenzen wie Urgence Info Îles du Nord für Krisenlagen. Viele Sender streamen online, was sie für globale Zuhörer zugänglich macht, und ihre Frequenzen sind auf Seiten wie TuneIn oder Radio.net abrufbar.
 
Fernsehen spielt auf Saint Barthélemy eine untergeordnete Rolle, da die Insel keine eigenen Sender hat und sich auf Satelliten- oder Kabelanbieter stützt. Französische Programme wie TF1, France 2 oder Arte sind über Provider wie Canal+ oder lokale Kabelnetze empfangbar. Örtlich von Bedeutungm sind '''Carib’inTV''', ein dreisprachiger Sender für Saint-Barthélemy und Saint-Martin, sowie  '''Guadeloupe 1<sup>re</sup>'''. Lokale Inhalte fließen oft über Radios oder Online-Plattformen ein, etwa durch Berichte von La Première (ehemals RFO), die über Hurrikane oder Tourismusentwicklungen berichtet. In Zeiten von Streaming-Diensten wie Netflix oder YouTube, die dank der exzellenten Internetversorgung (über 90 Prozent der Bevölkerung nutzen Social Media) populär sind, verliert traditionelles TV an Boden. Dennoch sorgen Events wie der St. Barts Film Festival für mediale Highlights, die international Aufmerksamkeit erregen.


Die digitale Transformation hat die Medien auf Saint Barthélemy revolutioniert. Mit einer Internetpenetration von fast 95 Prozent (Stand 2024) sind Plattformen wie Facebook, Instagram und LinkedIn zentral – insbesondere für Tourismuswerbung. Lokale Newsportale wie '''GoToStBarths.com''' oder '''Saint-Barths.com''' bieten Echtzeit-Updates zu Wetter, Events und Immobilien. Internationale Medien wie Newsweek heben die Insel als Luxusdestination hervor, was die lokale Berichterstattung beeinflusst.
Die digitale Transformation hat die Medien auf Saint Barthélemy revolutioniert. Mit einer Internetpenetration von fast 95 Prozent (Stand 2024) sind Plattformen wie Facebook, Instagram und LinkedIn zentral – insbesondere für Tourismuswerbung. Lokale Newsportale wie '''GoToStBarths.com''' oder '''Saint-Barths.com''' bieten Echtzeit-Updates zu Wetter, Events und Immobilien. Internationale Medien wie Newsweek heben die Insel als Luxusdestination hervor, was die lokale Berichterstattung beeinflusst.




'''Radiostationen'''
'''Radiostationen'''
 
 
* Guadeloupe 1<sup>re</sup> : radio généraliste publique de proximité
* Guadeloupe 1<sup>re</sup> : radio généraliste publique de proximité
* Radio Saint Barth : radio musicale diffusée en FM sur 98.7 et 103,7 MHz
* Radio Saint Barth : radio musicale diffusée en FM sur 98.7 et 103,7 MHz
* Tropik FM : radio musicale diffusée en FM sur 97.5 et 104,9 MHz
* Tropik FM : radio musicale diffusée en FM sur 97.5 et 104,9 MHz
* Radio des Iles St Barth (RDI) : radio commerciale généraliste de proximité diffusée en FM sur 89,7 MHz
* Radio des Iles St Barth (RDI) : radio commerciale généraliste de proximité diffusée en FM sur 89,7 MHz
* Radio Transat : radio musicale, FM 95,5 et 103,1 MHz
* Radio Transat : radio musicale, FM 95,5 et 103,1 MHz
 
 
=== '''Kommunikation''' ===
=== '''Kommunikation''' ===
Das Post-  und Telefonnetz ist sehr gut ausgebaut und entspricht europäischen Standards. Die Telefon-Vorwahl lautet 00590.
Das Post-  und Telefonnetz ist sehr gut ausgebaut und entspricht europäischen Standards. Die Telefon-Vorwahl lautet 00590.
 
 
== '''Sport''' ==
== '''Sport''' ==
Die Insel fördert Sport durch ihr Service des Sports, das Veranstaltungen organisiert und Infrastruktur wie das Stade de Saint-Jean in der Hauptstadt Gustavia bereitstellt, das dank einer Spende des Milliardärs Roman Abramovich im Jahr 2010 modernisiert wurde. Saint-Barthélemy verfügt über ein territoriales Stadion (für Fußball, Rugby und Leichtathletik), das Stade de Saint-Jean, das sich im Stadtteil Saint-Jean befindet.
Die Insel fördert Sport durch ihr Service des Sports, das Veranstaltungen organisiert und Infrastruktur wie das Stade de Saint-Jean in der Hauptstadt Gustavia bereitstellt, das dank einer Spende des Milliardärs Roman Abramovich im Jahr 2010 modernisiert wurde. Saint-Barthélemy verfügt über ein territoriales Stadion (für Fußball, Rugby und Leichtathletik), das Stade de Saint-Jean, das sich im Stadtteil Saint-Jean befindet.
 
 
=== '''Wassersport''' ===
Beliebte Strände wie Anse de Grand Cul-de-Sac eignen sich perfekt für Kitesurfen und Windsurfen, wo stetige Winde für Spannung sorgen, während Anfänger in flachen Lagunen üben können. Für Familienfreundliches bietet der Strand von St. Jean ruhige Gewässer für Stand-up-Paddling, Kajakfahren oder Schnorcheln – hier tummeln sich oft Seeturtles in der Nähe der Korallenriffe. Surfen findet man vor allem an der windzugewandten Seite, etwa in Lorient, Toiny oder Anse des Cayes, wo Wellen für Fortgeschrittene locken. Jet-Ski-Touren und Flyboarding, eine sensationelle Mischung aus Jetpack und Surfbrett, starten von Gustavia aus und erlauben Ausflüge zu abgelegenen Buchten. Tauchen und Schnorcheln sind in der Marine Reserve geschützt, mit über 40 Tauchspots rund um die Insel, darunter Grotten, Canyons und Wracks – ideal für Anfänger wie Profis. Angeln, ob Inshore oder Offshore, ist ein Highlight für Fischer, die mit Profi-Guides auf schnelle Boote steigen, um Tarpon oder Barrakudas zu jagen.
Beliebte Strände wie Anse de Grand Cul-de-Sac eignen sich perfekt für Kitesurfen und Windsurfen, wo stetige Winde für Spannung sorgen, während Anfänger in flachen Lagunen üben können. Für Familienfreundliches bietet der Strand von St. Jean ruhige Gewässer für Stand-up-Paddling, Kajakfahren oder Schnorcheln – hier tummeln sich oft Seeturtles in der Nähe der Korallenriffe. Surfen findet man vor allem an der windzugewandten Seite, etwa in Lorient, Toiny oder Anse des Cayes, wo Wellen für Fortgeschrittene locken. Jet-Ski-Touren und Flyboarding, eine sensationelle Mischung aus Jetpack und Surfbrett, starten von Gustavia aus und erlauben Ausflüge zu abgelegenen Buchten. Tauchen und Schnorcheln sind in der Marine Reserve geschützt, mit über 40 Tauchspots rund um die Insel, darunter Grotten, Canyons und Wracks – ideal für Anfänger wie Profis. Angeln, ob Inshore oder Offshore, ist ein Highlight für Fischer, die mit Profi-Guides auf schnelle Boote steigen, um Tarpon oder Barrakudas zu jagen.
 
 
Jährliche Events wie die St. Barts Bucket Regatta oder Les Voiles de St. Barth ziehen Segler aus aller Welt an und verwandeln die Gewässer in ein farbenfrohes Spektakel mit eleganten Yachten. Diese Regatten, kombiniert mit dem New Year's Eve Regatta, unterstreichen die maritime Tradition der Insel, die einst schwedische Kolonie war und heute französisches Overseas-Territorium ist.
Jährliche Events wie die St. Barts Bucket Regatta oder Les Voiles de St. Barth ziehen Segler aus aller Welt an und verwandeln die Gewässer in ein farbenfrohes Spektakel mit eleganten Yachten. Diese Regatten, kombiniert mit dem New Year's Eve Regatta, unterstreichen die maritime Tradition der Insel, die einst schwedische Kolonie war und heute französisches Overseas-Territorium ist.
 
Obwohl die hügelige Topografie keinen Golfplatz erlaubt, gibt es reichlich Alternativen auf dem Land. Tennisplätze in Hotels und Resorts wie dem Le Barthélemy laden zu Matches ein, während Beachvolleyball an Stränden wie Saline oder Flamands spontan organisiert wird – oft mit anschließendem Bad im Karibikmeer. Wandern und Trail Running auf markierten Pfaden, etwa zum höchsten Punkt Morne du Vitet (281 Meter), bieten atemberaubende Ausblicke auf die Insel und ihre Nachbarn. Radfahren ist eine Herausforderung für Ausdauernde, da die steilen Straßen die Beine fordern, aber die Belohnung sind Panoramen über rote Dächer und smaragdgrüne Buchten.
 
Neue Trends wie Padel, eine Mischung aus Tennis und Squash, gewinnen an Bedeutung. Kampfsportarten wie Brazilian Jiu-Jitsu haben mit lokalen Meisterschaften Einzug gehalten, und Yoga oder Fitness in Studios wie Formfitness runden das Angebot ab.
 
Fußball wird im Stade de Saint-Jean ausgetragen, wo die Saint-Barthélemy Championships seit 2004 laufen und Clubs wie APSB dominieren. Die Nationalmannschaft spielt Freundschaftsspiele gegen Nachbarinseln wie St. Martin, da St. Barts noch nicht voll bei CONCACAF ist. Die lokale Meisterschaft und der Pokal werden vom territorialen Fußballkomitee von Saint-Barthélemy organisiert. Es gibt fünf Mannschaften, die an beiden Wettbewerben teilnehmen:
 
* AS Gustavia (der erfolgreichste Fußballverein der Insel)
* Red Devils (Rote Teufel)
* FC Arawak
* ASPSB (AS der Portugiesen von Saint Barth)
* Team FWI (die letzte neu gegründete Mannschaft der Insel)
 
Rugby hat sich in den letzten Jahren zu einer Art „Königssport“ auf Saint-Barthélemy entwickelt. „Les Barracudas de Saint-Barthélemy“ ist der Vorzeigeverein der Insel. Diese Mannschaft gewann 2013, 2016 und 2017 die Meisterschaft der Antillen - Guyana. Basketball-Teams wie die Pélicans treten in regionalen Playoffs an.
== '''Persönlichkeiten''' ==
Die wichtigsten mit der Insel verbundenben Persönlichkeiten sind:
* Christoph Kolumbus (1451 bis 1506), Seefahrer, Entdecker und Navigator. Er sichtete die Insel 1493 auf seiner zweiten Reise und benannte sie nach seinem Bruder Bartolomeo. [1]
* David Rockefeller (1915 bis 2017), US-amerikanischer Bankier, Philanthrop und Milliardär. Er kaufte 1957 ein großes Anwesen am Colombier-Strand und leitete damit den Wandel der Insel zum Treffpunkt für den internationalen Jetset ein.
* Rémy de Haenen (1916 bis 2008),  Flugpionier, Hotelier und Politiker. Er landete 1947 als Erster ein Flugzeug auf der Insel, gründete das legendäre Luxushotel ''Eden Rock'' und war später Bürgermeister von Saint-Barthélemy.
* Marius Stakelborough (1923 bis 2020), legendärer Gastronom und Insel-Original. Er gründete 1949 die berühmte Bar ''Le Select'' in Gustavia, die bis heute als kultureller und geselliger Mittelpunkt der Insel gilt. [1]
* Greta Garbo (1905 bis 1990), schwedisch-amerikanische Filmschauspielerin und Hollywood-Ikone. Sie gehörte in den 1950er-Jahren zu den allerersten prominenten Stammgästen, die sich inkognito im ''Eden Rock'' vom Rampenlicht zurückzogen.
* Howard Hughes (1905 bis 1976),  US-amerikanischer Unternehmer, Luftfahrtpionier und Filmproduzent. Er urlaubte in den frühen Boomjahren der Insel regelmäßig dort, um die Abgeschiedenheit zu genießen. [1, 2]
* Johnny Hallyday (1943–2017), französischer Rocksänger und Schauspieler. Er besaß eine Villa auf der Insel, verbrachte dort viel Zeit und wurde nach seinem Tod im Jahr 2017 auf dem Friedhof von Lorient auf St. Barth beigesetzt.
* Patrick Demarchelier (1943 bis 2022), französischer Mode- und Porträtfotograf. Er lebte und arbeitete zeitweise auf der Insel und verstarb dort im Jahr 2022.
* Jimmy Buffett (1946 bis 2023)'','' US-amerikanischer Sänger, Songwriter und Unternehmer. Er besaß ein Haus auf der Insel, besang St. Barth in seinen Songs und gab dort legendäre Überraschungskonzerte.
* Jeff Bezos (geboren 1964), US-amerikanischer Unternehmer, Gründer von Amazon und Milliardär. Er gilt als einer der bekanntesten regelmäßigen Dauergäste der Neuzeit, der den Jahreswechsel traditionell mit seiner Superyacht vor der Küste Gustavias verbringt.
 
== '''Fremdenverkehr''' ==
Der Fremdenverkehr ist der wichtigste Wirtschaftszweig Saint-Barthélemys und prägt sowohl die Beschäftigung als auch den Dienstleistungssektor, den Immobilienmarkt und die Infrastruktur. Die Insel gehört zu den hochpreisigen Reisezielen der Karibik und richtet ihr touristisches Angebot vor allem an wohlhabende Urlauber aus Frankreich und anderen europäischen Ländern, den Vereinigten Staaten sowie Lateinamerika. Zu den Gästen zählen neben Urlaubern, die in Hotels oder privaten Villen wohnen, auch Yachtbesitzer, Chartergäste und Reisende, die mit Privatflugzeugen ankommen. Saint-Barthélemy setzt dabei weniger auf große Ferienanlagen und organisierten Massentourismus als auf kleine Hotels, individuell gestaltete Unterkünfte, gehobene Gastronomie, private Villen und einen auf persönliche Betreuung ausgerichteten Service. Die überschaubare Größe der Insel, ihre Buchten, Strände, hügelige Landschaft und die Verbindung französischer Lebensart mit karibischen Einflüssen bilden wesentliche Grundlagen ihrer touristischen Attraktivität.
 
Der Tourismus konzentriert sich nicht ausschließlich auf einen einzelnen Ort. Gustavia ist das wichtigste Zentrum für Gastronomie, Einkäufe, Hafenbesuche und das Nachtleben. In der Hauptstadt liegen zahlreiche Restaurants, Galerien und Geschäfte internationaler Luxusmarken. Der Hafen dient sowohl der Freizeitschifffahrt als auch dem Empfang von Segel- und Motoryachten; in der Hauptsaison prägen größere Yachten das Stadtbild. Die schwedische Kolonialgeschichte und die erhaltenen historischen Gebäude ergänzen das touristische Angebot, während die Küstenorte und Strandabschnitte vor allem Badegäste, Wassersportler und Besucher privater Ferienhäuser anziehen. Saint-Jean ist durch seine Nähe zum Flughafen, seine Unterkünfte, Geschäfte und Restaurants ein weiterer wichtiger touristischer Bereich.
 
Zu den bekanntesten Stränden zählen Anse de Grande Saline, Anse de Gouverneur, Saint-Jean, Flamands und Colombier. Grande Saline liegt hinter einem Dünenbereich und ist über einen Fußweg erreichbar; der Strand ist für seine vergleichsweise wenig verbaute Umgebung bekannt. Anse de Gouverneur befindet sich in einer geschützten Bucht im Süden der Insel. Colombier ist von der Straße aus nicht unmittelbar zugänglich und wird üblicherweise zu Fuß über Wanderwege oder mit dem Boot erreicht. Die Bucht ist für ihre vergleichsweise ruhige Lage und das klare Wasser bekannt. An verschiedenen Küstenabschnitten werden Schwimmen, Schnorcheln, Segeln, Tauchen und weitere Wassersportarten angeboten. Die Nutzung der Strände und Küstengewässer ist zugleich von der Erhaltung empfindlicher Lebensräume abhängig, darunter Seegrasbestände, Korallenbereiche und die Lebensräume von Meeresschildkröten. Wandern, Naturbeobachtung und Ausflüge entlang der Küste ergänzen das vorwiegend auf Erholung und gehobene Freizeitangebote ausgerichtete Programm.


=== '''Landsport''' ===
Ein wesentliches Merkmal des Fremdenverkehrs ist die vergleichsweise aufwendige Anreise. Der Flughafen Gustaf III bei Saint-Jean besitzt eine kurze Start- und Landebahn und kann deshalb nur von dafür geeigneten kleineren Flugzeugen angeflogen werden. Viele Reisende erreichen die Insel über Umsteigeverbindungen, insbesondere über Saint-Martin, und setzen ihre Reise von dort mit einem kleineren Flugzeug oder einer Fähre fort. Privatflugzeuge spielen im hochpreisigen Reisesegment ebenfalls eine Rolle. Der Hafen von Gustavia ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Yachten und andere Freizeitschiffe. Diese Verkehrsanbindung ermöglicht die Ausrichtung auf internationale Gäste, begrenzt jedoch zugleich die Kapazität des Flughafens und des Straßennetzes. In der Hochsaison führen die begrenzten räumlichen Verhältnisse zu einer höheren Beanspruchung der Verkehrswege, der Wasserversorgung und anderer Infrastruktureinrichtungen.
Obwohl die hügelige Topografie keinen Golfplatz erlaubt, gibt es reichlich Alternativen auf dem Land. Tennisplätze in Hotels und Resorts wie dem Le Barthélemy laden zu Matches ein, während Beachvolleyball an Stränden wie Saline oder Flamands spontan organisiert wird – oft mit anschließendem Bad im Karibikmeer. Wandern und Trail Running auf markierten Pfaden, etwa zum höchsten Punkt Morne du Vitet (281 Meter), bieten atemberaubende Ausblicke auf die Insel und ihre Nachbarn. Radfahren ist eine Herausforderung für Ausdauernde, da die steilen Straßen die Beine fordern, aber die Belohnung sind Panoramen über rote Dächer und smaragdgrüne Buchten.


Neue Trends wie Padel, eine Mischung aus Tennis und Squash, gewinnen an Bedeutung. Kampfsportarten wie Brazilian Jiu-Jitsu haben mit lokalen Meisterschaften Einzug gehalten, und Yoga oder Fitness in Studios wie Formfitness runden das Angebot ab.
Die touristische Hauptsaison liegt vor allem in den Wintermonaten und reicht in der Regel von Dezember bis April. Besonders die Weihnachts- und Neujahrszeit sowie die Wochen um den Jahreswechsel ziehen zahlreiche Besucher und Yachten an. In dieser Zeit steigen die Preise für Unterkünfte und Dienstleistungen deutlich an; viele Villen werden nur für längere Mindestaufenthalte vermietet. Von Mai bis November ist die Nachfrage im Allgemeinen geringer, wobei einzelne Veranstaltungen und Ferienzeiten weiterhin Gäste anziehen. Die Monate der atlantischen Hurrikansaison fallen in diesen Zeitraum. Stürme können den Reiseverkehr, den Betrieb von Unterkünften und die Versorgung beeinträchtigen. Der Hurrikan Irma im September 2017 verursachte schwere Schäden an Gebäuden, Hotels, Hafenanlagen und Versorgungsnetzen. Der anschließende Wiederaufbau führte zu umfangreichen Renovierungen und zur Erneuerung eines Teils der touristischen Infrastruktur.
 
=== '''Ballsport''' ===
Fußball wird im Stade de Saint-Jean ausgetragen, wo die Saint-Barthélemy Championships seit 2004 laufen und Clubs wie APSB dominieren. Die Nationalmannschaft spielt Freundschaftsspiele gegen Nachbarinseln wie St. Martin, da St. Barts noch nicht voll bei CONCACAF ist. Die lokale Meisterschaft und der Pokal werden vom territorialen Fußballkomitee von Saint-Barthélemy organisiert. Es gibt fünf Mannschaften, die an beiden Wettbewerben teilnehmen:


* AS Gustavia (der erfolgreichste Fußballverein der Insel)
Die Übernachtungsmöglichkeiten bestehen aus Hotels, Ferienwohnungen, Gästehäusern und vor allem privat vermieteten Villen. Der Hotelbestand umfasst überwiegend kleinere, individuell gestaltete Häuser im gehobenen und luxuriösen Segment. Zu den bekannten Betrieben zählen das Eden Rock in Saint-Jean, das Le Sereno an der Grand-Cul-de-Sac-Bucht, das Cheval Blanc St-Barth Isle de France bei Flamands, das Le Barthélemy Hotel & Spa sowie das Le Toiny an der Südostküste. Die Häuser unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Größe und Ausstattung, bieten aber vielfach Restaurants, Pools, Wellnessangebote und einen persönlichen Gästeservice. Die Zahl der Hotels allein beschreibt das gesamte Beherbergungsangebot nur unzureichend, da Ferienvillen und andere privat vermietete Unterkünfte eine große Rolle spielen.
* Red Devils (Rote Teufel)
* FC Arawak
* ASPSB (AS der Portugiesen von Saint Barth)
* Team FWI (die letzte neu gegründete Mannschaft der Insel)


Nach Angaben des Fremdenverkehrsobservatoriums nahmen an der Erhebung zur Saison 2023/2024 vierzehn Hotels teil. In dieser Stichprobe betrug die durchschnittliche jährliche Zimmerbelegung 64,6 Prozent, gegenüber 68,1 Prozent in der vorherigen Saison. September und Oktober wurden bei dieser Jahresberechnung nicht berücksichtigt, da zahlreiche Hotels in diesen Monaten schließen. Die Belegung war saisonal unterschiedlich: Im März 2024 lag sie bei 77,1 Prozent, im Juli bei 52,7 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf die untersuchten Hotels und dürfen nicht ohne Weiteres auf sämtliche Unterkünfte der Insel übertragen werden.


Rugby hat sich in den letzten Jahren zu einer Art „Königssport“ auf Saint-Barthélemy entwickelt. „Les Barracudas de Saint-Barthélemy“ ist der Vorzeigeverein der Insel. Diese Mannschaft gewann 2013, 2016 und 2017 die Meisterschaft der Antillen - Guyana. Basketball-Teams wie die Pélicans treten in regionalen Playoffs an.  
saintbarth-tourisme.com


== '''Fremdenverkehr''' ==
Private Ferienvillen sind ein besonders wichtiger Bestandteil des Unterkunftsmarktes. Sie reichen von kleineren Häusern bis zu großzügigen Anwesen mit mehreren Schlafzimmern, Meerblick, Swimmingpool und zusätzlichen Dienstleistungen wie Reinigung, Koch- oder Butlerservice. Die Vermittlung erfolgt über örtliche Vermietungsagenturen und internationale Buchungsplattformen. Die Preise hängen stark von Saison, Lage, Größe und Ausstattung ab und können während der Weihnachts- und Neujahrszeit besonders hoch ausfallen. Für Reisende mit begrenztem Budget ist Saint-Barthélemy deshalb ein schwieriges Reiseziel. Neben den Übernachtungskosten fallen vergleichsweise hohe Ausgaben für Restaurants, Mietwagen, Lebensmittel und weitere Dienstleistungen an. Die Beschäftigung in Hotellerie, Gastronomie, Hausverwaltung, Reinigung, Transport und Freizeitangeboten ist eng mit diesem Unterkunftsmodell verbunden. Zugleich erhöht die Nachfrage nach Wohnraum für Urlauber den Druck auf den Immobilienmarkt und erschwert es, für Beschäftigte bezahlbare Wohnungen zu finden.
jährlich etwa 200.000 bis 312.000 Besucher an – hauptsächlich wohlhabende Touristen, Prominente und Yachtbesitzer aus Europa, den USA und Lateinamerika. Der Tourismus macht rund 68 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und profitiert von der abgelegenen, unberührten Lage in den Kleinen Antillen. Im Jahr 2023 verzeichnete die Insel ein Wachstum von 38 Prozent im Vergleich zu 2019, mit einer Hotelbelegungsrate von 64,6 Prozent im Jahr 2024 – ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr, bedingt durch steigende Preise und eine Fokussierung auf nachhaltigen, hochwertigen Tourismus. Aktuell, im November 2025, plant die Collectivité unter Präsident Xavier Lédée „Rencontres territoriales“ ab dem 13. November, um gemeinsam mit der Bevölkerung eine Strategie für die Zukunft des Tourismus zu entwickeln, die Attraktivität und Nachhaltigkeit balanciert.


St. Barts verkörpert den Inbegriff karibischer Eleganz – ohne Massentourismus. Die Insel lockt mit über 20 traumhaften Stränden, darunter die ikonischen Anse de Grande Saline (nacktstrandtauglich und von Dünen umgeben), Anse de Gouverneur (isoliert und weißsandig) oder Colombier Beach (nur per Boot oder Wanderung erreichbar, ideal zum Schnorcheln mit Schildkröten). Die Küstenlinie ist von türkisfarbenem Wasser und vulkanischen Hügeln gesäumt, die eine atemberaubende Kulisse bieten. Gustavia, die Hauptstadt, ist das Herz des Tourismus: Ein malerischer Hafen mit Luxus-Boutiquen (Hermès, Cartier), Galerien und Restaurants, wo französische Küche mit frischem Seafood fusionieren. Die schwedische Kolonialarchitektur – rote Dächer, weiße Fassaden – verleiht der Stadt einen einzigartigen Charme. Für Abenteuerlustige gibt es Wanderwege durch subtropische Vegetation, Tauchausflüge zu Korallenriffen oder Klettern an den Klippen. Der Fokus liegt auf Privatsphäre: Viele Besucher kommen per Privatjet (Flughafen SBH, nur für kleinere Maschinen) oder Yacht, was die Insel zu einem Favoriten von Stars wie Beyoncé oder Leonardo DiCaprio macht.
Die Besucherzahlen müssen nach Verkehrsträgern und statistischen Kategorien unterschieden werden. Flugpassagiere, Passagiere des Fähr- und Kreuzfahrtverkehrs, Yachtgäste und tatsächlich auf der Insel übernachtende Urlauber sind nicht identische Gruppen. Für 2023 wurden am Flughafen Saint-Barthélemy-Rémy-de-Haenen 203.754 Passagiere registriert; der Hafen von Gustavia verzeichnete im selben Jahr 347.572 Passagierbewegungen. Diese Zahlen belegen die Bedeutung des Luft- und Seeverkehrs, lassen sich aber nicht einfach addieren, um die Zahl unterschiedlicher Inselbesucher zu bestimmen, da Mehrfachbewegungen und unterschiedliche Erfassungsmethoden zu berücksichtigen sind. Der Tourismusverband stellte für die Saison 2023/2024 außerdem fest, dass 55,8 Prozent der erfassten Gäste aus den Vereinigten Staaten und 16 Prozent aus Frankreich kamen. Weitere wichtige Herkunftsgebiete waren das übrige Europa und andere Länder des amerikanischen Kontinents.


Das tropische Klima ist ganzjährig mild: Durchschnittstemperaturen von 22 °C im Januar bis 31 °C im Juli/August, mit wenig Regen außer in der Hurrikansaison (Juni–November). Die Hochsaison von Dezember bis April ist ideal für sonnensichere Tage und Events, birgt aber Höchstpreise – Villenmieten starten bei 1.100 € pro Nacht, Suiten in Top-Hotels wie dem Cheval Blanc bei 7.000 €. Die Nebensaison (Mai–November) bietet Rabatte bis zu 50 Prozent und weniger Trubel, wobei November 2025 eine Übergangsphase mit Events wie dem Saint-Barth Gourmet Festival markiert.  
Der Fremdenverkehr steht vor der Aufgabe, wirtschaftliche Erträge, Umwelt- und Landschaftsschutz sowie die Lebensbedingungen der Einwohner miteinander in Einklang zu bringen. Die begrenzte Fläche, die Abhängigkeit von importierten Waren und Brennstoffen, die aufwendige Trinkwassergewinnung und die geringe Kapazität des Straßennetzes setzen dem Wachstum Grenzen. Auch Abfälle, Abwasser, Verkehr und der hohe Energiebedarf der Unterkünfte sind wichtige Themen. Die Erhaltung der Küstenlandschaft und der historischen Bausubstanz ist für die langfristige Attraktivität der Insel von wirtschaftlicher Bedeutung. Die Diskussion über nachhaltigen Tourismus betrifft daher nicht nur die Umweltverträglichkeit der Hotels, sondern ebenso den Umgang mit Bauland, die Versorgung der Bevölkerung und die Belastung der öffentlichen Infrastruktur.


St. Barts zählt etwa 25 Hotels, meist klein und intim (max. 58 Zimmer), klassifiziert als 3- bis 4-Sterne-Luxe. Ikonen wie Eden Rock (mit Infinity-Pools und Michelin-Restaurants) oder Le Sereno (minimalistisch-modern) dominieren. Doch der Großteil der Übernachtungen (ca. 400 Villen) erfolgt in privaten Anwesen – oft mit Butler, Pool und Meerblick, vermietet über Plattformen wie Airbnb oder lokale Agenturen. Preise in der Hochsaison: 1.700–12.000 € pro Nacht für Villen, mit Mindestaufenthalt von sieben Tagen. Nach dem Hurrikan Irma (2017) boomt der Bau von umweltfreundlichen Luxusresorts, die Nachhaltigkeit betonen, wie Solarenergie und lokale Materialien. Für Budgetreisende ist die Insel herausfordernd, da es keine Billigoptionen gibt – der Fokus liegt auf Qualität statt Quantität.
Im November 2025 organisierte der Präsident der Collectivité territoriale, Xavier Lédée, unter dem Titel „Rencontres territoriales“ eine öffentliche Zusammenkunft zum Thema Tourismus und Attraktivität. Dabei sollten Vertreter der Branche, weitere örtliche Akteure und Einwohner über die künftige Entwicklung Saint-Barthélemys beraten. Eine vorausgehende Bestandsaufnahme bezog unter anderem Hotellerie, Gastronomie, Immobilien- und Villenvermietung sowie öffentliche Einrichtungen ein. Zu den angesprochenen Themen gehörten die Bewahrung der Umwelt, die Qualität des touristischen Angebots und die Lebensqualität der Bevölkerung. Die Initiative verdeutlichte, dass die künftige Tourismuspolitik nicht allein anhand steigender Besucherzahlen beurteilt werden soll, sondern auch danach, wie sich die wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs mit den begrenzten Ressourcen und den Bedürfnissen der Inselbevölkerung vereinbaren lässt.


== '''Literatur''' ==
== '''Literatur''' ==

Aktuelle Version vom 22. Oktober 2026, 13:33 Uhr

Die kleine Antilleninsel Saint Barthelemy liegt als Geheimtipp für exklusive Urlauber etwas abseits der großen touristischen Destinationen. Bis vor kurzem noch ein Anhängsel des größeren Guadelupe, bestimmen die Insulaner jetzt selbst ihren Weg, der eine engere Bindung an das Mutterland Frankreich vorsieht.

Inselsteckbrief
offizieller Name Saint-Barthélemy
alternative Bezeichnungen Ouanalao, Ouanalaou (kalinago), San Bartolomeo (1493), Saint-Barth (lokal), Saint Bartholomy, Saint Barts (englisch)
Kategorie Meeresinsel
Inseltyp echte Insel
Inselart tektonische Insel
Gewässer Karibisches Meer (Mer des Caraïbes)
Inselgruppe Kleine Antillen (Petites Antilles)
politische Zugehörigkeit Staat: Republik Frankreich (République française)
Territorium: Saint Barthelemy (Collectivité d’outre mer de Saint-Barthélemy)
Gliederung 3 regions (Gebiete)
40 quartiers (Siedlungen)
Status Inselterritorium (collectivité territoriale)
Koordinaten 17°55‘ N, 62°52‘ W
Entfernung zur nächsten Insel 110 m (1Ile Petit Jean), 4,2 km (Île F oiurchue), 25 km (Sankt Martin)
Entfernung zum Festland 791 km (Sipara / Venezuela)
Fläche 20 km² / 7,7 mi² (mit Nebeninseln 21 km² / 8,1 mi²)
geschütztes Gebiet 0,2 km² / 0,08 mi² (1,0 %)
maximale Länge 9,1 km (W-O)
maximale Breite 4,2 km (N-S)
Küstenlänge 34 km
tiefste Stelle 0 m (Karibisches Meer)
höchste Stelle 286 m (Morne du Vitet)
relative Höhe 286 m
mittlere Höhe 70 m
maximaler Tidenhub 0,3 bis 0,5 m (Gustavia 0,37 m)
Zeitzone HA / AST (Heure de l’Atlantique / Atlantic Standard Time / Atlantik-Standardzeit, UTC-4)
Realzeit UTC minus 4 Stunden 11 bis 12 Minuten
Einwohnerzahl 10.562 (2022)
Dichte (Einwohner pro km²) 528,10, bezogen auf die Verwaltungsfläche 502,95
Inselzentrum Gustavia


Name

Der Name der Insel Saint-Barthélemy geht auf die europäische Entdeckung der Karibik durch Christoph Kolumbus zurück, während die Insel bereits lange vor der Ankunft der Europäer von indigenen Bevölkerungsgruppen bewohnt und benannt worden war. Die ursprünglich hier lebenden Taíno bezeichneten die Insel als Ouanalao beziehungsweise Ouanalaou. Diese Namen werden mit der Bedeutung „Ort der großen Eidechsen“ oder „Insel der Leguane“ in Verbindung gebracht. Als sprachliche Bestandteile werden dabei ouana für "Leguan" oder "Eidechse" und lao für "Ort" oder "Insel" angeführt. Die Bezeichnung verweist auf die in der Karibik heimischen Reptilien und gehört zur indigenen Namensüberlieferung der Insel. Allerdings ist die genaue sprachwissenschaftliche Herleitung nicht zweifelsfrei gesichert.

Christoph Kolumbus sichtete die Insel während seiner zweiten Reise in die Karibik im Jahr 1493 und gab ihr den Namen San Bartolomeo. Die Namensgebung erfolgte nach seinem Bruder Bartolomeo Colón, der um 1461 oder 1462 geboren wurde und 1515 starb. Bartolomeo war ein Seefahrer und Kartograf, unterstützte seinen Bruder bei dessen Unternehmungen und übernahm später politische und administrative Aufgaben in den spanischen Besitzungen der Karibik. Unter anderem amtierte er als Gouverneur von Hispaniola.

Der Vorname Bartolomeo geht auf den biblischen Namen Bartholomäus zurück, der seinerseits aus dem Aramäischen beziehungsweise Hebräischen überliefert ist. Seine übliche Bedeutung wird mit „Sohn des Tolmai“ angegeben. Die Namensform ist in verschiedenen europäischen Sprachen verbreitet: Im Deutschen lautet sie Bartholomäus, im Französischen Barthélemy, im Englischen Bartholomew und im Italienischen Bartolomeo. Die französische Form Barthélemy entwickelte sich zur Grundlage des heutigen Inselnamens Saint-Barthélemy. Der Bestandteil Saint bedeutet „Heiliger“ und ist in französischen Ortsnamen häufig anzutreffen.

Nach der ersten europäischen Namensgebung setzte sich die französische Form Saint-Barthélemy durch, nachdem französische Siedler die Insel im 17. Jahrhundert in Besitz genommen hatten. Die französische Schreibweise enthält den Akzent auf dem ersten e von Barthélemy und wird ungefähr [sɛ̃ baʁtelemi] ausgesprochen. Im internationalen Gebrauch erscheint der Name häufig auch als Saint Barthelemy ohne Akzent. Im Französischen und im regionalen Sprachgebrauch sind außerdem die Kurzformen Saint-Barth und Saint-Barthélemy gebräuchlich; im Englischen werden vor allem St. Barts und St. Barths verwendet. Diese verkürzten Namen sind insbesondere im Tourismus und in der internationalen Berichterstattung verbreitet.

Der indigene Name Ouanalao ist bis heute Teil des historischen Selbstverständnisses der Insel. Er findet sich auch auf dem Wappen von Saint-Barthélemy und erinnert an die vorkoloniale Geschichte des Gebiets. Die Zuordnung des Namens zu den Arawak beziehungsweise Taíno und seine genaue sprachliche Bedeutung werden in den Quellen allerdings unterschiedlich dargestellt. Während einige Darstellungen ihn mit dem Vorkommen von Leguanen verbinden, weisen sprachwissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass die genaue Herkunft nicht abschließend geklärt ist. Die Übersetzung „Ort der großen Eidechsen“ sollte daher nicht als gesicherte wörtliche Übersetzung behandelt werden.

Die heutige amtliche Bezeichnung lautet Collectivité de Saint-Barthélemy beziehungsweise Collectivité d’outre-mer de Saint-Barthélemy. Sie bezeichnet den politischen und verwaltungsrechtlichen Status als französische Überseegebietskörperschaft. Seit dem 15. Juli 2007 besitzt Saint-Barthélemy diesen Status und ist nicht mehr als Gemeinde dem französischen Überseedépartement Guadeloupe zugeordnet.

  • abchasisch:  Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • afrikaans:  San Barthelemy
  • albanisch:  San Barthelemy
  • alemannisch:  San Barthelemy
  • altaisch:  Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • amharisch:  San Barthelemy
  • angelsächsisch:  San Barthelemy
  • arabisch:  سان بارتليمي [Sānt Bartolmai]
  • aragonesisch: San Barthelemy
  • armenisch: Սեն Բարտոլոմեոս [Sen Bart’olomeos]
  • aserbaidschanisch: Sen-Bartelmi
  • aymara: San Barts
  • bambara: Sɛn-Bāts
  • baschkirisch: Сан-Марино [San-Bartelemy]
  • baskisch: San Bartolome
  • bengalisch: সেন্ট বার্থোলোমিউ [Sēnṭa Bārthōlōmi'u]
  • bhutanisch: བར་ཐོ་ལོ་མི་ཨུ་གླིང་ [Bar tho lo mi u gling]
  • biharisch: सेंट बार्थेलेमी [Seṇṭ Bārthēlemī]
  • bikol: San Bartelemy
  • birmanisch: စိန့်ဘာသေလီ [Cainh'bhathaili]
  • bretonisch: San Barthelemy
  • bulgarisch: Сен Бартелми [Sen Bartel’mi]
  • burjatisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • cebuano: San Bartolomeo
  • chakassisch: Сан-Марино [San-Bartelemy]
  • chavakano: San Bartolomeo
  • cherokee: ᏌᏂ ᎧᏂᏫᎵ ᏃᏈᏏ [Sani Kani'li Nosisi]
  • chinesisch: 圣巴泰勒米 [Shèng Bātài-lè-mǐ]
  • dari: سن بارتلمی [Sen Bārtlami]
  • dänisch: San Barthelemy
  • deutsch: Saint Barthelemy, Sankt Bartholomeus
  • dine: Naʼnízhníłtsʼííʼí
  • englisch: Saint Barthelemy, Saint Barts
  • esperanto: Sankta Bartolomeo
  • estnisch: San Barthelemy
  • färöisch: San Barthelemy
  • fidschianisch: San Bartolomeo
  • finnisch: San Barthelemy
  • französisch: Saint-Barthélemy, Saint Barth
  • friesisch: San Barthelemy
  • friulanisch: San Bartolomeo
  • gagausisch: Sen Bartelmi
  • galizisch: San Bartolomeo
  • gälisch: San Bairts
  • georgisch: სენ-ბართელმი [Sen-Bartelmi]
  • griechisch: Άγιος Βαρθολομαίος [Ágios Bartholomaios]
  • grönländisch: San Bartelemi
  • guarani: San Barthelemy
  • gudscheratisch: સેન્ટ બાર્થેલેમી [Sēnṭ Bārthēlēmī]
  • haitianisch: Sen Barthe
  • hakka: Sin-pet-lê-mi
  • hawaiianisch: Kenepala Anakini
  • hebräisch: סן ברתלמי [San Bartolomai]
  • hindi: सेंट बार्थेलेमी [Seṇṭ Bārthēlemī]
  • ilokano: San Barthelemy
  • indonesisch: San Bartelemy
  • irisch: San Bairts
  • isländisch: San Bartelemy
  • italienisch: San Bartolomeo
  • jakutisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • jamaikanisch: Sah Baatelmi
  • japanisch: セントバーツ [Sento Bātsu]
  • jerseyanisch: Saint Barts
  • jiddisch: סן ברתלמי [San Bartolomai]
  • kabardisch: Сан-Бартельми [San-Bartel’mi]
  • kabylisch: San Bartelmi
  • kambodschanisch: សានបារ្តែលមី [Sean Bartellmi]
  • kalmükisch: Сан Бартелми [San Bartelmi]
  • kanaresisch: ಸೇಂಟ್ ಬಾರ್ಥೆಲೆಮಿ [Sēṇṭ Bārthēlēmi]
  • karakalpakisch: Sen Bartelmi
  • karatschai-balkarisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • karelisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • kasachisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • katalanisch: San Barthelemy
  • kirgisisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • komi: Сан-Бартельми [San-Bartel’mi]
  • koreanisch: San Barthelemy
  • kornisch: San Barthelemy
  • korsisch: San Bartolomeu
  • krimtatarisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • kroatisch: San Barthelemy
  • kumükisch: Сан-Бартельми [San-Bartel’mi]
  • kurdisch: Sen Bartelmi
  • ladinisch: San Bartolomeo
  • laotisch: ແຊນ ບາຕເລມີ [Sæn Bātelemi]
  • lateinisch: Sanctus Bartholomaeus
  • lesgisch: Сан-Бартельми [San-Bartel’mi]
  • lettisch: Senbartelmī
  • litauisch: San Bartolomėjaus sala
  • livisch: San Barthelemy
  • madegassisch: San Barts
  • makedonisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • malaisch: San Barts
  • malayalam: സെയിൻറ് ബാർത്തലമി [Sēyiṇṟṟ Bārttalamī]
  • maldivisch: ސޭންބާރތެލިމީ [Sēn'bāratelimi]
  • maltesisch: San Barthelemy
  • manx: San Bairts
  • maori: Haina Pātōremio
  • marathisch: सेंट बार्थेलेमी [Seṇṭ Bārthēlemī]
  • mari: Сан-Марино [San-Bartelemy]
  • minnan: Sèng-pa̍k-lê-mî
  • moldawisch: Сан-Марино [San-Bartelemy]
  • mongolisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • mordwinisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • nahuatl: San Barthelemy
  • nauruanisch: Saint Barthelemy
  • nepalesisch: सेन्ट बार्थेलेमी [Seṇṭ Bārthēlemī]
  • niederländisch: Saint Barthelemy
  • norwegisch: Saint Barthelemy
  • okzitanisch: Saint Bartomieu
  • orissisch: ସେଣ୍ଟ ବାର୍ଥେଲେମି [Seṇṭa Bārthelemi]
  • oromo: San Bartelmi
  • ossetisch: Сан Марино [San Barthelemy]
  • pampangan: San Bartelemy
  • pandschabisch: Sān Bāts
  • panganisan: San Bartelemy
  • papiamentu: San Barts
  • paschtunisch: سن بارتلمی [Sen Bārtlami]
  • persisch: سن بارتلمی [Sen Bārtlami]
  • pitkernisch: Sen Bartelmi
  • polnisch: San Barthelemy
  • portugiesisch: São Bartolomeu
  • quetschua: San Barts
  • rätoromanisch: San Barthelemy
  • romani: San Barthelemy
  • rumänisch: San Barthelemy
  • rundi-rwandesisch: Sa Bats
  • russisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • ruthenisch: Сен-Бартельмi [Sen-Bartel’mi]
  • samisch: San Bartelemy
  • samoanisch: San Pātolomeo
  • sardisch: Santu Bartolomeu
  • schwedisch: San Barthelemy
  • serbisch: Сен Бартелми [Sen Bartelmi]
  • sindhi: سنٽ بارٿيلمي [Siṇṭ Bārthilmi]
  • singhalesisch: සেন්ට් බාර්තෝලෝමියුව [Seṇṭ Bārthōlōmiyuva]
  • sizilianisch: San Bartolomeu
  • slowakisch: San Barthelemy
  • slowenisch: San Barthelemy
  • somalisch: Saan Baats
  • sorbisch: San Barthelemy
  • spanisch: San Bartolomeo
  • surinamesisch: San Bartolomeo
  • swahili: San Bartelemi
  • syrisch: ܣܢܒܪܬܠܡܝ [Sanbartelmay]
  • tabassaranisch: Сан-Бартельми [San-Bartel’mi]
  • tadschikisch: Сен Бартельми [Sen Bartel’mi]
  • tagalog: San Barthelemy
  • tahitianisch: San Parutemi
  • tamilisch: செயின்ட் பார்த்தலோமி [Ceyṇṭ Pārttalōmi]
  • tatarisch: Сан-Марино [San-Bartelemy]
  • telugu: Sēn Bāts
  • thai: เซนต์บาร์ท [Sen Bārth]
  • tibetisch: སེན་བར་ཐེ་ལེ་མི [Sen Bar the le mi]
  • tok pisin: Sen Barts
  • tonganisch: Sāne Pātolomeo
  • tschechisch: San Barthelemy
  • tschetschenisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • tschuwaschisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • turkmenisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • tuwinisch: Сан-Марино [San-Bartelemy]
  • türkisch: San Barthelemy
  • udmurtisch: Сан-Марино [San-Barthelemy]
  • uigurisch: San Bartelemi
  • ukrainisch: Сен-Бартельмі [San-Bartel’mi]
  • ungarisch: San Barthelemy
  • urdu: سینٹ بارثلیمی [Siṇṭ Bārthlimī]
  • usbekisch: Сен-Бартельми [Sen-Bartel’mi]
  • vietnamesisch: Xan Ba-te-le-mi
  • visayan: San Barthelemy
  • volapük: Saluda-Bartelemän
  • walisisch: San Barthelemy
  • weißrussisch: Сэн-Бартэльмі [Sen-Bartel’mi]
  • winaray: San Barthelemy
  • wolof: San Bartelmi
  • yoruba: San Bartelemi
  • zulu: ISanta Bartolome


Offizieller Name:  Collectivité d'outre mer de Saint-Barthélemy

  • Bezeichnung der Bewohner:  Barthélemiens (Bartholomianer)
  • adjektivisch: barthélemien (bartholomaianisch)


Kürzel:

  • Code:  BL / BLM
  • Kfz:  -
  • ISO-Code:  FR-BL, BLM, 652
  • Internet:  .bl

Lage

Die Insel Saint Barthelemy liegt im Norden bzw. Nordosten der Kleinen Antillen auf durchschnittlich 17°55‘ n.B. und 62°52‘ w.L.. Sie befindet sich auf der gleichen geografischen Breite wie die südlichen Vororte von Nuakschott, der Hauptstadt Mauretaniens, der Norden von Mali, Niger, Tschad und Sudan, der äußerste Norden Eritreas, der Süden Saudi-Arabiens und des Oman, Hyderabad und Visakhapatnam in zentral-Indien, Henzada in Zentral-Birma, der Norden Thailands, Viengchan, die Hauptstadt von Laos, Ron in Zentral-Vietnam, Tuguegarao im Norden der Philippinen-Insel Luzon, die nördlichen Marianeninsel Agrihan, Minatitlan im Südosten Mexikos, der Norden von Belize, der Süden Jamaikas sowie die zur Dominikanischen Republik gehörige Isla Beata. Die nächsten Nachbarn sind Sankt Martin und etwas weiter weg Anguilla im Norden, Barbuda im Osten, Saint Kitts und Sint Eustatius im Süden sowie Saba im Westen.


Geografische Lage:

  • nördlichster Punkt:  17°55’43 » n.B. (nahe Pointe è Colombier) bzw. 17°58‘35“ n.B. (Roche Plate ou Table à Diable)
  • südlichster Punkt:  17°52‘42“ n.B. (Grande Pointe) bzw. 17°52‘27“ n.B. (Ile Coco)
  • östlichster Punkt:  62°47‘19“ w.L. (Cul-de-Sac)
  • westlichster Punkt:  62°52’26“ w.L. (Pointe du Petit Jean) bzw. 62°57°02“ w.L. (Mancel ou la Poule et les Poussins)


Entfernungen:

  • Île Pletit Jean 110 m
  • Île Fourchue 4,2 km
  • Sankt Martin 25 km
  • Anguilla  27 km
  • Sint Eustatius  38 km
  • Saba 48 km
  • Saint Kitts  49 km
  • Barbuda  100 km
  • Guadeloupe  198 km
  • Puerto Rico  290 km
  • Sipara / Venezuela  791 km

Zeitzone

Auf Saint Barthelemy gilt die Heure Normale de l’Atlantique bzw. Atlantic Standard Time (Atlantische Standard-Zeit), abgekürzt HSA bzw. AST (AZ), 5 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC-4). Die Realzeit liegt um  4 Stunden und 11 bis 12 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).

Fläche

Der Territorium von Saint Barthelemy umfasst insgesamt 21 km² bzw. 8,1 mi², verteilt auf eine 20 km² umfassende Hauptinsel und 38 kleine Nebeneilande. In französischen Quellen werden vereinzelt auch 25 km² angegeben. Die Wirtschaftszone wird auf 4000 km² geschätzt. Von Osten nach Westen durchmisst es zwischen Cul-de-Sac und Mancel 15,1 km, von Norden nach Süden zwischen Ile Toc Vers und Ile Coco 8,3 km. Die Hauptinsel durchmisst von Westen nach Osten 9,1 km, von Norden nach Süden 4,2 km. Die Küste des Archipels ist insgesamt 38 km lang (nach alternativen Angaben nur 32 km). Davon entfallen 34 km auf die Hauptinsel und 4 km auf die Nebeneilande. Höchste Erhebung ist der Morne Vitet mit 286 m. Tiefste Stelle ist die karibische Küste mit einem Tidenhub von 0,3 bis 0,5 m (Gustavia 0,37 m). Die mittlere Seehöhe beträgt rund 70 m.


Flächenaufteilung um 2010:

  • Waldland  10 km² (47,6 %
  • Wiesen und Sträucher  7 km² (33,3 %)
  • Agrarland  2 km² (9,5 %)
  • Gewässer  1 km² (4,7 %)
  • Verbautes Gelände  1 km² (4,7 %)

Geologie

Saint-Barthélemy gehört geologisch zum Inselbogen der Kleinen Antillen, dessen Entstehung eng mit der Bewegung der atlantischen Lithosphärenplatte unter die Karibische Platte verbunden ist. Durch diese Subduktion entstanden über Millionen Jahre hinweg Magmen, die aufstiegen und vulkanische Gesteine sowie tief im Untergrund erstarrte Intrusivgesteine bildeten. Die geologische Entwicklung der Insel ist damit Teil der komplexen tektonischen Geschichte des östlichen Karibikraums. Die Gesteine dokumentieren verschiedene Phasen vulkanischer Aktivität, der Abkühlung magmatischer Körper, der Hebung und Abtragung sowie späterer mariner Ablagerungen.

