Sankt Martin (Saint-Martin / Sint Maarten): Unterschied zwischen den Versionen
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Sankt Martin ist eine geteilte Insel, geeint durch die ferne Europäische Union. Ein Kuriosum in der Karibik und ein Stück europäischer Geschichte. Immer wieder wurde das kleine Eiland besetzt, zerrissen, wieder besetzt und schließlich zwischen Frankreich und den Niederlanden aufgeteilt. Heute ist es bekannt als Touristenzentrum und Standortr eines der gef#hrlichsten Flughäfen der Welt. | Sankt Martin ist eine geteilte Insel, geeint durch die ferne Europäische Union. Ein Kuriosum in der Karibik und ein Stück europäischer Geschichte. Immer wieder wurde das kleine Eiland besetzt, zerrissen, wieder besetzt und schließlich zwischen Frankreich und den Niederlanden aufgeteilt. Heute ist es bekannt als Touristenzentrum und Standortr eines der gef#hrlichsten Flughäfen der Welt. | ||
{{Inselsteckbrief|offizieller Name=Saint-Martin (französisch), Sint Maarten (niederländisch)|alternative Bezeichnungen=Soualiga, Oualichi (kalinago), San Martin (spanisch), Sankt Martin (deutsch)|Kategorie=Meeresinsel|Inseltyp=echte Insel|Inselart=vulkanische Insel|Gewässer=Karibisches Meer (Mer des Caraïbes / Caribische Zee)|Inselgruppe=Kleine Antillen (Petites Antilles)|politische Zugehörigkeit=Staaten: Republik Frankreich (République française) und Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden)|Gliederung=1 collectivité (Verwaltungsgemeinschaft) mit 6 quartiers (Siedlungen)<br>1 land (Land) mit 7 kerngebieden (Kerngebiete)|Status=geteilte Insel (île partagée / gedeeld eiland)|Koordinaten=18°04' N, 63°04' W|Entfernung zur nächsten Insel=200 m (Îlet Pinel), 7,1 km (Anguilla)|Entfernung zum Festland=801 km (Sipara / Venezuela)|Fläche=87 km² / 33,6 mi² (mit Nebeninseln 88 km² / 34 mi²)|geschütztes Gebiet=61 km² / 23,5 mi² (70,1 %)|maximale Länge=11,6 (N-S)|maximale Breite=11,3 km (W-O)|Küstenlänge=70 km|tiefste Stelle=0 m (Karibisches Meer)|höchste Stelle=414 m (Pic du Paradis)|relative Höhe=414 m|mittlere Höhe=55 m|maximaler Tidenhub=0,5 bis 0,7 m (Philipsburg 0,7 m, Marigot 0,5 m)|Zeitzone= | {{Inselsteckbrief|offizieller Name=Saint-Martin (französisch), Sint Maarten (niederländisch)|alternative Bezeichnungen=Soualiga, Oualichi (kalinago), San Martin (spanisch), Sankt Martin (deutsch)|Kategorie=Meeresinsel|Inseltyp=echte Insel|Inselart=vulkanische Insel|Gewässer=Karibisches Meer (Mer des Caraïbes / Caribische Zee)|Inselgruppe=Kleine Antillen (Petites Antilles)|politische Zugehörigkeit=Staaten: Republik Frankreich (République française) und Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden)|Gliederung=1 collectivité (Verwaltungsgemeinschaft) mit 6 quartiers (Siedlungen)<br>1 land (Land) mit 7 kerngebieden (Kerngebiete)|Status=geteilte Insel (île partagée / gedeeld eiland)|Koordinaten=18°04' N, 63°04' W|Entfernung zur nächsten Insel=200 m (Îlet Pinel), 7,1 km (Anguilla)|Entfernung zum Festland=801 km (Sipara / Venezuela)|Fläche=87 km² / 33,6 mi² (mit Nebeninseln 88 km² / 34 mi²)|geschütztes Gebiet=61 km² / 23,5 mi² (70,1 %)|maximale Länge=11,6 (N-S)|maximale Breite=11,3 km (W-O)|Küstenlänge=70 km|tiefste Stelle=0 m (Karibisches Meer)|höchste Stelle=414 m (Pic du Paradis)|relative Höhe=414 m|mittlere Höhe=55 m|maximaler Tidenhub=0,5 bis 0,7 m (Philipsburg 0,7 m, Marigot 0,5 m)|Zeitzone=HA / AST (Heure de l’Atlantique / Atlantische standaardtijd / Atlantic Standard Time / Atlantik-Standardzeit, UTC-4)|Realzeit=UTC minus 4 Stunden 12 bis 13 Minuten|Einwohnerzahl=70.771 (2022)|Dichte=813,46 (bezogen auf die Verwaltungsfläche 804,22)|Inselzentrum=Marigot und Philipsburg}} | ||
== '''Name''' == | == '''Name''' == | ||
Vor der Ankunft der Europäer war die Insel von indigenen Bevölkerungsgruppen bewohnt, insbesondere von Arawak-Gruppen und später von den als Kariben oder Kalinago bezeichneten Bevölkerungen. In den überlieferten indigenen Bezeichnungen erscheint die Insel unter anderem als '''''Soualiga'''''. Dieser Name wird gewöhnlich mit „Land des Salzes“ wiedergegeben und steht mit der Bedeutung der Salzgewinnung für die Insel in Verbindung. Vor allem die großen Salzseen im Westen und Südwesten, darunter das Gebiet des heutigen Étang de la Baie de l’Embouchure und die Salzgewässer bei Philipsburg, bildeten auffällige Landschaftselemente und boten die natürlichen Voraussetzungen für die Gewinnung von Meersalz. | |||
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Eine weitere überlieferte indigene Bezeichnung lautet '''''Oualichi''''' beziehungsweise '''''Oualichi'''''. Sie wird in verschiedenen Darstellungen als „Insel der starken Frauen“ oder als „Insel der tapferen und schönen Frauen“ wiedergegeben. Die Überlieferung dieser Bezeichnung ist allerdings wesentlich weniger eindeutig als diejenige von Soualiga. Bei den indigenen Inselnamen der Kleinen Antillen bestehen generell unterschiedliche historische Schreibweisen und Überlieferungstraditionen, da die ursprünglichen Sprachen nicht in einer europäischen Schrift aufgezeichnet wurden. | |||
Christoph Kolumbus. Kolumbus, der auf Italienisch Cristoforo Colombo hieß und in spanischen Quellen als Cristóbal Colón erscheint, passierte die Insel am 11. November 1493 während seiner zweiten Reise nach Amerika. Dieser Tag war im damaligen christlichen Kalender dem heiligen ''Martin von Tours'' gewidmet. ''Martin von Tours'' war ein im 4. Jahrhundert lebender römischer Soldat, später Bischof von Tours, und gehörte zu den wichtigsten Heiligen der westlichen Christenheit. Nach der bekannten Legende begegnete Martin als Soldat bei Amiens einem frierenden Bettler. Er teilte seinen Mantel mit dem Schwert und überließ dem Bedürftigen die Hälfte. Die Verehrung des heiligen Martin war in Europa bereits im Mittelalter weit verbreitet, und sein Gedenktag, der 11. November, wurde als Martinstag begangen. Kolumbus benannte die von ihm gesichtete Insel daher nach dem Heiligen als '''''San Martín'''''. Die Benennung setzte sich in der europäischen Kartografie und in späteren kolonialen Quellen durch, wobei sich allerdings die Schreibweise entsprechend der jeweiligen Verwaltungssprache veränderte. Im Französischen wurde daraus '''''Saint-Martin''''', während sich im Niederländischen die Form '''''Sint Maarten''''' entwickelte. | |||
Die heutige unterschiedliche Schreibweise hat vor allem mit der späteren politischen und kolonialen Entwicklung der Insel zu tun. Während sich im französisch verwalteten Norden die französische Bezeichnung ''Saint-Martin'' etablierte, wurde im niederländisch verwalteten Süden die niederländische Form Sint Maarten gebräuchlich. Die politische Teilung der Insel erfolgte allerdings erst Jahrhunderte nach der Namensgebung. Der französische Teil gehört heute als Collectivité de Saint-Martin zu Frankreich, während Sint Maarten seit dem 10. Oktober 2010 ein eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande ist. Die internationale Bezeichnung ''Saint Martin'' wird häufig für die gesamte Insel verwendet, obwohl sie politisch aus zwei unterschiedlichen Hoheitsgebieten besteht.[[Datei:Sankt Martin openstreetmap.png|rechts|968x968px]] | |||
* abchasisch: Аӡьыкь Мартин [Azhyk Martin] | * abchasisch: Аӡьыкь Мартин [Azhyk Martin] | ||
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== '''Lage''' == | == '''Lage''' == | ||
Die Insel Sankt Martin liegt im Norden bzw. Nordosten der Kleinen Antillen auf durchschnittlich 18°04‘ n.B. und 63°04‘ w.L.. Sie befindet sich auf der gleichen geografischen Breite wie die mauretanische Hauptstadt Nuakschott, der Norden der afrikanischen Staaten Mali, Niger, Tschad und Sudan, dert Süden Saudi-Arabiens und des Oman, Zentral-Indien mit Hyderabad und Visakhapatnam, Zentral-Birma, Nord-Thailand, Zentral-Laos und -Vietnam, Coatzacoalcos in Mexiko, der Norden von Belize sowie der Süden Jamaikas und der Dominikanischen Republik. | Die Insel Sankt Martin liegt im Norden bzw. Nordosten der Kleinen Antillen auf durchschnittlich 18°04‘ n.B. und 63°04‘ w.L.. Sie befindet sich auf der gleichen geografischen Breite wie die mauretanische Hauptstadt Nuakschott, der Norden der afrikanischen Staaten Mali, Niger, Tschad und Sudan, dert Süden Saudi-Arabiens und des Oman, Zentral-Indien mit Hyderabad und Visakhapatnam, Zentral-Birma, Nord-Thailand, Zentral-Laos und -Vietnam, Coatzacoalcos in Mexiko, der Norden von Belize sowie der Süden Jamaikas und der Dominikanischen Republik. Die nächsten Nachbarn sind Anguilla im Norden und Saint Barthelemy im Süden. | ||
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=== '''Zeitzone''' === | === '''Zeitzone''' === | ||
Auf der Insel in beiden Landesteilen gilt die '''Atlantic Standard Time''', französisch '''Heure normale de l’Atlantique''', niederländisch '''Atlantische standaardtijd''' (Atlantische Standard-Zeit), abgekürzt HNA bzw. AST (ASZ), 5 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC-4). Die Realzeit liegt um 4 Stunden und | Auf der Insel in beiden Landesteilen gilt die '''Atlantic Standard Time''', französisch '''Heure normale de l’Atlantique''', niederländisch '''Atlantische standaardtijd''' (Atlantische Standard-Zeit), abgekürzt HNA bzw. AST (ASZ), 5 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC-4). Die Realzeit liegt um 4 Stunden und 12 bis 13 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC). | ||
== '''Fläche''' == | == '''Fläche''' == | ||
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'''Flächenaufteilung''' (um 2015, geschätzt): | '''Flächenaufteilung''' (um 2015, geschätzt): | ||
Wiesen und Sträucher | * Wiesen und Sträucher 38 km² (43,7 %) | ||
* Waldland 35 km² (40,2 %) | |||
* Agrarland 6 km² (6,9 %) | |||
* Gewässer 6 km² (6,9 %) | |||
* Verbautes Gelände 2 km² (2,3 %) | |||
== '''Geologie''' == | |||
Die Insel Saint Martin gehört geologisch zum nördlichen Abschnitt der Kleinen Antillen und liegt im Karibischen Meer im Bereich der Inseln über dem Winde. Ihre Entstehung steht mit den komplexen tektonischen Vorgängen am östlichen Rand der Karibischen Platte in Verbindung. Wie die übrigen Inseln des vulkanischen Inselbogens der Kleinen Antillen entstand Saint Martin nicht durch einen einzelnen Vulkanausbruch, sondern durch eine über lange Zeit andauernde Abfolge von vulkanischen, tektonischen und marinen Prozessen. Die genaue Altersangabe der Insel beziehungsweise ihrer ältesten Gesteine unterscheidet sich je nach geologischer Untersuchung; ältere Darstellungen nannten teilweise ein Alter von etwa 60 Millionen Jahren, während neuere Einordnungen für wesentliche Abschnitte der geologischen Entwicklung jüngere Zeiträume von ungefähr 36 Millionen Jahren angeben. | |||
Die geologische Entwicklung begann mit vulkanischer Aktivität und der Bildung von Gesteinsmassen auf dem Meeresboden. Magma stieg entlang von Schwächezonen der Erdkruste auf und erstarrte zu vulkanischen Gesteinen. Wiederholte Eruptionen führten dazu, dass sich vulkanische Gesteinskörper aufbauten und schließlich über den Meeresspiegel hinauswuchsen. Gleichzeitig wirkten tektonische Kräfte auf die entstehenden Gesteinsmassen ein. Hebungen, Absenkungen, Bruchtektonik und Erdbeben veränderten die ursprünglichen vulkanischen Strukturen und trugen zur Ausbildung des heute stark gegliederten Reliefs bei. Die Insel ist deshalb geologisch kein einheitlicher Vulkankegel, sondern besteht aus verschiedenen Gesteinseinheiten und Landschaftsformen, die während unterschiedlicher Phasen ihrer Entwicklung entstanden. | |||
Die vulkanische Vergangenheit zeigt sich insbesondere im zentralen und südlichen Inselbereich. Das Relief wird von Hügeln und Bergzügen geprägt, die durch Täler und kleinere Becken voneinander getrennt sind. Die höchste Erhebung der gesamten Insel ist der Pic Paradis im französischen Teil. Er erreicht etwa 424 m über dem Meeresspiegel und bildet den markantesten Geländepunkt Saint Martins. Seine Umgebung weist steile Hänge, tief eingeschnittene Täler und eine für die vulkanisch geprägten Inseln der Kleinen Antillen typische kleinteilige Topografie auf. | |||
Neben den vulkanischen Gesteinen spielen Sedimente und jüngere marine Ablagerungen eine wichtige Rolle. Während der langen geologischen Entwicklung wurden ältere Gesteine durch Verwitterung und Erosion abgetragen. Fließendes Wasser transportierte Lockermaterial aus den höher gelegenen Bereichen in die Täler und Küstenebenen. An der Küste kamen marine Ablagerungen hinzu. Korallenriffe, Korallenschutt und kalkhaltige Sedimente bildeten beziehungsweise veränderten flache Küstenbereiche und trugen an einzelnen Stellen zur Landbildung bei. Dadurch entstand ein geologisch vielfältiger Aufbau aus älteren vulkanischen Gesteinen, jüngeren Sedimenten und kalkhaltigen marinen Ablagerungen. | |||
Die heutige Küstenform ist deshalb nicht allein das Ergebnis der ursprünglichen vulkanischen Tätigkeit. Brandung, Meeresströmungen und die fortlaufende Ablagerung und Umlagerung von Sedimenten formten die Küsten über lange Zeit weiter. Korallenriffe wirkten dabei als natürliche Barrieren gegen die Brandung und lieferten durch ihre abgestorbenen Kalkskelette große Mengen an Material für Strände und flache Küstenbereiche. Die zahlreichen Buchten und Strände Saint Martins sind somit das Ergebnis des Zusammenwirkens von geologischem Untergrund, Meeresspiegelveränderungen, Erosion und mariner Sedimentation. | |||
Auch die wiederkehrenden tropischen Wirbelstürme haben das Relief und die Küstenlandschaft beeinflusst. Hurrikane erzeugen starke Wellen, Sturmfluten und außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen. Dadurch werden Strände umgelagert, Küstensedimente abgetragen und in anderen Bereichen wieder abgelagert. Hochwasser und starke Regenfälle verstärken gleichzeitig die Erosion an den Berghängen und in den Tälern. Diese Prozesse verändern die Oberfläche der Insel bis in die Gegenwart, auch wenn sie gegenüber den wesentlich langsameren tektonischen Vorgängen geologisch nur einen kleinen Zeitraum darstellen. | |||
Von besonderer Bedeutung für die heutige Landschaft waren außerdem die wiederholten Schwankungen des Meeresspiegels während des Quartärs. Während der Eiszeiten war große Mengen Wasser in den kontinentalen Eisschilden gebunden, sodass der Meeresspiegel deutlich niedriger lag als heute. Küstenlinien lagen damals weiter außerhalb der heutigen Insel und flache Meeresbereiche waren teilweise trocken. In den wärmeren Zwischen- und Nacheiszeiten stieg der Meeresspiegel wieder an. Dadurch wurden frühere Küstenebenen erneut überflutet und flache Senken konnten sich zu Lagunen, Meeresbuchten und Küstenfeuchtgebieten entwickeln. Die heutige Gestalt der Insel ist daher auch von diesen wiederholten Veränderungen des Meeresspiegels geprägt. | |||
Die | Die auffällige Zweiteilung Saint Martins in einen französischen und einen niederländischen Teil hat dagegen keine geologische Ursache. Die politische Grenze verläuft über denselben zusammenhängenden geologischen Inselkörper. Geologisch handelt es sich um eine einzige Insel, deren Gesteine und Landschaftsformen unabhängig von der seit dem 17. Jahrhundert bestehenden politischen Aufteilung entstanden sind. Die heutige Grenze zwischen Saint-Martin und Sint Maarten entspricht daher einer historischen politischen Grenze und keiner natürlichen geologischen Trennlinie. | ||
== '''Landschaft''' == | == '''Landschaft''' == | ||
Den | Die Landschaft der Insel Saint Martin ist durch einen deutlichen Wechsel zwischen bergigem Binnenland, flacheren Küstenbereichen, Salzseen, trockeneren Vegetationszonen und feuchten Waldgebieten geprägt. Obwohl die Insel mit einer Fläche von rund 87 km² relativ klein ist, weist sie aufgrund ihrer geologischen Entstehung und der unterschiedlichen Niederschlagsverhältnisse eine bemerkenswerte landschaftliche Vielfalt auf. Das Relief wird im zentralen Bereich von einem zerklüfteten Hügelland bestimmt, während sich an den Küsten flache Ebenen, Buchten, Lagunen und Strände anschließen. | ||
Den Osten der Insel nimmt vor allem ein bewaldetes Hügelland ein. Die Erhebungen gehen in zahlreiche kleinere Täler und Senken über und bilden zusammen mit den dicht bewachsenen Hängen einen der landschaftlich geschlossensten Bereiche der Insel. Besonders im Bereich des Pic Paradis erreicht das Gelände größere Höhen. Der Pic Paradis ist mit 424 m die höchste Erhebung Saint Martins. Seine Hänge sind teilweise dicht bewachsen und unterscheiden sich dadurch deutlich von den trockeneren Landschaften der westlichen Inselhälfte. Das Gebiet um den Berg weist zahlreiche Wanderwege auf und gehört zu den wichtigsten naturnahen Erholungsgebieten der Insel. | |||
Die Vegetation ist nicht überall gleich ausgeprägt. Im feuchteren Osten und in den höher gelegenen Bereichen wachsen tropische Wälder und dichtes Buschland. An geschützten Küstenabschnitten kommen Mangrovenbestände hinzu. Die Mangroven wachsen vor allem dort, wo flaches, salzhaltiges Wasser und schlammige oder sandige Böden vorhanden sind. Sie bilden Übergangszonen zwischen Land und Meer und stehen mit den Lagunen und Feuchtgebieten der Insel in engem Zusammenhang. | |||
Demgegenüber ist der Westen Saint Martins trockener. Hier treten offene Buschlandschaften, trockenheitsangepasste Pflanzen und zahlreiche Kakteen stärker hervor. Die geringere Niederschlagsmenge und die stärkere Sonneneinstrahlung führen zu einer Vegetation, die sich deutlich von den bewaldeten Hängen im Osten unterscheidet. Charakteristisch sind dornige Sträucher, niedrige Gehölze und verschiedene sukkulente Pflanzen. Besonders während der trockeneren Jahreszeit kann die Landschaft einen deutlich arideren Eindruck vermitteln. | |||
Ein auffälliges Element der Landschaft sind die zahlreichen Salzseen und salzhaltigen Feuchtgebiete. Größere Salzgewässer liegen im Osten, Süden und Westen der Insel. Sie sind teilweise durch natürliche Küstenbarrieren vom offenen Meer getrennt und wurden historisch für die Salzgewinnung genutzt. Die Salzseen gehören damit sowohl zur Natur- als auch zur Wirtschaftsgeschichte Saint Martins. Durch ihre flachen Wasserflächen, die wechselnden Wasserstände und die unterschiedliche Salzkonzentration bilden sie zudem besondere Lebensräume für Wasservögel und andere an Feuchtgebiete gebundene Tierarten. | |||
Vor der Küste liegen mehrere kleinere Inseln und Felsen. Die bedeutendste vorgelagerte Insel ist Tintamarre, die nordöstlich von Saint Martin liegt und heute unbewohnt ist. Sie gehört politisch zum französischen Teil der Insel. Tintamarre besitzt eine weitgehend natürliche Landschaft mit niedrigen Erhebungen, trockener Vegetation, Felsküsten und Sandstränden. Zusammen mit weiteren kleinen Inseln und Felsen bildet sie einen charakteristischen Bestandteil der Küstenlandschaft Saint Martins. | |||
Die Küste selbst ist stark gegliedert. Felsige Küstenabschnitte wechseln mit flachen Sandbuchten, kleinen Landvorsprüngen und geschützten Meeresarmen. An verschiedenen Stellen liegen Korallenriffe und andere flache Meereslebensräume vor der Küste. Diese Strukturen beeinflussen die Wellenbewegung und schützen einzelne Buchten vor der offenen Brandung. Gleichzeitig bieten sie Lebensraum für zahlreiche Meeresorganismen. In den Korallen- und Felsbereichen leben unter anderem verschiedene Fischarten, Krebstiere und Mollusken. | |||
Besonders charakteristisch sind die zahlreichen Sandstrände. An vielen Küstenabschnitten bestehen sie aus hellem, teilweise nahezu weißem Korallensand, der zusammen mit dem flachen, klaren Wasser die typische tropische Küstenlandschaft erzeugt. Zu den bekanntesten Stränden gehören Orient Bay im französischen Osten, die Bucht von Grand Case im Norden sowie Maho Beach im niederländischen Südwesten. Die einzelnen Strände unterscheiden sich jedoch deutlich voneinander. Orient Bay besitzt eine weitläufige offene Sandküste, während die Küste bei Grand Case stärker von der geschützten Bucht geprägt wird. Maho Beach liegt unmittelbar am Flughafen Princess Juliana International Airport und ist durch seine besondere Lage zwischen Strand, Meer und Flughafen zu einem bekannten Landschaftspunkt von Sint Maarten geworden. | |||
Die Meereslandschaft vor Saint Martin ergänzt die Vielfalt des Landesinneren. Flache Küstengewässer, Seegrasbestände, Korallenriffe und felsige Meeresböden bilden unterschiedliche Lebensräume. Die geschützten Buchten und Riffbereiche dienen zahlreichen Meerestieren als Nahrungs- und Aufenthaltsgebiete. Dadurch setzt sich die landschaftliche Gliederung der Insel unter der Wasseroberfläche fort. | |||
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=== '''Flora''' === | === '''Flora''' === | ||
Die Flora von Saint Martin ist durch die Lage der Insel im tropischen Karibikraum, das überwiegend warme Klima, die ausgeprägte Trockenzeit und die unterschiedlichen Höhenlagen geprägt. Trotz der geringen Größe der Insel treten mehrere deutlich voneinander verschiedene Vegetationstypen auf. Wälder, trockene Buschlandschaften, Küstenvegetation, Mangroven, Feuchtgebiete und die Vegetation der höheren Hügellagen bilden ein abwechslungsreiches Pflanzenmosaik. Nach den vorliegenden Angaben sind etwa 20 % der Inselfläche von Wald bedeckt. Die Waldflächen liegen vor allem an den Hängen und in den Tälern des hügeligeren Inselinneren sowie in Bereichen, in denen die Bodenfeuchtigkeit höher ist. | |||
Zu den charakteristischen einheimischen Gehölzen gehört der Meertraubenbaum beziehungsweise Seaside Raisin Tree (Coccoloba uvifera). Er ist eine typische Pflanze der karibischen Küstenregion und kommt insbesondere in Strandnähe und auf sandigen Böden vor. Seine großen, rundlichen Blätter sind auffällig und ermöglichen ihm, mit der starken Sonneneinstrahlung und den teilweise trockenen Bedingungen der Küste zurechtzukommen. Die Früchte sind essbar und bilden zugleich eine Nahrungsquelle für verschiedene Tiere. An geeigneten Standorten trägt der Meertraubenbaum außerdem zur Stabilisierung von Küstenböden bei. | |||
Zu den weiteren charakteristischen Gehölzen zählen verschiedene Seidenbäume beziehungsweise Silk Trees sowie Gummibäume beziehungsweise Gum Trees. Unter der Bezeichnung Gum Trees werden allerdings unterschiedliche tropische Baumarten zusammengefasst, sodass der englische Sammelbegriff nicht ohne Weiteres einer einzelnen botanischen Art entspricht. Gemeinsam mit anderen einheimischen und eingebürgerten Gehölzen bilden sie die Wald- und Buschvegetation der Insel. In den trockeneren Bereichen ist die Vegetation niedriger und stärker von Sträuchern und trockenheitsangepassten Pflanzen geprägt. | |||
Die heutige Flora ist allerdings nicht ausschließlich ursprünglich. Im Laufe der europäischen Kolonialgeschichte wurden zahlreiche Pflanzenarten aus anderen tropischen Regionen eingeführt und auf Saint Martin kultiviert. Dazu gehören Tamarinden, Kokospalmen, Bananenpflanzen, Mangobäume und Flammenbäume. Auch Bougainvilleen sind auf der Insel weit verbreitet. Viele dieser Pflanzen werden als Nutz- oder Zierpflanzen kultiviert und gehören heute zum charakteristischen Erscheinungsbild der besiedelten Landschaft. Besonders in Gärten, an Straßen, in landwirtschaftlich genutzten Bereichen und rund um Wohnanlagen ist der Anteil eingeführter Pflanzen entsprechend hoch. | |||
Eine besondere Bedeutung besitzt der Guaiac-Baum (Guaiacum officinale), der auf Saint Martin zu den seltenen und schutzbedürftigen einheimischen Baumarten gehört. Das Holz dieser Art ist außerordentlich hart und schwer und war deshalb bereits historisch ein begehrter Rohstoff. Die intensive Nutzung des Holzes hat zusammen mit der Zerstörung natürlicher Lebensräume zum starken Rückgang der Art geführt. Guaiacum officinale zählt deshalb zu den gefährdeten Baumarten der Karibik und steht auch international unter Schutz. Sein Vorkommen auf Saint Martin ist somit von besonderem botanischem und naturschutzfachlichem Interesse. | |||
Zu den bemerkenswerten Pflanzen der trockeneren Landschaften gehört außerdem der unter dem französischen Namen Tête à l'anglais bekannte Kaktus. Er zeichnet sich durch ein auffälliges rotes Cephalium aus, eine spezialisierte Struktur, aus der die Blüten hervorgehen. Die Art gehört zu den seltenen Kakteen der Region und ist an trockene, sonnenreiche Standorte angepasst. Ihr Vorkommen verdeutlicht den Gegensatz zwischen der trockenen Vegetation der westlichen und südwestlichen Inselbereiche und den feuchteren Waldgesellschaften der höheren Lagen. | |||
Eine weitere wichtige Vegetationsformation bilden die Mangroven. Sie wachsen an geschützten, regelmäßig vom Meer beeinflussten Küstenabschnitten sowie im Bereich von Lagunen und anderen flachen Feuchtgebieten. Mangroven sind an salzhaltige Böden und wechselnde Wasserstände angepasst. Ihre dicht verzweigten Wurzelsysteme halten Sedimente fest und tragen damit zum Schutz der Ufer vor Erosion bei. Gleichzeitig entstehen zwischen den Wurzeln geschützte Lebensräume für Fische, Krebstiere, Weichtiere und zahlreiche andere Organismen. Die Mangroven stehen daher in engem ökologischen Zusammenhang mit den angrenzenden Küstengewässern und Korallenriffen. | |||
Auch die Teiche, Salzseen und übrigen Feuchtgebiete besitzen eine besondere Bedeutung für die Pflanzenwelt. Je nach Salzgehalt, Wasserstand und Bodenbeschaffenheit entwickeln sich dort unterschiedliche Pflanzengesellschaften. In den weniger stark salzhaltigen Bereichen können sich Feuchtgebietspflanzen entwickeln, während stark salzhaltige Standorte nur von spezialisierten salztoleranten Arten besiedelt werden. Diese Übergangsräume zwischen Land und Meer gehören zu den ökologisch vielfältigsten Lebensräumen der Insel. | |||
Die höher gelegenen und feuchteren Bereiche rund um den Pic Paradis weisen eine dichtere Vegetation auf als viele tiefer gelegene und trockene Küstenregionen. Dort finden sich neben Bäumen und Sträuchern auch epiphytische Pflanzen, Farne und verschiedene Orchideen. Saint Martin besitzt mehrere Orchideenarten, die insbesondere in feuchteren Waldgebieten und an geeigneten Standorten der Hügellandschaft vorkommen. Sie sind teilweise an bestimmte Feuchtigkeits- und Lichtverhältnisse gebunden und reagieren daher empfindlich auf die Veränderung ihrer natürlichen Lebensräume. | |||
=== '''Fauna''' === | === '''Fauna''' === | ||
Unter den Reptilien fallen insbesondere die Grünen Leguane (Iguana iguana) auf. Sie kommen in verschiedenen Bereichen der Insel vor und halten sich bevorzugt in bewachsenen Gebieten, an Waldrändern und in Bereichen mit ausreichendem Nahrungsangebot auf. Daneben leben auf Saint Martin verschiedene kleinere Echsen und Geckos. Eine besondere Stellung besitzt der Anolis pogus, eine auf Saint Martin und den unmittelbar zugehörigen Inselgebieten vorkommende Anolis-Art. Die Art gehört zur Gruppe der karibischen Anolis-Echsen, deren Vertreter auf vielen Inseln eigene, voneinander unterschiedene Arten oder Unterarten entwickelt haben. Ihr Vorkommen ist eng mit den besonderen Lebensbedingungen der Insel verbunden. | |||
Die Vogelwelt gehört zu den auffälligsten Bestandteilen der Tierwelt Saint Martins. Die unterschiedlichen Landschaftsräume bieten zahlreichen Stand- und Zugvögeln geeignete Lebensräume. In den bewaldeten Bereichen und Gärten kommen unter anderem Kolibris, Papageien und verschiedene Singvögel vor. Auch Zuckervögel, die sich von Nektar und Früchten ernähren, gehören zur karibischen Vogelwelt der Insel. In offenen Landschaften und an Gebäuden treten weitere kleinere Vogelarten auf. | |||
Eine besondere Bedeutung besitzen die Küsten und Feuchtgebiete. Mangroven, Salzseen und Lagunen bieten Nahrung und geschützte Rast- und Brutplätze für Wasservögel. Zu den regelmäßig beziehungsweise regional vorkommenden Arten gehören Kuhreiher, Pelikane, Möwen und verschiedene andere Küsten- und Watvögel. Auch Braune Tölpel gehören zur Vogelwelt des weiteren Inselraums. Die flachen Küstengewässer und vorgelagerten Inseln erweitern die für Vögel verfügbaren Nahrungs- und Rastgebiete erheblich. | |||
Unter den Greifvögeln beziehungsweise kleineren Raubvögeln ist der Turmfalke zu nennen. Er nutzt offene Landschaften und die höher gelegenen Bereiche der Insel zur Nahrungssuche. Die verschiedenen Vogelarten sind dabei unterschiedlich stark an menschlich geprägte Lebensräume angepasst. Einige Arten nutzen Gärten, Plantagen und Siedlungsbereiche, während andere auf naturnahe Wälder, Mangroven oder Feuchtgebiete angewiesen sind. | |||
Die Säugetierfauna der Insel ist wesentlich weniger artenreich als die Vogel- und Meeresfauna. Wie auf vielen kleinen karibischen Inseln ist die Zahl ursprünglich heimischer größerer Landsäugetiere begrenzt. Zu den eingeführten beziehungsweise nicht ursprünglich auf Saint Martin heimischen Säugetieren gehören Waschbären. Auch Pekaris werden im Zusammenhang mit der Tierwelt der Insel genannt. Die Bestände und die Bedeutung dieser Arten für die heutige Wildfauna unterscheiden sich jedoch von den natürlichen Säugetiergemeinschaften größerer karibischer Inseln. Weitere exotische Säugetiere können in Einrichtungen gehalten werden, in denen Tiere aus zoologischen oder pädagogischen Gründen gepflegt werden; solche Tiere gehören nicht zur wild lebenden Fauna Saint Martins. | |||
Eine große Artenvielfalt findet sich bei den wirbellosen Tieren. Auf der Insel leben zahlreiche Schmetterlinge, Motten, Käfer, Libellen, Heuschrecken, Ameisen und andere Insekten. Hinzu kommen Spinnen, Schnecken und weitere Wirbellose. Die unterschiedlichen Vegetationstypen schaffen eine Vielzahl von Nahrungs- und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Besonders blütenreiche Gärten und botanische Anlagen ziehen zahlreiche Schmetterlinge und andere Insekten an. Auch die natürlichen Wald- und Buschgebiete besitzen eine wichtige Funktion für diese Tiergruppen. | |||
Die | Von noch größerer Bedeutung ist die Meeresfauna rund um Saint Martin. Die Küstengewässer umfassen verschiedene Lebensräume wie Korallenriffe, Seegrasbestände, felsige Küstenbereiche und sandige Meeresböden. In diesen Bereichen leben zahlreiche Fischarten. Dazu gehören unter anderem verschiedene Riffische wie Kaiserfische sowie größere Arten wie Thunfische. Rochen kommen ebenfalls in den Gewässern rund um die Insel vor. Die Korallenriffe bieten vielen Fischen und wirbellosen Meerestieren Schutz und Nahrung und stehen deshalb in enger Verbindung mit der biologischen Vielfalt der Küstenregion. | ||
Zu den besonders schutzwürdigen Meerestieren gehören die Meeresschildkröten. In den Gewässern um Saint Martin kommen verschiedene Arten vor, und geeignete Sandstrände dienen einzelnen Arten zur Eiablage. Zu den regional vorkommenden Meeresschildkröten gehören unter anderem die Lederschildkröte sowie weitere Arten der Karibik. Die Tiere verbringen einen großen Teil ihres Lebens im Meer, sind für die Fortpflanzung jedoch auf geeignete Strände angewiesen. Damit sind sie unmittelbar von der Qualität sowohl der Meeres- als auch der Küstenlebensräume abhängig. | |||
Auch Meeressäuger gehören zur Fauna des weiteren Meeresgebietes. Delfine können in den Gewässern um Saint Martin beobachtet werden. Gelegentlich werden auch Wale im weiteren karibischen Meeresraum festgestellt. Ihr Auftreten ist allerdings nicht mit einer dauerhaft auf die unmittelbare Küste Saint Martins beschränkten Population gleichzusetzen. Die offenen Meeresbereiche rund um die Insel bilden vielmehr einen Teil des größeren karibischen Lebensraums dieser Arten. | |||
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== '''Naturschutz''' == | == '''Naturschutz''' == | ||
Das wichtigste Schutzgebiet im französischen Teil ist die Réserve naturelle nationale de Saint-Martin. Das Naturschutzgebiet wurde 1998 eingerichtet und umfasst heute etwa 30,6 km². Davon liegen rund 20 km² im Meer beziehungsweise auf dem Meeresboden. Zum Schutzgebiet gehören sowohl Landflächen als auch Küstengewässer und verschiedene vorgelagerte Inseln und Felsen. Dazu zählen unter anderem die Îlet de Pinel, die Îlet Tintamarre und weitere kleinere Inseln beziehungsweise Küstenbereiche. Geschützt werden unterschiedliche Ökosysteme, darunter trockene Küstenvegetation, Felsküsten, Strände, Mangroven, Lagunen, Seegraswiesen und Korallenriffe. | |||
Eine wesentliche Aufgabe der Réserve naturelle de Saint-Martin besteht im Schutz der marinen Lebensräume. Die Korallenriffe und Seegraswiesen dienen zahlreichen Fischarten, Meeresschildkröten, Weichtieren und Krebstieren als Lebensraum. Die Riffe sind zugleich empfindlich gegenüber mechanischen Beschädigungen, Verschmutzung, Sedimenteintrag und Veränderungen der Wasserqualität. Das Schutzgebiet umfasst deshalb nicht nur die eigentlichen Korallenformationen, sondern auch die angrenzenden Meeresflächen, in denen sich die verschiedenen Lebensgemeinschaften gegenseitig ergänzen. | |||
Auch die Mangroven und Küstenfeuchtgebiete gehören zu den geschützten Lebensräumen. Sie besitzen eine wichtige Funktion für den Küstenschutz und stellen zugleich Brut-, Nahrungs- und Rückzugsräume für zahlreiche Tierarten dar. Die Salzseen und Lagunen sind ebenfalls Bestandteil des ökologisch bedeutenden Küstenraums. Dadurch verbindet das französische Schutzgebiet verschiedene Lebensräume vom höher gelegenen Inselinneren bis zu den flachen Meeresbereichen. | |||
Ein weiteres bekanntes Natur- und Erholungsgebiet im französischen Teil ist die Loterie Farm an den Hängen des Pic Paradis. Das Gelände umfasst einen bewaldeten Bereich mit tropischer Vegetation und Wanderwegen. Es handelt sich nicht um ein staatliches Naturschutzgebiet mit derselben rechtlichen Stellung wie die Réserve naturelle de Saint-Martin, sondern um ein privat betriebenes Natur- und Freizeitgebiet. Die Anlage ermöglicht den Zugang zu Teilen des bewaldeten Berglandes und macht die Vegetation der höheren Lagen für Besucher zugänglich. Die Lage am Pic Paradis ist zugleich von Bedeutung für den Erhalt zusammenhängender Waldflächen in einem stark erschlossenen Inselraum. | |||
== '''Klima''' == | Die Îlet de Pinel vor der Nordostküste gehört ebenfalls zum Naturraum der Réserve naturelle de Saint-Martin. Die kleine Insel besitzt Strände, trockene Küstenvegetation und flache Meeresbereiche. Wegen ihrer geschützten Lage und der guten Erreichbarkeit ist sie zugleich ein häufig besuchtes Ausflugsziel. Die Nutzung durch Besucher wird deshalb mit Maßnahmen zum Schutz der empfindlichen Küsten- und Meereslebensräume verbunden. | ||
Das Klima | |||
Auf der niederländischen Seite befindet sich mit dem Man of War Shoal National Marine Park ein weiteres bedeutendes Meeresschutzgebiet. Der Marinepark liegt südlich beziehungsweise südöstlich von Sint Maarten und umfasst rund 31 km² Meeresfläche. Geschützt werden dort insbesondere Korallenriffe, Seegraswiesen und weitere marine Lebensräume. Das Gebiet ist für die Fischfauna und für andere Meeresorganismen von Bedeutung und bildet eine wichtige Ergänzung zum französischen Meeresschutzgebiet. | |||
Die beiden großen Meeresschutzgebiete auf den beiden Seiten der Insel haben damit teilweise vergleichbare Schutzaufgaben, gehören aber zu unterschiedlichen politischen und rechtlichen Zuständigkeiten. Die Réserve naturelle de Saint-Martin untersteht dem französischen Naturschutzrecht, während der Man of War Shoal National Marine Park von den Behörden von Sint Maarten verwaltet wird. Die politische Grenze zwischen beiden Gebieten verläuft über denselben zusammenhängenden Insel- und Meeresraum, während die natürlichen Ökosysteme nicht an dieser Grenze enden. | |||
== '''Klima''' == | |||
Das Klima von Saint Martin ist tropisch und wird nach der Köppen-Geiger-Klassifikation als tropisches Savannenklima (Aw) eingeordnet. Kennzeichnend sind ganzjährig hohe Temperaturen, eine ausgeprägte trockenere Jahreszeit und eine niederschlagsreichere Zeit, die zugleich in die atlantische Hurrikansaison fällt. Durch die geringe Größe und das überwiegend hügelige Relief der Insel bestehen zwar lokale Unterschiede, insgesamt ist das Klima jedoch deutlich maritim geprägt. | |||
Die Lufttemperaturen bewegen sich im Jahresverlauf ungefähr zwischen 20 und 34°C. Das Jahresmittel liegt bei etwa 27°C. Die Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten sind deshalb wesentlich geringer als in den gemäßigten Breiten. Größer sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Tagen und insbesondere zwischen trockenen, sonnigen Perioden und feuchten Wetterlagen. Die nordöstlichen Passatwinde beeinflussen das Wettergeschehen ganzjährig und führen vor allem während der trockeneren Monate häufig zu einer spürbaren Durchlüftung. | |||
Die trockenere Jahreszeit reicht hauptsächlich von Januar bis April. In dieser Zeit dominieren häufig die nordöstlichen Passatwinde. Sie transportieren relativ trockene und stabile Luftmassen über die Insel und begrenzen die Bildung großräumiger Niederschlagsgebiete. Die Monate Februar bis April gehören gewöhnlich zu den niederschlagsärmsten Monaten des Jahres. Vollständig trocken ist die Insel allerdings auch dann nicht, da einzelne Schauer auftreten können. | |||
Ab etwa August nimmt die Niederschlagstätigkeit deutlich zu. Die niederschlagsreichste Periode liegt ungefähr zwischen August und November. In diese Monate fällt auch der Höhepunkt der atlantischen Hurrikansaison. Die Regenfälle können dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Neben normalen tropischen Schauern treten kräftige Gewitter und bei Durchzug tropischer Wirbelstürme außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen auf. Insgesamt werden für Saint Martin rund 1.047 mm Jahresniederschlag angegeben, verteilt auf etwa 142 Tage mit messbarem Niederschlag. Gewitter sind vergleichsweise selten und werden mit ungefähr 18 Tagen pro Jahr angegeben. | |||
Das Meer besitzt eine sehr gleichmäßige Temperatur und wirkt dadurch ausgleichend auf das Inselklima. Die mittlere Meerestemperatur liegt bei etwa 27,2°C. Die niedrigsten durchschnittlichen Werte werden mit rund 25,9 °C im Februar angegeben, während das Meer im Oktober durchschnittlich etwa 28,4°C erreicht. Damit bleibt das Wasser auch während der kühleren Monate warm und stellt eine bedeutende Wärmequelle für die Atmosphäre über der Insel dar. | |||
Die Niederschlagsverteilung ist eng mit der großräumigen Zirkulation der tropischen Atmosphäre verbunden. Während der trockeneren Monate sorgen die Passatwinde für relativ stabile Wetterbedingungen. In der feuchteren Jahreszeit nimmt dagegen der Einfluss feuchter tropischer Luftmassen zu. Tropische Wellen können dann starke Regenfälle auslösen. Die geografische Lage im nördlichen Bereich der Kleinen Antillen bringt außerdem eine besondere Gefährdung durch tropische Wirbelstürme mit sich. | |||
Die Hurrikangefahr ist für Saint Martin ein wesentlicher Bestandteil der klimatischen und natürlichen Rahmenbedingungen. Die atlantische Hurrikansaison reicht offiziell vom 1. Juni bis zum 30. November, wobei die stärkste Aktivität gewöhnlich zwischen August und Oktober auftritt. Nicht jedes Jahr erreicht ein Hurrikan die Insel unmittelbar, doch die Lage im nördlichen Kleinen-Antillen-Bogen macht Saint Martin grundsätzlich exponiert gegenüber tropischen Wirbelstürmen. | |||
In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Insel mehrfach von schweren Stürmen getroffen. Zu den besonders folgenreichen Ereignissen gehörten Luis im September 1995 und Lenny im November 1999. Eine außergewöhnliche Katastrophe war der Durchzug von Hurrikan Irma am 6. September 2017. Irma erreichte beim Überqueren der Insel die Kategorie 5 und brachte extreme Windgeschwindigkeiten sowie Sturmflut und hohe Wellen mit sich. Nach Angaben der Weltbank wurden auf Sint Maarten rund 90 % der Gebäude beschädigt; etwa 5.000 Menschen wurden vorübergehend vertrieben. | |||
Auch die kritische Infrastruktur wurde schwer getroffen. Der internationale Flughafen Princess Juliana wurde durch den Hurrikan erheblich beschädigt; Türen und Teile des Daches wurden herausgerissen und Meerwasser drang in das Terminal ein. Die Wiederherstellung dauerte mehrere Jahre. Das Terminal wurde schließlich im November 2024 wiedereröffnet und mit verstärkten Bauteilen und einer höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Windereignissen ausgestattet. | |||
Die Auswirkungen von Irma beschränkten sich nicht auf Sint Maarten. Der Hurrikan traf den gesamten Inselkörper Saint Martin/Sint Maarten, sodass auch der französische Teil schwer betroffen war. Zwei Wochen später erreichte außerdem Hurrikan Maria die Region. Maria überquerte Saint Martin nicht mit derselben direkten Wirkung wie Irma, brachte jedoch weitere starke Winde und Niederschläge und erschwerte die bereits laufenden Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten. | |||
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== '''Mythologie''' == | == '''Mythologie''' == | ||
Nach der überlieferten Darstellung passierte Kolumbus die Insel am 11. November 1493 während seiner zweiten Reise nach Amerika. Der 11. November ist der Gedenktag des heiligen Martin von Tours, weshalb Kolumbus die Insel San Martín nannte. Die historische Bezeichnung wurde später im französischen Sprachraum zu Saint-Martin und im niederländischen Sprachraum zu Sint Maarten. Um diese Namensgebung entwickelte sich die Vorstellung, dass die Insel gleichsam am Namenstag des Heiligen entdeckt und dadurch unmittelbar unter seinen Schutz gestellt worden sei. Historisch belegt ist die Namensgebung, während eine besondere Schutzfunktion des Heiligen zur Zeit der Entdeckung Teil der späteren religiösen Überlieferung ist. | |||
Auch die vorkoloniale Geschichte der Insel ist von Überlieferungen umgeben. Vor der europäischen Ankunft lebten indigene Bevölkerungsgruppen auf Saint Martin, wobei insbesondere die Namen Soualiga und Oualichi mit der vorkolonialen Inselgeschichte verbunden werden. Soualiga wird gewöhnlich als „Land des Salzes“ übersetzt und verweist auf die zahlreichen Salzseen der Insel. Oualichi wird dagegen als „Insel der starken Frauen“ beziehungsweise als „Insel der tapferen und schönen Frauen“ wiedergegeben. Die genauen historischen Umstände, unter denen diese Bezeichnungen verwendet wurden, sind nicht vollständig überliefert, sodass sie heute vor allem Bestandteil der historischen Erinnerung an die indigene Vergangenheit Saint Martins sind. | |||
Besonders bekannt ist die volkstümliche Sage über die Entstehung der Grenze zwischen dem französischen und dem niederländischen Teil der Insel. Eine Version erzählt, dass die beiden europäischen Mächte die Insel untereinander aufteilen wollten und dafür jeweils einen Vertreter bestimmten. Ein Franzose und ein Niederländer sollen an einem bestimmten Punkt der Küste gestartet und die Insel in entgegengesetzten Richtungen umrundet haben. Dort, wo sie wieder aufeinandertrafen, sollte die Grenze verlaufen. Der Franzose habe dabei angeblich eine größere Strecke zurückgelegt, weshalb der französische Teil größer geworden sei. | |||
Von dieser Grundgeschichte existieren mehrere Varianten. In einer besonders bekannten Fassung trank der Franzose während des Rundgangs Wein, während der Niederländer Genever trank. Der Alkohol habe die Geschwindigkeit des Niederländers beeinträchtigt, sodass er früher ermüdet habe und der Franzose einen größeren Teil der Insel für Frankreich beanspruchen konnte. In einer anderen Version gibt der Franzose seinem niederländischen Konkurrenten eine Flasche Wasser, die tatsächlich mit Gin gefüllt gewesen sei. Der Niederländer werde dadurch langsamer, während der Franzose seinen Weg fortsetzen könne. Die unterschiedliche Größe der beiden Inselteile wird in diesen Geschichten somit humorvoll mit den jeweiligen Trinkgewohnheiten der beiden Männer erklärt. | |||
Historisch entstand die Grenze jedoch nicht durch einen solchen Wettlauf. Grundlage war der Vertrag von Concordia, der am 23. März 1648 zwischen französischen und niederländischen Vertretern geschlossen wurde. Er regelte die Aufteilung der Insel zwischen den beiden Mächten. Die genaue Grenzziehung beruht auf den Bestimmungen dieses Abkommens und der anschließenden Entwicklung der beiden Herrschaftsbereiche. Der berühmte Wettlauf ist daher eine Legende, die die komplizierte koloniale Grenzgeschichte in eine leicht verständliche und humorvolle Erzählung verwandelt. | |||
Eine | Eine weitere lokale Erzähltradition verbindet die Küste von Maho Beach mit einem Meeresgeist namens Maho. Nach dieser volkstümlichen Geschichte wacht der Geist über das Meer und schützt die Küste vor Menschen, die sich respektlos gegenüber dem Ozean verhalten. Wer das Meer und seine Kräfte achtet, soll von Maho verschont oder sogar belohnt werden. Wer dagegen die Grenzen des Meeres missachtet, müsse mit dessen Zorn rechnen. Diese Erzählung gehört zur modernen lokalen Folklore und steht sinnbildlich für die enge Verbindung der Inselbevölkerung mit dem Meer. Eine historische oder religiöse Überlieferung eines tatsächlich verehrten Meeresgottes namens Maho ist daraus nicht abzuleiten. | ||
Auch die unbewohnte Insel Tintamarre, die nordöstlich vor Saint Martin liegt, ist Gegenstand verschiedener Piraten- und Schatzgeschichten. Die Insel liegt abseits der dicht besiedelten Hauptinsel und besitzt eine trockene, teilweise felsige Landschaft. Ihre abgeschiedene Lage hat die Entstehung von Erzählungen über Piraten, verborgene Schätze und geheimnisvolle Ereignisse begünstigt. In volkstümlichen Geschichten werden unter anderem Captain Kidd und Edward Teach, besser bekannt als Blackbeard, mit der Insel in Verbindung gebracht. Angeblich sollen Piraten auf Tintamarre Beute versteckt haben, die später nicht wieder geborgen wurde. Manche Versionen der Erzählungen berichten sogar von Geistern ehemaliger Piraten, die über die verborgenen Schätze wachen. | |||
Für diese Schatzgeschichten gibt es keine gesicherten archäologischen Nachweise, die eine tatsächliche Schatzkammer von Captain Kidd oder Blackbeard auf Tintamarre belegen würden. Sie gehören vielmehr zur weit verbreiteten karibischen Piratenfolklore. Viele Inseln der Kleinen Antillen besitzen vergleichbare Erzählungen über vergrabene Münzen, geheime Höhlen, verschollene Schiffe und die Geister ehemaliger Piraten. Tintamarres abgelegene Lage und die geringe dauerhafte Besiedlung boten einen geeigneten Hintergrund für solche Geschichten. | |||
== '''Geschichte''' == | == '''Geschichte''' == | ||
Die Insel wurde am Namenstag des Heiligen Martin, dem 11. November 1493, durch Christoph Kolumbus „entdeckt“. Im Jahre 1648 wurde das Inselgebiet geteilt, nachdem französische und niederländische Kriegsgefangene ihre spanischen Aufseher vertrieben hatten. Der Legende nach teilten die Deportierten die Insel unter sich auf, indem ein Niederländer und ein Franzose die Insel in gegensätzlicher Richtung umrundeten, bis sie sich wieder am Strand trafen. Es heißt auch, der Franzose habe dem Niederländer eine Wasserflasche gegeben, die allerdings Gin enthalten habe, weshalb heute der französische Teil größer sei als der niederländische. Die heutige französisch-niederländische Landgrenze wurde durch den Vertrag von Concordia am 23. März 1648 festgelegt. | Die Insel wurde am Namenstag des Heiligen Martin, dem 11. November 1493, durch Christoph Kolumbus „entdeckt“. Im Jahre 1648 wurde das Inselgebiet geteilt, nachdem französische und niederländische Kriegsgefangene ihre spanischen Aufseher vertrieben hatten. Der Legende nach teilten die Deportierten die Insel unter sich auf, indem ein Niederländer und ein Franzose die Insel in gegensätzlicher Richtung umrundeten, bis sie sich wieder am Strand trafen. Es heißt auch, der Franzose habe dem Niederländer eine Wasserflasche gegeben, die allerdings Gin enthalten habe, weshalb heute der französische Teil größer sei als der niederländische. Die heutige französisch-niederländische Landgrenze wurde durch den Vertrag von Concordia am 23. März 1648 festgelegt. | ||
=== ''' | === '''Präkolumbische Zeit''' === | ||
Die frühesten | Archäologische Grabungen und radiometrische Datierungen belegen eine Abfolge verschiedener indigener Kulturen über einen Zeitraum von nahezu 5000 Jahren. Zu den bedeutenden Fundplätzen gehören unter anderem Morne Ébako, Baie Orientale, Baie Longue, Étang Rouge, Pointe du Canot, Anse des Sables und Baie Rouge. Die Funde umfassen Keramik, Steinwerkzeuge, Muscheln, Tierknochen, Korallen und weitere Überreste der damaligen Lebensweise. | ||
Die ältesten bekannten menschlichen Besiedlungsspuren gehören zur frühen präkeramischen beziehungsweise archaischen Besiedlungsphase. Eine eindeutige Zuordnung dieser frühesten Bewohner zu einem Volk namens Ciboney ist nach dem heutigen archäologischen Forschungsstand nicht gerechtfertigt. Die Bezeichnung Ciboney wurde vor allem in älterer Literatur für bestimmte Bevölkerungsgruppen der Karibik verwendet, lässt sich aber nicht ohne Weiteres als Name der ersten Bewohner von Saint Martin verwenden. Die frühen Bevölkerungsgruppen nutzten die natürlichen Ressourcen der Insel und ihrer Küsten. Fischfang, das Sammeln von Muscheln und anderen Meerestieren sowie die Nutzung pflanzlicher und tierischer Ressourcen bildeten wichtige Bestandteile ihrer Wirtschaftsweise. | |||
Spätere Bevölkerungsgruppen führten neue wirtschaftliche und technologische Formen ein. Mit der Entwicklung der Keramikproduktion und einer stärker auf Landwirtschaft ausgerichteten Lebensweise veränderten sich die Siedlungen und die Nutzung der Insel. Archäologisch lassen sich verschiedene Kulturphasen anhand von Keramikstilen, Werkzeugen, Siedlungsformen und Ernährungsresten unterscheiden. Die Entwicklung verlief dabei nicht als einfacher Wechsel einzelner Völker, sondern als Abfolge und teilweise Überlagerung verschiedener kultureller Traditionen. | |||
Die | Ab etwa 700 bis 900 n. Chr. lässt sich in den Kleinen Antillen eine stärkere regionale Differenzierung der indianischen Dorfgemeinschaften feststellen. Die französische archäologische Forschung bezeichnet diese Phase als Néoindien récent beziehungsweise als jüngeres keramisches Zeitalter. Die Siedlungen bestanden weiterhin überwiegend aus Dörfern, in denen sich verschiedene Tätigkeiten konzentrierten. Gleichzeitig nahm die Bedeutung der marinen Ressourcen zu. Keramikfunde ermöglichen eine Unterscheidung verschiedener regionaler Traditionen innerhalb der Kleinen Antillen. | ||
Die | Die Bevölkerungsgruppen, die in der europäischen Literatur häufig pauschal als Arawak oder Taíno bezeichnet werden, waren Teil eines größeren kulturellen Zusammenhangs der Karibik. Der Begriff Taíno bezeichnet insbesondere Bevölkerungsgruppen der Großen Antillen, während die indigenen Gesellschaften der Kleinen Antillen eine eigene kulturelle Entwicklung aufwiesen. Deshalb ist es für Saint Martin genauer, von verschiedenen präkolumbischen indianischen Bevölkerungsgruppen und Kulturtraditionen zu sprechen, anstatt sämtliche Bewohner der Insel als Taíno zu bezeichnen. | ||
Auch die traditionelle Darstellung, wonach die „Kariben“ ab dem 12. Jahrhundert die Arawak gewaltsam vollständig verdrängt hätten, gilt in dieser einfachen Form als überholt. Für die Zeit unmittelbar vor dem europäischen Kontakt werden in den Kleinen Antillen Bevölkerungsgruppen beschrieben, die in europäischen Quellen unter den Bezeichnungen Carib, Caraïbe oder Kariben zusammengefasst wurden. Die archäologischen Befunde zeigen jedoch komplexere kulturelle Beziehungen und regionale Unterschiede. Die Bezeichnung Callinago beziehungsweise Kalinago wird heute insbesondere für die indigene Bevölkerung der östlichen Kleinen Antillen verwendet. | |||
Die Bevölkerung von Saint Martin lebte in Dörfern und nutzte sowohl die terrestrischen als auch die marinen Ressourcen der Insel. Landwirtschaft, Fischfang, Muschelsammeln und die Verarbeitung von Rohstoffen gehörten zu den wesentlichen wirtschaftlichen Tätigkeiten. Die archäologischen Funde zeigen eine intensive Nutzung der Küstenbereiche. Muscheln wie die Große Fechterschnecke Strombus gigas und Cittarium pica sowie verschiedene Muschelarten gehörten zu den genutzten Meerestieren. | |||
Von besonderer Bedeutung waren die natürlichen Salzvorkommen der Insel. Die zahlreichen Salzseen und flachen Küstengewässer boten günstige Voraussetzungen für die Gewinnung und Nutzung von Salz. Der überlieferte indigene Name Soualiga wird deshalb traditionell mit „Land des Salzes“ beziehungsweise „Land der Salzgewässer“ in Verbindung gebracht. Die Bedeutung dieses Namens ist in der historischen Überlieferung eng mit der Landschaft Saint Martins verbunden. | |||
Als Christoph Kolumbus während seiner zweiten Reise 1493 durch die nördlichen Kleinen Antillen segelte, gelangte Saint Martin in den europäischen Kenntnishorizont. Nach französischen archäologischen und kulturhistorischen Quellen wurden Saint-Martin und Saint-Barthélemy während dieser Reise gesichtet; Kolumbus benannte die Insel nach dem heiligen Martin von Tours, dessen Gedenktag am 11. November begangen wird. Ein sicherer Landgang des Kolumbus auf Saint Martin ist dagegen nicht belegt. Die Insel wurde somit nicht von ihm „entdeckt“ im Sinne einer erstmaligen menschlichen Kenntnis, sondern erstmals in europäische geografische Überlieferungen aufgenommen. | |||
=== ''' | === '''Pionierzeit''' === | ||
Nach der spanischen Entdeckung beanspruchte Spanien zunächst die Insel im Rahmen seiner weitreichenden Ansprüche in der Karibik. Eine dauerhafte spanische Besiedlung entwickelte sich jedoch zunächst nicht. Erst im 17. Jahrhundert nahm das Interesse europäischer Mächte an Saint Martin wegen seiner natürlichen Salzvorkommen deutlich zu. Salz war für die Konservierung von Fleisch und Fisch von großer wirtschaftlicher Bedeutung und konnte in den flachen Salzlagunen der Insel gewonnen werden. | |||
Die | Ab 1627 erkundeten niederländische Seefahrer Saint Martin gezielt wegen der vorhandenen Salinen. Die Niederländer waren zu dieser Zeit bereits in mehreren Teilen der Karibik aktiv und suchten nach eigenen Handels- und Versorgungsstützpunkten. Im Juli 1631 errichteten sie auf einer Halbinsel an der heutigen Great Bay eine kleine dauerhafte Niederlassung. Dort stationierten sie eine Garnison von etwa 30 Soldaten und vier Geschütze. Aus dieser Siedlung entwickelte sich später Philipsburg, das heutige politische und wirtschaftliche Zentrum des niederländischen Inselteils. | ||
Parallel dazu begannen sich Franzosen auf der Insel niederzulassen. Einige französische Familien kamen aus der französischen Kolonie Saint-Christophe, dem heutigen Saint Kitts. Sie ließen sich vor allem im östlichen Teil Saint Martins nieder und betrieben Landwirtschaft, unter anderem Tabakanbau. Damit entstand bereits vor der endgültigen politischen Teilung eine französische und eine niederländische Präsenz auf derselben Insel. | |||
Die niederländische Niederlassung blieb nicht unbeachtet. Spanien betrachtete die zunehmende niederländische Präsenz in der Karibik als Bedrohung seiner eigenen regionalen Vorherrschaft. 1638 griffen spanische Truppen die niederländische Stellung auf Saint Martin an. Die Spanier übernahmen die Niederlassung und errichteten an dieser strategisch wichtigen Stelle eine Befestigungsanlage. Die Festung sollte den Zugang zur Great Bay kontrollieren und die Insel gegen weitere Angriffe sichern. | |||
Die spanische Besatzung blieb jedoch zahlenmäßig begrenzt. Die Insel wurde von einer kleinen Garnison kontrolliert, die mit den spanischen Besitzungen auf Puerto Rico verbunden war. Saint Martin besaß für Spanien vor allem strategische Bedeutung, während die Niederländer die Salinen und die Lage der Insel innerhalb ihrer karibischen Handelsverbindungen nutzen wollten. | |||
1644 versuchte der niederländische General Pieter Stuyvesant, die spanische Stellung auf Saint Martin zurückzuerobern. Stuyvesant führte einen größeren niederländischen Angriff auf die spanische Festung. Der Angriff scheiterte jedoch. Während der Kämpfe wurde Stuyvesant am Bein verwundet. Die Verletzung war so schwer, dass sein rechtes Bein später amputiert werden musste. Anschließend setzte er seine Tätigkeit für die Niederländische Westindien-Kompanie fort und wurde 1647 Generaldirektor der niederländischen Kolonie Nieuw Nederland in Nordamerika, zu deren Zentrum Nieuw Amsterdam, das spätere New York, gehörte. | |||
Nach dem gescheiterten niederländischen Angriff veränderte sich die spanische Position auf Saint Martin. Spanien gab die Besatzung der Insel 1648 auf. Die Spanier zerstörten beziehungsweise gaben ihre Befestigungsanlagen auf und zogen sich zurück. Damit entstand ein Machtvakuum, das unmittelbar von den bereits auf der Insel ansässigen Franzosen und Niederländern genutzt wurde. | |||
Die | Sowohl die französischen als auch die niederländischen Siedler informierten ihre jeweiligen kolonialen Behörden über den spanischen Rückzug. Die französischen Siedler standen mit Saint-Christophe in Verbindung, während die niederländischen Siedler Unterstützung von Saint-Eustache erhielten. Beide Seiten erhoben anschließend Ansprüche auf die Insel. Anstatt einen längeren militärischen Konflikt um die gesamte Insel zu führen, entschieden sie sich für eine Vereinbarung über die Aufteilung des Gebietes. | ||
=== '''Kolonialzeit''' === | |||
Nachdem Spanien die Insel 1648 verlassen hatte, kehrten französische und niederländische Siedler zurück und teilten Saint Martin untereinander auf. Die Grundlage dafür bildete das Abkommen von Concordia. Die französische Seite übernahm den nördlichen und größeren Teil, während die Niederländer den südlichen Teil erhielten. Damit entstand eine politische Teilung, die trotz späterer Kriege, Besetzungen und Grenzveränderungen bis in die Gegenwart fortbesteht. Die französische staatliche Dokumentation führt den Vertrag von Concordia als Ausgangspunkt der beiden unterschiedlichen Hoheitsgebiete auf der Insel an. | |||
Das Abkommen regelte neben der Aufteilung des Gebietes auch die Beziehungen zwischen den beiden Gemeinschaften. Die Grenze war zunächst keine streng überwachte Staatsgrenze im modernen Sinn. Die Bewohner beider Seiten konnten bestimmte Ressourcen gemeinsam nutzen und standen wirtschaftlich und gesellschaftlich in engem Kontakt. Die Bestimmungen des Abkommens wurden im Laufe der folgenden Jahrhunderte unterschiedlich ausgelegt und mehrfach durch spätere Vereinbarungen und tatsächliche Machtverhältnisse verändert. Der heutige Grenzverlauf geht im Wesentlichen auf die Neuordnung von 1817 zurück. | |||
Nach der Teilung blieb Saint Martin in die europäischen Konflikte der Karibik eingebunden. Frankreich und die Niederlande waren im 17. und 18. Jahrhundert wiederholt Gegner in europäischen Kriegen, und die Auseinandersetzungen wirkten sich unmittelbar auf ihre karibischen Besitzungen aus. Auch England beziehungsweise Großbritannien griff wiederholt in die Machtverhältnisse der Insel ein. Saint Martin wechselte dadurch mehrfach zwischen französischer, niederländischer und britischer Kontrolle. Die militärische Bedeutung der Insel beruhte insbesondere auf ihrer Lage, den geschützten Buchten und den wertvollen Salzvorkommen. | |||
Die Westfälischen Friedensverträge von 1648 beendeten den Dreißigjährigen Krieg und regelten gleichzeitig wichtige europäische Territorialfragen. Für die Karibik bedeutete die Beendigung des niederländisch-spanischen Krieges eine wesentliche Veränderung der politischen Ausgangslage. Die spanischen Ansprüche auf Saint Martin verloren damit ihre praktische Bedeutung. Frankreich und die Niederlande konnten ihre jeweiligen Positionen auf der Insel dauerhaft ausbauen. | |||
Während des späten 17. und des 18. Jahrhunderts wurde Saint Martin wiederholt von militärischen Konflikten betroffen. Befestigungsanlagen dienten dem Schutz der Siedlungen, Häfen und Salinen. Auf französischer Seite wurde insbesondere Fort Louis oberhalb von Marigot zu einer wichtigen Verteidigungsanlage. Auf niederländischer Seite erfüllte Fort Amsterdam oberhalb der Great Bay eine vergleichbare Funktion. Die Befestigungen sollten sowohl Angriffe konkurrierender Kolonialmächte als auch Angriffe von Freibeutern und Piraten abwehren. | |||
Die Landwirtschaft bildete neben der Salzgewinnung die wichtigste Grundlage der kolonialen Wirtschaft. Auf den fruchtbareren Flächen wurden zunächst unter anderem Tabak und Indigo angebaut. Später gewann Zuckerrohr zunehmend an Bedeutung. Hinzu kamen Baumwolle und Viehzucht. Die landwirtschaftliche Produktion wurde durch Plantagen organisiert, wobei die verfügbaren Flächen und die relativ trockenen klimatischen Bedingungen die Entwicklung großer Plantagen im Vergleich zu anderen karibischen Inseln begrenzten. | |||
Die Plantagenwirtschaft beruhte in erheblichem Umfang auf versklavter afrikanischer Arbeitskraft. Menschen wurden aus verschiedenen Regionen Afrikas über den atlantischen Sklavenhandel in die Karibik verschleppt und zur Arbeit auf Plantagen gezwungen. Dies betraf auch den niederländischen Teil von Saint Martin. Die niederländische Regierung dokumentiert ausdrücklich, dass versklavte Menschen nach Sint Maarten gebracht und dort unter anderem auf Zuckerplantagen zur Arbeit gezwungen wurden. | |||
Auch im französischen Teil beruhte die koloniale Landwirtschaft auf der Arbeit versklavter Menschen. Dadurch entstand eine Gesellschaft, in der europäische Siedler, versklavte Afrikaner, freie Menschen afrikanischer Herkunft und die verbliebenen beziehungsweise zugewanderten karibischen Bevölkerungsgruppen miteinander lebten. Die Nachkommen der während der Kolonialzeit nach Saint Martin gebrachten Afrikaner bilden bis heute einen wesentlichen Bestandteil der Bevölkerung der Insel. | |||
Die Salzgewinnung blieb während der gesamten Kolonialzeit von Bedeutung. Die natürlichen Salzseen und flachen Küstenbereiche ermöglichten die Gewinnung von Meersalz durch Verdunstung. Salz wurde sowohl für die Konservierung von Lebensmitteln als auch für den regionalen Handel benötigt. Besonders die niederländische Seite nutzte die Salinen wirtschaftlich. Die Salzproduktion war neben Landwirtschaft, Viehzucht und Handel eine wichtige Grundlage der kolonialen Wirtschaft. | |||
Im 18. Jahrhundert wurde die wirtschaftliche Bedeutung von Zuckerrohr größer. Zucker war ein wichtiges Exportprodukt der europäischen Kolonialwirtschaft und wurde über die karibischen Häfen nach Europa und in andere Kolonien transportiert. Neben Zucker wurden weiterhin Baumwolle, Tabak und Indigo produziert. Die Produktion schwankte jedoch abhängig von internationalen Preisen, Kriegen, Arbeitskräfteangebot, Trockenperioden und der Konkurrenz anderer karibischer Inseln. | |||
Die Abschaffung der Sklaverei veränderte die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse grundlegend. Auf dem niederländischen Teil wurde die Sklaverei 1863 abgeschafft, während sie im französischen Kolonialgebiet bereits 1848 endgültig abgeschafft worden war. Die ehemaligen Plantagenarbeiter blieben vielfach in der Landwirtschaft beschäftigt oder wandten sich anderen Erwerbsformen zu. Die koloniale Gesellschaft wandelte sich dadurch von einer durch Sklaverei geprägten Plantagenordnung zu einer Gesellschaft mit überwiegend freier Lohn- und Subsistenzwirtschaft. | |||
Im 19. Jahrhundert verlor die Plantagenwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Zucker und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse konnten auf Saint Martin aufgrund der begrenzten landwirtschaftlichen Flächen und der Konkurrenz größerer karibischer Produktionsgebiete nicht dauerhaft die frühere wirtschaftliche Bedeutung behalten. Viele Plantagen wurden aufgegeben oder in kleinere landwirtschaftliche Betriebe umgewandelt. Viehzucht, Salzgewinnung, Fischerei, Küstenhandel und Subsistenzlandwirtschaft gewannen relativ an Bedeutung. | |||
Der französische Teil blieb Teil des französischen Kolonialsystems und wurde administrativ zunächst gemeinsam mit anderen französischen Besitzungen in der Karibik verwaltet. Saint Martin war lange Zeit eng mit Guadeloupe verbunden. Der niederländische Teil gehörte dagegen zum niederländischen Kolonialverband in der Karibik. Die politische Entwicklung führte schließlich zur Eingliederung Sint Maartens in die Niederländischen Antillen. Diese bestanden ab 1954 als autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande und umfassten mehrere niederländische Karibikinseln. | |||
Im 20. Jahrhundert wandelte sich die wirtschaftliche Grundlage der Insel erneut. Die traditionelle Landwirtschaft und Salzgewinnung verloren weiter an Bedeutung, während Handel, Dienstleistungen, Bauwirtschaft und später der Fremdenverkehr expandierten. Besonders wichtig wurde der Ausbau der Infrastruktur nach dem Zweiten Weltkrieg. Straßen, Flughäfen, Häfen und touristische Einrichtungen ermöglichten eine stärkere internationale Anbindung der Insel. | |||
Seit den 1960er Jahren entwickelte sich der Tourismus zum wichtigsten Wirtschaftszweig. Der Ausbau der touristischen Infrastruktur wurde von der geografischen Lage, dem Klima, den Stränden und der politischen Sonderstellung der Insel begünstigt. Auf der niederländischen Seite kam zusätzlich der zollfreie Einzelhandel hinzu. Philipsburg entwickelte sich zu einem bedeutenden Einkaufszentrum und Kreuzfahrthafen, während auf der französischen Seite insbesondere Marigot, Grand Case, Orient Bay und weitere Küstenorte touristisch ausgebaut wurden. | |||
Die wirtschaftliche Entwicklung führte gleichzeitig zu einem starken Bevölkerungswachstum und zu umfangreicher Zuwanderung. Menschen aus anderen karibischen Inselstaaten, aus Frankreich, den Niederlanden, Nord- und Südamerika sowie weiteren Regionen kamen auf die Insel. Dadurch veränderte sich die Bevölkerungsstruktur deutlich gegenüber der traditionellen kolonialen Gesellschaft. | |||
Politisch endete die koloniale Epoche nicht auf beiden Inselteilen gleichzeitig. Der französische Teil entwickelte sich innerhalb des französischen Überseesystems weiter und erhielt 2007 den Status einer Collectivité d'outre-mer. Der niederländische Teil durchlief dagegen mehrere staatsrechtliche Veränderungen. Bis zum 10. Oktober 2010 gehörte Sint Maarten zu den Niederländischen Antillen. Mit deren Auflösung wurde Sint Maarten ein autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. Gleichzeitig wurden Bonaire, Sint Eustatius und Saba als öffentliche Körperschaften unmittelbar Teil des Landes Niederlande; Aruba besaß bereits seit 1986 einen gesonderten Status. | |||
=== '''Moderne Zeit''' === | |||
1939 wurde Saint Martin zum Freihafen beziehungsweise zollfreien Handelsplatz erklärt. Diese Maßnahme stärkte den Handel und schuf Voraussetzungen für die spätere Entwicklung des Tourismus und des Einzelhandels. Besonders der niederländische Teil profitierte von der zollfreien Einfuhr und dem damit verbundenen Ausbau des Handels. Philipsburg entwickelte sich in der Folge zu einem wichtigen Einkaufszentrum der östlichen Karibik. | |||
Eine weitere entscheidende Veränderung war der Ausbau des Luftverkehrs. Der Flughafen im Gebiet von Simpson Bay wurde während des Zweiten Weltkriegs ausgebaut und entwickelte sich anschließend zu einem internationalen Verkehrsflughafen. Der heutige Princess Juliana International Airport wurde zu einem zentralen Zugang zur Insel und war für die Entwicklung des Tourismus von großer Bedeutung. Seine Start- und Landebahn liegt unmittelbar hinter Maho Beach, wodurch startende und landende Flugzeuge in geringer Höhe über den Strand fliegen. Diese ungewöhnliche Lage wurde später selbst zu einer touristischen Attraktion. | |||
Der Fremdenverkehr entwickelte sich auf der niederländischen Seite früher und schneller als auf der französischen Seite. Seit den 1950er und 1960er Jahren wurden Hotels, Ferienanlagen, Restaurants, Geschäfte und weitere touristische Einrichtungen errichtet. Auf dem französischen Teil setzte die stärkere touristische Entwicklung später ein. Dort entstanden insbesondere in Marigot, Grand Case, Orient Bay und Anse Marcel neue touristische Einrichtungen. Der Fremdenverkehr entwickelte sich damit auf beiden Seiten zu einem zentralen Bestandteil der Wirtschaft. | |||
Die politische Entwicklung des französischen Teils verlief parallel dazu. Saint-Martin wurde 1947 dem französischen Überseedépartement Guadeloupe administrativ angegliedert. 1963 bildete Saint-Martin zusammen mit Saint-Barthélemy ein eigenes Arrondissement innerhalb des Départements Guadeloupe. Damit blieb die Insel zunächst Bestandteil des französischen Départementsystems, obwohl sie geografisch weit vom französischen Mutterland und auch vom Zentrum Guadeloupes entfernt liegt. | |||
In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Wunsch nach einer eigenständigeren Verwaltung. Am 7. Dezember 2003 stimmten die Einwohner des französischen Saint-Martin in einer Volksabstimmung über eine Änderung des politischen Status ab. 76,2 % der abgegebenen Stimmen entfielen auf die Schaffung einer Collectivité d'outre-mer. Die neue politische Ordnung trat 2007 in Kraft. Saint-Martin wurde damit aus der administrativen Struktur Guadeloupes herausgelöst und erhielt eine eigene Gebietskörperschaft mit eigenen politischen Institutionen. | |||
Auf der niederländischen Seite verlief die Entwicklung anders. Sint Maarten gehörte seit 1954 zum Land der Niederländischen Antillen innerhalb des Königreichs der Niederlande. Mit der Auflösung der Niederländischen Antillen am 10. Oktober 2010 wurde Sint Maarten ein eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. Gleichzeitig erhielten Curaçao den gleichen Status, während Bonaire, Sint Eustatius und Saba als besondere Gemeinden unmittelbar Teil des Landes Niederlande wurden. | |||
Seit 2010 verfügt Sint Maarten über weitreichende eigene Zuständigkeiten. Dazu gehören unter anderem Bildung, Justiz, Tourismus, Gesundheitswesen und Beschäftigung. Außenpolitik, Verteidigung und die niederländische Staatsangehörigkeit gehören dagegen zu den Angelegenheiten des Königreichs der Niederlande insgesamt. | |||
Die Bevölkerung nahm während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark zu. Der Ausbau des Tourismus führte zu einem hohen Bedarf an Arbeitskräften im Baugewerbe, Gastgewerbe, Handel, Verkehr und in anderen Dienstleistungsbereichen. Menschen aus zahlreichen karibischen Staaten sowie aus Europa und Amerika wanderten zu. Dadurch entstand die heute stark international zusammengesetzte Bevölkerung der Insel. | |||
Auch die Siedlungsstruktur veränderte sich grundlegend. Aus den historischen Orten Marigot und Philipsburg entwickelten sich größere Verwaltungs-, Handels- und Dienstleistungszentren. Zwischen den traditionellen Siedlungen entstanden neue Wohngebiete, Hotels, Ferienanlagen, Einkaufszentren, Marinas und Gewerbegebiete. Besonders stark wuchs der Raum Simpson Bay–Cole Bay–Philipsburg auf der niederländischen Seite sowie Marigot und die angrenzenden Siedlungsgebiete auf der französischen Seite. | |||
Die wirtschaftliche Entwicklung blieb gleichzeitig stark von der Lage Saint Martins in der Hurrikanzone abhängig. Besonders schwere Schäden verursachten die Hurrikane Luis im September 1995 und Lenny im November 1999. Der Hurrikan Luis traf Saint Martin am 5. September 1995 und verursachte erhebliche Schäden an Gebäuden, Infrastruktur, Hafenanlagen und touristischen Einrichtungen. Lenny traf die Insel im November 1999 und brachte außergewöhnlich starke Niederschläge und Überschwemmungen mit sich. | |||
Eine neue Zäsur bildete der Hurrikan Irma am 6. September 2017. Der Sturm traf Saint Martin mit großer Intensität und verursachte auf beiden Seiten der Insel schwere Schäden. Häuser, Hotels, Geschäfte, Straßen, Strom- und Wasserversorgung sowie Hafen- und Flughafeninfrastruktur wurden teilweise zerstört oder schwer beschädigt. Sint Maarten war besonders stark betroffen. Die niederländische Regierung stellte für den Wiederaufbau insgesamt bis zu 550 Millionen Euro bereit; ein großer Teil der Mittel wurde über einen von der Weltbank verwalteten Wiederaufbaufonds bereitgestellt. | |||
Der Wiederaufbau nach Irma erstreckte sich über mehrere Jahre. Neben der Reparatur beschädigter Gebäude mussten Verkehrswege, Stromversorgung, Wasserversorgung, Abfallentsorgung, öffentliche Einrichtungen und touristische Infrastruktur wiederhergestellt werden. Der Wiederaufbau wurde dabei auf niederländischer Seite durch internationale und niederländische Finanzmittel unterstützt. Die Auswirkungen des Hurrikans führten außerdem zu einer Neubewertung des Katastrophenschutzes und der Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur. | |||
Die politische Teilung der Insel blieb trotz der unterschiedlichen staatlichen Zugehörigkeit im Alltag vergleichsweise offen. Die Grenze zwischen Saint-Martin und Sint Maarten ist auf vielen Straßen nur durch Grenzsteine, Schilder oder Denkmäler erkennbar. Menschen können sich grundsätzlich ohne eine klassische Grenzkontrolle zwischen den beiden Inselteilen bewegen. Gleichzeitig bestehen unterschiedliche Rechts-, Steuer-, Verwaltungs- und Einwanderungssysteme. | |||
Die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Sint Maarten wurde im 21. Jahrhundert weiter institutionalisiert. 2023 unterzeichneten Frankreich und das Königreich der Niederlande einen neuen Vertrag über den Grenzverlauf. Bei einem quadripartiten Treffen zwischen Frankreich, dem Königreich der Niederlande, Saint-Martin und Sint Maarten wurde anschließend die Einrichtung einer gemeinsamen Grenzkommission vereinbart. Damit wurde deutlich, dass die Grenze trotz des freien alltäglichen Verkehrs weiterhin eine rechtliche Bedeutung besitzt. | |||
Auch die Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen wurde weiter ausgebaut. Frankreich und das Königreich der Niederlande unterzeichneten am 10. März 2026 auf Saint Martin ein Abkommen über das gegenseitige Recht zur Verfolgung von Straftätern auf See. Das Abkommen betrifft insbesondere gemeinsame Maßnahmen gegen den Drogenschmuggel in den Gewässern um die Insel und schafft einen Rahmen für die Zusammenarbeit der französischen und niederländischen maritimen Behörden. | |||
Die Corona-Maßnahmenpolitik führte ab 2020 zu einer erneuten wirtschaftlichen Unterbrechung. Da der Tourismus für beide Inselteile von zentraler Bedeutung ist, wirkten sich Reisebeschränkungen, Grenzregelungen, Einschränkungen des Flugverkehrs und der Rückgang der internationalen Besucher unmittelbar auf Hotels, Restaurants, Einzelhandel, Kreuzfahrtwirtschaft und andere Dienstleistungsbereiche aus. Die französische und die niederländische Seite unterlagen dabei den jeweiligen Regelungen Frankreichs beziehungsweise Sint Maartens und des Königreichs der Niederlande. Im Verlauf der folgenden Jahre wurden die pandemiebedingten Einschränkungen schrittweise aufgehoben. | |||
== '''Verwaltung''' == | |||
Als Columbus die Insel am 11. November 1493 sichtete, beanspruchte er sie sofort für Spanien. Es dauerte aber lange, bis hier auch eine Siedlerkolonie entstand. 1633 besetzten die Holländer Sankt Martin, und 1647 gaben die Spanier die Insel auf. Am 23. März 1648 holten sich die Franzosen den nördlichen und die Holländer den südlichen Teil. Seit damals ist die Insel geteilt. | |||
''' | Von 1651 bis 1656 unterstand der französische Teil dem maltesischen Johanniterorden, danach bis 1713 Saint-Christophe. Zwischen 1672 und 1689 besetzten die Franzosen die ganze Insel, ebenso von 1690 bis 1699 die Engländer, danach bis 1703 wieder die Franzosen. Der nördliche Teil wurde in der Folgezeit bis 1792 von der Holländischen Westindien-Kompanie verwaltet, während die Briten von 1703 bis 1713 den südlichen Teil besetzt hielten. Die Rangeleien entbrannten wieder gegen Ende des Jahrhunderts. Von 1781 bis 1784 okkupierten die Franzosen die ganze Insel, von 1793 bis 1795 die Holländer, danach bis 1801 wieder die Franzosen, 1801/02 und wieder von 1810 bis 1816 die Briten, ehe 1816 die ursprüngliche Inselteilung wiederhergestellt wurde. | ||
Der niederländische Teil bildete von 1919 bis 1. April 1983 zusammen mit Saba und Sint Eustatius die Holländischen Inseln unter dem Wind. Danach wurde er ein Teil der Niederländischen Antillen. In einem am 23. Juni 2000 abgehaltenen Referendum sprachen sich 68,9 % der Wähler für einen separaten Status innerhalb des Königreichs der Niederlande aus. Der entsprechende Vertrag wurde am 2. November 2006 unterzeichnet. | |||
Der französische Teil stand zwischen 16. Juni 1940 und 14. Juli 1943 unter Vichy-faschistischer Verwaltung und wurde 1948 ein ''canton'' des ''arrondissements'' Grande-terre von Guadelupe. Am 1. Februar 1963 vereinigte man dieses mit Saint Barthelemy und machte ein eigenes arrondissement daraus. Bei einem Referendum am 7. Dezember 2003 votierten 76,17 % der Wähler für die Umwandlung in eine ''collectivité d’outre mer'' (Überseekollektivität). | |||
''' | '''Herrschaftsgeschichte''' | ||
* | * um -800 bis 12. Jahrhundert Stammesgemeinschaften der Arawak | ||
* | * 12. Jahrhundert bis Juni 1633 karibische Stammesgemeinschaften (''Soualiga'') | ||
* | * 1633 bis 23. März 1648 Königreich Spanien (''Reino de España'') | ||
* | * 23. März 1648 bis April 1872 Republik der Vereinigten Niederlande (''Republiek der Zeven Verenigde Nederlanden'') und Königreich Frankreich (''Royaume de France'') | ||
* | * April 1872 bis 15. Juni 1876 Königreich Frankreich (''Royaume de France'') | ||
* | * 15. bis 30. Juni 1876 Republik der Vereinigten Niederlande (''Republiek der Zeven Verenigde Nederlanden'') | ||
* | * 30. Juni 1876 bis 27. Januar 1690 Königreich Frankreich (''Royaume de France'') | ||
* | * 27. Januar 1690 bis 1699 ohne Herrschaft | ||
* | * 1699 bis 1702 Königreich Frankreich (''Royaume de France'') | ||
* | * 1702 bis 10. April 1703 ohne Herrschaft | ||
* 10. April 1703 bis 24. Februar 1779 Republik der Vereinigten Niederlande (''Republiek der Zeven Verenigde Nederlanden'') und Königreich Frankreich (''Royaume de France'') | |||
* | * 24. Februar 1779 bis 5. Februar 1781 Königreich Frankreich (''Royaume de France'') | ||
* | * 5. Februar bis 27. November 1781 Vereinigtes Königreich (''United Kingdom'') | ||
* | * 27. November 1781 bis 11. Februar 1784 Königreich Frankreich (''Royaume de France'') | ||
* | * 11. Februar 1784 bis 19. Mai 1793 Republik der Vereinigten Niederlande (''Republiek der Zeven Verenigde Nederlanden'') und Königreich Frankreich (''Royaume de France'') | ||
* 19. Mai 1793 bis 5. April 1795 Republik der Vereinigten Niederlande (''Republiek der Zeven Verenigde Nederlanden'') | |||
* | * 5. April 1795 bis 24. März 1801 Republik Frankreich (''République française'') | ||
* | * 24. Mnärz 1801 bis 1. Dezember 1802 Vereinigtes Königreich (''United Kingdom of Great Britain and Ireland'') | ||
* | * 1. Dezember 1802 bis 14. Februar 1810 Frankreich (''République française'', ab 18. Mai 1804 ''Empire français'') und Niederlande (''Republiek Batavia'', ab 24. Mai 1806 ''Koninkrijk Holland'') | ||
* | * 14. Februar 1810 bis 12. Februar bzw. 22. November 1816 Vereinigtes Königreich (''United Kingdom of Great Britain and Ireland'') | ||
* | |||
Niederländischer Teil | |||
''' | * 12. Februar 1816 bis 20. Mai 1828 Königreich der Vereinigten Niederlande (''Koninkrijk der Nederlanden'') | ||
* 20. Mai 1828 bis 27. Januar 1848 Kolonie Niederländisch-Westindien (''Nederlandse West-Eilanden'') des Königreichs der Niederlande (''Koninkrijk der Nederlanden'') | |||
* 27. Januar 1848 bis 1919 Curaçao und Nebengebiete (''Curaçao en Onderhorigheden'') des Königreichs der Niederlande (''Koninkrijk der Nederlanden'') | |||
* 1919 bis 20. September 1948 Gebiet der Inseln über dem Wind (''Eilandgebied de Bovenwindse Eilanden'') des Königreichs der Niederlande (''Koninkrijk der Nederlanden'') | |||
* 20. September 1948 bis 1. April 1983 Gebiet der Inseln über dem Wind (''Eilandgebied de Bovenwindse Eilanden'') innerhalb der Niederländischen Antillen (''Nederlandse Antillen'') des Königreichs der Niederlande (''Koninkrijk der Nederlanden'') | |||
* 1. April 1983 bis 2. November 2006 Niederländische Antillen (''Nederlandse Antillen'') des Königreichs der Niederlande (''Koninkrijk der Nederlanden'') | |||
* 2. November 2006 bis 10. Oktober 2010 Inselterritorium Sankt Martin (''Eilandgebied Sint Maarten'') innerhalb des des Königreichs der Niederlande (''Koninkrijk der Nederlanden'') | |||
* seit 10. Oktober 2010 Gebiet Sankt Martin (''Land Sint Maarten'') innerhalb des des Königreichs der Niederlande (''Koninkrijk der Nederlanden'') | |||
Französischer Teil | |||
* | * 22. November 1816 bis 16. Juni 1940 Frankreich (1816 bis 1848 ''Royaume de France'', 1848 bis 1852 ''République française'', 1852 bis 1870 ''Empire français'', 1870 bis 1940 ''République française'') | ||
* | * 16. Juni 1940 bis 14. Juli 1943 Französischer Staat (''État français'') mit Sitz in Vichy | ||
* | * 14. Juli 1943 bis 19. März 1946 Republik Frankreich (''République française'') | ||
* | * 19. März 1946 bis 1. Februar 1963 Kanton Sankt Martin (''Canton Saint-Martin'') im Bezirk Basse-Terre (''Arrondissement de La Basse-Terre'') innerhalb des Department Guadeloupe (''Département Guadeloupe'') der Republik Frankreich (''République française'') | ||
* 1.Februar 1963 bis 9. Juli 2007 Bezirk Sankt Martin (''Arrondissement Saint-Martin'') innerhalb des Department Guadeloupe (''Département Guadeloupe'') der Republik Frankreich (''République française'') | |||
* | * seit 9. Juli Juli 2007 Gemeinschaft Sankt Martin (''Collectivité de Saint-Martin'') der Republik Frankreich (''République française'') | ||
* | === '''Verfassung ''' === | ||
Keiner der beiden Inselteile besitzt eine eigene Verfassung. Es gelten die Verfassungen der jeweiligen Mutterländer. Bis 2007 war der französische Teil Saint-Martins eine Gemeinde und bildete zusammen mit der Nachbarinsel Saint-Barthélemy ein Arrondissement des Überseedepartements Guadeloupe, das Arrondissement Saint-Martin-Saint-Barthélemy (auch ''Arrondissement des Îles du Nord'', „Arrondissement der nördlichen Inseln“). Sitz der Unterpräfektur war Marigot, ohne jedoch offiziell den Titel eines Hauptortes zu besitzen. | |||
Nach einem im Jahr 2003 abgehaltenen Referendum trennte sich Saint-Martin – neben Saint-Barthélemy – am 22. Februar 2007 von Guadeloupe und wurde zu einer eigenen ''Collectivité d’outre mer''. Die Verwaltung wird aber auch in Zukunft der einer französischen Kommune entsprechen. Ebenso dürfen Nichtfranzosen, die jedoch aus einem EU-Land stammen, auch zukünftig an Gemeinderatswahlen teilnehmen. Der Vertrag von Lissabon sieht vor, dass Saint-Martin Teil der Europäischen Union (und damit ihr westlichster Punkt) bleibt. Das offizielle Zahlungsmittel Saint-Martins ist der Euro. Die Mehrwertsteuer liegt bei 15 Prozent. | |||
Sint Maarten ist ein Teil der Niederländischen Antillen, welche wiederum ein Teil des Königreichs der Niederlande sind, aber nicht zu den Niederlanden gehören und damit nicht Teil der Europäischen Union sind. Voraussichtlich 2010 wird der Landesverband der Niederländischen Antillen aufgelöst. Dann wird Sint Maarten ein eigenständiges Bundesland innerhalb des Königreiches der Niederlande, neben den Niederlanden, Aruba und Curaçao. | |||
=== '''Legislative und Exekutive''' === | |||
Die politische Ordnung von Saint Martin ist eine Besonderheit, weil die Insel seit 1648 zwischen Frankreich und den Niederlanden geteilt ist und heute zwei unterschiedliche politische Systeme auf demselben Inselkörper bestehen. Der französische Norden ist als Collectivité de Saint-Martin eine französische Überseegebietskörperschaft mit eigener lokaler Legislative und Exekutive. Der niederländische Süden, Sint Maarten, ist dagegen seit dem 10. Oktober 2010 ein eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande und besitzt ebenfalls ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung. Die beiden politischen Systeme sind daher nicht lediglich zwei Varianten einer gemeinsamen Inselverwaltung. | |||
