Graciosa (Ilha Graciosa): Unterschied zwischen den Versionen
Die Seite wurde neu angelegt: „Graciosa ist einer der kleineren Azoreninseln. Als UNESCO-Biosphärenreservat ausgezeichnet, bietet sie eine flache, trockene Landschaft mit der Serra Branca („Weiße Insel“) und der beeindruckenden Caldeira inklusive der berühmten Schwefelhöhle Furna do Enxofre. Eine weitere Besonderheit sind die Thermalquellen von Carapacho, die als „Ort für Wellness, Gesundheit und Erholung“ gepriesen werden. {{Inselsteckbrief|offizieller Name=Ilha Graciosa…“ |
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* 1450 bis 1470/75 Königreich Portugal (''Reino de Portugal'') | * 1450 bis 1470/75 Königreich Portugal (''Reino de Portugal'') | ||
* 1470/75 bis 1485 Lehen Praia ('' | * 1470/75 bis 1485 Lehen Praia (''Donatario de Praia'') und Lehen Santa Cruz (''Donatario de Santa Cruz de Graciosa'') des Königreichs Portugal (''Reino de Portugal'') | ||
* 1485 bis 15. Juli 1580 Lehen Graciosa ('' | * 1485 bis 15. Juli 1580 Lehen Graciosa (''Donatario da ilha Graciosa'') des Königreichs Portugal (''Reino de Portugal'') | ||
* 15. Juli 1580 bis 1. Dezember 1640 Lehen Graciosa ('' | * 15. Juli 1580 bis 1. Dezember 1640 Lehen Graciosa (''Donatario da ilha Graciosa'') des Königreichs Spanien (''Reino de España'') | ||
* 1. Dezember 1640 bis 18. Februar 1737 Lehen Graciosa ('' | * 1. Dezember 1640 bis 18. Februar 1737 Lehen Graciosa (''Donatario da ilha Graciosa'') des Königreichs Portugal (''Reino de Portugal'') | ||
* 18. Februar 1737 bis 2. August 1766 Königreich Portugal (''Reino de Portugal'') | * 18. Februar 1737 bis 2. August 1766 Königreich Portugal (''Reino de Portugal'') | ||
* 2. August 1766 bis 4. Juni 1832 Generalkapitanie der Azoren (''Capitania-geral dos Açores'') innerhalb des Königreichs Portugal (''Reino de Portugal'') | * 2. August 1766 bis 4. Juni 1832 Generalkapitanie der Azoren (''Capitania-geral dos Açores'') innerhalb des Königreichs Portugal (''Reino de Portugal'') | ||
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=== '''Inseloberhaupt''' === | === '''Inseloberhaupt''' === | ||
Oberster Repräsentant der Insel ist der Präsident des Kreisrats. | Oberster Repräsentant der Insel ist der Präsident des Kreisrats. | ||
'''Capitãos donatários da Ilha Graciosa''' (Lehensherren der Insel Graciosa) | '''Capitãos donatários da Ilha Graciosa''' (Lehensherren der Insel Graciosa) | ||
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* 6 Dez 1708 - 19 Sep 1730 Rodrigo Sanches Farinha e Baena (1653 - 1730) | * 6 Dez 1708 - 19 Sep 1730 Rodrigo Sanches Farinha e Baena (1653 - 1730) | ||
* 19 Sep 1730 - 18 Feb 1737 Pedro Sanches Farinha de Baena (1712 - 1737) | * 19 Sep 1730 - 18 Feb 1737 Pedro Sanches Farinha de Baena (1712 - 1737) | ||
'''Presidente de Comissões Administrativas''' (Präsident der Verwaltungskommission) | '''Presidente de Comissões Administrativas''' (Präsident der Verwaltungskommission) | ||
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|Freguesias '''(Gemeinden)''' | |'''Freguesias''' '''(Gemeinden)''' | ||
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Für die einzelnen Ortsteile werden folgende Einwohnerzahlen angegeben: | Für die einzelnen Ortsteile werden folgende Einwohnerzahlen angegeben: | ||
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Zusätzlich gibt es kleinen Fischereiverkehr: Lokale Boote bringen frischen Fang ein, und der Hafen dient als Basis für Tauch- oder Walbeobachtungstouren (meist saisonal). Größere Frachtschiffe nutzen den Hafen selten; Versorgung läuft oft über Terceira und dann per Fähre. | Zusätzlich gibt es kleinen Fischereiverkehr: Lokale Boote bringen frischen Fang ein, und der Hafen dient als Basis für Tauch- oder Walbeobachtungstouren (meist saisonal). Größere Frachtschiffe nutzen den Hafen selten; Versorgung läuft oft über Terceira und dann per Fähre. | ||
Der '''Farol da Ponta da Barca''' | Der '''Farol da Ponta da Barca''' befindet sich am ''Ponta da Barca'' im Nordwesten der Insel. Er ist unter der internationalen Nummer D-2676 und der nationalen Nummer 797 registriert und bestrahlt die Sektoren von 029° bis 031°, 035° bis 251° und 267° bis 287°. Die Tragweite beträgt 20 Seemeilen. Mit einer Höhe von 23 m ist der Farol da Ponta da Barca der höchste Leuchtturm der Azoren. | ||
Der runde Turm aus verputztem und gestrichenem Stahlbeton ist schwarz-weiß gebändert und besitzt eine Galerie. Die metallene Laterne ist verglast und rot gestrichen. In Höhe der weißen Bänder besitzt der Turm jeweils ein Fenster nach Süden. Durch einen kurzen Korridor ist der Leuchtturm mit einem einstöckigen, weißen Gebäude von rechteckigem Grundriss verbunden. Dieses enthielt bei seiner Fertigstellung zunächst zwei Wohnungen für die Familien der Leuchtturmwärter. Mit einer Erweiterung im Jahr 1952 wurde eine dritte, später eine vierte Wohnung geschaffen. Die Hauptfassade des Gebäudes ist nach Süden ausgerichtet. Die mittig gelegene Tür wird auf beiden Seiten von drei Fenstern flankiert. Die Fenster- und Türstürze sowie die Fensterbänke aus schwarzem Basalt kontrastieren mit der weiß gestrichenen Wand der Fassade. Auf beiden Seiten trägt das Dach des Leuchtturmwärterhauses je einen Schornstein. Über der gelb-braunen Eingangstür ist der Schriftzug „FAROL DA PONTA DA BARCA“ zu lesen. Weiter nördlich steht ein Nebengebäude von etwa gleicher Breite, das Lagerräume und Garagen enthält. Das Ensemble ist von einer weiß gestrichenen Mauer umgeben, deren Einfahrt mit einem roten Eisengittertor verschlossen werden kann. | |||
Dem Generalplan zur Befeuerung der portugiesischen Küsten von 1883 sollte auf Graciosa ein Leuchtturm mit einer Optik zweiter Ordnung auf dem Pico Negro, einem Vulkankegel nahe dem Nordwestkap, errichtet werden. Nach einer Anpassung des Plans im Jahr 1902 sollte lediglich eine Optik fünfter Ordnung zum Einsatz kommen. Es dauerte aber noch bis 1927, bis die Lampe, eine Fresnel-Optik dritter Ordnung und das für deren Rotation nötige Uhrwerk bei ''Barbier, Bénard et Turenne'' in Frankreich gekauft wurden. Der Leuchtturm wurde bis 1930 errichtet, allerdings auf der dem Pico Negro nahen Landzunge Ponta da Barca. Am 1. Februar 1930 ging er in Betrieb. | |||
Der Leuchtturm | Der Leuchtturm ist seit 1935 über eine Straße errichbar. 1958 wurde er durch den Einbau zweier Generatoren elektrifiziert. Er wurde mit einer 3000-Watt-Lampe ausgestattet und erreichte eine Tragweite von 41 Seemeilen. Als Reserve wurde eine Öllampe vorgehalten. 1978 wurden Leuchtturm und Leuchtturmwärterhaus während eines Gewitters beschädigt. Das Erdbeben vom 1. Januar 1980 verursachte Risse am Turm. In den 1980er Jahren wurde eine 1000-Watt-Lampe eingesetzt, wodurch sich die Trageite auf 20 Seemeilen reduzierte. 1999 wurde der Leuchtturm an das öffentliche Stromnetz angeschlossen und automatisiert. | ||
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* Standort: 39°05‘38“ N, 28°02‘58“ W | * Standort: 39°05‘38“ N, 28°02‘58“ W | ||
* Listeneinträge: AZO011 (ARLHS), D“&/& (IHUK), 113-23599 (NGA), 1000007149 (MT) | * Listeneinträge: PT-797, AZO011 (ARLHS), D“&/& (IHUK), 113-23599 (NGA), 1000007149 (MT) | ||
* Bauzeit: 1928 bis 1930 | * Bauzeit: 1928 bis 1930 | ||
* Inbetriebnahme: 1. Februar 1930 | * Inbetriebnahme: 1. Februar 1930 | ||
* Betreiber: | * Betreiber: | ||
* Seehöhe: 48 m | * Seehöhe: 48 m | ||
* Turmhöhe: 23 m | * Turmhöhe: 23 m | ||
* Feuerhöhe: 71 m | * Feuerhöhe: 71 m | ||
* Befeuerung: Fresnel-Linse 3. | * Befeuerung: Lampe 3000 W, Fresnel-Linse 3. Ordnung | ||
* Betriebsart: seit 1958 | * Betriebsart: elektrisch (seit 1958) | ||
* Funktion: Küstenfeuer | * Funktion: Küstenfeuer | ||
* Kennung: Fl.W.7s | * Kennung: Fl.W.7s | ||
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Der Generalplan zur Befeuerung der portugiesischen Küsten von 1883, der auch die Azoren berücksichtigte, sah den Bau eines Leuchtturms mit einer Optik vierter Ordnung vor, der als Kennung einen weißen Blitz pro Minute aussenden sollte. Die Tragweite sollte bei durchschnittlich 19 Seemeilen liegen. Nach einer Anpassung des Plans im Jahr 1902 sollte lediglich eine Optik fünfter Ordnung zum Einsatz kommen. Es dauerte aber noch bis zum 26. Mai 1956, bis der Leuchtturm errichtet und seiner Bestimmung übergeben wurde. Er wurde zunächst mit einem Acetylengasfeuer und einer Optik fünfter Ordnung (Brennweite 187,5 mm) betrieben. Für deren Rotation wurde ein Uhrwerk verwendet. Das rote Licht, das in Gruppen aus zwei Blitzen abgestrahlt wurde, reichte 19 Seemeilen weit. 1961 wurde auf weißes Licht umgestellt, was die Tragweite auf 20 Seemeilen erhöhte. Ein 1978 eingebautes Sonnenventil sorgte dafür, dass das Leuchtfeuer sich in Abhängigkeit von den äußeren Lichtverhältnissen ein- und ausschaltete. 1987 wurde der Leuchtturm elektrifiziert und an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, wobei die alte Optik durch eine feste Optik 6. Ordnung (Brennweite 150 mm) ersetzt wurde. Als Lichtquelle dient seitdem eine 12-V-50-W-Halogen-Metalldampflampe. | Der Generalplan zur Befeuerung der portugiesischen Küsten von 1883, der auch die Azoren berücksichtigte, sah den Bau eines Leuchtturms mit einer Optik vierter Ordnung vor, der als Kennung einen weißen Blitz pro Minute aussenden sollte. Die Tragweite sollte bei durchschnittlich 19 Seemeilen liegen. Nach einer Anpassung des Plans im Jahr 1902 sollte lediglich eine Optik fünfter Ordnung zum Einsatz kommen. Es dauerte aber noch bis zum 26. Mai 1956, bis der Leuchtturm errichtet und seiner Bestimmung übergeben wurde. Er wurde zunächst mit einem Acetylengasfeuer und einer Optik fünfter Ordnung (Brennweite 187,5 mm) betrieben. Für deren Rotation wurde ein Uhrwerk verwendet. Das rote Licht, das in Gruppen aus zwei Blitzen abgestrahlt wurde, reichte 19 Seemeilen weit. 1961 wurde auf weißes Licht umgestellt, was die Tragweite auf 20 Seemeilen erhöhte. Ein 1978 eingebautes Sonnenventil sorgte dafür, dass das Leuchtfeuer sich in Abhängigkeit von den äußeren Lichtverhältnissen ein- und ausschaltete. 1987 wurde der Leuchtturm elektrifiziert und an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, wobei die alte Optik durch eine feste Optik 6. Ordnung (Brennweite 150 mm) ersetzt wurde. Als Lichtquelle dient seitdem eine 12-V-50-W-Halogen-Metalldampflampe. | ||
'''Farol de Carapacho''' | '''Farol de Carapacho''' | ||
* Standort: 39°00‘51“ N, 27°57‘18“ N | * Standort: 39°00‘51“ N, 27°57‘18“ N | ||
* Listeneinträge: AZO006 (ARTLHS), D2670 (IHUK), 1131-23484 (NGA), 1000007148 (MT) | * Listeneinträge: PT-792, AZO006 (ARTLHS), D2670 (IHUK), 1131-23484 (NGA), 1000007148 (MT) | ||
* Bauzeit: 1954 bis 1956 | * Bauzeit: 1954 bis 1956 | ||
* Inbetriebnahme: 26. Mai 1956 | * Inbetriebnahme: 26. Mai 1956 | ||
* Betreiber: | * Betreiber: | ||
* Seehöhe: | * Seehöhe: 177 m | ||
* Turmhöhe: | * Turmhöhe: 14 m | ||
* Feuerhöhe: | * Feuerhöhe: 189 m | ||
* Befeuerung: Optik 6. Ordnung | * Befeuerung: Optik 6. Ordnung 150 mm, 12-V-50-W-Halogen-Metalldampflampe | ||
* Betriebsart: seit 1987 elektrifiziert | * Betriebsart: seit 1987 elektrifiziert | ||
* Funktion: | * Funktion: Küstenfeuer | ||
* Kennung: Fl(2)W.10s | * Kennung: Fl(2)W.10s | ||
* Tragweite: 27,8 km | * Tragweite: 27,8 km | ||
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Die ersten Überlegungen zum Bau eines Flughafens auf Graciosa entstanden Mitte des 20. Jahrhunderts, als die portugiesische Regierung begann, die infrastrukturelle Anbindung der Azoren systematisch auszubauen. Ziel war es, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, die medizinische Versorgung zu verbessern und die Isolation der Inselbevölkerung zu verringern. Der Flughafen von Graciosa wurde schließlich 1980 eröffnet und stellte einen entscheidenden Meilenstein in der Geschichte der Insel dar. | Die ersten Überlegungen zum Bau eines Flughafens auf Graciosa entstanden Mitte des 20. Jahrhunderts, als die portugiesische Regierung begann, die infrastrukturelle Anbindung der Azoren systematisch auszubauen. Ziel war es, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, die medizinische Versorgung zu verbessern und die Isolation der Inselbevölkerung zu verringern. Der Flughafen von Graciosa wurde schließlich 1980 eröffnet und stellte einen entscheidenden Meilenstein in der Geschichte der Insel dar. | ||
Mit der Eröffnung des ''' | Mit der Eröffnung des '''Aeródromo da Graciosa''' erhielt die Insel erstmals eine regelmäßige Luftverbindung zu den übrigen Azoreninseln und zum portugiesischen Festland. Der Flughafen wurde bewusst klein und funktional angelegt, angepasst an die geringe Bevölkerungszahl und das begrenzte Verkehrsaufkommen. Die Start- und Landebahn ist ausreichend für kleinere bis mittelgroße Flugzeuge, die im regionalen Verkehr eingesetzt werden. In den folgenden Jahrzehnten spielte der Flughafen eine immer wichtigere Rolle für das tägliche Leben auf Graciosa. Er erleichterte nicht nur den Personenverkehr, sondern auch den Transport von Gütern, medizinischen Notfällen und Verwaltungsdiensten. Besonders für Krankentransporte zu größeren Krankenhäusern auf Inseln wie Terceira oder São Miguel ist der Flughafen bis heute von zentraler Bedeutung. | ||
Mit der Gründung und dem Ausbau der Regionalfluggesellschaft SATA Air Açores wurde der Flughafen fest in das azoreanische Luftverkehrsnetz integriert. Regelmäßige Linienflüge verbinden Graciosa vor allem mit Terceira, von wo aus Anschlussflüge zu anderen Inseln und zum Festland möglich sind. Dadurch wurde die Mobilität der Bevölkerung erheblich verbessert und der sanfte Tourismus auf der Insel gefördert. Im Laufe der Zeit wurden kleinere Modernisierungen an der Infrastruktur vorgenommen, etwa an dem Terminalgebäude, der Sicherheitstechnik und den Navigationssystemen. Trotz dieser Anpassungen blieb der Flughafen überschaubar und behielt seinen regionalen Charakter. Große Erweiterungen waren aufgrund der geografischen Gegebenheiten und des begrenzten Bedarfs nicht notwendig. | Mit der Gründung und dem Ausbau der Regionalfluggesellschaft SATA Air Açores wurde der Flughafen fest in das azoreanische Luftverkehrsnetz integriert. Regelmäßige Linienflüge verbinden Graciosa vor allem mit Terceira, von wo aus Anschlussflüge zu anderen Inseln und zum Festland möglich sind. Dadurch wurde die Mobilität der Bevölkerung erheblich verbessert und der sanfte Tourismus auf der Insel gefördert. Im Laufe der Zeit wurden kleinere Modernisierungen an der Infrastruktur vorgenommen, etwa an dem Terminalgebäude, der Sicherheitstechnik und den Navigationssystemen. Trotz dieser Anpassungen blieb der Flughafen überschaubar und behielt seinen regionalen Charakter. Große Erweiterungen waren aufgrund der geografischen Gegebenheiten und des begrenzten Bedarfs nicht notwendig. | ||
Heute ist der Flughafen von Graciosa ein unverzichtbarer Bestandteil der Inselinfrastruktur. Er symbolisiert den Übergang von einer ehemals stark isolierten Insel zu einem besser vernetzten Teil der Azoren. Historisch betrachtet markiert er einen wichtigen Schritt in der sozialen, wirtschaftlichen und verkehrlichen Entwicklung Graciosas und trägt bis heute wesentlich zur Lebensqualität der Inselbevölkerung bei. | Heute ist der Flughafen von Graciosa ein unverzichtbarer Bestandteil der Inselinfrastruktur. Er symbolisiert den Übergang von einer ehemals stark isolierten Insel zu einem besser vernetzten Teil der Azoren. Historisch betrachtet markiert er einen wichtigen Schritt in der sozialen, wirtschaftlichen und verkehrlichen Entwicklung Graciosas und trägt bis heute wesentlich zur Lebensqualität der Inselbevölkerung bei. | ||
'''Graciosa Airport''' | '''Graciosa Airport''' | ||
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* 25. Dezember - ''Dia de Natal'' (Weihnachten) | * 25. Dezember - ''Dia de Natal'' (Weihnachten) | ||
Der '''Carnaval''' (Karneval) auf Graciosa ist ein farbenfrohes, traditionelles Volksfest, das wie auf den anderen Inseln der Azoren in den Wochen vor der Fastenzeit gefeiert wird. Er verbindet Musik, Tanz, Kostümkunst und Gemeinschaftsgeist und stellt eine der wichtigsten kulturellen Veranstaltungen der kleinen Insel dar. Zu den Veranstaltungen gehören lokale Umzüge, bei denen Dorfbewohner in fantasievollen Kostümen und Masken durch die Straßen ziehen. Gruppen aus den verschiedenen Ortschaften, darunter Santa Cruz, São Mateus, Guadalupe und Luz, treten auf und stellen oft humorvolle oder satirische Szenen dar, die gesellschaftliche oder politische Themen aufgreifen. Die Kostüme sind meist selbst hergestellt und spiegeln die kreative Tradition der Inselbewohner wider. | |||
Der ''' | |||
Begleitet werden die Umzüge von lokalen Musikgruppen, Blasorchestern und Trommlern, die für eine lebhafte und festliche Atmosphäre sorgen. Traditionelle Tänze und moderne Elemente werden kombiniert, sodass die Feierlichkeiten sowohl unterhaltsam als auch mitreißend sind. Musik, Tanz und Gesang ziehen die gesamte Dorfgemeinschaft in das Fest ein und fördern den Zusammenhalt der Bevölkerung. | Begleitet werden die Umzüge von lokalen Musikgruppen, Blasorchestern und Trommlern, die für eine lebhafte und festliche Atmosphäre sorgen. Traditionelle Tänze und moderne Elemente werden kombiniert, sodass die Feierlichkeiten sowohl unterhaltsam als auch mitreißend sind. Musik, Tanz und Gesang ziehen die gesamte Dorfgemeinschaft in das Fest ein und fördern den Zusammenhalt der Bevölkerung. | ||
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* '''Sport Clube Marítimo Graciosa''' (gegründet 1957, oft einfach Marítimo Graciosa genannt) | * '''Sport Clube Marítimo Graciosa''' (gegründet 1957, oft einfach Marítimo Graciosa genannt) | ||
* '''Sporting Clube Guadalupe''' (aus Guadalupe; hat bereits den AFAH-Titel gewonnen und in höheren Ligen gespielt) | * '''Sporting Clube Guadalupe''' (aus Guadalupe; hat bereits den AFAH-Titel gewonnen und in höheren Ligen gespielt) | ||
Die Spiele finden auf Plätzen wie dem '''Complexo Desportivo da Ilha Graciosa''' in Santa Cruz oder dem Campo Municipal da Luz statt. Der Fußball ist eng mit dem Alltag verknüpft: Lokale Derbys ziehen viele Zuschauer an, und der Sport stärkt die Inselidentität in der isolierten Atlantiklage. | Die Spiele finden auf Plätzen wie dem '''Complexo Desportivo da Ilha Graciosa''' in Santa Cruz oder dem Campo Municipal da Luz statt. Der Fußball ist eng mit dem Alltag verknüpft: Lokale Derbys ziehen viele Zuschauer an, und der Sport stärkt die Inselidentität in der isolierten Atlantiklage. | ||
Aktuelle Version vom 15. Dezember 2025, 07:08 Uhr
Graciosa ist einer der kleineren Azoreninseln. Als UNESCO-Biosphärenreservat ausgezeichnet, bietet sie eine flache, trockene Landschaft mit der Serra Branca („Weiße Insel“) und der beeindruckenden Caldeira inklusive der berühmten Schwefelhöhle Furna do Enxofre. Eine weitere Besonderheit sind die Thermalquellen von Carapacho, die als „Ort für Wellness, Gesundheit und Erholung“ gepriesen werden.