Die ältesten auf Saint-Barthélemy auftretenden Gesteine werden dem Eozän und damit einem Zeitraum vor ungefähr 50 bis 40 Millionen Jahren zugeordnet. Die vulkanische Entwicklung setzte sich über weitere Erdzeitalter fort und reichte bis in das Miozän, in dem vor etwa 15 Millionen Jahren noch magmatische Prozesse stattfanden. Seitdem ist auf der Insel kein aktiver Vulkanismus mehr bekannt. Die heutige Landschaft wird daher nicht durch gegenwärtige Vulkanausbrüche geprägt, sondern durch die langfristige Verwitterung und Erosion der älteren Gesteine, durch tektonisch bedingte Reliefunterschiede und durch die Einwirkung des Meeres.

Die vorherrschenden vulkanischen Gesteine werden der Formation de Saint-Barthélemy zugeordnet, deren Entstehung vor allem in das Eozän und Oligozän fällt. Dazu gehören Andesite, Dazite und vulkanische Tuffe. Andesite und Dazite sind magmatische Gesteine, die aus erkalteter Lava oder aus Magma in geringer Tiefe hervorgegangen sind. Tuffe entstanden dagegen durch die Ablagerung und Verfestigung vulkanischer Auswurfmaterialien. Die unterschiedliche Zusammensetzung und Festigkeit dieser Gesteine beeinflusst, wie stark sie durch Niederschläge, Oberflächenabfluss, Wind und Brandung abgetragen werden. Wo härtere Gesteinspartien der Erosion länger widerstehen, bleiben Höhenzüge und markante Felsrücken bestehen; weniger widerstandsfähige Bereiche werden stärker zerschnitten und bilden eingeschnittene Täler und sanftere Hänge.

Im zentralen Inselbereich treten neben den vulkanischen Gesteinen auch Intrusivgesteine auf. Dazu zählen Diorite und Quarz-Diorite, die entstanden, als Magma unterhalb der Erdoberfläche langsam abkühlte und kristallisierte. Solche Gesteine besitzen meist eine deutlich erkennbare kristalline Struktur und unterscheiden sich dadurch von den häufig feinkörnigeren vulkanischen Gesteinen. Ihre Freilegung an der Oberfläche ist das Ergebnis langfristiger Abtragung der darüberliegenden Gesteinsschichten. Die höher gelegenen Bereiche des Inselinneren sind somit nicht allein durch vulkanische Ablagerungen aufgebaut, sondern spiegeln auch die tiefer liegenden Teile des ehemaligen magmatischen Systems wider.

Der höchste Punkt der Insel ist der Morne de Vitet mit einer Höhe von etwa 286 m. Er liegt im östlichen Teil des Inselinneren und gehört zu einem stark gegliederten Relief aus Hügeln, Bergrücken und kurzen, steilen Hängen. Die Insel besitzt keine ausgedehnten Gebirgsketten, sondern ein kleinteiliges, durch Erosion geformtes Landschaftsbild. Zwischen den Erhebungen verlaufen schmale Täler, in denen sich bei starken Regenfällen zeitweise erhebliche Wassermengen sammeln können. Die steilen Hänge und die geringe Breite vieler Täler führen dazu, dass das Niederschlagswasser rasch in Richtung Küste abfließt. Die Höhenunterschiede zwischen dem Inselinneren und dem Meer sind auf kurzen Entfernungen beträchtlich, wodurch zahlreiche Küstenabschnitte von steilen Felsflanken geprägt werden.

Eine wichtige Rolle bei der Umgestaltung des Reliefs spielt die tropische Verwitterung. Hohe Temperaturen, wechselnde Feuchtigkeit und intensive Niederschläge greifen die vulkanischen Gesteine chemisch an. Feldspäte und andere Minerale werden dabei zersetzt, während Eisenverbindungen zur rötlichen oder braunen Färbung vieler Verwitterungsprodukte beitragen. Unter geeigneten Bedingungen entstehen stark verwitterte, eisen- und aluminiumreiche Böden. Ihre tatsächliche Zusammensetzung hängt jedoch vom Ausgangsgestein, der Hangneigung, der Entwässerung und der Dauer der Bodenentwicklung ab. Auf steilen Hängen werden die Verwitterungsdecken häufig durch Erosion abgetragen, sodass dort nur dünne Böden oder unmittelbar anstehendes Felsgestein vorkommen. In geschützteren Tälern und auf flacheren Flächen können sich dagegen mächtigere Bodenhorizonte entwickeln.

Neben den vulkanischen Gesteinen treten an einigen Küstenabschnitten jüngere karbonatische Ablagerungen auf. Sie stehen mit der Entwicklung der Korallenriffe und anderer kalkbildender Meeresorganismen in Verbindung. Aus deren Skeletten und Schalen entstehen kalkreiche Sedimente, die sich unter geeigneten Bedingungen zu festem Kalkstein verfestigen. Solche Gesteine unterscheiden sich deutlich von den älteren vulkanischen Formationen und dokumentieren eine spätere Phase der Landschaftsentwicklung, in der marine Ablagerungsprozesse an Bedeutung gewannen. Kalkhaltige Gesteine und Lockersedimente finden sich insbesondere in tiefer gelegenen Küstenbereichen, während die felsigen Erhebungen überwiegend von älteren magmatischen Gesteinen geprägt werden.

Die Küstenlandschaft zeigt entsprechend unterschiedliche geologische Formen. An exponierten Abschnitten haben Brandung und Verwitterung steile Felswände, Felsnasen und kleine Buchten herausgearbeitet. In geschützten Bereichen konnten sich dagegen flache Küstenstreifen und Strände entwickeln. Die weißen Sandstrände bestehen überwiegend aus kalkhaltigem Material, das durch die Zerkleinerung von Korallen, Muschelschalen und anderen marinen Organismen entsteht. Die Farbe und Korngröße des Sandes hängen vom jeweiligen Materialangebot und von den örtlichen Strömungsverhältnissen ab. Dunklere Strandabschnitte können Anteile vulkanischer Minerale enthalten; eine durchgehend grauschwarze Färbung ist jedoch nicht für die Küste der Insel charakteristisch.

Bei Saline und Lorient sowie an weiteren flacheren Küstenabschnitten treffen die älteren Gesteinsformationen auf jüngere Ablagerungsflächen. Dort haben Meeresspiegelschwankungen, die Ablagerung von Sedimenten und die Tätigkeit von Korallenorganismen die Küstenformen mitgestaltet. Die Entwicklung solcher Flächen ist eng mit den Veränderungen des Meeresspiegels während des Pliozäns und des Quartärs sowie mit den lokalen Bedingungen der Küstenströmung verbunden. Gleichzeitig tragen Sturmwellen und tropische Wirbelstürme dazu bei, Sand zu verlagern, Strände abzutragen und die Form kleiner Buchten zu verändern.

Landschaft

Saint Barthelemy ist eine hügelige Insellandschaft. Die Landschaft bietet auf kleinster Fläche eine schroffe Vielfalt. Die Hauptinsel ist in Täler gegliedert, die meist ins Meer münden. Etwa 250 Kilometer östlich von Puerto Rico und den näheren Jungferninseln liegt St. Barthélemy unmittelbar südöstlich der Inseln Saint Martin und Anguilla. St. Barthélemy ist von St. Martin durch den Saint-Barthélemy-Kanal getrennt. Sie liegt nordöstlich von Saba und St. Eustatius und nördlich von St. Kitts. Mehrere kleinere unbewohnte Inseln liegen vor der Küste, die größten sind Île Fourchue, Île Coco, Île Chevreau (Île Bonhomme), Île Frégate, Île Toc Vers, Île Tortue, Roche Plate (Table à Diable) und Mancel ou la Poule et les Poussins. Es gibt zahlreiche kleinere Inseln, wie La Petite Islette, L'Îlet au Vent, Île Pelé, Île le Boulanger, Roche le Bœuf, Île Petit Jean, L'Âne Rouge, Les Gros Islets, La Baleine des Gros Islets, Pain de Sucre, Les Baleines du Pain de Sucre, Fourmis, Les Petit Saints, Roches Roubes, Les Baleines de Grand Fond und Les Grenadins.

St. Barthélemy bildet zusammen mit St. Martin, Anguilla und der Hundeinsel eine eigene Gruppe, die am westlichen Rand einer flachen Sondierungsbank liegt, die hauptsächlich aus Muscheln, Sand und Korallen besteht. Von St. Barthélemy aus erstreckt sich die Bank in ost-südöstlicher Richtung und endet in einer kleinen Zunge oder Nehrung. Sie ist durch einen schmalen Abschnitt mit tiefem Wasser vom Hauptufer getrennt. Östlich der Insel liegt die Uferkante in 22 Kilometern Entfernung.

Die Bucht Grande Saline bietet einen vorübergehenden Ankerplatz für kleine Schiffe, während die Bucht Colombier im Nordwesten in der Nähe des mittleren Eingangs einen Vier-Faden-Fleck aufweist. In der Bucht von St. Jean gibt es einen schmalen Einschnitt durch das Riff. Die Nord- und Ostseite der Insel sind bis auf kurze Entfernung von der Küste von einem sichtbaren Korallenriff gesäumt. Die Riffe befinden sich meist in flachen Gewässern und sind gut sichtbar. Die Küstengebiete sind reich an Stränden, und viele von ihnen haben vorgelagerte Riffe, von denen einige Teil eines Meeresschutzgebiets sind.

Das 1999 gegründete Meeresschutzgebiet umfasst mehr als 1.000 Hektar geschützter und gefährdeter Lebensräume, Buchten und Inseln und schließt eine Zone ein, die nur für wissenschaftliche Beobachtungen genutzt werden darf. Da das Meer um St. Barthélemy reich an Korallenriffen und anderen wertvollen Meereslebewesen ist, wurde das Gebiet 1996 zum Schutzgebiet erklärt. Das Umweltbewusstsein ist auf St. Barthélemy sehr ausgeprägt und wird von der Umweltkommission gefördert.

Es gibt 22 öffentliche Strände (die meisten Strände auf St. Barthélémy sind als „Anse de ...“ bekannt), von denen 15 als zum Baden geeignet gelten. Sie werden in zwei Gruppen eingeteilt: die windabgewandte Seite (ruhige Gewässer, die durch die Insel selbst geschützt sind) und die windzugewandte Seite (einige davon sind durch Hügel und Riffe geschützt). Die Strände an der Luvseite sind beliebt zum Windsurfen. Der Strand von St. Jean ist für den Wassersport geeignet und es wurden entsprechende Einrichtungen geschaffen. Der lange Strand von Lorient bietet Schatten und ist im Vergleich zu St. Jean ein ruhiger Strand.

Grand-cul-de-sac ist ein langer Strand mit Wassersporteinrichtungen. Anse de Flamands ist ein sehr breiter Sandstrand und Le petit Anse („Der kleine Strand“), nördlich von Anse de Flamands, ist sehr sicher und bei den Einheimischen für ihre Kinder sehr beliebt. Der Strand Anse Toiny liegt etwas abgelegen und ist nur für erfahrene Surfer geeignet, da die Wasserströmung sehr stark ist.

Auf der Leeseite sind die folgenden Strände besonders erwähnenswert: Anse du Gouverneur, Anse du Colombier, der nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichbar ist, Anse de Grand Galet (Muschelstrand) und Anse de Grande Saline, der bei Nudisten beliebt ist. Das Gebiet um die Salzteiche in der Nähe des Strandes Anse de Grande Saline ist sumpfig und bietet tropischen Vögeln einen Lebensraum. Die kleine Insel Ile, ein Ausläufer der Leeseite, hat einen weißen Sandstrand.

Der Muschelstrand, auch Anse de Grand Galet genannt (anse bedeutet auf Französisch „Bucht“ und galet „Kieselstein“), ist ein Strand im Südwesten von Gustavia. An diesem Strand sind zahlreiche Muscheln verstreut. Dieser Strand wurde 1999 von den starken Wellen des Hurrikans Lenny heimgesucht, was zu einer Erosion des Sandes führte. Daher musste der Strand im Jahr 2000 mit neuem Sand aufgefüllt werden.

An der Nordküste, auf der östlichen Seite der Insel, befinden sich zwei Lagunen, die Anse de Marigot und die Anse du Grand Cul-de-Sac.

Der Morne du Vitet ist mit einer Höhe von 286 Metern der höchste Berg der Insel. Der Rest der Insel ist von Hügeln und Tälern mit unterschiedlicher Topografie bedeckt. Besonders erwähnenswert sind Morne Rouge, Morne Criquet, Morne de Grand Fond, Morne de Dépoudré und Morne Lurin. Die größten Gewässer der Insel sind der Étang de Saint-Jean, Grande Saline, Grand Étang und Petit Étang.


Erhebungen

  • Morne du Vitet  286 m (Montagne du Vitet)
  • Petite Morne du Vitet  281 m (Montagne du Vitet)
  • Morne de Grand Fond  274 m (Montagne du Grand Fond)
  • Morne de Camaruche  250 m (Montagne du Grand Fond)
  • Petit Morne de Grand Fond  220 m (Montagne du Grand Fond)
  • La Grande Vigie  189 m (Saint-Bethélemy de l‘Ouest)


See

  • Grand Etang  0,64 km²


Fluss

  • Rivière de Marigot  1,1 km


Inseln 

  • Ile Saint-Barthelemy  20,0 km² (9,1 x 4,2 km, 286 m)
  • Ile Fourchue  0,5 km² (1,3 x 0,9 km, 104 m)
  • Ile Chevreau  0,3 km² (1,0 x 0,5 km, 105 m)
  • Ile Frégate  0,1 km² (0,9 x 0,2 km, 56 m)

Flora und Fauna

Die Flora und Fauna von Saint-Barthélemy umfasst eine Vielzahl karibischer Arten, darunter Meeresschildkröten, rote Landschildkröten, Delfine, Buckelwale, exotische Fische, Leguane sowie zahlreiche Vogelarten wie den Großen Blauen Reiher und Pelikane, unterstützt durch geschützte Umweltzonen, die die Artenvielfalt bewahren.

Flora

Die Pflanzenwelt von Saint-Barthélemy ist an das tropisch-warme Klima, die ausgeprägten jahreszeitlichen Niederschlagsunterschiede, die salzhaltige Meeresluft und die teilweise flachgründigen Böden angepasst. Die natürliche Vegetation besteht überwiegend aus trockenheitsverträglichen Sträuchern, niedrigen Bäumen, Kakteen und anderen Sukkulenten. Daneben kommen Palmen, Küstengehölze, krautige Pflanzen und zahlreiche eingeführte Zierpflanzen vor. Das Erscheinungsbild der Vegetation unterscheidet sich je nach Lage, Bodenbeschaffenheit, Wasserversorgung und Exposition gegenüber Wind und Sonne. Während manche Gebiete einen trockenen, offenen Charakter besitzen, sind geschützte Täler, bewässerte Grundstücke und Teile der Ostküste deutlich dichter bewachsen.

Zwischen der West- und der Ostseite der Insel bestehen örtliche Unterschiede in der Vegetationsentwicklung. Auf trockenen, dem Wind ausgesetzten Hängen und an felsigen Küstenabschnitten wachsen vor allem niedrige Sträucher, dornige Pflanzen und Kakteen. Die Vegetation ist dort häufig lückig, weil sich auf dem felsigen Untergrund nur wenig Boden bildet und Niederschlagswasser rasch abfließt. In der Regenzeit treiben viele Pflanzen neu aus, Gräser bedecken zeitweise größere Flächen und die Landschaft erscheint grüner. Während trockener Perioden verlieren manche Gehölze einen Teil ihrer Blätter, und krautige Pflanzen ziehen sich zurück oder vertrocknen oberirdisch. Geschützte Standorte und Bereiche mit größerer Bodenfeuchtigkeit weisen dagegen eine dichtere Vegetation auf. Auch die Ostküste ist nicht überall gleichmäßig feucht bewachsen; die Unterschiede hängen zusätzlich von der örtlichen Topografie und der Nutzung durch den Menschen ab.

Zu den charakteristischen Pflanzen der Küstenvegetation gehört die Meertraube (Coccoloba uvifera), ein Gehölz aus der Familie der Knöterichgewächse. Sie wächst als niedriger, ausladender Strauch oder als mehrere Meter hoher Baum und ist besonders gut an salzhaltige Luft, intensive Sonneneinstrahlung und trockene Standorte angepasst. Ihre großen, rundlichen, ledrigen Blätter besitzen auffällige Blattadern. Die traubenförmig angeordneten Früchte verfärben sich bei der Reife dunkelrot bis violett und sind essbar. Meertrauben stabilisieren mit ihrem Wurzelwerk Küstensande und tragen dazu bei, die Vegetation hinter den Stränden gegen Wind und Erosion zu schützen. Gemeinsam mit weiteren salzverträglichen Sträuchern bilden sie vielerorts einen wichtigen Bestandteil des Küstengürtels.

Eine weitere bedeutende Pflanze der Strand- und Küstenbereiche ist der Manschinenbaum (Hippomane mancinella), der zu den Wolfsmilchgewächsen gehört. Er enthält einen giftigen Milchsaft, der bei Hautkontakt schwere Reizungen und Verbrennungen verursachen kann. Auch der Kontakt mit Pflanzenteilen oder mit Regenwasser, das über die Blätter läuft, kann gefährlich sein. Die Früchte ähneln kleinen Äpfeln, sind jedoch giftig und dürfen nicht verzehrt werden. Auf Saint-Barthélemy und anderen karibischen Inseln werden Manschinenbäume an touristisch genutzten Küstenabschnitten teilweise durch Warnschilder gekennzeichnet. Die Art ist trotz ihrer Giftigkeit Bestandteil der natürlichen Küstenvegetation und kann mit ihrem Wurzelwerk zur Stabilisierung des Bodens beitragen.

Besonders auffällig ist die Vielfalt der Kakteen und Sukkulenten. Sie speichern Wasser in ihren fleischigen Pflanzenteilen oder besitzen andere Anpassungen, die den Wasserverlust verringern. Zu den auf Saint-Barthélemy vorkommenden Arten zählt Mammillaria nivosa, ein kugelig bis kurzsäulig wachsender Kaktus mit dicht stehenden Dornen. Auch Feigenkakteen aus der Gattung Opuntia sind verbreitet. Der gelbe Feigenkaktus beziehungsweise die Barbary-Feige (Opuntia ficus-indica) wurde in der Karibik vielfach eingeführt und für unterschiedliche Zwecke angepflanzt. Die aufrechten, abgeflachten Sprosse tragen Dornen und können dichte Bestände bilden. Historisch wurden Feigenkakteen auf verschiedenen karibischen Inseln als lebende Barrieren verwendet, um Grundstücke abzugrenzen und Zugänge zu erschweren. Die konkrete Überlieferung, wonach sie auf Saint-Barthélemy im Jahr 1773 gezielt zur Verteidigung gegen eine britische Invasion angepflanzt worden seien, bedarf jedoch einer gesonderten historischen Bestätigung.

Neben den Kakteen kommen weitere sukkulente Pflanzen vor, darunter Aloe-Arten und verschiedene trockenheitsverträgliche Wolfsmilchgewächse. Aloe vera wird auf der Insel kultiviert und ist durch ihre fleischigen Blätter leicht zu erkennen. Sie stammt ursprünglich aus dem nordostafrikanischen und arabischen Raum und ist keine mediterrane Pflanze, auch wenn sie heute in zahlreichen warmen Regionen verbreitet ist. Ihre Blätter enthalten ein durchsichtiges Gel, das äußerlich verwendet wird. Daneben finden sich Zierpflanzen wie Stapelia gigantea, eine sukkulente Art mit großen, auffälligen Blüten, die ursprünglich aus dem südlichen Afrika stammt. Solche eingeführten Arten erweitern die Pflanzenvielfalt insbesondere in Gärten und an Standorten, an denen sie vor intensiver Trockenheit geschützt sind.

Palmen gehören ebenfalls zum Landschaftsbild von Saint-Barthélemy. Neben der Kokospalme (Cocos nucifera), die an Stränden und in Siedlungsbereichen wächst, werden Königspalmen und weitere tropische Palmenarten als Zier- und Schattenbäume angepflanzt. Die Kokospalme ist im tropischen Küstenraum weit verbreitet; ihre genaue ursprüngliche Ausbreitungsgeschichte ist komplex und lässt sich nicht auf eine einzelne Herkunftsregion beschränken. Palmen prägen vor allem das Erscheinungsbild von Hotelanlagen, privaten Gärten und öffentlichen Grünflächen. Ihre Verbreitung auf der Insel ist teilweise auf gezielte Pflanzungen zurückzuführen und daher nicht mit der natürlichen Vegetation gleichzusetzen.

Die Gehölzvegetation umfasst außerdem verschiedene Arten, die in der Karibik heimisch sind oder dort seit langer Zeit kultiviert werden. Der Flamboyantbaum (Delonix regia) fällt während seiner Blütezeit durch seine leuchtend roten bis orangefarbenen Blüten auf. Er stammt ursprünglich aus Madagaskar und wird auf Saint-Barthélemy vor allem als Zierbaum verwendet. Frangipani-Arten aus der Gattung Plumeria sind für ihre auffälligen, häufig weiß, gelb oder rosafarbenen Blüten und ihren intensiven Duft bekannt. Sie wachsen in Gärten und an Straßenrändern. Bougainvilleen, deren farbige Hochblätter in Violett, Rosa, Rot oder Orange erscheinen, werden häufig an Mauern, Zäunen und Gebäuden gepflanzt. Auch gelb blühende Trompetenblumen, darunter Arten der Gattung Allamanda, tragen zur farbenreichen Gestaltung von Gärten und öffentlichen Anlagen bei.

Die natürliche Pflanzenwelt wird durch krautige Pflanzen, Kletterpflanzen und kriechende Lianen ergänzt. Einige dieser Arten wachsen auf offenen Flächen und an Straßenrändern, andere besiedeln geschützte Standorte zwischen Felsen oder im Unterwuchs von Sträuchern. In der Regenzeit entwickeln sich Gräser und kurzlebige Kräuter besonders rasch. An trockenen Hängen bleiben dagegen häufig dornige Sträucher und sukkulente Pflanzen vorherrschend. Die Vegetation ist vielerorts durch die jahrhundertelange Nutzung der Flächen, durch Weidewirtschaft, Siedlungsentwicklung und wiederkehrende Trockenperioden beeinflusst.

In geschützten Küstenbuchten und salzhaltigen Feuchtgebieten kommen Mangroven und andere salzverträgliche Gehölze vor. Mangroven sind an zeitweise überflutete Böden und wechselnde Salzgehalte angepasst. Ihre Wurzelsysteme können Sedimente zurückhalten, Küstenabschnitte stabilisieren und Lebensräume für Fische, Krebstiere und zahlreiche weitere Organismen schaffen. Die Mangrovenbestände auf Saint-Barthélemy sind im Vergleich zu den großen Mangrovengebieten anderer karibischer Inseln räumlich begrenzt. Neben ihnen wachsen in salzhaltigen Küstensümpfen niedrigere Sträucher und krautige Pflanzen, die mit periodischer Überflutung und hoher Verdunstung zurechtkommen.

Auch die vom Menschen angelegten Gärten und Parkanlagen besitzen eine große Bedeutung für das sichtbare Pflanzenbild der Insel. Dort werden Orchideen, Alpinien, Blumenrohr, Hibiskus und zahlreiche weitere tropische Zierpflanzen kultiviert. Orchideen kommen in verschiedenen Wuchsformen vor, darunter Arten, die auf anderen Pflanzen sitzen, sowie solche, die im Boden wurzeln. Alpinien gehören zur Familie der Ingwergewächse und besitzen häufig große Blätter sowie auffällige Blütenstände. Blumenrohr aus der Gattung Canna wird wegen seiner großen Blätter und farbenreichen Blüten angepflanzt. Hibiskussträucher bilden große, trichterförmige Blüten, deren Farben von Weiß und Gelb bis zu kräftigem Rot reichen. Viele dieser Pflanzen benötigen eine regelmäßige Wasserversorgung und sind deshalb besonders in bewässerten Gärten, Hotelanlagen und öffentlichen Grünflächen anzutreffen.

Eine 1994 durchgeführte Untersuchung wurde mit einer Pflanzenvielfalt von mehreren hundert einheimischen und eingeführten beziehungsweise eingebürgerten Arten in Verbindung gebracht. Für eine genaue Gesamtzahl und die Aufteilung nach einheimischen, endemischen und nicht heimischen Arten wären allerdings die Originaldaten und die verwendete botanische Systematik erforderlich. Die Artenzusammensetzung wird zudem durch die Einführung von Zierpflanzen, die Veränderung natürlicher Standorte und die Ausbreitung nicht heimischer Arten beeinflusst. Eine klare Unterscheidung zwischen ursprünglicher Vegetation und späterer Garten- und Kulturlandschaft ist deshalb wichtig.

Fauna

Ein besonderer Stellenwert innerhalb der Tierwelt kommt den Vögeln zu. Saint-Barthélemy liegt innerhalb der Karibikregion, die von zahlreichen Standvögeln und saisonalen Zugvögeln genutzt wird. An den Küsten sind Braune Pelikane (Pelecanus occidentalis) regelmäßig zu beobachten. Sie fliegen häufig dicht über der Wasseroberfläche, suchen nach Fischschwärmen und stürzen sich bei der Jagd aus der Luft ins Meer. Der Pelikan gilt als eines der bekanntesten Tiermotive der Insel und wird vielfach als ihr Wahrzeichen bezeichnet. Ebenfalls auffällig ist der Prächtige Fregattvogel (Fregata magnificens), der mit seinen langen, schmalen Flügeln große Strecken über dem Meer zurücklegt. Seine Flügelspannweite kann etwa 2 m erreichen. Fregattvögel ernähren sich überwiegend von Fischen und anderen Meerestieren, die sie an der Wasseroberfläche erbeuten oder anderen Seevögeln abjagen.

In den Küstengewässern, an kleinen Buchten und in feuchteren Bereichen lassen sich verschiedene Reiher beobachten. Dazu zählen der Grünreiher (Butorides virescens) und der Silberreiher beziehungsweise andere weiße Reiherarten, deren Vorkommen von der genauen Artbestimmung abhängt. Reiher suchen in flachen Gewässern nach kleinen Fischen, Krebstieren und anderen wirbellosen Tieren. Auch Eisvögel können auftreten, insbesondere an geeigneten Gewässern und Küstenabschnitten. Ihr Bestand und ihre Häufigkeit hängen von den örtlichen Nahrungsangeboten und Rastmöglichkeiten ab. In der offenen Buschlandschaft und an Waldrändern kommen außerdem verschiedene Greifvögel vor, darunter der Breitflügelbussard (Buteo platypterus), der in der Karibik auch als Zugvogel auftritt.

Zu den auffälligen kleinen Vogelarten gehören die Kolibris. Auf den Kleinen Antillen kommen unter anderem der Antillenkolibri und der Grünkehlkarib vor. Diese Vögel ernähren sich vorwiegend von Nektar, nehmen aber auch kleine Insekten auf. Durch ihre Bestäubungstätigkeit tragen sie zur Fortpflanzung verschiedener Blütenpflanzen bei. Tauben, darunter die Zenaida-Taube (Zenaida aurita), gehören ebenfalls zur Avifauna der Insel. An den Küsten und auf vorgelagerten Felsen treten Seevögel auf, die dort ruhen, nach Nahrung suchen oder geeignete Brutplätze nutzen. Die Zusammensetzung der Vogelwelt verändert sich im Jahresverlauf, weil einige Arten ganzjährig auf der Insel leben, andere während ihrer Wanderungen durch die Karibik rasten oder die Insel nur zeitweise aufsuchen.

Saint-Barthélemy besitzt außerdem eine artenreiche Meeresfauna. Die Korallenriffe und felsigen Unterwasserbereiche bieten Lebensraum für zahlreiche Fische, Krebstiere, Weichtiere, Stachelhäuter und andere wirbellose Tiere. Korallen schaffen durch ihre Kalkskelette komplexe Strukturen, in denen sich kleinere Organismen verstecken und Nahrung finden. Zwischen den Korallen leben unter anderem Papageifische, Doktorfische, Kaiser- beziehungsweise Engelfische, Trompetenfische und verschiedene Riffbarsche. Zu Letzteren gehören die blau gefärbten Chromis-Arten, während Sergeant Majors durch ihre dunklen Querstreifen auf hellem Körper auffallen. Die Fischgemeinschaften unterscheiden sich je nach Wassertiefe, Strömung, Korallenbewuchs und Zustand des Riffs.

Papageifische ernähren sich von Algen und nehmen bei der Nahrungssuche auch Teile des Korallengesteins auf. Dadurch tragen sie zur Bildung feiner Sedimente bei und beeinflussen die Entwicklung der Riffe. Doktorfische weiden ebenfalls Algen ab und sind wichtig für das ökologische Gleichgewicht, weil sie verhindern können, dass Algen Korallen überwuchern. Engelfische nutzen unterschiedliche Nahrungsquellen, darunter Schwämme und kleine wirbellose Tiere. Trompetenfische lauern zwischen Korallen und anderen Strukturen auf kleine Fische. Neben diesen auffälligen Arten kommen zahlreiche kleinere Riffbewohner vor, deren Lebensweise eng mit den Korallen, Schwämmen und anderen Organismen verbunden ist.

Zu den wirbellosen Meerestieren zählen Seeigel, Seegurken, Seeanemonen, Schwämme, Schnecken, Muscheln und verschiedene Krebsarten. Seeigel weiden Algen ab oder ernähren sich von organischem Material; Seegurken nehmen Sedimente auf und verwerten darin enthaltene organische Bestandteile. Seeanemonen besitzen Nesselzellen, mit denen sie Beutetiere fangen und sich gegen Fressfeinde schützen. Verschiedene Schnecken und Muscheln besiedeln Felsen, Sandflächen und Riffbereiche. Die große Vielfalt dieser Organismen ist ein wesentlicher Bestandteil der karibischen Küstenökosysteme.

An sandigen Stränden sind Geisterkrabben zu finden. Diese Krabben graben Röhren in den Sand und halten sich vorwiegend in Strandbereichen oberhalb der regelmäßig überfluteten Zone auf. Sie sind meist nachts oder in den kühleren Tagesstunden aktiv und ernähren sich von organischem Material sowie kleinen Tieren. Einsiedlerkrebse nutzen dagegen leere Schneckengehäuse als Schutz für ihren weichen Hinterleib. Je nach Art leben sie überwiegend an Land oder im Meer. Landbewohnende Arten sind zur Fortpflanzung auf das Meer angewiesen, wo sich ihre Larven entwickeln. Sie verwerten unter anderem abgestorbene Pflanzenteile und andere organische Reste und tragen dadurch zum Abbau organischen Materials bei.

Eine weitere wichtige Gruppe bilden die Meeresschildkröten, die sowohl in den Küstengewässern als auch an geeigneten Sandstränden vorkommen. Sie gehören zu den besonders schutzbedürftigen Tieren der Karibik. Die Weibchen verlassen das Meer zur Eiablage und graben ihre Nester oberhalb der Wasserlinie in den Sand. Nach dem Schlüpfen müssen sich die Jungtiere selbstständig zum Meer bewegen. Die Überlebensrate ist gering, weil Eier und Jungtiere zahlreichen natürlichen Gefahren ausgesetzt sind. Hinzu kommen menschliche Einflüsse wie die Bebauung der Strände, künstliche Beleuchtung, die Verschmutzung des Meeres und die Gefahr, sich in Fischereigeräten zu verfangen. Auf Saint-Barthélemy werden Meeresschildkröten durch Schutzmaßnahmen und Naturschutzorganisationen betreut. Dazu gehören die Beobachtung von Eiablageplätzen, die Erfassung von Sichtungen und die Information der Bevölkerung und der Besucher.

Zu den bemerkenswertesten Arten zählt die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea), die größte heute lebende Meeresschildkröte. Anders als die meisten anderen Meeresschildkröten besitzt sie keinen festen, aus Hornschilden bestehenden Panzer, sondern eine lederartige Haut über einer flexiblen, knöchernen Struktur. Große ausgewachsene Tiere können eine Länge von mehr als 2 m und ein Gewicht von mehreren hundert Kilogramm erreichen. Die Lederschildkröte ernährt sich überwiegend von Quallen und anderen gelatinösen Meerestieren. Sie legt weite Wanderungen zwischen Nahrungsgebieten und Fortpflanzungsstränden zurück und nutzt die Gewässer der Karibik als Teil ihres Lebensraums.

Eine zweite wichtige Art ist die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata). Sie besitzt einen schmalen, schnabelförmigen Kopf und einen charakteristisch überlappend beschuppten Panzer. Sie hält sich bevorzugt in der Nähe von Korallenriffen und anderen strukturierten Küstenlebensräumen auf. Ihre Nahrung besteht zu einem großen Teil aus Schwämmen, ergänzt durch weitere wirbellose Meerestiere. Die Karettschildkröte ist stark gefährdet, unter anderem aufgrund der Zerstörung ihrer Lebensräume und der früheren Bejagung wegen ihres Panzers, der zur Herstellung von Schmuck und Ziergegenständen verwendet wurde.

Als dritte Art ist die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) zu nennen. Sie nutzt Seegraswiesen und flache Küstengewässer als Nahrungsgebiete und ernährt sich im Erwachsenenalter überwiegend pflanzlich. Die Art trägt dadurch zur Nutzung und zum ökologischen Gleichgewicht von Seegrasbeständen bei. Wie die anderen Meeresschildkröten kehrt sie zur Fortpflanzung an geeignete Strände zurück. Das Erreichen der Geschlechtsreife dauert bei Meeresschildkröten viele Jahre; der genaue Zeitraum hängt von Art, Nahrungsangebot und Umweltbedingungen ab. Die Angabe von 15 bis 50 Jahren beschreibt eine große mögliche Spannweite, ist jedoch keine einheitliche Altersangabe für alle drei Arten.

Auch Meeressäugetiere gehören zur Fauna der Gewässer rund um Saint-Barthélemy. Verschiedene Delfinarten können in Küstennähe oder auf offener See beobachtet werden. Sie leben je nach Art in Gruppen und ernähren sich überwiegend von Fischen und Kopffüßern. Schweinswale sind ebenfalls Meeressäugetiere, dürfen jedoch nicht mit Delfinen gleichgesetzt werden; ihre Anwesenheit in den Gewässern der Insel ist nicht ohne Weiteres als regelmäßig zu bezeichnen. Darüber hinaus durchqueren verschiedene Walarten die weitere Region der Kleinen Antillen. Besonders während der Winter- und Frühjahrsmonate nutzen Buckelwale (Megaptera novaeangliae) die warmen Gewässer der Karibik zur Fortpflanzung und zur Aufzucht ihrer Kälber. Die Beobachtungswahrscheinlichkeit hängt von der Jahreszeit, der Entfernung zur Küste und den jeweiligen Wanderungsbewegungen ab. Die Monate Dezember bis Mai umfassen einen wesentlichen Teil der regionalen Walbeobachtungssaison, stellen jedoch keine feste Anwesenheitsperiode für alle Meeressäugetiere dar.

Die Reptilienfauna an Land umfasst neben den Meeresschildkröten verschiedene Echsenarten. Dazu gehören Geckos und andere kleine Eidechsen, die in trockenen Buschlandschaften, zwischen Felsen, in Gärten und an Gebäuden leben. Sie ernähren sich häufig von Insekten und anderen kleinen wirbellosen Tieren. Einige Arten sind an offene, trockene Standorte angepasst, während andere geschützte und feuchtere Bereiche bevorzugen. Geckos sind oft in der Dämmerung oder nachts aktiv und suchen an beleuchteten Gebäuden nach Insekten. Wie auf vielen karibischen Inseln wird die Zusammensetzung der Reptilienfauna auch durch eingeschleppte Arten beeinflusst. Für genaue Angaben zur Zahl der einheimischen, endemischen und eingeführten Arten ist eine aktuelle lokale Artenliste erforderlich.

Die Insektenwelt umfasst zahlreiche Schmetterlinge, Käfer, Ameisen, Heuschrecken, Libellen und weitere Gruppen. In den Gärten und auf blütenreichen Flächen finden Bestäuber wie Schmetterlinge und Bienen Nahrung. Mücken treten insbesondere nach Regenfällen und in Bereichen auf, in denen sich Wasser in natürlichen Vertiefungen oder künstlichen Behältern sammelt. Daneben leben Spinnen und andere räuberische Gliederfüßer, die Insekten erbeuten und damit zur Regulierung ihrer Bestände beitragen. Die Zusammensetzung der Insektenfauna hängt stark von der Vegetation, dem Niederschlagsgeschehen und der Verfügbarkeit geeigneter Brut- und Nahrungsplätze ab.

Für den Schutz der Tierwelt besitzt das Réserve naturelle nationale de Saint-Barthélemy besondere Bedeutung. Das Naturschutzgebiet umfasst mehrere Inselchen und Meeresbereiche und dient unter anderem dem Erhalt empfindlicher Küstenlebensräume, von Korallenriffen und Seegrasflächen. Es schützt Lebensräume zahlreicher Fische und wirbelloser Meerestiere sowie Gebiete, die von Meeresschildkröten und Seevögeln genutzt werden. Zu den wichtigen Schutzaufgaben gehören die Begrenzung schädlicher Eingriffe, die Überwachung der Riffe, die Erhaltung der Unterwasservegetation und die Information der Öffentlichkeit. Die Wirksamkeit des Schutzes ist insbesondere für Korallenriffe von Bedeutung, die durch Erwärmung des Meerwassers, Korallenbleiche, Verschmutzung, mechanische Beschädigungen und Veränderungen der Wasserqualität beeinträchtigt werden können.


Pflanzen-und Tierarten:     

Flora

  • Blütenpflanzen  336
  • Farne  9

Fauna

  • Fische  183
  • Korallen  51
  • Vögel  40
  • Säugetiere  10
  • Reptilien  9

Naturschutz

Saint-Barthélemy verfügt über ein Naturschutzsystem, dessen Schwerpunkt auf dem Schutz der Küstengewässer, der Korallenriffe und der empfindlichen Meeresökosysteme liegt. Von besonderer Bedeutung ist das Réserve naturelle nationale de Saint-Barthélemy, ein 1996 eingerichtetes nationales Naturschutzgebiet, das mehrere Meeresbereiche und vorgelagerte Inselchen umfasst. Es dient der Erhaltung der Korallenriffe, der Seegraswiesen, der Küstenlebensräume und der darin vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Zu den besonders schutzbedürftigen Tieren gehören Meeresschildkröten, verschiedene Riffische und zahlreiche wirbellose Meerestiere. Seevögel nutzen die vorgelagerten Felsen und Inselchen als Ruhe- und teilweise als Brutplätze.

Das Schutzgebiet ist nicht als ein einziger geschlossener Ring um die gesamte Insel angelegt, sondern besteht aus mehreren räumlich getrennten Teilgebieten. Diese liegen unter anderem in den Buchten Grand Cul-de-Sac, Marigot, Petit Cul-de-Sac und Colombier sowie in weiteren küstennahen Meeresbereichen. Auch die Gewässer bei vorgelagerten Felsen und kleinen Inselchen wie Les Gros Îlets, Pain de Sucre, Tortue und Île Fourchue gehören zu den für den Naturschutz wichtigen Gebieten. Die räumliche Aufteilung ermöglicht es, unterschiedliche Lebensräume gezielt zu schützen, darunter flache Lagunen, Seegrasflächen, Korallenriffe und felsige Unterwasserhänge.

Die fünf Teilgebiete umfassen nach Angaben der zuständigen Umweltbehörde insgesamt rund 1.200 ha beziehungsweise 12 km² Meeresfläche. Die häufig genannte Angabe von 4,75 km² ist daher nicht mit der Gesamtfläche des heutigen Schutzgebiets gleichzusetzen. Eingerichtet wurde das Réserve naturelle de Saint-Barthélemy durch ein französisches Dekret vom 10. Oktober 1996. Seit 2013 wird es von der Agence territoriale de l’environnement de Saint-Barthélemy verwaltet.

Die Schutzgebiete sind in Zonen mit unterschiedlichen Nutzungsbeschränkungen gegliedert. In den gelb dargestellten Bereichen gilt ein allgemeiner Schutz, der bestimmte Freizeitaktivitäten und geregelte Formen der Fischerei zulässt. Schnorcheln und Bootfahren sind dort grundsätzlich möglich, müssen aber die jeweils geltenden Vorschriften beachten. Das Sammeln von Korallen, Muscheln, Krebstieren und anderen geschützten Organismen ist untersagt. Auch das Füttern von Wildtieren, das Zurücklassen von Abfällen und weitere Eingriffe in die Lebensräume sind verboten.

In den rot gekennzeichneten Zonen gilt ein verstärkter Schutz. Dazu gehören insbesondere empfindliche Bereiche bei Petite Anse sowie Teile des nordöstlichen Küstenraums. Diese Gebiete dienen als Rückzugs-, Entwicklungs- und Fortpflanzungsräume für Meeresorganismen. Dort sind unter anderem das Fischen, das Ankern und das Gerätetauchen mit Pressluftflaschen untersagt. Die genauen Verbote unterscheiden sich je nach Teilgebiet und sind in den geltenden Vorschriften festgelegt.

Ein besonderes Augenmerk gilt dem Schutz der Seegraswiesen und Korallenriffe. Seegrasflächen dienen zahlreichen Meerestieren als Nahrungs- und Aufwuchsgebiet und können zur Stabilisierung des Meeresbodens beitragen. Korallenriffe bieten mit ihren verzweigten Strukturen Lebensraum für Fische, Schwämme, Krebstiere und zahlreiche weitere Organismen. Beide Lebensräume sind empfindlich gegenüber mechanischen Beschädigungen, Verschmutzung und steigenden Wassertemperaturen. Deshalb werden auch die Auswirkungen von Bootsverkehr, Tauchtourismus und Freizeitfischerei berücksichtigt.

Das Ankern von Freizeitbooten ist im Schutzgebiet grundsätzlich außerhalb der ausdrücklich ausgewiesenen Ankerbereiche untersagt. In den Buchten von Colombier und Fourchue stehen umweltverträgliche Anlegebojen zur Verfügung, die verhindern sollen, dass Anker und Ankerketten Seegrasbestände oder Korallen beschädigen. In Grand Cul-de-Sac gelten besondere Einschränkungen für das freie Ankern. Für Taucher gibt es ausgewiesene Tauchplätze und entsprechende Befestigungssysteme. Die Nutzung dieser Einrichtungen unterliegt den jeweiligen örtlichen Bestimmungen.

Neben dem Meeresschutz werden auch die terrestrischen Lebensräume und die natürlichen Küstenabschnitte berücksichtigt. Die Bebauung, die Anlage von Straßen und touristischen Einrichtungen sowie die Veränderung der Vegetation können Lebensräume zerschneiden und den Wasserhaushalt beeinflussen. Besonders empfindlich sind kleine Feuchtgebiete, Mangrovenbestände, natürliche Sandstrände und die Brutplätze von Seevögeln und Meeresschildkröten. Die Erhaltung dieser Lebensräume ist für die Artenvielfalt der Insel ebenso wichtig wie der Schutz der Unterwasserwelt.

Eine weitere Aufgabe des Naturschutzes ist die Information der Bevölkerung und der Besucher. Die Umweltbehörde veröffentlicht Karten und Vorschriften zu den einzelnen Schutzzonen, informiert über erlaubte und verbotene Aktivitäten und organisiert Maßnahmen zur Beobachtung und Erhaltung der Meeresökosysteme. Kommerzielle Tätigkeiten innerhalb des Reservats, beispielsweise bestimmte touristische Angebote, unterliegen einer vorherigen Genehmigung. Damit sollen die Nutzung der Gewässer und der Schutz der empfindlichen Lebensräume miteinander vereinbart werden.

Klima

Das Klima von Saint-Barthélemy ist tropisch-maritim und wird durch die Lage der Insel in der östlichen Karibik, die ganzjährig hohen Temperaturen und die Passatwinde geprägt. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation wird es überwiegend dem tropischen Savannenklima (Aw) zugeordnet. Charakteristisch sind geringe jahreszeitliche Temperaturschwankungen, eine ausgeprägte trockenere Jahreszeit und eine feuchtere Periode, in der kräftige Schauer und Gewitter auftreten können. Die Nähe zum Meer mildert extreme Temperaturschwankungen, während die Sonneneinstrahlung über das gesamte Jahr hinweg hoch bleibt. Die klimatischen Bedingungen beeinflussen die Vegetation, die Verfügbarkeit von Süßwasser und die Nutzung der Insel ebenso wie den Fremdenverkehr.

Die Jahresmitteltemperatur liegt ungefähr bei 26 °C. Die durchschnittlichen Tageshöchstwerte bewegen sich im Jahresverlauf meist zwischen etwa 28 und 31 °C, während die nächtlichen Tiefstwerte häufig zwischen 22 und 26°C liegen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Monaten sind vergleichsweise gering. Die wärmsten Monate fallen in die Zeit von Sommer bis Frühherbst, wenn die Tageshöchsttemperaturen häufig um 30°C oder darüber liegen. In den Monaten Dezember bis März sind die Temperaturen etwas niedriger, doch bleibt das Wetter auch dann überwiegend warm. Gelegentlich können kühlere Nächte auftreten; sehr niedrige Werte um 13°C wären jedoch außergewöhnlich und entsprechen nicht den üblichen winterlichen Bedingungen der Insel.

Die Luftfeuchtigkeit ist aufgrund des warmen Meeres und der tropischen Lage häufig hoch. Die Passatwinde sorgen allerdings regelmäßig für Luftbewegung und können das Wärmeempfinden deutlich beeinflussen. Bei schwachem Wind und hoher Luftfeuchtigkeit wird die Wärme häufig als schwül empfunden, insbesondere während der feuchteren Jahreszeit. Die Aussage, dass im Sommer grundsätzlich keine Passatwinde wehen, trifft nicht allgemein zu: Die Passate sind ein wesentlicher Bestandteil des regionalen Klimas, ihre Stärke und Beständigkeit können sich jedoch verändern. Bei schwachen Winden, hoher Sonneneinstrahlung und feuchter Luft kann sich die Wärme stärker stauen.

Die Niederschlagsmenge beträgt im Jahresmittel ungefähr 1.000 mm, wobei die tatsächlichen Werte zwischen den Jahren und je nach Messstandort erheblich schwanken können. Die Topografie der Insel ist vergleichsweise niedrig, dennoch beeinflussen Hänge, Windrichtung und die Lage einzelner Täler die örtliche Niederschlagsverteilung. Die östlichen Bereiche werden in manchen Wetterlagen stärker von feuchten Luftströmungen erfasst, während exponierte oder stärker windbeeinflusste Abschnitte der Westseite trockener erscheinen können. Ein durchgehend einheitlicher Unterschied zwischen Ost- und Westküste lässt sich jedoch nicht für jede Wetterlage annehmen.

Die trockenere Jahreszeit wird auf den französischen Antillen als carême bezeichnet und fällt im Allgemeinen in die Monate Dezember bis April. In dieser Zeit sind die Niederschläge meist geringer, und längere sonnige Abschnitte sind häufig. Die Böden trocknen stärker aus, die natürliche Vegetation wirkt vielerorts lichter, und kleinere Wasserläufe führen nur zeitweise Wasser. Die Bezeichnung carême ist regional gebräuchlich und beschreibt die saisonale Trockenperiode, nicht einen völlig niederschlagsfreien Zeitraum. Auch während dieser Monate können Schauer auftreten.

Die feuchtere Jahreszeit, auf den französischen Antillen hivernage genannt, erstreckt sich im Allgemeinen von etwa Juni bis November. In dieser Periode nehmen die Niederschläge zu, und kurze, intensive Schauer können sich mit sonnigen Abschnitten abwechseln. Besonders bei tropischen Wellen und Gewitterlagen sind örtlich hohe Regenmengen innerhalb kurzer Zeit möglich. Die Vegetation reagiert auf die zunehmende Bodenfeuchtigkeit mit verstärktem Wachstum. Gleichzeitig steigt die Bedeutung einer ausreichenden Entwässerung, weil Wasser auf den steilen Hängen rasch abfließt und in tiefer gelegenen Gebieten zeitweise zu Überschwemmungen führen kann.

Die tropische Wirbelsturmsaison dauert im Atlantik offiziell vom 1. Juni bis zum 30. November. Für Saint-Barthélemy ist insbesondere die Zeit von August bis Oktober bedeutsam, wobei September und Oktober häufig ein erhöhtes Risiko aufweisen. Tropische Stürme und Hurrikane können heftige Niederschläge, hohe Wellen, Sturmfluten und schwere Windschäden verursachen. Ein besonders einschneidendes Ereignis war Hurrikan Irma im September 2017, der Saint-Barthélemy schwer verwüstete. Auch außerhalb direkter Hurrikandurchgänge können tropische Wellen und Gewitter starke Regenfälle auslösen.

Die Sonnenscheindauer ist über das gesamte Jahr hinweg beträchtlich. Auch in der Regenzeit wechseln sich bewölkte Abschnitte und Schauer häufig mit sonnigem Wetter ab. Die trockeneren Monate bieten meist besonders beständige Wetterbedingungen, weshalb sie für den Fremdenverkehr und Wassersport beliebt sind. Die feuchtere Jahreszeit ist dagegen durch höhere Temperaturen, mehr Luftfeuchtigkeit und ein größeres Risiko tropischer Störungen gekennzeichnet. Die Passatwinde sorgen häufig für eine angenehme Luftbewegung und beeinflussen zugleich den Seegang sowie die Bedingungen für Segler.

Das Meer bleibt das ganze Jahr über warm. Nach Angaben des französischen Wetterdienstes Météo-France liegen die Wassertemperaturen rund um Saint-Barthélemy und die benachbarten nördlichen Inseln gewöhnlich zwischen 26 und 29 °C. Während der trockeneren Jahreszeit ist das Wasser tendenziell etwas kühler, während es im Spätsommer und Herbst höhere Temperaturen erreicht. Die warmen Meeresbedingungen begünstigen das Wachstum tropischer Korallenriffe, können bei länger anhaltenden marinen Hitzewellen jedoch auch Korallenbleiche verursachen.