Im französischen Teil ist der Conseil territorial das gewählte gesetzgebende Organ. Er entspricht in seiner Funktion einer lokalen Volksvertretung und besteht aus 23 Mitgliedern, die für fünf Jahre gewählt werden. Der Conseil territorial beschließt die lokalen Regelungen und den Haushalt und übt die politischen Befugnisse aus, die der Collectivité de Saint-Martin durch die französische Gesetzgebung übertragen sind. Die Collectivité besitzt gegenüber einer gewöhnlichen Gemeinde weitergehende Zuständigkeiten und vereint auf lokaler Ebene Aufgaben, die andernorts auf mehrere Gebietskörperschaften verteilt sind. Die institutionelle Ordnung umfasst neben dem Conseil territorial auch einen Präsidenten des Conseil territorial, einen Conseil exécutif sowie einen Conseil économique, social et culturel. | |||
An der Spitze der Exekutive des französischen Teils steht der Präsident des Conseil territorial. Er wird vom Conseil territorial aus dessen Mitte gewählt und ist zugleich das wichtigste ausführende Organ der Collectivité. Unterstützt wird er durch den Conseil exécutif, dessen Mitglieder ebenfalls aus dem Conseil territorial hervorgehen. Der Conseil exécutif übernimmt die ihm vom Conseil territorial übertragenen Aufgaben und ist insbesondere an bestimmten Verwaltungsentscheidungen beteiligt. Die französische Zentralregierung bleibt jedoch für die staatlichen Aufgaben zuständig, die nicht auf die Collectivité übertragen wurden. Sie wird auf Saint Martin durch den staatlichen Vertreter Frankreichs repräsentiert. | |||
Damit besitzt Saint-Martin eine zweistufige politische Struktur: Auf der einen Seite stehen die gewählten Organe der Collectivité mit dem Conseil territorial und seiner Exekutive, auf der anderen Seite die französischen Staatsorgane. Die Collectivité ist deshalb nicht mit einem unabhängigen Staat gleichzusetzen. Außen- und Verteidigungspolitik, Staatsangehörigkeit und zahlreiche andere zentrale staatliche Aufgaben verbleiben bei Frankreich. | |||
Auf der niederländischen Seite ist die politische Struktur anders aufgebaut. Sint Maarten ist seit 2010 eines der vier Länder des Königreichs der Niederlande neben den Niederlanden, Aruba und Curaçao. Die Legislative bildet das Parliament of Sint Maarten. Das Parlament besteht aus 15 direkt gewählten Abgeordneten und hat eine Amtszeit von vier Jahren. Es ist das höchste gesetzgebende Organ des Landes und übt zugleich die parlamentarische Kontrolle über die Regierung aus. Zu seinen Befugnissen gehören unter anderem die Beratung und Verabschiedung von Gesetzen gemeinsam mit der Regierung, die Änderung von Gesetzesvorlagen, die Genehmigung und Änderung des Haushalts sowie die Kontrolle der Minister. | |||
Die Exekutive von Sint Maarten wird von der Regierung ausgeübt. An ihrer Spitze steht der Ministerpräsident, der gemeinsam mit dem Council of Ministers, dem Ministerrat, die Regierung bildet. Der Ministerpräsident und die übrigen Minister bilden damit die politische Spitze der Exekutive. Die Minister werden für eine vierjährige Amtszeit ernannt. Die Regierungsbildung folgt dem parlamentarischen System: Die politische Mehrheit im Parlament bestimmt maßgeblich, welche Personen für Ministerämter vorgeschlagen werden. | |||
Eine wichtige Korrektur zur häufig verwendeten Bezeichnung „eilandsraad“ ist notwendig: Der Eilandsraad und das Bestuurscollege waren die zentralen Organe des früheren Eilandgebiets Sint Maarten innerhalb der ehemaligen Niederländischen Antillen. Seit dem Statuswechsel vom 10. Oktober 2010 besitzt Sint Maarten jedoch den Status eines eigenen Landes. An die Stelle des früheren Eilandsraad trat das heutige Parliament of Sint Maarten; an die Stelle des früheren Bestuurscollege trat die Regierung des Landes mit Ministerpräsident und Ministern. Der Begriff Gezaghebber gehört ebenfalls zur früheren Inselverwaltung und ist heute nicht die Bezeichnung des Regierungschefs von Sint Maarten. | |||
Der Governor of Sint Maarten nimmt dagegen eine andere Funktion ein. Er ist der Vertreter des Königs im Land und besitzt zugleich eine verfassungsrechtliche Rolle innerhalb der Regierung von Sint Maarten. Er ernennt beziehungsweise vereidigt die Mitglieder der Regierung nach den entsprechenden verfassungsrechtlichen Verfahren und unterzeichnet die von Parlament und Regierung beschlossenen Gesetze. Gleichzeitig vertritt er in bestimmten Bereichen die Interessen des Königreichs. Die eigentliche politische Verantwortung der Regierung liegt jedoch beim Ministerpräsidenten und den Ministern. | |||
Über den beiden Inselteilen steht außerdem das Königreich der Niederlande beziehungsweise auf französischer Seite der französische Staat. Die Zuständigkeiten sind deshalb nicht auf die Inselregierungen beschränkt. Für Sint Maarten gelten neben seiner eigenen Staatsregeling auch Bestimmungen der Charta des Königreichs der Niederlande, Königreichsgesetze und weitere Regelungen des Königreichs. Die Regierung von Sint Maarten ist für die inneren Angelegenheiten des Landes zuständig, während bestimmte Angelegenheiten auf Ebene des gesamten Königreichs geregelt werden. | |||
''' | === '''Inseloberhaupt''' === | ||
Die Staatsoberhäupter der beiden Mutterländer sind zugleich auch Oberhäupter der Inselteile, vertreten durch einen Präfekt im französischen und einen Verwalter im holländischen Teil. De facto Inselchefs aber sind der französische Präsident des Territorialrats bzw. der holländische Regierungsführer. | |||
''' | '''Saint-Martin''': | ||
'''Commandants''' (Kommandanten) | |||
* Jul - Aug 1629 Giron | |||
* Aug 1629 - 1629 Pierre Belain, Sieur d’Esnambuc, Sieur de Saint-Martin (1585 - 1636) | |||
* 17 Feb 1648 - 1651 Robert de Longvilliers de Poincy (1611 - 1666) | |||
* 1651 - 1660 Philippe de Longvilliers de Poincy, Chevalier de Piincy (1583 - 1660) | |||
* 1660 - 1664 Chevalier Charles de Sales (1625 - 1666) | |||
* 1664 Savinien de Courpon, Sieur de la Tour (1624 - nach 1665) | |||
* 1664 - 1666 Sieur de Le Fevre | |||
* 1665 Sieur du Clinet (Cinet) [amtierend für Le F evre] | |||
* 1666 Gabriel Folio Sieur des Roses | |||
* 1666 - 1668? Saint Laurent, Chevalier de Maynie (Maigne) | |||
* 1668 - 1672 Sardinien de Courpon, Sieur de la Tour († 1671) | |||
* 1672 - 1676 Saint Laurent, Chevalier de Maynie ( [2] | |||
''' | '''Lieutenants du Roi''' (Statthalter des Königs) | ||
* 1679 - 1685 François Charles Maigne du Plat | |||
* 16 Jun 1685 - 1690 Chevalier de Rionville (Königlicher Leutnant) | |||
* 19 Jan 1690 - 26 Jan 1690 Timothy Thornhill (englischer Kommandant, um 1648 - 1703) | |||
* 1699 - 1701 Jean Dyel du Parquet | |||
* 1701 - 1702 Louis de Cacqueray de Valmeniére (Titelträger bis 1715, 1672 - 1724) | |||
* Aug 1715 - Jun 1717 Henry de Martel de Chausson | |||
* 1717 - 1731 François de Larréol (de Lauriol or de la Réole) | |||
* 1731? - 1732? Jacques Gréaux, Jr. († 1744) | |||
* um 1732 - um 1736 Christophe Mahieu | |||
* um 1736 - nach 1740 Jean Püymont (Pimont) | |||
* nach 1740 - um 1744 Rouve de La Pérelle (Kommandant) | |||
* 1749 - 1753 Rouve de La Pérelle [2] (Kommandant) | |||
* 1753 - 1759 Alexis Brin | |||
* 1759 - 1763 British commander | |||
'''Commandantns de Saint-Martin''' (Kommandenten von Sankt Martin) | |||
* 1763 - 1784 Auguste Lescuiller Descoudrelles († 1785) | |||
* 1764 Vupil du Sablon [amtierend für Descoudrelles] | |||
* 1768 - 1770 Laurent François Isnard [amtierend für Descoudrelles] | |||
* 1770 Gaspard Bayon [amtierend für Descoudrelles] | |||
* 1775 René Camille, Comte de Carné de Trécesson [amtierend für Descoudrelles] († 1784) | |||
* um 1777 Jean-Baptiste Duzant | |||
* Jan - 25 Feb 1779 John Fahie (britischer Kommandant) | |||
* 5 Feb - 6 Sep 1781 Andrew Edhouse (britischer Kommandant, um 1723 - 1788) | |||
* 6 Sep 1781 - 1784 Thomas de Fitz-Maurice (britischer Militärgouverneur, 1725 - nach 1785) | |||
* 18 Jan 1784 - 1785? Georges Manganon de la Perrière († 1789) | |||
'''Commandants''' (Kommandanten) | |||
* 1785 - 19 Mai 1793 Jean-Sébastien chevalier de Durat (1757 - 1814) | |||
* 1788 François Desbonne Belasse [amtierend für Durat] | |||
* | * Mai 1793 - Apr 1795 Provisorischer Rat: Jean Rouvelet (Präsident), John Mardenborough), Richard Romney (britische Koimmandanten) | ||
* | * 1795 - 1798 Kommissäre der Republik: La Bruyère, Jean Rouvellet, Pierre Charles Dormoy (d‘Ormoy, 1748 - 1817) | ||
* | * 1798 - 1799 Pierre Charles Dormoy (Kommissär) | ||
* | * 19 Okt 1799 - 15 Mar 1800 Pierre Louis d‘Arnauld (1771 - 1832) | ||
* | * 1800 - 1801? Pierre Charles Dormoy [2] (Kommissär) | ||
* 1803 - 1804 Jean-Baptiste Bresson (Kommissär, 1760 - 1832) | |||
* 1804 - 1808 Robert Nicholson (britischer Kommandant) | |||
* 1808 - Feb 1810 Jean Pruilh (1764 - 1838) | |||
* Jan - Jul 1815 Pierre Saint-Juéry (Saint Jire) | |||
* Jul 1815 - Okt 1816 Thomas Inches (britischer Kommandant) | |||
* 1816 Leffrenque (Laffranque) | |||
* 1816 Baron de Proissie | |||
* 1816 Gaston | |||
* Nov 1816 - Sep 1817 Baron de Proissie [2] | |||
* Sep - Dez 1817 Rogers | |||
* Dez 1817 - Feb 1823 Louis Auguste Elliot | |||
* Feb 1823 - Okt 1824 Louis Auguste Aurange (1772 - 1860) | |||
* 1824 - 1827 Charles-Louis-Guillaume Bologne de Rougemont (1793? - 1865) | |||
* 1827 Jean Sébastien de Durat | |||
* 1828 - 1831 Charles-Louis-Guillaume Bologne de Rougemont [2] | |||
* 1831 Louis Aurange [2] | |||
* 1831 Louis Auguste Aurange [2] | |||
* 1831 - 1832 Carol | |||
* 1832 Belongrie | |||
* 1832 - 1840 François-Louis Forget | |||
* 1840 - 1866? Munier (Meinier) | |||
''' | '''Présidents de la Municipalité''' (Gemeindepräsidenten) | ||
* | * 1828 - 1832 Abraham Zymonsz Doncker | ||
* | * 1832 - 1838 Pierre Antoine Philippe Henri O’Reilly (um 1790 - 1866) | ||
''' | '''Maires''' (Bürgermeister) | ||
* | * 21 Jul 1838 - 1866 Peter Georges Dormoy (1799 - 1875) | ||
* | * Feb 1866 - Jul 1867 Pierre Martin | ||
* | * 1 Jul 1867 - 30 Jul 1871 Louis de Durat | ||
* | * 30 Jul -. 16 Nov 1871 Charles Claude Sainte Helène Télèphe (1828 - nach 1875) | ||
* | * 16 Nov 1871 - 1874 Victor Foulquier (1799 - 1864) | ||
* | * 1874 - 7 Mai 1878 Pierre Auguste Beauperthuy (1806 - 1878) | ||
* | * 7 Mai 1878 - 12 Jul 1879 Charles Émile Becker [amtierend] (1847 -1905) | ||
* | * 12 Jul 1879 - 1891 Jean Frédéric Becker | ||
* | * 1891 - 8 Mai 1904 Charles Émile Becker [2] | ||
* | * 8 Mai 1904 - 27 Dez 1919 Charles Daniel Esprit Beauperthuy (1861 - 1935) | ||
* | * 27 Dez 1919 - 10 Mai 1925 Louis Emmanuel Fleming (1898 - 1949) | ||
* | * 10 Mai 1925 - 3 Mai 1928 Ferdinand Morales | ||
* | * 3 Mai 1928 - 29 Jan 1949 Louis Constant Fleming (1898 - 1949) ab 1947 RPF | ||
* | * Jan 1949 - Mar 1959 Hugues Elie Fleming (1921 - nach 1983) | ||
* | * Mar 1959 - 1977 Fernand Hubert Petit (1926 - 2006) DVG & UDR | ||
* | * 1977 - 1983 Hugues Elie Fleming [2] | ||
* 1983 - 15 Jul 2007 Raoul Albert Fleming-Romney (1936 - 2023) | |||
''' | '''Présidents du Conseil Territorial''' (Präsidenten des Territorialrats) | ||
* | * 15 Jul 2007 - 25 Jul 2008 Louis Constant Fleming (* 1946) UPP | ||
* | * 25 Jul - 7 Aug 2008 Marthe Ogoundélé-Tessi [w. amtierend] UPP | ||
* 7 Aug 2008 - 14 Apr 2009 Frantz R. Gumbs UPP | |||
* 14 Apr - 5 May 2009 Daniel Christian Gibbs [amtierend] UPP | |||
* 5 Mai 2009 - 1 Apr 2012 Frantz R. Gumbs [2] UPP | |||
* 1 Apr 2012 - 17 Apr 2013 Alain Richardson (* 1963) RRR | |||
* 17 Apr 2013 - 2 Apr 2017 Aline Hanson [w] (1949 - 2017) RRR | |||
* 2 Apr 2017 - 3 Apr 2022 Daniel Christian Gibbs [2] UD + TG | |||
* seit 3 Apr 2022 Louis Mussington (* 1961) RSM | |||
''' | '''Sous-Préfets des Iles du Nord''' (Subpräfekte der nördlichen Inseln Saint Martin und Saint Barthélémy) | ||
* | * Apr 1962 - Apr 1963 Guy Pierre Marie Maillard (1930 - 2013) | ||
* | * Mai 1963 - Sep 1965 Serge Thirioux (1932 - 2020) | ||
* Sep 1965 - Jul 1967 Jacques Vidal | |||
* Aug 1967 - Okt 1969 Jean Louis Ducret (1934 - 2011) | |||
* Dez 1969 - Dez 1971 René Stambouli (1927 - 2008) | |||
* Feb 1972 - Feb 1975 Kamel Khrissate (1936 - 2025) | |||
* Apr 1975 - Jun 1978 Pierre Jean Etchegoyen (1924 - 2020) | |||
* Aug 1978 - Jul 1980 Jean-Pierre Lacave (1939 - 2015) | |||
* 10 Jul 1980 - Jan 1981 Bernard Prévost (* 1943) | |||
* Jan - Sep 1981 Jacques Limoge | |||
* 15 Okt 1981 - Sep 1984 Gonthier Jean Claude Friédérici (* 1945) | |||
* Nov 1984 - Okt 1986 Jean-Pierre Hubert (* 1947) | |||
* Okt 1986 - Mai 1989 François Jean René Séners (* 1958) | |||
* Jun 1989 - Sep 1990 Michel Magnier (* 1960) | |||
* Sep 1990 - Dez 1991 Pierre Vache | |||
* Apr 1992 - Nov 1993 Bernard Guerin (* 1952) | |||
* Jan 1994 - Jan 1995 Jean-Jacques Dudilieu | |||
* Jan 1995 - Aug 1996 Antoine Pichon | |||
* Aug 1996 - Aug 1998 Jean-Loup Petit (* 1947) | |||
* Okt 1998 - 22 Jun 2000 Didier Paul, Marcien Juilliard (* 1962) | |||
* 26 Jun 2000 - Aug 2003 Patrice Paul Marie Latron (* 1961) | |||
* 2 Okt 2003 - 21 Dez 2006 Maurice Michaud | |||
* Dez 2006 - 21 Mar 2007 Yvon Alain [interimistisch] (* 1955) | |||
* 21 Mar - 9 Jul 2007 Dominmique Jacques Lacroix´(* 1955) | |||
''' | '''Préfets''' (Präfekte) | ||
* | * 9 Jul 2007 - Aug 2009 Dominique Jacques Lacroix | ||
* 24 Aug 2009 - Dez 2011 Jacques Marius Marie Simonnet (* 1946) | |||
* 12 Dez 2011 - Jun 2015 Philippe Chopin (* 1958) | |||
* 8 Jun 2015 - Jul 2018 Anne Renée Simone Laubies [w] (* 1953) | |||
* 9 Jul 2018 - 4 Dez 202 Sylvie Daniélo-Feucher [w] (* 1959) | |||
* 4 - 15 Dez 2020 Mikaël Doré [amntierend] (* 1958) | |||
* 15 Dez 1820 - 28 Mar 1822 Serge Gouteyron (* 1956) | |||
* 28 Mar 2022 - 6 Feb 2025 Vindent Berton (* 1966) | |||
* 6 - 10 Feb Fabrice Thibier [amtierend] (* 1978) | |||
* seit 10 Feb 2025 Cyrille Le Vély (* 1964) | |||
''' | '''Sint Maarten''': | ||
'''Commandant''' (Koimmandant) | |||
* Aug 1631 - 1 Jul 1633 Jan Claeszoon van Campen († 1642) | |||
* | |||
''' | '''Gouverneurs''' (Gouverneure) | ||
* | * 1633 - 1636 Cibrian de Lizarazu | ||
* | * 1636 - 1638 Luis de Valdes | ||
* 1638 - 1648 Diego Guajardo Fajardo | |||
* | |||
''' | '''Commandanten''' (Kommandanten) | ||
* | * 14 Feb 1648 - 1650 Martin Thomas | ||
* | * 1650 - 1655 Adriaen de Vos | ||
* | * 1655 - 1660 Edmondt de Fosse | ||
* | * 1667? Jan Sympson? | ||
* | * 1672? Jan Simonszoon de Buck | ||
'''Gouverneurs''' (Gouverneure) | '''Gouverneurs''' (Gouverneure) | ||
* | * 1672? - 1676? Laurent Chevalier de Maynie | ||
* | * 1687? - 1689? Chevalier de Rionville | ||
* 1699? Jean Dyel du Parquet | |||
* 1701 - 1702 Louis de Cacqueray Valmenière (1672 - 1724) | |||
'''Vizecommandanten''' (Vizekommandanten) | |||
* 1703 - 1705? Lucas van Beverhoudt | |||
* 1705? Olivier Graval | |||
* | * 1708? - 1710 Charles Devezaen | ||
* | * 1710 - 1712 François Lemaire | ||
* | * 1712 - 1713 Jean Buretel | ||
* | * 1713 - 1718 Martinus Meyer | ||
* | * 1718 - 1720 Louis Guillaume Durepaire | ||
* 1720 - 1722 Jan de Windt, Sr. | |||
* 1722 - 1733 Martinus Meyer [2] | |||
* 1733 - 1735 Jacobus Barry | |||
* 1735 - 1736 John Philips | |||
* 1736 - 1737 Pieter Hassell | |||
* 1737 - 1746 John Philips [2] | |||
* 1746 - 1748 Jan de Wever [amtierend] | |||
* 1748 - 1781 Abraham Heijliger Pzn. (1717 - 1783) | |||
* 3 Feb - 26 Nov 1781 Andrew Edhouse (britischer Kommandant, um 1723 - 1788) | |||
'''Gouverneurs''' (Gouverneure) | |||
* 1781 - 1783 Abraham Heijliger Pzn. | |||
* 1783 - 1784 Charles Chabert, Jr. (1761 - 1810) | |||
''' | '''Vizecommandanten''' (Vizekommandanten) | ||
* | * 1784 - 1785 Thomas Aertsen [amtierend] | ||
* | * 1785 - 1786 John Salomon Gibbes | ||
''' | '''Commandanten''' (Kommandanten) | ||
* | * 1786 - Jan 1790 John Salomon Gibbes | ||
* 10 Jun 1790 - 1800 Willem Hendrik Rink (1756 - 1848) | |||
* 29 Apr 1795 - 1797 La Bruyère (Kommissär) | |||
* 1797 - 1801 P.Ch. Dormoy (Kommissär) | |||
* 1800 - 1801 Remt Folkerus Muller | |||
* 1801 Bresson (Kommissär) | |||
* 1801 -. 24 Mar 1801 Willem Hendrik Rink [2] | |||
* 24 Mar 1801 - 1 Dez 1802 Robert Nicholson (Kommandant, † 1814) | |||
* 1 Dez 1802 - 1807 Willem Hendrik Rink [3] | |||
* 1807 - 1810 Jan Verveer Jzn. († 1838) | |||
* 15 Feb 1810 - 1810 George William Richard Harcourt (1775 - 1812) | |||
* 1810 - 1813 John Skinner (um 1750 - 1827) | |||
* 1813 - 1814 James Alexander Farquharson (1775 - 1834) | |||
* 1814 - 1815 William McCaskill (um 1750 - 1815) | |||
* 1815 James Alexander Farquharson [2] | |||
* 1815 Francis Edden [amtierend] | |||
* 1815 - 1816 Robert Douglas (um 1745 - 1827) | |||
'''Gezaghebbers''' (Verwalter) | |||
* 1816 - 1820 Paulus Roelof Cantz’laar (1771 - 1831) | |||
* 1820 - 1840 Diederik Johannes van Romondt (1781 - 1849) | |||
* 1822 - 1823 Abraham Heijlinger [amtierend für Romondt] | |||
* 1840 - 1849 Johannes Willem van Romondt (1805 - 1849) | |||
* 1849 - 1850 Pieter Petersen [amtierend] | |||
* 1850 - 1859 Johannes Didericus Crol (1806 - 1870) | |||
* 1859 - 1860 Lucas Percival [amtierend] | |||
* 1860 - 1865 Willem Hendrik Johan van Idsinga (1822 - 1896) | |||
* 1865 - 1866 Philogène Philippe Maillard [amtierend] (1806 - 1886) | |||
* 1866 - 1870 Herman François Gerardus Wagner (1822 - 1904) | |||
* 1870 - 1871 Robert van Romondt [amtierend] | |||
* 1871 - 1883 Edouard Dénis Ernest van den Bossche (1831 - 1908) | |||
* 1883 Diederik Charles van Romondt [amtierend] | |||
* 1883 - 1885 Jan Hendrik Rudeloff Beaujon (1838 - 1930) | |||
* 1885 - 1889 Theophilus Georg Groebe (1838 - 1919) | |||
* 1889 - 1891 Jan Hero Adriaan van Daalen (1842 - 1899) | |||
* 1891 - 1893 Frans Johannes Olivier (1850 - 1914) | |||
* 1893 - 1894 Diederik Charles van Romondt [2, amtierend] | |||
* 1894 - 1898 Jozef Möller (1849 - 1909) | |||
* 1898 - 1901 Diederik Charles van Romondt [3, amtierend] | |||
* 1901 - 1918 Abraham Jan Cornelis Brouwer (1858 - 1919) | |||
* 1918 - 1919 Frits Koenraad Thielen [amtierend] | |||
'''Gezaghebbers van de Windward Eilanden''' (Verwalter der Inseln über dem Wind) | |||
* 10 Mai 1919 - 6 Sep 1920 G.J. Tijmstra [amtierend] | |||
* 6 Sep - 17 Dez 1920 A.W. de Haseth [amtierend] | |||
* 17 Dez 1920 - 6 Sep 1923 J. van der Zee Rz. [amtierend] | |||
* 6 Sep 1923 - 23 Dez 1927 Richard Johannes Beaujon, Jr. (1883 - nach 1930) | |||
* 24 Jan - 4 Jul 1927 C.F. Boskaljon [amtierend] | |||
* 4 Jul 1927 - 31 Mai 1930 Willem Frederik Meinhardt Lampe [amtierend] (1896 - 1973) | |||
* 21 Mai 1930 - 7 Okt 1943 Johan Diderich Meiners | |||
* 1938 - 1939 Anthony Hendrik Marinus van Weel [amtierend für Meiners] (1900 - 1987) | |||
* 7 Okt 1943 - 5 Mar 1946 Pieter Hendrik van Leeuwen (1893 - nach 1940) | |||
* 5 Mar 1946 - 23 Feb 1948 Maxiumilian Joseph Huith [amtierend] (1909 - 1993) | |||
* 23 Feb 1948 - 21 Jul 1958 Johannes Christiaan Paap [amtierend bis 10 Nov 1948] | |||
* 1957 Walter Granville Buncamper [amtierend] (1908 - 1978) | |||
* 1957 - 1958 Hendrik Henk Anthonius Hessling [amtierend] (1901 - 1966) | |||
* 1958 - 1959 Walter Granville Buncamper [2, amtierend] | |||
* 1959 - 1968 Jan Jacob Japa Beaujon (1921 - 1999) | |||
* 1968 - 1975 Reinier Oswald van Delden [amtierend bis 1969] (1928 - 2011) | |||
* 1975 - 1981 Theodore Maxwell Pandt (Max Pandt, 1939 - 2017) | |||
* 1981 - 1 Apr 1983 Ralph R.H. Richardson (* 1937) | |||
'''Gezaghebbers''' (Verwalter) | |||
* 1 Apr 1983 - 1992 Ralph R.H. Richardson | |||
* 1992 - 1994 Wilfred Russell Voges (* 1943) | |||
* 1994 - 12 Sep 2000 Dennis Leory Richardson (* 1946) | |||
* 22 Sep 2000 - 31 Mai 2010 Franklyn E. Richards (* 1950) | |||
* 31 Mai - 8 Jul 2010 Reynold Amando Groeneveldt [amtierend] († 2022) | |||
* 8 Jul - 10 Aug 2010 Rachnilda « Nilda » Arduin Lynch [w, amtierend] | |||
* 10 Aug - 10 Okt Reynold Amando Groeneveldt [2, amtierend] | |||
'''Gouverneurs''' (Gouverneure) | |||
* 10 Okt 2010 - 10 Okt 2022 Eugene Holiday (* 1962) | |||
* seit 10 Okt 2022 Ajamu G. Baly (* 1977) | |||
'''Regeringsleiders''' (Regierungsführer) | |||
* 1954 - 1991 Claude Wathey (Albert Claudius Wathey, 1926 - 1998) SDP | |||
* 1991 - 1995 Edgar Hubert Lynch (* 1952) SPA | |||
* 1995 - 1 Jul 1999 William Marlin SPA | |||
* 1 Jul 1999 - 8 Jun 2009 Sarah A. Wescott-Williams [w] (* 1956) NDP | |||
* 8 Jun 2009 - 10 Okt 2010 William Marlin [2] NA | |||
'''Premierministers''' | |||
* 10 Okt 2010 - 19 Dez 2014 Sarah A. Wescott-Williams [w, 2] SDP | |||
* 19 Dez 2014 - 19 Nov 2015 Marcel W. Gumbs (* 1953) UPP | |||
* 19 Nov 2015 - 24 Nov 2017 William Marlin SPA & NA | |||
* 24 Nov 2017 - 15 Jan 2018 Rafael Boasman [amtierend] (* 1953) USP | |||
* 15 Jan 2018 - 10 Okt 2019 Leona Marlin-Romeo [w] (* 1973) UDP | |||
* 10 Okt - 19 Nov 2019 Wycliffe Sylvester Smith [amtierend] (* 1948) SMCP | |||
* 19 Nov 2019 - 3 Mai 2024 Silveria E. Jacobs [w] (* 1968) NA | |||
* seit 3 Mai 2024 Luc F.E. Mercelina (* 1964) URSM | |||
=== '''Politische Gruppierungen''' === | |||
In beiden Landesteilen gibt es je nach Mutterland unterschiedliche Parteienstrukturen, die eine allerdings auch starke lokale Komponente haben. | |||
'''Parteien im französischen Teil''' | |||
* '''UP''' = Union Pour le Progrès | |||
* '''RSM''' = Rassemblement Saint-Martinois | |||
* '''TP''' = Team Patriots | |||
* '''MIM''' = Mouvement Indépendantiste Martiniquais (regionalistisch orientiert) | |||
* '''MDS''' = Mouvement Démocratique et Social | |||
* französische Parteien: La République En Marche!, Les Républicains, Parti Socialiste und Rassemblement National | |||
'''Parteien im niederländischen Teil''' | |||
* '''NA''' = National Alliance (Nationale Allianz) | |||
* '''NDP''' = National Democratic Party of St. Maarten (Nationaldemokratische Partei von Sankt Martin) | |||
* '''SDP''' = St. Maarten Democratic Party (Demokratische Partei von Sankt Martin) | |||
* '''SPA''' = St. Maarten Patriotic Alliance (Patriotische Allianz von Sankt Martin) | |||
=== '''Justizwesen und Kriminalität''' === | |||
Aufgrund der Teilung der Insel mit zwei unterschiedlichen Rechtssystemen besteht eine gewisse Komplexität bei grenzüberschreitenden straf- und zivilrechtlichen Fällen. Saint Martin ist eine französische überseeische Gebietskörperschaft mit eigenem Territorialrat. Die Justiz ist Teil des französischen Rechtssystems. Die Insel verfügt über ein lokales Gericht (Tribunal de Saint-Martin), das für Zivil- und Strafsachen zuständig ist. Es gibt dort auch Debatten und Proteste unter Anwälten gegen Justizreformen, etwa gegen die Entmenschlichung der Justiz durch zunehmende Digitalisierung von Verfahren und Abschaffung einiger örtlicher Gerichte. | |||
Sint Maarten ist ein autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande mit eigener Regierung und Justizbehörde. Das Ministerium für Justiz ist zuständig für Rechtspflege, Strafverfolgung und öffentliche Sicherheit. Das Rechtssystem ist von den Niederlanden beeinflusst, aber an lokale Gegebenheiten angepasst. | |||
Trotz einer insgesamt niedrigen Kriminalitätsrate im Vergleich zu anderen karibischen Ländern – wie Jamaika oder Haiti – haben sich in den Jahren 2024 und 2025 Bedenken bezüglich steigender Gewaltverbrechen und Eigentumsdelikten verstärkt. Diese Entwicklungen bedrohen nicht nur die Sicherheit der rund 80.000 Einwohner, sondern auch den Tourismus, der den Großteil der Wirtschaft antreibt. | |||
Die Kriminalitätsrate auf St. Martin wird von internationalen Behörden als moderat eingestuft. Das US-Außenministerium stuft Sint Maarten auf Level 1 ein, was „normale Vorsichtsmaßnahmen“ empfiehlt, und betont, dass Touristen selten von schweren Vorfällen betroffen sind. Ähnlich klassifiziert die kanadische Regierung die Insel als relativ sicher, mit Fokus auf Kleinkriminalität wie Diebstahl aus Mietwagen oder Booten. Offizielle Statistiken sind jedoch lückenhaft: Laut Numbeo, einer Plattform für Nutzerwahrnehmungen, gibt es zu wenige Daten für Sint Maarten, um präzise Indizes zu berechnen, aber die wahrgenommene Kriminalität liegt bei etwa 50 von 100 Punkten – moderat, mit höheren Werten für Eigentumsdelikte. Die Mordrate pro 100.000 Einwohner wird von der Weltbank und Macrotrends als null oder sehr niedrig gemeldet, was auf eine Untererfassung hindeuten könnte. | |||
Im niederländischen Sint Maarten hat die Polizei (KPSM) im ersten Halbjahr 2025 Erfolge erzielt: Bis Anfang August wurden 406 Festnahmen vorgenommen, ein Anstieg um 29 im Vergleich zu 377 im Vorjahr. Diese Maßnahmen umfassen verstärkte Patrouillen und Community-Programme, die auf Prävention abzielen. Dennoch warnen Politiker wie Abgeordneter Lyndon Lewis vor einem „steigenden Kriminalitätsgrad“, der durch illegale Waffen und Drogenhandel angeheizt wird. Im Juli 2024 kam es zu fünf Schießereien mit einem Todesfall in nur zwei Wochen, was auf zunehmende Waffengewalt hinweist. Der französische Teil Saint-Martin verzeichnet ähnliche Trends, wobei Interpol die Insel als Hotspot für internationalen organischen Kriminalität sieht, einschließlich Drogen- und Menschenschmuggel. | |||
Die Mehrheit der Vorfälle betrifft Kleinkriminalität, die vor allem Touristen trifft. Pickpocketing, Geldbörsenraub und Einbrüche in Ferienwohnungen sind weit verbreitet, insbesondere in belebten Gebieten wie Philipsburg oder Simpson Bay. Berichte aus Foren wie Tripadvisor und Reddit beschreiben bewaffnete Raubüberfälle am helllichten Tag, etwa auf dem Le Galion Beach im Dezember 2024, wo mehrere Personen mit Pistolen ausgeraubt wurden. Motorrad-Diebe folgen Opfern, und Einbrüche in Villen sind ein wachsendes Problem. Gewaltverbrechen wie Schießereien bleiben lokal begrenzt und betreffen meist Einheimische, oft im Zusammenhang mit Bandenrivalitäten oder Drogenkonflikten. Zusätzlich gibt es Berichte über Menschenhandel: Frauen aus Lateinamerika und der Karibik werden in Bars und Bordellen ausgebeutet, oft durch Schuldenfallen. Die britische Regierung warnt vor drogenbezogener Gewalt, die selten Touristen trifft, aber die Insel als Transitpunkt für Schmuggel nutzt. | |||
Der Oktober 2025 brachte neue Eskalationen: Am 12. Oktober ereignete sich ein Schusswechsel am Kimsha Beach in Simpson Bay, der die Polizei sofort mobilisierte. Tags zuvor, am 9. Oktober, wurden 66 konfiszierte Roller und Motorräder zerstört, um Verkehrsdelikte und damit verbundene Kriminalität zu bekämpfen. Am 15. Oktober verurteilte das Gericht drei Männer zu je sieben Jahren Haft für einen bewaffneten Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft im Mai 2025. Zudem warnte der Indian Merchants Association (IMA) vor einer „Kriminalitätswelle“ mit gezielten Einbrüchen in Häuser, und riet zu Safe-Deposits für Wertsachen. Diese Vorfälle unterstreichen die Dringlichkeit interner Maßnahmen, wie der von Justizminister Lewis geforderten interministeriellen Zusammenarbeit und Investitionen in Rehabilitation. | |||
Beide Teile der Insel setzen auf präventive Strategien: Die KPSM in Sint Maarten intensiviert Intelligence-Led Policing und Kooperationen mit Nachbarinseln wie Saba, wo Mordermittlungen laufen. Auf französischer Seite gibt es Anti-Trafficking-Einheiten, die mit der EU zusammenarbeiten. Dennoch fordern Experten mehr Ressourcen für Polizeipräsenz und Jugendarbeit, um Wurzelursachen wie Armut und Jugendarbeitslosigkeit anzugehen. | |||
=== '''Internationale Beziehungen''' === | |||
Die auswärtigen Beziehungen werden von den beiden Mutterländern wahrgenommen. Enge Verbindungen gibt es vor allem zu Anguilla. | |||
=== '''Flagge und Wappen''' === | |||
Sint Maarten, der niederländische Teil der Insel, führt seine eigene Flagge seit dem 13. Juni 1985. Sie wurde nach einem Wettbewerb von der damals zuständigen Inselvertretung angenommen; entworfen wurde sie von Roselle Richardson, die zum Zeitpunkt des Entwurfs 17 Jahre alt war. Die Flagge besitzt ein Seitenverhältnis von 2:3 und besteht aus zwei gleich breiten waagerechten Streifen. Der obere Streifen ist rot, der untere blau. An der Mastseite befindet sich ein weißes gleichschenkliges Dreieck, auf dem das Wappen von Sint Maarten dargestellt ist. Die Flagge wurde am 13. Juni 1985 in einer offiziellen Zeremonie erstmals gehisst und ist bis heute das nationale Symbol des niederländischen Landesteils. | |||
Die Farben Rot, Weiß und Blau entsprechen zugleich den drei Grundfarben der niederländischen Flagge. Die offizielle heraldische Beschreibung legt allerdings nicht für jede Farbe die in populären Darstellungen genannten Bedeutungen wie Mut, Meer, Himmel, Frieden oder Reinheit fest. Solche symbolischen Deutungen sind deshalb von der eigentlichen offiziellen Gestaltung zu unterscheiden. Das Weiß des Dreiecks dient vor allem als Hintergrund für das Wappen und hebt dieses deutlich von den beiden farbigen Flaggenfeldern ab. | |||
Das Wappen von Sint Maarten wurde bereits 1982 offiziell angenommen und bildet den zentralen Bestandteil der Flagge. Es zeigt einen blau dargestellten Schild mit orangefarbener Einfassung. Im Mittelpunkt befindet sich das historische Gerichtsgebäude von Philipsburg. Im oberen linken Bereich des Schildes ist die gelbe Nationalblume, die Yellow Sage beziehungsweise Lantana camara, dargestellt. Im oberen rechten Bereich befindet sich die Silhouette des Grenzdenkmals, das an die historische Teilung der Insel zwischen dem französischen und dem niederländischen Gebiet erinnert. Das Wappen verbindet damit staatliche, historische und naturkundliche Elemente. | |||
Über dem Schild befindet sich eine aufgehende goldene Sonne, vor der ein fliegender Pelikan dargestellt ist. Der Pelikan ist der Nationalvogel von Sint Maarten. Unterhalb des Schildes befindet sich ein Schriftband mit dem lateinischen Wahlspruch „Semper Progrediens“, der mit „Immer fortschreitend“ oder „Stets voranschreitend“ übersetzt werden kann. Das Wappen bringt damit mehrere Elemente der lokalen Identität zusammen: das Gerichtsgebäude steht für die staatliche Ordnung, die Nationalblume für die heimische beziehungsweise symbolische Pflanzenwelt, das Grenzdenkmal für die besondere Geschichte der geteilten Insel und der Pelikan für die Tierwelt. | |||
Der niederländische Teil besitzt damit sowohl eine eigene Flagge als auch ein eigenes Wappen. Beide Symbole entstanden noch vor dem heutigen Status Sint Maartens als eigenständigem Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. Als die Niederländischen Antillen am 10. Oktober 2010 aufgelöst wurden und Sint Maarten den Status eines autonomen Landes innerhalb des Königreichs der Niederlande erhielt, blieben die seit 1985 verwendete Flagge und das Wappen bestehen. | |||
Im französischen Teil ist die Situation anders. Saint-Martin ist eine Collectivité d'outre-mer Frankreichs und führt daher offiziell die französische Trikolore. Sie besteht aus drei senkrechten Streifen in Blau, Weiß und Rot. Die Trikolore ist die offizielle französische Staatsflagge und damit auch die offizielle Flagge der Collectivité de Saint-Martin. Eine eigene, bereits offiziell angenommene Flagge der Collectivité existiert derzeit nicht. | |||
Allerdings hat die Collectivité im Jahr 2026 erstmals ein offizielles Verfahren zur Schaffung einer eigenen institutionellen Flagge eingeleitet. Das Projekt „My Saint-Martin Flag“ wurde am 15. April 2026 offiziell gestartet. Nach Angaben der Collectivité soll die neue Flagge die lokale Geschichte, Kultur und Identität zum Ausdruck bringen, die französische Nationalflagge jedoch nicht ersetzen. Nach dem vorgesehenen Verfahren soll im Oktober 2026 eine konsultative Bürgerabstimmung über die eingereichten Entwürfe stattfinden; die offizielle Annahme der neuen Flagge ist für Dezember 2026 vorgesehen. Zum 1. Oktober 2026 befindet sich das Projekt damit noch im laufenden Auswahl- und Beteiligungsverfahren. | |||
Für Saint-Martin existiert daneben bereits ein eigenes Wappen beziehungsweise Emblem der Collectivité. Es wird unter anderem auf weißem Grund als lokales Symbol verwendet, ist aber nicht mit einer offiziell angenommenen Territorialflagge gleichzusetzen. Darstellungen einer weißen Flagge mit dem Emblem oder andere Flaggen mit lokalen Farben und Symbolen sind daher als lokale beziehungsweise institutionelle Darstellungen zu unterscheiden von der offiziellen französischen Trikolore. Die Collectivité selbst bezeichnet das 2026 eingeleitete Flaggenprojekt ausdrücklich als Schaffung eines neuen institutionellen Symbols. | |||
=== '''Hymne''' === | |||
Sankt Martin hat keine eigene Hymne. Bei offiziellen Anlässen werden je nach Landesteil die niederländische oder die französische Hymne gespielt. Inoffizielle Nationalhymne ist für beide Landesteile '''O Sweet Saint Martin’s Land''' („Oh du süßes Sankit Martinsland“). Das Lied wurde 1958 von Gerard Kemps, einem französischen katholischen Priester, komponiert und getextet. | |||
'' Originaltext (englisch)'' | |||
Where over the world, say where, | |||
You find an island there, | |||
So lovely small with nations free | |||
With people French and Dutch | |||
Though talking English much, | |||
As thee Saint Martin in the sea ? | |||
''Chorus:'' | |||
O sweet Saint Martin's Land | |||
So bright by beach and strand | |||
With sailors on the sea and harbors free | |||
Where the chains of mountains green | |||
Variously in sunlight sheen | |||
O I love thy Paradise, | |||
Nature-beauty fairly nice | |||
(''die letzten beiden Zeilen werden zweimal gesungen'') | |||
How pretty between all green | |||
Flamboyants beaming gleam | |||
Of flowers red by sunlight set | |||
Thy cows and sheep and goats | |||
In meadows or on roads | |||
Thy donkeys keen can't I forget | |||
Saint Martin I love thy name | |||
In which Columbus fame | |||
And memories of old are those | |||
For me a great delight | |||
Thy Southern Cross the night | |||
May God the Lord protect thy coast! | |||
=== '''Hauptstadt''' === | |||
'''Marigot''' ist die Hauptstadt des französischen Teils Saint Martin. Die an der Westküste der Insel gelegene Stadt ist geprägt von kolonialer Architektur, bunten Märkten und einer lebendigen Atmosphäre. Marigot entwickelte sich im 18. Jahrhundert als Hafen- und Verwaltungsort und ist seit der Gründung der Collectivité de Saint-Martin im Jahr 2007 die offizielle Hauptstadt. Davor war der gesamte französische Teil Teil des Überseeischen Départements Guadeloupe, und Marigot war bereits der administrative Mittelpunkt. | |||
'''Philipsburg''' ist die Hauptstadt des niederländischen Teils Sint Maarten. Sie liegt an der Küste am Great Bay Beach und ist ein lebhafter Hafen- und Handelsort. Philipsburg ist zugleich ein zentraler Kreuzfahrthafen und touristisches Zentrum mit zahlreichen Geschäften, Restaurants und Stränden. Die Stadt wurde 1763 als Siedlung gegründet (benannt nach John Philips, einem englischen Kapitän) und ist seit der Gründung von Sint Maarten als eigenständigem Land im Jahr 2010 die offizielle Hauptstadt. Vorher gehörte der niederländische Teil zu den Niederländischen Antillen, und Philipsburg war bereits der Hauptort. | |||
=== '''Verwaltungsgliederung''' === | |||
Die Insel ist in zwei Bereiche geteilt. Der Norden gehört zu Frankreich, der Süden zu den Niederlanden. Die beiden Inselteile sind nach dem Zensus von 2001: | |||
{| class="wikitable" | |||
!Inselteil | |||
!Fläche in km² | |||
!Einwohner | |||
!Dichte (E/km²) | |||
|- | |||
|Saint-Martin | |||
|53,2 | |||
|29 200 | |||
|550,94 | |||
|- | |||
|Sint Maarten | |||
|33,8 | |||
|30 594 | |||
|910,41 | |||
|} | |||
'''Verwaltungseinheiten''': | |||
1 collectivité territorial (Territorialgemeinschaft) | |||
6 quartiers (Siedlungen) | |||
1 eilandgebied (Inselgebiet) | |||
7 kerngebieden (Kerngebiete) | |||
== '''Bevölkerung''' == | |||
Auf der dicht bevölkerten Insel leben mit Stand 2021 rund 75.000 Menschen mit stark steigender Tendenz. Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 87 km². | |||
'''Bevölkerungsentwicklung''': | |||
Jahr Einwohner Dichte (E/km²) | |||
1900 16 000 183,91 | |||
1950 26 000 298,85 | |||
1960 30 000 344,83 | |||
1970 35 000 402,30 | |||
1980 40 000 459,77 | |||
1981 41 000 471,26 | |||
1982 42 500 488,51 | |||
1983 44 000 505,75 | |||
1984 45 000 517,24 | |||
1985 46 000 528,74 | |||
1986 47 000 540,23 | |||
1987 48 000 551,72 | |||
1988 49 000 563,21 | |||
1989 50 000 574,71 | |||
1990 51 000 586,21 | |||
1991 52 000 597,70 | |||
1992 52 500 603,45 | |||
1993 53 000 609,20 | |||
1994 53 500 614,94 | |||
1995 54 000 620,69 | |||
1996 55 000 632,18 | |||
1997 56 000 643,68 | |||
1998 57 000 655,17 | |||
1999 58 000 666,67 | |||
2000 59 000 678,16 | |||
2001 59 794 687,29 | |||
2002 62 500 718,39 | |||
2003 65 000 747,13 | |||
2004 68 382 786,00 | |||
2005 70 200 829,89 | |||
2006 72 892 837,84 | |||
2007 72 500 833,33 | |||
2008 72 498 833,31 | |||
2009 70 100 805,75 | |||
2010 68 524 787,63 | |||
2011 69 500 798,85 | |||
Jahr Sint Maarten Saint-Martin gesamt Dichte (E/km²) | |||
2012 35 134 35 742 70 876 814,67 | |||
2013 36 442 36 050 72 492 833,24 | |||
2014 37 696 37 864 75 560 868,51 | |||
2015 38 745 36 500 75 245 864,89 | |||
2016 38 245 35 746 73 991 850,47 | |||
2017 38 800 35 334 74 134 852,11 | |||
2018 39 538 34 065 73 603 846,01 | |||
2019 41 486 32 489 73 975 850,29 | |||
2020 42 083 31 786 73 869 849,07 | |||
2021 41 571 29 961 71 532 822,21 | |||
2022 41 901 28 870 70 771 813,46 | |||
2023 42 139 27 515 69 654 800,62 | |||
2024 44 222 26 129 70 351 808,63 | |||
Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 2,292 % pro Jahr. Die Fruchtbarkeitsrate lag 2008 bei 1,5 Kindern pro gebärfähiger Frau, das Durchschnittsalter bei etwa 35 Jahren. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 79 Jahren. Die Zahl der Haushalte beträgt insgesamt rund 20.000. | |||
=== '''Volksgruppen''' === | |||
Die ersten bekannten Bewohner der Insel waren indigene Bevölkerungsgruppen der Arawak-Kultur. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung seit mehreren Jahrtausenden. Die Arawak betrieben unter anderem Landwirtschaft und Fischfang und lebten in Siedlungen an der Küste und im Inselinneren. Später gelangten karibische Gruppen auf die Kleinen Antillen und verdrängten oder überlagerten in vielen Gebieten ältere arawakische Bevölkerungsstrukturen. Die europäische Bezeichnung „Kariben“ fasst dabei verschiedene indigene Gruppen zusammen und entspricht nicht einer einheitlichen ethnischen Bevölkerung im modernen Sinn. | |||
Mit der dauerhaften europäischen Besiedlung ab dem 17. Jahrhundert veränderte sich die Bevölkerungsstruktur grundlegend. Französische und niederländische Siedler errichteten dauerhafte Niederlassungen und teilten die Insel 1648 im Vertrag von Concordia zwischen ihren Siedlungsgebieten auf. In den folgenden Jahrhunderten kamen außerdem Menschen britischer, spanischer und anderer europäischer Herkunft hinzu. Die europäische Bevölkerung blieb jedoch zahlenmäßig nicht die einzige prägende Bevölkerungsgruppe. | |||
Von großer Bedeutung war die Verschleppung afrikanischer Menschen in die Karibik im Rahmen des atlantischen Sklavenhandels. Auf Saint-Martin wurden versklavte Afrikaner insbesondere in der Landwirtschaft eingesetzt. Auf den Plantagen wurden unter anderem Zuckerrohr, Baumwolle und Tabak angebaut. Die Nachkommen dieser afrikanischen Bevölkerung bilden bis heute einen wesentlichen Bestandteil der Bevölkerung beider Inselteile. Die Geschichte der Insel ist deshalb auch von der Vermischung afrikanischer, europäischer und karibischer Bevölkerungsgruppen geprägt. | |||
Im 19. und 20. Jahrhundert setzte sich die Bevölkerungsmischung durch weitere Wanderungsbewegungen fort. Menschen kamen unter anderem von anderen Inseln der Kleinen Antillen, aus Haiti, der Dominikanischen Republik und weiteren karibischen Staaten sowie aus den französischen Überseegebieten. Hinzu kamen Zuwanderer aus Europa und später aus Lateinamerika und anderen Regionen. Dadurch entstand eine Gesellschaft, in der neben den alteingesessenen Saint-Martinois zahlreiche Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen familiären und nationalen Herkunftsgeschichten leben. | |||
Die heutige Bevölkerungsstruktur des französischen Teils lässt sich besonders deutlich anhand der Geburtsorte erkennen. Nach den INSEE-Daten für 2022 waren nur 32 % der Einwohner auf Saint-Martin selbst geboren, während 35 % im Ausland geboren waren. Weitere 20 % stammten aus dem französischen Mutterland und 13 % aus anderen französischen Überseegebieten, vor allem aus Guadeloupe und Martinique. Von den Einwanderern waren 39 % in Haiti, 15 % in Dominica und 11 % in der Dominikanischen Republik geboren. Damit stellen Menschen mit karibischem beziehungsweise afrokaribischem Migrationshintergrund einen wichtigen Bestandteil der heutigen Bevölkerung dar. | |||
Die französische Statistik erfasst dabei die Bevölkerung vor allem nach Geburtsort und Staatsangehörigkeit und nicht nach „Ethnien“. Deshalb lässt sich eine exakte ethnische Aufteilung der gesamten Inselbevölkerung nicht seriös angeben. Der aktuelle französische Zensus stellt detaillierte Angaben zu den Staatsangehörigkeiten bereit; für Saint-Martin wurden die entsprechenden Tabellen für 2023 am 1. Oktober 2026 veröffentlicht. | |||
Auch der niederländische Teil Sint Maarten weist eine stark internationale Bevölkerung auf. Die gesamte Insel ist dadurch von einer hohen kulturellen und sprachlichen Vielfalt geprägt. Neben den historisch auf der Insel verwurzelten Familien leben dort Menschen aus zahlreichen karibischen Staaten, aus Nord- und Südamerika, Europa und anderen Weltregionen. Englisch, Französisch, Niederländisch und Spanisch sowie das auf der Insel verbreitete Saint-Martin- beziehungsweise Sint-Maarten-Kreol prägen den Alltag in unterschiedlichem Umfang. | |||
Die Bevölkerungsentwicklung wurde seit dem späten 20. Jahrhundert stark durch Zuwanderung bestimmt. Auf dem französischen Teil wurden bereits zwischen 1982 und 1990 sehr hohe Wachstumsraten registriert; beim Zensus 1999 waren 36 % der Bevölkerung ausländischer Herkunft, darunter insbesondere Menschen aus Haiti und der Dominikanischen Republik. | |||
Die heutige Gesellschaft kann daher nicht einer einzigen Volksgruppe zugeordnet werden. Die Bevölkerung besteht aus Nachkommen der indigenen Bewohner, der europäischen Siedler und der aus Afrika verschleppten Menschen sowie aus später eingewanderten Bevölkerungsgruppen aus der Karibik, Amerika, Europa und anderen Weltregionen. Diese historische und moderne Migration hat Saint-Martin zu einer der kulturell und national vielfältig zusammengesetzten Inselgesellschaften der Kleinen Antillen gemacht. | |||
Die | |||
Soziale Spannungen stehen teilweise mit der raschen Bevölkerungsentwicklung, Migration, dem Wohnungsmarkt und den hohen Grundstücks- und Immobilienpreisen in Zusammenhang. Die Bezeichnung „Neo-Kolonisten“ wird dabei insbesondere in politischen und gesellschaftlichen Debatten für bestimmte neu zugewanderte oder wirtschaftlich privilegierte Gruppen verwendet; sie ist jedoch keine amtliche Bevölkerungs- oder Ethnienbezeichnung. | |||
=== '''Sprachen''' === | |||
Die Sprachsituation ist eng mit der kolonialen Geschichte, der heutigen politischen Aufteilung zwischen Frankreich und dem Königreich der Niederlande sowie der starken internationalen Zuwanderung verbunden. Französisch und Niederländisch besitzen jeweils in ihrem politischen Hoheitsgebiet offiziellen Status, während Englisch auf der gesamten Insel eine besonders wichtige Verkehrssprache ist. | |||
Im französischen Teil Saint-Martin ist Französisch die alleinige Amtssprache. Es wird von der Collectivité de Saint-Martin, den französischen staatlichen Behörden, den Gerichten und den öffentlichen Einrichtungen verwendet und ist die wichtigste Sprache des staatlichen Bildungswesens. Auch im Schriftverkehr, in der Verwaltung und bei offiziellen Dokumenten ist Französisch maßgeblich. Gleichzeitig ist die alltägliche Sprachsituation deutlich vielfältiger als der offizielle Status der französischen Sprache vermuten lässt. | |||
Englisch besitzt im französischen Teil eine besonders starke Stellung. Es wird im Tourismus, im Handel, in Restaurants, Hotels und anderen Dienstleistungsbereichen verwendet und dient häufig als gemeinsame Verständigungssprache zwischen Einwohnern unterschiedlicher Herkunft. Die Bedeutung des Englischen hängt auch mit der historischen Nähe zu den englischsprachigen Karibikinseln und mit der starken internationalen Ausrichtung der Wirtschaft zusammen. | |||
Daneben werden französischbasierte kreolische Sprachformen gesprochen. Besonders auf der französischen Seite ist das Saint-Martin-Kreol beziehungsweise ein lokal verwendetes französischbasiertes Antillenkreol Teil der mündlichen Sprachtradition. Es wird vor allem innerhalb von Familien und im informellen sozialen Umfeld verwendet. Die kreolischen Sprachformen der Insel gehören zum größeren karibischen Zusammenhang französischbasierter Kreolsprachen und unterscheiden sich vom Standardfranzösischen in Wortschatz, Aussprache und Grammatik. | |||
Im niederländischen Teil Sint Maarten sind Niederländisch und Englisch die beiden Amtssprachen. Niederländisch ist die Sprache des niederländischen Staats- und Rechtsrahmens und wird in offiziellen Dokumenten, der Gesetzgebung und bestimmten Bereichen der Verwaltung verwendet. Im alltäglichen Gespräch nimmt Niederländisch dagegen eine deutlich geringere Rolle ein als Englisch. | |||
Englisch ist in Sint Maarten die wichtigste Alltagssprache und wird in weiten Teilen des öffentlichen Lebens verwendet. Es ist besonders im Handel, Tourismus, Gastgewerbe, Bildungswesen und in der privaten Kommunikation verbreitet. Die starke Stellung des Englischen ist historisch gewachsen und steht außerdem mit der engen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verbindung zu den englischsprachigen Nachbarinseln der Karibik in Zusammenhang. | |||
Eine wichtige Alltagssprache auf Sint Maarten ist außerdem das lokale englischbasierte Kreol, das häufig als Saint Martin English oder Sint Maarten English bezeichnet wird. Es steht sprachlich in Verbindung mit den englischbasierten Kreolsprachen der östlichen Karibik. Umgangssprachliche Formen des Englischen und kreolische Sprachformen gehen im Alltag teilweise ineinander über. | |||
Spanisch ist ebenfalls weit verbreitet. Die Bedeutung der spanischen Sprache hängt vor allem mit der Einwanderung aus der Dominikanischen Republik und anderen spanischsprachigen Ländern der Karibik und Lateinamerikas zusammen. Spanisch wird deshalb insbesondere im privaten Bereich, im Handel und innerhalb von Einwanderergemeinschaften gesprochen. Auch Französisch ist im niederländischen Teil aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zum französischen Inselgebiet und der engen wirtschaftlichen Verflechtungen häufig zu hören. | |||
Papiamento beziehungsweise Papiamentu ist dagegen auf Saint Martin keine traditionelle Hauptsprache. Die Sprache ist vor allem auf Aruba, Bonaire und Curaçao verbreitet und gehört dort zu den wichtigsten Sprachen des öffentlichen und privaten Lebens. Auf Sint Maarten kann sie durch Zuwanderer aus den niederländischen Karibikinseln vorkommen, gehört aber nicht zu den dominierenden Sprachen der Insel und sollte daher nicht als allgemein verbreitete Insel-Sprache dargestellt werden. | |||
Durch die internationale Bevölkerung werden außerdem zahlreiche weitere Sprachen gesprochen. Dazu gehören unter anderem Hindi und verschiedene chinesische Sprachen beziehungsweise Varietäten sowie Italienisch, Portugiesisch und weitere karibische und europäische Sprachen. Ihre Bedeutung ist jeweils auf bestimmte Bevölkerungsgruppen beschränkt. | |||
=== '''Religion''' === | |||
Das Christentum prägt die Insel deutlich, wobei sich die konfessionelle Struktur zwischen dem französischen und dem niederländischen Teil unterscheidet. Im französischen Teil Saint-Martin besitzt die römisch-katholische Kirche aufgrund der französischen und historischen europäischen Prägung eine besonders starke Stellung. Im niederländischen Teil Sint Maarten ist das protestantische Christentum stärker vertreten und gliedert sich in zahlreiche unterschiedliche Kirchen und Gemeinschaften. | |||
Die römisch-katholische Kirche ist auf Sint Maarten nach der Volkszählung von 2011 mit 33,1 % die größte einzelne Religionsgemeinschaft. Ihr Anteil lag 1992 noch bei 42,2 % und 2001 bei 39,8 %. Die amtliche Statistik dokumentiert damit einen langfristigen Rückgang des katholischen Bevölkerungsanteils, während andere christliche Konfessionen insbesondere die Pfingstkirchen und die Siebenten-Tags-Adventisten an Bedeutung gewannen. | |||
Auf der französischen Seite ist der Katholizismus ebenfalls historisch stark verwurzelt. Zu den bedeutenden katholischen Kirchen gehören die Église catholique de Saint-Martin in Marigot und die katholische Kirche in Grand Case. Die katholische Tradition ist außerdem mit dem Patrozinium des heiligen Martin von Tours verbunden, nach dem die Insel benannt wurde. | |||
Die Pfingstbewegung bildet auf Sint Maarten mit 14,7 % die zweitgrößte einzelne Konfessionsgruppe. Ihr Anteil betrug 1992 noch 5,7 % und 2001 11,6 %. Damit nahm die Zahl der Menschen, die sich pfingstkirchlichen Gemeinden zuordneten, innerhalb von zwei Jahrzehnten deutlich zu. Pfingstkirchen gehören zum protestantischen Christentum und sind auf Sint Maarten in verschiedenen eigenständigen Gemeinden organisiert. | |||
Der | Methodisten stellen 10,0 % der Bevölkerung. Der Methodismus besitzt auf Sint Maarten eine lange Tradition und gehört zu den etablierten protestantischen Konfessionen. Methodistische Gemeinden unterhalten Kirchen und beteiligen sich neben dem Gottesdienst auch an sozialen und gemeinschaftlichen Aktivitäten. Der Anteil lag 1992 bei 13,2 % und 2001 bei 11,5 %, womit die methodistische Gemeinschaft im Vergleich zu den Pfingstkirchen langfristig einen rückläufigen Anteil aufweist. | ||
Die Siebenten-Tags-Adventisten bilden mit 6,6 % eine weitere bedeutende protestantische Gemeinschaft. Ihr Anteil lag 1992 bei 3,6 % und 2001 bei 6,2 %. Die Adventisten gehören damit zu den christlichen Gemeinschaften, deren Anteil an der Bevölkerung im betrachteten Zeitraum deutlich zunahm. | |||
Baptisten stellen 4,7 % der Bevölkerung. Auch sie gehören zu den protestantischen Kirchen und sind auf Sint Maarten durch verschiedene Gemeinden vertreten. Ihr Anteil ging allerdings von 7,3 % im Jahr 1992 über 6,7 % im Jahr 2001 auf 4,7 % im Jahr 2011 zurück. Anglikaner machten 2011 3,1 % der Bevölkerung aus; ihr Anteil lag 1992 bei 4,0 % und 2001 bei 3,9 %. Weitere protestantische Gemeinschaften kamen 2011 auf 2,8 %. | |||
Neben diesen Kirchen gibt es weitere christliche Gemeinschaften. 4,1 % der Bevölkerung wurden 2011 unter „Christian“ erfasst, ohne einer der in der Statistik einzeln aufgeführten Konfessionen zugeordnet zu werden. Jehovas Zeugen stellten 1,7 % und evangelische beziehungsweise evangelikale Gemeinschaften 1,4 %. | |||
Ein Teil der Bevölkerung gehört keiner Religion an. Bei der Volkszählung von 2011 bezeichneten sich 7,9 % als religionslos. 2,4 % machten keine Angabe zu ihrer Religionszugehörigkeit. Der Anteil der Religionslosen lag 1992 bei 11,0 %, sank 2001 auf 6,7 % und lag 2011 wieder bei 7,9 %. | |||
Neben dem Christentum sind auf Sint Maarten weitere Religionen vertreten. Der Hinduismus kam 2011 auf 5,2 % der Bevölkerung und bildet damit die bedeutendste nichtchristliche Religionsgemeinschaft. Seine Präsenz steht unter anderem mit der Einwanderung aus Südasien und der weiteren internationalen Zusammensetzung der Bevölkerung in Zusammenhang. Daneben gibt es kleinere muslimische und jüdische Gemeinschaften. Die Statistik fasste Islam und Judentum 2011 zusammen und wies für beide zusammen 1,1 % aus. Weitere 1,3 % entfielen auf sonstige Religionen, darunter Buddhismus, Sikhismus und Rastafari. | |||
== '''Siedlungen''' == | |||
Die Einwohnerzahlen der Siedlungen sind: | |||
'''Sint Maarten''' | |||
{| class="wikitable" | {| class="wikitable" | ||
|''' | |'''Name''' | ||
|''' | |'''Z 2001''' | ||
|'''S 2017''' | |||
|- | |- | ||
| | |Cole Bay | ||
| | |6.046 | ||
|7.194 | |||
|- | |- | ||
| | |Cul de Sac | ||
| | |7.880 | ||
|8.588 | |||
|- | |- | ||
| | |Little Bay | ||
| | |2.176 | ||
|5.581 | |||
|- | |- | ||
| | |Lower Prince's Quarter | ||
| | |8.123 | ||
|10.833 | |||
|- | |- | ||
| | |Low Lands | ||
| | |232 | ||
|708 | |||
|- | |- | ||
| | |Philipsburg | ||
| | |1.227 | ||
|1.894 | |||
|- | |- | ||
| | |Simpson Bay | ||
| | |736 | ||
|1.142 | |||
|- | |- | ||
| | |Upper Prince's Quarter | ||
| | |4.021 | ||
|4.595 | |||
|} | |||
'''Saint-Martin''' | |||
{| class="wikitable" | |||
|'''Name''' | |||
|'''Z 2006''' | |||
|'''S 2015''' | |||
|'''S 2021''' | |||
|- | |- | ||
| | |Agrément - Galisbay | ||
| | |2.804 | ||
|2.164 | |||
|1.876 | |||
|- | |- | ||
| | |Bellevue - Saint-James | ||
| | |2.327 | ||
|2.029 | |||
|1.739 | |||
|- | |- | ||
| | |Concordia - Spring | ||
| | |5.121 | ||
|5.613 | |||
|6.102 | |||
|- | |- | ||
| | |Grand Case - La Savane - Anse Marcel - Cul de Sac | ||
| | |6.523 | ||
|7.582 | |||
|6.333 | |||
|- | |- | ||
| | |Marigot | ||
| | |3.403 | ||
|3.599 | |||
|3.386 | |||
|- | |- | ||
| | |Oyster Pond | ||
| | |1.779 | ||
|2.362 | |||
|1.830 | |||
|- | |- | ||
| | |Quartier d'Orleans | ||
| | |4.624 | ||
|4.327 | |||
|3.385 | |||
|- | |- | ||
| | |Rambaud - Saint-Louis - Colombier | ||
| | |3.346 | ||
|3.380 | |||
|3.335 | |||
|- | |- | ||
| | |Sandy Ground - Baie Nettlé - Terres Basses | ||
| | |5.335 | ||
| | |4.627 | ||
| | |3.493 | ||
| | |} | ||
Die Siedlungsstruktur von Saint Martin ist durch die politische Teilung der Insel in den französischen Teil Saint-Martin und den niederländischen Teil Sint Maarten geprägt. Die beiden wichtigsten Zentren sind Marigot im Norden und Philipsburg im Süden. Daneben bestehen zahlreiche kleinere Siedlungen, die sich entlang der Küsten, in den Tälern und an den Hauptverkehrsachsen entwickelt haben. | |||
'''Philipsburg''' ist die Hauptstadt und das wichtigste Verwaltungszentrum von Sint Maarten. Die Stadt liegt auf einer schmalen Landenge zwischen Great Bay im Süden und Great Salt Pond im Norden. Der Ort wurde 1763 von John Philips gegründet und entwickelte sich aufgrund seiner geschützten Bucht zu einem Handels- und Hafenstandort. Das historische Zentrum erstreckt sich vor allem entlang der Front Street und Back Street. In diesem Bereich befinden sich Geschäfte, Restaurants, Banken, Hotels und öffentliche Einrichtungen. Die Stadt ist außerdem ein bedeutender Ausgangspunkt für den Kreuzfahrttourismus. Zu den historischen Bauwerken von Philipsburg gehört Fort Amsterdam auf einer Landzunge westlich der Stadt. Die Festung wurde 1631 von den Niederländern errichtet und gehört zu den ältesten europäischen Befestigungsanlagen auf Saint Martin. Ihre Lage oberhalb der Great Bay ermöglichte die Kontrolle der Bucht und des Hafenzugangs. Heute sind die erhaltenen Ruinen ein historisches Zeugnis der niederländischen Kolonialgeschichte. | |||
Der Strand von Great Bay erstreckt sich unmittelbar vor dem Stadtzentrum von Philipsburg. Entlang der Uferpromenade befinden sich Hotels, Restaurants, Geschäfte und touristische Einrichtungen. Weitere Siedlungsbereiche des niederländischen Teils liegen westlich und östlich der Hauptstadt sowie im Umfeld der Simpson Bay Lagoon. | |||
'''Marigot''' ist die Hauptstadt des französischen Teils und Sitz der Collectivité de Saint-Martin. Die Stadt liegt an der geschützten Marigot Bay an der Westküste des französischen Inselgebiets. Sie entwickelte sich insbesondere während der französischen Kolonialzeit zu einem wichtigen Verwaltungs- und Handelszentrum. Das Stadtbild wird durch französisch-karibische Architektur, Geschäfte, Restaurants und öffentliche Einrichtungen geprägt. Ein wichtiges historisches Bauwerk von Marigot ist das Fort Louis. Die Festung wurde 1789 unter dem französischen Gouverneur Jean Sébastien de Durat ausgebaut und liegt auf einem Hügel oberhalb der Marigot Bay. Von dort aus konnte die Bucht und der Zugang zum Hafen kontrolliert werden. Heute gehört das Fort zu den bedeutendsten historischen Anlagen des französischen Inselteils. Zum Stadtgebiet von Marigot gehören unter anderem der Hafenbereich, der Markt und die Uferzone. Der Markt von Marigot ist ein bedeutender Handelsplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse, Gewürze, Fisch, Fleisch, Kunsthandwerk und andere Waren. Der Hafen wird von lokalen Booten, Fähren und Yachten genutzt. Marigot bildet damit nicht nur das politische, sondern auch ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum des französischen Teils. | |||
Im französischen Teil liegt '''Grand Case''' an der Nordwestküste. Die Siedlung erstreckt sich entlang einer langen Bucht und ist durch Wohnhäuser, Restaurants, kleine Geschäfte und touristische Einrichtungen geprägt. Grand Case entwickelte sich aus einer landwirtschaftlich geprägten Siedlung und besitzt bis heute einen überwiegend niedriggeschossigen Charakter. Der Ort ist außerdem durch seine Gastronomie und seine Lage an der Grand Case Bay bekannt. | |||
'''Orient Bay''' beziehungsweise Baie-Orientale liegt an der Nordostküste des französischen Teils. Die Siedlung entwickelte sich insbesondere entlang des Strandes und der dahinterliegenden Straßen. Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants und andere touristische Einrichtungen prägen den Ort. Hinter der Küste schließen sich Hügel und offene Landschaften an. | |||
'''Quartier-d'Orléans''' liegt im Osten von Saint-Martin und gehört zum französischen Teil. Der Ort befindet sich in einem Tal zwischen den Hügelketten und ist stärker von Wohnbebauung geprägt als die Küstenorte. In der Umgebung befinden sich landwirtschaftlich genutzte Flächen, kleinere Gewerbebetriebe und die Zufahrtsstraßen zur Ostküste. | |||
'''Anse-Marcel''' liegt im äußersten Nordosten des französischen Inselteils an einer geschützten Bucht. Die Siedlung entwickelte sich rund um einen Yachthafen und touristische Anlagen. Die Lage zwischen den Hügeln und der geschützten Bucht unterscheidet Anse Marcel deutlich von den dichter besiedelten Küstenbereichen von Marigot und Grand Case. | |||
Im niederländischen Teil ist Simpson Bay eine der wichtigsten Siedlungen außerhalb von Philipsburg. Der Ort liegt an der Südwestküste unmittelbar an der Simpson Bay Lagoon. In diesem Gebiet konzentrieren sich zahlreiche Hotels, Restaurants, Geschäfte, Dienstleistungsunternehmen und Einrichtungen der Tourismuswirtschaft. Der Princess Juliana International Airport liegt unmittelbar östlich von Simpson Bay und macht den Ort zu einem wichtigen Verkehrszentrum der Insel. | |||
'''Cole Bay''' liegt zwischen Philipsburg und Simpson Bay und bildet einen dicht besiedelten Übergangsbereich zwischen dem politischen Zentrum und dem westlichen Wirtschafts- und Tourismusgebiet. Hier befinden sich Wohngebiete, Geschäfte, Dienstleistungsunternehmen und Verkehrsverbindungen. Cay Bay befindet sich südwestlich von Philipsburg an der Küste der Great Bay. Die Siedlung ist überwiegend durch Wohnbebauung geprägt und liegt zwischen Philipsburg und den südwestlichen Siedlungsgebieten. Little Bay befindet sich unmittelbar westlich von Philipsburg an einer geschützten Bucht. In diesem Bereich befinden sich Hotels, Wohnanlagen und touristische Einrichtungen; außerdem liegt dort der Campus der University of St. Martin. | |||
'''Belvedere''' liegt im Osten des niederländischen Teils und ist vor allem durch Wohnbebauung geprägt. Dawn Beach befindet sich an der Südostküste nahe der Grenze zum französischen Teil. Die Siedlung erstreckt sich in hügeligem Gelände oberhalb und hinter einem Strandabschnitt. Oyster Pond liegt unmittelbar an der Grenze zwischen den beiden Inselteilen und ist eine grenzüberschreitende Siedlung mit einem Yachthafen. Der Grenzverlauf durch den Ort gehört zu den sichtbarsten Beispielen für die politische Teilung der Insel. | |||
| | Im französischen Teil gehören außerdem Sandy Ground, Hope Estate, Rambaud, Colombier und Friar's Bay zu den größeren Siedlungsbereichen. Sandy Ground liegt auf einer schmalen Landzunge südlich von Marigot und verbindet das Gebiet um Marigot mit dem südwestlichen Teil der französischen Inselhälfte. Hope Estate befindet sich im Nordosten und hat sich zu einem wichtigen Wohn- und Dienstleistungsgebiet entwickelt. Rambaud und Colombier liegen im hügeligeren Inselinneren und weisen eine geringere Siedlungsdichte auf. Friar's Bay liegt an der Nordwestküste zwischen Marigot und Grand Case. | ||
| | {| class="wikitable" | ||
|} | |||
== '''Verkehr''' == | |||
Die Insel ist verkehrsmäßig dicht erschlossen. Sowohl der Norden als auch der Süden verfügen über internationale Häfen und Flughäfen. | |||
=== '''Straßenverkehr''' === | |||
Die Insel ist durch ein dichtes Straßennetz - mehr als 80 km - erschlossen. Gefahren wird rechts. Die Straßen sind meist in gutem Zustand, es gibt keine mautpflichtigen Straßen und ausreichend Tankstellen. In den bergigen Regionen sind die Straßen oft schmal und kurvig, hier ist Vorsicht geboten. Der Verkehr ist vor allem in den touristisch stark frequentierten Gebieten wie Philipsburg, Maho Beach und Simpson Bay zeitweise recht dicht. Für eine komplette Umrundung der Insel per Auto ohne Verkehr benötigt man rund 1,5 Stunden, mit Verkehr und Pausen etwa 3 bis 4 Stunden. | |||
Öffentliche Verkehrsmittel bestehen vor allem aus privaten Minibussen, die als Sammelbusse verkehren und wichtige Routen abdecken. Die Busse fahren ohne festen Fahrplan und sind günstig, aber oft sehr voll. Taxis sind ebenfalls auf der ganzen Insel verfügbar, haben jedoch keine Taxameter. Die Preise sind geregelt, nachts sind sie etwa 50% teurer. Taxiangebote sind teils knapp, besonders wenn viele Kreuzfahrtschiffe zur gleichen Zeit anlegen. Mietwagen werden häufig genutzt, es gibt zahlreiche Autovermietungen am Flughafen und in Städten. Das Mindestalter für Fahrer beträgt meist 21 Jahre. | |||
''' | === '''Schiffsverkehr''' === | ||
Der Hafen von Philipsburg zählt zu den größten und modernsten Kreuzfahrthäfen in der Karibik und bietet Platz für bis zu sechs große Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig. Weitere Schiffe ankern vor der Küste und bringen Passagiere mit Tenderbooten an Land. Der Hafen liegt direkt an der Südküste und umfasst zwei lange Piers, die auch die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt aufnehmen können, darunter die großen Oasis-Klasse-Schiffe von Royal Caribbean. | |||
Der Hafen ist ein wichtiger Zwischenstopp für viele große Kreuzfahrtreedereien wie Royal Caribbean, Carnival, MSC, Norwegian Cruise Line, Princess Cruises, Celebrity Cruises, Holland America Line sowie die deutschsprachigen Reedereien AIDA Cruises und TUI Cruises. | |||
Der Hafenbereich namens Harbour Point Village bietet Touristen Informationen, Duty-Free-Shops, Restaurants und Souvenirläden in unmittelbarer Nähe des Liegeplatzes. Philipsburg ist von der Kreuzfahrthafen-Anlegestelle aus gut zu Fuß erreichbar, etwa 10 Minuten zum Stadtzentrum, und ist ein zentraler Ausgangspunkt für Landausflüge auf der Insel. | |||
Auf der französischen Seite Saint Martin gibt es aufgrund fehlender Wassertiefe nur wenige kleine Anlegestellen, die für kleinere Schiffe oder gelegentliche Touristenboote genutzt werden. | |||
=== ''' | === '''Flugverkehr''' === | ||
Der Flughafen Princess Juliana befindet sich direkt am Strand. Daher fliegen die Flugzeuge (darunter auch Großraumflugzeuge wie die Boeing 747 oder der Airbus A 340) sehr niedrig über den Strand, der für Touristen freigegeben, aber mit Warnhinweisen ausgestattet ist. Der Abstand zwischen den landenden Flugzeugen und dem Zaun beträgt oft nur einige Meter, Touristen können direkt unter den Flugzeugen stehen und sie fotografieren. Am Strand befindet sich ein Surfbrett, auf das der Flugplan geschrieben wird, der die Flüge ankündigt. | |||
Der Flughafen verfügt über kein Instrumentenlandesystem, sondern nur über VOR/DME sowie Sichtanflugverfahren. Außerdem befinden sich in relativ geringem Abstand hinter der Startbahn 10 mehrere Hügel, sodass abhebende Flugzeuge schnell an Höhe gewinnen und so früh wie möglich eine Rechtskurve fliegen müssen (siehe Abschnitt Besonderheiten). Die Start- und Landebahn ist nur 2300 m lang, was eine Beschränkung des Startgewichts für Großraumflugzeuge mit sich bringt. Der Flughafen wird mit Maschinen unterschiedlichster Größe bedient: neben kleinen Sportmaschinen sowie Regionalflugzeugen wie der Bombardier DHC-8 finden sich auch vierstrahlige Jets wie die Boeing 747 und der Airbus A340. Eine Boeing 747 kann auf Grund der kurzen Startbahn weit entfernte Ziele nicht direkt erreichen, da sie voll aufgetankt eine längere Piste benötigen würde. Deswegen wird zunächst Curaçao bzw. Aruba (von KLM) oder Martinique bzw. Guadeloupe (von Corsair) angesteuert, um für den Weiterflug aufzutanken. | |||
Der Flughafen wird aus Europa von Air France mit A340-300 (Paris-Charles-de-Gaulle), KLM (A330-200, Amsterdam), zweimal wöchentlich von Air Caraïbes (A330-200) von Paris-Orly und unregelmäßig im Charterverkehr von Corsair International (A330, Paris-Orly) angeflogen. Air Canada Rouge und weitere Fluggesellschaften aus Nordamerika und der Karibik bieten tägliche Linienverbindungen in die USA, Kanada und zu Karibik-Inseln an. Als Heimatflughafen dient der Princess Juliana International Airport für die karibische Fluggesellschaft Winair (Windward Island Airways). | |||
Im Luftfrachtbereich fliegt Amerijet International die Ziele Miami, Santiago de los Caballeros sowie Santo Domingo an. In der Vergangenheit wurde der Flughafen von mehreren Fluggesellschaften mit der Boeing 747 angeflogen. Der letzte Landeanflug und Start einer 747 (KLM) fand am 28. Oktober 2016 statt. | |||
Als besondere Attraktion des Flughafens gilt dessen Lage. Die Landeschwelle der Landebahn 10 ist nur wenige Meter vom Maho Beach entfernt. Aufgrund des hügeligen Terrains im Osten kann ausschließlich von Westen kommend auf Piste 10 gelandet werden; dabei überqueren die Flugzeuge in etwa 10 bis 20 Metern Höhe den Strand. Beim Anrollen zum Start werden durch den Schubstrahl der Triebwerke Sand und kleine Steine aufgewirbelt. Weil die Flugzeuge meist Richtung Osten starten und wegen der Hügel dort schnell an Höhe gewinnen müssen, wird der volle Schub häufig schon im Stand aufgebaut, bevor die Bremsen gelöst werden. Deshalb ist für Zuschauer der Aufenthalt am Strand direkt vor der Startbahn gefährlich. | |||
Wegen der seltenen Möglichkeit, Flugzeuge im tiefen Endanflug über einem tropischen Sandstrand zu beobachten, ist der Airport weltweit bei Planespottern bekannt und beliebt. Darüber hinaus sammeln sich täglich waghalsige Touristen unmittelbar am Flughafenzaun und kämpfen gegen die Kraft der Turbinenstrahlen startender Flugzeuge an (sogenanntes „Zaunsurfen“). Warnschilder des Flughafenbetreibers weisen darauf hin, dass der Abgasstrahl startender und landender Flugzeuge ernsthafte, sogar tödliche Verletzungen verursachen kann. Dennoch geschah genau dies am 12. Juli 2017, als eine 57-jährige Neuseeländerin im Strahl einer startenden Boeing 737-800 sich nicht mehr am Begrenzungszaun festhalten konnte, mit dem Kopf gegen einen Betonblock geschleudert wurde und kurz darauf im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag. | |||
Zur Information der Schaulustigen am Maho Beach werden die täglichen Flugbewegungen (Fluggesellschaften, Landezeiten und Abflugorte) am Strand neben der Landebahn von einem Restaurant-Betreiber handschriftlich auf einem aufrecht stehenden Surfbrett notiert und regelmäßig aktualisiert. | |||
Um die aktuellen ICAO-Anforderungen zu erfüllen, begann am 8. März 2010 der Bau der RESA (runway end safety area − Start-/Landebahnendsicherheitsfläche) mit einer Länge von 90 m. Hierfür wurde Strand aufgeschüttet sowie eine Straße verlegt. Anfang 2011 wurden die Bauarbeiten beendet. Im September 2017 wurde der Flughafen durch Hurrikan Irma schwer beschädigt. Der Flughafen wurde mehrmals ausgebaut, um größere Passagiermengen (2,5 Millionen pro Jahr erwartet) aufnehmen zu können. Der neueste Terminal wurde Anfang November 2006 von Königin Beatrix eröffnet. | |||
Am 2. Mai 1970 wurde eine Douglas DC-9 der Overseas National Airways (Luftfahrzeugkennzeichen ''N935F''), die im Auftrag der ALM Antillean Airlines den Linienflug ''ALM 980'' von New York nach Sint Maarten durchführen sollte, nach mehreren wegen schlechter Sichtverhältnisse abgebrochenen Landeanflügen auf den Princess Juliana Airport nach Saint Thomas umgeleitet. Das Flugzeug konnte den dortigen Flughafen aufgrund ungenügender Treibstoffreserven aber nicht mehr erreichen. Nach der Notwasserung ungefähr 50 km ostnordöstlich der Insel Saint Croix konnten nur 40 der 63 Insassen gerettet werden; 22 Passagiere sowie ein Besatzungsmitglied kamen bei dem Unfall ums Leben. | |||
Am 29. Oktober 2014 stürzte eine Short 360-200 der amerikanischen Gesellschaft Skyway Enterprises (Luftfahrzeugkennzeichen ''N380MQ''), die im Auftrag von FedEx Luftfracht nach San Juan auf Puerto Rico befördern sollte, unmittelbar nach dem Start von Piste 28 vor der Küste von Sint Maarten ins Meer. Beide Piloten kamen bei dem Absturz ums Leben. (nach wikipedia) | |||
{| class="wikitable" | |||
|'''Airlines''' | |||
|'''Ziele''' | |||
|- | |||
|Air Canada | |||
|saisonal: Toronto–Pearson | |||
|- | |||
|Air Caraïbes | |||
|Paris–Orly, Port-au-Prince, saisonal: Pointe-à-Pitre | |||
|- | |||
|Air Century | |||
|Santo Domingo–La Isabela | |||
|- | |||
|Air France | |||
|saisonal: Paris–Charles de Gaulle | |||
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|Air Sunshine | |||
|Anguilla, Dominica–Douglas–Charles, Nevis, St. Thomas, San Juan, Tortola, Virgin Gorda | |||
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|Air Transat | |||
|saisonal: Montréal–Trudeau, Toronto–Pearson | |||
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|American Airlines | |||
|Charlotte, Miami, Philadelphia, saisonal: New York–JFK | |||
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|Caribbean Airlines | |||
|Kingston–Norman Manley, Port of Spain | |||
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|Copa Airlines | |||
|Panama City | |||
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|Coastal Air | |||
|Anguilla, Dominica–Canefield, Nevis, St. Croix, St. Eustatius | |||
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|Delta Air Lines | |||
|Atlanta, New York–JFK | |||
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|Divi Divi Air | |||
|Curaçao | |||
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|Fly All Ways | |||
|Charter: Paramaribo | |||
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|Insel Air | |||
|Curaçao | |||
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|InterCaribbean Airways | |||
|Tortola | |||
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|JetBlue Airways | |||
|Fort Lauderdale, New York–JFK, saisonal: Boston | |||
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|Joon | |||
|saisonal: Paris–Charles de Gaulle | |||
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|KLM | |||
|Amsterdam | |||
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|LIAT | |||
|Antigua, St. Kitts, St. Lucia–Vigie, Tortola | |||
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|Seaborne Airlines | |||
|San Juan | |||
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|Spirit Airlines | |||
|Fort Lauderdale | |||
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|St Barth Commuter | |||
|St. Barthélemy | |||
|- | |||
|Sky High Aviation Services | |||
|Santo Domingo–Las Américas, Santiago de los Caballeros | |||
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|Sunwing Airlines | |||
|Montréal–Trudeau, Toronto–Pearson | |||
|- | |||
|Trans Anguilla Airways | |||
|Anguilla | |||
|- | |||
|United Airlines | |||
|Newark, saisonal: Chicago–O’Hare, Washington–Dulles | |||
|- | |||
|WestJet | |||
|Toronto–Pearson | |||
|- | |||
|Winair | |||
|Antigua, Aruba, Bonaire, Curaçao, Dominica–Canefield, Dominica–Douglas–Charles, Nevis, Pointe-à-Pitre, Port-au-Prince, Saba, St. Barthélemy, St. Eustatius, St. Kitts, San Juan, Santo Domingo–Las Américas, Tortola | |||
|} | |||
'''Princess Juliana International Airport''': | |||
* Code: SXM / TNCM | |||
* Lage: 18°02‘27“ N, 63°06‘32“ W | |||
* Seehöhe: 4 m (13 ft) | |||
* Entfernung: 16 km nordwestlich von Philipsburg | |||
* Inbetriebnahme: 1942, zivil 1943 | |||
* Betreiber: Princess Juliana International Airport Operating Company N.V | |||
* Fläche: 64 ha | |||
* Terminal: 1 | |||
* Rollbahn: 1 | |||
* Länge der Rollbahn: 2300 m (Asfalt) | |||
* Fluggesellschaften: 28 | |||
* Flugzeug-Standplätze: ca. 20 | |||
* jährliche Passagierkapazität: | |||
* jährliche Frachtkapazität: | |||
* Beschäftigte: 268 (2014) | |||
* Flughafen-Statistik: Jahr Flugbewegunbgen Passagiere Fracht in t | |||
2014 60 371 1 795 117 5 992 | |||
== '''Wirtschaft''' == | |||
Die Wirtschaft Sankt Martins beruht zum überwiegenden Teil auf Tourismus und Freihandel. | |||
=== '''Landwirtschaft''' === | |||
Die Landwirtschaft gehörte über Jahrhunderte zu den traditionellen Wirtschaftsgrundlagen von Saint-Martin. Die natürlichen Voraussetzungen waren allerdings wegen der begrenzten Niederschläge, der wiederkehrenden Trockenperioden und der relativ kleinen verfügbaren Flächen schwieriger als auf den größeren, feuchteren Antilleninseln. Historisch wurden zunächst die Salzsümpfe genutzt und später Tabak, Indigo, Baumwolle und Zuckerrohr angebaut. Diese Erzeugnisse hatten während der Kolonialzeit wirtschaftliche und teilweise auch überregionale Bedeutung. Die landwirtschaftliche Produktion war eng mit der Plantagenwirtschaft und der Arbeit versklavter Menschen verbunden. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts verlor die Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung, während sich die Wirtschaft stark auf Handel, Dienstleistungen und Fremdenverkehr ausrichtete. Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei sind heute nur noch kleine Wirtschaftsbereiche. | |||
Die | Die Entwicklung der landwirtschaftlich genutzten Flächen zeigt diesen Rückgang besonders deutlich. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche (SAU) wurde 1981 noch auf rund 1.194 Hektar geschätzt. Seit Ende der 1980er Jahre ging sie stark zurück; besonders ausgeprägt war der Rückgang zwischen 2000 und 2010. Im Landwirtschaftszensus 2020 wurden für Saint-Martin noch 227 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche erfasst. Landwirtschaftlich ausgewiesene Flächen machen damit nur einen kleinen Teil des Territoriums aus. Ein großer Teil der verbliebenen landwirtschaftlichen Fläche besteht aus Weideland. | ||
Für Saint-Martin wurden im Landwirtschaftszensus 2020 insgesamt 36 landwirtschaftliche Betriebe erfasst. Das waren rund 20 % weniger als 2010, als noch 45 Betriebe gezählt wurden. Die durchschnittliche Betriebsfläche betrug 2020 etwa 6,3 Hektar. Die Zahl der Betriebe ging damit stärker zurück als die durchschnittliche Betriebsgröße. Die Landwirtschaft ist überwiegend kleinstrukturiert und familiär organisiert. Rund 76 % des gesamten landwirtschaftlichen Arbeitsvolumens wurden 2020 von Familienarbeitskräften geleistet. Insgesamt entsprach das Arbeitsvolumen lediglich 32 Vollzeitarbeitsplätzen. 2022 entfielen nur etwa 0,4 % der Beschäftigung auf den Landwirtschaftssektor. | |||
Die | Die Viehzucht nimmt innerhalb der verbliebenen Landwirtschaft einen wichtigen Platz ein. Vor allem Rinder und Ziegen werden gehalten. Die Haltung erfolgt vielfach extensiv auf Weideflächen. Die Bedeutung der spezialisierten Viehzucht ist allerdings ebenfalls zurückgegangen. Der Landwirtschaftszensus 2020 stellte eine deutliche Abnahme der auf Tierhaltung spezialisierten Betriebe gegenüber früheren Erhebungen fest. Die vorhandenen Weideflächen bilden weiterhin einen erheblichen Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche, während der großflächige Acker- und Pflanzenbau nur eine geringe Rolle spielt. | ||
Der Anbau von Gemüse und anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln findet ebenfalls statt, bleibt aber auf kleine Flächen beschränkt. Einzelne Betriebe verkaufen ihre Erzeugnisse direkt an Verbraucher. Der Direktverkauf und kurze Vermarktungswege sind für die kleinbäuerlichen Betriebe von besonderer Bedeutung; bereits ältere Untersuchungen des IEDOM stellten fest, dass rund 78 % der landwirtschaftlichen Betriebe ihre Erzeugnisse über kurze Vermarktungswege absetzten. Eine großflächige Bewässerungslandwirtschaft konnte sich dagegen nicht entwickeln, weil die natürlichen Wasserressourcen begrenzt sind und Trinkwasser auf der Insel überwiegend durch Meerwasserentsalzung bereitgestellt wird. | |||
Zu den wichtigsten Problemen der Landwirtschaft gehört deshalb der Wassermangel. Saint-Martin besitzt keine bedeutenden natürlichen Süßwasserreserven, die eine großflächige Bewässerungslandwirtschaft ermöglichen würden. Niederschläge sind unregelmäßig verteilt, und längere Trockenperioden können die Weidewirtschaft und den Pflanzenbau beeinträchtigen. Gleichzeitig führen Starkregen und tropische Wirbelstürme zu Erosion und Schäden an landwirtschaftlichen Anlagen. Der Hurrikan Irma zerstörte 2017 unter anderem einen großen Teil der Einfriedungen der Weideflächen. Die von der Chambre Consulaire Interprofessionnelle de Saint-Martin (CCISM) erfassten Schäden beliefen sich auf fast 2 Millionen Euro bei 17 Schadensmeldungen. | |||
Die | Ein weiteres strukturelles Problem ist der Zugang zu landwirtschaftlichen Grundstücken. Die verfügbare Fläche ist begrenzt und steht in Konkurrenz zu Siedlungsentwicklung, Gewerbe, Straßenbau und touristischer Nutzung. Hinzu kommen ungeklärte Eigentumsverhältnisse, Erbengemeinschaften und hohe Grundstückspreise. Für einen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe erschwert dies sowohl die langfristige Sicherung der Betriebsflächen als auch die Beantragung von Fördermitteln und die Durchführung von Investitionen. | ||
Auch die Insellage erschwert die landwirtschaftliche Produktion. Saatgut, Futtermittel, Dünger, technische Geräte und andere Betriebsmittel müssen teilweise von außerhalb eingeführt werden. Transport, Lagerung und begrenzte Absatzmengen erhöhen die Produktionskosten. Nach Angaben des IEDOM war Saint-Martin bereits in der früheren Strukturuntersuchung zu 99 % von Importen abhängig. Diese Importabhängigkeit betrifft nicht nur die Landwirtschaft, sondern die gesamte lokale Wirtschaft und ist ein wesentlicher Grund dafür, dass eine Ausweitung der heimischen Produktion wirtschaftlich schwierig ist. | |||
Die | Die Lebensmittelversorgung der Insel beruht deshalb weitgehend auf Importen. Lebensmittel gelangen insbesondere aus Frankreich, den Vereinigten Staaten und anderen karibischen Gebieten nach Saint-Martin und werden über die Handels- und Hafeninfrastruktur verteilt. Die lokale Landwirtschaft kann nur einen kleinen Teil des gesamten Lebensmittelbedarfs decken. Eine belastbare aktuelle amtliche Zahl von 7,5 % für den gesamten Inselbedarf ist in den verfügbaren Landwirtschaftsstatistiken jedoch nicht ausgewiesen und sollte daher nicht als gesicherter Wert verwendet werden. | ||
Einige landwirtschaftliche Erzeugnisse werden zusätzlich lokal verarbeitet. Dazu gehört insbesondere die Guavaberry-Frucht, die traditionell gesammelt und unter anderem zur Herstellung von Guavaberry-Likör verarbeitet wird. Die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte verbindet damit Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk und Tourismus. Daneben werden verschiedene Früchte, Gemüse und tierische Erzeugnisse im kleinen Umfang für den lokalen Markt produziert. | |||
Die | Die Landwirtschaft steht außerdem in Zusammenhang mit der Bewirtschaftung der offenen Landschaft. Weideflächen und landwirtschaftlich genutzte Parzellen tragen zur Erhaltung bestimmter Kulturlandschaften bei und bilden einen Teil der nicht bebauten Flächen der Insel. Gleichzeitig können intensive Beweidung, Bodenverdichtung, Erosion und die Beseitigung der natürlichen Vegetation ökologische Probleme verursachen. Eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft muss deshalb sowohl die begrenzten Wasserressourcen als auch den Schutz von Böden und natürlichen Lebensräumen berücksichtigen. | ||
Die französischen Behörden und die lokalen Institutionen versuchen, die verbliebene Landwirtschaft zu stabilisieren und die lokale Lebensmittelproduktion auszubauen. Dabei stehen insbesondere die Sicherung landwirtschaftlicher Flächen, eine bessere Organisation der Produktions- und Vermarktungsketten, die Unterstützung kleiner Betriebe, eine effizientere Nutzung des Wassers und die Entwicklung kurzer Vermarktungswege im Mittelpunkt. Die Landwirtschaft soll dabei nicht zu einem großflächigen Exportsektor ausgebaut werden, sondern vor allem einen größeren Beitrag zur lokalen Versorgung und zur wirtschaftlichen Diversifizierung leisten. | |||
Auf dem niederländischen Teil der Insel ist die Landwirtschaft ebenfalls nur von geringer wirtschaftlicher Bedeutung. Die stark urbanisierte und touristisch geprägte Wirtschaft von Sint Maarten bietet nur begrenzte Flächen für Landwirtschaft und Viehzucht. Auch dort stammt der überwiegende Teil der Lebensmittel aus dem Ausland. Kleinere landwirtschaftliche und gärtnerische Tätigkeiten bestehen zwar weiterhin, sie haben jedoch keine mit dem Tourismus, Handel, Bauwesen oder den maritimen Dienstleistungen vergleichbare wirtschaftliche Bedeutung. | |||
Die | === '''Forstwirtschaft''' === | ||
Die natürlichen Wälder bestehen überwiegend aus Trockenwald, saisonal immergrünen und halblaubabwerfenden Gehölzgesellschaften sowie dornigen und teilweise sukkulenten Vegetationsformationen. Auf Sint Maarten werden als wichtige terrestrische Vegetationstypen unter anderem saisonal immergrüne Wälder, trockenheitsangepasste gemischte immergrün-laubabwerfende Dorngehölze, sukkulente Strauchvegetation und Küstengehölze unterschieden. | |||
Der | Historisch waren die Wälder durch die menschliche Nutzung stärker verbreitet als heute. Rodungen für Landwirtschaft, Weideland und Siedlungen veränderten die ursprüngliche Vegetation. Auch die Gewinnung von Brenn- und Bauholz führte zur Nutzung der natürlichen Gehölze. Der heutige Wald ist deshalb teilweise sekundär und unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung von der ursprünglichen Vegetation. Im Gebiet des Pic Paradis auf der französischen Seite dokumentierte die Naturschutzverwaltung beispielsweise sowohl erhaltene Waldgesellschaften als auch Flächen, auf denen die ursprüngliche Vegetation durch Rodung, Weidewirtschaft und menschliche Nutzung zurückgedrängt worden war. Die natürliche Regeneration verläuft dort zwar weiter, wird aber durch Trockenheit, Meeresgischt und menschliche Eingriffe begrenzt. | ||
Besonders bedeutend ist der Trockenwald. Die Réserve naturelle nationale de Saint-Martin zählt die Küsten-Trockenwälder zu den fünf wichtigsten geschützten Ökosystemen der Insel. Neben Korallenriffen, Seegraswiesen, Mangroven und Feuchtgebieten bilden sie einen wesentlichen Bestandteil des natürlichen Lebensraumes. Die Schutzgebiete bewahren damit nicht nur einzelne Baumarten, sondern ganze Wald- und Gehölzgesellschaften. | |||
Die | Zu den Waldgebieten mit besonders hoher Bedeutung gehört der Bereich des Pic Paradis. Das dortige Waldgebiet wird im Managementplan der Réserve naturelle als die am besten erhaltene und artenreichste Waldzone von Saint-Martin beschrieben. Die Vegetation besteht aus halblaubabwerfenden Waldgesellschaften mit unterschiedlichen Baum- und Straucharten. Nach den floristischen Untersuchungen wurden dort 171 Pflanzenarten festgestellt. Darunter befanden sich eine geschützte Art, 30 seltene oder gefährdete Pflanzenarten, zwölf auf den Antillen endemische Arten und eine Art, die auf die Kleinen Antillen beschränkt ist. Zu den dokumentierten Gehölzen gehören unter anderem Pisonia subcordata, Canella winterana, Morisonia americana, Margaritaria nobilis und Hymenaea courbaril. | ||