| Inselsteckbrief | |
|---|---|
| offizieller Name | Ilha Graciosa |
| alternative Bezeichnungen | Graciosa (um 1450), Ilha Branca (poetisch) |
| Kategorie | Meeresijnsel |
| Inseltyp | echte Insel |
| Inselart | vulkanische Insel |
| Gewässer | Atlantischer Ozean (Oceano Atlântico) |
| Inselgruppe | Azoren (Açores) |
| politische Zugehörigkeit | Staat: Portugal (República Portuguesa) Region: Azoren (Região Autónoma dos Açores) |
| Gliederung | 4 freguesias (Ortschaften) 2 vilas (Städte) 18 lugares (Ortsteile) |
| Status | Kreis (concelho) |
| Koordinaten | 39°03‘ N, 27°59‘ W |
| Entfernung zur nächsten Insel | 700 m (Ilhéu de Baixo), 37 km (São Jorge) |
| Entfernung zum Festland | 1597 km (Cabo da Roca / Portugal) |
| Fläche | 60,65 km² / 23,42 mi² (mit Nebeninseln 60,84 km² / 23,49 mi²) |
| geschütztes Gebiet | 60,65 km² / 23,42 mi² (100 %) |
| maximale Länge | 23,9 km (NW-SO) |
| maximale Breite | 7,0 km (NO-SW) |
| Küstenlänge | 35,2 km |
| tiefste Stelle | 0 m (Atlantischer Ozean) |
| höchste Stelle | 402 m (Caldeira do Sul) |
| relative Höhe | 402 m |
| mittlere Höhe | 65 m |
| maximaler Tidenhub | 1,4 bis 1,8 m (Santa Cruz da Graciosa 1,5 m) |
| Zeitzone | HPA / AZOT (Horário Padrão dos Açores / Azores Time / Azoren-Zeit, UTC-1) |
| Realzeit | UTC minus 1 Stunde 52 Minuten |
| Einwohnerzahl | 4.193 (2024) |
| Dichte (Einwohner pro km²) | 69,13, bezogen auf die Verwaltungsfläche 68,92 |
| Inselzentrum | Santa Cruz da Graciosa |
Name
Die Insel Graciosa gehört zur Zentralgruppe der Azoren. Ihr Name leitet sich von portugiesisch graciosa ab, was soviel bedeutet wie „anmutig, zierlich, lieblich“. So wurde sie schon von den portugiesischen Entdeckern im 15. Jahrhundert genannt. Sie empfanden die Insel aufgrund ihrer sanften, hügeligen Landschaft und ihres angenehmen Erscheinungsbilds - insbesondere im Vergleich zu den steileren und bergigeren Nachbarinseln Terceira, São Jorge und Pico - als Ilha Graciosa. Historische Berichte wie zum Beispiel von Gaspar Frutuoso in Saudades da Terra (1586/90) beschreiben sie als die „am meisten bezaubernde“ oder „lieblichste“ Azoreninsel. Heute wird Graciosa auch Ilha Branca, übersetzt „Weiße Insel“, genannt. Dieser Spitzname bezieht sich auf geomorphologische Merkmale und Ortsnamen wie Pedras Brancas, „Weiße Steine“, Serra Branca, „Weißer Hügel“, und Barro Branco, „Weißer Lehm“.

- international: Graciosa
- amharisch: ግራሲዮሳ [Grasiyosa]
- arabisch: غراسيوزا [Ghrāsiyūzā]
- armenisch: Գրասիոզա [Grasioza]
- bengalisch: গ্রাসিওসা [Grāsi'osā]
- birmanisch: ဂရာစီယိုဆာ [Ga rā si yo sa]
- bulgarisch: Грасиоза [Grasioza]
- chinesisch: 格拉西奥萨 [Gélāxī'àosà]
- georgisch: გრასიოზა [Grasioza]
- griechisch: Γκρασιόσα [Gkrasiósa]
- gudscheratisch: ગ્રેસિયોસા [Grēsiyōsā]
- hebräisch: גרסיוזה [Grasiyoza]
- hindi: ग्रासियोसा [Grāsiyosā]
- japanisch: グラシオーザ [Gurashiooza]
- kambodschanisch: ហ្គ្រាស៊ីអូហ្សា [Grasiiouza]
- kanaresisch: ಗ್ರೇಸಿಯೋಸಾ [Grēsiyōsā]
- kasachisch: Грасиоза [Grasioza]
- koreanisch: 그라시오사 [Geurasiosa]
- laotisch: ກຣາຊີໂອຊາ [Krasī ō sā]
- makedonisch: Грасиоза [Grasioza]
- malayalam: ഗ്രേസിയോസ [Grēsiyōsa]
- maldivisch: ގްރާސިޔޯސާ [Grāsiyōsā]
- orissisch: ଗ୍ରାସିଓସା [Grāsi'osā]
- pandschabisch: ਗ੍ਰਾਸੀਓਸਾ [Grāsī'ōsā]
- persisch: گراسیوزا [Grāsiyūzā]
- russisch: Грасиоза [Grasioza]
- serbisch: Грасиоза [Grasioza]
- singhalesisch: ග්රැසියෝසා [Græsiyōsā]
- tamil: கிரேசியோசா [Kirēciyōcā]
- telugu: గ్రాసియోసా [Grāsiyōsā]
- thai: กราซิโอซา [Krā si o sā]
- tibetisch: གྲ་སི་ཡོ་ས། [Gra si yo sa]
- ukrainisch: Ґрасіоза [Grasioza]
- urdu: گراسیوزا [Grāsiyūzā]
- weißrussisch: Грасыёза [Grasyyoza]
Offizieller Name: Ilha Graciosa
- Bezeichnung der Bewohner: Graciocenses (Graciocenser)
- adjektivisch: graciocense (granciocensisch)
Kürzel:
- Code: RC / GRC
- Kfz: -
- LAU-Code: 4901
- ISO-Code: PG.AC.GR
Lage
Graciosa liegt im Nordwesten der Zentralgruppe der Azoren auf durchschnittlich 39°03‘ n.B. und 27°59‘ w.L..

Geografische Lage:
- nördlichster Punkt: 39°05‘50“ n.B. (Barro Vermelho)
- südlichster Punkt: 39°00‘26“ n.B. (Ilhéu de Baixo)
- östlichster Punkt: 27°56‘18“ w.L. (Ilhéu de Baixo)
- westlichster Punkt: 28°04‘25“ w.L. (nahe Porto Afonso)
Entfernungen:
- Ilhéu de Baixo 0,7 km
- Ilhéu de Praia 0,9 km
- São Jorge / Azoren (Calheta) 37 km
- Terceira / Azoren (Ponta de Queimado) 56,7 km
- Pico / Azoren (Roque do Pico) 60 km
- Faial / Azoren (Pico de Espalamaca) 68 km
- São Miguel / Azoren (Mostgeiros) 224 km
- Flores / Azoren (Santa Cruz das Flores) 267 km
- Corvo / Azoren (Costa del Este) 269 km
- Santa Maria / Azoren (Ilhéu da Barca) 331 km
- Madeira (Ponta do Pargo) 1184 km
- Cabo da Roca / Portugal 1597 km
Zeitzone
In Graciosa gilt die Horário da Europa Ocidental bzw. United Time Coordinted (Koordinierte Weltzeit, ehemals Westeuropäische Zeit), abgekürzt HEO bzw. UTC, eine Stunde hinter der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) mit sommerzeitlicher Umstellung. Die Realzeit liegt um eine Stunde und 52 Minuten hinter der Koordinierten Weltzeit.
Fläche
Graciosa hat eine Fläche von 60,84 km² bzw. 23,49 mi². Davon entfallen 60,65 km² bzw. 23,42 mi² auf die Hauptinsel, der Rest auf drei Nebeneilande. Von Nordwesten nach Südosten zwischen Farol da Ponta de Barca - Ilhéu de Baixo durchmisst sie 23,9 km, von Südwesten nach Nordosten zwischen Punta Branca und Ilhéu de Praia 7,9 km. Die Küste ist 35,2 km lang mit einem maximalen Tidenhub von 1,4 bis 1,8 m, bei Santa Cruz da Graciosa 1,5 m. Höchster Punkt ist der Caldeira do Sul mit 402 m. Die mittlere Seehöhe beträgt 65 m.
Geologie
Die Azoreninsel Graciosa ist vulkanischen Ursprungs und gehört zur Zentralgruppe des Azoren-Archipels. Sie liegt am westlichen Ende des Terceira-Rifts, einer ultraslow-spreading tektonischen Achse, die Teil der komplexen Plattengrenze zwischen der Eurasischen, der Afrikanischen und der Nordamerikanischen Platte ist. Diese tektonische Lage begünstigt den Vulkanismus, der durch aufsteigendes Magma aus dem Erdmantel angetrieben wird. Graciosa entstand vor etwa 2,5 Millionen Jahren und ist eine der jüngeren Inseln des Archipels. 94 % ihrer Oberfläche liegen unter 300 Metern Höhe, was sie trockener und weniger bewölkt macht als die höheren Nachbarinseln.
Die geologische Entwicklung Graciosas lässt sich in mehrere Phasen unterteilen. Zunächst bildete sich ein Schildvulkan-Komplex, der später durch explosive Eruptionen und den Aufbau eines zentralen Vulkans geprägt wurde. Vor etwa 600.000 bis 700.000 Jahren entstand der Serra-das-Fontes-Komplex im Nordwesten, der aus basaltichem und trachytischem Gestein besteht. Trachyt, ein helles Vulkangestein, das mit der Zeit weißlich verwittert, ist charakteristisch für die Insel und verleiht Orten wie Serra Branca, Pedras Brancas oder Barro Branco ihren Namen – daher der Beiname „Weiße Insel“.
Das markanteste geologische Merkmal ist die Caldeira da Graciosa im Südosten der Insel. Diese elliptische Einsturzcaldera hat einen Durchmesser von etwa 1,6 mal 0,8 km und eine Tiefe von bis zu 270 Metern; ihr Rand erreicht mit 402 Metern die höchste Erhebung Graciosas. Sie entstand vor rund 12.000 Jahren durch den Kollaps eines Vulkans nach explosiven Eruptionen, die Tephra-Ablagerungen, pyroklastische Ströme, Lahare und Lavaflüsse erzeugten. Die Caldeira ist die kleinste zentrale Vulkanstruktur der Azoren und beherbergt eine reiche Vegetation mit endemischen Arten wie Azoren-Heide und Lorbeer.
Innerhalb der Caldeira liegt die Furna do Enxofre (Schwefelhöhle), eine der beeindruckendsten vulkanischen Höhlen der Azoren. Diese Lavahöhle mit einem Durchmesser von etwa 200 Metern und einer gewölbten Decke aus vulkanischen Prismen (bis 40–50 Meter hoch) enthält einen unterirdischen See, Schlammfumarolen und aktive Schwefelemissionen, die auf anhaltende geothermische Aktivität hinweisen. Der Zugang erfolgt über eine spiralförmige Treppe mit 183 Stufen. Weitere Lava-Tunnels und kleine hydromagmatische Kegel bereichern die Caldeira.
Jüngere vulkanische Aktivitäten fanden vor etwa 2000 bis 4000 Jahren statt, darunter die Bildung des Pico Timão (398 Meter) im Nordwesten mit basaltischen Lavaflüssen, die bis zur Küste reichten. Die Küsten Graciosas sind geprägt von steilen Klippen (z. B. Serra Branca mit bis 200 Metern Höhe), Basaltadern und Erosionsformen wie Schornsteinen. Geothermische Phänomene wie die Thermalquellen in Carapacho unterstreichen die anhaltende vulkanische Restaktivität.
Landschaft
Graciosa bietet eine sanft gewellte und ruhige Landschaft, die im Vergleich zu den anderen Azoreninseln eher flach und offen ist. Die Insel, auch „Ilha Branca“ genannt, verbindet vulkanische Formationen, grüne Weiden, Küstenlinien und traditionelle Siedlungen zu einem harmonischen Landschaftsbild. Im Südosten erhebt sich die Caldeira da Graciosa, ein imposanter Vulkankrater von etwa zwei Kilometern Durchmesser, dessen sanfte Hänge teilweise von üppiger Vegetation bewachsen sind. Ein weiteres vulkanisches Highlight ist die Furna do Enxofre, eine beeindruckende Höhle mit unterirdischem Kratersee und Schwefeldampf, die das vulkanische Erbe der Insel sichtbar macht.
Der Großteil der Insel besteht aus grünen Weiden, Feldern und landwirtschaftlich genutzten Flächen, auf denen Kühe, Schafe und Ziegen grasen. Kleine Parzellen, traditionelle Steinmauern und Windmühlen prägen das typische azorianische Bild der Insel. Die Küstenlinie Graciosas ist abwechslungsreich: von Sandstränden und geschützten Buchten über natürliche Felsenpools bis hin zu steilen Klippen im Norden und Westen, die spektakuläre Ausblicke auf den Atlantik bieten. Besondere landschaftliche Akzente setzen die Thermalquellen von Carapacho, deren mineralreiches Wasser inmitten üppiger Vegetation entspringt und die Küstenlandschaft bereichert.
Die Dörfer und Ortschaften wie Santa Cruz da Graciosa, São Mateus, Guadalupe und Luz liegen eingebettet in die weiten Ebenen und sanften Hügel. Weiße Häuser mit roten Ziegeldächern, gepflasterte Straßen und kleine Kapellen fügen sich harmonisch in das Landschaftsbild ein und spiegeln die kulturelle Prägung der Insel wider. Insgesamt bietet Graciosa eine landschaftlich vielfältige und harmonische Mischung aus Natur, Vulkanformationen, Landwirtschaft und traditioneller Architektur, die besonders für Naturtourismus, Wandern und ruhige Erholung attraktiv ist.
Erhebungen
- Caldeira do Sul 402 m (Caldeira)
- Pico Timão 398 m (Serra Dormida)
- Caldeira del Este 393 m (Caldeira)
- Caldeira del Norte 382 m (Caldeira)
- Facho 375 m (Serra das Fontes)
- Caldeirinha 360 m (Serra Branca)
Fluss
- Riu de Lagoa 3,4 km
Inseln
- Graciosa 60,65 km²
- Ilhéu de Baixo 0,13 km²
- Ilhéu de Praia 0,1 km²
Flora und Fauna
Graciosa ist weitgehend entwaldet. Auf mit Lava-Bruchstein-Mauern nur wenig windgeschützten Flächen werden auf dem fruchtbaren Boden Getreide, Früchte und Wein angebaut. Außerdem wird auf der Insel Viehwirtschaft betrieben.
Flora
Dfie Pflanzenwelt Die Flora und Fauna der Azoreninsel Graciosa, die seit 2007 als UNESCO-Biosphärenreservat geschützt ist, zeichnen sich durch die isolierte Lage im Atlantik und den vulkanischen Ursprung aus. Als eine der flachsten und trockensten Inseln des Archipels bietet Graciosa eine sanfte, hügelige Landschaft mit Weiden, Weinbergen, kleinen Wäldern und geschützten Bereichen wie der Caldeira da Graciosa, die einen Hotspot für endemische Arten darstellt. Die Vegetation ist weniger üppig als auf höheren Inseln, doch in feuchteren Zonen und an der Küste blüht eine vielfältige, teils makaronesische Pflanzenwelt. Die Tierwelt ist an Land artenarm, dominiert von Vögeln und einer Fledermausart, während das umliegende Meer reich an mariner Biodiversität ist.
Die Flora Graciosas gehört zur makaronesischen Biogeografie und umfasst eine Mischung aus einheimischen, endemischen und eingeführten Arten. Aufgrund der geringen Höhe fehlen hochmontane Zonen; stattdessen prägen niedrige Wälder, Heidekrautflächen und Küstenvegetation die Landschaft. Die Caldeira ist besonders reich an endemischen Pflanzen: Ihre steilen Wände und der Boden sind mit Schuttablagerungen bedeckt, die eine dichte Vegetation tragen. Charakteristische endemische oder azoreanische Arten sind die Azorean Tree Heath (Erica azorica), eine hohe Heide, die buschig wächst und die Landschaft dominiert, der Macaronesian Laurel (Laurus azorica) als Relikt des ursprünglichen Laurisilva-Waldes, Hypericum foliosum mit gelben Blüten sowie der Fire Tree (Morella faya). Eingeführte Arten wie Japanese Cedar (Cryptomeria japonica) und Australian Blackwood (Acacia melanoxylon) haben sich stark verbreitet und bilden dichte Bestände. An der Küste und in Feuchtgebieten wachsen Farne, Moose und Gräser, während landwirtschaftliche Flächen von Weinreben und Obstbäumen geprägt sind. Die marine Flora ist artenreich mit über 195 Makroalgen-Arten, darunter azoreanische Endemiten wie Predaea feldmannii subsp. azorica sowie makaronesische Arten wie Codium elisabethiae oder Laurencia viridis, die farbenprächtige Unterwasserwälder bilden.
Fauna
Die Landfauna der Insel ist aufgrund der Isolation spärlich. Vor der menschlichen Besiedlung gab es keine Landsäugetiere außer Fledermäusen; heute überwiegen eingeführte Arten wie Kaninchen, Igel, Frettchen, Ratten und Mäuse. Die einzige einheimische Säugetierart der Azoren ist der Azorean Bat (Nyctalus azoreum), eine tagaktive Fledermaus, die Insekten jagt und in der Caldeira sowie in Wäldern vorkommt. Es gibt keine gefährlichen Tiere wie Schlangen. Die Vogelwelt ist das absolute Highlight und macht Graciosa zu einem Paradies für Birdwatcher. Viele azoreanische Subspecies und endemische Formen brüten hier, besonders in der Caldeira, an Küstenklippen und auf den umliegenden Islets wie Ilhéu da Praia und Ilhéu de Baixo. Zu den häufigen Landvögeln gehören der Azores Chaffinch (Fringilla coelebs moreletti), ein farbenprächtiger Singvogel, der Azorean Blackcap (Sylvia atricapilla atlantis) in Büschen und Wäldern, der Azores Grey Wagtail (Motacilla cinerea patriciae) an Bächen, der Azores Blackbird (Turdus merula azorensis) in Wäldern und Gärten, der Azores Common Starling (Sturnus vulgaris granti) in offenen Landschaften, der Azores Woodpigeon (Columba palumbus azorica) in Wäldern sowie der Azorean Buzzard (Buteo buteo rothschildi), ein Greifvogel, der dem Archipel den Namen gab. Seltener sind Watvögel wie Common Snipe (Gallinago gallinago) und Woodcock (Scolopax rusticola).
Besonders bedeutend sind die Seevögel, die in großen Kolonien auf den Islets nisten und Graciosa zu einem international wichtigen Brutgebiet machen. Zu den Highlights zählt der Monteiro’s Storm-petrel (Oceanodroma monteiroi), eine der seltensten Seevögel Europas und endemisch für die Islets bei Graciosa (zum Beispiel Ilhéu da Praia und Ilhéu de Baixo). Weitere nistende Arten sind Cory’s Shearwater (Calonectris borealis), Barolo Shearwater (Puffinus baroli), Roseate Tern (Sterna dougallii), Common Tern (Sterna hirundo) sowie Madeiran Storm-petrel (Hydrobates castro) und Bulwer’s Petrel (Bulweria bulwerii). Die Gewässer um Graciosa ziehen zudem migrierende Arten wie Manx Shearwater, Fea’s Petrel oder Great Shearwater an. Die marine Fauna ist vielfältig mit zahlreichen Fischarten, Delfinen und Walen in den umliegenden Gewässern, die Graciosa zu einem Hotspot für Whale-Watching machen.
Naturschutz
Im September 2007 wurde die gesamte Insel mit umgebendem Meeresareal mit einer Gesamtfläche von 107,83 km² zum Biosphären-Schutzgebiet ernannt. Es bestehen folgende Schutzareale:
- Reserva Natural do Ilhéu de Baixo - Ilhéu de Baixo
- Reserva Natural do Ilhéu da Praia - Ilhéu da Praia
- Monumento Natural da Caldeira da Graciosa - Caldeira da Graciosa
- Área Protegida para a Gestão de Habitats ou Espécies da Ponta da Restinga
- Área Protegida para a Gestão de Habitats ou Espécies da Ponta Branca
- Área Protegida para a Gestão de Habitats ou Espécies da Ponta da Barca
- Área Protegida de Gestão de Recursos da Costa Sudeste
- Área Protegida de Gestão de Recursos da Costa Noroeste
Die Kliffküste der Ponta da Barca und das vorgelagerte Eiland Ilhéu da Baleia sind wichtige Nistplätze von Meeresvögeln. Sie werden deshalb von BirdLife International als Important Bird Area PT061 „Ilhéu da Baleia e Ponta da Barca“ ausgewiesen.
Klima
Die Azoreninsel Graciosa weist ein mildes, maritimes Klima auf, das stark vom Atlantik beeinflusst wird. Nach der Köppen-Klassifikation gehört Graciosa überwiegend zum Csb-Klima, also einem mediterran-milden Klima mit trockenen Sommern, wobei die Winter mild und feucht sind. Aufgrund der geringen Höhe und der offenen Landschaft ist die Insel weniger wolkenverhangen als die höher gelegenen Azoreninseln.