Klimadaten für Gustavia (5 m, 1961 bis 1990)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Mitteltemeratur °C 25,3 25,2 25,9 26,4 27,0 27,8 28,0 28,2 28,4 28,1 27,6 26,9 26,9
Niederschlag mm 58 46 51 58 91 55 79 102 111 126 108 98 883
Niederschlagstage (≥ 1,0 mm) 11 9 8 8 10 9 12 13 12 13 13 13 131
Tägliche Sonnenstunden 8,52 8,21 8,61 8,60 8,19 8,50 9,61 8,61 8,00 8,10 7,80 7,90 8,31
Mittlere Windgeschwindigkeit (km/h) 18 20 21 20 15 17 22 22 19 15 19 19 19


Klimadaten für Gustavia, Saint Barthelemy (1981 bis 2010, Extreme seit 1959)

Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jahr
Höchstrekord (°C) 32,6 32,4 33,7 33,2 34,3 34,2 34,3 34,8 35,1 35,5 33,9 32,7 35,5
Mittelmaximum (°C) 28,4 28,4 29,0 29,8 30,7 31,2 31,1 31,5 31,6 31,2 29,7 28,7 30,1
Mitteltemeratur (°C) 25,8 25,7 26,1 26,9 27,8 28,4 28,5 28,7 28,7 28,3 27,2 26,2 27,4
Mittelminimum (°C) 23,2 22,9 23,2 23,9 24,9 25,7 25,8 26,0 25,9 25,4 24,6 23,8 24,6
Tiefstrekord (°C) 19,5 18,5 19,5 19,8 19,0 21,4 20,6 21,1 21,4 20,6 20,2 19,1 18,5
Niederschlag (mm) 52,8 46,5 48,9 62,4 78,0 55,6 74,1 88,4 100,5 136,3 127,9 87,6 959,0
Niederschlagstage (≥ 1,0 mm) 11,6 9,5 8,2 7,8 10,1 9,0 12,0 12,6 11,4 12,1 13,5 12,9 130,6
Wassertemperatur (°C) 28,0 27,2 27,7 28,4 29,3 29,7 29,6 30,2 30,8 30,7 29,7 29,1 29,2

Mythologie

Vor der Ankunft Christoph Kolumbus' im Jahr 1493 war St. Barths von Arawak-Völkern besiedelt, die später von den kriegerischen Kariben verdrängt wurden. Diese Ureinwohner hinterließen Spuren in der mündlichen Tradition, die bis heute in lokalen Erzählungen nachklingt. Ein zentraler Mythos ist der der Mama D‘Leau (oder Maman de l'Eau), einer Wassergeistin, die in vielen karibischen Kulturen vorkommt und auf St. Barths mit den salzigen Lagunen und dem türkisfarbenen Meer verknüpft ist. Sie wird als schöne Frau mit langem, wallendem Haar dargestellt, die halb Mensch, halb Schlange ist. Fischer erzählen, dass Mama D'Leau in stürmischen Nächten aus den Tiefen der Bucht von Gustavia auftaucht, um unvorsichtige Seeleute zu locken. Wer ihrem Gesang erliegt, wird in die Unterwasserwelt gezogen – ein Symbol für die gefährlichen Strömungen und Hurrikane, die die Insel regelmäßig heimsuchen. Archäologische Funde wie Petroglyphen in den Höhlen von Anse du Gouverneur deuten darauf hin, dass ähnliche Wassergeister bereits in präkolumbianischer Zeit verehrt wurden, um Regen und fruchtbares Wasser zu erbitten.

Mit der Einführung der Sklaverei im 17. Jahrhundert durch französische und schwedische Kolonisatoren kamen westafrikanische Mythen auf die Insel, die sich mit lokalen Gegebenheiten vermischten. Besonders prominent sind die Jumbees (oder Jumbies), böse Geister, die in der kreolischen Folklore der Karibik eine Rolle spielen. Auf St. Barths werden Jumbees als ruhelose Seelen verstorbener Sklaven beschrieben, die in den windgepeitschten Hügeln von Lorient oder Morne Rouge umgehen. Sie erscheinen als leuchtende Lichter oder Schatten und bestrafen diejenigen, die Plantagenruinen entweihen. Eine berühmte Legende dreht sich um den Sklavenaufstand von 1848, der zwar historisch ist, aber mythisch aufgeladen wurde: Ein Jumbee soll die Rebellen geleitet haben, indem er in Form eines schwarzen Vogels (eines Korbs oder Raben) Warnungen vor den Kolonialtruppen flüsterte. Diese Geschichten dienten als ventilisierende Erzählungen für Unterdrückung und werden bis heute bei Vollmondnächten in den Dörfern wie Corossol erzählt, wo afrikanische Rhythmen mit französischen Chansons verschmelzen.

Die europäische Kolonialzeit brachte maritime Mythen mit sich, die St. Barths als "Piratenversteck" stilisieren. Die Insel war im 18. Jahrhundert ein neutraler Hafen unter schwedischer Herrschaft, was Schmuggler und Freibeuter anzog. Eine populäre Sage ist die vom verfluchten Schatz des Kapitän LeFort, einem fiktiven Piraten, der angeblich Goldmünzen in den Höhlen von Colombier vergrub. Wer den Schatz sucht, wird von Geistern heimgesucht – eine Warnung vor Gier, die auf realen Wracks wie dem spanischen Galeonen-Unglück vor der Küste von 1650 basiert. Kolumbus selbst wird in lokalen Mythen als "weißer Gott" verehrt oder verteufelt: Er soll die Insel nach seinem Bruder Bartholomeo benannt haben, doch indigene Erzählungen behaupten, er habe einen Pakt mit Meeresdämonen geschlossen, um die Karibik zu erobern. Diese Geschichten mischen sich mit christlichen Elementen, wie dem Fest der Heiligen Barthélemy am 24. August, das mit Prozessionen und Feuern gefeiert wird, um böse Geister zu vertreiben.

Geschichte

Vor dem Kontakt mit den Europäern wurde die Insel möglicherweise von den Taíno und Arawak der Ostkaribik besucht, die die Insel „Ouanalao“ nannten, obwohl man annimmt, dass die Insel aufgrund ihrer schlechten Wasserquellen und ihres Bodens nicht dauerhaft bewohnt war. Christoph Kolumbus war der erste Europäer, der 1493 auf die Insel stieß. Sporadische Besuche setzten sich in den nächsten hundert Jahren fort, bis die formelle Kolonisierung Gestalt annahm.

Präkolumbische Zeit

Archäologische Funde vonb der Insel Saint-Barthélemy belegen eine Besiedlung lange vor der europäischen Kolonialzeit. Die frühesten Besiedlungsphasen werden teilweise bis in das erste Jahrtausend v. Chr. zurückgeführt. Für eine genaue Datierung und kulturelle Zuordnung sind jedoch die jeweiligen Fundstellen, die verwendeten Datierungsmethoden und die archäologischen Befunde maßgeblich. In der Forschung wird die frühe Geschichte der Kleinen Antillen häufig anhand von Keramikstilen, Werkzeugen, Siedlungsspuren und weiteren materiellen Hinterlassenschaften rekonstruiert. Die dabei verwendeten Bezeichnungen für archäologische Kulturen sind wissenschaftliche Einordnungen und dürfen nicht ohne Weiteres mit eindeutig abgegrenzten Völkern oder Sprachen gleichgesetzt werden.

Die frühesten Bewohner der Inselregion werden teilweise mit archaischen Bevölkerungsgruppen in Verbindung gebracht, die sich entlang der karibischen Inselkette ausbreiteten. In der älteren archäologischen Literatur wird hierfür unter anderem die Ortoiroid-Tradition genannt, deren bekannte Fundorte vor allem im südlichen Karibikraum liegen. Solche Gruppen lebten überwiegend von Jagd, Fischfang und dem Sammeln wild wachsender Nahrung. Sie nutzten die Küsten und die angrenzenden Meeresgebiete intensiv und verfügten über Kenntnisse der lokalen Tier- und Pflanzenwelt. Ob die frühesten Bewohner Saint-Barthélemys im engeren Sinn der Ortoiroid-Kultur zugeordnet werden können, lässt sich jedoch nicht allein aus der allgemeinen Besiedlungsgeschichte der Kleinen Antillen ableiten.

Mit der Ausbreitung keramikführender Bevölkerungsgruppen aus dem nordöstlichen Südamerika begann eine weitere wichtige Phase der Besiedlung der Kleinen Antillen. Diese Gruppen werden archäologisch häufig mit der Saladoid-Tradition in Verbindung gebracht, deren Ursprünge im Einzugsgebiet des Orinoco liegen. Ihre Ausbreitung in den Inselraum setzte im ersten Jahrtausend v. Chr. ein und führte zur Entwicklung neuer Siedlungs- und Wirtschaftsformen. Die Saladoid-Tradition ist insbesondere durch charakteristische Keramik, handwerkliche Fertigkeiten und weitreichende Kontakte zwischen den Inseln gekennzeichnet.

Die Landwirtschaft gewann in diesen Gesellschaften an Bedeutung. Maniok gehörte zu den wichtigen Nahrungspflanzen, daneben wurden je nach Region weitere Kulturpflanzen angebaut. Fischfang, Muschelsammeln und die Nutzung anderer Meeresressourcen blieben wesentliche Bestandteile der Ernährung. Kanus ermöglichten Fahrten zwischen den Inseln und erleichterten den Austausch von Rohstoffen, Werkzeugen und anderen Gütern. Keramikgefäße dienten unter anderem der Zubereitung und Aufbewahrung von Lebensmitteln. Die archäologischen Kulturbezeichnungen erlauben allerdings keine sichere Aussage darüber, welche konkrete Bevölkerungsgruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt auf Saint-Barthélemy lebte oder welche Sprache sie sprach.

In den späteren Jahrhunderten entwickelten sich im karibischen Inselraum weitere kulturelle Traditionen, die in der älteren Forschung häufig unter den Sammelbegriffen Arawak, Taíno und Kariben zusammengefasst wurden. Diese Bezeichnungen beschreiben jedoch keine einfachen, überall gleichartigen Bevölkerungsblöcke. Die Gesellschaften unterschieden sich regional hinsichtlich ihrer Sprache, politischen Organisation, Wirtschaftsweise und materiellen Kultur. Auch die Vorstellung, eine Gruppe habe eine andere vollständig verdrängt, gilt heute als zu vereinfachend. Migration, Austausch, Heiratsbeziehungen und kulturelle Veränderungen führten vielmehr zu komplexen Entwicklungen.

Für die Kleinen Antillen werden Kontakte und Wanderungsbewegungen von Bevölkerungsgruppen beschrieben, die mit den Kalinago in Verbindung gebracht werden. In älteren europäischen Berichten wurden diese häufig als „Kariben“ bezeichnet. Die historischen Darstellungen europäischer Reisender und Kolonisten zeichneten oftmals ein einseitiges Bild, indem sie die Arawak beziehungsweise Taíno idealisierten und die Kalinago als besonders kriegerisch darstellten. Solche Berichte müssen vor dem Hintergrund kolonialer Interessen und der begrenzten Kenntnisse der europäischen Beobachter bewertet werden. Die Lebensweise der indigenen Gesellschaften beruhte nicht allein auf Kriegsführung, sondern ebenso auf Landwirtschaft, Fischfang, Seefahrt, Handwerk und regionalen Austauschbeziehungen.

Für Saint-Barthélemy ist zudem zu berücksichtigen, dass die natürlichen Voraussetzungen eine dauerhafte Besiedlung erschwerten. Die Insel besitzt nur wenige natürliche Süßwasserressourcen, vergleichsweise trockene Böden und begrenzte Flächen für den Ackerbau. Deshalb wird in Darstellungen zur Inselgeschichte auch die Möglichkeit hervorgehoben, dass sie zeitweise eher als Aufenthalts-, Versorgungs- und Durchgangsort genutzt wurde, anstatt über lange Zeit eine große permanente Bevölkerung zu tragen. Indigene Besucher konnten hier fischen, Muscheln sammeln, Leguane jagen und Holz sowie andere natürliche Rohstoffe nutzen. Die genaue Intensität und Kontinuität dieser Nutzung lässt sich allerdings nicht allein aus den allgemeinen Verhältnissen der Karibik ableiten.

Die Bezeichnung Ouanalao wird traditionell als indigener Name Saint-Barthélemys überliefert. Sie wird häufig mit den Arawak beziehungsweise Taíno in Verbindung gebracht und gelegentlich als Hinweis auf das Vorkommen von Leguanen gedeutet. Die sprachliche Herleitung und die genaue Bedeutung sind jedoch nicht abschließend gesichert. Ebenso ist die Zuordnung des Namens zu einer bestimmten indigenen Bevölkerungsgruppe nicht zweifelsfrei belegt. Ouanalao bleibt dennoch ein wichtiger Bestandteil der Erinnerung an die vorkoloniale Geschichte der Insel.

Archäologische Funde und überlieferte Fundstellen bilden die wesentliche Grundlage für die Erforschung dieser frühen Geschichte. Dazu zählen Keramikfragmente, steinerne und andere Werkzeuge sowie weitere Hinterlassenschaften menschlicher Aktivitäten. Auch Felsritzungen und Petroglyphen werden im Zusammenhang mit der indigenen Vergangenheit der Insel erwähnt. Ihre genaue Datierung, Bedeutung und kulturelle Zuordnung müssen jeweils anhand der archäologischen Untersuchungen beurteilt werden. Sie lassen sich nicht ohne weitere Belege eindeutig bestimmten Ritualen oder einer einheitlichen religiösen Weltanschauung zuordnen. Neuere archäologische Arbeiten auf Saint-Barthélemy zeigen, dass die Erforschung des historischen Erbes der Insel weiterhin fortgesetzt wird.

Kontaktzeit

Christoph Kolumbus erreichte die nordöstlichen Kleinen Antillen während seiner zweiten Reise in die Karibik im November 1493. Dabei wurde auch Saint-Barthélemy von Europäern wahrgenommen. Kolumbus benannte die Insel nach seinem Bruder Bartolomeo Colón und verwendete dafür die spanische Namensform San Bartolomé. Das häufig genannte Datum des 11. Oktober 1493 ist nicht zutreffend: Zu diesem Zeitpunkt befand sich Kolumbus noch nicht bei den Kleinen Antillen. Die Entdeckung bedeutete zunächst vor allem eine geografische Zuordnung innerhalb der europäischen Expansion. Eine spanische Siedlung entstand auf Saint-Barthélemy damals nicht.

Die Insel gehörte zu einer Region, in der bereits vor der Ankunft der Europäer indigene Gemeinschaften lebten und zwischen den Inseln der Kleinen Antillen Kontakte bestanden. Der überlieferte indigene Name Saint-Barthélemys lautet Ouanalao. Seine genaue Bedeutung ist nicht gesichert. Die Insel war Teil eines karibischen Lebensraums, in dem Fischfang, das Sammeln von Meeresressourcen, Gartenbau und der Austausch zwischen benachbarten Inseln eine Rolle spielten. Über die konkrete politische Organisation der damaligen Bevölkerung Saint-Barthélemys, ihre Bevölkerungszahl und die Beziehungen zu anderen Inseln ist jedoch wenig bekannt.

Spanien konzentrierte seine kolonialen Bemühungen im 16. Jahrhundert vor allem auf größere und wirtschaftlich ergiebigere Gebiete. Hispaniola und Puerto Rico entwickelten sich zu wichtigen Zentren der spanischen Herrschaft. Saint-Barthélemy besaß weder große Flächen fruchtbaren Bodens noch bekannte bedeutende Edelmetallvorkommen. Auch der Mangel an dauerhaft verfügbaren Süßwasserquellen erschwerte eine größere Besiedlung. Diese natürlichen Bedingungen trugen dazu bei, dass die Insel nicht zu einem bedeutenden spanischen Kolonialstützpunkt wurde. Aus der fehlenden dauerhaften spanischen Niederlassung lässt sich allerdings nicht schließen, dass die Insel während des gesamten 16. Jahrhunderts vollständig von europäischen Kontakten abgeschnitten war.

Die Quellenlage für die folgenden Jahrzehnte ist lückenhaft. Für Saint-Barthélemy sind keine hinreichend detaillierten zeitgenössischen Belege bekannt, die eine durchgehende spanische Besetzung, regelmäßige spanische Sklavenraubzüge oder eine bestimmte Zahl von Überfällen auf die indigene Bevölkerung belegen. Die spanische Kolonialherrschaft auf den größeren Antillen hatte allerdings weitreichende Folgen für die gesamte Region. Versklavung, Zwangsarbeit, eingeschleppte Krankheiten und gewaltsame Konflikte führten vielerorts zu einem starken Rückgang der indigenen Bevölkerung. Die häufig genannte Schätzung, dass die karibische Bevölkerung der Kleinen Antillen bis 1600 um 90 Prozent zurückgegangen sei, lässt sich nicht als gesicherte Bevölkerungsstatistik für Saint-Barthélemy verwenden.

Auch die Vorstellung, englische, niederländische und französische Freibeuter hätten die Insel bereits im 16. Jahrhundert regelmäßig als Stützpunkt genutzt, ist mit Vorsicht zu behandeln. Die nordöstlichen Kleinen Antillen lagen in einem Gebiet, in dem europäische Mächte ihre Ansprüche ausweiteten und Schiffe zwischen den Inseln verkehrten. Für Saint-Barthélemy ist jedoch vor allem die strategische Bedeutung eines geschützten Ankerplatzes in der Nähe von Saint-Christophe, dem heutigen Saint Kitts, für die französische Besitzergreifung im 17. Jahrhundert ausdrücklich überliefert. Dass die Insel später zeitweise als Zuflucht und Anlaufpunkt für Freibeuter diente, bedeutet nicht, dass sie schon seit dem 16. Jahrhundert ein dauerhaftes Piratennest gewesen wäre.

Die französische Besitzergreifung von 1648 markierte den entscheidenden Einschnitt. Philippe de Longvilliers de Poincy, der französische Gouverneur von Saint-Christophe, ließ eine kleine Gruppe von ungefähr 40 bis 50 Männern unter Jacques Gente nach Saint-Barthélemy bringen. Dabei ging es nicht in erster Linie um die Anlage einer großen Plantagenkolonie. Die Insel war wegen ihrer geringen Größe, der trockenen und steinigen Böden sowie des Mangels an Süßwasser für eine intensive Landwirtschaft wenig geeignet. Ausschlaggebend waren vielmehr die Nähe zu Saint-Christophe, die Möglichkeit, einen Ankerplatz zu nutzen, und das Interesse Frankreichs, die Insel nicht einer konkurrierenden europäischen Macht zu überlassen. Die erste französische Niederlassung blieb daher klein.

Die indigene Bevölkerung leistete Widerstand gegen die französische Ansiedlung. Der Dominikaner Jean-Baptiste du Tertre, dessen im 17. Jahrhundert veröffentlichte Berichte zu den wichtigsten frühen Quellen für die französische Kolonialgeschichte der Region gehören, berichtet von einem Angriff der Kariben im Jahr 1656, bei dem ein großer Teil der französischen Bewohner getötet worden sei. Die Überlebenden verließen demnach die Insel. Dieser Bericht bezieht sich auf die französische Siedlung und darf nicht mit einer gesicherten Aussage über die gesamte indigene Bevölkerung Saint-Barthélemys gleichgesetzt werden. Er zeigt aber, dass die französische Besitzergreifung keineswegs ohne Konflikte verlief und die indigene Bevölkerung den europäischen Anspruch auf die Insel nicht einfach hinnahm.

Die Franzosen kehrten 1659 zurück, nachdem eine Verständigung mit den Kariben erreicht worden war. Eine Gruppe von ungefähr 30 Siedlern ließ sich erneut nieder. Erst diese zweite Ansiedlung bildete den Ausgangspunkt für die kontinuierliche französische Besiedlung Saint-Barthélemys. Die Insel wurde zunächst von Saint-Christophe aus verwaltet und blieb wirtschaftlich eine kleine, ressourcenarme Kolonie. Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei und die Nutzung lokaler Naturprodukte prägten ihre weitere Entwicklung.

Kolonialzeit

Die erste französische Besiedlung Saint-Barthélemys erfolgte 1648 auf Initiative von Philippe de Longvilliers de Poincy, dem französischen Gouverneur auf Saint-Christophe und einer der einflussreichsten Vertreter Frankreichs in der Karibik. Poincy gehörte dem Johanniterorden an und verfolgte das Ziel, die französische Präsenz in der Region durch kleinere Außenposten zu stärken. Eine Gruppe von ungefähr 40 bis 60 Siedlern ließ sich auf Saint-Barthélemy nieder. Unter der Leitung von Jacques Gente, dessen Name in den Quellen auch in abweichenden Schreibweisen erscheint, begannen die Neuankömmlinge mit dem Aufbau einer kleinen Siedlung und mit landwirtschaftlichen Versuchen. Kakao gehörte zu den Kulturen, die angebaut werden sollten. Die begrenzten Wasserressourcen, die steinigen Böden und die geringe Größe der Insel erschwerten jedoch eine wirtschaftlich erfolgreiche Landwirtschaft.

Die französische Ansiedlung bedeutete keine friedliche und unumstrittene Inbesitznahme. Die Kariben, deren Gemeinschaften auf den Kleinen Antillen weiterhin Widerstand gegen die europäische Expansion leisteten, griffen die Siedlung 1656 an. Ein großer Teil der französischen Bewohner wurde getötet; die Überlebenden verließen die Insel. Damit scheiterte der erste Versuch, auf Saint-Barthélemy eine dauerhafte französische Kolonie aufzubauen. Die Insel blieb in den folgenden Jahren ohne eine stabile französische Siedlergemeinschaft. Die häufig anzutreffende Angabe, die Insel sei anschließend bis 1763 vollständig unbesiedelt geblieben, ist allerdings zu pauschal: 1659 wurde eine erneute französische Niederlassung gegründet.

Die Besitzverhältnisse hatten sich bereits vor dem Angriff verändert. 1651 wurde Saint-Barthélemy zusammen mit weiteren französischen Besitzungen in der Karibik an den Johanniterorden übertragen. Poincy spielte dabei eine maßgebliche Rolle, da er selbst Mitglied des Ordens war und dessen Einfluss in der Region förderte. Die Übertragung war Teil der wechselnden Eigentums- und Verwaltungsverhältnisse, die für die frühen französischen Kolonien charakteristisch waren. Die formelle Zugehörigkeit zum Orden bedeutete jedoch nicht, dass Saint-Barthélemy zu einem bedeutenden Ordensstützpunkt wurde. Wirtschaftlich blieb die Insel unbedeutend, und die Durchsetzung europäischer Herrschaft hing weiterhin von kleinen Siedlergruppen und den Verbindungen zu den größeren französischen Kolonien ab.

Nach Poincys Tod im Jahr 1660 blieb die Verwaltung der Insel zunächst beim Johanniterorden. Die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen und die geringe Zahl der Bewohner verhinderten jedoch, dass sich Saint-Barthélemy zu einer ertragreichen Kolonie entwickelte. Bereits 1659 hatten sich erneut französische Siedler niedergelassen, nachdem die erste Siedlung aufgegeben worden war. Sie kamen überwiegend von Saint-Christophe, dem heutigen Saint Kitts, und bauten die kleine Kolonie wieder auf. Landwirtschaft, Viehzucht, Fischfang und die Gewinnung von Salz gehörten zu den Tätigkeiten, mit denen die Bewohner ihren Lebensunterhalt bestritten. Die Insel blieb jedoch auf den Austausch mit den größeren französischen Niederlassungen der Region angewiesen.

1665 endete die Herrschaft des Johanniterordens über Saint-Barthélemy. Der Orden verkaufte die Insel zusammen mit anderen karibischen Besitzungen an die Französische Westindien-Kompanie. Diese Gesellschaft sollte den französischen Handel und die Kolonisierung in der Karibik organisieren und wirtschaftlich fördern. Saint-Barthélemy blieb allerdings ein kleiner Außenposten ohne bedeutende Plantagenwirtschaft und ohne große Exportüberschüsse. 1674 wurde die Französische Westindien-Kompanie aufgelöst; die Insel kam wieder unmittelbar unter die Herrschaft der französischen Krone und wurde administrativ der Kolonie Guadeloupe zugeordnet. Sie blieb damit Teil des französischen Kolonialbesitzes, ohne ein eigenständiges politisches Zentrum zu bilden.

Im späten 17. und im 18. Jahrhundert blieb die wirtschaftliche Entwicklung begrenzt. Die Böden und das Klima ermöglichten zwar kleinräumigen Anbau, doch fehlten die Voraussetzungen für eine großflächige, besonders profitable Plantagenwirtschaft. Die Bewohner betrieben Landwirtschaft und Viehzucht, nutzten die Küstengewässer und unterhielten Verbindungen zu anderen Inseln. Die geschützten Buchten und die Lage an den Schifffahrtswegen der Kleinen Antillen waren zugleich für Seeleute und Freibeuter von Interesse. Saint-Barthélemy wurde mit der regionalen Seefahrt und dem teilweise illegalen Handel in Verbindung gebracht. Die später häufig wiederholte Darstellung, der Freibeuter Daniel Montbars, genannt „Montbars der Ausrotter“, habe die Insel als festen Stützpunkt genutzt, sollte jedoch nicht ohne einen konkreten zeitgenössischen Nachweis als gesicherte Tatsache übernommen werden.

1744 griffen britische Kräfte Saint-Barthélemy an. Der Angriff stand im Zusammenhang mit den Rivalitäten zwischen Großbritannien und Frankreich um die Kontrolle der Karibik und deren Handelswege. Die Insel war militärisch nur begrenzt zu verteidigen. Der Überfall beeinträchtigte die Siedlung und trug zur Unsicherheit der Bewohner bei. Saint-Barthélemy blieb danach französischer Besitz, doch seine geringe wirtschaftliche Bedeutung änderte sich nicht grundlegend. Anders als größere Kolonien, deren Zucker- und andere Plantagenprodukte für den europäischen Markt hohe Einnahmen erzielten, bot die Insel der französischen Krone nur begrenzte finanzielle Vorteile.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts suchte Frankreich nach Möglichkeiten, seine kolonialen Besitzungen neu zu ordnen. König Gustav III. von Schweden bemühte sich seinerseits um eine Kolonie in der Karibik, um den schwedischen Überseehandel zu erweitern. In den Verhandlungen mit Frankreich wurde Saint-Barthélemy ausgewählt, da die Insel für die französische Krone nur einen geringen wirtschaftlichen Nutzen hatte. Im Gegenzug sollten französische Kaufleute in Göteborg Handelsprivilegien erhalten. Der Vertrag über den Austausch wurde am 1. Juli 1784 geschlossen. Saint-Barthélemy ging damit vertraglich an Schweden über, auch wenn die tatsächliche Übergabe erst im folgenden Jahr erfolgte.

Am 7. März 1785 übernahmen die Schweden die Insel offiziell. Die schwedische Flagge wurde gehisst und die Verwaltung auf eine neue koloniale Ordnung umgestellt. Die schwedische Herrschaft begann somit nicht 1763, wie in manchen verkürzten Darstellungen fälschlich angegeben wird, sondern 1785. Der französische Siedlungs- und Verwaltungszusammenhang endete damit nach mehr als einem Jahrhundert, das von wiederholten Versuchen zur Besiedlung, wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Einbindung in die Machtkonkurrenz der europäischen Kolonialmächte geprägt gewesen war.

Umbruchszeit

Mit der offiziellen Übernahme Saint-Barthélemys durch Schweden begann eine neue Phase der Inselgeschichte. König Gustav III. wollte die Insel als Handelsstützpunkt nutzen und Schweden einen besseren Zugang zum Karibikhandel verschaffen. Der natürliche Hafen wurde zum Mittelpunkt der neuen Kolonie; die Siedlung Le Carénage erhielt den Namen Gustavia nach dem schwedischen König. Die Einrichtung eines Freihafens sollte Schiffe aus unterschiedlichen Ländern anziehen und den Warenumschlag fördern. Kaufleute konnten Güter lagern, umschlagen und weiterverkaufen, ohne den üblichen Zollbelastungen anderer Häfen in gleichem Umfang zu unterliegen. Dadurch gewann Saint-Barthélemy zeitweise eine Bedeutung, die weit über seine geringe Fläche und Einwohnerzahl hinausging.

Der Freihafen begünstigte den Handel mit Waren aus Europa, Nordamerika und der Karibik. Zu den gehandelten Gütern gehörten unter anderem Lebensmittel, Textilien, Holz, Tabak und koloniale Erzeugnisse. Die Insel diente auch als Zwischenstation für Schiffe, die andere Häfen der Region anliefen. Ein Teil des Handels bewegte sich in rechtlichen Grauzonen; Schmuggel und die Umgehung von Handelsbeschränkungen waren in der Karibik des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts verbreitet. Die wirtschaftliche Entwicklung hing stark von der Schifffahrt, den politischen Rahmenbedingungen und der Nachfrage nach einem zollgünstigen Umschlagplatz ab. Saint-Barthélemy verfügte dagegen kaum über eigene Rohstoffe oder landwirtschaftliche Überschüsse, mit denen es einen umfangreichen Exporthandel hätte tragen können.

Die schwedische Kolonie war auf Importe angewiesen. Die geringen Niederschläge in Trockenzeiten, das Fehlen größerer Flüsse und die begrenzten natürlichen Süßwasservorräte erschwerten die Versorgung. Regenwasser wurde in Zisternen und Sammelbecken aufgefangen; zusätzlich mussten Lebensmittel und andere Güter eingeführt werden. Die Behauptung, Trinkwasser sei grundsätzlich ausschließlich von Nachbarinseln importiert worden, ist zu pauschal, da Regenwassersammlung eine wichtige örtliche Versorgungsform war. Dennoch stellte die Wasserknappheit einen dauerhaften Nachteil dar und begrenzte die Möglichkeiten, eine größere Bevölkerung zu ernähren oder die landwirtschaftliche Produktion auszuweiten.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Hafens beruhte zugleich auf einer Gesellschaft, in der Sklaverei weiterhin legal war. Schweden übernahm nicht nur die Insel, sondern auch die bereits bestehenden kolonialen Sozial- und Wirtschaftsverhältnisse. Sklavinnen und Sklaven wurden unter anderem im Haushalt, im Handwerk, bei Hafenarbeiten und in der Landwirtschaft eingesetzt. Da Saint-Barthélemy keine großen Zuckerplantagen besaß, unterschied sich die Struktur der Sklavenhaltung von derjenigen größerer Kolonien wie Guadeloupe oder Martinique. Das bedeutete jedoch keineswegs, dass die Sklaverei weniger gewaltsam oder für die Betroffenen weniger einschneidend gewesen wäre.

Die schwedische Verwaltung regelte den Status versklavter Menschen und freier Menschen afrikanischer Abstammung durch besondere koloniale Vorschriften. Dazu gehörte die 1787 erlassene Verordnung über die Polizei für Sklaven und freie Farbige. Sie unterwarf das Leben der betroffenen Bevölkerungsgruppen diskriminierenden Kontrollen und beschränkte ihre Bewegungsfreiheit und rechtliche Gleichstellung. Die wirtschaftliche Bedeutung Gustavia als Handelsplatz darf deshalb nicht losgelöst von der Sklaverei betrachtet werden, die einen Bestandteil der kolonialen Ordnung bildete.

Am 9. Oktober 1847 wurde die Sklaverei auf Saint-Barthélemy offiziell abgeschafft. Der schwedische Staat kaufte die Freiheit der letzten versklavten Menschen frei. Je nach Quelle werden 523 oder 529 Personen genannt; die Abweichung hängt offenbar mit unterschiedlichen statistischen Angaben zusammen. Die Emanzipation beendete die rechtliche Eigentümerschaft an Menschen, beseitigte aber nicht automatisch die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Sklaverei. Da es auf Saint-Barthélemy nur wenige größere Betriebe gab und die Landwirtschaft kaum zusätzliche Arbeitskräfte benötigte, fanden viele der Freigelassenen nur schwer eine dauerhafte Beschäftigung. Ein Teil verließ die Insel und wanderte nach Saint Thomas und auf andere benachbarte Inseln aus. Die Abschaffung war daher zugleich ein entscheidender rechtlicher Einschnitt und der Beginn einer schwierigen wirtschaftlichen Umstellung.

Die wirtschaftliche Lage hatte sich allerdings bereits vor 1847 deutlich verschlechtert. Der Freihafen Gustavia hatte seine größte Bedeutung um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert erreicht. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts veränderten sich die internationalen Handelswege und die Rahmenbedingungen der Schifffahrt. Größere Häfen und andere Handelsplätze gewannen an Bedeutung, während Gustavia zunehmend weniger Schiffe und Kaufleute anzog. Auch die zeitweilige Nutzung des Hafens durch Freibeuter und private bewaffnete Schiffe konnte den Rückgang des regulären Handels nicht dauerhaft ausgleichen. In den 1820er- und 1830er-Jahren führten sinkende Einnahmen zu finanziellen Schwierigkeiten der Kolonialverwaltung. Die Bevölkerung nahm ab, Geschäfte schlossen, und ein Teil der Kaufleute verlegte seine Tätigkeit auf andere Inseln.

Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten kamen wiederholt Naturkatastrophen. Bereits 1819 und 1821 zerstörten Hurrikane zahlreiche Häuser in Gustavia und beschädigten Schiffe im Hafen. Eine schwere Fieberepidemie forderte um 1840 nach den überlieferten Angaben mehr als 300 Todesopfer. Im Jahr 1850 wurde die Insel von einer besonders schweren Dürre betroffen. Die Wasserknappheit erschwerte nicht nur die Versorgung der Bevölkerung, sondern auch die Landwirtschaft und den Alltag der Hafenstadt. Die Einwohner waren auf Regenwassersammelanlagen, Zisternen und eingeführte Güter angewiesen. Die Trockenheit verdeutlichte, wie stark die Insel von ihren natürlichen Bedingungen abhängig blieb und wie wenig wirtschaftliche Reserven vorhanden waren, um längere Krisen aufzufangen.

Am 2. März 1852 brach in Gustavia ein verheerender Brand aus. Begünstigt durch starke Winde breitete sich das Feuer rasch aus und zerstörte 135 Häuser, vor allem im westlichen beziehungsweise südlichen Stadtbereich. Zwischen 400 und 500 Menschen verloren dabei ihre Unterkunft. Neben Wohnhäusern waren auch Geschäfte und andere Gebäude betroffen. Viele Kaufleute, deren wirtschaftliche Lage ohnehin angespannt war, verließen anschließend die Insel endgültig. Der Brand traf damit nicht nur die Bausubstanz Gustavias, sondern schwächte auch den verbliebenen Handel und die Einnahmen der Kolonie. Der Wiederaufbau konnte den früheren Wohlstand des Hafens nicht wiederherstellen.

Die Aussage, ein Vulkan habe 1867 „fast die Insel“ zerstört, ist falsch beziehungsweise eine Verwechslung verschiedener Naturereignisse. Auf Saint-Barthélemy brach damals kein Vulkan aus. Die Insel wurde vielmehr von einem weiteren Hurrikan und einem schweren Erdbeben betroffen. Das Erdbeben beschädigte Gebäude und Straßen; zusammen mit den wiederkehrenden Stürmen und den wirtschaftlichen Problemen verschärften diese Ereignisse die prekäre Lage der Bevölkerung. Auch 1876 traf ein weiterer Hurrikan die Insel. Die wiederholten Katastrophen belasteten eine Kolonie, deren Verwaltung und Infrastruktur nur über begrenzte finanzielle Mittel verfügten.

In den 1850er-Jahren versuchten die Bewohner, die örtliche Landwirtschaft auszubauen. Neben der traditionellen kleinbäuerlichen Versorgung wurden unter anderem Ananas, Baumwolle und weitere Feldfrüchte angebaut. Die Ananasproduktion erreichte zeitweise einen Umfang, der den Export auf andere Inseln ermöglichte. Auch Salzgewinnung, Fischerei, Viehzucht, die Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe und kleine handwerkliche Tätigkeiten trugen zum Lebensunterhalt bei. Diese Wirtschaftsbereiche konnten jedoch den Verlust der Hafenwirtschaft nicht kompensieren. Die Erträge blieben abhängig von Niederschlägen, Bodenqualität und den begrenzten Anbauflächen. Die Insel besaß weder große Wasserläufe noch ausreichend fruchtbares Land, um eine umfangreiche exportorientierte Landwirtschaft zu entwickeln.

Für Schweden wurde Saint-Barthélemy dadurch zunehmend zu einer finanziellen Belastung. Die Insel war die einzige schwedische Kolonie in der Karibik und brachte der Krone keine ausreichenden Einnahmen mehr. Die Verwaltungskosten standen in keinem günstigen Verhältnis zum wirtschaftlichen Nutzen. In den späten 1860er- und 1870er-Jahren erwog Schweden deshalb, die Kolonie abzugeben. Es wurden Möglichkeiten geprüft, die Insel an andere Staaten zu verkaufen; diese Bemühungen führten zunächst zu keinem Abschluss. Schließlich kam eine Rückgabe an Frankreich in Betracht, das Saint-Barthélemy bereits vor der schwedischen Zeit besessen hatte und weiterhin über Kolonien in der Region verfügte.

Am 10. August 1877 unterzeichneten Frankreich und Schweden in Paris den Vertrag über die Rückgabe Saint-Barthélemys an Frankreich. Der Vertrag machte die Übertragung ausdrücklich von der Zustimmung der Inselbevölkerung abhängig. Bei der Abstimmung Ende September und Anfang Oktober 1877 sprachen sich 350 der 351 abgegebenen Stimmen für die Rückkehr zu Frankreich aus; nur eine Stimme war dagegen. Die Einwohner entschieden sich damit nahezu geschlossen für die Wiedervereinigung mit der früheren Kolonialmacht. Das Ergebnis muss vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Notlage und des schwindenden Nutzens der schwedischen Verwaltung gesehen werden.

Der Vertrag sah eine Zahlung Frankreichs an Schweden vor. Dabei ist zwischen zwei Beträgen zu unterscheiden: 80.000 Francs entfielen auf die Bewertung der schwedischen staatlichen Liegenschaften auf der Insel, weitere 320.000 Francs waren als Entschädigung für die Rückführung beziehungsweise Versorgung schwedischer Beamter und deren Pensionsansprüche vorgesehen. Die häufig genannte Summe von 80.000 Francs allein gibt daher nicht den gesamten finanziellen Umfang der Vereinbarung wieder. Die französische Übernahme wurde am 16. März 1878 offiziell vollzogen. An diesem Tag wurde die schwedische Flagge eingeholt und die französische Verwaltung eingesetzt. Saint-Barthélemy wurde wieder französisches Hoheitsgebiet und administrativ der Kolonie Guadeloupe zugeordnet.

Mit der Rückkehr zu Frankreich endete die schwedische Kolonialzeit nach knapp 93 Jahren. Ihre Spuren blieben jedoch in Gustavia sichtbar, etwa in Straßennamen, Gebäuden und dem Stadtgrundriss. Die Stadt verlor ihre frühere Stellung als internationaler Freihafen nicht schlagartig, doch die wirtschaftliche Bedeutung der Insel blieb gering. Die französische Verwaltung widmete Saint-Barthélemy nur begrenzte Aufmerksamkeit. Die örtliche Bevölkerung entwickelte deshalb im Alltag ein hohes Maß an Selbstorganisation, während staatliche Einrichtungen und öffentliche Investitionen vergleichsweise schwach blieben. Saint-Barthélemy war nun wieder französisch, gehörte aber weiterhin zu den abgelegenen und wirtschaftlich benachteiligten Inseln der Karibik.

Im späten 19. Jahrhundert setzte sich die Abwanderung fort. Menschen verließen die Insel auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen, vor allem in Richtung Saint Thomas, das zu den Amerikanischen Jungferninseln gehört. Dort entstanden Gemeinschaften von Menschen aus Saint-Barthélemy, die ihre französischsprachigen und kreolischen Traditionen teilweise bewahrten. Die Abwanderung prägte Familienbeziehungen und Kontakte zwischen den Inseln über Generationen hinweg. Sie trug zugleich dazu bei, dass die Bevölkerung Saint-Barthélemys klein blieb und sich die Wirtschaft weiterhin überwiegend auf kleinbäuerliche Landwirtschaft, Fischerei, Viehzucht, handwerkliche Tätigkeiten und den lokalen Handel stützte.

Weltkriegszeit

Die Auswanderung führte dazu, dass sich die Bevölkerungsentwicklung trotz hoher Geburtenzahlen nur langsam entwickelte oder zeitweise rückläufig war. Saint-Barthélemy blieb eng mit Saint Thomas verbunden. Dort lebten Nachkommen ausgewanderter Familien in eigenen Vierteln und pflegten Kontakte zur Herkunftsinsel. Diese Beziehungen waren nicht nur familiärer Art, sondern hatten auch wirtschaftliche Bedeutung: Geldüberweisungen, Besuche und der Austausch von Waren und Informationen halfen, die Isolation Saint-Barthélemys zu überbrücken. Die Insel blieb kulturell stark von den Nachfahren der französischen Siedler geprägt, während die Geschichte der Sklaverei und der Abwanderung ehemaliger Sklaven die demografische Entwicklung ebenfalls beeinflusst hatte.

Um die Jahrhundertwende verschärften sich gelegentlich die Spannungen zwischen der örtlichen Gemeinde und der Verwaltung von Guadeloupe. 1900 sollte Saint-Barthélemy wegen eines Haushaltsdefizits seine finanziellen Zuschüsse an kirchliche Einrichtungen einstellen. Der Gemeinderat widersetzte sich der Anordnung und hielt an den vorgesehenen Ausgaben für Kirchen, Pfarrhäuser und kirchliche Einrichtungen fest. Der Streit verdeutlicht die große Bedeutung der katholischen Kirche für das gesellschaftliche Leben und zugleich den Wunsch der Gemeinde, ihre begrenzten finanziellen Mittel selbst zu verwalten.

Die Bildungseinrichtungen entwickelten sich nur allmählich. Der Schulbesuch war in ländlichen Gebieten durch die Entfernungen, die schwierigen Wege und die Mitarbeit von Kindern in Landwirtschaft und Haushalt erschwert. In Gustavia bestanden bereits Schulen, doch die schulische Versorgung der verstreut lebenden Bevölkerung blieb unzureichend. Eine öffentliche Schule in Colombier, deren Einrichtung bereits 1902 geplant worden war, wurde erst im Mai 1923 eröffnet. Die Eröffnung verbesserte den Zugang zur Grundbildung für Kinder aus dem nordwestlichen Teil der Insel. Für weiterführende Bildung mussten Jugendliche die Insel verlassen, häufig mit dem Schiff zu einer anderen Karibikinsel.

Auch das Gesundheitswesen blieb lange unterentwickelt. Die Versorgung erfolgte teilweise durch örtliche Ärzte, kirchliche Einrichtungen und Pflegepersonal. Ein neues Krankenhaus in Gustavia wurde am 18. Februar 1934 eröffnet. Es wurde über mehrere Jahrzehnte von den Schwestern des heiligen Paulus von Chartres betreut. Die Einrichtung stellte einen wichtigen Fortschritt dar, da zuvor die Behandlung schwerer Erkrankungen und Verletzungen durch die begrenzten örtlichen Möglichkeiten und die schwierige Überfahrt nach Guadeloupe oder zu anderen Inseln erschwert worden war. Dennoch blieb die medizinische Versorgung angesichts der geringen Einwohnerzahl und der eingeschränkten Verkehrsanbindungen bescheiden.

Im politischen Leben der Gemeinde spielten Bürgermeister, Gemeinderat, örtliche Familiennetzwerke und kirchliche Einrichtungen eine bedeutende Rolle. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Hippolyte Duchatellard lange Zeit Bürgermeister; 1900 wurde Jean-Bertrand Sourd gewählt. Nach politischen Auseinandersetzungen und einer wegen Unregelmäßigkeiten aufgehobenen Kommunalwahl übernahm 1913 Louis Déravin das Bürgermeisteramt. Später folgten unter anderem Théodore Lédée, Adolphe Leroy, Eugène Magras und Ruben Déravin. Die Kommunalpolitik befasste sich vor allem mit Straßen, Hafengebühren, Schulen, Kirchen, Wasserzisternen und der Verwendung der knappen Gemeindemittel. Die Insel war zwar Teil des französischen Staatsgebiets, ihre praktische Entwicklung hing jedoch in hohem Maß von lokalen Entscheidungen und den begrenzten Ressourcen der Gemeinde ab.

Der Erste Weltkrieg erreichte Saint-Barthélemy nicht als Kriegsschauplatz, beeinflusste die Insel aber über ihre Zugehörigkeit zu Frankreich. 1915 wurden erstmals größere Gruppen von Männern zum Militärdienst eingezogen. Die Zahl der Freiwilligen übertraf nach den überlieferten Angaben die zugeteilten Kontingente. Etwa 60 Männer kehrten nach Kriegsende auf die Insel zurück; fünf Einwohner fielen im Krieg. Die Nachricht vom Waffenstillstand im November 1918 traf auf einem Segelschiff aus Guadeloupe ein und löste große Erleichterung aus. Die Rückkehr der Soldaten war für eine kleine Gemeinde ein bedeutendes Ereignis, auch wenn der Krieg die wirtschaftlichen Grundprobleme der Insel nicht löste.

In den 1920er Jahren blieb die Wirtschaft überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Mit der Nutzung der Saline von Saline ab 1925 erhielt die Salzgewinnung wieder eine gewisse Bedeutung. Die Produktion blieb klein und konnte die Insel nicht zu einem bedeutenden Exportstandort machen. Der Fischfang, die Viehzucht, der Anbau von Nahrungspflanzen und die Herstellung von Gegenständen für den örtlichen Bedarf bildeten weiterhin die Grundlage des Lebensunterhalts. Hinzu kamen Arbeiten im Bauwesen und im Handel. Die Insel war auf die Einfuhr zahlreicher Waren angewiesen, da weder genügend Ackerland noch ausreichende Wasserressourcen vorhanden waren, um die Bevölkerung vollständig aus eigener Produktion zu versorgen.

Ein schwerer Hurrikan suchte Saint-Barthélemy am 27. und 28. August 1924 heim. Er beschädigte Straßen und Entwässerungsgräben und deckte Dächer ab. Auch der interinsulare Schiffsverkehr wurde beeinträchtigt; das Schiff Verdun sank während des Sturms bei Nevis. Solche Ereignisse konnten die ohnehin schwache Wirtschaft empfindlich treffen, da sie Verkehrsverbindungen unterbrachen, Gebäude beschädigten und landwirtschaftliche Erträge vernichteten. Der Wiederaufbau erfolgte mit begrenzten Mitteln und vielfach in Eigenarbeit.

In den 1930er Jahren wurden die Bemühungen um eine bessere Grundversorgung fortgesetzt. Neben dem Krankenhausbau verbesserten sich örtlich die Straßen und Wege, und gemeinschaftliche Zisternen blieben ein wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung. Die Veränderungen verliefen langsam. Elektrizität, motorisierter Verkehr und moderne Kommunikation waren noch nicht in einer Form verbreitet, wie sie später für die touristische Entwicklung charakteristisch wurden. Die räumliche Abgeschiedenheit prägte den Alltag weiterhin: Reisen nach Guadeloupe waren von den Fahrplänen der Schiffe und den Wetterbedingungen abhängig, während die Kontakte zu Saint Thomas und anderen Nachbarinseln für viele Familien besonders wichtig blieben.

Mit der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 und der Errichtung des Vichy-Regimes veränderte sich die Lage in der französischen Karibik. Guadeloupe und die übrigen französischen Antillen standen zunächst unter der Verwaltung von Admiral Georges Robert, der dem Vichy-Regime loyal gegenüberstand. Die Verbindung zum französischen Mutterland wurde stark eingeschränkt; Post und Nachrichtenverkehr unterlagen strenger Zensur. Der Krieg führte zu Versorgungsproblemen, weil gewohnte Handelsbeziehungen unterbrochen waren und Lebensmittel sowie andere Güter schwieriger zu beschaffen wurden. Für Saint-Barthélemy mit seiner ohnehin geringen landwirtschaftlichen Produktion und seiner Abhängigkeit von Einfuhren verschärfte sich dadurch die wirtschaftliche Not.

Saint-Barthélemy selbst war kein bedeutender militärischer Stützpunkt und wurde während des Zweiten Weltkriegs nicht zum Schauplatz größerer Kampfhandlungen. Die Auswirkungen des Krieges zeigten sich vor allem in der eingeschränkten Schifffahrt, der Unsicherheit des Handels, dem Mangel an importierten Gütern und der Isolation von Frankreich. Die Inselbewohner mussten stärker auf örtliche Landwirtschaft, Fischfang, familiäre Netzwerke und die vorhandenen Vorräte zurückgreifen. Die Abhängigkeit von Schiffstransporten machte deutlich, wie anfällig die Versorgung einer kleinen Insel ohne große eigene Ressourcen gegenüber internationalen Krisen war.

Die politische Lage in der Karibik änderte sich 1943, als sich Guadeloupe und Martinique von der Vichy-Verwaltung lösten und sich den Freien Französischen Streitkräften anschlossen. Damit wurde die Bindung an das Vichy-Regime in der Region beendet. Für Saint-Barthélemy bedeutete dies jedoch keine unmittelbare wirtschaftliche Umgestaltung. Die Insel blieb eine kleine Gemeinde innerhalb des Verwaltungsgebiets Guadeloupe und verfügte weiterhin nur über begrenzte Verkehrs-, Bildungs- und Versorgungseinrichtungen.

Moderne Zeit

Am 19. März 1946 wurde Saint-Barthélemy zusammen mit den anderen französischen Kolonien Guadeloupe, Martinique und Französisch-Guayana durch ein französisches Gesetz in den Status eines Überseedepartements überführt. Die Einwohner erhielten damit die französische Staatsbürgerschaft und grundsätzlich die gleichen staatsbürgerlichen Rechte wie die Bewohner des französischen Mutterlandes. Die politische Gleichstellung bedeutete jedoch nicht, dass sich die wirtschaftlichen Lebensbedingungen auf der Insel unmittelbar verbesserten. Saint-Barthélemy blieb abgelegen, verfügte nur über begrenzte natürliche Ressourcen und besaß kaum größere Arbeitgeber außerhalb der Landwirtschaft, Fischerei, des Handwerks und des lokalen Handels.

Die wirtschaftliche Notlage förderte die Auswanderung und die Pendelmigration. Besonders viele Männer nahmen Arbeit auf Saint Thomas auf, das zu den Amerikanischen Jungferninseln gehört. Sie arbeiteten unter anderem im Baugewerbe, im Hafen, in der Landwirtschaft und im Dienstleistungssektor. Ein Teil ihres Einkommens wurde an die Familien auf Saint-Barthélemy geschickt. Die Verbindung zu Saint Thomas war dadurch für die Versorgung zahlreicher Haushalte von großer Bedeutung. Sie erleichterte außerdem den Zugang zu Waren, Beschäftigungsmöglichkeiten und Dienstleistungen, die auf der Heimatinsel nicht verfügbar waren. Die Auswanderung war nicht nur eine vorübergehende Reaktion auf wirtschaftliche Schwierigkeiten, sondern prägte über Jahrzehnte die Familienstrukturen und die Bevölkerungsentwicklung.

In den ersten Nachkriegsjahrzehnten blieb die Infrastruktur Saint-Barthélemys einfach. Viele Wege waren unbefestigt, die Versorgung mit Trinkwasser beruhte weitgehend auf Regenwasserzisternen, und der Schiffsverkehr bildete die wichtigste Verbindung zur Außenwelt. Die Elektrifizierung erfolgte schrittweise und erreichte erst in den 1980er Jahren eine flächendeckendere Versorgung. Die häufig verwendete Formulierung, die Insel sei erst in den 1980er-Jahren elektrifiziert worden, sollte daher nicht so verstanden werden, dass es zuvor keinerlei elektrische Anlagen gegeben habe. Entscheidend war vielmehr, dass eine moderne, allgemein verfügbare Stromversorgung erst vergleichsweise spät entstand.