Auch der Mahagoni gehört zur historischen und natürlichen Gehölzflora der Insel. Im Gebiet des Pic Paradis wurde Swietenia mahagoni als seltene beziehungsweise gefährdete Pflanzenart erfasst. Weitere bemerkenswerte Gehölze sind Rochefortia acanthophora, Picrasma excelsa und verschiedene Arten, die an die trockenen Bedingungen der Insel angepasst sind. Die Erfassung dieser Arten ist vor allem für den Naturschutz von Bedeutung; eine wirtschaftliche Nutzung der Bestände als Nutzholz findet nicht in einem Umfang statt, der als Forstwirtschaft bezeichnet werden könnte. | |||
Die trockenen Klimabedingungen bestimmen die Form und Zusammensetzung der Wälder. Starke östliche Passatwinde und die relativ geringen Niederschläge führen zu einer Vegetation, die Wasserverluste begrenzen muss. Einige Pflanzen wachsen niedrig oder unregelmäßig und besitzen weitreichende Wurzelsysteme. In den trockeneren Bereichen treten neben Gehölzen auch Kakteen und dornige Sträucher auf. Zu den dokumentierten Arten gehören unter anderem Acacia tortuosa, Plumieria alba, verschiedene Opuntia-Arten sowie der gefährdete Kaktus Melocactus intortus. | |||
Die Wälder erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Sie stabilisieren Böden an Hängen, vermindern bei starken Niederschlägen den Oberflächenabfluss und tragen zur Verringerung der Bodenerosion bei. Gleichzeitig bilden sie Lebensräume für Vögel, Reptilien, Insekten und zahlreiche Pflanzenarten. Die Küstengehölze wirken zusätzlich als natürliche Barriere gegen Wind und tragen zur Stabilisierung von Sandflächen bei. Auf Sint Maarten wird diese Funktion der Küstenwälder und -gehölze ausdrücklich hervorgehoben, da ihre Wurzeln zur Stabilisierung des Sandes beitragen und dadurch die Küstenerosion vermindern. | |||
Ein besonderes Waldökosystem bilden die Mangroven. Sie gehören zwar nicht zur klassischen Forstwirtschaft, sind aber für die Vegetation und den Wasserhaushalt der Insel von großer Bedeutung. Die Mangroven der französischen Seite kommen vor allem im Bereich der Lagunen und Feuchtgebiete vor. Ihre Wurzelsysteme bieten Fischen und anderen Meerestieren Schutz und dienen zahlreichen Vogelarten als Lebensraum. Außerdem halten sie Sedimente zurück und bilden einen Übergangsbereich zwischen Land und Meer. In einigen der geschützten Feuchtgebiete wurde in den vergangenen Jahren sogar eine Zunahme der Mangrovenfläche festgestellt. | |||
Die Nutzung von Holz beschränkt sich heute überwiegend auf kleinere lokale Anwendungen. Holz wird für handwerkliche Arbeiten, Reparaturen, Möbel, Dekorationsgegenstände und gelegentlich für traditionelle Bauelemente verwendet. Eine regelmäßige industrielle Holzernte aus natürlichen Wäldern findet dagegen nicht statt. Der überwiegende Teil des auf der Insel verwendeten Bau- und Konstruktionsholzes wird importiert. Damit besteht auch keine ausgeprägte lokale Holzverarbeitungsindustrie, die auf eine heimische Forstwirtschaft angewiesen wäre. | |||
Die Naturschutzverwaltung konzentriert sich deshalb nicht auf die Bewirtschaftung von Wäldern zur Holzgewinnung, sondern auf deren Erhaltung und Regeneration. Die Réserve naturelle nationale de Saint-Martin schützt größere Bereiche des Trockenwaldes und der übrigen natürlichen Vegetation. Ein Beispiel für aktive Wiederherstellung ist die Pflanzung von 207 Bäumen an Grandes Cayes, bei der einheimische Arten wie Catalpa, Meertraube und Mandelbaum verwendet wurden. Solche Maßnahmen dienen der Wiederherstellung und Stabilisierung der Vegetation und nicht der späteren Holzproduktion. | |||
Auf Sint Maarten wird die Entfernung von Bäumen und anderer Vegetation ebenfalls zunehmend über naturschutzrechtliche und planerische Verfahren kontrolliert. Die 2026 veröffentlichten Verwaltungsregelungen sehen bei Anträgen auf Baumfällungen unter anderem eine Prüfung auf geschützte oder gefährdete Baumarten, die Lage in Schutzgebieten sowie mögliche Auswirkungen auf Biodiversität, Bodenerosion, Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt und Oberflächenabfluss vor. Damit wird die Beseitigung von Wald- und Gehölzflächen als Umweltfrage und nicht lediglich als private Grundstücksentscheidung behandelt. | |||
=== '''Fischerei''' === | |||
Auf der französischen Seite befindet sich die Fischerei derzeit in einem Prozess der institutionellen Neuordnung. Die französische Verwaltung und die Collectivité de Saint-Martin bereiten seit 2024 die Einrichtung eines eigenen territorialen Fischereiausschusses vor. Die Vorbereitungsphase wurde für den Zeitraum 2025 bis 2027 organisiert. Der zukünftige Ausschuss soll die Interessen der Berufsfischer vertreten und sich unter anderem mit der Regulierung der Fischerei, der Organisation des Sektors, der Erneuerung der Fischereiflotte, der Ausbildung und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beschäftigen. Bis zur endgültigen Einrichtung übernimmt die Chambre Consulaire Interprofessionnelle de Saint-Martin (CCISM) vorübergehend Aufgaben, die normalerweise von französischen regionalen oder departementalen Fischereikomitees wahrgenommen werden. | |||
In diesem Zusammenhang engagieren sich auch lokale Fischerorganisationen wie Swali für die Interessen der Fischer. Die Diskussion über einen eigenen territorialen Ausschuss zeigt, dass die Fischerei nicht nur als traditionelle Tätigkeit, sondern auch als eigenständiger Wirtschaftszweig mit besonderen administrativen und beruflichen Anforderungen betrachtet wird. Zu den Themen gehören insbesondere die Anpassung der Fischereivorschriften an die örtlichen Verhältnisse, die räumliche Abgrenzung der Fischereigebiete, die Modernisierung beziehungsweise Erneuerung der Boote, die berufliche Ausbildung und die Vertretung der Fischer gegenüber den Behörden. | |||
Die französischen Gewässer unterliegen dem französischen Seefischereirecht. Für Saint-Martin gelten besondere Bestimmungen des französischen Code rural et de la pêche maritime. Die entsprechenden Regelungen erstrecken sich auf die Hoheitsgewässer und die französische ausschließliche Wirtschaftszone vor der Insel. Für bestimmte Aufgaben der Fischereiverwaltung bestehen wegen des besonderen Status von Saint-Martin eigene organisatorische Regelungen. | |||
Die | |||
Besonders streng ist die Fischerei in der Réserve naturelle nationale de Saint-Martin geregelt. In ihrem Meeresbereich sind das Angeln mit der Rute, die Fischerei mit Netzen und Reusen, die Unterwasserjagd sowie das Sammeln lebender oder toter Tiere grundsätzlich verboten. Ausnahmen können unter genau festgelegten Bedingungen für bestimmte Formen des Köderfangs und für kleine pelagische Arten zugelassen werden. Auch die Fischerei in den zugehörigen Lagunen unterliegt einer besonderen behördlichen Regelung. | |||
Damit ist die Aussage, dass die gewerbliche Fischerei allgemein innerhalb der Schutzgebiete betrieben werde, nicht zutreffend. Gerade die Meeresbereiche der französischen Réserve naturelle dienen dem Schutz von Korallenriffen, Seegrasbeständen, Küstenlebensräumen und ihrer Tierwelt. Die Fischereiverbote werden kontrolliert. Die Verwaltung der Réserve meldete beispielsweise für 2023 insgesamt 204 Kontrollen auf See; dabei wurden 24 Verstöße festgestellt, darunter auch verbotene Fischereitätigkeiten. | |||
Auch das Sammeln bestimmter Meerestiere ist innerhalb der Reserve untersagt. Dies betrifft beispielsweise den Große Fechterschnecke genannten Lambi beziehungsweise die Königinnenmuschel, deren Fang in der Reserve verboten ist. Die Schutzmaßnahmen dienen nicht nur dem Erhalt einzelner Arten, sondern dem Schutz der gesamten marinen Lebensgemeinschaft. Die Reserve überwacht unter anderem Meeresschildkröten und verschiedene Fischarten und beschäftigt sich auch mit invasiven Arten wie dem Rotfeuerfisch Pterois volitans. | |||
Außerhalb der französischen Réserve naturelle ist die Fischerei ebenfalls nicht völlig frei. Für verschiedene Arten gelten Fangbeschränkungen beziehungsweise Fangverbote. Die Reserveverwaltung veröffentlicht dafür gesonderte Vorschriften für die Fischerei außerhalb ihrer Grenzen. Dadurch werden unter anderem bestimmte Arten und Größenklassen geschützt und die Nutzung der marinen Ressourcen reguliert. | |||
Die traditionelle Fischerei erfolgt überwiegend mit kleineren Booten und konzentriert sich auf die küstennahen und vorgelagerten Gewässer. Die Boote werden nicht nur für den Fang, sondern teilweise auch für andere maritime Tätigkeiten eingesetzt. Fanggeräte und Fangmethoden müssen den jeweils geltenden Vorschriften entsprechen. Die geringe Größe des lokalen Marktes, die starke Importabhängigkeit der Insel und die Konkurrenz durch andere Wirtschaftsbereiche begrenzen die wirtschaftliche Bedeutung der Fischerei. | |||
Neben der Berufsfischerei gibt es auf Saint-Martin und Sint Maarten eine ausgeprägte Freizeit- und Sportfischerei. Dazu gehören Küstenangeln, Bootsangeln und Hochseeangeln. Für den Fremdenverkehr werden organisierte Angelfahrten angeboten, bei denen Besucher mit Booten in küstenferne Gewässer fahren. Diese touristische Tätigkeit gehört allerdings zum Freizeit- und Dienstleistungssektor und ist von der lokalen Berufsfischerei zu unterscheiden. | |||
Die Fischerei steht außerdem in enger Verbindung mit dem Schutz der Korallenriffe und Seegraswiesen. Gerade diese Lebensräume sind für zahlreiche Fischarten wichtige Nahrungs-, Rückzugs- und Fortpflanzungsgebiete. Deshalb werden nicht nur Fangmengen und Fangmethoden reguliert, sondern auch andere maritime Aktivitäten. Innerhalb der französischen Réserve gelten beispielsweise genaue Vorschriften für das Ankern. Anker dürfen nicht auf Korallenformationen oder Seegrasfeldern eingesetzt werden; an mehreren Stellen stehen dafür Festmachersysteme und Bojen zur Verfügung. | |||
Die Kontrolle der Fischerei gehört zu den Aufgaben der Naturschutzverwaltung und der zuständigen staatlichen Stellen. Neben der Kontrolle von Fanggeräten und Fangtätigkeiten werden auch andere Verstöße gegen die Schutzbestimmungen verfolgt. Die Réserve führt regelmäßige Patrouillen auf See und an Land durch. Für kommerzielle maritime Tätigkeiten innerhalb des Schutzgebietes ist außerdem eine vorherige Genehmigung erforderlich. | |||
Auf der niederländischen Seite unterliegt die Fischerei den Regelungen von Sint Maarten und dem entsprechenden maritimen Verwaltungs- und Naturschutzsystem. Auch hier ist die Fischerei überwiegend kleinmaßstäblich. Die wirtschaftliche Bedeutung liegt deutlich unter jener des Tourismus, des Handels, der maritimen Dienstleistungen und der mit Yachten verbundenen Wirtschaft. Die Gewässer werden außerdem für Freizeitangeln, Sportfischen, Tauchen und andere touristische Aktivitäten genutzt. | |||
* 1. Januar - Neujahr | === '''Bergbau''' === | ||
* Mitte Februar - Aschermittwoch | Die Insel besteht überwiegend aus vulkanischen Gesteinen wie Basalten, Andesiten und Rhyolithen sowie aus jüngeren Kalkstein- und Küstensedimenten, doch bedeutende Lagerstätten metallischer Erze oder fossiler Energierohstoffe wurden nicht zu einem eigenständigen Bergbauzweig entwickelt. Die geologischen Untersuchungen der französischen Inselhälfte dienten unter anderem der Suche nach möglichen metallhaltigen Mineralvorkommen, vor allem aber der Erforschung der geologischen Entwicklung des Saint-Martin-Gebietes und des karibischen Inselbogens. | ||
* Ende März / Anfang April - Ostern | |||
* 1. Mai - Tag der Arbeit | Die wichtigste Form der Rohstoffgewinnung war und ist deshalb die Gewinnung von Gesteinen und mineralischen Baustoffen in Steinbrüchen. Von besonderer Bedeutung sind dabei die vulkanischen Gesteine der zentralen und östlichen Inselbereiche. Andesit und vulkanische Tuffe eignen sich nach ihrer Aufbereitung als gebrochene Gesteinskörnungen für Bauarbeiten und Straßenbau. Eine Untersuchung zur Nutzung von Natursteinen in den französischen Westindischen Inseln weist für Saint-Martin den Steinbruch Hope Hill als aktiven Abbauort aus. Dort wurden Andesit und vulkanische Tuffe gewonnen. Gleichzeitig wird ausdrücklich festgestellt, dass Saint-Martin im Gegensatz zu mehreren Gebieten Guadeloupes keine bedeutende Kalksteingewinnung besitzt. | ||
* 8. Mai - Tag des Sieges | |||
* Ende Mai / Anfang - Christi Himmelfahrt | Historisch spielte außerdem die Gewinnung von Sand und Kies eine Rolle. Die Sedimentablagerungen der Insel umfassen unter anderem Sand- und Kieslagen, die aus älteren Flussablagerungen stammen, sowie Küsten- und Lagunensedimente. Untersuchungen der Lagune von Grand-Case zeigen mehrere Meter mächtige Ablagerungen aus Sand und Kies, die teilweise auf ehemalige Flussläufe und teilweise auf küstennahe Ablagerungsprozesse zurückgehen. Diese natürlichen Vorkommen stellen grundsätzlich mineralische Baustoffressourcen dar, ihre Nutzung ist jedoch nicht mit einem großmaßstäblichen Bergbau vergleichbar. | ||
* Ende Mai / Anfang Juni - Pfingsten | |||
* 27. Mai - Abschaffung der Sklaverei | Auch in jüngerer Zeit bestanden auf dem französischen Inselteil Unternehmen, die sich mit der Gewinnung von Sand, Kies und anderen mineralischen Materialien beschäftigten. Das französische Unternehmensregister führt beispielsweise die Carrière de Grand Case mit einem Standort im Gebiet Espérance bei Grand Case. Als wirtschaftliche Tätigkeit ist die Gewinnung von Kies und Sand sowie die Gewinnung von Ton und Kaolin angegeben. Das Unternehmen wurde 2018 gegründet. Damit gehört die Gewinnung von Baurohstoffen weiterhin zum Spektrum der lokalen Rohstoffwirtschaft, allerdings in einer wesentlich kleineren Größenordnung als in klassischen Bergbauregionen. | ||
* 14. Juli - Tag des Sturmes auf die Bastille (nur im französischen Teil) | |||
* 15. August - Mariä Himmelfahrt | Eine größere Bedeutung hatte zeitweise der Steinbruchbetrieb im Raum Grand Case. Bereits in den 1990er Jahren bestanden dort vertraglich geregelte Nutzungsrechte an einem Steinbruch auf dem französischen Teil von Saint-Martin. Die Société des Carrières de Grande Case (SCGC) schloss 1995 einen Pachtvertrag für einen Steinbruch ab und vereinbarte gleichzeitig die Lieferung des gewonnenen Materials. Die entsprechenden Verträge wurden 1999 erweitert. 2004 kam es jedoch zu einer Beendigung beziehungsweise Nichtverlängerung dieser Vereinbarungen. Diese Entwicklung zeigt, dass die Gewinnung mineralischer Baustoffe auf Saint-Martin zeitweise eine wesentlich größere Rolle für die Versorgung des lokalen Bausektors spielte als heute. | ||
* 1. November - Allerheiligen | |||
Der Abbau steht in engem Zusammenhang mit dem starken Baubedarf der Insel. Da Saint-Martin nur über eine begrenzte Landfläche verfügt und gleichzeitig große Mengen an Baustoffen für Wohngebäude, Hotels, Straßen, Hafenanlagen und andere Infrastrukturen benötigt, haben lokal gewonnene Gesteinskörnungen grundsätzlich den Vorteil kurzer Transportwege. Der lokale Abbau kann dadurch einen Teil der sonst notwendigen Einfuhr schwerer mineralischer Baustoffe ersetzen. Gleichzeitig ist die verfügbare Fläche für Steinbrüche begrenzt, und die Gewinnung von Gestein verändert die Landschaft unmittelbar durch Abbauflächen, Böschungen, Zufahrtswege und Aufbereitungsanlagen. | |||
=== '''Handwerk''' === | |||
Das Handwerk auf Saint-Martin und Sint Maarten entwickelte sich aus den unterschiedlichen Lebensbedingungen und kulturellen Einflüssen der Insel. Für die Zeit vor der europäischen Kolonisierung sind archäologisch unter anderem Keramik, Werkzeuge und Gegenstände aus natürlichen Materialien nachgewiesen. Die vorkolonialen Bevölkerungen nutzten die vorhandenen Rohstoffe für Gefäße, Geräte, Behälter und andere Gegenstände des täglichen Lebens. Eine direkte, lückenlose Zuordnung einzelner heute praktizierter Handwerkstechniken zu den Arawak- oder Kalinago-Gesellschaften lässt sich für Saint-Martin allerdings nicht herstellen. | |||
Mit der europäischen Besiedlung ab dem 17. Jahrhundert kamen französische, niederländische und afrikanische handwerkliche Traditionen hinzu. Die Landwirtschaft, Salzgewinnung, Fischerei, Viehzucht und der Handel erzeugten einen Bedarf an Werkzeugen, Behältern, Textilien, Holzgegenständen und anderen Gebrauchsgegenständen. Während der Kolonial- und Plantagenzeit wurden zahlreiche Arbeiten von versklavten Afrikanern und ihren Nachkommen ausgeführt. Dazu gehörten unter anderem Tätigkeiten in der Landwirtschaft und Verarbeitung von Nahrungsmitteln sowie textile und häusliche Arbeiten. Die handwerkliche Produktion war überwiegend auf den unmittelbaren Bedarf der Bevölkerung ausgerichtet und nicht auf eine großindustrielle Herstellung. | |||
Auf Sint Maarten ist die sogenannte Cottage Industry, also eine häusliche beziehungsweise familienbasierte Kleinproduktion, ausdrücklich als Bestandteil der Inselgeschichte dokumentiert. Zu ihren traditionellen Tätigkeiten gehörten Backen, Korbflechten, Nähen, Spinnen, Weben, Sticken, Häkeln, Patchwork und verschiedene Formen der Handarbeit. Diese Arbeiten wurden innerhalb von Familien ausgeführt, wobei vorhandene Geräte und Materialien genutzt wurden. Die Erzeugnisse wurden auf lokalen Märkten verkauft oder gegen andere Waren getauscht. Damit hatte das Handwerk neben seiner wirtschaftlichen auch eine wichtige Funktion für die Versorgung der Bevölkerung. | |||
Die handwerklichen Traditionen wurden im 20. Jahrhundert durch neue Materialien, Werkzeuge und importierte Waren verändert. Viele Gebrauchsgegenstände, die früher lokal hergestellt wurden, konnten nun wesentlich günstiger importiert werden. Dadurch verlor die traditionelle häusliche Produktion an Bedeutung. Gleichzeitig entstanden neue Formen des Kunsthandwerks, die stärker auf den lokalen Markt, auf kulturelle Veranstaltungen und auf den Fremdenverkehr ausgerichtet sind. | |||
Heute umfasst das Handwerk auf beiden Teilen der Insel eine große Bandbreite kleiner Werkstätten und einzelner Produzenten. Dazu gehören Holzarbeiten, textile Arbeiten, Näherei, Schmuckherstellung, dekorative Gegenstände, Malerei, Keramik und verschiedene Souvenirprodukte. Verwendet werden unter anderem Holz, Stoffe, Muscheln, Samen, Perlen, Kokosmaterialien und andere natürliche oder wiederverwendete Materialien. Ein Teil der Produktion verbindet traditionelle Formen mit modernen Gestaltungstechniken. Die Regierung von Sint Maarten führt traditionelles Handwerk ausdrücklich als einen Bereich des immateriellen Kulturerbes und berücksichtigt es in der staatlichen Erfassung und Bewahrung des kulturellen Erbes. | |||
Eine besondere Rolle spielt die textile Handarbeit. Historische Kleidungsstücke und Patchworkarbeiten gehören zum überlieferten kulturellen Repertoire der Insel. Auch moderne Designer greifen auf Stoffe, farbenreiche Muster und Motive zurück, die mit Saint-Martin und Sint Maarten verbunden sind. Daneben werden handgefertigte Schmuckstücke und kleinere Kunstgegenstände hergestellt. Bei den verwendeten Materialien spielen Muscheln, Samen und andere pflanzliche Materialien eine Rolle. Ein Teil dieser Produkte wird ausdrücklich als lokal hergestelltes Kunsthandwerk vermarktet. | |||
Auch die Holzverarbeitung gehört weiterhin zum handwerklichen Spektrum. Sie reicht von einfachen Gebrauchs- und Dekorationsgegenständen bis zu individuell gestalteten Kunstwerken. Daneben gibt es kleinere Werkstätten für Möbel, Innenausstattung und Reparaturarbeiten. Das Handwerk steht dabei teilweise in Verbindung mit anderen Wirtschaftsbereichen wie Bauwirtschaft, Gastronomie, Tourismus und Schifffahrt. Insbesondere Wartungs-, Reparatur- und Ausstattungsarbeiten für Boote und Yachten gehören zu den technisch-handwerklichen Tätigkeiten der Insel, auch wenn sie wirtschaftlich teilweise dem maritimen Dienstleistungssektor zugerechnet werden. | |||
Ein wichtiges Feld bildet das kulinarische Handwerk. Die Herstellung lokaler Lebensmittel und Getränke verbindet landwirtschaftliche Erzeugnisse mit überlieferten Rezepten. Besonders bekannt ist der aus der Guavaberry-Frucht hergestellte Likör. Die Frucht wird auf der Insel gesammelt und mit Rum verarbeitet; das Getränk hat eine lange lokale Tradition und wird heute von mehreren Produzenten hergestellt. In Philipsburg befindet sich mit dem Guavaberry Emporium ein auf diese Tradition spezialisiertes Geschäft in einem historischen Gebäude an der Front Street. | |||
Auch Backwaren und Süßspeisen gehören zum kulinarischen Handwerk. Auf den Märkten werden unter anderem Guaven- und Kokostörtchen sowie aus Kokos und Zucker hergestellte Süßwaren angeboten. Der Marigot Market ist dabei ein wichtiger Verkaufsort für lokale Lebensmittel, Gewürze, handgefertigte Waren und andere Erzeugnisse kleiner Produzenten. | |||
Das Kunsthandwerk ist besonders eng mit dem Fremdenverkehr verbunden. In Marigot werden auf dem Markt neben landwirtschaftlichen Produkten und Lebensmitteln auch handgefertigte Waren und Souvenirs angeboten. Auf der niederländischen Seite konzentrieren sich entsprechende Verkaufsstellen unter anderem auf Philipsburg und die touristisch stark frequentierten Gebiete. Die Produkte reichen von Schmuck und dekorativen Gegenständen bis zu Bildern, Textilien und individuell gestalteten Inselmotiven. | |||
Eine aktuelle Verbindung von Handwerk und Kulturpflege zeigt sich auch bei den europäischen Kulturerbetagen 2026 auf der französischen Seite. Zum Programm gehörten unter anderem eine Guavaberry-Fabrik, das Heritage Village in Colombier und Workshops zur traditionellen Nähkunst. Damit wird das Handwerk nicht nur als touristisches Verkaufsprodukt, sondern auch als Bestandteil des kulturellen Erbes der Insel vermittelt. | |||
Auf Sint Maarten verfolgt das Department of Culture ausdrücklich das Ziel, das materielle und immaterielle Kulturerbe zu bewahren und gleichzeitig die Creative Industries als Bestandteil der wirtschaftlichen Entwicklung auszubauen. Traditionelles Handwerk wird dabei gemeinsam mit mündlichen Traditionen, darstellenden Künsten, Festen und überliefertem Wissen erfasst. Die handwerkliche Tätigkeit ist überwiegend kleinbetrieblich und individuell organisiert. Neben traditionellen Techniken werden moderne Werkstoffe und Gestaltungsmethoden eingesetzt. Dadurch entstand eine Mischung aus überlieferten Handarbeiten, moderner Kunstproduktion und touristisch orientiertem Kunsthandwerk. | |||
=== '''Industrie''' === | |||
Im französischen Saint-Martin ist die Wirtschaftsstruktur stark tertiär geprägt. Ende 2024 entfielen 85 % der privaten Beschäftigung auf den Dienstleistungssektor. Industrie und produzierendes Gewerbe besitzen deshalb eine deutlich geringere Bedeutung als Handel, Tourismus, Gastronomie, Verkehr, Immobilien und sonstige Dienstleistungen. Die industrielle Tätigkeit konzentriert sich vor allem auf kleinere Betriebe, die für den lokalen Markt oder für die Versorgung des Tourismus arbeiten. | |||
Zu den lokalen Produktionsbereichen gehören unter anderem die Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln, Getränkeproduktion, kleinere Betriebe der Möbel- und Innenausstattungsherstellung, Druckereien, Metallverarbeitung sowie verschiedene handwerklich-industrielle Tätigkeiten. Eine besondere Bedeutung besitzen außerdem Bau- und Reparaturbetriebe, die zwar statistisch teilweise dem Baugewerbe oder den Dienstleistungen zugerechnet werden, für die lokale Produktionsstruktur aber wichtig sind. | |||
Ein bedeutender Bereich des verarbeitenden Gewerbes auf der französischen Seite ist die Verarbeitung und Herstellung von Lebensmitteln und Getränken. Wegen der geringen landwirtschaftlichen Produktion stammen die meisten Ausgangsprodukte allerdings aus Importen. Eine große industrielle Agrar- oder Lebensmittelproduktion wie auf größeren Karibikinseln existiert nicht. Auch die Rumherstellung besitzt auf Saint-Martin nicht die gleiche industrielle Bedeutung wie beispielsweise auf Guadeloupe oder Martinique, da dort umfangreichere Zuckerrohrproduktion und größere Destillerien vorhanden sind. Rum und andere alkoholische Getränke werden auf Saint-Martin vor allem im Zusammenhang mit Handel, Gastronomie und Tourismus vertrieben. | |||
Die maritime Wirtschaft stellt einen weiteren wichtigen Bereich dar. In den Häfen und insbesondere im Umfeld von Marigot und Galisbay gibt es Betriebe für Wartung, Reparatur, Metallarbeiten, Motoren, Elektrik und andere technische Dienstleistungen. Auf der niederländischen Seite ist die Reparatur und Wartung von Yachten besonders bedeutend. Die Simpson Bay Lagoon und der Hafen von Philipsburg werden von zahlreichen Yachten und größeren Schiffen genutzt. Die CBCS führt die Entwicklung des Schiff- und Yachtservice ausdrücklich als einen Faktor für das Wachstum des Sektors Landwirtschaft, Fischerei, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe an. 2024 stieg die reale Wertschöpfung dieser zusammengefassten Kategorie auf Sint Maarten um 8,7 %, wobei insbesondere die höhere Zahl von Yachten und Megayachten die Reparatur- und Wartungsaktivitäten unterstützte. | |||
Auf Sint Maarten ist die industrielle Basis ebenfalls begrenzt. Die aktuelle Statistik der Centrale Bank van Curaçao en Sint Maarten weist Landwirtschaft, Fischerei, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe gemeinsam aus. Diese zusammengefasste Gruppe erreichte 2024 einen Anteil von 8,7 % an der realen Wertschöpfung und wuchs gegenüber dem Vorjahr. Der Wert darf deshalb nicht mit einem reinen Industrieanteil gleichgesetzt werden, weil Landwirtschaft, Fischerei und Bergbau darin ebenfalls enthalten sind. | |||
Die wichtigsten industriellen und produktionsnahen Tätigkeiten auf Sint Maarten stehen mit dem lokalen Bau- und Dienstleistungssektor, dem Hafen, dem Yachtsektor und der Versorgung der Bevölkerung und des Tourismus in Verbindung. Dazu gehören die Verarbeitung von Lebensmitteln, Getränkeherstellung, kleinere Fertigungsbetriebe, Metall- und Holzarbeiten, technische Reparaturen, Fahrzeugwartung sowie die Wartung von Schiffen und Yachten. Wegen des großen internationalen Yachtverkehrs besitzt insbesondere die maritime Reparaturwirtschaft eine Bedeutung, die über die Größe der eigentlichen Produktionsbetriebe hinausgeht. | |||
Auch die Luftfahrt ist für die Wirtschaft von Sint Maarten wichtig, gehört jedoch nicht im engeren statistischen Sinn zur Industrie. Die Fluggesellschaft Winair hat ihren Sitz in Sint Maarten und verbindet die Insel mit zahlreichen Zielen in der östlichen Karibik. Der Flughafen Princess Juliana International Airport bildet zusammen mit dem Hafen einen zentralen Teil der Verkehrs- und Tourismusinfrastruktur. Luftverkehr und Luftfahrtunternehmen sind daher wichtige Bestandteile der lokalen Wirtschaft, sollten aber von der eigentlichen verarbeitenden Industrie getrennt betrachtet werden. | |||
Die industrielle Entwicklung wird durch die hohe Importabhängigkeit begrenzt. Maschinen, technische Anlagen, Treibstoffe, viele Lebensmittel, Verpackungen, Rohstoffe, Ersatzteile und zahlreiche Konsumgüter müssen eingeführt werden. Dadurch entstehen zusätzliche Transport- und Lagerkosten. Gleichzeitig ist der lokale Markt wegen der begrenzten Bevölkerungszahl relativ klein. Für eine umfangreiche Produktion mit hohen Stückzahlen fehlen deshalb sowohl die erforderlichen Rohstoffmengen als auch ein entsprechend großer Absatzmarkt. | |||
Eine Ausnahme bildet die Produktion beziehungsweise Aufbereitung von Waren für den unmittelbaren lokalen Bedarf. Kleinere Betriebe können dort wirtschaftlich arbeiten, wo kurze Lieferwege, individuelle Fertigung oder schnelle Reparaturen einen Vorteil gegenüber importierten Fertigprodukten darstellen. Dazu gehören beispielsweise Metallarbeiten, Schreinerarbeiten, Möbel, technische Installationen, Fahrzeugreparaturen, Schiffswartung und verschiedene Lebensmittel- und Getränkeprodukte. | |||
Der Hurrikan Irma vom September 2017 hatte erhebliche Auswirkungen auf die Industrie und die produktionsnahen Betriebe. Produktionsgebäude, Werkstätten, Lager, Fahrzeuge, Maschinen, Hafenanlagen und Versorgungseinrichtungen wurden beschädigt oder zerstört. Gleichzeitig unterbrach der Sturm Verkehrswege und Lieferketten. Die anschließende Wiederherstellung erzeugte eine zusätzliche Nachfrage nach Bauleistungen, Reparaturen, Baumaterialien, Transport und technischen Dienstleistungen. Die wirtschaftliche Erholung wurde später durch die COVID-19-Pandemie erneut gebremst. | |||
Seit 2022 beziehungsweise 2023 hat sich die Wirtschaft beider Inselteile wieder deutlich erholt. Auf der französischen Seite setzte sich die Erholung 2024 fort, blieb jedoch stark vom Tourismus abhängig. Der IEDOM bezeichnet die wirtschaftliche Erholung weiterhin als fragil. Auf Sint Maarten wuchs das reale BIP 2024 um 3,0 %, wobei insbesondere Bauwirtschaft, Beherbergung und Gastronomie, Verkehr sowie der mit Yachten verbundene Produktions- und Reparaturbereich zum Wachstum beitrugen. | |||
=== '''Wasserwirtschaft''' === | |||
Beide Inselteile verfügen über eigene Systeme der Trinkwassergewinnung und -verteilung. Eine vollständige gemeinsame Wasserversorgung besteht nicht, allerdings wird eine technische Verbindung der Netze zwischen Saint-Martin und Sint Maarten seit mehreren Jahren untersucht. | |||
Im französischen Saint-Martin gibt es keine nutzbare natürliche Süßwasserquelle von ausreichender Bedeutung für die öffentliche Trinkwasserversorgung. Die einzige Ressource für die öffentliche Trinkwasserproduktion ist Meerwasser. Es wird durch Umkehrosmose entsalzt. Die erste entsprechende Anlage wurde 2006 in Betrieb genommen und befindet sich im Bereich Marigot beziehungsweise Galisbay. Die öffentliche Wasserwirtschaft liegt bei der Collectivité de Saint-Martin; für die technische Organisation und Kontrolle ist das Établissement des Eaux et de l’Assainissement de Saint-Martin (EEASM) zuständig. Die eigentliche Produktion, Verteilung und Abwasserentsorgung wurde im Rahmen eines zehnjährigen Vertrags, der 2018 abgeschlossen wurde und bis 2028 läuft, an SAUR delegiert. | |||
Die Entsalzungsanlage von Galisbay hat derzeit eine maximale Produktionskapazität von rund 9.000 m³ Trinkwasser pro Tag. Diese Kapazität reicht angesichts des Bevölkerungs- und Tourismuswachstums zunehmend nicht mehr aus. Hinzu kommt, dass noch nicht alle größeren Einrichtungen an das öffentliche Netz angeschlossen sind. Deshalb befindet sich eine zusätzliche Entsalzungsanlage im Bau, mit der die verfügbare Produktionskapazität um etwa 40 bis 50 % erhöht werden soll. Damit soll insbesondere der steigende Wasserbedarf durch Hotels, touristische Einrichtungen und die wachsende Zahl von Besuchern gedeckt werden. | |||
Die Trinkwasserversorgung ist außerdem auf Speicheranlagen und ein ausgedehntes Leitungsnetz angewiesen. Bereits ältere Untersuchungen zeigten erhebliche Verluste durch undichte oder technisch veraltete Leitungen. Deshalb wurden Investitionen in die Erneuerung des Leitungsnetzes, die Druckregelung, die Unterteilung des Netzes in einzelne Versorgungssektoren und zusätzliche Speicher vorgenommen. Die von dir genannten 10,5 Millionen Euro beziehen sich auf ein älteres Investitionsprogramm des Entwicklungsvertrags 2014–2020 und nicht auf die gesamten heutigen Investitionen. Diese Mittel waren insbesondere für die Verbesserung des Trinkwassernetzes und die Verringerung der Leitungsverluste vorgesehen. | |||
Die Wasserqualität wird regelmäßig kontrolliert. Dabei erfolgt eine doppelte Überwachung: Der Betreiber führt eine Eigenkontrolle durch, während die zuständigen Gesundheitsbehörden über die Agence régionale de santé (ARS) de Guadeloupe die gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen vornehmen. Die Ergebnisse werden regelmäßig ausgewertet und veröffentlicht. EEASM ist daneben für die Überwachung der öffentlichen Wasser- und Abwasserdienstleistungen, die Planung von Investitionen und die technische Kontrolle der Anlagen zuständig. | |||
Besonders deutlich wurde die Bedeutung der Wasserinfrastruktur nach dem Hurrikan Irma im September 2017. Die Entsalzungsanlage von Galisbay wurde schwer beschädigt, wodurch die reguläre Versorgung mit Leitungswasser unterbrochen wurde. Nach dem Sturm mussten deshalb Wasserverteilung und technische Infrastruktur provisorisch wiederhergestellt werden. Die Wiederherstellung der Entsalzungsanlage und der Kläranlagen kostete insgesamt etwa 4,5 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgte zu 51 % durch den französischen Staat, zu 30 % durch die damalige Agence française pour la biodiversité und zu 20 % durch EEASM. | |||
Die Erfahrungen mit Irma führten zu einer stärkeren Ausrichtung auf die Widerstandsfähigkeit der Wasserversorgung. Dazu gehören die Sicherung der Stromversorgung kritischer Wasseranlagen, die Verbesserung der Speicher- und Verteilungsinfrastruktur sowie die Möglichkeit, bei Ausfällen vorübergehend Wasser an die Bevölkerung zu verteilen. Während der unmittelbaren Krisenphase nach Irma wurden außerdem Wasser und Lebensmittel an mehreren Stellen der Insel ausgegeben. Die Wiederherstellung der Wasserleitungen musste zunächst durch technische Kontrollen abgesichert werden, bevor die einzelnen Versorgungsbereiche wieder in Betrieb genommen werden konnten. | |||
Eine Besonderheit ist die geplante beziehungsweise untersuchte Verbindung zwischen den Wasserleitungen beider Inselteile. Eine solche Verbindung wäre technisch grundsätzlich möglich. Ein französischer Erlass vom 13. Juni 2023 schuf außerdem grundsätzlich die Möglichkeit, Wasser aus dem Netz von Sint Maarten zu importieren. Eine tatsächliche dauerhafte Verbindung wurde jedoch bislang nicht umgesetzt. Gründe sind insbesondere unterschiedliche gesundheitliche und rechtliche Anforderungen. Das auf Sint Maarten produzierte Wasser kann nach den französischen Vorschriften nicht ohne weitere Prüfung als für den menschlichen Verbrauch geeignet anerkannt werden. Hinzu kommen Fragen der Zuständigkeit zwischen französischem Staat und Collectivité de Saint-Martin. | |||
Auf Sint Maarten ist die Wasserversorgung ebenfalls von der begrenzten Verfügbarkeit natürlicher Süßwasserressourcen geprägt. Die Trinkwasserversorgung ist dort eng mit der Energieversorgung und der Entsalzung beziehungsweise Aufbereitung verbunden. Für die langfristige Versorgungssicherheit spielen deshalb sowohl ausreichende Produktionskapazitäten als auch eine stabile Stromversorgung eine wichtige Rolle. Die getrennten Strom- und Wassersysteme der beiden Inselteile machen eine gegenseitige Versorgung bei technischen Ausfällen komplizierter. | |||
Besonders problematisch ist auf Sint Maarten die Abwasserwirtschaft. Das öffentliche Kanalisationsnetz erreicht nur einen kleinen Teil der Grundstücke. Nach Angaben des National Recovery Program Bureau sind weniger als 11 % der Grundstücke an das öffentliche Abwassersystem angeschlossen; dies entspricht ungefähr 2.000 Grundstücken. Ein Großteil der Haushalte und Gebäude verfügt deshalb über individuelle Klärgruben. Das einzige zentrale biologische Klärwerk befindet sich an der A. Th. Illidge Road. Es wurde ursprünglich 1992 errichtet und 2013 erweitert. | |||
Mit dem Sint Maarten Wastewater Management Project wird dieses System erweitert. Das Programm verfügt über ein Investitionsvolumen von 25 Millionen US-Dollar, davon 15 Millionen US-Dollar aus Mitteln der Regierung von Sint Maarten und 10 Millionen US-Dollar aus dem Sint Maarten Trust Fund. Vorgesehen sind insbesondere die Erweiterung des Kanalnetzes im Gebiet Cul-de-Sac sowie die Verbesserung und Modernisierung der Kläranlage an der A. Th. Illidge Road. Ziel ist es, weitere Haushalte an die öffentliche Kanalisation anzuschließen und die Abwasserbehandlung zuverlässiger zu machen. | |||
Auch das Regenwassermanagement ist für die Insel von großer Bedeutung. Aufgrund der kurzen, steilen Einzugsgebiete können starke tropische Niederschläge innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen erzeugen. Besonders die dicht besiedelten Bereiche von Marigot sind dadurch hochwassergefährdet. Der Schéma Directeur des Eaux Pluviales von Marigot aus dem Jahr 2024 wurde deshalb in den Plan d’Actions de Prévention contre les Inondations 2024–2026 aufgenommen. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche hydraulische Bauwerke und eine Umleitung eines Teils des Regenwassers in Richtung des Kanals von Galisbay. | |||
=== '''Energiewirtschaft''' === | |||
Die Energiewirtschaft von Saint-Martin ist wegen der politischen Teilung der Insel in zwei voneinander unabhängige Stromsysteme gegliedert. Der französische Teil und Sint Maarten besitzen jeweils ein eigenes Stromnetz und eigene Erzeugungsanlagen; zwischen beiden Netzen besteht keine elektrische Verbindung. Damit kann Strom aus dem einen Inselteil nicht über eine gemeinsame Netzverbindung in den anderen übertragen werden. Beide Systeme sind außerdem weitgehend von importierten fossilen Brennstoffen abhängig. | |||
Im französischen Saint-Martin wird das Stromnetz von EDF SEI betrieben. Das einzige größere Kraftwerk befindet sich nördlich von Marigot in der Nähe des Hafens von Galisbay. Die Anlage besteht aus drei Erzeugungseinheiten mit einer installierten Leistung von 16,4 MW, 14,1 MW und 26,1 MW, zusammen also rund 56,6 MW. Die tatsächliche Spitzenlast des französischen Inselteils liegt bei etwa 30 MW. | |||
Die drei Kraftwerksblöcke sind thermische Erzeugungsanlagen. Einheit 2 wurde 2025 von Albioma übernommen und wird weiterhin von EDF SEI betrieben. Die Anlage stammt aus dem Jahr 2003 und wird derzeit mit leichtem Heizöl betrieben. Albioma plant ihre Umstellung auf flüssige Biomasse. Für Einheit 1 ist außerdem ein Ersatz durch ein neues Biomassekraftwerk mit 15 MW vorgesehen. Auch Einheit 3 soll auf flüssige Biomasse umgestellt werden. Die französische Mehrjahresplanung für Energie sieht zusätzlich den Aufbau von Batteriespeichern vor, zunächst mit 10 MWh bis 2028 und insgesamt 50 MWh bis 2033. | |||
Die Versorgungslage auf der französischen Seite war in den vergangenen Jahren angespannt. Seit September 2024 führten technische Probleme an den Kraftwerksblöcken zu Schwierigkeiten bei der Stromproduktion. Im Juni 2025 berichteten EDF, der französische Staat und die Collectivité de Saint-Martin über technische Ausfälle beziehungsweise die Schwächung einzelner Kraftwerksmotoren und gleichzeitig über einen Anstieg des Stromverbrauchs. Auch 2026 blieb die technische Erneuerung der Erzeugungsanlagen ein Thema. Im Juli 2026 wurde ein Projekt zum Bau eines Kraftwerks für flüssige Biomasse einer Umweltprüfung unterzogen. | |||
Erneuerbare Energien spielen auf der französischen Seite bislang nur eine begrenzte Rolle. Photovoltaikanlagen sind vorhanden, stellen aber noch keinen wesentlichen Teil der gesamten Stromversorgung dar. Der Ausbau erneuerbarer Energien muss mit der begrenzten Fläche, den Anforderungen des Inselnetzes und der Notwendigkeit regelbarer Erzeugung beziehungsweise von Speichern abgestimmt werden. Die französische Energieplanung sieht deshalb neben Biomasse auch zusätzliche Speicherkapazitäten vor. | |||
Auf Sint Maarten wird die Stromversorgung von NV GEBE betrieben. Das Kraftwerk verfügt über eine installierte Leistung von etwa 97,3 MW und arbeitet überwiegend mit fossilen Brennstoffen, insbesondere schwerem Heizöl. 2023 lag die Spitzenlast bei ungefähr 55 MW. Ein erheblicher Teil der Erzeugungsanlagen ist technisch alt. Nach einer TNO-Untersuchung waren 2023 fünf der zwölf Generatoren bereits mehr als 25 Jahre alt. Die wachsende Nachfrage stellt deshalb sowohl die Erzeugungskapazität als auch die Zuverlässigkeit des Netzes vor Herausforderungen. | |||
Die Abhängigkeit von importierten Brennstoffen wirkt sich unmittelbar auf die Strompreise aus. GEBE verwendet eine Fuel Clause, über die die tatsächlichen Brennstoffkosten monatlich in die Stromrechnung einfließen. Sint Maarten ist deshalb unmittelbar von den internationalen Preisen für die zur Stromerzeugung verwendeten Brennstoffe abhängig. | |||
=== '''Abfallwirtschaft''' === | |||
Auf der französischen Seite liegt die Zuständigkeit bei der Collectivité de Saint-Martin, während auf der niederländischen Seite das Ministerium für Public Housing, Spatial Planning, Environment and Infrastructure (VROMI) beziehungsweise dessen Infrastructure Management Department für die öffentliche Abfall- und Deponiewirtschaft zuständig ist. Das Department übernimmt unter anderem die Organisation der Müllsammlung, die Bewirtschaftung der Deponie sowie die Verarbeitung von festen und flüssigen Abfällen. | |||
Im französischen Teil wird die Abfallwirtschaft wesentlich von Verde SXM betrieben. Das Unternehmen betreibt den Écosite des Grandes Cayes bei Cul-de-Sac und ist für die Abfallbehandlung und Verwertung zuständig. Die dortige Installation de Stockage des Déchets Non Dangereux (ISDND) gehört der Collectivité de Saint-Martin und wird von Verde SXM betrieben. Neben der Ablagerung nicht weiter verwertbarer Abfälle umfasst der Standort verschiedene Anlagen zur Sortierung, Aufbereitung und Verwertung. Verde SXM verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Abfallwirtschaft auf Saint-Martin. | |||
Die Abfallbehandlung auf der französischen Seite folgt dem Prinzip der Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Wiederverwertung und anschließenden Behandlung der verbleibenden Reststoffe. Glas wird beispielsweise auf dem Écosite zerkleinert und zu Glasgranulat und Glassand verarbeitet. Grüngut wird zusammen mit Klärschlamm kompostiert. Kartonagen und Haushaltsverpackungen werden sortiert, gepresst und teilweise zur weiteren Verwertung nach Guadeloupe transportiert. Metalle werden gesammelt, verdichtet und zu internationalen Recyclingmärkten ausgeführt. Elektro- und Elektronikaltgeräte werden ebenfalls sortiert und über spezialisierte Recyclingwege, unter anderem in Guadeloupe, weiterbehandelt. Altöle, Batterien, Leuchtmittel, Möbel und andere getrennt erfasste Stoffströme werden jeweils spezialisierten Verwertungssystemen zugeführt. Auch Altfahrzeuge werden auf dem Écosite angenommen, entgiftet und zerlegt. | |||
Die verbleibenden nicht verwertbaren Abfälle werden in der ISDND der Grandes Cayes abgelagert. Dieses System stößt inzwischen an seine räumlichen Grenzen. Im Juli 2026 erreichte das damals betriebene Lagerfeld Nummer 10 seine maximale Kapazität. Die ISDND wurde daraufhin ab dem 10. Juli 2026 für die Annahme von Abfällen zur Ablagerung geschlossen, weil die vorhandene Lagerzelle gesättigt war und zu diesem Zeitpunkt noch keine neue präfektorale Genehmigung für die weitere Ablagerung vorlag. Die Collectivité schrieb im Juli 2026 gleichzeitig eine neue Ausschreibung für den Betrieb der ISDND und damit verbundene Leistungen aus. | |||
Die Situation hat damit inzwischen eine andere Dimension als die bloße Feststellung, dass die Deponie bald ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Im September 2026 wurden am Écosite zusätzlich bestimmte Annahme- und Verwertungsleistungen eingestellt. Seit dem 29. September 2026 werden nach Angaben von Verde SXM unter anderem Grüngut, Haushaltsverpackungen aus den getrennten Wertstoffsammlungen wie Karton, Kunststoff und Glas sowie Klärschlämme nicht mehr angenommen, weil der betreffende Vertrag ausgelaufen und nicht verlängert worden sei. Für eine dauerhafte Abfallwirtschaft ist deshalb nicht nur die Erweiterung der Ablagerungskapazität, sondern auch die rechtliche und vertragliche Sicherung der einzelnen Verwertungswege entscheidend. | |||
Zur Verringerung der Deponiemengen verfolgt Verde SXM außerdem das sogenannte Projet PI. Dabei sollen nicht recycelbare Reststoffe sortiert, zerkleinert und zu festen Sekundärbrennstoffen beziehungsweise Combustibles Solides de Récupération (CSR) aufbereitet werden. Nach dem von Verde SXM beschriebenen Konzept sollen diese Brennstoffe anschließend energetisch verwertet und zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Das Projekt ist als Ergänzung zu den bestehenden Recyclinganlagen konzipiert und soll insbesondere die Menge der dauerhaft abzulagernden Reststoffe verringern. Verde SXM nennt als Ziel des aktuellen PI-Konzepts eine energetische Verwertung von Reststoffen und eine lokale Stromproduktion. | |||
Auch die Folgen von Hurrikan Irma im September 2017 beeinflussen die Abfallwirtschaft bis heute. Die Katastrophe erzeugte große Mengen an Bauabfällen, beschädigten Fahrzeugen, Möbeln, Holz, Metall, organischem Material und anderen Reststoffen. Der Umgang mit diesen Abfällen erforderte besondere Sammel-, Sortier-, Transport- und Ablagerungsmaßnahmen. Auf der französischen Seite wurden verschiedene Stoffgruppen zur Verwertung getrennt und über bestehende beziehungsweise eigens organisierte Recyclingwege abgeführt. Die Begrenzung der Deponiekapazität macht die langfristige Verarbeitung solcher großen einmaligen Abfallmengen besonders problematisch. | |||
Auf der niederländischen Seite befindet sich die zentrale Deponie auf Pond Island bei Philipsburg. Dort werden beziehungsweise wurden Haushalts- und Gewerbeabfälle abgelagert. Die Deponie ist seit Jahren ein Schwerpunkt der Umwelt- und Infrastrukturpolitik, da die verfügbare Fläche begrenzt ist und die Ablagerung großer Mengen Restmüll langfristige Probleme verursacht. Die Regierung und das National Recovery Program Bureau (NRPB) arbeiten deshalb im Rahmen des Emergency Debris Management Project (EDMP) an der Neuordnung und langfristigen Schließung beziehungsweise Nachsorge des Deponiestandortes. Zu den Maßnahmen gehören die Neuprofilierung und teilweise Schließung der Hauptdeponie sowie der sogenannten Irma-Deponie. | |||
Ein wichtiger Bestandteil der Modernisierung ist die genaue Erfassung der angelieferten Abfallmengen. 2025 wurde deshalb eine neue Fahrzeugwaage an der Hauptdeponie installiert. Die elektronische Waage erfasst das Gewicht beziehungsweise Volumen der angelieferten Abfälle und soll eine genauere Datengrundlage für die Planung und Kontrolle der Abfallwirtschaft schaffen. Im Dezember 2025 wurden die Mitarbeiter für den Betrieb des Systems geschult. | |||
Seit 2025 wird auf Sint Maarten außerdem eine Deponiegebühr erhoben. Für eine Ablagerung auf der Deponie wurde eine Gebühr von 10 Caribbean-Gulden eingeführt, wobei bestimmte Ausnahmen bestehen. Die Maßnahme soll die tatsächlichen Kosten der Abfallentsorgung stärker berücksichtigen und Anreize für eine bessere Abfallvermeidung und getrennte Behandlung schaffen. Die Regierung arbeitet gleichzeitig an einer langfristigen Strategie für den gesamten Abfallsektor. Nach den Planungen soll die bestehende Deponie spätestens bis 2032 geschlossen werden; dafür werden neue Behandlungsmöglichkeiten, eine bessere Sortierung und weitere Formen der Verwertung untersucht. | |||
Ein wesentlicher Bestandteil der niederländischen Abfallproblematik ist die geringe Verwertungsquote und die bislang starke Abhängigkeit von der Ablagerung. Die Regierung untersucht deshalb unterschiedliche technische Lösungen für die Behandlung der Reststoffe. In früheren Planungen wurde unter anderem eine Waste-to-Energy-Anlage diskutiert, die brennbare Reststoffe zur Stromerzeugung nutzen könnte. Gleichzeitig sieht die Abfallstrategie eine Hierarchie vor, bei der Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling vor energetischer Verwertung und endgültiger Ablagerung stehen. | |||
Von der festen Abfallwirtschaft getrennt, aber für den Umweltschutz eng damit verbunden, ist die Abwasserwirtschaft auf Sint Maarten. Nur etwa 10 bis 11 % der Haushalte sind an das öffentliche Kanalisationsnetz angeschlossen. Rund neun von zehn Haushalten nutzen dagegen weiterhin individuelle Klärgruben beziehungsweise septic tanks. Nicht regelmäßig entleerte Anlagen können überlaufen, sodass Abwasser in Straßenentwässerungen, Gräben, Teiche, Lagunen und schließlich in die Küstengewässer gelangen kann. | |||
Das Sint Maarten Wastewater Management Project soll diese Situation schrittweise verbessern. Das mit insgesamt 25 Millionen US-Dollar ausgestattete Programm wird mit 15 Millionen US-Dollar von der Regierung von Sint Maarten und 10 Millionen US-Dollar aus dem Sint Maarten Trust Fund finanziert. Vorgesehen sind die Erweiterung des Kanalnetzes im Gebiet Cul-de-Sac, die Sanierung und Modernisierung der zentralen Kläranlage an der A.T. Illidge Road sowie eine langfristige Planung für eine Erweiterung des Kanalnetzes auf weitere Teile der Insel. Durch die erste Ausbaustufe soll der Anteil der Bevölkerung beziehungsweise Haushalte mit Zugang zum öffentlichen Kanalisationssystem von etwa 10 auf rund 25 % steigen. | |||
Die Kläranlage an der A.T. Illidge Road soll dabei nicht nur größere Abwassermengen aufnehmen, sondern auch technisch modernisiert und widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Belastungen werden. Das Projekt umfasst Verbesserungen bei der Abwasser- und Schlammbehandlung, der Messung und Analyse sowie bei der betrieblichen Zuverlässigkeit. Das langfristige Ziel besteht darin, ein umfassenderes Kanalisations- und Abwassersystem aufzubauen und gleichzeitig die Belastung von Teichen, Lagunen, Stränden, Korallenriffen und anderen Küstenökosystemen zu verringern. | |||
=== '''Handel''' === | |||
Beide Inselteile bilden wirtschaftlich einen eng verflochtenen Markt, unterliegen jedoch unterschiedlichen Zoll-, Steuer-, Währungs- und Rechtsordnungen. Der Handel mit Waren ist deshalb nicht vollständig als einheitlicher Binnenmarkt organisiert. Gleichzeitig werden Waren für beide Seiten vielfach über die leistungsfähigeren Hafen- und Logistikanlagen des niederländischen Teils eingeführt. Nach Angaben des IEDOM wurden 2023 rund 70 % der Waren, die auf die Insel gelangten, über den niederländischen Teil abgewickelt. Dieser verfügt insbesondere über besser ausgestattete Frachtanlagen und Tiefwasserliegeplätze sowie direkte internationale Verbindungen zu den Vereinigten Staaten und zum französischen Mutterland. | |||
Auf der französischen Seite ist der Handel stark vom Import abhängig. Saint-Martin besitzt nur eine begrenzte landwirtschaftliche und industrielle Produktion und muss daher einen großen Teil der Lebensmittel, Konsumgüter, Baumaterialien, Treibstoffe, Fahrzeuge, Maschinen und sonstigen Waren von außerhalb beziehen. Eine besondere Bedeutung besitzt dabei der Handel mit Guadeloupe, dem übrigen französischen Karibikraum, dem europäischen Frankreich und den benachbarten Inseln. Wegen der Entfernung zu den europäischen und nordamerikanischen Liefermärkten entstehen erhebliche Transportkosten. Für bestimmte Waren und Produktionszweige existieren deshalb staatliche Frachtbeihilfen, mit denen die zusätzlichen Kosten des Warentransports teilweise ausgeglichen werden sollen. | |||
Das wichtigste Güterverkehrszentrum des französischen Teils ist der Hafen von Galisbay. Er wurde nach den schweren Schäden des Hurrikans Luis von 1995 vom früheren Standort im Stadtzentrum an den heutigen Standort verlegt und ist seit 2001 zugleich der einzige Einfuhrpunkt für Erdölprodukte in den französischen Inselteil. Der Hafen übernimmt etwa 30 % des gesamten Güterverkehrs der Insel und dient außerdem als Umschlagplatz für Waren, die zu benachbarten Inseln wie Saint-Barthélemy, Anguilla, Saba und Sint Eustatius weitertransportiert werden. 2024 wurden dort 2.429 Schiffsanläufe registriert. Die Einfuhren beliefen sich auf 221.193 Tonnen und die Ausfuhren auf 118.755 Tonnen. Mehr als die Hälfte des gesamten Güterverkehrs entfiel auf Massengüter. | |||
Auf der niederländischen Seite konzentriert sich der Warenhandel vor allem auf Philipsburg, Cole Bay, Simpson Bay und das Hafengebiet von Great Bay. Der Handel umfasst Lebensmittel, Getränke, Bekleidung, Schuhe, Elektronik, Haushaltswaren, Baumaterialien, Fahrzeuge, Ersatzteile, Möbel, pharmazeutische Produkte und zahlreiche weitere Konsumgüter. Wegen der großen Zahl internationaler Besucher besitzt außerdem der Einzelhandel für Schmuck, Uhren, Parfüm, Kosmetik, Elektronik, Spirituosen, Tabakwaren und Souvenirs eine besondere Bedeutung. Insbesondere Philipsburg hat sich mit der Front Street und den angrenzenden Geschäftsstraßen zu einem wichtigen Einkaufszentrum für Kreuzfahrtpassagiere entwickelt. | |||
Eine Besonderheit des niederländischen Handels ist die vergleichsweise geringe Belastung bestimmter Waren durch Einfuhrabgaben. Die Zollverwaltung von Sint Maarten ist vor allem für die Kontrolle des Warenverkehrs an den Grenzen zuständig. Nach Angaben der Regierung unterscheidet sie sich damit von den Zollverwaltungen vieler anderer Staaten der Region, da ihre Tätigkeit überwiegend auf die Kontrolle und Überwachung des Warenverkehrs ausgerichtet ist. Als eigentliche Zollabgabe wird auf Sint Maarten nach der geltenden Regelung nur eine Abgabe beziehungsweise Verbrauchsteuer auf bleifreies Benzin erhoben. Dadurch besitzt der niederländische Teil traditionell eine wichtige Funktion als Handels- und Einkaufszentrum der nordöstlichen Karibik. | |||
Der Einzelhandel ist eng mit dem Tourismus verbunden. 2025 wurden auf Sint Maarten 855.994 Flugpassagierankünfte registriert. Hinzu kamen 1.597.940 Kreuzfahrtpassagiere. Bei den Kreuzfahrten wurden 592 Schiffsanläufe gezählt, 15 % mehr als 2024. Ein erheblicher Teil dieser Besucher kommt für einige Stunden nach Philipsburg und nutzt dort die Geschäfte, Restaurants und sonstigen Dienstleistungen. Der Kreuzfahrttourismus wirkt sich deshalb unmittelbar auf den Umsatz des Einzelhandels aus. | |||
Neben dem klassischen Einzelhandel bestehen zahlreiche kleinere Geschäfte und familiengeführte Unternehmen. Dazu gehören Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien, Metzgereien, Getränkehändler, Apotheken, Baumärkte, Autohändler, Werkstätten, Möbelgeschäfte, Elektronikläden, Bekleidungsgeschäfte und Spezialgeschäfte für den touristischen Bedarf. Auf der französischen Seite konzentriert sich der Handel unter anderem auf Marigot, Grand Case, Hope Estate und die größeren Wohn- und Tourismusgebiete. Auf der niederländischen Seite bilden Philipsburg, Cole Bay und Simpson Bay die wichtigsten Handelsstandorte. | |||
Der grenzüberschreitende Warenverkehr zwischen beiden Inselteilen ist trotz der unterschiedlichen politischen Systeme alltäglich. Unternehmen und Privatpersonen kaufen Waren auf jeweils beiden Seiten ein, während Händler ihre Lieferketten entsprechend den vorhandenen Hafen-, Zoll- und Transportmöglichkeiten organisieren. Die französische Seite ist dabei sowohl über ihre eigenen Hafenanlagen als auch über den niederländischen Teil mit internationalen Lieferketten verbunden. Der Warenverkehr macht deutlich, dass die politische Grenze zwar rechtlich und administrativ besteht, den gemeinsamen Wirtschaftsraum der Insel jedoch nicht vollständig voneinander trennt. | |||
Neben dem Warenhandel spielen Dienstleistungen eine noch größere Rolle. Der IEDOM weist für Saint-Martin eine stark tertiär geprägte Wirtschaftsstruktur aus; Ende 2024 entfielen 85 % der privaten Beschäftigung auf den Dienstleistungssektor. Tourismus, Gastronomie, Beherbergung, Verkehr, Immobilien, Finanzdienstleistungen, Handel und persönliche Dienstleistungen bilden damit zusammen den Kern der lokalen Wirtschaft. Die Handelswirtschaft ist entsprechend nicht isoliert vom Fremdenverkehr zu betrachten, sondern eng mit den Besucherzahlen, dem Kreuzfahrthafen, dem Flugverkehr, der Gastronomie und dem Immobiliensektor verbunden. | |||
Wichtige Einkaufszentren und Einkaufsstraßen sind: | |||
'''Marigot (französischer Teil)''': | |||
* ''Rue de Charles de Gaulle'': Hauptgeschäftsstraße mit Boutiquen, Juwelieren und Surfshops. | |||
* ''Le West Indies Mall'': Luxuriöses Einkaufszentrum mit drei Etagen, Geschäften wie GUESS, Ray-Ban, L’Occitane sowie Restaurants und einem herrlichen Blick auf den Hafen. | |||
* ''Howell-Center Mall'': Größeres Einkaufszentrum mit Supermarkt, Apotheken, Restaurants und verschiedenen Geschäften. | |||
* ''Marigot Market'': Großer Open-Air-Markt mit lokalen Lebensmitteln, Kunsthandwerk und Souvenirs, ideal für authentisches Shopping-Erlebnis. | |||
* ''Rue de la République'': Kombination aus Shopping und Sightseeing mit Boutiquen, Restaurants und Sehenswürdigkeiten. | |||
'''Philipsburg (niederländischer Teil)''': | |||
* ''Front Street und Back Street'': Haupt-Einkaufsstraßen mit Duty-Free-Shops für Schmuck, Uhren, Elektronik, Souvenirs, Kleidung und Spirituosen. | |||
* ''Simpson Bay'': Weitere Shopping-Möglichkeiten im Bereich der Hotels und Resorts. | |||
* Duty-Free-Shops bieten eine große Auswahl an internationalen Luxusmarken und günstigen Preisen. | |||
* Lokale Märkte und Kunstgeschäfte runden das Angebot ab. | |||
Sankt Martin ist bekannt für seine vielfältigen Duty-Free-Einkaufsmöglichkeiten, die internationale und lokale Produkte zu attraktiven Preisen anbieten. Die Insel kombiniert luxuriöses Shopping mit kleinen lokalen Geschäften und Märkten, die traditionelle Produkte und Kunsthandwerk anbieten | |||
=== '''Finanzwesen''' === | |||
Das Finanzwesen von Saint-Martin ist durch die politische Teilung der Insel in zwei unterschiedliche Systeme gegliedert. Im französischen Saint-Martin gilt der Euro und das französische sowie europäische Bank- und Finanzrecht. Die geld- und bankwirtschaftlichen Aufgaben werden dort im Rahmen des französischen Systems durch das Institut d’émission des départements d’outre-mer (IEDOM) im Auftrag und unter der Aufsicht der Banque de France wahrgenommen. Der IEDOM überwacht nicht selbst als eigenständige Zentralbank die französische Seite, sondern übernimmt unter anderem die Erfassung und Auswertung monetärer und finanzieller Daten, Aufgaben im Zusammenhang mit Bankkonten und Zahlungsverkehr sowie Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen. Dazu gehören insbesondere Kreditmediation, Unterstützung bei finanziellen Schwierigkeiten, das Recht auf ein Bankkonto und finanzielle Bildung. | |||
Der französische Bankensektor besteht aus Geschäftsbanken und genossenschaftlich organisierten Instituten. Ende 2022 waren fünf Finanzinstitute lokal auf Saint-Martin vertreten. Dazu gehörten LCL und La Banque Postale sowie BRED – Banque Populaire, die Caisse d’Épargne Provence Alpes Corse und die Fédération du Crédit Mutuel Antilles-Guyane. Zusammen verfügten diese Institute über zehn Schalter und 109 Beschäftigte. Angeboten werden unter anderem Giro- und Sparkonten, Zahlungsverkehr, Kredite, Hypotheken und Finanzierungen für Unternehmen und Privatpersonen. Die französische Seite ist dabei eng mit Guadeloupe verbunden, da zahlreiche bankwirtschaftliche und administrative Funktionen über die dortigen Strukturen abgewickelt werden. | |||
Auf der niederländischen Seite gehört Sint Maarten dagegen zum gemeinsamen Währungs- und Finanzsystem mit Curaçao. Die zentrale Aufsichts- und Währungsinstitution ist die Centrale Bank van Curaçao en Sint Maarten (CBCS). Zu den auf Sint Maarten vertretenen Geschäftsbanken gehören Banco di Caribe N.V., Orco Bank N.V. und The Windward Islands Bank, die als Sint-Maarten-Niederlassung der Maduro & Curiel’s Bank geführt wird. Diese Banken bieten Privat- und Geschäftskunden Konten, Zahlungsverkehr, Kredite, Hypotheken, Konsumentenkredite und weitere Finanzdienstleistungen an. | |||
Eine grundlegende Veränderung des niederländischen Finanzsystems erfolgte am 1. April 2025 mit der Einführung des Caribbean guilder als neuer gemeinsamer Währung von Curaçao und Sint Maarten. Die Währung trägt den ISO-Code XCG und löste den früheren Netherlands Antillean guilder im Zahlungsverkehr ab. Der US-Dollar besitzt daneben wegen der engen wirtschaftlichen und touristischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten eine wichtige Bedeutung. Die CBCS veröffentlicht deshalb regelmäßig offizielle Wechselkurse für den Caribbean guilder gegenüber dem US-Dollar, dem Euro und weiteren Währungen. | |||
Das Kreditgeschäft auf Sint Maarten ist eng mit Tourismus, Immobilienwirtschaft, Handel und Dienstleistungen verbunden. 2024 verringerte sich die Kreditvergabe an den privaten Sektor um 4,7 Prozent. Dabei gingen insbesondere Unternehmenskredite und Hypotheken zurück, während Konsumentenkredite und sonstige Kredite zunahmen. 2025 setzte wieder eine stärkere Kreditexpansion ein. Gleichzeitig beobachtete die CBCS eine Zunahme des Risikos bei notleidenden gewerblichen Krediten. Der Finanzsektor bleibt deshalb eng mit der Entwicklung des Tourismus und des Immobilienmarktes verbunden. | |||
Neben den Geschäftsbanken umfasst das Finanzwesen Versicherungen, Pensionsfonds, Finanzierungsunternehmen und weitere beaufsichtigte Finanzdienstleister. Die CBCS bewertete den Finanzsektor von Curaçao und Sint Maarten für 2025 insgesamt als widerstandsfähig und verwies auf vorhandene Kapital- und Liquiditätspuffer. Zu den beobachteten Risiken gehören unter anderem die Entwicklung notleidender Kredite, internationale Finanzbedingungen, Cyberkriminalität, Klimarisiken und die Abhängigkeit von internationalen Korrespondenzbanken. | |||
Auch die öffentliche Hand von Sint Maarten nutzt den Finanzmarkt zur Staatsfinanzierung. Im Dezember 2025 wurde über die CBCS eine Staatsanleihe des Landes Sint Maarten über 30,3 Millionen Caribbean-Gulden mit einer Laufzeit von 30 Jahren ausgegeben. Die Zeichnung erfolgte über die Geschäftsbanken von Curaçao und Sint Maarten. | |||
Seit dem 28. September 2026 besteht auf Sint Maarten außerdem ein gesetzliches Einlagensicherungssystem. Damit wurden die Einlagen von Kunden der dortigen Banken in das neue Einlagensicherungssystem der Währungsunion von Curaçao und Sint Maarten einbezogen. Die Einführung erfolgte nach einem nationalen Erlass vom 14. August 2026 und einer ergänzenden ministeriellen Regelung. | |||
'''Wichtigste Banken''': | |||
* '''RBC Royal Bank''' (Royal Bank of Canada) ist eine der größten Banken in der Karibik und hat auch eine Niederlassung auf Sint Maarten. Sie bietet umfassende Finanzdienstleistungen wie Privat- und Geschäftskonten, Kredite, Vermögensverwaltung und Investment Banking an. | |||
* '''Windward Islands Bank''' (WIB): Eine regionale Bank, die Kunden in verschiedenen karibischen Inseln, darunter auch Sint Maarten, betreut und vielfältige Dienstleistungen wie Kontoführung, Kreditvergabe und Zahlungsverkehr anbietet. | |||
* '''Orco Bank''' ist ein weiterer Finanzdienstleister auf Sint Maarten, der seit 2025 Dienstleistungen unter neuem Namen anbietet (früher CIBC). Sie bietet unter anderem Online-Banking, Sparkonten und Kredite mit wettbewerbsfähigen Zinssätzen. | |||
* '''Republic Bank''' ist ebenfalls auf Sint Maarten vertreten und bietet umfassende Finanzprodukte einschließlich Konten, Krediten und Kreditkarten an. | |||
== '''Soziales und Gesundheit''' == | |||
Auf Saint-Martin liegt ein großer Teil der sozialen Aufgaben bei der Collectivité de Saint-Martin. Innerhalb der Verwaltung ist die Délégation Solidarité, Santé et Famille für Bereiche wie soziale Unterstützung, Familien, Kinderschutz, Gesundheit, Prävention und die Unterstützung älterer Menschen und Menschen mit Behinderungen zuständig. Zu ihren Bereichen gehören unter anderem die Direction de l’action sociale et insertion, die Direction autonomie, die Direction enfance et familles sowie die Direction santé, prévention et protection maternelle et infantile. | |||
Die soziale Grundversorgung umfasst die Beratung und Begleitung von Menschen und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Über die örtlichen sozialen Dienste werden Hilfen vermittelt, Anträge bearbeitet und Betroffene an geeignete Einrichtungen und Träger weitergeleitet. Eine solche Anlaufstelle ist die Maison de la Solidarité et des Familles in Quartier-d’Orléans. Sie verbindet die soziale Einzelfallhilfe mit der Protection Maternelle et Infantile (PMI), die sich insbesondere mit der Gesundheitsvorsorge und Betreuung von Schwangeren sowie Kindern bis zum Alter von sechs Jahren befasst. | |||
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kinder- und Jugendhilfe. Die Collectivité nimmt Aufgaben der Aide Sociale à l’Enfance (ASE) wahr und verfügt über Verfahren zur Unterstützung und zum Schutz von Minderjährigen, die gefährdet oder besonders schutzbedürftig sind. Dazu gehören sozialpädagogische Betreuung, die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen sowie die Arbeit mit Pflegefamilien. Die Familienpflege dient dabei unter anderem der Sicherstellung einer stabilen Wohn- und Lebenssituation, der Begleitung von Schule und Gesundheitsversorgung und der Erstellung individueller Unterstützungspläne. | |||
Für Menschen mit Behinderungen und für ältere Menschen bestehen eigene Unterstützungsstrukturen. Die Direction de l’Autonomie informiert unter anderem über die französische Allocation personnalisée d’autonomie (APA), die Prestation de compensation du handicap (PCH), die Carte mobilité inclusion und Hilfen zur Finanzierung beziehungsweise Organisation von Betreuung und Unterbringung. Beratungsstellen bestehen in Concordia sowie zeitweise in Quartier-d’Orléans und Sandy Ground. | |||
Die Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen stellt auf dem französischen Teil eine besondere Aufgabe dar. Nach Angaben der Collectivité stehen ein ambulanter Pflegedienst mit 45 Plätzen sowie das EHPAD Bethany Home mit einer theoretischen Kapazität von 40 Plätzen zur Verfügung. Nach den Schäden durch Hurrikan Irma waren zuletzt jedoch nur 34 Plätze im EHPAD betriebsfähig. Wegen der begrenzten Kapazitäten werden für pflegebedürftige Einwohner auch Plätze in zugelassenen Einrichtungen außerhalb Saint-Martins, insbesondere auf Guadeloupe, genutzt. Die Collectivité übernimmt hierfür im Rahmen ihrer sozialrechtlichen Zuständigkeiten entsprechende Kosten. | |||
Neben den staatlichen Einrichtungen tragen gemeinnützige und soziale Organisationen wesentlich zur sozialen Versorgung bei. Die Collectivité unterstützt entsprechende Vereine finanziell. Für 2025 wurden insgesamt 19 soziale und sozialmedizinische Vereinigungen mit zusammen 445.472 Euro gefördert. Zu den geförderten Organisationen gehörten unter anderem Einrichtungen für soziale Eingliederung, Familien- und Angehörigenunterstützung, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen sowie verschiedene Formen der sozialen Beratung und Betreuung. | |||
Auch die soziale Eingliederung von Menschen in prekären Lebenssituationen gehört zum Aufgabenbereich. Dazu zählen Unterstützung bei sozialen Problemen, Notunterbringung, Begleitung bei der Wiedereingliederung und Hilfen für Menschen ohne ausreichende soziale oder wirtschaftliche Absicherung. Die Collectivité führt auf ihrer offiziellen Sozialseite ausdrücklich die Bereiche Notunterbringung, soziale Inklusion, Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und Hilfe für Personen in prekären Lebenslagen auf. | |||
Auf Sint Maarten liegt die zentrale staatliche Zuständigkeit beim Ministry of Public Health, Social Development and Labor (VSA). Das Ministerium verbindet Sozialpolitik mit Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik. Innerhalb seiner Verwaltungsstruktur bestehen unter anderem Abteilungen für Social Development und Labor sowie die Social Affairs beziehungsweise Social Services. Ebenfalls zum Ressort gehören Dienste für Familien und humanitäre Angelegenheiten, kollektive Prävention und ambulante Notfallversorgung. | |||
Die sozialen Dienste auf Sint Maarten befassen sich mit der Unterstützung einkommensschwacher und besonders schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen sowie mit Familien- und Gemeinschaftsarbeit. Das staatliche System ist dabei stärker auf die begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen des kleinen Inselstaates zugeschnitten. Neben den staatlichen Stellen übernehmen Kirchen, gemeinnützige Organisationen und andere lokale Einrichtungen Aufgaben der Unterstützung und sozialen Betreuung. | |||
Ein wichtiger Bestandteil des Sozialwesens ist außerdem die Verbindung mit dem Arbeitsmarkt. Das zuständige Ministerium ist sowohl für Sozialentwicklung als auch für Arbeitsangelegenheiten verantwortlich und überwacht die Einhaltung der arbeitsrechtlichen Vorschriften. Damit bestehen Verbindungen zwischen Sozialhilfe, Beschäftigung, beruflicher Eingliederung und dem Schutz von Arbeitnehmern. | |||
Auf beiden Inselteilen spielen nach Naturkatastrophen zusätzliche soziale Aufgaben eine Rolle. Besonders der Hurrikan Irma von 2017 führte zu langfristigen Belastungen für Wohnraum, Familien, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und andere besonders gefährdete Gruppen. Der Wiederaufbau beschränkte sich deshalb nicht auf Straßen und Gebäude, sondern umfasste auch soziale und gemeinschaftliche Einrichtungen. | |||
Das Sozialwesen der geteilten Insel weist somit zwei unterschiedliche Verwaltungs- und Finanzierungssysteme auf. Saint-Martin verfügt als französische Collectivité über ein eng an das französische Sozialrecht angebundenes System mit umfangreichen Zuständigkeiten in der Kinder-, Familien-, Behinderten- und Altenhilfe. Sint Maarten organisiert seine sozialen Dienste über die eigene Regierung und insbesondere das Ministerium für öffentliche Gesundheit, soziale Entwicklung und Arbeit. Auf beiden Seiten ergänzen gemeinnützige Organisationen und soziale Einrichtungen die staatlichen Leistungen. | |||
=== '''Gesundheitswesen''' === | |||
Das Gesundheitswesen von Saint-Martin und Sint Maarten ist entsprechend der politischen Teilung der Insel in zwei eigenständige Systeme gegliedert. Im französischen Teil gelten die französischen beziehungsweise französischen überseeischen Gesundheitsstrukturen, während Sint Maarten als eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande ein eigenes Gesundheits- und Versicherungssystem besitzt. Die stationäre medizinische Versorgung wird auf beiden Seiten durch jeweils ein zentrales Krankenhaus getragen. Ergänzt werden diese Einrichtungen durch niedergelassene Ärzte, Facharztpraxen, Zahnärzte, Apotheken, psychiatrische und psychologische Dienste, diagnostische Einrichtungen, Dialyseangebote und Rettungsdienste. | |||
In Marigot befindet sich das Centre Hospitalier Louis Constant Fleming. Das Krankenhaus ist das zentrale Krankenhaus des französischen Inselteils und gehört zum französischen Krankenhausverbund der nördlichen Inseln. Es verfügt über medizinische, chirurgische, geburtshilfliche und psychiatrische Versorgung sowie eine Notaufnahme. Historische Planungsdaten weisen für das Krankenhaus 78 Betten und acht weitere Plätze aus; die Kapazitäten und organisatorischen Strukturen wurden seither weiterentwickelt. Die Einrichtung verfügt unter anderem über Angebote in Allgemeinmedizin beziehungsweise Innerer Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe, Pädiatrie und Psychiatrie. Eine aktuelle Ausschreibung von 2026 bestätigt, dass das Krankenhaus weiterhin unter der offiziellen Bezeichnung Centre Hospitalier Louis Constant Fleming betrieben wird und unter anderem psychiatrische stationäre Behandlung mit zwölf Vollzeitbetten anbietet. | |||
Das Krankenhaus übernimmt auch die Notfallversorgung des französischen Inselteils. Neben der stationären Behandlung bestehen ambulante und fachärztliche Angebote. Aufgrund der begrenzten Größe der Insel kann jedoch nicht das gesamte Spektrum hochspezialisierter Medizin dauerhaft vor Ort angeboten werden. Bei Erkrankungen oder Eingriffen, für die auf Saint-Martin keine geeignete Behandlungsmöglichkeit vorhanden ist, erfolgt eine medizinisch organisierte Weiterbehandlung außerhalb der Insel. Die französische Gesundheitsversorgung ist dabei in das System der französischen Überseegebiete eingebunden, sodass insbesondere Verbindungen zu Einrichtungen auf Guadeloupe und im französischen Mutterland bestehen. | |||
Im Bereich von Sint Maarten befindet sich das St. Maarten Medical Center in der Umgebung von Cay Hill. Es ist das zentrale Krankenhaus des niederländischen Inselteils. Das bestehende Krankenhaus wurde in den vergangenen Jahren schrittweise modernisiert. Zu den ausgebauten beziehungsweise neu eingerichteten Bereichen gehören unter anderem Orthopädie, Radiologie, Pneumologie, Neurologie, Nephrologie, Augenheilkunde und Dialyse. Zusätzlich wurden die chirurgischen Möglichkeiten erweitert. Die Modernisierung umfasst auch neue technische Anlagen und eine verbesserte Energieversorgung. Nach Angaben der Weltbank wurden 2025 unter anderem ein neuer Operationssaal, zusätzliche Dialysekapazitäten und neue Notstromgeneratoren geschaffen. | |||
Parallel dazu befindet sich auf Sint Maarten ein neues Krankenhausgebäude im Bau. Das Projekt trägt die Bezeichnung St. Maarten General Hospital (SMGH) und soll das bestehende Krankenhaus langfristig ersetzen beziehungsweise dessen Versorgungskapazitäten erheblich erweitern. Die Planung sieht 110 stationäre Betten, vier Operationssäle, eine Intensiv- und Überwachungsversorgung, Bereiche für medizinisch-chirurgische Behandlung sowie Mutter-Kind-Versorgung und umfangreiche ambulante Einrichtungen vor. Hinzu kommen unter anderem Radiologie mit MRT, eine Dialyseeinrichtung, Labor, Apotheke und ein Hubschrauberlandeplatz. | |||
Die bauliche Konzeption des neuen Krankenhauses berücksichtigt die besondere Gefährdung der Insel durch Hurrikane und Erdbeben. Das Gebäude wurde mit verstärkten Tragstrukturen und seismischen Isolatoren geplant. Außerdem sind unabhängige Systeme für Strom- und Wasserversorgung vorgesehen, damit der Krankenhausbetrieb auch bei einer schweren Naturkatastrophe möglichst lange aufrechterhalten werden kann. Nach Angaben der Weltbank soll das Gebäude Hurrikanen der Kategorie 5 standhalten. Im März 2026 erreichte der Bau seine höchste konstruktive Ebene; anschließend begannen beziehungsweise liefen die Ausbauarbeiten. Das Projekt war damit im Herbst 2026 weiterhin ein im Bau befindliches Krankenhaus und noch keine bereits vollständig in Betrieb befindliche neue Versorgungseinrichtung. | |||
Ein wesentlicher Bestandteil des Gesundheitswesens ist die ambulante Versorgung. Auf beiden Inselteilen gibt es Allgemeinmediziner und verschiedene Facharztpraxen. Hinzu kommen Zahnärzte, Apotheken, Labordiagnostik und bildgebende Diagnostik. Auf Sint Maarten wurden im Zuge der Modernisierung des Krankenhauswesens insbesondere Fachbereiche wie Kardiologie, Neurologie, Nephrologie, Orthopädie und Augenheilkunde ausgebaut. Auch die Dialyseversorgung wurde erweitert. Dadurch können mehr Erkrankungen innerhalb der Insel behandelt werden, die früher häufiger eine Überweisung ins Ausland erforderlich machten. | |||
Die psychiatrische Versorgung ist ebenfalls Bestandteil des Gesundheitswesens. Das Centre Hospitalier Louis Constant Fleming verfügt über eine psychiatrische Abteilung mit stationären Behandlungsmöglichkeiten. Zusätzlich bestehen ambulante psychologische und psychiatrische Angebote. Auf Sint Maarten gehören psychische Gesundheit und psychosoziale Versorgung ebenfalls zum Aufgabenbereich des Gesundheitswesens. Die begrenzte Größe des lokalen Fachkräfte- und Einrichtungsangebots macht dabei die Zusammenarbeit mit Einrichtungen außerhalb der Insel weiterhin notwendig. | |||
Eine besondere Bedeutung besitzt die medizinische Versorgung von Schwangeren, Kindern und Familien. Das Krankenhaus auf Saint-Martin verfügt über Geburtshilfe und pädiatrische Versorgung. Auf Sint Maarten ist die Mutter-Kind-Versorgung Bestandteil des geplanten St. Maarten General Hospital. Das neue Krankenhaus soll hierfür eigene stationäre Kapazitäten bereitstellen und die bisherige Versorgung räumlich und technisch erweitern. | |||
Auch die Notfallmedizin ist für die Insel von besonderer Bedeutung. Hurrikane, tropische Stürme und andere Naturereignisse können gleichzeitig die Infrastruktur, den Straßenverkehr, die Energieversorgung und die medizinische Versorgung beeinträchtigen. Die Erfahrungen mit Hurrikan Irma im September 2017 führten deshalb zu einer stärkeren Ausrichtung des Krankenhauswesens auf Katastrophenvorsorge und Betriebssicherheit. Auf Sint Maarten wurden im Rahmen des von der Weltbank verwalteten Trust Fund unter anderem Notfall- und Evakuierungspläne verbessert. Nach Angaben der Weltbank waren 2025 rund 90 Prozent der vorgesehenen Maßnahmen zur Notfallvorsorge und Evakuierungsplanung umgesetzt. | |||
Die medizinische Versorgung ist außerdem durch die geringe Größe des lokalen Gesundheitsmarktes begrenzt. Nicht jede hochspezialisierte Behandlung kann wirtschaftlich und personell dauerhaft auf der Insel angeboten werden. Patienten werden deshalb bei bestimmten Erkrankungen weiterhin zur Behandlung in andere Länder oder karibische beziehungsweise französische Gesundheitszentren überwiesen. Für Sint Maarten bestehen dabei insbesondere Verbindungen zu Curaçao, Kolumbien und anderen medizinischen Zentren der Region; französische Patienten können über das französische Gesundheitssystem unter anderem auf Einrichtungen in Guadeloupe und im französischen Mutterland zurückgreifen. Die Regierung von Sint Maarten veröffentlichte auch 2026 Informationen über Patienten, die medizinische Behandlung im Ausland erhielten. | |||
Auf Sint Maarten wird gleichzeitig an der rechtlichen Regulierung der Gesundheitsberufe gearbeitet. 2026 wurde ein Entwurf für eine nationale gesetzliche Registrierung von Gesundheitsberufen vorangetrieben. Ziel ist ein einheitlicher rechtlicher Rahmen für die Registrierung und Beaufsichtigung medizinischer Fachkräfte. Das Projekt befindet sich noch im Aufbau und sollte deshalb nicht mit einem bereits vollständig eingeführten nationalen Registrierungssystem gleichgesetzt werden. | |||
Die Finanzierung der Gesundheitsversorgung unterscheidet sich ebenfalls auf beiden Seiten. Auf Saint-Martin ist die medizinische Versorgung in die französischen Krankenversicherungs- und Sozialversicherungssysteme eingebunden. Auf Sint Maarten spielt die Social & Health Insurance SZV eine zentrale Rolle bei der Absicherung und Finanzierung medizinischer Leistungen. Die Regierung arbeitet zugleich an einer Weiterentwicklung des Krankenversicherungssystems; mehrere größere Reformen waren für den Übergang ab 2027 vorgesehen. | |||
Neben den Krankenhäusern bestehen auf der Insel Einrichtungen für Zahnmedizin, psychische Gesundheit, Rehabilitation und weitere medizinische Dienstleistungen. Auch Apotheken und private medizinische Anbieter sind vor allem in den dichter besiedelten Gebieten wie Marigot, Philipsburg, Cole Bay und Simpson Bay konzentriert. Die medizinische Versorgung ist damit räumlich eng an die wichtigsten Siedlungs- und Verkehrsachsen gebunden. | |||
=== '''Krankheiten''' === | |||
Das Krankheitsspektrum auf Saint-Martin und Sint Maarten wird sowohl von tropischen und durch Vektoren übertragenen Infektionskrankheiten als auch von chronischen nichtübertragbaren Erkrankungen bestimmt. Eine besondere Bedeutung haben Denguefieber und andere durch Aedes-Stechmücken übertragene Virusinfektionen. Daneben treten Atemwegsinfektionen, Magen-Darm-Erkrankungen und sexuell übertragbare Infektionen auf. Bei den nichtübertragbaren Krankheiten spielen insbesondere Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere chronische Erkrankungen eine wichtige Rolle. | |||
Denguefieber gehört zu den wichtigsten durch Mücken übertragenen Infektionskrankheiten der Insel. Übertragen wird das Denguevirus vor allem durch Aedes aegypti und Aedes albopictus. Die Krankheit kann mit hohem Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen, Hautausschlag und ausgeprägter Müdigkeit einhergehen. In schweren Fällen können Blutungen, Kreislaufprobleme und Organbeteiligungen auftreten. Dengue ist auf Saint-Martin und Sint Maarten seit Jahren bekannt und kann in Form einzelner Fälle, lokaler Ausbrüche oder größerer Epidemien auftreten. Die französische Gesundheitsüberwachung stufte die Situation auf Saint-Martin im Verlauf von 2025 überwiegend als Phase 1 mit sporadischen Fällen beziehungsweise einzelnen Ausbrüchen ein. | |||
Auch 2026 wurden auf dem französischen Teil weiterhin einzelne Verdachts- und bestätigte Denguefälle registriert. Im September 2026 beschrieb Santé publique France die Situation auf Saint-Martin und Saint-Barthélemy als seit mehreren Monaten ruhig. Die Überwachung zeigte jedoch weiterhin einzelne klinisch verdächtige Fälle. Damit besteht eine dauerhafte epidemiologische Überwachung, auch wenn zu diesem Zeitpunkt keine größere Dengue-Epidemie festgestellt wurde. | |||
Chikungunya ist eine weitere wichtige durch Aedes-Mücken übertragene Viruskrankheit. Typisch sind plötzlich auftretendes Fieber und starke Gelenkschmerzen, die teilweise über längere Zeit anhalten können. Auf Saint-Martin wurde die lokale Übertragung erstmals 2013 nachgewiesen; die Weltgesundheitsorganisation dokumentierte damals die ersten beiden laborbestätigten lokal erworbenen Fälle in der französischen Inselhälfte. Die Behörden beider Inselteile führten daraufhin eine gemeinsame Überwachung und Maßnahmen zur Mückenbekämpfung durch. | |||
Auch aktuell wird Chikungunya auf Saint-Martin überwacht. Santé publique France führt Saint-Martin und Saint-Barthélemy ausdrücklich in der regionalen Chikungunya-Überwachung. Im Jahr 2025 wurde auf Saint-Martin ein wahrscheinlicher Fall mit positiver Serologie festgestellt. Die Gesundheitsbehörden führten daraufhin Maßnahmen zur epidemiologischen Untersuchung und Vektorkontrolle durch. | |||
Zika gehört ebenfalls zu den Krankheiten, die aufgrund der vorhandenen Aedes-Mücken und der regionalen epidemiologischen Situation berücksichtigt werden. Das Zikavirus wird vor allem durch Aedes aegypti und Aedes albopictus übertragen. Die Infektion verläuft häufig ohne oder mit nur leichten Symptomen. Besondere medizinische Bedeutung besitzt Zika wegen möglicher Komplikationen während einer Schwangerschaft. Deshalb gehört die Überwachung von Zika neben Dengue und Chikungunya zum Bereich der durch Stechmücken übertragenen Arbovirosen. | |||
Die Bekämpfung dieser Krankheiten konzentriert sich wesentlich auf die Kontrolle der Mückenpopulationen. Besonders wichtig ist die Beseitigung kleiner Wasseransammlungen, in denen sich Aedes-Mücken vermehren können. Dazu gehören unter anderem offene Behälter, Zisternen, Blumentöpfe, Reifen und andere Gegenstände, in denen sich nach Niederschlägen Wasser sammelt. Die französischen Gesundheitsbehörden verbinden die epidemiologische Überwachung mit Maßnahmen zur Vektorkontrolle und informieren Bevölkerung und medizinisches Personal über Schutzmaßnahmen. | |||
Neben den Arbovirosen treten auf der Insel weitere Infektionskrankheiten auf, die auch in anderen dicht besiedelten karibischen Gebieten vorkommen. Dazu gehören verschiedene Atemwegsinfektionen und Magen-Darm-Erkrankungen. Die internationale Mobilität der Bevölkerung und der starke Reiseverkehr führen außerdem dazu, dass importierte Infektionen regelmäßig berücksichtigt werden müssen. Die medizinischen Einrichtungen müssen deshalb neben lokal verbreiteten Erkrankungen auch Krankheiten erkennen und behandeln können, die von Reisenden oder neu zugewanderten Personen auf die Insel gelangen. | |||
Sexuell übertragbare Infektionen gehören ebenfalls zum Spektrum der Gesundheitsprobleme. Dazu zählen unter anderem HIV-Infektionen, Syphilis, Gonorrhö, Chlamydieninfektionen und weitere sexuell übertragbare Erkrankungen. Die medizinische Versorgung umfasst deshalb auch Diagnostik, Beratung, Behandlung und Prävention in diesem Bereich. Die internationale Zusammensetzung der Bevölkerung und die hohe Zahl von Besuchern machen die kontinuierliche Präventions- und Testarbeit zu einem Bestandteil des öffentlichen Gesundheitswesens. | |||
Bei den nichtübertragbaren Krankheiten nehmen Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Stellung ein. Bluthochdruck gehört dabei zu den besonders relevanten Risikofaktoren. Für Sint Maarten wurden in Zusammenarbeit mit der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation nationale Behandlungsleitlinien für Hypertonie entwickelt. Dabei wurden Hausärzte, Apotheker, Diabetesberater, Physiotherapeuten und Vertreter der nationalen Krankenversicherung in die Entwicklung einer koordinierten Versorgung einbezogen. | |||