Die Temperaturen auf Graciosa schwanken nur gering: Im Sommer liegen sie durchschnittlich zwischen 22 und 26 °C, im Winter zwischen 13 und 17 °C. Frost und Schnee kommen praktisch nicht vor, während das maritime Umfeld für eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit sorgt. Die Niederschläge konzentrieren sich auf die Monate von Oktober bis März, während die Sommermonate vergleichsweise trocken und sonnig sind. Regen kann jedoch auch in den Sommermonaten gelegentlich auftreten, meist in Form kurzer Schauer.
Winde und Luftbewegung prägen das Klima zusätzlich: Graciosa ist besonders im Winter und Frühjahr dem Einfluss nordöstlicher Passatwinde ausgesetzt, die für eine stetige Frischluftzufuhr sorgen und das maritime Klima verstärken. Diese Winde machen die Insel zudem für Windenergieprojekte besonders interessant, wie das bekannte Graciólica-System zeigt.
Mythologie
Den Kern der Inselmythen bildet die Furna do Enxofre, die beeindruckende Schwefelhöhle in der Caldeira. Der unterirdische See in der Höhle trägt den Namen Lagoa do Styx – eine direkte Anlehnung an den Styx aus der griechischen Mythologie, den Fluss der Unterwelt, der die Welt der Lebenden von der der Toten trennt. Diese Benennung unterstreicht den unheimlichen, fast jenseitigen Charakter der Höhle mit ihren Schwefeldämpfen, Fumarolen und der perfekten gewölbten Decke. Die Höhle wirkt wie ein Tor zur Unterwelt, was Besucher seit dem 19. Jahrhundert fasziniert hat, darunter Persönlichkeiten wie Prinz Albert von Monaco. Lokale Erzählungen verstärken diesen Eindruck, indem sie die Furna als Ort anhaltender vulkanischer „Geister“ oder verborgener Kräfte darstellen, obwohl keine detaillierten einheimischen Legenden von Dämonen oder Seelen überliefert sind.
Graciosa wird in der azoreanischen Folklore auch mit der breiteren Atlantis-Legende verbunden: Die neun Inseln der Azoren sollen die letzten Bergspitzen des versunkenen Reiches Atlantis sein. Diese Idee, die auf antiken Quellen wie Platon zurückgeht und im 19. Jahrhundert populär wurde, gilt für den gesamten Archipel, betrifft aber auch Graciosa als eine der „magischen“ Inseln mit plötzlich erscheinenden und verschwindenden Landschaften in alten Berichten. Bücher wie „The Islands of Magic“ von Elsie Spicer Eells sammeln azoreanische Märchen, in denen Feen, Zauberer und versunkene Königreiche vorkommen, doch spezifisch graciosische Geschichten fehlen weitgehend – stattdessen dominieren Themen wie verzauberte Prinzessinnen oder sieben Städte (wie auf São Miguel).
Weitere Elemente der Folklore umfassen allgemeine azoreanische Motive wie Mouras Encantadas (verzauberte Maurinnen, die Schätze hüten), Lobisomens (Werwölfe) oder Bruxas (Hexen), die in Höhlen und Quellen hausen sollen. Auf Graciosa könnten diese mit geothermischen Phänomenen wie den Thermalquellen in Carapacho verknüpft sein, die als heilend und mystisch gelten. Piratenangriffe in der Geschichte der Insel haben zudem zu Erzählungen von verborgenen Schätzen beigetragen, die von übernatürlichen Wächtern behütet werden.
Geschichte
Graciosa wurde am 2. Mai 1450 von dem Siedler Vasco Gil Sodré entdeckt. Er stammte von der benachbarten und 30 Seemeilen entfernten Insel Terceira und ließ sich auf der Insel mit seiner Familie dauerhaft nieder. In den letzten Jahren scheint die durch die rein landwirtschaftliche Wirtschaftsweise bedingte Arbeitsemigration gestoppt.
Entdeckungszeit
Die Azoren tauchen bereits in antiken Legenden und Mythen auf, die von mysteriösen Inseln im Atlantik berichten. In der klassischen Antike erwähnten Autoren wie Homer, Horaz und Pindar die "Glücklichen Inseln" (Fortunate Isles), während Platon in seinen Dialogen von Atlantis sprach – einer versunkenen Zivilisation, die einige Hypothesen mit den Azoren in Verbindung bringen, etwa durch den US-amerikanischen Autor Ignatius Donnelly im Jahr 1882. Weitere Berichte stammen von Plutarch, Strabo, Plinius dem Älteren und Ptolemäus, die die Kanaren beschrieben, aber möglicherweise auch weiter entfernte Inseln meinten. Im Mittelalter vermischten sich irische Sagen (wie die Immrama über Ui Corra oder den Heiligen Brendan), nordische Sagas (etwa die Grœnlendinga saga und die Saga von Erik dem Roten) und iberische Erzählungen, darunter die von Khashkhash Ibn Saeed Ibn Aswad (9. Jahrhundert) und den acht Maghurin aus Lissabon (12. Jahrhundert). Diese Legenden schufen mythische Orte wie Atlantis, die Insel Brasil, Antillia (auch Sete Cidades genannt), Satanazes, Ilhas Azuis oder Terra dos Bacalhaus.
Archäologische Funde weisen auf eine mögliche Besiedlung in prähistorischer Zeit hin. Im 18. Jahrhundert wurden auf Corvo karthagische und kyrenische Münzen aus dem 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr. entdeckt, die auf phönizische oder karthagische Seefahrer hindeuten könnten, obwohl Alexander von Humboldt 1836 an ihrer Echtheit zweifelte. Neuere Entdeckungen aus den Jahren 2010/2011 durch den portugiesischen Archäologen Nuno Ribeiro umfassen Hypogäen (unterirdische Grabkammern) und Felsbearbeitungen auf Corvo, Santa Maria und Terceira, die Ähnlichkeiten mit Megalithkulturen des Mittelmeerraums um -2000 aufweisen. Eine genaue Datierung ist jedoch schwierig aufgrund der begrenzten Funde.
Besonders interessant ist die Periode zwischen 700 und 850, in der die Inseln offenbar von Menschen bewohnt waren, die Vieh mitbrachten. Sedimentanalysen zeigen Spuren von 5-Beta-Stigmasterol (aus Viehdung von Schafen und Rindern, die nicht einheimisch sind), Brandrodungen und nicht-einheimisches Roggengras. Die mitochondriale DNA von Hausmäusen auf den Azoren weist Verbindungen zu Populationen aus von Wikingern besiedelten Ländern wie Norwegen auf, was auf eine vorübergehende nordische Präsenz hindeutet. Geograf Simon Connor betont jedoch Unsicherheiten, da Mäuse auch über Handelsrouten gelangt sein könnten, ohne dass Wikinger dauerhaft siedelten. Lokale Geschichten sprechen von einem mysteriösen Reiterstandbild auf Corvo oder Inschriften an der Küste von Terceira, die jedoch unbestätigt bleiben. Bartolomé de las Casas notierte im 16. Jahrhundert Leichen, die amerindianischen Völkern ähnelten und auf Flores angespült wurden, was Christoph Kolumbus' Annahmen über den Ozean beeinflusste.
Die Azoren erscheinen erstmals auf Portolankarten des 14. Jahrhunderts, lange vor ihrer offiziellen portugiesischen Entdeckung. Der Medici-Atlas von 1351 zeigt sieben Inseln in Gruppen: Cabreras (Ziegeninseln), De Ventura Sive de Columbis (Wind- oder Taubeninseln) und De Brazil (Brasil-Insel). Der Atlas Catalan von 1375 benennt Corvo, Flores und São Jorge und stellt die Inseln in drei nord-südlichen Clustern dar, was auf Sichtungen durch Seefahrer hindeutet. Weitere Karten wie die der Pizzigani-Brüder (1367), der Pinelli–Walckenaer-Atlas (1384), der Corbitis-Atlas (um 1385/1410) und Mecia de Viladestes (1413) bestätigen dies. Namen wie "lobo" (Santa Maria, Insel der Wölfe oder Robben), "cabrera" (São Miguel, Ziegeninsel), "brazil" (Terceira, Glut- oder Feuerinsel), "li columbi" (Pico, Taubeninsel), "y de la ventura" (Faial, Wind- oder Glücksinsel), "san zorzo" (São Jorge, St.-Georgs-Insel), "li conigi" (Flores, Haseninsel) und "y de corvis marinis" (Corvo, Meereskräheninsel) tauchen auf; Graciosa fehlt oft.
Diese Darstellungen basieren wahrscheinlich auf zufälligen Sichtungen während Rückfahrten von den Kanaren, etwa im "volta-do-mar"-Manöver (einem Bogenkurs, der Winde nutzt). Eine portugiesische Expedition zu den Kanaren 1341 unter Angiolino del Tegghia de Corbizzi und Nicoloso da Recco könnte die Azoren gestreift haben. Majorcanische Sklavenjagden nach 1341 und arabische Karten (wie die von Edrisi im 12. Jahrhundert, die "ilhas de bruma" – Nebelinseln – zeigen) unterstützen dies. Eine italienische Karte von 1367 markiert Corvo, und das Libro del Conoscimiento (um 1380) erwähnt Inseln im Atlantik. Trotz Bekanntheit blieben die unbewohnten, ressourcenarmen Inseln zunächst uninteressant, da kein Gold oder Gewürze vermutet wurden und das Wetter unvorhersehbar war.
Die offizielle Entdeckung der Azoren erfolgte im Kontext der portugiesischen Expansionspolitik unter Prinz Heinrich dem Seefahrer (1394 bis 1460), der durch den Militärorden Christi Expeditionen finanzierte, um Indien und das mythische Reich des Prester John zu erreichen und muslimische Handelsrouten zu umgehen. Er förderte Schiffsbaukunst, Navigation und Kartografie. Ab 1420 sandte er Schiffe westwärts aus, darunter Gonçalo Velho Cabral und Diogo de Silves.
1427 erreichte Diogo de Silves die Azoren im Auftrag Heinrichs, ging aber nicht an Land und nahm sie für Portugal in Besitz. Der Name "Ilhas dos Açores" (Habichtsinseln) entstand, da die Seefahrer Bussarde fälschlich für Habichte (port. "açor") hielten; alternative Theorien führen ihn auf "isole azzurri" (blaue Inseln) oder die Heilige Maria von Açores zurück. 1432 landete Gonçalo Velho Cabral am 15. August (Mariä Himmelfahrt) auf Santa Maria und nannte sie nach der Jungfrau Maria. Er kehrte später zurück, um Vieh (Schafe, Ziegen, Rinder, Schweine, Hühner) auszusetzen, das sich vermehrt und die Inseln für Siedler vorbereitete. São Miguel wurde um 1427/32 entdeckt und 1444 besiedelt.
Bis 1450 wurden die zentralen Inseln (Terceira, Graciosa, São Jorge, Pico, Faial) erkundet; Terceira hieß zunächst "Insel Jesu Christi" und wurde als dritte entdeckte Insel benannt. 1452 entdeckten Diogo de Teive und sein Sohn João Flores und Corvo als letzte. Die westlichen Inseln (Flores, Corvo) blieben bis um 1500 weitgehend unbesiedelt; ein Versuch auf Flores 1470 scheiterte, und erst ab 1500 gab es ständige Bewohner (Corvo hatte um 1500 nur 30 Einwohner).
Pionierzeit
Die Besiedlung begann Mitte des 15. Jahrhunderts, initiiert durch Heinrich den Seefahrer und seine Schwester Isabella von Portugal, die mit Philipp dem Guten von Burgund verheiratet war. Eine Urkunde von König Afonso V. vom 2. Juli 1439 erlaubte die Kolonisierung der sieben bekannten Inseln. Santa Maria wurde 1439 als erste besiedelt; Siedler aus der Algarve, Alentejo und Madeira landeten in Baía dos Anjos, zogen aber südlich nach Vila do Porto. 1444 erreichten die ersten Siedler São Miguel in Povoação (benannt nach dem Erzengel Michael zum 8. Mai). Terceira folgte 1450/1456; Graciosa wurde von Terceira aus besiedelt.
Siedler stammten hauptsächlich aus Portugal (Estremadura, Alentejo, Algarve), ergänzt durch Flamen aus Burgund und Nordfrankreich, die Ortsnamen wie Flamengos und Windmühlen hinterließen. Donatskapitäne wie João Soares de Albergaria verwalteten die Inseln. Auf Flores erhielt Fernão Telles de Meneses 1475 ein Charter, stockte Schafe auf. 1478 engagierte seine Witwe Dona Maria Vilhena den Flamen Willem van der Haegen, der Ribeira da Cruz besiedelte, Weizen und Pastell (für Färberpflanzen) anbaute und nach Zinn/Silber suchte (mythische Ilhas Cassiterides). Er verließ die Insel um 1480 wegen Exportproblemen; dauerhafte Besiedlung erfolgte erst unter König Manuel I. ab 1510.
Wirtschaftlich rodeten die Siedler Wälder, legten Weiden und Äcker an und führten Pflanzen/Tiere aus Europa und Asien ein. Getreide (Weizen), Mais, Gemüse, Pastellfarben und die Färberflechte Urzela wurden exportiert, um Portugal und afrikanische Kolonien zu versorgen. Die Azoren dienten als Stützpunkt für Atlantikreisen; Christoph Kolumbus stoppte 1493 auf Santa Maria auf der Rückkehr von seiner ersten Amerikafahrt, wo er zunächst als Pirat verhaftet wurde. Bis ca. 1500 etablierten sich Siedlungen in Tälern und Küsten mit Wasser und fruchtbarem Boden; Ponta Delgada auf São Miguel wurde später Hauptstadt. Die strategische Lage machte die Inseln zu einer Brücke zwischen Europa und den Neuen Welten, doch Piratenangriffe und Erdbeben (zum Beispiel 1500) stellten Herausforderungen dar.
DNA-Studien (2003/06) bestätigen ~90 % portugiesische Abstammung auf Flores, mit paternalen Linien aus dem Festland. Bis 1500 waren die östlichen Inseln (Santa Maria, São Miguel, Terceira) fest besiedelt, während die Westgruppe isoliert blieb. Die Azoren wandelten sich von mythischen Spekulationen zu einem integralen Teil des portugiesischen Reiches.
Kolonialzeit
Das 16. bis 18. Jahrhundert markierte für die Azoren eine Phase intensiver wirtschaftlicher Entwicklung, strategischer Bedeutung im Atlantikhandel und zugleich zahlreicher Herausforderungen durch Kriege, Piraterie und Naturkatastrophen. Die Inseln profitierten von ihrer zentralen Lage als Brücke zwischen Europa, Afrika, Asien und der Neuen Welt, wurden jedoch auch zu einem Ziel für Angriffe und Konflikte. Diese Periode, oft als "Era da Magnificência" (Zeitalter der Pracht) im 16. und 17. Jahrhundert bezeichnet, sah den Aufstieg wichtiger Städte wie Angra do Heroísmo und Ponta Delgada, gefolgt von Phasen des Niedergangs und der Diversifikation der Wirtschaft.
Aufgrund ihrer Position im Nordatlantik wurden die Azoren zu einem unverzichtbaren Stützpunkt für die portugiesische Flotte und den Handel mit den Kolonien. Schiffe aus Indien, Brasilien und Afrika legten hier an, um Proviant, Wasser und Reparaturen zu erhalten. Angra auf Terceira entwickelte sich zum wichtigsten Hafen und wurde 1534 zum Bischofssitz erhoben, was ihre religiöse und administrative Bedeutung unterstrich. Ponta Delgada auf São Miguel wuchs ebenfalls rasch, besonders nach der Zerstörung von Vila Franca do Campo durch ein verheerendes Erdbeben und Erdrutsch im Jahr 1522, das Tausende Tote forderte und die Hauptstadtfunktion auf São Miguel veränderte.
1580 begann die Iberische Union, als Portugal unter spanische Herrschaft fiel (bis 1640). In dieser Zeit widerstanden die Azoren zunächst Philipp II. von Spanien; Terceira war die letzte Bastion der Loyalisten zu António, dem Prior von Crato. 1583 wurde die Insel nach der Schlacht von Ponta Delgada erobert. Die spanische Periode brachte wirtschaftlichen Aufschwung, da nun auch spanische Schätze aus Amerika über die Azoren routeten. Nach der Wiedererlangung der portugiesischen Unabhängigkeit 1640 verloren die Inseln jedoch teilweise an Bedeutung, da der Handel sich verlagerte.
Die Wirtschaft basierte zunächst auf Landwirtschaft. Im 15. und frühen 16. Jahrhundert dominierte der Weizenanbau, der Export nach Portugal und den afrikanischen Kolonien deckte den Bedarf. Ab dem 16. Jahrhundert gewann der Anbau von Pastell (Waid, Isatis tinctoria) und der Färberflechte Urzella (Roccella tinctoria) an Bedeutung, da Flandern und andere europäische Färbereien hohe Nachfrage hatten. Viele Getreidefelder wurden umgewandelt, was Ende des 16. Jahrhunderts zu Hungersnöten führte, da die Inseln von Importen abhängig wurden.
Sugar cane und andere Kulturen ergänzten das Angebot, oft mit Hilfe afrikanischer Sklavenarbeit. Im späten 16. und 17. Jahrhundert litt die Wirtschaft unter Überbevölkerung und Konkurrenz aus Amerika (unter anderem Indigo statt Waid). Ab dem 18. Jahrhundert diversifizierte sich die Produktion: Orangenexporte nach Großbritannien (besonders von São Miguel) und Wein von Pico brachten neuen Wohlstand. Der Schiffbau und der Passagierverkehr zwischen den Inseln wuchsen; ab dem 17. Jahrhundert verkehrten regelmäßige Schiffe, im 18. Jahrhundert dominierte die "Pico Yacht" den Sommerverkehr.
Die exponierte Lage machte die Azoren zu einem bevorzugten Ziel für Piraten und Kaperschiffe. Im 16. und 17. Jahrhundert plünderten englische (unter anderem Walter Raleigh 1597 auf Faial), französische und algerische Korsaren Häfen wie Horta und Angra. Berühmt ist der Angriff auf die spanische Schatzflotte 1592 bei Flores. Zur Verteidigung wurden Festungen errichtet, zum Beispiel São Brás in Ponta Delgada. Seeschlachten, wie die gegen englische Raubzüge 1589 und 1597, unterstrichen die militärische Rolle der Inseln.
Die vulkanische Natur der Azoren führte zu häufigen Erdbeben und Ausbrüchen. Neben dem Ereignis von 1522 auf São Miguel gab es weitere: 1591 und später auf Pico, 1630 auf São Miguel, sowie Serien im 18. Jahrhundert (unter anderem 1757 Capelinhos-Vorläufer). Diese Katastrophen zerstörten Siedlungen und zwangen zu Wiederaufbau, prägten aber auch die resiliente Kultur der Bewohner.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wandelten sich die Azoren von einem reinen Versorgungsposten zu einer diversifizierten Region mit wachsender Elite und Emigrationstendenzen. Die strategische Lage blieb entscheidend, doch wirtschaftliche Schwankungen und externe Bedrohungen forderten Anpassungsfähigkeit. Diese Jahrhunderte legten den Grundstein für die moderne Identität der Azoren als atlantische Brücke.
Umbruchszeit
Der Anfang des 19. Jahrhunderts stand im Zeichen kultureller und intellektueller Impulse durch prominente Besucher. Im Jahr 1791 hielt sich der französische Schriftsteller François-René de Chateaubriand auf der Insel auf, während er vor der Französischen Revolution floh. Er residierte im Franziskanerkloster und schilderte später in seinen „Mémoires d'outre-tombe“ die idyllische, aber isolierte Atmosphäre der Insel, die ihn tief beeindruckte. Nur wenige Jahre später, 1814, besuchte der portugiesische Dichter Almeida Garrett, ein Pionier der Romantik in Portugal, Graciosa als 15-Jähriger. Er reiste zu seinem Onkel, einem Richter in Santa Cruz, und zeigte bereits früh sein Talent: Während einer Messe in der Igreja Matriz stieg er auf die Kanzel und hielt eine improvisierte Predigt, die die Gemeinde begeisterte, seinen Onkel jedoch erzürnte. Garrett lebte zeitweise auf der Insel und ließ sich von ihrer ruhigen Landschaft inspirieren, was später in seinen Werken widerhallte.
Natürliche Katastrophen stellten die Bewohner immer wieder auf die Probe und unterstrichen die Vulnerabilität der vulkanischen Insel. Im Sommer 1844 führte eine extreme Hitzewelle zu schweren Dürreperioden, die die Landwirtschaft bedrohten und zu Wasserknappheit führten. Der damalige Generaladministrator des Distrikts Angra do Heroísmo, José Silvestre Ribeiro, intervenierte energisch: Er schickte 90 hölzerne Fässer mit Wasser und ordnete das Ausheben von Gezeitenbrunnen sowie die Anlage von Gräben an, um Wasser aus den Bergen heranzuführen. Diese Maßnahmen milderten die Not, die durch einen starken Sturm am 20. August schließlich gelindert wurde. Erdbeben waren eine weitere Bedrohung: Bereits 1817 gab es leichte Beben, doch im Januar und Februar 1837 erschütterten starke Erdstöße die Insel. Besonders betroffen waren die Gebiete um Praia und Luz; die Kirche in Luz stürzte fast vollständig ein, und es gab Todesopfer. Diese Ereignisse führten zu Reparaturen und einer Stärkung der Gemeinschaften, unterstrichen aber die Abhängigkeit von externer Hilfe aus dem portugiesischen Festland.
Administrativ unterlag Graciosa den liberalen Reformen Portugals, die das Königreich in den 1830er und 1840er Jahren durchliefen. Bis Mitte des Jahrhunderts war die Insel in zwei Munizipalitäten unterteilt: Santa Cruz da Graciosa im Norden (einschließlich Guadalupe) und Praia im Süden (einschließlich Luz). Im Zuge des zweiten administrativen Kodex der liberalen Regierung wurde 1855 die Munizipalität Praia aufgelöst und in Santa Cruz integriert. Praia verlor damit seinen Status als eigenständiges Dorf, was die zentrale Verwaltung in Santa Cruz stärkte und den Handel sowie die interne Koordination erleichterte. Diese Veränderungen förderten eine gewisse Prosperität, da die Insel aufgrund niedriger Hafengebühren und einer kleinen, aber effizienten Bevölkerung wettbewerbsfähig blieb.