Die Verleihung der französischen Staatsbürgerschaft im Jahr 1946 verbesserte die rechtliche Stellung der Einwohner, beseitigte aber nicht die wirtschaftliche Isolation Saint-Barthélemys. In den ersten Nachkriegsjahrzehnten blieb die Insel von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, Fischerei, Handwerk und der Auswanderung geprägt. Viele Männer arbeiteten weiterhin auf Saint Thomas und unterstützten ihre Familien durch Geldüberweisungen. Die Insel verfügte über wenige Erwerbsmöglichkeiten, eine begrenzte Infrastruktur und nur unzureichende Verkehrsverbindungen. Der Wandel setzte ein, als Flugzeuge Saint-Barthélemy erstmals regelmäßiger mit den benachbarten Inseln verbanden.

Eine Schlüsselrolle spielte der französische Pilot Rémy de Haenen, der 1945 oder 1946 erstmals mit einem Flugzeug auf einer einfachen Landefläche bei Saint-Jean landete. Die genaue Datierung variiert in den Darstellungen. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keinen modernen Flughafen. Die Landung war dennoch ein wichtiger Schritt, weil sie zeigte, dass die Insel trotz ihres hügeligen Geländes und der begrenzten ebenen Flächen auf dem Luftweg erreichbar war. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Flugverkehr allmählich weiter. Der heutige Flughafen Saint-Barthélemy-Rémy-de-Haenen wurde später ausgebaut und 1984 offiziell eingeweiht. Seine kurze, zwischen Hügeln und Meer gelegene Start- und Landebahn begrenzt bis heute die Flugzeugtypen, die dort landen können; größere Verkehrsflugzeuge müssen auf Nachbarinseln ausweichen.

In den 1950er Jahren blieb der Tourismus zunächst auf einzelne Besucher und private Ferienaufenthalte beschränkt. Einen wichtigen Impuls gab das Interesse wohlhabender Reisender aus den Vereinigten Staaten, insbesondere von der amerikanischen Ostküste. Saint-Barthélemy bot eine vergleichsweise abgeschiedene Umgebung, kleine Buchten, Strände und eine überschaubare Siedlungsstruktur. Anders als auf größeren Karibikinseln entwickelte sich kein großflächiger Massentourismus mit ausgedehnten Hotelanlagen. Stattdessen entstanden zunächst private Ferienhäuser und kleinere Hotels, die auf eine zahlungskräftige Kundschaft ausgerichtet waren. Zu den frühen prominenten Besuchern gehörte John F. Kennedy, der Saint-Barthélemy Anfang der 1960er-Jahre besuchte. Wohlhabende Gäste kauften Grundstücke oder ließen Ferienhäuser errichten und trugen damit zur Entwicklung des gehobenen Fremdenverkehrs bei.

In den 1960er Jahren nahm die touristische Entwicklung deutlich an Fahrt auf. Die ersten komfortableren Hotels entstanden, private Villen wurden zu einem wichtigen Bestandteil des Unterkunftsangebots, und lokale Unternehmen begannen, Dienstleistungen für ausländische Gäste anzubieten. Der Tourismus schuf Beschäftigung in der Hotellerie, in Restaurants, im Baugewerbe, im Transportwesen und im Handel. Auch die Nachfrage nach Grundstücken und Immobilien stieg. Die wirtschaftliche Entwicklung führte zu Veränderungen im Alltag, denn Tätigkeiten, die zuvor vor allem der Selbstversorgung gedient hatten, wurden zunehmend durch Lohnarbeit und Dienstleistungen ergänzt.

In den 1970er Jahren verfestigte sich die Ausrichtung auf einen exklusiven Fremdenverkehr. Saint-Barthélemy wurde als Ferienziel für wohlhabende Besucher bekannt, die Privatsphäre, kleinere Unterkünfte und eine im Vergleich zu großen Ferienresorts weniger dicht bebaute Umgebung suchten. Die Insel entwickelte sich zu einem Ort für private Villen, gehobene Hotels, Restaurants und Jachthäfen. Unter den mit Saint-Barthélemy in Verbindung gebrachten prominenten Gästen befanden sich im Laufe der Zeit Greta Garbo, Howard Hughes, David Rockefeller, Lorne Michaels, Chevy Chase, Steve Martin, Jimmy Buffett und Johnny Hallyday. Die Anwesenheit einzelner prominenter Besucher trug zum Ruf der Insel bei; für die langfristige Entwicklung waren jedoch vor allem Investitionen, Flugverbindungen, Immobilienbesitz und der Ausbau touristischer Dienstleistungen entscheidend.

Die touristische Spezialisierung veränderte die Wirtschaft grundlegend. Während Landwirtschaft und Fischerei weiterhin betrieben wurden, verloren sie im Verhältnis zur wachsenden Dienstleistungswirtschaft an Bedeutung. Viele Lebensmittel und zahlreiche andere Güter mussten importiert werden. Der steigende Lebensstandard ging mit höheren Grundstücks- und Baupreisen sowie einer wachsenden Abhängigkeit von ausländischen Besuchern einher. Ein großer Teil der wirtschaftlichen Tätigkeit konzentrierte sich auf die Hochsaison, insbesondere die Wintermonate, in denen viele Gäste aus Nordamerika und Europa auf die Insel kamen.

Die touristische Entwicklung erforderte Verbesserungen bei Verkehr, Stromversorgung, Wasserwirtschaft und Telekommunikation. Die Elektrifizierung erfolgte schrittweise; in den 1980er-Jahren wurde die Stromversorgung erheblich ausgeweitet und damit ein wichtiger Modernisierungsschub erreicht. Die Elektrizität erleichterte den Betrieb von Hotels, Restaurants, Kühlanlagen, Werkstätten und privaten Haushalten. Der Ausbau war zugleich Voraussetzung für die zunehmende Nutzung elektrischer Haushaltsgeräte und moderner Kommunikationsmittel.

Auch die Trinkwasserversorgung blieb eine zentrale Herausforderung. Wegen der geringen Niederschlagsmengen in der Trockenzeit, der fehlenden größeren Flüsse und der begrenzten natürlichen Süßwasservorräte konnte der steigende Bedarf nicht allein durch Regenwassersammelanlagen gedeckt werden. Mit dem Wachstum des Tourismus nahm die Bedeutung technischer Wassergewinnung, insbesondere der Meerwasserentsalzung, zu. Die Versorgung musste nicht nur den Haushalten, sondern auch Hotels, Restaurants, Wäschereien, Schwimmbädern und anderen touristischen Einrichtungen gerecht werden. Die knappen Wasserressourcen blieben damit ein strukturelles Problem der Inselentwicklung.

Der Flughafen bei Saint-Jean wurde zu einem entscheidenden Bestandteil des touristischen Systems. Seine kurze Landebahn ermöglicht den Betrieb kleiner Regionalflugzeuge, während Reisende mit größeren Flugzeugen meist über Saint Martin, insbesondere den Flughafen Princess Juliana, anreisen und anschließend auf kleinere Maschinen oder Boote umsteigen. Die ungewöhnliche Lage der Landebahn zwischen Hügel und Strand machte den Flughafen selbst zu einem bekannten Merkmal Saint-Barthélemys. Der Hafen von Gustavia blieb für Versorgung, Freizeitboote und den regionalen Schiffsverkehr wichtig. Zusammen ermöglichten Luft- und Seeverkehr eine stärkere Einbindung in die Karibik und in internationale Reiseketten.

Die Modernisierung verlief nicht ohne Konflikte. Der wirtschaftliche Erfolg des Tourismus erhöhte den Druck auf die begrenzten Flächen, die Küstenlandschaften und die Wasserversorgung. Die Insel musste einen Ausgleich zwischen dem Ausbau von Hotels und Ferienhäusern, dem Schutz der Landschaft und den Bedürfnissen der einheimischen Bevölkerung finden. Da Saint-Barthélemy klein ist und die bebaubaren Flächen begrenzt sind, wirkten sich steigende Immobilienpreise besonders deutlich auf den Wohnungsmarkt aus. Die wirtschaftliche Entwicklung brachte höhere Einkommen und bessere Dienstleistungen, machte die Insel aber zugleich stärker von importierten Gütern, ausländischem Kapital und einer relativ kleinen Gruppe kaufkräftiger Besucher abhängig.

Bis ins frühe 21. Jahrhundert war Saint-Barthélemy eine französische Gemeinde innerhalb des Überseedepartements und der Überseeregion Guadeloupe. Die örtlichen Angelegenheiten wurden durch einen Gemeinderat und einen Bürgermeister verwaltet, während zahlreiche Zuständigkeiten bei den Behörden Guadeloupes und des französischen Staates lagen. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg und der zunehmenden Eigenständigkeit der Inselwirtschaft wuchs der Wunsch, über Steuern, Raumplanung, Infrastruktur und lokale Angelegenheiten selbst entscheiden zu können.

Am 7. Dezember 2003 stimmten die Einwohner in einer Volksbefragung über eine neue institutionelle Stellung ab. Rund 95,5 % der gültigen Stimmen entfielen auf die Umwandlung in eine französische Überseegebietskörperschaft mit besonderem Status. Das Ergebnis ebnete den Weg für eine eigenständige Verwaltung außerhalb der bisherigen Zugehörigkeit zu Guadeloupe. Die rechtliche Grundlage schuf das französische Organgesetz vom 21. Februar 2007. Am 15. Juli 2007 wurde Saint-Barthélemy offiziell eine collectivité d’outre-mer (COM), eine französische Überseegebietskörperschaft nach Artikel 74 der Verfassung.

Mit dem neuen Status wurden die bisherigen Zuständigkeiten der Gemeinde sowie zahlreiche Aufgaben übernommen, die zuvor auf Ebene des Départements und der Region Guadeloupe wahrgenommen worden waren. Dazu gehören unter anderem Teile der Steuerpolitik, der Raumordnung, des Bauwesens, des Straßenwesens und der örtlichen Infrastruktur. Die Selbstverwaltung erfolgt durch einen Territorialrat mit 19 Mitgliedern, der die politischen Leitlinien festlegt. Ein Exekutivrat führt die Beschlüsse aus. Die französische Republik bleibt jedoch für zentrale staatliche Aufgaben wie Verteidigung, Außenpolitik, Justiz und öffentliche Sicherheit verantwortlich. Saint-Barthélemy ist somit kein unabhängiger Staat, sondern weiterhin Teil Frankreichs mit erweiterten Selbstverwaltungsrechten. Auf nationaler Ebene wird die Insel unter anderem durch einen Senator im französischen Parlament vertreten.

Ein weiterer Einschnitt erfolgte am 1. Januar 2012. Bis dahin gehörte Saint-Barthélemy im europarechtlichen Sinn zu den Regionen in äußerster Randlage der Europäischen Union. Auf Wunsch der Insel und nach einer Entscheidung des Europäischen Rates vom 29. Oktober 2010 wechselte sie zum Status eines überseeischen Landes oder Gebiets, französisch pays et territoire d’outre-mer (PTOM), auf Deutsch auch als ÜLG bezeichnet. Damit gehört Saint-Barthélemy weiterhin zu Frankreich, aber nicht mehr zum Gebiet der Europäischen Union im gleichen Sinn wie die französischen Regionen in äußerster Randlage. Die Beziehungen zur EU werden seither über eine besondere Assoziierung geregelt. Der Euro blieb als Währung erhalten. Der Statuswechsel sollte der Insel ermöglichen, ihre besonderen wirtschaftlichen Bedingungen, insbesondere ihre geringe Größe, ihre Insellage und ihre starke Ausrichtung auf den Tourismus, besser zu berücksichtigen.

Am 6. September 2017 traf der Hurrikan Irma Saint-Barthélemy mit außergewöhnlicher Stärke. Der Sturm hatte zuvor über längere Zeit die höchste Kategorie 5 erreicht. Die maximalen anhaltenden Windgeschwindigkeiten lagen während seiner Entwicklung bei etwa 295 km/h und darüber; örtlich wurden noch stärkere Böen gemessen. Die Insel lag direkt im Bereich des Sturms. Dächer wurden abgedeckt, Gebäude beschädigt, Bäume entwurzelt und Fahrzeuge umgeworfen. Auch Hafenanlagen, Straßen, Stromleitungen und Kommunikationsnetze wurden schwer getroffen. Sturmfluten und hohe Wellen überschwemmten küstennahe Bereiche.

Die Auswirkungen waren gravierend, dürfen aber nicht mit den noch größeren Zerstörungen auf der benachbarten Insel Saint-Martin gleichgesetzt werden. Nach einer Auswertung von Satellitenbildern waren auf Saint-Barthélemy 206 Gebäude, etwa 3 % des Bestands, vollständig zerstört und 157 weitere, etwa 2 %, schwer beschädigt. Insgesamt wurden zahlreiche Gebäude beeinträchtigt; die oft wiederholte Behauptung, 90 % der Gebäude seien zerstört worden, ist für Saint-Barthélemy nicht zutreffend. Die Zahl von elf Todesopfern, die in französischen Regierungsberichten im Zusammenhang mit Irma genannt wird, bezieht sich auf die betroffenen französischen Inseln zusammen und nicht allein auf Saint-Barthélemy.

Unmittelbar nach dem Hurrikan waren Teile der Insel ohne Strom und Trinkwasserversorgung. Die Kommunikation war stark eingeschränkt, und die Beseitigung von Trümmern erschwerte den Verkehr. Die französische Regierung organisierte Hilfslieferungen und entsandte Einsatzkräfte. Die Wiederherstellung grundlegender Dienstleistungen gelang auf Saint-Barthélemy innerhalb der ersten Wochen vergleichsweise rasch. Dennoch mussten zahlreiche Häuser, Hotels und gewerbliche Gebäude repariert oder neu errichtet werden. Der Fremdenverkehr war in der Saison 2017/2018 stark beeinträchtigt; viele Unterkünfte konnten zunächst keine Gäste aufnehmen.

Der Wiederaufbau wurde zu einer zentralen Aufgabe der folgenden Jahre. Gebäude und technische Anlagen wurden teilweise verstärkt, Stromleitungen an bestimmten Stellen unterirdisch verlegt und Einrichtungen besser gegen künftige Stürme gesichert. Allerdings wurde nicht jedes Gebäude grundsätzlich neu konzipiert, und die spätere Aufarbeitung zeigte, dass auch nach Irma weiterhin Schwachstellen bei der baulichen Anpassung an extreme Wetterereignisse bestanden. Die relativ schnelle Wiederherstellung der touristischen Infrastruktur ermöglichte eine Erholung der Wirtschaft, machte aber zugleich deutlich, wie abhängig die Insel von einer funktionierenden Hotellerie und dem internationalen Reiseverkehr ist.

Die Corona-Maßnahmenpolitik traf Saint-Barthélemy ab dem Frühjahr 2020 in einer Phase, in der sich die Inselwirtschaft vom Hurrikan Irma weitgehend erholt hatte. Da der Fremdenverkehr die wichtigste Einnahmequelle darstellt, wirkten sich internationale Reisebeschränkungen, Grenzkontrollen und der zeitweilige Rückgang des Flugverkehrs unmittelbar auf Hotels, Restaurants, Autovermietungen, Geschäfte und andere touristische Unternehmen aus. Die Pandemie führte zu einer Unterbrechung des gewohnten Reiseverkehrs und damit zu erheblichen Einkommensverlusten.

Die Behörden führten zeitweise Einreisebeschränkungen, Testpflichten und weitere Schutzmaßnahmen ein. Die jeweiligen Regeln änderten sich mit den französischen sowie regionalen Vorgaben. Für Reisende wurden unter anderem Nachweise über Tests und zeitweise auch Impfungen verlangt. Die Einschränkungen sollten die Einschleppung des Virus begrenzen und das örtliche Gesundheitssystem schützen, das wegen der kleinen Bevölkerung und der begrenzten medizinischen Kapazitäten auf Unterstützung von außerhalb angewiesen ist.

Mit der Verbesserung der Lage wurden die Reise- und Schutzmaßnahmen schrittweise gelockert und schließlich aufgehoben. Der internationale Tourismus kehrte zurück, doch die Pandemie hatte die Anfälligkeit der Inselwirtschaft erneut offengelegt. Anders als bei einer breiter aufgestellten Wirtschaft traf der Einbruch des Reiseverkehrs auf Saint-Barthélemy besonders viele Beschäftigte und Unternehmen gleichzeitig. Die Erholung hing maßgeblich davon ab, dass Flugverbindungen, Hotels und Restaurants wieder regulär betrieben werden konnten.

Saint-Barthélemy entwickelte sich im Laufe des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts von einer wirtschaftlich schwachen, stark von Auswanderung geprägten Insel zu einem international bekannten Ziel des gehobenen Tourismus. Die wichtigsten wirtschaftlichen Tätigkeiten liegen heute im Hotel- und Gastgewerbe, in Restaurants, im Immobiliensektor, im Bauwesen, im Einzelhandel, im Transport und in weiteren Dienstleistungen. Landwirtschaft und Fischerei werden weiterhin betrieben, spielen im Vergleich zur touristischen Wirtschaft aber eine wesentlich kleinere Rolle.

Die wirtschaftliche Spezialisierung brachte hohe Einkommen und eine vergleichsweise moderne Infrastruktur mit sich. Zugleich bleiben grundlegende Herausforderungen bestehen: begrenzte Süßwasservorräte, hohe Importabhängigkeit, knappe bebaubare Flächen, steigende Immobilienpreise und die Notwendigkeit, die Küstenlandschaft und die empfindlichen Meeresökosysteme zu schützen. Hinzu kommt die wiederkehrende Gefahr schwerer Hurrikane. Die Erfahrungen mit Irma haben gezeigt, dass die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden, Verkehrswegen, Energieversorgung und Kommunikation für die Zukunft der Insel von entscheidender Bedeutung ist.

Verwaltung

Die von Arawak und Kariben bewohnte Insel wurde 1493 von Columbus für Spanien beansprucht. 1648 machten die Franzosen sie zu ihrer Kolonie. Von 1651 bis 1656 regierten hier die Malteser Johanniter. Danach war sie für kurze Zeit unbesiedelt, ehe die Franzosen 1659 mit der erneuten Kolonisierung begannen. Im März 1785 wurde die Antilleninsel schwedische Kolonie, ab 1812 Kronkolonie. Am 16. März 1878 kauften die Franzosen sie zurück und unterstellten sie Guadeloupe. Von 16. Juni 1940 bis 14. Juli 1943 regierten die Vichy-Faschisten auf der Insel. Am 1. Februar 1963 wurde sie als canton zusammen mit Sankt Martin ein arrondissement Guadeloupes. Am 7. Dezember 2003 sprachen sich 95,5 % der wahlbrechtigten Inselbewohner für die Umwandlung in eine collectivité aus.


Herrschaftsgeschichte

  • um 300 bis 9. Jahrhundert Stammesgemeinschaften der Taino
  • 9. Jahrhundert bis 1648 Stammesgemeinschaften der Kalinago
  • 1648 bis 1744 Königreich Frankreich (Royaume de France)
  • 1744 bis 1748 Königreich Großbritannien (Kingdom of Great Britain)
  • 1748 bis 17. März 1781 Königreich Frankreich (Royaume de France)
  • 17. März - 26. November 1781 Königreich Großbritannien (Kingdom of Great Britain)
  • 26 Nov 1781 bis März 1785 Königreich Frankreich (Royaume de France)
  • März 1785 bis 20. März 1801 Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
  • 20. März 1801 - 10. Juli 1802 Kaiserreich Frankreich (Empire français)
  • 10. Juli 1802 bis 16. März 1878 Königreich Schweden (Konungariket Sverige)
  • 16. März 1878 bis 24. Juni 1940 Department Guadeloupe des  Staates Frankreich (1816 bis 1848 Royaume de France, 1848 bis 1852 République française, 1852 bis 1870 Empire français, 1870 bis 1940 République française)
  • 24. Juni 1940 bis 14. Juli 1943 Französischer Staat (État français) mit Sitz in Vichy
  • 14. Juli 1943 bis 19. März 1946 Republik Frankreich (République française)
  • 19. März 1946 bis 7. Februar 1963 Bezirk Basse-Terre (Arrondissement des Basse-Terre) innerhalb des Departments Guadeloupe (Département Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
  • 7. Februar 1963 bis 9. Juli 2007 Bezirk Sankt Martin und Saint Barthelemy (Arrondissement des Saint-Martin et Saint-Barthélemy) innerhalb des Departments Guadeloupe (Département Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
  • seit 9. Juli 2007 Überseegemeinschaft Saint Barthelemy (Collectivité d'outre mer de Saint-Barthélemy) des Republik Frankreich (République française)

Verfassung

Bis 2007 war Saint-Barthélemy eine Gemeinde und bildete zusammen mit dem französischen Teil der Nachbarinsel Saint-Martin ein Arrondissement des Überseedepartements Guadeloupe, das Arrondissement Saint-Martin-Saint-Barthélemy (auch Arrondissement des Îles du Nord, „Arrondissement der nördlichen Inseln“).

Nach einem im Jahr 2003 abgehaltenen Referendum trennte sich Saint-Barthélemy – neben Saint-Martin – am 22. Februar 2007 von Guadeloupe und wurde zu einer eigenen Collectivité d’outre mer. Die Verwaltung wird aber auch in Zukunft der einer französischen Kommune entsprechen. Ebenso dürfen Nichtfranzosen, die jedoch aus einem EU-Land stammen, auch zukünftig an Gemeinderatswahlen teilnehmen. Der Vertrag von Lissabon sieht vor, dass Saint-Barthélemy Teil der Europäischen Union bleibt. Saint-Barthélemy behält den Euro als offizielles Zahlungsmittel.

Der Status von Saint-Barthélemy als Übersee-Körperschaft (COM) ist in den Gesetzen vom 21. Februar 2007 zur Festlegung der statutarischen und institutionellen Bestimmungen über die Überseegebiete32,33 enthalten. Saint-Barthélemy ist seit dem 1. Oktober 2020 mit einer Senatorin, Micheline Jacques, im Senat vertreten.

In der Nationalversammlung gehörte die Insel zuvor zusammen mit ihrer Nachbarin Saint-Martin zum vierten Wahlkreis von Guadeloupe. Seit den Parlamentswahlen 2012 bilden die beiden Gebiete einen eigenen Wahlkreis, der durch die Verordnung vom 29. Juli 200934 eingerichtet wurde. Die Abgeordnete des Wahlkreises ist seit dem 21. Juni 2017 Claire Guion-Firmin.

Der Vertreter des Staates ist der Präfekt von Guadeloupe. Er wird vor Ort vom delegierten Präfekten von Saint-Barthélemy und Saint-Martin (alias Nordinseln) unterstützt, der im Hôtel de Préfecture in Saint-Martin sitzt.

Saint-Barthélemy (im Gegensatz zu Saint-Martin) ist nicht Teil der Europäischen Union, sondern lediglich wie die anderen überseeischen Länder und Gebiete (ÜLG) mit ihr assoziiert, und zwar seit dem 1. Januar 2012.35 Saint-Barthélemy ist nicht Mitglied der Europäischen Union. Zuvor war sie wie Saint-Martin eine Region in äußerster Randlage (RUP), entweder als Teil von Guadeloupe (bis 2007) oder in eigenem Namen (2007 bis 2011).

Legislative und Exekutive

Saint-Barthélemy ist seit dem 15. Juli 2007 eine französische Überseegebietskörperschaft mit besonderem Status (collectivité d’outre-mer, COM). Die rechtliche Grundlage bildet das Organgesetz Nr. 2007-223 vom 21. Februar 2007. Anders als zuvor als Gemeinde innerhalb Guadeloupes verfügt Saint-Barthélemy über eine eigene Gebietskörperschaft, die zahlreiche Aufgaben einer Gemeinde, eines Départements und einer Region in einer einzigen Verwaltung zusammenfasst. In bestimmten gesetzlich festgelegten Bereichen besitzt sie zudem eigene Zuständigkeiten, die andernorts beim französischen Staat liegen. Die institutionelle Ordnung besteht vor allem aus dem Territorialrat als beratender und beschließender Versammlung, dem Exekutivrat als ausführendem Organ und dem Präsidenten, der die Gebietskörperschaft vertritt. Ergänzt wird diese Struktur durch den Wirtschafts-, Sozial- und Kulturrat, der beratende Aufgaben wahrnimmt.

Der Territorialrat (Conseil territorial) ist das zentrale beschlussfassende Organ von Saint-Barthélemy. Er besteht aus 19 Mitgliedern, die von der Bevölkerung gewählt werden. Die Amtszeit beträgt grundsätzlich sechs Jahre. Der Territorialrat beschließt den Haushalt, legt die örtlichen politischen Leitlinien fest und verabschiedet die Regelungen, die in den Zuständigkeitsbereich der Gebietskörperschaft fallen. Dazu gehören insbesondere Raumplanung und Bauwesen, örtliche Straßen und Infrastruktur, wirtschaftliche Entwicklung, Tourismus, Umwelt- und Küstenschutz sowie bestimmte Fragen des Steuer- und Abgabenrechts.

Die Zuständigkeiten des Territorialrats ergeben sich aus dem französischen Organgesetz und den ergänzenden gesetzlichen Bestimmungen. Er kann nicht in allen Angelegenheiten eigenständig Gesetze im Sinne des französischen Parlaments erlassen. Seine Beschlüsse gelten vielmehr innerhalb der ihm gesetzlich übertragenen Kompetenzen. Das französische Parlament bleibt für die nationale Gesetzgebung zuständig, während der Staat weiterhin Aufgaben wie Verteidigung, Außenpolitik, Justiz und die grundlegenden Bereiche der öffentlichen Sicherheit wahrnimmt.

Der Territorialrat wählt aus seiner Mitte den Präsidenten sowie die Mitglieder des Exekutivrats. Damit bildet die Wahl des Territorialrats zugleich die Grundlage für die politische Leitung und die Verwaltung der Gebietskörperschaft. Die Ratsmitglieder beraten über Haushaltsfragen, öffentliche Investitionen, örtliche Dienstleistungen und die langfristige Entwicklung der Insel. Aufgrund der geringen Fläche und der begrenzten natürlichen Ressourcen spielen Entscheidungen über die Nutzung von Grundstücken, den Schutz der Küsten, die touristische Entwicklung und die Infrastruktur eine besondere Rolle.

Die Exekutive besteht aus dem Präsidenten des Territorialrats und dem Exekutivrat (Conseil exécutif). Der Exekutivrat hat sieben Mitglieder: den Präsidenten, vier Vizepräsidenten und zwei weitere Mitglieder. Er wird vom Territorialrat aus dessen Mitte gewählt. Die Amtszeit ist an diejenige des Territorialrats gebunden. Die Exekutive ist damit nicht unabhängig vom gewählten Parlament der Insel, sondern geht aus dessen Zusammensetzung hervor.

Der Präsident ist das oberste ausführende Organ der Gebietskörperschaft. Er vertritt Saint-Barthélemy nach außen, leitet die Sitzungen des Exekutivrats und sorgt für die Vorbereitung und Umsetzung der Beschlüsse des Territorialrats und des Exekutivrats. Zu seinen Aufgaben gehören die Verwaltung der öffentlichen Dienste, die Durchführung des Haushalts und die Vertretung der Gebietskörperschaft bei Verträgen und rechtlichen Angelegenheiten. Er übt die ihm gesetzlich übertragenen Befugnisse aus und ist für die Umsetzung der politischen Entscheidungen verantwortlich.

Der Exekutivrat entscheidet gemeinschaftlich über die ihm gesetzlich zugewiesenen Angelegenheiten. Dazu zählen insbesondere bestimmte Verwaltungsakte, Genehmigungen und Entscheidungen in Bereichen, für die Saint-Barthélemy eigene Zuständigkeiten besitzt. Die kollegiale Arbeitsweise soll gewährleisten, dass wichtige Verwaltungsentscheidungen nicht ausschließlich vom Präsidenten getroffen werden. Der Präsident verfügt gleichwohl über eigene gesetzliche Befugnisse und nimmt innerhalb der Exekutive eine zentrale Stellung ein.

Neben den politischen Organen besteht der Wirtschafts-, Sozial-, Kultur- und Umweltrat (Conseil économique, social, culturel et environnemental, CESCE). Das Organgesetz von 2007 sah zunächst einen Wirtschafts-, Sozial- und Kulturrat vor. Seine Aufgaben und Zusammensetzung wurden später erweitert; die heutige Bezeichnung berücksichtigt ausdrücklich auch Umweltfragen. Die Zahl von elf Mitgliedern, die in älteren Darstellungen genannt wird, entspricht nicht mehr der aktuellen Regelung: Nach dem geltenden Erlass vom 17. Dezember 2018 umfasst das Gremium 15 Mitglieder.

Der CESCE ist ein beratendes Organ und keine zweite Parlamentskammer. Er setzt sich aus Vertretern wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und ökologischer Organisationen sowie aus fachlich qualifizierten Persönlichkeiten zusammen. Vertreten sind unter anderem Wirtschafts- und Berufsverbände, Handel, Baugewerbe, Hotellerie, Gastronomie, soziale und kulturelle Vereinigungen sowie Organisationen des Umwelt- und Naturschutzes. Die Mitglieder werden für fünf Jahre bestimmt. Territorialratsmitglieder dürfen dem CESCE nicht gleichzeitig angehören.

Der Rat gibt Stellungnahmen zu Fragen ab, die für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung der Insel von Bedeutung sind. Er wird insbesondere bei bestimmten Planungs- und Haushaltsfragen sowie bei Vorhaben mit wirtschaftlicher, sozialer oder kultureller Tragweite konsultiert. Seine Empfehlungen sind beratend; die verbindlichen Beschlüsse fasst weiterhin der Territorialrat. Der CESCE ermöglicht damit Interessenverbänden und gesellschaftlichen Gruppen, ihre Anliegen in die politische Entscheidungsfindung einzubringen.

Saint-Barthélemy bildet eine einzige Gebietskörperschaft, die zahlreiche Zuständigkeiten vereint, die in anderen Teilen Frankreichs auf Gemeinde, Département und Region verteilt sind. Dazu gehören die örtliche Infrastruktur, Raumplanung, Bauwesen, wirtschaftliche Entwicklung, Tourismus und verschiedene Bereiche des Umwelt- und Küstenschutzes. Eine besondere Rolle spielt die Steuerhoheit: Die Gebietskörperschaft kann innerhalb des gesetzlichen Rahmens eigene steuerliche Regelungen festlegen. Dadurch unterscheidet sich ihre Finanz- und Verwaltungspolitik von derjenigen vieler anderer französischer Gebietskörperschaften.

In einzelnen Bereichen darf Saint-Barthélemy außerdem eigene Regeln erlassen, sofern diese Befugnisse durch das französische Recht ausdrücklich übertragen wurden. Das betrifft insbesondere bestimmte Fragen der Einreise und des Aufenthalts ausländischer Personen, des Grundstücksrechts und der wirtschaftlichen Regulierung. Diese Autonomie ist jedoch begrenzt. Die Gebietskörperschaft ist an die französische Verfassung und die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen gebunden; die französischen Staatsorgane behalten ihre Zuständigkeiten in den Bereichen, die nicht übertragen wurden.

Der französische Staat wird auf Saint-Barthélemy durch seine staatliche Verwaltung vertreten. Die Zuständigkeit liegt beim Präfekten von Guadeloupe, unterstützt durch einen Präfekten beziehungsweise einen staatlichen Vertreter für Saint-Barthélemy und Saint-Martin. Der Staat bleibt unter anderem für Justiz, Verteidigung, Außenpolitik und wesentliche Aufgaben der öffentlichen Sicherheit verantwortlich. Die lokale Selbstverwaltung und die staatliche Verwaltung bestehen somit nebeneinander: Die Insel entscheidet eigenständig über zahlreiche örtliche Angelegenheiten, während sie zugleich Bestandteil der Französischen Republik bleibt.

Inseloberhaupt

Staatsoberhaupt von Saint Barthelemy ist der französische Präsident, vertreten durch den Préfet délégué, derzeit Jacques Simonnet. De facto Inseloberhaupt ist der Président du Conseil, Bruno Magras.

Commandants (Kommandanten)

  • 1648 - 1656  Jacques Gente (James Gente)
  • 1656 - 1659  Sieur de Guery
  • um 1665  Sieur Beauplan
  • um 1687  Legrand (Capitan commandant)
  • 1687/88 - 4 Jan 1690  Henri-Charles de Vaultier, Sieur de Moyencourt († 1690)
  • 4 - 26 Jan 1690  Timothy Thornhill (englischer Kommandant, um 1648 - 1703)
  • 31 Mar 1698 - 19 Dez 1700  de la Hogue († 1700)
  • 1713 - 1719?  Alexandre Vaultier de Moyencourt, Comte de Moyencourt (1658 - 1728)
  • um 1720 - um 1730?  Jacques Gréaux
  • um 1732  Christophe Mahieu
  • nach 1732 - 1744 Jacques Gréaux, Jr. († 1744)
  • 1744 - um 1746  Véret [amtierend]
  • um 1750  Gréaux
  • 1763 - 1764  Alexis Brin [amtierend]
  • 1764 - 1771  René Camille, Comte de Carné de Trécesson (1719 - 1785)
  • 1771 - um 1774  Pierre Bernier
  • 6 Jun 1775 - Jan 1784  Alexandre-René d’Agneau-Douville (1736 - 1789)
  • 3 Feb 1781 - 26 Nov 1781  British commander
  • 1784? - 7 Mar 1785  Laurent François Isnard [amtierend] († 1787)

Gouverneurs  (Gouverneure)

  • 1648 - 1651  Philippe de Longvilliers de Poicy
  • 1656 - 1659  Philippe de Longvilliers de Poicy [2]

Guvernörer (Gouverneure)

  • 7 Mar 1785 - 23 Apr 1787  Salomon Mauritz von Rajalin (1757 - 1825)
  • 23 Apr 1787 - 6 Jun 1790  Pehr Herman von Rosenstein (1763 - 1799)
  • 6 Jun 1790 - 17 Nov 1795  Carl Fredrik Bagge af Söderby (1750 - 1828)
  • 17 Nov 1795 - 26 Jan 1801  Georg Henrik af Trolle (1763 - 1824)
  • 26 Jan 1801 - 14 Feb 1812  Hans Henrik Anckerheim (1748 - 1815)
  • 14 Feb 1812 - 10 Aug 1816  Bernt Robert Gustaf Stackelberg (1784 - 1845)
  • 10 Aug 1816 - 10 Dez 1818  Johan Samuel Rosensvärd (1782 - 1818)
  • 10 Dez 1818 - 20 Aug 1819  Carl Fred4rik Berghult [amtierend] (1794 - 1834)
  • 20 Aug 1819 - 27 Apr1826  Johan Norderling (1760 - 1828)
  • 27 Apr1826 - Dez 1860  James Harlev Haasum (1791 - 1871)
  • Dez 1860 - 11 Aug 1868  Fredrik Carl Ulrich (1808 - 1868)
  • 11 Aug - 4 Dez 1868 Georg Wilhelm Netherwood [amtierend] (1828 - 1903)
  • 4 Dez 1868 - 16 Mar 1878  Bror Ludvig Ulrich (1818 - 1887)

Maires (Bürgermeister)

  • 1878 - 1900  Hippolyte Duchatellard (1833 - 1910)
  • 1900 - 1913  Jean Bertrand Sourd (1859 - 1918)
  • 1913 - 1919  Louis Déravin
  • 1919 - 1925  Théodore Lédée
  • 1925 - 1927  Leroy
  • 1927 - 1929  Eugène Magras
  • 1929 - 1931  Ruben Déravin (1870 - 1941)
  • 1931 - 1933  Staphan Tara
  • 1933 - 1941  Ruben Déravin [2]
  • 1941 - 1942  Clément Lédée
  • 1942 - 1943  Jean Lédée
  • 1943 - 1944  Clément Lédée [2]
  • 1944 - 1947  Raynal Rosey [delegiert bis 1945] (1901 - 1950) ab 1947 RI
  • 1947 - 1962  Alexandre Magras (1917 - 2016)
  • 1962  Hubert Théodore Greaux
  • 1962 - 1977  Rémy de Haenen (1916 - 2008) UNR+DVD
  • Mar 1977 - Mar 1983 Charles Querrard (* 1948)
  • 8 Mar 1983 - 1995 Daniel Blanchard (* 1946) MAPA-SB
  • 1995  Mathieu Aubin
  • Jun 1995 - 15 Jul 2007  Bruno Iréné Magras (* 1951) MAPA-SB/UMP

Présidents du Conseil territorial (Präsidenten des Territorialrats)

  • 15 Jul 2007 - 3 Apr 2022  Bruno Iréné Magras [wieder eingesetzt] SBA+UMP, ab 2015 LR
  • seit 3 Apr 2022  Xavier Lédée (* 1980)  UPS


Prefets (Präfekte)

  • 21 Feb - 21 Mar 2007  Yvon Alain (interimistischer Subpräfekt, * 1955)
  • 21 Mar 2007 - Aug 2009  Dominique Lacroix (* 1955)
  • 24 Aug 2009 - Dez 2011  Jacques Simonnet (* 1946)
  • seit 12 Dez 2011 Philippe Chopin (* 1958)

Politische Gruppierungen

Die politische Landschaft Saint-Barthélemys ist traditionell vom bürgerlich-konservativen und rechten Lager geprägt. Das zeigt sich besonders bei den französischen Präsidentschaftswahlen, bei denen die Inselbevölkerung wiederholt deutlich häufiger für konservative und rechtsgerichtete Kandidaten stimmte als für Kandidaten der Sozialisten. Die Ergebnisse unterscheiden sich jedoch je nach Wahl und Wahlgang; sie spiegeln die abgegebenen Stimmen auf Saint-Barthélemy wider und sind nicht ohne Weiteres mit dem Wahlverhalten in ganz Frankreich gleichzusetzen.

Bei der Präsidentschaftswahl 2002 erhielt Jacques Chirac im zweiten Wahlgang 87,56 % der gültigen Stimmen auf Saint-Barthélemy, während Jean-Marie Le Pen auf 12,44 % kam. 2007 entfielen im zweiten Wahlgang 77,73 % auf Nicolas Sarkozy von der konservativen Union pour un mouvement populaire (UMP) und 22,27 % auf die Sozialistin Ségolène Royal. Auch 2012 lag Sarkozy deutlich vorn: Er erhielt im ersten Wahlgang 62,44 %, während François Hollande 10,08 % und Marine Le Pen 11,41 % erreichten. Im zweiten Wahlgang kam Sarkozy auf 82,70 %, Hollande auf 17,30 %. Bei der Präsidentschaftswahl 2017 wurde François Fillon von den Républicains im ersten Wahlgang mit 40,71 % stärkster Kandidat. Marine Le Pen erreichte 22,50 %, Emmanuel Macron 16,22 %. Im zweiten Wahlgang gewann Macron auf der Insel mit 58,43 % gegen Le Pen mit 41,57 %. Die Ergebnisse belegen eine über mehrere Wahlen hinweg starke Unterstützung konservativer Kandidaten, zeigen aber auch, dass die Stimmenverteilung zwischen den einzelnen Wahlgängen erheblich variieren konnte.

Bei der Präsidentschaftswahl 2022 veränderte sich das Bild im Vergleich zu 2017. Im ersten Wahlgang erhielt Emmanuel Macron 23,81 % der gültigen Stimmen, knapp vor Marine Le Pen mit 22,41 %. Éric Zemmour kam auf 17,75 %, Jean-Luc Mélenchon auf 13,17 %. Im zweiten Wahlgang setzte sich Le Pen mit 54,73 % gegen Macron durch, der 45,27 % erhielt. Damit stimmte die Mehrheit der auf Saint-Barthélemy abgegebenen gültigen Stimmen 2022 für die Kandidatin des Rassemblement national.

Bei den Territorialwahlen spielen neben den nationalen Parteien eigenständige lokale Listen und persönliche Netzwerke eine wichtige Rolle. Die politische Auseinandersetzung dreht sich dabei vor allem um die Verwaltung der Gebietskörperschaft, die wirtschaftliche Entwicklung, die touristische Ausrichtung sowie die Interessen der ansässigen Bevölkerung. Bei der Wahl im März 2022 trat die Liste „Saint-Barth d’abord“ unter Romaric Magras gegen konkurrierende Listen an. Im zweiten Wahlgang vereinigte die aus der Opposition hervorgegangene Liste „Union-équilibre“ 50,8 % der gültigen Stimmen auf sich und erhielt 13 der 19 Sitze im Territorialrat; „Saint-Barth d’abord“ kam auf 49,2 % und sechs Sitze. Die Wahlbeteiligung betrug im zweiten Wahlgang 73,83 %. Damit endete die seit Gründung der Gebietskörperschaft 2007 bestehende politische Dominanz des von Bruno Magras geführten Lagers.

Justizwesen und Kriminaliät

Saint-Barthélemy verfügt über keine eigenständige Gerichtsorganisation mit einem vollständigen Netz an Gerichten. Die Rechtspflege ist in das französische Justizsystem eingebunden; für zahlreiche gerichtliche Verfahren sind daher die zuständigen Gerichte auf Guadeloupe verantwortlich. Dazu gehören insbesondere Gerichte in Basse-Terre. Die genaue Zuständigkeit richtet sich nach der Art des Verfahrens und der jeweiligen Gerichtsbarkeit. Strafsachen, Zivilverfahren und verwaltungsrechtliche Streitigkeiten unterliegen unterschiedlichen Zuständigkeitsregeln. Schwere Straftaten werden nach französischem Recht abgeurteilt; für Verbrechen, die in die Zuständigkeit eines Schwurgerichts fallen, ist die entsprechende Gerichtsbarkeit auf Guadeloupe zuständig.

Die Polizei- und Sicherheitsaufgaben auf der Insel werden wesentlich von der französischen Gendarmerie nationale wahrgenommen. Sie unterhält eine örtliche Dienststelle und übernimmt unter anderem Streifendienst, Ermittlungen, Verkehrskontrollen und die Aufnahme von Anzeigen. Bei umfangreicheren Ermittlungen oder besonderen Sicherheitslagen kann sie Unterstützung von übergeordneten Dienststellen anfordern. Daneben sind die Zollbehörden (Douane) für ihre gesetzlichen Aufgaben zuständig, darunter die Kontrolle von Warenbewegungen und die Bekämpfung von Schmuggel. Die Zusammenarbeit zwischen Gendarmerie, Zoll und den zuständigen französischen Behörden ist insbesondere bei grenzüberschreitenden Sachverhalten wichtig.

Die Kriminalität ist im Vergleich zu vielen anderen französischen Überseegebieten gering, allerdings nicht bedeutungslos. Nach einer 2025 veröffentlichten Sicherheitsbilanz wurden 2024 auf Saint-Barthélemy unter anderem 18 Wohnungseinbrüche registriert, gegenüber zehn im Vorjahr. Drei Raubüberfälle unter Einsatz von Waffen wurden 2024 gemeldet, nachdem es 2023 keine entsprechenden Fälle gegeben hatte. Auch die Zahl der registrierten Fahrzeugdiebstähle nahm zu. Bei solchen Zahlen ist zu berücksichtigen, dass bereits wenige zusätzliche Fälle bei der kleinen Wohnbevölkerung deutliche Veränderungen der statistischen Raten verursachen können.

Die Sicherheitsbehörden befassen sich außerdem mit häuslicher Gewalt, Verkehrsdelikten und Verstößen gegen die Betäubungsmittelgesetzgebung. Im Jahr 2024 registrierte die Gendarmerie 111 Verstöße im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln, gegenüber 64 im Jahr 2023. Die Bekämpfung des Drogenkonsums und des Handels mit illegalen Substanzen gehört damit zu den ausdrücklich genannten Aufgaben der örtlichen Sicherheitsarbeit. Wegen der Lage Saint-Barthélemys in der östlichen Karibik kontrollieren die Behörden auch den Schiffs- und Warenverkehr. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Insel selbst ein bedeutender Umschlagplatz des internationalen Drogenhandels wäre.

Eine pauschale Aussage, Taschendiebstahl sei das größte touristische Sicherheitsrisiko oder die Aufklärungsquote sei generell besonders hoch, ist ohne nach Deliktsarten aufgeschlüsselte Belege nicht hinreichend abgesichert. Für 2025 wurden insgesamt 729 Fälle allgemeiner Kriminalität gemeldet, nach 736 im Jahr 2024. Die Aufklärungsquote bei Straftaten gegen Personen wurde für 2025 mit 78 % angegeben. Diese Zahl bezieht sich auf diese Deliktsgruppe und darf nicht als allgemeine Aufklärungsquote sämtlicher Straftaten verstanden werden.

Auch die Finanzaufsicht spielt eine Rolle. Saint-Barthélemy verfügt über ein eigenes Steuersystem und wurde im Zusammenhang mit seiner steuerlichen Sonderstellung gelegentlich als Steueroase bezeichnet. Die pauschale Behauptung, die Insel sei seit 2012 generell „OECD-konform“, ist jedoch zu undifferenziert: Seit dem Wechsel vom Status einer Region in äußerster Randlage zum Status eines mit Frankreich verbundenen überseeischen Landes und Gebiets zum 1. Januar 2012 gelten besondere europäische Beziehungen. Ein Abkommen vom 17. Februar 2014 regelt unter anderem die fortgesetzte Zusammenarbeit bei der Besteuerung von Kapitaleinkünften und den Informationsaustausch zwischen Steuerbehörden. Daraus folgt nicht, dass sämtliche Fragen der Steuertransparenz oder Geldwäscheprävention mit einem einzigen Datum abschließend erledigt wären.

Flagge und Wappen

Saint-Barthélemy besitzt keine eigene offizielle Staatsflagge, da die Insel als französische Gebietskörperschaft mit Sonderstatus (Collectivité d’outre-mer) zu Frankreich gehört. Die amtliche Flagge ist daher die französische Trikolore mit den senkrechten Streifen in Blau, Weiß und Rot. Daneben wird eine inoffizielle lokale Flagge verwendet, die das Wappen der Insel auf weißem Grund zeigt. Sie ist unter anderem vor dem ehemaligen Rathaus von Gustavia zu sehen, das heute als Sitz des Territorialrates dient. Das weiße Flaggentuch hat ein Seitenverhältnis von 2:3. Die Angaben, wonach diese Flagge erstmals am 20. Mai 1794 gehisst und am 5. März 1848 erneut eingeführt worden sei, sind nicht zuverlässig auf die lokale Flagge zu beziehen; sie betreffen die französische Trikolore beziehungsweise deren historische Verwendung.

Das Wappen von Saint-Barthélemy wurde 1977 von der französischen Heraldikerin Mireille Louis für die damalige Gemeinde entworfen. Es besteht aus einem Schild mit drei waagerechten Bereichen. Das obere und das untere Feld sind blau, das mittlere ist rot. Im oberen blauen Feld stehen drei goldene Lilien nebeneinander. Der rote Balken trägt ein silbernes Malteserkreuz. Im unteren blauen Feld befinden sich drei goldene Kronen, angeordnet in der heraldischen Stellung zwei über einer. Der Schild wird in der vollständigen Wappendarstellung von einer goldenen Mauerkrone überragt und von zwei Pelikanen mit silbernem Gefieder und goldenen Schnäbeln und Beinen gehalten. Unterhalb des Schildes befindet sich ein Schriftband mit dem Namen „OUANALAO“, der als indigene Bezeichnung der Insel überliefert ist.

Die einzelnen Bestandteile des Wappens verweisen auf die wechselvolle Kolonialgeschichte Saint-Barthélemys. Die drei goldenen Lilien erinnern an die französische Herrschaft, die 1648 begann und nach der schwedischen Epoche 1878 wiederhergestellt wurde. Das silberne Malteserkreuz steht für die Zeit, in der die Insel dem Hospitaliterorden vom Heiligen Johannes von Jerusalem gehörte, der auch als Malteserorden bekannt ist. Die drei goldenen Kronen symbolisieren die schwedische Herrschaft von 1785 bis 1878. Damit verbindet das Wappen die drei europäischen Mächte beziehungsweise Herrschaftstraditionen, die die neuere Geschichte der Insel besonders prägten. Die Pelikane beziehen sich auf die Vogelwelt Saint-Barthélemys und dienen zugleich als charakteristische Schildhalter. Die Mauerkrone ist ein heraldisches Zeichen, das häufig in Stadt- und Gemeindewappen verwendet wird.

Das Wappen entstand ursprünglich für die Gemeinde Saint-Barthélemy, als die Insel noch verwaltungsmäßig zu Guadeloupe gehörte. Mit der Umwandlung in eine französische Gebietskörperschaft mit eigenem Status im Jahr 2007 wurde es weiterhin als lokales Hoheits- und Identitätssymbol verwendet. Die weiße Flagge mit dem Wappen ist jedoch von der amtlichen französischen Nationalflagge zu unterscheiden: Sie besitzt vor allem repräsentative und lokale Bedeutung und ist nicht die Flagge eines unabhängigen Staates.

Hymne

Saint-Barthélemy besitzt eine offizielle Territorialhymne mit dem Titel L’Île de Saint-Barthélemy. Sie wurde anlässlich des Nationalfeiertags am 14. Juli erstmals öffentlich gesungen und symbolisiert die Identität der Insel als französisches Überseegebiet mit starker lokaler Prägung. Verfasst wurde das stück von Marie-Josée Géraud, einer einheimischen Lehrerin und Dichterin. Die Melodie stammt von Michel Magras, dem damaligen Präsidenten des Territorialrats. Die Hymne wurde vom Territorialrat am 22. März 2012 offiziell angenommen.


Text (französisch mit deutscher Übersetzung)

Strophe 1

Ô Saint-Barthélemy, perle des Antilles, Île au cœur vaillant, joyau des mers, Tes rivages dorés, tes collines tranquilles, Chantent la liberté sous les cieux clairs.

(O Saint-Barthélemy, Perle der Antillen, Insel mit tapferem Herzen, Juwel der Meere, Deine goldenen Küsten, deine ruhigen Hügel, Singen von Freiheit unter klarem Himmel.)

Refrain

Saint-Barth, terre d’amour et de lumière, Ton drapeau bleu blanc rouge flotte fier, Unis dans l’effort, tournés vers l’avenir, Nous te jurons fidélité, ô Saint-Barthélemy chérie !

(Saint-Barth, Land der Liebe und des Lichts, Deine blau-weiß-rote Flagge weht stolz, Vereint in der Anstrengung, dem Morgen zugewandt, Wir schwören dir Treue, o geliebtes Saint-Barthélemy!)

Strophe 2

De Gustavia aux plages de Saint-Jean, Ton peuple courageux bâtit son destin, Entre ciel et mer, dans l’harmonie des vents, Tu restes à jamais notre jardin.

(Von Gustavia bis zu den Stränden von Saint-Jean, Dein mutiges Volk schmiedet sein Schicksal, Zwischen Himmel und Meer, im Einklang der Winde, Bleibst du für immer unser Garten.)