Diabetes mellitus ist ebenfalls ein bedeutendes chronisches Gesundheitsproblem. Die Erkrankung steht häufig mit weiteren Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und Bluthochdruck in Zusammenhang. Für Sint Maarten wurden deshalb Programme zur Verbesserung der Versorgung chronischer nichtübertragbarer Krankheiten aufgebaut. Die Gesundheitsbehörden arbeiten dabei unter anderem mit Diabetesberatern und anderen Gesundheitsberufen zusammen. | |||
Zu den weiteren nichtübertragbaren Erkrankungen gehören chronische Atemwegserkrankungen, bestimmte Krebsarten sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates. Auch psychische Erkrankungen gehören zum Gesundheitswesen und werden sowohl ambulant als auch stationär behandelt. Die psychiatrische Versorgung ist insbesondere deshalb relevant, weil chronische Erkrankungen, soziale Belastungen, Arbeitslosigkeit, Wohnprobleme und die Folgen schwerer Naturkatastrophen zusätzliche Belastungen für einzelne Bevölkerungsgruppen verursachen können. | |||
Die Alterung der Bevölkerung erhöht langfristig die Bedeutung chronischer Krankheiten. Auf Sint Maarten waren 2024 nach Angaben der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation 13,9 Prozent der Bevölkerung mindestens 65 Jahre alt. Der Anteil dieser Altersgruppe war damit gegenüber dem Jahr 2000 deutlich gestiegen. Mit zunehmendem Alter nehmen insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebserkrankungen und andere chronische Leiden an Bedeutung zu. | |||
HIV/AIDS wird auf der Insel ebenfalls medizinisch überwacht und behandelt. Die Versorgung umfasst Testung, ärztliche Betreuung und antiretrovirale Behandlung. Wie bei anderen sexuell übertragbaren Infektionen sind Prävention, frühzeitige Diagnose und regelmäßige medizinische Kontrolle wichtige Bestandteile der Gesundheitsversorgung. | |||
Die klimatischen Bedingungen beeinflussen außerdem das Auftreten bestimmter Krankheiten. Hohe Temperaturen, tropische Niederschläge und die Bildung kleiner Wasseransammlungen schaffen günstige Bedingungen für Aedes-Mücken. Die Hurrikansaison kann diese Situation zusätzlich verändern, weil Überschwemmungen, beschädigte Gebäude und nach Stürmen zurückbleibende Wasserbehälter neue Brutstätten schaffen können. Deshalb wird die Bekämpfung von Mücken insbesondere nach starken Wetterereignissen zu einer wichtigen Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes. | |||
Die COVID-19-Pandemie führte auch auf Saint-Martin und Sint Maarten zu einer erheblichen Belastung des Gesundheitswesens und des internationalen Reiseverkehrs. Aufgrund der Insellage und der starken Abhängigkeit vom internationalen Tourismus waren die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen besonders eng miteinander verbunden. Die Erfahrungen aus der Pandemie sowie aus früheren Hurrikanen führten zu einer stärkeren Bedeutung von Notfallplanung, epidemiologischer Überwachung und der Aufrechterhaltung medizinischer Versorgung unter Krisenbedingungen. | |||
Die beiden Inselhälften arbeiten bei bestimmten übertragbaren Krankheiten zusammen, obwohl sie unterschiedlichen staatlichen Gesundheitssystemen angehören. Das ist insbesondere bei Krankheiten sinnvoll, deren Überträger sich nicht an die politische Grenze halten. Mückenpopulationen, Infektionsketten und die täglichen Bewegungen der Bevölkerung zwischen französischem und niederländischem Gebiet machen eine isolierte Überwachung nur einer Inselhälfte wenig zweckmäßig. Bereits beim Chikungunya-Ausbruch 2013 kooperierten die französischen und niederländischen Gesundheitsbehörden bei Überwachung, Vektorkontrolle und Information der Bevölkerung. | |||
== '''Bildung''' == | |||
Auf Sint Maarten besteht eine gesetzliche Schulpflicht für alle Kinder zwischen vier und 18 Jahren. Die Schulpflicht endet entweder mit dem Ende des Schuljahres, in dem das 18. Lebensjahr erreicht wird, oder früher, wenn ein Abschluss der Sekundarschule erworben wurde. Für die Einhaltung der Schulpflicht sind Eltern, Schulen und staatliche Bildungsaufsicht gemeinsam verantwortlich. | |||
Das Schulsystem auf Sint Maarten umfasst öffentliche und staatlich subventionierte Schulen sowie private Einrichtungen. Das Bildungsangebot ist stärker sprachlich und curricular differenziert als ein ausschließlich nach niederländischem Vorbild organisiertes System. Neben niederländischen Bildungsgängen bestehen englischsprachige Programme nach karibischen, nordamerikanischen und internationalen Lehrplänen. Die staatliche Bildungsinspektion führt unter anderem VSBO, HAVO und VWO als Bildungsgänge des Sekundarbereichs auf. Daneben bestehen Programme nach Caribbean Secondary Examination Certificate (CSEC), Caribbean Certificate of Secondary Level Competence (CCSLC), Caribbean Advanced Proficiency Examination (CAPE), International Baccalaureate und nordamerikanischen beziehungsweise kanadischen Lehrplänen. | |||
Englisch ist an zahlreichen Schulen die Unterrichtssprache. Dies gilt insbesondere für mehrere weiterführende Schulen und private Einrichtungen. Niederländisch wird vor allem in bestimmten Bildungsgängen verwendet, insbesondere am Milton Peters College, wo unter anderem HAVO-, VWO- und TKL-Programme auf Niederländisch angeboten werden. Daneben können Französisch und Spanisch als Fremdsprachen unterrichtet werden. Die Mehrsprachigkeit der Bevölkerung führt dazu, dass ein Teil der Schülerinnen und Schüler eine andere Muttersprache als die jeweilige Unterrichtssprache besitzt. | |||
Zu den englischsprachigen Einrichtungen gehört die Caribbean International Academy (CIA) in Cupecoy. Die Schule verwendet das kanadische Ontario Secondary School Program und bietet einen durchgehenden Lehrplan von Kindergarten beziehungsweise Grundstufe bis zur Sekundarstufe an. Die Schule gehört damit zum privaten internationalen Bildungsangebot von Sint Maarten und unterscheidet sich curricular von den niederländisch geprägten öffentlichen Bildungsgängen. | |||
Die St. Dominic High School ist eine weitere bedeutende Schule des niederländischen Inselteils. Sie ist seit 2010 eine vom International Baccalaureate anerkannte IB World School und bietet das International Baccalaureate Diploma Programme an. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Zum IB-Angebot gehören unter anderem Mathematik, Biologie, Physik, Chemie, Wirtschaft, Informatik, visuelle Künste, Englisch und Niederländisch. | |||
Für Schüler mit besonderem Förderbedarf besteht auf Sint Maarten unter anderem die Prins Willem Alexander School (PWAS). Sie ist die öffentliche Schule für spezielle Grundschulbildung und betreut insbesondere Kinder mit unterschiedlichen Lernschwierigkeiten. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Die Schule war Gegenstand einer staatlichen Untersuchung, nach der Reformen in den Bereichen Schulorganisation, Betreuung, Personal, Sicherheit und Qualitätssicherung eingeleitet wurden. | |||
Auch die berufliche Bildung ist Bestandteil des Bildungswesens. Sint Maarten verfügt unter anderem über die St. Maarten Vocational Training School und weitere berufsorientierte Bildungsgänge. Die Angebote reichen von praktisch ausgerichteten Programmen bis zu weiterführenden schulischen Abschlüssen. Damit besteht neben allgemeinbildenden Schulen ein eigener Bereich für die Vorbereitung auf Handwerk, technische Berufe, Dienstleistungen und andere Beschäftigungsfelder. | |||
Eine wichtige Rolle im tertiären Bildungsbereich besitzt die University of St. Martin (USM) in Philipsburg. Die Hochschule wurde 1989 offiziell eröffnet und entwickelte sich von einer Einrichtung mit zunächst wirtschafts- und allgemeinbildenden Associate-Abschlüssen zu einer Hochschule mit Associate-, Bachelor- und weiterführenden Studienangeboten. Das heutige Programm umfasst unter anderem Betriebswirtschaft, allgemeine Geistes- und Sozialwissenschaften, Hospitality and Tourism Management, Social Work, Elementary Education sowie digitale und informationstechnische Studiengänge. Über Kooperationen werden außerdem weiterführende Studienmöglichkeiten angeboten. | |||
Die USM bietet außerdem vorbereitende und weiterbildende Programme an. Dazu gehören unter anderem das General Educational Development (GED), Englisch als Zweitsprache (ESL), Erwachsenenbildung und der Caribbean Foundation Year. Das Caribbean Foundation Year richtet sich an junge Menschen, die nach der Sekundarschule eine weiterführende Ausbildung anstreben und sich dafür akademisch vorbereiten möchten. Der Unterricht erfolgt auf Englisch. | |||
Im französischen Teil Saint-Martin gilt das französische nationale Bildungssystem. Die allgemeine Schulpflicht beziehungsweise die Verpflichtung zur Bildung beginnt bereits mit drei Jahren und gilt bis zum vollendeten 16. Lebensjahr. Sie gilt sowohl für französische als auch für ausländische Kinder. Nach dem 16. Lebensjahr besteht in Frankreich zusätzlich eine Verpflichtung zur Ausbildung beziehungsweise zur Sicherstellung einer weiteren Bildungs- oder Ausbildungsperspektive bis zum 18. Lebensjahr. | |||
Die französischen Schulen sind in die üblichen Bildungsstufen des französischen Systems gegliedert. Auf die École maternelle folgt die École élémentaire, anschließend das Collège und danach das Lycée. Auf Saint-Martin bestehen mehrere öffentliche Grundschulen und weiterführende Einrichtungen. Zum Sekundarbereich gehören unter anderem das Lycée général et technologique Robert Weinum, das Lycée professionnel Daniella Jeffry sowie die Collèges Mont des Accords, Soualiga und Roche Gravée de Moho. | |||
Die Unterrichtssprache im französischen öffentlichen Schulwesen ist Französisch. Gleichzeitig ist Saint-Martin durch eine ausgeprägte Mehrsprachigkeit gekennzeichnet. Englisch besitzt im Alltag, im Handel und im Tourismus eine große Bedeutung; daneben werden unter anderem Spanisch und lokale französischbasierte Kreolsprachen gesprochen. Die Schulen müssen deshalb mit einer Schülerschaft arbeiten, deren sprachliche Hintergründe teilweise deutlich voneinander abweichen. Auch Kinder aus privaten Schulen oder aus häuslicher Bildung können bei einem Wechsel in das öffentliche französische System einer schulischen Leistungsüberprüfung unterzogen werden. | |||
Die Collectivité de Saint-Martin übernimmt wichtige Aufgaben im Bereich der schulischen Infrastruktur und der außerschulischen Betreuung. Dazu gehören unter anderem Einschreibungen für maternelle und CP, Schulverpflegung, Schülertransport und périscolaire-Angebote. Für das Schuljahr 2026/27 wurde die Einschreibung für maternelle und CP über ein neues digitales Familienportal organisiert. | |||
=== '''Höhere Bildung''' === | |||
Die wichtigste allgemeine Hochschule der Insel ist die University of St. Martin (USM) in Philipsburg auf dem niederländischen Teil. Hinzu kommt die American University of the Caribbean School of Medicine (AUC), deren Campus in Cupecoy liegt und die auf die Ausbildung von Ärzten spezialisiert ist. Die beiden Einrichtungen unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer Studienangebote als auch ihrer internationalen Ausrichtung. | |||
Die '''University of St. Martin''' wurde 1989 offiziell eröffnet. Sie entstand aus einer bereits in den frühen 1980er Jahren begonnenen Bildungseinrichtung und bot zunächst Associate-Abschlüsse in Betriebswirtschaft und General Liberal Arts sowie Studiengänge beziehungsweise Programme im Bereich Hospitality and Tourism an. Seitdem wurde das Angebot erheblich erweitert. Die USM versteht sich heute als zentrale Hochschule für Sint Maarten, Saint-Martin und die benachbarten karibischen Inseln. | |||
Das Studienangebot der USM umfasst gegenwärtig verschiedene Associate- und Bachelorprogramme. Zu den Bereichen gehören Betriebswirtschaft, allgemeine Geistes- und Sozialwissenschaften, Elementarpädagogik, Sozialarbeit, Hospitality and Tourism Management, Sprachen, darstellende Künste sowie Netzwerktechnik und digitale Technologien. Im Bereich Betriebswirtschaft wird unter anderem ein Bachelor of Arts in Business Administration Management angeboten. Hinzu kommen Associate-Abschlüsse in Business, General Liberal Arts und Hospitality and Tourism Management sowie ein Bachelorstudium in Elementary Education und Social Work. | |||
Neben regulären Studiengängen bietet die USM auch vorbereitende und weiterbildende Programme an. Dazu gehören das Caribbean Foundation Year, General Educational Development (GED), Englisch als Zweitsprache (ESL), einzelne frei belegbare Hochschulkurse sowie weitere Angebote der Erwachsenen- und beruflichen Weiterbildung. Das Caribbean Foundation Year dient insbesondere dazu, den Übergang von der Sekundarschule in die Hochschulbildung vorzubereiten. Für das Studienjahr 2026/27 begann der aktuelle Durchgang am 1. Oktober 2026. | |||
Die USM besitzt damit auch eine Funktion für Personen, die noch keinen direkten Zugang zu einem regulären Hochschulstudium haben oder ihre schulischen beziehungsweise sprachlichen Voraussetzungen verbessern möchten. Die Programme reichen deshalb von vorbereitenden Bildungsangeboten über Associate Degrees bis zu Bachelorabschlüssen. Gleichzeitig ermöglichen einzelne Kurse und Weiterbildungsangebote berufstätigen Erwachsenen eine Ergänzung ihrer Qualifikationen. | |||
Eine besondere Einrichtung der höheren Bildung ist die '''American University of the Caribbean School of Medicine'''. Die AUC befindet sich in Cupecoy auf Sint Maarten und ist auf die medizinische Hochschulausbildung spezialisiert. Sie bietet ein vierjähriges Doctor-of-Medicine-Programm nach US-amerikanischem Modell an. Die ersten Ausbildungsabschnitte werden auf dem Campus in Sint Maarten absolviert; anschließend wechseln die Studierenden für die klinische Ausbildung an angeschlossene Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten oder im Vereinigten Königreich. | |||
Im traditionellen Studienweg absolvieren die Studierenden zunächst die medizinisch-naturwissenschaftliche Ausbildung auf Sint Maarten. Dazu gehören unter anderem Molekular- und Zellbiologie, Histologie, Embryologie, Anatomie, Biochemie, Physiologie sowie die Grundlagen der medizinischen und klinischen Wissenschaften. Die klinische Ausbildung findet anschließend überwiegend außerhalb der Insel statt. Die AUC verfügt dafür über ein Netz angeschlossener Lehrkrankenhäuser in den USA und im Vereinigten Königreich. | |||
Die AUC ist damit keine medizinische Abteilung der University of St. Martin, sondern eine eigenständige medizinische Hochschule. Ihr Studium ist auf den Abschluss Doctor of Medicine (MD) ausgerichtet. Die Ausbildung folgt einem US-amerikanischen Curriculum und umfasst neben den medizinischen Fachgebieten auch klinische Fertigkeiten, Simulationstraining, medizinische Ethik und praktische Ausbildung. Die Einrichtung ist von der Accreditation Commission on Colleges of Medicine (ACCM) akkreditiert, die von Sint Maarten als zuständige Akkreditierungsorganisation für medizinische Ausbildung anerkannt wird. (aucmed.edu) | |||
Die klinische Ausbildung der AUC findet nicht vollständig auf Sint Maarten statt. Nach den ersten Ausbildungsjahren wechseln die Studierenden an Partnerkrankenhäuser in den USA oder im Vereinigten Königreich. Dort absolvieren sie die klinischen Rotationen in verschiedenen medizinischen Fachbereichen. Dadurch ist die medizinische Hochschulausbildung auf der Insel mit dem Gesundheitssystem und den medizinischen Ausbildungsstrukturen außerhalb der Karibik verbunden. | |||
Neben diesen beiden Einrichtungen ist das lokale Hochschulangebot vergleichsweise klein. Für zahlreiche Fachrichtungen, insbesondere für viele naturwissenschaftliche, technische, medizinische und spezialisierte Studiengänge, müssen Studierende ihre Ausbildung außerhalb der Insel fortsetzen. Dabei kommen insbesondere Hochschulen in den Niederlanden, Frankreich, den Vereinigten Staaten, Kanada, dem Vereinigten Königreich und anderen karibischen Staaten in Betracht. Die USM und die AUC decken deshalb nur einen Teil des gesamten Hochschul- und Ausbildungsbedarfs der Bevölkerung ab. | |||
=== '''Bibliotheken und Archive''' === | |||
Das Bibliotheks- und Archivwesen von Saint-Martin und Sint Maarten ist durch die politische Teilung der Insel in zwei unterschiedliche Systeme gegliedert. Auf dem niederländischen Teil bildet die Sint Maarten Library die zentrale öffentliche Bibliothek des Landes, während auf dem französischen Teil die Collectivité de Saint-Martin für die öffentlichen Bibliotheks- und Archivstrukturen zuständig ist. Neben der Vermittlung von Büchern und digitalen Medien haben diese Einrichtungen eine wichtige Funktion bei der Bewahrung der lokalen Geschichte und der kulturellen Überlieferung. | |||
Die heutige Sint Maarten Library geht auf die am 23. November 1923 gegründete Philipsburg Jubilee Library zurück. Die ursprüngliche Bibliothek entstand auf Initiative mehrerer Einwohner, darunter W. R. Plantz, C. M. Darrell, C. C. G. Philipszoon, A. C. Wathey und C. A. Beaujon. In den ersten Jahrzehnten wurde sie ehrenamtlich betrieben und wechselte mehrfach den Standort. In den späten 1950er beziehungsweise frühen 1960er Jahren entstand zusätzlich eine niederländische Kinderbibliothek des St. Maarten Cultural Centre. 1984 bezog die Bibliothek ein neues Gebäude und wurde zur ersten vollständig automatisierten Bibliothek der damaligen Niederländischen Antillen. Seit 1997 bestand auch ein Internetzugang. Nach den Hurrikanen Irma und Maria im Jahr 2017 wurden das Gebäude sowie große Teile der Bestände, Archive und technischen Ausstattung schwer beschädigt beziehungsweise zerstört. | |||
Seit November 2022 trägt die Einrichtung offiziell den Namen Sint Maarten Library. Sie unterhält neben dem Hauptstandort in Philipsburg auch Standorte beziehungsweise Zweigstellen in Cay Hill und Belvedere. Zu ihren regulären Leistungen gehören die Ausleihe gedruckter Bücher, Beratung und Recherchehilfe, Computer- und Internetzugang, Drucken und Scannen sowie Workshops, Vorlesestunden und andere Bildungs- und Kulturveranstaltungen. Die Bibliothek verfügt außerdem über digitale Angebote, darunter E-Books und Hörbücher über die Libby-Plattform. | |||
Die Bibliothek besitzt einen umfangreichen lokalen Bestand. Dazu gehören Bücher und Veröffentlichungen über Sint Maarten und die Karibik sowie lokale Zeitungen und Zeitschriften. Die Jahresberichte dokumentieren ausdrücklich die Möglichkeit, lokale Zeitungen und Magazine in der Bibliothek zu lesen. Die Einrichtung führt außerdem eine eigene Sint-Maarten-Sammlung und Bestände zur Geschichte und Kultur der Insel. Veranstaltungen zu lokalen Autoren, Literatur, Black History und dem kulturellen Erbe ergänzen die reine Bibliotheksfunktion. | |||
Eine wichtige Rolle spielt die digitale Vernetzung mit anderen Bibliotheken. Die Sint Maarten Library ist Partner der Digital Library of the Caribbean (dLOC). Sie trat diesem Verbund 2017 bei; ihr dortiger Bestand umfasst insbesondere Periodika. Die dLOC ist eine internationale digitale Sammlung karibischer Bibliotheken, Archive und Forschungseinrichtungen und ermöglicht den Zugang zu digitalisierten historischen und kulturellen Quellen. Zusätzlich besteht eine Verbindung zur Koninklijke Bibliotheek, der Nationalbibliothek der Niederlande. Dadurch können Benutzer neben den örtlichen Beständen auch auf umfangreiche niederländische und karibische digitale Ressourcen zugreifen. | |||
Die Sint Maarten Library arbeitet außerdem mit den Bibliotheken der benachbarten Inseln Saba und Sint Eustatius zusammen. Im Rahmen regionaler Kooperationen werden Erfahrungen, technische Kenntnisse und digitale Dienstleistungen ausgetauscht. 2024 wurden beispielsweise Möglichkeiten zur gemeinsamen Nutzung digitaler Bibliotheksangebote und zur Verbesserung des Zugangs zu E-Books und Hörbüchern erörtert. | |||
Auf dem französischen Teil Saint-Martin stellt die Collectivité über die Médiathèque territoriale und mehrere points de lecture Bücher, digitale Ressourcen und kulturelle Aktivitäten bereit. Die Einrichtungen dienen nicht nur der Ausleihe, sondern auch als Orte für Bildung, Begegnung und kulturelle Veranstaltungen. Literarische Veranstaltungen und Autorenbegegnungen gehören ebenfalls zum Programm. | |||
Eine besondere Bedeutung besitzt die Médiathèque de Concordia. Das ursprüngliche Gebäude wurde durch den Hurrikan Irma 2017 schwer beschädigt beziehungsweise zerstört. Die Collectivité verfolgt deshalb ein umfangreiches Wiederherstellungsprojekt. Die Einrichtung soll mit einer Bibliotheks- und Ludothekfunktion, kulturellen Räumen und einem Micro-Folie-Museum verbunden werden. Gleichzeitig wird das Gebäude als gegen Hurrikane gesicherter Schutzraum konzipiert. Im April 2026 wurde die Vergabe eines weiteren Bauabschnitts für die elektrische Ausstattung beschlossen; die Inbetriebnahme wurde für das dritte Quartal 2026 vorgesehen. | |||
Neben den Bibliotheken besitzt Saint-Martin eigene territoriale Archive. Die Direction archives territoriales ist innerhalb der Delegation für menschliche Entwicklung und Bürgerschaft als eigenständiger Verwaltungsbereich der Collectivité ausgewiesen. Damit verfügt der französische Inselteil über eine institutionelle Struktur zur Erfassung, Ordnung, Bewahrung und Bereitstellung von historischen und Verwaltungsunterlagen. | |||
Die Archive sind für die Erforschung der Geschichte Saint-Martins von besonderer Bedeutung. Zu den relevanten Quellenbereichen gehören Verwaltungsakten, historische Schriftstücke, Karten, Fotografien, Unterlagen zur Besiedlung und Landnutzung, Dokumente aus der Kolonialzeit sowie Materialien zur Entwicklung der heutigen Collectivité. Zusammen mit archäologischen Funden, Museumsbeständen und kirchlichen beziehungsweise privaten Sammlungen ermöglichen sie die Rekonstruktion der Geschichte der Insel über die verschiedenen politischen Perioden hinweg. | |||
Auch auf Sint Maarten existieren neben der öffentlichen Bibliothek dokumentarische und mediale Sammlungen. Die Regierung unterhält unter anderem eine Newspaper Library sowie Archive für Foto- und Videomaterial. Dazu kommen staatliche Veröffentlichungen, Pressemitteilungen, Reden, Broschüren und andere Dokumente. Diese Bestände dienen sowohl der Verwaltungsdokumentation als auch der historischen Überlieferung. | |||
== '''Kultur''' == | |||
Die beiden Inselteile repräsentieren die jeweilige Kultur der Mutterländer mit karibischen Einschlägen. | |||
=== '''Museen''' === | |||
Die Museen auf Saint Martin decken ein breites Spektrum von Geschichte, Natur, karibischer Piratenvergangenheit und sogar Filmkultur ab. | |||
Das Sint Maarten Museum in Philipsburg ist die wichtigste historische Museumseinrichtung auf der niederländischen Seite. Es befindet sich an der Front Street und dokumentiert die Geschichte von Sint Maarten von der vorkolonialen Zeit bis zur Gegenwart. Die Sammlung umfasst archäologische Funde, historische Gegenstände, Fotografien, Karten, Werkzeuge, Haushaltsgegenstände und andere Zeugnisse des früheren Alltagslebens. Einen wichtigen Bereich bilden die indigenen Kulturen, die europäische Kolonisierung und die Entwicklung der niederländischen Seite. Auch die Zeit der Plantagenwirtschaft und der Sklaverei wird behandelt. Das Museum zeigt darüber hinaus Gegenstände aus dem traditionellen Leben der Bevölkerung und vermittelt die Veränderungen, die durch Handel, Migration und Tourismus entstanden. | |||
Ein wichtiger Teil der historischen Museumsarbeit betrifft die vorkoloniale Vergangenheit. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung der Insel bereits mehrere Jahrtausende vor der Ankunft der Europäer. Keramik, Steinwerkzeuge, Muscheln und andere Fundstücke geben Hinweise auf Ernährung, Handwerk und Siedlungsweise der früheren Bevölkerung. Diese Funde sind besonders wichtig, weil die schriftlichen Quellen über die vorkoloniale Geschichte der Insel begrenzt sind. | |||
Auf der französischen Seite befindet sich in Marigot das Musée de Saint-Martin – Musée du Patrimoine, das sich mit dem historischen und kulturellen Erbe von Saint-Martin beschäftigt. Die Sammlung umfasst unter anderem archäologische Objekte, historische Haushaltsgegenstände, Werkzeuge, Fotografien und Dokumente. Behandelt werden die vorkoloniale Besiedlung, die europäische Kolonialgeschichte, die Entwicklung der Plantagenwirtschaft, die Sklaverei und die gesellschaftlichen Veränderungen bis in die Neuzeit. | |||
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Alltagsgeschichte. Neben politischen und wirtschaftlichen Ereignissen werden traditionelle Kleidung, landwirtschaftliche Geräte, Haushaltsgegenstände, Handwerk und Gegenstände des täglichen Lebens dokumentiert. Dadurch wird die Geschichte nicht ausschließlich anhand der Kolonialverwaltungen dargestellt, sondern auch anhand der Lebensweise der Bevölkerung. | |||
Die Geschichte der Sklaverei und ihrer Abschaffung bildet einen weiteren wichtigen Bereich der historischen Erinnerung. Auf Saint-Martin bestanden während der Kolonialzeit Plantagen, auf denen versklavte Menschen arbeiteten. Die französische Seite schaffte die Sklaverei 1848 ab, während sie im niederländischen Teil 1863 abgeschafft wurde. Museen und historische Einrichtungen beschäftigen sich deshalb mit den unterschiedlichen kolonialen Systemen und den langfristigen gesellschaftlichen Folgen der Sklaverei. | |||
Eine besondere historische Sehenswürdigkeit ist Fort Louis oberhalb von Marigot. Die Anlage ist kein Museum im engeren Sinne, gehört jedoch zu den wichtigsten historischen Stätten der französischen Inselhälfte. Die Befestigung wurde im 18. Jahrhundert ausgebaut und sollte Marigot Bay und die dortigen Handelsanlagen schützen. Von der Festung sind heute noch umfangreiche Mauerreste erhalten. Informationstafeln vermitteln Besuchern die Geschichte der Anlage und ihrer militärischen Funktion. | |||
Auf der niederländischen Seite gehört Fort Amsterdam zu den bedeutenden historischen Anlagen. Die Befestigung wurde 1631 von den Niederländern errichtet und steht in engem Zusammenhang mit der frühen niederländischen Besiedlung. Auch Fort Amsterdam ist kein klassisches Museum mit einer umfangreichen Dauerausstellung, besitzt aber für die historische Vermittlung der Insel große Bedeutung. Die Ruinen gehören zu den wichtigsten sichtbaren Zeugnissen der frühen Kolonialgeschichte von Sint Maarten. | |||
Das Yoda Guy Movie Exhibit in Philipsburg nimmt innerhalb der Museumslandschaft eine besondere Stellung ein. Die Sammlung geht auf den Masken- und Spezialeffektkünstler Nick Maley zurück, der an verschiedenen Filmproduktionen beteiligt war. Zu den ausgestellten Objekten gehören Modelle, Masken, Requisiten und Materialien aus der Filmproduktion. Das Museum beschäftigt sich damit weniger mit der Geschichte von Saint-Martin als mit Filmgeschichte und Spezialeffekten und stellt damit eine eher ungewöhnliche kulturelle Einrichtung der Insel dar. | |||
Daneben gibt es kleinere Ausstellungen und private Sammlungen, die sich mit der maritimen Geschichte beschäftigen. Die Lage Saint-Martins an wichtigen historischen Schifffahrtswegen führte über Jahrhunderte zu einer engen Verbindung mit Seefahrt, Fischerei, Handel und Hafenwirtschaft. Modelle, Werkzeuge, Navigationsgegenstände und Fotografien vermitteln teilweise diese maritime Vergangenheit. | |||
Die Museen und historischen Einrichtungen arbeiten teilweise mit Schulen und Kulturorganisationen zusammen. Führungen, Vorträge, Workshops und Sonderausstellungen dienen dazu, historische Kenntnisse an jüngere Generationen weiterzugeben. Besonders die Themen vorkoloniale Besiedlung, Sklaverei, Emanzipation, Teilung der Insel und kulturelle Vielfalt sind Bestandteil der historischen Bildungsarbeit. | |||
Auch Natur und Umwelt werden über Ausstellungen und Besucherzentren vermittelt. Dabei stehen insbesondere die geschützten Küstengebiete, Mangroven, Korallenriffe und die marine Tierwelt im Mittelpunkt. Die Réserve naturelle nationale de Saint-Martin auf der französischen Seite besitzt hierfür eine besondere Bedeutung, auch wenn sie selbst kein Museum ist. Informationen über Meeresschutz, Korallenriffe, Meeresschildkröten und andere geschützte Arten werden im Rahmen von Umweltbildungsprogrammen vermittelt. | |||
=== '''Architektur''' === | |||
Erste dauerhafte europäische Siedlungsansätze entstanden im 17. Jahrhundert. Die Niederländer errichteten 1631 eine kleine Befestigung und Siedlung am heutigen Philipsburg, während sich französische Siedler vor allem im Norden und Osten der Insel niederließen. Aus dieser Entwicklung entstand eine regional unterschiedliche, zugleich aber eng miteinander verbundene Baukultur. | |||
Auf dem französischen Inselteil Saint-Martin finden sich traditionelle karibische Wohnhäuser, die französische und westindische Bauformen miteinander verbinden. Ältere Gebäude besitzen häufig eine einfache rechteckige Grundform, teilweise zwei Geschosse, überdachte Veranden, hölzerne Balkone und Fensterläden. Die Gebäude wurden an das tropische Klima angepasst. Große Fenster und Türen ermöglichen eine Querlüftung, während Veranden und vorspringende Dächer Schutz vor Sonne und Niederschlägen bieten. Bei historischen Häusern wurden Holz, Naturstein und Kalkmörtel verwendet. In den älteren Ortskernen von Marigot und Grand Case sind einzelne Gebäude erhalten, die diese traditionelle Bauweise erkennen lassen. Durch Hurrikane, Brände, Umbauten und die starke bauliche Entwicklung seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist der historische Bestand jedoch nur noch teilweise erhalten. | |||
Ein charakteristisches Element der historischen Kulturlandschaft sind Trockenmauern, die auf Saint-Martin häufig als murs d’esclavage bezeichnet werden. Sie entstanden insbesondere im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Nutzung und der Abgrenzung von Grundstücken während der Plantagenzeit und wurden unter anderem von versklavten Menschen errichtet. Die Mauern bestehen aus lokal verfügbarem Stein, der ohne durchgehende Mörtelfugen aufgeschichtet wurde. Ihre Funktion bestand vor allem in der Abgrenzung und Terrassierung von Flächen sowie teilweise in der Einfassung landwirtschaftlich genutzter Grundstücke. Die Erklärung, ihre offene Bauweise sei speziell dazu entwickelt worden, starken Wind durchzulassen und dadurch Sturmschäden zu verringern, lässt sich nicht als allgemeines historisches Bauprinzip belegen. | |||
Auf dem niederländischen Teil Sint Maarten ist die historische Architektur besonders in Philipsburg erkennbar. Die Stadt entstand ab 1763 und entwickelte sich zu einem Handelszentrum am Great Bay. Entlang von Front Street und Back Street befinden sich historische Gebäude mit für die niederländische Karibik typischen Elementen. Dazu gehören schmale, mehrgeschossige Häuser, Holzdetails, überdachte Galerien, Fensterläden und steile beziehungsweise leicht geneigte Dächer. Die historische Bebauung wurde allerdings vielfach verändert oder durch Neubauten ersetzt. Niederländische Einflüsse zeigen sich deshalb weniger in einem einheitlichen Baustil als in einzelnen Gebäudetypen, Grundrissen und Fassadengestaltungen. | |||
Eine besondere Stellung nimmt die militärische Architektur ein. Fort Amsterdam bei Philipsburg wurde 1631 von den Niederländern errichtet und gehörte zu den frühen europäischen Befestigungsanlagen der Insel. Die Anlage lag strategisch oberhalb der Einfahrt zur Great Bay und sollte den Hafen und die niederländische Siedlung schützen. Später entstanden weitere Befestigungen beziehungsweise wurden bestehende Anlagen erweitert. Auf französischer Seite ist vor allem Fort Louis oberhalb der Marigot Bay von Bedeutung. Die heutige Anlage geht auf eine französische Befestigung zurück, die im späten 18. Jahrhundert ausgebaut wurde. Die Festungen gehören zu den wichtigsten erhaltenen baulichen Zeugnissen der kolonialen Geschichte der Insel. | |||
Neben den historischen Festungen prägen auch Kirchen, ehemalige Plantagengebäude, Friedhöfe, Speicher- und Handelsbauten sowie ältere Wohnhäuser die gebaute Kulturlandschaft. Die religiöse Architektur umfasst insbesondere katholische Kirchen auf der französischen Seite sowie protestantische und andere christliche Kirchen auf beiden Inselteilen. Wegen der unterschiedlichen kolonialen und administrativen Entwicklung weisen die Gebäude dabei teilweise französische beziehungsweise niederländisch-karibische Gestaltungselemente auf. | |||
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich die Architektur durch das starke Bevölkerungswachstum und die Entwicklung des Fremdenverkehrs grundlegend verändert. In Philipsburg, Simpson Bay, Cole Bay, Marigot, Grand Case, Orient Bay und anderen Siedlungsgebieten entstanden Hotels, Ferienanlagen, Apartmenthäuser, Villen, Einkaufszentren, Restaurants, Bürogebäude und technische Infrastruktur. Besonders auf dem niederländischen Teil nahm die Zahl größerer touristischer und kommerzieller Gebäude stark zu. Auf dem französischen Teil entstanden ebenfalls zahlreiche Ferienhäuser, kleinere Hotels und Apartmentanlagen, häufig in einer an regionalen Formen orientierten Gestaltung. | |||
Die moderne Architektur verwendet neben Beton, Stahl und Glas weiterhin Elemente der karibischen Bauweise. Überdachte Terrassen, Balkone, große Fenster, Sonnenschutz, helle Fassaden und offene Grundrisse sind bei vielen neueren Gebäuden anzutreffen. Gleichzeitig haben internationale Hotel-, Wohn- und Geschäftsarchitektur sowie Anforderungen an Hurrikansicherheit und moderne Gebäudetechnik die traditionelle Bauweise deutlich verändert. Die Gebäude müssen insbesondere hohen Windgeschwindigkeiten, Starkregen und der salzhaltigen Meeresluft standhalten. Nach schweren Hurrikanen wie Luis 1995 und Irma 2017 wurden zahlreiche Gebäude beschädigt oder vollständig neu errichtet, wodurch sich das Erscheinungsbild einzelner Orte zusätzlich veränderte. | |||
=== '''Bildende Kunst''' === | |||
Eine bedeutende Stellung im bildnerischen nimmt die Landschaftsmalerei ein. Zu den bekanntesten Künstlern der Insel gehört Sir Roland Richardson (1944–), Maler. Er wurde 1944 in Marigot geboren und arbeitet seit Jahrzehnten vor allem direkt vor dem Motiv, also „en plein air“. Seine Gemälde, Aquarelle, Pastelle und grafischen Arbeiten beschäftigen sich mit der Landschaft, Vegetation, Architektur und dem Alltagsleben von Saint-Martin. Zu seinen wiederkehrenden Motiven gehören unter anderem Flamboyantbäume, Küstenlandschaften, historische Häuser, Märkte und Menschen. Richardson verwendet neben Ölmalerei auch Aquarell, Pastell, Zeichnung und verschiedene Verfahren der Druckgrafik. Sein Werk ist in privaten und öffentlichen Sammlungen in der Karibik, Europa und Nordamerika vertreten. | |||
In Marigot befindet sich das Roland Richardson Gallery Museum in einem restaurierten historischen Gebäude in der Rue de la République. Dort werden Arbeiten des Künstlers zusammen mit dem historischen Gebäude und seinem Garten präsentiert. Die Galerie verbindet damit bildende Kunst mit der Geschichte und Architektur des französischen Inselteils. | |||
Eine weitere wichtige Vertreterin der lokalen Kunst ist Ruby Bute, die insbesondere als Malerin, Erzählerin und Kulturvermittlerin bekannt wurde. Sie wurde 1943 auf Aruba geboren und kehrte 1976 zu ihren familiären Wurzeln nach Saint-Martin zurück. Ihre Arbeiten greifen häufig karibische Landschaften, Menschen, Pflanzen und Alltagsszenen auf. Unter ihrem Namen ist die Silk Cotton Gallery auf Saint-Martin mit ihrem künstlerischen Schaffen verbunden. Auch aus beschädigten Gebäudeteilen und alten Fensterläden entstanden nach dem Hurrikan Irma bemalte Kunstwerke, wodurch zerstörte Bauelemente in neue künstlerische Arbeiten überführt wurden. | |||
Neben Richardson und Bute gehören weitere auf der Insel arbeitende Maler, Bildhauer und Kunsthandwerker zur lokalen Kunstszene. Zu den genannten Künstlern zählen unter anderem Ras Mosera und Constant Griffith sowie Künstler verschiedener Herkunft, die zeitweise oder dauerhaft auf Saint-Martin beziehungsweise Sint Maarten arbeiten. Auch der US-amerikanische Künstler Romare Bearden hielt sich über längere Zeit auf Saint-Martin auf und verwendete Motive der Insel und der Karibik in seinem Werk. | |||
Die Galerien der Insel präsentieren sowohl Malerei und Skulptur als auch Kunsthandwerk. Ein Beispiel ist The Art Box Gallery in Cole Bay auf Sint Maarten. Die Galerie befindet sich an der Welfare Road und führt Arbeiten von mehr als 30, überwiegend karibischen Künstlern. Zum Angebot gehören Originalgemälde, Reproduktionen, Skulpturen, Keramik, antike Karten, handgefertigter Schmuck, handbemalte Textilien und Korbwaren. Damit verbindet die Galerie den Verkauf bildender Kunst mit lokalem und regionalem Kunsthandwerk. | |||
Das Kunsthandwerk überschneidet sich dabei teilweise mit der bildenden Kunst. Schmuck aus Silber und Gold, Arbeiten mit Edelsteinen und Perlen, Keramik, Holzarbeiten, Skulpturen, Korbwaren und textile Arbeiten werden sowohl von spezialisierten Kunsthandwerkern als auch von Künstlern hergestellt. Die verwendeten Motive greifen häufig Pflanzen, Tiere, maritime Themen, karibische Landschaften und Elemente der lokalen Kultur auf. Die Art Box Gallery führt beispielsweise neben Gemälden auch Schmuck, Keramik, Skulpturen und textile Arbeiten regionaler Künstler. | |||
Eine besondere Form des öffentlichen künstlerischen Ausdrucks ist die Wandmalerei. In Philipsburg entstanden Wandbilder in verschiedenen Gassen und öffentlichen Bereichen, die unter anderem historische Themen und Personen der Inselgeschichte darstellen. Dadurch wird bildende Kunst nicht nur in Galerien, sondern auch im öffentlichen Raum präsentiert. | |||
Nach dem Hurrikan Irma im September 2017 gewann die künstlerische Gestaltung beschädigter oder neu entstandener öffentlicher Räume zusätzlich an Bedeutung. Künstler nutzten unter anderem beschädigte Gebäudeteile und andere Materialien für neue Arbeiten. Die Verbindung von Kunst und Wiederaufbau zeigt sich damit sowohl in Wandmalereien als auch in der Wiederverwendung von Materialien. Die Darstellung solcher Arbeiten als allgemeines „Symbol der Hoffnung“ ist allerdings eine Interpretation und sollte nicht als einheitliche Bedeutung sämtlicher nach Irma entstandener Wandbilder dargestellt werden. | |||
=== '''Literatur''' === | |||
Die Literatur von Saint-Martin/Sint Maarten ist durch die mehrsprachige und historisch vielfältige Bevölkerung der Insel geprägt. Französische, englische und kreolische Sprachtraditionen bestehen nebeneinander, während die niederländische Kolonialgeschichte ebenfalls Spuren in der schriftlichen Überlieferung hinterlassen hat. Eine eigenständige Inseltradition entwickelte sich sowohl in mündlichen Erzählformen als auch in Gedichten, Romanen, autobiografischen Texten, historischen Arbeiten und journalistischen Veröffentlichungen. | |||
Eine wichtige Grundlage der lokalen Literatur bildet die mündliche Überlieferung. Geschichten über die vorkoloniale Bevölkerung, die europäische Besiedlung, die Zeit der Plantagenwirtschaft, die Sklaverei und ihre Abschaffung sowie über das Leben in den einzelnen Ortschaften wurden über Generationen weitergegeben. Dazu gehören Erzählungen über historische Persönlichkeiten, Familiengeschichten, lokale Ortsnamen und übernatürliche Geschichten. Diese mündliche Tradition ist besonders für die Bewahrung von Erinnerungen aus Zeiten bedeutsam, aus denen nur wenige schriftliche Quellen aus der Perspektive der lokalen Bevölkerung erhalten sind. | |||
Die Geschichte der Insel ist ein wiederkehrendes Thema der Literatur. Autoren beschäftigen sich mit der spanischen, französischen, niederländischen und britischen Kolonialzeit, der Teilung der Insel im Jahr 1648, der Plantagenwirtschaft und der Sklaverei. Auch die Abschaffung der Sklaverei und die gesellschaftlichen Veränderungen des 19. und 20. Jahrhunderts finden Eingang in historische und literarische Arbeiten. Die Erinnerung an die versklavte Bevölkerung und ihre Nachkommen bildet dabei einen wichtigen Bestandteil der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. | |||
Ein weiterer Schwerpunkt ist die kulturelle Identität. Die Bevölkerung von Saint-Martin/Sint Maarten setzt sich aus Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, weshalb Literatur häufig Fragen nach Zugehörigkeit, Mehrsprachigkeit und dem Verhältnis zwischen lokaler und internationaler Kultur behandelt. Die politische Grenze zwischen dem französischen Saint-Martin und dem niederländischen Sint Maarten ist dabei ebenfalls ein wiederkehrendes Thema. Literarische und autobiografische Texte können die Insel als einen gemeinsamen Lebensraum darstellen, obwohl sie administrativ zwei unterschiedlichen politischen Systemen angehört. | |||
Migration ist ebenfalls ein bedeutendes Motiv. Im 20. und 21. Jahrhundert kamen Menschen aus zahlreichen karibischen Staaten sowie aus Europa, Nordamerika und Lateinamerika auf die Insel. Diese Bevölkerungsbewegungen beeinflussten die Alltagssprache, Familienstrukturen und kulturellen Beziehungen. In literarischen Arbeiten werden deshalb Erfahrungen von Migration, Heimat, sprachlicher Zugehörigkeit und dem Leben zwischen verschiedenen kulturellen Traditionen behandelt. | |||
Die Mehrsprachigkeit zeigt sich unmittelbar in der Literatur. Auf der französischen Seite entstehen Texte vor allem auf Französisch und in französischbasierten kreolischen Sprachformen, während auf Sint Maarten Englisch die wichtigste literarische und journalistische Sprache ist. Niederländisch spielt aufgrund des politischen Status von Sint Maarten als Land innerhalb des Königreichs der Niederlande ebenfalls eine Rolle, ist im alltäglichen literarischen Leben jedoch weniger dominant als Englisch. Daneben können Spanisch und weitere Sprachen der eingewanderten Bevölkerung auftreten. | |||
Auch die natürliche Umwelt der Insel findet Eingang in die Literatur. Meer, Strände, Buchten, Korallenriffe, Salzseen, trockene Hügel und tropische Vegetation dienen als Motive in Gedichten, Erzählungen und anderen Texten. Gleichzeitig beschäftigen sich Sachbücher und journalistische Arbeiten mit Fragen des Küstenschutzes, der Meeresökologie, der Hurrikane und der Auswirkungen des starken Tourismus auf die Umwelt. | |||
Zu den wichtigen literarischen Ausdrucksformen gehören Gedichte, Kurzgeschichten, Romane und persönliche Erinnerungen. Daneben existiert eine umfangreiche nichtfiktionale Literatur über Geschichte, Genealogie, Kultur und Politik der Insel. Historische Publikationen dokumentieren unter anderem die koloniale Entwicklung, die Sklaverei, die Teilung von 1648 und die Entwicklung der modernen Gesellschaft. Reiseführer und touristische Literatur bilden einen weiteren Bereich, wobei dort naturgemäß stärker die touristische Nutzung und Sehenswürdigkeiten im Mittelpunkt stehen. | |||
=== '''Theater''' === | |||
Auf der niederländischen Seite spielt das Indisu Dance Theater eine wichtige Rolle in der Vermittlung von Tanz und darstellender Kunst. Die Einrichtung bietet Unterricht und Trainingsmöglichkeiten für verschiedene Altersgruppen und verbindet tänzerische Ausbildung mit öffentlichen Aufführungen. Damit richtet sich das Angebot nicht ausschließlich an professionelle Tänzer, sondern besitzt auch eine Funktion in der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen. | |||
Tanz nimmt insgesamt einen größeren Stellenwert ein als das klassische Sprechtheater. Die enge Verbindung zur karibischen Musik zeigt sich bei Aufführungen von traditionellen und modernen Tänzen ebenso wie bei Bühnenprogrammen während des Karnevals. Choreografien greifen unter anderem Soca, Calypso, Reggae, Zouk und andere karibische Musikrichtungen auf. Gleichzeitig werden moderne Tanzformen und internationale Stilrichtungen vermittelt. | |||
Während des Karnevals finden zahlreiche Aufführungen statt, bei denen Tanzgruppen, Musiker und Sänger gemeinsam auftreten. Paraden und Bühnenprogramme verbinden Musik, Choreografie, Kostüme und szenische Elemente. Dadurch entstehen Aufführungen, die zwischen Konzert, Tanzveranstaltung und Straßentheater liegen. Auch kleinere lokale Feste nutzen diese Formen der darstellenden Kunst. | |||
Schauspiel wird außerdem durch Schulen und Kulturorganisationen vermittelt. Schulische Theateraufführungen bieten Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten, Schauspiel, Sprache, Bewegung und Bühnenpräsentation praktisch zu erlernen. Zu den dabei vermittelten Bereichen gehören neben dem Schauspiel auch Grundlagen der Regie, Choreografie, Bühnenausstattung und Veranstaltungsorganisation. Solche Projekte haben insbesondere für die Nachwuchsförderung Bedeutung, da nur wenige eigenständige professionelle Theaterinstitutionen auf der Insel bestehen. | |||
Die Mehrsprachigkeit der Insel prägt auch die darstellenden Künste. Aufführungen können auf Englisch, Französisch oder in lokalen kreolischen Sprachformen stattfinden. Bei internationalen Veranstaltungen wird teilweise auch Spanisch verwendet. Die unterschiedlichen Sprachtraditionen ermöglichen es, sowohl die französische als auch die niederländisch-karibische und die englischsprachige Kultur der Insel einzubeziehen. | |||
Neben eigentlichen Theaterproduktionen gehören Lesungen, Poetry-Veranstaltungen, Comedy, musikalische Bühnenprogramme und kulturelle Präsentationen zum lokalen Veranstaltungsangebot. Insbesondere kleinere Veranstaltungen werden in Restaurants, Bars und Clubs durchgeführt. Open-Air-Veranstaltungen bieten wegen des tropischen Klimas zusätzliche Möglichkeiten für Bühnenprogramme und kulturelle Aufführungen. | |||
=== '''Film''' === | |||
Das '''Megaplex 7''' ist das bekannteste Kino in St. Maarten mit moderner Ausstattung, in dem neben Filmen auch gelegentlich kulturelle Events stattfinden. | |||
Der Hollywood-Filmb „Speed 2: Cruise Control“ (1997) mit Sandra Bullock zeigt in der Schlusssequenz eine computergenerierte Version von Marigot, der Hauptstadt im französischen Teil. Viele Bewohner der Insel erinnern sich an die Dreharbeiten und die Enthüllung des Films, der die karibische Kulisse eindrucksvoll nutzt. | |||
Die Reality-TV-Serie „Below Deck“, die das Leben auf Luxusyachten zeigt, wurde mehrfach auf Sint Maarten gedreht, da die Insel ein wichtiger Yacht-Hafen in der Karibik ist. | |||
Der Film „Once Around“ (1991) ist eine romantische Komödie, die teilweise auf Saint Martin spielt. Eine ikonische Szene zeigt ein Tanz-Paar auf dem Dach des Simpson Bay Resort. | |||
Der niederländische Film „The Heineken Kidnap“ spielt zwar nicht direkt auf Saint Martin, nutzt aber die Insel wegen ihrer besonderen Rechtslage in der Geschichte und als Versteck für die Entführer des CEO der Brauerei Heineken. | |||
Die französische Serie „Saint Martin – Abenteuer unter Palmen“ (Les vacances de l’amour, 1996is 1998) ist eine Soap, die auf Saint Martin spielt und Touristik sowie Beziehungsdramen in der Karibik thematisiert. | |||
Es gibt zudem Dokumentationen und Reisefilme, wie „Island Fever“, die das Leben, die Natur und Kultur der Insel beleuchten. Berichte über den Hurrikan Irma und seine Folgen sind auch Thema in Reportagen und Fernsehdokumentationen. | |||
=== '''Musik und Tanz''' === | |||
Die Musikkultur von Saint-Martin/Sint Maarten ist durch die Verbindung afrokaribischer, europäischer und lateinamerikanischer Traditionen geprägt. Die politische Teilung der Insel hat dabei keine scharfe musikalische Grenze geschaffen. Musiker, Bands, Tanzgruppen und Veranstalter treten auf beiden Seiten auf, während englische, französische und kreolische Texte nebeneinander verwendet werden. Musik erfüllt sowohl eine unterhaltende als auch eine gesellschaftliche und kulturelle Funktion und spielt insbesondere bei Karneval, Straßenfesten, Familienfeiern und anderen öffentlichen Veranstaltungen eine wichtige Rolle. | |||
Calypso gehört zu den traditionellen Musikrichtungen der Karibik und ist auch auf Saint-Martin/Sint Maarten Bestandteil der lokalen Festkultur. Charakteristisch sind rhythmische Begleitung und häufig textorientierte Lieder, in denen gesellschaftliche Ereignisse, Alltag, Politik und persönliche Erfahrungen behandelt werden. Die Tradition entwickelte sich besonders auf Trinidad und Tobago und verbreitete sich von dort über zahlreiche karibische Inseln. Auf Saint-Martin ist Calypso vor allem mit dem Karneval und den dort ausgetragenen Calypso-Wettbewerben verbunden. | |||
Eng damit verbunden ist Soca. Die auf Trinidad entstandene Musikrichtung entwickelte sich aus Calypso und nahm Einflüsse unter anderem aus Soul und Funk auf. Auf Sint Maarten ist Soca besonders während der Karnevalszeit verbreitet. Schnelle Rhythmen, stark betonte Percussion und tanzorientierte Arrangements bestimmen viele Auftritte. Neben Calypso und Soca gehören Reggae, Dancehall, Zouk, Kompa, R&B, Hip-Hop, Jazz, Blues und verschiedene Formen lateinamerikanischer Musik zum Repertoire der lokalen Musikszene. | |||
Zouk besitzt wegen der französischen und französisch-karibischen Verbindungen eine besondere Bedeutung. Die Musikrichtung entstand in den französischen Antillen und wurde vor allem durch Musiker aus Guadeloupe und Martinique international bekannt. Auf Saint-Martin gehört Zouk sowohl zur Unterhaltungsmusik als auch zum Repertoire bei Festen und Tanzveranstaltungen. Hinzu kommen karibische Musikformen aus anderen Inselstaaten, die durch die internationale Bevölkerung nach Saint-Martin gelangten. | |||
Eine weitere wichtige Tradition ist die Steelpan-Musik. Steelpans entstanden in Trinidad und Tobago und bestehen aus unterschiedlich gestimmten Metallinstrumenten, die aus Stahlfässern entwickelt wurden. Auf Saint-Martin werden Steelpan-Ensembles insbesondere bei kulturellen Veranstaltungen, Karnevalsumzügen und anderen öffentlichen Festen eingesetzt. Die Instrumente sind Teil der afrokaribischen Musikkultur und werden häufig mit Calypso und Soca kombiniert. | |||
Eine besondere Stellung besitzt der Ponum-Tanz. Ponum wird als traditioneller Tanz von Sint Maarten gepflegt und ist eng mit der Geschichte der Emanzipation der ehemals versklavten Bevölkerung verbunden. Die Tradition wird mit dem Ende der Sklaverei auf der französischen Seite im Jahr 1848 in Verbindung gebracht. Bei der Abschaffung der Sklaverei auf den niederländischen Kolonialgebieten kam es dagegen erst 1863 zur gesetzlichen Aufhebung. Der Tanz wird daher heute auch als Bestandteil des historischen und kulturellen Erbes der Insel verstanden. | |||
Beim Ponum bilden die Tänzerinnen und Tänzer traditionelle Bewegungsformen und Schrittfolgen, die von Musik und Gesang begleitet werden. Die Aufführung besitzt einen gemeinschaftlichen Charakter und wird insbesondere bei kulturellen Veranstaltungen gezeigt. Die Tradition war im 20. Jahrhundert zeitweise stark zurückgegangen und wurde später durch Kulturvereine, Schulen und lokale Kulturschaffende wieder stärker gepflegt. Heute gehört Ponum zu den Tänzen, mit denen die Geschichte der Insel und insbesondere die Erinnerung an die Abschaffung der Sklaverei vermittelt wird. | |||
Der Karneval ist der wichtigste wiederkehrende Rahmen für öffentliche Musik- und Tanzveranstaltungen. Auf Sint Maarten findet der Carnival mit Paraden, Steelbands, Calypso- und Soca-Auftritten, Tanzgruppen und Wettbewerben statt. Ein wesentlicher Bestandteil ist der Grand Carnival Parade in Philipsburg. Die Kostüme, Wagen, Musikgruppen und Tanzformationen ziehen dabei durch die Straßen der Hauptstadt. Der Karneval verbindet Unterhaltung mit lokalen musikalischen Traditionen und bietet Musikern und Tanzgruppen eine öffentliche Bühne. | |||
Zu den Wettbewerben gehört der Calypso Monarch, bei dem Sänger mit selbst verfassten Calypso-Liedern gegeneinander antreten. Die Texte behandeln häufig aktuelle Ereignisse und gesellschaftliche Themen. Für Nachwuchsmusiker gibt es unter anderem Junior-Calypso-Veranstaltungen. Dadurch wird die Calypso-Tradition auch an jüngere Generationen weitergegeben. | |||
Neben dem Karneval gibt es zahlreiche kleinere Konzerte, Straßenfeste, Kulturveranstaltungen und Musikabende. Bars, Restaurants und Hotels veranstalten regelmäßig Live-Musik mit lokalen und internationalen Musikern. Dabei reicht das Programm von karibischer Tanzmusik über Jazz und Blues bis zu Rock, Reggae und moderner Popmusik. Durch den internationalen Tourismus treten auf der Insel außerdem Musiker aus anderen karibischen Staaten, Nordamerika und Europa auf. | |||
Auch elektronische Musik hat einen festen Platz in der modernen Veranstaltungskultur. Das SXM Festival, das seit 2016 auf Saint-Martin stattfindet, verbindet elektronische Musik mit Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten der Insel. DJs und Produzenten aus verschiedenen Ländern treten dabei unter anderem in Strandclubs, Bars und anderen Veranstaltungsorten auf. Das Festival gehört damit zu den internationalen Musikveranstaltungen, die Saint-Martin über die traditionelle karibische Musik hinaus als Veranstaltungsort etabliert haben. | |||
Die lokale Musikszene umfasst sowohl professionelle Musiker als auch zahlreiche Amateur- und Gemeinschaftsgruppen. Schulen, Kulturvereine und Jugendprogramme tragen zur Vermittlung von Musik und Tanz bei. Dabei werden traditionelle Formen wie Ponum und Calypso ebenso weitergegeben wie moderne Musikrichtungen. Die Mehrsprachigkeit der Insel spiegelt sich auch in den Liedtexten wider: Englisch, Französisch, französisch- und englischbasierte Kreolsprachen sowie Spanisch kommen je nach Künstler und Publikum zum Einsatz. | |||
=== '''Kleidung''' === | |||
Die traditionelle Kleidung auf Saint Martin und Sint Maarten ist eng mit der karibischen Kultur und Geschichte der Insel verbunden. Ein besonders markantes Element ist der ''Madras''-Stoff, der ursprünglich aus Madras (Indien) stammt und im karibischen Raum weit verbreitet ist. Er wird in einem farbenprächtigen Patchwork-Stil verwendet und ist Bestandteil der traditionellen Frauenkleidung. Das Outfit besteht meist aus fünf Teilen: einer weißen Baumwoll- oder Poplin-Bluse mit französischem Stickerei-Detail (Broderie Anglaise) und roten Bändern, einem bodenlangen Rock mit Spitzen und roten Bändern, einem kürzeren Überrock aus Madras-Stoff, einem Kopftuch (Tête en l’air), das je nach Bindungsart den Familienstand einer Frau signalisiert, sowie einem dreieckigen Seidenschal, der bei offiziellen Anlässen und traditionellen Tänzen getragen wird. | |||
Die Kopfbedeckung (''Tête en l’air'') symbolisiert durch die Anzahl der Spitzen, die sichtbar gebunden sind, den Beziehungsstatus der Frau: eine Spitze bedeutet Single, zwei verheiratet, drei verwitwet oder geschieden, vier offen für Werbungen. | |||
Diese Kleidung wird oft bei kulturellen Feiern, traditionellen Tänzen wie dem Quadrille (dem Nationaltanz) und nationalen Festtagen getragen und gilt als Symbol des karibischen Erbes und der Identität der Inselbewohner. | |||
Neben der traditionellen Tracht ist auf der Insel das tägliche Kleidungsverhalten von lässiger, leichter Sommerkleidung geprägt, die dem tropischen Klima entspricht. Für formelle Anlässe wird oft ein eleganter, smarter Casual-Look bevorzugt, während am Strand Badebekleidung üblich ist. | |||
Es gibt auch künstlerische Verbindungen, wie die „Titah Frock“-Puppen, die mit bunten Patchwork-Kleidern aus Madras-Stoff geschmückt werden, was die kulturelle Bedeutung und Handwerkskunst rund um die traditionelle Kleidung unterstreicht. | |||
=== '''Kulinarik und Gastronomie''' === | |||
Die Inselküche unterscheidet sich zwischen dem französischen und dem niederländischen Teil, wobei sich die gastronomischen Traditionen aufgrund der engen räumlichen Verbindung der beiden Inselhälften überschneiden. Besonders deutlich ist die internationale Ausrichtung in den touristischen Zentren, in denen neben einheimischen Gerichten französische, italienische, amerikanische, asiatische und lateinamerikanische Küche angeboten werden. | |||
Auf der französischen Seite besitzt Grand Case eine besonders hohe Dichte an Restaurants. Der Ort ist für seine Restaurants entlang der Hauptstraße und an der Bucht bekannt. Neben gehobener französischer Küche werden dort kreolische Gerichte, Fisch und Meeresfrüchte sowie karibische Spezialitäten angeboten. Eine lokale Besonderheit sind die sogenannten Lolos. Dabei handelt es sich um einfache, meist familiengeführte Grillrestaurants, in denen Fleisch und Fisch auf großen Grills zubereitet und mit Reis, Bohnen, Salat, Gemüse, Kochbananen oder anderen Beilagen serviert werden. Die Lolos gehören zu den charakteristischen Einrichtungen der Gastronomie von Grand Case und verbinden eine einfache Zubereitung mit traditionellen karibischen Speisen. | |||
Zu den typischen Gerichten der kreolischen Küche gehören gegrillter oder gebratener Fisch, Hummer, Languste, Muscheln, Krabben und andere Meeresfrüchte. Fisch und Meeresfrüchte haben aufgrund der Lage der Insel und der traditionellen Fischerei einen festen Platz in der Ernährung. Zubereitet werden sie unter anderem gegrillt, gebraten, geschmort oder in würzigen Saucen. Auch Fischsuppen und Eintöpfe sind Bestandteil der regionalen Küche. | |||
Ein bekanntes Gericht der französischen Karibik ist Colombo. Dabei handelt es sich um ein gewürztes Schmorgericht, das mit Fleisch, Geflügel oder Fisch zubereitet werden kann. Die Gewürzmischung enthält unter anderem Kurkuma, Koriander, Kreuzkümmel und weitere Gewürze. Colombo ist vor allem in den französischen Antillen verbreitet und gehört auch auf Saint-Martin zum kulinarischen Repertoire. Ebenfalls verbreitet sind Accras, kleine frittierte Küchlein, die häufig aus Kabeljau oder anderen Zutaten hergestellt und mit Gewürzen, Kräutern und Gemüse vermischt werden. | |||
Weitere typische Bestandteile der karibischen Küche sind Kochbananen, Maniok, Süßkartoffeln, Yams, Reis und Bohnen. Kochbananen werden gebraten oder frittiert und sowohl zu Fleisch- als auch zu Fischgerichten gereicht. Aus Maniok werden unter anderem Beilagen und verschiedene Teig- und Fladenprodukte hergestellt. Gewürze, Knoblauch, Zwiebeln, Frühlingszwiebeln, Thymian und scharfe Paprika spielen bei der Zubereitung vieler Gerichte eine wichtige Rolle. | |||
Auch Geflügel und Schweinefleisch werden häufig verwendet. Fleisch wird gegrillt, geschmort oder in würzigen Saucen zubereitet. Eine weitere typische Zubereitungsart der Karibik ist das langsame Schmoren, bei dem Fleisch zusammen mit Gemüse, Kräutern und Gewürzen gegart wird. Dazu kommen Reisgerichte und Salate. In vielen Restaurants werden traditionelle karibische Gerichte mit französischen Zubereitungsarten kombiniert. | |||
Die französische Prägung zeigt sich besonders bei Brot, Gebäck, Käse, Desserts und der Restaurantküche. Baguettes, Croissants, Tarte, Crêpes und französische Käseprodukte sind auf Saint-Martin weit verbreitet. Dazu kommen französische Weine und andere importierte Produkte. In den Restaurants von Marigot, Grand Case und Orient Bay reicht das Angebot von einfachen lokalen Gerichten bis zu klassischer französischer und moderner internationaler Küche. | |||
Auf Sint Maarten ist die Küche stärker von der niederländischen und internationalen Karibik geprägt. Typische niederländische Einflüsse finden sich unter anderem bei Käse, Brot, Snacks und bestimmten Fleischgerichten. Gleichzeitig spielen karibische Gerichte eine große Rolle. Zu den verbreiteten Speisen gehören gegrilltes Fleisch, Fisch, Reisgerichte, Bohnen, Kochbananen und verschiedene Eintöpfe. Durch die starke Einwanderung aus anderen karibischen Staaten, Lateinamerika und Asien ist das gastronomische Angebot zusätzlich erweitert worden. | |||
Eine wichtige Spezialität der niederländischen Karibik ist Johnny Cake. Dabei handelt es sich um ein flaches, gebackenes oder gebratenes Mais- beziehungsweise Mehlbrot, das als Beilage oder zusammen mit Fisch, Fleisch und anderen Speisen gegessen wird. Ebenfalls verbreitet sind Pastechi, gefüllte Teigtaschen, die insbesondere auf den ABC-Inseln und in anderen niederländisch geprägten Teilen der Karibik bekannt sind und durch Migration auch auf Sint Maarten angeboten werden. | |||
Die Gastronomie von Sint Maarten ist außerdem stark durch die Einwanderung geprägt. Neben karibischen Gerichten gibt es Restaurants mit chinesischer, indischer, indonesischer, italienischer, mexikanischer, amerikanischer, französischer und lateinamerikanischer Küche. Diese Vielfalt hängt mit der internationalen Bevölkerung der Insel ebenso zusammen wie mit dem Tourismus. In Philipsburg, Simpson Bay, Cole Bay und Maho konzentrieren sich zahlreiche Restaurants, Bars und Cafés auf die unterschiedlichen Besuchergruppen. | |||
Eine besondere Rolle spielen alkoholische Getränke. Rum ist in der gesamten Karibik ein traditionelles Getränk und wird auf Saint-Martin sowohl pur als auch in Cocktails verwendet. Rum-Punsch gehört zu den verbreiteten Getränken. Daneben werden Cocktails mit Fruchtsäften, Limetten, Ananas, Mango und anderen tropischen Früchten zubereitet. Auf der französischen Seite sind außerdem französische Weine, Liköre und Spirituosen Bestandteil des gastronomischen Angebots, während auf Sint Maarten auch niederländische und internationale Bier- und Spirituosenmarken verbreitet sind. | |||
Tropische Früchte werden sowohl frisch als auch für Getränke und Nachspeisen verwendet. Dazu gehören Mango, Papaya, Ananas, Guave, Banane, Kokosnuss und Passionsfrucht. Fruchtsäfte und Fruchtmischgetränke sind in Restaurants, Bars und an Stränden verbreitet. | |||
Die Gastronomie ist eng mit dem Tourismus verbunden. In den Kreuzfahrtgebieten von Philipsburg und entlang der touristisch erschlossenen Küsten entstanden zahlreiche Restaurants, Bars und Cafés, die auf Tagesgäste und internationale Besucher ausgerichtet sind. Auf der französischen Seite konzentriert sich ein bedeutender Teil des gastronomischen Angebots auf Grand Case, Marigot und Orient Bay. Neben traditionellen Lokalen existieren dort zahlreiche Restaurants der gehobenen Preisklasse. | |||
'''Typische Gerichte''': | |||
* '''Conch & Dumplings mit Reis und Erbsen''': Das Nationalgericht auf der niederländischen Seite. Dabei wird die Muschel (Conch) zart gekocht und mit Knödeln und einer würzigen Sauce serviert, begleitet von Reis und Bohnen. | |||
* '''Callaloo-Suppe''': Nationalgericht der französischen Seite, eine dicke grüne Suppe aus Blattgemüse, Schweinefleisch, Okra, Thymian und Gewürzen. Sie ist nahrhaft und ein Genuss, der oft bei Familientreffen serviert wird. | |||
* '''Johnny Cakes''': Flache, leicht süße Brötchen, die als Beilage zu vielen Gerichten gegessen werden. | |||
* '''Gefüllte Krabbenrücken, Ziegen-, Bullenfuß- oder Ochsenschwanz-Eintopf''': Herzhafte Suppen und Eintöpfe, die würzig und sättigend sind. | |||
* '''Karibische Grillgerichte''' wie Hühnchen, Schweinefleisch und frische Meeresfrüchte, oft begleitet von Reis, Kochbananen (plantains) und lokalen Gemüsearten. | |||
* '''Stockfisch''' (gesalzener Kabeljau) wird vielseitig verwendet, von Eintöpfen bis zum Frühstück mit Johnny Cakes. | |||
* '''Hummer Thermidor''' spiegelt den französischen Einfluss wider, eine delikate und luxuriöse Zubereitung von Hummer mit Sahnesoße und Käse überbacken. | |||
* '''Souse''': Eine klare, würzige Brühe mit Fleischsorten und Gemüse, oft als erfrischende Mahlzeit oder Snack serviert. | |||
=== '''Festkultur''' === | |||
Auf der Insel gelten die französischen bzw. niederländischen Feiertage. | |||
* 1. Januar - Neujahr | |||
* Mitte Februar - Aschermittwoch | |||
* Ende März / Anfang April - Ostern | |||
* 1. Mai - Tag der Arbeit | |||
* 8. Mai - Tag des Sieges | |||
* Ende Mai / Anfang - Christi Himmelfahrt | |||
* Ende Mai / Anfang Juni - Pfingsten | |||
* 27. Mai - Abschaffung der Sklaverei | |||
* 14. Juli - Tag des Sturmes auf die Bastille (nur im französischen Teil) | |||
* 15. August - Mariä Himmelfahrt | |||
* 1. November - Allerheiligen | |||
* 25./26. Dezember - Weihnachten | * 25./26. Dezember - Weihnachten | ||
Daneben gibt es das ganze Jahr über diverse Feste und kulturelle Veranstaltungen: | |||
* Karneval: Sowohl auf der französischen als auch auf der niederländischen Seite wird der Karneval gefeiert. Auf der französischen Seite (Saint Martin) findet der Karneval im Februar mit Musik, farbenfrohen Kostümen und Paraden in Marigot statt. Auf der niederländischen Seite (Sint Maarten) gibt es eine längere Karnevalssaison von Mitte März bis Anfang Mai mit großen Konzerten, Paraden und zahlreichen Feiern. | |||
* Heineken Regatta: Anfang März findet die Heineken-Regatta statt, das größte Segel-Event der Karibik mit internationalen Teilnehmern und einem Partyprogramm im Regatta Village. | |||
* SXM Musikfestival: Direkt im Anschluss an die Regatta gibt es das SXM Festival, ein großes elektronisches Musikfestival an mehreren Orten auf der Insel, das internationale DJs präsentiert und eine der wichtigsten Veranstaltung im karibischen Raum ist. | |||
* Arrowroot Jollyfication Festival: Ein traditionelles Fest im Dorf Colombier, bei dem die Ernte der Pfeilwurzel und die kulturelle Bedeutung des Krauts gefeiert werden. | |||
* Le Mardis de Grand Case: Dienstags von Februar bis April ist die Straße in Grand Case für einen Kunsthandwerksmarkt mit Musik und lokalen Speisen gesperrt, verbunden mit karibischer Kultur und Festen. | |||
* Oualichi Festival: Im Juli gibt es ein viertägiges Festival mit karibischer Musik wie Soca, Dancehall, Hip Hop und mehr, das die Insel zum musikalischen Mittelpunkt macht. | |||
* Weitere Events umfassen unter anderem Weihnachtsbeleuchtungen und -paraden, Sportläufe, Straßenfeste und diverse kleinere kulturelle Feierlichkeiten das ganze Jahr über. | |||
== '''Medien''' == | |||
Neben den unterschiedlichen Amtssprachen haben sich auf beiden Seiten eigene Zeitungen, Nachrichtenportale und Rundfunkangebote entwickelt. Gleichzeitig arbeiten zahlreiche Medien über die Grenze hinweg und berichten über Ereignisse auf der gesamten Insel. Besonders im digitalen Bereich ist die Trennung weniger deutlich als bei den staatlichen und administrativen Strukturen. | |||
Auf der niederländischen Seite ist '''The Daily Herald''' die wichtigste etablierte englischsprachige Tageszeitung. Das in Philipsburg erscheinende Blatt berichtet über Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kriminalität, Sport und internationale sowie regionale Ereignisse. Es besitzt sowohl eine gedruckte Ausgabe als auch ein umfangreiches Onlineangebot. Die Zeitung bezeichnet sich selbst als „The Leading Newspaper for St. Maarten and the Northeast Caribbean“ und unterhält neben der Redaktion in Sint Maarten auch Korrespondenten in anderen Teilen der nordöstlichen Karibik. Die aktuelle Onlineausgabe zeigt, dass neben Nachrichten aus Sint Maarten auch Ereignisse aus Saint-Martin und den übrigen karibischen Gebieten behandelt werden. | |||
Auf der französischen Seite gehört '''Le Pélican''' zu den etablierten lokalen Informationsmedien. Die Zeitung berichtet vor allem über das politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben von Saint-Martin. Daneben erscheint St. Martin's Week als englischsprachiges lokales Informationsmedium. Damit besteht auf dem französischen Teil neben dem Französischen auch eine wichtige englischsprachige Medienöffentlichkeit. Weitere lokale und digitale Angebote ergänzen diese Presse, darunter Faxinfo, SXMINFO, Soualiga Post und Le 97150. | |||
Eine Besonderheit der Insel ist, dass viele Nachrichtenmedien nicht ausschließlich auf einen der beiden politischen Teile beschränkt sind. Onlineangebote wie Saint Martin News Network, Soualiga Newsday und weitere lokale Nachrichtenportale berichten über Ereignisse auf beiden Seiten der Grenze. Die digitalen Medien haben dadurch eine gemeinsame Informationssphäre geschaffen, in der politische Entscheidungen, Verkehr, Wetter, Kriminalität, Wirtschaft, Tourismus, Kultur und Veranstaltungen regelmäßig grenzüberschreitend behandelt werden. Das Medienverzeichnis der Organisation SXMDOET führt unter anderem The Daily Herald, SMN-News und Soualiga Newsday als lokale Medienkontakte auf. | |||
Das Radio besitzt ebenfalls eine wichtige Stellung. Auf Sint Maarten senden mehrere private Stationen in englischer Sprache und richten ihr Programm an die mehrsprachige Bevölkerung und die internationale Besucherschaft. Island 92 ist ein etabliertes englischsprachiges Musikradio mit Schwerpunkt auf Rock und Blues. Das Programm umfasst neben Musik auch morgendliche und mittägliche Sendungen sowie Nachrichten, Sport und Informationen aus dem lokalen Umfeld. Weitere Radiostationen sind unter anderem Pearl 98.1 FM, Laser 101.1, Oasis 96.3, Tropixx 105.5, Mix 94.7 und PJD2 102.7 FM. Die staatliche Medieninfrastruktur umfasst außerdem SXMGOV Radio 107.9 FM, das für öffentliche Informationen und insbesondere für behördliche Warnungen und Katastrophenkommunikation genutzt wird. | |||
Auf Saint-Martin bestehen ebenfalls französisch- und englischsprachige Radioprogramme. Die französischsprachigen Angebote sind stärker mit dem französischen Rundfunksystem verbunden, während englischsprachige Programme die sprachlichen Verhältnisse der gesamten Insel widerspiegeln. Bei besonderen Ereignissen wie Hurrikanen, starken Regenfällen oder anderen Notlagen spielt das Radio eine wichtige Rolle bei der Weitergabe von Warnungen und behördlichen Informationen. | |||
Beim Fernsehen ist die Medienlandschaft stark international geprägt. Auf Sint Maarten können über Kabel- und andere Verteilernetze zahlreiche Sender aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Lateinamerika, Europa und der Karibik empfangen werden. Aufgrund der engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten spielen US-amerikanische Fernsehsender eine besonders große Rolle. Auf Saint-Martin ist dagegen das französische Fernsehen mit den öffentlich-rechtlichen und privaten französischen Programmen stärker vertreten; gleichzeitig stehen auch dort internationale und US-amerikanische Programme zur Verfügung. | |||
Das Internet hat die Mediennutzung auf der Insel grundlegend verändert. Neben den Websites traditioneller Zeitungen entstanden zahlreiche ausschließlich digitale Nachrichtenangebote. Nachrichten werden unmittelbar über Internetseiten, soziale Netzwerke und digitale Videoplattformen verbreitet. Auch Behörden nutzen diese Kanäle. Die Regierung von Sint Maarten betreibt neben ihrer offiziellen Website eigene Angebote auf Facebook, Instagram und YouTube und nutzt digitale Medien insbesondere für Presseinformationen, öffentliche Bekanntmachungen und Krisenkommunikation. | |||
=== '''Kommunikation''' === | |||
Die Insel hat im franz ösischen Teil, die Vorwahl 00590, im niederländischen 00599. Der Haupt-Postleitzahlbereich im französischen Teil, st 97150. Weitere spezielle Postleitzahlen für Saint-Martin CEDEX (meist Postfächer) reichen von 97051 bis 97080, gelegentlich kommen auch 97149 und 9702 vor. Im niederländischen System wird offiziell keine landesweit einheitliche Postleitzahl genutzt; internationale Sendungen werden in der Regel an Philipsburg adressiert, ohne konkrete Postleitzahl. Die UPU und offizielle Stellen geben keine spezifische fünfstellige Postleitzahl für Sint Maarten aus, entsprechend kann beim internationalen Versand oft "Sint Maarten" ohne PLZ verwendet werden. Für den niederländischen Militärpostdienst gibt es die separate NAPO-Postleitzahl 393. | |||
== '''Sport''' == | |||
Wassersport ist besonders beliebt, da die Insel 37 schöne Strände und warmes, klares Wasser bietet. Zu den gängigen Aktivitäten gehören Wasserski, Jetski, Kajakfahren, Windsurfen, Kitesurfen, Stand-up-Paddleboarding, Auslegerkanu (outrigger canoeing) und Segeln. Beliebte Spots sind unter anderem Marigot, Nettlé Bay, Friar’s Bay, Orient Bay, Simpson Bay Lagoon und Mullet Beach. Surfen ist vor allem an der Ostküste möglich. | |||
Fußball (Soccer) ist die populärste Sportart auf Sint Maarten. Die Sint Maarten Soccer Association organisiert die Sint Maarten League und internationale Matches, obwohl Sint Maarten kein FIFA-Mitglied ist. Bekannte Fußballer stammen von hier und die Sportanlage Raoul Illidge Sports Complex in Philipsburg ist das Zentrum für viele sportliche Veranstaltungen. | |||
Golf ist auf der Insel mit dem 18-Loch-Kurs am Mullet Bay Beach sehr beliebt. Die Sint Maarten Golf Association fördert den Golfsport mit Turnieren und Veranstaltungen. | |||
Laufen, Radfahren und Wandern bieten vielfältige Möglichkeiten, um die Natur zu erkunden, etwa auf Trails wie dem Bellevue Trail oder einer 35 Meilen langen Rundstrecke um die Insel. Weitere Sportarten auf der Insel sind Tennis, Padel, Basketball, Crossfit, Yoga, Pilates, Bodybuilding und Reiten. | |||
Die Insel veranstaltet jährlich renommierte Events wie die '''St. Maarten Heineken Regatta''', eine der wichtigsten Yachtregatten in der Karibik. Die '''Championnats de Saint-Martin''' sind die nationalen Straßenradmeisterschaften, die vom Radsportverband von Saint-Martin organisiert werden. | |||
== '''Persönlichkeiten''' == | |||
Von der Insel stammen unter anderem folgende Persönlichkeiten: | |||
* Albert Claudius Wathey (1926 bis 1998), eine herausragende politische Persönlichkeit, die als „Vater der modernen Sint Maarten“ gilt. Er war maßgeblich an der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Insel beteiligt und förderte den Tourismus massiv. Er gründete 1954 die Demokratische Partei von Sint Maarten und war dabei, die Tourismusindustrie als Hauptwirtschaftszweig aufzubauen. In Philipsburg tragen mehrere Institutionen seinen Namen. | |||
* Sir Roland Richardson (*1944), einer der bekanntesten Künstler der Insel, der vor allem für seine Landschaftsgemälde bekannt ist, die oft die natürliche Schönheit Saint Martins zeigen. Er ist mehrfach international ausgezeichnet worden und ein bedeutender Vertreter der lokalen Kunstszene. | |||
== '''Fremdenverkehr''' == | |||
Der Fremdenverkehr ist heute einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Insel und unterscheidet sich deutlich zwischen dem französischen Saint-Martin und dem niederländischen Sint Maarten. Während der französische Teil stärker auf Bade-, Segel-, Gastronomie- und Individualtourismus ausgerichtet ist, besitzt Sint Maarten mit dem Kreuzfahrthafen in Great Bay und dem internationalen Flughafen Princess Juliana zwei große Verkehrsknotenpunkte für den internationalen Tourismus. Der Tourismus verbindet damit sowohl den klassischen Aufenthaltstourismus als auch Kreuzfahrten, Kurzaufenthalte, Yacht- und Wassersporttourismus sowie den Tages- und Einkaufstourismus. | |||
Auf der niederländischen Seite befindet sich der Dr. A. C. Wathey Cruise & Cargo Facility in Philipsburg. Der Hafen verfügt über zwei Kreuzfahrtpiers; der 445 m lange Pier 2 kann gleichzeitig zwei sehr große Kreuzfahrtschiffe aufnehmen. In der Saison 2025/26 gab es bereits Tage mit fünf und sechs gleichzeitig anwesenden Kreuzfahrtschiffen. Am 6. November 2025 lagen beispielsweise fünf Schiffe im Hafen, am 25. November waren sechs Schiffe vorgesehen. Damit ist die von älteren Darstellungen genannte Zahl von bis zu zehn Schiffen pro Tag nicht als reguläre tägliche Situation anzusehen. | |||
Der Kreuzfahrttourismus konzentriert sich auf die niederländische Hauptstadt Philipsburg. Die Passagiere werden vom Hafengebiet mit Taxis, Bussen und Wassertaxis in die Stadt und zu anderen Teilen der Insel gebracht. Der Fußweg vom Kreuzfahrtterminal nach Philipsburg beträgt nach Angaben des Hafens etwa 15 Minuten. Direkt am Hafen befindet sich das Harbour Point Village mit Geschäften, Souvenirläden, Marktständen, Bars und Restaurants. Der Hafen ist außerdem auf sehr große Schiffe ausgelegt und kann Schiffe mit mehr als 220.000 BRZ und einer Kapazität von über 6.000 Passagieren und Besatzungsmitgliedern aufnehmen. | |||
Eine besondere Rolle spielt der zoll- und steuerbegünstigte Handel. Sint Maarten ist insbesondere für Duty-free-Einkäufe bekannt; am Hafen konzentrieren sich entsprechende Geschäfte unter anderem auf Schmuck, Elektronik, Spirituosen, Tabakwaren und Souvenirs. Die Bezeichnung „Freihafen“ sollte dabei nicht so verstanden werden, dass auf der gesamten Insel keinerlei Steuern erhoben werden. Gemeint ist vor allem die besondere Stellung des internationalen Handels und des Duty-free-Einkaufs für Reisende. Der Einkaufstourismus entwickelte sich insbesondere in Philipsburg zu einem festen Bestandteil des Kreuzfahrtgeschäfts. | |||
Der Kreuzfahrttourismus ist allerdings nicht auf amerikanische Besucher beschränkt. Neben nordamerikanischen Reisenden kommen auch erhebliche Besuchergruppen aus Europa. Die Kreuzfahrtgesellschaften, die Sint Maarten anlaufen, umfassen unter anderem amerikanische, britische, italienische und andere internationale Anbieter. Der Hafen verzeichnete bereits 2014 mehr als zwei Millionen Kreuzfahrtpassagiere und gibt für die Zeit seit 2010 einen langjährigen Jahresdurchschnitt von mehr als 1,5 Millionen Passagieren an. Für 2025/26 wurde erneut eine umfangreiche Kreuzfahrtsaison mit zahlreichen internationalen Reedereien angekündigt. | |||
Neben den Kreuzfahrtgästen gibt es den Aufenthaltstourismus, für den auf beiden Seiten der Insel ein breites Angebot an Unterkünften entstanden ist. Auf Sint Maarten reichen die Unterbringungsmöglichkeiten von Hotels und größeren Strandresorts über Aparthotels und Ferienwohnungen bis zu privaten Villen und Timeshare-Anlagen. Ein Schwerpunkt der größeren Hotelanlagen liegt im Gebiet von Simpson Bay, Pelican Key, Maho, Little Bay und Dawn Beach. Das offizielle Tourismusportal führt unter anderem Hotels, Resorts, Timeshare-Anlagen und Villen als unterschiedliche Unterkunftsformen auf. | |||
Auf der französischen Seite ist das Unterkunftsangebot stärker auf kleinere Hotels, Boutique-Hotels, Ferienwohnungen, Gästehäuser und private Villen verteilt. Bedeutende touristische Zentren sind Marigot, Grand Case, Orient Bay, Anse Marcel und die Küstengebiete um Baie Rouge und Friar's Bay. Besonders Grand Case und Orient Bay verfügen über zahlreiche kleinere Beherbergungsbetriebe und Ferienunterkünfte. Hinzu kommen private Ferienhäuser und Apartments, die einen bedeutenden Teil des längerfristigen Aufenthaltstourismus aufnehmen. | |||
Die | Die touristische Infrastruktur konzentriert sich damit nicht auf einen einzigen Ort. Philipsburg ist vor allem durch Kreuzfahrt-, Einkaufs- und Tagestourismus geprägt, während Simpson Bay, Maho und die südwestlichen Küstengebiete eine große Zahl von Hotels, Resorts, Restaurants, Ferienwohnungen und maritimen Angeboten aufweisen. Auf der französischen Seite liegen Schwerpunkte des Aufenthaltstourismus insbesondere in Grand Case und Orient Bay. Dadurch verteilt sich der Tourismus über weite Teile der Insel, wobei die Art der touristischen Nutzung regional unterschiedlich ist. | ||
Zum touristischen Angebot gehören neben Stränden und Badeurlaub insbesondere Segeln, Yachting, Tauchen, Schnorcheln, Sportfischen, Wassersport, Ausflüge zu den vorgelagerten Inseln und Wanderungen. Die zahlreichen Buchten und die geschützten Gewässer zwischen Saint-Martin/Sint Maarten, Anguilla, Tintamarre und Îlet de Pinel begünstigen insbesondere den Segel- und Bootstourismus. Auf der niederländischen Seite kommen das Nachtleben und der Spielbetrieb der Casinos als zusätzliche touristische Angebote hinzu. | |||
Eine besondere Attraktion des niederländischen Teils ist der Flughafen Princess Juliana International Airport bei Simpson Bay. Die Start- und Landebahn liegt unmittelbar hinter Maho Beach, sodass startende und landende Flugzeuge für Besucher zu einer eigenen touristischen Attraktion geworden sind. Der Flughafen bildet zusammen mit dem Kreuzfahrthafen die wichtigste internationale Zugangsinfrastruktur des niederländischen Teils. Die Betreiber von Flughafen und Hafen arbeiten inzwischen ausdrücklich daran, beide Verkehrsknoten stärker miteinander zu verbinden und den Übergang zwischen Flug-, Kreuzfahrt- und Aufenthaltstourismus zu verbessern. | |||
Der Fremdenverkehr führt auch zu einer ausgeprägten tageszeitlichen Konzentration des Geschäftslebens. Insbesondere in Philipsburg richten sich zahlreiche Geschäfte, Restaurants, Taxis und Ausflugsanbieter nach den Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Kreuzfahrtschiffe. Wenn mehrere Schiffe gleichzeitig im Hafen liegen, steigt die Zahl der Tagesbesucher stark an; nach deren Abfahrt nimmt die Besucherzahl im Zentrum deutlich ab. Eine pauschale Aussage, Philipsburg sei nach 18 Uhr vollständig ausgestorben, beschreibt allerdings nicht die gesamte Stadt, da Restaurants, Bars, Casinos und andere touristische Einrichtungen auch am Abend geöffnet sind. Der starke Unterschied zwischen Kreuzfahrt-Tagen und Zeiten ohne Kreuzfahrtschiffe ist jedoch ein charakteristisches Merkmal des örtlichen Tourismus. | |||
Aktuelle Version vom 1. Oktober 2026, 14:06 Uhr
Sankt Martin ist eine geteilte Insel, geeint durch die ferne Europäische Union. Ein Kuriosum in der Karibik und ein Stück europäischer Geschichte. Immer wieder wurde das kleine Eiland besetzt, zerrissen, wieder besetzt und schließlich zwischen Frankreich und den Niederlanden aufgeteilt. Heute ist es bekannt als Touristenzentrum und Standortr eines der gef#hrlichsten Flughäfen der Welt.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | Saint-Martin (französisch), Sint Maarten (niederländisch) |
| alternative Bezeichnungen | Soualiga, Oualichi (kalinago), San Martin (spanisch), Sankt Martin (deutsch) |
| Kategorie | Meeresinsel |
| Inseltyp | echte Insel |
| Inselart | vulkanische Insel |
| Gewässer | Karibisches Meer (Mer des Caraïbes / Caribische Zee) |
| Inselgruppe | Kleine Antillen (Petites Antilles) |
| politische Zugehörigkeit | Staaten: Republik Frankreich (République française) und Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden) |
| Gliederung | 1 collectivité (Verwaltungsgemeinschaft) mit 6 quartiers (Siedlungen) 1 land (Land) mit 7 kerngebieden (Kerngebiete) |
| Status | geteilte Insel (île partagée / gedeeld eiland) |
| Koordinaten | 18°04' N, 63°04' W |
| Entfernung zur nächsten Insel | 200 m (Îlet Pinel), 7,1 km (Anguilla) |
| Entfernung zum Festland | 801 km (Sipara / Venezuela) |
| Fläche | 87 km² / 33,6 mi² (mit Nebeninseln 88 km² / 34 mi²) |
| geschütztes Gebiet | 61 km² / 23,5 mi² (70,1 %) |
| maximale Länge | 11,6 (N-S) |
| maximale Breite | 11,3 km (W-O) |
| Küstenlänge | 70 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Karibisches Meer) |
| höchste Stelle | 414 m (Pic du Paradis) |
| relative Höhe | 414 m |
| mittlere Höhe | 55 m |
| maximaler Tidenhub | 0,5 bis 0,7 m (Philipsburg 0,7 m, Marigot 0,5 m) |
| Zeitzone | HA / AST (Heure de l’Atlantique / Atlantische standaardtijd / Atlantic Standard Time / Atlantik-Standardzeit, UTC-4) |
| Realzeit | UTC minus 4 Stunden 12 bis 13 Minuten |
| Einwohnerzahl | 70.771 (2022) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 813,46 (bezogen auf die Verwaltungsfläche 804,22) |
| Inselzentrum | Marigot und Philipsburg |
Name
Vor der Ankunft der Europäer war die Insel von indigenen Bevölkerungsgruppen bewohnt, insbesondere von Arawak-Gruppen und später von den als Kariben oder Kalinago bezeichneten Bevölkerungen. In den überlieferten indigenen Bezeichnungen erscheint die Insel unter anderem als Soualiga. Dieser Name wird gewöhnlich mit „Land des Salzes“ wiedergegeben und steht mit der Bedeutung der Salzgewinnung für die Insel in Verbindung. Vor allem die großen Salzseen im Westen und Südwesten, darunter das Gebiet des heutigen Étang de la Baie de l’Embouchure und die Salzgewässer bei Philipsburg, bildeten auffällige Landschaftselemente und boten die natürlichen Voraussetzungen für die Gewinnung von Meersalz.