Der wirtschaftliche Höhepunkt des Weinbaus endete jedoch abrupt um 1870, als die Reblaus (Phylloxera) die Weinberge verwüstete. Diese Plage, die auch andere Teile Europas traf, zerstörte die Rebstöcke und entzog den Bewohnern ihre wichtigste Einnahmequelle. Der Wein, der zuvor in großen Mengen exportiert worden war – eine historische Anekdote des 3. Earls of Cumberland aus dem 16. Jahrhundert besagte schon, dass es leichter sei, zwei Fässer Wein als eines mit frischem Wasser zu bekommen –, wurde rar. Der Niedergang führte zu einem rapiden wirtschaftlichen Rückgang und löste die erste große Emigrationswelle aus: Viele Graciosenser wanderten in die USA oder nach Brasilien aus, um bessere Chancen zu suchen. Die Insel, die zuvor als „Kornkammer der Azoren“ gegolten hatte mit bis zu 31 aktiven Windmühlen, konzentrierte sich nun stärker auf Getreideanbau und Viehzucht, insbesondere Milchwirtschaft, die bis heute prägend ist.
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch von Prinz Albert I. von Monaco im Jahr 1879. An Bord seiner Yacht Hirondelle führte er ozeanographische Forschungen durch und legte in Graciosa an. Er erkundete die Furna do Enxofre in der zentralen Caldera, eine beeindruckende Schwefelhöhle, und schlug vor, sie touristisch zugänglich zu machen – eine Idee, die erst später umgesetzt wurde. Dieser Besuch unterstrich die wissenschaftliche Attraktivität der Azoren und brachte Graciosa kurzzeitig internationale Aufmerksamkeit.
Bis 1914, dem Vorabend des Ersten Weltkriegs, blieb Graciosa eine ländliche, isolierte Gemeinschaft. Der Übergang Portugals zur Republik 1910 hatte auf der Insel keine dramatischen Auswirkungen; es gab keine Berichte über Unruhen oder politische Umwälzungen. Stattdessen dominierte die Alltagsroutine: Landwirtschaft, Fischerei und Walfang hielten die Wirtschaft am Laufen, wenngleich die Emigration die Bevölkerung schrumpfen ließ. Die Insel profitierte von ihrer friedlichen Lage, fernab der großen Konflikte Europas, und bewahrte ihre traditionelle Kultur, die von portugiesischen, flämischen und minhotischen Einflüssen geprägt war. Insgesamt war diese Periode gezeichnet von Resilienz gegenüber Naturgewalten und wirtschaftlichen Krisen, unterbrochen von inspirierenden Besuchen, die Graciosas Reiz als „verzauberte“ Insel unterstrichen.
Weltkriegsära
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 hatte auf Graciosa keine direkten militärischen Auswirkungen, da Portugal zunächst neutral blieb und erst 1916 auf Seiten der Alliierten eintrat. Die Azoren dienten jedoch als wichtige Stützpunkte für die USA, die Marinebasen in Ponta Delgada und Horta einrichteten, um den Atlantik zu sichern. Graciosa selbst war nicht betroffen, blieb aber von Versorgungsengpässen und steigenden Preisen gezeichnet. Der Walfang, der seit dem 19. Jahrhundert eine zentrale Rolle spielte – inspiriert von amerikanischen Walfängern, die Azoreaner anwarben –, gewann in dieser Zeit an Bedeutung. Viele Männer aus Graciosa und den Nachbarinseln arbeiteten auf offenen Booten mit traditionellen Methoden (Handharpunen), und der Fang von Pottwalen lieferte Öl und andere Produkte für den Export. Dies trug zur lokalen Wirtschaft bei, wenngleich die Insel weiterhin stark von der Landwirtschaft abhängig war: Getreide, Wein (trotz des früheren Phylloxera-Schadens) und Milchprodukte dominierten.
In den 1920er Jahren stabilisierte sich das Leben auf Graciosa unter der jungen Portugiesischen Republik, doch 1926 führte ein Militärputsch zur Diktatur, die 1933 im Estado Novo unter António de Oliveira Salazar mündete. Salazar's autoritäres Regime betonte Stabilität, Katholizismus und wirtschaftliche Autarkie, was auf den Azoren eine konservative, ländliche Gesellschaft verstärkte. Politische Repressionen erreichten die Inseln nur mild, da es wenig Opposition gab; stattdessen förderte das Regime traditionelle Werte und Infrastrukturmaßnahmen. Auf Graciosa entstanden in dieser Zeit kulturelle Einrichtungen wie Philharmonien (unter anderem die Filarmónica Recreio dos Artistas in Santa Cruz, gegründet 1913, und andere in den 1930er Jahren), die das musikalische Leben bereicherten und bis heute bestehen. Der Bau von Wasserspeichern und öffentlichen Plätzen, wie dem Rossio in Santa Cruz mit seinem Bandstand (der aktuelle aus 1945), spiegelte kleine Modernisierungen wider.
Der Zweite Weltkrieg (1939–1945) brachte erneut Neutralität für Portugal unter Salazar, der geschickt zwischen den Achsenmächten und Alliierten balancierte. Die Azoren gewannen enorme strategische Bedeutung im Battle of the Atlantic: Die Alliierten fürchteten deutsche U-Boote-Basen, und Pläne wie Operation Alacrity sahen eine Besetzung vor. Salazar widerstand zunächst, gewährte aber 1943 Basen auf Faial, Terceira und Santa Maria (z. B. Lajes Field 1944/45). Graciosa blieb unberührt – keine Basen oder Kämpfe –, profitierte aber indirekt von der alliierten Präsenz in der Region durch Handel und Versorgung. Die Inselbewohner erlebten Knappheit an Gütern, doch die Isolation schützte vor direkter Kriegsgewalt. Der Walfang erreichte in den 1940er Jahren einen Höhepunkt, mit mehreren Stationen im Archipel, die traditionelle Methoden nutzten.
Die Bevölkerung Graciosas wuchs in dieser Periode leicht an: Von etwa 8.000–9.000 Einwohnern um 1910 erreichte sie in den frühen 1950er Jahren einen Peak von rund 9.500, getrieben von natürlichem Wachstum und begrenzter Emigration während der Kriege. Dennoch setzte bereits in den 1920er und 1930er Jahren eine Abwanderung ein, vor allem nach Brasilien und in geringerem Maße in die USA. Naturkatastrophen wie Dürren blieben eine Herausforderung, doch die vulkanische Ruhe der Insel (keine großen Eruptionen) ermöglichte kontinuierliche Landnutzung.
Bis 1945 blieb Graciosa eine friedliche, traditionelle Gemeinschaft, geprägt von Resilienz und lokaler Kultur. Der Krieg endete, ohne Spuren auf der Insel zu hinterlassen, doch die Nachkriegszeit leitete tiefgreifende Veränderungen ein: Ab den 1950er Jahren beschleunigte sich die Emigration massiv, was die Bevölkerung halbiert. Die Periode bis 1945 markiert somit den Übergang von einer stabilen, wenn auch bescheidenen ländlichen Existenz zu den Umbrüchen der Moderne.
Moderne Zeit
Die Nachkriegszeit ab 1945 markierte für Graciosa einen Wendepunkt: Die Insel erreichte in den frühen 1950er Jahren mit etwa 9.500 Einwohnern ihren demografischen Höhepunkt, bevor eine massive Emigrationswelle einsetzte. Viele Graciosenser wanderten in die USA, nach Kanada oder Brasilien aus, auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen. Diese Abwanderung, verstärkt durch wirtschaftliche Stagnation und begrenzte Chancen in der Landwirtschaft und Viehzucht, führte zu einem starken Bevölkerungsrückgang – bis auf rund 4.300 Einwohner im Jahr 2021. Die Milchwirtschaft und die Produktion von Käse blieben zentrale Wirtschaftszweige, ergänzt durch den Anbau von Getreide, Obst und dem Wiederaufleben des Weinbaus, der durch die Cooperativa Agrícola da Ilha Graciosa seit den 1960er Jahren gefördert wurde.
Der Walfang, der in den 1940er Jahren noch einen Höhepunkt erreichte und viele Familien ernährte, ging in den folgenden Jahrzehnten zurück. Mit dem Beitritt Portugals zur Europäischen Gemeinschaft 1986 und internationalen Schutzabkommen endete die traditionelle Jagd auf Pottwale endgültig in den 1980er Jahren – der letzte Fang im Archipel erfolgte 1987. Auf Graciosa, wo Stationen wie in Praia existierten, wandelte sich diese Aktivität schrittweise zu Whale-Watching, das heute ein sanfter Tourismuszweig ist und zur Erhaltung der Meeresfauna beiträgt. Museen und ethnografische Sammlungen, wie das Museu da Graciosa in Santa Cruz, bewahren das Erbe dieser Epoche.
Infrastrukturelle Fortschritte prägten die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts: Der Bau des Flughafens Graciosa in den 1980er Jahren und die Modernisierung des Hafens in Praia brachen die Isolation der Insel auf und legten den Grundstein für den Tourismus. Diese Entwicklungen ermöglichten besseren Zugang zu Versorgungsgütern und förderten den Austausch mit den Nachbarinseln, insbesondere Terceira. Die Autonomie der Azoren seit 1976 brachte weitere Investitionen in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur, wenngleich Graciosa als kleine Insel weiterhin von Abwanderung junger Menschen betroffen war.
Ein wichtiges Ereignis war die Ernennung Graciosas zur UNESCO-Biosphärenreservat im Jahr 2007. Diese Auszeichnung würdigt die einzigartige vulkanische Landschaft – mit Sehenswürdigkeiten wie der Caldeira, der Furna do Enxofre und den Ilhéus als Brutplätzen seltener Vögel, darunter dem endemischen Painho-de-Monteiro –, sowie die nachhaltige Nutzung von Ressourcen. Sie fördert ökologischen Tourismus, Schutzmaßnahmen und wissenschaftliche Forschung, während sie die traditionelle Landwirtschaft und Kultur schützt. Projekte zur Biodiversität, wie die Reduzierung von Lichtverschmutzung oder die Förderung erneuerbarer Energien (Graciosa ist heute weitgehend autark durch Wind- und Solarenergie), unterstreichen diesen Weg.
Die Coronazeit ab dem Frühjahr 2020 war geprägt durch Maßnahmen der Regionalregierung der Azoren und der lokalen Behörden. Die Insel verzeichnete nur wenige Infektionsfälle, und die Gesundheitsversorgung war zu keinem Zeitpunkt überlastet. Zu den umgesetzten Maßnahmen gehörten die Maskenpflicht in Innenräumen, Begrenzung von Personen bei Versammlungen, Regelungen für Schulen und öffentliche Einrichtungen sowie Kontrollen bei der Einreise, einschließlich negativer Tests oder Quarantänepflichten. Diese Maßnahmen führten dazu, dass kulturelle und sportliche Veranstaltungen wie der Karneval, Dorffeste oder Sportturniere verschoben, abgesagt oder nur stark eingeschränkt durchgeführt werden konnten. Auch der Tourismus war erheblich eingeschränkt, da Reisen auf die Insel durch Einreisebeschränkungen und Sicherheitsvorschriften erschwert wurden. Dennoch konnte das alltägliche Leben weitgehend aufrechterhalten werden, und ab 2022 wurden die Maßnahmen schrittweise wieder aufgehoben.
Verwaltung
Graciosa gehört als Kreis (concelho) zur Autonomen Region der Azoren der Republik Portugal.
Herrschaftsgeschichte
- 1450 bis 1470/75 Königreich Portugal (Reino de Portugal)
- 1470/75 bis 1485 Lehen Praia (Donatario de Praia) und Lehen Santa Cruz (Donatario de Santa Cruz de Graciosa) des Königreichs Portugal (Reino de Portugal)
- 1485 bis 15. Juli 1580 Lehen Graciosa (Donatario da ilha Graciosa) des Königreichs Portugal (Reino de Portugal)
- 15. Juli 1580 bis 1. Dezember 1640 Lehen Graciosa (Donatario da ilha Graciosa) des Königreichs Spanien (Reino de España)
- 1. Dezember 1640 bis 18. Februar 1737 Lehen Graciosa (Donatario da ilha Graciosa) des Königreichs Portugal (Reino de Portugal)
- 18. Februar 1737 bis 2. August 1766 Königreich Portugal (Reino de Portugal)
- 2. August 1766 bis 4. Juni 1832 Generalkapitanie der Azoren (Capitania-geral dos Açores) innerhalb des Königreichs Portugal (Reino de Portugal)
- 4. Juni 1832 bis 28. Juli 1833 Provinz Azoren (Provincia dos Açores) im Königreich Portugal (Reino de Portugal)
- 28. Juli 1833 bis 18. Juli 1835 Provinz Östliche Azoren (Provincia Oriental dos Açores) im Königreich Portugal (Reino de Portugal)
- 18. Juli 1835 bis 28. März 1836 Bezirk Östliche Azoren (Distrito Oriental dos Açores) des Königreichs Portugal (Reino de Portugal)
- 28. Mä-rz 1836 bis 18. November 1895 Bezirk Angra do Heroismo (Distrito de Angra do Heroismo) des Königreichs Portugal (Reino de Portugal)
- 18. November 1895 bis 5. Oktober 1910 Autonomer Bezirk Andra do Heroismo (Distrito Autónomo de Andra do Heroismo) im Königreich Portugal (Reino de Portugal)
- 5. Oktober 1910 bis 27. August 1975 Autonomer Bezirk Angra do Heroismo (Distrito Autónomo de Angra do Heroismo) innerhalb der Republik Portugal (República Portugesa)
- 27. August 1975 bis 27. August 1976 Regionale Junta der Azoren (Junta Regional dos Açores) innerhalb der Republik Portugal (República Portugesa)
- seit 27. August 1977 Autonome Region Azoren (Região Autónoma dos Açores) innerhalb der Republik Portugal (República Portugesa)
Legislative und Exekutive
Graciosa ist politisch sowohl in die autonome Verwaltung der Azoren als auch in die kommunale Struktur des Concelho Santa Cruz da Graciosa eingebettet. Auf regionaler Ebene wird die Legislative durch das Parlamento dos Açores ausgeübt, in das Graciosa Abgeordnete entsendet. Dieses Parlament ist zuständig für die Gesetzgebung in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Umwelt und Kultur innerhalb der autonomen Region. Auf kommunaler Ebene übernimmt die Assembleia Municipal de Santa Cruz da Graciosa die legislative Funktion. Sie besteht aus gewählten Vertretern der vier Freguesias – Santa Cruz, São Mateus, Guadalupe und Luz – und entscheidet über lokale Angelegenheiten wie Haushalt, Stadtplanung und Kontrolle der Exekutive.
Die Exekutive wird ebenfalls auf regionaler und kommunaler Ebene organisiert. Auf Regionalebene sorgt das Governo Regional dos Açores, geleitet vom Präsidenten der Azorenregierung, für die Umsetzung der regionalen Gesetze und Programme auf Graciosa, unter anderem in Bereichen wie öffentliche Dienstleistungen, Verkehr, Umweltmanagement und Energieinfrastruktur. Auf kommunaler Ebene ist die Câmara Municipal de Santa Cruz da Graciosa für die lokale Verwaltung zuständig. Sie wird von einem Präsidenten geleitet, unterstützt von mehreren Ratsmitgliedern, die verschiedene Ressorts wie Bildung, Umwelt oder Finanzen betreuen. Die Câmara Municipal setzt die Beschlüsse der Assembleia Municipal um, sorgt für die Wartung von Straßen und öffentlichen Einrichtungen und fördert Kultur, Tourismus sowie wirtschaftliche Entwicklung.
Inseloberhaupt
Oberster Repräsentant der Insel ist der Präsident des Kreisrats.
Capitãos donatários da Ilha Graciosa (Lehensherren der Insel Graciosa)
- 1470 - um 1475 Duarte Barreto do Couto († um 1475)
- um 1475 - 1485 Vasco Gil Sodré (um 1450 - um 1500)
- 1475 - 1497 Pedro Correia da Cunha (ganze Insel ab 1485, 1440 - 1497)
- 1499 - 1507 Duarte Correia da Cunha († 1507)
- 28 Sep 1507 - 1510 Fernão Coutinho I († 1510)
- 3 Aug 1510 - 1524 Álvaro Coutinho I
- 26 Feb 1524 - 1552 Álvaro Coutinho II
- 6 Apr 1552 - 1573 Fernando Coutinho II
- 20 Apr 1573 - 1593 Fernando Coutinho III († 1593)
- 4 Sep 1593 - 1626 Fernando Coutinho IV († 1626)
- 7 Jul 1626 - 1666 Fernando Coutinho V († 1666)
- 7 Apr 1666 - 1674 Luís Mendes de Elvas
- 8 Mai 1674 - 1703 Pedro Sanches Farinha e Baena († 1703)
- 4 Aug 1703 - 1708 Manuel José Sanches Baena Farinha
- 6 Dez 1708 - 19 Sep 1730 Rodrigo Sanches Farinha e Baena (1653 - 1730)
- 19 Sep 1730 - 18 Feb 1737 Pedro Sanches Farinha de Baena (1712 - 1737)
Presidente de Comissões Administrativas (Präsident der Verwaltungskommission)
- um 1960 - um 1970 Vicínio de Brito e Faro de Albuquerqu
Presidente efetivos (Ordentlicher bzw. gewählter Präsident)
- um 1970 - 1974 Valquírio Bettencourt Costa Louro
Presidente de Comissões Administrativas (Präsident der Verwaltungskommission)
- 1974 - 1976 Álvaro Eraco da Cunha Gregório
Presidentes efetivos (Ordentliche bzw. gewählte Präsidenten
- 1976 - 1982 Gui Heber Bettencourt Louro
- 1982 - 189 Maria Leónia Fagundes Pereira
- 1989 - 2001 Luís Manuel de Lemos Reis
- 2001 - 2009 José Ramos de Aguiar
- 2009 - 2021 Manuel Avelar Cunha Santos
- seit 2021 António Reis
Politische Gruppierungen
Auf der Insel Graciosa, identisch mit dem Concelho Santa Cruz da Graciosa, dominieren zwei große Parteien die Politik: der PSD (Partido Social Democrata) und der PS (Partido Socialista). Bei den Autárquicas 2025 gewann die PSD-Allianz (PPD/PSD/CDS-PP/PPM) die Câmara Municipal mit 54,9 % der Stimmen und 8 Mandaten in der Assembleia Municipal. Der PS erreichte 39,4 % und 7 Mandate. Die wichtigsten Parteien sind:
- PSD (Partido Social Democrata): Führt die Câmara Municipal unter António Manuel Reis, der wiedergewählt wurde.
- PS (Partido Socialista): Starke Opposition, gewann z. B. die Junta de Freguesia Santa Cruz mit 51,07%.
- Chega: Erreichte 2% in der Câmara-Wahl, keine Mandate.
- CDS-PP und PPM: Teil der siegreichen PSD-Koalition.
Internationale Politik
Eine Städtepartnerschaft besteht mit Peabody im US-Bundesstaat Massachusetts.
Justizwesen und Kriminalität
Das Justizsystem auf Graciosa ist Teil der autonomen Region Azoren und folgt der portugiesischen Gerichtsorganisation. Die Insel gehört zur Comarca dos Açores, einer der 23 erstinstanzlichen Gerichtsbezirke Portugals mit Sitz in Ponta Delgada (auf São Miguel). Auf Graciosa selbst existiert ein lokales Gericht: das Tribunal Judicial da Comarca dos Açores – Instância Local de Santa Cruz da Graciosa (im Palácio da Justiça in Santa Cruz da Graciosa). Dieses Gericht bearbeitet zivile, strafrechtliche und familiäre Angelegenheiten in erster Instanz für die gesamte Insel. Für Berufungen ist das Tribunal da Relação de Lisboa zuständig, da die Azoren in dessen Bezirk fallen.
Die Polizei vor Ort wird von der Polícia de Segurança Pública (PSP) gewährleistet, die auf den Azoren (im Gegensatz zum Festland) auch in ländlichen Gebieten aktiv ist. In Santa Cruz da Graciosa gibt es eine kleine Esquadra der PSP (Rua da Boavista). Aufgrund der geringen Bevölkerungszahl und der niedrigen Kriminalität ist die Präsenz begrenzt – es kommt vor, dass Dienstschichten mit wenigen oder sogar einzelnen Beamten besetzt sind, was gelegentlich zu Diskussionen über Personalmangel führt. Schwere Fälle werden oft mit Unterstützung aus Ponta Delgada oder anderen Inseln bearbeitet.
Die Kriminalitätsrate auf Graciosa ist extrem niedrig und liegt weit unter dem nationalen Durchschnitt Portugals. Die Azoren insgesamt gelten als eine der sichersten Regionen Europas, mit keiner organisierten Kriminalität, keinen Banden und seltenen Fällen von Taschendiebstahl oder Gewaltverbrechen. Auf kleineren Inseln wie Graciosa sind schwere Delikte (zum Beispiel Mord oder Raub) praktisch inexistent – die Insel wird oft als „absolut sicher“ beschrieben, wo Türen offen bleiben und Autos mit Schlüssel stecken gelassen werden.
Häufige Delikte beschränken sich auf geringfügige Angelegenheiten wie häusliche Streitigkeiten, kleinere Diebstähle oder Verkehrsverstöße. Gelegentlich gibt es Vorfälle wie den Besitz nicht registrierter Waffen oder Störungen der öffentlichen Ordnung, die jedoch schnell behoben werden. Drogenprobleme, die auf größeren Inseln wie São Miguel vorkommen, sind auf Graciosa marginal. Statistisch gesehen haben die Azoren eine niedrigere Gewaltkriminalitätsrate als das Festland, und Graciosa ist eine der ruhigsten Inseln überhaupt.