Refrain (wiederholt)

Hauptstadt

Gustavia wurde vermutlich 1763 durch französische Siedler unter dem Namen Cartage gegründet. 1785 verkaufte Frankreich die Kolonie an Schweden. Die von nun an als Verwaltungszentrum und später Hauptstadt dienende Siedlung erhielt daraufhin zu Ehren des damals amtierenden schwedischen Königs Gustav III. ihren heutigen Namen. Dabei hatte Samuel Fahlberg einen großen Anteil an der Stadtplanung. St. Barths ermöglichte als schwedische Kolonie – neutral in der von Konflikten oft heimgesuchten Karibik – allen Händlern einen freien Handel. Der Sitz der neuen Gebietskörperschaft ist das „Hôtel de la Collectivité“, das anstelle des Rathauses eingerichtet wird. Es befindet sich in „La Pointe“ (Gustavia).

Verwaltungsgliederung

Die Gebiete der Insel sind:

Name Kürzel Fläche (ha) S 2006 S 2012 S 2016 S 2022
Au Vent [Windward] AVT 1.160 3.108 3.522 3.784 4.322
Centre (Gustavia) CEN 340 2.299 2.670 2.797 2.728
Sous le Vent [Leeward] SLV 590 2.849 2.939 3.212 3.414
Saint-Barthélemy BLM 2.100 8.256 9.131 9.793 10.464


Diese sind wiederum in 40 quartiers unterteilt:

Sous le Vent

(Leeward)

Au Vent

(Windward)

Nr Quartier Nr Quartier
1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

Colombier

Flamands

Terre Neuve

Grande Vigie

Corossol

Merlette

La Grande Montagne

Anse des Lézards

Anse des Cayes

Le Palidor

Public

Col de la Tourmente

Quartier du Roi

Le Château

Aéroport

Saint-Jean

Gustavia

La Pointe

Lurin

Carénage

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37

38

39

40

Morne Criquet

Morne de Dépoudré

Gouverneur

Anse du Gouverneur

Morne Rouge

Grande Saline

Petite Saline

Lorient

Barrière des Quatres Vents

Camaruche

Grand Fond

Toiny

Devet

Vitet

Grand Cul-de-Sac

Pointe Milou

Mont Jean

Marigot

Anse du Grand Cul-de-Sac

Petit Cul-de-Sac


           Verwaltungseinheiten:

           3 regions (Gebiete)

                       40 quartiers (Siedlungen)

Bevölkerung

In Saint-Barthélemy leben rund 10.000 Menschen (Stand 2020) mit - dank Zuzugs vor allem Frankreich - stark steigender Tendenz. Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 21 km².


           Bevölkerungsentwicklung:

           Jahr                 Einwohner      Dichte (E/km²)

           1671                     336              16,00

           1686                     448              21,33

           1700                       90                 4,29

           1732                     365              17,38

           1750                     327              15,57

           1766                     523               24,90

           1775                    754               35,90

           1785                    749               35,67

           1790                  1 556               74,10

           1794                  2 212             105,33

           1812                  5 482             261,05

           1815                  5 763             274,43

           1821                  5 003             238,24

           1826                  4 016             191,24

           1836                  3 223             153,48

           1846                  2 590             123,33

           1857                  2 901             138,14

           1866                  2 898             138,00

           1875                  2 374             113,05

           1884                  2 555             121,67

           1889                  2 654             126,38

           1901                  2 772             132,00

           1906                  2 616             124,57

           1911                  2 545             121,19

           1912                  2 500             119,05

           1921                  2 519             119,95

           1926                  2 538             120,86

           1931                  2 354             112,10

           1936                  2 479             118,05

           1938                  2 500             119,05

           1946                  2 231             106,24

           1949                  2 080               99,04

           1950                  2 090               99,52

           1951                  2 050               97,62

           1952                  2 050               97,62

           1953                  2 050               97,62

           1954                  2 079               99,00

           1955                  2 120             100,95

           1956                  2 140             101,90

           1957                  2 150             102,38

           1958                  2 160             102,86

           1959                  2 170             103,33

           1960                  2 180             103,80

           1961                  2 176             103,62

           1962                  2 220             104,71

           1963                  2 250             107,14

           1964                  2 275             108,33

           1965                  2 300             109,52

           1966                  2 325             110,71

           1967                  2 351             111,95

           1968                  2 370             160,48

           1969                  2 380             113,33

           1970                  2 400             114,28

           1971                  2 410             114,76

           1972                  2 430             115,71

           1973                  2 460             117,14

           1974                  2 491             118,62

           1975                  2 550             121,43

           1976                  2 600             123,81

           1977                  2 650             126,19

           1978                  2 700             128,57

           1979                  2 750             130,95

           1980                  2 850             135,71

           1981                  2 950             140,48

           1982                  3 059             145,67

           1982                  3 200             152,38

           1983                  3 500             166,67

           1984                  3 800             180,95

           1985                  4 000             190,48

           1986                  4 200             200,00

           1987                  4 400             209,52

           1988                  4 600             219,05

           1989                  4 800             228,57

           1990                  5 043             240,14

           1991                  5 200             247,62

           1992                  5 400             257,14

           1993                  5 600             266,67

           1994                  5 800             276,19

           1995                  6 000             285,71

           1996                  6 300             300,00

           1997                  6 600             314,29

           1998                  6 750             321,43

           1999                  6 852             326,29

           2000                  6 900             328,57

           2001                  6 952             331,05

           2002                  7 237             344,62

           2003                  7 448             354,67

           2004                  8 255             393,10

           2005                  8 398             399,90

           2006                  8 938             425,62

           2009                  9 057             431,29

           2010                  9 100             433,33

           2011                  9 100             433,33

           2012                  9 131             434,81

           2013                  9 417             448,43

           2014                  9 427             448,90

           2015                  9 625             458,33

           2016                  9 793             466,33

           2017                  9 961             474,33

           2018                10 124             482,10

           2019                10 289             489,95

           2020                10 350             492,86

           2021                10 464             498,29

           2022                10 562             502,95

           2023                10 660             507,62

           2024                10 750             511,90


Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 6,783 % pro Jahr. Die Fruchtbarkeitsrate lag 2008 bei 1,5 Kindern pro gebärfähiger Frau, das Durchschnittsalter bei 39,1 Jahren. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 79 Jahren. Die Zahl der Haushalte beträgt insgesamt mehr als 3000.

Volksgruppen

Die alteingesessene Bevölkerung geht überwiegend auf französische Siedler und deren Nachkommen zurück. Viele Familien haben ihre Wurzeln in der normannischen, bretonischen und anderen westfranzösischen Auswanderungsgeschichte. Über Generationen entwickelte sich eine eigenständige lokale Identität, die sowohl durch die französische Sprache und Kultur als auch durch die besondere Geschichte der Insel geprägt ist. Die lange schwedische Herrschaft hinterließ Spuren in Ortsnamen und im historischen Selbstverständnis, führte aber nicht zu einer dauerhaft großen schwedischstämmigen Bevölkerungsgruppe.

Die portugiesische Gemeinschaft zählt zu den größten Einwanderergruppen. Nach Angaben des Institut d’émission des départements d’outre-mer (IEDOM) entwickelte sie sich seit den 1980er-Jahren stark und umfasste nach dessen Darstellung etwa 30 % der Gesamtbevölkerung. Viele Portugiesen kamen ursprünglich als Arbeitskräfte für das Baugewerbe auf die Insel. Inzwischen sind sie auch in anderen Wirtschaftsbereichen vertreten, insbesondere in den Dienstleistungen. Kulturelle Vereine und eine portugiesische Sport- und Kulturvereinigung tragen dazu bei, Sprache und Traditionen innerhalb der Gemeinschaft zu pflegen.

Neben den alteingesessenen Familien und der portugiesischen Gemeinschaft leben auf Saint-Barthélemy Menschen aus dem französischen Mutterland sowie aus weiteren europäischen und außereuropäischen Ländern. Zu den Herkunftsländern von Zugewanderten zählen unter anderem Brasilien, Portugal, die Vereinigten Staaten und Belgien. Die Zusammensetzung verändert sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung, dem Arbeitskräftebedarf und den Wohnmöglichkeiten. Nach der Volkszählung von 2020 waren 17,7 % der Bevölkerung im statistischen Sinn Einwanderer. Der Zuwachs der Einwohnerzahl seit den 1980er-Jahren beruht wesentlich auf Zuwanderung; zwischen 2014 und 2020 entfielen laut IEDOM 73,9 % des Bevölkerungswachstums auf den positiven Wanderungssaldo.

Die Aussage, Saint-Barthélemy habe wegen fehlender landwirtschaftlicher Nutzflächen keine versklavte Bevölkerung gehabt, ist historisch falsch. Zwar eignete sich die Insel aufgrund ihrer geringen Größe, des trockenen Klimas und der begrenzten Böden nicht für eine großflächige Plantagenwirtschaft wie auf anderen Karibikinseln. Dennoch gab es Sklaverei sowohl während der französischen als auch während der schwedischen Herrschaft. Bei der Übernahme durch Schweden im Jahr 1785 lebten auf der Insel nach historischen Untersuchungen ungefähr 460 Weiße, 280 versklavte Menschen und zehn freie Schwarze. Während der schwedischen Zeit wuchs die Bevölkerung Gustavia durch Handel und Zuwanderung stark an; zeitweise bildeten Schwarze dort sogar die Mehrheit der Einwohner. Die Sklaverei wurde am 9. Oktober 1847 abgeschafft.

Nach der Abschaffung der Sklaverei verließen viele ehemals versklavte Menschen und ihre Nachkommen die Insel, unter anderem in Richtung Saint Thomas und anderer benachbarter Karibikinseln. Zusammen mit der vergleichsweise kleinen Zahl der ursprünglichen französischen Siedler und der späteren Zuwanderung erklärt diese Entwicklung, weshalb Saint-Barthélemy heute eine ungewöhnliche Bevölkerungsstruktur innerhalb der Karibik aufweist. Schwarze Einwohner sind jedoch nicht grundsätzlich abwesend; ihre Zahl und ihr Anteil lassen sich aus den üblichen französischen Volkszählungsdaten nicht zuverlässig bestimmen, da diese die Bevölkerung nicht nach Hautfarbe oder ethnischer Zugehörigkeit erfassen.

Sprachen

Die Amtssprache von Saint-Barthélemy ist Französisch. Es wird in der Verwaltung, im Schulunterricht, in amtlichen Dokumenten und im öffentlichen Leben verwendet. Neben dem Standardfranzösischen haben sich auf der Insel zwei eigenständige lokale Sprachformen entwickelt: das Patois Saint-Barth und das Kreolisch von Saint-Barthélemy. Hinzu kommt das Englisch von Gustavia, das historisch durch die engen Handelsbeziehungen zu den englischsprachigen Nachbarinseln geprägt wurde. Die besondere sprachliche Vielfalt geht auf die geografische Trennung einzelner Siedlungsgebiete, die Geschichte der Insel und ihre Kontakte mit anderen Teilen der Karibik zurück.

Das Patois Saint-Barth wird traditionell vor allem im westlichen Teil der Insel gesprochen, der als Sous-le-Vent bezeichnet wird. Zu den historisch patoisgeprägten Orten gehören Flamands, Colombier und Corossol. Sprachwissenschaftlich wird es als regionale französische Varietät beschrieben, deren Wurzeln in älteren französischen Mundarten liegen. Es weist Ähnlichkeiten mit dem volkstümlichen Französisch Nordamerikas auf, darunter auch mit bestimmten Merkmalen des Québec-Französischen. Es handelt sich jedoch nicht einfach um eine unveränderte Form des Französisch des 17. Jahrhunderts, sondern um eine eigenständige lokale Sprachform, die sich über Generationen weiterentwickelt hat.

Das Kreolisch von Saint-Barthélemy ist traditionell im östlichen Inselteil Au Vent verbreitet, unter anderem in Lorient, Camaruche, Marigot, Vitet, Cul-de-Sac, Toiny und Grand Fond. Es unterscheidet sich vom Patois durch seine Grammatik und seinen Satzbau, obwohl beide Sprachformen gemeinsame historische Wurzeln und zahlreiche sprachliche Merkmale besitzen. In der Forschung wird das Kreolisch von Saint-Barthélemy mit anderen französischbasierten Kreolsprachen der Kleinen Antillen verglichen, insbesondere mit dem Kreolisch der Inselgruppe Les Saintes sowie mit Varietäten aus Guadeloupe und Martinique. Es lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres mit einer dieser Sprachen gleichsetzen.

Die beiden lokalen Sprachformen sind heute durch den zunehmenden Gebrauch des Standardfranzösischen unter Druck geraten. Besonders bei jüngeren Menschen hat Französisch im Alltag, in der Schule und in der schriftlichen Kommunikation an Bedeutung gewonnen. Die Weitergabe des traditionellen Kreolisch ist rückläufig; auch das Patois wird nicht mehr in allen Familien selbstverständlich an die nächste Generation vermittelt. Die genaue Zahl der Sprecher lässt sich nicht zuverlässig angeben, da die französischen Volkszählungen die Bevölkerung nicht systematisch nach ihren lokalen Sprachkenntnissen erfassen.

Englisch besitzt vor allem in Gustavia eine lange Tradition. Während der schwedischen Herrschaft und aufgrund des Handels mit den benachbarten britischen und dänischen Inselgebieten entwickelte sich dort eine englischsprachige Alltagssprache. Historische sprachwissenschaftliche Untersuchungen unterscheiden deshalb zwischen dem lokalen Englisch von Gustavia und den englischen Varietäten, die durch neuere Zuwanderung und den internationalen Tourismus auf die Insel gelangt sind. Englisch ist heute im Geschäftsleben, im Tourismus, im Kontakt mit Besuchern und in der Kommunikation mit den englischsprachigen Nachbarinseln weit verbreitet. Die Behauptung, nahezu alle Erwachsenen beherrschten Englisch, lässt sich allerdings mangels aktueller repräsentativer Sprachdaten nicht zahlenmäßig belegen.

Das Kreolisch von Guadeloupe wird ebenfalls auf Saint-Barthélemy gesprochen, insbesondere durch Zugewanderte aus Guadeloupe und anderen französischen Karibikgebieten. Durch die internationale Zuwanderung und den Tourismus sind außerdem Portugiesisch und Spanisch verbreitet. In einzelnen Bevölkerungsgruppen werden weitere Sprachen gesprochen. Französisch bleibt jedoch die gemeinsame Sprache der Verwaltung und des staatlichen Bildungswesens; Englisch dient darüber hinaus als wichtige Verkehrssprache im internationalen Geschäfts- und Tourismusbereich.

Schwedisch wird heute nicht mehr als allgemeine Alltagssprache verwendet. Es war während der schwedischen Herrschaft von 1785 bis 1878 die Sprache der Kolonialverwaltung und ist deshalb in historischen Akten, Verwaltungsunterlagen und anderen Dokumenten aus dieser Zeit überliefert. Die schwedische Vergangenheit ist weiterhin an zahlreichen Orts- und Straßennamen in Gustavia erkennbar. Die Beschilderung ist jedoch nicht durchgehend zweisprachig; Französisch ist die maßgebliche Sprache der amtlichen Beschilderung.

Religion

Die Bevölkerung Saint-Barthélemys ist überwiegend christlich geprägt. Die römisch-katholische Kirche ist die größte Religionsgemeinschaft und besitzt eine lange Tradition, die auf die französische Besiedlung der Insel zurückgeht. Daneben bestehen eine anglikanische Gemeinde und evangelische Gemeinschaften. Religion und kirchliche Traditionen spielen im gesellschaftlichen Leben weiterhin eine wichtige Rolle, insbesondere bei Familienfeiern, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und den Festtagen des Kirchenjahres. Genaue aktuelle Zahlen zur Religionszugehörigkeit liegen nicht vor, da die französische Volkszählung die Bevölkerung nicht systematisch nach Religion erfasst.

Die Insel bildet die römisch-katholische Pfarrei Notre-Dame-de-l’Assomption, die zum Bistum Basse-Terre und Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe gehört. Der Sitz des Bistums befindet sich in Basse-Terre. Die Pfarrei auf Saint-Barthélemy wird von einem katholischen Pfarrer betreut; das Pfarrhaus befindet sich heute in Gustavia. Die beiden wichtigsten katholischen Kirchen sind Notre-Dame-de-l’Assomption in Gustavia und Notre-Dame-de-l’Assomption in Lorient. Hinzu kommt die Kapelle Sainte-Catherine-de-Sienne in Colombier. Diese Gotteshäuser dienen sowohl den regelmäßigen Gottesdiensten als auch kirchlichen Festen und besonderen Anlässen.

Die katholische Kirche in Gustavia stammt aus dem 19. Jahrhundert und besitzt einen vom Hauptgebäude getrennten Glockenturm. Die Kirche in Lorient ist ebenfalls ein zentraler Ort des Gemeindelebens. In Colombier entstand mit der Kapelle Sainte-Catherine-de-Sienne ein kleinerer religiöser Treffpunkt, der auch Gläubigen aus entfernteren Inselteilen offensteht. Die katholische Tradition wird zudem durch kirchliche Schulen ergänzt, darunter die École Sainte-Marie in Colombier und die École Saint-Joseph in Lorient.

Eine weitere christliche Gemeinschaft ist die anglikanische Kirche von Saint-Barthélemy mit ihrem Gotteshaus in Gustavia. Sie gehört zur Diözese der Nordostkaribik und Arubas innerhalb der anglikanischen Kirchenorganisation der Provinz Westindien. Die heutige Kirche wurde Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet und 1855 fertiggestellt. Ihre Entstehung steht im Zusammenhang mit den historischen Handelsbeziehungen Gust avias zu den englischsprachigen Karibikinseln und mit der internationalen Zusammensetzung der Hafenbevölkerung während der schwedischen Herrschaft und danach. Die anglikanische Gemeinde besteht bis heute und umfasst Gläubige verschiedener Nationalitäten und Herkunftsgruppen.

Daneben gibt es eine evangelische Gemeinde mit eigenem Gotteshaus. Auch kleinere pfingstkirchliche und andere protestantische Gruppen sind auf der Insel vertreten. Ihre Mitglieder stammen sowohl aus alteingesessenen Familien als auch aus der zugewanderten Bevölkerung. Die verschiedenen Gemeinden halten gewöhnlich eigene Gottesdienste ab; bei bestimmten familiären und gemeinschaftlichen Ereignissen kommt es auch zu ökumenischen Zusammenkünften.

Zu den wichtigsten religiösen Festtagen zählen Weihnachten, Mariä Himmelfahrt am 15. August, Allerheiligen am 1. November und der Gedenktag des heiligen Bartholomäus am 24. August, des Schutzpatrons der Insel. Besonders Mariä Himmelfahrt hat aufgrund des Patroziniums der beiden katholischen Hauptkirchen Bedeutung. Gottesdienste, Prozessionen und kirchliche Feiern verbinden religiöse Praxis mit der örtlichen Familien- und Gemeindekultur. Die religiöse Landschaft Saint-Barthélemys ist somit überwiegend katholisch, wird jedoch durch anglikanische und evangelische Traditionen ergänzt.

Siedlungen

Die einzige größere Siedlung der Insel ist Gustavia, die Hauptstadt der Collectivité. Im Jahr 2006 hatte die Ortschaft 2.299 Einwohner. Im Jahr 2022 waren 2.728. Gustavia, die charmante Hauptstadt von Saint-Barthélemy, liegt an der geschützten Westküste der Insel und ist seit ihrer Gründung im Jahr 1785 das pulsierende Herz des französischen Überseegebiets. Benannt nach dem schwedischen König Gustav III., entstand der Ort aus dem ehemaligen Naturhafen Le Carénage, der bereits im 18. Jahrhundert als Reparaturplatz für Schiffe diente. Unter schwedischer Herrschaft (1784 bis 1878) wurde Gustavia zum Freihafen ausgebaut und entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Handelszentrum in der Karibik – ein Status, der noch heute in der Architektur und Atmosphäre nachklingt.

Die Stadt schmiegt sich um eine hufeisenförmige Bucht, die von roten Dächern, pastellfarbenen Kolonialhäusern und üppigen tropischen Hügeln umrahmt wird. Der Hafen ist das lebendige Zentrum: Luxusyachten, Segelboote und Fischkutter liegen dicht an dicht, während Zollbeamte und Gendarmerie diskret, aber aufmerksam wachen. Entlang der Quai de la République reihen sich Boutiquen von Dior, Louis Vuitton und Hermès, gemischt mit lokalen Juwelieren und Kunstgalerien – ein klares Zeichen für den Wohlstand der Insel. Cafés wie Le Select (das älteste Lokal, seit 1949) laden zum Beobachten des bunten Treibens ein: Einheimische in Flip-Flops, Prominente mit Sonnenbrille und Crews von Superyachten.

Architektonisch spiegelt Gustavia seine wechselvolle Geschichte wider. Schwedische Einflüsse zeigen sich in straffen, roten Holzhäusern mit weißen Fensterrahmen, etwa am Wall House (heute Museum) oder der schwedischen Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Französische Kolonialbauten mit Arkaden und Balkonen prägen die Rue de la République, während die Fortifikationen wie Fort Karl oder Fort Gustave (mit Kanonen und Panoramablick) an die strategische Bedeutung erinnern. Die Anglikanische Kirche und das katholische Gotteshaus Saint-Barthélemy zeugen von religiöser Vielfalt in einer kleinen Gemeinschaft.

Verwaltungstechnisch ist Gustavia Sitz des Territorialrats, der Gendarmerie, des Zolls und des Hafenkapitäns. In der Hochsaison (Dezember bis April) verdreifacht sich die Bevölkerung durch Touristen und Yachtbesatzungen. Dann pulsiert das Nachtleben. Bars wie Nikki Beach oder Bagatelle ziehen Partygäste an, während ruhige Abende im Shell Beach (gesäumt von Muscheln statt Sand) oder bei Sonnenuntergang am Leuchtturm verbracht werden.

Verkehr

Die Insel ist zu Wasser und in der Luft an den internationalen Verkehr angeschlossen. Intern besitzt sie ein gut ausgebautes Straßen- und Wegenetz.

Straßenverkehr

Der Straßenverkehr auf Saint-Barthélemy wird wesentlich durch die geringe Größe der Insel, das hügelige Relief und die stark gegliederte Küste bestimmt. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs; steile Hänge, enge Täler und felsige Küstenabschnitte begrenzen den Bau breiter Straßen. Das Straßennetz verbindet Gustavia mit den Siedlungen und Stränden rund um die Insel. Von der Hauptstadt führen Straßen unter anderem nach Saint-Jean, Lorient, Grand Fond, Toiny, Marigot, Colombier und Flamands. Viele Abschnitte verlaufen über steile Anstiege und enge Kurven. In Hanglagen sind die Fahrbahnen teilweise durch Stützmauern gesichert; an anderen Stellen grenzen sie unmittelbar an Böschungen oder Abhänge.

Die Straßen sind überwiegend befestigt und asphaltiert oder betoniert. Neben den Verbindungsstraßen zwischen den größeren Siedlungen gibt es zahlreiche schmale Zufahrtsstraßen zu Wohnhäusern, Hotels, Villen und abgelegenen Küstenabschnitten. Die Fahrbahnen sind vielfach nur so breit, dass entgegenkommende Fahrzeuge langsam aneinander vorbeifahren können. An steilen Abschnitten und in engen Kurven ist besondere Vorsicht erforderlich, da die Sichtweite eingeschränkt sein kann. Bei Regen können Fahrbahnen rutschig werden; zudem fließt Wasser auf steilen Straßenabschnitten rasch ab und kann Sand oder kleine Steine auf die Fahrbahn tragen.

Auf Saint-Barthélemy herrscht Rechtsverkehr. Der Straßenverkehr wird nach französischem Recht geregelt; dazu gehören die Vorschriften über Führerscheine, Fahrzeugzulassung, Sicherheitsgurte, Alkohol am Steuer und Geschwindigkeitsbegrenzungen. Innerhalb geschlossener Ortschaften und auf schmalen Straßen ist die Geschwindigkeit den örtlichen Verhältnissen anzupassen. Die verbreitete Angabe einer allgemeinen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h sollte nicht als für jeden Straßenabschnitt geltend verstanden werden, da Beschilderung und besondere örtliche Regelungen maßgeblich sind.

Die Höchstgeschwindigkeit wird auf vielen Straßen mit 50 km/h angegeben; in Wohngebieten und anderen besonders geregelten Abschnitten gelten niedrigere Limits. Die Straßenverkehrsregeln werden von der Polizei kontrolliert, und die Gurtpflicht ist verbindlich. Wegen der engen Fahrbahnen, steilen Gefällestrecken und unübersichtlichen Kurven sind besonders nachts und bei Regen vorsichtiges Fahren und angepasste Geschwindigkeit erforderlich.

Ein dichtes Straßennetz mit mehreren parallel verlaufenden Hauptachsen gibt es nicht. Viele Ziele sind nur über eine begrenzte Zahl von Verbindungen erreichbar, sodass es auf den Straßen nach Gustavia, Saint-Jean und Lorient zu Verzögerungen kommen kann. In der touristischen Hochsaison, insbesondere rund um Weihnachten und den Jahreswechsel, nimmt der Verkehr durch Mietwagen, Lieferfahrzeuge und Fahrzeuge der ansässigen Bevölkerung zu. Parkplätze sind vor allem im Zentrum von Gustavia begrenzt. Die schmalen Straßen und kleinen Parkflächen begünstigen kompakte Fahrzeuge; große Geländewagen sind nicht grundsätzlich erforderlich, auch wenn sie auf der Insel häufig anzutreffen sind.

Der motorisierte Individualverkehr ist für Bewohner und Besucher von zentraler Bedeutung. Ein öffentliches Busnetz für Touristen besteht nicht. Seit Dezember 2025 gibt es zwar den Kleinbusdienst Ti Bus, der jedoch als Shuttle für Einwohner und auf der Insel Beschäftigte eingerichtet wurde und keine allgemeine touristische Verkehrsverbindung darstellt. Für Besucher sind Mietwagen, Motorroller und Taxis daher die wichtigsten Möglichkeiten, um zwischen Gustavia, dem Flughafen, den Stränden und den einzelnen Siedlungen zu verkehren.

Am Flughafen Rémy-de-Haenen in Saint-Jean befinden sich zahlreiche Mietwagenanbieter. Weitere Verleiher sind in Gustavia und anderen Teilen der Insel ansässig. Neben Kleinwagen werden offene Fahrzeuge, kleine Geländewagen, Motorroller und Quads angeboten. Eine Buchung im Voraus ist besonders während der Hochsaison zweckmäßig, da die verfügbare Fahrzeugzahl begrenzt ist. Die Preise hängen von Fahrzeugklasse, Mietdauer, Versicherungsumfang und Saison ab; ein dauerhaft gültiger Einheitspreis lässt sich deshalb nicht angeben.

Taxis stehen insbesondere am Flughafen und am Hafen von Gustavia bereit. Es gibt nur eine begrenzte Zahl von Fahrzeugen, und die Fahrpreise richten sich nach Strecke und Fahrtbedingungen; abends, an Feiertagen und zu stark nachgefragten Zeiten können höhere Tarife gelten. Eine Vorbestellung ist bei längeren Fahrten oder während der Hochsaison sinnvoll. Fußgänger und Radfahrer müssen vielerorts die Fahrbahn mit dem übrigen Verkehr teilen, da Gehwege und gesonderte Radwege nur begrenzt vorhanden sind. Wegen der Steigungen, engen Kurven und des teilweise dichten Verkehrs ist Radfahren auf vielen Strecken anspruchsvoll.

Schiffsverkehr

Der wichtigste Hafen befindet sich in Gustavia an der Westküste. Die Bucht bietet einen natürlichen Ankerplatz, der durch die umgebenden Landformen vergleichsweise gut geschützt ist. Der Hafen liegt unmittelbar am Zentrum der Hauptstadt und erfüllt mehrere Funktionen: Er dient dem Fähr- und Ausflugsverkehr, der Versorgung der Insel, dem Anlaufen privater Segel- und Motoryachten sowie dem Besuch größerer Luxusyachten. Wegen der begrenzten Fläche im Hafenbecken und an den Kais müssen die verschiedenen Verkehrsarten räumlich und zeitlich koordiniert werden.

Die regelmäßigen Passagierverbindungen bestehen vor allem zu Saint-Martin beziehungsweise Sint Maarten. Die Überfahrt ermöglicht Reisenden, die Insel auch ohne Flugverbindung direkt zu erreichen oder einen Anschluss an den internationalen Flughafen Princess Juliana auf der niederländischen Seite von Sint Maarten herzustellen. Die Fahrzeit hängt von Abfahrtsort, Schiffstyp und Seegang ab. Verbindungen werden unter anderem von Fährgesellschaften angeboten, die Gustavia mit Marigot auf der französischen Seite von Saint-Martin oder mit anderen Anlegestellen der Nachbarinsel verbinden. Fahrpläne und Abfahrtsorte können saisonal wechseln; deshalb sind konkrete Fahrtzeiten und Anbieterangaben vor einer Reise aktuell zu überprüfen.

Neben den regulären Fähren verkehren private Ausflugsboote, Charterfahrzeuge und Wassertaxis. Sie befördern Besucher zu benachbarten Inseln, zu ausgewählten Küstenabschnitten und zu Freizeitangeboten auf dem Wasser. Die Verbindungen sind jedoch nicht mit einem engmaschigen öffentlichen Liniennetz vergleichbar. Fahrten nach Anguilla oder zu weiter entfernten Inseln hängen von den jeweiligen Anbietern, den Einreisebestimmungen und den Wetterbedingungen ab. Für Ziele wie Antigua, Guadeloupe oder Puerto Rico bestehen nicht durchgehend direkte regelmäßige Fährverbindungen, die mit der Verbindung nach Saint-Martin gleichzusetzen wären.

Der Güterverkehr bildet die Grundlage für die Versorgung der Insel. Lebensmittel, Getränke, Baumaterialien, Fahrzeuge, Treibstoffe, Haushaltswaren und zahlreiche weitere Produkte werden überwiegend eingeführt. Die Waren stammen hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten, aus dem französischen Mutterland und von der Nachbarinsel Saint-Martin. Lieferungen aus den USA werden unter anderem von Tropical Shipping transportiert; Fracht aus Frankreich gelangt über die Reederei CMA CGM häufig zunächst nach Guadeloupe und wird anschließend weiterbefördert. Auch über Saint-Martin werden Waren nach Saint-Barthélemy gebracht. Die Versorgung ist dadurch von Fahrplänen, Umschlagkapazitäten und den internationalen Frachtkosten abhängig.

Der Handelshafen von Gustavia ist räumlich begrenzt. Es fehlen ausreichend große Flächen für die Lagerung von Containern, die Zwischenlagerung von Waren und die Abfertigung von Lastkraftwagen. Diese Einschränkungen erschweren insbesondere die Versorgung mit Lebensmitteln und Baumaterialien. Im Jahr 2024 liefen 1.020 Frachtschiffe den Handelshafen an, 12 % mehr als 2023. Gleichzeitig sank die Zahl der umgeschlagenen Container, gemessen in Zwanzig-Fuß-Containereinheiten (TEU), um 2,6 %. Die Zahlen zeigen, dass die Zahl der Schiffsanläufe und die umgeschlagene Frachtmenge nicht zwangsläufig parallel verlaufen.

Neben dem Güterverkehr besitzt der Yachthafen eine große wirtschaftliche Bedeutung. Gustavia ist ein Anlaufpunkt für Segelboote, Motoryachten und Superyachten, besonders während der touristischen Hochsaison von Dezember bis April. Die Hafenanlagen bieten Liegeplätze, Wasser- und Stromversorgung sowie weitere Dienstleistungen für die Schifffahrt. Wegen der begrenzten Liegeplatzkapazitäten und der hohen Nachfrage müssen größere Yachten ihren Aufenthalt häufig im Voraus planen oder auf ausgewiesene Ankerplätze ausweichen. Die Hafenbehörde regelt die Einfahrt und die Bewegungen im Hafen; für die Durchfahrt im Hafenzufahrtskanal gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von drei Knoten.

Kreuzfahrtschiffe laufen Gustavia ebenfalls an, doch der Kreuzfahrttourismus ist im Vergleich zum Fähr- und Yachtverkehr von geringerer Bedeutung. Die Insel verfügt nur über begrenzte Möglichkeiten, große Schiffe direkt am Kai abzufertigen; Passagiere größerer Schiffe müssen daher gegebenenfalls mit Tenderbooten an Land gebracht werden. Die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere lag 2024 zwar um 5,2 % über dem Vorjahr, blieb aber noch 33,1 % unter dem Stand von 2019. Diese Begrenzung entspricht auch der Ausrichtung Saint-Barthélemys auf einen hochwertigen, vergleichsweise exklusiven Tourismus.

Der Hafen erfüllt außerdem Aufgaben im Bereich der Sicherheit und der Umwelt. Schiffe müssen die vorgeschriebenen Einreise- und Hafenformalitäten erledigen. Die Hafenverwaltung arbeitet mit den zuständigen Behörden und der Meeresschutzorganisation der Insel zusammen. Für Freizeitboote gelten Regeln zur Abfallentsorgung und zum Verhalten in geschützten Meeresgebieten. Die Schifffahrt dient damit nicht nur dem Personen- und Warentransport, sondern ist auch eng mit der touristischen Wirtschaft, der Versorgungssicherheit und dem Schutz der Küstengewässer verbunden.

Flugverkehr

Der im Jahr 2004 erweiterte Aéroport Rémy de Haenen (offiziell Aéroport de Saint-Barthélemy-Rémy de Haenen, früher Gustaf III Airport oder Saint Barthélemy Airport oder St. Jean Airport) wird aufgrund der kurzen Landebahn (646 Meter) aus Europa nicht direkt angeflogen. Air France fliegt von Paris-Charles-de-Gaulle und KLM von Amsterdam zum Flughafen Princess Juliana (Sint Maarten). Von dort fliegen St Barth Commuter oder Winair nach St. Barthélemy. Dieser Flug mit kleineren Maschinen dauert etwa zehn Minuten. Die viermotorige Dash 7 ist die größte Passagier-Maschine, die auf dem Flughafen landen darf.

Die Landebahn liegt hinter einer Hügelkette und endet am Meer. Aufgrund der topographischen Gegebenheiten sind Starts in Richtung auf die Hügel zu (Piste 28) grundsätzlich nicht erlaubt. Der Flughafen darf nur von Piloten, die über eine spezielle Erlaubnis verfügen, angeflogen werden.

Am 30. Oktober 2015 wurde der Flughafen nach dem französischen Flugpionier und späteren Bürgermeister von Saint-Barthélemy Rémy de Haenen (1916 bis 2008), der 1946 die erste Landung mit einem Flugzeug auf Saint-Barthélemy auf dem Gelände des heutigen Flughafens wagte, umbenannt. Am 6. September 2017 verursachte Hurrikan Irma große Schäden am Flughafen.

Am 24. März 2001 verlor der Pilot einer DHC-6 Twin Otter (Luftfahrzeugkennzeichen F-OGES) auf einem Linienflug der Air Caraïbes von Sint Maarten nach Saint-Barthélemy beim Anflug auf die Landebahn 10 die Kontrolle über das Flugzeug. Die Maschine stürzte nahe dem kurz vor der Landeschwelle gelegenen Col de la Tourmente ab und ging sofort in Flammen auf, wodurch auch ein unmittelbar neben der Absturzstelle befindliches Wohnhaus in Brand geriet. Alle 19 Insassen des Flugzeugs sowie ein Bewohner des Hauses kamen bei dem Unfall ums Leben. (nach wikipedia)

Airlines Ziele
Air Antilles Pointe-à-Pitre
Anguilla Air Services Anguilla
Coastal Air Charter: Saint Croix
FlyMontserrat Charter: Montserrat
St Barth Commuter Antigua, Sint Maarten, Saint Martin, Charter: Antigua, Baillif, Barbados, Barbuda, Canouan, Dominica, Dominica-Canefield, Fort-de-France, La Romana, Mustique, Nevis, Pointe-à-Pitre, Providenciales, Puerto Plata, Punta Cana, Saint Croix, Saint-François, Saint Kitts, Saint Lucia-George F. L. Charles, Saint Lucia-Hewanorra, Saint Martin, Saint Thomas, Saint Vincent, San Juan, Santo Domingo-Las Américas, Sint Eustatius, Sint Maarten
Tradewind Aviation Antigua, Nevis, Saint Thomas, San Juan, Charter: Antigua, San Juan, St. Thomas
Trans Anguilla Airways Anguilla
Winair Antigua, Sint Maarten, Saba


Saint Barths Airport:

  • französischer Name:  Aéroport de Saint-Barthélemy-Rémy de Haenen
  • ursprüngliche Bezeichnung:  Aéroport Saint-Jean–Gustave III
  • Code:  SBH / TFFJ
  • Lage:  17°54‘16“ N, 62°50‘38“ W
  • Seehöhe: 15 m (48 ft)
  • Entfernung: direkt beim Quartier Saint-Jean
  • Inbetriebnahme:  November 1984
  • Betreiber:  La Collectivité de Saint-Barthélemy
  • Terminal:  1
  • Rollbahn: 1
  • Länge der Rollbahn:  646 m (Beton)
  • Fluggesellschaften:  8
  • Flugzeug-Standplätze:  ca. 20
  • jährliche Passagierkapazität: 
  • jährliche Frachtkapazität: 
  • Flughafen-Statistik:  Jahr Flugbewegungen Passagiere                   Fracht in t

                       2014                                       171 051                      

                       2017                31 414             184 247                       299

                       2018                                       140 570                      

                       2020                26 404             119 050                       346

Wirtschaft

Saint Barthelemy ist ins französische Wirtschaftsgefüge eingebunden. Haupteinnahmequelle der Bewohner ist der Tourismus. Es gibt kaum Arbeitslose, Steuern sind unbekannt, mit Ausnahme einer kleinen Steuer für die Straßenreinigung.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft spielt auf Saint-Barthélemy heute nur eine geringe wirtschaftliche Rolle. Die natürlichen Voraussetzungen sind ungünstig: Die Insel besitzt ein hügeliges, felsiges Relief, die Böden sind vielerorts flachgründig und steinig, und die Niederschläge fallen unregelmäßig. Längere Trockenperioden erschweren den Anbau, während Starkregen auf den Hängen zu Bodenerosion führen kann. Auch tropische Wirbelstürme können Kulturen und Anbauflächen beschädigen. Größere zusammenhängende Ebenen, wie sie für eine intensive Plantagenwirtschaft erforderlich wären, fehlen weitgehend.

Die Landwirtschaft der Kolonialzeit war nicht mit der großflächigen Zuckerrohrwirtschaft anderer Karibikinseln vergleichbar. Zwar wurden auf Saint-Barthélemy Nutzpflanzen angebaut und Vieh gehalten, doch verhinderten der Wassermangel, die begrenzte Bodenfruchtbarkeit und die geringe Fläche die Entwicklung einer dauerhaft bedeutenden Plantagenwirtschaft. Eine frühere, auf Zuckerrohr, Baumwolle und Indigo beruhende Plantagenökonomie, wie sie für andere französische Kolonien charakteristisch war, lässt sich für Saint-Barthélemy nicht in dieser Form verallgemeinern. Auch die Sklaverei war auf der Insel vorhanden, obwohl keine großflächigen Plantagen entstanden. Nach der Abschaffung der Sklaverei 1847 und der Rückkehr unter französische Herrschaft 1878 blieb die Landwirtschaft kleinräumig und wurde zunehmend von Fischerei, Handel, Auswanderung und später dem Tourismus überlagert.

Die gegenwärtige Landwirtschaft besteht aus wenigen kleinen Betrieben, die vorwiegend auf Nischenprodukte und eine begrenzte lokale Vermarktung ausgerichtet sind. Bei der Landwirtschaftszählung 2020 wurden sechs Betriebe erfasst, gegenüber drei im Jahr 2010. Gleichzeitig sank die landwirtschaftlich genutzte Fläche von 25 Hektar auf nur noch etwa 1,3 Hektar. Die Zahl der dauerhaft in den Betrieben beschäftigten Personen stieg von drei auf acht; das ausgewiesene Arbeitsvolumen entsprach 2020 rund elf Vollzeitstellen. Der Landwirtschaftssektor machte 2024 nur etwa 0,1 % der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung aus.

Ein Schwerpunkt liegt inzwischen auf Pflanzenproduktion, Blumen und Gartenbau. Zwei Drittel der 2020 erfassten Betriebe waren auf Blumen oder Gartenbau spezialisiert. Neben traditionellen Anbaumethoden werden platzsparende Verfahren eingesetzt, darunter hydroponische Kulturen, bei denen Pflanzen ohne herkömmlichen Boden in einer Nährlösung wachsen. Solche Verfahren ermöglichen eine intensivere Nutzung kleiner Flächen und können den Wasserverbrauch kontrollierbarer machen. Die Erzeugnisse richten sich sowohl an Haushalte als auch an Restaurants, die frische lokale Produkte nachfragen. Eine flächendeckende Versorgung der Insel lässt sich damit allerdings nicht erreichen.

Die Viehwirtschaft hat stark an Bedeutung verloren. Zwischen 2010 und 2020 verringerte sich der erfasste Viehbestand auf etwa ein Siebtel des früheren Umfangs. Ziegenhaltung hat dennoch eine lokale Tradition; Ziegenfleisch, auf der Insel häufig als cabri bezeichnet, gehört zu den überlieferten regionalen Lebensmitteln. Im Rahmen der Förderung lokaler Erzeugung wurden deshalb auch Überlegungen zu einer stärker organisierten Ziegenhaltung, zur Käseherstellung und zu einer Schlachtmöglichkeit für Ziegen verfolgt. Eine bedeutende kommerzielle Rinder-, Schweine- oder Geflügelwirtschaft besteht nicht.

Die Entwicklung der Landwirtschaft wird vor allem durch den Mangel an verfügbarem und erschwinglichem Land sowie durch die knappen Wasserressourcen begrenzt. Saint-Barthélemy besitzt keine dauerhaften natürlichen Süßwasserläufe und ist bei der Wasserversorgung auf Regenwasserspeicherung und Meerwasserentsalzung angewiesen. Für landwirtschaftliche Betriebe sind deshalb sowohl der Zugang zu Anbauflächen als auch die Kosten der Bewässerung entscheidende Faktoren. Hinzu kommen die Konkurrenz durch Bebauung und touristische Nutzungen sowie die Schäden, die Extremwetterereignisse verursachen können. Der Hurrikan Irma zerstörte 2017 auch landwirtschaftliche Einrichtungen und Weideflächen.

Seit 2022 bemühen sich die örtlichen Wirtschafts- und Landwirtschaftsorganisationen verstärkt um eine Wiederbelebung der Produktion. In diesem Zusammenhang entstand die Association des agriculteurs de Saint-Barthélemy (APAG SBH). Sie vertritt die Interessen der landwirtschaftlichen Betriebe und setzt sich unter anderem für geeignete Anbauflächen, einen bezahlbaren Wasserzugang, die bessere Vermarktung lokaler Produkte und die Anschaffung professioneller Ausrüstung ein. Außerdem wird ein territorialer Plan für nachhaltige Landwirtschaft, Ernährung und Fischerei ausgearbeitet, der die örtlichen Produktionsmöglichkeiten erfassen und konkrete Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Sektors festlegen soll.

Forstwirtschaft

Die ursprüngliche Vegetation wurde im Laufe der Besiedlung und landwirtschaftlichen Nutzung erheblich verändert. Für den historischen Siedlungsbau, den Bootsbau, die Herstellung von Werkzeugen und den häuslichen Bedarf wurden lokal verfügbare Hölzer genutzt. Auch die Rodung von Flächen für kleine landwirtschaftliche Betriebe, Weidewirtschaft und Siedlungen trug zur Veränderung der natürlichen Gehölzbestände bei. Die begrenzten Wasserressourcen und die wiederkehrenden Trockenperioden erschwerten die Regeneration gerodeter Flächen. In vielen Bereichen entwickelte sich deshalb eine offene Vegetation aus Sträuchern, kleineren Bäumen und trockenheitsresistenten Pflanzen.

Die verbliebenen Trockenwälder und Gehölzbestände erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Sie bieten Lebensräume für Vögel, Reptilien, Insekten und zahlreiche einheimische Pflanzenarten. Ihre Wurzelsysteme stabilisieren die vielfach steinigen Hänge und tragen dazu bei, den Abtrag des Bodens durch Starkregen zu begrenzen. Die Vegetationsdecke ist besonders dort von Bedeutung, wo heftige Niederschläge auf trockene, wenig entwickelte Böden treffen. Zugleich tragen die Gehölze zum Wasserrückhalt und zur Erhaltung der natürlichen Bodenstruktur bei. Neben trockenen Waldformationen kommen auf Saint-Barthélemy auch Feuchtgebiete und kleine Mangrovenbestände vor, die eigene Lebensgemeinschaften beherbergen.

Eine kommerzielle Forstwirtschaft mit planmäßiger Holzernte, Sägewerken und einer bedeutenden Holzindustrie ist auf Saint-Barthélemy nicht etabliert. Die Forstwirtschaft ist daher vor allem im weiteren Sinne als Schutz, Pflege und Wiederherstellung der Gehölzvegetation zu verstehen. Holz für Bauarbeiten, Möbel, Innenausstattung und andere gewerbliche Zwecke muss weitgehend von außerhalb der Insel bezogen werden. Die wirtschaftliche Bedeutung der Gehölzbestände liegt weniger in der Bereitstellung von Nutzholz als in ihrem Beitrag zum Naturhaushalt und zur Erhaltung der Landschaft.

Der Schutz der einheimischen Pflanzenwelt wird von der Agence Territoriale de l’Environnement begleitet. Zu ihren Aufgaben gehören die Erfassung der Flora, die Beobachtung der Vegetationsbestände und die fachliche Beurteilung von Eingriffen in natürliche Lebensräume. Bei Erhebungen werden unter anderem Bäume, Sträucher und krautige Pflanzen dokumentiert. Außerdem werden Samen gesammelt, um die Vermehrung einheimischer Arten sowie gegebenenfalls Wiederansiedlungsmaßnahmen zu unterstützen. Die Behörde fördert die Verwendung standortgerechter Pflanzen, die an die Trockenheit, die intensive Sonneneinstrahlung und die salzhaltige Meeresluft angepasst sind.

Auch die rechtlichen Regelungen zum Schutz der Vegetation sind für den Umgang mit den Gehölzbeständen von Bedeutung. Nach den 2026 beschlossenen Änderungen des Umweltrechts von Saint-Barthélemy unterliegen bestimmte Eingriffe in die natürliche Vegetation und das Fällen von Bäumen einer umweltrechtlichen Genehmigung oder einer vorherigen Erklärung. In natürlichen Gebieten und auf wenig oder nicht bebauten Grundstücken gelten besondere Schutzbestimmungen. Die Vorschriften wurden zudem für die Beseitigung von Gehölzbeständen und für Eingriffe in Dünen und Mangroven verschärft. Damit sollen die Zerstörung von Lebensräumen, die Bodenerosion und der Verlust einheimischer Pflanzenarten begrenzt werden.

Fischerei

Die geografischen Voraussetzungen begünstigen unterschiedliche Formen der Küsten- und Hochseefischerei. Saint-Barthélemy liegt im nördlichen Teil der Kleinen Antillen und ist von Gewässern umgeben, die sowohl flache Küstenabschnitte als auch steil abfallende Meeresböden und tieferes offenes Meer umfassen. In Küstennähe bieten Felsbereiche, Korallenriffe und Seegraswiesen Lebensräume für zahlreiche Fisch- und Wirbellosenarten. Weiter von der Küste entfernt werden pelagische Fischarten gefangen, die sich im freien Wasser aufhalten. Die Fangmöglichkeiten hängen von der jeweiligen Jahreszeit, dem Seegang, der Wassertemperatur und der Verfügbarkeit der einzelnen Arten ab.

Die Fischereifahrzeuge sind überwiegend kleine, motorisierte Boote, die für den küstennahen Einsatz und für Fahrten in die umliegenden Gewässer geeignet sind. Sie bestehen je nach Bootstyp aus glasfaserverstärktem Kunststoff oder Holz. Gustavia, der Hauptort der Insel, bildet mit seinem Hafen einen wichtigen Ausgangs- und Anlaufpunkt für die maritime Wirtschaft. Daneben spielen kleinere Küstenorte und Ankerplätze eine Rolle. Corossol ist historisch besonders eng mit dem Fischfang verbunden und gilt als eines der traditionellen Fischerdörfer der Insel. Die Größe der Boote, die begrenzte Lagerkapazität und die Abhängigkeit von den Wetterbedingungen führen dazu, dass viele Fangfahrten auf einen überschaubaren Zeitraum beschränkt bleiben.

Die Fangmethoden richten sich nach den Zielfischarten und den örtlichen Gegebenheiten. Zum Einsatz kommen Angelleinen, Handangeln und verschiedene Arten von Leinenfischerei. In geeigneten Bereichen werden außerdem Netze und Reusen verwendet. Die Fischer benötigen Kenntnisse über Strömungen, Wassertiefen, Fischwanderungen und die jahreszeitliche Verteilung der Fangarten. Moderne Navigationsgeräte und Echolote können die Orientierung und die Suche nach geeigneten Fanggründen erleichtern. Der tatsächliche Einsatz einzelner Fanggeräte ist jedoch von den jeweils geltenden Vorschriften und den Schutzbestimmungen für bestimmte Meeresgebiete abhängig.

Die täglichen Fangfahrten werden wesentlich von Wind, Wellen und Strömungen beeinflusst. Auch Gezeiten und Mondphasen können bei bestimmten Fangmethoden eine Rolle spielen. Während der atlantischen Hurrikansaison von Juni bis November müssen die Fischer mit häufigeren Wetterwarnungen, stärkerem Seegang und zeitweiligen Einschränkungen des Bootsverkehrs rechnen. Besonders bei der Annäherung tropischer Wirbelstürme werden Boote gesichert und Fangfahrten unterbrochen. Daneben können längere Perioden mit ungünstigem Seegang die Versorgung mit frischem Fisch beeinträchtigen. Eine feste Fangperiode für sämtliche Fischarten besteht nicht, da sich die jahreszeitliche Verfügbarkeit je nach Art und Fanggebiet unterscheidet.

Zu den wirtschaftlich interessanten Fangarten gehören verschiedene pelagische Fischarten, die sich im offenen Meer aufhalten. Dazu zählen Thunfische, Goldmakrelen, die international als Mahi-Mahi bezeichnet werden, und Wahoos. Diese Fische werden vor allem mit geeigneten Leinen und anderen zugelassenen Fanggeräten gefangen. Ihre Verfügbarkeit hängt von den Wanderbewegungen der Bestände und den jeweiligen Meeresbedingungen ab. Der Fang pelagischer Arten ergänzt die küstennahe Fischerei und ermöglicht es, unterschiedliche Fischarten für den örtlichen Markt bereitzustellen.