Eine weitere überlieferte indigene Bezeichnung lautet Oualichi beziehungsweise Oualichi. Sie wird in verschiedenen Darstellungen als „Insel der starken Frauen“ oder als „Insel der tapferen und schönen Frauen“ wiedergegeben. Die Überlieferung dieser Bezeichnung ist allerdings wesentlich weniger eindeutig als diejenige von Soualiga. Bei den indigenen Inselnamen der Kleinen Antillen bestehen generell unterschiedliche historische Schreibweisen und Überlieferungstraditionen, da die ursprünglichen Sprachen nicht in einer europäischen Schrift aufgezeichnet wurden.
Christoph Kolumbus. Kolumbus, der auf Italienisch Cristoforo Colombo hieß und in spanischen Quellen als Cristóbal Colón erscheint, passierte die Insel am 11. November 1493 während seiner zweiten Reise nach Amerika. Dieser Tag war im damaligen christlichen Kalender dem heiligen Martin von Tours gewidmet. Martin von Tours war ein im 4. Jahrhundert lebender römischer Soldat, später Bischof von Tours, und gehörte zu den wichtigsten Heiligen der westlichen Christenheit. Nach der bekannten Legende begegnete Martin als Soldat bei Amiens einem frierenden Bettler. Er teilte seinen Mantel mit dem Schwert und überließ dem Bedürftigen die Hälfte. Die Verehrung des heiligen Martin war in Europa bereits im Mittelalter weit verbreitet, und sein Gedenktag, der 11. November, wurde als Martinstag begangen. Kolumbus benannte die von ihm gesichtete Insel daher nach dem Heiligen als San Martín. Die Benennung setzte sich in der europäischen Kartografie und in späteren kolonialen Quellen durch, wobei sich allerdings die Schreibweise entsprechend der jeweiligen Verwaltungssprache veränderte. Im Französischen wurde daraus Saint-Martin, während sich im Niederländischen die Form Sint Maarten entwickelte.
Die heutige unterschiedliche Schreibweise hat vor allem mit der späteren politischen und kolonialen Entwicklung der Insel zu tun. Während sich im französisch verwalteten Norden die französische Bezeichnung Saint-Martin etablierte, wurde im niederländisch verwalteten Süden die niederländische Form Sint Maarten gebräuchlich. Die politische Teilung der Insel erfolgte allerdings erst Jahrhunderte nach der Namensgebung. Der französische Teil gehört heute als Collectivité de Saint-Martin zu Frankreich, während Sint Maarten seit dem 10. Oktober 2010 ein eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande ist. Die internationale Bezeichnung Saint Martin wird häufig für die gesamte Insel verwendet, obwohl sie politisch aus zwei unterschiedlichen Hoheitsgebieten besteht.

- abchasisch: Аӡьыкь Мартин [Azhyk Martin]
- afrikaans: Sint Maarten
- albanisch: Shën Martin
- altaisch: Сан Мартин [San Martin], Азиз Мартин [Aziz Martin]
- amharisch: ሳንት ማርቲን [Sant Martin]
- angelsächsisch: San Martin
- arabisch: سان مارينو [Sān Mārtīnū], القديس مارتن [al-Qiddis Martin]
- aragonesisch: San Martin, Sant Martin
- armenisch: Սուրբ Մարտին [Surb Martin]
- aserbaidschanisch: Müqəddəs Martin, Aziz Martin
- asturisch: San Martin
- aymara: San Martino
- bambara: Sɛn Mātin
- baschkirisch: Сан-Мартин [San-Martin]
- baskisch: San Martin
- bengalisch: সেন্টমার্টিন [Sentmārṭin]
- bhutanisch: སང་ཏིན་མར་ཏིན་ [Seiṅ Māʔ tiṅ]
- biharisch: सेण्ट मार्टिन [Sent Martin]
- bikol: San Martin
- birmanisch: ဆိင့်မာတ်တင် [Seiṅ Māʔ tiṅ]
- bislama: Sen Martin
- bosnisch: Sveti Martin
- bretonisch: Sant Martin enez
- bulgarisch: Сан Мартин [San Martin]
- burjatisch: Сан Мартин [San Martin]
- cebuano: San Martin
- chakassisch: Сан-Мартин [San-Martin]
- chavakano: San Martin
- cherokee: ᏌᏂᏖᏂ ᎹᎵᏔᏂ [Saniteni Malitani]
- chinesisch: 圣马丁 [Shèng Mǎ Dīng]
- dari: سنت مارتین [Sant Martin]
- dänisch: Sankt Morten
- deutsch: Sankt Martin
- englisch: Saint Martin
- esperanto: Sankta Marteno
- estnisch: Püha Martin
- färingisch: Sankt Martin
- finnisch: Pyhä Martti
- flämisch: Sint Maarten
- franko-provenzalisch: Sant Martin
- französisch: Saint-Martin
- friesisch: Sint Martin
- friulanisch: Sant Martin
- gagausisch: Aziz Martin
- galizisch: San Martiño
- gälisch: Naomh Mhartain
- georgisch: სანტ მარტინი [Sant Martini]
- griechisch: Άγιος Μαρτίνος [Ágios Martínos]
- grönländisch: San Martin
- guarani: San Martin
- gudscheratisch: સેન્ટમાર્ટિન [Sentmārṭin]
- guyanisch: Saint Martin
- haitianisch: Sen Marten
- hakka: 客家話中 [Sông Mà Tīn]
- hausa: San Martin
- hawaiianisch: Kāne Makalelani, Kāne Makalelini
- hebräisch: סן מרינו [San Marīnō], הקדוש מרטין [Hakosh Martin]
- hindi: सेंट मार्टिन [Sent Martin]
- igbo: San Martin
- ilokano: San Martin
- indonesisch: Sent Martin
- interlingua: Saint Martin
- irisch: Naomh Mairtín
- isländisch: Sankti Martin
- italienisch: San Martino
- jakutisch: Сан Мартин [San Martin]
- jamaikanisch: Saint Martin
- japanisch: 생 마르탱 [Saeng Mareutaeng]
- jiddisch: סאַן מאַרינאָ [San Martin]
- kabardisch: Сан Мартин [San Martin]
- kabylisch: Asemtu n Martin
- kalmükisch: Сан Мартин [San Martin]
- kambodschanisch: សាំង ម៉ារទីន [Sang Marotin]
- kanaresisch: ಸೀಂಟ್ ಮಾರ್ಟಿನ್ [Sīṇṭ Mārtin]
- karakalpakisch: Сан Мартин [San Martin]
- karatschai-balkarisch: Сан Мартин [San Martin], Азиз Мартин [Aziz Martin]
- karelisch: Пыхä Мартти [Pyhä Martti]
- kasachisch: Сан Мартин [San Martin], Әулие Мартин [Äulie Martin]
- katalanisch: Sant Martí
- kirgisisch: Аяты Мартин [Ayaty Martin]
- komi: Cвятой Мартин [Svyatoy Martin]
- koreanisch: 생 마르탱 [Saeng Mareutaeng]
- kornisch: San Martin
- korsisch: San Martinu
- krimtatarisch: Сан Мартин [San Martin]
- kroatisch: Sveti Martin
- kumükisch: Сан Мартин [San Martin], Азиз Мартин [Aziz Martin]
- kurdisch: Sênt Martin
- ladinisch: San Martin
- laotisch: ນາຍມາທິນ [Nai Matin], ສາງມາທິນ [Sang Matin]
- lateinisch: Sanctus Martinus
- lesgisch: Сан Мартин [San Martin]
- lettisch: Svētais Mārtiņš
- letzeburgisch: Saint Martin
- limburgisch: Sint Maarten
- lingala: Santu Martin
- litauisch: Šventasis Matas, Šventasis Martynas
- livisch: Seent Martin
- madegassisch: Andriamanitry Martin, Sant Martin
- makedonisch: Свети Мартин [Sveti Martin]
- malaisch: Santo Martin
- malayalam: സെയിന്റ് മാർട്ടിൻ [Seyiṇṭ Māṟṭṭin]
- maldivisch: ސޭންޓް މާރްޓިން [Sēnt Mārtin]
- maltesisch: San Martin
- manx: Skeerey Mairtin
- maori: Hēneti Maratini
- marathisch: सेंट मार्टिन [Seṇṭ Mārṭin]
- mari: Шӱдмо Мартин [Shüdmo Martin]
- mindeng: 圣马丁 [Shèng Mǎ Dīng]
- minnan: 聖馬丁 [Sèng Má Tīng]
- moldawisch: Сан-Мартин [San-Martin]
- mongolisch: Сан Мартин [San Martin]
- mordwinisch: Сан Мартин [San Martin]
- nahuatl: Santotin Martin
- nauruanisch: Sant Martin
- nepalesisch: Sān Martin
- niederländisch: Sint Maarten
- norwegisch: Øya Sankt Martin
- okzitanisch: Sant Martin
- orissisch: ସେଣ୍ଟ ମାର୍ଟିନ୍ [Seṇṭ Mārtin]
- oromo: Saayint Maartin
- ossetisch: Сан Мартин [San Martin]
- pampangan: San Martino
- pandschabisch: ਸੇਂਟ ਮਾਰਟਿਨ [Saṅṭ Mārṭin]
- panganisan: San Martin
- papiamentu: San Martin
- paschtunisch: سېنټ مارټین [Seṇṭ Māṛṭin]
- persisch: سنت مارتین [Sant Martin], مارتین مقدس [Martín Moqaddas]
- piemontesisch: San Martin
- pitkernisch: Saint Martin
- polnisch: Święty Marcin, Święty Martin
- portugiesisch: São Martinho
- provenzalisch: Sant Martin
- quetschua: San Martin
- rätoromanisch: San Martin
- romani: San Martin
- rumänisch: Insula Sfântul Martin
- rundi-rwandesisch: Sa Martin
- russisch: Остров Святого Мартина [Ostzrov Svjatogo Martina]
- ruthenisch: Святий Мартин [Sviatyi Martyn]
- samisch: San Martin
- sardisch: Santu Martinu
- schwedisch: Sankt Martin
- serbisch: Острво Свети Мартин [Ostrvo Sveti Martin]
- sindhi: سینٹ مارتن [Sent Martin]
- singalesisch: ශාන්ත මාර්ටිං [Shānta Mārṭin]
- sizilianisch: San Martinu
- slowakisch: Svätý Martin
- slowenisch: Sveti Martin
- somalisch: Sayn Martin
- sorbisch: Swěty Martin, Swěty Marcin
- spanisch: San Martín
- surinamesisch: Saint Martin
- swahili: San Martin
- syrisch: ܡܪܝܢ ܡܪܬܝܢ [Marin Martin]
- tadschikisch: Сан Мартин [San Martin]
- tagalog: San Martin
- tahitianisch: Ori Martin
- tamilisch: செயிண்ட் மார்டின் [Seyiṇṭ Māṟṭin]
- tatarisch: Святой Мартин [Svyatoy Martin], Әүлия Мартин [Awliya Martin]
- telugu: సెయింట్ మార్టిన్ [Seiṇṭ Mārtin]
- thai: เซนต์มาร์ติน [Sān Māthin]
- tibetisch: སང་ཏིན་མར་ཏིན་ [Seiṅ Māʔ tiṅ]
- tok pisin: Sent Martin
- tonganisch: Seteni Martini, Satina Matini
- tschechisch: Svatý Martin
- tschetschenisch: Сан Мартин [San Martin]
- tschuwaschisch: Санть Мартин [Sant‘ Martin]
- turkmenisch: Ýüpek Martin, Aziz Martin
- tuwinisch: Сант Мартин [Sant Martin]
- türkisch: Ermiş Martin
- udmurtisch: Святой Мартин [Sviatoi Martin]
- uigurisch: سان مارتىن [San Martin]
- ukrainisch: Сен- Мартин [San-Martin]
- ungarisch: Szent Martin
- urdu: سینٹ مارتن [Sent Martin]
- usbekisch: Сан Мартин [San Martin]
- venezianisch: San Martin
- vietnamesisch: Thánh Martin
- visayan: San Martin
- volapük: Saluda-Martinän
- walisisch: San Martin
- wallonisch: Saint Martin
- weißrussisch: Сан Мартына [San Martyna]
- winaray: San Martin
- yoruba: Sẹnti Maatin
- zhuang: Syenq Maz Dingz
- zulu: iSaMartin
Offizieller Name:
- französisch: Collectivité d’outre mer du Saint-Martin
- niederländisch: Sint Maarten
- Bezeichnung der Bewohner: Martiniens bzw. Maarteners (Martinier)
- adjektivisch: martinien bzw. maarten (martinisch)
Kürzel:
- Code: SM / SMT
- Deutsch: SMT
- Alternativ: STM
- Sport: -
- Kfz: F bzw. NL
- FIPS-Code: RN
- ISO-Code: MF, MAF, 663, FR-MF bzw. SX, SXM, 534, NL-SX
- Internet: .mt und .sx (seit 2006)
Lage
Die Insel Sankt Martin liegt im Norden bzw. Nordosten der Kleinen Antillen auf durchschnittlich 18°04‘ n.B. und 63°04‘ w.L.. Sie befindet sich auf der gleichen geografischen Breite wie die mauretanische Hauptstadt Nuakschott, der Norden der afrikanischen Staaten Mali, Niger, Tschad und Sudan, dert Süden Saudi-Arabiens und des Oman, Zentral-Indien mit Hyderabad und Visakhapatnam, Zentral-Birma, Nord-Thailand, Zentral-Laos und -Vietnam, Coatzacoalcos in Mexiko, der Norden von Belize sowie der Süden Jamaikas und der Dominikanischen Republik. Die nächsten Nachbarn sind Anguilla im Norden und Saint Barthelemy im Süden.

Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 18°07‘27“ n.B. (Petites Cayes) bzw. 18°07‘53“ n.B. (Ile Tintamarre)
- südlichster Punkt: 18°00‘33“ n.B. (Pointe Blanche)
- östlichster Punkt: 63°00‘36“ w.L. (Pointe d‘Orient) bzw. 62°58‘22“ w.L. (Ile Tintamarre)
- westlichster Punkt: 63°09‘20“ w.L. (Pointe du Cannonier)
Entfernungen:
- Anguilla 7,1 km
- Saint Barthelemy 25 km
- Saint Kitts 71 km
- Virgin Gorda /(Britische Jungferninseln) 135 km
- Saint Croix (US Jungferninseln) 154 km
- Antigua 158 km
- Guadeloupe 236 km
- Puerto Rico 259 km
- Martinique 401 km
- Sipara (Venezuela) 806 km
- El Banquito (Venezuela) 888 km
- Caracas 920 km
Zeitzone
Auf der Insel in beiden Landesteilen gilt die Atlantic Standard Time, französisch Heure normale de l’Atlantique, niederländisch Atlantische standaardtijd (Atlantische Standard-Zeit), abgekürzt HNA bzw. AST (ASZ), 5 Stunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ, UTC-4). Die Realzeit liegt um 4 Stunden und 12 bis 13 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit (UTC).
Fläche
Die Insel Sankt Martin ist 87,0 km² bzw. 33,6 mi², mit Nebeninseln (Tintamarre und Îlet Pinel) 88 km² bzw. 34 mi². nach alternativen Angaben 94 km² groß. Davon entfallen 53 km² (20,5 mi²), mit Nebeninseln 54 km² (21 mi²) auf den französischen Teil Saint Martin und 34 km² (13 mi²) auf den niederländischen Teil Sint Maarten. Von Osten nach Westen durchmisst die Insel zwischen Babit Point und Pointe de Canonnier 11,3 km, von Norden nach Süden zwischen den Petites Caves und Pointe Blanche 11,6 km. Die Küste ist rund 70 km lang. Höchste Erhebung ist der Pic du Paradis mit 414 m. Die tiefste Stelle liegt auf Meeresniveau mit einem maximalen Tidenhub von 0,5 bis 0,7 m, bei Philipsburg 0,7 m, bei Marigot 0,5 m. Die mittlere Seehöhe beträgt rund 55 m.
Flächenaufteilung (um 2015, geschätzt):
- Wiesen und Sträucher 38 km² (43,7 %)
- Waldland 35 km² (40,2 %)
- Agrarland 6 km² (6,9 %)
- Gewässer 6 km² (6,9 %)
- Verbautes Gelände 2 km² (2,3 %)
Geologie
Die Insel Saint Martin gehört geologisch zum nördlichen Abschnitt der Kleinen Antillen und liegt im Karibischen Meer im Bereich der Inseln über dem Winde. Ihre Entstehung steht mit den komplexen tektonischen Vorgängen am östlichen Rand der Karibischen Platte in Verbindung. Wie die übrigen Inseln des vulkanischen Inselbogens der Kleinen Antillen entstand Saint Martin nicht durch einen einzelnen Vulkanausbruch, sondern durch eine über lange Zeit andauernde Abfolge von vulkanischen, tektonischen und marinen Prozessen. Die genaue Altersangabe der Insel beziehungsweise ihrer ältesten Gesteine unterscheidet sich je nach geologischer Untersuchung; ältere Darstellungen nannten teilweise ein Alter von etwa 60 Millionen Jahren, während neuere Einordnungen für wesentliche Abschnitte der geologischen Entwicklung jüngere Zeiträume von ungefähr 36 Millionen Jahren angeben.
Die geologische Entwicklung begann mit vulkanischer Aktivität und der Bildung von Gesteinsmassen auf dem Meeresboden. Magma stieg entlang von Schwächezonen der Erdkruste auf und erstarrte zu vulkanischen Gesteinen. Wiederholte Eruptionen führten dazu, dass sich vulkanische Gesteinskörper aufbauten und schließlich über den Meeresspiegel hinauswuchsen. Gleichzeitig wirkten tektonische Kräfte auf die entstehenden Gesteinsmassen ein. Hebungen, Absenkungen, Bruchtektonik und Erdbeben veränderten die ursprünglichen vulkanischen Strukturen und trugen zur Ausbildung des heute stark gegliederten Reliefs bei. Die Insel ist deshalb geologisch kein einheitlicher Vulkankegel, sondern besteht aus verschiedenen Gesteinseinheiten und Landschaftsformen, die während unterschiedlicher Phasen ihrer Entwicklung entstanden.
Die vulkanische Vergangenheit zeigt sich insbesondere im zentralen und südlichen Inselbereich. Das Relief wird von Hügeln und Bergzügen geprägt, die durch Täler und kleinere Becken voneinander getrennt sind. Die höchste Erhebung der gesamten Insel ist der Pic Paradis im französischen Teil. Er erreicht etwa 424 m über dem Meeresspiegel und bildet den markantesten Geländepunkt Saint Martins. Seine Umgebung weist steile Hänge, tief eingeschnittene Täler und eine für die vulkanisch geprägten Inseln der Kleinen Antillen typische kleinteilige Topografie auf.
Neben den vulkanischen Gesteinen spielen Sedimente und jüngere marine Ablagerungen eine wichtige Rolle. Während der langen geologischen Entwicklung wurden ältere Gesteine durch Verwitterung und Erosion abgetragen. Fließendes Wasser transportierte Lockermaterial aus den höher gelegenen Bereichen in die Täler und Küstenebenen. An der Küste kamen marine Ablagerungen hinzu. Korallenriffe, Korallenschutt und kalkhaltige Sedimente bildeten beziehungsweise veränderten flache Küstenbereiche und trugen an einzelnen Stellen zur Landbildung bei. Dadurch entstand ein geologisch vielfältiger Aufbau aus älteren vulkanischen Gesteinen, jüngeren Sedimenten und kalkhaltigen marinen Ablagerungen.
Die heutige Küstenform ist deshalb nicht allein das Ergebnis der ursprünglichen vulkanischen Tätigkeit. Brandung, Meeresströmungen und die fortlaufende Ablagerung und Umlagerung von Sedimenten formten die Küsten über lange Zeit weiter. Korallenriffe wirkten dabei als natürliche Barrieren gegen die Brandung und lieferten durch ihre abgestorbenen Kalkskelette große Mengen an Material für Strände und flache Küstenbereiche. Die zahlreichen Buchten und Strände Saint Martins sind somit das Ergebnis des Zusammenwirkens von geologischem Untergrund, Meeresspiegelveränderungen, Erosion und mariner Sedimentation.
Auch die wiederkehrenden tropischen Wirbelstürme haben das Relief und die Küstenlandschaft beeinflusst. Hurrikane erzeugen starke Wellen, Sturmfluten und außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen. Dadurch werden Strände umgelagert, Küstensedimente abgetragen und in anderen Bereichen wieder abgelagert. Hochwasser und starke Regenfälle verstärken gleichzeitig die Erosion an den Berghängen und in den Tälern. Diese Prozesse verändern die Oberfläche der Insel bis in die Gegenwart, auch wenn sie gegenüber den wesentlich langsameren tektonischen Vorgängen geologisch nur einen kleinen Zeitraum darstellen.
Von besonderer Bedeutung für die heutige Landschaft waren außerdem die wiederholten Schwankungen des Meeresspiegels während des Quartärs. Während der Eiszeiten war große Mengen Wasser in den kontinentalen Eisschilden gebunden, sodass der Meeresspiegel deutlich niedriger lag als heute. Küstenlinien lagen damals weiter außerhalb der heutigen Insel und flache Meeresbereiche waren teilweise trocken. In den wärmeren Zwischen- und Nacheiszeiten stieg der Meeresspiegel wieder an. Dadurch wurden frühere Küstenebenen erneut überflutet und flache Senken konnten sich zu Lagunen, Meeresbuchten und Küstenfeuchtgebieten entwickeln. Die heutige Gestalt der Insel ist daher auch von diesen wiederholten Veränderungen des Meeresspiegels geprägt.
Die auffällige Zweiteilung Saint Martins in einen französischen und einen niederländischen Teil hat dagegen keine geologische Ursache. Die politische Grenze verläuft über denselben zusammenhängenden geologischen Inselkörper. Geologisch handelt es sich um eine einzige Insel, deren Gesteine und Landschaftsformen unabhängig von der seit dem 17. Jahrhundert bestehenden politischen Aufteilung entstanden sind. Die heutige Grenze zwischen Saint-Martin und Sint Maarten entspricht daher einer historischen politischen Grenze und keiner natürlichen geologischen Trennlinie.
Landschaft
Die Landschaft der Insel Saint Martin ist durch einen deutlichen Wechsel zwischen bergigem Binnenland, flacheren Küstenbereichen, Salzseen, trockeneren Vegetationszonen und feuchten Waldgebieten geprägt. Obwohl die Insel mit einer Fläche von rund 87 km² relativ klein ist, weist sie aufgrund ihrer geologischen Entstehung und der unterschiedlichen Niederschlagsverhältnisse eine bemerkenswerte landschaftliche Vielfalt auf. Das Relief wird im zentralen Bereich von einem zerklüfteten Hügelland bestimmt, während sich an den Küsten flache Ebenen, Buchten, Lagunen und Strände anschließen.
Den Osten der Insel nimmt vor allem ein bewaldetes Hügelland ein. Die Erhebungen gehen in zahlreiche kleinere Täler und Senken über und bilden zusammen mit den dicht bewachsenen Hängen einen der landschaftlich geschlossensten Bereiche der Insel. Besonders im Bereich des Pic Paradis erreicht das Gelände größere Höhen. Der Pic Paradis ist mit 424 m die höchste Erhebung Saint Martins. Seine Hänge sind teilweise dicht bewachsen und unterscheiden sich dadurch deutlich von den trockeneren Landschaften der westlichen Inselhälfte. Das Gebiet um den Berg weist zahlreiche Wanderwege auf und gehört zu den wichtigsten naturnahen Erholungsgebieten der Insel.
Die Vegetation ist nicht überall gleich ausgeprägt. Im feuchteren Osten und in den höher gelegenen Bereichen wachsen tropische Wälder und dichtes Buschland. An geschützten Küstenabschnitten kommen Mangrovenbestände hinzu. Die Mangroven wachsen vor allem dort, wo flaches, salzhaltiges Wasser und schlammige oder sandige Böden vorhanden sind. Sie bilden Übergangszonen zwischen Land und Meer und stehen mit den Lagunen und Feuchtgebieten der Insel in engem Zusammenhang.
Demgegenüber ist der Westen Saint Martins trockener. Hier treten offene Buschlandschaften, trockenheitsangepasste Pflanzen und zahlreiche Kakteen stärker hervor. Die geringere Niederschlagsmenge und die stärkere Sonneneinstrahlung führen zu einer Vegetation, die sich deutlich von den bewaldeten Hängen im Osten unterscheidet. Charakteristisch sind dornige Sträucher, niedrige Gehölze und verschiedene sukkulente Pflanzen. Besonders während der trockeneren Jahreszeit kann die Landschaft einen deutlich arideren Eindruck vermitteln.
Ein auffälliges Element der Landschaft sind die zahlreichen Salzseen und salzhaltigen Feuchtgebiete. Größere Salzgewässer liegen im Osten, Süden und Westen der Insel. Sie sind teilweise durch natürliche Küstenbarrieren vom offenen Meer getrennt und wurden historisch für die Salzgewinnung genutzt. Die Salzseen gehören damit sowohl zur Natur- als auch zur Wirtschaftsgeschichte Saint Martins. Durch ihre flachen Wasserflächen, die wechselnden Wasserstände und die unterschiedliche Salzkonzentration bilden sie zudem besondere Lebensräume für Wasservögel und andere an Feuchtgebiete gebundene Tierarten.
Vor der Küste liegen mehrere kleinere Inseln und Felsen. Die bedeutendste vorgelagerte Insel ist Tintamarre, die nordöstlich von Saint Martin liegt und heute unbewohnt ist. Sie gehört politisch zum französischen Teil der Insel. Tintamarre besitzt eine weitgehend natürliche Landschaft mit niedrigen Erhebungen, trockener Vegetation, Felsküsten und Sandstränden. Zusammen mit weiteren kleinen Inseln und Felsen bildet sie einen charakteristischen Bestandteil der Küstenlandschaft Saint Martins.
Die Küste selbst ist stark gegliedert. Felsige Küstenabschnitte wechseln mit flachen Sandbuchten, kleinen Landvorsprüngen und geschützten Meeresarmen. An verschiedenen Stellen liegen Korallenriffe und andere flache Meereslebensräume vor der Küste. Diese Strukturen beeinflussen die Wellenbewegung und schützen einzelne Buchten vor der offenen Brandung. Gleichzeitig bieten sie Lebensraum für zahlreiche Meeresorganismen. In den Korallen- und Felsbereichen leben unter anderem verschiedene Fischarten, Krebstiere und Mollusken.
Besonders charakteristisch sind die zahlreichen Sandstrände. An vielen Küstenabschnitten bestehen sie aus hellem, teilweise nahezu weißem Korallensand, der zusammen mit dem flachen, klaren Wasser die typische tropische Küstenlandschaft erzeugt. Zu den bekanntesten Stränden gehören Orient Bay im französischen Osten, die Bucht von Grand Case im Norden sowie Maho Beach im niederländischen Südwesten. Die einzelnen Strände unterscheiden sich jedoch deutlich voneinander. Orient Bay besitzt eine weitläufige offene Sandküste, während die Küste bei Grand Case stärker von der geschützten Bucht geprägt wird. Maho Beach liegt unmittelbar am Flughafen Princess Juliana International Airport und ist durch seine besondere Lage zwischen Strand, Meer und Flughafen zu einem bekannten Landschaftspunkt von Sint Maarten geworden.
Die Meereslandschaft vor Saint Martin ergänzt die Vielfalt des Landesinneren. Flache Küstengewässer, Seegrasbestände, Korallenriffe und felsige Meeresböden bilden unterschiedliche Lebensräume. Die geschützten Buchten und Riffbereiche dienen zahlreichen Meerestieren als Nahrungs- und Aufenthaltsgebiete. Dadurch setzt sich die landschaftliche Gliederung der Insel unter der Wasseroberfläche fort.
Erhebungen
- Pic du Paradis 414 m
- Mont Caréta 401 m
- Flagstaff 390 m
- Montagne France 387 m
- Centry Hill 340 m
- Naked Boy Hill 300 m
- Jardin des Dains 296 m
- Hope Hill 292 m
- Diamant 274 m
- Red Rock 270 m
Seen
- Grand Etang de Simsonbaai 5,5 km²
- Great Bay 2,1 km²
Fluss
- Ravine de Caréta 3,2 km
Inseln
- Saint-Martin / Sint Maarten 87,0 km² (414 m)
- Ile Tintamare 0,8 km² (39 m)
- Îlet Pinel 0,2 km² (20 m)
Flora und Fauna
Ein großer Teil der Insel isdt bewaldet. Die Landwschaft wird dominiert von Palmen, Hibiskus, Kakteen und Farnen. Sankt Martin wird von einer bunten Vogelwelt bevölkert. Dazu kommen Geckos und andere kleinere Reptilien, aber keinerlei gefährliche Tiere. Naturschutzgebiete mit Mangroven und Feuchtgebieten, wie das Etang Barrière, bieten Lebensraum für viele Vogelarten und weitere Tierarten wie Leguane, Waschbären und Mangusten.
Flora
Die Flora von Saint Martin ist durch die Lage der Insel im tropischen Karibikraum, das überwiegend warme Klima, die ausgeprägte Trockenzeit und die unterschiedlichen Höhenlagen geprägt. Trotz der geringen Größe der Insel treten mehrere deutlich voneinander verschiedene Vegetationstypen auf. Wälder, trockene Buschlandschaften, Küstenvegetation, Mangroven, Feuchtgebiete und die Vegetation der höheren Hügellagen bilden ein abwechslungsreiches Pflanzenmosaik. Nach den vorliegenden Angaben sind etwa 20 % der Inselfläche von Wald bedeckt. Die Waldflächen liegen vor allem an den Hängen und in den Tälern des hügeligeren Inselinneren sowie in Bereichen, in denen die Bodenfeuchtigkeit höher ist.
Zu den charakteristischen einheimischen Gehölzen gehört der Meertraubenbaum beziehungsweise Seaside Raisin Tree (Coccoloba uvifera). Er ist eine typische Pflanze der karibischen Küstenregion und kommt insbesondere in Strandnähe und auf sandigen Böden vor. Seine großen, rundlichen Blätter sind auffällig und ermöglichen ihm, mit der starken Sonneneinstrahlung und den teilweise trockenen Bedingungen der Küste zurechtzukommen. Die Früchte sind essbar und bilden zugleich eine Nahrungsquelle für verschiedene Tiere. An geeigneten Standorten trägt der Meertraubenbaum außerdem zur Stabilisierung von Küstenböden bei.
Zu den weiteren charakteristischen Gehölzen zählen verschiedene Seidenbäume beziehungsweise Silk Trees sowie Gummibäume beziehungsweise Gum Trees. Unter der Bezeichnung Gum Trees werden allerdings unterschiedliche tropische Baumarten zusammengefasst, sodass der englische Sammelbegriff nicht ohne Weiteres einer einzelnen botanischen Art entspricht. Gemeinsam mit anderen einheimischen und eingebürgerten Gehölzen bilden sie die Wald- und Buschvegetation der Insel. In den trockeneren Bereichen ist die Vegetation niedriger und stärker von Sträuchern und trockenheitsangepassten Pflanzen geprägt.
Die heutige Flora ist allerdings nicht ausschließlich ursprünglich. Im Laufe der europäischen Kolonialgeschichte wurden zahlreiche Pflanzenarten aus anderen tropischen Regionen eingeführt und auf Saint Martin kultiviert. Dazu gehören Tamarinden, Kokospalmen, Bananenpflanzen, Mangobäume und Flammenbäume. Auch Bougainvilleen sind auf der Insel weit verbreitet. Viele dieser Pflanzen werden als Nutz- oder Zierpflanzen kultiviert und gehören heute zum charakteristischen Erscheinungsbild der besiedelten Landschaft. Besonders in Gärten, an Straßen, in landwirtschaftlich genutzten Bereichen und rund um Wohnanlagen ist der Anteil eingeführter Pflanzen entsprechend hoch.
Eine besondere Bedeutung besitzt der Guaiac-Baum (Guaiacum officinale), der auf Saint Martin zu den seltenen und schutzbedürftigen einheimischen Baumarten gehört. Das Holz dieser Art ist außerordentlich hart und schwer und war deshalb bereits historisch ein begehrter Rohstoff. Die intensive Nutzung des Holzes hat zusammen mit der Zerstörung natürlicher Lebensräume zum starken Rückgang der Art geführt. Guaiacum officinale zählt deshalb zu den gefährdeten Baumarten der Karibik und steht auch international unter Schutz. Sein Vorkommen auf Saint Martin ist somit von besonderem botanischem und naturschutzfachlichem Interesse.
Zu den bemerkenswerten Pflanzen der trockeneren Landschaften gehört außerdem der unter dem französischen Namen Tête à l'anglais bekannte Kaktus. Er zeichnet sich durch ein auffälliges rotes Cephalium aus, eine spezialisierte Struktur, aus der die Blüten hervorgehen. Die Art gehört zu den seltenen Kakteen der Region und ist an trockene, sonnenreiche Standorte angepasst. Ihr Vorkommen verdeutlicht den Gegensatz zwischen der trockenen Vegetation der westlichen und südwestlichen Inselbereiche und den feuchteren Waldgesellschaften der höheren Lagen.
Eine weitere wichtige Vegetationsformation bilden die Mangroven. Sie wachsen an geschützten, regelmäßig vom Meer beeinflussten Küstenabschnitten sowie im Bereich von Lagunen und anderen flachen Feuchtgebieten. Mangroven sind an salzhaltige Böden und wechselnde Wasserstände angepasst. Ihre dicht verzweigten Wurzelsysteme halten Sedimente fest und tragen damit zum Schutz der Ufer vor Erosion bei. Gleichzeitig entstehen zwischen den Wurzeln geschützte Lebensräume für Fische, Krebstiere, Weichtiere und zahlreiche andere Organismen. Die Mangroven stehen daher in engem ökologischen Zusammenhang mit den angrenzenden Küstengewässern und Korallenriffen.
Auch die Teiche, Salzseen und übrigen Feuchtgebiete besitzen eine besondere Bedeutung für die Pflanzenwelt. Je nach Salzgehalt, Wasserstand und Bodenbeschaffenheit entwickeln sich dort unterschiedliche Pflanzengesellschaften. In den weniger stark salzhaltigen Bereichen können sich Feuchtgebietspflanzen entwickeln, während stark salzhaltige Standorte nur von spezialisierten salztoleranten Arten besiedelt werden. Diese Übergangsräume zwischen Land und Meer gehören zu den ökologisch vielfältigsten Lebensräumen der Insel.
Die höher gelegenen und feuchteren Bereiche rund um den Pic Paradis weisen eine dichtere Vegetation auf als viele tiefer gelegene und trockene Küstenregionen. Dort finden sich neben Bäumen und Sträuchern auch epiphytische Pflanzen, Farne und verschiedene Orchideen. Saint Martin besitzt mehrere Orchideenarten, die insbesondere in feuchteren Waldgebieten und an geeigneten Standorten der Hügellandschaft vorkommen. Sie sind teilweise an bestimmte Feuchtigkeits- und Lichtverhältnisse gebunden und reagieren daher empfindlich auf die Veränderung ihrer natürlichen Lebensräume.
Fauna
Unter den Reptilien fallen insbesondere die Grünen Leguane (Iguana iguana) auf. Sie kommen in verschiedenen Bereichen der Insel vor und halten sich bevorzugt in bewachsenen Gebieten, an Waldrändern und in Bereichen mit ausreichendem Nahrungsangebot auf. Daneben leben auf Saint Martin verschiedene kleinere Echsen und Geckos. Eine besondere Stellung besitzt der Anolis pogus, eine auf Saint Martin und den unmittelbar zugehörigen Inselgebieten vorkommende Anolis-Art. Die Art gehört zur Gruppe der karibischen Anolis-Echsen, deren Vertreter auf vielen Inseln eigene, voneinander unterschiedene Arten oder Unterarten entwickelt haben. Ihr Vorkommen ist eng mit den besonderen Lebensbedingungen der Insel verbunden.
Die Vogelwelt gehört zu den auffälligsten Bestandteilen der Tierwelt Saint Martins. Die unterschiedlichen Landschaftsräume bieten zahlreichen Stand- und Zugvögeln geeignete Lebensräume. In den bewaldeten Bereichen und Gärten kommen unter anderem Kolibris, Papageien und verschiedene Singvögel vor. Auch Zuckervögel, die sich von Nektar und Früchten ernähren, gehören zur karibischen Vogelwelt der Insel. In offenen Landschaften und an Gebäuden treten weitere kleinere Vogelarten auf.
Eine besondere Bedeutung besitzen die Küsten und Feuchtgebiete. Mangroven, Salzseen und Lagunen bieten Nahrung und geschützte Rast- und Brutplätze für Wasservögel. Zu den regelmäßig beziehungsweise regional vorkommenden Arten gehören Kuhreiher, Pelikane, Möwen und verschiedene andere Küsten- und Watvögel. Auch Braune Tölpel gehören zur Vogelwelt des weiteren Inselraums. Die flachen Küstengewässer und vorgelagerten Inseln erweitern die für Vögel verfügbaren Nahrungs- und Rastgebiete erheblich.
Unter den Greifvögeln beziehungsweise kleineren Raubvögeln ist der Turmfalke zu nennen. Er nutzt offene Landschaften und die höher gelegenen Bereiche der Insel zur Nahrungssuche. Die verschiedenen Vogelarten sind dabei unterschiedlich stark an menschlich geprägte Lebensräume angepasst. Einige Arten nutzen Gärten, Plantagen und Siedlungsbereiche, während andere auf naturnahe Wälder, Mangroven oder Feuchtgebiete angewiesen sind.
Die Säugetierfauna der Insel ist wesentlich weniger artenreich als die Vogel- und Meeresfauna. Wie auf vielen kleinen karibischen Inseln ist die Zahl ursprünglich heimischer größerer Landsäugetiere begrenzt. Zu den eingeführten beziehungsweise nicht ursprünglich auf Saint Martin heimischen Säugetieren gehören Waschbären. Auch Pekaris werden im Zusammenhang mit der Tierwelt der Insel genannt. Die Bestände und die Bedeutung dieser Arten für die heutige Wildfauna unterscheiden sich jedoch von den natürlichen Säugetiergemeinschaften größerer karibischer Inseln. Weitere exotische Säugetiere können in Einrichtungen gehalten werden, in denen Tiere aus zoologischen oder pädagogischen Gründen gepflegt werden; solche Tiere gehören nicht zur wild lebenden Fauna Saint Martins.
Eine große Artenvielfalt findet sich bei den wirbellosen Tieren. Auf der Insel leben zahlreiche Schmetterlinge, Motten, Käfer, Libellen, Heuschrecken, Ameisen und andere Insekten. Hinzu kommen Spinnen, Schnecken und weitere Wirbellose. Die unterschiedlichen Vegetationstypen schaffen eine Vielzahl von Nahrungs- und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Besonders blütenreiche Gärten und botanische Anlagen ziehen zahlreiche Schmetterlinge und andere Insekten an. Auch die natürlichen Wald- und Buschgebiete besitzen eine wichtige Funktion für diese Tiergruppen.
Von noch größerer Bedeutung ist die Meeresfauna rund um Saint Martin. Die Küstengewässer umfassen verschiedene Lebensräume wie Korallenriffe, Seegrasbestände, felsige Küstenbereiche und sandige Meeresböden. In diesen Bereichen leben zahlreiche Fischarten. Dazu gehören unter anderem verschiedene Riffische wie Kaiserfische sowie größere Arten wie Thunfische. Rochen kommen ebenfalls in den Gewässern rund um die Insel vor. Die Korallenriffe bieten vielen Fischen und wirbellosen Meerestieren Schutz und Nahrung und stehen deshalb in enger Verbindung mit der biologischen Vielfalt der Küstenregion.
Zu den besonders schutzwürdigen Meerestieren gehören die Meeresschildkröten. In den Gewässern um Saint Martin kommen verschiedene Arten vor, und geeignete Sandstrände dienen einzelnen Arten zur Eiablage. Zu den regional vorkommenden Meeresschildkröten gehören unter anderem die Lederschildkröte sowie weitere Arten der Karibik. Die Tiere verbringen einen großen Teil ihres Lebens im Meer, sind für die Fortpflanzung jedoch auf geeignete Strände angewiesen. Damit sind sie unmittelbar von der Qualität sowohl der Meeres- als auch der Küstenlebensräume abhängig.
Auch Meeressäuger gehören zur Fauna des weiteren Meeresgebietes. Delfine können in den Gewässern um Saint Martin beobachtet werden. Gelegentlich werden auch Wale im weiteren karibischen Meeresraum festgestellt. Ihr Auftreten ist allerdings nicht mit einer dauerhaft auf die unmittelbare Küste Saint Martins beschränkten Population gleichzusetzen. Die offenen Meeresbereiche rund um die Insel bilden vielmehr einen Teil des größeren karibischen Lebensraums dieser Arten.
Pflanzen-und Tierarten:
Flora
- Blütenpflanzen 431
- Farne 15
Fauna
- Vögel 350
Naturschutz
Das wichtigste Schutzgebiet im französischen Teil ist die Réserve naturelle nationale de Saint-Martin. Das Naturschutzgebiet wurde 1998 eingerichtet und umfasst heute etwa 30,6 km². Davon liegen rund 20 km² im Meer beziehungsweise auf dem Meeresboden. Zum Schutzgebiet gehören sowohl Landflächen als auch Küstengewässer und verschiedene vorgelagerte Inseln und Felsen. Dazu zählen unter anderem die Îlet de Pinel, die Îlet Tintamarre und weitere kleinere Inseln beziehungsweise Küstenbereiche. Geschützt werden unterschiedliche Ökosysteme, darunter trockene Küstenvegetation, Felsküsten, Strände, Mangroven, Lagunen, Seegraswiesen und Korallenriffe.
Eine wesentliche Aufgabe der Réserve naturelle de Saint-Martin besteht im Schutz der marinen Lebensräume. Die Korallenriffe und Seegraswiesen dienen zahlreichen Fischarten, Meeresschildkröten, Weichtieren und Krebstieren als Lebensraum. Die Riffe sind zugleich empfindlich gegenüber mechanischen Beschädigungen, Verschmutzung, Sedimenteintrag und Veränderungen der Wasserqualität. Das Schutzgebiet umfasst deshalb nicht nur die eigentlichen Korallenformationen, sondern auch die angrenzenden Meeresflächen, in denen sich die verschiedenen Lebensgemeinschaften gegenseitig ergänzen.
Auch die Mangroven und Küstenfeuchtgebiete gehören zu den geschützten Lebensräumen. Sie besitzen eine wichtige Funktion für den Küstenschutz und stellen zugleich Brut-, Nahrungs- und Rückzugsräume für zahlreiche Tierarten dar. Die Salzseen und Lagunen sind ebenfalls Bestandteil des ökologisch bedeutenden Küstenraums. Dadurch verbindet das französische Schutzgebiet verschiedene Lebensräume vom höher gelegenen Inselinneren bis zu den flachen Meeresbereichen.
Ein weiteres bekanntes Natur- und Erholungsgebiet im französischen Teil ist die Loterie Farm an den Hängen des Pic Paradis. Das Gelände umfasst einen bewaldeten Bereich mit tropischer Vegetation und Wanderwegen. Es handelt sich nicht um ein staatliches Naturschutzgebiet mit derselben rechtlichen Stellung wie die Réserve naturelle de Saint-Martin, sondern um ein privat betriebenes Natur- und Freizeitgebiet. Die Anlage ermöglicht den Zugang zu Teilen des bewaldeten Berglandes und macht die Vegetation der höheren Lagen für Besucher zugänglich. Die Lage am Pic Paradis ist zugleich von Bedeutung für den Erhalt zusammenhängender Waldflächen in einem stark erschlossenen Inselraum.
Die Îlet de Pinel vor der Nordostküste gehört ebenfalls zum Naturraum der Réserve naturelle de Saint-Martin. Die kleine Insel besitzt Strände, trockene Küstenvegetation und flache Meeresbereiche. Wegen ihrer geschützten Lage und der guten Erreichbarkeit ist sie zugleich ein häufig besuchtes Ausflugsziel. Die Nutzung durch Besucher wird deshalb mit Maßnahmen zum Schutz der empfindlichen Küsten- und Meereslebensräume verbunden.
Auf der niederländischen Seite befindet sich mit dem Man of War Shoal National Marine Park ein weiteres bedeutendes Meeresschutzgebiet. Der Marinepark liegt südlich beziehungsweise südöstlich von Sint Maarten und umfasst rund 31 km² Meeresfläche. Geschützt werden dort insbesondere Korallenriffe, Seegraswiesen und weitere marine Lebensräume. Das Gebiet ist für die Fischfauna und für andere Meeresorganismen von Bedeutung und bildet eine wichtige Ergänzung zum französischen Meeresschutzgebiet.
Die beiden großen Meeresschutzgebiete auf den beiden Seiten der Insel haben damit teilweise vergleichbare Schutzaufgaben, gehören aber zu unterschiedlichen politischen und rechtlichen Zuständigkeiten. Die Réserve naturelle de Saint-Martin untersteht dem französischen Naturschutzrecht, während der Man of War Shoal National Marine Park von den Behörden von Sint Maarten verwaltet wird. Die politische Grenze zwischen beiden Gebieten verläuft über denselben zusammenhängenden Insel- und Meeresraum, während die natürlichen Ökosysteme nicht an dieser Grenze enden.
Klima
Das Klima von Saint Martin ist tropisch und wird nach der Köppen-Geiger-Klassifikation als tropisches Savannenklima (Aw) eingeordnet. Kennzeichnend sind ganzjährig hohe Temperaturen, eine ausgeprägte trockenere Jahreszeit und eine niederschlagsreichere Zeit, die zugleich in die atlantische Hurrikansaison fällt. Durch die geringe Größe und das überwiegend hügelige Relief der Insel bestehen zwar lokale Unterschiede, insgesamt ist das Klima jedoch deutlich maritim geprägt.
Die Lufttemperaturen bewegen sich im Jahresverlauf ungefähr zwischen 20 und 34°C. Das Jahresmittel liegt bei etwa 27°C. Die Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten sind deshalb wesentlich geringer als in den gemäßigten Breiten. Größer sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Tagen und insbesondere zwischen trockenen, sonnigen Perioden und feuchten Wetterlagen. Die nordöstlichen Passatwinde beeinflussen das Wettergeschehen ganzjährig und führen vor allem während der trockeneren Monate häufig zu einer spürbaren Durchlüftung.
Die trockenere Jahreszeit reicht hauptsächlich von Januar bis April. In dieser Zeit dominieren häufig die nordöstlichen Passatwinde. Sie transportieren relativ trockene und stabile Luftmassen über die Insel und begrenzen die Bildung großräumiger Niederschlagsgebiete. Die Monate Februar bis April gehören gewöhnlich zu den niederschlagsärmsten Monaten des Jahres. Vollständig trocken ist die Insel allerdings auch dann nicht, da einzelne Schauer auftreten können.
Ab etwa August nimmt die Niederschlagstätigkeit deutlich zu. Die niederschlagsreichste Periode liegt ungefähr zwischen August und November. In diese Monate fällt auch der Höhepunkt der atlantischen Hurrikansaison. Die Regenfälle können dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Neben normalen tropischen Schauern treten kräftige Gewitter und bei Durchzug tropischer Wirbelstürme außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen auf. Insgesamt werden für Saint Martin rund 1.047 mm Jahresniederschlag angegeben, verteilt auf etwa 142 Tage mit messbarem Niederschlag. Gewitter sind vergleichsweise selten und werden mit ungefähr 18 Tagen pro Jahr angegeben.
Das Meer besitzt eine sehr gleichmäßige Temperatur und wirkt dadurch ausgleichend auf das Inselklima. Die mittlere Meerestemperatur liegt bei etwa 27,2°C. Die niedrigsten durchschnittlichen Werte werden mit rund 25,9 °C im Februar angegeben, während das Meer im Oktober durchschnittlich etwa 28,4°C erreicht. Damit bleibt das Wasser auch während der kühleren Monate warm und stellt eine bedeutende Wärmequelle für die Atmosphäre über der Insel dar.
Die Niederschlagsverteilung ist eng mit der großräumigen Zirkulation der tropischen Atmosphäre verbunden. Während der trockeneren Monate sorgen die Passatwinde für relativ stabile Wetterbedingungen. In der feuchteren Jahreszeit nimmt dagegen der Einfluss feuchter tropischer Luftmassen zu. Tropische Wellen können dann starke Regenfälle auslösen. Die geografische Lage im nördlichen Bereich der Kleinen Antillen bringt außerdem eine besondere Gefährdung durch tropische Wirbelstürme mit sich.
Die Hurrikangefahr ist für Saint Martin ein wesentlicher Bestandteil der klimatischen und natürlichen Rahmenbedingungen. Die atlantische Hurrikansaison reicht offiziell vom 1. Juni bis zum 30. November, wobei die stärkste Aktivität gewöhnlich zwischen August und Oktober auftritt. Nicht jedes Jahr erreicht ein Hurrikan die Insel unmittelbar, doch die Lage im nördlichen Kleinen-Antillen-Bogen macht Saint Martin grundsätzlich exponiert gegenüber tropischen Wirbelstürmen.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Insel mehrfach von schweren Stürmen getroffen. Zu den besonders folgenreichen Ereignissen gehörten Luis im September 1995 und Lenny im November 1999. Eine außergewöhnliche Katastrophe war der Durchzug von Hurrikan Irma am 6. September 2017. Irma erreichte beim Überqueren der Insel die Kategorie 5 und brachte extreme Windgeschwindigkeiten sowie Sturmflut und hohe Wellen mit sich. Nach Angaben der Weltbank wurden auf Sint Maarten rund 90 % der Gebäude beschädigt; etwa 5.000 Menschen wurden vorübergehend vertrieben.
Auch die kritische Infrastruktur wurde schwer getroffen. Der internationale Flughafen Princess Juliana wurde durch den Hurrikan erheblich beschädigt; Türen und Teile des Daches wurden herausgerissen und Meerwasser drang in das Terminal ein. Die Wiederherstellung dauerte mehrere Jahre. Das Terminal wurde schließlich im November 2024 wiedereröffnet und mit verstärkten Bauteilen und einer höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Windereignissen ausgestattet.
Die Auswirkungen von Irma beschränkten sich nicht auf Sint Maarten. Der Hurrikan traf den gesamten Inselkörper Saint Martin/Sint Maarten, sodass auch der französische Teil schwer betroffen war. Zwei Wochen später erreichte außerdem Hurrikan Maria die Region. Maria überquerte Saint Martin nicht mit derselben direkten Wirkung wie Irma, brachte jedoch weitere starke Winde und Niederschläge und erschwerte die bereits laufenden Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten.
Klimadaten für Samsonbai (9 m, 1961 bis 1990)
| Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr | |
| Mitteltemperatur (°C) | 25,2 | 25,2 | 25,5 | 26,1 | 27,0 | 27,8 | 28,0 | 28,2 | 28,2 | 27,8 | 26,9 | 25,8 | 26,8 |
| Niederschlag (mm) | 62 | 44 | 44 | 67 | 96 | 64 | 76 | 99 | 131 | 109 | 130 | 86 | 1008 |
| Niederchlagstage | 11 | 9 | 8 | 8 | 11 | 10 | 12 | 14 | 13 | 14 | 14 | 13 | 138 |
| Luftfeuchtigkeit (%) | 75 | 74 | 74 | 74 | 76 | 75 | 75 | 76 | 76 | 77 | 78 | 77 | 76 |
| Tägliche Sonnenstunden | 8,36 | 8,06 | 8,61 | 8,76 | 8,07 | 8,03 | 8,28 | 8,45 | 7,71 | 7,66 | 7,68 | 7,88 | 8,13 |
Mythologie
Nach der überlieferten Darstellung passierte Kolumbus die Insel am 11. November 1493 während seiner zweiten Reise nach Amerika. Der 11. November ist der Gedenktag des heiligen Martin von Tours, weshalb Kolumbus die Insel San Martín nannte. Die historische Bezeichnung wurde später im französischen Sprachraum zu Saint-Martin und im niederländischen Sprachraum zu Sint Maarten. Um diese Namensgebung entwickelte sich die Vorstellung, dass die Insel gleichsam am Namenstag des Heiligen entdeckt und dadurch unmittelbar unter seinen Schutz gestellt worden sei. Historisch belegt ist die Namensgebung, während eine besondere Schutzfunktion des Heiligen zur Zeit der Entdeckung Teil der späteren religiösen Überlieferung ist.
Auch die vorkoloniale Geschichte der Insel ist von Überlieferungen umgeben. Vor der europäischen Ankunft lebten indigene Bevölkerungsgruppen auf Saint Martin, wobei insbesondere die Namen Soualiga und Oualichi mit der vorkolonialen Inselgeschichte verbunden werden. Soualiga wird gewöhnlich als „Land des Salzes“ übersetzt und verweist auf die zahlreichen Salzseen der Insel. Oualichi wird dagegen als „Insel der starken Frauen“ beziehungsweise als „Insel der tapferen und schönen Frauen“ wiedergegeben. Die genauen historischen Umstände, unter denen diese Bezeichnungen verwendet wurden, sind nicht vollständig überliefert, sodass sie heute vor allem Bestandteil der historischen Erinnerung an die indigene Vergangenheit Saint Martins sind.
Besonders bekannt ist die volkstümliche Sage über die Entstehung der Grenze zwischen dem französischen und dem niederländischen Teil der Insel. Eine Version erzählt, dass die beiden europäischen Mächte die Insel untereinander aufteilen wollten und dafür jeweils einen Vertreter bestimmten. Ein Franzose und ein Niederländer sollen an einem bestimmten Punkt der Küste gestartet und die Insel in entgegengesetzten Richtungen umrundet haben. Dort, wo sie wieder aufeinandertrafen, sollte die Grenze verlaufen. Der Franzose habe dabei angeblich eine größere Strecke zurückgelegt, weshalb der französische Teil größer geworden sei.
Von dieser Grundgeschichte existieren mehrere Varianten. In einer besonders bekannten Fassung trank der Franzose während des Rundgangs Wein, während der Niederländer Genever trank. Der Alkohol habe die Geschwindigkeit des Niederländers beeinträchtigt, sodass er früher ermüdet habe und der Franzose einen größeren Teil der Insel für Frankreich beanspruchen konnte. In einer anderen Version gibt der Franzose seinem niederländischen Konkurrenten eine Flasche Wasser, die tatsächlich mit Gin gefüllt gewesen sei. Der Niederländer werde dadurch langsamer, während der Franzose seinen Weg fortsetzen könne. Die unterschiedliche Größe der beiden Inselteile wird in diesen Geschichten somit humorvoll mit den jeweiligen Trinkgewohnheiten der beiden Männer erklärt.
Historisch entstand die Grenze jedoch nicht durch einen solchen Wettlauf. Grundlage war der Vertrag von Concordia, der am 23. März 1648 zwischen französischen und niederländischen Vertretern geschlossen wurde. Er regelte die Aufteilung der Insel zwischen den beiden Mächten. Die genaue Grenzziehung beruht auf den Bestimmungen dieses Abkommens und der anschließenden Entwicklung der beiden Herrschaftsbereiche. Der berühmte Wettlauf ist daher eine Legende, die die komplizierte koloniale Grenzgeschichte in eine leicht verständliche und humorvolle Erzählung verwandelt.
Eine weitere lokale Erzähltradition verbindet die Küste von Maho Beach mit einem Meeresgeist namens Maho. Nach dieser volkstümlichen Geschichte wacht der Geist über das Meer und schützt die Küste vor Menschen, die sich respektlos gegenüber dem Ozean verhalten. Wer das Meer und seine Kräfte achtet, soll von Maho verschont oder sogar belohnt werden. Wer dagegen die Grenzen des Meeres missachtet, müsse mit dessen Zorn rechnen. Diese Erzählung gehört zur modernen lokalen Folklore und steht sinnbildlich für die enge Verbindung der Inselbevölkerung mit dem Meer. Eine historische oder religiöse Überlieferung eines tatsächlich verehrten Meeresgottes namens Maho ist daraus nicht abzuleiten.
Auch die unbewohnte Insel Tintamarre, die nordöstlich vor Saint Martin liegt, ist Gegenstand verschiedener Piraten- und Schatzgeschichten. Die Insel liegt abseits der dicht besiedelten Hauptinsel und besitzt eine trockene, teilweise felsige Landschaft. Ihre abgeschiedene Lage hat die Entstehung von Erzählungen über Piraten, verborgene Schätze und geheimnisvolle Ereignisse begünstigt. In volkstümlichen Geschichten werden unter anderem Captain Kidd und Edward Teach, besser bekannt als Blackbeard, mit der Insel in Verbindung gebracht. Angeblich sollen Piraten auf Tintamarre Beute versteckt haben, die später nicht wieder geborgen wurde. Manche Versionen der Erzählungen berichten sogar von Geistern ehemaliger Piraten, die über die verborgenen Schätze wachen.
Für diese Schatzgeschichten gibt es keine gesicherten archäologischen Nachweise, die eine tatsächliche Schatzkammer von Captain Kidd oder Blackbeard auf Tintamarre belegen würden. Sie gehören vielmehr zur weit verbreiteten karibischen Piratenfolklore. Viele Inseln der Kleinen Antillen besitzen vergleichbare Erzählungen über vergrabene Münzen, geheime Höhlen, verschollene Schiffe und die Geister ehemaliger Piraten. Tintamarres abgelegene Lage und die geringe dauerhafte Besiedlung boten einen geeigneten Hintergrund für solche Geschichten.
Geschichte
Die Insel wurde am Namenstag des Heiligen Martin, dem 11. November 1493, durch Christoph Kolumbus „entdeckt“. Im Jahre 1648 wurde das Inselgebiet geteilt, nachdem französische und niederländische Kriegsgefangene ihre spanischen Aufseher vertrieben hatten. Der Legende nach teilten die Deportierten die Insel unter sich auf, indem ein Niederländer und ein Franzose die Insel in gegensätzlicher Richtung umrundeten, bis sie sich wieder am Strand trafen. Es heißt auch, der Franzose habe dem Niederländer eine Wasserflasche gegeben, die allerdings Gin enthalten habe, weshalb heute der französische Teil größer sei als der niederländische. Die heutige französisch-niederländische Landgrenze wurde durch den Vertrag von Concordia am 23. März 1648 festgelegt.
Präkolumbische Zeit
Archäologische Grabungen und radiometrische Datierungen belegen eine Abfolge verschiedener indigener Kulturen über einen Zeitraum von nahezu 5000 Jahren. Zu den bedeutenden Fundplätzen gehören unter anderem Morne Ébako, Baie Orientale, Baie Longue, Étang Rouge, Pointe du Canot, Anse des Sables und Baie Rouge. Die Funde umfassen Keramik, Steinwerkzeuge, Muscheln, Tierknochen, Korallen und weitere Überreste der damaligen Lebensweise.
Die ältesten bekannten menschlichen Besiedlungsspuren gehören zur frühen präkeramischen beziehungsweise archaischen Besiedlungsphase. Eine eindeutige Zuordnung dieser frühesten Bewohner zu einem Volk namens Ciboney ist nach dem heutigen archäologischen Forschungsstand nicht gerechtfertigt. Die Bezeichnung Ciboney wurde vor allem in älterer Literatur für bestimmte Bevölkerungsgruppen der Karibik verwendet, lässt sich aber nicht ohne Weiteres als Name der ersten Bewohner von Saint Martin verwenden. Die frühen Bevölkerungsgruppen nutzten die natürlichen Ressourcen der Insel und ihrer Küsten. Fischfang, das Sammeln von Muscheln und anderen Meerestieren sowie die Nutzung pflanzlicher und tierischer Ressourcen bildeten wichtige Bestandteile ihrer Wirtschaftsweise.
Spätere Bevölkerungsgruppen führten neue wirtschaftliche und technologische Formen ein. Mit der Entwicklung der Keramikproduktion und einer stärker auf Landwirtschaft ausgerichteten Lebensweise veränderten sich die Siedlungen und die Nutzung der Insel. Archäologisch lassen sich verschiedene Kulturphasen anhand von Keramikstilen, Werkzeugen, Siedlungsformen und Ernährungsresten unterscheiden. Die Entwicklung verlief dabei nicht als einfacher Wechsel einzelner Völker, sondern als Abfolge und teilweise Überlagerung verschiedener kultureller Traditionen.
Ab etwa 700 bis 900 n. Chr. lässt sich in den Kleinen Antillen eine stärkere regionale Differenzierung der indianischen Dorfgemeinschaften feststellen. Die französische archäologische Forschung bezeichnet diese Phase als Néoindien récent beziehungsweise als jüngeres keramisches Zeitalter. Die Siedlungen bestanden weiterhin überwiegend aus Dörfern, in denen sich verschiedene Tätigkeiten konzentrierten. Gleichzeitig nahm die Bedeutung der marinen Ressourcen zu. Keramikfunde ermöglichen eine Unterscheidung verschiedener regionaler Traditionen innerhalb der Kleinen Antillen.
Die Bevölkerungsgruppen, die in der europäischen Literatur häufig pauschal als Arawak oder Taíno bezeichnet werden, waren Teil eines größeren kulturellen Zusammenhangs der Karibik. Der Begriff Taíno bezeichnet insbesondere Bevölkerungsgruppen der Großen Antillen, während die indigenen Gesellschaften der Kleinen Antillen eine eigene kulturelle Entwicklung aufwiesen. Deshalb ist es für Saint Martin genauer, von verschiedenen präkolumbischen indianischen Bevölkerungsgruppen und Kulturtraditionen zu sprechen, anstatt sämtliche Bewohner der Insel als Taíno zu bezeichnen.
Auch die traditionelle Darstellung, wonach die „Kariben“ ab dem 12. Jahrhundert die Arawak gewaltsam vollständig verdrängt hätten, gilt in dieser einfachen Form als überholt. Für die Zeit unmittelbar vor dem europäischen Kontakt werden in den Kleinen Antillen Bevölkerungsgruppen beschrieben, die in europäischen Quellen unter den Bezeichnungen Carib, Caraïbe oder Kariben zusammengefasst wurden. Die archäologischen Befunde zeigen jedoch komplexere kulturelle Beziehungen und regionale Unterschiede. Die Bezeichnung Callinago beziehungsweise Kalinago wird heute insbesondere für die indigene Bevölkerung der östlichen Kleinen Antillen verwendet.
Die Bevölkerung von Saint Martin lebte in Dörfern und nutzte sowohl die terrestrischen als auch die marinen Ressourcen der Insel. Landwirtschaft, Fischfang, Muschelsammeln und die Verarbeitung von Rohstoffen gehörten zu den wesentlichen wirtschaftlichen Tätigkeiten. Die archäologischen Funde zeigen eine intensive Nutzung der Küstenbereiche. Muscheln wie die Große Fechterschnecke Strombus gigas und Cittarium pica sowie verschiedene Muschelarten gehörten zu den genutzten Meerestieren.
Von besonderer Bedeutung waren die natürlichen Salzvorkommen der Insel. Die zahlreichen Salzseen und flachen Küstengewässer boten günstige Voraussetzungen für die Gewinnung und Nutzung von Salz. Der überlieferte indigene Name Soualiga wird deshalb traditionell mit „Land des Salzes“ beziehungsweise „Land der Salzgewässer“ in Verbindung gebracht. Die Bedeutung dieses Namens ist in der historischen Überlieferung eng mit der Landschaft Saint Martins verbunden.
Als Christoph Kolumbus während seiner zweiten Reise 1493 durch die nördlichen Kleinen Antillen segelte, gelangte Saint Martin in den europäischen Kenntnishorizont. Nach französischen archäologischen und kulturhistorischen Quellen wurden Saint-Martin und Saint-Barthélemy während dieser Reise gesichtet; Kolumbus benannte die Insel nach dem heiligen Martin von Tours, dessen Gedenktag am 11. November begangen wird. Ein sicherer Landgang des Kolumbus auf Saint Martin ist dagegen nicht belegt. Die Insel wurde somit nicht von ihm „entdeckt“ im Sinne einer erstmaligen menschlichen Kenntnis, sondern erstmals in europäische geografische Überlieferungen aufgenommen.
Pionierzeit
Nach der spanischen Entdeckung beanspruchte Spanien zunächst die Insel im Rahmen seiner weitreichenden Ansprüche in der Karibik. Eine dauerhafte spanische Besiedlung entwickelte sich jedoch zunächst nicht. Erst im 17. Jahrhundert nahm das Interesse europäischer Mächte an Saint Martin wegen seiner natürlichen Salzvorkommen deutlich zu. Salz war für die Konservierung von Fleisch und Fisch von großer wirtschaftlicher Bedeutung und konnte in den flachen Salzlagunen der Insel gewonnen werden.
Ab 1627 erkundeten niederländische Seefahrer Saint Martin gezielt wegen der vorhandenen Salinen. Die Niederländer waren zu dieser Zeit bereits in mehreren Teilen der Karibik aktiv und suchten nach eigenen Handels- und Versorgungsstützpunkten. Im Juli 1631 errichteten sie auf einer Halbinsel an der heutigen Great Bay eine kleine dauerhafte Niederlassung. Dort stationierten sie eine Garnison von etwa 30 Soldaten und vier Geschütze. Aus dieser Siedlung entwickelte sich später Philipsburg, das heutige politische und wirtschaftliche Zentrum des niederländischen Inselteils.
Parallel dazu begannen sich Franzosen auf der Insel niederzulassen. Einige französische Familien kamen aus der französischen Kolonie Saint-Christophe, dem heutigen Saint Kitts. Sie ließen sich vor allem im östlichen Teil Saint Martins nieder und betrieben Landwirtschaft, unter anderem Tabakanbau. Damit entstand bereits vor der endgültigen politischen Teilung eine französische und eine niederländische Präsenz auf derselben Insel.
Die niederländische Niederlassung blieb nicht unbeachtet. Spanien betrachtete die zunehmende niederländische Präsenz in der Karibik als Bedrohung seiner eigenen regionalen Vorherrschaft. 1638 griffen spanische Truppen die niederländische Stellung auf Saint Martin an. Die Spanier übernahmen die Niederlassung und errichteten an dieser strategisch wichtigen Stelle eine Befestigungsanlage. Die Festung sollte den Zugang zur Great Bay kontrollieren und die Insel gegen weitere Angriffe sichern.
Die spanische Besatzung blieb jedoch zahlenmäßig begrenzt. Die Insel wurde von einer kleinen Garnison kontrolliert, die mit den spanischen Besitzungen auf Puerto Rico verbunden war. Saint Martin besaß für Spanien vor allem strategische Bedeutung, während die Niederländer die Salinen und die Lage der Insel innerhalb ihrer karibischen Handelsverbindungen nutzen wollten.
1644 versuchte der niederländische General Pieter Stuyvesant, die spanische Stellung auf Saint Martin zurückzuerobern. Stuyvesant führte einen größeren niederländischen Angriff auf die spanische Festung. Der Angriff scheiterte jedoch. Während der Kämpfe wurde Stuyvesant am Bein verwundet. Die Verletzung war so schwer, dass sein rechtes Bein später amputiert werden musste. Anschließend setzte er seine Tätigkeit für die Niederländische Westindien-Kompanie fort und wurde 1647 Generaldirektor der niederländischen Kolonie Nieuw Nederland in Nordamerika, zu deren Zentrum Nieuw Amsterdam, das spätere New York, gehörte.
Nach dem gescheiterten niederländischen Angriff veränderte sich die spanische Position auf Saint Martin. Spanien gab die Besatzung der Insel 1648 auf. Die Spanier zerstörten beziehungsweise gaben ihre Befestigungsanlagen auf und zogen sich zurück. Damit entstand ein Machtvakuum, das unmittelbar von den bereits auf der Insel ansässigen Franzosen und Niederländern genutzt wurde.
Sowohl die französischen als auch die niederländischen Siedler informierten ihre jeweiligen kolonialen Behörden über den spanischen Rückzug. Die französischen Siedler standen mit Saint-Christophe in Verbindung, während die niederländischen Siedler Unterstützung von Saint-Eustache erhielten. Beide Seiten erhoben anschließend Ansprüche auf die Insel. Anstatt einen längeren militärischen Konflikt um die gesamte Insel zu führen, entschieden sie sich für eine Vereinbarung über die Aufteilung des Gebietes.
Kolonialzeit
Nachdem Spanien die Insel 1648 verlassen hatte, kehrten französische und niederländische Siedler zurück und teilten Saint Martin untereinander auf. Die Grundlage dafür bildete das Abkommen von Concordia. Die französische Seite übernahm den nördlichen und größeren Teil, während die Niederländer den südlichen Teil erhielten. Damit entstand eine politische Teilung, die trotz späterer Kriege, Besetzungen und Grenzveränderungen bis in die Gegenwart fortbesteht. Die französische staatliche Dokumentation führt den Vertrag von Concordia als Ausgangspunkt der beiden unterschiedlichen Hoheitsgebiete auf der Insel an.
Das Abkommen regelte neben der Aufteilung des Gebietes auch die Beziehungen zwischen den beiden Gemeinschaften. Die Grenze war zunächst keine streng überwachte Staatsgrenze im modernen Sinn. Die Bewohner beider Seiten konnten bestimmte Ressourcen gemeinsam nutzen und standen wirtschaftlich und gesellschaftlich in engem Kontakt. Die Bestimmungen des Abkommens wurden im Laufe der folgenden Jahrhunderte unterschiedlich ausgelegt und mehrfach durch spätere Vereinbarungen und tatsächliche Machtverhältnisse verändert. Der heutige Grenzverlauf geht im Wesentlichen auf die Neuordnung von 1817 zurück.
Nach der Teilung blieb Saint Martin in die europäischen Konflikte der Karibik eingebunden. Frankreich und die Niederlande waren im 17. und 18. Jahrhundert wiederholt Gegner in europäischen Kriegen, und die Auseinandersetzungen wirkten sich unmittelbar auf ihre karibischen Besitzungen aus. Auch England beziehungsweise Großbritannien griff wiederholt in die Machtverhältnisse der Insel ein. Saint Martin wechselte dadurch mehrfach zwischen französischer, niederländischer und britischer Kontrolle. Die militärische Bedeutung der Insel beruhte insbesondere auf ihrer Lage, den geschützten Buchten und den wertvollen Salzvorkommen.
Die Westfälischen Friedensverträge von 1648 beendeten den Dreißigjährigen Krieg und regelten gleichzeitig wichtige europäische Territorialfragen. Für die Karibik bedeutete die Beendigung des niederländisch-spanischen Krieges eine wesentliche Veränderung der politischen Ausgangslage. Die spanischen Ansprüche auf Saint Martin verloren damit ihre praktische Bedeutung. Frankreich und die Niederlande konnten ihre jeweiligen Positionen auf der Insel dauerhaft ausbauen.
Während des späten 17. und des 18. Jahrhunderts wurde Saint Martin wiederholt von militärischen Konflikten betroffen. Befestigungsanlagen dienten dem Schutz der Siedlungen, Häfen und Salinen. Auf französischer Seite wurde insbesondere Fort Louis oberhalb von Marigot zu einer wichtigen Verteidigungsanlage. Auf niederländischer Seite erfüllte Fort Amsterdam oberhalb der Great Bay eine vergleichbare Funktion. Die Befestigungen sollten sowohl Angriffe konkurrierender Kolonialmächte als auch Angriffe von Freibeutern und Piraten abwehren.
Die Landwirtschaft bildete neben der Salzgewinnung die wichtigste Grundlage der kolonialen Wirtschaft. Auf den fruchtbareren Flächen wurden zunächst unter anderem Tabak und Indigo angebaut. Später gewann Zuckerrohr zunehmend an Bedeutung. Hinzu kamen Baumwolle und Viehzucht. Die landwirtschaftliche Produktion wurde durch Plantagen organisiert, wobei die verfügbaren Flächen und die relativ trockenen klimatischen Bedingungen die Entwicklung großer Plantagen im Vergleich zu anderen karibischen Inseln begrenzten.
Die Plantagenwirtschaft beruhte in erheblichem Umfang auf versklavter afrikanischer Arbeitskraft. Menschen wurden aus verschiedenen Regionen Afrikas über den atlantischen Sklavenhandel in die Karibik verschleppt und zur Arbeit auf Plantagen gezwungen. Dies betraf auch den niederländischen Teil von Saint Martin. Die niederländische Regierung dokumentiert ausdrücklich, dass versklavte Menschen nach Sint Maarten gebracht und dort unter anderem auf Zuckerplantagen zur Arbeit gezwungen wurden.
Auch im französischen Teil beruhte die koloniale Landwirtschaft auf der Arbeit versklavter Menschen. Dadurch entstand eine Gesellschaft, in der europäische Siedler, versklavte Afrikaner, freie Menschen afrikanischer Herkunft und die verbliebenen beziehungsweise zugewanderten karibischen Bevölkerungsgruppen miteinander lebten. Die Nachkommen der während der Kolonialzeit nach Saint Martin gebrachten Afrikaner bilden bis heute einen wesentlichen Bestandteil der Bevölkerung der Insel.
Die Salzgewinnung blieb während der gesamten Kolonialzeit von Bedeutung. Die natürlichen Salzseen und flachen Küstenbereiche ermöglichten die Gewinnung von Meersalz durch Verdunstung. Salz wurde sowohl für die Konservierung von Lebensmitteln als auch für den regionalen Handel benötigt. Besonders die niederländische Seite nutzte die Salinen wirtschaftlich. Die Salzproduktion war neben Landwirtschaft, Viehzucht und Handel eine wichtige Grundlage der kolonialen Wirtschaft.
Im 18. Jahrhundert wurde die wirtschaftliche Bedeutung von Zuckerrohr größer. Zucker war ein wichtiges Exportprodukt der europäischen Kolonialwirtschaft und wurde über die karibischen Häfen nach Europa und in andere Kolonien transportiert. Neben Zucker wurden weiterhin Baumwolle, Tabak und Indigo produziert. Die Produktion schwankte jedoch abhängig von internationalen Preisen, Kriegen, Arbeitskräfteangebot, Trockenperioden und der Konkurrenz anderer karibischer Inseln.
Die Abschaffung der Sklaverei veränderte die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse grundlegend. Auf dem niederländischen Teil wurde die Sklaverei 1863 abgeschafft, während sie im französischen Kolonialgebiet bereits 1848 endgültig abgeschafft worden war. Die ehemaligen Plantagenarbeiter blieben vielfach in der Landwirtschaft beschäftigt oder wandten sich anderen Erwerbsformen zu. Die koloniale Gesellschaft wandelte sich dadurch von einer durch Sklaverei geprägten Plantagenordnung zu einer Gesellschaft mit überwiegend freier Lohn- und Subsistenzwirtschaft.
Im 19. Jahrhundert verlor die Plantagenwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Zucker und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse konnten auf Saint Martin aufgrund der begrenzten landwirtschaftlichen Flächen und der Konkurrenz größerer karibischer Produktionsgebiete nicht dauerhaft die frühere wirtschaftliche Bedeutung behalten. Viele Plantagen wurden aufgegeben oder in kleinere landwirtschaftliche Betriebe umgewandelt. Viehzucht, Salzgewinnung, Fischerei, Küstenhandel und Subsistenzlandwirtschaft gewannen relativ an Bedeutung.
Der französische Teil blieb Teil des französischen Kolonialsystems und wurde administrativ zunächst gemeinsam mit anderen französischen Besitzungen in der Karibik verwaltet. Saint Martin war lange Zeit eng mit Guadeloupe verbunden. Der niederländische Teil gehörte dagegen zum niederländischen Kolonialverband in der Karibik. Die politische Entwicklung führte schließlich zur Eingliederung Sint Maartens in die Niederländischen Antillen. Diese bestanden ab 1954 als autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande und umfassten mehrere niederländische Karibikinseln.
Im 20. Jahrhundert wandelte sich die wirtschaftliche Grundlage der Insel erneut. Die traditionelle Landwirtschaft und Salzgewinnung verloren weiter an Bedeutung, während Handel, Dienstleistungen, Bauwirtschaft und später der Fremdenverkehr expandierten. Besonders wichtig wurde der Ausbau der Infrastruktur nach dem Zweiten Weltkrieg. Straßen, Flughäfen, Häfen und touristische Einrichtungen ermöglichten eine stärkere internationale Anbindung der Insel.
Seit den 1960er Jahren entwickelte sich der Tourismus zum wichtigsten Wirtschaftszweig. Der Ausbau der touristischen Infrastruktur wurde von der geografischen Lage, dem Klima, den Stränden und der politischen Sonderstellung der Insel begünstigt. Auf der niederländischen Seite kam zusätzlich der zollfreie Einzelhandel hinzu. Philipsburg entwickelte sich zu einem bedeutenden Einkaufszentrum und Kreuzfahrthafen, während auf der französischen Seite insbesondere Marigot, Grand Case, Orient Bay und weitere Küstenorte touristisch ausgebaut wurden.
Die wirtschaftliche Entwicklung führte gleichzeitig zu einem starken Bevölkerungswachstum und zu umfangreicher Zuwanderung. Menschen aus anderen karibischen Inselstaaten, aus Frankreich, den Niederlanden, Nord- und Südamerika sowie weiteren Regionen kamen auf die Insel. Dadurch veränderte sich die Bevölkerungsstruktur deutlich gegenüber der traditionellen kolonialen Gesellschaft.
Politisch endete die koloniale Epoche nicht auf beiden Inselteilen gleichzeitig. Der französische Teil entwickelte sich innerhalb des französischen Überseesystems weiter und erhielt 2007 den Status einer Collectivité d'outre-mer. Der niederländische Teil durchlief dagegen mehrere staatsrechtliche Veränderungen. Bis zum 10. Oktober 2010 gehörte Sint Maarten zu den Niederländischen Antillen. Mit deren Auflösung wurde Sint Maarten ein autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. Gleichzeitig wurden Bonaire, Sint Eustatius und Saba als öffentliche Körperschaften unmittelbar Teil des Landes Niederlande; Aruba besaß bereits seit 1986 einen gesonderten Status.
Moderne Zeit
1939 wurde Saint Martin zum Freihafen beziehungsweise zollfreien Handelsplatz erklärt. Diese Maßnahme stärkte den Handel und schuf Voraussetzungen für die spätere Entwicklung des Tourismus und des Einzelhandels. Besonders der niederländische Teil profitierte von der zollfreien Einfuhr und dem damit verbundenen Ausbau des Handels. Philipsburg entwickelte sich in der Folge zu einem wichtigen Einkaufszentrum der östlichen Karibik.
Eine weitere entscheidende Veränderung war der Ausbau des Luftverkehrs. Der Flughafen im Gebiet von Simpson Bay wurde während des Zweiten Weltkriegs ausgebaut und entwickelte sich anschließend zu einem internationalen Verkehrsflughafen. Der heutige Princess Juliana International Airport wurde zu einem zentralen Zugang zur Insel und war für die Entwicklung des Tourismus von großer Bedeutung. Seine Start- und Landebahn liegt unmittelbar hinter Maho Beach, wodurch startende und landende Flugzeuge in geringer Höhe über den Strand fliegen. Diese ungewöhnliche Lage wurde später selbst zu einer touristischen Attraktion.
Der Fremdenverkehr entwickelte sich auf der niederländischen Seite früher und schneller als auf der französischen Seite. Seit den 1950er und 1960er Jahren wurden Hotels, Ferienanlagen, Restaurants, Geschäfte und weitere touristische Einrichtungen errichtet. Auf dem französischen Teil setzte die stärkere touristische Entwicklung später ein. Dort entstanden insbesondere in Marigot, Grand Case, Orient Bay und Anse Marcel neue touristische Einrichtungen. Der Fremdenverkehr entwickelte sich damit auf beiden Seiten zu einem zentralen Bestandteil der Wirtschaft.
Die politische Entwicklung des französischen Teils verlief parallel dazu. Saint-Martin wurde 1947 dem französischen Überseedépartement Guadeloupe administrativ angegliedert. 1963 bildete Saint-Martin zusammen mit Saint-Barthélemy ein eigenes Arrondissement innerhalb des Départements Guadeloupe. Damit blieb die Insel zunächst Bestandteil des französischen Départementsystems, obwohl sie geografisch weit vom französischen Mutterland und auch vom Zentrum Guadeloupes entfernt liegt.
In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Wunsch nach einer eigenständigeren Verwaltung. Am 7. Dezember 2003 stimmten die Einwohner des französischen Saint-Martin in einer Volksabstimmung über eine Änderung des politischen Status ab. 76,2 % der abgegebenen Stimmen entfielen auf die Schaffung einer Collectivité d'outre-mer. Die neue politische Ordnung trat 2007 in Kraft. Saint-Martin wurde damit aus der administrativen Struktur Guadeloupes herausgelöst und erhielt eine eigene Gebietskörperschaft mit eigenen politischen Institutionen.
Auf der niederländischen Seite verlief die Entwicklung anders. Sint Maarten gehörte seit 1954 zum Land der Niederländischen Antillen innerhalb des Königreichs der Niederlande. Mit der Auflösung der Niederländischen Antillen am 10. Oktober 2010 wurde Sint Maarten ein eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. Gleichzeitig erhielten Curaçao den gleichen Status, während Bonaire, Sint Eustatius und Saba als besondere Gemeinden unmittelbar Teil des Landes Niederlande wurden.
Seit 2010 verfügt Sint Maarten über weitreichende eigene Zuständigkeiten. Dazu gehören unter anderem Bildung, Justiz, Tourismus, Gesundheitswesen und Beschäftigung. Außenpolitik, Verteidigung und die niederländische Staatsangehörigkeit gehören dagegen zu den Angelegenheiten des Königreichs der Niederlande insgesamt.
Die Bevölkerung nahm während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark zu. Der Ausbau des Tourismus führte zu einem hohen Bedarf an Arbeitskräften im Baugewerbe, Gastgewerbe, Handel, Verkehr und in anderen Dienstleistungsbereichen. Menschen aus zahlreichen karibischen Staaten sowie aus Europa und Amerika wanderten zu. Dadurch entstand die heute stark international zusammengesetzte Bevölkerung der Insel.
Auch die Siedlungsstruktur veränderte sich grundlegend. Aus den historischen Orten Marigot und Philipsburg entwickelten sich größere Verwaltungs-, Handels- und Dienstleistungszentren. Zwischen den traditionellen Siedlungen entstanden neue Wohngebiete, Hotels, Ferienanlagen, Einkaufszentren, Marinas und Gewerbegebiete. Besonders stark wuchs der Raum Simpson Bay–Cole Bay–Philipsburg auf der niederländischen Seite sowie Marigot und die angrenzenden Siedlungsgebiete auf der französischen Seite.
Die wirtschaftliche Entwicklung blieb gleichzeitig stark von der Lage Saint Martins in der Hurrikanzone abhängig. Besonders schwere Schäden verursachten die Hurrikane Luis im September 1995 und Lenny im November 1999. Der Hurrikan Luis traf Saint Martin am 5. September 1995 und verursachte erhebliche Schäden an Gebäuden, Infrastruktur, Hafenanlagen und touristischen Einrichtungen. Lenny traf die Insel im November 1999 und brachte außergewöhnlich starke Niederschläge und Überschwemmungen mit sich.
Eine neue Zäsur bildete der Hurrikan Irma am 6. September 2017. Der Sturm traf Saint Martin mit großer Intensität und verursachte auf beiden Seiten der Insel schwere Schäden. Häuser, Hotels, Geschäfte, Straßen, Strom- und Wasserversorgung sowie Hafen- und Flughafeninfrastruktur wurden teilweise zerstört oder schwer beschädigt. Sint Maarten war besonders stark betroffen. Die niederländische Regierung stellte für den Wiederaufbau insgesamt bis zu 550 Millionen Euro bereit; ein großer Teil der Mittel wurde über einen von der Weltbank verwalteten Wiederaufbaufonds bereitgestellt.
Der Wiederaufbau nach Irma erstreckte sich über mehrere Jahre. Neben der Reparatur beschädigter Gebäude mussten Verkehrswege, Stromversorgung, Wasserversorgung, Abfallentsorgung, öffentliche Einrichtungen und touristische Infrastruktur wiederhergestellt werden. Der Wiederaufbau wurde dabei auf niederländischer Seite durch internationale und niederländische Finanzmittel unterstützt. Die Auswirkungen des Hurrikans führten außerdem zu einer Neubewertung des Katastrophenschutzes und der Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur.
Die politische Teilung der Insel blieb trotz der unterschiedlichen staatlichen Zugehörigkeit im Alltag vergleichsweise offen. Die Grenze zwischen Saint-Martin und Sint Maarten ist auf vielen Straßen nur durch Grenzsteine, Schilder oder Denkmäler erkennbar. Menschen können sich grundsätzlich ohne eine klassische Grenzkontrolle zwischen den beiden Inselteilen bewegen. Gleichzeitig bestehen unterschiedliche Rechts-, Steuer-, Verwaltungs- und Einwanderungssysteme.
Die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Sint Maarten wurde im 21. Jahrhundert weiter institutionalisiert. 2023 unterzeichneten Frankreich und das Königreich der Niederlande einen neuen Vertrag über den Grenzverlauf. Bei einem quadripartiten Treffen zwischen Frankreich, dem Königreich der Niederlande, Saint-Martin und Sint Maarten wurde anschließend die Einrichtung einer gemeinsamen Grenzkommission vereinbart. Damit wurde deutlich, dass die Grenze trotz des freien alltäglichen Verkehrs weiterhin eine rechtliche Bedeutung besitzt.
Auch die Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen wurde weiter ausgebaut. Frankreich und das Königreich der Niederlande unterzeichneten am 10. März 2026 auf Saint Martin ein Abkommen über das gegenseitige Recht zur Verfolgung von Straftätern auf See. Das Abkommen betrifft insbesondere gemeinsame Maßnahmen gegen den Drogenschmuggel in den Gewässern um die Insel und schafft einen Rahmen für die Zusammenarbeit der französischen und niederländischen maritimen Behörden.
Die Corona-Maßnahmenpolitik führte ab 2020 zu einer erneuten wirtschaftlichen Unterbrechung. Da der Tourismus für beide Inselteile von zentraler Bedeutung ist, wirkten sich Reisebeschränkungen, Grenzregelungen, Einschränkungen des Flugverkehrs und der Rückgang der internationalen Besucher unmittelbar auf Hotels, Restaurants, Einzelhandel, Kreuzfahrtwirtschaft und andere Dienstleistungsbereiche aus. Die französische und die niederländische Seite unterlagen dabei den jeweiligen Regelungen Frankreichs beziehungsweise Sint Maartens und des Königreichs der Niederlande. Im Verlauf der folgenden Jahre wurden die pandemiebedingten Einschränkungen schrittweise aufgehoben.
Verwaltung
Als Columbus die Insel am 11. November 1493 sichtete, beanspruchte er sie sofort für Spanien. Es dauerte aber lange, bis hier auch eine Siedlerkolonie entstand. 1633 besetzten die Holländer Sankt Martin, und 1647 gaben die Spanier die Insel auf. Am 23. März 1648 holten sich die Franzosen den nördlichen und die Holländer den südlichen Teil. Seit damals ist die Insel geteilt.
Von 1651 bis 1656 unterstand der französische Teil dem maltesischen Johanniterorden, danach bis 1713 Saint-Christophe. Zwischen 1672 und 1689 besetzten die Franzosen die ganze Insel, ebenso von 1690 bis 1699 die Engländer, danach bis 1703 wieder die Franzosen. Der nördliche Teil wurde in der Folgezeit bis 1792 von der Holländischen Westindien-Kompanie verwaltet, während die Briten von 1703 bis 1713 den südlichen Teil besetzt hielten. Die Rangeleien entbrannten wieder gegen Ende des Jahrhunderts. Von 1781 bis 1784 okkupierten die Franzosen die ganze Insel, von 1793 bis 1795 die Holländer, danach bis 1801 wieder die Franzosen, 1801/02 und wieder von 1810 bis 1816 die Briten, ehe 1816 die ursprüngliche Inselteilung wiederhergestellt wurde.