Flagge und Wappen
Die Flagge und das Wappen der Insel Graciosa sind offiziell die Symbole des Município de Santa Cruz da Graciosa, da die gesamte Insel ein einziges Municipio bildet und keine separate Insel-Flagge oder -Wappen existiert (im Gegensatz zur regionalen Flagge der Azoren).
Das Wappen (Brasão de Armas) ist heraldisch beschrieben als: Schwarzer Schild (de negro) mit einem goldenen Traubenbündel (cacho de uvas de ouro), foliert und gestielt in Gold. Eine grüne Bordüre (orla de verde) ist mit sechs silbernen Wellenlinien (faixas ondadas de prata) belastet, die die Gewässer und die Fruchtbarkeit symbolisieren. Im oberen Teil über der Bordüre ein natürlicher fliegender Habicht (açor de sua cor, voante), der in den Krallen ein blaues Escutcheon mit den fünf silbernen Platten in Saltiere (escudete das quinas) hält – eine Referenz auf Portugal und die azoreanische Tradition des Habichts (Açor). Das Wappen wird von einer silbernen Mauerkrone mit vier Türmen (coroa mural de prata de quatro torres) gekrönt, was den Status als Municipio anzeigt, und trägt einen weißen Spruchband mit der schwarzen Inschrift „Santa Cruz da Graciosa“.
Die Flagge (Bandeira) ist einfarbig gelb (amarela), mit dem vollständigen Wappen in der Mitte. Sie ist typisch für portugiesische Municipalfahnen und wird mit goldenen und grünen Schnüren und Quasten (cordões e borlas de ouro e verde) versehen. Die gelbe Farbe symbolisiert Reichtum und Fruchtbarkeit, passend zur landwirtschaftlichen Tradition Graciosas mit Weinbau und Trauben als zentralem Motiv.
Hauptort
Die ursprüngliche Inselhauptstadt war der südliche Ort Praia (heute offiziell São Mateus da Praia) der ursprüngliche administrative Mittelpunkt und erste bedeutende Siedlung. Praia galt zunächst als municipal seat, verlor diesen Status jedoch, als Pedro Correia da Cunha, der Schwager von Christoph Kolumbus, 1485 die Kapitanie der Insel vereinte, nach Santa Cruz umzog und dort den Sitz etablierte. Praia erhielt später (1546) ebenfalls Stadtrechte, blieb aber zweitrangig. Santa Cruz da Graciosa, eine kleine Stadt im Norden der Insel, wurde 1486 zur Vila (Stadt) erhoben und übernahm damit die Rolle als Verwaltungszentrum der Insel.
Verwaltungsgliederung
Der Kreis Santa Cruz da Graciosa besteht aus vier Gemeinden:
| Freguesias (Gemeinden) | Fläche (km²) | Einwohner 2011 | Dichte (E/km²) |
| Guadalupe | 20,62 | 1096 | 53 |
| Luz | 11,70 | 683 | 58 |
| Praia (São Mateus) | 12,82 | 836 | 65 |
| Santa Cruz da Graciosa | 15,52 | 1776 | 114 |
| Graciosa | 60,84 | 4393 | 72 |
Verwaltungseinheiten:
4 freguesias (Gemeinden)
2 vilas (Städte)
18 lugares (Ortsteile)
Bevölkerung
Im Folgenden die Entwicklung der Bevölkerungszahl samt Dichte, bezogen auf die offizielle Fläche von 60,84 km².
Bevölkerungsentwicklung:
Jahr Einwohner Dichte (E/km²)
1844 9 657 158,73
1864 8 718 143,29
1878 8 445 138,80
1890 8 440 138,72
1900 8 359 137,39
1911 7 603 124,97
1920 7 477 122,90
1930 8 470 139,22
1940 9 191 151,07
1950 9 617 158,07
1960 8 669 142,49
1970 7 420 121,96
1981 5 377 88,38
1991 5 189 85,29
2000 4 815 79,14
2001 4 780 78,57
2002 4 708 77,38
2003 4 700 77,24
2004 4 680 76,92
2005 4 650 76,42
2006 4 600 75,60
2007 4 550 74,78
2008 4 500 73,96
2009 4 450 73,14
2010 4 400 72,32
2011 4 391 72,17
2012 4 380 71,99
2013 4 360 71,66
2014 4 330 71,17
2015 4 300 70,68
2016 4 301 70,69
2017 4 300 70,68
2018 4 250 70,86
2019 4 208 69,17
2020 4 150 68,21
2021 4 090 67,23
2022 4 100 67,39
2023 4 140 68,05
2024 4 193 68,92
Die Bevölkerung sank von 1981 bis 2001 um durchschnittlich 0,617 % pro Jahr.
Volksgruppen
Die Insel Graciosa ist ethnisch sehr homogen und besteht überwiegend aus portugiesischstämmigen Azoreanern. Es gibt keine distincten Volksgruppen oder Minderheiten, die sich klar voneinander abgrenzen – die Bevölkerung bildet eine einheitliche Gemeinschaft mit tiefen Wurzeln in der portugiesischen Kolonialgeschichte.
Die Besiedlung begann im 15. Jahrhundert. Die ersten Siedler kamen hauptsächlich aus dem portugiesischen Festland (Regionen wie Minho, Beiras, Algarve und Alentejo) sowie von der benachbarten Insel Terceira. Ein signifikanter Anteil stammte aus Flandern (heutiges Belgien/Niederlande), was zu einem leichten flämischen Einfluss in der Kultur und Genetik führte. Kleinere Beiträge gab es durch Sephardische Juden, Mauren, Afrikaner (als Sklaven) sowie Franzosen und Spanier. Über die Jahrhunderte vermischten sich diese Einflüsse vollständig, sodass heute keine separaten ethnischen Gruppen mehr erkennbar sind – die Graciosenser sehen sich als Azoreaner portugiesischer Herkunft.
Genetische Studien bestätigen, dass der Großteil der azoreanischen (und damit auch graciosensischen) Bevölkerung paternal und maternal von der Iberischen Halbinsel abstammt, mit Beimischungen aus Nordeuropa (flämisch/nordisch) und geringeren Anteilen aus anderen Regionen. Die Isolation der Insel hat zu einer starken lokalen Identität geführt, die sich in Traditionen, Dialekt und Alltagsleben zeigt, aber ethnisch bleibt alles portugiesisch-azoreanisch.
Aufgrund von Emigration (viele Familien haben Verwandte in den USA, Kanada oder Brasilien) und zunehmendem Tourismus gibt es temporäre Zuzüge, doch die ständige Bevölkerung bleibt homogen. Die Graciosenser sind bekannt für ihre Gastfreundschaft und enge Gemeinschaftsbindungen, die in Festen und dem ländlichen Leben sichtbar werden.
Sprachen
Die offizielle und einzige Muttersprache der Bewohner ist Portugiesisch (Europäisches Portugiesisch). Es gibt keine indigenen Minderheitensprachen oder offiziellen Zweitsprachen auf der Insel – der gesamte Alltag, die Verwaltung, Bildung und Medien basieren auf Portugiesisch. Allerdings weist das auf Graciosa gesprochene Portugiesisch einen regionalen Akzent und Dialektmerkmale auf, die typisch für die Azoren sind. Graciosa gehört zum zentralen Inselgruppe (zusammen mit Terceira, São Jorge, Pico und Faial), deren Dialekte durch Siedler aus dem Norden Portugals beeinflusst wurden. Der Akzent ist oft weicher und weniger nasal als auf São Miguel, der größten Azoren-Insel, und zeigt Einflüsse aus der Isolation sowie historischen Kontakten (z. B. flämische Siedler oder französische Einflüsse in der Intonation). Lokale Regionalismen und Ausdrücke, wie "tam requim!" oder maritime Begriffe, bereichern den Wortschatz, machen die Sprache aber für Festland-Portugiesen manchmal schwer verständlich.
Aufgrund des wachsenden Tourismus und der starken Emigration (viele Azoreaner haben Verwandte in den USA oder Kanada) sprechen zahlreiche Einwohner, besonders in touristischen Bereichen wie Santa Cruz da Graciosa oder Praia, Englisch als Zweitsprache. In Hotels, Restaurants und bei jüngeren Generationen ist Englisch weit verbreitet, was die Kommunikation für Besucher erleichtert. Spanisch wird gelegentlich verstanden, ist aber weniger üblich.
Religion
Graciosa ist wie der gesamte Archipel vom römisch-katholischen Glauben geprägt. Der Katholizismus ist tief in der Kultur und im Alltag der Bewohner verankert und spiegelt sich in zahlreichen Kirchen, Kapellen und traditionellen Festen wider. Als Teil Portugals teilt Graciosa die religiösen Traditionen der Azoren, die oft mit der Geschichte der Besiedlung im 15. Jahrhundert und dem Schutz vor Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüchen und Erdbeben verbunden sind.
Das religiöse Erbe zeigt sich besonders in der Architektur: Auf der kleinen Insel gibt es rund 10 Kirchen und 16 Kapellen. Zu den bedeutendsten gehören die Igreja Matriz de Santa Cruz da Graciosa (Pfarrkirche in der Hauptstadt Santa Cruz), die Igreja de São Mateus in Praia mit einer historischen Orgel aus dem Jahr 1793 sowie die Igreja de Nossa Senhora de Guadalupe aus dem 17. Jahrhundert. Besonders hervorzuheben ist der Monte da Ajuda mit drei Einsiedeleien (Ermidas): São João, São Salvador und Nossa Senhora da Ajuda. Letztere gilt als eines der besten Beispiele für befestigte religiöse Architektur auf den Azoren und war früher ein Pilgerort mit einem angrenzenden Pilgerhaus.
Die religiösen Traditionen kulminieren in den jährlichen Festen. Die Feste des Heiligen Geistes (Festas do Divino Espírito Santo) sind eine der ältesten und wichtigsten Traditionen der Azoren und werden auf Graciosa von Mai bis September gefeiert. Sie gehen auf mittelalterliche Bräuche zurück, verbinden religiöse Zeremonien mit Prozessionen, gemeinsamen Mahlzeiten und der Verteilung von Brot und Wein. Ein weiteres Highlight ist das Fest des Senhor Santo Cristo dos Milagres im August in Santa Cruz da Graciosa. Diese farbenfrohe Pilgerfeier zieht Gläubige von der Insel und aus der Diaspora an, kombiniert Andacht mit volkstümlichen Elementen wie Konzerten, Folklore und Prozessionen.
Siedlungen
Die Einwohnerzahlen der Freguesias entwickelten sich wie folgt:
| Freguesia | 1844 | 1864 | 1878 | 1890 | 1900 | 1911 | 1920 | 1930 | 1940 | 1950 | 1960 | 1970 | 1981 | 1991 | 2001 | 2011 | 2021 |
| Guadalupe | 3.032 | 2.690 | 2.616 | 2.676 | 2.718 | 2.485 | 2.479 | 2.732 | 3.087 | 3.223 | 3.013 | 2.562 | 1.736 | 1.554 | 1.306 | 1.096 | 987 |
| Luz | 1.797 | 1.746 | 1.812 | 1.803 | 1.905 | 1.819 | 1.830 | 2.052 | 2.248 | 2.277 | 2.005 | 1.535 | 1.000 | .887 | .735 | .683 | 631 |
| São Mateus | 2.020 | 1.849 | 1.709 | 1.732 | 1.588 | 1.374 | 1.301 | 1.448 | 1.580 | 1.634 | 1.547 | 1.320 | 1.034 | .965 | .901 | .836 | 733 |
| Santa Cruz | 2.808 | 2.433 | 2.308 | 2.229 | 2.148 | 1.925 | 1.867 | 2.238 | 2.278 | 2.383 | 2.104 | 1.955 | 1.607 | 1.783 | 1.838 | 1.776 | 1.739 |
Für die einzelnen Ortsteile werden folgende Einwohnerzahlen angegeben:
| Name | Z 2011 | Z 2021 |
| Almas | 81 | 80 |
| Barro Branco | 88 | 76 |
| Bom Jesus | 156 | 141 |
| Caminho da Igreja | 161 | 150 |
| Caminho do Pontal | 112 | 107 |
| Canada Longa | 68 | |
| Covas | 79 | |
| Dores | 177 | 182 |
| Fenais | 94 | 73 |
| Fonte do Mato | 224 | 220 |
| Fontes | 163 | 152 |
| Lagoa | 120 | 107 |
| Luz | 567 | 534 |
| Pedras Brancas | 62 | 52 |
| Praia (Praia da Graciosa) | 266 | 255 |
| Rebentão | 125 | 135 |
| Ribeirinha | 155 | 138 |
| Santa Cruz da Graciosa | 938 | 939 |
| Tanque | 69 | 60 |
| Vitória | 301 | 273 |
Santa Cruz da Graciosa ist die Hauptstadt der kleinen Azoreninsel Graciosa und ihr administratives sowie kulturelles Zentrum. Die überschaubare Kleinstadt mit ihren weißen Häusern, gepflasterten Straßen und typisch azoreanischen Windmühlen strahlt eine ruhige, fast zeitlose Atmosphäre aus. Im Herzen liegt der weitläufige Praça Fontes Pereira de Melo, ein zentraler Platz mit alten Wasserbecken (ehemals zur Versorgung in Trockenzeiten), schattenspendenden Araukarien und Drachenbäumen sowie einem Bandstand – ein idealer Ort, um das beschauliche Treiben zu beobachten. Rund um den Platz reihen sich historische Herrenhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die vom früheren Wohlstand durch den Weinanbau zeugen. Zu den Sehenswürdigmkeiten gehören die Igreja Matriz de Santa Cruz, eine barocke Kirche aus dem 16. Jahrhundert, und das Museu da Graciosa in einem alten Herrenhaus, das Einblicke in die Wein- und Walfangtraditionen der Insel gibt. Nicht weit entfernt erhebt sich der Monte da Ajuda mit seinen Wallfahrtskapellen und einer Stierkampfarena auf dem Gipfel, von wo aus man einen herrlichen Panoramablick über die Stadt und das Meer genießt.
Praia, offiziell São Mateus da Praia genannt, ist die zweitgrößte Siedlung auf Graciosa und ein malerisches Fischerdorf an der Ostküste der Insel. Der Name „Praia“, zu Deutsch „Strand“, leitet sich von der einzigen natürlichen Sandbucht der Insel ab, der Praia de São Mateus – einem feinsandigen, beliebten Strand mit klarem Wasser, der im Sommer zum Baden und zu Wassersportaktivitäten einlädt. Der Hafen ist der wichtigste der Insel, wo Fähren zu den Nachbarinseln anlegen und Fischerboote den frischen Fang einbringen. Vor der Küste ragt der grüne Ilhéu da Praia auf, ein Naturschutzgebiet mit reicher Vogelwelt. Das Dorf selbst wirkt harmonisch und authentisch: Niedrige Häuser säumen die Hauptstraße, dominierend ist die große Igreja de São Mateus aus dem 19. Jahrhundert – das größte Kirchengebäude Graciosas mit einer wertvollen Orgel aus dem Jahr 1793. Berühmt ist Praia für seine Queijadas da Graciosa, süße Küchlein, die hier traditionell hergestellt und als Spezialität exportiert werden. Typische Windmühlen mit roten Dächern prägen die Landschaft, und eine hohe Kaimauer schützt vor dem Meer.
Verkehr
Graciosa bietet begrenzten öffentlichen Verkehr mit Bussen, die werktags regelmäßig zwischen Santa Cruz und anderen Orten wie Praia und Guadalupe fahren, aber am Wochenende eingeschränkt und sonntags gar nicht. Die Anreise erfolgt hauptsächlich per Flugzeug über den kleinen Flughafen in Santa Cruz mit Azores Airlines von Terceira oder São Miguel, während Fähren saisonal von Terceira (Linha Branca) verfügbar sind.
Straßenverkehr
Die Straßen der Insel sind größtenteils gut gepflegt und asfaltiert, insbesondere die Hauptverbindungen, die die Insel umrunden oder die wichtigsten Orte wie Santa Cruz da Graciosa, Praia (São Mateus), Luz und Guadalupe verbinden. Aufgrund der flachen Topografie gibt es keine extrem steilen oder kurvigen Bergstraßen wie auf anderen Azoren-Inseln. Nebenstraßen sind schmaler, für normale Pkw aber gut befahrbar. Es gibt keine Mautstraßen oder Autobahnen auf den gesamten Azoren.
Besonderheiten des Verkehrs: In ländlichen Gebieten und besonders in der Hauptstadt Santa Cruz da Graciosa teilen sich Autos die Straße oft mit Kühen, Pferden oder Eseln – es gibt sogar eigene Verkehrsschilder für freilaufende Kühe. Die Einheimischen fahren bedächtig und halten sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen (typischerweise 50 km/h innerorts, 80 bis 90 km/h außerorts). Traditionelle Transportmittel wie Esel spielen noch eine Rolle in der Landwirtschaft.
Die beliebteste Fortbewegungsart für Besucher ist der Mietwagen, da er maximale Flexibilität bietet. Es gibt Leihwagen-Anbieter auf der Insel, und ein kompakter Wagen reicht völlig aus. Alternativen sind Taxis, unregelmäßige Busverbindungen zwischen den Ortschaften oder sogar Fahrräder, da die Insel flach und überschaubar ist. Nachtfahrten sind unproblematisch, da der Verkehr minimal ist.
Schiffsverkehr
Der Schiffsverkehr auf Graciosa ist überschaubar und dient hauptsächlich dem Personen- und Fahrzeugtransport innerhalb der zentralen Inselgruppe (Terceira, São Jorge, Pico, Faial und Graciosa). Es gibt keinen internationalen Fracht- oder Kreuzfahrtverkehr im großen Stil – gelegentlich legen Kreuzfahrtschiffe in der Nähe von Santa Cruz da Graciosa an, aber der reguläre Verkehr läuft ausschließlich über Fähren.
Der einzige kommerzielle Hafen der Insel ist der Porto da Praia (auch Vila da Praia oder Porto de São Mateus da Praia genannt) im Ort São Mateus da Praia an der Ostküste. Hier legen die Fähren der Reederei Atlânticoline (ehemals Atlanticoline) an, die den gesamten interinsularen Fährverkehr auf den Azoren betreibt. Der Hafen ist geschützt durch eine hohe Kaimauer, hat einen Fischerbereich und Plätze für Passagierfähren. Er ist der wichtigste Anlaufpunkt für den Import von Waren und den Tourismus.
Graciosa wird primär über die Linha Branca (Weiße Linie) der Atlânticoline angefahren, die die fünf zentralen Inseln verbindet. Diese Route verkehrt typischerweise montags und freitags (in der Hochsaison von Juni bis Oktober häufiger) und läuft oft als Rundkurs: Faial - Pico - São Jorge - Graciosa - Terceira - Graciosa - São Jorge - Pico - Faial. Dadurch hat Graciosa an diesen Tagen zwei Anläufe (Hin- und Rückweg). Die Fahrzeit von Terceira (Praia da Vitória) nach Graciosa beträgt 3 bis 3,5 Stunden. In der Nebensaison (wie aktuell im Dezember) ist der Verkehr reduziert – oft nur 1 bis 2 Verbindungen pro Woche, hauptsächlich zu Terceira. Die Lila Linie (dienstags und samstags im Sommer) umfährt Graciosa meist. Es gibt keine täglichen Fähren, und Wetterbedingungen können zu Ausfällen führen.
Zusätzlich gibt es kleinen Fischereiverkehr: Lokale Boote bringen frischen Fang ein, und der Hafen dient als Basis für Tauch- oder Walbeobachtungstouren (meist saisonal). Größere Frachtschiffe nutzen den Hafen selten; Versorgung läuft oft über Terceira und dann per Fähre.
Der Farol da Ponta da Barca befindet sich am Ponta da Barca im Nordwesten der Insel. Er ist unter der internationalen Nummer D-2676 und der nationalen Nummer 797 registriert und bestrahlt die Sektoren von 029° bis 031°, 035° bis 251° und 267° bis 287°. Die Tragweite beträgt 20 Seemeilen. Mit einer Höhe von 23 m ist der Farol da Ponta da Barca der höchste Leuchtturm der Azoren.
Der runde Turm aus verputztem und gestrichenem Stahlbeton ist schwarz-weiß gebändert und besitzt eine Galerie. Die metallene Laterne ist verglast und rot gestrichen. In Höhe der weißen Bänder besitzt der Turm jeweils ein Fenster nach Süden. Durch einen kurzen Korridor ist der Leuchtturm mit einem einstöckigen, weißen Gebäude von rechteckigem Grundriss verbunden. Dieses enthielt bei seiner Fertigstellung zunächst zwei Wohnungen für die Familien der Leuchtturmwärter. Mit einer Erweiterung im Jahr 1952 wurde eine dritte, später eine vierte Wohnung geschaffen. Die Hauptfassade des Gebäudes ist nach Süden ausgerichtet. Die mittig gelegene Tür wird auf beiden Seiten von drei Fenstern flankiert. Die Fenster- und Türstürze sowie die Fensterbänke aus schwarzem Basalt kontrastieren mit der weiß gestrichenen Wand der Fassade. Auf beiden Seiten trägt das Dach des Leuchtturmwärterhauses je einen Schornstein. Über der gelb-braunen Eingangstür ist der Schriftzug „FAROL DA PONTA DA BARCA“ zu lesen. Weiter nördlich steht ein Nebengebäude von etwa gleicher Breite, das Lagerräume und Garagen enthält. Das Ensemble ist von einer weiß gestrichenen Mauer umgeben, deren Einfahrt mit einem roten Eisengittertor verschlossen werden kann.
Dem Generalplan zur Befeuerung der portugiesischen Küsten von 1883 sollte auf Graciosa ein Leuchtturm mit einer Optik zweiter Ordnung auf dem Pico Negro, einem Vulkankegel nahe dem Nordwestkap, errichtet werden. Nach einer Anpassung des Plans im Jahr 1902 sollte lediglich eine Optik fünfter Ordnung zum Einsatz kommen. Es dauerte aber noch bis 1927, bis die Lampe, eine Fresnel-Optik dritter Ordnung und das für deren Rotation nötige Uhrwerk bei Barbier, Bénard et Turenne in Frankreich gekauft wurden. Der Leuchtturm wurde bis 1930 errichtet, allerdings auf der dem Pico Negro nahen Landzunge Ponta da Barca. Am 1. Februar 1930 ging er in Betrieb.