In den küstennahen Gewässern kommen unter anderem Schnapper aus der Familie Lutjanidae, Zackenbarsche aus der Familie Epinephelidae und Barrakudas vor. Sie halten sich je nach Art an Riffhängen, felsigen Meeresböden oder in anderen küstennahen Lebensräumen auf. Ihre Nutzung erfordert eine genaue Kenntnis der örtlichen Fanggebiete und der geltenden Mindestmaße sowie gegebenenfalls weiterer Beschränkungen. Gerade bei Arten, die langsam wachsen oder sich erst in höherem Alter fortpflanzen, kann ein hoher Fangdruck die Bestände beeinträchtigen. Die Erhaltung der Fortpflanzungsbestände ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Fischereiregulierung.

Eine besondere Rolle spielen auch wirbellose Meerestiere. Dazu gehört die Karibische Languste (Panulirus argus), die in geeigneten Riff- und Felslebensräumen vorkommt. Sie ist als Speisefischereiprodukt von erheblichem kulinarischem Interesse, unterliegt jedoch Fangbeschränkungen. Daneben ist die Königinmuschel, regional Lambi genannt, wirtschaftlich und kulturell bedeutsam. Ihr heute gebräuchlicher wissenschaftlicher Name lautet Lobatus gigas; in älterer Literatur wird sie häufig als Strombus gigas geführt. Die Art lebt unter anderem auf sandigen Meeresböden und in Seegraswiesen. Ihre Nutzung ist reglementiert, weil übermäßige Entnahme die Bestände gefährden kann. Auch Krabben und weitere wirbellose Meerestiere gehören zur marinen Fauna der Insel, wobei nicht alle Arten für eine kommerzielle Nutzung infrage kommen.

Die Vermarktung des Fangs erfolgt in einem überschaubaren regionalen Wirtschaftskreislauf. Frischer Fisch wird an örtliche Abnehmer, gastronomische Betriebe und private Haushalte abgegeben. Restaurants können den Fang des Tages in ihre Speisekarten aufnehmen und damit die Verbindung zwischen der Fischerei und dem Fremdenverkehr herstellen. Fischgerichte, gegrillte Langusten und Zubereitungen nach karibischer Art gehören zum gastronomischen Angebot der Insel. Auch die kreolische Küche der französischen Antillen kennt Fischgerichte mit würzigen Saucen und Brühen, darunter Zubereitungen, die als Court-bouillon bezeichnet werden. Allerdings lässt sich nicht jeder Fang unmittelbar einem bestimmten Restaurant oder Markt zuordnen; ein umfassender, öffentlich zugänglicher Nachweis über die gesamten örtlichen Anlandungen und deren Verteilung liegt nicht ohne Weiteres vor.

Die Versorgung des Gastronomiegewerbes mit Meeresprodukten ist eng mit der touristischen Nachfrage verbunden. Saint-Barthélemy besitzt zahlreiche Restaurants, die frischen Fisch und hochwertige Meeresfrüchte anbieten. Die lokale Fischerei kann diesen Bedarf jedoch nicht allein decken. Importierte Produkte ergänzen deshalb das Angebot. Die geografische Nähe zu Saint-Martin und anderen Inseln der nördlichen Kleinen Antillen erleichtert den regionalen Warenaustausch. Gleichzeitig müssen die örtlichen Fischer mit den Kosten für Treibstoff, Wartung, Ausrüstung und Kühlung zurechtkommen. Für kleine Betriebe sind diese Kosten besonders relevant, da sie nur begrenzte Fangmengen anlanden und ihre Einnahmen von den Fangbedingungen und der Nachfrage abhängig sind.

Zur organisatorischen Stärkung des Wirtschaftszweigs wurde am 16. Juni 2021 das Comité Territorial des Pêches et de l’Aquaculture de Saint-Barthélemy (CTPA) gegründet. Das Gremium bündelt Interessen der professionellen Fischer und weiterer Akteure aus dem Bereich der Aquakultur. Es soll die Fischerei wirtschaftlich weiterentwickeln, die Interessen der Berufsfischer gegenüber den zuständigen Stellen vertreten und die berufliche Organisation des Sektors verbessern. Im Rahmen eines auf zehn Jahre angelegten Plans zur Aufwertung der örtlichen Fischerei wurden unter anderem die Weiterbildung von Fischern, Maßnahmen zur Verringerung der Treibstoffkosten und die Verbesserung der Vermarktung behandelt. Auch die Einrichtung einer Fischhalle und die bessere Vermarktung von Rifffischen gehörten zu den Vorhaben, die im Wirtschaftsbericht für 2023 als laufende Projekte aufgeführt wurden.

Die Fischerei steht zugleich vor ökologischen Herausforderungen. Korallenriffe, Seegraswiesen und andere marine Lebensräume reagieren empfindlich auf Verschmutzung, Veränderungen der Küstenbereiche und steigenden Nutzungsdruck. Abwässer, Bauarbeiten an der Küste und Schäden durch tropische Wirbelstürme können die Lebensbedingungen der Meerestiere beeinträchtigen. Hinzu kommen die Folgen einer möglichen Überfischung. Die Erhaltung der Fangbestände ist daher nicht allein eine Frage der Fischereipolitik, sondern hängt auch von der Wasserqualität und dem Schutz der Unterwasserlebensräume ab.

Ein wesentliches Instrument des Meeresschutzes ist die 1996 eingerichtete Réserve naturelle nationale de Saint-Barthélemy. Sie umfasst mehrere räumlich getrennte Schutzbereiche mit unterschiedlichen Regelungen. Die Fischerei ist dort nicht überall gleichermaßen erlaubt: In bestimmten Zonen ist sie vollständig untersagt, in anderen gelten besondere Einschränkungen. In der gesamten Reserve ist die Fischerei bei Nacht verboten. Für bestimmte Fangmethoden, darunter Netze, Reusen und die Unterwasserjagd mit Speeren, bestehen innerhalb des Schutzgebiets besondere Verbote beziehungsweise eng begrenzte Ausnahmen. Die konkreten Regelungen unterscheiden sich nach Schutzbereich und Fangart.

Auch außerhalb der Naturschutzgebiete unterliegt die Fischerei den Vorschriften der Gebietskörperschaft. Die professionelle Meeresfischerei wird insbesondere durch die Beratung des Territorialrats Nr. 2015-035 CT vom 27. Juli 2015 geregelt, die durch spätere Bestimmungen ergänzt wurde. Bestimmte Fangmethoden, darunter der Fang von Lambi, die Reusenfischerei, die Netzfischerei mit Zugnetzen und der Einsatz von Fischsammelvorrichtungen, sind ausschließlich zugelassenen Berufsfischern vorbehalten. Für die Freizeitfischerei gelten eigene Regeln. Außer beim Angeln von der Küste ist grundsätzlich eine kostenlose Genehmigung der Agence Territoriale de l’Environnement erforderlich; auch für das Angeln in der Lagune von Grand Cul-de-Sac gilt eine Genehmigungspflicht. Freizeitfänge dürfen nur vom Fischer und seiner Familie verzehrt werden und nicht in den Verkauf gelangen. Mindestgrößen, Schonzeiten, zulässige Fangmengen und räumliche Beschränkungen sind ebenfalls zu beachten.

Die Regulierung betrifft auch den Schutz einzelner Arten. Für Langusten und andere Meerestiere gelten besondere Vorgaben, etwa zu Mindestmaßen und Fortpflanzungszuständen. Bestimmte Arten dürfen überhaupt nicht gefangen werden. Bei der Königinmuschel ist zwischen den Bestimmungen für professionelle Fischer und jenen für Freizeitfischer zu unterscheiden: Der Fang von Lambi ist Freizeitfischern untersagt. Die jeweils gültigen Fangperioden und Größenbegrenzungen müssen anhand der aktuellen Vorschriften geprüft werden; pauschale Angaben zu einer für alle Fangarten geltenden Schonzeit wären irreführend.

Kulturell ist die Fischerei eng mit der Geschichte und dem Selbstverständnis Saint-Barthélemys verbunden. Die Insel wurde im 17. Jahrhundert von französischen Siedlern besiedelt, und über lange Zeit gehörten Fischfang, Seefahrt, Landwirtschaft und der Austausch mit benachbarten Inseln zu den Grundlagen der örtlichen Lebensweise. Die Fischerei war insbesondere für Haushalte wichtig, die ihren Lebensunterhalt nicht aus dem Handel oder anderen Tätigkeiten bestreiten konnten. Das über Generationen weitergegebene Wissen über Küstengewässer, Fangplätze, Bootsführung und die Verarbeitung des Fangs bildet einen Teil des maritimen Kulturerbes.

Corossol bewahrt bis heute einen Teil dieser Tradition. Das an der Westküste gelegene Dorf ist für seine Verbindung zur Fischerei und seine eigenständige lokale Identität bekannt. Kleine Boote, die am Strand liegen oder in der geschützten Bucht anlanden, erinnern an die Bedeutung der Küstenfischerei für die Inselgeschichte. Die maritime Tradition zeigt sich außerdem in handwerklichen Tätigkeiten und im örtlichen Gemeinschaftsleben. Historische Bootsbau- und Reparaturkenntnisse sowie der Umgang mit Netzen und anderen Fanggeräten gehören zu den Fähigkeiten, die mit dem traditionellen Fischfang verbunden sind.

Handwerk

Das traditionelle Handwerk auf Saint-Barthélemy entwickelte sich aus den Bedingungen einer kleinen, lange Zeit nur begrenzt erschlossenen Karibikinsel. Über Jahrhunderte mussten die Bewohner Werkzeuge, Gebrauchsgegenstände, Kleidung, Haushaltsgeräte und Teile ihrer Boote möglichst wirtschaftlich herstellen, reparieren und wiederverwenden. Die handwerklichen Tätigkeiten waren eng mit der Fischerei, der Seefahrt, der Landwirtschaft und der häuslichen Selbstversorgung verbunden. Verarbeitet wurden vor allem Holz, pflanzliche Fasern, Leder, Metall und andere lokal verfügbare Materialien. Was nicht auf der Insel gewonnen oder hergestellt werden konnte, musste über den Seehandel eingeführt werden.

Mit dem wirtschaftlichen Wandel und dem starken Ausbau des Fremdenverkehrs hat sich die Bedeutung des Handwerks verändert. Während früher vor allem Gebrauchsgegenstände, Arbeitsgeräte und Reparaturleistungen benötigt wurden, richtet sich ein wachsender Teil des heutigen Angebots auf Schmuck, Modeaccessoires, Kunstgegenstände, dekorative Objekte und hochwertige Einzelanfertigungen. Dabei ist zwischen dem überlieferten lokalen Handwerk und dem modernen Kunsthandwerk einerseits sowie dem internationalen Luxusgewerbe andererseits zu unterscheiden. Saint-Barthélemy verfügt über zahlreiche Geschäfte für Schmuck, Uhren, Mode und Design, doch nicht sämtliche dort angebotenen Waren werden auf der Insel hergestellt. Ein Teil des Sortiments wird importiert und vor Ort verkauft oder angepasst.

Der Bootsbau gehört zu den historisch bedeutsamen handwerklichen Tätigkeiten. Die Fischerei und der Verkehr zwischen den Inseln erforderten Boote, die den örtlichen Küstenverhältnissen und den Anforderungen der Seefahrt entsprachen. Traditionelle Holzboote mussten von Hand vermessen, zugeschnitten, zusammengesetzt und abgedichtet werden. Zu den anspruchsvollen Arbeiten gehörten die Formgebung des Rumpfes, die Herstellung und Befestigung der Spanten, die Verbindung der Planken sowie die Anpassung von Ruder, Mast und Segeln. Bei der Reparatur älterer Boote waren zudem Kenntnisse über die Eigenschaften der verwendeten Hölzer und die Beanspruchung der einzelnen Bauteile notwendig.

Holzboote spielten insbesondere für die Küstenfischerei eine wichtige Rolle. Sie mussten leicht genug sein, um unter den örtlichen Bedingungen manövriert und an geeigneten Stellen an Land gezogen werden zu können, zugleich aber den Belastungen durch Wellen, Salzwasser und tropisches Wetter standhalten. Die handwerkliche Erfahrung wurde traditionell innerhalb von Familien und zwischen erfahrenen Bootsbauern und ihren jüngeren Mitarbeitern weitergegeben. Kleinere Reparaturen konnten von den Bootsbesitzern selbst vorgenommen werden, während aufwendigere Arbeiten spezialisierte Kenntnisse voraussetzten.

Heute wird der traditionelle Holzbootsbau auf Saint-Barthélemy von der modernen Bootstechnik ergänzt. Motorisierte Boote aus glasfaserverstärktem Kunststoff sind für zahlreiche Einsatzzwecke praktischer und wartungsärmer als traditionelle Holzfahrzeuge. Entsprechend haben sich auch die handwerklichen Anforderungen verändert. Reparaturen an Kunststoffrümpfen, Motoren, elektrischen Anlagen und Navigationsgeräten gehören zum modernen maritimen Gewerbe. Der historische Bootsbau bleibt vor allem als Bestandteil des kulturellen Erbes bedeutsam. Die Bezeichnungen „Saint-Barth Goulets“ und „Yawl“ sollten allerdings nur dann als Namen bestimmter örtlicher Bootstypen verwendet werden, wenn sich ihre historische Verwendung für die Insel nachweisen lässt; eine allgemeine Gleichsetzung sämtlicher traditioneller Boote Saint-Barthélemys mit diesen Typen wäre nicht gerechtfertigt.

Die Korbflechterei und das Flechten von Pflanzenfasern gehören zu den am besten dokumentierten überlieferten Handwerkstraditionen der Insel. Besonders Corossol ist für diese Arbeiten bekannt. Dort wurden über Generationen hinweg getrocknete Blätter des Latanier, einer in der Karibik verbreiteten Fächerpalme, zu Gebrauchsgegenständen verarbeitet. Aus den Pflanzenfasern entstanden Hüte, Körbe, Taschen, Matten und kleinere dekorative Objekte. Die Erzeugnisse dienten ursprünglich vor allem dem täglichen Bedarf und wurden später zunehmend auch als Souvenirs für Besucher angeboten.

Die Herstellung solcher Flechtarbeiten erfordert mehrere aufeinander abgestimmte Arbeitsschritte. Zunächst müssen geeignete Blätter gesammelt und für die Verarbeitung vorbereitet werden. Nach dem Trocknen werden die Fasern sortiert und, soweit erforderlich, in schmale Streifen geteilt. Anschließend werden sie durch wiederholtes Über- und Unterflechten zu einer stabilen Fläche verbunden. Je nach Verwendungszweck entstehen unterschiedliche Muster und Formen. Bei einem Hut müssen die Flechtbahnen so angeordnet werden, dass sich eine feste Krone und eine gleichmäßige Krempe bilden. Körbe benötigen dagegen einen stabilen Boden, belastbare Seitenwände und häufig verstärkte Ränder. Die Qualität hängt unter anderem von der Gleichmäßigkeit der Fasern, der Festigkeit der Verbindungen und der Sorgfalt beim Abschluss der Ränder ab.

Die Flechtkunst ist zugleich ein Beispiel für die Nutzung pflanzlicher Rohstoffe, die auf Inseln mit begrenzten Ressourcen besonders wichtig war. Solche Gegenstände ließen sich mit vergleichsweise einfachen Werkzeugen herstellen und bei Bedarf reparieren. Mit dem Wandel der Lebensweise nahm ihre Bedeutung als alltägliche Gebrauchsgegenstände ab, während ihr Wert als Ausdruck regionaler Identität zunahm. Heute ist die Tradition vor allem in Corossol sichtbar. Allerdings ist zwischen der historischen Verbreitung des Handwerks und seiner heutigen wirtschaftlichen Bedeutung zu unterscheiden: Die Korbflechterei ist weiterhin ein wichtiges kulturelles Erkennungsmerkmal, aber kein industriell organisierter Produktionszweig mit großen Stückzahlen.

Neben der Flechtkunst gehören textile Arbeiten und die Herstellung von Kleidungsaccessoires zum handwerklichen Erbe Saint-Barthélemys. Die traditionelle Kleidung der Insel entwickelte sich unter französischen und karibischen Einflüssen. In der Vergangenheit wurden Kleidungsstücke aus praktischen Gründen häufig lange getragen, ausgebessert und umgearbeitet. Näharbeiten, das Anpassen von Kleidern und das Verzieren von Stoffen waren daher wichtige häusliche Fähigkeiten. Heute finden sich auf der Insel neben internationalen Modegeschäften auch kleinere Unternehmen, die Kleidung entwerfen, besticken, mit Perlen verzieren oder individuell verändern. Solche Arbeiten verbinden textile Handwerkstechniken mit dem modernen Mode- und Souvenirgeschäft.

Ein Beispiel für die Verbindung von traditioneller Formgebung und zeitgenössischem Design ist die Marke July of St Barth. Das Unternehmen wurde 1989 von Juliette Espinasse Dubois gegründet und war zunächst auf Hüte, Taschen und weitere Modeaccessoires spezialisiert. Die Gründerin integrierte unter anderem Muscheln in ihre Entwürfe und entwickelte daraus einen individuellen Stil, der mit der Küstenlandschaft und der Lebenswelt der Insel verbunden ist. 2014 kam eine eigene Parfümlinie hinzu. Das Unternehmen zeigt, wie sich lokale Motive und handwerkliche Gestaltung zu einer Marke entwickeln lassen, die über den ursprünglichen Inselmarkt hinausreicht.

Das Schmuckhandwerk besitzt heute eine besondere wirtschaftliche Bedeutung, wobei zwischen tatsächlich auf Saint-Barthélemy entworfenen oder gefertigten Schmuckstücken und dem Verkauf internationaler Luxusmarken unterschieden werden muss. In Gustavia gibt es Juweliere und kleinere Designateliers, die Schmuckstücke anbieten, individuell anpassen oder nach Kundenwünschen gestalten. Verarbeitet werden unter anderem Edelmetalle, Perlen und Edelsteine. Einige Entwürfe greifen maritime Motive auf, beispielsweise Muscheln, Wellen oder andere Formen aus der Natur. Auch die Farben des Meeres und die tropische Vegetation dienen als Inspirationsquellen.

Die handwerkliche Schmuckherstellung umfasst das Entwerfen und Vermessen eines Stücks, das Bearbeiten und Verbinden der Materialien sowie das Fassen von Steinen und Perlen. Bei individuellen Anfertigungen kommen das Anpassen von Ringgrößen, das Umarbeiten älterer Schmuckstücke und Reparaturarbeiten hinzu. Solche Leistungen unterscheiden das eigentliche Juwelierhandwerk vom reinen Einzelhandel. Der Umstand, dass eine internationale Luxusmarke eine Boutique in Gustavia betreibt, belegt dagegen nicht, dass ihre Schmuckstücke oder Uhren auf der Insel hergestellt werden. Marken wie Chopard sind Teil des internationalen Luxusangebots, dürfen aber nicht ohne entsprechenden Nachweis als örtliche Schmuckmanufakturen eingeordnet werden.

Auch die Herstellung von Parfüms und kosmetischen Produkten hat sich zu einem eigenständigen Bereich der Inselwirtschaft entwickelt. Dabei geht es weniger um eine traditionelle Destillation heimischer Rohstoffe als um die Verbindung tropischer Pflanzenstoffe, kosmetischer Rezepturen und moderner Produktentwicklung. Die Insel besitzt keine bedeutende industrielle Landwirtschaft, die eine umfassende Versorgung der Parfüm- und Kosmetikherstellung mit lokal angebauten Rohstoffen ermöglichen würde. Viele Bestandteile und Vorprodukte müssen deshalb von außerhalb bezogen werden.

Ein bekanntes Unternehmen dieses Bereichs ist Ligne St Barth. Die Marke wurde 1983 von Hervé Brin gegründet und entwickelte zunächst kosmetische Produkte auf der Grundlage pflanzlicher Öle und anderer Inhaltsstoffe, darunter Roucouöl, Aloe-vera-Gel, Avocadoöl und Kokosöl. Das Sortiment wurde später um weitere Pflegeprodukte erweitert. Die Unternehmensgeschichte ist eng mit dem tropischen Naturbild der Insel und der Entwicklung des gehobenen Wellness- und Spa-Marktes verbunden. Die Produkte werden mit Saint-Barthélemy in Verbindung gebracht und international vertrieben. Dabei handelt es sich um Kosmetik und Körperpflege, nicht ausschließlich um Parfümerzeugnisse.

Daneben gibt es kleinere Anbieter von Düften, die sich an der karibischen Pflanzenwelt, dem Meer und den Gerüchen tropischer Gärten orientieren. Senteurs des Îles ist beispielsweise ein auf Saint-Barthélemy entstandenes Familienunternehmen, das Duftprodukte entwickelt und vermarktet. Die Produktgestaltung greift das Image der Insel als tropischer Lebensraum auf. Bei solchen Erzeugnissen ist jedoch zu unterscheiden, ob die Duftkomposition auf der Insel entwickelt, das Produkt dort abgefüllt oder die gesamte Herstellung einschließlich der Gewinnung der Duftstoffe vor Ort durchgeführt wird. Die Verwendung von Vanille-, Zitrus- oder anderen tropischen Duftnoten bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Rohstoffe von Saint-Barthélemy stammen.

Neben Schmuck, Mode und Kosmetik umfasst das heutige Kunsthandwerk bildnerische und dekorative Arbeiten. Dazu zählen Malerei, Skulptur, Gestaltung von Wohnaccessoires und künstlerische Arbeiten mit Holz, Keramik oder anderen Materialien. Die Chambre économique multiprofessionnelle de Saint-Barthélemy unterstützt mit ihrer Initiative CEM’ ART die Sichtbarkeit örtlicher Künstler und Kunsthandwerker. Das Angebot umfasst ein Verzeichnis von Kreativen aus verschiedenen Bereichen sowie Maßnahmen zur Förderung und Präsentation ihrer Arbeit. Mit dem Label „Art St Barth“ sollen die künstlerische Produktion der Insel und die Herkunft der Werke stärker erkennbar werden. Auch Veranstaltungen wie der Salon de l’Art et de l’Artisanat d’Art Local dienen dazu, die örtlichen Arbeiten einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Für den Absatz handwerklicher Produkte spielt der Fremdenverkehr eine zentrale Rolle. Besucher kaufen Hüte, Körbe, Schmuck, Textilien, Kunstgegenstände und kosmetische Erzeugnisse als Erinnerungsstücke oder Geschenke. Ein Teil wird in kleinen Geschäften und Boutiquen angeboten, ein anderer über spezialisierte Verkaufsstellen und internationale Vertriebswege vermarktet. Die Zahlungsbereitschaft eines wohlhabenden internationalen Publikums ermöglicht es einzelnen Gestaltern, hochwertige Einzelstücke oder kleine Serien anzubieten. Gleichzeitig entstehen dadurch hohe Anforderungen an Präsentation, Markenbildung und Produktqualität. Die wirtschaftlichen Bedingungen unterscheiden sich daher deutlich von jenen des historischen Gebrauchshandwerks, das vor allem auf den Bedarf der örtlichen Bevölkerung ausgerichtet war.

Industrie

Die Industrie beschränkt sich auf kleinteilige, tourismusnahe Bereiche. Bauhandwerk boomt durch den Bau von Villen und Hotels; lokale Firmen spezialisieren sich auf tropenresistente Konstruktionen mit Holz und Stein, oft unter strengen Umweltauflagen der Collectivité d’Outre-Mer. Erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung: Solaranlagen und Windkraft werden von Handwerksbetrieben installiert, da die Insel auf Importe angewiesen ist und Nachhaltigkeit fördert. Fischerei und Aquakultur bleiben handwerklich – frischer Fang wird in kleinen Verarbeitungsbetrieben zu Gerichten wie „Accras“ oder geräuchertem Fisch veredelt.

Saint-Barthélemy ist zwar historisch eng mit dem Rumhandel verbunden, besitzt aber keine etablierte Zuckerrohrwirtschaft und keine bekannte kommerzielle Rumdestillerie nach dem Vorbild von Martinique oder Guadeloupe. Die Insel war insbesondere während ihrer Zeit als Freihafen ein Umschlagplatz für Waren aus der Karibik, darunter Rum. Heute gibt es in Gustavia spezialisierte Geschäfte mit umfangreichen Rumangeboten. Der Verkauf, die Auswahl und die Präsentation karibischer Spirituosen sind jedoch vom eigentlichen Brennereihandwerk zu unterscheiden. Die Behauptung, eine Destillerie namens „La Rhumerie“ in Corossol stelle handwerklichen Rum in Kupferbrennblasen her und exportiere ihn weltweit, lässt sich anhand der verfügbaren Belege nicht bestätigen.

Wasserwirtschaft

Die Wasserwirtschaft auf Saint-Barthélemy ist aufgrund der geringen Niederschlagsmengen, der ausgeprägten Trockenzeiten und des Fehlens dauerhaft wasserführender Flüsse eine der wichtigsten infrastrukturellen Aufgaben der Insel. Die Versorgung der Bevölkerung, der Gewerbebetriebe und des Fremdenverkehrs muss weitgehend unabhängig von natürlichen Süßwasservorkommen organisiert werden. Besonders hoch ist der Bedarf in den touristisch geprägten Gebieten, in denen Hotels, Villen, Restaurants, Schwimmbäder und Gartenanlagen große Wassermengen benötigen. Gleichzeitig sind die natürlichen Möglichkeiten zur Speicherung von Niederschlagswasser begrenzt. Die Wasserversorgung beruht deshalb auf der technischen Gewinnung von Süßwasser aus Meerwasser, der Speicherung, der Verteilung über ein Leitungsnetz und der ergänzenden Nutzung von Regenwasser.

Saint-Barthélemy gehört zu den trockeneren Inseln der Kleinen Antillen. Die Niederschläge fallen unregelmäßig und konzentrieren sich auf bestimmte Jahreszeiten. Längere niederschlagsarme Perioden können dazu führen, dass Zisternen und andere Speicher nur unzureichend gefüllt werden. Auch während der Regenzeit ist die verfügbare Wassermenge von der Intensität und zeitlichen Verteilung der Niederschläge abhängig. Starkregen führt nicht automatisch zu einer ausreichenden Versorgung, da ein Teil des Wassers oberflächlich abfließt und bei heftigen Niederschlägen nur begrenzt gespeichert werden kann.

Dauerhaft wasserführende Flüsse fehlen auf der Insel. Die kleinen Einzugsgebiete und die topografischen Verhältnisse ermöglichen keine umfangreiche natürliche Speicherung in großen Flusssystemen oder Seen. Auch ergiebige, zuverlässig nutzbare Süßwassergrundwasserleiter stehen nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung, um den heutigen Bedarf zu decken. Die Wasserwirtschaft kann deshalb nicht auf die Erschließung eines größeren natürlichen Süßwasserreservoirs zurückgreifen. Das Meer ist zwar eine nahezu unbegrenzte Rohwasserquelle, doch seine Nutzung setzt energieintensive technische Anlagen voraus.

Historisch waren die Einwohner auf Regenwassersammlung und örtliche Speicher angewiesen. Zisternen wurden an Häusern angelegt, um das von den Dächern ablaufende Wasser aufzufangen. Solche Speicher waren für die häusliche Versorgung von großer Bedeutung und sind Ausdruck einer an Wassermangel angepassten Bau- und Lebensweise. In trockenen Zeiten musste der Verbrauch eingeschränkt werden; für bestimmte Zwecke war die Bevölkerung auf zusätzliche Lieferungen angewiesen. Mit dem Wachstum der Siedlungen und des Fremdenverkehrs reichten die traditionellen Verfahren allein nicht mehr aus.

Die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus verstärkte den Bedarf an einer verlässlichen öffentlichen Versorgung. Insbesondere der Ausbau von Hotels, Ferienhäusern und privaten Villen erhöhte den Verbrauch in den Bereichen Körperpflege, Wäscherei, Küchenbetrieb, Gartenbewässerung und Schwimmbadunterhaltung. Da die Wasserversorgung nicht im gleichen Maß durch natürliche Ressourcen erweitert werden kann, wurde die Meerwasserentsalzung zur Grundlage der modernen Infrastruktur.

Die öffentliche Trinkwasserproduktion und die Verteilung des Wassers werden von unterschiedlichen Unternehmen übernommen. Die Société Internationale de Dessalement d’Eau de Mer (SIDEM), die zur Veolia-Gruppe gehört, produziert im Auftrag der Gebietskörperschaft das entsalzte Wasser. Die SAUR betreibt dagegen das öffentliche Verteilungsnetz und ist für die Versorgung der angeschlossenen Verbraucher zuständig. Die Aufgabenteilung ist wichtig, weil Produktionsprobleme in der Entsalzungsanlage und Schäden an den Leitungen unterschiedliche Ursachen haben, sich aber beide unmittelbar auf die Versorgung auswirken können.

Die erste Entsalzungsanlage der Insel wurde Anfang der 1970er-Jahre errichtet. Seitdem wurde die Technik mehrfach erweitert und verändert. Heute kommen zwei grundlegende Verfahren zum Einsatz: die thermische Entsalzung durch Verdampfung und die Umkehrosmose. Bei der thermischen Entsalzung wird Meerwasser erhitzt, sodass Wasserdampf entsteht, der anschließend kondensiert und als Süßwasser aufgefangen wird. Bei der Umkehrosmose wird Meerwasser unter hohem Druck durch spezielle Membranen gepresst. Die Membranen lassen Wasser durch, halten aber einen großen Teil der gelösten Salze zurück. Das Verfahren benötigt erhebliche elektrische Energie, ist gegenüber der klassischen Verdampfung aber vergleichsweise energieeffizient.

Die beiden Verfahren ergänzen sich. Bei der thermischen Anlage wird ein Teil der benötigten Wärme durch Dampf aus der benachbarten Müllverbrennungsanlage bereitgestellt. Dadurch kann vorhandene Energie genutzt werden, die andernfalls nur eingeschränkt verwertbar wäre. Die Umkehrosmose bildet den zweiten wichtigen Produktionsweg. Ihre Leistungsfähigkeit hängt unter anderem vom Zustand der Membranen, dem Druck, der Qualität des Rohwassers und der regelmäßigen Wartung ab. Sand, Schwebstoffe und andere Bestandteile des Meerwassers müssen vor der eigentlichen Entsalzung ausreichend entfernt werden, damit die empfindlichen Anlagen nicht beschädigt werden.

Nach dem Entsalzungsprozess ist das Wasser noch nicht ohne weitere Behandlung für die öffentliche Trinkwasserversorgung geeignet. Weil ihm bei der Entsalzung ein großer Teil der gelösten Mineralstoffe entzogen wurde, muss es remineralisiert und hygienisch aufbereitet werden. Anschließend wird es in Speicherbehältern gesammelt und in das Verteilungsnetz eingespeist. Die Wasserqualität wird durch betriebliche Kontrollen und behördliche Untersuchungen überwacht.

Für das Jahr 2024 weist ein Bericht des französischen Umweltministeriums für die Entsalzungsanlagen auf Saint-Barthélemy eine Trinkwasserproduktion von 1.228.075 m³ aus. Das entspricht durchschnittlich rund 3.365 m³ täglich. Die installierte theoretische Höchstleistung lag nach dem Bericht bei ungefähr 8.000 m³ pro Tag; die tatsächlich nutzbare Leistung hängt jedoch von Wartungsarbeiten, technischen Störungen und dem jeweiligen Betriebszustand ab. Die Jahresproduktion darf daher nicht mit der maximal möglichen Tagesleistung verwechselt werden.

Auch der Energiebedarf ist beträchtlich. Für 2024 nennt derselbe Bericht einen Stromverbrauch von 4.915 MWh für die Entsalzungsproduktion. Das entspricht rechnerisch etwa 4 kWh je produziertem Kubikmeter Wasser. Hinzu kommt der Energiebedarf für die Förderung, Speicherung und Verteilung sowie für die Abwasserbehandlung. Die Kosten der Wassergewinnung sind deshalb wesentlich höher als bei Regionen, in denen ausreichend Grundwasser oder Oberflächenwasser mit vergleichsweise geringem technischen Aufwand verfügbar ist. Auch Ersatzteile, Membranen, Chemikalien und Wartungsleistungen müssen angesichts der Insellage zuverlässig beschafft werden.

Die erzeugten Wassermengen werden in Speichern gesammelt, bevor sie in das Leitungsnetz gelangen. Zu den zentralen Speichern gehören die Reservoirs von Colombier und Vitet, die jeweils rund 1.000 m³ fassen. Zusammen mit einem Speicher von 500 m³ an der Produktionsanlage ergibt sich eine ausgewiesene Speicherkapazität von insgesamt 2.500 m³. Der Bericht des Umweltministeriums nennt für die Versorgungsspitze außerdem einen Bedarf an zusätzlicher Speicherkapazität, weil die vorhandenen Vorräte bei hohem Verbrauch nur einen begrenzten Zeitraum überbrücken können. Die Reservoirs dienen dazu, Schwankungen zwischen Produktion und Verbrauch auszugleichen und Wasser in höher gelegene Netzabschnitte zu verteilen.

Die Versorgung wird durch den starken Wechsel der Bevölkerungszahl zusätzlich erschwert. Neben den dauerhaft auf der Insel lebenden Menschen müssen zeitweise zahlreiche Touristen, Beschäftigte und weitere Besucher versorgt werden. Der Bericht des Umweltministeriums geht von etwa 11.000 dauerhaft anwesenden Einwohnern und bis zu 18.000 Menschen während der touristischen Spitzenzeiten aus. Damit kann sich die Zahl der zu versorgenden Personen saisonal deutlich erhöhen. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf von Hotels, Restaurants und privaten Unterkünften, während die technische Produktionskapazität nicht beliebig schnell erweitert werden kann.

Die Verbrauchszahlen verdeutlichen die Entwicklung. Nach dem Wirtschaftsbericht des IEDOM stieg der durchschnittliche tägliche Wasserverbrauch von 2.944 m³ im Jahr 2019 auf 3.290 m³ im Jahr 2022. Das entsprach einem Anstieg um rund 11,8 Prozent gegenüber dem letzten vollständigen Jahr vor der Pandemie. Als wesentliche Einflussfaktoren nennt der Bericht die zunehmende Bautätigkeit und den steigenden Besucherzustrom. Im Jahr 2022 wurden über das öffentliche Netz 1.256.619 m³ Wasser abgerechnet.

Die öffentliche Wasserversorgung wird durch private Anlagen ergänzt. Einige Hotels und Wohnanlagen verfügen über eigene Zisternen zur Sammlung von Regenwasser; andere besitzen eigene Entsalzungsgeräte. Damit können sie einen Teil ihres Bedarfs unabhängig vom öffentlichen Netz decken. Die tatsächliche Zahl und Gesamtleistung dieser Anlagen ist jedoch nicht vollständig dokumentiert. Ihre Bedeutung lässt sich daher nicht ohne Weiteres in eine Gesamtbilanz der Wasserproduktion einrechnen. Der Bericht des Umweltministeriums weist außerdem darauf hin, dass private Betreiber die bei der Entsalzung anfallende konzentrierte Salzlösung nicht ohne entsprechende Regelungen entsorgen dürfen.

Die Regenwassernutzung bleibt trotz der modernen Entsalzungstechnik ein wichtiger Bestandteil der Wasserwirtschaft. Bei der traditionellen Bauweise wurde das von den Dächern ablaufende Regenwasser über Dachrinnen in unterirdische Zisternen geleitet. Diese Speicher finden sich sowohl an älteren Häusern als auch an neueren Gebäuden. Sie ermöglichen es, Niederschläge aufzufangen und für Zeiten mit geringem Regenangebot aufzubewahren. Die gespeicherten Mengen können für die Gartenbewässerung, Reinigungsarbeiten und andere geeignete Zwecke eingesetzt werden. Bei entsprechender Aufbereitung ist auch eine Nutzung als Trinkwasser möglich; dafür sind allerdings eine geeignete Filtration, Desinfektion und regelmäßige Kontrolle erforderlich.

Die Kapazität einer Zisterne hängt von der Dachfläche, der Niederschlagsmenge und dem Fassungsvermögen des Speichers ab. Bei langen Trockenperioden kann selbst eine große Zisterne vollständig leer werden. Umgekehrt kann bei starken Niederschlägen ein Teil des Wassers überlaufen, wenn die Speicherkapazität nicht ausreicht. Eine möglichst vollständige Nutzung des Regenwassers setzt daher eine geeignete Dimensionierung, funktionsfähige Dachrinnen, saubere Filter und eine regelmäßige Wartung voraus. Für touristische Anlagen mit großen Dachflächen und umfangreichen Außenbereichen bietet die Regenwassersammlung Möglichkeiten, den Bedarf an entsalztem Trinkwasser zu reduzieren.

Neben der Regenwassernutzung spielt die Verringerung von Verlusten im öffentlichen Leitungsnetz eine zentrale Rolle. Rohrbrüche, undichte Verbindungen, defekte Armaturen und nicht erfasste Wasserentnahmen können dazu führen, dass ein Teil des produzierten Wassers nicht als Verbrauch bei den Kunden ankommt. Gerade auf einer Insel, auf der jeder Kubikmeter zunächst technisch aus Meerwasser gewonnen werden muss, sind solche Verluste wirtschaftlich und ökologisch besonders problematisch.

Für das öffentliche Trinkwassernetz weist die französische Datenbank SISPEA für 2023 eine Verteilungseffizienz von 75,7 Prozent aus. Das bedeutet, dass ein Teil des eingespeisten Wassers rechnerisch nicht als regulär abgerechneter Verbrauch erfasst wurde. Der Wert ist nicht gleichbedeutend mit einer reinen Leckagequote, da auch andere nicht abgerechnete Wassermengen in die Berechnung eingehen können. Die Daten unterstreichen dennoch die Bedeutung einer systematischen Überwachung des Netzes, der Ortung von Leckagen und der Erneuerung älterer Leitungsabschnitte.

Die Überwachung des Verbrauchs kann durch Wasserzähler, regelmäßige Messungen und eine genauere Erfassung der Wasserströme verbessert werden. Digitale Zähler und technische Überwachungssysteme können ungewöhnlich hohe Verbräuche anzeigen und dabei helfen, Schäden frühzeitig zu erkennen. Für größere Hotels und andere wasserintensive Betriebe sind getrennte Messungen einzelner Verbrauchsbereiche sinnvoll, etwa für Schwimmbäder, Küchen, Wäschereien und Gartenbewässerung. Die Nutzung solcher Systeme ist jedoch nicht mit einer flächendeckend eingeführten intelligenten Steuerung auf der gesamten Insel gleichzusetzen.

Bezüglich Abwässern besteht in Gustavia eine zentrale Kläranlage, die unter anderem häusliches Abwasser, bestimmte gewerbliche Abwässer sowie gesammelte Inhalte aus Kleinkläranlagen und abflusslosen Gruben behandelt. Nach dem Wirtschaftsbericht des IEDOM verfügt die Anlage über eine Kapazität von 3.500 Einwohnerwerten. Die Reinigung erfolgt mit einem Membranverfahren, bei dem Feststoffe und weitere Verunreinigungen mithilfe technischer Filter zurückgehalten werden. Im Jahr 2022 wurden dort 120.927 m³ Abwasser behandelt. Die zentrale Kanalisation deckt allerdings nicht sämtliche Gebäude der Insel ab. In vielen Bereichen erfolgt die Abwasserbehandlung dezentral über eigene Anlagen, Kleinkläranlagen oder andere zugelassene Systeme. Der Service public d’assainissement non collectif (SPANC), der seit 2005 tätig ist, befasst sich mit dieser Form der Abwasserentsorgung. Die ordnungsgemäße Funktion solcher Anlagen ist besonders wichtig, da undichte Abwasserbehälter oder unzureichend gereinigte Abwässer den Boden und die Küstengewässer belasten können.

Energiewirtschaft

Die Stromerzeugung und -verteilung liegen im Verantwortungsbereich von Électricité de France (EDF), genauer EDF Systèmes Énergétiques Insulaires (EDF SEI). Das zentrale Kraftwerk befindet sich im Industriegebiet Public bei Gustavia. Es versorgt Haushalte, Gewerbebetriebe, öffentliche Einrichtungen und die touristische Infrastruktur über das örtliche Mittel- und Niederspannungsnetz. Zu den größten Verbrauchern gehören Hotels, Restaurants, luxuriöse Ferienvillen, Klimaanlagen, Kühlanlagen und Schwimmbadtechnik. Auch die Trinkwasserproduktion ist unmittelbar von einer zuverlässigen Stromversorgung abhängig, weil die Meerwasserentsalzung Energie benötigt. Stromausfälle wirken sich deshalb nicht nur auf Beleuchtung und Haushaltsgeräte aus, sondern können zugleich die Wasserversorgung, Telekommunikation und weitere öffentliche Dienstleistungen beeinträchtigen.

Das Kraftwerk ist eine thermische Anlage, die mit importiertem flüssigem Brennstoff betrieben wird. Die ältere Kraftwerksausstattung bestand aus sechs Motoren mit jeweils rund 3,1 MW Leistung, die zwischen 1988 und 1997 in Betrieb genommen wurden. Ende 2013 kamen zwei leistungsstärkere Motoren mit jeweils rund 8,7 MW hinzu. Die installierte Gesamtleistung lag damit bei ungefähr 36 MW, wobei die tatsächlich verfügbare Leistung von Wartungszustand, Ausfällen und der Betriebsfähigkeit einzelner Aggregate abhängt. Die Versorgung muss so ausgelegt sein, dass auch während hoher Verbrauchsspitzen genügend Strom bereitgestellt werden kann.

Der Brennstoff muss mit Schiffen auf die Insel gebracht werden. Dadurch ist die Stromproduktion von internationalen Kraftstoffpreisen und der Zuverlässigkeit des Seetransports abhängig. Die Insel verfügt weder über eigene Erdölvorkommen noch über eine für die Stromversorgung relevante heimische Brennstoffproduktion. Steigende Weltmarktpreise, höhere Transportkosten oder Störungen der Lieferketten können deshalb die Kosten der Energieversorgung erhöhen. Auch die Lagerung ausreichender Kraftstoffmengen ist für die Versorgungssicherheit wichtig, da die Insel bei ungünstigem Wetter oder nach einem schweren Sturm zeitweise schwieriger erreichbar sein kann.

Die im Alltag häufig als Strombedarfsspitze bezeichnete Leistung liegt bei mehr als 22 MW. Dieser Wert beschreibt die momentane elektrische Leistung, die zu Zeiten hoher Nachfrage benötigt wird, und nicht die gesamte Energiemenge eines Tages oder Jahres. Die tatsächliche Nachfrage kann je nach Tageszeit, Saison, Außentemperatur und touristischer Auslastung erheblich schwanken. Bei großer Hitze steigt insbesondere der Bedarf für Klimatisierung und Kühlung. Der starke Ausbau der touristischen Unterkünfte und der damit verbundene hohe Stromverbrauch stellen daher besondere Anforderungen an die Planung und Modernisierung der Kraftwerkskapazitäten. Die französische Energieregulierungskommission CRE weist darauf hin, dass der Stromverbrauch pro Einwohner auf Saint-Barthélemy im Vergleich zu anderen nicht mit einem überregionalen Stromnetz verbundenen französischen Inselgebieten besonders hoch ist.

Ein deutliches Beispiel für die Anfälligkeit des Systems ereignete sich am 10. Juli 2023. In einem elektrischen Verteilungsbereich des EDF-Kraftwerks brach ein Feuer aus, woraufhin die Anlage zunächst vollständig ausfiel. Die verfügbaren Aggregate konnten anschließend nur schrittweise wieder in Betrieb genommen werden. Am folgenden Tag standen zeitweise lediglich etwa 10 MW zur Verfügung, während die Lastspitze bei rund 22 MW lag. Deshalb wurden rollierende Stromabschaltungen eingeführt: Verschiedene Netzbereiche erhielten abwechselnd für begrenzte Zeit Strom. Rund 6.500 Kunden waren zunächst von der Unterbrechung betroffen. Die Wiederherstellung der Versorgung erfolgte schrittweise; die Störungen verdeutlichten die Folgen einer starken Abhängigkeit von einem zentralen Kraftwerksstandort.

Auch der Hurrikan Irma im September 2017 hatte die Schwächen der Energieinfrastruktur offengelegt. Die damaligen Schäden betrafen sowohl das Kraftwerk als auch Teile des Verteilungsnetzes. Da die Trinkwasserproduktion ebenfalls auf elektrische Energie angewiesen ist, führte der Stromausfall zugleich zu erheblichen Problemen bei der Wasserversorgung. In den folgenden Jahren wurde die Widerstandsfähigkeit des Netzes durch umfangreiche Bauarbeiten verbessert. Ein wesentlicher Bestandteil war die Verlegung von Mittel- und Niederspannungsleitungen unter die Erde. Erdverlegte Leitungen sind weniger direkt Windwurf und umherfliegenden Gegenständen ausgesetzt als Freileitungen, bleiben jedoch gegenüber Überschwemmungen, beschädigten Schaltanlagen und Störungen an anderen Netzelementen anfällig.

Die Stromversorgung wird durch private Notstromaggregate ergänzt, die insbesondere in größeren Hotels, Gewerbebetrieben und wichtigen Einrichtungen eingesetzt werden. Sie können bei einem Ausfall des öffentlichen Netzes eine begrenzte Ersatzversorgung ermöglichen. Ihre tatsächliche Leistung hängt jedoch von der verfügbaren Generatorleistung und den vorhandenen Kraftstoffvorräten ab. Bei einer großflächigen Störung können zudem die Versorgung mit Diesel, die Wartung der Aggregate und die sichere Ableitung der Abgase zu zusätzlichen Problemen werden. Notstromaggregate ersetzen daher keine ausreichende und zuverlässig verfügbare öffentliche Stromerzeugung.

Die Abfallwirtschaft ist mit der Energiewirtschaft verbunden, weil die Insel eine Anlage zur thermischen Behandlung von Abfällen besitzt. Die UIOM (Unité d’incinération des ordures ménagères) ist eine Müllverbrennungsanlage, die zur Verringerung des Abfallvolumens dient. Sie ist von der EDF-Kraftwerksanlage zu unterscheiden. Die Abfallverbrennung kann grundsätzlich zur energetischen Verwertung genutzt werden; die konkrete elektrische Leistung und der Umfang einer Stromabgabe müssen jedoch anhand der technischen Betriebsdaten der Anlage belegt werden. Die Bezeichnung Cyclergie sollte deshalb nicht ohne Weiteres als Beleg dafür verwendet werden, dass die Müllverbrennungsanlage einen wesentlichen Anteil des Inselstroms erzeugt. Die thermische Hauptversorgung des öffentlichen Stromnetzes erfolgt über das EDF-Kraftwerk.

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist ein wesentlicher Bestandteil der längerfristigen Energiepolitik. Besonders geeignet ist die Photovoltaik, weil Saint-Barthélemy über eine hohe Sonneneinstrahlung verfügt und auf Gebäudedächern zusätzliche Erzeugungsflächen vorhanden sind. Solarmodule können Strom für Haushalte, Hotels, Gewerbebetriebe und öffentliche Einrichtungen produzieren. Die Erzeugung schwankt allerdings mit Tageszeit, Bewölkung und Jahreszeit. Sie erreicht ihren höchsten Wert normalerweise tagsüber, während der Strombedarf durch Klimatisierung und andere Verbraucher auch in den Abendstunden hoch sein kann. Ohne ausreichende Speicher oder andere steuerbare Erzeugungsanlagen kann Solarstrom das thermische Kraftwerk daher nicht vollständig ersetzen.

Neben der Photovoltaik kommt die Solarthermie infrage. Solarkollektoren erwärmen Wasser mithilfe der Sonnenenergie und können dadurch den Bedarf an elektrisch oder mit Brennstoff betriebenen Warmwasserbereitern verringern. Das ist besonders in Hotels, Ferienunterkünften und privaten Villen relevant, in denen regelmäßig größere Mengen Warmwasser benötigt werden. Solarthermie reduziert zwar nicht unmittelbar den Stromverbrauch für sämtliche Anwendungen, kann aber den gesamten Energiebedarf eines Gebäudes senken.

Die Nutzung von Solarenergie wird durch bauliche und wirtschaftliche Maßnahmen unterstützt. Bei Neubauten können Vorschriften und Auflagen die Installation von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energie oder andere Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz vorsehen. Welche Anforderungen im Einzelnen gelten, hängt von den jeweils anwendbaren Bau- und Energievorschriften ab. Auch steuerliche Förderungen und Programme zur Unterstützung erneuerbarer Energien können Investitionen erleichtern. Dabei ist zwischen verbindlichen gesetzlichen Pflichten, zeitlich begrenzten Förderprogrammen und freiwilligen Maßnahmen einzelner Eigentümer zu unterscheiden.

Abfallwirtschaft

Die Zuständigkeit für die Abfallwirtschaft liegt bei der Collectivité territoriale de Saint-Barthélemy. Die Behandlung und energetische Verwertung der Abfälle wurde dem Unternehmen Ouanalao Environnement übertragen, einer Tochtergesellschaft der Paprec-Gruppe. Grundlage ist ein Vertrag über die Erbringung öffentlicher Dienstleistungen aus dem Jahr 2001. Die wichtigsten Anlagen befinden sich im Industriegebiet Public am Eingang von Gustavia. Dort sind eine Abfallannahmestelle, ein Sortierzentrum und eine Anlage zur thermischen Abfallbehandlung zusammengefasst. Der Standort dient sowohl privaten Haushalten als auch Gewerbebetrieben. Nach Angaben des IEDOM werden dort rund 22.000 Tonnen Abfälle pro Jahr behandelt. Ein großer Anteil entfällt auf Sperrmüll und andere sperrige Abfälle. Da nicht alle Materialien auf der Insel verwertet werden können, werden zahlreiche Abfallfraktionen für die weitere Behandlung und Verwertung ausgeführt.

Die Sammlung im Wohngebiet erfolgt nach einem System, das eine begrenzte Zahl von Sammelfraktionen vorsieht. Haushalte verwenden schwarze Säcke für den gewöhnlichen Hausmüll sowie bestimmte weitere Abfälle, darunter Papier und kleinere Kartonagen. Glasflaschen, Gläser und Getränkedosen beziehungsweise andere Lebensmittelbehälter aus Metall werden getrennt in transparenten Säcken gesammelt. Die genaue Zuordnung richtet sich nach den örtlichen Sortierregeln; größere Kartons und andere Materialien müssen häufig direkt bei der Abfallannahmestelle abgegeben werden. Die Trennung an der Quelle soll verhindern, dass verwertbare Materialien mit dem Restmüll vermischt werden, und erleichtert die anschließende Sortierung. Die reguläre Sammlung findet nach den veröffentlichten örtlichen Informationen in der Regel montags bis samstags statt; sonntags und an bestimmten Feiertagen ist sie ausgesetzt. In einzelnen Gebieten werden die Abfälle mehrmals täglich abgeholt.