Der niederländische Teil bildete von 1919 bis 1. April 1983 zusammen mit Saba und Sint Eustatius die Holländischen Inseln unter dem Wind. Danach wurde er ein Teil der Niederländischen Antillen. In einem am 23. Juni 2000 abgehaltenen Referendum sprachen sich 68,9 % der Wähler für einen separaten Status innerhalb des Königreichs der Niederlande aus. Der entsprechende Vertrag wurde am 2. November 2006 unterzeichnet.
Der französische Teil stand zwischen 16. Juni 1940 und 14. Juli 1943 unter Vichy-faschistischer Verwaltung und wurde 1948 ein canton des arrondissements Grande-terre von Guadelupe. Am 1. Februar 1963 vereinigte man dieses mit Saint Barthelemy und machte ein eigenes arrondissement daraus. Bei einem Referendum am 7. Dezember 2003 votierten 76,17 % der Wähler für die Umwandlung in eine collectivité d’outre mer (Überseekollektivität).
Herrschaftsgeschichte
- um -800 bis 12. Jahrhundert Stammesgemeinschaften der Arawak
- 12. Jahrhundert bis Juni 1633 karibische Stammesgemeinschaften (Soualiga)
- 1633 bis 23. März 1648 Königreich Spanien (Reino de España)
- 23. März 1648 bis April 1872 Republik der Vereinigten Niederlande (Republiek der Zeven Verenigde Nederlanden) und Königreich Frankreich (Royaume de France)
- April 1872 bis 15. Juni 1876 Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 15. bis 30. Juni 1876 Republik der Vereinigten Niederlande (Republiek der Zeven Verenigde Nederlanden)
- 30. Juni 1876 bis 27. Januar 1690 Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 27. Januar 1690 bis 1699 ohne Herrschaft
- 1699 bis 1702 Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 1702 bis 10. April 1703 ohne Herrschaft
- 10. April 1703 bis 24. Februar 1779 Republik der Vereinigten Niederlande (Republiek der Zeven Verenigde Nederlanden) und Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 24. Februar 1779 bis 5. Februar 1781 Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 5. Februar bis 27. November 1781 Vereinigtes Königreich (United Kingdom)
- 27. November 1781 bis 11. Februar 1784 Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 11. Februar 1784 bis 19. Mai 1793 Republik der Vereinigten Niederlande (Republiek der Zeven Verenigde Nederlanden) und Königreich Frankreich (Royaume de France)
- 19. Mai 1793 bis 5. April 1795 Republik der Vereinigten Niederlande (Republiek der Zeven Verenigde Nederlanden)
- 5. April 1795 bis 24. März 1801 Republik Frankreich (République française)
- 24. Mnärz 1801 bis 1. Dezember 1802 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
- 1. Dezember 1802 bis 14. Februar 1810 Frankreich (République française, ab 18. Mai 1804 Empire français) und Niederlande (Republiek Batavia, ab 24. Mai 1806 Koninkrijk Holland)
- 14. Februar 1810 bis 12. Februar bzw. 22. November 1816 Vereinigtes Königreich (United Kingdom of Great Britain and Ireland)
Niederländischer Teil
- 12. Februar 1816 bis 20. Mai 1828 Königreich der Vereinigten Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden)
- 20. Mai 1828 bis 27. Januar 1848 Kolonie Niederländisch-Westindien (Nederlandse West-Eilanden) des Königreichs der Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden)
- 27. Januar 1848 bis 1919 Curaçao und Nebengebiete (Curaçao en Onderhorigheden) des Königreichs der Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden)
- 1919 bis 20. September 1948 Gebiet der Inseln über dem Wind (Eilandgebied de Bovenwindse Eilanden) des Königreichs der Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden)
- 20. September 1948 bis 1. April 1983 Gebiet der Inseln über dem Wind (Eilandgebied de Bovenwindse Eilanden) innerhalb der Niederländischen Antillen (Nederlandse Antillen) des Königreichs der Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden)
- 1. April 1983 bis 2. November 2006 Niederländische Antillen (Nederlandse Antillen) des Königreichs der Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden)
- 2. November 2006 bis 10. Oktober 2010 Inselterritorium Sankt Martin (Eilandgebied Sint Maarten) innerhalb des des Königreichs der Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden)
- seit 10. Oktober 2010 Gebiet Sankt Martin (Land Sint Maarten) innerhalb des des Königreichs der Niederlande (Koninkrijk der Nederlanden)
Französischer Teil
- 22. November 1816 bis 16. Juni 1940 Frankreich (1816 bis 1848 Royaume de France, 1848 bis 1852 République française, 1852 bis 1870 Empire français, 1870 bis 1940 République française)
- 16. Juni 1940 bis 14. Juli 1943 Französischer Staat (État français) mit Sitz in Vichy
- 14. Juli 1943 bis 19. März 1946 Republik Frankreich (République française)
- 19. März 1946 bis 1. Februar 1963 Kanton Sankt Martin (Canton Saint-Martin) im Bezirk Basse-Terre (Arrondissement de La Basse-Terre) innerhalb des Department Guadeloupe (Département Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
- 1.Februar 1963 bis 9. Juli 2007 Bezirk Sankt Martin (Arrondissement Saint-Martin) innerhalb des Department Guadeloupe (Département Guadeloupe) der Republik Frankreich (République française)
- seit 9. Juli Juli 2007 Gemeinschaft Sankt Martin (Collectivité de Saint-Martin) der Republik Frankreich (République française)
Verfassung
Keiner der beiden Inselteile besitzt eine eigene Verfassung. Es gelten die Verfassungen der jeweiligen Mutterländer. Bis 2007 war der französische Teil Saint-Martins eine Gemeinde und bildete zusammen mit der Nachbarinsel Saint-Barthélemy ein Arrondissement des Überseedepartements Guadeloupe, das Arrondissement Saint-Martin-Saint-Barthélemy (auch Arrondissement des Îles du Nord, „Arrondissement der nördlichen Inseln“). Sitz der Unterpräfektur war Marigot, ohne jedoch offiziell den Titel eines Hauptortes zu besitzen.
Nach einem im Jahr 2003 abgehaltenen Referendum trennte sich Saint-Martin – neben Saint-Barthélemy – am 22. Februar 2007 von Guadeloupe und wurde zu einer eigenen Collectivité d’outre mer. Die Verwaltung wird aber auch in Zukunft der einer französischen Kommune entsprechen. Ebenso dürfen Nichtfranzosen, die jedoch aus einem EU-Land stammen, auch zukünftig an Gemeinderatswahlen teilnehmen. Der Vertrag von Lissabon sieht vor, dass Saint-Martin Teil der Europäischen Union (und damit ihr westlichster Punkt) bleibt. Das offizielle Zahlungsmittel Saint-Martins ist der Euro. Die Mehrwertsteuer liegt bei 15 Prozent.
Sint Maarten ist ein Teil der Niederländischen Antillen, welche wiederum ein Teil des Königreichs der Niederlande sind, aber nicht zu den Niederlanden gehören und damit nicht Teil der Europäischen Union sind. Voraussichtlich 2010 wird der Landesverband der Niederländischen Antillen aufgelöst. Dann wird Sint Maarten ein eigenständiges Bundesland innerhalb des Königreiches der Niederlande, neben den Niederlanden, Aruba und Curaçao.
Legislative und Exekutive
Die politische Ordnung von Saint Martin ist eine Besonderheit, weil die Insel seit 1648 zwischen Frankreich und den Niederlanden geteilt ist und heute zwei unterschiedliche politische Systeme auf demselben Inselkörper bestehen. Der französische Norden ist als Collectivité de Saint-Martin eine französische Überseegebietskörperschaft mit eigener lokaler Legislative und Exekutive. Der niederländische Süden, Sint Maarten, ist dagegen seit dem 10. Oktober 2010 ein eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande und besitzt ebenfalls ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung. Die beiden politischen Systeme sind daher nicht lediglich zwei Varianten einer gemeinsamen Inselverwaltung.
Im französischen Teil ist der Conseil territorial das gewählte gesetzgebende Organ. Er entspricht in seiner Funktion einer lokalen Volksvertretung und besteht aus 23 Mitgliedern, die für fünf Jahre gewählt werden. Der Conseil territorial beschließt die lokalen Regelungen und den Haushalt und übt die politischen Befugnisse aus, die der Collectivité de Saint-Martin durch die französische Gesetzgebung übertragen sind. Die Collectivité besitzt gegenüber einer gewöhnlichen Gemeinde weitergehende Zuständigkeiten und vereint auf lokaler Ebene Aufgaben, die andernorts auf mehrere Gebietskörperschaften verteilt sind. Die institutionelle Ordnung umfasst neben dem Conseil territorial auch einen Präsidenten des Conseil territorial, einen Conseil exécutif sowie einen Conseil économique, social et culturel.
An der Spitze der Exekutive des französischen Teils steht der Präsident des Conseil territorial. Er wird vom Conseil territorial aus dessen Mitte gewählt und ist zugleich das wichtigste ausführende Organ der Collectivité. Unterstützt wird er durch den Conseil exécutif, dessen Mitglieder ebenfalls aus dem Conseil territorial hervorgehen. Der Conseil exécutif übernimmt die ihm vom Conseil territorial übertragenen Aufgaben und ist insbesondere an bestimmten Verwaltungsentscheidungen beteiligt. Die französische Zentralregierung bleibt jedoch für die staatlichen Aufgaben zuständig, die nicht auf die Collectivité übertragen wurden. Sie wird auf Saint Martin durch den staatlichen Vertreter Frankreichs repräsentiert.
Damit besitzt Saint-Martin eine zweistufige politische Struktur: Auf der einen Seite stehen die gewählten Organe der Collectivité mit dem Conseil territorial und seiner Exekutive, auf der anderen Seite die französischen Staatsorgane. Die Collectivité ist deshalb nicht mit einem unabhängigen Staat gleichzusetzen. Außen- und Verteidigungspolitik, Staatsangehörigkeit und zahlreiche andere zentrale staatliche Aufgaben verbleiben bei Frankreich.
Auf der niederländischen Seite ist die politische Struktur anders aufgebaut. Sint Maarten ist seit 2010 eines der vier Länder des Königreichs der Niederlande neben den Niederlanden, Aruba und Curaçao. Die Legislative bildet das Parliament of Sint Maarten. Das Parlament besteht aus 15 direkt gewählten Abgeordneten und hat eine Amtszeit von vier Jahren. Es ist das höchste gesetzgebende Organ des Landes und übt zugleich die parlamentarische Kontrolle über die Regierung aus. Zu seinen Befugnissen gehören unter anderem die Beratung und Verabschiedung von Gesetzen gemeinsam mit der Regierung, die Änderung von Gesetzesvorlagen, die Genehmigung und Änderung des Haushalts sowie die Kontrolle der Minister.
Die Exekutive von Sint Maarten wird von der Regierung ausgeübt. An ihrer Spitze steht der Ministerpräsident, der gemeinsam mit dem Council of Ministers, dem Ministerrat, die Regierung bildet. Der Ministerpräsident und die übrigen Minister bilden damit die politische Spitze der Exekutive. Die Minister werden für eine vierjährige Amtszeit ernannt. Die Regierungsbildung folgt dem parlamentarischen System: Die politische Mehrheit im Parlament bestimmt maßgeblich, welche Personen für Ministerämter vorgeschlagen werden.
Eine wichtige Korrektur zur häufig verwendeten Bezeichnung „eilandsraad“ ist notwendig: Der Eilandsraad und das Bestuurscollege waren die zentralen Organe des früheren Eilandgebiets Sint Maarten innerhalb der ehemaligen Niederländischen Antillen. Seit dem Statuswechsel vom 10. Oktober 2010 besitzt Sint Maarten jedoch den Status eines eigenen Landes. An die Stelle des früheren Eilandsraad trat das heutige Parliament of Sint Maarten; an die Stelle des früheren Bestuurscollege trat die Regierung des Landes mit Ministerpräsident und Ministern. Der Begriff Gezaghebber gehört ebenfalls zur früheren Inselverwaltung und ist heute nicht die Bezeichnung des Regierungschefs von Sint Maarten.
Der Governor of Sint Maarten nimmt dagegen eine andere Funktion ein. Er ist der Vertreter des Königs im Land und besitzt zugleich eine verfassungsrechtliche Rolle innerhalb der Regierung von Sint Maarten. Er ernennt beziehungsweise vereidigt die Mitglieder der Regierung nach den entsprechenden verfassungsrechtlichen Verfahren und unterzeichnet die von Parlament und Regierung beschlossenen Gesetze. Gleichzeitig vertritt er in bestimmten Bereichen die Interessen des Königreichs. Die eigentliche politische Verantwortung der Regierung liegt jedoch beim Ministerpräsidenten und den Ministern.
Über den beiden Inselteilen steht außerdem das Königreich der Niederlande beziehungsweise auf französischer Seite der französische Staat. Die Zuständigkeiten sind deshalb nicht auf die Inselregierungen beschränkt. Für Sint Maarten gelten neben seiner eigenen Staatsregeling auch Bestimmungen der Charta des Königreichs der Niederlande, Königreichsgesetze und weitere Regelungen des Königreichs. Die Regierung von Sint Maarten ist für die inneren Angelegenheiten des Landes zuständig, während bestimmte Angelegenheiten auf Ebene des gesamten Königreichs geregelt werden.
Inseloberhaupt
Die Staatsoberhäupter der beiden Mutterländer sind zugleich auch Oberhäupter der Inselteile, vertreten durch einen Präfekt im französischen und einen Verwalter im holländischen Teil. De facto Inselchefs aber sind der französische Präsident des Territorialrats bzw. der holländische Regierungsführer.
Saint-Martin:
Commandants (Kommandanten)
- Jul - Aug 1629 Giron
- Aug 1629 - 1629 Pierre Belain, Sieur d’Esnambuc, Sieur de Saint-Martin (1585 - 1636)
- 17 Feb 1648 - 1651 Robert de Longvilliers de Poincy (1611 - 1666)
- 1651 - 1660 Philippe de Longvilliers de Poincy, Chevalier de Piincy (1583 - 1660)
- 1660 - 1664 Chevalier Charles de Sales (1625 - 1666)
- 1664 Savinien de Courpon, Sieur de la Tour (1624 - nach 1665)
- 1664 - 1666 Sieur de Le Fevre
- 1665 Sieur du Clinet (Cinet) [amtierend für Le F evre]
- 1666 Gabriel Folio Sieur des Roses
- 1666 - 1668? Saint Laurent, Chevalier de Maynie (Maigne)
- 1668 - 1672 Sardinien de Courpon, Sieur de la Tour († 1671)
- 1672 - 1676 Saint Laurent, Chevalier de Maynie ( [2]
Lieutenants du Roi (Statthalter des Königs)
- 1679 - 1685 François Charles Maigne du Plat
- 16 Jun 1685 - 1690 Chevalier de Rionville (Königlicher Leutnant)
- 19 Jan 1690 - 26 Jan 1690 Timothy Thornhill (englischer Kommandant, um 1648 - 1703)
- 1699 - 1701 Jean Dyel du Parquet
- 1701 - 1702 Louis de Cacqueray de Valmeniére (Titelträger bis 1715, 1672 - 1724)
- Aug 1715 - Jun 1717 Henry de Martel de Chausson
- 1717 - 1731 François de Larréol (de Lauriol or de la Réole)
- 1731? - 1732? Jacques Gréaux, Jr. († 1744)
- um 1732 - um 1736 Christophe Mahieu
- um 1736 - nach 1740 Jean Püymont (Pimont)
- nach 1740 - um 1744 Rouve de La Pérelle (Kommandant)
- 1749 - 1753 Rouve de La Pérelle [2] (Kommandant)
- 1753 - 1759 Alexis Brin
- 1759 - 1763 British commander
Commandantns de Saint-Martin (Kommandenten von Sankt Martin)
- 1763 - 1784 Auguste Lescuiller Descoudrelles († 1785)
- 1764 Vupil du Sablon [amtierend für Descoudrelles]
- 1768 - 1770 Laurent François Isnard [amtierend für Descoudrelles]
- 1770 Gaspard Bayon [amtierend für Descoudrelles]
- 1775 René Camille, Comte de Carné de Trécesson [amtierend für Descoudrelles] († 1784)
- um 1777 Jean-Baptiste Duzant
- Jan - 25 Feb 1779 John Fahie (britischer Kommandant)
- 5 Feb - 6 Sep 1781 Andrew Edhouse (britischer Kommandant, um 1723 - 1788)
- 6 Sep 1781 - 1784 Thomas de Fitz-Maurice (britischer Militärgouverneur, 1725 - nach 1785)
- 18 Jan 1784 - 1785? Georges Manganon de la Perrière († 1789)
Commandants (Kommandanten)
- 1785 - 19 Mai 1793 Jean-Sébastien chevalier de Durat (1757 - 1814)
- 1788 François Desbonne Belasse [amtierend für Durat]
- Mai 1793 - Apr 1795 Provisorischer Rat: Jean Rouvelet (Präsident), John Mardenborough), Richard Romney (britische Koimmandanten)
- 1795 - 1798 Kommissäre der Republik: La Bruyère, Jean Rouvellet, Pierre Charles Dormoy (d‘Ormoy, 1748 - 1817)
- 1798 - 1799 Pierre Charles Dormoy (Kommissär)
- 19 Okt 1799 - 15 Mar 1800 Pierre Louis d‘Arnauld (1771 - 1832)
- 1800 - 1801? Pierre Charles Dormoy [2] (Kommissär)
- 1803 - 1804 Jean-Baptiste Bresson (Kommissär, 1760 - 1832)
- 1804 - 1808 Robert Nicholson (britischer Kommandant)
- 1808 - Feb 1810 Jean Pruilh (1764 - 1838)
- Jan - Jul 1815 Pierre Saint-Juéry (Saint Jire)
- Jul 1815 - Okt 1816 Thomas Inches (britischer Kommandant)
- 1816 Leffrenque (Laffranque)
- 1816 Baron de Proissie
- 1816 Gaston
- Nov 1816 - Sep 1817 Baron de Proissie [2]
- Sep - Dez 1817 Rogers
- Dez 1817 - Feb 1823 Louis Auguste Elliot
- Feb 1823 - Okt 1824 Louis Auguste Aurange (1772 - 1860)
- 1824 - 1827 Charles-Louis-Guillaume Bologne de Rougemont (1793? - 1865)
- 1827 Jean Sébastien de Durat
- 1828 - 1831 Charles-Louis-Guillaume Bologne de Rougemont [2]
- 1831 Louis Aurange [2]
- 1831 Louis Auguste Aurange [2]
- 1831 - 1832 Carol
- 1832 Belongrie
- 1832 - 1840 François-Louis Forget
- 1840 - 1866? Munier (Meinier)
Présidents de la Municipalité (Gemeindepräsidenten)
- 1828 - 1832 Abraham Zymonsz Doncker
- 1832 - 1838 Pierre Antoine Philippe Henri O’Reilly (um 1790 - 1866)
Maires (Bürgermeister)
- 21 Jul 1838 - 1866 Peter Georges Dormoy (1799 - 1875)
- Feb 1866 - Jul 1867 Pierre Martin
- 1 Jul 1867 - 30 Jul 1871 Louis de Durat
- 30 Jul -. 16 Nov 1871 Charles Claude Sainte Helène Télèphe (1828 - nach 1875)
- 16 Nov 1871 - 1874 Victor Foulquier (1799 - 1864)
- 1874 - 7 Mai 1878 Pierre Auguste Beauperthuy (1806 - 1878)
- 7 Mai 1878 - 12 Jul 1879 Charles Émile Becker [amtierend] (1847 -1905)
- 12 Jul 1879 - 1891 Jean Frédéric Becker
- 1891 - 8 Mai 1904 Charles Émile Becker [2]
- 8 Mai 1904 - 27 Dez 1919 Charles Daniel Esprit Beauperthuy (1861 - 1935)
- 27 Dez 1919 - 10 Mai 1925 Louis Emmanuel Fleming (1898 - 1949)
- 10 Mai 1925 - 3 Mai 1928 Ferdinand Morales
- 3 Mai 1928 - 29 Jan 1949 Louis Constant Fleming (1898 - 1949) ab 1947 RPF
- Jan 1949 - Mar 1959 Hugues Elie Fleming (1921 - nach 1983)
- Mar 1959 - 1977 Fernand Hubert Petit (1926 - 2006) DVG & UDR
- 1977 - 1983 Hugues Elie Fleming [2]
- 1983 - 15 Jul 2007 Raoul Albert Fleming-Romney (1936 - 2023)
Présidents du Conseil Territorial (Präsidenten des Territorialrats)
- 15 Jul 2007 - 25 Jul 2008 Louis Constant Fleming (* 1946) UPP
- 25 Jul - 7 Aug 2008 Marthe Ogoundélé-Tessi [w. amtierend] UPP
- 7 Aug 2008 - 14 Apr 2009 Frantz R. Gumbs UPP
- 14 Apr - 5 May 2009 Daniel Christian Gibbs [amtierend] UPP
- 5 Mai 2009 - 1 Apr 2012 Frantz R. Gumbs [2] UPP
- 1 Apr 2012 - 17 Apr 2013 Alain Richardson (* 1963) RRR
- 17 Apr 2013 - 2 Apr 2017 Aline Hanson [w] (1949 - 2017) RRR
- 2 Apr 2017 - 3 Apr 2022 Daniel Christian Gibbs [2] UD + TG
- seit 3 Apr 2022 Louis Mussington (* 1961) RSM
Sous-Préfets des Iles du Nord (Subpräfekte der nördlichen Inseln Saint Martin und Saint Barthélémy)
- Apr 1962 - Apr 1963 Guy Pierre Marie Maillard (1930 - 2013)
- Mai 1963 - Sep 1965 Serge Thirioux (1932 - 2020)
- Sep 1965 - Jul 1967 Jacques Vidal
- Aug 1967 - Okt 1969 Jean Louis Ducret (1934 - 2011)
- Dez 1969 - Dez 1971 René Stambouli (1927 - 2008)
- Feb 1972 - Feb 1975 Kamel Khrissate (1936 - 2025)
- Apr 1975 - Jun 1978 Pierre Jean Etchegoyen (1924 - 2020)
- Aug 1978 - Jul 1980 Jean-Pierre Lacave (1939 - 2015)
- 10 Jul 1980 - Jan 1981 Bernard Prévost (* 1943)
- Jan - Sep 1981 Jacques Limoge
- 15 Okt 1981 - Sep 1984 Gonthier Jean Claude Friédérici (* 1945)
- Nov 1984 - Okt 1986 Jean-Pierre Hubert (* 1947)
- Okt 1986 - Mai 1989 François Jean René Séners (* 1958)
- Jun 1989 - Sep 1990 Michel Magnier (* 1960)
- Sep 1990 - Dez 1991 Pierre Vache
- Apr 1992 - Nov 1993 Bernard Guerin (* 1952)
- Jan 1994 - Jan 1995 Jean-Jacques Dudilieu
- Jan 1995 - Aug 1996 Antoine Pichon
- Aug 1996 - Aug 1998 Jean-Loup Petit (* 1947)
- Okt 1998 - 22 Jun 2000 Didier Paul, Marcien Juilliard (* 1962)
- 26 Jun 2000 - Aug 2003 Patrice Paul Marie Latron (* 1961)
- 2 Okt 2003 - 21 Dez 2006 Maurice Michaud
- Dez 2006 - 21 Mar 2007 Yvon Alain [interimistisch] (* 1955)
- 21 Mar - 9 Jul 2007 Dominmique Jacques Lacroix´(* 1955)
Préfets (Präfekte)
- 9 Jul 2007 - Aug 2009 Dominique Jacques Lacroix
- 24 Aug 2009 - Dez 2011 Jacques Marius Marie Simonnet (* 1946)
- 12 Dez 2011 - Jun 2015 Philippe Chopin (* 1958)
- 8 Jun 2015 - Jul 2018 Anne Renée Simone Laubies [w] (* 1953)
- 9 Jul 2018 - 4 Dez 202 Sylvie Daniélo-Feucher [w] (* 1959)
- 4 - 15 Dez 2020 Mikaël Doré [amntierend] (* 1958)
- 15 Dez 1820 - 28 Mar 1822 Serge Gouteyron (* 1956)
- 28 Mar 2022 - 6 Feb 2025 Vindent Berton (* 1966)
- 6 - 10 Feb Fabrice Thibier [amtierend] (* 1978)
- seit 10 Feb 2025 Cyrille Le Vély (* 1964)
Sint Maarten:
Commandant (Koimmandant)
- Aug 1631 - 1 Jul 1633 Jan Claeszoon van Campen († 1642)
Gouverneurs (Gouverneure)
- 1633 - 1636 Cibrian de Lizarazu
- 1636 - 1638 Luis de Valdes
- 1638 - 1648 Diego Guajardo Fajardo
Commandanten (Kommandanten)
- 14 Feb 1648 - 1650 Martin Thomas
- 1650 - 1655 Adriaen de Vos
- 1655 - 1660 Edmondt de Fosse
- 1667? Jan Sympson?
- 1672? Jan Simonszoon de Buck
Gouverneurs (Gouverneure)
- 1672? - 1676? Laurent Chevalier de Maynie
- 1687? - 1689? Chevalier de Rionville
- 1699? Jean Dyel du Parquet
- 1701 - 1702 Louis de Cacqueray Valmenière (1672 - 1724)
Vizecommandanten (Vizekommandanten)
- 1703 - 1705? Lucas van Beverhoudt
- 1705? Olivier Graval
- 1708? - 1710 Charles Devezaen
- 1710 - 1712 François Lemaire
- 1712 - 1713 Jean Buretel
- 1713 - 1718 Martinus Meyer
- 1718 - 1720 Louis Guillaume Durepaire
- 1720 - 1722 Jan de Windt, Sr.
- 1722 - 1733 Martinus Meyer [2]
- 1733 - 1735 Jacobus Barry
- 1735 - 1736 John Philips
- 1736 - 1737 Pieter Hassell
- 1737 - 1746 John Philips [2]
- 1746 - 1748 Jan de Wever [amtierend]
- 1748 - 1781 Abraham Heijliger Pzn. (1717 - 1783)
- 3 Feb - 26 Nov 1781 Andrew Edhouse (britischer Kommandant, um 1723 - 1788)
Gouverneurs (Gouverneure)
- 1781 - 1783 Abraham Heijliger Pzn.
- 1783 - 1784 Charles Chabert, Jr. (1761 - 1810)
Vizecommandanten (Vizekommandanten)
- 1784 - 1785 Thomas Aertsen [amtierend]
- 1785 - 1786 John Salomon Gibbes
Commandanten (Kommandanten)
- 1786 - Jan 1790 John Salomon Gibbes
- 10 Jun 1790 - 1800 Willem Hendrik Rink (1756 - 1848)
- 29 Apr 1795 - 1797 La Bruyère (Kommissär)
- 1797 - 1801 P.Ch. Dormoy (Kommissär)
- 1800 - 1801 Remt Folkerus Muller
- 1801 Bresson (Kommissär)
- 1801 -. 24 Mar 1801 Willem Hendrik Rink [2]
- 24 Mar 1801 - 1 Dez 1802 Robert Nicholson (Kommandant, † 1814)
- 1 Dez 1802 - 1807 Willem Hendrik Rink [3]
- 1807 - 1810 Jan Verveer Jzn. († 1838)
- 15 Feb 1810 - 1810 George William Richard Harcourt (1775 - 1812)
- 1810 - 1813 John Skinner (um 1750 - 1827)
- 1813 - 1814 James Alexander Farquharson (1775 - 1834)
- 1814 - 1815 William McCaskill (um 1750 - 1815)
- 1815 James Alexander Farquharson [2]
- 1815 Francis Edden [amtierend]
- 1815 - 1816 Robert Douglas (um 1745 - 1827)
Gezaghebbers (Verwalter)
- 1816 - 1820 Paulus Roelof Cantz’laar (1771 - 1831)
- 1820 - 1840 Diederik Johannes van Romondt (1781 - 1849)
- 1822 - 1823 Abraham Heijlinger [amtierend für Romondt]
- 1840 - 1849 Johannes Willem van Romondt (1805 - 1849)
- 1849 - 1850 Pieter Petersen [amtierend]
- 1850 - 1859 Johannes Didericus Crol (1806 - 1870)
- 1859 - 1860 Lucas Percival [amtierend]
- 1860 - 1865 Willem Hendrik Johan van Idsinga (1822 - 1896)
- 1865 - 1866 Philogène Philippe Maillard [amtierend] (1806 - 1886)
- 1866 - 1870 Herman François Gerardus Wagner (1822 - 1904)
- 1870 - 1871 Robert van Romondt [amtierend]
- 1871 - 1883 Edouard Dénis Ernest van den Bossche (1831 - 1908)
- 1883 Diederik Charles van Romondt [amtierend]
- 1883 - 1885 Jan Hendrik Rudeloff Beaujon (1838 - 1930)
- 1885 - 1889 Theophilus Georg Groebe (1838 - 1919)
- 1889 - 1891 Jan Hero Adriaan van Daalen (1842 - 1899)
- 1891 - 1893 Frans Johannes Olivier (1850 - 1914)
- 1893 - 1894 Diederik Charles van Romondt [2, amtierend]
- 1894 - 1898 Jozef Möller (1849 - 1909)
- 1898 - 1901 Diederik Charles van Romondt [3, amtierend]
- 1901 - 1918 Abraham Jan Cornelis Brouwer (1858 - 1919)
- 1918 - 1919 Frits Koenraad Thielen [amtierend]
Gezaghebbers van de Windward Eilanden (Verwalter der Inseln über dem Wind)
- 10 Mai 1919 - 6 Sep 1920 G.J. Tijmstra [amtierend]
- 6 Sep - 17 Dez 1920 A.W. de Haseth [amtierend]
- 17 Dez 1920 - 6 Sep 1923 J. van der Zee Rz. [amtierend]
- 6 Sep 1923 - 23 Dez 1927 Richard Johannes Beaujon, Jr. (1883 - nach 1930)
- 24 Jan - 4 Jul 1927 C.F. Boskaljon [amtierend]
- 4 Jul 1927 - 31 Mai 1930 Willem Frederik Meinhardt Lampe [amtierend] (1896 - 1973)
- 21 Mai 1930 - 7 Okt 1943 Johan Diderich Meiners
- 1938 - 1939 Anthony Hendrik Marinus van Weel [amtierend für Meiners] (1900 - 1987)
- 7 Okt 1943 - 5 Mar 1946 Pieter Hendrik van Leeuwen (1893 - nach 1940)
- 5 Mar 1946 - 23 Feb 1948 Maxiumilian Joseph Huith [amtierend] (1909 - 1993)
- 23 Feb 1948 - 21 Jul 1958 Johannes Christiaan Paap [amtierend bis 10 Nov 1948]
- 1957 Walter Granville Buncamper [amtierend] (1908 - 1978)
- 1957 - 1958 Hendrik Henk Anthonius Hessling [amtierend] (1901 - 1966)
- 1958 - 1959 Walter Granville Buncamper [2, amtierend]
- 1959 - 1968 Jan Jacob Japa Beaujon (1921 - 1999)
- 1968 - 1975 Reinier Oswald van Delden [amtierend bis 1969] (1928 - 2011)
- 1975 - 1981 Theodore Maxwell Pandt (Max Pandt, 1939 - 2017)
- 1981 - 1 Apr 1983 Ralph R.H. Richardson (* 1937)
Gezaghebbers (Verwalter)
- 1 Apr 1983 - 1992 Ralph R.H. Richardson
- 1992 - 1994 Wilfred Russell Voges (* 1943)
- 1994 - 12 Sep 2000 Dennis Leory Richardson (* 1946)
- 22 Sep 2000 - 31 Mai 2010 Franklyn E. Richards (* 1950)
- 31 Mai - 8 Jul 2010 Reynold Amando Groeneveldt [amtierend] († 2022)
- 8 Jul - 10 Aug 2010 Rachnilda « Nilda » Arduin Lynch [w, amtierend]
- 10 Aug - 10 Okt Reynold Amando Groeneveldt [2, amtierend]
Gouverneurs (Gouverneure)
- 10 Okt 2010 - 10 Okt 2022 Eugene Holiday (* 1962)
- seit 10 Okt 2022 Ajamu G. Baly (* 1977)
Regeringsleiders (Regierungsführer)
- 1954 - 1991 Claude Wathey (Albert Claudius Wathey, 1926 - 1998) SDP
- 1991 - 1995 Edgar Hubert Lynch (* 1952) SPA
- 1995 - 1 Jul 1999 William Marlin SPA
- 1 Jul 1999 - 8 Jun 2009 Sarah A. Wescott-Williams [w] (* 1956) NDP
- 8 Jun 2009 - 10 Okt 2010 William Marlin [2] NA
Premierministers
- 10 Okt 2010 - 19 Dez 2014 Sarah A. Wescott-Williams [w, 2] SDP
- 19 Dez 2014 - 19 Nov 2015 Marcel W. Gumbs (* 1953) UPP
- 19 Nov 2015 - 24 Nov 2017 William Marlin SPA & NA
- 24 Nov 2017 - 15 Jan 2018 Rafael Boasman [amtierend] (* 1953) USP
- 15 Jan 2018 - 10 Okt 2019 Leona Marlin-Romeo [w] (* 1973) UDP
- 10 Okt - 19 Nov 2019 Wycliffe Sylvester Smith [amtierend] (* 1948) SMCP
- 19 Nov 2019 - 3 Mai 2024 Silveria E. Jacobs [w] (* 1968) NA
- seit 3 Mai 2024 Luc F.E. Mercelina (* 1964) URSM
Politische Gruppierungen
In beiden Landesteilen gibt es je nach Mutterland unterschiedliche Parteienstrukturen, die eine allerdings auch starke lokale Komponente haben.
Parteien im französischen Teil
- UP = Union Pour le Progrès
- RSM = Rassemblement Saint-Martinois
- TP = Team Patriots
- MIM = Mouvement Indépendantiste Martiniquais (regionalistisch orientiert)
- MDS = Mouvement Démocratique et Social
- französische Parteien: La République En Marche!, Les Républicains, Parti Socialiste und Rassemblement National
Parteien im niederländischen Teil
- NA = National Alliance (Nationale Allianz)
- NDP = National Democratic Party of St. Maarten (Nationaldemokratische Partei von Sankt Martin)
- SDP = St. Maarten Democratic Party (Demokratische Partei von Sankt Martin)
- SPA = St. Maarten Patriotic Alliance (Patriotische Allianz von Sankt Martin)
Justizwesen und Kriminalität
Aufgrund der Teilung der Insel mit zwei unterschiedlichen Rechtssystemen besteht eine gewisse Komplexität bei grenzüberschreitenden straf- und zivilrechtlichen Fällen. Saint Martin ist eine französische überseeische Gebietskörperschaft mit eigenem Territorialrat. Die Justiz ist Teil des französischen Rechtssystems. Die Insel verfügt über ein lokales Gericht (Tribunal de Saint-Martin), das für Zivil- und Strafsachen zuständig ist. Es gibt dort auch Debatten und Proteste unter Anwälten gegen Justizreformen, etwa gegen die Entmenschlichung der Justiz durch zunehmende Digitalisierung von Verfahren und Abschaffung einiger örtlicher Gerichte.
Sint Maarten ist ein autonomes Land innerhalb des Königreichs der Niederlande mit eigener Regierung und Justizbehörde. Das Ministerium für Justiz ist zuständig für Rechtspflege, Strafverfolgung und öffentliche Sicherheit. Das Rechtssystem ist von den Niederlanden beeinflusst, aber an lokale Gegebenheiten angepasst.
Trotz einer insgesamt niedrigen Kriminalitätsrate im Vergleich zu anderen karibischen Ländern – wie Jamaika oder Haiti – haben sich in den Jahren 2024 und 2025 Bedenken bezüglich steigender Gewaltverbrechen und Eigentumsdelikten verstärkt. Diese Entwicklungen bedrohen nicht nur die Sicherheit der rund 80.000 Einwohner, sondern auch den Tourismus, der den Großteil der Wirtschaft antreibt.
Die Kriminalitätsrate auf St. Martin wird von internationalen Behörden als moderat eingestuft. Das US-Außenministerium stuft Sint Maarten auf Level 1 ein, was „normale Vorsichtsmaßnahmen“ empfiehlt, und betont, dass Touristen selten von schweren Vorfällen betroffen sind. Ähnlich klassifiziert die kanadische Regierung die Insel als relativ sicher, mit Fokus auf Kleinkriminalität wie Diebstahl aus Mietwagen oder Booten. Offizielle Statistiken sind jedoch lückenhaft: Laut Numbeo, einer Plattform für Nutzerwahrnehmungen, gibt es zu wenige Daten für Sint Maarten, um präzise Indizes zu berechnen, aber die wahrgenommene Kriminalität liegt bei etwa 50 von 100 Punkten – moderat, mit höheren Werten für Eigentumsdelikte. Die Mordrate pro 100.000 Einwohner wird von der Weltbank und Macrotrends als null oder sehr niedrig gemeldet, was auf eine Untererfassung hindeuten könnte.
Im niederländischen Sint Maarten hat die Polizei (KPSM) im ersten Halbjahr 2025 Erfolge erzielt: Bis Anfang August wurden 406 Festnahmen vorgenommen, ein Anstieg um 29 im Vergleich zu 377 im Vorjahr. Diese Maßnahmen umfassen verstärkte Patrouillen und Community-Programme, die auf Prävention abzielen. Dennoch warnen Politiker wie Abgeordneter Lyndon Lewis vor einem „steigenden Kriminalitätsgrad“, der durch illegale Waffen und Drogenhandel angeheizt wird. Im Juli 2024 kam es zu fünf Schießereien mit einem Todesfall in nur zwei Wochen, was auf zunehmende Waffengewalt hinweist. Der französische Teil Saint-Martin verzeichnet ähnliche Trends, wobei Interpol die Insel als Hotspot für internationalen organischen Kriminalität sieht, einschließlich Drogen- und Menschenschmuggel.
Die Mehrheit der Vorfälle betrifft Kleinkriminalität, die vor allem Touristen trifft. Pickpocketing, Geldbörsenraub und Einbrüche in Ferienwohnungen sind weit verbreitet, insbesondere in belebten Gebieten wie Philipsburg oder Simpson Bay. Berichte aus Foren wie Tripadvisor und Reddit beschreiben bewaffnete Raubüberfälle am helllichten Tag, etwa auf dem Le Galion Beach im Dezember 2024, wo mehrere Personen mit Pistolen ausgeraubt wurden. Motorrad-Diebe folgen Opfern, und Einbrüche in Villen sind ein wachsendes Problem. Gewaltverbrechen wie Schießereien bleiben lokal begrenzt und betreffen meist Einheimische, oft im Zusammenhang mit Bandenrivalitäten oder Drogenkonflikten. Zusätzlich gibt es Berichte über Menschenhandel: Frauen aus Lateinamerika und der Karibik werden in Bars und Bordellen ausgebeutet, oft durch Schuldenfallen. Die britische Regierung warnt vor drogenbezogener Gewalt, die selten Touristen trifft, aber die Insel als Transitpunkt für Schmuggel nutzt.
Der Oktober 2025 brachte neue Eskalationen: Am 12. Oktober ereignete sich ein Schusswechsel am Kimsha Beach in Simpson Bay, der die Polizei sofort mobilisierte. Tags zuvor, am 9. Oktober, wurden 66 konfiszierte Roller und Motorräder zerstört, um Verkehrsdelikte und damit verbundene Kriminalität zu bekämpfen. Am 15. Oktober verurteilte das Gericht drei Männer zu je sieben Jahren Haft für einen bewaffneten Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft im Mai 2025. Zudem warnte der Indian Merchants Association (IMA) vor einer „Kriminalitätswelle“ mit gezielten Einbrüchen in Häuser, und riet zu Safe-Deposits für Wertsachen. Diese Vorfälle unterstreichen die Dringlichkeit interner Maßnahmen, wie der von Justizminister Lewis geforderten interministeriellen Zusammenarbeit und Investitionen in Rehabilitation.
Beide Teile der Insel setzen auf präventive Strategien: Die KPSM in Sint Maarten intensiviert Intelligence-Led Policing und Kooperationen mit Nachbarinseln wie Saba, wo Mordermittlungen laufen. Auf französischer Seite gibt es Anti-Trafficking-Einheiten, die mit der EU zusammenarbeiten. Dennoch fordern Experten mehr Ressourcen für Polizeipräsenz und Jugendarbeit, um Wurzelursachen wie Armut und Jugendarbeitslosigkeit anzugehen.
Internationale Beziehungen
Die auswärtigen Beziehungen werden von den beiden Mutterländern wahrgenommen. Enge Verbindungen gibt es vor allem zu Anguilla.
Flagge und Wappen
Sint Maarten, der niederländische Teil der Insel, führt seine eigene Flagge seit dem 13. Juni 1985. Sie wurde nach einem Wettbewerb von der damals zuständigen Inselvertretung angenommen; entworfen wurde sie von Roselle Richardson, die zum Zeitpunkt des Entwurfs 17 Jahre alt war. Die Flagge besitzt ein Seitenverhältnis von 2:3 und besteht aus zwei gleich breiten waagerechten Streifen. Der obere Streifen ist rot, der untere blau. An der Mastseite befindet sich ein weißes gleichschenkliges Dreieck, auf dem das Wappen von Sint Maarten dargestellt ist. Die Flagge wurde am 13. Juni 1985 in einer offiziellen Zeremonie erstmals gehisst und ist bis heute das nationale Symbol des niederländischen Landesteils.
Die Farben Rot, Weiß und Blau entsprechen zugleich den drei Grundfarben der niederländischen Flagge. Die offizielle heraldische Beschreibung legt allerdings nicht für jede Farbe die in populären Darstellungen genannten Bedeutungen wie Mut, Meer, Himmel, Frieden oder Reinheit fest. Solche symbolischen Deutungen sind deshalb von der eigentlichen offiziellen Gestaltung zu unterscheiden. Das Weiß des Dreiecks dient vor allem als Hintergrund für das Wappen und hebt dieses deutlich von den beiden farbigen Flaggenfeldern ab.
Das Wappen von Sint Maarten wurde bereits 1982 offiziell angenommen und bildet den zentralen Bestandteil der Flagge. Es zeigt einen blau dargestellten Schild mit orangefarbener Einfassung. Im Mittelpunkt befindet sich das historische Gerichtsgebäude von Philipsburg. Im oberen linken Bereich des Schildes ist die gelbe Nationalblume, die Yellow Sage beziehungsweise Lantana camara, dargestellt. Im oberen rechten Bereich befindet sich die Silhouette des Grenzdenkmals, das an die historische Teilung der Insel zwischen dem französischen und dem niederländischen Gebiet erinnert. Das Wappen verbindet damit staatliche, historische und naturkundliche Elemente.
Über dem Schild befindet sich eine aufgehende goldene Sonne, vor der ein fliegender Pelikan dargestellt ist. Der Pelikan ist der Nationalvogel von Sint Maarten. Unterhalb des Schildes befindet sich ein Schriftband mit dem lateinischen Wahlspruch „Semper Progrediens“, der mit „Immer fortschreitend“ oder „Stets voranschreitend“ übersetzt werden kann. Das Wappen bringt damit mehrere Elemente der lokalen Identität zusammen: das Gerichtsgebäude steht für die staatliche Ordnung, die Nationalblume für die heimische beziehungsweise symbolische Pflanzenwelt, das Grenzdenkmal für die besondere Geschichte der geteilten Insel und der Pelikan für die Tierwelt.
Der niederländische Teil besitzt damit sowohl eine eigene Flagge als auch ein eigenes Wappen. Beide Symbole entstanden noch vor dem heutigen Status Sint Maartens als eigenständigem Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. Als die Niederländischen Antillen am 10. Oktober 2010 aufgelöst wurden und Sint Maarten den Status eines autonomen Landes innerhalb des Königreichs der Niederlande erhielt, blieben die seit 1985 verwendete Flagge und das Wappen bestehen.
Im französischen Teil ist die Situation anders. Saint-Martin ist eine Collectivité d'outre-mer Frankreichs und führt daher offiziell die französische Trikolore. Sie besteht aus drei senkrechten Streifen in Blau, Weiß und Rot. Die Trikolore ist die offizielle französische Staatsflagge und damit auch die offizielle Flagge der Collectivité de Saint-Martin. Eine eigene, bereits offiziell angenommene Flagge der Collectivité existiert derzeit nicht.
Allerdings hat die Collectivité im Jahr 2026 erstmals ein offizielles Verfahren zur Schaffung einer eigenen institutionellen Flagge eingeleitet. Das Projekt „My Saint-Martin Flag“ wurde am 15. April 2026 offiziell gestartet. Nach Angaben der Collectivité soll die neue Flagge die lokale Geschichte, Kultur und Identität zum Ausdruck bringen, die französische Nationalflagge jedoch nicht ersetzen. Nach dem vorgesehenen Verfahren soll im Oktober 2026 eine konsultative Bürgerabstimmung über die eingereichten Entwürfe stattfinden; die offizielle Annahme der neuen Flagge ist für Dezember 2026 vorgesehen. Zum 1. Oktober 2026 befindet sich das Projekt damit noch im laufenden Auswahl- und Beteiligungsverfahren.
Für Saint-Martin existiert daneben bereits ein eigenes Wappen beziehungsweise Emblem der Collectivité. Es wird unter anderem auf weißem Grund als lokales Symbol verwendet, ist aber nicht mit einer offiziell angenommenen Territorialflagge gleichzusetzen. Darstellungen einer weißen Flagge mit dem Emblem oder andere Flaggen mit lokalen Farben und Symbolen sind daher als lokale beziehungsweise institutionelle Darstellungen zu unterscheiden von der offiziellen französischen Trikolore. Die Collectivité selbst bezeichnet das 2026 eingeleitete Flaggenprojekt ausdrücklich als Schaffung eines neuen institutionellen Symbols.
Hymne
Sankt Martin hat keine eigene Hymne. Bei offiziellen Anlässen werden je nach Landesteil die niederländische oder die französische Hymne gespielt. Inoffizielle Nationalhymne ist für beide Landesteile O Sweet Saint Martin’s Land („Oh du süßes Sankit Martinsland“). Das Lied wurde 1958 von Gerard Kemps, einem französischen katholischen Priester, komponiert und getextet.
Originaltext (englisch)
Where over the world, say where,
You find an island there,
So lovely small with nations free
With people French and Dutch
Though talking English much,
As thee Saint Martin in the sea ?
Chorus:
O sweet Saint Martin's Land
So bright by beach and strand
With sailors on the sea and harbors free
Where the chains of mountains green
Variously in sunlight sheen
O I love thy Paradise,
Nature-beauty fairly nice
(die letzten beiden Zeilen werden zweimal gesungen)
How pretty between all green
Flamboyants beaming gleam
Of flowers red by sunlight set
Thy cows and sheep and goats
In meadows or on roads
Thy donkeys keen can't I forget
Saint Martin I love thy name
In which Columbus fame
And memories of old are those
For me a great delight
Thy Southern Cross the night
May God the Lord protect thy coast!
Hauptstadt
Marigot ist die Hauptstadt des französischen Teils Saint Martin. Die an der Westküste der Insel gelegene Stadt ist geprägt von kolonialer Architektur, bunten Märkten und einer lebendigen Atmosphäre. Marigot entwickelte sich im 18. Jahrhundert als Hafen- und Verwaltungsort und ist seit der Gründung der Collectivité de Saint-Martin im Jahr 2007 die offizielle Hauptstadt. Davor war der gesamte französische Teil Teil des Überseeischen Départements Guadeloupe, und Marigot war bereits der administrative Mittelpunkt.
Philipsburg ist die Hauptstadt des niederländischen Teils Sint Maarten. Sie liegt an der Küste am Great Bay Beach und ist ein lebhafter Hafen- und Handelsort. Philipsburg ist zugleich ein zentraler Kreuzfahrthafen und touristisches Zentrum mit zahlreichen Geschäften, Restaurants und Stränden. Die Stadt wurde 1763 als Siedlung gegründet (benannt nach John Philips, einem englischen Kapitän) und ist seit der Gründung von Sint Maarten als eigenständigem Land im Jahr 2010 die offizielle Hauptstadt. Vorher gehörte der niederländische Teil zu den Niederländischen Antillen, und Philipsburg war bereits der Hauptort.
Verwaltungsgliederung
Die Insel ist in zwei Bereiche geteilt. Der Norden gehört zu Frankreich, der Süden zu den Niederlanden. Die beiden Inselteile sind nach dem Zensus von 2001:
| Inselteil | Fläche in km² | Einwohner | Dichte (E/km²) |
|---|---|---|---|
| Saint-Martin | 53,2 | 29 200 | 550,94 |
| Sint Maarten | 33,8 | 30 594 | 910,41 |
Verwaltungseinheiten:
1 collectivité territorial (Territorialgemeinschaft)
6 quartiers (Siedlungen)
1 eilandgebied (Inselgebiet)
7 kerngebieden (Kerngebiete)
Bevölkerung
Auf der dicht bevölkerten Insel leben mit Stand 2021 rund 75.000 Menschen mit stark steigender Tendenz. Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 87 km².
Bevölkerungsentwicklung:
Jahr Einwohner Dichte (E/km²)
1900 16 000 183,91
1950 26 000 298,85
1960 30 000 344,83
1970 35 000 402,30
1980 40 000 459,77
1981 41 000 471,26
1982 42 500 488,51
1983 44 000 505,75
1984 45 000 517,24
1985 46 000 528,74
1986 47 000 540,23
1987 48 000 551,72
1988 49 000 563,21
1989 50 000 574,71
1990 51 000 586,21
1991 52 000 597,70
1992 52 500 603,45
1993 53 000 609,20
1994 53 500 614,94
1995 54 000 620,69
1996 55 000 632,18
1997 56 000 643,68
1998 57 000 655,17
1999 58 000 666,67
2000 59 000 678,16
2001 59 794 687,29
2002 62 500 718,39
2003 65 000 747,13
2004 68 382 786,00
2005 70 200 829,89
2006 72 892 837,84
2007 72 500 833,33
2008 72 498 833,31
2009 70 100 805,75
2010 68 524 787,63
2011 69 500 798,85
Jahr Sint Maarten Saint-Martin gesamt Dichte (E/km²)
2012 35 134 35 742 70 876 814,67
2013 36 442 36 050 72 492 833,24
2014 37 696 37 864 75 560 868,51
2015 38 745 36 500 75 245 864,89
2016 38 245 35 746 73 991 850,47
2017 38 800 35 334 74 134 852,11
2018 39 538 34 065 73 603 846,01
2019 41 486 32 489 73 975 850,29
2020 42 083 31 786 73 869 849,07
2021 41 571 29 961 71 532 822,21
2022 41 901 28 870 70 771 813,46
2023 42 139 27 515 69 654 800,62
2024 44 222 26 129 70 351 808,63
Die Bevölkerung wuchs von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 2,292 % pro Jahr. Die Fruchtbarkeitsrate lag 2008 bei 1,5 Kindern pro gebärfähiger Frau, das Durchschnittsalter bei etwa 35 Jahren. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei etwa 79 Jahren. Die Zahl der Haushalte beträgt insgesamt rund 20.000.
Volksgruppen
Die ersten bekannten Bewohner der Insel waren indigene Bevölkerungsgruppen der Arawak-Kultur. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung seit mehreren Jahrtausenden. Die Arawak betrieben unter anderem Landwirtschaft und Fischfang und lebten in Siedlungen an der Küste und im Inselinneren. Später gelangten karibische Gruppen auf die Kleinen Antillen und verdrängten oder überlagerten in vielen Gebieten ältere arawakische Bevölkerungsstrukturen. Die europäische Bezeichnung „Kariben“ fasst dabei verschiedene indigene Gruppen zusammen und entspricht nicht einer einheitlichen ethnischen Bevölkerung im modernen Sinn.
Mit der dauerhaften europäischen Besiedlung ab dem 17. Jahrhundert veränderte sich die Bevölkerungsstruktur grundlegend. Französische und niederländische Siedler errichteten dauerhafte Niederlassungen und teilten die Insel 1648 im Vertrag von Concordia zwischen ihren Siedlungsgebieten auf. In den folgenden Jahrhunderten kamen außerdem Menschen britischer, spanischer und anderer europäischer Herkunft hinzu. Die europäische Bevölkerung blieb jedoch zahlenmäßig nicht die einzige prägende Bevölkerungsgruppe.
Von großer Bedeutung war die Verschleppung afrikanischer Menschen in die Karibik im Rahmen des atlantischen Sklavenhandels. Auf Saint-Martin wurden versklavte Afrikaner insbesondere in der Landwirtschaft eingesetzt. Auf den Plantagen wurden unter anderem Zuckerrohr, Baumwolle und Tabak angebaut. Die Nachkommen dieser afrikanischen Bevölkerung bilden bis heute einen wesentlichen Bestandteil der Bevölkerung beider Inselteile. Die Geschichte der Insel ist deshalb auch von der Vermischung afrikanischer, europäischer und karibischer Bevölkerungsgruppen geprägt.
Im 19. und 20. Jahrhundert setzte sich die Bevölkerungsmischung durch weitere Wanderungsbewegungen fort. Menschen kamen unter anderem von anderen Inseln der Kleinen Antillen, aus Haiti, der Dominikanischen Republik und weiteren karibischen Staaten sowie aus den französischen Überseegebieten. Hinzu kamen Zuwanderer aus Europa und später aus Lateinamerika und anderen Regionen. Dadurch entstand eine Gesellschaft, in der neben den alteingesessenen Saint-Martinois zahlreiche Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen familiären und nationalen Herkunftsgeschichten leben.
Die heutige Bevölkerungsstruktur des französischen Teils lässt sich besonders deutlich anhand der Geburtsorte erkennen. Nach den INSEE-Daten für 2022 waren nur 32 % der Einwohner auf Saint-Martin selbst geboren, während 35 % im Ausland geboren waren. Weitere 20 % stammten aus dem französischen Mutterland und 13 % aus anderen französischen Überseegebieten, vor allem aus Guadeloupe und Martinique. Von den Einwanderern waren 39 % in Haiti, 15 % in Dominica und 11 % in der Dominikanischen Republik geboren. Damit stellen Menschen mit karibischem beziehungsweise afrokaribischem Migrationshintergrund einen wichtigen Bestandteil der heutigen Bevölkerung dar.
Die französische Statistik erfasst dabei die Bevölkerung vor allem nach Geburtsort und Staatsangehörigkeit und nicht nach „Ethnien“. Deshalb lässt sich eine exakte ethnische Aufteilung der gesamten Inselbevölkerung nicht seriös angeben. Der aktuelle französische Zensus stellt detaillierte Angaben zu den Staatsangehörigkeiten bereit; für Saint-Martin wurden die entsprechenden Tabellen für 2023 am 1. Oktober 2026 veröffentlicht.
Auch der niederländische Teil Sint Maarten weist eine stark internationale Bevölkerung auf. Die gesamte Insel ist dadurch von einer hohen kulturellen und sprachlichen Vielfalt geprägt. Neben den historisch auf der Insel verwurzelten Familien leben dort Menschen aus zahlreichen karibischen Staaten, aus Nord- und Südamerika, Europa und anderen Weltregionen. Englisch, Französisch, Niederländisch und Spanisch sowie das auf der Insel verbreitete Saint-Martin- beziehungsweise Sint-Maarten-Kreol prägen den Alltag in unterschiedlichem Umfang.
Die Bevölkerungsentwicklung wurde seit dem späten 20. Jahrhundert stark durch Zuwanderung bestimmt. Auf dem französischen Teil wurden bereits zwischen 1982 und 1990 sehr hohe Wachstumsraten registriert; beim Zensus 1999 waren 36 % der Bevölkerung ausländischer Herkunft, darunter insbesondere Menschen aus Haiti und der Dominikanischen Republik.
Die heutige Gesellschaft kann daher nicht einer einzigen Volksgruppe zugeordnet werden. Die Bevölkerung besteht aus Nachkommen der indigenen Bewohner, der europäischen Siedler und der aus Afrika verschleppten Menschen sowie aus später eingewanderten Bevölkerungsgruppen aus der Karibik, Amerika, Europa und anderen Weltregionen. Diese historische und moderne Migration hat Saint-Martin zu einer der kulturell und national vielfältig zusammengesetzten Inselgesellschaften der Kleinen Antillen gemacht.
Soziale Spannungen stehen teilweise mit der raschen Bevölkerungsentwicklung, Migration, dem Wohnungsmarkt und den hohen Grundstücks- und Immobilienpreisen in Zusammenhang. Die Bezeichnung „Neo-Kolonisten“ wird dabei insbesondere in politischen und gesellschaftlichen Debatten für bestimmte neu zugewanderte oder wirtschaftlich privilegierte Gruppen verwendet; sie ist jedoch keine amtliche Bevölkerungs- oder Ethnienbezeichnung.
Sprachen
Die Sprachsituation ist eng mit der kolonialen Geschichte, der heutigen politischen Aufteilung zwischen Frankreich und dem Königreich der Niederlande sowie der starken internationalen Zuwanderung verbunden. Französisch und Niederländisch besitzen jeweils in ihrem politischen Hoheitsgebiet offiziellen Status, während Englisch auf der gesamten Insel eine besonders wichtige Verkehrssprache ist.
Im französischen Teil Saint-Martin ist Französisch die alleinige Amtssprache. Es wird von der Collectivité de Saint-Martin, den französischen staatlichen Behörden, den Gerichten und den öffentlichen Einrichtungen verwendet und ist die wichtigste Sprache des staatlichen Bildungswesens. Auch im Schriftverkehr, in der Verwaltung und bei offiziellen Dokumenten ist Französisch maßgeblich. Gleichzeitig ist die alltägliche Sprachsituation deutlich vielfältiger als der offizielle Status der französischen Sprache vermuten lässt.
Englisch besitzt im französischen Teil eine besonders starke Stellung. Es wird im Tourismus, im Handel, in Restaurants, Hotels und anderen Dienstleistungsbereichen verwendet und dient häufig als gemeinsame Verständigungssprache zwischen Einwohnern unterschiedlicher Herkunft. Die Bedeutung des Englischen hängt auch mit der historischen Nähe zu den englischsprachigen Karibikinseln und mit der starken internationalen Ausrichtung der Wirtschaft zusammen.
Daneben werden französischbasierte kreolische Sprachformen gesprochen. Besonders auf der französischen Seite ist das Saint-Martin-Kreol beziehungsweise ein lokal verwendetes französischbasiertes Antillenkreol Teil der mündlichen Sprachtradition. Es wird vor allem innerhalb von Familien und im informellen sozialen Umfeld verwendet. Die kreolischen Sprachformen der Insel gehören zum größeren karibischen Zusammenhang französischbasierter Kreolsprachen und unterscheiden sich vom Standardfranzösischen in Wortschatz, Aussprache und Grammatik.
Im niederländischen Teil Sint Maarten sind Niederländisch und Englisch die beiden Amtssprachen. Niederländisch ist die Sprache des niederländischen Staats- und Rechtsrahmens und wird in offiziellen Dokumenten, der Gesetzgebung und bestimmten Bereichen der Verwaltung verwendet. Im alltäglichen Gespräch nimmt Niederländisch dagegen eine deutlich geringere Rolle ein als Englisch.
Englisch ist in Sint Maarten die wichtigste Alltagssprache und wird in weiten Teilen des öffentlichen Lebens verwendet. Es ist besonders im Handel, Tourismus, Gastgewerbe, Bildungswesen und in der privaten Kommunikation verbreitet. Die starke Stellung des Englischen ist historisch gewachsen und steht außerdem mit der engen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verbindung zu den englischsprachigen Nachbarinseln der Karibik in Zusammenhang.
Eine wichtige Alltagssprache auf Sint Maarten ist außerdem das lokale englischbasierte Kreol, das häufig als Saint Martin English oder Sint Maarten English bezeichnet wird. Es steht sprachlich in Verbindung mit den englischbasierten Kreolsprachen der östlichen Karibik. Umgangssprachliche Formen des Englischen und kreolische Sprachformen gehen im Alltag teilweise ineinander über.
Spanisch ist ebenfalls weit verbreitet. Die Bedeutung der spanischen Sprache hängt vor allem mit der Einwanderung aus der Dominikanischen Republik und anderen spanischsprachigen Ländern der Karibik und Lateinamerikas zusammen. Spanisch wird deshalb insbesondere im privaten Bereich, im Handel und innerhalb von Einwanderergemeinschaften gesprochen. Auch Französisch ist im niederländischen Teil aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zum französischen Inselgebiet und der engen wirtschaftlichen Verflechtungen häufig zu hören.
Papiamento beziehungsweise Papiamentu ist dagegen auf Saint Martin keine traditionelle Hauptsprache. Die Sprache ist vor allem auf Aruba, Bonaire und Curaçao verbreitet und gehört dort zu den wichtigsten Sprachen des öffentlichen und privaten Lebens. Auf Sint Maarten kann sie durch Zuwanderer aus den niederländischen Karibikinseln vorkommen, gehört aber nicht zu den dominierenden Sprachen der Insel und sollte daher nicht als allgemein verbreitete Insel-Sprache dargestellt werden.
Durch die internationale Bevölkerung werden außerdem zahlreiche weitere Sprachen gesprochen. Dazu gehören unter anderem Hindi und verschiedene chinesische Sprachen beziehungsweise Varietäten sowie Italienisch, Portugiesisch und weitere karibische und europäische Sprachen. Ihre Bedeutung ist jeweils auf bestimmte Bevölkerungsgruppen beschränkt.
Religion
Das Christentum prägt die Insel deutlich, wobei sich die konfessionelle Struktur zwischen dem französischen und dem niederländischen Teil unterscheidet. Im französischen Teil Saint-Martin besitzt die römisch-katholische Kirche aufgrund der französischen und historischen europäischen Prägung eine besonders starke Stellung. Im niederländischen Teil Sint Maarten ist das protestantische Christentum stärker vertreten und gliedert sich in zahlreiche unterschiedliche Kirchen und Gemeinschaften.
Die römisch-katholische Kirche ist auf Sint Maarten nach der Volkszählung von 2011 mit 33,1 % die größte einzelne Religionsgemeinschaft. Ihr Anteil lag 1992 noch bei 42,2 % und 2001 bei 39,8 %. Die amtliche Statistik dokumentiert damit einen langfristigen Rückgang des katholischen Bevölkerungsanteils, während andere christliche Konfessionen insbesondere die Pfingstkirchen und die Siebenten-Tags-Adventisten an Bedeutung gewannen.
Auf der französischen Seite ist der Katholizismus ebenfalls historisch stark verwurzelt. Zu den bedeutenden katholischen Kirchen gehören die Église catholique de Saint-Martin in Marigot und die katholische Kirche in Grand Case. Die katholische Tradition ist außerdem mit dem Patrozinium des heiligen Martin von Tours verbunden, nach dem die Insel benannt wurde.
Die Pfingstbewegung bildet auf Sint Maarten mit 14,7 % die zweitgrößte einzelne Konfessionsgruppe. Ihr Anteil betrug 1992 noch 5,7 % und 2001 11,6 %. Damit nahm die Zahl der Menschen, die sich pfingstkirchlichen Gemeinden zuordneten, innerhalb von zwei Jahrzehnten deutlich zu. Pfingstkirchen gehören zum protestantischen Christentum und sind auf Sint Maarten in verschiedenen eigenständigen Gemeinden organisiert.
Methodisten stellen 10,0 % der Bevölkerung. Der Methodismus besitzt auf Sint Maarten eine lange Tradition und gehört zu den etablierten protestantischen Konfessionen. Methodistische Gemeinden unterhalten Kirchen und beteiligen sich neben dem Gottesdienst auch an sozialen und gemeinschaftlichen Aktivitäten. Der Anteil lag 1992 bei 13,2 % und 2001 bei 11,5 %, womit die methodistische Gemeinschaft im Vergleich zu den Pfingstkirchen langfristig einen rückläufigen Anteil aufweist.
Die Siebenten-Tags-Adventisten bilden mit 6,6 % eine weitere bedeutende protestantische Gemeinschaft. Ihr Anteil lag 1992 bei 3,6 % und 2001 bei 6,2 %. Die Adventisten gehören damit zu den christlichen Gemeinschaften, deren Anteil an der Bevölkerung im betrachteten Zeitraum deutlich zunahm.
Baptisten stellen 4,7 % der Bevölkerung. Auch sie gehören zu den protestantischen Kirchen und sind auf Sint Maarten durch verschiedene Gemeinden vertreten. Ihr Anteil ging allerdings von 7,3 % im Jahr 1992 über 6,7 % im Jahr 2001 auf 4,7 % im Jahr 2011 zurück. Anglikaner machten 2011 3,1 % der Bevölkerung aus; ihr Anteil lag 1992 bei 4,0 % und 2001 bei 3,9 %. Weitere protestantische Gemeinschaften kamen 2011 auf 2,8 %.
Neben diesen Kirchen gibt es weitere christliche Gemeinschaften. 4,1 % der Bevölkerung wurden 2011 unter „Christian“ erfasst, ohne einer der in der Statistik einzeln aufgeführten Konfessionen zugeordnet zu werden. Jehovas Zeugen stellten 1,7 % und evangelische beziehungsweise evangelikale Gemeinschaften 1,4 %.
Ein Teil der Bevölkerung gehört keiner Religion an. Bei der Volkszählung von 2011 bezeichneten sich 7,9 % als religionslos. 2,4 % machten keine Angabe zu ihrer Religionszugehörigkeit. Der Anteil der Religionslosen lag 1992 bei 11,0 %, sank 2001 auf 6,7 % und lag 2011 wieder bei 7,9 %.
Neben dem Christentum sind auf Sint Maarten weitere Religionen vertreten. Der Hinduismus kam 2011 auf 5,2 % der Bevölkerung und bildet damit die bedeutendste nichtchristliche Religionsgemeinschaft. Seine Präsenz steht unter anderem mit der Einwanderung aus Südasien und der weiteren internationalen Zusammensetzung der Bevölkerung in Zusammenhang. Daneben gibt es kleinere muslimische und jüdische Gemeinschaften. Die Statistik fasste Islam und Judentum 2011 zusammen und wies für beide zusammen 1,1 % aus. Weitere 1,3 % entfielen auf sonstige Religionen, darunter Buddhismus, Sikhismus und Rastafari.
Siedlungen
Die Einwohnerzahlen der Siedlungen sind:
Sint Maarten
| Name | Z 2001 | S 2017 |
| Cole Bay | 6.046 | 7.194 |
| Cul de Sac | 7.880 | 8.588 |
| Little Bay | 2.176 | 5.581 |
| Lower Prince's Quarter | 8.123 | 10.833 |
| Low Lands | 232 | 708 |
| Philipsburg | 1.227 | 1.894 |
| Simpson Bay | 736 | 1.142 |
| Upper Prince's Quarter | 4.021 | 4.595 |
Saint-Martin
| Name | Z 2006 | S 2015 | S 2021 |
| Agrément - Galisbay | 2.804 | 2.164 | 1.876 |
| Bellevue - Saint-James | 2.327 | 2.029 | 1.739 |
| Concordia - Spring | 5.121 | 5.613 | 6.102 |
| Grand Case - La Savane - Anse Marcel - Cul de Sac | 6.523 | 7.582 | 6.333 |
| Marigot | 3.403 | 3.599 | 3.386 |
| Oyster Pond | 1.779 | 2.362 | 1.830 |
| Quartier d'Orleans | 4.624 | 4.327 | 3.385 |
| Rambaud - Saint-Louis - Colombier | 3.346 | 3.380 | 3.335 |
| Sandy Ground - Baie Nettlé - Terres Basses | 5.335 | 4.627 | 3.493 |
Die Siedlungsstruktur von Saint Martin ist durch die politische Teilung der Insel in den französischen Teil Saint-Martin und den niederländischen Teil Sint Maarten geprägt. Die beiden wichtigsten Zentren sind Marigot im Norden und Philipsburg im Süden. Daneben bestehen zahlreiche kleinere Siedlungen, die sich entlang der Küsten, in den Tälern und an den Hauptverkehrsachsen entwickelt haben.
Philipsburg ist die Hauptstadt und das wichtigste Verwaltungszentrum von Sint Maarten. Die Stadt liegt auf einer schmalen Landenge zwischen Great Bay im Süden und Great Salt Pond im Norden. Der Ort wurde 1763 von John Philips gegründet und entwickelte sich aufgrund seiner geschützten Bucht zu einem Handels- und Hafenstandort. Das historische Zentrum erstreckt sich vor allem entlang der Front Street und Back Street. In diesem Bereich befinden sich Geschäfte, Restaurants, Banken, Hotels und öffentliche Einrichtungen. Die Stadt ist außerdem ein bedeutender Ausgangspunkt für den Kreuzfahrttourismus. Zu den historischen Bauwerken von Philipsburg gehört Fort Amsterdam auf einer Landzunge westlich der Stadt. Die Festung wurde 1631 von den Niederländern errichtet und gehört zu den ältesten europäischen Befestigungsanlagen auf Saint Martin. Ihre Lage oberhalb der Great Bay ermöglichte die Kontrolle der Bucht und des Hafenzugangs. Heute sind die erhaltenen Ruinen ein historisches Zeugnis der niederländischen Kolonialgeschichte.
Der Strand von Great Bay erstreckt sich unmittelbar vor dem Stadtzentrum von Philipsburg. Entlang der Uferpromenade befinden sich Hotels, Restaurants, Geschäfte und touristische Einrichtungen. Weitere Siedlungsbereiche des niederländischen Teils liegen westlich und östlich der Hauptstadt sowie im Umfeld der Simpson Bay Lagoon.
Marigot ist die Hauptstadt des französischen Teils und Sitz der Collectivité de Saint-Martin. Die Stadt liegt an der geschützten Marigot Bay an der Westküste des französischen Inselgebiets. Sie entwickelte sich insbesondere während der französischen Kolonialzeit zu einem wichtigen Verwaltungs- und Handelszentrum. Das Stadtbild wird durch französisch-karibische Architektur, Geschäfte, Restaurants und öffentliche Einrichtungen geprägt. Ein wichtiges historisches Bauwerk von Marigot ist das Fort Louis. Die Festung wurde 1789 unter dem französischen Gouverneur Jean Sébastien de Durat ausgebaut und liegt auf einem Hügel oberhalb der Marigot Bay. Von dort aus konnte die Bucht und der Zugang zum Hafen kontrolliert werden. Heute gehört das Fort zu den bedeutendsten historischen Anlagen des französischen Inselteils. Zum Stadtgebiet von Marigot gehören unter anderem der Hafenbereich, der Markt und die Uferzone. Der Markt von Marigot ist ein bedeutender Handelsplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse, Gewürze, Fisch, Fleisch, Kunsthandwerk und andere Waren. Der Hafen wird von lokalen Booten, Fähren und Yachten genutzt. Marigot bildet damit nicht nur das politische, sondern auch ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum des französischen Teils.
Im französischen Teil liegt Grand Case an der Nordwestküste. Die Siedlung erstreckt sich entlang einer langen Bucht und ist durch Wohnhäuser, Restaurants, kleine Geschäfte und touristische Einrichtungen geprägt. Grand Case entwickelte sich aus einer landwirtschaftlich geprägten Siedlung und besitzt bis heute einen überwiegend niedriggeschossigen Charakter. Der Ort ist außerdem durch seine Gastronomie und seine Lage an der Grand Case Bay bekannt.
Orient Bay beziehungsweise Baie-Orientale liegt an der Nordostküste des französischen Teils. Die Siedlung entwickelte sich insbesondere entlang des Strandes und der dahinterliegenden Straßen. Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants und andere touristische Einrichtungen prägen den Ort. Hinter der Küste schließen sich Hügel und offene Landschaften an.
Quartier-d'Orléans liegt im Osten von Saint-Martin und gehört zum französischen Teil. Der Ort befindet sich in einem Tal zwischen den Hügelketten und ist stärker von Wohnbebauung geprägt als die Küstenorte. In der Umgebung befinden sich landwirtschaftlich genutzte Flächen, kleinere Gewerbebetriebe und die Zufahrtsstraßen zur Ostküste.
Anse-Marcel liegt im äußersten Nordosten des französischen Inselteils an einer geschützten Bucht. Die Siedlung entwickelte sich rund um einen Yachthafen und touristische Anlagen. Die Lage zwischen den Hügeln und der geschützten Bucht unterscheidet Anse Marcel deutlich von den dichter besiedelten Küstenbereichen von Marigot und Grand Case.
Im niederländischen Teil ist Simpson Bay eine der wichtigsten Siedlungen außerhalb von Philipsburg. Der Ort liegt an der Südwestküste unmittelbar an der Simpson Bay Lagoon. In diesem Gebiet konzentrieren sich zahlreiche Hotels, Restaurants, Geschäfte, Dienstleistungsunternehmen und Einrichtungen der Tourismuswirtschaft. Der Princess Juliana International Airport liegt unmittelbar östlich von Simpson Bay und macht den Ort zu einem wichtigen Verkehrszentrum der Insel.
Cole Bay liegt zwischen Philipsburg und Simpson Bay und bildet einen dicht besiedelten Übergangsbereich zwischen dem politischen Zentrum und dem westlichen Wirtschafts- und Tourismusgebiet. Hier befinden sich Wohngebiete, Geschäfte, Dienstleistungsunternehmen und Verkehrsverbindungen. Cay Bay befindet sich südwestlich von Philipsburg an der Küste der Great Bay. Die Siedlung ist überwiegend durch Wohnbebauung geprägt und liegt zwischen Philipsburg und den südwestlichen Siedlungsgebieten. Little Bay befindet sich unmittelbar westlich von Philipsburg an einer geschützten Bucht. In diesem Bereich befinden sich Hotels, Wohnanlagen und touristische Einrichtungen; außerdem liegt dort der Campus der University of St. Martin.
Belvedere liegt im Osten des niederländischen Teils und ist vor allem durch Wohnbebauung geprägt. Dawn Beach befindet sich an der Südostküste nahe der Grenze zum französischen Teil. Die Siedlung erstreckt sich in hügeligem Gelände oberhalb und hinter einem Strandabschnitt. Oyster Pond liegt unmittelbar an der Grenze zwischen den beiden Inselteilen und ist eine grenzüberschreitende Siedlung mit einem Yachthafen. Der Grenzverlauf durch den Ort gehört zu den sichtbarsten Beispielen für die politische Teilung der Insel.
Im französischen Teil gehören außerdem Sandy Ground, Hope Estate, Rambaud, Colombier und Friar's Bay zu den größeren Siedlungsbereichen. Sandy Ground liegt auf einer schmalen Landzunge südlich von Marigot und verbindet das Gebiet um Marigot mit dem südwestlichen Teil der französischen Inselhälfte. Hope Estate befindet sich im Nordosten und hat sich zu einem wichtigen Wohn- und Dienstleistungsgebiet entwickelt. Rambaud und Colombier liegen im hügeligeren Inselinneren und weisen eine geringere Siedlungsdichte auf. Friar's Bay liegt an der Nordwestküste zwischen Marigot und Grand Case.
Verkehr
Die Insel ist verkehrsmäßig dicht erschlossen. Sowohl der Norden als auch der Süden verfügen über internationale Häfen und Flughäfen.
Straßenverkehr
Die Insel ist durch ein dichtes Straßennetz - mehr als 80 km - erschlossen. Gefahren wird rechts. Die Straßen sind meist in gutem Zustand, es gibt keine mautpflichtigen Straßen und ausreichend Tankstellen. In den bergigen Regionen sind die Straßen oft schmal und kurvig, hier ist Vorsicht geboten. Der Verkehr ist vor allem in den touristisch stark frequentierten Gebieten wie Philipsburg, Maho Beach und Simpson Bay zeitweise recht dicht. Für eine komplette Umrundung der Insel per Auto ohne Verkehr benötigt man rund 1,5 Stunden, mit Verkehr und Pausen etwa 3 bis 4 Stunden.
Öffentliche Verkehrsmittel bestehen vor allem aus privaten Minibussen, die als Sammelbusse verkehren und wichtige Routen abdecken. Die Busse fahren ohne festen Fahrplan und sind günstig, aber oft sehr voll. Taxis sind ebenfalls auf der ganzen Insel verfügbar, haben jedoch keine Taxameter. Die Preise sind geregelt, nachts sind sie etwa 50% teurer. Taxiangebote sind teils knapp, besonders wenn viele Kreuzfahrtschiffe zur gleichen Zeit anlegen. Mietwagen werden häufig genutzt, es gibt zahlreiche Autovermietungen am Flughafen und in Städten. Das Mindestalter für Fahrer beträgt meist 21 Jahre.
Schiffsverkehr
Der Hafen von Philipsburg zählt zu den größten und modernsten Kreuzfahrthäfen in der Karibik und bietet Platz für bis zu sechs große Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig. Weitere Schiffe ankern vor der Küste und bringen Passagiere mit Tenderbooten an Land. Der Hafen liegt direkt an der Südküste und umfasst zwei lange Piers, die auch die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt aufnehmen können, darunter die großen Oasis-Klasse-Schiffe von Royal Caribbean.
Der Hafen ist ein wichtiger Zwischenstopp für viele große Kreuzfahrtreedereien wie Royal Caribbean, Carnival, MSC, Norwegian Cruise Line, Princess Cruises, Celebrity Cruises, Holland America Line sowie die deutschsprachigen Reedereien AIDA Cruises und TUI Cruises.
Der Hafenbereich namens Harbour Point Village bietet Touristen Informationen, Duty-Free-Shops, Restaurants und Souvenirläden in unmittelbarer Nähe des Liegeplatzes. Philipsburg ist von der Kreuzfahrthafen-Anlegestelle aus gut zu Fuß erreichbar, etwa 10 Minuten zum Stadtzentrum, und ist ein zentraler Ausgangspunkt für Landausflüge auf der Insel.
Auf der französischen Seite Saint Martin gibt es aufgrund fehlender Wassertiefe nur wenige kleine Anlegestellen, die für kleinere Schiffe oder gelegentliche Touristenboote genutzt werden.
Flugverkehr
Der Flughafen Princess Juliana befindet sich direkt am Strand. Daher fliegen die Flugzeuge (darunter auch Großraumflugzeuge wie die Boeing 747 oder der Airbus A 340) sehr niedrig über den Strand, der für Touristen freigegeben, aber mit Warnhinweisen ausgestattet ist. Der Abstand zwischen den landenden Flugzeugen und dem Zaun beträgt oft nur einige Meter, Touristen können direkt unter den Flugzeugen stehen und sie fotografieren. Am Strand befindet sich ein Surfbrett, auf das der Flugplan geschrieben wird, der die Flüge ankündigt.
Der Flughafen verfügt über kein Instrumentenlandesystem, sondern nur über VOR/DME sowie Sichtanflugverfahren. Außerdem befinden sich in relativ geringem Abstand hinter der Startbahn 10 mehrere Hügel, sodass abhebende Flugzeuge schnell an Höhe gewinnen und so früh wie möglich eine Rechtskurve fliegen müssen (siehe Abschnitt Besonderheiten). Die Start- und Landebahn ist nur 2300 m lang, was eine Beschränkung des Startgewichts für Großraumflugzeuge mit sich bringt. Der Flughafen wird mit Maschinen unterschiedlichster Größe bedient: neben kleinen Sportmaschinen sowie Regionalflugzeugen wie der Bombardier DHC-8 finden sich auch vierstrahlige Jets wie die Boeing 747 und der Airbus A340. Eine Boeing 747 kann auf Grund der kurzen Startbahn weit entfernte Ziele nicht direkt erreichen, da sie voll aufgetankt eine längere Piste benötigen würde. Deswegen wird zunächst Curaçao bzw. Aruba (von KLM) oder Martinique bzw. Guadeloupe (von Corsair) angesteuert, um für den Weiterflug aufzutanken.
Der Flughafen wird aus Europa von Air France mit A340-300 (Paris-Charles-de-Gaulle), KLM (A330-200, Amsterdam), zweimal wöchentlich von Air Caraïbes (A330-200) von Paris-Orly und unregelmäßig im Charterverkehr von Corsair International (A330, Paris-Orly) angeflogen. Air Canada Rouge und weitere Fluggesellschaften aus Nordamerika und der Karibik bieten tägliche Linienverbindungen in die USA, Kanada und zu Karibik-Inseln an. Als Heimatflughafen dient der Princess Juliana International Airport für die karibische Fluggesellschaft Winair (Windward Island Airways).
Im Luftfrachtbereich fliegt Amerijet International die Ziele Miami, Santiago de los Caballeros sowie Santo Domingo an. In der Vergangenheit wurde der Flughafen von mehreren Fluggesellschaften mit der Boeing 747 angeflogen. Der letzte Landeanflug und Start einer 747 (KLM) fand am 28. Oktober 2016 statt.
Als besondere Attraktion des Flughafens gilt dessen Lage. Die Landeschwelle der Landebahn 10 ist nur wenige Meter vom Maho Beach entfernt. Aufgrund des hügeligen Terrains im Osten kann ausschließlich von Westen kommend auf Piste 10 gelandet werden; dabei überqueren die Flugzeuge in etwa 10 bis 20 Metern Höhe den Strand. Beim Anrollen zum Start werden durch den Schubstrahl der Triebwerke Sand und kleine Steine aufgewirbelt. Weil die Flugzeuge meist Richtung Osten starten und wegen der Hügel dort schnell an Höhe gewinnen müssen, wird der volle Schub häufig schon im Stand aufgebaut, bevor die Bremsen gelöst werden. Deshalb ist für Zuschauer der Aufenthalt am Strand direkt vor der Startbahn gefährlich.
Wegen der seltenen Möglichkeit, Flugzeuge im tiefen Endanflug über einem tropischen Sandstrand zu beobachten, ist der Airport weltweit bei Planespottern bekannt und beliebt. Darüber hinaus sammeln sich täglich waghalsige Touristen unmittelbar am Flughafenzaun und kämpfen gegen die Kraft der Turbinenstrahlen startender Flugzeuge an (sogenanntes „Zaunsurfen“). Warnschilder des Flughafenbetreibers weisen darauf hin, dass der Abgasstrahl startender und landender Flugzeuge ernsthafte, sogar tödliche Verletzungen verursachen kann. Dennoch geschah genau dies am 12. Juli 2017, als eine 57-jährige Neuseeländerin im Strahl einer startenden Boeing 737-800 sich nicht mehr am Begrenzungszaun festhalten konnte, mit dem Kopf gegen einen Betonblock geschleudert wurde und kurz darauf im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag.
Zur Information der Schaulustigen am Maho Beach werden die täglichen Flugbewegungen (Fluggesellschaften, Landezeiten und Abflugorte) am Strand neben der Landebahn von einem Restaurant-Betreiber handschriftlich auf einem aufrecht stehenden Surfbrett notiert und regelmäßig aktualisiert.
Um die aktuellen ICAO-Anforderungen zu erfüllen, begann am 8. März 2010 der Bau der RESA (runway end safety area − Start-/Landebahnendsicherheitsfläche) mit einer Länge von 90 m. Hierfür wurde Strand aufgeschüttet sowie eine Straße verlegt. Anfang 2011 wurden die Bauarbeiten beendet. Im September 2017 wurde der Flughafen durch Hurrikan Irma schwer beschädigt. Der Flughafen wurde mehrmals ausgebaut, um größere Passagiermengen (2,5 Millionen pro Jahr erwartet) aufnehmen zu können. Der neueste Terminal wurde Anfang November 2006 von Königin Beatrix eröffnet.
Am 2. Mai 1970 wurde eine Douglas DC-9 der Overseas National Airways (Luftfahrzeugkennzeichen N935F), die im Auftrag der ALM Antillean Airlines den Linienflug ALM 980 von New York nach Sint Maarten durchführen sollte, nach mehreren wegen schlechter Sichtverhältnisse abgebrochenen Landeanflügen auf den Princess Juliana Airport nach Saint Thomas umgeleitet. Das Flugzeug konnte den dortigen Flughafen aufgrund ungenügender Treibstoffreserven aber nicht mehr erreichen. Nach der Notwasserung ungefähr 50 km ostnordöstlich der Insel Saint Croix konnten nur 40 der 63 Insassen gerettet werden; 22 Passagiere sowie ein Besatzungsmitglied kamen bei dem Unfall ums Leben.
Am 29. Oktober 2014 stürzte eine Short 360-200 der amerikanischen Gesellschaft Skyway Enterprises (Luftfahrzeugkennzeichen N380MQ), die im Auftrag von FedEx Luftfracht nach San Juan auf Puerto Rico befördern sollte, unmittelbar nach dem Start von Piste 28 vor der Küste von Sint Maarten ins Meer. Beide Piloten kamen bei dem Absturz ums Leben. (nach wikipedia)
| Airlines | Ziele |
| Air Canada | saisonal: Toronto–Pearson |
| Air Caraïbes | Paris–Orly, Port-au-Prince, saisonal: Pointe-à-Pitre |
| Air Century | Santo Domingo–La Isabela |
| Air France | saisonal: Paris–Charles de Gaulle |
| Air Sunshine | Anguilla, Dominica–Douglas–Charles, Nevis, St. Thomas, San Juan, Tortola, Virgin Gorda |
| Air Transat | saisonal: Montréal–Trudeau, Toronto–Pearson |
| American Airlines | Charlotte, Miami, Philadelphia, saisonal: New York–JFK |
| Caribbean Airlines | Kingston–Norman Manley, Port of Spain |
| Copa Airlines | Panama City |
| Coastal Air | Anguilla, Dominica–Canefield, Nevis, St. Croix, St. Eustatius |
| Delta Air Lines | Atlanta, New York–JFK |
| Divi Divi Air | Curaçao |
| Fly All Ways | Charter: Paramaribo |
| Insel Air | Curaçao |
| InterCaribbean Airways | Tortola |
| JetBlue Airways | Fort Lauderdale, New York–JFK, saisonal: Boston |
| Joon | saisonal: Paris–Charles de Gaulle |
| KLM | Amsterdam |
| LIAT | Antigua, St. Kitts, St. Lucia–Vigie, Tortola |
| Seaborne Airlines | San Juan |
| Spirit Airlines | Fort Lauderdale |
| St Barth Commuter | St. Barthélemy |
| Sky High Aviation Services | Santo Domingo–Las Américas, Santiago de los Caballeros |
| Sunwing Airlines | Montréal–Trudeau, Toronto–Pearson |
| Trans Anguilla Airways | Anguilla |
| United Airlines | Newark, saisonal: Chicago–O’Hare, Washington–Dulles |
| WestJet | Toronto–Pearson |
| Winair | Antigua, Aruba, Bonaire, Curaçao, Dominica–Canefield, Dominica–Douglas–Charles, Nevis, Pointe-à-Pitre, Port-au-Prince, Saba, St. Barthélemy, St. Eustatius, St. Kitts, San Juan, Santo Domingo–Las Américas, Tortola |
Princess Juliana International Airport:
- Code: SXM / TNCM
- Lage: 18°02‘27“ N, 63°06‘32“ W
- Seehöhe: 4 m (13 ft)
- Entfernung: 16 km nordwestlich von Philipsburg
- Inbetriebnahme: 1942, zivil 1943
- Betreiber: Princess Juliana International Airport Operating Company N.V
- Fläche: 64 ha
- Terminal: 1
- Rollbahn: 1
- Länge der Rollbahn: 2300 m (Asfalt)
- Fluggesellschaften: 28
- Flugzeug-Standplätze: ca. 20
- jährliche Passagierkapazität:
- jährliche Frachtkapazität:
- Beschäftigte: 268 (2014)
- Flughafen-Statistik: Jahr Flugbewegunbgen Passagiere Fracht in t
2014 60 371 1 795 117 5 992
Wirtschaft
Die Wirtschaft Sankt Martins beruht zum überwiegenden Teil auf Tourismus und Freihandel.
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft gehörte über Jahrhunderte zu den traditionellen Wirtschaftsgrundlagen von Saint-Martin. Die natürlichen Voraussetzungen waren allerdings wegen der begrenzten Niederschläge, der wiederkehrenden Trockenperioden und der relativ kleinen verfügbaren Flächen schwieriger als auf den größeren, feuchteren Antilleninseln. Historisch wurden zunächst die Salzsümpfe genutzt und später Tabak, Indigo, Baumwolle und Zuckerrohr angebaut. Diese Erzeugnisse hatten während der Kolonialzeit wirtschaftliche und teilweise auch überregionale Bedeutung. Die landwirtschaftliche Produktion war eng mit der Plantagenwirtschaft und der Arbeit versklavter Menschen verbunden. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts verlor die Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung, während sich die Wirtschaft stark auf Handel, Dienstleistungen und Fremdenverkehr ausrichtete. Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei sind heute nur noch kleine Wirtschaftsbereiche.
Die Entwicklung der landwirtschaftlich genutzten Flächen zeigt diesen Rückgang besonders deutlich. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche (SAU) wurde 1981 noch auf rund 1.194 Hektar geschätzt. Seit Ende der 1980er Jahre ging sie stark zurück; besonders ausgeprägt war der Rückgang zwischen 2000 und 2010. Im Landwirtschaftszensus 2020 wurden für Saint-Martin noch 227 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche erfasst. Landwirtschaftlich ausgewiesene Flächen machen damit nur einen kleinen Teil des Territoriums aus. Ein großer Teil der verbliebenen landwirtschaftlichen Fläche besteht aus Weideland.
Für Saint-Martin wurden im Landwirtschaftszensus 2020 insgesamt 36 landwirtschaftliche Betriebe erfasst. Das waren rund 20 % weniger als 2010, als noch 45 Betriebe gezählt wurden. Die durchschnittliche Betriebsfläche betrug 2020 etwa 6,3 Hektar. Die Zahl der Betriebe ging damit stärker zurück als die durchschnittliche Betriebsgröße. Die Landwirtschaft ist überwiegend kleinstrukturiert und familiär organisiert. Rund 76 % des gesamten landwirtschaftlichen Arbeitsvolumens wurden 2020 von Familienarbeitskräften geleistet. Insgesamt entsprach das Arbeitsvolumen lediglich 32 Vollzeitarbeitsplätzen. 2022 entfielen nur etwa 0,4 % der Beschäftigung auf den Landwirtschaftssektor.
Die Viehzucht nimmt innerhalb der verbliebenen Landwirtschaft einen wichtigen Platz ein. Vor allem Rinder und Ziegen werden gehalten. Die Haltung erfolgt vielfach extensiv auf Weideflächen. Die Bedeutung der spezialisierten Viehzucht ist allerdings ebenfalls zurückgegangen. Der Landwirtschaftszensus 2020 stellte eine deutliche Abnahme der auf Tierhaltung spezialisierten Betriebe gegenüber früheren Erhebungen fest. Die vorhandenen Weideflächen bilden weiterhin einen erheblichen Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche, während der großflächige Acker- und Pflanzenbau nur eine geringe Rolle spielt.
Der Anbau von Gemüse und anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln findet ebenfalls statt, bleibt aber auf kleine Flächen beschränkt. Einzelne Betriebe verkaufen ihre Erzeugnisse direkt an Verbraucher. Der Direktverkauf und kurze Vermarktungswege sind für die kleinbäuerlichen Betriebe von besonderer Bedeutung; bereits ältere Untersuchungen des IEDOM stellten fest, dass rund 78 % der landwirtschaftlichen Betriebe ihre Erzeugnisse über kurze Vermarktungswege absetzten. Eine großflächige Bewässerungslandwirtschaft konnte sich dagegen nicht entwickeln, weil die natürlichen Wasserressourcen begrenzt sind und Trinkwasser auf der Insel überwiegend durch Meerwasserentsalzung bereitgestellt wird.
Zu den wichtigsten Problemen der Landwirtschaft gehört deshalb der Wassermangel. Saint-Martin besitzt keine bedeutenden natürlichen Süßwasserreserven, die eine großflächige Bewässerungslandwirtschaft ermöglichen würden. Niederschläge sind unregelmäßig verteilt, und längere Trockenperioden können die Weidewirtschaft und den Pflanzenbau beeinträchtigen. Gleichzeitig führen Starkregen und tropische Wirbelstürme zu Erosion und Schäden an landwirtschaftlichen Anlagen. Der Hurrikan Irma zerstörte 2017 unter anderem einen großen Teil der Einfriedungen der Weideflächen. Die von der Chambre Consulaire Interprofessionnelle de Saint-Martin (CCISM) erfassten Schäden beliefen sich auf fast 2 Millionen Euro bei 17 Schadensmeldungen.