Der Leuchtturm ist seit 1935 über eine Straße errichbar. 1958 wurde er durch den Einbau zweier Generatoren elektrifiziert. Er wurde mit einer 3000-Watt-Lampe ausgestattet und erreichte eine Tragweite von 41 Seemeilen. Als Reserve wurde eine Öllampe vorgehalten. 1978 wurden Leuchtturm und Leuchtturmwärterhaus während eines Gewitters beschädigt. Das Erdbeben vom 1. Januar 1980 verursachte Risse am Turm. In den 1980er Jahren wurde eine 1000-Watt-Lampe eingesetzt, wodurch sich die Trageite auf 20 Seemeilen reduzierte. 1999 wurde der Leuchtturm an das öffentliche Stromnetz angeschlossen und automatisiert.
Farol da Ponta da Barca
- Standort: 39°05‘38“ N, 28°02‘58“ W
- Listeneinträge: PT-797, AZO011 (ARLHS), D“&/& (IHUK), 113-23599 (NGA), 1000007149 (MT)
- Bauzeit: 1928 bis 1930
- Inbetriebnahme: 1. Februar 1930
- Betreiber:
- Seehöhe: 48 m
- Turmhöhe: 23 m
- Feuerhöhe: 71 m
- Befeuerung: Lampe 3000 W, Fresnel-Linse 3. Ordnung
- Betriebsart: elektrisch (seit 1958)
- Funktion: Küstenfeuer
- Kennung: Fl.W.7s
- Tragweite: 37 km
Der Farol do Carapacho ist ein Leuchtturm auf der Ponta do Carapacho im Südosten der Insel. Er steht im Gebiet der Ortschaft Luz. Er ist unter der internationalen Nummer D-2670 und der nationalen Nummer 792 registriert. Er bestrahlt den Sektor von 165° bis 098°. Sein Licht besitzt eine Tragweite von 15 Seemeilen. Der Farol do Carapacho ist ein runder, unverputzter Betonturm mit acht senkrechten Rippen. Er besitzt eine Laterne und eine Galerie, deren Metallteile rot gestrichen sind. Am Fuß des Leuchtturms steht ein einstöckiges Gebäude. Innerhalb der Mauern des Leuchtturmkomplexes stehen drei Nebengebäude. Die 1957 in Betrieb genommenen Leuchttürme Farol da Ponta do Cintrão und Farol da Ponta Garça auf São Miguel sind baugleich mit dem Farol do Carapacho.
Der Generalplan zur Befeuerung der portugiesischen Küsten von 1883, der auch die Azoren berücksichtigte, sah den Bau eines Leuchtturms mit einer Optik vierter Ordnung vor, der als Kennung einen weißen Blitz pro Minute aussenden sollte. Die Tragweite sollte bei durchschnittlich 19 Seemeilen liegen. Nach einer Anpassung des Plans im Jahr 1902 sollte lediglich eine Optik fünfter Ordnung zum Einsatz kommen. Es dauerte aber noch bis zum 26. Mai 1956, bis der Leuchtturm errichtet und seiner Bestimmung übergeben wurde. Er wurde zunächst mit einem Acetylengasfeuer und einer Optik fünfter Ordnung (Brennweite 187,5 mm) betrieben. Für deren Rotation wurde ein Uhrwerk verwendet. Das rote Licht, das in Gruppen aus zwei Blitzen abgestrahlt wurde, reichte 19 Seemeilen weit. 1961 wurde auf weißes Licht umgestellt, was die Tragweite auf 20 Seemeilen erhöhte. Ein 1978 eingebautes Sonnenventil sorgte dafür, dass das Leuchtfeuer sich in Abhängigkeit von den äußeren Lichtverhältnissen ein- und ausschaltete. 1987 wurde der Leuchtturm elektrifiziert und an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, wobei die alte Optik durch eine feste Optik 6. Ordnung (Brennweite 150 mm) ersetzt wurde. Als Lichtquelle dient seitdem eine 12-V-50-W-Halogen-Metalldampflampe.
Farol de Carapacho
- Standort: 39°00‘51“ N, 27°57‘18“ N
- Listeneinträge: PT-792, AZO006 (ARTLHS), D2670 (IHUK), 1131-23484 (NGA), 1000007148 (MT)
- Bauzeit: 1954 bis 1956
- Inbetriebnahme: 26. Mai 1956
- Betreiber:
- Seehöhe: 177 m
- Turmhöhe: 14 m
- Feuerhöhe: 189 m
- Befeuerung: Optik 6. Ordnung 150 mm, 12-V-50-W-Halogen-Metalldampflampe
- Betriebsart: seit 1987 elektrifiziert
- Funktion: Küstenfeuer
- Kennung: Fl(2)W.10s
- Tragweite: 27,8 km
Flugverkehr
Die ersten Überlegungen zum Bau eines Flughafens auf Graciosa entstanden Mitte des 20. Jahrhunderts, als die portugiesische Regierung begann, die infrastrukturelle Anbindung der Azoren systematisch auszubauen. Ziel war es, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, die medizinische Versorgung zu verbessern und die Isolation der Inselbevölkerung zu verringern. Der Flughafen von Graciosa wurde schließlich 1980 eröffnet und stellte einen entscheidenden Meilenstein in der Geschichte der Insel dar.
Mit der Eröffnung des Aeródromo da Graciosa erhielt die Insel erstmals eine regelmäßige Luftverbindung zu den übrigen Azoreninseln und zum portugiesischen Festland. Der Flughafen wurde bewusst klein und funktional angelegt, angepasst an die geringe Bevölkerungszahl und das begrenzte Verkehrsaufkommen. Die Start- und Landebahn ist ausreichend für kleinere bis mittelgroße Flugzeuge, die im regionalen Verkehr eingesetzt werden. In den folgenden Jahrzehnten spielte der Flughafen eine immer wichtigere Rolle für das tägliche Leben auf Graciosa. Er erleichterte nicht nur den Personenverkehr, sondern auch den Transport von Gütern, medizinischen Notfällen und Verwaltungsdiensten. Besonders für Krankentransporte zu größeren Krankenhäusern auf Inseln wie Terceira oder São Miguel ist der Flughafen bis heute von zentraler Bedeutung.
Mit der Gründung und dem Ausbau der Regionalfluggesellschaft SATA Air Açores wurde der Flughafen fest in das azoreanische Luftverkehrsnetz integriert. Regelmäßige Linienflüge verbinden Graciosa vor allem mit Terceira, von wo aus Anschlussflüge zu anderen Inseln und zum Festland möglich sind. Dadurch wurde die Mobilität der Bevölkerung erheblich verbessert und der sanfte Tourismus auf der Insel gefördert. Im Laufe der Zeit wurden kleinere Modernisierungen an der Infrastruktur vorgenommen, etwa an dem Terminalgebäude, der Sicherheitstechnik und den Navigationssystemen. Trotz dieser Anpassungen blieb der Flughafen überschaubar und behielt seinen regionalen Charakter. Große Erweiterungen waren aufgrund der geografischen Gegebenheiten und des begrenzten Bedarfs nicht notwendig.
Heute ist der Flughafen von Graciosa ein unverzichtbarer Bestandteil der Inselinfrastruktur. Er symbolisiert den Übergang von einer ehemals stark isolierten Insel zu einem besser vernetzten Teil der Azoren. Historisch betrachtet markiert er einen wichtigen Schritt in der sozialen, wirtschaftlichen und verkehrlichen Entwicklung Graciosas und trägt bis heute wesentlich zur Lebensqualität der Inselbevölkerung bei.
Graciosa Airport
- portugiesischer Name: Aeródromo da Graciosa
- Code: GRW / LPGR
- Lage: 39°05‘32“ N, 28°01‘47“ W
- Seehöhe: 26 m (85 ft)
- Entfernung: 2 km westnordwestlich von Santa Cruz de Graciosa
- Inbetriebnahme:
- Betreiber: SATA Aeródromos bzw. ANA – Aeroportos de Portugal, SA
- Terminal: 1
- Rollbahn: 1
- Länge der Rollbahn: 1385 m (Beton)
- Fluggesellschaft: 1
- Flugzeug-Standplätze: ca. 20
- jährliche Passagierkapazität: 47.401 (2016)
- jährliche Frachtkapazität:
Wirtschaft
Das deutsche Energieunternehmen Younicos hat den Auftrag, den Umbau der Stromversorgung auf erneuerbare Energien durch Sonne- und Windkraft sowie Pflanzenöl auf der gesamten Insel zu realisieren. Am Firmensitz in Berlin-Adlershof wurde das Stromsystem der Insel bereits im Maßstab 1:3 nachgebaut. Es konnte der Nachweis geführt werden, dass eine stabile Versorgung auf regenerativer Basis schon heute realisierbar und langfristig rentabel ist. Bis 2014 soll das System von Younicos (auf Basis von intelligent gesteuerten Pufferspeichern) auf der Insel installiert sein.
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft auf der Insel Graciosa, der kleinsten bewohnten Insel der zentralen Azoren-Gruppe mit einer Fläche von nur etwa 61 Quadratkilometern, stellt seit der Besiedlung im 15. Jahrhundert den wirtschaftlichen und kulturellen Kern des Insellebens dar. Die vulkanische Bodenbeschaffenheit, geprägt von fruchtbarem Basalt und mildem ozeanischem Klima mit ganzjährig moderaten Temperaturen zwischen 15 und 25°C, ermöglicht eine intensive Nutzung des Landes, obwohl die Topografie mit ihren sanften Hügeln und dem zentralen Caldera-Krater Probleme wie begrenzte Wasserressourcen und Windexposition birgt.
Traditionell dominiert die Viehzucht die Landwirtschaft: Graciosa ist Teil des azorianischen Milchproduktionssystems, das jährlich rund 600 Millionen Liter Milch liefert, wobei die Insel selbst durch ihre zahlreichen Weiden und Kühe einen signifikanten Beitrag leistet – Kühe grasen frei auf den grünen Wiesen, die die Landschaft prägen und die Insel den Beinamen „Ilha Branca“ (Weiße Insel) durch die weißen Steinmauern um die Felder verdankt. Die Milchwirtschaft ist nicht nur für den lokalen Verbrauch entscheidend, sondern auch für den Export von Käseprodukten wie dem bekannten Queijo da Ilha, einem halbfesten Kuhmilchkäse, der in kleinen Betrieben hergestellt wird.
Neben der Tierhaltung – hauptsächlich Rinder, aber auch Schafe und Ziegen für Fleisch und Wolle – wird Getreide wie Mais und Weizen angebaut, ergänzt durch Gemüse (Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch) und Obst (speziell Feigen und Orangen), das in den geschützten Tälern gedeiht. Die Landwirtschaft ist weitgehend familienbetrieben und extensiv, mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit, da Graciosa seit 2007 als UNESCO-Biosphärenreservat ausgewiesen ist, was 16 Prozent des azorianischen Schutzgebiets umfasst und den Erhalt der Biodiversität priorisiert. Dies schließt den Schutz endemischer Pflanzen und die Vermeidung intensiver Düngung ein, um die empfindlichen Ökosysteme zu bewahren.
In früheren Zeiten führte die Abhängigkeit von der Landwirtschaft zu Emigrationswellen im 19. und 20. Jahrhundert, da die begrenzte Fläche und der Mangel an Industrie Arbeitsplätze einschränkten, doch in jüngster Zeit hat sich dies stabilisiert durch EU-Förderungen und den Aufschwung des Ökotourismus, der landwirtschaftliche Produkte wie frisches Gemüse und Milchprodukte direkt an Besucher vermarktet.
Weinbau
Der Weinbau wurde von den ersten portugiesischen Siedlern im 15. Jahrhundert eingeführt. Die vulkanischen Böden, reich an Mineralien, und das milde Klima mit ausreichend Niederschlag (ca. 800 mm jährlich) schaffen ideale Bedingungen für Reben, die in traditionellen, niedrigen Anlagen – oft kriechend am Boden – gepflegt werden, um Wind und Salzspray zu widerstehen. Graciosa ist eine der drei Hauptweinregionen der Azoren (neben Pico und Terceira), mit einer Rebfläche von etwa 30–40 Hektar, die Teil der gesamten azorianischen Weinproduktion von rund 12.000 Hektolitern pro Jahr ist. Die Insel produziert hauptsächlich trockene Weißweine unter der IPR-Bezeichnung (Indicação de Proveniência Regulamentada), die für ihre Frische, Mineralität und Säure bekannt sind, oft aus Rebsorten wie Verdelho, Arinto oder Terrantez da Terceira.
Berühmte Produzenten wie die Adega Cooperativa da Ilha Graciosa keltern Weine, die als Begleiter zur regionalen Küche dienen, etwa zu Fischgerichten oder Käse, und auch Brandy sowie Aperitifweine ergänzen das Angebot. In den letzten Jahrzehnten erlebte der Weinbau eine Renaissance: Nach Rückgängen durch Emigration und Konkurrenz wurden durch EU-Mittel und moderne Techniken die Qualität gesteigert, was zu internationaler Anerkennung führte – Weine von Graciosa gewinnen Preise und werden exportiert. Die Anbauweise ist arbeitsintensiv, mit Handernte und Schutzmauern aus Lavastein, die die Reben vor dem atlantischen Wind schützen, und betont Nachhaltigkeit im Biosphärenreservat. Weinbau stärkt nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Tourismus, mit Kellerbesichtigungen und Verkostungen, die Besucher in die Tradition einbinden.
Fischerei
Die Fischerei ist für viele Familien eine wichtige wirtschaftliche Grundlage. Sie kombiniert traditionelle Methoden mit moderner Sport- und Freizeitnutzung. Die steile Küste mit Riffen und Tiefseegräben bietet ideale Bedingungen für verschiedene Fangtechniken: Küstenfischerei, Hochseeangeln, Jigging, Bottom Fishing, Trolling und sogar Speerfischen. Häufige Arten umfassen Thunfisch, Makrelen, Bream (Brasen), Zackenbarsche, Snapper und saisonal Sardinen, die in kleinen Booten aus Häfen wie Praia oder Santa Cruz geangelt werden.
Bis ins 20. Jahrhundert ernährten sich viele Insulaner vom Meer, und obwohl die azorianische Fischerei insgesamt rückläufig ist durch EU-Quoten und Überfischung, bleibt sie auf Graciosa vital, ergänzt durch Tauch- und Schnorcheltouren an Riffen wie der nordöstlichen Küste. Im Sommer (Juni bis September) ist die Saison für Großfische optimal, während im Winter küstennahe Fänge dominieren. Die Fischerei trägt zur lokalen Gastronomie bei, mit frischem Fisch in Gerichten wie Caldeirada oder gegrilltem Thunfisch, und wird durch Tourismus aufgewertet – Angeltouren ziehen Besucher an, die die unberührte Küste erkunden.
Handwerk
Das Handwerk ist stark auf den alltäglichen Bedarf der Bevölkerung ausgerichtet. Dazu gehören Bauhandwerk, Tischlerei, Schlosserei, Elektro- und Sanitärbetriebe sowie Kfz-Werkstätten. Diese Betriebe sind meist familiengeführt, arbeiten in kleinem Maßstab und übernehmen wichtige Reparatur- und Instandhaltungsaufgaben, da der Import von Dienstleistungen von anderen Inseln aufwendig und teuer wäre. Auch Maurer- und Steinmetzarbeiten sind von Bedeutung, insbesondere für den Erhalt der traditionellen Häuser aus Vulkanstein.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist das lebensmittelverarbeitende Handwerk. Die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse bildet eine Brücke zwischen Landwirtschaft und Industrie. Milch wird zu Butter und Käse verarbeitet, Fleisch zu regionalen Wurstwaren. Diese Produkte dienen vor allem der lokalen Versorgung, teilweise werden sie auch auf andere Azoreninseln exportiert. Bäckereien und kleine Konditoreien stellen Brot, Gebäck und traditionelle Süßspeisen her und sind fest im Alltagsleben verankert.
Industrie
Auf Graciosa gibt es keine großen Fabriken oder Produktionsanlagen. Industrielle Tätigkeiten beschränken sich vor allem auf kleinere Verarbeitungs- und Lagerbetriebe, etwa in der Lebensmittelverarbeitung, im Baustoffbereich oder bei der Abfüllung und Distribution regionaler Produkte. Die begrenzte Fläche, die kleine Bevölkerung und die Transportabhängigkeit wirken hemmend auf eine stärkere Industrialisierung.
Eng verbunden mit Handwerk und Industrie ist der Bausektor, der sowohl Neubauten als auch Renovierungen umfasst. Besonders wichtig ist dabei der Erhalt historischer Gebäude und traditioneller Bauweisen, die das Ortsbild von Santa Cruz da Graciosa und den Dörfern prägen. Restaurierungsarbeiten erfordern spezielles handwerkliches Wissen und tragen zur Bewahrung des kulturellen Erbes bei.
Mit dem wachsenden Tourismus haben sich neue handwerkliche Tätigkeitsfelder entwickelt. Dazu zählen Kunsthandwerk, Souvenirherstellung, kleine Werkstätten für Keramik, Holzarbeiten oder Textilien sowie Dienstleistungen rund um Unterkunftsbetriebe. Diese Tätigkeiten verbinden traditionelles Können mit neuen wirtschaftlichen Chancen, bleiben jedoch meist im Nebenerwerb oder in kleinem Umfang.
Wasserwirtschaft
Da es auf Graciosa keine Flüsse oder größeren Oberflächengewässer gibt, basiert die Wasserversorgung fast ausschließlich auf Grundwasser, das sich in unterirdischen Wasserspeichern sammelt. Niederschläge versickern im vulkanischen Gestein und bilden natürliche Aquifere, die für die Trink- und Nutzwasserversorgung genutzt werden.
Die Trinkwasserversorgung wird von der Gemeindeverwaltung organisiert und über ein Leitungsnetz an Haushalte, öffentliche Einrichtungen, Landwirtschaft und Betriebe verteilt. Das geförderte Grundwasser wird aufbereitet und regelmäßig kontrolliert, um die Qualität gemäß portugiesischen und europäischen Standards sicherzustellen. Aufgrund der Insellage ist ein sorgfältiger Umgang mit Wasser besonders wichtig, da alternative Bezugsquellen nur sehr begrenzt zur Verfügung stehen.
Eine zentrale Rolle spielt die Regenwassernutzung, vor allem in der Landwirtschaft. Viele landwirtschaftliche Betriebe nutzen Regenwasser zur Bewässerung von Feldern und Weiden. Dennoch ist Graciosa in trockenen Perioden anfällig für Wasserknappheit, weshalb sparsamer Verbrauch und eine effiziente Nutzung zunehmend an Bedeutung gewinnen. In solchen Zeiten können Einschränkungen oder gezielte Maßnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung notwendig werden.
Die Abwasserwirtschaft ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Wasserwirtschaft. In den größeren Ortschaften, insbesondere in Santa Cruz da Graciosa, gibt es ein Kanalisationssystem, das Abwässer zu Kläranlagen leitet. Dort werden sie gereinigt, bevor das Wasser kontrolliert in die Umwelt zurückgeführt wird. In ländlicheren Gebieten kommen teilweise noch Sammelgruben oder kleinere dezentrale Systeme zum Einsatz.
Der Schutz der Wasserressourcen hat auf Graciosa hohe Priorität. Um eine Verunreinigung des Grundwassers zu vermeiden, gelten Vorschriften für Landwirtschaft, Abfallentsorgung und Bauwesen. Besonders der Einsatz von Düngemitteln und Chemikalien wird überwacht, da Schadstoffe direkt ins Grundwasser gelangen könnten.
Energiewirtschaft
Lange Zeit war die Stromversorgung der Insulaner stark von importiertem Diesel abhängig, der per Tanker angeliefert und in lokalen Generatoren verbrannt wurde – eine teure und umweltbelastende Lösung für isolierte Inselnetze. Seit 2019 markiert das Graciólica-Projekt einen Wendepunkt: Ein hybrides Energiesystem kombiniert Windkraft (4,5 MW), Solarenergie (1 MW) und einen Batteriespeicher (zirka 6 MW Leistung / 3,2 MWh Kapazität, basierend auf Lithium-Ionen-Technologie). Dieses System wird durch intelligente Steuerungssoftware (GEMS von Wärtsilä) optimiert, die Schwankungen ausgleicht und die Netzstabilität gewährleistet. Die Dieselgeneratoren der Eletricidade dos Açores (EDA) dienen nur noch als Reserve.
Das Ergebnis ist beeindruckend: Im Jahresdurchschnitt decken erneuerbare Quellen etwa 60 bis 65 % des Strombedarfs, mit Phasen, in denen die Insel fast die Hälfte des Jahres (128 Tage im Jahr 2020 oder ein Drittel eines Jahres in neueren Berichten) vollständig mit Wind und Sonne versorgt wird. Bis 2023 wurden durch das Projekt über 8,9 Millionen Liter Diesel eingespart, was nicht nur Kosten senkt (8,2 Millionen Euro Ersparnis bis August 2023), sondern auch CO₂-Emissionen massiv reduziert. Graciosa gilt daher als Vorreiter für Inselnetze weltweit und als „Benchmark“ für hybride Systeme, die ohne Verbindung zu einem Festlandnetz hohe Anteile erneuerbarer Energien stabil integrieren.
Die EDA, der regionale Energieversorger, spielt eine zentrale Rolle; ihre Tochter EDA Renováveis fördert den Ausbau erneuerbarer Quellen im gesamten Archipel. Das Projekt wurde zunächst vom Berliner Unternehmen Younicos entwickelt (später übernommen und weitergeführt von Wärtsilä), mit Investitionen in Höhe von rund 24 Millionen Euro. Es dient als Modell für andere Azoren-Inseln, wo das Ziel bis 2026 bei 61 % erneuerbarer Energie für die gesamte Region liegt.