Das Sortierzentrum im Industriegebiet Public übernimmt die Annahme und weitere Aufbereitung unterschiedlicher Abfallarten. Neben dem regulären Hausmüll werden dort unter anderem Papier und Karton, Glas, Metalle, Kunststoffe, Holz, Grünabfälle, Schrott, Elektro- und Elektronikgeräte, Batterien, Reifen, Altöle und ausgediente Fahrzeuge erfasst. Für manche Abfallarten gelten besondere Annahmezeiten oder eine vorherige Anmeldung. Gewerbliche Abfälle können anderen Gebühren- und Abgabebedingungen unterliegen als Haushaltsabfälle. Die örtliche Abfallannahmestelle ist daher nicht nur ein Sammelplatz, sondern ein wichtiger Knotenpunkt für die Trennung und Weiterleitung zahlreicher Stoffströme.

Die Wiederverwertung hängt stark von der Ausfuhr der sortierten Materialien ab. Schrott und andere Metalle, Glas, Elektroaltgeräte sowie verschiedene weitere Stoffe werden für die Weiterverarbeitung aufbereitet und anschließend zu spezialisierten Anlagen außerhalb der Insel transportiert. Als Zielgebiete nennt der IEDOM unter anderem die Europäische Union, die Vereinigten Staaten und das französische Mutterland. Die Rückstände aus der Rauchgasreinigung der Müllverbrennung und die bei der Verbrennung entstehende Schlacke müssen ebenfalls über dafür vorgesehene Entsorgungswege abgeführt werden. Die Insel verfügt somit über Einrichtungen zur Sammlung, Sortierung und Behandlung, kann aber nicht sämtliche Materialien und Rückstände vor Ort endgültig verwerten.

Die thermische Behandlung erfolgt in der Unité d’incinération des ordures ménagères (UIOM), die mit der Bezeichnung Cyclergie in Verbindung gebracht wird. Sie dient der Verbrennung geeigneter Abfälle und der Verringerung des Abfallvolumens. Die Anlage ist für das örtliche System besonders wichtig, weil Saint-Barthélemy nur begrenzte Flächen für die Ablagerung von Abfällen besitzt. Die thermische Behandlung reduziert die Menge, die anderweitig entsorgt werden muss, erzeugt allerdings auch Rückstände, die gesondert behandelt werden müssen. Dazu gehören Schlacke sowie Rückstände aus der Reinigung der Verbrennungsabgase. Die Rauchgasreinigung ist erforderlich, um Schadstoffe zurückzuhalten und die Umweltbelastung zu begrenzen. Diese Rückstände werden nicht einfach mit dem normalen Hausmüll entsorgt, sondern über spezialisierte Verwertungs- oder Entsorgungswege ausgeführt.

Die Abfallverbrennung ist außerdem mit der Energiewirtschaft verbunden. Die Anlage wird als Einrichtung zur energetischen Verwertung geführt, sodass bei der Behandlung Energie genutzt werden kann. Daraus folgt jedoch nicht, dass sie einen wesentlichen Anteil des gesamten Strombedarfs der Insel deckt. Für eine genaue Beurteilung wären Angaben zur tatsächlich erzeugten elektrischen Energie, zum Eigenverbrauch der Anlage und zu einer möglichen Einspeisung in das öffentliche Netz erforderlich. Die Müllverbrennungsanlage ist daher von dem EDF-Kraftwerk in Public zu unterscheiden, das die zentrale thermische Erzeugungsanlage der öffentlichen Stromversorgung darstellt. Auch ist die energetische Verwertung nicht mit Recycling gleichzusetzen: Bei der Verbrennung wird der Energieinhalt geeigneter Abfälle genutzt, während beim stofflichen Recycling Materialien für eine erneute Verwendung aufbereitet werden.

Die aktuellen Angaben des Betreibers verdeutlichen die Größenordnung des Systems. Für 2025 weist Paprec für den Écopôle 21.320 Tonnen angelieferte Abfälle aus. Davon entfielen 14.000 Tonnen auf die beiden Anlagen zur energetischen Verwertung, 2.000 Tonnen auf die getrennte Sammlung und 4.300 Tonnen auf die Kompostierungsplattform. Die Werte sind gerundet und beziehen sich auf unterschiedliche Behandlungswege; sie sollten deshalb nicht ohne Weiteres als vollständig additive Bilanz sämtlicher Abfallströme interpretiert werden. Die Anlage umfasst nach Angaben des Betreibers auf einer Fläche von rund 1,5 Hektar zwei Abfallannahmestellen, eine Einrichtung für Elektro- und Elektronikaltgeräte, einen Bereich zur Schadstoffentfrachtung, ein Sortierzentrum, eine Kompostierungsanlage und zwei Anlagen zur energetischen Verwertung.

Die thermische Verwertung ist eng mit der Trinkwasserproduktion verbunden. Der bei der Verbrennung entstehende Dampf wird direkt an die Meerwasserentsalzungsanlage SIDEM weitergeleitet und dort zur Erzeugung von Trinkwasser genutzt. Dadurch wird ein Teil des Energiebedarfs der Wasserproduktion durch die Abfallbehandlung gedeckt. Nach einer 2024 veröffentlichten Darstellung von Paprec liefert die Anlage etwa ein Drittel der für die Trinkwasserproduktion benötigten Energie. Der Nutzen besteht somit nicht allein in der Verringerung des Abfallvolumens, sondern auch in der Bereitstellung von Prozesswärme für eine für die Insel lebenswichtige Infrastruktur. Diese Nutzung von Wärme ist allerdings nicht mit einer vollständigen Stromversorgung durch Müllverbrennung gleichzusetzen.

Besonders umfangreich sind die Grünabfälle, die bei der Pflege von Gärten, Grundstücken und Straßenrändern anfallen. Nach den örtlichen Angaben werden gewöhnlich etwa 200 bis 250 Tonnen pflanzliche Abfälle pro Monat angeliefert. Während der Zeit verstärkter Vegetationspflege und der Vorbereitung auf die Hurrikansaison kann die Menge deutlich ansteigen; für August wurden Spitzen von 500 bis 600 Tonnen genannt. Solche saisonalen Schwankungen belasten die Annahme- und Verarbeitungsflächen. Die örtliche Abfallverwaltung empfiehlt deshalb, größere Rückschnitte möglichst frühzeitig vorzunehmen, um eine Überlastung während der Hauptsaison zu vermeiden.

Die Grünabfälle werden auf der Kompostierungsplattform verarbeitet. Das daraus gewonnene Kompostmaterial steht nach Angaben der örtlichen Betreiberinformationen auch zur Abholung zur Verfügung. Private Haushalte können kleinere Mengen beziehen, während gewerbliche Nutzer größere Mengen abnehmen können. Kompostierung ermöglicht es, einen Teil der pflanzlichen Abfälle lokal zu verwerten und organisches Material wieder in den Boden zurückzuführen. Sie reduziert damit den Bedarf, diese Abfälle zu verbrennen oder auszuführen. Allerdings müssen die angelieferten Materialien ausreichend frei von Fremdstoffen sein, damit der Kompost für die weitere Verwendung geeignet bleibt. Die Kompostierung ist daher auf eine möglichst saubere Trennung der Grünabfälle angewiesen.

Trotz der vergleichsweise umfassenden Infrastruktur bleibt die Abfallvermeidung eine zentrale Aufgabe. Der IEDOM bezifferte die Menge der haushaltsähnlichen Abfälle im Jahr 2020 auf 684 Kilogramm pro Einwohner. Auf Restmüll entfielen dabei 557 Kilogramm pro Einwohner. Diese historischen Werte liegen hoch und spiegeln sowohl den touristischen Charakter der Insel als auch die begrenzte Trennung bestimmter Verpackungsabfälle wider. Der IEDOM weist insbesondere darauf hin, dass Haushaltskunststoffe und Kartonagen teilweise mit dem Restmüll verbrannt werden, statt einer getrennten stofflichen Verwertung zugeführt zu werden. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2020 und sind daher nicht als aktuelle Jahreswerte zu verstehen; sie zeigen jedoch die strukturelle Bedeutung der Abfallvermeidung und einer verbesserten Sortierung.

Zur Verringerung der Abfallmengen wurden Informations- und Sensibilisierungskampagnen durchgeführt. Dazu gehört die Initiative „Saint-Barthélemy – Île sans plastique“, die vom Rotary Club der Insel mit Unterstützung örtlicher Partner vorangetrieben wurde. Sie richtet sich unter anderem an Geschäfte und Gastronomiebetriebe und wirbt für die Reduzierung von Einwegplastik, beispielsweise bei Trinkhalmen, Flaschen und Tragetaschen. Auch zweisprachige Informationsblätter erläutern die örtlichen Trennregeln. Die Umweltagentur der Insel informiert über den richtigen Umgang mit Haushaltsabfällen und weitere Maßnahmen zum Schutz der Natur. Solche Kampagnen sind besonders wichtig, weil viele Gäste nur für kurze Zeit auf der Insel leben und mit den örtlichen Sammelregeln nicht vertraut sind.

Sonderabfälle erfordern eine gesonderte Behandlung. Batterien, Elektro- und Elektronikgeräte, Altöle, Reifen und ausgediente Fahrzeuge dürfen nicht wie gewöhnlicher Hausmüll behandelt werden. Sie werden über spezielle Annahme- und Aufbereitungswege erfasst, teilweise schadstoffentfrachtet und anschließend an geeignete Fachbetriebe oder Entsorgungsanlagen außerhalb der Insel weitergeleitet. Auch die Rückstände der Verbrennungsanlagen müssen kontrolliert gesammelt und über spezialisierte Entsorgungswege abgeführt werden. Die getrennte Behandlung dient dazu, Schadstoffe nicht unkontrolliert in Boden, Grundwasser oder Küstengewässer gelangen zu lassen. Die Annahmebedingungen und Gebühren unterscheiden sich je nach Abfallart und danach, ob die Abfälle von privaten Haushalten oder Gewerbebetrieben stammen.

Eine besondere Herausforderung stellen Bau- und Abbruchabfälle dar. Auf Saint-Barthélemy wird aufgrund des begrenzten Baulands und der hohen Bedeutung von Wohnungsbau, Hotelbau und Renovierungen regelmäßig Bauschutt erzeugt. Solche Materialien benötigen große Lager- und Umschlagflächen und können nicht sämtlich auf der Insel wiederverwendet werden. Die Annahme und Weiterleitung von Bauschutt, Keramik, Holz, Metall und anderen sperrigen Materialien ist deshalb ein wichtiger Teil der Abfallwirtschaft. Die begrenzte verfügbare Fläche macht es notwendig, die Lagerung zeitlich zu begrenzen und geeignete Materialien möglichst aufzubereiten oder auszuführen.

Handel

Der Handel auf der Insel profitiert von ihrer Status als zollfreier Hafen, was Preise für Importwaren attraktiv macht, auch wenn die Lebenshaltungskosten insgesamt hoch sind – ein Spiegel der luxuriösen Lebensweise hier. Einkaufen ist nicht nur Versorgung, sondern ein Erlebnis: Von praktischen Supermärkten für den täglichen Bedarf bis hin zu eleganten Boutiquen für Mode und Souvenirs erstreckt sich das Angebot über die gesamte Insel. Die Hauptzentren liegen in Gustavia, der charmanten Hauptstadt mit ihrem Hafen, sowie in St. Jean und Lorient, wo der Flughafen in der Nähe viele Geschäfte belebt. Viele Läden schließen mittags für Siesta (12 bis 15 Uhr), öffnen aber bis abends und an Sonntagen in reduziertem Umfang.

Die Supermärkte auf St. Barth sind das Rückgrat des Alltags-Handels und bieten eine Mischung aus französischen, amerikanischen und karibischen Produkten. Dank täglicher Lieferungen per Schiff oder Flugzeug sind Regale stets gut gefüllt, von frischem Obst und Gemüse bis zu Feinkost und Wein. Preise liegen etwa 20–50 % über denen in Frankreich oder den USA, was durch die Isolation der Insel bedingt ist, doch die Qualität ist premium. Beliebte Provisionierungsdienste erleichtern das Einkaufen, besonders für Yacht- oder Villengäste, die Waren direkt liefern lassen können.

  • Marché U (Super U) in St. Jean: Der größte und bekannteste Supermarkt der Insel, direkt gegenüber dem Flughafen gelegen. Er kombiniert US- und europäische Marken, hat eine tolle Delikatessenabteilung mit à-la-carte-Optionen, eine Bäckerei, eine umfangreiche Käseauswahl und eine exzellente Weinabteilung – ideal für Rosé und Champagner. Öffnungszeiten: Mo–Sa 8–20 Uhr, So 8–13 und 16–20 Uhr. Es ist ein One-Stop-Shop für alles von Basics bis Gourmet.
  • Monoprix in St. Jean: Früher als AMC bekannt, ist dies der erste Monoprix auf der Insel und dient als Treffpunkt für Locals. Der Fokus liegt auf hochwertigen Fleisch- und Spirituosen-Sortimenten, ergänzt durch frische Produkte, lokale Spezialitäten und Alltagsgegenstände. Die geräumigen Gänge und das freundliche Personal machen das Einkaufen zu einem angenehmen Erlebnis. Öffnungszeiten ähnlich wie bei Super U, mit Schwerpunkt auf Community-Shopping.
  • U Express Oasis in Lorient: Kleiner, aber praktisch, mit guter Auswahl an Grundnahrungsmitteln. Perfekt für schnelle Einkäufe, inklusive Haushaltswaren. Öffnungszeiten: Mo–Sa 9–21 Uhr, So 9–13 und 16–20 Uhr. Es ist eine günstigere Alternative zu den größeren Ketten.
  • Carrefour Market: Ein weiterer zuverlässiger Player mit Fokus auf Groceries und Haushaltsartikel, verteilt über die Insel. Es deckt den Bedarf an Basics ab, ohne den Luxusfaktor zu vernachlässigen.

Zusätzlich gibt es Spezialgeschäfte wie Foodland oder American Gourmet für erlesene Produkte, sowie Bäckereien und Feinkostläden in Gustavia, die frische Brote, Käse und karibische Spezialitäten anbieten. Viele Supermärkte integrieren lokale Elemente, wie Rum aus der Café Gloriette oder frischen Fisch vom Markt.

Während Supermärkte den praktischen Handel abdecken, blüht der Retail-Bereich in über 200 Boutiquen auf – ein Paradies für Fashionistas und Souvenirjäger. St. Barth ist berühmt für duty-free Shopping: Hier finden Sie Designer-Mode, Schmuck und Accessoires, die nirgendwo sonst in der Karibik so vielfältig sind. Die Szene ist geprägt von französischem Chic mit karibischem Twist, oft in Boutiquen, die wie Galerien wirken. Neue Läden öffnen regelmäßig, und viele integrieren Kunst oder lokale Handwerkskunst.

  • Gustavia als Shopping-Hub: Die Hauptstadt ist das Herz des Handels mit Straßen wie Quai de la République, Rue du Général de Gaulle und Rue de Roi Oscar II. Hier reihen sich Luxusmarken wie Louis Vuitton, Dior und Hermès aneinander – exklusive Stücke, die Insel-spezifisch sind. Boutiquen wie Carla Saint Barth bieten Schuhe und Accessoires von Amina Muaddi bis Bottega Veneta, während Human Steps High-End-Marken wie Jimmy Choo und Saint Laurent führt. Für Souvenirs ist Chamade ideal: Karibische T-Shirts, Schmuck und "Made in Paradise"-Produkte mit St.-Barth-Logo.
  • St. Jean und andere Viertel: Am Meer in St. Jean finden Sie Badebekleidung und Strandmode in Boutiquen wie Poupette St. Barth oder Pati, die den entspannten Inselstil verkörpern. Das Cour Vendôme Center in Gustavia ist ein upmarket-Highlight mit Swimsuits und Luxusaccessoires. Kunstgalerien und Handwerksläden, z. B. Latanier’s Braidings für geflochtene Waren, ergänzen das Angebot. Viele Hotels haben integrierte Shops für Kunst und Crafts.

Finanzwesen

Das Finanzwesen auf Saint-Barthélemy ist eng mit der wirtschaftlichen Struktur der Insel verknüpft, die stark vom gehobenen Tourismus und einer wohlhabenden lokalen sowie internationalen Klientel geprägt ist. Als französische Überseegemeinde nutzt St. Barths den Euro und ist vollständig in das französische und europäische Finanzsystem integriert. Dadurch profitieren Banken und Kundinnen und Kunden von stabilen gesetzlichen Rahmenbedingungen und strenger Regulierung.

Auf der Insel sind mehrere Filialen großer französischer Banken vertreten, darunter BNP Paribas, Crédit Agricole, BRED Banque Populaire, Caisse d’Épargne CEPAC sowie LCL. Diese Institute bieten klassische Bankdienstleistungen wie Kontoführung, Kredite, Zahlungsverkehr und Geldautomaten ebenso an wie spezialisierte Angebote. Aufgrund des exklusiven Profils der Insel spielen Vermögensverwaltung, Private Banking und individuelle Finanzlösungen eine besonders wichtige Rolle. Viele Banken betreuen internationale Kundschaft, die in St. Barths Immobilien besitzt, geschäftlich tätig ist oder die Insel regelmäßig besucht.

Da die Banken Zweigstellen französischer Mutterhäuser sind, unterliegen sie der Aufsicht der französischen Finanzbehörden, insbesondere der ACPR. Dadurch gelten strenge Regeln zu Transparenz, Risikomanagement und Geldwäscheprävention. Auch internationale Standards wie der automatische Informationsaustausch (CRS) finden Anwendung. Trotz dieser strengen Aufsicht gilt St. Barthélemy als steuerlich attraktiv: Es gibt keine klassische Vermögenssteuer, und die Insel bietet im Vergleich zu anderen französischen Gebieten eine vorteilhafte steuerliche Struktur, was sie für wohlhabende Privatpersonen besonders interessant macht.

Die Finanzinfrastruktur der Insel ist gut auf den Tourismus abgestimmt. Kreditkarten werden nahezu überall akzeptiert, Banken bieten Währungsumtausch an und Geldautomaten sind insbesondere in den touristischen Zentren vorhanden.

Soziales und Gesundheit

Die Insel, die einst stark von Landwirtschaft und Fischerei geprägt war, wandelte sich seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem internationalen Touristenziel für wohlhabende Besucher. Mit dem Ausbau von Yachthäfen, exklusiven Resorts und hochwertigen Dienstleistungen entstand ein Wirtschaftsmodell, das fast vollständig auf Luxus- und Qualitätstourismus basiert. Diese Entwicklung führte zu einer deutlichen Steigerung des Lebensstandards vieler Einheimischer, vor allem jener, die im Tourismus, in der Gastronomie oder in Dienstleistungsberufen arbeiten. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, und das durchschnittliche Einkommensniveau liegt über dem karibischen Durchschnitt.

Gleichzeitig bringt diese Wohlstandsentwicklung Herausforderungen mit sich. Die Lebenshaltungskosten auf Saint-Barthélemy gehören zu den höchsten der Region. Für die lokale Bevölkerung – besonders für jüngere Menschen – sind bezahlbare Wohnungen knapp, da Immobilienpreise und Mieten durch ausländische Investoren und Zweitwohnungsbesitzer stark gestiegen sind. Das führt zu einer sozialen Spaltung zwischen sehr wohlhabenden internationalen Eigentümern und den dauerhaft ansässigen Familien, deren Traditionen und Gemeinschaftsstrukturen weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Auch die starke Abhängigkeit vom Tourismus macht die Insel verwundbar gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen und Naturkatastrophen, etwa Hurrikans. Während Infrastruktur und soziale Dienstleistungen durch die französische Verwaltung gut ausgebaut sind, zeigt sich in Krisenzeiten, wie sensibel das gesellschaftliche Gleichgewicht sein kann.

Gesundheitswesen

Das zentrale Krankenhaus ist das Centre Hospitalier Irénée de Bruyn in Gustavia, benannt nach dem Geistlichen Irénée de Bruyn, der 1933 ein Krankenhaus auf der Insel gründete. Die Einrichtung wurde 1934 offiziell eröffnet, 1987 in eine öffentliche Einrichtung umgewandelt und 2010 um ein neues Hauptgebäude erweitert. Nach den aktuellen Angaben der Fédération hospitalière de France verfügt das Krankenhaus über 17 Betten: zehn Betten in der medizinischen Abteilung und sieben Betten für die medizinische Nachsorge und Rehabilitation, in Frankreich als Soins médicaux et de réadaptation (SMR), früher Soins de suite et de réadaptation (SSR), bezeichnet. Ältere Darstellungen nennen teilweise 20 Betten, weil sie drei frühere geburtshilfliche Betten mitberücksichtigen. Eine eigenständige Geburtshilfe besteht heute nicht mehr.

Die medizinische Abteilung behandelt akute und chronische Erkrankungen, die eine stationäre Betreuung erfordern, darunter Infektionen sowie Erkrankungen der Atemwege, des Verdauungssystems und des Herz-Kreislauf-Systems. Auch Patienten mit entgleisten chronischen Erkrankungen oder einem erhöhten Überwachungsbedarf können dort behandelt werden. Die sieben Betten der Nachsorge und Rehabilitation dienen der weiteren medizinischen Versorgung nach einer akuten Erkrankung oder einem Krankenhausaufenthalt. Ziel ist es, die Selbstständigkeit der Patienten wiederherzustellen oder zu verbessern und, soweit möglich, die Rückkehr in die eigene Wohnung vorzubereiten.

Das Krankenhaus verfügt über eine Notfallversorgung, die rund um die Uhr erreichbar ist. Ergänzend besteht eine mobile Notfall- und Reanimationseinheit, der Service mobile d’urgence et de réanimation (SMUR), die mit dem Krankenhaus in Saint-Martin verbunden ist. Bei schweren Verletzungen, akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen lebensbedrohlichen Situationen erfolgt zunächst die notwendige Stabilisierung. Anschließend wird entschieden, ob eine weiterführende Behandlung auf Saint-Barthélemy möglich ist oder eine medizinisch begleitete Verlegung erforderlich wird. Das Krankenhaus besitzt jedoch keinen regulären Operationssaal und keine Intensivstation für komplexe Behandlungen. Die örtliche Notfallversorgung ist daher vor allem auf Erstbehandlung, Stabilisierung und die Organisation der Weiterbehandlung ausgerichtet.

Zur diagnostischen Ausstattung gehören radiologische Untersuchungen und Computertomografie. Diese Leistungen werden teilweise in Zusammenarbeit mit spezialisierten Einrichtungen erbracht. Ein medizinisches Bildgebungszentrum und ein Labor für medizinische Analysen ergänzen die Versorgung. Die Verfügbarkeit solcher Untersuchungen vor Ort ermöglicht eine raschere Abklärung zahlreicher Erkrankungen und Verletzungen. Bei besonders komplexen Diagnosen oder wenn spezielle Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten benötigt werden, bleibt die Zusammenarbeit mit größeren Krankenhäusern außerhalb der Insel notwendig.

Neben dem Krankenhaus gibt es ein von der Collectivité territoriale getragenes Gesundheits- und Sozialdispensaire. Es bietet insbesondere präventive und familienbezogene Leistungen an. Dazu gehören Beratungen im Rahmen der Protection maternelle et infantile (PMI), also des Mutter- und Kinderschutzes, sowie gynäkologische Sprechstunden vor und nach einer Geburt und Angebote zur Familienplanung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Impfungen für Kinder im Alter von null bis sechs Jahren und auf der Gesundheitsvorsorge für Säuglinge und Kleinkinder. Diese Aufgaben ergänzen die ärztliche Versorgung und sollen gesundheitliche Probleme möglichst früh erkennen sowie die Entwicklung von Kindern begleiten.

Für Schwangerschaft und Geburt bestehen besondere Einschränkungen. Auf Saint-Barthélemy gibt es keine Entbindungsstation. Schwangere müssen deshalb für die geburtshilfliche Betreuung und die Entbindung auf eine andere Insel ausweichen. Je nach medizinischer Situation kommen insbesondere Saint-Martin oder Guadeloupe infrage. Die Planung der Versorgung erfordert dabei die Abstimmung zwischen den behandelnden Ärzten, den zuständigen Krankenhäusern und gegebenenfalls dem medizinischen Transportdienst. Bei einer unerwarteten Geburt oder Komplikationen kann die Entfernung zu einer geeigneten geburtshilflichen Einrichtung die Versorgung zusätzlich erschweren.

Die Dialyseversorgung ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Infrastruktur. Auf der Insel wird ein Dialysezentrum der Organisation AUDRA geführt, das auf die Behandlung chronischer Nierenerkrankungen ausgerichtet ist. Das Angebot umfasst medizinisch betreute Hämodialyse, unterstützte Selbstständigkeitsdialyse sowie Beratung und Schulung für Patienten, die eine Dialyse zu Hause durchführen. Die örtliche Einrichtung verringert für betroffene Patienten den Bedarf an regelmäßigen Reisen zu einem Dialysezentrum auf einer anderen Insel. Bei akuten Komplikationen oder wenn zusätzlich intensivmedizinische, nephrologische oder chirurgische Leistungen benötigt werden, kann dennoch eine Verlegung erforderlich sein.

Die ambulante medizinische Versorgung wird durch niedergelassene Ärzte und weitere Gesundheitsberufe ergänzt. Dazu gehören Allgemeinmediziner, Pflegefachkräfte, Physiotherapeuten und Fachärzte, die zum Teil regelmäßig Sprechstunden anbieten. Im Jahresbericht des IEDOM für 2024, veröffentlicht 2025, wurden für 2023 acht Allgemeinmediziner, 14 freiberufliche Pflegefachkräfte und 23 Physiotherapeuten ausgewiesen. Diese Zahlen beziehen sich auf die im Bericht erfassten Berufsgruppen und dürfen nicht mit der Gesamtzahl aller auf der Insel tätigen medizinischen Fachkräfte gleichgesetzt werden. Das Angebot an Fachärzten und spezialisierten Untersuchungen ist begrenzter als in größeren Städten, weshalb manche Patienten für planbare Untersuchungen ebenfalls nach Saint-Martin oder Guadeloupe reisen müssen.

Die Arzneimittelversorgung erfolgt über drei Apotheken, die sich in Gustavia und Saint-Jean beziehungsweise im Bereich Lorient befinden. Sie versorgen Einwohner, Beschäftigte und Urlaubsgäste mit verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Arzneimitteln sowie mit weiteren Gesundheitsprodukten. Das Sortiment orientiert sich grundsätzlich am französischen Arzneimittelsystem. Die Behauptung, die Apotheken führten generell sowohl französische als auch amerikanische Medikamente, lässt sich nicht als allgemeine Regel bestätigen. Die Verfügbarkeit einzelner Präparate hängt von der Zulassung, der Nachfrage und der Lieferfähigkeit ab. Bei speziellen Arzneimitteln kann eine Bestellung notwendig werden; wegen der Insellage können Lieferzeiten und Beschaffungskosten eine größere Rolle spielen als auf dem französischen Festland.

Ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitswesens ist die Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen. Dem Krankenhaus ist das EHPAD Louis Vialenc angeschlossen, eine Einrichtung zur Unterbringung und Betreuung älterer Menschen, die dauerhaft Unterstützung benötigen. Sie verfügt über 30 Plätze. Ergänzend besteht ein Service de soins infirmiers à domicile (SSIAD), der pflegerische und unterstützende Leistungen im häuslichen Umfeld erbringt. Diese Dienste helfen, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen und pflegebedürftige Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung zu betreuen.

Die räumliche Begrenzung und die fehlenden hochspezialisierten Behandlungsmöglichkeiten machen medizinische Evakuierungen zu einem festen Bestandteil der Versorgung. Für schwerwiegende Erkrankungen, größere Operationen, komplexe Traumata und andere Behandlungen, die vor Ort nicht möglich sind, werden Patienten insbesondere in das Centre Hospitalier Louis-Constant Fleming auf Saint-Martin oder in größere Krankenhäuser auf Guadeloupe verlegt. Je nach Erkrankung und benötigter Fachrichtung können auch andere Einrichtungen in Betracht kommen. Die medizinischen Transfers werden durch die Zusammenarbeit der Krankenhäuser und der zuständigen Rettungsdienste organisiert. Der offizielle Internetauftritt des Krankenhauses weist für die jüngere Berichtsperiode 177 Transfers beziehungsweise medizinische Evakuierungen aus; dieser Wert ist als Angabe für den dort genannten Zeitraum zu verstehen und nicht als dauerhaft gleichbleibende Jahreszahl.

Die Organisation der Versorgung erfolgt in Zusammenarbeit mit Saint-Martin und Guadeloupe. Das Krankenhaus Irénée de Bruyn ist in den Groupement hospitalier de territoire des Îles du Nord eingebunden, zu dem auch das Krankenhaus Louis-Constant Fleming auf Saint-Martin gehört. Durch diese Kooperation können spezialisierte Fachärzte konsultieren, Patienten weitergeleitet und medizinische Behandlungspfade abgestimmt werden. Die Zusammenarbeit ist für eine kleine Insel besonders wichtig, da nicht sämtliche Fachrichtungen dauerhaft mit eigenständigen Abteilungen vertreten sein können. Sie ersetzt jedoch nicht die Notwendigkeit, bei schweren Erkrankungen rasch geeignete Transportmöglichkeiten bereitzustellen.

Krankheiten

Zu den bedeutenden gesundheitlichen Herausforderungen zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Übergewicht und weitere Stoffwechselstörungen. Diese Erkrankungen können sich über Jahre entwickeln und erfordern eine kontinuierliche ärztliche Betreuung, regelmäßige Kontrollen und gegebenenfalls eine dauerhafte medikamentöse Behandlung. Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte gehören zu den wichtigen Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Versorgung erfolgt überwiegend durch niedergelassene Ärzte und die medizinischen Einrichtungen der Insel; bei akuten Komplikationen oder einem hohen spezialisierten Behandlungsbedarf kann eine Verlegung in ein größeres Krankenhaus notwendig werden.

Für die Jahre 2017 bis 2019 verzeichnete das Observatoire régional de la santé de Guadeloupe (ORSaG) durchschnittlich 37 Neuaufnahmen pro Jahr in die französische Langzeiterkrankungsregelung Affection de longue durée (ALD). Bei Männern waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Gruppe der ALD-Neuaufnahmen, gefolgt von Tumorerkrankungen und Diabetes. Bei Frauen entfiel der größte Anteil auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von Tumoren und Diabetes. Diese Daten beschreiben die damalige registrierte Krankheitslast und sind nicht mit der Gesamtzahl aller Erkrankten gleichzusetzen.

Zu den für die Karibik typischen Infektionskrankheiten gehören durch Stechmücken übertragene Virusinfektionen. Dazu zählt vor allem das Denguefieber, das mit Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen sowie ausgeprägter Abgeschlagenheit einhergehen kann. Schwere Verläufe können Blutungen und Kreislaufkomplikationen verursachen. Auch Chikungunya und Zika sind für die Region relevant. Der Verlauf der Erkrankungen hängt von der jeweiligen Virusart und dem individuellen Gesundheitszustand ab; eine gleichzeitige oder aufeinanderfolgende Zirkulation verschiedener Viren erschwert mitunter die klinische Unterscheidung. Die Gesundheitsbehörden überwachen die Situation und setzen auf die Bekämpfung von Brutstätten, die Information der Bevölkerung und den Schutz vor Mückenstichen. Im Oktober 2024 wurde auf Saint-Barthélemy erstmals die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) nachgewiesen. Sie kann Dengue-, Chikungunya- und Zikaviren übertragen und erweitert damit die Anforderungen an die örtliche Überwachung.

Die epidemiologische Lage kann sich von Jahr zu Jahr deutlich verändern. Im Dezember 2025 meldete Santé publique France für Saint-Barthélemy eine ruhige Denguesituation; in den vorangegangenen Wochen waren dort keine neuen klinisch verdächtigen oder bestätigten Fälle registriert worden. Auch Chikungunya-Fälle waren bis zu diesem Bericht nicht nachgewiesen. Solche Momentaufnahmen sind jedoch keine Aussage über die dauerhafte Abwesenheit der Krankheiten. Die Gesundheitsbehörden müssen angesichts des regionalen Reiseverkehrs und der Verbreitung geeigneter Mückenarten weiterhin mit eingeschleppten Infektionen und möglichen lokalen Übertragungsketten rechnen.

Eine weitere tropische Infektionskrankheit ist die Leptospirose, eine bakterielle Zoonose, die durch Kontakt mit Wasser oder feuchtem Boden übertragen werden kann, der mit dem Urin infizierter Tiere, insbesondere Nagetiere, verunreinigt ist. Das Infektionsrisiko steigt unter anderem bei Gartenarbeiten, der Reinigung verschmutzter Flächen und nach starken Regenfällen oder Überschwemmungen. Die Erkrankung kann mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen beginnen und in schweren Fällen Leber, Nieren oder andere Organe schädigen. Nach dem im August 2026 veröffentlichten Jahresbericht für 2025 wurde auf Saint-Barthélemy ein bestätigter Fall gemeldet. Wegen der kleinen Bevölkerungszahl können einzelne Fälle die statistischen Werte stark beeinflussen; für die Insel sind daher die konkreten Fallzahlen aussagekräftiger als ungesicherte Verallgemeinerungen über die Häufigkeit der Erkrankung.

Neben diesen Infektionskrankheiten treten gewöhnliche Atemwegsinfektionen, Magen-Darm-Erkrankungen und Hautinfektionen auf. In einem warmen, feuchten Klima können kleine Hautverletzungen, Insektenstiche und schlecht versorgte Wunden leichter zu lokalen Entzündungen führen. Bei hohen Temperaturen besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Flüssigkeitsmangel, Hitzebelastung und Kreislaufbeschwerden, insbesondere bei älteren Menschen, kleinen Kindern und Personen mit chronischen Erkrankungen. Sonnenbrand und andere Folgen intensiver ultravioletter Strahlung sind ebenfalls wichtige Präventionsthemen. Diese Beschwerden sind nicht auf Saint-Barthélemy beschränkt, erhalten in einer tropischen Inselregion aber durch Klima, Freizeitaktivitäten und touristische Nutzung besondere Bedeutung.

Auch Krebserkrankungen stellen eine wichtige Aufgabe des Gesundheitswesens dar. Das örtliche Krankenhaus kann eine Reihe grundlegender Untersuchungen und medizinischer Behandlungen durchführen, verfügt jedoch nicht über sämtliche spezialisierten diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten einer großen onkologischen Klinik. Bei komplexen Tumorerkrankungen sind deshalb häufig zusätzliche Untersuchungen und Behandlungen außerhalb der Insel erforderlich. Die Organisation von Überweisungen und medizinischen Transporten ist besonders wichtig, wenn eine rasche Abklärung oder eine zeitkritische Therapie notwendig ist.

Eine Besonderheit der Gesundheitsplanung ist die erbliche Hämochromatose, eine Erkrankung, bei der der Körper übermäßig viel Eisen aufnimmt und speichert. Unbehandelt kann die Eisenansammlung unter anderem Leber, Herz und Bauchspeicheldrüse schädigen. In älteren regionalen Gesundheitsplanungen wurde Hämochromatose ausdrücklich als gesundheitlich relevante Erkrankung auf Saint-Barthélemy erwähnt. Daraus lässt sich allerdings keine aktuelle Prävalenzzahl ableiten. Die Erkrankung erfordert bei betroffenen Personen eine fachgerechte Diagnose, Kontrollen der Eisenwerte und gegebenenfalls eine regelmäßige Behandlung.

Bildung

Das System wird vom Service de l'Éducation Nationale de Saint-Barthélemy et Saint-Martin (SENIDN) verwaltet, das unter der Aufsicht des Rektors der Akademie von Guadeloupe steht. Ein Vice-Rektor leitet den Dienst und koordiniert mit den lokalen Behörden, darunter der Collectivité von Saint Barthélemy. Dies umfasst die Überwachung von Lehrplänen, Personalausbildung und Infrastruktur. Die Insel hat insgesamt fünf Bildungseinrichtungen: vier für die Primarstufe (zwei öffentliche und zwei private) und ein Collège für die untere Sekundarstufe (ab etwa 11 Jahren). Diese Schulen bedienen rund 800 bis 1.000 Schüler, wobei Klassengrößen bewusst klein gehalten werden, um individualisierte Betreuung zu ermöglichen.

Es gibt nur einen Kindergarten (toute petite section, petite section, moyenne section und grande section) und drei Grundschulen (CP, CE1, CE2, CM1, CM2). Das Collège Mireille-Choisy in Gustavia (6., 5., 4., 3. und 2. Klasse) ist die einzige höhere öffentliche Schule auf Saint-Barthélemy.

Die Primarschulen, wie die École Primaire Publique Gustave-Henri-Féraud in Gustavia, folgen dem landesweiten französischen Curriculum mit Schwerpunkten in Lesen, Schreiben, Mathematik und Naturwissenschaften. Private Schulen, oft mit internationalem Charakter, ergänzen das Angebot und bieten teilweise bilingualen Unterricht in Englisch oder anderen Sprachen an, was aufgrund des starken Tourismus und der internationalen Bevölkerung gefragt ist. Das Collège de Saint-Barthélemy, das einzige Sekundarschulzentrum, bereitet auf das französische Brevet-Examen vor und integriert Fächer wie Geschichte, Geografie und Fremdsprachen. Für die obere Sekundarstufe (Lycée-Niveau) und berufliche Ausbildung müssen Schüler nach Guadeloupe, Martinique oder Frankreich reisen, da keine solchen Einrichtungen vor Ort existieren. Die Collectivité unterstützt dies durch Stipendien und Zuschüsse für Familien, die finanzielle Hürden bei der Weiterbildung ihrer Kinder überwinden müssen.

Auf der Insel Saint-Barthélemy gibt es kein Gymnasium. Die nächstgelegenen Gymnasien sind das Lycée professionnel des Îles du Nord in Concordia und seit Kurzem das Lycée d'enseignement général et technologique Robert-Weinum in der Cité scolaire de la Savane (auf Saint-Martin).

Erwachsenenbildung spielt eine wichtige Rolle, insbesondere für Einwanderer und Saisonarbeiter im Tourismussektor. Das Centre d'Études des Métiers (CEM) in Saint Barthélemy bietet vielfältige Fortbildungen an, darunter Sprachkurse (Französisch und Englisch), berufliche Qualifikationen in Hotellerie, Gastronomie und Management sowie Integrationprogramme. Diese Kurse sind flexibel gestaltet, oft modular und online-unterstützt, um berufstätige Teilnehmer zu erreichen. Das Ziel ist eine breite Palette an Angeboten, die auf lokale Bedürfnisse abgestimmt sind, wie z. B. Nachhaltigkeitsthemen oder digitale Kompetenzen, da die Insel zunehmend auf umweltfreundlichen Tourismus setzt.

Höhere Bildung

Auf Saint-Barthélemy gibt es keine Universität und keine eigene Hochschule, an der ein vollständiges Hochschulstudium absolviert werden kann. Wer nach dem Schulabschluss ein Studium aufnehmen möchte, muss die Insel daher in der Regel verlassen. Die nächstgelegene französische Universität ist die Université des Antilles mit Standorten in Guadeloupe und Martinique. Sie bietet Studiengänge in verschiedenen Fachrichtungen an, darunter Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Medizin und weitere gesundheitsbezogene Fächer. Welche Studienmöglichkeiten für einzelne Absolventen infrage kommen, hängt vom gewünschten Fach, den Zulassungsvoraussetzungen und dem jeweiligen Studienangebot ab.

Bibliotheken und Archive

Auf Saint-Barthélemy gibt es eine zentrale öffentliche Bibliothek und einen territorialen Archivdienst, die gemeinsam das kulturelle Gedächtnis der Insel bewahren. Die Bibliothèque Territoriale de Saint-Barthélemy in Gustavia dient als wichtigste Anlaufstelle für Literatur, Medien und kulturelle Aktivitäten. Sie erfüllt nicht nur die klassische Funktion einer öffentlichen Bibliothek, sondern ist auch ein sozialer Treffpunkt und unterstützt Bildungsangebote für die Bevölkerung. Ergänzt wird dieses Angebot durch den Service territorial des archives, der ebenfalls in Gustavia angesiedelt ist. Dieser Archivdienst sammelt, ordnet und konserviert Dokumente, die das schriftliche und administrative Erbe der Insel ausmachen, und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Da das tropische Klima die langfristige Aufbewahrung empfindlicher Originale erschwert, wurden viele Unterlagen mikroverfilmt oder ausgelagert.

Ein bedeutender Teil der historischen Bestände befindet sich heute nicht auf Saint-Barthélemy selbst, sondern in Frankreich bei den Archives nationales d’outre-mer in Aix-en-Provence. Dort sind zahlreiche Dokumente aus der Zeit von etwa 1756 bis 1878 erhalten, darunter Verwaltungsakten, Unterlagen zu Handel, Finanzen, Bevölkerung sowie notarielle Dokumente. Viele dieser Quellen sind mehrsprachig, da Saint-Barthélemy im 19. Jahrhundert unter schwedischer Verwaltung stand. Aus dieser Periode stammen auch Unterlagen, die heute in schwedischen Archiven oder in Form von Mikrofilmen zugänglich sind, etwa Register, Geburts- und Heiratsakten oder Dokumente zur Freilassung versklavter Menschen. Die historische Überlieferung ist dadurch stark zersplittert: Neben lokalen Beständen existieren wichtige Quellen in Frankreich und Schweden sowie in privaten Sammlungen.

Um diese verstreuten Materialien besser zugänglich zu machen, wurden in den letzten Jahren verstärkt Digitalisierungsprojekte angestoßen. Plattformen wie Gallica oder Mémoire St Barth stellen Karten, historische Texte und digitalisierte Archivdokumente online bereit.

Kultur

Die Kultur der Insel ist stark französisch geprägt mit nur leichetn karibischen Einschlägen. Dies zeigt sich unter anderem in der Architektur, im Kunsthandwerk und in der Musik.

Museen

Das wichtigste Museum ist das Musée Territorial, auch „Wall House“ genannt, das sich in einem historischen Steinhaus in Gustavia befindet. Dort wird die Geschichte der Insel von der frühen Besiedlung über die schwedische Kolonialzeit bis hin zur modernen Entwicklung anschaulich präsentiert. Alte Karten, Fotografien, traditionelle Trachten, Werkzeuge und Modelle kreolischer Häuser geben Einblick in das frühe Leben der Bewohner. Ergänzt wird die Sammlung durch Räumlichkeiten, die zeitgenössischer Kunst gewidmet sind, in denen regelmäßig Werke lokaler und internationaler Künstler ausgestellt werden.

Einen ganz anderen Schwerpunkt setzt das Inter Oceans Museum im kleinen Fischerdorf Corossol. Dieses private Muschel-Museum, gegründet vom leidenschaftlichen Sammler Ingénu Magras, beherbergt über 9.000 Muscheln und Meerestiere aus aller Welt. Die Vielfalt der Exponate macht das Museum nicht nur zu einem skurrilen Highlight für Besucher, sondern auch zu einem Ort, der die Bedeutung der Meere und den Reichtum der Natur eindrucksvoll vor Augen führt.

Architektur

Die Architektur von Saint-Barthélemy ist durch die wechselvolle französische und schwedische Geschichte, die Insellage und die klimatischen Bedingungen der Kleinen Antillen geprägt. Besonders deutlich zeigt sich diese Verbindung in Gustavia, dem Hauptort und Hafen der Insel. Dort treffen Gebäude aus der schwedischen Kolonialzeit auf spätere französisch-karibische Bauformen, traditionelle Wohnhäuser und moderne touristische Architektur. Historische Verwaltungsgebäude, Kirchen, Befestigungsanlagen und Friedhöfe erinnern an die Zeit, in der Saint-Barthélemy von Frankreich an Schweden abgetreten wurde und Gustavia zu einem bedeutenden Freihafen ausgebaut wurde.

Die schwedische Epoche begann 1784 und endete 1878 mit der Rückgabe der Insel an Frankreich. In dieser Zeit erhielt Gustavia zahlreiche Einrichtungen, die den Handel, die Verwaltung und die militärische Sicherung des Hafens unterstützen sollten. Die Stadt wurde nach dem schwedischen König Gustav III. benannt. Die damaligen Bauten waren häufig funktional angelegt und orientierten sich an den Anforderungen eines kleinen Hafen- und Handelsplatzes. Obwohl viele historische Gebäude später verändert, zerstört oder durch Neubauten ersetzt wurden, ist die schwedische Vergangenheit im Stadtbild weiterhin sichtbar. Dazu zählen die Reste der Fortifikationen, der Glockenturm, ehemalige Verwaltungsgebäude und der schwedische Friedhof.

Die sieben eingetragenen historischen Baudenkmäler Saint-Barthélemys konzentrieren sich auf Gustavia und Lorient. Ihre Eintragung in das französische Verzeichnis der Monuments historiques erfolgte überwiegend 1995, bei einzelnen Gebäuden früher oder später. Die Einstufung schützt je nach Objekt das gesamte Bauwerk oder bestimmte Teile davon. Die offizielle Liste umfasst folgende Bauwerke:

Die schwedische Batterie des Fort Gustav III. wurde 1787 als Teil der militärischen Befestigung Gustavias errichtet. Sie gehört zu den wenigen erhaltenen Resten der vier Festungsanlagen, die während der schwedischen Herrschaft zum Schutz des Hafens angelegt wurden. Die Anlage umfasste ursprünglich Befestigungsmauern, eine Zisterne, ein Pulvermagazin, einen Wachposten und eine Bäckerei. Heute befindet sich dort eine meteorologische Station. Die erhaltenen Bauteile veranschaulichen, wie die Hafenstadt im späten 18. Jahrhundert gegen Angriffe von See her gesichert werden sollte.

Der schwedische Glockenturm von Gustavia stammt aus dem späten 18. Jahrhundert und wurde um 1790 errichtet. Er besteht aus lokalem Vulkangestein und beherbergt eine in Stockholm gegossene Glocke aus dem Jahr 1799. Ursprünglich gehörte der Turm zur protestantischen Kirche Sophia Magdalena, die während der schwedischen Kolonialzeit als religiöser Mittelpunkt diente. Nachdem das Kirchengebäude im 19. Jahrhundert zerstört worden war, blieb der freistehende Glockenturm als eigenständiges Bauwerk erhalten. Er diente nicht nur religiösen Zwecken, sondern kündigte auch wichtige Ereignisse im öffentlichen Leben an.

Die katholische Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption in Gustavia wurde 1829 fertiggestellt. Sie steht in der Rue de l’Église und besitzt einen vom Kirchengebäude getrennten Glockenturm. Die Kirche wurde 1837 durch einen Hurrikan beschädigt und 1842 wiedereröffnet. Ihre Gestaltung verbindet Elemente französisch-karibischer Kirchenarchitektur mit einer zurückhaltenden, an die örtlichen Bedingungen angepassten Bauweise. Der freistehende Turm, der Platz vor der Kirche und Teile der Einfriedung stehen unter Denkmalschutz. Das Ensemble zeigt, wie religiöse Architektur und öffentliche Freiräume im historischen Ortszentrum miteinander verbunden wurden.

Das Haus Dinzey, auch Le Brigantin genannt, wurde im frühen 19. Jahrhundert errichtet. Die Denkmalliste nennt 1822 als Baujahr. Es zählt zu den bemerkenswerten historischen Wohnhäusern Gustavias und steht für die Architektur wohlhabender Kaufmanns- und Handelsfamilien. Geschützt sind nicht nur das Wohnhaus, sondern auch die Umfassungsmauer, die Gärten, der terrassierte Innenhof und die Nebengebäude. Die Anordnung der Gebäude und Freiflächen verdeutlicht, dass historische Wohnanlagen auf Saint-Barthélemy häufig als zusammenhängende Grundstücke gestaltet wurden, in denen Wohnräume, Wirtschaftsräume und geschützte Außenbereiche eine Einheit bildeten.

Das Haus der Gouverneure, das später als Rathaus von Gustavia diente, wurde um 1780 erbaut. Während der schwedischen Herrschaft war es die Residenz der Gouverneure; nach der Rückgabe der Insel an Frankreich im Jahr 1878 wurde es als Rathaus genutzt. Diese Funktion behielt das Gebäude bis 2001. Die Bauweise verbindet einen Sockel aus Stein und lokalem Lavagestein mit einem hölzernen Obergeschoss. Das Gebäude dokumentiert damit sowohl die Verwaltungsarchitektur der Kolonialzeit als auch die spätere Nutzung historischer Bauten durch die örtlichen Behörden. Seit 2002 ist die neue Collectivité territoriale in einem anderen Verwaltungsgebäude untergebracht.

Das ehemalige Pfarrhaus in Gustavia gehört ebenfalls zu den geschützten historischen Gebäuden. Es stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und befindet sich in der Rue du Roi Oscar II. Die Eintragung erfolgte 2002. Das Haus steht im Zusammenhang mit der religiösen und gesellschaftlichen Entwicklung Gustavias während der schwedischen Kolonialzeit und der anschließenden französischen Epoche. Seine Bedeutung liegt vor allem im historischen Ensemble aus Kirche, Glockenturm und zugehörigen Gebäuden, das die religiöse Infrastruktur der damaligen Hafenstadt erkennen lässt.

Die Kirche von Lorient wurde um 1850 errichtet. Sie steht in dem kleinen Ortsteil an der Nordküste und gehört zu den wenigen erhaltenen historischen Sakralbauten außerhalb Gustavias. Ihr Glockenturm befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Meer und diente Seeleuten als Orientierungspunkt. Die Glocke wurde 1860 in Nantes gegossen. Unter Denkmalschutz steht insbesondere der Glockenturm, nicht zwingend das gesamte Kirchengebäude. Die Kirche ist damit sowohl ein Zeugnis der religiösen Entwicklung der Insel als auch ein Beispiel für die Verbindung zwischen sakraler Architektur und dem maritimen Alltag.

Neben diesen sieben eingetragenen Denkmälern besitzt Saint-Barthélemy weitere historische Bauwerke und bauliche Erinnerungsorte. Dazu zählt der Leuchtturm von Gustavia, der auf einer Anhöhe über dem Hafen steht. Er ist ein markanter Orientierungspunkt im Stadtbild und steht in engem Zusammenhang mit der Bedeutung Gustavias als Hafen- und Handelsplatz. Seine Funktion besteht darin, die Schifffahrt bei der Orientierung vor der Küste zu unterstützen. Das historische Stadtbild wird außerdem von ehemaligen Lagerhäusern, steinernen Gebäuden, Wohnhäusern und Treppenwegen geprägt, die sich an das teilweise steile Gelände rund um den Hafen anpassen.

Fort Karl liegt auf einer Anhöhe südlich des Hafens und wurde während der schwedischen Zeit zur Verteidigung Gustavias angelegt. Von der Befestigung sind heute vor allem Fundamente und Mauerreste erhalten. Die Lage über der Küste ermöglichte die Beobachtung des Meeres und die Sicherung des südlichen Zugangs zum Hafen. Zusammen mit den Überresten von Fort Gustav III. und weiteren ehemaligen Befestigungsanlagen erinnert Fort Karl an die militärische Bedeutung der Insel während der schwedischen Herrschaft. Die Festungen waren Teil eines größeren Verteidigungssystems, von dem jedoch nur einzelne Bauteile überdauert haben.