Ein weiteres strukturelles Problem ist der Zugang zu landwirtschaftlichen Grundstücken. Die verfügbare Fläche ist begrenzt und steht in Konkurrenz zu Siedlungsentwicklung, Gewerbe, Straßenbau und touristischer Nutzung. Hinzu kommen ungeklärte Eigentumsverhältnisse, Erbengemeinschaften und hohe Grundstückspreise. Für einen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe erschwert dies sowohl die langfristige Sicherung der Betriebsflächen als auch die Beantragung von Fördermitteln und die Durchführung von Investitionen.
Auch die Insellage erschwert die landwirtschaftliche Produktion. Saatgut, Futtermittel, Dünger, technische Geräte und andere Betriebsmittel müssen teilweise von außerhalb eingeführt werden. Transport, Lagerung und begrenzte Absatzmengen erhöhen die Produktionskosten. Nach Angaben des IEDOM war Saint-Martin bereits in der früheren Strukturuntersuchung zu 99 % von Importen abhängig. Diese Importabhängigkeit betrifft nicht nur die Landwirtschaft, sondern die gesamte lokale Wirtschaft und ist ein wesentlicher Grund dafür, dass eine Ausweitung der heimischen Produktion wirtschaftlich schwierig ist.
Die Lebensmittelversorgung der Insel beruht deshalb weitgehend auf Importen. Lebensmittel gelangen insbesondere aus Frankreich, den Vereinigten Staaten und anderen karibischen Gebieten nach Saint-Martin und werden über die Handels- und Hafeninfrastruktur verteilt. Die lokale Landwirtschaft kann nur einen kleinen Teil des gesamten Lebensmittelbedarfs decken. Eine belastbare aktuelle amtliche Zahl von 7,5 % für den gesamten Inselbedarf ist in den verfügbaren Landwirtschaftsstatistiken jedoch nicht ausgewiesen und sollte daher nicht als gesicherter Wert verwendet werden.
Einige landwirtschaftliche Erzeugnisse werden zusätzlich lokal verarbeitet. Dazu gehört insbesondere die Guavaberry-Frucht, die traditionell gesammelt und unter anderem zur Herstellung von Guavaberry-Likör verarbeitet wird. Die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte verbindet damit Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk und Tourismus. Daneben werden verschiedene Früchte, Gemüse und tierische Erzeugnisse im kleinen Umfang für den lokalen Markt produziert.
Die Landwirtschaft steht außerdem in Zusammenhang mit der Bewirtschaftung der offenen Landschaft. Weideflächen und landwirtschaftlich genutzte Parzellen tragen zur Erhaltung bestimmter Kulturlandschaften bei und bilden einen Teil der nicht bebauten Flächen der Insel. Gleichzeitig können intensive Beweidung, Bodenverdichtung, Erosion und die Beseitigung der natürlichen Vegetation ökologische Probleme verursachen. Eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft muss deshalb sowohl die begrenzten Wasserressourcen als auch den Schutz von Böden und natürlichen Lebensräumen berücksichtigen.
Die französischen Behörden und die lokalen Institutionen versuchen, die verbliebene Landwirtschaft zu stabilisieren und die lokale Lebensmittelproduktion auszubauen. Dabei stehen insbesondere die Sicherung landwirtschaftlicher Flächen, eine bessere Organisation der Produktions- und Vermarktungsketten, die Unterstützung kleiner Betriebe, eine effizientere Nutzung des Wassers und die Entwicklung kurzer Vermarktungswege im Mittelpunkt. Die Landwirtschaft soll dabei nicht zu einem großflächigen Exportsektor ausgebaut werden, sondern vor allem einen größeren Beitrag zur lokalen Versorgung und zur wirtschaftlichen Diversifizierung leisten.
Auf dem niederländischen Teil der Insel ist die Landwirtschaft ebenfalls nur von geringer wirtschaftlicher Bedeutung. Die stark urbanisierte und touristisch geprägte Wirtschaft von Sint Maarten bietet nur begrenzte Flächen für Landwirtschaft und Viehzucht. Auch dort stammt der überwiegende Teil der Lebensmittel aus dem Ausland. Kleinere landwirtschaftliche und gärtnerische Tätigkeiten bestehen zwar weiterhin, sie haben jedoch keine mit dem Tourismus, Handel, Bauwesen oder den maritimen Dienstleistungen vergleichbare wirtschaftliche Bedeutung.
Forstwirtschaft
Die natürlichen Wälder bestehen überwiegend aus Trockenwald, saisonal immergrünen und halblaubabwerfenden Gehölzgesellschaften sowie dornigen und teilweise sukkulenten Vegetationsformationen. Auf Sint Maarten werden als wichtige terrestrische Vegetationstypen unter anderem saisonal immergrüne Wälder, trockenheitsangepasste gemischte immergrün-laubabwerfende Dorngehölze, sukkulente Strauchvegetation und Küstengehölze unterschieden.
Historisch waren die Wälder durch die menschliche Nutzung stärker verbreitet als heute. Rodungen für Landwirtschaft, Weideland und Siedlungen veränderten die ursprüngliche Vegetation. Auch die Gewinnung von Brenn- und Bauholz führte zur Nutzung der natürlichen Gehölze. Der heutige Wald ist deshalb teilweise sekundär und unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung von der ursprünglichen Vegetation. Im Gebiet des Pic Paradis auf der französischen Seite dokumentierte die Naturschutzverwaltung beispielsweise sowohl erhaltene Waldgesellschaften als auch Flächen, auf denen die ursprüngliche Vegetation durch Rodung, Weidewirtschaft und menschliche Nutzung zurückgedrängt worden war. Die natürliche Regeneration verläuft dort zwar weiter, wird aber durch Trockenheit, Meeresgischt und menschliche Eingriffe begrenzt.
Besonders bedeutend ist der Trockenwald. Die Réserve naturelle nationale de Saint-Martin zählt die Küsten-Trockenwälder zu den fünf wichtigsten geschützten Ökosystemen der Insel. Neben Korallenriffen, Seegraswiesen, Mangroven und Feuchtgebieten bilden sie einen wesentlichen Bestandteil des natürlichen Lebensraumes. Die Schutzgebiete bewahren damit nicht nur einzelne Baumarten, sondern ganze Wald- und Gehölzgesellschaften.
Zu den Waldgebieten mit besonders hoher Bedeutung gehört der Bereich des Pic Paradis. Das dortige Waldgebiet wird im Managementplan der Réserve naturelle als die am besten erhaltene und artenreichste Waldzone von Saint-Martin beschrieben. Die Vegetation besteht aus halblaubabwerfenden Waldgesellschaften mit unterschiedlichen Baum- und Straucharten. Nach den floristischen Untersuchungen wurden dort 171 Pflanzenarten festgestellt. Darunter befanden sich eine geschützte Art, 30 seltene oder gefährdete Pflanzenarten, zwölf auf den Antillen endemische Arten und eine Art, die auf die Kleinen Antillen beschränkt ist. Zu den dokumentierten Gehölzen gehören unter anderem Pisonia subcordata, Canella winterana, Morisonia americana, Margaritaria nobilis und Hymenaea courbaril.
Auch der Mahagoni gehört zur historischen und natürlichen Gehölzflora der Insel. Im Gebiet des Pic Paradis wurde Swietenia mahagoni als seltene beziehungsweise gefährdete Pflanzenart erfasst. Weitere bemerkenswerte Gehölze sind Rochefortia acanthophora, Picrasma excelsa und verschiedene Arten, die an die trockenen Bedingungen der Insel angepasst sind. Die Erfassung dieser Arten ist vor allem für den Naturschutz von Bedeutung; eine wirtschaftliche Nutzung der Bestände als Nutzholz findet nicht in einem Umfang statt, der als Forstwirtschaft bezeichnet werden könnte.
Die trockenen Klimabedingungen bestimmen die Form und Zusammensetzung der Wälder. Starke östliche Passatwinde und die relativ geringen Niederschläge führen zu einer Vegetation, die Wasserverluste begrenzen muss. Einige Pflanzen wachsen niedrig oder unregelmäßig und besitzen weitreichende Wurzelsysteme. In den trockeneren Bereichen treten neben Gehölzen auch Kakteen und dornige Sträucher auf. Zu den dokumentierten Arten gehören unter anderem Acacia tortuosa, Plumieria alba, verschiedene Opuntia-Arten sowie der gefährdete Kaktus Melocactus intortus.
Die Wälder erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Sie stabilisieren Böden an Hängen, vermindern bei starken Niederschlägen den Oberflächenabfluss und tragen zur Verringerung der Bodenerosion bei. Gleichzeitig bilden sie Lebensräume für Vögel, Reptilien, Insekten und zahlreiche Pflanzenarten. Die Küstengehölze wirken zusätzlich als natürliche Barriere gegen Wind und tragen zur Stabilisierung von Sandflächen bei. Auf Sint Maarten wird diese Funktion der Küstenwälder und -gehölze ausdrücklich hervorgehoben, da ihre Wurzeln zur Stabilisierung des Sandes beitragen und dadurch die Küstenerosion vermindern.
Ein besonderes Waldökosystem bilden die Mangroven. Sie gehören zwar nicht zur klassischen Forstwirtschaft, sind aber für die Vegetation und den Wasserhaushalt der Insel von großer Bedeutung. Die Mangroven der französischen Seite kommen vor allem im Bereich der Lagunen und Feuchtgebiete vor. Ihre Wurzelsysteme bieten Fischen und anderen Meerestieren Schutz und dienen zahlreichen Vogelarten als Lebensraum. Außerdem halten sie Sedimente zurück und bilden einen Übergangsbereich zwischen Land und Meer. In einigen der geschützten Feuchtgebiete wurde in den vergangenen Jahren sogar eine Zunahme der Mangrovenfläche festgestellt.
Die Nutzung von Holz beschränkt sich heute überwiegend auf kleinere lokale Anwendungen. Holz wird für handwerkliche Arbeiten, Reparaturen, Möbel, Dekorationsgegenstände und gelegentlich für traditionelle Bauelemente verwendet. Eine regelmäßige industrielle Holzernte aus natürlichen Wäldern findet dagegen nicht statt. Der überwiegende Teil des auf der Insel verwendeten Bau- und Konstruktionsholzes wird importiert. Damit besteht auch keine ausgeprägte lokale Holzverarbeitungsindustrie, die auf eine heimische Forstwirtschaft angewiesen wäre.
Die Naturschutzverwaltung konzentriert sich deshalb nicht auf die Bewirtschaftung von Wäldern zur Holzgewinnung, sondern auf deren Erhaltung und Regeneration. Die Réserve naturelle nationale de Saint-Martin schützt größere Bereiche des Trockenwaldes und der übrigen natürlichen Vegetation. Ein Beispiel für aktive Wiederherstellung ist die Pflanzung von 207 Bäumen an Grandes Cayes, bei der einheimische Arten wie Catalpa, Meertraube und Mandelbaum verwendet wurden. Solche Maßnahmen dienen der Wiederherstellung und Stabilisierung der Vegetation und nicht der späteren Holzproduktion.
Auf Sint Maarten wird die Entfernung von Bäumen und anderer Vegetation ebenfalls zunehmend über naturschutzrechtliche und planerische Verfahren kontrolliert. Die 2026 veröffentlichten Verwaltungsregelungen sehen bei Anträgen auf Baumfällungen unter anderem eine Prüfung auf geschützte oder gefährdete Baumarten, die Lage in Schutzgebieten sowie mögliche Auswirkungen auf Biodiversität, Bodenerosion, Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt und Oberflächenabfluss vor. Damit wird die Beseitigung von Wald- und Gehölzflächen als Umweltfrage und nicht lediglich als private Grundstücksentscheidung behandelt.
Fischerei
Auf der französischen Seite befindet sich die Fischerei derzeit in einem Prozess der institutionellen Neuordnung. Die französische Verwaltung und die Collectivité de Saint-Martin bereiten seit 2024 die Einrichtung eines eigenen territorialen Fischereiausschusses vor. Die Vorbereitungsphase wurde für den Zeitraum 2025 bis 2027 organisiert. Der zukünftige Ausschuss soll die Interessen der Berufsfischer vertreten und sich unter anderem mit der Regulierung der Fischerei, der Organisation des Sektors, der Erneuerung der Fischereiflotte, der Ausbildung und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beschäftigen. Bis zur endgültigen Einrichtung übernimmt die Chambre Consulaire Interprofessionnelle de Saint-Martin (CCISM) vorübergehend Aufgaben, die normalerweise von französischen regionalen oder departementalen Fischereikomitees wahrgenommen werden.
In diesem Zusammenhang engagieren sich auch lokale Fischerorganisationen wie Swali für die Interessen der Fischer. Die Diskussion über einen eigenen territorialen Ausschuss zeigt, dass die Fischerei nicht nur als traditionelle Tätigkeit, sondern auch als eigenständiger Wirtschaftszweig mit besonderen administrativen und beruflichen Anforderungen betrachtet wird. Zu den Themen gehören insbesondere die Anpassung der Fischereivorschriften an die örtlichen Verhältnisse, die räumliche Abgrenzung der Fischereigebiete, die Modernisierung beziehungsweise Erneuerung der Boote, die berufliche Ausbildung und die Vertretung der Fischer gegenüber den Behörden.
Die französischen Gewässer unterliegen dem französischen Seefischereirecht. Für Saint-Martin gelten besondere Bestimmungen des französischen Code rural et de la pêche maritime. Die entsprechenden Regelungen erstrecken sich auf die Hoheitsgewässer und die französische ausschließliche Wirtschaftszone vor der Insel. Für bestimmte Aufgaben der Fischereiverwaltung bestehen wegen des besonderen Status von Saint-Martin eigene organisatorische Regelungen.
Besonders streng ist die Fischerei in der Réserve naturelle nationale de Saint-Martin geregelt. In ihrem Meeresbereich sind das Angeln mit der Rute, die Fischerei mit Netzen und Reusen, die Unterwasserjagd sowie das Sammeln lebender oder toter Tiere grundsätzlich verboten. Ausnahmen können unter genau festgelegten Bedingungen für bestimmte Formen des Köderfangs und für kleine pelagische Arten zugelassen werden. Auch die Fischerei in den zugehörigen Lagunen unterliegt einer besonderen behördlichen Regelung.
Damit ist die Aussage, dass die gewerbliche Fischerei allgemein innerhalb der Schutzgebiete betrieben werde, nicht zutreffend. Gerade die Meeresbereiche der französischen Réserve naturelle dienen dem Schutz von Korallenriffen, Seegrasbeständen, Küstenlebensräumen und ihrer Tierwelt. Die Fischereiverbote werden kontrolliert. Die Verwaltung der Réserve meldete beispielsweise für 2023 insgesamt 204 Kontrollen auf See; dabei wurden 24 Verstöße festgestellt, darunter auch verbotene Fischereitätigkeiten.
Auch das Sammeln bestimmter Meerestiere ist innerhalb der Reserve untersagt. Dies betrifft beispielsweise den Große Fechterschnecke genannten Lambi beziehungsweise die Königinnenmuschel, deren Fang in der Reserve verboten ist. Die Schutzmaßnahmen dienen nicht nur dem Erhalt einzelner Arten, sondern dem Schutz der gesamten marinen Lebensgemeinschaft. Die Reserve überwacht unter anderem Meeresschildkröten und verschiedene Fischarten und beschäftigt sich auch mit invasiven Arten wie dem Rotfeuerfisch Pterois volitans.
Außerhalb der französischen Réserve naturelle ist die Fischerei ebenfalls nicht völlig frei. Für verschiedene Arten gelten Fangbeschränkungen beziehungsweise Fangverbote. Die Reserveverwaltung veröffentlicht dafür gesonderte Vorschriften für die Fischerei außerhalb ihrer Grenzen. Dadurch werden unter anderem bestimmte Arten und Größenklassen geschützt und die Nutzung der marinen Ressourcen reguliert.
Die traditionelle Fischerei erfolgt überwiegend mit kleineren Booten und konzentriert sich auf die küstennahen und vorgelagerten Gewässer. Die Boote werden nicht nur für den Fang, sondern teilweise auch für andere maritime Tätigkeiten eingesetzt. Fanggeräte und Fangmethoden müssen den jeweils geltenden Vorschriften entsprechen. Die geringe Größe des lokalen Marktes, die starke Importabhängigkeit der Insel und die Konkurrenz durch andere Wirtschaftsbereiche begrenzen die wirtschaftliche Bedeutung der Fischerei.
Neben der Berufsfischerei gibt es auf Saint-Martin und Sint Maarten eine ausgeprägte Freizeit- und Sportfischerei. Dazu gehören Küstenangeln, Bootsangeln und Hochseeangeln. Für den Fremdenverkehr werden organisierte Angelfahrten angeboten, bei denen Besucher mit Booten in küstenferne Gewässer fahren. Diese touristische Tätigkeit gehört allerdings zum Freizeit- und Dienstleistungssektor und ist von der lokalen Berufsfischerei zu unterscheiden.
Die Fischerei steht außerdem in enger Verbindung mit dem Schutz der Korallenriffe und Seegraswiesen. Gerade diese Lebensräume sind für zahlreiche Fischarten wichtige Nahrungs-, Rückzugs- und Fortpflanzungsgebiete. Deshalb werden nicht nur Fangmengen und Fangmethoden reguliert, sondern auch andere maritime Aktivitäten. Innerhalb der französischen Réserve gelten beispielsweise genaue Vorschriften für das Ankern. Anker dürfen nicht auf Korallenformationen oder Seegrasfeldern eingesetzt werden; an mehreren Stellen stehen dafür Festmachersysteme und Bojen zur Verfügung.
Die Kontrolle der Fischerei gehört zu den Aufgaben der Naturschutzverwaltung und der zuständigen staatlichen Stellen. Neben der Kontrolle von Fanggeräten und Fangtätigkeiten werden auch andere Verstöße gegen die Schutzbestimmungen verfolgt. Die Réserve führt regelmäßige Patrouillen auf See und an Land durch. Für kommerzielle maritime Tätigkeiten innerhalb des Schutzgebietes ist außerdem eine vorherige Genehmigung erforderlich.
Auf der niederländischen Seite unterliegt die Fischerei den Regelungen von Sint Maarten und dem entsprechenden maritimen Verwaltungs- und Naturschutzsystem. Auch hier ist die Fischerei überwiegend kleinmaßstäblich. Die wirtschaftliche Bedeutung liegt deutlich unter jener des Tourismus, des Handels, der maritimen Dienstleistungen und der mit Yachten verbundenen Wirtschaft. Die Gewässer werden außerdem für Freizeitangeln, Sportfischen, Tauchen und andere touristische Aktivitäten genutzt.
Bergbau
Die Insel besteht überwiegend aus vulkanischen Gesteinen wie Basalten, Andesiten und Rhyolithen sowie aus jüngeren Kalkstein- und Küstensedimenten, doch bedeutende Lagerstätten metallischer Erze oder fossiler Energierohstoffe wurden nicht zu einem eigenständigen Bergbauzweig entwickelt. Die geologischen Untersuchungen der französischen Inselhälfte dienten unter anderem der Suche nach möglichen metallhaltigen Mineralvorkommen, vor allem aber der Erforschung der geologischen Entwicklung des Saint-Martin-Gebietes und des karibischen Inselbogens.
Die wichtigste Form der Rohstoffgewinnung war und ist deshalb die Gewinnung von Gesteinen und mineralischen Baustoffen in Steinbrüchen. Von besonderer Bedeutung sind dabei die vulkanischen Gesteine der zentralen und östlichen Inselbereiche. Andesit und vulkanische Tuffe eignen sich nach ihrer Aufbereitung als gebrochene Gesteinskörnungen für Bauarbeiten und Straßenbau. Eine Untersuchung zur Nutzung von Natursteinen in den französischen Westindischen Inseln weist für Saint-Martin den Steinbruch Hope Hill als aktiven Abbauort aus. Dort wurden Andesit und vulkanische Tuffe gewonnen. Gleichzeitig wird ausdrücklich festgestellt, dass Saint-Martin im Gegensatz zu mehreren Gebieten Guadeloupes keine bedeutende Kalksteingewinnung besitzt.
Historisch spielte außerdem die Gewinnung von Sand und Kies eine Rolle. Die Sedimentablagerungen der Insel umfassen unter anderem Sand- und Kieslagen, die aus älteren Flussablagerungen stammen, sowie Küsten- und Lagunensedimente. Untersuchungen der Lagune von Grand-Case zeigen mehrere Meter mächtige Ablagerungen aus Sand und Kies, die teilweise auf ehemalige Flussläufe und teilweise auf küstennahe Ablagerungsprozesse zurückgehen. Diese natürlichen Vorkommen stellen grundsätzlich mineralische Baustoffressourcen dar, ihre Nutzung ist jedoch nicht mit einem großmaßstäblichen Bergbau vergleichbar.
Auch in jüngerer Zeit bestanden auf dem französischen Inselteil Unternehmen, die sich mit der Gewinnung von Sand, Kies und anderen mineralischen Materialien beschäftigten. Das französische Unternehmensregister führt beispielsweise die Carrière de Grand Case mit einem Standort im Gebiet Espérance bei Grand Case. Als wirtschaftliche Tätigkeit ist die Gewinnung von Kies und Sand sowie die Gewinnung von Ton und Kaolin angegeben. Das Unternehmen wurde 2018 gegründet. Damit gehört die Gewinnung von Baurohstoffen weiterhin zum Spektrum der lokalen Rohstoffwirtschaft, allerdings in einer wesentlich kleineren Größenordnung als in klassischen Bergbauregionen.
Eine größere Bedeutung hatte zeitweise der Steinbruchbetrieb im Raum Grand Case. Bereits in den 1990er Jahren bestanden dort vertraglich geregelte Nutzungsrechte an einem Steinbruch auf dem französischen Teil von Saint-Martin. Die Société des Carrières de Grande Case (SCGC) schloss 1995 einen Pachtvertrag für einen Steinbruch ab und vereinbarte gleichzeitig die Lieferung des gewonnenen Materials. Die entsprechenden Verträge wurden 1999 erweitert. 2004 kam es jedoch zu einer Beendigung beziehungsweise Nichtverlängerung dieser Vereinbarungen. Diese Entwicklung zeigt, dass die Gewinnung mineralischer Baustoffe auf Saint-Martin zeitweise eine wesentlich größere Rolle für die Versorgung des lokalen Bausektors spielte als heute.
Der Abbau steht in engem Zusammenhang mit dem starken Baubedarf der Insel. Da Saint-Martin nur über eine begrenzte Landfläche verfügt und gleichzeitig große Mengen an Baustoffen für Wohngebäude, Hotels, Straßen, Hafenanlagen und andere Infrastrukturen benötigt, haben lokal gewonnene Gesteinskörnungen grundsätzlich den Vorteil kurzer Transportwege. Der lokale Abbau kann dadurch einen Teil der sonst notwendigen Einfuhr schwerer mineralischer Baustoffe ersetzen. Gleichzeitig ist die verfügbare Fläche für Steinbrüche begrenzt, und die Gewinnung von Gestein verändert die Landschaft unmittelbar durch Abbauflächen, Böschungen, Zufahrtswege und Aufbereitungsanlagen.
Handwerk
Das Handwerk auf Saint-Martin und Sint Maarten entwickelte sich aus den unterschiedlichen Lebensbedingungen und kulturellen Einflüssen der Insel. Für die Zeit vor der europäischen Kolonisierung sind archäologisch unter anderem Keramik, Werkzeuge und Gegenstände aus natürlichen Materialien nachgewiesen. Die vorkolonialen Bevölkerungen nutzten die vorhandenen Rohstoffe für Gefäße, Geräte, Behälter und andere Gegenstände des täglichen Lebens. Eine direkte, lückenlose Zuordnung einzelner heute praktizierter Handwerkstechniken zu den Arawak- oder Kalinago-Gesellschaften lässt sich für Saint-Martin allerdings nicht herstellen.
Mit der europäischen Besiedlung ab dem 17. Jahrhundert kamen französische, niederländische und afrikanische handwerkliche Traditionen hinzu. Die Landwirtschaft, Salzgewinnung, Fischerei, Viehzucht und der Handel erzeugten einen Bedarf an Werkzeugen, Behältern, Textilien, Holzgegenständen und anderen Gebrauchsgegenständen. Während der Kolonial- und Plantagenzeit wurden zahlreiche Arbeiten von versklavten Afrikanern und ihren Nachkommen ausgeführt. Dazu gehörten unter anderem Tätigkeiten in der Landwirtschaft und Verarbeitung von Nahrungsmitteln sowie textile und häusliche Arbeiten. Die handwerkliche Produktion war überwiegend auf den unmittelbaren Bedarf der Bevölkerung ausgerichtet und nicht auf eine großindustrielle Herstellung.
Auf Sint Maarten ist die sogenannte Cottage Industry, also eine häusliche beziehungsweise familienbasierte Kleinproduktion, ausdrücklich als Bestandteil der Inselgeschichte dokumentiert. Zu ihren traditionellen Tätigkeiten gehörten Backen, Korbflechten, Nähen, Spinnen, Weben, Sticken, Häkeln, Patchwork und verschiedene Formen der Handarbeit. Diese Arbeiten wurden innerhalb von Familien ausgeführt, wobei vorhandene Geräte und Materialien genutzt wurden. Die Erzeugnisse wurden auf lokalen Märkten verkauft oder gegen andere Waren getauscht. Damit hatte das Handwerk neben seiner wirtschaftlichen auch eine wichtige Funktion für die Versorgung der Bevölkerung.
Die handwerklichen Traditionen wurden im 20. Jahrhundert durch neue Materialien, Werkzeuge und importierte Waren verändert. Viele Gebrauchsgegenstände, die früher lokal hergestellt wurden, konnten nun wesentlich günstiger importiert werden. Dadurch verlor die traditionelle häusliche Produktion an Bedeutung. Gleichzeitig entstanden neue Formen des Kunsthandwerks, die stärker auf den lokalen Markt, auf kulturelle Veranstaltungen und auf den Fremdenverkehr ausgerichtet sind.
Heute umfasst das Handwerk auf beiden Teilen der Insel eine große Bandbreite kleiner Werkstätten und einzelner Produzenten. Dazu gehören Holzarbeiten, textile Arbeiten, Näherei, Schmuckherstellung, dekorative Gegenstände, Malerei, Keramik und verschiedene Souvenirprodukte. Verwendet werden unter anderem Holz, Stoffe, Muscheln, Samen, Perlen, Kokosmaterialien und andere natürliche oder wiederverwendete Materialien. Ein Teil der Produktion verbindet traditionelle Formen mit modernen Gestaltungstechniken. Die Regierung von Sint Maarten führt traditionelles Handwerk ausdrücklich als einen Bereich des immateriellen Kulturerbes und berücksichtigt es in der staatlichen Erfassung und Bewahrung des kulturellen Erbes.
Eine besondere Rolle spielt die textile Handarbeit. Historische Kleidungsstücke und Patchworkarbeiten gehören zum überlieferten kulturellen Repertoire der Insel. Auch moderne Designer greifen auf Stoffe, farbenreiche Muster und Motive zurück, die mit Saint-Martin und Sint Maarten verbunden sind. Daneben werden handgefertigte Schmuckstücke und kleinere Kunstgegenstände hergestellt. Bei den verwendeten Materialien spielen Muscheln, Samen und andere pflanzliche Materialien eine Rolle. Ein Teil dieser Produkte wird ausdrücklich als lokal hergestelltes Kunsthandwerk vermarktet.
Auch die Holzverarbeitung gehört weiterhin zum handwerklichen Spektrum. Sie reicht von einfachen Gebrauchs- und Dekorationsgegenständen bis zu individuell gestalteten Kunstwerken. Daneben gibt es kleinere Werkstätten für Möbel, Innenausstattung und Reparaturarbeiten. Das Handwerk steht dabei teilweise in Verbindung mit anderen Wirtschaftsbereichen wie Bauwirtschaft, Gastronomie, Tourismus und Schifffahrt. Insbesondere Wartungs-, Reparatur- und Ausstattungsarbeiten für Boote und Yachten gehören zu den technisch-handwerklichen Tätigkeiten der Insel, auch wenn sie wirtschaftlich teilweise dem maritimen Dienstleistungssektor zugerechnet werden.
Ein wichtiges Feld bildet das kulinarische Handwerk. Die Herstellung lokaler Lebensmittel und Getränke verbindet landwirtschaftliche Erzeugnisse mit überlieferten Rezepten. Besonders bekannt ist der aus der Guavaberry-Frucht hergestellte Likör. Die Frucht wird auf der Insel gesammelt und mit Rum verarbeitet; das Getränk hat eine lange lokale Tradition und wird heute von mehreren Produzenten hergestellt. In Philipsburg befindet sich mit dem Guavaberry Emporium ein auf diese Tradition spezialisiertes Geschäft in einem historischen Gebäude an der Front Street.
Auch Backwaren und Süßspeisen gehören zum kulinarischen Handwerk. Auf den Märkten werden unter anderem Guaven- und Kokostörtchen sowie aus Kokos und Zucker hergestellte Süßwaren angeboten. Der Marigot Market ist dabei ein wichtiger Verkaufsort für lokale Lebensmittel, Gewürze, handgefertigte Waren und andere Erzeugnisse kleiner Produzenten.
Das Kunsthandwerk ist besonders eng mit dem Fremdenverkehr verbunden. In Marigot werden auf dem Markt neben landwirtschaftlichen Produkten und Lebensmitteln auch handgefertigte Waren und Souvenirs angeboten. Auf der niederländischen Seite konzentrieren sich entsprechende Verkaufsstellen unter anderem auf Philipsburg und die touristisch stark frequentierten Gebiete. Die Produkte reichen von Schmuck und dekorativen Gegenständen bis zu Bildern, Textilien und individuell gestalteten Inselmotiven.
Eine aktuelle Verbindung von Handwerk und Kulturpflege zeigt sich auch bei den europäischen Kulturerbetagen 2026 auf der französischen Seite. Zum Programm gehörten unter anderem eine Guavaberry-Fabrik, das Heritage Village in Colombier und Workshops zur traditionellen Nähkunst. Damit wird das Handwerk nicht nur als touristisches Verkaufsprodukt, sondern auch als Bestandteil des kulturellen Erbes der Insel vermittelt.
Auf Sint Maarten verfolgt das Department of Culture ausdrücklich das Ziel, das materielle und immaterielle Kulturerbe zu bewahren und gleichzeitig die Creative Industries als Bestandteil der wirtschaftlichen Entwicklung auszubauen. Traditionelles Handwerk wird dabei gemeinsam mit mündlichen Traditionen, darstellenden Künsten, Festen und überliefertem Wissen erfasst. Die handwerkliche Tätigkeit ist überwiegend kleinbetrieblich und individuell organisiert. Neben traditionellen Techniken werden moderne Werkstoffe und Gestaltungsmethoden eingesetzt. Dadurch entstand eine Mischung aus überlieferten Handarbeiten, moderner Kunstproduktion und touristisch orientiertem Kunsthandwerk.
Industrie
Im französischen Saint-Martin ist die Wirtschaftsstruktur stark tertiär geprägt. Ende 2024 entfielen 85 % der privaten Beschäftigung auf den Dienstleistungssektor. Industrie und produzierendes Gewerbe besitzen deshalb eine deutlich geringere Bedeutung als Handel, Tourismus, Gastronomie, Verkehr, Immobilien und sonstige Dienstleistungen. Die industrielle Tätigkeit konzentriert sich vor allem auf kleinere Betriebe, die für den lokalen Markt oder für die Versorgung des Tourismus arbeiten.
Zu den lokalen Produktionsbereichen gehören unter anderem die Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln, Getränkeproduktion, kleinere Betriebe der Möbel- und Innenausstattungsherstellung, Druckereien, Metallverarbeitung sowie verschiedene handwerklich-industrielle Tätigkeiten. Eine besondere Bedeutung besitzen außerdem Bau- und Reparaturbetriebe, die zwar statistisch teilweise dem Baugewerbe oder den Dienstleistungen zugerechnet werden, für die lokale Produktionsstruktur aber wichtig sind.
Ein bedeutender Bereich des verarbeitenden Gewerbes auf der französischen Seite ist die Verarbeitung und Herstellung von Lebensmitteln und Getränken. Wegen der geringen landwirtschaftlichen Produktion stammen die meisten Ausgangsprodukte allerdings aus Importen. Eine große industrielle Agrar- oder Lebensmittelproduktion wie auf größeren Karibikinseln existiert nicht. Auch die Rumherstellung besitzt auf Saint-Martin nicht die gleiche industrielle Bedeutung wie beispielsweise auf Guadeloupe oder Martinique, da dort umfangreichere Zuckerrohrproduktion und größere Destillerien vorhanden sind. Rum und andere alkoholische Getränke werden auf Saint-Martin vor allem im Zusammenhang mit Handel, Gastronomie und Tourismus vertrieben.
Die maritime Wirtschaft stellt einen weiteren wichtigen Bereich dar. In den Häfen und insbesondere im Umfeld von Marigot und Galisbay gibt es Betriebe für Wartung, Reparatur, Metallarbeiten, Motoren, Elektrik und andere technische Dienstleistungen. Auf der niederländischen Seite ist die Reparatur und Wartung von Yachten besonders bedeutend. Die Simpson Bay Lagoon und der Hafen von Philipsburg werden von zahlreichen Yachten und größeren Schiffen genutzt. Die CBCS führt die Entwicklung des Schiff- und Yachtservice ausdrücklich als einen Faktor für das Wachstum des Sektors Landwirtschaft, Fischerei, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe an. 2024 stieg die reale Wertschöpfung dieser zusammengefassten Kategorie auf Sint Maarten um 8,7 %, wobei insbesondere die höhere Zahl von Yachten und Megayachten die Reparatur- und Wartungsaktivitäten unterstützte.
Auf Sint Maarten ist die industrielle Basis ebenfalls begrenzt. Die aktuelle Statistik der Centrale Bank van Curaçao en Sint Maarten weist Landwirtschaft, Fischerei, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe gemeinsam aus. Diese zusammengefasste Gruppe erreichte 2024 einen Anteil von 8,7 % an der realen Wertschöpfung und wuchs gegenüber dem Vorjahr. Der Wert darf deshalb nicht mit einem reinen Industrieanteil gleichgesetzt werden, weil Landwirtschaft, Fischerei und Bergbau darin ebenfalls enthalten sind.
Die wichtigsten industriellen und produktionsnahen Tätigkeiten auf Sint Maarten stehen mit dem lokalen Bau- und Dienstleistungssektor, dem Hafen, dem Yachtsektor und der Versorgung der Bevölkerung und des Tourismus in Verbindung. Dazu gehören die Verarbeitung von Lebensmitteln, Getränkeherstellung, kleinere Fertigungsbetriebe, Metall- und Holzarbeiten, technische Reparaturen, Fahrzeugwartung sowie die Wartung von Schiffen und Yachten. Wegen des großen internationalen Yachtverkehrs besitzt insbesondere die maritime Reparaturwirtschaft eine Bedeutung, die über die Größe der eigentlichen Produktionsbetriebe hinausgeht.
Auch die Luftfahrt ist für die Wirtschaft von Sint Maarten wichtig, gehört jedoch nicht im engeren statistischen Sinn zur Industrie. Die Fluggesellschaft Winair hat ihren Sitz in Sint Maarten und verbindet die Insel mit zahlreichen Zielen in der östlichen Karibik. Der Flughafen Princess Juliana International Airport bildet zusammen mit dem Hafen einen zentralen Teil der Verkehrs- und Tourismusinfrastruktur. Luftverkehr und Luftfahrtunternehmen sind daher wichtige Bestandteile der lokalen Wirtschaft, sollten aber von der eigentlichen verarbeitenden Industrie getrennt betrachtet werden.
Die industrielle Entwicklung wird durch die hohe Importabhängigkeit begrenzt. Maschinen, technische Anlagen, Treibstoffe, viele Lebensmittel, Verpackungen, Rohstoffe, Ersatzteile und zahlreiche Konsumgüter müssen eingeführt werden. Dadurch entstehen zusätzliche Transport- und Lagerkosten. Gleichzeitig ist der lokale Markt wegen der begrenzten Bevölkerungszahl relativ klein. Für eine umfangreiche Produktion mit hohen Stückzahlen fehlen deshalb sowohl die erforderlichen Rohstoffmengen als auch ein entsprechend großer Absatzmarkt.
Eine Ausnahme bildet die Produktion beziehungsweise Aufbereitung von Waren für den unmittelbaren lokalen Bedarf. Kleinere Betriebe können dort wirtschaftlich arbeiten, wo kurze Lieferwege, individuelle Fertigung oder schnelle Reparaturen einen Vorteil gegenüber importierten Fertigprodukten darstellen. Dazu gehören beispielsweise Metallarbeiten, Schreinerarbeiten, Möbel, technische Installationen, Fahrzeugreparaturen, Schiffswartung und verschiedene Lebensmittel- und Getränkeprodukte.
Der Hurrikan Irma vom September 2017 hatte erhebliche Auswirkungen auf die Industrie und die produktionsnahen Betriebe. Produktionsgebäude, Werkstätten, Lager, Fahrzeuge, Maschinen, Hafenanlagen und Versorgungseinrichtungen wurden beschädigt oder zerstört. Gleichzeitig unterbrach der Sturm Verkehrswege und Lieferketten. Die anschließende Wiederherstellung erzeugte eine zusätzliche Nachfrage nach Bauleistungen, Reparaturen, Baumaterialien, Transport und technischen Dienstleistungen. Die wirtschaftliche Erholung wurde später durch die COVID-19-Pandemie erneut gebremst.
Seit 2022 beziehungsweise 2023 hat sich die Wirtschaft beider Inselteile wieder deutlich erholt. Auf der französischen Seite setzte sich die Erholung 2024 fort, blieb jedoch stark vom Tourismus abhängig. Der IEDOM bezeichnet die wirtschaftliche Erholung weiterhin als fragil. Auf Sint Maarten wuchs das reale BIP 2024 um 3,0 %, wobei insbesondere Bauwirtschaft, Beherbergung und Gastronomie, Verkehr sowie der mit Yachten verbundene Produktions- und Reparaturbereich zum Wachstum beitrugen.
Wasserwirtschaft
Beide Inselteile verfügen über eigene Systeme der Trinkwassergewinnung und -verteilung. Eine vollständige gemeinsame Wasserversorgung besteht nicht, allerdings wird eine technische Verbindung der Netze zwischen Saint-Martin und Sint Maarten seit mehreren Jahren untersucht.
Im französischen Saint-Martin gibt es keine nutzbare natürliche Süßwasserquelle von ausreichender Bedeutung für die öffentliche Trinkwasserversorgung. Die einzige Ressource für die öffentliche Trinkwasserproduktion ist Meerwasser. Es wird durch Umkehrosmose entsalzt. Die erste entsprechende Anlage wurde 2006 in Betrieb genommen und befindet sich im Bereich Marigot beziehungsweise Galisbay. Die öffentliche Wasserwirtschaft liegt bei der Collectivité de Saint-Martin; für die technische Organisation und Kontrolle ist das Établissement des Eaux et de l’Assainissement de Saint-Martin (EEASM) zuständig. Die eigentliche Produktion, Verteilung und Abwasserentsorgung wurde im Rahmen eines zehnjährigen Vertrags, der 2018 abgeschlossen wurde und bis 2028 läuft, an SAUR delegiert.
Die Entsalzungsanlage von Galisbay hat derzeit eine maximale Produktionskapazität von rund 9.000 m³ Trinkwasser pro Tag. Diese Kapazität reicht angesichts des Bevölkerungs- und Tourismuswachstums zunehmend nicht mehr aus. Hinzu kommt, dass noch nicht alle größeren Einrichtungen an das öffentliche Netz angeschlossen sind. Deshalb befindet sich eine zusätzliche Entsalzungsanlage im Bau, mit der die verfügbare Produktionskapazität um etwa 40 bis 50 % erhöht werden soll. Damit soll insbesondere der steigende Wasserbedarf durch Hotels, touristische Einrichtungen und die wachsende Zahl von Besuchern gedeckt werden.
Die Trinkwasserversorgung ist außerdem auf Speicheranlagen und ein ausgedehntes Leitungsnetz angewiesen. Bereits ältere Untersuchungen zeigten erhebliche Verluste durch undichte oder technisch veraltete Leitungen. Deshalb wurden Investitionen in die Erneuerung des Leitungsnetzes, die Druckregelung, die Unterteilung des Netzes in einzelne Versorgungssektoren und zusätzliche Speicher vorgenommen. Die von dir genannten 10,5 Millionen Euro beziehen sich auf ein älteres Investitionsprogramm des Entwicklungsvertrags 2014–2020 und nicht auf die gesamten heutigen Investitionen. Diese Mittel waren insbesondere für die Verbesserung des Trinkwassernetzes und die Verringerung der Leitungsverluste vorgesehen.
Die Wasserqualität wird regelmäßig kontrolliert. Dabei erfolgt eine doppelte Überwachung: Der Betreiber führt eine Eigenkontrolle durch, während die zuständigen Gesundheitsbehörden über die Agence régionale de santé (ARS) de Guadeloupe die gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen vornehmen. Die Ergebnisse werden regelmäßig ausgewertet und veröffentlicht. EEASM ist daneben für die Überwachung der öffentlichen Wasser- und Abwasserdienstleistungen, die Planung von Investitionen und die technische Kontrolle der Anlagen zuständig.
Besonders deutlich wurde die Bedeutung der Wasserinfrastruktur nach dem Hurrikan Irma im September 2017. Die Entsalzungsanlage von Galisbay wurde schwer beschädigt, wodurch die reguläre Versorgung mit Leitungswasser unterbrochen wurde. Nach dem Sturm mussten deshalb Wasserverteilung und technische Infrastruktur provisorisch wiederhergestellt werden. Die Wiederherstellung der Entsalzungsanlage und der Kläranlagen kostete insgesamt etwa 4,5 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgte zu 51 % durch den französischen Staat, zu 30 % durch die damalige Agence française pour la biodiversité und zu 20 % durch EEASM.
Die Erfahrungen mit Irma führten zu einer stärkeren Ausrichtung auf die Widerstandsfähigkeit der Wasserversorgung. Dazu gehören die Sicherung der Stromversorgung kritischer Wasseranlagen, die Verbesserung der Speicher- und Verteilungsinfrastruktur sowie die Möglichkeit, bei Ausfällen vorübergehend Wasser an die Bevölkerung zu verteilen. Während der unmittelbaren Krisenphase nach Irma wurden außerdem Wasser und Lebensmittel an mehreren Stellen der Insel ausgegeben. Die Wiederherstellung der Wasserleitungen musste zunächst durch technische Kontrollen abgesichert werden, bevor die einzelnen Versorgungsbereiche wieder in Betrieb genommen werden konnten.
Eine Besonderheit ist die geplante beziehungsweise untersuchte Verbindung zwischen den Wasserleitungen beider Inselteile. Eine solche Verbindung wäre technisch grundsätzlich möglich. Ein französischer Erlass vom 13. Juni 2023 schuf außerdem grundsätzlich die Möglichkeit, Wasser aus dem Netz von Sint Maarten zu importieren. Eine tatsächliche dauerhafte Verbindung wurde jedoch bislang nicht umgesetzt. Gründe sind insbesondere unterschiedliche gesundheitliche und rechtliche Anforderungen. Das auf Sint Maarten produzierte Wasser kann nach den französischen Vorschriften nicht ohne weitere Prüfung als für den menschlichen Verbrauch geeignet anerkannt werden. Hinzu kommen Fragen der Zuständigkeit zwischen französischem Staat und Collectivité de Saint-Martin.
Auf Sint Maarten ist die Wasserversorgung ebenfalls von der begrenzten Verfügbarkeit natürlicher Süßwasserressourcen geprägt. Die Trinkwasserversorgung ist dort eng mit der Energieversorgung und der Entsalzung beziehungsweise Aufbereitung verbunden. Für die langfristige Versorgungssicherheit spielen deshalb sowohl ausreichende Produktionskapazitäten als auch eine stabile Stromversorgung eine wichtige Rolle. Die getrennten Strom- und Wassersysteme der beiden Inselteile machen eine gegenseitige Versorgung bei technischen Ausfällen komplizierter.
Besonders problematisch ist auf Sint Maarten die Abwasserwirtschaft. Das öffentliche Kanalisationsnetz erreicht nur einen kleinen Teil der Grundstücke. Nach Angaben des National Recovery Program Bureau sind weniger als 11 % der Grundstücke an das öffentliche Abwassersystem angeschlossen; dies entspricht ungefähr 2.000 Grundstücken. Ein Großteil der Haushalte und Gebäude verfügt deshalb über individuelle Klärgruben. Das einzige zentrale biologische Klärwerk befindet sich an der A. Th. Illidge Road. Es wurde ursprünglich 1992 errichtet und 2013 erweitert.
Mit dem Sint Maarten Wastewater Management Project wird dieses System erweitert. Das Programm verfügt über ein Investitionsvolumen von 25 Millionen US-Dollar, davon 15 Millionen US-Dollar aus Mitteln der Regierung von Sint Maarten und 10 Millionen US-Dollar aus dem Sint Maarten Trust Fund. Vorgesehen sind insbesondere die Erweiterung des Kanalnetzes im Gebiet Cul-de-Sac sowie die Verbesserung und Modernisierung der Kläranlage an der A. Th. Illidge Road. Ziel ist es, weitere Haushalte an die öffentliche Kanalisation anzuschließen und die Abwasserbehandlung zuverlässiger zu machen.
Auch das Regenwassermanagement ist für die Insel von großer Bedeutung. Aufgrund der kurzen, steilen Einzugsgebiete können starke tropische Niederschläge innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen erzeugen. Besonders die dicht besiedelten Bereiche von Marigot sind dadurch hochwassergefährdet. Der Schéma Directeur des Eaux Pluviales von Marigot aus dem Jahr 2024 wurde deshalb in den Plan d’Actions de Prévention contre les Inondations 2024–2026 aufgenommen. Vorgesehen sind unter anderem zusätzliche hydraulische Bauwerke und eine Umleitung eines Teils des Regenwassers in Richtung des Kanals von Galisbay.
Energiewirtschaft
Die Energiewirtschaft von Saint-Martin ist wegen der politischen Teilung der Insel in zwei voneinander unabhängige Stromsysteme gegliedert. Der französische Teil und Sint Maarten besitzen jeweils ein eigenes Stromnetz und eigene Erzeugungsanlagen; zwischen beiden Netzen besteht keine elektrische Verbindung. Damit kann Strom aus dem einen Inselteil nicht über eine gemeinsame Netzverbindung in den anderen übertragen werden. Beide Systeme sind außerdem weitgehend von importierten fossilen Brennstoffen abhängig.
Im französischen Saint-Martin wird das Stromnetz von EDF SEI betrieben. Das einzige größere Kraftwerk befindet sich nördlich von Marigot in der Nähe des Hafens von Galisbay. Die Anlage besteht aus drei Erzeugungseinheiten mit einer installierten Leistung von 16,4 MW, 14,1 MW und 26,1 MW, zusammen also rund 56,6 MW. Die tatsächliche Spitzenlast des französischen Inselteils liegt bei etwa 30 MW.
Die drei Kraftwerksblöcke sind thermische Erzeugungsanlagen. Einheit 2 wurde 2025 von Albioma übernommen und wird weiterhin von EDF SEI betrieben. Die Anlage stammt aus dem Jahr 2003 und wird derzeit mit leichtem Heizöl betrieben. Albioma plant ihre Umstellung auf flüssige Biomasse. Für Einheit 1 ist außerdem ein Ersatz durch ein neues Biomassekraftwerk mit 15 MW vorgesehen. Auch Einheit 3 soll auf flüssige Biomasse umgestellt werden. Die französische Mehrjahresplanung für Energie sieht zusätzlich den Aufbau von Batteriespeichern vor, zunächst mit 10 MWh bis 2028 und insgesamt 50 MWh bis 2033.
Die Versorgungslage auf der französischen Seite war in den vergangenen Jahren angespannt. Seit September 2024 führten technische Probleme an den Kraftwerksblöcken zu Schwierigkeiten bei der Stromproduktion. Im Juni 2025 berichteten EDF, der französische Staat und die Collectivité de Saint-Martin über technische Ausfälle beziehungsweise die Schwächung einzelner Kraftwerksmotoren und gleichzeitig über einen Anstieg des Stromverbrauchs. Auch 2026 blieb die technische Erneuerung der Erzeugungsanlagen ein Thema. Im Juli 2026 wurde ein Projekt zum Bau eines Kraftwerks für flüssige Biomasse einer Umweltprüfung unterzogen.
Erneuerbare Energien spielen auf der französischen Seite bislang nur eine begrenzte Rolle. Photovoltaikanlagen sind vorhanden, stellen aber noch keinen wesentlichen Teil der gesamten Stromversorgung dar. Der Ausbau erneuerbarer Energien muss mit der begrenzten Fläche, den Anforderungen des Inselnetzes und der Notwendigkeit regelbarer Erzeugung beziehungsweise von Speichern abgestimmt werden. Die französische Energieplanung sieht deshalb neben Biomasse auch zusätzliche Speicherkapazitäten vor.
Auf Sint Maarten wird die Stromversorgung von NV GEBE betrieben. Das Kraftwerk verfügt über eine installierte Leistung von etwa 97,3 MW und arbeitet überwiegend mit fossilen Brennstoffen, insbesondere schwerem Heizöl. 2023 lag die Spitzenlast bei ungefähr 55 MW. Ein erheblicher Teil der Erzeugungsanlagen ist technisch alt. Nach einer TNO-Untersuchung waren 2023 fünf der zwölf Generatoren bereits mehr als 25 Jahre alt. Die wachsende Nachfrage stellt deshalb sowohl die Erzeugungskapazität als auch die Zuverlässigkeit des Netzes vor Herausforderungen.
Die Abhängigkeit von importierten Brennstoffen wirkt sich unmittelbar auf die Strompreise aus. GEBE verwendet eine Fuel Clause, über die die tatsächlichen Brennstoffkosten monatlich in die Stromrechnung einfließen. Sint Maarten ist deshalb unmittelbar von den internationalen Preisen für die zur Stromerzeugung verwendeten Brennstoffe abhängig.
Abfallwirtschaft
Auf der französischen Seite liegt die Zuständigkeit bei der Collectivité de Saint-Martin, während auf der niederländischen Seite das Ministerium für Public Housing, Spatial Planning, Environment and Infrastructure (VROMI) beziehungsweise dessen Infrastructure Management Department für die öffentliche Abfall- und Deponiewirtschaft zuständig ist. Das Department übernimmt unter anderem die Organisation der Müllsammlung, die Bewirtschaftung der Deponie sowie die Verarbeitung von festen und flüssigen Abfällen.
Im französischen Teil wird die Abfallwirtschaft wesentlich von Verde SXM betrieben. Das Unternehmen betreibt den Écosite des Grandes Cayes bei Cul-de-Sac und ist für die Abfallbehandlung und Verwertung zuständig. Die dortige Installation de Stockage des Déchets Non Dangereux (ISDND) gehört der Collectivité de Saint-Martin und wird von Verde SXM betrieben. Neben der Ablagerung nicht weiter verwertbarer Abfälle umfasst der Standort verschiedene Anlagen zur Sortierung, Aufbereitung und Verwertung. Verde SXM verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Abfallwirtschaft auf Saint-Martin.
Die Abfallbehandlung auf der französischen Seite folgt dem Prinzip der Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Wiederverwertung und anschließenden Behandlung der verbleibenden Reststoffe. Glas wird beispielsweise auf dem Écosite zerkleinert und zu Glasgranulat und Glassand verarbeitet. Grüngut wird zusammen mit Klärschlamm kompostiert. Kartonagen und Haushaltsverpackungen werden sortiert, gepresst und teilweise zur weiteren Verwertung nach Guadeloupe transportiert. Metalle werden gesammelt, verdichtet und zu internationalen Recyclingmärkten ausgeführt. Elektro- und Elektronikaltgeräte werden ebenfalls sortiert und über spezialisierte Recyclingwege, unter anderem in Guadeloupe, weiterbehandelt. Altöle, Batterien, Leuchtmittel, Möbel und andere getrennt erfasste Stoffströme werden jeweils spezialisierten Verwertungssystemen zugeführt. Auch Altfahrzeuge werden auf dem Écosite angenommen, entgiftet und zerlegt.
Die verbleibenden nicht verwertbaren Abfälle werden in der ISDND der Grandes Cayes abgelagert. Dieses System stößt inzwischen an seine räumlichen Grenzen. Im Juli 2026 erreichte das damals betriebene Lagerfeld Nummer 10 seine maximale Kapazität. Die ISDND wurde daraufhin ab dem 10. Juli 2026 für die Annahme von Abfällen zur Ablagerung geschlossen, weil die vorhandene Lagerzelle gesättigt war und zu diesem Zeitpunkt noch keine neue präfektorale Genehmigung für die weitere Ablagerung vorlag. Die Collectivité schrieb im Juli 2026 gleichzeitig eine neue Ausschreibung für den Betrieb der ISDND und damit verbundene Leistungen aus.
Die Situation hat damit inzwischen eine andere Dimension als die bloße Feststellung, dass die Deponie bald ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Im September 2026 wurden am Écosite zusätzlich bestimmte Annahme- und Verwertungsleistungen eingestellt. Seit dem 29. September 2026 werden nach Angaben von Verde SXM unter anderem Grüngut, Haushaltsverpackungen aus den getrennten Wertstoffsammlungen wie Karton, Kunststoff und Glas sowie Klärschlämme nicht mehr angenommen, weil der betreffende Vertrag ausgelaufen und nicht verlängert worden sei. Für eine dauerhafte Abfallwirtschaft ist deshalb nicht nur die Erweiterung der Ablagerungskapazität, sondern auch die rechtliche und vertragliche Sicherung der einzelnen Verwertungswege entscheidend.
Zur Verringerung der Deponiemengen verfolgt Verde SXM außerdem das sogenannte Projet PI. Dabei sollen nicht recycelbare Reststoffe sortiert, zerkleinert und zu festen Sekundärbrennstoffen beziehungsweise Combustibles Solides de Récupération (CSR) aufbereitet werden. Nach dem von Verde SXM beschriebenen Konzept sollen diese Brennstoffe anschließend energetisch verwertet und zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Das Projekt ist als Ergänzung zu den bestehenden Recyclinganlagen konzipiert und soll insbesondere die Menge der dauerhaft abzulagernden Reststoffe verringern. Verde SXM nennt als Ziel des aktuellen PI-Konzepts eine energetische Verwertung von Reststoffen und eine lokale Stromproduktion.
Auch die Folgen von Hurrikan Irma im September 2017 beeinflussen die Abfallwirtschaft bis heute. Die Katastrophe erzeugte große Mengen an Bauabfällen, beschädigten Fahrzeugen, Möbeln, Holz, Metall, organischem Material und anderen Reststoffen. Der Umgang mit diesen Abfällen erforderte besondere Sammel-, Sortier-, Transport- und Ablagerungsmaßnahmen. Auf der französischen Seite wurden verschiedene Stoffgruppen zur Verwertung getrennt und über bestehende beziehungsweise eigens organisierte Recyclingwege abgeführt. Die Begrenzung der Deponiekapazität macht die langfristige Verarbeitung solcher großen einmaligen Abfallmengen besonders problematisch.
Auf der niederländischen Seite befindet sich die zentrale Deponie auf Pond Island bei Philipsburg. Dort werden beziehungsweise wurden Haushalts- und Gewerbeabfälle abgelagert. Die Deponie ist seit Jahren ein Schwerpunkt der Umwelt- und Infrastrukturpolitik, da die verfügbare Fläche begrenzt ist und die Ablagerung großer Mengen Restmüll langfristige Probleme verursacht. Die Regierung und das National Recovery Program Bureau (NRPB) arbeiten deshalb im Rahmen des Emergency Debris Management Project (EDMP) an der Neuordnung und langfristigen Schließung beziehungsweise Nachsorge des Deponiestandortes. Zu den Maßnahmen gehören die Neuprofilierung und teilweise Schließung der Hauptdeponie sowie der sogenannten Irma-Deponie.
Ein wichtiger Bestandteil der Modernisierung ist die genaue Erfassung der angelieferten Abfallmengen. 2025 wurde deshalb eine neue Fahrzeugwaage an der Hauptdeponie installiert. Die elektronische Waage erfasst das Gewicht beziehungsweise Volumen der angelieferten Abfälle und soll eine genauere Datengrundlage für die Planung und Kontrolle der Abfallwirtschaft schaffen. Im Dezember 2025 wurden die Mitarbeiter für den Betrieb des Systems geschult.
Seit 2025 wird auf Sint Maarten außerdem eine Deponiegebühr erhoben. Für eine Ablagerung auf der Deponie wurde eine Gebühr von 10 Caribbean-Gulden eingeführt, wobei bestimmte Ausnahmen bestehen. Die Maßnahme soll die tatsächlichen Kosten der Abfallentsorgung stärker berücksichtigen und Anreize für eine bessere Abfallvermeidung und getrennte Behandlung schaffen. Die Regierung arbeitet gleichzeitig an einer langfristigen Strategie für den gesamten Abfallsektor. Nach den Planungen soll die bestehende Deponie spätestens bis 2032 geschlossen werden; dafür werden neue Behandlungsmöglichkeiten, eine bessere Sortierung und weitere Formen der Verwertung untersucht.
Ein wesentlicher Bestandteil der niederländischen Abfallproblematik ist die geringe Verwertungsquote und die bislang starke Abhängigkeit von der Ablagerung. Die Regierung untersucht deshalb unterschiedliche technische Lösungen für die Behandlung der Reststoffe. In früheren Planungen wurde unter anderem eine Waste-to-Energy-Anlage diskutiert, die brennbare Reststoffe zur Stromerzeugung nutzen könnte. Gleichzeitig sieht die Abfallstrategie eine Hierarchie vor, bei der Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling vor energetischer Verwertung und endgültiger Ablagerung stehen.
Von der festen Abfallwirtschaft getrennt, aber für den Umweltschutz eng damit verbunden, ist die Abwasserwirtschaft auf Sint Maarten. Nur etwa 10 bis 11 % der Haushalte sind an das öffentliche Kanalisationsnetz angeschlossen. Rund neun von zehn Haushalten nutzen dagegen weiterhin individuelle Klärgruben beziehungsweise septic tanks. Nicht regelmäßig entleerte Anlagen können überlaufen, sodass Abwasser in Straßenentwässerungen, Gräben, Teiche, Lagunen und schließlich in die Küstengewässer gelangen kann.
Das Sint Maarten Wastewater Management Project soll diese Situation schrittweise verbessern. Das mit insgesamt 25 Millionen US-Dollar ausgestattete Programm wird mit 15 Millionen US-Dollar von der Regierung von Sint Maarten und 10 Millionen US-Dollar aus dem Sint Maarten Trust Fund finanziert. Vorgesehen sind die Erweiterung des Kanalnetzes im Gebiet Cul-de-Sac, die Sanierung und Modernisierung der zentralen Kläranlage an der A.T. Illidge Road sowie eine langfristige Planung für eine Erweiterung des Kanalnetzes auf weitere Teile der Insel. Durch die erste Ausbaustufe soll der Anteil der Bevölkerung beziehungsweise Haushalte mit Zugang zum öffentlichen Kanalisationssystem von etwa 10 auf rund 25 % steigen.
Die Kläranlage an der A.T. Illidge Road soll dabei nicht nur größere Abwassermengen aufnehmen, sondern auch technisch modernisiert und widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Belastungen werden. Das Projekt umfasst Verbesserungen bei der Abwasser- und Schlammbehandlung, der Messung und Analyse sowie bei der betrieblichen Zuverlässigkeit. Das langfristige Ziel besteht darin, ein umfassenderes Kanalisations- und Abwassersystem aufzubauen und gleichzeitig die Belastung von Teichen, Lagunen, Stränden, Korallenriffen und anderen Küstenökosystemen zu verringern.
Handel
Beide Inselteile bilden wirtschaftlich einen eng verflochtenen Markt, unterliegen jedoch unterschiedlichen Zoll-, Steuer-, Währungs- und Rechtsordnungen. Der Handel mit Waren ist deshalb nicht vollständig als einheitlicher Binnenmarkt organisiert. Gleichzeitig werden Waren für beide Seiten vielfach über die leistungsfähigeren Hafen- und Logistikanlagen des niederländischen Teils eingeführt. Nach Angaben des IEDOM wurden 2023 rund 70 % der Waren, die auf die Insel gelangten, über den niederländischen Teil abgewickelt. Dieser verfügt insbesondere über besser ausgestattete Frachtanlagen und Tiefwasserliegeplätze sowie direkte internationale Verbindungen zu den Vereinigten Staaten und zum französischen Mutterland.
Auf der französischen Seite ist der Handel stark vom Import abhängig. Saint-Martin besitzt nur eine begrenzte landwirtschaftliche und industrielle Produktion und muss daher einen großen Teil der Lebensmittel, Konsumgüter, Baumaterialien, Treibstoffe, Fahrzeuge, Maschinen und sonstigen Waren von außerhalb beziehen. Eine besondere Bedeutung besitzt dabei der Handel mit Guadeloupe, dem übrigen französischen Karibikraum, dem europäischen Frankreich und den benachbarten Inseln. Wegen der Entfernung zu den europäischen und nordamerikanischen Liefermärkten entstehen erhebliche Transportkosten. Für bestimmte Waren und Produktionszweige existieren deshalb staatliche Frachtbeihilfen, mit denen die zusätzlichen Kosten des Warentransports teilweise ausgeglichen werden sollen.
Das wichtigste Güterverkehrszentrum des französischen Teils ist der Hafen von Galisbay. Er wurde nach den schweren Schäden des Hurrikans Luis von 1995 vom früheren Standort im Stadtzentrum an den heutigen Standort verlegt und ist seit 2001 zugleich der einzige Einfuhrpunkt für Erdölprodukte in den französischen Inselteil. Der Hafen übernimmt etwa 30 % des gesamten Güterverkehrs der Insel und dient außerdem als Umschlagplatz für Waren, die zu benachbarten Inseln wie Saint-Barthélemy, Anguilla, Saba und Sint Eustatius weitertransportiert werden. 2024 wurden dort 2.429 Schiffsanläufe registriert. Die Einfuhren beliefen sich auf 221.193 Tonnen und die Ausfuhren auf 118.755 Tonnen. Mehr als die Hälfte des gesamten Güterverkehrs entfiel auf Massengüter.
Auf der niederländischen Seite konzentriert sich der Warenhandel vor allem auf Philipsburg, Cole Bay, Simpson Bay und das Hafengebiet von Great Bay. Der Handel umfasst Lebensmittel, Getränke, Bekleidung, Schuhe, Elektronik, Haushaltswaren, Baumaterialien, Fahrzeuge, Ersatzteile, Möbel, pharmazeutische Produkte und zahlreiche weitere Konsumgüter. Wegen der großen Zahl internationaler Besucher besitzt außerdem der Einzelhandel für Schmuck, Uhren, Parfüm, Kosmetik, Elektronik, Spirituosen, Tabakwaren und Souvenirs eine besondere Bedeutung. Insbesondere Philipsburg hat sich mit der Front Street und den angrenzenden Geschäftsstraßen zu einem wichtigen Einkaufszentrum für Kreuzfahrtpassagiere entwickelt.
Eine Besonderheit des niederländischen Handels ist die vergleichsweise geringe Belastung bestimmter Waren durch Einfuhrabgaben. Die Zollverwaltung von Sint Maarten ist vor allem für die Kontrolle des Warenverkehrs an den Grenzen zuständig. Nach Angaben der Regierung unterscheidet sie sich damit von den Zollverwaltungen vieler anderer Staaten der Region, da ihre Tätigkeit überwiegend auf die Kontrolle und Überwachung des Warenverkehrs ausgerichtet ist. Als eigentliche Zollabgabe wird auf Sint Maarten nach der geltenden Regelung nur eine Abgabe beziehungsweise Verbrauchsteuer auf bleifreies Benzin erhoben. Dadurch besitzt der niederländische Teil traditionell eine wichtige Funktion als Handels- und Einkaufszentrum der nordöstlichen Karibik.
Der Einzelhandel ist eng mit dem Tourismus verbunden. 2025 wurden auf Sint Maarten 855.994 Flugpassagierankünfte registriert. Hinzu kamen 1.597.940 Kreuzfahrtpassagiere. Bei den Kreuzfahrten wurden 592 Schiffsanläufe gezählt, 15 % mehr als 2024. Ein erheblicher Teil dieser Besucher kommt für einige Stunden nach Philipsburg und nutzt dort die Geschäfte, Restaurants und sonstigen Dienstleistungen. Der Kreuzfahrttourismus wirkt sich deshalb unmittelbar auf den Umsatz des Einzelhandels aus.
Neben dem klassischen Einzelhandel bestehen zahlreiche kleinere Geschäfte und familiengeführte Unternehmen. Dazu gehören Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien, Metzgereien, Getränkehändler, Apotheken, Baumärkte, Autohändler, Werkstätten, Möbelgeschäfte, Elektronikläden, Bekleidungsgeschäfte und Spezialgeschäfte für den touristischen Bedarf. Auf der französischen Seite konzentriert sich der Handel unter anderem auf Marigot, Grand Case, Hope Estate und die größeren Wohn- und Tourismusgebiete. Auf der niederländischen Seite bilden Philipsburg, Cole Bay und Simpson Bay die wichtigsten Handelsstandorte.
Der grenzüberschreitende Warenverkehr zwischen beiden Inselteilen ist trotz der unterschiedlichen politischen Systeme alltäglich. Unternehmen und Privatpersonen kaufen Waren auf jeweils beiden Seiten ein, während Händler ihre Lieferketten entsprechend den vorhandenen Hafen-, Zoll- und Transportmöglichkeiten organisieren. Die französische Seite ist dabei sowohl über ihre eigenen Hafenanlagen als auch über den niederländischen Teil mit internationalen Lieferketten verbunden. Der Warenverkehr macht deutlich, dass die politische Grenze zwar rechtlich und administrativ besteht, den gemeinsamen Wirtschaftsraum der Insel jedoch nicht vollständig voneinander trennt.
Neben dem Warenhandel spielen Dienstleistungen eine noch größere Rolle. Der IEDOM weist für Saint-Martin eine stark tertiär geprägte Wirtschaftsstruktur aus; Ende 2024 entfielen 85 % der privaten Beschäftigung auf den Dienstleistungssektor. Tourismus, Gastronomie, Beherbergung, Verkehr, Immobilien, Finanzdienstleistungen, Handel und persönliche Dienstleistungen bilden damit zusammen den Kern der lokalen Wirtschaft. Die Handelswirtschaft ist entsprechend nicht isoliert vom Fremdenverkehr zu betrachten, sondern eng mit den Besucherzahlen, dem Kreuzfahrthafen, dem Flugverkehr, der Gastronomie und dem Immobiliensektor verbunden.
Wichtige Einkaufszentren und Einkaufsstraßen sind:
Marigot (französischer Teil):
- Rue de Charles de Gaulle: Hauptgeschäftsstraße mit Boutiquen, Juwelieren und Surfshops.
- Le West Indies Mall: Luxuriöses Einkaufszentrum mit drei Etagen, Geschäften wie GUESS, Ray-Ban, L’Occitane sowie Restaurants und einem herrlichen Blick auf den Hafen.
- Howell-Center Mall: Größeres Einkaufszentrum mit Supermarkt, Apotheken, Restaurants und verschiedenen Geschäften.
- Marigot Market: Großer Open-Air-Markt mit lokalen Lebensmitteln, Kunsthandwerk und Souvenirs, ideal für authentisches Shopping-Erlebnis.
- Rue de la République: Kombination aus Shopping und Sightseeing mit Boutiquen, Restaurants und Sehenswürdigkeiten.
Philipsburg (niederländischer Teil):
- Front Street und Back Street: Haupt-Einkaufsstraßen mit Duty-Free-Shops für Schmuck, Uhren, Elektronik, Souvenirs, Kleidung und Spirituosen.
- Simpson Bay: Weitere Shopping-Möglichkeiten im Bereich der Hotels und Resorts.
- Duty-Free-Shops bieten eine große Auswahl an internationalen Luxusmarken und günstigen Preisen.
- Lokale Märkte und Kunstgeschäfte runden das Angebot ab.
Sankt Martin ist bekannt für seine vielfältigen Duty-Free-Einkaufsmöglichkeiten, die internationale und lokale Produkte zu attraktiven Preisen anbieten. Die Insel kombiniert luxuriöses Shopping mit kleinen lokalen Geschäften und Märkten, die traditionelle Produkte und Kunsthandwerk anbieten
Finanzwesen
Das Finanzwesen von Saint-Martin ist durch die politische Teilung der Insel in zwei unterschiedliche Systeme gegliedert. Im französischen Saint-Martin gilt der Euro und das französische sowie europäische Bank- und Finanzrecht. Die geld- und bankwirtschaftlichen Aufgaben werden dort im Rahmen des französischen Systems durch das Institut d’émission des départements d’outre-mer (IEDOM) im Auftrag und unter der Aufsicht der Banque de France wahrgenommen. Der IEDOM überwacht nicht selbst als eigenständige Zentralbank die französische Seite, sondern übernimmt unter anderem die Erfassung und Auswertung monetärer und finanzieller Daten, Aufgaben im Zusammenhang mit Bankkonten und Zahlungsverkehr sowie Dienstleistungen für Unternehmen und Privatpersonen. Dazu gehören insbesondere Kreditmediation, Unterstützung bei finanziellen Schwierigkeiten, das Recht auf ein Bankkonto und finanzielle Bildung.
Der französische Bankensektor besteht aus Geschäftsbanken und genossenschaftlich organisierten Instituten. Ende 2022 waren fünf Finanzinstitute lokal auf Saint-Martin vertreten. Dazu gehörten LCL und La Banque Postale sowie BRED – Banque Populaire, die Caisse d’Épargne Provence Alpes Corse und die Fédération du Crédit Mutuel Antilles-Guyane. Zusammen verfügten diese Institute über zehn Schalter und 109 Beschäftigte. Angeboten werden unter anderem Giro- und Sparkonten, Zahlungsverkehr, Kredite, Hypotheken und Finanzierungen für Unternehmen und Privatpersonen. Die französische Seite ist dabei eng mit Guadeloupe verbunden, da zahlreiche bankwirtschaftliche und administrative Funktionen über die dortigen Strukturen abgewickelt werden.
Auf der niederländischen Seite gehört Sint Maarten dagegen zum gemeinsamen Währungs- und Finanzsystem mit Curaçao. Die zentrale Aufsichts- und Währungsinstitution ist die Centrale Bank van Curaçao en Sint Maarten (CBCS). Zu den auf Sint Maarten vertretenen Geschäftsbanken gehören Banco di Caribe N.V., Orco Bank N.V. und The Windward Islands Bank, die als Sint-Maarten-Niederlassung der Maduro & Curiel’s Bank geführt wird. Diese Banken bieten Privat- und Geschäftskunden Konten, Zahlungsverkehr, Kredite, Hypotheken, Konsumentenkredite und weitere Finanzdienstleistungen an.
Eine grundlegende Veränderung des niederländischen Finanzsystems erfolgte am 1. April 2025 mit der Einführung des Caribbean guilder als neuer gemeinsamer Währung von Curaçao und Sint Maarten. Die Währung trägt den ISO-Code XCG und löste den früheren Netherlands Antillean guilder im Zahlungsverkehr ab. Der US-Dollar besitzt daneben wegen der engen wirtschaftlichen und touristischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten eine wichtige Bedeutung. Die CBCS veröffentlicht deshalb regelmäßig offizielle Wechselkurse für den Caribbean guilder gegenüber dem US-Dollar, dem Euro und weiteren Währungen.
Das Kreditgeschäft auf Sint Maarten ist eng mit Tourismus, Immobilienwirtschaft, Handel und Dienstleistungen verbunden. 2024 verringerte sich die Kreditvergabe an den privaten Sektor um 4,7 Prozent. Dabei gingen insbesondere Unternehmenskredite und Hypotheken zurück, während Konsumentenkredite und sonstige Kredite zunahmen. 2025 setzte wieder eine stärkere Kreditexpansion ein. Gleichzeitig beobachtete die CBCS eine Zunahme des Risikos bei notleidenden gewerblichen Krediten. Der Finanzsektor bleibt deshalb eng mit der Entwicklung des Tourismus und des Immobilienmarktes verbunden.
Neben den Geschäftsbanken umfasst das Finanzwesen Versicherungen, Pensionsfonds, Finanzierungsunternehmen und weitere beaufsichtigte Finanzdienstleister. Die CBCS bewertete den Finanzsektor von Curaçao und Sint Maarten für 2025 insgesamt als widerstandsfähig und verwies auf vorhandene Kapital- und Liquiditätspuffer. Zu den beobachteten Risiken gehören unter anderem die Entwicklung notleidender Kredite, internationale Finanzbedingungen, Cyberkriminalität, Klimarisiken und die Abhängigkeit von internationalen Korrespondenzbanken.
Auch die öffentliche Hand von Sint Maarten nutzt den Finanzmarkt zur Staatsfinanzierung. Im Dezember 2025 wurde über die CBCS eine Staatsanleihe des Landes Sint Maarten über 30,3 Millionen Caribbean-Gulden mit einer Laufzeit von 30 Jahren ausgegeben. Die Zeichnung erfolgte über die Geschäftsbanken von Curaçao und Sint Maarten.
Seit dem 28. September 2026 besteht auf Sint Maarten außerdem ein gesetzliches Einlagensicherungssystem. Damit wurden die Einlagen von Kunden der dortigen Banken in das neue Einlagensicherungssystem der Währungsunion von Curaçao und Sint Maarten einbezogen. Die Einführung erfolgte nach einem nationalen Erlass vom 14. August 2026 und einer ergänzenden ministeriellen Regelung.
Wichtigste Banken:
- RBC Royal Bank (Royal Bank of Canada) ist eine der größten Banken in der Karibik und hat auch eine Niederlassung auf Sint Maarten. Sie bietet umfassende Finanzdienstleistungen wie Privat- und Geschäftskonten, Kredite, Vermögensverwaltung und Investment Banking an.
- Windward Islands Bank (WIB): Eine regionale Bank, die Kunden in verschiedenen karibischen Inseln, darunter auch Sint Maarten, betreut und vielfältige Dienstleistungen wie Kontoführung, Kreditvergabe und Zahlungsverkehr anbietet.
- Orco Bank ist ein weiterer Finanzdienstleister auf Sint Maarten, der seit 2025 Dienstleistungen unter neuem Namen anbietet (früher CIBC). Sie bietet unter anderem Online-Banking, Sparkonten und Kredite mit wettbewerbsfähigen Zinssätzen.
- Republic Bank ist ebenfalls auf Sint Maarten vertreten und bietet umfassende Finanzprodukte einschließlich Konten, Krediten und Kreditkarten an.
Soziales und Gesundheit
Auf Saint-Martin liegt ein großer Teil der sozialen Aufgaben bei der Collectivité de Saint-Martin. Innerhalb der Verwaltung ist die Délégation Solidarité, Santé et Famille für Bereiche wie soziale Unterstützung, Familien, Kinderschutz, Gesundheit, Prävention und die Unterstützung älterer Menschen und Menschen mit Behinderungen zuständig. Zu ihren Bereichen gehören unter anderem die Direction de l’action sociale et insertion, die Direction autonomie, die Direction enfance et familles sowie die Direction santé, prévention et protection maternelle et infantile.
Die soziale Grundversorgung umfasst die Beratung und Begleitung von Menschen und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Über die örtlichen sozialen Dienste werden Hilfen vermittelt, Anträge bearbeitet und Betroffene an geeignete Einrichtungen und Träger weitergeleitet. Eine solche Anlaufstelle ist die Maison de la Solidarité et des Familles in Quartier-d’Orléans. Sie verbindet die soziale Einzelfallhilfe mit der Protection Maternelle et Infantile (PMI), die sich insbesondere mit der Gesundheitsvorsorge und Betreuung von Schwangeren sowie Kindern bis zum Alter von sechs Jahren befasst.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kinder- und Jugendhilfe. Die Collectivité nimmt Aufgaben der Aide Sociale à l’Enfance (ASE) wahr und verfügt über Verfahren zur Unterstützung und zum Schutz von Minderjährigen, die gefährdet oder besonders schutzbedürftig sind. Dazu gehören sozialpädagogische Betreuung, die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen sowie die Arbeit mit Pflegefamilien. Die Familienpflege dient dabei unter anderem der Sicherstellung einer stabilen Wohn- und Lebenssituation, der Begleitung von Schule und Gesundheitsversorgung und der Erstellung individueller Unterstützungspläne.
Für Menschen mit Behinderungen und für ältere Menschen bestehen eigene Unterstützungsstrukturen. Die Direction de l’Autonomie informiert unter anderem über die französische Allocation personnalisée d’autonomie (APA), die Prestation de compensation du handicap (PCH), die Carte mobilité inclusion und Hilfen zur Finanzierung beziehungsweise Organisation von Betreuung und Unterbringung. Beratungsstellen bestehen in Concordia sowie zeitweise in Quartier-d’Orléans und Sandy Ground.
Die Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen stellt auf dem französischen Teil eine besondere Aufgabe dar. Nach Angaben der Collectivité stehen ein ambulanter Pflegedienst mit 45 Plätzen sowie das EHPAD Bethany Home mit einer theoretischen Kapazität von 40 Plätzen zur Verfügung. Nach den Schäden durch Hurrikan Irma waren zuletzt jedoch nur 34 Plätze im EHPAD betriebsfähig. Wegen der begrenzten Kapazitäten werden für pflegebedürftige Einwohner auch Plätze in zugelassenen Einrichtungen außerhalb Saint-Martins, insbesondere auf Guadeloupe, genutzt. Die Collectivité übernimmt hierfür im Rahmen ihrer sozialrechtlichen Zuständigkeiten entsprechende Kosten.
Neben den staatlichen Einrichtungen tragen gemeinnützige und soziale Organisationen wesentlich zur sozialen Versorgung bei. Die Collectivité unterstützt entsprechende Vereine finanziell. Für 2025 wurden insgesamt 19 soziale und sozialmedizinische Vereinigungen mit zusammen 445.472 Euro gefördert. Zu den geförderten Organisationen gehörten unter anderem Einrichtungen für soziale Eingliederung, Familien- und Angehörigenunterstützung, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen sowie verschiedene Formen der sozialen Beratung und Betreuung.
Auch die soziale Eingliederung von Menschen in prekären Lebenssituationen gehört zum Aufgabenbereich. Dazu zählen Unterstützung bei sozialen Problemen, Notunterbringung, Begleitung bei der Wiedereingliederung und Hilfen für Menschen ohne ausreichende soziale oder wirtschaftliche Absicherung. Die Collectivité führt auf ihrer offiziellen Sozialseite ausdrücklich die Bereiche Notunterbringung, soziale Inklusion, Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und Hilfe für Personen in prekären Lebenslagen auf.
Auf Sint Maarten liegt die zentrale staatliche Zuständigkeit beim Ministry of Public Health, Social Development and Labor (VSA). Das Ministerium verbindet Sozialpolitik mit Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik. Innerhalb seiner Verwaltungsstruktur bestehen unter anderem Abteilungen für Social Development und Labor sowie die Social Affairs beziehungsweise Social Services. Ebenfalls zum Ressort gehören Dienste für Familien und humanitäre Angelegenheiten, kollektive Prävention und ambulante Notfallversorgung.
Die sozialen Dienste auf Sint Maarten befassen sich mit der Unterstützung einkommensschwacher und besonders schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen sowie mit Familien- und Gemeinschaftsarbeit. Das staatliche System ist dabei stärker auf die begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen des kleinen Inselstaates zugeschnitten. Neben den staatlichen Stellen übernehmen Kirchen, gemeinnützige Organisationen und andere lokale Einrichtungen Aufgaben der Unterstützung und sozialen Betreuung.
Ein wichtiger Bestandteil des Sozialwesens ist außerdem die Verbindung mit dem Arbeitsmarkt. Das zuständige Ministerium ist sowohl für Sozialentwicklung als auch für Arbeitsangelegenheiten verantwortlich und überwacht die Einhaltung der arbeitsrechtlichen Vorschriften. Damit bestehen Verbindungen zwischen Sozialhilfe, Beschäftigung, beruflicher Eingliederung und dem Schutz von Arbeitnehmern.
Auf beiden Inselteilen spielen nach Naturkatastrophen zusätzliche soziale Aufgaben eine Rolle. Besonders der Hurrikan Irma von 2017 führte zu langfristigen Belastungen für Wohnraum, Familien, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und andere besonders gefährdete Gruppen. Der Wiederaufbau beschränkte sich deshalb nicht auf Straßen und Gebäude, sondern umfasste auch soziale und gemeinschaftliche Einrichtungen.
Das Sozialwesen der geteilten Insel weist somit zwei unterschiedliche Verwaltungs- und Finanzierungssysteme auf. Saint-Martin verfügt als französische Collectivité über ein eng an das französische Sozialrecht angebundenes System mit umfangreichen Zuständigkeiten in der Kinder-, Familien-, Behinderten- und Altenhilfe. Sint Maarten organisiert seine sozialen Dienste über die eigene Regierung und insbesondere das Ministerium für öffentliche Gesundheit, soziale Entwicklung und Arbeit. Auf beiden Seiten ergänzen gemeinnützige Organisationen und soziale Einrichtungen die staatlichen Leistungen.
Gesundheitswesen
Das Gesundheitswesen von Saint-Martin und Sint Maarten ist entsprechend der politischen Teilung der Insel in zwei eigenständige Systeme gegliedert. Im französischen Teil gelten die französischen beziehungsweise französischen überseeischen Gesundheitsstrukturen, während Sint Maarten als eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande ein eigenes Gesundheits- und Versicherungssystem besitzt. Die stationäre medizinische Versorgung wird auf beiden Seiten durch jeweils ein zentrales Krankenhaus getragen. Ergänzt werden diese Einrichtungen durch niedergelassene Ärzte, Facharztpraxen, Zahnärzte, Apotheken, psychiatrische und psychologische Dienste, diagnostische Einrichtungen, Dialyseangebote und Rettungsdienste.
In Marigot befindet sich das Centre Hospitalier Louis Constant Fleming. Das Krankenhaus ist das zentrale Krankenhaus des französischen Inselteils und gehört zum französischen Krankenhausverbund der nördlichen Inseln. Es verfügt über medizinische, chirurgische, geburtshilfliche und psychiatrische Versorgung sowie eine Notaufnahme. Historische Planungsdaten weisen für das Krankenhaus 78 Betten und acht weitere Plätze aus; die Kapazitäten und organisatorischen Strukturen wurden seither weiterentwickelt. Die Einrichtung verfügt unter anderem über Angebote in Allgemeinmedizin beziehungsweise Innerer Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe, Pädiatrie und Psychiatrie. Eine aktuelle Ausschreibung von 2026 bestätigt, dass das Krankenhaus weiterhin unter der offiziellen Bezeichnung Centre Hospitalier Louis Constant Fleming betrieben wird und unter anderem psychiatrische stationäre Behandlung mit zwölf Vollzeitbetten anbietet.
Das Krankenhaus übernimmt auch die Notfallversorgung des französischen Inselteils. Neben der stationären Behandlung bestehen ambulante und fachärztliche Angebote. Aufgrund der begrenzten Größe der Insel kann jedoch nicht das gesamte Spektrum hochspezialisierter Medizin dauerhaft vor Ort angeboten werden. Bei Erkrankungen oder Eingriffen, für die auf Saint-Martin keine geeignete Behandlungsmöglichkeit vorhanden ist, erfolgt eine medizinisch organisierte Weiterbehandlung außerhalb der Insel. Die französische Gesundheitsversorgung ist dabei in das System der französischen Überseegebiete eingebunden, sodass insbesondere Verbindungen zu Einrichtungen auf Guadeloupe und im französischen Mutterland bestehen.
Im Bereich von Sint Maarten befindet sich das St. Maarten Medical Center in der Umgebung von Cay Hill. Es ist das zentrale Krankenhaus des niederländischen Inselteils. Das bestehende Krankenhaus wurde in den vergangenen Jahren schrittweise modernisiert. Zu den ausgebauten beziehungsweise neu eingerichteten Bereichen gehören unter anderem Orthopädie, Radiologie, Pneumologie, Neurologie, Nephrologie, Augenheilkunde und Dialyse. Zusätzlich wurden die chirurgischen Möglichkeiten erweitert. Die Modernisierung umfasst auch neue technische Anlagen und eine verbesserte Energieversorgung. Nach Angaben der Weltbank wurden 2025 unter anderem ein neuer Operationssaal, zusätzliche Dialysekapazitäten und neue Notstromgeneratoren geschaffen.
Parallel dazu befindet sich auf Sint Maarten ein neues Krankenhausgebäude im Bau. Das Projekt trägt die Bezeichnung St. Maarten General Hospital (SMGH) und soll das bestehende Krankenhaus langfristig ersetzen beziehungsweise dessen Versorgungskapazitäten erheblich erweitern. Die Planung sieht 110 stationäre Betten, vier Operationssäle, eine Intensiv- und Überwachungsversorgung, Bereiche für medizinisch-chirurgische Behandlung sowie Mutter-Kind-Versorgung und umfangreiche ambulante Einrichtungen vor. Hinzu kommen unter anderem Radiologie mit MRT, eine Dialyseeinrichtung, Labor, Apotheke und ein Hubschrauberlandeplatz.
Die bauliche Konzeption des neuen Krankenhauses berücksichtigt die besondere Gefährdung der Insel durch Hurrikane und Erdbeben. Das Gebäude wurde mit verstärkten Tragstrukturen und seismischen Isolatoren geplant. Außerdem sind unabhängige Systeme für Strom- und Wasserversorgung vorgesehen, damit der Krankenhausbetrieb auch bei einer schweren Naturkatastrophe möglichst lange aufrechterhalten werden kann. Nach Angaben der Weltbank soll das Gebäude Hurrikanen der Kategorie 5 standhalten. Im März 2026 erreichte der Bau seine höchste konstruktive Ebene; anschließend begannen beziehungsweise liefen die Ausbauarbeiten. Das Projekt war damit im Herbst 2026 weiterhin ein im Bau befindliches Krankenhaus und noch keine bereits vollständig in Betrieb befindliche neue Versorgungseinrichtung.
Ein wesentlicher Bestandteil des Gesundheitswesens ist die ambulante Versorgung. Auf beiden Inselteilen gibt es Allgemeinmediziner und verschiedene Facharztpraxen. Hinzu kommen Zahnärzte, Apotheken, Labordiagnostik und bildgebende Diagnostik. Auf Sint Maarten wurden im Zuge der Modernisierung des Krankenhauswesens insbesondere Fachbereiche wie Kardiologie, Neurologie, Nephrologie, Orthopädie und Augenheilkunde ausgebaut. Auch die Dialyseversorgung wurde erweitert. Dadurch können mehr Erkrankungen innerhalb der Insel behandelt werden, die früher häufiger eine Überweisung ins Ausland erforderlich machten.
Die psychiatrische Versorgung ist ebenfalls Bestandteil des Gesundheitswesens. Das Centre Hospitalier Louis Constant Fleming verfügt über eine psychiatrische Abteilung mit stationären Behandlungsmöglichkeiten. Zusätzlich bestehen ambulante psychologische und psychiatrische Angebote. Auf Sint Maarten gehören psychische Gesundheit und psychosoziale Versorgung ebenfalls zum Aufgabenbereich des Gesundheitswesens. Die begrenzte Größe des lokalen Fachkräfte- und Einrichtungsangebots macht dabei die Zusammenarbeit mit Einrichtungen außerhalb der Insel weiterhin notwendig.
Eine besondere Bedeutung besitzt die medizinische Versorgung von Schwangeren, Kindern und Familien. Das Krankenhaus auf Saint-Martin verfügt über Geburtshilfe und pädiatrische Versorgung. Auf Sint Maarten ist die Mutter-Kind-Versorgung Bestandteil des geplanten St. Maarten General Hospital. Das neue Krankenhaus soll hierfür eigene stationäre Kapazitäten bereitstellen und die bisherige Versorgung räumlich und technisch erweitern.
Auch die Notfallmedizin ist für die Insel von besonderer Bedeutung. Hurrikane, tropische Stürme und andere Naturereignisse können gleichzeitig die Infrastruktur, den Straßenverkehr, die Energieversorgung und die medizinische Versorgung beeinträchtigen. Die Erfahrungen mit Hurrikan Irma im September 2017 führten deshalb zu einer stärkeren Ausrichtung des Krankenhauswesens auf Katastrophenvorsorge und Betriebssicherheit. Auf Sint Maarten wurden im Rahmen des von der Weltbank verwalteten Trust Fund unter anderem Notfall- und Evakuierungspläne verbessert. Nach Angaben der Weltbank waren 2025 rund 90 Prozent der vorgesehenen Maßnahmen zur Notfallvorsorge und Evakuierungsplanung umgesetzt.
Die medizinische Versorgung ist außerdem durch die geringe Größe des lokalen Gesundheitsmarktes begrenzt. Nicht jede hochspezialisierte Behandlung kann wirtschaftlich und personell dauerhaft auf der Insel angeboten werden. Patienten werden deshalb bei bestimmten Erkrankungen weiterhin zur Behandlung in andere Länder oder karibische beziehungsweise französische Gesundheitszentren überwiesen. Für Sint Maarten bestehen dabei insbesondere Verbindungen zu Curaçao, Kolumbien und anderen medizinischen Zentren der Region; französische Patienten können über das französische Gesundheitssystem unter anderem auf Einrichtungen in Guadeloupe und im französischen Mutterland zurückgreifen. Die Regierung von Sint Maarten veröffentlichte auch 2026 Informationen über Patienten, die medizinische Behandlung im Ausland erhielten.
Auf Sint Maarten wird gleichzeitig an der rechtlichen Regulierung der Gesundheitsberufe gearbeitet. 2026 wurde ein Entwurf für eine nationale gesetzliche Registrierung von Gesundheitsberufen vorangetrieben. Ziel ist ein einheitlicher rechtlicher Rahmen für die Registrierung und Beaufsichtigung medizinischer Fachkräfte. Das Projekt befindet sich noch im Aufbau und sollte deshalb nicht mit einem bereits vollständig eingeführten nationalen Registrierungssystem gleichgesetzt werden.
Die Finanzierung der Gesundheitsversorgung unterscheidet sich ebenfalls auf beiden Seiten. Auf Saint-Martin ist die medizinische Versorgung in die französischen Krankenversicherungs- und Sozialversicherungssysteme eingebunden. Auf Sint Maarten spielt die Social & Health Insurance SZV eine zentrale Rolle bei der Absicherung und Finanzierung medizinischer Leistungen. Die Regierung arbeitet zugleich an einer Weiterentwicklung des Krankenversicherungssystems; mehrere größere Reformen waren für den Übergang ab 2027 vorgesehen.
Neben den Krankenhäusern bestehen auf der Insel Einrichtungen für Zahnmedizin, psychische Gesundheit, Rehabilitation und weitere medizinische Dienstleistungen. Auch Apotheken und private medizinische Anbieter sind vor allem in den dichter besiedelten Gebieten wie Marigot, Philipsburg, Cole Bay und Simpson Bay konzentriert. Die medizinische Versorgung ist damit räumlich eng an die wichtigsten Siedlungs- und Verkehrsachsen gebunden.
Krankheiten
Das Krankheitsspektrum auf Saint-Martin und Sint Maarten wird sowohl von tropischen und durch Vektoren übertragenen Infektionskrankheiten als auch von chronischen nichtübertragbaren Erkrankungen bestimmt. Eine besondere Bedeutung haben Denguefieber und andere durch Aedes-Stechmücken übertragene Virusinfektionen. Daneben treten Atemwegsinfektionen, Magen-Darm-Erkrankungen und sexuell übertragbare Infektionen auf. Bei den nichtübertragbaren Krankheiten spielen insbesondere Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere chronische Erkrankungen eine wichtige Rolle.
Denguefieber gehört zu den wichtigsten durch Mücken übertragenen Infektionskrankheiten der Insel. Übertragen wird das Denguevirus vor allem durch Aedes aegypti und Aedes albopictus. Die Krankheit kann mit hohem Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen, Hautausschlag und ausgeprägter Müdigkeit einhergehen. In schweren Fällen können Blutungen, Kreislaufprobleme und Organbeteiligungen auftreten. Dengue ist auf Saint-Martin und Sint Maarten seit Jahren bekannt und kann in Form einzelner Fälle, lokaler Ausbrüche oder größerer Epidemien auftreten. Die französische Gesundheitsüberwachung stufte die Situation auf Saint-Martin im Verlauf von 2025 überwiegend als Phase 1 mit sporadischen Fällen beziehungsweise einzelnen Ausbrüchen ein.