Wirtschaftlich stärkt die Umstellung die Unabhängigkeit von fossilen Importen, senkt langfristig die Stromkosten und ist auch für den Tourismus interessant (Graciosa als „grüne Insel“). Dennoch bleiben Probleme. Aufgrund der Überspeicherung und Intermittenz gibt es immer wieder ungenutzte Überschussenergie. Die Anlagen drosseln dann ihre Leistung oder schalten vorübergehend ab, was Überschussstrom verhindert, aber auch zu wirtschaftlichen Verlusten für Betreiber führt, da erneuerbare Energie nicht gespeichert oder weitergeleitet werden kann.
Abfallwirtschaft
Die Sammlung von Hausmüll erfolgt überwiegend über kommunale Sammelsysteme. In Ortschaften wie Santa Cruz da Graciosa stehen zentrale Sammelstellen und Container zur Verfügung, die regelmäßig geleert werden. Der Restmüll wird zunächst auf der Insel gesammelt und anschließend – je nach Abfallart – weiterbehandelt oder zu spezialisierten Anlagen auf andere Azoreninseln transportiert. Eigene große Deponien existieren auf Graciosa nur in sehr begrenztem Umfang, um Umweltbelastungen zu minimieren.
Ein wichtiger Bestandteil der Abfallwirtschaft ist die Mülltrennung. Glas, Papier und Karton, Kunststoffe sowie Metalle werden getrennt gesammelt. Entsprechende Recyclingcontainer sind im öffentlichen Raum verteilt. Die getrennt erfassten Wertstoffe werden gebündelt und zur weiteren Verarbeitung auf größere Inseln oder zum portugiesischen Festland verschifft. Aufgrund der Transportwege ist Recycling auf Inseln mit höheren Kosten verbunden, wird jedoch aus ökologischen Gründen konsequent gefördert.
Biologische Abfälle wie Küchen- und Gartenabfälle spielen auf Graciosa eine besondere Rolle, da viele Haushalte über Gärten oder landwirtschaftliche Flächen verfügen. Kompostierung wird sowohl privat als auch im kleinen kommunalen Rahmen praktiziert und trägt zur Reduzierung des Restmülls bei. Der erzeugte Kompost wird häufig in der Landwirtschaft genutzt.
Problematische Abfälle wie Elektroschrott, Altöl, Batterien, Farben oder Medikamente werden getrennt gesammelt und dürfen nicht über den Hausmüll entsorgt werden. Für diese Abfallarten gibt es spezielle Annahmestellen oder zeitlich begrenzte Sammelaktionen. Auch Altfahrzeuge und größere Sperrmüllteile werden kontrolliert erfasst, um illegale Ablagerungen in der Natur zu verhindern.
Handel
Auf der Insel gibt es kleinere Supermärkte, Minimercados, Bäckereien und Metzgereien, die die Bevölkerung mit regionalen und importierten Produkten versorgen. Viele Waren werden per Schiff oder Flugzeug von anderen Azoreninseln oder vom portugiesischen Festland angeliefert, was sich teilweise auf Preise und Sortiment auswirkt.
Daneben existieren Fachgeschäfte wie Apotheken, Schreibwarenläden, Bekleidungsgeschäfte, Haushaltswaren- und Baumärkte in kleinem Umfang. Auch Tankstellen mit angeschlossenen Shops übernehmen eine wichtige Versorgungsfunktion. Der Wochenmarkt und der direkte Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen – etwa Käse, Fleisch, Gemüse oder Wein – spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle und stärken die lokale Wirtschaft.
Der Tourismus gewinnt für den Handel zunehmend an Bedeutung. Souvenirläden, kleine Handwerksbetriebe und Cafés oder Restaurants bieten regionale Produkte und Dienstleistungen für Besucher an. Dennoch bleibt der Handel stark saisonabhängig, da die Zahl der Touristen im Vergleich zu anderen Azoreninseln relativ gering ist.
Finanzwesen
Wie auf den übrigen Azoren ist auch auf Graciosa das Bankwesen eng in das portugiesische Finanzsystem eingebunden. Zu den wichtigsten Akteuren zählen landesweit tätige Banken wie die Caixa Geral de Depósitos, die als staatliche Bank eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Bevölkerung mit grundlegenden Finanzdienstleistungen spielt. Daneben sind auch private Banken wie der Banco Santander Totta oder die Banco Comercial Português (Millennium BCP) auf den Azoren präsent, teils über kleinere Geschäftsstellen oder Geldautomaten. Auf Graciosa selbst ist das Angebot jedoch begrenzt, sodass viele spezialisierte Bankgeschäfte über andere Inseln oder digital abgewickelt werden.
Die Banken auf Graciosa konzentrieren sich vor allem auf klassische Dienstleistungen wie Giro- und Sparkonten, Bargeldversorgung, Kredite für Privatpersonen sowie die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen. Besonders wichtig ist die Unterstützung der lokalen Wirtschaft, die vor allem aus Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei und zunehmend auch aus Tourismus besteht. Förderprogramme der portugiesischen Regierung und der Europäischen Union werden häufig über Banken abgewickelt und spielen eine bedeutende Rolle für Investitionen auf der Insel.
Aufgrund der geografischen Lage und der geringen Bevölkerungsdichte hat das Online- und Mobile-Banking auf Graciosa eine besondere Bedeutung. Digitale Finanzdienstleistungen ermöglichen es den Einwohnerinnen und Einwohnern, viele Bankgeschäfte unabhängig von Öffnungszeiten und Entfernungen zu erledigen.
Soziales und Gesundheit
Sozial gesehen ist die Insel geprägt von einer alternden Bevölkerung mit einem hohen Anteil an Senioren, was Themen wie Pflege und Inklusion in den Vordergrund rückt. Es gibt Initiativen zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung, etwa durch den municipalen Fonds für vulnerabile Situationen, der Unterstützung bei wirtschaftlichen Notlagen oder Schäden durch Naturereignisse bietet. Die Insel fördert zudem Inklusion, etwa in den Thermalbädern, und legt Wert auf Familienförderung sowie Anreize zur Ansiedlung junger Familien, um Abwanderung entgegenzuwirken.
Gesundheitswesen
Im Gesundheitsbereich gehört Graciosa zum regionalen Gesundheitssystem der Azoren (Serviço Regional de Saúde). Die Unidade de Saúde da Ilha Graciosa in Santa Cruz da Graciosa ist die zentrale Einrichtung für primäre Versorgung: Sie bietet allgemeinmedizinische Betreuung, Prävention, Gesundheitsbildung und Notfallversorgung. Es gibt Investitionen in moderne Ausrüstung und Pläne zur Erweiterung der Einrichtung sowie zur Umwandlung alter Gebäude in Pflegeheime für Ältere (z. B. durch die Santa Casa da Misericórdia). Schwere Fälle werden auf größere Inseln wie Terceira oder São Miguel verlegt. Die Insel profitiert von regionalen Politiken zur Fixierung von Ärzten und digitaler Gesundheitsversorgung.
Ein besonderes Highlight im Gesundheits- und Wellness-Bereich ist die Thermalquelle Termas do Carapacho im Süden der Insel (Ort Carapacho / Luz). Diese seit 1750 bekannte Anlage nutzt hyperthermale, mineralreiche Wässer (35 bis 40°C, hypersalin, bicarbonat- und magnesiumhaltig), die vulkanischen Ursprungs sind. Die Wässer gelten als medizinisch wertvoll und werden bei rheumatischen Erkrankungen (zum Beispiel Rheuma, Muskel- und Gelenkbeschwerden) sowie Hautkrankheiten (dermatologische Probleme) eingesetzt. Es gibt Kooperationen mit rheumatologischen Instituten, und die Anlage bietet Therapien wie Immersionsbäder, Vichy-Duschen mit Massage, Jacuzzi und Thalassotherapie (Kombination mit Meerwasser). Neben der Behandlung dienen die Termas auch der Prävention und Entspannung – ein wichtiger Beitrag zum Wohlbefinden in einer Inselgemeinschaft mit hohem Alterssdurchschnitt. Die Anlage ist ganzjährig zugänglich (oft kostenlos oder günstig) und trägt zum sanften Gesundheitstourismus bei.
Krankheiten
Zu den häufigsten Krankheiten zählen chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes. Diese stehen oft im Zusammenhang mit einer älter werdenden Bevölkerung, Ernährungsgewohnheiten und einem teilweise eingeschränkten Zugang zu spezialisierter medizinischer Versorgung. Auch Erkrankungen des Bewegungsapparates, etwa Rücken- und Gelenkbeschwerden, sind verbreitet, insbesondere bei Menschen, die in der Landwirtschaft oder Viehzucht arbeiten.
Infektionskrankheiten spielen auf Graciosa eine eher untergeordnete Rolle. Tropische Krankheiten sind auf den Azoren kaum verbreitet, da das Klima gemäßigt ist. Dennoch können saisonale Erkrankungen wie Grippe, Atemwegsinfekte oder Magen-Darm-Erkrankungen auftreten, vor allem in den Wintermonaten.
Bildung
Das öffentliche Schulsystem gehört zur Região Autónoma dos Açores. Zentrale Einrichtung ist die Escola Básica e Secundária da Graciosa (EBS da Graciosa) in Santa Cruz da Graciosa, die als integrierte Schule alle Stufen abdeckt: Vorschulbildung (Educação Pré-Escolar), Grundschule (Ensino Básico, 1. bis 9. Klasse) und Sekundarstufe (Ensino Secundário, 10. bis 12. Klasse). Sie integriert auch kleinere Einrichtungen in den vier Gemeinden (Santa Cruz, Guadalupe, Luz und Praia/São Mateus), einschließlich Kindergärten und Grundschulen in den Freguesias. Die Schule bietet neben dem regulären Unterricht auch berufliche Kurse, künstlerische Bildung und Programme wie Eco-Escolas zur Umweltbildung. Sie beteiligt sich an regionalen Initiativen wie dem ProSucesso-Programm zur Reduzierung von Schulabbrüchen und Förderung des Erfolgs. Aufgrund der geringen Schülerzahlen gibt es keine separaten Gymnasien oder weitere Sekundarschulen; alles ist in dieser einen Einheit organisiert.
Früher existierte eine Escola Profissional da Ilha Graciosa, die berufliche Ausbildungen anbot, doch aktuelle Informationen deuten darauf hin, dass berufliche Bildung nun größtenteils in die EBS integriert oder auf andere Inseln verlagert wurde. Die Schule legt Wert auf Gemeinschaftsarbeit und Inklusion, mit Angeboten für Sonderpädagogik und Erwachsenenbildung.
Höhere Bildung
Im Bereich der höheren Bildung (Ensino Superior) gibt es auf Graciosa keine eigene Universität oder Hochschule. Die Universidade dos Açores (UAc) hat ihre Campus auf São Miguel (Ponta Delgada), Terceira (Angra do Heroísmo) und Faial (Horta), aber keinen auf Graciosa. Viele Absolventen der Sekundarstufe verlassen die Insel für ein Studium auf größeren Azoren-Inseln oder dem Festland. Allerdings gibt es einen lokalen Stützpunkt der Universidade Aberta (UAb), der öffentlichen Fernuniversität Portugals, in Santa Cruz da Graciosa (im Gebäude der EBS). Hier können Bewohner Fernstudiengänge absolvieren, Prüfungen ablegen und Unterstützung erhalten, was den Zugang zu Hochschulbildung erleichtert, ohne die Insel verlassen zu müssen. Dies ist besonders wichtig in einer alternden und abwanderungsgefährdeten Gemeinschaft.
Bibliotheken und Archive
Die Biblioteca Municipal de Santa Cruz da Graciosa, eröffnet 2005, befindet sich zentral in der Praça Fontes Pereira de Melo. Sie bietet einen umfangreichen Bestand an Büchern, Medien und digitalen Ressourcen, sowie Räume für Veranstaltungen, Ausstellungen und Lesungen. Als moderne Einrichtung dient sie Schülern, Familien und der gesamten Bevölkerung als Ort der Bildung und Kulturförderung.
Es gibt kein eigenständiges municipales Archiv auf der Insel, doch kirchliche und historische Dokumente (zum Beispiel Geburts-, Heirats- und Sterberegister aus den Pfarreien) werden im Arquivo Regional der Biblioteca Pública e Arquivo Regional Luís da Silva Ribeiro in Ponta Delgada (São Miguel) verwahrt, das Fonds für Graciosa umfasst. Lokale historische Sammlungen finden sich zudem im Museu da Graciosa, das ethnografische und kulturelle Dokumente bewahrt.
Kultur
Die Kultur von Graciosa ist stark von traditionellen Festen, volkstümlicher Musik und religiösen Feiern zu Ehren der Schutzpatrone geprägt, die das Gemeinschaftsleben der Inselbewohner strukturieren. Zugleich ist sie durch eine enge Verbundenheit mit der umgebenden Natur und dem Meer gekennzeichnet, was sich in Fischerei, Weinbau und einem insgesamt ruhigen, entschleunigten Lebensstil ausdrückt.
Museen
Das Museu da Graciosa in Santa Cruz da Graciosa spiegelt als ethnografisches Museum die Identität und Geschichte der Insel wider. Es entstand aus der 1977 gegründeten Casa Etnográfica und wurde 1983 eröffnet, seit 1991 trägt es den aktuellen Namen. Das Museum ist in einem ehemaligen Getreide- und Weinspeicher (Granel) untergebracht, einem typischen Gebäude der lokalen Architektur, und wurde 2010 erweitert. Die Dauerausstellung „Ilha Graciosa: Memória e Identidade de um Povo“ rekonstruiert das traditionelle Leben der Graciosenser: von der Landwirtschaft und Weinproduktion (mit originalen Keltern und Pressen) über Handwerke (einige heute ausgestorben) bis hin zu Haushalten und gesellschaftlichen Strukturen. Es betont die Anpassung an die insularen Bedingungen, wie den Umgang mit Wasserknappheit und vulkanischem Boden.
Das Museum hat mehrere Außenstellen (Núcleos). Der Barracão dos Botes Baleeiros in Santa Cruz zeigt die Walfangtradition mit Booten und Geräten (einschließlich der Whaleboat „Restinga“); ein typischer Windmühle in Fontes. Weitere nicht immer öffentliche Núcleos wie ein weiterer Walfang-Schuppen in Praia, eine Schmiede und ein Haus für Getreidedreschen. Als kulturelles Zentrum organisiert es temporäre Ausstellungen, Bildungsprogramme und Veranstaltungen, darunter Malereiausstellungen mit Werken lokaler, regionaler und nationaler Künstler zu Themen wie Landschaften, Porträts, Bräuchen oder Humor. Es integriert die Rede Regional de Museus der Azoren und dient der Erhaltung und Vermittlung des Erbes.
Architektur
Die Architektur der Graciosa ist stark von der vulkanischen Landschaft, der Wasserknappheit und historischen Einflüssen geprägt, was zu einer einzigartigen Mischung aus funktionaler und ästhetischer Bauweise führt. Charakteristisch ist die „Arquitetura da Água“: Eine jahrhundertealte Netz von Reservoirs, Zisternen, Brunnen und Wasserspeichern, die die Inselbewohner entwickelten, um Regenwasser zu sammeln und zu nutzen. Typische ländliche Häuser sind niedrig, oft einstöckig mit weißen Wänden, Basaltstein-Elementen und flachen Dächern; in städtischen Bereichen wie Santa Cruz finden sich herrschaftliche Gebäude mit Balkonen und Eisenverzierungen. Ikonisch sind die Windmühlen (Moinhos de Vento), die die Landschaft prägen: Meist mit roten Kuppeldächern, beeinflusst von flamengischen, niederländischen oder nordischen Stilen (aus dem 18./19. Jahrhundert durch Handel mit England), zeugen sie von der einstigen Getreideproduktion. Viele sind erhalten und restauriert, einer ist Teil des Museums.
Die Insel hat zahlreiche Kirchen und Ermidas (Kapellen). Die Ursprünge der Igreja Matriz de Santa Cruz reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück (henriquinische Periode), mit einem Nachfolgebau im frühen 16. Jahrhundert im manuelinischen Stil. Der heutige Bau wurde jedoch stark im 18. Jahrhundert (zwischen 1722 und 1743) umgestaltet und erweitert, wodurch er überwiegend barocke Züge erhielt. Die Fassade ist schlicht und aus lokalem schwarzem Basaltstein gestaltet, mit Portal, Fenstern und einem Glockenturm als markanten Elementen. Trotz der barocken Überformung haben sich wertvolle manuelinische Elemente erhalten: Besonders hervorzuheben ist das Baptisterium (Taufbecken-Bereich) mit seiner nervurierten Gewölbedecke (abóbada nervurada), die typische manuelinische Rippen und Verzierungen zeigt. Weitere manuelinische Details finden sich in einem Bogenrahmen (zum Beispiel beim ehemaligen Altar do Corpo Santo, heute Imaculada Conceição, mit einer gemalten Karavelle) und in der feinen Moldur um den Schrank der Heiligen Öle, der mit der Kreuz der Christusorden gekrönt ist.
Das absolute Highlight sind die quinhentistischen Tafelbilder (Pinturas quinhentistas, aus der Mitte des 16. Jahrhunderts), ein Políptico aus sechs Ölgemälden auf Holz, das zu den wichtigsten Renaissance-Malereien der Azoren zählt. Diese Tafeln, zugeschrieben dem anonymen „Mestre de Arruda dos Vinhos“ (Schule des Diogo de Contreiras), thematisieren den Zyklus der Heiligen Kreuz (Invocação der Kirche) und Christi Leben: Darstellungen wie die Auffindung der Kreuzes durch die Kaiserin Helena, der Imperator Heráclio mit der Exaltation der Kreuz, der Pentecostes sowie Szenen wie der Kalvarienberg. Sie integrieren sich in den prächtigen barocken Retabel (Altarschrein) aus vergoldeter Schnitzerei in der Capela-mor. Nach Restaurierungen wurde der zentrale Kalvarienberg wieder in die Mitte platziert.
Die Igreja de São Mateus in Praia besitzt eine der schönsten Pfeifenorgeln der Azoren (aus 1793). In Guadalupe steht die gleichnamige Kirche aus dem 17. Jahrhundert. Auf dem Monte de Nossa Senhora da Ajuda gruppieren sich Ermidas (unter anderem Nossa Senhora da Ajuda als Beispiel fortifizierter religiöser Architektur gegen Piratenangriffe). Es gibt keine großen Konvente, aber kleinere Klosterstrukturen oder ehemalige Einsiedeleien. Die Architektur verbindet portugiesische Traditionen mit lokalen Anpassungen: Weiße Fassaden kontrastieren mit schwarzem Basalt, oft mit vulkanischem Trachyt („Ilha Branca“). Das Erbe ist als UNESCO-Biosphärenreservat geschützt und umfasst auch Festungenreste und Leuchttürme wie den Farol da Ponta da Barca.
Die Ermida de Nossa Senhora da Ajuda liegt auf dem Monte da Nossa Senhora da Ajuda, einem kleinen Vulkankegel (129 m). Sie stammt aus dem späten 15. oder frühen 16. Jahrhundert und ist ein seltenes Beispiel fortifizierter religiöser Architektur auf den Azoren – mit robustem, burgähnlichem Äußeren zum Schutz vor Piratenangriffen. Das weiß verputzte Gebäude mit Basalt-Elementen zeigt gotisch-manuelinische Züge. Im Inneren befinden sich Azulejos aus dem 18. Jahrhundert, eine barocke Marienstatue und eine verzierte Taufbecken. Zusammen mit den benachbarten Ermidas de São João und São Salvador bildet sie ein geschütztes Ensemble, das als beliebter Aussichtspunkt dient. Jährlich endet hier eine Prozession als Dank für den Schutz vor Erdbeben.
Die Ermida de Nossa Senhora da Guia befindet sich in der Gemeinde São Mateus (Vila da Praia) direkt am Hafen im Süden der Insel. Erbaut 1636, ist sie eine der ältesten Ermidas der Graciosa und spiegelt die maritime Frömmigkeit wider: Nossa Senhora da Guia wird als Schutzpatronin der Seefahrer und Fischer verehrt. Das schlichte, elegante Gebäude mit einer Schiffsnavigationslaterne hat eine barocke Fassade und ein bemaltes Holzdeckengewölbe mit Szenen aus dem Leben Marias. Nebenan steht ein Império do Espírito Santo, was den festlichen Charakter unterstreicht.
Bildende Kunst
Die bildende Kunst (Artes Plásticas) auf Graciosa ist eng mit dem Museu da Graciosa verbunden. Dieses beherbergt eine Sammlung von Gemälden lokaler und azoreanischer Künstler, die in temporären Ausstellungen gezeigt werden: Themen reichen von Landschaften und Porträts über Alltagsszenen bis zu satirischen oder humorvollen Darstellungen.
Das typische Bordado Graciosense (weiße Stickerei mit Richelieu- und Vollnähten) wird von der Associação dos Artesãos da Ilha Graciosa gepflegt, die Techniken bewahrt und lehrt. Andere Formen sind Volkskunst wie Keramik, Weberei oder Schnitzereien, oft mit maritimen oder ländlichen Motiven. Zeitgenössische Künstler aus Graciosa wirken eher regional oder international, aber lokale Ausstellungen fördern Malerei und Skulptur. Die bildende Kunst spiegelt die ruhige, naturnahe Identität wider – oft Landschaften, Traditionen und das Inselleben – und trägt zur kulturellen Dynamik bei, ergänzt durch Veranstaltungen wie Festivals.
Literatur
Graciosa hat keine umfangreichere eigene literarische Produktion hervorgebracht, die sich von der der anderen Azoren-Inseln abhebt, doch sie wird in der regionalen Literatur häufig erwähnt und inspiriert Autoren durch ihre ruhige, weiße Landschaft – daher der Beiname „Ilha Branca“ (Weiße Insel) – und ihre vulkanischen Besonderheiten.