Die Unterpräfektur befindet sich in einem historischen Gebäudekomplex in Gustavia. Das Gebäude wird mit der schwedischen Verwaltungs- und Militärgeschichte in Verbindung gebracht und wird örtlich auch als ehemaliges schwedisches Gefängnis bezeichnet. Es verdeutlicht, dass die bauliche Entwicklung der Stadt nicht ausschließlich durch Wohnhäuser und religiöse Gebäude geprägt wurde, sondern ebenso durch Verwaltungs- und Sicherheitsbauten. Bei der Beschreibung seiner früheren Funktionen sollte allerdings zwischen historisch belegten Nutzungen und lokalen Überlieferungen unterschieden werden, da sich die Verwendung eines Gebäudes im Lauf der Zeit ändern konnte.

Der schwedische Friedhof im Bereich Public ist ein weiterer wichtiger Erinnerungsort. Dort wurden während der schwedischen Herrschaft und in der anschließenden Zeit Menschen unterschiedlicher Herkunft bestattet, die mit der Geschichte Gustavias verbunden waren. Historische Grabstätten und Inschriften geben Hinweise auf die damalige Bevölkerung, auf Handelsbeziehungen und auf die internationale Zusammensetzung der Hafenstadt. Der Friedhof ergänzt damit die erhaltenen Verwaltungs- und Sakralbauten um eine wichtige Quelle für die Sozialgeschichte der Insel.

Ein moderner Erinnerungsort ist das Grab des französischen Sängers Johnny Hallyday auf dem Friedhof von Lorient. Hallyday, der 2017 starb, besaß eine Villa auf Saint-Barthélemy und wurde auf der Insel beigesetzt. Sein Grab ist zu einem bekannten Ziel für Besucher geworden. Es gehört nicht zu den sieben eingetragenen historischen Baudenkmälern, besitzt jedoch eine besondere Bedeutung für die jüngere Kultur- und Tourismusgeschichte der Insel.

Neben den historischen Einzelbauten ist die traditionelle Wohnarchitektur von Saint-Barthélemy charakteristisch. Ältere Häuser wurden häufig aus lokalem Stein errichtet oder besaßen steinerne Sockel und hölzerne Obergeschosse. Die Gebäude waren meist relativ klein und an die topografischen Bedingungen angepasst. Dicke Mauern, geschützte Öffnungen, kompakte Grundrisse und überdachte Außenbereiche halfen, mit starker Sonneneinstrahlung, salzhaltiger Luft und heftigen Winden umzugehen. Zisternen und andere Vorrichtungen zur Sammlung von Regenwasser waren aufgrund der begrenzten Süßwasservorräte von großer Bedeutung. Bei historischen Gebäuden ist jedoch nicht jedes heute sichtbare Detail unverändert erhalten; zahlreiche Häuser wurden im Laufe der Zeit umgebaut, restauriert oder an neue Nutzungen angepasst.

Die Architektur der Insel ist außerdem durch die wiederkehrende Gefahr von Hurrikanen geprägt. Stürme können Dächer abdecken, Fenster zerstören und Mauern beschädigen. Der Hurrikan von 1837 zerstörte oder beschädigte zahlreiche Gebäude, während Hurrikan Irma im September 2017 erneut erhebliche Schäden an der Bausubstanz verursachte. Nach solchen Ereignissen wurden Häuser wiederaufgebaut, modernisiert oder durch Neubauten ersetzt. Bei neueren Gebäuden spielen deshalb verstärkte Dachbefestigungen, widerstandsfähige Fenster, geeignete Baustoffe und die sichere Verankerung von Gebäudeteilen eine wichtige Rolle. Zugleich begrenzen die steilen Hänge, die Küstennähe und die teilweise kleinen Grundstücke die Möglichkeiten einer großflächigen Bebauung.

Seit dem Aufstieg des gehobenen Fremdenverkehrs hat sich die Bauweise stark verändert. Neben traditionellen Wohnhäusern entstanden moderne Villen, Boutiquehotels, Restaurants und luxuriöse Ferienunterkünfte. Diese Gebäude verbinden häufig karibische Gestaltungselemente mit internationaler zeitgenössischer Architektur. Offene Terrassen, große Fensterflächen, Innenhöfe und Swimmingpools gehören zu den verbreiteten Merkmalen neuerer Wohn- und Tourismusbauten. Die Architektur ist dabei eng mit der Landschaft und dem Blick auf das Meer verbunden. Gleichzeitig erhöhen der hohe Grundstückswert, die begrenzte Fläche und die Nachfrage nach exklusiven Unterkünften den Druck auf die Bebauung. Die Erhaltung historischer Häuser und des charakteristischen Stadtbildes von Gustavia ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Denkmalpflege und der räumlichen Planung.

Bildende Kunst

Die Wurzeln der bildenden Kunst auf St. Barths reichen in die traditionelle Handwerkskunst der einheimischen Bevölkerung zurück. In Corossol, einem Fischerort mit starken karibischen Wurzeln, werden bis heute Korbflechtarbeiten aus Latanier-Palmenblättern hergestellt, die als „pouilles“ bekannt sind. Diese kunstvollen Geflechte, oft in Form von Hüten, Taschen oder Dekorationen, sind nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch raffiniert und repräsentieren eine Form der volkstümlichen Skulptur. Künstlerinnen wie die lokalen Weberinnen bewahren diese Technik, die von afrikanischen und indigenen Einflüssen inspiriert ist, und integrieren sie in zeitgenössische Werke. Ähnlich spielen Muscheln und Korallen eine Rolle in der Schmuck- und Objektkunst, wo Künstler wie die in Gustavia ansässigen Designer natürliche Materialien zu Skulpturen oder Installationen verarbeiten.

Im Zentrum der modernen Kunstszene stehen Galerien und Ateliers, die von der internationalen Community der Insel profitieren. Gustavia, mit seinem malerischen Hafen, beherbergt mehrere renommierte Galerien wie die Galerie Asie oder die Space Gallery, die Werke von Künstlern aus der Karibik, Frankreich und darüber hinaus ausstellen. Ein prominenter lokaler Künstler ist Sir Roland Richardson, ein gebürtiger St. Barths-Bewohner, der für seine impressionistischen Landschaftsgemälde bekannt ist. Richardson, oft als „Vater der karibischen Plein-Air-Malerei“ bezeichnet, malt seit den 1970er Jahren die tropischen Lichtverhältnisse, Palmen und Kreolhäuser der Insel. Seine Arbeiten, die in Öl oder Aquarell gehalten sind, fangen die vibrierenden Farben des Karibischen Meers ein und werden in seiner Galerie in Gustavia präsentiert. Beeinflusst von Meistern wie Gauguin oder Monet, verbindet er europäische Techniken mit lokalen Motiven und hat Ausstellungen weltweit, von Paris bis New York.

Eine weitere Säule der Szene ist die Street Art und zeitgenössische Malerei, die durch die jährlichen Events wie das St. Barth Art Festival oder Pop-up-Ausstellungen in Villen und Hotels gefördert wird. Künstler wie die Französin Nathalie Lepine, die auf der Insel lebt, experimentieren mit abstrakten Formen, die von der vulkanischen Geologie und dem türkisfarbenen Wasser inspiriert sind. Skulpturen aus Treibholz, Metall oder recycelten Materialien – oft von Künstlern wie dem Bildhauer Pompi – thematisieren Umweltschutz und die Zerbrechlichkeit der Inselökologie. Die Nähe zu St. Martin ermöglicht Kooperationen; viele Künstler pendeln zwischen den Inseln und bringen Einflüsse aus der breiteren karibischen Kunstszene mit, etwa aus Haiti oder Kuba.

Fotografie spielt ebenfalls eine große Rolle, da St. Barths als „St. Tropez der Karibik“ visuelle Reize bietet. Fotografen wie Antoine Verglas oder lokale Talente dokumentieren nicht nur die Landschaft, sondern auch das soziale Leben – von Regatten bis zu Karnevalsumzügen. In den letzten Jahren hat sich digitale Kunst etabliert, mit NFTs und virtuellen Galerien, die die Insel als innovativen Hotspot positionieren.

Die Savaku-Statue, eine beeindruckende Bronzeskulptur, die einen stolzen Arawak-Indianer darstellt, thront auf dem Rondell am Col de la Tourmente, einem malerischen Pass in der Nähe des Viertels Saint-Jean auf Saint-Barthélemy. Mit einer Höhe von mehreren Metern überragt sie den Gustave-III.-Flughafen (auch Saint-Jean Airport genannt), dessen kurze, berüchtigte Landebahn direkt unterhalb liegt und von den Hügeln aus spektakulär einsehbar ist. Die Statue ist nicht nur ein markantes Wahrzeichen für Reisende, die per Flugzeug ankommen oder abfliegen, sondern verkörpert auch die urtümliche Seele der Insel – ein Tribut an die indigenen Arawak-Völker, die die Karibikregion vor der Ankunft der Europäer prägten. Der Name „Savaku“ leitet sich wahrscheinlich von einem Arawak-Begriff ab und wird als Inbegriff der Insel-Seele interpretiert. Die Skulptur ist Teil einer breiteren Initiative, kulturelle Denkmäler zu schaffen, die die multikulturelle Geschichte St. Barths widerspiegeln – von den Arawaks über schwedische und französische Kolonialherren bis hin zur modernen Luxus-Enklave.

Die Statue zeigt einen Krieger der Arawak in traditioneller Pose: Er ist mit einer Lanze bewaffnet und bläst in eine große Konche (ein Schneckenhorn), ein Instrument, das in indigenen Kulturen für Signale und Zeremonien verwendet wurde. Die Bronze-Figur erhebt sich dynamisch, als würde sie die Ankunft der Flugzeuge oder die Winde der Karibik begrüßen. Zu ihren Füßen ruhen ein Pelikan – Symbol für das Meer und die Fischerei – und ein Leguan, der die tropische Fauna repräsentiert. Die Skulptur ist detailliert gearbeitet, mit Betonung auf Muskeln, Federschmuck und natürlichen Elementen, die den Zuschauer in die vor-kolumbianische Welt eintauchen lassen. Ihr Standort am Col de la Tourmente („Pass des Sturms“), einem der höchsten Punkte der Insel, verstärkt den dramatischen Effekt: Von hier aus bietet sich ein atemberaubender Panoramablick auf den Flughafen, den türkisfarbenen Saint-Jean-Strand und die umliegenden Hügel, was die Statue zu einem perfekten Fotostopp macht.

Literatur

Die Literatur auf Saint-Barthélemy gehört zur breiteren "karibischen Literatur", die von Autoren wie Robert Romney oder Saint-John Perse (eigentlich Alexis Leger, geboren in Guadeloupe, aber einflussreich für die gesamte Region) geformt wird. Romney, ein gebürtiger Saint-Martiner mit Verbindungen zur Insel, widmet sich in seinen Werken der Erhaltung der lokalen Geschichte und Identität – von der Zeit der Ureinwohner bis zur Sklaverei. Seine Texte, oft in mehreren Sprachen verfasst, erforschen die "Seele der Insel" durch Poesie und Erzählungen, die die Schönheit der Landschaft mit den Schmerzen der Kolonialgeschichte verweben.

Ein zentrales Ereignis in der regionalen Literatur ist das "Massaker von St. Barthélemy" (1572), das zwar historisch in Frankreich verankert ist, aber in karibischen Kontexten als Symbol für religiöse und koloniale Gewalt widerhallt. Alexandre Dumas' Roman La Reine Margot (1845) dramatisiert diesen Hugenotten-Massaker und hat die Inselliteratur inspiriert, indem es Themen von Verrat und Überleben aufgreift, die in lokalen Geschichten von Sklaverei und Unabhängigkeit mitschwingen. Moderne Autoren wie Marie-Claire Blais oder Antonine Maillet greifen in ihren Werken ähnliche Motive auf, etwa in Maillets La Foire de la Saint-Barthélemy (1994), die eine akadische Perspektive auf Feste und Tragödien bietet. Auf St. Barts selbst fördert das Festival Écritures des Amériques seit über 20 Jahren Literatur aus der Karibik, mit Lesungen im Théâtre du Paradis, wo Schriftstellerinnen wie Véronique Ovaldé und Viktor Lazlo ihre Werke vorstellen. Diese Veranstaltungen schaffen einen Raum, in dem Texte nicht nur gelesen, sondern lebendig gemacht werden – ein natürlicher Übergang zum Theater.

Theater

Theatralische Einrichtungen sind das Théâtre du Paradis und das Théâtre de l'Hôtel de Ville, wobei letzteres mit dem französischen Saint-Barthélemy-d'Anjou assoziiert wird, inspiriert es regionale Austausche. Die Insel beherbergt das Festival de Théâtre de Saint-Barthélemy, das internationale Künstler einlädt und Stücke präsentiert, die karibische Themen wie Exil und kulturelle Hybride beleuchten. Hier verschmelzen literarische Texte mit performativer Kunst: Dumas' La Reine Margot wurde nicht nur als Roman, sondern auch als Theaterstück adaptiert, etwa in Patrice Chéreaus Inszenierung von Christopher Marlowes The Massacre at Paris (1972) am Théâtre National Populaire, die das Massaker als zeitlose Denunziation politischer Gewalt darstellt.

Lokale Produktionen greifen auf die reiche Tradition zurück, in der Theater als Mittel der Gemeinschaft dient. Im Théâtre du Paradis, verwaltet von der Association SB Artists, finden regelmäßige Aufführungen statt, die von karibischen Autoren wie Jean-Claude Germain (A Canadian Play/Une Plaie canadienne, 1979) oder Marie-Claire Blais (L'Île, 1988) inspiriert sind. Diese Stücke erkunden Identitätskonflikte, oft mit einem Augenzwinkern auf die Inselgeschichte – von schwedischen Freihäfen bis zu französischen Einflüssen.

Film

Der Film blüht auf St. Barts besonders durch das St. Barth Film Festival (auch Cinéma Caraïbes genannt), das seit 1996 jährlich Ende April stattfindet und ein Highlight für karibisches Kino ist. Gegründet als Schaufenster für Filme aus der Region, präsentiert es Spielfilme, Kurzfilme und Dokumentationen zu Themen wie Migration, Abenteuer und Exil – oft mit Bezug zu literarischen und theatralischen Quellen. 2023 kehrte das Festival nach einer Covid-Pause zurück und feierte mit Werken wie William Sabourin O'Reillys Lazaro and the Shark: Cuba Under the Surface, das kubanische Kultur beleuchtet und Besuche in Insel-Schulen einbezieht, um junge Zuschauer zu inspirieren. Das Festival fördert Austausch durch Roundtables, bei denen Regisseure wie die aus der Karibik mit internationalen Profis diskutieren.

Historisch verbindet sich der Film mit literarischen Motiven: Chéreaus La Reine Margot (1994), eine Adaption von Dumas' Roman, thematisiert das St.-Barthélemy-Massaker als Metapher für ewige Gewalt und wurde in Cannes gefeiert. Die atemberaubende Kinematografie, gedreht an Orten wie dem Château de Maulnes in Frankreich, evoziert karibische Intensität durch helle, gnadenlose Beleuchtung. Auf der Insel selbst dient St. Barts als Drehort für Hollywood-Produktionen – von Szenen in Manon des Sources (1986) bis zu Cameos von Stars wie Beyoncé oder Leonardo DiCaprio –, was die literarische Romantik der Insel in visuelle Ikonen verwandelt.

Musik und Tanz

Die Musik Saint-Barthélemys ist kreolisch und afrikanisch geprägt. Gwo ka, die traditionelle Trommelmusik aus Guadeloupe, hat auch auf St. Barts Wurzeln geschlagen. Sieben Trommeln (ka) – von der tiefen boula bis zur hohen makè – erzeugen polyphone Rhythmen, begleitet von Call-and-Response-Gesang. Diese Musik entstand im 17. und 18. Jahrhundert unter versklavten Afrikanern als Ausdruck von Widerstand und Gemeinschaft. Heute erklingt sie bei fêtes patronales (Patronatsfesten), etwa am 15. August zu Ehren der Jungfrau Maria, wenn die Straßen von Gustavia und Lorient von Trommelschlägen erfüllt sind.

Doch St. Barts wäre nicht St. Barts ohne seine französisch-karibische Leichtigkeit: Zouk, geboren in den 1980er Jahren in Guadeloupe und Martinique durch Kassav’, ist der Soundtrack der Nächte. Lieder wie Zouk la sé sèl médikaman nou ni (Zouk ist die einzige Medizin, die wir haben) hallen in Bars wie dem Le Ti St. Barth oder dem Nikki Beach, wo DJs lokale Talente mit internationalen Beats mischen. Der Zouk – sinnlich, tanzbar, mit kreolischem Text – ist mehr als Musik: Er ist Therapie, Flirt, Identität.

Die schwedische Kolonialzeit (1784 bis 1878) hinterließ subtile Spuren: In manchen Dörfern wie Corossol singen ältere Frauen noch chansons suédoises in einem französisch-schwedischen Dialekt, begleitet von Akkordeon und Gitarre. Und dann ist da der Jazz: Seit den 1990er Jahren zieht das Saint-Barth Jazz Festival (meist im November) Weltstars wie Marcus Miller oder Dee Dee Bridgewater an. 2024 trat Cory Henry im Hafen von Gustavia auf – vor Yachten und kreolischen Fischern gleichermaßen. Die Musik wird zur Brücke: zwischen Karibik und Kontinent, zwischen Volk und Elite.

Wo Musik ist, ist Tanz. Auf Saint-Barthélemy ist er körperlich, erotisch, spirituell. Der gwo ka-Tanz ist ritualisiert: Kreisförmig, mit Hüftbewegungen, die die Trommeln spiegeln. Männer und Frauen tanzen abwechselnd im Zentrum – ein Dialog aus Kraft und Anmut. Er wird in écoles de danse wie der Association Culturelle de Lorient gelehrt, wo Kinder lernen, dass Tanz Geschichte ist.

Der zouk brachte eine neue Sprache: eng, fließend, fast meditativ. Paare tanzen collé-serré (eng umschlungen), die Hüften kreisen synchron zum 4/4-Takt. In Clubs wie Baz Bar oder bei Strandpartys in St. Jean wird Zouk zur nächtlichen Poesie – ein Tanz, der Grenzen auflöst. Und dann gibt es die quadrille, eine koloniale Erbschaft aus Frankreich: Paare in traditioneller Kleidung tanzen geometrische Figuren zu Geige und Akkordeon. Sie wird beim Festival de la Saint-Barthélemy (24. August) aufgeführt – ein lebendiges Museum der Kolonialzeit.

Moderne Einflüsse? Hip-Hop, Reggaeton und afrobeats dringen ein, besonders unter der Jugend. In Colombier gibt es Breakdance-Crews, die auf Parkplätzen üben. Und während der Carnaval (Februar/März) explodiert alles: Kostüme, Steel Drums, bigine, mazurka – ein karibisches Mardi Gras mit lokaler Note.

Die Insel pulsiert in Zyklen. Das Festival de Musique de Saint-Barthélemy (Januar) bringt klassische Musik in die Kirche von Lorient – Bach neben kreolischen Chorälen. Das St. Barth Summer Sessions (Juli) verwandelt Strände in Open-Air-Bühnen: Reggae, Soca, Electro-Zouk. Und das Bucket Regatta (März) endet mit Live-Musik am Shell Beach – Steelpan-Bands aus Trinidad mischen sich mit lokalen ti bands.

Sogenannte „Orte der Ekstase“ sind:

  • Le Ti St. Barth (Pointe Milou): Cabaret, Live-Musik, Tisch-Tanz
  • La Plage (St. Jean): Zouk-Nächte mit Blick aufs Meer
  • Corossol: Authentische fêtes de quartier mit Gwo Ka und Rum
  • Gustavia Harbor: Silvesterkonzerte mit Feuerwerk und kollektivem Tanz

Kleidung

Auf Saint-Barthélemy herrscht das ganze Jahr über ein warmes, tropisch-gemäßigtes Klima, das von sonnigen Tagen, warmen Nächten und einer leichten Brise geprägt ist. Deshalb eignet sich vor allem leichte, luftige Kleidung aus Naturmaterialien wie Baumwolle oder Leinen, die angenehm zu tragen sind und den Körper atmen lassen. Tagsüber dominiert ein lässiger, sommerlicher Stil: weite T-Shirts, Shorts, luftige Blusen und Kleider, dazu Sandalen oder offene Schuhe.

Da Strand und Meer zum Alltag gehören, sollte ausreichend Bademode im Gepäck sein, ergänzt durch einen Sarong oder ein leichtes Tuch, das am Strand wie in Beachclubs praktisch ist. Die Sonne kann intensiv sein, sodass eine Kopfbedeckung, Sonnenbrille und gegebenenfalls ein dünnes Überwurfteil sinnvoll sind. Für die Abende, die meist warm bleiben, empfiehlt sich ein eleganter, aber entspannter „Resort Chic“: leichte Sommerkleider, Leinenhemden oder dünne Stoffhosen, ohne dass formelle Kleidung wie Jacketts oder Krawatten nötig wäre.

Viele Restaurants und Bars schätzen einen gepflegten Stil, doch übertriebene Eleganz ist selten angebracht. Eine leichte Jacke oder ein dünner Pullover kann nützlich sein, wenn der Wind auffrischt oder es nach einem kurzen Regenschauer abkühlt. Insgesamt spiegelt die Kleidung auf St. Barts den Charakter der Insel wider – stilvoll, entspannt, hochwertig und perfekt abgestimmt auf Sonne, Meer und tropisches Lebensgefühl.

Kulinarik und Gastronomie

Die Wurzeln der insularen Küche reichen in die Kolonialzeit zurück: Französische Techniken wie langsame Garung und Sauce-Zubereitung werden mit karibischen Zutaten verschmolzen. Historisch war die Ernährung einfach und ländlich – Galettes aus Maniokmehl, Poudine à patates (Süßkartoffelpudding) oder Eintöpfe aus Ziegenfleisch –, doch heute hat sich das Bild gewandelt. Renommierte Köche aus der Metropole bringen Fusion-Ideen ein, die lokale Spezialitäten aufwerten. Ein Highlight ist der Saint Barth Gourmet Festival im November, bei dem internationale Sterne-Köche wie Jean Imbert oder Eric Frechon die Insel erobern und Menüs kreieren, die karibische Frische mit französischer Präzision verbinden. Jährlich feiert das Event die "Art de Vivre", mit Kochshows, Weinproben und Pop-up-Dinners – ein Muss für jeden Foodie.

Unter den Spezialitäten ragt der frische Hummer heraus, direkt aus dem Meer gefangen und gegrillt serviert, oft mit Limettensoße oder karibischen Kräutern. Ein klassisches kreolisches Gericht ist das Ragoût de Lambis, ein würziger Eintopf aus Conch (Meeresschnecke), mariniert in Limette und Knoblauch, der die texturierte Meeresfrische betont. Fischliebhaber kommen bei gegrilltem Mahi-Mahi oder frischem Thunfisch-Carpaccio auf ihre Kosten, begleitet von Christophine (eine lokale Kürbisart) im Gratin mit Conch-Füllung. Vegetarische Akzente bieten Gerichte wie gedämpftes Gemüse mit Kokosmilch oder asiatisch inspirierte Shrimps-Röllchen mit Bacon. Für Fleischfans empfehle ich Cabri-Curry, zartes Ziegenfleisch in einer scharfen Gewürzmischung, oder Lamm-Ossobuco mit tropischen Twists. Desserts runden ab: Erfrischender Coco-Sorbet aus frischer Kokosnuss oder der cremige Süßkartoffelpudding, ein Relikt aus der bäuerlichen Tradition.

Die Vielfalt erstreckt sich auf internationale Einflüsse: Italienische Pizzerien servieren handgezogene Teigfladen mit lokalen Tomaten, asiatische Spots locken mit Nudelsalat in Kokosmilch, und mediterrane Perlen wie das Shellona am Shell Beach bieten griechische Spices mit karibischem Flair. Berühmte Adressen wie das Sand Bar im Eden Rock Hotel (unter Chef Jean-Georges Vongerichten) servieren französisch-mediterran mit Meerblick, während La Guérite in Gustavia-Hafen gegrillten Fisch mit Amalfi-Aromen paart. Bonito fusioniert französische Techniken mit südamerikanischen Zutaten, und La Petite Plage von Eric Frechon begeistert mit Trüffel-Pasta und Rum-Baba. Für Authentizität: Lokale Märkte in Gustavia, wo man frischen Fisch, Gewürze und Früchte ersteht – ideal für Picknicks oder Selbstversorger in Villen.

Das beliebteste Getränk ist Champagner, ergänzt durch exzellente Weine aus Boutiquen wie Le Cellier du Gouverneur. Frische Säfte aus Passionfrucht oder Guave, karibische Biere oder Cocktails mit Rum runden den Tag ab. Die Kulinarik auf St. Barts ist mehr als Essen – sie ist ein Lebensgefühl, das Entspannung und Exklusivität vereint. Ob bei Sonnenuntergang am Strand oder in einem versteckten Garten: Hier schmeckt jeder Bissen nach Paradies.

Es gibt hier viele Restaurants, die eine gute Küche in einer wenig an die Antillen erinnernden Atmosphäre anbieten. Besonders in Mode ist die französische Küche, die von den zahlreichen auf der Insel vertretenen amerikanischen Gästen geschätzt wird. Es wäre jedoch schade, die kreolischen Spezialitäten nicht zu probieren. Zahlreiche Restaurants, in Gustavia wie auf der gesamten Insel, bieten sie immer noch an. Blaff ist ein Gericht aus frischem Fisch, der in einer Marinade aus Zitronensaft und Gewürzen eingelegt ist. Die mit tropischen Früchten genährten und gefüllten Krabben sind hervorragend. Gegrillter Hai, Langusten und andere Krustentiere sowie Blutwurst und kreolischer Reis sind einige der Gründe, die französische Küche für eine Zeit zu entbehren.

Festkultur

Auf Saint Barthelemy werden die üblichen französischen Feiertage begangen. Einer der Feiertage des Gebiets ist der Tag des Heiligen Bartholomäus am 24. August. Bartholomäus, der Schutzpatron des Gebiets, ist laut dem Neuen Testament einer der zwölf Apostel, d. h. einer der zwölf Jünger, die von Jesus von Nazareth ausgezeichnet wurden. Außerdem gilt er als Schutzheiliger der Metzger, Gerber und Buchbinder.


Festtage:

  • 1. Januar  -  Neujahr
  • Mitte Februar  -  Aschermittwoch
  • Ende März / Anfang April  -  Ostern
  • 1. Mai  -  Tag der Arbeit
  • 8. Mai -  Tag des Sieges
  • Ende Mai / Anfang  -  Christi Himmelfahrt
  • Ende Mai / Anfang Juni  -  Pfingsten
  • 27. Mai  -  Abschaffung der Sklaverei
  • 14. Juli  -  Tag des Sturmes auf die Bastille
  • 21. Juli  - Schoelcher-Tag
  • 15. August -  Mariä Himmelfahrt
  • 1. November -  Allerheiligen
  • 2. November -  Allerseelen
  • 11. November -  Gedenktag
  • 25./26. Dezember  -  Weihnachten

Medien

Die Presse auf Saint Barthélemy ist vielfältig und bilingual, da die Insel stark von französischen und amerikanischen Touristen geprägt ist. Das älteste und renommierteste Blatt ist Le Journal de Saint-Barth, eine wöchentliche Zeitung, die seit 1991 erscheint und von der Société de Presse Antillaise herausgegeben wird. Sie berichtet über lokale Politik, Veranstaltungen, Sport und Tourismus, mit einem Fokus auf die Inselgemeinschaft. Die Redaktion, die in Saint-Jean ansässig ist, deckt Themen wie Umweltschutz, kulturelle Feste oder die Auswirkungen von Hurrikans ab – ein sensibles Thema seit dem verheerenden Irma im Jahr 2017. Ergänzt wird sie durch Le News St Barth, ein kostenloses tägliches Boulevardblatt mit 10 bis 15 Seiten, das in französischer und englischer Version vorliegt. Es ist das perfekte Begleitmedium zum Frühstück: Kurze Nachrichten, Kleinanzeigen und Restauranttipps sorgen für Alltagsnähe. Für englischsprachige Leser gibt es St Barth Weekly, das sich auf Aktuelles, Angebote und Events konzentriert, sowie Online-Portale wie St Barts Daily News oder Lifestyle News Saint Barth, die lifestyle-orientierte Inhalte wie Luxusvillen, Events und Promi-News bieten. Eine umfassende Übersicht über alle Printmedien findet man auf Plattformen wie ABYZ News Links, die Links zu lokalen und internationalen Quellen sammelt. Interessant ist, dass viele Zeitungen auf Saint Martin gedruckt werden, da die Insel keine eigenen Rotationsdruckereien hat – ein Beispiel für die regionale Vernetzung in den Kleinen Antillen.

Im Hörfunkbereich, der aufgrund der mobilen Inselbevölkerung besonders beliebt ist, dominieren lokale Sender mit tropischem Flair. Radio St-Barth (98,7 FM) ist der Klassiker: Mit Adult-Contemporary-Musik, lokalen Nachrichten und Werbung für Hotels und Boutiquen strahlt es aus Colombier und erreicht auch Saint Martin. Der Sender, der seit Jahrzehnten existiert, vermittelt ein Gefühl von Inselgemeinschaft und dreht sich um Themen wie Karneval, Segelregatten oder Warnungen vor tropischen Stürmen. Ergänzt wird er durch Radio Transat (103,1 FM), das französische Hits und Unterhaltung bietet, sowie Tropik FM (97,5 FM) mit Reggae, Zouk und lateinamerikanischen Rhythmen – ideal für den Strand-Soundtrack. Sun FM Music (106,9 FM) richtet sich an englischsprachige Hörer mit Top-40-Pop und Werbespots für Luxusmarken. Insgesamt gibt es rund ein Dutzend FM-Sender, darunter Notfallfrequenzen wie Urgence Info Îles du Nord für Krisenlagen. Viele Sender streamen online, was sie für globale Zuhörer zugänglich macht, und ihre Frequenzen sind auf Seiten wie TuneIn oder Radio.net abrufbar.

Fernsehen spielt auf Saint Barthélemy eine untergeordnete Rolle, da die Insel keine eigenen Sender hat und sich auf Satelliten- oder Kabelanbieter stützt. Französische Programme wie TF1, France 2 oder Arte sind über Provider wie Canal+ oder lokale Kabelnetze empfangbar. Örtlich von Bedeutungm sind Carib’inTV, ein dreisprachiger Sender für Saint-Barthélemy und Saint-Martin, sowie  Guadeloupe 1re. Lokale Inhalte fließen oft über Radios oder Online-Plattformen ein, etwa durch Berichte von La Première (ehemals RFO), die über Hurrikane oder Tourismusentwicklungen berichtet. In Zeiten von Streaming-Diensten wie Netflix oder YouTube, die dank der exzellenten Internetversorgung (über 90 Prozent der Bevölkerung nutzen Social Media) populär sind, verliert traditionelles TV an Boden. Dennoch sorgen Events wie der St. Barts Film Festival für mediale Highlights, die international Aufmerksamkeit erregen.

Die digitale Transformation hat die Medien auf Saint Barthélemy revolutioniert. Mit einer Internetpenetration von fast 95 Prozent (Stand 2024) sind Plattformen wie Facebook, Instagram und LinkedIn zentral – insbesondere für Tourismuswerbung. Lokale Newsportale wie GoToStBarths.com oder Saint-Barths.com bieten Echtzeit-Updates zu Wetter, Events und Immobilien. Internationale Medien wie Newsweek heben die Insel als Luxusdestination hervor, was die lokale Berichterstattung beeinflusst.


Radiostationen

  • Guadeloupe 1re : radio généraliste publique de proximité
  • Radio Saint Barth : radio musicale diffusée en FM sur 98.7 et 103,7 MHz
  • Tropik FM : radio musicale diffusée en FM sur 97.5 et 104,9 MHz
  • Radio des Iles St Barth (RDI) : radio commerciale généraliste de proximité diffusée en FM sur 89,7 MHz
  • Radio Transat : radio musicale, FM 95,5 et 103,1 MHz

Kommunikation

Das Post-  und Telefonnetz ist sehr gut ausgebaut und entspricht europäischen Standards. Die Telefon-Vorwahl lautet 00590.

Sport

Die Insel fördert Sport durch ihr Service des Sports, das Veranstaltungen organisiert und Infrastruktur wie das Stade de Saint-Jean in der Hauptstadt Gustavia bereitstellt, das dank einer Spende des Milliardärs Roman Abramovich im Jahr 2010 modernisiert wurde. Saint-Barthélemy verfügt über ein territoriales Stadion (für Fußball, Rugby und Leichtathletik), das Stade de Saint-Jean, das sich im Stadtteil Saint-Jean befindet.

Beliebte Strände wie Anse de Grand Cul-de-Sac eignen sich perfekt für Kitesurfen und Windsurfen, wo stetige Winde für Spannung sorgen, während Anfänger in flachen Lagunen üben können. Für Familienfreundliches bietet der Strand von St. Jean ruhige Gewässer für Stand-up-Paddling, Kajakfahren oder Schnorcheln – hier tummeln sich oft Seeturtles in der Nähe der Korallenriffe. Surfen findet man vor allem an der windzugewandten Seite, etwa in Lorient, Toiny oder Anse des Cayes, wo Wellen für Fortgeschrittene locken. Jet-Ski-Touren und Flyboarding, eine sensationelle Mischung aus Jetpack und Surfbrett, starten von Gustavia aus und erlauben Ausflüge zu abgelegenen Buchten. Tauchen und Schnorcheln sind in der Marine Reserve geschützt, mit über 40 Tauchspots rund um die Insel, darunter Grotten, Canyons und Wracks – ideal für Anfänger wie Profis. Angeln, ob Inshore oder Offshore, ist ein Highlight für Fischer, die mit Profi-Guides auf schnelle Boote steigen, um Tarpon oder Barrakudas zu jagen.

Jährliche Events wie die St. Barts Bucket Regatta oder Les Voiles de St. Barth ziehen Segler aus aller Welt an und verwandeln die Gewässer in ein farbenfrohes Spektakel mit eleganten Yachten. Diese Regatten, kombiniert mit dem New Year's Eve Regatta, unterstreichen die maritime Tradition der Insel, die einst schwedische Kolonie war und heute französisches Overseas-Territorium ist.

Obwohl die hügelige Topografie keinen Golfplatz erlaubt, gibt es reichlich Alternativen auf dem Land. Tennisplätze in Hotels und Resorts wie dem Le Barthélemy laden zu Matches ein, während Beachvolleyball an Stränden wie Saline oder Flamands spontan organisiert wird – oft mit anschließendem Bad im Karibikmeer. Wandern und Trail Running auf markierten Pfaden, etwa zum höchsten Punkt Morne du Vitet (281 Meter), bieten atemberaubende Ausblicke auf die Insel und ihre Nachbarn. Radfahren ist eine Herausforderung für Ausdauernde, da die steilen Straßen die Beine fordern, aber die Belohnung sind Panoramen über rote Dächer und smaragdgrüne Buchten.

Neue Trends wie Padel, eine Mischung aus Tennis und Squash, gewinnen an Bedeutung. Kampfsportarten wie Brazilian Jiu-Jitsu haben mit lokalen Meisterschaften Einzug gehalten, und Yoga oder Fitness in Studios wie Formfitness runden das Angebot ab.

Fußball wird im Stade de Saint-Jean ausgetragen, wo die Saint-Barthélemy Championships seit 2004 laufen und Clubs wie APSB dominieren. Die Nationalmannschaft spielt Freundschaftsspiele gegen Nachbarinseln wie St. Martin, da St. Barts noch nicht voll bei CONCACAF ist. Die lokale Meisterschaft und der Pokal werden vom territorialen Fußballkomitee von Saint-Barthélemy organisiert. Es gibt fünf Mannschaften, die an beiden Wettbewerben teilnehmen:

  • AS Gustavia (der erfolgreichste Fußballverein der Insel)
  • Red Devils (Rote Teufel)
  • FC Arawak
  • ASPSB (AS der Portugiesen von Saint Barth)
  • Team FWI (die letzte neu gegründete Mannschaft der Insel)

Rugby hat sich in den letzten Jahren zu einer Art „Königssport“ auf Saint-Barthélemy entwickelt. „Les Barracudas de Saint-Barthélemy“ ist der Vorzeigeverein der Insel. Diese Mannschaft gewann 2013, 2016 und 2017 die Meisterschaft der Antillen - Guyana. Basketball-Teams wie die Pélicans treten in regionalen Playoffs an.

Persönlichkeiten

Die wichtigsten mit der Insel verbundenben Persönlichkeiten sind:

  • Christoph Kolumbus (1451 bis 1506), Seefahrer, Entdecker und Navigator. Er sichtete die Insel 1493 auf seiner zweiten Reise und benannte sie nach seinem Bruder Bartolomeo. [1]
  • David Rockefeller (1915 bis 2017), US-amerikanischer Bankier, Philanthrop und Milliardär. Er kaufte 1957 ein großes Anwesen am Colombier-Strand und leitete damit den Wandel der Insel zum Treffpunkt für den internationalen Jetset ein.
  • Rémy de Haenen (1916 bis 2008), Flugpionier, Hotelier und Politiker. Er landete 1947 als Erster ein Flugzeug auf der Insel, gründete das legendäre Luxushotel Eden Rock und war später Bürgermeister von Saint-Barthélemy.
  • Marius Stakelborough (1923 bis 2020), legendärer Gastronom und Insel-Original. Er gründete 1949 die berühmte Bar Le Select in Gustavia, die bis heute als kultureller und geselliger Mittelpunkt der Insel gilt. [1]
  • Greta Garbo (1905 bis 1990), schwedisch-amerikanische Filmschauspielerin und Hollywood-Ikone. Sie gehörte in den 1950er-Jahren zu den allerersten prominenten Stammgästen, die sich inkognito im Eden Rock vom Rampenlicht zurückzogen.
  • Howard Hughes (1905 bis 1976), US-amerikanischer Unternehmer, Luftfahrtpionier und Filmproduzent. Er urlaubte in den frühen Boomjahren der Insel regelmäßig dort, um die Abgeschiedenheit zu genießen. [1, 2]
  • Johnny Hallyday (1943–2017), französischer Rocksänger und Schauspieler. Er besaß eine Villa auf der Insel, verbrachte dort viel Zeit und wurde nach seinem Tod im Jahr 2017 auf dem Friedhof von Lorient auf St. Barth beigesetzt.
  • Patrick Demarchelier (1943 bis 2022), französischer Mode- und Porträtfotograf. Er lebte und arbeitete zeitweise auf der Insel und verstarb dort im Jahr 2022.
  • Jimmy Buffett (1946 bis 2023), US-amerikanischer Sänger, Songwriter und Unternehmer. Er besaß ein Haus auf der Insel, besang St. Barth in seinen Songs und gab dort legendäre Überraschungskonzerte.
  • Jeff Bezos (geboren 1964), US-amerikanischer Unternehmer, Gründer von Amazon und Milliardär. Er gilt als einer der bekanntesten regelmäßigen Dauergäste der Neuzeit, der den Jahreswechsel traditionell mit seiner Superyacht vor der Küste Gustavias verbringt.

Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr ist der wichtigste Wirtschaftszweig Saint-Barthélemys und prägt sowohl die Beschäftigung als auch den Dienstleistungssektor, den Immobilienmarkt und die Infrastruktur. Die Insel gehört zu den hochpreisigen Reisezielen der Karibik und richtet ihr touristisches Angebot vor allem an wohlhabende Urlauber aus Frankreich und anderen europäischen Ländern, den Vereinigten Staaten sowie Lateinamerika. Zu den Gästen zählen neben Urlaubern, die in Hotels oder privaten Villen wohnen, auch Yachtbesitzer, Chartergäste und Reisende, die mit Privatflugzeugen ankommen. Saint-Barthélemy setzt dabei weniger auf große Ferienanlagen und organisierten Massentourismus als auf kleine Hotels, individuell gestaltete Unterkünfte, gehobene Gastronomie, private Villen und einen auf persönliche Betreuung ausgerichteten Service. Die überschaubare Größe der Insel, ihre Buchten, Strände, hügelige Landschaft und die Verbindung französischer Lebensart mit karibischen Einflüssen bilden wesentliche Grundlagen ihrer touristischen Attraktivität.

Der Tourismus konzentriert sich nicht ausschließlich auf einen einzelnen Ort. Gustavia ist das wichtigste Zentrum für Gastronomie, Einkäufe, Hafenbesuche und das Nachtleben. In der Hauptstadt liegen zahlreiche Restaurants, Galerien und Geschäfte internationaler Luxusmarken. Der Hafen dient sowohl der Freizeitschifffahrt als auch dem Empfang von Segel- und Motoryachten; in der Hauptsaison prägen größere Yachten das Stadtbild. Die schwedische Kolonialgeschichte und die erhaltenen historischen Gebäude ergänzen das touristische Angebot, während die Küstenorte und Strandabschnitte vor allem Badegäste, Wassersportler und Besucher privater Ferienhäuser anziehen. Saint-Jean ist durch seine Nähe zum Flughafen, seine Unterkünfte, Geschäfte und Restaurants ein weiterer wichtiger touristischer Bereich.

Zu den bekanntesten Stränden zählen Anse de Grande Saline, Anse de Gouverneur, Saint-Jean, Flamands und Colombier. Grande Saline liegt hinter einem Dünenbereich und ist über einen Fußweg erreichbar; der Strand ist für seine vergleichsweise wenig verbaute Umgebung bekannt. Anse de Gouverneur befindet sich in einer geschützten Bucht im Süden der Insel. Colombier ist von der Straße aus nicht unmittelbar zugänglich und wird üblicherweise zu Fuß über Wanderwege oder mit dem Boot erreicht. Die Bucht ist für ihre vergleichsweise ruhige Lage und das klare Wasser bekannt. An verschiedenen Küstenabschnitten werden Schwimmen, Schnorcheln, Segeln, Tauchen und weitere Wassersportarten angeboten. Die Nutzung der Strände und Küstengewässer ist zugleich von der Erhaltung empfindlicher Lebensräume abhängig, darunter Seegrasbestände, Korallenbereiche und die Lebensräume von Meeresschildkröten. Wandern, Naturbeobachtung und Ausflüge entlang der Küste ergänzen das vorwiegend auf Erholung und gehobene Freizeitangebote ausgerichtete Programm.

Ein wesentliches Merkmal des Fremdenverkehrs ist die vergleichsweise aufwendige Anreise. Der Flughafen Gustaf III bei Saint-Jean besitzt eine kurze Start- und Landebahn und kann deshalb nur von dafür geeigneten kleineren Flugzeugen angeflogen werden. Viele Reisende erreichen die Insel über Umsteigeverbindungen, insbesondere über Saint-Martin, und setzen ihre Reise von dort mit einem kleineren Flugzeug oder einer Fähre fort. Privatflugzeuge spielen im hochpreisigen Reisesegment ebenfalls eine Rolle. Der Hafen von Gustavia ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Yachten und andere Freizeitschiffe. Diese Verkehrsanbindung ermöglicht die Ausrichtung auf internationale Gäste, begrenzt jedoch zugleich die Kapazität des Flughafens und des Straßennetzes. In der Hochsaison führen die begrenzten räumlichen Verhältnisse zu einer höheren Beanspruchung der Verkehrswege, der Wasserversorgung und anderer Infrastruktureinrichtungen.

Die touristische Hauptsaison liegt vor allem in den Wintermonaten und reicht in der Regel von Dezember bis April. Besonders die Weihnachts- und Neujahrszeit sowie die Wochen um den Jahreswechsel ziehen zahlreiche Besucher und Yachten an. In dieser Zeit steigen die Preise für Unterkünfte und Dienstleistungen deutlich an; viele Villen werden nur für längere Mindestaufenthalte vermietet. Von Mai bis November ist die Nachfrage im Allgemeinen geringer, wobei einzelne Veranstaltungen und Ferienzeiten weiterhin Gäste anziehen. Die Monate der atlantischen Hurrikansaison fallen in diesen Zeitraum. Stürme können den Reiseverkehr, den Betrieb von Unterkünften und die Versorgung beeinträchtigen. Der Hurrikan Irma im September 2017 verursachte schwere Schäden an Gebäuden, Hotels, Hafenanlagen und Versorgungsnetzen. Der anschließende Wiederaufbau führte zu umfangreichen Renovierungen und zur Erneuerung eines Teils der touristischen Infrastruktur.

Die Übernachtungsmöglichkeiten bestehen aus Hotels, Ferienwohnungen, Gästehäusern und vor allem privat vermieteten Villen. Der Hotelbestand umfasst überwiegend kleinere, individuell gestaltete Häuser im gehobenen und luxuriösen Segment. Zu den bekannten Betrieben zählen das Eden Rock in Saint-Jean, das Le Sereno an der Grand-Cul-de-Sac-Bucht, das Cheval Blanc St-Barth Isle de France bei Flamands, das Le Barthélemy Hotel & Spa sowie das Le Toiny an der Südostküste. Die Häuser unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Größe und Ausstattung, bieten aber vielfach Restaurants, Pools, Wellnessangebote und einen persönlichen Gästeservice. Die Zahl der Hotels allein beschreibt das gesamte Beherbergungsangebot nur unzureichend, da Ferienvillen und andere privat vermietete Unterkünfte eine große Rolle spielen.

Nach Angaben des Fremdenverkehrsobservatoriums nahmen an der Erhebung zur Saison 2023/2024 vierzehn Hotels teil. In dieser Stichprobe betrug die durchschnittliche jährliche Zimmerbelegung 64,6 Prozent, gegenüber 68,1 Prozent in der vorherigen Saison. September und Oktober wurden bei dieser Jahresberechnung nicht berücksichtigt, da zahlreiche Hotels in diesen Monaten schließen. Die Belegung war saisonal unterschiedlich: Im März 2024 lag sie bei 77,1 Prozent, im Juli bei 52,7 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf die untersuchten Hotels und dürfen nicht ohne Weiteres auf sämtliche Unterkünfte der Insel übertragen werden.

saintbarth-tourisme.com

Private Ferienvillen sind ein besonders wichtiger Bestandteil des Unterkunftsmarktes. Sie reichen von kleineren Häusern bis zu großzügigen Anwesen mit mehreren Schlafzimmern, Meerblick, Swimmingpool und zusätzlichen Dienstleistungen wie Reinigung, Koch- oder Butlerservice. Die Vermittlung erfolgt über örtliche Vermietungsagenturen und internationale Buchungsplattformen. Die Preise hängen stark von Saison, Lage, Größe und Ausstattung ab und können während der Weihnachts- und Neujahrszeit besonders hoch ausfallen. Für Reisende mit begrenztem Budget ist Saint-Barthélemy deshalb ein schwieriges Reiseziel. Neben den Übernachtungskosten fallen vergleichsweise hohe Ausgaben für Restaurants, Mietwagen, Lebensmittel und weitere Dienstleistungen an. Die Beschäftigung in Hotellerie, Gastronomie, Hausverwaltung, Reinigung, Transport und Freizeitangeboten ist eng mit diesem Unterkunftsmodell verbunden. Zugleich erhöht die Nachfrage nach Wohnraum für Urlauber den Druck auf den Immobilienmarkt und erschwert es, für Beschäftigte bezahlbare Wohnungen zu finden.

Die Besucherzahlen müssen nach Verkehrsträgern und statistischen Kategorien unterschieden werden. Flugpassagiere, Passagiere des Fähr- und Kreuzfahrtverkehrs, Yachtgäste und tatsächlich auf der Insel übernachtende Urlauber sind nicht identische Gruppen. Für 2023 wurden am Flughafen Saint-Barthélemy-Rémy-de-Haenen 203.754 Passagiere registriert; der Hafen von Gustavia verzeichnete im selben Jahr 347.572 Passagierbewegungen. Diese Zahlen belegen die Bedeutung des Luft- und Seeverkehrs, lassen sich aber nicht einfach addieren, um die Zahl unterschiedlicher Inselbesucher zu bestimmen, da Mehrfachbewegungen und unterschiedliche Erfassungsmethoden zu berücksichtigen sind. Der Tourismusverband stellte für die Saison 2023/2024 außerdem fest, dass 55,8 Prozent der erfassten Gäste aus den Vereinigten Staaten und 16 Prozent aus Frankreich kamen. Weitere wichtige Herkunftsgebiete waren das übrige Europa und andere Länder des amerikanischen Kontinents.

Der Fremdenverkehr steht vor der Aufgabe, wirtschaftliche Erträge, Umwelt- und Landschaftsschutz sowie die Lebensbedingungen der Einwohner miteinander in Einklang zu bringen. Die begrenzte Fläche, die Abhängigkeit von importierten Waren und Brennstoffen, die aufwendige Trinkwassergewinnung und die geringe Kapazität des Straßennetzes setzen dem Wachstum Grenzen. Auch Abfälle, Abwasser, Verkehr und der hohe Energiebedarf der Unterkünfte sind wichtige Themen. Die Erhaltung der Küstenlandschaft und der historischen Bausubstanz ist für die langfristige Attraktivität der Insel von wirtschaftlicher Bedeutung. Die Diskussion über nachhaltigen Tourismus betrifft daher nicht nur die Umweltverträglichkeit der Hotels, sondern ebenso den Umgang mit Bauland, die Versorgung der Bevölkerung und die Belastung der öffentlichen Infrastruktur.

Im November 2025 organisierte der Präsident der Collectivité territoriale, Xavier Lédée, unter dem Titel „Rencontres territoriales“ eine öffentliche Zusammenkunft zum Thema Tourismus und Attraktivität. Dabei sollten Vertreter der Branche, weitere örtliche Akteure und Einwohner über die künftige Entwicklung Saint-Barthélemys beraten. Eine vorausgehende Bestandsaufnahme bezog unter anderem Hotellerie, Gastronomie, Immobilien- und Villenvermietung sowie öffentliche Einrichtungen ein. Zu den angesprochenen Themen gehörten die Bewahrung der Umwelt, die Qualität des touristischen Angebots und die Lebensqualität der Bevölkerung. Die Initiative verdeutlichte, dass die künftige Tourismuspolitik nicht allein anhand steigender Besucherzahlen beurteilt werden soll, sondern auch danach, wie sich die wirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs mit den begrenzten Ressourcen und den Bedürfnissen der Inselbevölkerung vereinbaren lässt.

Literatur

Reiseberichte

Videos

Atlas

Reiseangebote

Saint Barthelemy Tourismus = https://www.france.fr/de/reiseziel/saint-barthelemy/

Studienreise-Angebote für Saint-Barthelemy = https://at.studienreisen.de/laender/Saint-Barthelemy

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