Auch 2026 wurden auf dem französischen Teil weiterhin einzelne Verdachts- und bestätigte Denguefälle registriert. Im September 2026 beschrieb Santé publique France die Situation auf Saint-Martin und Saint-Barthélemy als seit mehreren Monaten ruhig. Die Überwachung zeigte jedoch weiterhin einzelne klinisch verdächtige Fälle. Damit besteht eine dauerhafte epidemiologische Überwachung, auch wenn zu diesem Zeitpunkt keine größere Dengue-Epidemie festgestellt wurde.
Chikungunya ist eine weitere wichtige durch Aedes-Mücken übertragene Viruskrankheit. Typisch sind plötzlich auftretendes Fieber und starke Gelenkschmerzen, die teilweise über längere Zeit anhalten können. Auf Saint-Martin wurde die lokale Übertragung erstmals 2013 nachgewiesen; die Weltgesundheitsorganisation dokumentierte damals die ersten beiden laborbestätigten lokal erworbenen Fälle in der französischen Inselhälfte. Die Behörden beider Inselteile führten daraufhin eine gemeinsame Überwachung und Maßnahmen zur Mückenbekämpfung durch.
Auch aktuell wird Chikungunya auf Saint-Martin überwacht. Santé publique France führt Saint-Martin und Saint-Barthélemy ausdrücklich in der regionalen Chikungunya-Überwachung. Im Jahr 2025 wurde auf Saint-Martin ein wahrscheinlicher Fall mit positiver Serologie festgestellt. Die Gesundheitsbehörden führten daraufhin Maßnahmen zur epidemiologischen Untersuchung und Vektorkontrolle durch.
Zika gehört ebenfalls zu den Krankheiten, die aufgrund der vorhandenen Aedes-Mücken und der regionalen epidemiologischen Situation berücksichtigt werden. Das Zikavirus wird vor allem durch Aedes aegypti und Aedes albopictus übertragen. Die Infektion verläuft häufig ohne oder mit nur leichten Symptomen. Besondere medizinische Bedeutung besitzt Zika wegen möglicher Komplikationen während einer Schwangerschaft. Deshalb gehört die Überwachung von Zika neben Dengue und Chikungunya zum Bereich der durch Stechmücken übertragenen Arbovirosen.
Die Bekämpfung dieser Krankheiten konzentriert sich wesentlich auf die Kontrolle der Mückenpopulationen. Besonders wichtig ist die Beseitigung kleiner Wasseransammlungen, in denen sich Aedes-Mücken vermehren können. Dazu gehören unter anderem offene Behälter, Zisternen, Blumentöpfe, Reifen und andere Gegenstände, in denen sich nach Niederschlägen Wasser sammelt. Die französischen Gesundheitsbehörden verbinden die epidemiologische Überwachung mit Maßnahmen zur Vektorkontrolle und informieren Bevölkerung und medizinisches Personal über Schutzmaßnahmen.
Neben den Arbovirosen treten auf der Insel weitere Infektionskrankheiten auf, die auch in anderen dicht besiedelten karibischen Gebieten vorkommen. Dazu gehören verschiedene Atemwegsinfektionen und Magen-Darm-Erkrankungen. Die internationale Mobilität der Bevölkerung und der starke Reiseverkehr führen außerdem dazu, dass importierte Infektionen regelmäßig berücksichtigt werden müssen. Die medizinischen Einrichtungen müssen deshalb neben lokal verbreiteten Erkrankungen auch Krankheiten erkennen und behandeln können, die von Reisenden oder neu zugewanderten Personen auf die Insel gelangen.
Sexuell übertragbare Infektionen gehören ebenfalls zum Spektrum der Gesundheitsprobleme. Dazu zählen unter anderem HIV-Infektionen, Syphilis, Gonorrhö, Chlamydieninfektionen und weitere sexuell übertragbare Erkrankungen. Die medizinische Versorgung umfasst deshalb auch Diagnostik, Beratung, Behandlung und Prävention in diesem Bereich. Die internationale Zusammensetzung der Bevölkerung und die hohe Zahl von Besuchern machen die kontinuierliche Präventions- und Testarbeit zu einem Bestandteil des öffentlichen Gesundheitswesens.
Bei den nichtübertragbaren Krankheiten nehmen Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Stellung ein. Bluthochdruck gehört dabei zu den besonders relevanten Risikofaktoren. Für Sint Maarten wurden in Zusammenarbeit mit der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation nationale Behandlungsleitlinien für Hypertonie entwickelt. Dabei wurden Hausärzte, Apotheker, Diabetesberater, Physiotherapeuten und Vertreter der nationalen Krankenversicherung in die Entwicklung einer koordinierten Versorgung einbezogen.
Diabetes mellitus ist ebenfalls ein bedeutendes chronisches Gesundheitsproblem. Die Erkrankung steht häufig mit weiteren Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und Bluthochdruck in Zusammenhang. Für Sint Maarten wurden deshalb Programme zur Verbesserung der Versorgung chronischer nichtübertragbarer Krankheiten aufgebaut. Die Gesundheitsbehörden arbeiten dabei unter anderem mit Diabetesberatern und anderen Gesundheitsberufen zusammen.
Zu den weiteren nichtübertragbaren Erkrankungen gehören chronische Atemwegserkrankungen, bestimmte Krebsarten sowie Erkrankungen des Bewegungsapparates. Auch psychische Erkrankungen gehören zum Gesundheitswesen und werden sowohl ambulant als auch stationär behandelt. Die psychiatrische Versorgung ist insbesondere deshalb relevant, weil chronische Erkrankungen, soziale Belastungen, Arbeitslosigkeit, Wohnprobleme und die Folgen schwerer Naturkatastrophen zusätzliche Belastungen für einzelne Bevölkerungsgruppen verursachen können.
Die Alterung der Bevölkerung erhöht langfristig die Bedeutung chronischer Krankheiten. Auf Sint Maarten waren 2024 nach Angaben der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation 13,9 Prozent der Bevölkerung mindestens 65 Jahre alt. Der Anteil dieser Altersgruppe war damit gegenüber dem Jahr 2000 deutlich gestiegen. Mit zunehmendem Alter nehmen insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebserkrankungen und andere chronische Leiden an Bedeutung zu.
HIV/AIDS wird auf der Insel ebenfalls medizinisch überwacht und behandelt. Die Versorgung umfasst Testung, ärztliche Betreuung und antiretrovirale Behandlung. Wie bei anderen sexuell übertragbaren Infektionen sind Prävention, frühzeitige Diagnose und regelmäßige medizinische Kontrolle wichtige Bestandteile der Gesundheitsversorgung.
Die klimatischen Bedingungen beeinflussen außerdem das Auftreten bestimmter Krankheiten. Hohe Temperaturen, tropische Niederschläge und die Bildung kleiner Wasseransammlungen schaffen günstige Bedingungen für Aedes-Mücken. Die Hurrikansaison kann diese Situation zusätzlich verändern, weil Überschwemmungen, beschädigte Gebäude und nach Stürmen zurückbleibende Wasserbehälter neue Brutstätten schaffen können. Deshalb wird die Bekämpfung von Mücken insbesondere nach starken Wetterereignissen zu einer wichtigen Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes.
Die COVID-19-Pandemie führte auch auf Saint-Martin und Sint Maarten zu einer erheblichen Belastung des Gesundheitswesens und des internationalen Reiseverkehrs. Aufgrund der Insellage und der starken Abhängigkeit vom internationalen Tourismus waren die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen besonders eng miteinander verbunden. Die Erfahrungen aus der Pandemie sowie aus früheren Hurrikanen führten zu einer stärkeren Bedeutung von Notfallplanung, epidemiologischer Überwachung und der Aufrechterhaltung medizinischer Versorgung unter Krisenbedingungen.
Die beiden Inselhälften arbeiten bei bestimmten übertragbaren Krankheiten zusammen, obwohl sie unterschiedlichen staatlichen Gesundheitssystemen angehören. Das ist insbesondere bei Krankheiten sinnvoll, deren Überträger sich nicht an die politische Grenze halten. Mückenpopulationen, Infektionsketten und die täglichen Bewegungen der Bevölkerung zwischen französischem und niederländischem Gebiet machen eine isolierte Überwachung nur einer Inselhälfte wenig zweckmäßig. Bereits beim Chikungunya-Ausbruch 2013 kooperierten die französischen und niederländischen Gesundheitsbehörden bei Überwachung, Vektorkontrolle und Information der Bevölkerung.
Bildung
Auf Sint Maarten besteht eine gesetzliche Schulpflicht für alle Kinder zwischen vier und 18 Jahren. Die Schulpflicht endet entweder mit dem Ende des Schuljahres, in dem das 18. Lebensjahr erreicht wird, oder früher, wenn ein Abschluss der Sekundarschule erworben wurde. Für die Einhaltung der Schulpflicht sind Eltern, Schulen und staatliche Bildungsaufsicht gemeinsam verantwortlich.
Das Schulsystem auf Sint Maarten umfasst öffentliche und staatlich subventionierte Schulen sowie private Einrichtungen. Das Bildungsangebot ist stärker sprachlich und curricular differenziert als ein ausschließlich nach niederländischem Vorbild organisiertes System. Neben niederländischen Bildungsgängen bestehen englischsprachige Programme nach karibischen, nordamerikanischen und internationalen Lehrplänen. Die staatliche Bildungsinspektion führt unter anderem VSBO, HAVO und VWO als Bildungsgänge des Sekundarbereichs auf. Daneben bestehen Programme nach Caribbean Secondary Examination Certificate (CSEC), Caribbean Certificate of Secondary Level Competence (CCSLC), Caribbean Advanced Proficiency Examination (CAPE), International Baccalaureate und nordamerikanischen beziehungsweise kanadischen Lehrplänen.
Englisch ist an zahlreichen Schulen die Unterrichtssprache. Dies gilt insbesondere für mehrere weiterführende Schulen und private Einrichtungen. Niederländisch wird vor allem in bestimmten Bildungsgängen verwendet, insbesondere am Milton Peters College, wo unter anderem HAVO-, VWO- und TKL-Programme auf Niederländisch angeboten werden. Daneben können Französisch und Spanisch als Fremdsprachen unterrichtet werden. Die Mehrsprachigkeit der Bevölkerung führt dazu, dass ein Teil der Schülerinnen und Schüler eine andere Muttersprache als die jeweilige Unterrichtssprache besitzt.
Zu den englischsprachigen Einrichtungen gehört die Caribbean International Academy (CIA) in Cupecoy. Die Schule verwendet das kanadische Ontario Secondary School Program und bietet einen durchgehenden Lehrplan von Kindergarten beziehungsweise Grundstufe bis zur Sekundarstufe an. Die Schule gehört damit zum privaten internationalen Bildungsangebot von Sint Maarten und unterscheidet sich curricular von den niederländisch geprägten öffentlichen Bildungsgängen.
Die St. Dominic High School ist eine weitere bedeutende Schule des niederländischen Inselteils. Sie ist seit 2010 eine vom International Baccalaureate anerkannte IB World School und bietet das International Baccalaureate Diploma Programme an. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Zum IB-Angebot gehören unter anderem Mathematik, Biologie, Physik, Chemie, Wirtschaft, Informatik, visuelle Künste, Englisch und Niederländisch.
Für Schüler mit besonderem Förderbedarf besteht auf Sint Maarten unter anderem die Prins Willem Alexander School (PWAS). Sie ist die öffentliche Schule für spezielle Grundschulbildung und betreut insbesondere Kinder mit unterschiedlichen Lernschwierigkeiten. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Die Schule war Gegenstand einer staatlichen Untersuchung, nach der Reformen in den Bereichen Schulorganisation, Betreuung, Personal, Sicherheit und Qualitätssicherung eingeleitet wurden.
Auch die berufliche Bildung ist Bestandteil des Bildungswesens. Sint Maarten verfügt unter anderem über die St. Maarten Vocational Training School und weitere berufsorientierte Bildungsgänge. Die Angebote reichen von praktisch ausgerichteten Programmen bis zu weiterführenden schulischen Abschlüssen. Damit besteht neben allgemeinbildenden Schulen ein eigener Bereich für die Vorbereitung auf Handwerk, technische Berufe, Dienstleistungen und andere Beschäftigungsfelder.
Eine wichtige Rolle im tertiären Bildungsbereich besitzt die University of St. Martin (USM) in Philipsburg. Die Hochschule wurde 1989 offiziell eröffnet und entwickelte sich von einer Einrichtung mit zunächst wirtschafts- und allgemeinbildenden Associate-Abschlüssen zu einer Hochschule mit Associate-, Bachelor- und weiterführenden Studienangeboten. Das heutige Programm umfasst unter anderem Betriebswirtschaft, allgemeine Geistes- und Sozialwissenschaften, Hospitality and Tourism Management, Social Work, Elementary Education sowie digitale und informationstechnische Studiengänge. Über Kooperationen werden außerdem weiterführende Studienmöglichkeiten angeboten.
Die USM bietet außerdem vorbereitende und weiterbildende Programme an. Dazu gehören unter anderem das General Educational Development (GED), Englisch als Zweitsprache (ESL), Erwachsenenbildung und der Caribbean Foundation Year. Das Caribbean Foundation Year richtet sich an junge Menschen, die nach der Sekundarschule eine weiterführende Ausbildung anstreben und sich dafür akademisch vorbereiten möchten. Der Unterricht erfolgt auf Englisch.
Im französischen Teil Saint-Martin gilt das französische nationale Bildungssystem. Die allgemeine Schulpflicht beziehungsweise die Verpflichtung zur Bildung beginnt bereits mit drei Jahren und gilt bis zum vollendeten 16. Lebensjahr. Sie gilt sowohl für französische als auch für ausländische Kinder. Nach dem 16. Lebensjahr besteht in Frankreich zusätzlich eine Verpflichtung zur Ausbildung beziehungsweise zur Sicherstellung einer weiteren Bildungs- oder Ausbildungsperspektive bis zum 18. Lebensjahr.
Die französischen Schulen sind in die üblichen Bildungsstufen des französischen Systems gegliedert. Auf die École maternelle folgt die École élémentaire, anschließend das Collège und danach das Lycée. Auf Saint-Martin bestehen mehrere öffentliche Grundschulen und weiterführende Einrichtungen. Zum Sekundarbereich gehören unter anderem das Lycée général et technologique Robert Weinum, das Lycée professionnel Daniella Jeffry sowie die Collèges Mont des Accords, Soualiga und Roche Gravée de Moho.
Die Unterrichtssprache im französischen öffentlichen Schulwesen ist Französisch. Gleichzeitig ist Saint-Martin durch eine ausgeprägte Mehrsprachigkeit gekennzeichnet. Englisch besitzt im Alltag, im Handel und im Tourismus eine große Bedeutung; daneben werden unter anderem Spanisch und lokale französischbasierte Kreolsprachen gesprochen. Die Schulen müssen deshalb mit einer Schülerschaft arbeiten, deren sprachliche Hintergründe teilweise deutlich voneinander abweichen. Auch Kinder aus privaten Schulen oder aus häuslicher Bildung können bei einem Wechsel in das öffentliche französische System einer schulischen Leistungsüberprüfung unterzogen werden.
Die Collectivité de Saint-Martin übernimmt wichtige Aufgaben im Bereich der schulischen Infrastruktur und der außerschulischen Betreuung. Dazu gehören unter anderem Einschreibungen für maternelle und CP, Schulverpflegung, Schülertransport und périscolaire-Angebote. Für das Schuljahr 2026/27 wurde die Einschreibung für maternelle und CP über ein neues digitales Familienportal organisiert.
Höhere Bildung
Die wichtigste allgemeine Hochschule der Insel ist die University of St. Martin (USM) in Philipsburg auf dem niederländischen Teil. Hinzu kommt die American University of the Caribbean School of Medicine (AUC), deren Campus in Cupecoy liegt und die auf die Ausbildung von Ärzten spezialisiert ist. Die beiden Einrichtungen unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer Studienangebote als auch ihrer internationalen Ausrichtung.
Die University of St. Martin wurde 1989 offiziell eröffnet. Sie entstand aus einer bereits in den frühen 1980er Jahren begonnenen Bildungseinrichtung und bot zunächst Associate-Abschlüsse in Betriebswirtschaft und General Liberal Arts sowie Studiengänge beziehungsweise Programme im Bereich Hospitality and Tourism an. Seitdem wurde das Angebot erheblich erweitert. Die USM versteht sich heute als zentrale Hochschule für Sint Maarten, Saint-Martin und die benachbarten karibischen Inseln.
Das Studienangebot der USM umfasst gegenwärtig verschiedene Associate- und Bachelorprogramme. Zu den Bereichen gehören Betriebswirtschaft, allgemeine Geistes- und Sozialwissenschaften, Elementarpädagogik, Sozialarbeit, Hospitality and Tourism Management, Sprachen, darstellende Künste sowie Netzwerktechnik und digitale Technologien. Im Bereich Betriebswirtschaft wird unter anderem ein Bachelor of Arts in Business Administration Management angeboten. Hinzu kommen Associate-Abschlüsse in Business, General Liberal Arts und Hospitality and Tourism Management sowie ein Bachelorstudium in Elementary Education und Social Work.
Neben regulären Studiengängen bietet die USM auch vorbereitende und weiterbildende Programme an. Dazu gehören das Caribbean Foundation Year, General Educational Development (GED), Englisch als Zweitsprache (ESL), einzelne frei belegbare Hochschulkurse sowie weitere Angebote der Erwachsenen- und beruflichen Weiterbildung. Das Caribbean Foundation Year dient insbesondere dazu, den Übergang von der Sekundarschule in die Hochschulbildung vorzubereiten. Für das Studienjahr 2026/27 begann der aktuelle Durchgang am 1. Oktober 2026.
Die USM besitzt damit auch eine Funktion für Personen, die noch keinen direkten Zugang zu einem regulären Hochschulstudium haben oder ihre schulischen beziehungsweise sprachlichen Voraussetzungen verbessern möchten. Die Programme reichen deshalb von vorbereitenden Bildungsangeboten über Associate Degrees bis zu Bachelorabschlüssen. Gleichzeitig ermöglichen einzelne Kurse und Weiterbildungsangebote berufstätigen Erwachsenen eine Ergänzung ihrer Qualifikationen.
Eine besondere Einrichtung der höheren Bildung ist die American University of the Caribbean School of Medicine. Die AUC befindet sich in Cupecoy auf Sint Maarten und ist auf die medizinische Hochschulausbildung spezialisiert. Sie bietet ein vierjähriges Doctor-of-Medicine-Programm nach US-amerikanischem Modell an. Die ersten Ausbildungsabschnitte werden auf dem Campus in Sint Maarten absolviert; anschließend wechseln die Studierenden für die klinische Ausbildung an angeschlossene Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten oder im Vereinigten Königreich.
Im traditionellen Studienweg absolvieren die Studierenden zunächst die medizinisch-naturwissenschaftliche Ausbildung auf Sint Maarten. Dazu gehören unter anderem Molekular- und Zellbiologie, Histologie, Embryologie, Anatomie, Biochemie, Physiologie sowie die Grundlagen der medizinischen und klinischen Wissenschaften. Die klinische Ausbildung findet anschließend überwiegend außerhalb der Insel statt. Die AUC verfügt dafür über ein Netz angeschlossener Lehrkrankenhäuser in den USA und im Vereinigten Königreich.
Die AUC ist damit keine medizinische Abteilung der University of St. Martin, sondern eine eigenständige medizinische Hochschule. Ihr Studium ist auf den Abschluss Doctor of Medicine (MD) ausgerichtet. Die Ausbildung folgt einem US-amerikanischen Curriculum und umfasst neben den medizinischen Fachgebieten auch klinische Fertigkeiten, Simulationstraining, medizinische Ethik und praktische Ausbildung. Die Einrichtung ist von der Accreditation Commission on Colleges of Medicine (ACCM) akkreditiert, die von Sint Maarten als zuständige Akkreditierungsorganisation für medizinische Ausbildung anerkannt wird. (aucmed.edu)
Die klinische Ausbildung der AUC findet nicht vollständig auf Sint Maarten statt. Nach den ersten Ausbildungsjahren wechseln die Studierenden an Partnerkrankenhäuser in den USA oder im Vereinigten Königreich. Dort absolvieren sie die klinischen Rotationen in verschiedenen medizinischen Fachbereichen. Dadurch ist die medizinische Hochschulausbildung auf der Insel mit dem Gesundheitssystem und den medizinischen Ausbildungsstrukturen außerhalb der Karibik verbunden.
Neben diesen beiden Einrichtungen ist das lokale Hochschulangebot vergleichsweise klein. Für zahlreiche Fachrichtungen, insbesondere für viele naturwissenschaftliche, technische, medizinische und spezialisierte Studiengänge, müssen Studierende ihre Ausbildung außerhalb der Insel fortsetzen. Dabei kommen insbesondere Hochschulen in den Niederlanden, Frankreich, den Vereinigten Staaten, Kanada, dem Vereinigten Königreich und anderen karibischen Staaten in Betracht. Die USM und die AUC decken deshalb nur einen Teil des gesamten Hochschul- und Ausbildungsbedarfs der Bevölkerung ab.
Bibliotheken und Archive
Das Bibliotheks- und Archivwesen von Saint-Martin und Sint Maarten ist durch die politische Teilung der Insel in zwei unterschiedliche Systeme gegliedert. Auf dem niederländischen Teil bildet die Sint Maarten Library die zentrale öffentliche Bibliothek des Landes, während auf dem französischen Teil die Collectivité de Saint-Martin für die öffentlichen Bibliotheks- und Archivstrukturen zuständig ist. Neben der Vermittlung von Büchern und digitalen Medien haben diese Einrichtungen eine wichtige Funktion bei der Bewahrung der lokalen Geschichte und der kulturellen Überlieferung.
Die heutige Sint Maarten Library geht auf die am 23. November 1923 gegründete Philipsburg Jubilee Library zurück. Die ursprüngliche Bibliothek entstand auf Initiative mehrerer Einwohner, darunter W. R. Plantz, C. M. Darrell, C. C. G. Philipszoon, A. C. Wathey und C. A. Beaujon. In den ersten Jahrzehnten wurde sie ehrenamtlich betrieben und wechselte mehrfach den Standort. In den späten 1950er beziehungsweise frühen 1960er Jahren entstand zusätzlich eine niederländische Kinderbibliothek des St. Maarten Cultural Centre. 1984 bezog die Bibliothek ein neues Gebäude und wurde zur ersten vollständig automatisierten Bibliothek der damaligen Niederländischen Antillen. Seit 1997 bestand auch ein Internetzugang. Nach den Hurrikanen Irma und Maria im Jahr 2017 wurden das Gebäude sowie große Teile der Bestände, Archive und technischen Ausstattung schwer beschädigt beziehungsweise zerstört.
Seit November 2022 trägt die Einrichtung offiziell den Namen Sint Maarten Library. Sie unterhält neben dem Hauptstandort in Philipsburg auch Standorte beziehungsweise Zweigstellen in Cay Hill und Belvedere. Zu ihren regulären Leistungen gehören die Ausleihe gedruckter Bücher, Beratung und Recherchehilfe, Computer- und Internetzugang, Drucken und Scannen sowie Workshops, Vorlesestunden und andere Bildungs- und Kulturveranstaltungen. Die Bibliothek verfügt außerdem über digitale Angebote, darunter E-Books und Hörbücher über die Libby-Plattform.
Die Bibliothek besitzt einen umfangreichen lokalen Bestand. Dazu gehören Bücher und Veröffentlichungen über Sint Maarten und die Karibik sowie lokale Zeitungen und Zeitschriften. Die Jahresberichte dokumentieren ausdrücklich die Möglichkeit, lokale Zeitungen und Magazine in der Bibliothek zu lesen. Die Einrichtung führt außerdem eine eigene Sint-Maarten-Sammlung und Bestände zur Geschichte und Kultur der Insel. Veranstaltungen zu lokalen Autoren, Literatur, Black History und dem kulturellen Erbe ergänzen die reine Bibliotheksfunktion.
Eine wichtige Rolle spielt die digitale Vernetzung mit anderen Bibliotheken. Die Sint Maarten Library ist Partner der Digital Library of the Caribbean (dLOC). Sie trat diesem Verbund 2017 bei; ihr dortiger Bestand umfasst insbesondere Periodika. Die dLOC ist eine internationale digitale Sammlung karibischer Bibliotheken, Archive und Forschungseinrichtungen und ermöglicht den Zugang zu digitalisierten historischen und kulturellen Quellen. Zusätzlich besteht eine Verbindung zur Koninklijke Bibliotheek, der Nationalbibliothek der Niederlande. Dadurch können Benutzer neben den örtlichen Beständen auch auf umfangreiche niederländische und karibische digitale Ressourcen zugreifen.
Die Sint Maarten Library arbeitet außerdem mit den Bibliotheken der benachbarten Inseln Saba und Sint Eustatius zusammen. Im Rahmen regionaler Kooperationen werden Erfahrungen, technische Kenntnisse und digitale Dienstleistungen ausgetauscht. 2024 wurden beispielsweise Möglichkeiten zur gemeinsamen Nutzung digitaler Bibliotheksangebote und zur Verbesserung des Zugangs zu E-Books und Hörbüchern erörtert.
Auf dem französischen Teil Saint-Martin stellt die Collectivité über die Médiathèque territoriale und mehrere points de lecture Bücher, digitale Ressourcen und kulturelle Aktivitäten bereit. Die Einrichtungen dienen nicht nur der Ausleihe, sondern auch als Orte für Bildung, Begegnung und kulturelle Veranstaltungen. Literarische Veranstaltungen und Autorenbegegnungen gehören ebenfalls zum Programm.
Eine besondere Bedeutung besitzt die Médiathèque de Concordia. Das ursprüngliche Gebäude wurde durch den Hurrikan Irma 2017 schwer beschädigt beziehungsweise zerstört. Die Collectivité verfolgt deshalb ein umfangreiches Wiederherstellungsprojekt. Die Einrichtung soll mit einer Bibliotheks- und Ludothekfunktion, kulturellen Räumen und einem Micro-Folie-Museum verbunden werden. Gleichzeitig wird das Gebäude als gegen Hurrikane gesicherter Schutzraum konzipiert. Im April 2026 wurde die Vergabe eines weiteren Bauabschnitts für die elektrische Ausstattung beschlossen; die Inbetriebnahme wurde für das dritte Quartal 2026 vorgesehen.
Neben den Bibliotheken besitzt Saint-Martin eigene territoriale Archive. Die Direction archives territoriales ist innerhalb der Delegation für menschliche Entwicklung und Bürgerschaft als eigenständiger Verwaltungsbereich der Collectivité ausgewiesen. Damit verfügt der französische Inselteil über eine institutionelle Struktur zur Erfassung, Ordnung, Bewahrung und Bereitstellung von historischen und Verwaltungsunterlagen.
Die Archive sind für die Erforschung der Geschichte Saint-Martins von besonderer Bedeutung. Zu den relevanten Quellenbereichen gehören Verwaltungsakten, historische Schriftstücke, Karten, Fotografien, Unterlagen zur Besiedlung und Landnutzung, Dokumente aus der Kolonialzeit sowie Materialien zur Entwicklung der heutigen Collectivité. Zusammen mit archäologischen Funden, Museumsbeständen und kirchlichen beziehungsweise privaten Sammlungen ermöglichen sie die Rekonstruktion der Geschichte der Insel über die verschiedenen politischen Perioden hinweg.
Auch auf Sint Maarten existieren neben der öffentlichen Bibliothek dokumentarische und mediale Sammlungen. Die Regierung unterhält unter anderem eine Newspaper Library sowie Archive für Foto- und Videomaterial. Dazu kommen staatliche Veröffentlichungen, Pressemitteilungen, Reden, Broschüren und andere Dokumente. Diese Bestände dienen sowohl der Verwaltungsdokumentation als auch der historischen Überlieferung.
Kultur
Die beiden Inselteile repräsentieren die jeweilige Kultur der Mutterländer mit karibischen Einschlägen.
Museen
Die Museen auf Saint Martin decken ein breites Spektrum von Geschichte, Natur, karibischer Piratenvergangenheit und sogar Filmkultur ab.
Das Sint Maarten Museum in Philipsburg ist die wichtigste historische Museumseinrichtung auf der niederländischen Seite. Es befindet sich an der Front Street und dokumentiert die Geschichte von Sint Maarten von der vorkolonialen Zeit bis zur Gegenwart. Die Sammlung umfasst archäologische Funde, historische Gegenstände, Fotografien, Karten, Werkzeuge, Haushaltsgegenstände und andere Zeugnisse des früheren Alltagslebens. Einen wichtigen Bereich bilden die indigenen Kulturen, die europäische Kolonisierung und die Entwicklung der niederländischen Seite. Auch die Zeit der Plantagenwirtschaft und der Sklaverei wird behandelt. Das Museum zeigt darüber hinaus Gegenstände aus dem traditionellen Leben der Bevölkerung und vermittelt die Veränderungen, die durch Handel, Migration und Tourismus entstanden.
Ein wichtiger Teil der historischen Museumsarbeit betrifft die vorkoloniale Vergangenheit. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung der Insel bereits mehrere Jahrtausende vor der Ankunft der Europäer. Keramik, Steinwerkzeuge, Muscheln und andere Fundstücke geben Hinweise auf Ernährung, Handwerk und Siedlungsweise der früheren Bevölkerung. Diese Funde sind besonders wichtig, weil die schriftlichen Quellen über die vorkoloniale Geschichte der Insel begrenzt sind.
Auf der französischen Seite befindet sich in Marigot das Musée de Saint-Martin – Musée du Patrimoine, das sich mit dem historischen und kulturellen Erbe von Saint-Martin beschäftigt. Die Sammlung umfasst unter anderem archäologische Objekte, historische Haushaltsgegenstände, Werkzeuge, Fotografien und Dokumente. Behandelt werden die vorkoloniale Besiedlung, die europäische Kolonialgeschichte, die Entwicklung der Plantagenwirtschaft, die Sklaverei und die gesellschaftlichen Veränderungen bis in die Neuzeit.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Alltagsgeschichte. Neben politischen und wirtschaftlichen Ereignissen werden traditionelle Kleidung, landwirtschaftliche Geräte, Haushaltsgegenstände, Handwerk und Gegenstände des täglichen Lebens dokumentiert. Dadurch wird die Geschichte nicht ausschließlich anhand der Kolonialverwaltungen dargestellt, sondern auch anhand der Lebensweise der Bevölkerung.
Die Geschichte der Sklaverei und ihrer Abschaffung bildet einen weiteren wichtigen Bereich der historischen Erinnerung. Auf Saint-Martin bestanden während der Kolonialzeit Plantagen, auf denen versklavte Menschen arbeiteten. Die französische Seite schaffte die Sklaverei 1848 ab, während sie im niederländischen Teil 1863 abgeschafft wurde. Museen und historische Einrichtungen beschäftigen sich deshalb mit den unterschiedlichen kolonialen Systemen und den langfristigen gesellschaftlichen Folgen der Sklaverei.
Eine besondere historische Sehenswürdigkeit ist Fort Louis oberhalb von Marigot. Die Anlage ist kein Museum im engeren Sinne, gehört jedoch zu den wichtigsten historischen Stätten der französischen Inselhälfte. Die Befestigung wurde im 18. Jahrhundert ausgebaut und sollte Marigot Bay und die dortigen Handelsanlagen schützen. Von der Festung sind heute noch umfangreiche Mauerreste erhalten. Informationstafeln vermitteln Besuchern die Geschichte der Anlage und ihrer militärischen Funktion.
Auf der niederländischen Seite gehört Fort Amsterdam zu den bedeutenden historischen Anlagen. Die Befestigung wurde 1631 von den Niederländern errichtet und steht in engem Zusammenhang mit der frühen niederländischen Besiedlung. Auch Fort Amsterdam ist kein klassisches Museum mit einer umfangreichen Dauerausstellung, besitzt aber für die historische Vermittlung der Insel große Bedeutung. Die Ruinen gehören zu den wichtigsten sichtbaren Zeugnissen der frühen Kolonialgeschichte von Sint Maarten.
Das Yoda Guy Movie Exhibit in Philipsburg nimmt innerhalb der Museumslandschaft eine besondere Stellung ein. Die Sammlung geht auf den Masken- und Spezialeffektkünstler Nick Maley zurück, der an verschiedenen Filmproduktionen beteiligt war. Zu den ausgestellten Objekten gehören Modelle, Masken, Requisiten und Materialien aus der Filmproduktion. Das Museum beschäftigt sich damit weniger mit der Geschichte von Saint-Martin als mit Filmgeschichte und Spezialeffekten und stellt damit eine eher ungewöhnliche kulturelle Einrichtung der Insel dar.
Daneben gibt es kleinere Ausstellungen und private Sammlungen, die sich mit der maritimen Geschichte beschäftigen. Die Lage Saint-Martins an wichtigen historischen Schifffahrtswegen führte über Jahrhunderte zu einer engen Verbindung mit Seefahrt, Fischerei, Handel und Hafenwirtschaft. Modelle, Werkzeuge, Navigationsgegenstände und Fotografien vermitteln teilweise diese maritime Vergangenheit.
Die Museen und historischen Einrichtungen arbeiten teilweise mit Schulen und Kulturorganisationen zusammen. Führungen, Vorträge, Workshops und Sonderausstellungen dienen dazu, historische Kenntnisse an jüngere Generationen weiterzugeben. Besonders die Themen vorkoloniale Besiedlung, Sklaverei, Emanzipation, Teilung der Insel und kulturelle Vielfalt sind Bestandteil der historischen Bildungsarbeit.
Auch Natur und Umwelt werden über Ausstellungen und Besucherzentren vermittelt. Dabei stehen insbesondere die geschützten Küstengebiete, Mangroven, Korallenriffe und die marine Tierwelt im Mittelpunkt. Die Réserve naturelle nationale de Saint-Martin auf der französischen Seite besitzt hierfür eine besondere Bedeutung, auch wenn sie selbst kein Museum ist. Informationen über Meeresschutz, Korallenriffe, Meeresschildkröten und andere geschützte Arten werden im Rahmen von Umweltbildungsprogrammen vermittelt.
Architektur
Erste dauerhafte europäische Siedlungsansätze entstanden im 17. Jahrhundert. Die Niederländer errichteten 1631 eine kleine Befestigung und Siedlung am heutigen Philipsburg, während sich französische Siedler vor allem im Norden und Osten der Insel niederließen. Aus dieser Entwicklung entstand eine regional unterschiedliche, zugleich aber eng miteinander verbundene Baukultur.
Auf dem französischen Inselteil Saint-Martin finden sich traditionelle karibische Wohnhäuser, die französische und westindische Bauformen miteinander verbinden. Ältere Gebäude besitzen häufig eine einfache rechteckige Grundform, teilweise zwei Geschosse, überdachte Veranden, hölzerne Balkone und Fensterläden. Die Gebäude wurden an das tropische Klima angepasst. Große Fenster und Türen ermöglichen eine Querlüftung, während Veranden und vorspringende Dächer Schutz vor Sonne und Niederschlägen bieten. Bei historischen Häusern wurden Holz, Naturstein und Kalkmörtel verwendet. In den älteren Ortskernen von Marigot und Grand Case sind einzelne Gebäude erhalten, die diese traditionelle Bauweise erkennen lassen. Durch Hurrikane, Brände, Umbauten und die starke bauliche Entwicklung seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist der historische Bestand jedoch nur noch teilweise erhalten.
Ein charakteristisches Element der historischen Kulturlandschaft sind Trockenmauern, die auf Saint-Martin häufig als murs d’esclavage bezeichnet werden. Sie entstanden insbesondere im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Nutzung und der Abgrenzung von Grundstücken während der Plantagenzeit und wurden unter anderem von versklavten Menschen errichtet. Die Mauern bestehen aus lokal verfügbarem Stein, der ohne durchgehende Mörtelfugen aufgeschichtet wurde. Ihre Funktion bestand vor allem in der Abgrenzung und Terrassierung von Flächen sowie teilweise in der Einfassung landwirtschaftlich genutzter Grundstücke. Die Erklärung, ihre offene Bauweise sei speziell dazu entwickelt worden, starken Wind durchzulassen und dadurch Sturmschäden zu verringern, lässt sich nicht als allgemeines historisches Bauprinzip belegen.
Auf dem niederländischen Teil Sint Maarten ist die historische Architektur besonders in Philipsburg erkennbar. Die Stadt entstand ab 1763 und entwickelte sich zu einem Handelszentrum am Great Bay. Entlang von Front Street und Back Street befinden sich historische Gebäude mit für die niederländische Karibik typischen Elementen. Dazu gehören schmale, mehrgeschossige Häuser, Holzdetails, überdachte Galerien, Fensterläden und steile beziehungsweise leicht geneigte Dächer. Die historische Bebauung wurde allerdings vielfach verändert oder durch Neubauten ersetzt. Niederländische Einflüsse zeigen sich deshalb weniger in einem einheitlichen Baustil als in einzelnen Gebäudetypen, Grundrissen und Fassadengestaltungen.
Eine besondere Stellung nimmt die militärische Architektur ein. Fort Amsterdam bei Philipsburg wurde 1631 von den Niederländern errichtet und gehörte zu den frühen europäischen Befestigungsanlagen der Insel. Die Anlage lag strategisch oberhalb der Einfahrt zur Great Bay und sollte den Hafen und die niederländische Siedlung schützen. Später entstanden weitere Befestigungen beziehungsweise wurden bestehende Anlagen erweitert. Auf französischer Seite ist vor allem Fort Louis oberhalb der Marigot Bay von Bedeutung. Die heutige Anlage geht auf eine französische Befestigung zurück, die im späten 18. Jahrhundert ausgebaut wurde. Die Festungen gehören zu den wichtigsten erhaltenen baulichen Zeugnissen der kolonialen Geschichte der Insel.
Neben den historischen Festungen prägen auch Kirchen, ehemalige Plantagengebäude, Friedhöfe, Speicher- und Handelsbauten sowie ältere Wohnhäuser die gebaute Kulturlandschaft. Die religiöse Architektur umfasst insbesondere katholische Kirchen auf der französischen Seite sowie protestantische und andere christliche Kirchen auf beiden Inselteilen. Wegen der unterschiedlichen kolonialen und administrativen Entwicklung weisen die Gebäude dabei teilweise französische beziehungsweise niederländisch-karibische Gestaltungselemente auf.
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich die Architektur durch das starke Bevölkerungswachstum und die Entwicklung des Fremdenverkehrs grundlegend verändert. In Philipsburg, Simpson Bay, Cole Bay, Marigot, Grand Case, Orient Bay und anderen Siedlungsgebieten entstanden Hotels, Ferienanlagen, Apartmenthäuser, Villen, Einkaufszentren, Restaurants, Bürogebäude und technische Infrastruktur. Besonders auf dem niederländischen Teil nahm die Zahl größerer touristischer und kommerzieller Gebäude stark zu. Auf dem französischen Teil entstanden ebenfalls zahlreiche Ferienhäuser, kleinere Hotels und Apartmentanlagen, häufig in einer an regionalen Formen orientierten Gestaltung.
Die moderne Architektur verwendet neben Beton, Stahl und Glas weiterhin Elemente der karibischen Bauweise. Überdachte Terrassen, Balkone, große Fenster, Sonnenschutz, helle Fassaden und offene Grundrisse sind bei vielen neueren Gebäuden anzutreffen. Gleichzeitig haben internationale Hotel-, Wohn- und Geschäftsarchitektur sowie Anforderungen an Hurrikansicherheit und moderne Gebäudetechnik die traditionelle Bauweise deutlich verändert. Die Gebäude müssen insbesondere hohen Windgeschwindigkeiten, Starkregen und der salzhaltigen Meeresluft standhalten. Nach schweren Hurrikanen wie Luis 1995 und Irma 2017 wurden zahlreiche Gebäude beschädigt oder vollständig neu errichtet, wodurch sich das Erscheinungsbild einzelner Orte zusätzlich veränderte.
Bildende Kunst
Eine bedeutende Stellung im bildnerischen nimmt die Landschaftsmalerei ein. Zu den bekanntesten Künstlern der Insel gehört Sir Roland Richardson (1944–), Maler. Er wurde 1944 in Marigot geboren und arbeitet seit Jahrzehnten vor allem direkt vor dem Motiv, also „en plein air“. Seine Gemälde, Aquarelle, Pastelle und grafischen Arbeiten beschäftigen sich mit der Landschaft, Vegetation, Architektur und dem Alltagsleben von Saint-Martin. Zu seinen wiederkehrenden Motiven gehören unter anderem Flamboyantbäume, Küstenlandschaften, historische Häuser, Märkte und Menschen. Richardson verwendet neben Ölmalerei auch Aquarell, Pastell, Zeichnung und verschiedene Verfahren der Druckgrafik. Sein Werk ist in privaten und öffentlichen Sammlungen in der Karibik, Europa und Nordamerika vertreten.
In Marigot befindet sich das Roland Richardson Gallery Museum in einem restaurierten historischen Gebäude in der Rue de la République. Dort werden Arbeiten des Künstlers zusammen mit dem historischen Gebäude und seinem Garten präsentiert. Die Galerie verbindet damit bildende Kunst mit der Geschichte und Architektur des französischen Inselteils.
Eine weitere wichtige Vertreterin der lokalen Kunst ist Ruby Bute, die insbesondere als Malerin, Erzählerin und Kulturvermittlerin bekannt wurde. Sie wurde 1943 auf Aruba geboren und kehrte 1976 zu ihren familiären Wurzeln nach Saint-Martin zurück. Ihre Arbeiten greifen häufig karibische Landschaften, Menschen, Pflanzen und Alltagsszenen auf. Unter ihrem Namen ist die Silk Cotton Gallery auf Saint-Martin mit ihrem künstlerischen Schaffen verbunden. Auch aus beschädigten Gebäudeteilen und alten Fensterläden entstanden nach dem Hurrikan Irma bemalte Kunstwerke, wodurch zerstörte Bauelemente in neue künstlerische Arbeiten überführt wurden.
Neben Richardson und Bute gehören weitere auf der Insel arbeitende Maler, Bildhauer und Kunsthandwerker zur lokalen Kunstszene. Zu den genannten Künstlern zählen unter anderem Ras Mosera und Constant Griffith sowie Künstler verschiedener Herkunft, die zeitweise oder dauerhaft auf Saint-Martin beziehungsweise Sint Maarten arbeiten. Auch der US-amerikanische Künstler Romare Bearden hielt sich über längere Zeit auf Saint-Martin auf und verwendete Motive der Insel und der Karibik in seinem Werk.
Die Galerien der Insel präsentieren sowohl Malerei und Skulptur als auch Kunsthandwerk. Ein Beispiel ist The Art Box Gallery in Cole Bay auf Sint Maarten. Die Galerie befindet sich an der Welfare Road und führt Arbeiten von mehr als 30, überwiegend karibischen Künstlern. Zum Angebot gehören Originalgemälde, Reproduktionen, Skulpturen, Keramik, antike Karten, handgefertigter Schmuck, handbemalte Textilien und Korbwaren. Damit verbindet die Galerie den Verkauf bildender Kunst mit lokalem und regionalem Kunsthandwerk.
Das Kunsthandwerk überschneidet sich dabei teilweise mit der bildenden Kunst. Schmuck aus Silber und Gold, Arbeiten mit Edelsteinen und Perlen, Keramik, Holzarbeiten, Skulpturen, Korbwaren und textile Arbeiten werden sowohl von spezialisierten Kunsthandwerkern als auch von Künstlern hergestellt. Die verwendeten Motive greifen häufig Pflanzen, Tiere, maritime Themen, karibische Landschaften und Elemente der lokalen Kultur auf. Die Art Box Gallery führt beispielsweise neben Gemälden auch Schmuck, Keramik, Skulpturen und textile Arbeiten regionaler Künstler.
Eine besondere Form des öffentlichen künstlerischen Ausdrucks ist die Wandmalerei. In Philipsburg entstanden Wandbilder in verschiedenen Gassen und öffentlichen Bereichen, die unter anderem historische Themen und Personen der Inselgeschichte darstellen. Dadurch wird bildende Kunst nicht nur in Galerien, sondern auch im öffentlichen Raum präsentiert.
Nach dem Hurrikan Irma im September 2017 gewann die künstlerische Gestaltung beschädigter oder neu entstandener öffentlicher Räume zusätzlich an Bedeutung. Künstler nutzten unter anderem beschädigte Gebäudeteile und andere Materialien für neue Arbeiten. Die Verbindung von Kunst und Wiederaufbau zeigt sich damit sowohl in Wandmalereien als auch in der Wiederverwendung von Materialien. Die Darstellung solcher Arbeiten als allgemeines „Symbol der Hoffnung“ ist allerdings eine Interpretation und sollte nicht als einheitliche Bedeutung sämtlicher nach Irma entstandener Wandbilder dargestellt werden.
Literatur
Die Literatur von Saint-Martin/Sint Maarten ist durch die mehrsprachige und historisch vielfältige Bevölkerung der Insel geprägt. Französische, englische und kreolische Sprachtraditionen bestehen nebeneinander, während die niederländische Kolonialgeschichte ebenfalls Spuren in der schriftlichen Überlieferung hinterlassen hat. Eine eigenständige Inseltradition entwickelte sich sowohl in mündlichen Erzählformen als auch in Gedichten, Romanen, autobiografischen Texten, historischen Arbeiten und journalistischen Veröffentlichungen.
Eine wichtige Grundlage der lokalen Literatur bildet die mündliche Überlieferung. Geschichten über die vorkoloniale Bevölkerung, die europäische Besiedlung, die Zeit der Plantagenwirtschaft, die Sklaverei und ihre Abschaffung sowie über das Leben in den einzelnen Ortschaften wurden über Generationen weitergegeben. Dazu gehören Erzählungen über historische Persönlichkeiten, Familiengeschichten, lokale Ortsnamen und übernatürliche Geschichten. Diese mündliche Tradition ist besonders für die Bewahrung von Erinnerungen aus Zeiten bedeutsam, aus denen nur wenige schriftliche Quellen aus der Perspektive der lokalen Bevölkerung erhalten sind.
Die Geschichte der Insel ist ein wiederkehrendes Thema der Literatur. Autoren beschäftigen sich mit der spanischen, französischen, niederländischen und britischen Kolonialzeit, der Teilung der Insel im Jahr 1648, der Plantagenwirtschaft und der Sklaverei. Auch die Abschaffung der Sklaverei und die gesellschaftlichen Veränderungen des 19. und 20. Jahrhunderts finden Eingang in historische und literarische Arbeiten. Die Erinnerung an die versklavte Bevölkerung und ihre Nachkommen bildet dabei einen wichtigen Bestandteil der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die kulturelle Identität. Die Bevölkerung von Saint-Martin/Sint Maarten setzt sich aus Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, weshalb Literatur häufig Fragen nach Zugehörigkeit, Mehrsprachigkeit und dem Verhältnis zwischen lokaler und internationaler Kultur behandelt. Die politische Grenze zwischen dem französischen Saint-Martin und dem niederländischen Sint Maarten ist dabei ebenfalls ein wiederkehrendes Thema. Literarische und autobiografische Texte können die Insel als einen gemeinsamen Lebensraum darstellen, obwohl sie administrativ zwei unterschiedlichen politischen Systemen angehört.
Migration ist ebenfalls ein bedeutendes Motiv. Im 20. und 21. Jahrhundert kamen Menschen aus zahlreichen karibischen Staaten sowie aus Europa, Nordamerika und Lateinamerika auf die Insel. Diese Bevölkerungsbewegungen beeinflussten die Alltagssprache, Familienstrukturen und kulturellen Beziehungen. In literarischen Arbeiten werden deshalb Erfahrungen von Migration, Heimat, sprachlicher Zugehörigkeit und dem Leben zwischen verschiedenen kulturellen Traditionen behandelt.
Die Mehrsprachigkeit zeigt sich unmittelbar in der Literatur. Auf der französischen Seite entstehen Texte vor allem auf Französisch und in französischbasierten kreolischen Sprachformen, während auf Sint Maarten Englisch die wichtigste literarische und journalistische Sprache ist. Niederländisch spielt aufgrund des politischen Status von Sint Maarten als Land innerhalb des Königreichs der Niederlande ebenfalls eine Rolle, ist im alltäglichen literarischen Leben jedoch weniger dominant als Englisch. Daneben können Spanisch und weitere Sprachen der eingewanderten Bevölkerung auftreten.
Auch die natürliche Umwelt der Insel findet Eingang in die Literatur. Meer, Strände, Buchten, Korallenriffe, Salzseen, trockene Hügel und tropische Vegetation dienen als Motive in Gedichten, Erzählungen und anderen Texten. Gleichzeitig beschäftigen sich Sachbücher und journalistische Arbeiten mit Fragen des Küstenschutzes, der Meeresökologie, der Hurrikane und der Auswirkungen des starken Tourismus auf die Umwelt.
Zu den wichtigen literarischen Ausdrucksformen gehören Gedichte, Kurzgeschichten, Romane und persönliche Erinnerungen. Daneben existiert eine umfangreiche nichtfiktionale Literatur über Geschichte, Genealogie, Kultur und Politik der Insel. Historische Publikationen dokumentieren unter anderem die koloniale Entwicklung, die Sklaverei, die Teilung von 1648 und die Entwicklung der modernen Gesellschaft. Reiseführer und touristische Literatur bilden einen weiteren Bereich, wobei dort naturgemäß stärker die touristische Nutzung und Sehenswürdigkeiten im Mittelpunkt stehen.
Theater
Auf der niederländischen Seite spielt das Indisu Dance Theater eine wichtige Rolle in der Vermittlung von Tanz und darstellender Kunst. Die Einrichtung bietet Unterricht und Trainingsmöglichkeiten für verschiedene Altersgruppen und verbindet tänzerische Ausbildung mit öffentlichen Aufführungen. Damit richtet sich das Angebot nicht ausschließlich an professionelle Tänzer, sondern besitzt auch eine Funktion in der kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen.
Tanz nimmt insgesamt einen größeren Stellenwert ein als das klassische Sprechtheater. Die enge Verbindung zur karibischen Musik zeigt sich bei Aufführungen von traditionellen und modernen Tänzen ebenso wie bei Bühnenprogrammen während des Karnevals. Choreografien greifen unter anderem Soca, Calypso, Reggae, Zouk und andere karibische Musikrichtungen auf. Gleichzeitig werden moderne Tanzformen und internationale Stilrichtungen vermittelt.
Während des Karnevals finden zahlreiche Aufführungen statt, bei denen Tanzgruppen, Musiker und Sänger gemeinsam auftreten. Paraden und Bühnenprogramme verbinden Musik, Choreografie, Kostüme und szenische Elemente. Dadurch entstehen Aufführungen, die zwischen Konzert, Tanzveranstaltung und Straßentheater liegen. Auch kleinere lokale Feste nutzen diese Formen der darstellenden Kunst.
Schauspiel wird außerdem durch Schulen und Kulturorganisationen vermittelt. Schulische Theateraufführungen bieten Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten, Schauspiel, Sprache, Bewegung und Bühnenpräsentation praktisch zu erlernen. Zu den dabei vermittelten Bereichen gehören neben dem Schauspiel auch Grundlagen der Regie, Choreografie, Bühnenausstattung und Veranstaltungsorganisation. Solche Projekte haben insbesondere für die Nachwuchsförderung Bedeutung, da nur wenige eigenständige professionelle Theaterinstitutionen auf der Insel bestehen.
Die Mehrsprachigkeit der Insel prägt auch die darstellenden Künste. Aufführungen können auf Englisch, Französisch oder in lokalen kreolischen Sprachformen stattfinden. Bei internationalen Veranstaltungen wird teilweise auch Spanisch verwendet. Die unterschiedlichen Sprachtraditionen ermöglichen es, sowohl die französische als auch die niederländisch-karibische und die englischsprachige Kultur der Insel einzubeziehen.
Neben eigentlichen Theaterproduktionen gehören Lesungen, Poetry-Veranstaltungen, Comedy, musikalische Bühnenprogramme und kulturelle Präsentationen zum lokalen Veranstaltungsangebot. Insbesondere kleinere Veranstaltungen werden in Restaurants, Bars und Clubs durchgeführt. Open-Air-Veranstaltungen bieten wegen des tropischen Klimas zusätzliche Möglichkeiten für Bühnenprogramme und kulturelle Aufführungen.
Film
Das Megaplex 7 ist das bekannteste Kino in St. Maarten mit moderner Ausstattung, in dem neben Filmen auch gelegentlich kulturelle Events stattfinden.
Der Hollywood-Filmb „Speed 2: Cruise Control“ (1997) mit Sandra Bullock zeigt in der Schlusssequenz eine computergenerierte Version von Marigot, der Hauptstadt im französischen Teil. Viele Bewohner der Insel erinnern sich an die Dreharbeiten und die Enthüllung des Films, der die karibische Kulisse eindrucksvoll nutzt.
Die Reality-TV-Serie „Below Deck“, die das Leben auf Luxusyachten zeigt, wurde mehrfach auf Sint Maarten gedreht, da die Insel ein wichtiger Yacht-Hafen in der Karibik ist.
Der Film „Once Around“ (1991) ist eine romantische Komödie, die teilweise auf Saint Martin spielt. Eine ikonische Szene zeigt ein Tanz-Paar auf dem Dach des Simpson Bay Resort.
Der niederländische Film „The Heineken Kidnap“ spielt zwar nicht direkt auf Saint Martin, nutzt aber die Insel wegen ihrer besonderen Rechtslage in der Geschichte und als Versteck für die Entführer des CEO der Brauerei Heineken.
Die französische Serie „Saint Martin – Abenteuer unter Palmen“ (Les vacances de l’amour, 1996is 1998) ist eine Soap, die auf Saint Martin spielt und Touristik sowie Beziehungsdramen in der Karibik thematisiert.
Es gibt zudem Dokumentationen und Reisefilme, wie „Island Fever“, die das Leben, die Natur und Kultur der Insel beleuchten. Berichte über den Hurrikan Irma und seine Folgen sind auch Thema in Reportagen und Fernsehdokumentationen.
Musik und Tanz
Die Musikkultur von Saint-Martin/Sint Maarten ist durch die Verbindung afrokaribischer, europäischer und lateinamerikanischer Traditionen geprägt. Die politische Teilung der Insel hat dabei keine scharfe musikalische Grenze geschaffen. Musiker, Bands, Tanzgruppen und Veranstalter treten auf beiden Seiten auf, während englische, französische und kreolische Texte nebeneinander verwendet werden. Musik erfüllt sowohl eine unterhaltende als auch eine gesellschaftliche und kulturelle Funktion und spielt insbesondere bei Karneval, Straßenfesten, Familienfeiern und anderen öffentlichen Veranstaltungen eine wichtige Rolle.
Calypso gehört zu den traditionellen Musikrichtungen der Karibik und ist auch auf Saint-Martin/Sint Maarten Bestandteil der lokalen Festkultur. Charakteristisch sind rhythmische Begleitung und häufig textorientierte Lieder, in denen gesellschaftliche Ereignisse, Alltag, Politik und persönliche Erfahrungen behandelt werden. Die Tradition entwickelte sich besonders auf Trinidad und Tobago und verbreitete sich von dort über zahlreiche karibische Inseln. Auf Saint-Martin ist Calypso vor allem mit dem Karneval und den dort ausgetragenen Calypso-Wettbewerben verbunden.
Eng damit verbunden ist Soca. Die auf Trinidad entstandene Musikrichtung entwickelte sich aus Calypso und nahm Einflüsse unter anderem aus Soul und Funk auf. Auf Sint Maarten ist Soca besonders während der Karnevalszeit verbreitet. Schnelle Rhythmen, stark betonte Percussion und tanzorientierte Arrangements bestimmen viele Auftritte. Neben Calypso und Soca gehören Reggae, Dancehall, Zouk, Kompa, R&B, Hip-Hop, Jazz, Blues und verschiedene Formen lateinamerikanischer Musik zum Repertoire der lokalen Musikszene.
Zouk besitzt wegen der französischen und französisch-karibischen Verbindungen eine besondere Bedeutung. Die Musikrichtung entstand in den französischen Antillen und wurde vor allem durch Musiker aus Guadeloupe und Martinique international bekannt. Auf Saint-Martin gehört Zouk sowohl zur Unterhaltungsmusik als auch zum Repertoire bei Festen und Tanzveranstaltungen. Hinzu kommen karibische Musikformen aus anderen Inselstaaten, die durch die internationale Bevölkerung nach Saint-Martin gelangten.
Eine weitere wichtige Tradition ist die Steelpan-Musik. Steelpans entstanden in Trinidad und Tobago und bestehen aus unterschiedlich gestimmten Metallinstrumenten, die aus Stahlfässern entwickelt wurden. Auf Saint-Martin werden Steelpan-Ensembles insbesondere bei kulturellen Veranstaltungen, Karnevalsumzügen und anderen öffentlichen Festen eingesetzt. Die Instrumente sind Teil der afrokaribischen Musikkultur und werden häufig mit Calypso und Soca kombiniert.
Eine besondere Stellung besitzt der Ponum-Tanz. Ponum wird als traditioneller Tanz von Sint Maarten gepflegt und ist eng mit der Geschichte der Emanzipation der ehemals versklavten Bevölkerung verbunden. Die Tradition wird mit dem Ende der Sklaverei auf der französischen Seite im Jahr 1848 in Verbindung gebracht. Bei der Abschaffung der Sklaverei auf den niederländischen Kolonialgebieten kam es dagegen erst 1863 zur gesetzlichen Aufhebung. Der Tanz wird daher heute auch als Bestandteil des historischen und kulturellen Erbes der Insel verstanden.
Beim Ponum bilden die Tänzerinnen und Tänzer traditionelle Bewegungsformen und Schrittfolgen, die von Musik und Gesang begleitet werden. Die Aufführung besitzt einen gemeinschaftlichen Charakter und wird insbesondere bei kulturellen Veranstaltungen gezeigt. Die Tradition war im 20. Jahrhundert zeitweise stark zurückgegangen und wurde später durch Kulturvereine, Schulen und lokale Kulturschaffende wieder stärker gepflegt. Heute gehört Ponum zu den Tänzen, mit denen die Geschichte der Insel und insbesondere die Erinnerung an die Abschaffung der Sklaverei vermittelt wird.
Der Karneval ist der wichtigste wiederkehrende Rahmen für öffentliche Musik- und Tanzveranstaltungen. Auf Sint Maarten findet der Carnival mit Paraden, Steelbands, Calypso- und Soca-Auftritten, Tanzgruppen und Wettbewerben statt. Ein wesentlicher Bestandteil ist der Grand Carnival Parade in Philipsburg. Die Kostüme, Wagen, Musikgruppen und Tanzformationen ziehen dabei durch die Straßen der Hauptstadt. Der Karneval verbindet Unterhaltung mit lokalen musikalischen Traditionen und bietet Musikern und Tanzgruppen eine öffentliche Bühne.
Zu den Wettbewerben gehört der Calypso Monarch, bei dem Sänger mit selbst verfassten Calypso-Liedern gegeneinander antreten. Die Texte behandeln häufig aktuelle Ereignisse und gesellschaftliche Themen. Für Nachwuchsmusiker gibt es unter anderem Junior-Calypso-Veranstaltungen. Dadurch wird die Calypso-Tradition auch an jüngere Generationen weitergegeben.
Neben dem Karneval gibt es zahlreiche kleinere Konzerte, Straßenfeste, Kulturveranstaltungen und Musikabende. Bars, Restaurants und Hotels veranstalten regelmäßig Live-Musik mit lokalen und internationalen Musikern. Dabei reicht das Programm von karibischer Tanzmusik über Jazz und Blues bis zu Rock, Reggae und moderner Popmusik. Durch den internationalen Tourismus treten auf der Insel außerdem Musiker aus anderen karibischen Staaten, Nordamerika und Europa auf.
Auch elektronische Musik hat einen festen Platz in der modernen Veranstaltungskultur. Das SXM Festival, das seit 2016 auf Saint-Martin stattfindet, verbindet elektronische Musik mit Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten der Insel. DJs und Produzenten aus verschiedenen Ländern treten dabei unter anderem in Strandclubs, Bars und anderen Veranstaltungsorten auf. Das Festival gehört damit zu den internationalen Musikveranstaltungen, die Saint-Martin über die traditionelle karibische Musik hinaus als Veranstaltungsort etabliert haben.
Die lokale Musikszene umfasst sowohl professionelle Musiker als auch zahlreiche Amateur- und Gemeinschaftsgruppen. Schulen, Kulturvereine und Jugendprogramme tragen zur Vermittlung von Musik und Tanz bei. Dabei werden traditionelle Formen wie Ponum und Calypso ebenso weitergegeben wie moderne Musikrichtungen. Die Mehrsprachigkeit der Insel spiegelt sich auch in den Liedtexten wider: Englisch, Französisch, französisch- und englischbasierte Kreolsprachen sowie Spanisch kommen je nach Künstler und Publikum zum Einsatz.
Kleidung
Die traditionelle Kleidung auf Saint Martin und Sint Maarten ist eng mit der karibischen Kultur und Geschichte der Insel verbunden. Ein besonders markantes Element ist der Madras-Stoff, der ursprünglich aus Madras (Indien) stammt und im karibischen Raum weit verbreitet ist. Er wird in einem farbenprächtigen Patchwork-Stil verwendet und ist Bestandteil der traditionellen Frauenkleidung. Das Outfit besteht meist aus fünf Teilen: einer weißen Baumwoll- oder Poplin-Bluse mit französischem Stickerei-Detail (Broderie Anglaise) und roten Bändern, einem bodenlangen Rock mit Spitzen und roten Bändern, einem kürzeren Überrock aus Madras-Stoff, einem Kopftuch (Tête en l’air), das je nach Bindungsart den Familienstand einer Frau signalisiert, sowie einem dreieckigen Seidenschal, der bei offiziellen Anlässen und traditionellen Tänzen getragen wird.
Die Kopfbedeckung (Tête en l’air) symbolisiert durch die Anzahl der Spitzen, die sichtbar gebunden sind, den Beziehungsstatus der Frau: eine Spitze bedeutet Single, zwei verheiratet, drei verwitwet oder geschieden, vier offen für Werbungen.
Diese Kleidung wird oft bei kulturellen Feiern, traditionellen Tänzen wie dem Quadrille (dem Nationaltanz) und nationalen Festtagen getragen und gilt als Symbol des karibischen Erbes und der Identität der Inselbewohner.
Neben der traditionellen Tracht ist auf der Insel das tägliche Kleidungsverhalten von lässiger, leichter Sommerkleidung geprägt, die dem tropischen Klima entspricht. Für formelle Anlässe wird oft ein eleganter, smarter Casual-Look bevorzugt, während am Strand Badebekleidung üblich ist.
Es gibt auch künstlerische Verbindungen, wie die „Titah Frock“-Puppen, die mit bunten Patchwork-Kleidern aus Madras-Stoff geschmückt werden, was die kulturelle Bedeutung und Handwerkskunst rund um die traditionelle Kleidung unterstreicht.
Kulinarik und Gastronomie
Die Inselküche unterscheidet sich zwischen dem französischen und dem niederländischen Teil, wobei sich die gastronomischen Traditionen aufgrund der engen räumlichen Verbindung der beiden Inselhälften überschneiden. Besonders deutlich ist die internationale Ausrichtung in den touristischen Zentren, in denen neben einheimischen Gerichten französische, italienische, amerikanische, asiatische und lateinamerikanische Küche angeboten werden.
Auf der französischen Seite besitzt Grand Case eine besonders hohe Dichte an Restaurants. Der Ort ist für seine Restaurants entlang der Hauptstraße und an der Bucht bekannt. Neben gehobener französischer Küche werden dort kreolische Gerichte, Fisch und Meeresfrüchte sowie karibische Spezialitäten angeboten. Eine lokale Besonderheit sind die sogenannten Lolos. Dabei handelt es sich um einfache, meist familiengeführte Grillrestaurants, in denen Fleisch und Fisch auf großen Grills zubereitet und mit Reis, Bohnen, Salat, Gemüse, Kochbananen oder anderen Beilagen serviert werden. Die Lolos gehören zu den charakteristischen Einrichtungen der Gastronomie von Grand Case und verbinden eine einfache Zubereitung mit traditionellen karibischen Speisen.
Zu den typischen Gerichten der kreolischen Küche gehören gegrillter oder gebratener Fisch, Hummer, Languste, Muscheln, Krabben und andere Meeresfrüchte. Fisch und Meeresfrüchte haben aufgrund der Lage der Insel und der traditionellen Fischerei einen festen Platz in der Ernährung. Zubereitet werden sie unter anderem gegrillt, gebraten, geschmort oder in würzigen Saucen. Auch Fischsuppen und Eintöpfe sind Bestandteil der regionalen Küche.
Ein bekanntes Gericht der französischen Karibik ist Colombo. Dabei handelt es sich um ein gewürztes Schmorgericht, das mit Fleisch, Geflügel oder Fisch zubereitet werden kann. Die Gewürzmischung enthält unter anderem Kurkuma, Koriander, Kreuzkümmel und weitere Gewürze. Colombo ist vor allem in den französischen Antillen verbreitet und gehört auch auf Saint-Martin zum kulinarischen Repertoire. Ebenfalls verbreitet sind Accras, kleine frittierte Küchlein, die häufig aus Kabeljau oder anderen Zutaten hergestellt und mit Gewürzen, Kräutern und Gemüse vermischt werden.
Weitere typische Bestandteile der karibischen Küche sind Kochbananen, Maniok, Süßkartoffeln, Yams, Reis und Bohnen. Kochbananen werden gebraten oder frittiert und sowohl zu Fleisch- als auch zu Fischgerichten gereicht. Aus Maniok werden unter anderem Beilagen und verschiedene Teig- und Fladenprodukte hergestellt. Gewürze, Knoblauch, Zwiebeln, Frühlingszwiebeln, Thymian und scharfe Paprika spielen bei der Zubereitung vieler Gerichte eine wichtige Rolle.
Auch Geflügel und Schweinefleisch werden häufig verwendet. Fleisch wird gegrillt, geschmort oder in würzigen Saucen zubereitet. Eine weitere typische Zubereitungsart der Karibik ist das langsame Schmoren, bei dem Fleisch zusammen mit Gemüse, Kräutern und Gewürzen gegart wird. Dazu kommen Reisgerichte und Salate. In vielen Restaurants werden traditionelle karibische Gerichte mit französischen Zubereitungsarten kombiniert.
Die französische Prägung zeigt sich besonders bei Brot, Gebäck, Käse, Desserts und der Restaurantküche. Baguettes, Croissants, Tarte, Crêpes und französische Käseprodukte sind auf Saint-Martin weit verbreitet. Dazu kommen französische Weine und andere importierte Produkte. In den Restaurants von Marigot, Grand Case und Orient Bay reicht das Angebot von einfachen lokalen Gerichten bis zu klassischer französischer und moderner internationaler Küche.
Auf Sint Maarten ist die Küche stärker von der niederländischen und internationalen Karibik geprägt. Typische niederländische Einflüsse finden sich unter anderem bei Käse, Brot, Snacks und bestimmten Fleischgerichten. Gleichzeitig spielen karibische Gerichte eine große Rolle. Zu den verbreiteten Speisen gehören gegrilltes Fleisch, Fisch, Reisgerichte, Bohnen, Kochbananen und verschiedene Eintöpfe. Durch die starke Einwanderung aus anderen karibischen Staaten, Lateinamerika und Asien ist das gastronomische Angebot zusätzlich erweitert worden.
Eine wichtige Spezialität der niederländischen Karibik ist Johnny Cake. Dabei handelt es sich um ein flaches, gebackenes oder gebratenes Mais- beziehungsweise Mehlbrot, das als Beilage oder zusammen mit Fisch, Fleisch und anderen Speisen gegessen wird. Ebenfalls verbreitet sind Pastechi, gefüllte Teigtaschen, die insbesondere auf den ABC-Inseln und in anderen niederländisch geprägten Teilen der Karibik bekannt sind und durch Migration auch auf Sint Maarten angeboten werden.
Die Gastronomie von Sint Maarten ist außerdem stark durch die Einwanderung geprägt. Neben karibischen Gerichten gibt es Restaurants mit chinesischer, indischer, indonesischer, italienischer, mexikanischer, amerikanischer, französischer und lateinamerikanischer Küche. Diese Vielfalt hängt mit der internationalen Bevölkerung der Insel ebenso zusammen wie mit dem Tourismus. In Philipsburg, Simpson Bay, Cole Bay und Maho konzentrieren sich zahlreiche Restaurants, Bars und Cafés auf die unterschiedlichen Besuchergruppen.
Eine besondere Rolle spielen alkoholische Getränke. Rum ist in der gesamten Karibik ein traditionelles Getränk und wird auf Saint-Martin sowohl pur als auch in Cocktails verwendet. Rum-Punsch gehört zu den verbreiteten Getränken. Daneben werden Cocktails mit Fruchtsäften, Limetten, Ananas, Mango und anderen tropischen Früchten zubereitet. Auf der französischen Seite sind außerdem französische Weine, Liköre und Spirituosen Bestandteil des gastronomischen Angebots, während auf Sint Maarten auch niederländische und internationale Bier- und Spirituosenmarken verbreitet sind.
Tropische Früchte werden sowohl frisch als auch für Getränke und Nachspeisen verwendet. Dazu gehören Mango, Papaya, Ananas, Guave, Banane, Kokosnuss und Passionsfrucht. Fruchtsäfte und Fruchtmischgetränke sind in Restaurants, Bars und an Stränden verbreitet.
Die Gastronomie ist eng mit dem Tourismus verbunden. In den Kreuzfahrtgebieten von Philipsburg und entlang der touristisch erschlossenen Küsten entstanden zahlreiche Restaurants, Bars und Cafés, die auf Tagesgäste und internationale Besucher ausgerichtet sind. Auf der französischen Seite konzentriert sich ein bedeutender Teil des gastronomischen Angebots auf Grand Case, Marigot und Orient Bay. Neben traditionellen Lokalen existieren dort zahlreiche Restaurants der gehobenen Preisklasse.
Typische Gerichte:
- Conch & Dumplings mit Reis und Erbsen: Das Nationalgericht auf der niederländischen Seite. Dabei wird die Muschel (Conch) zart gekocht und mit Knödeln und einer würzigen Sauce serviert, begleitet von Reis und Bohnen.
- Callaloo-Suppe: Nationalgericht der französischen Seite, eine dicke grüne Suppe aus Blattgemüse, Schweinefleisch, Okra, Thymian und Gewürzen. Sie ist nahrhaft und ein Genuss, der oft bei Familientreffen serviert wird.
- Johnny Cakes: Flache, leicht süße Brötchen, die als Beilage zu vielen Gerichten gegessen werden.
- Gefüllte Krabbenrücken, Ziegen-, Bullenfuß- oder Ochsenschwanz-Eintopf: Herzhafte Suppen und Eintöpfe, die würzig und sättigend sind.
- Karibische Grillgerichte wie Hühnchen, Schweinefleisch und frische Meeresfrüchte, oft begleitet von Reis, Kochbananen (plantains) und lokalen Gemüsearten.
- Stockfisch (gesalzener Kabeljau) wird vielseitig verwendet, von Eintöpfen bis zum Frühstück mit Johnny Cakes.
- Hummer Thermidor spiegelt den französischen Einfluss wider, eine delikate und luxuriöse Zubereitung von Hummer mit Sahnesoße und Käse überbacken.
- Souse: Eine klare, würzige Brühe mit Fleischsorten und Gemüse, oft als erfrischende Mahlzeit oder Snack serviert.
Festkultur
Auf der Insel gelten die französischen bzw. niederländischen Feiertage.
- 1. Januar - Neujahr
- Mitte Februar - Aschermittwoch
- Ende März / Anfang April - Ostern
- 1. Mai - Tag der Arbeit
- 8. Mai - Tag des Sieges
- Ende Mai / Anfang - Christi Himmelfahrt
- Ende Mai / Anfang Juni - Pfingsten
- 27. Mai - Abschaffung der Sklaverei
- 14. Juli - Tag des Sturmes auf die Bastille (nur im französischen Teil)
- 15. August - Mariä Himmelfahrt
- 1. November - Allerheiligen
- 25./26. Dezember - Weihnachten
Daneben gibt es das ganze Jahr über diverse Feste und kulturelle Veranstaltungen:
- Karneval: Sowohl auf der französischen als auch auf der niederländischen Seite wird der Karneval gefeiert. Auf der französischen Seite (Saint Martin) findet der Karneval im Februar mit Musik, farbenfrohen Kostümen und Paraden in Marigot statt. Auf der niederländischen Seite (Sint Maarten) gibt es eine längere Karnevalssaison von Mitte März bis Anfang Mai mit großen Konzerten, Paraden und zahlreichen Feiern.
- Heineken Regatta: Anfang März findet die Heineken-Regatta statt, das größte Segel-Event der Karibik mit internationalen Teilnehmern und einem Partyprogramm im Regatta Village.
- SXM Musikfestival: Direkt im Anschluss an die Regatta gibt es das SXM Festival, ein großes elektronisches Musikfestival an mehreren Orten auf der Insel, das internationale DJs präsentiert und eine der wichtigsten Veranstaltung im karibischen Raum ist.
- Arrowroot Jollyfication Festival: Ein traditionelles Fest im Dorf Colombier, bei dem die Ernte der Pfeilwurzel und die kulturelle Bedeutung des Krauts gefeiert werden.
- Le Mardis de Grand Case: Dienstags von Februar bis April ist die Straße in Grand Case für einen Kunsthandwerksmarkt mit Musik und lokalen Speisen gesperrt, verbunden mit karibischer Kultur und Festen.
- Oualichi Festival: Im Juli gibt es ein viertägiges Festival mit karibischer Musik wie Soca, Dancehall, Hip Hop und mehr, das die Insel zum musikalischen Mittelpunkt macht.
- Weitere Events umfassen unter anderem Weihnachtsbeleuchtungen und -paraden, Sportläufe, Straßenfeste und diverse kleinere kulturelle Feierlichkeiten das ganze Jahr über.
Medien
Neben den unterschiedlichen Amtssprachen haben sich auf beiden Seiten eigene Zeitungen, Nachrichtenportale und Rundfunkangebote entwickelt. Gleichzeitig arbeiten zahlreiche Medien über die Grenze hinweg und berichten über Ereignisse auf der gesamten Insel. Besonders im digitalen Bereich ist die Trennung weniger deutlich als bei den staatlichen und administrativen Strukturen.
Auf der niederländischen Seite ist The Daily Herald die wichtigste etablierte englischsprachige Tageszeitung. Das in Philipsburg erscheinende Blatt berichtet über Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kriminalität, Sport und internationale sowie regionale Ereignisse. Es besitzt sowohl eine gedruckte Ausgabe als auch ein umfangreiches Onlineangebot. Die Zeitung bezeichnet sich selbst als „The Leading Newspaper for St. Maarten and the Northeast Caribbean“ und unterhält neben der Redaktion in Sint Maarten auch Korrespondenten in anderen Teilen der nordöstlichen Karibik. Die aktuelle Onlineausgabe zeigt, dass neben Nachrichten aus Sint Maarten auch Ereignisse aus Saint-Martin und den übrigen karibischen Gebieten behandelt werden.
Auf der französischen Seite gehört Le Pélican zu den etablierten lokalen Informationsmedien. Die Zeitung berichtet vor allem über das politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben von Saint-Martin. Daneben erscheint St. Martin's Week als englischsprachiges lokales Informationsmedium. Damit besteht auf dem französischen Teil neben dem Französischen auch eine wichtige englischsprachige Medienöffentlichkeit. Weitere lokale und digitale Angebote ergänzen diese Presse, darunter Faxinfo, SXMINFO, Soualiga Post und Le 97150.
Eine Besonderheit der Insel ist, dass viele Nachrichtenmedien nicht ausschließlich auf einen der beiden politischen Teile beschränkt sind. Onlineangebote wie Saint Martin News Network, Soualiga Newsday und weitere lokale Nachrichtenportale berichten über Ereignisse auf beiden Seiten der Grenze. Die digitalen Medien haben dadurch eine gemeinsame Informationssphäre geschaffen, in der politische Entscheidungen, Verkehr, Wetter, Kriminalität, Wirtschaft, Tourismus, Kultur und Veranstaltungen regelmäßig grenzüberschreitend behandelt werden. Das Medienverzeichnis der Organisation SXMDOET führt unter anderem The Daily Herald, SMN-News und Soualiga Newsday als lokale Medienkontakte auf.
Das Radio besitzt ebenfalls eine wichtige Stellung. Auf Sint Maarten senden mehrere private Stationen in englischer Sprache und richten ihr Programm an die mehrsprachige Bevölkerung und die internationale Besucherschaft. Island 92 ist ein etabliertes englischsprachiges Musikradio mit Schwerpunkt auf Rock und Blues. Das Programm umfasst neben Musik auch morgendliche und mittägliche Sendungen sowie Nachrichten, Sport und Informationen aus dem lokalen Umfeld. Weitere Radiostationen sind unter anderem Pearl 98.1 FM, Laser 101.1, Oasis 96.3, Tropixx 105.5, Mix 94.7 und PJD2 102.7 FM. Die staatliche Medieninfrastruktur umfasst außerdem SXMGOV Radio 107.9 FM, das für öffentliche Informationen und insbesondere für behördliche Warnungen und Katastrophenkommunikation genutzt wird.
Auf Saint-Martin bestehen ebenfalls französisch- und englischsprachige Radioprogramme. Die französischsprachigen Angebote sind stärker mit dem französischen Rundfunksystem verbunden, während englischsprachige Programme die sprachlichen Verhältnisse der gesamten Insel widerspiegeln. Bei besonderen Ereignissen wie Hurrikanen, starken Regenfällen oder anderen Notlagen spielt das Radio eine wichtige Rolle bei der Weitergabe von Warnungen und behördlichen Informationen.
Beim Fernsehen ist die Medienlandschaft stark international geprägt. Auf Sint Maarten können über Kabel- und andere Verteilernetze zahlreiche Sender aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Lateinamerika, Europa und der Karibik empfangen werden. Aufgrund der engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten spielen US-amerikanische Fernsehsender eine besonders große Rolle. Auf Saint-Martin ist dagegen das französische Fernsehen mit den öffentlich-rechtlichen und privaten französischen Programmen stärker vertreten; gleichzeitig stehen auch dort internationale und US-amerikanische Programme zur Verfügung.
Das Internet hat die Mediennutzung auf der Insel grundlegend verändert. Neben den Websites traditioneller Zeitungen entstanden zahlreiche ausschließlich digitale Nachrichtenangebote. Nachrichten werden unmittelbar über Internetseiten, soziale Netzwerke und digitale Videoplattformen verbreitet. Auch Behörden nutzen diese Kanäle. Die Regierung von Sint Maarten betreibt neben ihrer offiziellen Website eigene Angebote auf Facebook, Instagram und YouTube und nutzt digitale Medien insbesondere für Presseinformationen, öffentliche Bekanntmachungen und Krisenkommunikation.
Kommunikation
Die Insel hat im franz ösischen Teil, die Vorwahl 00590, im niederländischen 00599. Der Haupt-Postleitzahlbereich im französischen Teil, st 97150. Weitere spezielle Postleitzahlen für Saint-Martin CEDEX (meist Postfächer) reichen von 97051 bis 97080, gelegentlich kommen auch 97149 und 9702 vor. Im niederländischen System wird offiziell keine landesweit einheitliche Postleitzahl genutzt; internationale Sendungen werden in der Regel an Philipsburg adressiert, ohne konkrete Postleitzahl. Die UPU und offizielle Stellen geben keine spezifische fünfstellige Postleitzahl für Sint Maarten aus, entsprechend kann beim internationalen Versand oft "Sint Maarten" ohne PLZ verwendet werden. Für den niederländischen Militärpostdienst gibt es die separate NAPO-Postleitzahl 393.
Sport
Wassersport ist besonders beliebt, da die Insel 37 schöne Strände und warmes, klares Wasser bietet. Zu den gängigen Aktivitäten gehören Wasserski, Jetski, Kajakfahren, Windsurfen, Kitesurfen, Stand-up-Paddleboarding, Auslegerkanu (outrigger canoeing) und Segeln. Beliebte Spots sind unter anderem Marigot, Nettlé Bay, Friar’s Bay, Orient Bay, Simpson Bay Lagoon und Mullet Beach. Surfen ist vor allem an der Ostküste möglich.
Fußball (Soccer) ist die populärste Sportart auf Sint Maarten. Die Sint Maarten Soccer Association organisiert die Sint Maarten League und internationale Matches, obwohl Sint Maarten kein FIFA-Mitglied ist. Bekannte Fußballer stammen von hier und die Sportanlage Raoul Illidge Sports Complex in Philipsburg ist das Zentrum für viele sportliche Veranstaltungen.
Golf ist auf der Insel mit dem 18-Loch-Kurs am Mullet Bay Beach sehr beliebt. Die Sint Maarten Golf Association fördert den Golfsport mit Turnieren und Veranstaltungen.
Laufen, Radfahren und Wandern bieten vielfältige Möglichkeiten, um die Natur zu erkunden, etwa auf Trails wie dem Bellevue Trail oder einer 35 Meilen langen Rundstrecke um die Insel. Weitere Sportarten auf der Insel sind Tennis, Padel, Basketball, Crossfit, Yoga, Pilates, Bodybuilding und Reiten.
Die Insel veranstaltet jährlich renommierte Events wie die St. Maarten Heineken Regatta, eine der wichtigsten Yachtregatten in der Karibik. Die Championnats de Saint-Martin sind die nationalen Straßenradmeisterschaften, die vom Radsportverband von Saint-Martin organisiert werden.
Persönlichkeiten
Von der Insel stammen unter anderem folgende Persönlichkeiten:
- Albert Claudius Wathey (1926 bis 1998), eine herausragende politische Persönlichkeit, die als „Vater der modernen Sint Maarten“ gilt. Er war maßgeblich an der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Insel beteiligt und förderte den Tourismus massiv. Er gründete 1954 die Demokratische Partei von Sint Maarten und war dabei, die Tourismusindustrie als Hauptwirtschaftszweig aufzubauen. In Philipsburg tragen mehrere Institutionen seinen Namen.
- Sir Roland Richardson (*1944), einer der bekanntesten Künstler der Insel, der vor allem für seine Landschaftsgemälde bekannt ist, die oft die natürliche Schönheit Saint Martins zeigen. Er ist mehrfach international ausgezeichnet worden und ein bedeutender Vertreter der lokalen Kunstszene.
Fremdenverkehr
Der Fremdenverkehr ist heute einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Insel und unterscheidet sich deutlich zwischen dem französischen Saint-Martin und dem niederländischen Sint Maarten. Während der französische Teil stärker auf Bade-, Segel-, Gastronomie- und Individualtourismus ausgerichtet ist, besitzt Sint Maarten mit dem Kreuzfahrthafen in Great Bay und dem internationalen Flughafen Princess Juliana zwei große Verkehrsknotenpunkte für den internationalen Tourismus. Der Tourismus verbindet damit sowohl den klassischen Aufenthaltstourismus als auch Kreuzfahrten, Kurzaufenthalte, Yacht- und Wassersporttourismus sowie den Tages- und Einkaufstourismus.
Auf der niederländischen Seite befindet sich der Dr. A. C. Wathey Cruise & Cargo Facility in Philipsburg. Der Hafen verfügt über zwei Kreuzfahrtpiers; der 445 m lange Pier 2 kann gleichzeitig zwei sehr große Kreuzfahrtschiffe aufnehmen. In der Saison 2025/26 gab es bereits Tage mit fünf und sechs gleichzeitig anwesenden Kreuzfahrtschiffen. Am 6. November 2025 lagen beispielsweise fünf Schiffe im Hafen, am 25. November waren sechs Schiffe vorgesehen. Damit ist die von älteren Darstellungen genannte Zahl von bis zu zehn Schiffen pro Tag nicht als reguläre tägliche Situation anzusehen.
Der Kreuzfahrttourismus konzentriert sich auf die niederländische Hauptstadt Philipsburg. Die Passagiere werden vom Hafengebiet mit Taxis, Bussen und Wassertaxis in die Stadt und zu anderen Teilen der Insel gebracht. Der Fußweg vom Kreuzfahrtterminal nach Philipsburg beträgt nach Angaben des Hafens etwa 15 Minuten. Direkt am Hafen befindet sich das Harbour Point Village mit Geschäften, Souvenirläden, Marktständen, Bars und Restaurants. Der Hafen ist außerdem auf sehr große Schiffe ausgelegt und kann Schiffe mit mehr als 220.000 BRZ und einer Kapazität von über 6.000 Passagieren und Besatzungsmitgliedern aufnehmen.
Eine besondere Rolle spielt der zoll- und steuerbegünstigte Handel. Sint Maarten ist insbesondere für Duty-free-Einkäufe bekannt; am Hafen konzentrieren sich entsprechende Geschäfte unter anderem auf Schmuck, Elektronik, Spirituosen, Tabakwaren und Souvenirs. Die Bezeichnung „Freihafen“ sollte dabei nicht so verstanden werden, dass auf der gesamten Insel keinerlei Steuern erhoben werden. Gemeint ist vor allem die besondere Stellung des internationalen Handels und des Duty-free-Einkaufs für Reisende. Der Einkaufstourismus entwickelte sich insbesondere in Philipsburg zu einem festen Bestandteil des Kreuzfahrtgeschäfts.
Der Kreuzfahrttourismus ist allerdings nicht auf amerikanische Besucher beschränkt. Neben nordamerikanischen Reisenden kommen auch erhebliche Besuchergruppen aus Europa. Die Kreuzfahrtgesellschaften, die Sint Maarten anlaufen, umfassen unter anderem amerikanische, britische, italienische und andere internationale Anbieter. Der Hafen verzeichnete bereits 2014 mehr als zwei Millionen Kreuzfahrtpassagiere und gibt für die Zeit seit 2010 einen langjährigen Jahresdurchschnitt von mehr als 1,5 Millionen Passagieren an. Für 2025/26 wurde erneut eine umfangreiche Kreuzfahrtsaison mit zahlreichen internationalen Reedereien angekündigt.
Neben den Kreuzfahrtgästen gibt es den Aufenthaltstourismus, für den auf beiden Seiten der Insel ein breites Angebot an Unterkünften entstanden ist. Auf Sint Maarten reichen die Unterbringungsmöglichkeiten von Hotels und größeren Strandresorts über Aparthotels und Ferienwohnungen bis zu privaten Villen und Timeshare-Anlagen. Ein Schwerpunkt der größeren Hotelanlagen liegt im Gebiet von Simpson Bay, Pelican Key, Maho, Little Bay und Dawn Beach. Das offizielle Tourismusportal führt unter anderem Hotels, Resorts, Timeshare-Anlagen und Villen als unterschiedliche Unterkunftsformen auf.
Auf der französischen Seite ist das Unterkunftsangebot stärker auf kleinere Hotels, Boutique-Hotels, Ferienwohnungen, Gästehäuser und private Villen verteilt. Bedeutende touristische Zentren sind Marigot, Grand Case, Orient Bay, Anse Marcel und die Küstengebiete um Baie Rouge und Friar's Bay. Besonders Grand Case und Orient Bay verfügen über zahlreiche kleinere Beherbergungsbetriebe und Ferienunterkünfte. Hinzu kommen private Ferienhäuser und Apartments, die einen bedeutenden Teil des längerfristigen Aufenthaltstourismus aufnehmen.
Die touristische Infrastruktur konzentriert sich damit nicht auf einen einzigen Ort. Philipsburg ist vor allem durch Kreuzfahrt-, Einkaufs- und Tagestourismus geprägt, während Simpson Bay, Maho und die südwestlichen Küstengebiete eine große Zahl von Hotels, Resorts, Restaurants, Ferienwohnungen und maritimen Angeboten aufweisen. Auf der französischen Seite liegen Schwerpunkte des Aufenthaltstourismus insbesondere in Grand Case und Orient Bay. Dadurch verteilt sich der Tourismus über weite Teile der Insel, wobei die Art der touristischen Nutzung regional unterschiedlich ist.
Zum touristischen Angebot gehören neben Stränden und Badeurlaub insbesondere Segeln, Yachting, Tauchen, Schnorcheln, Sportfischen, Wassersport, Ausflüge zu den vorgelagerten Inseln und Wanderungen. Die zahlreichen Buchten und die geschützten Gewässer zwischen Saint-Martin/Sint Maarten, Anguilla, Tintamarre und Îlet de Pinel begünstigen insbesondere den Segel- und Bootstourismus. Auf der niederländischen Seite kommen das Nachtleben und der Spielbetrieb der Casinos als zusätzliche touristische Angebote hinzu.
Eine besondere Attraktion des niederländischen Teils ist der Flughafen Princess Juliana International Airport bei Simpson Bay. Die Start- und Landebahn liegt unmittelbar hinter Maho Beach, sodass startende und landende Flugzeuge für Besucher zu einer eigenen touristischen Attraktion geworden sind. Der Flughafen bildet zusammen mit dem Kreuzfahrthafen die wichtigste internationale Zugangsinfrastruktur des niederländischen Teils. Die Betreiber von Flughafen und Hafen arbeiten inzwischen ausdrücklich daran, beide Verkehrsknoten stärker miteinander zu verbinden und den Übergang zwischen Flug-, Kreuzfahrt- und Aufenthaltstourismus zu verbessern.
Der Fremdenverkehr führt auch zu einer ausgeprägten tageszeitlichen Konzentration des Geschäftslebens. Insbesondere in Philipsburg richten sich zahlreiche Geschäfte, Restaurants, Taxis und Ausflugsanbieter nach den Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Kreuzfahrtschiffe. Wenn mehrere Schiffe gleichzeitig im Hafen liegen, steigt die Zahl der Tagesbesucher stark an; nach deren Abfahrt nimmt die Besucherzahl im Zentrum deutlich ab. Eine pauschale Aussage, Philipsburg sei nach 18 Uhr vollständig ausgestorben, beschreibt allerdings nicht die gesamte Stadt, da Restaurants, Bars, Casinos und andere touristische Einrichtungen auch am Abend geöffnet sind. Der starke Unterschied zwischen Kreuzfahrt-Tagen und Zeiten ohne Kreuzfahrtschiffe ist jedoch ein charakteristisches Merkmal des örtlichen Tourismus.
Ein- und Ausreise:
Sankt Martin ist Teil der Europäischen Union. Es gelten die allgemeinen Bestimmungen für Frankreich und die Niederlande.
Literatur
- wikipedia = https://fr.wikipedia.org/wiki/Cat%C3%A9gorie:Saint-Martin_(%C3%AEle)
- wikitravel = https://wikitravel.org/en/Saint_Martin
- wikivoyage = https://en.wikivoyage.org/wiki/Saint_Martin
Reiseberichte
- Mein Frankreich - Sankt Martin, eine kleine Einführung = https://meinfrankreich.com/saint-martin-eine-kleine-einfuehrung/
- Sankt Martin - Reisen auf einer Insel von zwei Nationen = https://www.travelkaribik.ch/st-martin
- Zeit für mich - Bericht über die Insel Sint Maarten / Saint Martin = https://zauberderkaribik.com/2022/05/24/zeit-fur-mich-bericht-uber-die-insel-sint-maarten-saint-martin/
Videos
- Saint Martin / Sint Maarten drone = https://www.youtube.com/watch?v=zQzLJurMaDk
- Saint Martin, Orient Bay Beach drone = https://www.youtube.com/watch?v=qQls3eOjyas
- Two Countries, One Tiny Island, A Brief History of Saint Martin = https://www.youtube.com/watch?v=lDztLBXUTa0
- History of Saint Martin = https://www.youtube.com/watch?v=YK6RM--Osek
- Saint Martin Island, history and tour = https://www.youtube.com/watch?v=8acN4ujEkCU
Atlas
- Sankt Martin, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/#map=13/18.06868/-63.05620
- Sankt Martin, ADAC = https://maps.adac.de/land/saint-martin
- Sankt Martin, Satellit = https://satellites.pro/Saint_Martin_map
Reiseangebote
Saint Martin Tourisme = https://www.st-martin.org/us/
KLM - Sankt Martin = https://www.klm.at/travel-guide/destinations/central-america/saint-martin/st-martin
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