Einige Autoren mit direkter Verbindung zu Graciosa sind bekannt: Die Dichterin Helena Graça Rodrigues stammt von der Insel und wird in Anthologien açorianischer Frauenpoesie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts genannt. Ihre Werke spiegeln die lokale Sensibilität wider, auch wenn vieles verloren gegangen ist. Graciosa erscheint zudem in Reiseberichten und Prosawerken, etwa bei Raul Brandão in „As Ilhas Desconhecidas“ (1926), wo die Insel als Teil der faszinierenden açorianischen Welt beschrieben wird. Auch Vitorino Nemésio, einer der bedeutendsten açorianischen Autoren, bezieht sich indirekt auf das Archipel, obwohl Graciosa in seinem Roman „Mau Tempo no Canal“ nicht zentral steht. Moderne Autoren wie Valter Hugo Mãe haben Graciosa als „Paradies auf Erden“ gelobt, was ihre poetische Anziehungskraft unterstreicht.
Theater
Die Insel verfügt über das Centro Cultural da Ilha Graciosa in Santa Cruz, ein multifunktionales Zentrum, das seit 1996 Theateraufführungen, Konzerte und kulturelle Veranstaltungen beherbergt. Es dient als Bühne für lokale Amateurgruppen, philharmonische Gesellschaften und gelegentliche Gastspiele aus anderen Inseln. Traditionelle Volkstheaterformen, wie sie in den Azoren durch Feste und religiöse Darbietungen gepflegt werden, existieren auch hier, doch es gibt keine professionelle Theatertradition oder berühmte Bühnenautoren aus Graciosa. Größere Theaterhäuser finden sich auf Inseln wie Faial (Teatro Faialense) oder Terceira (Teatro Angrense).
Film
Es sind keine bedeutenden Spielfilme bekannt, die speziell auf oder über Graciosa gedreht wurden. Die Insel dient gelegentlich als Kulisse für Dokumentationen über die azoreanische Natur oder wird in kurzen Filmen über das Archipel erwähnt. Größere Produktionen konzentrieren sich auf bekanntere Inseln wie São Miguel oder Pico.
Musik und Tanz
Ein zentrales Element der traditionellen Musik ist die viola da terra, ein typisch açorianisches Saiteninstrument mit 12 oder 15 Saiten, auch „viola de dois corações“ genannt aufgrund ihrer charakteristischen Schalllöcher. Sie begleitet Cantigas ao desafio (improvisierte Gesangsduelle), desgarradas (spontane Gesänge) und festliche Lieder, die oft von Isolation, Emigration, Liebe oder der Schönheit der Inseln handeln. Auf Graciosa wird sie in familiären Zusammenkünften, bei Hochzeiten oder religiösen Feiern gespielt und symbolisiert den Status des Spielers in der Gemeinschaft. Andere Instrumente wie Gitarre, Bandolim oder Percussion ergänzen das Ensemble in den sogenannten Foliões-Gruppen, die bei Prozessionen auftreten.
Besonders hervorzuheben sind die Filarmónicas (Blasorchester), die auf Graciosa außergewöhnlich stark vertreten sind. Die Insel verfügt über vier Bands, von denen zwei centenário sind – ein Rekord im Verhältnis zur Bevölkerung im gesamten Archipel. Dazu gehören die Filarmónica Recreio dos Artistas (gegründet 1913 in Santa Cruz), die Filarmónica União Praiense (1889), die Filarmónica União Popular Luzense (1938 in der Luz) und die Filarmónica União Progresso (1963 in Guadalupe). Diese Orchester spielen nicht nur Märsche und Konzertstücke, sondern animieren Prozessionen, Feste und Bälle mit lebhafter Musik. Sie unterhalten eigene Musikschulen, die junge Musiker ausbilden und so die Tradition generationenübergreifend sichern.
Der Tanz ist eng mit der Musik verknüpft und wird vor allem bei populären Festen gepflegt. Die Chamarrita, eine der ältesten und typischsten açorianischen Tänze, ist auch auf Graciosa beliebt: Ein Kreis- oder Reihentanz mit Paarwechseln, der spontan in Festen entsteht und von Viola oder Filarmónica begleitet wird. Weitere Formen wie der Pezinho (ein lebhafter Schritt-Tanz) oder lokale Varianten von Balhos und Sapateias treten bei Folklore-Aufführungen auf. Gruppen wie der Grupo Folclórico da Casa do Povo de Guadalupe oder der Grupo Folclórico da Casa do Povo de Praia preservieren und präsentieren diese Tänze in traditionellen Kostümen, oft mit Cantares (Volksgesängen).
Die Festas do Senhor Santo Cristo dos Milagres im August verbinden Religiöses mit Profanem – Prozessionen, Filarmónica-Konzerte, Folklore-Auftritte und volkstümliche Animation ziehen Einwohner und Emigranten an. Ähnlich die Festas do Espírito Santo (Mai bis September), bei denen Foliões und Tänze die Bodos (gemeinsame Mahlzeiten) begleiten. Der Carnaval auf Graciosa ist einer der traditionellsten der Azoren: Innenräume wie Clubs oder Casas do Povo werden zu Ballssälen, mit dem „Baile Mandado“ (kommandierter Tanz) und dem „Baile do Chocolate“ (bei dem Herren Damen Schokolade schenken). Hier mischen sich Musik, Tanz und soziale Rituale in fröhlicher, gemeindenaher Atmosphäre.
Kleidung
Im täglichen Leben tragen die Inselbewohner überwiegend moderne, praktische Kleidung, die sich kaum von der auf dem portugiesischen Festland unterscheidet. Aufgrund häufiger Wetterwechsel mit Wind, hoher Luftfeuchtigkeit und gelegentlichem Regen sind bequeme, wetterfeste Kleidungsstücke wie Jacken, Pullover und festes Schuhwerk besonders wichtig. In den Sommermonaten wird leichte Kleidung getragen, jedoch ist auch dann ein zusätzlicher Wärmeschutz für kühlere Abende üblich. In der Arbeitskleidung spiegeln sich die traditionellen Wirtschaftszweige der Insel wider. In der Landwirtschaft und Viehzucht werden robuste, funktionale Kleidungsstücke und Gummistiefel getragen, die für körperliche Arbeit im Freien geeignet sind. Fischer und Handwerker nutzen ebenfalls zweckmäßige Kleidung, die Schutz vor Nässe und Abnutzung bietet.
Die traditionelle Tracht von Graciosa ist Teil der allgemeinen Trachtenkultur der Azoren und wird heute vor allem bei Volksfesten, religiösen Prozessionen und kulturellen Veranstaltungen getragen. Frauen trugen früher lange Röcke, weiße oder helle Blusen und Schürzen, oft ergänzt durch Tücher oder Umhänge zum Schutz vor Wind und Kälte. Typisch waren gedeckte Farben und einfache Stoffe, die im Alltag selbst hergestellt wurden. Männer kleideten sich traditionell in dunkle Hosen, Hemden, Westen und Jacken, dazu einfache Hüte oder Kappen.
Besonders bekannt auf den Azoren – auch wenn sie nicht ausschließlich aus Graciosa stammt – ist die Capote e Capelo, ein weiter Umhang mit großer Kapuze, der Frauen früher vor Regen und Blicken schützte. Dieses Kleidungsstück symbolisiert bis heute die traditionelle azoreanische Kleidung und wird bei folkloristischen Darstellungen gezeigt.
Kulinarik und Gastronomie
Die Küche ist bodenständig, herzhaft und geprägt von regionalen Zutaten, die überwiegend aus eigener Produktion oder aus dem umliegenden Meer stammen. Eine besondere Bedeutung haben Viehzuchtproduktme. Hochwertiges Rindfleisch wird häufig gegrillt oder geschmort serviert und ist Bestandteil vieler traditioneller Gerichte. Auch Milchprodukte sind von großer Qualität, insbesondere Butter und Käse, die sowohl im Alltag als auch bei festlichen Anlässen verzehrt werden. Der azoranische Käse ist überregional bekannt und wird auf Graciosa meist in eher milden Varianten hergestellt.
Aus dem Meer stammen frischer Fisch und Meeresfrüchte, die regelmäßig auf den Tisch kommen. Thunfisch, Makrele, Zackenbarsch, Tintenfisch und Muscheln werden gegrillt, gekocht oder in Eintöpfen zubereitet. Typisch sind einfache Zubereitungsarten mit Knoblauch, Zwiebeln, Olivenöl und lokalen Kräutern, die den Eigengeschmack der Produkte betonen. Fischsuppen und -eintöpfe sind besonders beliebt und gelten als traditionelle Alltagsgerichte.
Ein kulinarisches Alleinstellungsmerkmal von Graciosa ist das Caldeira-Stew (auch als Cozido da Caldeira bekannt). Dieses Gericht wird mithilfe der vulkanischen Erdwärme in der Caldeira de Graciosa gegart. Fleisch, Würste, Gemüse und Kartoffeln werden in Töpfen langsam im warmen Boden gekocht, ähnlich dem berühmteren Cozido das Furnas auf São Miguel. Dieses Verfahren verbindet Gastronomie und Geologie auf einzigartige Weise und ist ein Symbol der Inselküche. Kartoffeln, Mais, Bohnen, Kohl und Süßkartoffeln sind weitere wichtige Grundnahrungsmittel. Traditionelle Maisgerichte wie milho cozido oder Maisbrot begleiten viele Mahlzeiten. Brot wird auf Graciosa nach wie vor hoch geschätzt und spielt eine zentrale Rolle in der Alltagsküche.
Zu den Süßspeisen gehören einfache, aber geschmackvolle Desserts, die oft auf Eiern, Milch und Zucker basieren. Beliebt sind Puddings, Milchreis, Kuchen sowie massa sovada, ein leicht süßliches Hefegebäck, das vor allem zu Festtagen gereicht wird. Honig und regionale Früchte ergänzen die Nachspeisen.
Die Gastronomie auf Graciosa ist überschaubar, aber authentisch. In Santa Cruz da Graciosa und den kleineren Ortschaften gibt es Restaurants, Tavernen und Cafés, die traditionelle azoreanische Küche anbieten. Die Atmosphäre ist familiär, die Portionen großzügig und die Preise im Vergleich zu touristisch stärker frequentierten Inseln moderat. Viele Lokale verwenden Produkte aus eigener Herstellung oder aus der unmittelbaren Umgebung.
Wein und andere Getränke runden die kulinarische Kultur ab. Zwar ist Graciosa weniger für Wein bekannt als andere Azoreninseln, doch werden lokale Weine und hausgemachte Liköre geschätzt. Kaffee und Tee haben ebenfalls einen festen Platz im Alltag, besonders in den zahlreichen kleinen Cafés, die als soziale Treffpunkte dienen.
Festkultur
In Graciosa gelten die portugiesischen Feiertage. Kommunaler Feiertag ist der sechste Montag nach Ostern.
- 1. Januar - Ano-Novo (Neujahr)
- Februar - Entrudo (Faschingsdienstag)
- Ende März / Anfang April - Sexta-feira Santa (Karfreitag)
- Ende März / Anfang April - Páschoa (Ostern)
- 10. April - Dia da Autonomia (Tag der Autonomie von 1976)
- 25. April - Dia da Liberdade (Tag der Freiheit bei der Nelkenrevolution 1974)
- 1. Mai - Dia do Trabalhador (Tag der Arbeit)
- Ende Mai / Anfang Juni - Espirito-Santo (Pfingsten)
- Anfang Juni - Corpo Deus (Fronleichnam)
- 10. Juni - Camões (Tag des Nationaldichters Camoes)
- 15. August - Assunção (Mariä Himmelfahrt)
- 5. Oktober - Implantaçäo da Republica (Gründung der Republik 1910)
- 1. November - Todos os Santos (Allerheiligen)
- 1. Dezember - Restauração (Tag der Unabhängigkeit von Spanien)
- 8. Dezember - Imaculada Conceição (Maria Empfängnis)
- 25. Dezember - Dia de Natal (Weihnachten)
Der Carnaval (Karneval) auf Graciosa ist ein farbenfrohes, traditionelles Volksfest, das wie auf den anderen Inseln der Azoren in den Wochen vor der Fastenzeit gefeiert wird. Er verbindet Musik, Tanz, Kostümkunst und Gemeinschaftsgeist und stellt eine der wichtigsten kulturellen Veranstaltungen der kleinen Insel dar. Zu den Veranstaltungen gehören lokale Umzüge, bei denen Dorfbewohner in fantasievollen Kostümen und Masken durch die Straßen ziehen. Gruppen aus den verschiedenen Ortschaften, darunter Santa Cruz, São Mateus, Guadalupe und Luz, treten auf und stellen oft humorvolle oder satirische Szenen dar, die gesellschaftliche oder politische Themen aufgreifen. Die Kostüme sind meist selbst hergestellt und spiegeln die kreative Tradition der Inselbewohner wider.
Begleitet werden die Umzüge von lokalen Musikgruppen, Blasorchestern und Trommlern, die für eine lebhafte und festliche Atmosphäre sorgen. Traditionelle Tänze und moderne Elemente werden kombiniert, sodass die Feierlichkeiten sowohl unterhaltsam als auch mitreißend sind. Musik, Tanz und Gesang ziehen die gesamte Dorfgemeinschaft in das Fest ein und fördern den Zusammenhalt der Bevölkerung.
Medien
Wichtige Informationsquellen sind lokale Radiostationen, Nachrichtenportale und Printmedien, die über Ereignisse auf der Insel und in der Zentralgruppe der Azoren berichten. Radiosender wie Rádio Graciosa spielen eine zentrale Rolle, da sie tagesaktuelle Nachrichten, Wetterinformationen, Veranstaltungsankündigungen und kulturelle Beiträge für die Einwohner bereitstellen.
Printmedien sind auf lokale Zeitungen oder Wochenblätter beschränkt, die über kommunale Entscheidungen, Sportereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen informieren. Für umfassendere Nachrichten oder internationale Berichterstattung greifen viele Einwohner auf digitale Medien, regionale Portale der Azoren oder nationale portugiesische Medien zurück.
Die Medienlandschaft auf Graciosa ist somit stark gemeinschaftsbezogen. Sie dient der Information, Unterhaltung und sozialen Vernetzung der Inselbewohner und unterstützt die Pflege der lokalen Kultur und Traditionen. Gleichzeitig fungiert sie als Verbindung zu den übrigen Azoreninseln und zum portugiesischen Festland, da digitale Angebote und regionale Plattformen den Zugang zu überregionalen Nachrichten ermöglichen.
Kommunikation
Graciosa hat die Postleitzahl 9880-352 und die Telefonvorwahl 0(0351)292.
Sport
Der Sport auf Graciosa ist eng mit dem gemeinschaftlichen und amateurhaften Charakter der Insel verbunden. Aufgrund der geringen Bevölkerungszahl stehen Breitensport und lokale Vereinsaktivitäten im Vordergrund, während Profisport kaum eine Rolle spielt. Besonders beliebt sind Fußball, Volleyball, Basketball und Leichtathletik, die überwiegend über lokale Sportvereine organisiert werden.
Der Futebol Clube da Graciosa ist einer der zentralen Vereine der Insel und bietet regelmäßige Trainingseinheiten, Jugendförderung und Teilnahme an regionalen Turnieren auf der Zentralgruppe der Azoren. Fußballspiele dienen dabei nicht nur sportlichen Zwecken, sondern auch als soziale Treffpunkte, bei denen die Dorfgemeinschaft zusammenkommt.
Neben Mannschaftssportarten spielen auf Graciosa auch individuelle und naturnahe Sportarten eine Rolle. Aufgrund der offenen Landschaft, der sanften Hügel und der Küstenregionen ist die Insel ideal für Wandern, Radfahren, Jogging und Wassersport wie Schwimmen, Tauchen oder Surfen in geeigneten Buchten. Die Küstenregionen und Naturpools bieten sichere Orte für Schwimm- und Schnorchelausflüge, während Wanderwege durch die Caldeira da Graciosa und die ländlichen Ebenen ein beliebtes Ziel für Naturliebhaber sind.
Auch traditionelle Sportformen und Feste mit sportlichen Wettbewerben werden gepflegt, etwa Laufwettbewerbe, lokale Turniere und Schießveranstaltungen, die oft im Rahmen von Dorffesten oder religiösen Feierlichkeiten stattfinden.
Fußball
Graciosa gilt als die Azoren-Insel mit den meisten Fußballplätzen pro Quadratmeter – es gibt etwa fünf Felder auf der nur 61 km² großen Insel. Der Sport wird hier vor allem auf Amateurebene betrieben und dient der Förderung von Zusammenhalt, Tradition und Jugendförderung. Die Fußballvereine und Wettbewerbe auf Graciosa fallen unter die Associação de Futebol de Angra do Heroísmo (AFAH), die für die Inseln Terceira, São Jorge und Graciosa zuständig ist. Es gibt einen eigenen Campeonato Graciosa (Inselmeisterschaft) sowie die Taça Ilha Graciosa. Die besten Teams können sich für den Campeonato de Futebol dos Açores qualifizieren, eine regionale Liga der Azoren. Die wichtigsten Vereine sind:
- Graciosa Futebol Clube (aus Santa Cruz da Graciosa, Farben gelb-rot; mehrmaliger Inselmeister, zuletzt 2023/24)
- Sport Clube Marítimo Graciosa (gegründet 1957, oft einfach Marítimo Graciosa genannt)
- Sporting Clube Guadalupe (aus Guadalupe; hat bereits den AFAH-Titel gewonnen und in höheren Ligen gespielt)
Die Spiele finden auf Plätzen wie dem Complexo Desportivo da Ilha Graciosa in Santa Cruz oder dem Campo Municipal da Luz statt. Der Fußball ist eng mit dem Alltag verknüpft: Lokale Derbys ziehen viele Zuschauer an, und der Sport stärkt die Inselidentität in der isolierten Atlantiklage.
Persönlichkeiten
Von deer Insel Graciosa stammen unter anderem folgende Persönlichkeiten:
- Manuel Augusto de Souza (1835 bis 1904), Jurist und Politiker
- José António de Sousa (1870 bis 1940), Lehrer und Schriftsteller
- António Vieira (1912 bis 1988), Priester und Theologe
- João Pereira (1930 bis 2002), Landwirt und Lokalpolitiker
- Bárbara de Medeiros Chaves (geboren 1975), Politikerin, Präsidentin der Câmara Municipal de Santa Cruz da Graciosa (seit 2021)
Fremdenverkehr
Die Insel Graciosa ist ein Reiseziel für ruhigen, natur- und kulturorientierten Fremdenverkehr und unterscheidet sich deutlich von den stärker besuchten Inseln des Archipels. Der Tourismus spielt eine wichtige, aber bewusst begrenzte Rolle in der Inselwirtschaft und ist auf Nachhaltigkeit, Authentizität und Erholung ausgerichtet. Graciosa wird häufig als „Ilha Branca“ bezeichnet, was auf ihre hellen Landschaften, die traditionellen Windmühlen und die ruhige Atmosphäre verweist. Besucher kommen vor allem wegen der vulkanischen Landschaften, der Caldeira da Graciosa, der Furna do Enxofre, der Küsten, Naturschwimmbecken sowie der Thermalquellen von Carapacho, die einen besonderen Anziehungspunkt für Erholungs- und Gesundheitstourismus darstellen.
Die Unterbringungsmöglichkeiten auf Graciosa sind überschaubar und kleinstrukturiert. Große Hotelanlagen oder Ferienresorts existieren nicht. Stattdessen dominieren kleine Hotels, Pensionen, Gästehäuser und private Ferienunterkünfte, die sich vor allem in und um Santa Cruz da Graciosa sowie in den ländlichen Freguesias der Insel befinden. Einen großen Anteil machen Ferienwohnungen und -häuser (Alojamento Local) aus, die oft in traditionellen Gebäuden untergebracht sind und den Gästen einen direkten Einblick in das Inselleben ermöglichen. Ergänzt wird das Angebot durch ländlichen Tourismus (Turismo Rural), bei dem renovierte Bauernhäuser oder historische Gebäude als Unterkünfte genutzt werden, häufig in ruhiger Lage und in unmittelbarer Nähe zur Natur.
Der Fremdenverkehr auf Graciosa ist stark saisonal, mit einem Schwerpunkt in den Sommermonaten, und richtet sich vor allem an Reisende, die Ruhe, Naturerlebnisse, Wandern, Baden und kulturelle Authentizität suchen. Viele Unterkünfte werden familiengeführt, was den persönlichen Kontakt zwischen Gästen und Einheimischen fördert und die besondere Gastfreundschaft der Insel erlebbar macht. Insgesamt bietet Graciosa damit einen sanften Insel- und Erholungstourismus, bei dem Qualität, Nachhaltigkeit und Landschaftserlebnis im Vordergrund stehen und der die natürliche und kulturelle Identität der Insel bewahrt.
Literatur
- wikipedia = https://pt.wikipedia.org/wiki/Categoria:Ilha_da_Graciosa
- wikivoyage = https://de.wikivoyage.org/wiki/Graciosa_(Azoren)
Reiseberichte
- Ilha Graciosa - die "Liebliche" der Azoren = https://www.lagraciosa.de/portugal/azoren/graciosa
- Azoren-Forum: Wandern auf Graciosa = https://forum.azoren-online.com/forum.azoren-online.com/viewtopic.php?t=97
Videos
- Graciosa via drone = https://www.youtube.com/watch?v=R9hqqmgiVUg
- Azoren: Insel Graciosa - die Anmutige = https://www.youtube.com/watch?v=BJge5lc1ijQ
- Azoren: Ilha Graciosa Sehenswürdiugkeiten = https://www.youtube.com/watch?v=4UJ3XmVEIzY
Atlas
- Graciosa, openstreetmap = https://www.openstreetmap.org/#map=13/39.05292/-28.04003
- Graciosa, mapcarta = https://satellites.pro/Google/Praia_da_Graciosa_map
Reiseangebote
Visit Portugal; Graciosa = https://www.visitportugal.com/de/destinos/acores/195382
Graciosa, die unbekannte Azoreninsel = https://www.erlebe.de/azoren/reise-baustein/graciosa/
Forum
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